Str. 478 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 243 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Gonntags beilage Boll und Reit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten", sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reflamezeile 1.- Goldmart. Aleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( zulässig awei fettgedruckte Worte), iebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erite Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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In der Aussprache wurde von den sozialdemofrafischen Unterhändlern erneut betont, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bereit jei, der vom Reichskanzler auf Grund seiner Richtlinien angestrebten Regierungserweiterung 3uzustimmen, fie stellten indessen fest, daß der gestrige Beschluß der deutschnationalen Reichstags. fraktion mit den Absichten des Reichskanzlers unvereinbar sei und daß sie daher den plan des Reichstanzlers als gefcheitert betrachten. Kurz darauf empfing der Reichskanzler die Beauftragten der Deutschnationalen Boltspartei, die Abgg. Her gi, Graf Westarp, Deutschnationalen Volkspartei, die Abgg. Her gt, Graf Westarp, Schiele und Behrens. In dieser Besprechung wurde vom Reichstanzler Mitteilung von der Stellungnahme der sozialdemotrafischen Verhandlungsführer gemacht. Die deutschnationalen Bertreter nahmen von der dadurch geschaffenen neuen Lage Kenntnis. Der Reichskanzler teilte hierauf mit, daß er nunmehr die Berhandlungen über die Schaffung einer Regierung unter Einbeziehung der Deutschnationalen und der Sozialdemokraten als erledigt anfähe und sich morgen erneut mit den Parteien über den jetzt einfähe und sich morgen erneut mit den Parteien über den jetzt einzuschlagenden Weg ins Benehmen sehen werde. Die Deutsche Volkspartei entsandte daraufhin die Parteiführer Dr. Scholz und Dr. Curtius zum Reichskanzler, um diesem mitzuteilen, daß nach ihrer Auffaffung nach den Beschlüssen der Sozialdemokraten und der Deutschnafionalen eine neue Situation geschaffen fei und daß der Reichskanzler jetzt feine Bemühungen in der Richtung der Bildung einer nach rechts erweiterten Regierung einfehen müffe. Der Reichskanzler nahm die Mitteilungen der Abgg. Dr. Scholz und Dr. Curtius entgegen und fündigte ihnen an, daß er am Freitag vormittag 10 Uhr die Führer der Koalitionsparteien zu einer Die Abgg. Dr. Scholz und Dr. Curtius hielten danach eine Besprechung mit dem deutschnationalen Abg. Her gt ab. neuen Besprechung einladen werde. Aus der Sizung des Reichskabinetts, die diesen Besprechungen voranging, weiß eine der Reichskanzlei nahestehende Korrespondenz mitzuteilen: In der Besprechung der Minister wurden die Möglichkeiten zur Erweiterung der Regierungsbasis noch einmal eingehend durchge sprochen. Der Kanzler betonte dabei sein Bestreben, ein parla mentarisches Rabinett zustande zu bringen. Deshalb habe er zunächst nicht mit einzelnen Persönlichkeiten, sondern mit den Fraktionen verhandelt. Gelingt die Bildung einer Regierung auf dieser Basis nicht, so hätte der Reichskanzler wieder voll= tommen freie hand. Es wird von der Stellungnahme der e'nzelnen Fraktionen abhängen, wie dann die Entschlüsse des Reichsfanzlers ausfallen werden. Vertagung des englischen Parlaments. Nenwahlen am 29. Oktober. London, 9. Oftober.( Eigener Drahtbericht). Am Donnerstag ist das britische Parlament zu seiner vorlegten Sigung 3ufammengetreten. Macdonald gab eine furze Erklärung ab. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Das Haus vertagte sich dann. Es wird noch einmal zur Entgegennahme des Auflösungsdekrets wieder zufammentreten. Der Termin der Neuwahlen ist auf den 29. Oftober festgefeht. Man rechnet damit, daß das neue Parlament schon am 10. november zusammentritt. Ueber die Ergebnisse der Fraktionssizung des 3 en trums liegen abschließende Berichte nicht vor. Nach TU. möchte das Zentrum gern die Auflösung vermeiden und das Kabinett Mart behalten, das freilich wegen des Ab gangs des Herrn Jarres einen neuen Reichsinnen minifter bekommen müßte. Für die Sozialdemokratie tann nur wiederholt werden, daß sie gegen das Fortbestehen des Kabinetts Marr zunächst nichts einzuwenden hat. Sie ist gewohnt, die Regierungen nach ihren Taten zu beurteilen, und gedenkt, auch weiterhin so zu verfahren. Nicht sie, sondern eine Regierungspartei, die Boltspartei, hat jetzt die Schere in der Hand, um den Lebensfaden dieses Kabinetts abzuschneiden. Wenn die Volkspartei auf ihre Manöver und Intrigen gegen die Regierung, der fie angehört, verzichten will, fann der Versuch, die Regierung Marr am Leben zu erhalten, ohne weiteres gemacht werden. Dabei ist freilich zu bemerken, daß der Einfluß, den die Volkspartei auf die Regierung nimmt, das Vertrauen der Sozialdemokratie zu ihr wahrhaftig nicht stärken kann. Die Aussichten für die parlamentarische Selbstbehauptung des Kabinetts Marr wären unvergleichlich beffer, wenn die Boltspartei darauf verzichtet hätte, den Deutschnationalen die Steigbügel zu halten. Mehr als eine furzfristige Verschiebung der Auflösung ist doch nicht mehr möglich. Darum wäre es richtig, gleich zu tun, was doch getan werden muß. Von den Stimmen der Breffe find die der Kreuz Zeitung" und der„ Germania" besonders erwähnenswert. 11 Die Kreuz- Zeitung" fordert die Notifizierung der Regierungserklärung zur Kriegsschuld und fündigt der Minderheitsregierung" Mary Kampf mit allen zu parteilern fordert sie den Austritt aus der Regierung und da Gebote stehenden Mitteln" an. Bon den Volksmit ihre Sprengung. Die„ Germania" wendet sich scharf gegen die schlaue Berechnung", mit der die Deutschnationalen jetzt ihr angebliches Christentum in gleisnerischer Selbstanpreisung" in den Vordergrund schieben. Das deutschnationale Christentum betätige sich in der Hauptsache als Fiendschaft gegen den Katholis zismus. Der Deutschnationalen Partei wirft sie vor: Sie will, daß die sozialdemokratische Arbeitermaffe nur das Opfer einer antisozialen, nicht nur antifozialistischen Bürgerblodpolitit werde, sie will nichts tun, um die soziale Kluft zu verengern, was nötig ist, um endlich das deutsche Volt zu einem nationalen Ganzen zusammenzuschmieden. Also: Keine Volksgemeinschaft"! Kein Bürgerblock! Vielleicht eine Atempause für die Regierung Marr mit der Auflösung im Hintergrund. Sonst in den allernächsten Tagen: Auflösung! Warum Macdonald auflöfte. London, 9. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Erft nachträg. lich wird bekannt, daß noch am Dienstag nacht, als die Ciberalen mit Sicherheit auf den unbeugfamen Widerstand des Kabinetts gegen ihren Antrag auf parlamentarische Untersuchung der Campbell. Affäre rechnen mußten, ein Arrangement dahin zustande gekommen ist, daß die Liberalen ihren Antrag 3 urüdziehen und daß Macdonald dann eine rein juristische Untersuchung des Falles Die Verhandlungen sollten mit Cloyd George und akzeptiert. Asquith noch fortgefeht werden. Man glaubte schon, daß die Krise vermieden sei. Am Mittwoch früh schickten jedoch die Arbeiterabgeordneten eine Deputation zu Macdonald, die von Robert Smillie geführt wurde und erreichte, daß Macdonald jedes kompromiß ablehnte und die Entscheidung herbeiführte. tei. Die große Halle und alle Zugänge dazu waren überfüllt. In den Straßen der Umgegend standen Taufende von Menschen, die nicht in die Halle gelangen fonnten. Macdonald wurde mit stürmischer Begeisterung empfangen. Die Maffen fangen die kampflieder der Arbeiterpartei. In der Halle dauerte es eine Biertelstunde, bis sich der Sturm gelegt hatte und Macdonald fprechen konnte. Macdonalds Erklärung. Condon, 9. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Macdonald fagte in seiner Erklärung im Unterhause, daß das Parlament aufgelöst werde. Er bedauere, daß die Aktion der beiden Oppositionsparteien am Mittwoch die Neuwahlen unvermeidlich geDie Kampfbereitschaft der Arbeiterpartei. macht hätte. Er habe am Donnerstag vormittag eine Audienz bei dem König gehabt und die Auflösung des Parlaments gefordert. Der Condon, 9. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der englische König habe ihm geantwortet, daß er damit einverstanden sei. Diese Ministerpräsident begab sich sofort nach der Verlefung einer ErErklärung Macdonalds wurde mit lauten Beifallsrufen aufgenom- flärung im Unterhaus zum Parteitag der Arbeiterparmen. Macdonald fügte jeinen Worten noch hinzu, daß er glaube, der Zustimmung aller Parteien des Hauses sicher zu sein, wenn er in Anbetracht der Parlamentswahlen versuche, die Anfang November notwendig werdenden Gemeindewahlen zu verschieben. Es sei beffer, die Gemeindewahlen als die Parlamentswahlen hinauszuzögern. Die Regierung sei besorgt, den Wahltag so rasch als möglich festzufetzen. Die Auflösung des Parlaments sei noch in der Nacht zu erwarten und die Neuwahlen fönnten am 29. Oktober dann stattfinden. Das Unterhaus trat dann nach einer Pause um 6 Uhr wieder zusammen, und die Mitglieder, geführt von dem Sprecher, dem Premierminister und dem Führer der Opposition Baldwin, gingen feierlich zum Oberhaus, um der Verlefung der Thronrede, die die Vertagung ausspricht, beizuwohnen. Die Niitglieder des Unterhauses fehrten dann ins Unterhaus zurüd, wo die Thronrede von dem Sprecher nochmals verlesen und die Bertagung fodann formell verkündet wurde. Macdonald hielt eine große Kampfrede, in der er den Konfervativen und Liberalen die volle Berantwortung für die Neuwahlen zuschob. Die Konservativen hätten durch die Zustimmung zu dem liberalen Antrag im Grunde genommen gegen ihren eigenen Antrag gestimmt, nur um der Arbeiterregierung eine Niederlage 32 bereiten. Er endete mit den Worten:„ Wir nehmen die Herausforderung an! Wir werden von jeder Tribüne des Landes die Schuld der Konfervativen und Liberalen ausrufen, die aus Parteiegoismus dem Lande den Kampf aufgezwungen haben. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenfasse Lindenstraße 3 England und Deutschland. Die beiden Krisen. Wenn hier ein Vergleich zwischen den innerpolitischen Krisen Englands und Deutschlands gezogen werden soll, so geschieht das nicht in der Absicht, unter allen Umständen das fremde Land zu loben und das eigene zu tadeln. Die Maschinerie des englischen Parlamentarismus konnte so lange ohne Störung funktionieren, als fich das politische Leben Engaufbaute. Freilich hat es auch schon in den Zeiten der Wighs lands im wesentlichen auf das 3 weiparteien system und der Tories Abspaltungen und Gruppenbildungen gegeben, die mehr als einmal die Lage des Wagebalkens veränderten, haben Iren und Arbeiterparteiler neben Konservativen und Liberalen ihre Rolle gespielt. Im großen Ganzen aber blieb es doch dabei, daß es nur zwei Parteien gab, von denen entweder die eine oder die andere zur Regierung be= rufen war. Der Sturz eines liberalen Ministeriums hatte also automatisch die Bildung einer konservativen Regierung zur Folge oder es ging in umgekehrter Richtung ebenso glatt. Die Schwierigkeiten der Regierungsbildung", unter denen wir in Deutschland stöhnen, waren auf ein Mindestmaß beschränkt. Das Bild änderte sich mit den großen Erfolgen der Arbeiterpartei. Zwar das Prinzip der Zweiteilung blieb in der Form bestehen, und als die Arbeiterpartei zum erstenmal die Liberalen an Stärke überflügelte, nahm sofort ihr Führer Macdonald den Blaz des leader of opposition", des Oppositionsführers im Parlament ein. Er war schon dadurch für den Fall einer konservativen Niederlage als Ministerpräfident vorbezeichnet, und er wurde es wirklich, als die konfervative Partei bei den letzten Wahlen schwere Einbußen erlitt, ohne die sichere Unterstüßung der Liberalen finden zu können. Seitdem hat die Arbeiterpartei zehn Monate lang das englische Weltreich regiert. Sie hat das nur mit Unterstügung oder doch wenigstens Duldung der Liberalen tuh können, da sie allein über die Mehrheit der Parlamentssize versagten, war die Krise da. Das ist jetzt geschehen; die Libenicht verfügte. Sobald die Liberalen ihr diese Unterstüßung ralen haben in einer verhältnismäßig geringfügigen Angelegenheit, der Einstellung des Strafverfahrens gegen einen tommunistischen Redakteur, eine oppositionelle Haltung eingenommen und die Regierung in die Minderheit gedrängt. Es gab nun zwei Möglichkeiten: die Berufung einer fonservativen Regierung, die aber auch auf die Unterstützung der Liberalen angewiesen wäre, oder die Auflösung des Parlaments. Das Staatsoberhaupt hat sich auf Rat des englischen Ministerpräsidenten für die zweite Lösung entschieden, und binnen kurzem wird das englische Volk ein neues Barlament wählen, dessen Mehrheitsverhältnisse für die Bildung der fünftigen Regierung entscheidend sein werden. Soweit England. In Deutschland liegen die Dinge bedeutend schwieriger, weil man hier nicht nur mit drei, sondern mit a cht parlamentarischen Parteien zu tun hat. Die konfessionelle Zwiespältigfeit, die Spaltung der politischen Arbeiterbewegung, das Fehlen einer in sich geschlossenen großen liberalen Partei, schließlich die Gärungen auf der Rechten haben zu diesem Refultat geführt, das in seinen Wirkungen zu einer Dauerkrise auszuarten droht. In England genügt immer noch die offene oder verstedte Koalition zweier großer Parteien, um eine arbeitsfähige Regierung zustande zu bringen. In Deutschland müssen mindestens drei bis fünf Fraktionen und Fraktionchen unter einen Hut gebracht werden, um das gleiche Ziel zu er= reichen. Dennoch läßt sich auch hier eine 3 weiteilung er fennen. Sie ist bedingt durch die Neugestaltung der außenund innenpolitischen Verhältnisse, die durch die Niederlage und die Staatsumwälzung hervorgerufen worden ist. Auf der einen Seite fammeln sich die Elemente, für die die Ereignisse von 1918 nur sozusagen ein Bersehen der Weltgeschichte sind, dem man die Anerkennung verweigern muß und das man gewaltsam binnen furzem wieder forrigieren fann; auf der anderen vereinigen fich diejenigen Strömungen, die in der Staatsumwälzung einen unwiderruflichen notwendigen Fortschritt erkennen, und die von hier aus einen Weg suchen, um dem deutschen Volk mit politischen, nicht militärischen Mitteln wieder zu neuer Geltung in der Welt zu verhelfen. Die Trennungslinie zwischen diesen beiden großen politischen Richtungen läuft nahe der Grenze, die die Klassen von einander scheidet. Denn im wesentlichen sind die Arbeiter, die Angestellten, die kleinen Beamten Träger der neuen Politik, während die befizenden und früher staatsrechtlich beporrechteten Kreise die alte Politik propagieren und subventio= nieren. So erscheint als Kern der deutschen Rechten die Deutschnationale Partei, als Kern der deutschen Linken die Sozialdemokratie. Der Versuch des Reichskanzlers Marg, eine gemeinsame Regierung der Rechten und der Linken zu schaffen, ist ge= scheitert, wie er scheitern mußte. Die Regierung der ,, Bolksgemeinschaft" hätte, wenn sie überhaupt hätte geboren werden Pönnen, sofort wieder sterben müssen an dem Mangel der Opposition. Die Gegenfäße, die zwischen Regierung und Oppofitionsparteien ausgetragen werden müssen, hätte sie im eigenen Leibe gehabt. Aber auch die Regierung der Mitte" ist nur ein Ausfunftsmittel der Verzweiflung. Wenn sie heute vor den allergrößten Schwierigkeiten steht, so deshalb, weil ohne ein flares Bekenntnis zur alten oder zur neuen Politif, das heißt zur Rechten oder zur Linken, eine feste Mehrheitsbildung unmöglich ist. Immerhin aber hätte die Regierung der Mitte, wenn fie fchon einmal da ist, wenigstens den Versuch machen follen, fich im Parlament mit parlamentarischen Mitteln durchzusehen und hätte sich auf Berhandlungen über ihre Umbildung nicht einlassen dürfen, solange sie nicht im Reichstag ein: Niederlage erlitten hatte. In dieser Beziehung können uns die älteren Erfahrungen des seit Jahrhunderten parlamentarisch regierten England als Borbild dienen. Was wir in den letzten Monaten erlebt haben, das waren nicht Auswirkungen des neuen parlamentarischen Systems, sondern Rückstände des alten Syſtems. Das Stürzen von Regierungen außerhalb des Parlaments durch Intrigen und Schiebungen hinter den Kulissen gemahnt an die Zustände des milhelminischen Zeitalters. Man muß jetzt einen Strich unter das Bergangene machen und sich an dem englischen Mut, der vor Boltsent fcheidungen nicht zurückweicht, ein Beispiel nehmen. Die Frage der deutschen Neuwahlen muß sein, ob rechts oder lints regiert werden soll. Sollte das Ergebnis was wohl niemand erwartet eine Mehrheit für den Bürgerblod sein, auch dann hätte die Sozialdemokratie feinen Anlaß zu verzweifeln. Denn dann hätten wir als Ergebnis eine sich dem Zweiparteiensystem annähernde 3 weiparteien Gruppierung, bei der die Sozialdemokratie als Führerin der Opposition die Anwartschaft auf die Regierung hätte. Wir brauchen große Parteien, und wir fönnten heute schon auf unserem Wege viel weiter sein, wenn die Arbeiterschaft es verstanden hätte, der bürgerlichen Zersplitterung einen einheitlichen Arbeiter blod gegenüberzustellen. Hätten die englischen Kommunisten Aussicht auf Wahl erfolge, was glücklicherweise nicht der Fall ist, dann wäre die englische Arbeiterklasse nach den Wahlen in die politische Bedeutungslosigkeit zurückgeworfen. In Deutschland wird die Arbeiterklasse erst wieder start sein, wenn der fommunistische Spuk zerstiebt. Der Kampf der Arbeiterpartei. | berufsmäßige Querulanten konnten annehmen, daß eine Re-| Regelung in hohem Maße zur Wiederherstellung bes internationalen gierung, die sich nur auf eine Minderheit im Parlament stützte, Handels beitragen wird, von dem die materielle Wohlfahrt dieses in wenigen Monaten die innere und äußere Politik des briti in so hohem Maße abhängt. In der Thronrede heißt es weiter: Unmittelbar nach erfolgter schen Weltreiches grundlegend zu ändern vermochte. Dies war schon deshalb nicht möglich, weil die Arbeiterregierung Berständigung zwischen den französischen und britischen Delegationen in Genf habe die Bölkerbundsversammlung Vorschläge für das bei ihrem Reformwert auf die Zustimmung der Liberalen angewiesen war. gewiesen war. Sie mußte deshalb taktisch so operieren, daß Schiedsgericht und die Sicherheit formuliert und damit einen bezunächst nur solche Fragen in den Vordergrund gestellt wurdeutenden Fortschritt zur Verminderung der Rüstung gemacht, Dies ben, denen die Liberalen wohl oder übel ihre Zustimmung Protokoll werde so bald als möglich dem Parlament vorgelegt geben mußten. Nur durch ein solches Vorgehen, bei denen werden. Die Thronrede bezeichnet dann den Abschluß englischdie Liberalen trog inneren Widerstrebens porwärtsgepeitscht ruffischer Berträge als ein notwendiges Element für die allgemeine wurden, vermochte die Regierung Macdonald in der inneren Befriedung und die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas". wie der äußeren Politit Erfolge zu erzielen und die Popula. Nachdem dann die Grenzstreitigkeiten im Irat und der Abbruch der rität der Labour Party in den Boltsmassen gewaltig zu Berhandlungen mit Aegypten erwähnt worden sind, heißt es weiter, steigern. daß trotz der schwierigen Lage des Handels eine deutliche Befferung in verschiedenen wichtigen Industrien eingetreten sei. Die Thronrede erwähnt die Ereignisse, die zur Parlamentsauflösung führten, nicht. In der inneren Politik fann die Regierung Macdonald auf eine Fülle positiver Erfolge zurückblicken. Sozialpolitisch am bedeutsamsten ist das von ihr durchgedrückte Gefeß über den Arbeiterwohnungsbau, durch das die Arbeitslosigkeit auf dem englischen Baumarkt fast völlig beseitigt worden ist. Am größten jedoch sind die Erfolge der Arbeiterregierung auf dem Gebiete der äußeren Politit. Der Erfolg der Lon doner Konferenz und der neue Geist, der sich auf der Völker bundstagung in Genf bemerkbar machte, muß in erster Linie auf die Wirksamkeit des Kabinetts Macdonald zurückgeführt werden, das erst die psychologischen Boraussetzungen für den Sieg des Linksblocks in Frankreich und die demokratische Außenpolitik Herriots schuf. Diese Erfolge der Labour- Regierung werden selbst von ihren erbittertsten Feinden zugegeben, die wohl oder übel eingestehen müssen, daß nur das Auftreten der mächtigen englischen Arbeiterklasse die Voraussetzungen für eine neue europäische Politit geschaffen hat. Es ist verständlich, wenn jetzt die borniertesten Kreise des Nationalismus in allen Ländern über die parlamentarische Niederlage im Kabinett Macdonald frohlocken. Sie hoffen, daß durch die Beseitigung der englischen Arbeiterregierung die neue Welle der Völkerverständigung und der internationalen demokratischen Zusammenarbeit zum Stehen gebracht werden könne. Sie werden durch den Gang der Ereignisse gründlich enttäuscht werden. Es kann gar keine Rede davon sein, daß die englischen Wahlen der Arbeiterpartei Verluste bringen werden. Bielmehr wird in den führenden Kreisen der englischen Genossen mit Bestimmtheit darauf gerechnet, daß die Labour Party mit einem Gewinn von 50 bis 60 Man baten aus den Wahlen hervorgeht. Die größten Verluste dürften auf die Liberalen entfallen, die durch den Vormarsch der Arbeiterpartei immer mehr zerrieben werden. Alles hängt nun davon ab, welche Gruppe der Liberalen, die linke Gruppe unter Asquith oder die rechte unter Lloyd George, sich am ehesten behauptet. Bleibt die linke Gruppe stärker, so ist mit der Wiederkehr der Labour- Regierung zu rechnen. Behaupten sich jedoch die Lloyd George- Liberalen, so ist eine konservativliberale Koalition wahrscheinlich, bei der die Labour Party die so wird durch schnelle Radikalisierung der breiten Boltsmassen die Voraussetzung dafür geschaffen werden, daß die Arbeiterpartei sehr bald die Mehrheit des englischen Volks für sich gewinnt. Die englische Völkerbundantwort. London, 9. Oftober. Reuter erfährt, daß die britische Antwort auf das deutsche Memorandum heute der deutschen Botschaft zur Uebermittlung nach Berlin überreicht wird. Der ungarische Justizskandal. Der Erzberger- Mörder auf freien Fuß gefeht. Budapest, 9. Oktober.( WTB.) Das Ungarische Tel.- Korr.Bureau berichtet, der Justizminister habe, wie gemeldet, die von der deutschen Regierung verlangte Auslieferung des Heinrich Schulz- Förster verweigert, da politische Straftaten aus dem Kreise der internationalen Rechtshilfe ausgeschlossen sind. Der Just 3minister habe den Budapester Staatsgerichtshof von seiner Entscheidung mit dem Hinzufügen verständigt, er möge Verfügungen treffen, damit Heinrich Schulz Förster auf freien Fuß gefegt werde. Der Gerichtshof habe an die Staatsanwaltschaft das Ersuchen gerichtet, die Freilassung durchzuführen. Die Staatsanwaltschaft habe die haft für Schulz- Förster bereits aufge hoben und gleichzeitig seine Ueberführung zur Budapester Oberstadthauptmannschaft behufs Feststellung seines Aufenthaltsortes anstadthauptmannschaft behufs Feststellung seines Aufenthaltsortes angeordnet. W Bayern gegen Basch. München, 9. Oktober.( Eca.) Die Bayrische Staatszeitung" weist darauf hin, daß die Regierung von vornherein feinen Zweifel barüber gelaffen hat, daß sie ein Auftreten des Profeffors Bash in Nürnberg nicht gestatten wird. Im übrigen werde man abwarten müssen, ob Professor Basch wirklich komme und unter welchen Verhältnissen. Nürnberg fei eben nicht Berlin und das Reichsbanner Schwarz Rot- Gold, unter deſſen Schutz Baich in Potsdam sprechen konnte, würde ihm hier nicht beherzigen. Arbeiterregierung nach einigen Wochen bei der Erörterung dührung der Opposition übernimmt. Tritt dieser Fall ein, helfen können. P Die Wahlaussichten in England. Die Mitteilungen unseres Londoner Korrespondenten über die letzten Phasen der englischen Krise bestätigen die Annahme, daß die Arbeiterpartei das von den Liberalen gewünschte Kompromiß zurückgewiesen hat, um den Kampf in einem Augenblick aufzunehmen, der ihr am günstigsten erscheint. Alle Anzeichen wiesen darauf hin, daß die Berständigung zwischen Liberalen und Konservativen perfeft war, um die englisch russischen Vertrages zu stürzen. Bis dahin sollten auch die Wohlvorbereitungen der Liberalen und der Konservativen abgeschlossen sein. Dieses Spiel hat die Arbeiteregierung nun durchkreuzt. Sie hat sich die Kampfbedingun= gen nicht von den Gegnern diftieren lassen, sondern hat selbst den Augenblid gewählt, um den unausbleiblich gewordenen Kampf, für den sie bereits seit: Wochen im ganzen Lande Borbereitungen traf, zu eröffnen. Die begeisterte Aufnahme, die der Auflösungsbeschluß Macdonalds auf dem Kongreß der Arbeiterpartei fand, ist der beste Beweis dafür, daß unsere englischen Genossen dem bevorstehenden Wahltampf mit der größten 3uversicht entgegensehen. Sie haben alle Veranlassung dazu, mit den Ergebnissen der fast neunmonatigen Herrschaft der Arbeiterregierung zufrieden zu sein. Gewiß sind nicht alle Erwartungen, die an die Regierung Macdonalds gefnüpft wurden, erfüllt worden. Aber nur politische Kindstöpfe und Thronrede des englischen Königs. London, 9. Oktober.( WTB.) Die tönigliche Zustimmung zur irischen Vorlage murde erteilt. Der Lordtanzler verlas in Oberhous die Thronrede, durch die das Parlament vertagt wird. In der Thronrede heißt es: Meine Beziehungen zu den aus wärtigen Mächten find weiterhin freundschaftlicher Art. Die Ait mahme des Dawes- Berichtes durs die in Betracht tommenden Mächte wurde von der Konferenz, die im Juli und August in Lon bon abgehalten wurde, bestätigt, wobei die praktischen Maßnahmen, die erforderlich find, um die Anempfehlungen in Kraft treten zu laffen, einstimmig gebilligt wurden. Dieses erfreuliche Ergebnis ist dem weitherzigen Geist des Zusammenwirkens zu verdanten, mit dem von den in Betracht kommenden Mächten an diese sehr schwie rigen Probleme herangetreten wurde. Ich glaube, daß diese Jedenfalls sollte er die Warnung Bayerns Hochverratsprozeß. Leipzig, 9. Oktober.( WTB.) Der vierte Straffenat des Reichsgerichts verurteilte heute se ch s handwerter aus Friedrichshafen wegen Vorbereitung zum Hochperrat auf Grund von Baragraph 7 Biffer 4 des Gesetzes zum Schütze der Republik in Tateinheit mit Bergehen gegen Paragraph 36 des Etrafgefeß buches zu mehrjährigen Gefängnisstrafen. Es erhielten der Schloffer Kart Raz 4 Jahre Gefängnis und 300 M. Gesdstrafe, der Schlosser Karl Daures 3% Jahre Gefängnis und 200 m. Geldstrafe, der Mechanifer Karl Klog 2% Jahre Gefängnis und 100 m. Geldstrafe, der Schlosser und Büchsenmacher Otto Ed, der Magaziner Franz Lang und der Schlosser Ostar Beck je 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und 100 m. Geldstrafe. Aus der Verhandlung und der Begründung des Urteils geht hervor, daß die Angeklagten die Ziele der fommunistischen Bartei unter Umständen mit Waffengewalt durchsetzen wollten. Einzelreaktionen", doch noch nicht in genügender Zahl und Aus. näußerst wertvoll, wenn auch die Methode nicht, wie der Vortragende Am Biologische Ergebnisse der Innsbruder Tagung. meinte, das Mittel der systematischen Abstammungsforschung Zurück zu Darwin!" Dehnung gemacht sind. Immerhin find die bisherigen Ergebniffe Theorie schwimmen die Kontinente auf einem zähflüffigen UnterBon Dr. Rotator. 29 Man muß wohl eingestehen: Ueber den Reden der Biologen, die in Innsbruck gehalten wurden, stand unsichtbar, aber innerlich recht deutlich fühlbar der Wahlspruch: 3urüd zu Darwin!" Bis por kurzem war der Darwinismus sozusagen unmodern; jetzt wird er in seinen gewaltigen Grundgedanken von der fortschreitenden Bererbungswissenschaft mehr und mehr bestätigt. Baur Berlin wandte sich denn auch scharf gegen die andere Richtung der Abstammungslehre, den Lamardismus, der befanntlich bis heute ohne Beweis die Vererbung erworbener Eigenschaften annimmt, während der Darwinismus an dem selbständigen Auftreten erblicher Abänderungen festhält, die je nach Wert oder Unwert im Lebenstampf erhalten bleiben oder vernichtet werden. Solche erb. lichen Bariationen nennt man heute Mutationen. Baur züchtet nun seit vielen Jahren in großer Anzahl Löwenmäulthen und in weitgehendem Maße wird durch seine Zuchtergebnisse die Grund lage des Darwinismus bestätigt. Nach seinen Angaben ist die Zahl der Mutationen außerordentlich groß, namentlich die der fleinen Abänderungen, die allein für allmähliche Artbildung in Betracht tommen: 10 bis 15 Broz. aller Nachkommen sind in irgendeiner Eigenschaft oft in mehreren erblich abgeändert oder sie vererben bei ihnen selbst noch nicht wahrnehmbare Mutationen. Mit diesen dürfen die Modifikationen nicht verwechselt werden, die auf Standort, Ernährung usw. zurückzuführen sind und die man durch aus nicht als erblich betrachten darf. Auch Darwin unterschieb schon diese beiden Bariationsmöglichkeiten.nts Schon recht bekannt ist die Ulenhutsche Blutreaktion, die auch zur gerichtlichen Ueberführung von Mördern angewandt wird: einem Kaninchen wird Blutflüssigkeit des Menschen ins Blut gespritzt; dieses bildet dann Abwehrstoffe gegen Menschenblut aus, so daß es, später mit ihnen zusammengebracht, einen Niederschlag gibt; mit irgendeinem anderen Tierblut aber nicht. Man fann also Blutfleden, als von Menschenblut herrührend identifizieren. Jedoch gibt es eine Ausnahme! Blut eines Menfchenaffen verhält fich fast wie Menschenblut, ein Beweis für dessen nahe Verwandtschaft mit dem Menschen. Zurück zu Darwin! Diese Methode der Blutreaktion, die schon bei verschiedenen Säugetieren Verwandtschaft mit ihnen ähnlichen betätigt hat, will nun Mez- Königsberg mit seinen Schülern allgemein zoologisch- fyftematisch, ja sogar bei Pflanzen zur Feststellung ihrer Berwandtschaft und Abstammung anwenden. In zwölfjähriger Arbeit legte er den Königsberger ferodiagnostischen Stammbaum des Pflanzenreichs 1924" on, den er fegt erstmalig vorlegte, und der freilich noch scharfe Angriffe erdulden mußte, da die Untersuchungen äußerst schwierige sind und, wenn auch in Hunderttausenden von sein muß. Wandel der Zeiten: Als vor 55 Jahren die erfte Innsbruder Naturforschertagung beendet war, wurden die Räume der Univerfität, in der die Tagungen stattgefunden hatten, von Jesuiten neu geweiht. Diesmal hielten Patres auf dem Kongreß selbst Vorträge! Pater Basmann sprach über die Ameisenmimitry. Er zeigte die Gäste der Ameisen, hauptsächlich Käfer, die ihren Wirten überraschend weitgehend ähnlich sind, da sie sonst gefährdet wären. Bei blinden Ameisenarten ahmen die Gäfte nur die Form nach, bei ſehenden auch die Farbe. Diese und andere Erscheinungen machen für den denkenden Menschen die Annahme einer Entwicklung ber Arten zwingend. Pater Wasmann führte aus, daß die Abstammungslehre zwar nur eine Hypothese sei, daß es aber ein schwerer Fehler der Apologethit gewesen wäre, sie zu befämpfen, nur weil sie gegen die christliche Weltanschauung ausgebeutet wor den fei: man müsse bei der Wahrheit bleiben! Wir stehen also wohl vor einer Wandlung der kirchlichen Auffassung wie einst gegenüber der Lehre des Kopernitus. N Mit dem Mitteilungsvermögen der Ameisen befaßte fich Eid. mann- München. Nach seinen Beobachtungen holt eine Ameise Hilfe nur dann, wenn sie ihren Fund nicht allein herbeischleppen fann. Kleine Stücke holt sie allein. Dabei zeigt sich, daß ihr die Fähigkeit fehlt, zu beurteilen, ob sie noch etwas zu holen hat oder ob nichts mehr übrig ist; fie fehrt immer wieder an den Fundort zurüd, bis sie nichts mehr vorfindet. Hat eine Ameise, weil sie allein den Fund nicht wegschaffen kann, Alarm geschlagen, so finden bie anderen Ameisen überraschend schnell den Fundort. Die Ber. ständigung erfolgt durch Fühlerschläge. Weitere Aufflärung ist aber leider bisher nicht gelungen, während v. Frisch Breslau die Bienensprache jetzt restlos aufgeklärt hat. Bei seinem Hauptvortrag über Sinnesleben und Sprache der Bienen" zeigte er in einem Film auch die Rundtänze, die die Helferinnen bei der Honigsuche aufführen. Außerdem zeigte er, wie fich die Bienen auf Ge rüche und auf Farben dressieren laffen. Spemann Freiburg in Baden brachte neue Forschungen zum Problem des Organisationszentrums vor. Die mannigfachen Veränderungen, die der Keim bis zur Bildung des fertigen Tieres durchmacht, unterstehen nach seinen Ergebnissen an Molchleimen sehr bald der Leitung eines beson ders vorgeschrittenen Reimbezirks des Organisators. Isoliert man nun solch einen Organisator und verpflanzt ihn in einen anderen Keim, der also dann zwei Organisatoren, zwei Zentren der Entwidlung befigt, so entsteht ein Konturrenzfampf der beiden: Jeder fucht ein Tier zu bilden; durch das Gegeneinanderwirten entstehen dann Doppelmisbildungen, wie sie auch in der Natur vorkommen. Nicht biologisch, aber biogeographisch waren die Ausführungen Wegeners Graz, die fast umwidersprochen blieben. Nach seiner grund. So ist Amerita von der alten Welt davon geschwommen und entfernt fich täglich noch weiter. Man sieht am Globus, wie gut es sich an der Westfüfte Europas und Afritas einfügen würde, von wo es einstmals losgetrennt ist! Stierkampf nach Goya." Immer werden die radierten Stierfampffzenen Gonas, zusammen. gefaßt zur Tauromachie", weit über das Volk der Toreros hinaus Geltung haben. einen„ Stierfampf nach Gona" gibt, der sich getreu nach den Bildern 3wiespältig aber sind die Gedanken, wenn man lieft, daß es des Meifters abwickelt. Schließlich kann ein Löwe dahin gebracht werden, originalgetreu" in einem lebenden Bild" nach Dürers Hieronymus mitzuwirken. Ruhig dasigen und friedlich breinschauen lernt auch ein Löwe. Ein Stierkampf hingegen ist beiderseits eine Angelegenheit auf Leben und Tod. Normalerweise hat das Tier zu verröcheln. Bis heute ist es aber noch nicht durchweg ge lungen, dem Rindoieh so viel sportlichen Anstand beizubringen, daß es sich an die Regeln hält. Es hat mitunter seinen Kopf für sich. Dann wird gewöhnlich der andere hinausgetragen. Aber selbst, wenn wir als möglich annehmen, daß Stiere sich auf den Kampf nach Gona" dreffieren lassen, so bleibt noch immer die Frage nach dem Wie. Führt man die Erwählten in die gra. phischen Kabinette oder hängt man ihnen die Blätter an die Stallwände? Denn beigöringen muß man sie ihnen doch auf irgendeine eife. Was nuben dem Bicador die echtesten Kostüme und Be wegungen, wenn nicht auch der Partner" feine Rolle beherrscht? Und wenn der Stier die„ Tauromachie" wirklich auswendig gelernt hat, wie dann weiter?" Flüstert man ihm die Titel der Blätter, die er spielen" soll ins Dhr? Kaum. Das wäre nicht nur umständlich, sondern würde ihm oft auch die nötige Sicherheit des Auftretens rauben. Etwa, wenn es anfeuernb heißt: Der Stier wird vom Pferd aus getötet". Bleibt, wohl als einzige Möglichkeit, daß man zu Stichworten die Nummer benüßt, die die Blätter innerhalb des Byffus haben. Dann weiß der Stier meist nichts vom Endeffett, und tann unbefangener spielen. Wie aber, wenn er sich einmal verhört? Gibt es da nicht hundert fatale Möglichfeiten? Daß meinetwegen das neutrale Blatt: Der Stier wird Zahl genedi", dargestellt werden soll. Das diefer jedoch eine andere Baht vernimmt und ohne 3ögern reagiert: Unfall und Tod des Atalden Don T.", b. h. wie wahnsinnig auf die Tribünen stürmt, alles überrennend oder aufspießend, was nicht raich genug flüchten kann. Und wenn schon der Stierkämpfer den Irrtum bemerkt und eine andere Bointe herbeiführen will, wer weiß, ob dann nicht Pfiffe, Burufe und Steinwürfe ihm so tunst- und fulturschänderisches Tun energisch wehren? Probleme über Probleme. Der furchtbarste Gedante aber, der mir in diesem Zusammenhang tommt, ift der: Gona hat auch eine benen verglichen die„ Tauromachie" geradezu eine Sammlung von Folge Desastres de la Guerra" rabiert, Kriegsgreue, mit Bärtlichkeiten darstellt." Ist es, so frage ich als Mensch und besorgter Menschenfreund, Das Münchhausenprojekt. de lichen Gruridbesig eine Infiationssteuer für Aufwertungszwede zu| es sich um Maffentlagen, deren gefamte, febr erhebliche Kosten erheben. Es empfehle sich daher, die in der dritten Steuernotoer- einschließlich der Kosten der Verteidigung der Angeklagten Die Aufwertung mit Hilfe der Entwertung. ordnung den Ländern vorbehaltene Steuer vom unbebauten Grund Staatstaffe auferlegt wurden. Die allerseits verordnete SparDem Reichstagsausschuß zur Beratung der Aufwertung lag om befig fofort als Reichssteuer zu erheben. Außerdem müsse schließlich famfeit scheint aber bei der Gubener Staatsanwaltschaft nur in der Donnerstag der vom Abg. Fleischer( 3.) gemachte Vorschlag eine besondere Abgabe vom geretteten oder gewachsenen Vermögen Weise beachtet zu werden, daß fie weiter Staatsgelder zur Durchüber die Aufwertung der Reichsanleihen in einem vom Reichs- und eventuell von den Erbschaften für Aufwertungszwecke erhoben führung diefer finn- und ausfichieloien Anklagen verpulvert. finanzminifterium geformten Gefeßentwurf vor. Der Vor- werden. Sollte nicht das Preußische Justiz ministerium schlag läuft im mesentlichen darauf hinaus, daß das Reich die Bom Abg. Dernburg( D.) wurde weiter vorgeschlagen, von endlich soweit auf diese Dinge aufmerksam geworden sein, daß es hälfte der noch umlaufenden Anleiheftüde einziehen, die den bei der Herstellung von Hartgeld zu erwartenden Münzgewin- feine Staatsanwälte anweist, Schluß mit diesem Unfug zu machen? Hälfte mit 0,5 Proz. verzinsen und die Mittel hierfür durch Vernen die Hälfte für Aufwertungszwecke abzuzweigen. fauf der eingezogenen Stücke zu dem erwarteten erhöhten Kurs Der Ausschuß tom nicht zur Formulierung von Vorschlägen. Als übereinstimmende Meinung wurde beschaffen soll. nur festgestellt, daß die Spefulation von jeder Art Aufwertung der Anleihen aus. geschlossen bleiben soll. Es soll versucht werden, in gutacht lichen Leitfäßen, deren Abfassung noch einige Schwierigkeiten machen wird. dem Bollausschuß die Meinung des Unterausschusses zur Kenntnis zu bringen. Zunächst wird aber in der Freitagsizung erst noch die Frage der Rückwirkung und der Gleichbehandlung der Spartaffeneinlagen zu diskutieren fein. Ein Antrag Dernburgs schlägt vor, die Aufwertung auf den 1. Januar 1923 zurückzudatieren. Dem Vorsching wurde eine erneute Aussprache gewidmet, in der sämtliche Redner darin übereinstimmten, daß man es mit einer regelrechten Münchhauseniade zu tun habe, ohne daß es dem Reiche gelingen werde, sich am eigenen Zopfe aus dem Gumpf zu ziehen. Schonend drückte sich Ministerialdirektor v. Brandt Dom Finanzministerium dahin aus, daß der Antrag mit einer gefunden Finanzpolitit nicht vereinbar und seine durchführbarkeit höchst zweifelhaft sei. In dem gleichen Sinne sprachen sich die Abgeordneten Dr. Dernburg( D.), Emminger( B. B.) und Dr. Hergt( Dnat.) aus Der letztere bezweifelte sehr nachdrücklich die technische Durchführbarkeit des Antrags, der darauf hinauslaufe, die Zinsen alter Anleihen mit neuen Anleihen zu decken und das Reich in neue Schulden zu stürzen. Bom Abg. Hergt( Dnat.) wurde der Vorschlag vertreten, den vom Reichsfinanzminister in Aussicht gestellten Sozialfonds nur zum Ausgleich besonderer Härten und Notfälle zu verwenden und aus den Ersparnissen zu speisen, die nach Wiederaufnahme des Zinsendienstes der Selbstzeichner bei der Kleinrentnerfürsorge zu erzielen feien, daneben einen besonderen Fonds zur Er. füllung der Zinsansprüche der Selbstzeichner von Kriegsanleihe zu schaffen, dem der vom Reichsfinanzminister angebotene Ertrag der Obligationensteuer von 40 Millionen, weiter der Ertrag einer von den Gemeinden, soweit sie mit entwerteten Anleihen werbende Betriebe geschaffen oder ausgebaut haben, zu tragenden Aufwertungssteuer ferner der Reinertrag der Deutschen Werte zufließen soll. Hergt erklärte sich bereit, die Neuregelung der Aufwertungsfrage, falls fie befriedigend aus falle, verfassungsrechtlich zu veronkern, um damit einer späteren falle, verfassungsrechtlich zu veronfern, um damit einer späteren neuen Erörterung vorzubeugen. Der b und Die Verireter des Reichsfinanzministeriums und des PreuBischen Ministeriums des Innern erhoben gegen die vorgeschlagene Gemeindeaufwertungssteuer die stärksten Bedenken. preußische Bertreter trat der Auffaffung entgegen, als ob werbende Anlagen der Gemeinden mit privaten Gewerbebetrieben über einen Ramm zu fcheren feien und machte geltend, daß die Wirtschaft durch Steuerleistungen das wieder ersetzen müsse, was aus den Erträgen der Gemeindebetriebe dem Reich zugeführt werde. Die Besteuerung der Gemeindebetriebe vertrage sich auch nicht mit dem immer lauter werdenden Verlangen nach Herabsetzung der Tarife der Straßenbahnen, Gaswerfe Elektrizitätswerfe usw. Abg. Reil ( Soz.) lehnte den Antrag Fleischer gleichfalls a wünschte im Intereffe einer ruhigen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Entwicklung eine Neuregelung des ganzen Aufwertungsproblems, die bauernden Bestand hate. Aber immer noch feien die Mittel nicht gefunden, die zur Erfüllung der Hoffnungen der Gläubiger und Sparer erforderlich seien. Auch mit den vom Abg. Hergt vorgeschlagenen Quellen sei nicht weit zu fommen, obgleich diese Vorschläge schon zur Kürzung der Ein nahmen des Reichs und der Gemeinden und damit zur Anspannung der Steuern führen. Es gehe nicht an, die Gemeinden, bie leihen in fommunalen Betrieben inveftiert haben, dafür gleich dreimal in Anspruch zu nehmen: 1. in der Form der Aufwertung der Gemeindeanleihen, 2. in Form von Zuschüssen für die Aufwertung der Sparfaffeneilagen 3. in Form einer dem Reich zufließenden Aufwertungssteuer. Gine ergiebigere Quelle wäre eine Reichssteuer auf den von der Hypothefenlast be= freiten landwirtschaftlichen Grundbesiz. Wenn die Industrie eine Obligationensteuer, der städtische Grundbesitz eine Hauszinssteuer trage, so sei es nur recht und billig, auch vom länd yt ist es nun wirklich so undenkbar, daß man eines Tages auch die " Desastres" zum Zirkusspektakel macht? Soll es doch Leute geben, deren Bedarf an Derartigem, trotz der hinter uns liegenden Jahre noch nicht gebedt ist! M. A. Bei den Grönlandestimos. Der dänische Polarforscher Peter Freuchen, der fürzlich von der Expedition unter Führung von Knud Rasmussen zum Studium der Estimostämme auf den Inseln des nordamerikanischen Bolargebietes nach Kopenhagen zurückgekehrt ist, erstattete jetzt über seine Beobachtungen einen interessanten Bericht. Danach sind die Estimos Grönlands in jeder Beziehung den nordamerikanischen Stämmen überlegen. Die Stämme von Baffinsland zeigten fich durchaus gefällig und benahmen sich sehr ehrenhaft, hieiten fich fern von der Lüge und vom Diebstahl, aber sie hatten einen blutdürftigen Charafter. Wenn du meinen Bruder tötest, werde ich deinen töten", ist das unverbrüchliche Moralgesetz dieses Bolkes, und es herrscht bei ihnen die Vendetta, die aber nicht sich gegen den mendet, der getötet hat, sondern gegen seinen Bruder. Diese Estimnos haben auch einen feltsamen Aberglauben; sie nehmen an, daß der Mensch sich aus drei Teilen zusammensetze: Körper, Seele und Namen", und daß der Name eines Menschen unsterblich sei, daß er nach seinem Tode aus dem Körper herausgehe und eine andere Seele fuche, um ewig weiter zu leben. Freuchen glaubt, daß die Eingeborenen dieser Inseln von reinerem Estimoursprung find als die Bewohner Grönlands. Alle fönnen eine Hieroglyphenschrift schrei ben, indem sie eine Sprache von 32 Silben benußen, von denen jede ein besonderes Schriftzeichen hat. Freuchens besondere Aufgabe bei der Expedition waren die topographischen Aufnahmen der Inselwelt zwischen Grönland und Amerika und die Sammlung ihrer Fauna und Flora. Er hat wichtige Ergebnisse erzielen können. 3m Breslauer Stadttheater fand am Donnerstag die deutsche Uraufführung des Balletts Schlagobers" Don Richard Strauß statt. Strauß, der sein Wert selbst dirigierte, wurde mit großem Applaus empfangen. Für die deutsche Bühne ist das Werk Don Mar Semmler( Berlin) eingerichtet, der auch die Berliner Inszenierung und choreographische Einstudierung besorgt. Das Werk hatte großen Erfolg. Strauß wurde am Schluß der Borstellung an zehn bis zwölfmal hervorgerufen. Farbige Kinematographie. Im Reichsministerium des Innern wurde in Gegenwart des Reichspräsidenten die Erfindung des Berliner Ingenieurs Dr. Thomalla hielt einen erläuternden Bortrag. Ludwig or it auf dem Gebiet der farbigen Stinematographie vorgeführt. Auf der Oktober- Ausstellung des Sturm find Gemälde und architektonische Entwürfe der Konstruktivisten Beri und Ludwig hilberieimer sowie expressionistische Glasbilder und Aquorelle von Nell Walden ausgestellt. Des Kabinett neuer Gemälde, Lügowftr. 87, eröffnet am 12. Oftober eine Rollettivausstellung des verstorbenen Berliner Malers Waldemar Rösler. Die Ausstellung ist wochentags bon 10-1 unb 3-7 Uhr zu besichtigen. Eine neue Venus gefunden. Wie die römischen Blätter melden, hat man soeben in den Thermen von Septis in Tripolis eine Benusstatue gefunden, die von außergewöhnlicher Schönheit ist. Die Figur, die aus weißem Marmor verfertigt ist, ist tadellos erhalten. Sie stellt einen neuen Benustyp dar, zeigt jedoch eine gewisse Verwandtschaft mit ihrer Schwester von Florenz und der von Melos. Ein teurer Staatsanwalt. Und seine überflüssige Berufung. Aeltestenrat des Reichstags. Der Aeltestenrat des Reichstags wird, wie wir aus dem Reichstagsbureau erfahren. am nächsten Montag nachmittag zusammentreten, um über den Tag und die Tagesordnung der nächsten Reichstagsfizung Beschluß zu fassen. Frontbannskandal auch in Magdeburg: nationalen" reijen on. Magdeburg, 9. Oftober.( TU.) Die Pressestelle des Poli. zeipräsidiums teilt heute mit; Unter dem Verdacht der Geheimbündelei nach§ 7 3iffer 4 des Republitschuhgefehes find fol gende Personen vorläufig festgenommen worden: Stadtverordneter Dr. Greiner, Gewerbeauffichter Neubauer, Oberingenieur und Vor einigen Tagen berichteten wir über einen Strafprozeß, Bernhard Reiter. Heme, Redakteur musweiler Schriftsteller den die Staatsanwaltichaft gegen jezige Angehörige des Reichslungen noch nicht abgeschlossen sind, können im Augenblid weitere Mit Rücksicht darauf, daß die Ermittbanners Schwarz- Rot- Gold" in Gaffen bei Guben angestrengt mitteilungen nicht gemacht werden. hatte mit der merkwürdigen Behauptung, daß die Angeklagten im Die Verhafteten gehören Dltober 1923 eine verfaffungsfeindliche Geheimorganisation, eine proletarische Hundertschaft, gegründet hätten. Die Verhandlung endete, wie au erwarten war, mit völligem Freispruch der Angeklagten und einer Riefenblamage der Staatsanwaltschaft. Diese scheint aber an diefer einen Niederlage noch nicht genug zu haben, denn, wie uns berichtet wird, hat sie gegen das freisprechende Urteil Berufung eingelegt, so daß die ganze Angelegenheit noch einmal in zweiter Instanz verhandelt wird. Dieses Gebahren der Staatsanwaltschaft ist um so erstaunlicher, als auch ganz analoge Fälle in Magdeburg, Wittenberge u'w. mit der Ein geflagten Reichsbannerleute geendet haben. In allen Fällen handelte ftellung des Verfahrens bzw. der Freisprechung der an Magdeburg, 9. Oktober.( Eca.) Die hiesige Kriminalpolizei hat " einen„ Geheimbund" mit dem Namen„ Germanenorden" aufgedeckt. In einem Lokal tagte eine Anzahl vorwiegend national gefinnter Männer als Verein, der ols Vereinigte Deutsche Kulturen" bezeichnet wurde. Berschiedene Leute erstatteten der Polizei Anzeige gegen fie. Diese faßte fünf Bersonen überraschend und beschlagnahmte wichtiges Beweismaterial. Was der Orden bezweckt, ist noch nicht völlig aufgeklärt, da sein Hauptfit in Berlin ist. Er soll zeitweise über stattliche Summen verfügt und Heute soll seine Kaffe leer fein. den Hitler- Prozeß in der Hauptsache finanziert haben. Boruch habo-! Ludendorff bei ,, die Jidden in Paulen". aller Juden aus Deutschland oder doch ein besonderes Fremdenrecht" für sie! Dieser General hat auf die gebrochenen Versprechen des 3aren hingewiesen. Er steht heute mit dem 3aren auf einer Linie! Der grauße Generol" Ludendorff- Lindström hat die Gewogenheit gehabt, feierlich bestreiten zu lassen, daß er bei dem Oberrabbiner Rachmones" in Warschau am 1. April 1917 zu Gast gewesen sei und dort toscher gespeist habe. Der Gedente an diese Möglichkeit erscheint dem Oberantisemiten so furchtbar, daß er dagegen Himmel und Hölle in Bewegung feht. Sogar das Deutsche Tageblatt", in dem Bulle seine Berleumdungen beweislos abzuladen pflegt- fiehe Severing- Rowno Prozeß, muß eine zornbebende Epistel gegen die" Boruch habo"-Geschichte loslassen. Aber der preußische General, dem die Erleuchtung" immer noch nicht gekommen ist, wird sich erinnern, daß in eine jüdisch rituelle Küche eristierte, die auch für die notleidende jüdische Zivilbevölkerung tochte. Diese Rüche führte man erschrecke nicht! den Warum die Erregung? Ist die Erinnerung daran, daß Namen Ludendorff Küche! Bei ihrer Einweihung der grauße General" einmal fehr judenfreundlich war, hielt ein richtiger preußischer General im Auftrage wirklich so fürchterlich? Sst sie auch nur unwahrscheinlich? Hat Ludendorffs eine Rede, in der die höchsten und nicht General Lindström- Ludendorff im Herbst 1914 bie bedauernden(!) Sympathien" des Ludendorff für das rühmt gewordene Proflamation an die Juden in jüdische Volt ausgedrückt wurde. Bolen verbreiten laffen? Wir bruden fie als ein gefchichtliches Dokument hier wieder einmal ab, trotzdem sie in schönstem Jiddisch" geschrieben ist: ber Zu die Fidden in Paulen. Die heldische Armees vun die grauße mitteleiropäische Regie. rungen Deitschland un Esterreich- Ungarn, feinen arein in Baulen. Der mechtiger Marsch vun unsern Armees hat gezwungen die despotische russische Regierung zu antlaufen. Unsere Fohnen brengen eich Recht un Freiheit: gleiche Bürgerrechte, Freiheit vorn Glauben, Freiheit zu arbeiten ungesterf in alle Zweigen vun efonomischen um fulturellen Leben in eier Geift! Joch! Bu lang hot ihr sich geplogt unter dem eisernen mostovitischen Wi Freind fummen mir zu eich, die barbarische fremde Regie rung is aus! Die gleiche Recht vor Jiden soll weren gebaut auf fefte Fundamenten. Loßt eich nischt, wie a Bach mol friler, obnarren durch chanufedige Bersprechungen! Zu hot nifcht auch in 1905 der 3ar gesogt die gleiche Recht von Jidden, un zu hot er nischt darauf gegeben den hechster Manifest? Wie hot man eich abgezohlt dem dosigen Chaum, was man hat auf sich genummen vor der ganzen Welt? Gedenkt das Araustreiben, wos man treibt togteglich die jiddische Massen vun seiere eingesessene Metaumaus! Gedenkt Kischinew, Homel, Bialystok, Siedleg und viel hun derter andere blutige Pogromes! Gedenkt dem Beilis- Prozeß um die Arbeit vun die barbarische Regierung zu verbreiten dem schrecklichen Ligen von Blutgeruch bei die Jidden! Es bleibt schon dabei, daß der Verlierer des Weltkrieges einmal eine besondere Vorliebe für die Ostjuden hatte. Und wenn ihn der Oberrabbiner von Warschau wirklich eingeladen hätte, warum sollte der Mann, der„ wi Freind zu eich" fam, nicht auch einmal fich foscher satt essen? Einen Kohlrübenwinter hatte er ja nicht fennengelernt, da konnte ihm eine gute Mahlzeit in gelehrter Umgebung doch feinen förperlichen Schaden bringen?! In einem besonders lesenswerten Buche Hawdoloh und Zapfenstreich"( Jüdischer Verlag, Berlin) schildert G. Gronemann die jubenfreundliche Tätigkeit Ludendorffs im Osten. Wir entnehmen S. thm folgende bemerkenswerte Stellen: In Grodno bestand die Grußpflicht der Landeseinwohner gegenüber den Offizieren, und da war es vorgekommen, daß ein Beumant einmal auf der Straße mit seiner Reitpeiffche einem deutschen Großfaufmann den Hut vom Kopfe geschlagen hatte. Trotzdem der Offizier, als der Irrtum herausfam, fich sehr höflich entschuldigte er hatte jene Bewegung beim Anblick eines nicht grüßenden Zivilisten eben rein gewohnheitsmäßig gemacht schlug der Kaufman Lärm. Darauf erschien dann jene Berordnung, daß fünftighin jeder fremde Zivilist fich durch die( Rote- Kreuz-) Binde fenntlich zu machen hatte, um meitern bedauerlichen Berwechslungen vorzubeugen. Die Einführung der Grußpflicht wie die Berhängung vieler anderer Maßnahmen hing eben ganz von dem Ermessen der Kreisgewaltigen ab, und es wäre ein Unrecht, die Oberste Heeresleitung für alle die drafonischen Anordnungen untergeordneter Stellen verantwortlich zu machen. Ich entsinne mich eines Falles, in dem der inzwischen verstorbene Generalmajor F. einen alten Juden fest. nehmen ließ, der ihn von der anderen Straßenseite aus nicht gegrüßt hatte. Der Mann wurde fofort freigelaffen, als fichy na ch etma vierzehntägiger Untersuchungshaft heraus. ftellte, daß er nahezu blind war. Damals hat Erzellenz mehr als energischer Form feine Mißbilligung ausgesprochen Asau hot der Zar gehalten sein monarchisch Wort, wos er hot Ludendorff persönlich durch Telephon dem Herrn Generalmajor in gegeben, elendig in die Klemm! Er ist jetzt wieder in die Klemm! Ot, dos is die Siboh vun feine Versprechungen. Eier heiliger Chauw ist ajeßt, zusammen zu nehmen alle Kreften, mitzuarbeiten bei die Befreiung. Alle Volkskreften: eier junger Daur, eiere Kehillaus, eiere Chewraus mussen sich schtellen wie ein Mann, mitzuhelfen zu die heilige Sach. Mir erwarten, as ihr wet beweisen durch Fatben eier Ber. schtand un eber Uebergegebenheit. Wendet sich mit dem greßten Bitochau( Vertrauen) zu die Kommandanten vun unsere Militär in die Derter, mos einen nohent zu eich. Bahnt dem Weg, zu bezwingen in ganzen dem Gfaune un zu brenAlle Sorten Lieferungen vellen balb un gut bez ohlt. gen dem Nizochaun vun Freiheit un Gerechtigkeit! Die obere Leitung vun die verbindet deitsche un esterreichisch- ungarische Armees. Ein Generol", unter dessen Leitung damals diese Kundgebung an die polnischen Juden verbreitet wurde, der ihnen damals staatsbürgerliche Gleichberechtigung und die Möglichkeit versprach, in allen Berufen Erwerb zu suchen, fuchen, ein folcher Generol ist heute Führer der völkischen Judenfeinde, bezieht seine Kenntnisse aus den Fälscher geschichten, die unter dem Namen der Weisen von 3ion" laufen, und fordert mit seiner Partei die Austreibung Ich muß hier der Wahrheit gemäß feststellen, daß der oben er. wähnte Fall nicht der einzige war, in dem von oben her zum Die fleinliche Schifanierung einzelner Berfonen lag wohl nicht im Schuh mißhandelter Juden eingegriffen worden ist. Sinne der Heeresleitung. Insbesondere hat Ludendorff sich durchaus nicht etwa als Judenfeind gezeigt. Er hat im Gegenteil oft be. miesen, daß er jüdische Hilfe und Mitarbeit zu schähen mußte und fich häufig und gern jüdischer Hilfe bedient. Er hat jüdische Künstler herangezogen, fich mit ihnen stundenlang angeregt unterhalten und sich von ihnen Werke widmen lassen. Er ist auch gegen antisemitische Ausschreitungen mehr als einmal eingeben Eindrud im neutralen Auslande nicht nur, sondern auch von schritten und er hatte damals volles Berständnis dafür, daß durch anderen Gesichtspunkten aus betrachtet, ein antisemitisches lichste schädigen würde. Gebaren das deutsche Interesse auf das empfindIn Kowno mar sogar durch Dr. Rofenac die Ludendorff- Küche eröffnet worden, in der die ganze Oftupationszeit hindurch täglich. viele Hundert Portionen an arme Juden ausgeteilt wurden. Der General hatte das Protektorat bereitwillig übernommen und bei der Eröffnungsfeier war von allen deutschen Rednern befont worden, daß der Name diefer Küche ein Wahrzeichen des dauernden und tiefgehenden Intereffes und Wohlwollens fein solle, das der Proteftor für die jüdische Bevölkerung befäße. Bon hoher Bewunderung jüdischer Art erfüllt und voll Dankbarkeit für das, was die jüdische Kultur der Welt gegeben habe, so etwa ließ sich Exzellenz Ludendorff durch seinen Bertreter vernehmen fei er freudig bewegt, fo daß ein Symbol feiner und des deutschen Volkes dauernder Sympathie für die Juden errichtet worden sei...." Gewerkschaftsbewegung Stillstand der Arbeitslosigkeit. Auf 100 Arbeitsuchende 4% Stellenangebote. Nach der Stichtagzählung der wichtigeren Arbeitsnachweise waren vorhanden: Bericht. Am Schlusse des Berichtstages waren verfügbar ArbeitsOffene Stellen für nachweise männl. weibl. Arb. 14440 20.784 17 308 18 780 Arbeitsuchende männliche weibliche am 16. Septbr. 736 645 392 145 021 " 14. August 732 637 484 561 351 143 501 123 676 " • 9 604 10 666 15. Juli 711 Es zeigt sich also noch eine geringe Zunahme der Ar beitsuchenden, der aber eine erhebliche Zunahme der offenen Stellen gegenübersteht. ziehung. Die Aufgabe, diese Aufklärung und Erziehung zu ver mitteln und zu vertiefen, ist der Gewerkschaftsschule übertragen worden. Wir fordern deshalb alle freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten auf, sich an den Kursen der Gemertschaftsschule zu beteiligen. Unterrichtsverzeichnisse sind bei jeder Ortsverwaltung und im Bureau der Gewerkschaftsschule zu haben. Verbindlicher Schiedsspruch für die Zimmerer. Nach mehr als bier Monaten tarifloser Zeit haben die Vertreter der Zimmerer wieder am 26. September an einer Lohnverhandlung teilgenommen. Die Forderung der Arbeitnehmer betrug 1,10 M. pro Stunde. Da die Arbeitgeber jedes Entgegenkommen ablehnten, wurde darauf das Bezirkslohnamt an gerufen. In der Sigung am 1. Oftober wurde unter dem Vorsiz des Herrn Gewerberats Körner ein Schiedsspruch gefällt, welcher für das Lohnamt Berlin, Potsdam, Großbeeren, Königswusterhausen, Belten und Oranienburg einen Lohn für Facharbeiter von 96 f. pro Stunde für die Zeit vom 1. Oktober 1924 bis 24. februar 1925. festsette. Dieser Schiedsspruch wurde von den Arbeitgeberberbanden abgelehnt, weil die Zeit zu lang und der Lohn zu hoch wäre. Die Zimmerer hatten sich mit gesprochen. Der hierauf von den Arbeiterverbänden angerufene Schlichter erklärte am 9. Oftober nach langer Beratung den Schiedsspruch vom 1. Oktober ab für verbindlich. Zentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend. Auch in diesem Monat war nur für landwirtschaftliche Arbeiterinnen das Stellenangebot( 6614) größer als die Zahl der Arbeitsuchenden( 2183). Sonjt ist überall noch eine, zumeist gewaltige Ueberzahl der Arbeitsuchenden. So gab es bei Bergbau und Hüttenwesen noch 29 285 Arbeitsgesuche auf 452 offene Stellen, bei Metallverarbeitung und Manapper Mehrheit für Annahme des Schiedsspruches aus schinenindustrie 152.207 gesuchte und nur 1321 angebotene Stellen, im Baugewerbe 20 279 gesuchte auf 1739 offene Stellen( im September!), bei Lohnarbeit wechselnder Art gar 222 570 Arbeitsuchende und nur 2692 Angebote, für faufmännische, Bureauangestellte und Technifer 102 000 gesuchte auf 3850 angebotene Stellen. Selbst an häuslichen Dienststellen, auf die weibliche Erwerbslose so oft verwiesen werden, mar das Angebot von Stellen nur 7962 auf 24 808 Arbeitsgesuche. Nach Gebieten zählte man in Berlir. Brandenburg Rheinproving Bayern Freistaat Sachsen Arbeitsuchende Offene Stellent männl. weibl. 401 426 920 männl. 71 348 10 123 weibl. 31 435 2 305 1 143 144 248 82 251 71 845 2065 2095 2012 Nur die Grenzmark, die aber der Zahl nach bedeutungslos ist, zeigte mehr( 264) offene Stellen als( 230) Arbeitsuchende. Im ganzen meldeten sich im August auf 100 offene Stellen 435 Männer( im Juli 425) und 220( 207) Frauen. Von 100 Arbeits gesuchen wurden 23( 23) vermittelt, von 100 offenen Stellen 82( 81) besetzt. In den Arbeiterfachverbänden waren bei 3 380 000 ( im Juli 3 417 000) erfaßten Mitgliedern August Juli . • • arbeitslos " " 1 Kurzarbeiter " " männlich weiblich männlich weiblich 12,7 Proz. 11,5 Proz. 26,0 Proz. 31,8 Proz. 12,9 11,3 25,7 35,2 Also faum veränderte, aber noch immer erschreckend hohe Zahlen. Wieder am günstigsten standen das Vervielfältigungsgewerbe mit 4,8 Proz. Arbeitslosen und 3 Proz. Kurzarbeitern, Gärtnerei( 10,1 bzw. 0,1) und Verkehrsgewerbe( 8,8 bzw. 2,7), am ungünstigsten wieder Maschinenbauer und Metallverarbei tung mit 19,1 Proz. Arbeitsiofen und 51,7 Proz. Kurz-, also nur 29,2 Proz. Bollarbeitern, Holz- und Schnißstoffgewerbe ( 15,1 bzw. 19,5), Lederindustrie( 11,6 bzw. 35,8 Proz.) und das Spinnstoffgewerbe mit 7 Broz. Arbeitslosen und 43,4 Proz. Kurzarbeitern. Man kann mithin von einem fortdauernden, aber nicht mehr verschlechterten Tiefstand des Arbeitsmartts sprechen. Die Rauftraft der Mart war im Bergleich mit der Borfriegszeit im August 86 Pfennig gegen 85 im Juli. Inzwischen hat sie sich auf 83 Pfennig( Ende September) verschlechtert. Freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Angestellte! Mit vieler Mühe und unter großen Opfern ist es den Berliner Gewerkschaften gelungen, ihre Gewerkschaftsschule über die Zeit der Inflation und der wirtschaftlichen Not hinwegzubringen. Biele Ginrichtungen der gewerkschaftlichen Organisationen haben in den letzten Jahren schwer gelitten. Die jetzt beginnende leichte wirt. schaftliche Entspannung muß unter allen Umständen ausgenügt werden, um alle Zweige des gewerkschaftlichen Lebens wieder zur vollen Blüte zu bringen. Notwendig ist in erster Linie dazu, daß alle Gewertschaftsfollegen, Vertrauensleute, sonstige Funktionöre, vor allem die Betriebsräte, fich auf den Rückhalt, den ihnen die Gewerkschaften gewähren, befinnen und daß sie in ihren Betrieben gegenüber ihren unorgen fierten Kollegen und gegenüber den Unternehmern als vorbildliche Gewerkschafter auftreten fönnen. Oeffentlicher Appell der Bergarbeiter. ... Die vier Bergerbeiterverbände, die an den Tarifverträgen im Bergbau beteiligt find, richten an die Deffentlichkeit einen Appell, bem mir entnehmen: " Not und Elend laften über der Bergarbeiterbevölkerung. Die Lebenshaltung der Bergarbeiterfamilien wird durch die sprunghafte Preisentwicklung auf dem Lebensmittelmarkt, durch die Berteuerung von Brot, Fleisch, Kartoffeln, Schmalz usw. immer fiefer, gedrückt. Die Reichsregierung hat bereits vor einigen Wochen eine Berbilligungsaffion eingeleitet. Welche Wirkung hat sie gehabt? Statt einer Preisjentung trat eine weitere Berteuerung der worden. Die Zollschranken bzw. Zollabgaben find fortgefallen. Lebenshaltungskosten ein. Dabei sind die Güterfrachten ermäkigt Auch die Umsatzsteuer wurde gesenkt. Mehrere Male wurden die Kohlenpreise herabgesetzt und noch immer nicht macht sich eine Wirkung all diefer Maßnahmen auf dem Lebensmittelmarkt bemeribar. Die Lohnverhältnisse der Bergarbeiter müssen unter diesen Umständen als völlig ungenügend betrachtet werden. Infolge der immer schwieriger werdenden sozialen Lage tamen die Vorstände der an den Tarifverträgen beteiligten Arbeitnehmerverbände zu dem Entschluß, vorbereitende Maßnahmen zu treffen, um ein noch weiteres Abwärtsgleiten des bisher schon zu geringen Reallohnes der Bergarbeiter gegenüber den Lebenshaltungskosten zu verhindern." abwartende Haltung nicht aufgegeben, erklären jedoch: Mit Rücksicht auf den Wirtschaftsmarkt haben die Borstände ihre abwartende baltung nicht aufgegeben, erklären jedoch: Sollten sich aber im Laufe des Monats Oktober feine wesentlichen Breissenkungen bemerkbar machen, so werden die Arbeitnehmerverbände eine entsprechende Erhöhung der Löhne für die Bragarbeiter fordern. Zum Schlusse werden die Bergarbeiter ermahnt, die volle Kampftraft ihrer Organisationen herzustellen. Schiedsspruch für die oftoberschlesische Schwerindustrie. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses, vor dem die Regelung der Löhne in der oftoberschlesischen Schwerindustrie vers handelt wurde, hat, wie der Ost- Expreß meldet, einen Schiedsspruch gefällt. Bei den Kohlengruben wird eine 2ohnerhöhung von 5 Proz. für die Arbeit unter Tage und eine von 3 Proz. für die über Tage vorgesehen. Für die Eisen- und Binthütten werden feine Aenderungen in der gegenwärtigen Lohngestaltung in Aussicht genommen. Sowohl die Arbeitgeber wie die Arbeitnehmervertreter haben in bezug auf die Annahme des Schiedsspruchs gewisse Borbehalte gemacht. Beendigung des Danziger Streiks. zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Vereinbarung zuDanzig, 9. Dftober.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem gestern ftande gekommen ist, haben heute die afenarbeiter die Arbeit wieder aufgenommen. Auch die Holzarbeiter haben sich durch Stimmenmehrheit mit einer zweiprozentigen Lohnherabfegung einverstanden erklärt und heute wieder zu arbeiten begonnen. Der Verzweiflungskampf der belgischen Bergarbeiter. Paris, 9. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In dem belgischen Kohlenbecken von Mons, wo sich die Bergarbeiter seit zwei Monaten im Streit befinden und alle Vermittlungsversuche an der Weigerung Der Unternehmer, mit der Arbeiterschaft zu verhandeln, gescheitert sind, ist es am Mittwoch aus Anlaß des Mißerfolges eines neuen Einigungsversuchs zu Zwischenfällen gekommen. Die streifenden Bergleüte sollen nach einer Meldung des Intransigeant" in den Straßan Barrikaden errichtet haben, und es soll am Mittwoch abend zu wiederholten Schießereien zwischen den Aufständischen und der Polizei gekommen sein. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt bisher nicht vor. Angesichts der begreiflichen Erregung der Arbeiterschaft sieht man der weiteren Entwicklung in den Streifgevicien nicht ohne Besorgnis entgegen. Die Bergarbeiter der belgischen Rohlengruben des Borinage im Hennegau stehen in der achten Woche im Streit, um eine Lohnkürzung von 5 bis 10 Broz. abzuwehren. Es wurde ver= Fisher zu eirer Regelung gekommen wäre, die für die Bergarbeiter handelt und verhandelt, die Regierung hat vermittelt, ohne daß es erträglich ist. Das Unternehmertum will die Bergleute offenbar durch Hunger mürbe werden lassen, um die Lohnkürzung durchzufezen. Während bisher, von friedlichen Demonstrationen der Streifenden abgesehen, der Kampf in aller Ruhe verlief, scheint man die Streifenden endlich zur Verzweiflung getrieben zu haben. Und nun fommt die Gendarmerie, um die fnurrenden Magers auf ihre Weise zu beruhigen. Revolutionäre Umtriebe im Borinage" überschreibt die TU. ihre folgende Meldung aus Brüssel: Die Streiflage im Borinage nimmt einen revolutionären Zustand an. Berittene Gendarme haben gestern gegen die Streifenden blant gezogen und auch Schreckschüsse abgegeben. In Quaregnon haben die Streifenden das Pflaster aufgerissen, die Laternen ausgelöscht, Barrikaden und Stacheldrahtverhaus errichtet und die Straßen mit Flaschenscherben beftreut. Die Straßenbahnen wurden angehalten und die Insassen genötigt, ihren Weg zu Fuß fortzusehen. An verschiedenen Orten wurden die Kinovorstellungen auf Verlangen der Streifenden unterbrochen." Wenn die Unternehmer nichts weiter von„ revolutionären Umtrieben" zu berichten wissen als die angeführten Tatsachen, wenn die Berzweiflung einer acht Bochen lang vom Hunger gepeinigten und von Verhandlungen immer wieder genarrten Arbeiterschaft teine schlimmeren Formen annimmt, dann ist die Disziplin der belgischen Bergleute nicht schlecht. Aber diese Tatsachen genügen zur Heran ziehung berittener Gendarmen, zur Konstruierung von Landfriedensbruch und zur gewaltsamen Niederzwingung der Streifenden. Die Mathildenhütte in Hannover hat etwa 700 Arbeiter ausgesperrt. Ferner bat die Wertleitung der Jutespinnerei A. G. in Hersfeld die gesamte Belegschaft, rund 450 Mann, ausgesperrt. tom Hände weg von China!" Losomsti, Generalsekretär der Roten Gewerkschaftsinternotionale", erläßt an seinte Anhänger in England, den Bereinigten Staaten, Deutschland und Italien einen Aufruf, in dem aufgefordert wird, unter der Parole:" Hände weg von China!", einen Massenprotest gegen die Einmischung der Kapitalisten in die inneren Angelegenheiten Chinas zu veranstalten. Damit nicht genug: Ihr sollt diese Protesttampagne in eine umfassende revolutionäre Bewegung verwandeln, die gegen die imperialistische Regierung eures Landes gerichtet ist." Es sollen weiter Gesellschaften unter der Das Gewerkschafts- Archiv bringt in feiner Oktoberausgabe Bezeichnung: Hände weg von China!" gegründet werden. Es wird ( Band 1, Heit 6) folgende Auffäße: Reorganisation der Gewerkdann in Aussicht gestellt, daß demnächst ein periodisches Informa- fchaften von M. Stürz, Leipzig; Probleme der österreichischen Ge tionsbulletin über die Lage in China und die Tätigkeit dieser Gesell- werkschaftsbewegung von B. Stein, Wien; Die Betriebsvereinbarung von Clemens Nörpel; Kautsky über Partei und Gewerkschaften von schaften erscheinen werde. D. Jenssen; Internationale Abeiterbildungstonferenz von Fr. Fride; sowie die Fortsetzung der Abhandlung von A. Kranold: Die Proschiedenen Uebersichten und eine Bücherschau. Bestellungen nehmen blematik des Achtstundentages. Außerdem enthält das Heft die verwerkschafts- Archiv", Jena, Camsdorfstr. 10. alle Buchhandlungen, Postanstalten entgegen, auch der Berlag ,, GeTransportarbeiter und-arbeiterinnen der BBM3.- Betriebe. Dazu ist folgendes zu bemerken: Auch wir sind selbstverständlich anderen Landes. Wenn aber jemand nicht berechtigt ist, zum gegen jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Proteft gegen die Intervention in China aufzurufen, so sind es die Russen. Sie unterstützen offen die Regierung von Sunyatsen und haben sich dafür die ost chinesische Bahn geben lassen. Es gibt faum einen tieferen Eingriff in das Innenleben eines Landes, als die Besizergreifung seiner Berkehrslinien. Das haben wir in Deutschland ganz besonders während des Ruhrkrieges zu fühlen bekommen. Wenn nun die sogenannte Rote Gewerkschaftsinternationale", die in Wirklichkeit nur eine Nebenstelle der russischen Regierung ist, die Arbeiterschaft auffordert, eine revolutionäre Bewegung gegen die Regierungen unter der Parole: haben pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Die Anwesenheit der " Hände weg von China!" zu entfachen, so mutet das einesteils an wie jener alte Gaunertrid, haltet den Dieb" zu schreien, um von Metallindustrie. Sonntag, 12. Dktober, vormittags 9% Uhr, in den Germaniasälen( großer Saal), Chauffeefte. 110, allgemeine Boilversammlung, die zu den Lohnfragen Stellung zu nehmen hat. Einladungszettel sind allen Betriebsratsvorsitzenden und Funktionären zugestellt worden, die von dort in Empfang zu nehmen find. Alle Transportarbeitergruppen der Metallindustric Betriebe wird durch Aufruf festgestellt werden. In der Zeit des Rückganges haben sich auch eine Reihe von rechtlichen und sozialen Grundlagen des Betriebs lebens und der Arbeitsbedingungen wesentlich geändert. Wenn unsere Kollegen als Gewerkschafter in den Betrieben ihre Pflicht erfüllen, wenn sie ihre Funktionen als Betriebsräte richtig und fach- sich die Aufmerksamkeit abzulenken, anderenteils wird demit offen Gewerkschaftsbewegung: Kr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schiłowski; Lokales der Versuch gemacht, die Arbeiterschaft Deutschlands, Englands, gemäß wahrnehmen wollen, so bedürfen sie unbedingt eines hohen Italiens und Amerikas zu Vorspanndiensten für die imMaßes gewertschaftlicher Aufklärung und Erperialistische Politik Rußlands zu mißbrauchen. Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; und Sonstiges: Willy Möbus; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. Besonders billige Angebote! Herren- Uebergangs- Ulster Herren- Winter- Ulster mit Rückengurt und Falte, grau gemust. Stoffe moderne Form., grau, mit angewebter Ab seite Herren- Winter- Ulster in guten FlauschHerren- Winter- Ulster Ausführung 77.- 55. 14.50 1250 750 8.75 850 verschluß mit Knopf- 9.20.Damen- Uebergangs- Mäntel Damen- Winter- Mäntel molliger FlauschDamen- Winter- Mäntel stoff schw. Cheviot 25.Damen- Winter- Mäntel gute Flauschstoffe, 33.flotte Verarb. 39.45.20.Damen- Halbschuhe Roß- Chevreau Damen- Stiefel Chevreau ..8.50 540 1050 24.36." elegante Muster und 45.Damen- Stiefel Rindbox. Herren- Stiefel Spaltleder. Herren- Stiefel Rindbox Burschen- Stiefe! Spaltleder. 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Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion bekämpfte die Gasmesser- miete, die setzt wieder eingeführt worden ist. Unsere Genossen Großmann und Dr Wey! wiesen noch, daß für die Kleinver- braucher durch diese Gebühr die bewilligte Gaspreis- ermäßigung zunichte gemacht wird und oft sogar noch «ine Verteuerung herauskommt. Es ist zu hoffen, daß der Protest, dem sich die Mehrheit der Versammlung anschloß, nicht ohne Wir- kung bleiben wird. Zusammen mit diesem sozialdemokratischen An- trag wurde ein Antrag der demokratischen Fraktion besprochen, der die Unzulänglichkeit der Straßenbeleuchtung rügte. Er fand einstimmige Annahme, aber der Magistrat ist ihm durch inzwischen gefaßte Beschlüsse schon zuvorgekommen. Danach begann die große Debatte über die Straßenbahnunsäll«, deren auf- fällige Häufung die Bevölkerung immer stärker be- ii n r u h i g t. Den Rednern der Deutschen Volkspartei, der Deutsch- nationalen und der Kommunisten antwortete Oberbürgermeister D ö ß mit einer eingehenden Erörterung der Aufgabe, die Berliner Verkehrsmittel den wachsenden Bedürfnissen anzupassen. Wegen vorgerückter Zeit mußte die weiter« Besprechung vertagt werden. Der sozialdemokratische Redner wird in der nächsten Sitzung zum Wort kommen. Die gestrige Sitzung eröffnete der Vorsteher Gen. Haß um S.lS Uhr. Für den ausgeschiedenen Stadtv. Schwenck(Komm.) ist der früher« Stadtrat Stolt in die Versammlung eingetreten. Stadtschulrot Paulsen hat gegen seine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand Einspruch erhoben. Gen. Haß referierte sodann über den Vertrag, der zwischen dem Reichsosrband der Automobilindvstrie und der Gemeinnützigen Berliner Messe-Aufbau-Gesellschaft abgeschlossen werden soll, und über die Gewährung von 1 Million Goldmark Darlehn an den Reichsverbond, welches zur Fertigstellung der zweiten Radio-halle Verwendung finden soll. Der Ausschuß empfahl die Bewilligung von 2,1 Millionen Mark, da die Vollendung der Rundfunkhalle ein- stimmig als notwendig erkannt wurde. Stolt(Komm.) erklärte sich gegen den Vertrag. Fabian (Dnat.) bemängelte, daß bei Gründung der Messe-Gesellschaft die Verfannnlung nicht befrag! worden ist. Es fehle an jeder Sicher- stellung der städtischen Geidsr. Redner beantragt Zurückverweisung an den Ausschuß. Oberbürgermeister B ö ß: Die Voraussetzungen des Vorredners find irrtümlich. Erst im Sommer 1923, als die Bersamitilung nicht arbeitsfähig war, gewann der Bau der Zentrale des Rundfunk- wesens Bedeutung, es kam alles darauf an. daß dies« Zentrale ist Berlin errichtet wurde. Da war auch der Moment gekommen, die Satzung der Messe-Aufbau-Gesellschaft so umzugestalten, daß d i e St« dt den maßgebenden Einfluß bekam, und das ist geschehen. Der Magistrat mußt« handeln, und das Ergebnis liegt der Versammlung zur Beschlußfassung vor. D«» Bau jetzt liegen zu lassen, ist unmöglich! er ist von der Stadt mich im Ein- vernehmen mit dem Reiche und der Reichsposwerwaltung betrieben worden. Fabian stellt« fest, daß eine Magistratsoorlage wegen Bewilligung dieser Gelder bis zur Stunde nicht an die Versamm- lung gekommen sei. Der Magistrat tue eben, was er wolle. Der Bau der Anlage sei auf Grund eines Preisausschreibens erfolgt, also sei der Plan längst vor dem letzten Sommer vorhanden ge- wesen. Di« Zurückverweisung wurde in namentlicher Abstim- mung mit 113 gegen 47 Stimmen abgelehnt, ebenso ein An- trag der Deutschnationalen, wonach die Versammlung die Verant- Wartung für die Beteiligung der Stadt an der Messe-Aufbau-Ge- fcllschaft und für die Hergabe der Gelder für die Radiohalle ab- zulehnen erklären soll. Der Ausschußantrag wurde mit dem von Caspari beantragten Zusatz„aus Vorbehaltsmitteln" mit großer Mehrheit angenommen. Vom 30. September dotiert der Antrag unserer Genossen, den Magistrat zu ersuchen, im Aufsichtsrat der Gesellschaften für.die Gas- und Elektrizitätswerke dahin zu wirken, daß die gleichzeitig mit der Herabsetzung des Gas- und Elektrizitätspreiscs beabsichtigte ' Wiedereinführung der Gasmessermiete und Reueinführung einer Elektrizitätszählermiet« unterbleibt, da sie eine u�ibillig« Mehrbelastung besonders der Kleinverbraucher darstellt. Die Mindestmiet« pro Gasmesser und Monat soll 40 Pf. betrogen. Gen. Großmann führte aus, daß für die Kleinverbraucher bei Einführung einer solchen Gosmesjermiete nicht eine Verbilligung des Gaspreises, sondern eine.Verteuerung eintreten würde. Das sei natürlich ein unlialtbarer Zustand! der Magistrat müsse mit größter Beschleunigung eingreifen, um diese Mehr- belaswng rückgängig zu machan. Von den Demokraten ist am 2. Oktober folgender Antrag ein- gebracht worden!„Der Versammlung bedauert, daß trotz des ein- stimmigen Beschlusses vom 18. September d. I. in den meisten Bezirken eine Besserung der skandalösen Straßenbeleuchtung nach nicht eingetreten ist. Sie ersucht den Magistrat, in der nächsten Sitzung über das Veranlaßt« eingehenden Bericht zu erstatten." Prenzel(Dein.) gab die Begründung. Dem Wunsch« unsc- rcr Genossen, auf die Easmessermiete zu verzichten, trat er ent- schieden entgegen. Die Werke müßten innerlich gekräftigt werden, sonst hätte am Schluß gerade der Kleinabnehmer den Nachteil.— Stadtrat Gen. S chl i cht i ng: Di« Gasmesiermiete ist nichts neues, sondern bestand schon vor dem Kriege.(Zurufe: ober sie war billiger!) Wir können nur etappenweise vorgehen. Am Diens- tag werden die maßgebenden Stellen nochmals über die ganze Frage in Beratung treten.— Oberbürgermeister B ö ß: Der Magistrat Hot bereits beschlossen, 2H- Millionen Mark zur Verfügung zu. stelle»! damii bleiben noch 200 000 M. übrig, um über die seinerzeit verlangten zwei Drittel hinaus die Straßenbeleuchiung zu verbessern. In zahlreichen Bezirken sind wir schon jetzt über diese zwei Dreittel hinausgegangen.— Kröpelin t w e i s e z u e n t f« r n e n. In absehbarer Zeit ist es anderer- seit? unmöglich, die Straßenbahn aus dem Innern zu verbannen. aber«ine Periinzerung der die innere Stadt passierenden Linienzahl ist ins Aug« zu fassen und zum Teil schon begonnen. Das Untergrund- bohnfystem wird auszudehnen, der Berkehr auf den vorhandenen Linien zu vervollkommnen sein. Die Projekt« der Hochbahn müssen wieder aufgei ommen werden. Nach dieser Rede vertagt« sich die Versammlung gegen>110 Uhr Wie lange noch...? Auf Straßen und Plätzen Berlins sieht man augenblicklich den krassesten Aberglauben ausgebreitet, könnt« man sagen, und an den Säulen liest man Ankündigungen von allerlei Humbukveranftoltun- gen, daß es ein Skandal ist. Bor ein paar Wochen hat in Berlin der Kongreß der Astrologen geragt, d:r Kongreß jener verstiegenen Phantasten, die aus den Sternen die Schicksale der Maische!! prophezeien und auch sonst melen Unfug treiben. Dieser Kongreß scheint geradezu verheerend gewirkt zu haben. An allen Straßenecken stehen nun die„Sterndeuter" mit Tabellen und Tafeln, losten sich vom Publikum das Datum der Geburt jagen, machen mit geheimnisvoller Miene lange Rechencxempel und prophe- zeien dann die Zukunft. Und die Menschen drängen sich um diese Wahrsager, opfern ihr gutes Geld und erhalten Blödsinn. Der Bcr- nünftige geht an diesen Scharlatanen vorüber und tut das alles mir lächelnder Geste ab. Man darf sich ober nicht über die Gefahr täuschen, die von diesen Pre.pheten ausgeht. Es genügt, daran zu erinnern, wie viel Unheil und Selbstmorde die Kartenlegerinnen auf dem Gewissen haben, und mil Beklemmung fragt man sich, wie lange sich denn das Publiklim diesen groben Unfug gefallen lassen wird. Hand in Hand mit diesen gefährlichen Propheten gehen allerlei Veranstalrungen in Sälen, die ebenfalls auf die Dummheit der Mensch:» und, wie es scheint, mit Erfolg spekulieren. So liest man zum Beispile auf Plakaten an den Säulen dieses:„Diagnosen- stellungsadende für Kranke und nervös Belastele durch die hell fühlende Erkenntnis! Persönlich, aus Schriftproben und auf telepathischem Wag! Heilwege der Wort- und Ton- Wissenschaft!" Es braucht gewiß nicht besonders darauf hin- gewiesen iverdcn, wie besonders gefährlich gerade solch: Beranstal- Die Familie Frank. X Roman von Martin Andersen Rexö. Madam Frank begann, unruhig zu werden. Sie hatte keine Uhr, seit ihr Mann mit der alten silbernen verschwunden war: aber die Zeit mahnte: es war gewiß schon spät, sie dachte an das Mittagessen für Thorvald. Kurz darauf begann draußen der Hütejunge zu jodeln, und die Kühe, die sich rings in den Vertiefungen der Grenzmark und im Erlengebüsch draußen am Moor verstreut hatten, tauchten aus ihrem Ver- steck auf und strebten von allen Seiten der Stadt zu. Also war es halb zwölf, und sie mußte Speck braten und die Milch mit Klößen bis zwölf Uhr fertig haben! Jösses, wie einem die Zeit fortrannte! Und war das Essen nicht rechtzeitig fertig, so redete er darüber. Aber sie blieb schwer im Stuhl sitzen: es lag jetzt etwas fast Unüberwindliches darin, ausstehn und in die Küche gehen zu sollen. Jeden Augenblick beschloh sie, jetzt solle es ernst fein, aber dann glitten die Gedanken ab, und sie sank wieder zurück. Erst als sie Thorvalds bekannte Schritte drüben auf der Straße hörte, nahm sie sich zusammen und lief schnell in die Küche., Thorvald, der in dieser Zeit im Hafen Ziegelsteine aus- laden half, hatte den ganzen Vormittag unten im Schiffsraum gestanden und Ziegelsteine, vier auf einmal, einem anderen auf Deck zugeworfen, der sie auffing und weiter beförderte. Es war harte Arbeit, und er war gehörig abgehetzt, aber unge- heuer mit sich zufrieden. Doch als er hereinkam und sah, daß nichts zu essen auf dem Tisch stand, nahm sein Gesicht einen ärgerlichen Ausdruck an. Madam Frank war gleichfalls ärgerlich. Im Grunde auf sich selbst, weil sie sich nicht beizeiten ans Kochen gemacht hatte: als sie jedoch seine Miene sah und sich dachte, daß er schelten werde, kehrte sich all ihr Aerger gegen ihn. „Du könntest dich doch wohl auch auf einen Holzstuhl setzen, wenn du so dreckig bist," sagte sie scharf. Thorvald stand auf wie ein Mann, der unnützen Zank aus dem Wege gehen will, und setzte sich auf einen Holzstuhl. „Kriegt man bald was zu essen?' fragte er mit anzüglicher Ruhe. Man! Gott steh' einem bei! Der grüne Junge spielte sich vuf den.Versorget heraus bloß weil et jeden Tag mit einer Krone ankam. S i e hatte es in ihren guten Tagen sogar aus auf zwei Kronen täglich gebracht— ohne sich damit zu brüsten. Aber so waren die Mannsleute! Sie stemmte die Hände in die Hüften und lachte ihrem Sohn ins Gesicht. Ihre überlegene Art reizte Thorvald außerordentlich, aber er hatte sich vorgenommen, sich nicht mit der Mutter zu zanken. Lars hatte ihm diesen Nat gegeben, da nack) der Aeußerung seines Vaters alle Weiber so seien. Und darin waren die beiden Jungen einer Meinung, daß Jonas Paulsen die Frauen kenne. Er schwieg daher und begann, seine Finger zu unter- suchen, deren Spitzen ganz dünn geschlissen waren, so daß jede Pore aus einem Blutpünktchen bestand. Vor dem Abend würde das Fleisch blutig sein. Madam Frank hatte sich an fräs Mittagessen gemacht, ließ sich aber reichlich Zeit, während sie durch die offene Tür den Jungen im Auge behielt. Sie wußte recht gut, daß kein Finger diese Arbeit aushalten konnte, und hatte vor mehreren Tagen versprochen, ihm Lederfingerlinge zu nähen, aber es war nichts daraus geworden. Man konnte doch auch nicht überall sein! Bis zum Abend war kein Leder für die Finger beschafft, und er sagte kein Sterbenswörtchen, obwohl es ent- setzlich wehtat— sie kannte es von ihrem Waschen her, was es hieß, hautlos zu fein. Aber er steckte sie auch ordentlich hervor, um das Opferlamm zu spielen. Als ob das einen an- deren etwas anginge! Er konnte das Arbeiten ja sein lassen, wenn er es nicht vertragen konnte! „Hat man eine zu feine Haut?" fragte sie spöttisch. Das schlechte Gewissen brannte und stach sie, weil sie die Fingerlinge nicht genäht hatte, und sie grämte sich, weil sie es zulassen mußte, daß ein unkonfirmierter Junge für sie das tägliche Brot verdiente, und weil sie ihn vernachlässigt hatte. Und sie hatte das Bedürfnis, es wieder gutzumachen, sehnte sich danach, ihn in ihre Arme zu nehmen und zu liebkosen, und empfand bitteren Haß gegen ihn, weil sie sich nicht so weit überwinden konnte, es zu tun. In einem Atemzug wünschte sie alles Gute und alles Schlechte auf ihn herab: sie beschloß, ihr Unrecht ihm gegenüber aus der Welt zu schaffen, indem sie ihm in aller Geschwindigkeit einen Speckcierkuchen buk, und zugleich zögerte sie es hinaus, weil sie wußte, daß er nicht zu spat zur Arbeit konrmen durfte— zu der Arbeit, die ihr die Not fernhalten sollte. Indessen saß Thorvald in der Stube und wartete auf das Essen. Er hatte ein paar alte Holzschnhoberleder gefunden und machte mit Hilfe seines Taschenmessers Hondfohlen dar- aus. Durch kleine Doppelschnitte hier und da wurden Strippen hergestellt, durch die man die Finger stecken konnte. Das Ganze war sehr einfach, und er probierte stolz seine Arbeit. Dann stand er auf und warf einen fragenden Blick in die Küche. Madam Frank tat, als oerstünde sie nichts, doch als er feinen Hut nahm, um zu gehen, bekam sie es plötzlich mit der Eile. „So wart' doch ein bißchen!" rief sie ihm nach.„Du brauchst doch nicht so zu jagen, es hat erst eben halb auf der Kirchenuhr geschlagen." „Ich will auch noch baden," sagte Thorvald mit etwas zitternder Stimme. „Willst du denn nichts essen?" „Ich irerd' schon was bei der Mutter vom Lars kriegen." „Bei Kirstine Paulsen— der Sau? Wohl bekomm's dir, mein Junge, ich werd' dir das Essen nicht mißgönnen. Ich wollte dir Eierkuchen machen, aber wenn du das Essen vor- ziehst, das Paulsens dir vorsetzen, mir soll's recht sein. Ich halte dich nicht." Doch als er gegangen war, brach sie in Tränen aus. Sie lief hinaus, hinters Haus, sah ihm noch und winkte. „Thorvald, Thorvald!" jammerte sie. Aus Furcht vor den anderen Frauen wagte sie nicht, laut zu rufen oder ganz zum Vorschein zu kommen. Thorvald ging. Er drehte sich nicht einmal um und chnitt ihr kein Gesicht wie in alten Zeiten, sondern er stellte ich gleichgültig und verschwand drüben in der Straße. Do etzte sie sich auf den Haublock und versank in düstere Ver- zweiflung über ihren eigenen bösen Sinn. Sie hatte geglaubt, daß allein das, wenn sie ihren Mann los wurde, Glück bedeuten würde, und nun bedeutete es nur einen leeren Platz im Haufe. Thorvald sollte ihn ausfüllen, er sollte Beschlag' legen auf ihren Drang, sich unterzuordnen, und ihren Drang, einem Höheren zu schmeicheln— dem Manne. Aber er war erst ein Junge: unter normalen Ver- Hältnissen würde sie ihm an physischer Kraft überlegen sein. Das stand, ohne daß sie es wußte, dem rechten Verhältnis im Wege: nötigenfalls würde er sie nicht beim Nacken nehmen können. Hinzu kam, daß sie zu sehr daran gewohnt war, sich aufzulehnen, und nicht gleich jonftereen Eingebungen zugänglich««. r Ootmrna folgt.) • tungen sind, wie leicht und schnell Kranke und Leidende, die der Ber-| zweiflung nahe find, derartigen gewissenlosen Menschen in die Hände fallen und am Körper für ihr ganzes Leben Schaden nehmen können. Man wundert sich, daß gegen derartige Schädlinge an der mensch lichen Gesellschaft nicht eingeschritten wird. Am allerwirksamsten wäre es natürlich, wenn das Publikum selbst gegen alle diese falschen Propheten Front machte und sie zum Tempel hinauswürfe. Wie lange noch. Der Aktienschwindel. Weitere Fälschungen festgestellt. Die weiteren Ermittlungen zur Aufklärung der großen Be trügereien haben bereits wieder Feststellungen gezeitigt, daß außer den wiederholt genannten auch noch andere Attien von der Schwindlergesellschaft gefälscht worden sind: Mafag, Maschinenfabrit A.-G., Deutsche Industriebank A.-G., Erzgebirgische Blechwerke, Dederan i. Ga., und Danziger Handelsbank A.-G. Auch diese Wertpapiere haben die Fälscher nachgemacht und zu ihren betrügerischen Zwecken in Umlauf gesetzt. Sie haben sich dabei teine große Mühe gegeben. Die Fälschungen find viel mehr plump und leicht zu erkennen. Selbst der Farbenton ist dem der echten Aftien ganz entgegengesetzt. Die Fälschergesellschaft scheint zum Teil aus Glücksrittern aller Art zu bestehen; ihre Borbereitungen und Borarbeiten aber von langer Hand getroffen zu haben. Außer den Verhafteten, von Blumenthal und Jatobi, dem Chauffeur Braun und dem flüchtigen Boed hat auch noch ein gewiffer 34 Jahre alter Heinz Wehrfrig seine Hand im Spiele gehabt und feit längerer Zeit mitgearbeitet. Um Druder zu finden, fuhren die Schwindler stets mit dem Auto in die Provinz hinaus und hoften mit dem Auto die fertigen Attien ab. Dabei fuhren sie in der Regel nicht allein, sondern nahmen auch noch ihre Damen mit Wehrfrig foll aus auter Erfurter Familie stammen. Es wird auch vermutet, daß die Fälscher erhebliche Summen hinter fich gebracht haben, denn die Geschäfte haben sicherlich gelohnt. Das geht auch daraus hervor, daß Boed seine Wohnung in der Kaiser- Wilhelm- Straße zu Bantwit gegen eine größere in Schöne berg, Am Bart 11, eingetauscht hatte. Frau Boed befindet sich noch in ihrer alten Wohnung. Sie will von dem Verbleib ihres Mannes nichts wiffen. Nach den neuesten Ermittlungen soll er sich mit einem anderen Herrn nach Hannover begeben haben, von dort aber auch schon wieder verschwunden sein. Der 70- PS- Wagen, den er von einer hiesigen Großfirma getauft, aber noch nicht bezahlt hat, ist auch noch nicht ermittelt, eben so wenia die Koffer Boecks. Nach gewissen Anzeichen scheinen fich die Mitglieder der Fälscherbande zuletzt einander nicht mehr recht getraut und auch gegenseitig betrogen zu haben. Zu den Beibtragenden gehören auch Privatfeute. Bei der Kriminalpolizei haben sich schon mehrere gemeldet, die um 40000 bis 50000 Mart betrogen worden sind. Sie gaben dem Baron von Blumenthal oder dem Boed gegen Aftien ihr Geld her. Die Aktien aber befamen fie niemals felbft übermittelt. Die Stücke wurden vielmehr bei Banten in ein Safe gegeben. Die Geldgeber fönnen nun nicht heran, weil sie nur den einen, Boeck oder Blumenthal aber den anderen Schlüffel befizen. Wieviel Aftenbündel so in Banffafes liegen, wird wohl erst nach und nach genau herausAuch eine Reihe von Berliner Banten haben auf die echten Depotscheine der Fürstenwalder Sparfaffe hin Geld her gegeben.. ohne sich erft die Stücke, die als Sicherheit dienen sollten, aushändigen zu lassen. Auch sie haben sich durch das sichere Auftreten der Schwindler täuschen lassen und sofort Geld gegeben, ohne erst die Stücke zu befizen. Die verschwundenen Koffer Boeds enthalten wahrscheinlich noch interessantes Material. Die Kriminalpolizei hat deshalb alle möglichen Vorkehrungen getroffen, um sie noch zu fassen, bevor sie über die Grenze kommen. Die Bremsprüfung in Lichtenberg.in Am Donnerstag vormittag 10 Uhr fand in Anwesenheit des Handelsministers Siering, Vertretern der Aufsichtsbehörden der Straßenbahn, des Magistrats und des Polizeipräsidiums eine BeSprechung über die Ursachen der in der letzten Zeit vorgekommenen Straßenbahnunfälle auf dem Straßenbahnhof Lichtenberg, Siegfriedstraße, statt. Die von der Straßenbahn gezeigten Ausbildungsfehrgänge der Schaffner und Führer sollten zeigen, daß die Direktion der Straßenbahn alles tut, um ein gutes, brauchbares Bersonal zu bekommen. Die Fahrer werden vier Wochen amtlich ausgebildet, che sie zur Führung eines Straßenbahnwagens zugelaffen werden. Die vorgeführten Bremsversuche haben, wie eine Berliner Lokalforrespondenz wiffen will, ergeben, daß die von vielen Seiten ge: wünschte Luftdruckbremse in ihrer Bedienung und Anwendung prottischer ist als die zurzeit in Betrieb befindliche elektrische Bremse. Für die Straßenbahn führten die Direfioren Bforr und Dr. Lademann aus, daß die herabminderung der Berkehrsunfälle lediglich eine Frage der Ausbildung des Ber fonals sei. Der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Reichsbahnminifte: riotrat Schwarz, verlangte in furzen Abständen eine psychotech nische Nachprüfung der Fahrer, insbesondere aber der jenigen, die irgendwie an Zusammenstößen beteiligt waren. Dies fowie andere Berbefferungen der Ausbildung des Berfonals fowie des Wagenparts wurde von der Direktion der Straßenbahn zu gefagt. Die vorgeführten Bremsversuche befrie= digten allgemein. Das endgültige Ergebnis der Untersuchung wird heute im Laufe des Tages nach einer auf dem Straßenbahnhof Urbanstraße stattfindenden weiteren Prüfung von Straßenbahn-, wagen festgestellt werden. bereitung der so appetitlich duftenden heißen Wiener" von Anfang an, d. h. vom rohen Fleisch bis zum Räucherprozeß genou be obachten fonnte. Ganze Kühlräume, auf das vollkommenste eingerichtet, haben Aufstellung gefunden. Auch die Berufskleidungsindustrie hat große Bläge besetzt. Die Mast viehschau, die an diese Ausstellung angegliedert ist, zeigt wahre Brachteremplare aus dem Reiche der Ochsen, Kühe, Kälber ufw. Erwähnt sei noch, daß die besuchenswerte Ausstellung bis zum 20. b. M. geöffnet ist. Dem Veranstalter aber, dem Reichs: verband der deutschen Großschlächter E. B., gebührt alle Anerkennung für das, was hier mit ordnendem Fleiß überfichtlich und anschaulich zusammengetragen worden ist. Ein Totschlag aus Eifersucht. Zwölf Jahre Zuchthaus. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts III, Borsitzender Landgerichtsdirektor Dransfeld, stand unter Mordantlage der etwa 50jährige Schloffer Alfred Mal ŋ. Er ist beschuldigt, am 25. Juni feine Lebensgefährtin Marie Mischte ermordet zu haben. Der Angeklagte ist in Eisenberg in Böhmen geboren, spricht nur gebrochen deutsch und ist ein Meiner befümmert aussehender Mann. Er hatte mit der Ermordeten vier Kinder, die zum Teil schon erwachsen find. Maly war verheiratet, hatte sich aber schon nach 2 Monaten von feiner Frau getrennt und hatte mit der Ermordeten ein Liebesverhältnis unterhalten. In der legten Zeit war es aber zu Zerwürfniffen gekommen, da die Ermordete von ihm nichts mehr wiffen wollte. Maly hatte sie mit Eifersucht verfolgt, so daß fie eine andere Wohnung beziehen wollte. Am 23. Juni nahm Maly eine dolch artige Feile, die sein Sohn Walter mit nach Hause gebracht hatte, und schärfte die Spize. Am Tage der Tat schidle er seine 15jährige Tochter Herta nach Zigaretten. Kurz darauf hörben Hausbewohner laute Hilferufe und fahen die Mischke am offenen Küchenfenster stehen und schreien. Der Angeklagte riß sie zurüd und schloß das Fenster. Bei der Rückkehr der Tochter sagte er ihr, daß die Mutter nach der Jungfernheide gegangen sei. Die Tochter wollte nun die Mutter suchen gehen. Als sie nach etwa 1% Stunden zurückfam, fand sie die Mutter tot am Boden liegend. Zwei Herzfti che hatten sie getötet. Der Angeflagte hatte dann u. a. noch einen Arbeitskollegen besucht und erzählte ihm, daß er die Frau getötet habe, und zeigte auch die Feile. Unter Tränen versichert der Angeklagte immer wieder, daß er nicht wisse, wie er zu der Tat gekommen sei. Er bestritt, die Tat mit Ueberlegung ausgeführt und planmäßig vorbereitet zu haben. Wie die Kommunisten arbeiten. Aus der Paßfälscherzentrale in Neukölln. Zu der Aushebung der Fälscherzentrale in Neukölln werden noch einige Einzelheiten mitgeteilt: Von dem Tischler Robert Boldner in der Thomasstraße 33 in Neukölln wurde schon vor einem Jahre von seiner Wohnung, die aus zwei Stuben und einer Küche besteht, eine Stube abgemietet. Hierin arbeitete rege mäßig jeden Tag ein Mann von morgens 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr hinter verschlossener Tür. Er hielt stets den Achtst undentag ein. Ab und zu tamen auch zwei Männer. Was fie arbeiteten, hat sich jetzt herausgestellt. Die Menge der Fälschungen ist so groß, und ihre Art so mannigfaltig, daß mehrere Kriminalbeamte gestern den ganzen Tag bis in die Nacht hinein mit dem Sichten der gefälschten Stempel, Bordrucke, Faffimilia usw. zu tun hatten, um eine Uebersicht zu gewinnen. Mit Sem vorgefundenen Material tann man bequem einen Menschen vom Geburts bis zum Todestage durch alle Lebens= agen umstempeln Aber nicht nur für Standesamtsurkunden, sondern auch für falsche Bässe aller Art, für Visa der Konsulate und andere auswärtige Behörden war durch Bordrucke und alle erforderlichen Stempel gesorgt. Es war eine Kleinigkeit, mit diesem Material beliebige Diplomaten- und gewöhnliche Pässe herzustellen. Stempel mit dem preußischen und dem Reichsadler und den Emblemen auswärtiger Länder lagen wohigeordnet und gut registriert da, so daß man nur zuzugreifen brauchte. Auch an Bordrucken für Verfügungen aller Art, polizeiliche und andere, fehlte es nicht. Auch Marken der Kriminalpolizei waren bereits in Arbeit. So weit derartiges Material in Betracht kommt, genügte es, eine ganze neue Regierung im Augen= blid aufzumachen". Auch Fatsimilestempel von verschiedenen Ministern und anderen befannten Persönlichkeiten waren vorhanden. Sie find so sorgfältig gearbeitet, daß sie als Fälschungen kaum erfannt werden können. Die Fälschungen find ohne Zweifel auch bereits reichlich benutzt worden, denn Stempel und Faksimilia find zum Teil durch den Ge brauch fo start abgenugt, daß sie ersetzt werden mußten. Die Auf traggeber, für die die Fälscher arbeiteten, und an die sie ihre fertigen Fälschungen ablieferten, sind noch nicht befannt. Das ganze Material wurde beschlagnahmt und nach dem Polizeipräsidium gebracht. 50 Jahre Weltpoftverein. Am geftrigen Donnerstag abend fand im Lichthof des Reichspoft museums die Feier des 50jährigen Bestehens des Weltpoftvereins statt. Der feftliche Aft vollzog sich zu Füßen des die Mitte des genannten Raumes einnehmenden, mit Blumen und Blattpflanzen pietätvoll geschmückten Marmordenkmals Heinrich D. Stephans, des einstigen Generalpostmeisters des Deutschen Reichs und Schöpfers des Weltpoftvereins. Postillone in Gala hatten auf den Zugangstreppen Aufstellung genommen. Reichstanzler Mary war anwesend. Ein fast historischer Augenblick mar es, als Reichspoftminister Höfle die greife 83jährige Witwe Heinrichs v. Stephan unter Ueberreichung eines Dalienstraußes auf ihren Ehrenplay führte, woselbst der mittlerweile erschienene Reichspräsident Ebert sich ihr vorstellen ließ. Reichspostminister Höfle nahm sodann das Wort zu einer furzen Begrüßungsansprache. Die Festrede hielt der Präsident der Überpoſtdirektion Kaffel, Schenf. Der Redner bezeichnete die 50jährige Jubelfeier des Weltpostvereins als einen Tag von weltgeschichtlicher Bedeutung. In fauniger Weise schilderte der Redner, welche unendIn der Beweisaufnahme mußten auch seine vier Kinder, ein Sohn und drei Töchter, als Zeugen erscheinen. Da der Angeflagte rur ihr natürlicher" Bater ist, fam das bei ehelichen Kindern geltende Zeugnisverweigerungsrecht nicht in Frage und sie mußten vercidigt werden. Ihre Aussagen waren im allgemeinen für den Angeklagten sehr günstig. Der Bater sei immer sehr aufgeregt und nervös gewesen. Nachts konnte er nicht schlafen. Er hat auch für die Familie, was auch andere Zeugen bestätigen, gut gesorgt, mar auch nüchtern und fleißig. Die Mutter hat zu den Kindern in der letzten Zeit, als die Eifersuchtsausbrüche immer mehr zunahmen, die Befürchtung geäußert, daß sie nicht mehr lange leben werde. Der Angeklagte erwidert unter Tränen immer wieder:„ Ich habe sie so geliebt. Wie das alles gefommen ist, weiß ich nicht." Staatsanwaltschaftsrat Steiner beantragte, den Angeflagten megen Mordes zum Tode zu verurteilen. Das Schwur gericht hielt den Angeklagten des Totschlags schuldig. Die Abscheulichen Schwierigkeiten es einst machte, einen Brief in fremde Länder, lichkeit der Tat gegenüber einer Berfon, mit der er ein Menschen alter in engen Beziehungen gestanden hat, verdiene teine mil bernden Umstände. Das Urteil lautete auf 12 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverluft. Der Angeklagte nahm meinend das Úrteil sofort an. Verbesserung der Berliner Straßenbeleuchtung. Der Magistrat hat befchloffen, der Stadtverordnetenversammlung vorzuschlagen, weitere 2% Millionen Goldmark für die Straßenbeleuchtung aufzuwenden. Die Summe soll dazu dienen, die Straßenbeleuchtung auf zwei Drittel des Bortriegsstandes zu verbessern. Einige Teile und Bezirke haben schon jetzt die zwet Drittel Beleuchtung überschritten. Die Innenbezirke und auch einige Außenbezirke werden eine bedeutende Berbefferung erfahren. Handarbeitsausstellungen. Die Firma Hermann Liek stellt augenblicklich in ihren Häufern Handarbeiten aus, die in ihrer Mannigfaltigkeit von hohem Intereffe für unsere Frauenwelt sind. Die Reichhaltigkeit ihrer Muster und Verschiedenheit ihrer Ausführung zeugen von der Phantafie und auch von dem Geschmack der Arbeiterinnen, deren Fleiß und GeMan sieht beispielsschicklichkeit geradezu Staunen erregen muß. weise Bandschaftshäteleien in Miniatur, prächtige Samtapplikationen und Lostbare Perlarbeiten neben tunstgewerblichen Lederarbeiten, Smyrnaftickereien und Wollhäfeleien( Gabelarbeiter). Am meisten dürften die Wiener Petitpointsachen gefallen, auf die altdeutschen und Biedermeierarbeiten: Riffen, Deden, Kafeewärmer, Teepuppen, Handbafchen usw. In der Leipziger Straße werden die Techniken der verschiedenartigen Stickereien in Rojen vorgeführt; am Alerander. Landschaft, während in der Frankfurter Allee die hübsche Silhouette plaz zeigt man ungarische Bolkskunft im Rahmen einer solchen einer Stickerin zu sehen ist. entgegengenommen. Das Rundfunkprogramm. Die zweite städtische Studienanstalt( Sophien- Cyzeum, Beinmeifterstr. 16/17) eröffnet mit Beginn des Winterhalbjahrs eine neue Untertertia. Auch in der VII. Klaffe des Lyzeumis ist noch Die Ausstellung des Fleischergewerbes.Bla. Anmeldungen für alle Klaffen des Lyzeums und der Studien Gestern mittag 12 Uhr wurde in der neuen Fleisch anstalt werden täglich von 10-11 im Amtszimmer des Direktors großmarkthalle in der Landsberger Allee die erste große fachgewerbliche Ausstellung für das gesamte Fleischergewerbe, perbunden mit einer Mastoiehschau und Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte eröffnet. Oberbürgermeister Böß, der Protektor der Ausstellung, betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß diese Ausstellung zeigt, was Landwirtschaft und Fleischergewerbe in gemeinsamer Arbeit jezt wieber leisten tönnen. Der sich baran anschließende Rundgang durch durch die Ausstellung, an dem auch Ver: der Reichs= Staatsbehörden, der unb Fachorganisationen usw. teffnahmen, lieferte ein getreues Bild von all den Dingen, die im Fleischergewerbe gebraucht werden. Besonders start ist die Fleischmaschinenindustrie vertreten, deren Erzeugnisse technisch ganz gewaltige Fortschritte auf weisen kann. Biel belagert war der Stand, an dem man die 3utreter Freitag, den 10. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus. 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Im Eise des Südpols". 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Ing. Lesser: Ueber inneren Zusammenhang zwischen Großstadtgefüge und Grundstückswerten". 8.30-10 Uhr abends: Benatzky- Abend. Heiters Vorträge, Josma Selim( Am Flügel: Der Komponist Dr. Ralph Benatzky unter Mitwirkung eines Kammerquintetts). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. die uns nicht gerade benachbart lagen, gelangen zu laffen. Erst spät, im Jahre 1850, wurde der erste entscheidende Schritt zu einer internationalen Regelung getan durch die Schaffung des österreichisch- bayerisch preußischen Postvereins von 1850 Stephan hat dann mit weitausschauendem Blick die Bedürfnisse des weltumspannenden Weltpoftvereins vorausgesehen, und wie groß diese feine Erkenntnis war, zeigt sich daraus, daß es heute die ganze Weft ist, die unser jubilierender Verein um im Anfang 22 Staaten waren, die beitraten, während es faßt. Es folgten musikalische Darbietungen und Vorführungen aus bem Gebiete des Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesens. Die Personenstandsaufnahme am 10. Oftober. Die Hauptsteuerverwaltung teilt mit: Gleichzeitig mit der Personenstandsaufnahme vom 10. Oftober d. J. findet zum Zwecke der Besteuerung der Hunde, Reit- und Kutschpferde und der Motorboote sowie zur Herbeiführung der Entschädigung der Besizer rozfranfer oder milzbrandiger Pferde, Esel, Maulefel und Maultiere oder des mit Lungenfeuche oder Milzbrand behafteten Rindviehs und zwecks Einziehung der dazu erforderlichen Abgaben eine Aufnahme des Bestandes an Hunden, Pferden, Eseln, Maulejein, Maultieren und Motorbooten in der Stadt Berlin statt. Die Borbrude hierzu werden den Hausbefizern oder deren Stellvertretern gleichzeitig mit den Hauslisten für die Bersonenstandsaufnahme durch Beauftragte der Bezirksämter zugestellt werden. Die Bestimmungen über die Ausfüllung sind auf den Listen vorgedruckt. Zuwiderhandfungen gegen diese Bestimmungen werden bestraft. Durch die Ausfüllung der Bestandsaufnahmeliften wird die Pflicht zur An- und Abmeldung von Hunden, Reilpferden, Rutschpferden und Motor Nach den Bestimmungen der Steuerordnungen sind von der Entbooten bei den zuständigen Bezirkssteuerämtern nicht berührt. richtung der Steuer befreit die hier beglaubigten Botschafter, Gesandten, Geschäftsträger und Konsuln, lettere, soweit Gegenseitigkeit gewährt wird, die allen diesen Berfonen beigegebenen Beamten und zugehörigen Bediensteten, soweit sie nicht preußische Landesange.. hörige sind. Diesen Personen werden Aufnahmelisten nicht zugestellt. Sie werden ersucht, sich wegen Erlangung der Freimarken an die zuständigen Bezirkssteuerämter zu wenden. Die Ordner der Proletarischen Feierstunde treffen fich am Sonntag, den 12. Ottober, früh 8 ihr, zur Feierstunde der Arbeiter- Jugend" an der befannten Stelle im Großen Schauspielhaus. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister Portas Knaben Kiedund ser Tor ollige Ulster Mo in den neuesten Formen fertig am Lager: M. 45, 49, 54, 60, 70, 80, 90, 100 Sportpelze Edelpelze Fritzi assary Fr die unvergleichliche 38 Zigarette, macht jeden, der sie versucht, zum Freund und überzeugten Anhänger: sie 10110 wwwwww 010 wirbt für sich selbst 3. R. 3 klar zur Abfahrt. Die gestrige letzte Probefahrt des 3 R. 3 dauerte etwa drei Stunden. Der ganze Betriebsstoff, der für die Ueberfahrt nach Amerita erforderlich ist, war für diese Fahrt verfrachtet worden. Nach der Landung wurden die Maschinenanlagen sowie der gesamte Mechanismus des Luftschiffes überprüft. Ueber den Antritt der Ozeanfahrt ist noch tein endgültiger Beschluß gefaßt. Sie wird jedoch nicht vor Sonnabend erfolgen. Das Ausland nimmt großes Interesse an dem bevorstehenden Flug. Besonders die Vertreter der südamerikanischen Staaten, die in Berlin wohnenden Diplomaten von Chile, Argentinien usw. haben das Auswärtige Amt gebeten, das Schiff besichtigen zu dürfen. Die Luftschiffleitung fam diesen Wünschen gern entgegen, und so werden die Diplomaten am Freitag in Begleitung einiger Herren des Auswärtigen Amtes in Friedrichshafen eintreffen, um 3. R. 3. zu besichtigen und dem Abflug beizuwohnen. Die Wettermeldungen aus Hamburg und den Bereinigten Staaten lauteten wenig günstig. Auf dem Atlantic hat sich eine neue, sehr starte Depression gebildet, und in 1000 Meter Höhe und darüber wehen Westwinde von 15-20 Sefundenmeter Stärke. Unter diesen Umständen hielt es die Luftschiffleitung für ratsamer, die Abfahrt bis zum Sonnabend zu verschieben. Man rechnet in Friedrichshafen damit, daß am Sonnabend morgen um 8 Uhr der Luftriese zum letztenmal aus seiner Halle herausgebracht werden wird, um die gewaltige Reise anzutreten. Die Wiener Frauen gegen den österreichischen§ 218. Jm Nathaus zu Wien fand eine Massenversammlung von Wiener Frauen statt, die die Aufhebung des Paragraphen 144 des Strafe gefegbuches verlangen. Dieser Baragraph stellt jede Art von Abtreibung, selbst die von Aerzten ausgeführte, unter schwere mehr jährige Kerferstrafe. Bekanntlich wurden in der legten Zeit gegen eine Anzahl von Aerzten und sogar gegen eine Reihe von Universitätsprofessoren aus diesem Grunde Strafverfahren eingeleitet. 味 Wirtschaft Brot- und Mehlteuerung Brot- und Mehlteuerung infolge der Getreidehausse. Auf Grund der Eildienstmeldungen des Reichsstatistischen Amts haben fich die Brot- bzw. Mehlpreise wie folgt in Pfennigen erhöht: Roggenbrotpreis Weizenmehlpreis 8. 10. 24 2.7.24 8.10. 24 36 Hamburg. Leipzig. · Frankfurt am Main Chemnitz Königsberg Mannheim Lübeck • 2.7.24 29 2212222 29 50 24 37 32 48 37,8 38 50 28 38 36 44 30 42 82 44 32 40 48 20 40 48 40 30,3 Die Darstellung zeigt, daß sich die unerhörten Erzeuger preife für Getreide sehr schnell auf die Kleinhandels preife übertragen, deren Steigerung durchweg für Brot zwischen 25 bis 35 Proz. und für Mehl auf rund 30 Proz. liegt. Gemeinwirtschaftliche Aufsichtsräte. = Wir haben fürzlich im Vorwärts" über merkwürdige Dinge bei den Elettrowerfen berichtet. Es ist das die Reichs= elektrizitäts- Gesellschaft, das größte Stromlieferungsunternehmen Deutschlands, dessen sämtliche Aktien in den Händen des Reiches sich befinden. Der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft ist in seiner überwiegenden Mehrheit sonderbarerweise gewählt aus Vertretern großfapitalistischer Privatunterneh> mungen, die entweder Geldgeber oder Lieferanten oder sogar Konkurrenten des Reichsunternehmens find. Bor einigen Tagen wurde mun die Zusammensetzung des Verwaltungsrates der nach dem Dawes Gutachten begründeten Deutschen Reichs= Vorträge, Vereine und Versammlungen. eisenbahngesellschaft bekanntgegeben. Es ist dasselbe Bild. Die weitaus überwiegende Mehrheit besteht aus Vertretern Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". des Großkapitals. Ganz ähnlich liegt der Fall bei der BerGeschäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr. einigte Industrieunternehmungen AktiengesellRameradschaft Reinidendorf. Freitag, den 10. Oktober, abendschaft. Auch das ist eine im verborgenen blühende Reichsgesell7 Uhr, im Restaurant Arlt, Waidmannsluft, Waidmannstraße fchaft, die das Riesenkapital von 12 Millionen Goldmark besitzt, das ( Nähe Bahnhof Waidmannsluft), Werbeversammlung. Es ist Pflicht der vollständig in Händen des Reiches ist. In dem Aufsichtsrat dieser Rameraden fämtlicher Untergruppen, vollzählig zu erscheinen. Ortsgruppe Rowawes. Montag, den 13. Oftober, abends 8 Uhr, im Eisenbahn- Hotel, Gesellschaft regiert ebenfalls das private Unternehmertum. Mitgliederversammlung. Bortrag des Rameraden Rowad über Biele und Es ist klar, daß in einer derartigen Auswahl der Aufsichtsrats Wege des Reichsbanners. Republikaner als Gäste willkommen. Ramerad schaft Tiergarten. Am Sonnabend, den 11. Oktober, Uebungsabend in der mitglieder System liegt, und zwar ein sehr reaktionäres System. Turnhalle Alt- Moabit 23 um 48 Uhr. Erscheinen mit Mitgliedsbarte Pflicht. Nun werden die Urheber dieser Wahlen zu iher Verteidigung fagen, Berkauf von Windiaden und Mügen aus der Verteilungsstelle des Gaues. deß sie Autoritäten, Männer von Kenntnissen und Erfahrungen Rameradschaft Kreuzberg, Jugendgruppe II. Am Sonnabend, den 11. Dt ausgesucht hätten. Selbst wenn das zutreffen sollte, so entsteht doch tober, abends 7 Uhr, bei Liehr, Naunynstr. 9, außerordentliche Mitgliederversammlung. Erscheinen Pflicht. Kamerabschaft 20 Reinidendorf, Unterdie Frage, ob es richtig ist, Restaurant Rurfürstenstraße, Ede Schönholzer Weg, Gruppenversammlung. Gämtliche Rameraden müssen zur Stelle fein. Kameradschaft 17. Bezirk, Lichtenberg einschl. aller Außen- Untergruppen. Am Sonnabend, den 18. Ot tober, abends 7 Uhr, im Schüßenhaus Kaulsdorf, Hellersdorfer Straße, Serbstfest und Bannerweihe. Feftrede: Kamerad Polizeioberst Schülzinger. Einlaßtarten intl. Tanz 1 M. find bei den Untergruppentassierern und im Lokal des Rameraden Krüger, Lichtenberg. Türrschmidstr. 33, au haben. gruppe Rosenthal. Am Sonnabend, ben 11. Ottober, abends 7 Uhr, im Kreise der Intereffenten Aufsichtsräte so einseitig aus dem Berband fozialistischer Abftinenten, Bezirk 7. Freitag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, in der XI. Gemeindeschule, Schöneberg, Feurigstraße, Bortrag: Arbeitende Jugend und Lebensreform." Ref.: Rabenstein. ein fehr tüchtiger Mann sein, fann sich als Leiter einer Bank, eines industriellen Unternehmens oder dergleichen hervorragend bewährt haben, daraus folgt noch feineswegs, daß er als Vertreter des Reiches, das heißt der Allgemeinheit, die geeignete Kraft ist. Seine Fachkenntnis fann sehr nüßlich wirken, aber, wenn er ſtrupellos ist und nur den privaten Nugen seines Unternehmens oder seiner Industrie im Auge hat, so kann diefelbe Sachkenntnis zu einer eminenten Gefahr für die Deffentlichkeit werden. Solche cuf den Reichseifenbahnen die Dampflokomotiven durch den elettrischen Betrieb ersetzt werden, sollen, ist gewiß von größter Wichtigkeit. Aber diese Frage ist ganz anderer Art als der Konkurrenzfampf zwischen der elettrischen Großindustrie einerseits und den Lokomotivfabriten andererfeits. Wer bürgt dafür, daß die Entscheidung über die Elektrifizierung der Eisenbahn im Interesse der Allgemeinheit, nicht aber zum Nutzen diefer oder jener Interessenten Bund freier Menschen. Gruppen für freie Körperkultur. Seute, Frei Beispiele gibt es doch genug. Die Frage z. B., ob und inwieweit tag, abend 8 Uhr in den Arminiushallen, Moabit, Bremer Str. 71/72, Licht bildervortrag von Adolf Roch. Untoftenbeitrag. Touristen- Verein Die Naturfreunde", Abt. NO. Sonntag, den 12. Dt. tober ,,, Naturfreunde- Abend" in der Aula des Lŋzeums, Greifswalder Str. 25. Beginn 7. Uhr. Gäste herzlich willkommen. Arbeitersport. Deutsche Arbeitersportler in Paris. gruppen getroffen wird? Es liegen bei den wirtschaftlichen Betrieben des Reiches Progerade deshalb muß gefordert werden, daß die Aufsichtsräte der werden, als dies bisher der Fall war. Vergessen wir doch nicht, Reichsunternehmungen viel unparteiischer zusammengesetzt Zentner frei Haus Berlin. daß wir den großfapitalistischen Finanz- und Industriecliquen, ihrer furzsichtigen Industrie- und Militärpolitik den Krieg und die Inflation zu verdanken haben. Diese Leute haben während des Massenmordens und nachher zwar ihre Geschäftstüchtigkeit bewiesen, was ihre eigene Tasche anbelargt, aber den Befähigungsnachweis zur Leitung der öffentlichen Angelegenheiten haben sie nicht erbracht, sonst hätte der Krieg nicht mit einem so fatastrophalen Zu sammenbruch enden und das ganze Bolt nachher nicht in jo furchtbarer Weise verarmen dürfen. Wir können deshalb durchaus ver. langen, daß die Aufsichtsratsposten der Reichsgesellschaften mit unparteiischen Leuten besetzt werden, nicht aber mit den Angehörigen fleiner Cliquen. Es wird die Aufgabe der sozialdemo fratischen Reichstagsfraktion sein, hier nach dem Rechten zu sehen. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose.. 18,50- 24,50| Kakao, fettarm Gerstengrütze, lose... 17,50 18,00 Kakao, leicht entölt 75,00-96,00 100,00-120,00 Haferflocken, lose.... 21,00-22,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 Hafergrütze, lose 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 Zum ersten Male nach dem Kriege treffen sich am 11. Oktober 1924 deutsche und französische Arbeitersportler au einem Fußball- bleme vor, die den Profit des Großfapitals tief berühren. Aber spiel im Buffalo- Stadion in Paris. Der deutsche Arbeiter- Turnund Sportbund entsendet seinen Bundesmeister, den Dresdener Sportverein, der sich augenblicklich in der denkbar besten Form befindet. Die Mannschaft hat Dresden am Mittwoch abend verlassen und nimmt die Reise über Straßburg, um am Donnerstag in Paris einzutreffen. Führer der deutschen Mannschaft ist der technische Leiter für Fußballspiel im Arbeiter- Turn- und Sportbund, Genosse Robert Riedel, Leipzig. Das Spiel hat um so größere Bedeutung, als es kurz nach der bürgerlichen Welt- Olympiade in Baris stattfindet, von der die Deutschen bekanntlich ausgeschlossen waren. Der Arbeitersport zeigt damit, daß seine internationalen Beziehungen völlig wieder berge stellt sind. Die Tatsache, daß in Paris eine deutsche Sportmannschaft auftreten kann und daß sie ohne allen Zweifel herzliche Aufnahme finden wird, zeugt davon, daß die Arbeiterschaft die Nachwehen des Krieges gänzlich überwunden hat. Wir werden über den Verlauf des Spieles berichten. Arbeiter Radfahrer- Bund Solibarität", Ortsgruppe Berlin. Touren filr Gonntag, den 12. Ottober: 1. Abt.: Rartoffel- und Heringstour nach Röntgental( Alpenberge). Start 1 Uhr Bülowstr. 55. 2. Abt.: 5 Uhr Plage Feen, Uhr Bernau, Einkehrstelle Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Connabend, ben 11. Oktober, Lampiontour, Kartoffel- und Heringstour nach Johannisthal. Start 7 Uhr abends Laufiger Plaz. 12. Oktober Start 2 Uhr nach dem Fichte- Sportplat Baumschulenweg. 4. Abt.: 7% Uhr Werneuchen. Start Weberwiese. 5. Abt.: 8 Uhr Lehnißfee, 1 Uhr Waidmannslust. Start Lands berger Plag. 6. Abt.: 10 Uhr Sirschgarten, Waldburg, 5% Uhr felth Rennfahrer Bahnhof Treptow. Start Ropenhagener Str. 26. 7. Ab 1 Uhr, Summt, Start Roloniestr. 147. 8. bt.: Mühlenbeckerfee, Start 8 Uhr Arminiusplak, 1 Uhr Glienice a. d. N. Start Waldfte. 8. 0. bt.: Regeltour, Start Uhr Schulste. 114. 10. bt.: 1 Uhr Johannisthal, Bota, Start Comeniusplag. Ortsgruppe Neukölln. Baumschulenweg, Start 1 Uhr Herzbergplak. Ortsgruppe Liebenberg. Eichwalde, Schnigelfagb. Start 7 Uhr. Nach mittags Beringsessen bei Bitorste, Pfarrstraße. Start Traveplay. Orts gruppe Charlottenburg. Baujin, Start 12 Uhr Galvanieplas 13, am 17. Ottober, abends 7 Uhr, bet esche, Vortrag zur Aufklärung des Geruallebens. Ortsgruppe Pantow- Nieberschönhausen, Streifzüge durch den Grunewald. Start 8 Uhr, Mühlenstraße, Ede Floraftraße. Detsgruppe Reinidendorf. Fuchsiagd. Start 12 Uhr Resibenzstraße, Ede Bantower Allee Wetter für Berlin und Umgegend. Nach kurzer Aufheiterung wieder Bewöllungszunahme und leichte Regenfälle. Temperatur im Durchschnitt etwas höher. Hartgrieß Roggenmehl 0/1 Weizengrieß 70%, Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine... Bohnen, weiße, I erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni Makkaronimehl Schnittnudein, lose. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr. Pflaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. 20,60-22,00 Inlandszucker basis mel. 40,5 41,50 39,00-42,00 22,00-24,75 Inlandszucker Raffinade 43,50 25,00-26,75| Zucker Würfel..... 44,00-47,50 20,00-22.00 Kunsthonig 23,00-28,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 18,00-24,50 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00-31,00 16,00-18,50 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 40,0028,00-32,00 Pflaumenmus in Eimern 43,003,70 4,20 4.40-5,00 5,205,80 92,50- 93,50 93,00-94,00 89,50-90,50 18,50 29,50 Steinsalz, in Säcken. 3,103,60 944 31,00-37,50 37,50-51,00 Siedesalz in Säcken 17,75-19,50 43,00-46,00 Bratenschmalz in Tierces 38,00-39,00 Bratenschmalz in Kübein 25,00-28,00 Purelard in Tierces Vorbereitungen zum europäischen Eisenkartell. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß man in gewissen deutschen Kreisen der Industrie geneigt" ist, die Prolongierung der elsaß- lothringischen Rontingente im Interesse des Abschlusses eines europäischen Eisentartells zu gestat ten. H. de Wendel, Präsident der Meßer Handelskammer, führt zu dieser Angelegenheit u. a. folgendes aus: „ Der Handel und die verarbeitende Industrie Süddeutsch. lands sind jederzeit durch die Werke Lothringens, Luxemburgs und des Saargebiets versorgt worden; nicht ohne große Unruhe werden sie sich dieser Bezugsquellen beraubt sehen. Andererseits, wenn die Werte dieser drei Beizrte nicht mehr einen Teil ihrer Produktion nach Deutschland abschen können, müssen sie ihn ins. gesamt auf die Ausfuhrmärkte ergießen; Deutschland feinerseits wird, aus Gründen seiner Allgemeinwirtschaft, bedeutende Mengen ausführen müssen. In Anbetracht dessen wird der Abschluß internationaler Eisenverein. barungen für die Ausfuhr auf große Schwierigteiten stoßen; die Berlängerung der zollfreien Einfuhr Lothringischer, luxemburgischer und saarländischer Kontingente nach Deutschland ist zweifellos die notwendige Bedingung solcher Vereinbarun gen. Herr Snowden hat sich noch nicht über diese Wahrheit Rechenschaft gegeben; aber wir sind überzeugt, daß unsere englischen Kollegen bei der Prüfung dieser Frage nicht dieselbe Schroffheit wie ihre Minister befunden würden." Affäre: es handelt sich um nichts anderes als um die Monopoli. Die Ausführungen de Wendels bringen Licht in die ganze fierung des tontinentalen Eisen- und Stahlhandels, von der die rheinisch- westfälische Schwerindustrie vielleicht profitiert. Der übrigen deutschen Wirtschaft erwachsen aus einem solchen Zusammenschluß schwere Gefahren, besonders wenn die beteiligten industriellen Gruppen Politit auf eigene Fauft machen und ihre Vormachtstellung ausnutzen, um die wirtschaftlichen Ber. handlungen zu ihren Gunsten und zum Nachteil der übrigen Volkswirtschaft beeinflussen. Es wäre endlich an der Zeit, daß die deutsche Schwerindustrie sich zu diesen Vorgängen einmal flar äußert. Elektrobank. Die Bank für elektrische Unternehmungen, Zürich, gibt jetzt den ersten Bericht nach ihrer Reorganisation heraus. Bekanntlich hat dieses Unternehmen, das früher zum AEG.- Konzern gehörte und von Emil Rathenau 1895 als holding- und Finanzierungsgesellschaft der ausländischen Beteiligungen der AEG, gegründet wurde, durch die Währungsderoute in den mitteleuropäischen Ländern sehr gelitten. Die Reorganisation geschah in der Weise, daß das Attienfapital von 112,78 Millionen auf 51,5 Millionen Schweizer Frank herabgesetzt wurde. Auf dieses so verminderte Kapital war wieder eine Rendite möglich. Es soll in diesem Jahre eine Dividende von 7 Proz. zur Verteilung kommen. Der Bericht der Elektrobank ist, wie immer bei diesem größten Elektrobranche, sehr lehrreich. Bezüglich ihrer deutschen Be. und international am ausgebreitetsten Holdinguntemehmen der teiligungen( Main- Kraftwerke A.-G., Lech Elektrizitätswerke A.-G., Elektrizitätslieferungsgesellschaft Berlin, El. A.-G. Lameyer, Thüringische El.- Lieferungsgesellschaft, Bayerische El- Lieferungsgesellschaft, Kraftwert Altwürttemberg und Schlesische Kleinbahn21.-G.) heißt es in dem Bericht u. a.: Die Betriebsergeb nisse der betreffenden Unternehmungen weisen in Schweizer Frant ausgedrückt, eine langsame Steigerung auf... Bezüglich der 3ufammenlegung des Aftientapitois blieben die deutschen Elektrizitätswerte durch die Tatsache, daß der überwiegende Teil ihrer Aktiven in produktiven Sachwerten angelegt war, vor Aufzehrung ihres Eigenvermögens im großen und ganzen bewahrt. Auf dieser neuen Basis soll sich nun auch wieder eine angemessene Rentabilität der Unternehmungen herauswirtschaften lassen." In Defterreich hat die Elettrobant ihren Interessentreis nicht unwesentlich erweitert. see. Bon der früheren Deutsch- Ueberseeischen Elettri. zitätsgesellschaft, der jeßigen Compania Hispano- Americana Electricidad, Madrid, befißt die Elettrobant ein größeres Attienpatet. Die Compania Hispano verteilte eine Golddividende von 12 Broz. In Mexiko wurden neue Interessengebiete erschlossen. Eine mefentliche Erweiterung der Interessensphäre wurde auch in Italien und Spanien vorgenommen. Bon Erfolg und für den Nutzen der Elektrobank ausschlaggebend waren vor allem die relativ günstigen Abschlüsse der Konzernigejell16,50-17,09 Purelard in Kisten.... 92,00-94,00 schaften in Italien, Frankreich, Spanien und vor allem die von Ueber18,00-19,00 Speisetalg in Packung 65,00-66,00 23,25-31,00 Speisetalg in Kübeln 31,75-38,00 Margarine, Handelsm. I 66,00 85,00 90,00 desgl. Il 60,00-63,00 40,00-43,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 54,00-58,00 desgl. II. 69,00-71,00 60,00-65,00 Molkereibutter la i. Fäss. 220,00-226,00 60,00-70,00 Molkereibutter i. Pack. 227,00-229,00 75,00-90,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 185,00-208,00 Korinthen, choice 70,00-75,00| Molkereibutter i. Pack. 190,00-208,00 Mandeln, süße Bari 175,00-185,00 Auslandbutter in Fässern 235,00-237,0 Mandeln, bittere Bari 175,00-185,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 37,00- 40,00 Zimt( Cassia) 106.00-115,00 Ausl. Speck, geräuchert 103,00-10%, 00 Kümmel, holländischer. 55,00-65,00 Quadratkäse. Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 112,00-125,00 Weißer Pfeffer 150,00-155,00 Bayr. Emmenthaler.. 160,00-170,00 Rohkaffee Brasil.195,00-220,00 Echter Emmenthaler Rohkaffee Zentralamerika238,00-285,00 Ausl. ungezuck.CondensRöstkaffee Brasil 240,00-290,00 milch 48/16. 45,00-55,00 Im ganzen zeigt der Geschäftsbericht der Elektrobant, daß die Krise für diese internationale Unternehmen im großen und gangen als überwunden gelten kann. In allen Ländern regt sich die Unternehmungsluft, woran in erster Linie die Elektrizitätsindustrie partizipiert. Da die deutschen Beteiligungen bei der ElektroRöstkaffee Zentralam... 310,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 16,50 29,00 Reserven von nicht geringem Ausmaß vorhanden sein. Da die bant fast vollständig abgeschrieben sind, dürften hier stille Röstgetreide, lose Wir sind COMBO 310 Der Salamander Schuh. zeichnet sich durch seine hervorragende Pabform bei elegantem, Schnitt und bester Materialverarbeitung besonders aus. 11 NDE 170,00-190,00 20,50-23,25 20.00- 21,00 inl. gez. Condensm. 48/14 25,00MARKE auf der MAND 16 12 50 7913 Höhe!! A.F- B Beachten Sie unsere billigen Preise! SALAMANDER beutschen Kraftwerke zu einem erheblichen Teil durch Obligations tapilal aufgebaut wurden und dieses nur gering aufgewertet zu werden braucht, steht die zukünftige Rentabilität derselben außer Frage. Innere Kolonisation in Argentinien. <-11. deshalb ist meder der Farmer noch der Kleinhändler bessergestellt| fondern die 3ollfäge bes neuen autonomen 3olltarifs in Anals in früheren Jahren. Stinnes im Metallhandel. Die Firma Stinnes hat die Hälfte des Stammtapitals bei dem Metallwert Hamburg G. m. b. H. er= worben. Da der Stinneskonzern außerdem auf die Elberfelder Kupfer und Messingwerte maßgebenden Einfluß ausübt, hat er Der argentinische Kongreß( Parlament) beschäftigt sich mit einer mit dem neuen Erwerb eine beachtliche Stellung auf dem Gebiet der Altmetallverwertung gewonnen, die er wahrscheinlich zur AusRegierungsvorlage, die eine großzügige Bodenreform einleiten soll. Für Zwecke der inneren Kolonisation soll die Regierung nuzung der in seinen Betrieben abfallenden Metalle verwenden wird. berechtigt werden, den gesamten privaten oder öffentlichen Ein internationaler Verband landwirtschaftlicher Vereinigungen Grundbesitz zu erwerben beziehungsweise zu enteignen. ioll gegründet werden. Unter dem Vorsitz des Sekretārs des Der Befizer fann die Enteignung nur vermeiden, wenn er min fchweizerischen Bauernverbandes, Prof. Laur, fand in Brugg eine fieblung felbft forgt. Daß es fich um eine großzügige Gieblu.ngs: aus der Deutlich aufteilt und für dessen Be Konferenz landwirtschaftlicher Vertreter aus der Schweiz. Deutich aftion handelt, zeigt der Umfand, daß die Regierung für die Durch- und Ungarn statt, um über die Gründung eines internatio führung der Bodenreform jährlich 100 millionen Dollar vorsieht, die auf dem Kreditweg nom Inland und Ausland beschafft einigungen zu beraten. Der Siz des Verbandes foll Rom nalen Verbandes der landwirtschaftlichen Ber werden solles. In erster Linie soll der entlang der Eisenbahnen werden. Im nächsten Jahre findet eine Delegiertenversammlung gelegene unbenuzte Boden aufgeteilt werden. der landwirtschaftlichen Organisationen aller Länder in Warschau statt. Die Konferenz in Brugg beichlog, eine Kommission mit der Ausarbeitung eines Statutenentwurfes zu beauftragen, der dann der Warschauer Konferenz vorgelegt werden soll. Die Wirtschaftslage Argentiniens hat sich seit dem Kriege fehr günstig gestaltet und blieb auch seit dem großen Konjunkturjahr 1920 günstig. Der Außenhandel Argentiniens war bereits Dor dem Kriege sehr beträchtlich in Goldmark umgerechnet 2 Milliarden Einfuhr und 2 Milliarden Ausfuhr; feit dem Kriege hat er sich wesentlich gesteigert. So betrug 1923 die Einfuhr nach Argentinien 2,8, die Ausfuhr von dort 2,5 Milliarden. Günstige Getreideernten, auch eine großzügige Obst rad Konservenproduktion und die gesteigerte Nachfrage nach argentinischem Fleisch, find für die Steigerung der Ausfuhr verantwortlich; die sehr gesteigerte Einfuhr ist dagegen dem erhöhten Lurusverbrauch der Reichen und insbesondere der städtischen Bevölkerung zu verdanten. Die Former selbst hatten non der Steigerung der Produktion menig Nuzen Die Verwertung des Getreides ebenso wie des Biebs liegt in den Händen einiger Großunternehmungen, die eine Monopolstellung haben. Sechs riesige Getreidefirmen kaufen das Getreide auf und führen es nach dem Ausland aus. Die Fleisch ausfuhr wird von fünf Riesentrusts beherrscht, Unfer vorzüglicher Rheinischer Apfel- Saft unvergoren, alkohol. frei, tft wieder einge troffen. Rifte, Inhalt 50 F1. m. 67,50 frei Haus Berlin. Milfix- Gesellschaft m.b.H. Berlin SO. 26, Bethanienufer 6. Tel.: Amt Moritzpl. 9507/9508) Dezimalwagen Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Keine SchaufensterReklame, dafür wesentl.biliigerePreise 40 Mark zahle ich für Mauserpistolen 7,63 mit Kasten, 1000 m Vis. und 30 cm lang gegen Nachnahme ArthurCzieselsky Breslau 8. Vorwerkstraße 62, Waffenhdl. Bevorstehende Ausfuhrerschwerung nach Desterreich. A.n 15. Of tober wird voraussichtlich der neue österreichische Zolltarif, der Er höhungen der Einfuhrzölle vorsicht, durch die die deutsche Ausfuhranach Desterreich zum größten Teil unmöglich gemacht wird, in Kraft treten. Deutschland und Desterreich haben nun zwar im Hinblick auf den neuen Tarif ein Abkommen getroffen, das am 12. Juli 1924 in Brag unterzeichnet worden ist, wodurch Desterreich der deutschen Einfuhr für eine ganze Reihe von Waren Zollermäßi gungen und Zollbindungen zugestanden hat. Dieses Abkommen ist aber bisher weder von Desterreich noch von Deutschland ratifiziert und infolgedessen auch noch nicht in Kraft getreten. Erfolgt diese Ratifizierung nicht vor dem Infrafttreten des neuen öfter reichischen Zoiltarifs, womit nicht zu rechnen ist, so tommen für die Einfuhr aus Deutschland nicht die vertragsmäßigen 3oljäze, Neue Schuhpflege! Wenn Sie auf elegantes Aussehen Ihrer Schuhe Wert legen, so dürfen Sie nicht Unmassen farbiger, harziger, unangenehm riechender Schuhcreme auftragen. In wenigen Tagen ist das empfindliche Leder unansehnlich und wird brüchig und hart. Benuzen Sie deshalb die farblose überfettete wohlriechende Edelcreme Tuberan. 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Wo nicht erhältlich, wende man sich direkt an die Eka- Gesellschaft Berlin S 11, Hafenplatz 10 Portofreie Zusendung einer Orig.- Dadung( ½ Pfb.) gegen Einsendung von Gm. 1.Detailliffen und Großabnehmer verlangen Sonderpreise! wendung, wodurch der deutsch- österreichische Handel sehr erschwert, band hat deshalb an die zuständigen Reichsbehörden die dringende zum Teil unmöglich gemacht würde. Der Außenhandelsverschen Wirtschaftsabkommens bis zum Inkrafttreten des österreichischen Bitte gerichtet, daß, wenn eine Ratifizierung des deutsch- österreichiZoltarifs nicht erfolgen fann, das Abkommen vom 12. Juli nadh dem Muster des deutsch- spanischen Abkommens vorbehaltlich der späteren Ratifizierung in Kraft gesetzt wird. Zur Industrialisierung Indiens. Das Buch G. M. Broughtons über die Arbeitsverhältnisse in Indien enthält lehrreiche Ausfünfte über die Industrialisierung dieses Landes. Das Elend der und zum Abſtrömen in die Stadt. Die Bevölkerungsvermehrung ift landwirtschaftlichen Bevölkerung führt zum Verlassen des Landes außerordentlich groß und erreicht besonders in den fruchtbaren Bropinzen einen sehr hohen Grad. In anderen Provinzen find infolge der Dürre Hungersnöte an der Tagesordnung. Die Entwicklung der Maschinenindustrie im Westen, die Eisenbahn und andere Berkehrs. einrichtungen machen den ländlichen Handwerker eine gefährliche Konkurrenz. Deshalb ist eine rapide Zunahme der fapi Es gibt talistischen Industriebetriebe zu verzeichnen. zwei große Industriestädte in Indien: Bombay und Kalkutta, beide mit über einer Million Einwohnern. Die erstere ist das große Zentrum für Baumwollverarbeitung, die letztere für Jute. Ahmedabad, Cawnpore, Madras, Nagpur, Sholapur und Bangalore besigen fämtliche große Baumwollfabriken und Cawnpore Woilfa= brifen. Sowohl die Jute als die Baumwollverarbeitung sind außerordentlich gewinnbringend. Die jährlich als Dividenden verteilten Profite sind in der Regel zweimal so hoch als die gesamte ohn summe. Die große Mehrheit der Baumwollfabriken steht im Befiz und unter Leitung von Indern; von den Jutefabriken ge= hören 60 Prozent den Indern, die Betriebsleiter sind aber zumeist Schotten. Das Buch Mis Broughtons enthält die Beschreibung des jammer vollen Loses der indischen Fabritarbeiter, die ihre Löhne in der Regel erst verspätet erhalten, und sich in Schulden stürzen müssen, der elenden Wohnungsverhältnisse und der neuesten Bestrebungen zur Erfämpfung sozialer Reformen. Symbol der Reinheit 99 Wir haben unseren guten Grund gehabt, auf jedem Paket den„, Schwan", das Symbol der Reinheit, abzubilden, weil Schwan im Blauband" das Reinste und Hygienischste auf diesem Gebiet darstellt. MARGARINE Wenn Sie sich selbst davon überzeugen wollen, dass wir dieses erreicht haben, so kaufen Sie ein Paket der Feinkostmargarine ,, Schwan im Blauband". 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L) Die genossenschaftliche Arbeitersiedlung ( Von Heinrich König) Denkschrift über die Reorganisation der städtischen Wohnungsneubaupolitik/ Städtebau, Stadtrecht und Bodenrecht( Von Stadtbaurat Hans Allwang) Gesetzgebung Verwaltung/ Notizen Preis des Heftes 60 Pf. Zu beziehen durch: Buchhand!. J. H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 2 amdon nt.47S ♦4t.?ot>r0ött0 2ch �0n&0irt0 5rettag,?H. Oktober 1424 Allzulange können wir üie Tür nicht mehr aufstehen lasten— ürinnen zieht's. Hausteine zur Soziologie. Zum vierten deutschen Soziologeutag. Die Deutsche Soziologische Gesellschaft hielt soeben den vierten deutschen Soziologentag in Heidelberg ab. Die Soziologie ist eine junge Wissenschast in Deutschland. Wer gewohnt ist, wissenschaftliche Resultate unter dein Ge- sichtswinkel der Sensation zu sehen, darf sich nicht an die So- ziologie halten. Sie zerschießt keine Atome und beglückt die Welt nicht durch Entdeckung gewaltiger Energiequellen. Sie fabriziert weder Gold noch Eiweiß— sie hat es nur mit dem Menschen in der Gesellschaft und den gesellschaft- lichen Gebilden zu tun. Im Hervortreten der Soziologie spiegelt sich eine Aenderung in der geistigen Haltung. Stand bisher Erforschung und Beherrschung der N a t u r im Vorder- grund des wissenschaftlichen Denkens, und des Interesses der Oeffenllichkeit an der Wissenschaft, so rückt jetzt immer mehr der Mensch und seine Problematik, die Gesellschaft und die Erziehung der gesellschaftlichen Gebilde in den Mittel- punkt. Man hört auf, den Menschen entweder als Maschine oder als Gott zu sehen. Er wird entmoschinisiert und ent- gottet. Damit ist eine allgemeine Richtung wissenschaftlichen Strebens, eine allgemeine geistige Haltung bezeichnet, aber noch nicht das Aufgabengebiet einer Wissenschaft umrissen. Es gibt Soziologie als Lehrgegenstand an den Universitäten, es gibt Soziologen und es gibt eine sich immer mehr aus- bildende wertvolle soziologische Literatur. Aber was ist So- Magie? Wie ist diese Wissenschast abgegrenzt gegen andere Wissenschaften? Diese Fragestellung beherrschte— ausgesprochen und unausgesprochen— den vierten deutschen Sozio- logentag. Mit einer bitteren Selbstironie begrüßte Adolf Wohn-Hudelberg seine Kollegen:„Wir gleichen einem Waggon voll Ladies, die alle gegeneinander schreien und alle etwas anderes wollen"... Aber aus Babies werden Rtänner und Frauen. Die allgemeine Linie wurde in den Auseinandersetzungen sichtbar, werwolle Einzelresultate der Arbeit der soziologischen Forschung traten hervor. Was ist Soziologie? Die besten Vertreter der jungen Wissenfchask haben in einer Versammlung, die eine wissenschaftliche und geistige Auslese vereinigte, über die Frage miteinander ge- stritten und mußten sie doch, so wie sie so gestellt ist, offen lassen. Es ist nicht die Aufgabe des Tagesschriftstellers». die Definitionen zu geben, die die Wissenschaft selbst noch nicht geben kann oder will. Er muß sich begnügen, die Wege der Wissenschaft zur Beantwortung der Frage der breiten Oeffent- lichkeit zu zeigen und die allgemeine Richtung anzudeuten. Die Referate und Auseinandersetzungen auf dem Sozio- logentag bezogen sich auf die beiden Themen:„Soziologie und Sozialpolitik" und„Soziale Struktur und Wissenschaft". Als Referenten sprachen Prof. Adolf Günther- Innsbruck und Prof. Ludwig H e y d e, Prof. Max S ch e l e r und Prof. Max Adler. An den Diskussionen nahmen u. a. teil die Herren Botkivich, Zyezang, Goldscheid, Weber, Schuster, Sulzbach, Meusel. Die erste Problemstellung„Soziologie und So- z i a l p o l i t i k" sollte der Klärung der Beziehungen zwischen der Wissenschaft der Soziologie und zwischen der Sozial- Politik dienen. Ist Sozialpolitik nur praktisches Handeln und die Kunstlehre dafür, oder umschreibt der Begriff mehr? Das ist die Fragestellung, die sich sofort ergab, und nach der De- finition des Begriffes drängte. Dabei zeigte sich in den beiden Referaten ein Bestreben, das in gewisser Parallele zu den aktuellen Vorgängen auf dem Gebiete der praktischen Sozial- politik steht. Die praktische Sozialpolitik ist«ine konkrete, historisch bedingte Erscheinung. Sie erlebt eine Krise. In dieser kritischen Situation zeigen ihre wissenschaftlichen Ver- treter— die beiden ersten Referenten sind in erster Linie Sozialpolitiker— eine gewisse Resignationsstimmung, wie sich Max Adler ausdrückte. Diese Resignationsstimmung gegen- über dem praktischen sozialpolitischen Handeln findet wissen- schaftlich darin ihren Ausdruck, daß die Referenten nach einer Definition strebten, die den Begriff der Sozialpolitik aus der historischen Bedingtheit herausheben sollte. Wir möchten sagen, sie strebten nach einer Reabsolutierung des Begriffes der Sozialpolitik. H e y d e definierte:„Sozialpolitik ist der Komplex derjenigen planmäßigen Maßnahmen, deren pri- m ä r e r Z w e ck es ist, das Verhältnis der Klassen oder Stände zueinander und zum Staate zu verändern." Damit schuf er eine Begriffserklärung, die weder der konkreten Er- scheinung der Sozialpolitik im Kapitalismus gerecht wird, noch eine scharfe Abgrenzung gegenüber der allgemeinen Politik im konkreten Falle gestattet. Ausschlaggebend dafür, ob im konkreten Falle Sozialpolitik vorlieat, wird damit eine sor- male Zwecksetzung. Von der historischen Bedingtheit und der auf ein Werturteil zurückgehenden Zwecksetzung wird dabei abgesehen. Nach dieser Definition wäre das, was im allge- meinen Sprachgebrauch und namentlich in der politischen Terminologie als Gegenpol von Sozialpolitik empfunden wird, ebenfalls Sozialpolitik. So wäre auch die Lohnpolitik des Unternehmertums in der letzten Zeit und der Kampf gegen den Achtstundentag— Sozialpolitik. Diese Begriffserklärung faßt sowohl soziale Reform als auch soziale Reaktion zusam- men unter dem Begriffe Sozialpolitik. Eine solche Fassung d»s Begriffes ist durchaus möglich. Nur steht sie so stark im Gegensatz zu dem, was Sozialpolitik als Willensrichtung im 19. und 20. Jahrhundert war. daß sie zu gefährlicher Ver- wirrung, zu einem gefährlichen Aneinandervorbeireden von Theoretikern und Praktikern der Sozialpolitik führen kann. In der Aussprache über die Referate fand deshalb die Definition sehr starken Widerspruch. Prof. v. Botkivich wies auf die historische Bedingtheit der Sozialpolitik als Korrektrv des kapitalistischen Systems hin. Prof. Zyczang betonte scharf, daß die Sozialpolitik hervorgewachsen sei aus der geltenden Wirtschaftsordnung feit der französischen Revolution im Kampfe gegen die Mängel und Fehler der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die sich auf dem Prinzip der Wirtschaft- lichen Selbstverantwortung des Individuums aufbaue. Er definierte deshalb:„Die Sozialpolitik ist die Lehre von der juristischen Formulierung der Verantwortlichkeit in den Fällen, wo dem Individuum die Selbstverantwortlichkeit ab- genommen und auf andere Personen oder auf ein Kollek- tivum übertragen wurde.", Hinter den Bemühungen um eine Begriffserklärung der Sozialpolitik treten die Erörterungen über das Verhältnis doo Sozialpolitik und Soziologie sehr stark rn den Hinter- grund. Prof. Günther wollte zwischen die Wissenschaft der Soziologie und das praktische Handeln der Sozialpolitik eine theoretische Sozialpolitik einschieben, eine Art von sozial- ethischer Normenlehre, die die Werturteile und Zwecksetzunaen der Sozialpolitik wissenschaftlicher Betrachtung zu unterziehen habe, so daß sich analog dem Zusammenhang zwischen Psycho- logie— Ethik— Pädagogik ein Zusammenhang Soziologie- theoretische Sozialpolitik— praktische Sozialpolitik ergebe. Für Prof. H e y d e ist die Soziologie für den vozialvolitiker eine Art Hilfswissenschaft, die ihm' Besinnung über die zu allen Zeiten ähnliche Beziehungsproblematik schenken und ihm Ein- fühlungsvermögen In das ihm Willensfremde geben könne, so daß aus der wissenschaftlichen Vertiefung Toleranz er- wachse. Füb G o l d s ch e i d und auch für Max Adler ist Sozialpolitik angewandte Soziologie. Dies Verhältnis umriß Goldfcheid mit folgenden Worten:„Die Sozial- Politik ist als Theorie ein Teil der Soziologie, und zwar der Teil, den man als Menfchenökonomie bezeichnen kann, als Praxis eine Anwendung der wissenschaftlichen Erfahrung". Dabei herrschte durchaus nicht Uebereinstimmung über den anderen Ausgangspunkt: was ist Soziologie? Heyda und G g n t h e r faßten Soziologie im Sinne von W i e s e s als Beziehungslehre, als formale Soziologie, Gold- scheid als Lehre von der sozialen Entwicklung, die den funktionalen Beziehungen der gesellschaftlichen Gebilde nach�gel�n hcchi � � j � Wer gewohnt ist, marxistisch zu denken, der fragt unwillkürlich: ist es nicht das eigentliche Gebiet des marxistischen Denkens, die wissenschaftliche Dprch- dringung aller gesellschaftlichen Verhältnisse, um funktionale Beziehungen aufzudecken, ohne sich auf die Oekonomie und die formale Politik zu beschränken, das Denken des Menschen aus seinem gesellschaftlichen Sein zu erklären und damit zur Aufdeckung funktionaler Beziehungen zwischen den Wert» urteilen und Zwecksetzungen, zwischen den Ideologien der Menschen und ihrem gesellschaftlichen Sein zu gelangen. Gäbe es nicht einen unerforschbaren und unerklärbaren Rest im Menschen— diese Methodik könnte die Geschichte aufzeigen als ein Netz restlos erklärbaren funktionaler Beziehungen. Die Geschichte würde zur Soziologie werden. So muß sich die Soziologie daraus beschränken, das Typische und Wieder- kehrende herauszuarbeiten, während die Geschichte das Kon- trete und Einmalige zeigt. Die marxistische Methode ist sozio- logische Methode. Aber gibt es eine marxistische Soziologie als geschlossenes System? Es ist damit wie mit anderen So- ziologien: es gibt dazu einen Bauplan und wertvolle Bau- steine— aber kein geschlossenes, erschöpfendes, unser intel- lektuelles Unbehagen angesichts ungelöster Probleme restlos befriedigendes System. Indessen wird rastlos am Ausbau einer umfassenden Soziologie gearbeitet— von allen Seiten her, und wir möchten heute schon behaupten, daß, je weiter die Arbeiten voranschreiten, Marxismus und Wissenschaft ein- ander immer näherkommen und zusammenfließen. Wertvolles und dauerndes hat der Marxismus der Wissenschaft gegeben mit seinen Gesichtspunkten und seiner Methodik— die„bürgerliche" Wissenschaft aber steuert wertvolle Einzelforschung und wertvolle Einzelerkenntnis, wertvolle Systematisierungs- versuche bei. Eine allgemeine Aenderung der geistigen Hat- tung, die Betonung der menschlichen Problematik durchbricht die Befangenheit im naturwissenschaftlichen Denken des 19. Jahrhunderts und räumt die Hemmungen beiseite, die auf dem Wege zu einer umfassenden Soziologie in der Mechanisierung und Materialisieruna des Marxismus be- standen haben. Die Wissenschast als Einheit über den Einzel- strebungen ist aus dem Marsche zu einer umfassenden Soziologie. Das sind die allgemeinen Resultate, die wir aus den Referaten und der Auseinandersetzung über das zweite Problem:„Soziale Struktur und Wissenschaft" ziehen möchten. Das Problem war: wie ist den verschiedenen Arten des Verstehens die verschiedene Struktur der Gesellschaft koordiniert, gibt es eme Art, von der Wissenschaft aus zu verstehen, wie der Mensch die Welt versteht? Es handelte sich also um eine Art Erkenntniskritik der Soziologie. Im alten marxistischen Sprachgebrauch um das Problem, ob und wie die Wissenschaft als Teil des ideologischen Ueberbaucs von der ökonomischen Basis abhängt, in welchen Wechselbeziehungen sie zu anderen Gebilden des ideologischen Ueberbaues steht und wie sie auf die Basis zurückwirkt. Der Marxismus hat den funktionalen Zusammenhang behauptet— nun gilt es, die Behauptung am Sachproblem zu erweisen. MaxScheler unternahm es, die Beziehungen des wissenschaftlichen Erkennens zu Religion, Wirtschaft, Technik, Politik zu untersuchen. M ax A d le r be- handelte im Korreferat die Ausführungen Max Schelers kritisch vom Standpunkt des strengen neukantianischen Marxismus aus. Vom Standpunkt des strengen Marxismus im Sinne Abg. Mehenthin( D. Bp.) trat für hauptamtlichen Schulunterricht ein. Abg. Meyer- Rheine( Soz.) wünschte Belohnung und Beförderung der Beamten, die sich um die Republik verdient gemacht hätten. Adlers aus: ein Vertreter der bürgerlichen Wissenschaft und| Schutzpolizei habe sich in allen Kreisen der Bevölkerung einen starken ein Vertreter der proletarischen Wissenschaft gingen dem Pro- Rückhalt erworben. blem zu Leibe und setzten sich gleichzeitig miteinander auseinander. Daß dabei scharfe Unterschiede in den Anschauungen neben vielem Gemeinsamen hervortraten, und vor allem scharfe Unterschiede des Standpunktes, ist selbstverständlich. Aber so paradog es flingt, möchten wir doch sagen: es kennzeichnet die im Werke befindliche Synthese, daß man beide als Marristen anerkennen muß- ja, man wußte manchmal nicht, wer der beffere Marrist ist. Um das überhaupt festzustellen: unter den in Heidelberg versammelten Gelehrten es war eine Auslese war fast ein Wettlauf, wesentliches und wertvolles des Marrismus zu bejahen. Auf das Materielle und die Feinheiten der welt- und zeitumspannenden Referate einzugehen, muß ein lediglich orien tierender Bericht sich versagen. Ueber das Problem erscheint eben ein von Scheler herausgegebenes Wert, und Mag Auf fommunistische Beschwerden erklärt Ministerialrat Abegg, der Polizeischutz gelte dem gesamten Volke. In Düsseldorf befinde sich keine Schuhpolizei mehr, sondern nur noch Kommunalbeamte. Mit der Räumung von Dortmund werde eine weitere Gelegenheit zur Unterbringung der zurückgezogenen Ersatzpolizei sein. v. Dryander( Dnat.), Rüffer( Dnat.) und Bartelt( Dem.) wies MiNach weiteren Ausführungen der Abgg. Eichhoff( D. Bp.), Dr. Adler hat eine eingehende Auseinandersetzung damit ange Die fündigt. Die Auseinandersetzung über die Standpunkte der Referenten, von denen aus fie an das Sachproblem herangingen, war ungemein reizvoll. Der Marrismus hat als wissenschaftliche Schule wie jede wissenschaftliche Schule um feine Anerkennung gefämpft, und andere Schulen haben gegen ihn gefämpft. Der Eifer und die Tradition diefes Kampfes ging noch durch diese Auseinandersetzung, und bot auf beiden Seiten der Diskutierenden dem Beobachter Anlaß zu soziologischen Betrachtungen über die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Kampf der Gelehrtenschulen, zwischen Wissenschaft und politischer Konstellation. Philo fophische Voraussetzungen wurden in den Streit einbezogen: das Verhältnis von Denken und Sein, die Stellung zum Spiritualismus, zum Positivismus. Das Bekenntnis Mar Adlers zu Rant bewirkte ein reizvolles Durcheinander. Wer über die angedeuteten Probleme dogmatisch denkt, wer urteilt: falscher Standpunkt oder richtiger Standpunkt, der fonnte bei dieser Auseinandersetzung einigermaßen in Verwirrung geraten. Vom Standpunkt solchen Urteilens aus fönnte man aus den Ergebnissen und Erfahrungen des vierten deutschen Soziologentages den Schluß ziehen: der Marrismus hat über die bürgerliche Wissenschaft einen großen Sieg davongetragen, weil er fiegt, wird und muß er als Marrismus aufhören. Aber das sind Worte, die in der Wissenschaft die Schule und den Streit der Schulen sehen und damit die brennenden fachlichen Probleme verdunkeln, die es zu lösen gilt. Für diese Arbeit hat der vierte deutsche Soziologentag überaus wertvolle Richtlinien und Anregungen gegeben. Er hat Bausteine geschaffen zu einer umfassenden Soziologie. Was ist Soziologie? Die rastlose Arbeit geht weiter. Bald hoffentlich werden die Resultate der Arbeit befriedigendere Antwort geben als jede Begriffserklärung. Die Frauen- Werbewoche vom 12. bis 18. Oktober 1924 wird eingeleitet durch die Bezirks- Frauenkonferenz 6. Kreis Kreuzberg. Connabend, Sen 11. Oktober, 7 Uhr, erster misfere schaftlicher Diskussionsabend für Beamte in der Juristischen Sprech stunde, Lindenstr. 3. Thema: Dittatur des Porletariats." Ref.: Ga nosse Schöne 7. Areis Charlottenburg. Sonnabend, den 11. Oftober, von 5-7 Uhr int Arbeiterjugendheim, Rosinenſtr. 4, monatliche Sprech- und Rassenstunden der Freien Schulgemeinde. Unentgeltlicher Rat und Auskunft in allea Schulfragen. Eintrittskarten zum Filmabend. 17. Arcis Lichtenberg. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde! Sonnabend, den 11. Oktober, 7% Uhr, in der Bibliothek, Weichselstraße, Bersamats Yung der Helfer und Helferinnen. 3. Kreis Wedding. Sonntag, den 12. Oktober, in allen Abteilungen Flugs blattverteilung( Frauenstimme). Keiner darf fehlen. Heute, Freitag, den 10. Oktober: 62. Abt. Siemensstadt. 7% Uhr Lokal Sundheim, Nonnendammallee, Edd Märkischer Steig, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Re ventlow: ,, Kultur und Partei." 101, und 102. Abt. Bildungsausschuß. 8 Uhr in der Treptower Sternwate Vorführung des Steinach- Films". Karten an der Kaffe 60 Pf. Jugend liche haben teinen Zutritt. Jungsozialisten, Gruppe Schöneberg. 8 Uhr Jugendheim in der 1. Gemeindes schule, Feurigstr. 7. Bortrag des Genossen Simon Rabenstein: Sozia listische Jugend und Lebensreform." Norden. 7½ Uhr im Ledigende heim, Schönstedtstr. 1, Jugendheim Orthstraße. Aussprache und Lese abend: Staatsformen." Erscheint pünktlich und zahlreich. 17. Abt. Morgen, Sonnabend, den 11. Oktober: Gemütliches Beisammensein mit Tanz im Gesellschaftshaus, Trifts straße 69. Karten sind noch bei den Bezirksführern zu haben. 31. Abt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich mit ihren saule entlaffenen Rindern an der am Sonnabend in der Schulaula Schöne fließer Straße 7, abends 7 Uhr, stattfindenden Schulentlassungsfeier. 39. Abt. 6 Uhr pünktlich in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Ordnerfizung. Kurze wichtige Besprechung. 47. Abt. 7 Uhr Sigung der Kommunalen Kommission bei Gesche, Wrangel straße 21. Bortrag des Stadtrats Gen. Bruns über: ,, Jugendfürsorge". Wahl des Obmanns. Außer den Mitgliedern der Kommunalen Rome am Sonntag, den 12. Oftober, vorm. 10 Uhr, im Sigungsfaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3( nicht Sophiensfäle). miffion find intereffierte Genoffen willkommen. ot Tagesordnung: 1. Die Frau im politischen Kampf. Referentin: Gen. Mathilde Wurm. 2. Der jittliche Gedanke in der sozialistischen Weltanschauung. Referentin: Genoffin Clara Bohm- Schuch. 3. Die sozialistische Erziehungsarbeit. Referentin: Genoffin Liesbeth Riedger. 4. Die Kulturarbeit der Partei. Referentin: Gen. Minna Todenhagen. Um Pünktlichkeit wird dringend gebeten. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die Theaterabonnements und die Feierstundekarten müssen heute, Frcis tag, den 10. d. M., abgerechnet werden. Achtung! Teilnehmer am Chorwerk Das Rad". Heute abend 8 Uhr Probe im Jugendheim, Lindenstr. 3. Alle Genossen und Genossinnen müssen erscheinen. nisterialdirektor Abegg gegenüber einer von mehreren fommuniſti[ TT]][[[[]]]]][[[ ITE schen Rednern vorgebrachten Beschwerde auf die dringende Notwendigkeit einer besseren Unterbringung der Schutzpolizeibeamten hin, besonders in Oberschlesien und in den Westmarken. mann( Komm.) weitere Fälle angeführt hatten, die beweisen sollten, Nachdem die Abgg. Dahlem, Frau Wolfftein, Kilian und Schudaß die Polizeibeamten bei ihren dienstlichen Verfehlungen von den Gerichten geschont und sogar begünstigt würden, wurden die noch ausstehenden Abstimmungen auf den 16. Oftober vertagt. Die nächste Sitzung findet am Freitag vormittag, 10 Uhr, statt: Personalabbauverordnung und Forstetat. Schluß gegen 125 Uhr. Achtung, Abteilungskassierer! Heute, Freitag, von 5 bis 7 Uhr, Abrech nung der Beitragsmarken, Empfangnahme der Festschrift. Jede Abteilung muß ihren Kassierer entsenden. Der Arbeitsplan des Landtags. Schutzpolizeidebatte im Landtag. nächſt der Antrag der Sozialdemokraten, des Zentrums Heute, Freitag, den 10. Oktober, abends 7% Uhr: Brig. Jugendheim, Chauffeeftr. 48, Diskussion: ,, Warum bin ich Mit glied der SAJ.?" Faltenberg. Am Falkenberg 117, Diskussion: Unser Elternabend." Salensee. Schule, Joachim- Friedrich- Str. 35/36, Einführungsabend. Lichtenberg- Rord. Jugendheim, Parkaue 10, Vortrag: wed und Riele". Luisenstadt. Badeanstalt Baerwaldstraße 54, Einführungsabend. Moabit I. Schule, Waldenser Str. 20, Einführungsabend. Reukölln IL. Jugendheim Nogatstr. 53, Einführungsabend. Niederschönhausen. Schule, Blankenburger Str. 70, Vortrag: Die Geschichte der Berliner Arbeiters bewegung." Riebeschöneweide. Schule, Berliner Str. 31, Vortrag: ,.20 Jahre Arbeiterjugend." Rosenthaler Vorstadt. Landesgemeindehaus, Sophienstr. 23, Vortrag: ,, Soz. Jugendbewegung." Schöneberg I. Rubens, Ede Hauptstraße, Vortrag: ,, Entstehung und Entwicklung der proletarischer Jugend." Schöneberg II. Schule, Frankenstraße 10. Diskussion: Unsere Winterarbeit." Steglig II. Jugendheim, Holsteinische Straße 3, Vortrag: ,, Rörperpfleg." Südost G.-B. Schule, Görliger Straße, Einführungsabend. Südost, K.-B. Jugendheim, Mariannenufer la, Bortrag: ,, Beethoven und seine 9. Sinfonie." Tegel. Jugendheim, Bahnhofstr. 15, Vortrag: ,, Arbeitsdienstpflicht.' Treptow. Jugendheim, Elsenstr. 3, Vortrag: Her versammlung. Werbebezirk Webbing! Morgen, Gonnabend, den 11 Oktober, abends 7 Uhr, Aula der 14. Realschule, Schulentlassungsfeier. Musik. Regitationen. Boltstänze. Jugendspiel. Unkostenbeitrag 30 Pf. Kinder und Schulentlassene haben freien Eintritt. Der Aeltestenrat des Landtags beriet am Donnerstag vor Der Blenarsizung über die Geschäftslage. Am Freitag soll zuund der Demokraten behandelt werden, wonach eine Abände= Der Landtag seßte gestern die Einzelberatung des Haushalts rung der Personalabbauverordnung dahin erfolgen mann Löns".- Weißensee. Realgymnasium, Woeldpromenade, Mitglieder des Ministeriums des Innern fort. Die Ausgaben für das Landes- soll, daß der Beschluß, durch den ein Magistratsmitglied einstweilen wasseramt wurden bewilligt. Bei den Ausgaben für die in den Ruhestand versetzt wird, zu seiner Rechtswirksamkeit der 3 u= Polizeiver waitung in Berlin beantragte Abg. Ebers- stimmung der Aufsichtsbehörde bedarf. Dieses Gesetz bach( Dnat.), die für die Berufsschulleiter vorgesehenen Beamten- foll rückwirkend vom 1. September 1924 an in Kraft stellen zu feichen. treten. Daran wird sich die zweite Lesung des Forstetats schließen. Der Sonnabend, Montag und Dienstag sollen dann fizungsfrei bleiben. Am Mittwoch ist Schwerinstag, d. h. es werden Anträge aus dem Hause behandelt werden, u. a. auch der fommunistische Antrag auf Amtsentsegung des Präsidenten Leinert. Die Frage der Vermögensauseinandersetzung mit den Hohenzollern wird beim Finanzministerium behandelt werden. Borher soll noch die zweite Lesung des Haushalts des Volkswohlfahrtsministeriums erledigt werden. Abg. Paul Hoffmann( Komm.) befürwortete einen Antrag, der angesichts der vielen Verkehrsunfälle ausreichende Entlohnung des Straßenbahnpersonals und Garantierung der achtstündigen Arbeitszeit fordert. Abg. Haseloff( Dnat.) trat für die Aufbefferung der Unterbeambengruppen der Polizeiverwaltung ein. Nachdem eine große Anzahl tommunistischer Redner weitere Einzelbeschwerden vorgebracht hatte, sprach Abg. Fischbed( Dem.) der Berliner Schußpolizei für ihr Verhaiten Dant aus. Abg. Dr. v. Dryauder( Dnat.) verlangt, daß bei politischen De monstrationen die Freitreppe und die 3ugänge zum Dom durch Parteinachrichten staatliche Polizei und nicht durch„ Ordner" freigehalten würden. Die Abgg. Gaertig- Breslau( Soz.) und Noad( Dnat.) brachten verschiedene Besoldungswünsche vor und verlangten Sicherstellung der Betriebsaffiftenten. Abg. Fink( 3.) verlangte vor allem Beseitigung des ausgedehnten wilden Handels. Ministerialdirektor Abegg erMlärte, daß das bisherige Syftem der nebenamtlichen Lehrkräfte nicht haltbar fei. Zur Berhinderung der Verkehrsunfälle sei alles mögliche geschehen; eine Abtrennung der Berkehrspolizei von der übrigen Polizei erscheine nicht angängig. Auch in den Besoldungsfragen sei zur Behebung von Notständen unter den Beamten das Möglichste getan worden. Die Berlin W. 68, Lindenstraße 3, Einsendungen für diese Rubrik sind für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Arbeitsgemeinschaft soz. Lehrer. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 11. Oktober, 6 Uhr abends pünktlich, im Sigungsfaal der Bezirksver ordnetenversammlung, Kreuzberg, Yordstr. 11( Station Belle- Alliance Straße der Nord- Süd- Bahn). Tagesordnung: 1. Internationale Bildungstonferenz in Oxford. Ref.: Dr. Löwenstein. 2. Kulturwoche in Leipzig. Schröter. 3. Schulprogramm der SPD. Dr. Löwenstein. 4. Berschiedenes. 14 Kreis Reukölln. Seute, Freitag, abend 7 Uhr, Funktionärinnenügung Nectarstr. 2. 17. Kreis Lichtenberg. Die Ordner treffen sich heute pünktlich in der Aula des Cecilienlygeums zur öffentlichen Brotestversammlung gegen den ge= planten Abbau des Stadtschulvats SiggeL Sport. Deutschland gegen Frankreich auf der Olympiabahn. Bon allen Seiten wurde die Direktion der Olympiabahn in Letzter Beit aufgefordert, große Ausländer, besonders Linart, Graffin usm zu bringen, um endlich einmal unsere großen Fahrer mit diesen Kanonen im Feuer zu sehen. Nach langen Verhandlungen ist es der Olympiabahn endlich gelungen, zwei große Ausländer zu verpflichten. Beide Fabrer, der französische Meisterfahrer 1924 Grassin und der Stundenweltreford mann Ruysseveldt starten am tommenden Sonntag zum ersten Male in Berlin und geht damit ein langgehegter Wunsch vieler Radsportfreunde in Erfüllung. Um sich von ihrer besten Seite zeigen zu können, bringen beide Fahrer ihre eigenen Schrittmachermaschinen und Schrittmacher mit. Graffin fährt hinter Pasquier und Ruysseveldt hinter Massicot Entsprechend der Stärke dieser Fahrer hielt es schwer, auch deutscherseits ernsthafte Gegner zu finden. Auch hier war die Olymbiabahn vom Glüd begünstigt, gelang es ihr doch, zwei unserer zurzeit besten Dauerfahrer, den deutschen Meister Karl Saldom, der wieder der große Fahrer von 1919 ist, und den auf der Olympiabahn eine Klasse für sich bildenden Walter Sata II zu verpflichten. In drei Dauerrennen über 20, 30 und 50 Kilometer trifft dieses Viererfeld zusammen. Fliegerrennen, für die unter anderen bereits Hahn, hoffmann usw. eingeschrieben sind, umrahmen die Dauerrennen. Die Rennen beginnen um 3 Uhr. Dyckhoff Esders& GERTRAUDTENSTR- 8-9 AN DER PETRIKIRCHE Besonders günstige Angebote für Herbst- und Winter- Kleidun Ulfer neueste Form M. 80.- 79.- 77.- 75,- 70,- 65, Wifer Cheviot M. 115. 100.- 90.in dunkel- und modefarbenem 8500 Uner for Qualit, allerbeste Aus- 14500 vorzügl. führ., M. 150.97.-, 77-. aus mittelfarben. 65.-, 59.-, 55.-, 47.50 52.-, 48.-, 3 teilig, M. 115.-, warm gefüit, m. Abzeichen Gr. 1 M. 27.- 17.75 Sport- Anzüge 43700| Knaben- Kieler- Pijacketts Sport- Anzüge 108., 99.- 92.50 70⁰⁰ Sport- Anzüge del 120. 4 teilig, M. 99'95. 86.- 8500 4900 Jünglings- Winter- Ulster 4500 Sakko- Anzüge gute Verarbeitg. M. 75.-, Cheviotstoff, E3800 Sakko- Anzüge solide Stoffe, beste Verarbeitung M. 110, 104.-, 98, 90.8500 Blaue Sakko- Anzüge Paletot dunkelgrau, Cheviot, M. 110.- 7500 M. 195. 9750 marengo, 155.-, Rock- Paletot 155 125. 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Hansa( Olejknif), 3. Hannar( D. Schmidt). Toto: 82:10. Blag: 72: 10. Ferner liefen: hatagirl, Rosenfelch, Carl Heinz. 5. Rennen. 1. Habicht( Jentsch), 2. Paloma( Breege), 3. Aufllärung ( Torte). Toto: 32: 10. Blaz: 12, 11: 10. Ferner lief: Olifant. 6. Rennen. 1. Abteilung: 1. Toga( Staudinger), 2. Palma ( Dlejnit), 3. Herenprinz( Bachmeier). Toto: 33:10. Blaz: 20, 18, 49:10. Ferner liesen: Franco, Sylt, Begonia, Klud, Felsenquelle, Reda, Nuppsad.. 2. Abteilung: 1. Mara( B. Zarras), 2. Rump( Senfpeil), 3. Beerstein Frigga, Dojan, Maita, Rebedame, Aarau, Gautler, Cabua. ( Torke). Toto: 23: 10. Blak: 14, 26, 27: 10. Ferner liefen: Boruffia, 7. Rennen. 1. Bietnik( Torte), 2. Valant( Breege). 3. Liebesgedanke( Olejnit). Too: 76: 10. Plat: 30, 72, 72: 10. Ferner liefen: Bandusia, Landdrost, Eifel, Dida, Arienta, Japs, Trajan, Stigmaria, Kadewitt, Brüderschaft. Der Europameister Clement. Der Gegner von Sabri Mahir am heutigen Freitag im Sportpala st ist der offizielle Titelhalter der Internationalen Boy- Union im Halbschwergewicht. Der Schweizer schlug die Landesmeister von Italien( Rino Contro) und von Belgien( ulios) und trat im vergangenen Frühjahr mit dem französischen Halbschwer gewichtsmeister Bonnel zum Kampf um den Titel an. Das Treffen fand in Genf statt, es endete nach 20 Runden mit dem Punttsieg bon Clement, Der junge Bonnel ist die französische Hoffnung". Clement verlor fürzlich nach Punkten gegen den Mulatten Jad Balfer, einem guten Mittelgewichtsborer, der mit Frattini, Devos, Prunier u. a. gelämpft hat. Geschäftliche Mitteilungen. Der Warenvertrieb des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Berlin G 14, Sebastian st r. 37/38, fiindigt heute in einem Inserat einen Poten verfehlen, diese wirklich günstige Gelegenheit Herrenlodenmäntel zu herabgesetzten Preisen an. Niemand follte das Stück kostet 19,25 Mr. wahrzunehmen. 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Die trauernde Witwe Emma Piezt. Achtung! Genoffinnen u. Genoffen des 15. u. 2. Areises fowie die Genoffen der anderen Kreise. Alle Genoffen, die am Sonntag, den 12. Oft., vorm. 91 U., nach d.„ Bofa für den Film Schmiedebestellt find, werden gebeten, nicht tommenden Sonntag, den 12, fondern am Sonntag, den 19. d. m., frih 91/2 U. bort zu erscheinen. J. A. Paul Hennig Ein Posten Herren- Lodenmäntel herabgesetzter Preis 19,25 Mark Manchesteranzüge, Windjacken Breeches- Hosen, Stutzen, Wickelgamaschen, Herrenstiefel sowie Sportartikel Warenvertrieb Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold Berlin S 14, Sebastianstraße 37/38, HofI Geschäftszeit von 9-5, Mittwochs Gegründet 1876 und Freitags von 9-7 Uhr Jeder Bewerber hat für 2- Pfd.- Packung 1.- G.-M.( nicht Briefmarken) und adressiertes Freituvert einzusenden. Abteilung Eta- Gesellschaft Raffeevertrieb Berlin SW., Hafenplatz 10, Ecke Röthener Straße Eka- Kaffee ist bekannt, beliebt, aromatisch u. billig! 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