Abendausgabe Nr. 439 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 220 5 Goldpfennig 50 Milliarden = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 17. September 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag Gmb Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der dänische Wahlfieg. Vier sozialdemokratische Mandate im Landthing gewonnen. Die Dementierkatastrophe. OP Stresemann und Völkerbund. Kopenhagen, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Owen Young in der Reparationskommiſſion flärung Cord parmoors hat der„ Sozialdemokratische Parlaments. am Dienstag erfolgten Wahlen zum dänischen Landthing ergaben für die Sozialdemokratie ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis. Während sie allein felbft als Regierungspartei gewann, verloren alle anderen Parteien. Gewählt wurden insgesamt 28 neue Sihe. Davon erhalten die Sozialdemokraten nach dem bisherigen Gesamtergebnis 12. Sie gewinnen drei Mandate. Die Konservativen erlangen 5 Sige und verlieren ein Mandat. Die Benstre( Bauernpartei) erhalten von ihren bisherigen 10 Sigen nur 8 zurüd. Auch bie Radikalen verlieren von ihren 2 Mandaten eins. Das eine reffliche Mandat ist noch nicht verteilt und wird voraussichtlich ebenfalls der Sozialdemokratie zufallen. Das Ergebnis der Wahl bedeutet einen starken Erfolg unserer Partei, der um so höher zu veranschlagen ist, als durch die Wahlen indirekt auch ein Vertrauens= votum für das Kabinett Stauning abgegeben worden ist. Angesichts der Struktur des Landthing, der die Rolle der ersten Kammer des Reichstages spielt, und nur von den über 35 Jahren alten Männern und Frauen gewählt wird, war bei der jetzt vorgenommenen Teilwahl nicht zu erwarten, daß die Uebermacht der bürgerlichen Parteien in diefem parlamentarischen Gebilde gebrochen würde. Es ist aber gelungen, in die Front der bürgerlichen Mehrheit Bresche zu schlagen und die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten( bei insgesamt 76) von 22 auf 26 zu steigern. Durch diesen Ausgang der Wahl hat die herrschende Mehrheit des Landthing, die der sozialdemokratischen Regierung und der zweiten Kammer, dem Folkething, fortgesetzt Schwierigkeiten bereitet hat, ein unzweideutiges Mißtrauenspotum von der Bevölkerung erhalten. Der Wahlsieg unserer Genossen schafft nicht nur größere Bewegungsfreiheit für das Kabinett Stauning, das jetzt mit größerer Energie an seine Reformarbeit gehen kann, er rollt auch erneut die Frage der Beseitigung des Landthing auf, der als rückständiges Gebilde aus längst vergangener Zeit der politischen und wirtschaftlichen Entwidlung in Dänemark wie ein Hemmfloh im Wege steht. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß eine Regierung, die sich auf die Mehrheit der eigentlichen Boltskammer, des Folkething, ftüßt, sich mit der reaktionären Mehrheit der ersten Kammer herumschlagen muß, die ihr fortgesezt Knüppel zwischen die Beine wirft. Der jezige Wahlkampf wurde von unseren dänischen Genossen bereits unter der Parole geführt: Weg mit dem Landthing! Der Sieg, den sie jetzt erfochten hat, wird ihre Energie im Kampfe für eine demokratische Wahlreform, für die Beseitigung der letzten Hochburg der Reaktion verstärken und dadurch den jezigen Wahlen eine prinzipielle Bedeutung verleihen, die weit über die Grenzen des erzielten Mandatsgewinnes hinausreicht. Die langsame Räumung. Effen, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Bon maßgeben der Seite wird mitgeteilt, daß die in der Presse verbreiteten Meldungen, welche die Truppenbewegungen im befeßten Gebiet als Räumungsmaßnahmen draftellen, durchaus unrichtig sind. Insbesondere sind die Meldungen über die Räumung der Ober3war hausener und Redlinghausener 3one falsch. wurden die bisher in Oberhausen stationierten franzöfifchen Truppen aus der Stadt zurückgezogen und auf füdlich gelegene Orte verteilt. Dagegen bleiben die um Oberhausen liegenden Drte Hamborn, Sterkrade und Osterfeld nach wie vor besetzt. Die zurzeit von den französischen Truppen geräumte Stadt Oberhausen felbst gilt weiter als besettes Gebiet. Ebenso unzu treffend find die Berichte über die Räumung, Redlinghaufens. Bisher sind in Recklinghausen feine Truppenverminderungen erfolgt. Die einzige in Recklinghausen erfolgte Maßnahme, die mit der Liquidation der Ruhrbefezung in Zusammenhang gebracht werden könnte, sind einige Regiequartierräumungen. Das Recklinghauser Gebiet ist bekanntlich der 3. Division mit dem Hauptquartier in Dort mund unterstellt. Nach der Räumung der Dortmund- Hoerder 3one soll, wie von französischer Seite bereits mitgeteilt wurde, ein Teil der zurzeit in Dortmund liegenden 18. Dragoner in Redlinghausen einquartiert werden. Belgische Truppenverminderungen. Krefeld, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) In der bel gischen 3one werden in der allernächsten Zeit erhebliche Truppenverminderungen erfolgen. Die aus dem beJetzten Gebiet zurückgezogenen Truppen werden auf belgischem Gebiet in der Nähe der deutschen Grenze faferniert werden. Das belgische Ministerium hat eine Berfügung erlaffen, nach der die bei deutschen Familien einquartierten Offiziere zur möglichsten Beschränkung ihrer Wohnräume angehalten werden. Effen, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Bon zuständiger Seite wird der Bevölkerung im besetzten Gebiet für die Ueber gangszeit die größte Beschränkung und Vorsicht gegenüber den Besatzungsbehörden anempfohlen. Jeder neue Verstoß gegen die noch bestehenden Berordnungen der Besatzungsbehörden für die Sicherheit der Truppen und gegen die Regieverordnungen fallen nicht mehr unter die in London vereinbarte Amnestie und es merde später schwer fallen, die neuen Verurteilungen rückgängig zu nachen. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst" meldet: Auf Grund des Dementis der Reichsregierung gegen die Erdienft" seinen Genfer Korrespondenten um eine Gegenerklärung gebeten. Unser Vertreter suchte noch am Dienstag abend Cord Parmoor in seinem Hotel auf, der nochmals wiederholte, daß am 10. August bei einem Frühstück in seinem Landhause Mary, Stresemann, Luther, Sthamer, Murray und er eine private Aussprache über den Völkerbund und die Bedingungen für Deutschlands Eintritt hatten. Richtig sei, daß er mit Stresemann, nicht direkt gesprochen habe, weil der deutsche Reichsaußenminister nicht gut englisch spreche und Sfhamer den Dolmetscher habe spielen müffen. Da das Gespräch privater Natur gewesen sei und Stresemann sein Gast war, fo molle er mit Rücksicht auf den Reichsaußenminister teine weitere Distuffion über diese Unterredung führen. Der englische Delegierte Murray bestätigte die Aeußerungen Cord Parmoors und erklärte: Es fand eine intime Ausiprache von etwa 1 Stunde statt, in der wir das gesamte Problem besprachen. Ich bin sehr erstaunt, daß Herr Stresemann fich nicht mehr daran erinnert. Im übrigen hatte Lord Parmoor im Anschluß an unsere Unterredung noch eine lange Küdsprache mit Sthamer im Garten seines Hauses. Betonen möchte ich noch, daß dainals Cord Parmoor und ich schon für Genf delegiert waren. Das war den deutschen Herren wohl bekannt. Eine Tonne Reparationskohle= 18 Mark. Paris, 17. September.( TU.) Der Bericht, den Owen Young gestern der Reparationskommission erstattete, hat, nach dem Urteil der Preffe zu schließen, einen ausgezeichneten Eindrud hinterlassen. Na dem„ New York Herald" soll der Vorsitzende der Reparationsfommission, Barthou, nach Anhören des Generalagenten zu ihm gejagt haben:„ Wir beglückwünschen, Sie, Herr Young! Sie haben in wenigen Tagen, während denen Sie Ihr Amt ausübten, hervor ragende Resultate erzielt und die Hoffnung gefräftigt, daß das Dawes- Gutachten die Lösung der Schwierigkeiten Europas bedeuten würde." In einer Ansprache hat Owen Young darauf hingewiesen, daß die deutsche Regierung ihm in bereitwilliger Weise mit allen möglichen Angaben an die Hand gehe; sämtliche technischen Einzelheiten sind ihm in höchst zuvorkommender Weise mitgeteilt worden, und die Ueberzeugung, daß das Dames- Gutachten Deutschlonds Rettung bedeute, breche sich Bahn. Owen Young behauptet, daß auch die Deutschen sich in hervorragendem Maße an der Aufbringung ber 800- Millionen- Anleihe nächsten Monat beteiligen werden und daß sie ferner auch an der Zeichnung der industriellen und Eisenbahnobligationen teilnehmen dürften.- Owen Young hat vor der Replo eine Reihe bemerkenswerter Anregungen ausgesprochen und u. a. betont, daß das Personal der verschiedenen technischen Rörperschaften eine Mindestzahi bedeuten müsse, hauptsächlich zur Bermeidung größerer Ausgaben. Der Sizung haben Henry Robinson, der Pariser Vertreter des Generalagenten, und Mac Fadyean, der Kommissar für die Monopoleinnahmen, beigewohnt. -Mac Fadyean wird der Reparationsfommiffion einen Bericht unterbreiten, bevor sie zu der zweiten Feststellung der Ausführungen des Sachverständigenberichts schreiten wird. Für den Augenbiid Das Auswärtige Amt versicherte ,,, der Pazifist Graf müssen noch gewisse technische Fragen mit den verschiedenen deutschen Reßler" habe in Genf feinen Auftrag und stellte ihn vor Ministerien behandelt werden. Die Reparationsfommission hat der Welt quasi als politischen Hochstapler hin, falls er sich die gestern die Gelegenheit wahrgenommen, um die Ernenung verschie Stellung eines Beauftragten des Auswärtigen Amts anmaße. dener von dem Sachverständigengutachten vorgesehener Beamten zuständigt worden, daß Keßler im Auftrag des Auswärtigen Dabei waren fremde Regierungen schon offiziell davon ver= vollziehen. Amts in Genf weile. Der Chicago Tribune" zufolge hat die Reparationstommiffion gestern den Preis der deutschen Reparationsfohle festgesezt. Er beträgt ungefähr 18 Goldmark für eine Tonne. Er tritt vom 1. Oftober ab in Straft und wurde festgesezt, um die glatte Abwicklung der Sachlieferungen zu ermöglichen. Die Reparationstommiffion hat Owen Young ferner mitgeteilt, daß Frankreich und Belgien den Betrag von 3½ Millionen Goldmark auf seinen Namen bei den Banken des Ruhrgebiets hinterlegt haben. Dieser Betrag stellt die franto- belgische Ruhreinnahme in der Zeit von für Bestreitung der Besatzungsunkosten. 1. bis 10. September dar, ausschließlich der 10 Millionen Goldmark Die Mosulfrage. Genf, 17. September.( WTB.) Die türkische Delegation über reichte heute den Mitgliedern des Völkerbundsrates und der Bölfer. bundsversammlung eine Denkschrift, die im wesentlichen folgende Gesichtspunkte enthält: Alle wirtschaftlichen, politiſchen, historischen, geographischen, ethnographischen und strategischen Erwägungen erfordern die Beibehaltung der türkischen Souveränität über das wilajet Mofful. Entgegen der englischen Beweisführung wünscht die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung dieses Gebiets feinen Anschluß an das Jrafgebiet. Da die englische Regierung ihren Anspruch mit dem angeblichen Willen der Bevölkerung, fich von der Türkei zu trennen, begründet, sei eine Klärung des Streitfalles nur durch Bolts befragung möglich. Die Frage der Grenzziehung zwischen der Türkei und dem Graf, die vor dem Wölferbund anhängig ist, erfordere daher ein vorheriges Plebiszit mit allen Garantien für eine freie Willensäußerung Die türkische Delegation fei überzeugt, daß der Völkerbundsrat, von dem Willen der Gerechtigfeit beseelt, diese Erwägungen in Betracht ziehen werde. In hiesigen türkischen Kreisen wird erklärt, daß ein eventueller späterer Beitritt der Türkei zum Bölkerbund davon abhängen müsse, welche Gerechtigfeit die Türkei bei dem Bölkerbund finde. Der Vormarsch auf Peking. London, 17. September.( Eigerer D: ahtbericht.) Der chinefische Bürgerkrieg hat durch das aktive Eingreifen des mandfchuri schen Generals Tschang- Tsolin nun auch den Norden des Landes erfaßt. General Tschang- Tsolin hat mit mehr als sieben Divisionen den Kampf gegen die Regierungstruppen aufgenommen und ist bereits in die Provinz Tschili, den Hauptsiz der jetzt in China die Zentralregierung bildenden Partei eingedrungen. Seine Truppen drängen auf Beting zu, wo er durch Flugzeuge bereits Profiamationen hat abwerfen lassen, die feinen baldigen Einzug verkünden. Auf der Tschefiang- Front werden die Rämpfe mit unvermin. derter Heftigkeit und großen blutigen Verlusten auf beiden Seiten fortgesetzt, ohne daß bisher eine entscheidende Wendung zu erfennen ist. Die Flotte der Mächte hat Kanonenboote in die Mün dung des Jangtsetiang geschickt, um von da aus den Schutz der Fremdenkolonie von Schanghai besser bewirken zu können. London, 17. September.( WTB.) Reuter meldet aus Peking: Nach unbestätigten Meldungen haben die Tschili- und die Mandschurei truppen bei Tschaojang im Nordtschili die Feindfeligteiten eröffnet. Die Truppen Tschang- Tsolins sind auf dem Marsch von fau nach Tschaojang begriffen, ihr Ziel ist wahrscheinlich Tschoeng. toefu. Der neue Ministerpräsident Dr. Den trat heute sein Amt an. Das Auswärtige Amt und sein Chef sind in Berlegenheit. Zum drittenmal binnen wenigen Tagen sind von ihnen Erklärungen ausgegangen, die unhaltbar sind. Das Auswärtige Amt dementierte, daß der Reichskanzler an Herriot und Macdonald Briefe bestimmten Inhalts gerichtet habe. Dabei befanden sich diese Briefe bereits in den Händen der Adreffaten. Zu diesen beiden Dementiertatastrophen gesellt sich nun eine dritte, die nicht bloß das Amt, sondern auch seinen Chef persönlich betrifft. Herr Stresemann hat am letzten Freitag, jenem Unglüdsfreitag, den Presseleuten in leichtem Plauder= wäre es mit Deutschlands Eintritt in den Bölkerton eine Rede gehalten und darin versichert, den Engländern wäre es mit Deutschlands Eintritt in den VölkerDeutschen über dieses Thema gesprochen worden. Darauf bund gar nicht so ernst, sonst wäre ja in London zu den erfolgt nun aus London über Genf die Antwort:„ Es ist darüber gesprochen worden!" Wir nehmen nicht an, daß es Herrn Stresemanns Absicht war, die Pressevertreter anzulügen. In seinem Be= streben, sich zu verteidigen, was er sehr notwendig hatte, und in der Verteidigung zu überzeugen, benußte er eine Lüde, die augenblicklich in seinem Gedächtnis entstanden war, als Argument. Er dachte nicht daran, daß seine Erklärung den Engländern zu Ohren kommen könnte, sonst hätte er sie sich reiflicher überlegt. Das ist eben die Gefahr der Leute, die Rhetorik übersprudeln, mit den Tatsachen in Widerspruch ge= sich immer nur auf ihre Zunge verlassen, daß sie in der ftellungen vertauschen müssen. raten und augenblickliche Triumphe mit peinlichen Bloßversuchte Herr Stresemann zu leugnen. Was Nun aber geschah das Schlimmste. Auch jetzt noch Stresemann hatte inzwischen Gelegenheit, sein Gedächtnis zu ein Umfall war, wurde jetzt zur Katastrophe. Denn Herr prüfen, er hatte Gelegenheit, bei andern nachzufragen, ob ihn fein Erinnerungsvermögen nicht im Stich gelassen hatte trotzdem Ableugnung! Man möchte hoffen, Herr Stresemann wäre imstande, bei dieser Ableugnung zu bleiben. Er ist es nicht. Man würde wünschen, der peinliche Fall könnte mit einem ,, non liquet"( es ist nicht flar, wer recht hat) geschlossen werden, das ist unmöglich. Denn zu den positiven Bekundungen Lord Barmoors und Murrans gesellt sich obendrein noch das Zeugnis der Frankfurter Zeitung". Danach haben englische Delegierte in Genf schon vor diesem Streit um die Wahrheit erzählt, daß in jener umstrittenen Unterhaltung von nichts anderem die Rede gewesen sei als vom Völkerbund". Man erfährt auf diese Weise wenigstens, wo das Blaue schmerzlich vermissen. Dom Himmel geblieben ist, das wir seit einigen Tagen so unbedingte Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe mit diplomaEs besteht leider noch immer Streit darüber, inwieweit tischen Geschäften vereinbar ist, aber allgemein wird der Grundsay anerkannt, daß man sich nicht erwischen lassen darf. Das Auswärtige Amt hat gegen diesen Grundsatz verstoßen. Es hat sich im Laufe einer einzigen Woche dreimal erwischen lassen, und zwar in einer so unglaublich ungeschickten Weise, wie es nur Leuten passieren kann, die den. Kopf verloren haben. Wie tam das? Die deutsche Außenpolitit fteuerte bis vor kurzem einen leidlich vernünftigen Kurs. Auf Zureden der Sozialdemo fratie entschloß sich die Regierung zur Annahme des Dames= Plans, der Weg zur allmählichen Befriedung durch diplo matische Verhandlungen und tatsächliche Leistungen war d mit beschritten. Die Ratifikation des Abkommens von| Washington wurde nach einigem Hängen und Würgen mit einigen Wenn und Aber angekündigt. Gab die Regierung ihrem Herzen noch einen fleinen Stoß, so war auch der Ein tritt in den Bölkerbund vollzogen. Da setzte das Spiel der Deutschnationalen und mit den Deutschnationalen ein. Man empfand die Notwendigkeit von Konzeffionen nach rechts. Die Kriegsschuldfrage wurde in zweckloser und schädlicher Weise in die Debatte geworfen, es entstand der Notifizierungsstreit mit seinem uner quicklichen Hin und Her. Im Auswärtigen Amt wußte man nicht mehr, woran man war, und die Angst vor den Deutsch nationalen wurde das die deutsche Außenpolitik beherrschende Gefühl. So fam das Schiff ins Schwanken, die Mannschaft wurde dabei seekrank, man begann zu tanzen, zu balanzieren und auszugleiten. Warum wurden die Kanzlerbriefe abgeleugnet? Aus Keßler bestritten? Aus Angst vor den Deutschnationalen! Warum wurde die Mission des" Pazifisten" Grafen Keßler bestritten?, Aus Angst vor den Deutschnationalen! Warum verstrickte sich schließlich Herr Stresemann in unmögliche, mit den Tatsachen nicht zu vereinbarende Ausreden wegen seiner passiven Resistenz gegen den Völkerbund? Aus Angst vor den Deutschnationalen! Infolge innerpolitischer Schiebungen ist die deutsche Außenpolitik völlig aus der Fasson gekommen. Das ist ein fehr beklagenswerter, nicht lange aufrechtzuerhaltender zustand. Volt. Wenn sich diejenigen, die das deutsche Volk nach außen Die Fehler des Auswärtigen Amts treffen das deutsche Voll. Wenn sich diejenigen, die das deutsche Volk nach außen zu vertreten haben, durch ein unbegreifliches Verhalten um Achtung und Vertrauen bringen, so geht dieser Verlust zu Lasten des deutschen Bolfs. Innerpolitische Treibereien haben zu einer Katastrophe der Außenpolitik geführt. Es ist Zeit, im Innern Klarheit zu schaffen, damit auch nach außen ein flarer Kurs gesteuert werden kann Die Bilanz der Bankerotteure. Geistiger Zusammenbruch. Es ist still im deutschnationalen Blätterwald. Merk würdig still. Die famose Erklärung der deutschnationalen Parteileitung, die im Stil und in der Manier von Revolverbanditen drohend von den bürgerlichen Parteien den versprochenen Preis für die Preisgabe heiligster deutschnationaler Ueberzeugungen verlangt, findet in der eigenen Parteipresse faum ein Echo. Sie fühlen wohl selber, wie schmäh lich die Rolle ist, die sie spielen. Die Kreuz- Beitung" begnügt sich damit, an einem stillverschwiegenen Winkel ihres Blättchens dieje ,, Untere Parole" mit ein paar 3eilen abzulun. Die Deutsche Zeitung" nagelt Herrn er gt feft: " leberraschend ist für uns, daß Exzellenz Hergt nach dem von der„ Deutschnationalen Port iforrespondenz" wiedergegebenen Auszug in feiner Gleiwiger Rede von uns" spricht, die wir einen Anteil an der Berantwortung für die Durchführung des Paftes erhalten follten, wenn wir auch an der Verantwortung für feine Annahme unfer Teil übernommen" hätten. Damit schließt sich Erzellenz Hergt selbst unseres Wissens zum ersten Male ausdrücklich in die Verantwortung für dos a" der Achtundvierzig ein." Sie fühlen offenbar, daß sie mit ihrer Zustimmung zu Den Dawes- Gefehen in die Rolle betrogener Betrü ger geraten find. So nimmt das Durcheinander in den deutschnationalen Organisationen fein Ende. Der Kreisverein Stralsund veröffentlicht folgende Entschließung: lehnung des Abkommens und dem pommerschen Landesvorstand für seine energische Stellungnahme gegenüber der Reichsleitung der Partei und fordert eine Aenderung in der Zei tung der Partei." Wichtiger als dieses Durcheinander in den Organisationen, als die offene Rebellion der Unterführer, die unbestreitbare Berfegung des Parteiapparates, ist der sich offenbarende geistige Zusammenbruch. In der Abstimmung der deutschnationalen Reichstagsfraktion tam mehr zum Ausbrud als nur Wahlangst und nur Sehnsucht nach Ministerfesseln. In der entscheidenden Stunde offenbarte sich der innere Bankerott der Weltanschauung des alten Deutschland, der politischen Methoden der in der wilhelminischen Periode führenden Kräfte. Mar Maurenbrecher, der Mentor der Deutschnationalen, muß mit Betrübnis feftstellen, wie die geistige Umstellung der deutschnationalen führenden Kreise beginnt. Er setzt sich mit einem Artikel von Martin Spahn, Rechnungsabschluß", auseinander, in dem Spahn u. a. schreibt: " ,, Es ist in unserem deutschen Leben feine Kraft wahrzunehmen, die das Ringen nun noch einmal mit Aussicht auf Erfolg in absehbarer Zeit aufnehmen tönnte. Es wird sich erst mieder eine neue Kraft sammeln und erheben müssen an anderer Stelle, und das braucht Zeit, darüber werden Jahre ver gehen..." Spahn stellt in seinem Artikel fest, daß alle Versuche, die Spahn stellt in seinem Artikel fest, daß alle Versuche, die bisher gemacht worden sind, mit den Mittein des alten Deutschlands den Niederbruch wieder zu beheben, ge= kommissariat v. Kahrs und die parlamentarische Aktion der scheitert sind. Er nennt den Kapp- Butsch, das GeneralDeutschnationalen Bolkspartei. Auch Maurenbrecher muß Deutschnationalen Volkspartei. Auch Maurenbrecher muß Spahn zustimmen: „ Die Deutschnationale Volkspartei ist so wie sie ist, nicht manöprierungsfähig", sie hebt sich selbst auf und sie hat, als sie die Entscheidung über ein von ihr als Unglück bekämpftes Gefeß in der Hand hatte, nicht die Entschlußkraft gefunden, es zum Scheitern zu bringen. Einflüsse der Wirtschaftler und Wahlangst haben sie zerrüttet." Spahn zieht aus diesen Tatsachen die Schlußfolgerung, daß ein Ersatz für die Deutschnationalen sich voraussichtlich aus den ganz neuen Bedingungen unseres nationalen Daseins heraus entwickeln müsse. Dazu bedarf es für die meisten von uns einer geistigen Umstellung, zu der nicht viele sofort und manche überhaupt nicht bereit sein werden." Das ist schlechterdings das entscheidende Eingeständnis. Diese geistige Umstellung ist nichts anderes als die K a pitulation vor der Auffassung der Sozialdemokratie, daß Deutschland sich nicht mit den Mitteln des alten wilhelminischen Regimes befreien fann, sondern daß dazu eine fluge, besonnene, realpolitisch denkende Erfüllungs politit notwendig ist, die von neuen Gedankengängen getragen ist und die der neu en weltpolitischen Entwicklung Rechnung zu tragen versteht. Maurenbrecher begreift diese Perspektive, er sieht in ihr das Ende eines selbständigen anarchisch handelnden Deutschland, er sieht genau, wie die Kommunisten darin die lnterwerfung unter die Riesenkapitalien Amerikas unb Englands". Am 29. Auguft haben wir die Macht dieses Rapitals mit der Deutschnationalen Volkspartei selbst an der Arbeit gesehen." Freilich, auch Maurenbrecher muß diesen Kräften, die er beschwörend anruft, bescheinigen, daß sie politisch un= erzogen waren. Sie waren nicht nur politisch unerzogen, sie sind es auch heute und sie werden es immer bleiben. Sie sind zurzeit nichts anderes als eine in voller Auflösung begriffene Banditenorganisation. Ihre Idole sind zerschlagen, ihre Führung hat Bankerott gemacht und ihre Er= pressungsversuche werden scheitern. Krach! Deutschnationales Toben gegen die Volkspartei. Die volksparteiliche Zeit" hatte dieser Tage bescheiden und höflich zu äußern gewagt, man könne mit der Deutschnationalen Bartei doch nur dann verhandeln, wenn sie einheitlich auftrete. Das gibt der„ Pommerschen Tagespost", dem führenden Organ der Deutschnationalen Pommerns, Anlaß zu folgenden Bemerfungen: Was die Deutsche Bolfspartei, als dessen Sprachrohr die " Beit" zweifellos angesehen werden muß, den Deutschnationalen hier anzubieten wagt, ist die glatte Unterwerfung unter ein Diffat, ein Verzicht auf jede selbständige politische Meinung, und die apodiftische Form, in der das Ansinnen gestellt worden ist, ist für die große Partei derart verlegend, daß sie aufs schärfste zurüdgewiesen werden muß. Die Deutschnationale Boltsparici muß es ablehnen, sich von der Partei des Herrn Stresemann Vorlesungen über die Notwendigkeit eines Ausgleichs innerer Gegenwohl allein imftande, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu ordnen und lähe und eines geschlossenen Auftretens halten zu lassen. Sie ist sehr verbitten. Jedenfalls hat die Volkspartei, wenn es ihr( was wir muß sich deshalb jede Einmischung ganz energisch bezweifeln) mit dem Gedanken einer bürgerlichen Regierungstealition unter Einschluß der Deutschnationalen ernst sein sollte, dieses Ziel durch ihre heutige Veröffentlichung keineswegs gefördert. Wir halten es für gänzlich ausgeschlossen, daß die Volkspartei am 30. September eine folche Parteileitung finden wird, die auch nur im entferntesten bereit sein wird, unter ein so entwürdigendes Joch zu gehen, wie es die heutigen„ Bedingungen“ bezeichnen. Das ist ja ein guter Anfang einer glüdverheißenden Che! Kommt die Bürgerblock regierung zustande, so wird man im Sihungsfael der Reichskanzlei alle Tintenfäffer und sonſtigen harten Gegenstände anschrauben müſſen. Die Schuldigen schreien. Aber die Opfer gehen ins Zuchthaus. Die kommunistische Presse hallt wider von Entrüftung über das legte Urteil des Staatsgerichtshofs zum Schuße der Republit gegen die Elberfelder Kommunisten. Und selbstverständlich von Entrüftung gegen die Sozialdemokratie, als ob sie das Urteil veranlaßt oder gefälscht habe. Dabei dürfen einige glaite Fälschungen natürlich nicht fehlen, wie etwa die, der„ Vorwärts" habe das Urteil als milde bezeichnet und so gewissermaßen der Rachejuftiz das Wort geredet. Unsere Leser wissen, daß das Gegenteil der Fall ist. Wir haben allerdings auf die Blut= justiz in Sowjetrußland hingewiesen und hinzugefügt, daß das Leipziger Urteil im Vergleich zu dieser nech milde erscheine. Aber abgesehen von Sowjetrußland ist zu fragen, wie das Leipziger Urteil mit den Bestimmungen des Strafgesehbuchs au Der Und da ergibt sich bei nüchterner und objektiver Prüfung ein ganz anderes Bild. Maurenbrecher fieht nur eine Möglichkeit für Deutsch- einbaren sei. land, wieder hoch zu kommen: das offene Bekenntnis und das Hinarbeiten auf den Revanchefrieg. Er glaubt nicht daran, daß die tapitalistischen Kräfte in Deutschland auf die Dauer diesen Revanchefrieg politisch wünschen werden. Und so fommt er zu dem Postulat: " Anders gesagt: nicht das kapitalistische und nicht sein Gegenspiel, das proletarische Deutschland, retten uns, wenn anders wir überhaupt gerettet werden können. Nur die Kräfte, die aus dem vor= fapitalistischen Deutschland heute noch unter uns vorhanden Die Mitgliederversammlung des Kreisvereins Stralsund der Deutschnationalen Volkspartei gibt ihrer Entrüstung Aus druck über die Spaltung der Reichstagsfrattion bei der Abstimmung über das Londoner Abkommen. Sie dankt den pommerschen Abgeordneten für ihr Festholten an der Abfind, fönnen uns helfen." Seitgenosse Rüpel. Bon Paul Gutmann, aus seinen Bedanken unversehens durch einen Fußtritt auf gescheucht zu werden, ist schmerzlich. Wenn aber dem schmerzerregen den Borgong statt einer Entschuldigung noch Grobheiten hinzugefügt werten, so entsteht in dem Betroffenen sprachloses Erstau ten. Wer ist jener Zeitgenosse, der sich so erhaben über seine Mit menschen fühlt, daß ihm deren bloß räumliches Vorhandensein schon als Beeinträchtigung feiner Person erscheint? Ist es ein Wohnfinniger? Ein Anarchist, der sich an der Welt zu rächen sucht, indem er fie niedertrampelt? Reines von beiden. Er ist der absolut deen lose, die Ueberspigung des Philisters ins Tierische. Ueberbleibsel offenbar aus einer Beriode vorm Hordenleben, homo primigenius incultus gewöhnlich Rüpel genannt. Dieser Zeitgenosse macht sich jetzt unangenehm häufig bemerkbar. Die Zeit hat seine Aufzucht offenbar begünstigt. In dem gewaltigen Wandel der Ereignisse, die er seelisch nicht bewältigen kann, würde er vor sich selber zum erbärmlichen Nichts zusammenschrumpfen, wenn er nicht durch die Kraft seines Mundwerks und feiner Glied. maßen sich im Strom erkenntlich machen könnte. Wozu hast du Füße, men feine in der Nähe sind? Du beanspruchst einen Siz plaz in der Bahn, wenn er stehen muß? Gin Rippenstoß, und er wird sich auf den ihm von Geburt zustehenden Plaz setzen. Oder du widersprichst ihm gar. Dann bist du ein gemeiner Mensch, ein unverschämter Kvaleeler. Er ist immer Mittelpunkt, und die Welt ist zu feiner Bedienung da. Aber weil es eine Eigenschaft des Db. jekts ist, Widerstand zu leisten, ist die Welt für ihn fast immer unvollkominer. Die Tür öffnet sich nicht willig vor ihm. Sie bekommt einen Stoß, wie ein Stlave, der die Wünsche seines Herrn nicht errät. Die Krawatte läßt sich nicht binden. Der Wind reißt ihm den Hut vom Kopf. Er schimpft wie ein Etrolch, der dem Herrgott am liebsten die Fenster einhauen möchte. Da er sich nicht in die Dinge versenften fan, entfeelt er die Dinge und erniedrigt sie zum bloß Materiellen. Bestand der Reiz eines Ausflugs nicht darin, daß er den Stationsvorsteher beinahe ohrfeigte, weil der Zug zu spät abging, oder daß er sich beim Wirt über den Kellner beschwerte, der einen Gast vor ihm bediente? Und war nicht an allem seine Frau schuld, die wieder einmal seine geistige Ueberlegenheit erkennen mußte? zu seiner Frau und erzählt, wie er's den anderen wieder einmal gründlich besorgt hat. Wenn er sich der Deffentlichkeit bemächtigt, dann fliehen alle guten Geister. Er ist in der Politit, in der Wissenschaft, in der Runft zu finden. Als Politiker beschimpft er den Gegner, wirft Stintbomben oder überfällt Wehrlose mit dem Gummifnüppel. Als Lehrer ist er der Seelenmörder seiner Schüler. Als Architekt oder Bildhauer hat er eine Zeitlang unsere modernen Städte in Stätten des Ueberdrusses und der Qual verwandelt, indem er mit seiner fnalligen Aufdringlichkeit jede noch so anspruchslofe Umgebung fchändete. Weil er kein fremdes Sch anerkennt und wie ein Schatten unter Lebenden geht, wirkt sein Anblid so über die Maßen beleidigend. Er ist die Karikatur dieser Zeit. Cin Jubiläum des Zements. Aspdin, den Erfinder des Portland- Bements, ist dieser Tage in Eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Maurer Joseph feiner Baterstadt 2eeds feierlich eingeweiht worden. 100 Jahre find jeßt dahingegangen, feit diese für das Bauhandwert so wichtige Erfindung gemacht wurde, und doch stehen wir vielleicht erst am Anfang einer Geschichtsperiode, die spätere Geschlechter einmal als das 3ement- Zeitalter" bezeichnen werden. Der Maurer aus Leeds, der sich 1824, nach jahrelangen Versuchen, seine Zementbereitung patentieren ließ, hat eine ganze Anzahl von Vorgängert. Die porösen Kaltsteine, die man vielerorts gefunden hat, und die sämtlich pullanischen Ursprungs find, erscheinen gleichsam als natürliche 3e mente. Bei ihnen hat schon die Natur den Glühprozeß vollzogen, dem die Stoffe bei der fünstlichen Zementbereitung erst unterworfen werden müssen. Der erste Erfinder eines haltbaren Zementes war John Smeaton, der Erbauer des berühmien Eddystone- Leuchtturms. Er entdeckte in der Nähe des Bristol- Kanals einen tonhaltigen Kalfstein, der, gebrannt, unter Wasser hart wurde und eine bedeutende Bindekraft besaß. Auf Smeatons Erfindung baute Parfer weiter, der 1796 die erste Roman- Zementfabrit errichtete. Mit diesem Roman- 3ement wurden in England die großartigften Bauten aus geführt, fo der Themfe- Tunnel, das Britische Museum, die Londoner Docks usw. Aspdins Portland Bement hat bis auf den heutigen Tag die größte Bedeutung behalten. Seinen Namen erhielt dieser 3ement, eine grünlich- graue, feinsandige Masse, deswegen, weil er in feiner Färbung dem in England viel benutzten Portlandstein nahesteht. M Die erste deutsche Fabrit entstand im Jahre 1855 in Zülchom In der Straßenbahn macht er Krach, am liebsten, wenn sie voll bei Stettin. Ausgangsmaterial war, wie in England, Kreide, verbesetzt ist und er ein großes Auditorium hat. Er redet mit starren mischt mit Septarienton von der Odermündung. In der Foige entGlogaugen dann nicht zu einzelnen, sondern ins Allgemeine, Leere, standen in der Nähe von Stettin weitere Fabriten, ferner in Lüneburg, Ulm, Amöneburg usw. Der Wettbewerb der deutschen Faweil es jo außer' hm sozial Höherstehende abgerechnet tei.te brifen untereinander sowie mit dem ausländischen Fabrikat veran Individuen gibt. Der Krach, so ins Allgemeine hinein, ist überhaupt laßte die deutschen Werke, ihre Fabrikazion mehr auf wissenschaft für ihn die höchste Form der Lebensbetätigung. Dann ist er zu- liche Grundlage zu stellen und besondere Prüfungsvorschriften ausfrieden und geht stolz erhobenen Hauptes an feinen Stammtisch oder zuarbeiten. Die deutschen Normen wurden zum Vorbild für alle Bon juristischer Seite wird uns dazu geschrieben: „ Die Angeklagten hatten Schuhleute überfallen und ihnen unter Bedrohung mit der Waffe die Waffen abgenommen, um sie sich anzueignen. Damit sind die Merkmale ber SS 249 und 250 des Strafgesetzbuchs erfüllt, wonach, wenn feine mildernden Umstände vorliegen, die Straftat mit 3uchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft werden muß. Drei felcher Straftaten logen vor. Als vierte fam die hinzu, bei der der Schuhmann erschossen wurde. Keiner der Beteiligten hat das gewollt, auch der Täter nicht. Trotzdem wurde durch | 3ement herstellenden Länder. Die Erzeugung der deutschen Portland- Zementwerte vergrößerte sich schnell; sie stieg von 0,4 Millionen Zonnen( 1878) auf 3,5 Millionen Tonnen( 1900) und sogar auf Die vorjährige Produktion betrug 7 Millionen Tonnen( 1914). etwa 3,5 Millionen Tonnen. Ein Weinfilm. Ist der deutsche Wein so schlecht oder so teuer geworden oder ist das Weintrinken so zurückgegangen, daß man eine Propaganda dafür unternehmen muß? Jedenfalls hat die Ufa gestern einen Film Wein, Weib, Gejang" herausgebracht( in den Rammerlichtspielen), der auf vielseitig anregende Weise den deutschen Weinbau geschichtlich, technisch, landschaftlich, literarisch und musitalisch illustriert Da man über den Alkohol( der Wein gehört ja leider auch in dies Rapitel) nicht mehr schreiben fann, ohne eine Polemit der Interessenten herbeizuführen, sei hier festgestellt, daß Antialkoholifer an solcher Berherrlichung des Weins Anstoß nehmen müssen. Da man die Trauben aber auch in alkoholfreien Saft verwandeln kann, werden sie wenigstens an den schönen Land' chaftsbildern, die von Meersburg bis Bomst reichen, Gefallen durch lebende Bilder. Römische Bacchanten, Falſtaff beim Seckt, finden Die Vorführung der Weinorte wird angenehm. unterbrochen Mephisto in Auerbachs Keller, der Rodensteiner( mit ganz tollen Tridizenen), Hafenelevers Weinprobe, der Meistertrunk von Rothen burg sind nur einige dieser Nanien. Db Schiller und Goeth? bemüht werden mußten, ist fraglich, ganz unwissenschaftlich ist die Ziherung Noahs, bei der fogar eine Jahreszahl angegeben wird. Aber darf man einem Filmfeuilleton dergleichen aufmußen? Cher wäre die allzu große Länge zu tadeln. Aber sie wird ja, abgesehen vom Bilderreiz, aufs vorzüglichste ausgefüllt durch die zahlfofen Weinlieder, die dazu gespielt und von guten Solisten aus dem Schubert- Ensemble gesungen werden. Der Liviusschwindel. Zur Enttäuschung der ganzen Welt stellt fich auf Grund der Untersuchung der italienischen Regierung heraus, daß das vollständige Geschichtswerk des Litus Livius gar nicht gefunden worden ist. Wie der Untersuchungsrichter amtlich mitteilt, geht aus der ersten Befragung des Professors de Martino durch die Mitglieder der Prüfungskommission von Neapel hervor, daß er nicht die Handschriften des Livius, sondern nur Nachrichten darüber entdeckt hat. Immerhin werden die Erhebungen fortgesetzt. Da ganz positive Mitteilungen über den und durch die Presse gingen und von neapolitanischen Professoren bestätigt wurden, müßte sich doch feststellen lassen, von wem diese Irreführung der öffentlichen Meinung ausging. Die Preffe hätte größtes Interesse an dieser Untersuchung, damit nicht auf ihr der Vorwurf haften bleibt, sie hätte leichtsinnigerweise Schwindelgerüchte verbreitet. Das Aida- Gaftspiel ist unterbrochen, weil es neu finanziert werden soll. Es scheint eine Uebergründung vorzuliegen. Ein Rattenkönig von Unters nehmern hat sich daran beteiligt. Die finanziellen Erwartungen haben sich aber dank den unerhörten Preisen nicht erfüllt. So muß man Ueberflüssiges ausbooten und durch Breisberabjegungen das feitgefahrene Schiff wieder Berliner Stritif hat zwar das Gastspiel über den guten Klee gelobt, aber flott zu machen versuchen. Man bofft morgen spielen zu können. Die das Publikum streifte. Unsere Frage: war die Veranstaltung tunstTeris nötig, ist bisher unbeantwortet geblieben. diesen unglücklichen Schuß die Tat auf das Gebiet des§ 251 verschoben, und dieser bestimmt: „ Mit Zuchthaus nicht unter zehn Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus wird der Räuber bestraft, wenn bei dem Raube ein Mensch gemartert oder durch die gegen ihn verübte Gewalt eine schwere Körperverlegung oder der Tod desselben verursacht worden ist." Mildernde Umstände kennt der§ 251 überhaupt nicht. Ob die Tat mit Ueberlegung ausgeführt worden ist oder ob es sich um einen unglücklichen Zufall handelt, ist insofern gleichgültig, als nicht unter zehn Jahren Zuchthaus erkannt werden tann. Dazu zwingt der§ 251 des Strafgesetzbuchs. An dieser Strafvorschrift ist das Urteil des Staatsgerichtshofs juristisch zu messen. Der Richter ist, ob es gegen sein Gefühl gehen mag oder nicht, an das im Gesetz vorgeschriebene Strafmaß ge= bunden. Die an dem vierten Ueberfall Beteiligten mußten mit mindestens zehn Jahren Zuchthaus bestraft werden, so will es das Gesez. Natürlich konnte die Strafe auch höher sein. Wie hat nun der Staatsgerichtshof entschieden? Elbers, das war der unglückliche Schüße, erhielt die mindest strafe; Clemm, der Anführer, erhielt die Mindest strafe, ebenso Michels und Rusch. In feinem Fall ist der Staatsgerichtshof über die Mindest strafe hinaus gegangen! Dort, wo z. B. wie bei Clemm, eine höhere Strafe als End= ergebnis herausfam, war es dem Umstand geschuldet, daß auch die drei anderen Raubfälle hinzufamen. Jeder dieser Fälle hat Clemm, der, wie gesagt, der Anführer war, fünf Jahre Zuchthaus eingebracht, so daß 25 Jahre Zuchthaus zu 12 Jahren Buch haus zusammengezogen wurden. Das Ergebnis dieser Betrachtung muß sein: Die Strafen sind sehr hoch, aber das ist zwangsläufig aus den Bestimmungen des Strafgesetzbuchs herausgewachsen, es hat nicht daran gelegen, daß hart geurteilt worden ist. Anders würde die Sache liegen, wenn dem Staatsgerichtshof vorgeworfen werden könnte, daß er die§§ 249 bis 251 zu Unrecht angewendet hätte und daß er, bei richtiger Anwendung anderer Strafbestimmungen zu niedrigeren Strafen hätte fommen fönnen. Dazu ist zu sagen, daß die Angeklagten recht gut verteidigt wurden, daß auber auch die Verteidiger nicht in der Lage waren, andere Paragraphen des Strafgesetzbuchs anzuführen die anwendbar wären. Das Mitleid, das den Verurteilten entgegengebracht wird, ver= denen diese in weitestem Maße. Sie haben nicht aus un= hrenhaften Gründen gehandelt und standen mann= jaft zu ihrer Lat, zu der sie aus politischer Ueberzeugung gefommen sind." Diese Darlegungen beweisen, daß schleunigst eine Reform des Strafgesehbuchs herbeigeführt werden muß, die auch aus tausend anderen Gründen schon längst notwendig ist. Wann wird sie endlich in Angriff genommen? Auf der anderen Seite aber legt das Urteil der Kommunistischen Partei die moralische Pflicht auf, ihre Anhänger ernsthaft vor solchen Handlungen zu warnen, anstatt sie dazu unter dem Vormande aufzurufen, daß es sich um„ revolutionäre" Aftionen handle. Wenn mit dem System Sinomjem endgültig Schluß in Deutschland gemacht wird, dann werden sicher auch die Berurteilten aus Elberfeld wieder den Weg in die Freiheit finden, wie die übrigen Kommunisten, die um der Parolen ihrer russischen Führer willen die Schyrecniffe langjähriger Haft haben auf sich nehmen müffen. Völkische Bombenwerfer. Das Münsterer Sprengstoffattentat vor Gericht. Münffer, 17. September.( Eigener Drahtbericht.) Am 24. Juni 1923 wurde das Druckereigebäude des„ Volkswille" in der Burgstraße birch ein Sprengstoffattentat zerstört. In dem dringenden Berdacht der Tat steht der Schriftfeher Heinz Rüdelhaus, 22 Jahre alt, aus Essen, und der 22jährige Dekorationsmaler Kurt Schreiber aus Effen. Im Mai dieses Jahres wurde bereits gegen beide Angeklagte verhandelt. Es fam jedoch zu feinem Urteil, weil die Angeklagten auf ihren Geisteszustand untersucht merden sollten. Seinen Angaben nach muß Rüdelhaus ein Abenteurer sein, der abwechselnd Landwirt, Schriftfeher, Reichswehrsoldat nd Fremdenlegionär wor. Schreiber war Deforationsmaler. Er ging mit feinem Freunde Kückelhaus nach Münster, um sich an dem Ruhrabwehrkampf zu beteiligen. Ehe fie aus Effen abfuhren, besorgten fie fich aber Auslandspässe. In Münster traten sie dem Stahlhelm und den Nationalsozialisten bei. Im Stahlhelm Im Stahlhelm wurde er auf Grund seiner Verdienste im Ruhrabwehrkampf aufgenommen. Um diese Verdienste befragt, erklärte er, diese verschweigen zu wollen. Bei einer früheren Bernehmung hat er jedoch von der Erſchießung eines französischen Offiziers geredet. Der Angeflagte bestreitet die Tat. In der fraglichen Nacht will er sich mit Stahlhelmleuten auf dem Hermannsdenkmal befunden haben. Am anderen Tage fuhr er nach München, um Weltenbummler zu werden. Zur Zeit der Tat haben beide Angeklagten in der Wirtschaft von Elgering in Münster gewohnt. Der Polizei gegenüber hat Rüdelhaus sich in einem Brief felbft der Tat bezichtigt. Schreiber erzählt von Leuten, die ihm gefagt hätten, was sie in Münster vollbracht hätten, Nach den Namen befragt, erklärt er, sie nicht nennen zu wollen, dadurch mache er sich eines Bertrauensbruches schuldig. Der Polizei gegen über hat Schreiber ein Geständnis abgelegt, weil er hoffte, dadurch freizukommen. Vor ihrer Verhaftung waren beide Angeklagten in Italien, der Schweiz, Defterreich und auch in Münster. In dem Geständnis wird gefagt, daß das Motiv politisch sei. Die Sache sei vorher in den Bureaus des Stahlhelms mit den Führern dieser Organisation verhandelt worden. Am Sonnabend hatte Kückelhaus den Sprengstoff zum Attentat besorgt. Vor der Tat ha te Kückelhaus an den" Bolkswillen" telephoniert, um zu sehen, ob noch jemand anwesend sei. Tatsächlich habe Rüdelhaus noch Antwort bekommen. Küdelhaus und Schreiber haben dann im Hof des Druckereigebäudes gewartet, bis der Wächter burchgekommen war. Schreiber, der auch Schreiner war, hatte das Fenster geöffnet und Rüdelhaus die innere Sache erledigt. Beide waren nach der Tat nach Mecklenburg gegangen und von dort nach München gefahren. Der Angeklagte Schreiber, dessen Vernehmung bei Redaktionsschluß noch andauert, verwickelte sich mehrfach in Widersprüche. Er möchte sich gern als großer Held aufspielen. Allem Anschein nach find die Beiden von den völfischen Organisationen unterstützt worden. Völkische in München verhaftet. Fortsetzung verbotener Organisationen. München, 17. September.( WTB.) 3u den bereits gemeldeten Berhaftungen von pölkischen Persönlichkeiten teilt die Korrespondenz Hoffmann halbamtlich mit: Am 16. Sep. tember wurden auf Grund gerichtlicher Anordnung bei einer Reihe von Mitgliedern der Organisation Frontring" wegen Verdachts der Fortfegung verbotener Organisationen Durchsuchungen durch die Polizeidirettion München vorgenommen. Das Ergebnis der Durchsuchungen führte zur Festnahme von sechs Personen, von denen eine alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die übrigen Festgenommenen( Oberleutnant Brückner, Leutnant Dßwald, Dr. Meiding, Oberleutnant von Brosch, Hauptmann Rraußer) werden zunächst in Haft behalten. Sie werden nach Abschluß der Vernehmungen dem Gericht über. miesen werden. Hopla, Fridericus! Unsere Nationalisten sind wirklich geschickte Leute. Sie machen wider Willen aus allem eine Komödie und haben es sogar fertig gefriegt, aus dem Alten Friß eine Barieté- Figur zu machen. Das ist nichts Neues mehr und wer Gelegenheit hat, die Spezialitäten bühnen besonders im Reich öfters zu besuchen, muß erschüttert feststellen, daß es faum ein Programm gibt, in dem nicht einer der sogenannten nationalen Helden eine Nummer spielt. fogenannten nationalen Helden eine Nummer spielt. Die Höchst leistung auf diesem Gebiet scheint aber erst jetzt erreicht worden zu fein. Ein fundiger Manager, der seine Leute kennt, läßt den Alten Fritz Jimmy tanzen, assistiert von zehn Jimmy- Girls, die natürlich in der Form friederizianischer Grenadiere stecken, was dem„ nationalen" Teil des Publikums beträchtliches und sehr vernehmbares Entzücken bereitet. Wie groß diefes Entzücken sein muß, geht aus folgender Kritik hervor, die ein Chemnizer Blättchen dem tanzenden Fridericus Rex und seinen zehn Mädchen widmet. Chemnizer Brettl. Fridericus Reg im Meistered- Kabarett. Das Gastspiel der zehn Shimmy- Mädels. In den Ueberschriften haben wir schon fast alles verraten: Im Meistered- Kabarett gibt es einen Fridericus Rer. Nicht den berühmten Film gleichen Titels, sondern eine äußerst effektvolle Ballettszene. Borgeführt von den tiptop gewachsenen zehn Shimmy- Mädels. In schmucker friderizianischer Uniform erscheinen die zehn, schneidig fommandiert und schneidig egerzierend. In dieser Zeit täglicher neuer nationaler Demütigungen tut dem Zuschauer und Kabarettbesucher fogar eine solche harmlose Szene wohl und ist imstande, fast Begeisterung im deutschen Herzen zu erwecken. Laut bricht darum auch die Freude aus, wenn dies militärische Schauspiel an uns vorübergezogen ist. Famos sind übrigens auch die Gruppentänze der zehn Mädels, vor allem der Original Shimmy, den sie tanzen. Da ist wirklich Rhythmus drin." Nun weiß man wenigstens, was dem deutschen Herzen nach den nationalen Demütigungen so wohl tut, was ihm Labsal ist in schwerer Zeit. Der hopsende Fridericus nach der Melodie„ Mach Dir doch' nen Bubitopf" oder„ Ich möchte einmal, ich möchte zweimal" oder„ Wo hast Du nur die schönen blauen Augen her" oder ,, Am Pipa, am Popo, am Potsdamer Plag". Ist es zu verwundern, wenn bei dem neckischen Wackeln der hohen Blechmützen die deutsche Freude impulsiv ausbrechen muß, sobald dieses militärische Schauspiel" vorüberzieht? So was hebt die teutsche Bruft oder läßt fie freier atmen. Ja wahrhaftig, dieses Volk ehrt seine heiligsten Güter, behandelt pietätvoll feine hehren Erinnerungen. Ob wohl einer nachschaut, ob pietätvoll seine hehren Erinnerungen. Ob wohl einer nachschaut, ob sich der Alte in der Gruft zu Potsdam umgedreht hat? Moderne Wegelagerer. Drahtseilattentat auf ein Auto. Ein Drahtseilattentat wurde in der letzten Nacht in der Nähe von Chorinchen auf ein Berliner Automobil verübt, in dem der Kaufmann 2achotsky auf dem Wege von Stettin nach Berlin fuhr. Kurz hinter dem Bahnof Chorinchen fuhr das Auto mit poller Bucht gegen en quer über die Chaussee gespanntes Drahtseil. Dadurch wurde das Borderteil des Wagens befchädigt, ohne daß die Fahrtgeschwindigkeit vermindert werden mußte. Plötzlich bemerkten Infassen des Wagens. daß sie von einem anderen Auto mit großer Geschwindigkeit verfolgt wurden. Sie feuerten nun zu ihrer Verteidigung einige Revolverschüsse ab, die den verfolgenden Wagen zum Stehen brachten. Die benachrichtigte Polizei aus Eberswalde schickte sofort einige Beamte zur Untersuchung der Angelegenheit an den Tatort. Nicht unweit der Unfallstätte wurde in dichtem Unterholz der zerrissene Draht wiedergefunden. Auch die Berliner Kriminal= polizei beschäftigt sich mit diefer Angelegenheit. Das Straßenbahnunglück am Knie. Klärung der Schuldfrage. Zu dem geftrigen Straßenbahnzusammenstoß an der Kreuzung der Berliner, Bismard- und Hardenbergstraße, dem sogenannten Sie in Charlottenburg, teilt uns die Direktion der Straßenbahn G. m. b. 5. folgendes mit: Nach den bisherigen Untersuchungen, die von den leitenden Beamten der Gesellschaft sofort angestellt worden sind, fann von einem Bersagen der Bremsen an dem Wagen Wagen ein erst im Frühjahr in den Dienst gestellter zweiachsiger der Linie. 78 feine Rede sein. Abgesehen davon, daß dieser Wagen ist, der ohne Anhänger fuhr, hat die unmittelbar nach dem Unfall an der Unglücksstelle vorgenommene Untersuchung ( durch Aufsichtspersonal und dem Fahrer) ergeben, daß die elertrische Bremse vollkommen vorschriftsmäßig funktionierte. Die Nachprüfung durch die Aufsichtsinstanzen, in diesem Falle die Eisenbahnbehörde, ist zwar noch nicht abgeschlossen, fann aber nach menschlichem Ermessen fein anderes Ergebnis haben. Nach der Ansicht der Direktion hat der Fahrer des Unglückswagens zwei grundlegende Fehler gemacht: Er ist zunächst mit voller Geschwindigkeit auf den an der Haltestelle stehenden Zug der Linie 44 draufzugefahren, in der Annahme, bis sein Bagen heran sei, werde die 44 bereits die Haltestelle verlassen haben. Als er dann bemerkte, daß diese Voraussetzung nicht eintrat, hat er mit Doller Kraft gebremst, so daß die gebremsten Räder auf den Schienen fortrutschten. Bei vorschriftsmäßigem Ge= brauch der Bremse ist es möglich, einen Wagen mit der Höchst geschwindigkeit von 25 Kilometer auf eine Entfernung von 16 Metern zum Stehen zu bringen. Dazu gehört aber, daß die Räder durch allmähliches Bremsen die lebendige Kraft des Wagens aufhalten können und nicht, wie es im vorliegenden Falle geschah, die Bremswirkung zum Teil durch das Rutschen aufhoben. Der Fahrer, der bereits 10 Jahre im Dienst steht, ist bis zum Abschluß der Prüfung durch die Behörde vom Fahrdienst ent hoben worden. Von den schwerer Berlegten, beren Ueberführung nach dem Krankenhaus Westend notwendig war, find zwei nach Anlegung von Verbänden in ihre Wohnungen entlassen worden. Den im Krantenhaus weiter, behandelten vier Verunglückten geht es den Umständen nach gut, eine Lebensgefahr besteht bei feinem. Wohltätigkeitsschwindler im Großen. feien, eine Sammlung veranstaltet werden sollte, um die gefährdeten Kinder zu einem Erholungsaufenthalt verschicken zu können. Unterzeichnet waren diese natürlich gefälschten Atteste: Das Wohlfahrtsministerium. Prof. Dr. med. Alerander. Ginzahlungen wurden erbeten auf das Poſtscheckkonto Nr. 51000 Kinderhilfe in Frankfurt am Main. Da die bei den Polizeiämtern vorgelegten, zur Bewilligung einer Sammlung erforderlichen Papiere sämtlich ordnungsmäßig gestempelt waren, zögerten die Polizeiämter denn auch nicht, die erbetene Bewilligung zu erteilen. Die Stempel waren aber ausnahmslos gefälscht. Auf diese Weise hat Zeßler viele Tausende von Firmen und Einzelpersonen erbeutet. Er hat diese Summen für seine eigene Person restlos verbraucht. Als er in Erfurt wieder auftrat und hier um Bewilligung einer Wohlfahrtssammlung polizei, und so gelang es, den Gauner dingfest zu machen. Bei seiner wandte sich die Erfurter Polizeibehörde an die Berliner KriminalFestnahme wurde bei ihm nichts mehr von dem erschwindelten Gelde gefunden. Untergrundbahnhof Hermannplay. Gemeinschaftsbahnhof oder Kreuzungsbahnhof? einfam, Die Arbeiten zur Weiterführung der städtischen Nordjüdbahn nach Neukölln sind seit Anfang 1924 im Gange. Sie haben eine nochmalige Prüfung der Frage veranlaßt, welche Form der Bahnhof Hermannstraße erhalten soll. Bei der AEG.- Schnellbahn Gefund brunnen- Neukölln, mit der man die Nordsüdbahn durch Bahnhof Hermannstraße in Verbindnug bringen wollte, wurden schon vor einigen Jahren die Bauarbeiten eingestellt. Aber auch dieses Unternehmen, das inzwischen an die Stadt gefallen ist, wird einmal zu Bahnhof Hermannplatz als Bemeinschaftsbahnhof mit RichtungsEnde geführt werden müssen. Im Jahre 1915 wurde beschlossen, de betrieb zu bauen. Die erneute Prüfung hat das Ergebnis gehabt, daß jetzt der Magistrat einen Kreuzungsbahnhof für empfehlenswerter häll. Daß nach wie vor an der Verbindung der Nordjüdbahn mit der fünftigen Schnellbahn GesundbrunnenNeukölln festgehalten werden muß, ist selbstverständlich. Die Reichsbahndirektion Berlin und das Polizeipräsidium Berlin haben in ihrer Stellungnahme zu den beiden Projekten sich dahin geäußert, daß in verfehrstechnischer Hinsicht der Gemeinschaftsbahnhof den Vorteil der Erleichterung des Umsteigeverfehrs hat, in betriebstechnischer Hinsicht aber der Kreuzungsbahnhof eine durch Kurven nicht gefährdete Betriebsführung ermöglicht. Die Reichsbahndirektion möchte dem Gemeinschaftsbahnhof den Vorrang lassen; das Bolizeipräsidium ist bereit, einen Kreuzungsbahnhof ebenso wie einen Gemeinschaftsbahnhof bei einer betriebs- und verkehrstechnisch möglichst vollkommenen Lösung zu genehmigen Ein vom Aufsichtsrat der Nordjüdbahn eingefehter Ausschuß hat dem Magistrat einen Kreuzungsbahnhof empfohlen. Der Magistrat hat sich der Meinung des Ausschusses angeschlossen und beantragt jetzt in einer Dringlichkeitsvorlage die Zustimmung der Stadtverordneten. An erster Stelle führt er zur Begründung aus, daß bei einem Kreuzungsbahnhof die natürliche und einfache Linienführung möglich werde. Bei dem früher geplanten Gemeinschaftsbahnhof, der im Zuge der Straße Hafenheide und der Berliner Straße lage, müßte die vom Gesundbrunnen kommende Schnellbahn cus dem Kottbuser Damm in die Schönlein- und Jahnstraße abbiegen, von do in die Straße Hasenheide mit scharfer Kurve einschwenken, durch den Gemeinschaftsbahnhof hindurch zur Berliner Straße gehen und dann von ihr abbiegend in scharfer Kurve unter dem Friedhof hinweg die Hermunnstraße erreichen. Bei dem Kreuzungsbahnhof fallen die betriebstechnisch unbequemen und die Uebersicht erschwerenden Kurven reg, er erfordert aber unter der Erde eine zweistödige Anlage wie wir sie über der Erde bei dem Bahnhof Gleisdreieck haben. Der Einbrecher im Klaffenjacant. Ein Schuleneinbrecher wurde in einer höheren Knabenschule am Blaaufer festgenommen. Der Schulwart hatte beobachtet, daß sich ein fremder Mann Zutre ga dem Schulgebäude verschafft hatte. Er ging ihm nach und stellte fest, daß mehrere Klassenzimmer, die vorher verschlossen gewesen maren, jest offen standen. Endlich fand er den Eindringling in einem Klassenzimmer in einem Klassenfchrante verstedt. Der Fremde hatte wissenschaftliche Inftrumente entwendet. Es stellte sich heraus, daß es sich bei dem Täter um einen ehemaligen Schüler der Anstalt und späteren Studenten Otto Kopf handelt, der wegen ähnlicher Diebereien bereits vorbestraft ist. Bei seiner Bernehmung gab Kopf an, daß er zeitweitigen Dämmerzuständen litte. im Kriege verlegt worden sei und infolge diefer Verlegung an Die kunst des Blumenschmuds im Wohnraum. Unter diesem Motto wird der Notdienst der Berliner Frauen, Bezirk Tiergarten, eine Zusamme stellung bunter Herbstblumen von Franziska Brud, in den Räumen des Antiquitätenhauses A. Wertheim, Bellevueftr. 7, vom 21. bis 23. September, täglich von 11 bis 7 Uhr, veranstalten. Schweres Bergwerksunglück in Amerika. 81 Bergleute verschüttet. Im Staate Wyoming find 55 Bergleute infolge einer Explosion verschüttet worden. Bis jetzt wurden acht Leichen geborgen. Durch die Gewalt der Explosion stürzte der Schachteingang zusammen, was die Rettungsarbeiten ungemein erschwert. Man fürchtet, daß alle Berschütteten tot sind. Der letzten Nachrichter zufolge beträgt die Zahl der Berschütteten 81. Acht Leichen wurden bis jetzt geborgen, fie find derartig verbrannt, daß sie nicht erfannt werden konnien. Fliegers Tod. Wie aus Rom gemeldet wird, ist ein Wasserflugzeug in den Tiber gestürzt. Der Führer ist ertrunken. 3wei französische Militärflieger find in Paris bei einem Probeflug mit ihren Flugzeugen abgestürzt und vera brannt. Der Plan des Polarfluges. Aus Washingtoner Meldungen geht hervor, daß die Regierung wieder mit dem Plan umgeht, einen Polarflug mittels Quftichiff vornehmen zu lassen. Man will aber erst an das Projekt herangehen; wenn der erwartete Seppelin angekommen sein wird. Explosion einer Schwefelfammer. In der chemischen Fabrik Rhenania- Hönningen ereignete sich ein schweres Explosionsunglück. Eine Reihe von Arbeitern war mit Reparaturen in der Nähe der Schwefelkammer beschäftigt, als diese plötzlich explodierte. Durch die hereinströmenden Schwefelgase wurden sechs Arbeiter nicht unerheblich verlegt. 8 wei der Ver legten sind ihren schweren Brandwunden erlegen. Ginsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Kreis Mitte. Heute, Mittwoch, nachm. 5 Uhr( nicht 7% Uhr), Fraktions fizung mit dem engeren Kreisvorstand im Rathaus. Bürgerfaal 5. Abt. Donnerstag, den 18. Geptember, 72 Uhr, bei Hebler, Georgenkirchstr. 36, Sigung der Funktionäre, Betriebsvertrauensleute usw. Organisationsfragen. Alle Bezirksführer müssen erscheinen. Ein Schwindler, der fast ganz Deutschland heimgesucht hat, wurde von der Kriminalpolizei in Erfurt feftgenommen. Es handelt fich um einen 23 Jahre alten Sammelschwindler Erich 3eßler. Er hat sich auch eine Zeitlang in Berlin aufgehalten Parteinachrichten und ist hier in den verschiedensten Berufen" aufgetreten. Er gab fich, je nachdem es die Lage erforderte, als Journalist, als Studienreferendar, als Korpsstudent oder als Offizier aus und hat es verstanden, sehr beträchtliche Summen zu erschwindeln. So versandte er in Berlin ein Rundschreiben an die namhaftesten Firmen, in dem zur Beihilfe für die Akademikerhilfe" aufgefordert wurde. Diese Akademikerhilfe" sollte den Zweck haben, bedürftige Studierende mit Gelb und Kleidungsstücken zu versorgen. Auf den Aufruf zahlten viele große Firmen erhebliche Summen ein. Ein anderesmal fälschte Zeßter eine Pressekarte und suchte die verschiedenen Theater auf, um sich unter Vorlegung der Karte Breffeplähe geben zu lassen. Als ihm Berlin nicht mehr ficher genug erschien, wandte er sich nach Süddeutschland und trieb hier seine Schwindelmanöver weiter. Er verschickte u. a. Duhende mit der Maschine geschriebene Atteste, in denen es hieß, daß für 300 000 Schulbinder, die infolge von Unterernährung tuberkulös 35. Abt. Neukölln. Donnerstag, den 18 September, pil ttlich 8 Uhr, Gigung aller Funktionäre, einschl. Wohlfahrtspfleger, Bezirksvorsteher, Waisenräte und Stellvertreter, bei Röseler, Steinmegstr. 46. Jeder Bezirk muß vertreten fein Der Abteilungsvorstand trifft sich eine Stunde früher. Jugendveranstaltungen. Berein Arbeiterjugend, Abt. Niederschöneweide. Donnerstag abend 7 Uhr: Rreismusitabend im Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str.( Schule). Gewerkschaftsbewegung Ausländer als Lohndrücker. In einer öffentlichen Versammlung nahmen die Berliner Ensemblemusiker Stellung zu der Konkurrenz der aus= ländischen Musiker in den Gaststätten Berlins. Schie meny, Sekretär des Deutschen Musikerverbandes, schilderte in seinem Referat das glänzende Elend der Ensemblemusifer in den Cafés, Bars, Weinstuben und den Vergnügungsetablissements. Unter diesen Musikern ist gerade in letzter Zeit die AusländerPonkurrenz so gewaltig gestiegen, daß nahezu 25 Proz. Aus= länder tätig sind. Wenn vor dem Kriege die Ensemblemusiker auch schon darunter zu leiden hatten, war daran schuld, daß sie mit ihrer Organisation dem stürmisch sich entwickelnden Kaffeehausbetriebe nicht folgen konnten. In der Inflationszeit graften die ausländischen Kapellen Deutschland ab, verschwanden dann aber und ließen den deutschen Musikern zerrüttete Lohn- und Arbeitsverhältnisse zurück. Jetzt geht's wieder mit der Schmußkonkurrenz los. Unter allen möglichen Vorwänden kommen diese Auch- Musiker noch Deutschland: Als Tuch- und Wäschereisende, als Altmetall-, Goldwaren- und Produktenhändler, ja als Gamaschenstepper und Pferdehändler schmuggeln sie sich über die Grenze, um dann in Deutschland als Ungarische Magnatenfapelle" oder" Russisches Balalaitaorchester" aufzutreten. Das deutsche Bublifum sonst streng national" liebt diese schwarzhaarigen Jünglinge mit den feurigen Augen und den geschminkten Gesichtern; die treudeutsche Hakenkreuzjungfrau wirft ihnen leidenschaftliche Blicke zu, der Unternehmer hat ein volles Haus, und die deutschen Musiker gehen mit ihrer Hochschulbildung an die Straßenecken Musik machen. Dieselben Gaststättenbefizer, die auf ihrer Tagung in Breslau vor allen nationalistischen Größen Referenzen machten, erblicken in den Ausländern eine willfährige Garde im Kampf gegen die organisierte einheimische Musikerschaft. Wenn es ums Verdienen geht, hört aller Patriotismus auf, da ist der elendeste ausländische Stümper berufen, den Deutschen Mufit vorzusehen. Der Referent schilderte eingehend den Kampf des DMV. gegen bie ausländische Schmuhkonkurrenz. Nach vielen Eingaben und Verhandlungen ist es endlich gelungen, den Bezirksleitern des Verbandes bei der„ Einfuhr" dieser„ Kunstwaren" ein Gutachterrecht zu sichern. Schiement protestierte im Namen der Ensemblemusiker gegen die Ausländerkonkurrenz und forderte die Versammelten auf, dem Verband bei seiner schweren Arbeit zu unterstützen. Unter den Beifall der Anwesenden gab der Referent der Hoffnung Ausdruck, daß in kürzester Zeit die Berliner Musikerschaft geeint in einem Verbande den Kampf führen wird. In einer einstimmig angenommenen Entschließung protestierten die Ensemblemusiker gegen die schamlose Schmutzkonkurrenz der Jazz- und Balalaitatapellen und forderten, gemäß den Beschlüssen des Verbandstages des DMV., ein behördliches Vorgehen dagegen. ( Anmerkung der Redaktion: Es kann sich bei diesem Vorgehen felbstverständlich nicht um eine Ausländerhezze handeln, die den deutschen Musißern sehr gefährlich werden könnte, sondern nur um die Abwehr einer unlauteren Konkurrenz.) Bur Frage des Tarifabschlusses für die Berliner Ensemblemufiter erklärte sich die Versammlung mit den weiteren Ausführungen des Referenten einverstanden. Eine weitere Entschließung forDert den DMV., als die alleinige wirtschaftliche Interessenorganisation, auf, für den Abschluß eines Tarifvertrages Sorge zu tragen. Den im Kampf stehenden Berliner Theatermusikern sprach die Bersammlung die vollste Sympathie aus. Diese läßt sich am besten dadurch beweisen, daß die Ensemblemusiker Musikstücke aus folgenden Operetten durch ihre Tätigkeit nicht weiterverbreiten:„ Der füße Kavalier", Mariza" und„ Der Tanz um die Liebe". Die Theater, die diese Operetten spielen, find für Verbandsmusiker gesperrt. Bei uns crncufer Spitze oder runde Form halbhoher oder hoher Absatz 35° Tarifbruch der Berliner Gasbetriebsgesellschaft. Die Arbeiter der Gasbetriebsgesellschaft Berlin nahmen gestern abend in einer überfüllten Versammlung in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, Stellung zu der Verschleppungstaktik und dem Tarif bruch der Direktion. Kollege Gnadt vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband berichtete über den Gang der Verhandlungen. Obwohl die Arbeitgeber bereits am 13. März den Tarifvertrag zum 30. September gekündigt hatten und der alte Bertrag Bestimmungen über Verhandlungen enthält, find diese bis heute sabotiert worden. Man will der Arbeiterschaft den Machtwillen aufzwingen und hat zu dem Zweck einen eigenen Tarifvertrag ausgearbeitet, der zumal in sozialer Hinsicht von der Arbeiterschaft niemals anerkannt werden wird. Während im jezigen Vertrag die 8½ stündige Arbeitseit bis 30. September befristet ist, soll nach dem Direktionsvor: schlag 9 Stunden gearbeitet werden. Damit die Gastulis" fich von ihrer anstrengenden Arbeit„ erholen" fönnen, sollen tägliche Pausen von 1½stündiger Dauer eingelegt werden. Aber die Direktion ist noch viel humaner bei der Wechselschicht. Diese darf mindestens 56 Stunden wöchentlich betragen. mag ba nur die Maximalarbeit aussehen? Dawesgesetze und Konturrenzfähigkeit müssen das Steckenpferd abgeben, um diese Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zu begründen. Nach der legten Bilanz hat die Gesellschaft ihr Aktienkapital, das 1915 bei einer Einzahlung von 42% Millionen Papiermark 100 Millionen Papiermark betrug, jetzt auf 100 Millionen Gold geschraubt. Mit Recht wies Gnadt darauf hin, daß sich dieselbe Gesellschaft nicht gescheut hat, ihren Arbeitern, die früher eine Raution von 1500 M. zu stellen hatten, diese im vorigen Jahre in Bapiermart zurückzuzahlen. Während der Gaspreis um 50 Proz. gestiegen ist, sind die Minimallöhne noch 2 Pf. pro Stunde unter Friedensstand. Wie Da eine Einigung über den neuen Tarifvertrag nicht erzielt werden fonnte, wurde mit Zustimmung der Betriebsgesellschaft die Regelung dem Schlichter übergeben. Aber ehe noch der Schlichtungsausschuß einen Spruch fällen fonnte, hat die Direktion am 15. September den Arbeitern zum 30. September gefündigt. Sie werden nach Ablauf der Kündigungsfrist, wenn sie zu Kreuze friechen, allergnädigst weiterbeschäftigt. Wer bis zum 20. September mittags sich nicht mit den in der Bekanntmachung veröffentlichten Arbeitsbedingungen einverstanden erflärt, wird am 30. entlassen. Gen. Polensfe wandte sich in schärfster Rede gegen das Vorgehen der Direktion, das er als einen groben Tarifbruch bezeichnete. Nach der Verordnung des Reichspräsidenten über Streits in lebenswichtigen Betrieben müssen bei Arbeitseinstellungen und natürlich auch bei Aussperrungen alle Mittel der Verständigung erschöpft sein. Wir find gespannt, ob diese Verordnung auch auf die Aussperrung in der Gasbetriebsgesellschaft angewandt werden wird. Die Vertreter der städtischen und Privatgasanstalten sagten die strengste Solidarität zu. Folgende Resolution wurde in geheimer Abstimmung mit 1231 gegen 1 Stimme, bei 2 ungültigen, angenommen: In der mit 1231 Stimmen, gegen eine einzige und zwei ungültige Stimmen, in geheimer Abstimmung gefaßte Ent= schließung wird betont: ,, Die Versammelten finden es besonders unerhört, daß die Direktion zu solchen Maßnahmen greift, trotzdem ihr eigener Vorschlag, die Verhandlungen vor dem Schlichtungs ausschuß fortzusehen, von der Arbeiterschaft angenommen wurde. Die Arbeiter lehnen es ab, den von der Direktion ge= forderten Verschlechterungen des Manteltarifvertrages zu zustimmen und verlangen, daß der Betriebsrat und die Organisation alle mittel anwenden, um die Maßnahmen und Absichten der Direktion abzu mehren, da diese sogar gegen die gefeßlichen und vertraglichen Bestimmungen verstoßen. Die Arbeiterschaft verpflichtet sich, auch ihrerseits alle Kräfte energisch einzusehen, um diesen Abwehrkampf erfolgreich zu ges stalten." daß die gesamte Belegschaft an der Abstimmung beteiligt und entBerücksichtigt man die Zahl der Erkrankten, dann ist zu betonen, schloffen ist, das unglaublich brutale Vorgehen der Gasbetriebsgesellschaft zu parieren. Die Lohnbewegung der Karosseriearbeiter. Wie wir bereits im Vorwärts" mitteilten, wollten die Unternehmer im Karosserie- und Wagenbau eine Kürzung der Löhne und Akkordbasen vornehmen. Die Arbeiter forderten Semgegenüber eine Aufbesserung von 20 Proz. In neuerdings gepflogenen Verhandlungen verständigten sich die Parteien dahin, daß die Forderungen von beiden Seiten zurüdgenommen werden sollten. Die Arbeitgeber bestanden aber auf einem Abbau derjenigen Aftcrtpreise, bei denen Verdienste von mehr als 30 Proz. über die Affordbasis, die 76 Pf. beträgt, erzielt werden. Verdienste der einzelnen Berufsgruppen sollten im Durchschnitt nicht 25 Proz. über die Basis hinausgehen. Bei den Verhandlungen gaben die Unternehmer weiter noch der Auffassung Ausdruck, daß an irgendeine Affordpreis erhöhung nicht gedacht werden könne, daß aber unter allen Umständen ein Abbau eintreten müsse, damit die Konkurrenzfähigkeit mit dem Ausland erhalten werden fönne. Die Einer Funktionärversammlung, in der Picht vom Holzarbeiterverband den Bericht gab, lag dieses Verhandlungsergebnis zur Beschlußfassung ver. Nach eingehender Aussprache lehnte die Verjammlung das Ergebnis ab, hielt die ursprünglich Forderung aufrecht und beschloß, den Schlichtungsausschuß anzurufen. Streiferfolg in der Zigarettenfabrik ,, Problem". Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik" Problem" wurden von der Firma vor etwa drei Wochen ausgesperrt, nachdem einige Gruppen der Arbeiterinnen wegen der Ablehnung ihrer Lohnforderungen in den Streit getreten waren. Nunmehr ist es in der vorigen Woche zu einer Vereinbarung zwischen den Parteien getommen, bei der die Forderungen der Arbeitnehmer bis auf Geringfügigkeiten bewilligt wurden. Es erhalten die Tabakarbeiter einen Wochenlohn von 32 M., die Tabakschneider von 34 und 35 M., die Maschinenarbeiterinnen 20,50 M., die Banderolen fleberinnen von 17 M. Die Löhne vor dem Streit betrugen 28, 30, 18 und 15 M. Infolge ihres guten Zusammenhaltens haben die Kämpfenden weiter erreicht, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen wieder eingestellt werden müssen, wozu sich die Firma zuerst absolut nicht verstehen wollte. Die Arbeit ist am Sonnabend wieder aufgenommen worden. Der Metallarbeiterkampf in Oesterreich. WIB. melder aus Wien: Die Lohnverhandlungen zwischen Metallarbeitern und Unternehmern dauerten gestern 15 Stunden und nahmen erst um 1 Uhr nachts ein Ende. Eine Annäherung der Standpunkte soll erzielt worden sein. Heute wird der Vorschlag der Unternehmer von dem Ausschuß der Arbeiter geprüft werden. Auf das Gerücht hin, daß die Verhandlungen scheitern würden, sperrten die Elektrizitätsarbeiter Kraft und Licht im Innern der Stadt, was das Erscheinen mehrerer Zeitungen verhinderte. Der Streif bei der Firma Problem, Zigarettenfabrik, Berlin NO., Greifswalderstr. 212, ist beigelegt. Die Sperre ist auf= J. A.: Der Kartellvorstand. gehoben. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. Preis- Abbau Affenhaut Wildleder imit., erstklassiges Material u. sehr gutes Fabrikat, eleg. Strassen- u. Gesellschafts- Schuh, gute Kernledersohlen Braun u. schwarz Rindbox und R'Chevreau, Halbschuhe, moderne Formen Damen- Halbschuhe R'Chevreau u. Chromleder, sowie Affenhaut, mod. Schiebespange, hochelegant und schick, 35-39 6°° 50 4³ Feinfeine Mustersachen, Original Goodyear Welt u. Handarbeit, braun und schwarz Boxkalf und farbig Wildleder, erstklassige Luxussachen, Gr. 35, 36, 37 Serie I 7.80, Serie II Pantoffel 55 f. Herren 65, f. Damen Pf. LederhausSchuhe gutes Spaltleder, f.Herr. u. Dam., m. 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