Nr.458+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 233 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5.50 Goldmar! pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit., Gied. Jung und Aleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" and Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Norwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmart, Reklamezeile L- Opbmart. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 0,20 Goldmart( zulässig awei fettgedruckte Borte), febes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, fedes Weitere Wort 0,05 Colomare. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeiger für Abonnenten geile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für ble nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Sindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Rebattion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Sonntag, den 28. September 1924 Zur Begrüßung! Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenste. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Devojitenkasse Lindenstraße 3 An den Vertretertag der Deutschnationalen Volkspartei. Meine Herren! Sie sind zu Ihrer diesmaligen Tagung in einer Stimmung Sie sind zu Ihrer diesmaligen Tagung in einer Stimmung erschienen, wie sie sonst nur in einer Trauerversamm= Iung zu beobachten ist. Tiefe Niedergeschlagenheit drückt sich in Ihren Zügen aus. Wenn sonst alte politische Freunde sich nereinigen, um ernste Beratungen zu pflegen, so hallt der Saal in der Stunde der Eröffnungsversammlung von freudigen, herzlichen zurufen wider. Männer, die die Erinnerung an vergangene Rämpfe und die Hoffnung auf kommende Siege verbindet, die das Bekenntnis zu gemeinsamen Idealen einigt, begrüßen sich überschwenglich wie Jünglinge. Parteitage gehören zu den schönsten Erinnerungen politischer Kämpfer. Bon der Wiedersehensfreude ist Ihnen heute nichts anzumerken. Ein jeder von Ihnen betrachtet, je nachdem er den Flügel der Umgefallenen oder der sogenannten Aufrechten verstärkt, den anderen mit der unausgesprochenen Frage:„ Heißt er auch den Verrat gut?" oder hält er dich auch für einen Berräter? Jeder von Ihnen wird erst wieder froh werden, wenn er der Heimat zueilen wird. Sie sind zufammengetreten, um der Feststellung des moralischen Todes, der Aufnahme der Sterbeurkunde Ihrer Partei beizuwohnen. Die Freude, die aus Ihren Reihen gewichen ist, herrscht in den unserigen. Wir rufen Ihnen zu: Sie haben Ihr Schicksal durch die Sünden, die Sie am deutschen Bolte begangen haben, verdient! So wie Sie gehe jeder zugrunde, der handelt, oder richtiger: der Handel treibt, wie Sie! Bir Sozialdemokraten haben Sie lange Zeit hindurch zumohlwollend beurteilt, bis Sie uns über unseren Irrtum aufgeklärt haben. Wir waren der Ansicht, daß eine jahrzehntelange uneingeschränkte Herrschaft Sie mit Stolz und Kraft erfüllt habe, und daß Sie zur Verteidigung Ihrer Macht position das Leben einzusehen bereit seien. Lassalle hat einst ausgerufen: ,, Und wenn wir Flintenschüsse mit Herrn v. Bismard wechseln, unter den Salven müssen wir bekennen: er ist ein Mann." Dieses Wort waren wir geneigt, auf Sie alle anzuwenden. Wir haben uns in Ihrem Geschlecht geirrt. Sie haben sich in der Stunde, wo Sie Tapferfeit zeigen fonnten und mußten, jämmerlich feige gezeigt. Keiner von Ihnen hat, als das Land an Ihren Freveln zusammenbrach, dem Zorne des Volkes standgehalten. Fast alle Ihre Führer verbargen fich in Schlupfwinkeln, soweit sie es nicht vorzogen, der neuen Regierung Treue zu verfichern, und von den Köpfen Ihrer Zeitungen wurden die stolzen Worte entfernt, die Ihr Programm verkündeten. Wir haben Sie zittern sehen, meine Herren, und nicht zuletzt daher rührt Ihr Haß gegen uns, der uns zur Ehre gereicht. Die französischen Aristokraten des ancien régime verstanden, für ihre Sache zu sterben; Sie wurden von feiner Guillotine bedroht, aber Ihre Feigheit und Ihr böses Gewissen spiegelten Ihnen Schreckensbilder vor, denen Sie zu entgehen suchten, indem Sie sich tot stellten. Als Sie aber den Sturm beendet glaubten, tamen Ihre führenden Männer wieder zum Vorschein. Sie erschienen, als e ihr armseliges Leben nicht mehr bedroht wähnten, alle wieder auf dem Schauplatz; aus Schweden, aus Bommern, aus Best preußen, aus dem badischen Ländchen strömten sie herbei, um noch einmal unserem armen, schwergeprüften Bolte ihre Dienste zur Verfügung zu stellen, um es noch einmal zugrunde zu richten. Können Sie leugnen, daß Ihre Partei die alleinige Schuld an dem Zusammenbruch Deutschlands trägt? Es ist nicht wahr, daß wir dem angeborenen Haß und Neid fast aller Völker der Welt erlegen sind. Ihre unsinnige Bolitit, Ihr ständiges Säbelraffeln, Ihre wahnwikige Geringschäzung aller anderen Nationen, Ihre auf allen Gassen ausgebrüllte Anbetung der brutalen Kraft hat es Hegern im Auslande ermöglicht, für die Behauptung Glauben zu finden, daß das friedliche deutsche Volk das sich nur vorwerfen muß, Sie zu lange am Werte geduldet zu haben, Welteroberungspläne pinnend. Ihre Politik hat die furchtbare Koalition geschmieDet, der Deutschland erliegen mußte und erlegen ist. Es war ein Kunststück, die Interessengegensäge zwischen England und Rußland, Frankreich und Italien, Japan und Amerita soweit auszugleichen, daß alle diese Länder Berbündete gegen uns wurden. Sie haben es zustande gebracht! Grenzenlose Borniertheit war erforderlich, um nicht zu erfennen, daß der Eintritt Ameritas in den Krieg unseren Untergang herbeiführen mußte. Ihnen war sie eigen. Zu Ihnen gehörte der Mann, der sich über die Kriegserflärung der Bereinigten Staaten mit dem Troste hinweg feßte, daß dieses fraftftrogende 100- Millionen- Bolt militärisch eine dreifache Null sei, an Ihrer Spize steht der urteilsunfähige Mann, der sich durch die Prophezeiung lächerlich gemacht hat, daß niemals eine amerikanische Armee auf dem europäischen Kriegsschauplag erscheinen werde. Sie haben es darauf an gelegt, immer neue Länder aus der Neutralität heraus und auf die Seite unserer Feinde hinüberzuziehen. Friedrich II., von dessen Geist Sie mehr als einen Hauch verspürt zu haben vermeinen, wußte, daß Preußens Kriege furz und vit fein müffen". Sie haben diese Wahrheit nicht erkannt und haben frivol jede Möglichkeit eines Verständigungsfriedens unterbunden. " Und auf der Höhe Ihrer auswärtigen stand Ihre innere Politik. Jeder finanzwissenschaftliche Abcschüße weiß, daß Die Einnahmen des Staates sich nach seinen Ausgaben richten müssen. Sie haben es, damit Ihr Geldbeutel geschont wurde, verhindert, daß fräftige Kriegssteuern ausge schrieben wurden, Sie haben sich als Schildwachen vor die Geldschränke der Schieber gestellt, deren Wahlspruch war: Wer diesen Krieg nicht auszunuzen versteht, ist nicht wert, ihn erlebt zu haben." Sie haben, bis es zu spät war, jede Reform verhindert, die den bedrückten, unter den Qualen der Gegenwart leidenden Volksmassen die Aussicht auf ein fünftiges Dasein in Freiheit eröffnet haben würde. Kurz, Sie haben feine Gelegenheit unbenutzt gelassen, die Kraft der Feinde Deutschlands zu mehren und die unserige zu schwächen. Aus unserem furchtbaren Schicksal haben Sie nichts gelernt. Immer noch wähnen Sie mit Hilfe der verjährten Methoden, die uns in den Sumpf gebracht haben, den Gipfel erffeigen zu können, von dem Sie auf die zu Ihren Füßen liegende Welt herabblicken wollen. Betrogene Betrüger! Empfinden Sie nicht den Gegenfäß, der zwischen Ihren verstiege nen Ansprüchen und Ihrem jammervollen Verhalten in der Stunde einer noch dazu eingebildeten Gefahr besteht? Wir wollen zu Ihrer Ehre annehmen, daß Ihr Intelligenzgrad Ihnen nicht gestattet, zu erkennen, daß Ihre Pflicht Schweigen ist. Seit wann gibt aber Dummheit einen Anspruch auf Leitung des Staates? Gelingt es Ihnen, noch einmal ans Ruder zu kommen, so ift Deutschland verloren. Sie gestehen ja offen ein, daß Sie die Borkriegspolitik der Abenteuer in vermehrter Auflage erneuern wollen. Wir würden Sie Don Quichotes nennen, wenn der spanische Ritter nicht tapfer und von vornehmer Gesinnung gewesen wäre. Donquichoterie fann nur durch edle Gesinnung erträglich gemacht werden. Sie aber suchen Abenteuer, die andere bestehen sollen, und verschwinden, wenn das Unternehmen einen schlimmen Verlauf nimmt. Seitdem Sie, die sich stets die Triarier der Monarchie nannten, im Herbststurm von 1918 versagten, haben Sie feinen Ruf mehr zu verlieren. Sie haben von der so erlangten Freiheit des Handelns einen verschwenderischen Gebrauch gemacht. Ihre politische Tätigkeit in den letzten Jahren war von einer grandiosen Gewissenlosigkeit und Unehrlichkeit. Sie wissen, daß das deutsche Volf im Weltkieg an der ungeheuren feindlichen lebermacht, an Hunger und an schweren strategischen Fehlern der Obersten Heeresleitung zugrunde gegangen ist. Sie wissen, daß Ihr hervorragendster Führer, Herr v. Heydebrand, als Ludendorff die Fortfehung des Kampfes für aussichtslos und den sofortigen Abschluß eines Waffenstillstandes für das Gebot dringender Notwendigkeit erklärte, unter Tränen ausgerufen hat:„ Wir sind vier Jahre lang belogen und betrogen morden!" und gleichwohl wagen Sie es wider besseres Wissen, den Dolch stoß von hinten als die Ursache der Niederlage Deutschlands zu bezeichnen, und haben von dieser schamlofen Berleumdung gelebt. Der furchtbare Friedensvertrag von Versailles ist in den Bedingungen des Waffenstillstandes von Compiègne bereits enthalten. Sie wissen, daß Hindenburg deren Annahme für geboten erachtet hat. Und gleichwohl erdreisten Sie sich, jeden, der mit schwerem Herzen, in der Ueberzeugung, nur so feinem Bolke dienen zu fönnen, fich zur Unterwerfung unter den Friedensvertrag entschloß, des Baterlandsverrates zu zeihen! Sie verschweigen dabei, daß Ihre Partei selbst die Unterzeichnung des Friedensvertrages bewußt erst möglich ge= macht hat durch das in der Sitzung der Nationalversammlung abgegebene feierliche Anerkenntnis der Vater landsliebe der dem Vertrag zustimmenden Mehrheit. Sie Südwestdeutscher Republikanertag. Auftakt zur Einweihung des Ludwig- Frank- Denkmals. Mannheim, 27. September.( Eigener Drahtbericht.) Der große| nicht nur in der Verfassung, sondern im Herzen von Millionen Südwestdeutsche Republikanertag, verbunden mit der Deutscher leben und daß Millionen Männer zur Verfügung stehen, Enthüllung eines Denkmals für den gefallenen Republikaner und um die Republik zu schüßen. Die badische Regierung wird das Sozialisten Ludwig Frant begann mit einem mächtigen Auf- Reichsbanner mit allen Kräften fördern." taft. In den ersten Nachmittagsstunden rollten die Sonderzüge mit Tausenden von Reichsbannerleuten aus ganz Südwestdeutschland nach Mannheim. Die Zugangsstraßen zum Rosengarten, dem größten Saale der Stadt, waren reich beflaggt. Aber auch die Beflaggung der Privathäuser hat im Vergleich zum Verfassungstage eine erfreuliche Zunahme aufzuweisen. funden, außerdem bemerkte man # Genosse Löbe spricht als eine ernste Gefahr für die Republik den Bürgerblod an. Deffen Bäter wollen nicht zu dem Namen Bürgerblock stehen. Sie haben recht. Es ist weder ein Bürgerblock, noch eine Volksgemeinschaft. Die Werber für ihn, die Deutsche Volkspartei, wollen einen Besitz blod, die Geworbenen, die Deutschnationalen, würden daraus einen Monarchisten blod machen. Nur fehlt vom ersten Tage an die Festigkeit eines Blocks. Er sieht viel eher einer Gipsfigur ähn lich, die das deutsche Bolk in wenigen Wochen zertrümmern würde. Denn. an der Wiege des sogenannten Bürgerblocks steht der Be= trug der Deutschnationalen an ihren Wählern, an seinem Biele steht der Betrug der Partner des Londoner Ab= fommens und der Erfüllungspolitik. Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth führte unter anderem aus:„ Die Aufgabe des Reichsbanners ist, die Republik zu schüßen und zu wahren gegen jeden putschistischen Gedanken und gegen jede Aushöhlung. Die Republik muß mit einem Geist erfüllt werden, der versucht, jeden edlen großen und Um 6 Uhr abends fanden sich die Mitglieder der Reichs banner Organisation in Vertretung des noch immer erfrantfen Hörjing war Kamerad Kunzemann gekommen und die Vertreter der badischen Landesregierung und ber republikanischen Parteien zusammen. Von der badischen Regierung hatte sich Staatspräsident Dr. Koehler eingeMüller, Stampfer- Berlin, Löbe, Stadtrat Marum. die Genossen Hermann Karlsruhe, Dr. Wirth, General Deimling, Oberbürger meister uppe- Nürnberg, den demokratischen Abgeordneten Dr. Haas. Um 8 Uhr formierte sich der Fackelzug durch die Straßen der Stadt, an dem nach oberflächlicher Schätzung 10 000 Bersonen teilnahmen. An der Spike marschierte eine Abordnung nationalen Sinn zu pflegen. Der Grundgedanke muß eine Soder Bonner Studenten. Beim Vorbeimarsch vor dem Part- zialreform sein und eine Idee der Gerechtigkeit auf allen hotel, wo die Vertreter des Bundespräsidiums und die geladenen Gebieten. Auch heute ist die deutsche Republik noch die einBäfte den Zug erwarteten, fam es zu lebhaften Ovationen für 8ig mögliche Staatsform und das Lebenselement des Reichsbanner und Republif. deutschen Volfes, fie wird die Führerin für den deutschen Wiederaufstieg sein. In der Republik gibt es nur Staatsbürger und feine Bürger erster und zweiter Klasse. Die Republik verachtet nicht den Befiß, aber Eigentum verpflichtet zum Dienst am Staat. In der Republik ist ein Bürgerblod mit der Vorherrschaft privilegierter Schichten antirepublikanisch. Wer der Republik aufrichtig dient, sieht in einem reaktionären Bürgerblod, wie er auch dekoriert sein mag, ein politisches Gebilde, das bewußt herbeigeführt wird, um die Republik auszuhöhlen und ihres Charafters zu berauben. Die Fahne schwarzrotgold ist ein Zeichen der Republikaner und die Nationalfahne der deut fchen Einheit Gegen 10 Uhr begann im überfüllten Nibelungensaal unter Anteilnahme von Taufenden von Republikanern der Begrüßungsaft. Nach den Begrüßungsreden des Gauvorfizenden des Gaues Baden, Dr. Claus, und Runzemann vom Bundesvorstand sprach der badische Staatspräsident Dr. Koehler, der der Parteirichtung nach den Demokraten angehört: ,, Die badische Regierung sieht es als ihre vornehmste Aufgabe an, die republikanische Verfassung mit allen Mitteln zu schützen, vor allem deshalb, weil die Regierung felbft fest und unentwegt auf demokratisch republikanischem Boden steht. Die Welt foll wijen, daß die demokratischen Gedanken in Deutschland haben die Politik der Erfüllung schonungslos verdammk, und jeden, der für sie eintrat, weil es einen anderen Weg der Be- freiung unseres Landes nicht gibt, als Schwächling, wenn nicht als Schuft bezeichnet. Gelegentlich aber haben Ihre führenden Zeitungen der Entente zu verstehen gegeben, daß die Bildung einer deutschnationalen Regierung durchaus in ihrem Interesse liege, weil keine Partei in den Dienst der Er- füllung des Friedensvertrages so große Kraft stellen könne wie die Ihrige. Mit welchem Recht brandmarken Sie die uns zermürben- den Bedingungen des Bersailler Vertrages? Sollen wir Ihnen aus Reden und Aufsätzen Ihrer Vorkämpfer nachweisen, daß ein von Ihnen diktierter Friedenspakt sich von dem Ver- sailler wenig unterschieden hätte? Und welches Maß von Verlogenheit zeigt Ihre Beha.up- tung, daß die Minderwertigkeit der republikanischen S t a a t s f o r m durch die Unterzeichnung dieses Friedensver- träges bemiesen werde, zeigt Ihre Versicherung, daß einem Monarchen die ihm angeborene Würde die Unterwerfung unter das Diktat der Sieger verboten haben würde! Haben Sie vergessen, daß ein preußischer König, Friedrich Wil- Helm III., seine Unterschrift unter den Tilsiter Vertrag gesetzt hat, der den Bersailler in den Schatten stellt, daß dieser König Erfüllungspolitik bis zu der von Napoleon diktierten Entfer- nung feiner Berater, Freiherr vom Stein, Blücher, Scharn- Horst, Gneisenau, getrieben, daß er mit dem Korsen einen Waffenbund gegen das eben noch mit ihm alliierte Rußland geschlossen, daß er zu der Napoleonischen Armee von 1812 ein Hilfskorps gestellt hat? Der Königsstolz hat diesem Hohen- zoller nicht einmal verboten, einem der Prinzen seines Hauses die Annahme der Einladung zu einer Hasenjagd zu gestatten, di« Napoleon auf dem Schlachtfelde von Jena am Jahrestage der Schlacht veranstaltet hat. Ihre Verlogenheit hat Ihnen vorübergehend Erfolg ge- bracht. In einer Stimmung, wie sie den Verzweifelnden ver- anlaßt, zum Strick zu greifen, haben größere Massen beider letzten Reichstagswahl Ihre Kandidaten gewählt. Aber Ihr Wahlsieg hat Ihnen die engen Grenzen Ihrer Ein- slußsphäre gezeigt. Selbst in einer Zeit, wo die Unsicherheit aller Verhältnisse, wo Hunger und Elend den Blick der Wähler trübten, haben Sie, die Nutznießer der Urteilslosigkeit, nicht einmal den vierten Teil der Reichstagssitze erobern können. Wollten Sie Ihren Erfolg ausmünzen, so mußten Sie sich zu Kompromissen entschließen. Und nun trat in die Erscheinung, wie sehr Ihre unsittliche Politik Sie selbst und namentlich Ihre Führer korrumpiert hat. Die Selbstentehrung, die diese am 2 9. August an sich vollzogen haben, steht in der Geschichte einzig da. Ihre Führer haben das Londoner Abkommen, das uns zum ersten Male am Ende des dunklen Ganges, den wir durchschreiten, einen kleinen Lichtschimmer zu sehen gestattet, als zweites Versailles, als hellen Wahnsinn gebrandmarkt, sie haben die hundert- prozentige Versklavung Deutschlands als seine Wirkung be- zeichnet, das dem Abkommen zugrunde liegende Gutachten als Schandgutachten angeprangert, sie haben ihren Wählern hoch und heilig die Ablehnung aller zur Ausführung des Ab- kommens nötigen Gesetze versprochen. Ja, sie haben sie alle abgelehnt, soweit eine ausreichende Mehrheit für die An- nähme sicher war. Zlber das einschneidenste, da s Eisen- bahngesetz, das ohne die Zustimmung" der deutschnatio- nalen Fraktion gescheitert wäre und dessen Fall das ganze Ab- kommen hinfällig gemacht hätte, hat die Hälfte Ihrer Abge- ordneten angenommen. Und den Bruch des von Ihnen ver- pfändeten Wortes haben die Jasager gekrönt durch die Würde- losigkeit ihres anmutigen Spieles mit den Abstimmungs- karten. Die Furcht vor der Auflösung des Reichstages und die Aussicht auf einige Mnisterposten haben an ihnen das Wunder von Damaskus bewirkt. Und was der Abstimmung gefolgt ist, die Versicherung Ihrer Führer, daß sie allesamt Gegner des Londoner Abkom- mens blieben, und die Macht nur zu dem Zweck erstrebten, Verbrüderung. Ihr Völker einer Mutter Erde. hört, wie der brausende Gesang Aus Dunkel, das sich selbst verzehrte. Mit sonnenhellem Jubel sprang. Die Herzen müssen freudvoll schlagen, Die Hände voller Frieden sein. Dann wird Euch eine Drücke tragen, Die stürzet keine Sturmflut ein. Die Hirne müssen sich entzünden Und Feuer werden jeder Mund, Die reine Menschlichkeit zu künden Und aller Völker einen Sund. Und mögt ihr and're Sprachen sprechen. Es ist der tiefe Brudersang. Der euch aus Blut- und Flammenbächen Als Stimme der Versöhnung drang. Die Erde sei ein großer Garten, Und Völkerblnmen trag' ihr Schoß... Und was Jahrtausende erharrten. Das laßt erstehen, rein und groß! Bruno Schönlank. /iltar. Von Äonrad Seiffert. Er starb für sein Vaterland auf dem Felde der Ehre. Er war ja nur ei« Russe. Aber er starb aus dem Feld« der Ehre. Als ich ihn liegen sah, war sein Gesicht schon ganz schwarz. Gelbliche Maden krochen aus Löchern, die früher seine Augen waren. Früher. Früher: er mußte wohl schon seit vorgestern so liegen. Bis zur Brust konnte man ihn noch ganz gut erkennen. Das heißt: man sah, daß er ein Mensch war. Früher selbstverständlich. Man sah, daß er Soldat war. Man sah sogar, daß er ein Russe war. Seinen Leib hatte es zerrissen. Ueber den Brei krochen Maden und dunkelblau uird grün schillernd« Fliegen. Ein Bein, bedeckt mit den Fetzen einer Hose und einem Stiefel, lag«in paar Schritte vcn ihm entfernt. Vielleicht gehörte es ihm. Vielleicht. Sein Bein lag auch auf dem Altar des Vaterlandes. Wie groß war dieser Altar! Ein Riesenaltar. Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Vom Kanal bis zu den Alpen. feine Ausführung zu veretteln, sowie die Drohung mit scharf- ster Opposition und Obstruktion für den Fall, daß ihnen das versprochene Entgelt vorenthalten werde, vervollständigen das widerliche Bild einer Partei ohne Grundsätze, ohne sittliche Hemmungen Für Ihre Fraktion ist die Politik nicht die Kunst des Möglichen, sondern der Kodex der Unmoral. Sie hat den Chimborasso der Unsittlichkeit erstiegen. Keine andere Partei wird ihr folgen können und Heine wird ihr folgen wollen. Denn Ihr Schicksal ist besiegelt. Scham- und Ehrgefühl müßten aus dem öffentlichen Leben verschwunden sein, wenn Ihre mit Schande bedeckte Partei Bedeutung behalten sollte. Mögen Ihre Führer nur noch einmal wagen, von ihren Grund- sätzen zu sprechen, oder ihren unerschütterlichen Willen zu irgendeiner politischen Tat zu bekunden! Ein Orkan von Gelächter wird dann durch die ganze Welt brausen und ihre Stimme ersticken. Auf dem Kampffelde der Ueberzeu- guncjen haben sie Erfolge gesucht durch Methoden, die der prosttgierigste Schacherer verschmähen würde. Seit dem Zu- sammenbruch Deutschlands hat jede Partei die Uebernahme der Verantwortung für die Regierungsgeschäfte mit einer Ver- Minderung der Gunst der Wähler büßen müssen, die ihr zum Vorwurf machten, daß ein übermächtiger Druck von außen ihr Streben wirkungslos machte. Ihre Partei ist auf dem Wege zur Verantwortung zusammenge- krochen, weil sie die Grundsätze, die keinem Manne von Ehre feil sind, zum Gegenstand eines unsauberen Han- delsgeschäftes gemacht hat. Glauben Sie nicht, daß Sie durch einen Wechsel der Führer, durch Befreiung des Herrn Hergt von„den schweren Sorgen des Parteiführers" den Schmutz beseitigen können, den Sie auf sich geladen haben. Die fünfzig Prozent Neinsager sind genau in der nämlichen Weise entehrt wie die anderen. Denn wenn sie auch die Leistung, die diese übernahmen, ab- lehnten, den Kaufpreis, die Ministersessel, wollen sie alle einheimsen. Und jeder von ihnen behauptet, daß der Partei ein heiliges Recht auf Vertrags- erfüllung erwachsen sei, jeder von ihnen billigt den FranktionZ- beschluß, dieses Recht mit dem Revolver in der Hand durchzu- setzen. Schacherer und Erpresser erträgt unser Volk nicht. Es wendet sich mit Ekel von Ihnen ab. Händler ge- hören in die Politik so wenig wie in den Tempel. Das wird Ihnen das deutsche Volk, das von der in Ihren Reihen Herr- schenken Korruption nicht ergriffen ist, begreiflich machen. Ge- lingt es Ihnen, das Ziel zu erreichen, um dessentwillen sich Ihre Fraktion schamlos preisgegeben hat, so wird die Regie- rung, die Sie verunzieren werden, an der allgemeinen Verachtung zugrunde gehen, die Sie sich zugezogen haben, und die jede Partei mittreffen wird, die mit Ihnen eine Ge- meinschaft eingeht. Im anderen Falle wird die jetzige Re- gierung durch Ihre Obstruktion genötigt werden, den Reichs- tag aufzulösen, denn auf das Lärmmachen verstehen Sie sich ebensogut wie auf den Schacher. So oder so wird das deutsche Volk sehr bald das Wort haben. Wir wollen nach Kräften dafür sorgen, daß Sie am Abend der kommenden Wahltages zum mindesten wieder einmal„halbiert" fein werden. Ihre Zeit ist abgelaufen, meine Herren! Die Verachtung des Idealismus, die für Ihre Politik zu allen Zeiten kenn- zeichnend war, hat sich an Ihnen selbst gerächt! Sie erleiden die verdiente Strafe für Wortbruch, Heuchelei und Verlogen- heit. Der Ruf„Mann über Bord" paßt in Ihrem Falle nicht. Aber es ist auch niemand geneigt, ihn auszustoßen, denn jeder fühlt, daß Ihr Untergang notwendig ist, damit die politische Luft von Fäulniserregern gereinigt werde. Ihr Ende wird einmal mehr das Dichterwort zu Ehren bringen: Dein Ja sei Iq, dein Rein sei Rem Und scharf da, Schwert an deiner Lende! Die best« Staatskunst ist's am Ende, Stets tapfer und gerecht zu sein! Wir erklären den deutschnationalen Vertretertag für er- öffnet.... Pesthauch ging von ihm. aus. Berge von Leichen vermoderten auf ihm. Maden krochen dickgesressen durch Fäulnis. Altar des Vaterlandes. Ich muß an den Altar der Kirche meines Heimatortes denken. Ein Kruzifix aus schwarzem Holz mit dem Gekreuzigten aus Silber stand mitten da..Es ist vollbracht!" Dann neigte er sein Haupt und verschied. Dar dem Kruzifix lag auf einem kleinen Holz- pult eine Bibel mit goldenen Ecken. Die hatte die Kaiserin der Kirche geschenkt. Uns Schulkindern wurde sie oft gezeigt. Eine Bibel mit goldenen Ecken und einer eigenhändigen Widmung der Kaiserin. Darauf konnte man stolz sein. Darauf war man auch stolz. Di« Bibel mit den goldenen Ecken war das Prunkstück auf dem War unserer Kirche. Hohe Silberleuchter standen rechts und links davon. Brannten die Kerzen in ihnen, dann schwamm, ein weihnachtlicher Duft durch die Kirche. Wenn die Menschen zum Altar traten, dann geschah es mit Feierlichkeit und Scheu. Der Miar galt ihnen als das Allerheiiigste. Hinter dem Altar waren Zwei Opferteller angebracht. Auf d!« fiel das Geld der Abend- mahlsgäste. Klappernd. Hinter dem Altar war nicht Feierlichkeit und Scheu. Hinter dem Altar sah's ärmlich und nüchtern aus. Di« Bibel mit den goldenen Ecken und der eigenhändigen Widmung der Kaiserin, die hohen Leuchter und das Kruzifix mit dem silbermen Leib des Erlösers standen vorn auf dem Altar!— Donnerwetterl's ist doch eigentümlich, was man für krause Gedanken bekommt! Altar! Aber das macht der Pestgestank der in der Julisonne ner- faulenden Leichen der Helden, die auf dem Altar starben. Eigen- tümlich: man glaubt immer, Geruch von Chlorkalk oder Karbol einzuatmen. Aber man weiß, daß noch kein Sanitäter da war. Ueberall stecken doch Gewehr«, den Kolbon nach oben, in der Erde bei den verfaulenden Leichen. Das heißt: Hier starb ich für mein Vaterland auf dem Felde der Ehre. Hier liegen mein« Därme. Der Brei von meinem Kopf liegt dort in jenem Trichter. Meine Arme und Beine liegen—— ich weiß nicht, wo sie liegen. Dort in diesem Poppelstumpf hängt etwas. Seht noch! Vielleicht ist es ein Bein. Dielleicht gehört es mir. Ich will begraben sein! -- will begroben sein! echote es. Alle, di« auf dem Altar lagen, wollten begraben sein. Ein« Saat von Gewehren, di« ausgegangen und in die Höhe geschossen war, bedeckte den Altar. Starr standen die Halme aus Gewehr- läufen und Kolben. Kein Wind bewegte sie. „Jede Kompagnie begräbt ihre Toten selbst!" So hieß der Befehl. Haha! Selbst! Wer sollte das tun? Vielleicht waren die tot, die dafür bestimmt waren. Lagen auch aus dem Altar. Viel- leicht steckt« auch ein Halm aus Eewehrlauf und Kolben bei ihrem jämmerlichen Häufchen stintenden Mistes. Borgestern mittag lagen sie sich hier noch verbissen gegenüber. Hertze liegen sie verfaulend auf dem gemeinsamen Altar, der sich schon wieder um ein paar Meilen nach Osten zu verdreitert hat. Die Kanonen donnerten ganz fern. Maschinengewehrfeuer rauschte nur ganz schwach bis hierher. Kaffanüra-Rufe. Ter deutschnationale Vertretertag soll„nein" sagen! Die Aeußerungen Raumers und Garnichs auf dem Volks- parteilichen Parteilag haben so lockend für die Deutschnatio- nalen geklungen, daß den Unentwegten auf der Hergt-Seite die Felle davonzuschwimmen drohen. Deshalb stößt die „Deutsche Zeitung" Kassandra-Rufe aus. Sie sieht Priamsxz stolze Feste wanken und warnt daher in letzter Stunde den Parteitag der Deutschnationalen, nur ja nicht umzufallen und von den Sirenentönen der Stresemänner sich nicht verleiten zu lassen. Man kann von dem alldeutschnationalen Blatt erfahren, daß die P e r s o n e n f r a g e so gut wie geregelt ist und eine grundsätzliche Uebereinstimmung darüber vor- liegt, daß die Erweiterung der Regierung augenblicklich nur nach rechts hin erfolgen darf. Trotzdem verlangt das Organ der Claße, daß die Deutschnationalen Bedingun- gen stellen müßten, bevor sie sich entschlössen, in die Regie- rung einzutreten: Anzunehmen ist, daß die Deutschnational« Voltspartei wenigstens die für sie durchaus günstige Lage ausnutzen wird. Mag das Be- streben ihrer Führer noch so lebhaft sein, ein« Wirth-Breit- scheid-Regierung und alle ihr« verhängnisvollen Folgen wenn irgend möglich zu verhindern, jeden Preis werden sie doch nicht dafür zahlen wollen. Unter allen Umständen würde aber ein Aufgeben der grund- sätzlichen Einstellung zu den Pflichten vaterländischer Politik die Deutschnational« Dolkspartei für jeden völkischen als Partei ganz- sich entwerten. Deshalb sieht die„Deutsche Zeitung" die Lage als„t i e s- ernst und äußerst bedrohlich" an. Warum denn? Wenn man sogar schon über die Personen einig ist, die in Zu- kunft„an die Futterkrippe" sollen, wenn„taktische und fach- liche Hindernisse nicht mehr bestehen", warum dann dieie Miene der unheilkündenden Kassandra? Freilich Herr R a u m e r hat ja gestern erklärt, daß die Bürgerblock- Regierung, für die nur noch ein passender Name gesucht werden soll,„unsere" Politik, das heißt die der Volks- Partei, treiben solle, nicht etwa eine deutschnational-völkische. Run ist„unser e" Stresemann-Politik, soweit sie das Aus- wärtige betrifft, nichts anderes als die so viel geschmähte „E r f ü l l u n g s p o l i t i k", zu der sich die Stresemänner nur zögernd bekannt haben, die sie aber jetzt gar als ihre eigene Erfindung patentieren lassen möchten. Die„Kreuzzeitung" fürchtet Schwierigkeiten mit dem Zentrum und den Demokraten und erwartet, daß die Deutsch- nationalen„mit Festigkeit an ihren Richtlinien festhalten". Seit dem 29. August noch von deutschnationalcr Festigkeit zu reden, wirkt allerdings überaus erheiternd. Aber die„Kreuzzeitung" verlangt mehr als ein paar Ministersitze. Sie will, daß der deutschnationale Einfluß— von welcher der Hälften wird nicht verraten—„in der gesamten Politik greifbar in Erscheinung treten" solle und daß die Fraktion Halb und Halb„nicht in das seichte Fahrwasser der bis- herigen schwächlichen Politik treiben" dürfe. Da- zu gehört selbstverständlich die Eroberung Preußens! Deshalb setzt die„Kreuzzeitung" ihre Hoffnung auf den Ver- tretertag, von dem sie sagt: Er hat sich bekanntlich n i ch t n u r mit dem etwaigen Eintritt der Deutschnationalen in das Kabinett Marx-Stresemann zu beschäftigen, sondern auch mit den inneren Angelegenheiten der Partei. Wir wollen den Beschlüssen der deutschnationalen Partei- Veranstaltung hier nicht vorgreisen, sondern nur soviel sagen, daß eine straffe und energische Zusammenfassung der Deulschnakionalen unker starker Führung nach der Niederlage vom 29. August unbedingt notwendig ist. Daß eine Konsolidierung der Partei leichter mög- lich ist, wenn sie in der Op p o s i t i o n bleibt oder sogar ihre Oppo» sitionsstellung noch verstärkt, dürft« auf der Hand liegen. Das ist wenigstens einmal, wenn auch aus Versehen, e h r- lich gesprochen! Der 29. August war für die Deutschnatio- nalen eine Niederlage! Für diese Niederlage wollen die Stresemänner sie noch durch Ministersitze und sonstige Zuge- Sonne knetete aus Eiter und Fäulnis Pestgestank. Mir wurde übel. Blödsinn überhaupt, mich hier allein zu lassen. Im Westen wäre das nicht möglich. Wenn sie nur bald zurückkommen würden. Wo sie nur blieben!- Drei Stunden stand ich schon hier. Drei Stunden? Ich sah nach der Uhr. Die war stehen ge- blieben. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Di« Sonn« auch. Wenn ich nur etwas Trinkbares gehabt hätte. Mir war's trocken in der Kehle. Wie ausgebrannt. Müde war ich auch. Schlafen? Hier auf dem Altar? Aus- geschlossen. Wie oft schon hatte ich mich hingelegt. Immer wieder war ich aufgestanden. Beim Liegen war's vor Gestank überhaupt nicht auszuhallen. Ich fluchte. Da» half nichts. Ich summt« eine Melodie. Ich wußte nicht, was ich summte. Ich flucht« wieder. Die Hitze wuchs. Steigert« sich bis zur Unerträglichkeit. Der Gestank wurde dicker. Stieg mir in den Hals. In den Magen. Ball« sich dort zusammen. Würgte mich. Mir schwindelte. Ich fieberte. Mir war's, als müßte ich jeden Augenblick ersticken. Schweiß rann mir übers Gesicht. Den Rücken hinunter. Ich griff nach einem Daumstumpf. Wollt« Halt suchen, mich stützen, fest- halten. Ich wollte„Hilfel" schreien. Aber meine Kehle rvar oerstopft. Der ganze weit« Altar sauste im Kreist um mich herum. Di« Baumstümpfe schwankten, tanzten wiegend hin und her. Di« Fleisch. und Breihaufen zogen sich zusammen. Dehnten sich aus. Nahmen die Gestalt von Menschen an. Glotzten aus hohlen Augen. Weiße Maden krochen aus Nasenlöchern. Ueber grüne und schwärzlich« Wangen. Die Leichen grinsten. Lachten grinsend.„Die Toten lachen!" Das war mein letzter klarer Gedanke. Dann war mir's, als würde mein Kopf in«ine eiserne Zwing« gepreßt. Als fiel« ein millionenzentnerschwerer Fallhammer auf mein« Stirn. Die Leichen tanzten wirbelnd um mich herum. Di« Baumstümpfe tanzten. Der ganze Altar tanzte. Grelles Rot wechselte jäh mit tiefstem Schwarz.— Orgelkläng«. Ave Maria? Solveigs Lied?„Seid umschlungen, Millionen?" Zwei, drei Orgeln spielten. Noch viel mehr Orgeln spielten.— Weihnachtlicher, feierlicher Duft der brennenden Altarkerzen schwamm durch die Kirch«. Die Bibel mit den goldenen Ecken, die die Kaiserin geschenkt hatte, lag mitten auf dem Altar. Dahinter stand das Kruzifix aus schwarzem Holz.mit dem silbernen Leib de» Erlösers. „Es ist vollbracht!" Dann neigte er st>n Haupt und verschied. Blut quoll aus seinen Nägelmalen und aus der Lanzenwunde an seiner Seite. Tropft« rubinrot auf die schwarze Altardecke, auf die weiße Stickerei. Bildet« aus dem Altar einen kleinen funkelnden See. Floß über. Floß über den Rand des Altars. Floß über die Altarstufen in kleinen Bächen. In den feierlich-weihnachtlichen Duft der Altarkerzen msscht« ständnisse belohnen! Was festgehalten werden muß.| Stellt sich die Deutschnationale Bolfspartei auf den Boden der| Weiter ist richtig, daß die Hergt- Gruppe zwar gern zur außenpolitisch gegebenen Tatsachen, so wäre es falsch, ihre Mitaußenpolitisch gegebenen Tatsachen, so wäre es falsch, ihre Mit Futterkrippe" eilt, aber doch noch ein bißchen warten wirkung von den Regierungsgeschäften auszuschließen. Ich halte möchte, bis sie sich als Opposition wieder konsolidiert hat... diefe Mitwirkung für wünschenswert zur Konsolidierung der innerUnd dabei stellt sich die ganze Lächerlichkeit der Lage Staatsform, die unbeschadet der prinzipiellen Einstellung des einzelnen politschen Verhältnisse. Gerade wer den heufgen Staat und die heraus. Die Voltspartei fühlt sich durch die deutsch die Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung des Reichs ist, stärken nationale Opposition im Lande aufs äußerste bedrängt. will, der muß wünschen, daß nicht große Parteien außerhalb der will, der muß wünschen, daß nicht große Parteien außerhalb der Sie glaubte deshalb und glaubt noch heute besonders diplo Berantwortung für den Staat stehen. matisch" zu verfahren, wenn sie die Deutschnationalen auseinandermanöpriert und sie zur Spaltung treibt. Am 29. August ist ihr das zur Hälfte gelungen. Durch ihren neuen Borstoß will sie auch den deutschnationalen Bertretertag sprengen. Ob sie auch dabei Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Aber der Köder ist doch derartig anrüchig, daß sogar deutschnationale Geruchsorgane das empfinden. Um dem Ganzen die Krone qufzufezen, hat Garnich am Freitag die Sprengung der Breußentoalition unter Ausfällen gegen Zentrum und Demokraten angekündigt. Aber schon am Sonnabend muß die Zeit" mitteilen daß Garnich gar nicht Auftrag von seiner Partei hatte, sondern ins Blaue hineingeredet hat. So fagt er wenigstens selbst. Wahrscheinlich hat man in der volksparteilichen Landtagsfraktion sehr übel vermerkt, daß Garnich vorzeitig aus der Schule geplaudert und die planmäßige volksparteilich= deutschnationale Opposition im Landtag offen als das gefenn zeichnet hat, was sie ist, eine parlamentarische mache, um den Abbau der Republikaner zu ermöglichen und den reaktionären Beamten ihre Pöstchen zu sichern. Einmal find die Deutschnationalen den Volksparteilern ins Garn gegangen, wenigstens zu 50 Prozent. Ob es ein zweites Mal geschieht, hängt von der Intelligenz der Fischlein ab, die da gefangen werden sollen. Aber da ja schon der „ arme Yorit" alias Liman seinerzeit den konservativen Bei tungslejern bestätigte, daß sie geistig schwerfällig" feien, so mag das ja wohl auch heute noch zutreffen. Und die Kassandrarufe hätten dann wenigstens innere Berechtigung. Eine Stresemann- Rede. % Auf dem schon erwähnten Bezirksparteitag der Bolkspartei in Berlin hielt am Sonnabend der Reichsqußenminister Dr. Strese mann eine Rede. Zunächst polemisierte er, wie immer, gegen die Presse, die ihn mißverstanden habe, dann sagte er über die Frage des Beitritts zum Bölterbund Belanglosigkeiten, die schon vielfach vorgetragen wurden, und endlich fam er auf die Regierungs um bildung zu sprechen. Dabei hatte er die edle Kühnheit, zu behaupten, die Sozialdemokratie habe die Probe nicht bestanden", die er thr in der großen Reichsfoalition gestellt habe. Aber, Herr Stresemann! Spaten Sie nicht den Reichskommissar nach Sachsen und nach Thüringen geschickt?. Haben Sie nicht durch diese Bro votation jede Mitarbeit an Ihrer Seite unmöglich gemacht? Haben Sie nicht die gewaltsamen Eingriffe in das Verfassungsleben dieser Staaten herbeigeführt, die sich heute noch in den völkischen Standalen in Thüringen auswirken und in Sachsen die Staatsverdroffenheit gefördert haben? Aber Stresemann will angeblich jetzt die Deutsch: nationalen regieren lassen. Deshalb verkündet er ihnen diese Erkenntnis: Bei der gegenwärtigen Situation darf nicht verkannt werden, daß die Forderungen der Deutschnationalen Partei nicht dieselben find, wie diejenigen, die sie im ersten Triumphgefühl über den er rungenen Wahlfieg erhoben hat. Damals verlangten fie die unbedingte Führung, die Einstellung der Politik auf ihre Anschauungen, die bezüglich des Sachverständigengutachtens damels im völligen Gegensatz zu der Regierungsauffassung standen. Jetzt ist durch die Abstimmung über das Sachverständigengutachten toch zwischen einer großen Anzahl von Mitgliedern der deutsch nationalen Reichstagsfraktion und den Regierungsparteien eine Uebereinstimmung erfolgt über die Notwendigkeit der anahme des Gutachtens. Die Tatsache, daß das Sachverständigengutachten angenommen worden ist, ist die Grundlage der heutigen Außenpolifit. Seine loyale Durchführung ist ein Erfordernis des Ansehens des Reichs gegenüber den eingegangenen Berpflichtungen. fich der füßliche Dunst des Blutes. Es roch wie nach Leichen. Besthauch würgte den Weihnachtsduft. Alle verfaulenden Leichen der Schlachtfelder lagen auf dem Altar. Zu Bergen getürmt. Grauweiße Maden frochen darüber. Hoch über den Kadaverbergen hing silbern der Leib des Erlöfers am Kreuz aus schwarzem Holz. Auf der Spize des höchsten Berges lag ich. „ Herr! Gedente meiner, wenn du in dein Er war verschwunden. Das Kreuz auch. Pesthauch hatte die Kerzen erstickt. Maden frochen über Eiter und Fäulnis. Ueber die Leichenberge auf dem Altar. Maden frochen über mein Gesicht. Professor Otto Pniower, ber Direktor des Märtischen Museums, scheidet zum 1. Oktober aus seiner Stellung. Pniower blidt auf eine 31jährige Tätigkeit am Museum zurück, deffen Beitung er 1911 übernahm. Er hat während dieser Zeit die vernachlässigten Teile des ihm anvertrauten Instituts, vor allem Berliner Porzellan, Berliner Fayencen, Berliner Eisen, Brandenburger Gläser, Medaillen, Graphit und Autographen, ausgebaut und das Ganze übersichtlich und zugänglich ausgestaltet, Wer je mit einem Anliegen an das Märkische Museum heranzutreten Gelegenheit hatte, wird Pniowers liebenswerte Persönlichkeit, seine Liberalität in der Erdas Museum zu einer wirklich produktiven Stätte für Kunst und Wissenschaft umgeschaffen wurde, in dankbarer Erinnerung haben. Als Literaturhistorifer aus Scherers Schule hervorgegangen, hat P. feine Arbeit vor allem an Goethe. er ist eine erste Autorität auf dem Gebiete der Faustforschung- ferner an Kleist, Hoffmann, Keller und besonders Fontane gewandt. Der Rede Ginn ist also, die Deutschnationalen sollen zwar auf die Judenrepublit" meiter schimpfen dürfen, aber dafür wird ihnen praktisch erlaubt, dieselbe Judenrepublik" zu regieren und sie dadurch, um juristisch zu sprechen, de facto, wenn nicht auch de jure anzuerkennen. Das ist ein nettes voltsparteiliches Taschenspielchen. nur schade, daß es ein außenpolitisch außerordentlich foft fpieliges Experiment ist und deshalb unbedingt abgelehnt werden muß. llebrigens haben wir von den deutschлnationalen Ministern in Bayern, Thüringen, Württemberg und Mecklenburg jetzt gerade genug. Mehr derartiges wollen wir nicht erleben! Der kostspielige Ernährungsminister. Zur Lebensmittelausfuhr. Matt Geldstrafe; Schned 3 Jahre Gefängnis, 300 M. Geldstrafe Fraas 2 Johre 6 Monate Gefängnis, 200 M. Geldstrafe; Groß 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, 200 M. Geldstrafe; Müllerschön 2 Jahre Gefängnis, 200 m. Geldstrafe; Schreiber 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, 100 m. Geldstrafe; Becker 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, 100 M. Geldstrafe; 3 wider 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. 100 M. Geldstrafe; Rauh 1 Jahr Gefängnis, 100 M. Geldstrafe; Delsner 1 Jahr Gefängnis, 100 M. Geldstrafe. Bei Schned werden 7 Monate der Untersuchungshaft ange rechnet, weil er nur diese Zeit in Untersuchungshaft war, während allen übrigen 8 Monate angerechnet werden. Auch wird die Geldftrafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. Die Ber teidigung hatte Bewährungsfrist beantragt. Sie ist unge. feßmäßig für den Staatsgerichtshof. Der Staatsgerichtshof hai die Theaterrestaurantversammlung als eine hoch politische Bereinigung der württembergischen Funktionäre der KPD. angesehen und Verbrechen entsprechend§ 7,4 des Republikſchutzgefeges in Toteinheit mit§ 86 des Strafgefeßbuches, Borbehalt zum Hochverrat, schon dadurch angenommen, daß sich die Angeklagten versammelt haben, um zu beraten, was während des Berbois der Kommunistischen Partei zu geschehen hätte. Im übrigen hat der Staatsgerichtshof in der vorliegenden Anklage einen minder hängen war. Ein neuer Frontbannskandal. Justizminister und Hakenkreuz. Aus der Statistik des deutschen Außenhandels im August 1 weren Fall gesehen, so daß eine Zuchthausstrafe nicht zu verist von besonderem Interesse der Anteil der Lebensmittel an der Ausfuhr. Im Bericht des Statistischen Reichsamtes heißt es u. a.:,,In der Ausfuhr hat sich die Gesamtausfuhr der Gruppe Lebensmittel und Getränke um 1,5 millionen Goldmart gegenüber dem Bormonat ge= steigert, trozdem die Buderausfuhr einen Rückgang um 10 Millionen Goldmark aufweist. Diese Steigerung ist lediglich auf die erhöhte Ausfuhr von Ge lediglich auf die erhöhte Ausfuhr von Getreide zurückzuführen." Diese Ausfuhr betrug in Doppelgentnern: Auguft Juli mehr in Millionen Goldmark 4,16 • 221 330 Weizen. Roggen... 201470 Gerste.. 9 141 100 13 340 2420 .110 3,39 2,39 München, 27. September.( Eigener Drahtbericht.) Die Sta atsanwaltschaft hat zwar gegen die Entscheidung des Landgerichts( Freilassung Hitlers und Kriebels) bis Sonnabend noch feine offizielle Beschwerde eingelegt, doch ist mit größter WahrIcheinlichkeit mit einer solchen noch am Sonnabend zu rechnen. In diesem Falle wird die Freilassung Hitlers so lange ausgesetzt, bis das Oberste Landesgericht über die Beschwerde entschieden hat. Inzwischen ist der gegenwärtige Führer der Bölfifden in Bayern, der Landtagsabgeordnete Straffer, bereits in der Lage, zuteilen: Die Begründung der staatsanwaltlichen Beschwerde läßt es sich nicht verdrießen, zeitlich bis zum 1. Mai 1923 zurückzugehen und örtlich sich bis nach Ungarn zu wenden, um groteste 3usammenhänge zu fonstatieren zwischen einem reinen Heerverband und gemeinsamen Befreiungsversuchen." Es sind also sehr erhebliche Getreidemengen exportiert über den Inhalt der Beschwerdeschrift folgendes mitworden. Wie hoch war der Erlös dabei? Die obige Statistit ermöglicht nur rohe Rückschlüsse, da die einzelnen Angaben für die verschiedenen Getreidearten nicht vorliegen. Nimmt man an, daß der Exporterlös im Auguft derselbe gewesen sei wie im Juli, so wurde 3. B. für 221 330 weniger 13 340 Doppelzentner ein Erlös von 4,16 Millionen Goldmark erzielt. Rechnet man diesen Erlös bei Roggen und Weizen um auf den Doppelzentner, und vergleicht man den so erzielten Preis mit den letzten Berliner Börsenpreisen, so ergibt sich folgendes Bild: EgporterIos Börsenpreis im August am 27. Sept. je Doppelgentner in Mart 20,16 17,03 Weizen Roggen . 22,40 21,50 Das deutsche Volk, das zu wenig Getreide hat, darf also schon jetzt für inländischen Weizen 2,24 M., für Roggen jogar 4,47 M. pro Doppelzentner mehr zahlen, als die Landwirt schaft dafür im Ausland erzielt hat. Dabei ist der Anteil der Frachten beim Export, um den sich der Erlös des Landwirts vermindert, noch nicht einmal berücksichtigt. Jeht muß Getreide zu viel höheren Preisen eingeführt werden als Kaniß es ins Ausland schickte. Der Berluft, der schon im Auguft mit einer Million Goldmart zu niebrig anzunehmen ist, wird gewaltig anmachsen, wenn erst noch mehr Getreide eingeführt werden muß. Und das wird bald der Fall sein, wenn die deutschen Ernteergebnisse nicht ganz bedeutend besser sein sollten als die Statistik sie angibt! Den Das ist ein feines Kapitel Ernährungspolitik. Nugen haben die Händler und das Ausland, nicht einmal der deutsche Bauer, der jetzt viel höhere Preise am deutschen Markt erzielen fönnte. Graf Kaniß ist der kost= spieligste Ernährungsminister, den die deutsche Republik bisher gehabt hat! Der reaktionäre Verwaltungsrat. Proteft der Eisenbahner. Aus leitenden Eisenbahner kreisen wird der BS.- Korrespondenz mitgeteilt: Die Nichtberücksichtigung des Personals bei der Zusammenfeßung des Berwaltungsrats der Reichsbahn ist von dem Personal und seinen Organisationen als Brüstierung empfunden worden, und es hat sich aus diesem Grunde, wie aus ver schiedenen anderen Ursachen, die noch zu erörtern fein werden, des Personals eine starke Unruhe bemächtigt. Sie findet ihren Ausdrud darin, daß der Rabinettsbeschluß feineswegs ruhig hingenommen merben wird, und daß auch einige Surrogate nicht als vollwertiger Ersak betrachtet werden können. Berschärft wird dieser Zustand noch durch ein amtliches Rummuniqué vom gestrigen Eonnabend, worin es heißt, daß zwar die Frage der Berufung einer Bersonalvertretung eingehend geprüft worden sei, daß es fich aber als unmöglich erwiesen hate, eine Persönlichkeit zu finden, die als Vertreter der Beamten, Angestellten und Arbeiter in Frage kommen fonnte. In dieser Begründung erblidt das Personal eine Beleidigung. Deshalb werden augenblicklich gesetzlich zulässige Maßnahmen von weitDiese Mitteilung hat in hiesigen Regierungstreifen erhebliche Entrüstung hervorgerufen, weil dadurch der Beweis erbracht sei, daß, was anderen Leuten schon längst bekannt ist, zwischen dem Justizpalast und dem völkischen Lager enge Fäden geknüpft sind. Bei der Prüfung der staatsanwaltlichen Beschwerde durch das Oberste Landesgericht dürfte von erheblicher Bedeutung sein, daß die am Donnerstag in Nürnberg durchgeführte aussuchung in der Frontbann Angelegenheit einen regen Schriffwechsel zwischen völfischen Persönlichkeiten in Nürnberg und den in Landsberg sihenden Hochverrätern zutage förderte. Im übrigen hat Röhm in einer Erklärung im völlischen Kurier" bereits zugegeben, daß er sich bei der Gründung des Frontbanns im Auguft mit seinem Freunde Weber in Landsberg eingehend beraten hat. 99 0 Die Polizei hat neuerdings eine Bersammlung der Bölkischen verboten, in der die Besucher für die Freilaffung Hitlers vorbereitet werden sollten. Diese Versammlung sollte am Dienstag abend, am Der österreichische Abgeordnete Schulz war als Redner vorgesehen. Tage ber eventuellen Freilassung, im Bürgerbräufeller stattfinden. Außerdem hat das Ministerium des Innern angeordnet, daß von Gonnabend ab keine Genehmigung mehr zum Besuch von Hitler, Kriebel und Beber erteilt wird. Dawes' Anleihe- Ankündigung. Er verurteilt die europäische Diplomaten- Politit. New- Yort, 27. September.( I 1.- Kabel.) General a. D. Dawes hielt in St. Cloud im Staate Minnesota eine Rede, in der er darauf hinwies, daß er die Politit, die bisher Europa fünf Jahre lang geführt habe, durchaus ablehne. Das bisherige polifische System Europas habe die Wirtschaft der europäischen Staaten ruiniert. Der Dawes- Plan sei schon deshalb zustande gekommen, weil Europa müde ist, weiter die bisherigen politischen Methoden anzuwenden und nicht mehr die politischen Grundsätze der Demagogen anhören will. Europa sei bereit, den Dames- Plan auszuführen und werde dies in Zukunft tun. Auf die deutsche Anleihe übergehend, führte Dawes aus, daß die politischen Kreife Amerikas die Zeit für gekommen halten, um die deutsche Anleihe zu zeichnen, deren Auflegung man noch vor Mitte Oftober erwartet. Jede Verzögerung der Auflegung der Anleihe gestalte ihre Unterbringung nur schwieriger, zumal dann im Laufe der Zeit das Publikum das Interesse an der Anleihe verliere. Die Bereinigten Staaten feien an dem Erfolg der Anleihe sf art interessiert, denn mit der Anleihe stehe und falle der ganze Dawes- Pian, an welchem Amerika mit die Verantwortung frage. Keine deutschen Bedingungen? Harry Keßler als Beschwichtigungshofrat. Paris, 27. September.( Tul.) Journal des Debats" erfährt aus Genf: Graf Harry Keßler, der gestern abend in Genf eingeteilung von Auskünften und in der Darleihung von Material. durch die gehender Bedeutung vorbereitet, durch die es der Reichsregierung troffen ist, wird die öffentliche Meinung in Genf über das MemoErftaufführungen der Woche. Sonnf.: 8entral Theater:" Moral" Dienst.: h. am Nollendoriplaz:„ Die Geliebte Sr. Hoheit". Mittw.: Komödienhaus: Der unwiderstehliche Stassian". Slob parttheater: Rosmersholm". Donnerst. h. i. d. König grägerstraße: Erich XIV". Freit.: Dramatisches Th.: Tolfening". Mont: Schiller Th.: Torquato Tasso". Urania- Borfräge. Theater. 28., 29., 30. Sept., 1., 2., 3., 4. Dt: Die Gefahren der Berge". 28. Sept., 1., 2. Dit.: 29., 30. Sept., 1., 2., 3., 4. Dft.: Südamerika, Film II". Kleiner P " " 7 It Berlin". Mit der harag von Hamburg Saal. 28., 29. Sept., 2., 3. Dft.: nach New Yorf". 28., 29., 30. Sept., 1., 2., 3. Dft.: Das Werden des Menschen". 30. Sept., 1., 4. Dit.: Nagapate, der Menschenfreifer". 4. Dtt.: Aegypten und der Nil". Mascagni im Großen Schauspielhaus. Die Vorbereitungen für das Gastspiel der italienischen Stagione unter Zeitung von Pietro Mazcagni haben begonnen. Es werden vier Aufführungen von Eavalleria rusticana" und" Bajazzo" stattfinden, und zwar: amt 4., 5., 7. und 8. Oftober. Zur Verstärkung des Rünstlerpersonals find die beiden italienischen Tenöre Guiseppe Taccani und Guiseppe Balet für die Partie des Turridu eingeladen, worden. Den Bajazzo fingt Herr 3e natello. Der Vorverkauf hat begonnen. Führungen im Museum für Meeresfunde, Georgenstr. 34: 30. Septbr., 1 Uhr, Brof. Stahlberg. Das Balier des Meeres"; 7. Oftober, 1 Uhr, Prof. Brühl, Nahrungsmittel aus dem Meere. 8 i zum Bewußtsein gebracht werden soll, daß ein Personal von 790000 Röpfen nicht gewillt ist, feine Interessen einfach ignorieren und obendrein die Nichtachtung noch in beleidigen der Weise begründen zu lassen." Deser Generaldirektor V randum aufklären, das soeben von Deutschland abgesandt worden ist. Das deutsche Memorandum enthält nach seinen Erklärungen feinerlei Bedingungen, Wünsche und Fragen. Die Aufnahme Sowjetrußlands in den Bölkerbund wird in dem Memorandum nicht berührt. Graf Keßler behauptet meiter, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht zum Gegenstand eines Abfommens zwischen Deutschland und Rußland gemacht wird. Letzte Berliner Nachrichten. Gestern fand die erste Sigung des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft statt. Als Alterspräsident übernahm Geheimrat Arnhold den Vorsiz der Versammlung, die zum Präsidenten des Verwaltungsrates einstimmig Herrn Dr. Karl Friedrich von Siemens, zum ersten Biezepräsidenten Staatsfefretär Stieler und zum zweiten Bizepräsidenten Sir William Acworth wählte. Nach Erledigung weiterer geschäftlicher Formalitäten schritt man zur Wahl des Generaldirektors. Die Wahl fiel einstimmig auf den Reichsverkehrsminister und Generaldirektor des Unternehmens Deutsche Reichsbahn", Herrn Defer. Der Herr Reichspräsident hat die Wahl bestätigt. Der Sagung gemäß wählte der Berwaltungsrat einen permanenten Ausbeamten mit der Durchsuchung der Wohnung beschäftigt waren, erschuß, der sich aus den Herren v. Siemens, Stieler, Acworth, Bergmann, Fischer und Arnhold zusammensetzt. Die nächste Sigung wurde auf Mittwoch, den 1. Oftober festgesetzt. Das Urteil im Leipziger Prozeß. Leipzig, 27. September.( Eigener Drahtbericht.) Das Urteil des Staatsgerichtshofs im Kommunisten overrais prozeß lautet: Heymann 3 Jahre 6 Monate Gefängnis, 300 Ein Opfer des§ 218. Sonnabend abend wurde in der Wohnung der Witwe Emma Stenzer, Neukölln, Ziethenstr. 69, in einen Reifeforb gepreßt, eine weibliche Leiche gefunden. Die Woh. nungsinhaberin ist flüchtig. Die Mordkommission ist mit der Klärung der Angelegenheit beschäftigt. Während noch die Kriminalschien ein Mann namens Lipomsti aus der Prinz- Handjery- Straße und erkundigte sich nach dem Verbleib seiner Frau Meta Lipowsti. Er war am Nachmittag von der Arbeit nach Hause ge= tommen, hatte seine Frau vermißt und war dann, wie er sagte, zur Arbeitsstelle seiner Frau gefahren. Aber auch hier war sie nicht gewesen. Er hat dann wohl Böses geahnt und war zu der Frau Stenzer gegangen. Er erkannte in der Leiche seine Frau wieder. Die Frau Lipowski ist das Opfer eines Eingriffs in das teimende Leben geworden. Frau Stenzer wohnte mit ihrem Geliebten zusammen und erfreute sich großen Zuspruchs. Gewerkschaftsbewegung .Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Es bedurfte großer Geduld, eines starten, sicheren Vertrauens in die Richtigkeit des Weges und Zieles, die das Kommunistische Manifest mit diesem Mahnruf gewiesen, bis die Proletarier ihn verfronden, ihn beachteten und ihm folgten. Die industrielle Entwid= Lung in Deutschland steckte um die Zeit des Jahres 1847 noch in den ersten Anfängen, die Koalitionsverbote waren noch nicht aufgehoben, der 48er Erhebung folgte eine Reaktionsperiode. Diese Verhältnisse waren nicht dazu angetan, der Aufinunterung zum Zusammenschluß cinen raschen Erfolg zu sichern. Wohl fonnten die Handwerksgesella: cuf ihren Reisen durch aller Herren Länder ihren Gesichtskreis erweitern, allein soweit sie zur Selbständigkeit tamen, bewegten sich ihre Interessen meist bald in der Richtung der Aneignung von Befiz und dessen Vermehrung. Die während der Revolutionsjahre 1848 und 1849 gebildeten Zentralverbände der Bigarrenmacher und der Buchdrucker konnten sich nicht halten. Doch die Entwicklung stand nicht fill. Die Agitation Lassalles für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, die 1863 einfegte, rüttelte die Arbeiterschaft auf. Der Bildung oo: Gewerkschaften war diese Agitation zunächst nicht för derlich, da Lassalle die Theorie des ehernen Lohngesehes verfocht, die Auffassung, der Arbeiter könne unmöglich über das von Angebot und Nachfrage bedingte Lohnniveau hinauskommen. Die Arbeiter müßten sich zu Produktingenossenschaften zusammenschließen, feiber produzieren, unter Ausschaltung der Unternehmer. Ein äußerer Anlaß, die Londoner Weltausstellung im Jahre 1862, brachte die Vertreter der französischen denen der englischen Arbeiter näher. Beim Fest der internationalen Berbrüderung, das bei dieser Geigenheit veranstaltet wurde, fam der Wunsch nach einer dauernden internationalen Verbindung zu neuem Ausdrud. Bei einer erneuten Zusammenkunft am 22. Juli 1863 zu einer Sympathieerklärung für Polen wurde ein Ausschuß zur Herbeiführung einer Berbrüderung eingesetzt. Dieser Ausschuß veranstaltete vor 60 Jahren, am 28. September 1684, eine Versammlung der Arbeiter aller Länder in London. Es wurde eine Kommission eingesetzt, um das Programm und die Satzungen einer internationalen Arbeiterassoziation zu entwerfen. Unter den etwa 50 Mitgliedern diefer Kommission befanden sich 10 Deutsche, die meist vordem schon internationalen Geheimverbänden, wie dem Bunde der Kommunisten, angehört hatten, darunter auch Karl Mart. Das von ihm entmorfene Programm die Inauguraladresse benannt somie die Gazungen wurden bei der späteren Beschlußfassung einstimmig angenommen. Das Programm fonnte auf den Fortschritt der englischen Arbeiter durch die gesetzliche Einführung des Zehnstundentags vers weisen, der nicht nur ein praftischer Erfolg, sondern der Sieg eines Prinzips bedeute: 3um erstenmal am hellen lichten Tage erlag die politische Defonomie der Bourgeoisie der politischen Defonomie der Arbeiterklasse." Wie das Kommunistische Manifest, flang auch die Inauguraladresse erneut in den Mahn- und Wedruf aus:„ Prole= tarier aller Länder vereinigt euch!" Blicken wir auf den Verlauf dieser 60 Jahre zurück, dann ergibt fich, daß heute noch nicht alle Proletarier diesen Ruf erfaßt haben. Allein die Agitation für die Gewerkschaften wäre heut meil leichter als vordem, wenn nicht die Parole der„ Einheitsfront" ausgegeben würde, die einmal zeigt, daß die Einheitsfront gestört ist, weiter aber, daß die Kommunisten, die sie zerrissen haben, sie nicht fordern im Interesse der Gewerkschaften, sondern zu dem 3wed, dis Gewerkschaften der Kommunistischen Partei unterzuordnen. Marg - auf den sich die Kommunisten mit mehr Ueberhebung als Recht berufen ging jedoch davon aus, daß die ökonomische Emanzi pation der Arbeiterklasse der große Endzweck sei,„ dem jede politische Bewegung als Mittel unterzuordnen ist“. Weiter aber betonte Marg, daß die Arbeiter ein Element des Erfolgs besitzen 3ahlen. ,, Aber zahlen wiegen nur dann schwer, in der Wage, wenn sie durch ein Bündnis vereinigt und einem bewußten Ziel entgegengeführt werden." trag haben, die Gewerkschaften zu zerrütten und das Element des schaffene Situation wird den Vorständen der Arbeitnehmerverbände Erfolgs ins Gegenteil verkehren. nunmehr Vera laffung geben, die nötigen Dispositionen zu treffen. Der Vorstand der baugewerblichen Arbeitnehmerverbände. Front gegen das Zechenlegen. Die internationale Gewerkschaftsbewegung aber steht heute vor der Sicherung der Etappe, die sie in einem Menschenalter zurüclegte: dem Achtstunden tag. Die Rechte der Reichsbahnbeamten. Wie wir bereits im gestrigen Abendblatt zeigten, hat sich die Rote Fahne" in unnüze Aufregung gestürzt. Sie muß es schon den Vertretern der Beamten überlassen, die Rechte ihrer Kollegen zu vertreten. Reichsbahn als Reparationsi ftrument die organisatorischen UmDen Eisenbahnbeamten ist bekannt, daß die Verwendung der wandlungen mit sich bringt, die in den nächsten Tagen in Kraft intereffen wirffam zu vertreten. Es ist ihnen auch gelungen, ertreten. Die Beamten sind daher auf der Hut, um ihre Anstellungshebliche Erfolge hierin zu erzielen. Danach wird die heutige Rechtslage an feiner Stelle verschlechtert, wohl aber an mehreren Bunften verbessert. Wer bisher in einem unfündbaren Beamtenverhältnis stand, verbleibt darin. Wer bisher fündbarer Beamter war, fonnte jederzeit gekün digt und entlassen werden. Dieser Rechtszustand war um beswillen nicht allgemein bekannt, weil Ründigungen nicht häufig vorkamen. In Zukunft fann der untere Beamte soweit er nicht überhaupt unfündbar angestellt wird nur auf den Monats= schluß mit vier Wochen Frist, der mittlere Beamte nur auf den Vierteljahrsschluß mit sechs Wochen Frist gefündigt werden. Seither gab es gegen die Kündigung nur das meist unwirtsome Rechtsmittel der Bestätigung durch das Dezernentenfollegium der Direktion. Künftig gibt es in jeder Direktion Präsidenten persönlich als Borlizenden, einem Abteilungsdirektor einen Einspruchsausschuß, der sich zusammensetzt aus dem und einem Bertreter der Beamtenfchaft als Beisigern. Lekterer ist vom Bezirtsbeamtentat von Fall zu Fall zu bestellen. Dieser Einspruchsausschuß tritt auf Anruf in Tätigkeit, wenn ein noch nicht 65 Jahre alter Beamter gegen feinen Willen penfioniert oder auf eine Stelle von geringerem Rang zurückverjetzt oder wenn ein Ründigungsbeamter gekündigt werden soll. Kann der Beamte glaubhaft machen, daß es sich um ein unzuläffiges Borgehen aus politischen, gewerffchaftlichen oder fonfessionellen Gründen handelt, so tritt die Schiedsstelle an die Stelle des Einspruchsausschusses, die auf dieselbe Art besetzt wird, wie der lettere, nur daß nicht der Präfident, sondern ein unabhängiger Richter den Borfis führt. Man sieht also, daß für die Reichsbahnbeamten gerade die Sicherungen gegen ungerech tigkeiten und Borgefegten willfür geschaffen werden, die man bei dem zurüdliegenden Abbau des Reiches und der Länder vorläufig noch völlig fo schmerzlich vermißt hat und die den Beamten fehlen, soweit man nicht die Abbaubeschwerdeausschüsse als Schuh ansehen will, die der Reichstag geschaffen hat und die eine mirtame Tätigkeit faum entfalten fönnen. Im übrigen bleiben die Rechts-, Besoldungs- und sonstigen Dienstverhältnisse der vorhandenen Reichsbahnbeamten genau diefelben wie seither und find gegen Berschlechterungen in demselben Maße gesichert wie die Rechtsverhältnisse der übrigen Beamten. Lediglich die Formu sochen fann von einem rechtlosen Angestelltenverhältnis nicht gelierung paßt fich dem neuen Zustande an. Angesichts dieser Tatsprochen werden. Die Gehaltsfrage der Beamten vertagt. fing am Freitag vormittag die Bertreter der Spizenorganisationen, Amtlich wird berichtet: Der Reichsminister der Finanzen emp die wegen einer Erhöhung der Bezüge der Reichsbahnbeamten und Angestellten vorstellig wurden. Nach eingehender Erörterung der Lage der Beamten und Angestellten, der allgemeinen Wirtschaftslage und der Finanzlage des Reiches sowie aller übrigen in Betrecht fomme iden Verhältnisse konnte der Reichsfinanzminister bei voller Würdigung der Ausführungen der Organisationsvertreter feine Erfüllung zurzeit der vorgetragenen Wünsche in Aussicht stellen. Insbesondere würde zu einer Zeit, we von der Reichsregierung auf allen Gebieten ein Preisab. bau erftrebt, die Umsatzsteuer und die Eisenbahntarife herabgesetzt, bie Kohlenpreise und Bankprovisionen ermäßigt würden, eine Erhöhung der Bematenbezüge diesem Bestreben gerade entgegen. wirfen. Es sei auch eine wirtschaftliche und finanzielle Un= möglich feit, auf der einen Seite die Einnahmen des Reiches durch Herabsetzung der Umsatzsteuern und der Eisenbahntarife zu verringern und auf der anderen Seite durch Gehaltserhöhungen die Ausgaben zu vermehren. Schließlich dürfte unmittelbar vor Aufbanf feine Maßnahme getroffen werden, deren Rückwirkung auf die endgültige Goldmährung sich nicht übersehen ließe. Eine„ Einheitsfront" zu gelegentlichen Putschen war schon vor 60 Jahren längst überholt. Handelte es sich aber um eine geistige Weiterentwicklung, so ist diese nicht mit Gewalt und den ihr entfprechenden Mitteln zu erreichen. So sehr die Gewerkschaften jeden Zuwachs zur gemeinsamen Mitarbeit begrüßen, so wenig fönnen sie Angehörige einer Partei willkommen heißen, die den strikten Aufnahme der Tätigkeit der demnächst zu errichtenden Goldnoten -EINER sagí es dem Andern DUNLOP die Weltmarke CORD bürgt für Qualität! Gescheiterte Lohnverhandlungen im Baugewerbe. Das letzte Lohnabfommen im Berliner Hoch- Beton- und Liefbougewerbe läuft bis zum 30. September. Im Einvernehmen mit den am Vertrage beteiligten Vertretern der Arbeitnehmerverbände wurde dasselbe gekündigt. Es haben darauf Lohnverhandlungen am Freitag im Verband der Baugeschäfte stattgefunden. Von den Vertretern der Arbeitgeber verbände wurde fategorisch erklärt, daß an eine Lohnerhöhung nicht zu denken sei. Deshalb solle man das letzte vom Schlichter getroffene Abkommen bis zum Jahresschluß verlängern. Demgegenüber erklärten die Ar= beitnehmervertreter, daß an einen Tarifabschluß ohne Lohnerhöhung nicht zu denken sei. In einer schriftlich abgegebenen Erklärung der Arbeitgebervertreter stellten fie anheim, als zweite Instanz die Schlichtungsstelle anzurufen. Die dadurch ge= Bochum, 27. September.( Eigener Drahtbericht.) Auf Beranlaffung des Regierungspräsidenten in Arnsberg fand am Sonnabend im Bochumer Rathaussaal eine Aussprache über die geplanten Massenentlassungen auf den zu Deutsch Lug gehörenden Zechen„ Friedlicher Nachbar"," Dannenbaum",„ Kaiser Friedrich", beitnehmer und der Gemeinden waren der Meinung, daß „ Glückauf Tiefbau" und„ Tremonia" statt. Die Vertreter der Ar= alles geschehen müsse, um diese Entlassungen zu ver= meiden. Direktor Knepper von Deutsch- Lux suchte nachzus weisen, daß das nicht möglich sei. Seine Angaben über die mangelnde Rentabilität der fraglichen Zechen wurden besonders vo: 1 den Arbeitnehmern entschieden bestritten. Die Landräte von Hörde und Hattingen sowie die Vertreter der Gemeinden wiesen auf die schweren Folgen für die Gemeinden hin. Uebereinstimmend war man der Meinung, daß außerordentliche Verhältnisse außerordentliche Maßnahmen erfordern und daß die Regierung unmittelbar eingreifen und sich auch an den Verhandlungen beteiligen müsse. In diesem Sinne soll sofort an die Regierung herangetreten werden. Schiedsgerichtsvorschlag im belgischen Bergarbeiterstreik. Mons, 26. September.( Eca.) Die Bergarbeiterdelegierten in dem Streifgebiet in der Borinage sind gestern abend erneut zu einer Sigung zusammengetreten. Dabei wurde mitgeteilt, daß die Regierung einen Schiedsspruch angeboten habe unter der Bedingung, daß beide Parteien sich dem Schiedsspruch beugen müßten. Die Delegierten wurden beauftragt, ihren lokalen Verbänden diesen Vorfchlag mitzuteilen. nische Baugesellschaft( Haberland- Ronzern) ist aufgeAchtung, Zimmerer! Die Sperre über die Firma Berli hoben. Die Arbeit wird morge 1, Montag, auf allen Baustellen gefchloffen wieder aufgenommen. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Craft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shilowski; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 5 Beilagen. Nos Montag und Dienstag 29. und 30. September geschlossen Beachten Sie das MittwochInserat das Ihnen außergewöhnliche Vorteile bieten wird srae Qualitätsraucher bevorzugen unsere II. Sortierungen! das Stück II. Sortierung mittel II. Sortierung groß in Kisten zu 50 Stück 50 Stück 12, 15% Die ständig gleiche Bezeichnung unserer Zigarren ist das Merkmal der bleibenden guten Qualität! Wir gewähren in unseren sämtlichen Niederlagen soweit Bestand vorhanden 30% Rabatt auf MASSARY- Zigaretten ausschliesslich Kleine Massary und Classe und auf IRRLICHT- Zigaretten Irrlicht blau Irrlicht rot Irrlicht gelb Irrlicht weiss LOESER& WOLFF Zentrale: Berlin C. 25, Alexanderstrasse 1 !Tt. 458 4 41, �ahrgakg 1. Heilage öes vorwärts Sonntag, 28. September 1424 Mehrfach wurden an dieser Stelle die Kabarellsäiiger, Humoristen und Komiker der quiblirgerlicheu wie auch der volkstümlichen Unterhaltungsstätten einer Kritik unterzogen; und. ganz abgesehen von den artistischen Qualitäten, wird ihnen entweder reaktionäre oder allzuängstlich politisch-farblose Einstellung zum Vorwurf ge- macht. Dazu sollen einige Ausführungen erlaubt sein, die wohl ein kleines Interesse beanspruchen dürfen, gerade weil sie von einem schriftstcllernden Berufsartisten stanimen, der in seinem Fache«ine mehr als zwanzigjährige Erfahrung besitzt. Tluf öer Kleinkunstbühne. Di« Gesinnung des Publikums an den„bessere» Kleinkunst- kühnen" in Großstadt und Provinz ist im großen und ganzen so, daß der Sänger rechtspolitischer Couplets aus der ganzen Linie Sieger bleibt. Ein republikanischer Satiriker würde kein„Lachen links" entfesseln, sondern stürmische Entrüstung, und liefe Gefahr, gebierseidelr zu werden. Er wäre glatt erledigt und würde— wie «s dem Schreiber dieser Zeilen ergangen— stillschweigend boy- ivttiert und von der Bildflöche oerschwinden. Und die Bolksunter- Haltungsstätten sind erst recht keine Bildungsinstitute, sondern privolkapikalistische Vcrgnügungslokale. die ein gutes Geschäft machen wollen. Auch sie sind mit wenlgen Ausnahmen auf oberflächliche Unterhaltung, Jozzbondklimbim, lärmenden Trubel, erotische Gassen- Hauerlyrik und„Stimmung" zugeschnitten.» Auch hier würde ein politisch links agierender Vortrugshumorist wenig Anklang finden. Indifferenz und Denkfaulheit will über Fixfaxereien lachen, will sich amüsieren. Für Komiker republikarisch-sozialistischer Weltan- schauung ist im Augenblick«ine Wirkungsmöglichkeil nur beschränkt vorhanden, den Boden dafür müssen also schon die Gewerkschafts- »nd Parteiorganisationen, die Arbeiter-Gesang- und-Sportvereine bei Festlichkeiten selber schassen, unabhängig von bürgerlichen Kon- i>,.itloka'en. Zweifellos find sozialistische, antimonarchiftischc und anti- militaristische Tendenzdichtungen, witzige Zeiksatirer scharf« Waffen im Kampf der politischen und gesellschaftlichen Weltanschauungen. Da nwr nicht die gesamte Arbeiterschaft bis zum letzten Mann litcrarischc ftochhildmig besitzt, �vird man auch die volkstümliche, derb- witzige Note des satirischen Spottliedes gelten lassen müssen. Volkssänger unü Humoristen. Wer an die Zeiten denkt, als es noch keine parteioffiziellen Bildungsbestrebungen gab. der erinnert sich gewiß auch der Volks- sänger und Volkshumoristen, die bei keiner Arbeiterfestlichkeit fehlten; mit frischsröhlichem Sinn verhöhnten sie die jeweiligen poli- tischen Tagesereignisse, und manch gelungenes Tendenzconplet, wie nian es heut« selten hört, schlug ein wie eine Bombe. Wenn schon nicht alle Ansprüche künstlerischer Grundsätze erfüllt waren, die un« mittelbare, agitatorische Wirkung war durchschlagend, es war treffender Bolkswih, kam von Herzen, ging zu Herzen. Und auch das geistige Niveau derartiger Vorträge war für damalige Zeit- und Ortsverhältnisse respektabel. Dann aber setzte mit voller Wucht die organisierte BildungSepoche ein. Die Kunst dem Volke! Das Beste ist � fürs Volk gerade gut genug! Schärfste Kampfansage gegen den Schund in der Literatur, gegen den Kitsch auf allen Kunstgebieten. Kampf gegen Tingeltangel. Gassenhauer, Couplets und Zoten. Es wurde ohne Erbarmen und radikal aufgeräumt; zuweilen auch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Es gab nur noch„höhere Kunst" — oder Schund. Was dazwischen lag, war gleichfalls verbotene Frucht. Es gab sogar vereinzelte Kunstdespoten, die am liebsten jede Lebensfreud« negiert hätten. Nicht einmal die parteipolitischen Sänger und Komiker aus den eigenen Reihen fanden Gnade, auch sie kamen auf den Aussterbeetat. Tendenz, Agitation, ein überlebter Standpunkt!„Die janze Richtung paßt uns nicht!" Die Massen sind künstlerisch zu veredeln, zu vertiefen. Neu« Wege und Ziel«. Die Singerei zur Laute kam in Mode; gewaltige Bühnenwerke, die nicht überall ausgeführt werden konnten, kamen wenigstens zur Ber- lesung; wissenschaftliche Allerweltsvorträg«, Lichtbildervorträge; klassische und moderne Dichterabende, Kirchenmusik; und, damit auch der Humor zur Geltung kommt, ein bißchen Wilhelm Busch. Ein buntes Programm. Die Meinungen waren geteilt; die einen waren begeistert, die anderen toten so, als ob sie es verdaut hätten. »Ketzer." Auf der einen Seite Schwärmer, die sich ganz von der grauen Alltäglichkeit lösen und nur noch in den höchsten Regionen der Kunst leben und sterben wollten. Andererseits aber die banausischen Skeptiker, die allen versuchen einer literarisch-wissenschaftlich-osiro- nomisch-philosophisch-pädagogischen Erlenchinng hartnäckigen Widerstand entgegensetzten, und sich sogar nicht einmal die erhaben« Melodik und Klangschönheit unserer großen Meisterkomponisten meuchlings beibringen lassen wollten. Ja, sie erlaubten sich sogar den ketzerischen Einwand, daß der gewerkschaftliche und sozialistisch« Organisalionsapparat überhaupt nicht zur Förderung irgendeiner musikalischen Liebhaberei odrr einer einseitigen Kunstrichtu ig da wäre, sondern zur Erzielung wirtschaftlicher und politischer Macht im Interesse des aufstrebenden Proletariats. Die unentwegten Literatur- und Kunstenthusiastsn behielten aber Gott sei Dank! Ober- wasser. Und so konnte man durch emsige Propaganda, besonders in den Großstädten, unbestreitbare Erfolge erzielen, die aber jeden- falls noch bedeutender wären, wenn man sich auf die Psyche der breiten proletarischen Massen verstanden hätte. Wohl sind es Tau- sende, die für die offiziellen Veranstaltungen der Bolksbildungs- ämter ein reges Interesse bekunden und mancherlei Erbauung finden. Aber hunderitausende von Angehörigen der werktätigen Bevölkerung laufen in die Kinos und genießen mit Schauer und Wonne Hintertreppenschmock, oder sie bevölkern die Rummelplätze und amüsieren sich, wenn sie geneppt werden. Und an Samstagen Bcreinsvergnügen mit blutiger Diletlantentheaterei. Die kulturelle Geinütsversaffung der breiten unteren Bolksschichten hak einen be- denklichen Tiefstand erreicht Bereinzelte Bortragsartisten, die in volkstümlichem Rahmen austreten und sich nicht gern zum platten Possenreißer herabwürdigen wollen, wissen ein Liedchen davon zu singen. Jeder Versuch, das Niveau zu heben, stößt in der Regel auf stupide Ablehnung. Und wer sich zu guter Letzt nicht noch besinnt und Konzessionen nach unten macht, ist bald beruflich erledigt. Und der Kamps der Kunst- und Bildungsideakisten gegen dea Schund und Kitsch? Run, einige parteipolitische Volkssänger und Komiker, die wahrlich nicht die schlechtesten Vertreter ihrer Zunft waren, gerade die sind vor die Hunde gegangen— wenn man das als einen wesentlichen Erfolg verbuchen kann. Das ist die tragi- komische Schlußpointe des politischen Komikers. Aber es ist Zeit, daß den Herren Humoristen nationalen Geschäftsrummels, den Witz- kanonen, Lachpillendrehern und Blödsinnsfabrikanten einmal in das Geschäft geguckt wird. Vom Sekretär des Bezirksbildungsausschusses, Genoffen Aibeit H o r l i tz, wird uns zu diesem Thema geschrieben:„Ihr Volks- sänger und Humorist singt Klagekieder und vergieht wehmütig Tränen über das aus den Arbeiterfeften verdrängte Tendenzcouplet. Soweit es sich um die Entfernung von offenbarem Schund aus den Feiern der Arbeitervereine handelt, sind wir hoch ersteut dar- über, daß der von uns geführte zähe Kampf gegen Plattheiten und Zoten Erfolg hatte. Leider ist der politisch satirische Humor im Laufe der Zeit matt und schal geworden, worüber wir auftichtig betrübt sind. Wo ist der Humor, dem Geist innewohnt? Der mit stöhlichem Schellengeklapper für Freiheit und Lieb«, für Mut und Menschenrecht kämpft?„Der Geist i st derKönig der W« l t," sagt Glasbrenner. Wie schade, daß nur so wenige der politischen Satiriker nach ihm diesem König« gehuldigt haben! Auch aus den eigenen Reihen kamen bisher wenige, die den Ernst in närrische Gewänder kleideten und mit spitzer Zunge, sprühend witzig, Kämpfer für die republikanisch-sozialistische Weltanschauung wurden. Wir fahnden auf solche Spottvögel. Bis jetzt haben wir keine gefangen, die singen konnten. Wenn der Schreiber obiger Zeilen ein Sänger ist, soll er uns sehr willkommen seilt. Dann wollen wir über die sogenannte tendenzlose Kunst lachen und ein witziges Couplet schreiben. Ueberall da, wo sich Proletarier zusammenfinden und sich mit hohlem Dilettantenpathos dem Dienste an der„Kunst" weihen, werden wir sie mir spöttischem Schellengeklingel auseinandertreiben. Aber wo und wann wir vor Proletariern auch singen, in den Höhen oder Tiefen, in den Häusern, Werkstätten oder auf offenem Markt, unser Humor muß echt, unser Witz muß scharf und schneidig sein, wenn er den proletarischen Massen ein befreiendes Lachen bescheren soll." Er will»königlich" bleiben. Gefängnisstrafe für Beleidigung des Reichspräsidenten. Wegen öffentlicher Beleidigung des Reichspräsidenten hatte sich gestern vor dem Schöffengericht Mitte der Schneider Mandeltow zu verantworten. Der Angeklagte wehrte sich entschieden gegen die Bezeichnung Schneider und wollt« nur als„königlicher" Uni- formzuschneider gelten.„ Mandelpow hatte am 12. April d. I. auf der Schloßbrücke schwer beleidigend« Aeußerungen über den Reichspräsidenten Ebert ausgestoßen und u. a. be- hauptet, daß er durch diesen„Sattlergesellen" betrogen sei. Der Reichspräsident hatte sich dem Strafverfahren durch Rechts- anmalt Wolfgang Heine angeschlossen. Der Angeklagt« e n t- schuldigt« sich mit seiner Angetrunkenheit und seiner Erregung darüber, daß er durch die Politik des Reichspräsidenten brotlos geworden fei, da er sein Leben lang für Militärschneiderei gearbeitet hätte und nun nach dem Zusammenbruch keine Beschäftigung mehr finde. Staatsonwaltschastsrat Dr. Burchhardi beantragte 3 Monate Gefängnis, und Amtsgerichts- rat Dr. Neumann erkannte auch auf die beantragte Strafe. Aus außen- und innenpolitischen Gründen müsse ein« der- artige Herabwürdigung des Staatsorberhanptes schwer bestraft werden. Deshalb habe das Gericht auf.Gefäng- nisstrafe erkannt. Dem Reichspräsidenten wurde die Publikationsbefugnis des Urteils in drei Zeitungen verschiedener Richtung(„Bor- wärts", Berliner Tageblatt".„Berliner Lokal-Anzeiger") zugebilligt. 26] Die Familie Frank. Roman von Marlin Andersen Rerö. Die Straßenjungen liefen umher und sorgten für die Ver- breitung der neuesten Kopenhagener Schlagworte, die sie von den F'lcherbootsleuten gelernt hatten. Ausdrücke wie„Die Kiste ist gut!" und„Ein langes Leben den Totgeborenen!" wurden an den unmöglichsten Stellen angebracht.' Der Theodor des Schultheißen und der Axel des Lehrers wollten sich vor ihren beiden kurzröckigen Begleiterinnen zeigen und machten sich über die Landbewohner lustig, im Vertrauen darauf, daß nienrand den Sohn des Bürgermeisters anzurühren wagte. Sie fühlten sich so herrlich frei bei dem Gedanken, daß Thorvald und Lars, die kraft des Faustrechts über ihnen standen, anderswo beschäftigt waren. Die braven Bauern lachten geschmeichelt, wenn die beiden Knaben sie ins Gesicht hinein zum besten hatten— es waren ja„die Söhne von feinen Männern". Drüben ftanv ein dicker, rothaariger Bauernjunge, der sich seit langer Zeit nicht gewaschen hatte, und nagte an einem großen Honigkuchen.( Er hatte den Kopf zwischen die Bäume gesteckt, als ob er fürchtete, daß man ihm die Herrlichkeit rauben werde. „Was kostet das Fuder?" fragte Axel und stach ihn mit einem Strohhalm in fein schwarzes Ohr. Der Junge warf einen taxierenden Blick auf Axel. Als er sah, daß sein Kuchen nicht in Gefahr war, antwortete er ruhig: „Du sollst es zum Fortfahren kriegen." Die Umstehenden weideten sich daran,.und Axel mur- melte:„Bauernknoten!" und verzog sich. Den Lärm und das Gewühl durchschnitt Mads Sivert- sens Stimme. (Er hegte einm Groll auf alles, was fem war, und namentlich haßte er den Bürgermeister, der ihn ein paarmal wegen Ausschanks während der Kirchzeit hatte bluten lassen. Rings um die Tribüne waren einige reservierte Plätze ein- gerichtet, und Mads hatte aus reiner Krakeelsicht die leeren Bierfässer und Flaschenkörbe dorthin stellen lassen. Als man ihn dann ersuchte, die Sachen von da wcgzu- schaffen, bekam er einen seiner Wutanfälle und schimpfte aufs Geratewohl in die Luft hinein über die Menge. Durch ihr Gelächter machten ihn die Leute noch wütender; und da weder Flaschen noch Gläser in seiner Nähe waren, ergriff er die Geldkasse und schleuderte sie dem Publikum an den Kopf. „Goldregen!" riefen die Jungen und drängten sich vor. „Ein langes Leben den Totgeborenen!" Diese Entladung übte eine merkwürdig günstige Wir- kung auf Mads Sivertfens schlechte Laune aus; er faß ganz still und verfolgte mit unruhigen Augen das Aufsammeln des Geldes. Und als die Kasse wieder vor ihn hingestellt wurde, mußte er mit Betrübnis feststellen, daß zehn Kronen und fünfunddreißig Oer fehlten. Als die Honoratioren die Wirkung ihrer Forderung sahen, nahmen sie Abstand davon, und die Sachen blieben stehen. Ein gellender Trompetenstoß ließ die Leute zur Redner- tribllne hinstürmen. Selbst Mads Sivertfens Flüssigkeiten ver- mochten nicht länger zu fesseln, und einige hatten es so eilig damit, fortzukommen, daß sie sogar das Bezahlen vergaßen. Zum Glück kannte Mads sie alle bis auf zwei Knechte. Die Knaben rannten zwischen die Tannen hinein und kletterten aus die Bäume, um einen besseren Ueberblick über die Sachlage zu haben. Der Vorsitzende des konservativen Klubs, Apocheker Blem, dankte den Leuten, weil sie so zahlreich an diesem für alle Dänen so bedeutungsvollen Tage erschienen seien. Dann stimmte man das Lied vom König Skjold an, unter der Füh- rung des berühmten Orchesters, das nicht einmal der Noten bedurfte, sondern nach dem Gehör spielte. Der Gesang ver- lief ohne wesentliches Mißgeschick, abgesehen davon, daß der Lehrer Schröder und die Musik fertig waren, bevor die Ber- sammlung bis zur Mitte der letzten Strophe gelangt war. Ein langes„Kralle-wille-wi-bom-bom!" aus den Tannen- Wipfeln schloß den Gesang ab. Der Bürgermeister warf von der Rednertribüne einen nervösen Blick zu den Tannen hinüber. Sie waren die Plage seines Lebens, diese Gassenjungen mit ihrem Mangel an Re- spekt! Immer saßen sie ihm auf dem Nacken, und ihnen richtig zu Leibe gehen konnte er auch nicht, ohne mit den Eltern aneinander zu geraten— und so erreichte er es nie, populär zu werden. Diese zahmen, demütigen Brei-Csser konnten zu wahren Tigern werden, wenn es sich um ihre un- artigen Bälger handelte.— Er warf einen suchenden Blick in die Runde nach dem Polizisten, beschloß aber dann, sich mit Geduld zu wappnen, entblößte sein Haupt und begann, das. alte Lied vom König Skjold zu erläutern, während die Sonnenstrahlen auf seinem Monde spielten und die Leute, die da vor ihm saßen oder lagen, sich auf ein Mittagsschläfchen einrichteten. --„Ja, das dänische Volk ist einmal ein unglückliches Volk gewesen— als es in Königsnöten war. Für die jetzt Lebenden ist ex; vielleicht schwer genug, das Unglück in seiner ganzen Ausdehnung zu fassen— wenn man an einer üppigen Tafel sitzt, erscheint der Hunger ja nicht so schlimm— aber durch das Lied bekommen wir einen Eindruck davon, was es besagt.„Die Guten weinen, und die Bösen lachen"— und warum? Weil das Land mit Disteln und Dornen bewachsen ist. Die Geschichte zeigt, daß das dänische Volk auch von anderem Unglück heimgesucht worden ist; Mißernten, schwe- ren Kriegen, Pest. Es hat Zeiten gegeben, wo es aussah, als hätte Gott sein Antlitz im Zorne von unserem Volke abge- wandt. Aber kein Unglück ist ihm so zu Herzen gegangen wie dies, daß es keinen König hatte. „Das dänische Volk ist ein königstreues Volk!"(Knaben- stimmen von den Bäumen herab:„Die Kiste ist gut!") Der Bürgermeister hielt inne, strich sich verwirrt über seinen mit Schweißperlen bedeckten Vorderkopf und starrte zur Sonne hinauf— er hatte den Faden verloren. Diese verfluchten Jungen! „Ja, das dänische Volk ist ein königstrcues Volk! Und eben darum, wie beglückend, wie beruhigend ist es zu wissen, daß wir mit vollem Vertrauen der Zukunft entgjmenblickelt können— von der Seite droht uns keine Gefahr. Dänemarks Thron ist nicht nur durch drei Generationen gesichert, unser hohes Herrscherhaus hat auch seine kräftigen Zweige über Europos Throne hin getrieben, so daß unser kleines Land durch heilige Verwandtschaftsbande an die mächtigsten Staaten der Erde geknüpft ist. Das müßte einen jeden guten Dänen mit Stolz erfüllen. Doch seltsamerweise haben nicht alle dieses Gefühl. Es gibt nicht nur Leute, die sich nicht über das Gedeihen des Königshauses freuen, sondern auch solche, die es als Bürde für das Land betrachten und ihm zu Leibe wollen. Die Bösen lachen immer noch, die Volksverführer- sind am Werke und versuchen, ihr Gift in die Herzen des Volkes zu träufeln. Aber nie soll es ihnen gelingen, das Beste im dänischen Volke zu ersticken: seine untertänige Gehorsamkeit und Liebe. (Fortsetzung fosst.); Der Kampf um die Ambulatorien. Stellungnahme des Oberpräsidenten. Die im Verbande der Krantentassen Berlins zusammengeschlossenen Raffen haben seit 1. Juli 1924 die Familienversicherung eingeführt mit der sagungsmäßigen Be stimmung, daß die Behandlung der Familienangehörigen der Mitglieder in den Ambulatorien des Verbandes stattfinden muß. Nach Prüfung des Versicherungsamtes hat das Oberversicherungs: amt genehmigt, daß diese sazungsmäßige Bestimmung Rechtstraft erlangt. Da die Zahl der Ambulatorien nicht ausreicht, hat der Verband vor längerer Zeit Räume gemietet, um noch vier große Ambulatorien zu errichten. Der Umbau der Räume ist fast vollendet, die Einrichtungen sowohl Instrumente, wie Möbel, sind längst gekauft, Aerzte und Personal sind engagiert, so daß die Eröff nung, die aus praktischen Gründen für alle vier Ambulatorien on einem Tage stattfindet, in der ersten Hälfte des Ot tober vor sich gehen kann. heitspreis des Berliner Baffers. Hiervon werben besonders hart die Kleinsiedler betroffen und am härtesten diejenigen, die da draußen ihr Stückchen Land zunächst als Garten bewirtschaften und an anderer Stelle noch ihre Wohnung behalten. Sie haben begreiflicherweise einen nur máßigen Wasserverbrauch, meist unter 100 Rubikmeter im Vierteljahr, so daß sie mit dem ganzen Verbrauch in die höchste Preisstaffel fallen. Auch für den Wassermesser muß noch bezahlt werden, jetzt 3,60 M. im Vierteljahr, wodurch der Wasserpreis weiter, und zwar für die kleinen Verbraucher viel fühlbarer als für die großen, verteuert wird. Dazu kommt, daß ein Mindest= verbrauch von 30 kubikmeter für das Vierteljahr festgesetzt ist, der auch dann bezahlt werden muß, wenn er nicht erreicht wird. In der fälteren Jahreszeit wird für die zunächst nur als Gartenland genußte Parzelle überhaupt fein Wasser verbraucht, aber die 30 Kubikmeter müssen mit 10,80 m. bezahlt werden, für nichts und wieder nichts. Man kann im Winter den Wassermesser abnehmen lassen und in Verwahrung geben, doch auch dafür muß etwas bezahlt werden, weil das Arbeit fostet. Die private Gesellschaft weiß es immer so einzurichten, daß fie möglichst vor Schaden bewahrt bleibt. Der Verbraucher hat dafür zu sorgen, daß sie einen nicht zu tnappen Profit einheimsen tain. Die Straßenbahnunfälle vor dem Preußischen Landtag. Es ist mit der Berliner Straßenbahn weit gekommen. Ihre Unfähigkeit, die für ein derartiges Verkehrsinstitut absolut notwendige Verkehrssicherheit wiederherzustellen und zu erhalten, hat jetzt dazu geführt, daß die Abgg. Dr. Faßbender und Gottwald Berlin( 3.) an den Preußischen Landtag folgende Kleine Anfrage gerichtet haben: Durch eine sich in den letzten Wochen ungewöhnlich häufende Anzahl schwerer Straßenbahnunfälle ist in der Berliner Bevölkerung eine große Beunruhigung hervorgerufen worden. Ist das Staatsministerium in der Lage und bereit, von sich aus Maßnahmen zur Verhütung fünftiger Unfälle zu ergreifen? Ist das Staatsministerium insbesondere zu einer Prüfung der hier in Betracht kommen ben verkehrspolizeilichen Vorschriften und Maßnahmen bereit, die nach dieser Richtung zu wirken geeignet erscheinen? Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, der gleich zeitig Vorsitzender des Oberversicherungsamts Berlin ist, hat mum in einem Erlaß vom 11. September 1924 an das Versicherungsamt die Absicht der Kassen, zurzeit neue Ambulatorien zu er richten, als den geseglichen Bestimmungen zu miderlaufend erklärt und das Versicherungsamt angewiesen, dem Verbande die beabsichtigte Maßnahme zu untersagen. Tatfächlich hat sich das Versicherungsamt durch diesen Erlaß des Oberpräsidenten, ohne hierzu verpflichtet zu sein, bestimmen lassen, den Raffen die beabsichtigte Eröffnung der neuen Ambulatorien unter Androhung einer Geldstrafe von 500 m. für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu untersagen. Das Schiedsamt, welches zur Erledigung von Streitigkeiten zwischen Krankenkassen und Aerzten gebildet ist, hatte in seiner legten Sigung auch über die Frage der Ambulatorien zu entscheiden, und hat unter Vorsitz desselben Oberpräsidenten am 22. August wie folgt entschieden:„ Die getroffene Einrichtung der Ambulatorien bleibt für die Behandlung der Familienmitglieder aufrecht er= halten. Die in den Ambulatorien angestellten Aerzte werden als Koffenärzte für die Behandlung von Familienmitgliedern zugelassen. Hinsichtlich ihrer Honorierung bewendet es bei den abgeschlossenen Berträgen." Gegen den Schiedsspruch haben beide Parteien Berufung eingelegt. Durch Einlegung der Berufung ist, wie ausdrücklich in der Berordnung über Krankenkassen und Aerzte feftgestellt wird, Aufschub bewirkt und beide Parteien haben bis zur Entscheidung des Reichsschiedsamts freie Hand, so daß der Berkapelle). 1. Pantine vivant, Leoncavallo. 2. Ouvertüre zu der Oper band der Kranfenfassen alle Maßnahmen treffen fann, die er im Interesse der Berficherten für erforderlich hält. Die Organisation der Aerzte ist jedoch der Ansicht, daß die Kassen sich nach der noch nicht rechtsfräftigen Entscheidung des Schiedsamts richten müssen. Durch die Aerzte hat sich der Oberpräsident bestimmen lassen, eine Lösung zu suchen, welche den Kassen die Hände bin det und die die Aerzte befriedigt. Wir stellen fest: 1. Das Oberversicherungsamt, dessen Vorsitzen der der Oberpräsident ist, hat die Sagung, nach welcher die Familienmitglieder in Ambulatorien behandelt werden, genehmigt; 2. das Schiedsamt hat unter Vorsiz desselben Oberpräsidenten entschieden, daß die Ambulatorien bestehen bleiben und die Familienmitglieder dort behandelt werden. Die bisherige Stellung des Oberversicherungsamts und des Oberpräsidenten macht ein Einschreiten gegen den Kassenverband unverständlich. In zweijährigen Berhandlungen konnte eine Einigung mit den Aerzten wegen der Familienbehandlung nicht erzielt werden, die Verhandlungen wurden vielmehr als ergebnislos abgebrochen. De durch erhielten die Kaffen freie Hand und haben am 1. Juli 192 die jetzige Form der Familienbehandlung eingeführt. Die Vertreter des Aerztebundes hatten von dieser Absicht der Kassen schon mehrere Monate vorher offiziell Kenntnis erhalten, ohne hiergegen Einspruch zu erheben..Reine Behörde hat also das Recht, diese den Baffen genehmigte Art der Versorgung der Familienangehöri. gen der Versicherten zu untersagen oder Maßnahmen unter Sirafe zu stellen, die in Intereffe diefer Versorgung getroffen werden. Nachdem alle Verträge für die Ambulatorien abgefchloffen find, treten die Ausgaben automatisch in Erscheinung. Durch die Eröffnung der fast fertiggestellten Ambulatorien werden die Kassen nicht im geringsten mehr als bisher belastet. Dürfen aber die neuen Ambulatorien nicht eröffnet werden, so haben die Kassen alle Ausgaben für Miete, Gehälter usw. zu leisten, ohne daß die Versicherten in diesen Anstalten behandelt werden können. Die Aufsichtsbehörden follen darüber wachen, daß der Zwed der Versicherung erfüllt wird. Der Zweck fann aber nicht sein, die Versicherten zu schädigen. Das Eingreifen des Oberpräsidenten ist aber auch nach anderer Richtung hin bedenklich. Die Aufsicht über die Rassen hat das Berficherungsamt. Das Oberversicherungsamt hat feine Aufsichtsbefug nisse und war gar nicht berechtigt, dem Versicherungsamt Unweisung zu geben. Das Oberversicherungsamt ist aber diejenige Instanz, welche im Beschwerdewege über die Rechtmäßigkeit der Verfügung des Versicherungsamts entscheidet. Also, der Oberpräsident veranlaßt das Versicherungsamt gegen die Kaffen einzugreifen, und die Kassen müssen sich an das Oberversicherungsamt, deffen Vorsigender der Oberpräsident ist, wenden, um die Aufhebung diefer Entscheidung herbeizuführen. Der Herr Oberpräsident hätte dieje Rechtsloge vor seinem Eingreifen berücksichtigen müssen. Er hat leider die Zurückhaltung vermissen lassen, die sich aus seiner Doppel ftellung ergibt. Der Wassertarif des Kleinsiedlers. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 28. September. Wie sie Selbstverwaltung wahren! Einen merkwürdigen Verlauf nahm eine Sigung des Bezirksa schulausschusses Berlin 1-6, in der die Wahl von Direktoren für höhere Lehranstalten vollzogen werden sollte. In etwa sechs Sitzungen hatten die Bewerber ihre Grundsätze vortragen dürfen, und nach sorgfältiger Giebung sollte nun endlich gewählt werden. Aber es kam anders. Im Bezirksschulausschuß figen als Bezirksamts- und Lehrervers treter einige Herren, die sich gleichfalls um Direttorate beworben haben. Die sozialdemokratische Fraktion hatte in einer vorhergehenden Sigung den Einwand erhoben, daß nach§ 57 der Städteordnung diese Herren an der Wahl nicht teilnehmen dürfen, weil sie persönlich interessiert sind. Auf Grund dieser durchaus einwandfreien Feststellung wären vier bürgerliche Stimmen ausgefallen und schrecklich! die sozialistische Linke hätte die Mehrheit gehabt. Doch beim lieben Gott und dem Stadtverordneten Schuldirektor Tropffe ist fein Ding unmöglich. Bei Beginn der letzten Gizung ließ sich Herr Tropfte vom juristischen Berater des Ausschusses bescheinigen, daß die Herren, soweit sie nicht auf eine bestimmte Schule Anspruch machen, an der Wahl teilnehmen dürfen. Wer auf eine bestimmte Schule Anspruch macht, dürfe nur an der Wahl für diese Schule nicht teilnehmen, für die übrigen aber sei er wahlberechtigt. Flugs sammelte Herr Tropfte Einschränkungserklärungen. Die Bewerber mußten erklären, daß sie nur für eine bestimmte und von ihnen genannts Schule Interesse hätten und sich selbstverständlich an der Wahl für diese Schule nicht beteiligen würden; für die übrigen Schulen aber hielten sie sich für völlig objektiv. Weil Genosse Weyl die Stimmenthaltung als eine Frage des Lattes bezeichnet hatte, verwahrten sich einige noch besonders dagegen, daß sie nicht anständig seier. Beantragt wurde, ein Obergutachten des Syndifus einzuholen, um die Rechtslage bis zum fleinsten Paragraphenschnörkel zu klären; außerdem sollte die ganze Angelegenheit zur Sichtung an einen Unterausschuß zurückverwiesen werden. Der erste Antrag wurde abgelehnt; man wollte den juristischen Berater nicht durch ein Obergutachten desavouieren. Der zweite Antrag wurde mit 12 gegen 11 Stimmen ans genommen. Im Schweiße seines Angesichts hatte Herr Tropffe die Wahlverschleppt und heiter lächelnd verließ er den Kampfplag. Es ist schwer, feine Satire zu schreiben. Der Bezirksschulaus, schuß hört tiefernst und mit wichtiger Miene die Bewerber an, um aus ihnen die„ Geeignetsten" herauszusuchen und sie den Bezirkss ämtern zu präsentieren. Und die Bezirtsämter? Sie scheren fich den Teufel um den Bezirksschulausschuß und wählen ihrer feits die Bewerber, die sie für die geeignetsten halten. Denn die Wahl von Schulleitern ist Sache der Bezirksämter. Was hat man von der Verschleppung der Wahl zu erwarten? Das Provinzial chulkollegium besteht auf der Besetzung der Direktorate zum 1. Oktober d. J. Es wird die Stellen selbst besezen, wenn die Wahlen nicht rechtzeitig zustande kommen. Sind doch einzelne Direttorate bereits seit einem Jahr verwaist. Die Dunkel. männer der Schulreaktion möchten das Wahlrecht der verhaßten Bezirksämter brechen. Sie pfeifen auf die sonst fo gepriesene Selbstverwaltung und hoffen, daß das Provinzialschulkollegium von seinem Besetzungsrecht Gebrauch machen wird. 4.30 6.25 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funk" Der Barbier von Sevilla", Rossini. 3. Révérence de Poupée, Bucceri. 4. Introduktion und Chor der Friedensboten aus der Oper Rienzi", Wagner. 5. Fantasie aus der Oper Der Freischütz", Weber. 6. Tausend und eine Nacht, Walzer, Joh. Strauß. 7. Ouvertüre: Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien, Suppé. 8. Zehn Walzer aus der Oper Die Czardasfürstin", Kalman. 10. Horch, selige Minuten, Potpourri, Lindemann. 9. Tanzen möcht' ich die Jazzband spielt, Shimmylied aus der Operette Mister Globetrotter", Otto Urack, 11. Feuert los! Marsch, Holzmann. Während der Pausen:„ Ratschläge fürs Hans". 6.30 Uhr abends: Die Funkprinzessin erzählt: Von Sonnenstrahlen, Mond und Sternen. 1. Der Mond auf Reisen, Else Hofmann. 2. Pate Sonnenstrahl. Sophie Reinheimer. 3. Die Sternblumen, Sophie Reinheimer.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler.) 8.30-10 Uhr abends: Tanzweisen aus drei Jahrhunderten. 1. a) Gavotte, Gossec, b) Menuett, Boccherini, c) Menuett, Mozart, d) Deutsche Tänze, Schubert. 2. a) Die Schönbrunner, Walzer, Lanner, b) Mazurka, Chopin, c) Frauenherz, Polka Mazurka, Jos. Strauß, d) Transaktionen, Walzer, Jos. Strauß. 3. a) Aufforderung zum Tanz, Weber, b) Polonäse, Joh. Strauß, slavische Tänze, Dvorák, Drei ungarische Tänze, Brahms. 5. a) Unter c) Polka, Joh. Strauß, d) Morgenblätter, Joh. Strauß. 4. Zwei dem Sternenbanner, Marsch, Sousa, b) Whystling rufus, Cake walk, c) Destiny, Boston, Baynes, d) Warte, warte nur ein Weilchen, ans, Marietta", Kollo, e) Loca, Tango milonga, M. Joves, f) Je cherche après Titine, L. Daniderff.( Gespielt von der Berliner Funkkapelle.) Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tages- fehung der Milchpreise in Berlin. Diese betragen vom Sonnabend, nachrichten, Zeitansage, Wetter dienst, Sportnachrichten, TheaterKönigswusterhausen, Sonntag, den 28. September. dienst. 10.40-11.40 Uhr vorm.:( Welle 680) Konzert. Mitwirkende: Elsa Thiel( Mezzosopran), Am Steinway- Flügel: Pianistin Frieda Volkmer; Salonkapelle Hübner, Berlin( 1. Violine: Kurt Hübner, 2. Violine: Wilhelm Schulz, Cello: Willi Heide, Flügel: Erwin Blumenreich). 1. Marienklänge, Walzer, Jos. Strauß. 2. Große Fantasie aus Tiefland", Eugen d'Albert. 3. a) Das erste Veilchen, Mendelssohn. b) Suleika, Mendelssohn. 4.„ Ritorna", Serenade, E. Carosio. 5. Potpourri aus Faust" Gounod. 6. Horch, die Jazzband spielt, aus der Operette Mister Globetrotter" Otto Urack. 11.50-12.50 Uhr mittags:( Welle 2800) Konzert. 1. Ouvertüre zu„ Die lustigen Weiber von Windsor, Nicolai. 2. Sarabande, Leoncavallo. 3. a) Die Steppe, Gretschaninow, b) Klagegesang, Gretschaninow. 4. Melodien aus Tosca", Puccini. 5, Tanz der Derwische, Bendix. 6. Maria, Marie, Italienisches Lied. Montag, den 29. September. Tageseinteilung. 10 Uhr vorm.: Bericht über die Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. 10.15 Uhr vorm.: Erste Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. 11.35 Uhr vorm.: Funkbörse( Die Notierungen der Berliner und Hamburger Produktenvorbörse). 12.15 Uhr nachm: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Vorbörse( nur Montag bis Freitag). 12.55 Uhr nachm.: Uebermittlung des Zeitzeichens. 1.05 Uhr nachm.: Zweite Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Wetterdienst. 2.15 Uhr nachm.: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Börse( nur Montag bis Freitag). 3 Uhr nachm.: Funkbörse( Die amtlichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten- und Viehböise; amtliche Devisen). 4 Uhr nachm.: Funkbörse( Getreide cif. Hamburg; Berliner Kolonialwaren- Großhandelspreise). 4.30-6.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 3. Sarabande, Leoncavallo. 2, Ouvertüre Euryante, O. M. v. Weber. 4. Notturno aus dem„ Sommernachtstraum", Mendelssohn- Bartholdy. 1. Walzer a. d. Oper Der Rosenkavalier", Rich. Strauß. 5. Fantasie aus der Oper„ Die Hugenotten", Meyerbeer. 6. Still wie die Nacht, Bohm. 7. Spanische Tänze Nr. 2 und 5, Moszkowski. 8. Potpourri aus der Operette Boccaccio". Suppé. 9. Die Werber, Walzer, Lanner. 10. Heute Nacht, mein Kind, heute wirst du mich küssen! Marschlied a. d. Operette„ Der süße Kavalier", Leo Fall. Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 7 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch), 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Max Heidler Lebensgewohnheiten berühmter Männer 8.30 bis 10 Uhr abends: Auf vielfachen Wunsch Wiederholung: Vom deutschen Rhein. 1. Loreley, Liszt- Wenneis( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 2. Gedichte, Karl Simrock ( Karl Zander). 3. Sonntags am Rhein, Schumann, b) Im Rhein, Schumann. c) Im Rhein, im schönen Strome, Liszt( Karl Jöken, von der Berliner Staatsoper). 4. Volkslieder vom Rhein( Hans Bode, Solotrompeter der Berliner Staatsoper). 5. Rheinische GeWenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 7. Trinklieder vom Rhein( Karl Jöken, von der Berliner Staatsoper). 8. Volkslieder vom Rhein( Hans Bode, Solo trompeter der Berliner Staatsoper). Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. " Wieder Milchpreiserhöhung. Die Berliner Milchoersorgung G. m. b. 5. teilt mit: Die aber scheinend mit demi Steigen der Butterpreise auf den Märkten außer malige Erhöhung des Buttergroßhandelspreises auf 2 M., die an halb Berlins und auf außerdeutschen Märkten begründet werden foll, sowie die von der Landwirtschaft geforderte Berquickung des Butterpreises mit dem Milchpreise bedingt wiederum eine Herauf den 27. September, ab: für 1 Liter Vollmilch im Laden des Kleinhändlers 35 Goldpfennige, für 1 Liter selbst erzeugte Vollmilch ab Berliner Abmelfwirtschaft 38 Goldpfennige, für 1 Liter Magermilch 10 Goldpfennige. Von den 35 Goldpfennigen ( Kleinhandelspreis) erhält die Landwirtschaft für Lieferung frei Berlin 23,5 Golbpfennige, während auf die Berliner Gewerbetreise 11,5 Goldpfennige entfallen. Die Berliner Unkosten betragen alfo rund 50 Prozent des Landwirtschaftspreises( frog Umsatzsteuer, erhöhter Gewerbesteuer usw.) gegenüber 60 bis 70 Prozent in der Beit vor dem Kriege. Die Verwaltungskosten der Berliner Milchversorgung G. m. b. 5). betragen je Liter Milch 15/100, das ist noch nicht% Prozent des Ladenpreises. Die fortschreitende Erhöhung des Milchpreises wächst sich nac gerade zu einem Skandal aus. Es ist jetzt wirklich an der Zeit, daß mit der Bemessung des Milchpreises nach dem Butterpreis Schluß gemacht wird. Besuch ausländischer Sozialhygieniker. Die Deutsche Gesellschaft zur Befämpfung der Geschlechtskrank heiten gab bei einer Veranstaltung Bertretern der Regierung, Presse und Aerzteschaft Gelegenheit, drei hervorägende Sozialhygieniker des Auslandes tennenzulernen. Mrs. Neville Rolfe, Generalsekretärin des National Council for Lombating Venereol Discases in England, und Mr. Snow, der Leiter der Social Hygiene Association in New Vort, befinden sich auf der Rückreise Dom Internationalen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels und des Internationalen Abolitionistischen Kongresses in Graz, bei denen auch Deutschland vertreten war. Die Social Hygiene Association erledigt alle Fragen, die mit der Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten zusammenhängen. Mr. Snow sowohl wie Mrs. Rolfe find deshalb als die erfahrensten trachten; beide fonnten feststellen, daß während des Krieges Bertreter auf diesem Gebiete in Nordamerika und England zu bes die Geschlechtstrantheiten in ihren Ländern start um sich gegriffen haben, daß jedoch in den letzten Jahren eine erhebliche Abnahme zu verzeichnen ist. fchwung schreiben sie ihrer energischen Aufklärungsarbeit und der Diesen glücklichen UmUnterstüßung durch die Presse zu; besonders die englische Presse ſcheut nicht mehr die Erörterung solcher Fragen. In England wie auch in Nordamerika ist aber dieser Fortschritt hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Behandlung der Geschlechtskrankheiten lebiglich den Aerzten gestattet und das Kurpfuschertum völlig verboten ift. Dr. Morio Kroepf, der auf Veranlassung der Regierung Brafiliens sich zum Studium dieser Fragen in Deutschland aufhält, machte ebenfalls interessante Mitteilungen. Auch in Brasilien ist ein erreicht worden, weil eine fostenlose Behandlung eingeführt worden ift. Die Kosten trägt allerdings nicht der Staat, sondern sie werden durch Stiftungen der Familie Gaffrey Giehle aufgebracht, durch die im ganzen Lande eine Anzahl ausgezeichneter Polikliniken eingerichtet worden ist. Aus Siedlerfreifen tommt die Klage, daß die Aktiengesell Ichaft Charlottenburger Wassermerte, die noch einen Teil der Vororte im Süden Berlins mit Wasser beliefert, einen für die kleinen Verbraucher sehr ungünstigen Tarif hat. Diese private Gesellschaft, deren Werte nicht mit den in den Besitz der Stadt Berlin übergegangenen städtischen Waffer merken Charlottenburgs verwechselt werden dürfen, fordert ein nach der Stärke des Berbrauchs gestaffeltes Waffer geld. Während die Stadt Berlin einheitlich 19 Pfennig für 1 Rubikmeter nimmt, hat man an die private Gesellschaft zu zahlen: bei einem vierteljährlichen Verbrauch bis 100 Rubikmeter je 36 Pfennig, für weitere 101 bis 300 Kubikmeter je 21 Pfennig, für weiteren Berbrauch über 300 Rubikmeter hinaus je 16 Pfennig. Der Preis von 16 Pfennig für den Verbrauch über 300 Kubikmeter hinaus fönnte den Eindruck erroecken, daß die private Gesellschaft dichte( Karl Zander), 6. Rheinlieder- Paraphrase, Wenneis( Fritz bedeutender Fortschritt im Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten fogar der Stadt an Billigkeit voraus sei. Aber es ist klar, daß von dieſem billigsten Preis nur die allergrößten Verbraucher einen Gewinn haben tönnen. Die kleinen Verbraucher müssen ihren gesamten Wasserverbrauch mit 36 Pfennig je Ku= bikmeter bezahlen, das ist beinahe doppelt soviel wie der EinWen gebrauchen, dann bedenken Sie bitte, Schlechte Materialien enn Sie eine Seife für Ihr Gesicht und Ihre Hände also eine Toiletteseife daß man gute Seifen aus guten Materialien und schlechte Seifen aus schlechten Materialien macht. sind billig, gute Materialien sind teuer, RAY- Seife wird aus feinsten Fetten und Hühnerei hergestellt. Wenn Sie Ihr Gesicht, Ihre Hände, Ihren Körper mit Seife nicht nur reinigen, sondern pflegen wollen, dann wählen Sie RAY- Seife. Nicht auf den Preis, sondern auf die Zusammensetzung des Fabrikates kommt es an. Die raffinierte Zusammensetzung und die Herstellung der Ray- Seife sind ein Geheimnis. Drahtlose Telephonie aus fahrenden Zügen. Ein neues technisches Wunder. Am Sonnabend nachmittag wurden zum erstenmal interessante und aufs beste gelungene Versuche mit dem drahtlosen Tele phonieren aus dem Zug heraus gemacht, und zwar war der Versuch als Abschluß der großen Eisenbahntechnischen Woche gedacht und wurde ausgeführt von der Reichsbahn in Gemeinschaft mit dem Berein deutscher Ingenieure und der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie F. C. Huth. Die Eisenbahndirektion Berlin hatte einen Sonderzug zur Verfügung gestellt, der auf der Strecke Berlin- Friefac Ingenieuren und Pressevertretern diese neueste Erfindung vorführte. Auf der Höhe von Nouen fonnte man sich mit jedem beliebigen Telephononschluß in Groß- Berlin verbinden lassen. Man nannte Amt und Nummer und in 1% Minuten war das Ferngespräch da. Die Verständigung war glänzend. Obwohl der Zug eine nicht unerhebliche Geschwindigkeit entwickelte, vermochte ſelbſt das Rattern der Räder auf Weichenanlagen die klare, deutliche Berständigung keineswegs zu stören. Bisher ist aus finanziellen Gründen die drahtlose Telephonie vom D- 3ug aus noch nicht allgemein eingeführt worden. Erfreulicherweise aber geht die Eisenbahnverwaltung jetzt daran, den Radioperfehr auf den Hauptstreden auszubauen und so dürfte im nächsten Jahre bereits der Telephonverfehr von und zum Schnellzug sich in Deutschland eingebürgert haben. 11 Das neue technische Wunder" kommt auf folgende Weise zustande. Mat bringt im Telephonwagen des D- 3uges, der in nicht allzulanger Zeit auf allen Hauptstrecken verkehren wird, eine kleine Sende- und Empfangsstation an, zu deren Betrieb die elektrischen Zugbatterien vollkommen ausreichen, und läßt die droht losen Wellen an den Telephonleitungen neben der Bahn entlang gleiten. Dann geht man in die Telephontabine des Zuges, einen bequem eingerichteten kleinen Raum, der schalldicht gepolstert ist und nennt dem Beamten die Nummer und das Amt des gewünschten Teilnehmers in einer beliebigen Stadt. Der Beamte setzt sich draht los mit der nächsten großen Beststation in Verbindung und über nimmt die weitere Verbindung bis zu der gewünschten Stadt. Aber ständigung möglich. Wenn man auf der Reise ist und z. B. weiß. nicht nur mit dem„ ortsfesten" Fernſprechteilnehmer iſt.eine Verdaß ein Geschäftsfreund einen anderen D- Zug mit Radiotelephon benutzt, kann man sich ebenfalls über die nächste ortsfeste Radiostation mit dem anderen, der 3 oder 400 Kilometer entfernt durch das Land fährt, deutlich und flar unterhalten. Die Redaktion des „ Borwärts" fonnte auf diese Weise bei bester Berständigung folgen den Anruf entgegennehmen: Als Sonderberichterstatter für die eisenbahntechnische Tagung begrüße ich Sie aus dem Sonderzuge zur Borführung drahtloser Telephonie im fahrenden Zuge. Wir befindet uns jetzt in nächster Nähe der Station Neustadt a. d. Dosse." Der neuen Schule gilt's! Die Säulengemeinschaft der Berliner Gemein fchaftsschulen hat in ihrer legten Sigung folgende Reso Iution gefaßt: Mit dem Abbau Paulsens glaubt die Reaktion ein vorläufiges Ziel im Kampfe gegen die neue Schule erreicht zu haben. Der Beschluß der Berliner Stadtverordnetenversammlung entspringt offenbar. politischen Gründen und widerspricht daher den Bestimmungen der Abbauberordnung. Wir müssen deshalb erwarten, daß ihn die zuständige Berufungsinstanz aufhebt. Die Schulreaktion irrt, wenn sie glaubt, durch die Beseitigung Paulsens die neue Schule abwürgen zu fönnen. Ihr zum Trotz werden die Gemeinschaftsschulen, denen Paulsen in zähem Kampf die Lebensbedingungen errungen hat, fich nicht nur behaupten, sondern sich weiter und weiter ausbauen und so die Grundlage einer wahren Boltsgemeinschaft schaffen." Blindenfürsorge. Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle die wohltätigen Einrichtungen der Städtischen Blindenanstalt in der Oranien straße 26 geschildert. In Ergänzung dieses Berichtes sei darauf hingewiesen, daß die Blinden anstalt für die Provinz Brandenburg sich in der Rothenburgstraße 14 in Stegli befindet. Diese Anstalt wurde bereits am 13. Oftober 1806 eröffnet, und ist daher die älteste Blindenanstalt Deutsch lands. Anfänglich in Berlin gelegen, wurde sie 1877 nach Steglit verlegt. Sie unterscheidet sich nach manchen Richtungen von der Städtischen Blindenanstalt in der Oranienstraße. Während diese nur erwachsenen Blinden Arbeit gibt, geeignete Arbeitsräume und Ar beitsmaterial zur Verfügung stellt, gewährt die Anstalt in Steglit allen bildungsfähigen blinden und schwachsinnigen Rin dern vom vollendeten fünften Lebensjahre an Pflege, Unterricht und Berufsbildung. Daneben nimmt sie aber auch erwachsene Blinde, die später ihr Augenlicht eingebüßt haben, als Böglinge ouf, um sie mit der Blindenſchrift vertraut zu machen und durch Ausbildung in einem Handwerk zu neuer Erwerbsfähigkeit zu führen. Diese Blinden müssen aber außerhalb der Anstalt wohnen. Wenn die Zöglinge die fieben Schuljahre absolviert haben, läßt ihnen die Anstalt weiter alle Fürsorge angedeihen und sorgt dafür, daß sie beschäftigt werden. Die Blindenanstalt hat sich zu diesem Zweck mit dem Verein zur Beförderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Blinden vereint. Dieser Verein unterhält auch drei Heim. stätten für erwachsene Blinde. Die Steglizer Anstalt Anzug in guter reinwollener Ware nach Maß. 55. Wir bauen ab Ulster oder Paletot in gut. reinwoll. Ware nach Maß 58.Herrenmoden Herkules Danziger Straße 24 Jn dieser Bei Lieferung v. Stoff fertigen wir in eigener Werkstatt Anzug inkl. Zutaten nach Maß 35.Ulster od.Paletot nach Maß. 30.besitzt eine umfangreiche Bibliothek von Hochdruckschriften, eine eigene Punktschriftdruckerei und ein Museum für Blindenunterricht. Ferner ist bei der Anstalt ein zweijähriger Rursus zur 2 usbildung von Blindenlehrern eingerichtet. Alle diese Einrichtungen foften natürlich viel Geld, und die Stegliger Anstalt ift, ebenso wie die Städtische Blindenanstalt in der Oranienstraße, auf die Wohltätigkeit bemittelter Bürger angewiesen. Erdichtet und erlogen". Die Strafanzeige einer ehemaligen Geliebten. Einen merkwürdigen und überraschenden Ausgang nahm ein Prozeß vor dem Schwurgericht des Landgerichts I, vor dem sich der Schlosser Emil P. wegen eines angeblich versuchten Merdes an seiner ehemaligen Braut, der Witwe H. und deren 13jährigen Tochter zu verantworten hatte. P., der bereits 9 Monate im Untersuchungsgefängnis verbracht hat, bezeichnete die Anzeige feiner ehemaligen Geliebten und Braut, der Witwe b., wegen versuchten zweifachen Mordes ois vollständig erdichtet und erlogen. Der Berlauf des Proesses scheint ihm Recht zu geben. Vier Jahre hatte der bisher unbescholtene P. mit der Witwe perfehrt und war auch mit ihr verlobt gewesen. Ueber die Gründe, die schließlich den Bruch herbeigeführt haben, gehen die Behauptungen der beiden einzelnen Liebesleute völlig auseinander. P. behauptet, daß er von ihr ausgenutzt, belogen und betrogen worden sei, und daß er während dieser Zeit ein Martyrium durchgemacht habe, wie wohl foun je ein Mensch. Zuletzt sei er durch sie Döllig ruiniert gewesen, und habe sich als einzigen Ausweg erdacht, sich zu erschießen. An dem fraglichen Tage habe er auf dem Korridor ihrer Wohnung in der Raumerstraße 18 den Revolver nicht auf sie und ihre Tochter gerichtet, sondern auf sich selbst. Das bewiesen ja auch feine Kopfverlegungen. Frau 5. stellte diese Borgänge ganz anders dar. Sie erzählte zunächst, daß sie sich nicht verstanden hätten und daß sie das Verhältnis lösen wollte, weil er sie nicht ernähren konnte und sogar noch von ihr Unterstützung verlangte. Als sie an dem verhängnisvollen Tage nach Hause fam, habe der Angeklagte, ohne ein Wort zu sagen, auf fie gesehen, wie der Angeflagte versuchte, auf ihr Kind zu schießen. geschoffen. Sie sei die Treppe hinaufgeflüchtet und habe von oben Bum Glück habe das Kind mit einem Brot, das sie in den Händen hielt, instinktiv den Revolver abgewehrt. Damit sei es zu erklären, daß die Kugel nicht den Kopf des Kindes, sondern die Schläfe des Angeklagten traf. Die Tochter der Zeugin bestätigte die Aussagen ihrer Mutter. Ueber den Leumund der Frau H. gab eine ganze Reihe von Zeugen ein sehr schlechtes Zeugnis. Die Befundungen riefen bei dem den Zuhörerraum sicht füllenden Publikum mehrfach lebhafte Bewegung hervor. Der Staatsanwalt beantragte wegen versuchten Totschlags ein Jahr Gefängnis. Der Verteidiger wies darauf hin, wie schwer es einem Angeklagten sei, feine Unschuld zu beweisen. Die Narben am Kopfe des Angeklagten zeigten, daß er der einzige sei, der Schaden erlitten habe. Der Prozeß endete denn auch mit einer Freisprechung des Angeklagten. Das Ergebnis wurde vom Publikum mit Bravorufen und Händeklatschen aufgenommen. Das Finanzgeschäft mit der Ausreiseerlaubnis. Auf Drängen der Bevölkerung, die gezwungen war, beruflich zu verreisen, wurde bekanntlich vor ein paar Monaten die Ausreise erlaubnis mit allen ihren vielen Placereien für den, der reisen wollte, aufgehoben. Der Berkehr von Land zu Land sollte erleichtert werden. In frassem Gegensah dazu steht eine unglaubliche Verfü gung des Finanzministeriums aus letzter Zeit, durch die die Finanzämter angewiesn werden, Geld zu nehmen für eine Sache, die absolut feine Kosten verursacht, ja kaum die Arbeitszeit der Beamten in Anspruch nimmt. Wer heute zum Beispiel nach Danzig reisen will, muß einen Baß mit dem polnischen Bisum haben. Gleichzeitig aber muß der Paß einen Vermerk aufweisen vom Finanzamt, daß man nicht im Verdacht steht, bei dieser Reise Geld ins Ausland verschieben" zu wollen. Diesen Bermerk erteilte früher das Finanzamt kostenlos, und das war auch durchaus richtig. Der Beamte tat nämlich dabei weiter nichts, als daß er einen Stempel auf den Paß drückt und das Datum hineinschreibt. Das ist eine Arbeit" von ein paar Minuten. Bare Auslagen, mit Ausnahme von ein paar Tropfen Tinte entstehen dem Staat nicht. Heute aber muß man für diese Bescheinigung des Finanzamts, daß man der Wertpapierverschiebung ins Ausland nicht verdächtig ist, zehn Mart bezahlen. Das ist geradezu ein Standal, der nicht selten einem unbemittelten Angestellten die dringend notwendige Reise unmöglich machen wird. Ein Berliner Heiratsschwindler auf Reisen. Schauspieler Müller- Wallburg, wurde jest nach längerer„ Tournee" in Hannover, als er dort eine Gastrolle gab, festgenommen. Zu Anfang dieses Jahres suchte und fand er in Berlin viele Opfer. Da ihm der Boden zu heiß wurde, ging er dann in die Provinz. Aus faft allen Städten Deutschlands liegen Anzeigen gegen diesen Herzensbrecher vor. Er nannte sich Schriftsteller Dr. Paul Höhne oder Müller- Wallburg. Unter dem Namen Müller trat er zuletzt in Hannover auf und spielte den Regierungsbeamten, der Aussicht auf eine gute Konfulatsstellung im Auslande habe. Bedauerlicherweise bekam er von den Dienststellen nie Geld und so half ihm die jeweilige Dame aus. Hatte die nichts, so mußte er mit dem Geschid eines Bumpgenies" deren Verwandten erhebliche Geldbeträge abzunehmen. Hatten diese aber auch nichts, so nahm er als Erfah irgendeinen Wertgegenstand aus der Wohnung mit sich, um durch dessen Verkauf mindestens seine ihm entstandenen Unfosten zu decken. Der Gauner ist in Wirklichkeit der ehemalige Fürforgezögling Paul Müller. Er wird jetzt nach Berlin gebracht. Ein altbekannter Berliner Heiratsschwindler, der 30 Jahre alte " 1 Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste Sigung am Donnerstag um 4,45 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen u. a. der sozialdemokratische Antrag auf Wiederaufnahme der zuz rückgestellten sozialen Aufgaben der Stadt und kommunistische An träge auf Fürsorgemaßnahmen für Erwerbslose. Die Kündigung der Mitgliedschaft bei den Ersatzkrankenkassen muß bekanntlich ein Vierteljahr vor Austritt erfolgen. Es ist be= fannt geworden, daß die Belegschaften ganzer Betriebe aus den Erfaßtranfenfassen, in die sie während des Aerztestreits hinein,, agitiert" worden sind, wieder zu den Ortskrankenkassen zurückkehren wollen, weil die Familienangehörigen der Ortskrankenkassenmitglie. der in den Ambulatorien des Kaffenverbandes völlig freie ärztliche Behandlungi erhalten, ohne dafür Sonderbeiträge zu zahlen. Die beitrag und meist auch erst nach halbjähriger Mitgliedschaft. Wer Ersatzfassen gewähren die Familienbehandlung nur gegen Sonder. jetzt aus einer Ersazkaffe austreten will, muß die Kündigung seiner Mitgliedschaft bis 30. September bei der Erfaßtaffe melden. Die Mitgliedschaft erlischt dann zum 31. Dezember 1924. 3m Streite erschossen wurde gestern abend ein Bauhandwerker im Restaurant Bur Hütte", 3obel, Grünauer Str. 15. Der Bauhandwerker, der im Auftrage des Wirtes verschiedene Arbeiten im Hause ausgeführt hat und bei dieser Gelegenheit auch öfter im Restaurant Bur Hütte" sein Frühstück verzehrte, hat gestern abend in angetrunkenem Zustande den Wirt gehänselt. Dieser zog einen Revolver und tötete den Arbeiter durch einen Brust- und Bauchschuß. Der Mann hinterläßt 5 Kinder. Die Frau ist zurzeit verreift. Die Leiche wurde nach dem Urban- Krankenhaus ge schafft. Die Polizei erschien und Zobel wurde verhaftet. funft der Obleute der sozialistischen Elternbeiräte Köpenicks in der WohElternbeiräte! Montag, 29. September, abends 7 Uhr, Zusammen nung des Obmanns, Alte Dahlwißer Straße 73. Unbedingtes Erscheinen erforderlich. Am ber, nachmittags pünktlich 3 Uhr, im Theater des Westen 3 Ma Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Am Sonntag, den 5. Okto dame Legros" von Heinrich Mann. Preis pro Starte 0,90 m. Sonntag, den 19. Oftober, nachmittags pünktlich 2½ Uhr, im StaatsStarte 1 M. theater Charlottenburg Tartuffe von Molière. Preis pro Proletarische Feierstunde( Toller- Feier) am Sonntag, den 5. Oftober, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Starkstraße. Im Abonnement 90 Bf., Einzelfarte 1,20 M. Erstes Generalmusikdirektor v. Schmeidel) am Sonntag, den 12. Oftober, nach Festkonzert( das verstärkte Philharmonische Orchester, Leitung mittags 3½ Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Straße. Jm Abonnement 90 Pf., Einzelfarte 1,10 m. Karten für alle Veranstaltungen find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of II, Zimmer 8. Vorwärtsbuchhandlung, Lindenstr. 2, Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof II, Zigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25( Gewerkschaftshaus), sowie bei allen Obleuten der Kreisbildungsausschüsse. Die noch nicht eingereichten Zeichnungslisten sind sofort an das Bureau, Lindenstraße 3. 2. Hof II, abzuliefern. Montag, den 29. September, nachmittags 5 Uhr, Sigung des fleinen Bildungsausschusses. Dezember 1924 ist erschienen. Der Lehrplan der Arbeiterbildungsschule für die Zeit vom Oktober/ Englische Sprachkurse des Genossen Unitower, W. 57, Kurfürsten straße 21/22. Meldungen werden noch angenommen für Berlin SO., N. und Moabit. hatte; öffnet am Sonntag noch einmal seine Pforten, um gegen ein ganz Der Lunapark, der bereits am 21. d. M. die Sommersaison geschlossen feines Eintrittsgeld jedermann Gelegenheit zu geben, den Lunapark zu besuchen. Gegen 8 1hr findet ein großes Feuerwerk statt. Auf verfallene Pfänder des Staatlichen Leihamtes, die zur Versteige rung fommen, weist eine Anzeige in der heutigen Nummer hin. teres im Anzeigenteil. Die Mufil- Fortbildungskurse eröffnen einen neuen Lehrgang.. WeiKeine Selbstmordversuche Haarmanns. Entgegen einer Meldung über wiederholte Selbstmordversuche Haarmanns erfährt der Hans noversche Landesdienst an zuständiger Stelle, daß von irgendwelchen Selbstmordversuchen Haarmanns in der Göttinger Heilanstalt nicht die Rede sein kann. Aeroplan der Welt,„ The Curtido Navy Racer", ist, wie aus New Absturz des schnellsten Flugzeuges der Welt. Der schnellste Yort gemeldet wird, abgestürzt. Im legten Oftober vorigen Jahres Alexander Pearson, fand seinen Tod, als er jetzt seinen eigenen Rekord legte er 266 Meilen in der Stunde zurück. Der Pilot, Leutnant zu brechen versuchte. Orfan im Finnischen Meerbusen. Ein orfanartiger Sturm hat in ganz Estland großen Schaden angerichtet. Reval, Hapsal, Bernau sind teilweise vom Waffer überschwemmt, die Dächer abgerissen und die Bäume entwurzelt. Im Finnischen Meerbusen find nach vor läufigen Nachrichten zehn Dampfer untergegangen, von deren Mannschaften man bisher kein Lebenszeichen hat. Die telephonische und telegraphische Verbindung nach Reval war unterbrochen. In Terijoki stieg das Wasser 3 Meter über normal, rei che Minen sind vom Sturm losgerissen worden und ges ein Wasserstand, der seit 100 Jahren nicht erreicht worden ist. 3ahl fährden die Schiffahrt. Mef- Stoffe Durch Cüte und Preiswürdigkeit solt Jahren bekannt. Winter- Paletot- urd Ulster Neuheiten M. 9.40, 10.60, 11.80 Schotten für Kostüme, Kleider und Röcke M. 4.20 • . Tuchhaus MEFreitag Molkenmarkt 14 Ecke Bitte genau auf Elagang Nr. 14 zu achten! Woche: Billige Sonderangebote! tember 29 Montag Oktober I 08 Oktober 2 Mittwoch Damen Halbschuhe prima echt Chevreau n. Boxcalf, modern. runde Formen mit elegantem Absatz, erstklassiges Fabrikat, solide Ausführung, spottbilliger Gelegenheitskauf Damen 90 Halbschuhe Ia echt Chevreau und Boxcalf, neue mod. runde Formen, mit eleg. Absätzen, erstklass. 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Beschreibung und Zeichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Berlin C 2, Weisenftraße 27, 1 r., Zimmer 25, an den Geschäftstagen in der Zeit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht aus. Bur mündlichen Erörterung der recht zeitig erhobenen Einwendungen wird vor unferem Rommissar, Stadtinspettor Kunde, auf Mittwoch, den 15. Oktober 1924, vormittags 9 Uhr, ebendaselbst ein Termin anberaumt, zu dem die Unternehmerin fawie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 25. September 1924. Schneider Der Stadtausschuß Berlin, Abt. I Möbelfabrit Birte e.G.m. b.. Berlin- Charlottenburg, Gutenbergstr. 3 Goldmark- Eröffnungs- Bilanz per 1. Januar 1924 Aktiva Rassenbestand Außenstände Inventar- Konto Materialien, Halb- u Fertig. fabrikate M. 26,02 981, " 11 691,84 17 13 339,80 Gm. 26 038,66 Passiva Warenschulden . M. 638, 3780,80 " 1 619,86 " 1 20 000,00 " Vorschüsse Reserve- Ronto Geschäftseinlagen d.Genossen Gm. 26 038,66 Die Zahl der Genossen betrug 10 ausgeschieden feiner hinzugekommen feiner, bleiben 10 Das Geschäftsguthaben der Genossen be trägt 2000 2, die Saftfumme der Ge noffen beträgt 2000 m. 199/20 Die Richtigkeit wird bescheinigt Charlottenburg, den 10. März 1924 Der Vorstand: H. Weise. K. Schmidt. Der Aufsichtsrat: H. Kutzner. Ernste Warnung für deutsche Auswanderer! Kommt nicht nach Cuba obne Geld und feste Anstellung. Aussichten auf Anstellung sind in Cuba die denkbar schlechtesten. Deutsche können von Cuba nach den Vereinigten Staaten nur nach einem Aufenthalte von mindestens einem Jahre ge.angen. Hunderte von schlecht beratenen Deutschen sind hier im Elend. Deutsche Kolonie kann nicht mehr helfen. Deutscher Hilfsverein, Habana, Obrapia58 Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1923: 13000 Badegaste. 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Geburtstag der Internationale« Arbeiter-Affoeiatio«. vi 5 E. Der fvnszkfte Jahrestag der ersten internationalen Or- ganifatum der Arbeiter fiel in eine Zeit, in der der mternatio- nale Gedanke anscheinend völlig bankerott war. Der Welt- krieg hatte nicht nur jegliche internationale Organisation zerrissen. sondern auch das Gefühl der internationalen Solidarität in brsiten Massen völlig zerstört und durch grimmigsten nationalen Haß verdrängt— hüben wie drüben. Nur relativ wenige waren es, die dieser verheerenden Stimmung Wider- stand leisteten. Heute am sechzigsten Jahrestag der Ersten Internationale steht ihre Nachfolgerin wieder da, krafwoller als je. Aber nicht nur das hat sich seit zehn Jahren geändert. Wäre es uns möglich gewesen, den fünfzigsten Jahrestag der Internationale zu feiern, so wäre das in einer Zeit geschehen, in der die deutsche Sozialdemokratie als das Vor- bild aller Arbeiterparteien dastand, indes die englische Labour Party außerhalb Englands noch wenig bedeutete. Heute ist die L a b o u r Party die größte Kraft der Internationale geworden, und damit kommen wir in gewisiem Sinne zu dem Punkte zurück, von dem die Erste Internationale ausging. Diese war eine ganz überwiegend britische Gründung. Als am 28. September 1864 in St. Martins Hall, Long Acre, London, die Begründung einer internationalen Organisation der Arbeiter beschlossen wurde, da gab es Massenorganisationen europäischer Arbeiter nur auf britischem Boden. Was auf dem Komment an Arbeitervereinen existierte, war ganz unbe- deutend, dank dem Polizeiregiment und der Reaktion, die der Revolution von 1848 folgte. Auch in England war der Chartismus nach seinem politischen Mißerfolg von 1848 und der Eroberung des Zehnstundentages(1847) allmählich in der Reaktionszeit eingeschlafen. Aber die Gewerkschaften waren gewaltig erstarkt, der Zehnstundentag hatte weite Schichten der Arbeiterschaft verjüngt und gekräftigt und die Arbeiter- schaft schickte sich in England an, nachdem die Erschlaffung der Reaktionszeit gewichen war. gerade zur Zeit der Gründung der Ersten Internationale, in einem Wahlrechtskampf das Wahlrecht zu erobern. Dem stand auf dem Kontinent so gut wie nichts gegen- über, keine Gewerkschaften, kein Arbeiterschutz, keine Arbeiter- Parteien. In Deutschland war gerade erst durch Lassalle der Anfang einer solchen begründet worden. Unter diesen Umständen hatten die englischen Arbeiter alle Ursache, zu befürchten, ihre weiteren Fortschritte würden gehemmt werden durch die Konkurrenz der Arbeiter des Kon- tinents, wenn diese ohne Organisationen und Schutzgesetze ver- blieben. Die englischen Arbeiter waren zu gute Freihändler, um die Rettung vor der Gefahr in Schutzzöllen und Einwände- nmgsverboten zu suchen. Sie erkannten die Solidarität ihrer Interesten mit denen der kontinentalen Arbeiter und suchten ihre günstige Position zu eichallen nicht durch Abschließung vom Ausland, sondern durch Unterstützung der Arbeiter des Auslandes bei ihren Versuchen, sich zu organisieren und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. In gleicher Richtung bewegten sich die Gedanken von Karl Marx. Schon im Kommunistischen Manifest(1847) hatte er mtt Engels zusammen die Notwendigkeit prokla- miert, daß die Arbeiter aller Länder sich zum gemeinsamen Kampf zusammenschließen. Er hatte dann durch seinen Aufent- hall in England seit 1856 diesen Staat als den kapitalistisch fortgeschrittensten der Well studiert, der den anderen Staaten die Richtung angab, in der sich ihre ökonomische Entwicklung vollziehen werde, und hatte die damaligen Arbeiter Englands als die Preisfechter der Arbeiterklasse der Welt erkannt und gepriesen, chren Kampf um den Normal- arbellstag den Arbeitern aller Länder als Muster hingestellt. Was die englischen Arbeiter um 1864 brauchten und wollten, das wollte Marx auch, im Interesse des Welt- Proletariats. Kein Wunder, daß Marx und die Arbeiter Eng- lands sich in der Ersten Internationale fanden, daß er ihr Gehirn wurde, das ihre Aktionen beseelte. Im Generalrat der Ersten Internationale arbeitete Marx in steter Verbindung mit den Leitern der englischen Trade Unions, die sich ihr angeschlosien hatten. Für den Generalrat verfaßte Marx die Berichte und Resolutionen, die jene Körper- schast bei Kongressen der Internationale vorlegte. Heute noch sind diese Resolutionen nicht veraltet, die von Gewerkschaften, Genossenschaften. Arbellerschutz. Schulwesen handeln. Sie sind heute noch richtunggebend. Sie waren es in noch well höherem Grade vor fünfzig und.sechzig Jahren. Die auf- strebenden Arbeiterbewegungen des Kontinents haben aus ihnen reichen Gewinn gezogen, Kämpfe uvS Erfolge. Aber die Erste Internationale beschränkte sich nicht auf die T h« o r i«. Sie griff auch nach Kräften in die Praxis ein. Bei der engen Beziehung der Internationale zu den eng- lifchen Gewerkschaften war deren Kampf ums Wahl- recht auch ihr Kampf. Schon drei Jahre nach der Gründung der Internationale ergab er wohl nicht das allgemeine Wahl- recht, aber immerhin das Wahlrecht für die besser bezahlten Arbeiter. Weiter stand die Internationale der Home-Rule- Bewegung in Irland sympathisch gegenüber. Auf dem Kontinent machten die Internationalisten die Parole des allgemeinen Wahlrechts in Preußen zu der ihren und traten ft« in den Kampf gegen Bismarck ebenso wie gegen das Napoleonische Kaiserreich in Frankreich ein. Allenthalben benutzten sie jede Gelegenheit. Gewerkschaften zu be- gründen fowell die Gesetze es erlaubten, und den Widerstands- gefft der Arbetter zu heben. Zahlreiche Streiks waren die Folge. Sie wurden oft ge- wonnen durch die Führung von Internationalisten. Zum Er- folg trug wohl viel der Umstand bei, daß die Unternehmer auf dem Kontinent auf einen Widerstand ihrer Arbeiter nicht ge- gßt waren und durch deren Bewegungen überrascht wurden. a aber auch die Internationale selbst eine ganz neue, noch nicht erforschte Erscheinung war, veranloßte ihr plötzliches und die fouderbarsten Märchen. Bor allem schrieben die Unternehmer die Erfolge der Streits ungeheuren Geldmitteln zu, die der Internationale zur Verfügung ständen. Diese Mär vermehrte natürlich den Respekt der Unternehmer vor der Internationale, aber auch den Haß gegen sie. Anderer- seits glaubten sogar nicht wenige Arbeiter an diese gewaltigen Geldmittel, was ihren Widerstandsgeist nicht wenig hob. Auch die Regierungen wurden durch sie aufs höchste be- unruhigt. Da sie wenig von ihr wüßten, nahmen sie an, es sei eine neue Verschwörergesellschast nach dem Muster der allen in Italien und Frankreich. Und doch war von alledem nichts wahr. Die Internativ- nale erweckte wohl allgemeinen Enthusiasmus. Aber r e g e l- mäßige Beiträge zu zahlen, das war etwas, woran die Arbeiter erst gewöhnt werden mußten. Sie waren auf dem Kontinent zunächst zu einem Aufstand leichter zu haben als zu Mitgliedsbeiträgen. Die Internationale blieb daher eine der ärmsten Organisationen, die es je gegeben hat. Sie war manchmal nicht einmal imstande, die Druckkosten für ihre Kongreßprotokolle aufzubringen. Der Generalrat vermochte nie, ein eigenes Organ herauszugeben. Bei Streiks konnte er nur die geringen Erträge gelegentlicher Sammlungen ein- senden. Und wie mit dem Reichtum, stand es mit dem Ver- schwörertum der Ersten Internationale. M a z z i n i hatte aus ihr eine Verschwörergesellschast machen wollen. Marx hatte sich dem jedoch mit aller Gewall widersetzt, und er war dabei Sieger geblieben. Darum standen auch die Blanquisten in Frankreich lange der Internationale feindselig gegenüber — bis zum Ausstand der Pariser Kommune vom März 1871. Dieser Aufstand wurde die Katastrophe der Ersten Inter- nationale. Die Internationalisten hatten ihn nicht gewünscht, auch nicht die von Paris, die mit Besorgnis den drohenden Konflikt kommen sahen; denn sie fürchteten mit Recht, die Revolutionäre würden ihrer Aufgabe nicht gewachsen sein. Das war auch die Ansicht von M a r j:, der meinte, das fran- zösische Proletariat müsse die Freiheit der gewonnenen Re- publik vor allem dazu benutzen, sich zu organffieren und zu schulen, um nachzuholen, was ihm unter dem Kaiserreich un- möglich gemacht worden war. Als aber der Ausstand doch zum Ausbruch kam. hielten es die Internationalisten für ihre Pflicht der Arbeiterklasse gegenüber, an ihrer Erhebung teilzunehmen, auch unter Ge- fährdung ihres Lebens. Während des Aufstandes gehörten die Internationalisten zu seinen vernünftigsten Teilnehmern, die am meisten leisteten. am meisten Achtung einflößten, gerade dadurch aber auch am meisten in den Vordergrund traten und nach dem Zusammen- bruch dem grimmigsten Haß der Gegner verfielen. Spaltung uuü Aufammenbruch. Die wilde Hetzjagd der Regierungen und der besitzenden Klassen aller Länder gegen die Flüchllinge der Kommune wurde nun auch auf die Internationale ausgedehnt, die sogar in England, wenn auch nicht polltisch verfolgt, fo doch gesellschaftlich geächtet wurde. Diesem Sturm hielt die Internationale nicht stand. Viele wurden ihr untreu, die sich ihr nur zugewendet hallen, weil sie ihre Macht überschätzten. Dazu kam in diesem Moment der Krisis eine verderbliche Spaltung. In den romanischen Ländern— Frankreich. Italien Spanien— waren die arbeitenden Massen seit langein von Sin historisches Dokument. Prinzipienerklärnng der Ersten Internationale. »lln Erwägung, daß die Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden muß: daß der Kamps für die Emanzipation der Arbeiterklasse kein Komps für Slassenvorrechte und Monopole ist. sondern für gleiche Rechte und Pflichten und für die Vernichtung aller Klassenherrschost;' daß die ökonomische Unterwerfung des Arbeiters unter den Aneigner der Arbeitsmittel, d. h. der Lebcnsquellen, der Knechtschaft In allen ihren Formen zugrunde liegt— dem gesell- fchafillchen Elend, der gcisUgen Verkümmerung und der politischen Abhängigkeit; daß die ökonomische Emanzipation der Arbeite» k lasse daher der große Endzweck ist. dem jede politische vc- weguug, als Mittel, unterzuordnen ist; daß alle auf dieses Ziel gerichteten versuche bisher gescheitert flnd aus Mangel an Einigung unter den mannigfachen Arbeits- zweigen jedes Landes, und unier der Abwesenheit eines brüderlichen Bundes unker den Arbeiterklassen der verschiedenen Länder; daß die Emanzipation der Arbeiterklasse weder eine lokale, noch eine naüonate, sondern eine soziale Aufgabe ist, welche alle Länder umfaßt, in denen die modern« Gesellschaft besteht, und deren Lösung vom praktischen und theoretischen Zusammenwirken der fort- geschriktensteu Länder abhängt; daß die gegenwärtig sich erneuernde Bewegung der Arbeiierfiasse in den industriellen Ländern Europas, während sie neue hossrningen wachruft, zugleich feierliche Warnung erleiU gegen einen Rückfall in die allen Irrtümer, und zur sofortigen Zusammenfassung der noch zusammenhanglose» Bewegungen drängt; aus diesen Gründen ist die Z»teraali»uale Arbeiterassoziation gestiftet worden. Sie erklärt: Daß alle Gesellschafken und Iudwidnen, die sich thr anschließen. Wahrheit, Gerechtigkeit und SiiMchkeit anerkennen als die Regel ihres Verhaltens zueinander und zu allen Menschen, ohne Rücksicht aus Farbe, Glauben oder Rationalität. Sie betrachtet es als Pflicht eines jeden, die Menschen- und Bürgerrechte nicht bloß für sich zu verlangen, sondern für jedermann, der seine Pflicht tut. Keine Pflicht««hn« Recht«, kein« Rechte ohne Pflichten.' größtem Mißtrauen gegen den Parlamentarismus erfüllt. Wurden doch die Wahlen in jenen Ländern damals von den Regierungen gemacht und die Parlamente waren machtlos... Der AntiParlamentarismus hatte in der Zeit der Reaktion die friedliche Form des Proudhonismus angenommen, der von den Arbeitern verlangte, sie sollten auf die Politik ver- zichten und sich nur mit unpolitischer Oekonomie beschäftigen, Taufchbanken, Genossenschaften, Versicherungsgeselsschasten, schließlich Gewerkschaften. Als die Arbeiterbewegung Kraft gewann und der Sturz Napoleons revolutionäres Streben er- 1 i stehen ließ, nahm der Antiparlamsntorismus gewaltsame Formen an. für die der Russe V a k u n i n das theoretffche... Rüstzeug lieferte. Die Zerstörung der Staatsgewalt durch be»> waffnete Aufstände, die auf dem Wege der Verschwörung vor» zubereiten waren, wurde ihr Ziel. Gleichzeitig ging unter den englischen Arbeitern eins Wandlung in entgegengesetztem Sinne vor sich. Die zwei großen Ziele der Chartistenbewegung waren, wenn auch un-. vollkommen, erreicht: der Zehn stundentag wenigsten»/ für Frauen und junge Personen und das W a h l r e ch st; wenigstens für die besser bezahlten städtischen Arbeiter. Alles«. weitere glaubte man nun den Gewerkschaften überlassen können, die gewaltig erstarkt waren und nun, nachdem die- Jriternationale ihre Schuldigkeit auf dem Kontinent getan hatte, keine Schleuderkonkurrenz der Arbetter des Auslandesmehr zu befürchten brauchten. Die Trade Unions wurden da» durch nicht antiparlamentarisch, auch nicht unpolitisch, sie ve». loren aber alles Interesse an selbständiger Arbeiter-,.- Politik. Die arbeiterfreundlichen Elemente der beiden bürger» lichen Parteien, namentlich die Radikalen der liberalen Partei» schienen ihnen alles zu bieten, was sie zunächst brauchten. Die Internationale, die mit der Erinnerung an dick Pariser Kommune belastet war, sing an, von den Gewerk- fchaftsführern als Kftig empfunden zu werde«, da sie nach bürgerlicher Anerkennung verlangten. So wurde Marx in der Internationale von dechts wie von links immer mehr isoliert. Seine PolM unterschied sich von der der Bakunisten dadurch, daß er die Bedeutung des Parlamentarismus und des Wahlrechts für den Befveiungs-< kämpf des Proletariats wohl erkannte; von den Trade Unions. seiner Zeit unterschied sich seine Pofitik dadurch, daß Parlamentarismus und Demokratie ihm für diesen Be-mungs- kämpf nur dort von Nutzen erfchiensn, wo die Arbetterfchcfft als selbständige politische Organisation, unabhängig von den bürgerlichen Parteien, in den politischen Kampf eintrat. Diese Politik wurde zunächst nur von der deutschen Sozialdemokratie angenommen. Die Masse der romanischen wie der angelsächsischen Arbeiter lehnte sie ab. Darüber ging die Erste Internationale zu» gründe. Ihr letzter wirklicher Kongreß tagte im Haag 1872. Es gelang Marx dort. dsnAusschlußBakunins durchzusetzen. Aber die Internationale selbst konnte er nicht retten. Neuer fwfstieg. Mit chr ging aber nicht die Politik unter, die er nerfochL Sie gilt heute bei allen Arbeiterparteien d« West, hat den Anarchismus Bakunins überwunden, wie die polttifche Un» felbständigkeit der alten Trade Unions Englands. Nicht mehr bloß durch seine Gewerkschaften, sondern auch durch seine selbständige Arbeiterpartei steht heute England wieder an der Spitze der Arbeiterschaft der Welt. Ader nur äußerlich ist damit wieder ein Zustand er- reicht, wie er zur Zeit der Gründung der Ersten Internationale bestand. Tatsächlich ist der lzeutige Zustand von jenem grund- verschieden. Damals gab es, wie schon eingangs erwähnt, außerhalb Englands überhaupt keine Arbeiterorganisation von Belang in der Welt. Heute bildet die Internationale eine gewaltige Armee, die zahlreiche trefflich organisierte und sieg- gewohnte Truppen in allen Ländern kapitalistischer Kultur aufweist. Jede Armee muß eine Avantgarde haben, aber diese muß nicht immer aus derselben Truppe bestehen. Wer an der Spitze marschiert, das hängt von wechselnden strategischen Be» dingungen ab. So ist es heute auch mtt der Internationale. Die Erst« Internationale war unmöglich ohne die englische Initiative und englische Führung. In der heutigen Internationale da- gegen hängt es von wechselnden polltischen Verhältnissen ab, wo ihr Schwerpunkt liegt. Gestern lag er bei den Deut-! s ch e n. heute liegt er bei den Engländern, morgen kamt' er bei den Amerikanern llegen. Gerade zur Zeit des 60. Jahrestages der Begründung der! Internationale vollzieht sich in den Bereinigte«> S t a a t e n die Begründung einer dritten Part«, die vielleicht von noch größerer Bedeutung werden wird als es die Begrün- dung der englischen Labour Party w«. Wohl sst jene in ihrem Anfang ebensowenig ausgesprochen sozialistisch, als es diese war. Die anfängliche Unklarheit wird noch vermehrt dadurch, daß, der amerikanischen Eigenart entsprechend, der erste Schritt der neuen Partei die Beteiligung an der Präsidenten- wähl ist und ihr Kandidat wohl eine aufrechte, energische Kampfnatur, aber ohn�Lcrfländms für sozialistische Gedanken- gänge ist. Dazu kommr, daß die neue Partei eine Partei nicht bloß der Arbeiter, fondern auch der Farmer sst, deren Inter- essen zwiespältig sind, sich einmal mit denen der Arbeiter, ein anderesmat mit denen der Kapitalisten b.erühren. Aber es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Arbeiter schließlich das dauernde und bestimmende Element in der neuen Partei sein werden. In Amerika noch mehr als anderswo entscheidet der Er- folg. Gelingt es der neuen Partei, gleich bei ihren erste» Schritten große Erfolge zu erzielen, dann wird sie rasch große Massen anziehen, denn die Verhältnisse machen st« zu einem dringenden Bedürfnis. Schneller als es in Europa geht, kann sie dann zur Macht gelange« vnd Großes für die Arbeiterschaft leisten. Der Sozialismus, die Befreiung der Arbettrr schaft, bedingt, wenn auch nicht notwendigerweise Meichhett, so doch Allgemeinheit des Wohlstandes aller, was nur möglich ist bei großem Reichtum der Gesellschaft. Nirgends ist heute diese Borbedingung des Sozialismus ftarter entwickelt, als in den Bereinigten Staaten der Welt. Nirgends fann eine Arbeiter- fienischen Arbeitervereine( die eine zentrale Drranisation regierung sofort den arbeitenpen Massen mehr bieten als in Amerita. Gerade dort, wo der Sozialismus noch vor kurzem völlig aussichtslos erschien, eröffnet sich jetzt plötzlich für ihn die glänzendfte Aussicht. So ist es nicht ausgefchloffent, daß binnen wenigen Jahren schon der Schwerpunkt der Internationale in der Reuen Welt liegt. Auf dem legten Kongreß der Ersten Internationale im Haag 1872 wurde die Verlegimg des Generalrats nach New York beschlossen. Das war eine Maßregel der Verzweiflung. die die Totenglade der Internationale läutete. Wenn es heute notwendig werden sollte, die Erefutive der Internationale nach New Hort zu verlegen, würde es etwas ganz anderes bedeuten. fel, dann fagt das genug, denn die„ Ostdeutsche Rundschau ein deutschnationales Blatt, ein Organ des Chriftlichen Land Die Landbündler müssen die Landarbeiter für große Dummlöpfe arbeiterverbandes. höhere Löhne. Die Landarbeiter sind ja nicht erst ein paar Tage halten, wenn sie ihnen vorreden, der Agrarschutzoll bringe alt, sie wissen, daß der Schutzzoll doch vor dem Krieg schon da war, ohne den geringsten Einfluß auf den Landarbeiterlohn zu haben. Die Deutschnationalen haben sich gewundert, warum die sozialdemo fratische Fraktion den Genossen Heilmann als Redner zum Landwirts schaftsetat vorschickte. Sie wunderten sich wohl deshalb, weil ihnen felbft eine Kraft wie Herr Schulze- Stapen als Redner genügte. Sie zeigten damit ganz deutlich, daß es ihnen lediglich auf eine Rückzugs wirtschaftsminister als Redner vorzuschicken.( Buruf rechts: Wer ist fanonade antam. Sie hatten es ja in der Hand, den neuen Reichs. das? Antwort links: Schlange- Schöningen. Deutschnationalen fämpfen bei der Berteidigung des Schuh Große Heiterteit.) Die 30lles um eine verlorene Sache. Major Wolff hatte fein Reglement( Statuten) ber itasi Hilfsvereine find) eingereicht zur Benuzung für die neue Affoziation. befizen, aber, wie fich später herausstellte, wesentlich assoziierte Ich sah das Zeug später. Es war ersichtlich ein Machwert von Mazzini, und Du weißt daher im voraus, in welchem Geist und in weicher Phraseologie die wirkliche Frage, die Arbeiterfrage, behandelt war. Auch wie die Nationalitätsgeschichten eingeschoben wurden. Außerdem hatte ein after Owenite Weston jetzt felbft Fabrifant, ein sehr liebenswürdiger und braver Mam ein Programm aufgesetzt voll der äußersten Konfusion und von unfäglicher Breite. Die folgende allgemeine Komiteefizung beauftragte das Subfchen Statuten. Wolff felbft reiste ab, um der Konferenz des Lonfomitee, bas Weſtonſche Programm umzumnodeln, ditto die Wolff: doner Vereins der italienischen Arbeiter in Neapel beizuwohnen und fie zum Anschluß an die Londoner Zentralafioziation zu bestimme. Abermalige Sigung des Subfomitees, der ich wieder nicht bei. wohnte, da ich von ihrem Rendezvous zu spät unterrichtet ward. Es würde bezeugen, daß die Internationale fich anschickt, Dort wurde eine Prinzipienerklärung und Umarbeitung der Wolff- zölle der gegenwärtige Beitpunkt geeignet fei, denn heute stehen die Abg. Hagemann( 3.): Es muß Zweifel herrschen, daß für Schutz beide Hemisphären der Welt zu erobern. schen Statuten von Le Lubez vorgelegt und vom Subkomitee für Doch noch eine andere Möglichkeit taucht auf. Vor kurzem Borlage an das Gefamtkomitee angenommen. Das Gesamtfomitee Breife für die notwendigsten Lebensmittel sehr hoch und die Arbeiter. noch befand sich die deutsche Sozialdemokratie in fagte am 18. Oftober. Do Eccarius mir geschrieben, daß Gefahr löhne noch recht niedrig. Noch schlimmer ist es mit dem Einkommen der Erwerbslofen und Kurzarbeiter. trauriger Berfaffung. Solange die Lage des deutschen Bolts im Berzuge, erschien ich und war wahrhaftig erschroden, als ich den guten Le Lubez eine schauderhaft phraseologische, schlechtgeschrie eine verzweifelte war, gediehen Kommunisten und bene und ganz und gar unreife Einleitung, die eine Brinzipienerflä Rationalisten, hatte die Sozialdemokratie einen schweren rung zu sein beanspruchte, verlesen hörte, wo der Mazzini überall Stand. Der Aufstieg des Sozialismus und der Demokratie in durchguckte, übertruftet mit den vagsten Feßen von franzöfifchem England und Frankreich hat dem deutschen Bolte eine würdi- Gozialismus. Außerdem war das italienische Reglement im großen gere Bofition geschaffen. Er jezte an Stelle dumpfer Ber- und ganzen aufgenommen, das, von allen anderen Fehlern abge. zweiflung hoffnungsfreudiges Selbstbewußtsein, und wo dieses fehen, in der Tat etwas ganz Unmögliches bezweckte, eine Art in den Arbeitermaffen wohnt, gehört ihre Seele der Sozial- opäischen Arbeiterklassen. Ich machte gelinde Opposition, und Zentrafregierung( natürlich mit Mazzini im Hintergrund) der eus Rapid gewinnt sie ihre verlorenen Bofitionen wieder und nach langem Hin- und Herreden schlug Eccarius vor, daß das Subfomitee von neuem die Sache feiner Redaktion" unterwerfen sollte. schickt fich an, dazu noch neue zu erobern, indes Kommunisten Die Gesinnungen", enthalten in Lubez- Deflaration, wurden da und Nationalisten rascher Auflösung verfallen. Aus ihrem gegen votiert. Bankerott muß ein überwältigender Sieg der Sozialdemokratie hervorgehen. So ist es nicht ausgeschlossen, daß diese in Deutschland früher noch die parlamentarische Mehrheit erlangt als in England oder Amerika. demokratie. Sozialisten in einer Regierung und sozialistische Regierungen sind nichts Neues mehr. Aber Großes, Entscheidendes fann nur eine sozialistische Regierung leisten, hinter der die Mehrheit der Volksvertretung und des Volkes selbst geschlossen und vertrauensvoll steht. Noch wiffen wir nicht, in welcher der großen Nationen der Sozialismus zuerst die Staatsmacht gewinnt. Aber allenthalben ist er in raschem Vormarsch zu ihrer Gewinnung begriffen. So fönnen wir den sechzigsten Geburtstag' der Ersten Internationale in ganz anderer Weise feiern als ihren fünfzig ften: Nicht in Trauer und Verzweiflung, sondern erfüllt von den frohesten Erwartungen auf den Sieg, auf die Sicherung von Freiheit, Frieden und Wohlstand für alle mühseligen und Beladenen. Karl Kautsky. ednodn Die Gründung der I. Internationale.") Brief von Karl Marr an Friedrich Engels. 4. November 1864. Lieber Freberid! Vor einiger Zeit hatten Londoner Arbeiter an Pariser Arbeiter Adresse wegen Polen geschickt und sie zum gemeinschaftlichen Handeln in dieser Sache aufgefordert. 3: - Die Pariser schickten ihrerseits Deputation her, an der Spize ein Arbeiter namens Lolain, der eigentliche Arbeiter= tandidat bei der legten Wahl in Paris, ein sehr netter Kerl.( Auch seine Rompagnons waren ganz nette Burschen.) Für 28. September 1864 wurde Public Meeting in St. Martin Hall ausgeschrieben von Odger( Schuster, Präsident des hiesigen Rates aller Londoner Gewerkschaften, Londoner Gewerkschaftskommiffion und speziell auch des Wahlrechtsagitationsvereins der Londoner Gewerkschaften, der mit Bright in Berbindung ist) und Cremer, Steinmeß und Getretär der Gewerkschaft der Steinmegen.( Diefe zwei Leute hatten das große Meeting der Trades Unions unter Bright für Nordamerita in St. James Hall zustande gebracht, ditto die Garibaldi- Manifestation.) Ein gewiffer Le Lubez wurde zu mir geschickt, ob ich für die deutschen Arbeiter Anteil nehme, speziell einen deutschen Arbeiter als Sprecher für das Meeting usw. liefern wollte. Ich lieferte den Eccarius. der sich famos herausbiß, und ich assistierte ditto als stumme Figur auf der Plattform. Ich wußte, daß sowohl von der Londoner als Pariser Seite diesmal wirkliche Mächte" figurierten, und beschloß deswegen, von meiner sonst stehenden Regel, alle folche Einladungen abzulehnen, abzuftehen. ( Le Lubez ist ein junger Franzos, das heißt in den dreißiger Jahren, der aber in Jersey und London aufgewachsen, famos englisch spricht und ein fehr guter Bermittler zwischen den englischen und französischen Arbeitern. Mufiflehrer und gab außerdem französische Stunden.) " 3wei Tage später, am 20. Oftober, versammelten sich Cremer für die Engländer, Fontana( Italien) und Le Lubez in meinem Hause.( Weston war verhindert.) Ich hatte die Papiere( Wolffs end des Le Lubez) bisher nicht in der Hand gehabt, tonnte also nichts vorbereiten, war aber fest entschlossen, daß womöglich nicht eine einzige Zeile von dem Zeug stehen bleiben sollte. Um Zeit zu gewinnen, schlug ich vor: bevor wir die Einleitung„ redigierten, sollen wir die Sagungen„ diskutieren". Das geschah. Es war 1 Uhr mitternacht, bis die erste von 40 Sagungen angenommen war. Cremer sagte( und das bezwed te ich): Wir haben dem Komitee, das am 25. Oktober tagen soll, nichts vorzulegen. Wir müssen es vertagen bis 1. November. Dagegen fan das Sub fomitee zufammenkommen am 27. Oftober und suchen, ein definitives Resultat zu erreichen. Dies wurde angenommen und die Papiere" mir zur Ansicht hinterlassen". machen. Um die höchft sonderbare Art, worin ich die bereits„ DoIch sah, daß es unmöglich war, etwas aus dem Zeug zu tierten Sentiments" zu redigieren bezweďte, zu rechtfertigen, schrieb ich eine Ansprache an die Arbeiterflaffen( was nicht im ursprünglichen Plon); eine Art Rückschau der Schicksale der Arbeiterklassen feit 1845; unter dem Vorwand, daß alles Faftische in dieser Adresse enthalten, und daß wir diefelben Sachen dreimal nicht sagen dürfen, veränderte ich die ganze Einleitung, schmiß die Brinzipienerklärung heraus und setzte endlich an die Stelle der 40 Sagungen 10. Soweit in der Adresse die internationale Politik Dorfommt, spreche ich von Ländern, nicht von Nationalitäten, und denunziere Rußland, nicht die kleineren Staaten. Meine Vorschläge die Einleitung der Statuten zwei Pflicht" und" Recht"-Phrase, ditto Wahrheit, Moral und Gerechtigkeit aufzunehmen, was aber fo plaziert ist, daß es teihen Schaden tun tann. In der Sigung des Generalfomitees wurde meine Adresse ufw. mit großem Enthusiasmus angenommen( einstimmig). Die Debatte über die Druckweise usw. findet nächsten Dienstag sbatt. Le batte über die Drudweife ufm. findet nächsten Dienstag statt. De Lubez hat eine Kopie der Adresse zur Ueberfegung ins Französische und Fontona eine aur Ueberfeßung ins Italienische.( Bunächst ist ein Wochenblatt(„ Bienenkorb", redigiert von dem Trades Unions Potter, Art Moniteur). Ich selbst soll das Zeug ins Deutsche übersetzen. in Es war sehr schwierig, die Sache so zu halten, daß imfere An ficht in einer Form erschien, die sie dem jezigen Standpunkt der Arbeiterbewegung afzeptabel madhyte. Diefelben Leute werden in ein paar Wochet Meetings mit Bright und Cobden für Stimm recht halten. Es bedarf Zeit, bis die wiedererwachte Bewegung die alte Kühnheit der Sprache erlaubt. Nötig start in der Sache, gemäßigt in der Form. Sobald das Zeug gedruckt, erhältst Du es. Salut Dein R. M. Das Elend der Landarbeiter. Wo bleibt die amtliche Lohnftatistik? Der Landtag segte am Sonnabend die Beratung des Land. wirtschaftshaushalts fort. Abg. Brandenburg( Soz.) rügte, daß nun schon seit Jahren in Auf dem Meeting, das bicht bis zum Erstiden besetzt war der amtlichen Statistit über die Landwirtschaftsverwaltung ( denn offenbar findet jegt ein Wiederauflebei der Arbeiterklasse der Nachweis über den Stand der Landarbeiterlöhne statt), repräsentierte Major Wolff( Thurn- Taris, Garibaldis Ad- fehlt. Man will anscheinend der Oeffentlichkeit die Tatsache verheim jutant), Londoner Berein italienischer Arbeiter. Es wurde be= fchloffen, die Stiftung einer Internationalen Arbeiterassoziation, lichen, daß die Landarbeiterlöhne erschreckend tief unter den beren Generaírat in London fitzt und die Arbeitervereine in Deutsch Friedenslöhnen liegen. Am schlimmsten sieht es in diesem lond, Italien, Frankreich und England vermitteln" solle. Ditto Buntt in Schlesien und Östpreußen aus. Daher auch die schweren folle 1865 Allgemeine Arbeiterfongreß nach Belgien berufen werden. Technische Nothilfe in willkürlicher und provozierender Art Streits in diesen Gebieten 1923 und 1924. In diesen Streits ist die Auf dem Meeting wurde provisorisches Romitee ernannt, Odger, verwendet worden. Wir protestieren gegen diese Verwendung, denn Cremer und viele andere, zum Teil alte Chartisten, alte Oweniten ufw., für England Major Bolff, Fontana und andere Italiener für die Technische Nothilfe bedeutete in diesen Landarbeiterstreits nichts Italien, Le Lubez usw. für Frankreich, Eccarius und ich für Deutsch- Regelung der Frage der Arbeitsgerichte. Seit Monaten warten anderes als eine Streifbrechergarde. Wir vermissen die land. Das Komitee wurde befugt, beliebig viel Leute zuzuziehen. So weit so gut. Der ersten Sigung des Komitees wohnte ich nicht nur Hunderte, sondern Taufende von Landarbeitern auf die bei. Es wurde Subfomitee( wobei auch ich) ernannt, um Entscheidung über ihre Lohnansprüche. Ein unerträglicher Zustand. Brinzipienerflärung und provisorische Artikel aufzusehen und der In Ostpreußen haben sich die Junter wieder einmal als Batentdarauf folgenden Sigung des Gesamtkomitees beizuwohnen. patrioten erwiesen. Sie haben dort Hunderte von Landarbeitern Es hatte sich in diefen zwei Sizungen des.Subkomitees und mit Familie und Hausrat auf die Straße geworfen, während der darauf folgenden des Gesamtfomitees von denen ich ab- Tausende von ausländischen Wanderarbeitern ins wefend war, folgendes ereignet: Land geholt wurden. Die Verantwortung für die großen Streits trägt der Terror der Großagrarier. -*) Siebe Briefwechsel zwischen Marg unb Engels, Stuttgart 1921, Berlag Dieg, Band III, 6. 188 ff. Die englischen und franzöfifchen Ausdrüde im Original find hier ins Deutsche übertragen. Alle Wenn jogar ein Blatt wie die„ Ostdeutsche Rundschau" in einem Artikel vom 25. Januar 1924 schreibt, daß das Berhalten des Landwirtschaftsverbandes, der nur diffieren wolle, unerträglich sind FRITZI/ MASSARY einig O Abg. Wenzlaff( Dnat.) tritt für Schußzzoll ein. Abg. Graf zu Stolberg- Wernigerode( D. Vp.): Die e infeitige Politit der Deutschnationalen fann der Landwirtschaft nur schaden. Auch mit der Schaffung einer Agrarbant fann ich mich nicht befreunden. Es ist wirtschaftlich unzweckmäßig, alte be währte Institute burch ein neues zu ersehen, th Abg. Diel( 3) schildert die Notlage der Winzer und macht darauf aufmerksam, daß die Durchführung des deutſchspanischen Handelsvertrages die Proletarisierung Hunderttausender Don Winzern bringe. Unbegreiflicherweise sei das preußische Landwirtschaftsministerium bei der Abfaffung des Handelsvertrages, für den der Reichsernährungsminister eine schwere Berantwortung trage, ausgeschaltet worden. Der Reichs ernährungsminister habe den Winzern nur Versprechungen gemacht und die Bera fprechungen nicht eingelö ft. Abg. Schubert( Soz.): Man muß einen Unterschied zwischen Kleinbauern und Großagrariern machen, wenn von der Not der deutschen Landwirtschaft gesprochen werde. Wir sind gern bereit, den durch die beilweise Mißernte heimgesuchten kleinbäuerlichen Existenzen Steuerlast der Landwirtschaft spricht, darf er nicht außer acht lassen, zu helfen. Wenn Graf Stolberg so ganz allgemein von der großen daß die Industriepreise sinten und die Preise für land. Steuerlast auf die Arbeiter viel schärfer drückt als auf die Schultern der Großagrarier. Die Arbeiterschaft kann den Drud der Agrarzölle nicht tragen. Man sollte nicht leichthin von Pfennigen sprechen, um die das Brot durch die Zölle verteuert wird. Die Pfennige spielen im Haushalt der Arbeiter eine sehr große Rolle. Redner fordert Bereitstellung von Mitteln zur Linderung der Schäden der Kartoffelmißernte und stimmt dem Zentrumsabgeordneten Diel darin bei, daß für die Winzer etwas getan werden müsse. Der Winzer ist im letzten Jahre feineswegs auf Rosen gebettet gewesen und der deutsch- spanische Handelsvertrag bedeutet für die Mehrzahl der kleinen Winzeregistenzen eine ernste Be drohung. Die Regierung hat die Pflicht, für diese Leute durch Berbilligung von Zuder, Steuererleichterung und andere Maßnahmen etwas zu tun. Zum Schluß forderte Abg. Schubert ein engeres 3usammengehen zwischen den Konsumenten und Landaber zugleich, bisher von feiten der Landwirtschaft nichts Entscheidendes getan worden sei, um durch ein Bu fammenarbeiten zwischen landwirtschaftlichen und Konfumgenoffenschaften die starken Zwischengewinne auszuschaften. Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff: Die Verwaltung wird alles tun, um den Weinbau am Leben zu erhalten, auch durch eine mildere mildere und gerechtere steuerliche Behandlung der meinbautreibenden Distrikte. Mit Bezug auf den spanischen Handelsvertrag. bemerkte der Minister, das Reich habe es wiederholt abge= le hnt, Bertreter Preußens zu den Verhandlungen hinzuzuziehen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch, 12 Uhr: Einzelberatumg und Antrag der Kommunisten über die Amtsenthebung des Präfidenten Leinert Schluß gegen 5 Uhr. Geschäftliche Mitteilungen. Damenhandtaschen find häufig noch ohne Fehler, aber ihr Leber ist schäbig und glanzlos geworden. Gie werden verärgert fortgelegt. Dabei wäre es ein Leichtes, ihr Aussehen hübsch zu erhalten. Mit Erdal in Dosen mit dem roten Frosch, weiß oder farbig behandelt, wird die Farbe erhalten, abgeschabte Stellen verschwinden und das Leber bleibt weich, glänzend und färbt nicht ab. Endlich haben sich die Preisrichter der National- Film A.-G. durch die Behntausende von eingegangenen Reflame- Versen hindurchgearbeitet. In Anbetracht deffen, daß kein Bers nach Ansicht des Preisrichterkollegiums einen eften Preis verdient, wurden neue Preise geschaffen in Höhe des bisherigen erften Preises. Insgesamt werden unter die besten Lösungen 6000 M2, wie vor gefehen, verteilt. Den höchsten Preis in Höhe von 1500 m. erhält Waldemar Bydor, Salle a. d. G., Cansteinſtr. 8, der den Bers einsandte: National- Film! Nie Verfager! Bolle Häufer! Bombenschlager!" Bir verweisen auf die Anzeige in vorliegender Nummer. Bad Salzuflen am Teutoburger Wald, welches nach der Yekten Rurlifte eine Befuchsziffer von 21 011 aufweist, hat feit 25. Geptember die Rurtage auf 15 M. herabgefehl; auch die Fremdenheime haben wesentliche Ermäßigungen eintreten laffen. Tägliche Konzerte, Theater usw. find bis Ende Oktober vor gesehen, während die Surmittelabgabe bis Ende November erfolgen soll. Der Der heutigen Ausgabe unserer Beilage Bolt und geit liegt eine Ane fündigung der Firma Dr. med. Robert Sahn u. Co., G. m. b. S., Magdeburg, über ihr in vielen Tausenden von Fällen bewährtes Nerven- Nährmittel Rervisan" bei, auf welche wir unsere Lefer hiermit ganz besonders hinweisen. Ein Bersuch mit diesem Mittel dürfte sich auf jeden Fall empfehlen.. Die Nelson Fahrrabbau G. m. b. S. in Berlin- Schöneberg, Afazienftr. 28, hat in Berlin- Schöneberg, Hauptstraße 96, eine Verkaufsniederlage eröffnet. wed diefer Niederlage ist, den Freunden ber Nelson- Fabritate biefe birett ab Fabrik zu Originalfabrikpreifen zugänglich zu machen. Erst feit zwei Monaten verkauft die Nelson Fahrradbau G. m. b. S. ihre Fahrräder direkt an Private. Bir verweisen auf das Inferat in der heutigen Ausgabe. hervorragend bewährt bei: Grippe, Jogal Rheuma, Herven- und Ischias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harniäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 74,3% Acid. acet. salic., 0,46% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. die unvergleichliche S 3 Zigarette ist durchaus ein Fall für sich! Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Geite Hauptblatt.) Völkisch- kommunistischer Spigelsumpf. Aus Arbeiterfreifen der Deutschen Werte in Spandau wird uns geschrieben: Die Rote Fahne gibt ihren Berichten aus den Betrieben die recht zutreffende Ueberschrift:„ Die Betriebszelle ist das Fundament uns unter dieser Ueberschrift ein Bericht über Bertpolizei = zu Gesicht, in dem als Beispiel der Sicherheitsdienst in den Deut. fchen Werten Spandau und Haselhorft benutzt wird. Die Betriebszelle der„ Roten Fahne" liegt hier in den Händen der kom munistischen Betriebsräte, die durch Herunterreißen und Berunglimpfen andersdenkender Arbeiter eine Mehrheit auf ihre Lifte bei der Betriebsratswahl erhielten. In diese Betriebszelle sind Den vornherein die Vertreter der gelben Streit brecher mit eingetreten und, damit der Zellenfumpf voll wird, sind nachher noch die Deutschnationalen Hand. lungsgehilfen hinzugefommen. Betrachten wir nun das erste Erzeugnis diefer dreiteiligen Betriebszelle der Roten Fahne". Da wird behauptet, an der Spike des Sicherheitsdienstes stehe ein früherer Polizeihaupt mann, der mit dem Reichskommissar für öffentliche Sicherheit und Ordnung in Verbindung stehe. Diefer Mann lebt nur in der Phantasie der Betriebszelle, denn niemand tennt hier einen solchen Mann. Ferrer wird behauptet, daß die Finanzierung aus einem Geheimfonds, der in der Hand eines Geheimrates liege, erfolge. Der Zellenfumpf sieht hier anscheinend die Versorgungstaffe der alten Arbeiter als den„ Geheimfonds" an. Ein Betriebsleiter wird als Waffenmeister bezeichnet; die Personalabteilung foll die„ Spigelzentrale" für die Angestellten sein; dreiund zig als Arbeiter verkleidete Spizel überwachen angeblich die Arbeiter und sollen 65 Proz Lohnzuschlag dafür erhalten. Die Note Fahne schließt diese Phantasterei mit der Aufforderung: Also Ausbau des Nachrichtensystems der illegal arbeitenden Betriebszelle". Sind hier nicht viel eher Gisumschläge zu empfehlen als noch weiterer Ausbau des illegalen Nachrichtensystems? Den Betriebsleitern und der Personalabteilung geschieht ganz recht, dern hier werden sie von ihren eigenen Schüßlingen durch die Gosse geschleift. Die Deutschnationalen Zellenbauer find die ständigen Berichterstatter der durchweg deutsch Dolfisch eingestellten Personalabteilung und liefern ihren Zellenbrüdern das Material zu den illegalen Berichten der„ Roten Fahne". Mit den 83 als Hilfsarbeiter verkleidete Spizel fönnen nur die gelben Elemente gemeint sein, die von den Betriebsleitern ausgehalten merden und als Blutsverwandte zum 3ellenfumpf von der Direktion als gute, brave Rameraben bezeichnet, gehören. Der Dritte im Bunde, die Kommunisten, werden schon die man um den Finger wideln tann. Die vollständige Abschaffung des Zwölfftundentages hat in den verschiedenen Betrieben, welche den Achtstundentag einführten, eine neue Erhöhung der Handwertstoften herbeigeführt. Die Reform ist veranlaßt worden durch eine Konferenz, die der mungsaustausch, den er mit den Vertretern der Eisen- und Stahlehemalige Präsident Harding einberufen hat, und nach dem Meiindustrie gehabt hat. Nach einer eingehenden Erhebung haben die Stahlindustriellen beschlossen, das neue System anzuwenden, sobald sie über Verkaufspreise es gestatten, die Mehrkosten zu decken, die notdie erforderliche Zahl von Handwerfern verfügen und sobald die wendigerweise aus der Herabsetzung der Arbeitszeit hervorgehen. Zu Beginn des Sommers 1923 mar die Zahl der Handwerker völlig unzureichend, aber gegen den 1. Juli schien die Lage sich wesentlich zu bessern, und man beschloß, die Reform am 16. Auguft durchzuführen. lofer Shutt übriggeblieben. Ein Beamter der Firma| wurde. Es handelt sich vielmehr um die Berkürzung der Arbeitszeit ordnete an, daß mit dem Nachsuchen aufgehört und der Schutt auf in den Bereinigten Staaten, worüber das JAAB. berichtet: dem Wasserwege nach dem Abladepboz der Firma geschafft werde, Der 22. Jahresbericht des amerikanischen Stahlverbandes mie es feit jeher mit den Fabritabfällen geschehen war. Auf dem spricht sich über die Herabsetzung der Arbeitsdauer folgenderAbladeplay waren ein Borarbeiter und vier Arbeiter mit dem maßen aus: Entladen des Schuttransports beschäftigt. Dabei fanden sie noch eine Menge altes Eisen und zusammengeschmolzene Blei flumpen. Die Arbeiter sammelten das Altmaterial und vertauf en es zu ihrem Nuzen an einen Händler. Es waren im ganzen Mitteilung, daß ihre Arbeiter größere Mengen Blei verkauft hatten. mehr als 30 3entner. Die Firma erhielt pon britter Seite Dadurch erfuhr die Firma erst, daß der von ihr für wertios erklärte Brandschutt noch verwertbares Material enthalten hatte. Sie beansprucht dies Material als ihr Eigentum, betrachtet die Arbeiter als lossen. Gegen den Vorarbeiter der sich der Klage beim des Eigentumsvergehens schuldig und hat sie deshalb ent Gewerbegericht nicht angeschlossen hat, ist Strafanzeige erstattet. Der Vertreter der Firma behauptet, bem Borarbeiter jei gelagt worden, men auf dem Abladeplag noch Altmetall im Schutt ge funden werde, folle es gesammelt und zurückbefördert werden. Der Borarbeiter hat aber, wie die Arbeiter versichern, ihnen von dieser Anordnung nichts mitgeteilt, sondern ihnen im Gegenteil gesagt, was fie finder, tönnten sie für sich behalten. Sie hätten also im guten Glauben gehandelt und nicht das Bewußtsein ges habt, etwas Unrechtes zu tun Schließlich gab der Vertreter der Firma auf Befragen noch zu, daß die Firma gar nicht die Absicht gehabt habe, auf dem Abladeplah noch nach material fucher zu laffen, weil sie glaubte, es sei doch nichts mehr zu finden. Das Gericht wies die kloge der Firma ab mit der Be. gründung, die Arbeiter hätten fich feiner rechtswidrigen Handlung fchuldig gemacht. Die Firma habe bie betreffen den Stoffe als Schutt behandelt und dadurch die Arbeiter in den Glauben perfekt. es handle sich um wertlose Sachen, auf welche die Firma feinen Anspruch mache Sparer oder Gläubiger. heim stand die Frage der Aufwertung von Spargut In einer Betriebsversammlung der Warenhausfirma A, Werthaben, über die Genoffe Dr. Mierendorff referierte, im Mittelpunkt der Diskussion. Hierbei traten einige Einzelheiten zu tage, die ein so interessantes Licht auf das Geschäftsgebaren dieser Firma werfen, daß wir sie auch dem weiteren Kreis der Arbeiterund Angestelltenschaft nicht vorenthalten wollen. Die Firma Wertheim hatte es schon vor dem Kriege immer sehr gut mit ihrem Bersonal gemeint. So erachtete fie es als ihre besondere Aufgabe, die bei ihr tätigen Arbeiter und Angestellten zur Sparsamteit zu erziehen. Zu diesem Zwede richtete man für jedes Mitglied der Belegschaft ein Spartonto ein und behielt bei der Lohn- und Gehaltszahlung einen bestimmten Betrag zurüd, der dem Sparguthaben des betreffenden Angestellten gutgeschrieben wurde. Entsprechend der noch heute üblichen diktatorischen Behand. fonderbare Wohlfahrtseinrichtung mußte einfach zwangsweise be lung, fragte man auch damals die Arbeiter und Angestellten nicht erst, ob sie der Einrichtung eines Sparfontos zustimmen. Diese nuzt werden. beiter in durchgehenden Betrieben und den zehnDie neue Ordnung brachte den Achtstundentag für die Arstundentag für alle übrigen Arbeiter. Die Lohnfäße für die Arbeiter, deren Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden verkürzt wurde, wurden beim Grund- und Stundenloyn gegenüber früher um 25 Broz. erhöht und die Bezahlung der Arbeiter, die zukünftig 10 Stunden arbeiten, foll um 10 Pro 3. erhöht werden zum Ausgleich der Tarifveränderung, die aus der Lohnerhöhung der Arbeiter hervorgeht, deren Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden herabgesetzt wurde. Die erforderlichen Veränderungen sind sehr schnell durch. geführt worden. Am 1. Dezember war in allen Zweigstellen, außer einer einzigen, die 3 wölfftundenschicht prattisch beseitigt. Bei den anderen Gesellschaften wurde die neue Ord3ahl der infolge des Achtstundentages erforderlichen weiteren Arnung erst im Februar 1924 vollständig durchgeführt infolge Mangels an Arbeitskräften und besonders an qualifizierten Arbeitern. Die beitsfräfte belief fich auf 17 117, was einer Erhöhung der Belegfchaften um 10 Proz. gleichkommt. Gehaltserhöhung der Wiener Angestellten. Wien, 27. September.( MTB.) In der gestrigen Betriebsräbe. fonferenz der Industrieangestellten wurde das am Mittwoch zwischen den Delegierten der Industrie und der Angestelltenschaft beschlossene Uebereinkommen genehmigt, das den Angestellten eine durchschnitt. liche Erhöhung der Bezüge um 15 Proz. zuspricht. Bon dem Uebereinkommen, haben sich ausgeschlossen die Automobil und die Karosseriefabriten sowie die Gruppe der papierverarbeitenden Industrie. Mit diesen drei Gruppen werden besondere Berhandlungen geführt. Werbe- Bezirksversammlungen des 3d2. in der Woche vom 29. September bis 4. Oftober 1924. Montag, 29. September: Bezirk Berlin- Often, abends 715 Uhr, in den Andreas Festfälen, Berlin D. 21, Andreasstr. 21. in Gothen, Schöneberg, zirk Schöneberg, abends 7% Uhr im Restaurant Bum Gothenfte. 1. Bezirk Neuron, abends 8 Uhr, in den„ Bürgerfälen", Neutölln, Bergstr. 147. Bezirk Steglit, abends 8% Uhr, im Logen- Reftaurant", Stegliz, Albrechtstr. 112a. Donnerstag, 2. Oktober. Bezirk Gildoften, abends 8 Uhr, im Reichenberger Hof", Berlin SD., Neichenberger Str. 147. Als nun die Inflation immer weiter vorschritt, die zwar die Sachwerte der Firma verschonte, nicht aber die eingezahlten Sparguthaben, zeigte es sich so recht deutlich, zu messen Wohlfahrt diese Einrichtung diente. En Angestellter, der in jener schweren Zeit fein Geld notwendig brauchte, fam nämlich auf die bee, die Firma um Auszahlung seines Sparguthabens zu ersuchen. Bezirk Charlottenburg, abends 8 Uhr, im„ Wilhelmshof", Charlottenburg, Der Bericht aus den Deutschen Werten über den Sicherheits. dienst ist aber verständlich, wenn man bedenkt, daß einer der Zellen brüder in Ermangelung einer anderen Beschäftigung den Bier martenverborg für die Kantine übernommen hat und am Tage vor dem Erscheinen des Artikels in der Roten Fahne" den größten Teil der ihm anvertrauten Marken in der Kantine felbst bertonsumiert" hat. In diesem aufgeweichten Zustande hat er offenbar den illegalen Bericht an die Rote Fahne verbrochen. Daß er sich und seine Zellenbrüder damit mit beiden Fäusten ins Gesicht schlägt, fonnte er in diesem Zustande nicht erkennen. Jeder Betrieb hat die Vertretung, die er verdient, und die Arbeiter der Deutschen Werke in Spanbau tönnen sich ihrer Bertreffenden nicht mehr das notwendige Bertrauen aufbringe, um fretung aufrichtig erfreuen. Wie lange wird die Erkenntnis dieser ihn weiter in ihrem Hause zu beschäftigen.... liefbeschämenden Zustände noch auf fich warten lassen? Der Brandschutt als Streitobjekt. Bier Arbeiter, die von der Firma Kunheim u. Co. entlaffen worden sind, weil sie sich 21tmetall aus dem Brandschutt angeeignet hatten, flagten beim Gewerbegericht auf Wiederein tellung. Darauf antwortete die Firma mit einer Fest tellungsflage, wodurch die Entlassung als gerechtfertigt an erkannt werden sollte. Bei der Berhandlung dieser Klage ergab sich folgender Tatbestand: Nach dem großen Brande, der im Mai in der Kunheimschen Fabrit wütete, ließ die Firma aus dem Brandschutt das noch verwertbare Material, in der Hauptsache Altmetall, herausfuchen. Es wurden einige hundert Zentner gefunden. Die Firma glaubte, nun fei alles, was sich verwerten ließe, geborgen und es sei nur wert. Was aber war die Antwort? Er erhielt einen blauen Brief, in dem ihm die Firma mitteilte, daß sie fein Ersuchen um Auszahlung seines Guthabens als einen solch starten Ausdruck des Mißtrauens ihr gegenüber betrachte, daß sie nunmehr auch zu dem Bes Nach diesem Sachverhalt steht es noch sehr in Frage, ob es fich bei diesen von der Firma verwalteten Arbeiter und Angestellten geldern überhaupt um Sparguthaben im üblichen Sinne handelt oder ob diese Gelder nicht als an die Firma gegebene Darlehen zu betrachten sind, die der vollen Aufwertung unterliegen. Die Arbeiter und Angestellten, die durch ihre Guthaben zu Gläubigern der Firma Wertheim geworden sind, werden jedenfalls gut tun, fich über den Stand der Aufwertungsvorschriften weiter auf dem Laufen den zu halten. Abschaffung des Zweischichtensystems. Wenn hier von einer Abschaffung des Zweischichtensystems als Tatfache und nicht als Forderung ber Arbeiter die Rede ist, so fann es fich natürlich nicht um Deutschland handeln, wo bas Zwei schichtensystem in der Schwerindustrie wiedereingeführt Spree, Ede Berliner Straße( am Willemsplas). Bezirk Wilmersdorf, 8 Uhr, im Restaurant Wilmersdorf, Augustastr. 1. Bezirk Wedding- Gesund brunnen, abends 8 Uhr, in den Germaniasälen, Berlin N. 4, Chauffeeftr. 10. Bezirk Adlershof- Glienice, abends 8 Uhr, bei Hartkopf, Adlershof, Kronprinzenstraße 42. Bezirk Treptow- Baumschulenweg. Abends 8 Uhr in der Treptower Mause", Elfenſtr. 27/28. Bezirk Berlin- Südwesten, abends 8 Uhr, in den Rammersälen", Berlin S. 61, Teltower Str. 1-4. Deutscher Solzarbeiter Verband, Rammother. Dienstag, den 30. Sep. tember, abends 7 Uhr, Rungestr. 80, öffentliche Bersammlung aller in der Rammindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. 2ohnbewegung. Dentscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Ortsgruppe der Fliesenleger. Dienstag, den 30. September, abends 7 Uhr, Mitglieder. versammlung im Gaal 3 des Gewerkschaftshauses. Bericht vom Reichsfach gruppentag. Die Fachgruppenleitung. Sattler, Tapezierer und Portefeuiller. Mittwoch, 1. Oktober, abends 7 Uhr, bei Döring, Naunynstr. 27( früher Graumann), Bersammlung aller in ben Bortefeuilles, Aleintaschen- und Galanteriebetrieben beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. Wichtige Tagesordnung. Butab- Funktionäre! Freitag, 8. Oktober, 7 Uhr abends, in Saverlands Feftfälen, Neue Friedrichstraße. Eingang Nochstraße, Versammlung. Bericht. erstattung über den 4. ordentlichen Bundestag in Dresden. Zum Schluß der Versammlung Bekanntgabe des Verhandlungsergebnisses in der Metallindustrie. Erscheinen aller Funktionäre unbedingte Notwendigkeit! Mitglieds. buch und Funktionärausweis legitmieren. Butab, Ortsverwaltung Berlin. 1.00 m. pro Stunde festgefekt worden. Afforderhöhung entsprechend. Sorife Sinoleumleger und Teppichnäher. Durch Verhandlungen ist der Lohn auf tönnen gegen Ausweis im Bureau abgeholt werden. Unübertroffene Qualität ist das Merkmal der HALPAUS CIGARETTE RARITÄT- SPECIAL RARITÄT EXTRA RARITAT- DELIKAT RARITAT- LUXUS ICH HAB'S 1000 Kaufst du Seifix ein zum Bleichen, achte auf den Schwan als Zeichen. JEDER KENNT Urbin ZEICHEN VON ora DeThompson's Seifenpulver führt den Schwan als Schutzmarke, weil es die Wäsche schwanenweiß macht. Zum Ersatz der Rasenbleiche nimmt man das garantiert unschädliche Bleichmittel Seifix. Seifix bleicht selbsttätig! 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Gründliches Spülen, zuerst gut warm, danach kalt, beschließt die Arbeit. Das ist alles! Versuchen Sie es so; Sie werden erkennen: es gibt kein schöneres Waschen als das mit 2 Persil Persil, das Paket 45 Pfennig Jeld xitiaz Str. 458 41. Jahrgang Hergt 3. Beilage des Vorwärts Sonntag, 28. September 1924 Was lesen unsere Staatsmänner? O.KOESTER Pastor Mumm vertieft sich ins corpus iuris, insbesondere in das Kapitel lieft seinen Parteigenossen die Leviten unter Zugrundelegung über die Heiligkeit politischer Kuhhandelsverträge. des Tertes: Eure Rede sei ja ja, nicht nein nein. 1000 toorte ENGLISCH O KOESTER Stresemann treibt englische Sprachstudien. Er soll bereits gelernt haben, daß„ League of Nations" auf Deutsch Böllerbund" bedeutet Gefängnisse als Sanatorien. Kommunistische Bilderbogen. Bon Th. Dan. Es gibt in Sowjetrußland keine Gefängnisse. Es gibt nur herrliche Sanatorien und Erholungsheime, in denen man die Gefangenen auf das glänzendste verpflegt und mit allen Annehmlichkeiten des Daseins versieht. So schildert die gesamte fommunistische Presse Westeuropas, laut Befehl aus Mostau, die Gefängnisverhältnisse in Sowjetrußland. In diesem Sinne berichtet auch Herr Ludwig Magyar in der„ Internationalen Pressekorrespondenz" und das Exekutivkomitee der Internctionalen Roten Hilfe in seinem foeben erschienenen Manifest". Wenn jedoch die in den Gefängnisparadiesen Sowjetrußlands internierten Menschewisten, Sozialrevolutionäre, Anarchisten und parteilosen Arbeiter zu 50 Proz. an Tuberkulose und Storbut erkranken, irrsinnig werden, einen Hungerstreit nach dem anderen organisieren, sich selbst zu verbrennen suchen, Selbstmord begehen( wie kürzlich die jungen Genofien Aronowitsch und Sandomir) und sich von Zeit zu Zeit massafrieren lassen( wie im Dezember 1923 auf den Solowegt inseln), so tun sie es nur aus purer Bosheit und parteipolitischer Rachsucht, um den guten Namen der weisen und allgütigen Sowjetregierung zu fompromittieren. Ja, hat es überhaupt einen Sinn, über die politischen Gefangenen in Sowjetrußland zu sprechen? Schwört doch Herr Magyar in der Internationalen Presseforrespondenz", daß in ganz Sowjetrußland, das den sechsten Teil der Erdoberfläche einnimmt, insgesamt nur 500 politische Gefangene vorhanden sind! Fünfhundert mit allen Menfchemisten, Sozialrevolutionären, Anarchisten, Faschisten und wie die Feinde der proletarischen Revolution noch alle heißen mögen"! Schade, daß Herr Magyar sich nicht vorher mit dem Exekutivkomitee der Internationalen Roten Hilfe verständigt hat. Denn diese interessante Behörde ist etwas freigebiger und beziffert deshalb die politischen Gefangenen in Sowjet rußland auf ungefähr 1500. Aber auch diese Zahl wird kaum Diejenigen befriedigen, die genau darüber unterrichtet sind, daß gegenwärtig auf den Soloweskinseln allein( ohne Monarchisten und Faschisten", die als Kriminalgefangene gelten) Hunderte Sozialisten eingeferfert sind; die ferner wissen, daß in Sowjetrußland außer den Konzentrationslagern auf den Solowezlinseln noch zahlreiche andere Gefängnisse vorhanden sind, die gleichfalls mit politischen Gefangenen angefüllt sind, und daß Massenverhaftun gen von Sozialisten fortgesetzt stattfinden, wie beispiels weise vor furzem in Krementschug, wo 77 Menschewisten verhaftet wurden. Noch auf einen weiteren wichtigen Umstand muß hingewiesen werden, der von allen Lobrednern der Sowjetregierung sorgfältig verheimlicht wird, und zwar darauf, daß die weise und allgütige Sowjetregierung nicht nur über herrliche Gefängnisse verfügt, sondern auch über tropische Wüstengebiete in Turkestan und Eiswüsten in Nordrußland und Sibirien, die die Wohltäter in der Sowjetregierung von der Verpflichtung entbinden, sich um die Berpf.gung ihrer politischen Gefangenen zu fümmern. Nach der zutreffenden Bemerfung der fommunistischen Arbeiteropposition in ihrem fürzlich veröffentlichten Aufruf( f." Borwärts" vom 25. September) wurde die Berbannung nach diesen Gebieten unter dem Barismus als eine der schwersten Strafen betrachtet. Unter der angeblich fommunistischen Sowjetregierung jedoch werden viele Tausende Sozialisten, Arbeiter und Bauern in diese Wüsteneien verbannt, die( wie beispielsweise der Genosse A st row) in den Etappengefängnissen vom Typhus dahingerafft werden( wie der Genosse Rameniti ohne ärztliche Hilfe in den sibirischen Tundern zugrunde gehen oder dem langsamen Hungertode, dem Storbut und der Schwindsucht ausgesetzt sind, während ihre Angehörigen in der Heimat in Hunger und Elend zugrunde gehen.... Dafür aber haben die politischen Gefangenen auf den Solowezkinseln ein freiheitliches Regime"! Dort befizen die Gefangenen, nach den Worten des Herrn Magyar, völlige Selbstverwaltung"; dort bewegen sie sich den ganzen Tag absolut frei"; dort dürfen die Familienmitglieder, die die Gefangenen besuchen, eine Woche lang mit ihnen leben". Dort sind die Verhältnisse so schön, daß die Gefangenen im Konzentrationslager zu Susdal bereit sind, in den Hungerstreit einzutreten, um der Segnungen des Solowezkregimes" teilhaftig zu werden. 群 Nur indem die kommunistischen Soldschreiber auf die völlige Unkenntnis der europäischen Leser spekulieren, können sie es wagen, diese Behauptungen zur Berherrlichung der Sowjetgefängnisse aufzustellen. Das" freiheitliche Regime" haben die politischen Gefangenen schon unter dem Zarismus erobert. Die S ch mach der Bolschemisten besteht eben darin, daß die gefangenen Sozialisten unter ihrer Herrschaft ge zwungen sind, wiederum in den Kampf um diese" freiheit lichen Errungenschaften" einzutreten, und daß die Gefangenen in Susdal in Verhältnissen leben, die sie ihre Leidensgenossen auf den Soloweztinseln ,, beneiden" lassen.| dieser Paläste hungerten Tausende von Gefangenen, die von Läusen zerfressen wurden und im bergehohen Schmutz vertamen. Betrachtet man aufmerksam das jezt von den Kom munisten reproduzierte Bildermaterial, so erkennt man sofort, daß man es mit raffinierten Fälschungen zu tun hat. So enthält beispielsweise eine Bilderbeilage der Internationalen Presseforrespondenz" das Bild einer gut möblierten Klofteru zelle mit der Ueberschrift Wohnzimmer für die Gefangenen von Solomezt". Betrachtet man aufmerksam dieses Bild, so fieht man auf einem der Tische die Zeitung Rossija", das offizielle Organ des Barenministers Stolypin, das bereits d or zwölf Jahren sein Erscheinen eingestellt hat. Da man nicht annehmen kann, daß die bolschewistischen Kertermeister oder die internierten Sozialisten dieses zaristische Blatt bis heute sorgfältig aufgehoben haben, um es als Tisch decke zu benutzen, so tommt man zu dem notwendigen Schluß, daß man es hier mit einer alten Photographie einer Klosterzelle zu tun hat. Mit solchen Potemkinschen" Photographien suchen die ungeschickten Sowjetagitatoren die westeuropäischen Arbeiter zu betrügen. Da sind schon die Macher des„ Roten Stern", der illustrierten Beilage der Roten Fahne", gerissener, die bei der Reproduktion des erwähnten Bildes die verräterische Aufschrift Rossija" fortretu schiert haben. Zum Schluß das Wichtigste: Ob die Zahl der politischen Gefangenen 500 oder 1500 oder mehr beträgt aus welchen Gründen hält die Sowjetregierung die Sozialisten und Anarchisten in den Kerkern? Die Exekutive der Internationalen Roten Hilfe antwortet darauf, daß die Anarchisten im Herbst 1919 das Haus des Moskauer fommunistischen Komitees in die Luft sprengten. Sie ver gißt aber hinzuzufügen, daß sämtliche Teilnehmer dieses Attentates damals erschossen wurden und daß feiner der jetf gefangenen Anarchisten mit diesem Attentat in irgendeiner Beziehung steht. Ferner erklärt Herr Magyar, daß sie ,, illegale Organisationen in der Sowjetregierung schaffen wollen", er vergißt aber hinzuzufügen, daß außer der fome munistischen Partei keine andere Partei von der Sowjetregierung geduldet wird und daß die russischen So 3ialisten glüdlich wären, wenn fie in Somjet rußland auch nur ein 3ehntel jener öffent lichen Rechte genießen würden, die die Kom munisten in Deutschland, Defterreich und anderen Kulturländern befizen. Aber auch die Verhältnisse auf den Solowezkinseln sind nicht derart, wie sie, zur Widerlegung der gegen die Sowjetregierung erhobenen Anklagen, in der kommunistischen Presse geschildert werden. In einem vom Sozialistischen Boten", dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Rußlands, veröffentlichten Briefe, der nicht durch die Hände der tschekistischen Spürhünde ging und der nicht, wie viele andere Briefe der Gefangenen, zur Beruhigung der nächsten Angehörigen optimistischer gehalten ist, als die Verhältnisse es erfordern, wird von den Gefangenen geschildert, welche ungeheuren Opfer der bereits im Jahre 1922 begonnene Kampf um eine größere Bewegungsfreiheit der Gefangenen gekostet hat. Sie schildern, wie sie in dieser Zeit die schlimmsten Martern: Karzerhaft, Prügel, Hungerstreit, Massafrierungen usw. erdulden mußten, che sich die Verhältnisse in den Gefängnissen relativ befferten. Schmach und Schande für die Bolschemisten, daß diese so hart errungenen Rechte der Gefangenen tagein, tagaus mit den verzweifeltften Mitteln verteidigt werden müssen, denn die bolschewistischen Sytophanten verschweigen es vor ihren Lesern, daß gerade wegen des Versuches der Gefangenen, das eroberte Recht, sich den ganzen Tag frei zu bewegen, zu verteidigen, im Dezember 1923 auf den Solomezkinseln sechs politische Gefangene erschossen worden sind. Sie verheimlichen auch, daß das neue Ber. bot an die Angehörigen, die Gefangenen einmal im Jahre auf der Insel zu besuchen, vor etwa einem Monat beinahe zu einem neuen Hungerstreit der Gefangenen auf den Solowezi inseln geführt hätte.( Wie bereits gemeldet, ist der Hungerstreik in diesen Tagen tatsächlich ausgebrochen. Red. d.„ V.".) Aber wie steht es mit den Bildern, die jetzt in der fommunistischen Bresse veröffentlicht werden? Diese Bilder, die schöne Naturaufnahmen, hübsche Häuseransichten, gut möblierte Zimmer darstellen, beweisen nur, daß die russischen Finster und drohend erheben sich die Schlote und Hochöfen von Mönche seinerzeit hübsche Gegenden für die Errichtung jener Krupp aus dem Hügelland von Effen. Unheilbrütend liegen sie da Klosterbauten auszuwählen verstanden, die jetzt von den Bol- wie die verruchte Zauberburg eines furchtbaren doppeltöpfigen schewisten in Kerker für die politischen Gefangenen verwandelt Riesen, alle jene Hunderte von Kaminen, Schornsteinen, Fabrik worden sind; und daß sie es ferner verstanden, auch umfang- gebäuden, glasgetäfelten Hallen, in denen ein Geschlecht tollkühner reiche Küchenanlagen und gut möblierte Klosterzellen ein- 3werge seine Rünste übte, Banzerfreuzer und Riesentanonen schuf, zurichten. Aber in welcher Beziehung steht dies alles zu der Geschoffe, fein wie das Wert einer Uhr und zerschmetternd gleich Lage der politischen Gefangenen? Die Bolsche einem Felsblod, jene bewunderswerten und erschreckenden Erfin. wisten fönnten ebenso gut Abbildungen jener herrlichen Mos- dungen, bei denen ein Gott und ein Teufel Bate gestanden, und die tauer Paläste wiedergeben, die gleichfalls von ihnen in Kerfer und Konzentrationslager verwandelt wurden. Aber innerhalb In Rußland gehen nicht 500 und nicht 1500, sondern 3 ehntausende von Menschen in den Gefängnissen und Berbannungsorten nur deshalb zugrunde, weil sie anders denten und sprechen als die Kommunisten. Sie verfommen hier ohne Gericht, ohne Untersuchung, der völligen Willfür der Tscheka preisgegeben. Das ist die Wahr beit, die durch keine kommunistische Lüge, auch wenn fie mit Illustrationen versehen wird, widerlegt werden kann. Krupps friedliche Welteroberung. Bon Armin T. Wegner. mie ein Entfegen spendender Drache Tod und Bernichtung über die Bänder fandten. Zu ganzen Stadtteilen reihten sich diese Gebäude aneinander, zitternd vor Lärm und Feuer, und alle von der gleichen raftlofen Arbeit erfüllt; ja fo ungeheuer ist die Tatkraft und der Machtwille, die diesem Werk entströmen, daß man sagen fann, es gibt kaum einen Bewohner in dieser Stadt, der nicht mit irgend einem Teil seines Lebens, seiner Verwandtschaft oder mit seiner Arbeit mit ihm zusammenhängt. Der dritte Teil des gesamten Grund und Bodens der Stadt Essen ist Eigentum der Firma Krupp. Während des Krieges waren 300 000 Arbeiter in ihren Fabriten tätig. Darunter 35 000 Frauen, die vor allem die Drehbänke für die Granaten bedienten. In, auf und unter der Erde hält hier ein und derselbe gewaltige Wille die Arme der Menschen in Bewegung, und diese rastlose Tätigkeit und Fürsorge scheint sich noch außerhalb der Fabriken in großen öffentlichen Bauten, Konzertfälen, freund lichen Wohnhäusern mit Gärten für die Arbeiter, Krankenhäusern und großartigen sozialen und hygienischen Einrichtungen fortzusetzen. Wer alle diese hohen und bewunderswerten Verrichtungen des Geistes und der Schöpferfraft betrachtet, der wird sich eines schmerz lichen Gefühls nicht erwehren fönnen, wenn er bedenkt, daß alle Diese Wunder in erster Linie einmal dazu geschaffen wurden, Menschen zu töten und sei es auch nur, um das eigene Leben zu retten. Ja, wer diese Türme und Brücken an der Ruhr in der Abenddämmerung liegen ficht, gehüllt in eine Wolke von Rauch und Ruß, hinter der sich das Abendrot nur mühsam entzündet, dem scheinen sie noch immer von truthziger Verzweiflung erfüllt, diese langen schmalen Dächer, zur Erde geduckt wie schwarze Kazen mit dem geöffneten Maul ihrer Schlote, die nachts mit feurigen Zungen zum Himmel lecken. Doch wer das Innere dieser Fabrifräume betritt, vor dessen Augen will sich ein neues noch wunderbareres Märchen begeben. Die hehen finsteren Wände bedecken sich auf einmal mit freundlichen Farben und eine helle Sonne bricht durch die staubigen Fenster. Denn diese Gebäude, noch immer von dem gleichen Fieber der Arbeit durchzittert, werden von einem neuen Geiste erfüllt und tausendfach sind die Werke des Friedens, an denen sie schaffen. Noch dröhnen die Hallen von dem gleichen ohrenbetäubenden Lärm der Dampfhämmer und Walzen, rauchen die Hochöfen, zittert der Boden unter dem Rollen der Kräne, die wie Mammuts vorüberstampfen, deren magnetischer Rüssel die schwersten Lasten spielend emporhebt. Aber das Eisen, das sie schleppen und schmieden, wandelt sich nicht mehr in Kanonen, Lafetten und Panzerwagen, sondern in werteschaffende, hoffnungsvolle und friedfertige Werkzeuges der Arbeit und des Handels. Noch strömt wie einst der geschmolzene Stahl gleich fochen der Milch aus den Defen, schäumt über die Kübel, um in den in die Erde gegrabenen Formen zu gewaltigen Blöcken zu gerinnen, und durch eine kleine gefärbte Scheibe blickt man, da das bloße Auge den Anblick des siedenden Eisens nicht ertragen kann, wie in die glühende Bava eines Kraters hinab, deffen Berührung jeden GegenFeuer anzutreten. Schließlich gelangen fie in eine finnreiche Bor. richtung von drei fleinen rotierenden Walzen, unter deren gewaltfamem Druck die ungefüge, fleine und breite Scheibe sich wie Gummi auseinanderdehnt, in wenigen Gefunden in einen weiten schmalen, handlichen und genaugeformten Radreifen verwandelt. Eine letzte Bresse, die das Maß prüft und den Reifen gleichzeitig mit einer Nummer versieht, vollendet das Werk. Man sagt, daß fast der dritte Teil aller Eisenbahnen der Welt mit diesen Kruppschen Radreifen fährt, in die nur noch das Speichenstück eingefeht zu werden braucht und die wegen ihrer Nahtlosigkeit eine besondere Widerstandskraft besitzen. Dies aber scheint mir eine schönere und dauerndere Eroberung der Erde als alle hochmütigen und brüllenden Riesengeschüße! Eine Eroberung, die selbst noch das Hindernis der fremden Gewalt überwindet. Mögen Niederlage und fremder 3wang mit dazu beigetragen haben, die Wandlung ist da und zeugt für sich durch ihre Schöpfung. Am erstaunlichsten kann man dies vielleicht in einer großen Lokomotivbauhalle bewundern, die erst während des Krieges für die Munitions herstellung errichtet wurde. An tausenden von sich drehenden Rädern, die noch vor wenigen Jahren der Anfertigung von Geschossen und Granatzündern dienten, werden in dieser Halle, die wie eine gewaltige Kirche der Arbeit in neunzehn langgestreckte Schiffe eingeteilt ist, alle jene vielfachen Teile herge. stellt, von der fupfernen Feuerbuchse bis zum kleinsten Ventil, die sich zu einem fahrenden Koloß zusammensetzt. An jedem Tage des Jahres wird hier jetzt eine Lokomotive vollendet. In ihrem neuen Farbenschmud prangend, erhebt sie sich auf einer fahrenden Bühne in der Mitte des Raumes, zitternd und voll Ungeduld, wie ein junges Pferd, um in die Freiheit der Erde hinauszustampfen. Als ich aus der Halle zurück ins Freie trat, sah ich in einem Seitenhofe eine riesige mauerdide Panzerplatte und die Kuppel eines Geschüßturmes aufgestellt, die früher zu Ausstellungszwecken gedient hatten und die ich schon einmal als Knabe auf einer Industrieausstellung in Düsseldorf sah. In meinen Gedanken verloren, die schon in der Zukunft träumten, betrachtete ich sie wie die legten Ueberreste einer langen verfunkenen Weltepoche. Und als ich nun zum zweiten Male in der Dämmerung die Ruhr erblickte, die zwischen schwarzen Hügeln und rauchenden Schloten dahinfloß, da schien sie mir mit flüssigem Golde gefüllt, das aus den Weiten der Welt zuüdfrann in die verarmten Täler. Denn mag das in Unglüc und Irrtum darbende Volt Deutschlands auch noch so verfolgt und von den Quellen der Freude abgeschnitten sein, so wird es doch in der Zukunft, falls man ihm nicht jede Zufuhr unterbindet, immer wieder den Weg zu Leben und Wohlstand zurückfinden, solange es in diesem Sinne des Friedens und der Schöpfung seine höchsten und letzten Werte nicht vergißt: Geist, Erfindung und raftlose Tatkraft! ſtand reftlos vernichten würde. Noch werden die glühenden Blöcke Eine Probe auf das Alkoholverbot unter dampfenden Walzen zu breiten Platten gepreßt, zischend vom feuchten Reifig, das darüber geworfen wird, um die Schiacke abzubrennen und das mit platendem Geräusch verpufft. Aber diese Blatten wölben sich nicht um Kriegsschiffe und Panzertürme, sondern zu Kesselwänden oder bilden die Plattformen der Eisenbahnwagen und die leichteren Wände der Handelsschiffe und Dampfer, Schiffe, die den völferverbindenden Gedanken über die Meere tragen. Der Siemens- Martin- Stahl, der hier zur Anfertigung tommt, die gemeinsame Erfindung eines Deutschen und eines Franzosen, ist ein schönes Gleichnis für diese Idee, zeigt sich doch hier, wie eines der wertvollsten Industrieerzeugnisse nur aus dem gemeinsamen Geist und Wissen zmeier verschiedener Bölfer heraus geschaffen wurde. Belches Wunder der Wandlung begab sich in den wenigen Jahren seit dem Kriege in diefer Stadt! Auch Die Besetzung der Ruhr durch die Franzosen hat es nicht aufhalten fönnen. Es gibt faum einen Gegenstand der friedlichen Arbeit, zu deffen Herstellung Eisen benutzt wird, von den schwersten Schiffsschrauben bis zu den zierlichsten Hebeln der Registriertassen und Schreibmaschinen herab, der nicht heute hier seine Anfertigung findet. Kolben, Ketten, Lur binentrommeln, Rohlenbagger, Kraftwagen, Rpinn und landwirt. schaftliche Maschinen, Kinoapparate, elektrische Defen, Uhrfedern oder Rasiermesser sind nur eine geringe Auswahl aus jenem vielfältigen Katalog von Ggegenständen, die aus den schaffenden Händen hervorgehen. Dies ist aber um so staunenswerter, wenn man bedenkt, daß die Mehrzahl dieser Werkstätten einmal fast ausschließlich für die Herstellung von Kriegsgerät oder dem Kriege dienenden Ma schinen eingerichtet waren. Freilich war dies nicht auf allen Gebieten der Fall, und es ist eine viel zu wenig bekannte Tatsache, daß gerade auf dem Zweige des friedlichen Transportwesens, der Anfertigung nahtloser Bandeisen für die Eisenbahnräder die Firma Krupp auch vor dem Kriege immer eine hervorragende Rolle spielte. Schon der ältere Krupp hatte diesem Verfahren seine besondere Auf merksamkeit zugewandt, deffen Vorteile wir seiner eigenen Erfindung verdanken. Begreiflich, daß dieses Verfahren, das man ohne Mühe in einer einzigen großen Halle verfolgen fann, jegt in verstärktem Maße in Wiederaufnahme fam, Große lange Stahlrollen nom Durchmesser eines halben Meters werden mit einer eisernen Säge in Scheiben zerschnitten, bis der magnetische Kran sie von neuem in die Glut des Ofens hinabwirft. Wie weiße Käse aufeinandergestapelt, fährt eine Schiebebühne fie glühend wieder heraus. Unter die Dampfpreffe gelegt, werden sie pon einem Hammer in der Mitte durchlecht, um noch einmal die Wanderung durch das Wenn die Wirfungen des amerikanischen Berbotsgesetzes noch, zumeist von den Sachwaltern des Alkoholfapitals, vielfach in Zweifel gezogen werden, so liegen für eine ähnliche Maßnahme in Deutsch. lond unantastbare und sehr lehrreiche Tatsachen vor. Bekanntlich wurde im Kriege die Erzeugung von Bier und Branntwein auf ein Mindestmaß beschränkt. Wer Geld und Beziehungen hatte, konnte hinten herum etwas haben, die Masse aber lebte gezwungenermaßen nahezu alkoholfrei. Wie das gewirkt hat, geht aus einer Reihe wissenschaftlicher Feststellungen deutlich hervor. Die Deutsche For schungsanstalt für Psychiatrie in München hat ein Sammelwert: ( Berlin bei A. Springer, 1923) herausgegeben, das diese Frage von " Die Wirkungen der Alkoholknappheit während des Weltkrieges" allen Seiten beleuchtet. 1918 1914 5201 1918 Nach den Feststellungen von Dr. Kreiner vom Statistischen Landesamt betrug der Bierverbrauch in Bayern pro Ropf 1915 1916 1917 232 207,4 164,9 161,5 147,6 Berücksichtigt man die Berminderung des Malzgehalts, die ein leichtes", d. h. alkoholärmeres Bier ergab, so beträgt, wenn das Ausgangsjahr 1906 100 gefeßt wird, die Inderzahl im Jahre 1913 1914 86,4 75,8 1915 58,1 1916 48,1 138,8 Liter 1917 1918 21,9 15,1 Etwa in diesem Berhältnis ging der Altoholverbrauch in Form von Bier zurüd. Der Branntweinverbrauch verminderte sich in dieser Zeit im Deutschen Reiche: Verbrauch an absolutem Alkohol je Kopf Liter 1913/14 1914/15 1915/16 1916/17 1917/18 2,6 2,0 1,8 0,5 0,6 Eine besondere Berechnung für Bayern liegt nicht vor, doch Besonders erfreulich ist, daß nach steht ein starker Rüdgang feft. einheitlichem amtsärztlichen Urteil der Branntweinkonsum ber banerischen Bevölkerung.. einen sehr wirksamen raschen Abbau erfuhr, so daß schließlich die Schnapsbrüder fast allgemein verschwunden sind." Auch der Weinverbrauch, der zahlenmäßig nicht festzu ftellen ist, ging zurück. Welches war die Wirkung? Auf 10 000 Zugänge in den allgemeinen Krankenhäusern entfielen Alkoholkrante:: 1918% 1915% 1916% 1917% 1918% männlich 42 100 31 78,8 14 33,3 7 16,7 5 1,2 weiblich 5 100 2 40 2 40 1 1 20 20 In Preußen war der Zugang an Affoholfranken: 1913 1915/18 aufs Jahr männlig. 5220 793 in Broz. von 1913 100 15,2 weiblich 362 94,5 in Proz. bon 1913 100 26,1 männlich weiblich.. 41 1910/13 320 100 100 124 16 % 1915/18% 38,7 37 Todesfälle an Alkoholismus gab es in Bayern In der Pfalz, wo infolge des stärkeren Beingenuffes die Kriegsmaßnahmen weniger wirksam waren, war die Zahl der Todesfälle: 1910/13% 1915/18 % männlich. 62 100 weiblich. 100 6 41. 66,1 1 16,7 Dagegen in Oberbayern mit fast ausschließlichem Biet verbrauch: % 1915/18 01 25 32 5 41,3 1910/13 78 100 100 männlich 12 weiblich.. Dec Rüdgong war 61,2 Proz. für ganz Bayern, für die Pfalz 38,2, für Oberbayern 60,7 und für Niederbayern gar 81,8 Proz Selbstmorde als Folge von Alkoholmißbrauch wurden gezählt: 1918 1914 1915 1916 1917 34 27 23. 14 3 1918 2 Der Anteil des Alkoholismus an den Selbstmorden der Zivilbevölkerung war 1911/13 4,1 Pro3., 1916/18 0,85 Broz. Noch deutlicher ist die Wirkung auf die geistige Gesundheit, In den Heil- und Pflegeanstalten des Deutschen Reichs war der Zugang an Geistestranten im Jahre: davon Altobolmißbrauch nachgewiesen bet männl.% weibl.% 12 328 23,8 1 259 3,3 Zugang männl. weibl. W i. Durchschn. 1911/18 1914/16 1917. 1918 51 748 88 662 39 299 34 942 6 151 15,7 705 2,0 36 827 33 221 2813 6,4 529 1,6 1951 5,9 448 1,3 1918% bon 1911/18 33 326 32 761 64,4 84,8 15,8 24,8 35,6 39,4 Der Zugong an Geistestranten, Epileptikern, Schwachsinnigen, 3diofen, Nervenfranken an sämtlichen bayerischen Anstalten war: davon Alkoholmisbrauch nachgewiesen 1910/13 1915/18 männl, weibl. 18 181 18 554 74,8 männl.% weibl.% 14-878 4679 25,8 863 5,8 14 172 1059 7,8 283 1,9 98,6 22,6 30,2 30,5 32,8 1915/18 i.b.1910/ 13 Ueber die Münchener psychiatrische Klinik berichtet Dr, Schend. Danach wurden Alkoholtrante aufgenommen; militärpflichtige Männer nicht militär. Alkoholtrante auf pflichtige Männer 100 aufgenommene und Frauen Männer 122 1911 187 22,0 1912 185 116 19,4 1913 155 107 17,2 1914 147 187 17,8 1915 64 67 1200 1916 40 39 5,8 rad 1917 21 31 44100 1918 2124 2,41: 011 30 19 4,8 48 42 6,7 76 63 18,7 soal 1919 1920 1921 foviel wie 1920. Die Zahlen der Spalte 2 zeigen, daß nicht die Für 1922 berechnete fich der Zugang auf 21 bis 22 Bros., etma Einziehung der Männer die Ursache des Rüdgangs war, fondern. der Wegfall des Schankbiers; die Zahlen von 1920 an, daß dessen Rückkehr auch die früheren verhängnisvollen Folgen gehabt hat. Unsere Zahler beweifen: 1, die Möglichkeit der Einschränkung des Alkoholverbrauchs, 2. die günstige Wirkung dieser Einschränkung auf die Bolksgesundheit 3. die sofortige Wiederkehr der früheren Uebel mit der Wiederkehr ungehemmten Alkoholverbrauchs. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zentral- Officin Zions- Apotheke Homöopathische Berlin N. 31, Anklamer Straße 39, nahe Ecke Brunnenstr. Tel Amt Humboldt 1022 Adler- Apotheke( Paul und W. Sadée), BerlinFriedenau, Rheinstraße 16. Tel.: Rheingau 2029, Friedrich Wilhelm- Apotheke. Apotheker Georg Seelenbinder, Charlottenburg 2, Leibnitzstraße 106. 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Der Reiz des wundervollen Bangschen Buches, in dem der große Maler Claude Boret von dem geliebten, aus dem Nichts emporgehobenen Jüngling Michael einer russischen Abenfeurerin wegen verlassen und betrogen wird, aus Qualen heraus sein Meisterwerk schafft und einsam, aber mit der großen Gebärde des Verstehenden und Berzeihenden stirbt, liegt in der ntüden und aristokratischen Melancholie, mit der der Schmerz und die Einsamteit des fünstlerischen Genies in die flingende Proja des Dänen gefaßt sind; und gerade von dieser Lyrik der Melancholie läßt der Film, so schön seine Bilder, so distret seine Darsteller find, nur undeutlich etwas ahnen. Der Michael des Buches, der immerhin durch die Leidenschaft eines großen Mannes geadelt ist, wird im Film bei Walter Slezat zu einem verliebten jungen Taugenichts, und die große Liebe", die dem Meister über die Einsamkeit feiner Sterbeftunde hinweghilft, schon im Buche die schwachste, unglaubwürdigste Stelle, erscheint als die nichtssagende und vorübergehende Laune einer schönen Russin, für die Nora Gregor allerdings ihre großen Rätselaugen mitbringt. Lediglich die wirklich große Stunft Benjamin Christensens als Meister mit dem bedeutenden Kopf und den wissenden Augen und die Liebesepisode zwischen dem Herzog von Monthieu und Frau Adelsstjold( von Didier Aslan und Grete Mosheim stilwürdig verkörpert), eine viel größere Liebe als diejenige Michaels und der Russin, vermitteln einen Anhauch von dem herbstlichen Ausschneiden! 11 Damen- Vorträge mit 100 Lichtbildern ur ür Frauen und Mädchen über 16 Jahre von Minna Kube Direktorin des Frauen- Hellinstituts W, Potsdamer Straße 86 Mittwoch, 1. Oktob., abds. 7/2, HohenstaufenSäle, Kottbuser Damm 76. Donnerstag, 2. Oktob., abds. 7/2, Kammer- Säle, Teltower Str 1-4, Ecke Belle- Alliance- Str. Freitag, 3. Oktob., abds. 7/29 Neue Rathaus- Säle. Schöneberg, Martin Luther- Str. 69. Montag, 6. Oktob., abds. 7% Albrechtshof, Steglitz, Albrechtstr. 1 a Dienstag, 7. Oktob., abds. 7, Neue Philhar monie, Köpenicker Str. 96. Mittwoch, 8. Oktob... abds. 7 Ostens, Frankfurter Allee 48. Prachtsäle des Donnerstag, 9. Oktob., abds. 72 GermaniaPrachtsäle, Chausseesir. 110. Freitag, 10. Oktob., abds. 7, HohenzollernFestsäle, Charlottenburg, Berliner Str. 105 Montag, 13. Oktob., abds. 7/2, Deutscher Hof, Luckauer Str. 15. Dienstag, 14. Oktob., abds. 72 Sophien- Säle, C., Sophienstr. 17/18 Mittwoch, 15. Oktob., abds. 7, ResidenzFestsäle, Landsberger Str. 31. Frauenleiden Frauen- u. Mädchen Krankheiten wie: Entzündungen, Katharrhe, Fluß, Senkungen, Knickungen, Verwachsungen, Fehlende oder zu starke, schmerzhafte Menstruation. Was bedeuten: Rückenschmerzen, Hüft- u.Seitenschmerzen? Die Wechseljahre die gefährlichsten Jahre der Frau. Die Krankheiten der Wechseljahre, wie: Geschwülste, Myome, Blutungen, Krebs. Hysterie, Gemütsleiden. Die Behandlung Ohne Operation Müssen die Frauen so furchtbar leiden? Jede Krau ihr eigener Arzt Das Geschlechtsleben es Weibes und seine Gefahren Die Verjüngung der Frau Karten zu 0,60, 0,90, 1,20, 1,50 MK. und Steuer an der Abendkasse. 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Schauspieler, Photographen, Architekten, Rostümfundige und Schneiderinnen. Ein Automobilrennen versetzt das Publikum in fieberhafle Spannung. Man arbeitet mit der photographierten Wirklichkeit, start eigenartigen Bildern infolge geschickter Postierung des Photographen und mit dem beweglichen Hintergrund. Neben der Jehtzeit sieht man Voltaire, die Pompadour usw. Das Jonglieren mit unwahrscheinlichkeiten und das frampshafte Daraufhinarbeiten, den Filmstar glänzen zu lassen, nimmt das Filmpublifum vön heute nicht übel. Es will ein funterbuntes Milieu und Handlung, aber nicht ihre Begründung. Sind jedoch die Filmmanuskripte erst so vollendet wie die Filmtechnik es bereits ist, dann hat auch der Spielfilm sich mit der Stultur versöhnt. Und diese Zeit wird einmal tommen, denn die Entwicklung steht nicht still. ,, Die Pfauentönigin"( Bafa g- Theater) franft auch am Manu stript. Wem Gründlichkeit zu eigen ist, der hätte drei Filme nach diesem einen Manuskript machen können. Einen, wie die Tänzerin burch ihre Beziehungen zu einem Abgeordneten ihrem Freund einen Handelsvertrag verschafft. Den anderen, wie ein Mann, der eine Tänzerin heiratet, durch deren Geldausgaben ruiniert wird. Und den legten, wie die Frau, die durch ihre Verschwendungssucht ihren Mann auf eine schiefe Bahn Unsere Fabrik- Verkaufsniederlage Berlin- Schöneberg, Hauptstraße 96 eröffnet! Nelson- Fahrräder direkt ab Fabrik zu Original- Fabrikpreisen. Nur fabrikneue Fahrräder. Halbrenn- Maschinen Jahr schriftliche Fabrikgarantie 55.Solide Touren- Maschinen Jahr schriftliche Fabrik- 60.Nelson- Spez.- Herren- u.Damen- Tourenräder garantie. unbedingt erstklassi, zuverlässig und rassig, mit prima_Freilauf und prima Bereifung, gelbem Sattel mit vernickeiter Feder, gelber Ledertasche mit Werkzeug. Handbremse und Schutzblechen. 1 Jahr schriftliche Fabrikgarantie Mk. Nelson Luxusräder = Nelson- Rennmaschinen 78. Seit 1. 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Leonard hat in diefem Film die typisch amerikanische Note, die aber schon längst die Eigenart verlor und Schablone wurbe. „ Kaddisch"( Das Totengebet)[ u..#lexanderplat] ist eine mit tiefem Ernst gearbeitete Jubentragödie. Sie ist ein eindruckssicherer Anschauungsunterricht für jene Sreise, die es so sehr-eilig haben, sich verheßen zu lassen. Das Kind des Bürgermeisters, das unbemerkt mit einem Mehlhändler in die Stadt fuhr, wird vermißt. Es hat zuletzt vor dem Hause des Juden gespielt, der gerade die Hochzeit seiner Tochter fetert. Er wird verdächtigt, das Kind getötet zu haben, und seine Tochter wird von der verbetten Menge, ara fie Mitch file Thren einen, mutterlosen Bruder holen will, so schwer mißhandelt, daß sie ihren Verlegungen erliegt. Die Braut wird in ihrer Hochzeitsnacht beerdigt und als das vermißte Kind wieder auftaucht, spricht der Jude für seine Welteste das Totengebet. Der Inhalt wirft nicht verlegend, weil der wunderbaren Figur des Juden in dem vorurteilsfreien, aufrechten Bürgermeister, der wohl den Gendarmen zur Haussuchung schickt, fich trotz aller Herzensangst aber nicht verheten läßt und sich der Menge entgegenstellt, der richtige Gegenspieler erwächst. Die Hochzeitsfeierlichkeit überliefert viel au Sitten und Gebräuchen.. Die Darsteller Lia Eibenschütz, Illa Grüning Lucie Höflich, A. E. Licho( der auch die Regie führte), Rudolf. Leftinger und Manfred Laste waren fich des Ernstes ihrer Aufgaben bewußt. Der malerische Luganosee", ein Film prächtiger Naturaufnahmen, erlebte gleichfalls seine Uraufführung. Die Atten des Stadtqusschusses, Abteilung I, einschließlich der vom Kreisausschuß Niederbarnim und vom Gemeindevor ftand Stralau an uns abgegebenen Aften der eingemeindeten Kreisteile aus den Jahren 1912 und 1913 follen vernichtet werden Einfprüche dagegen find binnen jwei Wochen hier schriftlich anzubringen. Berlin, den 13. Geptember 1924. Der Stadtausschuß Abt. I. Schneider. Pfänder welche bei unserer II. Abteilung verfallen sind, kommen Montag, den 29. September und folgende Tage von 9 Uhr vorm ab in dem Auktionssaa Jägerstraße 64 zur Versteigerung. Staatliches Leihamt. GlobusTransportgeräteFabrik Berlin S.14. Dresdenerstr.55 liefert. Wagen, Karren Räder Anzahlung e. b. Unserem treuen Kampfgenossen Hermann Bischoff und feiner Frau zur Silberhochzeit die herzlichsten Grüße und besten Wünsche für weiteres Mohlergehen.. Abteilung 22 der SPD. Für die liebevollen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Trauerfeier meines lieben Mannesu Baters, b Glasbläsers Johann Nagel spreche ich den Kollegen, Freunden u. Befannten meinen tiefgefühlten Dant aus Berta Nagel a. Tochter, 1705 N 20. Grinthaler Str. 63 Von der Reise zurück San.- Rat Dr. Max Cohn, Neanderstr. 18. Von der Reise zurück Dr. med. Müller- Kypke Homöopath. Arzt Charlottenburg, Bismarckstr. 3( Knie). Fort mit dem Ring! Ihre Borfall- Bandage für meine 82 jähr. Mutter figt bauerno borzüglich. Die Kreuz, Leib. u. Seitenschmerzen sind wie weggeblasen. Der unaufhör iche Harndrang hat aufgehört. Meine Mutter verfichert immer wieder, daß sie sich wie neugeboren porkommt. Hochachtungsvoll Frau N Go lauten die Dantfagungen über meine Bandage. Sie brauchen keinen Arzt und legen die Bandage selbst an. Preis 7,50 u. 10 Mk. Brojp. gegen Rüdp. Bandagist. Berlin.NO 33 Franz Pelz, Danziger Straße 4 ete Auf Teilzahlung Yen Landwirtschafft. Huchschule in Brit Distret! Rest in 6 Monatsraten Su Badenpreifen tauten Gie elegante, gutfigende Herrengarderoben Albert Schenk Köpenicker Straße 127, Hof rechts, fein Baden. Reu eingeführt: DamenGummi- Mäntel Geschäftszeit 9-7 Uhr. Ungeniert! Trauerfpend en Tanzschule Laron jeder Art ehem b.Mangelsdorff Beginn der Aufnahme für das Withe Semester 1924 25 am 15. Oftober 19 der Vorlesungen am 3, November. 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Kein« Produktion ist von Naturbedingungen unabhängig. Diese bestehen zunächst in dem Wechsel der Ernten und in der A«n- derung natürlicher Produktionsverhältnisse. Die natürlichen Bedingungen werden um so größeren Einfluß haben, je mehr die Produktion eines Landes in der Landwirtschaft und in der Urproduktion wurzelt. Eine Mißernte schwächt die Kaufkraft der wirtschaftlichen Kreis«. Je größer die Mißernte und je geringer das Gebiet der Mißernte, um so schwerer werden die Folgen für die betroffenen landwirtschaftlichen Gebiete sein. Sie sind nicht in der Lag«, den Ernteausfall durch Preissteigerungen wettzumachen. Daher sinkt die Kaufkraft dieser landwirtschaftlichen Gebiet«: sie können weniger oder gar keine Jndustrieprodukt« kaufen, müssen ihre Be- triebe vernachlässigen usw. Das wird aber nicht nur ein Nochteil für die Landwirtschaft sein: denn als Folg« der Mßernte wird auch ein« Absatzstockung in der Industrie auftreten. Diese Absatz- stockungen schlagen ober wieder in Arbeiterentlassungen um. Da- durch, daß gewisse industrielle und landwirtschaftliche Gebiete kata- strophal getroffen werden, wirken die Störungen auf die ganze Volks- Wirtschaft weiter. Es ist also richtig, daß bis zu hohem Grad« Störungen infolge ..natürlicher Verhältnisse" eintreten können. Auch in einer sazia- listisch geleiteten Wirtschast wäre das der Fall, allerdings mit einem sehr erheblichen Unterschied. In der sozialistischen Wirtschaft würde ein« schlechte Ernte nicht die Güterer.zeugung in der Industrie beeinträchtigen. Es können ebensoviel« Textilprodukt«, Maschinen usw. hergestellt werden, da ja einerseits das Bedürfnis danach und anderseits die Arbeitskräfte, Rohstoffe usw. ebenso wie bisher vorhanden wären. Es brauchte also die Versorgung der Bevölkerung mit Industrieprodukten aller Art nicht eingeschränkt zu werden. Hingegen könnte natürlich die Ernährung der Bevölkerung nicht so reichlich sein wie bisher. Die gerinqere Ergiebigkeit der mensch- liehen Arbeitskraft im Ackerbau müßte sich geltend machen, aber eben nur für die Ernährung, heute ober wirkt die Mißerute wie eine ausleckende Krankheit auf die ganze Produktion: in der kapitalistischen Wirtschaft rust also ein« Mifzemte in der Landwirt. schaft gleichsam auch«in«..Mißernte in der Industrie" her- vor, deren„Felder" gleichfalls„verdorren". So führt die Mechanik der kapitalistischen Wirtschaft dazu, daß auch die in den natürlichen Bedingungen gegebenen«chwankunaen der Versorgung erstens ver- stärkt werden und zweiten- sich bestimmten Cinkommenschichten, namentlich den Schichten mit festem Einkommen, besonders fühlbar machen. Insofern können wir also von einer„natürlichen" Absatzkris« Ivrechen, die infolg« der ziemlichen ungünstigen Welternte dieses Jahres sich leider auch in der Wirklichkeit zeigen wird. Die Uebersättigung ües Proüuktionsapparates. Die Absotzkrisen, unter denen wir aber gegenwärtig leidsir. sind anderer Natur. Sie sind keineswegs„natürlich". Wir müssen zwei Hauvtgruppen der Absatzkrisen einander gegen- überstellen. Beide führen zur Absatzstockung, jedoch aus andere Weise. Es gibt Krisen, welche auf eine unzweckmäßige, zu rasch« Entwicklung einzelner Produktionszweig« zurück- zuführen find.'Mnafpricht dann von einer Disprovortionalität Miß- Verhältnis) der Produktion. Zum Beispiel hat sich die Eisen- industrie sehr rasch entwickelt, weil Bahnen gebaut, Fa- briken gegründet werden usw., was alles großen Eisenkonsum be- deutet. Nach Erreichung eines Sättigungsgrades nimmt die Be- schäftigung der Industrie ab. Auch Export ist nur in geringem Maß- möglich, weil dieselben Erscheinungen sich in anderen Ländern zeigen. Es muß also die Eisenindustrie eingeschränkt werden. Da- durch sinkt auch die Nachfrage der Arbeiter, An- gestellten und Unternehmer in der Eisenindustrie. Dies bringt eine Verpflanzung der Krise in andere Industrien mit sich. In eine solche Lag«, ähnlich den Verhältnissen infolg« der Ueberentwicklung der Eisenindustrie in Europa und Nordamerika, gerieten viele Volks- wirtschaften durch den Krieg. Denn während des Krieges wurden viel«„nationale I n u st r i e n" ausgebaut— Rüstungsindustrie, Farben-, chemische Industrie— deren Absatz nun nach Wegfall der Heeresbestcllungen schwer aufrechtzuerhalten ist. Der Zug zu ver- stärktem Schutz, der Kampf gegen den Freihandel ist auch auf diese Umstände zurückzuführen. Hier liegt zum Teil«in« durch das Mißverhältnis verursachte Krise vor, und alle davon betroffenen Industrien rufen die Hilfe des Staates an, um durch Zollschutz und Einfuhrverbot« einen, wenngleich verkleinerten Absatz zu profitablen Preisen auf dem inneren Markt unterbringen zu können. Keine Kaufkraft- kein Konsum. Ganz anderer Art ist die Krise, bei welcher die Ursache nicht in einer falschen Verteilung des Kapitals aus die einzel- nen Produktionszweige, sondern darin liegt, daß die Kaufkraft in der ganzen Volkswirtschaft nicht gieichmäßig verteilt ist. Es ist die Eigentümlichkeit der kapitalistischen Produktion, auf welche schon Marx hinwies, daß sie die Warenerzeugung glänzend organi- siert, aber nichts dafür tut, um den Produkten Absatz zu schaffen. Im Gegenteil, in chrer Mechanik liegt es, daß sie sich selbst den Markt abgräbt. Ganz kurz und verkürzt dargestellt in folgender Weis«: Wenn der Absatz einer Industrie stockt, so wird der Unternehmer trachten, die Lag« durch Herabsetzung der Preise wieder herzustellen. Di« Preise kann er aber nur herabsetzen, wenn er feine Kosten vermindert. Unter den Kosten wird er in erster Linie die Löhne zu ermäßigen trachten. Indem er ober die Löhne herabsetzt, nützt er sich nur scheinbar. Tun das nämlich all« Unternehmcr in der Krise, so verlieren sie mehr als sie gewinnen. Denn die Reduktion der Löhne ruiniert den Markt. Wenn nun die Krise schon als Folge zu niedriger Löhn-, das heißt zu geringer Kaufkraft der Arbeiterschaft entstanden ist, so werden die Unter- nehmer in Unkenntnis über die Gesetz« der allgemeinen Lage und in der Bedrängnis zunächst eine Herabsetzung der Löhn« erstreben, und die Arbeiter werden nicht imstande sein, dies« abzuwehren. Indem die Unternehmer die Krise zu bekämpfen glauben, ver- schärfen sie sie. Das ist die wahre„Ueberproduktionskrise", welche mit Recht von den Nationalökonomen als„U n t« r k o n su m t i o n s- krise" bezeichnet wurde: allerdings ist das Wort in einem anderen Sinne zu verstehen: die Arbeiter können nicht genug konsumieren, und die einzige Hilf« in solch einer Krise wäre: die Löhn« zu steigern, also die Profit« zu vermindern, und dadurch den toten Punkt der Krise zu überwinden, was ja dann aucb. wenngleich erst auf Umwegen, durch das„freie Spiel der Kräfte" erfolgt. In ollen diesen Krisen des Kapitalismus spielen derart beide Moment« zusammen mit: falsch« Verteilung in den Pro- duktionssphären und falsche Verteilung der Kauf- kraft. Es sind eben, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen will, die Absatzwege für erweiterte Produktion noch nicht eröffnet und so stauen sich die Vorräte an. preisnotierimgea für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel-Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 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Pflaumen 40/50... 60,00- 65,00 Rosinen in Kisten, Candia 65,00— 70,00 Sultaninen Carabumu.. 80,00- 90,00 Korinthen, choice.... 70,00— 75,00 Mandeln, süße Bari... 180,00-185,00 Mandeln, bittere Bari.. 175,00-180,00 Zimt(Cassia)....... 106.00-115,00 Kümmel, holländischer. 55,00— 65,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 108.00-115,00 Weifler Pfeffer....... f 50.00-155, 00 Rohkaffee Brasil..... 195,00- 220,00 Rohkaffee Zentralamerika230,00-285,00 Röstkaffee Brasil..... 240,00—290,00 Röstkaffee Zentralam... 300,00—375,00 Röstgetreide, lose.... 18.50— 21,00 17,75— 19,25| Inlandszucker basis mel. 22,00— 2340: Inlandszucker Raffinade 25,00- 26.75 1840- 21,- 21,00- 26,50 18,00- 23,75 16,00- 18,50 22,00- 24,75 28,00- 31,75 18,50- 29,50 31,00- 37,50 37,50- 39,50 18,75- 19,75 43,00- 38,00— 22,00- 26,00 16,511- 17,00 18,00- 19,00 Zucker Würfel Kunsthonig........ Zuckersirup hell in Elm. Speisesirup dunk. inEim. Marmelade Einfr. Erdb. Marmelade Vierfrucht. Pflaumenmus in Eimern Steinsalz, in Säcken,.. Siedesalz in Säcken,., 75,00- 96,00 100,00—120,00 320,00- 400,00 400,00-470,00 39,00- 41.00 4140- 43,00 44,00- 47,50 39,00— 42,00 40,00- 45,00 27,00- 31,00 90,00- 95,00 40,00- 43,00- 3,10- 3,60 3,70- 4,20 4.40— 5— 5,20- 5,80 83,50- 85,50 84,50- 86,60 81,50- 82,50 82,50- 84,50 65,00- 66,00 Bratenschmalz in Tierces Bratenschmalz in Kübeln Purelard in Tierces... Purelard in Kisten.... Speisetalg in Packung. Speisetalg in Kübeln—— Margarine, Handelsm. I 66,00— desgl. II......... 60,00- 63,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00— 84,00 desgl. II......... 69,00- 71,00 Molkereibutter fa i. Fäss. 224,00- 228,00 Molkerelbutter„ i. Pack. 234,00— 236,00 Molkereibutter IIa!. Fäss. 185,00—206,00 Molkereibutter, i. Pack. 190,00—205,00 Auslandbutter In Fässern 235,00—237,0 Corned beef 12/6 Ibs p. K. 34,75- 37,00 Ausl Speck, geräuchert 100,00— lOLOO Quadratkäse........ 40,00— 55,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 112,00-115,0« Bayr. Emmenthaler... 160,00-170,00 Echter Emmenthaler... 170,00—190,00 AusLungezuck.Condens- milch 48/16........ 20,50- 23,25 Inländische desgl. 48/12 16,50— 17,50 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00— 26,50 Der versuch kapitalistischer Selbsthilfe. Nun hat aber der Kapstalismus doch versucht, sich selbst zu organisieren. Die Produzenten schließen sich zu Verbänden zusammen und sorgen bereits in der Konjunkturentwicklung dafür, daß die Erzeugung sich nicht„zu rasch" ausdehnt. Das heißt: die Produkt« der Industrie könnten freilich alle verbraucht werden, aber die Ausdehnung war zu rasch mit Rücksicht auf die Ausnahmefähigkeit des Marktes. Di« Kartel.le„zügeln" also etwas die Produktion. Aber indem sie die Konjunktur drosseln, hemmen sie auch die Eni- wicklung der Löhne. Es wird also einerseits der Markt nicht in dem Maß überfüllt, als es bei freier Konkurrenz der Fall war«: auch die Aufnahmefähigkeit des Marktes, die mit der Aus- dehnung der Produktion bis zu einem gewissen Grade steigt, wird vermindert. Dazu kommt noch ein zweites: jede Unternehmung, und mit besonderem Erfolg die Kartelle, trachten nach Verminderung der Kosten, wenn der Absatz stockt. Sie suchen daher die Löhne zu vermindern. Gleichzeitig wird auch, infolge der Verminderung der. Staatseinnahmen bei sinkender Konjunktur, die Tendenz vor- Händen sein, im Budget, in den Sachausgoben und Gehät Er- sparnisse zu erzielen. Jeder Produzent würde zwar wünsch daß sein Abnehmer in den Absatzstockungen kaufkräftiger würde, aber er, und auch das Kartell, wird nicht dadurch sein Ziel erreichen, daß er selbst mit Lohnerhöhungen vorangeht. Denn das bedeutet ja für Ihn Verringerung seines Profits, unter Umständen sogar Verluste. Volkswirtschaftlich gesprochen wäre es in einer solchen Zeit notwendig, daß vom Sozialprodukt ein großer Teil konsumiert würde, um die Produktion in Gang zu erhalten. Und privat- wirtschaftlich wird jeder Erzeuger in seinem Betrieb Maß- nahmen treffen, welche das Gegenteil bewirken. Volkswirtschaftlich wäre es notwendig, daß die G e w i n n r a t« in dieser Zeit rasch sinkt,«ine Vorbedingung für die spätere Steigerung. Privatwirt- schaftlich muß sich jeder Erzeuger dieser Tendenz entgegen- st« m m e n. Di« volkswirtschaftlichen Gesetze kehren sich jetzt auch gegen den Erzeuger, dem die Waren liegen bleiben. Er geht vielleicht zugrunde, und die„H u n g e r k u r", welche das Kapital durchmachen muß, um zu günstigeren Zeiten zu gelangen, bleibt ihm also nicht erspart, so sehr er sich dagegen wehrt. Leider zwingterauch den Konsumenten eine noch größere Hungerkur auf. Dieser Widerspruch zwischen Erzeugung und Verbrauch, dieser . Krisenherd ist in der Bewegung der kapitalistischen Wirtschast begründet und selbst durch Kartellierung nicht auf- zuheben. Denn jedes Kartell wird in dieser Hinsicht genau so handeln wie der einzelne Produzent. Di« Weltwirtschaftskrise zeigt deutlich diesen Zug in ihrem Bilde, trotz aller Kartellierungen und Kombinationen, welche zwar die Gütererzeugung zweckmäßiger ge- staltet haben, ohne den hier erörterten Widerspruch aus der Welt schaffen zu können. Und— leider— nicht nur das Kapstal. auch die Konsumenten stehen vor oder in einer neuen„Hungerkur". Nur wenn man sich den fast unausdenklichen Plan vorstellt, daß die ganze Pro» duktion eines Landes, mehr noch: die Produktion der ganzen Welt einheitlich organisiert würde, könnte die zentrale Leitung der Gllterproduktion«ine stetige Harmonie zwischen Produktion und Verbrauch herstellen. Aber das wäre überhaupt nicht mehr eine Produktion für einen Markt und«ine solche zentral geleitete und aufgebaute Gütererzeugung müßte in einer Volkswirtschaft mit klassenbewußter Arbeiterschaft fast automatisch in eine sozialistlsche Bedarfswirschaft umschlagen.— r. veutschlanös Mußeahanöel im Muguft. Das Statistische Reichsamt veröffentticht mit den üblichen durch die Ruhrbesetzung gegebenen Borbehalten die Ergebnisse des Außen- Handels im August. Es betrug die Einsuhr Ausfuhr 1 QQd 1 QQl Warengruppen Slug./Suli Jan. /Aug. Aug./Juli'Jan./Aug. nach GegenlvartSwcrten in Millionen Gm. 1. Lebende Tiere.... 4,9 3,2 52,6 1,9 0,8 5,4 2. Lebensmittel u. Getränke 152,4 151,4 1337,5 50,4 48,9 249,9 3a.Rob!toffe...... 148,3 198 0 2351,9 43,8 40,8 254,7 3b. Halbfertige Waren.. 42.4 46.2 529,3 37,0 36,4 254,6 4. Fertige Waren.... 89,1 140,7 1154,2 454 7 445,4 3215,2 5. Gold und Silber... 11,0 16,9 60.9 1,4 1,1 10.1 zusammen 448,1 565,4 5486,4 589,2 573,4 3989,9 Im August hat sich die Bewegung des Vormonats fortgesetzt: Rückgang der Einsuhr und Belebung der Ausfuhr. Während die Einfuhr eine erhebliche Verminderung aufweist(um rund 108 Millionen Goldmark gegenüber dem Bormonat), zeigt die Ausfuhr nur eine leichte Steigerung(um rund 16 Millionen Gold- mark gegenüber dem Vormonat). Die Bilanz der durch die Statistik erfaßten Ein- und Ausfuhr weist im August einen' Ueberschuß von rund 140 Millionen Goldmark auf. Der Einfuhr rllckgang gegen- üher dem Vonnonat erstreckt sich haupffächlich auf Rohstoffe und halbfertige Waren(um rund 55 Millionen Goldmark) und fertige Waren(um rund 52 Millionen Goldmark). Di« Einfuhr von Lebens- Mitteln und Getränken ist mengenmäßig auch zurückgegangen, dem Wert« nach jedoch leicht gestiegen. Die Einfuhr an lebenden Tieren hat sich ebenfalls etwas gesteigert. An der gering« Ausfuhrsteigerung sind alle Gruppen beteiligt. trügt dar augenblicklichen wirtschaHllchen Lage In besonderem Masse Rechnung und gibt Jedem die Möglichkeit, mit wenig Mitteln hochwertiges Schuhwerk zu erwerben. Oamen-HocHschaftstiefel la echt Boxcalf, ein wirklich �90 Klnder-Oesen und Agraffen- Stiefel besonders wetterfest, kräftige Lederausföhr., Gr. 36-39 5,90, �90 Gr. 31-35 4,50, Gr. 27-30..<3» Kinder-Schnürstiefel cbevreau und R'Chevreau, rationelle Form, gutes Bodenmaterial, Gr. 27-28<�25 4,25, Gr. 25-26 3,90, Gr. 23-24«S Filz-Schnallenstiefel Herren, Lederringsbesatz, grau oder tot Plüsch- od. Seaiskinfutt., gut. Kernbod. u. Absatzfieck., Gr. 43-46 5,90, �90 Geringe Besserung am Berliner Arbeitsmarkt. Das Landesarbeitsamt Berlin meldet: Die Besserung auf dem Arbeitsmartt schreitet langsam fort. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit macht sich bemgemäß in stärkerem Grade, insbesondere bei den weiblichen und jugendlichen Kräften, bemerkbar und tritt namentlich bei den Zahlen ber Unterstützungsbezieher in Erscheinung. Besonders wird der weibliche Arbeitsmarkt durch erhöhte Anforderungen der Metall-, sowie der Süßwaren- und Tabalindustrie, entlastet. Es waren 95 171 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen gegen 98 801 der Vorwoche. Darunter befanden sich 66 122( 68 498) männliche und 29 049( 30 303) weibliche Personen. Unterstützung beBogen 31 073( 32 212) männliche und 6387( 6541) weibliche, insgesamt 37 460( 38 753) Berfonen. Die Zahl der zu gemeinnützigen Bflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 1820 gegen 1769 der Bor woche. Der große Kräftebedarf der Landwirtschaft hält an. Für die Industrie der Steine und Erden hat sich die Arbeitsmartilage im Steinmebgewerbe gebeffert, insbesondere für Granitbehau. In der Metallindustrie hält der gute Befchäftigungsgrad für Elektromonteure, Bauftempner und Heizungsrohrleger an. Weibliche geübte Kräfte werden gleichfalls lebhaft angefordert. Die allgemeine Lage meist eine geringe Besserung auf. Im Spinnstoffgewerbe ist eine gute Bermittlungstätigfeit vorherrschend geblieben. Auch Färbereien forderten wieder vornehmlich männliche Arbeitskräfte an. Die Befferung für die 3ellstoff und Papierherstellung und verarbeitung feßt sich fort. Die Lederindustrie und Industrie leder artiger Stoffe verzeichnen erhöhte Nachfrage nach Portefeuillern, Bolsterern auf Ledermöbel, Matrahenarbeitern und Taschenstepperinnen. Im Holz- und Schnißstoffgewerbe haben sich die Beschäftigungsverhältnisse weiterhin gebessert. Immer Im Baugewerbe herrschte im allgemeinen rege Nachfrage nach Facharbeitern jeder Art, mit Ausnahme der Stuckateure, die bisher von der allgemeinen Besserung nur in geringem Grade er faßt sind. Im Buchdrudgewerbe ist die Lage etwas besser, im Gastwirtsgewerbe hingegen weiter verschlechtert. Troz befferer Vermittlungsergebnisse für Lohnarbeit wechselnder Art muß die Lage gegenüber dem sehr starken Angebot von Arbeitskräften noch immer als ungünstig bezeichnet werden. Für Jugendliche bieten sich jedoch gute Unterbringungsmöglichkeiten. denen dem neu hin ist in dieser Gruppe verschiedentlich noch Kurzarbeit zu ver- die eigentliche Produktionsbank des Reiches darstellt im Gegenzeichnen. satz zur Reichsbank, die die Währungsbank des Reiches ist, ferner Im Nahrungs- und Genuß mittelgewer be bietet sind in dem Konzern Deutsche Werte A. G. eine Reihe elektrowirtschaftlichen Unternehmungen, mehrere hauptsächlich die Süßwaren- und Tabakindustrie weiblichen Ver- ron sonen gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei guten Beschäftigungs- Werke der Aluminiumindustrie, von verhältnissen für die Herren- und Damenkonfektion des Beklei= erstandenen Innwert eine besondere Bedeutung für die Zukunft der die Kalfstickstoff dungsgewerbes zeigt die Maßbranche jetzt auch einige An- Aluminiumerzeugung beizumessen ist, zeichen einer Besserung, während die Wäscheindustrie noch immer industrie, die ebenfalls im Ausbau begriffen ist, sowie die Be-. teiligung des Reichs an der Ilsederhütte und an der Telephonfabrik darniederliegt. vorm. J. Berliner. Die Haltegesellschaft veröffentlicht nunmehr ihre Goldmarkeröffnungsbilanz. Gie sieht eine Zusammenlegung des bisher 600 millionen Mark betragenden Kapitals auf 120 Millionen Goldmark por, wobei 12 Millionen Goldmark für den gesetzlichen Reservefonds verbleiben. Die Beteiligungen, also die Anteile der Spizengesellschaft an ihren Lochterunternehmungen, sind dabei mit 113,6 Millionen Goldmark ausgewiesen. Bemerkens mert ist, daß der Grundbesitz mit 1,8 Millionen Goldmark verbucht ist, und zwar lediglich den Gegenwert der Tanfanlagen in Ostermoor und Brunsbüttelfoog darstellt. Die Bewertung der Aktivposten erfolgte mit größter Vorsicht. Im laufenden Geschäftsjahre hat sich besonders der Absatz der Elektrizitätsunternehmungen und der Stidstoffindustrie günstig entwickelt. Die Aluminiumproduktion konnte auf den Rekordstand von 1500 Tonnen pro Monat erhöht werden. Geschäftlich bieten also die Reichswerte zurzeit ein günstiges Bild. Zu wünschen wäre jedoch, daß der gemeinwirtschaft. liche Einfluß auf die Unternehmungen weiter gestärkt wird. Bei den Zumahlen zum Aufsichtsrat ist als Vertreter der privaten Stickstoffindustrie Prof. Dr. Caro und für die Darmstädter National bant Direktor Jakob Goldschmidt in den Aufsichtsrat der Biag dele. giert worden. Gleichzeitig wurden zwei Vertreter staatlicher Instanzen in den Aufsichtsrat aufgenommen. Das Handelsgewerbe weist einige Besserungserscheinungen auf, die sich jedoch in der Hauptsache auf die Konfektions-, Manufakturwaren und Feinkostbranche beschränkt. Für Bureauangestellte hält die ungünstige Lage noch immer an. Hier werden fast nur jüngere Stenotypistinnen angeforbert. Der Eingang offener Stellen für technische Berufe blieb im allgemeinen gering, mit Ausnahme des Baugewerbes, das weiterhin einen nennenswerten Kräftebedarf aufwies. Reichswerte. Die dem Reich gehörigen Werke und Beteiligungen an den gemischtwirtschaftlichen Unternehmungen sind in einer eigenen Spizengesellschaft, den Bereinigten Industriewerfen 2. G., furz Biag genannt, zufammengefaßt. Es handelt sich dabei zunächst um die Reichstredit- Gesellschaft m. 6. H., die Wetter für Berlin und Umgegend. Langsam auftlarend, kühl bei schwachen nördlichen Winden. Die Verkaufsstelle Unter d. Linden 19 eröffnet LITZ CLO CIL LITZ UTZ Das bewährte 3 PS D- RAD, 2 Zylinder, 3 Geschwindigkeiten, fahrfertig 1000 M. 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Schluss: Mittwoch den 8.Oktober Der CIRCUS der SENSATIONEN Tägl. abds. 8 Uhr Sonnabends, Sonntags auch 4 Uhr nachm. In jeder Vorstellung: 85 Gewaltige) in 3 Manegen Circuszu gleicher Spiele Zelt!! Nachmittags zahlen Vorverkauf: Wareh. Wertheim Kinder halbe Preise!! Große fachgewerbliche Restaurant Gewerkschaftshaus Ausstellung für das gesamte Fleischer gewerbe Engelufer 25 Ausschank von Schultheiß- Patzenhofer Bier Guteru.reichhalt. Mittagstisch: Gedeck 0.75 Sonntags 1Mk. Reichh.Abendkarte zu zivilen Preisen. Eigene Schlächterei u.Wurstfabrik Spezialität: Frikassee von Huhn 1 Mk. Täglich Konzert Freitag, Sonnabend u. Sonntag GESANGS- EINLAGEN Bewirtschaftung ,, G A BEGE" Gastwirtschaftliche Betriebsgesellschaft m. b. H. OX verbunden mit Landwirtschafts- und Masivichschau veranstaltet vom Reichsverband der Deutschen Großschlächter Sitz Berlin yom 9.- 20. Oktober 1924 in der neuerbauten Engroshalle Berlin NO 18 Landsberger Allee 116-117 Geschäftsstelle: Neue Engroshalle Landsberger Allee 116-117 Telephon: Alexander 6090 Mastviehschau vom 9. bis 11.6ktober 1924 Feierliche Eröffnung am Donnerstag, den 9. Oktober 1924 mittags 12 Uhr. LUNAPARK Heute letzter Tag der Saison! Voller Betrieb Letztes Feuerwerk Eintritt 25 Pfennig Preisausschreiben. der National- Film A.-G. Ei gebnis Trotz der großen Beteiligung an unserem Preisausschreiben befand sich unter den eingesandt Versen nach Ansicht des Preisrichterkoll. keiner, d. den ersten Preis von 2500 M. verdient hätte. Dagegen waren unt den einges. Versen zahlreiche, die mehr als ein, Trostpr. verdient. Daher hat die Nat.- Film A.-G. sich entschl., den ersten Preis v. 2500 Goldm.in 7 Preise zu teilen, u. zwar einen zu 1000M. und sechs zu 250M. Ins gesamt werd, demnach elf Einsender mit Geldpreisen bedacht, im Gesamtwerte v. 6000 Goldm. Preise erhielten folg. Einsender: 1. Preis 1500 Goldmark Waldemar Lydor, Halle( S.), Cansteinstr. 8 2. Preis 1000 Goldmark Frau Lise Schneider, Elchkamp, Alte Allee 21 3. Preis 1000 Goldmark Frau Dr. Anni Kowalski, Frankfurt a M., Reuterweg 79 4. Preis 700 Goldmark Moritz Seeler, Berlin W 50, Regensburger Str. 14 5. Preis 300 Goldmark Karl König, Halle( Saale). Rosengart., Hallesche Str. 106 6. Preis 250 Goldmark Norbert Joseph, Berlin- Wilmersdorf, Uhlandstr. 41 7. Preis 250 Goldmark Gg. Nagel, Kunstmal., Lünen a d. Lippe/ W., Münster Str. 39 8. Preis 250 Goldmark Otto Heidtmann, Zaborze b. Hindenbg.( O.-S.), Hüttenstr. 4 9. Preis 250 Goldmark Erich Judis. Berlin SW, Hallesches Ufer 16 10. Preis 250 Goldmark Arthur Böhme, Köln- Sülz, Remigiusstr. 55 11. Preis 250 Goldmark Paul Gerhard Bockamp, Bochum, Arndtstr. 15 Die Gewinner der 500 Trostpreise( Kinokarten) werden von uns direkt benachrichtigt. National- Film A.-G. NATION Germania Pracht Säle Karl Richter, Chausseestraße 110 Jeden Sonntag: Gr. humoristische Vorstellung der !! Triumph- Sänger!! Stets neues Programm. Kasseneröffnung 4 Uhr. Konzert 26 Uhr, Beginn der Vorstellung 1/27 Uhr. Wachd. Familienkränzch. Im weißen Saal: Graßer Ball. Musik- Fortbildungs- Kurse II. Lehrgang, Beginn: 13. Oktbr., Leipziger Straße 3, Saal 97. Lehrplan: Beckmann: Streichmusik, Ebel: Sinfonie. Guttmann: Lied. Kreutzer: Klaviermusik u. Kammermusik. Ochs: Chormusik mit Orchester. Pfeffer: Musikhören. Thiel: Unbegleitete Chormusik. Karten und Prospekte bei Bote& Bock u. Wertheim Damentaschen bis zu den elegantesten Autorindlack- Koffert., Lederf. M. 10.95 Florida- Vollleder- Koffertasch. M. 3.25 Rindled.- Aktentaschen m.Griff M Besuchstaschen..... von M. 1.50 an von M. 4.90 an Coupékoffer. Auch Einzelverkauf! 5.25 Lederwarenfabrik Metzel Prinzenstr. 89, zwisch. Moritzplatz a, Ritterstr Wohnungen in Neubauten, Nähe 6livaerplatz und Fehrbellinerplatz 5,4,3 und 2 Zimmer mit Zentralheizung, Warmwasser, Fahrstuhl, sind noch einige gegen Baukostenzuschuß in bequemen, monatlichen Raten zu vergeben Beziehbar: April 1925. Sprechzeit: 9-12, 8-5. Jacob Hirsch, Sächsischestr. 67 teppdecken preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strohmandel, 72Wallst.72 il Spittelmarkt, E.Genbelit.u.Nikolsburg.Pl.2 AlteSteppded.werd aufgearb. Einem Teil der Berliner Aufs lage von„ Volt und Zeit liegt.ein Proipett der Kunstgemeinde des Mittelstandes bei, in welchem diefelbe zu einem Vor. ftellungssyklus für fast fämtliche Berliner Theater einladet. Die Breise find außergewöhnlich billige, nämlich Parkettpläte 1.50, 2,25 und 3 M. Nr. 458+41. Jahrgang Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrik sind Berlin 3. 68, Binbenstraße 3, 5. Beilage des Vorwärts 34. 261. 7 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, Bortrag des Gen. Tänbert über:„ Ebe und Sozialismus." 36. 201. 7% Uhr bei Wittschuß, Petersburger Str. 5, Bortrag des Genoffen Dr. Schreiber: Das Serualproblem." 2. Zeil. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 1. Preis mitte. Dienstag, ben 30. September, 7% Uhr, große Kreisfunt tionärberfammlung im Reichstafino( früher Bubi- Säle), Neue Stönigftr. 26. Referent: Dr. Baul Levi, M. d. t.: Die Kommunisten und die Arbeiter bewegung. Genoffe Sols: Die Kommunisten in den Betrieben." 5. Rreis Friedrichshain, Montag, ben 29., abends 7½ Uhr, bei Rofin, Gu bener Str. 19, erweiterte Kreisvorstandssitung. Die Die 6. Kreis Kreuzberg. Dienstag, 7% Uhr, Kreismitgliederversammlung bei Rabe, Fichtestt. 29. Tagesordnung: Bortrag des Genoffen A. Horlik über: Die Bildungsbestrebungen der Partei. Berschiedenes. Mitglieder des Bildungsausschusses treffen sich eine Stunde früher. Abteilungso blente des Ordnerdienstes treten nach Schluß der VerfammLung zu einer Besprechung zufammen. 7. Areis Charlottenburg. Montag abend, pünktlich 7 Uhr, Bimmer 1-( Sat Dienstag, haus), wichtige Fraktionssihung mit den Bürgerdeputierten den 30. September, 8 Uhr, Rathaus, Zimmer 5, wichtige Sigung aller in her Wohlfahrtspflege tätigen Genossinnen und Genoffen. 9. Kreis Wilmersdorf. Am Dienstag, den 30. September, abends 8 Uhr, bei Krois, Holsteinische Str. 60, erweiterte reisvorstandsfizung. Bu diefer Sigung muß ie ein Bertreter ber Arbeiterjugend von Wilmersdorf Salenfee und Schmargendorf erscheinen. 12. Rreis Steglis, Lichterfelde, Lantwin. Montag, den 29. September, 8 Uhr, an bekannter Etelle reisvorstandsfibung. 14. Kreis Neukölln. Montag, den 29. September, 7 Uhr, engere Borstands fizung. Mittwoch, den 1. Oktober, 7½ Uhr, Zusammenkunft after im Wohnungswesen tätigen Genoffinnen und Genoffen im Parteibureau 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 1. Citober, 7% Uhr, in der Bibliothek, Weichfelfit. 28, Kreisvorstandsßhung. 18. Kreis Weißerfee, Montag, den 29. September, nadm. 5 Uhr, Bimmer 21, Fraktionsfigung. 8 Uhr Funktionärtonferens. Zu beiden Sizungen wird vollzähliges Erscheinen erwartet. 19. Kreis Pantow. Montag, ben 29. September, 715 Uhr, Kreisvorstands fbung bei Bater, Mühlenstr. 12. 20. Rreis Reinickendorf. Dienstag, den 30. September, 7% Uhr, im Ber waltungsgebäude, Meinidendorf- Oit, Hauptstr. 46, Bimmer 60, Sibung der Funktionärinnen.( Agitation, Kinderschuh, Arbeiterwohlfahrt.) Jeder Ort muß bertreten sein. Heute, Sonntag, den 28. September: Jungfezialisten! Alle Gruppen Beteiligen fich an der Herbstfeier am Brößenfee bei Rüdnik. Bei ungfnftiger Witterung findet die Feier in einem Gaal in Nüdnik ftati. Gruppe Nordost. 7 Uhr vor dem Stettiner Borort Bahnhof. Treffpunkt aur Fahrt nach dem Blößensee. 38. 2001. 7 Uhr bei Bartusch, Friedenste. 88. Bortrag bes Gen. John. 42. Abt. 72 Uhr bei Höhlfe, Bergmannstr. 69, Bortrag des Gen. Wendel über: Kulturfragen." 2. Zeil 44. 45. t. 7 Uhr bei Nagel, Manteuffelftr. 47, Bortrag des Gen. Säußlet. 47. t. 7% Uhr Bei Pflug, Mustauer Str. 1, Bortrag der Genoffin Busing über den lam." 56. Met. Charlottenburg. 7% Uhr im Schulzimmer ber 13. Gemeindefonte, Beftalossiftr. 40, Vortrag des Gen. Theel: Stulturziele der Sozial hemokratie." 82. Abt. Steglik. 8 Uhr bei Thiel, Albrechtstr. 87, Bortrag des Genoffen Kiezmann: Die Stellung der Frau im politischen Leben. " 95. Abt. Reukölln. 7 Uhr bei Grieger, Leffingstt. 9. Vortrag des Genoffen Heifer über: Boltselend und Gebärgwang." Gäste milllommen. 101. t. Treptow. 7% Uhr Seiterer Abend im Kinderhort der Schule Wildenbruchstraße. Rezitationen des Gen. Sosemann. 136. st. Reinickendorf- Oft. 7½ Uhr im Jugendheim Seebab, Residenzftr. 49, Bortrag der Genoffin Schmit: Die Reichstonferens in Sannover." 139. Abt. Teget. 8 Uhr Leseabend im Jugendheim Bahnhofstr. 15. " Uebermorgen, Dienstag, den 30. September: 8. Abt. Achtung Konsumgenossenschaftsmitglieder der SPD.! 7 Uhr Ber ſammlung der Mitglieder aus den Verkaufsstellen: 12, 13, 41, 43, 56, 68, 98 und 143 im Lofal Will, Martin- Luther- Str. 69, Einkaufstarte und Mitgliedsbuch der Partei legitimiert. 30. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz in der Spedition, Greifenhagener Str. 22. Alle Bezirksführer müssen am Dienstag abrechnen. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 30. September: 20. t. 7% Uhr bei Müller, Drontheimer Etr. 12, Leseabend. 21. Abt. Achtung, Funktionäre! Das gesamte Material ist wegen des Omar talsabschlusses unbedingt abzurechnen. Donnerstag, den 2. Oftober, 7 Uhr, im Jungfozialisten Gruppe Treptow. Jugendheim, Eisenstr. 3. Wiedereröffnung der Gruppe, Bortrag bes Jungfozialisten Gen. Otto Bach über:" Arbeiteriugend und Partei." Die umliegenden Gruppen der Partei, Arbeiterjugend und Jungsozialisten find eingeladen. Jugendveranstaltungen. Atung, Teilnehmer des Chorwerks ,, Das Rad"! Die erste Brobe findet am Montag, den 29. d. M., pünktlich abends 8 Uhr, im Jugendheim Lindenstraße 3, statt. Genoffen, welche sich an dem Chorwert beteiligen wollen, werden noch angenommen( Jugendgenoffinnen tommen nicht in Frage) und müffen fich ebenfalls am Montag im Jugendheim einfinden. Heute, Sonntag, den 28. September: 105. Abt. Adlershof. Abends 6 Uhr, Einführungsabend der Schulent Werbebezirk Oberspace. Beteiligung am Einführungsabend laffenen im Seuerwehrdienstgebäude. Mufit, Resitationen, Gefang, Jun Adlershof. Treffpunkt nachm. 5 Uhr Niederschönemeide, Schule genbtänze. Berliner Straße. Die Mufiter der Kreiskapelle treffen fich 6 Uhr( Feuerwehr, Dienstgebäude). Morgen, Montag, den 29. September: 16. 7 Uhr bei 8fchiefing, Aderftr. 1, fichtige Funktiondethung. BL. Not. 7 Ubr Sunitionärsihung mit den Betriebsvertrauensleuten bel Goldfamibt, Stolpifche Str. 36. 41. Abt. 7 Uhr bei Echult, Mariendorfer Str. 6, Sihung fämtlicher Funktio nare. 47, 6t. 7 Uhr Bei fing. Mustauer Str. 1, Franenabend." Thema: Der Slam und das Leben der Gray im Orient. Referentin: Genoffin Erna Bilfing. 72. Abt. Wilmersdorf. Binkti s uhr, Busammenkunft beim Gen. Bischoff. 118. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr bei Stoche Abrechnung. Rebiforen zur Stelle. Jungfesialisten Uhr Kreisvertretersizung Juristische Ebrechstunde, Linden Straße 3. Jebe Gruppe entfendet zwei Bertreter. 6% Uhr Arbeitsaus habihung. Frauenveranstaltungen am Montag, den 29. September: 9. Kreis Wilmersdorf. 7½ Uhr bei Jhlenfeldt, uhland Ece Günzelstraße, Funktionärinnentonferens.( Partei und Arbeiterwohlfahrt.) Wichtige Kagesordnung. 15. L 7% Uhr bei Goldbach, Vinetaplah 7, Vortrag der Genoffin Kunert über: Lebenshaltung und Ueberbölfernngspolitit. 26. ub 28. Abt. 7% br bei Büttner, Schwebter Str. 23, Bortrag des Ge nofen Maß über: Sexualfragen." 31. 61. 6% ühr Funktionärinnen- und Gelferinnenfonferens bei Goldschmidt, Stolpifche Str. 36. Erscheinen aller Helferinnen Pflicht Ciarantiesch. t. gesetzl. Goldinh. Ich verschenke an meine Kunden in den Monaten August bis Dezember Speise- u. Schlafzimmer, Küchen usw. Diese Gegenstände sind bei der Firma FECHNER& PREIDEL, Möbelfabrik, Neue Schönhauser Straße 2, ausgestellt. Ferner kommen 50 Preise à 10,- Mark zur Verteilung. Keine Einsendung irgendeines Betrages erforderlich. Keln Preisaufschlag. Bedingungen unverbindlich im Laden. Trauri ges. gesch ge 1 Ring 900 Dukatengold von M. 5.00 an 1 Ring 585 gestemp. von M. 4.00 an 1 Ring 333 gestemp. von.. M. 2.50 an H. Wiese, Juwelier Berlin N., Artilleriestr. 30 Berlin W., Passauer Str. 12 Preisliste gratis Belm Umtausch werden die bel mir gekauften Ringe Innerhalb eines Jahres zum vollen Preis zurückgenommen. eschäftsweit von 9-7 Uhr Morgen, Montag, den 29. September, abends 7½ Uhr: Karlshorft: Schule Augufta- Bittoria- Straße 35, Bortrag: Der Ursprung des Menschen." Treptow: Jugendheim Riefholaftr. 18b, Bierteljahresmit cliederversammlung. Werbebezirk Kreuzberg. Am Mittwoch, den 1. Oftober, abends 7% Uhr, im Orpheum" Safenheide, Jugend- Feter. Mufit. Jugendchar. Ansprache. Festspiel Eintritt 0,40 M. Schulentlassene haben freien Eintritt. Vorträge. Vereine und Versammlungen. den Erziehungsorganisation Kinderfreunde" Groß- Berlin. Mittwoch, 1. Oftober, um 7.30 Uhr abends, findet im Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Sof, 4 Treppen, die Selferversammlung für Oftober statt. Vortrag der Genossin Alara Grunewald über die Montessori- Methode. Bezirk Prenzlauer Berg. Dienstag, den 30. September, abends 8 Uhr, findet im Schultino, DunderStraße 64, der Kinderfreunde- Lichtbildvortrag Das Arbeitertind" statt. Refe rent Mar Sodann. Cintritt 25 Bf. Der Ertrag dient aue Anschaffung von Bücheun für die Rinderfreunde- Lefehalle. Sonntag, 28. September 1924 Der Gemischte Chor Groß- Berlin( Mitglied des Deutschen Arbeiter- Cänger Bundes) hält feine Uebungsftunden jeden Freitag von 8-10 Uhr in der Aula des Grauen Klosters, Klosterstr. 74, ab. Der Chor hat sich in befonderen die Pflege des Boltsliedes zur Aufgabe gemacht und nimmt aum Beginn der Wintersaison noch stimmbegabte Mitglieder auf. Anmeldung und Sufnahme erfolgt in den Uebungsftunden. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Sonntag, 28. Sep. tember, im Berliner Alubhaus, Ohmstraße 2, Ernte- Fest nach heimatlicher Art Tombola von Gartenerzeugniffent. Borträge. Tanz. Anfang 6 Uhr. Donners. tag, 2. Oftober 1924, abends 8 Uhr, im Restaurant Jakob Eifer, Köpenider Straße 70a, Generalversammlung. Sandsleute, Damen und Herren fowie Gäste fehr willkommen. Männerchor Friedrichshain! Die Sangesbrüder treffen fidh Moning obend 7 Uhr im Jahn- Realgymnasium, Nummelsburg, Martistraße. Erscheinen cuer Gangesbrüder Pflicht. Arbeitersport. Rund um den Friedrichshain- Cichtenberg". Bunit 3 Uhr wird heute, Sonntag, auf der großen Spielwiese der Startschuß abgegeben, der zu dieser Veranstaltung der Sportvereinigung Sparta 1911" 17 Männermannschaften auf die Straße fchidt. Die Strede läuft über Langenbedstraße, Landsberger Allee, Landsberger Plah, Königstor, Elbinger Straße, Petersburger Straße, Borhagener Straße und Chauffee, Rynaflstraße bis zum Wendepunkt und wieder zurück. Fichte Südost, SC. Sparta, Moabit und Lichtenberg werden harte Kämpfe liefern, die Südost durch bessere Mittelstreckler für sich entscheiden dürfte. Schönow- heiligensee wird durch ihre guten Langftredenläufer auch den A- Vereinen einen Erfolg streitig machen. Während weiter 10 Jugendmannschaften à 12 Läufer die Straßen am Friedrichshain durcheilen, beginnen auf der großen Spielwiese die Frauen ihre Wettkämpfe, 4x100 m und Olympische Stafette, fowie Mannschaftsfugelstoßen. Ein interessantes Bild wird das Speerwerfen zeigen, mezu 11 Mannschaften( à 3 Mann) gemeldet haben. Trotz fehlender Sprungbahnen werden 6 Männer- und 6 Jugendmannschaften ihr Können im Hochsprug zeigen. Während noch 10 Männermannschaften zum Schleuderball antrelen( warum meldeten hierzu feine Turner, ist Können und Luft für diese alte Uebung dort verlorengegangen?), pereinigt das Ballweitwerfen 5 Jugendmannschaften. Das 5- Stilo meter- Bahngehen bestreiten 12 Teilnehmer. Anschließend tragen auf der großen Spielwiese Dresden- 3schochwih- Fichte 22, ATV. Weißen fee ein Raffballspiel aus. Beide Vereine waren in der Bundes. endrunde und ist darum ein vorzügliches Spiel zu erwarten. Im Rahmen der Beranstaltung findet auf dem Sportplak Kynaststraße ein Fußballmerbespiel statt. Beginn 4 Uhr. 3med und Zief dieser alljährlichen Veranstaltung ist, unter der noch keinerlei Leibesübung betreibenden Bevölkerung werbend für die Arbeitersportbewegung zu wirken. Nach der Beranstaltung im Gewerkschaftshaus Resultatperfündigung, Aufführungen und Tanz. Eine Umwälzung auf dem Gebiete des Möbelhandels hat sich infolge der ernsten Wirtschaftslage seit Wochen bemerkbar gemacht a. ist der Fabrikant mehr oder weniger gezwungen, seine Ware direkt an die Privatkundschalt mit Ausschaltung des Möbel- und Holzhändlers sowie Sägewerkes zu liefern. Infolgedessen sieht man z. Zt. ganz hervorragende Britwürfe von kompl. Schlafzimmern u. Küchen zu garantiert 30-40% unt. norm. Handelspreisen liegenden Offerten angeboten! Der Grund dieser kolossalen Preiswürdigkeit ist darin zu suchen, daß der Baumstamm im Walde bis zum fertigen Möbelstück nur durch die einzige Hand des Herstellers wandert und Wer darum alle ungesunden Nebenverdiener gänzlich ausgeschaltet werden. die 4000 qm tassenden Lagerraume der bekannten Möbelfabrik Karl A. Möller, Zeughofstr. 1( Ecke Köpenicker Str.) als größte Spezialfabrik für ofenlackierte Schlaf- und Kinderzimmer sowie Küchenmöbel etc, in Augenschein nimmt, dürfte eine der bedeutendsten Großhandelsquellen erfaßt haben und sich von der Wahrheit vorstehender Zeilen überzeugen können Zck Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, so dürfen Sie nicht Unmassen farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuhcreme auftragen. In weni gen Tagen ist das empfindliche Leder unansehnlich und wird brüchig und hart. Be mugen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Edelcreme Tuberan. Sie gibt schon in fleinen Mengen einen famtweichen Glanz, verharzt nie und ist im Gebrauch in der Tube für Haushalt und Reise höchst sauber, sparsam und prattisch. Alte unansehnliche Schuhe werden wie neu. Für feines Schuhwerk unentbehrlich Preis für die Tube 50 Pfennig. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Berkaufsstelle: Berlin W. 8, Mohrenstraße 16. 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