Nr. 488 41.Jahrgang Ausgabe A r. 248 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit" mit..Gied. Jung und Kleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenansgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt ( 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0.20 Goldmart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0,30 Goldmark. Eine Goldmark- ein Dekar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 42 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Berlag: Dönhoff 2506-2507 Redaktion: Dönhoff 292–295 Donnerstag, den 16. Oktober 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gciellichaft, Devojitenkasse Lindenstraße 3 Letzter Schacher um den Bürgerblock. Das„ Nein“ der Demokraten.- Ungewisse Haltung des Zentrums. Heute ist wieder einmal eine entscheidende Sizung". Natürlich, wie immer, eine endgültig" entscheidende. Diese entscheidende Sigung wird von der Zentrumsfraktion abgehalten. Gegenstand der Erörterung wird die Entscheidung der Demokraten sein und die Folgerungen, die aus ihr zu ziehen sein werden. Die Entscheidung der Demokraten ist diesmal eine wirkliche. Sie läßt sich bequem und flar in ein Wort zufemmenziehen und das heißt:„ Nein!" Die Demokraten gehen nicht in den Bürgerblock, sie werden die Erweiterung nach rechts nicht mit ihrer Verantwortung decken". Eine tommentierende Erklärung unterstreicht und verstärkt. Nichts liege im Fraktionsbeschluß, das so gedeutet werden könnte, als sei es anders gemeint, als es gesagt wird. Auch Herr Geßler würde mit flingendem Spiel abrücken, wenn die Deutschnationalen anmarschiert kämen. Man kann nicht deutlicher sein. Das Zentrum hat in seinem geftrigen Abendbeschluß" man bezeichnet jetzt die Beschlüsse der Fraktionen zweckmäßig nach der Tageszeit, zu der sie gefaßt wurden erklärt, es gehe in den Bürgerblock, wenn die Demokraten mit in den to ennyie mitmachten. Die Demokraten erklären so laut, daß es auch ein Tauber hören muß: Nein, wir machen nicht mit!" Also ist die Voraussetzung, unter der das Zentrum mitmachen will, hinfällig geworden, und es macht auch nicht mit. Dies wäre, wie man so sagt, eine Klärung". menn eine Aber auch das fennt man schon „ Klärung" einzutreten droht, dann kommt pünktlich eine„ neue Situation". Die neue Situation" ist da. --Die Demokraten haben neben ihren schriftlich formulierten Erklärungen auch noch mündlich den Zentrumsvertretern und einigen Prefseleuten- etwas erklärt. Der Wortlaut steht nicht fest. Aber diese mündliche Erklärung wird etwa in foĺgender Weise tolportiert und fommentiert: ,, Die Demokraten werden einer Bürgerblockregierung nicht Opposition auf jeden Fall machen, sondern sich abwartend verhalten." Was heißt das? Das fann sehr nichtssagend sein, wenn man es in dem Sinn auffaßt, daß die Demokraten von Fall zu Fall zum Verhalten der neuen Regierung Stellung nehmen werden. Das tut schließlich jede Partei. Es kann aber sehr viel= Es kann aber sehr viel fagend sein, wenn es so aufgefaßt wird, als ob die Demofraten dem Bürgerblod mohimollende Neutralität zusagen würden. Dann ist durch die Erklärung eine Brücke nach rechts würden. Dann ist durch die Erklärung eine Brücke nach rechts gebaut. Die neue Situation" ist also entstanden durch eine mündliche Erklärung und die Frage, wie man sie auffaßt. Und nun hält das Zentrum heute, Donnerstag, seine ,, entscheidende Sigung". Nun werden die Bürgerblödler im Zentrum aus den Demokratenworten über das„ Abwarten" Brücken bauen. Aber, wenn der Bürgerblock kommt, nichts tann uns lieber sein, als wenn er so tommt! Dieses Jammergebilde wird dem Hohn und Spott des Volkes preisgegeben sein und wird bald das flägliche Ende nehmen, das es verdient. Diejengien, die heute schon Neuwahlen fürchten, werden sie nach dem Bankerott ihres Experiments noch viel mehr zu fürchten haben, und entgehen werden sie ihnen doch nicht. Karl Kautsky. Zu seinem siebzigsten Geburtstag. Der Altmeister der sozialistischen Theorie, Genosse Karl Rautsky, erreicht heute das biblische Alter. Sieben Jahrzehnte eines der Wissenschaft und dem Kampfe gewidmeten Lebens runden sich an diesem 16. Oktober, aber noch immer steht Karl Kautsky inmitten der kämpfenden Arbeiterklasse, der er seine Lebensarbeit gewidmet hat. Die Sozialistische Internationale haf erst bei der letzten Sigung ihres Erekutivfomitees den lebensfrisehen und arbeitsfrohen Lehrer und Freund in ergreifender Weise geehrt. Heute, an feinem Geburtstage finden sich alle Sozialisten zusammen im Gedenten an sein Wert, seine Treue in Arbeit für die Arbeit. Eine ausführliche Würdigung seines dem Sozialismus gewidmeten Wirkens geben wir an anderer Stelle des Blattes. Redaktion des Vorwärts", der er off seine Feder geliehen, Auch die deutsche Sozialdemokratie und nicht zuletzt die entbieetn Karl Kautsky die herzlichsten Wünsche. Mögen ihm noch viele Jahre eines erfolgreichen Wirkens beschieden sein! Erneute Verschleppung. Die Schen vor der Entscheidung. Die Zentrumspartei des Reichstags trat zu ihrer Frattionsfigung um 7 Uhr abends zusammen, ging aber nach kurzer wird ihre Beratungen am Donnerstag vormittag um 11 Uhr Zeit wieder ohne Beschlußfassung auseinander. Sie wieder aufnehmen. Da die Zentrumspartei zu feiner Beschlußfafsung gekommen war, wurde bie auf 7 Uhr angesetzte Besprechung des Reichskanzlers mit den Parteiführern abgefagt und auf Don nerstag vertagi. Die Fraktion der Deutschen Boltspartei ging um 7 Uhr auseinander, ohne einen Beschluß gefaßt zu haben. Die nächste Sigung findet am Donnerstag um 11 Uhr vormittags statt. In der Fraktionssigung der Deutschnationalen lam zum Ausbruck, daß die Fraktion keine Veranlassung hätte, ihre Haltung zu ändern. Sie müsse abwarten, welche Entschließung die anderen Fraktionen faffen. Die Absage der Demokraten. Die Fraktionsfizung der Deutschdemokratischen Partei hat erneut die Regierungserweiterung nach rechts abgelehnt. Sie faßte folgende Entschließung: Wie wird die nach rechts erweiterte Regierung aussehen, Keine Teilnahme am Bürgerblock, aber abwartende Haltung wenn es nach den Wünschen dieser Brückenbauer geht? Herr Marr, der in seiner Fraktion als unbedingter Gegner der Rechtserweiterung in der Minderheit geblieben ist, soll zwei Tage darauf Reichstanzler des Bürgerblocks werden. Zur Rechten und zur Linken werden ihm im Kabinett feine Fraktionskollegen Brauns und Höfle sitzen, und ein Kranz von Deutsch nationalen und Volkspartei lern wird sich malerisch anschließen. Nach Demokraten wird fich Herr Marg vergeblich umsehen, sie werden nicht mehr da fein. Reichswehr, Inneres, Wirtschaft werden in die Hände von Monarchisten und Hochschußzöllner gelegt, und das ganze Kabinett wird eine starke Rechtsmehrheit aufweisen. Denn in der neuen Regierungstoalition werden 151 Deutsch nationale und Volksparteiler von Wirtschaftspartei und Bayern gar nicht zu reden 65 3entrumsleuten gegenüber- wortung zu deden." stehen. Ist das möglich? Wird es wirklich so kommen. Wer weiß! Es gibt eine Art von parlamentarischer Geisteskrankheit, eine Art von Drehkrankheit, die sich im Gefolge von Krisen einstellt und die, je länger jene dauern, desto heftigere Formen annimmt. Sie äußert sich in Benommenheit und Angstzuständen, die bis zur richtigen Tollheit ausarten können. Der Bürgerblod, wenn er in dieser Form aus diesen Verhandlungen hervorgeht, wird ein Stück aus dem Toll haus sein! Das Zentrum ist von der Krisenfrankheit befallen. Wenn ein Entschlußloser vor den 3wang gestellt wird, sich dennoch zu entschließen, tut er gewöhnlich das Dümmste, was er tun fenn. Das ist die Gefahr, in der sich heute das Zentrum befindet. „ Die demokratische Fraktion hält daran fest, daß die gegenwärtige Krife ohne Not heraufbeschworen wurde, und daß schwer wiegende Gründe der Außenpolitik ein Beibehalten der ießigen Regierung erfordern. Die Regierung hat die Pflicht, sich vom Reichstag die Zustimmung für die Fort führung der bisherigen Außen- und Innenpolitit geben zu lassen, und darf erst dann abtreten, falls mider Erwarten der Reichstag fie dazu zwingt. Entsprechend ihren bisherigen Beschlüssen vermag die Fraftion eine einseitige Erweiterung der Regierung nach rechts nicht mit ihrer Berant Zur Erläuterung des Beschlusses wird durch das Nachrichtenbureau des BD3. folgendes veröffentlicht: ,, Gegenüber verschiedenen Deutungsversuchen an der demofratischen Entschließung von Mittwoch nachmittag wird von demofratischer Seite darauf hingewiesen, daß im Wortlaut der Ent schließung nichts liege, was zu der Annahme berechtige, daß die Demokraten fich schließlich doch noch an einer nach rechts erweiterten Regierung beteiligen und ihre Minister darin lassen würden. Auch Reichswehrminister Geßler, von dem verschiedentlich gemeldet wurde, er werde als Fachminister auch einem nach rechts erweiterten Kabinett angehören, hat erklärt, daß, wenn die Fraktion aus der Regierung ausscheide, er selbstverständlich auch aus der Re gierung ausscheiden würde. Im übrigen wird die demofratische Frattion, wie wir weiter hören, einer neuen Regierung teine Oppofition auf jeden Fall anfagen, fondern erft = ihre Zusammensehung und ihr Programm abwarten und dann von Fall zu Fallentscheiden. Außenpolitisch werde sie sie unterstützen, wenn sie die bisherige Außenpolitik fortseße, und innenpolitisch werde sie die freie Hand behalten." Bon demokratischer Seite wurde auch bemängelt, daß die Abficht bestehen soll, eventuell den Reichstag aufzulösen, ohne erst eine Plenarsizung anzuberaumen. Man hält einen solchen Weg für durchaus ungangbar und erachtet es für durchaus notwendig, daß die Regierung erst vor den Reichstag tritt, der dann zu entscheiden habe. Der Reichsvorstand der Deutschen Demokratischen Partei ist zum Dienstag, den 21. Oftober, zu einer Tagung nach Berlin berufen worden. 3. R. 3 glücklich gelandet. New York, 15. Oktober.( Durch Funkspruch.) Das Luftschiff 3. R. 3 ist um 3.11 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf 81 Stunden 25 min. glatt gelandet. dem Flugplatz in Catehurst nach einer Reise von Botschaft sagte Präsident Coolidge: Es freut mich, daß In einer an den Kapitän des Luftschiffes gesandten die friedlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten vollständig wiederhergestellt find, und daß diefes große Lentluftschiff die erfte direkte Luftverbindung einweiht. Es von der glücklichen Landung des 3. R. 3 in Lakehurst Als in den gestrigen Nachmittagsstunden die Nachricht bekannt wurde, hat wohl ein jedes Herz in Deutschland Genugtuung, Freude oder Jubel, je nach dem Temperament des einzelnen, empfunden. Aehnliche berechtigte Gefühle dürften vor 5 Jahren alle Engländer empfunden haben, als ihr R. 34 in ununterbrochener Fahrt von Amerika tommend die britischen Inseln erreichte und in Edinburg landete. heißt in feiner Weise, die gewaltige Leistung des deutschent Luftschiffes herabsehen, wenn man daran erinnert, daß ihnen wurde. Uebrigens war die Strecke, die R. 34 damals zurückbei der Ueberquerung. des Ozeans bereits zuvorgekommen legte, bedeutend fürzer, ein ausgedehnter Patrouillendienst war von der englischen und der amerikanischen Marine lange vorher eingerichtet worden, so daß die eigentlichen Schwierigfeiten und Gefahren, die es damals zu überwinden galt, wesentlich verringert wurden. der Amerikaner gegenüber der Tat des 3. R. 3 und seiner Die fieberhafte Begeisterung Besatzung beweist übrigens zur Genüge, wie sehr die große und märchenhaft schnelle Transozeanfahrt FriedrichshafenLakehurst drüben gewürdigt wird. Im übrigen: Will man schon in der Frage der Priorität der deutschen Luftschifftechnit die Prämie zugewiesen sehen, dann braucht nur an eine andere Zeppelin- Leistung erinnert zu werden, die der des 3. R. 3 mindestens ebenbürtig ist, aber viel älter und damals wenig bekannt. Es handelt sich um jenen im Herbst 1917 unternommenen Flug von Bul= zurück auf dem Wege nach Ostafrika, wohin man der umgarien nach dem ägyptischen Sudan und material überbringen sollte. Durch einen Funkspruch vorzeitig zingelten Schußtruppe Waffen, Munition und Sanitätszurückgerufen, kehrte das Luftschiff wohlbehalten zurück, ob wohl es mehrere tausend Kilometer über feindliches Gebiet geflogen war und der entscheidenden. meteorologischen Hilfe natürlich entbehrte, die dem 3. R. 3 so sehr zugute ge= fommen ist. sein, zu wiederholen, daß die Zeppeline als Kriegswaffe ve r= Diese Kriegserinnerung soll uns aber nur Gelegenheit fagt haben und in Zukunft erst recht nicht in Frage kommen würden. Um so mehr erblicken wir in der technischen und sportlichen Glanzleistung des 3. R. 3 eine verheißungsvolle Bestätigung der großartigen völkerverbindenden und völkerversöhnenden Aufgabe, der kulturellen Mission der Luftschiffe. Deshalb meinen wir, daß es ebenso sinnlos wie frebelhaft wäre, wenn man auf Grund eines Aberglaubens der Bergangenheit, der in einem Paragraphen des Versailler Diktats seinen Niederschlag gefunden hat, die weitere Entwicklung des Zeppelin- Luftschiffbaues behindern oder gar verhindern wollte, wie dies durch die vor langem beschlossene Niederreißung der Friedrichshafener Halle ge= schehen soll. Käme diese Absicht zur Ausführung, so würde der militärischen Abrüstung Deutschlands wenig gedient werden, die seelische Abcüftung des deutschen Volkes dagegen einen empfindlichen Schlag erleiden. Die Pariser Presse, die sich zum größten Teil dem Amerikaflug des deutschen Luftschiffes gegenüber sehr häßlich benimmt imb zwischen Totschweigen und Gehässigkeit schwankt, druckt ein Urteil des Berliner Havas-Vertreters ab, wonach die „deutsche Begeisterung mehr nationalistisch und aggressiv als sportlich und wissenschaftlich" sei. Soweit die Leserschaft der Bürgerblockblätter in Frage kommt, so ist dies leider schwer zu bestreiten, und die von uns bereits charakterisierten Schmocke- reien des„Tag" und der„Deutschen Zeitung" sind für die Nationalisten jenseits der Grenze ein gefundenes Fressen. Aber in diesem Urteil liegt eine tendenziöse Verallgemeine- r u n g. gegen die wir Einspruch erheben müssen. Wir behaup- ten vielmehr, daß der größere Teil des deutschen Volkes den Sieg des Zeppelins als einen Sieg des menschlichen Geistes und Fortschrittes schlechthin feiert. Die große Mehrheit des deutschen Volkes will von Kriegen, sei es mit, sei es ohne Zeppeline, nichts mehr wissen, freut sich über jede Er- rungenschaft, die die Völker näher zueinander bringt und be- grüßt mit besonderer Genugtuung jeden Anteil, den deutsche Arbeit und Energie an den großen Werken des Friedens nehmen. In diesem Sinne beglückwünscht die deutsche Ar- b ei t e r s ch a f t alle diejenigen, die direkt oder indirekt an der großen Tat des Z. R. 3 mitgewirkt haben. Sie gratuliert den Ingenieuren und den Arbeitern, den Offizieren und den Maschinisten, den Funkern und den Steuermännern, die an diesem Sieg des menschlichen Schaffens und Geistes über die Materie und die Elemente direkt oder indirekt Anteil nahmen. Sie braucht sich nicht wie die— ach so nationale—„Deutsche Zeitung" um die Tatsache herumzudrücken und zu winden, daß einer der Hauptkonstrukteure Arnstein heißt. Sie freut sich im Gegenteil aufrichtig darüber, daß es allen diesen Männern ge- lungen ist, durch Fleiß, Intelligenz und Kühnheit dem Ansehen des friedlichen deutschen Kulturvolkes in der Welt besser zu dienen, als es tausend„Siege" im Kriege je vermocht hätten. A. K. 3 an üas amerikanische Volk. New Jork, IS. Oktober.(IDIB.) während Z. R. 3 über New Jork kreiste, wurde ein Fallschirm abgeworfen, an den ein kleiner, an den„International News Service" adressierter Postsack gebunden war. Dieser wurde von dem Finder sofort in dem Bureau des genannten amerikanischen Nachrichtendienstes abgeliefert. In dem postsack befand sich eine Botschaft Dr. Eckeners an die Bevölkerung New Jorks und an das amerikanische Volk. Die Botschaft, die heute noch in den Nachmittagsblättern veröffentlicht wurde, lautet wie folgt:„New Jork, wir grüßen dich! Angesichts der Silhouette dieser herrlichen Riesenstadt neigen wir den Bug unseres Lufffchisfes und grüßen das ganze amerikanische Volk mit aufrichtiger Freude. Wir hegen die zuversichtliche hoff- nung. daß unsere Fahrt über den Ozean eine Epoche freund- schastlichcr und fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Völkern anbahnen wird, eine Epoche gemein- samer Weiterentwicklung des unsterblichen Werkes des Grasen Zeppelin, des Eroberers der Lüfte. In diesem Sinne wollen wir Hand in Hand an der Aufgabe arbeilen, durch Ueberbrückung von Zeil und Raum alle Nationen immer enger miteinander zu verbinden. Der Kommandant und die Mannschaft des Z. R. Z übermitteln durch den„International News Service" der Bevölkerung von New Jork und dem ganzen amerikanischen Volke ihre besten Wünsche und Grüße. Dr. Eckener." Präsident lkooliöges öegrüßung. Washington, 15. Oktober.(WTB. durch Funkspruch.) Di« Bot- schoft des Präsidenten Coolidge an den Führer des Zeppelin-Luft- fchiffes Dr. Eckener hat folgenden Wonlaut: Ich gratuliere Ihnen zu der erfolgreichen transatlantischen Reise des großen Lenkluft- schiffes, das Sie aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten g«- führt haben. Diese Reife ist nicht nur ein aufregendes Er- ! e b n i s und ein glänzendes Abenteuer, sie ist wert mehr ei»«pochemachender Erfolg, weit sie, wie ni« zuvor, die Möglichkeiten von sehr weiten Fernflügen mit Luftschiffen des Leichter-als-Luft-System dargetan und auch deren Fähigkeit erwiesen hat, bedeutend« Frachtmengen und ein« erhebliche An- zahl von Fahrgästen mitzuführen. Die Geschicklichkeit und die Tüchtigkeit der deutschen Techniker im Bau von so wunderbaren Luftfahrzeugen und ihre Geschicklichkeit, das Luftschiff so erfolgreich und ohne Unterbrechung oder Zwischen- fall von Friedrichshofen nach Lorehurst zu führen, ist ein Ereignis von weltweitem Interesse. Mir und dem amerikanischen Volk ist es ein« große Genugtuung, daß friedliche Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika wieder voll hergestellt sind, und daß dieses große Luftschiff de» ersten direkten Flug zwischen Deutschland und Amerika glücklich vollendet hat. Ich hoffe, daß Ihr Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ein angenehmer sein wird, und daß die wertvollen Dienste, die Sie mit der Ueberführung des Luftschiffes geleistet haben, Sie Ihr ganzes Leben lang mit Stolz und Genugtuung er- füllen werden. Glückwunsch des Neichspräflüenten. Der Reichspräsident hat an Dr. Eckener in Lake. hurst folgendes Telegramm gerichtet: Nach glücklicher Ozeanfahrt begrüße ich mit dem ganzen denk- schen Volk pnd seiner Regierung Sie und die tapfere Besatzung Ihres Luftschisfes aufs herzlichste. Ihre Tal wird als Großtat in der Geschichte fortleben. Möge Z. R. 3 auch aus seinen weiteren Fahrten Künder deutschen Könnens sein, möge er seinem Berufe, den freien und friedlichen Wettbewerb aller Völker zu fördern mit bestem Erfolge dienen. Ebert. Reichspräsident. Auch Wallraf drahtet. Der Reichstagspräsident hat an Dr. Eckener in Lakehurst folgen- des Telegramm gerichtet: Kommandant Dr. Eckener, Lakehurst, Amerika. Dem Schiff und feinen Meistern zum Siege deutscher Arbeit über Wind und Wolken ein heimatfroh Glückauf. Wall- ras, Reichsiagsprästdent. Glückwunschtelegramme an den Luftschiffbau in Friedrichshafen sandten u. a. der Verein Deutscher Ingenieure und der Reichsver- band der deutschen Industrie, mehrere Reichstagsfraktionen, einig« deutsche Landesregierungen, der hessische Landtag, die Wissenchaft- lich« Gesellschaft für Luftschisfahrt u. v. a. m. « Die letzten Flugetappen vor der Landung bezeichnen fol» gende Meldungen: Heber öoston. Das Lastschiff Z. R. 3 hat den Mittelpunkt der Stadt Boston bei niedriger Fahrt überflogen. Das Geräusch der Maschinen des Luftschiffes brachte Hunderte von Menschen auf die Straßen. Die Lichter aus den Gondeln waren deutlich zu sehen. Um 4.4$ Ahr amerikanische Zeil überfuhr das Luftschiff Z. R. 3 lüe Stadt, geleilet von den Signalen der hafenanlagen. Es hatte sich der Stadt unbemerkt genähert, bis das Geräusch seiner Motoren gehört wurde. Tausende stürzten ans die Straße oder kletterten auf die Dächer, um das Luftschiff, das niedrig flog, zu sehen. Die Mann- schasl des Schisfes war deutlich erkennbar. Heber Doston warf das Luftschiff diesen Gruß an den Bürger- meister ab:„Wir bedauern lebhaft, daß wir' zur Nachtzeit Ihre Stadt überfliegen müssen."' Z. R. 3 selbst funkte über seinen Cindkuck von Boston: „An Bord des Z. R. 3 10 Uhr vormittags(E. Z.). Amerika erreicht. Boston in unendlichem Lichtekglanz, unter uns Sirenen heulen, Kurs New Bork." Heber New �ork. Z. R. 3 hat Zcko Uhr(mitteleuropäischer Zeil) die F r e i h e i t s- st a t u e überflogen. Das Luftschiff hatte direkten Surs auf Lakehurst. Das Luftschiff Z. R. 3 nahm seineu Weg ia niedrigem Flug über den Mittelpunkt von New Jork und den Hudsonfluß. Es wurde von den Fabriken und den im Hafen liegenden Schiffen mit schrillen Sirenenrnfen begrüßt. Eine zahllose Menschen- menge auf den Straßen und den Dächern brach in begeisterte Begrüßungskundgebuugen aus und schweatte die hüte, als das Luftschiff, begleitet von mehreren Flugzeugen, glitzernd in der Sonne, über sie Hinwegsuhr. Z. R. 3 überflog um l.SS Uhr die B r o a d st r e e t. Er hat die ungefähr 330 Kilometer lauge Strecke zwischen Boston, New Port, New Jork in drei Stunden zurückgelegt, was einer Stunden- geschwindigkcit von 110 Kilometern entspricht. Unaufhörlich wurden, seit sich das Luftschiff aus dem Festland befand, Glückwunschbotschafteu in die Luft gefunkt. Dr. Eckener sah sich genötigt, einen Funkspruch an die begeisterten Amerikaner aufzugeben, in dem er sagte:„Bitte die Glückwunsch- telegramme zurückzuhalten. Ich muß mit den Handelsmarine- funkstatioueu arbeilen." Aus der Menge, die in New Jork die Straße» und Plätze füllte, tönten sorlwührend jubelade Will- kommensruse zu dem Luftschiff empor, das in strahlendem Sonnen- schein, silberglänzend in langsamer Fahrt zunächst die Stadt in ganze Länge überflog und sich dann in westlicher Richtung noch der Baltery wandte und schließlich ganz tief auf die walken- kr atzer der Innenstadt herabging. Die begeisterte Menge winkte Abschied, als dann Z. R. 3 direkten Kurs nach Lakehurst nahm. New Jork, 13. Oktober.(Eigener Funkberichi.) Die Bevölkerung der amerikanischen Nordostküfte war seit der Abfahrt des Z. R. 3 aus Europa in ungeheurer Spannung, die sich steigerte, je mehr sich das Luftschiff dem amerikanischen Festlande näherte. Ein wahres Fieber hatte die Einwohner New Borks erfaßt, nachdem bekannt geworden war, daß sich der Lustkreuzer ün Nordosten befand und demnach seinen Kurs über New Park nehmen mußte, um seinen Londungshafen zu erreichen. Die letzt« Nacht vor der Ankunft des Zeppelin brachte der größte Teil der Bevölkerung wachend zu, wenigstens solange, bis feststand, daß er erst morgens in New Bork eintreffen konnte. Die Zeitungen überboten sich in der Aufmachung der neuesten Nachrichten über den Standort des rasch näherkommen- den Luftschiffs. Die„New Bort Times" verkündete die ganze Nacht hindurch in elektrischer Flammen schrift von ihrem Riescn- gebäude die neuesten Lagemeidungen. Lautsprecher schrien die neuesten Funksprüche überall in die Straßen der Riesenstadt, llnge- heare Scheinwerfer leuchteten den Horizont ab. Als die Mel- dung eintraf, daß sich der Zeppelin gegen 3 Uhr nachts(amerikanische Zeit) Boston näherte, hatte man endlich die Gewißheit, daß er vor Morgengrauen nicht in New Bort sein werde. In den Morgenstunden hellte sich das Wetter auf und hunderttausende strömten in die Parkanlagen und auf die freien Plätze, um die Ankunft besser bewundern zu können. Die Dächer waren schwarz von Menschen, als «in Schutz von einem der Forts die Ankunft kündete. Gleichzeitig waren 20 Marineflieger über der Stadt zur Begrüßung auf- gestiegen, fünf andere waren dem Zeppelin bereits auf dem Wege nach Boston entgegengefahren. Die Stadt zeigte reichen Flaggenschmuck auf ihren hohen Gebäuden. Nicht nur das Sternenbanner war überall gehißt, da und dort sah man das Schwarz-Rot-Gold der deutschen Republik, deren Flagge da- mit zum erstenmal in New Bort zu sehen war. Der gesamte Verkehr kam ins Stocken, als der Lufttreuzer in langsamer Fahrt, vom Hafen kommend, wo er die Freiheitsstatue umkreist hatte, die Stadt über- flog. Aus hunderttausend Kehlen klangen Begrüßungsrufe, hundert- tausende von Armen winkten Willkommen. Die Riesendampfer aus dem Hudson lfeßen, ohne Unterschied der Nation, ihre Flaggen zur Begrüßung hochgehen. Ohrenbetäubend war das Geheul der Sirenen der Millionenstadt. Dr. Eckener über Sie Jährt. b New Jork. 13. Oktober.(WTB. durch Funkspruch.) Als Dr. Eckener unter dem Jubel der Anwesenden in Lakehurst aus der Kabine des Z. R. 3 stieg, erklärte er:„Ein neuer Welt- retard von 3006 Meilen eines ununterbrochenen Fluges." Dr. Eckener fuhr dann fort:„Der erste Teil unserer Reise war schön, der letzte Teil vollzog sich bei schwerem Wetter. Von Dienstag füns Uhr bis heute fünf Uhr kämpften wir gegen das Wetter mit eine!? Schnelligkeit von 53 bis 60 Meilen die Stunde. Wir änderten unseren Kurs von der direkten Linie ab, als wir auf der Fahrt von den Azoren nach Lakehurst waren, weil wir fanden, Holöe �ugenökrast. konzerkumschau von Kurt Singer. Dem ölljährizen Richard Strauß flieaen die Geburtstagskränze zu. Es ist von tiefster Bedeutuyg für die Gegenwort, daß sie in den längst vergangenen Jahrzehnten Straußschen Iugendkonnens den Meister sucht. Und es ist wirklich reizvoller, dem 17- bis 20jährig«n Komponisten zu lauschen, der sich einen neuen Weg sucht, als etwa dem späten Strauß der Hymnen, die ein von ihm ewig abgelaufenes Gleis in neuer Aufmachung zeigen, ein Spiegelbild des größten Artisten ohne schöpferische Gnade. Der mittlere, der sinsonffche Strauß ist uns allein ans herz gewachsen. Aber gern lassen wir uns eine Blum« pflücken aus dem Strauß jener Zeit, da Bülow noch sogen durfte:„Wenn Strauß, dann lieber Johann, wenn Richard. dann lieber Wagner." Das hornkonzert op. 11 und die Burlesk«(zwischen op. 16 und 17) standen fast gleichzeitig mit den Hymnen auf den Programmen, und in einigen Tagen läßt Ochs„Wanderers Sturmlied" erbrausen(op. 14). Jugend- werke. Aber musikalisch, voll Laune und Einfall: musizierfreudig, ohne Problematik, frisch darauf los gesungen, ja, mit vollen Backen eines 16jährig«n geblasen, das fröhliche Hornkonzert, das der Meister Oskar Schumann, Zierde des Philharmonischen Orchesters, auf silbernem und auch silbern klivgendem F.horne höchst virtuos spielt. Das ließe sich öfter hören! Der jung« Dirigent Fritz G o l d s ch m i d t entwickelte mit den: Programmgeschmack auch Fertigkeit des Hand- gelenks, Sicherheit der Führung. In der Sinfonie E-Moll von Brahms schien das Tempogefühl noch nicht sehr stabil zu sein, doch konnte man der sinnvollen und sinnlich schönen Auslegung Respekt nicht versagen. Die Burleske spielt« Margarets W i t. Dieses von d'Albert 1890 aus der Taufe gehobene Klavierstück ist recht etwas für piamstifche Feinschmecker für Menschen mit Sinn für geistreichen Witz und fröhlich« Schelmerei. Ein Konzert im Eilzugstempo, exekutiert in einer Viertelstunde. Auch dieses glänzend« Virtuosenstück wird allzu stiefmütterlich behandelt. Strauß als Romantiker Schumannscher Ob- servanz— das ist herrlich anzuhören. Er selbst hat sein Wert einmal als„reinen Unsinn" bezeichnet, und Bülow hält es für unfpielbar. Wir möchten wünschen, daß uns der Komponist des„Heldenlebens" in heiterer Laune wieder einmal solchen„Unsinn" erfindet: und in 20 Jahren ist die Technik doch bis zu d'Albert und Fischer und Giefe- king fortgeschritten. Und zu Margarete W i t. Sie faßt das Gelegen- he.itssrück als Bagatelle auf, freut sich der kecken Griff« und kleinen Verschrobenheiten der Partitur, spielt Fangball mit der ulkigen Pauke, trumpft mit stürmischem Griff auf und rettet sogar Empfindung für die kleinen Partien Braihrnsscher Melodik. Eine temperamentvolle. sicher- Pianistin, der man gern einmal bei schwerblütigerer Musik begegnen möchte. Auf dem Grab- der. künstlerischen Hoffnungen Camillo Hilde- brands hat sich«in Rabe niedergelassen, ein weißer Gott sei Dank. Dieser Peter Raab« bringt uns im ersten Abonnementskonzert des SinfonieorchGers Rudi Stephans„Musik für großes Orchester" in Erinnerung. Das Werk eines früh Gestorbenen, früh Bollendeten. Denn dies« einsötzige, innerlich deutlich drei geteilte sinfonische Phantasie enthält das Gesamtchroma neuzeitlicher Musikempfindung, dargebracht von einem eigenen Kopf. Wenn dieser hochtalentierte Jüngling die Eierschalen Straußschen Orchester- tlangs und das stürmische Rufen der gärenden Jugend einmal ganz von sich geworfen hätte— wer weiß, welchen Reichtum wir da noch hätten erwarten können. Auch so bleibt diese Musik eines Fünfund- zwanzigjährigen, selbst unter dem Gesichtswinkel heutige Fortschritt- lichkeit angesehen, ein« Meisterleistung. Es ist, als hörte man daraus die prophetische Ahnung einer zu Kampf und Tod geborenen Jugend. Peter Raabe dirigierte das Wert(bis auf den matten Ansang) beherzt, feurig, packend, zuweilen elementar aufbauend. Er scheint mit feinem Orchester zu proben und zu-studieren— wir wünschen ihm, daß er in: Blüthnersaal die Glanzzeit hauseagerscher Stabführung herbeiführt. Am Willen zu formen, an Griff und Können fehlt es ihm nicht. V e e s e y lockte in die Philharm orte. Soweit ich hören konnte, kein besonders großartiger Abend, Die ll-Dur-Sonate Paul Iuons ist das Werk eines feinen, geschmackvollen Könners. Das gedant- liche Substrat ist nicht erdrückend, doch interessiert in den Ecksätzen die kontrapunkltisch« Fähigkeit im Largo das etwas russische, nach weiter Steppe klingende Melos. Der Ton Veefeys wollt« aber hier nicht voll, nicht groß, nicht sinnlich werden. Meyer-Radon be- gleitete aprt. Auch Alex S w e r f ch e n f k y fft als subtiler Be- gleiter, als zart besaiteter Interpret russischer Klavieriyrit zu grüßen. Lydia Lipkawskaja, von ihren Landsleuten jubelnd (und% Stund« zu spät) empfangen, hat künstlerische Qualität. Di« Schärfe ihrer Tongebung ist uns in Deutschland«in wenig gegen die Natur, besonders in den Thcaterkolaroturen. Eine richtige Opernstimm«, hell und groß, wird in den Dienst guten dramatischen Ausdrucks gestellt. In der Lyrik Tschaikowskys und Mufsorgfkis gefällt di« feine Gestaltung und die Lieblichkeit des Vortrages. In dem Programm von 17 Nummern war— entsprechend dem Man- gel an geeigneten Autoren— kein deutscher Komponist vertreten. Nur Hugo Wolfsche Lieder saug Edmund Iosefiak. Ein dennoch vielseitiges, höchst gewähltes Programm. Wenn sein warmer, schöner und gut gepflegter Bariton in der höhe ganz frei ist, wird dieser ganz auf seetisch« Vertiefung eingestellte Sänger von sich reden machen: denn er ist«in Musiker durch und durch. Dke Heliumfüllung der Zeppeline. Unter den zahlreichen Nachrichten, die während des Baues und der Erprobung des letzten Zeppelinluftschifes bekannt wurden, be- fand sich auch die Mitteilung, daß der Lenkballon in Amerika mit h e l i u m g a s gefüllt werden soll. Da das Helium ein sehr eigenartiger Stoff ist und trotz gelegent- licher Erwähnung in weiten Kreisen noch fast unbekannt ist, so mag kurz ausgeführt werden, was es mit der Heliumfüllung der Lust- schiffe, für eine Bewandtnis hat. Schon die Entdeckung des Heliums ist eines der merkwürdigsten Ereignisse in der Geschichte naturwissenschaftlicher Leistungen: Denn man hat den Stoff fast dreißig Jahre eher auf der Sanne entdeckt, als auf der Erde! Man hatte schon lange in den Ausstrahlungen des Sonnenlichts sogenannte Spektrattmien eines Körpers erkannt, den man ohne ihn sonst irgendwie zu kennen„Helium"(von griechisch helios— Sonne) benannte. Diel später entdeckte der große englische Chemiker R a m s a y 1893 aus irdischem Material ein Gas, welches dieselben Spektrallinien zeigte wie die auf der Sonne beobachteten. Freilich war damals das Gas noch fchr schwierig darstellbar und nur aus gewissen seltenen Mineralien in geringen Mengen gewinn- bar. In der Luft fanden sich auch Spuren des Gases, aber viel zu wenig, als daß eine lohnende Gewinnung denkbar gewesen wäre. Bei näherer Untersuchung des neuen Elements fand man, daß es nächst dem Wasserstoff der leichteste oller irdischen Stoffe ist. Sein Gewicht ist fast genau das doppelte des gasförmigen Wasserstoffs. Aber das Helium unterscheidet sich durch eine sehr wichtige Eigenschaft vor dem Wasserstoff. Während Wasserstoff äußerst leicht brennbar ist und mit Luft gemischt sogar ein sehr explosives Gemisch, das„Knallgas" ergibt, zeichnet sich das Helium durch absolute U n> verbrennbarkeit und Unentzündlichteit aus. Trotz des etwas größeren spezifischen(Verhältnis-) Gewichts liefert das Heliumgas als Ballonfüllung einen Auftrieb, der dem des Wasserstoffs nur wchpig nachsteht. Denn für den Zluftrieb kommt es nur auf den Unterschied der spezifischen Gewichte gegenüber dem der Lust an und dieser ist beim heliumgas nur um etwa ein Zehntel geringer als beim Wasserstoff. Da die Feuergesahr eine der größten Schwierigkeiten für die praktische Benutzung von Luftschiffen darstellt, so bietet also das Helium ein geradezu ideales Füllmittel. Nur leider sind wir in Deutschland nicht im glücklichen Besitz von Heliumquellen, da. wie er- wähnt, die Herstellung aus der Luft wegen ihrer Kostspieligkeit nicht in Betracht kommt. Aber die Vereinigten Staaten besitzen unter ihren äußerst mannigfaltigen Naturschätzen auch den Vorzug einer Bezugsquelle für Helium. Man hat— während des Weltkrieges— entdeckt, daß die Naturgasquellen im Oel- und PetrÄeumgebiet einen mehr oder minder erheblichen Prozentsatz von Helium enthalten. Allerdings beträgt der Gehalt selten mehr als ein halbes Prozent. Aber da die Mengen der aus den Bohrlöchern entströmenden Gase sehr große sind, so hat man wegen der hohen Bedeutung des Heliums als Ballonfüllung die Kosten nicht gescheut, nach einer ziemlich um- ständlichen Methode alle anderen Bestandteile des Naturgases zu ent- fernen, bei dem man zum Schluß das reine Helium übrig behielt. So hat man di«„Shenondo o", das Kreits feit längerer Zeit in Amerika befindliche Zeppelinschiff mit Helium gefüllt und beab- sichtigt in Zukunft sämtliche Lentballons mit dem feuersicheren Gas zu füllen. Andere Staaten werden freilich dem amerikanischen Beispiele nicht folgen können, da fast keiner dieses interessante Gas besitzt und die Amerikaner kaum geneigt sein dürften, das kostbare Material anderen abzugeben. Erwähnt sei noch die intereffante Tatsache, daß es dem Entdecker des Heliums, Ramsay, gelang, an diesem Körper das erste Beispiel eines Zerfalls der Atome nachzuweisen. Denn er konnte nachweisen, daß Radium fortwährend kleine Mengen von heliumgas entwickelt, und damit war der erste Schritt zu der modernen Goldmacherkunst getan, die vor kurzem M i e t h e durch die Umwandlung von Quecksilber in Gold erfolgreich weiter» geführt hat. Dr. S. daß wir in sich erhebende Südwestminde und in ein fleines Tiefdrudgebiet steuerten. Am Montag abend machten me 45 Meilen die Stunde. Wir steuerten nach Neuschottland in einen südöstlichen Wind und famen dann in schneller Fahrt längs der Küste. fübwärts, wobei wir zwischen den Kreuzern Milwaukee" und Detroit" hindurchfuhren, ohne einen zu sehen. Ein günstiger Wind trieb uns nach Latehurst, nachdem wir Boston und dann New Yort mit einer durchschnittlichen Schnelligkeit von 90 Meilen paffiert hatten. So, meine Herren, find wir jet gier." Die Landung. 11 New Bort, 15. Oftober.( Reuter.) 3. R. 3 bewerkstelligte seine Landung in wundervoller Weise. Er zog gerade aus über dem Flugfeld bis zur äußersten Ede des Landungsplages, wo er sich herumdrehte und dann das Feld in einer meiten Entfernung umfreiste. Er flog dann mit dem Bug gegen den Wind und machte erst vor der Halle halt 3. R. 3 an Graf Arco. Das Funtpersonal des 3. R. 3 hat an Graf Arco, den befannten Förderer des deutschen Funkwesens und Präsidenten der Telefunken- Gesellschaft, gestern, Mittwoch, nachmittag 2.14 Uhr( E. 3.) über die Station Marion folgenden Funtspruch gerichtet:" Graf Arco, Zehlendorf. Alle Apparate gut funktionierend. Amerika erreicht. Funfpersonal 3. R. 3." Graf Arco ist der Erfinder des Verfahrens, nach welchem 3. R. 3 während seiner Amerikafahrt die Beilungen vorgenommen hat. Soll der Luftschiffbau zerstört werden? Der Deutsche Industrie und Handelstag erläßt folgenden Aufruf: Der Vorstand des Deutschen Industrie- und Handelstages, zu einer Sigung vereinigt, gibt seiner Freude und ſtolzen Genugtuung darüber Ausdruck, daß es deutschem Wissen und deutscher Tatkraft gelungen ist, in dem neuen Zeppelin 3. R. 3 ein Werf höchster technischer Bollendung herzustellen und das Luftschiff glücklich auf amerikanischem Boden landen zu lassen. Der Vorstand spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die Werf stätten, in denen eine solche bahnbrechende Tat vollendet wurde, nicht der Zerstörung anheimfallen, sondern auch in Zukunft dem Zwed dienen mögen, durch Vervollkommnung dieses neuen Verkehrsmittels den Gedanken der friedlichen Vereinigung der Völker und der gemeinsamen Arbeit am Wiederaufbau Europas und damit der Weltwirtschaft zu verwirtlichen. Die nächste Zukunft des Z. R. 3. Die amerikanischen Behörden haben erklärt, daß zunächst keine weiteren Probeflüge mit 3. R. 3 erfolgen würden, bis die Ab nahme des Schiffes und die Uebergabe an das Marineamt statt gefunden habe. Selbstverständlich werden aber, sobald das Luftsch ff feine Helium füllung erhalten haben wird, Probefahrten von Lakehurst aus erfolgen, schon vor allem um festzustellen, wie das Schiff mit diefer Gasfüllung fährt, d. h. ob es mit seiner an und für fich schweren Belastung einen ebenso guten Auftrieb besigen wird, me mit dem bisherigen Wasserstoffinhalt. Diese Probe fahrten müssen zunächst aus den verschiedensten Gründen mit einer gemischt deutsch- amerikanischen Besatzung erfolgen. Während es auf der einen Seite notwendig ist, die zufünftige amerikanische Mannschaft des 3. R. 3 mit den technischen Einrichtungen des Schiffes, die durchaus nicht in allen Einzelheiten mit denen der Shenandoah" übereinstimmen, vor allem aber mit den ganz neuartigen un steuerbaren Maybach- Motoren vertraut zu machen, müssen den deutschen Luftschifführern und Navigationsoff zieren amerifenische Luftfahrer beigegeben werden, um sie über die ganz besonderen meteorologischen Verhältniffe in der Umgebung Latehursts zu unterrichten. Lakehurst liegt in einem Teil des amerikanischen Rüftengebietes um New Yort, der wegen seiner unberechenbaren Wetterbildungen geradezu berüchtigt ist. Die Zeppelin- Werte hatten schon vor längerer Zeit, als in Amerika die Einrichtung von Luftschifflinien zwischen den verschiedenen amerikanischen Großstädten lebhaft erörtert wurde, mehrere Sachverständige nach den Vereinigten Staaten entsandt, darunter zwei der jezigen Führer des 3. R. 3, Rapitänleutnant Flemming und Diplom Die Ausstellung des Reichsarchivs. Das Reichsarchiv in Potsdam fenft mit seiner Ausstellung im Zivildafino( Waifenfir. 19/23) die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich. Eine Schöpfung der Nach Triegszeit ist es, dem ersten, ja notgedrungen auch trockenen Studium gewidmet. Im Gegensaz zu anderen Archiven will es für die Geschichtsschreibung des Reichs und seiner Vorläufer( 48er Bewegung, deutscher Bund, das alte römische Reich deutscher Nation) nicht nur die offiziellen Aften sammeln und ausnügen, sondern auch alles aus Brivatbesiz stammende Material( Briefe, Tagebücher usw.), das ge: eignet ist, die Stimmungen der Boltstreise wiederzuspiegeln. Und zwar sollen nicht nur die Diplomaten und Politiker, sondern auch 3. B. die Gewerkschaften, turzum alle wichtigen Schichten und Einzel personen, mit ihrem Material hier vertreten sein. Das Institut muß daher, wie Direktor Dr. Müse bed ausführte, das Vertrauen aller haben und mit dem ganzen Bolte lebendige Fühlung haben. Diese Absicht ist vortrefflich bei einer Anstalt, die Voltsgeschichte im weitesten Umfange( von der Wirtschaft bis zum geistigen Leben) betreiben soll. Ob die geeigneten Personen dafür vorhanden sind, werden erst die zukünftigen Arbeiten lehren können. Borläufig überwiegt die Darstellung des Weltkrieges, befonders in der Form der Schlachtenschilderung und der Regimentsgeschichten. Der Stamm Der Stamm der Historifer, der volkstümliche Geschichte schreiben tann und will, ist jedenfalls in Deutschland erst noch heranzubilden. Unsere bisherige Historie mar fast völlig voltsfremd. Die Ausstellung, die aus den reichen Beständen gut gewählte Broben vorführt, ist außerordentlich reichhaltig und interessant. Flugblätter und Karikaturen von 1848 leiten fie ein( bas 1848er Material ist freilich wesentlich noch in Frankfurt). Wichtige Urfunden und Akten von 1870 an folgen. Man sieht die erste Reichsverfaffung im Original und ebenso die heutige mit den Unterschriften von Ebert, Bauer, Erzberger usw. Das Sozialistengefeß, pon 1878 und viele Bismardiana erregen weiter unsere Aufmert famleit. Das Großteil der Ausstellung ist dem Weltkrieg gewid met: Karten, bildliche Darstellungen, Heeresbefehle, Tagebücher usw. Charakteristische Proben von allen Kriegsschauplägen liegen aus. Die wichtigsten Dokumente( wie Hindenburgs Kriegsbefehle, der Bericht von Hentsch über die Morneschlacht, die Aufrufe der Soldatenräte usw.) find zu sehen. In einer anderen Abteilung find endlich Briefe und Schriftftüde bekannter Personen ausgestellt, sehr reich haltig 3. B. aus dem Nachlasse Lassalles( mit Briefen von Marg und Engels). Der Beileid der Reichsregierung zum Ableben Anatole Frances. Temps meldet, daß die deutsche Regierung bem französischen Stabinett ihr Beileid anläglich des Hinscheidens von Anatole Frances ausgedrückt hat. Das Teftament von Anatole France ist geöffnet worden. Danach ist fein ganzes Vermögen seiner Familie vermacht. Es sind Vorbereitungen getroffen, um nächstens die gesamten Werte von Anatole France zu ver öffentlichen, darunter werden sich zwei unveröffentlichte Bände befinden sowie eine neue Ausgabe von Sainte Radégonde", das schon seit langem vergriffen ist. Paul Zech liest am Freitag, den 17. Oftober, abends 72 Uhr, im ersten Autorenabend der Wolfsbühne E. B. im Bürgersaal des Rathauses. Einlaßkarten zum Preise von 50 Pf. am Saaleingang. Goethe- Bühne. Die erste Vorstellung von Goethes„ Die natürliche Tochter" muß um drei Tage verschoben werden. Sie findet am 21. Dftbr. statt. Ingenieur Lehmann, um in erster Linie die meteorologischen Berhältnisse on Ort und Stelle zu studieren. Die beiden Herren fehrten mit der Mitteilung nach Friedrichshafen zurück, daß die Bitterungsverhältnisse zwischen den für die Einrichtung eines regel mäßigen Luftschiffverkehrs in erster Linie in Frage kommenden Städten New York und Chitago außerordentlich ungünstig Städten New York und Chitago außerordentlich ungünstig artiger Stürme, erfolge in dieser Gegend so plötzlich und unfeien. Die Bildung schwerer Wetter, insbesondere 3ŋflonberechenbar, daß nach den wörtlichen Aeußerungen Flemmings und Lehmanns eher ein regelmäßiger, Luftschiffverkehr auf der Linie Spanien Südamerika mit der Ueberfliegung des Atiantischen Ozeans gewährleistet merben fönne, als zwischen New York und Chikago. Von dem Flughafen Lakehurst ist ferner bekannt, daß dort des öfteren lange Zeit hindurch so ungünstige Bodenminde herrschen, daß ein Herausbringen des Luftschiffes aus der großen Halle oder eine Bandung völlig unmöglich ist. Der Jubel in Friedrichshafen. B. S. Friedrichshafen, 15. Oftober. Die Meldung von der glücklichen Landung der 3. R. 3 hat Friedrichshafen in einen wahrer Freudentaumel versetzt. Ist doch das ganze Städtchen mit dem Werk Zeppelins aufs engste verbunden, die Bevölkerung viele lange Jahre hindurch gewohnt, Zeppelinkreuzer über dem Bodensee dahinziehen zu sehen und das Dröhnen der schweren Motoren von der Werft und den Maybach- Motoren- Werten her zu vernehmen. Die Besatzung des 3. R. 3, wenngleich aus allen Teilen des Reiches stammend, ist seit langer Zeit mit ihren Angehörigen in Friedrichs hafen anfäffig. Als dann bei der Postfunkstelle Friedrichshafen der Funtspruch eintraf, der die glatte Landung in Lakehurst meldete, verbreitete fich diese Freudenbotschaft wie ein Lauffeuer. Im Nu bildeten sich überall Gruppen, in denen das große Ereignis freudig besprochen wurde. Viele eilten zur Luftschiffwerft hinaus, um dort den Ingenieuren und Beamten ihre Glückwünsche zu überbringen, und die Familien der Offiziere und Mannschaften des 3. R. 3, denen in erster Linie die Landungsmeldung durch Boten überbracht worden war, fonnten sich vor der Fülle von Gratulationen und Kundgebungen faum retten. In wenigen Minuten waren die Häuser mit Fahren in den Landes- und Reichsfarben geschmückt; aus manchem Fenster und von vielen Baltons grüßten bunte Wimpel; die Gegelboote fetzten Flaggen, die Bodenseedampfer ließen ihre Sirenen minutenlang ertönen. Die Landespolizei feuerte aus Böllern einen Freudenfalut von 106 Schuß. Bu eben solchen Freuden fundgebungen kam es auch in der, der Luftschiffwerft benachbarten, von der Zeppelinspende feirerzeit erbauten Werftarbeiter. ftedlung 3eppelindorf", wo auch die Familien mehrerer versamelte fich alsbald, um zu diesem Ereignis Stellung zu nehmen, Monteure des 3.R. 3 wohnen. Die Arbeiterschaft der Werft und es wurde dabei insbesondere auch gegen eine etwaige Absicht der Entenie Stellung genommen, die große Werfthalle, in der 3. R. 3 gelegen hat, zu zerstören und so der Entwicklung der Werft und ihrer fulturellen Aufgabe Fesseln anzulegen. Spontan wurde der Beschluß gefaßt, den Erbauern des 3. R. 3, Direktor Dr. Dürr und Chefkonstrukteur Dr. Arnstein, eine huldigung in Gestalt eines Fadelzuges zu bereiten, der sich dann in den Abendstunden vom Krankenhause aus nach der Olgastraße zur Wohnung Dr. Arnsteins und zur Billa Dr. Dürrs in der Zeppelinstraße unter Borantritt der Stadtkapelle under Beteiligung fast der ganzen Bevölkerung bewegte. Schweizer Sympathiekundgebung. Und nun gar die Deutsche Zeitung": „ Man verkennt übrigens die 3meideutigkeit der Zentrumspolitik, wenn man nur glaubt, die Partei habe gestern mittag ich war 3" gesagt(... man ist einmütig der Auffassung, daß die gegenwärtige Regierung beizubehalten sei..."), und am Abend weiß"( für die Einbeziehung der Deutschnationalen, wenn die Demokraten..."); das Zentrum hat am Abend grau" gefagi, indem es aus eigenem überhaupt teine Entscheidung traf, und vorher • hatte es fd war 3" gerufen und weiß" geflüstert; benn man ließ( wie wir zuverlässig mitteilen tönnen) am Mittag bereits die Deutsche Beltspartei miffen, daß es von ihrer Entscheidung abhängen werde, ob sich das Zentrum am Abend vor einer neuen Situation" sehe( neu" war es also für das Zentrum, daß die Deutsche Bolkspartei ihre alte Haltung nicht änderte?.). Vielleicht nun sieht man sich heute nachmittag abermals„ por einer neuen Situation". Nach dem ziemlich sicheren Turnus, der sich in den„ Wahrscheinlichkeiten" der Regierungsumbildung allmählich herausgebildet hat, fann man sich vielleicht ausrechnen: Gestern mittag war man gegen die Rechtserweiterung; am Abend dafür; jetzt muß sich wieder jemand dagegen aussprechen fraten haben das Wort die Demo= Das wird eine gute Ehe werden! Amüsant, aber widerlich zweideutig, Berdrehung, Fälschungso reden die Deutschnationalen von ihren Bundesgenossen von morgen. Sie lassen keinen Zweifel, worum es eigentlich geht. Die Deutsche Tageszeitung" schreibt: Jetzt entdeckt man plöhlich im Zentrum, daß gewiffe außen politische Termine gegenwärtig den Eintritt der Deutschnationalen in die Reichsregierung bedenklich erscheinen lassen könnten. Termine, deren Bedeutung seit Monaten jedem bekannt war. Daß der wichtigste Termin, der 10. Januar 1925, gebieterisch baldigste Konsolidierung der Reichsregierung nach rechts hin erfordert, eine Auflösung des Reichstags als unverantwortlich erscheinen läßt, entdect man nicht." Die Das Wichtigste für die Deutschnationalen ist also die Durchführung der Schubzollpläne bei den kommenden Handelsvertragsverhandlungen. Agrarier brauchen die Schutzzölle, weil die Getreidepreise wieder zu steigen begonnen haben. Dazu der Bürgerblod! Die bayerischen Demokraten gegen den Bürgerblock. Deutschdemokratischen Landespartei in Nürnberg war man ein. München, 15. Oktober.( Eca.) In einer Vorstandssitzung der mütig der Auffassung, daß die Regierungsfrisis im Reiche von der Deutschen Boltspartei ohne zwingenbe Gründe herbeigeführt worden, daß aber zu einer Reichstagsauflösung gegenwärtig feine Veranlassung sei. Vielmehr sollten Kanzler und Reichsregierung mit ihren bisherigen Leistungen und stellen. ihrem Programm vor den Reichstag treten und die Vertrauensfrage dringende Ersuchen gerichtet, eine ordnungsgemäße parlamentarische An die Deutschdemokratische Fraktion hat der Borstand das Entscheidung herbeizuführen und an den Grundlinien einer aus. gleichenden Politik der Mitte auch in Zukunft festzuhalten. Die Landesvorstandschaft war einig darüber, daß für die Deutschdemofratische Partei in einem Rechtsblod, selbst wenn dieser das Biel einer sozialpolitischen Verfassung und Kulturpolitik verträte, Friedrichshafen, 15. Oftober.( BS.) Die Gemeindever tretungen der Friedrichshafen gegenüberliegenden Schweizer Bodenseestädte Rorschach und Romanshorn fowie Arbon haben auf die Nachricht von der Landung des Amerika- Zeppelinstein Plaz wäre. alsbald in den wärmsten Worten gehaltene Güdwunschtele. gramme an die Luftschiffwerft gerichtet, in denen sie ihrer Bewunderung für diese deutsche Tat Ausdruck gaben. Auch die BeDölferung biefer Städte, die oft genug bas neueste Wert her Friedrichshafener Werft über dem Bodensee bewundern konnte, nahm an der glücklichen Ueberquerung des Ozeans durch das Luft Schiff freudigen Anteil. Frankreich und die Zeppelin- Fahrt. Paris, 15. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die franzöfifche Breffe, die bedeutsamen technisch- sportlichen Ereignissen sonst spalten lange Berichte und Erörterungen zu widmen pflegt, gibt die Nach richt von der glücklichen Anfunft des 3. R. 3" in Amerika ohne jeden kommentar wieder. In den hiesigen Abendblättern findet sich auch nicht ein Wort, das der Größe und der Bedeutung bieses epochemachenden Erfolges deutscher Technit gerecht würde. Einzelne nationalistische Organe treiben sogar die Geschmacklosigkeit so weit, die Meldungen über die Fahrt des 3. R. 3 mit hämischen Bemerkungen und Ueberschriften zu versehen. Sie haben bereits im voraus versucht, den Eindruck der fühnen Fahrt des 3. R. 3 abzuschwächen durch den Hinweis darauf, daß bereits früher ein englisches Luftschiff die Fahrt von Amerita nach England gemacht habe. Soweit die französische Presse die Fahrt des 3. R. 3 kommen tiert, geschieht das ausschließlich im Hinblick auf die im Friedensvertrag vorgeschriebene 3er störung der Zeppelinhalle in Friedrichshafen, und der Chorus der nationalistischen Organe vom Matin" bis zum„ Temps" läßt fein Mittel unversucht, um die franzöfifche Regierung in dieser Frage scharf zu machen. Troß der anf Dienstag von dem franzöfifchen Staatssekretär für die Luftfahrt veröffentlichten Erklärung, daß Frankreich auf der ftritten Innehaltung der einschlägigen Bestimmungen des Friedens vertrages bestehen wird, ist bisher von zuständiger französischer Stelle feinerlei offizieller Schritt bei der Botschafterkonferenz, die als interalliiertes Organ dafür allein zuständig ist, unternommen worden. Auf Grund von Informationen von unterrichteter Seite glauben wir dazu mitteilen zu können, daß man an der hiesigen maßgebenden Stelle fich der Rückwirkung eines das nationale Empfinden des deutschen Boltes verlegenden Entschlusses wohl bewußt ist. Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß Herriot fich von den nationalistischen Hezblättern zu übereilten Entschei dungen drängen laffen wird. Der Hohn der anderen. Ouvertüre zum Bürgerblock. Die Zentrumsfraktion wird von der deutschnationalen Presse mit blutigem Hohn überschüttet. Ihre Bundesgenossen von morgen laffen feinen weifel darüber, daß sie die Zentrumsfraktion im Bürgerblock begrüßen werden wie durch das kaudinische Joch Gegangene. Die Deufsche Tages 8eitung" ist noch verhältnismäßig höflich: ,, So treibt man Politik der geraden Linie, der Wahrheit und Klarheit! So zeigt man dem deutschen Bolte die Sperrlichkeiten eines parteipolitischen Systems, dessen Hauptkennzeichen offenbar eines parteipolitischen Systems, dessen Hauptkennzeichen offenbar darin liegt, daß alles, was zunächst flar und einfach und natürlich war, berzerrt, verdunkelt und verfälscht, tompli 3iert und ins unnatürliche umgebogen wird. Was unserer immer noch unvollkommenen Begeisterung für dieses System schließlich recht sein könnte." Aber die Kreuzzeitung" wird schon weniger höflich: ,, Wir sehen diesem amüsant widerlichen Spiele amüsant deshalb, weil es wieder einmal das Fiasko des Parlamentarismus eigt, widerlich, weil diesen Parteigeschäften das Wohl des deutschen Volkes geopfert wird in Ruhe zu. Doch wir wollen feine Satire schreiben, obwohl die Versuchung dazu recht nahe liegt." Ein ertappter Verleumoer. Die 33 Rittergüter des Reichspräsidenten. Begen Beleidigung des Reichspräsidenten berurteilte das Söffengericht Hirschberg i. Schl. den Vorwerts. päter oferiter aus Seiferhau im Riefengebirge zu 150 Mart Geldstrafe. Hoferichter hatte in öffentlicher Ver fammlung die Behauptung aufgestellt, der Reichspräsident sei Besizer von 33 Rittergütern. Der Reichspräsident hatte dem Gericht fein eidliches Zeugnis dafür angeboten, daß er tein einziges Rittergut und überhaupt kein Grundeigen tum befigt. Der Angeklagte trat aber den Wahrheitsbeweis für feine Behauptung nicht an. Der Erfolg der Deutschland- Anleihe. Polonäsen in London. Condon, 15. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Substription der deutschen Anleihe wurde um 1 Uhr geschlossen, da sie nach vier Stunden mehrfach überzeichnet war. Die Zahl der seit 6 Uhr morgens auf die Zeichnung der Anleihe wartenden Darunter bes Menschen war auf 2000 Personen angewachsen. fanden sich nicht nur Vertreter von Banffirmen, sondern auch eine Anzahl Privatpersonen, die 500 Pfund und darunter zeichneten. Der amerikanische Erfolg hat das Ausmaß des Londoner Erfolges psychologisch mitbestimmt. Macdonald fordert Ratssigung. Wegen des Konflikts England/ Türkei. Condon, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Macdonald hat den Generalsekretär des Völkerbundes telegraphisch erfucht, fofort eine Sigung des Bölkerbundsrates zur Behandlung der englisch- türkischen Differenzen einuberufen. Bürgerblockmanöver in Engian.. London, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die bisher zu= ftandegekommenen Vereinbarungen der Liberalen und Konservativen zur Aufstellung von gemeinsamen Kandidaten gegen die Arbeiterherausgesucht hat, in denen bei der Aufstellung von drei verschie portei zeigen, daß man sehr sorgfältig die Wahlkreise denen Kandidaten der Kandidat der Arbeiterpartei die meister Stimmen und damit den Erfolg haben würde. In all den Kreisen, in denen für die Bürgerlichen Aussicht besteht, ihren Kandidaten durchzubringen, stellen Liberale und Konservative getrennte Randidater auf. Einer der Wahlkreise mit einem bürgerlichen Gammelkandidaten ist der Wahlkreis Macdonalds, dem man durch diese Wahlagitation eine Niederlage beibringen will. Dort ist ein Liberaler nominiert worden, die Konservativen wollen die Parole ausgeben, die konservativen Stimmen auf ihn zu vereinigen. Auch Lloyd George wird lediglich einem Arbeiterkandidaten gegenüberstehen, die Konservativen haben ihren Kan. didaten in diesem Kreis zurüdgezogen. Vor dem Rücktritt Primo de Riveras. Madrid, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Das Ende der spanischen Diftatur scheint nahe bevorzustehen. Primo de Rivera hat neuerdings erklärt, daß er die Partei Union Patriotica für start genug hält, die Macht zu übernehmen und eine normale Regierung zu bilden. Gewerkschaftsbewegung Ausbildung ist, bringt es mit fich, daß die Jugendlichen nach BollZum Konflikt in den Gas- und Wasserwerken. Die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums vertagt. Das Reichsarbeitsministerium hat es für zweckmäßig angesehen, die Entscheidung über die Verbindlichkeitserklärung zu verlagen. Es wurde verkündet, daß sowohl in der Cohnfrage wie in der Arbeitszeiffrage im Hinblick auf neue Borschläge des Aufsichtsrates der Gas- und Wasserwerte A. G. die Entscheidung ausgesetzt wird, um den Parteien Gelegenheit zu neuen Berhandlungen zu geben. Falls die Verhandlungen ergebnisles bleiben, wird die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums über die Verbindlichkeitserklärung der beiden Schiedssprüche am Dienstag, den 21. Oftober, gefällt werden. Die Verschleppung der Entscheidung durch das Reichsarbeitsministerium geht ausschließlich zu Lasten der Arbeitnehmer. Das Reichsarbeitsministerium hat die Verantwortung dafür 3u tragen, wenn in den nächsten Tagen schwere Komplikationen in den Betrieben entstehen. Die Haltung des Reichsarbeitsministeriums ist um. fo mehr zu bedauern, als seit Fällung der Schiedssprüche für die Gasbetriebsgesellschaft 3 Wochen und der Gas- und Wasserwerke zirka 14 Tage vergangen find. Die Verhandlungen über die Berbindlichkeitserklärung in Sachen des Schiedsspruches für die Gasbetriebsgesellschaft waren ursprünglich auf den 7. Oktober, dann später auf den 14. Oktober vertagi worden. Diese fortgesetzten Bertagungen sind nicht geeignet, die Ruhe in den Betrieben zu sichern, um so mehr, als besonders die Gasbetriebsgesellschaft weiterhin in der rigorosesten Weise vorgeht; so hat fie jetzt beim Gewerbegericht die Enthebung dreier Betriebs. ratsmitglieder vom Amt beantragt. Diese Provofation der Direktion darf die Belegschaften nicht zu voreiligen Schritten treiben. Es wird den Belegschaften Gelegenheit gegeben werden, in kürze zu diesen Vorgängen Stellung zu nehmen. Uebermäßige Lehrlingshaltung. Die Lehrlingszüchterei, die bas Gegenteil einer fachmäßigen| Der jetzt vorliegende Antrag wollte die Zahl auf ein Biertel der Delegierten herabgefeßt wissen. Nach einer Begründung durch den endung ihrer Lehrzeit einfach auf die Straße gesezt mer. Kommunisten Hünede, die alles andere denn geschickt war, und die den und dann eben wegen ihrer mangelhaften Ausbildung schwer erfennen ließ, daß es den Kommunisten lediglich darauf ankommt, in unterkommen. Diese Lehrlingszüchterei, die mit einer standalösen fortgesetzten Urabstimmungen die Mitgliedschaft nicht zur Ruhe Ausbeutung Hand in hand geht, bringt es auch mit sich, daß die tommen zu lassen, wurde dieser Antrag durch Uebergang zur Eltern sich immer mehr scheuen, ihre Söhne drei Jahre umsonst und Tagesordnung erledigt. Ein Antrag an die Ortsverwaltung, ohne wirklichen Nugen für ihre spätere Laufbahn arbeiten zu lassen in fürzester Zeit die während der Inflationszeit eingegangene und es deshalb oft vorziehen, die jungen Leute als Hilfsarbeiter," Wochen beilage" zur„ Metallarbeiter- Zeitung" wieder erschei Laufburschen usw. unterzubringen, als welche sie wenigstens( wenn nen zu lassen, kann nach Mitteilung der Bevollmächtigten deswegen auch nur schlecht) bezahlt werden. Außerdem sind diese Hilfs- noch nicht in die Tat umgesetzt werden, weil die„ Metallarbeiterfräfte sicher, nach dreijähriger Tätigkeit sich ernähren zu fönnen, Beitung" für die hiesige Ortsverwaltung immer noch in Stuttgart was bei einem Ausgelernten" nur zu oft nicht der Fall ist. gedruckt wird. Der Kommunist Niederkirchner wollte in Gegen diese Auswüchse, die zugleich eine schwere Gefahr einem Antrag die Ortsverwaltung darauf verpflichtet sehen,„ alle für den beruflichen Nachwuchs und die deutsche Kräfte zu organisieren und zu mobilisieren, um den Kampfaufpredigten gar nichts. Hier muß endlich einmal durchgegriffen wer Qualitätsarbeit bilden, helfen auch die besten Sonntags- 3 unehmen für den Achtstundentag und eine Entlohnung auf der Basis der Friedensreallöhne". Dieser Antrag wurde einben. Men darf nicht einfach alles der Selbsthilfe der Gestimmig angenommen, wobei aber vom Vorstandstisch aus wertschaften überlassen. Gerade da, wo die Lehrlingszüchterei zum Ausdruck gebracht wurde, daß zu einer Durchführung nicht nur am stärksten wuchert und wo ein Eingriff am nötigsten wäre, befizen die Ortsverwaltung, sondern alle Funktionäre und Mitglieder her= Die Gewerkschaften aus leicht erklärlichen Gründen nicht immer die angezogen werden müssen. Eine Reihe weiterer Anträge waren nötige Macht dazu. teils überholt, zum anderen Teil durch Beschlüsse des Beirats und des Internationalen Metallarbeiterfongresses in Wien bereits erledigt. Die Generalversammlung, die zum ersten Male in den Räumen des Verbandes tagte, fonnte nach dreistündiger Dauer geschlossen werden. Eine vernichtende Niederlage der Zellenbauer“. Nachdem der Verbandstag der Buchdrucker in Hamburg einstimmig die Tätigkeit und Tattik des Verbandsvorstandes gebilligt und ihn ebenso einstimmig wiedergewählt hatte, mußte die Ber liner Mitgliedschaft sagungsgemäß noch vier Beisiger zum Verbandsvorstand aus Handsegerkreisen nominieren bzw. zur Urwahl vorschlagen. Eine am Dienstag im Gewerkschaftshaufe tagende Versammlung, die von 134 Handsezer funktionären besucht war, unterzog sich dieser Aufgabe und stellte fast einstimmig die bisherigen Beisiger im Verbandsvorstande, bie Kollegen Richard Barth, Otto Brünner, Otto Fiedler und Wilhelm Riefebed, wieder auf, weil nicht nur der Verbandstag, sondern auch die Berliner Handfezerfunktionäre mit ihrer Tätigkeit voll und ganz einverstanden sind. Von fommunistischer Seite wurden die bekanntesten und prominentesten Bertreter ihrer Anschauung präsentiert und in wärmster Weise natürlich mit den dazu gehörigen Angriffen auf die„ verräterische" Tätigkeit des bisherigen Verbandsverstandes wurde für sie eingetreten. Das Ergebnis der Abstimmung war aber trotzdem( oder als Folge ihrer Empfehlung?), daß auf die kommunistischen Kandidaten nur 16 bis 22 Stimmen entfielen, so daß fie gar nicht erst auf die Urwahlliste tamen, weil dazu nach der Wahlordnung mindestens ein Drittel der anwesenden Stimmberechtigten gehört. Da jagungsgemäß die Beisitzer durch Urwahl mittels Stimmzettel zu wählen sind also mindestens die Hälfte mehr Kandidaten präsentiert werden müssen, entschloß sich die Bersammlung, noch zwei Kandidaten zu benennen, die Kollegen Pezold und Guth, beide der Amsterdamer Richtung angehörend. Trok aller Zellenbauerei, trok illegaler und wilder Bersammlungen, frotz aller Flugblätter und trotz der„ vorzüglichen" Agitation der Roten Fahne" haben es also die Moskauer auch bei den Buchdruckern noch nicht einmal zu einem Achtungserfolg gebracht, sondern sie haben auch bei dieser Gelegenheit wieder ihre Schwäche und ihren Niedergang vor aller Deffentlichkeit dokumentiert. Achtstundentag im Straßenbahnbetrieb. Ein wertvolles Geständnis. ( JTF.)„ Die Einführung des Achtstundentages gab den Straßenbahnen den Anstoß, die bestehenden Fahrpläne bon unnötigen Pausen zu reinigen und den Fahrbetrieb dadurch wirtschaftlicher zu geftalten. Man erreichte tatsächlich, daß die Nuzleistung( die Bahl der Touren) des Fahrpersonals im Achtstundendienst an die Friedensnugleistung berantam" also erklärt der Aachener Straßenbahndirektor J. Siméon in einem aus Anlaß der internationalen Tagung der Straßenbahnverwaltungen herausgegebenen Sonderheft der Verkehrstecnit". Dieses Urteil ist für die Straßenbahner sehr wertvoll und büßt auch dadurch nichts ein, daß Herr Siméon im selben Artikel die Einführung der 9- bzw. 9stündigen Arbeitsdauer im Straßenbahnbetrieb mit dem Hinweis verteidigt, daß hierdurch eine größere Anpassung der Fahrpläne an die Verkehrsbedürfnisse gestattet wird". " Der Konflikt in der rheinisch- westfälischen Metallindustrie. Dortmund, 15. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der vom Schlichter für Rheinland und Westfalen gefällte Schiedsspruch, nach dem der Hilfsarbeiterlohn für die Metallarbeiter der Nordwestgruppe von 45 auf 48 Pf. erhöht wird, ist von den Gewerkschaften der Arbeitnehmer angenommen, aber von den Arbeitgebern abgelehnt worden. Das nun einfegende Verbindlichkeitsverfahren mit der vom Reichsarbeitsministerium endgültig zu treffenden Entscheidung nach nochmaligem Anhören der Parteien wird in wenigen Tagen darüber Klarheit schaffen, ob es in der Metallindustrie zu einem Lohntampf kommt. Ein Erlaß des preußischen Handelsministers. Seit längerer Zeit sind dem Minister für Handel und Gewerbe Beschwerden über übermäßige Lehrlingshaltung im Schloffer, Installateur- und Mechaniferhanbwerf vorgetragen und es ist mehrfach bei ihm angeregt worden, einschränkende Bor schriften über die Höchstzahl der in diesen Betrieben zu haltenden Lehrlinge zu erlassen. Mit Rücksicht auf die augenblickliche Wirtschaftslage will der Minister, wie er, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge, in einem Erlaß an die Regierungspräsidenten, den Polizeipräsidenten in Berlin und die Oberpräsidenten in Berlin und Königsberg ausführt, pon folchen Anordnungen absehen, insbesondere deshalb, weil die Verhältnisse überall verschieden liegen und weil es notwendig ist, auf die leider immer noch vielfach vorhandene Erwerbslosigkeit der Jugendlichen weitgehende Rücksicht zu nehmen. Er erwartet ater, daß die Handwerkskammern etwa vorhandenen Mißständen sorgfältige und dauernde Aufmertsamkeit zuwenden und daß sie ihrerseits Borschriften über die Höchst zahl der in den einzelnen Betrieben der genannten Hand- Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes. werte zu haltenden Lehrlinge gemäß§ 130 GD. erlassen. Die Handwerkskammern sind zu veranlassen, besondere Fachauswaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes lag ein Der am Montag tagenden Generalversammlung der Ortsverschüsse für die genannten Berufe einzurichten, die aus Vertretern Dringlichkeitsantrag der Kommunisten vor, wonach ber wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Ar der Hauptvorstand aufgefordert werden soll, unter allen Umständen beitnehmer bestehen und deren besondere Aufgabe die doueride für eine Amnestie der politischen Gefangenen einzu Beobachtung des Lehrlingswesens fein soll. Er erwartet ferner von den Handwerkskammern, daß sie sich mit allem Nachdruck für die lichkeitsantrages zu ermöglichen, schlug der Vorsigende 3ista por, treten. Um die geschäftsordnungsmäßige Behandlung dieses DringZahlung angemessener Bergütungen auch an die Behrlinge in den ofen genanten Handwerken, einsehen werden, eine Erklärung in allen Ländern protestiert fofort abzuholen im Betriebssekretariat, Sindenstr. 3, 2. Hof, 2 r. Jeder zu geben, in der gegen den Strafvollzug da auch auf diesem Gebiete Mißstände vorliegen. Gleichzeitig follen die unteren Verwaltungsbehörden angewiesen werden, gegen unzuverlässige Behrherren, namentlich gegen folche, die etwa die von der Handelskammer erlassenen Vorschriften verlegen, im Benehmen mit der Handwerkskammer gemäß§§ 128 2bf. 1, gegebenenfalls§ 126a GO. einzuschreiten. Am Schluffe des Erlasses weist der Minister darauf hin, daß Mißstände auch in manchen größeren Betrieben, die nicht der Handwerkskammer unterstehen, offenbar vorhanden find; auch hier fommen Fälle von Lehrlingszüchterei noch immer vor. Auch hier sind die genannten Vorschriften der Gewerbeordnung an zuwenden. Die Gewerbeaufsichtsteomien sollen ihr Augenmert auf solche Mißstände in nichthandwerksmäßigen Betrieben richten. * an den politischen ihren Dringlichkeitsantrag eine Verhandlung darüber erst in der wird. Die Kommunisten wissen, daß der geringste Einspruch gegen nächsten Generalversammlung möglich macht Sie wollten aber auch nicht zugeben, daß nach der von Zista vorgeschlagenen Erflärung gegen den Strafvollzug auch in Rußland protestiert wird. Sie bestanden daher auf der Behandlung ihres Antrages. Da durch den Vorschlag 3istas schon ein Einspruch gegen die Dringlichkeit gegeben war, wurde der Antrag zurückgestellt und die Erflärung fiel unter den Tisch. Die Kommunisten haben durch ihr Berhalten wieder einmal das Gegenteil deffen erreicht, was sie angeblich beabsichtigten; um Agitationsstoff für die Betriebe gegen den Verband zu bekommen. Im weiteren Verlauf der Generalversammlung standen wie Wenn der Minister erwartet, daß die Handwerkskammern von üblich eine Reihe von Anträgen zur Verhandlung. In den Generalfich aus Vorschriften über die Höchftzahl bei Haltung von Lehr versammlungen des DMV. ist es ja seit langer Zeit Brauch, daß die fingen erlassen werden, so erscheint uns diese Erwartung reichlich Arbeiten, die der positiven Gewerkschaftsbewegung gelten, durch optimistisch. Noch optimistischer erscheint die Erwartung, daß allerlei fommunistische Anträge behindert werden. So war auch diesdie Handwerkskammern sich mit ollem Nachdruc" für die mal wieder ein Antrag in Leitartikelform eingereicht worden, der Bahlung angemessener Bergütungen an Lehrlinge eine Aenderung des Drisstatuts in der Frage der Urabstimeinfegen werden. Was die große Arbeitslosigkeit unter den mungen unter den Mitgliedern bezweckte. Die letzte Generaiver Jugendlichen betrifft, die den Minister verhindert, Borschriften gegen sammlung hatte einen Antrag angenommen, der das Stattfinden die Lehrlingszüchterei zu erlassen, so findet hier offenbar eine Bereiner Urabstimmung davon abhängig macht, daß die Hälfte der wechslung zwischen Ursachen und Wirkung statt. Generalversammlungsdelegierten die Notwendigkeit dazu anerkannt. 4104 Aussperrung der Bauarbeiter in Heffen und Heffen- Naffan Mainz, 15. Oktober.( WTB.) Infolge Teilstreits, der, wie find die Bauarbeiter von Hessen und Hessen- Nassau ausgesperrt von Arbeitgeberieite erflärt wird, unter Tarifbruch erfolgte, worden. Die Aussperrung wird spätestens ab 17. Oftober erfolgen. Achtung! SPD.- Betriebsverfrauensleute! Wichtige FIngblätter für die Betriebe aller Industriegruppen find Betrieb muß belegt werden. Bei Abholung muß der Parteiansweis mitgebracht werden. Das Betriebssekretariat. Achtung, Bergmann, Berlin! Morgen, Freitag, nachmittags 5 Uhr, bei Kroll, Hennigsdorfer. Ede Utrechter Straße, Fraktionssigung aller SPD. Genoffinnen und Genossen. Sympathisierende fönnen eingeführt werden. Jeder muß erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Achtung, EAG.- Apparatefabriken! Morgen, Freitag, nachmittags 4 Uhr, in der Schulaula Wiesenstr. 66, Bersammlung aller Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten. Tagesordnung: Warum gehört die Frau in den gewerkschaftlichen und politischen Rampf?" Referentin Mathilde Wurm, M. d. R. Freie Aussprache. Das Betriebssekretariat. Sattler, Tapezierer- und Portefeuillesverband. Heute abend 7 Uhr im Gaal 4 des Gewerkschaftshauses Generalversammlung. Botrag des Genossen Fride. Eintritt nur gegen Legitimation. Deutscher Holzarbeiterverband Bodenleger: Branchenversammlung heute abend 8 Uhr im Berbandshaus, Rungestr. 30. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eztorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lotales und Sonstiges: Willy Möbus; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Billige Preise für vornehme Winterkleidung Herren- Ulster, mod. verarb, mit Rückenfalt. u. Gurt, in viel. Stoffart., Must. u. Farben 70,- 65. 58. 45.Herren- Paletots, ein- und zweireihig, aus marengo Cheviot und schwarz. u. grau. Eskimo m.Samtkragen, je nach, Qualität und Art 589.- 70.- 65.Herren- Schlüpfer aus Fischgrätund Diagonalstoffen, in guter haltbarer Qualität 72.- 65.- 58.Gabardine- Winter- Ulster neueste Mode, Ersatz für Maß, Verarbeitung teilweise in Biedermeierform, teilweise in Sportform mit 4 aufgesetzten Taschen und herumgehendem Gurt. 95-90.Jackett- Anzüge für Herren, aus blauem und braunem Cheviot. 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Es gelang, nur einen begrenzten Schutz der ben, Stadt- und Bezirksverordneten und Bürgerdeputierten teil Arbeitskraft durch Kranten, Invaliden- und Unfallversicherung und tätigen Parteigenossen und Genoffinnen herangezogen, die ein te nehmen. Zu diesen Besprechungen werden auch solche noch nicht eine ganz bescheidene, um nicht zu sagen völlig unzureichende Alters- fonderes Interesse für die Wohlfahrtspflege befunden, wodurch für versicherung gesetzlich zu sichern. Zu der grundsäglichen Anerken- Nachwuchs gesorgt wird. Die Arbeiterwohlfahrtsausschüsse arbeiten nung einer umfassenden Wohlfahrtspflege vermochte die Sozialdemo- in ständiger Gemeinschaft mit den Kinderfreunden und dem Jugendfratie die bürgerliche Gesellschaft nicht mit fortzureißen. Es braucht schutzverband. Es sind der Arbeiterwohlfahrt außerdem angeschlossen ja nur daran erinnert zu werden, daß es im Jahre 1911 bei der die Berliner Gewerkschaftskommission, der Verband der Krankenkassen Schaffung der Reichsversicherungsordnung nicht möglich war, den Berlins, der Verband sozialistischer Aerzte und der ArbeiterfamariterWiderstand der bürgerlichen Parteien gegen die Einführung der bund. Die Konsumgenossenschaft stellt ihren Dienst von Fall zu Fall Mutterschaftsfürsorge zu brechen. Erst als der Krieg mit seinem zur Verfügung. Todesschrecken der bürgerlichen Gesellschaft im Naden saß, als man Mit dem Anschluß der Sonderaufgaben der Wohlfahrtspflege erangesichts ger Verluste auf den Schlachtfeldern ein bevölkerungspoli- ist die umfassende Wohlfahrtsorganisation der Arbeiterschaft geschaf füllenden Arbeiterorganisationen und der ärztlichen Fachorganisation tisches Interesse an der Erhaltung des Nachwuchses zu haben glaubte, fen worden, deren Auswirkung heute noch nicht abzusehen ist, die wurde die Reichswochenhilfe eingeführt, die später auf Betreiben der aber heute schon als Spikenorganisation der Arbeiterschaft anerkannt Sozialdemokratic zur Wöchnerinnenfürsorge ausgebaut wurde. wird. Durch den Anschluß der Gewerkschaften und die Verbindung mit der Partei ist ihre internationale Auswirkung gesichert. Sie hat im vergangenen Winter sich bereits bei der Ausübung der von uns aufgenommenen Arbeiternothilfe wirksam gemacht. Nicht zuletzt der Hilfe ausländischer Gesinnungsfreunde war es zu danken, wenn wir im vergangenen Winter durch Speisungsaktionen, Hergabe von Lebensmittel und Kleidungsstücken in sehr vielen Fällen helfen konnten. Es war uns ferner möglich, im Laufe des vergangenen Sommers 500 Kinder, die unter der Inflation und ArLeitslosigkeit besonders gelitten hatten, in Erholungsstätten zu senden. Wohlfahrtsarbeit nach dem Kriege. Die Kriegsnot bereitete nicht nur die Wohlfahrtsgesetzgebung vor, sondern sie war auch Antriebshebel für praktische, tommunale Wohlfahrtsarbeit. Besonders in den Vorortgemeinden Berlins, in benen die Arbeiterschaft Einfluß auf die Gemeindeverwaltung hatte, wurde unter Mitwirkung der Arbeiterschaft eine noch obwaltenden Verhältnissen ziemlich umfassende Wohlfahrtsarbeit der Gemeinden eingeleitet. Eine Anzahl unserer Säuglingsfürsorgestellen ist tamals entstanden. Ais im Jahre 1918 der Genosse Sassenbach das Berliner Jugendamt gründete, waren ähnliche Einrichtungen in verschiedenen Arbeitervororten bereits vorhanden bzw. im Entstehen begriffen. Als dann die Stadtgemeinde Berlin geschaffen wurde, wurde das Berliner Jugendamt Zentraljugendamt für die bei den 20 Bezirksämtern bestehenden bzw. eingerichteten Bezirksjugendämter. Unsere Pragis ist also nicht so jungen Datums. Sie liegt weit hinter dem Gründungsdatum der Arbeiterwohlfahrt zurück. In der Berliner Kriegswohlfahrt im nationalen Frauendienst waren fozialdemokratische Frauen in hervorragendem Maße tätig. Von den über 4000 Wohlfahrtspflegern, die eine kürzlich abgeschlossene Er hebung in der Parteimitgliedschaft ergab, üben sehr viele bereits mehrere Jahrzehnte diese Funktion aus. Die Verdienste der Kinderschuttommiffion um die Betreuung des durch Arbeit oder Vernach lässigung gefährdeten Kindes haben sich allseitig Anerkennung erworben. Die Jugendgerichtshilfe wurde schon in früheren Jahren in weitestgehendem Maße von Mitgliedern der Gewerkschaften und der Rinderschutzkommissionen geleistet. Auf diesem Gebiet betätigen sich heute rund 500 Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt. Die Arbeiterwohlfahrt. Die Arbeiterwohlfahrt fand nach dem vorher Bejagten bei ihrer Gründung einen großen Kreis auf den verschiedensten Gebieten bereits tätiger Genossen und Genossinnen vor, deren Arbeitsgebiete fich feit 1918 bedeutend erweitert haben und deren Zusammenfassung im Jutereffe planvoller Gejamtarbeit notwendig war und mit jedem Tage notwendiger wird. Im Intereffe gegenseitiger Ergänzung und Beratung arbeiten unsere Fachbezernenten im öffentlichen Dicest als geistige Förderer der Arbeit in allen Ausschüssen mit. Ebenso arbeiten mit: Borsteher und Mitglieder der Wohlfahrtskommis fionen, deren Arbeit durch die freiwilligen Helfer einschließlich der Jugendgerichtsschöffen und Jugendgerichtshelfer ergänzt wird. Die Arbeiterwohlfahrt sieht eine ihrer Hauptaufgaben in der Ausbildung und Hranziehung amtlich und ehrenamtlich tätiger Kräfte. Sie hat wiederholt die Ausbildung von Genoffen und Genossinnen auf sozialer Frauenſchulen ermöglicht. Von besonderem Wert für die ehrenamtliche Tätigkeit sind die sowohl vom Bezirksausschuß als auch von den Kreisausschüssen veranstalteten Schulungsfurje. Das Winterprogramm 1924/25 sieht Kurse über die neue Fürsorgepflichtverord41] Die Familie Frank. Roman von Martin Andersen Nero. ( Schluß.) Ungern gibt das Meer das einmal Eroberte zurück, und vom Morgen bis zum Abend, Sommer und Winter, jahr aus jahrein, stehen seine Invaliden hier, starren auf die See, fassen die geringste Veränderung in ihrem immer wechseln Den Mienenspiel als Vorzeichen auf und erörtern die fleinsten Geringfügigkeiten der Beschäftigung, der sie nicht mehr gewachsen sind. Hier und da wird einer dem Schwarme untreu, um seine gichtgekrümmten Glieder tief in der Erde zu verbergen, ein neuer Gichtbrüchiger nimmt seinen Blaz ein, und der Schwarm steht da, unverändert, starrend und schwazend. Drüben in der Nähe der Räuchereien hatte sich eine Schar Frauen auf Heringsfästen niedergelassen, um gleich bei der Hand zu sein, wenn die Arbeit beginnen sollte. Eine von ihnen war lang und hager und hatte ein bleiches und etwas fcheues, aber freundliches Gesicht. Sie war offenbar zum erstenmal hier, denn sie hatte eine Schürze aus Sadkleinwand unterm Arm und ein rostiges Messer in der Hand. " Wie geht es dir, Madam Frank," fragte eine der Frauen ,,, bist du wieder ganz gefund?" Ach ja, es geht an," erwiderte die Angeredete milde. Jezt müßte man ja wieder ein paar Groschen verdienen wenn man nur Arbeit friegen fann." ,, D, du wirst schon zu tun friegen," meinte eine andere. ,, Es soll heut nacht gut gefischt worden sein und du hast ja ein paar tüchtige Fäuste. Ja, sie ist die richtige Arbeitsmaschine." sagte eine be leibte fleine Witwe, die nicht gern arbeitete und darum auch nicht viel verdiente. Aber wartet ein bißchen, bis sie an die Heringe fommt, dann wird sie's schon müde werden." Sie mißgönnte der Madam Frant im voraus ihren Verdienst. Ja, in der Erde ist für faule Schweine nicht leicht wühlen," entgegnete Madam Frant scharf. Sie stockte, als das gesagt mar. Doch die anderen Frauen lachten, und sie entdeckte zu ihrer Verwunderung, daß sie die Stimmung auf ihrer Seite hatte. Eine jüngere Frau tam zu ihnen herunter, gleichfalls mit Schürze und Messer. ,, Die sieht ja so blaß aus," sagte Madam Frant. Fie frant?" War Sie ist eben aus den Wochenbett aufgeftanden es Ein Arbeitsgebiet der Frauen. Die Wohlfahrtspflege bedarf unendlich vieler helfender Hände, die leidende Bevölkerung sehr oft der fachkundigen Vermittler zu, den in Betracht kommenden Amtsstellen, die weitere Entwicklung der Gesamtarbeit sozialbegabte und geschulte Menschen. Sie bietet insbesondere den Frauen ein weites Gebiet, auf dem sich ihr Gefühlsreichtum auswirken kann. Die Frauen feien noch besonders hingewiesen auf die Polizeifürsorge. Die Wohlfahrtsstelle beim Polizei präsidium ist zwar in ihrer Wirksamkeit durch polizeiliche Befugnisse eingeengt. Sie ist jedoch gegenüber dem Zustand früherer Zeit, in der man aufgegriffene Mädchen faft ausnahmslos in Fürsorgeerziehung steckte, ein Fortschritt. Die Arbeit, die hier geleistet werden soll, ist tein einfacher Ermittlungsdienst, sondern sie soll nachgehende Fürsorge, Freundschaftsdienst in weitestgehender Weise sein. Viele Mädchen sind vor der Prostitution zu temehren. Die meisten, besonders die aus der Proving tommenden Mädchen übersehen die Gefahren, in die sie sich begeben, gar nicht. Sie sind dankbar, wenn ein starter und zugleich gütiger Mensch sie von dem Abgrund zurüd reißt, vor dem fie stehen. Den meisten tut sich dieser Abgrund erst auf, sobald sie mit der Polizei und damit mit der von fern drohenben Kontrolle in Berührung fommen. Der Einfluß reifer Frauen fann manches wieder gut mochen, was polizeilicher Eingriff verdirbt. 44 Der Aufbau unserer Organisation ermöglicht jedem hilfsbereiten Menschen die Mitarbeit im engsten Kreise. Neben dem Bezirksausschuß als Spize bestehen in den 20 Stadtbezirken Berlins Kreisausschüsse, die sich wiederum in Abteilungen gliedern. Alle Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt find gleichzeitig auch Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Minna Todenhagen. 19 Gegen Bürgerblod und Brofverfeuerung. Der DRRB.( Deutsch Repub tanische Reichs- Bund) Geschäftsstelle W 10, Bendlerstr. 12( Fernrufe Surf. 5865) leitet seine Winterveranstaltungen mit einer großen öffentlichen Sundgebung am 17. Otober, abends 8 Uhr. in der Stadtund Brotberteuerung Herr Chefredakteur Nusch te, M. d. L., halle, Klosterstraße, ein, wo zum Thema Gegen Bürgerblod und Herr Dr. Ver§, M. D. 2., sprechen werden, wozu alle Républikaner Stürze weitere folgen, die sich mit außenpolitischen und Tagesfragen befreundlichst eingeladen sind. Dieser ersten großen Rundgebung werden in schäftigen werden. find Zwillinge.' s ist wahrhaftig hart, auf Arbeit gehen müssen, wenn das Nest zu Hause voller Kruppzeug ist. Jeht hat sie sechs, außer dem Mann." Trintt er?" fragte Madam Frank interessiert. ,, Trinkt! Herrgott, wie wenig du weißt! Nein, er ist Idiot, jawohl, seitdem er den Block an den Kopf bekommen hat. Er fann nichts als essen und Kinder in die Welt setzen." ,, Ja, darein teilen sie sich," fiel eine andere Frau ein ,,, in der Arbeit, ist sie ebenso tüchtig wie er. Jetzt haben sie sechs in fünf Jahren." ,, Bon der Sorte gibt's genug. Rönnte man bloß von seinen Kindern leben, dann hätte es feine Not," sagte eine alte Frau, die das Dugend voll gemacht hatte. Wenn sie wenigstens an ihre Mutter denken wollten, sobald sie heranwachsen. Aber wenn die Zeit gekommen ist, haben sie Vermendung für ihre eigenen. So ift es." ,, Eine Mutter fann zwölf Kinder versorgen, aber zwölf Kinder fönnen feine Mutter versorgen, heißt es in einem alten Wort, und das ist auch wahr," marf eine andere ein. ,, Nein, aber Sorgen fönnen sie ihr machen, wenn sie heranwachsen," fuhr die alte Frau fort. Ach ja, die kleinen Kinder treten der Mutter auf den Schoß, die großen treten ihr aufs Herz, fo fagt man ja; und so das trifft wohl auch zu. Oder was meinst du, Madam Frant? Du kannst doch auch mitreden; dein Sohn tommt noch nicht mal bei der Konfirmation mit durch, erzählt man sich." Ja, fie hat ihr Kreuz zu tragen," sagte die Alte. Erst so ein Mann, und dann der Sohn!" ,, Thorvald hat mich die ganze Zeit, als ich lag, versorgt. Das können deine zwölf nicht, wie du ja selbst fagst und sie sind sogar erwachsen. Er ist der beste Sohn in der Stadt." Jösses! Jösses!" riefen die Frauen im Chor und schlugen die Hände vor Entsetzen über ihre Frechheit zusammen. Ja, er artet eben großen Leuten nach," bemerkte eine. ,, Das tut er, und ich danke Gott, daß er dem ähnlich wird, von dem er stammt. Lieber gut mit Schande als schlecht in Ehren- das is nu mal meine Ansicht." Die Frauen gaben ihr im stillen recht. Aber das ist doch jämmerlich, wenn einer herumgehen muß und nicht auf feinen Bater zeigen darf," wandte eine ein. ,, Aber das darf er. Brauer Dam hat selber gesagt, er bereue, daß er den Jungen nicht längst anerkannt hat, und ihr könnt mir's glauben, er wird fonfirmiert, dafür wird der Brauer schon sorgen. Er will obendrein selber in seiner großen Scheune den Festschmaus geben." Donnerstag, 16. Oktober 1924 Erkenntnis in der Sonne. Wer Monate und Jahre zwischen den Mauern der eng bebauten Häuserblocks fizen und seine Zeit in fleinsten Wohnräumen und in Fabrikräumen verbringen muß, der ahnt es taum, wie schön die Umgebung Berlins auch dort noch sein fann, wo sie dicht an die fann. Die Grunewaldseen sind so ein wunderbares Juwel, das all Bebauung herangeht und von den Massen leicht erreicht werden denen, die es täglich oder oft sehen, kaum noch als etwas Befonderes erscheint. Wer aber etwa im dicksten Osten oder Norden wohnt und in Jahren nicht hinauskommt, der geht, besonders wenn unerhört schönen Oktobertagen die Seentette abzuwandern, wie durch er einmal das Glück hat, am Wochentag und dazu in diesen letzten ein verzaubertes Land. das Ihrige beiträgt, bereits am Brunewaldsee wird es anders. JagdMag es am Hundekehlensee noch etwas laut sein, wozu die Bahn schloß Grunewald liegt wie im Dornröschenschlaf. In üppigen kraftvollen Farben blüht das Herbstlaub. Die Mittagsluft ist warm und trocken und würzig. Dann kommt das botanisch berühmte Grunewaldmoor zwischen Grunewaldsee und Krumme Lanke. Landschaftlich aber ist hier vieles einzigartig. Wer dann mit einer alten Karte kommen verlandet und üppig grüner Wiesenplan überdeckt die alte den Riemeistersee sucht, der fann lange suchen. Der See ist vollGeefläche. Drüben in Onfel Toms Hütte wird fleißig geklopft und gehämmert. Neugierig geht man hinüber und sieht mit nicht geringem Staunen einen großen Zaun: Familienluftbad! Eintritt frei! Also hinein. Von Familien keine Spur. Aber mitten im vollen Sonnenlicht steht ein bronzebrauner Mann von edlem Gliedermaß und schleudert eine schwere Eisenkugel. Unwillkürlich verhält man den Atem vor diesem wunderbaren Bild. Nach einem Weilchen wendet er sich, erspäht den Besucher und kommt auf ihn zu. Ein Gespräch entspinnt sich und erst Stunden später verspürt man, daß Dieser Tag wirklich ein Sonnen, ein Glüdstdg, war, denn was man von diesem klugen energisch blidenden und sprechenden Menschen, dem Leiter des Bades, hört, das erfreut und erfrischt. Halb zaghaft äußert man den Wunsch, sich auch einmal entkleiden zu dürfen. Natürlich. Und dann wird geübt und die Sonne scheint dazu und es ist rings eine große reine Stille. Man hüpft und springt, feucht und schwißt, wälzt sich im Sand und lacht. Und plöglich besinnt man sich und fragt sich: Bist du denn eigentlich wieder ein Kind geworden? In dem Augenblick kommt der schöne Bronzemann und sagt:„ Bei mir soll der Mensch wieder das Kind in sich entdecken. Das heißt nicht etwa, daß er kindisch werden soll. Aber er soll wieder spielen und sich freuen können. Das Rousseausche Zurück zur Natur! ist für uns unverwendbar geworden. Wohl aber müssen wir uns zu der Ansicht befehren, daß wahre Kultur ohne ein Anschmiegen an die Natur nicht möglich ist." Die Einstellung dieses Mannes ist auch sonst sehr vernünftig. Er möchte die Menschen im mittleren Lebensalter, die den Krieg mitgemacht haben und körperlich und seelisch noch Bades find datach getroffen und weisen interessante Neuerungen darunter leiden, erfassen und ihnen helfen. Die Einrichtungen des auf. Im nächsten Jahr wird hier Hochbetrieb sein.... Immer tiefer finft die Sonne. Die Erdkühle pridel in den nadien Sohlen. Schnell schlüpft man in Kleider und Schuhe. Noch ein Händedruck und man eilt schnurstrads zum Thielplatz und in einer Stunde fikt man wieder hinter hohen Mauern wie in einem Gefängnis und denkt zurück an das Erlebnis in der Sonne. Der Richter und., S. M." Man erlebt heute noch im Gerichtssaal Dinge, die mitunter an Hauptmanns Biberpelz" erinnern: Der Herr Amtsrichter reißt sich da bekanntlich jedesmal ehrfurchtsvoll in die Höhe, sobald Seine Majestät erwähnt wird. Als bor nicht allzu langer Zeit der Prozeß gegen den Grafen Pfeil verhandelt wurde, erinnerte der Vertreter der Nebenklägerin der Gräfin v. Roma, Rechtsanwalt Bahn, daran, daß der Graf Pfeil durch ehrengerichtliches Verfahren aus dem Heere ausgestoßen worden sei. Darauf meinte der Landgerichtsdirektor Siegmann, daß der Graf Pfeil doch im Kriege Offizier gewesen sei, und daß er selbst als Offizier wisie, daß Seine Majestät der Kaiser und König den Grafen unter solchen Umständen im Heere nicht geduldet hätte. Die Frauen saßen sprachlos da. Dann wird er ihn wohl auch mal beerben?" fragte eine etwas spöttisch." ,, Das ist sehr möglich. Da fommt er, du fannst ihn ja fragen. Der Brauer und Ackerbürger Dam tam über den Hafenplag auf sie zu. Er grüßte Madam Frank vertraulich. ,, Wo steckt heut der Junge?" fragte er. ,, Das weiß ich wirklich nicht," erwiderte Madam Frank und betrachtete die Frauen mit vor Genugtuung glänzenden Augen. Er plantscht wohl draußen herum." Der Brauer schlenderte zum Waffer hinunter. Eine Anzahl Menschen hatte sich an der Anlegebrücke versammelt, fie alle reckten sich vor und starrten ins Wasser hinab. Die Frauen gingen langsam hin. Madam Frant, die nicht besonders neugierig war, hatte zuerst feine Lust, stand dann aber gleichfalls auf und folgte den anderen. " 1 Was konnte es sein? Sie schlugen mit den Armen und recten die Hälse übereinander. Jetzt drehte jemand sich um, winkte und rief. Schneider Frank," hörte sie sagen. Es durchfröstelte sie, und bange Gedanken jagten einander in Glüd schon vorbei? Jezt, wo sie und der Junge einander ihrem Gehirn: War er wirklich zurückgekehrt? War das endlich gefunden hatten als Mutter und Kind Bars und ein paar Fischer im Begriff, ein Segel unter den Als sie sich an das Bollwerk vordrängte, waren Thorvald, Leichnam zu ziehen, um ihn einigermaßen unversehrt ans Land zu bringen. ,, Da tommen die Jungen mit deinem Mann, Anna," sagte einer der Fischer. Es durchzuckte Madam Franks Gesicht und ihren ganzen Körper, der Schreck ließ von ihr ab und machte dem Gefühl der Erleichterung Plaz, einer Erleichterung, die so groß war, daß ihr selbst unheimlich zumute wurde. Berworrene Empfindungen bekämpffen einander in ihr, sie konnte zugleich weinen und lachen. Da fiel ihr Auge auf die Frauen, die sie gespannt betrachteten. Da standen sie und warteten darauf, daß sie anfangen würde zu heulen. Zu heulen! Ueber den da, den Trunkenbold, der aufgelöst und garstig vor ihr lag, von zu viel Feuchtigkeit triefend. Er mußte ja jetzt in feinem Element fein. Sie wandte sich, um wegzugehen, und sagte mit eisiger Ruhe zu den Frauen: Also endlich hat er genug zu trinten gekriegt Im Verlaufe der Verhandlung erwähnte dann ber Herr Landgerichtsdirektor noch einige Male voll Ehrfurcht Seine Majestät den Kaiser und König. Der Herr in Doorn fcheint noch so manchen treuen Diener unter den Beamten der Republik zu haben. Schade nur, daß die Herren ihm nicht nach Doorn gefolgt sind, niemand würde ihnen eine Träne nachweinen. Knüppel- Kunze vor Gericht. Bon seinen Gewährspersonen verlaffen. Herr Richard Kunze, genannt„ Knippel- Runze", sollte gestern sich vor dem Schöffengericht Schöneberg als Angetlagter verantworten. Es handelte sich um eine von der Staatsanwaltschaft erhobene Anflage megen Beleidigung zweier Mitglieder des Bezirksamts Neukölln, des Bürgermeisters Scholz und des Stadtrats Radtke. Die Sache hat, weil auf seiten des Angeflagten und seiner Zeugen immer wieder etwas dazwischen fam", mehrere Male vertagt werden müssen, so daß sie jetzt fast drei Jahre zurückliegt. Am 21. Dezember 1921 brachte Kunzes„ Deutsches Wochen blatt" einen von ihm verfaßten Auffah, der wegen des Verkaufs der früher durch die Stadt Neukölln erworbenen Brauntohlen gewertschaft Gut Bornsdorf unsere Genoffen Scholz und faufluftigen Gesellschaft fast schon den Berkauf abgeschloffen gehabt, so daß diese nach Treu und Glauben auf den Zuschlag rechnen fonnte, hinterher aber sei mit einem anderen Kauflustigen verhandelt worden. Aus Kunzes Darstellung war der beleidigende BorRabile in Runzes befannter Art angriff. Neukölln hätte mit einer Deffentl. Granen- Kundgebungen! Tagesordnung: Volksnot und Reichstag. rentin: Marie Kunert. Schnelle Justiz. Ein Polizeigericht verhängt schwere Zuchthausstrafen? Am Montag waren zwei Kirchendiebe namens Walter and Frizz Köllner festgenommen worden, als sie in Berlin die von ihnen aus der Liebfrauenkirche in Halberstadt gestohlene Holzfigur der Mutter Gottes mit dem Jesuskind bei einem Berliner Kunsthändler verkaufen wollten. Schon am Tage darauf wurden sie, da sie der Tat überführt und geständig waren, dem Einzelrichter im Berliner Polizeipräsidium, dem sogenannten Polizeigericht, vorgeführt, und Walter Röllner wurde zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, der jüngere Friz Köllner zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Da die Angeflagten, wie das bei der Schnelljustiz beim Polizeigericht in der Regel ist, auf eine Berufung verzichteten, ist das Urteil auch sofort rechtsfräftig geworden. Nachträglich haben die Angehörigen der ver Refe- urteilten Brüber einen Rechtsanwalt beauftragt, im Falle des zu Buchthaus verurteilten 21jährigen Walter Köllner das Wieder. aufnahmeverfahren einzuleiten, da der Nachweis ge führt werden soll, daß er erheblich minderwertig sei und aus einer schwer belasteten Familie stamme. Heute, Donnerstag, den 16. Oktober, abends 7 Uhr: Berlin- Tiergarten, Arminiushallen, Bremer Straße. RefeBerlin- Prenzlauer Berg, Lyzeum Greifswalder Str. 25. Referentin: Minna Todenhagen. Berlin- Schöneberg, Hohenzollern- Schule Belziger Straße. Referentin: Klara Bohm- Schuch. Berlin- Lichtenberg, Knabenmittelschule Marktstraße. rentin: Anna Gener. Gertrud Hanna. Berlin- Biesdorf bei Porath, Marzahner Str. 31. Referentin: Berlin- Weißensee, Gesangsfaal des Realgymnafiums WoeldPromenade. Referentin: Luise Kähler. Was Minister Boelih ablehnt. Berlin- Pankow, Schule Grunow- Straße. Referentin: Lisbeth schen Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Boltsbildung, der in Riedger. wurf herauszulesen, gegen Ireu und Glauben fet But Abendfeier der Frauenwerbewoche Beweggründe zurüdführte, hat die StabiverordnetenBornsdorf fozulagen zweimal verfauft worden. Im geftrigen Termin war Herr Kunze samt dem mitangeklagten verantwortlichen Redakteur erschienen. Beim Aufruf der Sache fehlten mehrere der geladenen 3eugen, besonders die Zeugen Kunzes, ein Direktor Kunert, der nach der Ladung auf Zeugen Runzes, ein Direktor Kunert, der nach der Badung auf Reifen gegangen war, ein für die faufluftige Gesellschaft als Ber mittler aufgetretener Rittergutsbefizer Philipp, der sich mit Krantheit entschuldigte und das Zeugnis eines. Arztes nachzuliefern ver sprach, ein Dr. Schiffer, der schon in einem früheren Termin gefehlt hatte und damals in Strafe genommen wurde. Kunzes Verteidiger meinte, man fönne dem Angeklagten nicht zumuten", sich damit abzufinden, daß nur die Zeugen der Gegenseite angehört und er dann vielleicht verurteilt" merde. Es sei ein„ einfacher Att der Gerechtigkeit", zu vertagen, damit auch seine Zeugen gehört werden fönnten. Als aber der Borsigende zunächst den gesetzlich vorge schriebenen Bersuch machte, einen Bergleich herbeizuführen, stieg Herr Kunze von seiner stolzen höhe bald genug herab. Er erklärte, eine persönliche Beleidigung habe ihm ferngelegen, und nach einer Besprechung mit seinem Verteidiger fügte er hinzu, die Sache sei ja nun schon fast drei Jahre alt, da habe sie für die Deffentlichkeit nicht mehr die frühere Bedeutung, er sei daher zu einem Bergleich bereit. Bürgermeister Scholz, der als Zeuge geladen und auch als Nebenkläger zugelassen worden war, ftellte feft, daß bei dem Verkauf, nachdem die Sache an die Gemeindebehörden Berlins abgegeben war, diese die Entscheidung über die Zu schlagserteilung hatten. Schließlich tam ein Vergleich zustande auf Grund der folgenden Erklärung des Angetlagten Runze: ,, Es hat mir ferngelegen, durch den Artikel vom 21. Dezember 1921 den Bürgermeister Scholz oder den Stadtrat Radtke beleidigen wollen. Ich halte auch die etwa aus diesem Artikel herauszu efenbe Behauptung, daß einer dieser beiden Herren oder beide in einer gegen Treu und Glauben verstoßenden Weise bei dem Berlauf der Gewerkschaft Bornsdorf tätig gewesen seien, heute nicht mehr aufrecht. Ueber die Kostenfrage habe ich mich mit dem Nebentläger verglichen. Ich gebe diese Erklärung ab, da ich nicht der Ueberzeugung bin, daß mit Rücksicht auf die inzwischen ver flossene Zeit diejenigen Zeugen, auf deren Angaben sich mein Artifel gründet, sich genau der einzelnen Borgänge noch erinnern tönnen, ich daher auf die Angaben des Herrn Bürgermeisters Scho 13 angewiefen bin, die ich für glaubwürdig halte." Hiernach erklärte Genosse Scholz als Nebenkläger sich bereit, feinen Strafantrag zurückzunehmen. Der Vergleich wird rechtsfräftig, wenn auch Oberbürgermeister Böß den amtlich von ihm gestellten Strafantrag zurückgenommen hat. Herr Richard Kunze hat durch Zurücknahme der Beleidigungen sich Straffreiheit ertauft. Wird die Niederlage, die er erlitten hat, eine heilsame Lehre für ihn sein? Er hat jeẞt unter Ber. zicht auf den Versuch eines Wahrheitsbeweises erklärt, daß er zu dem Gedächtnis seiner Gewährspersonen nicht viel Bertrauen hat. Die Glaubwürdigkeit der Darstellung unferes Genossen Scholz hat er ausdrücklich anertennen müssen. Das ist bitter für Knüppel- Kunze. Der verprügelte Fahndungsbeamte. Eine schwere Ausschreitung, deren Opfer ein Kollege vom Sicher heitsdienst war, hatte dem Polizeioberwachtmeister Rengel vom Schöffengericht Köpenid eine Strafe von 6 Monaten Gefängnis zugezogen. Der Fall beschäftigte nochmals die Berufungsstraffammer des Landgerichts II, und der Staatsanwalt be-= antragte sogar eine Erhöhung der Strafe auf ein ein Jahr. Der Angeflagte war einem Kriminalaffiftenten in Hinsicht auf die vielen Einbrüche in der Billenkolonie Hirsch garten zur Unterſtügung zugeteilt worden. Als er sich eines Abends auf der Streife befand, hörte er zwei Schüsse fallen. Da bald darauf ein Mann ihm entgegenfam, hielt er diefen in der Meinung, daß es sich um einen Einbrecher handele, an. Der Festgehaltene erwiderte darauf: Ich bin selbst Kriminalpolizei!" Auf die Aufforderung, fich auszuweisen, zeigte der Mann eine Marte vor, die von der Eisenbahnverwaltung ausgestellt war, da es sich um einen Fahndungsbeamten handelte. Dem Angeklagten war dieser Ausweis nicht bekannt, und er hielt den Festgehaltenen für einen falschen Beamten. Er wollte ihn nun zur Wache bringen und er rief ihm zu: Hände hoch!" Als ihm das nicht schnell genug ging, pacte er den Fahndungsbeamten am Genid und Hosenboden, warf ihn zu Boden und bearbeitete ihn mit den Fäust en. Dabei rief er wiederholt:„ Du Lump, du Neuköllner Lude!" Die Straffammer be= stätigte das Urteil der Borinstanz von 6 Monaten Gefängnis. Der Stadtverordnetenversammlung ist eine Dringlichkeitsvorlage über die Erhöhung der Unterstüßungsricht= fäge zugegangen. Unter Zugrundelegung von sieben Achteln des 30fachen der Reichsrichtzahl der Lebens unterhaltungskosten würden zurzeit folgende Unterstützungsrichtfäße maßgebend sein: Einzelne Perfone 31 M., Ehepaare 46,50 m. und jedes Kind 10 m. laufend. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, den 19. Oftober, pünktlich 2%, Uhr nachmittags im Staatstheater Charlottenburg Tartüiffe" von Molière. Starten zum Preise von 1 Gnt. find noch am Eingang des Theaters zu haben. Die Streife werden ersucht, Karten für die Novemberberanstaltungen vom Bureau abzuholen. am Freitag, den 17. Oktober, abends 7%, Uhr im Saalbau Friedrichshain, am Friedrichshain Künstlerische Leitung: Rosebery d'Arguto/ Miwirkende: Reformierte / Gesangsgemeinschaft Rosebery d'Arguto Goliften: Käte Lindenberg, Banda Saile, L. Jagau, Ch. Staamann, Opernsänger Alfons 2. Meller/ Ansprache Klara Bohm- Schuch, M. d. N. I, 1. Sonne und Regen( für 6 gemischte Stimmen im Sinfonischen Stil) S. Schmidt- Rofebern d'Arguto. 2. Wenn's immer fo wär'( sinfonischer Gesang nach einer altdeutschen Beise) Rosebern d'Arguto. 3. Der Rönig von Yvetot( französisches Bolfslied, Rinderchor) bearbeitet von Klages. 4. Komm füße Freiheit( Duett aus Judas Maccabäus) Händel.( Gesungen von L. Jagau und A. Meller.) 5. Gefang der Wolgatreibler( finfonischer Gesang für 6 gemischte Stimmen in ruffifcher Sprache) Rosebern d'Arguto. 6. Ansprache Der sittliche Gebante im Sozialismus", Alara Bohm- Schuch. 7. Rimmer fich beugen, aus Lila"( Magus) J. Reichardt, 1722-1814. 8. Ich wollt ein Sträußlein binden( finfonischer Gesang nach Borten von G. Brentano mit Kinderfolo) Rosebern d'Arguto. II. 9. Frohe Tage des holden Lenzes( Rammerfolo) Steffani. 10. Wiegenlieb( aefungen von Ch. Staamann) Schubert. 11. Schäfer und Schäferin( gefungen von Ch. Gtaamann und A. Bindenberg) Graun. 12. Die Fluge Schäferin( gefungen von Wanda Saile) Martini. 13. Lieb der Nachtigall( Rinderchor). Ed. Grell. 14. Güßes Begräbnis( gesungen von R. Lindenberg) Löme. 15. Gommer ift ins Land gelommen( altengl. Ranon aus dem 18. Jahrhun dert Aloftet Reading. Der älteste Ranon der Musikgeschichte) arrangiert von Rosebern d'Arguto. 16. Englisches Madrigal, Morlen- Reger. 17. O Gusanna( Golo, gesungen von A. Meller) Roseberyn d'Arguto. 18. Der freie Mann( finfonisches Responsorium, 12stimmig, Männer, Frauen und Rinder, mit einer Soloftimme nach Beethovens einstimmigem Chor. Solo: A. Meller) Beethoven- Rofebern d'Arguto. Am Flügel: Dora Mille. Eintrittspreis 30 Pf. Zuwachs im Berliner Aquarium. = = Der Borstand des Zoologischen Gartens und der Leiter des Aquariums Dr. Heinroth hatten am Mittwoch zu einer Borbesichtigung einer großen Mittelmeer Seetiersammlung geladen. In Friebenszeiten trafen regelmäßig mittelmeer- Geetierfendungen aus den zoologischen Stationen in Triest und in Ro igno( Iſtria) ein, seit dem Kriege ist ein Verschicken unmöglich geworden. Das Aquarium des Berliner Zoologischen Gartens mußte daher einen eigenen Eisenbahnwagen gefüllt mit Versandgefäßen nach Rovigno fchiden. Der Inspektor des Berliner Aquariums Sei fammelte mit Hilfe der dortigen stande find 20 Mofchustintenfifche( Cledonen), 8 RaßenStation drei Wochen lang Scetiere. In tadellosem 3ubaie, darunter sehr große Stücke, 7 Meeraale, 2 elettrische Rochen, Hunderte von Seepferdchen, eine große Zahl verschiedener anderer Seefische, eine junge Meeres chilbtröte, einige Hundert Hohltiere( fogenannte Geerofen), Seesterne, Geeigeln und andere niederen Tiere sowie 5 mächtige Langusten eingetroffen. Die Seewasserabteilung ist somit wieder glänzend besetzt. In diesem Zusammenhang sei darauf hinge wiesen, baß die Arbeit der Berliner in Rovigno mit besonderen Schwierigteiten verbunden war. Das Aquarium in Rovigno, das zuleßt der Kaiser- Wilhelm- Gesellschaft gehörte, also deutsch war, ist außer Betrieb. Tiere werden dort nicht mehr gehalten. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Leiters dieser Station, des Prof. M. Sella, wurde es aber ermöglicht, daß für die Berliner Swede eine Anzahl Becken mit Wasserdurchlauf versehen werden fonnten. Beider befindet sich das Rovignoer Aquarium jetzt in großer geldlicher Notlage. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 16. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 7.45 Uhr Vortrag des Herrn Ernst Boerschel:„ Gaudeamus". 8.30-10 Uhr abends: V. Sonderveranstaltung der Funkstunde unter Mitwirkung von Prof. Heinrich Grünfeld, Boris Schwarz, Josef Schwarz und Karl Jöken von der Berliner Staatsoper. 1. a) Andante, Mozart, b) Romanze. Alfred Grünfeld( Professor Heinrich Grünfeld, Cello). 2. Vasco- Arie aus der Oper Die Afrikanerin":" 0 Land, so 3. Drei Stücke für Violine mit Klavierbegleitung in Bearbeitung wunderbar", Meyerbeer( Karl Jöken, von der Berliner Staatsoper). von Fritz Kreisler, a) Melodie, Gluck, b) Capricieux, Couperin c) Präludium und Allegro, Pagnani( Boris Schwarz( Violine) und Josef Schwarz( Klavier). 4. a) Lied ohne Worte, Davidoff, b) Menuett, Boccherini( Prof. Heinrich Grünfeld, Cello). 5. a) Fußreise, Hugo Wolf, b) Storchenbotschaft, Hugo Wolf, c) Abschied, Hugo Wolf( Karl Jöken, von der Berliner Staatsoper). 6. a) Nocturne, Chopin- Sarasate, b) Spanischer Tanz, Sarasate, c) Ungarischer Tanz, Brahms- Joachim( Boris Schwarz( Violine) und Josef Schwarz ( Klavier). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 bis 11.30 Uhr abends: Tanzmusik. Gegen den Ministerialbirettor Kästner vom Preußi einem durch die Bossische Seitung" veröffentlichten Auffah jehr warm für Oberstadtschulrat Baulsen eintrat und ben Abbaubeschluß gegen Paulfen auf parteipolitische fraktion der Deutschen Boltspartei den Minister Boelig, ihren Barteis freund, aufzuputschen sich bemüht. Jetzt wird bekannt, daß Herr Boelig geantwortet hat, ihm sei der Auffah Kästners erst nach der Veröffentlichung zu Gesicht gekommen und er habe auch von der Abficht einer Beröffentlichung nicht vorher erfahren. Ministerialbirettor pflichtet gehalten, das Einverständnis des Ministers zur VeröffentKästner hat ihm auf Befragen erklärt, er habe sich nicht für verlichung des rein persönlich vom Menschen für den Menschen" ges schriebenen Auffages einzuholen, und er hat sich hierfür auf die Reichsverfassung berufen. Minister Boelig will bei der„ Unge flärtheit des Beamtenrechtes in diesem Puntt" zu der formalen Be rechtigung von Kästners Vorgehen nicht Stellung nehmen. In fach licher Hinsicht hält er jedoch für nötig, zu sagen, daß der Inhalt des Artikels den Anschauungen des verantwort lichen Ministers nicht entspricht". Besonders glaubt Herr Boelig bedauern zu sollen, daß der Auffah durch die Beifügung des Titels Ministerialdirektor", den Herr Kästner hat, in der Deffentlichteit als offiziöse Verlautbarung aufgefaßt werden fonnte. Der Herr Minister will also nicht in den Berdacht kommen, die vernünftigen Ansichten seines Ministerialdirektors zu teilen, und er lehnt ausdrücklich diese Ehre a b. " Ein Sechzigjähriger. Am 18. Oftober vollendet der in der Arbeiterbewegung ergraute Genoffe Richard Schmidt, Bezirkssekretär des Bezirksverbandes Brandenburg, fein sechzigstes Lebensjahr. In der Jugend hatte er alle Leiden eines Proletarierfindes bis zur Neige durchzufoften, Nach dem Tobe seines Vaters mußte er vom 11. bis 15. Lebensjahr als Bögling das Militär- Knabenerziehungsinftitut zu Annaburg beziehen. Diese altpreußische Erziehung", die auf Kasernenhofton und Unterwürfigkeit aufgebaut war, dürfte der Wendepunkt in der Geistesverfassung des jetzt Sechzigjährigen gewesen sein, denn nach Beendi gung der Lehrzeit Schmidt ist Löpfer von Beruf fehen wir ihn fchon während des Sozialistengefeßes in der Arbeiterbewegung wir fen. In den Jahren 1885 und 1886 steht Schmidt in der vordersten Reihe als Vorstandsmitglied des Fachvereins der Maurer, Bauhand werker und Berufsgenossen der Ortsgruppe Brandenburg a. d. H. Nach Beendigung der Militärzeit schließt er sich sofort der Sozialdemo fratischen Bartei an und wirkt nun vorwiegend in dem alten Reichstagswahlkreis Spandau- Potsdam- Osthavelland. Wenn dieser WahlPreis zum erstenmat 1912 einen Sozialdemokraten in den Reichstag entfenden fonnte, dann ist es nicht zuletzt auf die unermüdliche Arbeit des Genossen Schmidt zurückzuführen. 2m 1. Dezember 1908 trat er fein Amt als Bezirtstaffierer des Bezirksverbandes Brandenburg an, einen Poften, den er auch heute noch innehat. Der Wahlkreis Frankfurt a. d. D. entfandte ihn im Januar 1919 in die Nationalverfammlung. Das wechselvolle Leben dieses Mannes, der im Rampf hart und grau geworden ist, zeigt deutlich, welche Kräfte im Proletariat fchlummern und daß der Sieg der arbeitenden Klasse sicher ist, wenn planmäßige Arbeit ihn vorbereitet. Die Partei im allgemeinen und der Bezirksverband im besonderen haben in dem Sechzigjährigen einen absolut gewissenhaften Sachwalter ihrer Interessen und unserer Gratulation dürfen wir den aufrichtigen Wunsch anknüpfen, Richard Schmidt noch lange Jahre in der gleichen körperlichen und geistigen Frische wie zurzeit seines Amtes walten zu sehen. Die Rettungsringe( kommen wieder. Rettungsringe und Rettungsbälte sollen, wie das Die an den Berliner Wasserläufen früher angebrachten städtische Rettungsamt mitteilt, versuchsweise jetzt wieder anges borüber ist, in der diese Rettungsgeräte mutwillig entfernt oder bracht werden. Das Rettungsamt hegt die Hoffnung, daß die Beit widerrechtlich weggenommen wurden. Die Bevölkerung wird erfucht, auch ihrerseits dazu zu helfen, daß die wiederangebrachten Rettungsgeräte nunmehr dauernd für ihren Bwved bereit stehen, damit sie jederzeit bei Unglüdsfällen schnellstens zu benuzen sind. Die belannie Firma Kopp& Joseph, Berlin W 35, legt Wert auf die Feststellung, daß der lezthin wegen Spiritusschiebungen angeklagte Dr. Kopp weder mit den Inhabern der obengenannten Firma identisch ist, nod mit der Firma in irgendwelcher Berbindung steht. Edelster Deutscher Weinbrand Scharlachberg Meisterbrand Weinbrennerei Scharlachberg A.-G., Bingen am Rhein Filialbureau Berlin: Berlin W. 57, Kurfürstenstraße 28, Ein E alle Schädlichkeiten aus aus dem in Kinderarzt schreibt:„ Um Um dem Munde fernzuhalten und möglichst gleichzeitig antiseptisch einwirken zu können, genügt das Bürsten mit reinem Wasser reinem Wasser nicht, sondern es bedarf des Zusatzes eines Mundwassers, das vor allem ungiftig und doch keimtötend wirkt, dabei aber, was für Kinder von großer Bedeutung ist, auch gut schmeckt. Diesen Anforderungen genügt im vollsten Maße das Odol, das sowohl morgens wie ganz besonders abends dem Wasser zugesetzt werden soll."*) *) Aus praktische Winke zur Ernährung und Pflege der Kinder in gesunden und kranken Tagen" von Dr. F. Theodor, Königsberg L. Pr. Der dritte Frauenwerbeabend. Am dritten Frauenwerbetag wirften die Genoffimmen Stara Parteinachrichten Bohm- Schuch, Adele Schreiber- Krieger, Marie Kuhnert, Lisbeth Riedger, Hildegard Wegscheider- Ziegler, Mathilde Wurm und Anna Gener als Referenten. Die überaus zahlreich besuchten Versammlungen fanden diesmal in der Schulaula Winterfeldt- und Litauer Straße, im Ledigenheim Pappelallee, in Charlottenburg, Wilmersdorf, Neukölln und Niederschöneweide statt und wurden wieder von Gesang und Darbietungen der Jugendgruppen verschönt. Alle Verfammlungen waren sehr gut besucht; in den westlichen Bororten sah man neben den Frauen aus dem Arbeiterstande, die gekommen waren, unfere Rednerinnen zu hören, auch viele Angehörige bür. gerlicher Kreise. Die Frau muß sich als die große Mutter der Lebenden fühlen, als die Mutter der vielen liebe- und hilfsbedürftigen Völker der Erde. Deshalb dürfen wir Frauen nicht einen Augenblid zögern, unferen Einfluß in die Wagschale der Weltgeschichte zu werfen. Heute mehr denn je müssen sich die Frauen attiv an der Politik gegen die bürgerlichen Parteien beteiligen, die alle Kraft gegen die Sozialdemokratie, gegen das Bolt, die arbeitende Klasse wenden. Die Früchte der Reichstagswahl vom 4. Mai reifen jezt im Bürgerblod. Die bürgerlichen Parteien wollen in Gestalt von Schutzöllen die Gewinne einheimsen, die aus der Aufbauarbeit tommen werden. Deshalb auch der Kampf gegen den Achtstundentag, gegen alle sozialpolitischen Erfordernisse, deshalb der Kampf gegen Preußen und damit gegen Braun und Severing. Wir Frauen müssen protestieren gegen einen Reichstag, der längst nicht mehr den Willensausdruck des Boltes darstellt. Der Protest gegen den Abbau der Wohlfahrtspflege ist heiligste Pflicht der Frauen. So= lange es möglich ist, daß Frauen Brillanten und Samt und Seide tragen, alle Wochen ein neues Kleid, ein neues Bergnügen haben, solange dürfen Kinder nicht hungern, darf niemand elend zugrunde gehen. Heute werden die Frauen des Arbeiterstandes angeklagt, wenn sie sich der Leibesfrucht frühzeitig entledigen, für die später fein Platz im Heim, in der Familie wäre. Und über diese Bedauernswerten fizen Frauen und bürgerliche Männer zu Gericht, dieselben Frauen und Männer, die nach der Volksgemeinschaft rufen. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Arbeitsgemeinschaft ber sozialdemokratischen Elternbeiräte Groß- Berlins. Freibag, den 17. Oktober, abends 7 Uhr, Gihung des Zentralausschusses in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Wichtige Tagesordnung. Jeder Kreis muß vertreten sein. 1. Kreis mitte. Die für heute angefekte Kreisvorstandssigung muß umständehalber auf Dienstag, den 21. Oktober, verschoben werden. Elternbeiräte: Versammlung Freitag, den 17. Oktober, 7% Uhr, bei schiefing, Ackerstr. 1. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag 7½ Uhr erweiterte Rreisvorstandssigung bei Biehler, Dieffenbachstr. 76. Die Ordner des ganzen Kreises treffen sich Freitag 7½ Uhr bei Rabe, Fichteftr. 29. 17. Kreis Lichtenberg. Freitag, den 17. Oktober, 7% Uhr, Beginn der Arbeitsgemeinschaft Einführung in die Margliteratur". Bibliothet, WeichselStraße 28. Frattion ber fozialdemokratischen Elternbeiräte: Freitag, den 17. Oftober, 7% Uhr, Sigung in der Mittelschule Marktstraße. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen der Elternbeiräte und Erfahleute sowie der fozialdemokratischen Lehrer Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. Heute, Donnerstag, den 16. Oktober: 9. bt. 7% Uhr in den Arminius- Hallen, Bremer Straße, Frauenwerbeversammlung. Abteilungskaffierer ist von jetzt an Genoffe Serrichen, Wilsnacker Str. 40, v. 4 Tr. Jungfozialisten. Gruppe Norbost: 7 Uhr im alben Jugendheim. Danziger Straße 23, Bertrag des Genossen Dr. Otto Friedländer: Deutschland von außen". Beginn des Referats pünktlich 8 Uhr. Gruppe Schöneberg: 7½ Uhr in der Schule Feurigitt. 7 Diskussionsabend. Morgen, Freitag, den 17. Oktober: Die 3. Abt. 7 Uhr Funktionärsihung bei Emil Krüger, Engelufer 23. Bezirksführerbücher sind mitzubringen. 57. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr Funktionärkonferenz bei Kapezinski, Krumme Straße 47. 62. Abt. Siemensstabt. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Sundheim, Nonnendammallee, Ede Märkischer Steig. Bortrag der Genoffin Revent 136. Abt. Reinidendorf- Oft. 8 Uhr im Jugendheim Geebab, Residenzstr. 49, Tom: Rultur und Partei". Funktionärsigung. Borher, um 7 Uhr, an gleicher Stelle Sigung des Abteilungsvorstandes. Sunasozialisten. Gruppe Friedenau: 8 Uhr im Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Vortrag des Genossen Dr. Friedländer: Entstehung des Staates". Gruppe Treptow: Genoffe D. Jakobsen spricht über Christentum und Sozialismus" im Jugendheim Elfenste. 3. Gruppe Friedrichshain be teiligt sich an der Veranstaltung der Gruppe Treptow. Gruppe Rorben: 7% Uhr im Jugendheim Orthstraße( Ledigenheim), am Brunnenplag, Bortragsabend: Nation und Staat". Referent Genoffe Lösche. Es liegt viel Kriegszündstoff in der Luft. Nicht nur im fernen Often ist Krieg: überall werden neue Waffen geschmiedet, werden neue chemische Giftstoffe erfonnen zu neuen Rüstungen, zu neuem Krieg. Wir Frauen verdienten nicht den Namen Mutter, wollten wir uns nicht dagegen aufbäumen, daß unsere Kinder, unsere Männer, unsere Familienangehörigen wiederum gemordet werden follen, fchrecklicher, furchtbarer denn je. Jede Frau muß sich entschließen, zu einem gemeinsamen Kampf gegen all das, was auf das Bolk gegen das Boll einstürmt. Jede Frau fann das Zukunftsglüdlichen ihrer Familie und ihrer Kinder selbst schaffen helfen in der Partei des arbeitenden Boltes, der Sozialdemokratie. Noch immer haben die bürgerlichen Parteien versagt, wenn es Volksglück und Volkswohlfahrt zu schaffen galt. Sie haben noch immer der wahren Volksgemeinschaft die Gemeinschaft mit dem Geldbeutel vorgezogen. Des halb gilt ihnen unser Kampf, den auch die Frauen nur in der Sozialdemokratischen Partei mittämpfen können. Einen Filmabend veranstaltet der Deutsche Holzarbeiter berband am Montag, den 20. Dktober, abends 7 Uhr, im Saalbau Friedrichshain. 8ur Vorführung gelangen im 1. Teil folgende fünf Industriefilme: 1. Moderne Holzbearbeitung. 2. Unfallschutz an Holzbearbeitungsmaschinen. 3. Bau eines Eisenbahnwagens. 4. Aus der Werf stalt eines Elfenbeinschnizers. 5. Wie ein Bleistift entsteht. Im 2. Zeil vier Naturfilme: 1. Wie man Schneeschuh laufen lernt. 2. Märkische Heimat bilder. 3. Die Handelsstadt Bremen. 4. Kagenserenade. Die Kapelle der Freien Gewertschafts- Jugend wird durch Vortrag einiger Musifstüde mitwirken. Der Eintrittspreis für Jugendliche und Lehrlinge beträgt 20 Bf., für Erwachsene 50 Pf. Starten find in allen Zahlstellen so. wie im Zimmer 5 der Drtsverwaltung zu haben. Arbeitslose Kollegen tönnen gegen Borlegung der Arbeitslosenkarte und des Mitgliedsbuches im Verbandsbureau Eintrittstarten gratis in Empfang nehmen. Bier Familientragödien in wenigen Tagen. In Leipzig haben sich innerhalb weniger Tage vier Familientragödien mit tödlichem Ausgange abgespielt, die letzte am Dienstag. Der 67 Jahre alte Maurer Vogt erschoß in seiner Wohnung seine Ehefrau und darauf sich selbst. Der Grund zu diesem Ehedrama waren fortgefeßte Cheftreitigkeiten. Zwei Arbeiter von einem Zuge getötet. Der Ferien- Kinderzug 2427 in der Richtung Altena hagen fuhr in dichtem Nebel bei einer Kurve hinter dem Bahnhof Altena in eine Arbeitertolonne hinein. 3wei Arbeiter wurden getötet. Zu der Blutfat in Weiher bei Kulmbach wird aus Lichtenfels gemeldet, daß der Verdacht, seine Eltern und Geschwister ermordet zu haben, auf den 16 Jahre alten Sohn gefallen sei. Dieser wurde verhaftet und nach Kulmbach eingeliefert. Jugendveranstaltungen. Einzelfarten zur Theatervorstellung am Sonnfag, den 19. d. M., nach mittags& Uhr, im Theater des Westens( Große Voltsoper), Rantstraße, find noch zum Preise von 90 Bf. im Jugendfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof, au haben. Gespielt wird Madame Legros" von Heinrich Mann. Achtung, Jugendgenossen und Jugendgenoffinnen! Berbt für unsere Feierstunde anläßlich bes 20jährigen Bestehens unferer Berliner Organisation am Sonntag, ben 26. b. M., im Großen Schauspielhaus. Achtung, Chorteilnehmer! Nächste Probe am Freitag, den 17. d. M., abends 8 Uhr, im Jugendheim Lindenftr. 8. Alle Teilnehnter müssen erscheinen. Heute, Donnerstag, den 16. Oktober, abends 7% Uhr: Friebenan: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Einführungsabend. Ge. funbbrunnen II: Schule Gothenburger Str. 2. Bortrag: Guter Sumor". Rentölla IV: Lotal Bum Bärwinkel", Steinbodstraße. Diskussion: Unsere Gegner". Senefelber- Biertel: Badeanstalt Oderberger Str. 57. Bortrag: ..Arbeitsdienstpflicht". Südwest: Jugendheim Lindenstr. 3. Literaturvortrag. Geschäftliche Mitteilungen. Die Raffe wird bestimmt und verbriest durch einen Stammbaum. Se größer die Anzahl der Vorfahren und je edler deren Abstammung, um so mertvoller ift fie, um so größer find die Leistungen! Dunlop Cord- Reifen weisen den ältesten Stammbaum aller egiftierenden Luftreifen auf. Sie verdanten ihre Entstehung dem Tierarzt John B. Dunlop, welcher im Jahre 1888 den ersten Fahrrad- Luftreifen erfand und dadurch die ungeheure Berbreitung des Fahrrades und als deffen Folge des Automobils und Motorrades ermöglichte, Dunlop- Cord- Reifen find deshalb als Raffereifen anzusprechen, denn die ganze Entwidlung des Luftreifens und die unübertrefflichen Erfahrungen der Pioniere ber Pneumatikindustrie bürgen geschützt durch die Weltmatte file Qualität! Die wegen ihrer Reellität besonders bekannte Firma Stumpe u. Jäger, Wäschefpezialhaus mit eigener Fabrikation, Hauptgeschäft Rottbufer Damm 73, Filialen in verschiedenen Stadtteilen, veranstaltet bis zum 18. b. M. einen Aussteuerverkauf, au welchem große Boften hochwertiger Bett, Tisch, Haus und Leibwäsche aum Berkauf geftelt werden. Anläßlich dieser besonderen Veranstaltung hat die Firma ihre Preife gana bedeutend ermäßigt. Es ist baber fehr empfehlenswert, diese besondere Gelegenheit wahrzunehmen. 99 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft 19, Bankow: Am Freitag, den 17. Oftober, 7% Uhr, Untergruppenleitern und Raffierern. Beranstaltung am Sonntag, den 19.. bei Meier, Pantow, Breite Str. 14, Borstandssigung mit fämt. fällt aus. Am Montag, den 20. Oftober, abends 8 Uhr, Antreten fämtlicher Mitglieder des Kreises in der Turnhalle Wollantstraße. Erscheinen Pflicht. Kamerabschaft Tempelhof: Am Donnerstag, den 16. Oftober, abends 8 Uhr, Borstandssigung bei Primus, Tempelhof, Friedrich- Karl-, Ede Werderstraße. Freitag, ben 17. Oktober, abends 7% Uhr, Turnen in der Turnhalle in Marien dorf, Realgymnasium, Raiserstraße. Kamerabschaft Steglig: Am Freitag, den Steglik( Gruppe A und B) bei S. Losch, Ringstr. 28; für Bankwik bei Zander, 17. d.., abends 8 Uhr, Gruppenversammlungen in folgenden Lokalen: für Charlottenstr. 34; file Lichterfelbe( Oft und West) bei Nöding, Lichterfelder Westfäle, Rehlendorfer Str. 5. Erscheinen aller Rameraden Pflicht. Zur Fahrt nach Frankfurt( Oder) verfammeln sich die Kameraden Montag früh pünktlich 7 Uhr am Bahnhof 800. Ortsgruppe Teltow: Freitag, präzise 8 Uhr, im Weißen Schwan", Ruhlsdorfer Blas, wichtige Besprechung. Erscheinen ist Pflicht. " 7 Uhr, Mitwirkung. Lichtbildervortrag der Konsumgenossenschaft in Ahlerts Männerchor Sarmonie", Charlottenburg. Donnerstag, den 16. Oktober, Festfälen, Berliner Str. 88. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin( gegr. 25. März 1892). Donnerstag, den 16. Oftober, abends 8 Uhr, im Vereinslokal Restaurant Jacob Effer, Röpenicker Str. 70s, plattdeutscher Bortrag des Dichters Herrn Wilhelm Henschel über: 1. Watt wüllt wi Blattbütschen?" 2. Eigene rich Timmermann aus Kremperheide. Landsleute willkommen. Dichtungen. Nachdem Gedächtnisfeier für den verstorbenen Landsmann SinBereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, ben 17. Oftober, 8 Uhr abends, im Reichenfaal der 6. Treptower Gemeinde Ichule, Wildenbruchstr. 58, 3 St., Vortrag: Die Lebensgemeinschaftsschule". ( Studienrätin Margarete Banten.) Eintritt frei. Arbeiter Radio- Klub, Ortsgruppe Neukölln. Freitag, den 17. Oktober, 8 Uhr, in der Schule Rütliftraße. Gäste willkommen. Arbeiter- Samariter- Bunb, e. B., Rolonne Berlin. Geschäftsstelle: N. 31, findet Gonntag, den 19. Oktober, nachmittags 1½ Uhr, mit Referat des GeSchönholzer Str. 20. Die Generalversammlung der Rolonne noffen Kretschmar im Gewerkschaftshaus statt. Infolge sehr wichtiger Tagesordnung ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder dringend erforderlich. Ausweis und Mitgliedsbuch an der Saallontrolle vorzeigen, Arbeitersport. Touristenverein Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin. Werbebezirk Süben- Westen: Am Gonabenb, ben 18., und Sonntag, den 19. Oktober, trifft die Ortsgruppe Luckenwalde in Luckenwalde eine Veranstaltung. Der Bezirk hat fich möglichst geschlossen zu beteiligen. Fahrgeld auf Fahrschein 1,50 m. ift bis Freitag 7 Uhr beim Genoffen Scholl abzuliefern, da noch Freitag angemeldet werden muk. Quartiere in Ludenwalde find gentigend vorhanden. Treffen am Sonnabend pünktlich 5% Uhr Anhalter Bahnhof. Genoffen, auf nach Badenwalde! Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 15. Oftober. 1. Sennen. 1. Erbschaft( Jauß fr.), 2. Colonel Dillon( Weidmüller), 3. Erdmann( B. Sedert). Toto: 105: 10. Plag: 42, 16, 17: 10. Ferner liefen: Arworthy J., Stella Harf, Lady Petaurist, Penelon, Arche, Cobra, Roranna, Abler. 2. Rennen. 1. Cirano( Herm. Schleusenez), 2. Delos( J. Mills), 3. Sevilla( Cb. Mills). Toto: 37: 10. Blag: 18, 20, 34: 10. Ferner liefen: Kinolönigin, Carl Alexander, Sjarmelle, Aeneas I, Baron Gabler, Linscott jr., Ludwig, Alüdes Tochter, Baron Nushaga, Terraria, Morgentau, Venus, Triumph. 3. Renn/ ent. 1. Interpellant( Ch. Mills), 2. Copal( F. Schmidt), 3. Peralta( Rosenberg). Toto: 82:10. Platz: 34, 95, 120: 10. Ferner liefen: Edinhard, Altgold, True For, Baroneß Lybia, Jimine, Luftiger Bruder, Cadiac Arworthy, Johannistäfer, haubige, Willy I, Klud, Natter, Simpel, Erbgraf. 4. Rennen. 1. Homer( Großmann), 2. Lucullus( Ch. Mills), 3. Frankenstein( M. Ningius). Koto: 13: 10. Plat: 13, 30: 10. Ferner liefen: Hetmann, Bez, Fels. 5. Rennen. 1. Marne( Herm. Schleusener), 2. Alpengeier( Wiltfhire), 3. My Darling( 8. Mills). Toto: 36: 10. Blab: 14, 16, 13: 10. Ferner liefen: Sudan, Dichtung, Stapellmeister, Dawson Watts, Meister B. 6. Rennen. 1. Gaffenmädel( Wiltshire), 2. Clematis blau( H.Grube), 3. Josef( W. Freundt). Loto: 48:10. Blaz: 21, 29, 30: 10. Ferner liefen: Stuart Bebbs, Monarchist, Sybill, Pava, Qui vive, Wafferfall, Schlips, Kittyschor. 7. Rennen. 1. Ballontönigin( D. Schmidt), 2. Duintera( Gottschalt), 3. Niagara I( H. Bauer). Toto: 56:10. Blat: 19, 17, 40: 10. Ferner liefen: Heiderose B., Allertony, Heideprinz I, Fürst, Hannover, Maitönigin, Alpenfer, Fistus, Odysseus. Linsto, Bella Dawson, Frühauf, Harry W., Bocuna, Lumpi, Pontresina, 1. Katharina( G. Jauß). 2. Dolina( 3. Rosenberg). 3. Lady Bosworth( Hedert). Toto: 55: 10. Play: 19, 26, 21: 10. Ferner liefen: Baron Klatawah, Heidefee, Instanz, Goudster fr., Iduna, Salome, Mignon Forbes, Ballast, Lodung, Corona, H. Kinney, Wainsca, Blaumeise, Ninon I, Une Petite, Lu Watts, Long Runchen. 8. Rennent. Der Forstetat im Landtag. Kommunistische Hanswurstiade als Zwischenspiel. der Antrag der Kommunisten zur Beratung, den Präsi Im Landtag stand gestern, wie wir bereits furz meldeten, denten Leinert sofort seines Präsidentenamtes zu entheben und das Staatsministerium aufzufordern, dem Vertrage Leinerts mit der Stadt Hannover die Genehmigung zu versagen, da der Verdacht bestehe, daß an dem Zustandekommen des Vertrages Regierungsstellen beteiligt seien. Da sich auf die Aufforderung des Bizepräsidenten Dr. Porsch niemand zur Begründung des Antrages meldet, wird die Besprechung unter großer Heiterkeit des Hauses geschlossen. Hierauf beantragt Abg. Obuch( Komm.), mit der Beratung zu warten, bis der Begründer des Antrages zur Stelle sei. Unter erVizepräsident Dr. Borsch darauf hingewiesen hatte, daß die Beneuter Heiterfeit des Hauses wird dieser Antrag abgelehnt, nachdem sprechung bereits geschlossen sei. Auch der Antrag selbst verfällt hierauf gegen die Stimmen der Kommunisten der Ablehnung.( Als Rednerin für die Begründung des Antrages war die Abg. Frau Rosi Wolfstein vorgesehen.) Bei der zweiten Beratung des Forsthaushalts erhob Abg. Mende( Soz.) Beschwerde über den zu billigen Bertauf des geschlagenen Holzes an die Holzhändler. Bis zum Februar d. J. habe die Forstverwaltung an einer Stundung des Kaufgeldes auf siebzehn Monate festgehalten; von da an habe man noch auf drei Monate Kredit gewährt. Das bedeute für die Forstverwaltung einen Verlust von ca. 80 Millionen Goldmart. Auch die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" habe nachgewiesen, daß man das Holz an die Händler systematisch verschenkt habe. In die Zentralforstverwaltung müsse ein frischer Zug hinein. Der Redner rügte, daß das schon längst angefündigte Forst schutzgefeß noch immer nicht vorgelegt sei, und forderte, daß der alte Streit zwischen Förstern und Oberförstern endlich beigelegt werde. Die Verträge mit dem Forstassessor v. Busolt, der ganz unangemeffene Gewinne erzielt habe, während die Interessen der Arbeiter geschädigt worden feien, müßten dem Hause zur Nachprüfung vorgelegt werden. Abg. Streefe( Dnat.) schließt sich den Klagen an. Abg. Jacoby- Raffauf( 3.) wendet sich gegen die lebertreibung der Siedlungspolitit im Bereich der Forstverwaltung und tritt für Befferstellung der Revierförster ein. Abg. Graf zu Stolberg- Wernigerode( DBp.) führt aus, die Zentralverwaltung folle zu dem gesamten Forstbeamtenpersonal mehr Vertrauen haben. auf die vom Ausschuß vorgeschlagene Ausgleichskommission, die Der Oberlandforstmeister Dr. Freiherr v. d. Bussche verweist sicher zu einem gerechten Urteil gelangen werde. Ministers habe die nötige Sorgfalt vermissen lassen. Die Deutschy Abg. Dr. v. Winterfeld( Dnat.) erklärt, die Holzwirtschaft des nationalen sprächen ihm das schärfste Mißtrauen aus. der Inflationszeit alle Kreditanstalten Verluste erlitten Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff weist darauf hin, daß in hätten. Den Deutschnationalen glaube er ihr Mißtrauen gegen seine Person ohne weiteres, fie brauchten deshalb nicht nach einer befonderen Begründung zu suchen. Im weiteren Verlauf der allgemeinen Aussprache, an der sich noch die Abgg. Schmelzer( 3.), Dallmer( Dnat.), der Kommunist Stjellerup sowie Oberlandforstmeister v. Bussche und der Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff beteiligten, wurde der kommunistische Holzverschiebungen vorwarf. Redner zur Ordnung gerufen, weil er dem Minister Wald- und nisten Berwahrung ein gegen die Behandlung des Falles Leinert Nach Schluß der allgemeinen Aussprache legten die Kommudurch das Haus. Es herrsche hier Korruption, an der alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten fich beteiligt hätten.(!) Die Abgg. Blant( 3.) und Grzesinsti( Soz.) wiesen die Be= hauptungen der Rommunisten als völlig unrichtig zurück. Hierauf wurde in der Einzelaussprache der Haushalt der Forstverwaltung erledigt. delskammergesetzes, des Forstdiebstahlgesetzes und des Gesetzes über Die Berordnungen der Regierung über Aenderung des Handas Einkommen der Gewerbe- und Handelslehrer wurde genehmigt. Nächste Sigung Donnerstag 12 Uhr( Polizeitostengesetz, Haushalt des Wohlfahrtsministeriums). Schluß 54 Uhr. Wetter für Berlin und Umgegend: Bielfach neblig, sonst troden bei tvenig geänderten Temperaturen und schwacher Luftbewegung. 30 Windbeutel für 64 Pfennig stellen Sie nach folgendem Oetker- Rezept 125 g Weizenmehl selbst her! 1 Teelöffel Dr. Oetker's Backin" 14 Liter Wasser. 125 g Margarine à Pfd. 0.60 3 Eier à 12 Pfg. 1 EBlöffel voll Zucker à Pfd. 0.40 1 Teelöffel voll von Dr. Oetker's Vanillin- Zucker M. 0.05 0.03 " 9 10 " 0.15 99 0.36 0.02 99 0.03 M. 0.64 Zubereitung. streue unter Rühren das Mehl hinein und rühre Wasser und Butter bringe man zum Kochen, solange. bis sich die Masse vom Topfe löst. Nachdem die Masse etwas abgekühlt ist, schlägt man nach und nach die Eier hinein und gibt dann Zucker, Vanillin- Zucker und Backin hinzu. Dann setzt man mit einem Teelöffel kleine Bällchen auf ein mit Mehl bestäubtes Backblech und bäckt bei mäßiger Hitze goldgelb.- Von der angegebenen Menge erhält man ungefähr 30 Stück Die Windbeutel werden warm mit Weinschaumoder Schokoladen- Sauce aufgetragen. Sollen die Windbeutel gefüllt werden, so schneidet man sie durch und füllt sie mit Schlagsahne oder Vanilie- Creme. Die Schlagsahne wird mit Dr. Oetkers Vanillin- Zucker gewürzt. Ein sehr gutes Rezept für Vanille- Creme tindet man auf der Rückseite von Dr. Oetkers Vanillin- Zucker- Päckchen. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarte gratis und franko von 1 Dr. A. Detfer, Nährmittelfabrik, Bielefeld • Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen. Halpaus MEDOC Die Cigarette des Verwöhnten 101 Denken Sie daran ar ALM Ein dazu passen der hübscher SchottenRock mit a parter Knopf- Garnierung лий 75 dah über Nacht der Frost einsetzen kann! 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Der deutsch- französische Krieg, der Aufstand der Kommune, ihr Fall hatte den Jugendlichen, der früh schon am geschichtlichen Geschehen lebhaften Anteil nahm, mächtig erregt. Er begann den Sozialismus zu suchen, der damals in Desterreich nicht leicht zu finden war. Er fand die Romane der George Sand, bald auch die historischen Schriften Don Louis Blanc. Da stieß er 1874 auf die Gleichheit", das österreichische Parteiorgan, und wurde dadurch auf die Bedeutung des Wirtens Lassalles und seiner Schriften aufmertfam. Die Brücke zum wissenschaftlichen Sozialismus war betreten. Kurze Zeit darauf, im Januar 1875, war der angehende Student Mitglied der sozialistischen Partei. So fällt das persönlich zufällige Ereignis des 70. Geburtstages zu fammen mit dem Abschluß des halben Jahrhunderts einer geschichtlich bedeutsamen Wirksamkeit, die von der Person losgelöst, zu den objektiven Tatbeständen der sozialen Bewegung geworden, nunmehr der historischen Würdigung unterliegt. Und ist nicht dies Zusammenfallen des Geburtsfestes mit dem Gedenktag des Beginns seiner sozialistischen Arbeit ein Symbol für das Wesen dieses Mannes, in dessen Wirten die Person ftets zurücktritt hinter das Wert, der nur gelebt hat, um seine freigewählte Mission zu erfüllen? Leicht ist es, Karl Kautsky an diesem Tage zu feiern und ihm zu danken, und Tausende tun es heute persönlich, Milliomen im Geiste; denn alle Sozialisten, mögen sie sonst auch in ihren Auffassungen abweichen, ja alle, die das soziale Leben von ganz anderem Standpunkt zu erforschen streben, wissen, wieviel fie den Schriften und Anregungen dieses Mannes zu perdanten haben. Aber Kautsky selbst, dem es nie um perfönliche Anerkennung ging, darf etwas anderes fordern: den Bersuch, das objektive Ergebnis feiner Arbeit zu umgrenzen, die bleibende Leistung für die Entwicklung der fozialen Bepegung aufzuzeigen. Und dieses Wagnis ist schwer; denn es zu vollenden, hieße eine Geschichte des wissenschaftlichen Sozialismus, seiner Ausbreitung und seiner Anwendung auf die Politik der Arbeiterklasse schreiben, um darin den großen Anteil Kautskys nachzuweisen. Nur der allgemeine Umriß zu einem solchen Versuch mag hier unternommen werden. Die Waffe der Kritik fann allerdings die Kritif ber Waffen nicht ersehen. Die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie Die Maffen ergreift." 1843 in der Kritit der Hegelschen Rechtsphilosophie hatte Karl Marr diese Säße formuliert, ein Programm feiner Lebensarbeit, die der Schaffung der Theorie galt, die die Massen ergreifen fonnte und sollte. Daß aber das Wort von Marg fich erfüllen konnte, daß die Theorie die Maffen ergriff, daß der Geist in den mächtigen weltumspannenden Drganisationen der Arbeiter Gestalt annahm, das ist vor allem dic historische Leistung von Karl Kautsty Gehen wir zunächst zurück auf den Beginn dieser Arbeit. Wie war vor Gründung der Neuen Zeit" im Jahre 1883 der geistige Zustand der Arbeiterbewegung? Der erste Band des Kapitals" war erschienen. Es war, einen engen Freundes freis von Marr und Engels vielleicht ausgenommen, zunächst ziemlich unverstanden und ohne Einfluß geblieben. Kautsky, ber als junger Student unvorbereitet an die Lettüre herantrat, Scheiterte- wie so viele andere- vollständig. Aber im Gegenfatz zu den anderen begann damit für ihn die Vorbereitung seiner Arbeit. Glücklich war die Disposition feines Geistes. Marg und Engels selbst umspannten nicht nur das Gebiet der Dekonomie und Geschichte, der Philosophie und der Geisteswissenschaften überhaupt, sie hatten, des untrennbaren Zusammenhanges aller Wissenschaft stets bewußt, auch der Entwicklung der Naturwissenschaften ihre Aufmerksamkeit zugewandt. Aehnlich um faffend war Kautskys wissenschaftliches Interesse. Ganz früh begann seine Beschäftigung mit der Geschichte, der auch sein Universitätsstudium galt. Aber nicht minder lebhaft beschäftigte diesen Geist der damals siegreich vordringende Darwinismus und die Probleme der Biologie. Das Ziel, den Sozialismus wirt lich erfassen zu können, trieb ihn zur Nationalökonomie; in fyftematischer Arbeit nahm er die französischen und englischen Klassiker durch. Noch war er nicht Marrist, seine erste Arbeit: Der Einfluß der Boltsvermehrung auf den Fortschritt der Gesellschaft", die 1878 fertig war, aber erst 1880 erschien, zeigt ihn noch unter dem Einfluß von Malthus. Aber sie zeigt auch schon die sozialgeschichtliche Betrachtungsweise und die stetige Kontrolle feines Dentens durch naturwissenschaftliche Kritik. Diese Synthese des Dentens war aber notwendig für den, der zum vollen Verständnis des Marrismus, zur Anwendung und Fortbildung des wissenschaftlichen Sozialismus fommen wollte. Zugleich aber ging Kautsky durch rege Anteilnahme an der Parteiarbeit schon damals jene enge Berbindung von Theorie und Politik ein, ohne die feine spezifische Leistung unmöglich gewesen wäre. So vorbereitet, fam der junge Kautsky 1880 nach Zürich als Mitarbeiter von Karl Höchberg, der sich der deutschen Sozialdemokratie angeschlossen, an der Gründung des„ Sozial demokraten" in Zürich mitgewirkt hatte und in einer von ihm geleiteten Zeitschrift sozialistische Jbeen zu propagieren fuchte. Rautsty trat zugleich in enge Beziehung zu dem ,, Sozialdemofrat" und zu den führenden Kreisen der deutschen Partei. Das Jahr darauf brachte ihn zum erstenmal nach London, in enge Berührung mit Marg und namentlich mit Engels. Mit Eduard Bernstein verband ihn bald innige Freundschaft. Zusammen studierten sie, von Engels beraten, den wissenschaftlichen So zialismus, start gefördert durch die inzwischen erschienene Schrift von Engels gegen Dühring, die zum erstenmal einem etwas weiteren Kreise den Gedankengang der Marrschen Theorie erschloß. Die Vorbereitungszeit Kautskys war beendet. 1883 gründete er, von Dieß unterstützt, die„ Neue Zeit" als Monatsschrift. * Donnerstag, 16. Oktober 1924 Herausbildung einer spezifisch proletarischen Taktik vollbrachte. Die wissenschaftlichen Grundlagen zu legen, blieb die Arbeit Kautskys. In der Anerkennung der Bedeutung des Darwinismus, aber auch in der scharfen Abgrenzung der Wirksamkeit seiner Gesetze gegenüber denen der menschlichen Gesellschaft, in der Zurückweisung des Versuchs Schäffles, biologische Gesetze auf den Bau und die Entwicklung des sozialen Lebens zu überfragen, in der Bolemit gegen die Anhänger des Robbertus und anderer überkommener sozialistischer Auffassungen, schuf Kautsky eine systematische Darstellung der marristischen Lehre. 3um erstenmal wurde Inhalt und Bedeutung dieser Theorie auch für die praktischen Zwecke und Ziele der Arbeiterklasse den Parteigenossen tlar, wurde ihnen gezeigt, daß es sich bei diesen Untersuchungen nicht um Gelehrtengezänt, sondern um ihre eigensten Angelegenheiten handle. Hand. Im„ Thomas Morus" wendet Rautsky zum erstenmal Neben dieser Klärungsarbeit geht die aufbauende Hand in Die abstraft formulierten Gesetze der materialistischen Geschichtsauffaffung auf tonfrete historische Erscheinungen an. Hier wird anschaulich, in jener ausgezeichneten Klarheit, die Denten und Darstellung Kautskys in gleicher Weise charakterisiert, was die materialistische Geschichtsauffassung bedeutet, Die Schriften waren jedem aufmerksamen Leser ohne weiteres was sie zur Erklärung des historischen Geschehens leisten kann. zugänglich und erschlossen so erst den Massen den Sinn der Kautsky für das Gebiet der Marrschen Dekonomie in ſeiner Dieselbe Leiftung vollbringt neuen Gesellschaftstheorie. Schrift Mary' ökonomische Lehren, die das Margfche„ Rapital", das Gebiet der Nationalökonomie überhaupt, dem Studium und dem Verständnis zu erschließen beginnt. Am Ende und als Krönung des ersten Abschnitts seines Werkes steht die Schaffung des Erfurter Programms. Es faßt die Ergebnisse des damals erreichten wissenschaftlichen Standpunktes des Sozialismus in meisterhafter Weise zufammen. Es ist der Sieg der marristischen Lehre innerhalb des Sozialismus. Es gewinnt internationale Bedeutung und wird für die Programme der meisten sozialistischen Barteien das Mufter. Seine Wirksamkeit wird außerordentlich unterstützt durch die Programmschrift Kautskys. Die wissenschaftlichen und politischen Grundsäge des Marrismus werden durch diese Schrift wirkliches Massengut. Die Theorie hat die Massen ergriffen. Einen neuen Abschnitt im Wirken Kautskys darf man von da an datieren. Der Fall des Sozialistengesetzes machte die Bahn frei für die Disfuffion sowohl der Theorie als der praf tischen Probleme der Arbeiterbewegung. Immer internationaler wird die Erörterung und unbestritten ist die Führung der Neuen Zeit" und damit Kautskys, mit dem Eduard Bernstein eng zusammenarbeitet, beide stets angeregt und unterstützt von Friedrich Engels. Der Anteil Kautskys an der Weiterbildung der politischen Taktik und dem prinzipiellen Durchdenken der politischen Probleme ist ständig im Wachsen. Seine Arbeiten vor allem schaffen in den Fragen des Staatssozialismus, der Handels- und Kolonialpolitik, der Agrarfrage die wissenschaftliche Grundlage. Daneben gehen eine Reihe pon brillanten Untersuchungen ökonomischer und historischer Art in den Spalten der Neuen Zeit". Diese erste Periode der Arbeit Rautsfys dient vor allem der Ausbreitung der Margschen Lehre und der Befreiung vor allem des deutschen Sozialismus von überfommenen, unhalt bar gewordenen Ideologien. Was damals die Partei an theoretischen Anschauungen besaß, war ein merkwürdiges und unflares Gemisch verschiedenster Gedanken. Die Grundlehren des Margismus waren breiteren Massen nur in der idealistisch verhüllten, in entscheidenden Auffassungen mannigfach abgeänderten Gestalt, die ihnen Lassalle gegeben hatte, zugänglich geworden. Die neuen darwinistischen und biologischen Anschauungen versuchten auch einen Einbruch in das Gebiet der Sozialwissenschaften. Dühring, Rodbertus und Schäffle übten daneben größeren Einfluß als Marr und Engels. Die Führer der Partei selbst, unter den Verfolgungen des Sozialisten gesetzes gehegt, mit der Ausbildung der politischen Taktik am Anfang stehend, waren viel zu start mit den praktischen Problemen beschäftigt. Ihnen war Friedrich Engels vor allem der große politische Ratgeber in den politischen Zweifelsfragen. Groß genug war das Werk, das Bebel vor allem damals in der glieder meinte zwar, die Gewerkschaften haben den Klassenkampf| Man hat es sicherlich an Maßnahmen, dem Arbeiterfekretariat das Ihre historische Bedeutung erhält diese Periode aber durch die Auseinandersetzung mit dem Revisionismus. Wir können heute über den leidenschaftlichen Streit von damals fast schon mit historischer Ruhe urteilen. Denn was damals die Er25 Jahre Berliner Arbeiterfekretariat. u propagieren und nicht„ Schreibstuben" zu errichten, diese Aufgabe Wasser abzugraben, nicht fehlen lassen. Abgesehen davon, daß auch Von Gustav Lint. Die Entstehung des Berliner Arbeiterfet retariats ist in mancher Hinsicht charakteristisch. falle dem Staat zu. Indes der Drud der behördlichen Organe auf die Gewerkschaften in der damaligen Zeit, desgleichen die eben erlebten Borgänge in der Kommission felbst waren es, die eine Ablehnung der Umgestaltung des Bureaus der Berliner Gewerkschaftstommission durch Angliederung eines Arbeiterfefretariats just nicht aufkommen ließen. Wir, die wir in Bureau arbeiteten, glaubten nunmehr, die Idee der Errichtung des Arbeiterfefretariats zur Ausführung bringen zu sollen. Eine Auskunftei" hatten die Berliner Gewerkschaften im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommiffion schon einige Jahre vor der Umwandlung in ein Arbeitersekretariat errichtet; fie war jedoch ziemlich primitiv. Im Jahre 1898 wurde zur Er Die Initiative überließ mein Freund Busse mir. Nachdem wir weiterung des Bureaus Stellung genommen. Der Ausschuß die nötigen Vorbereitungen getroffen hatten, handhabte ich ab in feiner Mehrheit wollte an dan Charakter des Bureaus Mitte Oftober 1899 bie sozialpolitischen Arbeiten in der gleidjen nichts geändert wissen. Einige Ausschußmitglieder waren indes Weise wie in den Arbeitersekretariaten Nürnberg und an an der Ansicht, man solle das Bureau zu einem Arbeiter. deren Orten, d. h. es wurden für die organisierten Rat- und Ausfetretariat austauen. Die Zeitverhältnisse und die Wahrung funftfuchenden Schriftfäße angefertigt, ebenfo bie perfön der Intereffen der Gewerkschaftsmitglieder erheischten diese Maßliche Vertretung vor den Instanzen der Arbeiterversicherung nahme gebielerisch. Die Mehrheit der Ausschußmitglieder der trat indes die Ansicht, daß aur Errichtung einer Schreibstube" für die Berliner Gewerkschaften te in Anlaß gegeben sei". Der Anstellung eines zweiten Getretärs ftimmte man aber zu. Die Lotaliften wir hatten damals in der Beckner Gewerkschaftskommiffion Botalorganisationen und Sentralverbände nahmen zu der Anstellung eines zweiten Gefretärs auf einer Konferenz unter sich Stellung und lehnten den Borschlag des Aus. Anfang 1900 wurde dann Körsten als Sekretär für das Bureau Schuffes ab. Das Bureau nüße ihnen nichts"! Die Maurer sprachen gewählt, während ich als„ Hilfskraft" die Arbeitern des Sekretariats fich dagegen mit der Begründung aus, fie wollen teine Beweiter verrichtete. 3m März 1901 mutbe ich dann einstimmig als amten züchten". Trotz dieser Ansichten wurde mit 77 Stimmen gegen 5 beschlossen, am 1. April 1899 einen zweiten Sekretär anzustellen. Das Bureau erfuhr nur insoweit eine Alenderung, als einer von den Getretären die gewerkschaftlichen, der anders die fozialpolitischen Fragen bearbeiten sollte. Juve Die Anstellung des zweiten Sekretärs war nicht von langer Dauer; am 15. Mai 1899 trat der Genoffe 2. Rör ften fein Amt an, doch schied er nach einigen Monaten wieder aus. Im September 1899 wurde dann auch der Sekretär millarg feines Amtes enthoben. Das Burcau mutbe nun zunächst vom Genoffen G. Busse als Ausschußmitglied verwaltet. Ausgangs September wurde ihm ein weiteres Ausschußmitglied der Genoffe G. Lin?, der Schreiber dieser Zeilen, als Hilfskraft zur Seite gestellt. Wir, Busse umb ich, befaßten uns mit der Frage des Ausbaues des Bureaus der Berliner Gewerkschaftsfommiffion aum Arbeiterfetretariat, wir hatten diefen Standpunkt in den vorhergehenden Besprechungen bereits vertreten, nochmals in eingehender Weise. Busse tam mit mir zu derselben Ansicht, daß es mit der reinen Auskunftserteilung und der Vermittlung" von Bertretern nicht getan sein kann und darf. Wir unterbreiteten unsere Ansicht dem Ausschuß in seiner Gesamtheit. Sie fand gerade feine begeisterte Aufnahme, indeffen auch teine definitive Ablehnung. Eines der Ausschußnit. amt usw. ausgeführt. Mein erstes Debüt in der Bertretung fand Schiedsgerichte für Arbeiterversicherung, dem Reichsversicherungsvor dem Reichsversicherungsamt in der Sache eines brunches statt. Buffe bearbeitete die gemertschaftlichen Angelegen vor dem Reichsversicherungsamt in der Sache eines Leisten beiten. Bohl hörte man manchmal von den radikalen Ausschußmitgliedern, daß wir eigen mächtig gehandelt hätten. Doch toir ließen une nicht irre machen. Sekretär für das Bureau gewählt. Man vermied es gewissen haft, das Wort Arbeiterse tretariat auszusprechen. Allein mm Laufe der Zeit fand man sich auch in Berlin mit der Ausgestal tung des Bureaus der Berliner Gewerkschaftskommission zur ,, Schreibftube", d. h. zum Arbeiterfefretariat, ab. # die anderen Gewerkschaftsrichtungen Sekretariate errichteten, tam für Berlin die Errichtung der gemeinnügigen Rechtsaustunftsstellen", bie namentlich von dem damaligen Oberbürger meister von Rigdorf- Kaiser sehr start protegiert und vielfach von städtischen Behörden fubventioniert wurden, in Frage. Nicht gulegt trieb in Berlin auch die Zunft der Rechtskonsu tenten" eine starke Sebze gegen das Arbeiterfekretariat; die Ur fache war flar, sie sahen fich in finanzieller Beziehung start bedrängt. Indes, all diese Manipulationen haben nichts genügt, das Arbeiterfefretariat wurde für alle die, die im wirtschaftlichen Erwerbsleben stehen, insbesondere für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und deren Angehörige, die an ihrem höchften Gut, Leben und Gefundheit, Schaden gelitten hatten, etne Stätte, von der aus ihre 3nteressen in pöllig unentgeltlicher Weise auf allen Gebieten des Rechts vertreten wurden. Die Auskünfte in den perfloffenen 25 Jahren gehen in dis der Brennpunkt der Gewerkschaften geworden. Million, die Erfolge in die Tausende. Das Arbeiterjekretariat ist Die Tätigkeit der Arbeiterfefretäre wird leider auch heute noch von manchem außerordentlich unterschätzt. Gewiß haben unsere Erfolge, die wir durch unsere Tätigkeit erringen, nicht den äußeren Glanz, den beispielsweise der Angestellte günstig beendet. Die Arbeiterfekretäre, die etwa bis 1910 herum in der Gewerkschaftsbewegung hat, wenn er eine Lohnverhandlung eine bevorzugte Stellung in der Arbeiterbewegung eingenommen haben, werden heute, obwohl ihre Tätigkeit meist nicht nur nervenaufreibend ist und Raubbau an ihrer Gesundheit bedeutet, auch sehr verantwortungsvoll ist, als Aschenbrödel behandelt. Es kann daher auch in dieser Beziehung die Schrift von Paul Rampffmeyer über„ Friz Ebert" mit Ruben gelesen werden. Ueber die von dem Arbeitersekretariat geleistete Arbeit und die Erfolge für die Gewerkschaftsmitglieder glaube ich an dieser Stelle nichts sagen zu dürfen. Die Errichtung des ArbeiterfefreiaIn den 25 Jahren seines Bestehens hat sich das Berliner riats war auf Grund der statutarischen Bestimmungen der Zentral, Arbeiterfekretariat durch seine segensreiche Tätigkeit nicht nur die verbände der Gewerkschaften einfach eine zwingende Not. Anerkennung und Achtung der Berliner Gewerkschaften erworben, wendigkeit. Die Erfenntnis bafür spiegelte sich am deutlichsten es ist nicht nur eine Stätte geworden für all die Krüppel, den in der zunehmenden Tätigkeit, der Inanspruchnahme des Sefre Arbeitsinvaliden, der Witwen und Waisen, deren Ernährer, der tariats durch die Mitglieder der Gewerkschaften ab. Die wachsenden Gatte und Vater, im Dienste des Kapitalismus Schaden erlitten Arbeiter erforderten es, daß 1904 und 1905 je ein weiterer Gefretär bzw. getötet wurden, sondern es darf heute auch von den Behörden in der Person der Genossen Brüdner und Abolf Ritter angesagt werden nameniliay fommen die Spruchinstanzen der Argestellt wurde, um all die notwendigen Arbeiten erledigen zu fönnen.beiterversicherung Oberversicherungs- und ReichsversicherungsDaß das Bestehen des Arbeiterfekretariats gewissen Streifen amt- in Betracht, daß fie uns Achtung und das größte Wohlunangenehm war, ist, wer die damaligen Verhältnisse nicht nur aus wollen entgegenbringen. Büchern fernt, erwiesen. Wurde das Berliner Arbeiterfekretariat doch von gewissen Kreisen als sozialdemokratische Ein richtung und damit als Stätte der Verhegung der Arbeiter bzw. Arbeiterinnen zur Erlangung höherer Unfallrenten n. a. bezeichnet. Wie in den verflossenen 25 Jahren, so werden auch weilerhin die Intereffen der freigewertschaftlich organisierten Arbeiter und deren Angehörigen durch das Berliner Arbeiterfekretariat gewahrt merben, regung so außerordentlich steigerte, der Kampf um die Tattit, berührt uns heute viel weniger. Denn die politischen Probleme der Gegenwart sind nach den Erschütterungen des Weltkriegs ganz anderer Natur, müssen das ist heute die gemeinsame Anschauung von Kautsky und Bernstein- neu untersucht und neu gelöst werden. Auch ist in diesem Zusammenhang ein ausführlich begründetes Urteil über den Zusammenstoß der verschiedenen taktischen Strömungen und ihrer theoretischen Begründungen weder möglich noch nötig. Wir sind auch heute der Meinung, daß Kautsky bei der damaligen Lagerung der Machtverhältnisse der Klassen, bei der Starrheit des durch Militarismus und Bureaukratie geftügten Regierungssystems der meisten Großfstaaten die Möglichkeiten und Richtungen der Entwicklung im wesentlichen richtig gesehen hat. Wir sind auch überzeugt, daß gegenüber den Versuchen, die marxistische Theorie sei es durch philosophische Anschauungen zu ergänzen" oder durch wesensfremde, anderen ökonomischen Systemen entspringende Gedankengänge zu erweitern, Kautsky die prinzipiellen Grundlagen der Theorie mit vollem Erfolg gewahrt hat. Aber wie immer man darüber urteilen mag, sicher ist, daß gerade der Streit um die Grundlagen der Theorie und der Praxis, vor allem auch dank der Art, mit der Kautsky die theoretischen Probleme herausarbeitete und Klarstellte, außerordentlich viel zur Schulung und zur Erkenntnis beigetragen hat. Großen Anteil hatte daran eine wesentliche Art des Kautskyschen Denkens. Man hat Kautsky oft öffentlich und privat vorgeworfen, daß er den erfenntnis kritischen und methodologischen Problemen zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Es ist richtig, den endlosen, namentlich in den beiden legten Dezennien sich immer mehr ausbreitenden methodologischen Diskussionen hat Kautsky wenig Beachtung geschenkt. Er hat es vorgezogen, die Erkenntnis zu mehren und den anderen den Streit über die Möglichkeiten der Erfenntnis zu überlassen. Aber gerade dadurch hat er zugleich auch der Methode des Marrismus den besten Dienst erwiesen, indem er im Marrismus immer nur die Sozial wissen= schaft gesehen hat, die Lehre von der Determination, der Bestimmung des in der Geschichte wirkenden Willens der großen fozialen Klaffen durch die sozialen Verhältnisse, die die Wirtschaftsgeschichte beschreibt und die Nationalökonomie gefeßmäßig erfaßt. Er hat dadurch die Theorie immer wieder vor den zahllos versuchten Einbrüchen der Metaphysit, sei es der materialistischen oder der idealistischen, bewahrt, in einer Zeit immer neuer Berwischung der Grenzen zwfchen Wissenschaft und Philosophie ein nicht genug hoch zu schätzendes Berdienst. * Der Streit um den Revisionismus ebbte allmählich ab, da eine neue Aera revolutionärer und friegerischer Katastrophen sich immer deutlicher anfündigte. Kautsky hatte unterdessen in der Herausgabe der Theorien über den Mehrwert", in der Untersuchung über den Ursprung des Christentums" neue wissenschaftliche Arbeit geleistet. Jegt legte er in der Neuen Zeit" die imperialistischen Tendenzen bloß, sagte das Kommen der russischen Revolution mit Sicherheit voraus und zeigte im ,, Weg zur Macht", in der Sozialen Revolution" die taftischen und sozialistischen Probleme auf, die die geänderte Situation der Arbeiterbewegung stellen würde. Der Krieg fam. Acerba fata Romanos agunt Scelusque fraternae necis. grenzen. über die der Bolschewiki sehen konnte, das sieht er selbst als Krönung seines Lebens an. In einer prächtigen, liebenswürdigen und liebenswerten autobiographischen Stizze, die er für die von Dr. Felig Meiner herausgegebene Sammlung Die Volkswirtschaftslehre der Gegenwart in Selbstdarstellungen" geschrieben hat und die in einem gleichartigen Auffah von Eduard Bernstein ihre glückliche und interessante Ergänzung findet, spricht Kautsky zum Schluß von dem ungeheuren Wandel in seiner Situation, die sich binnen eines Jahres aus der größten Isolierung in das gerade Gegenteil verwandelt habe. Die Achtung, die Sympathie, das Vertrauen meiner Parteifreunde hatte ich auch in der Zeit unserer schwersten Differenzen nie verloren. Aber nun Bezirksverband Gr.- Berlin SPD. KARL KAUTSKY dem Führer des internationalen Proletariats Zur Feier seines siebzigsten Geburtstages versammeln sich die Parteifunktionäre Dienstag, den 21. Oktober, abends 7 Uhr, in der Schulaula, Mittenwalder Straße 37 Orgelmusik:: Internationale Lieder Genosse Dr. Hilferding spricht über: KAUTSKY UND SEIN WERK Karten im Bureau des Bezirksverbandes, Lindenstr.3, 2.Hof hatte ich endlich wieder einmal auch ihre allgemeine Zuftimmung gewonnen, vielleicht in höherem Ausmaße, als ich sie vor dem Kriege besessen. So verspricht nach allen Irrungen und Wirrungen seit dem August 1914 mein Lebensabend in einem flaren und heiteren Sonnenuntergang einen verföhnenden Abschluß finden zu wollen." * Groß, folgenreich und bedeutsam ist das Werk, das Karl Kautsky vollbracht hat. Daß er es vollenden konnte, das dankt er nicht nur den Umständen, nicht nur seiner großen Begabung, das dankt er dem, was wesentlich ist im Menschen: seinem Charakter. Einfach, gerade und wahrhaftig ist dieser Mann, List und Schlauheit sind ihm wesensfremd. Er gehört zu jenen Naturen, die nie nach Persönlichem gestrebt, denen es gegeben ist, im Erforschen der Dinge, im Erschauen der Außenwelt sich selbst zu vergessen, die der objektive Zusammenhang in Natur und Gesellschaft mehr interessiert, als ihre subjektive Stellung zu diesen Zusammenhängen. Was Marg einft von sich fagte, man müsse leben, um schreiben zu können, man dürfe aber nicht schreiben, um zu leben, war auch für Kautsky eine Selbstver ständlichkeit. Persönliche Ehrung, Streben nach materiellen Gütern fam ihm nie in den Sinn. Was er tat, empfand er als selbstverständliche Betätigung, als jein Lebensgefeß, wie die Biene Honig sammelt. Daher die Bescheidenheit dieses Mannes, der im Verkehr mit anderen schüchtern wird, er, deffen Wirder im Verkehr mit anderen schüchtern wird, er, deffen Wirtung sich so weit und tief erstreckte; wie seit dem Tode von Mark und Engels kaum die eines anderen Denters. Aber dieser Mann ist zugleich mit dem leidenschaftlichen Temperament des Kämpfers erfüllt gewesen. Das verband ihn erst ganz und unauflöslich mit der kämpfenden Arbeiterschaft. Das ließ ihn auch sein Werk erst vollenden, das durchgekämpft und verteidigt werden mußte gegen die nie aufhörenden AnKlinge geschlagen. So gütig, von Humor erfüllt der Privat mann ist, im Kampfe ist er ein gefürchteter Gegner. Aber nie hat er aus persönlichen Gründen und in persönlicher Weise Rämpfe gesucht oder geführt. Als der Revisionismusstreit ihm seinen alten Kampfgefährten entfremdete, trauerte er lange dem Verlust des Freundes nach. Freudig war das Wiederfinden mit Bernstein, als sie im Kriege sich näherten. So verband ihn auch mit den Großen des Sozialismus, mit Friedrich Engels noch, mit Bebel vor allem und Bittor Adler innige Freundschaft. Hart suchte das Geschick die Arbeiterbewegung heim und Brudermord zerriß fie. Die Einheit der Partei, die Möglichfeit der Internationale zu erhalten, war Kautstys, ihn tief er regende Sorge. Das war nur möglich, wenn feine fozialistische Partei Eroberungszielen zustimmte. Dies als Bedingung von der Regierung zu verlangen, erschien ihm wichtiger als die Frage der Kreditbewilligung. Er blieb mit seinem Standpunkt zunächst isoliert. Je flarer aber der imperialistische Charakter des Krieges in den verschiedenen Ländern hervortrat, desto stärker fühlte Kautsky die Notwendigkeit, die Stellung des Sozialismus gegenüber diesen Bestrebungen scharf abzugriffe einer feindlichen Welt. Kautsky hat stets eine scharfe Der Konflikt innerhalb des Sozialismus verschärfte sich immer mehr. Kautsky mußte zu feinem großen Schmerz die Spaltung der Partei, der er bis zuletzt widerraten und entgegengewirkt hatte, mit all ihren Folgen erleben. Hart traf es ihn, als ihm 1917 die Neue Zeit" genommen wurde und immer mehr steigerten sich die Konflikte. Hatte ihn der Sieg der russischen Revolution zunächst mit Jubel erfüllt, so erfüllte ihn die Revolution der Bolschewiki mit schwerer Sorge, die bald zu leidenschaftlicher Abwehr wurde. Das schuf ihm nicht nur in den Bolschewifi und den Kommunisten heftigste Feindschaft, die nur allzu rasch in unwürdige Beschimpfung ausartete, sondern trug ihm auch heftige Angriffe bei einem Teil der Unabhängigen Partei ein, die bis zur Stellung von Ausschlußanträgen führte. Kautsky fühlte sich immer mehr isoliert. Aber feineswegs war er des Kampfes müde. Mit dem Ende des Krieges schien ihm jeder Grund der Spaltung weggefallen zu sein. Leidenschaftlich strebte er zur Einigung; für fie zu wirken erschien ihm jetzt seine wichtigste, wie er mit glücklicherweise unbegründeter Melancholie hinzufügte, letzte politische Aufgabe. Die Einigung der Partei in Deutschland war ihm zugleich Bedingung und Gewähr für das andere hohe Ziel: der Einigung der Internationale, der ja seine Lebensarbeit stets gegolten hatte und nicht am wenigsten während des Krieges. Daß er für diese Einigung der Partei noch wirken fonnte, indem er ihr in seinem jüngsten Buch die„ Brole tarische Revolution und ihr Programm" die theoretische Grundlage zu schaffen fuchte, ließ ihn jede Bitterfeit überwinden. Daß er die Einigung der Partei, die Wiederherstellung der Internationale erleben, den Sieg seiner Auffassung Unermüdlich hat Kautsky seit seinen Jugendtagen für den Sozialismus gearbeitet. Wie er als Jüngling sich systematisch und planmäßig vorbereitete, um an die Eroberung des marristischen Ideenreichtums gehen zu fönnen, so ist auch seine Arbeit um die Verbreitung, die Fortführung und Vertiefung der Theorie, um ihre Anwendung für die Politik der Arbeiterklasse unermüdlich und ohne Unterbrechung. Heut danken die zahllofen Schüler, die er zum Verständnis des Sozialismus geleitet, heut danken die Sozialisten überall ihm für die Früchte dieser Arbeit und grüßen das Vorbild, das er im Leben und Forschen ihnen gegeben. Möge unser Gruß Karl Kautsky sagen, daß ihn heute nicht nur beglückwünschen, die stets bei ihm waren, sondern daß auch diejenigen ihn wiederfanden, die in unheilvollen und dunklen Tagen fich von ihm getrennt haben. Wir grüßen ihn um so freudiger, als wir wissen, daß diese fruchtbare Arbeit noch nicht beendet ist, daß wir noch manche Bereicherung unserer Erkenntnis und Förderung unseres Kampfes von ihm erwarten dürfen. Rudolf Hilferding. Kautsky- Schriften. Zur Ehrung des Siebzigjährigen. Zum 70. Geburtstag des Altmeisters des internationalen So zialismus, Karl Kautsky, den feine zahlreichen Freude und Schüler heute feiern, sind eine Reihe Schriften erschienen, die nicht nur seine 50jährige Tätigkeit im Dienste der sozialistischen Arbeiterbewegung würdigen, sondern auch wertvolle Beiträge enthalten, die die Forschungsmethoden Kautskys auf den verschiedensten Gebieten zur Anmendung bringen. Durch diese Zusammenfassung soll die Person wd das Lebenswert des großen Denkers und Kämpfers der Arbeiterklasse den vielen Hunderttausenden seiner Anhänger nähergebracht werden. Unsere wissenschaftliche Zeitschrift Die Gefellschaft" hat zu Ehren Kautskys ein 160 Seiten startes Sonderheft herausgegeben, in dem Kautsky als Theoretiker und Führer der sozialistischen Inter. nationale gewürdigt wird. Die foziologischen und philosophischen Ideen in den Schriften Kautskys werden von Mag Adler, Karl Borländer und J. Marsch at analysiert. 2. Boudin u.id Bittor Tschernom unterfuchen die Revolutionstheorie Rautstys und seinen Standpunkt in der Sozialisierungsfrage. Die parteigeschichtlichen Beiträge eröffnet Adolf Braun mit der Darstellung ber Rolle Kautsfys in Desterreich und Ed. Bernstein mit Rautstys erstem Wirken in der deutschen Sozialdemokratie. Her mann Müller, Friedrich Stampfer und Paul Rampff. meyer geben ihre persönlichen Erinnerungen an Kautsky wieder. Besonders reichhaltig find die Beiträge, die die Bedeutung Kautstys in den verschiedenen europäischen Ländern schildern. Johann Pollach schreibt darin über die Tschechoslowakei, Jakob Pistiner über Südost- Europa, Janto Satasoff über Bulgarien, J. W. Keto über Finnland, Theodor Dan und Nikolajewski über Rußland und Noé Jordania über Georgien. Ein Beitrag Richard Seidels über die Rolle Kautskys in der GewerkschaftsEewegung und eine umfangreiche Karl- Routsfy- Bibliographie von Karl Huber beschließen das Sonderheft, das für jeden theoretisch interessierten Genossen eine willkommene Gabe sein dürfte. Auch die wissenschaftliche Zeitschrift der österreichischen Sozial demokratie„ Der Rampf" hat ihre letzte Nummer als Feſtausgabe für Karl Kautsky ausgestattet. Sie enthält neben Beiträgen, die Kautsky gewidmet sind, eine Anzahl wertvoller politischer und wissenschaftlicher Abhandlungen, die an die Schriften Kautskys anknüpfen. Wilhelm Ellenbogen gibt darin ein lebendiges Bild des Wirkens Kautskys. Alfred Braunthal und Zoltan Ronal behandeln Kautskys Revolutionstheorien. Otto Jensen schildert Rautsty als marristischen Geschichtsforscher. R. Abramowitsch, Alexander Brade und Morris il quit würdigen die großen Berdienste Kautskys um die sozialistische Bewegung in Rußland, Frankreich und Amerika. Abhandlungen von Helene Bauer, Odo Olberg, Julius Braunthal, Zioto Topalowitsch, Friedrich Adler, Therese Schlesinger, 3. Hannat und Mag Adler ergänzen das Heft, das in feiner Arbeiterbibliothek fehlen sollte. Einen weiteren Rahmen als die beiden genannten Festgaben steckt sich ein Sammelwerf,„ Der lebendige Margismus", das in unserem Jenaer Parteiverlag( Thüringer Berlagsanstalt und Druderei) von Otto Jensen herausgegeben worden ist. Als Ehrung Rautskys gedacht, stellt sich dieses Werk die Aufgabe, durch eine Reihe gründlicher wissenschaftlicher Abhandlungen den Nachweis zu erbringen, daß die von Stautsty popularisierte und ausgebaute marxistische Theorie in der mannigfaltigsten Arteiten der jüngeren fozialistischen Kräfte ihre lebendige Fortentwidlung gefunden hat Das Wert, an dem u. a. Otto Bauer, Mar Adler, Hermann Wendel, Oda Wendel, Oda Olberg, Professor Tandler, Profeffor Schagel, G. E. Graf mitgearbeitet haben, stellt in der Tct eine außerordentliche Bereicherung der Parteiliteratur dar. Seine Ein teilung in vier verschiedene Lieferungen, in denen Sozialisierungs fragen, Politik und Geschichte, historischer Materialismus und Nationalökonomie gesondert behandelt werden, erleichtern die Anschoffung des Werkes feitens interessierter Genossen. Zur weiteren Verbreitung ist schließlich eine fleine Schrift bestimmt, die der Verlag J. H. W. Diez Nachf., Berlin, zum heutigen Tage herausgebracht hat. In diesem mit einem Bilde Kautskys ge schmüdten Schriftchen findet jeder Leser neben einer liebevollen Lebensschilderung Kautskys ausführliche Hinweise auf seine bedeutendsten Schriften, die noch heute zum Studium der praktischen und theoretischen Probleme der Arbeiterbewegung umentbehrlich find. Möge diefes Schriftchen neben den vorher geschilderten dazır beitragen, die theoretische Vertiefung in den Kreisen der foziclistischen Arbeiterschaft zu fördern. Dies wäre die beste Ehrung, die die deutsche Arbeiterschaft ihrem Führer und Lehrmeister Kautsky bereiten könnte. Wirtschaft Zu den deutsch- franzöfifchen Vertragsverhandlungen. Der Abschluß des deutsch- französischen Handelsvertrages ist eines der wichtigsten Probleme für die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft. Ein solcher Vertrag würde erst die wirkliche Liquidation des Ruhrkampfes bedeuten. War doch der Kampf um das Ruhrgebiet nicht nur durch die finanziellen Forderungen Frankreichs veranlaßt, sondern er galt zugleich den franzöfifchen Imperialisten als ein Mittel zu dem zweck, den Kohlenbedarf der französischen Schwerindustrie sicherzustellen, deren Export nach dem bisher besetzten Gebiet zu erleichtern und Einfluß auf die deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Der deutsch- französische Handel ist nach dem Kriege außerordentlich zusammengeschrumpft. Die statistiichen Zahlen, die darüber vorliegen, fönnen zu einem Vergleich nicht herangezogen werden, da nur ein Teil des deutsch- französischen Die mild- aromatische HOCKEY 3s Waldorf- Cigarette CLIO KORK 4ch LY- 24 für den taglichen BedarfTILLY 53 Handels in den letzten Jahren von den deutscher Zollbehörden fon| Vertragsbafis dadurch zu schaffen, daß sie die Anwendung des| bigendes Ergebnis bald erreicht wird. Gerade die deurbe Arbeitertrolliert worden ist. Die französische Statistit ergibt da. Minimaltarifes auf alle folche Waren forderten, an deren Aus gegen mit aller Deutlichkeit eine starte Berminderung des Warenverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich, und diefe fällt um so mehr ins Gewicht, als die Gebietsveränderungen infolge des Friedensdiftats cher eine Steigerung des gegenseitigen Handels wahrscheinlich gemacht hätten. Die Lostremung der Lothringischen Erzgruben von Deutschland hatte der Einfuhrbedarf wesentlich gesteigert. Die Kohlenlieferung freilich, auf die Frank reich angewiesen ist, erfolgten auf Reparationskonto und später durch tie Micum. Hingegen war die elfäffische Textilindustrie auf den Export nach Deutschland eingestellt und ebenso ist die französische Eisenindustrie an einer Ausfuhr lebhaft intereffiert. Andererseits bedarf Deutschland neuer Absjaggebiete für feine Waren und muß schon aus diesem Grunde versuchen, mit dem Nachborstaat in freundschaftliche Handelsbeziehungen zu fommen. Die erste Etappe der Handelsvertragsverhandlungen, die jetzt abgeschlossen ist, brachte zunächst nur eine grundsägliche Klärung der Voraussetzungen, unter denen ein Abkommen möglich ist. Hinderlich ist für beide Teile die Verschiedenart der Systeme, auf denen sich die deutsche und die französische Zollpolitik aufbaut. Deutschland hat befanntlich einer autonomen Zolltarif, bei dem in der Handelsvertragsverhandlungen Abstriche gemacht werden, wenn die Gegenseite Erleichterungen der deutschen Ausfuhr gewährt. Dadurch, daß in den Handelsverträgen neben den vereinbarten Zollermäßigungen noch die Meist begünstigung gewährt wird, erhalten die einmal ermäßigten 3ollfäße gegenüber den übrigen Staaten allgemeine Gültigkeit: die einzelnen Bollermäßigungen merder in ihrer Gesamtheit zum sogenannten Bertragstarif. Deutschland geht also bei seinen Vertragsabschlüssen von dem Gedanken der Meistbegünstigung aus. Anders Frankreich. Dieses hat einen Doppeltarif. Neben den im Marimaltarif enthaltenen Zöllen ist in einem Minimal tarif diejenige untere Grenze für Zugeständnisse bestimmt, die seine Unterhändler bei Vertragsverhandlungen machen fönnen. Ein Gefet vom Jahre 1919 schließt die Gewährung der Meist be günstigung aus und beschränkt die Gültigkeit der Zollermäßigungen auf den einzelnen Staat, mit dem sie jeweils verabredet sind. So tommt es, daß Frankreich von Deutschland die Meift begünstigung verlangt, und Deutschland auch grundsätzlich bereit ist, fie zu gewähren, daß Frankreich dafür aber keine gleichgeartete Gegenleistung bieten kann. Die deutschen Unterhändler fuchten eine Hecht Tabakwaren groshandlung Zigarren, Zigaretten, Tabak billig Lindenstr. 81 Dezimalwagen fuhr nach Frankreich Deutschland ein starkes Interesse hat. Das wäre dann dem Sinn, wenn auch nicht dem Worte nach die„ Meist begünstigung". Neben der Meistbegünstigung wurde allerdings von Frankreich auch die Aufrechterhaltung der 3ollfreiheit für ge wisse elfäffische Waren bei ihrer Einfuhr nach Deutschland verlangt. Diese Forderung wurde von den deutschen Unterhändlern grundfäßlich abgelehnt. Durch die Unterzeichnung eines Protofolls wurde der Rahmen der sachlichen und ins einzelne gehenden Beratungen festgelegt, die sich an die grundsätzliche Aussprache anschließen sollen. Die deutschen Unterhändler sind nach Berlin zurüd: gefehrt, um vorher mit der Regierung und den Interessenten die Einzelberatung vorzubereiten. Do bei diesen einzelnen Beratungen die Frage der Kontingente noch einmal zur Sprache kommen wird, muß dahingestellt bleiben. Im übrigen scheint jedoch eine Grundlage für die Verhandlungen vorhanden zu sein darin, daß Frankreich in weitgeheider Weile den deutschen Export in sein Land erleichtert, wofür dann die deutsche Meistbegünstigung eingetauscht werden könnte. Auch die Ermäßigung von deutschen Zöllen wird von Frant reich gefordert. Es wird sich erst bei den Einzelberatungen zeigen, ob und in welchen Punkten eine solche Zollermäßigung durch Zugeständnisse der anderen Seite gerechtfertigt ist. Der Geist, in dem die Verhandlungen bisher geführt wurden, zeugt ebenfalls davon, daß die französischen Unterhändler durchaus bereit sind, die Berhandlungen auf das Sachliche zu beschränken und alle störenden politischen Momente auszuschalten. Auch auf der Seite der deutschen Unterhändler ist man zu fachlicher Arbeit gewillt. Um so bedenklicher wäre es, wenn diese Verhandlungen, die tm Interesse der gesamten Boltswirtschaft geführt werden müffen, deren Ergebnis die Zusammenfassung aller deutschen Interessen bei der Meuregelung des Handels mit Frankreich sein muß, einzelne Industriegruppen, etwa die Schwer industrie in verschiedenen Ländern, durch die Verfolgung von Sonderintereffen die Verhandlungen erschweren würden. Was die Form des Bertrags angeht, so hat man auf deutscher Geite den Wunsch, zu einem langfristigen Handelsper trag zu gelanger. Die Zollbindungen werden jedoch nicht für lange 3eit hinaus festgelegt werden können, da sowohl in Frankreich wie ri Deutschland die Absicht besteht, die Zolitarife zu revidieren. Man fann nur wünschen, daß troß diefer Schwierigkeit ein befrie faft hat an dem Zustandekommen von Handelsverträget das größte Interesse, weil durch sie der internationale Handel erleichtert und der Weltmarkt der deutschen Arbeit erschlossen wird. Die Arbeiterschaft hat also von einem günstigen Handelsvertrag mit Frankreich eine Besserung ihrer Beschäftigung zu erwarten und muß schon deshalb solche Verhandlungen, die von der Gleichberechtigung beider Länder ausgehen und beiden Teilen den Warenverfehr erleichtern, begünstigen. Derartige Handelsverträge sind zugleich die beste Abwehr protektionistischer Bestre die Entfaltung des internationalen Handels find. bungen in der Wirtschaftspolitik, die das schwerste Hemmns für hauptkaffe bestätigt die Gerüchte, daß bei der Reisverwaltung Defizit in der Reichshauptkasse. Der letzte Ausweis der Reichsweis betragen die Einnahmen in der Zeit vom 1. bis 10. Oktober wieder mal die Geldknappheit zu Hause ist. Nach dem Aus146,3 Millionen und die Ausgaben 195 Millionen Mark. Es ergibt sich also ein Defizit von 48,7 Millionen, wodurch sich der Ueberschuß feit dem 1. April 1924 auf 100,7 millionen verringert. Die Reichshauptkasse erklärt das Defizit daraus, daß die als Pfand dienenden jegt über die Kasse des Kommissars für die verpfändeten Einnahmen Zölle und Abgaben auf Branntwein, Tabat, Bier und Zucker schon gemäß dem Dames- Gutachten geleitet werden müssen. Ferner find in den Ausgaben Beträge für Einlösung von E- Schahzanweisungen und Bersorgungsgebührnisse enthalten, die erst nach dem 1. Oktober bei der Reichshaupttasse zur Verrechnung famen. Die zur Verrechnung tommenden Leistungen auf Reparationsfonto werden mit 38,4 Millionen Mark angegeben. halten wir folgende Zuschrift: Ende August ist die Ausfuhr von Preistreiberei für Kartoffelmehl. Von intereffierter Seite er. Rartoffelmehl freigegeben. Daraufhin haben sich die deutschen Breise sofort den Weltmarktpreisen angepaßt. Während die Rartoffelmehlfabriken Anfang August zur Lieferung für neue Rampagne im Oktober und November mit 23 und 24 Goldmarfje 100 Kilogramm ab Fabrikstation vertauften, verlangen fie heute 35 und 36 Goldmar? gegenüber einem Borkriegspreis von durchschnittlich 20 Goldmark. Ware fann man fast nicht erhalten. Das wirkt natürlich zurück auf die Kartoffelpreise und auch auf die Brotpreise, da Kartoffelmehl zur Streckung des Brotmehls benutzt wird. Es erscheint unter diesen Umständen angebracht, eine zeitweilige Ausfuhrsperre, wie fie für Getreide bereits erlaffen ist, auch für Kartoffelmehl durchzusetzen. Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Keine SchaufensterReklame, dafür wesentl.billigerePreise Trauerfpenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, vormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10303 Selbstmörder Salt! Es hat noch einen Sinn zu leben! Laß Dir im nächsten Laden geben ' ne echte Maitapar Nur Nur"! 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Sie fich an das Wort: Gutes Einweichen ist halbes Waschen! An den Füßen muß mans büßen, wenn man täglich 12 Stunden im Laden bedient und das Geschäft so flott geht, wie bei uns. Es ist nicht Wurst, was man den Kunden für ein Gesicht macht, wenn sie Wurst kaufen, aber der sogenannte Der und Jener soll da ein vergnügtes Gesicht machen, wenn nach den ersten drei Stunden die Füße so dick angeschwollen sind, daß sie brennen, als stünde man auf Nadelspitzen. Das gibt dann nach einigen Jahren die schönsten Hühneraugen, Frostbeulen, Krampfadern, Plattfüße und andere Sehenswürdig. keiten, besonders, wenn man anfängt, etwas schwerer zu werden, und mit 30 Jahren hat man einen wahrhaft idealen Rheumatismus, wie man ihn seiner Konkurrenz nicht schöner wünschen könnte, wenn man so veranlagt wäre, wie sie. Der Leidensweg hinter dem Ladentisch eines gutgehenden Wurst- und Fleischwarengeschäfts ist nur wenige Schritte lang, aber er hat's in sich, wie die Ziege das Fett. So war es wenigstens früher, jetzt ist es ganz anders. Jetzt, wenn man am Abend Kasse gemacht hat, steigt man hinauf in seine behagliche Wohnung, läßt sich vom dienstbaren Geist einen extraguten Kaffee servieren und das wunderbar erquickende Kukirol- Fußbad muß schon bereitstehen. Schuhe und Strümpfe herunter und hinein in das Kukirolentzücken. Es gibt nichts, aber auch gar nichts im Leben, was nach so viel ausgestandener Pein diesem Gefühl gleichkäme. Die Zehen strecken sich wohlig, das Brennen hört sofort auf, die überanstrengten Nerven, Sehnen und Gelenke werden entspannt und gekräftigt. Im Winter aber schützt das Kukirol- Fußbad gegen Fußkälte, unter der schweißige Füße viel mehr. zu leiden haben, als trockene. Wenn man nun Hühneraugen hätte, so würde man nach dem Fußbade noch das millionenfach bewährte, ärztlich empfohlene Kukirol- Hühneraugen- Pflaster auflegen, das jedes Hühnerauge in wenigen Tagen schmerzlos und gefahrlos entfernt, ohne Entzündung und ohne Schneiden. Weil man aber dies vortreffliche Präparat schon früher angewandt hat, so hat man keine und kann sich nach beendigtem Fußbade anderen Genüssen hingeben. Und diese ganze Herrlichkeit hat man für nur 30 Pfennig! Dafür erhält man schon eine einfache Packung KukirolFußbad, die Doppelpackung kostet dagegen nur 50 Pfennig. Soviel erspart man allein an Schuhen und Strümpfen, die durch den Fußschweiß schnell ruiniert werden, außerdem ist man es seiner Gesundheit schuldig. Denn, das werden alle zugeben, die viel gehen und stehen müssen. Das Brennen und Stechen in den Füßen geht auch stark auf die Nerven, wie alle anhaltenden körperlichen Schmerzen. Machen Sie sofort einen Versuch, Sie werden das alles bestätigt finden. Sie werden das Kakirol- Fußbad nie wieder entbehren wollen und werden Kukirol- Hühneraugen- Pflaster stets im Hause haben, zumal Diese bemühen sich natürlich, die Ladenhüter wieder loszuwerden und der leidende Teil ist das Publikum. Merken Sie sich, daß das Kukirol- Fußbad von allen im Handel hie und da auftauchenden das erste erfolgreiche war und weit mehr gekauft wird, als alle anderen zusammen, weil das Publikum weiß, was es daran hat. Lassen Sie sich also niemals etwas anderes aufreden, sondern achten Sie auf den Namen Kukirol und auf die bekannte Schutzmarke„ Hahnenkopf mit Fuß und lesen Sie, wie Verbraucher urteilen: Die bekehrte Zweiflerin. Ich möchte nicht verfehlen, Ihnen mitzuteilen, daß Thr Kukirol wirklich ganz ausgezeichnet ist. Ich stand, ehrlich gesagt, Ihrer Reklame, die ja alles bisher Dagewesene übertrifft, etwas skeptisch gegenüber. Also lediglich aus Neugier und reiner Lust am Bösen holte ich mir Ihr KukirolFußbad und Pflaster. Und siehe da, in wenigen Tagen ist von meinen( sonst allerdings sehr schönen Händen!!!) eine Warze vom kleinen Finger, welche mich schon seit langem ärgerte, und mit nichts wegzubekommen war, verschwunden. Desgleichen sind meine Füße jetzt in schönster Ordnung. Ich spreche Ihnen also heute, an meinem 24. Geburtstage, meinen herzlichsten Dank für Ihre unerwartete Hilfe aus. Ich werde nicht versäumen, in meinem Bekanntenkreise, welcher in meiner Eigenschaft als ehemalige Künstlerin sehr groß ist, Ihr Kukirol auf das wärmste zu empfehlen. Hochachtungsvoll Frau Dr. Hildegard Manigk, Kassel, Bahnhofstr. 1. Man kann die engsten Schuhe tragen! Hiermit will ich Ihnen meine größte Anerkennung aussprechen. Seit drei Jahren war ich Besitzer eines an Vollkommenheit nichts auszusetzenden Hühnerauges, mußte schon einige Paar Stiefel zurücksetzen, weil zu eng; in meinem Schmerz habe ich endlich Ihr unvergleichbares Kukirol- Fußbad mit Pflaster angewendet und mein Erstaunen war grenzenlos, als ich nach acht Tagen das ganze Hühnerauge nebst umliegender Hornhaut entfernen konnte und heute wieder die engsten Stiefel trage. Hiermit meinen herzlichsten Dank. C. Rothenberger, Berlin- Rosenthal, Schönholzer Weg 1. Eine Probepackung des echten Kukirol- Fußbades kostet nur 30 Pfennig, eine Doppelpackung dagegen nur 50 Pfennig, 12 Doppelpackungen 5.- Mk. Kukirol- Hühneraugen- Pflaster 75 Pfennig pro Schachtel. Achten Sie aber beim Einkauf recht genau auf die Schutzmarke Hahnenkopf mit Fuß". Wir versenden unsere Broschüre.Die richtige Fußpflege immer noch vollständig kostenlos und portofrei ohne jede Verbindlichkeit für Sie. Verlangen Sie diese sofort. Unsere, unter der Leitung eines alten, erfahrenen Arztes stehende Wissenschaftliche Abteilung erteilt gegen Einsendung von Rückporto kostenlos Rat und Auskunft über alle Fragen, die sich auf Fußpflege und Fußleiden beziehen. es auch Schwielen, Hornhaut und Warzen tadellos beseitigt. Kukirol- Fabrik Groß- Salze 23 bei Magdeburg Die große Beliebtheit der Kukirol- Präparate hat natürlich allerlel minderwertige Nachahmungen auf den Plan gerufen, die den Apotheken und Drogerien aufgedrängt werden. Größte und bekannteste Spezialfabrik der Welt. Preisgekrönt mit der Silbernen Medaille In Bukarest( Rumänien) 1924. KOPPE Aus der Partei. Die deutschöfferreichische Sozialdemokratie hält Anfang Novem ber ihren Parteitag in Salzburg ab. Der Bericht des Partei vorstandes über die Partei in dem Wirtschaftskrisenjahr vom Juli 1923 bis Juli 1924 meldet: 566 124 Männer und Frauen waren am 30. Juni 1924 in der Partei organisiert; diese Zahl ist schon überholt. Das Juniheft des Sozialdemokrat", bas an alle männ lichen Mitglieder der Partei abgegeben wird, wurde in 183 000 Exemplaren gedruckt; das Movemberheft wird schon in 195 000 Exemplaren erscheinen; jeden Monat mußten 3000 Sefte mehr ge druckt werden; in jedem Monat wuchs die Wiener Sozialdemokratie um 3000 männliche Mitglieder. 51851 Mitglieder sind im vergangenen Jahr der Partei zugeströmt. Die Krife, die der wirtschaftlichen Bewegung geschadet, hat den politischen Sinn der breiten Maffen erwedt und sie in hellen Haufen zur Partei ge führt. Trotz Krife und Wirtschaftsnot find die Auflagen aller Parteiblätter und Zeitschriften gestiegen. Das Zentralorgan, die Ar beiter Zeitung", bat 20 400 Leser neu gewonnen und erscheint jeẞt in einer Auflage von 111 400. Die fozialdemokratische Frauenzeitung hat ihre Auflage von 110 000 auf 143 000, die Partei8 Uhr Große Volksoper 8 Uhr " blätter haben ihre Auflagen insgesamt um 102 400 vergrößert; bazu temmt noch die Unzufriedene" mit einer Auflage von 106 400. Die 23 eigentlichen Parteiorgane erscheinen insgesamt in einer Auflage von 666 000 Exemplaren. Dazu find aber noch zu zählen: die 52 Gewertschaftszeitungen mit einer Gesamtauflage von 979 650, das Organ der Naturfreunde mit 74 000, das neugegründete Organ der Ordner, Der Schußbund", mit 23 000, das gleichfalls neugegründete Organ der Arbeitersportler mit 4000, die Kinderfreundezeitung mit 90 000, ber Jugendliche Arbeiter" mit 22 000 und all. die vielen Zeitschriften: so der Kampf"," Arbeit und Wirtschaft", das Organ unserer Erziehungsorganisationen, das neugegründete sozialistische Studentenblatt u. v. a. m. Es find annähernd 100teils täglich oder ein bis zweimal wöchentlich, teils monatlich erſcheinende Organe in einer Auflage von insgesamt rund zwei Millionen Eremplaren, die in diesem so kleinen Lande der Arbeiterbewegung dienen. Dicfem Stand der Parteiorganisation und ihrer Breffe entspricht die Tätigkeit des Bildungswesens und des Buchveriags der Partei. Mit Stolz fann unsere Bruderpartei ihren Bericht veröffentlichen; ihrer leidenschaftlichen Rührigkeit und unermüdlichen Beharrlichkeit tommt freilich auch die wesentlich einfachere Natur der politischen Verhältnisse drüben, die mustergültige Handhabung der Theater, Lichtspiele usw. Russisch. Ballett Diaghllew Goethe Bühne KOMISCHE OPER Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Täglich 8 Uhr: 7% Uhr: Tiefland Die große Revue: Opernhaus am Königsplatz, 72: Gianni Schicch Wien gib acht! Kammertänze. Der Ueb.150Mitwirkende Kasse den ganzen Tag geöffne Leierkasten Schauspielhaus 7: Wallenst. Lager Die Piccolomini Schiller Theater 7: Torquato Tasso Volksbühne Deutsch. Künstlertheat. Täglich 7 Uhr Der Tanz um die Liebe 72: Schneid. Wibbel Operette in 3 Akt. Deutsch. Theater 71 Uhr: Die heilige Johanna von Bernard Shaw Regie: M. Reinhardt Kammerspiele 8 Uhr: Die tote Tante und andere Begebenheiten Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Viktoria Th. a. Nollendorfpl. 7.30: Die Geliebte Sr. Hoheit mit Fritzi Massary Berliner Theater 7.30 Uhr: Der süße Kavalier Komödienhaus 8: Der unwiderstehlich. Kassian SCALA 8 Uhr: Internat. VARIETE von Osk. Strauss Martha Serak Erikav.Theilmann Paul Graetz/ Robert Nästlberger Robert Scholz Hans Wassmann Georg Baselt Erich Walter Mus.Leit: M. Roth Tänze: H. Lingen Bühn Bild: E.Stern Die Lustspielhaus Tägl 8 Uhr: Zwillingsschwester Lustsp. v. L.Fulda Käte Dorsch/ Joh. Riemann Hans Junkermann Neues Operettenhaus Täglich 8 Uhr: Apollo8 Uhr 8 Uhr Theater Direktion: James Klein Die erste große Revue- Posse Das lachende Berlin Paul Beckers a. G. Senta Söneland Else Balzer- Lichtenstein usw. Unter anderem: Die lebende Schreibmaschine Das Massen- Himmelsbett Die Wembley- Ausstellung Parkett 2,50 Eintrittspreise f Kleine Walhalla am Rosenthaler Tor Großes internationales Varieté Programm! Anfang 8 Uhr Preise: 0.40 0.60 1.- 1.50 usw. R. Valentin/ Lis! Karlstadt Th. im Admiralspalast in Vorstadttheater" Barleske v. Karl Valentin Wallner- Theat. Tägl. 7 Uhr: Uriel Acosta Allabendl. 84 Uhr die große Revue Noch und Noch 66 Stg. 2 Vorst. in erster Besetzg. 31% u. 8% Uhr Central Theater U.: G'wissenswarm Kleines Th. Deuts.Opernhaus Täglich 8 Uhr 7 Uhr: Aida Tilla Durieux in Intimes Theater Residenz- Th. Ein idealer Gatte Liebeskonzern Dir.: Fel. Meinhardt A. Schröder, Westerhold, Die Täglich H. Burg. R. Lettinger vier 8 Uhr: Adele Sandrock, 8: Tempo Tempo! Metropol- Theater Tägl. 7 Uhr: Gräfin Mariza Schlaumeier Trianon- Th. Th. i. Kommand. Str. Mus. v. W W. Goetze Heute 7 U. Premiere Theater am Kotibusser Tor Täglich 8 Uhr u Solott' Letzte Wochen! 8: M'Globetrotter Stg. 31: Mädels von Davos Berlin C. 2, Klosterstr. 43, a. Eing. d. Untergrd- Bahnh. Klosterstrasse nahe d. Bahnh. Alexanderpl Dienstag, den Neu- Eröffnung: 21 Oktober 1924 abands 7% Uhr: Goethe: Die natürliche Tochter" in der Titelrolle: Frau Eise Helms. Preise der Plätze: M. 7.- 5.-, 3.-. Mitglieder der Kunstgemeinde der Goethe- Bühne zahl. auf all. Plätzen die Halfte. Jahresbeitr. d. Mitgl. M. 1. Vorverk. ab Mont. d. 13. 10. 11-6 U. i.d.Geschäftsst. Klosterst.43. Reichshallen- Theat. Abends 8 U. u. Stg. nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Neu Mutter uff Reisen Hachm. halbe Pr. b. voll. Abendorogr. Herrlich. Donhoff- Bretti: Progr Anf. 7. Populäre Preise Rennen zu Hoppegarten Donnerstag, 16. Oktober nachm. 1 Uhr ! Eine Sensation! ist der große bis 18. Oktober währende Aussteuer- Verkauf der altrenommierten Firma Humpe Jäger Wäsche Spezialhaus Erika Gläßner, Dramatisch. Theater mit eigener Fabrikation Sonnt. nachm.3U.: Jul.Falkenstein Chausseestr. 30/31 u. Ferd. Bonn ir.: Wilh. Dieterle EliteSänger METROPOL Glänzendes OktoberProgramm U.&. Auf vielf. Wunsch Pannemanns Liebestraum", 7 Uhr: VARIETE Gilles u. Jeanne 8 Uhr Der internat. OktoberSpielplan! von Georg Kaiser Rose- Theater Dir.: B Rose Alt- Heidelberg Anfang 7.45 Kottbuser Damm 73 Landsberger Str. 88 Dresdener Straße 33 Beusselstraße 27 Charlottenburg, Wilmersdorfer Str.37 Direktion: James Klein 8 Uhr Allabendlich 8 Uhr Diese Revue ,, Das hat die Welt noch nicht geseh'n" übertrifft fraglos alle Revuen der Welt aus folgenden Gründen: Die berühmtesten Berliner Bühnenkünstler sind nur bei uns! Die Original- Ausstattungen der Pariser Revuebühnen sind nur bei uns! Die fabelhaften echten spanischen Tanztruppen sind nur bei uns! Wirkliche große dekorative Aufbauten und große Balletts .sind nur bei uns! Der Marsch ins Wasser ( Legende vom Nil). Das große Perlen- Ballett mit dem lebenden Diadem Die Soldatenburg mit 90 Zwergen und Knaben. Das Straußfedern- Ballett vorgef. v. franz, Mannequins Was unter einem Frauenrock alles zu sehen ist usw. Lotte Werkmeister, Else Berna, Hanna Gorina, Miß Nielsen, Bruno Kastner, Arnold Riek, Paul Westermeier, Siegfr. Berisch, Hugo Flink, Heinz Sarnow, Bianca und Josia, Juli und Fernan, Casanova usw. Bedent. herabges. Preise Parkett 10 M., I. Rang 8 M., II. Rang 6 M., II. Rang 3 M. Tagesk. ununterbr. geöffnet | Gemeindeverwaltung in bee einzigen Großfiabi bes Bandes und mas nicht übersehen werden darf ber unschägbare Borteil zugute, daß der deutschösterreichischen Partei die Spaltung erspart geblieben ist. Die tschechische Sozialdemofrafie hat die Gruppe der Unabhängigen" unter Führung des Abg. Brodeaty, Leiters der freien tchechischen Eisenbahnergewerffchaft, wieder aufgenommen. Diefe Gruppe war seinerzeit bei der Abspaltung der Kommunisten zwischen diesen und der tschechischen Sozialdemokratie stehengeblieben. Der unaufhaltsame Rüdgang der Moskauerei auch in der Tschechoslowakei mag zu dieser Rückkehr start beigetragen haben. Weibliche Parlamentstandidaten in Belgien. Unsere belgischen Genossen haben endgültig die Aufstellung von Frauentandi. daturen für die Kammerwahlen von 1925 beschlossen. Dies geht aus ei.tem im„ Peuple" erschienenen Artikel unseres Genossen Joseph Wauters hervor. Briefkasten der Redaktion. .. 25. 1. Ja. 2. Reiner. Hohe Belohnung! Neuerdings sind wiederum 7 Fälscherwerkstätten, die Falsifikate der echten Königin von SabaCigarette herstellten, ausgehoben und 17 an den Fälschungen beteiligte Personen verhaftet worden. 15 Wir sichern jedermann Hohe Belohnung und strengste Diskretion für Angaben zu, welche die strafrechtliche Verfolgung weiterer Fälschungen ermöglichen. GARBÁTY Th.i.d.Gem.- Turnhalle Thalia- Theater LUNA PARK Weißensee, Pistoriusst.23 1hr Tägl.7%, Uhr Sonnt. abds. 71/2 Uhr Eva Benndorf in: 19. Okt. Letzter Der fidele Bauer Zigeunerliebe Sonntag Musik von Leo Fall Preise: 80 Pf. b. 2 M. Vorverk. u. Abendk. von Franz Léhar Casino- Theater Lothringer Str. 37 Tägl. 8 Uhr Neu! Neu! Satan Weib! Berliner Volksstück in 6 Bilder VINTEETBRIEN VarietéSpielplan Berliner Humor, Berliner Typen Vorher: Bunter Teil Rauchen gestattet/ Volkstüml. 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