Abendausgabe Nr. 44941. Jahrgang Ausgabe B Nr. 225 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig 50 Milliarden Dienstag 23. September 1924 Berlag und AnzeigenabteTlung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Ein halber Beschluß? Bereitwilligkeit zum Eintritt in den Völkerbund? Kein Aufnahmegesuch? Obwohl die Sigung des Reichskabinetts erst gegen Mittag begonnen hat, will ein Mittagsblatt schon wissen, daß sich Die Regierung darauf beschränken werde, eine Erklärung ihrer Bereitwilligkeit zum Eintritt in den Bölkerbund zu beschließen, ohne jedoch ein förmliches Aufnahmegefuch zu stellen. Der Grund für diese Haltung soll darin liegen, daß Herr Stresemann von Lord d'Abernon eine unzureichende Erflärung über die Aufnahmeaussichten Deutschlands erhalten habe, Solange die Auskunft von Lord d'Abernon nicht bekannt ist, ist ein abschließendes Urteil über die angebliche Absicht der Regierung nicht möglich. Sollte man der Verdacht ist nicht ganz von der Hand zu weisen diese Auskunft aus nicht durchschlagenden Gründen zum Anlaß genommen haben, einem flaren Beschluß aus dem Wege zu gehen, so wäre das ein nicht wieder gut zu machender Fehler. Eine platonische Erklärung der gegenwärtigen Regierung, fie wäre zum Eintritt in den Völkerbund grundsätzlich bereit, hätte so gut wie gar feinen Wert. Weder das Inland noch das Ausland fönnte auf eine solche Erklärung etwas geben, weil ja niemand weiß, wie lange die Regierung, die diese Erklärung abgibt, noch bestehen wird. Eine von ihr abgegebene Erflärung wäre für ihre Nachfolgerin materiell nicht bindend, ein Aufnahmegesuch wäre es, um fo mehr dann, wenn es schleunigst Annahme durch die Völkerbundversammlung fände. Dann wäre eine vollendete Tat fache geschaffen, der sich auch eine fünftige deutsche Regierung nicht mehr entziehen könnte. Was die Entwaffnung anlangt, fo erklärt man, daß eine gewiffe Analogie zwischen der gegenwärtigen Lage Deutschlands und derjenigen Ungarns beffeht, als es feine Zulaffung zum Bölkerbund forderte. Die Juteralliierte Kontrollkommiffion hatte in Ungarn ihre Uufgabe noch nicht beendet, als ja Ungarn zugelassen wurde. Aber die politischen Ausschüsse des Bölferbundes konnten ihm verfrauen und ffimmten einmütig für die Zulassung. Kabinettsberatung in London. = Liberale Oppofition gegen den englisch- russischen Vertrag. Condon, 23. Eeptember.( Eca.) Zum erstenmal feit der Ber. tagung des Parlaments im Auguft ist das englische Rabinett gestern mieder zusammengetreten und hat in der Downing- Street zwei Sigungen abgehalten. Die Minister befchäftigten sich mit der Frage der Grenzfeftfegung zwischen Nord- und Süd. Irland und mit der Lage, die durch die Opposition der 2iberalen bezüglich des englisch- russischen Vertrages entstanden ift. Weiter nahmen die Minister Kenntnis von dem Berichte Lord Parmoors und Hendersons über die Beratungen des Bökerbundes in Genf. Das Kabinett hat weiter die Frage geprüft, ob und welche Rückwirkungen die Ausführung des Dawes Blanes auf die englische Bergwerksindustrie haben fönnte. Schließlich hat M a cbonald feinen Kollegen darüber Bericht erstattet, in welcher Form er am tommenden Donnerstag mit Baglul Bascha verhandeln will. er am kommenden Donnerstag mit Baglul Bascha verhandeln will. Wie in politischen Kreisen verlautet, hat Asquith durch die haltung der liberalen Partei in der Frage der Ratifizierung des englisch- ruffischen Bertrages die Besorgnis der Arbeiterpartei hinsicht lich der Möglichkeit der Ratifizierung dieses Bertrages durch das Liberale sind die einzigen, die dem englisch- russischen Bertrag günstig Barlament erhöht. Oberstleutnant Kennworthy und zwei andere gefinnt sein sollen. Die ganze übrige Partei fei fich einig in der Oppofition gegen die Ratifizierung. Man erklärt daher in gewissen Streifen, daß die Arbeiterregierung Abänderungen, die Asquith der Borauslegung, daß diese Abänderungen den Geist des Vertrages und Lloyd George perlangen würden, annehmen werde unter nicht verletzen. In sozialdemokratischen Kreifen glaubt man noch immer, daß die Liberalen die Verantwortung für einen Sturz ber Die TU. meldet: Reichskanzler Dr. Marg ist heute morgen Regierung wegen des englisch- russischen Vertrags nicht übernehmen um 9.20 Uhr aus Sigmaringen wieber in Berfin eingetroffen. wollen, zumal gerade die Liberalen immer, wie in diesen Kreisen Ebenso find auch alle Minister inzwischen aus ihrem Urlaub zurüderflärt with, flir bie Biederaufnahme normaler Beziehungen mit gefehrt. Wie die Telegraphenunion erfährt, begann der Ministerrat Rußland eingetreten seien. unter dem Vorsiz des Reichspräsidenten kurz nach 11 Uhr. Reichsfanzler Marg und Außenminister Dr. Stresemann erstatteten je ein ausführliches Referat über die politische Lage. Daran schloß fich eine eingehende Aussprache, die den Mittag über andauerte und wahrscheinlich mehrere Stunden in Anspruch nehmen dürfte. Im Bordergrunde der Beratungen steht die Böikerbundfrage. Damit ist aber auch der Widerruf des Kriegsschuldeingeständnisses verbunden.(?) Nach den Entscheidungen des Ministerrats, die, wie man in politischen Kreisen glaubt, allerdings wohl mehr grundfäß licher Natur sein werden, werden voraussichtlich in den nächsten Tagen die Ministerpräsidenten der Länder und der Auswärtige Ausschuß einberufen werden. Die Deutschnationalen bekennen sich als entschiedene Gegner des Völkerbundes. Eine unter ihrem maßgebenden Einfluß" stehende Regierung würde die Erklärung ihrer Borgängerin entweder zurückziehen oder ihr teine weitere Gel fung verschaffen. Die Bereitschaftserklärung der gegenwärti gen Regierung wäre dann in den Wind gesprochen. Und die verhängnisvolle Neigung, große Fragen durch fleine Kompromisse zu erledigen, hätte dann wieder einmal zum Schaden Deutschlands einen Triumph gefeiert. * Vor dem Eintritt Deutschlands. Beratungen in Paris. Baris, 23. September.( Eca.) 3m„ Mafin" befchäftigt fich Sauerwein mit der Zulaffung Deutschlands zum Bölkerbund und fchreibt: Dr. Nanfen, der geffern aus Deutschland nach Genf zurückgekehrt ist, hat seine vollkommene Zuversicht darüber ausgedrückt, daß seine Miffion in Berlin Erfolg haben werde. Er hat mitgeteilt, daß Marg gwillt jei, die Zulaffung Deutschlands zum Bölkerbund zu beantragen unter folgenden Bedingungen: 1. daß Deutschland ein ständiger Sitz im Bölferbundsrat zugebilligt würde, 2. daß man Deutschland feinerlei aufschiebende Bedingungen auferlegt. Seit 24 Stunden höre man von allen Seiten fagen: die Zulaffung Deutschlands zum Bölferbund hänge nur noch von Frantreich ab. Frankreich müffe felbft zu erkennen geben, daß es feinerlei Einwände gegen die Zulaffung Deutschlands erheben werde, und das Beitrittsgefuch Deutschlands werde fofort im Sekretariat einlaufan. Wenn man die Formalitäten vereinfacht, dann tann ses möglich sein, daß Deutschland nach vor Beendigung der jetzigen Tagung des Völferbunds bereits feinen Sih im Bölferbund einnehmen kann. Herriot hat heute morgen den englischen Botschafter in Paris empfangen, der ihm gewissermaßen den Puis fühlen wollte. Herriot het telephonisch mit der französischen Delegation in Genf beraten. Die franzöfifche Delegation hat under Vorfig Briands zwei Sigungen abgehalten. Unschlüssige Haltung der Franzosen in Genf. Paris, 23. September.( WTB.) Ueber die Zulaffung Deutschlands zum Bölferbund berichtet der Havasberichterstatter in Genf, offenbar beeinflußt von der franzöfifchen Delegation beim Völkerbund: Wenn, wie aus der Unterredung des Reichstanzlers mit Nansen hervorzugehen scheint, das deutsche Volt nicht die Abficht hat, Borbedingungen zu stellen, d. h. eine Sonder. behandlung zu verlangen, erkennt man nicht, was die deutsche Regierung hindern fönnte, ihre Forderungen zu formulieren. Man hält es aber für unmöglich, einen Präzedenzfall dadurch zu schaffen, daß man Deutschland von vornherein einen Sie im Völkerbundrat verspricht, um so mehr, als man nach allgemeiner Auffassung eine fontinentale Großmacht wie Deutschland von den verantwortlichen Aufgaben des Bölterbundsrats nicht fernhalten tann. Churchill zu den Konservativen übergetreten. offiziell zum fonservativen Kandidaten in West- Effer angenommen London, 23. September.( TU.) Churchill ist nunmehr worden. Dieser Uebertritt Churchills zur konservativen Partei wird nicht ohne innerpolitische Felgen sein, wenn er auch in seiner Wirkung nicht überschäßt werden darf. Indeffen wird damit das Koalitions element in der fonservativen Partei verstärkt und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der liberalen Partei verbessert. Zaglul Pascha auf dem Wege nach London. Paris, 23. September.( Tul.) Der ägyptische Ministerpräsident 3aglul Bascha begibt sich morgen früh nach London, um mit dem englischen Premier über die Lage in Aegypten und im Sudan zu verhandeln. Die erste Zusammenkunft mit Macdonald fin det am Donnerstag statt. Bier wichtige Fragen, die im Jahre 1922 nicht gelöst werden tonnten, werden Gegenstand der Aussprache beider Ministerpräsidenten bilden. 1. Sicherung der Verkehrswege des britischen Imperiums. 2. Berteidigung Aegyptens gegen jeden direkten oder indirekten Angriff von außen. 3. Schutz der auswärtigen Interessen in Aegypten und der Minderheiten. 4. Die Sudanfrage. Zaglul Pascha wird von seinem Minister des Auswärtigen, dem ägyptischen Verkehrsminister und seinem Privat sekretär begleitet. " Der Temps" brudt heute abend eine Erklärung des ägypti. fchen Ministerpräsidenten ab, in der es u. a. heißt:„ Die politische Atmosphäre ist verdüstert. Der 3med meiner Londoner Reise besteht darin, die Situation zu ffären. Ich nehme an, daß ich dieses 3iel erreichen werde und bin von dem Wunsche erfüllt, die Befprechungen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Ich habe Grund anzunehmen, daß in London dasselbe Gefühl vorherrscht." Amerika optimistisch. Finanzautoritäten prophezeien einen Aufschwung Europas London, 23. September.( WIB.)„ Times" meldet aus New Port: Der Nationalrat amerikanischer Import- und Handelsfirmen hat gestern Briefe des Sefretärs des Schazamts Mellon und Fred Rents, einer Autorität für das internationale Finanzwesen, veröffentlicht, worin alle beide sowohl dem amerikanischen als auch dem europäischen Handel große Borteile aus einem erfolg. reichen Arbeiten des Dawes- Pians voraussagen. Mellon, der das Bertrauen aussprach, daß der Plan sich als ein Erfolg erweisen werde, erwartet die Wiederherstellung der europäischen Finanzen und der Handelsbeziehungen in Europa innerhalb einer kurzen Frift. und der Handelsbeziehungen in Europa innerhalb einer furzen Frift. Die Kauftraft Europas werde ungeheuer verstärkt werden. Das werbe sehr viel für die ganze Welt einschließlich der Bereinigten Staaten bedeuten. Rent fagte einen ungeheuren Auf ich mung des Handels in Europa voraus und sprach die Erwartung aus, daß die amerikanische Ein- und Ausfuhr sich vermehren wird. Er fügte hinzu, natürlich würden die hierdurch verursachten Verände. rungen mur allmählich auftreten und es dem amerikanischen Brodu zenten ermöglichen, sich der Lage anzupassen. Reichstagswahl in Schweden. Rampf um die sozialdemokratische Mehrheit in der Zweiten Kammer. ( Bon unserem standinavischen Mitarbeiter.) Am Sonnabend begannen die Wahlen für die 3 weite Rammer in Schweden. Die schwedische Wahlmethode ist etwas veraltet. Im Laufe von 14 Tagen wird in den verschiedenen Distrikten des Landes gestimmt, und erst etwa drei Wochen später liegt das endgültige Resultat vor. Sogar von den einzelnen Bezirken oder Städten kann das Ergebnis erst zwei oder drei Tage nach der Wahl festgestellt werden. Die schwedischen Wähler müssen sich also, was das Resultat betrifft, gedulden. Die Spannung wegen des Wahlausfalles ist diesmal bei der schwedischen Bevölkerung besonders groß, weil die Wahlschlacht um die Frage geht, ob Schweden wieder eine sozialdemokratische Regierung haben soll, und zwar mit einer Mehrheit in der Zweiten Kammer. Es fehlt nämlich nicht viel, um dies Resultat zu erreichen. Die Parteistellung war bis jetzt: 99 Sozialdemokraten, 62 Rechtspartei, 21 Bauernbund, 41 Demotraten und 7 Kommunisten. Seitdem das Ministerium Branting vor einem Jahre demissionierte, ist das Land von einem Rechtsministerium unter Leitung des Prof. Trygger regiert worden. Es ist, wie es aus den Zahlen hervorgeht, ein Minderheitsministe rium, das nur die Macht hat, fich mit Hilfe der Bauernpartei und der Demokraten halten zu fönnen. Die große Frage ist jetzt, ob die Sozialdemokraten bei den jezigen Wahlen die 17 Mandate gewinnen tönnen, die erforderlich sind, um eine rein sozialdemokratische Mehrheit in der zweiten Kammer zu haben. Soweit die Situation übersehbar ist, sind die Bedingungen dafür vorhanden. Wenn die schwedische Sozialdemokratie gute Chancen hat, Barteien ist, die ganz einig an die Wahlurne geht. Sowohl die Mehrheit zu gewinnen, so vor allem deshalb, weil die sozialdemokratische Partei die einzige unter den schwedischen partei sind uneinig in der Alkoholfrage. Sie zählen die Demokraten, wie auch teilweise die Rechts- und Bauern innerhalb ihrer Reihen sowohl Verteidiger wie auch Gegner den wie auch im Nachbarland Norwegen unglaublich große des Verbotsgedankens, und diese Frage hat sowohl in Schwe Bedeutung. Die Kommunisten find auch in zwei Teile ge sprengt, einen, der blinder Unterwerfung unter die Befehle Moskaus huldigt, und einen- wahrscheinlich der größte Teil-, der die Taktik den heimischen schwedischen Verhält nissen anpassen will. " An diese Spaltung der kommunistischen Partei knüpft sich eine Reihe tragisch- komischer Momente, die zeigen, welche eisenharte Regimente die Herren in Moskau gegen die ,, Ras meraden" führen, die von ihnen ökonomisch abhängig find. Führer der schwedischen kommunistischen Partei, Höglund und Bei dem letzten Weltkongreß" standen die beiden tüchtigen Frederik Ström für„ Reformismus" auf der Anklagebant, und das Urteil war das gewöhnliche: sie wurden faltgestellt. Höglund bekam Befehl, sofort sein Mandat als Redakteur des tommunistischen Organs in Stockholm, Arbejds- Politiken niederzulegen, und Frederik Ström, der bisher Mostaus hoch befoldeter Generalfonful in Stockholm war, bekam seinen Abschied auf grauem Papier. Das kommunistische Organ in Stockholm lebt nämlich genau so wie die Rote Fahne" in Berlin ausschließlich von russischen Rubeln. Sowohl Höglund wie auch Ström weigerten sich ins zwischen, dem Strafbefehl aus Mostau nachzukommen und, soweit sich ersehen läßt, schloß sich ihnen die Mehrzahl der schwedischen Kommunisten an. Die Geldgeber in Moskau waren aber strenge Herren. Da Höglund nicht von selbst gehen wollte, erschien eines schönen Tages im Bureau des tommunistischen Organs ein anderer schwedischer Kommunist namens Kilbom, und Herr Höglund nebst seinem ganzen Anhand von Mitarbeitern wurde hinausgeworfen. Die Hinausgeworfenen versuchten mehrmals durch Gegenangriffe das Blatt zurückzuerobern; es gelang aber nicht, das Schlachtfeld blieb im Besige der Moskowiter. " Das Resultat war, daß die Hinausgeworfenen ein neues tommunistisches Organ gründeten, und jetzt geht der Krieg zwischen den beiden Bruderorganen", und beide Parteien haben Kandidaten für die Wahl aufgestellt. Es wird ficher in Schweden so gehen wie in Norwegen, wo ein ähnlicher Kommunistenfrieg, doch unter weniger dramatischen Formen, entstanden ist, daß die Moskowiter bei den Wahlen eine schwere Niederlage davontragen. Nur in Deutschland untermirft man sich demütig den Befehlen aus der Kanzlei in Moskau. Die vielen schönen russischen Rubel, die im Laufe der Jahre von Rußland nach Schweden gesandt sind, sind hinausgeworfenes Geld. Ganz ohne Schwierigkeiten wird die Sozialdemokratie den Sieg jedoch nicht gewinnen. Die beiden reaktionären Parteien, Rechts- und Bauernpartei, haben trog vieler Gegenfäge in mehreren Bezirken Bündnisse geschlossen, die für Die Sozialdemokratie schwer zu überwinden sein werden. Die große Frage des Wahlkampfes ist die Militärfrage. Selbst wenn die schwedischen Sozialdemokraten nicht fo weit wie ihre Parteigenossen jenseits des Deresundes, die Dänen, gehen werden und volle Abrüstung vorschlagen, werden sie jedoch so starke Berringerung der Militärausgaben beantragen, daß das in Wirklichkeit Anfang der Ab rüstung ist. Es ist für die schwedische Sozialdemokratie eine gefährliche Wahlparole. Die schwedische Oberklasse und teilweise auch die Mittelklasse fühlt sich sehr und empfindet es als demütigend für Schweden, feine militärische Rolle in Europa spielen zu dürfen. | marf durchgesetzt worden seien, obwohl die Engländer und Ita-| liener nur 1750 Millionen Goldmark als das höchste angesehen hatten, das Deutschland von dem genannten Jahre ab zu leiften Außer der militärischen Frage hat die schwedische Sozial- imftande fein würde. Der gefragte Engländer habe darauf Strefedemokratie natürlich auch eine Reihe großer sozialer mann mitgeteilt, daß die Amerikaner umgefallen wären, und Fragen auf ihrem Wahlprogramm. Es war ein solcher zwar deshalb, weil ihnen aus deutsch nationalistischen fozialer Gesetzvorschlag wegen erweiterter Arbeitslosenunter- Kreisen der deutschen Industrie zugetragen worden wäre, daß stützung, über den das vorige Ministerium Branting fiel. Deutschland seine außerordentliche starte Leistungsfähigkeit zurückgewinnen werde, sobald einmal wieder normale wirtschaftliche Verhältniffe vorhanden wären und mit der Revolutionswirtschaft aufgeräumt" fei. Danach hat man es alfo deutschnationalen egern zu verdanken, daß Deutschland jährlich 750 Millionen Goldmart mehr zu zahlen hat, als die Alliierten ursprünglich festgesetzt hatten. Warum, fo wird gefragt, hat Stresemann im Reichstag von folcher wichtigen Angelegenheit feinerlei Mitteilung gemacht? Gegen die Einführung der Ausfuhrabgabe. Wenn es den schwedischen Parteigenossen gelingen sollte, Die 17 Mandate, um die es sich jetzt handelt, zu gewinnen, wird Schweden das erste Land sein, wo unter normalen Um ständen eine rein sozialdemokratische Mehrheit erreicht worden ist Gleichzeitig würde damit erzielt, daß das bißchen Kommunismus, das bisher in Schweden gewefen ist, ganz feine Rolle ausgespielt haben wird und eine positive sozialdemokratische Reformarbeit zum Vorteil der Arbeiterklasse nicht zu hindern vermag. Deutschnationale weiter abbröckelnd. Die politische Vormittagsbörse. Die Morgenpreffe beschäftigt sich ausführlich mit den voraussichtlichen Ergebnissen des Kabinettsrats, wobei auch die Frage erörtert wird, ob das bekannte, von den Deutschnationalen und der Volkspartei entrierte Ultimogeschäft in Ministerportefeuilles zur Effettuierung gelangen wird oder nicht. Die pessimistischen Auffassungen, die in dieser Angelegenheit vorherrschen, werden durch einen Artikel verstärkt, den der deutschnationale Abg. v. Lindeiner Wildau im Tag" veröffentlicht. Nach dem Geständnis des Herrn v. Lindeiner ist das Wort„ Bürgerblod" schon derartig in Verruf geraten, daß eine Firmenänderung notwendig ist, um den Kredit aufrechtzuerhalten, und zwar foll die neue Erwerbsgesellschaft unter dem Namen„ Staatsbürgerblod" in das politische Handelsregister eingetragen werden. Kommt das Geschäft nicht zustande, so will auch Herr v. Lindeiner den Weg der Opposition gehen. Worüber er des näheren ausführt: Ich könnte mir denken, daß dann als äußeres Zeichen des neuen Kurses neue Männer in die Front träten, die entschlossen find, die Partei auf diesem Wege rücksichtslos vorwärts zu führen. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß der Borsigende der Deutschnationalen Boltspartei in einer großen Rede im oberschlesischen Wahlkampf bereits aus eigenster Initiative davon gesprochen hat, daß er felbft in einem solchen Falle die Erneuerung der Partei ,, an Haupt und Gliedern" für erforderlich halte. Die Logit der Herren v. Lindeiner und Hergt berührt etwas eigentümlich. Zum Regieren ist die Deutschnationale Partei, so wie sie ist, gut genug. Kommt sie aber nicht zum Regieren, so muß sie ,, an Haupt und Gliedern erneuert" werden. Wäre es nicht vielleicht gut, eine solche Erneuerung vorzunehmen, bevor man in die Regierung gelangt? Gesuche der Industriellen- Verbände. Die Einführung der 26prozentigen Reparationsabgabe durch Frankreich hat den Hansa- Bund für Gewerbe, Handel und Industrie veranlaßt, bei der Reichsregierung um Herbeiführung einer schiedsrichterlichen Entschei= dung auf Grund des mit der Reparationsfommission ge= troffenen Abkommens vorstellig zu werden, da durch die erneute Erweiterung des Systems der Reparationsabgabe auf die deutschen Exportwerte eine Entziehung von etwa 300 bis 350 Millionen Goldmart an Deviseneingängen im Jahr zu befürchten sei, ein Ausfall, der bei der jetzigen Lage der Handelsbilanz von der deutschen Wirtschaft nicht getragen werden fönne und zwangsläufig der endgültigen Währungsgesundung entgegenwirten müsse. führen, zu kurz sei, um die belgischen Berhandlungen zum Abschluß zu bringen. Auch habe die belgische Delegation es für notwendig eradytet, mit ihrer Regierung zunächst einmal wieder Fühlung zu nehmen. Die Verhandlungen sollen am 15. Oftober wieder aufgenommen werden. Ludendorff beim Kapp- Putsch. Ehrhardt als Zeuge. Meineids- Ehrhardt kommt in der Fortsetzung feiner Erinnerungen auch auf die Tätigkeit Ludendorffs während des Kapp Putsches zu sprechen. Dieser war befanntlich der einzige, auf den Ehrhardt beim Zusammenbrechen des Ganzen noch feine Hoffnung setzte.. Nun schildert der Meineidsbrigant eine beim General v. Oven abgehaltene Kommandeurbesprechung, bei der Oven: erklären ließ, die Mannschaften ständen nicht mehr hinter den Offizieren und nicht mehr hinter Lüttwih, infolgebeffen müffe Lüttwitz zurücktreten. Ehrhardt versichert, er wäre in schärfster Form dagegen aufgetreten und hätte das ganze Gerede bezeichnet als ein immerliches Berkriegen schlap. per Offiziere bin der Mannschaft": Aber was bedeuteten meine Worte, da selbst ein Appell des Generals Ludendorff nichts nühte, der die Herren fest beim Portepee anfeßie. Ludendorff ging ins Nebenzimmer. Nun wurde abgestimmt: Wer steht hinter Lüttwiz? Es ergab sich, daß außer zwei Offizieren fleinerer Verbände und mir niemand mehr zu Cüffwih stand. Da schritt ich wutschnaubend über diese Treulofigkeit und Hinterhältigkeit ins Nebenzimmer, meldete Exzellenz Lüttwizz den Tatbestand und bat ihn, fämfliche Generale und Kommandeure verhaften zu dürfen. Leider rieten jedoch General von der Golg und Ludendorff davon ab. Lüttwiß geb mir Befehl, nichts gegen diefe Kavaliere zu unternehmen. Da ging ich ins Besprechungszimmer zurüd und erflärte General von Oven:„ Ich rüde fofort mit meiner Brigade aus Berlin ab!" Auch der Deutsche Industries und Handelss tag hat an die Reichsregierung die dringende Bitte gerichtet, alles zu versuchen, um diese französische Maßnahme rück- Der Oberbrigant gesteht also offen zu, daß sowohl er wie gängig zu machen, zum mindesten aber eine Rückerstattung auch Ludendorff die Offiziere zur Fortsetzung des beder Abgabe in bar zu gewährleisten. Auf keinen Fall dürfe waffneten Aufruhrs gegen die verfassungsmäßige RegieFrankreich die Abgabe als Repreffalie bei den berung aufgefordert haben. Trogdem ist bekanntlich Ludendorff vorstehenden Handelsvertragsverhandlun gen verwenden. Herriot pfeift" und die Rote Fahne" tanzt. angekündigten Wiedereinführung der 26prozentigen EinfuhrDie„ Rote Fahne" führt aus Anlaß der zum 1. Oftober abgabe in Frankreich wahre Indianertänze auf. Herriot pfeift auf die Dawes- Bibel", verkündet sie in fenfationeller Aufmachung. Diese Behauptung ist falsch. Die Einführung der Einfuhrabgabe in Frankreich früht sich auf den Londoner Zahlungsplan vom Mai 1921 und widerspricht dem Geiste des Dawes- Gutachtens wie der Londoner Abmachundiesem Bunfte eine formelle Lücke, die zuerst von England Leider enthalten die Londoner Bereinbarungen in und jetzt von Frankreich ausgenugt worden ist, und zwar mit der ausgesprochenen Absicht, um bei den bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen ein Druckmittel gegen Deutsch land in der Hand zu haben. gen. Anfrage an Stresemann. Früchte der deutschnationalen Hetze. Es ist zu erwarten. daß die Reichsregierung alle ihr zur Karlsruhe, 23. September.( Eigener Drahtbericht.) An den Verfügung stehenden Mittel ausnutzen wird, um den französ Reichsaußenminister Stresemann richtet der Karlsruher Boitsfischen und den englischen Beschluß rückgängig zu machen. In freund" in seiner heutigen Nummer eine offene Anfrage. Auf der dieser Beziehung gibt ihr gerade der Londoner Batt Kreisfonferenz der Sozialdemokratischen Partei Nieberbadens, die Möglichkeiten in die Hand, wie z. B. die Anrufung eines am vergangenen Sonntag in Karlsruhe stattgefunden hat, machte Schiedsgerichts, die sie früher nicht beseffen hat. Man muß der Reichstagsabgeordnete Geneffe els Mitteilungen, die zu dieser schon die Ignoranz der Kommunisten befizen, um auch bei offenen Anfrage an Stresemann nötigten. Danach hat Stresemann dieser Gelegenheit alle Schuld auf das Dames- Gutachten abim Anschluß an seine letzte Robe, die er anfäßlich der Reichstags- zuwälzen. Wenn die jetzige Komplikation eingetreten ist, jo wahl in Karlsruhe gehalten hat, in einer Besprechung, die der nicht in folge, sondern trotz der Londoner Abmachungen. Berleger der Badischen Presse" Ihrgarten veranlaßte und zu der nur ein forgfältig ausgewählter Kreis fich intereffierender Bersönlich feiten eingeladen war, folgendes mitgeteilt: Als die von den alliierten Regierungen an die Dawes- Kommission entfandten Sachverständigen ihre Arbeiten beendet hatten, habe er, Strefemann, einen der Engländer gefragt, wie es gefommen sei, beß die im Jahre 1928 daß in Kraft tretenden Belastungen auf 2500 Millionen Gold Frühstück bei Hammer und Sichel. Kölner Herbstmesse 1924. Ein Surren und Drängen, ein Wandern und Weilen im Angesicht des Doms, der seine Türme im Strom spiegelt. Rüstige Männer, durch Aktentaschen und Zeitungskonvolute als Preffeleute gefennzeichnet, eilen durch das Freigelände dem reizenden Gartenpavillon Summer 7 zu. Hier ist die Must erausstellung der Union der sozialistischen Räterepubliken, die zu einer Besichtigung mit nachfolgendem Frühstüc gebeten hatte. Und fie famen alle! Demokraten, Monarchisten, Faschisten und Sowjetisten sammeln sich zur friedlichen Schau, die von martialischen Männern aus Köln mit wallenden roten Schleifen flantiert wird. Lieber Kamerad da drüben, hast Du nicht jüngst im Kölner Stadtrat heftig mit den Fäusten auf Dein Pult getrommelt? Hast Du nicht Deinen massiv gläsernen Aschenbecher zum Zeichen des prole. tarischen Proteftes gegen die bürgerliche Gesellschaft erhoben? Heute ist Dein Ton sanft und zärtlich und ich bin entzückt, daß Du mir, einem sozialistischen Lataien des Kapitalismus, wie Du noch neulich jagtest, ein 2ugenzwidern nicht ohne Freundlichkeit gewidmet haft. Run wandern wir durch die Ausstellung und ballen uns in Klumpen um den Leiter aus Mostau. Er berichtet, demonstriert uns Rußlands Rohstoffquellen, schildert die Tätigkeit der russischen Handelsvertretung, die allmähliche Eingliederung Sowjetrußlands in den Weltverfehr, zeigt uns reizende Proben ruffischer Boltstunst. Und dann fagt er: Meine Damen und Herren! Darf ich Sie zum Frühstück bitten?" " " 1 Alles wandert zum Messe- Parfhaus, einer grünen Insel leiblichen Genusses, abseits von der Haft des Profits und der Kon furrenz. Eine herrliche Tafel ist hier errichtet! Bunte Herbst blumen laben das Auge, mondäne Kellner stehen herum, zum Dienste bereit. Man nimmt Plaz; Herren der russischen Handelsvertretung, überzeugungstreue Bolschewisten, fehen sich realpolitisch neben die Wortführer und Vorfämpfer der raffaierigen Bourgeoisie. Da nahen schon die Kellner mit mächtigen Flaschenbatterien: Ein russischer Modfa gefällig?" Oder ein Sherry?" Es feuchtet farbig in den Gläsern, die ersten Schlucke reizen den Appetit. Nun rücken breite Tants von ruffischen Vorspeisen heran. Milde Kaviarbrödchen, rosas farbene Räseschnittchen, Sardinen, Gardellen, Zungen und Salamis umzingeln den in grünen Schluchten gebetteten Heringsfalat. Ein wundervoller Mosel perlt in den Römern. Donnermetter!" Profit!" Harmonische Tischgespräche über Lenin, über die ruffifchen Bauern sie würzen das Mahl, fie vollziehen sich mit einer Manierlichkeit, die mehr ist als bloße Regie. Drüben fizt ein junger Bertrauensmann der Handelsvertretung, ein ehemaliger rufficher Difizier. Sein Gegenüber ist ein deutscher Demobrat, und plöglich entdecken sie beide, daß sie sich zwei Jahre lang bei Novo Georgiemst im Schüßengraben gegenüberlagen. Sie lächeln fich zu. Razz, Höllein, Koenen, Scholem, Bucharin, Sinowjem! Jch denunziere! Feierliche Reden steigen empor. Es flingt darin von Wirt ichaftsserbindung, Weltversöhnung: Ihr Kapitalisten aller Länder, bobt fänger fein Mißtrauen, das Euch das Geschäft mit Rußland Die deutsch- belgischen Verhandlungen. Paris, 23. September.( Eca.) Zu der Unterbrechung der deutsch- belgischen Verhandlungen meldet der Matin", die beiden Berhandlungsparteien feien sich einig darüber, daß die Frist bis zum 1. Oftober, wo eine deutsche Delegation fich nach Paris begeben werde, um mit Frankreich Handelsvertragsverhandlungen zu vergällt! Glaubt uns, wir halten unsere Berpflichtungen!" Es heben sich die Gräfer, Hochs und Händellaschen. Und der Rehrüden à la Orloff wird aufgetragen. Er zergeht auf der Bunge. Die braunen Bällchen, die das byzantinische und genußgierige Bürger tum Prinzeß- Kartöffelchen nennt, die grünen Gemüse, die sprigenden Saucen! Ein neuer Wein fommt, ein wundersamer Rauenthaler 1921. Die russischen Gastgeber stecken die Nasen schnuppernd ins Glas und tun gleich ihren Gästen monch guten Zug. Man wird fröhlich, es kommt Allasch, es fommt Kümmel. Und dann erscheint eine gemischte Speise, in der sich alle Früchte des Orients vermähl ten. Bigarren mit breiten Bauchbinden und ein türkischer Mokka beendet das Mahl im fröhlichen Tempo. Ein letztes Abschiedswort, ein fegter Gläser flang, man erhebt sich dampfend und dankbar. Das Frühstück der Handelsvertretung der vereinigten Sowjetrepubliben ist beendet. An der Pforte des Festsaales steht wieder ein Mann mit einer breiten roten Schleife und bringt eine Botschaft. Lebt wohl! Es war nicht gerade profetarisch, aber es war reizend. G. Beyer, Köln. Freischüt". ( Oper am Königsplaß.) Es ist ein gutes Zeichen für den Geschmad des Publikums, ein befferes für den Geist, der in der Staatsoper herrscht, daß man ein Wert wie den Freischüt" immer wieder zu hören begehrt, daß ein solches Juwel unter den Opern aber noch unter anderen Gesichtswinkeln gesehen werden fann. Diesmal galt es zum ersten Male die Krollbühne herzurichten für ein Wert; man fann in diefem Sinne sagen, daß gestern das Kroll- Theater eigentlich erst eingeweiht wurde. Das Haus gehört sozusagen der Wolfsbühne, und ihre Mitglieder nahmen das Ereignis mit ruhigem Interesse hin, fachlich er. quidt, aber ohne die Herzenswärme, die ihm gebührt hätte. Das muß feine Gründe haben. Ich fann mir denken, daß die Innigkeit, Wärme und Heiterfeit der Liebenden, die Fröhlichkeit der Jugend nicht genugsam von der Bühne ausging. Die Agathe der Frau Marher litt bei aller Musikalität an einem Phlegma, das feiner Braut, auch nicht der durch Träume verängftigten, gut zu Geficht Braut, auch nicht der durch Träume verängstigten, gut zu Gesicht steht. Ganz ausgleichen konnte das auch nicht Fräulein nepel mit ihrem frich- gefühlten, aber doch nicht überwuchernden Humor. Schorr ist ein glänzender Sänger, bleibt aber darstellerisch hinter illuftren Borbildern zurüd( auch hinter Schützendorf), und Dmorify, um den fich ja jetzt auch Wien reißt, ist ein bedauerlich fchlechter, gezierter Sprecher, doch sein weicher Tenor besiegt die kleine Unzier der Zunge schnell. Die gesamte Auffrischung geht wohl auf den raftlos fleißigen Kleiber zurück. Ihm ist jede Note heilig. Man hört eine Bartitur, die man auswendig fennt, mit neuen Tönungen und eigenartig charakterisierender Hervorhebung von Instrumenten, sehr sehr breit und dennoch lebendig. Der Aufbau der Wolfsschluchtmusik war ein Rabinettstück, ebenso die prächtige Formulierung der Jägerchöre und die Frische der Mädchengefänge. Ein Lyrifer ist er nur im Borbe halt, und naiv ficher gar nicht. Die einfach gesungene deutsche Cantinele dehnt sich oft bis zu einer Unterbrechung der Melodie. Doch feinerzeit vor dem Reichsgericht nicht als Angeflagter, sondern als 3euge erschienen und hat seine ganze Beteiligung am Butsch eidlich abgeleugnet! Das war eine nachträgliche Prämiierung des Hochverrats durch den großen Lindrale hatte verhaften laffen wollen, erhielt feine sofortige Bräftröm. Aber derfelbe Ehrhardt, der eben die sämtlichen Gene mie! Er wurde vom General Seedt, wie er berichtet, zur Betämpfung des Bolschewismus" in Pflicht genom men, formte selbst mit seinen Truppen abrüden und nunmehr noch voller Behagen berichten, wie feine Leute in das„ Gesindel" auf der Straße hineingefeuert haben! Ein solcher Bursche gilt tro affem heute noch als Vertrauens Steckbriefe auch heute noch feine Rolle spielen und die Verhaftungsmann der Realtionäre nidyt nur in Bayern! Er fann trotz aller befehle, die gegen ihn erlassen sind, wandern wahrscheinlich an manchen Orten noch immer denselben Weg, den einst die Auflösungsbefehle bei den damaligen Militärbehörden und bei seiner eigenen Brigade gewandert sind. In Bayern wird dieser Ehrhardt ceduldet, damit er die Motpolizei" gegen Thüringen organifiert und gelegentlich mit dem großen Patrioten Ludendorff- Lindström fich über Offiziersehre" und desgleichen unterhalten form. Dinterei in Bayern. Die Menchelmörder klagen über Menchelmord. Die Frattion Ludendorff- Craefe ist blaß vor Neid. Sie glaubte bisher das alleinige Recht zur politischen Blamage zu haben. Ned dem aber die Deutschnationalen ihnen hierin den Rang abgelaufen haben, müssen sie sich bemühen, das verlorene Terrain wiederzu gewinnen. Sie perfudhen das auf drollige Weise. Ihr Blutversündigungs- Dinter hat in Thüringen abgemiri. schaftet. Er mußte fogar, ehe er den Staatsbonfpräsidenten- aur Strecke brachte. felbst den Vorsig in der Fraktion des thüringischen Landtages niederlegen, und zwar, wie damals verlautete, infolge besonderer Einwirkung Ludendorffs. Dinter verschwand darauf, geht der Ehrgeiz, Besonderes zu schaffen und zu gestalten, in allem, was temperamentvolle Sache ist, so töftlichen Weg, daß man Kleiber langfam lieb gewinnt. Aravantinos hat die aften, entsetzlichen Birchan Deto rationen verdrängt, hoffentlich für immer. Sein Wald hat natüttide Luft und Beden uft, das Zimmer im Forsthaus ist warm, an heimeind, menn auch zu üppig, das Brautzimmer aus Farben und einfachen Mobilar heraus jubelnd sauber, die Wolfsschlucht hell genug um Menschen und Phantasiegetier erkennen zu lassen, bunkel genug, um Schauer zu erwecken. An den Himmelsbewegungen und am Wasserfall stimmte manches nicht, von peilchenblauer Seide jab man an dem Brautgebänder vor allen anderen Farben nichts. Die geisterhaft huschende Lemure wirfte gut, der Samiel des Herrn Shred aber ist fein Kinderschred, sondern ein böser hysterijer Freier. Und noch eins: Freischütz" ist nicht„ Euryanthe" und nicht Musikdrama. Das Spiel soll 2½ und nicht 3% Stunden dauern. Kurt Singer. Ueber eine epochemachende Neuerung in der Seetabellelegraphie hat auf der Naturforscherversammlung in Innsbrud Prof. D. Wagner- Berlin, Präsident des Telegraphentechnijden Reichsamts, berichtet. Bisher fonnte man auf den langen Transgeantabeln nur recht langsam telegraphieren; auf den Stabeln awi fchen Europa und Nordamerika werden z. B. in einer Minute nur 180 Buchstaben, auf manchen Kabeln im Pazifischen Ozean jogac noch unter 100 Buchstaben befördert. Prof. Wagner und feinen Mitarbeitern ist es gelungen, die Telegraphiergeschwindigkeit auf 1000-1200 Buchstaben pro Minute zu steigern. Die technischen mittel, mit denen dies erreicht wird bestehen in einem neuen Kabeltyp mit erhöhter Selbstinduktion sowie neuen Apparaten und Schaltungen zum Schnellfenden und Schnellempfang unter Ver mendung von Hochvotuumverstärkern. Wie mir hören, werden die von der Deutsch- Atlantischen Telegraphengesellschaft geplanten Ratel verbindungen von Deutschland nach Nordamerika und anderen Ländern nach dem neuen System hergestellt werden. in Zeiten übermäßig guter Kaffee- Ernten einen Teil der Ernte in das Spetulation in Briefmarken. Daß die brasilianische Regierung meer warf, um auf diese Art das Angebot zu verringern, den Preis scheinungen dürfte es indeß gehören, daß diefe Methode auch auf alfo zu steigern bzw. zu halten, ist bekannt. Zu den felteneren Erdem Gebiete des Bostwertzeichenmarties Nachahmung findet. So hat in jüngster Zeit die amerikanische Regio= rung zwei Drittel der Marken, die aus Anlaß der Dreihundert lassen. Der Grund dieser Markenvernichtung tann nur dahin erjahrfeier der Infe! St. Kitts Nevis erschienen sind, verbrennen fiärt werden, daß hierdurch die Marten seltener, ihr Wert also erhöht werden soll. Ueber Segualpsychologisches zu Tollers Hintemann" fbricht am 24. abends 8 Uhr Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld im Ernst aedel- Saal, In den Belten 9a. Leni Riefenstahl hat sich einer nieoperation unterziehen und alle für diesen Herbst angekündigten Zanzabende absagen müssen. um jetzt wieder von sich reden zu machen. Das„ Deutsche Tageblatt" bringt eine eigene Meldung aus München, wonach Dinter ,, an Bergiftungserscheinungen nicht unbedenklich erkrankt" sei und daß ihm das unbekannte Gift nach Lage der Dinge nur durch jüdische Kreise" beigebracht worden sein könne. 27 = Schläft die Verkehrspolizei? Zusammenstoß zwischen Straßenbahnwagen und Güterzug.- Zwei Zwei Tote. nach zu einer Revision der Unfallverhütungspor fchriften führen, denn Uebergänge, wie sie am Nonnendamm vorhanden sind, bestehen etwa an 20 Stellen in Groß- Berlin. Ganz abgesehen davon sind aber die Sicherungseinrichtungen, namentlich bei den privaten Kleinbahnen, lange nicht so durchgebildet, wie es zu wünschen wäre und nach dem Kriege hat bedauerlicher. meise eine Sorglosigkeit Blaz gegriffen, die in letzter Zeit zu zahlreichen Zusammenstößen mit Automobilen und Pferdefuhrwerfen geführt hat, bei denen fast immer Tote und Schwerverlegte zu be= flagen waren. Es sei an dieser Stelle übrigens an das schwere Unglüd erinnert, das sich im Herzen Berlins, am Hafenplaz abspielte, Eisenbahnzug ebenfalls mehrere Fahrgäste ums Leben kamen. wo bei einem Zusammenstoß zwischen einem Straßen- und einem Die Münchener Bölfischen wollten den„ Giftmord" sofort prattisch ausnutzen. Sie beabsichtigten am Sonntag ein Flugblatt zu In den fortlaufenden Serien der letzten Berliner Verkehrsunfälle verbreiten mit„ Enthüllungen" über den Giftanschlag" auf Dinter. Spielt ein Zusammenstoß zwischen einem Güterzuge und einem Aber die Münchener Polizei hat die Verbreitung selbstverständ- Straßenbahnwagen der Linie 55, der sich gestern abend Lich auf Betreiben einflußreicher jüdischer Kreise" verhindert. gegen 8 Uhr in nächster Nähe Spandaus zugetragen hat, eine Darüber ist nun das Wulleblatt derartig in Tränen aufgelöst, daß traurige Rolle. gegen 8 Uhr in nächster Nähe Spandaus zugetragen hat, eine er dieses Sermon aus eigenem den Schauermeldungen anfügt: Mutlos möchte mon die Feder niederlegen und auf jedes Wort eines Kommentars verzichten, statt deffen aber es hinausschreien, schreien, daß die ganze deutsche Welt es hört: Du, deut scher Bruder, fie meucheln einen deutschen Kämp fer! Suchen ihn zu vergiften wie einen räubigen Hund. Sie wollen auf diese Weise einen Mund auf ewig fchließen, deffen fenntnisreiche Beredsamkeit ihnen seit Jahren die Masten herunterriß und ihr innerstes Wesen enthüllte. Und während dies Entfehliche geschieht, gibt es in Deutsch land andere, die es darauf anlegen, einen Hitler, auch einen Kämpfer, dessen freie Wirkungsmöglichkeit sie zitternd er warten, hinter Kerfermauern zu begraben. Ein politischer Giftmordversuch wird in Deutschland am Herzen europäischer Zivilisation" im 20. Jahrhundert verübt. Schreit nicht die ganze Deffentlichkeit auf? Arbeitet nicht jeder fieberhaft daran, die letzten Fäden, die eine solche Möglich jeder fieberhaft daran, die letzten Fäden, die eine solche Möglich feit verknüpften, zu entwirren? Im Gegenteil! Man beschlagnahmt aufflärende Schriften eines läppifchen formalen Grundes megen. Man beschwichtigt". Man hat ja ganz andere Gorgen. Besonders in München!" Schrecklich! Schrecklich! Was da nicht alles geschehen fann in diesem München des Bürgerbräus, des Kahr und Ludendorff! Der „ Mund mit der kenntnisreichen Beredsamkeit" foll auf ewig geschloffen werden, durch jüdisches Gift? Wo bleibt der Hammer- Fritsch, daß er mit seinem RitualmordBettelfasten endlich die nötige Aufklärung verbreitet? Wo bleibt der Zwischen den Bahnhöfen Spandau Stadt( Hauptbahnhof) und dem alten Ruhlebener Auswandererbahnhof führt von der Hauptstrede eine Nebenlinie ab, die zuerst das Gebiet der Deutschen Werte durchquert, dann über die Spree fegt, jenseits nodymals ein Gebiet der Deutschen Werke streift und sodann im Straßen Berliner Chaussee freuzt, um dann weiter und nochmals einen Teil niveau die Berlin mit Spandau verbindende Hauptverkehrsader, die der Deutschen Werke zu verbinden. An der genannten Stelle, der Berliner Chaussee, wo diese Berbindungsbahn die Straßenbahnlinie treuzt, hat sich das Unglück abgespielt. Die Eisenbahnzüge werden wegen der Gefährlichkeit dieser Kreuzung durch weitgehende Bestimmungen veranlaßt, auf den Straßen- und den Straßenbahnverkehr Rücksicht zu nehmen. Die 3üge müssen außerordentlich langsam fahren, vor dem Zuge muß ein Mann mit einer Glocke gehen und nachts ein Mann mit einer Laterne. Der Allen Straßenbahnführern ise diese gefährliche Stelle bekannt, ebenso Eisenbahnzug hat vor dem Straßenbahnzug das Vorfahrtsrecht. sind oder müssen ihnen die Vorschriften bekannt sein. Um den Um den Straßenbahnwagen soweit wie möglich zu schüßen, befindet sich vor und hinter der Kreuzung mit der Eisenbahn eine Haltestelle. Ein Wagen der Linie 55 fam aus der Gartenfelder Straße und wollte nach Spandau fahren, und überfreuzte in schneller Fahrt die Eisenbahngleife. In demselben Augenblid tam von der Richtung Nonnendamm ein Güterzug. Dem Lokomotivführer gelang es nicht mehr, den Zug zum Halten zu bringen; während der Triebwagen der Elektrischen dem furchtbaren Unheil noch entrinnen konnte, wurde der Anhänger von der Lokomotive erfaßt, die dem Wagen den ganzen Hinterperron abriß. Drei auf dem Hinterperron befindliche * Berlin haben wir an dieser Stelle auf die Gefahren hingewiesen, Kurz nach dem Eisenbahnunglück am Potsdamer Bahnhof in die den Berliner bedrohen, wenn er die sogenannten großstädtifchen Verkehrsmittel benutzt. Es handelt sich erstens um das Ringbahngelände westlich vom Bahnhof Charlottenburg, auf dem ein Unglück unausbleiblich scheint, wenn die EisenbahnSicherheit der Reisenden sorgt. Zweitens haben wir auf die undirektion nicht endlich durch Untertunnelung oder anderswie für die glaubliche Sparsamkeitsmaßnahme der Untergrundbahn aufmerksam gemacht, die auf der Strecke Fehrbelliner Blah- Thielpiatz die Züge ohne Zugbegleiter verkehren läßt. Zuweilen tann man beobachten, wie der Fahrer während der Fahrt die Tür seines engen, schlechtdurchlüfteten Führerstandes öffnet, um feiner Ermattung Herr zu werden. Die zahlreichen Reisenden des Zuges sind einem einzigen Menschen auf Gedeih und Berberb preisgegeben. Drittens wurden von der Straßenbahn Vorkehrungen verlangt, um das Fallen von Personen zwischen Trieb- und Anhängeallgewaltige Botan, daß er solche Sünde wider das völkische Blut Bersonen wurden herausgeschleudert. Eine Frau und ein Rangierer, wagen zu verhindern. Bor furzem hat der Strafprozeß mit allen Strafen altgermanischer Heilslehre bestrafe? Wirklich: Man möchte schreien! schreien! schreien! Aber es hilft affes nichts! Die Völkischen können die Blamage der Deutschnationalen trog allem nicht mehr einholen. Auch wenn die berufsmäßigen Weuchelmörder einen Meuchelmord" zu Reflamezweden erfinden! Republikaner unerwünscht. Monarchistische Gefallenenehrung in Prenzlan. Bom Gauvorstand Brandenburg des Reichsbanners SchwarzRot- Gold wird uns gefchrieben: In Prenzlau wurde am 21. September in Awesenheit des chemaligen Regimentskommandeurs, der Kriegervereine und Regimentsverel te sowie eines Traditionsfommandos der Reichswehr unter den Farben Schwarz- Weiß- Rot Das von Profeffor Klimsch geschoffene Denfmal für die Gefallenen der Regimenter enthüllt. Die im Reichsbanner Schwarz- Rot- Bold organisierten republikanischen Kriegsteilnehmer ibaren zu dieser Feier nicht zugelassen, und veranstalteten baher unter proßem Zulauf der Bevölkerung am Nachmittag eine furze und würdige Gedenffeier, bei der Schriftsteller Nomad der von der Lokomotive fiel, wurden getötet, einer Frau Ammann aus Spandau wurden beide Beine abgefahren und ein Arbeiter Franz Adrezchewski erfitt schwere Rippen. quetschungen und einen Nervenfchock. Bisherige Feitstellungen deuten auf ein Berfchulden des Straßenbahnführers hin, doch stehen die Ergebnisse der Untersuchung noch aus. Es gewinnt aber auch den Anschein, als ob an der verhängnis vollen Stelle die in den letzten Wochen für Groß- Berlin unausgefeht bemängelte schlechte Straßenbeleuchtung eine Rolle gespielt hat. Die Spandauer Feuerwehr brachte die erste Hilfe und führte die Berletzten in das Spandauer Krankenhaus. Die getötete Frau ist festgestellt als Frau Auguste Schröder, wohnhaft in Spandau, Scharfelanke 3, der 15jährige Junge als Gerhard Klebs in Spandau, Negerstr. 14, wohnhaft, leichte Kopfverletzung. Die Untersuchung, die heute vormittag an der Unfallstelle begonnen hat, und an der Bertreter der Reichsbahndirektion Berlin, der Straßenbahndirektion, der Staatsanwaltschaft und der Polizei teilnahmen, soll vor allem feststellen, ob den Lokomotivführer des Güterzuges oder den Straßenbahnführer die Schuld trifft, oder ob nicht alle beide der Lokomotivführer des Güberzuges fein Warnungssignal gegeben, es hat auch fein Eisenbahnbeamter die Streden gesichert. Böllig ungeflärt aber ist noch die Frage, ob der Straßenbahnbeamte die Zwangshaltestelle refpetiert und fich orientiert hat, ob er weiter. fahren könne oder nicht Diese Feststellungen dürften aller Boraussicht te Gebenfrede hielt. Außerdem sprach herzliche Worte der gefehlt haben. Soweit aus Zeugenausfagen bisher hervorgeht, hat fatholische Pfarrer ionfa. Pfarrer Rionfa hatte such am Vormittag in der Veranstaltung der nationalen Berbände gesprochen, hatte aber hier dos Wort nur ergriffen unter Betonung, daß es unglaublich fei, daß man die Republikaner von Dieser Beranstaltung ausschliehe, und daß er es daher für seine ficht halte, auch bei der Veranstaltung der Republikaner zu prechen. Das mutice Cintreten des Geistlichen hat Anerkennung weit über die Kreise des Reichsbanners hinaus gefunden. Soweit die Zuschrist. Wir richten an den Reichswehrminister die Anfrage, was auf der Beranstaltung der Prenzlauer Monarchisten das Traditionskommando der Reichswehr folite, da doch die Republifoner von der Beranstaltung ausdrücklich aus geschlossen waren? Was gedenkt des Reichswehrministerium zu fun, um in 3ufunft den Mißbrauch der Reichswehr bei rein monarchistischen Stundgebungen zu verhüten? * In Bordamm bei Drielen forb am legten Sonntag unter ungeheurer Beteiligung der gesamten Bevölkerung die Sahnenweihe der dortigen Ortsgruppe des Reichsbanners Gwarz Rot- Gold flatt. Nationalistik- militaristischer Rummel. Der Friedrichshagener Mord. Bisher noch feine Aufklärung. Wie wir mitteilten, war es der Mordkommission gelungen, die Tode zu identifizieren. Es ist die 32 Jahre( nicht 23 Jahre) alte Arbeiterin Frau Rlara Ulored) geb. Wilte. Zulcht war fie bei einer Bekannten in der Sedanstr. 96 gewefen Diefe fannte fie von ihrer früheren Arbeitsstelle in der AEG. her. Am Donnerstag, den 11. September, war sie hier fortgegangen. Noch in der späten Nacht fuchten die Beamten der Mordkommission nach Zeugen, die über den Berbleib von Frau Ulbrech von dieser Zeit an Auskunft geben fonnten. wegen des Wannseebahnunglüds gegen den Stellwerfsbeamten ein für die verantwortlichen Stellen wenig rühmliches Ende gefunden. Das Gericht hat gegen ihn offenbar Milde walten laffen, weil die höheren Beamten, gegen die man strafrechtlich nicht vorgehen fonnte, nicht ganz einwandfrei aus dem Prozeß hervor gingen. Bor furzem ist am Kurfürstendamm ein Student von einem Anhänger der Elektrischen überfahren und getötet worden. der zwischen Trieb- und Beimagen gefallen war. Ferner haben 5 Personen bei einem Straßenbahnzusammenstoß schwere Verlegungen erlitten. In diesem Fall beeilte sich die Direktion zu versichern, daß die Bremsen tadellos funktioniert hätten. Die Direktion meint, wenn der Fahrer langsamer gebremst hätte, wäre der 3usammenprall nicht geschehen. Sie verschweigt aber, daß sie die zufammenprall nicht geschehen. Sie verschweigt aber, daß sie die zuverlässigen Luftdruckbremsen allmählich durch die cleftrischen Magnetbremien hat ersehen lassen. Hätte der Unglüdswagen eine Luftdrudbremse gehabt, so wäre das Unglüd wahrscheinlich nicht passiert. Sollte es der Direktion nicht bekannt sein, fo leilen mir ihr hiermit folgendes mit: Eine Bremse ist nicht dazu da, daß fie gegen Die Räder fnallt, sondern daß sie den Magen zum Halten bringt. Der Bericht der Direktion stellt nur unter Beweis, daß die Bremsflötze gegen die Räder geschlagen sind, und bleibt ten Bemeis schuldig, ob eine andere Bremse unber gleichen Umständen den Unfall perhütet hätte. Wir verlangen Starheit darüber, ob sich die maßgebenden Stellen nicht endlich um die Sicherheit der Menschen fümmern wollen, die sich den Berliner Berkehrsmitteln anvertrauen. Wagen lizende Dame schmere innere Berlegungen, außerdem haben diese beiden Berfonen Schnittmunden davongetragen. Das fofort be. nachrichtigte lleberfallfommando verhaftete den Chauffeur und feine Begleiterin. Das überfahrene junge Mädchen namens Elli Pfotenhauer aus Nordhausen ist seinen Berletzungen erlegen. * Heute morgen ereignete fich ferner an der Ede ber Dreibund ein Busammenstoß und Muffehlstraße in Neu- Tempelhof zweier Automobile, bei dem der eine Bogen über den etre 9 meter breiten Bürgersteig hinweg in das Schaufenster einer Feinfofthandlung geschleudert wurde. Seit der Sperrung der Bellealliancestraße, in der an der Untergrundbahn gearbeitet wird, wird der gesamte Vertehr von und nach Tempelhof durch die enge Lichter. felder Straße geleitet, so daß Unfälle mie der oben geschilberte bicz nicht unerwartet tommen. Großfener in Tegelors. Heute nacht gegen 3% Uhr brach aus noch nicht geftarier Ure fache in der Bootswerft hochmeister in Tenelort, NoonStraße 16, Großfeuer aus. Als die Feuerwehr von Tegel an ber Brandstelle erschien, stand das ganze Gebäude in der gesamten Ausbehnung in hellen Flammen. Es wurde fofort die Meldung Großfeuer" weitergegeben, worauf die Züge der Werffeuerwehr von Borsig, Tegefort, Wittenau und Heiligensee unter Leitung des Baurats Hammer zur Brandstelle eiften. Das Borgehen der Behren wurde durch starte Qualmentwidlung sehr erschwert; es mußten Rauchschugapparate verwandt werden. Aus zwei B= und drei C- Rohren murde fast 2% Stunden lang Wasser gegeben, und erst nach dieser Zeit gelang es, die Macht des Feuers zu brechen. Die ganze Werft ist ein Raub der Flammen geworden. Unter der Leitung der Bauräte Tamm und Leppe fanden die Aufräumungsarbeiten statt, die sich bis in die Vormittagsstunden hinein hinzogen. Der Schaden ist beträchtlich. Zuerst wurde ihr Ehemann, der 33 Jahre alte Robert Ulbrech, herbe geholt. Bei der Bernehmung stellte er feiner Frau fein gutes Zeugnis aus. Er behauptet, sie habe nicht gearbeitet und nur Sinn für Zigarettenrauchen und den Rintopp" gehabt, und gibt zu, daß es besmegen oft zu Streitigkeiten zwischen ihnen gekommen ist und er fie auch oft geschlagen habe. Die Ermittlungen der Mordfemm fion ergaben weiter, daß die Frau des öfteren auch in der Marienburger Straße, in dem Hause, auf deffen Hof die Photographie aufgenommen wurde, Unterfunft gefunden hat. Auf ihren Fahrten nach Landarbeit hat fie 3 u meilen auch im Freien genach. tigt und hier in Berlin ab und an in der Fröbelstraße. Es ist wohl arzunehmen, daß fie aus Furcht vor ihrem Manne wieder auf Landarbeit gehen wollte. Der Zustand, in dem der Junge am Sonntag aufgefunden wurde, spricht dafür, daß er in den legten Tagen feine rechte Pflege gehabt hot. Das fast fünfjährige Kind ist außergewöhnlich ein und schwächlich, es ist das typische blaffe, unterernährte Großstadtfind. Den Aussagen des Mannes, der sich so wenig günstig über seine Frau äußerte, stehen die Befundungen anderer Zeugen gegenüber, die übereinstimmend Frau Ulbrech als eine Person schildern, die stets fleißig gearbeitet hat und immer bestrebt war, sich und ihr Kind anständig zu ernähren. Wichtig ist es nun für die weiteren Ermittelungen, festzustellen, wo der Pappfarton mit feinen gesamten Sachen geblieben ist. Es soll ein mittelgroßer bläulicher Karton sein plak. Die Ausstellung beginnt um 6 Uhr, um 18 Uhr finden Vorführung und es ist nicht ausgeschlossen, daß Frau Ulbrech ihn vielleicht irgendwo untergestellt oder in Verwahrung gegeben hat. Alle diesbezüglichen Mitteilungen, auch über den weiteren Aufenthalt der Frau llibrech seit dem Freitag nimmt die Mordkommiffion, Kriminal fommiffare Gennat- Wächter, im Zimmer 105 im Polizeipräsidium entgegen. Parteiische Polizei in Bremen. Bremen, 22. September.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonn abend und Sonntag fand in Bremen ein Regiments appell des ehemaligen Infanterieregiments 75 statt, der von den Rechts. organisationen zu einem großen schwarzweißroten Rummel ausgestaltet wurde. Die Reichswehr beteiligte fich offiziell an fämtlichen Rundgebungen und veranstaltete am Abend einen Fadelzug zum Kriegerdenkmal. Der Mittelpunkt des Rummels war ein Feldgottesdienst im Bremer Bürgerpart, bei dem zwei Pastoren einem neuen Kriege das Wort rebeten, die Friedensfreunde verhöhnten und die Nachkriegsverhältnisse in Deutschland in völkischer Weise beschimpften. Anschließend hieran fand por dem General a. D. von Quast und in Gegenwart von Regierungsvertretern eine militärische Parade statt, an deren Spitze die Reichswehr mit ihrer Regimentsfapelle marschierte. Ihr folgten verschiedene Kriegervereine mit ihren Fahnen, uniformierte Stahlhelme, Jungdokorps mit ihren Standarten, Hitler- Garden mit Hafenkreuzfahnen und armbinden, Reitervereine zu Pferde und zahlreiche Offiziere aller Waffengattungen in Kriegs- und Friedens uniformen mit Orden und Monofeln. Der Umzug bewegte sich durch die Hauptverkehrsstraßen der Stadt und löfte sich auf dem Kasernenhof auf, wohin auch die Stahlhelmler und Hakenkreuzler folgten. Unter den mitgeführten Fahnen befand sich selbstverständlich keine Tod durch einen wilden Autofahrer. einzige Reichsfahne, dafür um so mehr schwarzweißrote, weldy lettere neben der Bremer Flagge auch nur in der Stadt zu In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr ereignete sich in fehen waren. Abgesehen davon, daß bei dem Umzug mehrere zu- Chauffeurs ein schweres Automobilunglück, bei dem eine Person Wilmersdorf durch das wahnsinnige Fahren eines wilden schauende Personen, die die Republik hochleben ließen, mit Bolizei- getötet und mehrere verlegt wurden. Das einem Direktor Karl gummiknüppeln verprügelt und festgenommen wurden, hat sich kein Surte gehörende Automobil IA 22 367 überfuhr an der Ecke Hohen 3wischenfall ereignet. Die Antitriegskundgebung der zollerndamm und Cuno- Straße in Wilmersdorf ein noch unbe. Gewerkschaften und der Partei, die auf einem öffentlichen fanntes, etwa 20jähriges Mädchen und schleifte es etwa Blaze stattfinden sollte, wurde von der Polizei in letzter Stunde perboten, weil die Kommunisten bewaffnete Störungsversuche beschloffen hatten. Diese Tatsache ist fennzeichend für den Geist der Bremer Polizei, die den Regiments appell schütte, die Friedens fundgebung aber nicht sichern wollte. Gleichzeitig beweist der Vorfall, daß die Knüppeltommunisten der Reaktion aufs trefflichste in die hand arbeiten. Die sozialistische Frattion der Bürgerschaft in Bremen wird wegen dieser Verbote und der partelischen Behandlung der nationalistischen und republikanischen Beranstaltungen den Senat interpellieren. 15 Meter mit. Der Chauffeur kümmerte sich nicht um die Verletzte, ferdern fuhr in rasendem Tempo den Hohenzollerndamm entiang und bog dann in die Mannheimer Straße ein. Um sich der Fest stellung durch die Flucht zu entziehen, schaltete der Chauffeur die ges samten Lichter aus. In der schnellen Fahrt fuhr der Chauffeur noch wei weitere Berfonen an, die mit erheblichen Berlegungen durch die Mannheimer Straße fonnte der Chauffeur an der Ecke der pen Straßenpaffanten aufgefunden wurden. Bei der Fahrt Hindenburg- Straße in der Dunkelheit nicht genau den Weg erkennen und fuhr über den Bürgersteig in das Wasser des Wilmers. dorfer Stadtparks. Hierbei erlitt der Chauffeur sowie die im Kleiderschau der Werkfreude" 6. m. b. H., Berlin W 35, Magdeburger Straße 7, am Mittwoch, den 24. d. M. im Schiller Lyzeum am Brunnen und Vortrag statt. Parteinachrichten infendungen für diese Nubrit find Berlin W. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Heute, Dienstag, den 23. September: 122. Abt. Biesdorf. 8 Uhr Werbe- Mitgliederversammlung, Lolal Borath, Marzahner Str. 31. Thema:„ Die Gozialdemokratie in Kampfstellung". Referent: Gen. Karl Litte. Sunsfozialisten. Gruppe Tempelhof. Die Beranstaltung für heute, Dienstag, fällt aus. Jugendveranstaltungen. sondern morgen, Mittwoch Abend, 8 Uhr, ftatt und zwar in der Aula Gotenburgtraße 2, nicht, wie bisher angegeben wurde, Aula Schillerlyzeum. Nur Untoftenbeitrag. Die Genoifin Deftretch spricht über:„ Lebensform Neue Wege Werbebezirk Wedding. Der Bortragsabend des Rreifes findet nicht heute, Neue Gesellschaft". Die mit der Beranstaltung verbundene Ausstellung der Wertfreunde" fann bereits von 6 Uhr ab besichtigt werden. Besucht den Abend geschlossen. Alle Mitglieder der Kreisabteilungen müssen erscheinen. Wetter für morgen. Wetter für Berlin und Umgegend. Ziemlich fühl, wechselnd bewölkt mit leichten Regenschauern und frischen westlichen Winden. Für Deutschland. Im größeren Teile Deutschlands unbeständiges Wetter mit Stegenschauern. Nur im Süden und Schlesien meist trocken; überall fühl Gewerkschaftsbewegung Die Berliner Gewerkschaftsschule. aufgenommen werden fönnen, bie nur besondere Spezialfragen bewaltung den polnischen Bergarbeitern im Ruhrgebiet die Weberarbeiten wollen und in eine Oberstufe mit je einem voltswirtschaftlichen, arbeitsrechtlichen und kulturpolitischen Seminar, die jeweils nur eine Auslese vorgebildeter und befähigter Schüler bis zur exakten wissenschaftlichen Durch bildung fördern sollen. Die Inflationsmonate im vorigen Jahre und die darauf folgende were Arise am Anfang dieses Jahres hatten die beiden gewert Soweit die lehrplanmäßigen Kurse. Außerdem aber werden für haftlichen Bildungseinrichtungen Berlins, die Freigewerkschaftliche die Funktionäre und Mitglieder einzelner Verbände oder der GewerkBetriebsräteschule und die Gewerkschaftsschule, in schwere Bedräng schafts- Unterkommissionen auf Antrag derselben bestimmte Sondernis gebracht. Die Zahl der Schüler der Betriebsräteschule verfurje eingerichtet, die im wesentlichen dazu dienen sollen, Unterlagen, tingerte sich in diesen Monaten wesentlich, obwohl die gewerkschaft Renntnisse und Fähigkeiten für die fommende Agitations- und Auflichen Spizenförperschaften und die Ortsverwaltungen sich alle Mühe klärungsperiode der Gewerkschaften zu verbreiten. Eine ganze Reihe gegeben haben, das Interesse an der Schule wachzuhalten. Nicht örtlicher Organisationen Berlins, z. B. die der Bekleidungsarbeiter, beffer erging es der Gewerkschaftsschule, deren Lehrgänge für die graphischen Hilfsarbeiter, Fleischer, Zimmerer, der Bankbeamten, der Gewerffchaftsbeamten und den jugendlichen Nachwuchs berechnet Techniker usw. haben derartige Kurse schon eingerichtet bzw. bei der waren. Die Arbeitskraft der Gewerkschaftsangestellten wurde völlig Schulleitung beantragt, um dadurch die Werbetrast ihres Funktionär von der Tarifmashine absorbiert. Die Jugendlichen aber logen förpers zu erhöhen und auszugestalten. mochen und monatelang arbeitslos auf dem Pflaster der Großstadt. Wenn auch längst noch nicht alle Folgen der Inflationsperiode überwunden sind und wenn auch noch heute Nct und Elend in weiten Arbeiterkreisen herrscht, so haben sich doch inzwischen die Berhältnisse soweit geflärt, daß man überall daran geht, die Schäden dieser Zeit wieder auszubeffern. Die Gewerkschaftsbewegung wird zwar noch geraume Zeit brauchen, um einigermaßen wieder den Stand vor der Inflationsperiode zu erreichen, doch schon jetzt müffen wieder alle Zweige der gewerkschaftlichen Tätigkeit in Ordnung geworden, die der Berliner Gewerkschaftsbildung einen neuen Impuls bracht und den neuen Berhältnissen angepaßt werden. Eine der ersten Aufgaben ist dabei die Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. Die beiden Spigenförperschaften Berlins. Die Berliner Gewerkschafts. tommission und das Ortsfartell Berlin des Aligemeinen freien Angestelltensundes, haben deshalb die beiden bisher getrennt arbeitenden Schulen zu einer einheitlichen Schule verfchmolzen und deren Förderung allen angeschlossenen Angestellten und Arbeiter verbänden zur Pflicht gemacht -Die Arbeit der neuen Gewerkschaftsschule wird in Zukunft von folgenden dret Gesichtspunkten bestimmt werden: Sie soll wie bisher die Betriebsräteschule die Betriebsräte, als die wich tigsten Betriebsfunktionäre der Gewertschaften, mit allen für ihre Aufgaben notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten versehen und femit ihrerseits dazu beitragen, dem Betriebsrätewesen wieder feine alte Bedeutung zu verleihen. Darüber hinaus soll sie aber auch alle anderen Funktionäre der Gewerkschaften, beamtete und nicht beamtete, erfaffen und auch sie für ihre besonderen Aufgaben innerhalb der Bewegung schulen und vorbereiten. Gewerkschaftsschule soll aber mehr fein als lediglich eine Bildungseinrichtung für die Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte. Sie foli alle emporfirebenden Mitglieder der Gewerkschaften fördern und ein geistiges Zentrum für alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten darstellen. Die Der Zentralverband der Angestellten veranstaltet darüber hinausgehend durch die Gewerkschaftsschule für seine Mitglieder, gesondert nach Fachgruppen, noch eine Reihe von Kursen, die die besonderen technischen, wirtschaftlichen und sozialen Berhält nisse bestimmter Industrien und Berufszweige behandeln sollen, die aber auch zugleich in gewiffem Sinne als fachliche Fortbildungskurse anzusehen sind. Es sind also ziemlich umfangreiche Vorbereitungen getroffen geben werden und durch die sie großzügiger und weit. gehender als bisher ausgebaut wird. Nach den bisherigen Anfäßen ist anzunehmen, daß es nicht nur bei den hier beschriebenen Borbereitungen und Plänen bleiben wird, sondern daß im kommen. Borbereitungen und Plänen bleiben wird, sondern daß im kommenden Herbst ein großer Aufschwung der Bildungsarbeit zu erwarten ist. Die Angestellten und Arbeiter Berlins werden zeigen, wieweit sie die Idee ihrer Fortbildung und ihres geistigen Aufstiegs begriffen haben. Nur ein geistig bewegliches, seinen hohen ökonomischen und politischen Zieken entsprechend hoch gebildetes Proletariat mit eigenem fulturellen Leben wird imftande sein, den Einfluß auf die Gesellschaft auszuüben, der ihm aus seiner Rolle im Wirtschaftsprozeß zukommt. Die Arbeitszeit in der Metallindustrie. Der Manteltarifvertrag in der Metallindu= strie Groß- Berlins läuft Anfang Oftober ab. Eine Funktionär fonferenz stimmte gestern abend einem Vorsching der Organisations vertreter des Metallfartells zu, arundfählich am Mantelvertrag festzuhalten. Bei den bevorstehenden Berhandlungen mit dem Werband Berliner Metallindustrieller soll aber die Forderung nach einer Wenderung der Arbeitszeitbestimmungen vertreten werden. Seitdem diese Bestimmungen nach der Aussperrung im Januar d. I. in den Vertrag aufgenommen worden sind, hat fich herausgestellt, daß ein großer Teil der Betriebe teine Verlängerung der Arbeitszeit vorgenommen hat. Die wirtschaftliche Bage mährend der ganzen Zeit war so, daß auch in Zukunft für die Beibehaltung der Ueberarbeitszeitbestimmungen nicht die geDer Lehrplan ist diesen Zweden untergeordnet worden. Da bei wurde jedoch vermieden, ihn etwa entsprechend den genannten Gesichtspuntien in drei voneinander unabhängige Spezial- ringste Veranlassung vorliegt. tehrpläne cufzuteilen. Dadurch würde der Schule ein zu enger, fachSchulähnlicher Charafter gegeben, der unter allen Umständen vers mieden werden muß. Eine solche Fachbildung würde der Erziehung einer Funktionär- und Beamten hierarchie Borschub leisten, für sie in einer Gewerkschaftsbewegung fein Plah ist. Außerdem muß jeder Gewerkschafter die Probleme seiner Bewegung und damit die sozialen Fragen überhaupt möglichst umfassend beherrschen. Der Betriebsrat oder der Vertrouensmann von heute kann der Gewer? schaftsführer von morgen sein, die Ausbildung des Gewerkschafters muß deshalb mehr sein als nur" Fachbildung". Der Berliner Gewerkschaftsschule liegt also ein einheitlicher Lehrplan zugrunde, der nach Wissensgebieten gegliedert ist. Seine Anordnung läßt leicht erkennen, welche Kurse für Betriebsräte und welche für andere Funktionärfategorien die zweckmäßigften find. Engstirnige Fachbildung ist schädlich, ebenso verderblich ist aber ein planlojes Umbertonzen auf mehreren, nicht verwandten Wissens- und Arbeitsgebieten. Diesen Fehlern wird durch eine jorgjame Lehrberatung in den Lehrberatungssprechstun. den entgegenzumir len versucht. Hier können alle diejenigen, die ernsthaft und systematisch in wissenschaftlicher Weise ihr volkswirt schaftliches, rechtswissenschaftliches oder gewerkschaftliches bzw. fulturelles Wissen erweitern wollen, sich über die fürzesten und besten Wege ihres Studienganges informieren. Der Hauptteil des Lehrplanes der Gewerkschaftsschule wird eingenommen von ökonomischen und rechtlichen Lehr gängen, die wieder in volfs- und privatwirtschaftliche bzw. in allgemein- rechtswissenschaftliche und arbeitsrechtliche Kurfe unterteilt find. Daneben werden in je einer besonderen Gruppe Spezial. fragen des Gewerkschaftswesens und der Sozial-= politis behandelt. Außerdem find, soweit die genannten Gebiete es erfordern, einige Kurse aus dem Gebiete der Kulturpolitit aufgenommen worden. Die Aufteilung der Hauptgebiete Wirt| schaft und Recht ist so vorgenommen worden, daß jedem Hörer die Möglichkeit eines umfassenden und vor allem systematischen Studiums dargeboten wird. In methodischer Hinsicht gliedert sich die Schule in drei Stufen: Eine Unterstufe, die alle unvorgebildeten Hörer umfaßt, eine Mittelstufe, in beren Verlaufe sich der Schüler bereits für eins der genannien Behrgebiete entscheiden soll, in die aber auch Hörer WALHALLA em Rosenthaler Tor Großer Erfolg 12 internationale Kunstkräfte Anfang 8 Uhr Preise 60 Pi., 1, 1,50, 2 M. usw. Vorverkauf ab 11 Uhr ununterbroche wirksen sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamt- Auflage Besonders des..Vorwärts" und trotzdem außerordentlich billig! Strickwasten u. Jacken 8.75 12.50 17 50, reine Wolle Ueber 500 Stk. v d. kleinsten Kindergr bis zur größten Weite ständig a. Lager Bleyles sämtl. Fabrikate zu Originalpreisen. Bruno Richter& Co., Fabr- Ndige. Thüring. Wollwaren- Bin.- Pankow Mühlenstr. 1, Ecke Breite Str. Linoleum- Rausch Warschauer Straße 6 10 billige Cocos- Tage! Läufer u. Hatten bedeat. herabgesetzt. 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M. fand im Blodwert von Siemens u. Halste die Arbeiterratswahl statt. Bir veröffenlichen im nach folgenden das Ergebnis der Wahl und stellen daneben in Klam mern das Ergebnis der letzten im März d. 3. stattgefundenen Wahl. nistische Lifte 415( 804), die christliche 88( 80), die Hirsch- Dunckersche Liste 72( 0) Stimmen. Die Mandate verbeilen sich folgendermaßen: Die freien Gewerfidyaften 5( 2), bie Kommunisten 5( 9), die Christ. lichen 1( 0), die Hirsch- Dunckerschen 0( 0). Bemerkenswert ist nicht allein der außerordentliche Rückgang der kommunistischen Stimmen and die Zunahme der freigewerkschaftlichen Stimmen. Trogdem 161 Stimmen weniger als bei der Ichten Wahl abgegeben wurden, erhielten die Hirsch- Dunderschen 72 Stimmen, während sie bei der legten Wahl überhaupt nicht hervortraten, und auch die Christlichen haben eine feine Stimmenzunahme zu verzeichnen. Die einst so Ueberradikalen haben sich also wieder zurückgefunden. Die franzöfifchen Gruben werben Arbeiter in Deutschland Paris, 23. September.( Eca.) Die Agence Havas melbet aus Düsseldorf: Nach einem allgemein verbreiteten Gerücht sollen deutsche Bergarbeiter, die von der Micum beschäftigt worden find, von dem Rödner- Ronzern entlassen werde, sobald die Gruben wieder in deutsche Hände übergehen. Um dem vorzubeugen, hat die Micum von der Grube Bittor 60 000 Bergarbeiter(?), in der Mehrzahl Bolen, nach den franzöſiſchen Gruben im Pas de Calais und in Anm. d. Red.: An dieser Meldung scheint uns nur die Zahl der„ verschickten" Bergarbeiter allerdings reichlich übertrieben. Daß die französischen Zechen große Anstrengungen machen, um die eigene Förderung zu heben, ist bekannt. Daß die französische BerMAX WINTER: zeugung beizubringen vermag, die Arbeitsbedingungen in fran3öfifchen Gruben feien erheblich besser als in den deutschen Gruben und die deutschen Zechen entlassen die Bergarbeiter, ist bei den befannten Zuständen im Ruhrgebiet nicht weiter verwunderlich. Die Gewaltpolitit, die die Schwerinduftrie im Ruhrgebiet betreibt, wird fich in turzer Frist bitter rächen. Die Abstimmung in den Gas- und Wafferwerten hot eine erhebliche Mehrheit für den Streit ergeben, die jedoch nicht die nach den Berbandssagungen für einen Streit erforderliche Zahl erreicht. Wir werden auf die Angelegenheit noch zurückkommen. Lohnvereinbarung im Böttchergewerbe. Durch einen Saßfehler ift in unserer heutigen Morgenausgabe das Abkommen des Böttcherverbandes mit der Freien Arbeitgeber- Bereinigung im Böttchergewerbe, das die Löhne für Groß- Berlin, Potsdam und Werder regelt, unter der Ueberschrift Not vereinbarung im Böttchergewerbe" veröffentlicht worden. Um Mißverständnisse zu vermeiden, bittet uns der Verband der Böttcher, mitzuteilen, daß die Vereinbarung in Wirklichkeit den Rotstand, der durch die scharfmacherische Haltung der alten Arbeitgeberorganisation entstanden war, be= seitigt hat. Wirtschaft Die Kräfteverteilung in der Kallindustrie. Die starten Umgruppierungen, die in der deutschen Raliindustrie nach dem Kriege eingetreten sind, finden ihren Ausdrud in den Beteiligungsziffern am Absatz des Ralisynbitats. Diese betragen nach einer neueren, dem letzten Jahrgang des Handbudhes der Rolibergwerfe, Salinen und Tiefbohrunternehmungen ( Finanzverlag G. m. b. 5., Berlin) entnommenen Darstellung: • Beteiligungsziffer in Taufendsteln 59,9124 21,5124 Preußischer Fiefus Anhaltischer Fiskus Interessengemeinschaft Wintershall. Deutsche Kaliwerke. Glidauf 1. Wintershall- Grnppe 2. Gruppe: Bank für Landwirtschaft 3. Deutice Raliwerke. 4. Glückauf Gruppe. Ronnenberg Gruppe Gumpel- Gruppe Salzdetfurth- Gruppe Mansfeldiche Kaliwerte A.-G. Adler- aliwerk- Gruppe Burbach Gruppe. Men Stakfurt Gruppe. Deutsche Solvay- Werke Einigkeit- Gruppe Wilhelm- Sauer- Gruppe Röchling- Gruppe. Rothenfelbe. . • Sonderfabriken, einicht. Vereinigte Chemische Fabriken zu Leopoldshall.. 141,6710 4,8829 131,888 54,5415 47,5589 68,6926 208,5: 04 24,2882 14,2006 88,8794 48,6038 18,3109 30,8212 21,1427 6,6895 1,2095 14.7079 aufammen 1009,0000 Was den Absatz des Kalisynditats angeht, so hat er sich in den legten Monaten sowohl nach dem In- wie nach dem Ausland hin gehoben. Für den Inlandsmarkt wirkte anregend die Kredit attion der Reichsbant, die den Landwirten den Düngemittelbezug wesentlich erleichterte sowie die gewaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Rauftraft; die Roggenpreise sind befanntlich innerhalb weniger Monate von zirka 130 auf über 200 m. je Tonne gestiegen, also um mehr als die Hälfte ihres niedrigs ften Standes was von den Befürwortern der Schutzölle natürlich verfchwiegen wird. Der Absatz nach dem Ausland wurde belebt durch den Abschluß eines Bertrages mit den elsässischen Werten, der den Verkauf von Rali nach den Vereinigten Staaten von Amerita unter Ausschluß gegenseitiger Konkurrenz regelt. Die deutschen Werke erhalten für den Abfah dorthin eine Quote von 62,5, die effäffifchen von 37,5 Proz. Schließlich fam hinzu, daß zwischen dem deutschen Ralifyndikat und einer amerikanischen Bantengruppe ein Krebit. ab tommen über 6 Millionen Dollar abgeschlossen wurde, das den Abfah nach Amerita erleichtert. Alle diese Umstände wirt. ten zusammen, um den Kaliabsatz nach der scharfen Krise, die am Jahresanfang eingetreten war, wieder zu heben. 25 000 Dollar Tanfieme". Unter dieser Ueberschrift brachten wir eine Mitteilung, nach der die Bestdeutschen Raltmerte A.-G. in Köln bei einem Attientapital von 1 375 000 Goldmark ihrem Aufsichtsrat eine Bergütung von 25 000 Dollar zugewendet haben. Diese Angaben sind, wie uns die Firma mitteilt, unrichtig. Die Auffichtsratsvergütung beträgt nur 25 000 Goldmart, das zu fammengelegte Aftienkapital 3 015 000 Goldmart. An den Schlußfolgerungen, die aus unserer Notiz gezogen wurden, ändert dieser Tatbestand wenig. Da der Reingewinn der Gesellschaft nur 4871 Gelbmart betrug, ist eine Aufsichtsratsvergütung von 25 000 Gold mart in einem Geschäftsjahr, in dem die Werte mehr als die Hälfte der Zeit still lagen. immerhin schon eine faitliche Leiftung. Man fieht, es werben nicht nur Steuern aus der Substanz" gezahlt. Berantwortlich für Bolitik: Genst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lotales und Sonstiges: Frig Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. Das Kind und der Sozialismus Gebunden M. 2.80, broschiert M. 1.75 Eine sozialpädagogische Betrachtung Zu haben: Buchh. J. H. W. Dietz Nchf. u. Vorwärts- Ausgabestellen Bären- Stiefel mit Crep- Gummi- Sohlen halten 6 × so lange als beste Kernledersohlen. Bei täglicher Inanspruchnahme gebe ich auf diese Sohlen 1 Jahr Garantic Hans Bähr Spittelmarkt 7( vor d. Brücke) Kommandantenstrasse 87 Fahrräder und Nähmaschinen Auf Teilzahlung Zettha, Berlin Leichtmotorräder Oranienburger Strasse 65 Wanzen 1. Brut sowie Ungeziefer 1. Art.! jed. Late selbst in wenigen Stunden ohne Rifito, Geld- od. Zeitverl. unt. Garantie burd Linksol- Gas radital befeit. ſelbſt ba, wo a. and. Mittel versagt. Warnung v. minderw. u. maritschr. Rajah. Cinffel- Gas m Originalert. ift das Produft jahrelanger praktischer Erfahrungen. Borrätig in Drogerien. Generalverir.: G. unbram, Berlin O., Siflab str. 2.