e. 466 41.Jabegang Ausgabe A Nr. 237 Bezugspreis: 28öchentlich 70 Goldpfennig, monati 5,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Arenzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und 8eit" mit..Sied. lung und Kleingarten", fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig -'1 Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile Goldmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgebrudte Bort 0,20 Gold mart( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), tebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 3. Oktober 1924 Unterredung mit Briand. Für Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Genf, 2. Offober.( Eigener Drahtbericht.) Der korrespondent des„ Borwärts" hatte am Donnerstag eine Unterredung mit dem Führer der franzöfifchen Delegation, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Briand. Er fagte: Zweifellos ist die fünfte Bölferbundstagung von allergrößer Bedeutung. Sie hat in der Frage der Abrüstung und der Sicherheit, die beide ein Problem von allergrößter Bedeutung für den Frieden der ganzen Welt bedeuten, prattische Erfolge erzielt. Die franzöfifche Regierung hat bereits das Protokoll unterzeichnet, und ich glaube, daß auch das Parlament es rafifizieren wird. Ebenso steht es mit dem Abkommen über die Schiedsgerichtsbarkeit. Aber ich täusche mich nicht darüber, daß die Arbeit des Bölterbundes doch nur eine halbe ist, folange noch Amerita und Deutschland nicht im Bölkerbund vertreten sind. Die deutsche Regierung hat in der letzten Zeit ihre grundfähliche Bereitwilligkeit zum Eintritt erklärt, was man in Völkeroundtreisen als günstiges Zeichen für eine neue Politik der Berföhnung und der Bereitwilligkeit zur Mitarbeit gedeutet hat. Die Rede des französifranzösische Regierung in teiner Weise Deutschland schen Ministerpräsidenten hat aber auch deutlich erwiesen, daß die Schwierigteiten machen will, ebensowenig wie das franzöfifche Bolt, daß in seiner übergroßen Mehrheit eine Verständigung und einen Kontakt mit Deutschland auf einer vernünftigen und praktischen Grundlage aufrichtig und ehrlich will. Ich bin überzeugt, daß sich ein ehrlich gemeintes Eintrittsgefuch Deutschlands in der einer Groß macht zukommenden Art und Weise vollziehen wird. Es hat aber im Bölkerbund einiges Erfiaunen erweckt, daß die deutsche Regierung für ihren Eintritt fo viele Borbedingungen stellt und fo viele Zweifel anscheinend noch hegt. Deutschland follte sich aber darüber klar sein, daß der Völferbund fein Ausnahmeverfahren für seine Aufnahme schaffen kann. Das wäre gerade jo, als wenn in einem großen Hause, das eine Tür für alle Bewohner hat, plötzlich ein neuer Herr verlangen würde, man folle ihm ein Coch in die Wand brechen, durch das er eintreten könne. Die Zusammenarbeit im Völkerbunde und im Rafe bietet so viele Möglichkeiten zu praffischen Lösungen für all die schwierigen Probleme, die heute die Welt in Anspruch nehmen, daß man gerade auch in Deutschland sich dieser Notwendigkeit einer baldigen Mitarbeit auf die Dauer wohl nicht mehr entziehen kann. Ich denke dabei 3. B. an die Minoritätenfrage. Die Uebertragung der Militärfontrolle an den Bölferbund ist sicher ein großer Fortschritt in der Richtung zum Frieden, den alle Wohlgesinnten ehrlich begrüßen fönnen. Sie nimmt den Chauvinisten beider kontrahierenden Länder den Vorwand zu gegenseitiger Hehe und läßt eine Reibungsfläche mehr zwischen den beiden großen Ländern verschwinden, deren Demokratien eines Tages zufammenarbeiten werden für den Frieden und die Wohlfahrt Europas. Schluß in Genf. Das Sicherheitsprotokoll wird von den Delegationen Frankreichs, Bulgariens, Estlands, Griechenlands, Lettlands, Polens, Südfiawiens und der Tschechoslowabei noch vor deren Abreise von Genf unterzeichnet werden. Die Vollversammlung hielt am Donnerstag nachmittag um 4 Uhr ihre Schlußfißung ab, in der als nicht ständige Mitglieder des Bölkerbundrates gewählt wurden: Uruguay mit 43 Stimmen, Brasilien mit 40, die Tschechoslowakei mit 40, Schweden mit 37, Spanien mit 36 und Belgien mit 34. Die chinesische Delegation, die den Anspruch auf einen nichtständigen Ratssig unter Hinweis auf den sehr hohen Kostenbeitrag ihres Landes erhoben hatte, erhielt bei der Wahl mur 15 Stimmen und somit feinen Siß. Zum Zeichen des Proteftes verließen die Bertreter Chinas geschlossen den Saat. Man bezweifelt jedoch, daß China feine Drohung wahrmachen wird, im Falle der Nichtgewährung eines nichtständigen Ratssitzes aus dem Völkerbund auszutreten. In einer flugen Schlußrede gab Präsident Motta Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bostschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentasse Lindenstraße 3 Revue der Krise. Die Regierungsparteien mit Mary einverstanden. Die Dentschnationalen wünschen seinen Rücktritt. Am Donnerstagnachmittag begannen in der Reichsa kanzlei die Besprechungen über die Regierungsumbildung. Amtlich wird darüber folgendes mitgeteilt: In der Reichskanzlei fand am Donnerstagnachmittag eine Ansa Sprache zwischen Führern der Regierungsparteien und dem Reichs+ fanzler statt. Die Absicht des Reichskanzlers, zum Zwede der Bera breiterung der Reichsregierung Verhandlungen mit der Deutschnatio nalen Boltspartei und der Sozialdemokratischen Para tei aufzunehmen, wurde gebilligt. Bon den Ergebnissen dieser Verhandlungen wird der Reichskanzler den Führern der Regierungsparteien Mitteilung machen. Wie der Sozialdemokratische Parlamentsdienst dazu noch erfährt, waren zu den Verhandlungen, die um 5 Uhr nachmittags in der Reichskanzlei begannen und bis 7% Uhr andauerten, erschienen: vom vom Zentrum die Abgeordneten Stegerwald, Spahn und v. Guerard, von der Deutschen Volkspartei die Abgeordneten Dr. Scholz und Curtius, von der demokratischen Fraktion der Abgeordnete Erkelenz. Von der Regierung nahmen außer dem Reichsminister Dr. fanzler Marr teil: Bizelanzler Dr. Jarres, AußenStrefemann, Reichswirtschaftsminister Hamm und Reichsminister der Ernährung und LandwirtHeute um 11 Uhr werden die Genossen Hermann Müller, Wels und Hilferding in der Reichskanzlei sollen dann die Deutsch nationalen empfangen werden, vorsprechen. Am Nachmittag, nicht erst am Sonnabend, offenbar mit Rücksicht darauf, daß sie es gar nicht mehr erwarten fönnen. er auch die Journalisten rechnete, eine furze Uebersicht über die nach einleitenden Worten des Dankes an alle Mitglieder, zu denen Arbeit der Konferenz, die ein außergewöhnlich hohes Maß von gutem Willen und gegenseitiger Verständigung gezeigt habe. Der Entschaft Graf Kanig. wicklungsgang der einzelnen Konferenzen des Völkerbundes sei fymptomatisch für die gleichartige Entwicklung der gesamten euros Schwierigkeiten sei der Bölkerbund feiner großen Aufgabe treu ge päischen und außereuropäischen Mentalität. Troz aller großen blieben, für den Frieden der Welt ein Instrument zu schaffen, das auch praktischen Ansprüchen genügen könne. Motta erinnerte an die britte Tagung, auf der zuerst die Idee der Schiedsgerichts. barteit aufgenommen worden sei und erwähnte die vorjährige Tagung und die besondere Rolle der Schiedsgerichtsbarkeit, die der Bölterbundrat im vorigen Jahre habe spielen müssen. Ein Appell sonders stürmischen Beifall fand Mottas Aufforderung, Deutschland für die Armenier fand starten Widerhall in der Versammlung. Beund in ehrlicher Verföhnung am Friedenswert gemeinsam mit und Frankreich möchten nun endlich das Bergangene ruhen laffen arbeiten. Bei diefen Worten flatschten Briand und Coucheur demonftratio Beifall. Man erinnerte sich, daß noch im vorigen Jahre eine ähnliche Aufforderung Mottas den heftigen Widerspruch des französischen Delegierten Bipiani ausgelöst hattn und man zog allerlei Vergleiche zwischen der vorjährigen und der diesjährigen Tagung. Motta schloß seine mit großem Beifall aufgenommene Rede mit den Schlußworten aus Dantes, Göttlicher Komödie", die der dem Inferno entnommene und dem Paradiese zustrebende Wanderer ausspricht: Pax mundi!( Frieden der Welt!) Um 5 Uhr nachmittags hatte die fünfte Völkerbundstagung ihre Arbeiten beendet. Der Rat hält morgen Freitag noch zwei öffentliche Sitzungen ab, in denen er den Bericht über die Uebertragung der Militärtontrolle an den Völkerbund endgültig genehmigen und die Schaffung einer Spezialkommiffion für das internationale Recht behandeln wird. Eine Rede Paul Boncours. Alles angenommen. Genf, 2. Oktober.( WTB.) Die Völkerbundsversammlung setzte Genf, 2. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Vollversamm. heute vormittag die allgemeine Aussprache über den Protokollentwurf Vollverfamm- fort. lung des Bölkerbundes hat am Donnerstag mittag das Protokoll über fort. Als erster Redner sprach der französische Delegierte Baut das Sicherheitsproblem angenommen, wobei die Vertreter jämi- Begeisterung und unter starkem Beifall das in den Kommissionen Boncour, der in fast einstündigen Ausführungen mit großer licher 47 anwesenden Staaten den vorgelegten Entschließungen zu- ausgearbeitete Wert des Weltfriedens feierte. Er fennzeichnete ftiminten. Darin wird den Regierungen die Annahme des Protofolls zu ernster Erwägung empfohlen und ferner beschlossen, dabei mit starkem Nachdruck das Protokolí als den denkbar feierlichsten ein Protokoll aufzulegen, das die einzelnen Regierungen unterBündnisvertrag. Dieses neue Bündnis unterscheide sich von Die turze amtliche Meldung läßt darauf schließen, daß die Absicht des Reichskanzlers, mit den Sozialdemokraten zu verhandeln, von allen beteiligten Parteien, also auch von es, als ob diese Partei die Stellung, die sie noch am 25. Sepder Volkspartei, gebilligt worden ist. Danach scheint Dazu läge allerdings auch ein begründeter Anlaß vor, nämtember eingenommen hat, ziemlich weitgehend revidiert hätte. lich der folgende: In dem Brief der Herren Curtius und Zapf, der als schriftliche Grundlage der Abmachungen zwischen Volkspartei und Deutschnationalen bekannt geworden ist, lautet der entscheidende Satz: Uebernimmt die Deutschnationale Boltspartei die Verantwor tung für das Zustandekommen des Londoner Pattes mit uns, wird auf einer ihrer Bedeutung entsprechenden Teilnahme der Deutſch die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei mit allen Mitteln nationalen an der Reichsregierung bestehen. Unter Berufung auf diesen Satz haben die Deutschnation nalen bisher stets eine ihrer Bedeutung entsprechende Bea teiligung an der Reichsregierung gefordert." Der Hinweis des Vorwärts" auf die Tatsache, daß der Vertrag hins fällig sei, weil die Deutsch nationalen die Bera antwortung für das Zustandekommen des Pafts gar nicht übernommen Londoner hätten, wurde von Herrn Dr. Ritter- Waldeck in der antwortet, in dem wörtlich von der Heiligkeit der Berträge Kreuzzeitung" mit einem moralisch entrüsteten Protest bedie Rede war. Gegen unferen Juftinian mobilisierte die Kreuzzeitung" sogar einen Geheimen Justizrat, der aus dem BGB., dem Corpus Juris und oberstgerichtlichen Entscheidun= daß Volkspartei und zeichnen. Außerdem wurde ein Redaktionsausschuß eingefeht, den alten Bündnissen dadurch, daß es für alle geöffnet sei, daß an Deutschnationalen in Kraft getreten, die Bolispartei zur Schließlich wird der Bölferbundrat ersucht, die geplante Ab. rüftungstonferenz einzuberufen, sobald das Protokoll von drei ständigen Ratsmitgliedern und 10 anderen Mitgliedern des Böllerbundes ratifiziert ist. Sollte das bis zum 1. Mai 1925 nicht der Fall sein, dann soll der Rat entscheiden, ob die Einladungen zur Konferenz rüd gängig gemacht werden oder ob die Abrüstungsfonferenz folange vertagt bleibt, bis die vorgeschriebenen Ratififationen zustandegekommen sind. Der Artikel 12 des Protokolls wurde durch eine Entschließung sofort in Kraft gesetzt. Danach soll der Völkerbundsrat zur genauen Festlegung der Garantien, die den Unterzeichnern des Brotokolls gegebenenfalls geboten werden sollen, sofort die wirtschaftlichen und finanziellen Organisationen des Bölferbundes auffordern, ihm einen Bericht über die Art der Bestimmungen der Inkraftsetzung der Sanktionen und die Maßnahmen der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit zu erstatten, wie sie im Völkerbund paft und im Sicherheitsprotokoll vorgesehen sind. Auf Grund dieses Berichts soll der Rat dann die Aktionspläne zur Infraftsetzung der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit zwischen einem angegriffenen Staat und den anderen Staaten, die ihm zur Hilfe fommen, ausarbeiten. Diese Pläne werden dann den Mitgliedern des Böllerbundes und den sonstigen Unterzeichnern des Sicherheitsprotokolls unterbreitet werden. Nach der Annahme des Sicherheitsprotokolls wurde befchloffen, die Ministerpräsidenten der vier Staaten, die ständige Mitglieder des Bölkerbundrates find, telegraphisch von der Annahme des Protofells zu verständigen. dem Protokoll die Leistung verpflichtet sei. teilnehmen könnten. Allerdings habe es eins mit den alten Bündnissen gemein: Dieses neue Bündnis ziele ebenfalls auf einen Um so erstaunter muß man fein, wenn man jetzt in der Feind hin. Aber dieser Feind sei fein bestimmter Feind, sondern der gestrigen Abendausgabe der Kreuzzeitung" in einer Polemik unbekannte Feind, der künftige Friedensstörer. Selbstliche Organ der Volkspartei, folgende Säße lieſt: gegen die„ Nationalliberale Correspondenz", das parteiamtwenn er auch festgestellt sei, so sehe sich dieses neue Bündnis nicht, wie die alten Bündnisse, sofort in Krieg um, sondern jezt würde es erst in aller Ruhe von den Schiedsrichtern ohne Nervosität und Ueberstürzung beraten und vermittelt. Wie gestern Briand, so erinnerte heute auch Boncour daran, daß Jouhaux nachdrücklich vor den wirtschaftlichen Kriegsurfachen gewarnt habe, und erklärte, daß auch diese ausgemerzt werden müßten. Nach Worten des Lobes für die Werke des Völkerbundes und der Anerkennung für die Haltung der Schweiz im Kriege, die die Verwundeten beider Lager gepflegt habe, gedachte Boncour der Soldaten des letzten Krieges, die in dem Bewußtsein gestorben feien, daß dieser Krieg der letzte sein müßte. An dem Tage, an dem das in Genf beschlossene Werk allgemein angenommen fei, werde sich in der ganzen Welt ein großes Glockengeläut erheben und die Worte in die Welt hinaustragen, die an der Grenze Deutschlands und Frankreichs auf der großen Glocke des Baseler Münsters eingegraben feien und die das erste Opfer des Weltkrieges, Jaurès, beim legten Friedensfongreß in Basel vor dem Kriegsausbruch zitiert habe:" Vives voco, mortuos plango, fulgura frango". Boncour fügte hinzu, daß diefe Worte eine Klage für die Toten aller Vaterländer und ein Aufruf an die Lebenden aller Baterländer jein müßten zur Vernichtung des Krieges. Die Rede wurde von der Versammlung mit stürmischem Beifall aufgenommen. Zur Sache selbst haben wir nur zu bemerken, daß sich die " Nationalliberale Correspondenz" im 3rrium befindet, wenn fie glaubt, die gesamte Deutschnationale Bolkspartei habe sich durch die Erklärung vom 25. September auf den Boden der Ja- Sager gestellt. Das würde einer Uebernahme der Berantwortung für die politit, die zu den Londoner Abmachungen geführt hat, gleichkommen. Diese Berantwortung ist aber von der gesamten Partei abgelehnt worden. Waldeck und der Geh. Justizrat Dr. Wolff in derselben Für die juristischen Gutachten, die der Herr Dr. Ritter„ Kreuzzeitung" abgegeben haben, ist das ein empfindlicher Dolchstoß von hinten". Die Position der Volkspartei, die bisher stets mit der Behauptung operiert hat, die Deutschnationalen hätten die Verantwortung für das Zustandekommen des Londoner Patts übernommen, ist damit unhaltbar geworden. Ueberhaupt wird man im Lager Hergts immer nervöser. Der deutschnationale Tag" meldet in seiner gestrigen Nachtausgabe unter der großen lleberschrift Rücktrittspläne des Reichskanzlers", daß Herr Marr die Absicht habe, sich | ,, völlig aus der Regienmgsbildung auszuschalten" und seinen Rücktritt mit dem Scheitern seiner Idee der Volksgemeinschaft zu motivieren. Hier ist. der Wunsch der Deutschnationalen Vater der Gedanken, die dem Reichskanzler unterstem werden. Herr Marx kann nach den Erklärungen über die V e r d i e n st e der Sozialdemokratie am Reich, die er in der „Germania" abgegeben hat, als Kanzler einer gegen die Sozialdemokratie gerichteten Regierung nicht mehr in Be- tracht kommen, ist also für die Deutschnationalen praktisch erledigt. Uebrigens ist die Methode, einem Minister, den man gern weghaben möchte, Rücktrittsabsichten nachzusagen, die er n i ch t h a t, plump und unwirksam. Maurenbrecher wanüert weiter. Absage an die Deutschnationalen. Max Mauronbrecher war einmal Sozialdemokrat. Dann wurde der Dersasser dar„Hohenzollern-Legende" Monarchist und beschimpfte vom hohen deutschnationalen Pferd herod die Sozialdemokratie. Jetzt schreibt er in der„Deutschen Zeitung" den Deutschnationalen den Abschiedsbrief. Die Entschließung des Vertretertages habe„w i e eine Bombe in die Mitgliedschaft eingeschlagen". Bleib« diese Entschließung, wie sie ist, dann habe„die Deutschnatronal« Volks- partei für weite Kreise des deutschen Volkes jedes Interesse verloren". Ob der ruhelos« Wanderer nun seinen Weg zu Wull« nimmt oder ob er sich selbständig machen will, geht aus feinem verzweifelten Klagelied nicht hervor. Dinters Stuhlprobe. Das Ende einer völkische« Tragödie. Die„Fränkische Tagespost", unser Nürnberger Parteiorgan, nimmt auf eine Meldung der Telegraphen-Union vom 30. September Bezug, in der es heißt: Nürnberg, ZO. September. Nach dem Ankersuchungsbefund der staatlichen Untersuchungsanstalt in Erlangen konnten in der Slnhlprobe des Dr. Dinier weder pflanzliche noch metallische Gifte nachgewiesen werden. Dem fügt die„Tagespost" dies« treffenden Bemerkungen an: „Ganz Deutschland lacht üuer den„vergifteten Arthur Dinter", der sich bei seinem Freund Julius Streicher für diese Riesenblamage bedanken kann. Durch den Untersuchungsbefund von Erlangen wird unter eine völkische Heldenmär der einzig richtig�Schlußpunkt gesetzt zum großen Gaudium aller Menschen, die Sinn für Komik haben. Wir dachten uns diesen Ausgang sofort und waren vom ersten Augenblick davon überzeugt, daß der Julius Streicher hier wieder einmal einen seiner bekannten Schwabenstreiche vollbracht hat. �ctzt steht einwandfrei fest, daß der Dinter widerdasBlutin Saalfeld nicht o« r g i s t e t worden ist, was ohnehin nur ein Völkischer glauben konnte, der den letzten Rest von Verstand tn den Streicher-Versammlungen eingebüßt hat. Bisher war bei den Völkischen nur die Blutsprobe bekannt. Bekanntlich glauben unsere Hakenkreuzlsr, sie hätten ein ganz be- sondere? Blut. Darauf schwören sie, nicht bei Moses und den Propheten, aber bei Wodan und den Göttern Walhalls, die sich gewiß für eine solche Nachkommenschaft bedanken. Nun werden sie wohl oder übel auch die Stuhlprob« einführen müssen, nach- dem sich ein so maßgebender Häuptling wie Arthur Dinter dieser 'Probe unterzogen hat. Uns scheint diese Stuhlprobe ganz prak- tisch zur raschen und gründlichen Aufklärung völkischen Schwindels, wenn etwa nächstens d?r Julius Streicher selbst„vergiftet" werden sollte. Neugierig sind wir, was Julius Streicher nun seinen Anhängern in der nächsten Berfammlimg erzählen und was er über die Stuhl- probe Arthur Dinters im„Stürmer" berichten wird. Wir schlagen ihm vor, wieder ein E x t r a b l a t t herauszugeben, etwa des Inhalts: „Völkische Männer und Frauen! Gebt keine Stuhlprobe an die Staatlich« Untersuchungsanstalt nach Erlangenl Die Universität Erlangen ist verjudet. Untersucht euren Dreck all« in!" plötzliche Erinnerung. Vvn Als red B c u st. Ich habe gar nicht mehr daran gedacht. Und' auf einmal steht das entsetzliche Bild wieder gespenstisch vor meinem Blick ins Leere. Es baut sich aus dem Nichts zusammen, könnte man sogen: oder diese Augen, die es gewohnt sind, die mannigfachen Formen und Gewächs« der Erdrinde zu erfassen� sind für Sekunden rinden blind geworden und blicken in einen Spiegel, der auf anderer Ebene steht und das vergessen« Bild als plötzliche Erinnerung mir an die Brust wirst. Es war auf den polnischen Straßen an einem glühheißen Dag, wo die ununterbrochene Kette der Gefährte, Wagen dicht an Wagen, bor Tag und Nacht, ohne jedes Ende sich dahinjchob-- zurückschob auf der anderen Wegseite. Die trostlosen Augen der Fahrer streiften stumm die Gesichter der Vorübergleitenden, zuweilen von jähem Er- schrecken durchzuckt, werm ein Blick oder Antlitz cm ferne Tage oder Bekannt« ermnern wollte. Doch die Möglichkeit des Wortes war geraubt. Und der Blick sank zurück und wurde wieder stumm. Weißer Staub, von keiner Nachtkühl« z« Boden gedrückt, kroch durch die Ritzen der Kleidung bis auf die Haut, kroch in den Magen, kroch in die Lungen. Die Pferd« fielen auf die Wegseiten und' standen nickst mehr auf. An vielen Tomsend Kadavern fuhr man am Tage vorüber. Und der Gestank der faulenden und ausgefressenen Tier- laichen wurde zur Unerträglichkeit. Die bestialischen Schwaden wirk. ten in der remeren Nachtluft so ekethast, daß«in gepreßte« Gurgeln unseren Mündern entquoll, indeß die zitternden Tier« an den Strängen angstvoll aus der Reih« wollten. An einem solchen schwülen Mittag lieh ich den Weg«in wenig seitwärts und ging durch«in ganz niederes Gehölz. Hier wechselte schon Land mit Sumpf. Urb in diese Sümpf« gerieten die müden Pferde, um langsam, viele Stunden langsam zu versinken. Und als ich mich vom Wege zu weit abgekommen glaubte, stieg ich auf einen kleinen Sandbevg, um üb« die Achten hinzublicken. Ein gräßliches Stöhnen ließ mich vor Schreck fast niederstürzen. Di« Stell«, auf der ich stand, begann sich zu bewegen. Ich sprang zur Seite. Der Staubhügel, auf dem ich gestanden hatte, erhob sich mit einem Ruck und Aufschrei. Ein großes, schweres, eingestaubtes Pferd stand vor mir und blickte mich so unerhört erschütternd an, wie ich es nur zwei-, dreimal erlebt habe. Ein tiefes Schluchzen ging durch die blutenden Nüstern. Und wie von ein« Keule getroffen stürzte das Tier zu Bodsn und war verlöscht. Und als ich wied« auf der Straße war. glaubte ich nicht mehr daran. Vielleicht war es eine Reizung auf der Netzhaut. Man sich so viel« fremde Ding« in den Tagen. Und dies« grauenhafte Spuk war schwer zu Gegen- wart zu machen. Aber heute fühlte ich, daß jene Jahr« uns allen schon sehr oer- funken scheinen und daß es gut ist, wenn der unsichtbare Spiegel uns von Zeit zu Zeit eine plötzliche Erimmrung vors Gesicht stellt. Das tzitler-Urte!! ein ffanüelsertrag! Ludendorff-Graefe behaupten es. München, 2. Oktober.'(Eigener Drahtbericht.) Es hat eine Reihe von Tagen gedauert, bis sich die völkischen Repräsentanten zu einem gemeinsamen Protest gegen die einstweilige Jnhaftbehaltung des Hitler-Triumvirats in Lands berg zusammenfanden. Es gelang das erst am Mittwoch, wo die„R e i ch s f ü h r e rs ch a f t Ludeirdorsf, Strasser und Graefe", die sich im bayerischen Landtag versammelten und in zwei Entschließungen ihrer„Entrüstung gegen die Verschleppungstaktik in der Frage der Haftentlassung Hitlers, Krie- bels und Webers" Luft machten. Beide Entschließungen sind an sich bedeutungslos. Von Interesse ist lediglich die eine Stelle, in der die drei genannten„Reichsführer" in aller OeffenUichkeit die Volks- r i ch t e r. die am 1. April 1924 das Urteil fällt«, fragen, ob sie sich, wie man jetzt weiß, zu der Verurteilung damals nur bestimmen ließen, weil die Bewährungsfrist zugesichert wurde. Diese Version wird schon seit Monaten in der völkischen Presse kolportiert, ohne daß eine der in Betracht kommenden Behörden darauf reagierr hätte. Entspricht diese Behauptung den Tatsachen, so ist damit ein neuer Beweis geliefert, ein wie lächerlicher und sträflicher Humbug der ganze Hitler-Prozeß und die Praktiken des Volksgerichts München in Wirklichkeit gewesen sind. Neue Urteile ües Staatsgerichtshofs. „Beihilfe znr Borbereitung des Hochverrats." Leipzig, 2. Oktober.(WTB.) D« Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik trat heute unter dem Vorsitz des Reichs- gerichtsrats Doehn in eins neu« Sitzungsperiode ein. Als neuer Beisitzer wurde Generalleutnant e». D. Caehler vereidigt. Zunächst wurde gegen den Handlungsgehilfen Kurt Scharschmidt aus Leipzig verhandelt, der einem Polizeiwachtmeister in Umform ein kommunistisches Flugblatt, das die Zersetzung der Schupo bezweckte. überreicht hatte. Der Angeklagte wurde wegen Beihilfe zur Vor- bereitung des Hochverrats in Tateinlteit mit einem Vergehen gegen Z 7 Ziffer 4 des Republik-Schutzgefetzes zu neun Monaten Gefängnis und 100 M. Geld ft rase oerurteilt. Wegen der gleichen Vergehen wurde der 18jährige Gärtnerlehrling Karl Fiedler aus Stuttgart, bei dem Anfang August dieses Jahres Flugschriften und Plakate beschlagnahmt wurden, die im Zusammen- hang mit der kommunistischen Kampfwoche die Herbeiführung der proletarischen Republik propagierten, zu drei Monaten Ge- fängnis und 30 M. Geldstrafe oerurteilt. In der Nachmittagssitzung verhandelte der Siaatsgerichtshof gegen den Isolierer Kurt Schmidt aus Leipzig-Wahren, der im Frühjahr zurzeit des Wahlkampses einem Polizeiwachtmeister eine Flugschrift überreicht hatte, die zur Zersetzung der Landespolizei dienen sollte. Das Urteil lautete ouf sechs Monat« Gefängnis und S0 M. Geldstrafe. Di« Geldstrafe und drei Monat« der Freiheitsstrafe sind durch die Untersuchungshaft verbüßt. Deutlchvölkisthe SchwinSeleien. Kein Verbot der Nationalsozialistischen Freiheitspartei. Dem„Deutschen Tageblatt" tvirb im Anschluß an das Verbot des Bundes Oberland von„sehr zuverlässiger, dem Preußi» scheu Innenministerium nicht fernstehender Seite' geschrieben, daß Minister Severing zu einem sogenannte«„großen Schlage" gegen die völkische Bewegung aushole.„In eingeweihten Kreisen rechnet man sogar mit einem neuen Verbot der Nationalsozia« listischen Freiheitspartei, da man sie zu den kommenden Preußenwahlen im Februar auszuschalten wünsche." Wie dazu amtlich mitgeteilt wird, find die eingeweihten Kreise, obwohl sie sich auf eine angeblich„sehr zuverlässige, dem Preußischen Innen« Ministerium nicht fernstehende Seite" beruft, gänzlich uneingeweiht. Im Preußischen Ministerium des Innern ist von einem geplanten Verbot der Nationalsozialistischen Freiheitspartei absolut nichts bekannt. Die hofentafthen meines Zrevnües. Von Schwester Lydia Ruehland. Mein Freund ist«in ausgemachter Glückssucher, ober auch ein Glücksfinder, was nicht jeder von sich jagen kann. Wer an dieser Eigenschaft zweifelt, der werfe gefälligst einen Blick in die beiden prall gefüllten Hosentaschen auf Bubis— so heißt mein kleiner Freund— Oberschenkel und er wird den regen Sammelsinn des Jungen rückhaltlos anerkennen müssen, wenn er vielleicht auch nicht begreift, wozu Bubi all die merkwürdigen Dinge braucht. Aber er braucht sie, verlaßt euch darauf Sein ernsthaftes Kindergesicht spiegelt lautere Wahrheit wider wen« versichert:„das brauch' ich und das brauch' ich!" Das Verständnis für Bubis Fundgrube scheint seiner Mutti zu fehlen— auch Muttis fehlt ja so manches—, denn Bubi erklärt mir: sie„haut" mich.„Du haust mir nicht" sagt er und schüttet mir Herz und Hosentaschen unbedenklich aus. Nein, ich„haue" ihn gewiß nicht! Denn ich bin ja fein« Freundin. Ich kann verstehen, wes- halb ein Junge immer ein Paket verknmeten Bindfaden aussammeln muß, ich begreife, daß«in ausgeleierter Bohrer trotz abgebrochener Spitz« sicher noch einen Zweck zu erfüllen imstande ist, wenn sich mit seinem Gebrauch eines Bubis Geduld und fester Wille verbindet. Ein durchlöchertes Haarsieb ist ebenfalls ein ganz nettes Spielzeug und am Sandhaufen immer nach verwendbar. K l i ck« r gehören ebenfalls zum selbstverständlichen Inventar einer richtig. gehenden Jungenshosentasche. Und wer zweifell an der Tatsach«, daß Kreide«in schier unerschöpfliches Vergnügen in der Hand eines zeichnerisch noch so unbegabten Buben bedeutet? Nägel kann einer immer brauchen, und wenn sie krumm sind, stopft Vubi sie noch krumm«, damit syerken daraus werden. Erre kleine leere Heft- plasterbüchse enthält zwei verrostete Schreibfedern--„Aber Bubi, die kannst du doch fort tun."„Nnnein, die brauch ich, wenn ich mal schreiben lerne!" Unerschöpflich ist der Vorrat der kleinen Hamstertaschen, aus d«en Grunde es vvn Brotkrümeln, Kressesamenkörnern und Woll- fäserchen nur so wimmelt und fusselt. Jetzt kommt noch ein braunes „Etwas" zum Borschein„???"„Den Hab ich in der Dachrinne gefunden!--- Nein, ist es möglich, ein vertrockneter Regen- wurmll!„Na, damit ist doch nix mehr los, Bubi, fei gescheit!" „Doch, den heb ich mir zum Andenken auf!"-- Nun aber kommt das letzte, zugleich mit einer Handvoll unreifer Kastanien— nun kommt die Hauptfach� um derentwillen ein« Tasche überhaupt vor- hanoen ist— ein merkwürdiges dunkelgraues Knäuel—, das ist, nein, das soll sein, nein, das war einmal ein Taschen tuchül Mit der Ermsigkeit eines Geizhalses entrollt Bubi vor meinen staunenden Augen sein« Schätze und packt sie wuppdich wied« in feiner Taschen Tiefen. Selbst auf die Gefahr hin, daß Mutti ihn „haut". Run sage noch«in«, daß Bubi kein Glücksstnder fei! Aeber die geistige Bewegung des Staallicheu Bauhause« in Weimar spricht am S, Oltober, abends 8 Ubr, der Leiter des viel nmkämpsten Staatlichen Bauhauses in Weimar Walter GropiuS im Zentral- Jnftttut für Erziehung und Unterrichte, Potsdamer Str. MO. Die pspche öes Muslanös. „Manches wäre uns erspart geblieben.." Auf dem Allgemeinen Neuphilologentag, der gestern mit einem Festakt in der Neuen Aula der Berlin« Unwer- sität begann, hielt der preußische Kultusminister D o e l i tz eine Rede, in der er unter anderem darauf hinwies, daß diese Tagung in eine Epoche falle, m der jeder Mann und jede Frau fiir Deutschlands Zukunft zu kämpfen habe. Wertvolle Waffen für diesen Kampf zu liefern, sei das Ziel des neusprachlichen Unterrichts. Werm wir in der Zukunft den verlorenen Platz und die alte Anerkennung wiedergewinnen wollen, fei dies nur mit Hilfe der Kenntnis der Neusprachen möglich. Neben dem Englischen und Französischen sei auch das Spanische zu pflegen und über das Sprachliche hinaus auch die Kenntnis von Land und Leuten und des gesamten Kulturlebens der Nationen. Als« 1914 nach Deutschland zurück- kehrte, fuhr der Mnister Boelitz fort, sei er erschrocken gewe- sen über die in Deutschland herrschende Unkennt- nis der französischen und englischen Psyche. Manches wäre uns in anderem Falle erspart ge- blieben. Er begrüße es, daß das Spanische im Rahmen des Kongresses einen so großen Raum einnehme. Gerade das Spanische sei von allergrößter Bedeutung auch aus dem Gebiete der Literatur und der Kunst, wo wir uns Schöpfungen eines edlen Volkes gegen- übersähen, das Deutschland auch heute noch etwas zu sagen habe. der Minist« schloß mit einem Appell an die Zuhör«, die preußische Regierung bei ihrer Ausgabe auf dem Gebiet des Unterrichtswesens zu unterstützen. Unt« den ausländischen Gästen befand sich der Engländer Prof. Jones. Er übermittelte die Grüße der Universität London und feierte eingehend die Arbeiten der unter Leitung des Prof. Dr. Wilhelm Doegen stehenden Lautabteilung der preußi- scheu Staatsabteilung, der England nichts Gleichwertiges zur Seite stellen könne, da die englische Regierung wohl Geld für Unterrichts- aber nicht für Forfchungszwecke ausgebe. Buslanüsüeutsche gegen Schwarz-Weiß-Rot Die„RigascheRundscha«" verklagt die„Deutsche Zeitung". Aus Riga wird uns geschrieben: In deutfchnationalen Kreisen hat es lebhafte Empörung ausgelöst, daß in letzter Zeit auch das Auslandsdeutschtum seine Beziehungen zur Republik zu revidieren beginnt. Ganz besonders«us die Nerven gefallen ist ihnen das deutliche Abrücken des deurschbaltisch«' Führers Dr. Schiemann von der schwarzweißroten Propaganda der deutschen Rechtskreise. Dieses Abrücken hat Schiemann in mehreren ausgezeichneten Ar« titeln der hiesigen„Riga scheu Rundschau" bekundet. Selbst- verständlich ist befand«? die„Deutsche Zeitung", in der ein paar wurzellose baltisch- Emigranten seit Jahren zum Schaden des Reiches ihr Wesen treiben, darüber ganz aus dem Häuschen. Bor einigen Tagen hat sie sich aus reaktionären reichsdeutschen Kreisen Rigas einen Angriff auf Schiemann schreiben lassen, der die hiesige konservativ eingestellte„Rigasche Rundschau" ein Judenblatt nennt, das niemand im Baltikum liest und niemand in Deutschland kennt. Selbstverständlich ist dies« Angrist anonym. Der Berfass« wehklagt, daß et seinen Namen nicht nennen darf, da Schiemann bei feinen guten Beziehungen zur letlländischen Regierung sonst dafür sargen wird, daß er aus Lettland ausgewiesen würde. Wegen dieser" schäm- losen Verdächtigung hat Schiemann im Einverständnis mit seinen Kollegen die„Deutsche Zeitung" verklagt. Reichswehr und Deutsch« Offiziersbuud. In unseren Aus- führungen in der gestrigen Abendausgabe über die Zusammen- hänge zwischen dem Deutschen Offiziersbund und der Ludendorst- Hitler-Organisation wird uns von zuständiger Seite mitgeteilt, daß den Reichswehroffizieren die Zugehörigkeit zum Deutschen Offiziersbund seit langem verboten ist. Pek« Slöckn« hat seinen Sitz im Preußischen Staatsrat nicht ausgegeben. Die Bestimmung des EisenbahngesetzeS, nach welcher Mitglieder des Reichstags und eines Landtags nicht Mitglieder des Eisenbahn-BcrwaltungSratS sein dürfen, findet auf den Staats- rat keine Anwendung. Der Deutsche Arologenkongreß in Berlin, zu dem sich zahlreiche einheimische und ausländische Fachärzte für Blasen- und Nieren- krankheiten eingefunden haben, wurde eröffnet. In seiner einleiten- den Rede sprach der Vorsitzend« Prof. Dr. P o s n e r- Berlin üb« die sozialärztliche und gewerbemedizinische Bedeutung d« Urologie. Der Harnapparat ist in vielen Klein- und Großbetrieben schädigen- den Einflüssen ausgesetzt. Von besonders verderblicher Bedeutung sind Blei und Sublimat. Schriftsetzer, Maler und Arbeiter von Gießereibetrieben sind am meisten gefährdet. RTcht häusig wurde auch im letzten Jahre der bei Anilinarbeit«n auftretende Blasen- krebs beobachtet. Prof. Pvsner verlangte; wie das auch von ge- werkschaftlicher Seite wiederholt geschehen ist, eine periodisch« Unter- suchung aller in gesundheitsgefährlichen Betrieben tätigen Personen. Die vierzehnte Versammlung des Deutschen hiftorikervereins. Im Kaisersaal des Frankfurt« Römer wurde die vierzehnte Ver- sammlung Deutsch« Historiker und Geschichtslehr« durch einen Empfangsabend«öffnet, den d« Magistrat der Stadt gab. Als erster begrüßte Prof. Ziehen im Namen des Magistrats die Er- schienenen, indem er cm die Hsstorikertagung von 189S erinnert« und cm die Persönlichkeit des damaligen Oberbürgermeisters Adickes anknüpfte. Prof. K ü n tz e l als Vorsitzend« des Verbandes Deutscher Historiker dankte für die Begrüßung und sprach zugleich allen denen seinen Dank aus, die geholfen hatten, die Historitertagung unterzu- bringen. Im Namen der Regierung begrüßte hierauf Prof. Dr. Becker die Versammlung mit einem Hinweis ouf die schwere Zeit, m der diese Tagung stattfinde. Die Regierung ist bemüht, politisch und finanziell die Freiheit der Wissenschast noch ollen Kräften zu schützen. Zum Schluß sprach dann im Namen des Oberpräsidenten Schwander Regierungspräsident H a e n issch. Löns-Fel«. Zu einer Löns-Feier im Bürgersaal des Rat- Hauses lud am Mittwoch die Vereinigung„B«lin« Abende"(vor- mais Bihler-Abende) ein, die im großen und ganzen gelungen und «in würdiges Erinnern cm den Heidedichter war. Else Beyer, die vortreffliche Arno-Holz-Interpretin, zetgte sich auch als sympa- thische Löns-Sprecherm, der besonders die dramatisch-wirksamste Erzählung„Die rote Beete"(aus dem braunen Buch) gelang. Auch die herzig« Geschichte von„Mümmelmann" und die putzig« vom „Hausfriedensbruch" schufen viel Freude und hatten Erfolg. Wem- g« gefiel K ä t e Pirchel mit ihren Lautenliedern: ihre Stimme war unrein. Die Vertonungen von Fritz Jöde und Ernst Licht würden besser gewesen sein, als die ost unglücklich, improvisierten von Kurt Langner. Um dem Abend eine vollendete Rundung zu geben, hätte man einige starke Stellen aus den Romanen „Werwolf",„Das zweite Gesicht" bringen sollen, an Stelle der harmlosen„Goldenen Heide". So fehlte dem Abend quasi die tiefer« Seele Löns. W.®. O. Znr sie!« de» 100. Geburtstags Ante» Bruckner» findet am II. Oktober' abends 7 l/, Ubr, in der Wandelhalle des Reichstags ein Fest- abend unter dem Protektorat des ReichSlanzlerS Dr. Marx, oeranstattel vom Oesterreichisch-Deutschen Volksbund und der Bruckner- Vereinigung, statt. An den offiziellen Teil de» Abends wird sich ein GesellschastSabend unter Mitwirkung bervorcagender Künstler schliefen. Der Abend ist gleich- zeitig als Wohltätigkeitsveranstaltung gedacht.— Eintrittskarte» bei A. Wert- heim und bei Bote& Bock. Bankenkrach in Berlin. Opfer der Aufwertungsspekulation. Die Berliner Depofiten- und Handelsbank hat den konkurs anmelden müssen, der als Folge einer verfehlten Kriegsanleihefpetulation anzujehen ist. Dem Auffichtsrat gehört der Zentrumsabgeordnete Dr. Fleischer an, der im Auswertungsausschuß des Reichstages eine bedeutende Rolle spielte. Die Rolle des Abgeordneten Fleischer war im Aufwertungsausschuß schon längst bekannt und ist dort auf einmal in seiner Abwesenheit deutlich bezeichnet worden. Das Zentrumsorgan „ Germania" hat vor einiger Zeit Meldungen der Frankfurter Beitung" nach dieser Richtung für Verleumdungen erklärt. Aus der vorstehenden Meldung scheint sich aber zu ergeben, daß die ganze Angelegenheit nicht als mit dieser Erklärung erledigt betrachtet werden kann. Starke Teuerung auch im Ruhrgebiet. Die Kommunen können die Lasten nicht tragen. Bochum, 2. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Preis. steigerungen im Ruhrgebiet haben in den letzten Wochen einen derartigen Umfang angenommen, daß von den Behörden mit einem scharfen Stampf gegen Preisüberforderungen gedroht wird. Die Kommunen sind nicht in der Lage, ben gesteigerten unterstützungsbedürfnissen gerecht zu werden. In behördlichen Zuschriften an die Presse wird darauf verwiesen, daß die Zwischenhändlergewinne zu einer untragbaren Berteuerung der Lebenshaltung geführt haben. Gegen über dieser Preissteigerung haben die ohne und Gehälter für Beamte, Angestellte und Arbeiter keine Aufbefferung erfahren, sondern das allgemeine Lohnniveau ist durch Kurzarbeit und zahl lose Feierschichten ganz erheblich gesenkt worden. Troz des übergroßen Warenangebots und der geringen Nachfrage haben in den letzten Monaten die wichtigsten Lebensmittel wie Butter, Eier und Fleisch, Fett und Brot eine Preissteigerung von 25, teilweise sogar 50 Proz. erfahren. So lofteten im Monat Juni Butter 1,60 M., Schmalz 68 Bf., Kalbfleisch 70 Pf. bis 1 M., holländischer Käse 80 Bf. bis 1,20 M. Heute werden gefordert für Butter 2,50 M., Schmalz 90 Bf., Kalbfleisch 1,30 bis 1,40 M., holländischer Käse 1,20 bis 1,60 m. Der Abbau des Ruhrzwangs. Düsseldorf, 2. Oftober.( WTB.) General Degoutte hat die Berfügung Nr. 105, betreffend die Regelung des Straßenverkehrs, mit fofortiger Wirkung aufgehoben. Damit sind die Borschriften der Befagung über den Straßenverkehr, die Zuwiderhandlungen mit erheblichen Strafen bedrohten, außer Kraft getreten. Ueber den Berkehr mit Fahrrädern, Kraftfahrzeugen usw. finden nunmehr die deutschen Polizeivorschriften wieder in vollem Umfange Anwendung. Die im vergangenen Jahre von den Franzosen beschlagnahmte Druderei sowie die Redaktions- und Geschäftsräume des„ Düsseldorfer Tageblatts" sind gestern von den Franzosen geräumt worden. Kommunistische Mordaufklärung. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages über die politischen Morde sezie am Dienstag abend seine Beratungen fort. Zunächst wurde der Fall Czekalla, über dessen haarsträubende Einzelheiten wir bereits berichtet haben, zu Ende gebracht. Der Ausschuß nahm den Antrag des Borsitzenden Goebel( 3.) an, die Aften zur weiteren Veranlassung dem Reichswehrministerium zuzustellen. Sodann trat der Ausschuß in die Beratung des Falles Jogi sches ein. Leo Jogisches, der geistige Leiter des Spartafusbundes, ist bekanntlich am 10,.März 1919 im Gebäude des neuen Kriminalgerichts von den Kriminalwachtmeistern Tamschit und Grahn Die Mitwirkung von Kindern bei Filmaufnahmen hat schon seit geraumer Zeit zu lebhaften Klagen geführt. Schutzbestimmungen waren dringend notwendig. Der Polizeipräsident hat jezt eine entsprechende Verordnung erlaffer. Danach ist die Beschäftigung von Kindern unter 3 Jahren in Filmbetrieben verboten, diejenige von Rindern über 3 Jahren bedarf einer besonderen polizeilichen Er laubnis. Nach der Berordnung sind auch Schuhmaßnahmen für die beschäftigten Kinder angeordnet worden, die sich ramentlich auf den Schutz der Augen gegen Blendung beziehen. Der größte Bühnenerfolg aller Zeiten ist bis jetzt das Lustspiel Charleys Tante" des Engländers Brandon Thomas, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum zehnten Male jährt. Das Stück wurde in London in den Jahren 1892 bis 1896 ohne Unterbrechung täglich aufgeführt. Es wurde in fast alle Sprachen übersezt und in allen Ländern der Erde aufgeführt. Die Einnahmen, die Brandon Thomas aus diesem Wert hatte, wurden viele Jahre hindurch auf 10 000 mart täglich geschäht. In England gibt es zahlreiche Schauspieler, die in ihrem Leben nichts anderes als Rollen aus„ Charlens Lante" gespielt haben. Im Jahre 1913 gründeten sie in London den„ Charley's Aunt's Club", dessen Ehrenpräsident der Verfasser selber war. Brandon Thomas übrigens war froß dieses Riesenerfolges nicht glücklich. Er war dadurch verbittert, daß seine ernsteren Stücke zu feinem Erfolg gelangen konnten. in der Form eines begründeten Mißtrauensvolums die Ablehnung des englisch- russischen Bertrages, weil er unzuläffige Gelder nach Rußland lente, die in England notwendig gebraucht würden, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Probuffion zu fördern. Condon, 2. Oktober.( Reuter.) Es besteht die Möglichkeit, daß sofort Parlamentsneuwahlen flattfinden werden. Ein Mitglied der Arbeiterpartei erklärte heute, daß seine Partei in organifatorischer Beziehung hervorragend vorbereitet jei. Die Arbeiter würden den englisch- russischen Vertrag verteidigen. angeblich bei einem Fluchtversucherschoffen worden. Ein Flucht| Antrag der Ciberalen Annahme findet. Dieser Antrag forder? versuch ist zwar nach den Umständen äußerst unwahrscheinlich, aber eine Aufklärung des Falles war bisher besonders dadurch erschwert, daß Tatzeugen so gut wie ganz fehlten. Nu traten in der Debatte die fommunistischen Abgeordneten Dr. Meyer und Rosi Wolfstein mit der Behauptung hervor, daß eine Anzahl ihrer Parteigenossen, die mit Jogisches zusammen verhaftet gewesen seien, gehört hätten, wie Jogisches im Nebenzimmer mißhandelt worden sei und daß Soldaten bei der Abführung des Jogisches höhnisch gerufen hätten: Fluchtverdächtig" und„ Das gibt einen Fluchtversuch". Die nachfolgenden Rebner erklärten mit Recht ihre Verwunderung, daß die Kommunistische Partei diese wichtigen Tatsachen, über die sich in den Atten nicht die geringste Andeutung findet, bisher nicht zur Kenntnis der Justizbehörden gebracht haben. Darauf erklärte Frau Wolfstein: Die Kommunisten dächten gar nicht daran, in diesen und anderen Fällen ihre Kenntniffe den Gerichtsbehörden mitzuteilen, weil sie zu diesen kein Bertrauen hätten. Sie lehnten das unter allen Umständen ab und behielten sich eine fünftige eigene Rache vor. Der fozialdemokratische Redner, Genosse Kuttner, erwiderte darauf mit Recht, daß dann allerdings wenigstens die Kommunisten sich nicht beschweren dürften, daß politische Morde unaufgeklärt blieben. Selbst wenn man zu den Gerichten kein Vertrauen habe, müsse man ihnen einen Mißbrauch ihres Amtes so schwer als möglich machen. Hätten in diesem Falle, Bartei handelte, die Kommunisten ihre Zeugen den Anklagebehörden wo es sich doch um einen bedeutenden Führer der Kommunistischen mitgeteilt und hätten diese nicht darauf reagiert, so fönnte jetzt der Ausschuß eine offensichtliche Verfehlung der Justiz fonstatieren. So sei das nicht möglich. Was nüßen tommunistische Anklagereden gegen die Justiz, wenn die Kommunisten selber bei der Vertuschung solcher Fälle Helfersdienste leisten! anwaltschaft angewiesen werden würde, an Hand der neuen kommuDer Regierungsvertreter gab die Erklärung ab, daß die Staatsnistischen Behauptungen den Fall nochmals nachzuprüfen. London, 2. Oftober, 10 Uhr abends.( Eigener Drahtbericht.) In allen politischen Quartieren ist heute abend die Auffassung einheiflich, daß Neuwahlen unvermeidlich sind, zweifelhaft ist lediglich, ob die Entscheidung am kommenden Mittwoch bei dem tonservativen Mißtrauensantrag oder erst später beim russischen Vertrag fällt. Die bürgerliche Presse zeigt den Wunsch, daß die Entscheidung möglichst schon bei dem tonservativen Mißtrauens. antrag herbeigeführt würde, da die Auflösung wegen des ruffischen Vertrags ihr weniger opportun erscheint. Die Entscheidung der Liberalen über ihre Haltung zum konservativen Antrag ist noch nicht gefallen. Die Regierung ist jedenfalls einig, ein solches Votum nicht lediglich als gegen die Person des Generalstaatsanwalts, der vofum gegen die Gesamtregierung. Jedoch herrschte am Nachmittag Regierungsmitglied ift, gerichtet anzusehen, sondern als Mißtrauensim Unterhaus die Auffassung, daß die Entscheidung nicht hierbei fallen wird, da eine solche Niederlage der Regierung unerwünschte komplikationen bereiten würde. Zweifelhaft ist, ob in diesem Fall die Krone der sofortigen Auflösung zustimmt. Möglicherweise würde zur Durchführung der irischen Gefehgebung die Zwischenwerden, ehe Neuwahlen erfolgen. tösung einer liberalen Eintagsregierung notwendig Falls die Krise in der kommenden Woche noch vermieden wird, fo läßt doch die jüngste liberale Entscheidung einen Ausweg in der russischen Frage nicht mehr offen. Ablehnung der Anleihegarantie bedeutet Ablehnung des Punttes, mit dem dieser Friedensvertrag steht und fällt. Der sozialistische Daily Herald" glaubt zu wiffen, daß eine Anzahl liberaler Abgeordneten zur darauf hin, daß bei der inneren Zerriffenheit der Liberalen einerArbeiterpartei übergehen werden.„ Evening Standard" weist feils und der bisher bewiesenen Nachgiebigkeit Macdonalds andererfeits noch leberraschungen möglich feien. Jedoft wird in den maßgebenden Kreisen aller Parteien eine derartige Vor britischen Neuwahlen. Auflösung wegen des englisch- russischen Vertrags? London, 2. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Das Unterhaus hat in zweiter Lesung die Gefehesvorlage zur irischen Grenzregelung mit 291 gegen 124 Stimmen angenommen. Die Diskussion über die Einstellung des Strafverfahrens gegen den Redakteur eines kommunistischen Blattes, die vorläufig das politische Ereignis Englands bildet und die zu einem Mi- möglichtelt entschieden dementiert. frauensvotum der Konservativen geführt hat, wird am tommenden Dienstag fortgeführt. Es ist nicht anzunehmen, daß die Regierung im Falle der Annahme diefes Anfrages zurüdtriff. Sicher ist jedoch, daß Macdonald den König um die Auflösung des Parlaments ersucht, sobald der inzwischen eingebrachte Abbau des Ruhrmilitarismus. Die belgische Regierung hat be= fchloffen, sofort die Berlängerung des Militärdienstes, die feit der Ruhrbesetzung besteht, aufzuheben, mit Rücksicht darauf, daß die Ruhrbejeßung aufhören wird. Deutsche und französische Wirtschaft. Eine Rede des französischen Handelsministers. Paris, 2. Oftober.( Eigener Draftbericht.) In der Eröffnungs-| funden freien Entwicklung war das allgemein anerkannte System fizung der deutsch- franzöfifchen Handelsvertragsverhandlungen am Der er u. a. ausführte: Donnerstag hielt der Handelsminister Raynaldy eine Rede, in durch die Invasion zerstört gesehen. Um sie wiederherzuFrankreich hat seine wirtschaftlichen Kräfte tahmgelegt, ruiniert stellen, hat es eine bewundernswerte Anstrengung unternommen, aber es mußte aus feinen eigenen Mitteln den Preis dieser Bieberherstellung vorfchießen. Obwohl es diese ungeheure und heilige Aufgabe pollzog, fonnte es fchon bereits unmittelbar nach Kriegsenbe zu einem Regime der Handelsfreiheit zurüd fehren, und wenn es auch von einer Entwertung seines Geldes berührt wurde, so hat es doch nicht die Umwälzungen einer Geldtatastrophe getannt. Deutschland dagegen hat seine Handlimgsfreiheit ein gefchränkt, was für die anderen und für es selbst eine Ersch we rung bedeutet hat, und es hat auch geibliche Umwälzungen erfahren, von denen es sich mit methodischer Energie wie der aufrichtete. Hingegen hat es feine nationale Wirtfchaftsrüstung behalten und unausgefekt entwidelt. Das Spiel der wirtschaftlichen Kräfte ist infolgedessen niemals unterbrochen worden. Diese Kräfte arbeiten mit vollem Ertrag, so daß sie die Arbeitsstundenziffern überschreiten, auf die Frankreich traft internationaler Abkommen beschränkt ist. Diese Tatsachen zwingen uns, mit Ihnen zu untersuche ,, ob die Wirtschaft der beiden Länder im gleichen Grade zu normalen Broduftionsverhältnissen und infolgedessen auch Konkurrenzper hältnissen zurückgefehrt ist und Sie zu fragen, ob wir bei alle dem fest entschlossen sind, einen energischen Schritt nach der Richtung der Wiederherstellung des Güteraustauschs zu tun. Db wir ihn so fort durch ein definitives Statut regeln könnten oder ob wir ihn nicht im Gegenteil einem vorläufigen Regime unterstellen sollen, einem provisonischen Regime, das wir uns selbstverständlich vorbehalten würden, später zu verbessern oder zu stabilisieren. Sodann warf der Handelsminister die Frage auf, ob Deutschland die Absicht habe, das System der Kontingente und der Ge. nehmigungen, das während des Krieges eingeführt und seitdem nicht völlig abgeschafft wurde, zu verewigen oder ob es zur Handelsfreiheit zurückzukehren gedente. Ist Deutschland zu einer Abänderung feiner Tarife geschritten, auf die sich die Arbeiten der Handelsdelegation stützen fönnten. Außerdem erwähnte der Handelsminister die elfaßz- lothringische Sonderfhlung, die zweifellos eine Maßnahme der Gerechtigkeit bebeute und ihren Vorläufer in früheren Verträgen finde. Danach habe Elfoß- Lothrin. gen nur zum geringen Teil die Vorteile dieser Sonderstellung genommen und es sei andererseits nicht zu leugnen, daß der Strom, der Elfoß- Lothringens Erzeugnisse auf die deutschen Märkte führte, nicht ohne schwersten Schaden unterbrochen werden fönnte. Die französische Regierung müsse daher im Sinne der Gerechtigkeit und als Bürgschaft des Friedens und der Verständigung die Frage Der vorläufigen Aufrechterhaltung der Ausfuhrfrei heit elfos- lothringischer Waren nach Deutsch land aufwerfen. Andere Fragen würden sich engeben, ohne deren Lösung die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder Gefahr laufen, schwierig zu bleiben. Einpöteln mit Elektrizität. Die Elektrizität hat sich, wie der Berichterstatter der Minerva" mitteilt, ein neues Gebiet für ihre praktische Verwendung erobert. Ein großes amerikanisches Handels haus hat eine neue Methode der Konservierung des Fleisches durch Einfalzen mit Hilfe der Elektrizität in ihren Betrieben angewandt, die die besten Erfolge, sowohl vom technischen wie vom ökonomischen Standpunkt aus betrachtet, gezeitigt hat. Man konnte auf diese Weise Nahrungsmittel, die sonst zur Durchführung ihrer Konser rierung einer dreimonatigen Behandlung bedurften, in einem Monat einpöfeln. Die benutzte Lauge besteht aus einer Lösung von Salz, Zucker und Salpeter, durch die ein elektrischer Strom von 30 bis 35 Ampère fechzigmal hindurchgeleitet wird. Zum Einfalzen von Schinken z. B. verwendet man große Zuber, die gut 2200 Kilogramm auf einmal faffen. Die Lauge wird bei einer Temperatur Don 1-2 Grad in die Gefäße eingefüllt und durch ein Pumpwert in Bewegung gehalten. Die Elektroden, die an den beiden ei tander gegenüberstehenden Enden des Gefäßes aufgestellt sind, bestehen aus je fünf Kohlenzylindern von 120 Zentimeter Länge und einem Durchmesser von 8 Millimeter und sind durch Majolikaröhren isoliert. Zwischen den beiden Elektroden herrscht eine Spannung von 40 Bolt. Die Wirkung des elektrischen Stromes zeigt sich darin, daß die Boren des Fleisches geöffnet und die Durchdringung mit der Salzlauge auf diese Weise erleichtert wird. Das hat eine bedeutende Ersparnis an Zeit und Kosten zur Folge. So brauchte man z. B. zum Einpöfeln von Sped nach der alten Methode 20 Tage; während der Prozeß mit Hilfe der Elektrizität in drei, höchstens vier Tagen vollendet ist. Und das gleiche Verhältnis gilt auch für das Einburg u. a. aus: Der Wohlstand der nationalen Wirtschaften Euro falzen anderer Fleischarten. Der neue Armee- Mufitinspizient zum Nachfolger des aus der Reichs. wehr ausscheidenden Armee. Musilinspizienten Prof. Theodor Gramert ift Prof. Hadenberger ernannt worden. H Der Minister schloß mit edn Worten: Außerdem fann man sagen, daß das Werk der Regierungen unvollständig bleiben würde, wenn die Beziehungen zwischen den Staatsangehörigen der beiden Länder und wenn die Vereinbarungen, die vor dem Kriege ihre Tätigkeit regelten, nicht wiederhergestellt werden könnten. Antwortrede Trendelenburgs. In seiner Antwortrede führte Staatssekretär Trendelen. pas in der Vorfriegszeit bedong durch eine weitgehende internationale Arbeitsteilung einen von Jahr zu Jahr zunehmenden Warenaustausch zwischen den einzelnen Staaten. Dieser Warenaustausch führte jede einzelne Wirtschaft aus der Begrenztheit des einzelnen Landes heraus in die Weltwirtschaft. Die Bafis diefer gegemäß des Bollschutes in Verbindung mit dem Grundsatze der allgemeinen Meistbegünstigung im gegenseitigen Warenverfehr. Diefes System enger Verflechtung der nationalen Wirtschaften hat de Krieg zerstört. Dem Krieg folgte der 3erfall zahlreicher Währungen Europas. Er verhinderte die allgemeine Rückkehr zu der freien Zuständen der Borkriegszeit. Ueberall haben wir in den letzten Jahren Einfuhrverbote, Sollerhöhungen, Valutazusperre und andere Maßnahmen wirtschaftlicher Absperrung erlebt. Differenzierungen unerträglicher Art( z. B. das Paßunwesen. Red. d. Borw.".) waren an der Tagesordnung; der blühende Warenaus tausch der Vortriegszeit ist auf auf ein Maß zurüdgefchraubt worden, das ben Wohlsband Europas auf das äußerste geschädigt hat und weiter gefährdet. Der deutsch- französische Bare- werkehr, der fich vor dem Krieg auf etwa 1½ milliarde Goldmart belief, hat sich in den Jahren der Nachfriegszeit nicht erholen tönnen und steht im Gegensatz zu den Bedürfnissen der beiden großen Wirtschaften. Der Herr Minister hat auf die Zerstörungen hingewiesen, welche der Krieg für Frankreich zur Folge gehabt hat. Die schweren Berluste, welche Deutschland durch den Krieg und seine Folgen erfitten hat, sind anderer Art. Wir, die wir die Nöte der deutschen Wirtschaft vor Augen haben, fönnen nicht verstehen, daß im Auslande auch heute noch die Meinung verbreitet ist, daß die deutsche Wirtfchaft im gaizen gesehen ihre alte Leistungsfähigkeit auch nur annähernd behalten habe und der Wettbewerb ihrer Produktion eine Gefahr für die anderen Nationen bedeutet. Die Verhältnisse for dern ein Aufräumen mit diesem Zustande gegenseitiger AbschlieBung. Gleichheit, Vertrauen und möglichste Freiheit sollen an Stelle der Differenzierung und Mißgunst in der ganzen Welt treten. So notwendig während des Währungszerfalls das System der Einfuhrverbote gewesen sein mag, so gern find wir jeht, nach Stabilisierung der Währungsverhältnisse, bereit, von diesem System Erleichterungen zu gewähren. Alle anderen wirtschaftlichen Maßnahmen der Uebergangszeit sollen gleichfalls fallen. Auch in bezug auf das Ausmaß des Zollschußes stehen wir auf dem Standpunkt, daß nur eine Anspannung der Zölle an veränderten Wirtschaftsverhältnissen notwendig ist. Im Prinzip soll das System des gemäßigten Zollschutzes, wie es bei uns in der Borkriegszeit bestand, nicht geändert werden. Gerade auf diese legte Feststellung lege ich ganz besonderen Wert, weil die Absicht der deutschen Regierung in dieser Beziehung, ungeachtet der wiederholten ungweideutigen Ausführungen, Mißverständnissen im großen Umfange ausgefeht gewesen ist. In Verbindung mit dem gemäßigten Zollschuh bedürfen wir aber weiter wie in der Borkriegszeit der unbeschränkten allgemeinen Meistbegünstigung. Wir erstreben dieses System. nicht deshalb, weil Deutschland die im Dames- Gutachten vorgesehenen Zahlungen nur durch Ausfuhr bewirken kann, wir wünschen dieses System vielmehr vor allem, aus der Ueberzeugung heraus, daß nur auf der Basis der Meistbegünstigung die Verflechtung der nationalen Wirtschaften der. gestalt wieder in einem Maße herbeigeführt werden barn, wie es vor dem Kriege zum Nutzen aller Staaten bestanden hat. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse Europas feit den Kon ferenzen von Genua und Genf hat überall die Ueberzeugung weiter verstärkt daß nur auf der Grundlage voller gegenseitiger Gleichheit eine wirtschaftliche Gesundung Europas zu erhoffen ist. Auch unter dem gleichen Gesichtspunkte der Meistbegünstigung ist die Erhebung der 26prozentrigen Abgabe zu beurteilen, gegen welche die deutsche Regierung bereits im anderem Zusammenhang sich gewendet hat. Ich bitte den Herrn Handelsminifter, die Ueberzeugung mitzunehmen, daß das Ziel der Reichsregierung die Wiederbelebung des gegenseitigen Handelsverkehrs zum Wohle beider großen Länder ist. Die fünftigen Gigungen merden streng vertraulich sein und nur von Fall zu Fall werden offizielle Mitteilungen in beider. feitigen Einverständnis ausgegeben werden. Gewerkschaftsbewegung Die Vaterländischen". „ Deutsche Werksgemeinschaft, Wochenschrift der deutschen Arbeitnehmerbewegung Großdeutschlands in Stadt und Land", nennt fich das von den Gelben vertriebene und den Scharfmachern im Unternehmerlager gezahlte Blatt, das die etwas hochfliegende Aufgabe hat, die Gewerkschaften und insbesondere die Sozialdemokratie totzumachen. Vor uns liegt die Nummer 28. vom 28. September, in der nach kommunistischem Muster ein vaterländischer Betriebs rätefongreß zum 6. und 7. November nach Berlin einberufen ist, dem ein Reichsbundestag" folgen soll. Die geistigen Leiter dieser fogenannten Arbeiterbewegung sind die Deutschnationalen Geisler und Dr. Erich Schmidt. In der angeführten Nummer wird unter dem Titel„ Der Boltsbetrug der Sozialdemokratie" wieder einmal der Versuch gemacht, die Sozialdemokraten verantwortlich zu machen für das Elend des Krieges und der Nachkriegsperiode. Der Verfasser, der offenbar auf das furze Gedächtnis feiner Leser spekuliert, fängt da an ,. wo er eigentlich aufhören müßte: beim Zusammenbrudy des faiserlichen Deutschland. Vier Jahre hat das deutsche Bolt gehungert und geblutet, um feige im Stich gelassen zu wer den von denen, die es den befannten herrlichen Zeiten entgegenzuführen versprochen hatten. Die Sozialdemokratie ist mit Mut und Entschloffenheit für jene feigen Deserteure in die Bresche gesprungen. Aus dem Trümmerhaufen des Elends, das die Hohenzollern zurüdgelaffen hatten, mußte langsam und mühselig das staat liche und wirtschaftliche Leben wieder aufgebaut werden. Das ist ein Wert, das Jahrzehnte erfordert. Die Sozialdemokratie hatte aber nicht nur gegen das Elend an zufämpfen, das uns das faiserliche Deutschland zurückgelassen hat; fie mußte auch die Feindschaft der ganzen Welt, die uns das Hohenzollernregime eingetragen hat, überwinden. Sie mußte tämpfen gegen die Sabotage der Scharfmacher, die die „ vaterländischen Arbeitnehmerverbände" aushalten und sich jeder Sanierung der Währung und Wirtschaft widersetzten. Diese ongeb lich Baterländischen, deren Geldgeber ungeheure Reichtümer zu fammengeschoben haben, besigen nun die Frechheit, der sozialdemotratischen Arbeiterbewegung den Ruin Deutschlands durch die Hohen zollern und die Schieberwirtschaft der Unternehmer, die statt zu produzieren, spekulierten, in die Schuhe zu schieben. Diese Leute, die vor jedem, der es versteht, mit den schmuzigsten Mitteln reich zu werden, auf dem Bauche liegen, werfen ausgerechnet der Sozial demokratie Materialismus vor! Die„ Baterländischen", die das Volk bei vollen Scheunen verhungern ließen, die den Mittelstand, die Sozial- und Rieinrentner enteigneten, die ungeheure Reichtümer aufgestapelt und in allen Ländern der Welt Befizungen erworben haben, die gleichzeitig den Arbeitern Hungerlöhne zahlen, fie zu 10 und 12stündiger Arbeitszeit verdammen wollen, die aus reinem Profitintereffe 3e chen und Fabriten stillegen und Zehntausende von Arbeitern zum Hunger verur. teilen, diefe Leute besigen die Frechheit, durch ihre Soldschreiber den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie Vaterlands. losigkeit und materialistische Gesinnung vorzuwerfen. Die Stinnes, die gegen 6 Prozent Provision mit dem„ Erbfeinde" Erfüllungspolitik zu treiben bereit waren, die sich mit aller ihrer wirtschaftlichen und politischen Macht der Stabilisierung unserer Währung entgegensetzten, um ungestörter das deutsche Volksver mögen ins Ausland verschieben zu können, besitzen die unverschämt heit, den Sozialdemokraten mangelnde vaterländische Gesinnung vorzuwerfen. Es genügt im übrigen vollkommen, daran zu erinnern, wie sich die Verderber Deutschlands im November 1918 feige gedrückt haben und mit und ohne blaue Brille ins Ausland flohen. Es genügt, zu erinnern, wo die Millionäre( in Goldmart) des Nachkrieges fizen, um den ganzen„ vaterländischen" Schwindel ins rechte Licht zu setzen. Zur Erwerbslosenversicherung. Beitragspflicht- Unterstüßungsrecht. Eine gemeinfame Vorständekonferenz der freien Arbeiter und Angestelltengewertschaften Berlins beschäftigte sich am Dienstag im Gewerkschaftshaus eingehend mit Fragen der Erwerbslosen. fürforge. Besonders die große Ungerechtigkeit der Beitrags pflicht aller frankenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ohne Unterstüßungsrecht bei eintretender Arbeitslosigkeit wurde einer scharfen Kritik unterzogen. Es wurde verlangt, daß die Verordnung über Erwerbslosenfürsorge durch eine Bestimmung ergänzt wird, die das Unterstüßungsrecht gewährt. Weiter wurde die Aufhebung der Bestimmung über die Pflichtarbeit gefordert, meil es höchst ungerecht erscheint, daß bei einer Beitragsleistung der Unterfügungsempfänger für seine Unterstützung noch Arbeit leisten soll. Jedenfalls fei für Pflicht- und Rotstandsarbeit das System der tariflichen Entlohnung einzuführen. Gegen die Absicht des Magistrats, Angestellte in den Bezirksarbeitsämtern zu entlassen und durch abgebaute Beamte zu ersehen, nahm die Konferenz ebenfalls in scharfer Weise Stellung. Die Abficht des Magiftrats fei geradezu frevelhaft, wenn man bedenkt, daß babei gar keine Ersparnisse erzielt werden, aus den Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber die abgebauten Beamten neben ihrem Wartegeld noch das volle Gehalt bis zur Gruppe VIII bekommen würden. Dazu sind die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zur Erwerbslosenfürsorge doch nicht da. Die Vorstände konferenz brachte ihren Unwillen gegen die beabsichtigten Maß nahmen des Magistrats durch Annahme einer entsprechenden Ent schließung zum Ausdruck. Bezüglich der durch die Verordnung über Erwerbslosenfürsorge hervorgerufenen Misstänbe nahm die Konferenz folgende Ent schließung an: ,, Die gemeinsame Vorständekonferenz der freien Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften Berlins erwartet von den Bundesvor ständen, daß sie ihre ganze Kraft erneut einfegen, um das Unter stügungsrecht für alle Erwerbslofen bei einer Beis tragsleistung zu erlangen. Weiter lehnt die Konferenz, nachdem die Beitragspflicht gefeßlich eingeführt ist, die Pflichtarbeit als Gegenleistung für empfangene Unterstützung grundsäglich ab. Solange aber die gesetzliche Verpflichtung der Pflicht- und Notstandsarbeit besteht, haben die Bundesvorstände darauf hinzuwirken, daß bei solchen Arbeiten das System der tariflichen Entlohnung eingeführt wird." Verschärfter Kampf im Speditionsgewerbe. In einer überfüllten Versammlung in Boekers Festsälen nahmen die Arbeiter des Berliner Speditionsgewerbes gestern abend Stellung zur Streiflage. Bürschel ging in seinen Ausführungen noch einmal auf die Entstehung des Streits ein, der infolge der Verschleppungstaftit der Unternehmer ausgebrochen ist. Da die Unternehmer auch jetzt noch jede Berhandlung zur Beilegung des Streifs hintertreiben, müffe ber Kampf bis zu einem fiegreichen Ende geführt werden. Ortmann, Vorsitzender der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Verkehrsbundes, wies die Behauptung der Spediteure zurück, daß sie zur Bewilligung der berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer bereit gewesen seien. Von der Organisation sei alles getan worden, um zu einer Beilegung des Konfliktes zu gelangen. Die Unternehmer haben aber jede Bereitwilligkeit vermissen lassen. Die Arbeitnehmer fönnten es nicht verstehen, daß die Aufsichts. behörde in diesem die Allgemeinheit bedrohenden Streif nicht gegen die Unternehmer eingreife. Man neige vielmehr zu der Ansicht, daß anders verfahren würde, wenn die Arbeitnehmer eine gleiche Unnachgiebigkeit an den Tag legen würden. Der Redner hob besonders hervor, daß dieser Kampf, den die Unternehmer als einen Bähigkeit von den organisierten Arbeitern weitergeführt wird. Machttampf gegen die Organisation führen, mit aller Jederzeit habe man die Hand zu Verhandlungen geboten. Einem Unternehmertum aber, welches einen derartigen Herrenstandpunkt einnimmt, müsse man geschlossen gegenübertreten, um einen Erfolg zu erringen. In der sehr ausgedehnten Diskussion fam allgemein die Er regung der Arbeiterschaft über das Verhalten der Unternehmer zum nicht schrecken lassen. Nur bei restloser Wiedereinstellung und BeAusdrud. Man dürfe sich auch durch die erfolgten Kündigungen willigung der Forderungen sei an eine Wiederaufnahme der Arbeit zu denken. Solange werde man sich durch keine Machibringen lassen. Mit einem Hoch auf die Bewegung wurde die Vernationen der Unternehmer von dem aufgezwungenen Kampf abfammlung geschlossen. Reichskonferenz der Großschiffswerften. Großschiffswerften am 29. September in Hamburg waren die WerftAuf der 4. Reichstonferenz der Maschinisten und Heizer der orte Bremen, Bremerhaven, Emden, Flensburg, Hamburg, Riel, Rostoc und Stettin vertreten. Den Zentralverband des Verbandes der Maschinisten und Heizer vertrat Balleng. Schiffbau im Rahmen des Weltschiffbaues. An Schredinger Hamburg referierte über den deutschen Hand einer erdrückenden Fülle von Karten- und Tabellenmaterial gab der Referent eine straff aufgezogene Darstellung der Lage des deutschen Schiffbaues. Ausgehend von der einzigen Bormacht. ftellung Englands im Weltschiffbau, übergehend zu den Versuchen Deutschlands, schiff und maschinenbautechnisch von England unab hängig zu werden, wurde dann zusammenfassend ein Bild der Gefamtentwicklung des deutschen Schiffbaues bis zum Beginn des großen Krieges gegeben, der Entwicklung, die in den Schiffen der Imperatorklaffe ihren vorläufigen Abschluß fand. Nach Schilderung des gewaltigen Eingriffes durch das Friedensdiktat in den Bestand der deutschen Handelsflotte, wurde die Lage des deutschen Schiffbaues in der Gegenwart und der nächsten Zukunft analytisch untersucht. Anschließend an den Vortrag wurde die Lage der Maschinisten und Heizer auf den deutschen Groß fchiffswerften erörtert. Die Klagen betrafen hauptsächlich die Arbeitszeit, den Bereitschaftsdienst und die Entlohnung. Aus der Diskussion ging flar hervor, daß überall da, wo die Werftarbeiter es verstanden, ihre Organisationsfräfte zusammenzuhalten, die allgemeinen Lohn- und Arbeitsverhältnisse gut sind. Alle Diskussionsredner betonten den erneuten ernsten Willen, für den Ausbau der auf den Werften zuständigen Organisationen zu forgen. In der Entschließung wurden die fortgesetzten Bemühungen der Zentralwerstkommission und der Verhandlungskommission, die Lage der Gesamtwerftarbeiterschaft zu verbessern, anerkannt. Diese Bemühungen sind mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weiter zu treiben. " Angesichts der Tatsache, daß diese Bemühungen nur dann Erfolg haben fönnen, wenn sie gestützt werden von dem einheitlichen Massenwillen der Gesamtwerftarbeiterschaft; angesichts der weiteren Tatsache, daß die Lage der Gesamtwerftarbeiterschaft im allgemeinen und die der Maschinisten, Heizer und Berufskollegen im besonderen dringend und schnell der Befferung bedarf, fordert die Konferenz die Werftarbeiterschaft im allgemeinen und die Heizer und Maschinisten im besonderen auf, fich darauf zu besinnen, daß die Lage der Arbeiterschaft nur durch die Arbeiterschaft selbst gehoben werden kann. Die erste Voraussetzung hierzu ist die Geschlossen heit, die sich dokumentiert in der Beiseitestellung aller trennenden Momente und in der Stärkung und Festigung der frei gewertschaftlichen Organisationen, insbesondere also des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer." Eine weitere Entschließung wendet sich gegen das Verhalten der Mitglieder des Deutschen Wertmeisterver bandes während des letzten Kampfes der Werftarbeiter. Als Beiratsmitglied brachte die Konferenz den Koffegen Schredinger in Vorschlag. Die Not der Bergarbeiter. arbeiterverbände einen Aufruf, in dem es heißt: Wie uns aus Bochum gedrahtet wird, erlassen die vier Bergs Die Not und Elend lasten über der Bergarbeiterbevölkerung. Die Lebenshaltung der Bergarbeiterfamilien wird durch die sprunghaste Preisentwicklung auf dem Lebensmittelmarkt, durch die Verteuerung von Brot, Fleisch, Kartoffeln, Schmalz usw. immer tiefer gedrückt. Die Reichsregierung hat bereits vor einigen Wochen eine Ber billigungsaltion eingeleitet. Welche Wir tung hat sie gehabt? Statt einer Preisfentung trat eine weitere Verteuerung der Lebenshaltungskosten ein. Dabei sind die Güterfrachten ermäßigt worden. Die Zollschranken bzw. die Zollabgaben sind fortgefallen. Auch die umfaß steuer wurde gesentt. Mehrere Male wurden Rohlenpreise herabgefeßt, und noch immer nicht macht sich eine Wirkung all dieser Maßnahmen auf dem Lebensmittelmarkt bemerkbar. Die Lohnverhältnisse der Bergarbeiter müffen unter diesen Umständen als völlig ungenügend betrachtet werden. Infolge der immer schwieriger werdenden sozialen Lage tamen die Vorstände der an den Tarifverträgen beteiligten Arbeitnehmer. verbände zu dem Entschluß, vorbereitende Maßnahmen zu treffen, um noch ein weiteres Abgleiten des bisher schon zu geringen Reallohnes der Bergarbeiter gegenüber den Lebenshaltungskosten zu verhindern. Nach eingehender Würdigung aller in Betracht kommenden wirtschaftspolitischen Momente famen jedoch die Organisationsleitungen einstimmig zu dem Beschluß, in der Lohnfrage für diesen Monat die bisher eingenommene abweichende Haltung nicht aufzugeben. Ein offensives Vorgehen der ArbeitnehmerverLage auf dem Wirtschaftsmarkt, insbesondere in der Bergbauindubände in dieser Stunde tönnte sich angesichts der noch nicht geflärten ftrie, als eine verfehlte Maßnahme erweisen, die bei ihrem Mißlingen den Bergarbeitern Opfer auferlegen würde, welche für einen besseren und aussichtsreicheren Zeitpunkt bereitgehalten werden müffen. Sollten sich aber im Laufe des Monats Oftober feine wesentlichen Preissenkungen bemerkbar machen, so werden die Arbeitohne für die Bergarbeiter fordern. Um dem Bergarbeitersland, nehmerverbände eine entsprechende Erhöhung der den Bergarbeiterfamilien, menschenwürdige Eristenzbedingungen zu verfchaffen, werden sich die Verbände mit allen Mitteln dafür einfegen, daß die Löhne der Bergarbeiter der Teuerung angepaẞt werden. Der Aufruf wendet sich zum Schluß an die Bergarbeiter, sich zusammenzuschließen und zur Erfämpfung einer besseren Eristenz die volle Kampffraft wiederherzustellen. Tarifverhandlungen für die Chauffeearbeiter. In nächster Zeit und zwar um den 10. Oftober herum soll über den Neuabschluß eines Tarifvertrages mit der Provinzialverwaltung Brandenburg, den Arbeitgeberberbänden der Landkreise in den Re gierungsbezirken Potsdam und Frankfurt/ Oder verhandelt werden. Der Verband der Gemeindes und Staatsarbeiter( Paul Strunt, Frankfurt/ Ober, Badergasse 2), bittet die Chausseearbeiter dies zu beachten und eventuell Anträge zu dieſen Verhandlungen ihm umgehend zu übermitteln. Zum Streit bei der Firma Gebrüder Kroner. Wie wir vor einigen Tagen mitgeteilt haben, find die Arbeiter und Arbeiterinnen getreten. Da die Firma nach außen hin erklärt, daß sie Tarif. der Firma Gebr. Kroner wegen Rohndifferenzen in den Streit Lohn zahlt und daß der Streit ein wilder Streit ist, erklären wir, daß feit dem 20. Mai ein Tarifvertrag nicht mehr besteht. Der Streit bei der Firma Gebr. Kroner wird mit Zustimmung unieres Berbandes geführt. Wir kommen auf diese Angelegenheit in den nächsten Tagen noch einmal zurück und ersuchen nochmals alle Arbeiterinnen und Arbeiter, Solidarität zu üben sowie auf feine Versprechungen einzugehen. Weitere Auskunft im Verband der Fabrikarbeiter. SPD.- Musikinstrumentenarbeiter! Bersammlung am Sonntag vor. mittag 9½ Uhr im Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147. Der Werbeausschus. Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter. Heute, große öffentliche Eisenbahnerversammlung. Referent Rollege Menne( 1. BorFreitag, abend 6 Uhr im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23, gender der R.-G.): 1. Wie sieht unser neuer Arbeitgeber aus, und was haben wir von ihm zu erwarten? 2. Wer sichert uns in Zukunft die Bezülge und die erworbenen Rechte? Freie Aussprache. . Achtung, Zimmerer! Allen Vertrauensleuten und Betriebsräten unferes Verbandes wird es zur Pflicht gemacht, auf allen Arbeitsstellen dafür zu agitieren, daß alle Mitglieder in die am Sonnabend, den 4., oder Sonntag, den 5. Oktober, in allen Bezirken stattfindenden Be. airispersammlungen erscheinen. Rameraden, nachdem nunmehr auch unser Berband wieder an den Lohnverhandlungen teilgenommen hat, muß airt 20, Neukölln, tagt nicht am Montag, fondern am Sonntag, den in den Bezirken zum Lohnabschluß Stellung genommen werden. Der Be. 5 Oktober, vormittags 9 Uhr, bei Staffun, Ert, Ede Donaustraße. Die Funktionärtonferenz findet heute, Freitag, abend 7 Uhr im Gewerkschaftshaus statt. Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Colales Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Berlan Gorwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts- Buchbruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer 11, Co. Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. und Sonstiges: Willy Mobus; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Sierzu 2 Beilagen. Ratsweinkeller- Schöneberg Inhaber: Franz Grosche Bisher langjähriger Direktor d. Restaurants ,, Zum Heidelberger" im Central Hotel, Berlin. im neuen Schöneberger Rathaus Rudolf Wildeplatz, Untergrundbahn Stadtpark Nach erfolgter Abernahme Wiedereröffnung am Sonnabend, dem 4. Oktober, abends 6 Uhr Fernsprecher: Stephan 888 REGIE WEINE zu testgesetzten Preisen Stadikellerei der Verkauf außer dem Hause nach besonderer Preisliste Gute Küche Täglich Künstler- Konzert Pilsener Urquell und Spatenbräu Jetzt während des ganzen Tages geöffnet! Ratsstuben/ Prunkräume Dejeuners/ Diners/ Soupers Sämtliche Delikatessen der Saison Nr. 466+ 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Soziale Aufgaben der Stadt. Untergrundbahnhof Hermannstraße als Kreuzungsbahnhof beschlossen. Hierauf kam die Borlage wegen Freitag, 3. Oktober 1924 fassung begreiflich werden, die sich hie und da, auch in unseren Kreisen, geltend macht, als ob die Gemeinden schon wieder im Geide schwimmen. Um in dieser Hinsicht klar zu sehen, und um zu er= femnen, ob und wie weit im Sinne unseres Antrags Mittel vorhanden sind, bedürfen wir einer genauen Kenntnis der derzeitigen Finanzlage; die bisher damit getriebene Geheimniskrämerei muß aufhören. Angesichts der ungeheuren Opfer, die uns die Inflation auferlegte, ist gewiß Sparsamfeit geboten, diese darf aber nicht so nung verbleibt. Für die Besserung des Wohnungswesens muß un bedingt mehr als bisher geschehen. Die Finanzierung der städtischen Gestaltung des Untergrundbahnhofes Hermannplatz Werke und des Straßenbahnwesens darf fernerhin wie bisher lediglich zur zweiten Beratung. Der Ausschuß hat sich in seiner Mehrheit nicht auf Kosten der Arbeiter betrieben werden, die hier bestehenden schaftsbahnhof abgelehnt. Von unseren Genossen ist beantragt, die für den Kreuzungsbahnhof entschieden und den Gemeinsozialen Pflichten der Stadt muß man endlich einlösen. Gemiß ist die Anlage des Gemeinschaftsbahnhofs auszuführen. In der Erörterung Groß- Berlin immerhin viel günstiger daran als jede andere GroßGeldflüssigkeit zum Teil bloß augenblicklich; aber Berlin ist auch als legte sich Dr. Klindhard von der Dtsch. Bp. mit größter Lebhaftigkeitstadt, und es wird, mag auch der Finanzausgleich ausfallen wie er für den Kreuzungsbahnhof ins Zeug, der billiger fei als ein Gewill, auch sozial mehr zu leisten imftande sein. meinschaftsbahnhof fich stellen würde, und der einen Ein- MinutenVerkehr ermöglichen würde. Stadtbaurat Hahn verwahrte sich dem Redner gegenüber dagegen, daß er sich dem Projekt gegenüber mit sich selbst in Widerspruch gesetzt habe. Er habe das frühere GemeinGestalt gab, bie einen großen Umweg und somit Berlängerung der schaftsbahnhofsprojekt bekämpft, weil man der Trasse eine andere Fahrzeit und größere Kosten involvierte. Gen. Harnisch führte aus: Gestalt gab, die einen großen Umweg und somit Berlängerung der Beide Entwürfe erkennt die Aufsichtsbehörde als brauchbar an; für gegen Meinung. Die Technifer, auch die Anhänger des beide ist die Genehmigung zugesichert. Im übrigen steht Meinung Kreuzungsbahnhofs, erklären, daß Genoffin Todenhagen: Nicht alle im Augenblick brennenden Sozialfragen dürfen von dem Ergebnis der Prüfung der Finanzlage abhängig gemacht werden. Dazu gehört vor allem In der Berliner Stadtverordnetenversammlung| Union 92" von der RVA. für Angestellte zu gewährendes Dar verstanden werden, daß es einfach bei der dritten Steuernotverordist eine Erörterung über die Fürsorge für Unbemittelte lehen von 10 000 m. und Erwerbslose nicht möglich, ohne daß die Kommunisten daraus eine lärmende Kundgebung machen. Ais gestern über eine ganze Gruppe von Fragen dieser Art verhandelt wurde, begründeten die Kommunisten ihre Anträge unter der üblichen Schimpferei auf die Sozialdemokratie, zur hämischen Freude der Bürgerlichen. Die fachlich wertvollen Ausführungen der fozialdemokratischen Redner, des Genossen Reuter und der Genoffin Lodenhagen, die den die Wiederaufnahme der zurüdgestellten fozialen Aufgaben der Stadt for: dernden Antrag unserer Fraktion begründeten, waren den kommunistische Maulhelden offenbar unbequem. Das merkte man an dem verdoppelten Geschimpfe, mit dem sie den Eindruck dieser Reden in ihren Erwiderungen abzuschwächen suchten. Um nochmals Um nochmals schimpfen zu können, taten fie, wie wenn sie nicht wüßten, daß die Ueberweisung der Anträge an einen Ausschuß durch die Geschäftsordnung vorgeschrieben ist. Alles war bei ihnen darauf angelegt, auf die Tribüne zu wirken. Im ersten Teil der Sigung wurde über den Untergrundbahnhof Hermannstraße beschlossen. Die Vorzüge eines Gemeinschaftsbahnhofes wies Genosse Harnisch nach, aber die Bürgerlichen wollen von einer solchen, den Verkehr erleichternden Bahnhofsanlage nichts wissen. Mit ihrer Mehrheit setzten sie den Kreuzungsbahn hof durch. Infolge des Ausfalls der Sizung am vorigen Donnerstag hat sich der Beratungsstoff sehr gehäuft. Ueber die gestrige Sigung ergoß sich sofort zu Beginn eine Flut von Dringlichkeitsanträgen und Anfragen; dazu kam eine Dringlichkeitsvorlage des Magistrats. Die lettere, die Ueberlassung des Rathausfestsaales zur Feier des 50jährigen Bestehens des Krankenhauses Friedrichshain betreffend, wurde furzerhand genehmigt. Der Dringlichkeitsantrag unserer Genossen, der sich gegen die unbillige Mehrbelastung wendet, die durch die Wiedereinführung der Gasmessermiete für die Gasverbraucher entstehen würde, wird in der nächsten Sigung beraten werden; desgleichen der Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen, der ebenso wie zwei Anfragen der Deutschen Volkspartei und der Kommunisten die Zunahme der Straßenbahnunfälle und die Gefährdung von Leib und Leben der Berliner Bevölkerung durch die Unsicherheit des Betriebes zum Gegenstande hat. Eine weitere Anfrage unserer Genoffen( gestern von uns bereits mit geteilt) verlangt Auskunft darüber, ob der Magistrat tatsächlich beabsichtigt, in den Arbeitsnachweisen tätige Angestellte durch abgebaute Beamte zu ersetzen. Endlich liegt von Merten und den Demokraten ein Dringlid, teitsantrag vor, monach der Magistrat schon in der nächsten Sigung ausführlichen Bericht erstatten soll, was er getan hat, um den skandalösen Zustand der Straßenbeleuchtung zu verbessern. Die sofortige Beratung des Antrages verhinderte von rechts kommender Widerspruch. Bom Stadtrat Poetsch ist gegen seine Versehung in den RuheStand Einspruch erhoben worden. Für Schumacher( Romm.) ist Frau Frida Rofenthal in die Versammlung eingetreten. Zur Anfrage der Dtsch. Vp. wegen der drohenden Abholzung des Waldgutes Saarmund bei Potsdam und dessen Berwendung zu Siedlungszweden gab Stadtrat Gen. Wuffy die bestimmte Versicherung ab, daß von der Stadt alles geschehen werde, mas in ihrer Macht liege, um eine weitere Verminderung des Waldbestandes zu verhindern. Die Neuregelung der Schulgeld säge an den städtischen Fach- und Fortbildungsschulen wurde nach den Ausschußvorschlägen beschlossen. Dem Ausbau des Sportplages an der Marienstraße in Köpenid stimmte die Versammlung trotz des Widerspruchs des Komm. Sell heim zu, genehmigte auch mit 70 gegen 64 Stimmen die Ueber nahme einer Bürgschaft für ein dem Berliner Tor- und Fußballklub 30] " Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen nero. Warum hast du da so gelegen, Mutter?" fragte er, während er ihre langen Beine ins Bett hineinschob und die Bettdece um fie feststopfte. Ach, ich habe gehört, daß du draußen warst und Geräusch machtest; da wollt ich dich hereinlassen. Ich dachte nicht daran, daß die Tür offen war." ,, Ja, ich meine, geht es dir sehr schlecht?" ,, Ach, ich hab' bloß Prügel gefriegt, sonst nichts," erwiderte sie und lächelte bitter. ,, Bom Bater?" fragte er. Er hatte nie richtig begriffen, warum der Bater nicht wieder schlug. ,, Nein, mein Freund, wir sind zwar Schweine, aber wir wühlen doch nicht." Thorvald hatte das Bedürfnis, der Mutter etwas Gutes anzutun, und beschäftigte sich um sie, auf mehr gut gemeinte als nüzliche Art, indem er sich die Behandlungsweise, die Lars seiner fleinen Schwester gegenüber angewandt hatte, zur Richtschnur nahm. ,, Liegst du gut so, Mutter?" " Ja, mein Junge." Sind feine Knoten unter dir?" ,, Knoten? Nein, ich liege wie im siebenten Himmel." „ Soll ich dir etwas wärmen- ein bißchen Zuckerwasser?" " Zuckerwasser? Bist du verrückt? Meinst du, ich wäre ein Säugling?" Sie lachte und stöhnte dazwischen vor Schmerz. Es tam ihm just so vor, daß Weiber und Säuglinge so einigermaßen den gleichen Geschmack hatten wenigstens mit Bezug auf Flüssigkeiten. Aber er lachte mit. Und während er das Zimmer wieder ein wenig in Ordnung brachte, erzählte ihm die Mutter von der Schlägerei: „ Du weißt doch, was die Leute auch über mich sagen mögen, ich bin nicht so wie Jonas Baulsens Alte, die um die Wette mit ihrem Mann Branntwein in sich hineinschüttet und wie ein richtiges schia.npiges Luder mit ihm in den Kneipen herumliegt und Lars und das Kleine verkommen läßt. Dank du Gott dafür, wenn für nichts anderes. Als ich mir erst klar darüber geworden war, von welchem Kaliber dein Vater war, hab' ich mich verschworen, daß fein anderer Branntwein hier ins Haus fommen solle als der, den er in feinem Wanst nach Hause schleppte und da tommt das Ungeheuer von Viehknecht und hält mir eine ganze Flasche unter d: idealfte Anlage der Gemeinschaftsbahnhof sei. Ist dem so, dann handelt es sich nur noch um die Frage der Kosten und der Betriebssicherheit. In der Magistratsbegründung finden sich effektiv fast nur Argumente für den Gemeinschaftsbahnhof. finden sich effektiv faft nur Argumente für den Gemeinschaftsbahnhof. Der 1915 zwischen Neukölln und Berlin geschlossene Vertrag sah ausdrücklich einen Gemeinschaftsbahnhof vor. Die Frage sollte doch Kreuzungsbahnhofs werden anscheinend auch dadurch zu ihrer wirklich jedes Parteiintereffe ausschließen. Die Freunde des Haltung bestimmt, daß es dann möglich werden würde, beide Linien, die Nord- Süd- und die AEG.- Bahn, völlig getrennt zu führen und so auch die Tarifgemeinschaft auszuschließen. Damit wäre aber bloß eine Erschwerung und Verteuerung des Verkehrs wäre aber bloß eine Erschwerung und Verteuerung des Verkehrs gegeben. Ein Gemeinschaftsbahnhof macht naturgemäß ein getrenntes Tarifwesen unmöglich. Es scheint daher, daß auch hier privatfapitalistische Interessen mitspielen( Widerspruch rechts), dazu bieten wir die Hand nicht. Wir halten es auch für ein Unrecht, den Fahrgästen, auch den Rindern, den alten und franken Personen und den Kriegsbeschädigten, das Passieren von 50 bis 60 Stufen zuzumuten. Mir blicken auf bas abschreckende Beispiel des Bahnhofs Stralau- Rummelsburg und stimmen für den Gemeinschaftsbahnhof, selbst auf die Gefahr hin, daß die Betriebsfoften fich etwas teurer stellen. In der weiteren Aussprache trat Dr. Michaelis( Dem.) für den Kreuzungsbahnhof als das fleinere Uebel ein, während Gäbel ( Komm.) für den Gemeinschaftsbahnhof plädierte und Dr. Steiniger ( Dnatl.) dem Magistratsvorschlag zustimmte, aber mit der Maßgabe, daß eine laufende Treppe zu allgemeiner Benutzung hergestellt wird". Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrags unserer Genossen mit 91 gegen 75 Stimmen und die Annahme der Vorlage mit dem Steinigerschen Zufah. Der Ausbau der V. Oberrealschule in Alt- Berlin murde beschlossen. In gemeinsamer Beratung erörterte die Ler sammíung hierauf die Anträge der Kommunisten, die im Interesse ber Erwerb siofen eingebracht sind, und den Antrag unserer Genossen, ici die Wiederonfnahme der zurüdgestellten jozialen Aufgaben der Stadt verlangt Der erste der tomm. Anträge datiert schon vom 24. Sumi 1924. Die Vertretung der tomm. Anträge, welche 1. die Gewährung von Darlehen an Erwerbslose und Einlagen der Landesversicherungsanstalt bei der Girofaffe der Stadt Berlin, 2. Maßnahmen im Intereffe der Erwerbslosen, 3. Schutz der Erwerbslosen gegen Aufhebung des Mietsverhältnisses, 4. die Unterstügung der Rentenempfänger verlangen, übernahm Gehlmann, der es natürlich auch an den üblichen Ausfällen gegen die SPD. nicht fehlen ließ. Gen. Reuter: Eine Reihe äußerer Erscheinungen läßt die Aufdie Nase. Aber du fannst mir's glauben, ich habe ihn gehörig| verprügelt; er wird die Madam Frank nicht so bald vergessen. Der Gedanke an das verhaßte Getränk erregte sie aufs höchste, und sie schlug mit den flachen Händen aufs Bett und schrie: Pfui, Branntwein! Zum Satan damit!" Thorvald nickte beifällig. Auch er fonnte nicht verstehen, daß jemand so ein Zeug trinken fonnte, da es doch etwas gab, das Arraf hieß. daß man sie auswringen fann wie ein Tuch. Um die Frauen ,, Da schlürfen sie's wie füße Milch und sind so schwammig, fümmern sie sich nicht, sondern zwingen so einen armen Teufel, drum herumzugehen, wo man doch zu essen im Hause hat, Sie müßten in Spiritus gesetzt werden, das müßten sie, wie Gewürm! Und schlottrig sind sie an den Beinen wie neugeborene Kälber. merken fann- Gott behüte: nein! Und sie glauben nicht einmal, daß man ihnen etwas anIch will dir was sagen, mein Junge, mit mir ist es so gewesen, daß ich wieder ausbrach, was ich gegessen hatte, bloß weil ich in einer Stube mit ihm schlafen mußte. Jetzt passiert mir das nicht mehr, denn jetzt bin ich abgehärtet; ich rieche es faum noch. Aber diesmal hatt' ich's nun doch gerochen, und ich sah, wie seine Gudlöcher leuchteten. Und da mußte des Großmaul von Biehknecht damit prahlen, daß er es wäre! Aber du kannst mir's glauben, ich hab' ihn ausgeflopft, und es hätte noch mehr Hiebe gesetzt, wenn der Schuft mich nicht hingeworfen hätte. ,, Hat er dir ein Bein gestellt?" fragte Thorvald gekränkt. Hat er dir ein Bein gestellt?" fragte Thorvald gekränkt. Er verfolgte alles, was die Schlacht betraf, mit großem Interesse. ,, Nein, denn ich hab' seine beiden Enden zusammenge bogen und seinen Kopf zwischen den Beinen gehalten, während ich ihn verwichste. Aber da richtete er sich mit mir auf." Das kam daher, weil du so lang bist," sagte Thorvald fachkundig. Du hättest ein wenig in den Knien einfinfen follen, dann hätte er sich nicht aufrichten können." ,, Es mag schon sein, daß du recht hast," erwiderte die Frau nachdenklich. Beide grübelten, sie über die strategische Belehrung, die fie erhalten hatte, er darüber, ob es nicht dumm von ihm war, sie ihr zu erteilen. ,, Wo ist Bater?" ,, Danach braucht man gerade zu fragen! Bei dem ist wohl ein Irrtum unmöglich." ,, Er hat im Wald eine komische Rede gehalten und gedie Erhöhung der Unterstützungen, die in einem Maße haben abgebaut werden müssen, daß ihre jezige Höhe auch nicht den allerbescheidensten Ansprüchen genügt. Der denn schnelle Hilfe tut bitter not. Ausschuß, an den der Antrag gehen muß, möge schnell arbeiten, antragt, bis der Magistrat wieder anwesend sei.( Am MagiftratsBon Gäbel( Romm.) wurde Aussehung der Berhandlung betisch waren nur Bürgermeister Scholz und Stadträtin Weyl zugegen; unmittelbar nach der Verkündung des Antrags erschien Oberbürgermeister Böß. Die Verhandlung wurde fortgesetzt.) Mit großem Aufgebot von Stimmitteln und Präftig von der Buhörertribüne unterstüßt führte das neue Mitglied der Versammlung, Frau Frieda Rosenthal( Komm.), unter wachsendem Geohle auf der Rechten den Kampf für die kommunistische Forderung, daß jeder Erwerbslose mindestens das Eristenzminimum als Unterstützung erhalten müsse. Stürmischer Beifall ihrer Frakersten Auftreten. Vorsteher Genosse Haß sah sich veranlaßt, die tionsgenossen und Beifallsklatschen und-getrampel folgte ihrem Tribüne zu ermahnen, sich ruhig zu verhalten. Aufrechterhaltung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen ein. Brunow von der Wirtschaftspartei flocht einen Protest gegen die Ostrowski( Komm.) protestierte gegen jede Ausschußberatung und Verschleppung, die Anträge seien vier Monate alt, und die AntragStunde, und Not tennt fein Gebot. Oberbürgermeister Böß flärt steller verlangten sofort die Annahme. Es sei die zwölfte die geringe Belegung der Magistratsbank dahin auf, daß der Bürgermeister mit den Fraktionen vereinbart habe, daß die sämtlichen Anträge im Hauptausschuß vorberaten werden sollen. Im übrigen habe meder er noch der Kämmerer irgendeiner Unternehmerorganifotion Anweisungen auf die Girofasse der Stadt gegeben. Richard Kunze( Dtschso3.) wetterte über den unerhörten Zinswucher der Banken und Großkapitalisten, gegen den der Hauptangriff gerichtet werden müsse. Für die Anträge wird er stimmen, damit die Sache endlich in Fluß fomme. Müller- Franken( Wirtschaftspt.) glaubte feststellen zu können, daß der Aufmarsch dreier Kommunisten ent= weder beweise, daß den Kommuniste, die auf fofortige Ablehnung ihrer Anträge spekulierten, das Konzept verdorben sei, oder daß fie sich der Tribüne besonders empfehlen wollten.( Stürmische Manifestationen auf der Tribüne; Vorsteher- Stello. Reimann droht die Räumung an.) Gäbel( Romm.) beruft sich auf Stadtrat Brühl als Zeugen dafür, daß im Juni die Girotasse dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie 4 Millionen Mart zu sehr niedrigem Binsfuß angeboten habe. Der Oberbürgermeister entgegnet, daß das ganz selbständig dastehende Landesarbeitsamt seinerzeit Gelder an die Girofasse gegeben hat mit der Anweisung, sie an die Industrie weiterzugeben, sofern dadurch Arbeiterentlassungen vermieden werden. Darin iiege nichts, was vom Arbeiterstandpunkt anstößig erscheinen fönnte. träge dem Hauptausschuß. Mit großer Mehrheit überwies die Versammlung sämtliche An= Schluß 9 Uhr. Berlin foll heller werden. Der Magistrat Berlin hat beschloffen, die öffentliche Straßenbeleuchtung um weitere 9 Proz. zu verbessern, nachdem sie schon in letzter Zeit in verschiedenen Bezirken bis zu 16 Broz. verbessert morden ist und in einzelnen Stadtteilen bereits den Friedensstand erreicht hat. sagt, es lägen zweiundzwanzig reine Jungfrauen drüben in den kleinen Tannen und schliefen." ,, Ach Herrgott, schwatzt er nun wieder von seinen reinen Jungfrauen? Das hat er in alten Zeiten immer getan, menn er fanonenbetrunken war und ins Blaue hinein faselte. Da nannte er mich wahrhaftig eine mich wahrhaftig eine reine Jungfrau und flennte und behauptete, er besudle mich. Und ich war ja dumm genug, es mir zu Herzen zu nehmen und mich gekränkt zu reden sein sollten, sondern daß er es wirklich meinte, fühlen, bis ich flug daraus wurde, daß es gar keine Stichel3weiundzwanzig reine Jungfrauen- hä! Der Tropf, er ist ja noch nicht einmal ein Mann! Ach, Gott helfe uns, zweiundzwanzig! Ja, den Mund vollnehmen, das kann er, aber zu was anderem taugt er auch nicht. Du kannst ihm ruhig einen schönen Gruß bestellen und ihm sagen, das hätte ich gesagt." ,, Der Schuhmann hat ihn abgeführt." ,, Hm." ,, Der dicke Mads hat gesagt, es sei das richtige Delirium." ,, Ja, das fette Schwein fennt wohl seine Pappenheimer am Gang." Madam Frants Laune hatte sich wieder verschlechtert, während sie von ihrem Mann sprach. Jst er überhaupt nicht zu Hause gewesen?" ,, Doch, er hat sich hereingeschlichen, während ich schlies, und mir die Hälfte von meinem Geld gestohlen, der diebische Bursche! Eine ganze Krone hat er mir geraubt, obendrein in Silber; zum Glück war der Rest Kupfergeld, und das ist für so einen Herrn zu gewöhnlich; sonst hätt' es morgen gut ihn gefahren und hätte einen ehrlichen Menschen aus ihm gefür uns ausgesehen. Ich dachte übrigens, der Teufel wäre in macht, als er mir neulich das Geld für die Beste ganz von selber brachte. Aber es hat nie was Gutes zu bedeuten, wenn der Satan zur Kirche geht." ,, Die Weste liegt drüben beim Trödler im Schaufenster zum Verkauf. Es steht eine Krone fünfundsiebzig dran. die gute Weste weg, wo man eben die viele Mühe damit ge,, So ein Biest, der Ole Andersen! Geht er hin und gibt habt hat, sie ihm für beinah nichts instand zu setzen. Aber das ist der verfluchte Alkohol, man hört nie von was anderem. Und was fann er wohl dafür gefriegt haben? Gar nichts. Denn die Trödler sind genau so wie die Aerzte, fie leben vom Glend der anderen Leute." Thorvald ließ der Mutter ruhig Zeit zum Austoben, dann rief er: ,, Ja, aber Ole Andersen fragte mich heut nachmittag draußen im Wald, ob die Weste bald fertig sei." ( Fortsegung folgt.) Klassenkampf und Abbau. Am Mittwoch tagte bis Mitternacht die Bezirksversammlung Berlin- Mitte im Rathaussaal. Nachdem die Ausscheidung von 2 Stadträten in den früheren Verhandlungen beschlossen war, ist es den Demokraten gelungen, die Gesamtheit der bürgerlichen Barteien zu bestimmen, den weiteren Abbau des Arbeiterstadtrats Kühne( SPD.) zu fordern, um den in Wilmersdorf abge bauten bürgerlichen Stadtrat für die Stelle des durch Ueberalterung ausgeschiedenen Stadtrats Rosenow vorschlagen zu fönnen. Die linterstütung der Kommunisten wurde mit dem Bersprechen erkauft, daß ihr Stadtrat von den bürger lichen Barteien geschützt werden sollte. Auf wie lange, wird ja die nächste Zukunft zeigen. Bei den Demokraten hat es wegen dieser Schiebung offenbar scharfe Auseinandersezumgen gegeben, denn ihr Führer Merten verließ vor den Auseinandersetzungen in der Versammlung den Saal, um der Abstimmung zu entgehen. In der SPD- Fraktion herrscht über diesen Vorstoß der Demokraten allertiefste Empörung und Erbitterung. Genosse 25wy legte in der Versammlung die Rechtslage dar und wies nach, daß dem Sinn und Zweck der Abbauverordnung mit diesem Antrag durchaus entgegengewirkt wird. Eine Ersparnis trete gar nicht ein. Dann wandte sich Genoffe Dr. Striemer gegen die bürgerliche Seite mit sehr ernsten und eindringlichen Ausführungen. Jeder Abbau, sagte er, ist unter den heutigen Verhältnissen ein sehr schwieriger Borgang. Die außerordentliche Forderung der bürgerlichen Parteien fönnte nur durch sehr schwerwiegende Gründe gerechtfertigt werden. Die aber fehlen. Das Wort Boltsgemein fchaft hören wir täglich sehr laut von der rechten Seite. Ift fte ohne Arbeiterschaft denibar? Auch die Abwehr des Klaffentampfes werde von dort gefordert. Bedeutet der Abbau des Arbeiterstadt rats Kühne aber etwas anderes als Klassentamps? Diese Fragen stellte Striemer. Selbst wenn zugegeben wird, daß Kühne die schriftliche Gewandtheit eines bureaukratischen Beamten fehle, so bringe er, der Dezernent für Arbeitsnachweise, Erwerbslofenfürsorge usm. Renntnisse der Seele und sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft mit, die jedem, selbst dem routinierten Bureaufraten fehlen. Kühne sei ja nur ein Kupferschmied, aber in feiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit für die Stadt, als Gewertschaftsführer und Führer der Arbeiterschaft in einem Riefenbetrieb habe Kühne sich als ganzer Mann bewährt. Dieser Abbau habe also eine grundfäßliche Bedeutung von schwerwiegenden Folgen für das Verhältnis der Arbeiterschaft zum Bürgertum. Selbst die Arbeiter, die den bürgerlichen Parteien angehören, würden, wenn sie in diesem Saal wären, sicher über den Abbau dieses Arbeiterstadt rats empört fein aus dem instinktipen Empfinden heraus, daß hier gegen den Fortschritt der Nachkriegszeit Sturm gelaufen wird. Dann schlug Genosse Brendel in die schärfere Tonart ein. Aus den Ausführungen des Führers der Rechten, Dr. Kunz, ergab sich sehr deutlich, daß Striemers Darlegungen dort nicht ohne tiefen Eindruck geblieben waren. Aber es war alles umsonst, der Balt, der Handel schlimmster Art, war eben abgefchloffen, das Ge. fchäft soll gemacht werden ohne Rücksicht auf irgendwelche mora iifch en Bedenken. Nunmehr wird ja der Magistrat in diefer Angelegenheit weiter zu entscheiden haben. Die Bezirksverordnetenverfammlung Schöneberg hatte bereits am 26. März gegen die Stimmen der Sozialdemokratie beschlossen, awei Mitglieder des Bezirksamtes abzubauen, und zwar den Stadtrat Genossen Mohs und den von der Deutschen Bolkspartei zu den Bölkischen hinübergemauferten Stadtrat Goger. Damals waren die Ausführungsbestimmingen zur Preußischen Abbauverordnung noch nicht ergangen. Wir warnten damals vor übereilten Abbaumaßnahmen und ersuchien, die Entscheidung über die Personen so lange zurückzustellen, bis die preußischen Abbaubestimmungen er gangen seien. Die bürgerliche Mehrheit der Versammlung hatte es aber sehr eilig und faßte am 26. März den Abbaubeschluß auch über die Personen. Nachdem durch den Magistrat die Anzahl der Bersonen bestimmt worden war, welche der einzelnen Bezirksamtsmitglieder abgebaut werden sollten, mußte die Bezirksver fammlung sich nochmals mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Herren der neuen Frattion, in der sich die Deutschnationalen, die Deutsche Voltspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung zufammen geschlossen hatten zu einer gemeinsamen Fraktion, waren durch diese erneute Aufrollung der Abbaufrage in harte Bedrängnis geraten. In diesem Ausschuß, der sich mit dieser Angelegenheit be= fchäftigte, brachte der Bezirksverordnetenvorsteher allerlei juristische Bedenten vor, die letzten Endes darauf hisausliefen, daß fie inzwischen an dem Abbau der Bersonen eine Alenderung vornehmen wollten. Anscheinend war bei den sonst so„ friedlichen Brüdern" eine feine Unstimmigkeit entstanden über die Perjonen, die jetzt abgebaut werden sollten. Der Abbau des Genossen Mohs schied von vornherein aus, da die Herrschaften sich noch nicht einig waren über die Perfonen aus ihrem eigenen Lager. Jedenfalls faßte der Ausschuß eine Entschließung, in der zum Aus bruck gebracht wurde, daß man den Beschluß vom 26. März aufrecht erhalten wollte, daß ferner die Mehrheit des Ausschuffes sich auf den Standpunkt stellte, daß drei Bezirksamtsmitglieder nicht abge baut werden könnten und daß drittens beim Magistrat angefragt werden solle, weil die Abbauverordnung verfchiedene Unstimmig feiten nach Auffassung der Rechte des Ausschusses enthielt, die erst durch den Magistrat aufgeklärt werden sollen. In der letzten Be zirksversammlung gab der Bezirksverordnetenvorsteher Dr. Teufer als Berichterstatter den Bericht, und dem Stadtverordneten Dr. Kirchner blieb es vorbehalten, den limfall der neuen Fraf tion zu begründen. Trop der Eifrigteit, mit der er sich dieser Aufgabe widmete, konnte er nicht verhindern, daß ein Mitglied der neuen Fraktion sanft entschlummerte und der Borfteherstellvertreter, unser Genoffe Erdmann, darauf aufmerksam machen mußte, daß die Bezirksverordnetenversammlung wohl nicht der geeig. nete Ort zum Schlafen fei. Der Berichterstatter Dr. Kirchner brachte einen Abänderungsantrag ein, den Abbau der Berfonen fo lange auszulegen, bis die vom Magiftrat geforderte Aufklärung eingegangen fei. Gegen diesen Zusagantrag mandte sich mit aller Entfdyiedenheit unser Genoffe Tzeminski und der Demokrat Machomig. Die Deutschnationalen beantragten num, die Angelegenheit in nichtöffentlicher Sigung zu verban deln. Die SPD.- Frattion wandte sich gegen diesen Antrag und beantragte namentliche Abstimmung. Mit einer Stimme Mehrheit wurde dieser Antrag abgelehnt. In nichtöffentlicher Sigung begrün dete Genoffe Czeminski unseren Standpunft und verfekte den Herrschaften der neuen Fraktion die notwendigen Hiebe. 3u einer Abstimmung tam es nicht, da die Linke die Versammlung beschlußunfähig machte. " Schanküberschuß oder Schankverluft". Die Behauptung der Direktion des Café Baterland" in ihrer Entgegnung in Nr. 460 des Vorwärts" vom 30. September, daß der Kellner und Bapfer sofort entlassen worden seien und daß sie versucht haben sollen, 8 bis 10 Liter pro hektoliter für sich zu verwerten, entspricht, so schreibt uns der Zentralverband der Hotel Restaurant- und Caféangestellten, nicht den Tatsachen. Die Entloffung des Kellners sowie auch des Bapfers ist nicht fofort, fonbern erst nach Ablauf der Kündigungsfrist erfolgt. Grund für bie Ründigung der zwei Angestellten war nicht, mie die Direttin behauptet: die beiden Angestellten hätten versucht, 8 bis 10 Liter pro Heftoliter für sich zu verwerten, sondern wie der Vertreter des Betriebes vor dem Gewerbegericht selbst angab, weil der Kellner einmal anstatt zwei Glas Bier nur eins markiert haben follte und weil die Direktion vermutete, daß der 3apfer mit dem Kellner gemeinsame Sache gemacht habe. Die Bemerkung ber Direttion, der Zapfer babe sich mit feiner sofortigen Entlaffung abgefunden, ist gleichfalls nicht zutreffend. Der Zapfer fonnte den Klageweg nicht mehr beschreiten, weil er die Frist versäumt hat. Die Behauptung ber Direttion, daß der Betlagte auf Borfchlag des Borsitzenden bes Gewerbegerichts sich freiwillig zu einer Abfindung bereit erklärt habe, entspricht ebenfalls nicht der Wahrheit. Die beklagte Firma ist vielmehr zur Zahlung einer Entschädigung von 50 m. vers urteilt worden. Damit hot das Gewerbegericht befundet, daß die beklagte Firma der Beweis für ihre Anschuldigungen nicht erbracht hat und die Entlassung der Angestellten zu Unrecht erfolgt ist. Im übrigen bestätigt die Direktion, wenn sie sagt, daß 1 bis 2 Liter pro Hektoliter übrig blieben, unsere Feststellung, daß die Unternehmer ein Doppelspiel treiben, wenn sie vor den Prüfungsstellen behaupten, einen Schankverlust zu haben, während fie, wenn es sich dorum handelt, einen mißliebigen Angestellten loszuwerden, das Gegenteil behaupten. Recht interessant wäre es, zu erfahren, ob der erzielte Schantüberschuß auch versteuert wird, Der Frauenmord in Friedrichshagen. Wo war die Ermordete am 13. September? Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zu dem Frauenmord in Friedrichshagen haben bis jetzt noch zu feinem direkten Ergebnis geführt, obwohl die grausame Ausführung der Tat viele Leute bemogen hat, ihre Aussagen bei der Mordtommission zu machen. Heute früh werden nun an allen Anschlagfäulen der Stadt Bekanntmachungen angebracht werden, in denen dem Publikum die für die kriminalistischen Ermittlungen wichtigsten Fragen vorgelegt werden. Wie fich herausgestellt hat, ist die ermordete Frau Ulbrich zwar vielfach als Waschfrau und Aufwärterin tätig gewesen, hat sich aber auch durch Betteln und als Hoffängerin ernährt. Nebenher bette fie aber auch zahlreiche Herrenbekanntschaften. Auh ihr völlig fremden Männern scheint sie sich angeschlossen zu haben. Sie hat auch schon früher zum Teil im Freien, zum Teil im Asyl übernachtet. Als sie noch mit ihrem Manne zusammenlebte, hat sie im Hause Lychener Straße 10, später allein Marienburger Straße 31a gewohnt und sich bis 11. September in Weißenfes, Sedanstraße 96, cufgehalten. Die Nacht vom 11. zum 12. September hat sie bei einer Befannten im Hause Stargarder Straße 73, die Nacht zum 13. September im Hause Greifenhagener Straße 13 verbracht. Sie hatte dort eine Waschstelle und ist am 13. September, abends furz vor 7 Uhr, mit dem Bemerken fortgegangen, daß sie noch Strümpfe taufen wolle. Shre in einem braunen Karton verpadten Eachen hatte sie offenbar gleich nach ihrem Fortzuge aus dem Hause Sedanstraße 96 bei einem Zigarrenhändler in Weißenfee, Pistoriusstraße 11, zur Aufbewahrung gegeben. Am 19. September sollte sie wieder in das Haus Greifenhagener Straße 13 zum Waschen fommen, ist jedoch nicht erschienen. Dies ist um so auffallender, als sie am 19. September, nachmittags gegen 5 Uhr, mit ihrem Jungen noch in der Schönhauser Allee also in der Nähe jenes Hauses gesehen worden ist. Ermordet aufgefunden wurde sie dann bekanntlich am Sonntag, den 21. September, zwischen 11 und 12 Uhr vormittags. 2o sie sich am 13. September abends von 7 Uhr ab aufgehalten hat, fonnte bisher nicht fest. gestellt werden. Sie muß irgendwo ein Unterkommen gehabt haben, da fie am 19. September anders geleidet war als am 13. abends. Als fie nach dem Tatort ging bzw. in jene Gegend fam, führte sie in Bapier eingewickelt, Sachen ihres Jungen sowie eine 3meipfundtüte Cteta- Speisesatz bei fich. Leute, bei denen sich in jener Zeit eine Frau mit einem Kinde aufgehalten hat, tönnen fich vielleicht auf Grund dieser Angaben erinnern. Auf Angaben aus dem Bublifum, die zur Aufklärung dienen tönnen, ist eine Belohnung von 1000 Goldmark ausgefeßt. Etwaige Mitteilur gen werden von den Kriminalkommissaren Gemmat und Mächter im Polizeipräsidium, Zimmer 105, entgegengenommen. " Sozialistischer Sieg in einer Elternbeiratswahl. Einen erfreulichen Erfolg hatte die Rifte, Schulaufbau" Bei der am legten Sonntag stattgefundenen Neuwahl an der 63, emeindeschule für Mädchen, Gipsstraße, eine der Hochburgen der Chriftlich- Unpolitischen". Die Wahl vom 22. Juni war infolge Einspruchs der Chriftlichen" für ungültig erklärt worden Die„ Chriftlichen" setzten alle Hoffnung, erneut wieder die Mehrheit au erhalten, auf die hier sehr rege arbeitende Kirchengemeinde. In egter Stunde verteilten fie ein Flugblatt, in welchem fie fich besonders an die jüdischen Eltern wandten, die ihnen sonst stets ein Dorn im Auge find. Aber alle ihre Arbeit war umsonst. Infolge sehr rühriger Arbeit unserer Kandidaten, und auch der SAJ. war es uns möglich, von den zehn Sigen sechs au erobern, so daß un flere ifte die Mehrheit hat. Was im Laufe der vier Jahre nicht möglich war, ist nun Tatsache geworden. Diefer and gezeichnete Erfolg zeigt, was durch hingebende Arbeit geleistet werden kann. 1,15 M. für einen Kubikmeter Waffer. Nachdem die fommunalen Betriebe den Wasserpreis herabgesetzt haben, ist es dringend an der Zeit, daß auch die Charlottenburger Wasser und Industrie werte AG. folgen und den gegenwärtig geltenden Tarif außer Kraft fezen, der für die einen Berbraucher ungünstig mirft und unerträglich ist. Zu den bereits im„ Borwärts" veröffentlichten Beispielen teilt uns ein Leser ein weiteres mit. In einem Einfamilienhaus( Siedlungshaus) wurden in den Monaten April bis Juni 12 Rubitmeter Waffer ver braucht, wofür entrichtet werden mußten: 30 Rubikmeter Mindestsatz ist 10,80 M, Messermiebe für das zweite Bierteljahr 3 M., zu sammen 13,80 M. Demnach fostet ein Kubibmeter Waffer 90 Pf. bzw. mit Messermiete 1,15 M. Der Verbrauch in den übrigen Vierteljahren ist feineswegs höher als im zweiten Bierteljahr. Wür ben die Siedlungsbewohner in gleicher Weise auf anderen Gebieten belastet, dann fann der Siedlungsgedante zu Grabe getragen werden. Eine Beschwerde wurde von den Charlottenburger Waffer. den. Eine Beschwerde wurde von den Charlottenburger Waffer und Industriewerten mit zwei Zeilen abgetan, man berief fich auf den auf Grund eines Schiedsspruches vom 11. April 1924 erhobenen allgemeinen Tarif. So was darf sich ungestraftein privates Wert erlauben. Welch ein Höllenlärm würde in der bürgerlicher Breffe entstehen, wenn ein fommunales Werk derartiges tun würde? Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 3. Oktober. Tageseinteilung. 10 Uhr vorm.: Bericht über die Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. richten. 11.35 Uhr vorm.: Funkbörse( Die Notierungen der Berliner 10.15 Uhr vorm.: Erste Bekanntgabe der neuesten Tagesnachund Hamburger Produktenvorbörse). 12.15 Uhr nachm: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Vorbörse( nur Montag bis Freitag). 12.55 Uhr nachm.: Uebermittlung des Zeitzeichens. 1.06 Uhr nachm.: Zweite Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Wetterdienst. 2.15 Uhr nachm.: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Börse( nur Montag bis Freitag). 3 Uhr nachm.: Funkbörse( Die amtlichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten- und Viehbörse; amtliche Devisen). 4 Uhr nachm.: Funkbörse( Getreide cif. Hamburg; Berliner Kolonialwaren- Großhandelspreise). Während der 4.30-6.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 1. Flirtation. Rau. 2. Ouvertüre zu Orpheus in der Unterwelt", Offenbach. 3. Bad'ner Mad'ln, Walzer, Komzak. 4. Rêverie, Leoncavallo. 5. Fantasie aus der Oper„ Bohème". Puccini. 6. Pierette, und Moll, Potpourri, Schreiner. 9. Ich hab' kein Geld! Du hast Pizzicato, Ständchen, Brase. 7. Alt- Wien. Walzer, Kremser. 8. Dur kein Geld! Er hat den Dalles! Foxtrot, Confrey. Pausen:„ Ratschläge fürs Haus". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Wo mein Wähnen Frieden fand". Wagner und Bayreuth. 7.45 Uhr abends: Vortragsreihe: Deutsche Luftfahrt", 3. Vortrag: Herr Ministerialrat Fisch: Deutschland im internationalen Luftverkehr". 8.30-10 Uhr abends: Aus beliebten Operetten: Die Dollarprinzessin Die lustige Witwe Die geschiedene Frau Ein Walzertraum. Mitwirkende: Else Kochhan, Fritz Langendorff, Willi Weiß( Ein Kammerquintett). Dirigent: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Ein Landfriedensbruchprozeß. Kommunisten und Bölkische während der Reichstagswahl. Nach zweitägiger Verhandlung ging gestern der vor dem Großen Schöffengericht Schöneberg geführte Kommunistenprozeß Schah und Genossen, in welchem 12 Angeklagte weger der Ausschreitung vor den Blüthner- Säten angeklagt waren, zu Ende. Während der letzten Wahlbewegung sollte im Blüthner- Saal eine Wahlversammlung der Deutschvölkischen Freiheitspartei stattfinden. Die„ Rote Fahne" hatte ihren Lesern mitges. teilt, daß in der Versammlung Ludendorff sprechen werde. In dem Artifel war dann weiter ausgeführt worden, daß die Arbeiterschaft sich diese Provokation von Ludendorff nicht gefallen lassen dürfe und zeigen müsse, daß in Berlin noch die Arbeiterschaft regiere. Infolge dieses Artikels hatten sich zahlreiche Kommunisten in dem Bersammlungslotal und in den umliegenden Straßen und Plätzen eingefunden, und es tamt zu Ausschreitungen, bei denen zahlreiche Personen, die zur Versammlung gehen wollten, schwer mißhandelt wurden. In dem vom Gericht gefällten Urteil wurde ausgesprochen, daß der Artikel zwar vorsichtig abgefaßt sei, daß der Verfasser aber nach früheren Vorkommnissen sich im flaren ein mußte, welche Gefahr gegen Bersonen und Sachen er damit heraufbeschwöre. Die Annahme der Anklage, daß diese Vorgänge auf eine einheitliche Zusammenrottung schließen lassen und daß jämtliche Teilnehmer an der Zusammenrottung sich dadurch schon allein des Landfriedensbruchs schuldig gemacht hätten, erschien dem Gericht naheliegend. Die Beweisaufnahme habe aber nicht mit Gewißheit ergeben, daß die Angeklagten schon von vornherein mit dieser Absicht fich hinbegeben hätten. Am schwersten belastet erschien der AngeHagte Gauger, der allein des schweren Landfriedensbruchs schuldig befunden wurde. Das Gericht hat ihm jedoch mildernde Umstände zugebilligt. Von den 12 Angeflagten kam das Ge Die übrigen Angeklagten richt bei fünf zur Freisprechung. wurden zu Gefängnisstrafen von 1½ Jahr bis zu 1 Monat verurteilt. Bei einigen Angeklagten war die Strafe bereits durch die Untersuchungshaft verbüßt. Personenstandsaufnahme 1924. Die durch die Gemeindebehörde alljährlich vorzunehmende Bersonenstandsaufnahme erfolgt für das Gebiet der Stadt Berlin am 10. Dttober d. J. Gleichzeitig findet eine Aufnahme aller auf den Grundstücken unterhaltenen Gewerbebetriebe, Bureaus, Arbeitsstätten usw. statt. Die Personenstandsaufnahme und Wohnungslisten werden den Hausbesitzern oder ihren Bertretern vorher zugestellt. Die Abholung der ausgefüllten Listen erfolgt vom 18. Ottober ab. Da die Ausschreibung der Steuertarten auf Grund der Angaben in den Wohnungslisten erfolgt, liegt es im eigenen leserlich ausfüllen. Die Pflicht zur Ausfüllung der PersonenstandsInteresse der Steuerpflichtigen, daß sie die Listen gewissenhaft und aufnahme und Wohnungslisten beruht auf§ 167 der Reichsabgabenordnung und tann burch Geldstrafen bis zu 5000 M. ers zwungen werden. Republikanischer Tag in Buckow. Am Sonntag, den 28. September, fand in Buckow( Märkische Schweiz) unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung ein republi fanifcher Tag des Reichsbanners Echwarz- Rot- Gold statt. Anwesend waren außer den zahlreich erschienenen Berliner Kameraden, Delegationen einiger Ortsgruppen des Gaures Berlin- Brandenburg, u. a. in stattlicher Zahl die erst am Tage zuvor gegründete Ortsgruppe Müncheberg. Vor den auf dem Marktplatz aufmarschierten Kameraden sprach Kamerad Rüter namens der Gauleitung. Er vermies auf die Borkämpfer Groß- Deutschlands, welche für und unter den Farben Schwarz- Rot- Gold fämpften und starben. Er ermahnte, im Sinne und Geiste dieser Vorfämpfer für eine wahre demokratische und großdeutsche Republik weiterzuarbeiten und warnte die Res attion vor einer Wiederholung der Attentate auf Republikaner, die alsbald taffräftige und rüd. sichtslose Maßnahmen des Reichsbanners aus. lösen würden. Nach einem dreifachen, begeistert aufgenommenen Frei Heil" auf die demokratische Deutsche Republit, erfolgte der Marsch durch die Stadt. Am Abend schloß sich ein gemütliches Beisammensein in den Standquartieren an. Den Beschluß bildete der Abmarsch zum Bahnhof unter dem Geleit der Buckower Kameradschaft und reger Beteiligung der Buckower Einwohner. Todessturz aus dem Fenster des Trodenbodens. Borgestern vormittag in der neunten Stunde stürzte sich im Hause Reinickendorfer Straße 116 nach voraufgegangenem Streit zwischen Vater, Mutter und Tochter die dortselbst im zweiten Stod wohnende Frau Fischer aus dem Fenster des Trockenbodens auf den Hof hinab. Ein sofort herbeigeeilter Arzt fonnte nur noch den Tod feststellen, Abrechnung mit Geisler. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Ortsgruppe Eichwalde, veranstaltet am Sonntag, den 5. Oftober, vormittags 10 Uhr, eine öffentliche Boltsversammlung, die Stellung gegen die erbärmlichen Verleumdungen des Bureauvor. stehers der Vaterländischen Verbände, Geisler, nehmen wird. Treffpunkt für Eichwalder und auswärtige Kameraden um 9 Uhr im Restaurant Lindner, Bahnhofstraße. Zu den Ausweisungen aus dem besetzten Gebiet. Nach Mitteis lungen, die der deutschen Abordnung in Koblenz zugehen, scheinen in gewissen Fällen 3 weifel zu bestehen, ob jemand noch ausgewiesen ist oder ob die Ausweisung zurückgenommen ist. Nachdem seitens der Rheinlandtommiffion erklärt worden ist, daß nur noch 39 Ausweisungen aus der Zeit des paffiven Widerstandes in der französischen Zone des altbesetzten Gebietes, worüber zurzeit noch verhandelt wird, nicht zurückgenommen find, ist es nötig, endgültig Klarheit über die Zweifelsfälle zu schaffen. Daher ersucht die deutsche Abordnung alle diejenigen, die annehmen, daß fie noch ausgewiesen find, ihren Namen und die näheren Umstände, auf die fie ihre Annahme stützen, an die Anschrift der Deutschen Aborde nung Roblenz, Castor Pfaffenstr. 26, mitzuteilen. Der Rettet die Kinder! Helft den Alten! Mit diesem Aufruf terben in wenigen Tagen von den Betriebsarbeitsgemeinschaften der amtlichen und freien Wohlfahrtspflege Helfer der Ber Iiner Rothilfe an allen Wohnungen vorsprechen, um Spenden zur Aufrechterhaltung der Volksspeisungen und zur Be schaffung von Nahrungsmitteln und Kohlen zu erbitten. Berliner Mieterbund bringt der Sammlung wärmstes Intereffe entgegen; er hat in eindringlicher Weise seine Mitalieber gebeten, nach Kräften zu spenden. Bahlreiche Berliner ichtspieltheater und die Funtstunde A.-G. haben sich in uneigennügiger Weise in den Dienst der Sache gestellt. In verschiedenen Berliner Theatern haben sich wiederum die Künstler und Künstlerinnen bereit erklärt, während der Vorstellungen für die Berliner Nothilfe zu sammeln. Die Kurse der Arbeiterfamariter. Um jedermann Gelegenheit zu geben, sein können auch in der erften Hilfe zu erweitern, beranstaltet der Bund auch in diesem Jahre durch seine Kolonnen wieder Kurse in der ersten Hilfe. Die Kurie umfassen 20 bis 24 Doppelstunden und stehen unter ärztlicher Zeitung. Nach Beendigung findet eine Prüfung statt. Biele werden schon Gelegenheit gehabt haben, daß wirken des Arbeiterfamariters zu beobachten. Gerade von der ersten sachgemäßen Hilfe hängt immer das Wohl und Webe des Verlegten ab. Man braucht nur an die vielen Betriebsunfälle zu erinnern. Arbeiter, Angestellte, Frauen und Männer, forgt dafür, daß gut ausgebildete Samariter zur Stelle find. Diese Gewähr bietet der Arbeiter Samariter. und durch seine Kolonne. Der Besuch des ersten Lehrabends ist frei. Bitte den Vereinskalender zu verfolgen, wo die Kurje Tauferd mitgeteilt werden. Die Hausdiebin. Als man vom Lumpenball heimkehrte. Dis berüchtigte Hausbiebin Mattern, die schon wiederholt die Gerichte beschäftigt hat, und die unter der Maste einer Stüße sich Eingang bei Familien zu verschaffen versteht, um bei günstiger Gelegenheit die Wohnung auszuräumen, erhielt wieder einmal eine empfindliche Strafe für eine neue„ Heldentat". Die Angeklagte hatte es verstanden, trotzdem fie schon 6 bis 7mal in ähnlichen Fällen vorbestraft ist, Stellung als Stüße bei einem Roufmann R. zu finden. Zwar war sie unter ihrem richtigen Namen aufgetreten, aber mit gefälschten Papieren. Es gelang ihr durch ihr einschmeichelndes Wesen das volle Vertrauen ihrer Arbeitgeber zu erlangen, so daß man ihr die Wohnung anvertraute, als man eines Abends einen„ Bumpenball" besuchte. Dieser Umstand fam der Diebin zugute. da die schlechtesten Kleider angezogen wurden und der gesamte Schmud zu Hause gelassen wurde. Kaum hatte die Familie das Haus verlassen, als das Mädchen eine Helfers helferin herbeiholte und mit dieser zusammen die Wäsche und Kleider fowie den wertvollen Schmud im Werte von 100 000 Mt. in die Koffer packte. Darauf ließ sie ein Auto herbeikommen, trug die Koffer zusammen mit der Helfershelferin in das Gefährt und fuhr dann auf und davon. Zufällig war aber diefer Borgang von einem in dem Hause wohnenden Kriminalbeamten beobachtet worden, der auch hörte, wie die Angeklagte dem Chauffeur zurief: Nach dem Schlesischen Bahnhof!" Die Sachen wurden unterwegs stückweife verfauft, den Rest will die Angeklagte einem Liebhaber übergeben haben, der sie aber in Hamburg verlassen hat und mit der Beute davongegangen ist. Die Festnahme der Angeklagten gelang schließlich durch die Anzeige einer Frau. Die Angeflagte Mattern wurde zu 2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt. " 1 Der Dokumentenfälscher Anspach, der wegen seiner Straftaten zu mehrfach längeren Gefängnisstrafen verurteilt ist, hatte gegen eines dieser Urteile Berufung eingelegt, über die jetzt die Be rufungsstraffammer des Landgerichts II verhandelte. Das Gericht fam an einer Bestätigung des angefochtenen Urteits. Ein Werf der nächstenliebe. Die Laubenkolonisten der Kolonie Rosened", Briz, Triftstraße, hatten am legten Sonntag 50 arme Beute mit Liebesgaben bedacht. Die Wermsten der Armen verfammelten sich in einem Lokal in der Hermannstraße zu einer fleinen Feier. Zu Beginn der Veranstaltung, die von gefanglichen Vorträgen umrahmt wurde, wurde Kaffee und Kuchen ausgeteilt, dant erfolgte die eigentliche Bescherung". Was hatten die rührigen Kleingärtner nicht alles zusammengetragen! Fleisch, Eier, Hülsen früchte, Katao. Zucker, Kartoffeln, Kohl, Obst usw. Die Freude der alten Leute war groß, und sie dankben gerührt ihren Gebern. Ausstellung von Lehrlingsarbeiten. Die Handwerkskammer zu Berlin veranstaltet in der Zeit vom 3. bis einschließlich 7. Oktober im Lichthofe des Aten Kunstgewerbemuseums( Prinz- AlbrechtStraße) eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten und Gesellenstücken. Eine gute Befchidung der Ausstellung mit Arbeiten, insbesondere Gefellenftüden, aus den verfdyiedensten Handwerfen ist gesichert, so daß fie ein umfassendes Bild der Lehrlingsausbildung im Handwerk bieben wird. Geöffnet ist die Ausstellung in den Stunden von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Der Eintritt ist frei. 1 Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Am Sonntag, den 5. Dttober, nachmittags pünktlich 3 Uhr, im beater des eftena dame Regros bon Heinrich Mann. Preis pro Karte 0,90 m. Am Sonntag, den 19. Dktober, nachmittags pünktlich 24, Uhr, im Staats. theater Charlottenburg Tartuffe von Molière. Preis pro Karte 1.- Proletarische Feierstunde( Toller Feier) am Sonntag, den 5. Dktober, vormittags 11 Ubr, im Großen Schauspiel haus, Karlstraße. Im Abonnement 90 Pf., Einzelfarte 1,20 M. Erites efttonzert( das verstärkte Philharmonische Orchester, Leitung Generalmusifdirektor b. Schmeidel) am Sonntag, den 12. Dftober, nach mittags 3, br, in der Philharmonie, Bernburger Straße. Im Abonne ment 90 Bf., Einzelfarte 1,10 m. Karten für alle Veranstaltungen find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of II, Bimmer 8, Bortvärtsbuchhandlung, Lindenstr. 2, Jugend fefretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof II, Zigarrengeschäft von Horsch, Engel ufer 24/25( Gewerkschaftshaus), fowie bei allen Obleuten der Kreis bildungsausschüsse. fofort an das Bureau, Lindenstr. 3, 2. Hof II, abzuliefern. Die noch nicht eingereichten Zeichnungslisten find Berliner Kunstausstellung Tod und Leben". Anläßlich des Anfang Dilober in Berlin tagenden 23. Weltfriedenskongresses veranstaltet die Bweigstelle Berlin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit", Bellevueftr. 3, eine große Kunstausstellung unter dem Motto: Tod und Geschäftsstelle NW., Händelſtr. 21, in ben Räumen des„ Künstlerhauses Reben". PP 2ic. Dr. B. Biegowiti pricht auf Veranlaffung des Bundes religiöser Sozialisten über das Christuswort: Selig find die Friedfertigen". Gesanglich und musikalisch wird die Stunde umrahmt durch die Mitwirkung des Chordirigenten und Konzertsängers( Bariton) Wilhelm Schmidt- Scherf, der die Arie aus Elias":" Herr, Gott Abrahams", und die Arie aus Baulus":" Gott sei mir gnädig" fingen wird, sowie durch die Mitwirfung des Drgelvirtuosen Jaromin, der das F- MollPräludium von J. S. Bach und das C- Dur- Präludium von Brann spielen wird. Der Eintritt ist frei. Forffwanderungen. Im Laufe des Sommers fanden unter Führung des Oberförsters Mudra, Friedrichshagen, eine Anzahl von Forstwanderungen statt. Die stets rege Beteiligung hatte gezeigt, daß in allen Bevölkerungsschichten größtes Interesse für diese Einrichtung vorhanden war. Die Wanderungen sollen jetzt im Ottober fortgesetzt werden. Im Zusammen. bang hiermit findet am 11. Oftober in der Aula der KönigFriedrich Schule zu Friedrichshagen, abends 7 Uhr, ein Vortrag über die Zwede und Ziele solcher Wanderungen statt, zu dem alle Freunde dieser Einrichtung hierzu herzlichst eingeladen sind. Um zu einem Ziel zu gelangen, hat sich in Friedrichshagen eine Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung bildet. Dieser Arbeitsgemeinschaft hat sich gleichzeitig eine Anzahl von und zum Schuhe des Groß- Berliner Waldgürtels ge Naturfreunden unter dem Titel Entymologisch zoologische Arbeitsgemeinschaft" angeschloffen, die fich neben den gleichen Zielen der Arbeitsgemeinschaft für den Forstschuk, die Pflege der Seidenraupenzucht, der Bienenzucht, ber Anlage von Insektensammlungen usw., der Aquarien- und Terrarienlunde zu Unterrichts- und Belehrungszweden zum Ziel gesezt hat, so daß in dieser vereinigten Arbeitsgemeinschaft neben gefördert wird. In einem Vortrag wird der Schriftsteller Felixaben praktischer Arbeit die Vertiefung des Menschen in das Heiligtum der Natur stein hinweisen auf das weite Arbeitsfeld, das sich jedem Naturfreunde bietet und aufrufen zum Eintritt in die Arbeitsgemeinschaft. Der Beitrag wird fich monatlich auf zirka 25 Pf. stellen, so daß eine attive Beteiligung Aufgabe gestellt, in einem Raum, der mit Rücksicht auf die Gemeinnüßigkeit wohl einem jeden möglich ist. Die Arbeitsgemeinschaft hat sich ferner zur von der Stadt Berlin zur Verfügung gestellt werden könnte, ein Müggelland Museum" einzurichten. Auch ist die Herausgabe einer Beitschrift geplant, an der sowohl Gelehrte, wie der einfache Mann, der seine Wünsche und Erfahrungen zum Ausdrud bringen möchte, zu Worte S tommen sollen. Eine große Jugendtundgebung findet anläßlich des 23. Beltfriedens 7. Dtober 1924, abends 74, 1hr, mit dem Thema Strieg oder Frieden Tongresses in der Stadthalle, Berlin, Klosterstr. 53, am Dienstag, den statt. Es sprechen: Emmeline Bethid- Lawrence- London, Marcelle Capy- Paris, Prof. Paul Deftreich- Berlin ufw. Zu den Einberufern gehören der Deutsche Pazifistische Studentenbund, die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, der Republikanische Jugendbund Schwarz Rot- Gold und der Katholische Jugendring Groß- Berlin. $ Die Humboldt- Hochschule eröffnet thre neue Arbeit mit zwei Feftveranftaltungen und zwar am Sonnabend in der Anla Dorotheenstr. 12 mit einer musikalischen Feier nebst Ansprachen und am Sonntag, 11 Uhr vormittags, im Lehrervereinshaus, Meganderplak, mit einer Vorlesung Waldemar Bonsels über seine neue Reise nach Brasilien und aus seinen beliebtesten Dichtungen. Scherls Berliner Kursbuch für den Winter 1924/25 ist soeben erschienen. Alle Berkehrsmöglichkeiten in und um Berlin find darin übersichtlich verzeichnet. Für den Stadtverkehr bringt es die Fahrpläne der Stadt-, Ning. und Vorortbahn, der Hoch- und Untergrundbahn, der Kraftomnibusse, und als Beilage eine Vertebrstarte mit Fahrplan der Berliner Stragenbahn. Für den Verkehr in der näheren Umgebung Berlins enthält es die Fahrzeiten der gesamten Fern- und Kleinbahnen und der Straftpersonenposten in der Mart, zudem eine Labelle der Preise der Sonn tagsriidjabrlarten bei der Reichsbahn. Besonders nüglich ist wieder die An gabe der Abfahrt und Ankunstzeiten sämtlicher Berliner Fernzüge einschließlich der Zeiten der Hauptzwischenstationen. Der vielseitige Inhalt und der geringe Preis bon nur 50 Pf. empfehlen die Anschaffung von Scherls Berliner Kursbuch jebem Berliner wie jedem Fremben, der häufiger durch warengeschästen, auf den Bahnhöfen, in den Zeitungsfiosten, bei den Straßen Berlin fommt. Es ist zu haben in allen Buchhandlungen, in den Schreib händlern, in den Scherl- Filialen und direkt beim Berlag August Scherl, Zimmerstraße 36-41. 3m Cunapart finden, durch das beständige Better begünstigt, am Sonnabend und Sonntag zwei Spätfommertage mit vollem Betrieb bei ganz geringen Eintrittspreisen statt. Neben Stonzert und Tanz wird an beiden Abenden gegen 8 Uhr ein großes Feneriver? über den Halensee abgebrannt. Die Eisenbahnkatastrophe in Mainz. Fünfzehn Tote. Ueber die Ursachen der Eisenbahntatastrophe wird noch folgendes gemeldet: Durch Bersagen einer automatischen Signaleinrichtung wurde von dem Dienstleiter auf dem Mainzer Hauptbahnhof nicht erkannt, daß der Tunnel nicht frei war. Er hat aber die Meldung von der nächsten Station Mainz Süd nicht abgewartet, sondern vier Minuten nach Abgang des wurden insgesamt fünfaehn Beichen geborgen. D- 3uges den Bug 682 von Mainz nach Worms abgelaffen. Bisher Von den meisten konnten die Personalien noch nicht festgestellt werden. Unter Infernationale Geschichtsfagung. Heute Freitag, 8. Dt., reben auf der den Toten befindet sich auch ein Kind, von dem man bis jetzt Internationalen Geschichtstagung" früh 8 Uhr im Bürgerfaal des nichts Näheres weiß. Offenbar find auch die Angehörigen des Schöneberger Rathauses zum Thema Deutschland und die Welt": A. 3. Grant- England, J. Buisson- Frankreich, Saledi- Bolen; nachm. Mindes ums Leben gekommen. Der Tod ist bei fast allen infolge 3 Uhr: Graf Harry Keßler, π. S. Ali- Indien, J. P. Tai- China; abendschwerer Quetschungen eingetreten. Viele Zeichen waren 7 Uhr findet eine öffentliche Rundgebung Die ver so fest zwischen den Trümmern eingeteilt, daß man sie erst nach einigten Staaten von Europa und der Belt im Blenar völliger Beseitigung der Hindernisse befreien fonnte. faale des ehemaligen Herrenhauses, Berlin, Leipziger Str. 3, ftatt, Redner: Francesto Dreftano- Rom, B. Fabian, S. France, A. Freymuth, 5. b. Gerlach, R. Kuczynski, Toni Bfülf, P. Deftreich, L. Duidde, S. Schwann, Lydia Stöder, H. Ströbel. Eintrittskarten am Saaleingang. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten fendet uns folgende Berichtigung: Die in der geftrigen Morgenausgabe unter der Rubril Reich 3 banner Schwarz- Rot- Gold erschienene Mitteilung von der Bersammlung der Drtsgruppe Süden, in welcher der Genoffe Gerhard Seger über die Welt friedenskonferenz sprechen wird, ist dahin zu berichtigen, daß die Berfammlung vom Reichs bund der Kriegsbeschädigten Ortsgruppe Süden) veranstaltet ist. Pazififtische Abend seierffunde. Aus Anlaß des gegenwärig in Berlin tagenden Weltfriedensfongresses findet am Sonntag, den 5. Dktober, abends 6 Uhr, in NeutoIl' n in der Philipp Melanchthon- Kirche, Kranold. straße 16, eine besondere pazifistische Abendfeierstunde statt. Gen. Pfarrer Garderobe In guten Qualitäten auf Teilzahlung Herren- DamenAnzüge/ Paletots Mäntel Kleider Cutaways/ gestr.Hosen Kostüme/ Jacken Ersatz für Massarbelt Regenmäntel Strickwesten Strickjacken Mein seit 25 Jahren durchgeführtes Prinzip ist, den Kunden stets wirklich gediegene und billige Ware zu günstigsten Zahlungsbedingungen zu liefern. Gekaufte Garderobe wird sofort mitgegeben. BEISER Lothringer Strasse 67 Unter den Opfern des Mainzer Eisenbahnunglüds befindet sich auch ein Beamter der franzöfifchen Regie, der im franzöftichen Militärlazarett feinen Berlegungen erlegen ist. Zum Amerikaflug des 3. R. 3. Die Vorbehalte der französischen Regierung. Friedrichshafen, 2. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Zu der in der letzten Zeit viel erörterten Frage der Fahrroute des 3. R. 3, insbesondere der Ueberfliegung französischen und belgischen Gebiets wird von der Luftschiffleitung folgendes authentisches Material zur Berfügung gestellt. Luftschiffes nach Amerita akut wurde, ist bei allen in Frage tomSchon vor längerer Zeit, als die Frage der Ueberführung des menden Staaten, und zwar bei England, Holland, Belgien und Frankreich die Genehmigung zur Ueberfliegung des betreffenden Gebiets beantragt worden. Bon englischer, holländischer und belgischer Seite ist diese Erlaubnis alsbald ohne Vorbehalt erteilt worden. Hinsichtlich der Haltung Frankreichs be stand dagegen bisher noch feine Klarheit. Aus diesem Grunde wie auch wegen der Unklarheit darüber, ob zum Ueberfliegen des besetzten Gebiets noch eine weitere besondere Erlaubnis nötig fei, mußte die Luftschifffeitung bei der großen Deutschlandfahrt darauf verzichten, den zahlreichen herzlichen Einladungen rheinisch- westfälischer Städte zum Besuch mit dem 3..R. 3 Folge zu leisten. Vor wenigen Tagen nun hat Frankreich die ameritamische Abnahmefommission davon in Kenntnis gesetzt, daß Frankreich ein Ueberfliegen französischen Gebiets mit dem 3. R. 3 unter der Bedingung gestatte, daß gefiert werden. Diese Bedingurig ist angenommen worden, so daß wisse namentlich aufgeführte Festungsgebiete nicht pas an und für sich der Weg des 3. R. 3 auch über Frankreich führen tönnte. Ob dies der Fall fein wird, läßt sich noch nicht sagen. Dr. der Route des Ameritafluges: Welchen Kurs ich nehme, wird letzten Edener erklärte am Donnerstagnachmittag auf die Frage nach Endes von der Wettermeldung abhängen, die ich am Morgen des festgesetzten Abfahrttages vor dem Aufstieg des Luftschiffes erhalte. Ist der südliche Kurs über Frankreich günstig, dann schlagen wir ihn ein, ift das Wetter auf dem nördlichen Kurs besser, dann richten wir uns eben danach. Das Ganze ist lediglich eine Betterfrage." erhält sich in Friedrichshafen hartnäckig bas Gerücht, daß im Ber Gegenüber diesen authentischen Mitteilungen der Luftschifführung auf der Verhandlungen zwischen Frankreich und den Amerikanern von französischer Seite zuerst die Forderung aufgestellt wurde, daß ein Vertreter des franzöfifchen Kriegsministers an der Fahrt teilnehmen müsse, und erst als diefe Forderung abgelehnt wurde, hate Einschränkung bereit erklärt. Die Liste der Festungsgebiete, die nicht fich Frankreich zu der Genehmigung mit der oben wiedergegebenen überflogen werden dürfen, ist im Besitz der Luftschiffleitung, wird aber nicht befantbgegeben. Es handelt sich natürlich lediglich um die Befestigungen an der französischen Ostgrenze. Bon der LuftschiffAmateurfunter, die nicht dazu berufen find, in funtentelegraphische leitung wird schon jetzt an alle die Stationen, insbesondere an die Berbindung mit dem Luftschiff zu treten, die Bitte gerichtet, je den Funtverkehr während bes Amerikafluges unterlaffen, weil die funtentelegraphische Station des 3. R. 3 mit Wetternachrichten, Beilungen und der Weitergabe sowie dem Empfang anderer Nachrichten vollauf beschäftigt sein wird. Ein schwerer Autounfall. Gin Breslauer Straftwagenführer unternahm in Begleitung zweier Freunde ohne Wissen des Eigentümers eine Autofahrt. Auf mit voller Wucht gegen ein Auto, das ihm mit abgeblendetem Licht der Chauffee bon lettendorf nach Linz prallte der Wagen entgegentam. Der Zusammenstoß war derart heftig, daß fich der Breslauer Wagen um seine eigene Achse drehte und umschlug. Die drei Insassen wurden in weitem Bogen herausgeschleudert. Während der eine tot liegen blieb, wurde der zweite schwer verlegt. Der Chauffeur erlitt einen Armbruch. Als sich Bauern aus der umgegend der Unfallstelle näherten, suchte der Chauffeur das Weite. Die Infaffen des zweiten Autos blieben, soweit bekannt wurde, mmberlegt. Ein Rundfunfzwischenfender in Dresden Die Nachrichtenstelle der Oberpostdirektion teilt mit: Nach einer Berfügung des Reichs postministeriums wird in Dresden ein Rundfuntawischenfender aufgestellt. Dadurch wird die Aufnahme mit Detektor. apparaten in der Umgebung von Dresden ermöglicht, und die Aufnahme mit Röhrenapparaten in Oftfachsen wesentlich verbessert. Schiffsbrand im Hafen von Gevlo. Nach einer Meldung ans Stockholm ist der deutsche Schoner. Günther" im Hafen von Geblo in Brand geraten. Das im Laftraum befindliche Hola und die innere Einrichtung des Schiffes find vernichtet. Das Schiff felbft fonnte gerettet werden. Amerikanische Groß- Weltausstellung 1926. Im Jahre 1926 foll anläßlich der 300- Jahresfeiern für New York eine Weltansftellung in noch größerem Ausmaße als in Wembley veranstaltet werden. Die Best in Indien. In Heyderabad ist die Best ausge brochen. In Secunderabad find 371 Fälle und 232 Tote festgestellt worden. Nur so verpackt! MARGARINE Schwan im Blauband frisch gekirnf Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Täglich 8 Uhr: 12 U.: Sinfonie- Mit- Die große Revue: tagskonzert 7% U.: 1. Sinfonlekonzert Opernhaus Wien gib acht! Ueb.150Mitwirkende Deutsch. Künstlertheat. Täglich 7 Uhr: Der Tanz um am Königsplatz Kasse den ganzen Tag geöffnet 72: Gianni Schicchi Der Leierkasten Schauspielhaus 72 U.: Peer Gynt Schiller Theater 7% U.: Fuhrmann Henschel Volksbühne 72: Der tote Tag Deutsch. Theater 712 Uhr: Michael Kramer Voranzeige! 4. und 6. Oktober: Ballett- Abend Michael Mortkin Kammerspiele 7 Uhr: Die tote Tante und andere Begebenheiten Theater i. d. Königgrätzer Str. 7.30 U.: Erich XIV. Komödienhaus 8: Der unwiderdie Liebe Operette in 3 Akt. von Osk. Strauss Martha Serak Erikay.Theilmann Paul Graetz/ Robert Nästlberger Robert Scholz Hans Wassmann Georg Baselt Mus.Leit.: M. Roth Erich Walter Tänze: H. Lingen Bühn.Bild: E.Stern Lustspielhaus Tägl 8 Uhr: Die Zwillingsschwester Lustsp. v. L.Fulda Käte Dorsch/ Joh. Riemann Hans Junkermann stehlich. Kassian Neues Operettenhaus Berliner Theater 7.30: Der süße Kavaller Th. a. Nollendorfpl. 7.30: Die Geliebte Sr. Hoheit mit Fritzi Massary SCALA 8 Uhr: Internat.Varieté Sonntag 3.30 zu halben Preis. das volle Programm! Th.i.Admiralspalast Täglich 84 Uhr: die große Revue Noch und Noch" Stg. 2 Vorst. in erster Besetzg 3 u. 8 Uhr Central Theater U.: G'wissenswarm Täglich 8 Uhr: K. Valentin/ Lis! Karlstadt in 99 Vorstadttheater" Burleske v. Rarl Valentin Wallner Theat. Tägl. 72 Uhr: Uriel Acosta -TriumphPalast am Moritzplatz Allabendl. 71/2 U Sonntags 4 Uhr Das gute VarietéDeuts Opernhaus Programm 6 Uhr: Tristan und Isolde Mus. Leitg.: F. v. Weingartner Intimes Theater 8: Liebeskonzern Tempo Tempo! Metropol- Theater Tägl. 7%, Uhr: Gräfin Mariza Th. i. Kommand. Str. 8: M'Globetrotter Stg. 32: Mädels v. Davos. In der Diele An den Tanztagen: Der moderne Tanzbetrieb Täglich: TanzVorführungen! Etablissemen Cafe Dramatisch. Theater elka Chausseestr. 30/31 Dir.: Wilh. Dieterle Uraufführung 7 Uhr Friedrichstr. 60 Ecke Leipziger Straße Varieté- Kabarett Gr. Konzertsaal Tolkening Margaretensaa von Alfred Brust Eröffnung der Residenz- Th. Dir.: Fel. Meinhardt Täglich 8 Uhr: Der sensationelle Erfolg! Die vier Schlaumeier Kleines Th. Täglich 8 Uhr Ein idealer Gatte Komöd.v Osk.Wilde Tilla Durieux, Adele Sandrock, J.Falkenstein, Ferd. Bonn, Hansi Burg. Lettinger Wintersaison Oktober- Progr.! Nachmittags 4 Uhr abends 73 Uhr Lucie Berber Paul Rochelli Werner Goldmann Leni Bowitz Ines Mesina Erna Roma Barré Mader Grete Sigrid ZmaidaPawlowa Kurt Woldemar 2 Kapellen: Wünsch, V, Hofmann Die 30 Stundenfahrt Ein Welt- Ereignis! VON EUROPA NACH AMERIKA IN SECHZIG STUNDEN Im Zeppelin über den Atlantik Der zweite Teil: Die Probeflüge über Europa. Der einzige Film, der während der ganzen Fahrt des Z. R. III am 25. und 26. 9. vom Flugschiff aufgenommen wurde, erscheint jetzt. Alle Welt hat das silbergraue Schiff der Lüfte gesehen, aber noch niemand, wie sich die Welt den kühnen Luftschiffern vom Z. R. III aus darbietet. Der Film gelangt zur Vorführung ab Freitag, den 3. Oktober, im HARN INCO UESTION Ufa- Theater Kurfürstendamm Ufa- Theater Tauentzienpalast Ufa- Theater Kammerlichtspiele Ufa- Theater Friedrichstraße Ufa- Theater Alexanderplatz Ufa- Theater Weinbergsweg Versäumen Sie nicht, sich diesen, hochaktuemen Film anzusehen und beachten Sie, bitte, dass die weiteren Bekanntmachungen über die Vorführung der späteren Teile dieses Films in dieser Zeitung stets in der gleichen Form erfolgen werden. UA Die Ufa hat die alleinigen Monopolrechte für die Flugaufnahmen aus dem Zeppelin. Walhalla Gegründet am Rosenthaler Tor Großes Internationales Varieté Programm! Anfang 8 Uhr Preise: 0.40 0.60 1.- 1.30 usw. 7 Ur Große Volksoper 7% Uhi Die Fledermaus Komische Oper Direktion: James Klein 8 Uhr 8 Uhr Allabendlich Die gewaltigste and größte Revue aller Zeiten: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Gastspiel Kammersänger Leo Slezak über 250 Mitwirkende Grcus Busch Sonntag 2X3+ 7%, Uhr Todes= 2x strahlen Autorennen 2x in der Luft 2x Spanische Kampfstiere Außerdem: Nachm. Erstaufführg. Märchenspiel ,, Dornröschen für die Manege bearbeitet. Abends: Wasserschaustück Carmen Gewaltige Wassereffekte! Vorverk. Wertheim Benutzen Sie und Circus- Kassen Nachm. Erw. u. Kinder halbe Preise Reichshallen- Theat. Abends 8 U. u. Stg. nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Neu: Mutter uff Reisen Hachm. halbe Pr. b. voll. Abendprogr. Herrlich. Donhoff- Bretti: Progr Anf. 7. Populäre Preise Trianon- Th. Rose- Theater Tägl. 8 Uhr: Deutsch.Volksbühne Erika Gläßner Alt- Heidelberg in 66 „ Sie" Anfang 7.45 Komödie v. Reicke Th. i.d.Gem.- Turnhalle Erich Kaiser- Tietz Rudolf Lettinger Weißensee, Pitsoriusst.23 Sonntags 7 Uhr: Neues Theat. am Zoo w. Heiden- Heinrich Täglich 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp Die tanzende Prinzessin Die Reise Preise: 80 Pf. b. 2M. nach Amerika 3 Bilder aus dem Leben des Casino- Theater Deutsch- Amerikaners Thalia- Theater Lothringer Str. 37 Tägi.& Uhr Trotz d. gr. Erfolges nur noch wenige Aufführungen: 7Uhr Tägl. 7% Uhr Muß Liebe schön sein! Zigeunerliebe Musik von Franz Léhar Theater am Kottbusser Tor Täglich 8 Uhr u. Sonnt, nachm.3U.: EliteSänger Glänzendes OktoberProgramm U. 2. Auf vielf. Wunsch Pannemanns Liebestraum". und das bunte Programm In Vorbereitung: Satan Weib? Der LUNAPARK ist am Sonnabend u. Sonntag geöffnet! Eintritt 20 Pfennig Konzert Feuerwerk TANZ Möbelfabrik Rob. 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Beilage des Vorwärts Freitag, 3. Oktober 1924 Im Landtag wurde gestern, wie bereits furz gemeldet, die zweite Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung fortgesetzt. Bei der Siedlungsfrage verweist Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff auf die statistischen Ergebnisse der Siedlung. Bas unter den wenig erfreulichen Umständen erreicht werden konnte, ist erreicht worden. Im laufenden Jahre sind die Aussichten für eine erhöhte Siedlungstätigkeit leider nur sehr gering, zum großen Teil ist das eine Folge der vorjährigen Inflationsfrise. Das Reich hat seine Zuschüsse einstellen müssen und feine bisherigen Verpflichtungen auf die Länder abgewälzt. Den Siedlungsgesellschaften müssen, wenn wir weiter großzügig arbeiten wollen, 3 wischentredite gewährt werden. Der Weg der Enteignung muß möglichst ganz ausgeschaltet werden. Dringend notwendig ist andererseits auch, den Domänenbesitz des Staats wieder aufzufüllen, nachdem ihm durch das Versailler Dittat und die Siedlungen eine große Bodenfläche verlorengegangen ist. Ebenso muß der Forst. besit durch Aufforstung von Dedland usw. wieder gesteigert werden. Das wird große Mittel erfordern. Abg. Dr. Höpfer- Aschoff( Dem.) begründet den Antrag der Demokraten, wodurch unter gewissen Bedingungen ein Erbpacht. recht und die Möglichkeit, das Pachtland als Eigentum zu erwerben, denjenigen Bächtern eingeräumt wird, deren Familien. länger als zwei Generationen das Land bewirtschaftet oder urbar gemacht haben. Abg. Milbert( Dnat.) verlangt, daß den Siedlungsgesellschaften scharf auf die Finger gesehen werden soll. Abg. v. Vapen( Bentr.) tritt für Vereinfachung des Geschäfts ganges bei der Siedlung ein. Nachdem die Abgg. Boes( Dnatl.), Kilian( Komm.), Schmelzer ( 3.), Pischte( D. Bp.) und Weissermel( Dnatl.) verschiedentlich Kritik an dem Siedlungswesen geübt hatten, erklärte Landwirtschaftsminister Dr.Wendorff, daß parteipolitische Gründe für seine Entscheidungen nicht in Frage tommen, daß vielmehr ledig lich nach fachlichen Gesichtspuntien gehandelt werde. Nur solches Dedland werde zur Siedlung vergeben, das sich zur forstlichen Be wirtschaftung nicht eignet. Er erklärte, es sei die vornehmste Ehrenpflicht des Reiches wie des preußischen Staates, die Bevölferung wieder feßhaft zu machen. Die besten Absichten müßten aber an dem Mangel an Mitteln fcheitern. Der Minister sagte bestmöglichste Förderung des landwirtschaftlichen Bildungswesens zu und versprach, den Beschwerden über die Siedlungsgesellschaften nachzugehen. Damit ist der Etat der landwirtschaftlichen Berwaltung erledigt. Die Abstimmungen finden am Freitag statt. Stadt Wesermünde beschlossen. Es folgt die zweite Beratung des Gesehentwurfes über die Bereinigung der Stadtgemeinden Lehe und Gee stemünde. Der Ausschuß hat der Bereinigung zugestimmt. Die neue Stadt soll Wesermünde heißen. Abg. Voß( Dnatl.) behauptet, daß in den städtischen Parlamenten von Lehe und Geeftemünde von den gewählten Vertretern feine einzige Stimme für die Bereinigung abgegeben worden sei. Nach weiterer Debatte wird die Borlage in zweiter und dritter Befung gegen die Deutschnationalen mit großer Mehrheit angenommen. Das Haus vertagt sich. Freitag 12 Uhr: Ministerium des Innern, Abstimmungen über den Landwirtschaftsetat. Schluß nach 6 Uhr. Weltkongreß für Sozialpolitik. -REGIERUNGRevey will Mißverständnis:„ Warum stehen Sie nicht Schlange?"- Schlange? Der steht ja ganz vorn!" wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bewirkt. Gewiß, es ist nicht immer glatt gegangen, der Widerstand der Unternehmer hat auch unangenehme Bewegungen der Arbeiter hervorgerufen bis zum heutigen Tage. Aber es ist vorwärtsgegangen, es ist unbestreitbare Tatsache, daß die Arbeiterklasse infolge ihrer e bung allen Alenderungen der Produktionsrichtung folgen fonnte. Die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende, Gütererzeugung und Arbeiterschaft müffen noch viel höher tommen. wissenschaftliche Durchbringung haben in mir den Glauben erzeugt Diesem Zwed foll die Sozialpolitik entsprechen. Erfahrung und und gefestigt, daß die Entwicklung die Menschheit dazu führen wird, über die materiellen Güter und insbesondere über den Geldfac die volle Herrschaft zu erobern. Dann wird der Spruch wahr, der am 4. Juli 1776 in der Erklärung der Menschenrechte an die Spitze der Unabhängigkeitsatte der Bereinigten Staaten von Amerifa gesetzt wurde. Es war mir vor 20 Jahren vergönnt, die ewig denkwürdige Freiheitshalle in Phil adelphia zu besuchen, wo diese Afte beschlossen und unterzeichnet Ziel der Gesellschaft ist das allgemeine Glüd!" Der 80jährige Hermann Greulich feiert die Auferstehung wurde. Ehrfurchtsvoll habe ich den Spruch gelesen, er lautet:„ Das der Arbeiterklasse. Prag, 2. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag trat in Brag der Internationale Kongreß für Sozialpolitik zusammen. Ideell schließt der Kongreß an den legten internationalen sozialpoli. tischen Kongreß in Zürich 1897 und an den Pariser Kongreß von 1900 an, auf dem die Internationale Affoziation für gefeßlichen Arbeiterschutz gegründet wurde, die nun in Gemeinschaft mit Als Greulich seine Ausführungen beendet hatte, bereitete ihm der Rongreß eine lebhafte Huldigung. Es sprach sodann Dr. Grube( Tschechoslowakei) über die Entwicklung der sozialen Denfungsart in der Tschechoslowakei der Affoziation für Bekämpfung der Arbeitslosigkeit den Brager Internationale Geschichtstagung Kongreß einberufen hat. Auf dem Kongreß sind eine Reihe hervorragender Wirtschafts- und Sozialpolitiker, darunter Prof. Bren. tano aus Deutschland, anwesend. Es werden auch Sozialisten von Namen und Ruf, wie der greife Genosse Hermann Greulich # Probleme der Geschichtsbetrachtung. schichtsbetrachtung nach sich ziehen. Bis heute ist Geschichte leider vielfach noch bloße Genealogie und dynastische Schlachtenschilderung geblieben. Aus dem Zusammenschluß der Nationen hat sich über die nationale Staatsidee die nationale Geschichtsschreibung entfaltet. Dann hat das Maschinenzeitalter neue Lebensfräfte entfaltet. Das erste Wert follettivistischer ökonomischer Geschichtsbetrachtung ist die Schrift: Die Lage der arbeitenden Klaffen in Eng land" von Friedrich Engels, Zwar haben wir schon Hälfte des 18. Jahrhunderts, jedoch geht sie noch von der Betrachtung ökonomische Geschichtsbetrachtung bei Justus Möfer in der zweiten des Einzelschicksals aus. Die Marrsche Geschichtsauffassung will eine Lehre für den kommenden Befreiungskampf der arbeitenden Klassen fein. Darin allein beruht ihr sogenanntes materialistisches Moment, faffung ausdrückt. Arbeit und Produktion faßt Marg immer das nur den Gegensatz zur idealistischen bürgerlichen Geschichtsaufnur gesellschaftlich auf. Die ökonomische Geschichtsauffassung ist nicht eine technologische, die alle Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft auf Umgestaltungen der technischen Arbeitsmittel zurückführt. Der Kapitalismus führt nicht felten aus egoistischen Gründen Schramten gegen den technischen Fortschritt auf. In den Produktivfräften geben fich zahllose moralische und geistige Energien aus und beeinflussen die politischen, juristischen und sozialen Institufionen. Die ökonomische Geschichtsbetrachtung wird Marg Lebensmacht und Machtmittel. Diskussion. Zürich, Dr. Kart Renner, deutschösterreichischer Staatskanzler tagung. Nach einer kurzen Eröffnungsansprache von Baut wunden, sondern durch die neue Gesellschaftsschicht, das Proletariat. a. D., Dubegeest, des bundes in Amsterdam, als Redner das Wort ergreifen. Der Obmann des Vorbereitenden Kongreßausschusses, Professor der Bariser Universität Boissard, begrüßte in französischer Sprache die Anwesenden und erklärte den Kongreß für eröffnet, wobei er das Wort dem tschechischen Minister für soziale Fürsorge, Genoffen a brman, erteilte. Nach Berdolmetschung der Be. Habr grüßung des Ministers in die deutsche und englische Sprache ergriff abermals Professor Boissard das Wort. Er betonte, daß der Kongreß Gast der tschechoslowakischen Republit ist, die bestrebt sei, der ganzen Welt als wahrhaft soziale Nation zu dienen. Der Präsident der tschechoslowakischen Republit, Masaryf, fönne sich mit Rücksicht auf seinen Gefundheitszustand am Kongreß nicht beteiligen, hat aber das Protektorat übernommen, wofür ihm der Kongreß dankbar ist. Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch hat sich telegraphisch aus Genf entschuldigt und wünscht dem Rongreß beftes Gedeihen. Sodann wurde einstimmig zum Vorsitzenden Genosse Albert Thomas gewählt. Auf Vorschlag des Vorfizenden Thomas werden einstimmig in den Vorstand gewählt: Brofessor Dr. Grube ( Tschechoslowakei), Nationalrat Bachenal( Schweiz), Professor Fufter( Frankreich), Senator Loria( Italien), Prof. Gyrup ( Deutschland). Thomas erflärt in feiner Begrüßungsrede u. a.: 3m Oftober 1922 haben wir in Genf erfannt, daß die Zeit der raschen Entwicklung der sozialpolitischen Einrichtungen vorüber ist. 23ir haben erkannt, daß es notwendig ist, alle Kräfte der Welt zu fam. meln, um den Geist der 3 weifel zu bannen. Anschließend daran sprach der Schweizer Nationalrat Genoffe Greulich: Meine Kindheit liegt weit zurüd. Man begann in der Schweiz erst mit dem Bau von Eisenbahnen, als ich geboren wurde. In meiner Lehrzeit arbeitete man noch 14 Stunden mit ganz furzen Mittagspausen. Genosse Mar Adler- Wien setzte sich als erster Diskussionsredner mit dem Referat von Honigsheim cuseinander und betonte das fulturell- ethische Moment des Margismus. Er erkennt den Wert Des Utopismus, jedoch nur innerhalb der Grenzen der GesellschaftsIm Bürgersaal des neuen Rathauses in Berlin- Schöneberg be- wissenschaft. Ueberhaupt will er der Wissenschaft und der Soziologie gann am Donnerstagvormittag um 9 Uhr die vom Brnd entschiede= einen größeren Wert als Honigsheim beimessen. Die Kultur, der Internationale Geschichts- Gesellschaft wird nicht durch Asien überDen Unwert der Naturwissenschaft erkennt auch Adler an. Auch Marg und Engels haben eine rein materialistische Weltanschauung abgelehnt. Der Klassentampf ist ein taufal notwendiger Kampf für Recht und Vernunft. Die Erizehung darf nicht neutral fein, sondern sie muß die Tendenz zur tommenden Gesellschaftsform, zum wohl aber des wissenschaftlichen Dentens geben. In eine Reihe neben Sozialismus, verfolgen. Es foll zwar keine Diktatur der Wissenschaft, Rant und Fichte gehört auch Karl Mary. Destreich, der die Tagung als vom Geiste Kants und Fichtes be herrscht hinstellte, ergriff Baul Honigsheim- Köln das Wort zu einem Referat über: Wesen und Gegenwartsaufgaben der Soziologie. Die wichtigsten Gedanken seines Referats. maren etwa folgende: Unserer Zeit fehlt vor lauter Begrifflichkeit und Wissenschaftlichkeit das Empfinden für Volkstum. Es.bahnt sich heute schon wieder eine teine Wissenschaft der Geschichte mehr gelten lassen will. In der Tat Reaktion dagegen an, die überhaupt keine Wissenschaft, also auch. fragt es sich, ob und welchen Sinn die Wissenschaft der menschlichen Gesellschaft, die Soziologie, hat. Wir befinden uns heute in einer Krisis des europäischen Geistes, die in der These Europa oder Asten ihren Ausbruck findet. Nach einer tiefForschung charakterisierte der Rebner den Glaubenscharakter des Ratio gründigen Darlegung der pfychologischen Ursprünge wissenschaftlicher der Religion ein Gögentum der Technik an seine Stelle getreten sei. nalismus und wies darauf hin, wie nach dem Sturz des Gögentums fung von Zweifeln an jedem wissenschaftlichen Ergebnis Sowohl Die Folge des Gößensturzes der Technik sei heute eine weitere Stärdas Individuum wie auch die Masse, die zwar undifferenziert, aber auch untrennbar ist, haben ihre Realität. Wir müssen den Gegen faß von Individuum und Masse dadurch aufheben, daß wir noch ein Drittes hinzufügen: die Gemeinschaft ohne Autoritätsgläubigkeit und Gebundenheit. Für die Wissenschaft ist eine Synthese von Religion und Naturwissenschaft er. ferberlich. Die Gesellschaftswissenschaft fann uns nur ein Handwerkseug bieten für fünftige Menschheitsbafeinsgestaltung. Bir dürfen Bedeutung gewinnt die Soziologie durch ihre Anwendung auf die uns nicht unter eine Diktatur der Wissenschaft beugen. Eine wichtige Pädagogik. Man muß den Mut haben, Utopist zu sein, sich dabei aber zugleich an allen Auseinandersehungen des Alltags zu beteiligen. Erst das ergibt Realpolitik im allerhöchsten Sinne. Sede Idee hat das tragische Schicksal, im Dogma und im Bureaukratismus zu erstarren. Aber auch das ist menschheitsgeschichtlich notwendig, weil es immer einen Zustand geben muß, in dem es etwas zu revolutionieren gibt. Bor mehr als 60 Jahren traf ich als Handwerker mit fümmerlicher Volksschulbildung in einen Arbeiterverband ein. Mit den verschiedensten Schichten der Arbeiterschaft bin ich in engste Fühlung gekommen. Welch ungeheure Entwicklung der Wirtschaft habe ich erlebt, aber auch welch ungeahnte Entwicklung der Arbeiter. fchaft, eine wahre Auferstehung der Arbeiterflaffe. Ich schäze mich glücklich, dabei nach Kräften mitgewirkt zu haben und jede materielle Besserstellung durch Verkürzung der Arbeitszeit, Dekonomische Geschichtsbetrachtung Erhöhung des Reallohnes oder andere Fortschritte hat ohne Aus- führte Genoffe Paul Rampffmeyer folgendes aus: Ein ökononahme eine geistige und sittliche Hebung und eine Erhöhung der misiertes Leben muß eine ökonomische Lebensauffaffung und Ge In einem weiteren Referat über: des Genossen Reinhard Streder über: Im Mittelpunkt der Borträge des Nachmittags stand das Referat Persönlichkeit und Masse. Masse und Persönlichkeit sind kein Gegensah, aber die Masse ist Maffe und Persönlichkeit zeigt sich deutlich in der Maffenpsychose. nicht die Summe aller Bersönlichkeiten. Die Wechselwirkung von intellektuellen, ohne zu bedenken, daß auch diese Masse ihre erMan versteht unter Masse gewöhnlich nur die Masse der NichtEinzelmensch wie auch die Masse dürfen nicht lediglich als Werkzeuge fahrungsgemäß erprobten menschlichen Vorzüge hat. Sowohl der gebraucht werden. Die Masse braucht natürlich führende Persönlichkeiten, wie jeder Mensch auf gewiffem Gebiete der Führung bedarf, während er auf anderen Gebieten, und sei es auch Führerproblem überschneiden sich die Begriffe Persönlichkeit und nur in fleinem Kreise, selbst führend sein kann. Also auch beim Maffe. Heute können wir vielfach statt einer Führung des Volkes eine Irreführung des Volkes wahrnehmen. Sie erfolgt vor allem durch die fapitalistische Presse. Die Erziehungsmächte sind vielfach Gefühl als im Verstand zu treffen. Daraus geht die hohe Befelbft fchuid an einer Massenpsychose. Die Masse ist viel leichter im deutung der Kunst für weltgeschichtliches Erleben hervor. Für die große Aufopferungsfähigkeit der Masse müssen lohnende Ziele ge funden werden. Die Empfänglichkeit der Masse muß gefördert werden, und hier vor allem liegt die große sozial- ethische Bedeutung des Achtst unbentages. Vielfach wird heute Don Reaktionären Fichte zitiert, die außer der Ueberschrift seiner Reden an die deutsche Nation" nichts von ihm tennen und nicht wissen, daß er Republikaner und Sozialist und damit Prophet einer neuen Zeit gewesen ist. Das Problem von Masse und Bersönlichkeit ist das Problem der Führung. Wir müssen dort, wo wir selbst Persönlichkeit sind, um die Führung der Masse kämpfen, Rentenkampf der Kriegsopfer. Mangelndes Verständnis der Versorgungsbehörden. Wirtschaft Internationaler Freihandelskongres. Der deutsche Freihandelsbund( Frankfurt a. M.) teilt mit: Die Renten der Kriegsopfer sind nicht nur beschämend niedrig, regelmäßig ist auch noch erst um ihre Gewährung ein Kampf mit den Versorgungsbehörden durchzufechten, sei es wegen der Frage der Dienstbeschädigung, sei es wegen des Maßes der Bom 29. September bis 1. Oftober tagte in London der vom Erwerbsminderung. Da spürt man bei den Versorgungsbehörden Ausschuß zur Förderung des allgemeinen Freihandels( Cobden- Klub) nicht selten völligen Mangel an sozialem Mitempfinden, ja ihr Kampf einberufene internationale Freihandelstongreß, auf dem außer führenden englischen Freihändlern die Freihandelsgegen Versorgungsansprüche nimmt mitunter groteste Formen an. organisationen von Deutschland, Frankreich, Holland, Italien So war einem alten Ehepaar in einer fleinen Stadt Medlen Schweden und den Bereinigten Staaten vertreten waren. Den burgs vom Versorgungs gericht der Anspruch auf die Elternrente Mittelpunkt der Verhandlungen bildete die gegenwärtige Wirtauerkannt worden. Das( inzwischen aufgelöfte) Hauptverschaftslage im Zusammenhang mit den internationalen Zahlungs forgungsamt Altona legte gegen das Urteil beim Reichs verpflichtungen. Der Kongreß nahm nachstehende Entschließung versorgungsgericht Rekurs ein und begründete diesen u. a. wie einstimmig an: Die Aufhebung der bestehenden Hemmungen, martaftie von 1000 m. bekommt der Attionär zwei Goldmarfattien Don je 20 M. Das Verhältnis der Reduktion ist nicht so fatastro phal, von älteren Unternehmen wurde schon stärker zusammen gestrichen. Das Unternehmen ist vornehmlich ein Handelsa fonzern; bis 1920 war es ein privates Warenhausunternehme 3eit rapider Preissteigerung. Damals wurde das private Geschäft mit einigen Filialen. Das Jahr 1919 bis Frühjahr 1920 war eine in eine Aktiengesellschaft verwandelt. Die Konjunktur war gut, die Einnahmen aus den steigenden Preisen drängten nach Verwertung. Es gab noch zahlreiche private Unternehmen und Gesellschaften, welche die Inflation nicht begriffen hatten und dauernd mit dem Mangel an Betriebskapital kämpften. " Als Gesellschaft fonnte Karstadt aus der Fülle der Kapitals inflation schöpfen. Die Leiter griffen zu, sprangen in die Sach werte" und ramschten zusammen, was zu ihrem Handelsunternehmen paßte. Sie fannten das wunderbar erfolgreiche Wirtschaftsprinzip der Integration. Integration ist zusammenfassung verschiedens ,, Das Versorgungsgericht hätte auf Grund feiner Feststellung, namentlich der 3ölle, der Ein- und Ausfuhrverbote, artiger Unternehmungen nach dem Gesichtspunkt der aufeinander folgt: daß der kommen dürfen, weil die erste Voraussetzung für die Gewährung der Elternrente die ist, daß derjenige, nach welchem die Elternrente gewährt werden soll, an den Folgen einer Dienstbeschädigung verstorben ist(§ 43 RBG.). Nach den Akten betreffend die Witwe ist der Sohn der Kläger indessen auf Grund der§§ 13 ff. BGB. für tot erklärt worden." Das Verfahren über diesen Refurs ist noch nicht abgefchloffen. Ein Schuhmachergeselle hatte infolge Kriegsdienstbeschädigung ein Auge verloren und außerdem eine erhebliche hand verlegung erlitten, so daß ihm eine 60prozentige Rente gewähri werden mußte. Er erhob auch Anspruch auf Erteilung des der lichen und kostspieligen Baß- und Sichtvermerke ist or aussetzung für jede Entwidlung des auswärtigen Sandels, die notwendig ist, um die Zahlungsfähigkeit eines größeren Teiles der Welt zu erhalten und die Tilgung der zwischen allen Völkern, namentlich zwischen den Völkern Europas ungeheuren internationalen Schulden zu ermöglichen, die besteben." Die Stellungnahme gegen Ein- und Ausfuhrverbote, Repara tionsabgaben und Sichtvermerte erfolgte auf Antrag der deutschen Vertreter. Beamtenscheins, wurde aber vom Versorgungsamt Rostock Referenten- Zusammenkunft abgewiesen mit der Begründung, er fönne seinem Schuhmacherberuf noch wettbewerbsfähig". nachgehen. Vor dem Versorgungsgericht Schwerin, das der Verletzte im Klagewege anrief, marschierten auf Anordnung des Gerichts nicht weniger als drei Sachverständige auf, nämlich zwei Aerzte( ein Orthopäde, ein AugenGrzt) und der Obermeister der Rostocker Schuhmacherinnung. Sie sollten befinden, ob der Verletzte in seinem Schuhmacherberus wohl nech„ wettbewerbsfähig" sei, was das Gericht trotz der festgestellten 60prozentigen Erwerbsbeschädigung nicht selbst zu beurteilen wagte. Nach etwa zweistündiger Verhandlung und Beratung wurde die Weitbewerbsfähigkeit verneint und der Anspruch auf den Beamtenschein anerkannt. Die Aerzte spielen bei den Rentenfämpfen die Hauptrolle. Bei den Versorgungsbehörden haben die„ Amts-", bei den Versorgungsgerichten die Bertrauensärzte" das Wort, wobei zu beachten ist, daß die Vertrauensärzte des Gerichts durchaus nicht immer die Bertrauensärzte der Kriegsopfer sind. Regelmäßig wird das Gutachten der Aerzte, wenn es auch durchaus nicht gerade überzeugend fling!, dem Urteilsspruche grundleglich gemacht. Ein Ein Beispiel: Die Durch Urteil des Versorgungsgerichts Berlin war dem früheren Wirtschaftseleven Sch. megen Nerven beschwerden, ausgelöst durch eine Lungenverwundung und bei Annahme einer zugrundeliegenden Minderwertigkeit des Nervensystems eine Rente von 20 Broz. zugesprochen worden. Dieses Leiden verschlim merte fich mit der Zeit und Sch. verfiel schließlich dem Stupor ( Stumpffinn) und wurde völlig erwerbsunfähig. Rervenärzte in Gehlsheim wurden vom Versorgungsges richt Schwerin, nachdem das Bersorgungsgericht jegliche Erhöhung Der Rente abgelehnt hatte, ersucht, ein Gutachten darüber abzugeben, eb das durch den Lungenschuß ausgelöste Nervenleiden sich verschlimntert habe. Das Gutachten mußte eine Verschlimmerung anertennen, trat auch für eine Erhöhung der Rente auf 40 Prog. ein, tam aber dazu, den Stumpfsinn und damit die völlige Erwerbs. unfähigkeit als nicht im ursächlichen Zusammenhang mit der Kriegsverwundung stehend anzusehen. Das Gutachten tam mit folgenden Redewendungen, richtiger Rebewindungen, zu solchem für den gewöhnlichen Menschenverstand unfaßbaren Ergebnis: Montag, den 6. Ottober, abends 7 Uhr, „ Musikerfäle"( Parterresaal), Kaiser- Wilhelm- Str. 31 Bortrag: Schutzölle Steuern Lastenverteilung. Referent: Dr. Paul Hertz, Mitglied des Reichstags. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Bezirksvorstand. Nuhnießer der deutschen Währungsstabilisierung. Durch die Stabilisierung der deutschen Währung ist die deutsche Volkswirtschaft wieder instand gesetzt worden, die notwendigen Einfuhren an Lebensmitteln und Rohstoffen, deren sie zur Versorgung des Bolles bedarf. Zeitweilig ging die Einfuhr sogar weit über den dringenden Bedarf hinaus. Die uns benachbartert Staaten haben aus dieser Entwicklung großen Nutzen gezogen. So schreibt das Bankhaus Proehl u. Gutmann, Amsterdam, in seinem Wirt schaftsbericht u. a.: In sehr beträchtlichem Umfarige ist Holland Nuznießer der Stabilisierung der deutschen Währung geworden. Prüft man das hierfür vorliegende material, so tommt man zu geradezu erstaunlichen Ergebnissen, insbesondere menn man das erste Halt jahr 1924 mit dem ersten Halbjahr 1923 vergleicht, wie dies nachstehend geschieht: I. Semester 1922 1923 1924 9 Hollands Einfuhr aus Deutschland 808 669 785 Gulden 241 033 757 Hollands Ausfuhr nach Deutschland 86 349 742 Gulden 75 415 478 233 424 483 Gewicht Wert in Zonnen in 1000 G15. 13 214 275 577 243 I. Semest. 1923 396 Butter 707 1924 9515 Stäfe.: 1923 2020 18 099 1860 1924 15 143 wenn auch" „ so doch wenn nuT Margarine Weizenmehl Roggenmebl. 1923 1278 1924 9 996 5507 ( 1923 12 392 2003 o 1924 29 924 4857 1923 78 0 1924 28 738 10 4085 • 1923 1924 ,, Es drängt sich der Berdacht auf, es fönne" nicht mit abfoluter Sicherheit ausgeschlossen" mit ziemlicher Sicherheit" ,, andererseits" auch" „ anscheinend jedoch". ,, wern auch nicht" " Dieses Gutachten machte das Bersorgungsgericht Schwerin sich zu eigen und mies den Anspruch auf Bollrente ab, erkannte viel mehr nur auf eine Rente in Höhe von 40 Proz. Vor dem Reichsversorgungsgericht schwebt zurzeit im Retursverschren eine Hinterbliebenenrentensache, in der das Versorgungsgericht, ebenfalls in Grundlage eines von den Gehlsheimer Anstaltsärzten erstatteten Gutachten, die zum Tode führende Gehirnwasserfucht eines nierenverlegten Kriegsbeschädigten nicht auf diese Nierenverlegung, sondern auf den Genuß einiger Flaschen Lagerbier" zurückführt. Mit Sicherheit" hatte auch hier das Gutachten nicht der ursäch lichen Zusammenhang zwischen der Nierenverlegung und der zum Tode führenden Gehirnerfranfung auszuschließen gewagt. Diese Beispiele genügen, um das traurige Kapitel des Renten Tampfes ber Kriegsopfer zu illustrieren. Wie mit den Renten, fo ist es auch mit den Zusatzrenten, welche den Schwerbeschädigten im Falle des Bedürfnisses" von den Fürsorgeftellen zu gewähren sind. Hier gibt es überhaupt feinen Klageweg. Daß 80- und 90prozentigen Schwerbeschädigten die Zusatzrente vorenthalter oder entzogen wird, wenn sie nicht eine, wenn auch oft völlig ungeeignete Arbeitsstelle annehmen, ist nichts Geltenes. Go erhielt erst fürzlich der 80prozentige Schwerkriegsbeschädigte( Alltrentner) Sch. in 8. in Mecklenburg, der sich infolge Hüftversteifung nur schwer fortbewegen und Arbeiten im Sigen feines Leidens wegen überhaupt nicht verrichten fann, von der Für forgestelle des Amts Rostock" folgende Zuschrift: Sie haben die Ihnen auf den umliegenden Gütern angebotene Arbeit abgelehnt. Die Zufahrente steht Ihnen nicht mehr zu. Die Zahlung muß mit foforti= ger Wirkung eingestellt werden. " Nur dem Umstande, daß noch ein Verfahren schwebte wegen Erhöhung der Rente hatte Sch. es zu verdanken, wenn die Anordnung der Zahlungseinstellung rüdgängig gemacht wurde. 32 644 110 460 744 609 1842 Bunterkohlen Deutschland ist, wenigstens im ersten Semester 1924, Hollands hervorragender Abnehmer geworden und hat somit England, welches bisher diesen Rang einnahm, in der gemanter Zeit um 40 Millionen Gulden übertroffen. Noch deutlicher geht aus nachstehender Aufstellung hervor, was Deutschland als Käufer für Holland bedeutet. Im Juli 1924 betrug Hollands Ausfuhr nach Gesamtausfuhr Deutschland in 1000 Gulden 7.833 Käse Butter 7037 Kartoffeln 5190 3725 4669 3571 3 584 2846 2184 1285 2120 1187 1596 1286 Eier Leinöl Schmalz Gurken Erdbeeren Weizenmehl Kaffee. 1 224 1 095 1413 966 1 171 407 Nahezu zwei Drittel des Werts der hier aufgezählten Waren gingen also in dem einen Monat nach Deutschland. Unter diesen Umständen ist es wohl begreiflich, wenn die Kredit beziehurigen zwischen Deutschland und Holland enge find, andererseits ist es durchaus verständlich, wenn gerade in Deutschland die in Holland in Aussicht stehenden Zollerhöhungen scharfe Kritik finden. Der Karstadt- Konzern bei der Goldumstellung. Der große deutsche Warenhauskonzern Rudolf Karstadt A.-G. in Hamburg strich in seiner Goldbilanz sein Attien fapital im Verhältnis von 25: 1 zufammen. Für jede Papier folgenden industriellen Verarbeitung der Arbeitspro butte bis zur handelsmäßigen Verwertung au dem Markt, möglichst an den letzten Verbraucher. Das Geschäftsprinzip schaltet die Zwischengewinne der aufeinanderfolgenden und so taufte Karstadt Tuchfabriken, Webereien, Spinnereien, Unternehmen aus. Die Hauptsache waren bei Karstadt Textilien, Färbereien; so bekam man alles in die Hand von der rohen Wolle und Baumwolle bis zum fertigen Kleid und zur fertigen Wäsche, Auch an anderen Industriezweigen erwarb man Beteiligungen. Durch Einrichtung und Auftauf von Warenhäusern in verschiedenen Städten wurde der Markt über ganz Deutschland ausgea dehnt. Heute besitzt der Konzern Fabriten und Warenhäuser i 41 Städten. Das Kapital der Karstadt A.-G. war schon 1920 mit 40 milli onen Mark start aufgebläht. Im Laufe der Jahre wurde es durch neue Emiffionen bis auf 650 Millionen Mark vermehrt. Steckten in den 650 Millionen auch zahlreiche Kaufpreise von Aktienmeh: heiten, so darf man doch nicht vergessen, daß die Gesellschaften zur bloßen Beschaffung von Betriebsfapital vielfach dividendenberechtigtes Gesellschaftsfapital schufen. Dennoch braucht man sich über die große Umstellungsquote bei der Goldbila 13 nicht zu wundern. Für ein Warenhausunternehmen ist ein Kapital von 26 Goldmarkmillionen immer noch beträchtlich. Das Unters nehmen bilanziert auf beiden Seiten mit 48 122 914 Gm., worunter aber 1725 000 holl. Gulden Valutabürgschaft für eine Tochtergesell schaft stehen. An der Entwertung des Anleihefapitals hat es noch reichlich verdient, so daß heute 35 691 870 Gm. eigenen Gesellschaftsfapitais nur noch 1 033 032 Gm. fremdes Anleihefapital gegenübersteht( Ende 1923 stand die Hypothekenschuld noch auf 130 Millionen Mart), es hat damit günstige Rentabilitätsaussichten Allerdings stehen 10 623 521 Gm. laufenden Verbindlichkeiten an Banken und Lieferanten zu hohen Monatszinsen nur 3,76 Millionen Goldmark Kassa und Effekten und 7,67 Millionen Goldmark schwer fließende Außenstände gegenüber. Die Bilanz ist vom April; seither mag die Liquidität des Unternehmens günstiger geworden sein und auch das damalige Warenlager im ausgewiesenen Werte von 28 496 392 Gm. dürfte schon gelichtet sein. Lagerbestände und Bera bindlichkeiten sind heute Bilanzposten, welche ein Unternehmen schwer belasten fönnen. Auf der Aktivseite stehen die Sachwerte mit 7 818 706 Gm. und das Kontrollfapital des Konzerns an Bes teiligungen mit nur 351 333 Gm. zu Buch. Bei den steigenden Aktienkursen dürften in der letzten Ziffer noch starke stille Reserven schlummern. Im ganzen macht das Unternehmen nach den Zehlen der Goldmarkbilanz den Eindruck, daß es innerlich gestärkt aus der Kn. Inflation hervorging. Danziger Messe. Danzig, 2. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die Danziger Internationale Messe, die zweite ihrer Art, wurde heute nach einer unfreiwilligen Muße von vier Jahren im Beisein deutscher und preußischer Reichs- und Staatsvertreter sowie der Repräsentanten Bolens, Englands, Ameritas, Spaniens, Brasiliens und der Nordländer eröffnet und, man fann ruhig sagen, zu neuem Leben er wedt. Man hat durch die rege internationale Betei ligung in der Tat den Eindrud, daß in maßgebenden Kreisen der Industrie fast aller Länder die Erkenntnis vorherrscht, daß Danzig als Tor des Ostens und nicht nur des deutschen Ostens, hervorragend geeignet erscheint. Der polnische Einschlag ist unverkennbar und man sieht, welch startes wirtschaftliches Band den Staat Danzig mit der polnischen Republik verknüpft. Einen großen Raum des Meßgeländes nimmt neben der Danziger JnSustrie Großmaschinen und Kleinzeug die Kollektivausstellung der südlichen Länder, Spanien, Brasilien, Griechenland sowie des südlichen Ameritas ein. Dom internationalen Petroleumkampf. Aus Genf ist dieser Tage die Nachricht gekommen, daß der tür tische Delegierte sich mit dem Vertreter Englands in der Mossuía frage geeinigt habe. Beide Parteien unterwerfen sich der Ent scheidung des Bölkerbundes, der durch eine Kommiffion von drei Mitgliedern die Angelegenheit untersuchen will. Bis zur Entschei dung des Rats sollen weder von der englischen noch von der türfischen Regierung militärische Bewegungen an der Grenze vorgenommen, noch irgendwelche Veränderung an dem gegenwärtigen Stande des Gebiets versucht werden. Bei den so langwierigen Berhandlungen über den Frieden von " Lausanne hatten die Türten Anspruch auf das ehemalige türfifche Willajet Mofful erhoben, die Engländer dagegen wollten das Gebiet dem Ir at staat, tatsächlich eine englische Rolonie, zuteilen. England ließ sich in einem Vertrag mit der Regierung des Irat die Verpflichtung" auferlegen, mit aller Kraft für die Angliederung Moffuls tätig zu sein; wenn das nicht gelinge, solle der Vertrag von Lausanne hinfällig werden. Seit dieser Zeit gibt es in diesem Gebiet fortgefeßt Aufstände und militärische Expeditionen, die formell zwar von den Eingeborenena stämmen ausgehen, hinter denen aber in Wirklichkeit englische Interessen stehen. Allerdings hat auch amerikanisches und französiFritzi Massary die große überraschend gehaltvolle 5 Zigarette ist, nach dem übereinstimmenden Urteil bisher unerreicht. fches Rapital das feinige getan, um die Durchsehung der englischen Ansprüche zu verhindern. Die Arbeiterregierung Macdonald scheint endlich flare Verhältnisse schaffen zu wollen. Es handelt sich bei England nicht so sehr darum, ob es seinem Imperium noch ein Stückchen Asien hinzufügen soll; es will endlich die Möglichkeit gewinnen, das Weltmonopol der ameri tanischen Standard Oil Compagnie zu durchbrechen. Genau so wie Sowjet- Rußland Petroleum meint, wenn es Georgien blutig niederwirft, so geht auch bei Mosful die Rede in Wirklichkeit nur um Betroleum. Kein anderer Rohstoff hat in so furzer Beit eine so große Bedeutung gewonnen wie das Erdöl. Es füllt nur noch zum kleinsten Teil die Lampe des„ fleinen Mannes", immer größer wird der Bedarf der Induſtrie und des Berkehrswesens an den aus Petroleum gewonnenen Erzeugnissen, besonders an Benzin. Mit der wachsenden Bedeutung der Delmotoren, mit der Ausdehnung des Automobilwefens, mit der schnell steigenden Ausrüstung der Schiffahrt mit Delmaschinen, mit der Entwicklung der Luftschiffahrt wächst der Verbrauch an Petroleum außerordentlich on. Nun hat sich die Erzeugung an Petroleum vor dem Kriege in der Hauptsache auf zwei Länder beschränkt, auf die Bereinig ten Staaten und Rußland. Auf die nordamerikanische Union entfielen allein 62,19 Proz. der Welterzeugung, dann tam Rußland mit etwa 20 Prcz., in den Rest teilten sich die übrigen Länder, wie Mexiko, Niederländisch- Indien, Rumänien. Britisch- Indien und Galizien. Durch den Krieg ist Rußland als Weltkonkurrenz für den Standard Dil Trust ausgeschaltet worden. An seine Stelle trat im Anteil an der Erdölgewinnung zwar Mexiko, da aber dort gleichfalls hauptsächlich amerikanisches Rapital arbeitet, so fann es das Standard- Monopol nicht gefährden. Nach englischen Quellen, von Her mann Levi zusammengestellt, betrug die Erdölerzeugung in Barrels ( von 42 Gallonen) Vereinigte Staaten der wirkliche Ertrag und damit die Berzinsung des anges legten Kapitals noch erheblich höher. Man kann sich also vorstellen, welche märchenhaften Gewinne der Standard Oil Trust riesige Kapitalien und seinen großen politischen Einfluß aufbietet, aus der Petroleumerzeugung erzielt, und man begreift es, daß er um das Weltmonopol zu behalten. England hat schon vor dem Kriege versucht, dieses Monopol zu durchbrechen, um besonders für seine Kriegsschiffe vom amerifanischen Petroleum unabhängig zu werden. Es hat auf die perfische Erdölproduktion seine Hand gelegt, es hat auf die amerikanische Erzeugung dadurch Einfluß zu gewinnen gesucht, daß es die sogenannte Chester Gruppe indirekt unterstüßte, es förderte während des Krieges die Bohrversuche in Großbritannien, befonders in Schottland, es gründete die Anglo- Persian- Del- Compann, die sich die Raffinerie des Petroleums angelegen fein ließ. Alle diese Versuche, in die bedeutende Kapitalien hineingesteckt wur den, sind bisher ohne rechtes Ergebnis geblieben: das ameri tanische Monopol ist auch heute noch nicht er= schüttert. Im Gegenteil; der Standard Dil ist es inzwischen gelungen, direkt oder indirekt auch auf die anderen Erdölvorkommen der Welt, wesentlichen Einfluß zu gewinnen. Besonders bemerkensPreisnotierungen für Nahrungsmittel. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Weizengrieẞ Roggenmehl 0/1. Hartgrieß 21,50 27,00 Zuckersirup hell in Eim. . Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50| Kakao, fettarm...... 75,00-96,00 17,50-18,00 Kakao, leicht entölt... 100,00-120,00 21,00-22,50 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,00 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17,75 19,75 Inlandszucker basis mel. 41,50- 43,00 22,00-23,50 Inlandszucker Raffinade 25,00-26,75| Zucker Würfel 44,00-47,50 19,25-21,00 Kunsthonig. 39,00-42,00 40,00-45,00 27,00-31,00 90,00-95,00 40,0043,003,10- 3,60 3,704,20 4,40- 5, 5,20-5,80 85,00- 86,50 86,00- 87,00 81,50-83,00 • Meriko Rußland • Persien. 1913 248,0 Min. 26,9 62,8 ? 1923 " ♡ Proz. der Gefamterzeugung 472,0 Mill. 61,7 Min. 193,0 25,3 2 25,4 3,8 H " 12,3 2,2 " " Niederländ. Indien 11,9 16,9 2,2 11 14 Rumänien 13,5 8,3 " " 1,1 " Linsen, kleine.. Indien Polen( Galizien) 7,9 7,8 8,0 5,1 " 1,0 W Linsen, mittel 0,7 " " 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handverles. Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Besonders auffallend ist, wie start die Erzeugung Meritos gewachsen ist; es ist anzunehmen, daß sie bei ruhiger politischer Schnittnudein, lose... Entwicklung des Landes weiter erheblich zunehmen wird. Um aber das Weltmonopol der Standard Oil zu durchbrechen, muß es sich von amerikanischem Rapital freimachen, und damit hat es trop der fortschrittlichen Gesinnung der jetzigen Regierung noch gute Wege. zu gleicher Zeit ist aber auch die amerikanische Produktion ganz außerordentlich gewachsen, die Erdölvorkommen der Bereinigten Staaten überziehen ein immer größer werdendes Ge= biet; zu den bisherigen Produktionsstätten, besonders in Pensylnanien und Kalifornien, hat sich in neuerer Zeit noch der Staat Oklahoma gesellt, der eine beträchtliche Ausbeute verspricht. Nach amtlichen Angaben betrug das in der meritanischen Petroleuminduftrie angelegte Kapital bis Ende 1922 1050 Millionen merikanische Besos oder 2,1 milliarden Goldmark. Der Bruttoertrag wird auf 1 Dollar pro Faß gleich 185 Millionen Dollar geschäßt, was unge. fähr 35 Broz. des gesamten Anlagefapitals entsprechen würde. Da jedoch durch Raffinieren große Mengen hochwertiger Destillate, neben Benzin noch Gasolin, Kerosin usw. gewonnen werden, so ist Mandein, bittere Bari Zimt( Cassia) 18,00-23,75 Speisesirup dunk. in Eim. 16,00-18,50 Marmelade Einfr. Erdb. 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 28,00- 31,75 Pflaumenmus in Eimern 18,50-29,50 Steinsalz, in Sǎcken 31,00-37,50 37,50 39,50 Siedesalz in Säcken 18,75 19,75 43,00 " 84,50-85,50 65,00-66,00 60,00-63,00 80,00- 84,00 69,00-71,00 Bratenschmalz in Tierces 38,00 Bratenschmalz in Kübeln 22,00-26,00 Purelard in Tierces 16,50-17,00 Purelard in Kisten.... 18,00-19,00 Speisetalg in Packung 23,25-31,00 Speisetalg in Kübeln 31,75-37,50 Margarine, Handelsm. I 66,00 85,00-90,00 desgl. II. 40,00-43,00 Margarine, Spezialm. 1. 54,00-58,00 desgl. II. 60,00 65,00 Molkereibutter la i. Fäss. 222,00-228,00 65,00- 70,00 Molkereibutter i. Pack. 229,00-236,00 80,00-90,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 185,00-208,00 70,00-75,00 Molkereibutter i. Pack. 190,00-208,00 130,00-185,00 Auslandbutter in Fässern 235,00-237,0 175,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 34,75-37,00 106,00-115,00 Ausl. Speck, geräuchert 160,00-105.00 55,00-65,00 Quadratkäse... 108,60-115,00 Tilsiter Käse, vollfett 150,00-155,00 Bayr. Emmenthaler 195,00-220,00 Echter Emmenthaler 90 Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika230,00-285,00 Ausl. ungezuck.CondensRöstkaffee Brasil..... 240,00-290,00 milch 48/16. Röstkaffee Zentralam... 310,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 Röstgetreide, lose 18.50-21,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 wert ist, daß der Trust selbst in die Sphäre des britischen Weltreichs eindringt. So hat er sich der Bohrungen in Australien angenommen, die mit Hilfe seines Kapitals und unter seiner Beratung sbottfinden. Es ist nicht anzunehmen, daß England durch die Anerkennung des Bölferbundes als oberste Instanz in der Mossulfrage nunmehr die Waffen vor der Standard Oil strecken wird. Viemehr darf man erwarten, daß es mit der Türkei zu einer er ständigung über die fünftige Ausbeutung des ganzen vorderasiatischen Petroleumgebietes zu kommen fuchen wird. Vielleicht war auch die Erwägung nicht ohne Einfluß auf die englischen Entschlüsse, daß das amerifanische Weltmonopol erst mit dem Wiedereintritt der russischen Petroleumerzeugung in die Wetwirtschaft mit Aussicht auf Erfolg angegriffen werden kann. Folgen der Gefreideteuerung. Nach Mitteilung aus Rheinfciffnicht erlebten Getreidetransport- Saison, die auf die fahrtsfreisen steht die Rheinschiffahrt vor einer seit Jahren außerordentlichen deutschen Getreide aufläufe im Auslande zurückzuführen ist. Der größte Teil der für deutsche Rechnung getauften Getreidemengen wird über Rotterdam verfrachtet. In den Niederlanden sind gegenwärtig bequem Kredite für Getreide, das auf dem Rhein verschifft wird, zu erhalten. In welchem Mag diese Kredite die Rheinschiffahrt fördern, geht daraus hervor, daß in der letzten Zeit häufig in Bremen und Hamburg für Westdeutschland gelagertes Getreide nach Rotterdam verschifft, dort beliehen und auf dem Rheinschiffahrtswege feinem Bestimmungsort zugeführt wurde. Für Mitteldeutschland, dessen Getreide meist über die deutschen Nordseehäfen verschifft wird, sind in den Niederlanden kaum Getreidekredite aufzutreiben. Dänische Förderung des Fischfangs. Genosse Stauning hat in seiner Eigenschaft als dänischer Erwerbsminister eine linterfuchung der Möglichkeit einer Industriealisierung der dänischen Seefischerei angeordnet. Bekanntlich steht die dänische Fischerei in merkwürdigem Gegensatz zu der Tatsache, daß Dänemark auf allen Seiten von fifchreichsten Meeren umspült wird, noch auf ziemlich altväterlicher Stufe; sie ist, vor allem Küstenund nur wenig Hochseefischerei, ausnahmslos mit Segel- und Motorfuttern ausgerüstet. Der Stauningiche Plan geht dahin, mit Staatshilfe die Produktion der dänischen Fischerei durch Schaffung einer modernen Fischdampferflotte, durch bessere Bebandlung, Salzung und Räucherung der Fische nach Hamburger- Norweger Muster erheblich zu steigern. Die russische Getreideausfuhr 1923/24. Nach amtlichen statistischen Angaben ist der für das legte Jahr vorgesehene Getreideerport aus Rußland von 200 min. Pud zu 91 Proz. erfüllt worden. Von August 1923 bis 1. Juli 1924 wurden in den Häfen 193,3 mil. Bud Getreide angesammelt. Der zehnte Teil der Ausfuhr erfolgte auf dem Landwege. Der Wert des bis zum 1. Juli ausgeführten Getreides ist 240 mill. Rub. Die Transportkosten betragen im 112,00-125,00 Durchschnitt 33,92 top. pro Pud. Für das jetzt begonnene Ernte 160,00-170,00 jahr kommt eine Getreideausfuhr Rußlands bekanntlich nicht in Frage. 170,00-190,00 45,00-55,00 20,50- 23,25 16,50-17,50 26,00- 26,50 Wetter für Berlin und Umgegend. Trocken, heiter bis wollig. 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G.m.b.H., Freiburg i. B. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, Achtung, Abteilungskaffierer! Seute von 5 Uhr ab Abrechnung der Bei Jahren von dem Franzosen Guignard auf der Münchener Jugend". er 107,710 Kilometer zurücklegte. Er vollbrachte diese Leistung auf stets an das Bezirkssekretariat, 2bteilungsmitgliederversammlungen heute, Freitag, 7% Uhr: einer neuen, bei Paris angelegten Radrennbahn von 2,5 Kilo metern Länge. für Groß- Berlin marten und Empfangnahme der Mitteilungsblätter" und Arbeiter Radrennbahn mit 101,623 Stilometern aufgeſtellt wurde, indem 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 6. Kreis Kreuzberg. Freie Schulgemeinde: Heute, Freitag, den 3. Oktober, 7½Uhr, bei Bieler, Dieffenbachstr. 76, Generalversammlung. Thema: Die legten Vorgänge auf dem Gebiete der Schule". Referent Genosse Dr. Witte. Tätigkeitsbericht und Vorstandswahl. Wichtige Tagesordnung. 14. Kreis Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Heute, Freitag, den 3. Oktober, 7% Uhr, Neckarstr. 3, Zusammenkunft. Heute, Freitag, den 3. Oftober: 48. Abt. Die Funktionärkonferenz findet nicht bei Redling, sondern bei Keller, Fürstenstr. 1, statt. 114. Abt. Lichtenberg. 7½ Uhr bei Schwarzer, Gabriel- Mag- Str. 17, Borstandsund Funktionärsigung. 128./130. Abt. Bantow. Zu der heute abend 7% Uhr stattfindenden öffentlichen Kreisversammlung im Gesellschaftshaus( früher Kurfürsten), Ber liner Straße, haben sämtliche Genossen zu erscheinen. Referat des Ge noffen Reuter; ,, Berlins Gesundung durch die Sozialdemokratie und der Abbau der sozialdemokratischen Magiftrats- und Bezirksamtsmitglieder. Jungjozialisten. Gruppe Friebenau: Pünktlich 8 Uhr im Jugendheim Offen. bacher Str. 5a Mitgliederbesprechung. Diskussionsabend. Morgen, Sonnabend, den 4. Oftober: 25. 26t. 7% Uhr bei Cramer, Cotheniusstr. 3, Gigung der Bezirksführer, Betriebsvertrauensleute, Elternbeiräte und sonstigen Funktionäre. Legte ,, Vorwärts"-Quittung ist mitzubringen. Charlottenburg. 52. 26t. 71 Uhr bei Bade, Kaisetin Augusta- Allee 52, Funktionärßigung. 57. Abt. 7 Uhr erweiterte Borstandssigung bei Rapczinsti, Krumme Str. 47. 82. Abt. Steglig. 8 Uhr Sigung des Bildungsausschusses bei Thiel, Albrechtffraße 87. 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr im Restaurant Wilhelmsgarten, Berliner Str. 49, große Mitgliederversammlung. Vortrag des Genoffen Roegmann: ,, Die Bukunftsaufgaben der Sozialdemokratie". 93. Abt. Neukölln. 7 Uhr bei Prizkow, Richardstr. 53, Vorstandssigung mit den Funktionären. Die Bezirksführer laden dazu ein. 119. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr bei Giece, Möllendorffstraße, Funktionärverjammlung. Sportlisten sind mitzubringen. 141, Abt. Rosenthal. 7% Uhr im Lokal Frische, Niederstr. 5, Funktionärsigung. Jugendveranstaltungen. Achtung, Jugendgenossen und-genossinnen! Für unsere Theatervorstellungen im Winterhalbjahr 1924/25( 6 Theater. vorstellungen und 1 Konzert zum Gesamtpreis von 6 M.) im Theater bes Westens, Kantstraße, liegen die Zeichnungslisten bei den Abteilungsleitern und im Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, aus. Bei der Einzeichnung ist ber Betrag von 1 M. zu zahlen. Für jebe weitere Beranstaltung ist dann laufend eine Marke zu leben. Jeber Abonnent erhält eine bedeutende Preisermäßigung au unferem Silvesterkirchenkonzert in der Garnisonkirche, Jeder Jugendgenoffe Freundeskreisen recht viel Abonnenten zu gewinnen. -Briz: Ablershof: Jugendheim Bismardstr. 12, Seiterer Erzählerabend. Chauffeefir. 48. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5, Bortrag: Politik". Moabit I: Schule Waldenserstr. 20, Bortrag: Henry Ford". Moabit II: Schule am Stephanplas. Neukölln II: Jugendheim Nogatstr. 53. Rieber schöneweibe: Schule Berliner Str. 31. Niederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 69-70. Norden: Schule Putbuser Str. 3. Nordost I: Echule Bögowftr. 40. Rorbolt II: Schule Danziger Str. 23. Often( Frant furter Viertel): Schule Tilſiter Str. 4-5.- Often( Stralauer Biertel): Schule Nagierstr. 3. Bankew: Jugendheim Breite Str. 32. Schöneberg I: Schule Rubens, Ede Hauptstraße. Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10. Steglik II: Jugendheim Solfteinische Str. 3. Südost( Köpenicker Biertel): Jugend. heim Mariannenufer 1a. Ledigenheim Schönstedtstr. 1. Deutsche Automobilausstellung Dezember 1924. Die Auss stellungsleitung teilt mit, daß die Ausstellung bestimmt vom 5. bis 14. Dezember d. J. stattfindet. Ausgestellt werden nicht nur voll. ständig die gesamte deutsche und österreichische Automobil und Motor radindustrie, sondern auch die großen Zubehörindustrien. Ebenso ist eine große besondere Abteilung für Werkzeugmaschinen gebildet worden. Somit wird die Ausstellung ein vollständiges Bild der Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 15. Webbing: Leistungen unserer Automobilindustrie geben. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Der Neuköllner Arbeiter- Schachklub spielt jeden Dienstag Boddin str. 18 bet Benthin, abends 7 Uhr. Jugendabteilung Schierkeftr. 44( Jugendheim). Dafelbst Unterricht und Teilnahme für jedermann frei. Er eröffnet am Sonntag, den 5. Oktober, vormittags 10 Uhr, seinen freien Schachverkehr für jedermann, Boddinstr. 18 bei Benthin. Eintritt frei. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen, Groß- Berlin. Serbstver gnügen der heimattreuen Oberschlesier am Freitag, den 3. d. M., abends 8 Uhr, im Raiferiaal der Schultheiß- Brauerei, Hasenheide 31. Verein der Freidenker für Feuerbestattung, Bezirk( Kreuzberg). Die Beranstaltung in den Hohenstaufen Gälen tann wegen plöglich eingetretener polizeilicher Schwierigkeiten nicht stattfinden. Dafür finden am 6. Oktober, abends um 7 Uhr und um 9 Uhr, zwei Vorführungen in der Bodbrauerei, Fidicinstr. 2-3, statt. Die verausgabten Karten haben zu beiden Vorführungen Gültigkeit. Arbeitersport. Freie Enenerschaft Groß- Berlin. Montag, den 6. Oktober, abends 7 Uhr, engere Vorstandssigung in der Geschäftsstelle. Ein Kinderschauturnen veranstaltet am Sonntag, nachmittags 3-5 Uhr, Interessenten willkommen, die Mädchenabteilung der FTGB. Norden I in der Turnhalle Graunstr. 11. Freie Turnerschaft Schöneberg. Einen Werbeabend für das Frauen. und Mädchenturnen veranstaltet tommenben Sonntag, den 5. Oftober, die Freie Turnerschaft in der Turnhalle der Mittelschule Räther. straße. Beginn 6 Uhr abends. Eintritt frei. Sport. Ein neuer Welt- Radrekord hinter Motorrad. Paris, 2. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch nach und jebe Jugendgenoffin muß es als Pflicht betrachten, in Bekannten, und mittag schlug der belgische Dauerradfahrer Leon Vanderstuyft den Stundenweltrekord hinter Motorrad, der vor vierzehn Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 2. Oftober. 1. Rennen. 1. Berdun( H. Baade). Toto: 122: 10. Plaz: 45:10. 1. Prinz Adbell( Hedert). Toto: 557: 10. Platz: 580: 10. 3. Silverius ( F. Schulz). Toto: 23: 10. Ferner liefen: Long Alfa, Amazonka, Fürst disq., Gudrun II, Gawain, Ludmill I, Durchbruch, Elfchen disq., Simpler, Manfred. 2. Renne ft. 1. Livius( Ch. Mille), 2. Aeneas I( Przyrembel), 3. Ludwig( Jacobi). Toto: 29: 10. Plat: 19, 63, 170: 10. Ferner liefen: Kapitän Halle, Linscott jr., Filie, Kinolönigin, Winnie, Kadett, Lindenwirtin I, Morgentau, Augenstern B., Draga Watts, Triumph. 3. Rennen. 1. Paula Bingen( Wiltshire), 2. Copal( F. Schmidt), 3. Barmaid( Knöpnadel jr.). Toto: 40:10. Blat: 16, 21, 20:10. Ferner liefen: Une Petite, Musical Girl, Barillia D., Siegleicht. Elje B. I disq., Champion Goud, Pinus, Sirene I, Schwarzwaldmädel, Long Nunchen. 4. Rennen. 1. Niagara I( M. Bauer), 2. Edinhard( Th. Rezki), 3. Pontresina( H. Hermann). Zoto: 178: 10. Play: 33, 19, 18: 10. Ferner liefen: Aftorie, Allertonh, Lenz I, True For I disq., Lu, Bansca, Karneval, Zeitgeist. 5. Rennen. 1. Tell( Weidmüller), 2. Lady Petaurist( W. Krauß), 3. Bute( Sartfeil). Toto: 52: 10. Blag: 14, 15, 14: 10. Ferner liefen: Lulullus, Michel Angelo, Barometer, Diana VII, Alpenfer. 6. Rennen. 1. Stechen: 1. King Watts( E. Treubers), 2. Arworthy. J.( J. Mills), 3. Monarchist( Großmann). Toto: 177: 10. Play: 37, 22, 21: 10. Ferner liefen: Odyssens, Dantivart huga, Falter, Stuart Webbs, Alfred, Peter I, Bilasta. 2. Stechen: 1. Arworthy J.( J. Mills), 2. Stuart Webbs( Ch. Mills), 3. Alfred( Wiltshire). Toto: 80: 10. Blat: 26, 19, 17: 10. Ferner liefen: Bilasta, Falter, King Watts, Monarchist, Dankwart Huga. 3. Stechen: 1. Alfred( Wiltshire), 2. Arworthy J.( J. Mills), 3. Stuart Webbs( Ch. Mills). Toto: 26: 10. Blak: 15, 14: 10. Ferner liefen: Monarchist, King Watts, Bilasta. Entscheidungslauf: 1. Arworthy J.( J. Mills), 2. Alfred( Wiltshire), 3. King Watts( E. Treuherz). Toto: 58: 10. 7. Rennen. 1. Adelei B.( Knöpnadel jr.), 2. Erbschaft( Sauß ir.), 3. Amorette( Wiltshire). Toto: 125: 10. Plas: 23, 16, 15: 10. 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