Nr.444 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 226 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Bitauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar? pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit mit., Gied. Jung und Aleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldpfennig 100 Milliarden Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpalle geile 0.70 Goldmart, Reklamezeile L- Goldmart...Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 0,20 Gold. mart( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jebes meitsre Mort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin G 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 20. September 1924 Nansen bei Marx. Um Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Genf, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Der norwegische Völkerbunddelegierte nanjen befindet sich seit Donnerstag in Sigmaringen, um mit Reichsfanzler Marr die Frage des deutschen Eintritts in den Völkerbund zu befprechen. nur noch eine Frage der Zeit sein. Es wurde schließlich eine be sondere Kommission mit der Behandlung dieses Berichts beauftragt. Die Genfer Tagung vor dem Abschluß. Genf, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Auf einem Empfang der ausländischen Pressevertreter erflärte der englische Minister Henderson, daß die brüstungstonferenz fpätestens bis zum 15. Juni 1925 einberufen werden solle. Die Ratifizierung des Ergebnisses der jetzigen Rommissionsberatungen des Völkerbundes soll bis 15. April 1925 vollzogen sein. Caillaux für eine radikale politik. Kampfansage an den nationalen Block. Paris, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) In feinem engeren politischen Wirkungstreis, mm Departement Sarthe, hielt der frühere Ministerpräsident Caillaug bei einer landwirtschaft lichen Bersammlung eine Rede, in der er u. a. sagte, daß es die Ehre seines Lebens gewesen sei, im Jahre 1911 den Krieg verhütet zu haben und im Jahre 1914 das Menschenmögliche getan zu haben, um den Sturm aufzuhalten. Er erinnerte ferner at das, roas er 1916 und 1917 getan hätte, um zu versuchen, das Ge. megel abzukürzen und fügte hinzu:" Deshalb, weil ich alles getan habe, um den Krieg zu vermeiden und abzukürzen, bin ich so verleumbet worden." Man rednet in Böllerbundfreifen mit einem baldigen Ende der Tagung. Aus einem Briefe des Präsidenten Motta an den Vorsitzenden der fünften Kommission und in dem er ihn bittet, die Arbeiten zu beschleunigen, geht hervor, daß die Bölkerbundsverfammlung bereits am 27. September ihren Abschluß finden soll. Sodann sprach Caillaur über die finanziellen Irrtümer und Genf, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Benesch, der die schlechte Politik des Nationalen Blods, über die Präsident des Zwölfer- Ausschusses der Abrüstungskommission, er- am 11. Mai die Wähler das Urteil gesprochen hätten. Dann fuhr flärte am Freitag abend Pressevertretern gegenüber, daß die Ar. er fort:„ Berdoppeln wir unsere Anstrengungen, produzieren mir, beiten in der Hauptsache jetzt als beendet angesehen werden sparen wir, stügen wir die Regierung, die entschloffen tönnten. Die Unterfommission hatte vor allem die Frage der Abift, eine Oligarchie zu bekämpfen, die aus dem Krieg geboren ist rüstung und der Santtionen zu lösen. Angenommen wurden und versuchen möchte, weiter vom Kriege zu leben! Ermutigen wir u. a. Artikel 6 über die entmilitarisierten Zonen. Den Staaten wird die Regierung in ihrem Kampfe gegen die großen Firmen, die die Möglichkeit gegeben, unter sich solche Zonen zu errichten. Ar willkürlich die Preise der Produkte hochschrauben! Ermutigen wir tikel 7 behandelt die verschiedenen Arten von Sanktionen und bedeutet die Regierung, diese Firmen in ihren Reichtümern zu treffen. Die nur eine Verstärkung der im Patt vorhandenen diesbezüglichen schlechte Lage unserer Finanzen stommt nicht von der Schwäche Stellen. Artikel 7a betrifft besonders die Borbereitung für die An unserer Steuern, sondern von ihrer schlechten Verteilung. Der wendung von wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen. Artikel 8 Nationale Block hat die Großen ungeschoren gelassen. Ich bin den bezieht sich auf die Frage, welche militärischen Kräfte dem Rat von Ideen meines Lebens und auch meinen Wählern treu geblieben. den verschiedenen Staaten gegen den Angreifer zur Verfügung gestellt Wenn man mich auch kritisiert hat, so ist man doch gezwungen gewerden tönnten. Der gleiche Artikel regeit auch die Frage der bewesen, anzuerkennen, daß das politische Leben mich nicht bereichert sonderen Abkommen, die nach der Ansicht von Benesch nur ein Hilfs hat. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Doumergues, der mir mittel für Sanktionen sind. Sie unterliegen der öffentlichen Kon- ftets seine Freundschaft bewahrt hat, und Herriots und feirer Retrolle und müssen registriert werden. Sie dürfen nichts anderes sein gierung, die durch ihre fluge und versöhnliche Politik die Atmosphäre als ein Mittel, die vom Rate verfügten Sanktionen zu verwirt- Europas verändert haben." lichen. Artikel 8a bestimmt, daß der Angreifer die Kosten der Santtionen tragen muß. Artikel 9 bezieht sich auf die Einberufung der Abrüstungskonferenz und bestimmt die Bedingungen, unter welchen diese einberufen werden soll. Wenn ein Staat den von der Abrüstungskonferenz beschlossenen Maßnahmen nicht zustimmt, steht ihm, falls er angegriffen wird, nicht das Recht auf Hilfeleistung durch die anderen Mächte zu. Die Nichtunterzeichnung des gegenwärtigen Protokolls hat auf die Mitgliedschaft beim Völkerbund keinen Einfluß. Das Protokoll muß vor der Einberufung der internationalen Abriftungstonferenz ratifiziert werden. Seine Klaufeln treten jedoch erst nach der Abrüftungskonferenz in Kraft. Ein Termin für die Abrüftungskonferenz ist auch schon festgefeßt, wahrscheinlich Mai und Juni 1925 in Genf. Schwieriger ist die Frage der Kontrolltommissionen. Die Militärkommission des Völkerbundes hatte bekanntlich einen Kontrollplan für Desterreich, Ungarn und Deutschland ausgearbeitet, der auch auf Deutschland Anwendung finden sollte gemäß Artikel 213 des Versailler Vertrages. Nach diesem Plan foll der Rat und die Nachbarstaaten des zu kontrollierenden Landes die Mitglieder der Kontrollkommissionen bestimmen. Für Deutschland hatten besonders Polen und die Tschechoslowakei die Entsendung von Mitgliedern ihres Bandes in die Kontrollfommission gewünscht. Da gegen haben aber England, Italien und Schweden im Rate Einspruch erhoben, da sie nur solche Staaten zur Kontrollkommission zulaffen wollten, die selbst Ratsmitglieder find. Die zu kontrollierenben Staaten sollen in der Kommission nicht vertreten sein, selbst wenn sie Mitglieder des Rates find. Dieser Plan liegt zurzeit dem Rate zur Entscheidung vor. Oberschlesien, Saarland, Jraf. Genf, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Bölkerbund hielt am Freitag nachmittag eine öffentliche Sigung ab. Er billigte das Projekt einer Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling für die griechischen Flüchtlinge. Ebenso wurde das deutsch- polnische Abkommen über den Erwerb der polnischen Staatsangehörigkeit und das Abkommen über die Schiedsgerichtsbarkeit für Oberschlesien angenommen. Der Oberkommiffar Rault für das Saargebiet gab den Bericht über die Aufstellung der neuen Gendarmerie, deren Mitgliederzahl im Jahre 1925 755 betragen soll. Die Zahl der französischen Truppen fei von 7977 im Jahre 1920 auf 1816 im Jahre 1924 herabgesetzt worden. Briand erklärte, daß die französische Regierung fämtliche Maßnahmen des Bölkerbunds= rates in der Saarfrage annehmen würde. Zur Frage der Kontrolle ber deutschen Einfuhr in das Saargebiet erklärte Lord Parmoor, daß im Friedensvertrage diese Frage noch gar nicht geregelt fei. Ebenso wurde ein Bericht der deutschen Regierung, der sich mit den Schulverhältnissen im Saargebiet beschäftigt, auf eine andere Sigung bertagt. Lord Barmoor gab dann noch über die Irak Frage fine Uebersicht. Der Irat soll ein selbständiger Staat mit der HauptStadt Bagbab werden. Seine Aufnahme in den Bölferbund werde Antikriegstag 1924. Der im Juni d. 3. abgehaltene Internationale Gewerkschaftsfongreß in Wien hat folgenden Beschluß gefaßt: „ Der vom 2. bis 6. Juni in Wien tagende Internationale Gewerkschaftstongreß bestätigt die früheren Resolutionen gegen Krieg und Militarismus und erinnert die national und international organisierte Arbeiterklasse an ihre Pflicht, fich dem Krieg entschieden zu widersetzen: durch Stillegung der Waffen- und Munitionsindustrie sowie des Transportes von Kriegsmaterial, den wirtschaftlichen Boykott und den internationalen Generalftreit. Der Kongreß erklärt, daß es Pflicht der Gewerkschaftsorganifationen aller Länder ist, durch eine unausgefekte Propaganda für die Beseitigung des Bölferhaffes zu arbeiten und auf eine neue Organisation der Völkerbeziehungen hinzuwirken, die sich auf gegenseitige internationale Hilfe, auf Anwendung des internationalen Rechtes und des obligatorischen Schiedsgerichts gründet. In der Erkenntnis, daß das allgemeine Wohl der Völker nur gesichert werden kann durch eine allgemeine Abrüftung, erklärt der Kongreß als dringend notwendig: 1. Durchführung einer Kontrolle für die Waffen- und Munifionsindustrie fowie den Handel mit Kriegsmaterial. 2. Einberufung einer internationalen Konferenz zweds Unterdrückung der privaten Herstellung von Kriegsmaterial und Herbeiführung eines allgemeinen Verbots der Fabritation und des Handels für alle Arten von Kriegsmaterial. Der Kongreß beauftragt das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes, feine auf die Erziehung der Maffen, namentlich der arbeitenden Jugend und der Frauen, auf die Stärkung der für den Frieden arbeitenden Kräfte der Welt gerichteten Bestrebungen Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkane Lindenstraße 3 Deutscher Juristentag. Rechtspolitik und Staatspolitik. Bon Staatsanwalt Marg. Der Deutsche Juristentag, der am 10. September zum 33. Male in Heidelberg zusammentrat, darf sicherlich für sich in Anspruch nehmen, die vornehmste Vertretung des deutschen Juristenstandes zu sein. Gerade deshalb auch darf er sich diese Wertung beimessen, weil er teine Standesvertretung im eigentlichen Sinne darstellt, deren Aufgabe vor allem in der Wahrnehmung bestimmter Standesinteressen zu erblicken iff. Der Deutsche Juristentag will der Gesamtheit dienen. In der Zusammenfassung der deutschen Juristenschaft aus allen juristischen Betätignugsgebieten will er ein Forum schaffen, das dank der in ihm vertretenen wissenschaftlichen und praktischen Erfahrung in der Lage ist, wegweisend an der Entwicklung des deutschen Rechts mitzuarbeiten. Der Reichstagsabgeordnete Geheimrat Kahl, den der Juristentag wie schon vor drei Jahren auch diesmal zu seinem Borsigenden wählte und dem ein besonderes Geschick in der Prägung schöner Formeln eignet, hat den Juristentag ,, d.a s Gewissen des Rechts" genannt. Wenn dieses Wort mehr als ein schönes Wort sein soll, dann wird dem Juristentag die Aufgabe überbürdet, der unablässige, kritische Begleiter alles Rechtsschaffens sowohl auf dem Gebiete der Geseggebung wie dem der Gesezesanwendung in deutschen Landen zu sein. An dieser ihm von seinem eigenen Borsigenden gestellten Aufgabe gemessen hat der 33. Deutsche Juristentag vor allem auf dem Rechtsgebiet, das heute das heißumftrittenste ist, dem des öffentlichen Rechts sehr vielen eine bittere Enttäuschung bereitet, um nicht zu sagen, er hat Derjagt. In der Frage der Gestaltung der deutschen Strafgerichte fam man nicht einmal zu einem Botum. Bei dem Thema der Zulässigkeit verfassungsändernder Gefeßze schied man, um zu einem Ergebnis zu kommen, das wichtige Problem des richterlichen Prüfungsrechts aus der Diskussion aus. Am brauchbarsten sind die Ergebnisse zu dem Thema der Gestaltung eines Ausführungsgefeges zu Art. 48 Abs. 5 der Reichsverfassung, das die Dittaturgewalt des Reichspräsidenten und der Landesregierungen umgrenzen soll. Es liegt im Interesse des Ansehens des Juristentages, den Ursachen der mangelnden Fruchtbarfeit seiner Verhandlungen nachzuspüren. Es steht zu viel auf dem Spiel, als daß man mit Stillschweigen darüber hinweggehen fönnte. Die Deffentlichkeit ist auch so sehr daran interessiert, daß es gerechtfertigt erscheint, die Frage außerhalb der zunächst Beteiligten vor der Deffentlichkeit selbst zu erörtern. Wer diesen Juristentag miterlebt hat, der mußte, wenn er nur einen Funken von Bekennermut in sich verspürte, unter der außerordentlichen Farblosigteit aller Darlegungen gerade wiederum in der öffentlich- rechtlichen Abteilung leiden. Fast durchweg eine dem Leben ferne dogmatische Behandlung der Verhandlungsgegenstände. Diese dogmatische Betrachtungsweise mochte zum Teil wohl in dem Borherrschen der akademischen Theoretiker begründet liegen. 3u innerst aber trug daran der Umstand Schuld, daß man nicht den Mut fand, ein flares staatspolitisches Bekenntnis abzulegen. Nicht etwa als ob der deutsche Juristentag fich etwa nur aus Reaktionären zusammenseite. Man wird mit der Annahme nicht fehlgehen, daß ein ganz großer Teil seiner Mitglieder mit voller Ueberzeugung zu den neuen Berhältnissen steht. Aber seine Leitung ist anscheinend von einem Geiste beseelt, der nicht der deutschen Republik und des demokratischen Deutschland ist. Und dieser Geift, der vor allem von dem Vorsitzenden ausging, be= herrschte die Tagung. Kahl hat es als Bortführer des Rechtsgewiffens über sich gebracht, die Schuld an dem von ihm unbestrittenen Mißtrauen weiter Kreise gegen das Recht ausschließlich dem Gesetzgeber aufzubürden. Und feine der vielen anwesenden juristischen Kornphäen hat ihm im Verlaufe der Tagung auch nur mit einem Worte widersprochen. Das in einem Augenblick, in dem die Rechtssprüche mancher deutscher Berichte zum Himmel schreien! Kahl hat die ernste Mah nung seines großen Amtsvorgängers Rudolf von Gneist verIn Ausführung dieser Beschlüsse und unter feierlicher Bestätigung geffen, der schrieb: Den Berufsgenoffen hat man seine Hochder vom Vorstand auf seiner Sigung vom 8. bis 9. November 1923 achtung durch die Wahrhaftigkeit auszusprechen, mit welcher angenommenen Resolution betr. die Organisation eines inter- man in dem Bilde unseres Rechts Licht und Schatten zu vernationalen Anti- Kriegstages am 21. September teilen fucht. Und einer weiteren Unterlassung hát er sich d. 3. fordert der Internationale Gewerkschaftskongreß die Arbeiter schuldig gemacht, indem er ängstlich jedes entschiedene Bort im Sinne freudigen Befennens zum heutigen Staat und festation eine der jetzigen Weltlage angemessene Bedeutung erhält seiner Ordnung vermied. Rechtspolitik aber, wie sie der aller Länder auf, alles zu tun, um zu erreichen, daß diese ManiDeutsche Juristentag treiben will und soll, fann nur, darüber und dementsprechenden widerhall find" darf es feinen Zweifel geben, auf dem Boden einer flaren staatspolitischen Auffassung, gleichviel, welcher Richtung, erwachsen. Wer das nicht als Grundvoraussetzung jeder Rechts= politik verlangt, der fördert einen Geist, der unwahrhaftigfeit und der Unehrlichkeit, der dem Rechte seiner Anwen= dung und schließlich dem Staate als Ganzes, dem Vaterland und der Nation zum Schaden gereicht. Denn die staatspolitische Einstellung bildet einen integrierenden Bestandteil ber Weltanschauung jedes Einzelnen, in ber jede Rechtspolitit, fortzusetzen. In Ausführung dieses Beschluffes finden morgen, am 21. September, in allen Ländern Rundgebungen statt, die den unerschütterlichen Willen der arbeitenden Maffen, den Krieg zu bekämpfen, zum Ausdrud bringen sollen. Pflicht aller Arbeiter fowie aller triegsgegnerischen Elemente des Bürgertums ist es, diese Kundgebungen zu einer machtvollen Manifestation für Frieden und Bölterver. föhnung zu gestalten. soll sie wertvoll sein, verankert sein muß. Der leistet dem Recht einen schlechten Dienst, der es vor jeder Berührung mit der allgemeinen Politik fernhalten will. Erörterungen ins- besondere zum öffentlichen Recht können erst aus der be- mußten Verknüpfung mit dem Staatsleben, zu dem nun ein- mal die Politik gehört, Leben und Fruchtbarkeit gewinnen. Eine Rechtslehre, die ihre Aufgabe rein dogmatisch auffaßt, baut ihre Deduktionen in den leeren Raum. Sie verkennt ihre Aufgabe, dazu beizutragen, daß die Rechtsgedanken, die sich in der Gemeinschaft nicht nur des einzelnen Volkes, son- dern der Gesamtheit der Nationen entwickeln verstanden und zu Normen, die eine gesunde Entwicklung des Staates und der Nation sichern, geformt werden. Denn darin liegt die größte Kunst des Gesetzgebers, aus dem Verständnis einer Zeit vorausschauend Formen zu schaffen, die dem Leben zur Verfügung gestellt werden können. Dazu verhilft keine Rechtsdogmatik, sondern allein eine soziologisch-politische Ve- trachtungsweise. Und so ergibt sich der Schluß: Rechts- schöpferisch kann nur der sein, der auch politisch denkt. Die Forderung nach Verbindung von Rechts» und Staats- Politik steht keinesfalls in Widerspruch mit derjenigen nach unparteiischer Rechtssatzung und Rechtsprechung. Denn diese kann nur bedeuten, daß nicht die Interessen einer einzelnen Gruppe oder Klasse innerhalb des Staates die Rechtsgestal- tung bestimmen dürfen und daß die Rechtsanwendung nach allen Seiten gleichmäßig erfolgen muß. Den Juristen über die Politik, die durchaus nicht gleichbedeutend ist mit der Politik einer einzelnen Partei, stellen zu wollen, ist entweder eine Heuchelei oder eine ungeheure Selbstüberhebung, gegen die sich wiederum schon Gneist gewendet hat. Auch der Jurist muß in dem Kampf der Ideen, die die Weltgeschichte und das Staatsleben bewegen und die sich nun einmal, solange es Menschen geben wird, Parteien als Kampfformationen schaffen, destimmte Stellung beziehen: Urteilen vor allem kann man in entscheidenden Fragen nur von einem festen Punkt aus, den niemals die Norm als solche, sondern nur eine klare staatspolitische Einstellung abgeben kann. Nichts hat dem Rechte in den letzten Iahren mehr geschadet, als der Nebel von politischer U n k l ar h e i t, der über seiner Schaf- fung und seiner Anwendung gelegen hat. Gesetzgeber und Gesetzesanwender sind von einer Woge des Mißtrauens um- spült. Der Juristentag ist davon noch unberührt und muß mit allen Kräften danach streben, sich diese Stellung zu er- halten, damit sein Votum über die Parteien hinweg sich Gel- tung verschaffen kann. Das aber ist nur möglich, wenn der Geist der Verschleierung, der die 33. Tagung beherrscht hat, verschwindet und einem bekenntnisfrohen Geiste Platz macht, der die Rechtspolitik einstellt in die Richtung einer klaren Staatspolitik. Nur aus der Synthese kann hier wie anderwärts für unsere Zeit fruchtbares geschaffen werden. tzergt wirb billiger. Aber er läht sich nicht abschrecke«. Gestern morgen hieß es im„Lokal-Anzeiger": Maß- gebenden Einfluß oder Lahmlegung des Parlaments, schwerste Schädigung des Reichs! Gestern abend hatte sich dasselbe Blatt„in deutschnationalen Kreisen erkundigt" und in Ersah- rung gebracht, daß man nicht beabsichtigt, den Rücktritt von Marx oder von Stresemann zu oerlangen, man wünsche nur eine der eigenen Stärke entsprechende Vertretung.•' Mit dem Zentrum sei man für„eine Fortführung der deutschen Politik, die eine friedliche Entwicklung nach außen und eine ruhige Entwicklung im Innern ge- währleistet". Das ist entweder ein Bekenntnis zur Er- füllungspolitik und zur Republik oder eine auf Täuschung berechnete Redensart. In der Frage des Eintritts in den Völkerbund fei man bereit, sich mit der Formel M a c d o n a l d s abzufinden, daß das Problem der Kriegsschuld sich erst nach 50 Jahren werde lösen lassen. Also Verzicht auf Notifizierung! Ein- tritt in den Völkerbund! Der Flügel der Deutschnationalen, der hier zu Worte kommt, ist bereit, jedes Opfer der Ueberzeugung— oder der Verstellung— zu bringen, um gewissermaßen auf allen Vieren in die Regierung hineinkriechen zu können. Die„Zeit", das volksparteiliche Organ, nimmt zugleich wohlwollend Kenntnis von einem anderen Produkt des Scherl-Verlags, einem Artikel im„Tag", in dem auseinander- gefetzt war, die Außenpolitik der Deutschnatio- nalen sei eigentlich dieselbe wie die der gegenwärtigen Regierung. Gegen die gleich- zeitige Behauptung desselben Blattes, Herr Stresemann arbeite im Kabinett für den Bürgerblock, findet das volksparteiliche Organ bezeichnender Weife kein Wort der Erwiderung. Inzwischen machen sich auch im Zentrum Anzeichen bemerkbar, daß man bereit ist, sich an dem Werk des „Brückenbaues"—„Kuhhandel" darf man ja in diesem Fall nicht sagen— zu beteiligen. Anders läßt sich nämlich ein Artikel des Generalsekretärs der Zentrumspartei. Dr. Hein- rich Bockel, nicht verstehen. Er läuft auf den grotesken Vorschlag einer Regierungskoalition von den Deutsch- nationalen bis zu den Sozialdemokraten hin- aus. Entweder hat sich der Urheber dieses Vorschlags einen Scherz erlaubt oder aber er verfolgt die überschlaue Zlbsicht, die Sozialdemokratie zuerst zu diesem sonderbaren Geschäft einzuladen, um nach ihrer selbstverständlichen Ablehnung nach der anderen Seite hin die Hände freizubekommen. Die Parteien der Mitte, die nach alledem, was vorge- fallen ist, noch bereit wären, sich mit den Deutschnationalen zu verbinden, würden damit den Beweis ihrer eigenen p o l i- tischen Demoralisation liefern. Sie würden z u- gleich den Klassenkampf des Besitzes gegen die arbeitenden besitzlosen Massen proklamieren. Sie werden sich nicht darüber täuschen, wo in einem solchen Kampf die Sozialdemokratie zu finden sein wird. „wir verkaufen uns nichts Noch eine falsche Prophezeiung Hergts. Herr Hergt ist vom Kriege her als Prophet berühmt. „Die Amerikaner können nicht fliegen, nicht schwimmen, sie werden nicht kommen." Immerhin, Amerika ist weit, und Hergt kannte, wie er heute wohl selber zugeben wird, die Amerikaner nicht. Aber daß Herr Hergt die Deutsch- nationalen nicht kennt, ist viel merkwürdiger. Auch als Künder ihrer Taten ist er von seinem Prophetenunglllck ver- folgt geblieben, wovon sich jedermann überzeugen kann, der seine Reichstagsrede vom 25. August d. I. im stenographischen Protokoll nachliest. Da heißt es: ... Wir sehen im übrigen, unbeirrt durch Drohungen (Lachen), unbeirrt durch Lockungen, allem, was eintreten kann, entgegen. Wir gehen unseren Weg, wie ihn uns unser G e- wissen vorschreibt.(Andauerndes Lachen links.) Ich möchte bei- nahe sagen: Hier steh« ich, ich kann nicht änderst(Stürmisches Ge- lächter und Händeklatschen links.■— Unruhe rechts.— Glocke des Präsidenten.) Mein« Herren(noch links), Sie scheinen kein Per- ständnrs für,, die tiefen, tiefen Sorgen eines Partei Vorsitzenden zu haben.(Lachen und Zurufe.) Ich bedauere� daß Sie sich mit solchem Gelächter über eine solche/, aus dem Herzen kommende Erklärung hinwegsetzen. H«rzensergüsfe scheinen weiß Gott in diesen traurigen Reichstag nicht Hineinzugehören.(Bravo! bei den Deutsihnakionalen. — Zurufe liicks: Auflösung!) Ja, wir sind auf die Auflösung durch- aus gerüstet. Wir haben die Zuversicht, daß in den weitesten Volks- kreisen unser mannhaftes Einstehen für unser« Glaubenssätze Achtung und Anerkennung finden wird.(Sehr gut! rechts.) Wenn mir um Einfluß, um Aemker, um Regierungssitze hätten buhlen wollen, wenn wir Srippenjäger wären— sageu Sie sich das doch selbst!— dann hätten wir jetzt unsere Ueberzeugung sehr leicht um solche materielle Opfer verkaufen können.(Zurufe.) Aber wir verzichten darauf aus höchstem Idealismus, aus vaterländischem Idealismus(Sehr rlchkig! bei den Deukfchnatiooaleu, Lachen links). und wenn die Mehrheit des Kampfes müde, das deutsche Recht auf- geben, den Degen einstecken sollte, dann wollen wir als Triarier übrig bleiben(Lautes Lachen und Zurufe links), die später— wir wollen Politik auf weit? Sicht— mit ungebrochenem Herzen und unbeflecktem Schild den Kampf neu auf- nehmen.(Erneutes Lochen links.) Mein« Herren von der Linken, Sie haben darüber gelacht. Am allerwenigsten lassen wir uns durch Vorwürfe, Beeinflussungsoersuche und Verunglimpfungen imponieren, die aus Ihren Reihen gekommen sind.... Ich denke lsier an die Urheber jenes wahrscheinlich von Ihnen als sehr raffiniert ange- sehenen Systems, gegmüber den Deukschnattonalen immer von ihxem Umfall zu sprechen. Sie haben ja vorhin auch immer vom llmfall gesprochen. Heut« steht gar in den Zeitungen:„Der deutschnotionale Vorsitzende ist selber der erst«, der umfällt!" Nun, Sie hoben ja meine Rede gehört,— bitte, suchen Sie in meiner Red«, wie es damit steht.(Lachen und Zurufe.) Der Herr Abgeordnete Dr. H o e tz s ch hat schon seinerzeit hier ausgeführt: Daß es diesen Zw«. spaltsversuchen nicht gelingen werde, irgendwelche Zwietracht und irgendwelche Unstimmigkeiten in die deutschnationalen Reihen zu tragen.... Sie geben das deutsche Recht preis, wenn Sie das Dawes-Gutachten unverändert annehmen. Sieverzichten dadurch aufdiedeutsche Freiheit---- Wir halten es mit dem guten, alten Deutschlandlied: Wir treten«in für Einigkeit, für Recht und für Freiheit.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Deutjchnationalen. Zischen bei den Sozial- demokraten.) Also am 25. August prophezeite Hergt, die Deutschnatio- nalen würden nicht umfallen, sie würden nicht um Re- gierungssitze buhlen, sie würden keine„Krippenjäger" werden. Am nächsten oder übernächsten Tage aber begann Herr Hergt über den Umfall zu verhandeln, um Regierungssitze zu buhlen und als Krippenjäger zu wirken. Er kannte nicht nur die Amerikaner nicht, er kannte nicht nur die Deutschnationalen nicht, er kannte sogar sich selbernichtl paraöe vor üer Königlichen Hoheit. Kronprinz Rupprecht bei der Reichswehr. München, IS. September.(Eigener Drahtbericht.) In Sonchofen fand kürzlich eine zweitägige Feier der ehemaligen Gebirgsartille- risten statt. Daran beteilig!« sich auch«ine Kompagnie Reichs- wehr, die als Ehrenwache zum Empfang der Gäste am Bahnhof aufgestellt war. Dem eintreffenden Extrazug entstieg ein junger Major a. D. Adalbert, ehemals PrinzvonBayern, und geruhte in Bertrehmg Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen Rupprecht die Front der republikanischen Soldaten abzu- schreiten. Auch den Parademarsch der Kompagnie am nächsten Tag«, zu dem dieselben Truppen wiederum ausrücken mußten, geruhte der junge Major abzunehmen. Aehnliches ereignete sich auch bei einem Fest der schweren Reiter in Landshut, wozu für ebenfalls zwei Fest- tage die 4. Eskadron des Reichsregiments 17 nach Landshut trans- portiert wurde. Hier erschien ebenfalls eine KöniglicheHoHeit, und zwar Rupprecht in höchsteigener Person in der Tracht des Feld- Marschalls, in der er seinerzeit nach Holland geflohen ist. Er b«- schäftigt« sich. natürlich glcjchfalls intensiv mit der vor ihm para» disrenden Reichewehr. Mit Recht fragt sich die republikanische Be- völkenmg in Bayern, wann das Reichsweh rmlnisterium endlich Vor» sorg« trifft, der Benutzung unserer republikanischen Reichswehr als Staffage für erledigt« Fürstlichkeiten ein Ende zu machen verichttgung. Wir haben kürzlich einen Artikel des Kasieler Demokratischen Stadtverordneten Dr. Häg ermann über den Abbau Scheidemanns zitiert. Dieser Artikel ist nicht im sozial- demokratischen ZeitungSdienst, sondern im demokratischen Zeitung«- dienst erschienen, worauf Herr Dr.Hägermann un» bittet hinzuweisen. Polen unö Ruften. Konzerkumschau von Kurt Singer. Mit einem einzigen Satz hat sich das Raubtier„Saison" auf uns gestürzt. Das erste Jahr des stabilen Geldes ruft alle auf den Plan, Große wie Kleine. Ein paar sind da, die kommen nur. um sich nach Amerika zu verabschieden. Da Dollarn die Künstler totmacht, und da die Goldmark wieder«in lochendes Gesicht macht, so wird es sich bald nicht mehr lohnen, drüben für deutsche Kunst Pro- pagonda zu treiben. Dann wird dem Startum, diesem Vernichter aller Kunstgemeiuschast, ballt ein Ende bereitet sein. Aber es gibt noch Künstler, die ausharren, seßhast sind und die, leidenschaftlich einer großen Sacke hingegeben, in den Sielen stocken. Herbert Stock war solch seltener Mann. Fleißig, strebsam begabt, immer zur Stelle, besorgt um das Wohl eines Instituts und seiner Kol- legen, Hot er rühmlich an der Staatsoper gewirkt. Sein Baß-Buffo war nicht gerade von höchstem Adel und' von letzter Edcsheit der Schulung, aber gerade in seiner Rauheit geeignet, humorvoll und grotesk zu wirken. Für die groß anzulegenden Partien des Figaro oder Ochs von Lerche nau fehlt« ihm wohl das Lebensformot, in kleineren, für Pointierungen lauter Art geeigneten Rollen, wie den Kezal in der„Verkauften Braut", den Junker im„Schatzgräber", den«Btto von Signa in Puccinis„Gianni Schicchi" brachte er Talent zum Spiel, Sinzlaune, ansteckende Lustigkeit mit. Dem treu arboi- tenden Mann, der so früh starb, sei die Treue der guten Erinnerung gewahrt. Von Liszts Oratorium„D i e heilige Elisobeth" unter Leitung Zander,(mit dem Berliner Bokkschor) hörten wir zu wenig, um urteilen zu können(Schaljapin rief am gleichen Abend). Bei neuen Taten des rührigen Vereins wollen wir uns wiederseheii. Philip? Scharf geigte die Tartinisch« Teufelstrillersonate ohne die notwendige Virtuosenakkuratesse, die Bachsche Giaconn« mit edlem Ton, doch mehr spielerisch als tief. Der Pole Ossep Gabrilo- witsch war einst als Pianist von Weltruf von uns gegangen: jetzt kehrt er als Dirigent wieder. Zugegeben: dos ist ein höchst begabter, kultivierter, technisch überlegener Mann. Muß er das an Beethovens erster Sinfonie beweisen wollen? Er entkleidet sie jeder dramatischen Haltung, differenziert dynamisch kaum Bläser von Streichern, dämpft nicht, schafft kaum Ueberganasnüancen. In dem freudig hingelegten Finale merkt man: er will uns Mozartisch kom- nwn. Aber dafür fehlt ihm zugleich mit dem Stoff die Leichtigkeit der Hand. Streichest er hier die Oberfläche, so dringt er mit der rornantischsn0-Moll-Sinfoni« Schumanns in Mitteltiefen. Den Ge- sang der Romanze gab der technssch viel weniger berufene Hans Psitzner aus ganz anderen Seelensphären heraus. Das Laute in den lebhaften Sätzen übers-t/reit sich leicht. Maßhalten scheint nicht Gabrilowiffchs Force oder Absicht zu sein. Di« Vornehmheit seiner Gesomthaltmig, die Sicherheit seines Stabs, das Temperament des Mustkcmten zwingen streckenweis mehr als Respekt ab. Ein an- deres Programm wird zu anderer Einstellung zwingen. Seine Diel- seitigteit trägt den Keim auch des vielfästigen Könnens in sich. Der Landsmann Bronislaw Hubermann spielt zum Besten der .Kinderspeisung. Ein edler Zweck«rfülst sich hier in edlem Tun. Ein köstliches Ilchrmnen-t gibt Tö»e her vo« bezwingendem Reiz. silbern gesponnen, sinnlich getönt. Der Slawe verleugnet sich nicht Der erste Satz des Beethooenschen Konzerts leidet fast an einem Zuviel an Tonausdruck: doch bezwingt selbst diese Spieloirwosnät trotz der gar zu äußerlichen Kadenz. Busch und Flesch treffen den klassischen, herben Stil besser. Im Gesangsteil und im Rondo ist wicder estel Schönheit um uns her, und Meyrowch fängt, auch ohne Borprobe, alle Feinheilen des Meisterspiels im Orchester reibungs- los auf. Dem neuen Namen Ashley Pettis möchten wir gern ein Lorbeerkränzchen winden. Es geht nicht. Die Trockenheit und technische Ungemondtheit, di« absolut« Leblosigkeit dieses Schumann, Spiels ist unerträglich. Konservatorium! Urleben und Nawr schwingt sich aus dem Gesang der 36 Don- Kosaken zu uns herüber. Kosaken: das klingt wahrhaftig nach Krieg und Mord, Ritt und Lanzenwurf. Sie singen die Heimat die Liebe und die Sehnsucht Aus kaum einem einzigen dieser stumpfen Gesichter malt sich innere Musik, in diesen Schädeln hat westliche und südliche Gesangs- kultur nicht Platz. Zu der harmonischen Feinheit russischer Kirchengesänge kontrastiert der primitive, oft brutale Klang dieser Männerstimmen sehr reizvoll. Das Auge hängt am Führer Iaroff, der ein leidenschaftlicher Musikant und ein Erzieher zum fcharfg«. schnittenen Rhythmus ist. Schmetternde Tenöre, effektvoll brummende, wie umsponnen« Saiten rasselnde Bäss«: aus Höllentiefe aufgähnend« Melodien, echohast verhallender Wolaagesang, natura- lfftische Imitation von Marsch und Pferdelauf; Bekreuzigung und Kmefall in der Kirche: das find die elementaren Stimmungen dieses Chorgesangs, In vollendeter Einheit wird selbst ein Drücken, Rollen, Zücken, Grollen des Tons Kunst. Eine Rebellion, die wundervoll im Decrescendo in sich selber zusammen-knickt. Rußland singt Herrliches Bekennwis der einst so ge fürchteten, kriegs frohen Kosaken:„Ich bete an die Macht der Liebe." Ist's ein Wandel der Well? O holde Kunst ich dankte dir! „Sie wollen Journalist feln!� Zum 1. Oktober erscheinen unter dem Tttel„Aus meinem Leben" im Verlage Grethlein u. Co., Leipzig und Zürich, die Er- innetungen von Adolf Damaschke, dem bekannten Boden- reformer, in denen er von seiner Jugend in Berlin erzählt, von den sozialen Kämpfen der lSSster Jahre, von den Anfängen und der Weiterentwicklung der Bodenreform, die in ihm später ihren Führer fand. Wir sind in der Lage, unseren Lesern schon heute«ine kleine Probe aus dem Buch mitzuteilen,«ine Erinnerung an Franz Mehring, den damaligen Chefredakteur der Berliner„Volks- z e i t u n g", deren Mitarbeiter Damaschke war. Die Zeitung— schreibt Damaschke— war aus dem Besitz der Familie Duncker in den einer Aktiengesellschaft übergegangen. Die Mehrheit der Aktien besaß zu meiner Zeit«in Herr Cohn. Ich hörte in der Redaktion oft Worte des Bedauerns über das Schicffal der Erben der alten Gründer und Leiter des Blattes. Auf die Aktien der„Volkszeitungsgesellschaft", von denen sie ja immer noch«inen großen Teil besaßen, wurde häufig keinerlei Gewinn ansgeschüttet, wähvend die uns beliefernden Papierfabriken, an denen zufällig auch Herr Cohn beteiligt. war, sich stets über gute Ergebnisse freuen durften. Ich fand wenig Wohlgefallen vor den Augen des Herrn Cohn. Ein Mitarbeiter, wie ich, der ja nur in der von der Schul« freien Zeit in der Rodoktion sein konnte, erhielt für«inen Leitauffatz 15 M. Sonderhonorar. Als ich an einem Wochenschiuß 4ö M. forderte, schüttelte Herr Cohn, der selbst an der Kasse faß. miß. billigend sein Haupt:„Viel Geld!" Ich antwortete:„Sie meinen wohl— viel Arbeit?" Zuerst war es die Berichterstattung über wichtige Tagungen, die ich in ihrem Wert erkannte. Ich hatte es übernommen, üb-r «in« bedeutsame Versammlung bei„Buggenhagen" am Moritzofatz einen kritischen Bericht zu erstatten. Ick, wohnte der Versammlung bei. Noch vor Schluß warf ich mich in eine Droschke und jagt« noch der Redaktion in der Lützowstrah«, Mehring empfing mich mit einem spöttischen Lächeln:„Hm, jetzt bringen Sie den Bericht?" „Nun," sage ich,„ich will ihn jetzt schreiben." „So spät? Der Bericht ist schon seit zwei Stunden hier." Ich starrte ihn an. Er aber gab mir lächelnd einen Bericht, der ganz lesbar war. Di« Berichterstatterfirma hatte einfach die Tages- ordnung genommen und sie zu einem„objektiven" Berichte umge- arbeitet. Die Vorträge waren„anregend", die Stimmung war„gut". di« Reden„fanden Beifall".— Fertig! Daß dabei einmal«in Redner erwähnt wird, der im letzten Augenblick durch einen anderen ersetzt werden mußte, war unerheblich. Franz Mehring blieb in der Regel dem Vereins« und Verfamm. lungsleben fern. Ihm, den, großen Meister des schriftlichen Aus- drucks, war jcde Redegabe versagt Die Fülle von Kenntnissen, über die er frei verfügte, setzt ernste und strenge Arbeiten voraus. Aber die kleinen, wenn auch notwendigen Tagespflichten des Redakteurs langweilten ihn oft. Wenn er nachmittags Dienst hatte und ich mit ihm allein in der Redaktton faß, batfa er wohl ein« größere Arbeit vor, und ich mußte die Zeitung füllen. Ein« solche Zeitungsfüllung läßt sich nicht genau voraussehen, denn ihr Umfang wird naturgemäß im letzten Augenblick bestimmt durch den An,faigent«il. Der Grund« satz gilt wohl für jede Tageszeitung: Lieber die geistreichste Nottz zurück als ein bezahltes Inserat! Eines Nachmittags kam der Faktor aus der Druckerei in aller Eil« und erklärte ziemlich ungeduldig, die Zeitung müsse abgeschlossen werden und es fehl« immer noch Vb Spalt« Text Ich Neuling sah hilflos zum Meister auf, fand aber keinerlei Mitgefühl. Mehring lachte:„Sie wollen Journalist fein und können sich nicht helfen? Schreiben Sie schleunigst«inen interessanten Brief aus Kanada, Afrika oder Australien. Hier haben Sie ein paar Nummern der„Frankfurter Zeitung". Aber schnell, Sie sehen, di« Maschinen warten." Da galt«s denn, die Zähne zusammenzubeißen und zu schreiben, und zwar einen Stist der Gnade vor den Augen eines Franz Mehring fand. Goethe im Urteil Metternichs. Es sind jetzt gerade hundert Jahre vergangen, daß G-eche an den Fürsten Metternich, den all- mächtigen österreichischen Minister«ine Eingab« richtet«, in der er die Bitte aussprach, daß seinen Werken in Oesterreich Schutz g«gen m, berechtigten Nachdruck gewäbrt werde. Sein Gesuch wurde auch erfüllt, und der Olympier beeitt« sich, Metternich wff überschwäng- Die Durchführung der Amnestie. Eine französische Mitteilung. Paris, 19. September.( Gigener Drahtbericht.) Offiziös wird mitgeteilt: Die im Londoner Schlußprotokoll vorgesehenen Gnaden und Amnestiemaßnahmen sind ordnungsgemäß von den französischen Besatzungsbehörden ausgeführt worden. Was die Wieder zulassung von Ausgewiesenen und die Wieder einfegung von Beamten in ihre Dienststellen anbelangt, so muß man unterscheiden zwischen den Beamten im Kölner und Duisburger bzw. Düsseldorfer Brüdenkopf. In dem Düsseldorfer Gebiet sind alle Bersonen, die feit dem 11. Januar 1923 ausgewiesen worden waren nach einer augemeinen 25 prozentigen Tarifermäßi| ist jedoch, daß der Zusammenbruch der Tschefiangfront eine demogung. Sie verlangt die Schaffung von Seehafen ausnahme- ralisierende Wirkung auf die Front der mandschurischen Truppen tarifen, besonders für Kohlen zum Wasserumschlag, und eine haben muß. Wiedereinführung des Ausnahmetarifes für Schiffsbaueifen angeblich, um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie im Auslande zu ermöglichen. Ferner wird die Einrichtung eines selbständigen Wagenamies für den gesamten Industriebezirk sowie die Schaffung eines besonderen Sammelbedens für Spezialwagen, die Einlegung von Ferngüterzügen, Aenderung der Bedingungen der Fracht stundung u. a. gefordert. Erleichterungen im Warenverkehr. und von den Gnadenmaßnahmen nach der Programmrede des Kabi- teilung der Interalliierten Rheinschiffahrtskommission besagt, daß die Dortmund, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Eine Mitnetts Herriot nicht berührt wurden, am 6. September 1924 ermäch- Verfügung des Kommandierenden Generals, nach der die Ausfahrt tigt worden, in ihre Heimat zurückzukehren. Ausgenommen wurden sechs Persönlichkeiten. Diese Ausnahme erfolgte im Einvernehmen der Schlepper und des Leerrau ms nach Holland verboten war, in Auswirkung der Londoner Beschlüsse aufgehoben wor mit den deutschen Behörden. den ist. Es firdet fomit bei Emmerich feine unterschiedliche Behandlung für beladene oder leere Fahrzeuge mehr statt. In dem gleichen Gebiet sind alle Beamten und öffentlichen Angestellten, die entlassen oder dispensiert waren, vom 12. September 1924 ab mit Ausnahme der 6 Persönlichkeiten und 6 weiterer Beamten wieder eingefegt worden. Ein volles Einvernehmen ist hierüber zwischen den französischen Besagungsbehörden und der in Düsseldorf tätigen deutschen Delegation erzielt worden. Letztere hat den Dank der preußischen Regierung hierfür zum Ausdrud gebracht. In den altbefehten Gebieten und des Rheinlandes verhandelt gegenwärtig eine weitere deutsche Delegation, und zwar in Roblenz mit den interalliierten Besatzungsbehörden über die Biedereinsehung der Beamten und der Zurücknahme der Ausweifungsbefehle. Diese Verhandlungen nehmen einen günstigen Verlauf. Was andererseits die Erledigung der Gerichtsverfahren und den Nachlaß von Strafen des gesamten alt besetzten Gebietes ( Rheinland und Ruhr) anbelangt, so ist am 12. September 760 auf freiem Fuß befindlichen Angeschuldigten die Einstellung der eingeleiteten Verfahren zugute gekommen und 145 Verurteilten oder in Untersuchungshaft Befindlichen ist Freilassung gewährt worden. Die Anwendung der gerichtlichen Amnestie nimmt jedenfalls einen normalen Verlauf. Die Reichsregierung hat den französischen Behörden ihren Dank für die Beschleuni gung zum Ausdruck gebracht, die bei der Anwendung dieser Maßnahmen des Wohlwollens erwiesen wurde. 654 Ausweisungen zurückgenommen. Koblenz, 19. Sptember.( WIB.) Die in der Sigung vom 18. September von der Rheinlandtommiffion befchloffene Lifte über die Zurücdnahme von Ausweisungen, die 654 Namen für die französische Zone enthält, wurde der deutschen Abordnung übergeben. Die Verhandlungen zwischen den Dienststellen der Alliierten und den Vertretern der deutschen Regierung, auch 14züglich der Ausweifungsfrage, werden fortgesetzt. In Kürze werden noch weitere Erleichterungsmaßnahmen durch die Rheinlandkommission getroffen werden. Vor dem Ende der Regie. Bochum, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Die bisherigen Berhandlungen zwischen den Vertretern der Regic und den Vertretern der Reich seisenbahn führten zu dem Ergebnis, daß die Uebergabe der Regiebahnen nicht unmittelbar an die neue Eisenbahngesellschaft erfolgen wird, sondern zunächst an das sogenannte Organisationsfomitee. Dieses Organisationskomitee wird in Busammenarbeit mit der Regie und Reichsbahngesellschaft die Uebergabe der Regie Schritt für Schritt etappenweise vornehmen. Die Hevergabe soll in sechs Wochen vollendet sein. Die Industrie des besetzten Gebietes hat ihre Wünsche programmatisch zusammen gestellt und den beteiligten Reichsbahndirettionen sowie dem Reichs verkehrsministerium unterbreitet. Die Frage der Tarifermä Bigung ist besonders ausführlich behandelt. Die in Aussicht genommene Frachtermäßigung um 10 Proz., der angeblich beabsichtigte 15prozentige Abbau in den Klassen I, II A bis D und ein 10 prozentiger Abbau in ben unteren Klassen werden als unzureichend bezeichnet. Die rheinisch- westfälische Wirtschaft erhebt die Forderung * Paris, 19. September.( WTB.) Wie dem„ Journal" aus Mainz gemeldet wird, hat die belgische Regierung die Verminderung der die Stadt Wesel besezt haltenden Truppen angeordnet. Die Kontingente, die zurückgezogen werden, sollen an der deutschbelgischen Grenze garnisoniert werden. Das gleiche Blatt meldet, daß die französischen Truppen die Räumung des Flaschenhalses von Duisburg begonnen hätten. Politischer Abbau. Ein Zentrumsmann das Opfer. Dresden, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Stadt Dresden, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Der Stadt gemeinderat von Schirgis malde beschloß in einer stürmisch verlaufenen Sigung die Abberufung des Bürgermeisters Heßlein mit 7 gegen 6 Stimmen. Heßlein, der als Vorsitzender der neuen Christlichsozialen Partei eine wesentliche politische Rolle spielte, war bei der Ronfursaffäre in Schirgiswalde, in die die Girofasse mitverwickelt war, auf Betreiben der Staatsanwaltschaft bereits vom Dienst suspendiert worden. Die Konkurssache benutzten die Gegner, um ihn endgültig aus dem Amte zu drängen. Nach der Abstimmung beantragten die Sozialdemokraten mit Rücksicht darauf, daß die Stadt Mittel habe, zwei Bürgermeister zu befolden, Beschaffung mit derselben Mehrheit von 7 zu 6 Stimmen abgelehnt. Es entstand von Kartoffeln für die Armen durch die Stadt. Dieser Antrag wurde infolgebessen eine derartige Unruhe, daß die Sitzung geschlossen werden mußte. Eine große Anzahl Einwohner zog vor die Wohnung des Bürgermeisters Heßlein, um ihm Sympathiekundgebungen zu bereiten. Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen erhält er noch vier Jahre sein volles Gehalt und weitere vier Jahre sein halbes Gehalt. Völkisches Gesindel. Gefängnisstrafen für bayerischen Grenzschuh. München, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem Schandtat des Bayerischen Grenzschuhes aus dem Herbst Schöffengericht in Bamberg wurde in diesei Tagen eine neue 1923 verhandelt. Wiederum hatten fich 15 Mitglieder des jung deutschen Regiments wegen Landfriedensbruch, schwerer Kör= perverlegung, Raub, Plünderung und Diebstahls unter erschwerenden Umständen zu verantworten, an ihrer Spike der 20jährige Bulkaniseur Göße aus Koburg. Nach der Auffor derung ihres Regimentsführers Johnsen, protestantischer Pfarrer und jebt völfischer Landtagsabgeordneter Holt. Euch Eure Sachen bei den Juden!" sammelte Göße am 3. November abends etwa 20 Mann der ihm unterstellten Leute und befahl ihnen einen Requi rierungszug in das Dorf Autenhausen, um die beiden jüdifchen Landwirte und Bichhändler Emanuel und Adolf Gut mann zu verbauen. Der Zug wurde in der Nacht ausgeführt, die Gutmanns und ihre Angehörigen aus den Betten geriffen und unter Vorhaltung von Pistolen zur Auslieferung ihres Geldes gezwungen. Die Räuber betamen etwa 80 Milliarden Papiermart, 200 m. Silbergeld, eine goldene Uhr und sonstige Wertfachen in die Hände. Die beiden Brüder Gutmann wurden auf die Straße geschleppt und dort mit Gummifnüppeln geschlagen, bis sie blutüberströmt lichen Worten für die Genehmigung zu danken. Sein Dant wäre und schwerverlegt zusammenbrachen. In der Nacht zum gewiß reservierter ausgefallen, wenn er die Begründung gelesen 7. November wurde der Raubzug noch einmal wiederholt. Dabei hätte, mit der Metternich Goethes Bittschrift beim Kaiser befür wurden, da die Wohnungen leer standen, sämtliche Kleider wortet hat. Es heißt in dieser Immediat- Eingabe Metternichs:„ Der und das Bettzeug gestohlen, ferner 2 Pferde, 2 Kühe, 1 Ochse Staatskanzler fáhlägt dem Souverän vor, Goethe das erbetene Pri- und eine Anzahl Federvieh. Dieser Raub wurde an das Regiment vilegium um so eher zu gewähren, als sich Preußen und andere abgeliefert. Beide Raubzüge standen unter dem Kommando des verbündete Staaten nach dieser Richtung bereits bemüht haben. Der Götze, der wegen Paßvergehens und Getreideschiebungen vorbe genannte Schriftsteller hat es verstanden, sich mit seinen Arbeiten, ftraft ist. Von seiner Mannschaft wurden 14 ausfindig gemacht, insbesondere auf dem Gebiet der Poesie, und feinen anderen lite- von denen ebenfalls mehrere ich were Borstrafen aufweisen. rarischen Erzeugniffen einen Ruf zu erwerben, den man füglich euroBei seiner Vernehmung gab Göße an, daß er immer schon völ= päisch nennen tarf. Als deutscher Dichter und Gelehrter nimmt er fisch eingestellt gewesen sei und eine urdeutsche Gesinnung in der literarischen Welt eine Vorzugsstellung ein, und die öffent habe. Daher auch sein Haß gegen die Juden. Im übrigen sei er liche Meirung hat sich bei dieser Gelegenheit und bei allen Parteien sehr nervös, besonders, wenn er unter Alkohol stehe, was am zu feinen Gunſten ausgesprochen. Demzufolge ist mit Gewißheit an- Abend des 3. Novembers der Fall gewefen fei. Der Angeklagte zunehmen, daß feine verbündete deutsche Regierung die AnerkenBedmann gab an, daß in seinem Regiment auch der Prinz Leonung verjagen werde, und eine Verweigerung von feiten Defter pold von Roburg eingestellt gewesen sei. Bei dem Marsch nach reichs würde den denkbar schlechtesten Eindruck machen, so daß es an- Autenhausen habe er aus Angst mitgetan, da Göße zwei Leuten gezeigt erscheint, hier eine Ausnahme von der Regel zu machen. am Schluß des Zuges befohlen hatte, jeden niederzufchießen, der Im übrigen ist auch darauf hinzuweisen, daß die Arbeiten dieses zurückbleibe. Im Laufe der Verhandlung wurde verschiedene Male Schriftstellers, von denen sich gegenwärtig eine neue Ausgabe in die Deffentlichkeit ausgeschlossen, um, wie die Berteidiger verlangten, Borbereitung befindet, stets von der in den Staaten Eurer Majestät den national gesinnten Männern Gelegenheit zu geben, sich ohne eingesetzten Zensur unbeanstandet geblieben und für den öffentlichen Rücksicht auf die Sicherheit des Staates von der Antiage zu reiniBerkauf freigegeben worden sind. Auch wenn man zugeben will, gen. Das scheint ihnen aber nicht gelungen zu sein, denn Göße daß diese Erzeugniffe nicht einer literarischen wurde wegen eines Verbrechens des schweren Raubes in TatGattung angehören, die ihre Verbreitung empeinheit mit Körperverlegung zu 3 Jahren Gefängnis ver. fehlenswert erscheinen läßt, so muß man sich doch ver- urteilt, fieben weitere Angeflagte wegen Beihilfe zu 2 bis gegenwärtigen, daß gerade diese unerwünschte Weiterverbreitung 9 Monaten, die übrigen Angeklagten freigesprochen gegen Sicher durch die Gewährung des erwähnten Privilegiums gegen den Neu- ftellung des Eigentums der Familie Gutmann. brud gehemmt werden wird, da der durch den Urheberschutz bedingte höhere Preis der Bücher auf den Abfah hemmend wirken muß." Der Kaiser ließ sich denn auch, nachdem die Zensur und die Polizei teine Einwendungen zu erheben hatten, durch die Gründe féines Ranglers bestimmen, das Privilegium zu gewähren. Die Gemeinschaft Proletarischer Mufiffreunde veranstaltet am 21. d. M, nachmittags 4 Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Straße, unter Zeitung von Jascha Horenstein ihr erstes Chorkonzert in der Saison 1924/25. Karten im Borverkauf sind zu haben bei Bothe u. Bod, Leipziger Straße, und A. Wertheim, Leipziger Straße und Königstraße. Der Bürgerkrieg in China. Plötzliche Wendung zugunsten der Zentralregierung. London, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Auf dem süd lichen Schauplatz des chinesischen Bürgerkrieges ist eine plögliche Wendung zugunsten der für die Sache der Zentralregierung fämpfenden Klangfu- Truppen eingetreten. Die Tichefiang- Truppen, die noch vor zwei Tagen dem großen Generalangriff standhalten fonnten, durch den fie endgültig aus dem Gebiet von Schanghai verDie Juryfreie Kunstschau Berlin 1924 wird zur Zeit im staatlichen Landes- trieben werden sollten, find plöglich in hellen Haufen zum Gegner ausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof vorbereitet. Reben ben zahlreichen übergelaufen, und damit war das Schicksal des füdlichen Kampfes Einsendungen aus Berlin werden diesmal junge, aufstrebende Künstler aus dem Reiche fowie. aus Desterreich, Holland, Italien und der Schweiz zahlentschieden. Der Militärgouverneur von Tschefiang ist geflüchtet. reich in der Ausstellung vertreten feint. Sunjatsen, der Präsident der südchinesischen Republit tommt alfo mit feinen Hilfstruppen, die sich bereits auf dem Marsch befinden, zu spät. Die Ursache des Uebertritts der Tschefiang- Truppen zur Riangfu- Armee ist in der Aussehung großer Belohnungen zu suchen. Den Soldaten wurden wörtlich zu nehmende goldene Brücken ins Lager der Truppen der Zentralregierung gebaut. Das Hauptgewicht der Kämpfe liegt jetzt im Norden von Pefing, wo der Marschall Wupeifu im Auftrage der 3entral regierung starte Truppenverbände gegen Tschangtfolin, dem Heer führer der mandschurischen Truppen, dirigiert hat. Ueber den Aus gang der Kämpfe läßt sich natürlich noch nichts vorausfagen, ficher Die Euphorion- Kunstausstellung, Fafanenftr. 85, eröffnet am Sonntag, den 21. Sept., eine Ausstellung von Wilhelm Lehmbrud, Hand zeichnungen und Driginalgraphit. " Einen neuen Roman von Gerhart Hauptmann bringt der Berlag S. Fischer, Berlin, im Laufe der nächsten Wochen heraus: Die Insel der Großen Mutter oder das wunder von Jle des Dames", eine Geschichte aus dem utopischen Archipelagus, die auf einer Südseeinfel spielt. Der Prozeß Martin- Barnowsky, der vor dem Bühnenoberschiedsgericht webt, in bur Vergleich erledigt. Barnowsky zablt Martin 6000 m. als Ersatz dafür, daß er ihn für Anszenierungen zwar engagierte, aber nicht berwandte. Die Die Niederlage des Militärgouverneurs von Tschefiang fommt nicht überraschend, denn sein Bundesgenosse Sunjatsen hat schon seit längerer Zeit feinen festen Halt mehr in Canton. Sunjatsen hat es mit der befizenden Klasse infolge verschiedener rigoroser Steuermaßnahmen verdorben. Folge war, daß sich vor allem die Kaufmannschaft mit seinen politischen und militärischen Gegnern verbündete. Die Niederlage des Militärgouverneurs von Tschekiang bei Schanghai, das zur Provinz Kiangsu gehört, wird die Stellung schüttern müssen. Tschangtsolin sucht auf zwei Linien, im Tschangtsolins, des Führers der mandschurischen Armee, erInnern und von der Küste her, nach Peking vorzustoßen und dabei seinen Hauptgegner Wupeifu, den Führer der Armeen zwischen der großen Mauer und dem Vangtsestrom zu treffen. Tschangtsolin steht in einem einigermaßen guten Verhältnis mit den Japanern, während das Gebiet Wupeifus englische und amerikanische Einflußsphäre ist. Japan hat sich bis jeßt allen Interventionsgelüften europäischer Mächte mit Nachdruck widersetzt. Es treibt eine Politit auf weite Sicht, um den tiefgehenden Groll zwischen Japan und China aus der Welt zu schaffen. Tichangtfolin betrachtet auch die Mongolei als sein Einflußgebiet. Es gelang ihm bisher, auch die Russen, die bekanntlich mit China den Vertrag von Peking geschlossen haben und ebenfalls interventionslüstern sind, in 3aum zu halten. Wenn der Bürgerkrieg in China bis jetzt einen natürlich nur für chinesische Berhältnisse so ernsthaften und blutigen Charakter angenommen hat, so ist das nicht in letter Linie auf den geradezu ungeheuerlichen Waffentransport zurückzuführen, den die europäische und ameritanische Rüstungsindustrie bisher betrieben hat und an dem so ziemlich alle Großmächte beteiligt sind. Wenn deshalb für den Frieden in Europa und für den Frieden der Welt etwas getan werden soll, dann ist es höchste Zeit, daß die führenden Staatsmänner der Industrie der Mordwerkzeuge energisch auf den Leib rücken. Interventionsvorschläge der Mächte. London, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Regies rungen Englands und der Vereinigten Staaten haben in Tokio dem japanischen Auswärtigen Amt Vorschläge für eine Intervention im chinesischen Bürgerkrieg überreicht. Wichtige Abstimmung im Prager Parlament. Annahme der Sozialversicherungsvorlage. Prag, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Nach dreitägiger Debatte hat heute das Prager Abgeordnetenhaus in fast siebenstündiger Abstimmung die Sozialversicherungsvorlage in erster Lesung angenommen. In letzter Stunde gelang es den tschechischen, Agrariern, noch eine Verschlechterung in die Vorlage einzuschmuggeln. Die Abstimmung war sehr fompliziert. Es mußte über 288 Paragraphen in der Fassung der Regierungsvorlage und über 527 Abänderungsanträge, von denen 200 von den deutschen Sozialdemokraten ftammten, abgestimmt werden. Die tschechischen Sozialdemokraten stimmten für die Fassung der Regieextremistischen Anträge von rechts und links und im übrigen für die rungsvorlage, die deutschen für ihre Abänderungsanträge gegen die Fassung der Regierungsvorlage. In der nächsten Zeit sollte im Parlament der Handelssertrag mit Italien verhandelt werden. Da sich hierfür keine Mehrheit findet, weil die Agrarier ihre Zustimmung zu diesem Handelsperttag durch neue Konzeffionen in der Zollfrage erfaufen wollen, beabsichtigt der Handelsminister zu demissionieren. Mit der Annahme der Sozialversicherungsvorlage ist ein Kampf zum vorläufigen Abschluß geführt worden, der bereits im alten Defter reich eingeleitet wurde. Unter dem Drud der Arbeiterschaft hatte die österreichische Regierung 1904 und 1908 Vorlagen zur Sozialversiche rung im Parlament eingebracht. Der Sozialversicherungsausschuß des Wiener Parlaments hatte gerade seine Arbeiten beendet, als hinderte. Nach dem Umsturz hat die Regierung der tschechoslowa der Weltkrieg ausbrach und die Verwirklichung der Vorlage vertischen Republik die Sozialversicherung in ihr Programm aufgenommen. Der jetzt dem Prager Parlament vorgelegte und mit einigen Abänderungen angenommene Regierungsentwurf regelt nur die Verficherung für den Fall der Krankheit, des Alters und der Invalidität. Die Pensionsversicherung der Privatangestellten, die Unfallversicherung und die Bergarbeiterversicherung werden in dem Gesetze nicht behandelt. Die Beiträge, die zur Hälfte vom Arbeitgeber, zur Hälfte vom Bersicherten zu tragen sind, werden nach Lohntlassen abgestuft. Nach den Lohntlassen, deren es 10 gibt, schnittslohnes erfolgt grundsäglich durch Teilung des Wochenverrichten sich natürlich auch die Leistungen. Die Ermittlung des Durchdienstes durch 6. Hartnädig wurde um die Organisation der Sozialversicherung gefämpft. Die Einheitstaffe als Grundlage der Sozialpersicherung wurde nicht erzielt. Es bleiben neben der Bezirks frankenversicherung landwirtschaftliche, genossenschaftliche und Bereinstassen bestehen. ficherung steht die 3entralfozialversicherungsanstalt An der Spitze des organisatorischen Aufbaues der Sozialverin Brag, in der fich die Versicherten leider in der minder bett befinden. Ihre Leitung besteht aus 12 Vertretern der Versicherten, 12 der Arbeitgeber und 16 ernannten Fachleuten. Der Vorstand setzt sich zusammen aus drei Vertretern der Versicherten, drei Arbeitgebern und vier ernannten Fachleuten. Als Leistungen der Bersicherung sind vorgesehen: Im Falle der Krankheit tägliches Krankengelb, das je nechy der Lohntlaffe 2,70 bis 24 Kronen täglich beträgt. Die Leistungen der Alters- und Invalidenversorgung bestehen in der Hauptsache aus einer Invalidenrente, die nach einer Wartezeit vont 150 Wochen einem Versicherten ausbezahlt wird, der infolge seiner Invalidität nicht ein Drittel des üblichen Verdienstes erwerben fann. Nach Vollendung des 65. Lebensjahres wird die Rente nicht etwa wie in Deutschland auf jeden Fall, sondern nur im Falle nachweisbarer Invalidität gewährt. Anspruch auf Witwenrente haben nur invalide Witwen. Die Renten bestehen aus einem Grundbetrag von 500 Kronen jährlich, einem Etatsbetrag in gleicher Höhe und einem von der Höhe der eingezahlten Prämie, abhängigen Steigerungsbeirag. Zur Illustration führen wir an, daß ein Vollreniner der höchsten Klasse mit 3 Kindern Anspruch auf eine Gefamtrente von 5909 Kronen( 738 Mart) haben wird. Ausführlich befaßt sich die Vorlage noch mit der Versicherungsgerichtsbarkeit. In jebem Kreisgerichtssprengel werben Bersicherungsgerichte eingesetzt. Die Bersicherten sind in den Gerichten aller Instanzen, in den obersten jedoch ungenügend, vertreten. Der Kampf um die Sozialversicherungsvorlage hat natürlich das brennendste Interesse nicht nur der Arbeiterschaft, sondern der Gefamtbevölkerung der Tschechoslowakei gewedt. An ihrer Verwirf lichung haben der tschechische Genosse Dr. Winter und der deutsche Genosse Taub das größte Verdienst. Wenn die Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei nicht national zersplittert den Kampf um die Sozialversicherung geführt hätte, wäre allerdings das Ergebnis ein weit besseres gewesen. Gewerkschaftsbewegung Die Charte der britischen Gewerkschaften. Die vom englischen Gewerkschaftstongreß in Hull angenommene Charte( etwa: Grundgesez) der Arbeit" hat folgenden Wortlaut: 1. Staatliche Uebernahme und Kontrolle der natürlichen Reichtümer und öffentlichen Dienste: a) Nationalisierung von Grund und Boden, Bergwerfen und Mineralien. b) Nationalisierung der Eisenbahnen. c) Ausbreitung aller staatlichen und Gemeindeunternehmungen, um allen fozialen Notwendigkeiten und Bedürf nissen Rechnung zu tragen. nischen Unternehmer stehen durchaus nicht allein mit der Auffaffung, I an, in der u. a. feftgestellt mird, daß der Offfetdrud nicht lediglich daß nur eine gutbezahlte Arbeiterschaft böchstleistungen zum Steindrud gehöre, sondern Gemeinschaftsgebiet für Steinvollbringen kann. Man vergleiche die Löhne und Lebenshaltung der drucker und Buchdrucker fei. Die Entschließung, in der weiter die amerikanischen Arbeiter mit der Auffassung eines Borsig, zurzeit Forderungen der Buchdrucker umschrieben werden, soll als GrundVorsitzender der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der lage einer internationalen Verständigung dienen. schon von überflüssigen Ausgaben der Arbeiterschaft spricht, wenn sie fich billige Konfektionsanzüge kaufen. Kein Wunder, daß bei einer derartigen Rückständigkeit der Unternehmer die deutsche Induſtrie immer mehr ins Hintertreffen gerät. Eine gewerkschaftsfeindliche Firma. Die Hüttenwerte Tempelhof schlossen gegen Ende des vori gen Jahres ihren Betrieb. Den Arbeitern wurde gesagt, infolge von Disziplinwidrigkeiten unter den Arbeitern sei es der Firma nicht möglich, den Betrieb fortzuführen. Anscheinend sah die Firma die entschiedene Bertretung der Arbeiterinteressen durch die Funktionäre 2. Löhne und Arbeitszeit: a) Gefeßliche 44ftündige Berein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin der freien Gewertschaft als Disziplin widrigkeiten an, Marimalsarbeitswoche. b) Gefeßliche Mindestlöhne für alle Industrien und Berufe. 3. Arbeitslosigkeit: a) Maßnahmen zur Verhütung der Arbeitslosigkeit und ausreichende Erwerbslosenunterstüßung. b) Einrichtung für fachliche Ausbildung von jugendlichen Erwerbslosen. c) Schaffung von Erleichterungen für berufliche Ausbildung von jugendlichen Arbeitslosen in Zeiten wirtschaftlicher Depression. 4. Wohnungsfürsorge: Maßnahmen betreffend gesunde und geeignete Arbeiterwohnungen. 5. Erziehung: Schaffung aller Erleichterungen feitens des Staates für den Uebergang vom Elementarschulunterricht zu den Hochschulen. 6. Betriebsunfälle und Krankheit: Gewährung ausreichender Unterstügung und Entschädigung für alle Arten von Betriebsunfällen und Krankheiten. Funktionärkonferenz heute, Sonnabend, den 20. Septbr., abends 7 Uhr, Aula Sophien- Realgymnasium, Steinstraße 29/34 Vortrag: Die Funktionäre der SAJ." Referent: Genosse Walter Rüdiger Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch fein 3utriff 99 Internationaler Landarbeiter- Kongreß. denn als bald nach der Schließung der Betrieb wieder eröffnet und der größte Teil der Arbeiter wieder eingestellt wurde, stellte man den Betriebsrat und die gewerkschaftlichen Funktionäre nicht wieder ein. Als im März d. I. der Betriebsrat neu gewählt werden sollte, wurde neben einer Liste der Indifferenten auch eine Liste mit den Namen der gemaßregelten Betriebsratsmit glieder eingereicht. Der Wahlvorstand verhandelte darüber, ob diese Liste zugelaffen werden könne. Dadurch erhielt auch die Betriebsleitung Kenntnis von der Einreichung der Liste. Sofort wurden dann die Bertreter dieser Liste und alle, welche für die Wahl derselben eintraten, entlassen. Die Entlaffenen flagten beim Gewerbegericht. Mehrere Termine mit umfangreicher Beweiserhebung fanden statt. Der Vertreter der Firma Als Siz des Sekretariats der ILF. wurde auf Bor- bestritt die Behauptung der Kläger, daß sie wegen ihres Ein tretens für die Betriebsratsliste entlassen seien. Er gab aber zu, sie schlag von Walter England Deutschland bestimmt. Zum feien entlassen, weil sie für eine radikale Richtung agi Sekretär der JLF. wurde Genoffe Schmidt- Deutschland gewählt.tiert hätten! Darunter verstehe er eine Gruppe von Arbeitern, Gencffe Schmidt dankte für die Wahl und erklärte, er sehe hierin Bemerkenswert ist, daß in diesem Grundgefeg" die Sozia- den Ausbruck einer Ehrenbezeugung für die deutsche Organisation. in Frankreich und England wird neuerdings viels In das Exekutivkomitee wurden Woldt- Deutschland, Hiemstra- Holland, Levinsen Dänemark, Morawih- Desterreich, Kwapinski- Polen, Duncanfach„ Nationalisierung" gefagt von Grund und Boden, des Berg Großbritannien und Schmidt- Deutschland einstimmig gemähit. Als baues und der Eisenbahnen vorangestellt wird. Nicht ohne Ort, in dem der nächste Internationale Landarbeiterfongreß ftattGrund hat man vor dem Kriege die englischen Gewerkschaften ais finden soll, wird Genf bestimmt. Ponservativ bezeichnet. Diese Bezeichnung hat ihre Berechtigung verloren. 7. Pensionen: a) Alterspenfionen vom 60. Lebensjahre an für alle Arbeiter. b) Pensionen für verwitwete Mütter und Unmündige. tisierung Amerikanische Löhne. Die Soziale Bauwirtschaft" veröffentlicht in ihrer Nummer nom 15. September aus der Feder des Zimmermeisters Fritz Areß, Der fih zurzeit auf einer Studienreise in Nordamerika befindet, bes merkenswerte Ausführungen über die Löhne und Arbeitsverhältnisse, insbesondere des Baugewerbes, in den Bereinigten Staaten. Wir entnehmen diesen Ausführungen folgende marfante Stellen: " Wenn wir in der Heimat davon hörten, daß ein Maurer in Rem Vort je Tag bis zu 17, der Zimmermann bis zu 11 und andere Handwerker bis zu 10 Dolar für den Achtstundentag befommen, so fchüttelten mir ungläubig den Kopf oder fagten uns, daß es sich in folchen Fällen um eine Ausnahme, vielleicht um Spezialarbeiter, handle. Jezt, wo ich mit eigenen Augen alles felbft betrachten und überprüfen fann, muß ich zugestehen, daß au nicht das geringste zu viel behauptet war. Anstreicher, Installare und andere zum Baugemerbe zählende Handwerfer haben, ebenfalls Tagelöhne von 8 bis 15 Dollar, und Arbeiter der nicht zum Bauhandwerk zählenden Berufe stellen fich felten auf weniger als 6 Dollar Tagelohn. In New Perf werden die höchsten Tagelöhne gezahlt. Der StundenIphn eines Zimmerers beträgt zum Beispiel augent lidlich 1,31 Dollar. In anderen größeren Städten ist der Stundenlohn 1 bis 1,25 Dollar. Auf dem Lande wird, wie überall, der niedrigste Lohn gezahlt, der jedoch nicht weniger als 0,65 Dollar in der Stunde beträgt. „ Der Achtstundentag ist überall obligatorisch. In den Städten und größeren Ortschaften wird er streng eingehalten, auf dem Lande bogegen nicht. Ueber neun Stunden wird ober nirgends gearbeitet. Rund 70 Brez. der Bauarbeiter haben den Acht- und 30 Broz. den Neunstundentag... Benige Unternehmer in Deutschland lassen sich davon überzeugen, daß ihre Bauarbeiter einen Schandlohn erhalten, und obgleich die Unternehmer bei höheren Löhnen doch mehr oder weniger einen Borteil haben, antworten fie bei Lohnforderungen in der Regel mit einem entschiedenen Nein, wenn nicht gar eine Auspercang angedroht oder verwirklicht wird. Daß ein gut bezahlter Arbeiter, schon im Intereffe der Erhaltung seiner Arbeitsstelle, feiri Bestes hergibt, mit anderen Worten, die gewünschte Bielacbeit" ständig leistet, ist selbstverständlich. Bei halbwegs geordneten Fas milienverhältnissen fann ein Arbeiter ein Biertel bis ein Drittel feines Jahreseintommens auf die Seite Tegen, obwohl die Mehrzahl aller Bauarbeiter auf taum mehr als 40 Wochen Jahresarbeitszeit fommt. Durchschnittlich drei Monate gehen infolge von Kälte, Regenzeit und sonstiger Arbeitslosigkeit perloren. Der amerikanische Bauarbeiter ist gut genährt und ftrogt vor Kraft. Er hat drei Mahlzeiten. Das Frühstück ist reichlich und vielseitig. Es wird entweder zu Hause oder in der Nähe der Arbeitsstelle vor Arbeitsbeginn eingenommen. Das gleiche trifft auch für das Mittagseffen zu. Die Mittagspause ist vielfach auf eine halbe Stunde beschränkt. Das Essen geht mit ebensolcher Echynel ligkeit vor sich wie das Arbeiten. Die Arbeiterfreu geht, wenigstens m ihren jüngeren Jahren, irgendeiner lohnenden Beschäftigung nach. Mit ihrem Berdienst bestreitet sie meistens die Kosten für den Haushalt, so daß der Lohn des Mannes für andere Bedürfnisse( Kleidung, Bergnügen, Ersparnisse usw.) angelegt werden tann. Lohnfämpfe und die damit verbundenen Streifs und Aussperrungen sind hier nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Tarifverträge werden auf längere Zeitdouer( ein bis zwei Jahre) abge schlossen. Das Unternehmertum nimmt den Standpunkt ein, daß nur der gut bezahlte Arbeiter die beste Arbeitskraft darstelle, und daß es sich nicht lohne, wegen einigen Cents herumzustreiten... Die politischen Parteien und selbst die Regierung unterstüßen die Forderungen der Arbeiter fchaft auf ausfömmlichen Arbeitslohn weitestgehend. Es wird in diefen Kreisen die Ansicht vertreten, daß nur eine in guten Berhält. niffen lebende Arbeiterschaft den wicthaftlichen Friebert erholte, und damit den Wohlsband der ganzen Besölkerung sichere. Auf die bei uns in Europa geltende Anschouung, daß zu hohe Arbeitslöhne in erster Linie die Produktion verteuere und infolgedessen der Abfah gewiffer Produkte gefährdet sei, gibt man hier teinen Bfifferling. Man ist im Gegenteil davon überzeugt, daß das gesamte Proletariat der größte Konsument sei. Was die Arbeiterschaft fäe, müsse sie auch ernten." Die volkswirtschaftliche Rückständigkeit der deutschen Unternehmer tritt ins rechte Licht, wenn man sie vergleicht mit der Auffaffung der Unternehmer in anderen Ländern. Denn die amerikaDamn erstattete Schmidt- Deutschland ein Referat über die Frage der Arbeitszeit in der Landwirtschaft. Dem Referat folgte eine sehr ausgedehnte und lebhafte Debatte, als deren Ergebnis folgende Entschließung ange fommen wurde: Der 3. Rongreß der Internationalen Landarbeiter- Föderation in Berlin, September 1924, ist der Auffassung, daß das Ziel jeder fozialen Gesetzgebung sein muß, die Arbeiterschaft in der gesamten Land- und Forstwirtschaft und dem Gartenbau bezüglich der Dauer der Arbeitszeit mit der Arbeiterschaft in der Industrie, dem Handel und Gewerbe gleichzustellen und beauftragt das Erekuiivtomibee, die Arbeitervertreter im Verwaltungsrat des Internatio nalen Arbeitsamtes zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Frage der Arbeitszeit in der Landwirtschaft, die gemäß dem Beschlusse der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf 1921 vertagt ist, auf die Tagesordnung der nächsten Internationalen Arbeitskonferenz gefeht mird." Der nächste Tagesordnungspunkt bringt ein Referat Levin fen Dänemark über die Frage der ausländischen Wan berarbeiter. In der Debatte bringt Rmapinfti Polen zum Ausdrud, daß die polnische Regierung sehr start daran interessiert ist, mit allen denjenigen Staaten, in denen polnische Banderarbeiter beschäftigt werden, Konventionen, die Schutzmaßnahmen vorsehen, zu vereinbaren. Die deutsche Regierung will hiervon nichts wiffen. Um so begrüßenswerter ist es deshalb, menn es gelungen ist. mit dem Deutschen Landarbeiterverband eine Verständigung in diesen Dingen herbeizuführen. Die Klagen über die Behandlung der polnischen Wanderarbeiter in Deutschland wollen nicht ver. stummen. Abgeschlossen wird die Debatte mit nachstehender von den deutschen Delegierten eingereichten Entschließung: „ Die ILF. betrachtet die Regelung der Frage der Wanderarbeiter als eine ihrer wichtigsten praktischen Aufgaben. Die JLF: steht grundsäßlich auf dem Standpunkt der Freizügigkeit aller Arbeiter. Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter darf jedoch nicht den sozialen Fortschritt der einheimischen Arbeiter hindern. Aus ländische Arbeiter dürfen darum nur in einer Zahl beschäftigt werden, die dem dringenden Bedürfnis der einheimischen Wirtschaft entspricht. Der ausländische Arbeiter muß den gleichen Arbeitsbedingungen unterliegen wie der einheimische Arbeiter. Das muß besonders gelten für die Höhe des Lohnes, die Länge der Arbeitszeit sowie für die Sozialversicherung. Dringend gefordert werden muß die Bereitstellung von Wohnungen, die den gesundheitlichen und sittlichen Bedürfnissen der Arbeiter entsprechen. Die JLF. fordert von den ausländischen Wanderarbeitern, daß sie fich restlos der Landarbeiterorganisation des Einwanderungslandes anschließen. Bon den Organisationen der Bandarbeiter wird verlangt, daß diese für die Durchführung der oben genannten Grundfäße eintreten und, soweit zweckmäßig, eine gesegliche Re gelung von ihren Regierungen fordern. Gefordert wird diese Regelung ebenfalls durch Staatsverträge, die zwischen Einund Auswanderungsland zu schließen sind. Bom Internationalen Arbeitsamt in Genf wird gewünscht, daß es die vorgenannten Fordes rungen unterſtüßt." Die Berhandlungen werden fortgesetzt. Buchdrucker- Internationale. Zu den mitgeteilten Beschlüssen des internationalen Buchdruckertongresses ist noch folgendes nachzutragen: Bei der Behandlung der Hilfs arbeiterfrage wurde auf den früheren Beschluß auf Förderung des Zusammenschlusses aller graphischen Arbeiter in einem Industrieverband verwiesen. Es habe fich jedoch gezeigt, daß der Gedanke des Induftrieverbandes nur wenig Berwittlichung gefunden hat. Das Gefretariat empfahl dem Kongreß folgende Richtlinien zur Annahme: Die den ordnungsgemäßen Fortgang des Betriebes zu stören bemüht gewesen seien. Dagegen bemerkte der Vertreter der Kläger, was die Firma als radikale, den Betrieb störende Bestrebungen beBertretung der Arbeiterinteressen durch die freigewerffchaftlichen Funktionäre. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, legte der Vertreter der Kläger in längeren Rechtsausführun gen dar, daß die Entlassung wegen gewertschaftlicher Betätigung gegen die das Roalitionsrecht schühenden Bestim mungen der Reichsverfaffung verstoße. Somit sei die Entlassung eine rechtswidrige Handlung und die beflagte Firma sei zu verurteilen, den Entlassenen vollen Schadenersag für die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit zu leisten. zeichne, das sei nichts anderes, als die fachgemäße, aber entschiedene Die Kläger brangen mit ihrer Rechtsauffaffung nicht durch. Die Rammer 10 des Gewerbegerichts wies die Klage ab, ohne daß der Vorsitzende, Magistratsrat Sommer, auch nur ein Wort zur Begründung fagte. Streit im Kohlengroßhandel? Eine Vertrauensmännerfonferenz der Kohlenarbeiter hat gestern den Beschluß gefaßt, nachdem die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches abgelehnt worden ist, die Arbeitsniederlegung zu empfehlen. Wie wir erfahren, findet heute im Reichsarbeitsminifterium ein nochmaliger Einigungsversuch statt. Infolgedessen ist die Abstimmung über den Streit verschoben worden. Sollte es jedoch heute zu feiner Einigung kommen, dann ft mit einem Streit im Kohlengroßhandel zu rechnen. Ueberall dieselben. Paris, 19. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag tagte der Nationalrat des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes( Amster dam) und der Nationalrat der fommunistischen Gewerkschaften. Die Amsterdamer Gewerkschaften bespraden vor allem die Frage des 3ustroms ausländischer Arbeiter. Die Vertreter aus der Provinz erflärten, daß sie in diesem Zuftrom von neuem den Versuch der Arbeitgeber sehen, eine fünstliche Arbeitslosigkeit zu erzeugen, mit dem Ziele, die Löhne herabzudrücken. Es wurde eine Kommission ernannt, die insbesondere die Ueberleitung des Ressorts über die ausländischen Arbeitskräfte dom Außenminifterium auf das Arbeitsministerium verlangen foll. Die fommunistischen Gewerkschaften tagten, um zunächst ein Referat über die Frage der Gewerkschaftsbewegung anzuhören. Am Schluß der Debatte wurde eine Delegation der kommunistischen Gewerkschaften zu dem Nationalrat der Amsterdamer Gewerkschaften entsandt, die jedoch höflich hinausfomplimentiert wurde. Am gleichen Vormittag hatten nämlich die Kommunisten einen Schmäh aufruf gegen die Amsterdamer Gewerkschaften veröffentlicht. Der Nationalrat der Amsterdamer Gewerkschaften begnügte sich damit, den Vorschlag der kommunistischen Gewerkschaften zur Kenntnis zu nehmen und seine eigene Entscheidung darüber zu vertagen. Die Kommunisten sind überall dieselben. Dom Achtung, Zimmerer! Platfperre. Sämtliche Baustellen der Firma Berlinische Baugesellschaft"( Haberland- Konern) find gesperrt. Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Groß- Berlin. Cohnerhöhung im Schwerfuhrwerkgewerbe. Wie uns Deutschen Verkehrsbund mitgeteilt wird, ist der Schiedsspruch für das Schwerfuhrwerfgewerbe nunmehr sowohl von den Arbeitgebern wie auch von den Arbeitnehmern angenommen worden. Infolgedessen erhöhen sich die Löhne von 35 bzw. 37,50 m. auf 38 bzw. 40,50 M. die Woche. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68, Sindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch ,, Lebewohl" 1. Die Aufnahme des Buchdruckereihilfspersonals in die Berufsverbände ist im Interesse der Geschlossenheit, der ersprießlichen Zusammenarbeit und in Anbetracht der technischen Entwicklung als erstrebenswertes Ziel zu betrachten. 2. Da, wo festgefügte Hilfsarbeiterorganisationen bestehen, fann die Aufnahme von Buchbrudereihilfspersonal in die Berufsverbände nur mit Zustimmung der betreffenden Hilfsarbeiterorganisationen erfolgen. 3. Der An= schluß des Buchdruckereihilfspersonals an das Internationale Le bewohl wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Buchbrucersekretariat fann nur im Rahmen des BerufsDerbandes in Frage kommen. Diese Richtlinien wurden einstimmig angenommen. In der Offsetfrage nahm der Kongreß eine Entschließung los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! KRESSIN RICHTER STEGUTZ MOHAR 5 in Blechpackung Die Marke des Qualitätsrauchers S ZIGARETTEN MOHAR 88 LUXUS Die Marke des Feinschmeckers 1« Heilage öes wanüerziele. kreuz an diese Schiacht steht linker Hand der Straße, bei Kilometer- stein 35,6. Das Rhinluch mag in früheren Zeiten ähnlich beschaffen gewesen sein wie das Havelländische Luch. Auch hier werden undurch- dringlich« Sümpfe gewesen sein, die nur an einigen Stellen, wie beim Kremmer Damm, überschritten werden konnten. Gegen End« des 18. Jahrhunderts wurde der Ruppiner Kanal angelegt, der vom Rhin im Westen von Kremmen durch den Kvemmer See, den tiefsten Teil des Rhinluchs, zur Havel nördlich von Oranienburg führt. Hauptsächlich dient« der Kanal dazu, den im Rhinluch gewonnenen Torf auf dem Wasserwege nach Berlin zu schaffen. Wir überschreiten Im Luch den Ruppiner Kanal, kommen an dem Denkmal vorüber und gelangen zur Langen Horst, einer Erhebung, die sich etwa 2 Kilometer weit gen West erstreckt. Wir können diese bewaldet« inselarlige Landerhebung inmitten des Luchs umwandern. Weit reicht von hier der Blick über die eben« Wiesenfläche des Luchs. Im Norden sehen wir die Dörfer Sommerfeld und Beetz; gen West ver- schwinden die begleitenden Uferränder der Niederung. Das Rhin- luch bildet einen Teil des Eberswalder Urstromtals, das im Norden von der Hochfläche des Ruppiner Landes und im Süden von der des Glien begrenzt wird. Auch die Lang« Horst zeigt Spuren vom Menschen der vorgeschichtlichen Zeit. Einigen Wandergenossen ge- lang es, Geräte aus Feuerstein hier zu finden, die auf ein Alter von etwa 6 Jahrtausenden zurückblicken, und sie der wiss-nschastlich-n Bearbeitung zugänglich zu machen. Bon der Langen Horst kommen wir nach Sommerfeld, einem großen Dorf am Nordrand des Luchs. Wir oerlassen den Ort in östlicher Richtung auf der Chaussee nach Hohenbruch, die dicht am Luch entlangführt. Bei Johannis- t h a l wenden wir uns gen Süd, quer durch das Luch noch Döringsbrück. Hier überschreiten wir wieder den Ruppiner Kanal und wandern nur am Rande von Wald und Luch nach Der- l o r e n o r t. einer Siedlung, die in stiller Verlorenheit liegt, um- geben von Wald und Luch und ihren Namen zu Recht trägt. Wohl selten hat ein Ort«inen trefflicheren Namen erhalten als hier. Ver- lorenort! 5)ingestreckt am Waldesrand sdjauen wir über das Luch, über dem wohl einig« Segel ziehen, hin zu den fernen Kirchtürmen im Ruppiner Land. Gen Süd wandern wir durch den schönen'' Kiefernwald auf dem„Heuweg" zur Straße nach Kremmen, der wir in westlicher Richtung folgen. Linker Hand der Straße ziehen sich Hügel hin, Dünen, die in dem sandigen Gelände des Urstromtals am Sonnabenö, 2S. September 1924 Ende der Eiszeit zusammengeweht wurden und sich in der Ost-West- Richtung des Tals zu langen Zügen aneinanderreihen. Wandern wir auf dem Kamm dieser Dünen entlang, so sehen wir, daß ihr Abhang gen Südwest einen bedeutend flacheren Böschungswinkel zeigt als der entgegengesetzte Abhang. Wir dürfen daraus schließen, daß es südwestliche Winde waren, die den Aufbau der Düne veran- laßten. Am Kremmer Schützenhaus erreicht der Wald sein Ende. Wir wandern wieder durch die Stadt Kremmen, dessen Kirchturm vor einigen Jahren vom Blitz zerstört wurde, zum Bahnhof zurück. An der Ueberführung der Nauener Bahn ist ein mannshoher Find- lingsblock aufgestellt worden, der beim Bahnbau im Jahr« 1911 gefunden wurde. In sinnreicher Weise hat man ihn als Ortstafel verwandt.(Wegläng- etwa 25 Kilometer.) Der springende Serg. Auch in der Umgebung Berlins kann man, wenn man Glück hat, Zeug« eines sogenannten„Bruchsturzes" werden, wie sie m den großen Bergwerken zu den Alltäglichkeiten gehören. Im„Geologi- sehen Wanderbuch" für die Umgebung Berlins findet sich folgende Schilderung aus den Brüchen von Rüdersdorf.„... In den schmalen Stollen, auf deren Grund« sich holzüberdeckte Wasserrinnen hinziehen und von denen die meisten bereits mit Schmalspurgieisen nersehen sind, erblickt man hie und da Arbeiter beim Anbohren der bereits auf das normale Maß geschwächten Pfeiler beschäftigt. In einen jeden werden zehn tiefe, etwa 2— 3 Zoll weite Löcher gebohrt, von denen jedes später 1 Kilo Puloer aufnehmen wird. Zum Bruch- stürz bestimmt man ein Feld am äußeren Abhang, das je nach dem Bedarf sechs bis zwölf Pfeiler breit und zwei Pfeiler tief ist, also eine Felsmasse von 200—100 Quadratmeter Fläche und 25 Meter Höhe umfaßt. Jeder Pfeiler dieses Bruchfeldes ist bereits gebohrt und mit seiner Ladung von 20 Pfund Pulver gefüllt, an jeder Mine liegt bereits der Zündjjaden, die Mannschaften werden unter der Leitung des Obersteigers verteilt, und die Zündung kann beginnen. Diese Leute, die je nach der Größe des Bruchfeldes 150— 300 Mann, sind so verteilt, daß sich zehn Knappen an jedem zum Sturz bestimmten Pfeiler befinden. An jedem Bohrlochs steht ein Mann mit brennender Lunte. Nun herrscht erwartungsvolle Ruhe, warnend erklingen die Töne der Signalglocke, und alles, wgs sich außer den Zündern in der Nähe des Platzes befindet, eilt schleunigst davon. Selbst die Kähne, welche aus den hundert Schritt« entfernten Kanä- len liegen, weichen zurück. Unheimliche Stille lagert nun vor d-n drohenden Felsmassen, die in den nächsten Minuten zum krachenden Sturz gezwungen werden sollen. Nun ertönt das Kommandos „Achtung!"— Der Obersteiger überzeugt sich durch Frage, ob alles am Platze, noch zehn Sekunden Stille— dann folg! das Koni- mando:„Brennt!", und die Katastrophe ist beschworen. Wie der Blitz in sein Opfer, so fährt jede Lunte an ihre Zündschnur, und fast im gleichen Augenblick beginnt auch schon die rasend- Flucht der Scharen, die im Laufichritt dem Freien und der Sicherheit zu- eilen. Zwei Minuten haben sie Zeit, denn so laqge bedarf dos Feuer, um längs der Zündschnur das Pulver zu erreichen. Zuletzt. nachdem auch der letzte seiner Getreuen in Sicherheit, verläßt der Obersteiger den Ort.— Zwei Minuten sind verstrichen, da kracht der erste, da krachen auch schon zehn, schon zwanzig Schüsse. Schlag auf Schlag donnern innerhalb dreißig Sekunden Hunderte von Detonationen mit einer Hestigkeit, daß die Erds b:bt. Aus den Pfeilergangert wälzt sich d-r Rauch, sprühend- Blitze durchzucken den wollenden Nebel, Steinmasscn durchfliegen die Luft und stürzen bis in die Kanäle— und plötzlich, oft noch während der krachenden Detonationen, bricht unter unbeschreiblichem Eelöse die Felsmasse in sich zusammen, ein Bild der Verwüstung und des Schreckens..." Am Anti-Kriegskag, Sonnlag, den 21. September, vsraustallct der Internationale Gewerkschaftsbund bekanntllick q r o ß e� K u n d g e b u n g e n. Wir geben noibmalS die Tagungs- lokale für Berlin bekannt: 1. Viktoriaqartcn. Wilmersdorf, Wil- helmSaue: 2. PharuSsäle, Berlin dl, Müllerstraße: 3. Alhambra, srüber Kellers Festsäle, Berlin O. Koppenstraßc: 4. Koilsgarten, Neukölln, Karlsgartenstraße. Tie Kundgebungen beginnen um 10 Uhr vormittags. Nr. 444» 41. Iahrgaag Sonntägliche Der Sommer scheidet, der Herbst naht! Die Sommerfäden ziehe» durch dos Land, der Altweibersommer ist da! Klar und mild leuchtet die Septembers onnc: den letzten warmen Strohlengruß sendet sie, ehe sie hinabtaucht in die Eisnacht des Winters. Jetzt ist es die recht« Zeit, um die weiten Luchebenen der Heimat zu durchwandern. Bis nah« an die Tor« der Reichshaupfitadt erstrecken sie sich, die in großen Teilen Nordwestdeutschlands meilenweite Moore und Wiesen bilden. Das havellänüijche Luch. Vom Lehrter Houptbahnhof fahren wir mit den Vorortzügen der Hamburger Bahn nach Nauen. Wir wenden uns vom Bahn- Hof sogleich nach Norden, auf den Weg nach Börnicke, dem wir etwa Stunden folgen. Nach dem Verlassen eines schmalen westlichen Ausläufers der Nauener Stadtforst, kurz vor dem Gelände der Tele- funkenstation, wandern wir von der Straße auf dem Nauener Damm links ab. Der Damm führt durch das Kleine Teufelsbruch gen Nord- west bis zum Dreibrücken-Krug. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Land urbar gemacht. Die angestellten Untersuchungen ergaben, daß„die Anlage von Entwässerungsgräben möglich, das Werk der Urbarmachung also tunlich sei und dem Lande großen Nutzen bringen werde. Dann könnten in dieser Gegend einige Kuhmelkereien angelegt werden, dergleichen hier zu Lande noch nicht vorhanden wären". Vor der Urbarmachung war das Havelländische Luch eine Wildnis, durch die nur wenige Dämme und Wege führten. Der Nauener Damm war in jener Zeit so schmal, daß nur drei Menschen zu Pferde nebeneinander reiten konnten; rechts und links versank alles im Morast. Wo jetzt fruchtbar« Dorffluren und üppige Wiesen sind, war damals olles struppiges Sumpfland, in dem noch bis in das 18. Jahrhundert Wölf« vorkamen. Mit der Entwässerung des Luchs allein war es nicht getan; neu« Ortschaften und Siedlungen wurden angelegt, um das gewonnene Ackerland zu bebauen und die Viehhaltung zu ermöglichen. Zu ihnen gehören Dreibrückcn und Herlefeld, das wir auf dem vom Dreibrückenkrug in süd- westlicher Richtung abgehenden Berger Damm erreichen. Diese Sied- lungen liegen auf einem etwas höheren, sandigen, oft bewaldeten Platz inmitten der feuchten Niederung. Solche Stellen werden Horste genannt, und oft hat die Siedlung davon ihren Namen erhalten, wie Königshorst. Kuhhorst u. a. Hertefeld wurde um 1724 gegründet; es erhielt feinen Namen zu Ehren des Oberjägermeisters von Hertc- feld, der die Urbarmachung des Luchs ausgearbeitet hatte und die Arbeiten leitete. Am Dahnhof Berger Damm der Hamburger Bahn vorüber kommen wir noch dem Dorf Berge. Wir haben die Hoch- fläche erreicht, die das Südufer des Berliner Urstromtals und somit auch des Havelländischen Luchs bildet. An ihrem Rande führt die Chaussee gen Ost über Lietzow nach Nauen zurück. Vom Wege schauen wir weit in das Luch hinein, über dem die abendlichen Nebel oufiteigen. Ein Gang durch die Stadt bringt uns zum Vabnhof. Weglänqs etwa 26 Kilometer. Bei der Rückfahrt von Derger Damm wird die Fußwanderung um 9 Kilometer, bei der Rückfahrt von Berge(Kleinbahn) um 7 Kilometer verkürzt. Durch öas Nhinluch. Wir fahren vom Stettiner Vorortbahnhof über Tegel und Velten nach Kremmen. Der Bahnhof liegt am Nordrande des Ländchens Glien, das das Rhinluch im Süden' begrenzt. Der Weg führt zur Stadt hinab, die bereits im Tal liegt. Kremmen wird erstmalig 1217 in einer Urkunde angeführt und schon als ein bekannter Hauptort des Landes Glien bezeichnet. 1298 wurde der Ort zur Stadt erhoben. Sicherlich bestand hier schon in vorgeschichtlicher Zeit eine Siedlung; denn dos Rhinluch verengt sich nördlich der Stadt, so daß hier ein leichteres Ueberfchreiten d:s Luchs möglich war. Auf das Bestell«» des Ortes in der Wendenzeit(vor 1150) deutet die noch heute erhalten gebliebene Bezeichnung eines Teils der Stadt als Kietz hin. Wir verlasien Kremmen durch die Ruppiner Straße und kommen zum Kremmer Damm. Dieser Damm bildet« wahrscheinlich auch schon in der vorgeschichtlichen Zeit den Uebergang über das Luch. Di« Chronik berichlet von einer Schlacht am Kremmer Damm, die 1334 zwischen den Brandenburgern und den Pommern entbrannt«. Eine zweite Schlacht fand hier 1412 statt, ebenfalls zwischen den Brandenburgern und den Pommern, die von den Ouitzows herbei- gerufen waren, um den Kurfürsten zu vertreiben. Ein Erinnerung?- Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Rexö. Es war, als fielen von ihren Gliedern scharfe Krallen ab. „Bogelscheuche! Zankteufe! Verrücktes altes Weib!" Alle diese Schimpfworte hörte sie wieder vor ihrem Ohr, nachdem sie sie zuletzt selber mit einer gewissen Wollust übernommen hatte. Aber sie ertönten nur, um zu verklingen; alles, was zu diesem Namen gehörte, streifte sie von sich ab— wie haß- liche Schlangenhäute. So! So! Mit geschlossenen Augen lag sie da und lächelte bei dem Fall jeder Haut. In ihrem Innern brach es auf, schwindelnd warm und weich, und nun löste sich die Magerkeit selbst als die allerletzte Hülle und fiel ab. Und ihre Glieder schwollen, die Brüste füllten und spannten sich, singend und erregend durchrieselte sie das Blut und erfüllte sie mit Wohlbehagen vom Kopf bis zur Zehe, mit summender Freude über das Leben selbst. Ja, leben: jung, blutreich, kräftig, mit vollen Formen, voll Begehren und begehrenswert! Die Sonne schien auf den großen Brauerei- und Acker- bauhof: selbst in ihrem Spiel auf den kleinen Wasserpfützen und ihrem Geflimmer auf dem Pflaster war Lachen und Froh- sinn. Die Eimer sangen, sobald man sie berührte, und ihr reiches Haar, das sie in Scham und Gram ausgekämmt und zum falschen Zopf beiseite gelegt hatte, es stand wieder um ihren Kopf in blondem Gebrause, fiel in sonnenleuchtenden Wirbeln vor ihren Augen herab. Die Knechte machten sich um ihretwillen aus einfältigem Anlaß in Küche und Brauerei zu tun. und sie hatte ihre Not damit, sie sich vom Leibe zu halten. Namentlich war es nicht leicht böse zu werden, wenn sie von hinten kamen, während sie nichts Arges oermutete, sie um die Brüste faßten und kitzelten, so daß sie laut hätte lachen müssen, wäre das andere nicht anständiger gewesen. Am zudringlichsten war der neue Karl Jonas Paulsen, der von der anderen Seite der Insel kam— weil er zu Hause vor seinen alten Bräuten keine Ruhe hatte, sagte man. Er war ein Staatsbursch, ausrecht und breifichultrig; die Mütze hatte er schief ruf dem Kopf, seine Bluse umschloß einen runden, roten Hals und pralle Handgelenke; und Schulterblätter und Muskeln zeichneten sich klar und üppig miter der dünnen Sommerlleidung ab. Selbst der Klang seiner 5)olzschuhe unterschied sich von dem der anderen; und wenn er über den Hofplatz ging, stürzten alle Mädchen ans Fenster. Ihre gute Freundin, die schmächtige, dumme, unansehn- lich? Kristine, die ihn bekam, schnappte ihn allen anderen vor der Nase weg! Madam Frank mußte lächeln— sie verstand es noch nicht.' obwohl so viele Jahre seitdem verflossen waren, wie sie jene Niederlage hatte erleiden können. Aber der Brauer und Ackerbauer Dam selber, der sah sie mit solchen Augen an, daß alle Mädchen neidisch wurden — und er hatte doch eine schöne Frau und verkehrte mit allen den vornehmen Damen. Wenn er sie ansah, mußte sie lachen, es ging nicht anders, so warm wurde ihr dabei im Halse. Und wenn er sie bc- rührte, bedurste sie all ihrer Ehrbarkeit. Aber Spaß machte es! Und gefährlich war's... pah, so ein Ehemann! Sie hatte ihm denn auch— ihrem eigenen Brotherrn— eins um die Ohren gegeben. O, wie deutlich sie sich an alles erinnerte. Aber daß er nicht wütend über die Ohrfeige wurde und sie fortjagte— das verstand sie nicht. Dann war er ins Städtchen gekommen, der feine Schneidergesell Elias Frank aus Kopenhagen, und alle Mäd- chen schwärmten für ihn, wie für Jonas Paulsen. obwohl die beiden einander durchaus nicht ähnlich waren. Er hatte auf dem Waldfest mit ihr getanzt— auf eine ganz neue Art, ver- kehrt herum, was keins von den anderen Mädchen konnte, nicht einmal Kristine, obwohl sie die Braut des Jonas Paulsen war. Aber sie selber hatte es gleich gekonnt, und dann hat.»: er sie traktiert, und sie hatten sich verlobt. Aber was für einer Elias Frank war! Keine Rede davon, daß er sie anrührte, obwohl er es ja durfte vor Gott und den Menschen, da sie ja heiraten wollten. Ihm fiel's nicht einmal auf, wie gut sie gewachsen war. Ein Spaziergang über die Straße, Arm in Arm, am Sonntagnachmittag, um die schönen Kleider zu zeigtn, das war alles./ Denn Kleider waren das einzige, wofür er Sinn hatte. Sie hätte ebenso gut ein Besenstiel sein können, der hübsch angezogen war! Und wie dumnr und hölzern er sich benahm, wenn sie oersuchte, Leben in ihn zu bringen! Hatte sie ihn endlich so west. dann kamen seine Liebkosungen wie auf Bestellung, genau als nähme er Maß für einen Anzug. Aber er trank schon damals gern, obwohl er nicht dem Trunk verfallen war. Madam Franks Mundwinkel zuckten bitter, auf ihrer Lippe schwebte ein Wort, das sie oft gebraucht hatte: Schlapper Kerl! Dann lieber, wenn es schon sein mußte, Jonas Paulsens Braut, mit rotgeweinten Augen und die Hände unter der Schürze. Schon damals war es ihr schwer geworden, die Vcrach- tung zu unterdrücken, und sie hatte Trost suchen müssen in der Erklärung, daß die Männer in seiner Heimat wahrschein- lich alle so seien. Seitdem sie sich aber mit dem fixen Kerl, dem Schneider- gesellen Elias Frank, verlobt hatte, war sie lange nicht mehr so widerstandsfckl)ig gegenüber den zärtlichen Annäherungen ihres Brotherrn: und daran war er schuld, der erbärmlich? Wicht. Konnte sie vielleicht etwas dafür, daß sie ein Mensch war und nicht vom Mondschein zu leben vermochte? Aber schlimm war es trotzdem— alles das, was diese Sache nach sich zog. Denn nun kamen die Folgen und die Aussicht auf einen Skandal, und der Brauer gab ihr einen kleinen Wink. Der Schneidergeselle Frank mußte einmal aus feiner Unfähigkeit hervorsteigen und sich so weit als Mann erweisen, um den kleinen„Fehltritt" begehen zu können, der notwendig mar, damit die Situation sich retten ließ. Früher hatte Madam Frank ihr damaliges Verhalten stets bereut, selbst wenn sie am aufgebrachtesten gegen ihn war, hatte es als Betrug angesehen; jetzt dagegen neigte sie trotz ihrer sanften Stimmung zu der Ansicht, daß sie in ihrem guten Recht gewesen sei, und daß er die ganze Schuld trage. Vielleicht nicht mit Bezug auf den Betrug selbst, in diesen: Punkt war sie ein wenig unsicher; aber was die Untreue be- traf, so hegte sie keinen Zweifel. Was hatte er sich denn mit Frauen abzugeben! Er hätte sich an die Flasche halten können, jawohl, dann hätte keiner von ihnen sich verbrannt. Und wie erbärmlich hotte er sich verhalten! Zuerst hatte er sich gewunden wie ein Wurm und nach allerhand Aus- flüchten gesucht, ja er war schon nahe daran gewesen, ein ärztliches Attest für feine Unfähigkeit beizubringen. Obschon er wohl wissen mußte, daß er sie damit zugleich selbst beschul- digte.— Aber sie war auch ernstlich zornig geworden. Und hernach, als der Brauer mit liebevoller Nochsicht die Hand auf seine Schuster legte, da prahste Frank damit, er sei Manns genug, die Folgen auf sich zu nehmen, und spielte sich geradezu aus.(Fortsetzung fertgt) „ Unmenschliches in Krankenhäusern". Das„ Musterkrankenhaus in Potsdam". Freidenkertagung. Rechtsanwalt Dr. Alsberg begründete daraufhin feinen Antrag, das Verfahren einzustellen. Die Preistreibereivervordnung gelte nur für Forderungen im freien Handelsverkehr und nur da, wo der Verkäufer die Lieferung der Waren von der Zahlung des von ihm geforderten Nach längerer Beratung verbe Bandgerichtsdirektor Dr. Bernau als Entscheidung der fündete schr 1. großen Strafkammer des Landgerichts I, daß das Urteil aufzuheben und die Angeklagten freizusprechen feien. Das Gericht ist der Auffassung, daß auf den vorliegenden Fall die Beftimmungen der Preistreibereiverordnung feine Anwendung finden, woraus sich die Freisprechung ergab. In der letzten Sitzung der Berliner Gesundheitsdeputation wurde über einen Antrag beraten, ob auch in Zukunft ausländische Aerzte und Studierende in unseren Krankenhäusern für ihre Arbeit in Laboratorien und am Krankenbett eine höhere Bezahlung zu leisten haben als einheimische Aerzte. Der Berichterstatter, Genosse Dr. We y 1, beantragte, diefe Differenzierung nunmehr aufzuheben, da wir feine Beranlassung haben, unsere ehemaligen Feinde durch eine Nabelstichpolitik vor den Kopf zu stoßen. Mit 11 gegen 10 Stimmen wurde dieser Standpunkt von der Deputation gutgeheißen. Diese 11 Stimmen setten sich ausschließlich aus unseren Sozialdemokratischen Genossen und einer Kommunistin zusammen, während sämtliche bürgerliche Parteien für die Differenzierung eintraten. Ein deutschnationaler Stadtrat erklärte wörtlich: Wir wollen uns nicht länger von dem Ausländern ausnutzen lassen. wieder: * Dann wurde die Erörterung fortgesponnen an einem Artikel des" Vorwärts" vom 3. September," Unmenschliches in Krankenhäusern" Es war dort behauptet worden, der Tages dienst unserer Schwestern beträgt 10 Stunden, der Nachtdienst 11 Stunden. Es kommt auch vor, daß innerhalb 24 Stunden 17 Stunden Dienst zu verrichten sind. Gs wurde weiter in dem Artikel behauptet, daß infolge des Bersonalmangels auf den einzelnen Stationen die Arbeit morgens schon um 4 Uhr begonnen werden müsse, damit sie fertig werde. Die Kranken müßten dann, so nötig ihnen der Schlaf iſt, aufwachen und sogar auch aufstehen. Der 11ftündige Nachtdienst wurde ohne weiteres zugegeben. Ueber die übrigen Angaben sollen von den einzelnen Krankenhäusern Infor. mationen eingeholt werden. In der nächsten Sigung der Deputation fell ein Ausschuß dann die eingegangenen Mitteilungen genau prüfen. Socben ist eine Denkschrift des Stadtmedizinalrats Dr. Peters herausgekommen, die sich mit den Zuständen im städtischen Kranten haus zu Potsdam befaßt. Wir geben daraus folgende Einzelheiten Die gesundheitlichen Einrichtungen des städtischen Krankenhauses in Botsdam spotten jeder Beschreibung Im Operationssaal fehlt das Oberlicht, es fehlt ein eigentliches Nartosenzimmer, Borrichtungen zur Nachbehandlung von Knochenbrüchen sind nicht vorhanden, es existiert nicht ein einziger Liegebalkon für Lungentrante und Genesende. Als ein Glück muß es bezeichnet werden, daß das städtische Krankenhaus nicht eine Epidemis zu versorgen hat, denn sonst wäre es zur Katastrophe gekommen. Tür an Tür, auf einem Korridor werden Diphtherie, Schorlach, Keuchhusten und Rose behandelt. An der Isolierung Sterbender und Schwertranfer fehlt es vollständig. Leicht Lungenkranke müssen das Sterben ihrer Leidensgenossen mit ansehen. Das ist nicht nur psychisch schwer schädigend, sondern ohne Uebertreibung als barbarisch zu be zeichnen. Die Ventilationsvorrichtungen sind ungenügod und man fann sich die Luft vorstellen, die in den vollen Krankenstuben herricht. Bollkommen unzureichend ist auch die Station für Wöchnetinnen. Die Zustände auf der Haut und Geschlechtstrantenstation und die Zellen der Geistestranten erinnern an das Aussehen kleiner ländlicher Krantenhäuser vor vierzig Jahren. Tagesräume für die Kranten gibt es überhaupt nicht, sa daß diese den ganzen Tag auf den Aufenthalt im Krankenzimmer angewiesen sind. Die Fenster sind undicht und baufällig, das Fehlen der Doppeltüren macht sich an den Zimmern, in denen Schwerkranke und stöhnends Batienten liegen, bemerkbar und ruft scelische Schädigungen der Krankenhervor. In der ichten Stadtverordnetenfißung in Potsdam wurde ein Ausschuß zweds Untersuchung der unhaltbaren Zustände eingjet. Die verschwundene Frau. Nachforschungen im alten Gemäuer. Die weiteren Nachforschungen nach der verschwundenen Frau Beyer werden eifrig fortgesetzt. Die Baulichkeiten des Hauses Solzmarktstr. 66 ließen den Gedanken auftauchen, daß Frau Beyer vielleicht hier in den Kellerräumen verscharrt worden sei. Es sind hier ganz eigentümliche bauliche Verhältnisje. Das jekige Haus ist auf den Grundmauern eines dort früher befindlichen Hauses auf gebaut. Die alten Grundmauern bestehen neben den neuen fort und bilden viele dunkle Winkel und Gänge. Außerdem befindet sich in der Underfellerung noch ein früherer Brunnenschacht, der 6 Meter tief und 1% Meter breit ist. Dieser Schacht ist nur mit dünnen Brettern verschalt. Die Hausbewohner vermeiden es, diefen alten Keller aufzusuchen, da er im Laufe der Zeit von allen möglichen Obdachlosen als Unterschlupf erforen wurde. Die Krimis nalpolizei untersuchte dieson unheimlichen Ort auf das genaueste. Der Polizeihund Here" war mitgenommen worden. In dem Stroh, Unrat, alten Matratzen usw. suchte der Hund umher. Es wurde auch an einigen Stellen nachgegraben. Der Brunnenschacht mourde untersucht. Bei einer erneuten Durchsuchung der Wohnung fand man in der Küche an der Unterseite einer Eimerbant fowie an der Unterseite einer Abwaschwanne noch Blutspuren, die ebenfalls wie die bisher gefundenen zur chemischen Untersuchung eingesandt worden sind. Hoch- und Untergrund- Lotterie. Auf den Bahnhöfen der Hoch- und Untergrundbahn hat man die Automaten wieder in Betrieb gesetzt. Aber nicht in der Art wie vor dem Kriege, sondern dem veränderten Zeitgeist und der Spielleidenschaften des deutschen Boltes angemessen als Lotte rie. Nämlich so: Man stedt den Einjak, ein Sehnpfennigftüd, in eine der sechs Spalten des Automaten und zieht an einem Knopf. Entweder bleibt dann das Zehnpfennigftück im Apparat, und man hat dann eben eine Niete erwischt, oder es fällt unten wieder her: aus, und der glückliche Spieler hat damit den Einsatz bzw. ein Freilos gewonnen und kann mit diefem ohne Untoften das Spiel noch einmal versuchen. Die Gewinnchancen sind wesentlich günstiger als bei der Preußischen Klassenlotterie. Wie wir durch zahlreiche Verſuche feststellen konnten, fallen auf zehn Geldftücke nicht weniger als acht Einfahgewinne und nur zwei Nieten. Wir können die Lotterie daher allen Fahrgästen der Hochbahn. warm empfehlen. Untlar bleibt nur, was die über den Spalten des Lotterieapparates befindlichen Aufschriften Schokolade"," Bonbons"," Mandeldessert" usw. bebeuten sollen. Sie stehen mit dem Betriebe in keinerlei Berbindung und dienen nur dazu, bei den Spielern falsche Erwartungen zu wecken. Freisprechung im Wafferwucherprozeß. In den Strafprozeß gegen die Direktoren der Charlottenburger Wasserwerke A.-G., Ohlf und Ohlert, die vor dem Schöffengericht wegen Wasserwuchers zu 6 Monaten Gefängnis und 10000 Mart Geldstrafe verurteilt worden waren, hatten nicht nur die Angeklagten, sondern auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt, da er seinen Antrag vor dem Schöffengericht auf Bestrafung der Angeklagten mit Zuchthaus und Ehrverlust weiter vertrat. Laufe der Verhandlung wurde das Urteil der ersten Instanz verlesen. Danach hatte die Charlottenburger Wasserwerfe A.-G. bei ihrer Forderung von 86 Pf. pro Kubikmeter Wasser die Amortisation des Antagefapitals und der Verzinsung einfaltuliert, weil nach dem Vertrage das Wassermert nach 65 Jahren fostenlos an die Stadt übergehen sollte. Das Schöffengericht hatte diese Berechnung für unangemessen beachtet. Die schwierige Lage. in der sich die gesamte deutsche Industrie befindet, rechtfertige nicht, übermäßige Gewinne herauszuwirtschaften. Der Friedenspreis für Wasser hat 28 Bf. be. tragen. Der vom Schiedsgericht festgesetzte Preis von 35 Pf. mar unter Berücksichtigung des Vertrages immerhin noch höher als der Wafferpreis in anderen Städten, so auch in Berlin. Der Berteidiger Rintorfs Fauftkampf. Der Verein der Freidenferfür Feuerbestattung, der über ganz Deutschland verbreitet ist und jetzt an 400 000 Mitglieder hat, hält seine diesjährige Generalversammlung in Berlin am 19. bis 21. September ab. Sie begann gefſtern bei lehe fiarter Beteiligung im großen Saal des Wohlfahrtsministeriums mit einer Abendsigung, die als werbende Kundgebung gestaltet war. Anwesend waren Delegierte aus allen Teilen des Deutschen Reiches, auch Gesinnungsgenossen aus Danzig und Wien und Vertreter des Wohlfahrtsministeriums und des Berliner Polizeipräsidiums. Begrüßungsworte sprachen unter anderem König für den Gau Berlin und Masser für die Wiener Organisation, die einen besonders schweren Kampf mit den Kirchengläubigen zu führen hat, aber trotzdem rüstig vorwärts schreitet. Auch die Landtagsabgeordneten König ( Rommunist) und Paezel( Sozialdemokrat) überbrachten Grüße ihrer Ein Referat von Ernst Rieger Berlin über Ziele und Frattionen. Den Borjih führte Rückert- Berlin. Wege der freigeistigen Arbeitsgemeinschaft zeigte die Notwendigkeit engen 3usammenschlusses und planvollen Zusammenarbeitens aller Freidenker. Die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände der deutschen Republik wurde vor zwei Jahren gegründet, um die verschiedenen Freidenferorganifationen zusammenzufassen. Ihr gehören an die Gemeinschaft proletarischer Freidenker( Leipzig), der deutsche Monistenbund( Hamburg), der Wolfsbund für Geistesfreiheit( Leipzig), der Berein der Freis denfer für Feuerbestattung( Berlin). Diese Reichsarbeitsgemeinschaft will die geistige Hörigkeit beseitigen, in der das Bolt bisher gehalten worden ist. Sie bekämpft den Einfluß der Kirche und erstrebt die Weltlichkeit der Schule. Der Redner klagte, daß die Freidenfer in ihrem Kampf gegen die Kirche nicht hinreichend von den Gewerkschaften unterstützt würden. Er wandte sich gegen die Neutralitat, mit der die Gewerkschaften die Verweigerung der Unterstützung begründen. Man habe jetzt fogar den„ hriftlichen Sozialismus" erlebt, der aufs schärffte befämpft werden müsse. Die freigeistige Bewegung fei völlig frei von jeder Abhängigkeit und jeder Bevormundung durch irgend eine politische Partei. Aufgabe der Freidenter sei es, die durch die Entwicklung der letzten Jahre enttäuschten und jetzt mutlos abseits stehenden Kreise wieder für den Rampf um die geistige Freiheit zu gewinnen. Rieger legte eine Resolution vor, die sich mit den Zielen der Arbeits. gemeinschaft einverstanden erklärt: Sie protestiert gleichzeitig gegen den Abbau des Schulrats Paulsen.( Die Abstimmung wurde ausgefekt.) Was die„ Rote Fahne" erzählt. Ueber den Tumult in der Bezirksversammlung Kreuzberg und den Fauftkampf des Kommunisten Rintorf gegen unseren Genoffen Litte hat die„ Rote Fahne" nicht sogleich am anderen Tage berichtet. Offenbar mußte fie erst austüfteln, mit welchem Schwindet sie die Sache bemäntein konnte. Erst vierundzwanzig Stunden später fommt sie mit ihrer Darstellung heraus, aber um so frecher l'ügt sie jetzt darauftos. Ihren gläubigen Lesern erzählt sie, daß den Sozialdemokraten das Schicksal der Erwerbslosen gleichgültig sei. Dabei hat die sozialdemokra tische Fraktion zu dem Erwerbslosenantrag der Kommunisten Abänderungen beantragt, die tatsächlich weiter gehen als der tommunistische Antrag. Einzelne Sozialdemokraten sollen durch Zwischenrufe das Elend der Erwerbslosen„ verhöhnt" haben. Auch das ist glatter Schwindel. Berhöhnt gefühlt hat sich wohl der kommunistische Redner Gehlmann, weil ein paar seiner hanebüchenen Dummheiten durch Zwischenrufe festgenagelt wurden. Er begründete z. B. die Forderung, die Erwerbslofen in den Produktionsprozeß einzureihen, mit der Erklärung, das müsse geschehen, damit der Staat seine übernommenen Pflichten erfüllen fönne. Unter Gelächter stellte hier ein Zwischenrufer fest, daß diefer Kommunist sich als Erfüllungspolitiker" betätigt. Lüge ist auch die Angabe der Roten Fahne", unser Genosse Bitte habe den Kommunisten Rintorf verleumdet. Zu fommunistischen Aeußerungen über das Brivatunternehmertum bemerkte Genoffe Litke, selbst Rintorf fei jetzt fo etwas wie ein Brivatunternehmer; er betreibt nämlich einen Handel mit Wäsche, Schokolade, Zigaretten usw. Darüber erboste sich Rintorf fo, daß er auf unseren Genossen Litte einschlug. Genosse Litte wich dem Schlag aus, wurde aber noch am Ohr getroffen und griff dann nach der in der Nähe stehenden Wasserflasche, die er zur Abwehr benutzte." Das find die geistigen Waffen der sozialdemokratischen Kulturträger", höhnt jeht das Kommunistenblatt. Wenn Herr Rintorf die Faust als geistige Waffe" benutzt, soll ein Sozialdemokrat wohl stillhalten? Am Tage vorher hatten unsere Genossen in der Berit, jammlung bei Döring( Naunynstraße) die„ geistigen Waffen" der Kommunisten zur Genüge tennen gelernt. Dort wurde auch bekannt, daß die Kommunisten für den folgenden Tag den Besuch der Bezirksversammlung verabredet hatten. Die„ Rote Fahne" schwindeft, von uns sei es auf eine Prügelei angelegt" gewesen. Albern sind die Angriffe gegen unseren Genossen Glode, der die Bezirksversammlung leitete. Er soll die Fassung verloren" haben, fafelt das Kommunistenblatt. Tatsächlich hat Genoffe Glocke mit fafelt das Kommunistenblatt. Tatsächlich hat Genosse Glode mit ruhiger Ueberlegenheit geleitet, aber gegen fommu nistische Radaubrüder kann auf die Dauer niemand ankämpfen. Nach dem er wegen fortgesetzten Tumultes die Versammlung für geschlossen erflärt hatte, fagten wie wir erfahren die Kommunisten samt den Bürgerlichen unter Rintorfs Borfiz weiter. Beschlüsse in solter felbstverständlich ungültig. ohne vorherige Einladung„ wiedereröffneten" Versammlung sind Von einem Parteigenoffen, der der Bezirksversammlung auf der Tribüne beiwohnte, wird uns hierzu noch geschrieben: Was auf mich als einfachen Zuschauer einen besonders starken Eindruck gemacht hat, war das Zusammengehen der Kom. munisten mit den Bürgerlichen. Als der Vor: fizende, Genoffe Glode, infolge des Tumults, den der tätliche Ans griff des Kommunisten Rintorf auf unseren Genossen Litte hervor rief, die Sißung schließen mußte, bestieg Rintorf das Podium, er ariff die Glocke und rief, daß er eine neue Sigung beantrage. Darauf riefen die noch anwesenden bürgerlichen Bezirks verordneten ihre Kollegen zurüd, Rintorf bestimmte ein aus Bürgerlichen und Kommunisten bestehendes Bureau und erteilte einem Kommunisten das Wort. Die Bürgerlichen, die sich in dieser neuen Arbeitsgemeinschaft mit den Kommunisten offenbar sehr wohl fühlten, hatten immerhin einige rechtliche Bedenken. Man tam aber überein, daß die nächste Sigung in vier Tagen abgehalten und als erster Punkt der Tagesordnung ein Mißtrauensvotum gegen Genossen Glode behandelt werden soll. Die Beschlüsse dieser fommunistisch- bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft wurden immer einstimmig gefaßt. Wie sehr diese Arbeitsgemeinschaft auf die Kommunisten abfärbte, geht aus folgender Aeußerung des bürgerlich fommunistischen Bezirksvor stehers hervor. Als von der Tribüne Zwischenrufe erfolgten, erklärte Rintorf:„ Wenn auf der Tribüne nicht Ruhe herrscht, werde ich sie räumen laffen. Man kann sich denken, daß die Zuhörer auf der Tribüne diesem neugebackenen fommunistischen Ordnungshelden die Antwort nicht schuldig blieben. Die Arbeiter fönnen daraus ersehen, wie die Kommunisten die Einheitsfront verstehen: es ist die Einheitsfront mit den Bürgerlichen. Ein Jubilar. Am heutigen Tage begeht Genoffe Karl Mund ( 33. Abt.), Libauer Straße, das Fest der Goldenen Hochzeit. Er ist am selben Tage 25 Jahre Mitglied der Partei und feit Gründung des Vorwärts" dessen treuer Abonnent. Die dem Jubilar und feiner Frau nahestehenden Genossen wünschen beiden am heutigen Tage einen recht gefunden Lebensabend. " Die Kleingartenvereine des Bezirksverbandes Prenzlauer Berg des Reichsverbandes der Kleingartenbereine Deutschland's veranstalten am Sonntag, den 21. September und Montag, den 22. September ihre dritte große Ausstellung von selbstgezogenen Blumen, Früchten und Gemüsen im Lotal Steuer. haus, Landsberger Allee 92. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Am Montag vormittag haben die Schullin ber in Begleitung ihrer Lehrer freien Eintritt. Die Ausstellung ist geöffnet am Sonntag von 2 bis 11 Uhr, am Montag von 9 bis 9 Uhr. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 20. September. Tageseinteilung. Vormittags 10 Uhr: Nachrichten dienst. Bekanntgabe der Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. Nachm. 12.15 Uhr: Vorbörse. Nachm. Nachrichtendienst, Nachm. 2.15 Uhr: Börsenbericht. 12.55 Uhr: Uebermittelung des Zeitzeichens. Nachm. 1,05 Uhr: 4.30-6 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 1. Intermezzo aus Naila", Delibes. 2. Ouvertüre zu der Oper Undine", Lortzing. 3. Frauen- Liebe und-Leben, Walzer, Franz v. Blon. 4. Serenade, Grünfeld. 5. Fantasie aus der Oper, Hänsel und Gretel", Humperdinck. 6. Polnischer Tanz, X. Scharwenka. 7. Ballett Egyptien, Luigini. 8. Persischer Marsch. Joh. Strauß. 7 Uhr abends: Tausend Worte. 7.45 Uhr abends: Vortragsreihe: Berufsberatung, Fräulein Dr. Hildegard Sachs vom Landesberufsamt Berlin, 3. Vortrag: Die heutigen Frauenberufe". 8.30-10 Uhr abends: Heiterer Abend, unter freundlicher Mitwirkung der liebreizenden Sopranistin Angela Sax. des beliebten und bekannten Sängers Albert Kutzner vom Großen Schauspielhaus, Berlin, der einzigartigen Okarinavirtuosin Hedi Hilma, die zum ersten Male Okarinavorträge durch den Rundfunk zum Besten geben wird, und des rühmlichst bekannten Ostpreußenkenners Robert Johannes jr., der lustige Geschichten aus Ostpreußen erzählen will. Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack und Komponist Edgar Cleve. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. = Dr. Krische Berlin sprach über Kulturfragen. Im Anschluß daran erläuterte er den von der Ufa hergestellten Kulturfilm„ Die Here". Er wies darauf hin, daß dieser Film von der Behörde aus Rücksicht auf die katholische Kirche start zensiert worden ehe die Ufa ihn herausbringen durfte. Mit der Vorführung des Films schloß der Abend. Die Unsicherheit auf der Straßenbahn. Eine Gefahrenquelle! In letzter Zeit mehren sich die schweren Unfälle und Zusammenftöße auf der Straßenbahn in erschreckender Weise. Fast kein Tag vergeht, wo nicht ein schweres Unglüd gemeldet wird und regelmäßig berichtet die Direktion der Straßenbahn, die Bremsen waren in Ordnung, die Schuld habe der Fahrer, er sei vorschriftswidrig zu schnell gefahren. Nun wird sich der Laie fragen, ja aber warum fährt denn der Fahrer so übermäßig schnell? Wir haben Gelegenheit genommen, uns über diese Frage mit Fahrern der Straßenbahn zu unterhalten. Die Antworten ergaben folgendes Bild: Die dem Fahrer zur Verfügung stehende Fahrzeit ist viel zu kurz, sie wurde festgesetzt zu erer Zeit, wo die Straßenbahn täglich 500 000 Fahrgäste beförderte gegen jetzt ungefähr 1 700 000. Durch das Umsteigen an allen wichtigen Straßenfreuzungen geht dem Fahrer viel Zeit verloren, die er durch erhöhte Fahrgeschwindigkeit einholen muß. Desgleichen hat der Fuhrwert und Autoverfehr sehr startzugenommen und behindert den Fahrer, eine gleichmäßige Geschwindigkeit innezuhalten. Auch an vielen Baustellen möge in diesem Zusammenhang erinnert werden. Die an den Endpunkten gewährte Zeit zum Umrangieren der Wagen wird nur teilweise als Dienst gerechnet. Vor dem Kriege und bis September 1923 murde diese Haltezeit voll als Dienst gewertet. Jetzt fann man beobachten, wie das Personal während der Fahrt das Brot verzehrt, weil durch die ständigen Verspätungen die Haltezeit perloren geht. Ein Kapital für sich find die Triebwagen. Nach dem Kriege wurden von der jezigen Direktion fast alle Bierachsluftdruckmagen für die elektrische Bremse umgebaut, weil angeblich diese Art Bremsung sicherer sei. Jeder Fahrer wird das Gegenteil bezeugen fönnen. Das so gefürchtete Gleiten der Räder tritt bei den elektrisch gebremsten Wagen viel häufiger ein, wie bei den Luftdruckwagen, da bei den letzteren die Bremfung eine gleichmäßigere ift. Will man diese Frage, ob Luftdruck oder elettrische Bremse beffer arbeitet, reft los flären, so laffe man einen Wagen von der Knorrge= fellschaft und einen von der AEG. ausrüsten und dann follten die Prüfungen im Beisein von Sachverständigen der Aufsichtsbehörden vorgenommen werden. Um das Gegenteil von dem hier behaupteten zu beewisen, möge die Straßenbahn eine Linie mit elektrisch gebremsten Bierachswagen ausgerüstet von ihren Ingenieuren fahren lassen. Bestehen diese die Probe, werden dis vorgeschriebenen Fahrzeiten ohne Unfälle und Zusammenstöße innegehalten, dann hätten die Fahrer die Pflicht, es ihren Lehrmeistern gleich zu tun. Im übrigen mögen alle Instanzen dafür sorgen, daß die Sicherheit für das fahrende Publikum so schnell wie möglich her gestellt wird. * Wieder ein Zufammenfloh mit der Straßenbahn. Beim Ber mit einem vorbeifahrenden Straßenbahnwagen der Linie 82 zulassen des Grundstücks Mühlenstr. 53 stieß ein Lastkraftwagen fammen, wobei die vordere Plattform des Straßenbahnwagens eingedrückt wurde. Personen famen dabei nicht zu Schaden. Schweres Eisenbahnunglück in Oberschlesien. Zwischen Seah glowig und Knurow ist ein Personene 3 ug mit einem Güterzug zusammengestoßen; beide Lotos motiven wurden zertrümmert und die nachfolgenden Wagen ineinander geschoben. Das Zugperfonal und viele Reisende retteten sich durch Abspringen. Fünf Reisenbe trugen schwere Berlegungen davon. Das Unglüd ist darauf zurückzuführen, daß die Züge aus den genannten Stationen auf der eingleifigen Strede gleichzeitig das Abfahrtszeichen erhalten haben. Neue Erdstöße in Tofio. Die Stadt wurde gestern wieder durch einen heftigen Erdstoß in Aufregung verfekt. Es war der stärkste der seit Januar verspürt wurde. Die Bewohner flüchteten auf die Straße. Doch wurde tein Schaden angerichtet, außer daß einige seismographische Instrumente im Meteorologischen Obfervatorium zerbrachen. Die Dauer des Erdstoßes betrug 25 Minuten. Jugendveranstaltungen. Anmeldungen aum Ferienaufenthalt im Landheim am Quenafee werden noch im Jugendfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, entgegengenommen. Eintrittstarten zur Proletarischen Feierstunde für morgen, Sonntag, aum ermäßigten Preise sind noch im Jugendfekretariat erhältlich. Morgen, Sonntag, den 21. September: Karlshorst: Schnikeljagd nach Rüdersdorf. Treffpunkt 6 und 7 Uhr Bhf. Niederschönhausen: Fahrt Belten, Krämer. Treffpunkt 7 Uhr Friedensplag. Wedding: Fahrt Belten, Krämer, Finkenkrug. Treffpunkt 6 Uhr Bhr. Wedding. Werbebezirk Teltowlanal: Nachmittags 25 Uhr im Jugendheim Tempelhof, Germaniaftr. 4-6, Aussprache: Unsere Arbeit in den Abteilungen und im Werbebezirt". Alle interessierten Genoffen müffen erscheinen. Wetter für Berlin und Umgegend: Früh sehr fühl, am Tage rasch starke Erwärmung und zunächst größtenteils heiter, dann neue Trübung nd später Regen. Wirtschaft Zinsfußherabsehung der Golddiskontbank. Die Deutsches Golddistontbant, die vornehmlich Goldkredite für die deutsche Exportindustrie vermittelt, hat ihren Diskontsatz von 10 auf 8 Proz. ermäßigt. In der Sigung des Aufsichtsrats der Deutschen Golddiskontbant machte der Bor fizende Reichsbankpräsident Dr. Schacht folgende Ausführungen: In der Erwartung, doß die als Voraussetzung des DamesBlanes erforderliche Anleihe von 800 Millionen Goldmart in Kürze zustande kommt, wird sich die Reichsbank rechtzeitig auf die allgemeinen Währungs- und freditpolitischen Folgerungen aus der Neuordnung der Dinge einrichten müssen. Die bisherige Entwicklung der Devisenlage läßt erwarten, daß die Reichsbant mit einer Goldbeckung in das neue Bantgefeß hineingeht, die das bis jegt wiedergewonnene Bertrauen in die Stabilität der Mart aufrechtzuerhalten und zu verstärfen ge= eignet ist. Allerdings ist auch zu erwarten, daß unter der neuen Ordnung und in Verfolg der schon jetzt von der Reichsregierung und der Reichsbent angeordneten Erleichterungen die Ansprüche an die Reichsbank fünftig stärter sein werden als bisher. An der bisherigen notgedrungenen Methode mehr oder weniger willfür licher Kreditrestriktion festzuhalten, kann unter der neuen bankgesetzlichen Ordnung nicht der Wunsch der Reichsbank fein. bankgesetzlichen Ordnung nicht der Wunsch der Reichsbank sein. Sie wird vielmehr den Bedürfnissen der Wirtschaft stärker folgen müssen als dies bisher möglich gewesen wäre. Diese Bedürfnisse find nicht im Zahlungsverkehr begründet, sondern ergeben sich vielmehr aus der vorhandenen Kapitaltnoppheit. Die Entwicklung läßt sich schwer übersehen; es erſcheirit mir jebenfalls zweifelhaft, oban absehbarer Zeit mit einer Ermäßigung des Reichsbantdistonts, so wünschenswert sie an sich wäre, zu rechnen sein wird, Wir behaupten, daß diese Aufgabe unerfüllbar ist. Bis Juli d. J. belief sich der Wert der Ausfuhr auf 358 Millionen Rubel, von denen 226 Millionen, d. h. etwa 60 v. 5., auf Getreide entfielen. Würden die Ausfuhrbedingungen der oben genannten Waren auch außerordentlich günstig sein, so würde die Steigerung ihrer Ausfuhr im Laufe eines Jahres auf das Doppelte unwahrscheinlich sein. Indessen erwecken selbst die amtlichen russischen Angaben Zweifel, ob die Ausfuhr der genannten Waren rentabel ist. In den amtlichen russischen Wirtschaftsorganen sind Berichte der Leiter der Holztrufts veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß man die russische Holzausfuhr in den bereits erreichten Grenzen von 56 Millionen Rubel, bei den sintenden Holzpreisen auf den internationalen Märkten, nur dann aufrechterhalten fönne, wenn man die Einrichtungen der russischen Betriebe und Werke radikal um= gestalten und die Spesen herabsetzen würde. Ist es denn denkbar, die russische Holzausfuhr zu verdoppeln, wenn die Produktivität der schwedischen und finnischen Sägewerke zweieinhalb bis dreimal höher ist als die der russischen, während die Spesen in Finnland 3 bis 5 v. 5., in Sowjetrußland 180 bis 200 D. H. betragen. Die ruffische Naphthaausfuhr ergab im laufenden Jahre 40 Millionen Rubel, aber dies nur deshalb, weil das Naphtha unter den Gestehungskosten verkauft wurde. Die Naphthaausbeute ist hauptsächlich wegen der reichlichen Neubohrungen start gestiegen. Im legten Jahre hat sie die Höhe von 60 v. H. der Borkriegsausbeute erreicht. Der innere Konsum von Rohnaphtha ist wegen der langſamen Wiederherstellung der Industrie sehr gering. Die Produktivität der Naphtharaffinerien ist unbedeutend. Indessen besteht sowohl auf den inneren wie auf den äußeren Märkten eine starke Nachfrage nach Benzin, Petroleum und Schmierölen. Um nun die Märkte wieder zu gewinnen, die England und Amerika erobert haben, werben die russischen Naphthaprodukte, lout Beschluß des„ Rais für Arbeit und Verteidigung", unter den Gestehungstoften verdas Defizit tauft und Staatsmitteln gedeckt.( Siehe Ekonomitschestaja Shifn" Nr. 204.) aus Ebenso fann man auch nicht ernstlich über die Berdoppe Iung der Flachsausfuhr sprechen, wo die Flachsernte nach den optimistischen Berechnungen in diesem Jahre auf 8 Millionen Bud geschäßt wird, während der Bedarf der Bauernwirtschaften und der russischen Industrie diese Zahl bei weitem übersteigt. In ganz Rußland macht sich gegenwärtig ein starker Mangel an Manufakturwaren bemerkbar, und die Textilfabriken sind nur bis Ende September mit Rohstoffen rassehen. ausfuhr näher einzugehen, fönnen wir zusammenfassend sagen, daß bei der internationalen Tendenz zur Preisfentung und den außerordentlich hohen russischen Spesen eine ungewöhnliche Kräfteanspannung erforderlich ist, um die Ausfuhr auch nur auf dem Niveau von 1923/24 zu erhalten. Die Hoffnun gen jedoch, sie zu verdoppeln, sind direkt utopisch. Der Staatsetat von 1923/1924 ist mit einem Defizit von 400 Millionen Rubel veranschlagt. Die Mißernte hat die Hauptsächliche Einnahmequelle: die landwirtschaftliche Steuer verringert. Die Unmöglichkeit, Getreide auszuführen, reißt im Etat eine weitere Lücke von 150 bis 200 Millionen Rubel. Gleichzeitig jedoch macht die Notwendigkeit, der hungernden Bauernschaft zu Hilfe zu kommen, eine bedeutende Erhöhung der Ausgaben erforderlich. Nach all dem ist es klar, daß das russische Währungssystem, die Finanzierung der Industrie, ja, die gesamte Bolkswirtschaft neuen großen Gefahren ausgeseht find. Auf der Suche nach einem Ausweg strebt die Sowjetregierung die Realisierung einer großen Anleihe im Auslande an. Aber da sie sich frampfhaft großen Anleihe im Auslande an. Aber da sie sich krampfhaft an ihre Diktatur flammert, lehnt sie es ab, auch nur die elementarsten Borbedingungen einer Rechtsordnung im Lande zu schaffen, und gefährdet dadurch selbst den Abschluß einer solchen Anleihe. A. Jugow. Ueber die Zahlung der Rentenbankzinjen teilt das Reichsfinanzminifterium amtlich mit, daß die Unternehmer verpflichtet sind, die bis zum Inkrafttreten des Liquidationsgefeßes aufgelaufenen Zinsen für die Umlage an die Deutsche Rentenbank abzuführen. Die Belastung der dauernd land, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen 3weden dienenden Grundstü de bleibt zwecks Liquidation der Rentenbankscheine auch weiterhin bestehen. Sie ändert sich aber in der Weise, daß die Höhe der Grundſchulden auf 5 Proz. des Wehrbeitragswerts bei einem Zinssatz von 5 Proz festgesetzt wird und daß als Wehrbeitragswert der auf Grund der gegenwärtigen Vermögenssteuerveranlagung berichtigte Wehr beitragswert gilt. Die Vorschriften über die Belastung der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und der Gärtnereien werden mit Wirkung vom 1. April 1924 in Kraft gefeßt. Bei Industrie, handel und Gewerbe haben die industriellen, gewerblichen und Handelsbetriebe einschließlich der Banten die am 1. Oftober für das vergangene Halbjahr zu zahlenden Zinsen noch in der Höhe zu entrichten, die sich aus den zu Anfang dieses Jahres zugestellten Rentenbankumlagebescheiden ergibt. Diese Zahlung ist die lehte, die von diesen Wirtschaftszweigen für die Rentenbank zu leisten ist. Die in der Höhe zu entrichten haben, die sich aus den berichtigten Eigentümer der bauernd land, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Zwecken dienenden Grundstücke würden zum 1. Oktober Zinsen ehrbeitragswerten ergeben würde. Da die Berichtigung der Wehrbeitragswerte noch nicht überall durchgeführt ist, hat der Reichsminister der Finanzen bestimmt, daß einstweilen zum 1. Ottober 1924 nur die auf volle Goldmart nach unten abgerundete Hälfte der aus den Bescheiben über die Rentenbankgrundschulden fich ergebenden Halbjahrszinsen zu zahlen find. Der Ausgleich, der in den meisten Fällen in einer gewissen Nachzahlung bestehen wird, wird erst nach Beendigung der Vermögenssteuerveranlagung vorgenommen werden. Alle Personen, denen bisher Rentenbantbescheide zugestellt worden sind, müssen die Ottoberzinsen gemäß mach Fälligkeit, d. h. bis zum 8. Oftober 1924, zahlen. Besondere Zahlungsaufforderungen werden nicht mehr zugestellt. Anders liegen die Berhältnisse bei der Golddiskontbant. Die Inanspruchnahme der Golddistontbant bedingt in feiner Weise eine Belastung der deutschen Währung. Die Kredite der deutschen Goldbistontbant deden sich alle aus dem Erlös der hereingenommenen Wechsel in ausländischer Baluta wieder ab. Ich glaube, daß es deshalb nühlich sein wird, wenn wir die bei der Golddiskontbant bestehenden Möglichkeiten, Kredit zu geben, noch etwas erleichtern. Die für die Golddiskontbant von uns im Auslande gesicherten Rediskontmöglichkeiten sind bisher nur zu einem fleinen Teil ausgenugt worden, da die Reichsbant infolge der ge- Gewiß fönnte man die Ausfuhr von Butter, Eiern und diskonteur für die Golddiskontbant aufzutreten. Ich glaube aber, ordentlich steigern. Aber dazu wäre es notwendig, daß nicht Sowjetbesserten Devisensituation in der Lage gewesen ist, selbst als Re- anderen I andwirtschaftlichen Erzeugnissen außer daß es den llebergang Deutschlands zur goldgedeckten Martwährung beamte, sondern geschickte Fachleute die Wiederherstellung dieser erleichtern wird, wenn wir die in der Golddiskontbank vorhandene Zweige des russischen Exportes in die Hand nehmen. Die Art und Reserve bis auf weiteres für die deutsche Wirtschaft noch ent Weise, wie die Eierausfuhr organisiert wird, beweist das mit aller sprechend nutzbar machen. Aus diesem Grunde haben Vorstand Klarheit. Die Beschaffung, der Transport, die Aufbewahrung, Sorund Arbeitsausschuß der Golddistontbant befchloffen, Ihnen die Bertierung und Berpadung der russischen Eier werden in einer Weise absetzung des Diskontfages der Golddiskontbant Don 10 auf gehandhabt, daß nach dem Zeugnis der Berliner„ Eierbörse" vom 8 Proz. zu empfehlen." 5. Juli d. J., die Qualität der russischen Eier sich als so schlecht ermies, daß fie beim Weltpreis von 6 bis 7 Pfund Sterling zu 3 Pfund Sterling die Kiste, und noch billiger, verkauft werden mußten. Ohne auf die Berhältnisse in der Manganerz-, Leder- und Pelz- dem Vorstehenden rechtzeitig, und zwar innerhalb von 7 Tagen Der Auffitchsrat faßte einen dementsprechenden Beschluß. Vor einer neuen Wirtschaftskrise in Rußland. Als die diesjährige Mißernte in Rußland feinem Zweifel mehr unterlag, beschloß der Rat der Volkskommissare, zeitweilig die Aus= fuhr des russischen Getreides nach dem Auslande einzu. stellen. Als der Volkskommissar Kamenew die diesjährige Getreideernte mit 2650 Millionen Bud einschätzte, nahm er gleichzeitig an, daß die Sowjetregierung am Ende des Jahres dennoch 75 bis 100 Millionen Bud( 1,3 bis 1,6 Millionen Tonnen) Getreide würde ausführen fönnen. Am 26. August erklärte er jedoch:„ Unter den obwaltenden Verhältnissen müssen wir die Getreideausfuhr ver tagen, obwohl ein Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr unbedingt für uns notwendig ist." Soeben hat nun das Zentral statistische Amt die endgültigen Erntezahlen für 1924 veröffentlicht. Danach wird die gesamte Ernte auf 2500 Millionen Bud geschätzt. Also selbst nach amtlichen Angaben fann jetzt von einer Getreideausfuhr aus Rußland feine Rede sein. Was für einen Schlag das für den Finanzhaushalt Sowjetrußlands bedeutet, fann barous ersehen werden, daß die Stabilisierung der Währung und die Deckung des Defizits der Staatsindustrie im vorigen Jahr nur deshalb möglich gewesen ist, weil das zu Schleuderpreisen bei den Bauern eingetaufte Getreide gegen Dollars, Pfunde und schwedische Kronen im Auslande verkauft wurde. Im vorigen Jahre betrug der durchschnittliche Getreidepreis 36 Ropeten pro Pub( 47 G.-M. pro Tonne); in diesem Jahre jedoch stieg der Preis schon in den ersten Monaten der Realisierung der Ernte auf 120 bis 130 Ropefen( 158 bis 171 G.-M. pro Tonne). Wir sind überzeugt, daß der Entschluß der Sowjetregierung, die Getreideausfuhr einzustellen, hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß die Ausfuhr unter den obwaltenden Berhältnissen völlig unrentabel geworden ist. Kamenew und Rykow versicherten in ihren optimistischen Berichten vor ihren Anhängern, daß fein Anlaß zur Unruhe vorhanden fei, da die Sowjetregierung statt des Getreides Holz, Naphtha, Flachs, Eier und Pelze ausführen und dadurch die Summe der Ausfuhr auf die Höhe der vorjährigen steigern werde. Bekanntmachung. Wir geben aus Heeres- und anderen Beständen ab: Holländische Waffenröcke, gebr., blan 300 Gm. Holland. 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Makkaronimehl Schnittnudeln, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik.... 20,00-29,50 Pflaumenmus in Eimern 31,00-37,50 Steinsalz, lose..... 39,00-46,00 Siedesalz, lose 18,75 20,50 Bratenschmalz in Tierces 37,00-43,00 Bratenschmalz in Kübeln 38,00 Purelard in Tierces COF 20,00-23,50 Purelard in Kisten 36,00- 43,00 3,10- 3,70 4,00-4,70 82,50-83,50 83,50- 85,00 80,50-81,50 15,50-16,50 Speisetalg in Packung 65,00-66,00 81,50-82,50 60,00-63,00 Die Reichsindegziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, ben 17. September, ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. Sie beträgt in Gold das 1,15fache der Vorkriegszeit. Die Reuorganisation des Ruhrfohlenfyndikats. Die Bemühungen der zwangsweise dem neuen Kohlensyndilat angeschlossenen Bechen gegen ihre zwangsweise Einfügung haben einen Erfolg einst teilen nicht gehabt. Der Reichswirtschaftsminister hat zunächst den Standpunkt eingenommen, daß es bei dem in der mündlichen Verhandlung ausgesprochenen Zwang verbleibt und alle 8echen bes Ruhrgebiets in dem Syndilat bereinigt find. Die internationale Krise des Weinbaues. In diesem Jahr wird es zu einer Arise des Weinbaues tommen. In einer Anzahl europäischer Länder ist der Ertrag des Weinbaues viel größer als der innere Berbrauch, weshalb der Wein auf die Ausfuhr angewiesen ist. In Europa haben Frankreich, Spanien, Italien, 18,00-18,50 Speisetalg in Kübeln Ungarn, Griechenland große Ueberschüsse an Wein. Infolge der ver23,25-31,00 Margarine, Handelsm. i 66,00 minderten Berbrauchsfähigkeit der Bevölkerung Europas sind aber 30,00-37,50 desgl. II 85,00 90,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 die Ausfuhrmöglichteiten sehr beschränkt. Das reiche Getr. Pflaumen 90/100.. 40,00-43,00 desgl. II. 69,00-71,00 Amerita verfchließt sich infolge des Altobolberbots gegen die WeinPflaumen, entsteint 50,00-55,00 Molkereibutter la i. Päss. 208,00-215,00 einfuhr. Bei den Handelsvertragsverhandlungen wird daher die Cal. Pflaumen 40/50 60,00-65,00 Molkereibutter 1. Pack. 214,00-223,00 Rosinen in Kisten, Candia 65,00-70,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 172.00-180.00 Frage der Weinausfuhr eine große Rolle spielen. So mußte Sultaninen Caraburnu.. 80,00-90,00 Molkereibutter, I. Pack. 178,00-195,00 Deutschland das Fallenlaffen der Dumpingzölle Spaniens und 70,00-75,00 Auslandbutter in Fässern 216,00-222,0 die Ermäßigung der Industriezölle unter anderem damit erkaufen, Korinthen, choice Mandeln, süße Bari 180,00-185,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 Mandeln, bittere Bari..170,00-175,00 Ausl Speck, geräuchert 95,00-100,00 daß es die Einfuhr der spanischen Weine zu ziemlich niedrigen ZollZimt( Cassia) 106.00-115,00 Quadratkäse.... 35,00-50,00 fägen gestattete. Bei den kommenden Verhandlungen mit Frant 55,00-65,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 108,00-120,00 reich wird die Frage der franzöfifchen Weinausfuhr sehr wichtig Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 Weißer Pfeffer 150,00-155,00 Echter Emmenthaler 170,00-190,00 fein. Der franzöfifche Weinbauer stellt auch eine politisch wichtige 190,00-215,00 Ausl. ungezuck.CondensRohkaffee Brasil.... Schicht dar, welche sowohl auf die innere Bolitif Frankreichs wie Rohkaffee Zentralamerika230,00-285,00 milch 48/16 20,50-23,25 Röstkaffee Brasil. 240,00-290,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50 auch auf die auswärtigen Beziehungen desselben einen Einfluß Röstkaffee Zentralam... 300,00-375,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00- 26,50 auszuüben vermag. Tack für Tack die gleiche Freude macht E TACK SCHUH der gute Lourad durch Preiswürdigkeit, Paßform, Haltbarkeit und Eleganz Conrad Tack& Cie& Schuhfabrik Burg b. 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St. Jandorf& Co Belle- Alliance- Str. 1-2 Einige ungelernte Arbeiterinnen zwischen 18 und 30 Jahren, stellt wegen Bergröß. einer Betriebsabteilung geg gute Bezahlung noch ein Spinnstofffabrik Zehlendorf G. m. b. H., Ortsteil Schönow bei Teltow. Bersönliche Meibungen mit Steuer buch, Invalidenfarte und legter Ar beitsbescheinig. vorm. von 9-10 Uhr. Nr. 444+ 41.Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Löhne und Lebenshaltung. Das Clend der Kriegs- und Nachtriegsjahre hat die Zeit vor tem Striege mit einem verflärenden Schimmer vergoldet. Die Ver gongenheit Gegensatz als des wird " 1 landslose Gleichgültigteit gegen die„ völkischen Belange", wie fie durch den Arbeitgeberverband vertreten werden, erscheint. Wir lesen in dem 1907 erschienenen Buche: Ein mittelbürgerliches Budget über einen zehnjährigen Beitraum von Henriette Fürth, den Anhang über die Berteuerung der Lebens. geſtellt, daß feit 1906( titfolge des Bülowschen Hochschußzolls), die Ausgaben für Ernährung so gestiegen waren, daß man mit 1 Mart schlechter daran war, als 10 Jahre vorher mit 63 Pfennigen. Weiter heißt es:" Schon heute, in einer Zeit beispiellosen wirtschaftlichen Erfolges, find Millionen unseres Volkes einer chro Das haben nischen Unterernährung unterworfen. wir nachgewiesen aus der Stadt der Millionäre( Frankfurt a. M.), die in bezug auf Durchschnittslöhne, auf Gehälter der städtischen Beamten usw. Gutes leistet. Das erhellt ebenso aus den Haus haltsberechnungen der Nürnberger Arbeiter. Dasselbe ergibt sich aus allen wirtschaftsstatistischen Aufmachungen" Weiter mit den Worten des Frauenarztes Prof. Dr. Flesh: Nicht, daß fie nichts ersparen, sondern daß sie überhaupt austommen, muß befremben, wenn man die Lebensweise der Arbeiter, wohlgemerkt, folider, fleißiger Arbeiter prüft, die feinen unnützen Aufwand getrieben haben. Die Mehrzahl der Arbeiter, das ist eine Tat face, die sich aus der Prüfung der Arbeiterbudgets ergibt, ist nicht in der Lage, zu sparen, weil ihr Lohn eben ausreicht, die laufenden Bedürfnisse zu decken. Sonnabend, 20. September 1924 trollkommission. Er hat die Buchdruckerei Vorwärts mitgegründet, die Landesorganisation Preußen aufgebaut, deren Borsigender er von 1906 bis 1919 war. Es gibt kein Parteiinstitut in Berlin, feine Organisationserscheinung in ihr, die er nicht wenigstens mit aus der Taufe gehoben hat. Besondere, geradezu historische Verdienste hat aber Wahlrechtsbewegung damit um die Befreiung Breußens both echoes per uniter amorben, Die großen Wahlrechistämpfe in Preußen tragen auf Schrift und Tritt die Zeichen seiner organisatorischen Klugheit und seiner revolutionären Energie. Es versteht sich, daß er bei all diesen Kämpfen auch die reaktionäre Staatsgewalt genügend fennengelernt hat, und die Mauern der Gefängnisfe Moabits wie vorher Rummelsburgs bleiben ihm ehrenvolle Erinnerungen im proletarischen Freiheitslampfe. Nach der Revolution von 1918 fandidierte er mit Erfolg zur Rationalversammlung. 1919 wurde er Polizeipräsident von Berlin, 1920 von Breslau. Hier mußte er auf Verlangen her französischen Regierung seinen Posten verlassen, da( in seiner Abwesen. heit von Breslau) eine aufgeregte Menge das französische und pol nische Konsulat gestürmt hatte. Bin, Ideal, cas vielen unerreichbegriff her früben Gegenparte nehmertum ohne allgemeine Einpörung zu weden, verbünden laffen, bag der Arbeitslohn erheblich hinter dem Borkriegsstand zurüd bleiben müsse. Die verfuntenen Schichten der Rentner und Geistesarbeiter, denen vielfach selbst die fläglichen Löhne von 1923 als benedenswerte Gabe erschienen, und die von angemessenen Arbeiterlähnen vor allem eine Berteuerung der eigenen, so tief gebrückten Lebenshaltung befürchteten, ließen sich vielfach einfangen für den Gedanken, durch Abbrechen am Lohn die Gestehungskosten zu vermindern und die Reparationslaften aufzubringen. Und sie find es, die zum guten Teil die öffentliche Meinung" darstellen. Man schimpfte wohl auf den Kriegsgewinnler, den Kapitolverschieber, den Devisenfpetulanten, dann ließ man sich wieder gegen die Begehrlichkeit der Arbeiter". die so viele Milliarden Lohn verlangten und damit das Leben so teuer machten, ins Echtepptau der Intuftriegewaltigen nehmen. Im allgemeinen stehen heute die Arbeitsiälte, wenn ihre Kauffraft im Verhältnis zu den Kosten ter Lebenshaltung berechnet wird, noch erheblich unter der Borfriegshöhe. Nach dem letzten Heft( 16) von Wirtschaft und Stafit" stellte sich im Juli der wöchentliche Geldlohn für eine Wie soll," fährt die Verfasserin fort, as werden, wenn die Reihe Ser wichtigsten Arbeitergruppen: Berg-, Bau-, Holz-, Metall-, gewohnte Entbehrung durch außerordentliche Umstände Eine allgemeine SenLegtils, Fabrifarbeiter der chemischen und der Bopierindustrie, Buch gesteigert und verschärft wird? brucker und Eisenbahnarbeiter für tarifmaßige Mindefstarbeitszeitung der Lebenshaltung breitester Boltsmassen auf durchschnittlich 32,92 m., für verlängerte Arbeitszeit auf ist heute schon die traurige Folge dieser Zustände. Eine Ber 34,55 m., für gelernte Arbeiter auf 25,95 M. und 27,24 m. elendung, die nicht nur in den Köpfen dottrinärer Dekonomiter für ungelernte Arbeiter. Unter Berücksichtigung der vermin. lebt, sondern nachgewiesenermaßen in der harten Welt der Wirk berten Rauftraft des Lohnes( der Lebenshaltungsinder im Juli mar lichkeit vorhanden ist. Sie wird in demselben Augenblid zu einer im Durchschnitt 1,16) ergibt sich bei verlängerter Arbeits. die Voltstraft, Gesundheit und Leistungsfähigkeit bedrohenden Gesich fuchte, so viel fand er für andere. Es versteht sich, daß ihm in fahr werden, indem Sie heutige Hochkonjunktur von cinem 3 eit für Broj des Ungelernte Niedergang in Industrie und Hondel abgelöst werden wird. Borkriegslohns Schaudernd haben wir diesen Niedergang erlebt. Lief unter 87,1 den traurigen Stand jener Lage ist die Lebenshaltung der Maffe gejunten. Und ausgerechnet heute erdreisten sich die„ Rapitäne" Ser deutschen Wirtschaft, die ihr Echiff fo traurig auf die Sandbont geleitet haben, erbreiften sich ihre Goldfchreiter, die vor kurzem noh fie Welt mit den Notfchreien über deutsches Voltselend erfüllt haben, den Gemertschaften, die sich gegen Lohnfürzung und Gratis arbeit zur Behr sehen, Mangel an Einsicht, ja an sittlichem Ernst und vaterländischem Empfinden vorzuwerfen. Das in einer Zeit, in der überall im Ausland deutsches Rapital angelegt ist, deutsche ein Reallohn bon. Gelernte 902. 29,92 Bergarbeiter. Bauarbeiter. Holzarbeiter 29,66 Proz m. 23,59 98,3 Der Reallohn für die einzelnen Arbeitergruppen betrug: Gelernte Ungelernte M. Proz. M. Proz. 108,2 90,0 110,8 34,02 90,4 26,88 31,59 83,8 26,53 94,4 25,25 Metallarbeiter 30,23 Tegtilarbeiter: männt. weibl. o • • 91,7 89,4 19,11 18,51 94,6 25,25 94,4 Papiererzeug. 20,79 96,6 18,71 105,3 31,09 94,7 26,33 111,2 29,44 85,2 96,7 22,91 83,5 22,41 23,68 90,5 17,05 98,2 87,9 29,00 Fabritarb.: Chem. Industrie B Buchdruder Eisenbahnarbeiter Insgesamt also ein Reallohn von knapp fieben Achteln der Friedenshöhe für Gelernte( am günstigsten stehen in dieser Beziehung weibliche Textilarbeiter, am schlechtesten Bauarbeiter), nahezu der vollen Höhe für lagelernte( am günstigsten Buchdruder am schlechtesten männliche Tertilarbeiter). Betrachtet man die Zahlen näher, so findet man das günstigste Brozentverhältnis im allgemeinen dort, wo die absoluten Zahlen cm niedrigsten find. Das von den Unternehmern so sehr bekämpfte Mißverhältnis", daß die Löhne der Ungelernten verhältnismäßig mehr geftiegen oder vielmehr weniger gesunken sind, als die der Gelernten, denen sie sich dadurch mehr genähert hoben, ist viel geringer, als es gewöhnlich hingestellt wird. Nach den Zahlen von W. u. St." errechnet sich ein Friedens Murdfchnittslohn der Gelernten von 34,35 m., der Ungelernten von 24 M. rund 70 Proz. des Gelerntenlohnes. Dagegen beträgt jegt der Reallohn der Ungelernten im Durchschnitt etwa 79 Broz Des Lohnes der Gelernten. Daß aber der Unterschied sich vermindert hat, beruht neben dem wachsenden Solidaritäts- und Gleichheitsgefühl der Arbeiterschaft vornehmlich darauf, daß die Ungelernten fchon früher so niedrige Löhne bezogen, daß daran selbst beim beften Willen" der Unternehmer taum etwas mehr abzufnappen war oder eine Erhöhung sich als unabweisbar erwiesen hat. In Wahrheit aber dürfen die amtlich ermittelten Löhne durch cus nicht unbesehen angenommen werden. Man bedente: 1. find die Lohnabzüge für Steuer und Bersicherung heute erheblich höher, als vor dem Krieg; 2. ist den Inderzahlen eine niedrigere Lebenshaltung( Margarine statt Butter, Kaffeerfaß usw.) zugrunde gelegt, als sie vor dem Kriege bestand. So find die Reallöhne" in Wahrheit niedriger; 3. muß die ungeheure Ar beitsiofigteit und Kurzarbeit berücksichtigt werden. " Wenn am 31. Juli nach W. u. St." von 2 080 700 statistisch erfaßten Mitgliedern der Fachvereine 13.8 Broz.( am wenigsten mit 3,9 Proz. bei den Buchdruckern, am meisten mit 20,2 Broz. bei ten Metallarbeitern arbeitslos und 29.4 Proz.( 1,1 Proz. bei Sen Buchbruckern. 49,4 Proz. bei den Metallarbeitern) Kurz arbeiter woren, so ergibt sich die Frage: Wer bezieht denn in Wahrheit diese errechneten, Reallöhne? Im ganzen 56,8 Proz., bei den Metillarbeitern noch nicht ein Drittel, den Tertilarbeitern weniger als die Hälfte aller Arbeiter! Die übrigen sind auf die Erwerbslofenunterstützungen und Not Handslöhne angewiesen, die selbst vom nadten Lebensunterhalt weit entfernt find. So steht das mirtliche Einfommen der deutschen Arbeiterschaft viel tiefer, als nach der amtlichen Statistit, wenn man sie ohne starte Vorbehalte gelten läßt, anzunehmen wäre. Der Unterschied zwischen der gegenwärtigen und der Borfriegslebenshal tung der deutschen Boltsmassen ist viel größer, als die Zahlen vermuten laffen. Nun wollen wir uns aber einmal in jene glücklichen Jahre vor dem Kriege zurückversehen, die dem Arbeiter wie ein verlorenes Paradies vorfchweben und nach denen zu streben den Vorfämpfern unferes Unternehmertums als starte Beichtfertigkeit, ja als pater. ANDER " Bern wir in Erinnerung ein solches faft 40jähriges Barteileben überbliden, so fällt, abgesehen von den vorgeschobenen Posten nach der Revolution von 1918, in dem Leben unseres Geburtstagsfindes vor allem auf, daß in den großen organisatorischen Leistungen dieses Mannes und den starten Erfolgen, die der Partei daraus erwuchsen, sein Name und seine Person immer bewußt im intergrunde blieben. So sehr ihn jeder tätige Parteigenoffe in Berlin fannte und schätte, so wenig wußte die Masse des Juntertums und des Bürgertums, wer in Groß- Berlin der eigentliche Führer der Erfolge der Massen und ihrer Organisation war. Er hat mit großer Selbstverleugnung in ftiller, aber nie rastender Arbeit die größten Leistungen für Berlin und damit auch für die deutsche Bartei vollbracht. Er war für jeden, der in der Parteitätigkeit oder im eigenen Leben Hilfe brauchie, zu finden, und so wenig er für einem so tätigen Leben auch manche Bitternis und manche Enttäuschung nicht erspart geblieben sind. Aber wir wissen, daß dies besondere Merkmale einer demokratischen Partei bleiben und daß fie einen wirklichen Mitfämpfer nicht abschrecken und für die Dauer auch nicht verbittern fönnen. Die Partei hat noch große Aufgaben zu lösen, und wir zweifeln nicht, daß bei der erfreulichen Kraft und Gesundheit unseres Sechzigjährigen er immer wieder in deren ersten Reihen zu finden fein wird. Wir wünschen ihm für diese Zukunft weiter Kraft, Frische und Freudigkeit. Broken der Welt ein Mergernis mit ihrem Aufwand geben und Parteinachrichten ein Deutscher der reichste Mann der Welt mit einem Vermögen von Goldmilliarden geworden ist! 17 Der Lohnanteil an den Herstellungstoften ist fast in allen Gewerben seit 1914 tief gefunten; z. B. nach der Frankfurter Wirtschaftsfurve" von 1923 in der Baumwollenspinnerei von 5,5 auf 2,14, im Ruhrtohlenbergbau von 59 auf 33 Broz. nach den Erhebungen des Reichswirtschaftsrats über die Textilindustrie( mit anderer Berechnungsweise) in der Baumwollspinnerei bon Wollweberei B Hemdenfabrikation Herrenkonfettion 1914 1924 63,0 auf 42,7 Broz. 15,5 8,8 " 10 29,0 18.3 19,0 15,0 So mußte die Lebenshaltung der Masse, die dazu unter den Kriegsfolgen bitter litt und leidet, immer tiefer finden, weil auf der Gegenfeite Kriegsgewinne und Inflationsgewinne gefanumelt murden und nun noch die Lasten des Friedensvertrags wie die Rosten der Wirtschaftsgefundung der Arbeiterfchaft auferlegt werden follen. Das Maß der Bruderliebe und des völtischen Gemeingefühls aber wird erfüllt durch die hochschutzollvorlage einer Beit, in der die lebenswichtigsten Nahrungsmittel schon ohne Boll höher im Preise stehen als in der glücklichen Zeit des Hochschutzzolls vor 1914. 6M Aus der Partei. Eugen Ernst. Zu seinem 60. Geburtstage. in Cinsendungen für diese Rubrik sinb Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, adaltim für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Bezirksvorstand. Heute abend, pünktlich 6 Uhr, Sigung im Konferenzzimmer der Vorwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3. * 13. Areis Tempelhof- Martendorf. Heute, Sonnabend, den 20. Geptember, abends 7 Uhr, Runstabend im Gymnasium, Tempelhof, Raiserin AuguftaStraße 20. Seitere Mufit. alte und neuere Tanzweifen. Mitmitfende: Frau Gertrub Wolf, Professor Reller und Dr. Joff. Cintritt im Vorverlauf 50 Pf., Abendtaffe 75 Bf. Die Genoffen des Bildungsaus fchuffes treffer: fich dafelbst um 6½ Uhr abends. 18. Areis Weißenfee. Seute, Sonnabend, abends 6 Uhr, im Rathaus, 8. 21, Frattionsligung. 20. Rreis Reinickendorf. Sämtliche Abteilungen beteiligen fich vollzählig an ber am Sonntag vormittag 10 Uhr in den Tharus Galen Müllerste. 142, stattfindenden Bersammlung. 17. bt. Heute, Sonnabend, den 20, September: Bezirksführer: Abends 6 Uhr vom Cenossen Schneider, Spart ftraße 11, mergeb. 2 Tr., bestimmt Material abholen. 21. Sibt. Die Bezirksführer müffen sofort das Werbematerial vom Genoffen Atoll abholen. 44. bt. Nachmittags 5 Uhr Abrechnung der Raffierer beim Genossen Schmolinsky, Naunynstr. 41, v. 4 Tr. Bernau. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Gemertidaftshaus, Chauffee, Ede Raiferstraße. Erscheinen aller Mitglieder bringend notmendig. Jungsozialisten. Die Gruppen beteiligen fich morgen, Sonntag, an den Betanstaltungen der Gewerkschaften zum Antikriegstag. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianiffe. 37/88, Hof 2 Tr. Ortsgruppe Eichwalbe: Am Dienstag, den 28. Eeptember, abends 7 Uhr, Borftendsßigung. Gonnabend, den 27. September, abends 8 Uhr Vollversammlung der Rameradschaft bei Kreuz. Bollzähliges und punčtliches Erscheinen Pflicht. Sonntag, Ramerabschaft Reinidendorf: den 21. September, vormittags 9 Uhr, Antreten in den Pharus- Sälen, Berlin N., Müllerstraße. Erscheinen Pflicht. Ramerabschaft Kreuzberg: Diejenigen Remeraden, bie nicht nach Roffen fahren, treffen fich 9% Uhr im Loti Jugend Rarlsgarten, Neukölln, zur Demonstration Nie wieder Krieg. gruppe 1: Am Sonntag, den 21. September, 8 Uhr vormittags, Antreten Bahnhof Nordstraße. Am Montag, den 22. Ceptember, 8ufammenkunft bei Reidelt, ibicinftr. 41. Bortrag: Aufgaben des Reichsbanners". Kamerad Am Sonn fchaft Zehlendorf: Sonntag, den 21. September, fein Ausmarsch. tag, den 28. Geptember, über die Beteiligung an der Fahrt nach Budow oder bei Schnorre, Busammenkunft der Jugend. Mittwoch, den 1. Oftober, abends 8 Uhr, bei Schnorre. Mitgliederhauptversammlung.( Ausschneiden und Aufbewahren.) Kameradschaft Wedding: Am Sonntag, den 21. Geptember, 9 Uhr vormittags, Antreten, Bharus- Säle, Müllerstraße. Es find jest faft vierzig Jahre, die Eugen Ernst im Dienste der deutschen Sozialdemokratie steht und vornehmlich in dem Dienst der Berliner Arbeiterbewegung. Und doch ist er, was man ja von den meisten Berlinern fagen fann, nicht in Berlin geboren. Am 20. September 1864 erblickte er in einem kleinen Nest der Provinz Bosen das Licht der Welt, tam aber schon in feinem vierten Lebensjahr mit seinen Eltern nach Werder a. d. Havel. Hier besuchte er die Gemeindeschule mit so gutem Erfolge, daß seine Lehrer sich beim Vater dafür verwandien, ihn selbst Lehrer werden zu lassen. Der kleine Eugen hatte damals aber den Wunsch, Missionar zu werden. Beides wurde schließlich den Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, aber dennoch ist Eugen Ernst ein tüchtiger Lehrer nach Teltow erfolgt Mitteilung. Mittwoch, ben 24. September, abends 8 Uhr, und ein wirksamer Miffionar geworden für die Jeen, die er, bald nachdem er im Buchtrudgewerbe ausgelernt hatte und auf der Wanderschaft 1886 nach Berlin tam, für richtig erkannte und sein Beben hindurch bis auf diesen Tag mit Klugheit und Energie vertreten hat. Innerhalb der Berliner Bewegung war es wiederum der 6. Kreis, bem feine besondere Liebe galt und in dem er mit Recht als Bater der Bewegung angesprochen wurde. Er hat in diesem Kreise und dann in der zentralisierten Organisation GroßBerlins jeden Ehrenposten vertreten, den die Partei zu vergeben hatte. Er war Bezirksführer, Abteilungsführer, Vertrauensmann, Borsigender, aber auch Mitglied der Preßfommission und Delegierter zu allen wichtigen Parteitagen. Daneben war er int Anfang dieses Jahrhunderts und später am Ausgang des Krieges mehrere Jahre Mitglied des Parteivorstandes und über 12 Jahre Mitglied der KonDer Berein heimattreuer Ostpreußen, Bez. Often, feiert am 27. September, im großen Saal des Lehrervereinshauses, Alexanderstr. 40-41, fein 5. Gttftungsfeft. Alle Landsleute sind herzlichst eingeladen. Karten an der Abendkaffe. Freirelegiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr. Pappefallee 15, Bot trag des Herrn P. Rogal: ,, Bom Teufelsmythos". Göfie willkommen. Geschäftliche Mitteilungen. Here Alfred Altmann, der Inhaber der allbekannten Firma B. Feder, Brunnenstraße 1, feierte gestern sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. AF- B Das kühlere, unbe stándíge Herbsíweffer verlangh einen festeren Schuh. Salamander für den Herbst erfüllt dieses bei eleganter Form MARKE GALAM AMAND SALAMANDER Arbeitersport. Freie Turnerschaft Wilmersdorf. Dienstag, den 23. September, nach dem Turnen, um 9% Uhr, im Vereinsheim auf dem Turnplag, Sigung beiber Turnabteilungen. Sonnabend, den 27. Geptember, ebenda Familienabend. Genoffen vom Radfahrerverein tommen zu Gafte. Anfang 8 Uhr. Die Kebetter- Sportfartell, 9. Bezirt, Wilmersdorf. Donnerstag, ben 25. Gep tember, im Turnerheim, wichtige Rartellversammlung, 7 Uhr Delegierte, 8 Uhr Mitglieder. Märkische Spielvereinigung. Auf dem Stralan- Sportplag ftehen fich am Sonntag Stralau und Weißenfee gegenüber. Die Treffen beider Ber eine gehören zu den spannendsten der Bewegung. Das Tegte enbete 1: 0 fire Stealau. Inzwischen ist die Stralauer Mannschaft bedeutend verstärkt worden, so daß sich ein Besuch des Stralau- Blages lohnen wird. Nach dem legten Siege Stralaus gegen Astania mit 6: 0 muß fich Weißensee anstrengen, um in Ehren zu bestehen. Borher spielen die unteren Mannschaften. Anfang 4 Uhr. Nordstern 07 empfängt auf ihrem neuen Sportplag in der Chriftiania. Straße, vormittags 10.20 Uhr, den S. C. Fortune, die ehemalige Spiel Dereinigung Bostschecamt. Sport- Chung- Birke Banion( EUVO.). M. Ge tember, nachmittags 4 1hr, 25. Bereinsjubiläum in Binders Ronzerthaus, Banlow, Breite Str. 84, unter Mitwirtung des Bankower Arbeiter- Gefang vereins, artistische und sportliche Vorführungen, Ansprache eines leitenden Genoffen der Arbeitersportbemegung usw. Alle Sportgenoffen fowie Sport freunde find herzlichst eingeladen. Arbeiter Surn- und Sportbund. Das Turnen um die Berbandsmeisterschaft im Geräteturnen findet am Sonntag, den 21. September, nadmittags von 2-6 Uhr, in der Turnhalle Brangelftr. 137 ftatt. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Freitag, den 19. September. 1. Rennen. 1. Aralinda( H. Jentsch),( 2. Nobelmann( Staudinger), 3. Getfer( Raftenberger). Toto: 12:10. Drei liefen. 2. Nennent. 1. Memnon( D. Schmidt), 2. Malatesta( Storb), Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82( Clou Mauerstraße 82 Täglich geöffnet Vier- Uhr- Kaffee Promenaden- Konzert Gesellschaftsabend/ Tanz Theater Staats- Theater Große Volksopers Westen RIESEN- CIRCUS Opernhaus 7% U.: Mona Lisa 71, Uhr: Die Zarenbraut Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr: Bohème Schauspielhaus 7 U. Wilhelm Tell Schiller Theater 7 Uhr: Candida Volksbühne 7: Schneid.Wibbel Deutsch. Theater 8 Uhr: Sumurun Kammerspiele 8 Uhr: Der Kreis Theater i. d. Königgrätzer Str. Täglich 8 Uhr: Hans Sonnenstößers Höllenfahrt Komödienhaus Täglich 8 Uhr: Mein Vetter Eduard Berliner Theater Tägl. 7.30: Der süße Kavaller SCALA 8 Uhr: Internat.Varieté Sonntag 3.30 zu halben Preis. das volle Programm Lessing- Theater Täglich 8 Uhr: Die große Revue: Wien gib acht! Ueb.150Mitwirkende Karten 2-16 Mark Kasse den ganzen Tag geöffnet Lustspielhaus Täal 8 Uhr. Die Zwillingsschwester Lustso. v. L.Fulda Käte Dorsch/ Jeb. Riemann Hans Junkermann Neues Operettenhaus Täglich 8 Uhr: K. Valentin/ Lisi Karlstadt in Vorstadttheater" Burleske v. Karl Valentin Wallner- Theat. Tägl. 72 Uhr: Uriel Acosta Komische Oper Direktion: James Klein Allabendlich 8 Uhr 8 Uhr Die gewaltigste und größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Gastspiel Rammersänger Leo Slezak über 250 Mitwirkende Walhalla am Rosenthaler Tor Großes internationales Varieté Programm! Anfang 8 Uhr Preise: 0.60, 1.-, 1.50, 2.- usw. WALHALLA am Rosenthaler Tor Großer Erfolg 12 internationale Kunstkräfte Anfang 8 Uhr Preise 60 Pf., 1, 1,50, 2 M. usw. Vorverkauf ab 11 Uhr enanterbrechen Th.i.Admiralspalast LUNAPARK Täglich 8 Uhr: die große Revue Moch and Noch Sig. 2 Vorst. in erster Besetzg 34 u. 8 Uhr Deuts Opernhaus Sonnabend 2 Sonntag letzte Tage der Sommersaison Konzert Großes Brillant- Feuerwerk 7%, U.: Die Jüdin Voller Betrieb auf allen Attraktionen 8 U. Intimes Th. Laut doch n. im. nackt herum Besuch im Bett etc. Metropol- Theater Heute 7 Uhr: Premiere Gräfin Mariza von Kalman Tb. i. Kommand. Str. 8: Mist.Globetrotter Stg. 32: Mädels v. Daves. Dramatisch. Theater Chausseestr. 30/31 Tel. Norden 10160/61 72 Uhr: Komödie um Rosa v. F.A. Angermayer Eintritt 80 Pfennig Reichshallen- Theat. Abends 8 U. u. Stg. nachm. 3 Uhr KRONE Schönhauser Allee Hochb.Danzigerstr. Telephon: Humboldt 705 Erster europ. 3 Manegen- Circus Allabendlich 8 Uhr Sonnabend, Sonnt, auch 4 Uhr nachm. Das vos keinem Circus x berbietende Riesen- Circus- Programm 85 Sensationen in 3 Maneges zu gleicher Zaif!!! ca. 400 Tiere täglich ab 10 Uhr vera. bis abends 7 Uhr geöffnet. ZOO . Konzert: 2 Kap. Raubtierfütterung 11 Uhr vorm. Vorverkauf! Wertheim a. Circaskassen Kindet nachm. halbe Preise! Rennen zu Karlshorst Sonnabend, 20. Sept., nachm. 2 Uhr Preußen Preis Amtliche Wett- Annahme des Union- Klubs Berlin NW. 7, Schadowstraße 8. Annahme von Wetten für alle Berliner Rennen in der Zentrale, Schadowstr. 8, in allen Filialen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche. 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Lorenzo( Bleuler). Toto: 31: 10. Dret liefen. 6. Rennen. 1. Maivo( D. Schmidt), 2. Kamtschatta( Grabsch), 3. Jdol( M. Schmidt). Toto: 33:10. Plaz: 18, 75, 33: 10. Ferner liefen: Hedenstrauch, Goldenes Horn, Luna, Winterweide, Capua, Batronin, Bulcain VIII, Hojotojo, Shgull, Hermes, Altefeld, Hohe Somme. 1. Sanguinifer( H. Blume), 2. Stummer Teufel ( B. Ludwig), 3. Abendwind( Raftenberger). Toto: 28: 10. Play: 14, 17: 10. Ferner Hefen: Heldin, Höhenrauch, Herbststurm. 7. Rennen. Reklame- Woche Billige Anzug-, Paletot- und Ulsterstoffe 150 cm breit, reine Wolle, gut im Tragon.. Mr. os. 150 cm breit, sehr moderne Strelfen.Mtr. 8.80 590 650 Herren- Anzugstoffe Herbst- Anzugstoffe Herren- Anzugstoffe reine Wolle, ca. 150 cm brett, moderne Herbst 975 Herren- Anzugstoffe Neuheiten Mtr. 11.50 Kammgarn, ca. 160 om breft, mit eleganten 1750 Nadelstrellon Paletot- und Ulsterstoffer grotter Auswahl... 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Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter, Großmutter Auguste Doppelhammer nach langem Leiden verstorben ist Um stille Teilnahme bitten 79/ 11a Adolf Doppelhammer nebst Sohn. Die Einäfcherung findet am Montag, den 22. d. M., im Krematorium Baumschulenweg 11 Uhr vormittags statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Kunstgewerbe Achtung! Montag, den 22. September, nachmittags 5 Uhr, im Lotal Redling, Waffertorstr. 71: Versammlung aller Vertrauensleute und Betriebsräte aus den Betrieben des Kunstgewerbes, deffen Inhaber Mitglieder des Verbandes Berliner Kunstgewerbebetriebe find. Jeder Betrieb muß vertreten sein. Achtung! Weißmetall Achtung! Dienstag, den 23. September, nachmittags 4, Uhr, im Lotal Redling Waffertorstr. 71: Wichtige Sihung der Vertrauensleute und Betriebsräte aus den Betrieben der Berliner Weißmetallindustrie. Jeber Betrieb muß vertreten sein. Die Ortsverwaltung. Bekanntmachung. Der Herr Reichsminister der Finanzen hat mit meinem Einverständnis das auf Goldmark und Dollar lautende wertbestän dige Notgelb der Deutschen Reichsbahn mit den Ausgabedaten vom 23. Ottober 1923 und vom 7. November 1923 mit Wir fung vom 15. Geptember 1924 und einer Einlösungsfrist bis einschließlich 15. Dk. tober 1924 aufgerufen. Der Umtausch gegen andere 8ahlmittel erfolgt innerhalb dieser Seit bei allen Eisenbahntaffen. Nach dem 15. Oftober 1924 eingehende Einlösungsanträge müffen grundsäglich abgelehnt werden. Berlin, den 9. GSeptember 1924. Der Neichsverkehrsminister. In Bertretung gez. Rumbier. SCHUTZ MARKE Quittings Rabatt u Reklamemarken ferling set 45Jahren als Spezialitat Conrad Müller Schkelditz Leipzigo Zurück Baugenoffenschaft Bürgerwalde i.M.Johannes Ott, Dentist Berlin O 112, Gabelsbergerstraße 9 W. Wahl W. 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