Abendausgabe Nr. 47741. Jahrgang Ausgabe B Nr. 239 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Donnerstag 9. Oktober 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Neuwahlen in England. Der König hat die Auflösung genehmigt. Condon, 9. Oftober.( WTB.) Der König, der aus Schott- I des Unterhauses hatte sich eine große Anzahl von Anhängern Mac-| sei Gelegenheit gegeben worden, beides zu vermelden. Aus besonderen land zurückkehrte, hat heute früh um 10 Uhr Ministerpräsident donalds versammelt, die ihn demonstrativ begrüßten und die Rote Macdonald empfangen. Ministerpräsident Macdonald emp. fahi dem König die Auflösung des Parlaments. Der König genehmigte sie. London, 9. Oktober, morgens 2 Uhr.( Eigener Drahtbericht.) Unter höchster Spannung des ganzen Unterhauses fiel nach neunftündiger Beratung nachts um 22 Uhr die Entscheidung. Die Regierung blieb bei der Abstimmung über den liberalen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschuffes mit 364 gegen 198 Stimmen in der Minderheit, nachdem sich die konservativen für die Annahme des liberalen Antrages entschieden hatten. Die Situation war noch am späten Abend nach der Rede Macdonalds nicht geflärt, obwohl dieser feinen Zweifel darüber gelassen hatte, daß es für die Regierung nur eine zurückziehung des liberalen Antrags oder die Auflösung gebe. Der Führer der Liberalen, Asquith, benuhte jedoch die Gelegenheit nochmals zu einem letzten Rettungsversuch, indem er der Regierung die Form des zu bildenden Untersuchungsausschusses frei stellte, allerdings auf irgendeiner Form der Untersuchung beharrte. Darauf 30g fich das Kabinett zu einer letzten entscheidenden Beratung über die Stellungnahme zu Asquiths Vorschlag zurück. Die Mitglieder der Regierung einigten fich dahin, daß nach der völligen Klarstellung des Falles Campbell durch Generalstaatsanwalt Sie Patrid Hastings und Premierminister Macdonald jegliche Form der Untersuchung hinfällig geworden sei. Kolonialminister Thomas gab danach im Plenum die Erklärung ab, die Regierung sei entschlossen. an das Land zu appellieren, wenn der liberale Antrag eine Mehrheit findet. Bei der ostimmung wurde zunächst der konservative Mißtrauensantrag mit 359 Stimmen der Liberalen und der Labour Party gegen 198 tonjervative Slimmen abgelehnt und darauf bei der entscheidenden Abstimmung der liberale Antrag angenommen. Macdonald wird am Donnerstag mit dem aus Schottland nac London zurückkehrenden König eine Unterredung über die Auflösung des Unterhauses haben. Er wird jedoch auf alle Fälle 3 un ä ch if noch die irische Gesetzgebung durchführen, bevor er die Konsequenzen aus der Niederlage zieht. Das irische Grenzgesetz muß noch in letter Lesung vom Oberhaus verabschiedet werden. Macdonalds unbeugfame Festigkeit gegenüber dem vergeblichen Berjuch, die Arbeiterregierung moralisch bloßzustellen, wird in den Kreifen der Arbeiterpartei mit größter Begeisterung aufgenommen. Macdonald hat damit dem Plan der bürgerlichen Parfeien, die Arbeiterregierung fünf Wochen nach der Organisierung der engffen liberal- konservativen Zusammenarbeit für den Wahlkampf Mitte November zu stürzen, die Spitze abgebrochen. Man it überzeugt, daß der Gerechtigkeitsfinn der Wähler, trotz der zu erwartenden Agitation der bürgerlichen Presse, im Wahlkampf der Arbeiterpartei zugute fommen wird. In der Labour Party herrscht über die voraussichtlich am 8. november stattfindenden Neuwahlen größter Optimismus. Aus der Debatte ist noch zu berichten: Asquith sagte, er hoffe, daß Macdonald nicht jeder Untersuchung die Tür schließe. Premierminister Macdonald führte aus, die von Simon geäußerte Vermutung, daß die Minister sich in unerlaubter Weise eingemischt hätten, sei vollkommen ungerechtfertigt. Weiter stellte Macdonald kategorisch in Abrede, daß die Zurückziehung der gericht lichen Verfolgung irgend etwas mit den Verhandlungen mit Ruß 1and zu tun gehabt habe, die zur gleichen Zeit im Gange waren. Die Regierung sei entschlossen, dahin zu wirken, daß die kommunistische Propaganda in Großbritannien feinen Erfolg haben werde. Wir sind feine Kommunisten", fügte der Minister hinzu, ,, wir leisteten dem Kommunismus Widerstand." Macdonald bemerkte hierauf, daß sein Entschluß unab änderlich und die Türe geschlossen fei. Asquith be. dauerte das sehr. Baldwin sagte, daß die Ausführungen Macdonalds ein genügend flares Eingeständnis der Regierung feien und tatsächlich politische Rücksichten eine große Rolle in dieser Affäre ( Einstellung des Strafverfahrens von Campbell) gespielt hätten. Für die Opposition sei es vollkommen flar, daß die Taktik der Regierung dahin gegangen sei, den konservativen Antrag mit Hilfe der Liberalen zu Fall zu bringen und dann den liberalen Antrag mit Hilfe der fonservativen Stimmen ablehnen zu lassen. Darauf würden die Konservativen jedoch nicht hereinfallen. Sie würden im Falle der Ablehnung ihres Antrages für den liberalen Antrag stimmen. Rolonialminifter Thomas sagte den Konservativen, daß sie die Front piöhlich geändert hätten. Sie. hätten einen Labelsantrag eingebracht und ihn im gleichen Augenblick schon wieder fallen gelassen, um den Anschluß an den liberalen Antrag zu finden, der wirklich unehrlich sei. Wozu brauche man noch eine Untersuchung, da toch der Attorney General ganz offen und freimütig unter Mitteilung aller Dokumente und Einzelheiten den Fall auf geflärt habe und bereit fei, vor dem Hause jede weitere gewünschte Aufklärung zu geben?! Die Regierung fehne also die Untersuchung ab. Werde sie jedoch beschlossen, so sehe sie darin ein Urteil des Barlaments, und dann wäre es notwendig, die Meinung des Boltes über diesen Fall einzufordern. 11 Flagge" fangen. Konservative Parlamentarier stimmten die God save the Ring" an. Polizei griff ein. Der Premierminister wurde von einer großen Menschenmenge bis nach seinem Hause begleitet und erklärte zum Abschied an der Schwelle seines Hauses, man habe eine schwere Zeit in den acht Monaten gehabt, und es sei ein Fehler gewesen, der Regierung heute abend eine Riederlage beizubringen, aber es sei nicht das Lehte, was man von ihm und der Arbeiterpartei höre. Die Stellungnahme der Londoner Presse. Condon, 9. Oktober.( WTB.) Die Blätter erwarten nach der gestrigen Niederlage der Regierung allgemein Neuwahlen. " Daily Herald"( oz.) schreibt:" Auf in den Kampf! Der 3ürfel ist gefallen." Der Parlamentsberichterstatter des " Daily Telegraph" schreibt: Macdonald werde heute den König um die Auflösung des Parlaments ersuchen. In Arbeiterkreisen sei der Gedanke an einen Rücktritt als Möglichkeit gar nicht erwogen worden, sondern die Forderung gehe nach Neuwahlen. Ein Kabinettsrat werde heute vormittag endgültig über die Schritte, die getan werden sollen, entscheiden. Das Haus werde zur gewohnten Stunde zufammentreten und der Premierminister werde zweifellos die Absicht der Regierung mitteilen. Man erwartet, daß das augenblickliche Parlament seine Arbeiten zu einem Zeitpunkt beenden werde, der es dem Lande ermögliche, entweder am 8. oder 15. November Neuwahlen vorzunehmen. Daily Chronicle"( Lloyd George) schreibt: Weder eine Niederlage noch die Auflösung sei der Regierung aufgezwungen worden. Ihr Gründen habe sie es jedoch vorgezogen, dem Lande zum drittenmal Neuwahlen innerhalb zweier Jahre aufzuerlegen. So ende die Periode der Zusammenarbeit zwischen den Liberalen und der Arbeiterpartei. Das Experiment sei ein Mißerfolg gewesen. Die Arbeiterregierung habe alle liberalen Hoffnungen enttäuscht. Auch Westminster Gazette" ist der Ansicht, daß die Regierung ihre Niederlage herausgefordert habe. Macdonald habe von Anfang an jedes Ersuchen des Parlaments um Informationen als eine Beleidigung aufgenommen. Er habe sich vorsätzlich freie Hand beim Dawes- Bericht, beim Vertrag mit Rußland und beim Genfer Profofoll vorbehalten, und bei mindestens zwei dieser Fragen habe er in einer Weise gehandelt, von der er hätte wissen müssen, daß das Haus sie nicht billigen werde. Morning Post"( fonservatives Hetzblait) schreibt: Die Macht hinter Campbell und seinem politischen Bureau sei die Macht gewesen, die eine britische Regierung gezwungen habe, Rußland eine Anleihe zu garantieren und der Sowjetregierung das Monopol des britischen Handels mit Rußland auszuhändigen. Darin und nicht in der geftrigen Debatte liege die wirkliche Demütigung Macdonalds und seiner Kollegen. Daily Expreß" dringt in die Regierung, es nicht zu Neuwahlen tommen zu lassen. Das Blatt fragt, ob Macdonald die Einsicht haben werde, die Interessen des Landes über die friegerischen Forderungen seiner eigenen Partei zu stellen in der Erkenntnis, daß er damit sowohl seiner Partei als auch dem Lande unermeßliche Dienste leisten würde. Werde Macdonald seine Schmach bis zu den Wahlurnen tragen und der industriellen Wohlfahrt der Nation einen lähmenden Schlag zufügen, oder werde er die Rolle eines Staatsmannes spielen, der seine Fehler zugebe und zu feiner rechtmäßigen Stellung als Führer der Opposition zurückkehre? Das große Durcheinander. Es wird weiter beraten. Heute mittag gegen 12 Uhr trat das Reichskabinett im Reichstag| beiter und das und nichts anderes ist der Bürgerblock zu einer Sigung zusammen. Den Vorsitz führte zunächst Reichs- das Kreuz zu ihrem Schuge mißbraucht, dann fällt dieser fanzler Marg, der aber bald die Sigung verlassen mußte, um den Mißbrauch auf das Kreuz zurück, und die religiösen Kämpfe, englischen Beischaffer zu empfangen. Er fehrte erst um 1 Uhr die zum Stillstand gekommen sind, werden wieder hell aufzurüc. Gegenstand der Beratungen war die innerpolitische Cage. flackern. Man beschäftigte sich vor allem mit der Frage, ob es möglich sei, nach einem Scheitern der gegenwärtigen Berhandlungen zur Erweiterung der Regierung mit der bisherigen Sealifion weiter zu arbeiten. Außerdem standen noch einige andere Punkte auf der Tagesordnung. So berichtete Reichsarbeitsminister Dr. Brauns von seinen Verhandlungen mit den Arbeitsministern des Auslandes in Bern über internationale Beschränkung der Arbeitszeit. Die angekündigte Besprechung der Führer der koalitionsfraktionen mit dem Reichskanzler im Reichstage dauerte taum eine halbe Stunde. Sie begann furz nach 10 Uhr. Außer dem Reichskanzler, dem Staatssekretär Bracht und dem Ministerialdirektor Spieker nahm daran teil: vom Zentrum die Abgeordneten Fehren bach, Stegerwald und v. Guerard, von der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz und Dr. Curtius, von den Demokraten Koch, Erkelenz, Dr. Has und keinath. Wie die TU. erfährt, frug die Sihung nur informatorischen Charakter. Die Fraktionsfigung des Zentrums dauerte in den Mittagsstunden noch an. Zahlreiche preußische Landtagsabgeordnete, wie der schlesische Führer Borsch und der Justizminister Am 3ehn hoff, nahmen an ihr teil. * Die deutschnationale Antwort wird auch den letzten 3weifler darüber belehrt haben, daß es eine politische Voltsgemeinschaft" mit den Deutschnationalen nicht geben fann. Gerade auch das Zentrum, das so heiß umworbene, müßte sich eigentlich abgestoßen und angewidert fühlen durch die plumpe Art, mit der diese Betrüger versuchen, die Fahne des Christentums herauszustecken, nachdem sie jahrelang einen blöden Wotansfult begünstigt und erst neulich in ihrem Bastorenblättchen jene Katholiken, die nicht so wollen wie fie, als„ Otterngezücht" und übertünchte Gräber" beschimpft haben. Es ist ganz offenbar, daß hier die Religion in geradezu schamloser Weise zu politischen Zweden mißbraucht wird. Man hat heute früh im Vorwärts" lesen können, wie ein nicht fäuflicher Deutschnationaler die politischen Schwindelgeschäfte seiner früheren Parteifreunde beurteilt. Jezt, wo die Herrschaften mit ihren faulen Wechseln" ins Gedränge gekommen sind, möchten sie das Christentum dazu benügen, um ihr bankrottes Bürgerblockgeschäft zu fanieren. Was durch solche Methoden erreicht wird, ist klar. Durch den Versuch, das Christentum mit dem Bür gertum zu identifizieren, würde die Religion wieder mitten in die parteipolitischen Kämpfe hineingestellt werden. Und obwohl der Bürgerblod, vom Standpunkt der politischen Moral betrachtet, das Unchristlichste ist, was es gibt, würde jeder Angriff auf ihn scheinheilig zugleich als ein Angriff auf das Christentum umgedeutet werden. Wenn eine Was die Deutschnationalen wollen, ist nicht das Christentum, sondern im Namen des Christentums die Klassenherrschaft des Besizes. Während sie den Kampf für die Herr schaft des Kapitalisten- und Großgrundbesizes führen, denunzieren sie die notwendige Gegenwehr der breiten Bolksmassen als nicht zu duldenden Klassenkampf". Sie, die schlimmsten Terroristen, predigen mit Ausdrücken, die an die Zeit der seligen 3uchthausvorlage gemahnen, gegen jeden den Arbeitsfrieden bedrohenden Terror". Sie wissen sehr genau, daß die Sozialdemokraten feinen Terror ausüben, vielmehr zeitweilig selber unter ihm gelitten und ihm standgehalten haben. Hinter ihren Redensarten versteckt sich nichts anderes als die Absicht, aufs neue ein schrankenloses Regiment der Herren im Hause" aufzurichten. " Die Deutschnationalen fordern Anerkennung und weitere amtliche Verfolgung" der Regierungserklärung über die Kriegsschuld vom 29. Auguft. Diefe Regierungserklärung entspricht den Erklärungen, die von den Regierungen Scheidemann und Bauer schon vor fünf Jahren weit wirkungsvoller abgegeben worden sind, niemand in Deutschland verweigert ihr die„ Anerkennung". Die Forderung, daß die umzubildende Regierung Marr die Erflärung der noch nicht umgebildeten vom 29. Auguft nochmals anerkennen" foll, ist also offenkundiger Unsinn. Was heißt aber weitere amtliche Verfolgung"? Heißt das, daß die flärung fofort nach Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung notifiziert" werden soll, oder heißt es nur, man solle die Sache mit einem Aktenzeichen versehen in den Schrank legen? Im ersten Fall wäre eine leere Geste gefordert, die der deutschen Außenpolitik nichts als eine lächerliche Blamage eintragen könnte. im zweiten Fall ist das ganze weiter nichts als Schaum, um die Anhängerschaft der Deutschnationalen einzuseifen. " Die Deutschnationalen sprechen von Forderungen, die sie gestellt haben, und von Zusicherungen, deren Erfüllung fie erwarten. Was damit gemeint ist, weiß jedermann. Für die vier Dutzend lleberzeugungen, die sie am 29. August verkauft haben, fordern sie je Dugend ein Ministerportefeuille. Sie behaupten, einen Anspruch darauf zu haben, daß eine Bürgerblockregierung gegen die Sozialdemokratie gebildet wird und bestehen auf ihren Schein wie Shylock auf sein Pfund Fleisch. Mit welcher Frechheit sie dabei die Tatsachen verdrehen, zeigt folgende Auslaffung der Deutschen Tageszeitung": Man fann sich ja auch schließlich nicht wundern, daß allmählich eine Atmosphäre des Mißtrouens unter den Berhandeln. den entsteht, wenn im Borwärts" mit einer geradezu zynischen Offenheit zu lesen ist, daß die Sozialdemokratie meit davon entfernt sei, an die Möglichkeit einer sachlichen Verständigung zu densen, sondern die Rechte lediglich betrügen wolle. Allerdings ,, Man wird noch von uns hören!" London, 9. Oktober.( TU.) Nach Schluß der Unterhausfizung Bam es noch zu Zwischenfällen. In den äußeren Wandelgängen| Regierung des Klaffentampfes gegen die 2rtann man in dieser Hinsicht dem Reichskanzler ben Vorwurf nicht ersparen, daß er der Sozialdemokratie ihr betrllge- risches Spiel ungemein erleichtert hat. Schon sein Umfall zu Beginn der Regierungskrise brachte Verwirrung und Unklarheit in die Atmosphäre hinein. Wenn er aber auch jetzt noch sortgesetzt den Sozialdemokraten Gelegenheit gibt, mit den bürgerlichen Frak- tronen ein für die Linke vielleicht ganz amüsantes Katze- und Maus- spiel zu betreiben, dann fällt die Lächerlichkeit dieser Komödie letzten Endes auch auf denjenigen zurück, der sie durch sein nachsichtiges Ver- halten überhaupt erst ermöglicht hat. Wenn die„Deutsche Tageszeitung" meint, daß in dem Spiel, das da gespielt wird, die Sozialdemokratie die Katze und die Deutschnationale Partei die Maus ist, so wünschen wir inbrünstig, daß sie recht behalten möge. Ueber unsere Ge- fühle aber täuscht sich das Landbundblatt. Die Beschäftigung mit ihm und seinen Gesinnungsgenossen ist uns gar nicht mehr amüsant, sondern nur noch ekelhaft. Sie wissen, was gespielt wirö. Die„Rate Fahne" schreibt: Es ist klar, daß die SPD.-Führer die Bedingungen der Deutfchizationalen schlucken werden.... Die Arbeiterschaft die aber weiß, was gespielt wird, muß sich gegen die Virsklevungskoalition zum Kampfs sammeln, die deutsch- nationalen Bedingungen wie die mit ihnen konformen Richt- linien des Zentrumskanzlers zerreiße». Hoffentlich erfährt die Arbeiterschaft wirklich,„was gespielt wird". Bloß aus der„Fahne" wird sie es nie erfahren, Wie aber, wenn der Unsinn mit der„Bersklavungskoalition" ernst wäre, was wollen die Kommunisten da machen? Was wollen sie„zerreißen"? Des sind doch nur blöde Phrasen und weiter nichts. Neuer Stahlhelmrummel in Halle. Neuauflage der„Deutschen Tage". halle a. d. S., 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Bor einigen Wochen trat der Hallesche Stahlhelm an die republikanischen Behörden mit dem Ersuchen heran, am 12. Oktober einen„Stahlhelm- Sporttag" in Halle zu genehmigen. Es erregte bereits damals allgemeines Kopfschütteln, als die republikanisch« Bevölkerung Halles aus den deutschnationalen Blättern erfahren mußte, daß der hiesige Polizeipräsident den„Stahlhelm-Sporttag" genehmigt habe, obwohl das Programm dieser Veranstaltung., dos Gepäckmärsche, Fliegerstaffeln, Jiu-Jitsu-Borführungen vorsieht, keinen Zweifel darüber ließ, daß wieder einmal ein militärischer Auf- morsch gegen die Republik geplant ist. Der Mersoburger Regierungspräsident, Genosse Grützner, erkannte, daß bei der Mentalität des Halleschen Stahlhelms, dessen ausgesprochen republik- feindliche Gesinnung allerorten bekannt ist, und bei der Mentalität seines Führers, Oberstleutnant Duesterberg, die ganze Veran- stallung naturgemäß gegen die republikanische Verfassung gerichtet sein muß. Er verbot deswegen den„Stahlhelm- Sporttag", beging allerdings dabei den Fehler, das Verbot auf das bisherige Verhalten Duesterbergs zu stützen. Diese Schwäche nutzten die schwarzweißroten Herrschaften sehr geschickt aus, indem sie er- klärten, Duesterberg für die Zeit der Veranstaltung kaltstellen zu wollen, und indem sie wester versicherten, mit ihrer Gefolgschaft vom Stahlhelm abzurücken, wenn Duesterberg oder andere Personen etwas unternehmen würden was der Verabredung mit dem Regie» rungspräsidenten widerspreche oder«inen staatsfeindlichen Charakter trage. Genaudleselben Versprechungen wurden auch vor dem Faschistensonntag am 11. Mai d. I. in Hall« gegeben. Genau die» selben Versprechungen wurden ohne Skrupel nicht gehalten. Duesterberg. der von der Leitung ausgeschlossen sein soll, begrüßt bereits die Sonntogsteilnehmer. Selbst der alte Hindenburghat sich in einem Begrüßungstelegramm gemeldet. Di« deutschnational« „Hallesch« Zeitung" oerkündet frohlockend, daß«in« große Anzahl bekannter Persönlichkeiten und Generäle ihr Erscheinen zugesagt hat. Sie spricht von einem gewaltigen Schauspiel, das geboten werden wird. Anzug der Teilnehmer ist die alte F« l d k l u f t, dazu kommt, daß die beiden sogenannten nationalen Blätter,„Hallesche Zeitung" und„Allgemeine Zeitung", die Bevölkerung zum Hisien der schwarzweißroten Fahnen auffordern und die„Hallesch« Zeitung" schreibt dazu, daß der„Stahlhelm-Sporttag" von größerer Bedeutung als die vielen„Deutschen Tage" und Feiern sei. Noch allem, was in Veröffentlichungen bisher laut geworden ist, handelt es sich um nichts anderes als um die Wiederholung des Halleschen Faschistentagcs vom 11. Mai 1924 gegen die deutsche Republik, leider mit Unterstützung republikani- scher Behörden. Ein tolles Stück ist es, daß das Polizeipräsidium den geschlossenen Marsch der schwarzweißroten Faschisten von der Rennbahn nach den Abendveranstaltungslokal«, gestattel hat. Di« Stahlhelmer wollen nach dem, Bericht der„Halleschen Ztg." nicht nur einen 11. Mai. sie wollen auch eine Ueber st eigerung des 11. Mai. Sie wollen den Aufmarsch einer antirepublikanischen Armee in den alten kaiserlichen Umformen und unter den schwarz- wcißroten Fahnen. Sie wollen also mit einem Wort die Somm- lung und die Demonstration gegen die Republik. Unser Hallesches Parteiorgan, das„B o l k s b l a t t", schreibt in seiner heutigen Ausgab«: Wir fordern sämlliche verantwortlichen Behörden, wir fordern den Polizeipräsidenten, wir fordern den Regierungspräsidenten, wir fordern den Oberpräsidenten und wir fordern den Minister des Innern mit der größten Entschiedenheit auf, die Faschistendemonstration sofort zu verbie- ten. Wir stellen kein« unerfüllbare Forderung. Wir verlangen nur, daß der Republik der Schutz wird, der ihr nach der Derfaffung zukommt. Es könnt« sonst leicht geschehen, daß das neugebildet« Heer der Republik den Schutz selbst übernimmt, den ihr die Bc- Hörden m nicht wieder gutzumachender Verblendung versagen. Di« Konsuln mögen erwachen, eh« es zu spät ist! Lanöfrieüensbruch üer Stahlhelmer. Steltin. 9. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwochnach- mittag drangen 11 Angehörige des Stahlhelms in ein Ver- sammlungslokal des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in der Fal- kenwalder Straß« ein, als der Wirt allein anwesend war. Ein Teil der Horde begab sich in das Vereinszimmer des Reichsbanners und riß alle republikanischen Abzeichen von den Wänden, während der andere Teil den Wirt bewacht«. Ihre Beute wollten sie dann verbrennen. Der Wirt, der sich die Schandtaten dieser Jüngling« verbat, wurde schwer bedroht und ihm gesagt, daß er sein Maul zu hallen habe, sonst kämen sie wieder. Unter den Worten: Wir sind Stahlhelmer! zeigten sie ihr« Stahlhelmobzeichen auf der Brust. Einig« der Londfriedensbrecher und Plünderer sind erkannt? Anzeige ist bereits erstattet. Das Reicbsbanner in Hamburg. Deutschnationale Bettelbriefe an Inden. Hamburg. 9. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Im Hamburger Landesparlament kam es am Mittwochabend zu einer vierstündigen Aussprache über die Reichsbannerbewegung. Anlaß dazu gab ein« deutschnationale Anfrage, ob dem Senat die Werbung des Reichsbanners in den Reihen der Ordnungspolizei bekannt sei, ob er seine Zustimmung dazu gegeben habe und was er zu tun gedenke, um diese, die Sicherheit der Bevölkerung gefährdend« Wer- bung unmöglich zu machen. Der Senat antwortet« kurz und klar, daß ihm die Dinge bekannt seien, daß sie seiner Zustimmung nicht bedürfen und daß er nichts zu unternehmen gedenke, da das Reichsbanner eine überparteiliche, auf dem Boden der Ver» s a s s u n g stehende Organisation sei, die die Sicherheit in keiner Weis« gefährde. Die Deutsch« Dol tSpartei hatte dazu einen Antrag«rogebracht, wonach der Senat da» Pro» tektorat über das Reichsbanner niederlegen sollt«. Di« Aussprach« führt« zu lebhasten Auseinandersetzungen, m der sowohl die sozial. demokratischen wie die demokratischen Redner den Vertretern der Rechtsparteien und des Stahlhelms ein« vernichtend« Ab- fuhr bereiteten. Auch ein Vertreter des Zentrums trat für das Reichsbanner ein. Zu einer Abstimmung über den volksparteilichen Antrag kam es nicht; sie wird erst später erfolgen. Doch steht außer allem Zweifel, daß der Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt wird. Heiterkeit erregt« ein Kommunist, der glauben machen wollte, daß der Rote Fronttämpferbund mehr Leute hinter sich habe als das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Nach Abschluß der Debatte wies der demokratisch« Parteisekre- tär in Hamburg, Meuther. nach, daß die Deulschnakioualea Bettelbriefe an Juden und Zudenabkömmlinge gerichtet haben, um Wahl- dies« fremde Schwül« fahren lasten, noch der ich mich sehnte. Un» friede ist um mich,«in schlechter Dank! Schwerkraft der Heimat? Ich gieße mir lächelnd da? Glos voll und will wieder der bunten verwirrenden Musik der Mole nach- lauschen. Aber ich bleib« nicht dabei. Ich seh« die überschweren Schlösser der Reichen hier an den Wegen die See entlang, ich gehe voll Unruhe den Zug der Sonnensüchtigen gen Süden und möchte wissen, ob sie meinen Undank teilen. Da, wie ich lang« ins Däm» mern des Grau schau«, ist mir tröstend, al» strömte jenem Zug ein« andere Schar entgegen, blasser, müder, ober die Augen voller Wünsche, die stärker sind, als alle Blicke sonnenwärt«.— Heimweh? Fische jagen sich im Wasser, zwei-, dreimal springt ein gehetzter Schwärm �iber die dunkelblanke Fläche und trübt sie. Mein Auge hebt sich zu den Heimkehrern, geht über die wan- derixden Straßen zu den Bergrielen, die einfarbig dunkel werden und bei Tage so gnadenlos nackt und steinern blicken. Und mir ist, als wüchse nach meinem Wunsch schon ein grüner Wald darüber hin. der im Winde rauscht und schwere duftende Arm« breitet, und ich wäre mit jenen, die umkehrten, wieder unter seinem heilenden Schatten. Unfriede? Ach, Heimweh ist es. Gstasiatische Kunst. Im lniheren Kunstgewerbemuseum m der Prinz- Albrecht-Straße ist die A o t e i l u n g für o st a s i a t i s che K un st eröffnet worden. Schon im Frühsommer waren einige Sä'e zu- gänglich gemacht worden, nachdem viele Jahre lang der ostastatische Kuristbesitz der staatliche» Sammlungen in Schränken und Kästen verstaut gelegen hatte. Was nun dos Erdgeschoß das Kunstgewerbe- museums zeigt, ist nur ein Notbehelf, aber ein solcher, der aus der Not«ine Menge von Tugenden gemacht Hot. Die Sammlung, erst 1996 begonnen und nur bis zum Kriege mit der Möglichkeit, zu kaufen, oerdankt ihren hohen Rang, der außerhalb Asiens fast un- vcrgleichlich ist dem Zusammenwirken von Männern wie Wilhelm von Bode, Ernst Grosse, der als wissenschaftlicher Beirat der deutschen Botschaften in Tokio und Peking für das Museum sammelte, Otto Kümmel, dem jetzigen Divcktor der Abwilung, der gleichfalls in Ost- ästen selbst für die Sammlung arbeitel«. Was zusammenkam, ist zu mehr als neun Zehnteln Geschenk an den Staat. Diesen ganzen, aus dem Nichts g-'chaffcnen Besitz vorzuführen, dazu hat die Museumsleitung sich nicht entschließen können: die Absicht war, nur so viel zu zeigen, wie der Besucher wlrkllch genießen kann, und dafür durch Wechsel in der Ausstellung— vielleicht drei Mal Im Jahre---- das Interesse wachzuerhalten. Di« Folge der Räume beginnt mit der jüngeren Kunst Onasiens und führt rückläufig am Ende zu den Werken höchsten Alters und Ranges. Währcnd rin Barocksaal, aus violeit-ro'm Grunde dekorativ die stärksten Akzente bringt, enthalten die letzten, nun erst crössnelen Säle, die scierstche Kunst des chinesischen Altertums in ihrer ganzen Stille. Die Bronzen des alten China, die großartigsten Denkmäler oft- schulden vom 4. Mai zu decken. Diesen Versuch haben sie für di» bevorstehend« Bürgerschastswahl selbst bei eingeschriebenen Demokraten wiederholt. Antisemitische Lümmelei. Gegen Reichötagsmitglieder im Eifeubahnzuge. Ein peinlicher Zusammenstoß im Eisenbohnzuge hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel gezeitigt. Am ö. April wollt« der Reichslogs- abgeordnete Genosse Dr. Kurt Rosenfeld mit einem Zuge vom An- Halter Bahnhof abfahren. Nachdem er in einem Abteil erster Klasse sein« Sachen nieder- gelegt haste und auf den Korridor hinausgetreten war, hörte er die Worte:„Sind die Rerchstagsabgeordneten auch immun gegen Backpfeifen?" Als Dr. Rosenstld sich dann bei der Abfahrt auf seinen Platz setzt«, sagte einer der Fahrgäste zu seinem Nochbar:„Eine Dachwohnung, aber im Eisenbahnwagen«rs�r Klasse fahren, wie Minister Hermann." Gemeint war der thürir- zische Minister, gegen den damals ein Verfahren schwebte. Ein zweiter Reisender erwiderte auf dies« Bemerkung:„Ich verstehe nicht, der Reichstag ist dach aufgelöst, und doch fahren diese Leute erster Klass«. Müller-Franken war Handlungsgehilfe Das find ja Schwein«. Die Kerle müßte man zum Fenster hinaus- werfen. Dafür hat man sich die Knochen dreimal durchschießen lassen, um mit solchen Schweinen zusommenzusitzen. Vorher gibt es aber kein« Ruhe, als bis di« Juden weg sind. Nicht hängen. nicht schießen, sondern vierteilen müßt« man die Kerle." Als dann der Schaffner erschien, verlangt« Dr. Rosenfeld die Feststellung der beiden Fahrgäste, die sich aber weigerten, ihre Per- sonallen anzugeben. Erst mit Zuhilfenahme des Zugführers gelang es, dem beleidigten Abgeordneten zu bestätigen, daß es sich um den Rittergutsbesitzer Frey aus Klausberg bei Eisenach und Karl Gröninger aus Tempelhos handelte. Der Abgeordnet« stellte Strafantrag gegen beide, und der Staatsanwalt hatte öffentliche Anklage erhoben. Die Klag« sollt« heute früh vor dem Amtsgericht Schöneberg zur Verhandlung gelangen. Die beiden An- geklagten waren jedoch nicht erschienen. R.-A. Dr. Levi, als Vertreter des als Nebenkläger dem Ver- fahren beigetretenen Beleidigten war der Meinung, daß es sich hier offenbar um einen Verschleppungsversuch handle und teilst mit. daß di« beiden Angeklagten zunächst an Dr. Rosenfeld mit Vergleichsvorschlägen herangetreten seien. Sie hätten sich schriftlich verpslichlet, die Beleidigungen mit Bedaueru zurückzunehmen und 1590 M. Buße an Dr. Rosenfeld zum„Zwecke der Bekämpfung der Reaktion, insbesondere de» Antisemitismus" zu zahlen. Die Dszah- lung sei dann aber nicht erfolgt, so daß der Strafantrag nicht zu- rückgenommen wurde. Wie d«r Vorsitzende mitteilt«, hatte der Angeklagte Frey dem Gericht telephoniert, daß er am Erscheinen verhindert sei, weil an diesem Tage di« Zwangsversteigerung seines Gutes statt- finde. Das Gericht vertagt« daher die Verhandlung, entsprach aber dem Wunsche des Nebenklägers, in kürzester Frist einen neuen Termin einzuberufen._ Bürgerblock In München. Die Bayerische Dolkspariei. die Deutsch- national« Dolkspariei in Bayern, die Nationalliberol« Landespartei Bayern», die Deutsche Volkspartei und der Grund- und Hausbesitzer- verein traten, wie TU. meldet, für di« bevorstehenden Münchener Stadtratswahlen unter Zurückstellung alles Trennenden mit einer gemsinstmen Lifte vor die Bevölkerung Münchens. Mit der demokratischen Partei werden zurzeit noch Verhandlungen über de« Abschluß eines Lbkommen» gepflogen. Lasch in Leipzig. Universstätspr ofesso r Viktor Bäsch-Patis wird in einer Versammlung der Ortsgruppe Leipzig der Liga für Menschenrechte über„Nie wieder Krieg" einen Dortrag halt?«. Der von den vaterländischen Verbänden gegen das Austreten des Professors Bäsch erhoben« Widerspruch ist vom.Polizeipräsidium zurückgewiesen werden. Den Vaterländischen Verbänden ist naye gelegt worden, auf ihre Anhänger dahin zu wirken, daß etwa bsab- sichtigte Störungen und Gegenkundgebungen unterlassen iverden. Rußland geht nicht in den Bölkerbnnd. In einem Artikel der „Iewcstija" wud gegenüber Ausführungen der„B. Z. am Mittag" klargestellt, daß di« Sowjetunion jeden Beitritt zum Völkerbund rn dessen jetzige? Form ablehnt; infolgedessen komme auch ein gleich- zeitiger Eintritt der Sowjetunion zusammen mit Deutschland nicht in Frage. asiatischer Gerätekunst,«rsch-stnen auf fast schwarzem Schiefergrau mit der ganzen Wucht ihrer sakralen Form. Malerisch ents allen in diesen letzt«,, Sälen ihren Zauber die Werte d;r buddhistischen Kunst des 12. und 13 Jahrhunderts, z. B. der köstliche seidene Iizo, die liebliche Gestalt mit dem Rasselstab, mit dem der fromme Wanderer dos kleine Getier an der Erde vor seinem zermalmenden Schritte warnt, der Troster und Erlöser der gequälten Schatten im Fezefetl-'r', der göttliche Schutzgeist der Kinder, seelstch rnendlich zart und bis ins letzte Ornament von harmonischer Vollendung. Dieser erst« Abschnitt ihres Besitzes, den di« Kunstabteilung vor- führt, enthält doch notgedrungen manch« Lücken. Ostasiatisches Porzellan heute als Sammlung so auszubauen, daß es sich neben Dresden oder London und Pari» sehen lassen kann, darauf hat man verzichtet. Auch di« Graphit, vor allem den so beliebten Farbenholz. lchnitt Japans, zeigt die Abteilung nicht da die benachbarte Staatlich- Kunstbibliothet sie gesammelt hat. Es fehlen auch fast ga:rz der eigent- lieh« Stolz der japanischen Malerei: die Tosameister. Wie für China, so ist für Japan die plastisch; Abteilung die schwächste. Die bürger- liche Malerei der späteren Jahrhunderte Japans fehlt in Berlin ebenso wie in allen Muleen Europas. Und unter den Geräten ver- mißt man das herrliche alt« Jade, das bronzen« Kleingerät, d.« „Netsud:" genannten Lackknöpfe, mit denen der vornehm« Japaner sein Kästchen voller Wohlgerüche und Arzneien im Gürtel trägt. Hoffentlrch wird es dem Museum auch in Zukunft nicht an Gönnern fehlen, die diese Lücken schließen helfen. Die Sammlung, an der« Inhalt und Form wan uneingeschränktes Entzücken haben darf, wird gewiß der hohen Kunst des fernen Ostens bei uns auch weiter hilfsbereite und begeisterte Freund« gewinnen. Internationale Materialprüfung. Die vor dem Krieg« dereit» begonnenen und durch ihn unterbrochenen Versuch« einer inter- nationalen gemeinsamen Arbeit auf dem Gebiete der Material- Prüfung sind nach einem Bericht der„Naturwissenschaften" jetzt unter amerikanischer Führung wieder aufgenommen worden. In Amerika ist ein« monatlich erscheinende Zeitschrist..Testin" be- gründet worden, die ständig« Mitarbeiter in allen Kulturländein hat. Die Materialiprüiung entwickelt sich in der letzten Zeit be- sonders schnell, aber die Prinzipiellen Schwierigkeiten sind noch groß; zwischen der an einem Normalstück ausgeführten Prüfung und der praktischen Konstruktion mit ihrer ganz andersartigen Beanspruchung klafft noch ein« unüberbrückbare Lücke, di« durch solche Untersuchungen zu beseitigen ist. Gerade aus diesem Gebiete ist es von besonderem Werte, wenn die führenden Fachleute der einzel- nen Nationalitäten Gelegenheit finden, ihre Erfahrungen auszu- tauschen. t>lchl« Lessmmg Im Befinde« Anatol« France«. In dem Gesimtbeit»- zustand Anatole France« tit eine leichte Besserung eingetreten. Da» Fieber hat nachgelassen. Diese Realtion hat die Aerzte in gröhte» Erstaunen versetzt. voltsbühne. Die 50. Auffübrung von Schillers„Don Carlos" in der Inszenierung dcs Zbeater» am Bülomplatz findet Sonnabend, den 11., abends 7 Uhr, statt. Die Hamburg« Lürgrrschast hat dem Hamburger Stadt« theater ewe Aussallgararme von 500 000 92. bewilligt. Heimweh. Bon Hans Friedrich Blunck Dickbauchig hebt sich die Flasche Chianfi vor mir. Sie steht nicht eigevrtltch aus dem Gartentisch Emilia Biancas, sie hat sich leicht darüber gehoben: das dunkelblau« Ligurifche Meer, das sie ganz umfang:, läßt sie schweben, je mehr es zum Abend dämmert. Nicht daß mein Blick trübe wäre, nein, es ist die uralte Zauberei dieser südlichen Dämmerungen, die alles ins Unwirkliche rücken— selbst die Flasche, unter der der Tisch zu wandern scheint. Hinter mir der Lärm des Albergo, in der ich zur Nacht weilen werde. Wer hat das Wort Albergo doch erfunden? Landsknechte und Handwerksburschen brachten es vom Norden herüber, sagte man mir. Sie kamen wie Sand am Meer viele Jahrhunderte hier ent- lang. Und wollten Herberge und Wein und Wege und ließen ein „Albergo" neben dem anderen an den Straßen entstehen und zagen den uralten Zug der Menschen nach Süden, den gleichen, um dessen willen ich— ein Sandkorn im Wehen der Völker— hier an der ligurifchen See sitze und meinen Zins an Emilia Bianca zahle. Lautlos, ohne Atemzug, liegt das Wasser da. Di« Wege, die sich dunkel und dumpf an den Hügeln der Levante entlang winden, scheinen voll grauen Bewegens. Es ist, als wanderten noch immer blasse Züge der Erinnerung den Weg der Jahrtausende, ohne Aug- halten, ohne Besinnung, ohne Frag« des Warum, nebelhast dem Süden zu. Schleuderkraft des Volkstums nennen die Gelehrten diesen unzähmbaren Trieb in die Fern«. Sonnenwunsch war es, möchte ich eher glauben, die endlose Sehnsucht näher zum Licht war es, die eine Well« nach der anderen in dieses Landbecken herüber- schlagen ließ: feindlich und hungernd, alz di« Etrusker van Norden, als die Lombarden von der Niederelbe einbrachen— friedlich zahlend, als der ewige Zug der Wanderer in dies Land zu strömen be- gann und die Albergos schuf. Kein Lüftlein übe? dem Meer, das trag, unbewegt, in dunkel schillernden Farben einsinkt. Fern noch zwei rot« dreieckige Segel. di« ihr Leuchten bewahrten und am Rand des Ufers ein schweifender Streif, der die tzhelle anzog. Bon Licht zu Licht des Hafens ein paar Lieder, dann ein verklingendes Kirchglöcklein, das rasch wie ein Tänzer durch die Straßen schwingt und mich unruhig macht. Habe ich dies Bild der Landschaft nicht gesucht? Was bleibt wie ein Ukifriede wach? Palmen sind über mir. Drüben unter der Lampe auf der Mauer spielen die Feuerbachschen Jungen ihr« Karten aus, blauschwarz sind die Fapben von See und Himmel, wie ich sie niemals da oben sah. Und der Kirschlorbeer duftet, und die Orangen b'ühen betäubend stark— wartete ich nicht darauf? Ach. als ich ging, waren die ersten schneeweißen Obstblüten auf- gesprungen. Mein Blick geht über den Hasen zu den grauen Oliv- Hügeln. Hätte ich jetzt einen Kirschzweig hier, wie ger» würde ich die Londoner Abstimmung. Ihr Eindruck in Paris. Varis, 9� Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die Niederlage der Regierung Macdonald wird bisher nur von einem kleii-m Teil der französrichen Press« kommentiert. Die Orgaile der R e a k- t i o n machen aus ihrer Genugtuung über den Sturz der eng- iischen Anbeiterregierung keinen chehl, obwohl auch sie die G e- fahren, die den französisch-englischen Beziehungen aus einem möglichen Regierungswechsel in London erwachsen können, in keiner Weise verkennen. In der„Information" hat Jean Her bette bereits am Mittwoch mit großem Nachdruck darauf hingewiesen. daß die Genfer Beschlüsse von der englischen Regierung bis- her nicht unterzeichnet worden seien und daß ihre eno- gültige Annahm« durch England durch ein« Regierungskrise zum mindesten außerordentlich gefährdet erscheinen müsse. Auch die„Journöe industrielle" meint, es wäre wenig erfreulich, wenn nach vier Monaten englisch. französischer Freundschaft, die Frankreich groß« Ogfer gekostet habe, das Verhältnis unter einem neuen englischen Ministerium in wenigen Wochen bereits wieder in die Brüche gehen sollte. Große Sorge bereitet in Paris vor allem die Frage der interalliierten Schulden. Zwar hat Macdonald wiederholt eine wohlwollende Berücksichti- gung der französischen Forderungen und Wünsche zugesagt, jedoch liegen keinerlei, die Nachfolger der gegenwärtigen englischen Regierung bindende Verpflichtungen vor. Paris, 9. Oktober.(TU.) Eine Anzahl Pariser Blätter nehmen das Ergebnis im großen und ganzen höchst gelassen hin und drücken sich über Macdonald mit einer Geringschätzung aus, die un- angenehm berühren niuß. Zusammenfassend bemerkt„Matin", daß die Linke und die äußerste Linke in Großbritannien sich weiter heftig befehden werden, während die Liberalen und Konservativen sich zu einem Bürgerblock zusammenschließen dürsten, um ver- mutlich nicht mehr in die Falle des dreieckigen Wahl- systems zu gehen, das die Labour Party vorigesmal zu so über- raschendem Erfolg oerholsen hätte..Journal" schreibt: Die seltsame Lag« einer Regierung, die es fertig bringt, sich durchzu- setzen, obwohl sie im Unterhaus nur über 193 Stimmen gegen 237 Konservative und 158 Liberale verfügt und außerdem auch das gesamt« Oberhaus gegen sich hat, konnte unmöglich länger an- dauern. Nach einer Eco-Meldung schreibt der soz'al istische..Quoiidicn": Als Macdonald seine Regierung bildete, stellten die Liberalen und Konservativen fest, daß sie über die Mehrheit oerfügten. Sie ver- h.imlichten nicht ihre Ansicht, daß ein solches Ministerium zu voll- kommener Ohnmacht verurteilt sei. Auf den Gebieten der inneren Reform kann man dieser Mehrheit eine Berechtigung nicht absprechen. Wenn aber die Sozialisten auf diesem Gebiete keine großen Reformen durchführen konnten, so haben sie doch ihrem Land« und ganz Europa einen unersetzlichen Dien st erwiesen, indem sie der Sache des Friedens in den Londoner Beschlüssen und ouf der Konserenz zum Triumph verhalfen. Di«„Er« Nouvelle" schreibt: Herriot Hot mit Macdonald einen dauernden Pakt abgeschlossen. Soll dieser Pakt durch die Tat- scche hinfällig lverden, daß Macdonald verschwiindet? Der englische Premierminister war als Premiermin ster nicht nur der Führer der zweiten International«, sondern der Führer eines großen Voltes, das den Ruhm genießt, zu seinem Wort zu stehen. Herriot hat in London das Beste aus einer schwierigen Lage herauszuholen ver- sucht, ober bei verschiedenen Fragen, wie z. B. bei den interalliierten Schulden, stieß er auf das gehässige„non possuinus" Snowdens. Das außenpol-tische Werk des Arbeiterkabinetts ist nach mehreren Richtungen hin lobenswert. Wir werden nicht vergessen, daß die Arbeiterregierung für den Frieden mutig und edel engetreten ist. Das Ideal, das die Politik Mocdonolds beseelte, wird seinen Sturz überleben. England braucht ebenso wie Frankreich den Frieden in Europa Welches auch die Regerung sei, die sich unser Rgchhar und Alliierter geben wird, die Regierung wird und muß sich auf diplomatischem Gebiet in derselben Richtung orientieren wie die Regierung Macdonalds, die soeben gestürzt wurde. Frankreich und Rußlanü. Vor der Anerkennung. Paris. 9. Ottober.(Eigener Drahtbericht.) Die Kommission zur Vcrbireitung der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland. die am Mittwoch zusa.um en getreten war, gibt bekannt, daß si« so- wohl über die Arbeitsmethoden wie über die leitenden Ideen für das von ihr zu erstattende Gu t a ch t e n zu einstimmigen Beschlüssen gelangt sei. Der„Matin" ergänzt dies dahin, daß die Kommission bereits in der nächsten Woche in der Lage zu sein Hofs«, den von dtr Regierung gewünschten Bericht zu erstatten, und daß nunmehr auch der ehemalige Botschafter N o u l e n s sich die Auffaffung der übrigen Mitglieder zu eigen gemacht Hab«, wonach die rechtliche Anerkennung der Sowjet-Regierung den Verhandlungen über die wirtschaftlichen und finanziellen Fragen vorangehen müsse. Wenn diese Anerkennung auch nicht an Bedingungen geknüpft sein werde, so werde sie doch andererseits mit gewissen Vorbehalten, vor allem über das Schicksal der russischen Emigranten und über das ehemalige Staatseigentum verbunden fem. Millerand— Chef der Reaktion. Paris, 9. Oktober.(Eigener Drahtbsricht.) Wie die„Ere Nou- vell«" meldet, beabsichtigt der frühere Präsident der Republik M i l» l e r a n d die Leitung einer neugegründeten großen politischen Par- t«i zu übernehmen, die die Anhänger des ehemaligen Nationalen Blocks umfassen soll, die sich vereinigen werden, und deren Ziel es sei, die Opposition gegen die jetzige Regierung straffer zusammen- zufassen. Der stntenüe ßaschismus. Er wütet desto mehr. Rom, S. Oktober.(WTB.) Das Komitee der vereinigten Oppositionsparteien erklärte in einer Tagesordnung, daß seit dem Kongreß der(kacholischen) Volkspartei m Turin und be- sonders seit der Ermordung Matteottis der Faschismus immer mehr bei der öffentlichen Meinung an Boden verloren habe, wie der Kongreß der Kriegsteilnehmer, der Pressekongreß, der Rechts- onwältekongreß, der linksliberal« Kongreß in Livorno bewiesen hätten. Die vereinigten Oppositionsparteien erklärten alsdann ein- m ü t i g, in der Opposition zu verharren, solang« ihr« Haupt- forderungen nicht erfüllt werden. Dieses sei unbedingt notwendig, damit das Parlament seine Aufgab« frei und unbehindert erfüll«. Endlich beklagt das Oppositionskomite« die sich immer mehr häufenden Gewalttätigkeiten, welche unter B« g ü n st i» gung durch Polizeibehörden und Zentralreg ierung stattfänden. Endlich erklärt« das Oppositionskomite«, die Ge- richtsbehörden bei ihren Untersuchungen zu unterstützen, damit nichi durch das Dazwischentreten von verschiedenen(!) Ele- menten die Gerechtigkeit zugunsten der herrschenden Par» t« i e n leide._ Deutsche in Portugiesisch-Afrika. Eine auf Veranlassung de» Minister» für Kolonien von den Gouverneuren von Angola und Mozambiqu« angestellte Untersuchung hgt ergeben, daß dort eine Einwanderung von Deuische» stattgefunden hat. die jedoch keinen Anlaß ,u Bcfiirchlungen einer Schädigung Port ugiesi icher Interessen geben kann, so daß Maßnahmen gegen eine Zunahme her Einwanderung sich erübrigen. Der Unpolitisthe. Er ist eigentlich üb: roll anzutreffen, man stößt sich allerorten an seinem Rcckärmel, und immer zieht er den Hut und sagt:„Ach, ent- schuldigen Sie!" Da gibt es gar nichts zu entschuldigen, scheren Sie sich weg von dem Platz, wo Sie nicht hingehören! sollte man ihm sackgrob ontgcgcnrufen. Aber es oersängl nichts bei ihm. Er steckt jeden Vorwurf ein, er läßt sich stoßtm und drängen, er wird— siehe da— plötzlich immer vorn mit sein. Mit seinen Aeuglein, die aus- sehen, als könnien sie kein Wässerlein trüben, blinzelt er über die Brillengläser, zieht dann ein grobes Sacktuch herfür, putzt sie, um Zeit zu gewinnen, und dann hat er euch«ins versetzt, ihr wißt selbst nicht wie. Er ist für jede Politik zu haben schwört aus die Lyndi- kal'sten genau so wie auf die Kommunist� und behauptet, immer dabeigewesen zu sein. Und hinton herum buckclt er vor jedem Kanzleidkner und kriecht vor ersterbender Ehrfurcht, wenn ihn der Chef des Bureaus selbst anspricht. Bei einer Abstimmung unter Kollegen stimmt er nicht für und nicht wider, ei! verzichtet aus sein Stimmrecht. Geht bei einem Streik die Sache schief, so verläßt er als letzter die Fabrik, nicht ohne vorher dem Meister leise zugeraunt zu hoben:„Sehen Sie, ich muß mit, ich werde von den eigenen Kameraden vergewaltigt'" Und als erster schlüpft er wieder hm- ein in den Betrieb und sucht sich im Warmen zu holten und, was dos Schlimmste ist, den Kollegen vor ihm auszustechen. Aber hören lalltet ihr den Unpolitischen, wenn er kein« Gefahr wittert, wie er dann das Maul aufreißen kann. Seinen näheren Kollegen ist er längst als cin ganz Pflaumenweicher bekannt, man geht im Logen um ihn herum, und man hütet sich, ihm Angriffsflächen zu bieten. So ist er bereits durch c-lle politischen Partei-m und gewerkschafnichen Organisationen hindurchgewandert, bei niemandem fand er eine freundlicht Aufnahme. Und jetzt schwur er auf das Unpolitlsche. weil seinem Ehrgeiz und seinem Strebertum nicht Genüge geleistet war. Jüngst traf man ihn an dem Büfett einer Restauration, und es waren Fpemd« dort, die hatten ihm tüchtig eins eingeschenkt. Weil«s um naß ging, war er recht redselig geworden, und er stng an, von der glorreichen Zeit des Krieges zu renommieren, und wie sie den Franzosen es tüchtig eingetränkt hätten. Er warf nur so mit Namen und Schlachten um sich herum; er war Gefreiter geworden und zuletzt gar Unteroffizier und besaß das Eiserne. Da saß aber ein Gast allein an einem Tisch, der sich diese Reden still mit anhörte. Als es ihm zu bunt wurde, stand er auf und schlug ihm aufs große Maul. Alles war still, wie i>:r Gast sagt«:„So ein Lügner. Hier muß man den Kerl wiederfinden, der zwei Jahr« wegen Fahnenflucht bei Laler Philipp gesessen hat. Ja, Du scheinst mich nicht wieder- zuerkennen, der ich Dich als Landfturmmann allmorgentlich zur Arbeit beim Festungsbau abführen mußte!" Alles lachte, und der Unpolitische nahm schleunigst den Hut und verschwand. Zu Haus« aber, nachdem er feine Wut an Frau und Kindern ausgelassen halle, nahm er«in Blatt Papier und schrieb an den Vorstand der Deutsch- nationalen, um aus überzeugtem Gefühl und aus inneren Gründen als einfacher Arbeiter seinen Beitritt zu erklären. Er hat die Ge- nvgtuung, daß sein Name mit dem Zusatz„Arbeiter" veröffentlicht steht, und wie man unter den Eingeweihten munkeln hört, ist er auf der Wahlliste seines Bezirks an dreiundzwanzigster Stell« sogar als Kandidat mi! vorgeschlagen. Leichtfertig und verlogen. Die„Rote Fahne" weiß in ihrer Sonntagnummer von einer Messerstecherei zu berichten, die sich in der vergangenen Woche in der Bertiner Kindl-Brauerei in Weißensee abgespielt haben soll. Nach der„Roien Fahne" verkaufte ein Parteimitglied von ihr. Namen» Nowak, sogen..Bausteine". Er bot dies« auch einem Kulscher Niederbausen an, der ihn, immer nach der„Roien Fahne", sofort mit Schlägen traktierte. Daraus habe sich dann ein« allgemeine Schlägerei in der Kantine ent» wickelt, in der sogar das Messer eine Rolle spielte. Die„Rote Fahne' knüpft an ihren Bericht die Bemerkung, daß e» festgestellt sei, daß die Kutscher F a s ch i st e n stnd. Der Verband derLcbenSmittel- und Getränkearbeiter, bei dem der Vorfall gemeldet wurde, hat die Sache untersucht und durch Zeugenvernehmung folgende» festgestellt: Als der Flaschenspüler Nowak am 29. September abend« in der Kantine die Marken für die kommunistische Jugend auch dem Kutscher Niederhausen anbot, fertigte ihn dieser mit den Worten ab:.Hier bast Du 50 Pf., nun mache, daß Du rau» kommst". Da sich Nowak nicht gleich entfernte, drängte ihn Niederhausen langsam zur Tür hinau». Nach einiger Zeit erschien Nowak wieder in dem Kantinen- räum und fragte den Fahrer Kupfer nach dem Namen des Niederbausen. Als er nicht sofort Antwort erhielt, ging er auf Niederhausen los und stach ihm mit einem großen Taschenmesser in den Kopf und in die Hand. ES ist klar, daß nunmehr die anderen Kollegen dazwischen gingen und Nowal dabei seinen Teil abbekam. Die Gewährsmänner de» Lebensmittel» und Getränkcatbeiter-VerbandeS sind ebenso, wie der gestochene Niederhousen, langjährige Mitglieder und Ver- trauenSleute der freigewerkschaftliSen Organi- sationen. Daß die.Rote Fahne" aus ihnen Faschisten macht, wird bei der grundsätzlichen Leichtfertigkeit und Verlogenheit dieses Blattes keinen mehr überraschen. e- In der Redaktion der„Roten Fahne" herrscht Tobsucht m Permanenz, Unsere Darstellung über den Jungkommunisten- prozeß in der Mittwochabendausqob« ist nach der„Roten Fahne" natürlich„eine völlig verlogene Darstellung". Dos ist ganz richtig, denn wenn die Lügen der„Roten Fahne"— und si« lügt ständig— Wahrheit sind, dann muß vom Standpunkt der Moskauer Sold- schreiber aus die objektive Darstellung immer Lüg« sein. Wir aber haben nicht die geringste Lust, uns weiter mit dem traurigen Ge> schreihsel des Kommuniftenblottes auseinanderzusetzen. Fest steht die Tatsache, daß Mitglieder der Sozialistischen Arbeiter-Iugend von aufgehetzten Iungkomm-unisten angefallen und mißhandelt wurden. Die Leute sind zur Anzeige gebracht worden. Wenn heute das„revolutionäre" Organ schreibt, daß der„Vorwärts" sich mit dem„Denunzianten" Rüdiger solidarisiert, so ist dos eine äußerst naiv« Aeußerung, die selbst Leser der„Roten Fahne" nicht für ernst nehmen werden. Wir haben lediglich den Borfall ohjektiv dargestellt und das llrteil, mag es hart erscheinen oder nicht, unseren Lesern zur Kenntnis gebracht. Das ganze Wehgeheul, das die kommunistischen Redakteure nun darüber anstimmen, verfolgt ledig- lich den Zweck, jetzt mit Gewalt gegen die sozialistisch« Arbeiter- jugendorganisation Sturm zu laufen, die zu ihrem Leidwesen ge- sestigter fft wie die Organisation der Jungkommunisten. Wenn die Person Werner Rüdigers, der bekanntlich der Bruder unseres Iugendiekretärs Walter Rüdiger ist, bei dieser galizen Angelegenheit in den Vordergrund gestellt wird, so schlägt hiermit die„Rote Fahne" eine«besondere Taktik«in, die nur allzu durch- sichtig ist. Die Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend werden auf dem Posten sein und olle Angriffe, die sich gegen Organisationen richten, auch wenn sie zum Schein auf Werner Rüdiger gemünzt sind, abwehren. Nächtlicher Ucberfall auf eine« Polizeibeamte«. In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr wurde der Posizeiober- wochimeister Erich K. vom 10l Polizeirevier, der sich in Zivi! befand, vor dem Hause P l a n u se r 3 in hilflosem Zustand mit einer blutenden Wunde am Hinterkopf aufgefunden. Nach Zeugenaussagen ist K. von dem Führer eines Kraftwagens mit der An- triebsturbel zu Boden geschlagen worden, nachdem«r von mehreren Männern angegriffen worden war und sich gegen dies« gewehrt hatte. Die Töter sind dann indemKraft- wagen davongefahren. Die Kktienfälfchungen. Eine ZNilleilung der Jürsienwalder städtischen Sparkasse. Bon der Pressestelle des Mogistrats Fürstenwalde wird uns zu dem großen Aküenschwmdel folgendes geschrieben: Durch so- sortigen Zugriss, durch dingliche Sicherheiten(Hypotheken) und Bc° schlagnahme von Forderungen ist es der Städtischen Sparkasse ge- lungen, ausreichende Deckung für das auf die aefälschten Aktien gewährte Lombarddarlehen zu erlangen. Nähere Mitteilun- gen darüber sind noch nicht angimgig. Die Zahlungesäh-g- keit der Städtischen Sparkasse ist in keiner Weise beeiN- t r ä ch t i g t, so daß dos Angebot eines großen Geldinstituts, bei Schwierigkeiten einzuspringen, abgelehnt werden konnte. Di« Sparer und Geschäflssreunde haben jedenfalls zu irgendwsiwe-' Befürchtungen keinerlei Anlaß. Baron Blumenthal verhastet. Den Beamten des Kriminalkommissars Seifert gelang es, sich sin« Photographie des Barons v. Blumenthal zu verschaffen. Hiermit ausgerüstet, beobachteten sie die Gegend des Hohen- z o l l« r n d a m m s, weil Anzeichen dafür vorlagen, daß v. Blumenthal hier einen Schlupfwinkel hatte. Er wurde auch in der Nacht aus der Straße beobachtet, s« st genommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Auch der Chauffeur Braun, der Mit dem Direktor B o e ck weggesahren sein sollt«, wurde im Laufe der Nacht ermittelt. Er bestreitet, weggewesen zu sein. Beide werden heute eingehend verhört werden. Auch Zakobi und Bksaun verhaftet. Di« Ermittlungen zur Aufklärung des Aktie.tschwindels, der an der Börse, bei den Banken und in der Kaufmannschaft erhebliche Aufregung verursacht, zieht immer weitere Kreise, sowohl nach der Richtung der Fälschungen als auch noch der der b-teiligten Personen. Es ist bereits festgestellt, daß auch Aktien der Essener Steinkahle« A.-G., der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-A.-G- und der oberbayerisch«» Kohlenbergbau A.-G. gefälscht und in Um» lauf gebrocht worden sind. Ob und inwieweit B o e ck und von Blumenthal dabei beteiligt sind, steht noch nicht fest. Wegen der bisher aufgedeckten Machenschaften sind nunmehr auch der Kauf- mann Werner Iakobi von der Bictoria A.-G. in Ketschendorf, ein früherer Angestellter der Brandenburzischen Girozentrale, und der Chauffeur Brau» unter dem dringenden Berdocht der Bei- hilf« verhaftet worden. Ein Buchdruckereibesitzer B r« o in Grüna las in der Zeitung von der Aufdeckung des Aktienschwindels. Er kam sofort noch Berti n und erschien heute morgen bei der Kriminalpolizei mit der Mesdung, daß er der Drucker der gefälschten Bremer Wollkämmerei- und Magdeburger Bergwerksaktien sei. Dree ist«in gutgläubiges Opfer der Schwindelgesellschasi geworden. Bei ihm ließ Boeck zunächst Batavio-Aktien drucken. So kam er in Verbindung mit dem Direktor Boeck, der sich als Direktor eines Konzerns ausgab, zu dem er, eine Firma Brodeck u. Eo. und ein Bankier Gutmaim gehör«, und auch mit Blumenthol in Verbindung. Nach dem Druck der Batavia-Aktien gab ihm dieser Konzern den Austrag, auch Bremer Wollkämmerei- und Magdeburger Bergwerksaktien zu drucken. Di« erforderlichen Vordrucke und das Papier mit Wasi»zeichen liefert« Boeck. Der In Auftrag gegeben« groß« Posten wurde auch gedruckt und zu der ver. einbarten Zeit geliefert. Bree hat aus diesem Geschäft an die Auf- traggeb» noch eine Forderung von 15 000 Goldmark. Ei« Spieltiub wurde in der vergangenen Nacht wieder einmal ausgehoben, die sogenannte Wilmersdprfer Res- s o u r c e, eine Gesellschaft, die Spielabende im Umherziehen veraltstaltete. Seit einiger Zeit hatte sie sich der Aufsicht der Poljzet zu entziehen verstanden. Beamte der Streife West und des Spiel- dezernats der Abteilung W. ermittelten jedoch, daß si« gestern abend in dem Hause Trautenaustraße 30 ihren Betrieb wieder er- öffnen wollte. Hier hatt« eine Tänzerin, die schon früher eine Tanzschule betrieb und wegen unerlaubten rnjchtlichzn Ausschanks schon mit der Polizei zu tun gehabt hat. ihr« Wohnung im ersten Stock zur Verfügung gestellt, während sie sich angeblich selbst in der Schweiz aufhält. In der vergangenen Nacht kurz vor 2 Ubr ge- lang es den Beamten, sich Zutritt zu verschaffen und 5 0 Personen. die all« Einladunen erhalten hatten, beim Spiel zu über- raschen. Sie beschlagnahmten die Spielgeräte irtd schlössen die Wohnung. Lezlrtsbilduageaveschvß Groß-Beriia. Am Montag, den tS. Oktober' nachm. 5 Uhr: Sitzung de« kleinen BildungsauSschufse».— Konntag. den l2. Oktober, hünlllich 3 Uhr nachm., im Tbeater de« Westen«:„Madame Legroi" von Heinrich Mann. Preis pro Karte 0,30 Gm.— Sonntag, den IS.OItober. nachm. vünktlich 3'/, Uhr: t. Festkonzert in der Pkilharmonie, Bernburger Straße. Preis im Abonnement 0,30 Vm. Einzelkarte 1,10 Gm. — Karten für beide Veranstaltungen find zu haben im Bureau de« Be- zirkSbildungSaustchustei, Lindenstr. 3. 2. Hot Ii. Zimmer 8. Jugendsekretariat. Lindcnstr. 3, S. Hat II, Ztgarrengeichäst Harsch, Engelufer 24(25(Gewerk- schastshaus), Buchhandlung Borwärt», Lindenstr. 2, sowie Sei allen Obleuien der Kreisbildungsausschüsse. „veut ch'and» Zagend und Jranfteich" lautet das Tbcma eines vom Republikanischen Jugendbund schwarz< Rot- Gold am Donnerstag, den g. Ottober, abends 8 Uhr, im Sozialwissenschasllichen Klub. Wilbelmstr. 48, veranstalteten Ausspracheabend«. Es spricht als Gast Professor E d m o n d Bermeil-Straßburg. Republikaner und Pazifisten als Gäste will- kommen. Z. R. 3 klar zur Ueberfahrt. Zriedrichshosen, 9. Oktober.(WTB.) Das Zeppelin-Lustschisf Z. R. 3 ist heut« früh 8 Uhr 25 Minuten im Beisem einer großen Menschenmenge bei klarem Wetter zu seiner letzten Probefahrt auf- gestiegen. Das Luftschiff nahm den Kurs auf L i n d a u. Die Fahrt soll zwei Stunden dauern. Friedrichshasen. 9. Oktober.(Mtb.) Z. R. III fft um 10 Uhr 25 Minuten wieder glatt gelandet. Di« Fahrt ist ohne Störung verlaufen. Der Termin für die Ameritafahrt ist noch nicht bestimmt. Das Schiff ist jetzt zur Ueberfahrt mich Amerika klar. Der Termin der Ueberfahrt wird nach der Wetterlag« fest- gefetzt werden._ v-Zugkataftrophe in Italien. Der Expreßzug Paris— Rom ist bei Santa Maraherita in der Nähe vor Genua entgleist. Di« Maschine und mehrere Wagen stürzten um. Sechs Reisende wurden getötet, 15 schwer verletzt. Der Zug war mit insassamt 60 Rei-' senden besetzt. parteinachrichten für Groß-Serlin «InsabBagen str diese Rubill find �TPJJS stet» an da»«-zirt»I.kretari-t, Beel», SW. Liadenftr-tz- 3, i. Hat, J Trep. recht», zn richten. 38.»dt Freitag, 10 Oktober, 8 Uhr abend», bei»tittner, Schwedler Str. 38, Extra. Frauenadend. Aussprache tiber die Frau«n»Werbe«ochs. 62.»dt. Si-m-»»ftadt. Freitag. 10. Ottober.',,8 Uhr abend», bei Sundheim. Nonnendamniallcs, Ecke MiirNscher Steig, Mitgliederversammlung. Bortrag: Kulturtragen und Partei. ZuugsoziaNsten,«rnppe Friedrtch»h-w. Heute abend 8 Uhr im Jugendheim. Tistiter Str. 4/5: Diskussioi'sabent. Zungsazialisten,»rnppe Eharlotteuburg. Freitag, 10., im Balkehou», Rofinenstratze: Dl»russion»ab«nd._ Wetter für morgen. Berlin Und Umgegend: Nach lehr kühler Nacht am Freitag wieder Er- wärmung und grotzenleils heiter.— Ueutschland: Im giößlen Tsil des Reiches ruhigeres und trockenes Wetter. Rur im Westen nme Bewölkung»' zunahm«. Gewerkschaftsbewegung Ostpreußisches Eldorado. Som Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns geschrieben: Aus der ostpreußischen Landwirtschaft gehen besorgniserregende Meldungen ein. Nach ihnen haben sich die landwirtschaftlichen Arbeitgeber nunmehr zum rücksichtslosesten Kampf gegen alles entschloffen, was den Stempel der freigewerkschaftlichen Landarbeiterorganisation, des Deutschen Landarbeiterverbandes, trägt. Mit aller Schitane und Brutalität soll den Bandarbeitern jetzt belgebracht werden, daß nicht sie, fondern die Arbeitgeber Herren der Situation find. Schulen und Schankräume, die den Landarbeitern bisher zu Versammlungszweden zur Verfügung standen, werden systema. tisch abgetrieben. In den Arbeiterwohnungen Versamm: lungen abzuhalten, wird dadurch unterbunden, daß in die Arbeits: verträge eine Bestimmung hineingebracht wird, die den Arbeitfeinerzeit gleichfalls bestritten wurde. Wie es mit der Lage der russischen Arbeiter im übrigen aussieht, haben wir auf Grund der offiziellen Veröffentlichungen von Sowjetbehörden oft nachgewiesen. Wir wollen heute zur Illustration een weiteren Beitrag fefern. Im legten Heft der Monatsschrift des Volkskommissariats für Arbeit wird eine Statistik über die russischen Streits im Jahre 1922/23 veröffentlicht, von der dort selbst gesagt wird, daß diefe Angaben nicht vollständig" sind. Insgesamt streiften in dem Lande, in dem das Proletariat angeblich die„ Dittatur" ausübt, in diesem Jahre 154 278 Arbeiter in 505 Streifs. Unter den Ursachen der Streifs steht die Nicht auszahlung des Lohnes mit 50,1 Proz. der Streits und 65,7 Broz. aller Streifenden an erster Stelle der Streitursachen. Trotzdem endeten 34,2 Proz. cer Streits mit 17,2 Proz. aller Streifenden erfolglos, 31,1 Pro3. der Streifs mit 37,6 Proz. der Streifenden mit nur teilweisem Erfolg. Der Redakteur der genannten amtlichen Monatsschrift bemerkt selbst dazu:„ Nach der Angaben über den Ausgang unserer Streiks muß man zugeben, daß fie fich wesentlich von den Streifs früherer Beiten unterscheiden, ja auch von den gegenwärtigen Streifs in den fapitalistischen Siegerstaaten, in denen sogenannte„ Sozialisten" am Ruder find." Das trifft allerdings zu. Daß Arbeiter erst streifen die Edo Fimmen sich begeistert. nur im Lande der bollchemistischen Freiheiten" möglich, für Das von dem Entlassenen angerufene Gewerbegericht erfarte dahin, daß die Weigerung, den Gummifnüppel außerhalb der Dienstzeit zu tragen, fein Grund zur fristlosen Entlassung und dem Kläger deshalb die Kündigungsfrist zu bezah. en is. Streif bei der Firma C. Flohr. Ein Teil der Arbeiter der Firme C. Flohr tefindet sich seit dem 1. Oktober im Streit. Nur 10 Bf. Zulage für alle im Motoren- und Apparatebau beschäftiger Arbeiter wurden gefordert, so daß die am besten bezahlten Arbeiter 70, 80 Pf. Stundenlohn haben sollten. Diese mehr als bescheidene Forderung wurde von der Betriebsleitung als„ untragbar" abgewiefen. Das neue Antreibesystem wirkt sich in nicht angenehmer Weise für den Betrieb aus. Herr Abramowitsch mit seinem Stab will den Betrieb reformieren", was ja sein gutes Recht ist, aber bevor man dieses macht, sollte Herr Abramowitsch mitsamt seinen Antreibern Arbeiterpsychologie studieren. Denn mit den einseitige Breisfejt fegungen und sonstigen Schikanen kann man die Tätigkeit dieser Herren nur mit der Tätigkeit eines Elefanten im Porzellenladen vergleichen. Einmütig haben die Arbeiter im Motoren- und Apparatebau die Arbeit niedergelegt. Von der übrigen Berliner ArbeiterBetrieb der Firma C. Flohr. gebern das alleinige Hausrecht über die Wohnung zu müffen, um ihren Lohn überhaupt zu bekommen, ist haft fordern wir volle Solidarität. Darum, Arbeiter, meidet den Die Funktionäre des Deutschen Landarbeiterverbandes werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Hören sie nicht freiwillig, bas heißt legen sie nicht ihre Funktion ohne Widerspruch nieder, Jetzt die Verfolgung ein, die dann gewöhnlich ihre Abschluß in der Entlassung dieser Leute findet. Dann die wirtschaftliche Schlfane! Den Landarbeitern wird jetzt nicht nur das mährend der Streifzeit gelieferte Députat rücksichtslos abgezogen, sondern man verlangt von ihnen noch, daß sie dem Arbeitgeber die Un fost en zurüderstatten, die er während des Streifs für die Einfehung der Technischen Nothilfe verausgaben mußte! Diz Räumungsflagen gegen die am Streit beteiligten Arbeiter wurden ohne Erbarmen und ohne Sorge darüber durchgeführt, daß den Leuten jedwede Unterkunftsmöglichkeit fehlte. Möglich find diese Zustände nur durch die Einstellung der Be richtsinstanzen. Bei ihnen ist so gut wie jedes Berständnis für den Lebenskampf der Landarbeiter verschwunden. Ungezwungen und frei fetzen fie fich für die Interessen der Arbeit geber ein. Den besten Beweis für diese Behauptung liefert uns eine Gerichtsverhandlung gegen fünf Landarbeiter, gegen die der Staatsanwalt Klage weger Landfriedensbruch erhoben hat. Der Landfriedensbruch sah folgendermaßen aus: Die Leute stehen auf dem Felde und unterhalten sich mit den Arbeitswilligen. Eine solche Unterhaltung war nicht strafbar. Der Gutbefizer Koppetsch hört von dieser Unterhaltung. Er sprengt zu Pferde an, reitet ohne Grund in die fremde Gruppe, schlägt mit der Reitpeitsche auf die Leute ein. Diefe wehren sich, er reitet davon. Daraus macht der Staatsanwalt eine Untiage, in der es heißt, die Leute hätten fich zusammengerottet, um mit vereinten Kräften gegen die Berson des Koppetsch Gewalttätigteiten zu verüben, mit anderen orten, fie haben Landfriedensbruch begangen. Der Hafenarbeiterstreik in Petersburg. ( RSD) Als Anfang September die Meldung über einen Hafenarbeiterstreit in Petersburg verbreitet wurde, wurde sie von der offiziellen ruffischen Telegraphenagentur und der fommunistischen Breffe auf das Entschiedenste dementiert. Wie verlogen diese Dementis maren, geht aus folgendem authentischen Bericht hervor, der uns von einem Petersburger Hafenarbeiter zugegangen ist: Am 5. September brach im hiesigen Hafen wegen der niedrigen Entlohnung ein Streit der Hafenarbeiter aus. Im Durchschnitt verdient hier ein Haferarbeiter bei Taglohn 2,40 Rubel( 1 Rubel gleich 2,15 m.) und bei Akkordlohn 3 bis 5 Rubel im Tag( der Achtstundentag wird nicht eingehalten). Die Hafenarbeiter verlongfen eine Erhöhung des Arbeitslohnes und eine Her= abfegung der Leistungsnormen. Diese Frage war von den Arbeitern schon längst aufgerollt worden, aber der Verband der Transportarbeiter und Schauerleute hatte sie nach seiner Gewohn= heit verschleppt und den Vertretern der Arbeiter den Mund gestopft. Bis zum 5. Eeptember fanden im Hafen fleine„ italienische Streifs" fiatt. Am 5. September waren überall Bekanntmachungen an den Wänden angeflebt, wonach im Hafen der Ausnahmezustand erflärt, jegliche Zusam= men fünfte und Bersammlungen verboten und mitgeteilt wurde, daß ein Teil der unaufgeflärten Arbeiter in den Streif getreten fei. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. In dem Streit der belgischen Bergarbeiter ist ein neuer Einigungsversuch am Mittwoch gescheitert. Arbeitersport. Resultate vom Schwimmfeff am 5. Oftober 1924. ( Schillingsbrüde.) 1. Vorwäris- Berlin Eröffnungsftafette für Männer 10 X 49 Meter bel. 4 Min. 585 Get. 2. Neukölln 5 Min. 2/5 Get. 3. Union- Berlin 5 Min. 23/ Get. Weibliches Jugendbrustschwimmen 120 Meter. 1. Jden, VorwärtsBerlin 2 Min. 10 Gef. 2. Biegel, Leipzig 2 Min. 14 Gel. 3. Boer, Neukölln 2 Min. 22 Get. Männerrückenschwimmen 120 Meter. 1. Gen, Leipzig 1 min. 501/ s Get. 2. Dahle, Neukölln 1 Min. 534/ s Gef. 3. Ebert, Union- Spandau 1 Min. 59% Gef. Sauzichen. 1. Burg, Union, Sieger Union. Vorwärts. Leipzig, Sieger Borwärts. Jugendbrustschwimmen 120 Meter. 1. Jaskulski, 1 Neukölln 1 Min. 56/ s Get. 2. Kommatowski, Borwärts 1 Min. 594 Get. Langbecker, Vorwärts 2 Min. 24 Get. Springen für Männer Klase B. 1. Gallwig, Union- Berlin. 27% Punkte. 2. Hübner, 8widan 25% Punkte. Keilader, Leipzig. 23 Punkte. Männerbruststafette 4 X 40 Meter. 1. Tegel 2 Min. 23 Gef. 2. Union- Spandau 2 Min. 251/ Get. 3. Weißenfee 2 Min. 28 Gef. Männerbruftschwimmen Klaffe B 120 Meter. 1. Rüster, Vorwärts 1. Min. 591 Get. 2. Thomas, Neukölln 2 Min. 4 1/ s Get. 3. Remmler, Vorwärts 2 Min. 43. Männerseiteschwimmen Klaffe X 120 Meter. 1. Schu mann, 8widau 53/ s Get. 2. Gebode, Charlottenburg 1 min. 58/ Sef. 3. Bener II, Leipzig 2 Min. 2% Gef. Frauenrüdenschwimmen 80 Meter. 1. Borchardt, Neukölln 1 Min. 294/ s Get. 2. Giersch, Borwärts 1 Min. 311/ s Get. 8. Singe, Leipzig 1 Min. 393 Get. Wafferballspiel für Männer 2 X 5 Mann 2 X 7 Minuten. 8widau II gegen Neptun- Weißensee, Tor 4: 3( 3widau). Sauptschwimmen für Männer Zwickau I gegen Union II, Tor 6: 0( 3widau). 200 Meter bel. 1. Dietschte, Neukölln 2 Min. 491/ s, Gef. 2. Anhalt, Vorwärts Knabenbrust2 Min. 59 Gef. 3. Singe, Union- Berlin 3 Min. 8% Get. schwimmen 80 Meter. Hildebrand, Neukölln 1 Min. 241/ s Get. 2. Lug, UnionJugendBerlin 1 Min. 623/ s Gef. 3. Tschakert, Neukölln 1 Min. 28 Get. bruststafette 4 X 80 Meter. 1. Borwärts 5 Min. 111/ s Get. 2. Neukölln 5 Min. 19 Get. 3. Union- Berlin 6 Min. 53/ Get. Schullagenstafette 4X 40 Meter. 2. Neptun- Lichtenberg 28% Punkte. 3. Zwidau 27 Punkte. 1. Norden 1 Min. 4 Get. Stredentauchstafette 4 X 40 Meter. Waffer. 2. Borwärts- Berlin 1 Min. 4% Set. 3. Weißenfee 1 Min. 8 Get. ballspiel. Leipzig I gegen Neukölln I, Tor 5: 5( 2: 2). Burg gegen Union IBerlin, Tor 3: 8( 15) für Union- Berlin. Vereinsmehrkampf 1. UnionBerlin 94 Punkte. 2. Burg 72% Punkte. Der Hafen war mit Spigeln, uniformierten genten der Ticheta und Milizfoldaten überfüllt. Beim Eingang wurde eine strenge Revision vorgenommen, 1. Neukölln 29 Bunkte. damit die aktiv gestimmten Arbeiter nicht hineingelassen und die Streifenden isoliert wurden. Das von den Arbeitern gewählte Streiffomitee wurde verhaftet und nach dem Gefängnis transportiert. In der Atmosphäre der hier herrschenden echtlosigkeit wurde ber Greit fdmell liquidiert, und am 7. Sep: schnell diejenigen nicht, die verhaftet oder wegen des Streits vom Verband davongejagt waren. Das das Gericht Landfriedensbruch nicht feststellen fonnte, bei ihm aber die Neigung bestand, die Leute zu verurteilen, konstruierte man fünstliche Belastungsmomente. Man griff auf unüberlegte Aeußerungen eines nichtangeklagten Jugendlicher zurück, der sich bei den Arbeitern aufhielt und sagte einfach Weil dieser Jugendliche bei den Arbeitern stand und dummes Zeug schwazzie, das als Drohung gegen den Arbeitgeber aufzufaffen ist, muß angenommen werden, daß sich der Jugendliche auch im Namen der anderen Artember wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Es erschienen nur Gründungsfeier der Ersten Neuköllner Jiu- Jitsu- Vereinigung. beiter äußerte." " Die Versicherung der Angeklagten, sie hätten die Bemerkung des Jugendlichen gar nicht gehört, weil sie nach dem Busammenstoß mit dem Arbeitgeber verstreut waren, wurde nicht beachtet. Die Drohung des Jugendlichen wurde als Nötigung angesehen, die an den fünf erwachsenen Angeklagten trog ihrer bts herigen Unbescholtenheit mit je drei Monaten Gefängnis geahndet werden mußie. Auf die Berufung der Angeklagten hatte sich am Montag, den 24. Geptember, die Königsberger große Straffammer mit den heiklen Vorkommniffen noch einmal zu beschäftigen. Obwohl die Arbeiter auch hier ihre Unschuld bewiesen und vor allem versicher jen, die Bemerkungen des Jugendlichen nicht gehört zu haben, hielt der Staatsanwalt die Angeklagten im Sinne des ersten Urteils für fchuldig. Er gab seiner Empörung darüber Ausdruck, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter gerade zu einer Zeit gestreift hätten, in welcher sie am meisten gebraucht würden. Auf solche Art fönne die ganze Ernte verfaulen und die Allgemeinheit erleidet dadurch einen unabsehbaren Schaden. Obwohl der Verteidiger diesen Stand punft scharf bekämpfte und dabei betonte, daß das Streifrecht den Arbeitern zustehe, und daß sie von diesem Recht Gebrauch macher fönnen zu jeder Zeit, in welcher sie von ihrem Vorhaben sich den besten Erfolg versprechen, blieb das Gericht bei seiner Meinung. Es erkannte auf Verwerfung der Berufung, so daß es bei der Strafe von drei Monaten für die unschuldigen Landarbeiter bleiben jou. Wir fragen die Reichsregierung und vor allem das Reichser nährungsministerium, das sonst immer ein offenes Ohr hat, wenn die Arbeitgeber mit ihren Klagen fommen: Wie lange sollen sich die Landarbeiter Ostpreußens eine solche Behandlung gefallen laffen? Wie lange follen sie auf den verfassungsrechtlichen Schuh verzichten? Und wie lange foll gestattet werden, daß man in der deutschen Republik die Landarbeiter zu Menschen zweiten Rechts macht? Bolschewistische Arbeiterfreiheit. Der Roten Fahne" ist der offene Brief des Zentralfomitees der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands an Fimmer schwer auf die Nerven gefallen. Sie weiß nichts Besseres darauf zu erwidern, als den Brief als eine Fälschung auszugeben. Er sei angeblich in Berlin, in der wenstr. 3 geschrieben worden. Tatsächlich ist der Brief, wie wir schon mitteilten, vom 3entralfomitee in Moskau verfaßt und eingeschrieben in Mostau abgeschickt worden. Der Bosteinlieferungsschein ist übrigens in unserem Besiz. Weil die Bolschewisten mit gefälsten Bildern operieren und großzügig" eine ganze Fälscherze utrale unterhalten, nehmen fie an, daß auch andere mit den gleichen Mitteln operieren. Was wir Fimmen insbesondere vorgeworfen haben und vorwerfen, ist die Tatsache, daß er nach einem einwöchigen Aufenthalt in Mostau, in einer Stadt, deren Sprache er nicht fennt, ohne das geringste von dem riesigen russischen Reiche gesehen zu haben, in Arbeiterversammlungen auftrat, und erklärte, daß die westeuropäischen Arbeiter froh wären, wenn es ihnen so gut ginge wie den russischen Arbeitern. Wie es mit der Freiheit in Rußland bestellt ist, darüber in formiert an anderer Stelle der Bericht über den Hafenarbeiter ftreit in Petersburg, dessen Existenz von der Roten Fahne" Deutscher Metallarbeiter- Verband Hosen Hosen Achtung! Berwaltungsmitglieber! jeder Art kaufen Sie am besten und Eine Sigung der mittleren Ortsver- billigsten in d. München- Gladbacher waltung findet am Freitag, den 10. b. M, nicht statt. Die Ortsverwaltung. Auf Teilzahlung! Herren- Garderobe Gute Qualitäten zu soliden Preisen CAMNITZER Schönhauser Allee 821, am Untergrundbht. Nordring Landwirtschaft. Hochschule in Berlin Beginn der Aufnahme für das WinterSemester 1924 25 am 15. Ottober 1924, der Vorlesungen am 3. November. Drucksachi burch die Negiftrakir. Hosen- Zentrale. Herren- und Knaben Anzüge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Hosen- Zentrale Rügener Str. 23( nahe Gesundbr.) Blauer Laden Fahrgeldvergütg. Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. 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Es muß hervorgehoben werden, daß der Hafenarbeiterstreif die vollste Sympathie nicht nur der am Streit nicht Die Vereinigung, die Mitglied des Arbeiter- Athleten- Bundes Deutschlands ift, ist wohl zurzeit die ftärkste an Mitgliedern im Arbeiter- Athleten- Bund. Die Veranstaltung selbst war in jeder Beziehung ein Erfolg. In der Eröffnungsansprache, wurde schon auf die Bedeutung des Jiu- Jitsu. Sportes hingewiefen. Bei der Demonstration zeigten der Angreifer Meier sowie der Verteidiger Baum ein gutes technisches Können. Im ersten Kampf des Abends. Daubik, 140 Pfd., gegen Sommer, 112 Pfd., Der beide vom gastgebenden Verein, war der Kampf unentschieden. zweite Kampf, Seifert, 125 Pfd., gegen Amling, 125 Pfd., beide JiuRampf Cerenta 120 Pfd., gegen Rennspiehs, 115 Bid., zwang Terenta nach 6.45 Min. seinen Gegner durch Nierenschere und Würgegriff zur Aufgabe. Die Rämpfe gingen über 2 Runden zu je 5 Minuten mit 2 Minuten Bause. Sämtliche Rämpfer seigten gute Technik und werden bei weite rem fleißigen Training auch gegen gegnerische Vereine ihren Mann ftehen, Fämpfe ftatt, Mitglieder der Vereine 09 Betr Tiner Borflub 1919, beide Mitglieder des Arbeiter- Athleten- Bundes, antraten. Der Schülertampf zwischen dem zwölffährigen Konrad Thate und dem elfjährigen Gerhard Lenz vom BBC. 19 über 3 Runden je 2 Min. fand großen Beifall und zeigte, daß auch die Jugend beim Bogsport auf ihre Rosten kommt. Im Bantam gewicht holte fich Schopp, 104 Bf., einen Inappen Punttjieg über Clemens, 104 Pfd. Im Leichtgewicht stegte Biotiched, 122 Pfd., ebenfalls nach Punkten über 2üdstadt, 118 Pfd. Zum Schluß fuhr die Saalmannschaft des Arbeiter- Radfahrer- Bundes ,, Sofi. darität" einen Farbenreigen. beteiligten hafnarbeiter, fondern auch der Arbeiter der anliegen- Bur Bervollständigung des Programms fanben noch bret( pannende 05Fabriken( Butilom- Werte usw.) genoß.. Es wäre gut, wenn Edo Fimmen als Sekretär des Internationalen Transportarbeiterverbandes bei uns nach dem Rechten schauen würde. Und auch Lawrence fönnte einen Vergleich zwischen der Lage der englischen und der der russischen Hafenarbeiter anstellen vielleicht würden wir dann von beiden andere Reden vernehmen." Tarifverhandlungen in der Privatversicherung. Der Reichsschlichtungsausschuß hat als Ergebnis seiner auf den 8. Oktober vertagten Verhandlung einen Schiedsspruch unter dem unparteiischen Vorsiz von Herrn Oberregierungsrat Dr. Grabein verfündet. Dieser bringt für die Monate September und Oktober Erhöhungen in Borschlag, die für alle über 20 Jahre alten Angestellten rund 8 Proz., für die Lehrlinge und Jugendlichen bis zu 27% Broz. ausmachen. Den Parteien ist eine Erklärungsfrist bis Sonnabend, den 11. Oftober, mittags 12 Uhr gesetzt. Der Gummifnüppel des Wächters. Der Sportklub ,, Zurich 02"( Mital. d. AABD.) bittet uns um Abdruc folgender Erklärung: 8u den Presse- Ankündigungen der Sportl. BagNord Oft" für das Jiu- Jitsu- Meisterturnier im Federgewicht am Sonnabend, den 20. September( Sporthalle Christburger Str. 7), erklären wir betr. der angeführten Teilnahme unseres Vereins folgendes: Auf die an uns ge langte Aufforderung von Nord- Oft" mußten wir eine Absage erteilen, und awar bereits am 8. September, da die für den Kampf in Frage kommenden Kollegen unserer Jiu- Jitsu- Abteilung schon für eine Veranstaltung des Bor flubs Stern", Schöneiche, an demselben Tage( 20. September) verpflichtet waren. Da außer uns auch noch andere Vereine. z. B. die 1. Neuköllner JiuJitsu- Vereinigung" an diesen Ausscheidungskämpfen nicht beteiligt waren, Bann von einer Feststellung des besten Berliner Jiu- Jitsuers im Federgewicht bei dem stattgefundenen Turnier feine Rede sein! Der bekannte Techniker und Trainer des GC. Lurich 02", der Federgewichtler Aug. Führer, sowie andere Mitglieder, werden es sich nicht nehmen lassen, die dort ermittelten Sieger bei nächster Gelegenheit herauszufordern. Führer, der noch unter ben Folgen eines erlittenen Autounfalles zu leiden hat, wird nach feiner gänzlichen Wiederherstellung, die in zirka 2 Monaten erfolgt sein dürfte, alles daranfeßen, den Titel des Berliner Federgewichtsmeisters im Jiu- Jitsu an sich zu bringen. Dieses spezielle Treffen wird wohl das fenfationellste in der Jiuwahren Sieger und die Besten in der Federgewichtsklasse ergeben. die das Schachspielen erlernen wollen, zur Kenntnis, daß der Berliner Der seit vielen Jahren bestehenden Wach- und Schließgesellschaft wird seit einiger Zeit fcharfe Konkurrenz gemacht durch andere Wachgesellschaften, die ihren Angestellten durch Unifor mierung und sonstige Aeußerlichkeiten ein militärisch- Sitfu- Bewegung werden. Die Herausforderungskämpfe werden wohl erst die schneidiges" Aussehen zu geben bemüht sind, was in manchen Kreisen des Publikums immer noch Eindruck macht. Die alte Wach und Schließgesellschaft ist durch die Konkurrenz etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Sie glaubt nun dadurch wieder einen Vorsprung gewinnen zu können, daß sie ihren Wächtern ebenfalls eine zeitgemäße" Ausrüstung gibt. Dazu gehört unter anderem ein Gummifnüppel, der an einem Leibriemen über dem üniformrod zu tragen ist. Der Gummifnüppel soll der stete Begleiter des Wächters sein, nicht nur im Dienst, sondern auch nach beendetem Dienst auf dem Nachhausewege. So verlangt es die Dienstord= nung. Für die Gesellschaft soll das ein Reflamemittel sein. Für den Wächter aber gibt der offen zur Schau getragene Gummifnüppel eft Anlaß zu Aerger und Verdruß, hervorgerufen durch höhnische Bennertungen von Straßcpaffanten. Ein Wächter suchte solchen Unannehmlichkeiten dadurch zu entgehen, daß er nach beende= tem Dienst den Gummitnüppel ablegte und unbewaffnet nach Hause ging. Er weigerte sich auch, die Waffe mit nach Hause zu nehmen, nachdem ihn der Inspektor ausdrücklich dazu aufgefordert hatte, und wurde des halb fristlos entlassen. tiarantiesch. f. gesetzl. Goldinh. Ich verschenke an meine Kunden in den Monaten August bis Dezember Speise- u. Schlafzimmer, Küchen usw. Diese Gegenstände sind bei der Firma FECHNER& PREIDEL, Möbelfabrik, Neue Schönhauser Straße 2, ausgestellt. Ferner kommen 50 Prelse à 10,- Mark zur Vertellung. Keine Einsendung irgendeines Betrages erforderlich. Preisaufschlag. Bedingungen unverbindlich im Laden. Trau Kein rauringe 1 Ring 900 Dukaten gold von M. 5.00 an 1 Ring 585 gestemp. von M. 4.00 an 01 Ring 333 gestemp. von.. M. 2.50 an ges, gesch H. Wiese, Juwelier Berlin N., Artilleriestr. 30 Berlin W., Passauer Str. 12 Preisliste gratis Beim Umtausch werden die bei mir gekauften Ringe Inner. halb eines Jahres zum vollen Preis zurückgenommen. excadit s eit von 9-7 Uhr Berliner Arbeiter- Schach. Allen schachspielenden Arbeitern oder solchen, Arbeiter Schach flub aus folgenden Abteilungen besteht: Storden! spielt Freitag bei Naß, Marstr. 13; Norden II spielt Donnerstag bei Wende, Rolonieftr. 147; Norden III spielt Dienstag bei Caros, Volatstr. 37; Norden IV spielt Donnerstag bei Mahnkopf. Greifenhagener, Ede CarmenSylva- Straße; Norden V spielt Dienstag, bei Schmidt, Genter, Ede BrüsseTer Straße; Nord- West spielt Dienstag in den Arminius- Hallen, Bremer Str. 72/73; Rorb- Ost spielt Mittwoch bei Bülow, Esmarch. Ede Pasteurstraße; Often I spielt Sonnabend in der Wilhelm- Stolze- Str. 39; Often II spielt Diens tag bei Rauter, Große Frankfurter Str. 10; Lichtenberg spielt. Freitag bei Stower, Sonntagstr. 32: Friedrichsfelde spielt Montag bei Alose, Eitel-, Ede Rupprechtstraße: Neukölln spielt Dienstag bei Benthin, Reuter, Ede Boddin straße: Süd- West spielt Freitag bei Vorbrich, Baerwaldstr. 38; Süden spielt Donnerstag bei Schulz, Naunynstr. 15; Westen spielt Donnerstag in Schöne berg, Stubenrauchstr. 5a; Steglig spielt Dienstag bei Richter, Feldstr. 8; Charlottenburg spielt Dienstag bei Gottschaft, Bismardstr. 15. In allen Ab teilungen find Gäfte gern gesehen. Das Schachheim des Vereins befindet sich im Gewerkschaftshaus, Engelufer, und ist Sonntags von 10-10 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Egkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Willy Möbus; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud:' Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. 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