e.470 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 239 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig, monatlich 3.- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, flir das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. " Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und 8eit" mit Gied. lung und Aleingarten". fomie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe F841829 Vorwärts Berliner Volksblatt ( 15 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille geile 0,70 Goldmart, Rellamezeile 1.- Goldmart. Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 0,20 Gold mart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), tebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. GAD Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 5. Oftober 1924 Wahlsieg in Schweden. Arbeiterregierung wahrscheinlich. Genf, 4. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der schwedische Völkerbundvertreter und ehemalige Ministerpräsident Genoffe Hjalmar Branting erklärte dem Korrespondenten des„ Borwärts", daß die Sozialdemokratie durch die Wahlen voraussichtlich vor die Aufgabe einer neuen Regierung gestellt werde; obwohl fie die Majorität noch nicht erreicht habe, jei doch eine gefchloffene Mehrheit gegen die Sozialdemokratie nicht vorhanden. Stodholm, 4. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Das amtliche Wahlergebnis entspricht ungefähr dem von uns am Mittwoch gemeldeten. Die Sozialdemokraten haben 725 800 Stimmen erhalten. Das ist ein Zuwachs von 48 600 Stimmen. Es ist die größte Stimmenzahl, die seit Aufhebung des privilegierten Wahlrechts jemals eine schwedische Partei erzielt hat. Die Sozialdemofraten haben damit, wie schon gemeldet, 5 Mandate gewonnen und erhalten 104, die Konservativen haben einen Gewinn von zwei Mandaten und 64 Abgeordnete im ganzen, der Bauern bund hat drei gewonnen und 24 im ganzen, die Liberalen und der Freisinn bringen statt 41 nur 33 Abgeordnete in die Zweite Kammer, haben also 8 verloren. Die Kommunisten sind von 7 auf 5 zurüdgegangen. Von diesen sind vier Moskauer und einer Rechtskommunist. Der Rückgang der Liberalen geht vor allen Dingen auf die Zersplitterung der Partei in Alkoholverbotsanhängern und gegner zurück, die sich gegenseitig scharf bekämpften. Das jeßige Kabinett Trygger dürfte bei der Militärvorlage durch eine Mehrheit gegen das Gefeßprojekt gestürzt werden, wenn es nicht etwa fchon vorher, auf den Wahlausfall hin, zurücktritt. Unterredung mit Branting. Völkerbundtagung. Regierungsumbildung. Schwedischer Wahlausfall. Genf, 4. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der Vertreter Schwedens im Bölferbund, Genoffe Branting, erklärte dem Verfrefer des„ Vorwärts“ vor seiner Rückreise nach Stockholm u. a. folgendes: Die inzwischen beendete Tagung hat bedeutungsvolle prattische Friedensarbeit geleistet. Die Unterzeichnung des Protokolls ist gesichert, auch die Neutralen stimmten ihm zu. Hoffentlich tut das auch Deutschland, deffen baldiger Aufnahme in den Völkerbund teine Schwierigkeiten mehr entgegenstehen, wenn es nicht selbst welche schafft. Wenn auch die Neutralen an den inneren deutschen Berhältnissen nicht interessiert sind, so ift doch vom allgemeinen europäischen Standpunkt aus, besonders für die deutsche Völkerbundspolitik, die die Nationalisten betreiben würden, deren Einbeziehung in die Reichsregierung eine schwere Belastungsprobe für das neu beginnende internationale Vertrauen. Der Bölkerbundsrat tagt auf Betreiben Salandras im Dezember in Rom, um damit den Beweis zu liefern, daß die letzte Spannung zwischen dem Völkerbund und Italien aus der Korfu- Affäre verschwunden ist und einem guten Einvernehmen wieder Platz gemacht hat. Der Rat beabsichtigt, feine Tagungen nach und nach in den Hauptstädten sämtlicher europäischer Ratsmitglieder abzuhalten, Das Völkerbund- Memorandum. Meinungsaustausch zwischen Herriot und Macdonald. Ein Der dänische Abrüstungsplan. Parlamentsbeginn im Oktober. கம் Am Kopenhagen, Anfang Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Dienstag, den 7. Oftober, tritt der dänische Reichstag zu feiner Haupttagung zusammen. Dabei wird dem Folkething das Budget für 1924-25 vorgelegt. Gleichzeitig aber wird die sozialistische Regie dann wieder für ungefähr acht Tage in Leseferien", die in rung sofort ihren Gesegesvorschlag einreichen. Der Reichstag geht Wirklichkeit von Parteiberatungen, zwischenparteilichen Verhandlungen erfüllt sind und oft schon das Schicksal der zur Beratung vorgelegten Dinge entschieden haben. Den Hauptpunkt der Beratungen wird der Abrüstungs. plan bilden. Die Regierung handelte taktisch flug, als sie vor die Tür zu den Budgetberatungen den Abrüftungsflog stellte. Keine Frage ist, schon seit dem Militärfompromiß in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, so gefürchtet von der dänischen Rechten als die Frage der dänischen Landesverteidigung. Mit der Parole erabfegung des Militärs" und dem Argument, daß Dänemark eine effettive Berteidigung zu leisten nicht im ft ande. sei, kämpften die Liberalen um die Jahrhundertwende die Konfer vativen nieder; über die gleiche Frage kam es 1905 zur Spal tung der Liberalen in„ Venstre"( Linke) und„ Radikale", und 1922 zu einem bitteren Streit zwischen Benstre und Konservativen. Man wird verstehen, daß die Abrüstungsfrage nach alledem den dänischen bürgerlichen Barteien das heitelste Thema ift. Den rüftungsfreundlichen Konservativen stehen peinliche Berechnungen namhafter Militärs gegenüber, die so ungefähr das zwei bis dreifache der augenblidlichen Heeresausgaben Dänemarks als einigermaßen zureichend für eine Verteidigung der dänischen Inseln herausrechnen. Die Benstre" Dentt mit Steden an alle die rüftungsfeindlichen Reden, die sie in ihrer Jugend gehalten, und die Radifalen, wiffen noch nicht, ob sie ihre theoretische Abrüftungs bereitschaft durch eine Unterſtügung des sozialdemokratischen Ab rüftungsplanes in die Bragis umfeßen fönnen. Nur die Sozialbemo fratie hat in der Abrüstungsfrage eine fe fte Stellung. Für ihren Abrüftungsplan spricht die Geschichte der dänischen Militärpolitit, die ein einziges verzweifeltes nuzloses Suchen nach der Schaffung einer wirklichen Schüßenden" Wehrmachtordnung ist, sprechen die Erfahrungen des Weltkrieges, sprechen zahllose Aussprüche eng fifcher, französischer Politiker auf der Völkerbundsversammlung in Genf. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Poftfcheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depojitenkaffe Lindenstraße 3 Bürgerblock oder Auflösung? Macht was ihr wollt, aber macht es schnell! Wie WTB. meldet, hat der Reichskanzler enfa sprechend seiner vorgestern bei der Aussprache mit den Beauf tragten der deutschnationalen Partei geäußerten Absicht bes stimmte Richtlinien für die Führung der äußeren und inneren Politit entworfen. Diese Richtlinien sollen die Grundlage für die Zusammenfassung der in Betracht kommendie Berhandlungen mit den Fraktionen weiterden Parteien bilden. Auf Grund dieser Richtlinien werden geführt werden. Macht was ihr wollt, aber macht es schnell! Die Regierungstrise, die mit dem Berliner Bakb zwischen der Volkspartei und den Deutschnationalen begann, dauert schon mehr als einen Monat. Seitdem ist die deutsche Politik: wieder einmal in den Anblick ihres eigenen Nabels versenkt. Wichtige Probleme der inneren wie der äußeren Politik harren der Erledigung, fie tommen aber nicht einmal zur Diskussion, weil die Vorfrage offen bleibt, von welcher Re= gierung und welcher Mehrheit sie gelöst werden sollen. allen Seiten mit Höflichkeit und Stepfis behandelt. Wie weit Die ideale Konstruktion" des Reichskanzlers wird von man von ihrer Verwirklichung entfernt ist, zeigt die Haltung der deutschnationalen Bresse bis in die letzten Tage hinein. Ein überragender Einfluß der Deutschnationalen auf die Außenpolitik wird gefordert, durch den die Kriegsschuld= frage wieder aufgerollt, das Völkerbundgespenst gebannt" werden soll. Die Berantwortung für das Zustandekommen des Londoner Patts wird brüst abgelehnt, die Mächte, mit denen dieser Batt geschlossen worden ist und ihre Regierungen werden in wüster Beise beschimpft. Innenpolitisch wird bie Eroberung Preußens und die Niederwer fung der Sozialdemokratie als Hauptziel bezeichnet. Schuß der Republit und des Achtstundentags werden als unerträgliche Zumutungen" zurüdgewiesen. Schließlich erflärt das Organ der in der deutschnationalen Partei so einflußreichen Baterländischen Berbände", der Zweck des Eintritts der Deutschnationalen in die Regierung sei, zu erreichen, mas leider durch den Kapp Butsch nicht erreicht werden fonnte. Was da erstrebt werde, das sei das Musterbeispiel einer auf trodenem Wege in relativ furzer Zeit durch geführten Gegenrevolution, wie es im Buche steht". = Wer nach solchen Proben noch immer den Bürgerblod will, der habe unseren Segen! Die Sozialdemokratie weiß, was sie dann zu erwarten und worauf sie sich vorzubereiten hat. Ob ein Wahlkampf, von vornherein auf Grund der Abrüftungsfrage provoziert, der Sozialdemokratie eine absolute mehr. heit bringen würde, ist mehr als zweifelhaft. Es ist unberechen. bar, wie die Furcht vor einem deutschen Revanche lampf um Nordschleswig, ein englisch russisches Ringen um den Ausgang der Ostsee und viele andere Kriegs phantasien dänischer Bücher und Zeitungen die Volksstimmung beeinflußt haben. Darum dentt augenblicklich niemand in Dänemark ernstDer Reichskanzler könnte aber aus der deutschnationalen haft an Wahlen. Das Streitobjekt liegt den Parteien vor, ihre Preffe lernen, daß es allerdings wenig 3wed hat, sich mit Sache ist es, Stellung zu nehmen; Budgetberatungen, andere Dinge idealen Konstruktionen" lange aufzuhalten. Er wird sich werden sich dazwischen schieben- aber die Abrüstungsfrage ist gewohl selber des Gefühls nicht erwehren können, daß er ein stellt, fie muß einmal entschieden werden, und die Entschei wenig in ie Rolle von Faustens Vater geraten ift. dung über sie wird gleichzeitig die Entscheidung über Wahl oder Der in Gesellschaft von Adepten Nichtwahl, Kampf oder Zusammenarbeit mit der sozialistischen Regierung sein, Sich in die schwarze Küche schloß. Und nach unendlichen Rezepten Das Widrige zusammengoß. Der siegreiche Islam. König Huffein von Hedschas vertrieben. London, 4. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die von den Engländern während des Krieges und nach dem Frieden von der Paris, 4. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der" Temps" Türkei abgetrennten Gebiete sind zur Sicherung des englischen Einmeldet aus London, daß die englische Botschaft in Paris fluffes auf die Mohammedaner zum größten Teil unter die Herrgegenwärtig mit der französischen Regierung über die Beschaft neuer, selbständiger mohammedanischer Fürsten gestellt worden. antwortung des deutschen Memorandums verhandelt. Die bedeutendsten dieser Gebiete waren das west arabische Meinungsaustausch zwischen Herriot und Macdonald son Küstenland, der Hedschas, mit der heiligen Stadt Metta, bevorstehen. Gleichzeitig wird versichert, daß Großbritannien seine und der Jrat mit den von den Bersern verehrten heiligen Gräbern Entscheidung über die Beantwortung des Memorandums nicht ohne der Nachkommen des Propheten in Nedschef. Außerdem haben sie Zustimmung Herriots zu treffen gedenkt. das Land jenseits des Jordan zu einem selbständigen Staat gemacht. Im Hedschas haben sie den König Hussein in die Macht gefeßt, und im Jrat und in Transjordanien seine beiden ältesten Söhne, den König Feisal und den Emir Abdullah. Amerikanisches Mißtrauen. = New York, 4. Oktober.( II.) In Washington betrachtet man das Genfer Ergebnis als nicht gerade sehr günstig, obwohl die Regierung es vermeidet, eine offizielle Erklärung abzugeben. Man ist der Ansicht, daß das Protokoll von Genf funda mentale Fragen. Ameritas berührt. Dahin gehöre 1. daß die Völkerbundsmächte möglicherweise Militärfräfte zur Berfügung stellen müssen, was den Eintritt Amerikas in den Völkerbund von vornherein unmöglich mache. 2. werde die Frage der Einwanderung berührt, die Amerike hinsichtlich der japanischen Emigra tion als eine Niemandem angehende, rein interne Angelegenheit betrachte. 3. wären die Abrüstungsabmachungen illu= prisch, da sie in Gemeinschaft mit Militärmäd, ten wie Frankreich und Japan nicht durchgeführt werden könnten. Hoesch bei Herriot. Paris, 4. Oktober.( WTB.) Botschafter von Hoesch hatte heute abend eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Herriot, in deren Verlauf einige Fragen besprochen wurden, die mit der Ausführung des Dawes Blanes in Verbindung stehen. 9 Sein Experiment tann zu gar nichts anderem führen, als daß die Schärfe der vorhandenen Gegenfäße nur noch deutlicher, noch schroffer in das allgemeine Bewußtsein dringt. Es wird Herrn Marg nicht gelingen, die Deutschnationalen zur Republik zu befehren und ihre Preffe zu Loyalität und Anstand zu erziehen. Die deutschnationale Partei ist vom Schicksal dazu bestimmt, an ihrer eigenen Verlogenheit zugrunde zu gehen, und es ist nur noch die Frage, ob sich dieser nützliche und notwendige Verwesungsprozeß außerhalb der Regierung und ohne Schaden für das Bolt vollziehen oder ob er auf dem Weg über eine Beteiligung der Deutuhnationalen an der Regierung den ganzen Staatskörper anstecken soll. * Diese drei englischen Protettionstinder find von den Mohammedanern aller Richtungen als Verräter an der Glaubens fache verachtet. Die Wahabiten, der mächtigste und einer der ältesten Stämme Innerarabiens, haben unternommen, diese Dynastie von ihren Thronen zu vertreiben und die heiligen Städte von ihrer Herrschaft zu befreien. Der auf das Königreich Hedfchas zuerst unter nommene große Angriff ist nun zu dem gewünschten Erfolg gefommen, der König Hussein hat endgültig abgebantt und | das Land verlassen. Die Wahabiten sind in Metta eingezogen. Sie haben sofort den Hauptteil ihrer Streitkräfte gegen Transwortung für das Zustandekommen des Londoner Verjordanien geschickt, um den Emir Abdullah zu vertreiben. Die Bevölkerung der Hauptstadt Amman bereitet sich, nach Telegrammen an die britische Regierung, zur Flucht nach Jerufalem vor. Auch die Richtlinien", die der Reichskanzler für ein zufünftiges Regierungsprogramm aufgestellt hat, tönnen an diesem Sachverhalt nichts ändern. an diesem Sachverhalt nichts ändern. Was an diesen Richtlinien etwa den Sozialdemokraten gefallen tönnte, wird für die Deutschnationalen eine unerträgliche Zumutung" sein. Was die Deutschnationalen in Wahrheit wollen, ist eine Kampfansage an die Sozialdemokratie. Scheinbare Zugeständnisse von jener Seite werden ebenso zu bewerten sein, wie die schmuzige Abstimmungskomödie vom 29. Auguft, die nachträglich dahin umgedeutet wurde, der deutschnationalen Partei falle es gar nicht ein, die Verant trags zu übernehmen. Eine Partei, die so handelt, die ihren Führer ausschickt, um gegen ihre Jaſtimmen Ministerportefeuilles einzuhandeln, die einen Teil ihrer Mitglieder be= ordert, mit dem roten Meinzettel in der Hand heimlich weiße Jazettel abzugeben und die hinterdrein ihre : rantwortung für das Zustandekommen der Gesetze glatt 11: auen, und es wäre die plumpe Offenherzigkeit ihrer Gescheiterfer Premierminister. Aus Ditawa( Kanada) wird ors meldet, daß Ricard Squires, der 1919 Premierminister von Neufoundland war, wegen Interschlagung öffenleugret, eine folche Partei verdient jedes Mißlicher Gelder angeklagt worden ist. Presse gar nichk mehr notwendig, um dieses Mißtrauen zu be- gründen. O Die Ereignisse der letzten Zeit haben wenigstens in einem Punkt eine erfreuliche Klärung gebracht: Mit Herrn Marx an der Spitze wird die Bürgerblockregierung nicht kommen. Die Wut der Rechten gegen diesen Mann, der ihr Spiel durch- kreuzte und den geschichtlichen V e r d i e n st e n der Sozial- demokratie bis zu einem gewissen Grade Gerechtigkeit angedeihen ließ, kennt keine Grenzen. Die„Deutsche Tageszeitung" kann sich auch in dieser taktisch brenzlichen Situation nicht enthalten, dem Reichskanzler„Anbiederungsversuche an die Sozialdemokratie",„Täuschungsmanöver" und„Brüskie- rung der Rechten" vorzuwerfen. Das Zentrum könnte heute, selbst wenn es wollte, nicht in den Bürgerblock, ohne Marx z u opfern. Und selbst durch einen solchen moralischen Zu- sammenbruch des Zentrums könnte der Bürgerblock nur eine Mehrheit von ganz wenigen Stimmen gewinnen: die zu- fällige Erkrankung einiger nicht ganz bürgerblockfreundlicher Zentrumsmänner könnte ihn jeden Tag in die Minderheit zurückwerfen! Wie ein solches jammervolles Gebilde mit der entschlösse- nen Opposition der hundert Sozialdemokraten fertig werden wollte, das könnte getrost abgewartet werden. -«e Die Sozialdemokratie hat von Anfang an die A u f- lösung des Reichstags als den einzigen Ausweg er- kannt. Wenn sie das aussprach, so geschah es nicht in ihrem agitatorischen und parteiegoistischen Interesse, diesem Interesse entspricht es viel mehr, daß vor den nächsten Wahlen noch die Probe mit dem Bürgerblock gemacht wird. Je mehr sich die D'eutschnationalen in der Regierung blamieren und je mehr bürgerliche Parteien sich im Bürgerblock' kompromittie- ren, desto gewisser ihr Sieg! Aber so gewiß es ist, daß bei einem solchen Experiment vieles kaputt gehen würde, warum es von unserem Standpunkt aus nicht schade sst, so gewiß ist auch, daß dabei unendlich viel kaputt gehen würde, was das deutsche'Volk zum Leben braucht. Darum hat es die Sozial- demokratie für ihre Pflicht gehalten, die bürgerlichen Par- teien immer wieder auf die Schwere ihrer Verantwortung hinzuweisen, darum hat sie von Anfang an die Entscheidungs- frage formuliert, der jetzt auch die Mittelparteien nicht mehr ausweichen können. Hätten die Mittelparteien von vornherein erkannt, daß sich alles auf diese Frage zuspitzt, so wären wir wenigstens rascher zur Entscheidung gelangt und in unserer innen- politischen Entwicklung ein ganzes Stück weiter. Jetzt sollen am Mittwoch endlich die Fraktionen zusammentreten, soll endlich Klarheit geschaffen werden. Wenn nur dann das Hin-und-Hergefchiebe- und-gezerre nicht noch einmal beginnt! Gehört doch jetzt schon ein erhebliches Maß von politischer Einsicht und politischem Pflichtgefühl dazu, um nicht vom Ekel überwältigt zu werden über das, was sich zurzeit in Deutsch- land Politik nennt. Bürgerblock oder Auflösung— beides bedeutet für uns Kampf gegen die Reaktion mit dem Aufgebot aller Kraft. So oder so, wir sind bereit. Macht was ihr wollt, aber macht es schneM ~ Nationalistischer Terror. Man will die Potsdamer Basch-Versammlung sprengen. ä)B Die Potsdamer Reaktionäre scheinen es für zweckmäßig zu halten, eine Generalprobe darauf zu wagen, was sie in ihrem unverschämten Terror Andersdenkenden und auch der preußischen Staatsregierung bieten können. Alle rechtsstehen- den Verbände fordern in den Potsdamer Zeitungen o f f« n t- l i ch ihre Parteimitglieder auf, am Montagabend in Massen zu erscheinen, um den Vortrag von Professor Baschzuver- hindern. Der„Stahlhelm" gibt folgendes bekannt: „Laut Zeitungsnachrichten soll Montag abend ein Franzose in Potsdam die Schuld veusschlands am Kriege erneut verkünden. Der Stahlhelm wird diesen Schlag gegen deutsche Ehre in Potsdam nicht zulasstn." Atsch der Iungdeutsche Orden wendet sich mit einer gleichen Aufforderung an seine Mitglieder. Recht deutlich werden die „Vaterländischen Verbände" des Herrn Geisler. Sie fordern mit folgenden Worten zur gewaltsamen Sprengung der Ver- sammlung auf: „Ein Franzose soll am Montag in unserem Potsdam reden. Mr werden den Weg finden, um diese unerhört« Beleidigung ab- zuwehren. Wer fern bleibt, ist nicht wert, Potsdamer zu fein, haltet Euch bereit!" Daß in dem allgemeinen Reigen der T e r r o r i st e n die Deutschnationale Volkspartei nicht fehlt, versteht sich am Rande. Es lohnt sich nicht, dieerbärmlicheLüge zurück- zuweisen, als ob B a s ch in Potsdam die Schuld Deutschlands am Kriege erneut oerkünden solle. Worum es sich hier handelt, ist nur das, daß diese angeblich vaterländischen Verbände und Organisationen in der unverschämtesten und ungeniertesten Weise zum Versammlungsterror öffentlich auffordern. Wir zweifeln nicht daran, daß die preußische Regierung ihrer An- Weisung, genehmigte Versammlungen unter allen Umständen und mit allen Mitteln wirksam zu schützen, auch in Pots- dam Geltung verschaffen wird. Die preußische Polizei, die in Halle einen„Deutschen Tag" sehr gut vor Störungen zu schützen wußte, wird gewiß auch in P o t s d a m nicht vor den Drohungen rechtsradikaler Puffchistenorgani- fationen zurückweichen._ ftue öer»Grünungszelle�. Ausnahmerecht gegen Sozialdemokraten. München. 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Polizei- direktion München hat sich gegen einen Arbeiter, der seit zwei Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei ist, folgenden un- glaublichen Uebergriff geleistet: Der Genosse hatte eine Funken- empfangSanlage eingerichtet nud dorschriftimShig bei der Post angemeldet. Das zuständige Postamt hatte ihm bereits im Mai d. I. die Erlaubnis erteilt und eine Genehmigungsurkunde ausgestellt. Im September teilte nun die Oberpostdirektion mit, daß die Genehmigung zur Teilnahme am Funkverkehr in München von der Zustimmung der Polizeidirektion abhängig sei. ihm aber von dieser nicht gegeben werde. Gleichzeitig wurde er aufgefordert, die Funkanlage bei Meidung schwerer Strafe sofort zu beseitigen. Auf Vorstellung bei der Polizeidirektion muhte der Genosse erfahren, daß ihm die Zustimmung ver Polizeidirektion wegen seiner politischen Einstellung verweigert wird. Um Hitlers Schicksal. Die bayerische Volkspartei wird aggressiv. München, 4. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Der.Boye- r i s ch e Kurier", das maßgebende Organ der Bayerischen Volks- Partei, hat kürzlich für das Urteil des 1. April 1924 und für das ganze verfahren im Hiller-Prozeß die Charakterisierung„Justiz- tatostr o P he" geprägt. In einem längeren Artikel befaßt sich dasselbe Blatt am Samstag mit der offiziellen Kundgebung der „Reichsführerschvst der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung", in der bekanntlich die Behauptung aufgestellt ist, daß di« Laien- richter im Hitler-Prozeß sich zu der Verurteilung der Hochverräter vom 8. November nur dadurch bewogen ließen, weil die Be- wShrungsfrist zugesichert wurde. Dazu stellt der„Bayerische Kurier" fest, daß in dieser Erklärung der Reichsführerschaft zwei rechtspolitisch ungeheuerliche Behauptungen eingeflossen sind: 1. daß das Urteil vom 1. April auf einem Bruch des objektiven Rechts beruht, und 2. daß em Bruch der richterlichen Amtsverschwiegenheit erfolgt ist. Das Blatt schließt seinen Ar- titel mit folgender Feststellung:„Es sst ein öffenllicher Skandal, wenn eine politische Partei sich in öffentlicher Erklärung damit brüstet, daß bei einem Urteil zugunsten ihrer Angehörigen vom objektiven Recht abgewichen wurde. Es ist ein öffent- sicher Skandal, wenn sich eine politische Partei im parteipolitischen Kampf offen und rmverhüllt aaf einen Bruch richterlicher Amtspflichten beruft, von dem sie sich parteipolitische Vorteil« verspricht. Es ist ein öffentlicher Skandal, wenn«in« politische Partei in einer öffentlichen Erklärung die Möglichkeit weiterer und öffentlicher Verletzungen der Amtspflicht voraussetzt. Es ist ein öffentlicher Skandal, wenn die bayerische Justizverwaltung nicht aus alledem in Zukunft die Folgerungen zieht, daß alles getan werden muß, um dem Recht aus dem Gesetz wieder zum Sieg« zu verhelfen." Dies« Feststellungen leiten offensichtlich eine neue Offen. s i v e gegen die oerlotterte Rechtspflege des deuffchnationalen Justiz- Ministers Gärtner ein._ Der thüringische Sankfkanüal. Das Geheimnis des Revifionsberichtes. Der Kampf gegen den Thüringer Skandal ist von der sozial- demokratischen Landtagsfraktion durch einen Antrag auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses aus- genommen worden. Dann wird zweifellos, wenn auch sehr zum Leidwesen der Thüringer„Ordnungsblock"-R«gi«rung der Ver- fassungsbruch etwas näher beleuchtet werden, zu dem sie sich auf Befehl der DeutschvÄksschen bequemen mußte. Das„Berliner Tage- Matt" ist in der Lage, unsere Mitteilungen über die Borgeschichte des Rücktritts des Staatsbankpräsidenten Genossen L oe b durch neue Mitteilungen zu ergänzen. Es meldet: „Am 28. August, an einem Tage, an dem weder Loeb noch em Mitglied des Direktoriums anwesend war, kam plötzlich die Revision durch den Reichsbankdirektor a. D. Schulze- R o b st und den Geheimrat Bastian. Loeb erhielt nach Berlin die Aufforderung, daß er Anweisung erteilen solle, die Bücher vor- zulegen. Er lehnte das ab mit der Begründung, daß er erst wieder in Weimar sein müsse, und daß die Revisoren vereidigt werden müßten. Dem ist das Staatsministerium beigetreten. Dos Urteil eines der Revisoren ging nach zweitägiger Arbeit dahin, daß gegen die geschäftlich« Tüchtigkeit Loebs nichts Ungünstiges gesagt werden könne, daß Loeb aber nicht die moralischen Eigenschaften besitze, die der Leiter einer Staatsbank haben müsse. Loeb ver- langt« Begründung dieser Meinung. Das wurde abgelehnt. Bis zu diesem Augenblick ist Loeb noch nicht milgeieilt worden. was zu einem so absprechenden Urteil geführt Hobe. Festgestellt ist nur. daß di« Prototolle von Schulze-Robst falsche Feststellungen enthalten, was selbst der Mitdirektor Grempel, Loebs persönlicher Gegner, bestätigen mußte. Es tenzeichnet die Lage, wenn gesagt wird, daß der Minister an den Regierungsrat Dr. Tappert, als dieser auf Urlaub war, eine Karte sandte, auf der stand: daß alles programmäßig und „wie eingefädell" verlaufe! Daß es sich bei dem ganzen Revisionsverfahren um ein« rein politische Machenschast handelte, hat einer der Revisoren selbst einem Dritten gegenüber eingestanden, was Loeb jederzeit zu be- weisen in der Lage ist. Ein Antrag Loebs auf Revision durch die deutsche Treuhandgesellschaft wurde zwar vom Verwaltungsrat angenommen, vom Minister aber mit der Bemerkung abgelehnt, daß Loeb„die Revisoren dieser Gesellschaft doch nur beeinflussen würde" und daß ihm, dem Minister,„Wurscht" sei, was der Ver- waltungsrat beschließ«, der ja„doch nur aus Leuten bestünde, die von Loeb eingewickelt worden feien". Daraufhin erklärte Loeb am 22. September seinen Rücktritt. Nachdem nun nach dem Rücktritt Loebs die Aktenafföre ein- geleitet wurde, wird jetzt behauptet, daß er die Polizei gerufen hätte, ipn von den Revisionsberichten abzulenken. Daß er ah er die Revisionsberichte nicht zu surchten braucht, geht daraus hervor, daß seine Fraktion nnk allen Mitteln die Herausgabe der Revi- sionsberlchk« verlangt. Der Minister hat sie verhindert und dies mit dem„Bankgeheimnis" begründet. Er führt also die gleichen Gründe für sich ins Feld die man bei Locb nicht grkien lassen wollte. Locb behauptet und wird es beweisen, daß d i e Berichte anderen Kreisen als nur dem Minister, der nach dem Stoatsbankgesetz und nach dem Beschluß des Gesamt- Ministeriums allein zuständig ist, vorgelegt worden sind. In keinem anderen Lande der Welt wäre ein solcher Skandal möglich. Aber auch in Thüringen wird dafür gesorgt werden, daß nicht„alles programmäßig verläuft", wie sich die Herren vom Ordnungsblock das gedacht haben. Ver Vichter in öer Straßenbahn. Bon Wilhelm Lichtenberg. Der Dichter bin ich. Di« Straßenbahn kennt nnm. Und dle wirklich und wahrhaftige Geschichte ist kurz folgende: Ab und zu erscheint in der meistgelesenen Zeitung der Stadt, in der ich lebe, ein Feuilleton von mir. Mein Gott, man ist schon ein wenig eitel und meint, an solchen Tagen sei man der geistig« Mittelpunkt dieser Stadt! Jeder zweite Mitbürger berauscht sich an dem Feuilleton. Dumm, nicht wahr?— aber wir Künstler haben kaum viel mehr als die Besriedigung unserer Eitelkeit. Dafür ver- zichtet man wieder auf manches andere, worauf dt« normalen Men- fchen nicht gern« verzichten wollen!... Am Donnerstag erschien also wieder so ei» Aussatz von mir m der großen, vielgelesenen Zeitung. Ich übertreibe gewiß nicht, wenn ich sage, daß jeder zweite Mensch dieser Stadt die Zeitung, deren Mitarbeiter zu sein ich die Ehr« habe, liest. Jeder zweite Mensch! Das will schon etwas sagen. Aber— wozu e» umschreiben? Ich will einfach sagen, daß damit auch jeder zweite Mensch meine Auf- sätze liest, jeder zweite Mensch meinen Namen und mein Schaffen kennt. Also, di« Straßenbahn: Am Donnerstag, dem bewußten Donnerstag besteige ich früh- morgens die Straßenbahn Eingestandenermaßen, weil ich zeitig am Morgen weit draußen etwas Dringendes zu erledigen habe. Un- eingestandenermaßen, weil ich weiß, daß stch um dies« Zeit vierzig Fahrgäste im Straßenbahnwagen befinden, wovon zwanzig die Zeitung in Händen haben, worin mein Feuilleton steht. Frühmorgens und auf einer weiten Fahrt siest man am liebsten sein Leibblatt. Nun, ein Teil meiner Annahmen stimmt. Im Wogen befinden .sich gut vierzig Fahrgäste— er ist natürlich, wie immer um die Zeit, überfüllt. Und alle halten Zeitungen in Händen. Alle. Nur meine Zeitung, die Zeitung, für die ich schreibe, befindet stch nicht unter diesen fünfzehn Blättern. Tücke des Schicksals. Oder de« Zu- falls? Heut« muß rein die ander« Hälft« der Bevölkerung Straßen- bahn fahren!— Ich muh zusehen, wie diese Menschen Artikel von anderen lesen, und ich vollte doch so gern einmal mit eigenen Augen sehen, wie ein Mensch drem sieht, wie erregt, wie begeistert er ist, wenn er meine Arbeiten liest. So was sieht man doch nie. Oder nur höchst zufällig. Zwei, drei Haltestellen ändert sich nichts. Es steigen Menschen aus, es steigen Menschen zu— die Zeitung mit meinem Aufsatz hat niemand. Aber— die Streck« ist weit— ich werde warten. Endlich steigt einer ein. Ich erkenne, mit Herzklopfen, mein« Zeitung— er löst schnell seinen Fahrschein, steht vor mir— und beginnt in der Zeitung zu lesen!!!--- Es heißt noch etwas Ge- duld haben! Mein Aussatz steht aus der vierten Seite. Natürlich l'est der gute Mann zuerst dos, was nicht von mir ist: Politik und die wahren Begebenheiten. Er wird auch schon noch auf die vierte Seit« kommen. Zweite Seite... Dritte Seite... Vierte Seite!... Jetzt... Fünft« Seit«... Die vierte Seite inter» «ssiert ihn nicht. Das hat mit mir, meinem Aufsatz, meinem Nomen nicht dos geringste zu tun. Di« vierte Seite interessiert ihn halt mcht. Da kann man nichts machen. Es steigt auch schon wieder«in Mann mit der Zeitung, der Zeitung ein. Es muß doch schließlich auch Menschen geben, die die vierte Seite interessiert! Aha!! Seht ihr's, dieser Mann ist em Mann!! Ihn inter- essiere» wieder die ersten drei Seiten nicht— er schlägt Aeich die vierte auf. Gelobt sei er! Und auf dieser vierten Seite nimmt er sich gleich meinen Aussatz vor. Jetzt muß er schon mit Besriedigung Titel und Namen des Autors gelesen haben. Ich beobachte ihn.— Jemand tippt ihm von rückwärts auf die Schulter. Mein Mann wendet sich um— erkennt den Tipper— und streckt ihm sichlltch erfreut die Hand entgegen. Ich höre, daß sie sich schon drei Jahre nicht mehr gesprochen haben. Nun, da gibt's viel zu erzählen. Sie beginnen auch gleich damit. Der Mann vor mir steckt die Zeitung ein, mein Name lugt gerade aus semer rechten Seitentasche— ich muß ihn immer wieder lesen. Und ich möchte doch zu gerne sehen, wie die anderen meine Arbeit lesen. Ich will doch die unmittelbare Wirkung beobachten. Ich habe mich nicht geirrt, wenn ich annahm, daß vorhin aus- gerechnet die«ine Hälfte der Bevölkerung mit mir den Wagen teilte. Jetzt scheint sich di« andere Hässt« endlich auf den Weg zu machen. Meine Leser! Der nächste Herr ist einer von der Sorte der nervösen, hastigen Zeitungleser. Er liest kaum mehr als di« Ueberschrift der Artikel, die ersten paar Zeiten und den Schluß. So liest er auch mein Feuilleton. Ihm genügt das. Mir nicht. Ich beginne mich allmählich zu der Auffassung durchzuringen, wi« undankbar es eigenttich ist, für Zeitungen zu schreiben, wie oberflächlich und uninteressiert doch unser« Leser in Wirklichkeit sind! Ich war aber noch nicht ganz durchgerungen, als eine Dame einstieg, in Begleitung einer zweiten— sie lasen beide die Zeitung mit meinem Feuilleton—, die mich wieder zu der Auffassung brachte, wie ungerecht und heißblütig wir Dichter doch sind, wenn «>ir aus«in paar wahllos herausgegriffenen Proben auf die De- schaffenheit der ganzen Leserschaft schließen wollen. Denn dies« Dame, o. diese Dame— las so aufmerksam in der Zeitung, daß«s eine wahre Wonne war. So, so, so muß man Zeitung lesen! Ich freute mich schon auf der ersten Seit«, bis sie bei der vierten angelangt fein würde! Bis sie mein Feuilleton lesen würde. Außerdem saß sie dicht neben mir— der Wagen hatte sich unterdessen schon halbwegs geleert— und ich konnte sie aus nächster Nähe beobachten. So Hobe ich's mir gedacht. Als sie meinen Auffatz gelesen hatte, wandte sie sich zu ihrer Begleiterin, reichte ihr die Zeitung— die Zeitung mit meinem Feuilleton!— hin und sagte:„Lesen Sie doch den Artikel auf der vierten Seite! Das müssen Sie lesen!!-- Es ist unglaublich, welchen Quassch di« Leute heute zusammenschreiben!" Ein Dichter soll eben nicht in der Straßenbahn fahren. Ebenso, wie viele Dichter nicht mehr den Premieren ihrer Stücke beiwohnen. Der Dichter soll in seiner stillen Kammer bleiben und träumen, daß er sein« Gaben mit vollen Händen unter die beglückte Meng« streut. Was kann Sie Stagione! Di« zweite Auslage erlebt« man im Großen Schauspiel- haus. Das Haus ist voll. Di« Begeisterung für Mascagni und sein« Leute nimmt Formen an, di« künstlerisch nicht mehr zu erklären sind. Schillings hat sein Anrecht auf di«„C a v a l l« r i a"-Auf- führung in Berlin freundlich dem Kollegen abgegeben, Sladek sein Haus. Auch Geld scheint da zu sein. Das Defizit der„Aida"-Vor- stellung wird also hoffentlich ausgeglichen werden. So hat Italien Ursache, unser« Freundlichkeit zu rühmen, Frankreich und Amerika ober werden nicht mehr glauben müssen, wir hätten Geld in Hülle und Füll«, um es für Revuen herauszuwerfen. Da nun an unserer wirtlichen Freundschaft für Italien und seine Künstler nicht mehr zu deuteln ist, darf man auch getrost feststellen, daß Mascagni nur ein mittelbegabter Kapellmeister ist, der«in Orchester eben zusammenhalten, aber nicht anfeuern, nicht im Klang schattieren kann. Er schlägt wohl mit innerer Beteiligung, vielleicht sogar Begeisterung, den Takt zu den„B a j a z z i". aber plump und ungelenk, oft zu spät, nie grazws. auch nie ganz im Kontakt mit Sängern und Chor. Seine Anpassung an solistische Nuancen ist gering. Wer anders urteilt, oerfällt törichter Suggestion der Worie „Italien" und„Mascagni". Auch außerhalb der Claque war dos Publikum sichttich in dieser holden Beifallslaune und zeigt« damit, wie international acsinnt es ist und wie vergeßlich für Leistungen der Staatsoper und ihrer deutschen Lieblinge." Die Lestung Zenatellos als Cania war gesanglich sehr gut, spielerisch trotz nationaler Unterstreichungen noch eindrucksvoller. Den Prolog fang ein stimmgewaltiger, doch unbewsglicher Greis, das erste und lauteste Wort hatte immer der Souffleur. Die Nedda spielt- so provinz ml. daß der Mord an ihr vom Publikum mit Sympathie begrüßt wurde, und daß dadurch die Tragödie einen persönlichen Ab- schluß fand. Nach den„Bajazzi" dirigiert« Mascagni sein eigenes Das Land ohne Wohnungsnot. Während auf der ganzen Welt, mehr oder minder fühlbar, die Wohnungsnot herrscht und die so- zialen Verhältnisse unerträglich macht, ist Schweden in der glück- lichen Lage, dieses Uobel von feinen Grenzen gebannt zu haben. Seit 1918 hat man ganze Städte zu zweihundert bis fünfhundert Häusern erbaut. An schnurgraden Straßen erheben sich die schmucken Bauten inmitten gepflegter Gärten und schattiger Anlagen. Der Magistrat dieser Städte bietet den Bewohnern die Möglichkeit, selbst Hauseigentümer zu werden. Durch ein geschickt ausgedachtes System von Teilzahlungen kann der Einwohner nach und noch Besitzer eines Eigenheims werden. Wilhelm Blos. Zu seinem 75. Geburtstage. An diesem Sonntag richten wir unsere Grüße an einen unserer Alten, der noch aus der Sturm- und Drangzeit der deutschen Arbeiterbewegung herüberragt in unsere Zeit anders gearteter, wenn auch im Wesen nicht veränderter Kämpfe. Wilhelm Blos blickt heute auf 75 Jahre eines wechselreichen Lebens zurück, von dem nicht weniger als 52 der Arbeit für die Arbeiterklasse, dem Wirken für die Partei der Enterbten gewidmet waren. " " Im Jahre 1849 im badischen Wertheim geboren, hat Wilhelm Blos später den Kaufmannsberuf ergreifen sollen. Aber es hat ihn nicht hinter Kaffeesäcken geduldet, er ging zur Universität, um philosophische Studien zu treiben. Dann wurde er Journaliſt an bürgerlich- demokratischen Blättern. Aber dann wurde er von den sozialisti schen Lehren mit Macht ergriffen, und schon als Dreiundzwanzigjähriger trat er als Redakteur in das Braunschweiger Parteiblatt der Eisenacher" ein, um schon ein Jahr später, als Wilhelm Liebknecht und August Bebel wegen Vorbereitung des Hochverrats" zu mehrjähriger Festungshaft verurteilt weren, die Redaktion des„ BoltsStaats" in Leipzig zu übernehmen. 1875 ging er an die„ Bolks= stimme" nach Mainz, 1876 nach Hamburg, von wo er mit Heinrich Dietz unter dem Sozialistengesetz ausgewiesen wurde. Beide fanden dann in Stuttgart eine neue Heimat. Diez gründete dort seine Druderei und Berlagsanstalt, die für viele Jahrzehnte bahnbrechend für die Parteiliteratur wurde. Wilhelm Blos arbeitete an dem von Die herausgegebenen Wahren Jakob" jahrelang in erster Reihe mit, daneben entfaltete er eine umfangreiche agitatorische und schriftstellerische Tätigkeit. Seit 1877 war Blos mit furzen Unterbrechungen Mitglied des Reichstags, zuletzt- feit 1884 bis 1918für- Braunschweig Zahlreiche Romane aus der Feder Wilhelm Blos' zeugen für die Dichtergabe des ausgezeichneten Mannes, seine geschichtlichen Werke- Der deutsche Bauernkrieg, Die französische und Die deutsche Revolution haben seinen Namen in ungezählten Arbeiterfamilien bekanntgemacht. Als der Herbst 1918 den Zusammenbruch des alten Deutschland brachte, wurde Blos an die Spitze der Revolutionsregierung in Württemberg berufen und bald, nachdem die Landesverfassung geschaffen, zum ersten Staatspräsidenten gewählt. In seinen Erinnerungen, die vor kurzem erschienen, erzählt er gerade über diese Zeit seines Wirkens mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen mit anschaulicher Lebendigkeit, Wilhelm Blos war nicht nur ein allzeit opferbereiter Rämpfer für die Sache, der er sein Leben gewidmet hatte. Er war auch allezeit ein liebenswürdiger Mensch und guter Kamerad. Die deutsche Sozialdemokratie wünscht ihm noch viele Jahres eines frohgemuten Kämpferlebens! Untersuchungsrichter Vogt. Er will den Verteidiger nicht sehen! As Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofes zum Schutze er Republik fungiert immer noch der deutschnationale Landgerichtsdirektor Dr. Bogt, dessen Maßnahmen schon wiederholt in der Bresse und auch von unserer Reichstagsfrattion fritifiert worden find. Die Kritik scheint aber vergeblich gewesen zu sein. Jetzt hat Herr Bogt sogar dem Genossen Dr. Kurt Rosenfeld, der in einem beim Untersuchungsrichter Vogt anhängigen Prozeß die Berteidigung führt, erklärt, daß er es für beffer halte, mit ihm nicht mehr mündlich zu verhandeln, nachdem er im Reichstag eine Rede gehalten und dort Herrn Bogt fritisiert habe. Das geht denn doch zu weit! Allerdings wird man von Herrn Bogt nicht erwarten dürfen, daß er als deutschnationaler Verfassungsgegner im Geifte der Verfassung handelt, nach welcher bekanntlich fein Mitglied des Reichstages megen der in Ausübung des Mandats getanen Aeußerung zur Verantwortung gezogen werden darf. Aber schon die elementarsten Grundsätze objektiver Ausübung des Richberamts hätten Herrn Vogt gebieten follen, einen Verteidiger nicht deshalb, meil er zufällig Reichstagsabgeordneter ist und als solcher an Herrn Vogt Kritik geübt hai, anders zu behandeln als andere Rechtsanwälte. | Genoffe Dr. Rosenfeld hat sich beschwerdeführend an den Staats-| freulicherweise ein Teil der Landwirte stth aus dem Berkauf der gerichtshof und an den Preußischen Justizminister gewandt. Es ist zu erwarten, daß diesen Beschwerden der Erfolg nicht versagt wird. Agrarische Bestechungsversuche. Gemeindevorsteher als Abonnentenwerber. " Ein im Berlage der Deutschen Tageszeitung" für Berlin erscheinendes Nebenblatt hat das Bedürfnis, in der ländlichen Bevölkerung neue Abonnenten zu gewinnen, da ihm die großstädtische Breffe allzu viel Konkurrenz macht. Ganz wie im alten wilhelmint schen Deutschland wendet sich der agrarische Verlag deshalb u. a. an die Gemeindevorsteher in Preußen, um sie aufzufordern, für die Agrarierpresse werbend tätig zu sein. Ein solches Rundschreiben wehte uns der bekannte günstige Wind auf den Redaktionstisch. Es beginnt mit folgendem Eingeständnis: Die Not der deutschen Landwirtschaft ist auf den Gipfel gestiegen. Wieder zeigt sich hier, wie empfindlich sich an jeder mirtschaftlichen Organisation das Fehlen einer starten weitverbreiteten Breffe rächt. So eifrig und entschloffen unsere Zeitungen auch für die agrarischen Interessen eintreten gegen die ungeheure Uebermacht der demokratischen Blätter aller Farben tommen sie nicht auf. Es ist oft darauf hingewiesen worden, daß die Demofratie ohne ihre Presse längst zugrunde gegangen wäre, jede Wahlniederlane, jeden Rückschlag überwindet sie mit Hilfe ihrer Zeitungen. Welche unwiderstehliche Macht würde die deutsche Landwirtschaft darsteller, wenn ihre Presse nur halb so start wie die des Feindes wäre! Nach diesem Eingeständnis der Leistunsunfähigkeit der agrarischen Bresse folgte ein Lobeshymnus auf die Vorzüge des betreffenden agrarischen Blattes und die Versicherung, es sei seine Absicht und Banner zu fesseln und dadurch die Stoßkraft der Bewegung Aufgabe, den gesamten Mittelstand an das agrarische zu erhöhen". zu erhöhen". Zu dem Zwede werden die Empfänger des Rundschreibens gebeten,„ im nationalen Interesse" dem betreffenden Blatt„ Eingang in die ihnen nahestehenden Kreise der kleinen Bandwirte und Landarbeiter(!) zu verschaffen". Um diese Werbearbeit aber auch einigermaßen verlockend zu machen, wird den Gemeindevorstehern dieses Angebot gemacht: " Um Ihnen aber für Ihre Mühewaltung wenigstens eine fleine Entschädigung zu bieten, werden wir uns erlauben, Ihnen für jeden Abonnenten, der uns durch Sie überwiesen wird, eine Bergütung von einer Rentenmart zu gewähren." Dieses Angebot an Gemeindevorsteher bedeutet einen flaren Bestechungsversuch, der hoffentlich von allen Beteiligten entschieden zurückgewiesen worden ist. So wenig dagegen einzuwenden ist, wenn sich Gemeindevorsteher außerhalb ihrer Amtstätigkeit politisch betätigen, so verwerflich ist der Versuch, fie für derartige " Rebenarbeiten" bezahlen zu wollen. Durch die Annahme solcher Bestechungsgelder würden sie, die berufen sind, die Interessen ihrer Gemeinde unparteiisch wahrzunehmen, zu einseitigen Agenten der agrarischen Parteien werden! Ernte die Mittel beschaffen kann, die zur Abdeckung dieses von vornherein nur kurzfristig gedachten Kredites erforderlich sind. Leider hat das anhaltende Regenwetter der letzten Wochen in verschiedenen Teilen des Reiches zu erheblichen Ernteverlusten geführt, so daß die von diesen Witterungsschäden auf das härteste betroffenen Landwirte nicht in der Lage sind, die von ihnen in Anspruch genommenen Erntebergungskredite bei der ersten Fälligkeit der Wechsel zurückzuzahlen. Diesem Umstande werden das Reichsbankdirektorium und die Preußische Staatsbant dadurch Rechnung tragen, daß den Kreditnehmern, die durch erhebliche Ernte. verluste in Abzahlungsschwierigkeit geraten sind, auf Antrag wirtschaftlichen Verhältnissen des Einzelfalls angemessenen Weise eine Verlängerung des Erntebergungskredites in einer ten wirtschaftlichen Verhältnissen des Einzelfalls angemessenen Weise gewährt werden wird. Herriots Vorwärts"-Interview. Die Wirkung der Antwort Stresemanns. Aus führenden Kreisen der Sozialistischen Partei Frankreichs wird dem„ Soz. Parlamentsdienst" geschrieben: ,, Man begreift in Frankreich nicht, weshalb der deutsche Außenminister auf die letzten Erklärungen Herriots fo zurüdweisend antwortete, warum er darin eine Einmischung in die innerpolitischen Verhältnisse sehen will. Wer Herriot und seine grund. fägliche politische Auffassung fennt, weiß, wie fern es ihm liegt, fich wollen und wie peinlich er bemüht ist, alles zu vermeiden, was in in die innere Politik irgend eines anderen Landes einmischen zu wollen und wie peinlich er bemüht ist, alles zu vermeiden, was in dieser Hinsicht Mißverständnisse hervorrufen könnte." dieser Hinsicht Mißverständnisse hervorrufen könnte." französische Verhältnisse betrachtet, wenn auf deutscher Seite „ Die französischen Sozialisten und radikalen Sozialisten haben es früher feineswegs als eine unzulässige Einmischung in inner der Wunsch zum Ausdruck gebracht wurde, daß an Stelle des Bloc National eine zur Verständigung bereite Mehrheit ans Ruder kommen müsse, und sie haben es selbst Herrn Stresemann nie vorgeworfen, wenn er ähnliche Wünsche zum Ausdrud brachte, sondern sie glaubten damit den Eindruck der Bercitwilligkeit Deutsch lands zu erkennen, sich mit ihrer zur Abkehr von der Gewaltpolitik bereiten Regierung nun auch wirklich zu verständigen. Deshalb empfindet man es gerade in denjenigen Kreisen, die seit Jahr und Tag am schärfften gegen den Bloc National und gegen den Poincarismus gefämpft haben, als eine für die zukünftige Entwicklung der deutschfranzösischen Beziehungen gefährliche Entstellung des Sinnes der Herriotschen Worte, wenn der deutsche Außenminister fie als eine Einmischung in die innerdeutschen Verhältnisse beinahe grob zurückweift. Herr Stresemann hat damit nicht nur den gegenwärtigen Ministerpräsidenten ganz unnötigerweise brüstiert. Er hat der gesamten Linten gegenüber, die geschlossen hinter Herriot steht, eine Geste gemacht, die das Mißtrauen, die das gesamte Berhalten des Herrn Stresemann schon hervorgerufen hat, nur ver stärken kann." Im übrigen zeigt das Werbeschreiben des Agrarierorgans auch unseren Lesern recht eindringlich die Bedeutung einer weiten Berbreitung der Presse. Insofern fönnen auch Sozialdemokraten von „ Für die Wirkung der jüngsten Rede des deutschen Außen= der Gegenseite lernen und ihrerseits dafür sorgen, daß die ministers ist nichts charakteristischer als die Zufriedenheit, die in der sozialdemokratische Bresse nicht nur in den Städten, son reattionären Bresse unverhohlen zum Ausdrud kommt. In dern auch auf dem Lande immer neue Leser gewinnt. der Antwort Stresemanns glaubt der Bloc National unwiderlegliche Dadurch wird am wirksamften der bei den Agrariern beliebten Ber- Anzeichen dafür zu sehen, daß die Friedenspolitik, soweit sie von der leumdung und Herabfezung der sozialdemokratischen Arbeit ent- Linksmehrheit und von Herriot geplant ist, nicht durchgeführt wird. gegengetreten und für die Ziele unserer Partei praktische Werbe- Desto besorgter sind diejenigen Elemente in Frankreich, die gehofft arbeit geleistet. haben, daß die innerpolitische Entwidlung Deutschlands eine noch wesentlich raschere Liquidierung der Ruhrpolitik, gls sie in dem Londoner Protokoll vorgesehen, erlauben würde und die den Augenblid für gefomment erachteten, eine wirklich neue Aera in den deutsch- franzöfifchen Beziehungen zu eröffnen. Bon irgend einer Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse fann dabei feine Rede sein, wohl aber von der Erkenntnis der engsten. Verknüpfung, die zwischen innen- und außenpolitischen Vorgängen in allen Ländern bestehr." Die Erntekredite. Keine allgemeine Verlängerung, aber Hilfe für die Geschädigten. Eine Verlängerung des Wechseltredits, der burch Vermittlung der Reichsbant und der Preußischen Staatsbank der deutschen Landwirtschaft für die Bergung der Ernte zur Verfügung gestellt worden ist, kann, mie amtlich mitgeteilt wird, nicht allgemein zugesagt werden. Hierfür besteht auch kein Bedürfnis, da er= führt werden und dort wie außerhalb der Schule dem Fortschritt, der Wölferverständigung, der Annäherung der Nationen, der Organifierung der Menschheit dienen. Man müsse sich nur hinsichtlich des Tempos feiner Wirkung nicht gar zu großen Hoffnungen hingeben. Gut Ding brauche Weile. Das sei( leider) selbst dann der Fall, wenn es sich um etwas so Blizschnelles und fogar in seiner rein technisches sich um etwas fo Blikschnelles und fogar in seiner rein technisch fommerziellen Entwicklung fo Bligartiges handle wie den Rundfunt. Eine wichtige Erfindung für das Straßenbahnwesen. Eine wich tige Erfindung scheint einem Wiener Technißer geglückt zu sein. Er hat eine zerlegbare Straßenbahnschiene fonstruiert, die aus zwei Teilen besteht. Der eine Teil ist ein Schienenfuß, der für ständig verlegt bleibt, und der andere Teil ein Schienentopf, der nach seiner Abnüßung ohne Lageveränderung des Schienenfußes ausgewechselt werden kann. Die Verbindung der beiden Teile ist derart einfach, daß die Auswechselungen selbst während des Betriebes vorgenommen werden können. Falls die Erfindung bei ihrer praktischen Anwendung sich bewähren follte, würde sie einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiet des Straßenbahnwesens bedeuten, wenn man bedenkt, daß dadurch die umständlichen Pflasterarbeiten vermieden würden, daß nur ein fleiner Teil der Schiene ausgewechselt werden müßte und die Nachtarbeit vermieden werden könnte. Was man beim Sturz mit dem Fallschirm empfindet. Der Fall. schirm, dieser letzte Rettungsanfer des Fliegers, zu dem er in höch ster Not greift, ist durch sein Verfagen schon häufig die Ursache furchtbarer Unfälle geworden. So ereignete es fich erst in diesen Tagen wieder, daß eine Fliegerin, deren Fallschirm sich im rechten Moment nicht öffnen ließ, in Gegenwart von 10 000 Zuschauern auf einem franzöfifchen Flugplak in die Tiefe fauste, wo sie zerschmettert landete. Welche Gefühle sie in den entfegensvollen Sekun den, da ihr das Versagen des Fallschirmes zum Bewußtsein fam und sie dem sicheren Tode entgegentrieb, durchstürmt haben, wird ein ewig umgelöstes Rätsel bleiben. Aber ein Einblid in diese Empfindungen erschließt sich dem Flieger, der den Moment des Absprunges, wenn auch mit günstigem Ausgang, durchlebt hat. Ueber diefe in seiner Erinnerung unauslöschlich haftenden Eindrücke berichtet der Führer eines Luftballons in einem englischen Blatte aus feinen in der Kriegszeit gewonnenen Erfahrungen, als er bei dem Serannahen eines feindlichen Aeroplans genötigt war, feine Rettung im Fallschirm zu suchen. Ich fann mich wohl erinnern," so erzählt er, wie ich, über den Rand des Ballonforbes in meiner ganzen Länge hinaushängend, den Bruchteil einer Sefunde lang das Gefühl meines Sturzes vorwegnahm. Dann zwei jähe Atemzüge und und ich glitt hinab durch die Luft. Doch während der Dauer dieser beiden Atemzüge habe ich 200 der tausend Fuß durchmessen, bis zu welchen ich emporgestiegen mar." Der Romanschriftsteller H. G. Wells hat in feinem Roman Joan and Peter" im Hinr feines Helden sich ein ganzes Leben in diesen dem Fall vorausgehenden Sekunden zu sammendrängen laffen. Doch dieser Held muß, nach der Meinung deffen, der selbst jene Gefunden durchlebt hat, mit einem anormalen Gehirn begabt gewesen sein. Denn die zwei Atemzüge des bewußten Falles reichen nur für den Gedanken des Sturzes; dann schwindet der Atem und mit ihm gnädig das Bewußtsein. Der Tod Bafil Hallams, eines der ersten Fallschirmopfer im Kriege, bestärkt die Annahme, daß der Stürzende wenig Gefühl von dem hat, was mit ihm vorgeht. Denn damals mußte noch der Fallschirm mit der Hand offen gehalten werden. Aber Hallam verlor das Bewußtsein und ließ den entscheidenden Griff los; fein Tod wurde die Veranlassung, daß eine Vorkehrung am Fallschirm angebracht wurde, die den Fallenden, ob er bei Bewußtsein war oder nicht, sicher trug. Rundfunk und Erziehung. Der englische Minister Genosse Clynes, der in der gegenwärtigen englischen Regierung das Amt des Lordfiegelbewahrers bekleidet, hat jüngst in der„ Radio- Times" recht bemerkenswerte Ansichten entwickelt. Clynes nennt den Rundfunt einen ebenso wichtigen Erziehungsfattor wie das Schreiben. Das könne man heute schon sagen, obwohl der englische Rundspruch erst ein Kind von zwölf Monaten fei. Es müsse eine besondere Technik der Erziehung durch den Rundfunt ausgebildet werden und das werde auch sicher in ganz kurzer Zeit geschehen. Das Bedürfnis sei da, und der Rundfunt vermöge fich prächtig allen Bedürfnissen anzupassen. Außerordentliche Perspettiven eröffnen sich dadurch für den Erwachsenenunterricht Aber durchaus nicht nur für ihn! Die neueren Errungenschaften der Technik, das Kino z. B., haben zwar bisher so gut wie gar teinen( fyftematischen) Eingang in den Kinderunterricht gefunden, doch ist damit durchaus nicht gefagt, daß es immer und bei allen Erfindungen fo bleiben muß. Der Rundfunk werde, meint Clynes, über kurz oder lang in allen Schulen eingezeichnungen gezeigt wird. Der späte Wegiug der Störche. Von der Vogelwarte Roffitten wird geschrieben: In diesem Herbste waren abweichende Erscheinungen beim Abzug der Störche zu beobachten. Die Vögel verschoben ihre Abreise nach dem Süden auffallend lange und waren fogar noch auf ihren Nestern an so späten Terminen zu sehen, we fie in anderen Jahren längst in südlicheren Gegenden weilten. Es ist nicht leicht, für solche abweichende Naturvorgänge immer gleich die richtigen Gründe anzugeben, aber man geht wohl nicht fehl, menn man diefes Aushalten in der Heimat mit dem diesjährigen zahlreichen Auftreten der Frösche in Verbindung bringt, die ihre Massenvermehrung wiederum der abnorm naffen Witterung und den großen Ueberschwemmungen verdanken. In manchen Gegenden, auch auf der Kurischen Nehrung, mimmelte es förmlich von Fröschen. So wäre also das Erwachen des Zugtriebes bei einer Bogelart durch Borhandensein reichlicher Nahrung hinausgeschoben worden. Für die Vogelzugforschung eine intereffante Erscheinung. Die Bogelwarte Roffitten wäre dankbar, menn fie Näheres über die Vorgänge er. fahren könnte. Es würde sich namentlich um folgende Fragen han deln: Welches waren die spätesten Abzugstermine? Blieben nur alte oder auch junge Störche so auffallend lange hier? Gab es in Der betreffenden Gegend viele Frösche? Mascaanis Abschiedskonzert. Pietro Mascagni wird sich nach Be endigung der Berliner Stagione in einem großen Konzert verabschieden, das am 16. Oktober abends im Sportpalaft, Potsdamer Straße, zu Heinen Breisen stattfinden soll. Das nächste Orgelfonzert von Professor Walter Fisher im Dom findet am 9. d. M., abends 8 Uhr, ftatt. Mitwirkende: Wilhelm Guttmann, Bariton( von der Großen Bolfsoper) und Beter Katuar, Bioline. gramm berechtigt zum Eintritt. Pro Galerie Goldschmidt- Wallerstein( Schöneberger Ufer 36 a). Die Dftober Ausstellung ist dem Andenken an Paula Modersohn gewidmet, von der zum ersten Male in Berlin eine umfangreiche Kollektion von Sands Italiens Liberale gegen Faschismus. Der Kongreß von Livorno. Rom, 4. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In Livorno begann heute morgen 10 Uhr der mit Spannung erwartete Kongreß der liberalen Partei, vom Parteipräsidenten Borzino eröffnet. Anwesend sind über 400 Teilnehmer und 100 Journalisten, darunter auch sozialistische und faschistische. Der Kongreß ist von wesentlicher Bedeutung für die Stellungnahme gegenüber dem Faschismus und für die Tattit in den Kammerverhandlungen. Bezeichnenderweise war die erste Handlung des Kongresses ein huldigungstelegramm an den König, den die Liberalen als Hüter der Verfassung betrachten. In der Eröffnungsrede Borzinos fanden besonders begeisterten Widerhall die Worte, daß alle affen des Vaterlandes ausschließlich der Armee gehören. Dieser Angriff richtet sich gegen die faschistische Miliz.. Ferner betonte Borzino, daß die Rückkehr zum verfassungsmäßigen Zustand, zu Recht, Gesetz und Preßfreiheit die Hauptforderung der Liberalen sei. Montag britische Kabinettsentscheidung. Ueber den Auflösungstermin. Die Condon, 4. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Die Wahrschein lichkeit baldiger Neuwahlen hat sich in den letzten 24 Stunden herauszulommen, um schnellstens Neuwahlen herbeizuverstärkt. Die Arbeiterpartei wünscht aus der latenten Krife führen. Die Meinungen über die Wahlparole gehen auseinander. macdonald soll dafür sein, daß das Parlament schon im Laufe der nächsten Woche aufgelöst wird, wenn der konservative Antrag auf Mißbilligung der Aufhebung der Strafverfolgung des fommunistischen Rebatteurs Campbell zur Verhandlung tommt. Liberalen haben dazu beantragt, eine Untersuchung einzuleiten. Sie werden also wahrscheinlich den konservativen Antrag zu Fall tringen. Der liberale Antrag wird mit den Stimmen der Konfervativen angenommen werden. Macdonald sieht jedoch in unerträgliches Mißtrauen gegen den Generalstaatsaneinem solchen Beschluß auf Untersuchung der Angelegenheit ein malt und ist daher geneigt, daraus die Konsequenzen zu ziehen und beim König die Auflösung des Parlaments zu fordern. Eine starte Gruppe der Arbeiterpartei ist dafür, in dieser Frage dem Konflikt auszuweichen und wünscht, daß der für die Aufhebung der Strafverfolgung verantwortliche Generalstaatsanwalt zurüdtrete. Sie will die Entscheidung erst bei der Berhandlung des englisch russischen Vertrags herbeiführen, weil sie darin eine gute Wahlparole sieht. Am Montag wird das Kabinett sich endgültig schlüssig werden, ob es am Mittwoch die Entscheidung über die Krise herbeiführen will. Macdonald wird wahrscheinlich am Dienstag vor dem Nationalfongres der Arbeiterpartei endgültige Erklärungen atgeben. Bewerkschaftsbewegung Die Arbeitszeit der Fabrikarbeiter. Der Verband der Fabritarbeiter Deutschlands hat für die Woche Dom 7. bis 12. Juli eine Umfrage über die Dauer der Arbeitszeit vorgenommen, deren Ergebnis„ Der Proletarier" jetzt veröffentlicht. In Nr. 447 des„ Borwärts" hatten wir bereits furz darüber berichtet, halten es jedoch für angezeigt, nunmehr näher darauf einzugehen. Von den 481 Bahlstellen des Verbandes haben sich 320 on der Umfrage beteiligt, die sich auf 4360 Betriebe mit 481 449 Be schäftigte erstreckte. Davon arbeiteten 264140( b. f. 54,5 Proz.) bis zu 48 Stunden, 17 064( d. f. 3,6 Proz.) über 48 bis zu 51 Stunden, 124 592( d. 1. 26 Broz.) über 51 bis 54 Stun den und 75 653( d. f. 15,9 Proz.) über 54 Stunden. Auffällig ist die relativ geringe Zahl der über 48 bis 51 Stunden arbeitenden Fabrikarbeiter, die nur 3,6 vom Hundert beträgt. Aus diesem Verhältnis ergibt sich, daß die mit dem schematischen" Acht stundentag nicht zufriedenen Unternehmer sich nicht erst groß damit abgeben, zunächst eiwa täglich eine halbe Stunde länger arbeiten zu lassen; fie tun es nicht unter einer Stunde oder gehen gar noch Darüber hinaus. Ueber 54 Stunden arbeiten 24 843 Arbeitnehmer in der chemischen Industrie. Auf die Frage, ob dies gerade in dieser Industrie besonders notwendig sei, geben die Ziffern der 82 603 in dieser Industrie bis zu 48 Stunden Beschäftigten die Antwort und fchließlich selbst noch die 71 584 bis zu 54 Stunden Beschäftigten. Von besonderen Einzelfällen abgesehen, ergibt sich schon aus dieser Gegenüberstellung, daß hier mehr nach Willkür als aus zwingenden Notwendigkeit verfahren wird. Während in der chemischen Industrie 13,3 Proz. der Arbeitnehmer länger als 54 Stunden beschäftigt werden, sind es in der Industrie der Steine und Erden( 3iegel, Zement-, Kallherstellung u. a. m.) schon 30 Pro 3. Aber auch hier bedeuten die übrigen 70 Proz. der in dieser Industrie Beschäftigten und zwar 47 560( b. f. 48,3 Proz.) bis 48 Stunden, 3195( 3,2 Broz.) bis 51 Stunden und 18 482( 18,5 Pro3.), bis 54 Stunden, den schlagendsten Beweis dafür, daß minde stens die Arbeitszeit über 54 Stunden nicht not wendig ist. Eine Untersuchung über das Organisationsverhältnis der über 54 Stunden Arbeitenden würde höchstwahrscheinlich ergeben, daß es mit der Organisation dieser Arbeiter schlecht bestellt ist. Auch in der Papier- und Zellstofferzeugung arbeiten bereits 19,7 Broz. der Arbeitnehmer über 54 Stunden und nicht viel weniger, nämlich 19,5 Proz. in der Nahrungsmittelindustrie ( Konserven, Kaffee- Ersatz usw.). Zugleich aber geht aus diesem Zahlenvergleich, der im„ Proletarier" für alle Industrien, durch geführt ist, mit aller Deutlichkeit hervor, was für die große Mehrzahl der noch bis zu 48 Stunden Beschäftigten auf dem Spiel steht. Geht es abwärts mit dem Achtstundentag, dann wechseln auch sie in die Arbeitszeit bis 54 Stunden und über 54 Stunden, wenn ihre Organisation nicht start genug ist, um rechtzeitig den gehörigen Riegel vorzuschieben. Aeußerst lehrreich wäre ein Ver gleich zwischen dem Wochenlohneinkommen der Arbeitnehmer, die nicht über 48 Stunden arbeiten und dem der über 54 Stunden Arbeitenden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch hier anzunehmen, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen mit der längsten Arbeitszeit die niedrigsten Löhne haben. Denn die Richtigkeit der alten ökonomischen Regel, daß der Lohn am niedrigsten, wo die Ar beitszeit am längsten ist, wird durch einzelne Ausnahmen immer wieder bestätigt. Abgesehen von der Verschiedenheit der einzelnen Industriezweige hinsichtlich der Arbeitszeit; wurde festgestellt, daß in vielen Betrieben feine einheitliche Arbeitszeit für alle Be schäftigten besteht. Hier sprechen allerdings gewisse Notwendigkeiten mit. In vielen chemischen, Papier, Zementfabriken, Ziegeleien erheischt der Arbeitsprozeß bei einzelnen Gruppen oder Personen Albweichungen von der für die Mehrzahl der Beschäftigten geltenden Regel, wie sie die leberwachung chemischer Produktionsprozesse, Borbereitungsarbeiten an den Papiermaschinen, zur Uebermachung der Brennöfen erfordert. Es arbeiteten in Betrieben mit einheitlicher Arbeitszeit: bis 48 Std. Betriebe 6. 48-51 Std. üb. 51-54 Std. Beschäftigte Betriebe Beschäftigte Betriebe 645 Be schäftigte 61 435 2 648 188 623 83 8 678 Gesamtzahl der Betriebe Bebis schäftigten 48 Std. über 54 Std. BeBetriebe schäftigte 560 49 978 in Betrieben mit verschiedener Arbeitszeit: Davon arbeiteten über 48 über 51 über bis 51 Std. bis 54Std. 54 Std. 423 172 735 75 517 8 386 63 157 25 675 Eine genaue Uebersicht über den Stand der Arbeitszeit in den einzelnen Gauen des Fabrikarbeiterverbandes zeigt, daß die in den Ruhrtampf einbezogenen Gebiete die stärkste Verlängerung der Arbeitszeit aufweisen, während die Betriebe im Freistaat Sachsen die geringste Ausdehnung aufweisen, da hier noch 83 Broz. der Beschäftigten nicht länger als 48 Stunden arteiten. Im Rheinland ist die starke Verlängerung der Arbeitszeit über den Achtstundentag hinaus nicht zum wenigsten auf jene berüchtigten 3 wangsschiedssprüche für den Ruhrbergbau und die Hüttenindustrie durch die Regierungsvertreter zurückzuführen, die sich als richtunggebend für die Gestaltung der Arbeitszeit im besetzten Gebiet auswirkten. Streik der Mühlenarbeiter. hauptstadt der deutschen Repubfit derart auf Roften der Arbeiter wirtschaften und bei Verhandlungen über Lohn und Arbeitsbedin gungen den borniertesten Unternehmerstandpunkt. vertreten. Dieser Schiedsspruch ist, wie uns vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband erklärt wird, für die Organisation wie für die Arbeiterschaft der städtischen Gas- und Wasserwerke einfach un tragbar. Wir erheben jetzt schon unsere warnende Stimme vor den Folgen dieser Politik. Will man einen Gasarbeiterstreik? In unserer Abendausgabe vom 1. Oftober berichteten wir bes reits über den Schiedsspruch, der in dem Konflikt mit der Ber liner Gasbetriebsgesellschaft gefällt worden ist. Wir teilten damals bereits mit, daß die Direktion der Gasbetriebsgefellschaft trotz des Schiedsspruches sich mit der Absicht trage, die Arbeitsbedingungen einseitig festzusehen. Tatsächlich hat die machung erfassen, wonach entgegen dem Schiedsspruch, der die Direktion der Gasbetriebsgesellschaft am 1. Oktober eine Bekannt Arbeitszeit der Tagesarbeiter auf acht Stunden festsetzte, diese Arbeitszeit auf 8% Stunden festgesetzt wird. Darauf hat der Betriebsrat durch einen Arschlag bekanntgegeben, daß er entsprechend dem Auftrage der Arbeiter der Direktion bereits mitgeteilt hat, daß die Arbeiterschaft diese Bedingungen nicht anerkenne. Dar aufhin hat die Direktion am Freitag an den Betriebsrat die Aufforderung gerichtet, den Anschlag bis nachmittags 4 Uhr zu entfernen, widrigenfalls die Entlassung des gesamten Bea triebsrates erfolgen werde. Die Direktion der Gasbetriebsgesellschaft weiß natürlich, daß Die Abffimmung unter den. Mühlenarbeitern über die Annahme oder die Ablehnung des Lohnschieds- ihr Standpunkt rechtlich gar nicht haltbar ist. Der Bepruchs, die im Laufe des geftrigen Sonnabends in den Betriebsrat hat in Ausübung der ihm gefeßlich zustehenden Rechte gefrieben vorgenommen wurde, ergab eine große Mehrheit handelt. Man kann sich also des Eindrucks nicht erwehren, daß die für die Ablehnung. Nach den Statuten des Verbandes der Gasbetriebsgesellschaft mit ihrem Anschlag eine ArbeitsLebensmittel- und Getränkearbeiter ist somit der Streit be- niederlegung provozieren wollte. Die Arbeiterschaft fchloffen. Ueber den Beginn des Streifs, wie auch über die der Gasbetriebsgesellschaft, die restos organisiert ist, wird Festlegung der von Verbandswegen anzuerkennenden Nofftands- ihr diesen Gefallen nicht tun. Sie wird an dem Achtstundentag festhalten. Im übrigen hat der Gemeinde- und Staatsarbeiten wird die Zentralftreifleitung noch Beschluß faffen. arbeiterverband die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragt. Wir zweifeln nicht daran, daß die Verbindlichkeit auch ausgesprochen werden wird. Wirtschaftlich ist die Lage der Gasbetriebsgesellschaft eine glänzende. Die Arbeiterschaft sozusagen gewaltsam in einen Streit hineinzutreiben, liegt gewiß nicht im Allgemeinintereffe. Ein unmöglicher Schiedsspruch. Für die städtischen Gas- und Wasserwerke. Gestern tagte ein Schiedsgericht im Reichsarbeitsministerium, das in der Lehn- und Arbeitszeitfrage in den Berliner städti schen Gas- und Wasserwerfen regelnd eingreifen sollte. Als Unparteiischer fungierte wieder, wie vor acht Tagen im Konflikt mit der Gasbetriebsgesellschaft, der Oberregierungsrat Dr. Gra bein. Während nun der vor acht Tagen gefällte Schiedsspruch die Arbeitszeit der Tagesarbeiter in der Gasbetriebsgesellschaft auf acht Stunden festsetzte, fällte derselbe Dr. Grabein gestern einen Schiedsspruch, wonach die Arbeitszeit in den städtischen Gas- und Wasserwerken bis zum 31. Dezember 1924 für die Hofarbeiter und Handwerker 8½ Stunden, dann bis zum 31. März 1925 Stunden betragen soll! Für die Schichtarbeiter wurde die Arbeitszeit auf 53% Stunden festgesetzt. Die Löhne wurden' um 3 Pfennig erhöht. 8 Es ist einfach unbegreiflich, wie ein und derselbe Schiedsrichter für ein und dieselbe Berufsgruppe innerhalb von acht Lagen zwei Schiedssprüche fällen kann, die miteinander in so flagrantem Widerspruch stehen man fönnte zur Not als Erklärung annehmen, daß die wirtschaftliche Lage der Gas- und Wasserwerke vielleicht eine schlechte ist. Aber auch dies trifft nicht zu. Soweit die Wassermerte in Frage kommen, fann man ruhig sagen, daß sie nicht wissen, mas fie mit ihren Ueberschüssen anfangen sollen. Es werden aus laufenden Einnahmen ungeheure Neubauten aufgeführt, die aber noch nicht ausreichen, um die Ueberschüsse aufzzehren. Nicht viel anders liegen die Dinge bei den städtischen Gaswerfen. Während vor dem Kriege die Gaswerte jährlich aus Anleihen für 25 Millionen Arbeiten ausführen ließen, haben die städtischen Gaswerte seit zehn Jahren nicht eine einzige Anleihe aufgenommen. Das hindert sie nicht, gegenwärtig aus den Iaufenden Betriebsmitteln gleichfalls riesige Neubauten und Erneuerungsarbeiten ausführen zu lassen. Es ist einfach ein Standal, daß städtische Betriebe der Reichs300 von 15000. beabsichtigten Bersuchen, die auf längere Zeit arbeitslos gewordenen Bochum, 4. Dftober.( Eigener Drahtbericht.) Entsprechend den Bergarbeiter der südlichen Randgechen im Ruhrgebiet in anderen Bezirken unterzubringen, hat der Köln- Neu- Effener Bergwerksverein 300 erwerbslose Bergarbeiter der Belegschaft der stillgelegten Zeche Friedlicher Nachbar" in Linden übernommen. Ob es möglich sein wird, von den weiteren stillgelegten Zechen Belegschaften zu übernehmen, bleibt abzuwarten. Kampfbeschlüffe der französischen Bergarbeiter. Paris, 3. Oftober.( WTB.) Der Kongreß der französischen Bergarbeiter ist heute geschlossen worden. In seiner letzten Sizung beschäftigte er sich mit der Zohnfrage. Es wurde eine Reſolution erklärt werden. In vielen Bezirken weigerten sich die Grubenangenommen, in der die bisher gezahlten Löhne für ungenügend befizer, mit den Gewerkschaften in Verbindung zu treten und lehnten die Festsetzung eines Minimallohnes ab. Infolgedessen werde der Nationalrat der Bergarbeitergewertichaft aufgefordert, eiligst die Lage zu prüfen und Maßnahmen ins Auge zu fassen, um den unhaltbaren Zuständen ein Ende au bereiten. Es müsse die obligatorische Verpflichtung aur Schaffung eines Minimal. einkommens mit einer Aufwertungsstala je nach den Lebens haltungskosten gefordert werden. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Ft. Eztorn; Feuilleton: Dr. John Schifowski; Lotales und Sonstiges: Willy Mobus; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 4 Beilagen. Mittwoch den 8. Oktober 1924 geschlossen Der neu erschienene Winter- Katalog wird auf Wunsch kosterfrei zugesandt srael Vorteilhafte Angebote Damenkleidung Bluse aus gestreiftem Flanell mit Bubikragen 3.90 Morgenrock aus Flauschstoff, mit farbiger Blende..... Kleid aus reinwollenem 7.75 Trikotstoff m.Knopf- 22.50 garnitur.. Kleid aus reinwollenem schottisch karierten 29.00 Stoff. Mantel aus wollenem CoteleVelours. Kragen und Aufschläge mit schottisch ka- 24.50 riertem Besatz... Damen- Hüte Hut us kunstseidenem 4.90 Hut Zylinderstoff.... aus Silkina mit Bandgarnierung.. 7.75 Hut aus Seidensamt mit 9.75 Kronen- Reiher ca. 12 cm hoch. Stiele 1.80 Stele 3.60 10 20 Lederwaren Besuchstasche aus farbigem Leder.. 2.25 Damen- Handtasche aus braunem barbt. Leder m. Spiegel 5.25 Brieftasche aus braunem Leder, 5 Abteilungen 3.65 große Form.... Aktenmappe braun oder schwarz Rindleder, mit 5.50 Einkaufsbeutelaus weichem braun. Leder 7.90 BERLIN C KÖNIGSTR. 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Grund, 130 cm Mtr. 4.75 Etamine- Bettdecke 12.00 für 2 Betten. Messing- Stangen Garnitur, rein Messing, 2.90 mit 10 Ringen... aus farbigem Cheviot 13.50 für 2-3 Jahre Jede weitere Größe 0.75 mehr Schul- Anzug graugemustertem aus Stoff, für 6-8 Jahre 20.75 Jede weitere Größe 1.- mehr Strickwaren Überjäckchen für Damen, Reinwolle... 6.75 Damen Golf- Blusen gestrickt, Reinwolle, Größe 44-48.10.75 Damen Sportwesten feingestreift gestrickt. Reinwolle, 11.75 Rel. Trikotstoffe 140 cm breit, für Blusen und Kleider, einfarbig od..75 gemustert....... Mr. ttt. 470 ♦ 41. Fahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Sonntag, 5. Oktober 1424 Die verborgene /lltstaöt. Aus dem Herzen Berlins. Man kann Jahre in Berlin verbringen und— selbst, wenn man Berliner ist— noch nicht ins Innerste dieses äußerlich so einheitlichen und innerlich unendlich reich gestalteten Städtegebildes einge- drungen sein. Bn der Köllner örucke. Dies ist das Schema von Berlin: kerzengerade Straßen mit stattlichen Häusern, großstädtisch, feierlich, langweilig, dazwischen die entsprechenden Prunkbauten und— einzeln verstreut— wiMiche Schahkästchen der Sunst, die aber in dem großen abgestempelten Ganzen kaum zur Geltung kommen oder bemerkt werden. Dazwischen läßt man noch eigene Viertel aufkommen, die ihren Ruf jedoch nur der Lebensweise ihrer Bewohner, nicht etwa eigenem besonderen Bauausdruck verdanken(wie Münzviertel oder das Grenadierstraßen- getto). Zieht man den Kreis enger, so entdeckt man altes, ganz eigeuarliges Verlin. Und dies, merkwürdigerweise, nicht im alten Berlin selbst, sondern in der einstigen Schwestersiedlung Kölln am Wasser. Bon der Sophien- bis zur Nikolaikirch« ist Tragik der Groß- stadt: alt« Kunst, erwürgt von riesigen Geschäfts- und' Amtsbauten. trctz reicher Schönheit alles andere eher als ein Städtebild. Wo die Spree stch teilt, an der köllner Brücke, geht der Zauber an, von dem man zunächst nicht viel bemerkt. Schwarzes Wasser und kleine zier- liche Dampfer. Geht man aber erst durch die winkligen Straßen, so ändert sich alles. Man ist in neue Welt versetzt und diese Welt ist sehr alt und längst überaltet. Häuser. Menschen. Pflaster, alles hat feine Eigenheit und seine Einheit, hier ist die Seele des Schiffer- trcibens, das— welch ein Gegensatz zwischen Binnen- und See- schiffahrt— ganz geräuschlos, ärmlich und so bescheiden ist, daß man davon eigentlich gar nichts oder nicht viel bemerkt. Es sind stille und ernste Menschen, die sich in der großen Stadt nicht wohl fühlen und ihr Wasferheim nur mit kleinen Straßen vertauschen. Die Nenfthen im stillen Vinkel. Aber sie sind noch nicht das, was das Wesen der Menschen hier bestimmt. Ihre natürlichen Eigenschaften bringen dies Untertauchen im anderen Volk mit sich. Man sieht andere Gestalten, die schon etwas auffallender sind, z. B. klein« reizende und ganz unheimlich schwarze Zigeunerkinder, die auf das Vorhandensein von Familien- siedlungen schließen lassen. Oder man erstaunt darüber, wie tief«in Mensch äußerlich Not bekunden kann, den Arbeitslosigkeit in Elends- versteck zwingt. Aber auch diese schmerzlich« Erscheinungen sind nicht ausschlaggebend für das Gesamtbild, schon deshalb, weil sie sich tagsüber in ihren Herbergen, ganz armseligen Elendsheimen, die von Schmutz starren, zurückgezogen halten, nicht belästigt von Wohnungs- und Hygienekommissionen, aber auch geschont von übergroßer Polizei- sürsorge. Es find Gestrandeke, die man liegen läßt, weil es nicht mehr der Mühe wert ist, sie durch Hilfe oder Jagd zum Stehen und Gehen zu bringen. Eine Note im Gesamtbild, eine starke, traurig«, aber nicht mehr. Eins aber gibt ganz besonderes Aussehen, vollen- deten Reiz und zwingt Poesie in Stätten und Gassen, die heute selbst den Anforderungen einer ganz kleinen Stadt nicht mehr entsprechen könnten: das ist die Well der Kinder, eine fast überreiche Welt lieber und lustiger Proletarierkinder. Ehe Zille sich in die Berliner Borstädte hinauswagt«, mußte er hier heim und'Ausgang gefunden haben— aber, und nun kommt das, was eine alte vergessene Welt des Kleinsten und Aermsten in Schönheit und Poesie erhebt: was im großen Berliner Rahmen als Karikatur und— bewußte— schmerzliche Verzerrung wirkt, das ist hier echt, ursprünglich wahr und in dieser Stadtunberührtheit von bezwingenden Reizen. Und zu den Kindern kommt die Zugend, kommen die Müller, kommen die kleinen dunklen Kneipen, in denen sich dieses Volk wie«ine einzig« Familie bewegt, weil— nun weil eben in diesen Gassen und Häusern daheim kein Licht, keine Freude ist und weil die zerrissenen Wände und die Decken, durch die Wind und Wasser singen, nur vom Schmerz der alten Häuser raunen, auch einmal erlöst, begraben und neugestaltet zu werden. Der Nußbaum. Der arm« Nußbaum am Eingang der Köllnischen Straße fiel schon einmal, des trüben Lebens müde, um, der hohe, rote, nein, alle Farben spielend« Giebel hinter der traulichen altbekannten Nußbaum- Wirtschaft möchte es ihm am liebsten gleichtun— aber es geht nun einmal nicht und hat für Bäume, Giebel und— Menschen eiserne Klammern, die zusammenhalten und aufrichten, wenn es sich auch noch so schmerzlich ansieht. Stünde dieser arme kranke Nußbaum nicht hier— man müßte auf Gemeindekoslen einen neuen her- pflanzen, denn hier ist ein Wahrzeichen Berlins und ein Rest von dem, wonach sich die Großstadt, die doch nichr so recht Weltstadt werden kann, in Stunden reuiger Einkehr zurücksehnt. Nun missen wir, wo wir sind, nun wollen wir uns umschauen, wollen wandern. Die Menschen kennen wir und wir dürfen als heimische und Freund« durch die Straßen gehen. Bor dem Nußbaum sitzt fast immer ein Maler. Wo«in Aas ist, sammeln sich die Geier, wo Ruinen sind, die Maler. Aber warum wendet sich nicht einer einmal halbrechts um und malt den Bildausschnitt, der zum Urberlinerischen gehört, das man sich denken kann, ein echtes, ein unverfälschtes,«in ganzes Stück Hamburg ältester Art. Da liegen die Dampfer, die wir von d«r neuen kunstvollen Brück« gesehen haben— nein, sie liegen nicht hier, sie sind zu Hause und fühlen sich wohl. Selbst das tiefschmarz« Wasser, das keine Bewegung kennt, scheint zu sch'afen und zu träumen. Wovon? Etwas weiter nach rechts, hohe Häuser, Rück- feiten, eingonglos, nackt, freudlose Mauern neigen sich tief, tief in die Wasser. Brennen Licht« in den Fensterhöhlen, dann möchte man sich stundenlang über das eiserne Geländer neigen. Eine Märchen- well voll Sehnsucht steigt in Tiefen nieder, die fast schwindeln machen. Und alle wissen, alle suchen es— die Schiffer, die Kinder, die Jugend, die brauen, die müden Männer der Arbeit, die noch müderen der Arbeitslosigkeit. Und alle Viertelstunden klingt Glockenspiel herüber. Es ist die Sehnsucht der Armut, die sich hier niederbeugt, Unbekanntes ahnend und liebend— und, wenige Schritte, und du stehst wieder vor einer steinernen Brücke und vor hohen Geschästspalästen, Wagen und Straßenbahnen Hetzen und lärmen und Menschen hasten gleichmäßig und fremd. Irgendwo war«in Märchen. Du suchst es am anderen Tage und findest es kaum mehr. Erst wenn du wieder mitten drin stehst, erkennst du, was du suchst und begreifst, warum die ungezählten Tausende, die täglich vorübergehen, nichts sehen und nichts wissen. Verborgenste Altstadt— nein, nicht das ollein, in dieser Altstadt ein« Mischung von Dorf und Hafenstadt, zu armselig, um Vorstadt genannt zu werden, und so stark, um das ganz« große Berlin v«r- gesien zu lassen. Das ist hier, was dies hastende Stadtgewirr nicht kennt: Heimat, imd auch das, was du in den Paradestrahen ,md Prunkpalästen nicht findest: Poesie. Freilich: Poesie für die anderen, nicht für die Menschen, die hier wohnen miisien. Und darum wird hier auch manches schwinden müssen— denn nicht Dichter und Maler, sondern Rücksicht auf Volksgesundhert haben in der Entwicklung des Städtebaues zu entscheiden. Nach fünf Jahren. Von Räubern wurde am Himmelfahrtstage des Jahres 1919 die Schantwirtsfrau Dahlmann in ihrem Lokal überfallen, während ihr Mann eine herrenparti« machte. Drei Männer, die ihr Allein- sein ausgekundschaftet haben mußten, erschienen als Gäste, lockten die Frau nach einem Hinterraum, mißhandelten sie dort und hielten sie mit vorgehaltener Pistole in Schach. Sic raubten 4 9 9 Mark, die Ladenkasse und verschiedene Sachen. Die Beraubte kränkelte seit dem ileberfall infolge eines Nerve rschocks und der Mißhandlungen und st a r b n a ch e i n i g e r Z e i t. Die Kriminalpolizei stellte nach langen und schwierigen Ermittlungen als Täter drei Männer namens Karl Merche, Albert Wichcrt und Bruno E h l« r t fest. Merche und Wichert hatten das Lokal öfter besucht und als Helfershelfer noch den Ehiert gewonnen, dessen Hauptaufgabe es war, aufzupassen. Die drei teilten sich in die Beute und verschwanden alsbald in die Provinz, hier wurden Merche und Wichert wegen Totschlages und Ehlert wegen einer anderen Straftat f stg e n o m m e n. Alle drei fitzen jetzt im Z n ch t- h a u s Infterburg und haben dort nunmehr mich den Raub- Überfall in Berlin eingeräumt. Die Güterabfertigungsstellen der Berliner Znnen- und Ring- bohnhöfe geben, wie die Reichsbahndirektion mitteilt, Herne. Sonntag, den 5. Oktober, Frachtstück- und Eilstückgut bis mittgs 12 Uhr aus. Es wäre erwünscht, wenn das Publikum von dieser Möglichkeit, Güter abzuholen, ausgiebig Ge- brauch machen würde. $2] Sie Familie Frank. Roman von Rlartin Andersen Rex?. Er ging mehrmals forschend um die Miete herum, fand endlich einen bequemen Platz, brachte seinen Hut oben auf dem Gipfel an, was gewissermaßen„Besetzt!" bedeuten sollte, und ließ sich ins Stroh Hinabplumpsen. Untersuchend guckte er an sich hinab, entdeckte Flecken bald hier bald da auf seinem guten Anzug und schrapte mit dem Nagel daran, spuckte auf den Daumen und rieb. Dabei fühlte er etwas in der Rocktasche und holte die Flasche hervor. Die hatte er in seinem Uebermut vergessen; jetzt, wo es ihm selbst gut zu gehen begann, hatte er einen armen Freund im Stich gelassen. Und der hatte gesessen und getreu gewartet und zu seiner Nichtswürdigkeit geschwiegen! Er hielt die Flasche auf Armeslänge von sich ab und betrachtete sie gerührt; da wurde sein feuchter Blick von der Etikette gefesselt. Woher in aller Welt hatte er die Mittel, in diesen schlech- ten Zeiten Schwedischen Banko zu trinken, wo die Leute ihre �osen herabstreiften, wenn sie saßen, um ihm nichts zu ver- dienen zu geben? Pst, richtig, Thorvald hatte ihm die Flasche ja hinter dem Schenktisch zugesteckt! Ein tüchtiger Junge, der Thorvald! Machte seinen alten Eltern Freude! Es war wirk- lieh ein Segen, Kinder zu haben— aber was sagte der Pfarrer doch? Seid fruchtbar und mehret euch, sagte er. Frank nahm den Kork von der Flasche und wollte trinken; als er sie jedoch zum Munde führte, kroch ein kleiner nackter Teufel aus dem Flaschenhals heraus und setzte sich aus die Mündung. Frank wartete höflich, daß es ihm gefallen möchte, sich zu entfernen; als das Teufelchen aber keine Miene dazu machte, strich er es sanft beiseite und führte die Flasche an den Mund. Doch da saß der Bursche wieder auf der Mün- dung und biß nach Franks Zustge. Wenn er die Flasche ent- sernte, kroch der Teufel hinab: sobald er sie jedoch dem Munde näherte, kam der Dösewicht von neuem herauf. Und es half nichts, daß er ihn zu verscheuchen suchte. Schließlich verlor Frank die Geduld— Teufel oder nicht Teufel— er wollte jedenfalls einen Schluck haben, und er schloß mit dem Daumen den Flaschenhals, bis er ihn ganz in den Mund bekam— dann ließ er auf einmal los. Es zappelte ihm etwas im Munde, aber er machte seinen Schlund so geräumig wie möglich und trank mit geschlossenen Aug«« in großen Schlücken. Das Biest sollte ersäuft werden, und Frank ruhte nicht, bis die Flasche leer war. Dann saß er still da und beobachtete aufmerksam, wie es in seinem Bauch ruhiger und ruhiger wurde. Noch ein kräftiges Gezappel zum Schluß, und es wurde ganz still, während eine große Luftblase emporstieg und zerplatzte: „Böws!— Ja, jetzt kannst du's gut haben," sagte Schnei- der Frank und schlief ein. Erst spät am Abend erwachte er davon, daß grölende Schwärme von Burschen und Mädchen auf dem Wege vor- überschlenderten. Er erhob sich in dem unklaren Gefühl, sich auf ärgerliche Weise verspätet zu haben, und wanderte nach der Stadt hinein. Nun saßen sie vielleicht im Klub beim dampfenden Punsch und warteten auf den Volksredner Frank— und wollten mit dem Gelage nicht vorher beginnen. Vielleicht war man auch besorgt um ihn? Aber man konnte seinetwegen ganz ruhig sein, Frank würde den Sturm schon allein niederzwingen und die aufrührerischen Massen durch eine Ansprache beruhigen. Im übrigen war's überflüssig, auf ihn zu warten; er war nicht der Mann, der verlangte, daß viel Wesens von ihm gemacht wurde. Und sobald seine Anwesenheit hier draußen nicht mehr nötig war, würde er schon-- Er winkte herablassend mit der Hand und rief: „Trinkt nur, Brüder, und fürchtet nichts!— Ihr sollt nicht auf Frank warten, denn wir sind ja doch alle Menschen." Er ging in großem Bogen um sein Haus herum und schlug den Weg unterhalb der Stadt nach dem Hotel ein, wo der Klub tagte. Er lief mehr als er ging, während er halb- laut ein aufmunternde Rede an die verzagten Klubmit- glieder hielt. Doch während er sich dem Hotel näherte, verschwand seine Beschützermiene, und als er die Treppe hinaufschlich, glich er beinah einem Pudel, der den Schwanz zwischen die Beine kneift Im Flur stand er und tastete an allen geschlossenen Türen, guckte durch die Schlüssellöcher und horchte an den Ritzen, um herauszufinden, ob nicht irgendein Bekannter da war, an den er etwas ausrichten zu müssen vorgeben konnte. Ein Kellner mit einem ganzen Tablett Gläser kam ge- sprungen. Frank bekam eine Idee und bat ihn, die Sachen hineintragen zu dürfen. .Platz gemacht, zum Henker!" schrie der Kellner bloß und trat nach ihm. Frank schlich wieder hinaus, um dos Hotel herum, au den Strand hinab und von hinten auf den Hotelhof. Er schnupperte ein wenig an der Küchentreppe, grüßte unter- tänigst einige Klubherren, die in einer Reihe längs der Mauer standen und ihm den Rücken zukehrten, kam in seinem Eiser, sich um die Gesellschaft verdient zu machen, auf die verzweifelte Idee, für eine ältere Dame die Klosettür zu öffnen. Sie rannte schreiend ihrer Wege, obwohl er mit dem Hut in der Hand dastand und sich verbeugte. Alles schien ihm zu mißlingen. In seiner Not nahm er sich energisch zusammen, ging aus die Veranda hinauf und öffnete die Tür nach dem großen Saal, wo das vornehme Familienleben im Gange war. Man betrachtete ihn erstaunt oder zornig, flüsterte, räusperte sich und sah nach allem möglichen aus, während er an der Tür stehen blieb, sich verneigte und mit dem Hut vor dem Bauch Kratz'üße machte. Schließlich kam der Wirt auf ihn zu mit einem Ausdruck, der nicht mißzuverstehen war, und Frank zog sich rücklings durch den ganzen Saal hindurch zurück und verschwand in dem langen Korridor mit einer Verbeugung und einer Miene, als hätte ihm der liebe Gott in eigener Person die Tür vor der Nase zugemacht. Er fiel vollständig zusammen, Zerknirschung und Betrüb- nis lähmten jhn derart, daß er fast nicht auf den Beinen stehen konnte. Mit einem dumpfen Gefühl, daß alles aus sei, näherte er sich dem Ausgang. Dort stand eine Tür offen; Kalauer, Geklirr und dicke Tabakswolken wälzten sich aus dem Zimmer, wo eine An- zahl Kontoristen, Ladengehilfen und Agenten Zuflucht gesucht hatten, um ungestört vom Familienleben kneipen zu können. „He, Meister, hier, hier!" riefen sie, als Frank vorüber- stolperte. Da verwandelte sich Frank vom Scheitel bis«zur Sohle; es war, als hätte ein unsichtbarer Gott dem toten Fleischklumpen Leben eingehaucht. Er stellte sich in die Tür, lächelte und verbeugte sich vor den Anwesenden, die Hand auf der Herzgrube. „Herein, Meister Frank", riefen sie. „Gestatten Sie einem Unwürdigen, die Schwelle der Jugend zu überschreiten," sagte er mit gebildetem Pathos und betrat die Stube mit elastischen Schritten und der be- kannten zierlichen Handbewegung, die der Ausdruck dafür war, daß er seinen eigenen Menschenwert fühlte. Mit einem großen Blick fing er den ganzen Inhalt des Tisches«mf, während ihm jemand einen Stuhl hinschob., (Fortjetzuog 4 Der Prozeß Heiser. Die Tortur der Zeuginnen. er beständigen Hindernissen nimmt der Heiser- Prozeß seinen Fortgang: er geht schließlich seinem Ende zu. Das Strafverfahren gegen Frau Heiser ist abgetrennt worden: sie ist meder verhandlungs noch haftfähig. Heiser selbst fißt ziemlich apathisch da, der Prozeß hat ihn start mitgenommen. Man vergißt manchmal faft, daß es sich um ihn handelt. Eine Zeugin nach der anderen tritt vor den Richtertisch: Mütter von mehreren Kindern, junge Mädchen, die keine Kinder haben durften, weil der Bräutigam es nicht wollte oder ihre Lebensverhältnisse es nicht gestatteten; reife Frauen und noch junge Dinger mit faum ausgereiften Körper. Bald fanden sie allein den Weg zu Heifer, begleitet von der Freundin oder dem Bräutigam und selbst von der Mutter: Heifers Tätigkeit sprach sich überall herum. Stockend antworten sie; sie erröten unter der Tortur des Ausgefragtwerdens, das selbst vor dem Intimsten nicht halt macht; halten mit Mühe die Tränen zurüd oder laffen ihnen freien Lauf. Manche von ihnen zählen müssen etwa das fünftemal schon auf ein und dieselben ein und zudringlichen Fragen Antwort zu stehen haben- zubringlichen vom Standpunkt der Frauen, die ihr Geheimstes vor Männern offenbaren sollen, notwendig vom Standpunkt des Gesetzes und des " Wahrheitsuchens" des Gerichts. Die Zeuginnen, teils bereits abgeurteilt, teils im noch schwebenden Verfahren stehend, üben schon um ihrer selbst willen Vorsicht in ihren Ausjagen, eine verweigert sie völlig, ihre Mutter, eine franfe Frau, macht sich sogar des Meineides verdächtig, die Frauen antworten leichter und unbehinderter auf die väterlich- gütigen Fragen der Sachverständigen, als auf die durchaus nicht bösartigen, aber dem äußeren Anschein nach barschen Fragen des Borsigenden eine Tortur muß es sein, so als Frau immer wieder vor den Männern zu stehen, eine Seelenpein, ein schweres Erlebnis unvermeidlich aber, denn bie§§ 218, 219 fordern es. Unwillkürlich dentt man sich: wie würde dem Mann zumute sein, feine intimsten Geschlechtsvorgänge einem Frauenforum zu offenbaren hätte. Würde er sich da nicht auch eines pein lichen Gefühls zu erwehren haben. wenn er Die Gerichtsverhandlung hat diesmal viel von ihrer Unvermitteltheit eingebüßt. Die Frauen haben ihre Dankbarkeitsgefühle für Heifer bereits in der ersten Gerichtsverhandlung abreagiert, aber auch jetzt bezeichnen sie ihn noch als ihren Retter manche von ihnen hätte sich eine Kugel in den Kopf geschossen oder ins Wasser gestürzt, wenn ihr von ihm nicht Hilfe geworden wäre. Soziale Not, Krankheit, Unterernährung wirften hier gemein sam. Geldgierig war Heiser nicht, das bezeugen die Frauen auch diesmal: er begnügte sich mit dem, was er befam und stellte felbst geringe Forderungen. Troßdem erhebt fich gegen ihn drohend der$ 219, auf dem Buchthaus steht. Jeder Fall wird diesmal mit besonderer Gründlichkeit durchgegangen: der Staatsanwalt hat für neue Belastungszeugen gesorgt, die Sachverständigen geben ihr Gutachten für jeden Fall gesondert ab und drei selbständige Fälle vollendeter Abtreibung scheinen festzustehen. er Bird nun das Gericht wirklich den Apotheker Heifer laut§ 219 für schuldig erkennen? Heiser ist ein schwer tranfer Mann, er scheint am Ende feiner Kräfte, feine Haftfähigkeit ist mehr als zweifelhaft. Reich ist er von seiner Tätigkeit nicht geworden ist so arm geblieben, wie er mar; gehoffen hat er aber vielen Un glücklichen und von der inneren Rechtmäßigteit feines Handelns mar er überzeugt. Was soll hier Zuchthaus, wenn die gefamte moderne Wissenschaft und selbst so manche deutsche Regie rung sich bereits für eine Milderung und Aenderung der SS 218 und 219 ausgesprochen hat? Man kann sich der Empfindung nicht erwehren: die Berufung hätte nicht eingelegt werden sollen dem Staat wäre Geld, den Zeugen seelische Bein, dem Heiser und seiner Frau Krankheit erspart geblieben. Montag tommen noch die Sachverständigen zu Wort und als fachverständige Zeugin Genoffin Dr. Wegscheider. Man kann auf das Urteil gespannt fein. rung der Steuerordnung, fo daß mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß vom 15. Oktober ab die Vergnügungssteuer wieder nach den tarifmäßigen Sägen der bisherigen Steuerordnung ohne wesentliche Aenderungen erhoben wird. Ein Meineidsverfahren. Weil er sinnlos betrunken war. Einen überraschenden Ausgang nahm der Meineidsprozeß gegen den Polizeileutnant St., der vor den Geschworenen des Landgerichts III zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte war von seinem Vorgesetzten, dem Polizeioberleutnant F. in dessen Wohnung in einer sehr verfänglichen Situation angetroffen worden, und es hatte sich daraus ein Ehescheibungsprozeß entwickelt, in dessen Verlauf St. den Meineid geleistet haben sollte. Beide Polizeioffiziere waren bei der Schupo in einer mitteldeutschen Stadt tätig und hatten Wohnung in der Kaserne. Eines Nachts tam der Oberleutnant heim, fand aber die Tür verschlossen. Der Schlüssel stedte innen im Schloß. Da auf fein Klopfen nicht geöffnet wurde, benützte er eine eingebrochene Scheibe in der Tür, um von innen aufzuschließen. Die Wohnung war finster, als er zum Schlafzimmer fam, hörte er, daß seine Ehefrau erschreckt ausrief:„ Mein Mann tommi!" In dem ehelichen Bett fand der Oberleutnant seinen Untergebenen St., anscheinend im festen Schlaf. Aus dieser verfänglichen Situation entwickelte fich eine Ehescheidungsklage des Oberleutnants gegen seine Ehefrau. Troß dieser derfänglichen Umstände, die dadurch noch verfänglicher wurden, daß, F. auch einige Zeit darauf einen Brief des St. bei fe ner Frau vorfand, in dem dieser sie mit Liebes Kind" und" Du" anredete und sie beruhigte, daß sie sich auf seine Aussage verlassen fönne, befchwor der Polizeileutnant St. in dem Ehe scheidungsprozeß, daß zwischen ihm und Frau F. nichts passiert sei. Dem Landgericht kam dieser Eid jedoch so bedenklich vor, daß es die Sachen an die Staatsanwaltschaft abgab. Die Ehe wurde übrigens vom Landgericht auf Grund des vorgefundenen Materials wegen Ehebruchs der Chefru geschieden, es schwebt jedoch noch die Berufung. Da St. den Eid in Spandau, wo er sich damals zu einem Kurfus befand, geleistet hatte, wurde er in Berlin angeflagt. Der Angeklagte behauptete, daß er an jenem Abend sich in finnloser Truntenheit befunden habe und nicht wiffe, wie er in die fremde Wohnung und das fremde Bett fommen sei. Er fönne fich auf nichts befinnen. Den Briefen gab er ebenfalls eine harmlose Deutung, er habe mit seinem Borgefehten und dessen Ehefrau freundschaftlichen Verfehr unterhalten und daraus erkläre sich die vertrauliche Anrede. Der Inhalt der Briefe bedeute nur, daß er die erregte Frau F. habe beruhigen wollen. Referendar Dr. Sandheim ließ in Berteidigung des Angeklagten zahlreiche Beugen vernehmen, die in lebereinstimmung befundeten, daß der Angeklagte an dem verhängnisvollen Abend unheimliche Mengen Altohol, Seft, Wein, Bier und Schmäpfe zu sich genommen und in sinnlosester Weise be. trunten vor der Kaserne angelangt sei. Frau F., die ebenfalls als Zeugin vernommen wurde, behauptete, daß der Angeklagte nachts in die Wohnung eingedrungen, sich trog ihres Proteftes entfleidet, ins Bett gelegt und dann sofort eingeschlafen sei. Während der Staatsanwalt gegen den Angeklagten drei Jahre Zuchthaus beantragt hatte, fonnte das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme nicht zu einer Berurteilung des Angeklagten tommen und sprach ihn trop des Bor liegens der schwersten Berdachtsmomente frei Rundfunk und Schule. Am Montag, den 6. Oftober, beginnt um 9 Uhr im Auditorium Maximum der Universität die Tagung Rundfunt und Schule", die vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Verbindung mit der ftaat. lichen Hauptstelle für den naturwissenschaftlichen Unterricht ver anstaltet wird. Die Veranstaltung, die am Mittwoch endet, wird eine Reihe von Referaten bringen, die die Einbeziehung des Funk wefens in den Unterricht unserer Schulen zum Gegenstand haben. Die Teilnehmerkarte foftet 5 m., für den Einzeltag 2 M. Mit der Tagung ist eine Ausstellung von Rund funkgerät im Zentralinftitut, Botsdamer Str. 120, verbunden. Der Verkehr auf dem Potsdamer Blak. In der Sitzung der Deputation für das Siedlungs- und Woh mungswesen wurde am 2. Oktober d. 3. die Verkehrsfrage des Potsdamer Plages besprochen. Es wurde von dem Vertreter der Tiefbaudeputation mitgeteilt, daß die zurzeit geplante Berkehrsregelung auf dem Potsdamer Platz einen Bersuch auf Veranlaffung des Polizeipräsidenten darstelle. Allgemein war man je doch der Ansicht, daß damit das Problem noch nicht gelöst ift. Eine Besserung ist nur zu erhoffen, wenn eine Verkehrsentlastung durch Ableitung desjenigen Verkehrs erzielt wird, der nicht unbedingt über den Potsdamer Plaz gehen muß. Die in dieser Hinsicht bereits angestellten Untersuchungen wurden der Deputation zur Renntnis gebracht, die es für notwendig hielt, daß diese Möglichfeiten gemeinsam mit den anderen in Frage tommenden Stellen, der Tiefbaudeputation und der Verkehrsdeputation geprüft und gestraße 3, täglich von 10-6 Uhr, Montags und Donnerstags bon 10-9 Uhr, gebenenfalls unter Hinzuziehung bewährter Fachleute außerhalb der städtischen Verwaltung näher erörtert werden sollen. Die Vergnügungsftener. Die städtische Finanz- und Steuerbeputation beschäftigte sich erneut mit der Novelle zur Vergnügungssteuerordnung. Die für die Sommermonate gewährte Ermäßigung der Steuerfähe war an sich mit dem 30. September abgelaufen, so daß vom 1. Oftober ab die Säße nach der Steuerordnung wieder erhoben werden mußten. Die Frist für die ermäßigten Steuersäge ist aber bis zum 15. Oftober verlängert worden, weil die endgültige Entscheidung darüber, ob und in welchem Umfange eine Herabsezung der Bergnügungs. ste u er stattfinden soll, erst demnächst im Zusammenhang mit der Er. örterung der gesamten Finanzlage im Haushaltsausschuß getroffen werden wird. In der letzten Sigung bestand jedenfalls bei der Mehr heit wenig Neigung zu einer wesentlichen Mendetober, vorm. pünktlich 11 Uhr. Proletarische Feierstunde im Großen Schaus Bezirksbildungs ausschuß Groß- Berlin. Heute, Sonntag, den 5. Df spielhaus, Starlstraße. Abonnements und Einzelfarten find noch an der Staffe zu haben. Arbeitslofe haben freien Eintritt( gegen Ausweis). Heute, Sonntag, den 5. Oftober, büntlich 3 Uhr nachmittags, im Theater des Westens Candida" in der Besetzung des Staatstheaters: Lina Loffen, Fel. Wagenbrett, Karl Ebert, Fernau, Mar Schred. Die Aufführungen von Madame Legros können wegen Erkrankung der Frau Eysoldt erst nächsten Abonnenten für Konzerte und Feierstunden können noch aufgenommen Sonntag beginnen. Karten find noch am Eingang des Theaters zu haben. werden. Ausstellung„ Tod und Leben" im Künstlerhaus, BellevueSonntags von 10-2 Uhr. Borzugstarten 35 fg. im Bureau Lindenstr. 3, bei den Obleuten der Kreisbildungsausschüffe, bei den Vorwärts. speditionen und bei der Gewerkschaftskommission. 15 ausländische Friedensfreunde fprechen in vier Boltsversammlungen. Am Montag, den 6. Dttober, abends 8 Uhr, sprechen anläßlich des 23. Weltfriedenstongresses 15 ausländische Polititer und Gelehrte in folgenden bier Bolksversammlungen über das Thema: Wie denkt das Aus land über Deutschland"; Kammersåle, Teltower Straße; Spichernfäle, Spichernstraße; Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftr. 24; UnionsGeftfäle, Greifswalder Str. 222. Untoftendedung: 30 Pf., Gewerkschaftler die Hälfte. Die Redner find: Aus England Abgg. Dunnico und Qudson Frankreich: Präsident Buisson, General Berraug; Schweiz: Dr. Häberlein; Deutschland: Brof. Duidde, General Abg. Björkmann, Holger Christiansen( Stopenhagen); Stalien: v. Schonaich; Skandinavien: Prof. Fridtjof Nansen; Schweden: Prof. Dre ft ano; Tschechoslowatei: Henriette Wurmova, Profeffor ab1; Amerifa: Kath. Tingley; Japan: Dr. Ina gati; Holland: Dan der Mandere. 38 Jahre Der Mann in der Kiste. 17 Wie er Pech hatte. Große Heiterfeit entfesselte der Klavierbauer 2. mit einer Schilderung seiner Reiseerlebnisfe" vor dem großen Schöffengericht Berlin Mitte, vor dem er sich wegen Bandendiebstahls zu verantworten hotie. Der Angeklagte hatte sich auf dem Wege des ,, Riftenreifens" auf die Beraubung von Frachtgütern gelegt. Zufammen mit den Brüdern Heinrich und Karl B. und dem Kaufmann Artur Sch. hatte er hin und her beratschlagt, wie man der gemeinsamen Notlage abhelfen könne. Da lasen sie in der Zeitung, daß irgendwo jemand sich in einer Kiste hatte als„ Frachtgut" aufgeben lassen und sie beschlossen munn, diese Sache ebenfalls zu versuchen. 2. baute sich eine Riste, die von innen durch Patentschlüssel fo zu schließen war, daß es von außen sich ausnahm, als ob fie Zur Sicherheit war die Kiste innen gepolstert. zugenagelt war. Der Plan ging dahin, daß die Kiste mit A. als Insassen als Frachtgut aufgegeten werden sollte, daß 2. unterwegs im Gepädwagen andere Frachtgüber erbrechen und in die Kiste paden sollte. Üm das Fehlgewicht bei den anderen Gütern auszugleichen, hatte A. in seiner Rifte Sandfäde mitgenommen. Um ganz sicher zu gehen, wurde erst einmal ein Probetransport nach dem Keller eines der Mitangeklagten unternommen. Da dieser Verfuch gut ablief, ging man an die Ausführung des Plans. Das lebende Frachtgut" wurde nach Leipzig verschickt und als diefer Raubzug glücklich vonstatten gegangen war, nach Dresden. Die zweite Reise gestaltete sich für den Insassen recht ungemütlich. Schon auf dem Rollwagen zum Güterbahnhof hatte er das Pech, daß er in der Kiste auf den Kopf gestellt wurde. Stundenlang mußte er in dieser Situation ausharren und dabei lief dann auch noch der Sand aus den Säcken aus, so daß er beinahe erstidt wäre. Im Eisenbahnwagen war dann jedoch die Aufschrift nicht stürzen" sorgfältig beachtet worden. Unterwegs öffnete 2. die Kiste und machte sich an die Deffnung anderer Frachtgüter. Da die Reise ater länger als vermutet dauerte, bekam er Hunger und leerte eine Konservenbüchse mia Heringen. Infolgedeffen wurde er während der zweiten Fahrt derartig vom Durst geplagt, daß er früher als beabsichtigt den Güterwagen verlassen mußte. Bei der Abholung der zweiten Kiste wurde der Schwindel entdeckt und A. festgenommen. Das Schöffengericht schloß sich den Ausführungen des Berteidigers an und nahm nicht Bandendiebstahl, sondern fortgesetzten einfachen Diebstahl an. Der erheblich vorbestrafte 2. erhielt zwei Jahre Gefängnis, während die anderen Angeklagten mit Gefängnisstrafen von 3 bis 9 Monaten, unter teilweiser Zubilligung von Bewährungsfrist, davontamen. Die Juristische Sprechstunde findet vom Montag, den 6. b. M., bis einschließlich den 18. d. M., täglich von 4 bis 6 Uhr, Sonnabends jedoch wie bisher von 3 bis 5 Uhr statt. Noch fünf Tage Krone- Gaftfpiel!!! Das Gastspiel des girlus Krone auf dem Ererzierplaz an der Schönhauser Allee nähert sich nunmehr seinem Ende. Am Mittwoch, den 8. Oftober, werden fic, die modernen fahrenden Lente, das Abschiedslied blasen lassen und am 9. Oftober werden sie sich bereits wieder auf der Fahrt befinden. Eine Spionageaffäre. Das Porifer Journal" meldet aus Moret im Departement Seine- et- Marne, daß ein Matler namens Plouin, der Futterlieferungen für die französische Rheinarmee hatte, unter der Befchuldigung verhaftet worden sei, vor einiger Zeit den Plan ge habt zu haben, durch vergiftetes Futter die Pferde er französischen Bejagungsarmee moffenmeije u vergiften. Dieser Verdacht füße sich auf die Tatsache, daß Blouin feinerzeit einen eingeschriebenen Brief an einen bekannten Berliner Journalisten und berüchtigten Franzosenfeind, einen Herrn W.( Theodor Wolff? Die Red.) geschrieben habe, in dem er diesen den Bergiftungsvorschlag machte. Der Brief fei von der Polizei geöffnet und Blouin doraufhin verhaftet worden. Der Verhaftete erklärte, er habe lediglich beabsichtigt, die Deutschen hineinzulegen, indem er sich einen scheinbaren Dienst habe teuer bezahlen lassen wollen. Die Pariser Abendpreffe vom Sonnabend bestätigt die Vergiftung des Pferdefutters auch noch seine Dienste verschiedenen haftung des 53jährigen Blouin, der außer dem Borschlag der Ver. deutschen Behörden in Köln und Berlin angeboten haben soll, um die deutsche Spionage in Paris zu erleichtern. Dreizehn Tote, neun Schwerverletzte bei der Mainzer Katastrophe. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, beträgt die Zahl der bei dem Mainzer Eisenbahnumglück tödlich Berunglückten dreizehn, die der Schwerverletzten neun. Der fromme Boger. New Dorfer Zeitungen melden, daß der frühere Weltbogmeister Johnson den Beruf eines Bastoren ergriffen hat. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. Referenten- Zusammenkunft. Montag, den 6. Oftober, abends 7% Uhr, in den Musikerfälen, Parterresaal, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Vortrag:„ Schußzölle Mitgliedsbuch legitimiert. Steuern Lastenverteilung." Referent: Dr. Paul Herb, M. d. R. Der Bezirksvorstand. Freitag, den 10. Oftober, abends 7% Uhr, im Galleriesaal der Sophiensäle, Sophienstr. 17/18: Man begreife das ungemein Bedeut same dieser Tatsache. Überzeugen auch Sie sich von der einzigartigen Wirkung der schäumenden Zahncreme Kalodont. KALODONT KOPY WNON ( ploj p KALODONT in aller Munde! o leto and ranie deles tile i Kommunal- Konferenz. Tagesordnung: Aufbau und Tätigkeit der neuerrichteten fommunalen Zentralstelle." Referent Genoffe Richard Krille. Aussprache. Zur Teilnahme find berechtigt: der Fraktionsvorstand der Stadtverordnetenfraktion, der Borsigende, Stellvertreter und Schriftführer der Bezirksverordnetenfraktionen, die SPD.- Magistrats und Bezirksamtsmitglieder, die Kreisvorsitzenden bzw. deren Stellvertreter. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Der Bezirksvorstand( Bezirksverband Berlin). Frauenveranstaltung am Dienstag, den 7. Oktober: 123. Abt. Raulsdorf. Pünktlich 8 Uhr in der Schule Adolfstr. 26 Frauenabend. Bortrag der Genoffin Gerda Beer: Die Bedeutung der politi= fchen Organisation der Frauen". * 107. Abt. At- Glienice. Mittwoch, den 8. Oktober, 7% Uhr, Mitgliederver. fammlung im Lokal Rum Wasserturm". Die Bezirksführer laden ein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 101. Abt. Treptow. Der Schupobeamte Genoffe Sommer ist verstorben. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. dat Vorträg Achtung, Parteivertreter! Die Generalversammlung des Bereins Soziali. fische Arbeiter- Jugend Groß- Berlins ist vom Sonntag, den 26. Oktober, auf Sonntag, den 2. November, verschoben worden. * 2. Areis Tiergarten. Montag, ben 6. Oftober, 7½ Uhr, bei Krüger, ButTigftr. 10, erweiterte Kreisvorstandssigung. 3. Kreis Webbing. Dienstag, den 7. Ottober, 7 Uhr, bei Müller, Uferstr. 12, Sigung der Beitungstommission. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Freitag, ben 10. Oktober, 8 Uhr, bei Burg, Prenzlauer Allee 189, Cigung der Abteilungsmietervertreter und deren Stellvertreter der Abteilungen 24 bis 31. Alle Stadt- und Bezirksverordneten, soweit fie im Wohnungswesen tätig sind, müssen erscheinen. 9. Kreis Bilmersdorf. Dienstag, den 7. Oktober, 8 Uhr, Gigung des engeren Rreisvorstandes bei Rroiß. Holsteinische Str. 60. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. 1. Kreisabend Montag, den 6. Oktober, 8 Uhr, bei Will, Martin- Luther- Str. 69. Bortrag des Genossen Bittor Engelhardt: Wirtschaft und Geschichte". Dienstag, den 7. Oktober, 8 Uhr, Sigung der Zeitungskommission an bekannter Stelle. Alle Abteilungen müffen vertreten fein. 14. Kreis Rentölln. Montag, den 6. Oktober, 7 Uhr, Kreisfunktionärverfammlung in der Aula der Knabenmittelschule Donauftr. 120. Bortrag des Genoffen Lüdemann, M. d. L.: Die Politik der Partei". 16. Kreis Röpenid. Montag, den 6. Oftober, 7 Uhr, Areisvorstandssigung im Jugendheim Röpenid, Grünauer Ste. 5. 17. Kreis Lichtenberg Montag, ben 6. Oftober, 6% Uhr, im Arbeitsamt, Schreiberhauer Straße, Rreisvorstandssigung. 7% Uhr Kreisfunktionär. tonferenz ebenbort. Bortvag der Genoffin Runert:„ Die Frauenwerbe woche". Die gesamten Funktionäre des Kreifes haben zu erscheinen. 18. Kreis Montag, den 6. Oktober, 7% Uhr, bei Galas, Borstandsfigung. Erscheinen unbedingt notwendig. 19. Kreis Bankow. Montag, den 6. Oktober, 7 Uhr, bei Bater, Mühlen. ftraße 12, erweiterte Kreisvorstandsfkung mit den Abteilungsführern, Gruppenführern and Raffierern. Heute, Sonntag, den 5. Oktober: 18., 19., 26. bt. Die Genoffen beteiligen sich an der Schufentlaffungsfeier der Arbeiterjugend im Leffing- Gymnasium, Bankste. 19( nicht Schiller Gymnasium). Beginn 7 Uhr. Eintritt 30 f. Morgen, Montag, den 6. Oktober: le 97 4. Abt. Die Funktionärtonferenz fällt ants und findet Mittwoch 1 Stunde vor Beginn der Bersammlung fiatt. 9. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Hübner, Wilsnader Str. 34. e Bezirksführer müssen anwesend fein, besgleichen die Jugend- und Bilbungsvertreter. 17. 6t. 7 Uhr Funktionärkonferens bei Dofe, Norbhafen 6. Die Bezirks führer müffen erscheinen. 18. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferens bei Müller, Uferste. 12. 19. Abt. 7 Uhr bei Schrepel, Grünthaler Str. 13, Funktionärsizung. 20. Abt. 7 Uhr Funktionärionferenz bei Pofe, Roloniestr. 15. 21. Abt. 7% Uhr Borstandsfigung bei Möuner, Annenstr. 12. Funktionär verfammlung 6% Uhr. Abt. 8 Uhr Sigung der Bezirksführer mit dem Abteilungsvorstand bei Radzan. 23. Abt. 74 Uhr bei Grunwald Funktionärftgung. 24. bt. 7% Uhr Funktionärsigung bei Winzer, Chriffburger, Ede Binstraße. 27. Abt. 7% Uhr Sigung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Lenber, Ropenhagener Str. 37. 38. Abt. 7 Uhr bei Busch, Tilsiter Str. 2, Funktionärkonferens. Wichtige Tagesordnung. 39. 6. 72 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Linbente. 3, Funktionär fizung und Abrechnung. 2. Abt. 7% Uhr Funktiondekonferenz bei Biersdorf, Urbanftr. 6. Die DbTeute fämtlicher Rommiffionen müssen zur Stelle fein. 43. Abt. 6 Uhr Sihung der Ordner bei Frankenhauser, Jahnstr. 15. 7% Whe Gigung der Bezirtsführer ebenda. Sämtliche Ordner und Bezirksführer miffen erscheinen. 44. bt. 7 Uhr bei Nagel, Manteuffelstr. 45, Gigung der Funktionäre, Betriebsvertrauensleute, Rommunalen Rommiffion und Ordner. Wichtige Tagesordnung. Die Bezirksführer laden durch Handzettel zur Mitglieder versammlung ein. Bortrag des Genoffen Dr. Karsen: Die Kulturbewe. gung des Sozialismus". 45. Abt. 7 Uhr bei Minnig, Baufiger Str. 46, Funktionärkonferens. Mitt moch Zahlabend in den bekannten Solalen. bt. 7 Uhr bei Eichholz, Cuornftr. 123, Funktiondefizung. 47. Abt. Die Funktionärtonferena findet nicht statt. Die Genoffen treffen Borbereitungen zu den Werbezahlabenden in den brei bekannten Lotalen. Charlottenburg. 51. Abt. 8 Uhr Funktionärversammlung bei Lehmann, Rönigs weg 8. Sigung des Abteilungsvorstandes 1 Stunde früher. 7½ Uhr Funktionärversammlung bei Liersch, Kantstr. 62. Sunglozialisten. Arbeitsgemeinschaft Engelhardt fällt Montag ans. Abend 20. Ottober. 56. Abt. Rächfter Frauenveranstaltungen am Montag, den 6. Oktober: 74. Abt. Rehlendorf. 8 Uhr bei Schnorre, Berliner Straße, Vortrag des Ge noffen Soepner: Jugend und Sozialismus". Männliche Parteigenoffen und Jugendliche sind willkommen. 81. Abt. Friebenan. 8 Uhr an bekannter Stelle Vortrag bes Genossen Dr. Sobann: Englische Reifeeindrilde". Die Genoffinnen der 80. Abt. ftud befonders eingeladen. 84. Abt. Lankwig. 8 Uhr bei Sanber, Charlottente. 34, Beseabend. 128./130. bt. Bantow. 7% Uhr bei Meß, Lindenpromenade, Ede Berliner Straße, Bortrag des Genoffen Maß: Erziehungsfragen". Uebermorgen, Dienstag, den 7. Oktober: 6. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferens bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. 8. bt. The Funktionärsihung bei Mener( Bärensprung), Lügowftr. 7. 11. t. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Ranser, Goglowstyftr. 28. 16. Abt. 7 Uhr bei Döhling, Brunnenste. 79, Funktionärsigung. 28. Abt. 7 Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Bezirksführersigung. 32. Abt 7 Uhr wichtige Funktionär und Funktionärinnenkonferenz bei Wiehle, Rönigsberger Str. 5. Die Bezirksführer laden ein. 74. Abt. Rehlendorf. 8 Uhr bei Midley, Borstands- und Funktionärsihung. Die gesamte politische Sage macht das Erscheinen sämtlicher Funktionäre dringend erforderlich. 89. Abt. Neukölln. 7% Uhr bei Stahl, Sanderstr. 11, Borflands- und Funktionärigung. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. 7½ Uhr im Jugendheim Geebad, Resibenafte. 49, Funktionärligung. Die Bezirksführer laden ihre Funktionäre hierzu ein. Mittwoch, den 8. Oktober, in den bekannten Lokalen Bezirksabende. Die Bezirksführer laden durch Handgettel ein. Junasozialisten und Arbeiterjugend bes 17. Rreifes Lichtenberg. Beteiligung an ber pazififtifchen Friebenstundgebung in ber Stadthalle, Alofterstraße. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsburg, Eingang Sonntagstraße. Radhaligler 7 Uhr Stralauer, Ede Klosterstraße. Jungsozialisten. 7 Uhr Beteiligung an er Jugendtundgebung für den Frie. den in der Stadthalle, Klosterftraße. Die Kreisvertretersigung hat die Beteiligung an der Kundgebung empfohlen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. and Versammlunge Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Ramerabschaft Friebrichshain: Am Montag fällt die Vorstandsfigung aus. Antreten der Ramerabschaft Montag um 5.45 Uhr Schlesischen Bahnhof, Eingang Fruchtstraße. 1 M. Fahrgeld, vorschriftsmäßiger Anzug. Kamerabschaft Bankow: Am Montag, den 6. Ottober, abends 8 Uhr, Turnen der Jugend in der bekannten Turnhalle Wollantstraße. Arbeiter- Rabio- Klub, Gruppe Westen. Montag, den 6. Oktober, abends 7% Uhr, bei Rohr, Raiferallee, Mitgliederversammlung. Gäste willkommen. Bezirksverband der Kleingartenvereine Köpenid und Umgegend. Werbeversammlung in Röpenid am Sonntag, den 5. Oktober, vormittags 9% Uhr, im Raiserhof, großer Gaal. Thema: Der Kleingarten, eine Wirtschafts- und Kulturnotwendigkeit". Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Bezirk Bedding. Mitgliederversammlung Montag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, im Restaurant Hochheim, Pantstr. 82. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 5. Oktober. 4.30-6.25 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 1. Menuett, Paderewski. 2. Ouvertüre zu der Oper.Der Freischütz", C. M. v. Weber. 3. Unvollendete Sinfonie H- Moll, Schubert. 4. a) Liebesfreud', Kreisler. b) Liebesleid, Kreisler. 5. Ungarische Tänze I und II, Brahms. 6. Schumann- Album, Fantasie, Schreiner. 7. Wiener Bonbons, Walzer, Johann Strauß. 8. Seid einig! Marschpotpourri, Morena. 9. Frühlingseinzug, Marsch, Fr. v. Blon. Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 6.30 Uhr abends: Die Funkprinzessin erzählt: Alte Märchen vom deutschen Rhein 1. Rheingold. 2. Loreley. Die Funkprinzessin: Adele Proesler. 7.10 Uhr abends: Vortrag des Herrn Leopold Schmidt über Pianisten als schaffende Musiker". Am Flügel: Georg Liebling. 8.30-10 Uhr abends: Deutsche Volksoper. 1. Ouvertüre zu der Oper, Der Wildschütz", Lortzing. 2. Fantasie aus der Oper Die lustigen Weiber", Nicolai. 3. Arie aus der Oper Der Waffenschmied, Lortzing. 4. Fantasie aus der Oper „ Martha", Flotow. 5. Romanze des Kühleborn:„ Es wohnt am Seegestade", aus der Oper„ Undine", Lortzing( Hans Hermann Nissen von der Großen Volksoper). 6. Ouvertüre zu dem Singspiel Peter Schmoll", Weber. 7. Arie aus der Oper Zar und Zimmermann":" Einst spielt ich, Lortzing( Hans Hermann Nissen von der Großen Volksoper). 8. Fantasie aus der Oper „ Preziosa", Weber( Berliner Funkkapelle). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. Die Uebertragung an der Staatso per: Die Zauberflöte" findet am Mittwoch, den 8. Oktober, statt. Königswusterhausen, Sonntag, den 5. Oktober. 10.40-11.40 Uhr vormittags auf Welle 680 m. Mitwirkende: Konzertsängerin Hela Reinholz( Alt), am Steinway- Flügel: Kapellmeister C. H. Blum, Mohrsches Konservatorium Berlin, KorbanekTrio( Lotte Tuch, Flügel, Max Korbanek, Violine, Paul Wohlgezogen, Cello, vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg). 1. Trio B- dur, Beethoven( Allegro con brio Adagio Thema oon variat). 2. Zwei Lieder für Alt: a) An die Musik, b) Aufenthalt, Schubert. 3. Adagio aus der Cellosonate A- dur, Boccherini( Cellosolo). 4. Zwei Lieder für Alt: a) Sapphische Ode, b) Der Tod, das ist die kühle Nacht, Brahms. 5. Air auf der G- Saite, J. S. Bach. 6. Drei deutsche Tänze, Mozart. 7. Du mein alter Stephansturm, Kreisler. 11.50-12.50 Uhr mittags auf Welle 2800 m: 1. Trio A- dur, Haydn( Allegro moderato Andante Allegro). 2. Zwei Lieder für Alt: a) Traum durch die Dämmerung, b) Ach Lieb, ich muß nun scheiden, R. Strauß. 3. Scherzo, D. v. Goens( Cellosolo). 4. Zwei Lieder für Alt: a) Die Ehre Gottes, Beethoven, b) Die Post, Schubert. 5. a) Liebesleid, b) Andantino( v. Martino), c) Rondino über ein Thema von Beethoven, Kreisler, Montag, den 6. Oktober. Tageseinteilung. 10 Uhr vorm.: Bericht über die Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel in der Zentralmarkthalle. 10.15 Uhr vorm.: Erste Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. 11.35 Uhr vorm.: Funkbörse( Die Notierungen der Berliner und Hamburger Produktenvorbörse). 12.15 Uhr nachm: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Vorbörse( nur Montag bis Freitag). 12.55 Uhr nachm.: Uebermittlung des Zeitzeichens. 1.05 Uhr nachm.: Zweite Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Wetterdienst. 2.15 Uhr nachm.: Kurzer Tendenzbericht der Berliner Börse( nur Montag bis Freitag). 8 Uhr nachm.: Funkbörse( Die amtlichen Notierungen der Berliner und Hamburger Produkten- und Viehböise; amtliche Devisen). 4 Uhr nachm.: Funkbörse( Getreide cif. Hamburg; Berliner Kolonialwaren- Großhandelspreise). 4.30-6.30 Uhr nachm.: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). Während der Pausen:„ Ratschläge fürs Haus". 7 Uhr abends: Sprachunterricht( Englisch). 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Sanitätsrats Dr. Frank: Gute Luft in Arbeisräumen". 8.30 bis 10 Uhr abends: IV. Sonderveranstaltung der Funkstunde. Anna Scheffler- Schorr von der Berliner Staatsoper, Kammersänger Fritz Soot von der Berliner Staatsoper. 1. Adagio aus der E- Dur- Sonate, Bach, Rudolf Deman, Konzertmeister von der Berliner Staatsoper ( Violine). 2. a) Talismane, b) Frühlingsfahrt, c) Die beiden Grenadiere, d) An den Sonnenschein. e) Der Hidalgo, Schumann ( Kammersänger Fritz Soot von der Berliner Staatsoper). 3. a) Moment musical F- Moll, Schubert, b) Melodie, Rubinstein( Fritz Sieger kehre heim", aus der Oper„ Aida", Verdi( Anna SchefflerWenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 4. Arie Als Schor von der Berliner Staatsoper). 5. Zigeunerweisen, Sarasate ( Rudolf Deman, Konzertmeister von der Berliner Staatsoper). 6. Fantasie aus Maritana", Wallace( Fritz Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 7. Duett aus der Oper Aida", Verdi ( Anna Scheffler- Schorr und Kammersänger Fritz Soot). Am Steinway- Flügel: Kapellmeister Otto Urack). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 2 Arbeitersport. Ringfampf- Lehrgang! Am Dienstag, den 7. Oftober, beginnt die Sportliche Bereini gung Norbo ft 06 in ihrer Sporthalle Christburger Str. 7 mit einem neuen Lehrgang im griechisch- römischen Ringen regelmäßig Dienstags und Freitags von 8-10 Uhr. Die Leitung liegt in den Händen der bekannten hervorragenden Ringtampftechniker der Bereinigung techt und Richter. Als Trainer ist außerdem der ehemalige Profeffionalmeister. fchaftsringer von Norddeutschland Neinhold Petitjean verpflichtet worden. Zwei Ringmatten und eine Spezialkampfmatte( 612X6% Meter, 18 Zentimeter start) bieten reichlichst Gelegenheit sur ringsportlichen Betäti gung. Eine besondere Rurfusgebühr wird nicht erhoben. Es bietet sich also hier während der Wintersaison für Jugendliche und Erwachsene, ins befondere für solche, die Ringen nur als Ergänzungssport betreiben wollen, wie Schwimmer, Leichtathleten ufm., eine günstige Gelegenheit zu einem intensiven, durchgreifenden Hallentraining. Es wird Arbeiter- Sport- und Kulturkartell 6. Bezirk( Kreuzberg). Montag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokal Jhlenburg, Laufiher Plaz 1.( Ede Waldemarstraße), Gigung. Tagesordnung u. a.: Brotokoll der Gigung vom 1. Sepfchuß für Jugendpflege im 6. Bezirk: Bezirkstartellangelegenheiten. tember; Staffenangelegenheiten; Bericht der lezten G.- A.- Sigung; Ortsaus. Der Vorstand des Bezirkslartells trifft fich zu einer Besprechung bereits um 7 Uhr abends. Folgende Vereine und Abteilungen, die bei der legten Gigung fehlten, haben unbedingt ihre Vertreter zu entfenden: Arbeiter- RadfahrerBund Solidarität", 2. und 3. Abt.; Fichte 7. Männerabt.; F.-C. Bittoria, Abt. Kreuzberg; Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bez. Süden und Südost; Athletik- Sport- Club; Berliner Schwimm- Union 1913; Artisten- Berein Südoft 94"; Arbeiter- Sport- Bereinigung Sildweft"; Arbeiter- Manbolinen- Berein ,, Glild auf"; Arbeiter- Theater- Bund; Arbeiter- Abstinenten- Bund. wirklich Reit, daß diefelben ebenfalls ihren Verpflichtungen nachkommen und fich an der Rartellarbeit beteiligen! Sämtliche Bereine und Abteilungen des Bezirks, die dies noch nicht getan haben, werden nochmals aufgefordert, ihre genauen Adressen( Anschriften und Tagungsorte) fowie Mitgliederzahlen ( männlich, weiblich bis 14 Jahre, 14-17 Jahre, über 17 Jahre) umgehend einzusenden; ftändige Kartellbelegierte zu bestimmen und dieselben mit inent entsprechenden Ausweis( Stempel und Unterschrift des Borfizenden) zu verfeben. Reftierende Bezirkskartellbeiträge für das 3. Quartal 1924( Juli bis September), bie für jebes Mitglied über 14 Jahre der dem 6. Bezirk angehörenden Bereine und Abteilungen zwei Pfennig betragen, find bis spätestens ftraße 25, linter Seitenflügel part., au entrichten. 3. A.: Erich Meriau, 6. Ottober an den Raffierer, Sportgenoffen Riftnet, GB. 29, GneisenauBorligender bes Bezirkslartells, Berlin 60. 33, Cuornftr. 3, v. 3 Tr.( Für fämtliche Anschriften.) M Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 4. Oftober. 1. Rennen. 1. Chartreuse II( Dertel), 2 Solo( Hartmannshof), 3. Lachsalve( Duade). Toto: 20:10. Plag: 11, 17, 24: 10. Ferner liefen: Fichte, Diestel N., Heliade, Maitrant. 2. Rennen. 1. Ifelberg( v. Edertsberg), 2. Münze( Hoffmann), Sham Dich gef. 3. Giger!( v. Borle). Zoto: 15: 10. Plaz: 11, 14: 10. Ferner lief: 3. Rennen. 1. Wollenschieber( Dertel), 2. Duelingmphe( Mesa), liefen: Paris, Baltüre, Mailäfer, Ma Berthé, Siege. 3. Herbststurm( Duade). Toto: 39: 10. Play: 20, 17, 21: 10. Ferner ( n. Edertsberg). Toto: 142: 10. Blag: 30, 24, 34: 10. Ferner Hesen: 4. Rennen. 1. Narr( Rutulies), 2. Stolberg( Stolpe), 3. Tüchtig Eichwald, Herzog, Rotborn, Abenteurer, Halma, Lämmergeier. ( r. Walter). Toto: 35: 10. Blag: 23, 21: 10. Ferner liefen: Setten, 5. Rennen. 1. Ristil( v. Bachmahr), 2. Roderich( b. Borke), 3. Berta effina. 6. Rennen. 1. Dobrun( Walter Heuer), 2. Erzhalunke( Wurst), 3. Mitterturzer( Dertel). Toto: 63: 10. Blas: 14, 18, 18: 10. Ferner liefen: Immerweiß, Rahel, Prinz Karneval, Octavio. 7. Rennen. 1. Mäuseturm( Dertel), 2. Lall ausgebr.( Rutulies) Toto: 14: 10. Geschäftliche Mitteilungen. do Die Firma Teppich- Bursch, Spanbauer Str. 32, veranstaltet in dieser Woche einen Sonderverkauf von Qualitätsteppichen au außerordentlich billigen Preisen. Näheres ist aus dem heutigen Inserat ersichtlich. Das feit 30 Jahren bestehende Damenmäntel- Engros- und Exportgeschäft 2. Moscan, Landsberger Str. 59, am Aleganderplag, eine Treppe, hat in feinen Artikeln Winterulster, Affenhautmäntel, Plüsch- und Krimmermäntel einen großen Preisabbau vorgenommen, um dem Publikum noch einmal Gelegenheit au gilnstigem Einkauf zu geben. Es empfiehlt sich, von diesent Angebot rechtzeitig Gebrauch zu machen, da durch Anziehen der Preise für Roh materialien dieser Preisabbau nur turze Zeit währt. Billige Textilwoche im Raufhans Wilhelm Jofeph. Das heutige Inferat der Firma Wilhelm Jofeph in Schöneberg soll bem werten Bublifum wieber das Geschäftsprinzip der Firma qute Ware, billige Breife, große Auswahl vor Augen führen. Es bietet fich jebem Käufer während der Textilwoche Gelegenheit, feinen Serbstbedarf zu decken. Das Raufhaus Wilhelm Joseph in Schöneberg gewährt bei Borzeigen dieser Zeitung 5 Broz. Rabatt. Berliner Städtische Elektrizitätswerte, A.-G. Unseren Abnehmern zur gefl. Renntnis, daß wir unter Beibehaltung der bisherigen Bählergebühr den Breis für die Kilowattstunde von 18 auf 16 Bf. herabgefegt haben. Der neue aufnahme entnommen wird. Siehe Inserat. Preis gilt für den Strom, der nach der im Oktober erfolgten 8ählerstandBriefkasten der Redaktion. Die Juristische Sprechstunde findet vom Montag, ben 6. b, M., bis einschließ. lich den 18. b. M. täglich von 4-6 Uhr, Sonnabends jeboch wie bisher von 3-5 Uhr statt. Bt. 99. 1. 25. 2. 38 9. 3. 33 m. 6. R. 100. Shre Frage tann fie die Bezahlung vor, bann hat das Mitglied auch Anspruch barauf. 3ft mute an Sand der Sagungen der Krankentaffe beantwortet werben. Gehen das nicht der Fall, fo muß das Mitglied die Rosten der ärztlichen Behand Iung tragen. Kraft. Nicht unterhaltspflichtig dürfte der zweite und vierte Bruder sein. Soweit es fich aber um Erfazansprüche eines Fileforgeverbandes handelt, dürften auch fie zum Erfaz feiner Aufwendungen verpflichtet sein, D. 456. Nein. Sie tönnen nur Rlage gegen den Hauswirt erheben. Wetter für Berlin und Umgegend. Früh nebelig, sonst troden und meist beiter, am Tage ziemlich warm. hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Togal Rheuma, Nerven und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Selinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 74,3% Acid, acet. salic., 0,46% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum. WAS, Z.R.III" UNTER DEN LUFTSCHIFFEN IST, es Я 171-119HoM IST SALAMANDER" UNTER DEN SCHUHEN!! 75 Bei eleganter Form und guter Ausstattung für lange Reisen und Strapazen nach lang jähriger Erfahrung aleato das Beste. * ss0dbmsH AFB 20 تأحلل SALAMANDER MARKE SALAN INDE WIRTSCHAFTS- WOCHE Vom 6. bis 11. Oktobers Großer Verkauf von Wirtschafts- Artikeln Vorführung hauswirtschaftlicher Maschinen Eisenwaren • 2 Loch Bolzenplätten pottert 325 340 Bolzenplättenvernickelt 425 440 ..1M bis 160 Anlegeeisen. 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Der Kommunist Schwent fragt den Minister, ob sein Minifterium das Verfahren mancher Stadtparlamente billige, wonach Rommunisten jogar während der ganzen Dauer ihrer Wahlperiode von den Sigungen ausgeschlossen werden. B Der Demotrat Jansen- Solingen bezeichnet die Angriffe des deutschnationalen Abgeordneten Regenborn gegen den Innenminister als hohl und böswillig". Es sei ein dürftiges Material, daß Herr Regenborn aus einem Zeitraum von vier Jahren zusammengefucht habe. Die Deutschnationalen täten besser daran, si einmal um die Standale in ihren eigenen Reihen zu fümmern, z. B. um den Standal bei der oftpreußischen Provinziallandesbank. Gegen einen der Direttoren schwebt ein Disziplinarverfahren, der andere hat sich erschossen; infolge zweifelhafter Wechselgeschäfte sind zwei Millionen Goldmart verlorengegangen. Nachdem der demokratische Redner auf das Schnedentempo in der Demokratisierung der Verwaltung hingewiesen hatte, betonte er gegenüber dem Führer der deutschen Boltspartei, Herrn von Campe, daß seine Stellungnahme zur Berfaffung von einer gewissen Müdigkeit, wenn nicht Verbroffenheit zeuge. Die Deutsche Boltspartei entwidle fich in der legten Zeit, zumal im Reiche, immer mehr nach rechts. So tomme man aber in Ber großen Koalition nicht weiter. Zum Schluß begrüßt der demofratische Redner das Wachstum des Reichsbanners Schwarz- RotGod und erklärt gegenüber dem Innenminister: Wir haben zur Berfon und zur Politit bes Ministers Severing unbedingtes Bertrauem" Internationale Kautsky- Feier. Die Arbeiterinternationale feiert den Internationalen. Condon, Anfang Oktober.( Eigener Bericht.) Das Sekretariat der Arbeiter- Internationale hatte die aus Anlaß der Sechzigjahr feier der Ersten Internationale in London anwesenden Mitglieder der Exekutive nach einem feinen Restaurant des Westens zu einer der Exekutive nach einem Meinen Restaurant des Westens zu einer schlichten Feier des 70. Geburtstages von Karl Kautsty eingeladen. Hier, im Kreise der Vertreter von Millionen Arbeitern der ganzen Welt sollte dem Siebzigjährigen gesagt werden, was er der Arbeiterpartei bedeutet. In ihren Bertretern follte das Proletariat der Welt für ein aufopferungsvolles Leben der Arbeit und des Kampfes danken. Es war ein stolzer Aufmarsch der Namen von Männern, die in der Arbeiterbewegung einen guten Klang haben und die hier das Wort ergriffen. Otto Bels dantte Kautsky im Namen der deutschen Arbeiterschaft, der Kautsky den bis dahin ungehobenen Schaß der marxistischen Lehre permittelt habe; erst durch seine Arbeit der Popularisierung fei jene Brücke von dem Lebenswert Mary' zum geistigen Verständnis des Arbeiters selbst hergestellt worden und damit Marr für die Bewegung lebendig geworden. Im Namen des Parteivorstandes und als deffen Geburtstagsgeschent übergab er Rautsty das jüngste, Kautsky gewidmete Heft der von Hilferding herausgegebenen„ Gesellschaft", der Nachfolgerin der Neuen Zeit". Es sprachen hierauf Brade für Frankreich, Friedrich Adler für Deutschösterreich, der englische Arbeitsminister Tom Shaw für die englische Arbeiter partei, Soufop für die tschechischen, Ludwig Czech für die deutschen Sonntag, 5. Oktober 1924 jahrzehntelangen, oft erbittert und erbitternd geführten theoretischen Meinungskämpfe, in denen fich die beiden gegenübergeftanden haben, ein Ringen mit geistigen Waffen, das fo ungeheuer viel zur Klärung der sozialistischen Gedankenwelt beigetragen hat und von dem ein Rebner gesagt hatte, es würde im Bewußtsein kommender Generationen noch lebendig sein, went viele Ereignisse und Heroen längst tot sein werden. Es waren Worte der Freundschaft, die Bernstein sprach. Für Kautsky und ihn bekam das Wort, das Adler in einem anderen Zusammenhang zitiert hatte, besondere Be deutung, das Wort von dem Trennenden, das gering fei neben dem Ungeheuren, das sie verbindet. Als Bernstein geerdet hatte und die beiden Greise, deren Namen einer jungen, der dritten Generation längst ehrwürdig geworden find, fich umarmten und für wenige Sefunden umschlungen hielten mer hätte sich da dem Gefühl der Rührung entziehen können, wer sich ihm entziehen wollen? Es war das sichtbare Zeichen dafür, daß jener Rampf, den sie geführt haben, endgültig ausgefämpft ist, daß die Bewegung innerlich wieder geeint ist und daß jene, die heute noch, mit neuen Schlagworten, der alten Kampf weiterführen, einen Gespenstertampf toter Schemen führen, der in Wirk lichkeit längst beendet ist. Zuletzt sprach Karl Kautsky selbst, von der Stunde ver jüngt und von der Herzlichkeit und Liebe, die ihm dargebracht worden war, im tiefften bewegt. Gegenüber den Versuchen der verschiedenen Länder, ihn national als den ihren zu beanspruchen, wies er darauf hin, wie sich in ihm Blutströme vieler Nationen treffen, deutsche und tschechische, italienisches und südslawisches Blut, wie ihn nicht nur sein Blut, wie ihn auch sein Leben internatio nal gemacht habe. Nachdem er einige französische und einige englische Säße gesprochen hatte, fuhr Kautsky auf deutsch fort: In das schöne Gefühl dieser Feier mischt sich für mich die tiefe Bitterkeit, daß dem Schüler zufalle, was dem Lehrer versagt blieb, Anerkennung und Ehre. Karl Marg' 60. Geburtstag ist unbe merkt vorübergegangen... Die Erde aber, von der ich die Kraft zu diesem Werf geholt habe, das ist die Masse des Profetariats, in dessen Namen und zu dessen Nugen all dies getan und gedacht wurde. So tlang diese Feier aus. Der dies Wort gesprochen hatte aber ehrte sich selbst, indem er das Werk ungezählter Nachtwachen, un gezählter Stunden des Kampfes bescheiden denen zurückgab, in deren Namen und für die es geschaffen war: dem Proletariat. Weltkongreß für Sozialpolitik. Kongreßvotum für den Achtstundentag. Prag, 4. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der Internationale Rongreß für Sozialpolitit hat am Sonnabend folgenden Beschluß gefaßt: 1. Achtstundentag. In Erwägung, daß der Achtstundentag den Gesundheitszustand der Arbeitnehmer gehoben, ihr Familienleben günstig beeinflußt, ihnen größere Möglichkeit zu allgemeiner und beruflicher Ausbildung gewährt, das Gefühl ihres Eigenwertes bestärkt und ihnen so als Bürger und Produzenten erhöhte Bedeutung verliehen hat; in Erwägung, daß nachweislich der Achtstundentag weit entfernt ist, die Produktion automatisch zu vermin= bern, sie sogar zu steigern geeignet ist, besonders dort, wo sie mit einer methodischen Arbeitsorganisation und einer Vervollkommnung der Arbeitsmittel Hand in hand geht; in Erwägung, daß der soziale Wert des Achtstundentages ein so übermiegender ist, daß die Schwierigkeiten politischer, wirtschaftlicher oder finanzieller Natur es nicht zu rechtfertigen vermöchten, in einzelnen Ländern Maßregeln zu ergreifen, welche die Gefahr Genoffe Schubert meist darauf hin, daß der von Negenborn Sozialdemokraten der Tschechoslowakei und schließlich 3eretelli, mit fich brächten, daß die allgemeine Anwendung des Achtstundenangeführte Barbuffe- Fall in Greifswald nur durch den Krawall der Baterländischen Verbände und völlischen Studenten, die mit Stink bomben arbeiteten, geschaffen worden sei. Die von der Rechtspreffe gegen die Schußpolizei erhobenen Vorwürfe seien völlig un begründet. Die gerügten Mißstände an Kreisspartaffen müßten auf das Konto der Deutschnationalen geschrieben werden. Die Parallele, die der Abgeordnete von Campe zwischen dem Reichsbanner und den Baterländischen Berbänden gezogen habe, sei völlig deplaciert. Das Reichsbanner schüße und schirme die Republik, die Verfassung, die vaterländischen Verbände mobilisierten Butsche gegen die Republit. Auch Herr von Campe müsse wissen, daß die Völkischen in den vaberländischen Verbänden dominierten und daß der Führer der Bölkischen, Herr Dr. Dinter in Weimar die Reichsregierung, belanntlich des Hoch- und Landesverrats bezichtigt habe. Wenn Herr von Campe im Zusammenhang mit den vaterländischen Verbänden frage, wofür die Frontsoldaten während des Krieges in den Tod gegangen feien, so müsse man ihm doch sagen: Nicht für die Wiederherstellung der Junterherrschaft, sondern für ein freieres und sozialeres Deutschland.- Zum Schluß erinnerte Ge. noffe Schubert daran, daß die geradezu auffallend dürftige Kritik der Deutschynationalen gegen Severing die beste Rechtfertigung für das der Reaftion so verhaßte System Severing sei. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Seß, der in einer ausgezeich neten fartatistischen und humoristischen Rede die Deutschnationalen und besonders Herrn Regenborn mit feinen Fällen" bös nach Hause schickte, forderte, daß endlich der Weg zur religiösen und politischen Barität bei der Befehung der Beamtenstellen eingeschlagen werde. Im Kultusministerium sei nicht eine einzige leitende Stelle in der Hand eines Ratholiten. Wenn Außenseiter herangezogen werden müßten, so sei das lediglich die Schuld des alten Systems, dessen Fehler und Unberlassungsfünden wieder gut gemacht werden müßten. Gegenüber Dr. Negenborn, der behauptet hatte, es habe unter dem früheren Regime niemals einen betrunfenen Bandrat gegeben, führte Dr. Heß ein paar Proben aus den Schilderungen Eulenburgs über die himmelschreienden Bustände im alten System an. Wenn es heute hie und da einmal irgendwo an der äußeren Haltung fehlt,- unter dem alten System, so betonte Dr. Heß hat es unter den führenden Persönlichkeiten mehr an der inneren Haltung gefehlt. Was das Schlimmere iſt, weiß jedes Kind. Borgekommene Berfehlungen würden geahndet. In dieser Hinsicht tönne man aber dem Innenminister nicht das geringste vorwerfen. Bergeblich bemühte fich der deutschnationale Abg. Millberg ben Einbrud der Ausführungen Dr. Heß' abzuschwächen. Was er Dorbrachte, war nichts als eine Verbesserung der ohnehin schon faden Limonade seines Parteifreundes Negenborn. Und auch der deutschoolksparteifiche Abg. von Ennern, der von der Linken mit dem Zuruf" Borzellan" empfangen wurde, hielt eine Rede, deren Mattigkeit sich auf den Gefichtern seiner Parteifreunde wider. fpiegelte. Herr von Ennern, der Anwalt derer, die schon vor 1918 ihrer Karriere gemacht haben, meinte, die Zeit der Außenseiter, die Uebergangszeit, fei jetzt beinahe abgelaufen. Wenn die Sozial. demokratie über feinen fachlich vorgebildeten Nachwuchs verfüge, so liege das eben daran, daß die rechtsgerichtete Jugend mehr Opfergeist zeige und trop aller Entbehrungen und Schwierigkeiten Schulen und Hochschulen besuche.( Heiterkeit.) Nachdem dann der tommunistische Abgeordnete Kilian den Innenminister wieder einmal daran erinnert hatte, daß seine Uhr jekt bald abgelaufen sei, vertagte sich das Haus zur Weiterberatung auf Montag 12 Uhr. ein Führer des georgischen Proletariats, mit besonderer Eindringlichkeit und Wärme. Er verwies u. a. darauf, daß das Ermachen des georgischen Volkes zum Selbstbewußtsein, zur Politik mit dem theoretischen Wert von Kautsky in seinen tiefste Wurzeln verknüpft sei. Als dann der alte Eduard Bernstein, der an der Tafel zur Rechten Kautskys faß, fich erhob, der Mann, der wie Kautsky die ungeheure geistige Erbschaft Mary' und Engels ein Leben lang treu verwaltet hat, da bekam diese Feier ihren besonderen tieferen Sinn: Jeder der Anwesenden erinnerte sich an jene Volksgemeinschaft" Losnabbau Preissteigerung. wie sie sie auffaffen. Behnert tages aufgegeben und so soziale Kämpfe verursacht würden, fordert der Kongreß in der Ueberzeugung, daß die Aufrechterhaltung des Achtstundentages in allen Bändern am besten durch eine internationale vertragliche Bindung der Regierungen gewährleistet wird, die fofortige und vorbehaltlose Ratifitation des Washingtoner Uebereinkommens durch alle Staaten, die Mitglieder der internationalen Arbeitsorganisation find. Er fordert ferner die Einführung einer entsprechenden Gesetzgebung in den übrigen Staaten. Der Kongreß einpfiehlt, die Vorteile des Achtstundentages durch internationale Uebereinkünfte mit den nötigen Anpassungen auf alle Arbeiter zu erstrecken, nachdem Erhebungen über die besten Mittel zur Verwirklichung einer folchen Erweiterung ihres Geltungsbereiches angestellt worden sind. Ebenso verlangt er, daß durch ein internationales Abtommen die höchstzahl der Ueberstunden, der wöchentliche Ruhetag und die Urlaube für die Arbeiterschaft geregelt werden. In einer Entschließung über die Betriebsräte heißt es: Der Internationale Kongreß für Sozialpolitik hält es für zweckmäßig, die Arbeiter sowohl im Rahmen ihres Berufes als auch ihres Landes zur Mitarbeit an der methodischen Betriebsführung im Interesse einer Sebung der Produktion heranzuziehen. Er verlangt daher, daß in den Unternehmungen auf gesetzlichem Wege und unter Anpassung an die besonderen Verhältnisse der einzelnen Länder Vertretungen der Arbeiter und Angestellten geschaffen werden mit der Aufgabe, im Einvernehmen mit den Gewerkschaften über die Ausführung der Arbeitsverträge zu machen und an der Ausarbeitung und Einhaltung der Fabrifordnungen in allen Fragen mitzumirten, die sich insbesondere auf die Festsetzung der Ruhepausen, der Urlaube und der Ferien, auf die Einhaltung der Tarif Mindestlöhne, auf die Methoden der Lohnzahlung, auf Maßnahmen der Hygiene, der Unfallverhütung und Berufserkrankung, auf die technische Einrichtung und Verbesserung der Betriebe und auf die industrielle und technische Erziehung beziehen. Der Rongreß ist der Auffassung, daß neben der Schaffung dieser Einrichtung auch eine 3usammenarbeit der Gewerkschaften und Organisationen der Unternehmer in wichtigen Fragen der Sozial- und Wirtschaftspolitit gefördert werden soll. Dazu fönnten eigene Körperschaften unter Berücksichtigung der Betriebsräte gefchaffen werden, deren Aufbau. Zusammensetzung und Wirkungsfreis fich nach den besonderen Verhältnissen der einzelnen Länder richten müßte. Der Annahme dieser Resolutionen ging eine Debatte über die Betriebsräte voran. Das Referat erstattete der frühere deutschöfterreichische Staatskanzler Genoffe Dr. Karl Renner. Er faßte seine Forderungen in zehn Thesen zusammen. Schließlich entspann sich noch eine Debatte über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. . Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit. Prag, 4. Oftober.( Eca.) In der heutigen Sigung des internationalen Kongresses für Sozialpolitik besprach der Vorsitzende des französischen Verbandes zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, 2azard, das ständig Sich wiederholen der Wirtschaftskrise durch die immer wieder Arbeitslosigkeit hervorgerufen werde. Geheimrat Syrup Deutschland verwies darauf, daß in Deutsch land schon seit langen Jahren eine Erwerbslosenfürsorge befiehe, Scharfe Kritik übte ber Redner an der Verbreitung des Striegsgetfies, schepenheimer ertannt. Daher der Schmerz der„ Roten aus der sich eine Arbeitslosenversicherung entwickeln werbe. Neben wie sie vor allem von der evangelischen Kirche gepflegt wird. der Berufsberatung gebe es ein Arbeitsvermittlung. In Deutschband habe das Arbeitsnachweisgesetz eine glückliche RegeVarfung getroffen. Der Redner tritt ein für eine planmäßige Ausge: staltung der wirtschaftlichen und finanziellen Statistit. lezp- Belgien, Vorsitzender der Internationalen Association zur Be fämpfung der Arbeitslosigkeit, sprach über die wachsende Arbeitslosigkeit und Emigration und über die Maßnahmen zum Schuße der Emigranten. Reichsminister a. D. Giesberts Deutschland wandte sich gegen den Pessimismus, der den Arbeitern auf diesem Gebiete einen Erfolg abspricht; wenn bisher fich auch manche Mißstände ergeben hätten, dürfe man nicht übersehen, daß alle neuen Wege zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Pazifistischer Studentenkongreß. 9. und 10. Oktober in der Hochschule für Bolitik, Schinkel Im Anschluß an den Internationalen Friedenstongreß findet am plaz 6, ein Pazifistischer Studenten fongreß statt, der vom Deutschen Pazifistischen Studentenbund einberufen ist. Der Kongreß wird am Donnerstag, den 9. Oftober, 10% Uhr vormittags, eröffnet werden. Das Hauptreferat hält Dr. Paul Honigsheim, Privatdozent der Universität Köln und Direktor der Volkshochschule Köln, über Akademiker, Gegenwartstrife und Pazifismus". Am Nachmittag fpricht Rudolf Küstermeier Freiburg über Jugendbewegung 0 haben die Berliner Detallarbeiter bie fommunffti Fahne", wenn sie schreibt:„ Diese Tatsache( der fast einstimmige Beschluß bei der Verlängerung des Rahmentarifs) zeigt die ganzen positive Gewerkschaftsarbeit seitens des revolutionären Flügels des Mängel, die speziell bei den Metallarbeitern in Berlin in bezug auf Proletariats bestehen." Daß seitens des revolutionären Flügels in bezug auf positive Gewerkschaftsarbeit“ Mängel bestehen, stimmt. Da hat die Rote Fahne" in ihrer Einfalt einmal, unfreiwillig aller dings, die Wahrheit gesagt. Betriebsratswahl beim Magiftrat Berlin. in der sozialpolitischen Gärung und wirtschaftlichen 3er Konferenz der sozialdem. Beamten u. Lehrer Gr.- Berlins fprechender Beschluß ist auch in der letzten Blenarsizung des Gesamtlegung betreten worden seien. Die Arbeitslosigkeit sei die Folge der beispiellosen Anarchie auf dem Weltmarkte. Internationale Geschichtstagung Der letzte Tag. Der dritte und letzte Tag der internationalen Geschichtstagung galt der Unterrichtspragis. Der Engländer Frederik J. Gould machte über die„ Ethische Aufgabe des Geschichtsunter rights" folgende Ausführungen: Die Geschichte soll der Ursprung unserer Weltanschauung sein. Die Nationalgeschichte muß hinter die Bölker- und Menschheitsgeschichte und hinter die Sozial-, Wirtschaftsund Kulturgeschichte zurücktreten. Der Kämpfertrieb, der dem Menschen innewohnt, ist an sich nicht schlecht, aber er muß in die richtigen Bahnen gelentt und zum richtigen Ziele geführt werden. Ein wirksames Gegengewicht gegen den Krieg ist nicht die leere Antifriegspropaganda, sondern der Dienst an der Gemeinfchaft. Der gebotene geschichtliche Lehrstoff muß- natürlich mit einigen jeweils gebotenen lofalen Aenderungen für alle Bölfer im wesentlichen der gleiche sein. Biographien, Legenden und Sagen haben eine große sozialgeschichtliche Wichtigkeit. Oberster Erziehungsgrundlag muß der Gedante an das Morgen" sein. Gustav Klemm Dresden schilderte an anschaulichen Beispielen die kulturkundliche Methode des Geschichtsunterrichts. Nach seiner Auffassung soll Kulturkunde, die, ausgehend von bestimmten Elementarerscheinungen( Feuer) alle mit diesen Erscheinungen zusammenhängenden Gegenstände( Feuerstein, Streichholz, Herd, Ofen, Elektrizität) darstellt, die Grundlage des Geschichtsunterrichts bilden. Ihm trat der Lehrer Ernst HeywangGochsheim( Unterfranken) mit der Forderung entgegen, den Geschichtsunterricht als Menschenfunde zu betreiben. Er wies auf die Erziehungstendenz des Geschichtsunterrichts hin und verlangte einen staatsbürgerlichen Unterricht, der jedoch nicht in der in der Reichsverfassung vorgesehenen Staatsbürgerfunde gegeben werden fönne, da diese lediglich eine Art Katechismusuntericht sein könnte. Der von seinem Vorredner angedeutete fulturkundliche Unterricht sei abzulehnen, weil ihm Leben und Bewegung fehle und weil hier Kultur mit Zivilisation verwechselt werde. Unter Betonung seiner elsässischen Abstammung verlangte der Redner eine starke Betonung von Boltstum und Vaterland. Notwendig sei, im Kinder Liebe und Begeisterung zu erweden. Das fönne aber nicht durch Sachen oder Begriffe, sondern nur durch Menschen geschehen. Für die Geschichts darstellung müsse die erzählende Form gewählt werden. Deshalb tomme der Persönlichkeit des Lehrers eine hohe Bedeutung zu, und nicht das Wissen, sondern die Persönlichkeit des Lehrer mache die hauptsächliche Wirkung des Unterrichts aus. Die anschließende sehr lebhafte Distuffion erreichte ihren Gipfel in einer temperamentvollen Auseinandersetzung der Genossin Toni fülf mit dem letzten Redner. Frau Bfülf wendet sich gegen P die während der Tagung mehrfach ausgedrückte Geringschäzung des positiven Wissens und erklärt positives Wissen für absolut notwendig. Der Grundsatz einer Erziehung zum Deutschtum sei ebenso selbstverständlich und deshalb nichtssagend, wie etwa die Forderung an eine Lehrerin, die Mädchen zu Frauen zu erziehen. Der Erziehung zur Baterlandsliebe müsse ein Gegengewicht durch den vom Vaterlande zu gewährenden Schutz der Persönlichkeit gegenübergestellt werden. Damit stehe es heute aber vielfach noch sehr schlimm. Bei der Schilderung der Bedeutung des Baterlandes für den Menschen dürften auch nicht solche llebergriffe des Vaterlandes, wie beispielsweise der vor jährige Einmarsch in Sachsen, die politische Justiz u. a. m. verfchwiegen werden. In der Nachmittagstagung gab Rudolf Friedrich Hamburg einen längeren Ueberlic Aus der Praris der Hamburger Schulen". Otto Lade- Stettin sprach über das Thema„ Der Fremdsprachenunterricht und die Erziehung zu poltlichem und überooltlichem Fühlen und Wol. len". Er übte u. a. scharfe Kritik an den bisher üblichen ministe. riellen Lehrvorschriften für den fremdsprachlichen Unterricht und verlangte für die fremdsprachliche Schullektüre die Auswahl von Autoren, die zugleich charakteristisch und typisch für die Eigenart des be treffenden Boltes, aber auch übervoltlich in ihrer Gesinnung und geistigen Einstellung sind. Durch eine internationale Arbeitsgemeinschaft erfolge auch eine allgemeine Ausbreitung der Kultur. Es sei zu wünschen, daß die Ausamhl der zu lernenden Fremdsprachen mehr nach dem Gesichtspunkte der Erweiterung und Vertiefung der Weltfultur erfolge. Für die jüngste Beit gewinnen hier beispielsweise die skandinavischen Sprachen eine besonders hohe Bedeutung. Am Schlusse der Tagung hielt Siegfried Raw era u Berlin ein Referat über das Thema Weltbürger", Europäer, Deutscher", indem er die Zugehörigkeit zu einer großen Bölfergemeinschaft unter gleichzeitiger Bewahrung der Stammesart als erstrebenswert hinstellte. In den Bereinigten Staaten von Europa würden die einzelnen Länder etwa dieselbe Rolle spielen, wie heute die Provinzen eines Reiches. Uhr, Dienstag, den 7. Offober 1924, abends 7 im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 3. Tagesordnung: Bortrag d. Ministerpräsidenten a. D. Gen. Stelling über: Das Dawes- Gutachten und die Beamtenschaft. Mitgliedsbuch legitimiert! und Pazifismus". Abend 8 Uhr findet ebenfalls in der Hochschule für Politik ein Lichtbildervortrag über die zerstörten Gebiete in Frankreich statt. Wolfgang Medding wird eine Schilderung seiner Reiseeindrücke geben. Der zweite Tag ist den Diskussionen und organisatorischen Besprechungen gewidmet. Der Kongreß ist für jeder mann öffentlich. Teilnehmerfarten find auf dem Internatio. nalen Friedenfongreß oder auch bei der Tagung selbst erhältlich. Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Zum Speditionsarbeiterstreik. Die am Sonnabend vom Gewerberat Körner um 11 Uhr an beraumte Vorverhandlung hatte feinen Erfolg. Die Arbeitgeber waren zu irgendwelchen Zugeständnissen nicht zu bewegen. Dem Verlangen der Arbeitgeber, 6 Stunden Arbeitsleistung pro Woche ohne Entgelt sowie die Anerkennung einer 54stündigen Ar beitswoche konnte von den Arbeitnehmern selbstverständlich nicht gefolgt werden. Gewerberat Körner unternahm den Versuch, noch zu Sonnabend eine Schiedskommission zusammenzubringen. Auch dieser Versuch scheiterte an dem Widerstand der Arbeit geber, welche erflärten, ihrem Beisiger es nicht zumuten zu fönnen, unter Umständen einige Nachtstunden für die Beilegung der bestehenden Differenzen zu opfern. Es findet nunmehr heute, Sonntag, vormittag 10 Uhr, unter Vorsitz des Gewerberates Körner, eine Bergleichsperhandlung por einem zusammengesetzten Schiedsgericht statt. Daß die Differenzen im Speditionsgewerbe so schnell wie möglich beigelegt werden müssen, geht auch aus dem Umstande hervor, daß die Eisenbahnverwaltung die Güter nicht mehr bewältigen fann; sämtliche Böden sind derart ver stopft, daß die Eisenbahnverwaltung sich mit dem Gedanken trägt, 3wangsabrollungen vorzunehmen. Die Arbeitnehmer erklärten bei den Berhandlungen, daß sie unter Umständen auch bereit wären, den bisher bestandenen Mantelvertrag mit einer unwesentlichen Aenderung in der Urlaubsfrage zu verlängern. Diefer von den Arbeitnehmern gemachte Vorschlag bedeutete für die Arbeitgeber feine Verschlechterung, da anstatt Lage"" Arbeitstage bei der Urlaubsregelung gesetzt werden sollten. Auch das erklärten die Arbeitgeber nicht annehmen zu können. Es ist zu wünschen, daß es der heute tagenden Schiedskommission gelingt, die Differenzen zu erledigen. Versammlung um 6 Uhr im Gewerkschaftshause, großer Saal, zum Die Arbeitnehmer nehmen heute, Sonntag abend, in einer Ergebnis dieser Verhandlungen Stellung. Immer dümmer. Die Rote Fahne" druckt den von uns veröffentlichten Rahmentarif der Berliner Metallindustrie in ihrer Freitagnummer ab und knüpft daran einen längeren Kommentar, aus dem hervorgeht, daß man in der Gewerkschaftsredaktion des kommunistischen Blattes feinen blauen Dunst von gewerkschaftlichen Dingen hat. Die„ Rote Fahne" schreibt, daß mit der Verlängerung der Geltungsdauer des Rahmentarifs„ das Elend der niedrigen Löhne" um ein weiteres halbes Jahr verlängert werde und führt dann an, daß die tariflichen Stundenlöhne 38 bis 51 Pf. betragen. Die„ Rote Fahne" weiß also nicht, daß seit nahezu einem halben Jahr ein Lohntarif in der Berliner Metallindustrie nicht mehr besteht. Sie weiß ebenso wenig, daß der Rahmentarif die Arbeitszeit regelt. Das hindert sie allerdings nicht, gegen die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes in der bei ihr beliebten rüpelhaften Manier zu Felde zu ziehen. Noch im Januar haben die Berliner Metallarbeiter den Bersuch der Metallindustriellen, den Arbeitern einseitig die Löhne zu diftieren, abgewehrt. Aber damals zeigte es sich schon, daß die Betriebe, wo die Leute der" Roten Fahne" jeden Tag die Weltrevolution predigten, versagten. So fam es, daß die Funktionärverfammlung am 22. Mai beschloß, den Lohntarif nicht zu erneuern. Die Zersplitterungsarbeit der Kommunisten hatte ihre Früchte getragen. Was im Januar am Ausgang der fürchterlichen Inflation noch möglich par, tonnte im Mai nicht mehr durchgesetzt werden. Am Montag, den 6. Oftober 1924, vormittags 9 Uhr, finden die Wahlen zum Gesamtbetriebsrat der Betriebe und Berwaltungen beim Magistrat Berlin statt. Es war bisher üblich, für diese Körperschaft. eine einheitliche freigewerkschaftliche Liste aufzustellen. Ein entbetriebsrates gefaßt worden, und zwar einstimmig mit den Stimmen der Vertreter der KPD. Aber die Kommunistische Partei hielt es für notwendig, ihren Anhängern flarzumachen, daß fie eine eigene Liste aufzustellen haben. Die Münzstraße gab die Parole heraus, unter allen Umständen eine parteipolitische Liste einzureichen, nachy dem Grundsatz:„ Don Moskau nicht gute Gewerkschaftler, sondern gute Rommunisten!". Troßdem durch eine solche Tattit die ordnungs gemäße Vertretung der Bezirksämter und der großen städtischen Betriebe im Gfomtbetriebsrat zerschlagen wird, wurde entgegen den zur Vernunft mahnenden Stimmen der Kollegen von der SPD. die Parole der Münzstraße befolgt und eine kommunistische Liste aufgestellt. Abgesehen davon, daß die Kandidaten dieser Liste mit wenigen Ausnahmen bisher in der Betriebsrätebewegung und vor allem der parteipolitischen Bewegung so gut wie gar nicht bekannt find, dürfte auch die Frage aufzurollen sein, inwieweit bei der Wahl dieser Liste überhaupt noch die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen der Kollegen gegeben sein wird. Nach den Erfahrungen, die uns aus der Vergangenheit zur Verfügung stehen, dürften dann in erster Linie die Parolen Mostaus als die Richtlinien zur Behandlung der Arbeitnehmerfragen dienen. Wer dieses nicht will, wer den freigewerkschaftlichen Gedanken hochhält, wer dafür eintritt, daß die Betriebsrätebewegung der Gemeindearbeiter und Angestellten nicht zur Ohnmacht verurteilt wird, wer nicht will, daß das politische Phrasentum statt der praktischen Arbeit für die Gesamtkollegenschaft aller Gemeindearbeiter und Angestellten Platz greifen soll, der wähle morgen, Montag, vormittags 9 Uhr, die Liste I der SPD. Die Liste I beginnt mit den Namen Hermann Mielfe ( Arbeiter) und Otto Wolgast( Angestellter). Verhandlungen mit den französischen Beamten. Paris, 4. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend vormittag fand unter dem Vorsitz von Herriot eine Beratung über die Gehaltsforderungen der Beamten statt, an der u. a. der Finanzs minister und die beiden Vorsitzenden der Haushaltsausschüsse der Rammer und des Senats, Abg. Genosse Auriol und Senator Beranger, teilnahmen. Später wurden die beiden Führer der Beamtengewerkschaft, Charles Laurent und Neumeyer, zugezogen. Die Regierung hofft, zu einer Einigung mit den Beamtenbertretern zu gelangen. Die Schiffahrtsunternehmungen Argentiniens versuchen, die Macht der Seeleute- Organisation an brechen, indem sie sich weigern, gewerkschaftlich organisierte Seeleute sowie in der Schleppschiffahrt beschäftigtes organisiertes Personal anzubeuern. Als Gegenmaßnahme hat der argentinische Seeleuteverband, der der J. L. F. an geschlossen ist, den Streit erklärt. Die J. T. F. hat an die europäischen Verbände, die mit den in Betracht kommenden Unternehmungen in Berührung kommen, einen Aufruf um tatkräftige Unterstützung ergehen lassen. Achtung, SPD.- Gewerkschaftsfunktionäre! Zu der am Montag, den 6. Oktober, abds.7%, Uhr, in den Musikerfälen, Kaifer- Wilhelm- Straße 31, ftattfindenden Referenten3ufomentunft sind die leitenden sowie sonst rednerisch tätigen Genoffen miteingeladen. Parteiausweis mitbringen. Das Betriebsfettetariat Achtung, Osram, Sidingenstraße! Am Dienstag nachmittag 3% Uhr bei Brettschneider, Beusselstr. 37, Bersammlung aller SPD.- Genoffer. Sehr wichtige Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. Gleichgesinnte Rollegen tönnen mit eingeführt werden. Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD.- Funktionäre der Metallindustrie! Werbematerialbestellung für die Frauenwerbewoche muß umgehend erledigt werden. Bestellungen find zu machen beim Genoffen Holz, Dönhoff 5088, 9-5 Uhr. Der Fraktionsvorstand. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Filiale Berlin, Sebastianstr. 37-38. Serren- und Gummikonfektion: Für alle in der Herrentonfettion Beschäftigten am Donnerstag, den 9. Oftober, abends 7 Uhr, in den Musikerfälen, Raifer- Wilhelm- Str. 31( großer Saal), und für alle in der Gummi. tonfettion Beschäftigten am Freitag, den 10. Oktober, nachmittags 5% Uhr, in unseren Versammlungsräumen, Sebastianftr. 37-38, Sof part., Bersamm Tung. Tagesordnung in beiden Bersammlungen: Die Lohnpolitik der Arbeit. geberverbände und die Kündigung der Reichstarifverträge in der Herren- und Gummikonfektion." Referent Kollege Bloog. Das Erscheinen aller Rollegen wendig. und Kolleginnen, die in diesen Branchen beschäftigt find, ist unbedingt notDie Filialleitung. SPD.- Mitgliederversammlung des AEG.- Konzerns am Dienstag, den 7. Of tober, 6% Uhr, bei Krüger, Suffitenstr. 34. Referent Genosse Rahl vom Bor stand des Reichsbanners. Erscheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich. Zegtilarbeiter! Mitgliederversammlung am Freitag, den 10. Oktober, abends 7 Uhr, bei Nowotnid, Lange Str. 30. Tagesordnung: Raffenbericht und Vortrag. Das Verbandsbuch legitimiert. Branchenversammlung der Strider, Wirter, Safpler, Doder, Spuler und Zwirner am Mittwoch, den 15. Ottober, nachmittags 5% Uhr, bei Nowotnid, Lange Str. 30. Tagesord mung: Bericht von der Tarifverhandlung und Branchenangelegenheiten. Nur billig sein allein ist keine Kunst nur die Qualität ist entscheidend für die richtige Beurteilung eines Preises Damen Halbschuhe Damen Halbschuhe Herren Halbschuhe aus pr. echt Chevreaux u. 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Oktober 1924 fassung die einzig richtige ift ,, weil es von der Entfaltung der deutschen Warenausfuhr abhängt, ob die deutsche Industrie und damit der größte Teil des deutschen Veltes lebensfähig bleibt. Läge die von der Reichsregierung verfolgte Politik in dieser Richtung, so hätte sie kein Interesse daran, ihre Zollabsichten zu verschweigen ober hinter verschlossenen Türen verhandeln zu lassen. Die Gearbeitslos( im Vormonat 12,5 Proz.).. heimnisträmerei farn hier nur schaden Arbeitslosenstatistik der Fachverbände: Wenn auch die Entwicklung bei den verschiedenen Berbänden nicht gleichmäßig war, so hat im ganzen genommen die Arbeitslosigkeit unter der statistisch erfaßte Arbeiterschaft nicht mehr zuge 30. Auguft unter 3380 615 Mitgliedern 419 440 oder 12,4 Proz, nomme 11. In den 38 Ferichtenden Verbänden waren amt Bei der Borbereitung der deutschen Handelsvertragsverhandlungen kann der Reichsregierung der Vorwurf nicht erspart werben, daß sie diese für die fünftige Wirtschaftspolitik der breiten Deffentlichkeit bei der Behandlung der Zollfrage mit Aber auch nach einer anderen Richtung hin ist der Ausschluß des Reichs außerorbentlich wichtige Frage zu spät und unzulänglich in Angriff genommen hat. Weil sie mit dem großen Gefahren verknüpft. Sollen die Uebergangszölle mur vom Zolltarif von 1902 nicht auskommen zu können glaubte, verlangt Reichswirtschaftsrat und von einem kleinen Ausschuß begutachtet die Reichsregierung die Ermächtigung zur Abänderung der werden, so ist dem unkontrollierbaren Spiel der Industriezölle und zur Wiedereinführung der Agrarzölle. Die Ge- privaten Interessenten breitester Raum gegeben. Nur treibezölle hat man inzwischen noch nicht preisgegeben, obwohl die weiß man, daß die Zollpolitik in Deutschland von ihren ersten deutschen Getreidepreise in überstürzter Hast gestiegen sind, so daß Anfängen an ei Gegenseitigkeitsgeschäft gewesen ist. sie heute bereits weit über den zollgeschützten Borkriegspreiser So garantierten sich Industrie und Landwirtschaft gegenseitig die liegen. Nun sind die Agrarzolle für den Abschluß von Handels- Eisen- und Brotzölle. Den Schaden trug die Verarbeitungsinduverträgen heute nicht wichtig. Die großen Ueberseestaaten haben ſtrie, trugen die breiten Volksmassen, die bei besserer auch vor dem Kriege mit der einzigen Ausnahme Japans feinen Förderung der verarbeitenden Gewerbezweige mehr Beschäfti Tarifvertrag mit Deutschland gehabt und sie können heute um gungsmöglichkeit und höhere Löhne erwarten fonn so mehr darauf verzichten, als der Absatz ihres Getreides bei ten. Auch jetzt besteht die Gefahr, daß sich ein derartiges Spiel der er herrschenden Knappheit ohnehin sichergestellt ist. Die öft lichen Interessenten anbohnt. So bestehen in industriellen Kreiſen MeiStaaten hingegen hatten in den letzten Jahren feine oder doch nungsverschiedenheiten darüber, ob die Einfuhrkontingente nur geringe Ueterschüsse on Getreide. So sind also an der Fest- für lothringische Textilien aufrechterhalten werden fetzung der deutſchen Zölle für Nahrungsmittel ebenfalls nicht waren, zu der sie bisher durch den Friedensvertrag gezwungen follen. Die Regierung lehnt eine solche Bevorzugung effäffischer Wichtiger für den Abschluß von Vertragsverhandlungen find war, ab, weil daraus auch andere Staaten für sich Forderungen die Industriezölle, die meistens als Kompensationen benutzt auf Einfuhrbegünstigung herleiten könnten. Aerliche Meinungswerden, wenn Auslandsstaaten der deutschen Einfuhr Erleichte- Nun wurden in der letzten Zeit Nachrichten bekannt, wonach die verschiedenheiten bestehen in der Frage der Eisen einfuhr. verschiedenheiten bestehen in der Frage der Eiseneinfuhr. rungen gewähren sollen. Anstatt nun teizeiten für diesen Fall internationale Eisendustrie Verhandlungen über den Abschluß oorzuforgen, hat man erst in den letzten Monaten die Vorbereitungen für eine Neugestaltung des Bolltarifs getrof- eines internationalen Eisensyndifats geführt hat, an dem Dabei sind deutlich zwei Etappen zu unterscheiden. Der natürlich auch die deutsche Eisenindustrie beteiligt sein soll. Wer Bolltarif von 1902 ist in vielen Punkten cus sachlichen Gründen garantiert dafür, daß bei einer derartigen internationalen Ausrevisionsbedürftig, schon deshalb, weil die Warenfabrikation fich ſprache nicht die internationale Schwerindustrie sich gegenseitig verweiter entwickelt hat und weil ganz neue Warengattungen im pflichtet, bei den einzelnen Regierungen handelspolitische Forderungen anzumelden und auf die verschiedenen Parlamente einen Internationalen Handel heute eine Rolle spielen, die sie früher nicht Drud im Sinne ihrer Interessen auszuüben? Ein solches Priinne hatten. Ganze Produktionsgebiete, wie die Flugzeug- und vatgeschäft der verschiedenen Industriegruppen hai um so die Radioindustrie sind erst in den letzten Jahren neu erstanden größere Aussicht auf Erfolg, je mehr die Deffentlichkeit bei der und konnten infolgedessen im alter 3olltarif keinen Platz finden. Bollpolitik ausgeschaltet ist. Wir wissen nicht, ob sich derartige KonAuch die Gruppierung der Waren im alten Tarif hat sich als flifte schon jetzt ergeben haben, möglich sind sie in jedem unzureichend erwiesen. Infolgedessen bedarf es einer Umgestaltung des ganzen Zolltarifgesetzes und insbesondere des Warenver- alle und sie müssen verhindert werden, wenn überhaupt eine zeichnisses, das die einzelnen Gruppen und Zollsätze umfaßt, des einheitliche Wirtschaftspolitik des Reichs derkbar fein zeichnisses, das die einzelnen Gruppen und Zollfäße umfaßt, des foll. Das Bolk darf es nicht dulden, daß auf seinem Rüden vieljogenannten Tarifschemas. Gleichzeitig wird mit der Neu- leicht gerade von denjenigen Kreisen, die sich sonst furchtbar national jogenannten Tarifschemas. Gleichzeitig wird mit der Neugestaltung des Schemas die endgültige Festsetzung der Zölle ergebärden, internationale Geschäfte abgeschlossen werden, bei denen folgen. Die definitive 3ollregelung ist aber erst nody in Borbereitung und dürfte vielleicht erst im nächsten Jahre zur Beverlangen wir, daß endlich in der Behandlung der Zollvorlage die große Masse der Bevölkerung der leidtragende Teil ist. Darum ratung kommen. Um inzwischen einen Uebergangszustand zu schaf: diejenige Deffentlichkeit hergestellt wird, die eigentlich selbstverständjen, hat man in der sogenannten kleinen 30lltarifoor= lage Vorschläge dem Reichswirtschaftsrat unterbreitet, die eine lich wäre bei einem Volke, das Herr seines Geschickes ist. oorübergehende Neuregelung der Zollpolitik anstrebt. Diese für die llebergangszeit bestimmten Zollsäze sollen nicht durch Reichsgesetz mit Zustimmung des Reichstags festgelegt werden. Bielmehr beabsichtigt man, fie auf Grund der in der augenblicklich dem Reichstag vorliegenden Bollvorlage enthaltenen Ermächtigung auf dem Wege der vereinfachten Gesebgebung in Kraft 34 fegen. Der deutsche Arbeitsmarkt. L Dos Reichsarbeitsblatt veröffentlicht folgenden Gefamiüberblick über die Lage des deutschen Arbeitsmarktes im Auguft und Anfang September. Es heißt da: Ir der ungünstigen Entwicklung der lezten Monate hat der in August einen gewissen Stillstand gebracht; diefe Wendung ist Nicht nur aus innerpolitischen Gründen ist diese Verschleppung zwar in erster Linie auf die um tiefe Jahreszeit vermehrte Beschäf: einer endgültigen Zollregelung unerwünscht. Man könnte sich viel tigungsmöglichkeit in der Landwirtschaft zurückzuführen; vereinzelte leicht damit abfinden, wenn wenigstens die Uebergangszölle erst Anzeichen laffen aber auch auf anderen Gebieten der Wirtentſchaft eine allmählich einlegende Beſſerung erkennen. zeichen haben sich feit Anfang September vermehrt. Diese An nach ausreichender öffentlicher Kritif und durch das Plenum des Reichstags bestimmt würden. Statt dessen sollen gerade die für die Haridelsvertragsverhandlungen so wichtigen Zölle, sozusagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit fest gestellt werden. Die kleine Zollvorlage ist auf dem Wege über den Reichswirtschaftsrat teilweise befannt geworden, sie ist selbstverständlich zum größten Teil den Interessenten zur Kenntnis gelangt. Sogar die Auslandspreffe vermag über einige deutsche Zölle zu berichten. Nur die deutsche Deffentlichkeit tappt über die bisherige Zollpläne der Regierung noch vollkommen im dunkeln. Die Regierung hat erklärt, daß sie nur einen mäßigen Zollschutz anstrebe. Was aber unter mäßigem Zollschutz zu verstehen ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Die Abnahme im Mitgliederbestande der Kranfenfaffen hot im August so gut wie völlig aufgehört. Die 5400 berichtenden Stassen meldeten für den 1. August 11 964 960 versicherungspflichtige Mitglieder, für den 1. September 11 948 291; das bedeutet eine Abnahme um 16 669 oder 0,1 Proz. Der Bormonat hat bei 5419 Kaffen noch einer Rudgang um 214 702 oder 1,7 Proz. gezeigt. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose V Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50| Kakao, fettarm Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je 75,00-96,00 17,50-18,00 Kakao, leicht entölt 100,00-120,00 21,00-22,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt 400,00-470,00 20,60 21,75 Inlandszucker basis mel, 41,50- 43,00 22,00-24,00 Inlandszucker Raffinade 43,5025,00 26,75| Zucker Würfel 20,00-22.00 Kunsthonig 39,00-42,00 40,00-45,00 27,00-31,00 90,00 93,00 40,00Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1. Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Aus Polemiken interessierter Kreise weiß man zum Beispiel, daß die von der Regierung beabsichtigten Einfuhrzölle auf Automobile weit höher find als beispielsweise die englischen Mac Kenna- Zölle waren, die 33% Pro 3. des Einfuhrwertes betrugen. Auf anderen Gebieten wurden feine oder nur geringe Zolländerun gen vorgenommen. Jedenfalls zeigt dies Beispiel, wie wenig ter Begriff gemäßigter Zollschutz" feststeht und wie notwendig es wäre, sich darüber öffentlich auseinanderzusehen. Ein befonderes Interesse daran hat die Arbeiterschaft, der durch die gegen wärtige Behandlung der Zollfrage jede Kenntnis über das, was vor sich geht, planmäßig vorenthalten wird. Dabei hat gerade die Arbeiterschaft an der Gestaltung der fünftigen Wirtschafts- Schnittnudein, lose. politik das allergrößte Intereffe. Die öffentliche Behandlung der Zollregelung ist aber auch im Interesse der internationalen Handelspolitik er forderlich. Weldjen Schaden die Geheimnisträmerei schon angerichtet hat, erkennt man daran, daß England und Frankreich die 26prozentige Abgabe auf den Import deutscher Waren eingeführt haben und daß andere Länder fie gleichfalls beabsichtigen. Derartige Repressalien denn das sind in Wirklichkeit diese Sondersteuern, auch wenn sie der Reparationstasse zugute kommen wären wahrscheinlich unnötig, wenn sich Regierung und Parlament auf eine bestimmte Linie der Wirtschaftspolitik ge einigt hätten, ehe die Frage der Handelsverträge so brennend wurde. Nach außen hin kann die Wirtschaftspolitik, wie hier wiederholt betont worden ist, nur eine freihändlerische sein. Der Verein für Sozialpolitik hat kürzlich bestätigt, daß diese Auf23,00-28,00 Zuckersirup hell in Eim. 18,00 23,75 Speisesirup dunk. in Eim. 16,00-18,50 Marmelade Einfr. Erdb. 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 18,50 29,50 Steinsalz, in Säcken -31,00- 37,50 44,00-47,50 19 Aus der Kurzarbeitsstatist ŕ lagen im August Mei2,92 Millionen Mitgliedern 803 769 oder 27,5 Proz. mit verfürzter dungen von 32 Fachverbänden vor; nach diesen arbeiteten von Arbeitszeit( im Vormonat bei 33 Verbänden unter 2,95 Millioneer Mitgliedern 28,2 Proz.). Es hat somit auch die bisher rasche Aus. breitung der Kurzarbeit einem leichten Rückgang Platz gemacht. Nach der Statistik der Inanspruchnahme der Er werbslose unterstützung die im August noch angestiegen warwerbslosenfürsorge ist die Zahl der Empfänger von Erin der ersten Hälfte des September etwas gesunken.( Hierbei dürfte allerdings der Abgang an Unterstützungsempfängern, deren Unterstüßungsfrist abgelaufen war, auch eine Rolle spielen. Red. d.„ B." In dem gesamten Reichsgebiet wurden gezählt am 15. August 566 957, am 1. September 588 017, am 15. Septem ber 576 590 fog. Hauptunterstützungsempfänger, das bedeutet für die erste Septemberhälfte eine Besserung um rund 2 Proz des Monats August hat sich nahezu auf dem Stande des VorDie Inanspruchnahme der Arbeitsnachweise im Laufe monats gehalten. Die Zahl der offenen Stellen und der Stellenbesetzungen blieb fast unverändert. Die Zahl der Arbeit100 offene Stellen meldeten sich 435 Männer( im Vormonat 425) suchenden zeigt eine geringe Zunahme um 3,6 Proz. Auf bzw. 220 Frauen( 207). Im ganzen berechnet 356 Personen( 344). Bon 100 Arbeitsgefuchen konnten wie im Vormonat 23 vermittelt, Die Stichtagzählung, die den Stand der unerledigten Arvon je 100 offenen Stellen 82( im Vormonat 81) besetzt werden. hält, ergibt für den 16. September gegenüber dem Stande vom beitsgesuche und Stellenangebote um die Mitte des Monats feſt14. August zwar noch eine geringe Mehrung der Arbeitsgesuche, aber auch schon ein nicht unerhebliches Anwachsen bes Stellenangebots. Es wurden gezählt am 14. Auguſt 637 484 männliche und 143 501 weibliche Arbeitsuchende, am 16. September 645 392 bzw. 145 021. Offene Stellen waren vorhanden am 14. Auguft für Männer 9604, für Frauen 17308; am 16. September für Männer 14 440, für Frauen 20 784. Weitere Befferung am Berliner Arbeitsmarkt. Das Landesarbeit samt Berlin meldet: wirkt sich langsam in der Wirtschaft aus und beeinflußt in günſtiger Die letthin eingetretene Erleichterung der Kapitalbeschaffung Beise munmehr die Lage des Arbeitsmarktes. Die aufsteigende Linie in der Entwicklung des Arbeitsmarktes ift troh einiger Abweichungen unverkennbar. Dieses trifft insbesondere auch auf die zeitweilig gänzlich daniederliegenden und für die Handelswelt bemüht sich, Absatzgebiete zu gewinnen. Berlin wichtigen Industrien, wie Metall- und Holzindustrie, zu. Auch ganz vereinzelt erfolgen, deutet die starke Nachfrage nach Brovisions Während im allgemeinen hier Einstellungen von Angestellten nur vertrebern, Deforateuren und Lackschriftfchreibern auf eine starke Entfaltung der Berbetätigkeit und Reklame hin, die ihren Niederschlag auch in dem besseren Beschäftigungsgrad des Vervielfältigungsgewerbes finden. Dieser Aufschmung ist zum großen Teil auf erhöhte Aufträge der Drudreflame zurückzuführen. Wie in der Borwoche ist auch in der Berichtswoche ein Rüdgang der Arbeitsfofigfeit eingetreten, der seinen Ausdruck auch in nachstehenden Bahlen findet. Es waren 91 897 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen. gegen 95.171 der Borwoche. Darunter befanden sich 64 036( 66 122) männliche und 27 861( 29 049) weibliche Personen. Unterstützung bas zogen 29 074( 31 073) männliche und 5986( 6387) weibliche, insgesamt 35 060( 37 460) Personen. Die Zahl der zu gemeinnügigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 1723 gegen 1820 der Borwoche. nach Arbeitskräften, insbesondere für die Hackfruchternte. Die leichte Für die Landwirtschaft besteht weiterhin starte Nachfrage Besserung in der Metallindustrie schreitet fort. Der Mangel an Elektromonteuren, Bauflempnern und Heizungsrohrbagern hält an. Weibliche geübte Arbeitskräfte blieben gleichfalls gesucht. Auch namentlich nach Strickern und Strickerinnen, bemerkbar. Für Webeim Spinnstoffgewerbe macht sich eine stärkere Nachfrage, reien hat der Beschäftigungsgrad weiter nachgelaffen. Die 3ellstoff und Papierherstellung und-verarbeitung bietet beffere Beschäftigungsmöglichkeiten, insbesondere für weibliche Personen. Erhöhte Anforderungen liegen in der Lederindustrie und Industrie lederartiger Stoffe für Wagensattler und für Tapezierer vor. An weiblichen Kräften besteht nur vereinzelter Bedarf. Die Beschäftigungsverhältnisse im 5olz- und Schnigstoffgewer be befferten sich weiterhin. Im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe erhöhte fich die Aufnahmefähigkeit in der Tabakbranche für weibliche Perfenen. Im allgemeinen hat der Beschäftigungsgrad jedoch etwas nachgelassen. Dieses tritt insbesondere bei den Fleischern, Brauern und in der Schokoladenindustrie in die Erscheinung. Im Bekleidungsgewerbe blieben erste Kräfte für Herrentonfettion gesucht. Die Besserung für die Leichtkonfektion ind 3,700 Maßbranche schreitet fort. Auch für die Schuh- und Schäfteinduſtrie 4.40-5,00 fetzt wieder eine leichte Belebung ein. Im Baugewerbe ist weiter 5,205,80 ftarte Nachfrage nach Fachhandwerkern. 3,70-4,20 Langbohnen, handverles. 28,00-31,75 Pflaumenmus in Eimern 43,00Linsen, kleine Linsen, mitte! Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pllaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Cal. Pflaumen 40/50 37,50-39,50 Siedesalz in Säcken 17,75-19,50 43,00 Bratenschmalz in Tierces 38,00 39,00 Bratenschmalz in Kübeln 23,00-26,00 Purelard in Tierces 16,50-17,00 Purelard in Kisten 18,00-19,00 Speisetalg in Packung 23,25- 31,00 Speisetalg in Kübeln 31,75-38,00 Margarine, Handelsm. 85,00-90,00 desgl. II. 40,00-43,00 Margarine, Spezialm. I, 54,00-53,00 desgl. II. 89,00-90,50 89,00-91,00 85,00-87,50 87,00-89,50 65,00-66,00 66,00 69,00-71,00 Stahlwert Beder und die Stadt Krefeld. Die Krefelder Stadtverordneten beschlossen in geheimer Gigung, fich an der Sanierung der Stahlwerf Becker 2. G. durch Uebernahme von zwei Millionen neu auszugebender Obligationen zu beteiligen. Der 60,00-63,00 Beschluß wurde in der Hoffnung gefaßt, dadurch zu einer baldigen 80,00-34,00 Wiedereröffnung des Betriebes in der Rheinholdi- Hütte und in 60,00-70,00 Molkereibutter 60,00-65,00 Molkereibutter la i. Päss. 222,00-228,00 illich beizutragen. i. Pack. 229,00-236,00 75,00-90,00 Molkereibutter lia i. Fäss. 185,00--208,00 70,00 75,00| Molkereibutter i. Pack. 190,00-208,00 175,00-185,00 Auslandbutter in Fässern 235,00-237,0) Mandeln, bittere Bari.. 170,00-180,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 37,00- 39,00 106.00-115,00 Ausl. Speck, geräuchert 103,00-108,00 55,00-65,00 Quadratkäse. 108,00-115,00 Tilsiter Käse, vollfett 150,00-155,00 Bayr. Emmenthaler 195,00-220,00 Echter Emmenthaler Zimt( Cassia) St 45,00-55,00 112,00-125,00 Mef Itoffe Durch Gute Preiswürdigkeit * leit Jahren bekannt Kammgarn, auserlesene Musterungen, Herrenstoffe kips- Popeline. Mark 13.90 und 17.80 Velours de laine, Schotten Cottelé, 130 cm Damenstoffe breit, la. Qualität Tuchhaus MEFreitag 20,50-23,25 160,00-170,00 170,00-190,00 Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika230,00-285,00 Ausl. ungezuck.Condens240,00-290,00 milch 48/16 Röstkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam... 310,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-17,50. Röstgetreide, lose 20,00-21,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 26,00- 26,50 Mark 8.80 Molkenmarkt 14 Ecke Molkenstraße. Bitte genau auf Eingang Nr. 14 zu achten! 0 Fritzi Massary die unvergleichliche 33 Zigarette hat eine ganz besondere Note. Diese in der Tat hervorragende Qualitätsmarke vergibt man nicht so leicht Filmschau. ,, Veriöschende Fackel." Der Albatros- Film der Dewesti in der, Alhambra ist trop des arellen Titels eine gute und geschmackvolle Arbeit. In geschultem, jede Einzelheit des Lebens mit Liebe erfüllendem Ensemblespiel nach dem Muster großer ruffifcher Regie gibt der Film Glück und Ende des an seiner inneren Unbändigkeit erliegenden Shakespeare- Darstellers Kean, der sich vermißt, nicht nur in der Liebe mit dem Prinzen von Wales zu konkurrieren und ihn vor dem englischen Theaterpublikum zu brüsfieren, sondern auch in zügellofem Trinken und Prassen die reichen Kräfte seines Genius zu verschleudern. Es ist nicht wenig, wenn es dem Russen Jwan Mosjutin gelingt, durch seine Erscheinung und Darstellung eine Gestait glaubhaft zu machen, die in dem Berliner Zuschauer die Erinnerung an Mattowsky, den Stean so fongenialen, an Kainz und Bassermann hervorruft. Sein edles Spiel wird in glücklichster Weise ergänzt durch die tief menschliche Güte Nikolai Kolins, der aus Keans Diener und Souffleur Salomon ein Kabinetttüd, stiller Treue gestaltet. Wenig glücklich ist Natalie Lissento als Gräfin Rocfeld. Friz Harold Cohn. " Tiefen der Großstadt". Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß bei dem augenblicklichen Stande der Technit eine Filmgesellschaft Kosten und Arbeit auf einen der: artigen Stitich wie diese Tiefen der Großstadt" verschwenden würde, noch weniger allerdings geglaubt, daß das Marmorhaus etwas derartiges aufführen würde. Diese Schauergeschichte von der Schriftstellerin, die sich studienhalber in einen Berbrecher berliebt und zu ihrem Ehemanne und Kinde erst zurüdkehrt, als der Apache sie aus Langeweile verlassen hat, ist ein Stompendium so ziemlich aller Ladenhüter aus der Hintertreppentindbeit des Films. Auch Regie und Darstellung, mit Ausnahme Dstar Marions als Berbrecher, waren minderwertig, und erfrischend lediglich die heitere Ginmütigkeit, mit der das Publikum den Film auszischte. Friz Harold Cohn. Jn Komödie des Herzens"( Ta uentien Bala ft) stellt sich der jeinsinnige Architekt Rochus Gliese als Regisseur vor. Er hat Stil und Geschmad, aber es ist fein Uebersprühen an Einfällen in ihm und auch kein vorwärtstreibender Schwung. Diese Geschichte der Tänzerin, die ihrem Freunde keine alternde Beliebte sein will und ihn darum berläßt, wird zwar niemals Kitsch, aber eine rechte Stomödie ist sie auch nicht geworden. Man nennt Peter Murglies Manuskript sechs Tagebuchblätter. Sie enthalten so viel Text, daß dieser tatsächlich Ballast wird. Nigel Barrie ist als Baron Bincenz der Mann, um den sich alles dreht und der selbst nur gut auszus jeben braucht. Ruth Weyher und Colette Brettel gefielen als nettes, auf cinander eifersüchtiges Geschwisterpaar und der Schönheit Lil Dagovers waren Regisseur, Photograph, Schneiderin und die Darstellerin selbst sich sehr wohl bewußt. Und dennoch brachte man vom Star nur unflare Großs aufnahmen heraus. Das sollte in heutiger Zeit nicht mehr vorkommen. Mein Leopold( Ufa- Palast am 300) will der Film des Lokals folorits von Alt- Berlin sein. Bolten- Bäckers ging mit sehr viel Liebe, mit einem verspürbaren Schwelgen in alten Erinnerungen ans Werk. Darum durfte er es wagen, Adolf' Arronges Bühnenstück im Film auferfteben zu laffen. Man bekommt alle bekannten Bläge und Thben Alt- Berlins zu sehen mit einer Auschaulichkeit und Eindruckskraft, als ob es sich um einen Kulturfilm bandle. Und es fommt nicht nur der Erinnerungsfreudige uud Biedermeierschwärmer anf seine Stoften, sondern ein jeder, der an schönen Bildern Gefallen hat. Auf Handlung ist faum gefehen, alles wird der Stil Gemütvolle, als auf das Charakterisierende, temperamentvoll Belebende echtheit untertan gemacht. Selbst das Spiel der Darsteller geht mehr aufs hinaus. Artur Straußned war die Rolle des Gottlieb Weigelt offenbar sehr sympathisch und Leo Beukert freute sich scheinbar, daß ihm einmal eine folche Rolle wie die des Starfe anvertraut wurde. Georg Alerander war ein föstlicher Meblmeier, Käte baad eine lebenswahre, frische Klara und Walter Slezad ein etwas farbloser Leopold. Gegen die Filmgeseze der Handlung und Spannung wurde verstoßen, aber den Voriak, Erinnerungs. werte zusammenzutragen, hat man glänzend und beifallssicher durchgeführt. Arabella, der Roman eines Pferdes( Mozart Saah ist der Titel von Brunes neuestem Meisterwerk. Hans Kyser schrieb diesen Film, der den Aufstieg und das grauenhafte Berfommen eines Pferdes schildert, das aber schließlich doch noch sein Gnadenbrot bei seinem ersten Besizer, einem Serrenreiter, findet, dem es einst Reichtum und Ruhm brachte. Nebenber läuft die Geschichte einer fleinen Tänzerin, die dem Foblen das Leben rettete und den ersten Besiter des Pferdes heiratet. Hinzu kommt noch ein frimineller Einschlag, denn der Herrenreiter nimmt dem Attisten die kleine Tänzerin und dessen franker Esel wird um Arabellas willen getötet, weil man eine Anftedung des wertvollen Rennpferdes fürchtet. Durch diele Vorgänge fommt der Artist anf die schiefe Bahn, findet aber später auch bei Arabellas erstem Besitzer ein Unterkommen. Dieser friminelle Einschlag lenkt ab und ist ein Gefahrenpunkt in Brunes anregendem Wert. Die Photographen Karl Haffelmann und Karl Vaẞ lieferten dem Regisseur in hingebungsvoller Arbeit seine beliebten dunklen Bilder mit dem ganz eigenartigen Bauber. Mae Marsch und Alfons Fryland glänzten in vorteilhaften Rollen. Brune ist ein gewiegter Kenner von Filmmöglichkeiten und ein großer Könner zugleich, der erfreulicherweise den Ehrgeiz hat, eigene Wege zu geben. Mit seinen Werken fann man einen aussichtsreichen Kampf gegen den Schund führen. Es wurden viele Pferde verwandt, um den Roman des armen Tieres zu illustrieren und eine schmucke Arabella war im MozartSaal anwesend. Sie wurde von Lieblosungen fast erdrüdt. Ob die Damen sich auch wohl um einen der elenden Klepper, die Arabellas tiefes Leiden veranschaulichten, so bemüht hätten? Jugendveranstaltungen. e. b. Achtung, Teilnehmer zum Sprechchor„ Das Rad". Die 4. Probe finbet heute, Sonntag, nachmittags pünktlich 4 Uhr, Rene Schauspielschule, B. 62, Reithstr. 11, fiatt. Alle Jugendgenossen und Jugendgenoffinnen, welche bisher am Sprechchor teilgenommen haben, werden hierdurch gebeten, bestimmt zu erscheinen. Genoffen, die sich noch am Sprech. thor beteiligen wollen, tönnen sich heute zur Brobe einfinden. Achtung, Jugendgenoffen und-genoffinnen! Für unsere Theatervorstellungen im Winterhalbjahr 1924/25( 6 Theater. vorstellungen und 1 Konzert zum Gesamtpreis von 6 M.) im Theater des Westens, Rantstraße, liegen die Zeichnungslisten bei den Abteilungsleitern und im Jugendfekretariat, Lindenstr. 3, aus. Bei der Einzeichnung ist der Betrag von 1 M. zu zahlen. Für jebe weitere Beranstaltung ist dann laufend eine Marte zu leben. Jeder Abonnent erhält eine bebeutende Breisermäßigung au unserem Silvesterkirchentonzert in der Garnisonkirche. Jeder Jugendgenosse und jede Jugendgenossin muß es als Pflicht betrachten, in Bekannten und Freundeskreisen recht viel Abonnenten zu gewinnen. Achtung, Delegierte zur Generalversammlung! Die Generalversammlung wird vom 26. Oktober auf den 2. November verschoben. Werbebezirk Oftbahn, 17. Kreis. Der heutige Einführungsabend kann wegen technischer Schwierigkeiten nicht stattfinden. Er wird statt dessen am Sonn tag, den 12. Oftober, abends 8% Uhr, in der Aula des Cäcilien- Lŋzeums, Lichtenberg, Rathausstraße, fein. Heute, Sonntag, den 5. Oftober: Charlottenburg: Das Jugendheim Rosinenstr. 4 ist wieder geöffnet. Seuts 7 Uhr abends, Einweihungsfeier. Buchholz: Besuch des 800 und der Arbeiterwohlfahrtsausstellung. Treffpunti 8 Uhr bei Rossad. Südost( Reichenberger Biertel): Besichtigung der Eisenbahnausstellung in Seddin, anschließend daran Wanderung. Treffpunkt 7 Uhr Schlesischer Bahnhof. Abteilung Gesundbrunnen I unb II: Abends 7 Uhr im Beffing- Gymnas fium, Pantstraße( nicht Schiller- Enzeum), Schulentlassungsfeier. Mufif, Gesang, Rezitationen, Jugendspiel. Beginn 7 Úhr. Eintritt 30 Pf. Morgen, Montag, den 6. Oktober, abends 7% Uhr: Mädchenkonferenz abends 74 Uhr im Gesangsaal des FriedrichWilhelm- Gymnasiums, Rochstr. 13. Vortrag: ,, Ricarda Huch". Redner Genosse Heinz Barthel. Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortrag: Arbeiterjugend und Gewerkschaft". Karlshorst: Schule Auguste- Vittoriaftr. 35, Mitglieder Dersammlung. Moabit 1: Schule Waldenserstr. 21, Mitgliederversammlung. Treptow: Jugendheim Riefholaftr. 18b, Mitgliederversammlung. Werbe bezirk Bedding: Kreisfunktionärtonferenz im Lebigenheim. Tagesordnung: Herbstagitation, Generalversammlung. Dujardin der wundervolle Weinbrand UERDINGEN A RH. • SAFE( A m Was sagt Leiser HAC Die Vorteile unseres rechtzeitigen Einkaufs müssen dem Kunden zugute kommen. Die Lederpreise steigen. Kaufen auch, Sie rechtzeitig, ehe unsere günstig gekauften Waren geräumt sind. 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Seit es das jetzt in der ganzen Welt bekannte Hühneraugen- Pflaster Kukirol gibt, ist das anders geworden. Aber es gibt immer noch einige Verbraucher, die sich die oben abgebildete Hühneraugenbinde aufreden lassen, weil diese nach den Behauptungen einiger Verkäufer billiger" sein soll. Diese Behauptung ist jedoch unwahr, denn 1 Schachtel enthält 6-8 Hühneraugenbinden und kostet 60 Pfennig, während eine Schachtel Kukirol- Hühneraugen- Pflaster 75 Pfennig kostet, also scheinbar 15 Pfennig teurer ist, aber nur scheinbar, denn 1 Schachtel Kukirol reicht zur Beseitigung von 10 Hühneraugen aus, während die Hühneraugen- Binden nur zur Bepflasterung von 6-8 Hühneraugen ausreichen. Achten Sie also bei Ihren Einkäufen nicht auf die Schachtel, sondern auf den Inhalt und beim Einkauf von Kakirol noch auf die Schutzmarke„ Hahnenkopf mit Fuß*. Die sogenannten Hühnerangen- Binden haben folgende Nachteile: Der grüne Pflasterkern, also die Masse, die das Hühnerauge erweichen soll, schmilzt sehr schnell durch die Wärme des Fußes und bedeckt dann gesunde Hauttelle, die sich entzünden und Ihnen rasende Schmerzen verursachen, während das Hühnerauge selbst weiter blüht und gedeiht. Der FilzSchutzring, der die Masse umgibt, um das Zerlaufen derselben un.. die damit verbundenen Entzündungsgefahren aufzuhalten, verursacht einen scheußlichen Druck und unerträgliche Schmerzen, die Nervöse zur Verzweiflung bringen können. Und wer ist in der heutigen Zeit wohl nicht nervös? Der Heftpflasterstreifen, der die eigentliche Masse festhalten soll, rollt sich sehr schnell zusammen und klebt am Strumpfe fest. Auch dieser zusammengerollte Streifen bereitet Ihnen Schmerzen und Qualen und dafür wollen Sie doch kein Geld ausgeben. Sie wollen von Ihren Hühneraugen und Schmerzen befreit werden. Nehmen Sie deshalb nur Kukirol und lassen Sie sich nicht durch Verkäufer beirren, die gern ihre veralteten HühneraugenBinden bel nen anzubringen versuchen, weil sie an diesen mehr verdienen. Heute können Sie für Ihr gutes Geld wieder das Beste beanspruchen, während Sie in der Kriegszeit mitunter mit weniger guter Ware verlieb nehmen mußten. Das Kukirol- Hühneraugen- Pflaster können Sie bel großen und kleinen Hühneraugen, außerdem aber auch bei Schwielen und Hornhaut anwenden. Durch die vorzügliche Klebkraft ist ein Verrutschen des Kukirol- Kühneraugen- Pflasters bei Beachtung der Gebrauchsanweisung auch bei starkem Schweißfuß gänzlich unmöglich, außerdem sind Entzündungen gänzlich ausgeschlossen, weil das Kukirol- Hühneraugen- Pflaster weder ätzende noch schädigende Bestandtefte enthält. Machen Sie einen Versuch mit dem echten Kukirol- Hühneraugen- Pflaster. Die kleine Ausgabe von 75 Pfennig bringt Ihnen, Erlösung von Ihren Schmerzen. 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Von der Reise zurück. Dr. S. Ullmann Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Köpenicker Str. 72 Sprechst. 8-10, 5-7. Moritzplatz 2921. Einem Teil der Berliner Auflage von„ Volt und Zeit liegt ein Prospekt der Kunstgemeinde des Mittelstandes bei, in welchem diefelbe zu einem Vor: stellungs- Zyklus für fast jämtliche Berliner Theater einladet. Die Preise sind außerordentlich billige, nämlich Mt. 1.50, 2.25 und 3.Einem Teil unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt der bekannten Zeitschrift ,, Der Stein der Weisen", Berlin NW. 6, bei. Das Blatt hat sich zur Auf gabe gemacht, in den weitesten Kreisen nütliche Kenntnisse über wissenschaftliche und techmische Dinge in gemeinverständlicher Sprache zu verbreiten. Reiche Illustrierung unterstützt die Er reichung dieses Zieles in wirk famer Weise. Das Blatt hat früher schon bestanden, wurde aber, wie so viele andere, ein Opfer des Weltkrieges. 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Bon Ostar Maurus Fontana. 4. Beilage des Vorwärts Ich kannte ihn wohl. Immer wenn ich des Vormittags aus dem Hause ging oder am Abend nach Hause fam, stand er in der engen Gaffe, einen blauen Kittel um, einen Pinsel in der Hand, über eine große Tafel gebeugt denn er war bei einem Schildermaler Gefelle und lächelte mir mit seinen braunen feuchten dummen Augen zu. Ich weiß nicht, wie es gekommen war( weiß man überhaupt, wie so etwas tommt?), aber der Junge hat mich in sein Herz geschlossen und wurde ganz glücklich, wenn ich ihm nur ein Wort zurief. Ich blieb manchmal stehen und sprach mit ihm, gab ihm ein paar ermunternde Worte, ließ mir von ihm erzählen, wie er den Sonntag verbracht und was er für Pläne habe. Und er antwortete immer so, als wolle er mir sein volles Herz in die Hände schütten wie einen Korb voll Blumen. Er tat mir dann immer fast leid, der arme Junge, wie er mit feinen neunzehn Jahren da vor einer Tafel stand, ohne Freund, ohne Geliebte, und einen Fremden, um soviel Welteren mit seinen treuen Hundeaugen anlächelte. Er war ein ganz simpler, ein ganz dummer Junge. Aber manchmal am Abend konnte er sagen und da hielt er in seiner Arbeit inne- Jetzt singen die Kinder wieder" und konnte dazu mit seinen Augen horchen, daß einem das Herz stillstand. Und dann erzählte er wieder und schüttelte den Kopf und konnte es nicht begreifen und sagte es immer wieder, wie seltsam das mit den Siernen sei, er schaue oft in sie, und wie groß die Sonne sei und wie ungeheuerlich die Entfernung der Erde zur Sonne, ja auch zum Monde, zum eisigen Monde sei. Den ganzen Abend sprach er von nichts anderem, holte aus der Werkstatt einen zerknitterten Kalender, in dem er das gefunden, ließ es mich lesen und konnte sich nicht beruhigen und es war fast so, als hätte er sich verirrt und finde den Weg zur übrigen Welt nicht mehr und als wolle er nun alle anhallen, ihnen seine„ Entdeckung" von der Sternenwelt mitteilen und immer hinaufstarren. Aber am liebsten war es ihm doch zu erzählen, wie er Sonntags weit draußen gewesen sei, in einem Wald, und weit gegangen sei und einen Berg, irgend einen, erstiegen habe und dann die ganze Wienerstadt vor sich ausgebreitet gesehen habe. Und dann wollte er immer von den fremden Städten und fremden Landschaften hören, die ich gesehen habe, ich sollte sie ihm beschreiben und schildern und manchmal bat er mich so innig, ich folle nächstesmal ein paar Ansichten bringen, daß ich es ihm nicht verweigern fonnte. Dabei blickte er mich stets an und seine Augen wurden noch feuchter und von Zeit zu Zeit strich er sich aufgeregt mit der linken Hand von der Schläfe bis zum Kinn, hielt die Hand dann dort, so daß die Lippen sich etwas öffneten und so mit offenem Mund, daß ich den Atem hören konnte, hielt er stille und war ganz Dhr. Als ich einmal am Abend in die schmale Gasse einbog, sah ich ein nerrunzeltes altes Weiblein bei ihm stehen. Er minkte mir schon aus der Ferne mit seinem Pinsel zu, und es war fast lächerlich, wie er mit seinem blauen Kittel umhersprang und tanzte, nicht unähnlich cinem, der sich einbildet, mit seinen beiden Armen fliegen zu können und sie dann vergebens in die Luft schlägt. Er sagte mir, als ich nähergekommen war, ganz glücklich: Das ist meine Mutter." Und has verrunzelte Weiblein, eingebunden und mit Röden behängt, als friere es, lächelte mir zu und ich erkannte die Augen wieder, ich hatte sie bei dem Jungen gesehen und sagte, wie das so eben alte Leute sagen, daß die Kinnladen ein wenig zittern:„ Und das ist mein Sohn." Ich wurde fast verlegen, denn was fonnte und durfte ich diesem Paar sagen, murmelte ein paar Höflichkeiten und empfahl mich bald. Im April fuhr ich dann fort, auf ein paar Wochen. Der Wagen fam, mein Koffer wurde hinuntergeschafft, ich selbst ging, sperrte die Wohnung ab und trat auf die Gasse. Da stand er schon am Wagenschlag, er hatte geholfen, den Koffer hinaufheben, und lächelte ganz wehmütig. Jetzt fahren Sie in die Berge," sagte er traurig. Ja," antwortete ich und stieg ein, wir sehen uns bald wieder. Bassen Sie sich's derweilen gut gehen, Franz." Schon fuhr der Wagen, ich konnte ihm gerade noch zuwinken. Er aber blieb stehen und blickte mir nach, geduckt, als wolle er nachspringen, in den Wagen hirein und fort, fort fich tragen laffen. Da die Gasse umbiegt, sah ich mich noch einmal um und erschaute noch einmal seinen armen verlangenden Blick, der mir unverwandt nachstierte. Auf meiner ganzen Fahrt fonnte ich ihn nicht vergessen, fah ihn immer wieder, wie er bastand mit den schlaffen, herabhängenden Armen, die fast bis zu den Knien reichten, und mit dem Blick eines Hundes, den man einsperrt, indes man fortgeht.. Im Mai kam ich wieder. Zuerst sah ich ihn ein paar Tage nicht, dann aber begegnete ich ihm wieder, und er begrüßte mich mit all seiner jungen Freude. Es fiel mir auf, daß seine Augen nun strahlten Genossinnen und Genossen! Rüstet zur Frauen- Werbewoche! bestellt schleunigft: Kundgebungen und Agitationsmaterial dafür; Aufnahmefdeine, die nöfigen Flugblätter ufw. Frauenstimme zahl der notwendigen Exemplare und genaue Adresse des Empfängers. Programme für die Abendfeier am 17. Okt. Adressen der Delegierten zum Bezirksfrauentag sofort mitteilen. Das Frauensekretariat Minna Todenhagen. und ich dachte mir, sollte er sich verliebt haben, sollte diese Liebe seinen Blick freier und stolzer gemacht haben. Doch plötzlich sagte er, ganz unvermittelt, und zeigte seine weißen Zähne im Lachen:„ Bald werd' ich auch dort sein, wo Sie waren." Ich verstand ihn nicht. leid'ts mich da nimmer, will was sehen, will was sehen." Und er „ Ja, bin neunzehn Jahre alt geworden, immer zu Haus, aber jetzt jubelte das vor sich hin und war in eine Lust das Wanderns und ein Verlangen nach Fremde gehüllt, als hätte er neunzehn Jahre das in sich gesperrt, zurückgelegt, wie Pfennig um Pfennig, und hätte nun den Schah ausgegraben und müßte ihn immer wieder und vergewissern, daß er noch da sei. wieder zählen, durch seine Finger rieseln lassen, wie um sich zu Nach München wollte er.„ Was ein richtiger Schildermalet ist," fagte er, findet überall was zum malen und zum Eſſen." Zuerst mollte er der Donau folgen, bis nach Linz, dann sich hineinschlagen ins Land, durch die Gebirge nach Salzburg kommen und von da über die Berge nach München. Und schon hatte er eine Karte aus der Tasche gezogen und zog mit seinem Finger die Linie seiner Wanderschaft und war in seinem Eifer wie tot für alles übrige. Am meisten aber freute er sich auf die Berge. Wie da sein Gesicht glühte! Und mit dem Arm machte er, sprach er von den Bergen, so vage Gebärden durch die Luft, als wolle er eine Kuppe hinmalen, hinstellen. зи Ich verschwieg ihm nicht meine Bedenken, schon daß er seine Stelle so leicht aufgebe, aber er schlug sie alle nieder, indem er immer wieder wirr und zusammenhanglos rief: Neunzehn Jahre 3u Haus Welt sehen mird man was. Ich fragte: Was Ihre Mutter dazu?" Statt aller Antwort lächelte er nur glücklich und ich begriff, sein Wille war auch seiner Mutter Wille. " Mit einem Freunde wollte er wandern. Er fannte ihn erst seit furzem.„ Ein Scherenschleifer ist er. Schwarze Haare hat er, gehen ihm fast ins Gesicht. Und hat schon so viel gesehen. Leo heißt er, ist nicht aus Wien, will immer nur wandern, will nie sitzen. Er ist mein Freund." ,, Also mit dem wollen Sie, Franz, wandern?"„ Ja." Mit dem ist er auch gemandert. Schon gleich nachher. Nur ganz wenige Tage blieb er noch. Und in denen schien er wie kindisch geworden, als fönne er es nicht mehr erwarten, als wolle er die Tage in die Hände nehmen, sie zusammendrücken und ganz flein, schmal und winzig machen. Er lief umher wie ein Pudel, den man zum Bad führen will, in so grotesken vergessenen Sprüngen. Die Buchstaben, die er inzwischen zu malen hatte, müssen sicher schief Sonntag, 5. Oktober 1924 geworden sein, fönnen unmöglich gerade und sicher auf der Tafel dagestanden haben. Dann kam der letzte Abend in Wien. In der Frühe sollte er wandern. Er verabschiedete sich lang und förmlich von mir. Ich gab ihm die Hand und sagte:„ Haben Sie viel Glück auf Ihrer Wanderschaft, Franz, und lassen Sie was von sich hören." Er sersprach es und ging hernach gleich. Aber er ging schon wie einer, der nicht mehr auf dieser Welt ist, wie ein Schatten, wie eine Wolfe, mie ein Wind, der über einen See fährt. Seine Augen müssen damals schon alles das gesucht haben, was seine Landkarte nur platt und in Strichen, Kreise und Schattierungen brachte. Ich erschrak damals fast über diesen Gang, denn ich dachte, haben diese Beine überhaupt noch ein Ziel, das menschlich ist? Aber ich beruhigte mich mit seiner Freude, seiner Sehnsucht, seinem Kindergemüt und hundert anderen Dingen. Aus der Wachau tam seine erste Karte, froh, glücklich und in einer respektvollen Ausgelassenheit. Noch ein paar Karten famen. Und ich sehe ihn fast vor mir, wie er durch das Grüne wanderte, links und rechts ein paar gelb sich färbende Felder, vor sich den Wald und hinten, ganz hinten, als ob es Wolfen wären, Ketten von Bergen, dunkel, drohend und doch wieder lockend. Vielleicht hat er auch gesungen, wenn er marschierte, oder mit seinen braunen feuchten dummen Augen einem Vogel oder einem Zug nachgeschaut. Und wenn ein Kilometerstein tam, ist er sicher auf ihn hinaufgesprungen wie ein Bub und hat hinuntergelacht auf seinen schwarzen Wandergenossen und hat ihm zugerufen, er soll einen Bock machen, damit er über ihn hinwegspringen förne. Nun ich ja alles weiß und es sogar in den Zeitungen gestanden hat, fann ich es mir ja leicht so vorstellen. Kann mir vorstellen, daß ihm der andere oft von seinen Wanderschaften erzählte und Franz dann zuhörte wie ein Hund, der ein Tier wittert. Und ich denke mir, daß alles in ihm Freude gèmesen sein muß, weil er ja nun hatte, was er wollte, und daß dennoch sein Verlangen nach der Welt, die sich ihm verbarg, immer stärker geworden sein muß. So wanderten sie sieben Tage. Am siebenten aber gingen fie einen Hügel hinauf mitten durch den Brand der Sonne, oben aber standen die Bäume fühl und schattend. Und der Blick Franzens nicht gesehen haben, wie die glutdunklen Augen seines Begleiters mag ins Weite geflogen sein wie ein heller Vogel, geradeaus, mag sich von Zeit zu Zeit seitlings an ihn heranschlichen und ihn scheu und gefährlich ansahen. In seinem Jubel mag Franz auch nicht bemerkt haben, daß Leo, wie sich sein Freund nannte, heute fast immer schwieg und nur manchmal ganz heisere, unartikulierte Laute ausstieß, die sich mühsam zu Worten aneinanderspannten. Nun waren sie im Wald und gingen eine Weile, bis sie zu einem Kreuzweg famen. Und da muß Franz nicht gewußt haben, welchen Weg sie einzuschlagen hätten ich stelle mir das so vor, nach dem was ich darüber las und wird seine Karte herausgezogen haben, von hinten aber drängte sich der andere heran, als wolle auch er in die Karte guden. Aber er hob, nachdem er sich umgesehen und die Distanz prüfend gemessen, nur seinen dicken Stock, der furioserweise Griff hatte, und ließ ihn schwer auf das Hinterhaupt des gläubigen wie oft mag Franz darüber gelacht haben einen Bieifnopf als Franz niederfallen. Er sah noch, wie aus dem flaffenden Spalt rotes Blut geschossen fam, dann lag auch schon Franz hintenüber da, ohne Laut, verlorenen Sinnes. Aber der schwarze Gefelle sprang unheimlich gewandt vor, kniete nieder, nahm einen schweren Stein, der daneben lag, und schlug ihn noch dreimal gegen das zersprungene Haupt. Dann nahm er in einer raschen Gier, die der einer Katze glich, aus den Taschen des Ermordeten Geld, Uhr, ein paar Zeugnisse, und aus dem Rucksack die besseren Schuhe, die Franz sich für die Städte aufgespart haben mochte. Hernach hob sich der Scherenschleifer von der Leiche mit sechsundzwanzig Kronen, einer silbernen Uhr, den neuen Schuhen und dem Arbeitsbuch und lief durch den Wald, daß ihm die schwarzen Haare in die Stirn schlugen. An der Wegkreuzung aber lag Franz auf dem Rücken. In der linken Hand hielt er frampfhaft die Landkarte, mit dem Zeigefinger der rechten stach er in die Luft, als wolle er den Weg nach finden, und sein gebrochenes Auge hing wie an einem Stiele aus der Augenhöhle in die blaue Luft, während das Blut langsam und stet rinnend die braune durftige Walderde ringsum tränkte. 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