Nr. 4SH �41. Jahrgang Ausgabe A Nr. 232 Bezugspreis: Wiichemlich 70(Bolbpfennig, monatlich 3,— Doldmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg Goldmark, sür das übrig« Ausland SLV Goldmari pro Monat. Der„Vorwärts' mit der Sonntags- deilage„Volk und geit* mit„Sied- lang und Kleingarten', sowie der Unterhaltungsbeilage„Hcimwelt' und grauenbeilage„Frauenslimme' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adresse:"2 „Sozialdemokrat Berlin' Ulorgenausgnbe f> Vevlinev VolksvlAtt (10 6«wptcnni�) Anzeigenpreise: Die einspaltig« Nonpareille- teile 0.70 Doldmark. Rellamezeil« Doldmark.„»leine Anzeigen' da» fettgedruckte Wort 0.20 Doldmark(zulässig zwei settgedruckte Worte», iedc« weitere Wort ii.lll Doldmark. Stellengesuche da» erste Wort v.lg Eoldmark. jede» weitere Wort O.lß Doldmark. Worte Uber 15 Buchstaben zählen nir zwei Worte. 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Diese Frage ist beinahe überflüssig, denn meine Ansichten haben sich nicht verändert. Sie sind heut: die gleichen, Hie sie waren, als ich mich in der Opposition bcfonli oder als ich zur Re- gierungsmacht gelaugte. Ich habe den tiessien Wunsch, zu der Organisation des Friedens in der well und insbesondere in unserem Europa beizutragen. Dag ist der leitende Gedanke meiner gesamten auswärtigen Politik, vorausgejcht naiürlich, dosi in keinm Augenblick die Sicher- heil Frankreichs, die mir anvertraoi ist. darunter leide oder be- droht werde. Aber dieses Vefriedungsiverk wird utopisch bleiben, solange veuischlond und Frankreich nicht gemeinsam an den Ausgaben der Kultur, sowie an der Besserung des Lose« der Menschen, besonders der leidenden Klassen der Gesellichaft, wirken. Infolgedessen wird die dcnlsch-sranzösische Annähe rung nicht zu erreichen sein, solange diA französische Demokratie nicht als Gegenparlner in Deutschland eine republikanische Mehrheit haben wird, die entschlossen ist, rücksichtslos mit der Vergangenheil zu brechen.„ Es ist nicht meine Ausgabe, mich um die deutsche Innen Politik zu kümmern. Ich Hab« lediglich die Ergebnisse dieser Innenpolitik abzuwarten. Aber, offen gestanden, ich k-mn nicht begreifen, warum dos deutsche Volk, wenn gewisic Cmfe vor ihm die Frage der Der- antworllichkcil ani Kriege auslverfen, nicht den einsachsien und ineines Erachtens auch ehrenvollsten weg beschreitet: nämlich, jede Soli- darstät mit den führenden Männern von 1314 abzulehnen, «nit denen, die die Derlehung der belgischen Tleuiralitöl bejubelt haben und die Rordfrankreich annektieren wollten. Ich habe schon in Genf erklärt: Das republikanische Frankreich hat niemals die Er- drückung eines Volkes beabsichtigt. Es will lediglich diejenigen unschädlich machen, die in der Vergangenheit den Krieg g wünschi haben und die auch in Zukunft entsehliche Melzeleieu, wie wir sie nicht mehr sehen wollen, entsesseln möchten. Sie werden o« be- greisen, dasz wir nicht in Frankreich für die Demokratie gekämpft haben, um vor den Ratio- nolislen Deutschlands zurückzuweichen. Es gibi indessen Taisach-m, die uns beunruhigen, wir haben den Eindruck. dah nicht alle in Deutschland dag Londoner Abkommen so aufrichtig angenommen haben, wie wir selbst. Dos ist es. was uns bedenklich stimmt.. Zu London hat das demokrakfche Frankreich sich dem deukschen Volk gegenüber l o y o l erwiesen: es hat von Angesicht zu Angesicht mit dessen Vertretern diskutiert. An dem Tage, wo Dsuhschland ossentundig friedliche und demokratische Politik treiben würde, würde es zweifellos selbst am meisten dab:i gewinnen. Wir aber, im vewußlsein unserer Loyaliläl, haben keinen anderen Wunsch, als gerecht zu sein, ohne Schwäche und sogar grohmiilig, aber ohne uns düpieren zu lassen. Die Menschheit wird nur dann Fortschritte machen, wenn die Völler eine ossene und loyale Diplomatie fordern, mit dem klaren Ziel einer friedlichen Organisation der Arbeit und in der w e ch s e l s e i l i g e n Achtung der übernommenen Verpflichtungen und de» Rechts." Die Unstbulüslämmer. Bolkspartciliche Eutrüstung über„Krisenhetz�'des „Vorwärts". „Sollte ein staatsbürgerliches Kabinett zustande kommen, so ist die Opposition der Sozialdemokratie eine gegebene und gesunde Tatsache." So schrieb die„Kreuz- zeitung", mit der wir uns ausnahmsweise einverstanden er- klären können. Ihre Stellungnahme ist jedenfalls ehrlicher als die der„Zeit". Dieses volksparteiliche Blatt ist tief ent- rüstet, weil der„V o r w ä r t s" gestern über den schmutzigen Bürgerblockhandcl deutlich seine Meinung gesagt hat. Sie verteidigt die Erklärung ihrer Partei gegen den Vorwurf der Verlogenheiten und ist dabei selber doch imstande, folgendes zu schreiben: Wenn der gegenwärkige Zeitpunkt für die Veröffentlichung gewählt wurde, so geschah es gerade, um ein« Krifis zu vermeiden. Der Fraktionsoorstand ist der richtigen Ansicht. daß man das ungewiss« Schicksal der Regierung nicht erst dem Reichstag überlassen darf, sondern daß schon beizeiten vorher die Grundlage ge-estigt sein muß. Nicht um eine Umbildung der Regierung handelt es sich, sondern um eine„Erweiterung", die anscheinend nach Meinung der„Zeit" in aller Gemütlichkeit vorgenommen werden kann. Daß dabei die Demokraten aus der Regierung hinaus- gedrängt werden, die„Arbeitsgemeinschaft der Mitte" ge- sprengt, der gegenwärtige Reichskanzler mit 99 Proz. Wahr- scheinlichkeit gestürzt, die Sozialdemokratie zur schärssten Kampfstellung herausgefordert wird, das alles bildet für die Zeit" noch nicht die Kennzeichen einer Krise. Daß die Volkspartei die sechs Millionen.fozialdemokrati- scher Wähler„aus der Volksgemeinschaft ausstoßen" wolle, nennt die„Zeit"„eine giftgcschwollene Phrase". Ihre Partei selbst war es aber, die den Mut hatte, von einer„Volksgemein- schuft" zu sprechen, aus der die Sozialdemokratie— natürlich „durch eigene Schuld"— ausgeschaltet sein soll. Wenn also jemand den Kampf vergiftet hat. so war es die Volkspartei selbst. Nicht beruhigen kann sich die„Zeit" über die Angriffe de«„V o r w ä r t s" auf Herrn Stresemann, obwohl wir angesichts des unoeklärten Tatbestandes der Unterhaltungen von Henley ausdrucklich erklärten, daß wir den Vorwurf be- wüßter Wahrheitswidrigkeit nicht ausrechterhalten wollten. Aber wie lagen denn die Dinge? In einer Rede vor der Presse hatte Herr Stresemann über vertrauliche Unter- l altunaen im Hause Lord Parmoors Behauptungen aufgestellt die voin Gastgeber selbst und von anderen Ohrenzeugen mit schärister Deutlichkeit bestritten wurden. Der Glaube an die Zuverlässigkeit des Herrn Stresemann ist dadurch nicht nur beim„Vorwärts" erschüttert worden, in der ganzen Welt hat sein Ansehen einen empfindlichen Stoß erhalten. Abgesehen van dielcr Frage bat Herr Stresemann am Tage darauf das gerade Gegenteil von dem erklären müssen, was er am Tage zuvor gesagt hatte. Wenn aber die„Zeit" gegen persönliche Angriffe auf Herrn Stresemann so empfindlich ist, dann wundert es uns, daß sie so herzliche Brüderschaft mit den Deutschnatio- n a l e n schließen kann, die noch vor kurzem mit der blöd- sinnigen Erfindung hausieren gingen, Herr Stresemann be- treibe Außenpolitik im Interesse seines jüdischen Schwieger- vaters, der Aktionär einer ententistischen Waffenfabrik sei. In Antwort auf den gestern abend hier zitierten Artikel der„Krcuzzeitung" erklärt das Berliner Zentrumsblatt, die „German! a", daß�d a s gesamte Zentrum für eine Politik, wie sie dort entwickelt werde,„niemalszuhaben fein wird". So einfach, wie es sich die volksparteiliche Er- klärung vorstelle, fei es mit der„Drehung nach rechts" nicht. Zusammenfassend schreibt das Zcntrumsblatt gegen die Volks- Partei: Das erst« Echo, dos ihr« Entschließung in der Presie gefunden hat, wird die Deutsche Volkspartei lnlehven, daß die Verwirklichung der Volksgemeinschaft, wie sie sie auffaßt, die parteipalitischen Kämpf« nicht auf das unvermeidliche Maß beschränkt, sondern b i s bis zur Unerträglichkeit steigert. So. wie es die Volks- parle! gcian hat. kany man die Sache nickst anfassen, wenn der karren nicht von vornherein verfahren werden soll. Solche Belehrungen werden die„Zeit" freilich nicht davon abhalten, morgen aufs neue zu versichern, die Harmonie der neuen„Volksgemeinschaft" wäre vollkommen, wenn sie bloß nicht der„V o r w ä r t s" mit seiner niederträchtigen„Krisen- hetze" störte.'_. Deutschnatwnale leicht befestigt. Die Bürgerblock-Spekulation. Die Tatsache, daß die Volkspartei ihre Ultimoverpflich- tungen glatt vorabdecken konnte, hat der Spekulation in deutschnationalen Ministerportefeuilles einen neuen Anreiz verliehen. Mit neu belebtem Mut schreibt daher auch die „Deutschnationale Korrespondenz": „Der auf Beschluß des Parteioorstandes der Deutschen Volkspartei erfolgte Schritt bei der Reichsregierung gibt, wie mit Be- friedigung festgestellt werden kann, die Hoffnung auf ein Fortschreiten der politischen Entwicklung im ftaats- bürgerlichen Sinn«. Di« Deutsche Volkspartei hat durch diesen Schritt, wie anerkannt werden muß, in entscheidender Weis« zum Ausdruck gebracht, daß sie entschlossen ist, auf den von ihr schon in dem Schreiben ihrer Fraktion vom 28. August gewiesenen Ziel zu bestehen. Auch die durch das amtlich« Telegraphenbureau erfolgte Mitteilung, daß der Reichskanzler seinerseits die Initiative zur weiteren Entwicklung ergreifen wird, zeigt uns, daß ernsthaft an die Heranziehung der sechs Millionen deutschnationaler Wähler zur d e u t s ch e n.V o l k s g« m e i n s ch a f t, so wie es die Entschließung der Deutschen Volkspartei verlangt, gedacht wird. Es wird nun daraus ankommen, welche Entschließung die deutschnattonale Reichs- lagssraklion und Parlciverlrctung am 23. und 30. September fassen werden, den:» die Entschließung vorbehalten ist, ob und wie sie sich zu den Schritten zu stellen gedenkt, die der Reichskanzler angekündigt hat." Das ist eine unmißverständliche Aufforderung an den Vertretertag, die dicksten Filzpantoffel anzuziehen, um die in der Hoffnung befindliche politische Entwicklung nicht zu stören. Für Herrn Hergt heißt es jetzt: Alles oder nichts, Minister oder tot! vonvärts-vertag G.m.b.H., Ew HS, LinSenstr. Z Poftlchsckkonto: Berti» 375 3«— Bankkouto: Direktion der Tiskonto-iScsellichaft, Depontenkaiie Lindenitroiie 3 Reaktion in Württemberg. Diktatorische Mistwirtschaft.— Bürgerblockmethoden. Stuttgart, 24. September. Das württembergische Volk muß sich jetzt mit den Ergeb» nissen seiner Landtogswahlen vom 4. Mai auseiandersetzcn. Die ersten Monate hat es gewartet auf die Reformen, die ihm bei den Wahlen von den jetzigen Regierungsparteien und. dann von der neuen Regierung versprochen worden sind. Dann hat es darüber gestaunt, daß nichts besser, sondern viel schlechter geworden ist. Und jetzt gerät es allmählich in einen richtigen massiven Schwabenzorn über den skandalösen Miß- brauch der Verfassung und der staaLichen Machtmittel zu parteipolitisch reaktionären Zwecken. In der neuen Regierung stehen der Finanzminister Deh- linger und der Justizminister Beyerle im Hintergründe. Gegen die jammervolle Steuerpolitik und die ewigen Justizskandale wäre wohl manches zu sagen. Das öffentliche Interesse aber konzentriert sich auf die beiden Hauptmatadore in der Regie- rung: die Herren B a z i l l e und Bolz! Der neue Staatspräsident B a z i l l e sucht der Regierung mit allen Mitteln den Stempel seiner Persönlichkeit aufzu- drücken. Widerspruch wird nicht geduldet. Hat er doch ge- legentlich einer Abstimmung über eine Frage der Verwaltungs- reform in öffentlicher Sitzung des Landtages sogar Z e n- trumsminister gezwungen, gegen ihren Willen bzw. gegen eine ausdrückliche, direkt vorher ab- gegebene Erklärung des Innenministers Bolz mit ihm zu st i m m e n. Freilich hat auch Bazille umlernen müssen. Er, der wenige Tage vor den Wahlen die Erfjillungspolitik für alles Unheil verantwortlich machte, der die Katastrophe herauf- beschwören wollte und sich auf den Standpunkt stellte,„dann komme, was doch einmal kommen muß", ist heute ein strammer Erfüll ungspolitiker geworden und scheint mehr„Silberstreifen" am Horizont zu sehen als selbst Stresemann. Die Annahme des Dawes-Planes betrachtet er als Einleitung einer„neuen Episode" deutscher Geschichte. Seine drei Ministerien verwaltet er mit mehr Lautheit und Selbstbewußtsein als Sachkenntnis und Tatkraft. Sein Mund ist dauernd in Bewegung. Gleich seinem größeren Stammesgenossen Po ine an: hält er mindestens allsonntäglich seine„große politische Rede". Um aber seinen enttäuschten Anhängern Sand in die Augen zu streuen, redet er der Reichs- regierung bei allen außenpolitischen Angelegenheiten dauernd dazwischen. Herr Bolz, der einstige Freund Erz- b e r g e r s, beellt sich, seinem Vorgesetzten gegenüber das frühere loyale Verhältnis zur Reichsregierung im Sinne bay- erischer Politik umzuändern. So hat denn auch die württem- bergische Regierung jetzt an dem großen Werke mithelken wollen, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu sabo- tieren. Das geeignetste Mittel, ihr völliges Versagen auf allen Gebieten der Politik zu verschleiern, scheint aber den beiden Diktatoren Württembergs die Kommunistenhatz und die V e r- folgung der Sozialdemokraten und Republikaner zu fein. Mit Zeitungsverboten wird so leichtfertig um- gegangen, daß sogar der Staatsgerichtshof hier einmal ein- greifen mußte. Es regnet Beleidigungsklagen gegen die sozialdemokratische Presse. Die Justiz unterbindet die pro- „zessualen Rechte der Angeklagten in einer Weise, daß die Er- Hebung der Anklage gleichbedeutend mit der Verurteilung ist. Dafür wuchert das Hakenkreuz- lerifche Bandenwesen umso üppiger. Große„Uebun- gen" solcher Verbände finden unter dem Schutz von Land- jägern und Polizei statt. Die Hi Iis Polizei ist ein völlig reaktionäres Gebilde. Das Land hallt wider von dem Büchsenknall der Jungbaucrnvereine. Ver- sammlungen und Demonstrationen unter freiem Himmel sind für die Rechtsparteien erlaubt, während sie für die Links- Parteien, einschließlich der Demokraten, ver- boten werden. Das Tollste war die Sabotage der Frie- denskundgebung vom 21. September: Die von den vereinigten Gewerkschaften Stuttgarts geplante Kundgebung im Frei- l i ch t t h e a t e r wurde plötzlich auf Anweisung des Mini- steriums des Innern verboten! Roch am 19. September, nach- mittags 3 Uhr, wurde polizeiamtlich erklärt, daß die Veran- staltung polizeilich nicht beanstandet werde. Abends �7 Uhr, a m gleichen Tage, tellte das Polizeipräsidium ober mit, daß auf Anordnung des Ministers des Innern die Kundegbung im Freilichttheater verboten werden müsse! Die Methoden Poincares an Rhein und Ruhr scheint der ihm volksverwandte Bazille im Schwabenlande anwenden zu wollen. Das alles wäre unmöglich, wenn der Innenminister Bolz nicht ebenso reaktionär eingestellt wäre. Dieser Mann, der ohne die Republik und die Revolution bestenfalls ein Amts- gerichtsrat irgendwo in einem mehr schwarzen als schönen Neste wäre, scheint alles unter dem Gesichtspunkte persönlichen Ehrgeizes und persönlicher Empfindlichkeit zu betrachten. Der hohe Klerus, der mit dem oberschwäbischen Hochadel auf das engste verbunden ist, bemüht sich auf das lebhafteste um die monarchistische Gesinnung der katholischen Jugend und boykottiert die Leitung der republikanischen W indt» h o r st- B u n d e.„In der Republik Württemberg ist das Wort Republik in den jetzigen Regierungsparteien da und dort verpönt/ schrieb jüngst ein Zentrumsabgcord- neter. Nicht nur„da und dort"! Die Verfassung ist selbst den Zentrumsministern ein recht dehnbarer Begriff. Sie ist ihnen auch nicht einmal so viel wert, als daß sie am 11. August ihre Feier durchgesetzt hätten. Für eine solche Politik ist der Innenminister der rechte Mann. Für ihn gibt es keine Probleme. Die Verwaltungs- reform scheint ihm unwichtig. Für die Bekämpfung der Wohnungsnot geschieht nichts. Der Preiswucher steigt ins Unheimliche. Wenn aber für nichts in der Welt Geld und Interesse da ist, so doch für eins: d i e P o l i z e i. Der Polizei- refcrent des Innenministeriums scheint der mächtigste Mann in Württemberg zu sein. In seinem maßlosen Haß gegen die Sozialdemokratie schreckt er vor nichts zurück und findet, in Bolz einen Minister, der auch die unglaublichsten Dinge deckt. Doch selbst in der Polizei werden die einzelnen Abtei- lungen sehr unterschiedlich behandelt. Bei uns scheint man nur zwei Aufgaben zu kennen: einmal die Verfolgung von Abtreibungen. Hier herrscht eine Schnüffelei und Rück- sichtslosigkcit gegenüber Patienten und Aerzten, die jeder Be- schreibung spottet und in vielen Fällen den Bestimmungen der Strafprozeßordnung zuwiderläuft. Das andere Ziel ist politischer Art. Neben der Stärkung der Schutzpolizei, die man allmählich zu reaktionären Zwecken umbilden möchte, ist es die Nachrichtenabteilung, die zu einem Wasserkopf vergrößert worden ist, der sich in allen Parteien bemerkbar macht. Die Sozialdemokratie, der Republikanische Reichsbund, das Reichs- banner Schwarz-Rot-Eold, die Gewerkschaften, die einzelnen Betriebe, alles wird bespitzelt! Die Unmöglichkeit solcher Zustände sieht man auch in weiten Kreisen des Zentrums ein. Aber die Partei Gröbers und Erzbergers ist zum Instrument der Hintermänner von Bolz und Beyerle geworden. So konnte der württembergische Abgeordnete Andre auf dem Parteitag des badischen Zentrums, anknüpfend an ein Wort Dr. Schofers, daß man nicht mehr im Bilde sei, wo das württembergische Zentrum hingehöre, sagen, daß dieses„Bazillen" im Leibe habe. Die scheinen sich aber schon recht gut eingenistet zu haben, wenn man bedenkt, daß sich im Landesparteiorgan, dem „Deutschen Volksblatt", politisch kenntnislose und unerfahrene Leute dam mißbrauchen lassen, gegenüber eigenen Partei- führern eine antirepublikanische Zensur'auszuüben. So ist es erk ärlich, wenn der Abgeordnete Andre in der Zeitung des Landesverbandes der Katholischen Arbeitervereine die christ- lichen Arbeiter mit großen und starken Eseln vergleicht, die für ihre Peiniger die schweren Lasten trügen, dafür aber„bis aufs Blut geplägt und ausgesaugt" würden. Herr Andre fährt fort: „Dies« klein« Eselgeschichte ist sehr lehrreich für bie beut- sche Arbeiterschaft im allgeniemen und die katholische Arbei- t e r s ch a f t in Württemberg im besonderen. Wenn sie sich nichi ihrer eigenen Kraft bewußt wird und bleibt, wird sie zum Pack- esel für andere Kreis«; vielleicht ist sie es auch schon und weiß es noch nicht einmal. Li« mag sich dann mit dem Schreiber dieser kleinen Geschichte trösten, der auch schon seit mehr als 20 Iahren der Packesel für die anderen r»ar." So schreibt der Führer der württembergischen Zentrums- arbeiter! Die Republikaner im Zentrum und den christlichen Gewerkschaften, sowie die Deutschdemokraten werden jetzt Ge- legenheit haben, zu zeigen, wie weit es ihnen ernst ist mit ihrer Kritik an den unhaltbaren Zuständen. Die sozialdemo- kratische Fraktion hat beim Landtagzvräsidenten die soso r- tige Einberufung des Landtags verlangt, damit die Wünsche des Volkes zum Ausdruck gebracht und die zur Wiederherstellung geordneter Staatszustände notwendigen Maßnahmen von den Beauftragten des Volkes gefordert wer- den können. Hat doch seit seiner Neuwahl am 4. Mai dieses Jahres der Landtag qan?e neun Sitzungen abgehalten, die letzte am 28. Juni. Der Staatshaushaltsplan für das Rech- nungsjahr 1924/25, das bereits zur Hälfte abgelaufen ist, liegt Nationalisten unö Volksbühne. Die„nationalen Kreise" der Reichshauptstadt wollen durchaus ein„nationales Theater" haben: d. h. in ihrem Jargon: ein Thca- ter, das sich in den Dienst ihrer national stischen Ideen stellt. Da man nun mit Staunen sah; in welch glänzender Weise die Berliner Bolksbühn« ihre Idee einer reinen Kunstpflege gegenüber dem reinen Geschäststhcater durchzusetzen verstand, kam man nach mancherlei anderen Bemühungen auf den Gedanken, man müßte auf ähruilye Weis«, d. h. durch vorausgehende Schaffung einer Besucherorgani- sation, eines Abonnentenstammes oder dergleichen, doch auch zum „nationalen Theater" gelangen können. Und seitdem hat geradezu ein nationales Gründungsfieber«ingesetzt. Zunächst trat, schon vor zwei oder drei Iahren, der Bühnen- v o l k s b u n d auf de-ro Plan. Aber er war durchaus vom Pech verfolgt. Die heftigste Propaganda und das Protektorat des Pfarrers Koch vermochten nicht, irgendwie erhebliche Mitglieder- kreis« heranzuziehen. Gleichwohl wollte man sich um jeden Preis wieder und wieder ein« Bühne sichern. Zuerst oersucht« man es mit dem Theater in der Kommandanienstraße. Aber nachdem dorr das erste Stück für den Bühnenvolksbund gegeben war. mußte das Theater auch schon seine Pforten schließen. Dann ergriff man gegen Ende der letzten Spielzeit von dem Steglitzer Schloßparkthealer Be- sitz. Aber nicht nur. daß auch bei diesem Theater nach wenigen Wochen«ine Pleite die Folge war, sondern obendröin erregte man rnit den dort veranstalteten Aufführungen auch noch das stärkste Mißfallen der nationalen Kreise vom äußersten rechten Flügel. Hatte doch, wie das„Deutsche Tageblatt" mit Entrüstung festnagelte, dieser„christlich-deutsche" Bühnenvolksbund in Steglitz ein« Operette des Monsieur de Suppe und«ine ander« von den Messieurs Michel Caree und Leon Battu zur Aufführung gebracht, obendrein noch unter Leitung eines Kapellmeisters„mit dem internationalen Namen Hirsch". In diesem Jahr ging nun der Bühnenvolksbund gar«in« Ehe mit dem Dramatischen Theater ein, wobei dahingestellt werden muß, ob es aus Unkenntnis der Ziel« dieses neuen Unternehmens geschah oder in der Hvstramg, man würde das Theater„erobern" und umstellen können. Jedenfalls war die nächst« Folge die, daß die christiich-Äeutschcn Mitglieder des Bühnenvolksbundes in„diesem" Theater Stück« vorgesetzt bekamen wie die„Komödie um Rosa", in der die gut bürgerliche Moral nach Kräften oerspottet wird unö eine Abtreibunq schließlich den Konflikt löst. Kein Wunder, wenn unter diesen Umständen dem Bühneiroolts- bund neuerdings mancherlei nationale Konkurrenz erwuchs. Die vaterländischen Verbände unter Führung ihrer Größen Prinz Friedrich Wilhelm zur Lippe und Generalleutnant a. D. v. Hülsen zogen mit Werbclisten aus für ein„Deutsches Volksthea- ter e. V."> das Herr Prof. Gregor! im Schwechtenfaal eröffnen wollte. Aber der liebe Gott hatte auch für diese nationale Grün» dung nicht das richtig« Verständnis: weiß der Himmel, woran das lag, jedenfalls mußt« der trauernden Mitwelt bereits vor einigen Tagen mitgeteill werden, daß die neue Bühne vorläufig nicht ins Leben treten könne und Herr Gregori sich von der„vorbereitenden Leitung' zurückgezogen habe. Ein Herr Mühlhofer soll die Sache setzt manegen. auch heute noch nicht vor. Die Regierung wirtschaftet auf Grund eines langfristigen Notetats, der dein Sinn und dem Geist der Landesverfassung widerspricht. Die Bazille und Bolz glauben ihre Machtposition dikta- torisch ausbeuten zu können. Sie haben dabei lediglich ihre Unzulänglichkeit und Volksfeindlichkeit manifestiert. Schon heute entspricht die Zusammensetzung des Landtages nicht mehr dem Willen des württembergischen Volkes. Genau wie im Reiche wird auch im Schwabenland erst eine Besserung ein- treten, wenn die Parlamente der Inflation und der Demagogie abgelöst sind durch neue, in ruhiger Erkenntnis der Tatsachen gewählte Volksvertretungen. fiufwertungsöebatte im Ausschuß. Die Reichsanleihen und die Gemeindeanleihen. Der Aufwcrtungsausschuß des Reichstags fetzt« am Freitag nach Aufhebung der Vertraulichkeit der Beratung die Erörterung über die Möglichkeit der Aufwertung der Gemeindeanleihen fort. Als erster Redner wies Genosse Hertz darauf hin, daß die anscheinend günstige Finanzlage der Gemeinden vor allem einer stärkeren Belastung der Massen durch hohe Tarif« der städtischen Werke und geringen sozialen Aufwendungen zu danken sei. Aus der besonders günstigen Finanzlage der Stadt Berlin dürsten lerne allgemeinen Schlüsse gezogen werden, da sie im wesentlichen hervor- gerufen worden sei durch die umfang-vichen Ersparnisie, die mit der Schaffung der Einheitsgemeinde verbunden waren. Die Erwerbs- Unternehmungen der Stadt erzielten ihre Ueberschüsie durch höhere Tarife und schlechter« Arbeitsbedingungen. Wenn bei der Kriegs- anlcihe eine soziale Auswertung erfolge, könne bei den Gemeinden kaum eine allgemeine Aufwertung«intreten. Niemand könne es verantworren, sozial Bedürftige mit kargen Renten abzuspeisen, wäh- rend Neureiche unverdient Riesensummen aus der Aufwertung er- halten. Komme man zur sozialen Aufwertung bei den Reichs- a n l e i h e n, dann sei die Frage zu prüfen, ob nicht etwas Aehn- liches für die Gemeinden zu geschehen habe. In der weiteren Debatte kommt Abg. Hergt(Dnat.) zu dem Dorschlag, die ganzen Gemeindeanleihen auf etwa 25 Proz. aufzuwerten und die Aufsichtsbehörden zu«r- möchtigen, im Einzelfall diesen Satz herunter- oder heraufzusetzen. Durch einen inneren Ausgleich zwischen den Gemeinden müsse eine gleiche Behandlung aller Gläubiger erstrebt werden. Etwaige lieber- schüsse des Ausgleichstc-pfs könnten dem vom Reichssinanzminister vorgeschlagenen Sozia'fonds zugewiesen werden. Reichsfinanzminister Dr. Luther wendet sich nachdrücklich sowohl gegen diesen als auch gegen den am Tage vorher von Dr. Steeiniger g:machiten Vorschlag der vollen Zinszahlung für Ge- meindeanleihen im Jahre 1924. Die hohen Tarif« der städtische Werke, auch der Straßenbahnen, seien unmöglich auf die Dauer zu halten. � Der Gedanke, von den Gemeinden Beiträge zu einem Reichs ausgleichstopf zu verlangen, werde bei den Ländern und Gemsinden auf schärfsten Wider st and stoßen. Das Reich könne ohne Berletzung der Selbstverwaltung höchstens die werbenden Anlagen der S lbstosrwaltung steuerlich erfassen, wobei aber zu beachten sei, daß diese Anlagen bereits von der Obligationenlast des Londoner Pakts mit erfaßt werden. Abg. Fleischer(Z.) wehrt sich heftig gegen die in der Presse aufgetauchten Verdächtigungen, als ob er mit der Spekulation am R e n t e n m a r k t in Verbindung stehe. Er habe mit keinen Maßnahmen, die auf ein« Hausse- oder Baissebewegung abzielen, irgend etwas zu tun. Abg. Dr. S t e i n i ge n(Dnctt.) hält daran fest, daß in Berlin das Geld für die Aufwertung da sei. Ihm sei. daran gelegen, zunächst einmal M eme' Verzinsung im Jahre 1924 zu sorgen. Er lehne die A l m o je n i d e e und die endgültige Bankerotterklärung ab. Der Anlahedienst könne grundsätzlich allgemein aufgenommen wer- den; aber man könne nicht gutwirtschastend« Gemeinden zu Opfern zwingen zugunsten schlecht wirtschaftender. Der Redner wendet sich wiederholt gegen den vom Reichssinanzminister empfohlenen „Aimosenpott". Reichssinanzminister Dr. Luther weist diese Charakterisierung —!-!—-----*- Dafür dürfte aber die„Deutsche Volksbühne im Rose-Theater" das deutsche Volk beglücken. Die Oberspiel- leitung wurde nach den Mitteilungen der Presse einem Herrn über- tragen, zu dessen Ruhm man bisher nur mittellen konnte, daß er ein„deutschnationaler Schriftsteller" sei. Dann heißt es in der An- tündigung:„Alles Ausländische wird bewußt abgelehnt.' Es folgt der Satz:„Zur Eröffnung am 1. Oktober ist Meyer-Försters„All- Heidelberg" angesetzt." Ausgerechnet dieser süßlich-kitschige Schmar- reu! O, welchen Gewinn wird die deutsche Kultur durch die Pflege dieser Bühnenkunst davontragen! Wie notwendig war es, den Ge> fchäftstheatern» die dergleichen Stück« bekanntlich völlig vernach- lüssigen, dies«„Deutsche Bolksbühne" zur Seit« zu stellen! „Fast nur nationale Literatur" will nach der Ankündigung der „Kreu.zzcitung" auch die„G o e t h e- B ü hn e" pflegen, die«in Herr Peterson auf den Schultern russischer Monarchisten demnächst eröffnen will. Man wird abwarten müssen, ob die„fast" nur ratio- mite Literatur sich aus derselben Höhe bewegen wird, wie die im Rose-Theater angezeigte. Der Gründungseiser der rechtsstehenden Kreise hat ferner noch eine„Nationalbühne Berlin E. B." entstehen lassen, die ein« Dam« mit weithin unbekanntem Namen in einem Ballsaal im Süden Berlins leitet: ein«„Nationalbühne� hat außerdem in Steglitz Herr Kirchner aufgemacht, um sein« nationalen Stücke— der„Prinz von Homburg" mußt« beginnen— freilich zunächst vor meist recht leerem Hause zu spielen. Und in Pankow kündet ein« „Deutsche K u l t u r ge m e i n s ch a f t e. B." in einem Konzert- lokal Vorstellungen' an. die im Schauspiel auch„nur deutsche Stücke" bringen sollen, bei den Opern sich aber doch gezwungen sieht, höchst bedenkliche Konzessionen an Rossini und Berdi zu machen. Zu diesen Gründungen treten endlich noch jene Einrichtungen, die der Volksbühne ihr« äußeren Einrichtungen abgeguckt haben, um sie, mehr oder weniger verfälscht, in den Dienst ihrer rein geschäft» lichen Interessen zu stellen. Es sei nur auf die„Theater» gemeinde des Mittelstandes" hingewiesen, die ihren Mitgliedern zwar auch«in« Besuchsverpflichtung auserlegt, aber sie nach ihrer Leistungsfähigkeit sorgfältig in verschiedene Klassen schach- lest und nicht etwa daran denkl, ihre Organisation einer kulturellen Aufgabe fruchtbar zu machen, sondern ihre Angehörigen wahllos in oll« Schmarren und Operetten der Geschäftstheater schickt, wo immer man«inen günstigen Abschluß machen konnte. Es ist ein teils komisches, teils beschämendes Bild, das sich hier bietet. Damit keine Verwirrung entsteht, scheint es notwendig, mit allem Nachdruck daraus hinzuweisen, welche Gefahren all jene Grün- düngen enthalten. Besonders traurig ist, daß der gute Name „Volksbühne" in der Weife mißbraucht werden kann, wie es die Herren um den Fürsten zur Lippe und um das Rose-Theater herum tun. Den Unfug jener Neugründungen wird man am besten be- kämpfen, indem die Massen sich noch fester als bisher um die eigent» liche, die alte„Volksbühne E. V.' scharen. Diejenigen, die dem Verein heute noch fernstehen, haben gerade jetzt die günstigst« Gelegenheit, sich anzuschließen. Roch sind Anmeldungen sowohl zu den Abendabteilungen wie zu den Nachmittagsabteilungen und den Gemischten Abteilungen möglich. Sie können täglich in den überall vorhandenen Zahlstellen, wie in den Geschästsstellen. Linienstr. 227 und Sänigsplatz 7, dazu in der Volksbühnenbuchhandlung Köpenicker- seines Vorschlags erregt zurück. Lieber würde er den ganzen Vor- schlag zurückziehen, als ihn durch die Bezeichnung„Almosen- polt" diskreditieren zu lassen. Eine alljährliche Fest- sctzung des Rentensatzes sei ganz unmöglich. Wo würde das hin- führen bei einem für die G:meinden ungünstigeren Finanzausgleich, der nicht zu vermeiden sei? Wolle man, wie Steiniger vorgeschlagen, einen Rormalsatz der Aufwertung festsetzen und der Aussichtsbehörde gestatten, unter Berücksichtigung der Verhältnisi« der einzelnen Ge- meinden diesen Satz zu ermäßigen, so führe das zur Disquali- fizierung solcher Gemeinden, die, wie die im besetzten Ge- biet, ohne ihr Verschulden in schlechte Verhältnisse geraten seien. Ein Vertreter der preußischen Regierung warnt gleichfalls eindnnglrch vor Beschlüssen, denen die vorübergehende günstige Lage einzelner Gemeinden zugrunde gelegt wird. Abg. Hölle in(Komm.) bekämpft gleichfalls die Vorschläge Steiniger und Hergt, die nicht dazu dienen, die Gemeinden wieder Kreditfähig zu machen, sondern ihre Kreditfähigkeit aus die Dauer zu zerstören. Einem Geldbedürftigen, der schon hochgradig ver- schuldet sei, borge man nicht? mehr. Der„abgekapselte Dcnkapparat Dr. Steinigers laufe am Leitseil der Demagogie". Nicht die Aner- kcnnung alter Schuldoerhältnisse, sondern nur die Gewährung einer ausreichenden Fürsorge für die erwerbsunfähigen Opfer der Inflation führ« aus der Sackgasse. Abg. Dernburg(Dem.): Der Gedankengang Dr. Steinigers führ« zum Individualprinzip, dessen Konsequenzen dann auch bei den Hypotheken gczogei» werden müßten. Reich, Länder und Gemeinden seien eine Einheit. Auch, das, was man bei den Gemeindeanleihen aufwerte, müsse vom deutschen Steuer- zahler getragen werden. Dr. Steiniger verlange das Geld vom Reich und wolle damit in den Gemcindsy aufwerten. Vom Abg. Dernburg wurde der Antrag gestellt, zur Dotierung des zu bildenden S o z i a l f o n d s die mit leistungs- fähigen Erverbsbetrieben ausgestatteten G.meinden auf dem Gesetzeswege heranzuziehen. Zu einer Abstimmung über die sachlichen Streitfragen kam man noch nicht Gemäß einem Antrag Fleischer rr de die Regierung ersucht, genaueres Material darüber vorzulegen, wie hoch die gesamten Kommunalanleihen sind und in welchem Umfange die Gemeinden ihre Anleihen im laufenden Jahre zurückgekauft haben. Die Beratungen sollen, wenn das von der Regierung erbetene Material bis dahin vorliegt, Donnerstag nächster Woche, andernfalls am Dienstag, den 7. Oktober, fortgesetzt werden. �in völkischer f)cld. „Erst verleumden, dann kneifen!"— Geislers Wahlspruch. DaZ Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold teilt mit: Das Reichsbanner hat vor einigen Tagen durch die Presse dem Reichstagsabgeordneten Geisler, den unent- wegten Führer und Hetzer in den Vereinigten Vaterländischen verbänden, aufgefordert, seine verleumderischen Behau p- tungen gegen das Reichsbanner mit Material in der Oeffentlilbkeit zu vertreten. Diese Aufforderung, bei der Herrn Geisler jede von ihm gewünschte persönliche Sicherheit zugesagt wurde, wurde an Herrn Geisler auch natürlich petiönlich durch Einschreibebrief vom Gau Berlin-Brandenburg des Reichsbanner, gerichtet. Der mutige Held hat die Annahme des Briefes verweigert und damit seine bereits durch die Presse gegangene Ablehnung der Ein- ladung des Reichsbanners restlos durchgesübrt. Er ist also nicht umgeiollen. Die Behauptungen werden ober durch daS Verhallen diese» Herrn in dieser Angelegenheit al» da« klar bewiesen, was sie find, als gemeine und hinterhältige, bewußte Verleumdungen• und Lügen._ Eine Versammlung des völkischen vlocks, die am Montag in München stailfinden sollre, wurde polizeilich verbole». Das Verbot wurde damit begründet, daß nach der letzten Versammlung Straßenumzüge stattfanden, bei denen auch Ansprachen gehalten wurden. In der Versammlung sollte Graf R e v e n t l o w sprechen. Der Völkische Block hat Beschwerde gegen das Verbot eingelegt. Strvße 68 und an den Tetz'schen Theaterkassen erfolgen. Di« Ber- liner Volksbühne E. V. bietet jedem Mitglied monatlich ein« Borstellung: vier- bis fünfmal kommt das Mitglied im Jahre in das Theater am Bülowplatz, das bekanntlich dem Verein Volksbühne gehört und von ihm selbst bewirtschaftet wird: zwei- bis dreimal erhält das Mitglied eine Borstellung in der Oper am Königsptag. deren Entstehung ja ebenfalls der Initiative und den Opfern der Berliner Volksbühne zu danken ist Daneben bekommt jedes Mir- alied noch einige Vorstellungen abwechselnd im Schiller-Theater, im Wallner-Theater und im Zentral-Thcater, nachdem auf den Schultern der Volksbühne auch die beiden letztgenannten Theater sich in Schauspielhäuser mit einem künstlerischen Programm und mit her- vorragendem Ensemble umgebildet haben. Die Dolksbühnenm tglieder der Abendabteilungen zahlen vor jeder Vorstellung«inen Beitvog von 1,20 M., die der Nachmittags- abteilungen von l),9l) M. Dieser Veitrog sichert ihnen reicht nur unentgeltlichen Besuch der Vorstellung bei Auslosung der Plätze. sondern auch frei« Kleiderablage, unentgeltliche Aushändigung eines Prograinmzettsls mit Einführung, regelmäßig« Zusendung der „Blätter der Berliner Volksbühne" und das Recht zur Teilnahme an den zahlreichen wertvollen Sonderveranswltungen. Keine andere Besucherorgamsatton bietet ihren Mitgliedern auch nur annähernd das, was die Volksbühne, gestützt auf jähr, zehnte- lange Erfahrungen, auf ihre Mitgliederzahl von 150 000, auf ihren Besitz an Theatern usw., zu leisten oermag. Vor allen Dingen aber auch: nirgends anders sonst wird wie hier praktische Arbeit für da, Kultpirtheater geleistet. Da? Ziel ist hier nicht ein-Theater, das im Dienst einer bestimmten Partei oder Richtung steht: aber ein Theater soll geschaffen werden, das nicht bloß Sen- sationslust und nicht bloß ein Amüsierbedürfnis befriedigen, son- dem das wirklich« Kunstwert seinen Besuchern zum Erlebnis werden lassen will, und das dabei ganz besonders jenen Werten seine Auf- nterksamkeit zuwendet, aus denen ein neues Weltempfinden, die Sehnsucht noch einer neuen Gemeinschastskuliur spricht an denen das bourgeoife Geschäftstheater deshalb vorübergeht. Durch Aus- jchaltung aller Gewinnabsichten und planmäßige Besuchsregelung wird die Basis g«s6)asjen. die ein solche» Theater tragen kann, ein Fundament, das von den breitesten Massen des Volkes gebildet wird. Jeder helfe mit. dieses Fundament stark und tragsäbig zu niachen. Jeder Berliner Arbeiter und Angestellte hat die Pflicht. sich der Dollsbühne E. V. anzuschließen! dl. Livius spukl weiter. Die Untersuckping hatte ergeben, daß Professor Martina de Fusco nicht die Texte selbst, sondern einen Hinweis auf eine noch nicht aufgefundene Abschrift entdeckt habe. Perofessor Emilio Bartoli, der in der„Rwista Intm-Greco-Itali-a" die erste Nachricht von der Entdeckung gebracht hat«, stellt im Neapel« „Mattino" die Ergebnisse der amtlichen Untersuchung alz zweifelhaft und d:e Untersuchung selbst als lächerlich hin: er je, fest überzeugt. daß De Martina tatsachlich die Lioiustcxte entdeckt habe. Aus einer Darstellung der Untersuchung durch ihren Letter. Cvmmendatore Riecolini. geht hervor, daß er sich aus De Martnos Aussagen stützt«. welcher den Fund leugnete, nachdem er eimge Tage vorher die Be- hauptung von der Entdeckung der 142 Bücher auftechter halten hatte. Allgemein herrscht die Ansicht, daß die Sache noch nicht geklärt sei. völksparteiliche demaskierung.___ Raumer und Garnich für den Rechtsblock. Bei Gelegenheit«iires deutschvolksparteilichen Bs- zirkstazes hielt der frühere Wirtschaftsminister v. R a u m e r am Freitag abend eine Red«, in der er auch aus die Bürgerblock-Propa- ganda zu sprechen kam. Dabei führt« er u. a. aus: Will eine Reichsregierung die schweren Aufgaben erfüllen, die ihr fetzt bevorstehen, so muß sie sich aus eine Mehrheit stützen können. Wir können keine stark« Innen- und Außenpolitik betreiben, wenn große und die besten Teile des Volkes— fast die ganze Landwirtschaft— dauernd in der O p p o s i ti on sind. Wir wollen mit der Heranziehung der Deutschnationalen uns nicht ändern. Das, worauf wir uns«inigen, ist u n s e r e Politik(Beifall). Di« Be. Zeichnung„Bürgerblock" ist irreführend. Ich stehe nicht aus dem Standpunkt, daß die Sozialdemokratie zu jenen Parteien zu rechnen ist. mit der man nie wieder zusammenar- beiten kann(Beifall). Wir wollen nicht eine neue Kluft auf- reißen, wir würden es begrüßen, wenn der Gedanke der Arbeits- gemeinschoft sich noch einmal verwirklicht. Wir würden gern die Entfkehung einer reformierten Arbeiterpartei fehen, die wirkt etwa im Geiste eines Macdonald, der kein Anhänger des Marxismus und des Klassenkampfes, fordern«in Evolutionist ist. Nicht einen Bürgerb! eck wollen wir schaffen, sondern einen Block, der alle schassenden Stände umfaßt, all« die positiv zum Staat« und ?ur jetzigen Wirtschaftsordnung stehen.- Solange ein« Partei aber die jetzig« k a p i t a l i st i f ch e Wirtschaftsordnung b e- kämpft, kann sie nicht cm ihrem Wiederaufbau arbeiten.(Bei- fall.) Raumer gilt als einer der gescheiteren Köpf« der Volks- Partei. Wenn schon an seinem grünen Holze so ein Unsinn wächst, was soll man dann von dem dürren Holz der Becker und Curtius erwarten? Di« Deutschnationalen umfassen nach Raumer die besten Teile des Volkes— die Sozialdemokratie soll sich erst Im Sinn« Macdonalds„reformieren"? Ihre Millionen Anhänger bilden wohl den Gegensatz zu den„besten Teilen des Voltes"? Rmrmer will all« positiv zum Staat stehenden Kreis« umfasien und will dabei vergessen machen, daß die deutschnationalen Freunde Stresemanns diesen Staat in allen feinen Teilen verneinen, daß sie die Monarchie erstreben und die Republ k leidenschaftlich schmähen. Aber die Sozialdemokratie soll erst den Ktossenkampf abschwören und die kapitalistische Wirtschast nicht mehr bekämpfen? Sombart wird ftoh sein, in Raumer einen Genossen zu finden, der mit ihm aus dem Klassenkampf zum alten Gottesglauben flüchtet. Nach Raumer trat der preußische Landtagsabgeordnet« Gar- n i ch für baldige Sprengung der großen Koalition in Preußen ein. Er versicherte, daß die Volkspartei schon im Mai dazu gerüstet hatte, aber mit Rücksicht auf den Personalabbau noch davon abgesehen habe. Ihr fei es— das war der Sinn der Rede— auf die Beseitigung der Republikaner und auf Erhaltung der deuffchrntionalsn und volkspartcilichen Beamten an- gekommen, damit der kommende Rechtsblock eine entsprechende Be- amtenschaft vorfindet. Garnich rühmte sogar, daß sein« Partei im Landtag gemeinsam mit den Deutschnationalen Obstruktion gegen die Koalitionsparteien grtrieben dabei Nach solchen Proben volkspartcilicher Pol tik wurde schließlich vom Dezirksparteitaa in einer Resolution die Haltung des Partei- vorstand? geb'lligt und die Sehnsucht nach der deutschnationalen lim- armung ausgesprochen._ Provokation oeaen üas Reichsbanner. Tie Vorfälle in Lüneburg. Hamburg. LS. September.(Eigener Drahtbericht.) Bon der Leitung des Ortsvereins Hamburg des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold wird uns folgendes mitgeteilt: Bei dem Reichsbannertreffen in Lüneburg find bedauerlicherweise Au»- lchreilungen vorgekommen, die von der hiesigen Leitung des Reichs- banners gerade so schars rerurteilt werden wie von anderen Kreisen. Gerücht« aus Lüneburg, die durch die Hamburger Poesie gehen, er- wecken jedoch den Anschein, als wenn die Angehrigen des Reichs- banners die Schuldigen waren. Wenn wir auch der Untersuchung nicht vorgreifen wollen, so dürfen wir doch folgende einwandfrei festegestellte Tatsachen mitteilen: Sunter �benö von«.Lachen linkst Daß sich auch auf anderer Grundlage als der des Sektkabaretts Laune und Frohsinn oerbreiten lassen, bewies der BunteAbend, zu dem„Lachen links" seine Leser und Freund« am Mittwoch abend«ingeladen hatte. Der große Saal dc? Gewerkschafts. Hauses war bis zum letzten Platz besetzt. Dieser Raum hat schon nwnche Versammlung gesehen, aber wohl noch kein«, in der„an- haltende stürmische Heiterkeit" dermaßen an der Tagesordnung war. In einer launigen kalauernden Begrüßungsrede setzt« K u t t n e r, Ebefredakteur von„Lachen links", den Zweck des Abends ausein- ander, MUarbe'ter und Leserschaft de» Blattes einander nahezu- bringen, und, ohne den tieferen Sinn des Ganzen aus dem Aug« zu verlieren, auch den Humor zu seinem Recht kommen zu lassen. Das Programm des Abends, zum überwiegenden Teil von Mitarbeitern des„Lachen linke" verfaßt, brachten dann Erich W e i n e r t, Hermann A a l« n t i n und Fräulein Ly Holms zum Dorttag. Weinert, unerschöpflich in satirischen Pointen, immer wieder durch den ins Schwarze treffenden Humor feiner Dichtungen ftappievcnd, verulkt bald dcs Spießers fpirttstifchs»der naturschwärmende Sensationen, bald versatzt cr dem nationalisttschen Phrasen Helden tum und dem militarlstischen Dünkel tödliche Hieb«. Hermann Valentin brachte durch soziale und antimilitaristische Dichtungen auch ein« ernste Note in die Ausgelasienheit des Abends, um sich dann im zweiten Teil als unübertrefflichen Vertragsmeister des fatirifch-humoristifchen Couplets zu zeigen. Fräulein Ly Holms' anmutige Erscheinung brauchte nicht lange um die Gunst des Publikums zu werben. Dieses war in bester Stimmung, spendet« Beifallsorkane und bedauerte am Schluß, daß es schon alle war. Wie wir hören, sollen im Laufe des Winters noch ähnliche Abende stattfinden._ W. C. Die keNfchriflfeder gefunden. Welches Schreibgerät haben die asten Thaldäer benutzt, um die schmalen, kleinen Dreiecke ihrer Keilschrift auf den Stein zu schreiben. Ueber dies« Frage haben sich die Gelehrten den Kopf zerbrochen, ohne das Raffel lösen zu können, da es ihnen bisher nicht gelungen war, ein« Spur dieses Schreibzeuges zu entdecken. Jetzt hat Dr. Lanqdon, der Führer de: aeaenwärtig in Kifch tätigen Forschungsexpedition, das Glück ge- babt, das Instrument zu finden. Es besteht aus einem goldenen Schaft von etwa zwölf Zentimeter Länge, der an den beiden End- r unkten in ein scharfgeschnittenes Dreieck ausläuft. Von der prak- tiicben Verwendbarkeit dieses Instrumentes konnte sich Dr. Langdon lolort überzeugen: es gelan« ihm ohne jede Vorberettung. mühelos Schritt, eicken in den Ton einzuzeichnen. Der seltene Griffel, der leinesattttben nicht in der Welt Hätz wurde S6 Silometer von Nipo entfernt an einer Stell« aufgefunden, auf der nach den Historikern früher da» alte Isino stand, jene große chchdäffche Stadt, die im Jahr« 2200 v. Chr. läng«« Zeit königliche Residenz war. Karl vurrf-a. der berühmte Tenor, ist. 5b Jahre alt. In Prag gi. Horben,«in Konflikt mit der Dresdener Oper, der er jahrelang angehörte, notigt- ihn seinerzeit Dcutichland zu verlaffcn. Er ging zuerst nach Budapest und fpaler nach Prag. I. Die Organisation„Stahlhelm" verteilte in Lüneburg einige Tag« vor dem Reichsbannertteffen ein gegen das Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold gerichtetes Flugblatt, in dem das Reichsbanner in der unflätigsten Weif« beschimpft und als Schutztruppe Nollets, des franzfifchen Kriegsministers, charakteri- siert wurde. Di« Mitglieder des Reichsbanners wurden als De fe r- teure und E t a p p e n f ol da t e n bezeichnet, als käufliche Sub- jekte, die für die Erwerbung der Mitgliedschaft Geld und Kleidungs- stücke gratis erhalten. 2. Die von der Reichsbannertruppe Lüneburg zum Empfang der Gäste angebrachten Girlanden und die Farben Schwarz-Rot-Gold wurden am Vorabend von rechtsgerichteten Kreisen abgerissen und vernichtet. 3. Bei den Auseinandersetzungen am Festtage selbst wurden verschiedenen Stahlhelmleuten Revolver ab- genommen. Pension für Leinert. Der Bürg erb l»ck verkriecht sich. Hannover. 28. September.(Eisener Drahtbericht.) Die bür- gerliche Mehrheit der Hannoverschen Stadtoer- ordnetenversammlung nahm heute vormittag noch während der Tagung des Deutschen Städtetagcs, vielleicht sogar gerade'des- halb— Gelegenheit, noch einmal zum Abbau des Oberbürger- Meisters Stellung zu nehmen. In einer vertraulichen Sitzung wurde über folgende Anträge des Bürgerblocks beroten: „Das Bürgervorsteberkollegium wolle beschließen: 1. Der Obberbürgermeister L e i n er t ist nach den Bestimmungen der Personalabbauverordnung vom 8. Februar in den ei n st weiligen Ruhe st and zu versetzen. 2. Der Oberbürgermeister Leinert ist sofort durch den Wortführer aufzusordern, seine Aeußerung gemäß ß 22 der Personal- ab bau Verordnung bei dem Bürgervorsteherkollegium binnen einer Frist von sieben Tagen«inzureichen. 3. Der Wortführer ist ausdrücklich bevollmächtigt, all« Verhandlungen mit dem Oberbürgermeister oder sonst mitwirkenden Behörden bzw. Organen im Namen des Plenums zu führen. 4. Die Enffchndung des Bürgervorsteherkolleginms über den Abbau der Slell: des Oberbürgermeisters bleibt vorbehalten." Trotz der Versuche der sozialdemokratischen Rat- haussraktion gelang es nicht, die Scheu der bürgerlichen Mehr. heit vor der Oe f f e n t l i ch ke i t zu überwinden. Der Bürgsrblock beschloß einen neuen Angriff gegen Lauert in vertraulicher Sitzung vorzunehmen, offenbar, weil er selbst der Ansicht war, daß ein« öffentliche Verhandlung vor jedennami klargelegt lMe, daß aus- lchließlich politisch« Gründe für die Gesellschaft maß- gebend sind. Die Anträge des Bürgerblocks wurden noch mehr- stündiger Beratung mit den Stimmen der Kommuni st«n angenommen. Die Demokraten enthielten sich der Stimme. Verwaltungsrat öer Reichbahngesellfchast. Amtlich wird mitgeteilt: Noch der Satzung der neuen Reichsbahnesellschaft, die als Reichsgesetz erlösten ist und auf dem Gutachten und der Arbeit des Organisationskomitees für die Reichseisenbohn beruht, sind von den 18 Mitgliedern des Verwaltungsrates neun durch die Reichsregierung und neun durch den Treuhänder für die Eisenbahn- obllgationen zu ernennen. Sie müsien nach Vorschrift der Satzung erfahrene Kenner des Wirffchoftslebens oder Eisenbchnsachverständige und dürfen nicht Mitglied des Reichstags, eines Land- tags, der Reichsrgierung oder einer Landesregie. rung sein. Durch Beschluß des Reichskabinetts sind folgende Per- sönlichkeiten berufen: Geh. Kommerzie.nrat Eduard Arnhol-d in Berlin, Oberprästdent a. D. Rittergutsbesitzer Wirklicher Geheimer Rat v. B a t o ck i in Wedau(Ostpreußen), Prof. Dr. Ing. Blum in Hannover, Ministerpräsident a. D. Krei» Hauptmann Buck in Dresden, Staatssekretär im Reichsfinanzministerium David Fi- f ch e r in Bersin, Reichseisenbahndiretttonspräsident a. D. Dr. V i t u s v. Hertel in Augsburg, Geh. Kommerzienrat Peter Klöckner in Duisburg. Generaldirektor Dr. Ott in Köln a. Rh„ Dr. Ing. Karl Friedrich v. Siemens in Berlin. Von dem Treuhänder für die Effenbahnobligattonen Herrn De- lacroix sind an deutschen Persönlichkeiten berufen worden: Staats- sekretär a. D. Bergmann, Geh. Baurat Dr. Oskar v. Miller in München, Präsident der Handelskammer Hamburg Münch«. meyer, Präsident des Eifenbahn-Zentralamts a. D. S a r r e in Berlin, Staatssekretär des Reichsverkehrsministeriums a. D. S t i e l e r in Rebenhouscn b. Tübingen. An ausländischen Mitgliedern sind vom Treuhander berufen worden: Sir William Ackworth in Anderwood-Id-Ixtter, Guiseppe Bianchini in Mailand, Jules Iadot m Drüsiel, Maurice Margot in Paris. Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats ist gonz reaktionär. Daß nicht ein einziger Vertreter de» Personals dabei ist, kennzeichnet die Sache und wird durch Entschuldigungs- gercde nur unterstrichen._ Die geheimnisvolle haffkrankheit- Im Auftvage dcs preußischen Wohlfahrtsministers hat sich der Geheim« Obermedizinalrot Prof. Dr. Lentz noch Ostpreußen bsqeben, um dbrt an den Untersuchungen über die noch völlig un- geklärte Haffkronkheit tellzunehmen. In seinem jetzt erstatteten B-richt sagt er u. a. folgendes: Die Erkrankungen sind bereits Ende Juli aufgetreten. Erkrankt sind bisher nur Haffifcher sowie einige wenig« Perfonen, die in un- mittelbarer Näh« des Haffs gearbeitet haben, während andere, z. B. die ackerbauende Bevölkerung von Nepleiten und die Offfeefffcher des sonst schwer befallenen Narmeln. nicht erkrankt sind. Di« Krankheit lettet sich ein mit einem hochgradigen Schwächegefühl, das die Fischer meist mitten in der Arbeit beiällt. Alsbald treten tarke Schmerzen in den Muskeln auf. Di« Muskeln werden starr. o daß die Kranken sich nicht bewegen können, und es stellt sich«in dunkelbraun gefärbter Urin ein. der bis zu 4 bis S vom Tausend Eiweiß enthält. Die Krankheit tritt vorwiegend in den Morgenstunden. wenn der Dunst noch auf dem Wasser liegt, auf. Angel- fi scher sollen häufiger erkrank«« als Netzfischer, auch erkrankt meist von zwei im Boote befindlichen Fttchern nur einer, und zwar der, der die Angelschnür« aufnimml, während der, der das Boot steuert. gesund bleibt. Im ganzen sind bis fetzt etwa 300 Erkrankungen festgestellt worden. Drei Krank« sind gestorben. In einigen Orten sollen auch Katzen und vereinzelt Hunde, Gänse und Enten gestorben fein: zum Teil sollen sie ähnliche Krank- heitserscheinungen geboten haben wie die Menschen. Ein parasitärer Krankheitserreger scheint noch den krsherigen Beobachtungen nicht in Frage zu kommen,«her scheint es sich um eine Vergiftung zu handeln, die mit dem Wasser des Frischen Haffs in Verbindung zu stehen scheint. Don den Fischern selbst wird die Krankheit damit in Verbindung gebracht, daß die Abwässer von Königsberg in das Haff ge- langen und daß diesen Abwässern seit März d. I. die kon- zentrierten Sulfitlaugen aus den Zellulose- fabriken Liepe und Mass« zugeführt werden:' im ganzen kommen auf dicse Weise 30 000 Kubikmeter Abwäsier in das Haff. Die Fischer weisen aber auch darauf hin, daß in diesem Iaftir' das Haff zum Unterschied von den letzten Iahren wieder geblüht" habe, daß die Blüten(Algen) sich gesenkt und dann eine Art Seifen-. schäum gebildet haben. Die Fischer behaupten auch, daß der Dunst, der besonders in den Morgenstunden auf dem Haff liegt, nach Schwefel gerochen habe. „Zurzeit"— sagt der Bericht—„stehen wir vor dieser Krankheit wie vor einem Rätsel. Die Krankheitserscheinungen in dieser typischen Art. sind meines Wissens und soweit mir die Lite- ratur bekannt ist, noch nicht beobachtet worden."> Die Fischer in den Haffdörfern, an sich eine außerordentliche arme Bevölkerung, sind durch die 5krankheit in. große wirt- schaftlicheNotversetzt. Die Verzweiflung öer Gemarterren. Hungerstreik auf den Solowctzky-Jnseln. Di« Auslandsdclegierten der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands in Berlin hat soeben aus Rußland die telegraphifchs Nachricht erhalten, daß im Gefängnis auf den Solowetzky-Infeln im Weißen Meer, in dem mehr als 250 Sozialisten und Anarchisten eingekerkert sind,«in allgemeiner Hungerstreik ausgebrochen ist. Dieser Streik reifte schon lange heran, da die Berhälmisse in dein Kerker sich immer inehr verschlechterten Die allgemein« Forderung der Gefangenen lautet: Aufhebung des Kerkrrs auf den Sold- wetzfy-Inseln und Ueberführung der Gefangenen nach dem Festtand. Der Hungerstreik, der auf den Teufeisinttln internierten polittschen Gefangenen ist das letzte verzweifelt« Mittel, um die Aufmerksamkeit der Kulturwelt auf die unerträglichen Zu- stände in dem Kerkvr zu lenken. Wenn nicht sofort aktive Hilfe kommt, kann für die Gefangenen das Schlimmste e:- mattet werden. Deutsthlanö unö öer volkerbunö. Keine Versprechungen Tr. Nansens. Paris, 26. September.(Eigener Drahtbericht.) Der Vettreter'. des„Journal des D�bats" in Genf berichtet, daß Dr. Nansen außerordentlich« r st a u n t gewesen sei, alz er die B e r j p r e ch u n- gen erfahren habe, die er einem Berliner Telegramm zufolge dem Reichskanzler Dr. Marx hinsichtlich der Zulassung Deuffchlands in den Völkerbund gemacht haben soll. Dr. Nansen erklärte dem Berichterstatter: Das ist absolut falsch. Ich habe gar nichts ver-. sprachen. Bier m dem Telegramm aufgeführte Punkte sind von A bis Z erfunden. Es war zwischen dem Reichskanzler und mir nur von dem permanenten Sitz im Bölkerbundsrat die Rede, bezüglich dessen ich erklätt habe, daß er von den hanptsächlichsten, Regierungen nicht abgetthnt werden würde und. daß ich in dieser Hinsicht Zusicherungen erhalten hätte. Auf die weitere Frage des Berjchterstotters an Dr. Nansen, was er von den Bedingungen halte, die nach Informationen der„Zeit" von Deutschland gestellt würden, cm tw ortete Dr. Nansen: Ich verstehe das nicht. Es ist dies etwas ganz anderes, als. ich jemals nach meiner Unterhaltung nul dem Reichskanzler Marx glauben konnte. Arbeit öer franzöflschen Demokratie. Anerkennung der Vcamtenrechte. Paris, 26. September.(Eigener Drahtbettcht.) Der Innen- minister Chautemps hat neuerdings in einem Rundschreiben an die Präfeklen an die Stelle de? Regieningserklarung vom 17. Juni erinnert, in der der Wille der neuen Regierung zum Ausdruck ge- bracht wurde, den Beamten die gewerkschaftlichen Rechte zuzuerkennen. In diesem Rundschreiben hebt er aucdrüchlich säM liehe von früheren Regierungen entgegengesetzten anderslau-enden Anweisungen aus. H e r r i o t hat erst vor wenigen Tagen dies« Beziehungen offiziell wieder aufgenommen, indem er eine Delegation der Beamtengewerkschaft empfing. Kampf gegen Hetzlügen. Pari», 26. September.(Eigener Drahtbettcht.) Am Donnerstag- abend hatte d« nationalistisch«„Liberte" eine Hetzlüge veröffentlicht, derzufolge deutsche Flugzeug« kürzlich nachts in Höh« von 5000 bis 6000 Meter Patts überflogen hätten, um die Lichtkarte der fran- zösischen Haupfftadt aufzunehmen. Ministerpräsident H« r r i o t hat mit dankenswerter Rücksichtslosigkeit nicht nur diesen Blödsinn de- mentiett, sondern auch die Staatsanwaltschaft angewiesen, gegen das Hetzblatt strafrechtlich vorzugehen. Am Freitagabend tritt die„Liberte" unter wüstem' Geschimpfe auf Herriot einen Rückzug cm, indem sie lediglich die Möglich- k e i t eines solchen Fluges aufrecht erhält und sich dabei auf ein Gutachten des ehemoiigen Kampffliegers und durchgefallenen poin- cattstffchen Abgeordneten Hauptmann F o n ck beruft. Das Reparationsprosramm. Pari», 26.September.(WTB.) Die Rcparationctommission hat h?ute vormittag in Anwesenheit des Vertreters des Agenten für die Reparationszahlungen, der sich augenblicklich in London aufhält, über das Budget der Reparationszahlungen für die Rionate Sep- tember und Oktober beraten. Die Reparationskommission hat für den Monat September die Höhe der Kohlenlieferungen um 6 Proz. reduziert und auch gleichzeitig bestimmt, daß der verlangt« Preis für Kohlen um 10 Proz., für Kpks um 8 Proz. l�rabgefetzt werde. Auch ist bestimmt worden, daß die französisch-belgische Eisenbahnregie, deren Reinertrag von der Reparationskass? über- nommen wird, 11 Goldmark für die Tonn« Kohlen bezahlt. Das Kohlenlieferungsprogramm für Oktober soll später bestimmt werden. Di« Reparationskommission beschäftigt sich noch immer mit dem Verteilungsprogramm für den ersten Monat der Durch- führung des Sachverständigenplanes. Da für das Jahr 1024/1025 eine Zahlung von 1 Milliarde Goldmark vorgesehen ist, handelt es sich darum, zu bestimmen, wie die erste Monatsrate von 83 Millio- nen Goldmark auf die verschiedenen vorgesehenen V:rpflichtungen verteilt werden soll. Vor allen Dingen handelt es sich nach dem „Temps" darum, festzusetzen, welcher Betrag für Sachlleferungen zur Verfügung bleibt._ Der englisch-russische vertrag. Rnlowfty. der Führer der Sowjetdelegation bei den englisch-ruisischen Perbandlungen, bat, um den lebhaften Streit um den Berti ag abzumildern, ein Tele- gramm an die englische Presse gerichtet, in dem er seine auf der russisch-englischen' Konierenz vorgetragenen Erklärungen wiederholt. daß die Sowjctregierung den größten Teil der vorgeschlagenen englischen Anleihe für den Ankauf von e» g l i s ch e'n Industrie- Produkten verwenden walle. Totschlag unter Kinöern. Gestern Frettag gegen 7 Uhr abends wurde der 14jähttge Ar- beitsbursch« Kurt Busse aus der Woldenberger Straße 12 von dem IHährigen Schüler Walter Sobeck aus der Grellstraße 17 vor der Wohnung des letzteren derartig schwer verletzt, daß er nach einer Hakben Stunde gestorben ist. Die Leiche wurde be- schlagnahmt und dem Schauhause zugeführt. GsWeMchspsböMegung Kunögebungen öes Metaltarbeiterverbanöes. Der erweiterte Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes b-rfaßte sich im Verlaufe dieser Wcche mit der gegenwärtigen Wirt- schaftslage, dem Dawes-Gn�achten, dem Kemipf um den Achtsturiden- loa und der l�schn- bzw. Tarifpvlitik. lieber diese Fragen hielt Ge- nosse D i h m a n n ein Rcferor, während Brandes die Agitation und inners Organisation behandelte. Die Aussprache ergab die Ueberemftimmlmg der Verbandsvertreter aller Landes teile mit den Richtlinien des Vorstandes. Einstimmig wurden folgende Eni- schlicßungen angenommen: Enkschliehung süc den Achi tundentag. Die Kundgcbrmgen"der deutschen Arbeitgeberoerbände zur Ar- beitsz'itfroge bedeuten eine ossene Kampfansage gegen den Acht- stundcntag, den zu beseitigen die Unternehmer seit geraumer Zeit lon«r, Schuh- putzmitrelfabrik, Warschauer Straße 04/35, ist wegen Lohn- oiffcrenzen in den Streik getreten.— Wir ersuchen die Berliner Arbeiterschaft, Solidarität zu üben und Zuzug fernzuhalten! Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Verband der Fabrikarbeiter, Ortsverwaltung Groß-Berlin. In der Hamburger Mineralölinduftrie haben gestern die Ar- beiter der meisten Betriebe wegen Lohnstreitigksiten die Arbeit niedergelegt. Bchtunz, Bäcker und jtonditareci! Morgen, Sonntag, norm. Bs Uhr, im Gewertschastshaus, Cngelufcr 24/25, Fraktionsversamm- lung der Richtung Amsterdam. 1. Vortrag über:„Die Bc- dcuiung von London und Dens sitr die Ardeiterrlossc." Referent: Ecuossc Kurt Kichmann. 2.„Wie schlltien wir die Republik?" Ge- wertschofts- und Partciausweis mitbringen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Zraktionsporstaad. SPD-Rahmen- und Lclstenpergplder und Rahmenmacher. Morgen, Sonntag, vormittag 10 Uhr. bei Schillina, Rungcstr. 50, wichtige Besprechung. Erscheinen aller Kollegen Pflicht! SPD-Rahmen- und Leisten»crgol-r und Rahmcnmacher, Morgen, Sonn» tag. vormittag Iv Uhr, bei Schilling, Runqeltr. 50, wichtige Besprechung. Er- scheine» aller Kollegen Pflicht! Sattler-, Tapezierer,»nb Parteseuillcr-Perband, Ingendabteilung. Morgen, Sonntag, Äussiug nach Strausberg und Erkner, Treffpunkt Sonntag morgen 7 Uhr Schleiisihcr Bahnhof, Haupicingang, Die Kollegmi in den Betrieben werden gebeten, die Lehrlinge darauf aufmerksam zu machen. Beranlwortlich für Politik: Ernst Reuter! Wirtschaft: Artur Salernn«: Gewerkschaft-bcwcgiliig: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. Zohn Schikowski! Lokalez und Sonstiges: Jfrih Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärw-Berlag<5. m. b. H.. Verlin. Druck: Borwärts-Buckldruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u, Co.. Verlin SW. KS, Lindcnftraste 5. Sierzu 2 Beilagen. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch„Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. „Lebewohl" wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. — Seit 20 Jahren bewährt.— Fn Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring Nr. 456 4 41. Jahrgang 7. Seilage ües Vorwärts Sonnabends 27. September 1924 wie märkifthe Kleinstädte aussehen. Jüterbog. Dem Berliner, der sich sich, wenn«r es sich leisten kann, an einer „jut sebratenen Jens als einer Jabe Jollss" eifrsut, salltc eine Stadt, deren Name mit dem geliebten Ist anfangt, sympathisch sein, aber von den vielen Millionen, die im O-Zuge oder im Bummelzuge Jüterbog passieren, ist wohl nur ein verschwindend kleiner Teil aus- gestiegen, um dem Nutheftädtchen einen Besuch abzustatten. Und doch lohnt es, sich für ein paar Stunden dort aufzuhalten und, wenn möglich, einen Abstecher nach dem nahen ehemaligen Kloster Zinna, das durch seine mittelalterliche Architektur sich auszeichnet, damit zu verbiriden. Im Gegensatz zu dem bedeutend größeren Lücken- walde, das auf d'tr Bahnstrecke von Berlin aus vorher durchfahren wird, besitzt Jüterbog eine reiche historische Vergangenheit und niannigfachs architektonische Sehenswürdigkeiten. �ius üer Hesthichte. Schon t007 wird das wendische jutro(Morgen) bog(Gott) er- wähut: vom Magdeburger Erzbischofssitz erfolgt dann bald Erobe- rung und Besüdlung: 1144 erhält die Stadt Magdeburgisches Recht. Bis IbZS dem Erzstift gehörig, dann sächsisch geworden, kam sie ISIS an Preußen. Der Dreißigjährig« Krieg brachte die üblichen Drang- sale, aber auch der Siebenjährige Krieg ging nicht spurlos vorüber! am 28. Augut 1756 erließ Friedrich II. von hier aus seine Kriegs- «flärung an Oesterteich und Sachsen. Aber die Hauptmerkmai,: sind doch an die Nomen Tehel und Dennewih g: knüpft: das eine rollt ein Kapitel aus der Zeit vor der Reformation auf, das andere brachte die Rettung Berlins zu Beginn der Freiheitskrieg«. Der Fall Tehel ist cin Schulbeispiel für die Verquickung von kirchlicher Willkür, Fütstengewalt und— Kapital. Als Albrecht von Brandenburg 1514 den Erzbischofssitz von Mainz erlangte, hatte er zu diesem Zwecke 30090 Gulden bei dem Rothschild jener Zeit, dem Haudlungs- hause Fugger-Augsburg, aufgenommen. Der Papst gestattete ihm, diese Summe durch Ablaßhandel einzubringen, wenn er die Hälfte der eingehenden Gelder nach Rom abführe. So wurde Johann Tetzel, !455 als Sohn eines Goldschmieds in Leipzig geboren, der Kom- missar des Mainzer Erzbischofs. Auch Berlin wurde mit seinem Be- such beehrt(5. Oktober 1517): noch vorher ereignet« sich das Erlebnis. das Tetzels Ram« mit Jüterbog oerband:: Ritter Hake von Stulpe nahm ihm am hohen Golm den gefüllten Ablaßkasten fort, nachdem ehnt— cnltäuscht finden: die sauberen, von netten, bescheidenen Häusern, oft noch Aachwerksbauten, bsfetztcn Straßen und der ge- räumige Markt tragen einen durchaus ruhkgen Charakter. Früher, als das Militär eine große Rolle spielte und große Baulichkeiten für seine Bedürfnisse aufgeführt wurden, ist Handel und Wandel davon stark beeinflußt worden: die zahlreichen, oft recht ansprechend aus- gestatteten Läden sind aber ein Beweis dafür, daß trotz der mili- tärischen Einschränkung Kaufkraft genug in der Stadt und den um- gebenden Dörfern vorhanden ist, um das Geschäftsleben>n Gang zu halten. Vcri Industriebetrieben ist einiges vorhanden, und in den vor den Toren liegenden Gemeinden Damm und Neumarkt macht sich auch der Acker bürgerstand geltend, aber das Wesen der inneren Stadt ich doch behagliche Ruhe. Im politischen Leben deutet das Bor- handenfein eines sozialdemokratischen Wahloereins auf planmäßige Arbeit hin: Arbeiterjugend und Zugendsozialistcn finden sich zu- scmmen: die konimunistischc Lockung, deren braunrot angemalte W-:rbeformel man ohne Schaden ruhig stehen läßt, ist wohl ohne be- sonder« Zugkraft mehr. Bei nicht ganz 3000 Wählern wurden da 630 sozialistische Stimmen bei der letzten Wahl abgegeben. In der Stadtvertretung finden sich 4 Mehrheitssozialisten, 2 Kommunisten, 8 Bürgerliche und 4 Rechtsblock. Die SeheosrbürSigkeiten. Ein Pferdebahnwagen bringt uns auf einer schönen Alleestraß« voin Bahnhof ins Innere der Stadt. Man passiert das Dammtor, auf dessen äußeren Seite ein« Keule angebracht ist nebst einer Tafel, Nlcolalklrcbe la Jüterbog. Darvater der„ Tetzelkasten" auf der zu lesen steht: Wer seinen Sindern gibt das Bryl und leidet nochmals selber Rot. den schlage man mit der Keule tot. Jedes der drei Stadttor«— Nr. 2 und 3 sind Zinnaer und Neumarkt-Tor— trägt eine solche Keule und die Tafel. Di« dvet Tore sind gut er- Haltens Beispiels mittelalterlicher Befestigungsktmst. durch stattliche Türme und charaktervolle Ausbildung von Innen- und Außentor ausgezeichnet: beim Zinnoer Tor fehlt allerdings das letztere. Auf dem Markt das Rathaus, em gotisch« Bau aus dem 15. Jahr- hundert: namentlich der Staffelgiebel über«in« offenen 5)all« im Norden und der spätgotische Ostgiebel(1403) mit der Statue des Heiligen Moritz. d>:s Patrons des Erzbistums Magdeburg, verdienen unser« Auftnerksamteit. Zwei der drei vom Markt nach Osten gehenden Straßen: die Mittelstraße und die Große Straße, führen zur Rikolaikirche, einem dreischiffigcn gotischen Hallenbau aus dem 15. Jahrhundert, dessen Dimensionen sowohl nach Länge wie Höhe bedeutend genannt wer- den müssen. Das weiße und wenig belebte Innere wirkt wie bei vielen protestantischen Kirchen nüchtern, um so mehr, als die sonst so wirkumgsooll schmückenden Grabstein«. Epitaphine und dergl. fast völlig fehlen. Erwähnung verdienen in der Sakristei das Gemälde „Beweinung des Herrn von Lukas Kranach", ein Sakraments- Häuschen(6 Meter hoch, von 1507), Renaissancekanzel von 1608, olte Malereien im Chorumgang, und in der„alten" Sakristei alte Decken- und Wandmalereien sowie der oben bereits«wähnte „Tetzel-Kasten".«ine Truhe von mächtigen Ausmaßen. Di« beiden Türm« der Kirch«, von denen der eine nicht vollendet wurde, sind durch eine Brücke verbunden. Imponiert die Nikolaikirche durch ihre Größe, so bietet die Rkönchenkirche mit dem sich anschließenden Rest des alten Klosters, unweit vom Markt gelegen, einen ungemein lieb- lichen Anblick. Die Kirche wird nicht mehr benutzt: völlige Sülle um- gibt uns in ihrem Umkreise. Wir treten in den sich am Kloster- gebäude hinziehenden Garten ein und blicken in— Schulstuben. Ein ideal« Platz, eingehüllt von dem die ganze Hauswand und das Dach überspinnenden Efeu. Weniger anmutig, aber in ihrem ernsten Charakter das höher« Alter betonend, ist die iri d« Dammoorstadt befindliche Frauenkirch«, eine Pß?il«bosilika mit rontanischen Teilen, vom Kirchhof umgeben. Als weiteres Beispiel gotischen Profanbauet» sei noch der in der Nähe der Nikolaikirch: gelegene Abtshos«wähnt, das Heim der Aebte des nahen Zinna. 1478 erbaut. Im bequemen Beieinand« liegen diese architektonischen Sehenswürdigkeiten, deren Erhaltung dem Kunstverständnis der Stadt«in gutes Zeugnis aus- stellt. Uebel beraten war man aber, als man neben der Nikolaikirche ein Denkmal für die im Weltkrieg 1914— 18 gefallenen An gehörigen d« Stadt in Form eines Sarkophages in einem Säulenraum auf- stellte. Es schwebt ein eigener Unstern über Ehrung und Jm-G«dächt- nis- behalten unserer teuren Toten, und der an diesem Denkmal an- gebrachte Ausspruch des Großen Kurfürsten:„Kxoriaro aliquis nostris ex ossibus ultor" trägt zu sehr nationalistisches Gepräge, um weihevoll zu wirken. Revanchekrieg angesichts des Todes! und ange- sichts des hochragenden Baues d« Kirche, die doch ein Zeichen der Liebe fein soll. * Aus dem Bahnhos donnern die vollgepfropften Züge daher— völkerverbindend, versöhnend. Fast alles eilige Reiftude, die von einer so kleinen Stadt— 8000 Einwohner— leine Notiz nehmen. Ab« wer mal ein paar Stunden diesem architektonisch so reichen Ort zu widmen in d« Lage ist, soll es nicht mtterlassen. Er wird es nicht zu b«euen haben. Vas Luftschiff als Fluchthelfer. Vor dem Urteil aus dem Gerichtssaal geflohen. Bor den Potsdamer Geschworenen hatte sich der frühere Gutsinspektor Paul S t re ck aus Karolinenhof wegen doppelten Meineides zu verantworten. Der Angeklagte hatte seiner- zeit von ein« Frau Strickroth«in Gut Rabeland gepachtet und sofort bezogen. D« Landrat des Kreises Niederbarnim Hot diesen Pachw«trag nicht genehmigt und der Angeklagte mußte das Gut wied« räumen. Bei dieser Gelegenheit wurde von Streck«in großer Teil des toten Inventars, das ihm nur pachtweise überlassen war, verschoben. Als dem Angeklagten d« Eid zugeschoben war, leistete« auf dem Amtsgericht in Baruth einen Falscheid. Im zweiten Fall war die Kreiskass« Niederbarnim seine Gläubig«in. In dem Termin, den der Kreis gegen den Gutsbesitz« anstrengte, reichte dies««in Bermögensverzeichnis auf dem Amtsgericht Baruth ein und und beschwor dieses mit dem Offenbarungseid. Auch diese Eides- abgab« war falsch, war doch der Angeklagte obendrein Besitzepj eines Gutes, ein« Wiese und ander« wertvoller Vermögen?-, stück«, die er verschwieg. Der Anklagev«treter, Erster Staatsanwalt- Gerlach, beantragte gegen den Angeklagten zwei Jahre drei Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust und üblichen Nebenstrafcn. D« Angeklagt«, nach dem letzten Wort befragt, rief: Auf meinen Grabstein kommt:„Ich bin von der Justiz b«aubt und betrogen!" Das Gericht zog sich zur B«atuitg zurück. Draußen herrscht« die Luftschiffbegeisterung und der Angeklagte ver- schwand auf Nimmerwiedersehen. Man wartete vergebens. Das Urteil wurde in Abwesenheit des flüchtigen Angeklagten verkündet und lautete auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus, drei Jahre Ehrverlust und die üblichen Nebenstrafen. D« Staatsanwalt Hot sofort einen Haftbefehl gegen ihn«lassen. 251 Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Rexö. Frank oerfluchte sich selbst in Gedanken um seiner Un- geschicklichkeit willen und sah ein, daß der beleidigte Brauer um jeden Preis besänftigt werden mußte, wenn ein Resultat erzielt werden sollte. „Ja. natürlich ist man selbst schuld," sagte er demütig. „Man mächt ihn ja gern ein bißchen anständig halten und ihn nicht alles mögliche tun lassen wie ein beliebiges Arme- leutskind. Und was der Bursche für einen Kopf fürs Lesen und Schreiben hat! Ich sage oft zu ihm: Los, rechne mir das mal aus! Und er tut's stehenden Fußes und lacht mir ins Gesicht hinein. Denn ich habe' immer einen schlechten Kopf für dergleichen gehabt.— Und eines Tages, als Mutter zu mir sagt, ich schaute aus den Augen wie ein wütender Stier, murmelte er— Gott steh mir bei:„Pack den Stier bei den Hörnern". Ich tat ja, als härte ich nichts, denn man soll zu so etwas nicht ermuntern. Aber so ein Kopf, was!„Pack den Stier bei den Hörnern," sagt er— Gott steh mir bei, und der Junge geht doch erst zum Pastor." Brauer Dam hatte sich zurückgezogen und die Tür ge- schlössen. Schneider Frank achtete jedoch nicht darauf: er focht mit den Armen in der Luft und fuhr fort zu reden, in- dem er sich an einige Passanten wandte, die stehen geblieben waren: „Ich will nichts gesagt haben, aber der Bursche hat seines Baters Kopf.„Pack den Stier bei den Hörnern", brummt er, ganz leise— aber Meister Frank ist nicht von gestern. „Hall den Mund," sagte ich.„idenn Lumpereien soll man nicht unterstützen". Und doch ist's eine gute Leistung für einen Jungen von vierzehn Jahren.„Pack den Stier bei den Hörnern", sagt er in vollem Ernst." Frank lachte glucksend und bummelte die Straße entlang, und die Zuhörer folgten ihm lachend und unter verschiedenen Zurufen, während die Jungen einander von hinten gegen ihn pufften. Auf dem Marktplatz war das junge Volk und die ein- fächere Bevölkerung im Begriff, sich unter der großen Fahne aufzustellen, die ein riesengroßer Fischer mit ehrwürdigem Bart balancierte. Man wartete bloß auf die Musik, um sich im Zuge auf den Festplatz zu begeben. Auch hier wurde Frank mit einem Regen von witzigen Bemerkungen empfangen: sie wurden förmlich über seinem Kopfe hin und her geworfen. „Aha, da haben wir den Mann der Madam Frank!" „Na, es hat wohl gewittert, Meister?" „Seht, wie nett fein Anug heut morgen geklopft ist!" „Ja, er läßt ihn auf dem Leibe klopfen, damit er nicht den Schnitt verliert." Meister Frank nahm den Leuten diese Kalauer nicht übel. Er fühlte, daß er, wenn es darauf ankam, die Sympathie aller dieser Menschen hatte; und war sie auch mit einem gut Teil Verachtung gemischt, so kassierte er sie doch mit Freu- den ein. In Wirklichkeit hielt es denn auch die ganze Stadt mit ihm. obschon man zugab, daß er ein Subjekt war, und seine Jämmerlichkeit auch nicht gerade historisch betrachtete. Seine Frau dagegen verurteilte man. Doch nicht aus irgendwelchem Zorn darüber, daß sie ihren Mann betrogen hatte: das fand man ganz in der Ordnung, da er nichts taugte. Aber man liebte ihre schroffe Natur nicht, die sich um so fester entgegenstemmte, je reißender die Strömung war, und gerade gegen sie arbeitete, wenn sie zum Wirbel anstieg. Man ließ sich selbst so gerne still-mittragen. Darin verstand man sich besser mit dem Meister Frank. In all seiner Jämmerlichkeit, Faseligkeit und der Neigung, dem geringsten Druck nachzugeben, war etwas Verwandtes, das man zwar nicht anerkannte, aber das ganz unmittelbar ansprach. Er konnte einen zum Mitteid rühren. Und Meister Frank sonnte sich in dem Mitleid seiner Mitmenschen, selbst wenn es sich, wie jetzt, ein wenig über- legen äußerte. 14. Der Festplatz draußen im Walde gähnte in brütender Glut zu dem wolkenlosen Himmel hinauf, nach allen Seiten von gewaltigen Tannen eingeschlossen. Ein buntes, schwitzendes Gewimmel zog in zahllosen Rich- tungen über das welke Gras, wie die Ameisen in einem Hügel. Da waren eckige Dienstmädchen und barfüßige Hüte- jungen mit geschälten Ohren und kaffeebrauner Haut. Aus der ganzen Harde(Amtsbezirk) hatten die Armenhäuser ihren Inhalt an Krüppeln, Idioten und Subjekten auf dett Festplatz entleert, das ganze niedere Volk der Gegend war da: Fischer, Knechte in langen Stiefeln und schwedische Steinhauer. Die Bauern selber waren mit Frauen und Töchtern erschienen, und die Honoratioren der Stadt hatten sich auf und neben dtr kleinen Tribüne versammelt, um in vornehmer Zurück- gezogenheit das Volkstreiben zu beobachten. Eigentlich hatte das Fest noch nicht begonnen. Es fehlte nämlich noch der Bürgermeister, der den ganzen Tag über das schwierige Problem nachgesonnen hatte, wie er den Landesvater würdig repräsentieren sollte, und der schließlich zu dem Resultat gelangt war, er tue es am besten, indem er auf sich warten lasse. Während so die offizielle Eröffnung des Festes, in Ueber- einftimmung mit dem gnädigen Beschluß des Bürgermeisters, noch bevorstand, war das Volk bereits zu dem gemütlicheren Teil übergegangen und schenkte, um die Wahrheit zu sagen, dem Ausbleiben der hohen Obrigkeit keinen Gedanken. Die Jugend tändelte mit mehr oder weniger Unbefangen- heit, die Aelteren beobachteten sie mit behaglichem Lächeln und erinnerten sich eigener Jugendtorheiten, gaben vielleicht auch hier und da ein Beispiel zum besten, um zu zeigen, daß sie nicht zurückgestanden hätten, und nahmen dann ihre Zu- flucht zu Mads, um„etwas Solideres" zu kriegen. Mads war heute in seinem Element. Er saß im Hintergrund der Kneipe und schimpfte, daß sein Fett beinah Falten bildete: und die beiden Jungen um- sprangen ihn wie Zicklein, zogen Bierflaschen auf und schenkten Bittern, Arrak und dänischen Kornbranntwein ein. Mads hatte seine Augen überall. „Gib acht! Gib acht!" schrie er den Jungen zu, so oft ein neuer Mann über die Bank wegschritt.„Sieh nach den Leuten in der anderen Ecke, Lars, sie sitzen auf dem Trocknen! — Stell das Faß schräg, bevor du ein neues anstichst, Thor- vald, das Beste ist auf dem Grund!" Vor ihm auf einem kleinen Tisch stand die Kasse, so daß er beständig ein Auge darauf haben konnte, was hineinkam und was zum Herausgeben genommen wurde. Sie begann sich schon zu füllen, und Mads warf zärtliche Blicke zur Sonne hinauf und wünschte, daß sie doppelt so groß wäre und zehn- mal so glühend schiene. Rings in der Menge und auf den enttcgeneren Pfaden spazierten zu Paaren die Ladengehilfen und Kontoristen mit den hellgekleideten Bürgertöchtern. Sie hatten auf der Brust ein Medaillon mit dem Bilde des Königs, zum Zeichen, daß sie zu dem konservativen Klub der Stadt gehörten, der eigent- lich erst am Abend in den Klublokalitäten seine Feier abhalten sollte, sich aber vom Bürgermeister hatte überreden lassen, sich mit dem Volk zu bemengen.(Fortsetzung folgt.) Eifersucht und Alkohol. Zwei Eifersuchtsdrmnen vor dem Schwurgericht. Alkohol und Eifersucht spielten die Hauptrolle in zwei Verhand- langen, die das Schwurgericht des Landgerichts l beschäftigten. Beide Fälle haben bereits schon einmal das Schwurgericht beschäftigt. Di« erste Ber Handlung, die sich gegen den Polizdbetriebsassistenten Wib Helm Gehrk« richtete, der wegen oersuchten Mordes angeklagt war, kam im Wiederaufnahmeverfahren zur neuen Verhandlung. Der zweite Fall ist der des Magistratsbeamten Gelleszat, der beschuldigt worden war, seine Frau getötet zu haben und deswegen zu sechs Jahren Gefängnis oerurteilt worden war. Gehrke steht jetzt im Alter von 54 Iahren und war m lang- jähriger Ehe verheiratet. Er hat auch schon eine erwachsen« und verheiratete Tochter von 2S Jahren. Die Ehe gestaltete sich wenig Mellich, da Gehrke unter der Einwirkung des Alkohols sehr aufbrausend war. Außerdem war seine fast gleichaltrige Frau seit Jahren kränklich. Dos Glück, das er nicht in der Che fand, suchte er bei einer Frau H., die in dem Polizei bureau, in dem der Angeklagt« tätig war, als Reinmachefrau beschäftigt war. Als Frau S). vor zwei Jahren einen anderen Mann kennen lernt«, suchte sie die Beziehungen zu ihrem bisherigen Liebhaber zu lösen. Dabei stieß sie aber auf dessen heftigsten Widerstand. Er macht« ihr große Eifersuchtsszenen und drohte sie zu erschießen. Als Frau H. eines Morgens zu ihrer Arbeitsstätte ging, trat ihr der Angeklagte plötzlich aus einem Versteck mit dem Revolver in der Hand entgegen und feuerte sofort einen Schuß ab, der Frau H. aber glücklicherweise nur am Hinterkopf streifte. Das Schwurgericht hatte Gehrke im vorigen Jahr wegen versuchten Totschlages unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis mit Ve» Währungsfrist verurteilt. An dieses Urteil schloß sich noch«in Disziplinarverfahren gegen Gehrke. Auf Grimd eines Gutachtens von Medizinalrat Dr. Stürmer wurde die Wiederaufnahme des Strafverfahrens durchgesetzt. Auch in der neuen Verhandlung be- gutachtete Medizinalrat Dr. Störmer, daß der Angeklagte, der a u» einer Säufcrfamilie stammt und erblich belastet ist, bei Begehung der Tat. nachdem er am Tage vorher und die Nacht hin- durch groß« Mengen Alkohol zu sich genommen hatte, für die Tat nicht verantwortlich gemacht werden könne. Dos Gericht kam auch tatsächlich zu einer Freisprechung des Angeklagten. Einen tragischeren Ausgang hatte der zweite Fall, der dann das Schwurgericht beschäftigt«, da hier ein Menschenleben das Opfer des Alkohols und der Eifersucht gewor�n war. Der Magistratsbeamt« Gelleszat hatte am 3. Okiober o. sein« Ehefrau getötet. Er wurde vom Schwurgericht bereits im vorigen Jahre zu sechs Iahren Gefängnis wegen Körperverletzung mit darauffolgendem Tode verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte die Ber- teidigung beim Reichsgericht Revision eingelegt. Dos Urte l war wegen formaler Verstöße an das Schwurgericht zurückverwiesen worden, so daß sich das Gericht noch einmal mit der Strafsache zu beschäftigen hatte. Gelleszat lebt« zunächst mit semer Frau recht glücklich, war aber von einer rasenden Eifersucht erfaßt und witterte überall einen Nebenbuhler. Dieser Zustand ver- schlimmert« sich, als fein eigener Vetter, ein gewisser H., auf der Bildfläche erschien. Auch an dem Tag« der Bluttat hatte der Ange- klagte, nachdem er mit seinem Schwiegervater und seiner Ehefrau ein« ausgiebige Bierreise gemacht hatte, auf dem Heim- weg« wegen seines Betters ein« heflige Auseinandersetzung mit seiner Frau, die sich auch noch in der Wohnung fortsetzte. Was dann ge- schehen ist, ließ sich mangels Augenzeugen nicht genügend aufklären. Jedenfalls hat Gelleszat ein Beil, das zufällig aus dem Tisch lag und das man am Tage zum Einhämmern von Nägeln benutzt hatte, im 'Laufe des Streites, alj seine Frau, wie er angab, gedroht hatte, ihn zu verlassen, ergriffen und ihr den Schädel zertrümmert. Gelleszat wollt« sich der Vorgänge selbst nicht mehr«rimiern. Auch in der neuen Verhandlung schilderte«r seine unglücklichen Eheverhälttrisse. Das Schwurgericht hielt den Angeklagten wiederum nicht des Tot- schlage» schuldig, sondern verurteilt« ihn wegen Körperverletzung . mit nachfolgendem Tode, mit Rücksicht darauf, daß sein« Tat ein« . außerordentlich schwere sei, da sie ein Menschenleben zum Opfer hatte, .zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren. Teure Waffenscheine. Gibt es noch etwas, was nicht teurer geworden wäre? Auch die persönliche Sicherheit und der Schutz des Lebens wird bald ein Luxus sein, den sich kein Minderbemmelier mehr leisten kann. Für einen Waffenschein werden jetzt 20 Mark Gebühren verlangt! Nrrter normalen Zuständen müßten die Sicherhettsverhältnisse so vollkommen sein, daß kein Mensch nötty hätte ein« Waffe bei sich zu lragcn. Das kann man von der Polizei nicht erwarten und v?'-- langen, daß sie dieses Ideal verwirklicht. Aber dann sollt« sie es für richtiq holten, die Ausfertigung von Waffenscheinen nicht zu verteuern, sondern zu verbilligen. Den Schaden haben von solcher Höhe der Gebühren nur die friedliebenden LcuK lediglich deshalb sich eine Waffe anschaffen, weii sie sich i.i'■). t>'-f-'en möchten. Einbrecher, Rohlinge. Stahlhe iin l.. t e- rd ähnlich angenehme Mitmenschen brauchen über die 20 M. nicht zu klagen, tHnn sie lassen sich nicht erst Waffenscheine ausfertigen. In diesen Kreisen wird wegen der 20 M. die Zahl ihrer Waffen sich nicht um eine einzige vermindern, aber die von ihnen Bedrohten muffen darunter leiden, wenigstens soweit sie nicht mit Glücksgütern gesegnet sind. Einer, der in einer wenig bebauten Straße wohnt und schon dreimal von Einbrechern heimgesucht worden ist, fragte beim Polizeipräsidium cm, warum der Waffenschein so teuer ist. Die Antwort war ein nichtssagender Hinweis auf die Besttmmungen, aber st« mußte von dem Empfänger— noch mit 1,30 M.(einschl. Nachnahmegebühr) bezahlt werden. Schwere Bestrafung eines Heiratsschwindlers. ' Als ein gefährlicher Heiratsschwindler entpuppte sich der frühere Kriminalkommissar Hutzel, der sich vor dem Schöffengericht Wedding zu verantworten hatte. Der Angeklagte trat in eleganter Kleidung mit weltmämwschen Allüren auf und oerstand es. sowohl s u n a e Mädchen, als auch alte Frauen aus dem Mittelstande an sich zu locken, indem er ihnen die Ehe versprach. Es gelang ihm sodann, seinen„Bräuten* ihre Ersparnisse und Schmucksachen abzu- nehmen, die er teilweise stahl, teilweise sich unter irgendeinem Vor» wand« geben ließ. Er war immer gleichzeitig mit mehreren Mädchen verlobt. In einem Falle war er als ein Landgerichts- rat Dr. Krämer aufgetreten und hatte seine Braut in ein Osffeebod begleitet, wo er hinter ihrem Rücken mit einer Frau eines Arztes verkehrte, der er ebenfalls mehrere tausend Mark abnahm. Vor Ge- richt kam es zu dramatischen Szenen, da die zahlreichen Zeu- ginnen auf den Angeklagten eindringen wollten. Die Justizwachtmeister mußten mit vieler Mühe den Angeklagten vor den Nägeln seiner Bräute schützen. Das Gericht sah in dem Verhalten des Angeklagten ein« ganz gemeine Ehrlofig- keit gegenüber den Frauen und Mädchen, denen er die Ehe ver- sprvchen hatte und erkannte gegen ihn, obwohl er bisher unbestraft war. auf eine Gefängnisstrafe von 3 Vi Jahren und 5 Jahren Ehrverlust.___ Zu dem Fall Krüger. Die Ermittlungen der Berliner Kriminalpolizei im Fall Krüger find jetzt abgeschlossen. Frau Krüger hat in der letzten Zeit, als daZ Belastungsmaterial sich so anhäufte, daß Durchschnittsverbrecher zusammengebrochen wären, ihre Taktik geändert. AIS sie nicht mehr skr alles eine harmlose Erklärung finden konnte, wurde sie frech. Eine eigentümlich- Einsicht in das Seelenleben dieser Frau zeigt folgendes: Frau Kcüger„schwürt' aas Wahrsager und Wahrsagerinnen. Sie hat diese überall, wo sie sie finden konnte, aufgesucht. So hat sie die Frau BodensinSk in Naumburg gebeten, ihren derzeiligen Mann zu besprechen, daß er möglichst schnell sterbe. am Tage vor dem Tobe Deckels gesagt:.Siegehenmitdem Gedanken um, ihren Mann zu töten*. Möglich ist eS, daß die innere Unruhe über ihre Verbrechen sie immer wieder zu diesen Leuten getrieben hat. Frau Krüger wurde der Staate anwaltschaft in Frankfurt a. d. O. vorgeführt. Neue Entlassungen von öureauangestellten. Wir erhalten Kenntnis von einer Verfügung des Ma- gistrats. die dieser Tage au die Bezirksämter erging und von Stadirat Wege unterzeichnet ist. Danach wird beabsichtigt, die im reinen Bureaudienst tätigen Angestellten der Arbeitsnachweise und besonders der Erwerbslofenfürsorg« durch Wartegeldi cmpfänger zu ersetzen. Die Arbeitsvermittlcr sowie die jenigen Angestellten, die fachtechmsch mit dem Bermittlungsgeschäst einschließlich Berufsberatung vertraut sind, sollen nicht ersetzt werden. Uns will scheinen, daß man an gewissen Stellen der zentralen Ber- waltung es liebt, sich im Kreise herumzudrehen. Erst wurden gemäß Abbauverordnung die Beamten aus Gründen der Ersparnis abgebaut und dann sollen dieselben Beamten unter Brotlosmachung— anderer Angestellter wieder verwendet werden. Verfolgt der Magistrat den Zweck, die abgebauten Beamten zu wesentlich herabgesetzten Löhnen weiter zu beschäftigen? Wir zweifeln nicht daran, daß die Arbeits- ämter dem Ansinnen des Magistrats, die eingearbeiteten Kräfte durch abgebaute Beamte zu ersetzen, entschiedenen Widerstand begegnen werden. Der Magistrat hat überhaupt kein Recht, di« Arbeitsämter zu einem solchen Personalwechsel zu zwingen. Bis auf weiteres nehmen wir an, daß der Gesamtmagistrat von diesem Treiben des Tarifverttagsomts der Stadt Berlin keine Kenntnis hat. Immerhin wäre es an der Zeit, daß ein« solche Personalpolitik des Tarifvertragsamts an berufener Stelle einer geeigneten Kritik unierzogen würde._ Beratungsstelle für Schwangere. Als Ergebnis der Währungsstabilisierung tritt in die Erschei- nung, daß die Krankenkaffen die im Jahre 1914 begonnene, aber durch den Krieg und die nachfolgende Inflationszeit unterbrochene Fürsorgetättgteit wieder ausnehmen. Wie aus dem Anzeigenteil zu ersehen ist, hat die Allgemeine Ortskrankenkaffe Schöneberg- Friedenau in ihrem Hause Grunewald st raße 3V in Schöneberg eine Beratungsstelle für schwangere Mitglieder und Fa- inilienangehörig« eröffnet. Die Beratungsstelle befindet sich K den Räumen des Ambulatoriums und kann jeden Dienstag und Freitag nachmittags von 2 bis 3 Uhr besucht werden. Diese Beratungsstelle steht nicht nur den Mitgliedern und ihren Familien- ungehörigen, welche bei der Allgemeinen Ortskrankenkaffe Schöne- berg-Friedenau versichert sind, offen, sondern alle Mitglieder von Krankenkaffen, die den Kaffenverbänden Berlins angehören, können dort Rat und Auskunft erhalten. Außer in Schöneberg befinden sich noch Beratungsstellen bei den Kronkenkassenambula- torien Berlin C. 2, 5klosterstraße KS/K?(Sprechstunden jeden Montag nachmittags von 2 bis 3 Uhr), und Berlin O. 17, Große Frank- furter Straße 137(Sprechstunden jeden Donnerstag nachmittags von 2 bis 3 Uhr). Die Beratungsstellen in Berlin können auch von den Mitgliedern der Allgemeinen Ortskrankenkaffe Schöneberg- Friedenau besucht werden, welche dort in der Nähe wohnen. Die Errichtung weiterer Beratungsstellen ist in Vorbereitung. Die Farben zeigen! Man schreibt uns:„Wie notwendig es ist, endlich die schroorz- rotgochenen Farben öffentlich zu zeigen, beweisen immer wieber leichter« oder schwerer« Fäll«, denen man täglich begegnen kann. Als ich z. B. in den Ausstellungshallen am Kaiferdamm zur M as- cagni-Premier« war, wurde diesem nach dem 2. Akt zur Ehrung ein Blumenkorb überreicht, der mit den italienischen Farben einer einer großen schwarzrotgoldenen Schleife geziert rvar. Darauf sagt« eine Dam« neben mir:„Rami, Schwarz-Ror- Gold?* In dem Ton, wie dieser Satz gesprochen wurde, lag etwas derart Ungläubiges, daß ich der Dam« erst erklären mußte, daß die schwarzrotgoldenen Farben unsere deutschen Farben sind. Auf dies« Erklärung fand sie jedoch nur die lakonische Antwort:„Ra. ja, man sieht doch sonst ober nur Schwarzweißrot.*— Doch hat jene Dame gar nicht so ganz unrecht. Es ist doch tatsächlich, nach dem Bericht einer Mittagszeitung, beim internationalen Motorradrennen am letzten Svniiiag auf der Avus vorgekommen, daß bei der Ankunft des italienischen Siegers die ftalienische Flagg« gehißt wurde und die italienisch« Nationalhymne gespielt wurde, wogegen ja auch nicht das Geringste«inzuwenden ist. Als jedoch als 2. Fahrer ein Deutscher ankam, wurde die schwarz weißrote Fahne hoch- "ezr�en und dazu„Deutschland, Deutschland über alles' gespielt.— Wenn man sich so etwas sogar Im eigenem Lande gestattet, dürft« das Ansehen des Deutschen Reiches im Auslande nicht gerade steigen._ Die ANMonenschlebungen im Oberzollamk Reukölln. In dem Bericht über die Unreaelmäßigkeiten im Oberzollamt Neukölln ist irrtümlicherweise vom Oberfinanzamt Neukölln gesprochen worden. Auf besonderen Wunsch des Obersi nanzamtS stellen wir hiermit ausdrücklich fest, daß diese Behörde mit den Vorkommnissen nicht in Verbindung steht. Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung ber Geschlecht»- krankheiten hatte Berliner Pressevertreter zur Vorführung eines englischen FilmS in die.Urania* gebeten, der sich mit dem Problem der Aufklärung beschäftigte. Er erwies sich als übler Tendenzfilm, weit zurückstehend hinter einem daneben gezeigten deutschen Film, der auf wissenschaftlicher Grundlage beruhte. Danach wurden praktische Fragen erörtert, die das zum Teil noch unerschloffene Gebiet der Geschlechtskrankheiten umfaßten und ihre gemeinsam« Bekämpfung bezweckten. Praftlsche Alkershilf«. Die Dermieftmg preiswerter, gut ein- gerichteter möblierter Zimmer bei früher wohlhabenden alten Leuten nieist ständig unentgeltlich nach: die Kleinrentnerfürsorge des Bezirksamtes Prenzlauer Berg, Danziger Str. 64, Hof 1 Tr., Zimmer IIS, Sprechstunden werktäglich von 9 bis 1 Uhr. preis« lO.IS Eine Kartenlegerin, die jetzt ermittelt wurde," hat Frau Krüger j Tdosteräisnst. 10.30— Ii. N> lllir abemlsc Tanzmusik. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 27. September. Tageseinteilung. 10 Uhr vorm.: Bericht über die Kleinhandels- ise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmorkthalle. 5 Uhr vorm.: Erste Bekanntgabe der neuesten Tagesnacb- riebton. 11.35 Uhr vorm.: Fnnkbörse(Die Notierungen der Berliner und Ilajnbnrger Produfctenvorhörse). 12.15 Uhr nachra: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Vorbörso(mir Montag bis Freitag). 12.55 Uhr nachm.: Uebermittlnng des Zeitzeichens. 1.05 Uhr nachm.: Zweite Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohriohten, Wetterdienst. 2.15 Uhr nachm.: Kurzer Tendenzbencht der Berliner Börse(nur Montag bis Freitag). 3 Uhr nachm.: Funkbörse(Dia amtlichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten- und Vieh- böise; amtliche Devisen). 4 Uhr nachm.: Funkbörse(Getreide cif. Hamburg; Berliner Kolonialwaren-Großhandelspreise). 4.30— 6.30 Uhr nachm.; Unterhaltungsmusik(Bert. Funkkapelle). I. Norwegischer Brautzug, Grieg. 2. Ouvertüre zu der Oper„LestoC, Auber. 3. Hofbalitänze, Walzer. Lanner. 4. Mazurka, Dvorak. 5. Fantasie aus der Oper„Eu�fen Onegin", Tsohaikowsky. 6 Liebes- träum nach dorn Balle, Ozibulka. 7. Fantasie ans dem Ballett „Coppelia", Delibes. 8. Die Hnsaren kommen, Eilenberg. Während der Pausen:„Ratschläge fürs Haus". 7.45 Uhr abends: Vortragsreihe„Südamerika", Ii. Vortrag: Herr Dr. phil. Hugo Poethko, Buenos-Aires:.Argentinien, Land und Leute". 8.30— 10 Uhr abends; Erstes Gastspiel des Kabaretts.Zum springenden Funkpnnkt". Mitwirkende: llizzi Drossel. Hilde Falk, Lilly Flohr, Robert Koppel, Wolfgang Zilzer; Conference: Kurt Robitscbek; Regie des Abends: Dr. Karl Wilcynskj. Am Steinway-Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Glanzleistung ües A K. 5. 3700 Kilometer in 32 Stunden. %. R. 3 hat die von der gesamten technischen Welt mit großer Spannung erwartete Probefahrt, den Auftakt für die Ozeanüber- querung, hinter sich, und dieser Flug bedeutet«inen vollen Er» folg. Das Schiff hat alle Erwartungen voll und ganz erfüllt. Es hat in 3214 Stunden eine Strecke von etwa 3700 bis 3800 Kilometern zurückgelegt, ohne daß ein Versagen der komplizierten Maschinerie vorgekommen wäre. Vor allem haben die Schmerzenskinder der Werftleitung, di« Motoren, von deren Volleistung ja letzten Endes alles abhangt, durchgehalten. Di« je 400 Pferdestärken entwickelnden Maschinen hatten, wie dies bei Neukonstruktionen selbstverständlich ist, ihre Kinderkrankheiten durchzumachen, und man mußt: sich nach den ersten Probeslügen dazu entschließen, die Gleitlager, die den ungeheuren Druck von 12 Kolbenstangen auf die Kurbelwellen nicht auszuhalten vermochten, gegeti Rollenlager auszu- tauschen. Diese Verbesserung hat sich bewährt, denn aus der glänzenden Durchführung der Fahrt, aus den mitunter märck)«'.!- haften Geschwindigkeiten, die L. Z. 126 entwickelte, vermag auch der Laie zu schließen, daß die Motoren bis zum Augenblick der Lan- dung ihre v> lle Schuldigkeit gemn haben. Aber auch sonst hat das Luftschiff den außerordentlich hochgespannten Anforderungen vollauf genügt. Mit 73 Personen an Bord, mit vollen Wasser- und Benzintanks hat es die gewaltigen Temperaturunterschiede— die mittlere Tagestempcratur am Donnerstag betrug 14 Grad, wäh- rend auf dsr NachtfahrtoGrad herrschten— glatt überstanden. Obwohl man iidZr der See Gas ablassen muht«, weil die von den Motoren ausgebrauchten Bcnzinmengcn das Schiff„zu leicht machten*, war auf dein zweiten Teil der Fahrt kein Rachloffen der Tätigkeit zu bemerken. Man kann wohl sagen, daß nach dieser Probe in technischer Beziehung kein« Bedenken hinsichtlich der Ozean- uberquerung mehr bestehen. ?n Irieörichshafen glatt gelandet. Friedcichshafen, 26. September.(Eigener vrahtbericht.) Nach 32!4stündigel Fahrt ist Z, R. 3 um 5 Uhr 20 Minuten in Sicht der Lustschiffswerft gekommen und schwebte um S Uhr 25 Minuten, von den jubelnden Zurufen der gesamten Beleg- schast und der Friedrichshafener Bürger empfangen, über seinem Heimathafen. Wie schon gemeldet, hat sid) das Wetter am Boden- see in der Nachmittagsstunden leider sehr verschlimmert. Es wehte gegen Sit Uhr ein so steifer Nordnordostwind, daß die Werft- leitung sich veranlaßt sah, Reichswehrtuppen und Mannschaften der. Landesvolizei zur Verstärkung des Landungskommandos herbei- zuziehen. Man hat alle Vorbevtttungen getroffen, um mit inög- lichster Beschleunigung Z. R. 3 in die Holle hineinzubrwgen. Ein riesiger Raupenschlepper, der eine Spezialkonsttuktion besitzt, mit deren Hilfe es möglich ist, di« Führergondel unverrückbar fest auf den Schlepper zu schrauben, steht bereit, den Luftriescn in die Halle zu schleppen, um so zu oermeiden, daß der Riesenkörper etwa von einer Bös gepackt und etwa gegen di« Holle gedrückt wird. Um 5 Uhr 30 Minuten kreuzte das Luftschiff noch immer über der Stadt Friedrichshofen und den Bodenfo?, hatte jedoch den gelben Landung?. wimpel noch nicht gezogen. Offenbar oersuchte der Kommandant einen günsttgen Augenblick zur Landung abzupaffe».— Nach etwa einstündiger Kreuzfahrt über Friedrichshasen und den Bodenfee schritt der Kommandant der Z. R. 3, Dr. Eckener, zur Landung die um 6 Uhr 30 Minuten abends glatt erfolgte. Das Luft- schiff konnte nach halbstündiger schwerer Arbeit, die ober trotz alledem ohne Zwischenfall durchgeführt werden konnte, kurz vor 7 Uhr in dieHallegebracht werden. Ueber die Landung selbst ieilie der Navigationsoffizier, Kopitänleutnant o. Schiller, folge/ides mit: „Als wir nach Friedrichehafen kamen, lah das Wetter recht böse aus. Der Wind, der schon während des letzten Teils der Fahrt durch Schwaben aufgefrischt war, versteiste sich, und über Friedrichshafen pfiffen sch.vcre Regenböen. Wir gingen erst über' den Platz, um uig zu orientieren, mußten aber doch eine Stunde lang über dem See und der weiteren Umgebung kreuzen, bi» endlich der Wind etwas nachließ. Wir paßten glücklich eine Windpaus« ab und kamen glück- lich auf den Boden. Unten war alles tadellos vorbereitet, und w>r fielen den Haltemannschaften„sanft in die Hände*. Im Geschivlnb- schritt ging es zur Halle, wa das Schiff in di« Laufkatzen eingehängt wurde. Das schwierigste Strick Arbeit ivar dos Einbringen� aber wir kamen ohne jeden Unfall in die Halle hinein, und wenige Mi- nuten später war das brave Schiff an derselben Stell« verankert, di« es vor 34 Stunden verlassen hatte. Der Flug hat uns alle höchst zufriedengestellt, und wir sind fester als je vom G«- lingen unseres Vorhabens überzeugt. Die große Probefahrt war im ganzen herrlich. Besondere Freude aber«inpsan- den wir, als wir Berlin überflogen, als wir von oben sahen, mit welchem Enihusiasmus die Bevölkerung der Reichshaupi- stadt uns begrüßte. Es waren das Augenblicke, die wir alle nicht vergessen werden.* Z. R. 3 wird in den nächsten Tagen die wohl- verdiente Ruhepause erholten. Das ganz« Schiff soll«ingelMd nachgesehen werden, obwohl, wie nochmals betont werden muß, die Motoren und auch sonst die Maschinerie sich in tadelloser Ordnung befinden. Von der Wetterlage allein wird es abhängen, wann der Luftkreuzer zu seinem Ozeanflug aufsteigen wird. « Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit: Di« gestern veröffentlichte Notiz, wonach ein« von dem Lufffchiss Z. R. 3 abgeworfene Botschaft am Opernplatz von einem Beamten der Schutzpolizei beschlagnahmt sein sollt«, trifft nicht zu. Richtig ist, daß sich auf das abgeworfene Paket eine riesige Menschcmneng.' stürzte und auf diese Werse das Paket der Vernichtung anHeim zu fallen droht«. Der Beamte sah sich daher veranlaßt, das Pa ket im Interesse der' eigentlichen Finder— es handelt sich um zwei Per- fönen— für diese in Sicherheit zu bringen. Cr hat dann auch weiter auf Wunsch den Inhalt der Boffchast vorgelesen und das Paket alsdann den Findern ausgehändigt. Die angesammelte Men- schenmeng« wurde mühelos zerstreut. ver Maffenmörder Haarmann ist nach Abschluß der Be- obachtung seines Geisteszustandes in(Dötlingen wieder nach Hannover übergeführt und im GerichtSgefängniS untergebracht worden. In der nächsten, am 6. Oktober beginnenden Schwur- gerichtSperiode wird noch nickt gegen ihn verhandelt werde». sondern wahrscheinlich erst im November. Fünfhundert Fahrten Swinemünde- Villau. Dem Dampfer Odin, der zum 600. Male auf der Fahrt Swineinüude— Tanzig— Pillau begriffen ist. hat der Reichsverkehrsminister solgende» Funk. spruck gesandt:„Kapitän Clavicr. Dampfer Odin. Dem wackeren Schiff, das zum 500. Male da? blaue Band zum Deiili'chtum des Osten« schlingt, seiner Leitunq und Besatzung Glückwunsch und Dank. ReichsverkehrSminisier Oeser.' Städteschnellbahn Köln- Dortmund.. Nunmehr stnd. wie die »Kölnische VolkSzeilmig* aus antinformierter Quelle eriäbrt, die Vorarbeiten für den Bau der Städteschnellbahn zwischen Köln und Dortmund wieder ausgenommen worden. Sie sollen in so be- schleunigter Weise fortgesetzt werden, daß in nickt ferner Frist der Bau begonnen werden kann. Bei der Linienführung finden sowohl Schienen zu ebener Erde al« auch das System der Untergrund- und Hochbahn Anwendung. Die Unwetterschäden in Itatien. Infolge de? schweren Orkans rm Luganoial sind schwere Schäden entstanden. Fünf Perionen kamen um« Leben. Der italienische Arbeitsminister hat sich sofort an Ort und Stelle begebe». s WLetfchcrst das neue Statut üer Rentenbank. Von gut unt«rrichtet«r Seide wird WTB. geschrieben: Auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Rentenbank vom 25. September stand die Frage der Beschlußfassung über die neue Satzung der Deutschen Renten- dank zur Diskussion. Auf Grund des Gesetzes vom 30. August über die L i q u i d i e- r u n g des Umlaufs an Rentenbankscheinen muh, wie erinnerlich, die bisherige Satzung der Deutschen Rentenbank eine neue Fassung erfahren. Vorweg sei bemerkt, daß die neu« Satzung von den zahlreich veriammelten Vertretern der Landwirtschaft, Industrie, 5)andel und Gewerbe einschließlich der Banken ein st immig An- nähme gesunden hat. Bei Besprechung der einzelnen Satzungsparagraphen wurde . noch einmal auf den wichtigen Paragraphen 3 des Gesetzes über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen Hingewiesem. Wäre diese Bestimmung des Paragraphen 3, der die A u s s o n- derungsmöglichkeit von 25 Millionen für die Zwecke einer landwirtschaftlichen Kreditanstalt vorsieht, nicht vorhanden, so würde dieser Betrag nur zur verstärkten Tilgung von Rentenrnark mit verwendet werden müssen. (Ueber die Schaffung des neuen landwirtschaftlichen Kredit- instituts wird demnächst im Reichstag Beschluß zu fassen sein.) Eine wesentliche Aendsrung der Organisation der Deutschen Renienbank hat man nicht für opportun gehalten. Nach der neuen Satzung wird die zukünftige Generalverfamm- lung die Vertretung der Anteilseigner der Deutschen Renienbank sein. Sie besteht aus 110 Mitgliedern, die durch den Deutschen Landwirtschaftsrat(30 Mitglieder), den Reichslandbund. die Bereinigung der deutschen Bauernvereine, den Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften und den General- verband der deutschen Raiffetsengenossenschasten(alle dies« je 20 Mit» glieder) als Treuhänder der Anteilseigner bestellt werden. Fallen in Zukunft Organisationen fort, ja hat der Landwirt- schaftsrat den Ersatz zu bestimmen. Das gleiche soll gelten, wenn erhebliche Kräfteverschiebungen innerhalb der Organisationen, statt- finden. Aus der Generalversammlung kristallisiert sich der A u f s i ch t s- rat. Er besteht aus 33 Mitgliedern. Er wird von der General- Versammlung gewählt. Di« Wahl der Aufsichtsratsmitglieder ist entsprechend dem ZahlenverhSlnis vorzunel/men, nach dem die Gruppen in der Generalversammlung vertretungsberechtigt sind. Der Verwaltungsrat wird in Zukunft aus dem Vor- fitzenden und 11 Mitgliedern bestehen. Die 11 Mitglieder des Per- waltungsrats werden von dem Aufsichtsrat aus seiner Mitte ge- wählt. Der Vorstand der Deutschen Rentenbank wird vom Verwal- wngsrat bestellt. Die Verteilung einer Dividend« kommt nicht mehr in Frage. Slm Schluß der Debatte wurde bekannt, daß das Reichssmanz- Ministerium auch der Industrie, Gewerb« und Handel die Hälfte der Rentenbankzinsen vorlänfig stuN- den will. An Stell« des verstorbenen Dr. Roestcke wurde Geheimer Justiz- rat Dietrich zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen ReMenbank gewählt. vom Kapitel Preisabbau. Von einem Lcfor wird uns geschrieben: Neulich benätigt« ich eine bestimmte Bureaumafchln«. Ich fragte erst in einem Schreibmoschinrngeschäst in der Friderichstraße danach! hier wurde mir als Preis 6 0 M. für den Apparat genannt. Hierauf ging ich in ein großes Spezialgeschäft der Vureauartikel. brauche, wo ich für den gleichen Apparat 54 M. zahlen sollt«. Danach besuchte ich die Berliner Fabrikvertretung und hörte, daß der Wiedcrvcrkaufspreis für den Apparat auf 52 M. festgesetzt sei. Mein letzter Gang galt einem anderen Spezialgeschäft: hier war der Preis 4 8 M. Während meines Besuches in der Fabrikniederlage fiel mein Blick auf einen Zeitungsartikel, der zur Beachtung für di« dort ver. kehrenden Händler in besonderer Ausmachung an der Wand hing. Ein Hamburger Fochblatt wandte sich in dem Artikel gegen die „Verschleuderung" von Farbbändern. Es wurde ausgerech- net, bah der Wiederverkäufer 90 Pfz. für«in Farbband' zahlen müsse, dazu kämen 50 Proz� für Handlungsunkosten, außerdem andere Zuschläge und der Reinverdienst, so daß das Färb- band unter 1,90 M. nicht abgegeben werden dürfe. Leider aber„verschleuderten" die Warenhäuser und einzeln« tyaudler diesen Artikel: sie arbeiten nämlich nicht mit 100 und noch mehr Prozenten, sondern begnügen sich mit einem bescheideneren Nutzen. Der Artikel klang in die Mahnung an di« Händler aus, ihr« Waren „nicht zu billig" zu verkaufen. Noch ein dritter Fall, der mir aus der Press« bekannt geworden fft und auch hierher gehört. Eine Berliner Fahrradfabrik war mit den durch ihre Wiederverkäufer erzielten Umsätzen unzu- frieden: sie sah die Ursache darin, daß die Händler für sich einen viel zu hohen Nutzen berechneten und iricht verständen, sich der geschwächten Kaufkraft der Bevölkerung anzupassen. Um ihren Absatz zu heben, verkaust die Fabrik ihre Fahrräder minmehr direkt an Private, unter Herabsetzung der bisher im Einzelhandel üblichen Preise. Sie versichert, daß sie keine Schleuderpreise ansetze, sondern daß ihr im Gegenteil noch ein ansehnlicher Der- dienst bleibe. Der Gau Brandenburg des Re i ch s ve r b a n d« s deutscher Mechaniker hat sich daraufhin an die Verbände der Fabrikanten für Fahrradteile, Gummireisen und Frekiaufnaben gewandt und von ihnen die Zusicherung erhalten, daß die Berliner Fabrik von ihnen nicht mehr beliefert iverden solle. Das Unternehmen, bei dem sich diese Verkaussspenze auszumieten beginnt, hat an das Kartellgericht appelliert, um von diesem ein Einschreiten gegen die boykottierenden Händler zu erreichen. An diesen Beispielen, die sich aus den Erfahrungen des täglichen Lebens noch vieisach vermehren lassen, ist zu ersehen, daß es mit dem Preisabbau und mit der Preisnonnalisierun� noch gute Wege hat. Es geht vielen Leuten doch nichts über die schönen Infla- tionsgewohnheiten, wenn auch die Arbeiterschaft dann wegen der hohen Preise und des Absatzmangels unter den Schlittm kommt. krifenbekämpfung in den vereinigten Staaten. Di« Vereinigten Staaten, wo bekanntlich keine ösfent» liehe Arbeitslosensürsorge vorhanden ist, waren es, die in den letzten Iahren bewußte Schritte zur Regelung der Geschäfts- k o n> u n k t u r und Ausgleichung der regen und flauen Wirt- scherftsperioden unternommen haben. Auf diese Art soll der Ar- beitslosigkeit vorgebeugt werden. In den vom Internationalen Ar- preisaotleruaxell tur Nahrungsmittel. Durchschni(tseinkaufspr«Ise In Ooldmark dit Lebensmittel-Einzelhandels)e Zentner frei Haus Berlin. Oerstengraupen, lose., 18,50— 24,50 Qerstenprütze, lose... 17,50— 18,00 Haierfloeken, lose.... 20,00— 21,50 Hafergrütze, lose..... 20,50— 21.50 Rocgcnmehl 0/1...... 17,75— 19,25 Kakao, fettarm...... Kakao, leicht entölt,.. Tee, Souchon, gepackt. Tee. Indischer, gepackt. inlandszucker basis mel Weizengrieß........ 22,00— 23,50 i Inlandszucker Raffinade Hartgrieß 704/« Weizenmehl Weizcn-Auszugmehl... Speiseerbsen, Viktoria. Spciseerbsen. kleine... Bohnen, veiße, l erl... Langbohnen, handverle». Linsen, kleine....... Linsen, mittel....... 31,00— 37,50 Linsen, große....... 37,50— 39,50 Kartoffelmehl....... 18,75- 19,75 Makkaroni......... 43,00— Makkaronimehl...... 38,00— Schnittnudeln, lose.... 22,00— 26,00 Bruchreis.......... 16,50- 17,00 Rangoon Reis....... 18,00— 19,00 Taiclreis, glasiert, Patna 23,25— 31,00 Tatelreis, Java....... 31,25— 37,5* Ringfipfel, amerik.....«5,00— 90.00 Qetr. Pllanmen 90/100.. 40,00— 43,00 Pllaumcn, entsteint.,. 54,00—!8,00 Ca!. Pllaumcn 40/50... 60,00- 65.00 Rosinen in Kisten, Candia 65,00— 70,00 Sultaninen Caraburnu.. 80,00- 90,00 Korinthen, cholce.... 70,*0— 75,80 Mandeln, süße Barl... I89,M-1*5,*0 Mandeln, bittere Barl.. l/S,«0-180,00 Zimt(Cassia)....... 106.00-115,00 Kümmel, holländischer. 55,00— 65,00 Schwarzer PleflerSIngap. 168,00-115,00 Weißer Pfeffer....... 150,00-155,00 Rohkatfee Brasil..... 195,00- 220,00 Rohkal(ceZentralameriKa230,00— 2S3.O0 Röstkaifee Brasil..... 240,00-290,00 Röstkaffee Zantralam... 300,00—375,00 Röstgetreide, lose.... 18,50— 21,00 25,00- 26,75 18,50- 21,- 21,00- 26,50 18,00- 23,75 16,00— 18.50 22,00- 24,75 28,00- 31,75 18,50- 29,50 Zucker Würfel Kunsthonig.......... Zuckersirup heil In Him. Speisesirup dunk.inEim. Marmelade Elnfr. Erdb. Marmelade Vierfrucht. Pflaumenmus In Elmern Steinsalz, In Säcken... Siedesalz In Säcken,., Bratenschmalz in Tlerces Bratenschmalz in Kübeln Purelard in Tlerces... Purelard In Kisten.... Speisetalg in Packung. Speisetalg in Kübeln.. Margarine, Handaism. I desgl. M.»t.. Margarine, Spazialm.l. 75,00- 96,00 100,00-120,00 320,00—400,00 400,00-470,00 39,00-7 41,00 4I,C8— 43,00 44.00— 47,50 39,00- 42,00 40,00- 45,00 27,00- 31,00 90,00- 95,00 40,00- 43,00- 3,10- 3,60 3,70- 4,20 4.40- 5- 5,20- 5,80 83,50- 84,50 84,50- 86,10 81,50- 82,50 82,50- 83,50 65,00— 66,00 66,00- «00� 84.oo desgl. II.......... 69,00- 71,00 Molkereibutteria I.Fäss. 221,00-228,00 Molkereibutter, i. Pack. 231,00—— Molkereibutter IIa i, Fäss. 204,00— 266,00 Molkereibutter„ i. Pack.—— Auslandbutter in Fässern 235,00—236,01 Corhcd beef 12/6 Ibs p. K, 34,75- 37,00 Ausl Speck, geräuchert ICO.OO— I0;,öü QuadratkSse........ 40,00— 35,00 Tilsiter Käse, vqllfett.. II 2.00- II 5.00 Bayr. Emmenthaler... 160,00-170,00 Eqhter Emmenthaler... 170,00—190,00 Aus). ungezuck.Condens- milch 48/16........ 20,50-23�5 Inländische desgl. 48/12 16,50- 17,50 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00— 26,50 beiisami Herausgegebenen„Informations Sociales*(Band XI, Nummer 10) find diese Maßnahmen und ihre Wirkungen ausführlich behandelt. Das Zentralbankinstitut(bederal Reserve Board) hat nach&:r großen Krise von 1921 zur Zeit der Wieder- belebung der Konjunktur Krrdileinschränkungen durch Erhöhung des Zinsfußes und auch durch andere Mittel vorgenommen, um eine Hochkonjunktur ähnlich der Jahre 1919'20 zu o e r- Hinbern. Bekanntlich ist dies nur so weit gelungen, als sich die Hochkonjunktur nicht bereits 1922, sondern erst Ende 1923 einstellte. Im laufenden Jahrs ist die Hochf onjur ftur a b g es l a u t, Krisenerscheinungen, wie Produktionssinschränkungen und Arbeitslosigkeit, traten auf, woraufhin das Zentralinstitut zur Erweiteriing der Kredite schritt. In der Tat erfolgt« in den Sommermonaten bereits eine Belebung der Wirtschaft, Weichen Teil dies« Kredit- Politik an der Wiederbelebung hatte, läßt sid) nicht ermitteln. Größere Wichtigkeit dürfte ober wohl der Berge bung von öffentlichen Arbeiten beizumessen sein. EntspredMd der, Empfehlungen der Washingtoner Konserenz und einflußreicher amerikanischer Verbände, holt eine Anzahl von Gliedstaaten, wie Kalifornien, Wisconsin und jüngst MassachnWi?, Ge s e tz e für die Erweiterung der Vergebung der öffentlichen Arbeiten gebracht. Die Arbeitspläne müssen im voraus serliggestelli, die hierfür be- stimmten Summen für eine längere Periode, mindestens für fünf Jahre, bereitgehalten werden. Während dieser Periode erfolgt die Vergebung der Arbeiten jedes Jahr nach Maßgabe der privaten Konjunktur. Ire K r i j« n z« i t e n sollen di« Arbeiten vor- genommen, in Zeiten der Konjunktur aber z u rück- gestellt werden. Diese Produktianspolitit befindet sich zwo? noch im Anfangssiadium, dennoch ist sie aus der Theorie in die Praxis übergegangen. Die hier geschilderten Maßnahmen sind nichts anderes, als was wir unter„produktiver Erwerbslosen- fürsorge" verstehen. Das Hauptgewicht liegt auf der rechtzeitigen Vorbereitung der Pläne und Bereitstellung der nötigen Kredite, da- mit die Arbeiten beim Abstauen der Konjunktur sofort in An» griff genommen werden können. Anzeichen einer Konjunkturbefferung. Die Märkte der Bedarfswaren liegen noch außerordentlich st-ll. Die Messen von Leipzig, Köln und Frankfurt haben deutlich gezeigt. daß zwischen der Kaufkraft der breiten Massen und der Höhe der gegenwärtigen Preise immer noch eine Spannung besteht, die ein lebhaftes Geschäft nicht aufkommen läßt. Auf der anderen Seite steht jedoch die Tatjache, daß eine Reihe van Industrien nach Be- richten einzelner Gesellschaften und nach Mitteilungen von Syn- dikaten deutliche Anzeichen ein«? besseren Konjunktur auf- weisen, eine Beobachtung, die bestätigt wird durch die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Dieser hat bekanntlich nach fortgesetzter Zu- nähme der Arbeitslosigkeit eine gewisse Beruhigung erfahren. Bc- zirte wie Berlin und Sadsten, die bei dem ausgesprochen industriellen Charakter ihrer Wirtschaft immerhin symptomatisch für die Gesamt- läge der deutschen Industrie sind, verzeichnen nicht nur einen Still- stand der Arbeitslosigkeit, sondern teilweise sogar ene beachtlidi« Besserung der Nachfrage nach Arbeirskrästen. Das ist kein Wunder. Denn der Warenbedarf der breiten Masten ist so un- geheuer groß, daß im Notfalle selbst die höchsten Preise bewilligt werden. Andererseits jedoch ist die Kaufkraft ivichtiger Schichten der deutschen Bevölkerung gestiegen, so insbesondere d:r Land- Wirtschaft, deren Erlös aus Ackersriichien infolge erhöhter Getreidepreise wesentlich zugenommen hat, wo die Ernte nach einiger- maßen gut ausgefallen ist und glücklich hereingebracht werden konnte. Diesem Stand der Dinge entspricht«s, wenn heute die Kali- industrie einen geradezu hervorragenden Absatz nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland hat und Betriebe wieder in Gang setzen kann, di« noch vor kurzem stillagen. Ebenso ist der Absatz des Stick st osssynditats nicht ungünstig. Wenn überdies ein- zeln« industrielle Unternehmungen einen guten Absatz an land- wirtschaftlichen Maschinen im In- und Ausland berichten, so ist das ein neuer Beweis für die Rückwirkungen der Hebung der irtschaftlichen Kaufkraft auf dem inneren Markt, die eine Folge ohenjPMe. für A�rpro'cmkw slnd.h leben zeigen sich auch auf anderen Gebieten, die zum Teil im ursächlichen Zusammenhang« mit den genannten Industriezweigen stehen, beachtliche Zeichen siner Besserung des Geschäftsganges, Der Absatz von Braunkohle, der besonders durch die Industrie künstlicher Düngemittel angeregt wird, hat sich neuerdings in Mittel- deutfchland geradezu stürmisch gestaltet. Dabei dürft« auch die Tat- lache mitspielen, daß die Eindeckung der Hausbrandvtrbrmicher für den Winter bedarf jetzt endlich stärker einsetzt, nachdem sie nicht mehr hinausgeschoben werden kann. Selbst in der T« r t i l i n d ust r i« find aus einzelnen Gebieten deutliche Anzeichen einer Besterung zu püren. Inwieweit sich diese teilweis« Belebung der Industrie aus den Gesamtmarkt auswirkt, muß noch abgewartet werden. Was schon »MiMMeMIlM millwoch, t. Offober, obend» uflnffl. 7 Ahr. im„SrolncmOnbec Mesell- fchostshau»-. Smlnemünber Sir. 42: Brauchenversammlung der Eisenscrm er und Sernsagenosseir TaaeSordnung: Die Nruregeiung der A»ssch»bsrcge. Da« Ericheinrn oller Orgonisterfen ist Pflicht— Ohne Mitgliedsbuch fein gufrift. Achtung I MWMe Achtung! waiff Am Mittwoch, den 1. Oktober, finden die Przlrfavcrfrouenomanoer- konfec-nzcn in den deiannf Lokalen statt. Die zfoilegin. weiche ihre Legiiimations- larte noch nicht mit dem PerioricrNempei haden,'ersehen lasten, werden aufgeforderl, ihre stalle an den /uständigen«ejirts- leitet adzugeden, damit die starte ge- stempelt werden lami. Die Aertronensmannerfonserenz des Tiemcns-stvnzerns findet umstände» Haider eine»och« später stau. Vi« 0rl»o«r»alfnag. WM liefere Uli ÄW fertig und nach Maß Garantie för tadellos. Slb und Verarbeitung Eoorni! Ansfabl' Ii»«Dstofstn. twl« fert'P Sarderobt Maßschneiderei J. Kurzberg OranienstraDe 160. 1, Der Wlnier beginnt»ich bemerkbar zu machen. Sorgen Sie rechtzeitig für gediegene«, haltbares und dabei doch elegantes und preis- würdiges Schuhwerk, tür das der Namcuni er er FirmaGcwähr bietet Herren-Schnflrstiefel, echt. Rindbox, m. Zwischensohle, 50 Original-Rahmenarbeit.. Herren-Schnürstiefel, la Boxkalf mit Zwigchensohle, 1£Z50 Original-Rahmenarbeit.. IW Damen» Schnürstiefel, la Roßch evr., spottbillig. Stiefel R für den Herbst la 6kCie. ArQ. B b. 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Rosenthaler Straße 14 Potsdam, Brandenburger Straße 54 Neukölln, Bergstr. 30/31 Charlottenbnrg, Wilmersdorfer Str. 122/23 jetzt feststeht, das ist die Tatsache, daß die Durchführung der Dawes- Gesetze die Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage wesentlich gefördert hat Die Zahl der Arbeiter, denen so die entsetzliche Not der Beschaftigungslosigteit und die nicht viel g-e ringere der Kurzarbeit erspart wurde, geht bereits in die Hundert- tausende. Denn es kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß die wirtschaftliche Unsicherheit vor Annahme des Londoner Ver- träges zu einer Wirtschaftskatastrophe ohnegleichen hätte führen müssen. Es bleibt das zweifelhafte Verdienst nicht nur der Rechtsreaktionäre, sondern auch der Kommunisten, daß sie mit ihrer Ablehnung des Londoner Vertrages den jetzt deutlich erkennbaren Gesundungsprozeß aufhalten und die Arbeiterschaft in neues, größeres Elend führen wollten._ Der Neichsinüex für Sie Lebenshaltung. (1913/14-1) tl. März... 1.07 9. April... 1.11 23..... 1,13 3«..... 1,14 7. Mai.... 1.1S 14...... 1,16 21. Mai. 28... 18. Juni. 25.. 2. Zoll. 9.., Steigerung gegen die Vorwoche O.g Proz. Rekordernte in Buchweizen und Hülsenfrüchten. Die Statistische Korrespondenz veröffentlicht eine Ernteschätzung für Buchweizen und Hülsenfrüchte. Danach ergaben sich folgende Erntemengen: Buchweizen 362938 Doppelzentner gegen Borjahr mehr 62478 oder 17,6 Proz. mehr. Erbsen 1603833 Doppelzentner gegen Vorjahr mehr 203366 oder 16 Proz. mehr. Speisebohnen 62019 Doppelzentner gegen Vorjahr 14673 oder 39,3 Proz. mehr, Ackerbohnen 1134674 gegen Vorjahr mehr 107262 oder 10,4 Proz. mehr. Die Statisttsche Korrespondenz bemerkt dazu: Ab- gesehen von zwei Fällen ist die diesjährige Ernte an Buchweizen und Hülsenfrüchten noch in keinem der sechs letzten Jahre erreicht worden. Daß sich bis Anfang September trotz der geänderten Wetterlag,, die Beurteilung der Ernte nicht verschlechtert hat, scheint aus den Zahlen für Hafer und Gemenge für Hafer hervorzugehen. Im Staatsdurchschnitt lautet das Ergebnis für Hafer nach der Augustschätzung 18,4, nach der jetzigen(Septemberschätznngi 18,6 Doppelzentner für den Hektar. Für Gemeng« find die beiden Zahlen 17,0 und 16,8 Doppelzentner. Herabsetzung des Ruhrkohlenpreise«. Die Mitgliederbersamm- iung der Ruhrkohle A.-G., des jetzigen Ruhrkohlensyndikats, beschäftigte sich mit der Preisfrage und beschloß eine Herab- setzung vom 1. Oktober ab, die sich im Durchschnitt der Gesamt« liste aui etwa 10 Prozent stellt. Zunahme der weltschiffahrl. Nach dem Kriege war die Welt- schiffahrt in größter Bedrängnis, da infolge der Absperrung Deutsch- lands vom Wellmarkt erst nach und nach sich wieder ein geregelter Schiffahrtsverkehr entwickeln konnte. Unter dieser allgemeinen Krise hatte die Weltschiffahrt bis in die letzten Wochen hinein noch zu leiden gehabt. Zeitweilig hat sich dann der Frachtenmarkt gebessert, um im vorigen Jahr und bis loeit in dieses Jahr hinein einen neuen Rückschlag zu erfahren. Neuerdings macht sich wieder eine erfreuliche Besserung bemerkbar, die sich darin auswirkt, daß sich der außer Dienst befindliche, der sogenannte„aufgelegte" Schiffsraum in den europäischen Schiffahrtsländern An- fang dieses Jahres bedeutend verringert hat, insbesondere in den letzten Wochen, wo an den Ueberseemärkten ganz bedeutende Getreidekäufe erfolgten. So stellte sich die außer Dienst befindliche Tonnage in England auf 762 000 Tonnen gegen 1 136 000 vor Jahresfrist, in Frankreich auf 368000 gegen 846000, in Holland auf 123000 gegen 223 000, in Norwegen auf 16 000 gegen 207 000. Dagegen blieb die aufgelegte Tonnage in Nordamerika gegenüber dem Anfang dieses Jahres fast unverändert, und zwar 4 087 000 Tonnen._ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner.. Schwarz- Rok-Gold". Eeschäftssteli«: Berlin S. 14, Eeiastianstr. 37/38, Hef 2 Tr. Achtung! Wir machen darauf aufmerksam, daß am kommenden Somitoq die Kameraden nur an dem Republikanischen Tag in Buckow teilzunehmen haben, sonst an keiner weiteren Veranstaltung.— Teil» nehmcrkarle» zu 3.30 M, sind noch am Sonntag früh bis 614 Uhr am Echlc- fischen Bahnhof erhältlich. Der Gauvorstand.— Sameradschaft Berlin»Mitte, Am Sonntag, den 28. September� Fahrt noch Buckow, Treffpunkt 6 Uhr früh am Schlesischen Bahnhof.— Sameradschast Zchleubors, Untergruppe Zehlendorf. Ani Sonntag, den 28. September.>Zg Uhr Treffpunkt am Bahn- Hof zum Ausflug nach Teltow. Liederbücher und Mundvorrat mitbringen.— Sameradschast Schänederg. Am Montag, den 2g. September, abends 8 bis 10 Uhr. Turnabend in der Turnhalle der Wartburgichule. Insbesondere die Iungniannsckiaft muh erscheinen.— Sameradschast Wedding. Am Montag. den 2g. September, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung mit Frauen im Pahenhofer Ausschank. Chausseestr. 64. Bortrag des Kameraden Lammcrich.— Kameradschaft l». Buchholz. Untergruppe. Am Montag, den?S. September. abends 8 Uhr, Untergruppenoerfammlung in Buchholz bei Rossack. Haupt- ftrahe 71.— Kameradschaft Riederschoncweide. Die Uutcrgruppcnleitungen werden gebeten, zu veranlassen, dah die Untcrgruppen-Kaliiercr alle Rest- bestände umgehend beim Kreiskassterer Schaller, Kicfholzstr. 185a. abrechnen. _ Die Komcradschaftslcitung. Gewerkschaft Deutscher Volkslehrer. Sounobend. 27. September, 31? Uhr nachm.. Bestätigung und Führung im Institut für Sezuolwissenschaft, Ecke Beeihooenstrahe und den Zelten. Um 8 Uhr im Hacckclsaal Vortrag: st. Dr. Magnus Hirschfeld über:..Sexuelle Aufklärung oder sexueller Aberglaube." 2. Kollege Schöne über Racktkörperkultur. Anschlichend daran Diskusston. Gäste willkommen. Männerchor Fr. Di« Sangesbrüder treffen sich Sonntag vorm. lglh Uhr vor dem Drohen Echaulpielhaus. Eingang Schisfbaucrdamm. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 1611 Uhr im Stadthaus. Kloster» strahe 50,„Jugendweihe". Festrede Herr A. Harudt. Harmonium, Geige, Gesang. Gäste willkommen. Einsendungen für diese Rubrik find Bcrl>u GW. 68, Lindenstrahe 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet» an das Bezirkssrkrrtartat, 2. Hof, 2 Trrp. recht», ,u richtra. Achtung, Kassierer! Von den Parteiabzeichen ist gegenwärtig wieder ein Posten Radeln und Broschen zum Preise von 1 M. pro Stück in unserem Bureau eingetroffen und gegen soiorttge Bezahlung erhältlich.— Die Kassierer werden gebeten, die Bestellungen in den Abteilungen wieder zu sammeln. I. A.: Alex Pagels. 123a. Abt. Kaulsdors-Süd. Sonnabend, den 27. September. 71h Uhr, Restau- abend L• C4 U L. J\ UU1 wiau i;■ U L• II IIUI'WIU. t-uai-•. w»-v-—■ rant Sanssouci. Mitgliederversammlung und Kahlabend. 46. Abt. Die Bezirkstassierer werden gebeten, beute. S '»-Ji!*___-____ ÖW�.v... heute, Sonnabend. beim Genossen Urban. Görlißcr Str. 37, bestimmt zu erscheinen. heute, Sonnabend, den 27. September: Bernau. Sonnabend 27. September, abends 7% vhr, Gruppenkon forenz im Lokal Modisch, Kaiserstraße. Alorgen. Sonntag, den 28. September: Zuugsozialisten. Gruppe Fricdrichshain und Süden. Vorm. 7 Uhr Treffpunkt Stettincr �ernbahnhof. Sonntagsrückfahrkarte bis Rüdnitz. Tlrbeiterfport. Freie Turnerschafi Groh-Bcrlin. Die für Sonnabend, 2 7. Septem- b c r, fcstgesehte auhcrordcntlichc Vereinsoersammlung findet erst am wonn- abend. 11. Oktober, im Gcwerkschaftshaus statt. Tagesordnung:„Für oder gegen den Bund?" �... Schwimm verein Vorwärts 1897, E. V. Sonnabend, den 2 7. Septem- der. pünktlich 7% Uhr, Bollversuunnlung im Gewerkschaftshaus, Engel- ufer, Saal i. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines icden Genossen, zu erscheinen.. � � cm• Gcohes Arbeitcr�uhball.Wettspiel in Borsigwalde. B FC. Mi. nerva 101 und Pankow 081 treffen sich am Sonntag, den 2 8. S e p. kein b er. nachmittags 4 Uhr. Vorher untere Mannfchafteu.<-..» Berliner Arbeiter-Schach-Club. Die Abteilung„Osten' des Berliner Arbeiter-Schach-Clubs— Spicllokal Rauter. Große Frankfurter Str. 10 beginnt am Dienstag, den 3 0. September, einen Kursus über«cyacy. ftratcgic. Leiter ist der Berliner Klulnneistcr Otw D e u t s ch m a n n. Dem Kursus geht eine kurze Einführung in das Schachspiel'voraus, so daß auch Anfänger dem Bortrag folgen können.— Am 5. Oktober, vormittags 10 Uhr. beginnen Gewertschaftshaus. Engelufer, die Winterturniere des Berliner Arbciter-Schach.Clubs. bestehend aus Mannfästifts. und Einzcl-Merftcrschaft, sowie Reben, und Iugcndturnier. Wir machen alle Freunde des Schachspiels und der Arbeiterklasse auf diese schöne Unterhaltung im Kreise Gleichgesinnter aufmerksam. Besonders die Jugend sollte nicht versäumen, die Spieltage der Abteilung..Osten" jeden Dienstag um? Uhr Große Frankfurter Str. 10 bei Rauter zu besuchen.— Sckiachwettiämpfe in Biescnthal. Am Sonntag, den 2 8. d. M., treffen sich die Arbeiter-Schachvereine Ebers- w-alde und Bernau zum Mannschaftswettkampf um die Bezirksmeister- schaft(1 Runde) in B i e s e n t h a l. Das Spiel findet nachm. 1 Uhr m Lokal von Ritt tGeiellschaftshaus), Biesenthal. Königstr. 1, statt. Gaste willkommen. Eintritt frei._ Weitet für Berlin und Umgegend. Uebcrwiegend bewölkt und später Regen bei schwachen südöstlichen Winden.— Für Seulschland. Im Westen und Süddeutschland Regensälle, die sich ostwärts ausbreiten werden. Im Südosten Irockni. MW Staats-Theater Opernhaus 7l«hh v. Dam Dramatisdi.Tiieater Chausseestr. 30/31 Tel.Norden 10160/61 Tägl. T'/j Uhr: Homöiiie om Rosa v. F. A. Angermayer Theuier am HoUiHuserTor Täglich 8 Ohr n. Sonnt, nachm. 30. I Elite- Mer Fabelhaftes Ssplemher- Programm I 2 mal 500000 Goldmark 1 mal 300000 Goldmark 1 mal 200000 Goldmark 1 mal 150000 Goldmark 6mal 100000 Goldmark Preis V« 3. Ve 6.'/- 12. Vi 2411. Post�ebabr besonders. tiall, Lotterie- Rnfl Eionehnsr UCll Mrilger GroßeVolksoperi,n Theater 7V3 desWestens uhn Die Zarenbraut Reichshalien.Theat. Abends 8 U. u. 8tx. nachm. 3 Uhr Stefttlner Sänger Neu: Mutter uff Reisen Hadtm. halbe Pr. b. voll. Abcndurogr. DöniWetti;"prrogr!: Po£Ulär�reiscj »f Reichshi mg Abends S V. u. 4# Stetti an ajffNeU: M vdra�NzdiB.hal RW Döoiiott UJAm Anf.71/?. Sonnabend, 27. Septbr. nachm. 2 Uhr Resideaz-Th. Dir.: Fei. Meinhardt Täglich 8 Uhr: Die vier Schlaumeier Nisik von Waller W. Ü-ehe Oskar Sabo, Batty Faiwr. Karl Wailaoer KRONE SchtfnhauserAliee• Hochbhf.Danzigerstr. Telephon: Humboldt 705 Die SENSATION BERLINS!!« 85 Täglich abends 8 Uhr; Sonnabend nnd Sonntag andt 4 Uhr: Circus-Sensationen l!! In 3 Manegen!!\ 85 KR0KE-Z00 l'S.'V"""""" ■Uhr abend« seöBnet Vorverkanl: CireuEkl's'"°-w<"1' beim- Tdaatertissee Walhalla am Rosenthaler Tor GroQes Internationales Variete- Programm I Anfang 8 Uhr Preise: 0.6«, I.., I.SO, 2.- usw. ?'/. [eotral-m. T/, Alte Jakobstr. 32 Dir.: Hans Felix G'wisjeoiwurm Karl Ell Inger, Heb. Müllir, 0. Eid. Saiter-Snrh. St. Ish Sonnabend 3 Uhr: Die Karlsschüler Täglich 8 Uhr; Gastspiel Adolf Philipp Die Reise nach Amerika 3 Biller in dem leben te t e p Casino-Theater Täglich 8 Uhr: Oat irstkl. boote Projr. Zum Schluss: Der Eröffn.-Schlag. MüetesdiSn seinl Komödie in 4 Aufz. Volkstüml. Preise B« Letzte' Tage Winsto ns Seelöwen und Kose-Theater| 8 Uhr: Oer WeiiierteiDd , nur noch heute n. morgen geöffnet!| Feuerwerk Eintritt zs p(. Konzert Vergonguggspitk] am Lehrter Bahnti. ULAP I Sonntag mit allen Attraktionen geöffnet 1 Kind fr ei Eintritt 80 Pf. 1 Ki�d fre* HomfsdieOperj Direktion; James Klein s Uhr Allabendlich 8 Uhr| | Di: imltiph and grtflb Rene alln Zeitin: Das hal die Welt| nodi nidit öeseh'n i Snhpiel üsnnenlager Leo Slczak| über 250 Mitwirkende p d e ck e n preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strofamandel, 72Wallst.723il.Splttelmarkt, E.SeydeIst.u.klIkolsdurg.PI.2 AlteStevvbeck.werb aufpeard. D«�l� ------------- l'audeiiLtraße 48-------------- Vom SS. September bis 2. Oktober, abends 7 Uhr SÜDAMERIKA- Film»Vortrag II. Teils Madeira, Las Palmas, Teneriffa und Argentinien An Bord des Lloyddampfers„Sierra Ventana"/ Prächtig» Meeresstimraungen und Landschaftsaufnahmen/ Bodenerzougnisse und Tierzucht/ Zähmen wilder Pferde/ Die Ignassuwasserfälle/ Leben der Ansiedler/ Montevideo/ Bnenos Aires - Vortragsredoer; Obering. 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Es kann nicht Geld genug dafür ausgegeben werden. weil die Erfahrungen mit der Erhebung der hanszinssleuer und der Verwendung des Aufkommens sür den Hausneubau uns befürchten läßt, daß die Mittel dem Hausbau nicht schnell I genug zufließen, fordern wir, daß die aus der hauszinssteuer siießenden, zur Förderung der Reubautätigkeil bestimmten Mittel auch in vollem Umfang und aus schnellstem Wege dem Daumorkt zugeführt werden. Ferner soll das Slaatsministerium, sowie es die günstigere Ge- staltung der Finanzen zuläßt, für die Förderung des Wohnungs- ncubaues über den im§ 2 Abf. 2 der zweiten preußischen Steuer- Notverordnung vom 19. Juni 1924 festgesetzten Anteil hinaus weiter« Mittel aus der Hauszinssteuer zur Dcrsügung stellen. Wenn wir im Augenblick auf die Besteuerung des ländlichen Haus- besitzes verzichtet haben, so verzichten wir damit natürlich keines- weqs auf unsere prinzipiell« Forderung, daß der ländliche Haus- besitz ebenso besteuert werden muß, wie der städtische. Die Deutschnationalen haben beantragt, in das Gesetz ungefähr die Grundsätze hineinzuarbeiten, welche uns jetzt in der Entschließung des Hauptausschusses vorliegen. Die Ausnahme in das Gesetz hat sicherlich sehr viel sür sich, aber nach Lag« der Ding« ist zu befürchten, daß das Gesetz dann nicht durchgeführt werden karn. Die Gefahr einer Sabotierung des Gesetzes wollen wir vermeiden. Deshalb beschränken wir uns darauf, den Ent- fchließungsantrag des Hauptausschusses anzunehmen, der unter an- derein an das Staatsministerium folgende Forderung stellt: Bei der Durchführung der ersten und Zweiken Steusrnoiver- orlmung soll aus Sozialrentner. Kleinrentner. Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Erwerbslose, sowie aus die Besitzer kleiner Eigenheime, welche die hauszinssteuer nicht auf die Mieter abwälzen können, und in besonderen Rotsällen aus die Inhaber von sogenannten Fremdenheimen in den Bade- und Kurorten während der saisonlojen Zeit, wie überhaupt aus be- sonders bedürftige Personen, durch Slundung, herabsehung und Erlassung der Steuer besondere Rücksicht genommen werden. Im besetzten Gebiet soll bei Anträgen auf Herabsetzung, Stundung und Erlaß besonderes Entgegenkommen gezeigt werden und die Hauszinssteucr für April bis Juni 1924 soll dort, wo sie infolge von Maßnahmen der Besatzungsbehörden nicht erhoben werden konnte, ganz außer Hebung gesetzt werden. Schließlich soll auf die Gemeinde dahin eingewirkt werden, daß die den Gemeinden vom 1. Oktober 1924 ab zufließenden Mehrbeträge für die Neubautätigkeit in erster Linie zur Errichtung von Wohn statten für kinderreiche Familien verwendet werden. Wir haben das Vertrauen zur Staatsregierunq. daß sie im Sinne dieser Entschließung verfahren wird und stimmen daher den beiden preußischen Steuernylverordnungen, wie si« im ständigen Ausschuß seinerzeit verabschiedet wurden und ebenso dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der preußischen Steuernotoerordnung, wie er hier vorliegt, sowie dem Entschließungsantrag« zu. Abg. Frau Arendsce(Komm.) wirst der Regierung vor, daß sie zur wirklichen Abhilfe des entsetzlichen Wohnungseiends bisher kaum etwas unternommen habe. Abg. Dr. Höpker-Aschosf(Dem.) oerlangt, daß von den Land- wirten die Hauszinssteuer erst nach der Ernte erhoben werde. Di« ungeheure Steuerlast der Hausbesitzer müsse erleichtert, von einer Erhöhung der Hauszinssteuer Abstand genommen werden. Abg. Dr. kaushold(Dnat.) erklärt sich mit den im Ausschuß erreichter Erfolgen zufrieden. Nach dem mecklenburgischen Beispiel sollten alle Personen, die nur bis 720 Mark Jahreseinkommen haben, von der Hauszinssteuer befreit werden. Die Erträge der Hauszinssteuer müßten im weitesten Umfange zur Schaffung neuer Wohnungen verwendet werden. Finanzminister Dr. v. Richter bezeichnet die Wünsche des Abg. Dr. Höpker-Aschosf angesichts der Finanzlage des Landes für un- erfüllbar. Wohlfahrtsministe? hirlsiefer bedauert, daß der Staat von den erhöhten Erträgnissen der Hauszinssteuer nichts erhalten solle. Der staatlich« Ausgleichsfonds bedürfe dringend erhöhter Mittel zwecks Herstellung neuer Wohnungen. Besonders Ober- s ch l e s i« n und die besetzten Gebiete erforderten erhöhte Unterstützung. Der Minister überläßt dem Hause die Berartwor- tung für die sich besonders in diesen Gebieten entwickelnden Zu- stände. Wenigstens soll man die Mittel zwischen Staat und Ge- meinde teilen. In der Abstimmung nimmt das haus mit sehr großer Mehr- heil sämtliche Anträge des Hauplausschusses und den von ihm vor- gestl'lagenen Gesehentwurs in zweiter und sofort auch in dritter Beratung an. Dem Anirag Grzesinski betreffend die Zuführung der zur Förderung der Reubautätigkeit bestimmten Mittel aus der hauszinssteuer an den Baumarkt usw., wird ebenfalls zugestimmt. Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Das Haus setzt die Be- ratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Vermal- tung fort. Es sprechen die Abgg. Skjellerup(Komm.) und Biester(D. Hrnnnov.). Abg. Dr. Schreiber-Hall«(Dem.) lehnt den Gedanken ab, die Reparationslasten etwa auf dem Umweg über ab- wälzbare Schutzzölle den breiten Masien der Bevölkerung auf, zubürden. Die Notwendigkeit einer Erhöhung der Getreidepreise um 56 oder 55 Mark st Tonne sei nicht anzuerkennen, Um 5 Uhr wird die Weiterberatung auf Sonnabend II Uhr vertagt._ Schutzzölle und Stäötetag. Einsozialdemokratischer Antrag. Die Reichsftädteordnun g Hannover. 26. September.(Eigener Drahtbevicht.) Zu Beginn der heutigen Tagung des Deutschen Städtetages brachten die Kam- munisten eine ihrer üblichen Entschließungen zur Erwerbslosensrage vor. Die sozialdemokratische Delegation beantragte zur Frage des Schutzzolles folgende Entschließung: „Der 6. Deutsche Städtetag in Hannover erkennt eine der wichtigsten Aufgaben der Stadtgcmeinden in der Milderung der Folgen der Wirtschastsnot für die breiten Schich- ten ihrer Bevölkerung. Darum sieht er in dem Plane der Ein- führung von Getreide- und Schutzzöllen, die ein« Erschwerung der Ernährungsverhältnisse mit sich bringen müssen, eine Gefahr für die Erfüllung der sozialen Pflichten der Städte. Er fordert darum von der Rcjchsregierung die Zurückziehung der dem Reichstage vorgelegten Schutzzollvorlag«." Der Städtetag lehnt es ab, beide Entschließungen zur Beratung zu stellen. Auf Anregung des Borsitzenden, Oberbürgermeister Böß. wurde aber beschlossen, sie dem Vorstand als Material(!) zur Verfolgung zu überweisen. Die Referat« des heutigen Vor- mittags wurden von Oberbürgermeister Dr. B l ü h« r- Dresden und von Oberbürgermeister Luppe- Nürnberg über die Schaffung einer einheitlichen Reichsstädtcordnung gehalten. Die sozial» demokratisch« Delegation legte dem Städtetag dazu fol. gende Resolution vor: I. Die sozialdemokratische Delegation begrüßt den Gedanken der Schaffung einer Reichsstädte ordirung als einen wichtigen Faktor für die Reichseinheit. II. Von ihren grundsätzlichen Forderungen ausgehend, betont sie die Notwendigkeit einer gesetzgeberischen Regelung für Stadt- und Landgemeinde auf folgender einheitlicher Grundlage m Form einer Reichsgemeindeordnung: A) Beschließendes und verwaltendes Organ der Gemeinde ist die von der Bürgerschaft auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts gewählte Gemeindevertretung, die sich zur Ausführung der unter einheitlicher Leitung stehenden beamteten Organe bedient. L) Im Rahmen einer organisierten Derwaltungsresorm sind den Gemeinden nur die durch die ordentliche Gesetzgebung«in- geschränkte autonom« Regelung alle örtlichen Ausgaben vor- behalten. Di« staatliche Aussicht beschränkt sich aus die Ueberwachung des gesetzgebenden Teils der gemeindlichen Maßnahm«. Di« Behandlung der Fragen auf dem Städtetag ergibt, daß die Deutschnationalen und das bayerische Zentrum grundsätzlich gegen den vom Vorstand des Städtetages vorgelegten Entwurf sind, weil sie eine veichsyesetzliche Regelung dieser wichtigsten Materie unter keinen Umständen wünschen. Infolgedessen machte sich wider Erwarten um 1 Uhr nachmittags eine Unterbrechung der VerHand- lungen notwendig. Di« Nachmittags- und Schlußsitzung beschäftigte sich dann noch einmal in eingehender Diskussion, an der die Vertreter aller Parteien sich ausgiebig beteiligten, mit dem vom Vorstand vor- gelegten Entwurf. Außerordentlich intevessant war es, zu be- obachten, wie selbst in dieser keineswegs demokratisch zusammen- gesetzten Körperschaft der von der Sozialdemokratie ver- treten« Gedanke des Einkörpersystems für die Stadt- Verfassung immer mehr zur Geltung und zum Durchbruch kam. In der Vormittagsverhandlung hatte bereits Oberbürger- meister Dr. Luppe- Nürnberg in außerordentlich interessanter Weis« die bayerisch« Stadtratsverfossung geschildert und daraus hingewiesen, daß bei dieser Form der städtischen Verfassung, die dem Gedanken des Einkammerrechts weitaus am nächsten kommt, die Verwaltung viel reibungsloser und knapper cor sich geh« und daß heute in Bayern niemand mehr daran denk«, diest Verfassung aufzugeben. Auch in der Diskussion wurde von mehreren Seiten und be- sonders in sthr wirkungsvoller Weist von dem Ludwigshastner Oberbürgermeister Dr. Weiß in Ablehnung der Auffassung preu- ßischer Oberbürgermeister auf die Vorzüge dieser demo- tratischen Stadtverfassung hingewiestn. Für die sozialdemokratische Delegation begründete Oberöürger- meister Bruno Asch- Höchst a. M. die bereits von uns mit- geteilte Entschließung der Sozialdemokratie zu dem vorgelegten Rahmenentwurf. Genosse Asch betonte besonders, daß dst Sozial- demokratie unter allen Umständen den Gedanken einer reich»- gesetzlichen Regelung als«inen wichtigen Fort- schritt aus dem Wege zum Cinhettsstaat begrüße und daß fie diest Bestrebungen mit allen ihr zur Derfügung stehenden Mitteln unterstützen werde. Im übrigen übt« er unter aufmerksamster An- teilnahm« des Städtetages eine eingehende, sachlich begründete Kritik an den Einzelheiten des Entwurfs. Ein« Zeitlang schien es, als ob die Annahm« des Entwurfs nicht sicher wäre. Sowohl die Deutschnationalen wie leider auch das Zentrum konnten sich aus partitularistischen Gründen nicht dazu entschließen, den Gedanken einer reichsgesetzlichen Regelung anzuerkennen und da auch die Bvlkspartei im Schlepptau der Deutschnationalen segelte, so bestand die Gefahr einer Ablehnung dieses wichtigen Gedankens. Di« Situation wurde gerettet durch das Auftteten des sozialdemokraischen Oberbürgermeisters B s i m s» Magdeburg, der in sehr eindringlicher und wirkungsvoller Weise dem Städtetag klarmachte, daß unter keinen Umständen dieser wich- tige geschichtliche Fortschritt vom Stätdetag ausgehalten werden dürfe. Beims schlug folgende Entschließung zur Annahm« vor: .Der Vorstand ist beauftragt, den Entwurf noch einmal zu bearbeiten unter Berückslchtimmg der eingebrachten Anträge. Da- nach ist der Entwurf der Reichsregierung zur Schafsnng eines Rahmengesetzes vorzulegen." In der endgültigen Schlußabstimmung gelangte die Entfchli«. ßung des Genossen Beims mit einer beträchtlichen Majorität zur Annahme, obwohl es die K o m m u n i st e n sich nicht ver- sogen konnten, dagegen zu stimmen. Fragen Sie Jtfcren Das soziale Silö Veutfcklanös. Vortrag des Prof. Eulenburg im Berei» für Sozialpolitik. Nach dem„Fall Samba rt" hatte der Verein für Sozialpolitik auf seiner Tagung in Stuttgart ein ernstes wissenschafrikhes Erlebnis durch das Referat von Professor Eulenberg über„Die sozialen Wirkungen der Währungskrise" und die Aussprache darüber. Das Problem Eulenbergs war: welche Aenderungen in der Struktur der Klaffen, im Verhältnis der Klaffen zueinander und zur Gesellschaft eingetreten sind. An die Spitze stellte er eine Betrachtung über die allgemeine Verarmung Deutschlands. Er bemißt das Sozialprodukt von heut« auf etwa zwei Drittel der Sozialprodukte der Vorkriegszeit. Zunächst untersuchte er die Klasse der Besitzenden, der K a p i. to listen. In dieser Klasse sei die größte Enteignung dgr' Weltgeschichte vorgekommen, die Verwandlung des Be- sttzes von Geldkapital. Di« Menge des Kapitalbesitzes Hab« vor dem Krieae mindestens läv Milliarden Mark Gold betragen. Bis auf wenige Rest« sei diese große Kapitalmeng« in dem Orkus der Jnslakion verschwunden. D!«ll:ich! sei noch ein Ack'el bis ein Zehntel daocn übrig. Wer find die GliiirbicKM, die im Besitz dieses Kapitals waren? Sie waren eine große Anzahl von Personen aus allen Klassen bis zum Ar- deiter. S i e sind enteignet worden, nicht eine kleine Anzahl von Kapitalisten. Die Konsequenzen daraus sind: 1. Zunahm« der Aahl von Erwerbsuchenden, Andrang zum Beomtenkörper. zum Studium, zuln Spekulanten- und lsändlertinn. Das Problem ist: w i e s o l l e n dies« Mensche.n abgebaut werden? 2. Zerreißung des Zusammenhangs zwischen Besitz und Bildung. I. Ertschutdung pon Grundbesitz und �ausbesitz und Geschäfrsentschuldung. Diese Kehr- feite ist von grundlegender Bedeutung. Ich schöiz«, daß die f) rüste de? Verlustes— etwa 70 Milliarden— die' Schuldner erhakten bgben, die ander« chälfte ist tatsächlich verschwunden. Notwendig ist die /Zahl der Gewinnenden kleiner als die der Verlierer. Nur ist die Frage: Hot nicht auch der Realbefitz. gelitten? Verkauf von Sachgütern ist nicht Verlust, sondern Verschiebung. Hat man wirklich von der Substanz gezebri? Zum Teil tatsächlich durch den Verkauf ans Ausland. Die Zahlenangaben darüber schwanken. In einem Jahr ist z. B. knapp 1 Proz. des Hausbesitzes an dar Aus- land' veräußert worden. Jedes fünfzigsic Haus in Deutschland ist also aufgegessen worden. Verlust hätte eintreten können durrb das Vernachlässigen des Produk- tionsapparates. Aber hier ist der Realbesitz erhalten und Abnügung ersetzt worden. Der S a ch b« s i tz ist im ganzen gekräftigt aus der Inflation bervorgeggngen. Dann die Schicht der Unternehmer. Sie ist oekröstigt und gestärkt worden. Sie ist der Sieger der. Inflation. Es war die arr-ße Zeit der Händler und Gründer. Wir besitzen drei» mal soviel Aktiengeselllchaften wie vor dem Kriege. Es war die Blütezeit der Spekulation. Moralinfrei sind diese Gründer Zweifels- ohne. Danehen hat eine Konzentrationsbewegung eingesetzt, die durch die Inflation in Ausmaß und Tempo erst ermöglicht wurde. Das. ist die Vertistilkonzentfation, da- Entsleben großer wirtschaftlicher Herzogtümer. Hier stt die wirkliche Flucht in die Sachwert«. Nur e-i ne.Grvvpe geht geschwächt hervor: die Da n k o k ra t i e. Sym- boli'ch dafür.ist der Erwerb des größeren Teils der Aktien der Berliner Handelsoestllschast durch Stinnes. Drittens der Mittelstand. Er ist vernichtet, soweit er Ein- kommen aus Kapiül besaß. After auch trotzdem sind bei den von Einkommen au? Erwerb Lebenden Aenderungen eingetreten. Das Handwerk ist weiter geschwächt worden. Der städtische Grundbesitz dageoen ist erheblich gestärkt. Das Beamten- t u mü sozial ist die Stellung des Beamtenwms erheblich gestärkt, es steftt gefestigter da als ehedem. Di«. S te l le ist heute der Besitz. nachdem der andere Besitz geschwunden ist. Dieser Vertrag des Beanzien ist vom Staate oehasten worden. Die Zahl der Volks- schule r Hot abgenommen, die Zahl der Mittelschüler zugenommen. Das ist däs Streben nach der Stell« und d«r Pensions- bercÄtiguna. In einem Punkte ist«ine große Aenderung ein» getreten: di« Zlbhängiqksit all dieser Schichte» hat zv�nomme». Zuletzt die Arbeiter. In der Inflotionsperiode genoß die Arbeiterschaft relä'iu den Vorteil der BelchSfkigung. Der Lohn war niedrig, ober der Arbeiter bat:« eine Eristenz. Cr hatte einen Bor- teil durch die Höh« der Wohnungsmiet«. Abschluß einer Arbeitsgame inschast, Erhaltung de- Achtstundentages, Zunahm« der Tarife verträg?— das sind Symbole für di« relative Stärkung der sozialen S'ellung der Arbeiter. Anders feit dem Ruhrkampf und der Sliabilisierüng der Währung. Die'ArbAler heben eine Posiklon nach der anderen aufgebe» müssen: der Achtstundentag ist durchlöchert die Tarifverträge hinfällig. Aber auch in Zukunft wird die soziale Stellung der Ar- beitergeschwächtsein. Wenn nicht Betriebsmittel vorhanden find, nützt kein Kampf und keine Organisation. Wenn kein« Be- schäsligung möglich ist, wird auch die soziale Stellung der Arbeiter geschwächt bleiben. Di« Spann« zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern hat erheblich nachgelassen. Die Arbeiteraristokratie ist geschwächt, ein« Degradierung gewisser Arbeiterschichten ist eingetreten Aber auch in ihrer Organisation ist die Arbeiterklasse geschwächt. Die zunftmäßige Organisation ist den industriellen Herzogtümern nicht gewachsen. Nun ein« Zusammenschau: l. Bor dem Kriege war dos Verhält- nis von Besitz zu Erwerb 3: 7, jetzt 3: 17. Das bedeutet Degra- Unsere Jugendweihen! Morgen, Sonntag, den 28. September, vorm. 11 Uhr finden die Jugendweihen in den folgenden Grten statt: Berlin: Großes Schauspielhaus, Karlstratze Charlottenburg: Staatstheater(fr. Schiller-Theater) Grolmanstraße j?riedenau: Realgymnasium. Homuthstratze Steglitz: Lyzeum I, Rothenburgstratze 18 Treptow: Realgymnasium, Neue Krugallee 6 Pankow: Lyzeum. Görchstraße 42 ??riedrichshagen: Realgymnasium, Schulstr.(vorm. 10 Uhr) Tegel: Humboldtschule(vorm. 10 Uhr) weiheredner: Herr Dr. Deiters/ Herr Joh. Haß, Stadtder- ordnetenvörsteher/ Herr Max Kreuziger. Rektor/ Herr Dr. Lohmann/ Herr Erwin Marquardt, Studienrat/ Herr Otro M e i e r, M. d. L. I. Frau Klara Böhm- Schuch, M. d. R. Herr Dr. Fritz W ü k s i n g. Programm: Vrgelvortrag/ MännerchSre/ Fronenchäre/ Musik (Flügel, Cello, Violine)/ Gesang/ proletarischer Sprechchor. Zu allen Veranstaltungen find noch Gast karten zum Preis« von 1,— Mark an den Saaleingängen erhältlich » vorbesprechunz der Zugendiveihe SleglU» beute, Sonnabend, nachmittags i!ii Uhr, in der Aula des Lyzeums Steglitz, Rolhenburgstr. IS. *. Ordner der proletarische» Feierstunden. Di« Ordner werden gebeten zu der am 28. d.M. slallfindenben Jugendweihe im Kroßen Schauspielhaus, Karlftraße, am bekannten Treffpunkt oollzählig zu erscheinen. dierung vieler Schichten. 2. Gestärkt ist der R e a l b e s i tz, der Hausbesitz, der Grundbesitz. Die sozialen Gegensätze sind («durch verschärft, daß die Mittelschicht des Geldkaviialbesitzes ausgefallen ist. 3. Das Beamtentum geht sozial relativ gestärkt hervor.-1. Es hat eine Deklassierung wesentlicher Sch i ch t e n stattgefunden. Sozialrentner und Unterstützt« machen das Drei- bis Viersache der Vorkriegszeit aus: VA bis 5 Millionen selcher Menschen sind deklassiert ohne Erwerb— abgesehen von oller Arbeitslosigkeit. 5. Ein« Krise der Bildung ist ein- getreten. Eine allgemein« Kommerzialisierung hat stattgefunden. Es ist teilweise die alte Solidarität der bürgerlichen Moral«ingetreten. Es sind Führerpersönlichkeiten aus dem Kaufmann-ftand hervor- getreten, auf der anderen Seit« aber ist das Maß der Abhängigkeit größer geworden. Der Einfluß der Wirtschaftskrise auf Presse und öffentliche Meinung und auf di« Politik hat außer- ordentlich zugenommen. Wenn das der Anblick der sozialen Ver- änderungen ist, bleibt die bange Frage: Ist da überhaupt»och Sozialpolitik möglich? Di« Inflation ist die qrößte sozialpolilische Maßnahm« mit negativen Borzeickien. Ihre Wirkungen können zum Teil ausgebessert und gemildert werden, ihre Lehren können nutzbar gemacht und andere Wege eingeschlagen werden. Aus dem Gebiet der E e l d p o l i t i k seh« ich mit Bedenken die Meinung, daß wir jetzt zur Goldwährung übergehen könnten. Auf dem Gebiete der Kreditpolitik bestehen die Bedenken, ob nicht durch die Aufwertung neue Kreditinflation hervorgerufen wird. Auf dem Gebiete der Produktion ist di« Frage, ob eine Beaufsichtigung der großen industriellen Herzog- tümer möglich ist, di« Frage des genierblichen Nochwuchses, die Frage der inneren Kolonisation. Die Frag« der Belastung und Entlastung ... engerem glauben, daß der Staat sich gerade diese Aufgabe entreißen läßt. Sozialpolitik, Tarifverträge, Schlichtungswesen, das muß Aufgabe des Staates bleiben. Der Staat kann die Weichenstellung geben, in der sich die Kräfte des Volkes bewegen. In den letzten sechs Jahren hat das deutsch« Volk Großes und Gewaltir/'s geleistet, ohne über- ragende Führerpersönlichkeiten, ohne einheiilich ideelle Zielsetzung. Für die Zukunft werde nicht ohne Nutzen sein und gelte es zu behaupten: 1. Betonung der Stavtsnotwendigkeit: 2. Erhaltung des Beamtentums und semer Integrität: 3. Ausbildung gewerblicher und geistiger Stärken; 4. Ausbildung des Erwerbstriebs: S. Ungerechrig- keiten mildern; b. die Willensenerzis stärken. Aus dem Volke selbst wird die starke sittliche Kraft kommen, die es bereits während des Krieges bewiesen hat: dos Bekenntnis zu Pflicht und Arbeit. In der Diskussion sprach u. a. Ilmbreit vom ALGB. Er erklärte, daß die Gewerkschaften immer ein« Sozialpolitik unter- stützen würden, die sich auf die Seit« der Sanvachen stellt. Herr Andree sprach über die gesetzgeberischen Schwierigkeiten in der Sozialpolitik und forderte mehr Optimismus auch im Berein für Sozialpolitik. Im Schlußwort wies Profesior Eulenburg«indringlich auf das Verhängnisvoll« des Rückgangs der Bildungsschicht hin. Sozialpolitik sei nicht nur nötig, sondern auch möglich. Das sei die gemeinsame Erkenntnis. * In der Nachmittagssitzung am Donnerstag wurde dann das Referat Professor S e h r i n g s über die S ch u tz z o l l f r a g e er- stattet.(Wir haben darüber bereits einen telegraphischen Bericht veröffentlicht. Red.) In der Diskussion über di« zollpoiitischen Fragen forderte Geheimrat E k e r t den Abbau der Jndustriezölle, Prokesior Harms Zollfreiheit von Gerretde und Eisen. Gehermrat G o t h« i n ha: über Jndustriezölle und Bahntarise am Freitag morgen oie össent- liche Aussprache fortgesetzt. Professor Die hl setzte sich für die Agrarzölle ein. Die Lage der Landwirtschaft sei heute noch trauriger als bei der Einführung der Schutzzölle 1879. Es fei nicht erträglich, daß die deutschen Getreid-preise 20 bis 30 Proz. unter den Welt- Marktpreisen stehen. Di« Landwirtschaft leidet unter der Kredttnot. Nicht Schutzzoll allein, fondern auch Kredithilfe müssen wir auswenden. Eine weitere Industrialisierung sei eine Gefahr. T.e erste Aufgabe sei, eine große agrarisch« Bevölkerung heranzuziehen, die innere Kolonisation setze aber sichere Existenzbedingung� für die Landwirtschaft voraus. Der Schutzzoll muß im Interesse der Landwirtschaft Atempause geben. Den Agrar- zoll werde das Inland tragen. Die Browerteuerung rnüffe in Kauf genommen werden. Es gebe größer« Gesichtspunkte� als daß ein Laib Brot einige Pfennige reurer werde. Bewegliche Zölle begünstigen die Spekulation. Professor Fuchs bat um Aufklärung, wie man sich die Verwendung von Agrarzöllen zu Kompensations- zwecken denke. Die internationale Arbeitsteilung fei nur ein not* wendiges Uebel. Voraussetzung dafür sei Anerkennung des dauernden Verlustes der Rohstoffquellen. Absoluter Freihandel sei unvereinbar mit imperialistischer und nationaler Weitanschauung. Professor Lötz betonte, daß ein Sneben nach Preisabbau unserer bisherigen Valutapolitik widerstreb«. Das sei keine konsequente Politik. Ge- treidezoll bedeute Solidoritätsschutz. Wolle man Agrarschvtzzoll allein, so bliebe nur das Mittel des Getreideeinfuhrmonopols. wcnn es sich politisch durchsetzen lasse. Im Schlußwort führt« Professor S e h r i n g aus: Er sei prinzipiell mit /{fuchs und Diehl einverstanden, ober das Problem sei nicht, eine überlegene Konkurrenz ab- zuwehren, sondern die Spanne zwischen Getreide- und Industriepreisen zu beseitigen Er habe sich zum Freihandel bekannt, nicht nur weil er sich zu den allgemeinen Lehren des Manchester- tums bekenne, sondern aus praktischen Gründen. Wir hätten keine frei« Wahl, ob Jndustrievolk, ob Agrarvolk. Wollten wir leben, so müßten wir den Weg des freien Handels gehen. In der Agitation möge die Ideologie des Freihandels aufgehen. Aufgabe der Wissen- schaft sei es. daß nicht die Regierung sich auf Koste» der Kompon- sationszölle binde. Er rufe den Landwirten zu: Macht die Augen auf, tretet nicht mehr mit den alten Schlagworcen:„Schutz der nationalen Arbeit" für Schutzzölle ein. Eure Interessen werden dadurch auf dos schwerste gefährdet. Hilf« könne geschassen werden durch wissenschaftliche Durchdringung der Produktion. Die Ernte. Verhältnisse hätten die Agrarpreis« den Industriepreisen angenähert, die Lairdwir tschaft erhalle jetzt Kredite,«ine Atempause sei ihr ge- geben. Die Gefahr des Ausbaus von Bauerngütern bestehe mcht. ?ugenüveranftaltungen. heule, Sonnabend, den 27. Seplembec: Olk» Str.-L.: goftrt: Marrl«. Treffrunlt«rz xihr B-zftnhof Ltr�au- Rllinmslsburo.— Wcddiug: F-h«: Etvausberg-Hcrrensce. Trcfsimftkt S NIhr Bahnhof Wehhina. «rrtebcürl P»»zla»«r Berq Die Dorgftcnh-nlonfevnz RnNU beute nm 5*4 Uhr pünktlich im Landoemeindchaus. Eophiensir. 2Z, statt. Me Zlb- teilun««u müssen oertreten sein. Morgen. Sonniag. den 28. Scpkember: RevkNlit I: Werbsbrzirtstteffen am Kalksoe bei Erkner. Dreffpunkt '/.? Uhr Rlngdohnhof. ZicnISIl« V: Treffpunkt zum W-rSebczirk-treff« n 7 Uhr Ringbahnhof. Tempclhof: gahrt: Strausberg. Treffpunkt? Uhr Bahnhof. Rolrmava-Rhhiuoschia-o für Hausse brouch und. Sewerdc. Teilzahlung. Re. parotur-Dzrkftatt für alle Susscnte. Emil Haibarth, G. m. b. H., Friedrich ürehL böo.. 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