Nr.480 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 244 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und 8eit" mit ,, Gied. lung und Kleingarten". fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Geldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. Aleine Anzeigen das fettgedruckte Bort 0,20 Gold. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche bas erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Am Schluß der gestrigen Besprechung des Reichstanzlers mit den Führern der Regierungsparteien, die um 7,15 Uhr begonnen hatte, und bis furz vor 8 Uhr dauerte, wurde folgender amtlicher Bericht ausgegeben: In der abends 7 1hr stattgehabten Besprechung des Reichsfanzlers mit den Fraktionsführern der Koalitionsparteien erklärten die Bertreter des Zentrums, daß ihre Frattion ihre endgültige Stellungnahme zur Frage der Regierungserweiterung sich vorbehalten müffe, da zurzeit zahlreiche Mitglieder von Berlin abwesend seien. Der Reichskanzler kam mit den Parteiführern überein, die nächste Zusammenkunft im Laufe des Dienstags abzuhalten." So der amtliche Bericht. Wir glauben jedoch, daß für die Bertagung der Krise noch andere Gründe wirkjam waren, von denen weiter unten die Rede ist. Die Demokratische Reichstagsfrattion trat um 4 Uhr nochmal zu einer Sitzung zusammen. Die Vorsitzenden berichteten über den Verlauf der Besprechung beim Reichskanzler. Der Führer des Zentrums habe dem Kanzler erklärt, er möge mit Rüdficht insbesondere auf die außenpolitischen Verhältnisse von einer Umbildung der Reglerung absehen. Die Führer der Demokraten hatten fich dieser Erklärung angeschloffen. Die Frattion billigte einmütig die haltung ihrer Betfreter. Die 3entrumsfrattion gelangte auch in ihrer gestrigen Situng noch zu feinem abschließenden Ergebnis. Als Grund dafür wird angegeben, daß die Stellungnahme der Demokraten noch nicht genügend geklärt sei.(!) Nach einer Meldung der Expreß- Korrespondenz" schweben zurzeit Verhandlungen zwischen den Deutschnationalen und der Bolkspartei, die darauf hinausgehen, die Kabinettsumbildung bis Januar zu vertagen. In diesem letzten Falle würde lediglich eine Besetzung der zurzeit unbefehten Ministerien in Frage kommen und zwar durch Persönlichkeiten, die als Fachminister gelten fönnen und den Deutschnationalen genehm sind. Als eine solche Persönlichkeit nennt man beispielsweise den früheren Staatssekretär im Reichsjuffizamt Müge. Die Sozialdemokraten haben, wie verlautet, bereits ihre Neutralität gegenüber einem fortbestehenden Kabinett Marg zugefagt.( Es ist selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie einem Uebergangsministerium zum Bürgerblod, das mit Rücksicht auf deutschnasionale Wünsche ergänzt würde, teine neutralität zugesagt hat und zusagen wird.) Die Krise ist vertagt! Entscheidende Beschlüsse werden erst in der nächsten Woche gefaßt. Werden sie wirklich? Grund der Vertagung ist die Erkenntnis, daß eine Verschärfung der Krise im gegenwärtigen Augenblick deutsche Wirtschaftsinteressen schwer schädigen und die Aussichten der Anleihe stark beeinträchtigen würden. Diese Erkenntnis soll den in Berlin handelnden Personen durch ein Telegramm aus dem Ausland zugänglich gemacht worden sein. Die Volkspartei und die Deutschnationalen spielen feit dem 29. August Regierungskrise. Sie sind die Parteien der fogenannten„ Wirtschaftskapitäne", das deutsche Unternehmertum steht zum großen Teil hinter ihnen. Jetzt haben sie die Bestätigung dafür erhalten, was hier schon oft gesagt worden ist, daß sie durch ihre politischen Intrigen die deutsche Wirtschaft in frivoler Weise schädi gen. Politik des deutschen Bürgertums! Durch den Bertagungsbeschluß ist der deutschen Wirtschaft eine Atempause von einigen Tagen verschafft worden. Vorausgesetzt, daß die deutschnationale Braut der Bürgerblockehe so lange ihre Sehnsucht aufs Eis legen kann. * Der Ruhepause, wenn sie wirklich eine ist, sei eine Betrachtung mehr allgemeiner Natur gewidmet.. " Man hat in den letzten Tagen soviel von Bolksge= meinschaft" geredet. Volksgemeinschaft" im Sinne des Miteinanderregierens von Parteien, die einander ihrer Natur nach aufs heftigste bekämpfen müssen, ist ein Unding. Durch den Streit um diese Volksgemeinschaft" ist eine andere noch mehr als bisher in den Boden getreten worden, eine Boltsgemeinschaft, die es immerhin geben fönnte, eine Volksgemeinschaft auf dem Gebiet der politischen Moral. Es gibt Dinge, die für jeden, auf welchem politischen Boden er immer stehen mag, aus ethischen Gründen einfach unerträglich sein müssen. Dazu gehört der Handelsver trag vom 29. August, durch den Abgeordnetenstimmen getauft und verkauft wurden gegen Wechsel, die auf vier Miniftergehälter lauteten. Es gibt in Deutschland eine ,, BoltsVorläufig bis Dienstag. gemeinschaft", die diesen Handelsvertrag verurteilt, und es ist immerhin ein Trost, daß sich auch viele Deutschnationale von ihr nicht ausschließen. Zwischen diesen Deutschnationalen und den Sozialdemokraten gibt es viel eher einen gemeinsamen Boden als zwischen den Sozialdemokraten und jenen anderen Deutschnationalen, die jetzt von der heiligkeit der Verträge" reden( Ritter- Waldeck in der Kreuz- Zeitung") oder die pathetisch deklamieren:" In Deutschland hat bisher immer noch gegolten: Ein Mann, ein Wort!"( ,, Hamburger Nachrichten"). Dieser gemeinsame Boden ist feineswegs ein politischer: im Gegenteil! Die jetzt zum Schweigen verurteilten anständigen Deutschnationalen sind viel schärfere Gegner der Sozialdemokratie als die Leute um Hergt, die ja früher einmal schon ganz ernstlich zu einer Koalition mit der Sozialdemokratie bereit gewesen wären und die jetzt bereit sind, Kleider, Hemd und Haut nach Belieben zu wechseln, wenn sie sich dadurch nur den Weg zu der von ihnen so genannten Futtertrippe" erschließen fönnen. Eine moralische Front gegen diese Leute über alle Parteigrenzen hinweg, das wäre eine wirkliche Boltsgemein schaft. Diese Volksgemeinschaft würde zwar die politischen Gegensäge nicht aus der Welt schaffen können, aber sie würde bewirken, daß man einander in Deutschland als Gegner wieder achten fönnte, sie würde die politische Atmosphäre Deutschlands von den mephitischen Dünsten reinigen, mit denen sie übersättigt ist. Statt dessen dürfen aber die Händler um Hergt sich selber als die ,, Moralischen" gebärden, ohne daß sich in ganz Deutschland ein einziger Schrei der Entrüstung dagegen erhebt. Weil die Sozialdemokratie nicht in die Falle ge= gangen ist, und sich nicht ohne weiteres aus den Verhandlungen ,, selbst ausgeschaltet" hat, wurde ihr von der deutschnationalen Bresse 3ynismus vorgeworfen. Als dann die Sozialdemokraten betonten, daß durch die Erklärungen der Deutschnationalen selbst die Unmöglichkeit einer politischen Gemeinschaft mit ihnen bewiesen sei, erhob sich sofort wieder ein hochmoralisches Geschrei darüber, daß die Sozialdemokraten in ihrer Niederträchtigkeit den edlen Plan des Reichskanzlers zerstört hätten. Aber nicht genug damit! Sofort nach der Ausschaltung der Sozialdemokraten erscheinen die deutschnationalen Händler Der britische Wahlkampf beginnt. bleiben." * London, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Alle politischen| Name wird mit diesem lobenswerten Bestreben stets verknüpft Parteien haben sich sofort in den Wahlkampf gestürzt. Die Zeit bis zum Wahltermin ist so kurz, daß wahrscheinlich schon am Sonna bend die Wahlmanifeste aller drei Parteien der Deffentlichkeit übergeben werden. Die Delegierten der Jahreskonferenz der Arbeiterpartei find noch am Donnerstag abend von London in ihre Wahlkreise abgereift. Die Konservativen hab n bereits am Freitag die ersten Wahlversammlungen abgehalten. Die Liberalen beginnen am Dienstag mit einer großen Versammlung in London, in der Lloyd George, Asquith und Simon sprechen werden. Das kabinett hat nicht abgedankt, es bleibt bis nach den Wahlen im Amt und wird erst demiffionieren, wenn es vor dem neuen Parlament eine Niederlage erleiden sollte. servativen wollen sich in 500 Wahlkreisen bewerben und die Liberalen in 200. Drei Abgeordnete, von jeder Partei einer, befinden sich im Auftrag des Parlaments und der Regierung auf einer Studienreife in Ostafrita. Damit sie ihre Arbeit nicht zu unterbrechen brauchen, wird eine Vereinbarung unter den Parteien angestrebt, den drei Abgeordneten das Mandat ohne Kampf zu sichern. Die Arbeiterpartei hat 400 Kandidaten aufgestellt. Die konLondon, 10. Oktober.( TU.) Wie vom Zentralausschuß der Arbeiterpartei bekanntgegeben wird, hat die Partei augenblicklich 370 Kandidaten, hofft aber diese Zahl noch auf 500 erhöhen zu können. Bertreter der Arbeiterpartei sind in 615 Bezirken land ausführen, aber in London selbst keine Wahlreden halten. tätig. Macdonald wird eine Wahlreise in ganz EngMacdonalds Sohn Malcolm, der augenblicklich in Amerika weilt, Macdonalds Sohn Malcolm, der augenblicklich in Amerifa meilt, kann an den Wahlen nicht teilnehmen; Macdonalds Tochter Isabel wird deshalb ihren Bruder vertreten. Als Kandidaten der Arbeiterpartei find u. a. der Sohn Clynes' aufgestellt, ebenso die beiden Söhne Hendersons, die die Wahlkampagne gegen Asquith und Lloyd George in der ersten Zeit leiten werden. Lloyd George in der ersten Zeit leiten werden. Das Wahlprogramm der Arbeiterpartei. London, 10. Oktober.( EP.) Das Wahlprogramm der Arbeiterpartei ist heute vom Premierminister entworfen worden; es wird alle Punkte des Programms umfassen, das vom Parteifongreß aufgestellt worden ist: 1. Nationalisierung der Gruben, 2. Nationalisierung der Nahrungsmittelindustrie, 3. neue Zufiche rungen in bezug auf die Behandlung der Arbeitslosigkeit, 4. neue Pläne für den Bau von Wohnungen, 5. alle alten Borschläge über die Nationalisierung der Elektrizitäts- unb Wasserrechte. Macdonald an den Völkerbund. London, 10. Oftober.( TU.) Der englische Premierminister sandte folgendes Telegramm an den Präsidenten des Völkerbundes:„ Anläßlich des Abschlusses der fünften Versammlung des Völkerbundes möchte ich Ihnen meine aufrichtigen Glückwünsche zu dem bemerkenswerten Erfolge aussprechen, der dem Völkerbund unter Shrer Präsidentschaft beschieden war. Ich bin überzeugt davon, daß turch die Arbeiten dieser fünften Völkerbundtagung ein entscheidender Fertschritt in der Entwicklung der Menschheit geleistet worden ist und daß diese Sigung auch von den kommenden Generationen als das Fruchtbar ste aller bisherigen Bemühungen zur Schaffung friedlicher Beziehungen zwischen den Bölkern angesehen wird. Ihr Wie WTB. erfährt, besagt die nun überreichte britische Antwort auf das Memorandum der Reichsregierung vom 29. September über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im wesentlichen, daß die englische Regierung feinen Widerspruch gegen einen st än digen Ratsiz für Deutschland erheben werde. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß der Zulassungsantrag nur dann Aussicht auf Annahme habe, wenn er ohne Bedingungen und Vorbehalte gestellt werde. Deshalb könne die englische Regierung hinsichtlich der übrigen deutscherseits aufgeworfenen Fragen auch feine Zusicherungen geben. Deutsch- französisches Handelskompromiß? Prinzipielle Einigung. Einzelberatungen bevorstehend. Paris, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandlungen sind, wie wir erfahren, heute zu einem gewissen vorläufigen Abschluß gelangt, indem man sich über das anzuwendende System prinzipiell geeinigt hat. Zwischen der von Deutschland gewünschten Meistbegünstigung und der von Frankreich angestrebten Methode gegenfeiliger Borzugsbehandlung für einzelne Warenfategorien ist es zu einem kompromis gekommen und es ist in Aussicht gedie es beiden Delegationen ermöglichen soll, vor Eintritt in die Einnommen, eine furze Pause in den Verhandlungen eintreten zu laffen, zelberatung der zu treffenden Regelung mit ihren Regierungen und den interessierten Industrien in Fühlung zu treten. Ueber den Stand der bisher geheim gehaltenen Berhandlungen wird morgen ein offizielles Kommuniqué veröffentlicht werben. Amerika in der Reparationskommission. er Paris, 10. Oktober.( WTB.) Die Repfo hat, wie bereits berichtet, heute vormittag ein Exposé des Kommissars für die Reichseisenbahngesellschaft Leverve entgegengenommen und hierauf die des Transferierungsfomitees Mitglieder nannt, deren Namen am Montag belanntgegeben werden. Am Nachmittag hat die Repto das amerikanische Mitglied der Repko ernannt, dessen Name ebenfalls erst am Montag tekannt gegegeben wird. Echließlich hat die Repko die Annahmebedin= gungen, wie sie in London festgelegt wurden, genehmigt, und zwar nach einem Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen Owen Young. Es sind nunmehr alle Bedin= gungen für die zweite der im Londoner Abkommen vorgesehenen Feststellungen erfüllt. Diese wird am Montag vormittag, 1% Uhr durch die Repto vorgenommen. werden. Reparation an Rumänien. Bukarest, 10. Oftober.( Rumän. Tel.- Agentur.) Deutschland, das die Naturallieferungen auf Reparationskonto eingestellt hatte, wird sie nun in Ausführung des Dawes- Planes weiter leisten. Für September und Oktober soll Rumänien für 1,2 Millionen Goldmark Eisenbahnmaterial erhalten. In dieser Angelegenheit wird eine aus drei Ingenieuren bestehende Kommission nach Berlin reisen, während der Generaldirektor der rumänischen Eisenbahnen, Pretorian, nach Paris fährt, um dort mit der Reparationsfommission über Einzelheiten zu verhandeln. beim Reichstanzler, um diesem zu versichern, daß sie nunmehr die von der deutschnationalen Provinzpresse als Richtlinien zu ,, hinterhältig" gebrandmarkten ich luden entschlossen seien. Diese Leute sind also bereit, den Schutz der republikanischen Verfassung und der verfassungsmäßigen Reichsfarben Schwarz- Rot- Gold zu übernehmen, sie sind bereit, die Londoner Verftlavungsverträge", für die sie jede Berantwortung ablehnen, loyal ausführen zu helfen. Fest steht und treu die deutschnationale Wacht bei der Berfaffung vom 11. August 1919 und bei der„ Erfüllungspolitit". Ben da nicht ein Grausen padt, der hat jedes Gefühl dafür verloren, daß schließlich auch das Geschäft der Politit ein gewiffes Mindestmaß von öffentlicher Moral und Sauberfeit erfordert. Begreifen denn die Leute, die mit ihrer nationalen Gesinnung prunken, nicht, daß sie durch solche Praktiken, durch ihre Duldung und Anerkennung, die deutsche Nation vor den Augen der Welt schänden und daß man sich schämen muß, em Deutscher zu sein, wenn hierzulande der Kampf um weltanschauliche Gegenfäge auf das Niveau eines schmugigen Händlertums herabgedrückt wird? Lernt doch wieder, die politischen Gegenfäße ehrlich und sauber auszu tragen, ohne Geschacher und Geschiebe, ohne Palaftintrigen und Hintertreppenmanöver! Dann erft wird über alle Gegensäge der Parteien und Klassen hinweg etwas wie eine wirtliche Boltsgemeinschaft möglich sein, eine Gemeinschaft im Moralischen, das sich leider nicht von selbst versteht. Würde der Berliner Batt ausgeführt, so fäme das einer moralischen Selbstvernichtung Deutschlands gleich. Daß sich gegen ihn nicht sofort eine Boltsgemeinschaft der anständigen Leute gebildet hat, daß wochenlang über ihn, sogar unter Heranziehung des Bürgerlichen Gesez buchs und der Corpus Juris debattiert und hin und her verhandelt werden konnte, ist schon ein unermeßlicher Schaden. Dieser Schaden droht jetzt ins Materielle umzuschlagen. Bielleicht werden gewisse Teile des deutschen Bürgertums etwas hellsichtiger, da nicht nur die politische Moral, sondern auch das Geschäft bedroht ist. Deutschnationale Katastrophenstimmung. ,, Bölliger Zusammenbruch". Bon der Annahme ausgehend, daß der Bürgerblod bereits endgültig gescheitert sei, schreibt die„ Deutsche Zeitung": Die Anleihebedingungen unterzeichnet. Die Erfolgsaussichten. Kapital und Presse. Oeffentliche Meinung und Journalistengeset. Condon, 10. Oftober.( WIB.) Die Abmachungen zwischen Deutschland und allen beteiligten Banken hinsichtlich der Verdienste, ist ja schon die Tatsache seiner Existenz von großem Wert. Anleihe für Deutschland sind unterzeichnet worden. Damit sind die sonstigen Vorbereitungen zur Auflegung der Reparationsanleihe vollendet. Die Gegenzeichnung der Bedingungen, zu denen die 800- Millionen- Anist nur noch eine Formsa che leihe aufgelegt werden soll, durch die Reparationskommission Wenn auf Grund von Pressestimmen und von Aeußerungen der Finanziers für die Anleihe ein großer und rascher Erfolg erwartet wird, so machen die Bedingungen der Anleihe ihn wahrscheinlich. Es soll eine Berzinsung von 7 Broz. bei einem Ausgabefurs von 92 oder 94% Proz. in Aussicht genommen sein. Das ist für ein festverzinsliches Papier mit langer Laufzeit ein sher hoher Prozentsaz. Es wird genau wie bei der österreichischen Sanierungsanleihe-nicht an Leuten fehlen, die den billigen Kurs und den hohen 3insfuß der Anleihe auszunuzen suchen werden, indem sie die Stüde zum niedrigen Ausgabefurs erwerben und bei der nächsten Kurssteigerung wieder abstoßen. Dennoch wäre es falsch, wollte man schon jetzt finanzielle Siegesrufe ertönen lassen. Es liegen auch nach richten darüber vor, daß die Stimmung für die deutsche Anleihe im Ausland durch die deutsche Regierungskrise wesentlich gedämpft wird. Und das ist verständlich. Wenn Kreise, die politisch ernst genommen werden, die Regierung dem Einfluß einer Partei ausliefern wollen, deren Mehrheit den DamesPlan abgelehnt hat, so bedeutet das letzten Endes doch die Bet ämpfung der Anleihe und ihre Unterhöhlung. Im Interesse einer ruhigen und erfolgreichen Außenpolitik ist das Schielen nach dem Bürgerblod doppelt verwerflich. Das Interesse der deutschen Wirtschaft an der Wiedereinführung der Goldwährung und an der Erschließung neuer Kreditmög lichkeiten erheischt gebieterisch eine Politit, die den Erfolg der Anleihe sicherstellt. Ohnehin sind die Opfer, die das Volk mit der hohen Berzinsung und mit der Tilgung der Anleihe eingeht, groß genug. Die Verhandlungen in Paris. Paris, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im Finanzministetium haben am Freitag morgen Verhandlungen zwischen den Bertretern der großen Geldinstitute und dem Finanzminister über die franzöfifche Beteiligung an der Dawes- Anleihe stattgefunden. Der Agent für die Reparationszahlungen Owen Youg, ter am Freitag von London tommend hier eingetroffen ist, soll sich über die Verhandlungen, die dort zwischen den Vertretern der englischen, amerikanischen und deutschen Finanz stattgefunden haben, sehr befriedigend geäußert haben. Nach der von ihm gemachten Mitteilung soll noch die Zustimmung von zwei Ländern zu den ihnen zugeteilten Anteilen ausstehen und lediglich die Frage des endgültigen Ausgabeturfes der Anleihe noch offen fein. Man spricht hier neuerdings von einem Emissionskurs von 92 und einer Verzinsung von 7 Proz. Die Deutschnationalen mußten in gewiffer Weise geradezu dankbar sein, daß sie durch die mittelparteiliche Ablehnung das von bewahrt werden, die verhängnisvolle Konsequenz aus den Fehlern einer Taktik zu ziehen, für die und für deren nunmehrigen -man möchte, wie erwähnt, beinahe fagen: glüdlicherweise anscheinend erfolgten völligen Zusammenbruch abermals die gleiche Leitung verantwortlich ist, die die Partei und die Frattion zur katastrophe vom 29. Auguft geführt hat. Exzellenz Hergt hat felbst eine Reform an Haupt und Glie dern in der Deutschnationalen Boltspartei für notwendig erklärt, wenn die Beteiligung an der Regierung nicht zustande tomme. Die Berzögerung dieser Reform an Haupt und Gliedern bis zum jetzigen Augenblick hat es der Deutschnationalen Boltspartei eingebracht, daß sie sich durch thre Beteiligung an der Regierungstuhhandeleien immer wieder bloß gestellt hat und daß sie jetzt gar von den a Ausdruck zu gebrauchen:) einfach faltgestellt werden konnte. in Finanz- und Gesellschaftstreifen als gesichert gilt. allo Die Beteiligung der Schweiz. Genf, 10, Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Mach Meldung Schweizer Blätter wird der Anteil der Schweiz an der 800- Miffionen deren( um. diesen, tatsächlich wohl einzig treffenden volkstümlichen Anleihe 3 Millionen Pfund ausmachen, deren Unterbringung In demselben Blatt ist auch zu lesen: Politisch ist es höchft bedauerlich, daß es muß schon Kapitän James Ogrady, der ein hervorragendes Mitglied der Kapitän James Ogrady, der ein hervorragendes Mitglied der ausgesprochen werden: daß sich die Sozialdemokraten entschlof. Arbeiterpartei im Parlament war, wurde zum Gouverneur fener und offener zu ihrer Auffassung bekannten als die deutsch- ben, daß er wahrscheinlich der erste britische Boff after in von Tasmania ernannt. Es war einnval davon gesprochen morGowjetrußland sein werde. nationale Reichstagsfraktion. Das war geschrieben, noch bevor die Deutschnationalen zum Reichskanzler liefen, um sich, die deutsche Hand auf dem deutschen Herzen, zu seinen noch gestern als hinterhältig" gebrandmartten Richtlinien zu befennen! Wie's gemacht wird. Der indifche Bruderkrieg, In Allahabad( Indien) wurden bei einem Handgemenge zwischen Muselmanen und Hindus brei Berjonen getötet und etwa 20 verlegt. Polizei griff ein, außer dem mußten Truppen herbeigezogen werden. führt. was eine verhältnismäßig fleine Gemeinschaft leisten kann..." Run gibt es aber in Eisenach tatsächlich gar feine Deutsche", sondern nur eine Freie Boltsbühne", mit der Berliner Boltsbühne im Verband der Deutschen Bolfsbühnenvereine eng verbunden. Was Herr Bitter ,, Nationale" Bühnen wider Willen. ling von der Deutschen" Boltsbühne schreibt, trifft durchaus auf die Rürzlich wurde an dieser Stelle ein furzer Ueberblid über die Freie" Bolfsbühne Eisenachs zu, die tatsächlich mit einem eigenen Theaterbemühungen der nationalen" Kreise gegeben. Der Artikel fleinen Ensemble in den letzten Monaten einen erheblichen Teil Westschöpfte aus einer so sollte man meinen thüringens mit guter Runst versorgte und ihre Mitglieder auch von ganz unanfechtbaren Quelle, nämlich der Kreuz- Zeitung", in der ein Herr Willy Zeit zu Zeit mit Sonderzügen zum Besuch der Oper nach Gotha Bitterling- Lehe am 17. September in einem Aufsatz„ Die führt. Und, daß natürlich diese Freie Volksbühne nicht im deutsch nationalen Bühnenbestrebungen" die verschiedenen neuen Grün- nationalen Fahrwasser schwimmt, sondern politisch ebenso neutral ist dungen Revue passieren ließ. Es scheint aber, daß dieser Herr in der modernen Arbeiterbewegung stehenden Maffen fügt, Sozia wie die Berliner Boltsbühne, sich aber gleich dieser auch start auf die Bitterling in seinem Bemühen, die deutschnationale Sonne am Berliner Theaterhimmel leuchten zu lassen, den Mund ein bißchen reich- liften zu ihren besten Mitarbeitern zählt und in ihrem Spielplan auch lich voll genommen hat. Das kann bei einem waschechten Deutsch- Werte von Toller und anderen gewiß nicht deutschnationalen Autoren nationalen ja auch weiter nicht munder nehmen. Einige der von Herrn Bitterling rühmend genannten Unternehmungen wollen jedenfalls von ihrer Einordnung in seine Liste nichts wissen. Bon der Deutschen Boltsbühne im Rose- Theater" hieß es in der„ Kreuz. Deutschen Volksbühne im Rose- Theater" hieß es in der KreuzZeitung": An der Spitze dieses Vereins stehen führende Bersönlich feiten der deutschnationalen und völlischen Bewegung. Die Ober Spielleitung wird von dem deutschnationalen Schriftsteller Karl M. Jacoby... geführt." Dazu schreibt nun Herr Jacoby an die Redaktion des„ Borwärts einen Brief, worin es u. a. heißt:„ Ich war erstaunt, daß mich der Verfasser( des„ Kreuz- Zeitungs"-Artikels) darin zum deutschnationalen Schriftsteller stempelte. Weiter war ich sicherlich noch viel erstaunter als Sie selbst, zu hören, daß an der Spize der Deutschen Boltsbühne im Rose- Theater führende Persön lichkeiten der deutschnationalen und völlischen Bewegung stehen".. Ich habe am 25. wegen diefes Artikels sofort mit Herrn Direktor Rofe Rücksprache genommen, und Herr Direttor Rose erklärte mir dann auch, daß er niemals an die Gründung einer deutschnat onalen und völkischen" Bühne auch nur gedacht habe, sondern daß es viel mehr nach wie vor sein oberstes Prinzip sei, jede Politk von seiner Bühne auf das strengste fernzuhalten. Des weiteren lehnt Herr Peterson, der Leiter der GoetheBühne", feine Einordnung in die Reihe der Träger nationaler Bühnenbestrebungen" ab. Er erklärt, daß der Spielplan feines Theaters ein durchaus internationales Gepräge haben werde. Den Don der Kreuz- Beitung" genannten russischen Flüchtlingen, die mit ihm die Goethe- Bühne ins Leben gerufen hätten, ständen die als monarcystisch bekannter baltischen Streife fetn. Auch ist Herr Peterson nicht, wie die Streuz- Zeitung" schreibt, Leiter des Kaiserlich ruffischen Deutschen Theaters in Mostau" gewesen, sondern Leiter des dort Boltstheaters". Das Luftigste ist aber wohl dieses: Am Schluß des Bitterling schen Artikels stand noch ein befonderer Lobeshymnus auf eine Deutsche Volksbühne in Elfenach", die in ber liebersicht des Borwärts" ols nichtberlinisches Unternehmen nicht erwähnt wurde. Bon diesem Berein Deutsche Boltsbühne in Eisenach" hieß es, daß er ., es trotz der furzen Zeit seines Bestehens fertig gebracht habe, die Theaterverhältnisse nicht nur Eisenachs, sondern ganz Westthüringens non Grund auf zu refermieren". Dec bis in die fnallrote Stadt Gotha reichende segensreiche Einfluß diefes einen Vereins beweist, Herr Bitterling hat recht: der Berein Freie Bolfsbühne in Eisenach zeigt wirklich, wie es gemacht werden muß, und man kann getroft mit den Worten schließen, die dieser eble deutschnationale Kämpe feiner Schilderung des Eisenocher Borbilds anhängt:„ Gehet hin und tut desgleichen!" Inzwischen wird Berlin mit einer Sjochflut immer neuer Bro spekte neuer„ Kunstgemeinden" überschwemmt, die dem Vorbild der Boltsbühne die Idee der Besuchsorganisation abgeguckt haben, aber im übrigen von dem Geist, aus dem die Volksbühne hervorwuchs, nicht einen Hauch verspüren lassen. Es handelt sich um reine Geschäftsunternehmungen, die ihren Gründern etwas einbringen sollen, die mit oft gar nicht einmal niedrigen, abgestuften Plazpreisen arbeiten, und die diejenigen, die sich einfangen lassen, teilweise Verpflichtungen recht bedentlicher Art auferlegen. Runstgemeinde des Mittelstandes", Theater- und Konzert- Bereinigung Groß- Berlin" Kunst und Wirtschafts- Gemeinde" usw., legten Endes handelt es sich bei allen um nichts anderes als Kartenvertriebsstellen für die sonst nicht ab. zusetzenden Pläge einiger Geschäftstheater. Da wir durch große " Da wir durch große Abschlüsse in der Lage sind, froß der enorm billigen Preise nur das Allerbeste zu liefern, so find unsere Darbietungen nicht mit denen der zurzeit auch bestehenden Vereinigungen zu verwechseln," he ßt es in dem Prospekt der Theater- und Konzert- Bereinigung". Ein Schmalzhändler fönnte es nicht schöner fagen! Uebrigens: die Kunst- und Wirtschaftsgemeinde" handelt auch nebenher mit Schmalz, Stiefelmichfe Unterröden und allen erbenff chen sonstigen Gebrauchsgegenständen; sie gewährt dazu Rechtsberatung und freie ärztliche Behandlung. Ferner bildet fie ihre Mitglieder auf Wunsch zu Breistänzern" aus. Sie forgt also im wahrsten Sinne des Bortes für alles. Ihr Prospett muß den Eindruck erweden, als ob es sich um ein gemalt ges Unternehmen handle( vier Telephonan fchlüsse usw). Dahinter aber steht ein kleiner Kramlaben mit ein kleiner Kramlaben mit einem geschäftstüchtigen Manager... " Gegenüber solchen Gründungen und ihrer marktschreierischen Reklame fann nur immer wieder betont werden: Wer die Gewähr fünstlerisch wertvoller Darbietungen haben will, wer nicht Objekt eines tüchtigen Geschäftsmannes sein, sondern als Glied einer gemeinnüßigen Bereinigung selbst mitwirken will am Aufbau eines Der Republitanische Anwalfsbund" hat sicher seine Trotz dieser Anerkennung muß jedoch festgestellt werden, daß die von ihm gestern abend im Vereinshaus Deutscher Ingenieure veranstaltete öffentliche Versammlung über obiges Thema alles andere als jachliche Aufklärung über ein brennendes Problem brachte. Alle drei Referate widersprachen sich, wonach man das allgemeine Niveau der Diskussion berechnen fann. Die öffentliche Meinung" repräsentierte Oberbürgermeister Dr. Waller Pusch, dessen Ausführungen im wesentlichen ein historisches Kolleg über die Bebeutung der deutschen Bresse in der Vergangenheit bildete. Um den Standpunkt der Berleger zu vertreten, sprach Rechtsanwalt Dr. Carbe, der seinerseits ein Journalistengesetz für gänzlich überflüſſig hielt und die dafür vorgebrachten Begründungen als nicht stich haltig bezeichnete. Einzelne Berufsübergriffe verantwortungslofer obr oder übergeschäftlicher Verleger würden nichts für die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes beweisen, zumal in Desterreich trotz der Fristenz eines solchen die Verhältnisse viel schlimmer feien als bei uns. Redakteur Dr. Dovifat brachte als Borsitzender des Ber.. liner Bezirksverbandes des Reichsverbandes der Deutschen Presse. demgegenüber zum Ausdrud, daß Maßstab der Beurteilungen erfor derlicher Maßnahmen nicht die Verhältnisse in den von dem ersten Referenten angezogenen Groß- Berliner Tageszeitungen, sondern an der ungeheuer großen Provinzpresse bilden müßte. Früher hätten die Redakteure an den befferen deutschen Tageszeitungen ein weitgehendes Maß von Freiheit gehabt, aber in dem Augenblick, wo der Berleger feine Bersönlichkeit sei, wäre das Blatt ewigem Gesinnungswechsel seiner jeweiligen Besizer cusgeliefert. Durch die Konzerne sind bereits die ersten Schritte zur Amerikanisierung der deutschen Presse getan und es seien daher durch ein Journalistengesetz berufständische Kammern mit der Aufgabe, alle vorkommenden Streitigkeiten zu schlichten, zu fordern. Weitere Kritik an den Ausführungen des ersten Referenten übten Rechtsanwalt Dr. Roth, R.-A. Dr. Baum, Verbandsvorsißender o est und der langjährige Syn. difus des Schuhverbandes deutscher Schriftsteller, Dr. Hans Wolf. ber auch aus seiner Erfahrung heraus die Feststellung machte, daß Dr. Carbe die heutigen Verhältnisse in einem viel zu rosigen Lichte fähe. Sachlich ergänzte er insofern, als er die Meinung vertrat, als ein Gesetz in der Art, wie es Dr. Dovifat vertrete, nicht auf freie Mitarbeiter, die artikelweise beschließen, sondern auf ständige Mitarbeiter und fest befoldete Redakteure gewandt werden könne. Das Ganze schien vorläufig doch mehr eine intern bürgerlich- journalistische Angelegenheit zu sein; man merkte, es ist etwas faul im Staate Dänemark aber feiner der bürgerlichen Verleger will Däne sein. Kahr wird befördert. Die Kapitulation der bayerischen Regierung. an= heit des Ministerpräsidenten Held, der zur Kur in Reichenhall München, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In Abwesen weilt, hat der Ministerrat formell den Schlußsegen zu einer Angelegenheit gegeben, die schon seit einigen Wochen eine fig und fertig beschlossene Sache ist, die man ber aus unbekannten Gründen jetzt shful erst offiziell an die Deffentlichkeit bringen läßt: bie Ernennung ho fes. An seine Stelle als Chef der Regierung von Oberbayern Kahrs zum Präsidenten des Verwaltungsgerichts tritt fein Vorgänger im Verwaltungsgerichtshof, Staatsrat von Anösinger. Diefes Wechselgeschäft ist also nach außen hin der Schlußstein der Liquidation des 8. November 1923, die für die Bayhatte, aller Welt verkündete. Damals wurde dieses Liquidationserische Volkspatei Herr Held, bevor er das Regierungsruder ergriffen programm dahin interpretiert, daß sämtliche Persönlichkeiten, die in die Ereignisse vom 26. September bis 8. November 1923 verwickelt waren, von ihren führenden Bosten zu verschwinden hätten. Auch Kahr sollte in den Ruhestand versetzt werden. Er weigerte fich aber als unabsehbarer Beamter und erzwang Ber wahren Kulturtheaters der gehört in die Voltsbühne, die mit ihrer ruhmreichen Bergangenheit, gestützt auf ihre 150 000 Mitglieder, mit ihrem ehrlichen Willen, zwischen Volk und Kunst eine starte Brücke zu schlagen, alle Sicherheit bietet, daß dem Anschluß an ihre Organisation feine bittere Enttäuschung folgt! Gropius über das Bauhaus in Weimar. Der Leiter des staatlichen Bauhauses in Weimer, Walter Gropius, sprach im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht über weg und Wichtigkeit der Arbeiten in Weimar". für die, die sich belehren lassen wollen, und Abwehr zugleich. Abwehr Sein ausführlicher und überaus wertvoller Bortrag war Belohnung der Angriffe jener Beute, die das Institut und feine Arbeiten hauptsächlich bekämpfen, weil den Ganzen ein großer und gesunder fozialer Gedante zugrunde liegt, was ja gerade heute wieder vielen ein Greuel ift. Gropius zeigte zunächst ein paar historische Linien auf über die Entwicklung in der Werfwelt überhaupt, er gab wertvolle funftphilosophische Ausführungen und wandte fich dann der realen Arbeit bes Bauhauses zu., Kunst und Technik, so ungefähr fagte er, müssen zu einer neuen Einheit zusammengeschlossen werden. Wie aber will das Bauhaus in Weimar dieses Ziel erreichen? Vor allem gilt es, wieder zurückzukehren zur harmonischen Einheit des Bauſtils, die allen Stadtbildern aus fulturell ausgeprägten Zeiten das Vollendete und Vorbildliche in das Antlig geschrieben hat. Es gilt aufzuräumen mit dem Chaotischen in der Bauwelt, die, wie man es in den Berliner Bororten fehen tann, alle Stile und alle Materialien funterbunt durcheinander verwendet. Jeder ist hier stolz, daß sein Haus ganz anders aussieht als das des Nachbarn. Um mit diesen Scheußlichkeiten aufzuräumen, muß man typifieren, typifieren allerdings nicht nach dem Muster englischer Bororthäuser, wo eins genau so aussieht wie das andere, wodurch Schema und Kasernenbau entsteht. Inpisieren heißt gleichzeitig auch individualisieren, heißt vor allem Rücksicht nehmen auf die praktische Verwendbarkeit eines Baues und einer Wohnung, heißt sozial denken und der Hausfrau alle unnötige Arbeit ersparen, indem man allen überflüssigen Schmuck und Schnörkel fortläßt. Zur Erreichung dieses Zieles muß auch der Handwerker ausgebildet werden. Hier heißt es: energische Abfehr von bem fentimentalen Kunsthandwerk, das nur eins, fannte, um zu wirken: die Berzierung und das Drament. Db es mit ĉem Wrt zusammenhing oder nicht, darum fümmerte man sich nicht. Der Handwerber muß wieder neue Jbeen haben und Entwürfe machen, Entwürfe für Gegenstände des wirklichen praktischen Bedarfs. Und dazu erzieht Weimar die Handwerker. Eine Fülle von Lichtbildern unterstüßten und unterstrichen diese Ausführungen. Mit feiner Ironie wies Gropius auf jene, die die Arbeiten der Handwerker des Bauhauses nur betritteln 1.m befpötteln, die nicht daran denten, daß ja auch das Handwerk des Mittelalters Beit gebraucht hat bis zur letzten Bollendung. Auch in Weimar fagt man heute noch nicht, was wir machen, ist der Schlußstein und Schlußpuntt, sondern alles ist noch in Fluß und Entwicklung. Zum Schluß sprach Gropius von der Politit, von jener reattionären Politit, die mit rauher Hand sein Wert zerstören will und handlungen, die nun mit der vollständigen Rapitulation der Regierung geendet haben, indem Kahr die Treppe hinaufgefallen und einer der obersten Richter in Bayern geworden ist, derselbe Kahr, der im Hitlerprozeß als intelligenzlose und klebrige Masse jammervoll zu Füßen der Wolfsrichter gesessen hat, zufrieden dar über, daß man ihm nichts beweisen fonnte. Mit Kahr als oberster Richter, der durch diese Schiebung erst im 68. Lebensjahre pensionsreif wird, büßt die bayerische Regierung zweifellos den Rest ihres Ansehens ein. Gleichzeitig mit Kahr wird auch Knilling, der als bayerischer Ministerpräsident der Jahres 1923 die Hauptverantwortung für die hochverräterische Ereignisse in der Ordnungszelle Bayern trägt, rehabilitiert. Derselbe Ministerrat hat nämlich beschlossen, Herrn Don Knilling zum Präsidenten der Staatsschulden verwaltung zu bestellen, dessen bisheriger Inhaber vor einigen Monaten auf Grund der Abbauverordnung penfioniert wurde. Auch Diese Schiebung hat ihre Eigenart infofern, als Herr von Knilling im Verlaufe seiner Laufbahn als Beamter noch niemals mit dem Finanzwesen etwas zu tun hatte und bisher keinen Beweis seiner Befähigung auf dem Gebiete der staatlichen Finanzverwaltung erbracht hat. Kahr und Knilling beginnen ihre neue Tätigkeit bereits am 16. Oftober. Nationale Würde. ,, Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzmann leiden.." Das im August 1924 erschienene Heft der Zeitschrift„ Die herrschaftliche Küche( Kulinarische Blätter)" enthält u. a. Speisegettel feudaler Herrschaften. Unter diesen Speisezetteln befindet fich u. a. auch folgender: Festeffen anläßlich des Befuchs Sr. Erzellenz des Generalfeldmarschalls von Hindenburg auf einem märkischen Schloß. Speisenfolge. Consommé de Courlande Mousse de jambon de Westfalie en gellée Selle de mouton rotie aux primeurs Salade de concombres au moutarde Petit pois au beurre Creme Parisienne Roquefort glacé à la Chantilly Fredersdorf, den 21. Juni 1924. Das Französisch dieser Speisekarte ist erbärmlich schlecht. Aber die Tatsache, daß unsere franzosenfresserischen Junter ausgerechnet bei einer Festlichkeit au Ehren des alten Hindenburg solche mangelhaften französischen Sprachübungen zur Bezeichnung der gebotenen Schlemmereien treiben, bietet eine so anschauliche Jau stration für die nationale Würde", wie unsere Junter fie auffassen, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten Potsdamliches aus Hagen. Hagen, 10. Oftober.( TU.) Auf Veranlassung der Hagener Orts gruppe der deutschen Friedensgesellschaft soll am 15. Oftober in der Hagener Stadthalle ein Vortrag des französischen Generals Berraug stattfinden. Die Baterländischen Verbände Hagens haben eine Eingabe an den Bolizeipräsidenten gerichtet, dem französischen General ein öffentliches Auftreten und Reden in Hagen zu verbieten. Die„ Telegraphen- Union" versieht diese Meldung mit der Ueber schrift: Es wird immer schöner". Wir sind mit dieser ironischen Kennzeichnung durchaus einverstanden, nämlich hinsichtlich der blödfinnigen Gegenagitation der Baterländischen. In der Eingabe an den Polizeipräsidenten fehlt unseres Erachtens die Aufforderung, die verurteilten Grabschänder des jüdischen Friedhofes in Hagen als die aktipsten und fühnsten Förderer des nationalen Gedankens wieder freizulassen, damit sie an der Sprengung der Verraur- Versammlung mitwirken fönnen. die ihm viele seiner Mitarbeiter zum 1. April vor die Tür gesezt hat. Gropius fprach die Hoffnung aus, daß der thüringische Landtag in besserer Einsicht die Zertrümmerung eines Instituts verhindern werde, das Weltruf besige, und er bat die Anwesenden, für das Weiterbestehen des Bauhauses einzutreten. Der überfüllte Saal lohnte ihn mit lautem Beifall. Aber im Saal waren auch viele ehemaline fönlichenreuih Brofessoren und Bauräte, die in ihrem beschränkten Untertanenverstand die geistvollen Ausführungen von Gropius, die fie nicht verstanden, furz glaubten abtun zu fönnen, und die sich während des Vortrages zuflüsterten: Das ist ja alles Quatsch!! Es muß alles aufgeboten werden, daß Gropius und fein Wert nicht an der Borniertheit der Beamten scheitern! R. F. Gefangsgemeinschaft Roseberry' Arguto. Die Leitung der Sturm Abende hatte die Gesangsgemeinschaft Roseberry d'Arguto für die Gestaltung einer ihrer Unternehmungen gewonnen. Alles in allem ein intereffantes, stellenweise feffelndes Erlebnis. Was d'Arquto da unternimmt, ist in doppelter Hinsicht von Wichtigkeit: für unsere musikalische und gefangerziehliche Boltsbildung und für unsere musikalische Fortentwicklung. Wer felbft die Schwierigkeiten fennen gelernt hat, die sich auftürmen, wenn aus einer Maffe nicht besonders musikalisch Bergebildeter ein einheit liches, künstlerisch fähiges Instrument geschaffen werden foll, der weiß, welches große Stick zäher. ftimmififcher mh chorerziehe rifcher Arbeit hier geleistet worden ist. Natürlich bleiben noch Wünsche offen: größere Klangfähigkeit, vielleicht auch stärkere Be feguna des Soprans, mehr Leichtigkeit und Schmiegfamfeit im Tenor. Daß hier aber noch mancherlei wird, steht außer Zweifel. Dafür bürgt das, was man an den Einzelstimmen des Chors beobachtete, die d'Arguto in Sololeistungen herausstellte. An Klangfülle und Gestaltungskraft leisten diese natürlich noch nicht, was Raum und Ruhörermenge hier forderten. Sind es doch Stimmen, die mit ihrer Entwicklung noch lange nicht abgefchloffen find, ja überhaupt erst am Anfang ihres phyfiologischen Werdens stehen. Das Programm des Abends war von außerordentlichem Interesse. Man mag sich zu den sinfonischen Gefängen" stellen wie man will, ob folche Verfuche eine Zukunft haben, das zu fragen ist müßia. Schon die Eristenz einer ganzen Literatur, die die begriffliche Logit fast ganz in der lebendigen Wirkung von sich weqichiebt, gibt solchem Tasten immer mieder Daseinsrecht. Es iſt mindestens ein Weg. die Mittel des Chors einmal in anderer Weise auszuschöpfen. Ueberhaupt ist das der Wert der ganzen Vortragsfolge: endlich einmal der entschiedene Verfuch auf dem Gebiete der Chorliteratur etwas ganz neues zu wagen und zu verzichten auf die übliche Liedertafelei. d'Arqu'o wird als Stimmbildner feinen Chor weiter zur Höhe führen. Er hat den Mut entfchien einmal etwas Neues zu versuchen, unbefümmert um Erfolg oder Mißerfolg. S. G. Spielplanänderung. Die Bremiere von, 20lott im Trianon- Theater ist auf den 15. d. m. verschoben worden. Profeffor Käsbach, der Erfurter Museumsdirektor, ift zum Leiter der unitatademie in Düsseldorf berufen worden Räsbach, den die Berliner Kunstfreunde von seiner Tätigkeit an der Nationalgalerie her fennen und schäßen, zählt zu ben feinsten Kennern der modernen Kunst. Die Organisation Conful. Prozeßbeginn am 22. Oktober. Leipzig, 10 Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem Staats. gerichtshof zum Schuße der Republik wird am 22. Oftober der große Brozeß gegen die Organisation Consul beginnen. Auf der Antlagebant werden 26 ehemalige Offiziere der früheren faiserlichen Marine erscheinen. Die Organisation Conful( DC.) ist die Fortseßung jener berüchtigt gewordenen Marinebrigade Ehrhardt, die der Hochverräter und frühere Kapitänleutnant Ehrhardt bereits Ende 1918 in Wilhelmhaven gegründet hatte und deren Stamm aus 300. Marineoffizieren bestand. Diese Truppe war bereits 1000 Mann start, als Ehrhardt mit ihr am 27. Januar 1919 die von den Kommunisten besetzte 1000- Mann- Kaferne, in der die Räterepublik aus. gerufen worden war, eroberte. Die Kommunisten hatten dabei sieben Tote verloren und ergaben sich darauf. As die Regierung der Volts: beauftragten in der Abwehr der Umsturzversuche der äußersten Linten zur Bildung von Freikorps aufrief, wurde auch die Marinebrigade Ehrhardt als solches anerkannt. Später widersetzte sich Ehrhardt der von der Reichsregierung anbefohlenen Auflösung der Freikorps und bildete seine Brigade zum Machtwerkzeug der rechtsradikalen Feinde der Republik aus. Auf sie gestügt, unter nahmen die Hochveräter am 20. März 1920 den Kapp Butsch. In dem bevorstehenden Prozeß haben sich die Angeklagten wegen Geheimbündelei zu verantworten, obwohl der begründete Berdacht besteht, daß die Angehörigen der Organisation Conful in une mittelbarem Zusammehang mit den Mördern Erzbergers und Rathen aus und den den Attentätern gegen Scheidemann gestanden haben. Die Anklage nimmt an, daß die Oganisation Consul ihre Tätigkeit auch noch weiterhin ausgeübt hat, nachdem das Republitschußgefeß in Kraft getreten war. Der Streit um die Bewährungsfrist. Hitlers Kaffiber- Wirtschaft. München, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Entscheibung des Bayerischen Obersten Landesgerichts über die Bewäh. rungsfrist für Hitler, Kriebel und Weber wird nunmehr im Wortlaut bekanntgegeben. Daraus geht hervor, doß das Oberste Landesgericht über zwei Beschwerden gegen den Spruch der Straf fammer entschieden hat. Der Beschluß des Obersten Landesgerichts jagt u. a.: 1. Die Beschwerde des Staatsanwalts wird insoweit verworfen, als sie darauf gerichtet ist, den Berurteilten Hitler, Kriebel und Weber die Bewährungsfrist hinsichtlich des Restes der ihnen durch Urteil vom Boltsgericht vom 1. April 1924 zuerkannten Festungsstrafe im gegenwärtigen Zeitpunkt zu versagen und jetzt die Bewährungsfrist zu widerrufen, die dem Verurteilten Hitler hinsichtlich des Restes einer gegen ihn durch Urteil des gleichen Berichts vcm 12. Januar 1922 wegen Landfriedensbruch ausgee sprochenen Gefängnisftrafe( 3 Monate Gefängnis, wovon Hitler nur einen Monat verbüßt het: D. Red.) zuerkannt wurde. 2. Die Beschwerde des Verteidigers des Verurteilten Weber wird verworfen, 3. Gegen Hitler und Kriebel wird im übrigen die Entscheidung über die Beschwerde des Staatsanwalts ausgesetzt. In den diesem Beschluß beigegebenen Gründen sind verschiedene noch nicht bekannte Einzelheiten angeführt. Einmal geht daraus hernoch nicht bekannte Einzelheiten angeführt. Einmal geht daraus hervor, daß das Oberste Landesgericht zuerst die Frage geprüft hat, ob das Bolksgerichtsurteil vom 1. April den Berurteilten itler, Kriebel und Weber die Bewährungsfrist tatsächlich bewilligt oder nur in Aussicht gestellt hat. Hier schließt sich das oberste Bandes gericht der Auffassung an, daß die Bewährungsfrist bewilligt murde, zumal die Verurteilten selbst den Beschluß vom 1. April nach seinem Wortlaut und noch seiner Begründung jebenfalls als Bewilligung einer Bewährungsfrist im Falle guter Führung während der Straf einer Bewährungsfrist im Falle guter Führung während der Strafvollstreckung der ersten 6 Monate auffaffet fonnten und ihn auch so aufgefaßt haben. Das Oberste Landesgericht hatte also nur noch zu aufgefaßt haben. Das Oberste Landesgericht hatte also nur noch zu prüfen, ob die Verurteilten durch ihr Berholten nach der Berurteilung und während des Etrafvollzugs die Erwortung rechtfertigten, baß sie sich auch ohne die volle Bollstreckung der Strafe fünftig wohlverhalten werden. Während noch am 15. September der Vorstand der Gefangenenanstalt Landsberg in einem eingehenden Bericht an den Staatsonwalt uneingeschränkt zum Ausdruck gebracht hat, daß die Verurteilten Hitler, Kriebel und Weber nach ihrem gesamten Berhalten während des Strafvollzugs sich der Bewährungsfrist würdig erwiesen haben, haben weitere Ermittlungen jene Schrift stücke zutage gefördert, die von den Verurteilten aus der Festung hinausgeschmuggelt wurden und die zum größten Teil politischen Inhalts sind, da sie sich zum Teil wenigstens ouf verbotene politische Verbände und neu gegründete, gegen die bestehenden Geseze ver stoßende Organisationen beziehen. Deshalb mußte das Beschwerde. gericht seine Entscheidung aussetzen bis zur hinreichenden Klärung der Straffache Frontbann" durch das ordentliche Gericht. Der Genat wird seine Entscheidung als Beschwerdegericht treffen, sobald es ihm möglich sein wird. Zu diesem Zweck wird er von Zeit zu Zeit die zuständige Strafverfolgungsbehörde, also den Staatsgerichtshof, um die erforderlichen Unterlagen bitten. minifteriums, daß die Finanzverwaltung über diese Gewinne berce verfügt habe. Sie würden dringend gebraucht zur Bildung einds Betriebsfonds, ohne den die monatliche Zahlung der Beemten gehälter nicht aufrechterhalten und die Finanzverwaltung nich ordnungsgemäß weitergeführt werden könne. befassen, wie eine Gleichbehandlung der Gläubiger Am nächsten Dienstag wird sich der Unterausschuß mit der Frage der Sportaffen und Lebensversicherungen mit den übrigen Gläubigern möglich ist. Ausweisungswut in Mecklenbur Jagd auf Staatenlose. Aus Mecklenburg wird uns gefchrieben: Den Massenausweisungen fremder Staatsangebote jüdischer Religionsgemeinschaft, wie sie in Mecklenburg- Schwerin regierungsfeitig betrieben wurden, hat das Ausland mit der Adrohung von Gegenmaßnahmen, nämlich mit der Androhung von Mossenausweisungen deutscher Staatsangehöri ger aus nichtdeutschen Staaten wirkungsvoll entgegentreten fönnen. Von solchen Massenausweisungen hat Mecklenburg absehen müssen. macht werden, weil die davon betroffenen Ausländer die Konsulate Aber auch Einzelausweisungen mußten rückgängig geihrer Staaten um Schutz anriefen und diese auf einen Schel. men anderthalte fetten, nämlich der beabsichtigten Ausweisung. eines ausländischen Arbeiters oder kleinen Gewerbetreibenden solche handelte es sich durchweg die Androhung der Ausweisung eines Buts befizers deutscher Staatsangehörigkeit entgegenstellten. Das 30g regelmäßig fofort bei der Landbundregierung in Schwerin, so daß die Angehörigen fremder Staaten nun audy Ruhe haben in Mecklenburg. um Aber ausgewiesen muß werden in Medlenburg. Und so ist man nun daran, nach sogenannten Staatenlosen zu fahnden und diese Unglückswürmer über die Grenze zu bringen. Bo diese bleiben sollen? Was fümmerts die Landbundregierung. Juden raus!" ist die Borole. Und hier sind Gegenmaßnahmen nicht zu befürchten. Wodurch die armen Teufel staatenlos" geworden sind und daß die Ursache zum Berlust ihrer Staatsangehörigkeit häufig nur in den als Kriegsfolge eingetretenen staatlichen Gebietsverschiebungen zu suchen ist, schert die„ völkisch" begnadete Regierung in Schwerin nicht. Es berührt sie auch nicht, daß gerade Millionen deutscher Staatsangehöriger im Auslande eine Existenz suchen und finden müssen. Der Landbund am Prange.. Kläglicher Zusammenbruch einer agrarischen Hehe. Am 7. Oftober wurde vor der Großen Straffammer in Greifswald in zweiter Auflage der Helm Brozeß verhandelt. Helm ist ein arbeitsscheuer Arbeiter" aus Hamburg, der nach der Revolution im Kreise Franzburg sein Unwesen trieb. Dabei zog er fich folgende Borstrafen zu: Zwei Wochen Gefängnis wegen Dieb er hatte stahls, zwei Monate Gefängnis wegen Urfundenfälschung zwei Telegramme an sich selbst mit der gefälschten Unterschrift des Londrats Genossen Bülow geschickt, um im Kreise Unfug damit zu treiben. Weiter bekam er drei Wochen Gefängnis wegen Betruges und elf Monate wegen schweren Diebstahls. Diesen Ehrenbürger und Zeitgenossen hatte sich nun die Kreisgruppe Franzburg des pommerschen Landbundes geschartert", um ihre Hehe gegen republikanische Beamte mit stichhaltigem Material" zu unterstützen. Helm hatte sich nach der Revolution das Vertrauen seiner Arbeitskollegen und der Genossen zu erwerben gewußt, bis er megen strafbarer Bergehen aus dem Landarbeiterverbande ausgeschlossen und von der Partei abgeschüttelt wurde. So wurde er reif für den Landbund. Der Borsitzende des Franzburger Landbundes, Rittergutsbefizer Arno Säuffert aus Langenhans. hagen, brachte ihn zu dem Rechtsanwalt Dr. Bütter in Stralsund. Dieses ehrenwerte Mitglied des deutschen Anwaltsstandes hat mit Helm eine eidesstattliche Versicherung zurechtgebraut, in welcher Helm folgende Behauptungen aufstellte: Er habe dem Oberpräsi denten zu Stettin, dem Regierungspräsidenten zu Stralsund und dem Genossen Bülow in Franzburg während der Zeit der Zwangswirtschaft Futter- und Lebensmittel gebracht, Butter, Käse, Eier, Schweinefleisch, ganze Schweine, aller Arten Mehl und Getreide und Futtermittel, nicht etwa pfund- oder zentnerweise, sondern ganze Ladungen. Zeug genug, nach dem genauen mit Angabe der Daten versehenen Verzeichnis, daß jeder der drei Beamten einen schmunghaften Handel hätte beginnen können. Diese eidesstattliche Versicherung des Helm nahm der Säuffert, schickte sie an den Innenminister( wodurch er die Beleidigungen verbreitete) und denunzierte die drei Beamten bei ihrem höchsten Borgefeßten. Die Beweisaufnahme ergab: Mit dem Oberpräfi. denten und Regierungspräsidenten hot Helm in irgendeiner persön lichen oder mittelbaren Verbindung überhaupt nicht gestanden. Für die Wirtschaft des Genossen Bülow hat er einmal zweieinhalb Zentner Futterschrot, ein andermal zwei Zentner Futterfchrot besorgt, nachdem Frau Bulow dieses Schrot für ihr Schwein und ihr Geflügel schriftlich bei ihrem Müller bestellt und die Besorgung des Briefes dem Helm, der bei dem Müller arbeitete( bei Um die Aufwertung. dem er später einen schweren Diebstahl beging) übertragen hatte. Das Landbund- Märchen, nach welchem diese Schrotlieferung mit der Rückwirkende Kraft für Hypothekenaufwertung. Schließung der Mühle in irgendeinem Zusammenhange gestanden Der Aufwertungsausschuß des Reichstags beschäftigte sich in haben soll, wurde vor Gericht zerstreut. Das Gericht hat urteilsfeiner Freitagsigung mit der britten ihm vorgelegten Frage, inwie- gemäß festgestellt, daß von einer Beamtenbestechung oder von einem weit eine Rüdwirtung der Aufwertungsvorschriften möglich ist. Verfuch keine Rede sein könne. Das gelieferte Schrot war beMinisterialrat Schlegelberger als Vertreter des Reichsjustizmini fchlagnahmefrei. Ob fich tatsächlich darunter ein Zentner fteriums wandte sich mit starkem Nachorud gegen den Gedanken, Gerste, die bewirtschaftet wurde, befunden haben mag, ist nicht erdie Aufwertungsvorschriften der dritten, am 14. Februar in Straft wiefen worden. Das Gericht hat festgestellt, daß Helm die falsche getretenen Steuernotverordnung zurückzudatieren. Die Wiedereidesstattliche Versicherung aus gewinnsüchtigen Gründen herstellung einer bereits gelöschten Hypothek führe zur Annullierung abgegeben hat. Es wurde bewiesen, daß vier führende Mitder Borsitzende öffentlichen Glauben des Grundbuches und störe die glieder des Landbundes, darunter Kreditfähigkeit des Grundbesizers, der bereits neue Belastungen über- Säuffert und der Geschäftsführer Major a. D. Guse in Stralnommen haben könne. Die Abgeordneten Emminger( Bayr. Bp.), fund dem Helm erhebliche Zuwendungen gemacht haben, Wunderlich( DBp.) und Hergt( Din.) widersprachen der Auf in bar mindestens 350 M.( vor der Inflation!), Ersatz von Reisefassung der Regierungsvertreters. Sie gingen übereinstimmend davon geldern und Reisekosten. Dann aber wurde ihm von Säuffert selbst aus, daß die Rüdwirtung fich bis zum 1. Juli 1922 eine Stellung in Aussicht gestellt, und zwar als Landbundihnen darüber, in welchen Rang die nachträglich aufgewertete Hypo- unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft verurteilt. erstreden solle. Meinungsverschiedenheiten bestanden unter sekretär. Helm wurde zu zwölf Monaten Gefängnis thek einzuschieben sei, ob an die erste Stelle, wie die dritte Steuernotverordnung es bestimmt, oder an eine spätere. Genoffe Reil wies darauf hin, daß seine Frattion fofort nach dem Erscheinen der dritten Steuernotverordnung die Rüdwirkung bis zum 1. Juli 1922 beantragt habe. Der Ausschluß aller vor dem 14. Februar 1924 liegenden Löschungen von der Aufwertung werde von den Gläubigern um so härter empfunden, als sie durch die frühere ablehnende Haltung der Regierung in der Aufwertungsfrage zur Einwilligung in die Löschung hätten bestimmen lassen. Ueber die wirtschaftlichen Auswirkungen der Rückwirkung und namentlich einer Erhöhung der Aufwertungsquote, die sich beim städtischen Grundbesitz in der Steigerung der Mieten äußern werde, sei noch besonders zu reden. Eine Zusammenfassung der Meinungen des Ausschuffes wird erft erfolgen bei der Aufstellung der Leitfäße, die dem Bollausschuß vorgelegt werden sollen. Zu dem Antrag Dernburg, der die bei Herstellung neuer Scheidemünzen zu erwartenden Prägungsgewinne zur einen Hälfte dem Lutherschen Sozialfonds, zur anderen Hälfte den von der Inflation betroffenen Landesversicherungsanstalten und Auslandsdeutschen zuweisen will, erflärte ein Bertreter des FinanzDie Ehrenmänner Säuffert, Major Guse und Genossen, Dr. Bütter, können ja leider nicht verurteilt werden, weil das deutsche Reichsrecht Anstiftung zur verleumderischen Beleidigung ebensowenig fennt, wie Anstiftung zur Abgabe einer wissentlich falschen eidesstattlichen Versicherung. So gehen sie denn leer aus, die Herren vom Landbund und ihr Bertrauensanwalt Dr. Bütter, diese Zierde des pommerschen Anwaltsstandes bis auf ein ganz außergewöhnliches Maß von öffentlichem Ansehen, das sie sich durch diesen Prozeß in allen Kreisen wohlverdient zugezogen haben. Ob das Gerücht sich bestätigen wird, nach welchem diefe Herren nun aus dem Landbund ausgestoßen werden sollen, bas muß man abwarten. Das Ganze ist jedenfalls ein bezeichnender Ausschnitt so ein fleiner Ausschnitt von der Beamten-, ins besondere der Bülow Hehe, wie sie im Landbund in Bor. dazu natürlich ein weiterer Beitrag pommern betrieben wird für die sittliche Verwahrlosung des ostelbischen agrarischen Demogogentums. H Gewerkschaftsbewegung rat zu entfenden. Ein Betriebsrat bestehe aber bei der Firma nicht. Die Urabstimmung in den Gas- und Wasserwerken. Der Schiedsspruch vom 4. Oktober für die Berliner städtifchen Gaswerte A.-G. und die Berliner städtischen Wafferwerte A.-G. ift abgelehnt. Von 5073 abgegebenen Stimmen waren 4562 für die Ablehnung und 472 für die Annahme des Schiedsspruches, während 39 Stimmen ungültig waren. rat berechtigt, ein oder mehrere feiner Mitglieder in den AufsichtsDer Betriebsrat beantragte beim Arbeitsgericht( Rammer 10 des Gewerbegerichts) festzustellen, daß er berechtigt ist, ein Mitglied in den Aufsichtsrat zu entfenden. Das Gericht gab diesem Antrage statt mit der Begründung: Wenn infolge Wahlenthaltung der Angestellten ein Gruppenrat nur für eine Arbeitnehmergruppe zustande gekommen ist, so hat dieser Gruppenrat gleichzeitig die Rechte und Pflichten des Betriebsrats. Diese Auffassung findet im § 78 BRG. eine Stütze, in dem bestimmt ist, daß der Arbeiterrat, der Angestelltenrat oder wo ein solcher nicht besteht der Betriebsrat die Aufgaben usw. hat. Die gegenteilige Ansicht würde unbillig sein und nicht ermöglichen, daß der die Tätigkeit des Betriebsrats ausübende Gruppenrat von dem Recht der Entsendung eines Mit aliedes in den Aufsichtsrat Gebrauch machen kann. Der Gruppen ein Mitglied in den Aufsichtsrat zu entfenden. | bereits 10 Wochen im Rückstand war, dessen Frau dem Hauskassierer des Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärte, ihr Mann sei aus dem Deutschen Metallarbeiterverband ausgetreten und zahle feine Beiträge mehr. Daß er Mitglied der Union ist, behauptet M. selbst. Unter diesen Umständen seine Aufnahme im Deutschen Metallarbeiterverband nachsuchen, ist eine„ revolutionäre Tätigkeit", für die den deutschen Arbeitern das Verständnis fehlt. Leiden eines Kriegsbeschädigten. Im Betriebe der Firma Siemens- Schudert war ein Schwerbeschädigter beschäftigt. Er hat außer einem schween Nervenleiden einen franken Arm, unter dem er eine Stüße trogen muß. Beim Verlassen der Fabrik wurde er öfter angehalten, weil der Aufsichtsbeamte glaubte, der Mann trage ein Paket unter dem Arm. Die wiederholten Kontrollen und Visitationen ärgerten den Leidenden schließlich, denn er meinte, nachgerade fönnten doch die die Das Abstimmungsergebnis läßt erkennen, daß die Arbeiter der Gas- und Wasserwerfe nicht gewillt sind, sich die acht einhalbstündige Arbeitszeit aufzwingen 3u lassen. Der Schiedsspruch vom 25. Geptember, der besagt, daß die reine regelmäßige durchschnittliche tägliche Arbeitszeit grund säglich acht Stunden beträgt, unterliegt noch dem Antrage rat, der hier mit dem Betriebsrat zusammenfällt, ist daher berechtigt, Aufsichtsbeamten wissen, daß er nichts hinaustrage. Eines Tages, auf Verbindlichkeitserklärung. Soll der ungestörte Betrieb in den Gas- und Wasserwerken aufrechterhalten werden, muß also von einer Verlängerung der Arbeitszeit über diesen ersten Schiedsspruch hinaus abgesehen werden. Die Entscheidung über die Verbindlichkeitserklärung desselben bliebt abzuwarten. Eine Streitgefahr besicht augenblidlich noch nicht, doch Eine Streitgefahr besteht augenblicklich noch nicht, doch ist die Entscheidung der Belegschaften in der Frage der Arbeitszeit so unzweideutig, daß, wenn es nicht gelingt, auf friedlichem Wege die Bestimmung des Mantelvertrages, der ab 1. Oktober das Wiederinkrafttreten der achtstündigen Arbeitszeit Dorfieht, zur Geltung zu bringen, der Kampf unvermeidlich ist. Da dieser Kampf aber auf dem Rüden der auf Wasser und Gas angewiesenen Berliner Bevölkerung aus gefochten würde, muß erwartet werden, daß nichts unversucht bleibt, gefochten würde, muß erwartet werden, daß nichts unversucht bleibt, ihm vorzubeugen. Das rücksichtslose Vorgehen der Werksdirets tionen, die sich über den geltenden Tarifvertrag hinwegsetzten, hat die Arbeiterschaft aufs äußerste erregt. Noch ist es 3eit! Finigungsvorschlag im Mühlenarbeiterstreik. Heute Urabstimmung der Streifenden. Wie bereits mitgeteilt, fanden Freitag vormittag die Berhand lungen beim Schlichter von Groß- Berlin wegen der von den Arbeit gebern beantragten Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 30. September statt. Der Schlichter machte einen Vermittlungsvorschlag dahingehend, daß für gelernte Arbeiter 36 M., für ung lernte 32 M und für Frauen 21,35 m. gezahlt werden sollten. Gegenüber dem Schiedsspruch bedeutet das eine Erhöhung der Löhne bei den ersten beiden Gruppen um je 1 M., bei den Frauen um 60 Pf Der Vermittlungsvorschlag sieht weiter vor, daß. wenn der Teuerungsinder um 8 Punkte über den Stand von 119 Bunkten steigt, Lohrverhandlungen auch während der Laufzeit des Spruches eingeleitet werden können. Dieser neue Einigungsvorschlag soll ebenso wie der Schiedsspruch bis zum 31. Dezember Geltung haben. Es war meiter noch die Bestimmung vorgesehen, daß Maßregelungen aus Anlaß des Streits nicht vorgenommen werden könnten. Die Parteien haben eine Bedenfzeit bis Sonnabend mittag erhalten. In einer Vollversammlung der streifenden Mühlenarbeiter berichtete Sch mig vom Verband der Lebensmittel- und Getränkes arbeiter. Nach den Satzungen des Verbandes ist nunmehr für heute, Sonnabend, vormittag eine l r abstimmung unter den Streifenden notwendig. Die Abstimmung wird in den Streiflokalen vor= genommen werden. Eine falsche Behauptung. Auf der Legung des Deutschen Beamtenbundes ist von dem Vorfizenden Klügel die Behauptung aufgestellt worden, daß der Teil der Bratenschaft, der sich an die freigewerkschaftliche Bewegung angeschlossen hat, mit seinen Bestrebungen gescheitert sei. Der A11. gemeine Deutsche Beamtenbund fei erledigt und ein undenkbar treuriges und bedauerliches Kapitel in der Beamtenbewe gung fi damit abgeschlossen. Tatsache ist, daß der Allgemeine Deutsche Beamtenbund durch den Druck der Personalabbauverordnung und die reaktionären politischen Vorgänge, die vielfach auch wieder eine Rechtsorientierung der Beamtenschaft zur Folge haben, einige Berluste erlitten hat, er aber im übrigen innerlich völlig ungeschwächt dasteht und gar nicht daran denkt, die Sammlung der Beamten in einer von jedem Regierungseinfluß befreiten Gewerkschaftsbewegung, die eng mit den freien Gewertschaften der Arbeiter und Angestellten zufammenwirft, aufzugeben. Ein Beweis dafür ist sein Bundesorgan, Sie 21lgemeine Deutsche Beamten 3eitung", die in wenigen Monaten ihren Abonnentenstand verfünf facht hat. ** = Der Außerordentliche Verbandstag des Reichsverbandes der Justiz Bureaubeamten lehnte nahezu einmütig einen Antrag auf Austritt aus dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund ab. Eine Entschließung, die sich mit großer Schärfe gegen das vom Reichsfinanzministerium geplante Kontrollsystem der Kanzleibeamten aussprach, wurde einstimmig an genommen Arbeitervertretung im Aufsichtsrat. Im Betriebe der Firma König, Rücken u. Co.( Metallindustrie) fand im April die Betriebsratswahl statt. An der Wahl beteiligten sich nur die Arbeiter. Die Angestellten blieben der Wahl fern. Als der so zustande gekommene Betriebsrat eine Vertretung im Aufsichtsrat der Firma beanspruchte, lehnte die Firma dies Verlangen ab, indem sie den Standpunkt vertrat: Da sich die Angestellten nicht an der Wahl beteiligt hatten, sei ein Betriebsrat, sondern nur ein Gruppenrat( Arbeiterrat) zustande gekommen, der nicht befugt sei, die gemeinsamen Interessen aller Arbeitnehmer zu vertreten. Nach§ 5 des Gesetzes vom 15. Januar 1922 sei nur der BetriebsWann kommt das Hausgehilfengeset? Ueber dieses Thema referierte die Landtagsabgeordnete Kähler in einer zahlreich besuchten öffentlichen Versammlung der Hausangestellten am 8. Oktober in den Colibrisälen. Die Referentin wies zunächst darauf hin, daß das Gutachten über den Entwurf eines Hausgehilfengesetzes vom Reichswirtschaftsrat bereits Ende 1922 abgegeben und dem Arbeitsminister um übermittelt wurde, bisher von der Reichsregierung jedoch nichts unternommen worden ist. Troßzdem die Vertreter der Gruppenleitung wiederholt im Reichsarbeitsministerium vorstellig geworden sind, ist das Gesetz von den gefeßgebenden Körperschaften nicht zur Verabschiedung gebracht worden. Es sei standalös, daß an Stelle der Ende 1918 außer Kraft gesetzten Gesindeordnung bis heute noch kein der angestelltenberuf geschaffen ist und die Angehörigen dieses Berufes neuzeit entsprechendes Recht für den großen Haus gewissermaßen rechtlos dastehen. Die§§ 611-630 des BGB. Titel 6 Dienstvertrag, die heute für das Recht der Hausangestellten Anwendung finden, entsprechen den Ansprüchen und der Eigenart im Hausdung finden, entsprechen den Ansprüchen und der Eigenart im Haus: angestelltenberuf nur sehr mangelhaft und ungenügend. Es sei höchste Zeit, daß endlich für diesen Beruf die Rechtslage gefeglich geregelt und in bezug auf das Verfahren über vortommende Streitfälle, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben, eine moderne Rechtsprechung unter paritätischer Mitwir fung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Hausfrauen und Haus: angestellten, eingeführt wird. Bor allen Dingen muß die tägliche Arbeitszeit, die heute noch ohne Gewährung genügender Fre zeit und ohne bestimmte Pausen in vielen Haushalten 14 bis 15 Grunden beträgt, auf 10 Stunden gefeßlich festgelegt und in bezug auf das Roft und Logiswesen Bestimmungen im Gesetz aufgenommen werden, die als menschenwürdig bezeichnet werden. In der darauf folgenden Aussprache, die sich recht lebhaft gestaltete, wurde über viele Mißstände geflagt und zum Ausdruck gebracht, daß es für eine der größten Berufsgruppen, die in der Boltswirtschaft an sich nicht unbedeutend ist, eine Schmach sei, gewissermaßen rechtlos dazustehen und nach wie vor als Bar'a b²= handelt zu werden. Was das Organisationsverhältnis anbetrifft, foll jetzt in eine rege Agitation eingetreten und zur Auflärung über die Rechtslage der Hausangestellten weitere öffentliche Versammlungen einberufen werden, für deren guten Besuch die Anwesenden versprachen fräftig arbeiten und agitieren zu wollen. Neue Löhne bei der Straßenbahn. Zwischen dem Deutschen Verkehrsbund, dem Deutschen Metallarbeiterverband und der Direktion der Berliner Straßenbahn G. m. b. 5. ist es zu einem neuen Tarifvertrag gefommen. Die Löhne werden wie folgt festgesetzt: Vorarbeiter 77 Pf. pro Stunde, Handwerker 70 Bf., in der Hauptwertstatt 68 Pf., Fahrer im Bersonenverkehr 60 Pf.. im Poſt- und Güterverkehr 60 Pf., Schaffner und angelernte Arbeiter 60 Pf., ungelernte Arbeiter 53 Pf., Saisonarteiter 49 Pf., Reinmachefrauen 40 Pf. Diese Löhne werden nach einer Beschäftigungsjeit von einem Jahre gezahlt. Der Tarif sieht als Neuerung eine Staffelung der Löhme in Anfangslöhne, solchen nach drei- und nach sechsmonatiger Beschäftigung vor. Die Handwerker in der Hauptwerkstatt arbeiten außerdem im Afford. Für Fahrer im Personenverkehr ist neu eingeführt eine Fahrzulage von 90 Pi. pro Tag, für Fahrer im Post- und Güterverkehr von 60 Pf. täglich. Die Frauen- und Kinderzulage beträgt wie bisher 3 Bf. pro Stunde, die Zulage für Einmannwagenfahrer beträgt 2 Pf. pro Stunde. Die Erhöhungen der Stundenlöhne betragen beim Fahrpersonal 10 bzw. 6 und 5 Pf. pro Stunde, bei den übrigen Arbeitern schwankt die Zulage zwischen 2 und 7 Pf. Eine Vollversammlung der im Straßenbahnbetriebe Beschäftigten nahm gestern abend zu diesem Tarifvertrag Stellung. Die Versammlung dauerte bei Schluß der Redaktion noch an. Information für Metallarbeiter. Zu der Mitteilung der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die wir in unserer Abendausgabe vom 4. Oktober veröffentlichten, schickt uns der Kommunist Franz Müller folgende Berichtigung": " 1. Es ist unrichtig, daß ich mich den Kollegen in den Betrieben vorgestellt habe, daß ich wegen meiner revolutionären Tätigkeit ausgeschloffen sei. Richtig ist vielmehr, daß ich 26 Jahre im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert war und im Vorjahre gegen mich ein Ausschlußverfahren wegen meiner revolutio= nären Tätigkeit schwebte, welches aber einstimmig niedergefchlagen werden mußte und daß ich in diesem Jahre für nicht wiederaufnahmefähig vom Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes erklärt wurde, weil ich in der Union tätig bin. 2. Es ist unrichtig, daß ich am 19. August 1924 meinen Austritt aus dem Deutschen Metallarbeiterverband erklärt habe, richtig ist vielmehr, daß ich niemals meinen Austritt aus dem Deutschen Metallarbeiterverband erklärt habe, sondern daß ich mit dem Augenblick, da ich meine Beiträge in der Industrieorganisation, Gruppe Metall, bezahlt habe, automatisch nicht mehr Mitglied im Deutschen Metallarbeiterverband war, also Wenn Sie wüßten nicht eine Boche mit meinen Beiträgen im Rückstande war. wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch ,, Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. ,, Lebewohl" wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. In Drogerien und Apotheken zu haben. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl mit Filzring! Franz Müller. Was M. hier berichtigt", dürfte sein Geheimnis sein. Er behauptet in der Berichtigung selbst, daß wegen seiner„ revolutionären Tätigkeit" gegen ihn ein Ausschlußverfahren geschwebt habe, behauptet also etwas, was er bestreitet, behauptet zu haben. Das Unterfuchungsverfahren wurde eingeleitet wegen eines Aufrufs des Vorstandes der KPD.- Fraktion der Metallarbeiter. Vor der Kommission Teugnete M. jedoch, diesem Vorstande anzugehören, weshalb das Berfahren eingestellt wurde. Wie M. nun selbst schreibt, hat er seinen Austritt niemals erklärt, aber die Beitragszahlung„ automatisch" e in gestellt. Sein Ausschluß mußte also wegen restierender Beiträge erfolgen. Das geschah, als am 19. August, als M. als der Leidende wieder die Kontrolle am Fabrikausgang passierte, griff ihn ein Aufsichtsbeamter an den tranfen Arm. Das verursachte dem Leidenden Schmerzen, die auf seine nervöse Reizbarkeit derort einwirften, daß er beleidigende Worte gegen den Beamten gebrauchte. In frankhafter Erregung beleidigte der Leidende auch andere Fabrikbeamte, die aus demselben Anlay mit ihm zusammengerieten. Wegen dieses Verhaltens wurde der Schwerbeschädigte fristlos entlassen. De ihm eine Kündigungsfrist von vier Wochen zusteht, flagte er beim Gewerbegericht auf Schadenersay. Im Termin, nachdem die einleitenden Formalitäten erledigt waren, bekam der Kläger ganz plötzlich und ohne erkennbare äußere Beraniaffnug einen äußerst heftigen Anfall feines Nervenleidens. Er stieß einen gellenden Schrei aus, schlug um sich, taumelte und wäre zu Boden gefallen, wenn ihn nicht seine Frau und andere Perdie Richter und den Vertreter der Firnia stürzen. Nur mit großer laut schreiend wollte sich der Leidende mit erhobenen Fäusten auf sonen gehalten hätten. Von frammpfhaften Budungen geschüttelt und Anstrengung gelang es, den Kranten zurückzuhalten und aus tem Bimmer zu führen. Hierauf wurde der Termin wegen Berheadlungsunfähigkeit des Klägers vertagt und ihm empfohlen, zum nächsten Termin einen Bevollmächtigten zu ſchiden. Der Vorgang im Gerichtszimmer machte einen äußerst peinlichen Eindruck. Ebenso peinlich ist es aber, wenn es eine angesehene Firma wegen einer für ihre Verhältnisse unerheblichen Forderung zum Prozeß mit einem Manne tommen läßt, den der Krieg förperlich und geistig zum Krüppel gemacht hat. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, daß sich die Firma möglichst bald mit dem Kläger vergleicht und ihm die Aufregung eines neuen Termins erspart. Schiedsspruch für die Nordwestliche Gruppe. Dortmund, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Lohnverhandlungen am Freitag für die Nordwestliche Gruppe der Eisenund Stahlindustrie wurde vom Schlichter für Rheinland und Westfalen folgender Schiedsspruch gefällt: Das geltende Lohnabkommen wird mit folgender Maßgabe verändert: Der Lohn der Höchstarbeiter wird auf 48 Pf., der Tariflohn der Facharbeiter über 21 Jahre auf 60 Pf. festgesetzt. Die anderen Löhne verändern sich im gleichen Verhältnis. Für die Affordarbeiter erhöht sich die bisherige feſte Zulage um 4 Pf. Diese Regelung gilt vom 5. Oktober ab bis auf weiteres und kann mit einmonatiger Frist zum Monatscrsten gekündigt werden. Erklärungstermin ist der 14. Oktober. Bei den Verhandlungen über die Arbeitszeit wurde von den Arbeitgebern der Antrag gestellt, ein Schiedsverfahren durchzuführen. Schlichter hat den Schlichtungstermin auf den 16. Oktober anberaumt. Der Neue Verhandlungen im belgischen Bergarbeiterstreik. Paris, 10. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Nach Meldungen aus Brüffel steht die Beendigung des weit über zwei Monate dauern. den Streits der Bergleute in dem belgischen Kohlendistrikt Borinage jetzt endlich bevor. Im Beisein des belgischen Ministerpräjie denten hat am Donnerstag im Arbeitsministerium eine neue Zu sammenkunft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern stattge funden, die die Möglichkeit eines Kompromisses wahrscheinlich erscheinen läßt. Der belgische Arbeitsminister hat am Donnerstagabend den Vertretern der Presse mitgeteilt, daß er be gründete Hoffnung auf eine rasche Beendigung des Konflikts habe. Die endgültige Entscheidung liegt bei der für Freitagabend zusam menberufenen Bergwerkskommission, in der beide Parteien paritätisch vertreten sind. Es wäre tatsächlich an der Zeit, um auch mit den Bergwerksbefizern ein ernstes Wort zu reden, die durch ihre Lohnkürzungspläne den Konflikt verschuldet haben. Der Streit in den Greizer Färbereien, der eine Aus.. iperrung der Arbeiter zur Folge hatte, ist beigelegt worden, und zwar durch Anerkennung des Geraer Schiedsspruches, der eine fünfDie Arbeit ist am prozentige Lohnerhöhung vorsieht. Freitag wieder aufgenommen worden. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Der abgeschlossene Lohntarif für de Ofenfeger in Berlin und Provinz Brandenburg liegt gedruckt vor. Kollegen erhalten denselben gegen Borzeigung des Mitglieds. buches zum Vorzugspreise von 50 Pf. im Bureau des Verbandes. Sattler, Tapezierer. und Portefeuiller- Verband. Achtung, Kollegen! Sonntag, den 12. Oftober, findet eine Besichtigung der Ausstellung für Eisenbahn und Technik" in Seddin statt. Kolleginnen und Kollegen, welche dafür Intereffe haben, treffen sich Sonntag früh 8 Uhr am Botsdamer Bahnhof. Die Orisverwaltung. Lehrlinge und jugendliche Arbeiter in der Metallindustrie. Am Donnerstag, den 16. Oktober, unternimmt die Jugendabteilung des Metallarbeiterverbandes eine Fahrt nach Seddin zur Besichtigung der Eisenbahntechnischen Ausstellung. Die Untoften, die dem einzelnen entstehen, find sehr gering. Fahrgeld hin und zurück und Eintrittskarte 1.20 M. Diese Gelegenheit sollte von allen Jugendlichen benutzt werden zu ihrer Weiterbildung. Auch von den Arbeitgebern muß erwartet werden, daß sie demjenigen, der für diesen Tag um Urlaub nachsucht, teine Schwierigkeiten machen. MeiDungen zur Teilnahme find bis Dienstag, den 14. Oktober, abends 7 Uhr, unter Hinterlegung des Betrages in der Jugendabteilung oder Rechtsauskunft, Zimmer 4, des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Linienstr. 83/85, abzugeben. Das Jugendheim ist am Sonntag, den 12. Oktober, abends von 6-10 Uhr, ebenfalls geöffnet. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Willy Möbus; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister Merren Knaben Kleidung ser Tor ollige Ulster Mo in den neuesten Formen fertig am Lager: M. 45, 49, 54, 60, 70, 80, 90, 100 Sportpeize Edelpelze Gute Qualität geht über alles! Maggi's Suppen sind aus erstklassigen Rohstoffen hergestellt und von höchstem Wohlgeschmack. Mühelose Zubereitung. Nur noch mit Wasser zu fochen. Die Würfel enthalten schon alles Erforderliche. 25 verschiedene Sorten. Ein Würfel zu 12 Pfennig reicht für 2 Teller. Rennzeichen: der Name Maggi und die gelb- rote Padung. Die Maggi- Ge ellschaft wat ihre Erzeugnisse der Kontrole des Direttors bed Hygienischen Jaflituts der Universität Berlin, Geheimra Profeffor Dr. Martin Sa bn, unterstellt. MAGGISSUPPEN MAGGI MAGGISSUPPEN Reis 2 Teller Str. 480 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Zur Amerikafahrt des 3. R.3. Z. Aus der Geschichte der Zeppelin- Luftschiffe. Der Zeppelin" 3. R. 3, das vollkommenfte Luftschiff der Welt, wird heute seine große Fahrt nach Amerifa antreten. 3. R. 3 ist das zweite Lenkluftschiff, das nach Amerita steuert. Die erste Amerikafahrt führte das englische Starrluftschiff R. 34 vom 2. bis 6. Juli 1919 aus. Es fuhr dann vom 10. bis 13. Juli wieder zurück. Die Fahrt begann in Edinburg und führte nach New York. Sie dauerte auf der Hinreife 108, auf der Rückreise 75 Stunden. R. 34 war eine Ropie des deutschen Marineluftschiffes 2. 49, das in der Gegend von Bourbonnes- les- Beins in die Hände der Entente geraten war. Das Schicksal der ersten Zeppeline. Mannigfach sind die Schicksale der Zeppelin- Luftschiffe gewesen. Zunächst hat man ihren Erbauer verspottet. Der Staat hatte nicht das geringste Interesse an einer Sache, die so viele ehrenwerte Fach leute für eine ausgemachte Utopie ansahen. Erst als es schien, daß fich das Lenkluftschiff doch verwirklichen ließe, und daß es darüber hinaus dazu dienen fönne, Tod und Verderben in andere Länder zu fragen, bequemte sich der Militärstaat bazu, sich mit dieser Angelegenheit zu befassen. Es ist eine Tragödie der Menschheit, daß die genialſten technischen Schöpfungen nicht so sehr im Hinblick auf ihre friedliche, als vielmehr auf ihre friegerische Brauchbarkeit geprüft und gewertet wurden und noch werden. Die erste Zeppelin- Gesellschaft murde 1897 mit einem Rapital von 800 000 m. gegründet. Das erste Zeppelin- Cuftschiff stieg am 2. Juni 1900 zu seiner ersten, am 31. Oftober 1900 zu seiner legten Fahrt auf. Insgesamt hatte es nur drei Fahrten gemacht, die alle glücklich verliefen und die Brauchbarteit des Luftschiffes dartaten. Das Geld war erschöpft: das Luftschiff wurde abgebrochen, seine Einzelteile als Altmaterial vertauft. Neben rein geldlichen Schwierigkeiten waren bei dieser ersten Schöpfung auch große tonftruttive Hindernisse zu überwinden, da für den Bau eines folchen starren Ballongerüftes, in dem die verschiedenartigsten Belastungen auftreten, noch nicht genügend Erfahrungen vorlagen. 2. 3. 1 hatte einen Rauminhalt von 11 300 Rubikmetern, es war bei einem Durchmesser von 11,7 Metern 128 Meter lang. Seine beiden Motoren haften eine Leistung von je 15 Pferdestärken und gaben ihm eine Eigengeschwindigkeit von 7,8 Metern in der Sekunde. Das zweite Zeppelin- Luftschiff, deffen Bau durch eine Lotterie in BWürttemberg ermöglicht wurde, machte einige Probefahrten, wurde dann vom Sturm erfaßt, nach dem Allgäu verfchlagen und mußte ebenfalls abgebrochen werden. Troß dieses schweren Mißerfolges ent stand fofort ein neues Schiff, C. 3. 3. Mit diesem endlich gelangen die Fahrten, die die Brauchbarkeit des Zeppelin- Luftschiffes so augenscheinlich dartaben, daß sich die Reichsregierung aus militärischen Gründen zur Förderung des Zeppelin- Luftschiffbaues entschloß. Auf das nächste Luftschiff, 2. 3. 4, wurden große Erwartungen gefeßt, die sich auch zu erfüllen schienen. Nach anfänglich glüdlicher Fahrt, die über Konstanz- Straßburg- Mannheim nach Stuttgart führte, wurde es zu einer Notlandung bei Echterdingen gezwungen, die auch vollkommen glückte. Plötzlich ereignete fich eine Explosion, die das Schiff vernichtete. Dieses Geschid erregte das Mitgefühl des deut fchen Bolfes in so startem Maße, daß binnen furzem nicht weniger als 6 Millionen Mark zum Bau neuer Luftschiffe durch Sammlung aufgebracht wurden. Das mit diesen Mitteln ausgeführte Schiff 2. 3. 5, bei dem die Summe aller bisherigen Erfahrungen verwendet waren, hatte einen Rauminhalt von 15 000 Kubikmetern bei einer Länge von 136 Metern und einem Durchmesser von 13 Metern. Seine beiden Motoren indizierten zusammen 210 Pferdestärken. Seine Geschwindigkeit betrug 13,5 meter in der Sekunde und es vermochte nach vollendeter Gasfüllung 4650 Kilogramm Nutzlaft zu tragen. Eine glänzende Fahrt führte es von Friedrichshafen nach Bitterfeld. In Göppingen sollte der Brennstoffporrat aufgefrischt werden. Bei der Landung stieß die Spike gegen einen Kirschbaum und wurde eingedrückt. Troß dieser Beschädigung wurde das Schiff glücklich durch die Luft nach Friedrichshafen geführt und hier ausgebessert. Der Umstand, daß das Gas nicht in einem einzigen Behälter, sondern in einer Reihe von nebeneinander gelagerten Zellen enthalten war, hatten das Schiff vor gänzlicher Zerstörung bewahrt. Es hat dann noch eine Reihe glücklicher Fahrten ausgeführt. 37] Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Nero. Und der erste Abend war doch so vielversprechend gewesen. Sie hatten es beide recht gemütlich zusammen gehabt, und sie hatte sich gesagt, so werde es bleiben. Als jedoch bei ihr der Schreck vorüber war und sie die schlimmsten Folgen des Ansturmes überwunden hatte, glitten sie wieder in ihre alte Stellung zueinander, und sie ahnte, daß er sich sein ganzes Leben ohne sie eingerichtet hatte und zurück gewonnen werden mußte. Aber wie bei ihrem Troß? Zusammengedrückt saß sie da und fragte mit den Nägeln an ihrem Kleide, wobei sie. innerlich in einem fort die Worte wiederholte: Verrücktes altes Weib, Zankteufel! Dann hob fie plöglich ihr verweintes Gesicht, und da stand draußen auf dem Dreieck der Ackerbürger Dam und betrachtete sie. Er fam auf den Hof: Was ist denn, Anna, ist dein Mann zurückgekommen, weil du so unglücklich aussiehst?" Sie antwortete nicht, sondern machte sich daran, Splitter um den Haublock herum aufzusammeln. ,, Oder hast du vielleicht wider angefangen, dich nach ihm zu sehnen? Na, er fann ja noch fommen." Das wäre nicht gut," erwiderte sie mit faft fieberhafter Geschwindigkeit. ,, Na ja ja. Hab' nur teine Angst. Ich werd' ihn schon nicht aus der Erde hervorzaubern," sagte Dam beruhigend. ,, Er scheint übrigens gut versteckt zu sein, wo er sich auch befinden mag." Brauer Dam beobachtete au seiner eigenen Bermunde rung, daß Franks Berschwinden ihn befriedigte. Er hatte Frank nie leiden mögen, obwohl dieser ihm einen sehr wesentlichen Gefallen getan hatte, indem er Anna übernahm. Zum Teil lag das natürlich an der Erbärmlichkeit des Mannes. Aber er hatte nicht ausschließlich Verachtung empfunden; da war noch etwas zwischen ihnen. War's Eifersucht gegen über einem höchst ungefährlichen Mitbewerber, den er, obwohl er es obendrein in der Hand gehabt, ihn niederzuschlagen, zu benußen vorgezogen hatte? Er mußte lachen; doch ganz leugnen fonnte er es nicht. Dann sind es wohl Geldsorgen," fagte der Brauer, der neugierig mar, die Ursache ihres Rummers zu erfahren. Er betrachtete sie grübelnd, um auf die Spur zu kommen, während| 2.3.6 über Berlin. Am 25. Oftober 1909 erschien zum ersten Male ein Zeppelin 2. 3. 6 über Berlin und rief hier sowohl als während seiner ob die Menschen von einem Taumel erfaßt waren. Die Zeitungen ganzen Fahrt eine beispiellose Begeisterung hervor. Es war, als und Zeitschriften des In- und Auslandes waren voll von dieser Fahrt, die mehr als jede andere zu zeigen schien, daß die Luft endlich doch erobert war. Aus der großen Menge der prosaischen und poetischen Erzeugnisse, die das Erscheinen des Luftschiffes über Berlin auslöften, mögen hier folgende Strophen eines Zeppelin- Begeisterten wiedergegeben werden: ,, Möcht es ihm gelingen, Hold sei ihm das Glück, Das vor allen Dingen Heil er fehr zurüd! Denn bei Echterdingen Flog er in die Luft, Burd' doch bei Göppingen Die Spige eingebufft... Auch die Rückfahrt des 3. L. 6 von Berlin nach Friedrichshafen sollte sich nicht glatt vollziehen. Ein Schraubenbruch nötigbe das Fahrzeug bei Bülzig in der Nähe von Wittenberge zum Niedergehen. Die Landung war recht gefährlich. Trotz aller mißlichen Umstände aber fonnte das Luftschiff doch nach einer weiteren, fast eintägigen Fahrt seinen Heimathafen erreichen. Noch vor Kriegsbeginn wurden einige Berkehrsluftschiffe gebaut, die mit großer Bünftlichkeit ihre Fahrten ausführten. Die Hauptzahl der Zeppelin- Luftschiffe entstand während des Krieges. Insgesamt wurer gleichzeitig darüber nachsann, wie wenig" doch von der Herrlichkeit übrig war, nach der es ihn einst gelüftet hatte. Wie gut, daß er sich nicht über alles hinweggesezt und sie bei sich behalten hatte, wie er es in der ersten dummen Eingebung tun wollte. ,, Will das Geld nicht reichen?" ,, Das ist es nicht, der Junge racert sich Tag für Tag ab, und jetzt fann unsereins ja auch wieder bald anfangen." ,, Ja, es ist ein verflirt flinker Junge, aber jetzt soll er ja bald fonfirmiert werden, und dann müssen wir ihn fort geben. Ich denke, wir schicken ihn auf die See; sollte es sich dann zeigen, daß er tüchtig ist, so wird sich mohl immer noch ein Ausweg dafür finden lassen, daß er sein Steuermannsexamen macht." Es ging Madam Frank durch und durch sollte sie sich schon von dem Jungen trennen! ,, Ich glaube nicht, daß er Luft hat," wandte sie ein. " Dummes Zeug! Er rennt ja immer nach dem Hafen und ist fortwährend auf der Fahrt. Du willst ihn natürlich nicht loslassen, du willst ihn bei dir behalten. Aber die jungen Leute haben was anderes zu tun, als an den Röcken ihrer Mutter zu hängen wenigstens wenn was an ihnen ist. und er ist nun einmal ein verflucht tüchtiger Junge, auf den wir beide, du und ich, eigentlich stolz sein müßten. Wenn das Junge flügge ift, verläßt es das Neft. Und wir zwei müssen sehen, uns darein zu finden." Wir zwei-! Du und ich-! Sie sah ihn erstaunt an. ,, Glaubst du vielleicht, ich werde ihn nicht auch entbehren? Ich würde meine letzten zehn Jahre dafür geben, daß ich ihn anerkannt hätte; und ich begreife jetzt nicht, warum ich es nicht getan habe. Dann hätt ich ihn um mich gehabt, anstatt heimlich hinzurennen und mir ihn anzusehen und so zu tun, als ob ich es auf die Schiffe im Hafen abgesehen hätte. Aber wenn die Tonne ausgelaufen ist, dann ist's zu spät, einen Rapfen einzusehen. Nun müssen wir sehn, einen tüchtigen Menschen aus ihm zu machen, wenn er die Konfirmation mal erst hinter sich hat." Benn er bloß nicht zurückgewiesen wird, der Pastor hat's ihm angedroht. Er kommt nie in den Vorbereitungs unterricht." ,, So ein Schlingel! Dann fann ich begreifen, daß der Pastor ärgerlich auf ihn ist." ,, Nein, der Bastor sieht es am liebsten, daß er wegbleibt." | Sonnabend, 11. Oktober 1924 den für die Zwede der Zerstörung 66 Marineluftfchiffe und 35 Heeresluftschiffe gebaut. Im Jahre 1918 wurden bereits Schiffe erzeugt, die in ihrer äußeren Gestaltung somie auch bezüglich ihres Raumgehaltes und ihrer Maschinenleisiung sich dem neuesten Schiff 3. R. 3 näherten, das die Werfinummer 2. 3. 126 trägt. Ein Teil dieser Kriegsluftschiffe ging verloren, ein anderer Teil wurde der Entente ausgeliefert. Einige dieser Schiffe haben damals rechi bzdeutende Fahrten gemacht. So flog z. B. das Transportluftschiff C. 59 von Jembol am Schwarzen Meer bis in die Nähe der Nilquellen und zurück. Es durchflog dabei 6500 Kilometer in etwa hundertstündiger Fahrt mit einer Nutzlast von 15 000 Kilogramm an Bord. Bei der Rückkehr hatte es noch Brennstoff für eine weitere Fahrt von 3000 Kilometern zur Verfügung. Dieses Luftschiff ist später verschollen. Von der„ Bodenfee" zum 3. R. 3. „ Bodensee" und" Nordstern" gebaut, die verhältnismäßig flein, aber Nach dem Kriege wurden nur die beiden Verkehrsluftschiffe mit starker Maschinenleistung ausgestattet sich als brauchbare Vertehrsmittel erwiesen. Die im Jahre 1919 hergestellte„ Bodensee" hatte 20 000 kubikmeter Rauminhalt, 18,7 Meter Durchmesser, 120,8 Meter Länge, vier Motoren von zusammen 960 Pferdestärken. Sie fonnte 10 000 Kilogramm Nuzlast tragen und hatte eine Setundengeschwindigkeit von 36,8 Metern. Sie mußte an Italien ausgeliefert werden, der„ Nordstern" ging nach Frankreich. Beide Schiffe find dort in furzer Zeit zugrundegegangen, da es dort sowohl an der Erfahrung in der Führung, als auch an der richtigen Behandlung der komplizierten Bauten mangelte. Gründlicher ist man in Amerifa vorgegangen, das umfangreiche Geldmittel für die Förderung des Luftschiffbaues und des Studiums aller einschlägigen Berhältnisse bereitstellte. Amerika jetzte bei der Entente den Bau des 3. R.3 durch, bei dem alle Erfahrungen der Vergangenheit verwendet wurden und der auf Reparationskonto der Deutschen Repu blif geliefert wird. 3. R. 3 hat einen Gasinhalt von 70 000 kubitmetern, er ist 200 Meter lang, sein größter Durchmesser beträgt 27,64 meter. Seine Höhe vom Gondelpuffer ab gerechnet beträgt 31 Meter. Er soll 46 000 Kilogramm Nuhlast tragen. Seine 5 Maschinen, die zusammen 2000 Pferdestärken entwideln, fönnen ihm eine Höchstgeschwindigkeit von zirka 126 kilometer in der Stunde verleihen. Gein Körper ist zur Erreichung des geringften LuftwiderStandes tropfenförmig gebildet. Als Brennstoff sind für die Ozean= fahrt 114 Benzinbehälter von je 420 Liter Inhalt vorgesehen. Schmieröl wird in 5 ebenso großen Behältern mitgeführt. Die Passagiere werden in der vorderen, fest mit dem Treppengerüst des Schiffes verbundenen Gondel untergebracht. Die Motoren find in 5 weiteren, ebenfalls annähernd stromlinienförmig gestalteten Gondeln montiert. Sie können vom Laufgang des Schiffes durch Beitern erreicht werden. Alle Geräte zur Leitung des Luftschiffes find in der vorderen Gondel vereinigt. Sie steht mit den übrigen Teilen des Schiffes durch automatische Telephone bzw. Maschinentelegraphen in Verbindung. Der für die Beleuchtung des Schiffes und die Funkstation nötige Strom wird von Dynamos geliefert, die durch Windmotoren während der Fahrt gedreht werden. In der Fahrgast und Führergondel ist Blak für zirta 30 Fahrgäste. In ihr ist die Funkkabine, die elektrische Küche, Waschraum und Abort untergebracht. Der Mannschaftsraum liegt im Innern des Schiffes im Laufgang, wo auch Ballast, die Lagerräume für Ersatzteile und anderes mehr zu finden ist. Die Hülle des Schiffes, in dessen Körper Gas ellen eingebracht sind, besteht aus Baumwollstoff, der in Längsbahnen aufgebracht und mit Bellon imprägniert ist. Dem Zellon ist Aluminiumpulver beigemischt, deffen Farbe die Sommenwirkung auf die Gaszellen vermindern soll. ake Manche interessante technische Einzelheit ließe sich über das modernste Verkehrstuftschiff mitteilen. Möge es feine Fahrt nach Amerita glücklich vollenden und dort drüben noch lange den Zwecken des Friedens dienen. Möge es aber auch dazu beitragen, die Werftanlagen in Friedrichshafen vor der Zerstörung zu bewahren, die von der Entente gefordert wird. Gegen die Erhaltung dieser Anlagen, die jetzt nur noch den Zwecken des Friedens dienen, dürfte ebensowenig etwas einzuwenden sein wie gegen das Bestehen der Kruppschen Anlagen in Essen, nachdem auch dort feine Zerstörungsmittel mehr erzeugt werden. = * Auf der Zeppelin Werft herrschte im Verlauf des Freitags fieberhaftes Treiben. Gegen Mittag erhielt die Besagung Anweisung, ihr Gepäck zu verladen. Gleichzeitig wurde der Post mitgeteilt, daß das Schiff die bereitstehende Post für Amerika ,, So so, die Liebe ist also gegenseitig! Ja ja, Kopfhänger haben wir genug ohne ihn. Und wenn wir den Zapfen ein wenig schmieren, sollst du sehn, wie leicht es geht." Er reckte sich, um zu gehen. ,, Ach richtig, ich habe etwas Geld für euch auf der Spartasse stehn. Du kannst es selbst abheben, wenn ihr es braucht." Stuhl und döfte niedergeschlagen vor sich hin. Der Gedanke, Madam Frant saß lange zusammengefunfen auf einem daß sie sich von dem Jungen trennen sollte, hatte sie vollständig gelähmt so sehr, daß sie weder nachdenken noch richtig trauern fonnte, obwohl es drückend genug auf ihr lastete. Und er hatte fein Mittagessen bekommen denn damit, daß er bei Kirstine Paulsen zu effen befommen würde, hatte es doch nichts auf sich; die sorgte ja nicht einmal ordentlich für Lars! Nun zog Thorvald bald in die Welt hinaus, und dann dachte er an seine Mutter wie an eine Verrückte, die ihm das Essen verweigerte, obwohl er sich für sie abmühte. Küche, um Eierkuchen zu backen. Sie nahm ganze drei Eier; Mit einem Saz sprang sie auf und war draußen in der ja, denn es konnte ja sein, daß er Lars auch kosten ließ fie wollte es ihm selber sagen, er folle mit Lars teilen. Dann goß fie eine dicke Schicht Sirup darüber und legte den Kuchen zwischen zwei Teller, während sie darüber nachsann, was er sonst wohl noch gern hätte. Sie fonnte ja recht gut eine Kanne warmen Kaffee mitnehmen wie die Frauen der Steinarbeiter es taten, wenn sie gut zu ihren Männern sein wollten. Aber Thorvald mar feine Kaffeebafe, er war ein richtiger Mann, und sie sollten etwas Kräftiges haben. Branntwein etwa? Nein, feinen Branntwein! Er trant ja auch feinen, felbst wenn er ihm angeboten wurde Gott sei Dank! Sie steckte die Hand in die Kleidertasche und zählte ihr Geld ein paarmal durch. Nun wußte sie, was sie wollte fie wollte ein halbes Nöffel Ahlbeerrum von dem zu zehn Der faufen; damit konnten der Junge und Lars sich stärken, wenn die anderen Arbeiter zur Branntweinflasche griffen. Sie stedfe eine fleine Flasche zu dem übrigen in den Korb und eilte mit dem Effen davon, um zur Vesperzeit im Hafen zu sein. ( Fortsetzung folgt.) haben. Auch die Berliner Elettrizitätswerte haben mit den Arbeiten für die Wiederherstellung von zwei Dritteln der elektrischen Friedensstraßenbeleuchtung begonnen. Es handelt sich dabei darum, eine Anzahl in Verlust geratener Kandelaber neu oufzustellen und beschädigte Rabel wieder instand zu setzen und neue Lampen aufzuhängen. Die Arbeiten werden in allen Bezirksämtern gleichmäßig durchgeführt werden. Die Berliner werden also hoffentlich in kürzester Zeit das Bergnügen haben, ihre Nächte wieder freundlich erhellt zu sehen. einnehmen wolle. Um 26 Uhr abends meldete Rapitänleutnant| gaben hinsichtlich der neu in Betrieb zu fehenden Laternen gemacht Fiemming Dr. Edener, daß das Schiff flar sei. Inzwischen hatte der Meteorologe der Werft, Dr. Lempert, auf Grund der von den Stationen Anapolis und Eiffelturm eingegangenen Meldungen die Wetterkarte zusammengestellt. An Hand dieser Karte trat dann Dr. Edener, Stapitänleutnant Flemming und Diplomingenieur Beh mann zu einer halbstündigen Konferenz zufammen, deren Ergebnis der Beschluß war, Sonnabend früh 8 Uhr zur Ameritafahrt aufzuſteigen, wiewohl sich die Wetterlage etwas verschlechtert hatte. Die Aufgaben der Zukunft. Oberbürgermeister Böß über Berliner Kommunalpolitif. Der Meineidsprozeß gegen Stadtrat Eggert. Verurteilung zu zwei Jahren Zuchthaus. In dem vor dem Schwurgericht des Landgerichts III verhandelten Meineidprozeß gegen den Spandauer Stadtrat Eggert, den früheren Gemeindevorsteher von Staaten, wurde gestern noch einmal in die Beweisaufnahme eingetreten: Die ingwischen vorgenommene Wohnungsbesichtigung bei der Belastungszeugin Frau Bär mann hat ergeben, daß man durch den Briefschlich der Tür eine über den Flur gehende Person erfennen tann. Frau Bärmann hatte behauptet, sie habe in der Nacht des 15. Februar 1922 Eggert aus der neben ihrer Wohnung Im Berein Berliner Kaufleute und Indu- Bezirksbildungsausschuß Gr.- Berlin SPD. liegenden Bohrung der Fürsorgeschwester Metzger herauskommen strieller sprach Oberbürgermeister Böß über Aufgaben der Berliner Kommunalpolitit". Die sehr wichtige Frage der Steuern fei zurzeit schwer mit praktischem Nußen zu erörtern. Der Londoner Batt mache eine Neuregelung der Beziehungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden nötig. Den Ländern und Gemeinder drobe ein bebeutender Ausfall an Einahmen, zum Beispiel jährlich 15 Millionen Mark an Umfassteuern. Trozdem werde jetzt eine Serabjegung der Werttarife durchgeführt. Berlin habe nach Stabilisierung der Mark sich wieder den Aufgaben der Zeit vor dem Kriege zugomendet. Ohne wirtschaftliche und gefundheitliche Hebung des Mittelstandes und der Arbeiterbevölkerung jei eine Wiederkehr befferer Zustände nicht möglich. Gelungen sei es, die Werke zu halten. Die Herabfezung der Tarife werde weitergeführt werben tönnen, Schwer fei in den letzten zehn Jahren die Straßenbahn vernachlässigt worden. Die Lösung der Berkehrsfrage gehöre zu den besonders wichtigen Aufgaben der Stadt. Nur durch Mehrung der Untergrundbahnen sei den jetzt so übel empfundenen Berfehrsmängeln wirffam abzuhelfen. Durch Anleihen könne man die erforderlichen Mittel schwer be= schaffen, ohne Zuschüsse aus Steuermitteln werde es nicht abgehen. Bei der Nordfübbahn habe die Stadt mit dem Weiterbau mehr Mut bewiesen als die Privatgesellschaft bei der AEG.- Bahn. Auch der Weiterbau dieser Bahn werde von der Stadt geplant. Berlin dürfe auf eine günstige Entwidlung feiner Wirtschaft rechnen. Borsicht sei aber geboten, da man die Wirkungen des Londoner Pattes noch nicht übersehen könne. Das Waffer= straßennez müffe leistungsfähiger werden. Durch ein Staubeden der Spree fönne der Wasserstand reguliert werden. Berlin werde fich an dieser Aufgabe zu beteiligen haben. Stärffte Wirkung sei aber von dem Weiterbau des Mittellandtanals zu erwarten. Auch auf dem Gebiet des Flugverkehrs habe Berlin d'e der Reichs hauptstadt gebührende Stellung erlangt. Den Flughafen auf dem Tempelhofer Feld haben Stadt und Reich zusammen geschaffen. Die Stadt gehe daran, die Veranstaltung von Fachmessen zu erleichtern. Sie habe die Bedeutung des Rundfuntwesens erkannt und ihm in Berlin ein Zentrum geschaffen. Oberbürgermeister Böß Streifte auch die Betätigung der Stadt auf dem Gebiete der Kunst. Die gesamte Arbeit, die Berlin jeßt leistet und von der es neuen Aufschwung erwartet, werde.. Schloß der Redner nach wohl überlegtem Plan durchgeführt. In der anschließenden Besprechung wurden allerlei Einzeltlagen, besonders über die Berkehrsmängel, vorgebracht. Der Oberbürgermeister betonte im Schlußwort, daß die Stadt der polizeilichen Bertehrsregelung nicht untätig zusieht, sondern sich einen Einfluß auf sie zu verschaffen sucht. Neue Bremsversuche der Straßenbahn. Die am Donnerstag begonnenen Bremsversuche bei den Straßenbahnwagen wurden gestern durch die Aufsichtsbehörden in Gegenwart des Handelsministers Siering und des Berliner Bolizeipräsidenten Richter fortgefeßt. Auf einer für den übrigen Straßenbahnver tehr gesperrten Strecke in der Röderstraße in Lichten. berg sind abermals eingehende Versuche mit leeren sowie verschieden belasteten Wagen unternommen worden. Hierbei ergab sich, daß beide Bremsarten, die elektrische sowie die Luftdruckbremse, gleich gute Ergebnisse hatten. Interessant war, daß sich bei mehreren Verfuchen, bei denen die Schienen durch Bestreichen mit Schmieröl fchlüpfrig gemacht waren, die elektrische Bremse, mit der die meisten Magen zurzeit ausgerüstet sind, besser bewährte und fürzere Bremsstrecken zeigte. Nach Ansicht des beteiligten Fahrpersonals, dessen Vertreter ebenfalls vom Handelsminister Siering eingehend gehört wurden, soll die Hand habung der Luftdruckbremse bequemer sein. Zufam imenfaffend tann gefagt werden, daß die Verminderung der Verkehrsunfälle bei der Straßenbahn mehr eine Folge der besseren und längeren Ausbildung des Fahrpersonals als eine Abänderung der Bremsorten sein dürfte. Die Entscheidung, welche Bremsart für die Folge im Verkehr benutzt werden soll, wird erst nach genauer Brüfung des Gesamtergebnisses erfolgen. Segelflüge bei Rhinow. Die Berliner Arbeitsgemeinschaft für motorlofen Flug trifft am kommenden Sonntag eine Veranstaltung in Rhinow, um hier dem Berliner Bublikum Gelegenheit zu geben, den Ausbildungsturfus im motorlosen Gleitflug zu beobachten. Ein günftiger Zug geht am Sonntag vormittag ab Friedrichstraße 9,51 Uhr, ab 300 10,7 Uhr. An Rathenow 11,50 Uhr, ab Rathenow mit der Brandenburgischen Städtebahn 1 Uhr, an Rhinom 1,45 Uhr, von dort Fußmarsch nach den Gollenbergen bei Rhinom etwa 20 Minuten. Eine bequeme Rückfahrtsmöglichkeit ab Neustadt an der Dosse ist folgende: Ab Rhinom 5,42 Uhr über Neustadt a. b. D. Ankunft Berlin, Lehrter Bahnhof, etwas vor 9 Uhr abends. Die hellen Nächte" kommeu! Die Berliner städtische Gaswerte A.-G. teilt mit: Um zahlreichen Anfragen aus der Bürgerschaft gerecht zu werden, geben mir bekannt, daß die uns obliegenden Arbeiten zweds Ausführung bes Magistratsbeschlusses zur Berstärkung der Beleuch tung in allen Bezirken bereits in Angriff genommen worden sind. Außerdem find mit Rüdsicht auf die uns befannt gewordene 2bficht des Magistrats, die Beleuchtung auf amei Drittel bes Friedensstandes zu erhöhen, fofort fämtliche Maßnahmen getroffen, um auch diesem Beschluß in Kürze gerecht zu werben, sobald die Bezirksämter die erforderlichen An. Sonntag, den 12. Oftober, pünffl. nachm. 33/4 Uhr, im gr. Saale der Philharmonie, Bernburger Str.: 1. Festkonzert Werke von Ludw. v. Beethoven u. A. Bruckner Weihe des Hauses Ludwig v. Beethoven/ Sinfonie D- Moll von Anton Bruckner/ Generalmusikdirektor Hermann v. Schmeidel/ Das Philharmonische Drchester Es folgen drei weitere Ronzerte am 23. November 1924, 25. Januar 1925 und 15. März 1925. Einzelfarte 1,10 Gm., im Abonnement 0,90 Gm Abonnementslisten und Einzelfarten liegen aus bei den Mitgliedern der Bildungsausschüsse, in allen Borwärts"-Speditionen, Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, in allen Geschäften, wo Platate aushängen und im Bureau des Bezirksbildungausschusses, Lindenstr. 3, 2.Hof Der Aktienschwindel. In einem Café am 300 wurde die Flucht beschlossen. Der große Attienschwindel ist jetzt durch die Vernehmungen bei der Inspektion C. der Kriminalpolizei so weit geflärt, daß die bisher verhafteten Blumenthal, Gebrüder Jafobi, Römer und Braun wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Sonnabend dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden fönnen. Auch Werner Jakobi hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. sehen. Bernommen wurde gestern noch eine Zimmervermieterin Schachert, bei der Eggert in der fraglichen Zeit gewohnt hat. Sie erklärte, daß Eggert nach ihren Beobachtungen( fie achbete sehr darauf, nur folide" Herren als Mieter zu haben) nie= mals über Nacht weggeblieben sei. Stadtinfpektor Röside und der jezige Bürgermeister Fechner aus einer Provinzialstadt, der früher in Spandau wohnte, befumbeten, daß fie fich gelegentlich bis in die Nachtzeit in der Megger'schen Wohnung aufgehalten hatten. Beide bestritten aber unter ihrem Eide, jemals Geschlechtsverkehr mit Schwester Megger gehabt zu haben. Fechners Besuch bei Fräulein Megger fand in der Nacht vom 15. zum 16. Februar 1922 ftatt, in der Frau Bärmann, nach ihrer ersten Angabe, Eggert aus der Wohnung herauskommend bemerkt haben wollte. Der Staatsanwalt hielt einen Besuch Eggerts bei Fräus lein Metzger für bewiesen und Eggert für überführt, in der Bes leidigungsflage gegen Frau Bärmann einen wissentlichen Meineid geleistet zu haben, indem er den ihm vorgeworfenen Besuch abgestritten habe. Wieder beantragte er, wie schon am Schluß des ersten Verhandlungstages, 1 Jahr 5 Monate Zuchthaus. Justizrat Lüdi de aus Spandau, der Verteidiger Eggerts, be zweifelte die Zuverlässigkeit der Beobachtungen ber Frau Bärmann und auch einiger anderer Hausbewohner, die in einem vor dem Hause bemerkten Manne den Stadtrat Eggert erfannt zu haben meinten. Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Johanny, wies darauf hin, daß Eggert als Sozialist in Staaten nicht beliebt gewesen sei und bie an= gesessenen Grundbefizer zu Widersachern ge= habt habe. Bon seinen Gegnern sei auch das Geld gesammelt worden, das der Frau Bärmann für ihren Beleidigungsprozeß zur Beschaffung eines Verteidigers gegeben wurde. Beide Verteidiger beantragten Freisprechung. Der Angeklagte Eggert beteuerte in die gegen ihn aufgetretenen Beugen als unglaubwürdig an. Gegen einem längeren Schlußwort feine Schuldlo figfeit. Er griff ihn habe in Staaten der alte Ortsteil sich mit der Gartenstadt geeinigt, so groß auch fonft ihr Gegenfaß fei. Sie fönnen mich bestrafen," schloß er, und Sie haben dazu die Macht. Aber mein gutes Gewissen tönnen Sie mir nicht nehmen." Die Urheber der ganzen Schwindeleien waren Don Blumenthal und Boed. Jakobi tam feiner Darstellung nach hinein, als er mit feine: Victoria- Gesellschaft in Retschendorf Not litt. Er war Geschäftsführer dieses Unternehmens geworden, weil er von seiner Tätigkeit für die Brandenburgische Girozentrale her als Bankfachmann galt. Die Biictoria sollte fünstliches Eifen aber fein Glüd. Sie wurde beshalb auf die Fabritation von bein, Zelluloid und ähnliche Sachen fabrizieren, hatte damit Rabizwänden umgestellt und befchäftigt jetzt sechs bis acht Mann. Bei der Sanierung übernahm Jafobi größere Verpflichtun gen, weil er glaubte, sich auf den Aktienbesig von Boed und fo Blumenthal ftüßen zu können. Daß diese Aktien gefälscht waren, erfuhr er erst vor etwa drei Wochen, also furz vor dem Zusammenbruch. Er wollte sich jetzt mit 500 000 m., bie er von der Brandenburgischen Stadtschaft zu bekommen versuchte, aus der Affäre ziehen. Das gelang aber nicht. Am Sonabend fam die ganze Gesellschaft in einem Café in der Nähe des 300 zu einer Besprechung zusammen und überzeugte sich, daß nichts anderes übrig blieb, als womöglich das Weite zu suchen. Boed fuhr dann auch alsbald von einer Geburtstagsfeier mit einem anderen Manne zufammen, wahrscheinlich Wehrfrih, ab. Nach Briefen, die seitdem hier eingegangen find, befindet er sich bereits in London. Bei der Infpettion C. 7 melden sich noch ständig Leute, die den Schwindler auf die gefälschten Aktien Geld gegeben haben. Der Baron als volfisch- antisemitischer Propagandist. Ueber das Borleben des Aktienfälschers Baron von Blumenthal weiß die BS.- Korrespondenz folgendes mitzuteilen: Der jetzt verhaftete Aftienfälscher Baron v. Blumenthal ist den Gerichten fein Neuling mehr, denn er ist bereits wegen Betrügereien vom Landgericht II zu einem Jahr Gefängnis ver urteilt worden, Von Blumenthal ist, wie bereits gemeldet, durch Adoption zum Baron geworden. Im Kriege war er Bize feldmebel und Offiziersstellvertreter. Er gründete dann ein Berlogsunternehmen, das aber bald zusammenbrach. Donn versuchte er sich auf dem Gebiete von Filmunternehmungen größten Stils im Interesse der deutschvölkischen und antife mitischen Propaganda und gründete eine Majestic- Film A.-G. Er trat auch in Berhandlung mit dem Ger manen Orden" und verstand es, das Vertrauen zahlreicher Offizierstreise zu gewinnen, denen er Anstellung versprach. Auf diese Weise ist eine große Anzahl von höheren Offizieren von dem Herrn Generaldirektor" hineingelegt worden. Schließlich brach aber das Schwindelgebäude zusammen und der Baron v. Blumenthal wurde wegen Bilanzfälschung und Betruges in 15 Fällen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Es gelang ihm jedoch, feine Haftentlaffung zu bewirken. Dann verschwand er von der Bildfläche. 11 " 7 Nach einer Beratung von 40 Minuten verfündete der Bor: sitzende Landgerichtsdirektor Dransfeld das Urteil. Das Ge richt hielt für erwiesen, daß Frau Bärmann den Stadtrat Eggert aus der Megger'schen Wohnung habe herauskommen fehen, wobet es gleichgültig set, ob der von ihr angegebene Tag der richtige ist oder nicht. Er fei des Meineids überführt. Als strafmildernd wurde ihm angerechnet, daß der bisher unbescholtene und sich eines guten Leumunds erfreuende Angeklagte durch eine wahrbeitsgemäße Aussage fich felber belastet hätte, als straffchärfend aber, daß er in feiner Stellung die Pflicht gehabt hätte, durch einwandfreies Verhalten die Grundlagen des Staates stüßen zu helfen. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Den Eindruck der Unsicherheit der Beweise", die der Proeß gegen Eggert erbracht haben soll, fann diefes Urteil nicht abschwächen. Wir glauben, daß Eggert schwerlich verurteilt worden wäre, wenn wir noch Schwurgerichte der früheren Art hätten. Nicht nur in den Kreisen der Sozialdemokratie, sondern weit darüber hinaus hält man das Urteil für ein Fehlurteil und ist aufs äußerste über diesen Ausgang des Prozeffes erregt Stadtrat Genosse Eggert gilt als ein Man, der eines Meineides nicht fähig ist. Davon ganz abgesehen fann offensichtlich von dem Gelingen des Wahrheitsbeweises nicht die Rede sein. Die politischen Hintergründe dieses Prozesses liegen so sehr auf der Hand, daß es nicht nötig ist, zu betonen, wie sehr sich dieser Prozeß in die Reihe all der Prozesse einreiht, in denen Sozialisten zur Strede gebracht wurden, weil sie Sozialisten sind. Die Bergütung der städtischen Aerzte. Konzert der Deutschen Nothilfe. Der Reichspräsident hat für das erfte Konzert der Deutschen Nothilfe, in dem unter Leitung von Dito lemperer die achte Sinfonie von Bruckner zur Aufführung gelangt, die Arbeitslaft der Assistenzärzte aus Rücksicht auf den Berfonalsein Erscheinen zugefagt. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 11. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: F 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 7.45 Uhr abends: Vortragsreihe Südamerika" 3. Vortrag: Herr Dr. phil. Hugo Poethko, Buenos Aires: In der Einsamkeit der argentini schen Pampa. 8.30-10 Uhr abends: Kammermusik unter Mitwirkung von Agnes Lenbach( vom Stadttheater Hamburg). 1. Sextett Fis- Moll für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, James Simon, a) Allegro, b) Intermezzo( Andante contemplativo, c) Fantasie über ein Motiv( Am Flügel: Der Komponist). 2. Zigeunerlieder, Brahms( Agnes Lenbach, vom Stadttheater Hamburg). 3. Septett op. 20 für Violine, Bratsche, Horn, Klarinette, Fagott, Cello und Contrabab. L. v. Beethoven, a) Adagio- Allegro con brio, b) Adagio cantabile, c) Menuetto mit Trio, d) Thema con variazioni, e) Scherzo ( Allegro molto vivace), f) Andante con moto alla marcia, g) Presto. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnach richten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. Am Donnerstag vormittag tagte der von der sozialdemofro tischen Frattion im Berliner Rathaus beantragte Ausschuß, der sich mit der Vergütungsneuregelung für die Assistenzund Oberärzte ber städtischen Krantenhäuser befaßte. Die Magistratsvorlage, die allerdings aus dem Juni dieses Jahres stammte, forderte eine erhebliche Kürzung der den Aerzten jetzt bezahlten Bezüge. Genosse Dr. Went wies darauf hin, daß abbau und die Schwere der zu behandelnden Krankheiten gewaltig zugenommen hat; er beantragte, den Assistenz- und Oberärzten die felben Bezüge zu bewilligen, die die an den staatlichen Kliniken und der Charité angestellten Aerzte erhalten. Dieser Antrag wurde auch von Herrn Kirchner, dem Bertreter der Deutschnationalen Partei, als wohldurchdacht bezeichnet und schließlich von allen Parteien einmütig gutgeheißen. Dann wandte sich der Ausschuß dem Teile der Vorlage zu, der sich mit den Arbeitsbedingungen der Rettungsärate befaßte. Hier hatte auch der Magistrat eine Kürzung der Gehälter in Aussicht genommen. Der bisher ihnen bewilligte Urlaub von 14 Tagen war ebenfalls gestrichen worden. Genosse Dr. Weyl stellte den Antrag, die Gehälter der Rettungsärzte um rund 10 Proz. zu erhöhen und ihnen den Erholungsurlaub wieder zu gewähren. Auch dieser Antrag wurde einmütig zum Beschluß erhoben. Die sozialdemokratische Fraktion begründete ihre Anträge nicht nur mit dem Interesse für die bei der Stadt angestellten Personen, deren Arbeitsbedingungen vorbildlich sein sollten, sondern auch mit dem Hinweis, daß die Kranten nur von gut bezahlten Pflegern, Schwestern und Aerzten erfolgreich betreut und behandelt werden müssen. Herbst- und Winter- Neuheiten Herren- Ulster zweireihig moderne Form, schwere Qualitäten 65.- 48.42.Herren- Ulster zweireihig, m. Rücken. 60.gurt, moderne Flausch- und andere Stoffe. B 75.- 68.Formen Herren- Anzüge moderne 22.- Gummi- Mäntel beat Ga und Farben, Homespun und Donegal..... 33.- 29, und Kammgarn wollene Qualitäten Herren- Anzüge la Qualität, Cheviot 38.- Loden- Joppen 58.Herren- Paletots and 2- reihig. 45.- Herren- Anzüge mit Samtkragen, marengo u. schwarz Eskimo, 65,- 55.Nadelstreifen und andere Muster.... 52.- 45.Ereats Mr Mah 68.- 62, .. 28. 24, warm gefüttert, 34.- 28.17.22.Burschen- Anzüge u. Ulster 18.Kauferleichterung durch bequeme Teilzahlung ohne Preisaufschlag! 29.- 24Leske& Lehrer, 78 Kottbusser Damm 78 Ecke PflügerStraße AnD Besichtigung der Konsumgenossenschaft. Morgen, Sonntag, den 12. Oftober d. J., werben Besichtigungen der Betriebsanlagen der Konsumgenossenschaft in Lichtenberg stattfinden, und zwar: vormittags 8% Uhr für die Abgabestellen 22, 25, 32, 49, 57, 99, 104 und 117( 8. Abteilung); Dormittags 9½ Uhr für die Abgabestellen 8, 9, 20, 26, 27, 28, 35, 46, 81, 86, 102, 107 und 121( 1. und 14. Abteilung); vormittags 10% Uhr für die Abgabestellen 2, 44, 60, 67, 82, 90, 92, 110, 113, 114, 126, 142, 163 und 174( 4. Abteilung); vor. mittags 11% ihr für die Abgabestellen 1, 5, 39, 51, 55, 116, 119 und 125( 5. Abteilung). Alle Freunde und Gönner der Genossenschaft sind hierzu herzlichst eingeladen! Die Befichtigungen finden für die betreffenden Abgabe. stellen pünktlich zu der angegebenen Zeit statt. Es wird gebeten, die Beiteinteilung zu beachten. Gustav Buffe. Am 11. Oftober jährt sich zum 75. Male der Geburtstag unferes aften Parteigenossen Gustav Busse. In felten förperlicher und geistiger Frische begeht unser Jubilar diesen Festtag. Die besten Grüße und Wünsche aller derer, die ihn kennen und verehren, gehen heute zu ihm. Gustav Busse, von Beruf Lohgerber und Lederzurichter, war ein respettabler Kleinmeister im Rosenthaler Biertel. Und wer ihn an manchem Vormittag durch die Straßen der Rofenthaler Borstadt ftreichen fah, ahnte nicht, daß diefer Mann einer der damals so Dr. Wolf vom Aegyptischen Museum wird ab 14. Dtober, abends 7, Uhr, in der Kunstschule des Westens, Rantstr. 154a, neun Lichtbildervorträge über Aegyptische Kultur und Kunst unter Berücksichtigung der Königsgråber Tutanchamon halten. Der Lunapart hält auch für den morgigen Sonntag seinen Betrieb offen. Für den Abend ist für Konzert und Tanz in den Terrassen ein Künstlerorchester verpflichtet. Um 8 Uhr findet über dem Halensee ein großes Feuerwerf statt. Sämtliche Attraktionen sind in vollem Betrieb. Die Eintrittspreise sind start ermäßigt. Die Feierstunde der Sozialistischen Arbeiterjugend muß wegen technischer Schwierigkeiten im Großen Schauspielhaus von Sonntag, den 12. Oktober 1924 auf Sonntag, 26. Oktober 1924 verlegt werden. Die Karten behalten Gültigkeit. Der Bezirtsvorstand. geachteten Sozialdemokraten war, der eine föftliche Bare, den Parteinachrichten Zürcher Sozialbemotrat", an die Genossen des 5. Kreises zu besorgen hatte. In ihm sehen wir einen von den vielen Taufenden. deren Namen in der Deffentlichkeit wenig genannt wurden, aber in schlichter Weise all die Kleinarbeit geleistet haben, durch die unsere Bartei groß geworden ist. Er war aber nicht nur politisch ein Rämpfer, er war auch Gewerkschafter. Im Jahre 1885 gründete er mit noch einigen anderen Berufskollegen in Berlin den Verein der Lohgerber und Lederzurichter. Durch das Vertrauen feiner Kollegen wurde er zum Vorfizenden der Organisation gewählt, und später in den Zentralvorstand. Ebenso war er fast zwei Jahrzehnte Mitglied des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftsfommission. Als dann die Berliner Gewerkschaften sich unter der fräftigen Mithilfe und der flugen Beratung unseres leider viel zu früh verstorbenen Genoffen Dr. Leo Arons- dessen Todestag sich am 10. Oftober zum fünften Male jährte in dem stolzen, fünfstödigen Badsteinbau am Engefufer ein eigenes Heim schuf, da wurde neben den Genossen Dr. Leo Arons und Joh. Saffenbach auch Gustav Busse mit der Verwaltung des Gemertschaftshauses betraut. Die mit allen hygienischen Einrichtungen der Neuzeit ver fehene Herberge wurde ihm anvertraut. Hier war Buffe in feinem Element und ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Eeit 1900 versieht Gustav Busse mit seiner lieben Frau Anna unermüdlich und unverbroffen das schwierige Amt. Wenn unser alter Gustav am heutigen Geburtstage im Kreife feiner Familie diesen Tag festlich begeht. bann weilen die Gedanken, verbunden mit den herzlichsten Glückwünschen seiner engeren Freunde, Partei und Gewerkschaftsgenoffen, bei ihm. Alle haben sie den Wunsch, daß Gustav Buffe die Wiederkehr feines Geburtstages noch viele Jahre in gleicher geistiger Frische und törperlicher Rüftigteit erleben möchte. Genoffenfchaftsaufbau, SPD.- Fraffion der Konfumgenossenschaft Berlin Sonntag, den 12. Oftober, pünktlich 9 Uhr vormittags: Frottionsversammlung im Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2 ( nabe Jannomikbrüde). Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalpersammlung, Aufstellung der Kandidaten für die Aufsichtsrats. Der Fraktionsausschuß. mahlen. Ungarische Sozialdemokraten! Sonntag, 12. Oftober, im Lokal Schulze, Elifabethstraße 30 Versammlung. Parteibuch legitimiert. Zur Errichtung und zum Unterhalt von Wärmehallen hat ber Magistrat beschlossen, 51 451 m. zu bewilligen. Auf den Bezirk Mitte entfällt mit 10 000 m. der größte Anteil. Danach tommt Kreuzberg mit 4000 M., Neukölln mit 4000 M., Treptow mit 4500 M., Lichten berg mit 4000 m. und Reinickendorf mit 4800 m. Kleinfierausstellung. Der Nußgeflügel- und Kleintierzuchtverein Berlin O. I veranstaltet seine diesjährige Schau am 11.- 13. Oftober im Steuer baus, Landsberger Allee. Eintrittsgeld beträgt 50 P., Kinder die Hälfte. Diese Ausstellung verspricht ganz besonders reichhaltig zu werden. Englischer Sprachzirtel( genossenschaftliche Arbeitsgemeinschaften) des Ge noffen B. Unitower, W. 57, Sturfürstenstr. 21/22. Meldungen noch erwünscht für Berlin SO., O., N. und Moabit. Forfiwanderungen. Es wird hiermit nochmals auf den heute Sonnabend, den 11. Dttober, abends 7 Uhr, in der St önig- Friedrich Schule ( Gymnasium), Friedrichshagen, stattfindenden Vortrag über 8wed und Biel Der Arbeitsgemeinschaft für Forstschuk und naturwissenschaftliche Studien aufmerffam gemacht. Alle Freunde der vom Sommer ber bekannten Forst wanderungen, sowie alle Freunde des Waldes find hiermit nochmals herzlichst eingelaben. Film Schmiede. Den beteiligten Genoffinnen und Genossen zur Mitteilung, daß die Filmaufnahme für den Film Schmiede" nicht morgen Sonntag, fondern erst am Sonntag, 19. Dttober, bormittags 9% Uhr, in Johannisthal( Hofa) stattfindet. Cinfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, Arbeitersport. Arbeiterfußballspiele am Sonntag. Am kommenden Sonntag stellt die Märkische Spielvereinigung wiederum annähernd 300 Mannschaften in die Kampfbahn. Alle werden sich bemühen, entsprechend ihrem Können die Aufgabe zu erfüllen: nicht allein für ihren Verein einen Sieg herauszuholen, sondern auch durch ihr Spiel auf dem grünen Rasen für die Arbeitersportfache zu werben. Darum, Genossen, unterstützt dieses Bestreben durch euren Besuch und meidet die bürgerlichen Sportpläge. Vormittags um 9 und 10 Uhr finden auf einigen Blätzen Jugendspiele fbott. Nachmittags 1 Uhr beginnen die unteren Mannschaften, während um 3 Uhr folgende erfte Mannschaften antreten: Bezirt Norben: Teutonia- Nordista, Christianiaftr., Ede Schwedenftr.; Vorwärts Eifenspalterei, in Hennigsdorf, Fontanestr.; Minerva Alemannia, in Borsigwalde, Conradstr.; Elstal Heegermühle, in Elstal bei Wuftermart; Adler 08 gegen Heegermühle, Andreas- Hofer- Plak; Union Bifforia, Gemeindeplay in Bantom, Pichelswerder Str.; Helvetia Staaten, auf dem Erer, Schönhauser Allee; Briefelang ATV. Pankow, in Briefelang; Sportverein 22- Bernau, in Eberswalde; Nord 24- Artus, auf dem Eger; Adler 12 Fichte Nord, Chriftianiaftr.; Spandau gegen Rathenow, in Spandau, Faltenberger Str. CONGOO für Groß- Berlin Straße; Reichendorf- Merkur, in Ketschendorf; Fichte SD. gegen ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Die Frauenwerbewoche som 12. bis 18. Oftober 1924 wird eingeleitet durch die Bezirksfranenkonferenz am Sonntag, den 12. Ottober, vorm, 10 Uhr, im Sigungssaal bes ehemaligen Serrenhauses, Leipziger Str. 3( nicht Sophien- Säle). Tagesordnung: 1. Die Frau im politischen Kampf." Ref.: Genoffin Wurm. 2. Der ſittliche Gebante in der sozialistischen Weltanschauung. Ref.: Genossin Bohm- Schuch. 3. Die sosialistische Erziehungsarbeit. Referentin: Gen. Liesbeth Riedger, Die kulturarbeit der Partei. Ref.: Genoffin Todenhagen. Um Bünktlichkeit wird gebeten. Mitgliedsbuch und Funktionärkarte legitimieren. * 2. Areis Tiergarten. 8. bis 13. Abteilung. Die Abteilungsleiter holen Die Abteilungsleiter holen Sonntag, den 12. d. M., von der Vorwärtsspedition, Wilhelmshavener Str. 48, bas Material zur Frauenwerbewoche ab. Die Genoffen haben fich frühzeitig zur Verbreitung einzufinden. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Seute muß die Frauenwerbewoche" und die Frauenstimme" abgeholt werden bei Burg, Brenzlauer Allee 189. 7. Streis Charlottenburg und Spandau. Die Juristische Sprechstunde findet ron nun an wieder regelmäßig von 5-6 Uhr im Jugendheim, Charlottenburg, Rofinenftr. 4, statt. 15. Atreis. Die Filmaufnahme der Schmiede" findet nicht am Sonntag, ben 12. Oktober, fondern am Sonntag, den 19. Ottober, ftatt. 17. Kreis Lichtenbera. Sonntag, den 12. Oktober, vorm. 9½ Uhr, Erhrsion burch den Tresdom- Part, Friedrichsfelde, unter Führung des Genossen Dr. Nägler. Treffpunkt Saupteingang an der Tresdom- Allee. 18. Kreis Weißenfee. Rarten für unsere Parteiveranstaltungen für bas Theater des Westens und des Staatstheaters fowie zum großen Konzert in der Philharmonie sind beim Gen. Seinl, Gäblerftr. 7, zu haben. htung, Beamte! Seute, Sonnabend, 7% Uhr, wiffenfchaftlicher Distuffions. abend für Beamte in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Thema: ,, Diktatur des Proletariats." Ref.: Gen. Schöne. Heute, Sonnabend, den 11. Oktober: 22. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen werden ersucht, heute von 5-7 Uby an der Berteilung der Frauenftimme" fich aahlreich au beteiligen. Lobal Nadzan, Brüffeler Str. 43. 35. Abt. Bezirksführer! Um 6 Uhr bei Peter, Schreinerfte. 36, Material abholen. 40. Abt. Sandzettel und Material zur Frauen werbewoche abholen bei Miller, Rreuzbergftr. 44. 41. u. 42. bt. Sandsettel und Material sur Frauenwerbe abholen bei Söhle, Bergmannstr. 69. 43. Abt. Bandzettel und Material sur Frauenwerbewoche abholen bei Bolf, Gräfeftraße 26. 89. uub 48. 2bt. Sandzettel und Materia aur Frauenwerbewoche abholen in der Juristischen Sprechstunde, Bindenfte. 3. 45. Abt. 7 Uhr wichtige 8ufammenkunft der gewählten Ordner bei Sommer, Wiener Str. 25. Morgen, Sonntag, den 12. Oftober: 7. Abt. Treffen zur Besichtigung der Ronfumgenossenschaft frith 11% Uhr am Ronfum, Lichtenberg, Rittergutstraße. 9. Abt. Frith 9 Uhr Flugblattverbreitung für die Werbewoche der Frauen 89. Abt. Reukölln. Vormittags Besichtigung der ArbeiterwohlfahrtsansStellung in Charlottenburg. Treffpunkt 10% Uhr am Untergrundbahnhof Rnie, Charlottenburg. bei Sübner, Wilsnader Str. 34. 116. bt. Sitenberg. Borm. 9 Uhr in der Spedition Rofentrans Empfang Außer den Selferinnen haben auch die nahme von Werbematerial. Parteigenoffinnen zu erscheinen. 137. Abt. Reinidendorf- Weft. Bormittags 8 Uhr wichtige Flugblattverbreitung. Alle Genossen und Genoffinnen müffen sich daran beteiligen. Die Flugblätter liegen von Sonnabend nachmittag 4 Uhr im Boltshaus aus. Gruppe Schönhaufer Borfiabt. Gonntag, den 11, Oktober, in der Schönfließer Straße, Schulentlaffungsfeier, bestehend aus Musir, Rezitationen, Ansprache, Jugendfpiel. Am Dienstag, 14, Oktober, Einführungsabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 20. st. Genoffe Gustav Reihe, Goldiner Str. 40, ift am 7. Oftober verftorben. Cinäscherung heute nachmittag 14 Uhr im Krematorium Gericht. Straße. Wetter für Berlin und Umgegend. Beitweise beiter und troden. Bor mittags ziemlich warm, bet fchwachen füblichen Binden. Für Deutschland An der Stüfte einzelne leichte Regenfälle. Sonst überwiegend troden. Bezirt Dsten: Adlershof Alt- Glienide, in Adlershof, Bismardstr.; Germania- Fichtenau, Rennbahn Weißenfee; Johannisthaler BC. Komet, in Johannisthal; Tasdorf BSB. 22, in Lasdorf; Frischfrei- Lichtenberg II, in Niederschöneweide, Berliner Gberspree, Fichteplatz, Baumschulenweg; Britannia- Konkordia, in Lichtenberg; Lichtenberg ILuftig- Fidel, in Stralau- Rummels. burg, Rynastiir.; Friedrichshagen Stralan, in Friedrichshafen, Gemeindesportplatz; Weißensee- Herta, Rennbahn, Weißensee; Treptower BC. Askania, Städt. Spielplay, Pläntnerwald; BFB. Köpenid Sparta, in Köpenid. Bezirk Südwest: Schöneberg Brandenburg a. d. H., in Schöneberg, Dominicusplak, Sachfendamm; Teltow-Potsdam, in Teltow, Auguststr.; Canfwik Steglit, in Lanfwiß, Gemeindepart; Herta part; Herta Britannia, in Luckenwalde; Neukölln- RüffigBorwärts, am Dammweg, unweit Köllnische Heide; Stern- Frischauf, in Marienfelde, Dorfstr.; Viktoria Ludenwalde I, in Tempel hof, Kaiserin- Augusta- Str.; Wilmersdorf- Nowawes, in Wilmersdorf, Württembergische Str.; Eudenwalde II- Woltersdorf, in Luckenwalde; Berolina Fußballring. Tempelhofer Feld( Neu föllner Seite); Neuköllner BC. Ruhlsdorf, Tempelhofer Feld ( Hasenheide); Kreuzberg- Trebbin, Tempelhofer Feld( Einsame Pappel); 3offen Mariendorfer SC., in 3offen, Schüßenhaus. Arbeiter- Sport- und Kulturlartell, 5. Begiet, Friedrichshain. Am Montag, den 13. Oktober, abends 7 Uhr, findet bei Mechler, Boghagener Str. 114, eine wichtige Kartellfihung statt. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Seute, Sonnabend, außerordentliche Ber einsversammlung in den Sophienfälen". Sophienste. 17/18( nicht Gewerkschaftshaus). Anfang Bunft 7 Uhr. Lichtenberg 1-2uftig- Fibel. Am Sonntag, den 12. Oktober, treffen fich auf dem Plak in ber Annaftftraße( am Bahnhof Stralau- Rummelsburg) obige Gegner zum fälligen Gerienwettspiel. Es stehen sich zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber und brauchen beide die Punkte, um an oberster Stelle in der Tabelle ait bleiben. 3 Uhr: Spielbeginn der 1. Mannschaft. 9 Uhr vor mittags: Spiel der Schülermannschaft gegen Sparta, 10 Uhr: Auswahlspiel fitr Gtädtemannschaft zum Spiel Dresden- Berlin. 11% Uhr: Lichtenberg I gegen Fichte- Gülboft, 3. Mannschaften. 1 Uhr: Lichtenberg- Lustig- Fidel, 2. Mannfchaften. Minerva I- Alemannia. Am Sonntag, den 12. Ottobet, stehen sich zum fälligen Verbandsspiel Minerva Alemannia I in Borfigwalde, Conradstraße, gegenüber. Spielanfang 3 Uhr. Borher spielen die 2. Mannfchaften. Die 3. Männermannschaft, ebenfalls die 1. und 2. Jugendmann schaften werden sich ihre Punkte von Freie Turn. und Sport- Bgg. Spandau 03 abholen, Sport. Cook/ Breitensträter unentschieden. Der deutsche Boriport verzeichnete gestern abend bas bedeubendste Ringereignis. Der Abend war ausschließlich den Schwergewichten gewidmet. Das große Haus war bis auf den letzten Play gefüllt. Breitensträter fletterie mit dem festen Vertrauen auf seine harte Rechte in den Ring und stand der fein durchdachten Technit Coots mit großem Vertrauen auf fein Können gegenüber. Mit erbitterter Härte suchte er ständig den Nahkampf. Es gebang ihm, den australischen Meister scharf zuzusehen. Nach zehn Runden äußerst harten Kampfes endete das intereffante Treffen mit unentschieden. Cook zeigte sich als ein Kämpfer von großem Können. Der türkische Meister Sabri Mahir stand im AchtRunden- Kampf dem Europameister im Halbschwergewicht Cie. ment gegenüber. Beide mußten sich mit unentschieden begnügen. Der besser und schneller gewordene Rudi Wagener fämpfte gegen den harten und flinten Giuseppe Spalla einen heroischen Kampf. Nach acht harten Runden endete dieses Treffen gleichfalls mit unentschieden. Im ersten Einleitungsfampf Mar Dietmann gegen Mar Schmehling gaben die Gefundanten des letteren Den Kampf nach der vierten Runde für ihren Mann auf, wegen Aufschlagens einer Ader am Ohr. Der Wiener Marto mußte nach sechs harten Runden Diener den Bunftsieg überlassen. Wenn die Direktion des Sportpalastes es nicht für nötig hält, von sich aus etwas für die bessere Telephonverbindung mit der Breffe zu tun, dann sollte die Bertretung der Sportpreffe gemeinfam gegen die jeßige Krähwinfelei vorgehen. 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Etwaige Einwendungen gegen diese Anlage find bei dem unterzeichneten Stadtausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nach der Beröffentlichung ab gerechnet, schriftlich in doppelter Ausfertigung oder zu Protokoll anzubringen Nach Ablauf dieser Frift können Einwendungen nicht mehr erhoben werden Beschreibung und Beichnungen der geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Berlin C 2, Waisenstr. 27, 1 r., 8immer 25, an den Geschäftstagen in der Zeit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frift zur Einsicht aus.. Sur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird vor unferem Kommissar, Stadtinspektor Kunde, auf Mittwoch, den 29. Oftober 1924, vormittags 9 Uhr, ebendaselbst ein Termin anberaumt, zu dem der Unternehmer 10 wie die Widersprechenden unter der Er öffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 8. Oftober 1924. Der Stadlausschnß Berlin, Abt. I Schneider. LUNA nferate im Vorwärts Tanz Eintr. 20 Pfg. Tanz PARK fichern Erfolg! Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82( Clou") Mauerstraße 82 Täglich geöffnet Vier- Uhr Kaffee Promenaden- Konzert Gesellschaftsabend Tanz Nr. 48041.Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gegen den politischen Personalabbau. Der Urantrag auf Abänderung der Abbanverordnung. Der Landtag nahm gestem zunächst in zweiter und dritter Lesung den vom Zentrum vorgelegten Gefetentwurf zur Alenderung der Tarifstelle 58 des Stempelsteuergesetes an und verweist den von den Demokraten beantragten Gefeßentwurf zur Aenderung des Landeswahlgefetzes an den Verfassungsausschuß. Abg. Hirsch( S03.) begründet darauf den von Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum eingebrachten Urartrag auf Annahme eines Gefeßes zur Aenderung der Personalabbauverordnung dahin, daß zum Abbau eines Wahibeamten die Zustimmung der Aufsichtsbehörde erforderlich sein soll. Das Gefez soll mit Wirkung vom 1. September 1924 in Kraft treten. Rebner polemisiert gegen die beamten und voltsfeindliche Haltung der Deutsch= nationalen in dieser Frage und hält ihnen abermals besonders die Tatsache vor, daß lediglich, um den politisch mißliebigen Berliner Stadtschulrat Paulsen zu beseitigen, die bürgerliche Mehrheit der Berliner Stadtverordnetenversammlung die Person, nicht aber die Stelle abzubauen beschloffen habe. Man fönne wirklich fragen, ob man in Preußen noch in einem Rechtsstaat lebe,( Lachen und Unruhe rechts.) Wenn noch halbwegs geordnete Zustände in Preußen herrschten, so verdante man das in erster Linie den Sozialdemo fraten( großer Lärm rechts); die Herren von der Rechten waren cerschwunden.( Lachen rechts; Buruf: Wo waren Sie denn?) An erster Stelle!( Lebhafter Beifall links.) Im Volte werde man die standalöse Haltung der früheren Konservativen gegenüber dem Be amtentum nicht vergessen.( Andauernder lärmender Widerspruch rechts.) Mit dem System des Absolutismus einer herrsch. süchtigen Ra ste müsse endlich Schluß gemacht, die Achtung vor dem Gesez endlich verwirklicht werden.( Beifall.) Abg. Lüdide( dnatl.): Der Vorredner hat uns vorgeworfen, wir hätten den ersten zur Abbauverordnung eingebrachten Gefeßentwurf zu Falle gebracht. Das ist nicht richtig; wir haben ihn in wesentlichen Teilen angenommen. Jeßt rufen Sie( zu den Sozialdemokraten) nach der Aufsichtsbehörde, die im Widerspruch zu den bestehenden gesetzlichen Vorschriften einseitig Beschlüsse von Stadtverordnetenversammlungen außer Kraft seizen foll! Und noch dazu soll dieser Bruch mit dem Bestehenden rüdwirtende Kraft haben; man will also auch schon erledigte Fälle noch einmal zur Erörterung bringen! Abg. Baumhoff( 3.): Es hat sich leider als notwendig heraus. gestellt, Schutzbestimmungen gegen den Abbau von Wahlbeamten aus politschen Motiven in die Personalabbauverordnung aufzunehmen. Tatsächlich ist auch in Neukölln schlimmster Mißbrauch mit der politisen Macht getrieben worden. Der einzige bürgerliche Stadtrat dort ist abgebaut worden. Diesen Machine. tionen, gleichviel von welcher Seite fie in Szene gesezt wurden, muß ein Riegel vorgeschoben werden. Da die Rechte durch ihre Dbstruktion die Verabschiedung des ersten Gesezentwurfs verhinderte, hoben wir uns entschlossen, auf diesem Wege Remedur zu schaffen. Jedem Abgebauten muß ein Rechtsmittel zur Seite stehen. Abg. Meyer- Herford( D. Vp.): Wir haben unsererseits„ Ob. firuttion getrieben, weil wir den Rechtsboden aufrechterholten do wollen, den der sozialdemokratische Antrag völlig verschoben hatte, indem seine Annahme jeden weiteren Abbau von Wahl. beamben bis zum 1. Januar 1925 verhindert hätte. Wir wünschen beldigen Abschluß des Abbaues, aber aus politischen Gründen einen Stein aus dem Gebäude herauszunehmen, dazu sind wir nicht zu haben. Zur Verhinderung des politischen Mißbrauchs find ge nügende Grundlagen vorhanden; die Abbauverordnung ist fein Disziplinargesez, sondern sie soll Ersparnisfe herbeiführen. Der Antrag wird ja wohl einem Ausschuß überwiesen werden; bort mag man seine rechtliche und politische Tragweite gründlich prüfen. Rückwirkende Kraft muß auf jeden Fall aus geschlossen sein.( Beifall bei der D. Bolfsp.) Abg. König- Weißenfels( Komm.): Wir sind auch durchaus für Abbau, das heißt für den Abbau aller reattionären, aller antirepublitanischen Beamten. Aber wie steht es in Wirklichkeit? Wir hören, daß noch 90 Prozent aller Beamten des Ministeriums des Innern Reaktionäre sind. In Wirklichkeit wird auch bei dem Abbau, wie er betrieben worden ist, nights gefpart; den Abgebauten stehen ebensoviel und mehr Neuangeftellte gegenüber man hat batsächlich bloß mißliebige Beamte, Angestellte und Arbeiter entfernt. Die Ler Beinert" bedeutet eine grundfäßliche Aendering bes Standpunttes der Sozialdemokraten. Wir, unsererseits, erheben den unbedingten Anspruch auf Bertretung unferer Partei nach ihrer Stärke auch unter den Wahlbeamten. Wir stimmen dem An. trag zu und find mit Ausschußberatung einverstanden. Abg. Barfeld- Hannover( Dem.) findet es merkwürdig, daß der Borrebner sich auf den Boden der Demokratie stelle; was werde Moskau dazu sagen? Der Abg. Hirsch sei etwas zu weit gegangen, wenn er das Verdienst daran, daß die Beamten heute das Koalitionsrecht haben, ellein für seine Partei reflamiere; Demofraten und Zentrum feien stets ebenfalls dafür eingetreten. Die alten Parteien der Rechten und die Nationaliiberalen hätten ja den Beamten nicht einmal die Einsicht in die Personalatten zugeftanden; noch heute spielten Deutschnationale und die Deutsche Bolkspartei mit dem Gedaufen, den Beamten das Wahlrecht zu nehmen. Auch die heutigen bedeutsamen Erörterungen zeigen, mie sehr die Deutschnationalen auf dem Holzwege find.( Bachen rechts.) Auch in Hannover haben die Rechtsparteien die durch die Ges feze gezogenen Schranken nicht respektiert. Sie sind aus politischen Gründen gegen Leinert vorgegangen. Der Antrag wird darauf dem zuständigen Ausschuß über wiesen. Die zweite Lesung des wird darauf fortgesetzt. Forstetats Abg. Brandenburg( S03.) fordert, daß der Bertauf des Holzes durch die Bildung einer nach faufmännischen Grund äzen arbeitenden Betriebsgesellschaft möglichst einträglich für die Etaatstaffe gestaltet werde. Wir haben deutsche Arbeitslose im Bande genug, die sich für diese Arbeit durchaus eignen. Die Berwaltung hat einem Herrn Buhold die Ausbeutung eines großen Areals überlassen. Dieser Unternehmer schafft sich riesige Einnahmen auf Kosten der elend entlohnten und übermäßig ange. ftrengten Forsterbeiter; er hat fein Vermögen, und es heißt, bie Löhne für die Arbeiter schieße ihm die Forstverwaltung vor. Es ift ein unwürdiger Zustand, einem folchen Mann so riesige Unter nehmergeminne zuzulchanzen. Traut sich die Forstverwaltung nicht zu, diese Arbeit des Einschlags in eigener Regie auszuführen? Stellt die Forstverwaltung diesen Mßstand nicht ab, so behaltet wir us den Antrag vor, eine Untersuchung stattfinden zu lassen. Die Wohnungsverhältnisse der staatlichen Forstarbeiter sind nach wie vor fast durchweg höchst mangelhaft. Abg. Schmelzer( 3.): Im besetzten Gebiet haben die Franzofen durch ihre Ausholzungen leider einen fehr fühlbaren Ausfall in den Einnahmen herbeigeführt. Den durch die Franzosen geschädigten privaten Waldbesigern sollte wenigstens eine fleine Entschädigung gemährt werden. Die Forstabteilungen bei den Regierungen sollten in fellegialer Verfaffung beibehalten werden; man darf die Forst nicht ihrer bisherigen Selbständigteit berauben. follte auf eine einfachste Formel gebracht | werden und darf den Beamtenapparat nicht vermehren. Der Holzeinschlag hat sich in den Staatsforsten in letzter Zeit durchaus nach dem ft en verschoben, was volkswirtschaftlich angesichts der Höhe der Bahnfrachten für den Westen fehr nachhaltig wirft. Preußen muß unbedingt im Borstand der Reichsbahn- Gesellschaft einen Vertreter haben, der die preußischen Interessen wahrnimmt. Der Brandenburgsche Vorschlag geht zu weit, ob sich mit dem Herrn Buhold alles so verhält, wie vorgetragen, ist doch zu bezweifeln. Abg. Held( D. Vp.) bebauert die Abholzung großer Wald. flächen, die vielerorts geschehen sei. Man müsse hier sehr vorsichtig fein. Der Redner wendet sich dann gegen verschiedene Erlasse, die vom Ministerium für die Forstbeamten ergangen sind. Er bringt O. KOESTER Ich finde, daß mir dieser Volksgemeinschaftsfrac ausgezeichnet steht. Die Richtlinien müßten allerdings erheblich geändert werden, besonders an der rechten Schulter." ferner eine Anzahl Beschwerden vor, unter anderem auch darüber, daß Beschüsse des Landtages vom Ministerium nicht ausgeführt worden feien. das Bertrauen seiner Freunde habe. Abg. Dr. v. Winterfeldt( Dnat.) erklärt, daß der Minister nicht Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff erklärt, daß der Haushalt durch die finanziellen Möte bebingt morden jei. Gerade die Einnahmen aus den Staatsforsten feien es gewesen, bie uns über die schwere Beit hinweggeholfen hätten. Daher seien die Einnahmen im Haushalt höher veranschlagt. Menn die Ausgaben beschränkt werden müßten, so fönne man hoffen, daß das in den nächsten Jahren wieder eingeholt werden fönne. Wie groß der durch den Forleulensraß entstandene Schaden ist, sei noch nicht festgestellt. Etwa 200 000 Heftar dürften allerdings vernichtet worden sein. Mit der Niederlegung der geschä digten Bestände müsse sehr vorsichtig verfahren werden, da eine Wiedergefundung vielfach möglich fei. Der Mehreinschlag werde etwa 600 000 Festmeter betragen. Die größte Steigerung habe der Bezirk Frankfurt a. d. Oder aufzuweisen, aber auch in Stettin werde der doppelte Einschlag vorzunehmen sein. Mit dem Gewina des Unternehmers, dem die Verwertung des eingeschlagenen Holzes übertragen fei, sei es nicht so schlimm wie man annehme. Aufgabe einer Staatsforstverwaltung müffe es sein, den größt möglichen Reinertrag zu erzielen. Diesen Weg habe die preußische Verwaltung beschritten. Die sozialen Maßnahmen werde bas ministerium auch im kommenden Jahre fortsetzen. Außer an Schulen und für Bedürftige werde auch für Siedlungs3mede Holz zur Berfügung gestellt werden. Was die Stundungspolitik an gebe, so fonnte die Staatsforstverwaltung feine Maßnahmen treffen, Die gegen die Finanzpolitit des Reiches gerichtet waren. Die Staatsvermattung habe nicht fo wie die Brivatindustrie oorgehen können. Abg. Stiellerup( Romm.): Auch im Forsthaushalt fallen wir von einer Ratastrophe in die andere. Der Minister hat sich zu rechtfertigen versucht, aber ohne Erfolg. Seine Stundungspolitik hat den Staat in einem Jahre um 26 Millionen Goldmark gebracht. Die Lumpe von Holzhändlern haben auf Kosten des Staates unsinnige Riefengewinne gemacht. Gewisse ost preußische Oberförster haben mit fleinen Kolonnen einjährige Bachtverträge abgeschlossen, die man geradezu als Schanddokumente bezeichnen muß. Die fertdauernden Kahlschläge üben einen unheilvollen Einfluß auf die Ertragsfähigkeit. bes Bodens und machen schließlich Mißernten zur Regel. Abg. Barteld( Dem.): Die Rede des Abg. Held war doch recht wenig foalitionsfreundlich gegen den Minister. Herr Held ist ein mal beim Landwirtschaftsminister nicht angenommen, mir ist das bei feinem Fraktionsgenossen, den Kultusminister Boelik, öfter passiert. Der deutschvolksparteiliche Minister hat auch den Beschluß, in jeder Schulflaffe eine Tafel mit den Abbildungen der Reichsfahnen anbringen zu laffen, nicht durchgeführt. Warum fezt sich Herr Held nicht mit Herrn Boeliz darüber auseinander, statt daß er mit der ganzen Wucht seiner Autorität den demofras tischen Koalitionsminister Wendorff in so demagogischer Weise vor sein Forum und zur Verantwortung zieht? Würden die Deutsch nationalen bem Minister Dr. Wendorff ihr Vertrauen befunden, so würde ich seiner Amtsführung fehr ffeptisch gegenüber. stehen. Die weiten Flächen Deblandes, die volkswirtschaftlich nußbar gemacht werden können, dürfen nicht länger brachliegen. Darauf wird die Beratung abgebrochen. Nächste Sigung: Mittwoch, 15. Oktober, 1 Uhr: Weiterberatung und An trag der Kommunisten auf Amtsentsegung des Brafibenten Beinert- Schluß: 5 Uhr, Sonnabend, 11. Oktober 1924 Tagung der pazifistischen Studenten. ,, Die Krise der Gegenwart". Am Donnerstag vormittag wurde der pazifistische Stu dententongreß in der Hochschule für Politik in Berlin er öffnet. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Bundes pazifistischer Stubenten Wolfgang Medding und einem furgen Vortrag von Horace Thivet über die von ihm gegründete Pazififtenschule in Paris, in der er Lehrer pazifiſtiſcher Gesinnung ausbildet, ergriff das Wort Dr. Paul Honigheim zu einem längeren Bortrag über„ Die Krise der Gegenwart". Er führte im wesentlichen aus: Die Forderung: „ Krieg dem Kriege" berührt nur ein Teilproblem der Gegenwart. Wir müssen uns fragen, ob überhaupt unsere ganze heute übliche Einstellung zu den Dingen des Lebens richtig ist. Der Mensch von heute befindet sich in der Diktatur tatsächlicher und geistiger Bureaukratie. Zwischen Mensch und Mensch schiebt sich eine rationelle, verstandesmäßige Von Familie und Staat schwärmt man im allgemeinen nur desUeberlegung nach der Zweckmäßigkeit des Verkehrs untereinander. halb, weil die Zugehörigkeit zu ihnen für das eigene Wohlergehen Dorteilhaft ist." Die fanatische Ueberschäzung der Wissenschaft ist ein deutlicher Beweis für unsere feelische Berarmung. Durch die immer weiter fortschreitende Mechanifierung werden die Menschen zunehmend verapparatifiert. Diese Tatsache ist der Fall ins todenlose, sie weist tatsächlich auf den Untergang des Abendlandes hin. Bei der Suche nach dem Ausweg aus dem Chaos taucht zunächst die Frage auf, ist das Proletariat von heute fähig, eine neue Kultur hervorzubringen, ist die Jugend von heute anders als das Alter, daß Umsturz und Aufbau positiver Werte zu erwarten wäre? Andererseits erhebt sich die Frage, wer von uns könnte denn heute sein individuelles Wesen abstreifen und sich restlos einer Gemeinschaft" eingliedern? Die Antwort auf die heute zu lösenden Probleme fann nur lauten: Das Gemein schaftsleben unserer Lage als auch das Gemeinschaftsleben nergangener Zeiten fommen für uns als Löfung der Krise nicht in Frage; vor Berflachung oder Verzweifling schüßt nur Arbeit in gegenseitiger Ergänzung und Hilfe in der Erkenntnis, daß der andere anders ist als wir und dennoch das gleiche Recht zur vollen Persönlichkeitsentfaltung befigt wie wir. Ein Pazifismus, der nur ein Kriegsausschalten will, der nicht die restlose Umgestal tung der heutigen Ausbeutungswirtschaft erstrebt, ein Pazifismus, der nicht gleichzeitig Sozialismus ist, ist eine Halbheit. Mehr müssen wir aber auch tun, als 3. B. die Zertrümmerung der aften Schule aller Grode. Unsere Zeit verlangt von uns Gestaltung des Lebens in einem pazififtisch- sozialistischen Dasein. Bir tommen nicht weiter, solange wir nicht selbst mit dem alten Menschen in uns gebrochen haben, doch wäre es falsch, dogmatische Formeln aufzustellen. Es gibt nur eine Prinzipienforderung: Jeder muß sich in dieser Zeit entscheiden, wie er in Zukunft sein Leben gestalten will Jeder entscheide sich für oder gegen und wähle dann den seinem Wesen entsprechenden Weg. Die mit außerordentlicher Anteilnahme aufgenommenen Ausführungen Dr. Henigheims löften eine lebhafte Diskussion aus, Am Nachmittag sprach Pfarrer Frosenius. Effenhem über„ Neue Möglichkeiten internationaler Selbstabrüstung". Der zweite Tag des Kongresses brachte ein Referat von Rüstermeier Hagen über das Thema Pazifismus und Jugendbewegurg". In der Discussion führte Graf Harry Keßler u. a. aus, daß der Pazifismus die politisch- wiffenschaftliche Form sei, um Energie verschwendung in der Weltwirtschaft zu ver= meiden und daß er die einzig mögliche Basis fel. um alle por= handenen Kräfte zum beellen und materiellen Vorteil der Menschheit zu verwerten. Jeder Kampftag weniger sei ein gemaltiger Kräfiegewinn für die Menschheit und für jedes einzelne Bolk innerhalb der Menschheit. Es sei bezeichnend, daß selbst Rechtszu den Genfer Garantieverträgen stellen. politiker wie die Professoren Hoesch und Kahl sich positiv Rudolf Goldscheid Wien sprach über die nach seiner Ansicht viel zu wenig beachteten Wechselbeziehungen zwischen Bölkerund Raffengegenfäßen. Die pazifistischen Studentenbünde hätten cine sehr schwere Aufgabe zu erfüllen, da das Feld ihrer Tätigkeit Universitäten feien, an denen im allgemeinen eine nationa= listisch reattionäre, veraltete Wiffenfchaft gelehrt würde. Sie müßten fich daher auf eine Wissenschaft berufen, die des Bundesvorsitzenden Wolfgang Medding über seine Beobachtun noch feine offizielle Geltung befäße. Ein Lichtbildervortrag gen im zerstörten Nordfrankreich fieferte eine gute Begründung der Forderung:„ Nie wieder Krieg!" Wirtschaft Umbildung des Reichswirtschaftsrates. Die Umbildung des Reichswirtschaftsrats ist in fchter Zeit lebhaft erörtert worden, und zwar torante man es in weiten Kreisen der Wirtschaft schwer verstehen, daß, nachdem der vorfäufige Reichswirtschaftsrat bereits seine Gutachten über die Bildung von Bezitswirtschaftsräten, bes endgültigen Reichswirtschaftsrates usw. abgegeben hatte, der Regierungsentwurf für den ordentlichen RWR. nicht erschien. Die verschiedenen Befürchtungen, bie fich an die Verzögerung des Entwurfs knüpften, treffen aber faum zu, und die Erörterungen werden wahrscheinlich sehr bald nach der Borlage des Entwurfs in ein praktisches Stadium treten. Auch die Frage ber Bezittswirtschaftsräte wird faum den normalen Berg der Dinge rerzögern: das Gutachten des RWR., das ja die spä tere Eingiederung der Vertreter der Bezirkswirtschaftsräte vorsicht, hat darin einen gangbaren Weg gewiesen. Der bisherige Reichswirtschaftsrat ist naturg näß nicht ohne Stritit geblieben. Der allgemeine Wunsch geht auf jeden Fall dahin, ibn starter als Gutachterorgan, dem vor allem das volle Initiativrecht erhalten bleibt, hervortreten zu laffen. Auf diefer Linie würden sich ohne Zweifel die Absichten der Regierung mit den Wünschen der Wirtschaft treffen. Sehr wahrscheinlich ist auch damit zu rechnen, daß der in Borbereitung befindliche Entwurf den oft erörterten Bedarfen aufgreift, den Referentenentwurf eines Ges fetes dem Reichswirtschaftsrat zuzuleiten, ehe er dem Kabinett vorgelegen hat. Im Interesse einer positiven Tätigkeit des Reichswirt fchaftsrats märe das nur zu wünschen und weiter, um die Beziehung zwischen dem Gutachterorgan und der gefeßgebenden Körperschaft herzustellen, die Ermöglichung einer Einwirtung auf den Ent wurf durch den Reichswirtschaftsrat, nachdem der Entwurf das Kabinett passiert hat und dem Reichstag usw. zugeleitet wird. Der neue Reichswirtschaftsrat wird den an ihn gestellten Anfprüchen natürlich nur dann gerecht werden können, wenn er arbeitsfähig sein wird. Nach dieser Richtung wird sich dann auch der Entwurf in der Hauptfache bewegen müssen, und sicherlich werden seine entsprechenden Borschläge Gegenstand der kommenden Erörterungen fein. Allem Anschein noch werden diese Borschläge auf der Linie jener Maßnahmen liegen, durch welche die Berordnung Dom 4. Mai 1920, auf der sich der vorläufige Reichswirtschaftsrat ursprünglich aufbaute, infolge der durch die Inflation gebotenen Sparfamfeitsmaßregeln eingeschränkt wurde, d. h. das Plenum wird mehr in den Hintergrund treten, während die Arbeit in ben Ausschüssen mehr tonzentriert werden soll. In ber Praris werden sich gegen heute wohl faum Abweichungen ergeben,| wenn es der Entwurf eventuell bei einem Wirtschafts-, Finanz- und fozialpolitischen Ausschuß bewenden läßt. Diesen Ausschüssen wird es natürlich freistehen, Ünterausschüsse und Arbeitsausschüsse zu bilden und Sachverständige heranzuziehen. Umstritten scheint noch die Frage eines dauernden Enqueteausschusses zu sein. In gewissen Kreisen wird nun der Gedanke propagiert, den Preise von 7 Pfund cif per Tonne zur Ausführung gebracht werden sollten. Krupp erhielt einen Auftrag über 150 Kilometer, de Wendel cinen solchen über 120 Kilometer. Ein dritter Auftrag wurde der Handelsgesellschaft Hutten A.-G. deshalb erteilt, weil die genannte Handelsgesellschaft für 6 Pfund 19 Schil= ling cif pro Tonne liefern wollte. Es handelte sich hierbei um eine Bestellung, die den Wert von zwei Millionen GoldTrozdem die Hutten 2.-G. für die Ausja, es heißt, daß die Handelsgesellschaft sich mit einem geringen Gewin abfinden lassen würde, fand sich kein deutsches Werf, das diesen Auftrag untergebracht hätte, so daß sich die Hutten A.-G. genötigt fah, den Auftrag nach Frankreich und Belgien weiterzugeben. Dividende am Jahresschluffe. Wir müssen in dem einen wie dent anderen eine Durchkreuzung unserer Wiederverkaufsbedingungen sehen, weshalb wir aus Prinzip Eintaufsgenossen schaften nicht beliefern. Das ist so deutlich, daß weder Mißverständnis noch Ausrede möglich ist. Der ganze Vorgang zeigt, wie notwendig der ist, führen, und wie ist. Er zeigt sogleich, daß selbst sozial eingestellte Unternehmungen, wie die 3eißwerte, sich bei der Behandlung von Exportfragen nicht allein von den fachlichen Gründen leiten lassen, die bestimmend fein müssen, wenn die Ausfuhr von Waren gesichert werden soll. 9. April Auf das Ersuchen der Hutten A.-G. hat u. a. der KlöcknerKonzern geantwortet, es Gott sei Dant nicht nötig zu Höhe von 2 Millionen Goldmark, die durch Ausführung des Aufhaben", derartige Aufträge zu übernehmen. Erwägt man die trages, wenn auch ohne großen Gewinn, nach Deutschland geflossen wären, und zwar in einer Zeit wirtschaftlichen Still 23. standes, mas neue Beschäftigung für mehrere hundert Arbeiter 30. für zwei Monate bedeutet, so ergibt sich der fleinliche Geist der Schwerindustrie, die einen Auftrag der Handelsgesellschaft nicht 14. bie man gerade jegt streiten fann, widersprach. ausführen wollte, weil dieser anscheinend gewissen Grundsägen, über 7. Mai 21. 28. Der Reichsindex für die Lebenshaltung. ( 1913/14= 1) . · 1,11 18. Juni. 1,13 25. " • 1,12 30. Juli. 1,11 3. September 4 . 1,14 1,15 1,14 1,15 2. Jali • 1,16 9. 19 1,17 10. 1,19 24. " 4 1,16 " 1,17 1,15 16. Juli • 1,15 · 1,13 23. 1. Oftober. 1,16 8. 1,19 1,21 Borsi in diesen Ausschüssen an ein nicht stimmberechtigtes Mitführung dieses Auftrages einen angemessenen Preis zahlen wollte, wünschenswert ist es, daß die Gesetzgebung ihnen hierbei behilflich glied der Regierung zu übertragen. Die Absicht, die pofitive Arbeit dadurch zu fördern, mag zwar sehr gut sein, doch sprechen auch schwerwiegende Bedenken gegen fie. Diese Bedenken lassen sich um so mehr aus folgenden Erwägungen verstehen: Der Reichswirtschaftsrat von heute ist mit seinen 326 Mitgliedern zu zahlreich. Seine Berminderung, die aber nicht gleich auf 100 oder 90 Köpfe zu gehen braucht und dann die Arbeitsfähigkeit des Reichstags vernichten würde, wird also nicht zu vermeiden sein. Dazu kommt, daß viele bisherige Mitglieder des Reichswirtschaftsrats eigentlich doch in recht losem Zusammenhang zu den eigentlichen Problemen der Wirtschaft stehen, und der zweite und dritte Syndikus, der zum Wort kom, kaum anderes vortrug als die berüchtigte Verbandsmeinung, die schon der Vorgänger dargelegt hatte. Der Wunsch ist immerhin begreiflich, mehr Köpfe in den Reichswirtschaftsrat hineinzubringen, vor allem führende Wirtschaftler, die, wenn möglich, unabhängig im Konner zur Wirtschaft stehen. Wenn der gute Zweck auch anerkannt wird, so ist nicht einzusehen, daß die beste Lösung gefunden werden soll, indem die Regierung wie bisher 10 Mitglieder, S. h. zieka.10 Proz. des Reichswirtschaftsrates überhaupt, ernennen soll, während sich die Zahl der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus Landwirtschaft, Industrie usw. auf vielleicht je 25, die der Vertreter der Genossenschaften, des Handwerks usw. auf gut 20 verringert und die Bertretung der Bamten, ferien Berufe usw. noch mehr einzuschränken wäre. Insgesamt würde diese Regelung eine Kräfte verfoylebung zu ungunsten der Arbeitnehmer bedeuten. Hier wäre es Aufgabe des Entwurfs, cinen Mittelweg zu finden, der die Absicht der Heranziehung des führenden Wirtschafters erfüllt und die gebotene Parität, die eben eine Voraussetzung für eine ersprießliche allgemeine Arbeit ist, nicht verletzt. Ungenutzte Exportmöglichkeiten. = Die Förderung des Exports ist für Deutschland eine unabweisbare Notwendigkeit. Diese Tatsache wurde von den Unternehmern oft genug sgenutzt, um berechtigte Forderungen der Arbeiter zu entkräften. Nicht feiten hat man die hohen Preise für Industriefabrikate, die eine Warenausfuhr unmöglich machen, auf den Stad der deutschen Löhne zurückgeführt, ungeachtet des Umstandes, daß andere Exportländer viel höhere Löhne zahlen und doch billiger produzieren als Deutschland. Aber sehen wir einmal von dieser Streitfrage ab, so wirft sich doch die andere Frage auf, ob die deutsche Industrie ihrerseits alles tut, um die teils in der Vernachlässigung der deutschen Produktion, teils auch in den hohen Einfuhrzöllen der Fremdstaaten begründeten Exportschwierigfeiten zu überwinden. Das ist längst nicht mehr der Fall. Zu den Beispielen, die wir dafür schon früher angeführt haben, werden jetzt weitere befannt. So geht folgende Nachricht durch die Presse, ohne bisher bei den betreffenden Unternehmungen auf Widerspruch zu stoßen: Für den Bau der Angora Siras- Bahn sind an den Stinnes Konzern, an die Krupp A.-G. und an de Wendel Hayingen Schienen- und Schwellenaufträge ergangen, die zum Von 12-3 Uhr geschlossen. Gelegenhels Angebote bei Linger G m. b. H Berlin N, Chausseestr. 61-62 Ecke Liesenstraße Untergrundbhf. Schwartzkopffstraße Die Tatsache, daß Krupp und Stinnes die Aufträge entgegennahmen, obwohl der ihnen gebotene Preis nur um 1 Shilling= 94 Pf. pro Tonne höher war als derjenige, der der Firma Klöd= ner gezahlt werden sollte, beweist doch, daß von einer wirtschaftlichen Unmöglichkeit, der deutschen Industrie Arbeit zu verschaffen, nicht die Rede sein kann. Ulasachliche Gründe sind es also, die noch immer manchen großen deutschen Unternehmer veranlassen, gebotene Arbeitsmöglichkeiten auszuschlagen. Die Arbeiter trogen dann die Folgen in erhöhter Arbeitslosigkeit. Ein anderer Fall, in dem der vorliegende Auftrag nach dem Ausland zwar unter erschwerten Bedingungen ausgeführt, weitere Lieferungen aber abgelehnt wurden, fällt zugleich in das Kapitel: Bekämpfung der Genossenschaften. Der größte niederländische Konsumverein De Volharding",' s Gravenhage, unterhält eine Krankenkasse mit 50 000 Mitgliedern, eine Poliflinit und eine optische Abteilung, braucht also wissenschaftliche Instrumente aller Art. Wegen des Bezugs eines solchen wandte sich die Geschäftsleitung auch unlängst an die bekannte Firma Carl 3eiß( Jena), erhielt auch freundliche Auskunft, zu ihrem Erstaunen aber daneben die Mitteilung, daß die Firma auf Grund ihrer Verkaufsbedingungen" ihre Sehhilfs= mittel nur durch optische Fachgeschäfte abgebe. Nach einiger Zeit fam die weitere Mitteilung, daß man„ Bolharding" den Wiederverkauf der Zeiß- Augenkorrektionsmittel nicht übertragen könne, do forderungen entspreche, die für die Gewährung des Händler. nach den eingegangenen Informationen„ Bolharding" nicht den Anrabatts, der nur optischen Fachgeschäften zustehe, gestellt werden müßteri. Den fraglichen Auftrag werde man zwar ausführen, aber nur unter Beachtung des Benutzer preises. Für die Zukunft müsse das Beiß- Werk Lieferungen überhaupt ablehnen. Warum, das wurde in einem letzten Schreiben flipp und flar zum Ausdruck gebracht. Es heißt dort u. a.: Benn wir nun auch nicht daran zweifeln, daß Ihre Vereinigung ein optisches Ladengeschäft betreibt, so bebauern wir es doch, dieses nicht als bezugsberechtigt onerfenen zu fönnen, weil wir an Einkaufsgenossenschaften grundfäßlich nicht liefern, was eine Folge unserer Preispolitik ist. Ihre Institution stellt nach den uns zugegasigenen Informationen eine Konsumgenossenschaft dar, deren Mitglieder durch den Zusammenschluß Vorteile genießen, sei es nun durch niedrige Preise oder durch Ausschüttung irgendeiner Kleiderstoffe hübsche Streifen, u. Sportflanelle Blusen 1. Hemden, Meter 0.85 Zephir moderne Streifen für Blusen Oberhemden mit Seidenstreifen, für Dessins, 100 cm • Meter Steigerung gegen die Vorwoche 1,7 Proz. * Die wachsende Teuerung, die auch jetzt in dem Reichsinder zum Ausdruck kommt, ist in der Hauptsache durch die erhebliche und trotz des Rückschlages am Getreidemarkt noch anhaltende Preissteigerung für Lebensmittel verursacht. Die„ Preisabbauaktionen" der Reichsregierung es werden jetzt schon wieder neue Schritte nach dieser Richtung angekündigt scheitert an der wachsenden Geld. flüssigkeit, die die Preistreiberei sehr begünstigt hat, und an den spekulativen Machenschaften, die an die Ankündigung der Agrarzölle anknüpften. Es ift dringend zu wünschen, daß diese Fehler des Preisabbauprogramms durch Kreditrestriktionen gegenüber denjenigen Kreisen, die die Kredite zur Zurückhaltung der Ware ausnutzen, und durch zurückziehung der Zollvorlage wettgemacht werden. Sonst ist es mit den Preissenfungsproflamationen nichts. Die breite Masse der Verbraucher hat von ihnen praktisch nichts zu spüren bekommen. Im Gegenteil ist die Teuerung wieder in vollem Zuge. Preisabbauberatungen. Zum Stand der Beratungen über den Preisabbau erfährt die Telegraphen- Union, daß diese Frage zunächst noch in den zuständigen Ressorts besprochen wird. Es handelt sich dabei im wesentlichen fuhrregelung und um deren Einwirkung auf die Lebens. um Fragen des Kredits, des Kartellwesens, der Einfuhrregelung und um deren Einwirkung auf die Lebens. mittelpreife. In diesen „ Reichskommissariat für Reparationslieferungen". Lagen erscheint im Reichsgefeßblatt" eine Verordnung über das Reichskommissariat für Reparationslieferungen. Es handelt sich hierbei lediglich um die Vereinfachung der Drganisation des bereits im Jahre 1919 errichteten„ Reichskommissariats zur Ausführung von Aufbauarbeiten in den zerstörten Gebieten", dessen Aufgaben inzwischen durch die Entwicklung des Reparat onsproblems gewisse Aenderungen erfahren haben. Durch die Verordnung wird gleichzeitig die Deutsche Kohlentommission in Essen aufgelöst. Ihre Aufgaben werden fünftig durch eine in Essen befindliche Zweigstelle des erwähnten Reichskommissariats wahrgenommen werden. Damen- Konfektion Farben lang geschnitten.. 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Heute, Sonnabend, den 11. Oktober: Friedrichshagen: Scharnweberstr. 105, Jugend- Feier, abends 7 Uhr. Karlshorst: Fahrt nach dem Werbellinsee. Treffpunkt abends 17 Uhr Bahnhof. Abteilung Schönhauser Vorstadt. Aula in der Schönfließer Straße, nicht Jbsenstraße, Schulentlassungsfeier. Musik, Rezitationen, Ansprache, Jugendspiel. Anfang 7 Uhr. Eintritt frei. Abteilung Wedding, Aula Lütticher Str., Schulentlassungsfeier. Musik, Rezitationen, Hans- Sachs- Spiele, Reigentänze. Eintritt 30 Pf. Kinder frei. Morgen, Sonntag, den 12. Oftober: Gefundbrunnen II: Besuch des Märkischen Museums. Treffpunkt 9 Uhr Brunnenplag. Lichtenberg- N.: Fahrt. Treffpunkt 28 Uhr Bahnhof StralauRummelsburg. Schmargendorf: Besuch des Märkischen Museums. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Schmargendorf. Werbebezirk Wedding. Aula Lütticher Straße, abends 28 Uhr, Lichtbildervortrag: Rembrandt." Werbebezirk Ostbahn. Abends 28 Uhr in der Aula des CäcilienInzeums, Rathausstraße, Schulentlassungsfeier. Festrede, Chorgesang, Rezitationen, Lieder zur Laute, Klaviervorträge, Volkstänze, HansSachs- Spiel. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Achtung! Teilnehmer an der Fahrt nach Rathenow fahren am Sonntag, den 12. Oktober, früh, vom Schlesischen Bahnhof 9.37 Uhr, vom Aleganderplag 9.43 Uhr, ab 800 10.07, ab Charlottenburg 10.16 Uhr. Fahrtkosten hin und zurüd 4.80 M. Gauvorstand. Ramerabschaft mitte. Die Kameraden, die an der Fahrt nach Rathenow feilnehmen: Abfahrt am Sonnabend, den 11. Oktober, nachmittags 4% Uhr, Lehrter Bahnhof, oder Sonntag früh Abfahrt 6.05 Uhr Lehrter Bahnhof, oder 9.43 Uhr Aleranderplah. Kameradschaft Lichtenberg nebst Untergruppen. Am Mittwoch, den 15. Oktober, abends 7½ Uhr, Treffen der gesamten Kameraden in der Turnhalle der Anabenmittelschule, Marktstr. 11. Kameradschaft Niederschöneweide, Untergruppe Treptow. Am Montag, den 13. Oktober, findet eine Jmmer frifch. Überall erhältlich. Bersammlung bei Stephan, Treptow. Gräßftr. 1, abends 7½ Uhr, ftatt. In dieser Versammlung werden die Mitgliedskarten ausgegeben, auch sind die Lichtbilder mitzubringen. Kameradschaft Kreuzberg. Am Montag, en 13. Of tober, abends 7 Uhr, bei Karl Biehler, Dieffenbachstr. 76, wichtige Besprechung der Blockführer bzw. Unterkassierer. Kameradschaft Köpenid. Die Köpenicker Kameraden treffen sich am Dienstag, den 14. Oktober, abends 7 Uhr, bei Augustin, Rosenstr. 10. Kameradschaft Schöneberg. Am Montag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, findet in der Turnhalle der Wartburgschule unser Turn- und Sportabend statt. Das Erscheinen der Kameraden Pflicht. Rameradschaft Charlottenburg. Turnabend findet jeden Dienstag in der Turnhalle der Wiebeschule, Kaiserin- Augusta- Allee, Eingang Neues Üfer, statt. Erscheinen sämtlicher Kameraden Pflicht. Rameradschaft Mitte. Boľvec sammlung der gesamten Kameradschaft am Montag, den 13. Oktober, abends 7 Uhr, Residenz- Festsäle. Landsberger Str. 31/32. Kameradschaft Kreuzberg, Jugendgruppe I. Am Montag, den 13. Oktober, abends 7% Uhr, wichtige Rusammenkunft bei Bogasch. Nostizstr. 29. Erscheinen aller Jugendkameraden unbedingt erforderlich. Kameradschaft Wedding. Badeabend Sonnabend, den 11. Oktober, abends 7 Uhr. Zahlreiches Erscheinen notwendig. Gericht. straße, Stadtbad. Bund religiöser Sozialisten. Vereinigung der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Genosse Pfarrer France spricht Montag, den 13. Oktober, abends 7½ Uhr, in der Aula Charlottenburg, Oranienstr. 31/32, über Meine Eindrüde im besetzten Gebiet". Genossinnen und Genossen, erscheint zahlreich. Bolks- Feuerbestattungsverein Groß- Berlin, Diftritt 2. Montag, 13. Of tober, abends 8 Uhr, in der Berliner Bockbrauerei, Fidicinstr. 2, Distriktsversammlung. Bericht über unsere neue Versicherungsabteilung. Erscheinen aller ist Bflicht. Anhänger der Feuerbestattung sind willkommen. Die Gangesbrüder des 6. Kreis Kreuzberg treffen sich im Reichenberger Sof", eine halbe Stunde vor Eröffnung der Frauenversammlung am 13. Of tober. Männerchor Friedrichshain. Gonnabend, den 11. Oktober, 7 Uhr, in den Comenius- Sälen, Memeler Str. 67, Bierteljahresversammlung. Anschließend gemütliches Veisammensein mit Tanz. Eintritt 75 Pf. Gäste willkommen. Eintrittskarten an der Kasse. Die Freie Artistengruppe Südoft veranstaltet am Sonntag, den 12. Ot. tober, nachmittags 4 Uhr, in den Räumen von Bruno Jrmer, Brachtsäle am Treptower Part 27, eine große Artisten- Schau. Da der Verein stets feine Kräfte bei Veranstaltungen der Partei sowie der Gewerkschaften kostenlos zur Verfügung stellt, ist die Unterstützung des obigen Vereins dringend zu empfehlen. Nach der Vorstellung großer Ball. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr Pappelallee 15, Vortrag des Herrn A. Crispien: Betrachtungen über Bevölkerungsgeseze." Gäste willkommen. " Der Reichsband der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger. hinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, Geschäftsstelle Donauftr. 128, hält am Montag, den 13. Oftober. abends 7% Uhr, in der Aula des RaiserFriedrich- Realgymnasiums, Neukölln, Kaiser- Friedrich- Str. 209/210, eine außer ordentliche Generalversammlung ab. Mitgliedsbücher find am Eingang der Aula vorzuzeigen. Berliner Anwalt- Bercin. Vereinsversammlung am Montag, den 13. Ot. tober, abends 8 Uhr, im Vereinshaus Deutscher Ingenieure, Berlin, Sommerstraße 4a. Preis pro 12 Pfd. pro½ nur 50 Pfg. CEM Rahma MARGARINE buttergleich Das Beffe ift gerade gut genug. Drum kauff jede fparfame Hausfrau Rahma- buttergleich und keine andere. Man verlange beim Einkauf von ,, Rahma- buttergleich" gratis die Kinderzeitung Unserm Genoffen Julius Steffen und seiner Ehefrau Genoffin Georgine Steffen, Langenbedstraße 5, zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche! Der Bezirk 189A, 38. Abt. 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Beinen( auch nächtliche Wadenkrämpfe) beginnt das langwierige Leiden.ie Schmerzen im Fuß treten insbesondere am Fußbogen, Rift, an der Ferse und im Sprunggelenk auf. Gleichzeitig Schwellungen, Hizegefühl, Fußschweiß. Muf der Fußsohle Schwielen( harte Haut) besonders am Borderfuß, am Großzehenballen und auf der Ferse. manchmal entzündete Schleimbeutel u. Sehnenscheiden. elenkschmerzen und Schwellungen nicht nur im Fuß, sondern oft auch im Knie, der Hüfte, bis zum Krenz. Unlust zum Gehen hindert die notwendige Körperbewegung, deshalb frankhafte Stoffwechselstörungen ( Fettleibigkeit, Gicht) und allgemeine Nervosität. Der er Gebrauch der patentierten pneumatischen Fußstüke Freumette bringt dauernde Befreiung von allen diesen Beschwerden und Schmerzen. 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