Abendausgabe Nr. 437 41. Jahrgang Ausgabe L Nr. 214 Nezuz»b«dingungin und«nzeigenprrise sind in dir Morgenausgabi angegiben Nedaktion: STD. 08. Cindcnffcobe 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 295 Te>..2töreffe:S»zwIve»>«rra» Berlin Devlinev Volksblatt Zentralorgan der SozialdemokratCfchen parte» Deutfcblands 5 Holöpfennig 50 Milliarden Dienstag Ib. September 1424 Verlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 3—5 Uhr DerlegcriZZorwürks-Verlag GmbH. Berlin SW. 88, Lindenstrabe 3 Zernsprecher: Dönhoff 2500.259? Der Kall Stresemann-Parmoor. Stresemanns Entgegnung. Die Reichsregierung läßt folgendes sogenannte„De- menti" verbreiten: Wir wissen nicht, ob die Zleuherungen Lord Parmoors tatsächlich gefallen lind vom Soziaidemokratischei Parlamentsdienst richtig wiedergegeben sind. Tatsächlich hat aber Lord Parmoor anläßlich der Anwesenheit des Reichskanzlers, des Außenministers und des Finanzministers Dr. Luther in Haute y am 10. August mit keinem der deutschen Delegierten über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Volkerbu-.rd gesprochen. Was soll die Erklärung?„In Henley am 10. August" f»at Lord Parmoor mit keinem der deutschen Delegierten ge- prochen? Auch nicht Prof. Mrrray? Auch nicht etwa andere anwesende Personen? Wie kommt es, daß Parmoor aus- drücklich versichert, e r s e l b st habe mit Stresemann eine„ent- sprechende Unterredung" gehabt? Ist das schon wieder nur ein„Mißverständnis" oder eine neue Dementierkatastrophe? parmoors neue Einlaüung. Die Reichsregierung soll antworten! Zu den heut« veröfsentlichten Aeußerungen Lord' Parmoors über die Frage des Eintritts Deutschlands in, den Völkerbund be- merkt die»Frankfurter Zeitung": »Diese Erklärungen des Führers der englischen Völkerbundsdele- gation sind, lvenn sie richtig wiedergegeben wurden, von größter politischer Bedeutung. Die Frag«, ob in Lo'idon mit Herrn Stresemann über den Völkerbund gesprochen worden ist, hat einen reckst peinlichen Charakter angenommen. Wesentlich ist ferner die erste Erklärung Parmoors. Sie stellt fest, daß in der bekannten Rede Macdconalds«ine englische Ein- ladung zum Eintritt in den Völkerbund an Deutschland er- gongen ist. Sie stellt dies fest, nachdem der französische Minister- Präsident sein« Rede gehalten hat, und dieser Umstand macht nun in der Tat eine unverzügliche Stellungnahme der Reichsregierung ersorderlich. Jetzt darf Deutschland nicht mehr schweigen. Vor allem wind die Reichsregierung sich so- fort Klarheit über die Aussichten und etwaigen Voraussetzungen unseres Eintritts verschaffen � müssen. Dos hätte längst geschehen fallen. Aber es ist wohl noch nicht zu spät. Auch die Parteien, auf denen die bisherige Außenpolitik der Regierung Marx beruht, müssin sich regen. In jedem Falle aber verlangt Lord Parmoors erneute Einladung ein« alsbaldig« und rechtzeitige Antwort. Das deutsche Volk verlangt von seiner Regierung zum wenigsten, daß sie sich nicht selbst der Freiheit der Entschließung beraube." Deutschland und der Völkerbund. Graf Bernstorff über die Eintrittsbedingungen. Genf, 16. September.(WTB.) In einer von den gegenwärtig hier weilenden Mitgliedern der Völkerbundocreine einberufenen Ver- sammlung hielt der Präsident der Deutschen Liga für den Völker- bund, Graf B e r n st o r f f. einen Vortrag, in welchem er, anknüpfend an sein« Darlegungen auf dem Kongreß der Völkerbundvereine in Lyon, u. a. die Frag« des deutschen Beitritts zum Völker- bund behandelte. Er erinnerte an die beiden Bedingungen, die Deutschland stellen müsse. Eintritt als Großmacht, d. h. mit einem ständigen Ratssitz und keine nochmalige Anerkennung des Versailler Vertrages. Er wies dabei auf die Gefahr hin, daß der Völkerbund die Aufnahme Deutschlands aus Gründen der vorherigen Regelung der Militärkontrolls verschleppen könnte, nachdem Deutsch- land ein Aufnahmegesuch eingereicht hatte. Das wäre ein« Schlappe, der sich die deutsch« Regierung nicht aussetzen könnt«. Bei der Sicher- heitsfrage, die auf der Tagesordnung der Zusammenkunft stand, verwies Graf Bernstorff auf die deutsche Denkschrift zum Garantiepaktprojekt. Die Schieüsgerichtsfrage in Genf. Eine Kompromißformel gefunden. Paris, 16. September. sTU.) Gestern abend konnte in Genf nach mühseligen Verhandlungen, die den ganzen Tag hindurch angedauert haben, zwischen der französischen und englischen Delegation eine Kompromihformel in der Frage der Schiedsgerichts- barkeit und der Sicherungen erzielt werden. Das erzielt« Kompromiß ist in einem Dokument niedergelegt worden, das heute den beiden Delegationen noch einmal unterbreitet und dann von Dr. Benesch dem Unterausschuß der dritten Kommission vorgelegt werden wird. Das Dokument bezieht, sich, einer Havasmeldung zu- folg«, sowohl auf ein System der Schiedsgerichtsbarkeit für juristische Streitfälle wie auch für politische. Frankreich und England lassen einstimmig die Definition des Schiedsspruches gelten, wonach der- jenig« der Angreifer ist, der den Schiedsspruch ablehnt oder die Aus- führung eines Urteils verweigert. Was die Abrüstungskonferenz anbelangt, so hebt der Sonderberichterstatter der Havasagentur noch einmal ausdrücklich hervor, daß die Konferenz im Anschluß an die Organisierung des Schiedsspruches und der Sicherungsgarantien einberufen werden wird und ihr nicht vorangehen darf. goungs Arbeit in Paris. Bor Umstellung der Reichsbahnverwaltung. Paris. 16. September.(TU.) Heinrich Robinson ist nach der »Chicago Tribüne" gestern zum ständigen Pariser Vertreter Owen Poungs. des Generalagenten für die Reparationszahlungen, ernannt worden. Robinson wird sich insbesondere mit der Reorganisierung der Reichsbahnen und der Unterbringung der Industrie- und Eisenbahn- Obligationen befassen, heute wird Owen Poung der Reparalions- kommission einen Bericht über die in Berlin gefaßten Maßnahmen zur Ausführung des Sachverständigenberichtes unterbreiten. Morgen findet im Hotel Aftoria eine gemeinsame Sitzung sämtlicher nach dem Dawes-Gulachten eingesetzten Treuhänder und der Reparations- kommission statt. Die Besprechungen werden sich die ganze Woche hinziehen. Es soll der Versuch gemacht werden, die Beziehungen zwischen der Abteilung des Generalagenten sür die Zahlungen und den anderen Körperschaften des Sachverständigenberichtes festzulegen. Andererseits wird der Meinungsaustausch mit der Repara- kionskommission über Fragen fortgesetzt, die mit der Ausführung des Berichtes zusammenhängen. Owen Poung beabsichtigt, ungesähr zwei Wochen in Paris zu bleiben. Er ist der Ansicht, wie»Rem Jork herald" weiter meldet, daß die neue deutsche Eisenbahnorganisation be- reits nächste Woche in Kraft treten kann und kurze Zeit daraus die Eisenbahnlinien der sranko-belgischen Regie übernommen werden können. Die Vorbereitungen zu der neuen deutschen Emissionsbank werden wahrscheinlich Ansang Rooember zu Ende geführt sein, sobald die erste deutsche Anleihe In den vereinigten Staaten und den europäischen Ländern ausgebracht ist._ Oer Riefenkampf im Saargebiet. Volksparteiler Nocchling als Scharfmacher. Di« Edelstahlwerke von Roechling und der übrig« große In- dustriebetrieb di«f«.r gewaltigen Unternehmung hat seiner Arbeiter- schaft zugemutet, künftig 10 Stunden zu arbeiten und dafür sich die Löhne um 20 bis 26 P r o z. reduzieren zu lassen. Herr Roechling hat diese Entschließung in ganzseitigen Inseraten in der saarländischen Press« veröffentlicht n der Woche, �n der er aus Genf zurückkam, wo er sich angeblich bemüht«, die deutschen Interessen des Saargebietes zu vertreten. Er war auch in Bern, als die A r b e i ts m i n i st e r Deutschlands, Frankreichs. Englands und Belgiens über die Ratifiz'erung der Was hing- t o n e r Abmachungen über den Achsstundentag zur Einigung gelangten Di« deutschen Interessen des Saargebiets sucht er nun zu wahren, indem«r den 7000 Arbeitern seiner Werke Un- annehmbares zumutet und ihnen im Falle der Nichtannohme dieser Bedingungen di.- Aussperrung androht. I-de Gelegenheit benutzte bisher Herr Roechling. um als M i t- glied der Deutscher. Voltspartei seine schwarzweißrote Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Er subventioniert und pro- teg'ert alle Organisationen und Veranstaltungen, die im Geiste des deusschen Nationalismus vorbereitet werden. Nun zeigt er feine deutsche Gesinnung, indem er, einer der reichsten Män-ner nicht nur des Saarlandes, sondern auch Deutschlands und Frankreichs, 7000 Arbeitern erschöpfend« Leistungen unter Niederdriickung der Lebens- Haltung zumutet. Die Arbeiterschaft war einig in der Zurückweisung dieser unerhörten Zumutungen, es war ihren Organisationen ge- lungen, Arbeit für die meisten der mit Aussperrung Bedrohten in nahe Aussicht zu bekompren. Nun bemüht sich Herr Roechling als «in besonderer Klassenkämpfer des Kapitalismus, überall Streik- breche? anzuwerben und auch die christlichen Arbeiterorgani- sationen des Saargebiets an sich zu locken, damit sie ihren Brüdern in den Rücken fallen. Wir hoffen, daß ihm auch dies nicht gelingen wird. Der öürgerkrieg in China. London, 16. September.(Eca.) Den„Times" wird aus Peking gemeldet: Seit Marschall T s ch a n g- T s o l i n, Diktator von Mukden in den Kampf eingegriffen hat und Truppenbewegungen aus fast' allen Teilen Chinas gemeldet werden, nimmt Nordchina von Tag zu Tag immer mehr das Aussehen eines Landesim Kriegs- z u st a n d« an. Tschang-Tsolins Truppen sind bereits in P e t s h i l i eingerückt und haben die Stadt T s ch a n g- F u eingenommen. Gleich- zeitig stellen sie eine Operationsbasis in Tschang-Tschang an der Eisen- bahnlinie Mukden-Peking her. Andererseits haben die Truppen der Regierung sich nach Tschang-Hul in der Nähe von Schanghai begeben. Weitere Truppen stehen in der Nähe der mandschurisch«» Grenze und etwa 170 Kilometer von Schitschi-Schang enssernt. Obwohl keine offi- ziclle Kriegserklärung von beiden Seilen abgegeben worden ist, ist «s offensichtlich, daß die Armee von Peking sich daran macht, den Angriff Tschang-Tschins abzuwehrca. Weiter liegen aus Schanghai noch Nachrichten vor, denen zu- folge während des ganzen Tages ungesähr 20 Kilometer von Schanghai bei Hanglu lebhafte Kämpfe stattgefunden haben, die ftdoch kein endgültiges Ergebnis zeitigten. Der Kommandant der Streit- träfte von Kiautfchou sei entschlossen, sich de? Stadt Schanghai zu be- mächtigen, bevor Tschang-Tsolin nach Süden vorrücken könne. In Schanghai seien 1200 Verwundete eingetroffen. Aus Tientfin läuft weiter die Nachricht ein, daß die Truppen Wu-Pcy-Fus weiter von Tuo-Tiang-He nach Schanghai vorrücken. Sie feien gut mit Ma- terial und Flugzeugen ausgerüstet und führen auch Gasmasken mit sich. Die Eisenbahn in der Nähe der„Großen Mauer" in der Mandschurei ist unterbrochen worden. Der„Daily Expreß" meidet aus Schanghai, daß Tschan g-Tfolin die Stadt Tschao-Fu besetzt habe. Aus Wcsshington wird gemeldet, daß die Regierung der Der- einigten Staat-:» eine günstige Gelegenheit abwartet, um China ihre V ermittel vng anzubieten. Mängel öer Wahlkreisreform. Nicht Einmann-, aber Keinmann-Kreise! Von R. H a u f ch i l d t. Fast alle Artikel, die seither der neuen Wahlkreisvorlage der Reichsregierung gewidmet wurden, waren auf Töne hohen Lobes abgestimmt. Die Regierung hatte erklärt, sie wolle mit ihrer Vorlage„der Persönlichkeit bei den Wahlen zum Reichsparlament wieder mehr Geltung ver- schaffen". Mit Wonne wurde diese Wendung aufgegriffen und nach allen Seiten variiert, wobei es an Ausfällen gegen den heutigen Parlamentarismus nicht zu fehlen pflegte. Mail gebürdete sich, als habe die Reichsregierung in der Einrichtung der kleineren Wahlkreise, die das Kernstück der Re- form bilden, das Allheilmittel zur Schaffung eines„Parla- ments der Persönlichkeiten" gefunden. Noch sind diese Ge- dankengänge voller Uebertreibung. Können kleine Wahl- kreise in der Tat der gegebene Weg sein, ein Par- lament mit möglichst viel erlauchten Gesichtern zu füllen, welches Musterparlament müßte dann der alte preußische Dreiklassenlandtag gewesen sein, dessen Vertreter in zahllosen, äußerst kleinen Einzelkreisen gewählt wurden. In Wahrheit waren aber Geistlosigkeit und Ärbeitsunlust im wilhelminischen Preußenparlament Trumpf. Um über den Wert des neuen Wahlkreisgesetzcs ein Ur- teil fällen zu können, muß man sich seine praktische Wirkung an der Hand von Beispielen vergegenwärtigen, die sich auf der Grundlage der Reichstagswahlen vom 4. Mai bei einiger Mühe recht anschaulich gestalten lassen. Tut man das, dann fällt freilich fast alles, was die Regierung ihrer Vorlage an vortrefflichen Eigenschaften andichtet, in sich zusammen. Die Regierung sagt: „Aufgabe der Reform muß es fein, der Einerwohl im Rohmen der Verhältniswahl möglichst nahezukommen." Wie dieses annähernde Zurück zur Einerwahl in der Praxis aussieht, lehrt ein Blick auf die Gestaltung der Dinge im W a h l k re i s v e r b a n d Berlin. Er soll in zehn Wahlkreise zerfallen, die nach dem Wählerstande der Parteien vom 4. Mai bei Zugrundelegung einer Teilungszahl von 75 000 Stimmen je Mandat 23 Abgeordnete ins Reichsparia- ment zu entsenden gehabt hätten, beim Verbleiben von er- klecklichen Reststimmenzahlen, die auf die verschiedenen Reichs- listen gewandert wären. Von den 23 Berliner Abgeordneten- sitzen hätten erhalten: SPD. 5, Zentrum 1, Volkspartei 2, Deutschnationale 6, Demokraten 2, KPD. 4, Bauern- bzw. Wirtschaftspartei 1, Deutschsoziale 1, Völkische 1. Die Vertei- lung der Mandate auf die einzelnen Wahlkreise gemäß den Höchststimmenzahlen der Parteien Hütte folgendes wunder- same Bild ergeben: (Die fettgedruckten Dahlen> die Reihenfolge, wie die Mandate an die einzelnen Parteien gemäß den Usw. aeben die Mandatsinhaber an. die kleinen 1.■ Mandate an die ei Höchstzahlen zufallen.) Es ergibt sich, daß das System der kleineren Wahlkreise in Verbindung mit der Verhältniswahl der Einerwahl recht fernbleibt, von Annäherung kann gar keine Rede sein. Von den zehn Kreisen erhalten vier je 2 Sitze, zwei je 3 Sitze, einer 4 Sitze, einer sogar 5 Sitze, ein Einerkreis ist nicht vorhanden, aber zwei Kreise, 1 und VIII, erhalten überhaupt kein Mandat. 5)at man derartiges je er- lebt? Gab es im alten Staate Wahlkreise, die überhaupt keine Vertretung im Reichstag hatten? Dies Unikum gibt es auch nicht bei dem augenblicklichen System der großen Wahlkreise. Man wende nicht ein, es bandle sich um eine Einzelerschei- nung, um eine„Berliner Spezialität". Mit Nichten! Im Wahlkreisverband Hessen(10 Wahlkreise) füllt der Wahlkreis Worms völlig aus, und im Wahlkreisverband Riedersachsen (12 Wahlkreise) der Wahlkreis Aurich, mehr als einen ganzen Regierungsbezirk umfassend. Aehnlich liegt es in fast jedem Wahlkreisverbande. Freilich gibt es auch Verbände, in denen jeder Wohlkreis zum Zuge kommt, so im Wahlkreisver- band Brandenburg, in dem es nach dem Stande vom 4. Mai bei 75 000 Stimmen auf ein Mandat so aussehen würde: Mit nur 13 Abgeordneten(SPD. 3, Volkspartei 1, Deutschnationale 7, KPD. und Völkische je 1) ist Branden- bürg einer der kleinsten Wahlkreisverbände, in welchem wir die seltsame Erscheinung finden, daß eine Partei in jedem Wahlkreise zu einem Mandat kommt. Diese Glücklichen sind hier die Deutschnationalen. Bon Annäherung an den Einer Preis ist aber durchaus in Brandenburg feine Rede. Nur zwei Einertreise sind vorhanden, dagegen vier Zweier- und ein Dreierfreis. Völlig unhaltbar ist die mandatshäufung in einzelnen fleinen Kreisen. Von den 23 Berliner Mandaten würden. am 4. Mai nicht weniger als neun auf Berlin III und IV entfallen sein, bei 923 000 Einwohnern, während die verbleibenden acht Berliner Kreise mit 2 870 000 Einwohnern nur 14 Sige erhalten hätten. In Niedersachsen mit 12 Wahlkreifen ergibt sich ein ähnliches Bild; dort entmit 12 Wahlkreisen ergibt sich ein ähnliches Bild; dort entfallen 12 von 25 Mandaten auf die drei Kreise Hannover: Stadt, Land Bremen und Land Braunschweig. Wozu braucht man denn Riesenwahlkreise zu zerschlagen, wenn in der Praris nichts anderes herauskommt als eine Mandatsüberfütterung einzelner Kreise, unter der das Gros der Wahlfreise leiden, einige fogar völlig vertretungslos bleiben müssen. Gegen letzteres lebel gibt es zwar die in der Regierungsvorlage ausdrücklich zugelassenen Doppelkandidatu ren, die indessen auch nur verlockend scheinen, aber feineswegs begrüßenswert sind. Gewiß fönnten zum Beispiel unsere Anhänger in Berlin I und II an erster Stelle einen gemeinsamen Kandidaten nominieren, der als gemeinsamer Abgeordneter beider Kreise sicher gewählt werden würde. Da dadurch aber eine Kandidatur entsteht, die von vornherein allen sozialdemokratischen Mitbewerbern um 25 000 Stimmen voraus ist, verschlechtern sich damit die Aussichten gar manches Einzelfandidaten, und es entsteht der Anreiz zur Schaffung weiterer Doppelkandidaturen, die dann alle natürlichen Mehr heitsverhältnisse auf den Kopf stellen. Draußen im Lande aber, wo ein Doppelmandatar Wahlkreise, die 15 bis 16. Stadt aber, wo ein Doppelmandatar Wahlkreise, die 15 bis 16. Stadtund Landkreise umfassen, zu beacfern hat, schlagen Doppelmandate dem so hochgepriesenen angeblichen Erfolg der Reformvorlage, den Abgeordneten wieder in enge Fühlung mit feinen Wählern" zu bringen, direkt ins Gesicht. Wir fönnen uns nicht vorstellen, daß es auch nur eine einzige Partei gibt, die an den Ergebnissen des Systems der einzige Partei gibt, die an den Ergebnissen des Systems der fleineren Wahlkreise Freude haben könnte. Schließlich dürfen die auf dem Boden des Frauenstimmrechts stehenden Parteien auch nicht vergessen, daß das geplante System unter allen Umständen zu einer weiteren hinausdrän= gung der Frauen aus den Parlamenten führen muß, zu denen sie sich kaum Zugang verschafft haben. Schon sind die Frauen im gegenwärtigen Reichstag auf 26, gegen 36 im vorigen, reduziert worden. Die fleinen Wahlkreise, in denen die Frau naturgemäß in Mandatenkonkurrenz des Mannes viel eher erliegt als im Großwahlkreise, werden die Zahl der Abgeordnetinnen um mindestens ein weiteres Dutzend zurückschreiben. Angesichts aller dieser teils schweren Mängel der Reformvorlage kommen wir zu dem Ergebnis, daß sie über das von dem Verhältniswahlsystem, an dem unter feinen Umständen gerüttelt werden darf, gegebene Ziel der Wahlfreisverkleinerung weit hinausschießt. Wer macht Krise? Eine Mahnung zur Wahrhaftigkeit. während die volksparteiliche Zeit" langsam von den Deutschnationalen abrückt und die Gültigkeit des Berliner Baktes bestreitet, schreibt die gleichfalls volksparteilich- offiziofe " Nationalliberale Korrespondenz" noch ganz im Stil der deutschnationalen Bresse das folgende: Die Sozialdemokratie fehnt sich nach Neuwahlen. Sie hatte bestimmt auf eine Auflösung des Reichstages bei den Berhandlungen über das Dawes- Gutachten gehofft und auch schon umfassende Borher itungen für den Wahlkampf getroffen. Aus sozialdemokratischen Prefen waren jogar Drohungen laut geworden, eine Annahme des Eisenbahngefeßes durch nur teilweise Zustimmung der Deutschnationalen zu verhindern; es sollten dann eine entsprechende Anzahl sozialdemokratischer Abgeordneter aus dem Sigungsfaal verschwinden. Das Manöver wurde Das Pferd. Von Bruno Frei. Ein Feiertag! Wie leicht ist man glücklich auf einer Insel im Adriatischen Meer, gebadet in, Sonne und Wasser. Wochen des geficherten Genuffes. Sie fühlen sich gestärkt und erholt, sie streden Ihren Körper im Wohlbehagen stählerner Stärke, Sie haben geturnt, find weit hinausgefchwommen in die glitzernde Unendlichkeit des Waffers. Der feurige istriarusche Wein pulst in Ihren Adern Die Peft brachte gute Nachrichten von zu Hause. Sie haben auch ein wenig gearbeitet, leicht und fruchtbar. Sie denten, wenn doch immer alles so schön wäre, wenn doch immer alles so spielend gelänge. Nun gehen Sie an der Seite einer schönen Frau im abendlichen Wold spazieren. Die Pinientronen rauschen hoch oben. Sie fühlen fich ais Lebensfieger; Lebensdrang und Kroftbewußtsein er füllen Sie Sie schreiten auf sicherem Grunde. Bon unfaßbarer Schönheit ist das Sterben der Sonne im Meere. Die Bant am Waldrande, unmittelbar an der Küste, läßt Ete finnend verweilen. Die Farbenglut am Firmament malt eine Schlacht zwischen Brand und löschendem Strahl. Und es ist eine grenzenlose Stelle im Angesichte dieses Dramas von Hell und Dunkel. Und schließlich siegt dennoch das Dunkel. * Sie schreiten durch die engen Gäßchen der kleinen Stadt langsom heimwärts. Berauscht, ein wenig betäubt von dem Gewicht der Schönheit und des Glücks. Sie biegen um eine Ecke. Sie sehen einen Haufen Leute aufgeregt beisammenstehen. Es ist vor einem Gasthof, in dessen Borgarten die Menge fich drängt. Die anderen, die nicht hineinkönnen, versuchen neugierig zwischen den Latten des Zaunes durchzugucken. ,, Das Bolt hier ist leicht erregt" Denten Sie ,, was tann den Arges passiert sein". Ihre Neugierde läßt Sie aber weiterforschen. Die Menge meicht vor der Autorität Ihres guten Anzugs. Schließlich stehen Sie vor einem verendenden Pferd.„ Dachte ich mir's doch, es wird nichts fein," fagen Sie berärgert. Ein Pferd, was ist schon dabei... Das sterbende Pferd aber ist häßlich. Von einer Häßlichkeit, die allen Glanz und alle Schönheit des Tages im Augenblick aus löscht, als ob sie nie gewesen wären Da liegt es mit aufgcblafenem Bauch und stößt frampfhaft zudend mit den Beinen in die Luft. Irgendetwas zwingt Gie hinzuschauen. Da eine Haffende Wunde im Unterleib, Blut und Eingeweide quellen hervor. Das Pferd muß verlegt worden sein. Das Antlig des Pferdes ist ein lautloser Schrei ohnmächtigsten Schmerzes. Die Augen brüllen den stummen Hilferuf der leidgequälten Kreatur. [ durch die deutsch nationale Taktik bei der Abstimmung verhindert. Seitdem arbeitet die Sozialdemokratie auf eine Regierungsfrise hin; mindestens ein Teil der demofratischen Bresse unterstützt sie dabei. Es ist kaum möglich, in so wenigen Sägen mehr unwahr heiten zu vereinigen. Es ist wohl richtig, daß die Sozialbemokratie diesen arbeitsunfähigen Prügel- Reichstag mit seinen 60 Kommunisten, 24 Nationalsozialisten, und 106 Deutschnationalen ehestens los zu werden wünscht, alles andere aber ist bewußte Irreführung der Leser. Indem die Volfspartei den Deutschnationalen vier Size in der Reichsregierung versprach, eröffnete sie die Regierungsfrise. Und indem sie den Deutschnationalen half, die Kriegsschuldfrage auf einen falschen Weg zu bringen, verurfachte sie die scheußlichen Verlegenheiten, in die sich die Regierung verstrickt hat. Indem die Deutschnationalen ihr Ultimatum in der Notifizierungsfrage erließen, vermehrten fie diese Schwierigkeiten ins Ungemessene. Dann tam Herr Stresemann am 12. September nach Berlin zurück und hielt vor den Bressevertretern eine Rede, die auf beiden Seiten übereinstimmend als eine Anpassung an die deutschnationalen Forderungen aufgefaßt wurde. Damit sahen wir die Regierungsfrise als eröffnet an und teilten dies unseren Lesern mit. Seitdem ist Dummheit und Feigheit. Deutschnationale Selbstbespiegelung. " In der Pflicht", de: Wochenschrift der„ Baterländischen", schreibt der deutschnationale Oberfinanzrat Dr. Bang: ,, Erfauft" worden wie es in dem efelhaften Jargon unserer Hausiererlogit heißt( Höre, Hergt! Red. d.".") ist mit der Breisgabe unferer Ehre, unserer Freiheit und unserer Souveränität, nichts, nicht das geringste, Bein irgendwelcher politischer oder wirtschaftlicher Vorteil, auch fein Beitgewinn". Und er wird poetisch und zitiert: Ihr habt euch selber euer Los geschaffen, So gebt den Göttern nicht die Schuld daran, Dummheit und Feigheit bieten selbst die Waffen, Daß freche Nedertracht sie fnechten kann. In derselben Zeitschrift schreibt Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe: demokratisch gehandelt, dadurch, daß sie Vertreter der besetzten Ges Die deutschnationale Fraktion hat im ganzen republikanisch und biete und der Landesverbände zur Bernehmung heranholte, also doch dem Gedanken Ausdruck gab, die Masse zu Worte kommen zu laffen. Deshalb ist es ganz gleichgültig, welcher der beiden Fraktionsteile in der Einschätzung des vaterländischen Willens des Volkes recht gehabt, wie weit der eine ihn überschätzt, der andere ihn unternicht zuletzt vielleicht infolge unserer Verschätzt hat die ganze Fraktion hat- wenn auch mit Abstufungen öffentlichungen- eine rüdläufige Bewegung ein- demokratisch gehandelt. getreten. Herr Stresemann forrigierte am 13. feine Ertlärungen vom 12. Damit war die„ Einigkeit" wiederhergestellt. der deutschnationalen Fraktion vorwerfen, sie hätte„ republi" Dummheit und Feigheit", das mag noch hingehen. Aber mit der Notifizierung hat man es nicht mehr so eilig, und fanisch und demokratisch gehandelt", das ist eine Beleidigung, die Beit" gibt den Deutschnationalen zu verstehen, daß sie die sie sich nicht gefallen lassen kann! gar keinen Anspruch auf Regierungssige hätten, da die Verantwortung für das Zustandekommen des Londoner Vertrages von ihnen gar nicht übernommen worden sei. 11 Es ist richtig, daß auf diese Weise für die Volkspartei und Herrn Dr. Stresemann eine peinliche Situation entstanden ist, die wahrscheinlich in der Reichstagsfraktion noch ihr Nach piel haben wird. Aber es fann nicht gestattet werden, daß diejenigen, die diese Krise gemacht haben, sich jetzt als die Unschuldsengel hinstellen und so tun, als wäre der liebe Frieden nun von den bösen Sozialdemokraten gestört worden. die " Notifizierung im Augenblick untunlich. Ueber das Ergebnis der gestrigen Kabinettsfizung weiß Germania" zu berichten: Die Reichsregierung hat zwar erklärt, daß sie den Widerruf der Kriegsschuld den fremden Mächten amtlich zur Kenntnis bringen werde. Sie hat sich aber in feinem Augenblick auf Form und Beitpunkt der Notifizierung festgelegt, sondern mehrfach erklären lassen, daß darüber in einem demnächst stattfindenden Kabinettsrat Beschluß gefaßt werden solle. Es war von vom herein klar, daß entscheidend für den Entschluß der Regierung lediglich die gegen wärtige Gesamtlage sein kann. Nun hat sich aber inzwischen immer deutlicher gezeigt, daß die Notifizierung im Augenblid unfunlich ist und die politische Lage unnötig erschweren würde, ohne die Kriegsfchuldfrage selbst auch nur einen Schritt vorwärts zu bringen. Deshalb wird die Notifizierung einstweilen nicht erfolgen, und hierauf bezieht sich auch die Ücbereinstimmung der Auffassungen, von der in dem amtlichen Kommuniqué die Rede ist. Es darf als sicher gelten, doß der Kabinettsrat, der am nächsten Dienstag unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten stattfindet, in diesem Sinne beschließen wird. Die äriegsschuldfrage dürfte damit einstweilen als erledigt gelten und fo lange verlagt fein, bis sich ein geeigneter Anlaß zu ihrer Bieber aufrollung ergibt. Wie Herr Mary hat auch Herr Stresemann Berlin wieder verlassen. Es nerlautet jezt, daß der Reichstag nicht vor dem 15. Oftober einberufen werden und daß zuvor bestimmt tein Schritt in der Kriegsschuldfrage unternommen werden wird. fährt, den Hannoverschen Regierungspräsidenten angewiesen, den Innenminister Severing hat, wie der Hannoversche Kurier" erVertrag mit Oberbürgermeister Leinert, durch den dieser auf Lebens. zeit mit vollem Gehalt pensioniert wird, zu beanstanden. Dos Bolt steht gaffend und schwahend im schwachen Licht der Straßenlaterne, Und das Pferd leidet in grenzenloser Einsamkeit die letzte Bein alles Lebenden. Da ist es aus mit Ihrem Glücksgefühl, mit Ihrem Kraftbewußt fein, mit Ihren arglosen Siegergedanken. Ein Schrei gellt in Ihren Ohren der Schrei der Angst und der Qual, der Schrei von freis ßenden Müttern und sterbenden Greisen, ein Schrei aus zehntausen Spitälern und Millionen Schmerzenslagern. Sie sehen die Tränen vorlaffener Frauen und den Auflageblick hungriger Kinder. Sie hören das Zähnefnirschen der Unterdrückten und den Peitschenschlag roher Pferdeschinder. Sie sehen das Märchen von der Schönheit als Lüge zerrissen und die Lüge vom Glüd als Märchen. Sie erkennen, daß es fein Glück geben kann für den Menschen, der sich ausschließt aus der Beidgemeinschaft aller Kreatur. Sie erkennen, daß der sittliche Mensch anfämpfen muß gegen olle niederträchtigen, weil überflüssigen Leiden. Sie ahnen, daß es tur eine einzige Schönheit, nur ein einziges Glücksgefühl wirklich gibt: die Schönheit, die in der Ueberwindung des Häßlichen liegt, das Glück, das im Kampfe gegen das Leid besteht. Und dies ailes, weil Sie zufällig die letzte Vierteistunde eines elenden Zugpferdes erlebten. Valentins Vorstadt- Theater. Gastspiel im Neuen Operettenhaus. In München wird der Komifer Karl Valentin auch von den bescheidenen Leuten bewundert, die nicht auf Adolf Hitler schwören und denen es fauer aufstößt, wenn Ludendorff als ein Nationalheld gefeiert witd. Also halten die besseren Leute zu Karl Balentin. Sie tun es, weil er so dämlich, so dummschlau, so mager, so findlich ist. Valentin ist stod mager, sein Kopf unendlich winzig, die Augen sind so verwässert, daß man es fofort weg hat: der Kerl leidet an Blutarmut und muß also im Grund ein armer Teufel fein. Wirklich, will Valentin nur ein wenig auffallen, dann muß er sich die Backen ganz ziegelrot anstreichen. Er ist sicher fein feffer Romiter, wie er in Berlin besonders beliebt sein könnte, er ist ein zaghafter, ein sparsamer, sogar ein geistiger Clown. Er tut die graden Lippen faum auf, um zu reden. Es geschieht höchst seiten, daß er sich in lebhafterer Bewegung ausgibt. So ist dieser Harlekin aus München beschaffen. Man möchte meinen, die Spaßmacher, die von dorten ftammten, müßten vierfchrötiger, bierbäuchiger, muskulöser und lauter raunzend oder grunzend auftreten. Daß Valentin das Gegen, teil von alledem tut, überrascht am meisten. Denn es muß gefagt werden, daß er immer erst mit Gesten und Drucksen und Plieren und Ellbogen- und Handknöchelverrenkung einen Anlauf nimmt, bevor er eines von feinen gar nicht gepfefferien, nur tragifomisch blöden Wigworten herausbringt. Jetzt ist alles zum Ruhme Valentins gesagt. Man müßte noch Kahr predigt Staatsgesinnung. Rahr, der es vorgezogen hatte, nach dem Ludendorff- Prozeß in der Bersentung zu verschwinden, bringt sich jetzt wieder in wohlwollende Erinnerung. Er ist noch immer Regierungspräsident und wartet darauf, die Treppe hinaufzufallen. Auch die Sprache hat er wiedergefunden. Er hielt vor dem landwirtschaftlichen Kreisverein Oberbayerns in Bad Aibling eine Rede, die merkwürdig bekannt anmutet. So fagte er u. a.: „ Es ist lebensnotwendig, daß sich unser Bolt in seiner Gesamtheit wieder auf den Staat besinnt, daß es sich über sein Wesen und feine Notwendigkeit, über das Pflichtverhältnis des ein. zelnen zum Staate flar wird. Das allergrößte Interesse an ber Wiederaufrichtung, an dem Gedeihen des Staates, vor dem man Ehrfurcht haben kann, hat im deutschen Volke der Bauer." Derartige Sprüche hat Rahr auch vor dem Hitler- LudendorffButsch gehabt. Aehnliche Worte gebrauchte er, um sich bei seinem Berhör im Butschprozeß einen passablen Abgang zu verschaffen. Sie stehen einem Manne schlecht zu Gesicht, der das Gegenteil dessen tut, was er als Sonntagsprediger verkündet. Rahr ist es gewesen, der in Bayern die Achtung vor dem Reich untergraven hat. Kahrs Schuld war es, wenn die Reichseinheit zeitweise in einem blutigen Bürgerfrieg unterzugehen drohte. Kahrs Verdienst ist es, wenn die Staatsautorität in Bayern felbst vollständig versagte. Wenn Kahr von der Ehrfurcht vor dem Staat und von der Bflichterfüülung gegen den Staat spricht, macht er dabei den inneren Berbehalt: Wie ich ihn auffaffe." So auch in seiner Aiblinger Rede. Er ist Monarchist und predigt als solcher Staatsgefirnung; er ist ein erbitterter Feind der Repubiit und bekämpft als solcher die Staatsgefinnung. Was dabei herauskommt, hat die Vergangenheit gezeigt. Eine derartige Auffassung von den Pflichten dem Staate gegenüber gibi jedem Hochverräter ein verbrieftes Recht auf Revolution. Leute wie Kahr bleiben beshalb stets eine Gefahr für die Republik und das Bestehen des Reichs, und es ist Each Reiches, hier nach dem Rechten zu sehen. Ein Mißgriff. Die Schundliteratur- Ausstellung in München. Wir haben heute morgen von der Entrüstung der katholischen Presse Mitteilung gemacht, die sich gegen eine im sozialdemofratischen" Gewerkschaftshause" veranstaltete Ausstellung von Schund| betonen, daß er auch mutiger ist als Ludendorff, der Münchener Alt- Siegfried von 1924, und Adolf Hitler, der bekannte Windjackenerfinder und der noch bekanntere Narren- und Windhundprophet. Respett, wem Respekt gebühret. Denn er wagte, was die beiden und warf sich nicht gleich in den Dred, als ihm die Kritiker ents onderen nur wollten, doch nicht wagten, den Marsch auf Berlin, gegentraten. Die Kritifer find nämlich der Ansicht, daß Karl Valentin zu fammen mit seiner Gemahlin, List Karlstadt, die im Gegensatz zum Herrn Gemahl furz und rundlich wirkt, deswegen aber nicht weniger fomisch, der Ansicht sind die Kritiker, daß Karl Valentin piel zu pompos bei uns einwanderte. Er wollte ein ganzes BorStadttheaterstück bringen und er machte aus einer Varieté- Nummer, bei der man fich 20 Minuten lang tot gelacht hätte, einen Theater abend, bei dem man sich zwei Stunden lang beinahe ärgerte. Das lag nicht am Komisertalent Valentins, sondern an seiner miserablen Regie. Solch Bierulf zwischen den Schmierenmusitanten und dem Schmierenfapellmeister paßt ins Tingeltangel, aber nicht ins großartige Theater. Der Mann gehört zwischen Seiltänzer und Elefanten was gar feine schlechte Gesellschaft für einen anständigen Clown ift, der etwas auf fich hält. Valentin bleibt nichtsdestoweniger ein ordentliches Originalgenie, das die Münchener Mastrugs picherei beinahe vergeistigt und die Meinung ad absurdum führt, die Men fchen würden an der far nur mit Bomuchelstöpfen geboren. Nein. Karl Valentin wurde mit einem hellen, firen, findlichen Köpflein geboren, und feiner Gemahlin, der Frau List Karlstadt, hat er ihr angeborenes Komödiantentalent so gut erzogen, daß sie aus eirer Dame ein fabelhaft echter, rundlicher, tölpischer, in Körperschwere und forpulenter Schlemihligkeit feuchender Schmerenmufitmeister m. h. wurde. Südamerika im Film. Oberingenieur Dreyer, dem wir bereits eine Reihe interessanter Kulturfilme vertanken, führt jcht in der " ll rania" den ersten seiner Südamerikafilme vor, die er Anfang dieses Jahres dort aufgenommen hat. Wir machen auf einem neuen Lloyddampfer die Uberfahrt; das Leben an Bord( besonders der hier überwiegenden 3. Klasse) wird gezeigt. Wir genießen die ma jestätische Schönheit des Meeres, erfreuen uns uns am Anblid Lissabons, besuchen Modeira und die Capverdischen Inseln. Die Aequatortaufe wird mit breitem Behagen eingelegt. Dann aber geht die Fahrt nach Brasilien, dessen Haupthäfen angelaufen werden. Abstecher werten ins Jrrere unternommen. Die wirtschaftliche Struktur des Landes wird demonstriert, die deutschen Kolonien besichtigt. Ja, Rio de Janeiro ist wirklich eine der schönsten Städte der Welt wundervollen Lage an dieser schön geschwungenen Bucht mit den hohen Bergen im Hintergrunde. Und sein botanischer Garten mit ben geraden Königspalmen ist wirklich eine Sehenswürdigkeit. Gin Besuch im Schlangeninstitut. wo ein Serum gegen Schlangenbiffe gewonnen wird, eine Drah feilfahrt auf einen zuckerhutförmigen Berg oder ein Abstecher in den Camp oder in die Kaffee und Baumwollplantagen gewähren vortreffliche Einblide in brofilianisches Leben. Der Film erfüllt hier aufs beste unsere Sehnsucht nach frem. den Ländern und Kulturen. in feiner fiteretur roandte. Bei dieser Ausstellung sollten auch fatholische Glaubensfäße und ein Ratechismus ins Rapitel„ Schundliteratur" verwiesen worden sein. Unsere Stellung zu einer solchen Tattlosigkeit haben wir bereits gekennzeichnet. Inzwischen ist in München selbst der Fehler torri giert worden. Es handelte sich um eine Ausstellung von Jungfozialisten. Die Leitung des sozialdemokratischen Bereins ließ, als fie auf die Enigleisung aufmertjom gemacht wurde, die Ausftellung fofort fchließen und gab dadurch zu erkennen, daß sie das Vorgehen der Aussteller nicht billigt. Der Feind steht rechts! Nede Wirths in Gleiwik. Krafeel. Böltisch- kommunistischer Gleiwitz, 16. September.( Eca.) Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth hielt gestern abend im Gleiwijzer Stadttheater unter starken Sicherungen durch Eintrittskontrolle und durch den Saal schuß des Reichsbanners Schwarz Rot- Gold eine Rede, die ausschließlich gegen die Deutsch nationalen gerichtet war und die Forderung vertrat, die auf Bölkerfrieden und Bölferverständigung hinzielende Politik des Reichstanzlers Mart nicht durch völkischen Proleft stören zu laffen. Die in der Hauptfache aus Zentrumsanhängern sich zusammenfchende Zuhörerschaft erstickte völkische Widerspruchsversuche, obpohl es zeitweilig zu stürmischen Unterbrechungen des Redners tam. Nach Schluß der Bersammlung sammelten sich nationalszialistische und fommunistische Elemente vor dem in der Nähe des Stadttheaters gelegenen Schlesischen Hof". Da dort eine heute hier weilende Ententetontrollfommission untergebracht war, stand zu ihrem Schutz vor dem Gebäude ein größeres Polizeiaufgebot; es tam zu Reibereien. 11 Die Verleumder werden gestellt. Offener Brief des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold an den Abg. Geisler. Das Reichsbanner Schwarz Rot- Gold, Ortsgruppe Eichwalde, hat on den Führer der Vaterländischen Verbände, den Reichstagsabgeordneten Geisler, einen offenen Brief gerichtet, in dem Geisler aufgefordert wird, den Nachweis für seine Behauptung zu erbringen, daß die Mitglieder des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold bei ihrem Eintritt ein Handgeld von zunächst 40 m., später von 60 m. erhielten. Da in dieser Behauptung eine schwere Beleidigung des Reichsbonners erblidt wird, beruft die Ortsgruppe Eichwalde zum 5. Oftober vormittags 10 Uhr eine öffentliche Bersammlung nach Eichwalde ein, zu der Abgeordneter Geisler in dem offenen Brief e in geladen wird. Die Bersammlung foll eine öffentliche Klarstellung über die Berechtigung der Behauptungen über angeblich gezahltes Handgeld erbringen. Steuerherabsetzung vom 1. Oktober ab. „ Verjünge dich selbst!" " Das deutsche Seibstverjüngungsjahr 1925 als Polarstern für die hilflos auf dem Meer der neuen Zeit schwankenden, veralteten Staatsschiffe." Liefer fabelhafte Satz ist feiner Groteske mynonas entnommen, auch hat ihn nicht etwa die Courths Mahler auf dem Gewissen, meiner ist die Reflame eines Hellfehers( beffer Dunkelredners) Fiehler- Bayreuth, den die holländische Bresse mit dem schönen Wort, den„ Idealisten im Quadrat" gefennzeichnet hatte. " Beeile dich, deutsches Volt! Dein Retter ist erstanden. Schon sehe ich den Glanz des Jahres 2000, das nicht Frieden, sondern Freude bringen wird wie Fiehler, der es doch wissen muß, bes hauptet. Er hat einmal auf dem Brocken( ausgerechnet!) die deutsche Greisburg gesehen; feitdem fühlt er sich als Lichtbringer, als Parzifal. Gleichzeitig hat er damals Nervenärzte konsultiert, was sicherlich das Bernünftigste an der ganzen Geschichte gewesen ist. Seinen Bortrag nennt er selbst„ Das Stammeln eines Kindes". Glücklicherweise hatten sich nur ein Dugend Zuhörer eingefunden; ein lebendiger Buntt", auf den man gerechnet hatte, war ausgeblieben. Der neue Messias spricht aber, nachdem er feierlich zwei Kerzen, die einer Totenschädel umfladern, angezündet hat, seine„ Bitte an den Schöpfer". Dann erzählt er von sich und seiner Idee, auf fleine Experimente" großmütig verzichtend. Schade! Das große Etwas" fpuft in seinem armen Kopf herum, dessen Gedankenwirrnis fein Mensch enträtseln kann. Idealismus predigt er bequemerweise, Selbstlosigkeit und Aufopferung; ganz bescheiden nennt er sich der Seher feines Volfes, Prophet der Zeit. Seine Aufgabe, zu der er natürlich berufen ist, heißt die deutsche Orgel, die er bauen will, den Schöpfer zu loben. Im nächsten Augenblic spricht er plötzlich vom Kinderspielzeug und dem Bazillenfrieg. Gedankensprünge tosten ja nicht das Genic! Dann betonte er immer wieder, daß er alter Soldat ist, fein Simonadenpazifist". Drei seiner Brüder sind im Hitlerprozeß verurteilt worden, bitte sehr! Ein holländischer Journalist hat ihn folgendermaßen beurteilt:„ Man weiß nicht, was man dazu sagen soll." Schließen wir uns dieser tiefsinnigen Betrachtung an, gönnen wir ihm die geniale Entdeckung, daß 1925 fürfundsiebzig por 2000 ift!!! Laffen wir diesen Jules Verne oder Zeppelin, mit benen er sich zu vergleichen beliebt, ruhig vom Menschheitsjahr 2000 träumen, das seine Menschheitsausstellung und Sportfeste„ Diel leicht" bringt, für die er die kommende Generation trainieren will, geistig- weitsichtig. Beschämend für unsere Zeit, daß es immer noch Menschen gibt, die folchem Hokuspokus nicht widerstehen können, die trog des Geldmangels zwei Mart für derartigen Unfinn übrig haben. Und hier liegt die Gefahr, die diese heiligen anrichten, so wenig fie sonst ernst zu nehmen sind. Man tut gut, sie in die Klasse der Hochstapler oder Psychopaten einzureihen und die Beschäftigung mit ihnen der Kriminalpolizei oder den Nervenärzten zu überlassen. Der ehrfame Goldschmiedemeister. Ein Bauernfängerstückchen. genommen, in der die Elternschaft aufs neue fchärfften Pri test gegen die Vergewaltigung ihrer Schulen erhebt, das ihr liei gewordene alte Schulhaus zurücverlangt und gegenüber dem etwaigen Plan der Ueberweisung an eine andere Schule den 26wehrkampf mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ankündigt. Das Kleid in der Tüte. Um ein Bild zu geben von der Leistungsfähigkeit der Dan.. fchäftigt werden, veranstaltet die Damenschneiderinnung schneider und der vielen Arbeiterinnen und Arbeiter, die hier beGroß Berlin jeht im Rheingold" eine Herbstmoden schau. In der Hauptsache waren zu der Modenschau Damenschneider und Schneiderinnen aus dem Reich ge= kommen, um sich über das Neueste und Allerneueste zu informieren. Quer durch den langen Saal war eine breite Laufbahn gelegt, auf der die Mannequins, mit dem neuesten Staat angetan, Jacken wurden so nach und nach vorgeführt tänzelten. Was man gefteri fah 143 Kleider, Kostüme, Mäntel, nug. Also zunächst einmal, um die Hauptsache getreulich zu bewar verblüffend gerichten, die Kleider der Damen find eng, ganz eng, noch enger. Sie werden wie eine Tüte über den Kopf gestreift, und, zusammengelegt, hat so ein Kleid bequem in einer Tüte Blaz. Und furz find die Kleider, ganz fura, noch fürzer. Dann verlangt die Mode, daß die Kleider auch mit Straußenfedern und Beiz besetzt sind. In dem Programmheft zur Modenschau heißt es an einer Stelle:„ Man muß die Mode bis zum Wahnsinn lieben!" Tie das geschrieben hat, weiß genau Bescheid mit der Seel der Modedamen und sie hat, weiß genau Bescheid mit der Seel der Modedamen und sie bestätigt nur, was gestern vorgeführt wurde. In diesem Programmzum Beispiel gesagt:„ Wir zieher ein Dirndlkleid an und fühlen heft stehen überhaupt goldene Worte über die Mode. Da wird uns ein Kind des Landes(!), wir schmücken uns mit Diademen und ahnen die Größe einer Königin!" Wobei nicht vergessen werden darf, darauf gebührend aufmerksam zu machen, daß Diademe zu diefen furzen und engen Tütenfleidern besonders gut passen! Nicht in die Tüte, möchte man da lieber sagen! Es ist immerhin lustig zu sehen, welche Sorgen die anderen haben. Wir denken, wenn wir diesen Prunk sehen, mehr an die Arbeiter und Arbeiterinnen, die dafür hungerlöhne erhalten. Eine gefährliche Ecke. Am Schnittpunkt der Königstraße und der von Wannsee zur Pfaueninsel führenden Chauffee ist es wegen der Unübersicht. lich seit der Straßengabelung schon häufig zu folgenschweren Unfällen gekommen. Erst in diesem Frühjahr hat ein 3ufammenstoß eines Kraftwagens mit einem Radfahrer zwei Todesopfer gefordert. Durch Polizeiverordnung ist jetzt bestimmt worden, daß Radfahrer, die von der Pfaueninsel kommen, an der 100 Meter vor dem Schnittpunkt der Pfaueninsel- Chauffee mit der Königstraße aufgestellten Warnungstafel von ihren Rädern ab= zuſteigen und sie um das Försterhaus bis zu der Königstraße zu führen haben. Andere Fahrzeuge haben an der gleichen Stelle Schritt oder mit verminderter Geschwindigkeit zu fahren. Da die Warnungstafel nicht beachtet wurde, ist die Polizei jezt mit scharfen Maßnahmen gegen lebertreter vorgegangen. Am gestrigen Sonntag zwischen 1 und 6 Uhr nachmittags wurden an diefer Stelle durch Polizeibeamte nicht weniger als 21 Perfomen wegen Uebertretung der Polizeiverordnung festgestellt. ,, Lachen links"-Abend. Einen Lustigen Abend für die Berliner Arbeiterschaft" veranstaltet die Redaktion des Wigblattes ,, Bachen lints" am Mittwoch, den 24. Sepember, abends 8 Uhr, im Saal IV des Gewerkschaftshauses, Engelufer. 11. a. werden Hans Reimann und Erich Weinert eigene Dichtungen vortragen. Karten sind durch die Berliner Bezirksorganisation der SPD. erhältlich. Ein Bauernfängertrio fonnte, nachdem es ihm gelungen war, Der Deutsche Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung des lange Zeit unerkannt sein Unwesen auf den Berliner Bahnhöfen zu Reichspräsidenten über wirtschaftlich notwendige Steuertreiben, von der Kriminalpolizei überrascht und festgenommen milderungen", welche die Herabsehung der Umsatzsteuer auf werden. Die Bande machte sich, wie üblich, an Leute heran, die 2 Broz. und die Herabsehung der Gesellschaftssteuer und der Wert- aus der Provinz zum Einkaufen nach Berlin gekommen waren. papierfteuer vorsicht. Die neuen Steuerfäße treten mit dem 1. Dt. Hatten sie unter den Anfommenden den„ Geeigneten" herausgetober 1924 in Kraft Die Verordnung ist auf Grund des Ar- funden, so machte sich einer an diesen heran. Durch geschickte Fragen titels 48 der Reichsverfassung erlassen. Die Berordnung ist aus hatte er bald das Woher und Wohin heraus und zur gegenseitigen Freudenstadt datiert vom 14. September 1924. Anstelle des Reichs- Freude stellte man dann zufällig" fest, daß beide Landsleute seien. Der Berliner stellte sich dann als Goldschmiedemeister" fanzlers hat sie in Vertretung Dr. Geßler, der Reichswehrminister, vor, der hier ein gutgehendes Geschäft habe. Der Goldschmiede. gegengezeichnet. meister lud den Provinzler ein, fich fein Geschäft zu besehen, und in angeregter Unterhaltung gingen beide weiter. Auf dem Wege dorthin spricht fie ein anderer Mann an und bietet ihnen eine goldene Uhr und Rette zum Kauf an. Er fei, fagt er nun, bei einem Sferstündchen von einem Mädchen um alles Bargeld bestohlen worden. Das nimmt der Goldschmiedemeister" zum Anlaß, feinen Landsmann dringend zur Vorsicht in Berlin zu mahnen. Dem Aus geplünderten sagt er dann, daß er als Fachmann die angebotenen Wertgegenstände wohl zu schäßen wisse und ihm auch gern den verlangten Preis zahlen würde, leider aber nicht so viel Geld in der Tasche habe. Das reizt den Provinzler und er macht nun das Geschäft. Aber nur, um später zu sehen, daß er neppware ge fauft hat. Merkt der Käufer zu früh, daß er betrogen worden ist, fo springt ein dritter Mann hinzu. Aufgeregt fragt er den Käufer: 57 minuten zurückgelegt und damit einen neuen transatlantischen Die Gütertarifermäßigung. Entsprechend der Herabsehung der derzeitigen Frachten der Normalklassen der Gütertarife um 10 Broz. vom 18. d. M. ab werden die Gepäck und Expreßgutsäge mit Wirfung Dom 1. Oftober d. 3. ab ebenfalls um 10 Proz. ermäßigt. Die Mindestfrachten bleiben unverändert. Das Blutbad in Georgien. Ein Hilferuf der georgischen Genossen. Der Borstand der Berliner Gruppe der Sozialdemokratischen Partei Georgiens wendet sich mit einem Aufruf an die deut fchen Arbeiter, aus dem wir die marfantesten Stellen wieder. geben: „ Die Sozialdemokratische Partei Georgiens ift eine entschiedene Gegnerin der Putsch- und Aufstands aktif. Wiederholt hat sie sich gegen einen Aufstand ousgesprochen. Nicht etwa weil sie bazu feine moralische Berechtigung sah. Im Gegenteil. Die mora Tische Berechtigung zu einer Erhebung gegen die Moskauer Terro risten, die ein fremdes, friedliches, arbeitsames fleines Bolt mit hoher Kultur blutig unterdrückten, war außer Zweifel. Aber die Erhebung eines unbewaffneten Voltes gegen die waffenstrohenden femjetrussischen Offupationstruppen war aussichtslos. Der Cozialdemokratischen Partei war es tlar, daß die Moskauer Truppen diesen Aufstand im Blute des georgischen Boltes ersticken würden, und sie riet ab. Aber ihr Rat wurde nicht befolgt. Das Welt erhob sich, und die organisierte Arbeiterschaft fonnte nicht beifeitestehen und zuschauen: Unsere Brüder folgten dem Rufe ihres Herzens und sie verbluten im Kampfe gegen die Moskauer Eroberer." Erschütternd sind die Mitteilungen in dem Aufruf über das Schicksal unserer gefangenen georgischen Genossen, die kalten Blutes von den Bolschewisten hingemordet wurden, obwohl sie mit dem Auffand nichts zu tun hatten: Die 43 hingerichteten fozialistischen Führer sind nicht währen des Aufstandes verhaftet worden. Genosse Sa Iutwad se war schon mehr als zwei Jahre in Haft; der früher: Landwirtschaftsminister Noe homeriti feit 11 Monaten; der Student Pagava feit 9 Monaten; der frühere Bürger mister von Tiflis Tschitwischwili feit 3 Monaten; der frühere Chef der georgischen Volkswehr Waljko Dschugeli feit dem 6. Auguft. Ihre einzige Schuld war ihre Zugehörigkeit zur Sozialdemokrat fchen Partei. Biele von ihnen waren auch der Eowjet- Regierung als entschiedene Gegner des Aufstand. gedantens betonnt. Unter diesen Opfern beflagen wir drei Genossen, die bis zum vorigen Jahre in Berlin weilten: Bassili Nodia, Viktor 3enteradie und Grigori 3inzabadse. Sie maren im November 1922 m't noch 59 Genoffen aus Tiflis nach Berlin gekommen und fanden hier für längere Zeit gaftliche Aufnahme in der Herberge des Gewerkschaftshauses. Die Genoffen Saboth und Aufhäuser von der Berliner Gewerkschaftskommission nahmen sich ihrer an und suchten, leider vergebens. Arbeit für fie. Aus dem troftiofen Flüchtlingsdafein in Berlin trieb sie die Schn= fucht nach Arbeit, Weib und Kind illegal in die Heimat zurüd. Dort fichen sie bald darauf vor etwa einem Jahre in die Hände der Häscher. Jezt wurden sie erschossen. Als der Aufstand ausbrach, waren sie also schon etwa ein Jahr hinter Rerfermauern. Sie haben mit dem Aufstand nichts zu tun gehabt. Ihr einziges Berbrochen war ihre Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei." Der Aufruf der georgischen Genossen flingt in einem Appell an die deutsche Arbeiterschaft aus, der vollste Unterstügung verdient: Genossen! Wir bitten Euch, Eure Stimme des Proteftes gegen die Mekelei in Georgien zu erheben. Wir bitten Euch, der Mostouer Regierung, die sich eine Arbeiter und Bauern- Regierung nennt, zuzurufen: Genug des pergossenen Bruder blutes! Haltet ein!" Eine Ausstellung von Schülerzeichnuno en findet in der 220. Gemeindeschule, Berlin D, Naglerstr. 3, bom 16.- 20. September statt. Es werden ausgestellt: Buntpapierarbeiten mit Dswald- Farben, Schmud der Hefte in verschiedenen Techniken, Schriftmuster, Gedichte mit Jlluftrationen, Raumfüllungen, farbige Aufteilung von Flächen, Monogramme. Stempelbruce, Linoleumschnitte usw. Während der Ausstellung sind Kindergruppen bel ber Arbeit, so daß sich jeder Besucher davon überführen kann, daß alles tatsächlich von Stindern felbit angefertigt wird. Die Ausstellung ist von bis 7 Uhr geöffnet. Um 26 Uhr finden Führungen ftait. Für Organi fationen steht der Veranstalter, Lehrer Wuitte, bis 9 Uhr gern zur Ver. fügung. Die Jagd über den Atlantischen Ozean. Der Cunard- Dampfer Mauretania", der gestern in Plymenth eintraf, hat die Strecke New York- Binmonth in 4 Tagen 21 Stunden Retord aufgestellt. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, Sind Sie auch hinter diesen beiden Gaunern her, die da laufen? Die beiden such' ich auch, denn sie haben mich gründlich geneppt." So hält er den Provinzler von der Verfolgung feiner Spießgesellen ab und verschwindet dann auf der weiteren Verfolgung ebenfalls. ab und verschwindet dann auf der weiteren Verfolgung ebenfalls. Parteinachrichten Zuweisen war auch diese letzte Szene gar nicht nötig, wenn es dem „ Goldschmiedemeister" gelang, seinen neuen Bekannten", noch bes vor man zu feinem Geschäfte" fam, zu versetzen. Jetzt wurden die Bauernfänger endlich in einem Lotal am Stettiner Bahnhof gefaßt. Alle drei, die in ihren Kreisen als Jakob", Rudi" und Ludenmilli" bekannt sind, find alte Braftifer auf diesem Gebiete. Mitteilungen weiterer durch diesen Trick Geschädigter nimmt Kriminalfommissar Wächter im Polizeipräsidium, Zimmer 392a, entgegen. Ein Schulhausstreit im Kreuzbergbezirk. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. 19. Rreis. Heute abend 7% Uhr öffentliche Versammlung im Gesellschaftshaus Bantom, Berliner Str. 102. Die Funktionäre treffen fich 61/2 Uhr. 38. Abt. Bildungskommission! Heute abend 6% Uhr, Andreasftr. 21, Gigung. 53. Abt. Charlottenburg. Mittwoch, den 17. Gept., 7 Uhr, Frauenabend bel Richter, Huttenstr. 24, Vortrag. 101. Abt. Treptow. Die Genoffen treffen sich heute abend 6% Uhr zur öffentlicher Bersammlung an der Wiener Brücke 137. Att. Reinidendorf- West. Alle Genoffen besuchen heute abend die öffentlicht Berfammlung in Tegel Gemeinsamer Abmarsch vom Boltshaus 6 Uhr, von ber Scharnweberstr., Eingang Sportplay, 6% Uhr. Wetter für morgen. Wetter für Berlin und Umgegend. Weberwiegend bewölft mit leichten Regenfällen und lebhafteren jüdwestlichen Binden. Ziemlich fühl.- Für Deutschland: Allgemeine Verschlechterung des Wetters. In Norddeutsch ziemlich fühl. land miederholte Regenfälle, nur im Süden noch etwas besser. Ueberall Sport. Auf dem Gemeindeschulgrundstück Bergmannstr. 28/29 maren mehrere Jahrzehnte hindurch die Gemeindeschulen 133 und 149 untergebracht. Nach dem Kriege beanspruchte man die Schulräume großenteils für die Erwerbslosenfürsorge, die damals in Eile eingerichtet wurde und daher feine eigenen Bureauräume erhalten fonnte. Die eine Schule mußte fofort weichen und sich in einem anderen Schulhause des Stadtteils einquartieren; der zweiten Schule blühte später dasselbe Schicksal. Seit dem führt ein Teil der Elternschaft einen langen und zähen Rampf um die Wiedergewinnung Des aften Schulhauses, aber trok eines Berges von Eingaben, die im Laufe der Jahre an alle möglichen Behörden gerichtet worden sind, hat sich bisher nichts erreichen lassen. Infolge zeitweiligen Rüddeutschen Amateur- Bereinsmannschaften, 4-6 Fahrer, gleichgültig, welchem ganges der Arbeitslosigkeit sind im Jahre 1924 verschiedene Räume des alten Schulhaufes frei geworden, so daß erwogen wurde, ob man es zum Teil wieder als Schulhaus verwenden könnte. Nachdem nun bekannt geworden ist, daß nicht an Zurückverlegung einer der früher hier untergebrachten Gemeindeschulen, sondern an hinein legung einer Mittelschule oder einer Fortbildungsschule gedacht wird, hat die Agitation für die Wiedergewinnung des Schulhauses neue Nahrung erhalten. Am Montag fand in der Aula des Gemeindeschulhauses Bergmannstr. 58/60 eine Elternversammlung für die 133. und die 149. Schule statt, in der die ganze Geschichte dieses Schulhausstreites von dem Referenten Wittbrodt aufgerollt wurde. Die Bersammlung war schmach besucht, so daß man bei einem nur geringen Teil der Elternschaft ein lebhaftes Interesse für den Streit annehmen möchte. Aber die Erregung mancher Berfammlungsteilnehmer, besonders der weiblichen, war so start, daß es in der Diskussion einige stürmische Auftritte gab. Die Rückgabe des alten Hauses wurde verlangt, weil die jejige Unterbringung der Schulen unzulänglich sei und die Kinder längere Schulwege machen müssen. Die Mahnung eines sozialdemokratischen Redners, daß man doch auch auf die Arbeitslosen Rücksicht nehmen müsse und der Erwerbslosenfürsorge nicht ohne ausreichenden Erjazz ihre jezigen Räume nehmen fönne, begegnete erregtem Widerspruch. Wenig Freunde schien aber der Gedante eines Schulstreits zu finden, und besonders die anwesenden Vertreter der Lehrerschaft warnten vor bielem Kampfmittel. Einstimmig wurde eine Resolution an Meisterschaft von Deutschland im Bahnmannschaftsfahren. Der Bund Deutscher Radfahrer veranstaltet am tommenden Sonntag auf der Olympia Radrennbahn das 4 er Vereinsmannschafts fa bren über eine deutiche Meile. Der Wettbewerb ist offen für alle Berbande fie angehören. Den Fahrern von Vereinsmannschaften, die nicht dem B.D.N. angehören, wird eine auf Antrag ihres Berbandes eigens zu dem Zweck einer Beteiligung an der Meisterschaft von Deutschland erforder liche Lizenz ausgestellt. Anträge auf Ausstellung der erforderlichen Sport Eggert, Berlin O. Gr. Frankfurter Str. 10, au richten. Um eine Beausweise find an den Vorsitzenden des Sportausschusses des B.D.R., Franz einflussung der Mannschaftsjahrer durch andere Wettbewerbe zu vermeiden, werden die Rennen bereits vormittags 10 Uhr auf der Dlympiabahn aus. gefahren. Durch diese Anordnung soll ferner erreicht werden, daß die beteiligten Fahrer für die nachmittags 2 Uhr beginnenden weiteren Bereinsmannfaftsjahren zum Austrag, bet dem 2 Fahrer Wettbewerbe frisch an den Start gehen. Nachmittags gelangt ein Stunden. eine Mannschaft bilden, die 4 Beitungen zu bestreiten haben. Fahrer, die nicht an den Meisterschaftstämpfen beteiligt sind, bestreiten den„ Olympia Breis, ein Malfahren mit Vorläufen zu jeweils 2 Runden und den Endlauf zu 3 Runden, ferner ein Ausscheidungsfahren, bei dem der letzte Fahrer jeder Runde auszuscheiden hat. Ein 3 weifikerbaubtfahren mit Vorläufen zu 2 Runden und einem Endlauf zu 3 Nunden, das offen Renntages. Die gelösten Eintrittskarten behalten für den ganzen Tag für alle Vereinsmannschaften des B.D.N. iſt, bildet den Beschluß des ihre Gültigkeit. Geschäftliche Mitteilungen. Das im Norden Berlins bestens bekannte Raufhaus Seyn u. Goldschmidt, Danziger Str. 98, am Sochbahnhof, tann am Mittwoch. den 17. September, auf fein 25jähriges Bestehen zurücbliden. Aus diesem Anlaß veranstaltet bie Firma einen Sonderverkauf mit Gratiszugabe und Extra- Rabatt. Siehe heutiges Inferat. Gewerkschaftsbewegung Achtstundentag als KPD.- Parole. Den Gerechten muß alles zum Besten dienen, den Moskauern oles zu Weltrevolutionsparolen. Nachdem in Rußland der Kapilalismus radikal beseitigt und die Diktatur des Proletariats. aufgerichtet ist, müßten dort alle Hände vollauf zu tun haben, um Vorbildliches zu schaffen. Gute Beispiele wirken besser als alle Parolen. Allein die Selbsttäuschung, die tapitalistische Entwidlung gewaltsam abkürzen zu können, die Umfälschung der Herr fdjaft des Proletariats in eine Difiatur über das Proletariat, erweist die Voraussetzungen als falsch und die daran geknüpften Erwartungen als hinfällig. Die Massen in Rußland werden vertröstet auf die Weltrevolution, und die Arbeiter der übrigen Länder werden mit Parolen der Moskauer Weltfongresse bombardiert, um sie vor die Karre der Weltrevolution" zu spannen. Auch der Achtstundentag ist den Weltrevolutions machern als Parole nicht zu schade. " 1 31 Die Moskauer KPD.- Filialen in Deutschland hatten ihren Laden noch nicht aufgemacht, als die Anordnungen über die Regelung der Arbeitszeit vom 23. November 1918 bzw. 18. März 1919, den AchtStundentag brachten. Die ,, Roten Fahnen" schimpften, der Achtstun dentag sei überholt, der Sechsstundentag müsse jetzt eingeführt und durch den Bierstundentag verdrängt werden. Davon ist es bald auch in den Roten Fahnen" ruhig geworden. Doch es folgte die niederträchtige Hebe gegen die Ge= wertschaften mit dem Erfolg, daß alle Indifferenten aus ihren Organisationen durch die kommunistischen Quertreibereien wieder verdrängt, unter die verbliebenen Mitglieder aber der Geist der Zwietracht getragen wurde. Was im Verein mit der Ungunft der wirtschaftlichen Verhältnisse aus deren Blüten die Kapedisten ihren Agitationshonig sogen ben. Unternehmern bei der Durch brechung des Achtstundentages zustatten fam, das war die Schwä chung der Gewerkschaften durch das Treiben der „ Einheitsfront" Kommunisten. Und nun fommt ein wohlweiser Mostauer Weltfongreß mit seiner Roten Gewerkschaftsinternationale baher, um zur Herbeiführung der„ Einheitsfront" die ihm unangenehmen Amsterdamer" zu verdächtigen und zu beschimpfen. = " ,, Alle heiligen Erklärungen der Amsterdamer für den Achtstun den' ag sind nichts als elende demagogische Phrasen, hinter denen nicht der geringste ernste Wille steckt, für den Achtstundentag zu tämpfen. Das beweisen eindeutig die Resolutionen. des JGB. zum Achtſtundentag vom 12. Januar und des Wiener Gewerkschaftsfongresses vom Anfang Juli d. I. insbesondere wird der Amster damer Schwindel von der Unantastbarkeit des Achtstundentages charakterisiert durch das Verhalten der deutschen Amsterdamer, die den Achtstundentag der deutschen Arbeiterfiaffe dem deutschen Kapi tal preisgaben. Die Zustimmung der Amsterdamer Gewerkschaftsführer zu dem Sachverständigengutachten.. ist ein weiterer durch fd lagender Bewcis dafür, daß die Reformisten nicht den Willen haben, für den Achtstundentag zu fämpfen.' vor Wir brauchen uns bei dieser Art Beweisführung nicht aufzuhal ten, da jedem Arbeiter befonnt ist, daß der Achtundentag längst der Annahme des Sachverständigengutachtens durchbrochen wurde und die Kreditnot, der durch die Annahme des Gutachtens gesteuert wird, vielfach dazu führte, die Arbeitszeit für Hunderttausende vollständig aufzuheben. Die Kommunisten sagen uns aber, wie sie sich die Wiedererlangung des Achtstundentags denten: „ Der Kampf der deutschen Arbeiter um die Wiedereroberung des Achtstundentags ist ein Kampf gegen die Durchführung des Sachverständigengutachtens.(!) Er fann nur auf revolutionärem. Bege und mit revolutionären Mitteln erfolgreich geführt werden. Mitteln Der Kampf um den Achtstundentag fann feineswegs mit paríamentarischen Mitteln oder eng gewerkschafilichen Methoden zu einem Erfolg geführt werden. Der reformistische Kampf" für die Ratifizierung des Wafingtoner 2bfommens, für die gefeßliche Beranferung des Achtstundentages, für seine Einführung durch soWALHALLA am Rosenthaler Tor 12 internationale Kunstkräfte Anf. 7 Uhr. Mäßige Preise! Vorverk. ab 11 Uhr ununterbrochen Im Tunnel: Gr. Sehenswürdigkolt 20 StimmungsKanonen Eintritt fre!! genannte Boltsabstimmung oder für seine Anerkennung im Brinzip in einem Tarifvertrag, ist nichts anderes als der vers merfliche Versuch, sich vom wirklichen Kampf um den Achtstundentag zu drüden.... Der Achtstundentag fann nur durch den rücksichtslosen, permanenten Klassentampf erobert werden, seine Sicherung ist nur möglich durch die Aufrichtung der Arbeiterkontrolle über die Produktion, durch die Diktatur des Proletariats." Es bleibt uns Amsterdamern nichts weiter übrig als„ der verwerfliche Versuch", den Achtstundentag durchzuführen und die Kommunisten weiterhin ihre Weltrevolutionsparolen deklamieren zu laffen, bis sie selber des Spiels müde find." Löhne im Ladenfleischergewerbe. Graz find nach Weifung der Wiener Zentralleitung gestern sämt liche Metallarbeiter, ungefähr 3000, in den Streit getreten. Terroristische Methoden. ( J. G. B.) Im Augenblick wo die Kommunisten über„ Einheitsfront" und sogar Einheitlichkeit der Organisationen sprechen, unterlassen sie in Jugoslawien feine einzige Gelegenheit, VersammLungen unserer Genossen gewalttätig anzugreifen und womöglich zu sprengen. Nur mit Anwendung von Gewalt und nach gegen feitigem Verprügeln fönnen sie abgehalten werden. Besonders sind die Kommunisten bestrebt, jene Versammlungen zu sprengen, in denen hervorragende Genossen vom Auslande als Gäste der jugoslawischen Arbeiter sprechen. Ein blutiger Angriff wurde auf die Versammlungen des Genossen Sassenbach in Ljubljana und Zagreb verübt, und nun neuerdings auf die Versammlung sich unsere jugoslawischen Kameraden gegen kommunistischen Terrorismus wehren und mit Blutopfern die durch die Kommunisten bedrohte Versammlungs- und Redefreiheit erzwingen und sichern. Die fozialdemokratische Parteileitung hat deshalb einen öffentlichen Protest und eine Erklärung herausgegeben, worin betont wird, daß eine terroristische Bewegung wie die fommunistische jedes moralische Recht verloren hat, sich in der Deffentlichkeit über den von der Bourgeoisie gegen sie gerichteten Terror zu beklagen. Die neuen Löhne im Ladenfleischergewerbe betragen ab 8. Sep- bes Genossen Vandervelde in Belgrad. Jedesmal mußten tember pro Woche: im 1. Jahre nach der Lehrzeit 25 M., im 2. und 3. Jahre nach der Lehre 29 M., Gesellen ohne Verantwortung 34 M., Gefellen mit Verantwortung 38 M., Ladengesellen, die nur ausschließlich im Verkauf tätig sind, 42 M. Für Kost kommen in Abzug pro Woche 7 M., für Logis 3 M. Gesellen, die vollständig außer Kost und Logis find, erhalten zu dem Wochenlohn 30 Proz. Zuschlag. Solche, die nur in Kost, aber nicht in Logis find, erhalten 10 Proz. Zuschlag. Denselben Zuschlag erhalten auch Aushilfen. Internationaler Anti- Kriegstag 1924 am nächsten Sonntag. Eine ,, paritätische Arbeitskammer" im Saargebiet. Die Regierungskommission des Saargebiets hat nunmehr ihren Arbeitskammerentwurf für das Saargebiet fertiggestellt. Die zu schaffende Kammer soll die Eintracht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf dem Wege zur Zusammenarbeit fördern und der Zusammenarbeit zwischen dem Saargebiet und dem internationalen Arbeitsamt dienen. Insbesondere sollen ihr zur Begutachtung alle sozialpolitischen Gesezentwürfe vor Weiterleitung an den Landesrat unterbreitet werden. Die paritätisch von Arbeitgebern und Arbeit nehmern gewählte dreißigköpfige Kammer soll nur aus Saareinwohnern bestehen, die nach Vorschlägen der interessierten Kreise von der Regierungstommission ausgewählt werden. Die Einberufung sowie die Festsetzung der Tagesordnung ge. schieht durch die Regierungsfommission, die sich auch das Recht zur Auflösung vorbehält, wenn die Arbeitskammer lichen Ordnung" beiträgt. durch Ueberschreitung ihrer Befugnisse zur Gefährdung der öffentZu diesem Entwurf wäre mancherlei zu sagen. Zunächst ist bezeichnend, daß der Entwurf zu einer Arbeitskammer, die von den Gewerkschaften schon seit Jahren gefordert wird, in demselben Augenblid von der Regierungsfommission befann gegeben wird, wo in Genf eine Denkschrift der politischen Parteien über die wirtschaftlicher Schwierigkeiten an der Scar Gegenstand eingehengenden Aussprache sein soll. Die Regierungskommission hofft offenbar, auf Grund dieses Arbeitskammerentwurfs die Aussprache in Genf als überholt erscheinen zu lassen. Die" Parität" in der Zusammensehung erhält dadurch eine besondere Beleuchtung, daß die Regierungskommission die Mitglieder der Kammer auf Grund der Vorschläge der interessierten Streife" ernennt. Zu den„ interessierten Kreisen" gehört der die Loslösung des Saargebiets von Deutschland betreibende vom Major Richert gegründete Saar bund" und die französisch saarländische Handelskammer. Weiter verdient hervor. gehoben zu werden, daß die Arbeitskammer nur nach den Anweisungen der Regierungskommission zu arbeiten hat. Was unter Gefährdung der Ordnung" zu verstehen ist, hat die Erfahrung gelehrt. Zum Kampf in der Wiener Metallindustrie. Die Verhandlungen am Montag zwischen dem Hauptverband der Industrie und den Metallarbeitert wurden nach längerer Debatte auf Dienstag vormittag vertagt. Die Vollversammlung des Hauptverbandes der Industrie ermächtigte das Verhandlungsfomitee, mit den Arbeitern Berhandlungen über die Er höhung der Löhne vorzunehmen, welche jedoch nicht die von den Arbeitnehmern verlangten Ausmaße erreichen fönnten. 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Dezember 1913 594 998 Mitglieder bei der belgischen Gewerk schaftskommission angeschlossen waren. Seither dürfte die Gesamtmitgliederzahl 600 000 überschreiten, denn alle größeren Verbände haben einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Die größten Verbände sind der Metallarbeiterverband mit 100 000 und der Bergarbeiterverband mit 75 000 Mitgliedern. Das Barvermögen der belgischen Gewerkschaftskommission betrug am Schluß des vergangenen Jahres 55 500 000 Fr. Der Bergarbeiterverband hatte um diesen Zeitpunkt ein Vermögen von 15, der Metallarbeiterverband ein solches von 12 und der Textilarbeiterverband ein folches von 8 Millionen. Die Gesamteinnahmen der belgischen Gewerkschaften betrugen im vergangenen Jahre 64 und die Gesamts ausgaben 52 Millionen Frant. Die Neger und die Gewerkschaftsbewegung. ( J. G. B.) Die Emanzipations Bewegung der Neger in Amerita beginnt für die Gewerkschaftsbewegung eine schwierige Lage zu schaffen. Bis jetzt haben die verschiedenen Gewerkschaften teine farbigen Arbeiter aufgenommen, und die Neger empfinden diesen Ausschluß als Beleidigung. In einer offiziellen Erklärung der Nationalen Vereinigung für die Emanzipierung der Farbigen wird auf die Gefahr hingewiesen, denen sich die weißen Arbeiter ausseßen, wenn sie ihre farbigen Kameraden boyfottieren. Sollte diese Lage noch lange andauern, so könnte es laut dieser Veröffentlichung leicht geschehen, daß sich die Neger zu einem zu den weißen Arbeitern im Gegensaß stehenden Verband organisieren. Bereits ist der Streit der Stahlarbeiter mit Hilfe farbiger Arbeitsfräfte gebrochen worden, und bald werden diese in der Lage sein, jeglichen Streit unmöglich zu machen, wenn sie nicht in den bestehenden Gewerkschaften zugelassen werden. Aus einem Rassenproblem ist eine soziale Frage geworden. Der Internationale Bund der Privatangestellten hielt vom 27. bis 29. August in 3ürich eine Vorstandssitzung ab, der Sizungen der Gruppen Techniker und Bankangestellte vorangingen. Es wurde u. a. beschlossen, den nächsten internationalen Kongreß im September 1925 in Kopenhagen abzuhalten. Vor diesem Kongreß sollen ebenfalls Sondersizungen der Techniker und Bantangestellten stattfinden. Für die Tagesordnung des Kongresses find Referate über Sozialgesetzgebung, den gesetzlichen Achtstundentag und die Industrie. organisation vorgesehen. Ueber die Lage der Handelsreisenden in den verschiedenen Ländern soll eine Erhebung veranstaltet werden. Der Minimalbeitrag für das Jahr 1925 wurde auf 12 holländische Gulden pro 1000 Mitglieder festgefeht, für 1926 soll er 20 Gulden betragen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Giode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. 25 Aus Anlaß unseres 25 jährigen Geschäftsjubiläums geben wir am Mittwoch, den 17. September 1924, außer einer Jubiläumszugabe, auf alle Waren einen Extra- Rabatt von 5% Hervorragende Angebote in unseren Abteilungen Kleiderstoffe:: Damen- u. Kinderkonfektion:: Prachtvolle Herren- Anzugstoffe:: Große Auswahl aller Art. Wäsche, Trikotagen, Strümpfe, Gardinen, Teppiche, Läuferstoffe u. Decken:: Echtfarb. tederdichte Inletts Heyn& Goldschmidt Danziger Straße Straße 98, am Hochbahnhof ee 1899-1924 Strickwesten u Jacken 8 75 12.0 17 50, reine Wolle Ueber 500 Stk. v d. kleinsten Kindergr bis zur größten Weite ständig a. Lager Bleyles sämtl. Fabrikate zu Originalpreisen. Gicht Bei Kurz. Aprii- Oktbr. Rheumatismus, Ischias, Frauenleiden hervorrag. seit über 50 Jahren bewährt Eisenmoorbad Bruno Richter& Co., Fabr- Ndige Bad Schmiedeberg, Bezirk Halle Thüring. 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