8c«476» 41«�ot»tgong MtSgabe A Nr. 242 Bezugspreis- Wöchentlich 70 Doldpfennig, monatlich 8,— Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Laar- und Meinelgebiet. Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4L0 Goldmark, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der..BorwSrt»' mit der Sonntags. beilage„Volk und Zeit" mit„Sied. lung und lllcingarten'. sowie der Unterhaltungsbeilage„£eimwelt� und iirauenbeilage„ffeaaenftimme* erscheint wochentaglich zweimal» Sonntag« und Montags einmal, Telegramm-Adresse: Sozialdemotrat Berlin' Morgenansgabe r#- Sevlinev VolksblAkt (io fioiapiennig) Anzeigenpreise: Sie einspaltige Nonpareille. »eile 0.70 Doldmark. Rellamezcile t.— Doldmark.„Kleine Anzeigen' das fettgedruckt« Wort vLll Sold- mark lzulässig zwei scttgcdruckie Worte), iedea weitere Wort 0.10 Doldmart. Stellengesuche das erlle Wort 0,10 Doldmaek. icds» weitere Wort 0,05 Eoldmark. Worte Uber 15 Buchstoben zählen siir zwei Worte, ssamilienan, eigen für Abonnenten Zeile 0.Z0 Doldmark. Eine Eoldmark— ein Dollar geteilt durch 4.20. Anzeigen für die nädiflzc Nummer müssen bis 4M» Uhr nachmittags im bauptgcichäst, Berlin SW 68. Lindcn- ttraheZ, abgegeben werden. Deösfnrt von 9 Uhr früh bis i Uhr nachm. Z�entralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblands Neüaktion und Verlag: SW 68, Linöenstraße 3 SSecnibfcrfi,!» Redaktion: Tönhoff Lss-sss �rrnipreaier. A« r l a g.. Dönhoff SSVL-LSV? Donnerstag, den 9. Oktober 19Ä4 vorwärts-verlag G.m.b.H., EW 68, LinSenstr. Z Posischeckkonto: Berlin 375 3t»— Bankkonto: Direktion der Ttskonro-Gcsrllschast, Depositeiifaffr Lilldenstraste 3 Die Antworten an öen Reichskanzler. U«»versöhnlicher Gegensatz zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokraten. Von den fünf Parteien, die an dem grausamen Spiel um die Regierungserweiterung unmittelbar beteiligt find, haben vier dem Wunsch des Reichskanzlers entsprochen und bis abends 8 Uhr in der Reichskanzlei ihre Antworten auf die Frage überreicht, wie sie sich zu den Richtlinien der Regierung für die künftige Politik stellen. Diese vier Par- teien waren die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Demokraten und die V o l k s p a r t e i. Die fünfte bei dieser eigenartigen Partie blieb im Verzug. Die De u t s ch- nationalen hatten, schlau wie sie nun einmal sind, ihre Fraktionssitzung erst auf 5 Uhr nachmittags einberufen und saßen noch in vorgerückter Stunde gemütlich oder vielmehr ungemütlich beisammen, während draußen in allen Räumen des Reichstags ihr Aufklärungsdienst fieberhaft arbeitete. Brennend war sein Interesse, zu erfahren, was eigentlich d i e Sozialdemokraten dem Reichskanzler antworten wür- den. Es ist anzunehmen, daß sie das erst aus dieser Nummer des„Vorwärts" erfahren werden, für die wir auch sonst ihre freundliche Beachtung erbitten. So also lagen sie hinter dem Busch.... Interessant sind die Antworten der Parteien der Mitte. Don ihnen zeigt nur das Z e n t r u m für die Idee der„Volks- gemeinschaft" eine deutliche Erwärmung. Die Deutsche Volk spartet lehnt die Idee des Reichskanzlers brüsk ab, indem sie erklärt, an ihrem bekannten Standpunkt habe sich nichts geändert. Die Demokraten beschränken sich gegen- über der„Volksgemeinschaft" auf eine sehr platonische Liebes- erklärung, sie würden offenbar dieser Möglichkeit jede andere, das heißt das Fortbestehen des gegenwärtigen Kabinetts oder die Reichstagsauflösung vorziehen. Es läßt sich also feststellen, daß die drei Parteien, die das gegenwärtige Kabinett stützen, in der Frage der Regierungs- krise drei verschiedene Meinungen haben. Wird es Herrn Marx nicht ähnlich gehen wie Karl V., der sich als Uhrmacher- Mönch vergeblich bemühte, alle Uhren zum gleichzeitigen Schlagen zu bringen und der dann sah, wie vergeblich sein Bemühen als Kaiser war, die vielen Völker, die er regierte, in die gleiche Reihe zu bringen? Der Gedanke der Demokraten, die Regierung Marx weiter bestehen zu lassen, wie sie ist, wurde gestern im Reichstag viel erörtert. Es war von einer„Schon- zeit" die Rede, die sich die Regierung erbitten will, um die Frage der Räumung der nördlichen Zone des besetzten Ge- bietes ins Reine zu bringen. Diese„Schonzeit" würde also bis zum 1t). Januar 1923 laufen und könnte am Ende pro- lonajert werden. Aber die Volkspartei drängt nach Beschleunigung. Sie kann den Bllrgerblock schon gar nicht mehr erwarten! Zugleich hat ihr Berliner Organ, die„Zeit", die Kühn- heit, abermals gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf der „Krisenmache" zu erheben. Warum? Weil der„Vor- w ä r t s" die Meinung vertritt, ein Ausweg aus der sonst ausweglosen innerpolitischen Situation könne nur«durch eine Reichstagsauflösung gewonnen werden. Aber wer hat diese ausweglose Situation geschaffen? War es die Sozialdemo- kratie, die sich in die Regierung drängte? Rein, die Sozial- demokratie hat stets die Meinung vertreten, daß eine be- stehende Regierung die P f l i ch t hat. so wie sie ist zu bleiben und für ihr sachliches Programm zu kämpfen, bis sie in offener parlamentarischer Feldschlachi unterliegt. Sie halte nicht das geringste dagegen einzuwenden, daß auch diesmal so verfahren würde. Die Volkspartei war es, die mit den Deutschnatio- nalen den schmutzigen Berliner Pakt abschloß und dadurch die Situation schuf, aus der es keinen anderen Ausweg gibt als eben die Reichstogsauflösung, es sei denn, daß die Volkspartei in Erkenntnis der Tatsache, daß der Bürgerblock keine Mehr- heit hat, und nicht regieren kann, auf die Erweiterung der Re- gierung nach rechts verzichtete und sich mit dem gegenwärtigen Zustand beschiede. Die Sozialdemokratische Partei hat diese Krise nicht ge- macht, sie hat sich nicht zur Regierung gedrängt, sie hat für ihr Ja zum Londoner Vertrag keine Zahlung ausbedungen und gefordert, sie hätte es bei weitem vorgezogen, in diesem Krisen- theater unter volksparteilicher Direktion die Nolle des u n- beteiligten Zuschauers zu spielen. Sie ist zu ihrer Ueberraschung— man möchte beinahe sagen, gewaltsam— aus dem Parkett auf die Bühne mitheraufgeholt worden. Jetzt hat man ihr ein sachliches Programm vorlegt und sie hat sachlich darauf geantwortet. In später Abendstunde traf schließlich auch die A n t- wort der Deutschnationalen ein, auf die noch näher einzugehen sein wird. Es genüge für heute festzustellen, daß sich die deutschnationale und die sozialdemokratische Antwort wie Wasser und Feuer von einander unterscheiden. Auch das Zentrum wird jetzt erkennen müssen, daß die von ihm erstrebte Regierung der„Volksgemeinschaft" von den So- zialdemokraten bis zu den deutschnationalen Hakenkreuz- Christen nur ein Traum, und nicht einmal ein schöner gewesen ist. Das Zentrum hat jetzt, wenn die Volkspartei der Regie- rung Marx keine Schonzeit gewährt, nur noch zwischen Bürgerblock und Auflösung zu wählen! Neue Konferenz öer Regierungsparteien� Der Reichskanzler hat die Jührer der Regierungsparteien. volkspartei. Zentrum und Demokraien, zu einer nenen Besprechung über die Regiernngserweiiernng für Dannerstagvormittag zu sich gebeten. Zn dies«, Verhandlungen soll hauptsächlich das Ergebnis der Fraktiousberatungen erörtert werden. Die Antwort üer Sozialüemokratie. Republik! Achtstundentag! Hilfc den Enterbten der Gesellschaft! Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat das Ersuchen des Reichskanzlers um Stellungnahme zu seinen Richtlinien mit dem folgenden Brief beantwortet:. An dn Herrn Reichskanzler Dr. Marx, Berlin. Sehr verehrter Herr Reichskanzler! D!« uns heute morgen übermittelten Richtlinien über die von der Reichsregierung künftig zu führend« Politik haben wir der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion heute vorgetragen. D i e Fraktion hat das Verhalten der sozialdemokrati- schenllnterhändlergebilligtunddiesezuweiteren Besprechungen mit dem Herrn Reichskanzler be- v o l l m ä ch t i g t. Solche Besprechungen sind nach Auffassung der sozialdemokratischen Fraktion geboten, weil besonders über das außenpolitische Programm der Reichsregierung in Anbetracht der wichtigen nächsten Ziel« der deutschen Außenpolitik absolute Klarheit herrschen muß. Aber auch in der inneren Politik muß das deutsche Volk den politischen Kurs klar erkennen können. Unter voller Aufrechterhaltung unserer Bereitwilligkeit, im Rahmen des uns mündlich von dem Herrn Reichskanzler entwickelten Programms sachlich mitarbeiten zu wollen, bitten wir bei den weiteren Besprechungen um Klarstellung folgender Punkte: In dem Absatz 1 der Richtlinien, die vom Schutze der bestehen- Verfassung vom 11. August 1919 handeln, ist das Wort„Re- publik" vermieden. Als seinerzeit die große Koalstion gebildet wurde, hat die Deutsche Volkspartei ausdrücklich anerkannt, daß der deutsche Wiedenausbau auf dem Boden der republikanischen Staats- form zu erfolgen habe. Der Führer der Mehrheit der deutschnatio- nalen Reichstagsstakrem, Herr Schlange- Schömngen, hat jedoch noch vor kurzen-, auf der Tagung der Bismarck-Jugend in Braunschweig die Rückführung der Monarchie nach einem erfolg- reichen Revanchekrieg öffentlich propagiert. Das nötigt unserer Auf- sassung nach dazu, daß jede Partei, die in die Reichsregierung ein- bezogen zu werden den Drang hat, m der Frage der Staatsform einer ganz unzweideutigen Fassung des Regierungsprogramms zu- stimmt. In d?m Absatz 2, der von der Außenpolitik handeli, scheint uns die schriftliche Formulierung des Ksbir.etis weniger präys zu{ein, als die mündliche Verhandlung vom 3. Oktober d. I. erwarten ließ. Die Londoner Verhandlungen haben erfreulicherweise, insbesondere wegen des Vertrauens, das sich der Herr Reichskanzler dort erwarb, die Borausjetzungen sür«ine fortschreitende Befriedung Europas und damit auch für die Herstellung stabiler Verhältnisse in Deutsch- land geschaffen. Unseres Erachtens kommt es jetzt darauf an, vor aller Welt klarzustellen, daß sich die Reich sregierung auf die Fortführung der bisherigen Außenpolitik des Kabinetts Marx festlegt. Eine Partei, die einer solchen Formulierung widerspräche, würde mit Recht den Verdacht wachrufen, daß sie die loyale Anwendung der Dawes-Aesetze nur ans taktischen Gründen zu innerpolitifchsn Zwecken akzeptieren, in Wahrheit aber sabotieren wolle. Ferner bemerken wir, daß uns der Wortlaut des deutschen Memorandums bisher nicht bekannt ist. Wir nehmen an, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund so schnell als möglich erfolgt, da festgestellt ist, daß Deutschland ein ständiger Ratsitz zugebilligt werden wird. In der mündlichen Besprechung am 3. Oktober d. I. haben wir schon darauf hingewiesen, daß das Programm der Reichsregierung die Ratifikation des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag enthalten müßte. Nach der öffentlichen Erklärung, die der Herr Reichsarbeitsminister nach feiner Berner Besprechung mit den Arbeitsministern Englands, Frankreichs und Belgiens abgegeben hat, meinen wir, daß der von uns gewünschten Erklärung gar nichts mehr im Wege stehen kann. Das Vermeiden einer Stellungnahme gerade in diesem Punkte würde die Absichten der deutschen Reichsregierung leicht Mißdeutungen ausfetzen, die dem Ansehen der deutschen Sozialpolitik sehr abträglich sein müßten. Zu den Absätzen 3, 4 und 5, die die Steuer-, Wirtschafts- und Handelspolitik betreffen, bemerken wir in Kürze, daß die zum Schutze der menschlichen Arbeitstraft und der Hebung der Konsumkraft der breiten Voltsmasfen zu treffenden Mahnahmen vor Abfassung der Regierungserklärung genauerer Präzisierung bedürfen. Insbesondere die Kriegs- invaliden, die K r i eg e r w i t w e n und-waifen, die Sozial- und Kleinrentner, die Sparer und Er- werbslosen sind heute nicht vor dem bittersten Hunger geschützt. Ihnen muß geholfen werden, wenn fie nicht völlig der bittersten Verzweiflung anheimfallen sollen. Wir sind der Ueberzeugung, daß sich unsere Wünsche im Rahmen des Programms des Herrn Reichskanzlers durchaus erfüllen lasten. Unsere Unterhändler stehen zu einer Besprechung über die von uns gewünschten präziseren Formulierungen gerne zur Verfügung. Mit ausgezeichneter Hochachtung ergebenst Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Hermann Müller-Franken, M. d. R. B erlin, 8. Oktober. Diese Erklärung des Sozialdemokraten fordert ein praktisches„C h r i st e n t u m der Tat".- Man vergleiche damit die deutschnationale Antwort! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat, wie schon aus dem vorstehenden Schreiben hervorgeht, die Haltung des Fraktionsvorstandes gebilligt und ihn mit der Fort- führung der Verhandlungen beauftragt. Eine neue Fraktions- sitzung wurde zunächst nicht anberaumt, sie wird wahrschein- lich schon in den allernächsten Tagen vom Vorstand einberufen werden. Die Deutschnationalen. „Christlich" im Geist des Berliner Pakts. Der Beschluß der Deutschnationalen wurde erst in später Abendstunde veröffentlicht. Er lautet: Der Vorschlag des Herrn Reichskanzlers«nt- spricht weder den bisherigen Forderungen der Deutschnationalen Volkspartei noch den uns gegebenen Zusicherungen, deren Erfüllung wir nach wie vor erwarten. Nachdem indesten der Herr Reichskanzler den Gedanken der Volksgemeinschaft in den Vordergrund gestellt hat, erklären wir, daß gerade auch die Deutschnotionale Volkspartei stets für die Volksgemeinschaft einge- treten ist. Wir verstehen darunter«ine Gesinnungs gemein- schaft, die in der Zusammenfassung aller auf christlichem, na- tionalem und sozialem Boden stehenden Volkskräfte besteht. Demgemäß setzen wir voraus, daß Sicherheiten dafür geschaffen werden, daß alle an der vorgesehenen Gemeinschaft beteiligten Par- teien sich zu folgenden Zielen bekennen: 1. ch r i st l i ch e Jugenderziehung und christliche Kultur als Grundlage des Staatslebens; 2. unter Ablehnung des die Volksgemeinschaft verneinenden Klassenkampfes und unter Zusicherung der Koalitionsfreiheit die Bekämpfung jedes den A r b e i t s fr i e de n be- drohende» Terrors imd die Förderung der Arbeitsgemein- schaft bei voller Wahrung der sozialen und politischen Gleichberechti- gunq der Arbeitnehmer. 3. Anerkennung und weitere amtliche Verfolgung der Regie- rungserklärung vom 29. August über die Nichtschuld Deutsch- lands am Kriege. Die Deutschnationale Fraktion billigt das bisherige Verhalten ihrer Unterhändler und ermächtigt sie, in Erneuerung des am 29. September erteilten Auftrages zu weiteren Verhaiidlüngen über die Regierungsbildung an Hand der vorgelegten im einzelnen noch zu erörternden Richtlinien. Der Beschluß wurde, wie parteiamtlich gemeldet wird, gegen einige Stiinmen, die wegen einzelner Formulierungen abweichend waren, einmütig gefaßt. Die Demokraten. Am besten: Es bleibe, wie es ist! Die demokratische Reichstagsfraktion trat am Mittwoch vormittag gemeinsam mit dem Vorstand der preußischen Land- tagsfraktion zu einer Sitzung im Reichstag zusammen. Der Abg. Erkelenz erstattete Bericht über die politische Lage und die Richtlinien des Reichskanzlers Marx. Einmütig wurde nach eingehender Debatte folgende Entschließung ange- nommen: Die Fraktion der Deutschen Demokratischen Partei hält eine Zkenderung der Regierung in der jetzigen politischen Lage nicht für erwünscht: die Lösung wichtiger Aufgaben, deren Bearbeitung von der Regierung«ingeleitet ist und das Bedürfitis von Bolk und Wirtschaft nach ruhiger Weiterentwicklung erfordern zurzeit die Vermeidung einer Regierungskrisis. Sollt« eine Aeirderung der Zusammensetzung der Regierung durch die Haltung anderer Fraktionen sich nicht vermeiden lassen, dann würden wir gemäß dem Vorschlag des Konzlers einer nach recht» und links«rweitcrlen Regierung unsere Unterstützung nicht versagen. Die Demokraten treten heute nachmittag zu einer neuen Sitzung zusammen. Die voikspartei. Nicht„Volksgemeinschaft", sondern Bürgerblock,«nd zwar schleunigst! Die Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei war Um 8 Uhr zu Ende. Die Fraktion hat folgende Entschließung ge- faßt, die dem Reichskanzler übermittelt worden ist: D«r Standpunkt der Deutschen Volkspartei in der Frage d«r Rsglerungserweiterung ist bekannt. Er hat sich n i ch t g e- ändert. Di« Richtlinien der Rejchsregierung erkennt dl« Fraktion als ein« brauchbare Grundlage der Koolitionsverhondlungen an. Si« billigt einmütig das Verhalten ihrer Unterhändler und«rsucht sie auf beschleunigt« Lösung der Frage der Regierungs- ertvell«rung hinzuwirken. Die Volkspartei hat am 25. September den Bürger- b l o ck verlangt und erklärt, daß die Sozialdemokratie für eine Regierungserweiterung nicht in Betracht komme. Das ist ihr bekannter Standpunkt, der sich also nicht geändert hat. Das Zentrum. Das Zentrum, dessen Entschließung wir schon gestern nachmittag veröffentlichten, hält heute vormittag eine neue Fraktionssitzung ab. Unü das will regieren! Dentschnationale politische Methoben. Die Deutschnationalcn führen die alten Schlagworte von der staatserhaltenden Partei und der Ordnungspartei im Munde, wenn sie sich an die Regierung drängen. Der Staat, den sie erhalten wollen, ist nicht die Republik, die Ordnung, die sie meinen, nicht die Ordnung des demokratischen Systems, das allen Staatsbürgern die politische Gleichheit zugesteht und die darauf beruhenden Rechte schützt. An großen Dingen ist in den letzten Iahren oft genug hervorgetreten, wie es bei den Deutschnationalen um das staatserhaltende Prinzip und um das Ordnungsprinzip bestellt ist— heute wird das illustriert durch einen kleinen Fall. Die„Kreuz-Zeitung", die ja die beiden Prinzipien ge- pachtet hat, bespricht die Potsdamer Vorgänge und polemi- sisrt gegen den Genossen Lobe. Sie leistet sich dabei folgen- den Satz: „Was ober glaubt Herr Löb« wohl' was mit seiner Parteibudik» geschehen wäre, wenn sein Genosse Severing der roten Expedition nicht SW) Schupobeamtc mitgegeben hätte!" Zunächst: mit„seiner Parteibudike" meint sie das Pots- damer Gewerkschaftshaus, das trotz allen Stahlhelmgebrülls immer noch steht. Dann aber: die„Kreuz-Zeitung" gesteht ein, daß es Wille und Absicht von Stahlhelm und Werwolf, Absicht der Deutschnationalcn von Potsdam war, das Gewerk- schaftshaus von Potsdam zu zerstören und auszurauben— man kennt ja die Vorbilder dafür, und weiß auch, daß bei solchen Ausschreitungen die„nationalen" Herrschaften reget- mäßig mein und dein oerwechseln. Die Herren, für die die„Kreuz-Zeitung" schreibt, halten solche Ausschreitungen für zulässige politische Methoden. Terro- risierung Andersdenkender, gewaltsame Zerstörung des Eigentums von Andersdenkenden, Verletzung der Gesetze, die LieSer öes Grams. Konzerlumschau von Kurt Singer. Furtwängler, der Große und Einzige, hat nunmehr die Saison eröffnet. Er mochte aus Alltag Feier, da er das Programm dem verstorbenen Meister Vusoni widmete. Heut« muh dieser Dank für die Feier genügen. Ein lebender Komponist rief«uf d«n Plön, Arnold Schönberg. Der Fünfzigjährige ist nach wie vor dos geistige Zentrum aller modernen Musikbewegung. Um sein Werk sammelt sich«ine Schar Begeisterter, ja solcher, die um jeden Preis von feiner Musik erhoben sein wollen. Es mißlingt dieses Mal zur Hälfte. Erna von H o e h l i n. wohl zu ganz anderer Kunst geboren, singt mit bester Tresssicherheit der Töne, doch mich mit Inbrunst in der schönen, dimkel timbrierten Sopransrimme, 15 Lieder aus dem„Buch der hängenden Gärten" nach kühlen, in seltener Aiisgcglichenhe.it der Sprache dahingleitenden Versen Stefan Georges. Das rft. trotz vieler unirdischer Hochgesänge. Lyrik, die unser Herz ongem. Doch in der Musik ist von Gefühl kein Hauch, selbst die leidenschaftlich Schönberg Hingegebenen unterliegen dem Zauber nicht, der formlos Unsinnliches im fiimlichen Spiel her- geben will. Zerklüftet, zerrieben, aneinander gestoßen di« Rhythmen, unaufgeklärt, ungelöst, willkürlich die Tonfoigen. Oder doch nicht willkürlich? Schönberg ist zu ehrlich, um billig« Effekte zu erzielen; er war« wohl auch zu ehrlich, ans Effekte, wenn sie not- lun. zu verzichten. Er bleibt immer er selbst, auch wenn es ihn den Erfolg kostet. Unter 15 Liedern fallen höchstens' drei als künstlerische Bekenntnisse auf, beseelt statt behirnt, und— merkwürdig: da gibt die Stimm« allem sprachlich gehobenen Ausdruck, und das Klavier schweigt oder stimmt di« Saiten zu schwacher, wftiger Bs- gleitung. Warum überhaupt Begleitung, wo die Harmomen nur crgriibelt, hinzugedichtet werden müssen? Das Harz bleibt stumm. 'stören wir das Werk zum zweiten oder dritten Male! Heinz Zolles svislt« zum erstenmal Schönbergs Klavierstücke op. 23.' Auch hier eine Bewußtheit, eine Salbstbewußthett und kühle Besonnenheit, ein asketisches, scheinbar nicht mehr gestaltete«, fon. dem frei in der Luft schwebendes Improvisieren. Kühler Geist weht durch den Saal. Erst die Klänge des Quartetts op. Il)(mit der„Litanei" und„Entrückung") bringen strahlende Wärme mit. Das Roth-Qusrtelt(Roth. Stromfeld, Spitz, Franke) meistert das Werk meisterhaft;«s ist ein Aufatmen in Freude. Heinz U n g e r leitet nunmehr die Konzerte der„Gesell- s ch a f t f ü r M u s i k s r e u n d e". Di« Progranime geben mit ihren modernen und älteren Erstaufführungen einen schönen Vorgeschmack. Es wäre dem Dirigenten, der sich in 6 Iahren Berliner Wirksamkeit freigespiell und einm glänzenden Ramm dazu gewonnen hat, zu gönnen, wenn die neugegründete Institution stabil bliebe. Er ist ganz der Mann, um in einer gescllschasilch betonten Musikveranftaltung di« Mensen aus der Bequemlichkeit zur Hellhörigkeit aufzuwecken. Mahlers II. Sinfonie ist ein altes Demonstrationsstück Ungers. Davor setzte er einen Psalm von Cmest Bloch. Auch das war«in Stück Mahlerscher Musik(aus dem„Lied von der Erde" etwa), mit vollem, reichem und chorakteristischam Orchester, innerlich zugleich zerrissen und gehalten von ttturgischen Tönen. Ein« Klage in seufzenden Skalen und ein feierlicher Preis, abgestünmt auf jüdisches das freie polltische Leben wie die öffentliche Ordnung über- Haupt sichern � ist das die„Ordnung, von der sie reden, ist das„staatserhaltende" Betätigung? Es ist jener Geist, der politische Unreife mit politischer Gewissonlosigkeit paart, der aus der„Kreuz-Zeitung" spricht. Und da» will regieren! Das ist die Regierungspartei von morgen. Das ist die Partei, die in einer Regierung der Volksgemeinschaft gemeinschaftlich mit den Sozialdemokraten sitzen soll. Landfriedensbruch, Raub, Plünderung als erlaubte Methode gegen Sozialdemokraten— eins Regierung, die das nicht verhindert, sondern womöglich noch begünstigt, das find ihre Ziele. Saeckers Enöe mit Schrecken. Gematzregelt! Die Krise der Chefredakteure hat ein weitere« Opfer ge- fordert. Herr Maurenbrecher wurde gegangen. Es folgte Herr Spieß von der„Zeit". Die„Kreuz-Zeitung" hat ihr Äerhältnis mit Herrn H o e tz s ch gelöst, an seiner Stelle schreibt ein Herr Gouverneur a D. M. C. Schultz-Cwerth „außenpolitische Rück- und Ausblicke". Nun hat es Herrn Baecker von der„Deutschen Tageszeitung" ereilt. Herr Paul Baecker war einer der lautesten Rufer im Streite gegen das Dawes-Gutachten. Seins Parole war:„Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende." Er war aber lieber für den„Schrecken ohne Ende, als es zum Klappen kam, und fiel am 29. August auf die Seite der Jasager. Nun hat er das„Ende mit Schrecken" obendrein, man hat ihn wegen seines Umfalls vom 29. August gemaßregelt. In der„Deutschen Tageszeitung" von gestern abend findet sich folgende Erklärung: „Die andauernd wachsenden Ansprüche an den Inhalt der „Deutschen Tageszeitung" und die Notwendigkeit einer ständigen Fühlungnahme Mit den Parlamenten veranlassen uns, ein« eigene parlamentarische Vertretung einzurichten, deren Leitung unser seitheriger Hauptschriftlei ter Herr Paul Baecker, M. d. R. und M. d. L., übernehmen wird. Herr Baecker scheidet deshalb mit dem heutigen Tage au, der hauptschristteitung unserer„Deutschen Tageszeitung" aus. Deutsch« Tageszeitung Druckerei und Vertag Aktiengesellschaft Aufsschtsrat: Freiherr von Wangenhelm. Vorsitzender. Vorstand: T s ch e r m a k, Generaldirektor." Das politische Motiv der Maßregelung ist schlecht genug verhüllt. Herr Baecker wird an die Wand gedrückt, weil er am 29. Auguss Ja sagte. Die Maßregelung des Herrn Baecker während der durch die Volkspartei herbei- geführten Regierungskrise ist immerhin von einiger Be- deutung. Nicht gerade wegen der Person von Herrn Baecker, sondern weil sie zeigt, welchen Kurs die Deutschnationalen steuern wollen. Die führenden Zeitungen der Deutschnatio- nalen Partei maßregeln die Politiker, die das Zustandekommen der Dawes-Gesetze ermöglicht haben. Daraus ist der Schluß zu ziehen, daß an der Durchführung der Dawes-Gesetze der Deutschnationalen Partei nichts liegt. Die H o e tz s ch und Baecker sollen ihr zur Regierung verhelfen, aber nicht, damit die Partei täte, was sie am 29. August taten, sondern damit sie in der Regierung das Gegenteil tun könne. Das ist doch deutlich genug. Wozu dann das Versteckspiel der letzten Tage?_ Der oftpreußische Skandal. Untersuchung der Vorfälle au der Laudesbant. In Anschluß an di« Meldungen über die skandalös«» Vor- fäll« an der oft preußischen Landesbank, w denen b«- sonders Mitglieder der Deutfchnativnalen kompromittiert waren, hatte di« sozialdemokratisch« Fraktion im Landtag«in« Anfrage eingebracht. Das preußische Innenministerium erteilt jetzt darauf folgende Antwort: „Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen als zu- ständig« Aussichtsb« Hörde ist alsbald nach Veröffentlichung der Mit- Fühlen oder vielleicht aus ihm heraus geboren. Ein dankbare« All- sole wird im Munde der E a h i« r zum Gebet der Taufende, und das hastet länger als das ganze Drum und Dran, das bei aller Fein- fühligkeit doch«in Wert aus zweiter Hand ist. Arnold Ebel kam in den Abendmusiken von Grotrian-Stein- w«g mit nicht weniger als 20 Liedern und 2 langen Balladen zu Wort. So stand er sich selbst im Weg: denn sein« kompositorische Begabung ist nicht schillernd, nicht bunt genug, um von innen her so viel Dichtung musikalisch zu erfüllen. Ebel ist«in Norddeutscher, ein klarer und geraoer Kopf, also dem modernen Unfug genau so abhold wie dem allzu Lnrischen. Während die Musik zu zwei Miegel- schen Balladen nur schwerfälliger Ballast der Nachzeichnung blieb, klang in den Holz-Liedern Können, Intuition, gestattend« Kraft durch. Richl nur im Komponieren, auch im Ausmerzen soll sich das Können zeigen. Roland Hell, der falsch« Tenor, und Minna Ebrl- Witd«. die«cht« Sopranistin, verhalfen dem Ebelschen Werk zu Erfolg. Margarete S i t t i g ist eine sehr tüchtig«, bildungsfähige Geigerin. Ihr großer, breitgezogener Ton, di« Exaktheit und Sauberkeit der Griffe feien besonders gerühmt: doch fehlt vorläufig noch jedes P«r» sönliche. jedes menschlich Große oder Bezwingend«. Marie B a s c a tritt sehr anspruchsvoll mit einem Kranz schwieriger Wolf-Lieder auf den Plan. Manches gelingt vortrefflich, meist dos kleiner« lyrisch« Genre, während in pastosen und hymnischen Gesängen(„Morgen. stimmung",„Aeolsharve") ein Ausgleich zwischen Mensch und Technik noch nicht getroffen ist. Di« an sich schone Stimme hat Au»- sicht, Trägerin reifer Empfindungen zu werden. Zrieöenssehnsucht! C» gibt wohl kaum«inen Menschen, in dem nicht Friedens- sebnsucht lebt. Rur mit dem Unterschied«, daß dieses elementar- ethische Empfinden bei einem mehr, bei anderen weniger stark«nt- wickelt ist.— „Der Mensch ist gut" sogt Leonhard Frank in seinem gleichlautend betitelten Luche. Ja— der Mensch ist gut— wenn er in einer Gesellschaft leben kann, di« ihn nicht zwingt, schlecht zu sein. Da lebt nun aber der Mensch seit kaum erdenklichen Zeiten in einer Welt, di« erfüllt ist von Egoismus und Rücksichtslosigkeit, ge- züchtet und genährt von der sich nun bald bis zur höchsten Blüte entwickelten privatkapitalistischen Wirtschast. Sie hat denn auch dies« entsetzliche seelenlose Zeit über uns gebracht. Auch hat si« es oerstanden, alles Bestehend« direkt oder indirekt für sich dienstbar zu machen. Nur das Bedeutsamst« sei herausgegriffen, z. B. Schul«, Kirch«. Zeitung und sogar die Kunst. Und, so ideologisch b<> einflußt, ist die Menschheit ein willfähriges Werkzeug im Dienst« dieser unbedingt umzustellenden Wirtschast geworden. Dennoch hat si« es aber nicht vermocht, das Guts und somit auch die Friedens- sehnsucht im Menschen gänzlich zu ertöten. Dieses Fünkchen glimmt unauslöschlich weiter und wird sich dermaleinst zur Flamm« ent- fachen. Schon heute ist die Friedenssehnsucht stärker, denn je zu- vor. Und wer die Hunderttausende am 11. August 1924 im Ber- liner Lustgarten hat aufmarschieren sehen, die doch im Grund« teilimgen der Tagespresse über dl« Vorgänge bei der Londssbont der Provinz Ostpreußen angewiesen worden, eine Untersuchung einzuleiten und über das Ergebnis umgehend zu berichten. Ein vor- läufiger Bericht des Oberpräsidenten liegt bereits vor, der jedoch noch nicht völlig« Klarheit geschaffen hat. Zur restldsen Aufklärung der Angelegenheit ist nunmehr«in beamteter Vankfachmann behufs«ingehender Revision der Geschäfteführung der Bank nach Königsberg entsandt worden. Sobald der Reoisionsbericht vorliegt, wird Entscheidung über etwaige weiter« Maßnahmen getroffen werden." Der Personalabbau im Reiche. 6764 Beamte, 2615 Angestellte, 3141 Arbeiter- Eine Ueberficht Über den Personalabbau im Reiche in der Zeit vom 1. April bis zum 39. Juni 1924 gibt folgendes Bild: Bei den Reichsbehörden, einschließlich der Betriebs- Verwaltungen(Reichspost, Reichsbahn, ReichSdruckerei), find an plan- mäßigen Beamten 5654 entlassen worden. An außerplanmäßigen Beamten 1110. an Beamten im Vorbereitungsdienst 14; dem- gegenüber sind in demselben Zeitraum neu eingestellt worden 261 planmäßige Beamte, 161 außerplanmäßige Beamte, 16 Beamte im Borbereitungsdienst. Von den 5654 entlassenen planmäßigen Beamten ent- fallen! 23 auf Gehaltsgruppe I. 163 auf Gruppe II, 862 auf Gruppe III, 988 auf Gruppe IV, 1466 auf Gruppe V, 944 auf Gruppe Vl, 499 auf Gruppe VII, 367 auf Gruppe VIII, 226 auf Gruppe IX. 143 auf Gruppe X, 56 auf Gruppe XI. 27 auf Gruppe XII, 13 auf Gruppe XM. Ein Beamter auf Einzel- gehälter Gruppe II, zwei Beamte auf Einzelgehälter Gruppe III. Bei den zur Entlassung gekommenen außerplanmäßigen Beamten entfällt die Mehrzahl von rund 1666 ani Grupve III und IV. Bei den Neueinstellungen handelt eS sich in der Mehrzahl (233 von 261 Beamten) um Gehaltsgruppe V. Von den im Reichsdienst befindlichen Angestellten sind in demselben Zeitraum 2615 zur Entlassung gekommen und 610 neu eingestellt worden. Von den 2615 entlassenen Angestellten befanden sich 369 in Vergütungsgruppe Hl, 646 in Gruppe IV, 634 in Gruppe V, 275 in Gruppe VI. 196 in Gruppe VIl, 71 in Gruppe VIII. 39 in Gruppe IX. 76 in Gruppe X. 25 in Gruppe XI. 3 in Gruppe XU. Von den Neueinstellungen kommen hauptsächlich die Gruppen III und IV in Frage. An VerwoltungS- und Betriebsarbeitern sind in demselben Zeitraum 3141 entlassen und 7102 neu eingestellt worden. Der Hauptteil der neueingestelllen Arbeiter entfällt nach der Denkschrift mit 4683 BetriebSarbettern auf das Reichs- verkehrSmini st erium, und zwar auf die Abteilung für Wasserstraße«. Der Zwift im völkischen llager. München. 3, Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Di« Zerwürf- ntsje im Frontkriegerbund sind nun soweit gediehen, daß der 1. Vorsitzende Alletter Strasantrag und Privat klage wegen Beleidigung gegen ssein« ehemaligen Freunde, di« den Fronttrieger- bund 1919, Stammverem. gebildet haben, angestrengt hat. Die Gründe, warum der bayerische Werwolf au» dem Fronttrieger- bund ausgetreten ist, liegen nach einer Erklärmrg des Landesleiters in Forderungen Alletters, daß jeder Angehörige des Werwolf? Nationalsozialist sein müsse, daß der Werwolf Saalschutz ausüben und daß di« Werwolforganifation provozierend auf die Straß« gehen müsse. München. 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) In einer am Dienstag abend im Hofbräuhaus abgehaltenen Sektionsoersammlung der„Großdeutschen Volksgemeinschaft" wurden die Gegensätze zwischen dem Vorsitzenden und Referenten Esser und dem nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Jacob, der eine Schar Anhänger mitgebracht hatte, derart handgreiflich ousgettogen, daß die Polizei eingreifen und da» Lokal räumen mutzte. von nichts anderem, als von dem«inen Gedanken„Frieden" erfüllt sind, der ist beseelt von neuer Hoffnung an das einstmal» erstehende friedliebend« Geschlecht. Diese« Ziel der Sehnsucht zu verwirstichen, ist an erster Stell« da» weiblich« Geschlecht berusen, das von Rawr au« gtück- bringende Innigkeit in sich birgt. Ein nicht zu überbietender tost- barer Schatz! Weh« dir, Tod und Verderben bringender Krieg, diu wirst ihn uns nie entreißenl In den Zeiten des Kriege» ist es gerade das weibliche Ge- schlecht, dos von Angst und Sorg« um das Schicksal der Lieben gepeinigt, die schwersten seelischen Qualen zu erleiden hat. Soll das immer so bleiben? Nein! Ni« und nimmermehr wollen wir Tränen vergießen über ein Unheil, da« zum großen Teil durch uns abgewendet werden kann. Aber— erst dann, wenn all« Frauen, di« ihre Größe und Stärke noch nicht voll erkannt habe», das durch sie zum Leben kommend« junge Geschlecht bewußt mit Friedenssehnsucht erfüllen. wird der Frieden nid# mehr Sehnsucht, sondern Wirklichkeit sein und bleiben. DI« Münchener Telephonoper. Am 1. Oktober erfolgt« in Mün- che» die erste drahttelephonische Uebertragung der dortigen Oper. 2566 angeschlossene Teilnehmer hörten die Vorstellung der Oper „Aida", die gelieferte Partitur vor sich liegend, im eigenen Heim ab, und dieser erste Abend soll einen vollen Erfolg gebrächt haben. Ob- gleich noch verschiedene Mängel festgestellt werden mußten, so z. B. «ine auffallende Schwäche in der Tonfülle der Chöre und das allzu- stark« Hervortreten des Schlagzeuges, soll doch die Gesamtwirkung. insbesondere die Reinheit der Musckübertragung, den Uebertragungen durch den Rundfunk weit überlsgen sein. Dies« Taffache fft an sich gar nicht weiter verwunderlich, denn die bei der Telephonoper ge- leistete Umformung wird bei der Radioüberttagung lediglich erst als Vorarbeit angesehen. Das Arbeitsprodukt, das die Telephonoper als Fertigfabrikat ihren Teilnehmern liefert, wird bei der Radioüber- tragung dem Sender zugeführt, und hier beginnt erst die eigentliche Umformung in elektrisch« Wellen, die dann beim Empfänger wieder- um in Schallwellen zurückgeformt werden. Trotz dieser vielen Um- Wandlungen, die die Schallwellen hier durchzumachen haben, ist der Arbeitsvorgang heute bereits so verfeinert, daß auch in München niemand mehr einen merkbaren Unterschied in der Güte der Tele- phon- und Radioübertragung wird feststellen können. Für den Mün- chener Rundfunk ist es sehr erfreulich, daß di« Drahtoper in so her- vorragender Güte gelungen ist, denn beides liegt in einer Hand. dem Reichspostministerium in München, und so wird es also bald so weit gediehen sein, daß der Mimchener Rundfunksender durch die Münchener Telephonoper gesteuert wird, und so auch wir in den anderen Gauen Deutschlands in den Genuß der Münchener Opern- aufführungen gesetzt werden. Tauschskelle für wissenschastliche Glerutur. Um über die Möglichkeit der fsortsührung und des sluSbaus der in den Räumen der Staalsbibliotbct Berlin untergebrachten.Tauschslille für wissenschaftlich« Literatur- bindende Entschlüsse zu fassen, werden alle Gutscheinwhaber zu einer Besprechung in den Räumen der Tauschstelle am Sonnabend, den 11. Oktober um 5 Uhr eingeladen. Gutschein legitimiert. /Auflösung oöer 3 Die Entscheidttngsdebatte London. 8. Oktober.(Gigener Drahtbertcht.) �eirt« Mittwoch nachmittags trat das Unterhaus zu d«r mit der größten Spannung erwarteten Sitzung, die über das Schicksal der Arbeiterregierung entscheiden soll, zusammen. Den kritischen Punkt bildete der Ärctrog der Konservativen, dem Attorney-General(dem höchsten richterlichen Beamten, der bei jedem Kabinettswechsel neu ernannt wird) einen Tadel auszusprechen, wei! er die Strafverfolgung gegen den kommunistischen Redakteur Campbell aufgehoben hat. Campbell hat vor einiger Zeit erklärt, daß die Aufhebung der Straf- Verfolgung auf politischen Druck hin erfolgt sei. Di« Kon- servatioen nehmen an, daß der Attorney-General zur Aufhebung der Strafverfolgung von der Arbeiterregierung veranlaßt wurde. Zu dem konservativen Tadelsantrag haben die Liberalen einen Zusatzantrag gestellt, der eine Untersuchung dieses Vor- gangs durch einen besonderen Parlamentsaueschuh verlangt. Macdonald hat für den Fall der Annahm« auch nur eines dieser Anträge angekündigt, daß er dem König die Auflösung des Unter- Hauses und die Ausschreibung von Neuwahlen vorschlagen werde. Die Sitzung nahm folgenden Verlauf: Vor vollbesetztem Haus« begründete der frühere Schatzminister Sir Robert hörne den Antrag der Union isten. Er erklärte, wenn die Ausführung der Gesetz« erst der politischen Zweckmäßigkeit untergeordnet werde, würde die Gerechtigkeit überhaupt verschwinden. Der Attorney-General sollt« völlig frei von politischen Einflüssen. sein, wenn er sich sein« Ansicht bilde. Kein größerer Schlag könnte gegen die britische Zivilisation geführt werden als der, daß der oberste Gerichtshof für Parteiintcreffen benutzt werde,-und der Vor- murf gegen die Regierung fei eben der, daß'sie derartige Dings ge« tan habe, Horn« fuhr dann fort, die Haltung des Attorney-Generals chafttngs zu kritisieren. Der Attorney-General Hab« erklärt, daß «ine Beratung mit dem Staatsanwalt stattgefunden Hab«, bevor der letztere in der Sitzung des Gerichtshofs ankündigte, daß die Anklage infolge gewisser Vorstellungen fallengelassen worden sei. chorne rief Sensation hervor durch die Erklärung, daß zwischen dem Staatsanwalt und dem Attorney-General«ingehende Be- sprechungen stattgefunden hätten und daß die vor dem Gerichtshof abgegebene Erklärung mit voller Kenntnis von chastings erfolgt fei. Der Attorney-General verteidigte die Aufhebung der Strafvarfolgmg gegen Campbell. Cr sagte, die Strafoerfol- g u n g war unvedachtsam von der ersten Instanz eingeleitet worden. Er habe sie aufgehoben, als er von Abgeordneten der Arbeiterpartei informiert wurde, daß Campbell Im Kriege die Bein« weggeschossen worden sind, daß er die Militär- Verdienstmedaille erworben habe und daß er nur vorüber« gehend kommunistischer Redakteur gewesen ist. Unter diesen Umständen sei er sich klar geworden, daß die Strafverfolgung mehr Leid als Gutes schaffen würde. Dem Premierminister sei am ö. August gesagt worden, daß Campbell vor Gericht erscheinen müsse. Da sprach Macdonald die Meinung aus, daß dieser Prozeß nicht burchpeführt werden sollte. Macdonald bestritt, daß er in der Frage der Aufhebung der Strakverfo'gung zu Rate gezogen worden ist. Formell, wenn er den Begriff Rat in seinem tech- -Tischen Sinn« meint«, war er natürlich berechtigt, da« zu sagen. Man wirst ihm sedoch vor, daß er damit den Glauben erwecken wollte, als Hab« er von der ganzen Angelegenheit nichts erfahren. Nach Robert hörne erhob sich der Attorney-General Sir Pakrick haftiags. der von den Arbeitsrabgeordneten mit lautem Beifall empfangen wurde. Cr gab dem Haufe im einzelnen Aufklärung über jede Per- son, die mit diesem Fall von Anfang an bis zum Ende in Lerfrindung gestanden hat. Er sagte, wenn er morgen dasselbe zu tun hätte, was er getan hat. würde er ganz genau so oersahren. Er glaube im englische» Unterhaus. nicht, daß e» im ganzen Lande«inen Anwalt gebe, d» «räch Kenntnisnahme aller Umstände anders gehandelt hätte, als«i selbst, Als er das erstemal von dem aufrührerischen Artikel durch den Staatsanwalt gehört habe, wobei der Rame Campbell noch nicht erwähnt wurde, habe er den Staatsanwalt ange- wiesen, zu unter suchen, von wem der Artikel stamm c. und den Prozeß einzuloten, sobald dies genügend erforscht sei. Als er Härte, daß Campbell verhaftet ist, habe er sich selbst um die welter« Unter« suchemg gekümmert. Er habe sich überzeugt, daß Campbell im Krieg«, den er von Anfang bis zu Ends mitmacht«. beide Betneverloren habe. Sollte man mit dem oanzen Gk- wicht der Regtet ungsautorität einen Prozeh gegen«tncn Mann durch- führen, der als Kriegskrüppel ohne Beine auf die Anklagebank .humpelt? Der Attorney-General verlas eine Erklärung der höchsten Strafvollzugsbcamten, mit denen er über den Fall konferiert hat. Die Erklärung bezweifelt, daß Campbell» Ärtttel «ins Aufreizung zur Meuterei der Soldaten sei und sagt, daß die Strafverfolgung lediglich der kommunistischen Agt» tation dienen wurde. Zu dieser Besprechung sei dann Mae- d o n a l d gekommen und habe geäußert, daß die Strafverfolgung von Anfang an«ine-bedenklich« Maßnahme gewesen sei. Der Attorney- General frua am Schlüsse das Haus, was er denn nach dieser Lage der Ding« für ein Unrecht getan habe. Den Zusatzantrag der Liberalen begründste Sir Zahn Simon. Der Antrag sagt, daß der ständige Ausschuß de» Unterhauses mit der Untersuchung der Angclegenheit beauftragt werden soll. Simon führt« cm», baß die ernsteste Frag« wäre, in w«lch«m Umfang« Minister für die Affäre verantwortlich seien. Di« Ausdeckung der Einflüsse, die die Vorgesetzten des Attorney- Generals ausgeübt haben, sei Notwendig, Merkwürdig sei, daß her Premierminister in einer Zeit der Ueberlastung mit großen An- gelegenheiten sich dieser Frage besonders angenommen Howe. Er unterstellte, daß die Straiverfolgung eingestellt worden fei, weil die Anhänger des Premierministers dagegen Front gemacht hätten. MacSonalS erklärte, daß die Annahme des konservativen oder liberalen An« trage« da« Ende sei. Die Regierung würde dann zurücktrekcn. Sie habe viel für die Ehre des Landes und seine soziale Siabilllät getan. Denn da» Land Gelegenheit bekomme, fein Urteil üb« die Regierung zu fällen, würde diese erneut in» Amt kommen. >!> London, 8. Oktober.(MTB.) Vor der Debatte entschul- digt« sich Maedvnald wegen seines Dementi» in der letzten Woche, daß der.Fall des„Workers Weetty' von dem Kabinott be- sprvclien worden wäre. Cr sagte, er hätte in der Hitze der Debatte vergessen, daß die Frag« offiziell besprochen worden wäre, dief« Besprechung habe sich aber nicht um persönlich« Erwägungen gedreht. keine sofortige EntstheiSong! London, 8. Oktober.(EP.) Der politisch« Redakteur des „Star"' erklär»:, In letzter Stund« aus guter Quelle erfahren zu haben, daß, wenn das Kabinett heute abend gestürzt werde, so werd« MacdonÄd sein« Demiss ton dem König nicht über» geben, bis da« Oberhaus in dritter Lesung die irische Bill angenommen Hab« und wenn die Vorlage abgelehnt werde, so würde Macdonald seine Demission einreichen, da er der Ansicht« wäre, die irisch« Frag«, der Dawes-Antrog und der Sowjet-Vertrag würden zusammen«in« genügende Plattform darstellen, um Neu- wählen vornehmen zu können. Clynes erklärte einem Redakteur de»„Star"', er befürchte, daß sich, heute abend etwa»«eigne, da« niemand wünsch« und all« bedauern werden. Nach Geisler tvulle. Beleidsgungsklsge gegen TLulle— Wulle erscheint«ich t. Reichstagsabgeordneter Wulle hatte im Just vorigen Jahres unter der Ueberfchrift:„Wie Herr Seoertng für sein« Beamten sorgt" estlen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wurde, Minister Severing habe den Polizeibeamten die Verfolgung gänzlich unv-voachtiger Völkischer zugemutet, was sich schwer mit deren Gewisien vereinbaren lasie. Weiter habe«r mindestens 100 Polizei» beanu« obwohl sie sogar teilweise auf der Auslieferung»- liste standen, unter Androhung eines Disziplinarverfahrens im Fall der Weigerung Ins besetzte Gebiet abkrnnmendi-m, wo sie sofort von den Franzosen ins Gefängnis geworfen worden seien. Mimster Swering hatte darauf gegen Wulle und den ver- annvortlichen Redakteur Weber st aedt Beleidigung«« klage erhoben. Z-u dem vom Schöffengericht Tempel- Hof auf Dienstag angesetzten Termin war Wulle mit der Berufung auf seine Eigenschaft als Reichstagsabgeordineter nicht erschienen. Der Angeklagte Weber st aedt erklärte, den Wahrheitsbeweis nicht antreten Zu können, da Wulle die schriftlich verfprochene R a m- haftmachung von Zeugen bisher unterlassen habe. Er beantragt« Vertagung zur Vorbereitung eines eigenen Wahrheitsbeweises. Der Erste Staatsanwalt Binder beantragte darauf, zu dem neuen Termin die zwangsweise Vorführung Wulles wegen unentschuldigten Ausbleibens zu beschließen. Nach der Der- fassung dürfe«ine Beschränkung der Freiheit eines Abgeordneten nicht erfolgen. Diese Bestimmung sei aber so auszulegen, daß die Vorführung nicht ausgeführt werden dürfe, wohl aber tonn« ein Vorführungsbeschluß ergehen-, wenn dieser erfolgt sei, dcma könne das Gericht die Ausführung des Beschlusses beim Reichstag beantragen. Das Gericht vertagt« die Verhandlung, lehnte aber die Zwangsoorführung mit der Begründung ab, das Schreiben Wulles fei als ein« Entschuldigung(I) auf- zufassen und die Frage der Zwangsvorführung könne erst erörtert werden, wenn Wulle der nächsten Ladung nicht Folge leistet. Der Beschluß de» Schöffengerichts bedeutet eine oölliq u-n- gerechtfertigte Verschleppung der Beleidigungsklage. Wulle hatte in seinem Begleitschreiben zu dem inkriminierten Ar- likel dem verantwortlichen Redakteur Weberstaedt versprochen, ihm im Falle von Weiterungen mit Material zur Seite zu stehen und die Verantwortung zu tragen. Daß Wulle sein Versprechen nicht halt, ist echt deutschvölkisch und das persönliche Pech W-ebsrstaedts. Er hatte als Mitangeklagter mindestens die Pflicht, sich rechtzeitig um das für den Wahrheitsbeweis nötige Material zu kümmern. D-ß er und sein Rechtsbeistand mit leeren Händen vor das Gericht traten, läßt daraus schließen, daß es mit dem Beweismadericll in diesem Foll ebenso bestellt ist, wie bei anderen völkpsch-deutsch- nationairn Verleumdungen auch: es ist nicht vorhacrden. Im Interesse des Staates und des beleidigten Mini- sters liegt es aber, di« Klarstellung möglichst bald herbeizuführen. Da Wulle es nicht nur verabsäumt hat, selbst zu erscheinen, sondern auch das versprochen« Beweismaterial nicht erbracht werden konnte, war die von der Staatsanwaltschaft be- antragt« Zwangsvorführung das gegeben« Mittel, um zum Ziele zu gelangen. Indem sich da» Gericht aus durchsichtigen Gründen widersetzte ind es überhaupt absthnie, diese Frag« zu klären, hat es zwar im Interesse des Angeklagten, nicht aber im Interesse der Sache und des Staates gehandelt. Man muß sich fragen, ob das Geruht zu derselben Entscheidung gekommen wäre, ivenn»» sich um sine kommunistische Verleumder- g e s ch i ch t« gehandelt hätte. Spieß' Nachfolger. Wie di«„Teiegraphen-Union" erfährt, wird an Stell« de» zurückgetreten«» Chefredakteur» Eduard Spieß der bisherige politiichc Redakteur des„Hannoverschen Anzeiger", Dr. Heinz Goldammer, di« Leitung der.Zeit" übernehmen. Der Magtflral von Dortmund hat beschlosien, dem Preußischen StaatSministerium in Berlin für die Neuwahlen der Stadt- vcrordnetenversammlung den 7. Dezember d. I. vorzuschlagen. Künstliches Petroleum. Auf dem gegenwärtig in Paris iagenden Kongreß der Cbemiker, der sich die Herstellung künstlichen Betriebsstoffes für Berbrennungsmotorc aus mineralischen und pflanzlichen, in Frankreich vorkommenden Bestandteilen zur Aufgabe gestellt hat, konnte der Toulouser Professor Maihle Ergebnisse erfolgreicher Per- suche vorlegen, zu denen er halb zufällig durch seine Untersuchungen katalytifcher Zersetzungen gelangt ist. Seine ersten Erfolg« erzielte er mit Leinöl und elektrolptischem Kupfer in Verbindung mit Alu- minium als Katalysator. In jüngster Zeit macht er Versuch« mit Fettsäuren. Es gelang ihm durch die Verwendung von Chlor- magnesium als Katalysator 68 Proz. künstliches Petroleum aus einer Mischung von Säuren zu ziehen die au» Lein- und Erdnußöl ge> wonnen waren. Aus diesem Petroleum konnten sowohl Motor- spiritus und Benzin wie auch schwere und dickflüsiige Oele mit Hilfe eines ganz einfachen Verfahrens hergestellt werden. Auf die gleiche Weise ist es Professor Maihle auch gelungen, synthetisches Petroleum aus Vienenwachs und Chlorophyll zu gewinnen, dessen Erzeugung als Nebenprodukt sich bei den Industrien sehr vorteilhast gestalten dürft«, wie die Papier- oder Kunstseldefabritation Zellulose und andere Holzprodukte oerarbeiten. Die Reugestaltung der Lehrerbildung. Das Preußische Staats- Ministerium hat in seiner Sitzung vom 7. Oktober über die künftig« Gestaltung der Lehrerbildung Beschluß gefaßt. Noch diesem für die Entwicklung unseres Schulwesens strundlegead wichtigen Beschluß erhalten die Volksschullehrer und-lehrerinnen künftig ihre allgemeine wissenfchafrliche Ausbildung auf den höheren L« h r a n st a l t e n. Der Eintritt in die pädagogische Ausbildung setzt künftig die Ab- legung einer Reifeprüfung cm einer neunstuftgen höheren Lohranstalt oder einer Aufbouschule voraus; über die Gestaltung der pädagogischen Ausbildung im einzelnen, die nicht auf der Universität erfolgen wird und zweijährig gedacht Ist, wird das Staatsminsstenum in naher Zeit weiteren Beschluß fassen. Erblindungen in Amerika. Aus emer Statistik über Erblindungen in Amerika erkennen w,r, daß die Zahl der jährlich Erblindeten bedeutend größer ist, als man geglaubt. 4i66 Personen haben in den letzten zwölf Monaten in den Vereinigten Staaten ihr Augenlicht verloren. Die Mehrzahl sind Männer und Knaben, denn nur 15 Proz. Frauen und Mädchen gehören zu diese-. Unglücklichen. Die Ursachen sind der verschiedensten Art. Der bolw Prozentsatz der Kinder, 26 Proz., ist größtenteils auf Unfälle beim Spiel zurückzu- führen. Autounfälle forderten 881 Opfer. Explosionen oder Der- letzungen durch Feuerwaffen sind bei 202 Personen die Ursache. Unfall« in industriellen Betrieben bilden d>« größte Gruppe. Beim Basebollsplel verloren 65 Personen, beim Golfball 17 Personen ihr Augenlicht. Leichtsinn im kindlichen Spiel verletzt« 27 Personen durch Schleuderwürf« und 24 Personen durch Pfeilschuß so ernsMch, daß Blindheit«intrat. Sa» Latein am»ealgymaasium ble'bt PDchtsach. Der preußis-b- Kultu«miiiist«r bat sich entschieden, am Realgynrnaiminbas Lateinische auch in Zukunft bi« zur Reifeprüfung al» Pflichtfach lartzulühren. Bühnen chronlk. Gustav Wickelt wurde für di« Rolle de».Dufour» in der Komödie.Dipagran reist nach Paris- an daS Theater am Kur. fürftendamm verpflichtet. Frankreich und Sie Anleihe. Beteiligung gesichert. pari«, 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Ueber die Beteili» gung Frankreichs an der Dawes-Anlcihe sind«ine Reih« sich wider- sprechender Nachrichten verbreitet worden. Noch unseren Erkun- digungen ist der Stand der Angelegenheit augenblicklich folgender: Di« Beteiligung der französischen Finanz an der Anleihe in Höh« von 2 Millionen Pfund Sterling ist im Verlauf« der Besprechungen, di« am Dienstag zwischen der Regierung und den Vertretern der namhaftesten Geldinstitute stattfandeir, endgültig sicher- gestellt worden. Gewisse Differenzen bestehen nur noch Hinsicht- lich der W ä h r u» g, in der die in Frankreich zu placierenden Schuldlitel ausgestellt werden sollen, und hinsichtlich der von den einzeln-a Ländern zu übernehmenden Anteil«. Der Zweck dieser Maßncchm« ist offenbar der. daß die Zeichner in den europäischen Ländern sich früher oder später ihrer Anleihestücke zu entledigen suchen und dies« dann in größerem Matz« den beiden größten inier- nationalen Geldplätzen zufließen. Die am Donnerstag in Lon- dem beginnenden Verhandlungen zrckfchen den englischen, amerikani- schcn, französischen und deutschen Banken gelten vor allem der Rege- lung dieser Frag«. Gegen die Ausgab« des für Frankreich bestimm- te» Anteils in« n g l i f ch« r Währung scheint von französischer Seit« prinzipieller Widerspruch erhoben zu werden, doch machen die fran- zäsischen Banken die endgültige Zustimmung dazu von einer Reih« von Konzessionen abhängia, di« einer ungünstigen Rück- Wirkung, dieser Emission auf den Kurs des Franks vorbeugen sollen. Der Anteil Belgiens an der Anleihe ist, wie der Brüsseler Korrespondent des„Tempo" meldet, bei den Besprechungen des «nglifch-amerikanichen Syndikats auf VA Millionen Pfund festgesetzt worden. Trotz des Widerspruch» führender Brüsseler Banken hat die belgische Regierung sich zur Uebernahm« dieses Betrages bereit er- klärt. Sowohl in Frankreich wie in Belgien dürft«, wie wir hören. entgegen anders lautenden Meldungen die Anleih« zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt werden. Paris. 8. Oktober.(EP.) Eins Note des Finanzmini- st« r i u in s erklärt, daß die deutsche Anleih« in Frankreich nicht in Pfund Sterling.sondern in Franks gezeichnet werde. Ein Rück- schlag auf die französische Valuta sei somit nicht zu befürchten. Brüssel, 8. Ottober.(Agsnee Belge.) Auf Wunsch der Regie- rung haben die Banken den einstimmigen Beschluß gefaßt, der Dawes-. Anleihe ihre Unterstützung zu geben. Frankreich soll zahlen. Dashiugtoa, 8 Oktober.(EP.) Der progressistisch« Präsident fchaft»- Kandidat Senator Lafollette hat in einer Rede erklärt, wenn er zum Präsidenten gewählt werde, so werde er die«uropSIschen Nationen z w i n g e n, die Z t n s e n ihrer Kriegsschulden an Amerika zu bezahlen. Bis jetzt hätten weder die Demokraten Noch die Republikaner ernstlich versucht, diese Slngclcgcrchcit zu regeln. Frankreich täte besser daran, anstatt eine Arme« von 700 000 Mann zu unterhalten, das dafür ausgegebene Geld dazu zu ver- wenden, fein« Schulden an Amerika zu bezahlen. Auslieferung verweigert! Ungarn schützt den Erzberger- Mörder. Budapest. 8. Oktober.(WTB.) Der Iustlzmmlster hat die Auslieferung von Schulz verweigert. Nach der bisherigen Haltung der ungarischen Behörden war eine andere Entscheidung oes Iustizministers nicht zu erwarten. In Ungarn hatten die Mörder Erzbergers seit langem eine Gaststätte gefunden. Ihrer Entlarvung setzten die ungarischen Behörden alle erdenklichen Schwierigkeiten ent- gegen, und noch nach der Identifizierung des Erzberger- Mörderp Schulz versuchte man die Angelegenheit durch Ab« leugnvngsversuche zu verdunkeln. Das ist nicht gelungen. Vor aller Welt kann festgestellt werden, daß die Mörder Erzbergers sich oes Schutzes der ungarischen Behörden erfreuen. Ungarn macht sich dadurch eines Miß- brauchs des Asylrechts schuldig und wir erwarten, daß di« Reichsregierung diese offensichtliche Parteinahme für Mitglieder einer Mordorganisation, die auch heute noch den inner« Frieden bedroht und deren Fäden auch heute noch nach Ungarn hinüberspielen, nicht stillschweigend hinnimmt. deutschlanü � Frankreich X völkerbunö. Vorgeschichte der englischen Antwort. pari», 8. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Neber die englische Antwort auf daS dentiche Memorandum zur Frage dcS Eintritts Deutschlands in den Völkerbund meldet die Agenee HavaS aus London, daß die englische Regierung zunächst die Absicht gebabt habe, sich jeder direkten Intervention zu entbalten und es dem Völkerbund selbst zu überlassen, über die Annahme oder Ablehnung der deutschen Bedingungen zu entscheiden. Erst nachdem die eng- lische Regierung Kenntnis von dem Inhalt der französischen Antwort erhielt, habe sie sich entschlossen, auch ihrerseits die deutsche Not« im Detail zu beantworten. Die englisibe Regierung sei von Herriot informiert' worden, daß er gegen den Eintritt Deutsch- lande in den Völkerbundörat sowie gegen Deutschlands Beteiligung an dem Sekretariat bzw. der Verwaltung de» Völkerbundes Einwendungen nicht erheben werde. Völkerbund und Minderheiten. Erkundung ihrer Behandlung. Belgrad, 8. Oktober.(Eca.) Der Chef der Völkerbundsektion für den Minderheitsschutz, der Schwede Erik K o I b e u. trifft morgen in Belgrad«in. Die Reise Kolben« erfolgt auf Anregung der süd- slawischen VSUerbimdSdelegation. Der Völkerbund soll sich an Ort und Stelle von der Lage der ungarischen und der bul- garischen Minderheiten in Jugoslawien überzeugen. Diese südslawische Einladung scheint ein gutes Gewissen dieses Völkerstaates zu beweisen. Es gibt allerdings in Süd- slawien— und nicht nur dort— auch eine große deutsche Minderheit. VeweMchafisbewegung /lus üem Straßenbahnbetrieb. Der offenbar mehr auf Ueberschüsse als auf Sicherheit und an- händige Personalwirtschaft zugeschnittene Straßen bahnbe trieb mit feinen täglichen Unfällen wächst sich mehr und mehr zu einer öffent- lichen Gefahr für die Sicherheit der Berliner Bevölkerung aus. Di« auf die Suche nach der Schuld der Fahver eingestellten Unter- suchungen bringen denn auch meist das g?wünscht« Ergebnis. In berechttgter Abwehr gegen die Methode, das Personal zum Sündenbock für die ganze Wirtschaft der Straßenbahn zu machen, schildert uns ein Straßenbahnschaffner die Dien st- einteilung und die Fahrzeit. Das Fahrpcrfonal muht« oft 14, 18 Tage, im Hochsommer sogar noch länger, bis zu 24 Tagen Dienst tun, bevor es emen fteien Tag bekam. Daß das Personal solche Anstrengungen bei dem unge- heuren Berkehr, den die Straßenbahn zu bewältigen hat, nicht aus- halten kann, ist selbstverständlich. Mit der Diensteinteilung ist es ebenso. D i e n st n u m m e r n, die nur auf einer Linie zu fahren sind, werden noch geteilt. So kommt es, daß man von früh 5.32 bis mittags 12.20 und nachmittags dieselbe Linie von 4 bis 6, 7 Uhr fahren muß. Es gibt noch zerrisseneren Dienst, wo man früh drei Stunden fährt und dann nachmittags noch 10 bis 12 Stunden Dienst zu machen hat: nachts 3 Uhr kommt man auf den Bahnhof, um cm anderen Tag vormittags wieder anzufangen. Wo bleibt hier eine ordenttiche Ruhezeit? Das Kapitel Fahrzeit muß von den Behörden näher be- trachtet werden. Di« Direktion wird hier einwenden, sie könne die Fahrzeiten nicht verlängern; denn das Personal würde dann ebenso schnell fahren wie bisher, um sein« Haltezeit, die natürlich nicht be- zahlt wird, zu verlängern. Aber hier sollen nachfolgende Zahlen reden. Hier der Fahrplan einer Linie(09) mit 72 Minuten Fahrzett. Haltezeit 19 Minuten s Haltezeit 17 Minuten an 5.51 6.10 ab> an . S-öl 9.10, I . 11.51 12.10,| In Wirklichkeit: an 6.06 6.10 ab . 9.01 9.10, . 12.03 12.10. 7.22 10.22 1.22 7.83 10.28 1.32 7.39 ab 10.39. 1.39. 7.39 ab 10.39. 1.39. Statt einer Gesamthaltezeit von 108 Minuten ist nur ein« solche von 4 4 Minuten vorhanden; die übrgen 64 Minuten gegen i n d i e Fahrzeit auf. Diese 64 Minuten werden aber nicht bezahlt, da sie planmäßig mit zur Haltezeit rechnen. De Fahrzeit ist also hier um 15, 10 und 12 Minuten bzw. um 11, 6 und 10 Minuten verlängert worden. Wenn das Personal nun zu seiner Haltez-it einigermaßen heran- kommen will, so muß es seine Fahrt beschleunigen, und ist somit, ohne daß es will, geiz wungen, rücksichtslos zu fahren, die Gefahr im Auge, jeden Moment einen Zusammenstoß zu bekommen. Di« angegebenen Verspätungen sind nicht etwa durch Verkehrsstörungen(Entgleisung, Baustellen usw.) entstanden, sondern nur durch den langen Aufenthalt an den Haltestellen zum Pers-nen- Wechsel. Auf den Ringlinien ist es leichter zu merken, wenn Ver- spätungen sind. Da kommen drei bis vier Wagen zugleich an und es führt zu Umleitungen. Aber die Osffentlichkeit wird sagen:„Erzählt das doch eurer Direktion, damit sie Abhilf« schaff tl" Aber wie sieht es" aus mit dem Hand-inHand-Arbeiten mit der Direktion? Der Betriebsrat, der wegen all dieser Ding« vorstellig geworden ist. wurde von der Direktion mit spöttischem Lächeln a hge w iesen Di« Herren haben überhaupt nicht die Absicht, ihr Personal anständig zu behandeln, nicht einmal d* Fahrzeiten zu verlängern. Der Betriebsrat hatte schon vor vier Wochen den Antrag auf Verlängerung der Fahrzeit gestellt. Auf ein« Stunde Fahrzeit sollten 6 Minuten Verlängerung hinzukommen. Das hat die Direktion abgelehnt. Dem Betriebsrat wurde gesagt, daß nur er es sei, der diese Verlängerung fordert. „Wir haben solch geduldige Leute, die sind gor nicht so radikal, wie Sie es darstellen." Daß dem nicht so ist, davon legt« die letzte Ver- sammlung der Straßenbahner Zeugnis ab. Es wurden Stimmen laut für einen Streik. Höften wir, daß es ohne den geht, die Direktion auf Verhandlungen eingeht, um weitere Folgen abzuwenden. Dem Straßenbahnpersonal aber sei klipp und klar gesagt, daß es kein« seiner Forderungen durchsetzen kann, wenn es sich nicht restlos feiner Organisation anschließt, dem Deutschen Verkehrsbund. Der Streik der Mühlenarbeiter. Während de« Streiks der Mühlenarbeiter find die Unternehmer an das Polizeipräsidium verschiedentlich schon mit Anträgen heran- getreten, Kähne mit Getreideladungen zu entladen, weil sonst daS Getreide darin verderben würde. Die Unternehmer wollten diese Arbeiten durch die Technische Nothilfe ausgeführt sehen. DaS Polizeipräsidium hat im Einvernehmen mit dem Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Sachverständige ernannt. denen die Aufgabe zufällt, die Anträge der Firmen einzeln zu prüfen. Demgemäß hat die Streikleitung zu entscheiden, ob die Arbeit von den Streikenden ausgeführt werden soll oder nicht. Am Freitag finden vor dem Schlichter Groß-BerlinS Per« Handlungen über eine Verbindlichkeitserklärung des Schieds- spruche« statt. ES steht zu hoffen, daß bei einem Entgegenkommen der Unternehmer in der Frage der Lohnerhöhung wie auch hin- sichtlich Geltungsdauer des Schiedsspruches eine Verständigung möglich ist. Ein untergegangener Stern. Gegen den Führer der sogenannten revolutionären Metall« arbeiter, Ostrowski, den„blutigen Leo", tagte kürzlich ein Schiedsgericht der„Union der Hand- und Kopfarbeiter". Das Organ der Union hüllt sich in Schweigen über die Gründe, die zur Einsetzung des Schiedsgerichts führten, sodaß man allerlei Ver- mutungen haben kann. Es wird nur mitgeteilt, daß O. während der Verhandlung zwei seiner Genosien„Denunzianten" titulierte und das ganze Schiedsgericht ablehnte, weil„Nichtkommunisten und Antibolschewisten" dabei wären. Das Verfahren endete mit O st rowskis Ausschluß aus der Union. So verschwindet einer nach dem anderen von den„revolutio- nären" Führern. Die kommunistische Oberleitung putzt Leute, die weder geistige noch moralische Qualitäten haben, heraus, setzt ihnen etwas in den Kopf und läßt sie auf die Arbeiterschaft los. Diese »lchtun»! W.-WMlllkjU Achtuna! Heuke Donnerskag, S. Okiober, abends 7 Ahr, in den Musikersälen, Saiser-Wilhelm-Slrahe ZI Versammlung aller SPV.-Metallarbeitsr und-arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Solturaufgaben der Sozialdemokratie. Referent: Genosse A. Horlitz. 2. Fraktionsangelegenheiten.— 3. Wahl des FraltionsvorsiandeS. Für diese Versammlung muß rege Propaganda von den Vertrauensleuten gemacht werden. � Varteiauswcis legitimiert! Der Fraktionsvorstand. NB. Der Fraktionsvorstand tritt um 5llhr im selben Lokal zusammen. Hochgepäppelten merken nicht, daß sie nur willenlose Werkzeuge Moskaus sind. Bei dem geringsten Verstoß gegen die Anordnungen der Zentral« werden sie ebenso kaltgestellt, wie sie hervorgeholt wurden. Wer nicht Ordre pariert, der fliegt, ist der Grundsatz, nach dem die Unteroffiziere der Moskauer Feldwebel behandelt werden. Viele Fübrergarnituren der Metallarbeiter verschwanden schon so: Von Müller über Rusch und Nawrocki, bis zu Ostrowski. Wann wird die Arbeiterschaft lernen, diese Leute als das anzu- sehen, was sie sind, nämlich�OrganisationSzerstörer, Schädlinge der Arbeiterbewegung._ Delegiertenkonferenz der Maler. Am Sointag, dem 5. Oktober, tagte im ökwerkschaftshaus die gutbesuchte Delegiertenkonferenz der Organisation der Maler Berlin- Brandenburg. Der Bevollmächtigte S ch j e m a n n referierte über Tarif- und Berufsfragen im Malergewerbe. Dem Bericht war zu entnehmen, daß die Arbeitsverhältnisse überall als g ü n st i g zu bezeichnen sind. Die berechtigten Lohnforderungen haben leider nicht durchgesetzt werden können, weil im Frühjahr ein Teil der Kollegen Anschluß bei den Chemnitzern suchte. Inner- halb der Bettiebe wurde der Kampf nicht gegen die Arbeit- geber, sondern um die Organisationsform geführt. Die Unternehmer waren die lachenden Dritten. Veranlaßt durch den Zwiespalt in den Kollegenkreisen, hielten es die Arbeitgeber für angebracht, auf ihrer Tagung in Hannover für Verschlechterung der sozialen Tarisbestimmungen und für Niedrighaltung der Löhne zu plädieren. Dieser Alarmruf der Arbeitged-r hat uns in der Agitation die besten Dienste geleistet und überall hat rege Mitarbeit für die Organisation eingesetzt. Di« während der Organisattonswirren ver- ärgerten und abseits stehenden Kollegen haben durch Beitragsnach- Zahlung ihre alten Rechte wieder erworben. Der Ausschluß von sieben Funktionären erfolgt«, weil diese trotz mehrmaliger Ver- Warnung Aufnahmen für den Chemnitzer Verband machten und für diesen auch Beitrüge einsammelten. Auch die KPD. duldet es �richt, daß ihre Funktionäre Propaganda für den Eintritt in gegnerische Organisationen treiben. Nach allen Erfahrungen der letzten Zeit sei es angebrocht, genau wie im Falle Kaiser Bewährungz- f r i st für diese Außenseiter festzusetzen. Der glänzende Geschäftsgang hat die Profite der Arbeitgeber gesteigert: unsere Aufgah« muß es sein, durch Lohnsteigerung ge- rechten Ausgleich zu schaffen. Borbedingung für die Kampf- ansage sei Stärkung der Organisation. Di« kommenden Steuerlasten müssen durch Lohnforderungen ausgeglichen werden. Außer der Regelung der Tariffragen fei noch ein großer Aufgaben- kreis den Gewerkschaften zuerteilt. Das zu fordernde Arbeitslosen- Versicherungsgesetz muß vom sozialen Geist getragen sein. Die Arbeiterschaft Hab« es satt, der Regierung nur Wunschzettel zu über- reichen, über die dann monatelang Erwägungen angestellt werden, vielmehr fordere sie Gleichberechtigung und Durchführung ihrer berechtigten Forderungen. Die äußerst rege und sachliche Diskuffion brachte eine Fülle von Anregungen und Vorschlägen, die dem Vorstand zur Durchführung übergeben wurden. Ein« in den Gedankengängen des Referates gehaltene Entschließung fcmd einmütige Annahme. Mit der Auf- forderung, daß zur Erreichung der gesteckten Ziele all« Kollegen die erforderliche Mitarbeit leisten müssen, wurde die eindrucksvolle Konferenz mit einem Hoch auf die Organisation geschloffen. Bei der Strcchenbahn rechtswidrig enttaffik. Ein Straßen bahnschafsner, der um 5 Uhr 50 Min. morgens feinen Dienst antreten sollte, war so zeitig auf dem Bahn- Hof erschienen, daß er einen Wagen, der 5 Uhr 5 Min. abfahren sollte, dessen Schaffner aber noch nicht zur Stelle war, übernehmen und dadurch die planmäßige Abfahrt i>:s Mogcns ermöglichen konnte. Der Auffichtsveamte, der den betreffmden Schaffner nicht an dem für ihn eigentlich bestimmten Wagen um 5 Uhr 50 Min. antraf, meldete, daß der Schaffner nicht zum Dienst erschienen se'. Run folgte ein hochnotpeinliches Verfahren gegen den Schaffner, wobei sich herausstellte, daß der Aufsichtsl camte fahrlässig eine falsche Meldung erstattet hat-e. Wenn auch die Angelegenheit für den Schaffner kein« weiteren Folgen hall«, su ivar sie doch für ihn sehr peinlich und er konnte sich mit Recht darüber ärgern. Als der Schaffner kurz nach dem Vorgang den Aufsichtsbeamton traf, gab er seinem Aerger Ausdruck, indem er zu dem Aufsichtsbeamlen sagte:„Sie haben eine Meldung gegen mich erstaltet, das war ja Schwind? l". Der Aufsichtsbeamt« ließ mit der Meldung dieses Vorfalls nicht lange rnft sich warten. Diesmal hatte er den Erfolg, daß der Schaffner ivegcn Beleidigung des Aufsichtsbeamten frist- los entlassen wurde. Das Gcwerbcgericht, wo der Entlassene Einspruch einlegte, kam — wie der Vorsitzende nach der Beratung verkündete— zu der Auf- fassung� daß es nicht gerechtfertigt fei. wenn die Straßen- bahn«inen Mann entläßt, der in der Pflichterfüllung so weit geht, daß er früher wie nötig den Dienst antritt, trotzdem gemeldet wird und dann dem. der die falsche Meldung erstattete,«ine durchaus berechtigt« Vorhaltung machte. Die Entscheidung des Gerichts ging dahin: Der Einspruch gegen die Entlassung ist gerecht. fertigt, falls die Wredereinstellung abgelehnt wird, ist dem Kläger eine Entschädigung von 70 M. zu zahicr:. Vom Richtertische wurde dem Vertreter der Straßenbahndircktion geraten, den Schaffner wieder einzustellen. Der Der- treter lehnte das schroff ab, raffte seine Akten zusammen und verließ den Saal mit dem Ausruf:„Die Sache ist er- ledigt".__ Tagung der westfälischen Schlichtungsausschüffe. Die Vertreter der staailicken Schlickituugsausschüsic des Bezirks Westfalen tagen heute in Dortmund. An der Besprechung nimmt auch ein Vertreter der preußischen StaatSregierung teil. An die Tagung schließt sich die Besichtigung eines Dortmunder WerleS. Tie Russen und die Wahrheit. (JGB.) Im Bericht des Vcllzugsbureaus der Roten Gewerk- schaftsinternaüonale an den im Juni in Moskau stattgefunden«» internationalen Kongreß findet sich auch eine Stelle, die sich mit der Internationalen Konferenz in Frankfurt und dem Verhalten Amster- dams beschäftigt. Dazu wird folgendes ausgeführt: „Die Konferenz beschloß auch, ein« Delegation an den Amster- damer Internationalen Gewerkschaftsbund zu entsenden, um mit ihm Verhandlungen über die Schaffung einer Einheitsfront,«inen ohne Verzug einzuleitenden gemeinsamen Kampf aller auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Arbeiterorganisattonen gegen den Friedens- vertrag von Versailles, die Besetzung des Ruhrgebiets und gegen die Offenstv« des Kapitals, zu führen. Der Amsterdamer Internattcnal« Gewerkschaftsbund lehnte eine Einheitsfront aus dem Grunds ab, weil er keine Zentralvereinigung von Landesorganifationen sei, sondern eine freie Vereinigung selbständiger Organisatonen, denen er nichts vorschreiben könne. Ein weiteres Motiv für die Ablehnung des An» träges der Delegation war der Beschluß des Kongresses von Rom, der es den der Amsterdamer Internationale angeschlossenen Der- bänden untersagt, in Beziehuna zu Organisationen zu treten, die die Grundsätze der Amsterdamer Internationale nicht anerkennen oder irgendeiner anderen Internationale angehören." Demgegenüber ist folgendes festzustellen: Eines Tages erschien in Zlmsterdam unangemeldet die vom Frankfurter Kongreß eingesetzte Kommission um mit den Sekretären des JGB. zu verhandeln. Nach einer kurzen Aussprache wurde v-r- einbart. daß die Delegation dem JGB. schriftliche Vorschläge unter- breiten sollte, wie sie sich ein Zusammengehen denkt.� Dies« b e- stimmt zugesagten Vorschläge sind niemals in Amsterdam eingelaufen. Es scheint leichter zu sein, fort- während den Kriegsruf„Einheitsfront" auszustoßen als bestimmle Vorschläge zu machen, wie eine Einheitsfront durchgeführt werden kann._ rtri'- �ob'-v-rbandlung�n m Dortmund. Ans Antrag der Ge- merkschaften finden am Freitag Lohnverhandlunqen mit den Metallarbeitern der nordwestlichen Gruppe des rheinisch-w-fttsälischen Industriegebietes in Dortmund statt. Das Personal der Schleppschiffahrt auf dem Neckar ist in den Streik getreten, da die Arbeitgeber die Forderung auf Erhöhung der Bezüge um etwa zehn Prozent abgelehnt haben. Der Achftwndentag im Saar gehl et. Die Regierun gskvmmission hat dem Verordnungsentwurf üder den gesetzlichen Achtstundentag zugestimmt; der dem Landes rat nnmnehr zur Begutachtung vorg«- legt werden soll. Zm Sergarbetterstreik in der Borinage. dem belgischen Kohlen- decken, ist ein neuer Einigungsversuch am Mittwoch gescheitert. Achtung, Betrieb Daimler, ZRarienselbe. Heute abend 5 Ufit im W unteren Speisesaal Bersannnlunq sämtlicher Kollegen, melche dem S Mrtallk-rtell angehören. Res. Kall, tz i s k a. Verband der Buchbinder nnd Papiernerarbeiter Deutschland», Ortsver- waltung Berlin. Heut« abend>46 Uhr im arohen Saal« des Drwert» schastshaus«?. Engelufer 24, allgemei n« Mitgliederversamm. lung.„Ist eine Bereinigung mit dem Opposttionsverbaud möglich?« Befe. rent: Berbandsvorfitzender Eugen Haue.isen. Jedes Mitglied ist zum Er- scheinen verpflichtet. Zutritt nur unter Borzciguog d«s Mitgliedsbuch«-. Dt« Ortstwrwaltung. Solzarbeit« rnerbaud. Bvdenlkg««.»rancheuversammlllng h«ut« nach. mittag s- Uhr im Bepbaudssaal, Rungestr. so. Stellungnahme zur Lohn. oelvegung. B-rantwortlich fllr Politik: Ernst zieutrr: Wirtschast:«rtnr Sötern»»- Dtwerlschastsdewegung:«r.«hkorn; Feuilleton: Dr. Z-h» Schikowskii Lolal«- und Sonstiges:«ill, Möbu»; Anzeigen! Th. Glocke; sämtlich in Berlin. V"lgg; Borwarts-B-rlag G.m.b.H., Berlin. Druck: BorwSrts.Buchdruckerel und Berlagsansialt Paul Einger u. To.. Berlin SM. 66, Linde,; strafte 3. _ Sieez» zwei Beilage» und llnterhaltungsdeilag«„Seimwelt«. HALPAUS cQüae&e gpotre extra, starke GJga rette Hervorragende Quafifdf-+ Vornehmste Luxuspac/Hjng ttr. 476 ♦ 41. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Vonuerstog, 4. Oktober 1924 Merkfreuöe/ Kleider, Schuhe, Schmuck und Bücher für die Proletarieriu. Am 7. März 1922 hat unsere Genossm IlseMüller-Ocst- reichinderMagdeburgerStraße? unter denkbar schwierigsten Verhältnissen mit einfachsten Mitteln und zu einer Zeit der un- günstigsten wirtschaftlichen Konstellation Deutschlands eine Einrichtung ins Leben gerufen, der sie den bezeichnenden Namen„Werk- freude" gegeben hat. An dem Werk, das hier geschaffen wird, arbeiten mm wirklich mit und neben der Genossin Ilse Müller- bestreich all« Kräfte in freudigster und hingebendster Weise mit. Wir haben vor einiger Zeit kurz darauf hingewiesen, was m der„Werk- freude" geschaffen wird. Es wird unsere Leserinnen gewiß inter- essieren, etwas Genaueres über die verdienstvolle gemeinnützige Gründung zu hören. Schöne Kleiöer onö gutes Schuhwerk. In der Magdeburger Straße 7 hat die„Wertfreude" im Par- terre 7 große Räum« gemietet, in denen viel« fleißige Hände am Werk sind, um das zu schaffen, was man die Kleidung der Proletarierin nennen muß. Es handelt sich in der Hauptsache darum, die Auswüchse in der Mode zu bekämpfen, es geht aber nicht das Ziel dahin, Kleider zu schaffen, die vollständig „unmodern" sind, sondern man macht in der„Werkfreude" der Mode durchaus Konzessionen. Man bekämpft ferner hier den kiksch und den Schund. Man predigt der Proletarierin: „Kauf nicht Billigstes! Denke daran, daß die Geschäfte mit Schleuder- preisen oft genug auch ihren Arbeiterinnen unerhört niedrig« Löhne oeben und überlege, daß das Kleid, zu diesen niedrigsten Preisen ge- kauft, nur kurze Zeit hält, so daß du nicht billig, sondern im Gegenteil teuer«ingekaust hast. In der„werkfreude" werden nur beste Stoffe verarbeitet. Später will man Blaudrucke selber her- stellen. Me Kleider sowohl wie die Unterkleider, die die„Werk- f'eude" anfertigt, sollen vor allem praktisch sein. Die Arbeiterinnen, die hier beschäftigt werden und die, das ist erfreulich zu sehen, nicht in omom Abhängigkeitsverhältnis, sondern in einem Freundschaftsver» hältnis zu Ilse Müller-Oestreich stehen, sind in ganz besonderer Weis«, man mochte sagen, ausgesucht worden. Es liegt nicht so, daß jede Arbeiterin, die Arbeit sucht, hier auch Beschäftigung findet. Man verlangt vielmehr von den Arbeiterinnen und mit Recht individuelle Einstellung, damit das Kteid und das Unterkleid, das aus ihren Händen hervorgeht, auch einen besonderen Charakter aufweist. Da ist z. B. ein junges Mädchen in der„Werkfreude", das früher in einem großen Berliner Modehaus beschäftigt war. Diese überaus geschickte Arbeiterin hatte aber keine Einstellung zu den über- triebenen Raffinements der Mode. In der.Werkfreude" dagegen ist sie hervorragend am Platz und die fleißigen, flinken Finger wiffen Kunstgewerbliches vollendet zu gestalten. In anderen Fällen bringen Eltern ihre Töchter zur„Werksreude", man prüft ihre Fähigkeiten und nur, wenn man sieht, daß sie Liebe zur Sache mitbringen, werden sie behalten. Um diese jungen Arbeiterinnen weiter- zu bilden, läßt man sie die Abendkurse der Webschule besuchen, und damit sie frisch und ausgeruht in diese Schule kommen, werden sie in der„Werkfreude" bereits am Mittag aus dem Arbeitsraum ent- lassen. Das Schulgeld trägt die„Wertfreude". Der Absatz an Kleidern und Unterkleidern ist bisher ein guter. Um den Genossinnen die Beschaffung der Kleidungsstücke leichter zu machen, ist das Prinzip der Teilzahlung eingeführt worden. Die „Werkfreude" gibt aber auch an Wsed ero ertäufer ab, um den Kreis der Kunden und die Einnahmen zu erweitern. Auch Schuhwerk ist in der„Werkfreude" zu haben. Es handelt sich dabei nicht nur um Sandalen, die allerdings, das sei besonders betont, in ganz hervorragender Weis« praktisch und gut sind, sondern auch um Fußbekleidung für alle Zwecke. ?m Reich See Puppenmutter. Eine besondere Abteilung ist die für Spielzeug. Hier sieht man(in dem kleinen Ausstellungsraum der.Werkfreude" ist kurz zusammengedrängt auf Tischen und in Schränken, was die„Werk- freude" liefert) Spielzeug und Puppen vom einfachsten und billigsten bis zu dem kunstgewerblich Hervorragendsten. Neben Puppen für die kleinsten Kinder, neben Kasperles, neben sehr eigenartig ge- schnitzten und kunstverständig bemalten Gänsen sind all« Variationen von Spielzeug vorhanden. Ilse Müller-Oestreich bezieht die Ent- würfe fiir alle diese zierlichen Sachen von Staudinger in Sonnen- bcrg. Sie wählt aus, und unter Leitung von Staudinger werden dann in Sonnenberg die Puppen angefertigt. Bekleidet werden sie in der„Werkfreude". Auch für die Puppenbekleidung sind die ge- eignetsten weiblichen Kräfte vorhanden und alles wird durchaus individuell und dem Sinn entsprechend hergestellt. Man steht hier Puppen sehr hübsch und zur Freude aller Kinder bekleidet, aber niemals find die Werkfreudepuppon in der Weife bekleidet, daß sie wie Raffkes Jüngste aussehen.(Dieses Wort, das soll der Wahrheit gemäß hier betont werden, stammt von einer der Arbeiterinnen der „Werkfreude", deren besonderes Ressort die Puppen find und der man daher den bezeichnenden Namen Puppenmutter beigelegt hat.) Ferner verkaust die„Werkfreude" Keramik, eigenartig und individuell geformte Tassen, Kannen, Vasen. Es ist die« alles Keramik vom staatlichen Bauhaus in Weimar, dessen Verkauf und Bertrieb die„Werksreude" übernommen hat. Es muß noch erwähnt werden, daß in der„Werkfreude" auch für den Schmuck der Proletarierin gesorgt wird. Man steht hier sehr hübsche Broschen, Ketten und Kteiderschmuck aus Neusilber, sogenannte Treibarbeiten, bei deren Anfertigung auch männliche Kräfte beschäftigt werden. Auch hier wieder ist Prinzip, den Kitsch zu vertreiben und wirkliche Kunst an dessen Stelle zu setzen. Eöle Sucher. Einen nicht kleinen Toll der Arbeit der„Werkfreude" nimmt der Sortimentsbuchhandel ein. Die„Werkfreude" steht mit einer großen Anzahl von Verlegern in Verbindung und empfängt von ihnen Bücher zum Verkauf. Hier handelt es sich nun darum, und das ist eine oft schwierige und langwierige Arbeit, aus den Sendungen der Berlagsbuchhändler alles das auszusondern, was nach Ansicht der Leiterin der„Werkfreude" zum Vertrieb nicht geeignet ist. Man geht hier bei der Auswahl von dem Grundsatz aus, daß alles, was nationasislisch eingestellt ist an Büchern, ausgeschieden wird. Bei großen Kongressen, wie sie in der verflossenen Woche in Berlin statt- gesunden haben, hat die„Werkfreude" das Vorrocht, die Bücher auszustellen und dabei auch günstig« Gelegenheit, die Bücher adzu- setzen. Daß in der„Werksreude" auch gute dauerhafte Bucheinbände hergestellt werden, sei noch nebenbei erwähnt. Bei den Büchereinbänden wird besonders darauf gesehen, daß Deckel, Vorsatzpapier und Schnitt ein hormonisches Ganzes bilden. Es kommt weniger auf die Vorwendung von Leder, Seide, Gold und die Herstellung von Luxussinbänden an, als auf gutes, dauerhaftes Material, das durch sich selber wirkt. Das Buch, da« auf dem Tisch liegt, soll so wirken, daß man mit einem Gefühl freudiger Erwartung die Hand danach ausstreckt. Das ist die„Werksreude" und ihre verdienstvolle Tätigkeit. Ein kurzer Besuch der Räum« in der Magdeburger Straß« 7 zeigt, daß die Arbeiterinnen mit wirtlicher Freude am Werk sind, daß sie sich alle wie die Inhaberinnen des Ganzen betrachten, und so kann es mcht wunder nehmen, daß alles das, was aus ihren Händen hervorgeht, gut, geschmackvoll und dauerhast ist. Folgenschwerer Zusammenstoß zweier Srastdroschke«. Gestern abend gegen 7 Uhr kam es am Kemper Platz zu einem Zu- sammenstoß zweier Kraftdroschken. Der Führer des hinteren Wagens mußte das Tempo seines Wagens verringern und in demselben Augenblick fuhr ihn ein anderes Auto von hinten an, so daß dieses Fahrzeug das vorbeifahrend« wisderum von hinten anfuhr. Durch die Zusammenstöße gingen die Lampen in Trümmer und die entströmenden Benzingase gingen in Flam- men auf. Dem ersten Wagen wurde der Benzintank ein- gefahren, so daß nun beide Autos Feuer fingen und ziemlich ausbrannten. Die Feuerwehr war sehr schnell zur Stelle, Glücklicherweise waren nur in dem zweiten Wagen Fahrgäste, die die mit dem bloßen Schrecken davonkamen. lieber Naffenbilüung. Einer Einladung des Bildungsausschusses des Gewerkschasts- Kartells folgend, sprach Genosse Dr. Joseph Luitpold Stern- Wien in ebenso geistreicher wie tief schürfender Weise zu dem Problem der Massenbildung. Er führte aus: Drei Eigenschaften, die im Lauf« der vorgeschichtlichen und geschichtlichen Entwicklung der Menschheit sich herausgebildet hoben, charakterisieren in erster Linie die Masse: der Herdentrieb, die Furcht oder Panik und die Untertänigkeit, d. h. die Fähigkeit, sich beherrschen zu lassen. Dieses Beherrschtwerden wäre aber nicht so vollkommen möglich gewesen, wenn in der Mass« nicht ein Wille, sich beherrschen zu lassen, lebte. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kam es dann zu ihr« Snt- fesfelun«, Sie wurde erst möglich durch ihre Anhäufung in den Großstädten, und hier in den Betrieben. Der Masse kam allmählich zum Bewußtsein, daß sie eine Klasse fei. Und bei der Erweckung dieses Bewußtseins spielte die Bildung eine hervorragende Rolle. Es war nicht allein die Oekonomie, die die Unterdrückung der Massen verursachte, sie wurde dadurch vervollständigt, daß die Herr- schenden auch die Gestaltung des Bewußtseins der Massen in die Hand genommen hatten. Die Massen waren mcht allein unter- drückt, sie war auch vom Bewußtsein durcfyd-rungen, daß es anders mcht möglich sei. Die Fabrik aber, die die Menschen einander näher gebracht hatte, macht« zur selben Zeit auch die Bildung der Massen notwendig: die Maschine wollte nicht allem von der Hand, sondern auch vom Kopf bedient sein. So wurden die Unterdrücker gegen ihren Willen gezwungen, die Massen ans ihrer Unbildung heraus- zuHeben. Durch diesen doppelten Prozeß wurde die Entfesselung der Masse, der Schritt der Masse zur Klasse mögiickz. Sie ver- wandelte sich aus einer Dulderin zur Rebellin, Früher machtlos gegenüber der Welt, wollte sie jetzt ihre Beherrscherin werden. War sie ftüher als Masse dem Schicksal nicht gewachsen, so nahm sie letzt als Klasse ihr Schicksal in die eigene Hand. Als Klasse bedarf aber das Proletariat auch der proletarischen Persönlichkeiten. Die Aufgabe der Bildung ist unter anderem, diese proletarische Persönlichkeit zu schaffen. Während aber die bürgerliche Persönlichkeit nur für sich lebt, bildet sich die proletarische Persönlichkeit für den Dienst an seiner Klasse. Während die erstere stolz daraus(st, mehr zu wissen als die Masse, ist es für den letzteren «ine Tragödie, Dinge zu wissen, die die Masse nicht weiß. Heilt sich die bürgerliche Persönlichkeit für reis, wenn sie die Masse zu unter- drücken gelernt hat, so ist es die proletarische, wenn sie der Masse zu dienen imstande ist. Der junge Proletarier, der sich die Bildung angeeignet hat, um dann abseits der Masse zn bleiben, erklärt sich gegen die Arbeiterklasse, da er nicht für sie arbeitet. Die Er- ziehung der sozialistischen Persönlichkeit wird zur vornehmsten Aus- gäbe der sozialistischen Parteien. Die Masse der Proletarier ist jedoch weit davon entfernt, sozialistisch zu sein. Man muß den Mut ausbringen, den Lastern des Proletariats entgegenzutreten, selbst das Leben auch vieler organisierter Arbeiter in der Familie als n i ch t f o z i a li stiss ch zu brandmarken. Ob jemand Sozialist ist, ist nicht aus seinem Mitgliedsbuch zu ersehen, sondern aus seinem Charakter, seinem Verstand und seinem Gefühl. Die Jugend, und in erster Linie das proletarische Kind, zum sozialistischen Menschen zu gestalten, muß die nächste Aufgabe des praktischen Sozialismus sein. Wien mit seinen 80 000 proletarischen Kindern, die von den Kindersreunden umfaßt werden, �hat die Ve- deutung dieses Satzes erkannt/ Es gilt nicht, den Sozialismus zu predigen, sondern'den Sozialismus zu leben,— Es ist natürlich unmöglich, den Inhalt eines dreistündigen Referats nur annähernd erschöpfend anzudeuten. Man könnte nur wünschen, daß Genosse Dr. Joseph Luitpold Stern wieder Gelegenheit erhält, seine Ge- danken vor den Bildungsfuntstonären der Partei und der Arbeiter- fügend vorzutragen._ Der graste Aktievschwkndel. Zu dem großen Aktienschwindel, über den wir im gestrigen Abendblatt kurz berichteten, wird weiter mitgeteilt, daß die beiden flüchtigen Fälscher B o e ck und v. B l u m e n t h a l, der Direktor der Victoria G. m. b. H. in Ketschendorf bei Fürstenwalde war, noch nicht ermittelt sind. Auch die Herkunft der gefälschten Aktien, die Druckerei oder mehrer« Druckereien sind noch nicht ermittelt. Früher wurden Aktien in der Regel in Staatsdruckereien hergestellt. Das änderte sich in der Inflationszeit. Dadurch und bei der lieber- laftung der Privatdruckereien, die jetzt vielfach Neudrucke besorgten, wurde die Gewähr für die Echtheit geringer. Gefälschte Aktien kamen schon wiederholt in Umlauf. Sie wurden in Verlin, besonders in „q Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Rexö. Sie verließ sich nicht mehr auf ihre eigene Stärke wie in alten Zeiten, erwartete auch nicht, wie der Schwachgeborene, alles vom lieben Gott, sondern hegte Achtung vor dem Zufall, wie ein Zerrütteter. Der Zufall hatte sie niedergeworfen, und nun klammerte sie sich an ihn, sch�b ihren Kummer auf ihn und erkannte ihn als ihren Herrn an. Jeder Tagesverdienst, den Thorvald brachte, war eine zufällige Einnahme, selbst als sie sich Woche auf Woche wiederholte. Er war kein ange- nommener Versorger, er war ein etwas unbeständiger Junge, den sie selbst vernachlässigt hatte; und eines schönen Tages bekam er die Sache gewiß satt. Aber dann würde der Zufall ihr auf andere Art zu Hilfe kommen. Sie hatte nur eine Sorge. Frank hatte sich seit dem Ver- fassungstag� nicht sehen lassen, und nun fürchtete.sie täglich, daß er zurückkommen werde. Doch auch diese Furcht schwand mit jedem Tag.� Wo er im übrigen geblieben war, das war ihr ganz gleich- gülsig, wenn er nur nicht wieder nach Hause kam und den häuslichen Frieden störte. Sie fühlte, daß sie nicht mehr die Kraft haben würde, sich mit ihm herumzuschlagen. Wenn sie jetzt am Fenster saß und nähte oder strickte und dann drüben auf der Gasse oder draußen auf der Landstraße eine Gestalt sah, so tonnte sie sich einbilden, daß er es war, und ganz kast werden vor Schreck. Und sie konnte sich den ganzen Zank ausmalen, der folgen würde, und die Schläge, die giftigen Worte und alle feine Versuche, sie zu bestehlen— und fuhr fort, Grauen zu empfinden, lange nachdem die Ge- stalt vorbeigegangen war. Dann aber durchdrang sie plötzlich das befteiende Gefühl. Wirkliche Freude darüber, daß er fort war, empfand sie nicht, und das enttäuschte sie, so daß sie mit Willen diese An- fälle von Angst vor seiner Rückkehr oerstärkte— um dann den plötzlichen Uebergang zur Wirklichkeit zu genießen. Eigentlich hatte sie sich das, ihn los zu sein, wie ein ganzes Leben vor- gestellt, ein Dasein, das von Neuem erfüllt war— und dann war statt dessen eine Leere ensstanden, allerdings eine Leere von etwas Unheimlichem und doch! Trotzdem wünschte sie nicht, ihn zurückzubekommen, um keinen Preis! Ja, wie veränderlich alles war! Nie hatte sie fünf Mi- unten ruhig auf einem Stuhl sitzen können, und es war ihr wie ein Vorwand für Faulenzerei erschienen, wenn die Frauen sich mit einer Handarbeit ans Fenster setzten. Und jetzt saß sie selbst vom Morgen bis zum Abend da und war fleißig und starrte auf die Vorübergehenden hinab. Nach der Straße hinaus war am meisten Leben. Die Bauern fuhren in großen„Kreditpelzcn" zur Stadt, obwohl es Hochsommer war; Häuslersleute kamen auf ihren bloßen Füßen durch den Staub gewatet, setzten sich auf ihre Treppe und zogen plumpe Lederschuhe an, gingen dann mit ihrem Knüpftuch weiter, um eine Mandel Eier oder einen Klumpen Butter zum Kaufmann zu bringen und sich Kandis und Bohnen dafür zu holen. Wenn sie zurückkamen und das Schuhzeug auf der Frankschen Treppe wieder auszogen, leuch- teten ihre Gesichter vor Zufriedenheit; der Kaufmann hatte die Männer mit einem Glas Alten Französischen Weines und einem.Liehkolben" traktiert, und die gnädige Frau selbst hatte Kaffee mit den Häuslerinnen getrunken. Sie saßen auf der Treppe und ließen sich darüber aus und lobten während des Umziehens die Einfachheit der Kaufmannsleute; und aus den Ecken des Knüpftuches starrten große Wasferwecken zu zwei Oer. Das war der Anteil der Kinder an der Stadtreise. Aber erst spät in der Nacht, wenn Madam Frank in ihrem Bett lag, rollten die Bauern nach Hause, denn sie wollten ihr Kartenspielchen nicht missen. Und manche von denen, die zweispännig zur Stadt gekommen waren, hatten auf der Heimfahrt nur einen Gaul vorgespannt. In dem Haus auf der anderen Seite der Straße hatte sie alle Frauen vor sich, eine jede wurde durch ihren Blumen- topf verdeckt. Es erschien der Madam Frank so komisch, daß sie da saßen und die Gesichter hinter den Töpfen oerdrehten und sich unbeobachtet glaubten, aber unwillkürlich wandte sie die Blumen auf dieselbe Art an. Sie stand in keinem so feindlichen Verhältnis mehr zu den anderen Frauen, mit einigen hatte sie sogar gesprochen, und eine hatte ihr einen Dorschschwanz gebracht, während sie zu Bett lag. Aber sie fühlte sich trotzdem ein wenig bedrückt durch sie und saß am liebsten am Schlafzimmerfenster. Von da hatte sie die Aussicht auf das„Dreieck", wo die Gänse sich mit ihren halbgroßen Gänschen aufhielten und genau darauf achtgaben, daß sie dem Gänserich nicht in den Weg kamen; den hatte Madam Frank— vor langer Zeit einmal, schien es ihr— immer gern erwürgen wollen. Jetzt machte es ihr Spaß, zu sehen, wie er da so wichtig einher- schritt, mit dem einen Auge nach dem Habicht in die Lust jxähte und die Gänse beiseite jagte, wenn er endlich einen Fleck eßbaren Grases auf der ausgemergelten Wiese gefunden hatte, die eingetrocknet, niedergetreten und voll Gänsedung war. Er war nicht im geringsten dafür besorgt, daß auch die Gänse und Gänschen etwas mitbekamen. .„Ja, so sind die Männer," dachte Madam Frank und nickte entschieden mit dem Kopf. Außen um die Grenzmark mit ihren bläulichen nackten Sandsteinflächen zog sich die fruchtbare Stadtau hm. Da draußen war man bei der 5)eu- und Kleernte. Einige waren in der Arbeit den anderen voraus, und an der Spitze war wie immer der Ackerbauer Dam. Er fuhr schon ein, und jede halbe Stunde bog eine vollbeladene Fuhre durchs Stadttor und jagte in scharfem Trabe den Weg entlang, am Stadtteich vorbei. Er selbst ging draußen in seiner weißen Bluse herum und trieb die Arbiter an. Er war ein gesunder Mann, ebenso stattlich wie in früheren Zeiten, das sagte man überall. Er mußte jetzt doch bald an die sechzig sein. Wer wohl mal all sein Geld bekommen würde, wenn er starb? Richtige Kinder hinterließ er ja nicht. Er hatte in der letzten Zeit wieder angefangen, sich ein wenig für Thorvald zu interessieren, und versprochen, für seine Konfirmationgaus- stattung zu sorgen.— Madam Frank versank in tiefe Gedanken. Weiter draußen, wohl eine halbe Meile entfernt, erhoben sich die Höhen, blauschwarz und ziemlich steil; sie bildeten eine zweihundertstinfzig Fuß hohe Felsenmauer zwischen dem fruchtbaren Tiesland und der dahinter liegenden Hochheide. Scharf hob sich die dunkle Wellenlinie des Felsenkammes gegen den blauen Himmel ab, man tonnte die Umrisse von Pflanzen erkennen und zuweilen sehn, wie sich da oben Menschen be- wegten. Sie erschienen am Himmel wie schwarze Pünktchen, ungefähr wie kriechende Fliegen. Von Zeit zu Zeit stieg da drinnen eine Rauchsäule auf, schlug in weißen Schwaden über den Fels herab und blieb in dem Walde hängen, der den Fuß der Höhen umschloß. Die Steinbrucharbeiter nahmen Minensprengungen vor. Alles das sah sie zum erstenmal, obwohl sie hier schon fo viele Jahre wohnte und sich die ganze Zeit über nicht ge- ändert hatte. Sie war zu sehr mit Arbeit überhäuft gewesen, um zu Atem zu kommen, geschweige denn etwas zu sehen, das sie nichts anging. Und dort in den Felsen war sie nie ge- wesen, obwohl sie in der Stadt geboren war. Vielleicht ging sie nun einmal hin, wenn sie richtig gesund wurde. Warum sollte man sich nicht w der West umschauen! (Fortsetzung folgt.) !of(rien der Friedrichstodt, in ganzen Bündeln gehandelt und„ge- choben". Wieviele Fälschungen dieser Art im Verkehr sind, läßt sich etzt noch nicht sagen. Am Dienstag noch wurde der Versuch gemacht, tir eine Million dieser Fälschungen an den Mann zu bringen. Der Kesitzer hatte darauf auch bereits einen Scheck erhalten. Er konnte hm aber noch wieder abgenommen werden, bevor er daraus Geld nhalten hatte. Die Fälscher haben oersucht, noch im letzten Augen- ilick eine größere Summ« in die Hände zu bekommen. Der Versuch nitzlang, und deshalb verschwanden' sie ohne die erhoffte Beute aus Berlin. Das Aktienpaket, um das es sich handelte, wurde gestern >an der Inspektion C. der Kriminalpolizei ermittelt und ebenfalls beschlagnahmt. Die Nachforschungm nach weiteren Fälschungen lauern noch an. Wie uns ferner mitgeteilt wird, wurden die Fälschungen, die an sich recht geschickt gemacht sind, dadurch entdeckt, laß die Fälscher so unvorsichtig waren, sie auch mit Nummern solcher Aktien zu oersehen, die bereits annulliert waren. Besser als durch siesen Schwindel kann die aus Profit und nur aus Profit eingestellte kapitalistische Wirtschaft nicht kritisiert werden. Die Straßenbahnunfälle in Sedin. Vrrmsversuche unter Ausschluß, der Oeffeutlichkeik. Auf eine Kleine Anfrag« einiger Mitglieder der Fraktion des Zentrums im Preußischen Landtag, die sich mit der in den letzten Wochen ungewöhnlich häufenden Zahl schwerer Straßenbahnunfälle in Bertin und der dadurch in der Berliner Bevölkerung entstandenen großen Beunruhigung beschäftigt, erteilt der Minister für Handel und Gewerbe dem Preußischen Pressedienst zufolg« die nachstehende Ant- worti „Die preußische Staatsregierung hat aus Anlaß der in letzter Zeit sich hau finden Unfälle im Berliner Straßenbahnbetriebe bereits oon sich aus durch die Kkeinbahnaufsichtsbehörde Untersuchungen an- stellen lassen, um die Ursachen der Verkshrsunsichcrheit klarzustellen und die als zv' eckentsprechend erkennbaren Derhütungsmaßnahmen zu treffen. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Nach dem bisherigen Ergebnis werden sich die Maßnahmen in erster Linie auf die Frage des für den Berliner Verkehr zweckmäßigsten Brems- sristems und einer besseren Schulung bzw. Auswahl der Wagenführer erstrecken müssen. Zur Lösung der Bremsfrage baben schon vor einigen Monaten Versuch« stattgesunden, weiter« Versuche, denen voraussichtlich«ine endgültig« Entscheidung folgen wird, stehen bevor. Wegen der Heranbedung eines besser geübten und zuverlässig-.'ren Fahrpersonals und wegen dessen schärferer Ueber- wachung wählend der Fahrt sind ebenfalls geeignete Schritte getan oder im Gange. Daneben werden die übrigen in Betracht kommen- den Betricbsv nisterialrat G i e se cke vom Reichspostministerium über das deutsche Funkwesen. Er teilte dabei u. a. mit, daß neben Bremen, Han- nover und Nürnberg jetzt auch in Kassel und Dresden Zwischensender Kommunal-Konferenz morgen. Freitag, abends 71l2 Ahr. in de« Sophien- Sälen. Sophienstraße 17/18(Galeriesaal IL Skock)' Tagesordnung: MM und Mgkett ser Berliner somtnünolen ZeMMelle Uffetenl: Genosse Richard S r I l l e.— Aussprache. Zur Teilnahme berechtigt find: der Vorstand der Stadtverord- netenfraktion, der Vorsitzende, Stellvertreter und Schriftführer der Bezirksverordnetenfrakiionen, die SPD.-MagistratS- und Bezirks- amtSmitglieder sowie die Kreisvorsitzenden bzw. deren Stellvertreter. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Bezirksvorstand. errichtet werden sollen. Er gab ferner bekannt, daß die Absicht he- steht,«ine Erweiterung dahin zu treffen, daß die Dar- biettmgen der einzelnen Sender durch Ueberttagung auch den übrigen Sendern und damit sämtlichen Teilnehmern in Deutschland Zugang- lich gemacht werden. So könne«s beispielswess« einmal einen Hamburger Abend, einmal einen Leipziger Abend usw. in ganz Deutschland geben. Professor Dr. L« i t h ä u s« r- Berlin ging näher auf die technischen Sonderfragen des Rundfunkwesens ein und führte dabei wiederum ein« Reihe von Versuchen vor, die lebhaftes Interesse fanden. Als letzter Redner des zweiten Verhandlungstages berichtete Studienrat Dr. Zorn über die Ausbildung im Funkwesen für den Lehrer. Nachmittags fand«ine Besichtigung der Funkstation Kölligswusterhausen statt. Ter Kongreß fand am Mittwoch mittag seine«! Abschluß. Die Vorträge des letzten Tages galten besonders der Frage, wie der Rundfunk der Schul« nutzbar gemacht worden körnito Lehrer Günther- Berlin sprach über das Thema:„Rund- funkdarbietungen für di« Schule". Direktor B od e n ste d t- Ham- bürg berichtete über den Ausbau der Hans-Bredow-Schul« für Volks- Wissenschaften in Hamburg und ihr Ziel. Direktor V o ß- Berlin von der deutschen Stunde behandelt« das Thema:„Die deutsche Welle", während Professor Dr� Lampe, der Direktor der päda- gogischen Abteilmlg des Zenttalmstituts für Erziehung und Unter- richt über die Absichten des Zentralinstlluts Auskunft gab. Die Jubelfeier öes Jrieörichshain-Krankenhaufes. Die 50. Wiederkehr des Tages der Eröffnung des Krankenhauses am Friedrichshain wurde gestern in schlichter Weise gefeiert. Im benachbarten Viktoria-Hous an der Landsberger Allee, dem Heim der Pflegeschwestem des Krankenhauses, versammelten sich mit der Krankenhausdirektion und einem Teil des Aerzts- und Pfkegeperfo- nals die Gäste, Mitglieder des Magistrats und des Bezirksamtes Friedrichshain, der Äesundhoitsverwaltung der Stadt und des Be- zirtes, Vertreter von Reichs- und Staatsbehörden, von Aerzte- veveinen und Krankenkassen. Nach einer Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Mielitz vom Bezirksamt Friedrichshain schildert« Krankenhausdirektor Professor Dr. Braun die Entstehung der am 8. Ottober 1874 eröffneten Anstalt und ihre Leistungen in dem verflossenen Halbjahrhundert. Das Friedrichshain. Krankenhaus, dos mit seinem damals neuen Pavillonsystem die Forderung der Zufuhr von m ö g- lich st viel Luft und Licht erfüllte, hat anderen Großstädten Deutschlands und auch des Auslandes für ihre Krankenhäuser als Vorbild und Muster gedient. In fünfzig Iahren hat«ine halb« Million Kranker hier Aufnahme und Pfleg« gesund»», woran das erste Jahrzehnt mit zunächst 48 000, das fünfte Jahrzehnt aber mit 114 000 beteiligt war. Das fünft« Jahrzehnt, das mit dem Kriegsausbruch anhub und mit der beispiellosen Geld- entwertung abschloß, war für di« Anstalt eine schwer« Be- lastungsprobe. Was in der Krankenpflege injenen Jahren des Schreckens zertrümmert wurde, da« wieder aufzu- bauen ist di« Stadt jetzt am Werke. Für den Magistrat sprach Bürgermeister Dr. Scho'ltz, der vor kurzem«.ingetreten« De.zeenent des Gesundheitswesens. Er rühmte di« Gründung dieses ersten all- gemeinen Krankenhauses als«inen Fortschritt zu dem Gedanken der Fürsorgepflicht im Gesundheitswesen. Unter den Slückwunschrednern, die dann folgten, war ein Der- Das �unctfimkproxramm. Donnerstag, den 9. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm;' 4.30—6.30 tThr abends: Unterhaltungsmusik(Berliner Fnnlr- kapelle). Während der Pausen:„Ratschläge fürs Haus''. 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Geheimrat Schenk. Präsidenten der Oberpostdirektion Kassel:„Fünfzig Jahre Weltpostverein". 8.30 bis 10 Uhr abends: Orchesterabend unter Mitwirkung von Kammersänger Karl Jörn. Dirigent: Otto Urack(früher Kapellmeister an der Berliner Staatsoper). I.Ouvertüre zu der Oper„Weiße Dame", Boieldieu. 2. Preghiera(Adagio) Schubert(Walter Schulz, Solo- cellist des Berliner Philharmonischen Orchesters). 3„Holde Aida", Arie des Radames aus der Oper„Aida". Verdi(Kammersänger Karl Jörn). 4. a) Der Gott und die Bajadere. Goethe, b) Totentanz, Goethe(Karl Zander, Rezitation). 5.„Mozartina", Suite, Tsehaikowski, a) Gigue, b) Menuett, c) Preghiera(Ave verum), d) Thema mit Veränderungen. 6. Adagio aus dem D-Dur-Konzert, Haydn(Walter Schulz, Solocellist dos Berliner Philh. Orchesters). 7, a) Der Wanderer, Schubert, b) Psalm aus derOper„Evangelimann", Kienzl, e) Herbst, Halle(Kammersänger Karl Jörn). 8. Larghetto aus der L. Sinfonie D-Dur, Beethoven. 9.») Das Postamt. Erleb Hopp, b) Postdienst auf dem Bahnhof. Heinrich Schaeffer(Karl Zander, Rezitation). 10. Ouvertüre zu der Operette„Der Zigeuner- baron", Job. Strauß(Das Orchester besteht ans Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 18.38— 11.30 Uhr abends: Tanzmusik. treter des Ministeriums für Boltswo hl fahrt. Er be- merkte, früher habe die Staatsregierung ihre Anteilnahme an solchen Festen auch äußerlich bezeugen können. In der„neuen Zeit ohne Mittel und ohne Titel" sei das„leider" nicht möglich, darum komme er mit leeren Händen, aber vollem Herzen. Gedämpft« Heiterkeit begleitete dies« Worte, aber manchem war viÄ- leicht dock nicht ganz wohl dabei, daß die in den Zeiten der Monarchie üblich gewesenen Titel- und Ordensverleihungen ausblieben. Prügel bis zur Ghnmacht. Ein Erlebnis auf der Polizeiwache. Gestern hatte sich wiederum ein ehemaliger Polizeiwachtmeister wegen schwerer gröblichster Ausschreitungen gegen«inen harmlosen Zivilpassanten vor Gericht zu verantworten. Der ehemalige Polizei- Wachtmeister Neumann war vor dem Großen Schöffengericht Tempelhof wegen Körperverletzung im Amte angeklagt. � Im Juli war morgens gegen 3 Uhr ein angetrunkener Mann F. in der Näh« des Polizeireviers in der Blücherstraß« an den dort stehenden Wachthabenden herangetreten und hatte diesen belästigt, allerdings geschah dies, wie die Verhandlung ergab, in harmloser Weise. Das verhindert« jedoch den Angeklagten nicht, der als stell- vertretender Wachthabender gerade vor der Tür stand, in die Wacht- stube zu eilen, sich den Säbel umzuschnallen und den Tschako auf- zusetzen Er erschien darauf auf der Straße und nahm den An- geklagten fest. Schon auf dem Weg« zur Wach« erhielt F. von dem Beamten Rippenstöße. Schlimmer erging es ihm aber auf der Wachsstube. Hier wurde«r von dem Angeklagten derart verprügelt, daß hinzukommende andere Beamte den Wachthaben- den wecken mußten und den Angeklagten nur mit Mühe von seinem Opfer zurückhielten. Der Zeug« F. bekundet«, daß er unzählige Male Fa» st schlage ins Gesicht erhalten habe. Bei jeder Frag« zur Feststellung seiner Personalien Hab« er«inen Schlag ins Gesicht bekommen. Schließlich fei er von den Schlägen derart er- mattet gewesen, daß er ohnmächtig umfi°l. Nach den Bekundungen eiroes anderen Wachtmeisters hat der Ancfetla. C., b nd Hilfe leisteten. Das war�n die Zustände, die der am Montag nbend von seinem Urlaub ahnungslos zurückkehrende Chefarzt Dr. Busch antraf. Bei seinem Eintreffen lag sein Stellvertreter und Stiefbruder Dr. Rowe bereits im Sterben. In den ersten Darstellungen, die über den Unglücksfall in der Oeffentlichkeit er- lchienen, hat sich zweifellos viel Wahres mit Fa'schem vermischt. Ohne aber für eine Seite Partei zu nehmen, muß doch gesagt iyerden, daß der Vorwurf, es fei bei Ausbruch der Epidemie mit einer gewissen Fahriässigkeit gehandelt worden, vielleicht etwas voreilig gemacht wurde. Es ist i r den Großstädten sz. B. in Verlin) verhältnismäßig schnell möglich, bei Massenerkrankungen die Hilfe der Rettungsstellen und der Krankenhäuser heranzuziehen, Görbers- darf liegt eine Wegstunde von dcV nächsten Bahnstation Friedland entfernt. Als Grenzstädtchen ist dieser Ort mit der Bahn infolge spärlicher Zugverbindungen nicht zu jeder. Stunde erreichbar. Dieser l'mstand darf nicht außer acht gelassen werden. Di« aus Walden- bürg, Dittersbach und Breslau erbeten« Hilfe mußte deshalb mit erheblicher Verspätung eintreffen. Welche Ursache hatte die so vlößlich auftretende Massenerkrankung? Im Hinblick auf die Bereitung ähnlicher Vorfälle hat die Oeffentlichkeit ein Recht, die Ant- .»ort auf diese Frag« zu erhallen. Vorläufig befindet sich diese 'llngelcgenheit noch im Stadium der Untersuchung. Der bekannte Bakteriologe der Breslauer Universität, Professor Dr. Minkowski sowie sein Assistent Prof. Rosenthal haben on Ort und Stelle Untersuchungen angestellt. Bis jetzt darf als ziemlich sicher angenommen werden, daß Paratyphus- Bazillen als Krankheitserreger in Betracht kommen. Fast alle Patienten haben an dem fraglichen Tage ihre Mittags- Portionen restlos verzehrt. Diese Tatsache scheint mir gegen die älter ausgesprochene Vermutung zu spreck)«n, daß das Essen schlecht oder minderwerllq gewesen sei. Auch daß Untauberkeit bei der Her- stellung des Esten- oder in der Küche festgestellt ist, trifft nicht zu. Tie Besichtigung der Anstalt meinerseits erfolgt« z, B. ohne vor- b rige Anmeldung. Die einzelnen Räum« zeichneten sich ebenso wie iie Küche, wie ich es für selbstverständlich halte, durch peinliche Sauberkeit aus. Alle Wahrscheinlichkeit spricht vielmehr für eine Uebertragung der Paratvphus-Bazillen durch die als Nachtisch gegeben« Erd- b e e r s p« i s e. Ob,, wie vermutet, die Erdbeeren durch Ratten irfiziert wurden, ist eine Frage, die wohl niemand zu beantworten vermag. Aber sicher hat die den Erdbeeren beigegeben« Milch und Gelatine den besten Nährboden für die Entwicklung der gefährlichen Krankheitserreger gegeben. Die Erdbeerspeise wird durch die In- fizierung mit Typhusbozillen nicbt im Geschmack und Aussehen beeinträchtigt. Die Vermutung, daß die Erdbeerspeise die verhäng- i isoolle Ursache der Epidemie war, scheint mir durch folgenden Vorgang als richtig bestätigt: Stellvertretender Chefarzt Dr. Rowe batte an dem fraglichen Sonntag nachmittag die Absicht,«inen Aus- "ug zu unternehmen. Er verzichtete deshalb auf das sonst von den Derzten und den Patienten gemeinsam einzunehmende Mittag- (ssen. Im Augenblick des Aufbruchs wurde er durch einen Patienten l"hindert, der seine Hilfe in Anspruch nahm. Während der Ver- -ogerung wurde dos Esten gereicht, von dem Dr. Rowe dann beim Aufbruch, gewissermaßen zwischen Tür und Angel, nur die Erd- beerspeise zu sich nahm. Kurz vor seiner Rückkehr am Abend erkrankte er unterwegs an heftigen Leibschmerzen. Die Verzögerung wurde also sein Verhängnis, er wurde sin Opfer seines Be- r u f e s. Di« durch seinen Bruder angeordnete Leichenössnung hat als Todesursache einwandfrei Paratyphus ergeben; die Milz r>ar eine einzige Bazillenreinkultur. Der Tod dieses Mann es ist für die Anstalt und für die Wistenschaft ein herber Ber- lust. Er hat u. a. ein für Laien außerordentlich lesenswertes Buch über die Lugentuberkulose geschrieben. Ob der Tod eines anderen Arztes, Dr. T s ch i r k of f, eines Russen, gleichfalls auf das Konto Erdbeerfpeise rssp. Paratyphus gesetzt werden darf, scheint Zweifel- l oft. Tschirkoff war schwerkrank, und, wie eine Eintragung Dr. Rowes in die Krankenpapier« beweist, schon vor dem 13. Juli von ihm aufgegeben worden. Noch alledem ist festzustellen: Die Vergiftungen von Görbers- dorf sind weder durch Fahrlässigkett noch durch Un- sauberkeit entstanden. Irgendein unglückseliger Zufall, das Zusammentreffen widriger Umstände, rief eine Infektion hervor, die vier Todesfälle hervorrief. Aber wer hat das Mittel, das ein für ollemal gegen Zufälle schützt? Es ist derselbe Fall, der sich vor dem Kriege im Berliner Virchow-Krankenhause abspielte, als die Schwestern einer Station an Fleischvergiftung erkrankten. Schon bei meiner Anwesenheit in Görbersdorf waren die Patienten außer Bett. Die durch die Krankheit hervorgerufenen Gewichtsverluste waren aufgeholt. Selbstverständliche Pflicht der Anstaltsleitung scheint mir zu sein, nunmehr alles zu tun, um durch möglichst gute Ernährung die Folgen der Krankheit auszugleichen. Daß es mit der Ernährung in allen Heilanstalten heute nicht sonderlich gut steht, ist bekannt und wohl auch aus den Verhältnissen heraus zum Te l begreiflich. Aber dieser Punkt steht heute nicht zur Debatte. Die Vrehmerschen Heilanstalten in Görbersdorf haben Pech gehabt. Es wäre zu bedauern, wenn der Ruf dieser Anstalt durch den Vorfall vom 13, Juli d. I. dauernd beeinträchtigt würde. Vorträge, vereine unü Versammlungen. Reichsbanner-Schwarz- Roi-Gold". GefchSftsste.ie: Berlin 6. 14. Sebastianstr.' 37/38. Hof 2 Tr. Kameradschaft Pankow. Jugend Mannschaft am Donnerstag, den 9. Oktob-er, abends Uhr, im Jugendheim, Breite Straße, Singabend. Erscheinen Pflicht._ Schlcfier-Verein Rübezahl. Charlottenburg. Sonntag, den 12. Oktober, nachm. 5 Uhr. Berliner Str. 88. Herbst- und Sängerfest des gemischten Chors. Landsleute und Verehrer von Rübezahls Reich willkommen. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen. Groß-Berli«. Vereins- fißung am Donnerstag, den 9. d. M., abends 8 Uhr, in der Kindlbrauerei, Neukölln, Hermannstr. 214/219. Rcichsbund züdischer Frontsoldaten. Bez..,Ost". Am Dienstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, in den Andreasfestsälen, Andreasstr. 21, qroßer Saal, spricht Hellmut v. Gerlach über„Rassenfrage und Gc- scllschaft".� Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Ortsgruppe Steglitz. Mitglieder- Versammlung am Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8 Uhr, im Jugendheim. Kniephof-, Ecke Ieverstraße. Gäste willkommen. Bereinigung für Schul' und Crzichuugsfrageu Berliu-Trepto«. Freitag. den 1V. Oktober. 8 Uhr, im Zeichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53 III.„Die Erziehung in den höheren Lehvan stalten." (Frau Direktor Gerhardt, Oberstudiendirektor Dr. A. Graf v. P e st a« lozza.) Eintritt frei! Bund freier Menschen, Gruppe« für freie Körperkultur. Freitag, den 19. Oktober, abends 8 Uhr. in den Arminiushallen, Moabit, Bremer Str. 71/72, Lichtbildervortrag von Adolf Koch mit Aufnahmen seiner Gymnastik-Gruppen. Unkostenbeitrag. Verband Volksgesundhett, Zentralorganisation der Arbeiter-Gesundheits- vereine. Ortsverein Berlin. Oeffentliche Protestkundgebung gegen die gefetz- liche Behinderung der Nacktkult urbetp egung am Donnerstag, den 9. Oktober, abends V28 Uhr, Schulaula Ifflandftr. 9(Nähe Iannowitzbrücke). Referent: Genosse Rudolf Teßmann. Freie Aussprache. Zur Deckung der Unkosten ein freiwilligem Beitrag. Arbeitersport. Turn- und Sportverein„jzlchte*. Zum Wandertag der Kinder am tZ, Oktober sind fllr unseren Verein folgende Treffpunkte festgelegt: O st- und Etido st- Abteil NN gen: IL Uhr Bahnhos Rahnsdorf, Nord- und Nordo st- Abteilungen: 12 Uhr ffricdrichsthal bei Oranien- hurg, Gasthof„Bier Linden", Sstd-Abteilungen: 12 Uhr Zossen, Gewcrtschaflshaus, Jede Abteilung ist verpflichtet, an der Wanderung teil- zunehmen. Turn, und Sportperein„Zichte-, 2, Gruppe. Das Turnen der Männer. und Iugend-Abteilung fällt am Freitag, 10, Oktober, in der Halle Prinzenstraste aus. Dafür pünktlich 7 Uhr Grnppenverfommlung im Leibniz-Gymnastum, Marianncnplah, Di« Jahre soerfanimlung der Männer» Abteilung findet am Sonnabend, IS, d. M,. auf dem Turnplatz Treptow, MS Uhr, statt,— Die Verwaltnngskommiisionssitzung findet nicht am 22, Oktober, sondern am 15, Oktober, abends 7 Uhr, in der Geschäfts- stelle statt.— Am 22. Oktober Kinderturnausfchußfitzung. Tourifienperein„Die Raturfrcunhe", Abt. Moabit. Am Donnerstag, den 2, Oktober, Zusammenkunft im Kinderhort, Levetzow-, Ecke Gotzkowskn» strafte. Vortrag über„Psychologie mit Experimenten". Alle Mitglieder müssen erscheinen. Gäste und Interessenten willkommen. Anfang z�S Uhr, Artisten, Bceeiu„Einigkeit" Rrukällu SS, Sonntag, den 12. Oktober, nachm. 4 Uhr, findet im großen Festsaal der.Li« n« n Welt", Hasenheide 108—114, anläßlich de, 36. Stiftungsfestes ein« große Sport, und Varieteoorstellung statt. Für«in gutes und reichhaltiges Programm ist, durch gütig« Zusage internationaler A r t i st« n, bestens gesorgt. Nach der Vorstellung gemütliches Beisammen- sein und Festball, Karten zu Vorzugspreisen bei allen Mitgliedern und im Vercinslokal von K, Hein, Neukölln. Richardstr. Z5, zu haben, Wetter für SerNn und Umgegend. Kühler, Zunächst überwiegend bewöllt und zeitweise etwas Regen bei starken westlichen Winden. Später aufklarend. Sport. Rennen zu Marsendorf am Mittwoch, den 8. Oktober. I.Rennen. l, Ouintora fJauß jr,), 2. Altorie(Weidmüllers, Z, Federnelke(F. Schmidt). Toto: 56�10, Platz: 20, 21, 45: 10, Ferner liren: Clirchen M,, Ballonkömgin, Sturm, Lumpi, True Fox, Kämpfer, Interpellant, Edmhard, Bismark, Margot I. 2. R c n n e n, 1, Mailust(Cd, Mills), 2, AeneaS I(Przyrembel), 3, Kinokönigin»- 225,- BiberplBsdiniSDtel notw Form 55,- Mode11« bi8 155.- SBiflsoplflsdunSiitBl........... 58.- bl9 176.- FbscÜb KosfümB mil PbIz...... 42.- w« 285.- AstradiaB- u. KiimiiBnnanlel..... 36.- bls 115,- Olster entz tickende Form......... 15," b,s 275,- KlBidßr................. 13�" 150.- Pelzlaäen Ia Anarahningen 125," MoI,elle b's 550,- Pelzmantel, nur Oute Felle 525.-»">->"« bi» 1200.- Kinder- u. BaeKlischmantei in grober Auswahl. Extra-T rauerabteilung. Niedrige Preise. Westmann L UfSCllält: Berlin W S, Kntirenstr. 37a 2l Geschält Berlin ÄIO, Br. Franktolsr Jtr. tJ5. «4 DIIIIHc Preise IGr vonschüic Wintcrklcldon ü te Herren-SchlUpfer aus gemusterten Flauschstoffen.... von Wlnter—Palatots ein- u. zweir. 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Oktbr. 1924 ab 2 Uhr geöffnet Caslno-Tbcater KomlsdieOperl Direktion; James Klein 1 8 Uhr AUabendlicb 8 Uhr 1 | Dil gimltissfi a»J grill« Itvot tllu Zilfu; Das hat die Welt noch nicht ficseh'n ! Gathpiel Kammmänger Leo Slezak| über 250 Mitwirkende Th.i.(!.iiBni.-Toniialfe WciBensBe. PM«ri»ai.H Sonntags 7»/, Uhr: W. Heldeo-Beinrlcb Oietansende Prinzessin Preise: 80Ptb.2M ljthri«;«Slr. 31 li|i.«llhr Nur noch bis 15 Okt. Maß liebe sdi5n sein! Donnerstag 160kt Zum I. Male; Satan Weib Voiksstück 1.6 Bild. Oramatisdi.Tlieater Chausseestr. 30/31 fr-: WHh. Dieterle 7«/, Uhr: Tolbening von Alfred Brust Metallbetten StahlmatratZn Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür rh.l.Admlralspaiasi Täglich 8'/, Uhr: die groBe Revue ..tlodl DDd HöÜl" all. 1 Vorst, in arstor Baitrg. 3'/, u. 8'/, Uhr Central»Theater Üi'b'wißeniwQriii Deuts Opernhaas 7'/.v.: Die Jüdin Intimes Theater 8: Liebenkonzern Tempo— Tempo I Metropol-Theater Tägl. 7V, Uhr; Grajin Jnariza Tb. I. Kommaad. Str. Letzter Monat I 8. Ulster . In Globntrotler 3tg.31/,: iädtls i. Dam Kleines Th. Täglich 8 Uhr Tills Purienxm Ein Idealer Gatte Jil. Fatailtin. Faid. Eoon. H. Birg, F. Leltingar Adele Sandrock, Mia-tato 7V»UhrTagI.7l/iUhr Musik von Franz Ldhar flenesTtieat.aniZöo Tialich 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp Die Reise nach Amerika Z Biliar an dam Labe« de Oenhdi-Imerikanan Krause- Pianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Fdte KurfünfemfraCp öreus Tägl. 7�/2, Sonnt, auch 3 Uhr: j Die Sensationen! Auto-Rennen in der Luft[ Kapit. Roberts TorreraManzanosI Spanische Karapfstiere apit. Robei Todes- Strabien 9V, VassersehanstOck Carmen Gewalt.Wasserefrekte! Sonntag nachm. zum SchlnB; "Ä"*„Dornröschen" 1 sEmM.ll. W. We Prsitti ApolloJ 1 8 Uhr Theater«Uhrk | Direktion; James Klein | Die erste großej Revue Posse |Das lachende Berlinl In den Hauptrollen: IPanl Beckers(o«,) Senta Söneiand Eise Balzer- LidMeliil Erich Poremski Else Reval 3 Manleys The Twin J Glorgi v.d. Scale Mailandl Unter anderem: Die lebende Schreibmaschini| Das Masseo-Himmelsbett Die Wembley-Ausstellung PßlM üfl preise Cin Siadiofunk ist einpassieti l/om 6ngel, der den Mond polieH: Su t Ata- Sendung besten t)ank, Oetziputzi et- sich noch mal so blank!» MapuM aftos ßtthttontt Mimg, fieftflutateuiei � Soften gebraucht« Bnlngjo• Up�atolc. Rc. 476 ❖ 41. Jahrgang 2. Heilage öes Vorwärts Donnerstag, 9. Oktober 1924 /tos dem öeutfthnationalen Parteilager. Di« Deutschnationalcn. t>l? aus ihrer eigcusu Presse nichts über die Vorgänge in ihrer Part«i crfahrtn> gewöhnen sich mehr und mehr daran, den„Vorwärts" zu lesen. Wir haben UNS daher entschlossen, aus einer Flugschrift des Pros. H. Saug. des«inst führenden Publizisten der Demschnotionalen Württembergs, einiges wiederzugeben, was auch für unsere alten Leser interessant sein dürft«. Red. des„Vorwärts". Ein hart«? Richteramt blieb dieser Niederschrift vorbe- halten. Während man sonst in Deutschland vielerorts scharf ins Gericht geht mit den Männern seitheriger Gesinnungsgemeinschaft, die dem nationalen Gedanken die schwer st e Nieder- läge zugefügt hoben, findet sich in Württemberg anscheinend nie- mand, der diese Abrechnung vornehmen will oder kann, obgleich von sieben deutschnotionalen Abgeordneten Württembergs vier m i t- schuldig und der württembergische Staatspräsident Bazille dabei auch noch an anderen Fraktionsgenossen zum Verführer ge- worden ist. Vielleicht ist ein allgemein wirkendes Hindernis teils die parteipolitische Gebundenheit, teils die geschäftliche Rechnung?- trägerei der Presse, wodurch man mundtot gemacht ist. So wird es für den Verfasser zur sittlich-politischen Pflicht, diesen Bann zu brechen*) und vor willigen oder unwilligen Lesern jenen in aller Parteigeschichte beispiellosen Umfall zu beleuchten, der voraussichtlich auf lange hinaus aufs nachteiligste für den nationalen Gedanken wirken wird. Jeder Politiker, jeder Abgeordnete kann vorwurfsfrei seine Meinung ändern, wenn es ehrlich und offen geschieht. Tut er dies in tiefergreifenden Fragen, so wird er sich von seiner seit- herigen Partei trennen. Mögen darüber Auseinandersetzungen ent- stehen, sie bleiben häuslicher Streit und können, so sehr man sie in den davon betroffenen Lagern tadeln und beklagen mag, keinen Gemeinschaden stiften. Der Umfall der 45(49 Red. d.„25.") deutschnationalen Jasager und die damit verbundene Gesamthaltung der deutschnationalen lBolkspartei anläßlich der Abstimmung vom 29. August ist anderer Art. Dabei sei ganz abgesehen von der Ueber- roschung im letzten Augenblick, mit der eine anscheinend kopslos gewordene Parteileitung den Umfall die Wirkung eines Knallschlags gewinnen ließ. Was den Vorgang so unfaßlich macht, geht tiefer. Der Umfall erfolgt« in der Grundfrage, die das Wesen und sogar den Namen der Deutschnationalen Partei beherrscht, er geschah unter Aufrechterhaltung des Parteiverbands, unter Entschuldigung und Deckung durch die Parteileitung, cbendamit unter Mitschuld der Gesomtpartei. Darin liegt ein Treubruch nicht nur gegenüber der Wählerschaft, die sich zum mindesten bei den höchsten Anliegen der Nation auf die Standfestigkeit der Partei verlassen zu können glaubt«, sondern auch, was mehr ist, ein Treu- bruch am nationalen Gedanken und an der natio- nalen Zukunft.... „Reif sein ist alles", zitierte Herr Bazille. Diese Stelle in„König Lear" handelt vom— Sterben. Der geblendete Gloster, der Leiden satt, will nicht weiter fliehen und sagt:„Man kann auch hier verfaulen." Edgar redet dem 25ater die„Schwer- mot" aus.„Dulden"— ruft er—„nruß der Mensch sein Scheiden aus der Welt wie feine Ankunft: Reif sein ist alles." Bazille und die anderen Jasager hatren nicht den Mut, das deutsche Volk zu ermuntern: Du bist vom Schicksal noch lange nicht reif befunden, den politischen Tod als freie Nation zu erdulden. Lieber stimmten sie in das schwer- und schwachmütige Wort ein: Das deutsche Volk kann auch hier verfaulen, verfaulen in Versklavung und Ehrlosig- keit. Aber löse man dos Wort von Reif-sein aus seinem Zusammen- hang. Wer kann glauben, daß das deutsche Volk auf solchem Wege und unter solchen Führern jemals reif werden könne für eine Befreiung? Die„akute Krise", welche die Partei zu vermeiden trachtete, war die Reichslagsauslösung. Wer in den letzten Augusttagen in die Presse blickte, der hätte glauben können, daß es nichts Entsetzlicheres gebe als«ine Neubefragung des Volkes um die Gestaltung seiner Geschicks. Gewiß ist bei dem jetzigen Haufenwahlrecht sed« Reichstagswahl etwas Un- berlnhenbnres, aber wer trotz diesem DZahlrecht auf dem Boden des Parlamentarismus tritt, der kann es doch nur tun im Bertrauen darauf, daß selbst unter dem elendesten oller Wahl- system«(I!) der gesunde Sinn des Volkes immer wieder einmal durchbrechen muß. Di« deutschnationol« Volkspartei hatte durch die Maiwahlen einen großen Zuwachs erfahren, dagegen waren die wenigsten im Nationalen durchaus zuverlässigen Völkischen ebenfalls zu beträchtlicher Stärke gekommen. Und unter solchen Umständen wollte eine sich zur Führung des Volkes berufen fühlende Partei von vornherein daran verzweifeln, daß ein um das Londoner Ab- kommen geführter Wahlkampf der nationalen Sache den Sieg bringe!... Die Deutschnationalen haben durch ihre seig« Scheu vor Neuwahlen sogar ihre gegenwärtige Stärke ent- wertet. Dies« Partei ist jetzt die Gefangene ihres Schwachmuts: jederzeit kann sie wiederum mit der Auflösung bedroht werden, und seht hätte sie Reuwahlen erst recht zu fürchten. In höchsten Lebensfragen der Nation muß eine Partei unbedingt und auf jede Gefahr hin kämpfen. Unterliegt sie dabei, so hat sie rrenigsbens ihre Ehre gerettet und mit der Ehre die innere Kraft, die sie vielleicht schon das nächstemal wieder zum Siege tragen kann. Eine Partei mag Sitz« verlieren, verloren ist sie nur, wenn sie sich selbst verliert. Die deutschnationale Volkspartei hat ihren Wesens-, ja ihren Namensgrund verloren, als sie dem letzten politischen Kampf gegen die 25«rsklavung auswich. In demjenigen Teil der deutsch- nationalen Presse, der die Jasager entschuldigt, findet man dafür kein Gefühl, da ist nur davon die Rede, daß die Sozialdemokratie sich große Hoffnung auf Neuwahlen gemacht, daß man ihr diese Freude verhcpft habe, und daß ihr nun die„Felle davon geschwommen seien. Nun ist dies nicht einmal gewiß: es ist sehr gut möglich, daß die Deutlchnationalen mit ihrem Umfall geradezu der Sozial- demokrakie wieder in den Sattel Helsen. Aber wenn je diese partei- politische Schadenfreude zuträfe, zahlt man dafür einen solchen ent- schlichen Preis? Ist die.?ernhaltung der Sozialdemokratie von der Regierung es wert die Zustimmung zur Versklavung der deutschen Ration zu geben? Man muß schon die„A b s ch l a ch t u n g" aller nationalen Männer und ähnliche Greuelgespenster als Folge einer neuen sozialdemokratisch beherrschten Regierung an die Wand malen, wenn man es einigermaßen entschuldigen will, daß die deutschnationale Dolkspartei in der Abschätzung der Gefahren des Londoner Ab- kommen? gegen diejenigen eines Linkskurses so sehr jeden Maßstab verloren hat...., Hat nun aber diese Partei die Gefahren eines Linkskurses tat- sächlich gebannt, auch nur wenigstens für den'Augenblick gebannt? ») Die vergeblichen Versuche, hierfür einen„ öffentlichen Fern- sxrecher" zu finden, haben das Erscheinen dieser Abrechnung verzögert. Doch die„intellektuelle Redlichkeit", die auch in der Politik und ge- rode für den nationalen Gedanken imerlählich ist, kann niemals zu spät kommen. „Zum Treubruch am 29. Auguft". Nach den Kundgebungen der Parteileitung könnte man es glauben. Da wird versichert, daß die„nationale Opposition" sich jetzt„zu mitwirkender"—„Teilnahme an der deutschen Politik anschicke". Dies« Versicherung greift den Tatsachen weit vor. Die deutschnatio- nale Volksparlei schickt sich nicht an zur Teilnahme an der Regierung, sie hak sich lediglich dazu angetragen. Und die Zusagen, die sie auf dieses Anklopfen erhielt, haben nicht mehr wert als den von K a n z le i t r ö ste n. Selbst die Verhältnis- mäßig bestimmte Zusage der Deutschen Volkspartei geht aus auf eine„ihrer Bedeutung entsprechende" Beteiligung der Deutschnatio- nalen an der Reichsregierung. Das ist ein schwankender lLegnsf und bedeutet keinen einlösbaren Wechsel auf den Posten des Außen- Seim Mugenarzt. „Ich muß Ihnen den ärztlichen Rat geben, aus der Deulschnalicmalen Volksparlei auszutreten. Das dauernde Schielen uach ZNinislersesseln hat Ihr Augenleiden bedeutend verschlimmert." Ministers, geschweige denn des Reichskanzlers. Sollte es richtig sein — und eine Bestreitung ist nicht bekannt geworden— daß Herr Hergt dem Zentrumsreichskanzler angesonnen hat. daß er seinen Platz an einen Deutschnationalen abtrete, so könnte man über diese Raivitöl eines ergrauten Parteiführers nur staunen. Gerade vom Zentrum haben die Deutschnationalen nur ganz unverbindliche und unfaßbare„Feststellungen", die noch weiter ent- wertet wuriden durch die alsbaldige Erklärung, daß das Zentrum seinerseits durch die Zusage der Deutschen Bolkspartei tn keiner Weise gebunden sei. Und wenn nun je die Stresemannsche Reichs- tagsfraktion„mit allen Mitteln"— wird sie wohl ihre eigenen Regierungssitz« strapazieren?— auf der„entsprechenden" Regie- rungsbeteiligung der Deutschnationalen„bestehen" sollt«, so ist doch die Deutsche Volkspartei selbst nur ein kleiner Teil der gesamten Regierungskoalition, die die Wahl zwischen ihrem seitherigen� Fort- bestand, zwischen ihrer Umgestaltung zu einem„Bürgerblock" oder aber zwischen einem abermaligen 2Z«rsuch mit der„Großen Koalition" ohne Deutschnationale sicherlich lediglich in ihrem Eigennutz treffen wird. Der Umfall der Deutschnationalen wäre iogar dann nicht zu rechtfertigen, wenn man ihr sofort die maßgebenden Regierungssitz« eingeräumt hätte: was aber soll man dazu sagen, daß die Parte: den Preis für ihren Treubruch nicht einmal festgemacht, sondern sich mit faulen Wechseln begnügt hat. Seit wann übrigens gelangt ein« Partei dadurch zur Macht, daß sie sich unter Preisgabe ihrer Ueberzeugung in die Regierung hinein- bettelt? Und welche erstaunlich« Geschicklichkeit in der„Taktik der Deutschnationalen, wenn man an die Lage nach den Maiwahlen zurückdenkt. Damals hätte die Parle! maßgebenden Einfluß in der Reichsregiernng gewinnen können, wenn sie damals schon auf den Boden der Erfüllungspolitik hätte trete» wollen, und dann hätte sie auch die Führung der Londoner ZZerhandlungen in die Hand be- kommen können. Sie hat dies damals abgelehnt, mit vollem Recht. Welchen Sinn aber hat es da, fetzt, nachdem das Londoner Ab- kommen ohne sie, ja gegen sie abgeschlossen worden ist, m die Re- gierung einzutreten, um an der Ausführung eines Abkommens mit- zuwirken, für das nicht verantwortlich zu sein die Partei hätte gott- froh sein müssen? Es ist ja Schwindel — mit bestem Willen kann man keinen milderen Ausdruck ge- brauchen— wenn die Parteileitung es so darstellt, als ob das Lon- doner Abkommen„im Sinn einer stetigen ZZerbesserung" durch- geführt werden körntte. An einem Vertrag, den man unterschrieben hat. ohne daß man vor der Unterschrist das Gewünschte hätte er- reichen können, läßt sich hinterher nichts mehr veroesiern. Da bleibt nichts andere? übrig, als sich in die übernommene 25«rpflich- tun? zu schicken. Es wäre nichts narft außen wie nach innen ge- fährlicher, als wenn nunmehr die deutsche Regierung bei der Durch- führung des Londoner Abkommens alsbald wieder mit Hemmungen, Sporrungen. Widersetzlichkeiten beginnen sollte, die ihr nicht anders denn als„Sabotage", als Hintertreibung ausgelegt werden könnten. Diejenigen, die fest geblieben sind in der 25erw«rfung des Londoner Abkommens, wie insbesondere die Völkischen und der Alldeutsche 25«rb-Million«n-Anleihe ist ja keine Anleihe für Deutschland— das deutsche Volk darf mir die Zier- zinsung und Tilgung für die Anleihe aufbringen— es ist vielmehr, kurz gesagt,«ine Anleihe für Frankreich, eine Entschädigung für Frankreich vor allen, aber auch für die übrigen Gläubigermächte, für den Ausfall unmittelbarer deutscher Reparationszahlungen im ersten Jahr. Soweit Geld aus der Anleihe nach Deutschland fließt. geschieht es nur für Sachlieferungen, die Deutschland weiterhin und in noch verstärktem Ausmaß auferlegt bleiben und bei denen die deutsche Industrie mit 25erlust arbeiten wird im Vergleich zu den Preisen, die sie aus dem freien Markt der Gläubiger-Mächte erlangen könnte. Angesichts dieses Tatbestandes bezüglich der Anleih« hat denn auch Reichsfinanzminister Luther im Reichstag sich darauf zu- rückgezogen, diese Zlnleihe auf den Namen des deutschen Staats werde der„Schrittmacher" fein für wettere Auslandstredite an die deutsche Industrie. Ob sich diese Hoffnun-- bewahrheitet, wird man ja sehen: für gewöhnlich pflegt ein gewaltiger Pump, für den schon all« ZVertaeaenstävde und Einkünfte verpfändet sind, nicht gerade zu weiteren 25orschüss«n an denselben Schuldner geneigt zu machen. Der deutsche Industrielle aber, so tüchtig und weitblickend in seinem Geschäft, in der Polittk dagegen so schwach wie die meisten seiner anderen Volksgenossen, brachte weder die Kraft aus, gegen die«in- eitige Kreditpolitik der Reichsbank nachdrücklich aufzubegehren, noch >.e Einsicht, wie gerade er das größte und dringendste Interesse daran hat, daß das bei der Geldentwertung versickerte Grundwasser des inneren Kredits durch verständig« und gerecht« Auswertung wieder zum Fließen gebracht wird. Statt dessen fuhr er fort, der „Anleihe" wundergläubig entgsgenzuharren. Run hat sich ja auch das politische Leben leider industrialisiert, ohne Geld sind keine lBahlen zu machen. Ganz ohne Geld wäre freilich die Deutsch- national« Volkspartei nicht gewesen und geblieben, aber ihr Idealismus Halle nicht so viel Schwung, daß ihr nicht vor Wahlen ohne das dicke Geld der Industrie gegraul hätte. Armes Deutschland, das in Versklavung fallen muß, weil der Gel d- besitz, soweit er überhaupt aus nationaler Seite vorhanden ist, nicht notwendig an die politische Einsicht und den politischen Mut geknüpft ist! Gegen Krebs kann nur eine Operation helfen. Die Reinheit einer Partei ist unendlich viel mehr wert als eine doch nur geleimte, innerlich geknickt« Einheit und die Kraft einer Partei liegt nicht in der Fortftistung einer schließlich doch jederzeit bedrohten Zalsi von Sitzen, sondern in der Unantastbarkeit ihres Geistes. Wird dies« nicht wieder hergestellt und zu unerbittlicher Schärf« geschlissen, so mag es wohl sein, daß von diesem 29. August 1924 an die Ge- schichtsschreibung einst die Befestigung dieser parlamenta- rischen Republik und erst die eigentliche Nieder- holung der schwarzweißroten Fahne herschreiben wird. Wir Deutschen der Gegenwart sind so vielfach kein ernstes Volt mehr, am wenigsten in der Polittk. So kann es wohl sein, daß auch dies« Schrift den heilsamen Zweck„goldener Rücksichtslosigkeit" oerfehlt. Soweit man sie nicht totschweigen kann, werden die ittirn haltlosen Einwände wieder hervorgeholt werden, und vielleicht kehrt sich der Unmut, der sich gegen den Umfall und Treubruch wenden müßte, gegen sein« offen« und rückhaltlose Zlbstrafung. Aber diese Schrift ist nicht aus einer Einbildung hervorgegangen. Wo 'Wahrheit und Ehrlichkeit im Spiele sind, da muß jeder seinen Mann stellen, einerlei ob andere ihn dazu berufen finden oder auch, ob er„dem Gegner nützt". Wichttger als«ine vorübergehende Schadenfreude des Gegners ist die Läuterung bei den Freunden. Auch läßt sich das sittliche Recht zur Kritik am Gegner nur dadurch wahren, daß man auch den sehlbar gewordenen Freund nicht schont, andernfalls artet die politische Kritik in Parteizank und Klopffechterei aus. So kann es für den Verfasser dieser Schrift nur heißen: „Scripsi rt salvavi aniraam rneam,,(Ich habe es oefthrieben und meine Seele gerettet). Der Weltfrieöenskongreß. Letzter Berhandlungstag. Am gestrigen Mittwoch Hatto der Weltfriedenskongreß feinen „großen Tag". Graf Condenhove-Calergi war gekommen. um feine Idee„Pan- Europa" zu verterdigm. Schon lange vor Beginn der Sitzung war der Saal überfüllt. Mit stürmischem Beifall wurde der Redner empfangen. Er führte aus: Ich begrüße Sie im Namen der paneuropäischen Union, deren Ziel der Friede Europas und der 2V«lt ist. Pan-Curopa ist der Weg zur Erweiterung des Völkerbundes über den Erdkreis. Die Erweite. rung des Völkerbundes durch den Hinzutritt Nordamerikas und Ruß- lands ist das höchste Ziel jedes Anhängers des Friedens und der Weltorganffativn. Pan-Europa muß neben bzw. innerhalb des Völkerbundes existieren. Es ist ein Verbrahen am Pazifismus,«wen Severins im Antwort auf die Angriffe der Teutfchnati Der Landtag setzte gestern die Verahing des Haushalts des Ministeriums des Innern fort. Abg. Prelle(Dt.-Hann.) erklärt, die Polizei dürfe auf keinen Fall parteipolitisch eingestellt sein. In der Zeit des alten Re- g i m« s nahmen die Klage» darüber, daß die Polizei als Jnftru- ment der Parteipolitik benutzt würde, kein Ende. Aber auch heut« ist auf diesem Eebiete noch lange nicht alles in Ordnung. In der Provinz Hannover z. B wird die Polizei als Instrument der Verpreußung mißbraucht. Redner führt detaillierte Klage über Schikanierung der hannoverschen Bewegung und greift u. a. auch den Minister Severing und frühere Verwaltungsbeamte an. Abg. Barleld-Hannover(Dem.) stellt fest, daß auch der Vor- redner hinsichtlich der Vereftrs- und Versammlungsfreiheit gegen- über der Vorkriegszeit eine Besseruna nicht ableugnen könne. Di« preußische Polizei habe nach dein Kriege unter dem Druck der Entente dauernd umgestellt werden müssen Mit der Neuorga- nisation der Polizei sei ein großes Werk zustande gebracht worden, für dessen Durchführung allen Beteiligten Tank gebührt. Die Deutschnationalen beschweren sich über die Maßregelung von drei Polizeioffizieren, die ein« Crqebenheitsadresse an den ehemaligen König nntunterzeichnet haben. Wir könnten uns im Aegenteil darüber wundern, daß der Minister in diesem Falle nicht schärfer eingeschritten ist. Er hat auch nach dem K a p p- P u t s ch gewissen Polizei offizieren gegenüber eine Duld- samkeit bewiesen, die doch vielleicht zu weit ging. Wir können und wollen unpolitischen Beamten gegenüber duldsam sein, aber der Staat hat sich sehr wohl um die Gesinnung seiner politischen Be- amten zu kümmern. Das hat auch Bismarck 1832 ausdrücklich betont und Fürst Bülow übernahm fein« Worte ohne jede Einschränkung. Preußen ist eine Republik; da können wir nicht dulden, daß politische Beamte öffentlich»Heil Dir im Siegerkranz" singen. Dem llohanniterorden. der jetzt eine ganz andere Satzung als vor 1311 besitze, die dem „königlichen Landesherr»" Treu« und Gehorsam zu ge- loben vorschreibt, gehörten auch zahlreich« Polizeioffi- ziere an. Der zurzeit regierende Meister sei der Prinz Eitel Friedrich vojp Preußen in Vertretung des abivcsenden Königs: er nenne sich in der Aufnahmeurkunde„von Gottes Gnaden". lGroße Heiterkeit links.) Die Ordsnskapitel endeten mit„Er. Ma- jestät der Ka-ker. hurra!" Gegen solche Ordensmitglieder, die sich in leitenden Stellen befinden, müsse der Minister sofort das Disziplinarverfahren eröffnen. Auch die leikenden Be- amlen in der Provinz schienen diese» unausaesetzken monarchistisch?» Kundgebungen gegenüber nicht die nötige Energie an den Tag zu legen. Die Gründung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold habe er, wie all« Demokraten, mit großer Fveud« begrüßt; habe doch Bennigsen im„Deutschen Nationalverein" diese Fahne für die Einigung Deutschlands vorangetragenl Minister Ses Innern Severing: Auch ich bin mit sämtlichen Vorrednern der Meinung, daß die Polizei ihre hohe Aufaabe der Sicherung des einzelnen und des Staatsganzen nur erfüll«» kann, wenn sie wirtschaftlich gut gestellt ist. Bei meinen Bemühungen um eine zufriedenstellender« Gestal- hing des Etats für 132S werden mir diese Aeußerungen aus dem Haufe ein« wertovll« Stütze fein. Den Beweis dafür, daß die Polizei zu parteipolitischen Zwecken gemißbraucht worden sei, hat der Abg. Prelle nicht erbracht. Wenn die Polizei im Jahr« 1323 alles getan hat, um«inen Erfolg der Welfen zu ver- eiteln, so war das nicht ihre parteivolftifch«, sondern ihre staatspolitisch« Pflicht.(Sehr wahr.) Es müßten merk- würdige Beamte fein, die man gewähren ließe, Preußen zerschlagen und einen Staat.Hannover aufrichten zu helfen. Ich spreche allen Poli.zeioraanen, die ihre Pflicht getan haben, auch hier den Donk und die Anerkennung der Staatsvegierung aus. Auch dafür, daß durch die Polizei die freie Meinungsäußerung unterdrückt wurde, ist Abg. Prelle den Beweis schuldig geblieben. Die Beschwerden des Abg. Prelle werden mich nicht veranlassen, die Hannoversche Polizei anzuweisen, von ihren Maßnahmen Abstand zu nehmen; im Gegenteil, ich habe in den letzten Tagen Anweisung g«. geben, der welfischen Agitation noch schärfer als bisher gegenüberzuireten. Nach amtliche» Berichten hat der frühere Herzog von B raunschweig es für seine Aufgab« gehalten, einzelne Orte in Hannover zu be- suchen, und«r ist dabei von Kriegeroereinen, Ehrenjungfrauen usw. empfangen worden. Wenn der früher« Herzog von Braunschweig taktlos genug ist, diese Zeit der politischen Notlag« noch zu ver- schliinmern, durch seine Besuche, so kann«r sich nicht wundern, wenn d:e Polizei ihn überwacht. Was ist aus dem schönen Hannover im vergangenen und auch in diesem Jahre geworden? Alles, nxrs sich im besetzten Gebiet wicht hat auslebe-, können. ist nach Hannover gegangen. Ferner sind Kongresse und Tagungen m Hannover abgehalten worden. In Verfolg dieser Entwicklung hat natürlich auch dos Dirnenunwesen in Hannover zugenommen. Die Polizeipräsidenten sind 1319 ernannt worden; es kann also nicht die Rede davon sein, daß dadurch wie der Abg. Metzenthin ausgeftihrt Hot. die nationalen Ele- ,n e n t« bei ber Schutzpolizei zurückgedrängt worden sind. Bei Hungerrevolten haben dt« Schutzpolizetbeamten Anweisung. nach erfolgloser gütlicher Aufforderung zun. Auseinandergehen scharf einzuschreiten. Dies hat sich bald herumgesprochen und die Plünderungsversuche sind völlig zurückgegangen. Die Koaltticns- freiheit der B e amten aufzuheben, bin ich nicht in der Lage. aber Auswüchse können natürlich nicht geduldet werden. Ein« Zulage für die Beamten, die mit dem Etat nicht in Einklang stelzt, ist in Preußen nicht erfolgt. Aber in der Fürsorge für die Polizeibeamten lassen ich und meine Mitarbeiter uns von nieman- dem übertreffen. Der Polizei offiziersvereinigung ist nahegelegt worden, daß die Einrichtung eines Ehrengerichts nicht geduldet werden kann. Hoffentlich bin ich nicht zum Einschreiten genötigt. D:e Satzungen des Johanniter. o r d e n s allein tun es nicht. Ich bin der letzte, der monarchistische Bestrebungen unterstützt, ober wo sie gefährlich sind, schreite ich Kreuzfeuer. snalen, Kumnmmften und Hannoveraner. dagegen ein. Bei Satzungen der Karnevalsvsreimgungen ist auch RihnMog usw. vorgeseben. jch habe nur zu unierluchen. inwieweit sich die Satzungen des Zohanmierordens von den Satzungen der Sarncvalsoercinisungen unlerfcheiden.(Heiterkeit.) Preußische Beamte dürfen nicht in Situationen gebrockst werden. doß ihnen daraus hie Unterstützung monarchistischer Bestredungen nachgejagt werden können. Gm deutscher K o m m u n i st mog keinen Landtag leiden, aber die„Großen Anfragen" hat er gern. (Heiterkeit.) Der Vorwurf, ich unterhielte eine Mörder- zentrale in meinem Ministerium, ist so ungeheuerlich, daß es sich nicht lohnt, darauf einzugehen. Daß Herr Oberregicrungsrat Schömier früher StactscmwaU gewesen ist und dabei in die fatale Lage gekommen ist, in der Sache der Erschießung Dorrenbachs Zeugen zu vernehmen, berechtigt doch nickst, ihn alz Angehörigen einer Mörderzentrale zu bezeichnen. Das Vorgehen der Polizei bei der Ueberwachung von Versammlungen decke ich. Aber die Handlungsweise des Regierungspräsidenten von Stralsund an- läßlich der Versammlung in Greifswald kann ich nicht als richtig bezeichnen. Die Schutzpolizei hat bei jener Gelogen- ihre Pflicht getan. Vizepräsident Garnich stellt fest, daß er gestern als Präsident nicht gehört habe, ob Abg. Dr. Meyer-O st preußen(Komin.) von einer„Mörderzentrale im Ministerium des Innern" gesprochen hat. chätte er den Ausdruck gehört, so hätte er den Abg. Dr. Mener zur Ordnung gerufen. Er werde aus dem Stenogramm den Sachverhalt feststellen lassen. Abg. Daczewski(Pole) beschwert sich über angeblich« Unter- drückung de-- polnischen Wahlpropoganda durch die Beamten des preußischen Innenministeriums. Vizspräsident Dr. v. Kries ruft den Abg. Dr. Meyer wegen seiner gestrigen Aeußerung betreffend Bestehe-r einer Mörderzentral« im Innenministerium zur Ordnung. Abg. Dr Aleyer-Ostpreußen(Komm.) weist darauf hin, daß der Wachtmeister Tamschick. dir Dorronbach im Kriminalgericht er- schössen hat, trotz dieser Mordtat zum Oberleutnant befördert wo?- den sei. Vizepräsident Dr. v. Sries weist dies« Bemerkung als Beleidi- gung eines Beamten aufzufassende Aeußerung zurück. Abg. Rogg(Komm.) ruft: Emen Mörder darf man also nicht als Mörder bezeichne-,.(Er wird zur Ordnung gerufen.) Eingegangen ist ein kommunistischer Antrag betr. Reorganisierung de» Berliner Straßenbahn» wesens zwecks Verminderung und Beseitigung der täglichen Straßenbahnunglücksfälle. Abg. Dahlem(Komm.) trägt eine Reihe einzelner Beschwerde. fälle v»"- Innenminlfter Severing stellt fest, daß der Abg. Dahlem selbst ausgeführt habe, daß Einzel» fäll« von Mißhandlungen durch die Schutzpolizei nicht verallge- nie inert werden dürfen. Ich verurteil« die M-ß Handlung wehrloser Gefangener durchaus. Das sind Feiglinge. Aber gerade die Kam- mvnisten haben am wen gsten Grund, sich darüber zu beschweren. (Lärm bei den Kommunisten.) Die Gerichtsverhandlungen in Düsseldorf verfolge ich sehr genau, und ich werde eventuell di« erforderlichen Maßnahmen treffen. Infolge der überstürzten Neuaufstellung der Polizeiformacionen nach dem blutigen Sonntag in Düsseldorf waren Mhgriffe nicht zu vermeiden. Ich muß aber den Polizeibeamten, die damals Düsseldorf vor Plünderungen'ge- schützt haben, den Dank der Staatsregierung aussprechen. In Fürstenwalde, wohin Tausend« von jungen Berliner Kommu- nisten gekommen waren, gegen die nur 1% Hundertschaften Berliner Schutzpolizei aufgeboten wurde, sind schon am fvühen Morgen Polizisten mit dem Messer mißhandelt worden. Di« Schutzpolizei ist nicht etwa zum Schutz« der Kapttalisten da. sondern zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Bei Lohnbewegungen hat die Schutzpolizei keine Stellung für und w'der zu nehmen; st« ist längst entsprechend instruiert. Wenn der Abg. Dahlem und sein Freund Meyer hier als Ankläger gegen Polizeispitzel stehen, lo reimt sich das nicht zusammen. Der Minister weist aus die heutige Veröffentlichung der Abteilung I A des Polizeipräsidiums über die Entdeckung einer kommunistischen Paßsormular- und Stempel- Aälscherwcrkstakt in Reukölln hin. Meine Verfügung vom 24. Juli v. I. ist veranlaßt worden durch die kommunistischen bombastischen Drohungen, am 27. Juli auf die Straßen zu gehen, um zu zeigen, daß dos Proletariat auf dem Posten ist. verzichten Sie(zu den Kommunisten) aus Ihre Sprache in den Zeitungen, auf Ihre Drohungen. Zum FallHaarmann muß ich mich angesichts des schwebenden Gerichtsverfahrens darauf beschränken, so zu antworten, daß keine Beeinflussung des Verfahrens stattfindet. Daß Haarmann mit Menschenfleisch gehandelt habe, doß er Veamt« traktiert habe, Ist bisher nicht bewiesen. Zur Amis- enth.'bung der Behördenleitunz.liegt kein Grund vor. Des Aus- nahmezu stand«« bediene ich mich, abgesehen von eimgen Zeitungsoerboten, überhaupt nicht. Die„Deutsche Tageszeitung", die„Sreuzzeftung" z. B. würden unker militärischer Zensur viel mehr verboteu werden. Bei der Durchsuchung der russischen Handelsdelegation lag eine Verfehlung der Beamten vor, sie ist aber nicht allzu schwer. Die Beamten sind aber nicht bestraft, sondern nur ver- warnt und belehrt worden. Damit schließt die Aussprache. Das Ministergehalt wird gegen Deutschnationale und Kommunisten bewilligt. Es folgt dann die Einzelbcratung. In der weiteren Aussprache teilt Ministerialrat Abegg mit. doß ein« Novelle zum Polizeito stengesetz berefts im Ausschuß behandelt werde. Stach weiterer Aussprache, an der sich die Abgg. Dr. Meyer- Ostpreußen(Komm.) und Frau Wo'.fslein(Komm.) sowi« Staats- setretär Meister beteiligen, werden die Einnahmen erledigt. Das Hau? vertagt sich. Donnerstag 11 Uhr: Weiterberatung. Schluß S Uhr. künstlichen Gegensatz zu konstruieren zwischen diesen beiden Organs- sationen. pan-Europa hat die Ausgabe, diejenigen europäischen Probleme zu lösen, die für den Völkerbund unlösbar sind. Der Völkerbund aber wird auch nur dann ein umfassendes Ideal- gcbikde, wenn er an die Stelle seines bisherigen Zentralismus «ine kontinentale Gliederung setzt. Ein« solch« Gliederung würde es einerseits den Berciwgtin Staaten von Amerika gestatten, im Rahmen der panamerikanischen Union dein Völkerbunde bei- zutreten, ohne eine Verletzung der Monroe-Doktrin zu befürchten— andererseits kann die Sowjetunion beirreten, ohne eine fremde Ein- Mischung in ihre inner« Politik zu riskieren. C e c i l s Earantiepakt, worin zum erstenmal praktisch ein Bekenntnis zur kontinentalen Gliederung der Welt abgelegt worden ist, muhte scheitern, weil er die politischen Kontinente mit den geographischen identi- fiziert«. Nur die Anerkennung des prinzipiellen Unterschiedes zwischen dem politischen und geographi'chen Kontinentalbcgrisf ermög- licht eine regional« Gliederung der Welt. Der heutige Völkerbund umfaßt in der Hauptsache vier Staaten- gnipptn: i, dos britische Weltreich, 2. Lateinamerika. 3 den europä,- scheu Kontinent, 4. Ostasien. Die amerikanische Staatengruppe ist unvollständig, solang« sie nicht durch den Hinzutritt der nordameri- kanischen Union zu einer panamerikanischen Gruppe erweitert. Di« fünfte Staotengruppe. die sich bisher von Genf fernhielt, ist di« Union der föderierten Sowjetrepubliken. Bon diesen 5 Gruppen, deren internotionale Zujammenarb-ftt im Rahmen des Völkerbundes nötig und möglich ist, hat jede einzeln« ihre besonderen Probleme, die nicht mehr auf nationaler, aber auch noch nicht auf internationaler Basis lösbar sind. Deshalb erfordern sie neben dem Genfer Forum für ihre Fragen«ine besondere Instanz. Das britisch« Weltreich hat dies« Instanz in der Londoner Reichskonferenz, auch Panamerika und Sowjetrußland sind derart organisiert. Rur Europa und Ostasien sind in dieser Hinsicht rückständig, und deshalb fordert das pancnropäische Programm di« Gründung eines eigenen Bureaus, dessen Funktionen zunächst denen des lateinameritamschen in Genf entsptechc». Zweifellos sind die Genfer Beschlüsse bereits ein großer Fortschritt der Friedensidee, ober der Weltfrieden wird erst an dem Tag definitiv gesichert sein, an dem es keine unkerdrückten Rationen mehr gibt. Durch die Ergebnisse des Weltkrieges ist ein Dauerfried« in Europa in Zukunft immerhin möglich, große Gefahr droht jedoch von Asien her, wo groß« Kullurnationen unterdrückt sind. Bei der gegenwärtigen We'tlag« und den bestehenden Institutionen, sie zu regulieren stehen dies« unterdrückten Völker vor der Wahl: Fried« durch den Völkerbund oder Freiheit durch Moskau. Durch diesen zwiespältigen Zustand droht im Osten ein neuer Welt- k r i e g. Soweit die eitropäischm Pazifisten ihn nicht verhindern können, ist es ihre Pflicht dessen U e b e i g r e i f e n auf Europa durch die Gründung Pan-Europas zu verhindern. Sollte sich eines Tages Japan an die Seite Rußlands stellen, dann ist der Völkerbund machtlos. Das junge Europa.bc� ml sich zum Bölk?r- bund, das junge Asien zum Nationalismus, und deshalb ist es falsch, dag Schichgl Europas mit dem. Schicksal Asiens zu verketten. Euro- pässche Fragen müssen auf paneuropäischen Konferenzen erledigt werden, nur absolut internationale durch den Völkerbund. So wäre zum Beispiel eine russisch-europäisch« Union heute ein Tummelplatz für demokratische und sowjetistischc Interessenvertretungen, während man sich darüber klar sein muß, daß ein Zusammenschluß erst möglich ist, wenn Eurcpa sowjelistisch oder Rußland europäisch wird. Der europäische Frieden läßt sich nur aufrechlerhalten durch eine Stabi'isterung der heutigen Grenzen, ergänzt durch deren sukzessiven A b b a u in strotcgischer, wirtschaftlicher und nationaler Hinsicht. Die strategischen Grenzen sollen aufgehoben werden durch einen paneuropäisch? ri Garanticpakt. di« wirtschaftlichen Grenzen durch paneuronäischen Freihandel di« nationalen Grenzen durch paneuropäischen Minderheitenschutz. Di« dringendste Forderung paneuropäischer Außenpolitik bildet eine enge Entente zwischen der nun einmal bcstehendcn britischen und zu schaffenden e u r o p ä i- s ch e n Gruppe, die real« und ideal« Garantie der englischen Sicherheit durch Europa und das innigste Einvernehmen mit Parannerika Jeder Versuch. Mißtrauen zwischen diesen beiden Komplexen, die im Interesse d-s Friedens und der Kultur so innig auß'inander angewiesen sind, zu säen, ist Verrat am Pazisisinus. Van-Curopa ist keine Konkurrenz des Völkerbundes, sondern sein« Ergänzung. Es führt zur Ausgestaltung und Vollendung des Werkes von Gcnf. Die paneuropäifchs Untrer erstrebt ein« söderariv« Einigung unseres Erdteile. Sie ist notwendig, denn es gibt außer einer Weltjclidorität auch noch eine europäisch« Solidarität. Helfen Sie den großen Gedanken der Vereinigten Staaten von Europa zu verwirklichen im Namen des Friedens, im Namen Europas, im Namen der Menschheit!— Der Vortragende fand für seine Ausführungen stürmischen Beifall. Sein« Gegner, deren inner- halb der- führenden Pazifisten nicht wenige zu sein scheinen, hatten einen schweren Stand. Professor Walter Schücking meint«, Amerika würde durch sein« voraussichtliche Beteiligung an der bevorstehenden A b- rüstungskonferenz sowieso immer mehr in den Völkerbund hineinwachsen, und ebenso würde Rußland aus wirtkchaftlichen Gründen immer mehr den Anschluß an Europa suchen müssen. Wir haben heute bereits erreicht, daß man nicht mehr sagen kann, wie in diesen Tagen naiv ein« Berliner Tageszeitung, di« Pazifisten sind zwar gute Menschen, aber schlechte Musikanten; es sind unser« Melodien, nach denen jetzt die diplomatischen Vertreter von 55 Kulturstaaten tanzen.(Stürmischer Beifall.) Wenn das Genfer Protokoll verwirklicht wird, sehen wir die weiße Flagg« des Friedens über der goczen Menschheit. Die kontinentale Assoziation ist eine Gefahr für den Bölkerbund. weder ist das Verhältnis Panamerikas zum Völkerbund geklärt, noch würde sich England ausschließen lassen. Außerdem ist ein« m i l i t ä. rische Hegemonie Frankreichs zu befürchten. Nicht jede inner« Gliederung des Völkerbundes ist grund'ätzlich abzulehnen. Möglich find von den Kontinenten unabhängig« Zweckverbände zwischen Welisdaat und Einzelstaat. Im großen und ganzen können me bestehenden Probleme auch durch den Völkerbund gelöst werden, nötigenfalls auch unter Einsatz einer internationalen Polizei. — Dr. Gothein betonte die Notwendigkeit des allgemeinen Frei- Handels, warnte aber vor Illusionen, zu glauben, daß dieser durch den Völkerbund eingeführt werden würde. Ein großes Wirt. schastsgeibietzu schaffen, sei die Ausgabe Pan-Europas.— Wann trat General o. D. Dr. Schönaich für Paneuropa ein, indem er begründete, doß bei der Schwierigkeit der gelamKm Weltinteressen dem Völkerbund durch«in einiges Europa nur geholfen wer- den könne. Auch Dr. Simons führte unter dem Beifall der Ver» fammlung aus daki die Friedensbewegung sich ans Irrweg« begeben würde, wenn sie Pan-Europa gegen den Völkerbund ausspiele. Am Nachmittag wurden eine Reihe Entschließungen angenommen, sowie Anregungen und Anträge der Propaganda- kommission, u. a. aus Vorarbeiten zur Herausgab« eines inter- nationalen Fried ensjahrbuches und solch«, in denen der Völkerbund und die Parlamente der einzelnen Staaten aufgefordert werden, sich für ein gesetzliches Verbot der Aus- und Einfuhr von Waffen und Munition und für die Verstaatlichung der Waffen- und Munitionsfabriken einzusetzen. Beschlossen wurde außerdem mit Rücksicht darauf, daß die wirtschaftliche Rivalität ein« der Hauptkriegsursachen sei und die Verschiedenheit der Arbeits- und Lohnbedingungen» immer wieder Konfliktstoff er. zeugen, die Einberufung einer internationalen Konferenz für ökonomische Abrüstung vom Völkerbund zu verlangen, da es von größtem Interesse ist, den Freihandel schnellstens durchzuführen und die Einhett der Arbeitsbedingungen traf der Grundlage des Moximal-Achistundenkages herbeizuführen. Der Kongreß ersucht schließlich das International« ?lrbeitsamt in Genf, nicht nur darüber zu wachen, daß der Maxival-Achtstuirdentaq in allen Ländern durchgeführt wird, sondern auch zu versuchen, einen Wellindex auf Grundlage der 1 verschiedenen Landesindexziffern herauszuarbeiten, der als Grund- läge für die Mindestlöhne in den verschiedenen Ländern zu gelten hat. Es soll dadurch vermieden werden, daß die Arbeiter des einen Landes relativ schlechter bezahl! werden als die eines anderen und ein Lohndruck unmöglich gemacht wird. Im Anschluß an de» Vortrag Coudenhooe-Ealergis versuchte Prof. V« r m« i l l von der Universität Slraßburg. die Frage zu beantworten, ob es möglich sei, Pan-Europa mst A u S s ch l u ß«m«s Landes zu gründen. Er erklärte, daß die befürchtete sranzösische militärische Hegenomie nicht besser zu bekämpfen wäre, als durch Einbeziehung Englands. Der Wiener Soziologe Rudolf G o l d s ch e i d führte aus, daß es der Gegenstand einer einzuberu- senden Konferenz sein müsse, ob England in den paneuropäischen Staatenbund eiuzubeziehen wäre. Scharfe Kritik übt« H. von Gerlach, der unter dem Zischen der Versammlungsteilnehmer di« Formel fand, Pan-Europa sei konstruierk. aber nicht erdgcwachsen. Georg Bernhard betonte, daß sich Eoudenhove-Ealergi nicht gegen England gestellt hätte, sondern nur beHaupt«, daß die wirt- lchaftlichen Interessen dieses Staates mit ihrem Schwergewicht außer- halb Europas lägen Diese Frage sei durchaus diskutabel. Das sei das Große on der Idee Coudenhoves, der auch diejenigen Gegner der pazifistischen Gedankenwelt durch seine Theorie heranzuziehen ver- sucht, die nicht durch moralische Forderungen, sondern nur durch praktische Möglichkeit zur Mitarbeit zu gewinnen sind. Professor Viktor Bäsch stellte anschließend di« Formel auf Richt Pan-Europa, souderu Pan-Bölkerbund. Eine Abgrenzung Pan-Europas sei schon ethisch unhaltbar. Wir Sozialisten sind überzeugt, daß der wahr« Frieden in der Welt erst«intreten wird, wenn die grundlos« Anarchie der Weltwirtschaft endgültig beseitigt ist!(Lanzanhaltender Veisall.) Wir wollen nicht im gewaltigen Sinfonieorchester der Menschheit nur auf ein paar, sondern auf ollen� Instrumenten spielen!(Fortgesetzter Beifall.) Im Schlußwort gab Coudenhoo« zu, daß gegen Pan-Europa sich sehr viel sagen ließe. Es käme nur darauf an, ob die Borteile oder Nachteile größer feien. Zur Grenzfrage bemerkte er, daß er niemals den Anschluß Englands oder Rußlands verlangt Hab«. Es handele sich lediglich um die Frage, ob England als Teil der pon- europäischen Union oder als selbständiger Kontinent anzuerkennen sei, während Ruhland nur in den Völkerbund eintreten könne, wenn es gewissermaßen als selbständiger Kontinent anerkannt werde und wenn es nicht befürchten brauche, daß Amerika in seine inneren An- gelegenheiten selbständig eingreife.— Der 23. Weltfriedenskongreß fand damit seinen Abschluß. Witifdyaft Die Wissenschaft zur Zollfrage. Die auf der Tagung des Vereins für Sozialpolitik in Stuttgart vorbereitet Kundgebung der sozial- und Wirtschaftswissenschaft- lichen Hochschullehrer zur Frage der Schutzzölle wird nunmehr der OessentHchteit übergeben fes hat sich ihr bis jetzt bereits die ganz überwiegende Mehrheit der in Betracht kommenden Fachvertreter ongeschlesien. Wettere Zustinnnungserllärungen stehrn bevor, Die Meinungsäußerung, welche Vertreter verschiedenster Rich- tunz der deutschen sozialökcnomlschen Wissenschaft unterschrieben haben, lautet folgendermaßen: .Die neue Wirtschaslssiruktur Deutschlands, die Auswirkung des Londoner Abkommens und wesentliche Aenderungeu in der Gruppierung dex Kräfte om Weltmarkt haben Deutschland vor eine von OruuS aus neue handelspolitische Lage gestillt. Die unicrzeichnelen Vertreter der Wirtschafts- uiü> Sozwl- wis'enschaflen, unter ihnen eine Anzahl Gelehrte, die die Grund- gedankcn der deutjchcn Horndslspolitik vor dem Kriege verteidigt haben, machen insbesondere mit allem Zkachdruck darauf aufmerk- sam. daß Deutschland unter den heutigen Verhältnissen g zwungen ist, namentlich auch zwecks Rationalisierung seiner Landwirts chast und Industrie sich die Vorteile des weit- wirtschaftlichen Güteraustausches zu eigen zu machen. Sie ver- mögen daher Industrie- und Agrarzölle nur soweit zu billigen, als sie ein unentbehrlich! s und ersoigversprechendes Mittel für eine freiheitlichere Gestaltung des internationalen Ver- kehrs bedeuten. Sine künstliche Verteuerung der Lebenshaltung durch wirlschastspolilischs Maßnahmen ist im Deutschland der Gegen wart besonders bedenklich. Der schwie- rigen Lage der deutschen Landwirtschaft muß mit geeigneten Mitteln entgegengewirkt werden; durch bloße Fortsetzung des vor- frlcgsjcülichen Zollschul-es würde sie nicht entscheidend gebessert, eher verschlimmert werd n." P. Arndt, G. Aubin, H. von Beckerath, Behrend. G. Bernhard, Th. Brauer, K. Brauer, G. Briefs, W. F. Bruck, Büchner, Budge, A. Cohen, Cunow, von Dietze, Dietzel. Dorn, von Eberl, Chr. Eckert, Eucken, Eulenbuvz, Fleck, von Gottl-Ottilienfeld, C. Grünberg, E. Grünfeld, E, Günther, Gutmcmn, Harms, Hellauer, Heymann, Herkner, Hesse. Heyde, F. Hoffmcmn, John, Iastrow, Kusk«, Lenz. o. d, Leyen, Lmdemann. Lötz, K, Mann, Maraistaedt, Meusel. Mitscherlich, Moll. R Moeller, Mombert, K. Muh, M. Muß, Obst, M. Palyi, Pape, von Pistorius, Th. Plaut, M, Quarck, Salin, F. Schmidt, Ernst Schulze, Schuster, Seraphin, M, S e r i n g, Sieveking, Skalweit. Spiethoff, F. Terhalle, Tönnies, W. Troeltsch, von Tyszka, E. Der Hees, Noclcker, Wnlb, Wantig, Adolf Weber, Alfred Weber, H, Weber, L. von Wiese, Wirmm-zhaus, H. Wolfs, Zimmermann, von Zwredineck-Südenhorst. Die Krise im öergbaa. Die Lage in den Bergbaubezirken kann den Eindruck«rwecken, als habe Deutschland einen allgemeinen Ueberschuß an Stein» kohl«. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Zwar herrscht seit Monaten ein« A b s a tz k r i s e, die aber nunmehr ihren Höhepunkt überschritten hoben wird. Sie läßt sich aus verschiedenen Gründen erklären, aber nicht aus einer Ueberproduktion, gemessen an der Produktwnsmeng« aus der Vorkriegszeit und auch am Kohlenbedarf der Nachkriegsjahre. Innerhalb der gegenwärtigen Grenzen Deutsch. lands. wurden im letzten vollen Borkriogsjahr 119 Millionen Tonnen Steinkohle verbraucht. Im laufenden Jahre dürfte die deutsche Steinkohlengewinnung IIb Millionen Tonnen leicht übersteigen. Diese Mengen stehen aber nicht zur vollen Der» fügung in Deutschland. Für Reparationszwecke sind 20 Millionen Tonnen abzusetzen und für sonftiye Ausfuhr ungefähr « Millionen Tonnen, so daß aus der Eigenproduktion 82 Millionen, oder nur gering« Mengen mehr, zur inländischen Verwendung bereit siehm. Die E i n f u h r m e n g« kann auf 13 Millionen Tonnen Steinkohle veranschlagt werden, so daß sich das Steintohlenhaben von 1924 auf 9Z, im äußersten Falle auf 98 Millionen beziffern wud. Auf alle Fäll« weist das Haben von 1924 gegenüber dem Verbrauch von 1913 ein Minus von mehr denn 20 Millionen Tonnen Stein- kohle auf. Dieses Minus wird zu einem geringen Teil gemiirderl durch erhöhten Gebrauch von Braunkohle und Braunkohlen- britetts. Das aber ist nicht allein entscheidend. Di« letzten Kriegs- und dann auch die Nachkriegsjahre bis 1923 standen im Zeichen sehr großen Kohienmangels. In dieser Zeit haben sich alle Verbraucher ein« durchaus wirtschaftlich n u tz v o l l e Verwendung der Kohl« angeeignet, wozu die Fortschritt« in der Wärmetechnik und ihr« Kenntnis wesentlich beigetragen haben. Das sind durchaus begrüßenswert« Erscheinungen, denn es liegt im Interesse der Wirtschaft, wenn beispielsweise die gleichen Mengen Fertigfabrikate in gleicher Güte mit weniger Kohle, also weniger Ilrstoffmengen erzeugt werden können. Dann aber auch sn'-d die Fortschritte auf dem Gebiete der Wärmetechnik an und für sich begrüßenswert. Di« gegenwärtig« Generation hat kein Recht, einen hochwertigen Urstoff verschwenderisch zu verzehren. So lange sie den nachkommenden Generationen kein gleich- oder vollwertigeres Ersatzprodukt aufzeigen kann, besteht die Pflicht, mit einem nicht in unbegrenzten Mengen vorhandenen Urstoff so zu wirtschaften, daß nicht von einer nutzlosen Verschwendung geredet werden kann. Bei dem gegenwärtigen Stand der Technik ist die Kohl« ein u n e n t- behrliches Produkt und darum sind all« wärmetechnischen Verbesserungen, die«ine Brennstoffersparnis sichern, begrüßenswert. Die jahrelange Kohlenknappheit in Verbindung mit den wärme- technijchen Fortschritten führte zu geringerem Kohlenver- brauch, veranlaßte aber nicht die Absatzkrif« der letzten Monate. Dies« ist zurückzuführen auf die grundfalsche Sieger- staatenpolitit. von der man erst im Laufe dieses Jahres abzutasten begann. Nach der Abkehr von dieser velw'rflichen Politik ist eine Besserung der volkswirtschaftlichen Beziehungen irnver- kennbac Diese neue Lage wird, so hoffen wir, zu einer Belebung der Wirtschaft führen und dann kann schnell offenbar werden, daß wir in Deutschland keinesfalls über zu große Stein- kohlenmengen verfügen. Darum muß aus allgemeinen Gründen bei Zechen st illegungen größte Zurückhaltung geübt werden. Es ist nicht angebracht, daß Anlagen außer Betrieb gesetzt werden, die betriebstechnisch noch nicht zu den schlechtesten gehören und auch noch groß« Kohlenvorräde haben. Wir meinen damit Zechen, die ne.'hr im südöstlichen Teil des Ruhrgebiets liegen. Unter den bis jetzt stillgelegten Zechen handelt es sich, abgesehen von einigen, um Betriebe, die in der Zeit der Kohlennot und der Inflation eräisnei Wurden und von denen nicht erwartet werden konme, daß ste unter normalen Bedingungen lohnend sein würden. Darüber hinaus ist aber äußerste Vorsicht geboten, denn die gegenwärtige Lage kann sich sehr schnell wenden, wenn die Gesamtwirtschaft sich hebt. Auch kann ein etwaiges Verbot des Schachtabteufens nicht befürworte: werden. Schächte, die jetzt im Abteufen begriffen sind, werden erst nach Jahren förderjähig und außerdem handelt es sich unseres Wissens auch nur um vier Anlagen. Bei der Beurteilung dieser Angelegenheit darf nicht übersehen werden, daß Neuaufschlüsse in den letzten zehn Jahren nur gering vorgenommen wurden. Der Abbau ist zwar In dieser Zeit langsamer gewesen, aber er hat keine?- falls geruht, so daß Neuaufschlüsse eine Notwendigkeit sind. Im südlichen und südöstlichen Teil des Ruhrgebiets handelt es sich um Mager kohlenzechen mit starkem Fein kohlenfall. Diese Kohle eignet sich zur B r i k e t t i e r u ng. Als starker Ab- nehmer trat früher dt« Eifenbahnoerwaltung auf. Die Eisenbahnregieoerwoltung im besetzten Gebiet hat im wesentlichen die Brikettabnahme verweigert, wodurch die Absatzkrise dtekr Zechen sehr verschärft wurde. In nächster Zeit wird dieses wichtige Eisenbahnnetz wieder der deutschen Verwaltung unterstellt werden, Es muß dann mit sehr starkem Nachdruck verlangt werden, daß sich die Eisenbahnverwaltung wieder zur Brikett- und auch Kohlen- abnähme von diesen Zechen entschließt, um die A b s a tz n o t zu mildern und ihre endgültige Außerbetriebsetzung zu vermeiden, Auch muß das neue, ab 1. Oktober gültige Kohlenfyndikat einen gerechten Mengenausgleich anstreben, sosern er quali- tätsmäßig auch nur eben erreichbar ist. In dieser Hinsicht scheint in der mehr oder weniger syndikatslosen Zeit auch manches ins Arge geraten zu sein. Es ist für die Arbeitermass«n des Ruhrbergbaus unerträglich, wenn auf manchen Zechen noch Ueberfchichteu über die allgemein vereinbart« Ueberarbeit hinaus verfahren und auf anderen Zechen Feier. schichten eingelegt, oder Zechen ganz stillgelegt werden. Es ge- hört zu den Aufgaben des Syndikats, da wieder für O r d n u ng zu sorgen, wobei es der Unterstützung der Arbeitervertreter in den Kohlenwirtschaftsorgonen versichert sein kann. _ Heinrich L ö f f l e r. provisorischer deuisch-polnischer Handelsvertrag. Auf einer Konferenz im polnischen Industrie- und Handels- Ministerium teilte der Vertreter der Regierung mit, daß die deutsche Regierung zunächst den Abschluß eines provisorischen deutsch-polnischen Handelsvertrages für die Dauer eines halben Jahres vorgefchlagm habe. Die Lebenswittelpreise steigen! Die auf den Stichtag des 7, Ok- tober berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts hat gegenüber dem Stande vom 30. September(131,3) weiter um 1,7 o, 5). auf 133,7 angezogen. Von den Hauptaruppen stiegen in der gleichen Zeit die Lebensmittel oon12 8,0auf133,0oder um3,9v. H. Davon die Gruppe Getreide und Kartoffe ln von 118,4 auf 124,0 oder um 5)2 v. H., während die I n d u st r i e st o f f e von 138.1 auf 134.8 oder um 2,4 v, H., davon die Gruppe Kohle und Eisen von 128,5 auf 121,9 oder um 5,1 v, H. zurückgingen. Die Inlandswaren zogen von 120,1 auf 128,2 oder um 1,7 v, H, und die Einfuhrwaren von 158.0 auf 100,9 oder um 1,5 v, H. an. Das Ernkeergekmis. Nach Mitteilungen des preußischen Statistischen Landesamts wird der Ertrag an Kartoffeln an Menge im ganzen als recht befriedigend angesehen, bester als im Vorjahr, wenn auch nicht so gut wie 1922 da die Knollen vielfach Flecke und Fäule zeigen, tn den besonders feuchten Gegenden bis zu 25 Proz. Von Rüben und Kahlarten steht eine reichliche Meng« erwarten. Von Futtergewächfen hat sich das Einbringe» des letzten Schnittes infolge der feuchten Witterung ziemlich schwierig gestaltet. Viel Heu ist verdorben oder mußte in beschädigtem Zu- stände geborgen werden. Ueber die Getreideernte macht die preisnotierunxen ifif Nahrungsmittel. OurchschnittseinKaufspreise In Goldmark du Lebensmittel-Einzelhandels Je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose.. 18,50— Z4,5: 1 Gerstengrütze, lose... 17,50— 18,00 1 Haferflocken. Inse.... 21,00— 22,50 j Hafergrütze, lose..... 20,50— 22.50 Ro-gonmehl 0/1.. WeizengrieS..... HartgrieB..... 70«/, Weizenmehl.. Weizen-Auszugmehl Speiseetbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, 1 erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine....... Linsen, mittel...... Linsen, große Kartoffelmehl....... Makkaroni........ Makkaronlmehl...... Schnittnude.n, lose.... Bruchreis......... Rangoon Reis....... Tafelrels, glasiert, Patna Tafelreis, Java....... Ringäpfel, amerlk..... Oetr Ptlanmen 90/100.. Pflaumen, entsteint.,. Cal. Pflaumen 40/50... Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Carabumu. Korinthen, choice.... Mandeln, süße Bart... Mandeln, bittere Barl.. Zimt(Cassia)...... Kümmel, holländischer. Schwarzer Pfeffer singap. 105,00- usiO: Weißer Pfeffer..... 150,09-155,00 Rohkaffee Brasil..... 193,00-220,00 Rohkaffee Zentralamerika238,00— 285,00 Röstkaffee Brasil..... 240.00—200,00 Röstkaffee Zentralam.. 310,00—375,00 Röstgetreide, lose.. 20.00— 21,00 20,60- 21,75 22,00- 24,90 23,00- 26,75 20.00- 22,00 23,00- 78,50 18,00— 23,75 16,00- 18,50 22,00- 24,73 28,09- 32,.(I 18,50- 29,50 3!, 90— 37,50 37,50- 41,25 17,75- 19.50 43,00- 43,50 35,00— 35,00 2>,00— 28,00 16,5- 17,0. 1«,!!C— 19,00 23,25- 31,00 31,75- 38,00 85,00- 90.00 40,00- 43,00 54,00--8.00 60,00- 65,00 60,00— 70,00 75,00- 90,00 70,00- 75,00 175,09— 1-5,00 175,00-185,00 106.00— 115,09 55,00— 63,00 Kakao, fettarm...... Kakao, leicht entölt.. Tee, Souchon, gepackt. Tee, indischer, gepackt. Inlandszucker basis mel. Inlandszucker Raffinade Zucker WOrfel....... Kunsthonig........ Zuckersirup bell in Elm. Spelscsiruo dunk. inEim, Marmelade Ernfr. Erdb. Marmelade Vier'rucht. Pflaumenmus in Eimern Steinsalz, in Säcken... Siedesalz in Säcken,.. Bratenschmalz In Tierces Bratenschmalz in Kübeln Purelard in Tierces... Purelard in Kisten.... Spelsetaig in Packung. Speiseta! g in Kübeln.. Margarine, Handels™. I desgl. II......... Margarine, Spezialm. I.. desgl. II........ Molkerelhutter la i. Päss. Molkercinutrer„ I.Pack. Molkereibutter Ifa i. Päss. Molkereibutter„ i. Pack. Auslandbutler in Fässern Corned beef 12/6 Ibs p. K. Aus). Speck, getäucnert 3,60 4,20 5,00 5,80 Ol n uadratkäse Isiter Käse, voilfett. Bayr. Emmenthaler... E.hier Emmenthaler... Ausl. ungezuck.Condens- milch 48/16....... Inländische desgl. 48/12 Inl. gez. Condensm. 48/14 75,00- 96,00 100,00-129,00 320,00—409,00 400,00—470,00 40,5- 41,58 43,50- 44,03- 47.50 39.10— 42,00 40,00- 4'.00 27,00- 31,00 90,00— 95,00 40,90- 43,00- 3,10- 3,70- 4.40— 5,20-.... 92,50— 83,50 93,00- 94,00 89,30- 90,50 92,03- 94,00 65,00- 66,00 66,00- 60,00- 63,00 80,00- 84,00 69,00- 71,00 222,00-228,00 229,00-234,00 185,00—208,00 190,00- 208,00 235.00-237.0 37,30- 40,00 103,00- 10 i,00 45,00- 55,00 112,00-125,00 160,00- 170,00 170t»- 190,00 20/0— 23,25 16,50- 19,25 25,00— 26,00 Wenn auch mit einer den recht zuversichtlichen Äugustschätzungen gerechnet werden muß, so muß doch davor gewarnt werden, diese Tatsache zu o e r a l l» gemeiner» und etwa gar von einer Katastrophe ver ge- famten Ernte zu sprechen. Di« hier gekennzeichneten Gebiete un- günstiger Emtewitterung sind nur zu emem verhättnismäßig� ge- ringen" Teil an dem Gefamtaufbrinsen der Getreideernte beteiligt, Der lyauptnechdruck zumal für den äußerst wichtigen Roggen lieg: auf den östlichen und mittleren Provinzen, und hier hat sich nach Ausweis der Melduagen der Berichterstatter dt« Ernte fast durch- weg ohne wesentliche Nässeschäden und in dem erwarteten Ausmaße vollzogen. Nach vorsichtiger Abschätzung der hier bekanntgeworbenen Schädigungen darf man wohl höchstens mit einem Ausfall von einem Fünftel gegenüber der diesjährigen Augustjchätzung rechnen, d. h.. die Getreideernte würde diesmal im ganzen rund 7 0 Proz der vorjährigen, sehr rotchüchen Ernte ausmachen._ parteinachrichten für Groß-Serün Siafcnbangttt für dies« Rubrik smd Berlin 6®. 68, Liudenstrahe 8, stet» an baa Dezjri-selretariat, 2. Huf, 2 Trep. recht,, zu richten. Sezirksvsxstanö. Sonnabend, den 11. Oktober, abends 6 Ahr: Sitzung im Konferenz- zimmer der„Vorwärts'-Redaktion, Lindenftr. Z. 4- 5. N«i, Frledrlchsbal». Elternbeiräte, ssrritag, den 10. Oktober, 7 Uhr. Schule Petersburger Str. 4 wichtige Schung. Thema: ,, Unsere nächsten Aufgaben." Ref.! Genosse Schröter. Die Obleute laden ein.— BilbungS. lommissto«! Freitag abend 7M> Uhr Sitzung in Schmidt, Gesellschafts. haus.!Zruchtstr..36».— Arbciterwohfnhrt, Äinderichuk und Kommunale ftommiffion. Morgen, ffreitag, abend IVi Uhr im Wohlfahrtsamt. Rigacr Str. 103. Querg. II, kilmmer 16/17, Bortrag de, Genossen Threzk Uber..Grundlegende, der gugendwohlsahrl". Sämtlid>e Genossen uns G-noMnnen. weiche in der Allgemeinen Dohlfahrt Und Zugendwohlfahrt tätig find, lind hierdurch eingeladen. Pünktliches Eefcheinen erforderlich, da NM 5 Uhr die Saustüren geschlossen werden. 4. Brei» Breuzbcrg. ffreiiea. den 10. Oktober. 714 Uhr. wichtige Sitzung aller Deamtcnwerbeausschüsse bei Bicler, Dicsfenbachstr. 76. Alle Ab» teilungcn müssen oertieten sein. Interessenten der Werbearbeit für den kommenden Winter sind eingeladen. 7. Krei» Thurlotteuburg. Jeden Freitag und Montag von 4—6 Uhr tn der 32. Gemeindeschule, Oranienstr. 15a(am Luiseplctz), Unterricht in der Lebcnskunde für Schüler und Schülerinnen vom 10. Lebensjahre an durch die Freie Schulgcmeinde. Tag der Teilnahme om Unterricht ist wahlfrei. 17. Arei, Lichtenberg. Freie Sdiulgcmeinbe! Protestvrrfammlung am Frei. tag. den 10. Oktober. 713 Uhr. im Gccilienlmeum. Rathansstratze. Tagesordnung:„Der geplante Abbau des Etadtfchulrats Dr. Siggel." 20. Breis Reinidcndert. Die Abtrilungskafstcrer werden dringend gebeten, mit dem Preiskassierer Gen. Sonnenburg, stopenl, agener Str. 12, bis spätestens Sonnabend, de» 11. Oktober, abzurechnen. Heule. Donnersiag. den 9. Oklober: Iunflsszialiften, Gruppe Nordost VA Uhr Danziger Nr. 23, Vortrag von Fräulein Mannheimer:„Die Entwicklung des Tanges." Bvginn des Vortrags pllnktlich» Uhr.— Gruppe Treptow. 7Vfa Uhr im Jugendheim, Elsen str. 3, Karl�Bräger-Abend. Referent: Robert Keller. Morgen, Freiing, den 10. Oktober: 21. Abt. Kommunale Kommisston! 8 Uhr Zusammenkunft sämtlicher Mit- alieder im Lokal Kroll. Utrechter Str. 21. 30. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Mahnkoof, Garmen�gloa-Str. 123. 101. und 102. Abt. Btldungsaueschuh! 8 Uhr 31. DorsUhrung Wissenschaft» lichcr Filme in der Treptower Sternwarte.„Der Steinach-Film." All» aemeinverständliche Darstellung der B-rsuch- und Forsdzungen Stcinachs über die innere Sekretion und die Alter-bckämofung. Karten zu 60 Pf. an der Nasse. Jugendliche haben keinen Rutritt. 128.;i30. Abt. Pankow. 716 Uhr int Jugendheim erweiterte Borstandssitznng mit den Gruppenführern der Ägilationskommisston, der Reitling»-» bcschwerdeikvmmisston und den Leiterinnen der Frauen. Frauenveronstaltungeu am Freitag, den 10. Oktober: I. Abt. 714 Uhr bei Dobrohlaw. Swinemünder Str. 11, Frauenabenb. 137. Abt. Reinickendorf-West. 714 Uhr im Bolrohans, Scharuwebeostr. 114, Bortrag k»r Genossin Geyer. * Grzlehuuvsorganisatlou Kinbctltc-jobt Durch Stiftung größerer Mittel für Brldungszwecke smd wir in der Lag«, die geplanten Ausbildungsktirfe unentgeltlich für unsere Helfer abzuhalten. Bereit, bezahlte Ginsg, reibe. gebühren werden zurückerstattet. Nähere, ist durch die Rentrale der Rinder» freunde zu erfahren. Sprechstunden Mittwoch, oo» 5—7 Uhr Lrnben» stratze 3. 2. Sof, 3 Treppen._ ?ugenÄveranllaitungen. Achtung, Mtglieder! Die Zhcatcrabonuewcut« werden am Freitag, den 16, d. M., oou den Abteilungsleitern abgerechnet. Nehmt die Gelegenheit noch wahr und zeichnet Euch bei Eurem zuständigen Abteilungsleiter ein. a Achtung! Teilnehmer am Ehorweri„Das Siair". Heute abend 8 Uhr Probe im Jugendheim. Lindenftr. 3; nachher Fortsetzung der iÄ Probe im Großen Schauspielhaus. Alle Genossen mid Benoflinnen müssen erscheinen. WS? Achtung, Abtcilnngsieisterer! Morgen. Freitag, von 5 bis 7 Uhr, Ab- rechnung der Beitragsmarken. Empfangnahme der Festschrift. Jede Abteilung mutz ihren Rafsterer entsenden. Heute, Donnerstag, den S. Oktober, abends 7� Uhr: Gesundbrunnen 1: Schule Kotenburger Str. 2, Einfllhrungsabend.— Reukälln N'! Jugendheim. Schierkestr. 44, Portrag:„ZLas wir wollen."— Lüdwest: Sdiule, kodistr. 12, Sinführungsabend. Wilhelmstratze, Diskusston:„Unsere Wanderungen." Rthlendoef: Südschule, Abteilung Falkenberg. Aula der Gemoindeschule, Alt-Glienicke, Eltern-»Abend, bestehend au, Musik, Gesang. Rezitationen, Schattenspielen, Iugendspiel„Der neuen Reit entgegen". «De- Preuß. Staatslotterie HO 000 Gewinne II. I Prämie, zusammen Ren enmari;{ 21140000 n6oh8tgewlnii gemäß g 8= R.-M. ilPfiilliOlBl 500 OOO 500 OOO 300 OOO 200 OOO Pr. m zu zu \ Slleöonö öcr l Bimse am 10. ol lt. OKI. l Crtin.e. Halbe- Viertel- Aehtel-Lonr[ nsr I* 6 Orlslnallose zu haben 3 31. j L Fa. St. Lotterie-Einnehmer Rttter P.Rflddotz&Co. I/eipziser Straße 122-193. 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