�benöausgabe Nr. 4S9» 41. Jahrgang Ausgabe L klr. 245 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgeneusgabe angegeben Hedokllon: STD. SS, Cinftenffcafze 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 295 Te!..Ai>ressc:SoziaIdemosra! Berlin Verlinev Volksvlatt 5 Golöpfennig Donnerstsg 16. Gktober 1�24 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit!>— S Uhr Verleger: Dorwörks-Derlag Gtcbh. Berlin STD. 68, Linö-nstraise 3 Fernsprecher: Dönhoff 2430-2507 Zcntralorgan der Sozialdemokrat» fd�en parte» Deutfcblands Nicht Sürgerblock, fondern Mflösung! Ergebnis der Zentrumsberatnngen.— Erklärung des Reichskanzlers. Der Reichskanzler empfing heule mittag die Iraklionsführer der Koalikionsparteien. Räch De- kannigabe des Beschlusses der Zentrumsfraklion stellte der Reichskanzler in Uebereinstimmung mit den Parteiführern fest. dafe er weitere Verhandlungen mit den Fraktionen über die Erweiterung der Regierung für aussichtslos halte. Die Regierung behält sich ihre Entschließung vor. heute vormittag ist der Fraktionsvorstand der Reichvtogs- fcaktion des Zentrums zusammengetreten, um über die durch den gestrigen Beschluß der demokratischen Reichstagssraklion geschaffene neue Situation zu beraten. Ztm Schluß der Beratungen faßte er eine Entschließung, in der es heißt, daß die Erweiterung der Regierung nach rechts ohne die Demokralen unmöglich fei und daß er deshalb nach dem gestrigen Beschluß der Demokraten es dem Reichskanzler anhcim stellt, den Reichstag aufzulösen. Die Zentrumssraktion hat einstimmig ein« Ent- schließung ihres Borstrmdes angenommen, die eine Dar- flellung der bisherigen Entwicklung der Krise gibt und auseinander- seht, wi« alle Lösungsvcrsuche gescheitert seien. 3n. solgedessen wird dem Reichskanzler die volle Enlschlußfrei- h e i t zurückgegeben und ihm anheimgeslellt, äußerstenfalls auch die Auflösung des Reichstages vorzunehmen. Die Verhandlungen der Bürgerblockfreunde sind g e- scheitert. Die Zentrumsfraktion ist der Entschließung ihres Fraktionsvorstandes gefolgt und hat die Erweiterung der Regierung nach rechts ohne die Demokraten für unmöglich erklärt. Jetzt sind nur noch zwei Wege möglich, die zum Ab- schluß der Krise führen. Die Regierung Marx kann vor den R e i ch s t a g t r e t e n, ihr Programm entwickeln und um die Zustimmung des Reichstages ersuchen. Voraussetzung dafür ist, daß die Deutsche Volkspartei diesen Weg billigt und in der Regierung verbleibt. Die Deutsche V o l k s p a r t e n hat aber schriftlich erklärt, daß sie ohne die Deutsch- nationalen als Regierungspartei nicht mehr vor den Reichstag treten werde. So bleibt als einzige Möglichkeit die Auflösung des Reichstages. So scheint es nach wochenlangem Schacher, daß die Krise die politisch einzig vernünftige Lösung findet durch die Auf- lösung des Reichstages. An die Stelle des schmachvollen Handels um den Vürgerblock, der in den letzten Wochen be- trieben worden ist, würde damit die Entscheidung des Volkes selbst treten. Dann naht dieStundederAbrechnung mit jenen charakterlosen und heuchlerischeit Politikern aus dem deutschnationalen Lager, die mit Hilfe eines erbärmlichen Kuh- Handels sich in die Regierung einkaufen wollten, nachdem ihre eigene Politik, die sie bei der letzten Wahl den Wählern als den einzigen Weg zur Rettung Deutschlands angepriesen haben, so schmählich zusammengebrochen ist, daß sie selbst ge- zwungen waren, der Politik mit zum Siege zu verhelfen, die sie selbst mit Lüge, Gehässigkeit und Gemeinheit bekämpft haben. Dann naht auch die Abrechnung mit jenen national- liberalen Gestalten, die bei diesem unwürdigen Handel den Deutschnationalen ZutreiberdieBste geleistet haben. Damit ist die Krise zu ihrem Ausgangspunkt zurückge- kehrt. Die bürgerlichen Fraktionen der Mitte hätten sich manche Demütigung ersparen können, die sie in den Wochen des schmählichen Handels um die Regierungsumbildung erfahren haben. Ihre moralische Position für den bevorstehenden Wahl- kämpf ist durch die unklare und schwankende Haltung, die sie in den letzten Wochen eingenommen haben, wahrhaftig nicht gestärkt worden. Sie besaßen nach dem 29. August eine unge- heuer starke moralische Position gegenüber den Deutschnatio- nalen. Sie haben ihre eigene Position unterwühlt, sie haben selbst von den- Deutschnationalen offenen Hohn, Verachtung und Beschimpfung erdulden müssen— dank der heimlichen und offenen Bürgcrblocksreunde in den eigenen Reihen. Mußte doch in den letzten Tagen das Zentrum selbst damit rechnen, daß die Krise kompliziert werden würde durch eine Kanzler- krise, daß nach der Abstimmung des Reichskanzlers Marx in seiner eigenen Fraktion die Deutschnationalen die Frage der Person des Reichskanzlers aufwerfen würden. An Anzeichen dafür hat es in der deutschnationalen Presse nicht gefehlt. So stellt sich das Bild der Lage im Augenblick dar. Jetzt ist nur eine Möglichkeit noch, daß die Auflösung des Reichs- tagcs, die notwendiger ist als jemals, nicht eintritt. Es müßte denn sein, daß die Deutsche V o l k s p a r t e i, die der Treiber in dieser Krise gewesen ist, den Rückzug an- tritt und gemeinsam mit den beiden anderen Regierungs- Parteien trotz ihrer schriftlichen Erklärung als Regierungs- parte! vor den Reichstag tritt. Das würde den schmachvollen Handel, der seit drei Wochen um den Bürgerblock getrieben worden ist, krönen. Aber schließlich lehrt die Erfahrung der letzten Wochen, daß im Handel um den Bürgerblock nichts unmöglich ist. Der Seschluß ües Zentrums. Der einstimmig gefaßte Beschluß des Zentrums lautet: „Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages sieht ihre, getreu ihren Grundsätzen der christlichen Volksgemeinschaft, des wirt- schaftlichm, soz-alen und politischen Ausgleichs, mit oller Hingabe und höchstem Verantwortungsbewußtsein vorgenommenen Be- mühungen gescheitert,«ine nach dem parlamentarischen Kräfte- Verhältnis bestands- und arbeitsfähige Regierung zu bilden. Ihr großes und ernstes Ziel, eine Regierung auf breitester Grundlage der Volksgemeinschaft zu schaffen, ist zu ihrem tiefsten Vedauern nicht errescht worden. Auch de daraufhn aus Gründen der Außenpolitik und im Interesie der besetzten Ge- biete von der Fraktion erstrebte Beibehaltung der bisherigen R«- gierung war nicht durchzusetzen. Ebenso scheiterte der weitere Der- such, die Regierung tn tragfähiger Form nach rechts zu erweitern. Die Zentrumsfrattion ersucht datier den Reichskanzler, dem sie ihr volles Vertrauen ausspricht, kein Mittel unversucht zu lassen, und im äußersten Notsall an das politisch« Urteil das Volkes zu appellieren, um eine trogfähige Regierung zu schaffen, die imstande und gawillt ist: 1. die bewährte Linie der durch den Reichskanzler ge- trag-nen deurschen Außenpolitik zu sichern. 2. Die Aufgaben der sozialen Versöhnung und des wirtschaftlichen Friedens weiter durchzufiihren. 3. Die ch r i st l i ch e n K u l t u r g ü t e r zu schützen und zur Ent- faltung zu bringen. Die Bcratuug der Koalitionsparteien. Vom Zentrum nahmen an der heutigen Besprechung mit dem Reichskanzler die Abg. Etegerwald, Spahn und Dr. H ö f l e, als Vertreter des Vorsitzenden Fehrenbach, der die inzwischen fort» gesetzt« Fraktionssitzung des Zentrums leitete, teil. Von den Demo- traten waren die Abg. Koch, Erkelenz und Haas erschienen, von der Volkspartei Dr. E u r t i u s. Dr. Zapf und Scholz. Die Besprechung dauerte nur ganz kurz« Zeit. Etegerwald teilt« mit, daß die Zentrumsfraktion«ine Entschließung vorbereitet, in der sie ihr Bedauern ausdrücke, daß die Versuche des Kanzlers zur Bildung einer Volksgemeinschaft und zur Erweiterung der Koalition nach rechts mit Einschluß der Demotraten gescheitert seien. Das Zentrum sei nun der Ansicht, daß nunmehr dem Kanzler die volle Handlungsfreiheit zurückgegcb.'n fei. Die Parteiführer werden gegen 6 Uhr nachmittags über die weiter« Entwicklung dar Dinge unterrichtet werden. Um Z4S Uhr tritt.die Fraktion der Deutschen Volks parte! zu einer Sitzung zusammen. 3« K. 3 als Reparationsleistung. London,»6. Oktober.(WTV.) Renter meldet aus Washington, daß annähernd 2 200 000 Dollar als deutsche Reparationszahlung an die Vereinigst Staaten gutgeschrieben würden, tvenn dos Lastschiff Z. R. 3 von der Regierung formell übernommen worden sei. Die Leistung öes Z. N. 3. Rem Jork. 16. Oktober. fremden darüber aus, daß derfslbs Ludendorfs, der sein« politischen Gegner mit ausgesuchtem Haß und rücksichtsloser Brutalität be- kämpfe, mit«inemmal so empfindlich sei. Jetzt, nachdem die Anklage endgültig erhoben ist, wird die Verteidigung unseres Genossen eine Höhepunkte. Don Paul Dobert. Wie ein Rausch geht es zmveilen über die Erde— Begeisterung schlagt Wellen, so hoch, daß sie die Grenzen und Länder verwischen. Höhepunkte der Zivilisation sind es, die so ins Leben treten, Mark- stein« der Entwicklung, Triumphe der friedlichen Forschung... Nichts vom Blutrausch haftet ihm an, man keimt keine Sieger, kein« Besiegten, die ganze Menschheit sticht unter einem Bann. Das Schllersche Wart„Seid umschlungen, Millionen" wird für Augen- blick« Wirklichkeit. Wer ermnert sich nicht des Triumphzuges Cooks, der als Em- dicker des Nordpols in Kopenhagen einzog, indes die Nachricht, baß der dänssche Islcmddampfer den Helden, der das Geheimnis des Nordeises gelöst, der Zivilisation wieder zurückführe, die ganze Welt in Erregung gebracht hatte. Ein Name wurde m einem Tage weltberühmt, Millionen von Lippen sprachen ihn aus und segneten ilm■— gewissermaßen als Erlöser der Menschheit von den Opfern, d'« früherer Wagemut und Fofickiergeist gefordert hatten. Und al« dann einen Atemzug später Percy mit dem gleichen Ruhmes- attspnjch auftrat, zerfiel die Menschheit in zwei Lager, und die Wahrheit zu ergründen fiel schwer angesichts der stummen Eiswüst«. Heut« steht die Welt wieder vor einem solchen Höhepunkte. Das deutsche Zeppelin-Luftschifs, das den Ozean überquert, eine unsicht- bar« Brück« von der Alten zur Neuen Welt geschlagen hat. diese deutsche Tat hat zurzeit keine Nachahmmtg zu erwarten, selbst wenn es nicht den Ruhm beanspruchen kann, als erstes Luftschiff den Ozean überquert zu haben. Wie war es doch mit den meisten früheren Versuchen, das Wagnis zu unternehmen? Mußten nicht die kreuzenden Schiffe die Aeronauten aus ihren trümmerhaften Ballons retten? Deutscher Wissenschaft, deutscher Technik ist es vorbehalten geblieben, dag Exempel— restlos in dem Sinne, daß widrig« Wetterlog« kein Hiwdernis sein kann— zu lösen, und neid- los reicht die ganz« Welt den kühnen Männern die Palm« des Sieges. Wohltäter der Menschheit— wenn es noch Sitte wäre, Bürger- krönen zu verleihen, so hätten all die Männer, die da, Rad der Weltertundung um einige Grade weiter drehten, Anspruch aus diese Ehrung. Da marschieren sie auf. die Astronomen, die See- fahrer, die Entdecker, die Erfinder, die Hellkünstler, die Dichter und Denker, die Maler, Bildhauer und Musiker... sie alle haben der Welt unm eßbare Werte geschenkt, sie all« haben ihre Stunde der Berührnthe t gehabt, sie olle sind in dem goldenen Buche der Mensch- h«t dir ewige Zeiten«i-'geschrieben. Bold in großem, bald in kleinem Maßstobe haben sie dte Weit in jenen Begeisterung« rausch versetzt, der keinen Katzenjammer hintertößt. Und daß Deutschland zu diesen Männern setz» germ«S Maß gestellt Hot, mag ims mit Stolz und doch zugleich mit Demut erfüllen, denn einer steht auf den Schultern der anderen, saugt schon mit der Muttermilch jene geistige Beinflussung ein, die unsichtbar, von Ort zu Ort. von Land zu Land, über Meere und Berg« zieht. Einer auf den Schultern des andern! Wenn wir jetzt den Männern zusulxün, dt« das Luftschiff als neue Kolumbusse in den Hafen der Neuen Welt gesteuert haben, so sei doch nicht des Vaters der modernen Aeronautik(wie des ganzen Autowefens) vergessen, jenes einfachen Schwaben, der Daimler hieß und den Motor erfand, durch den erst alle folgenden Wunder möglich wurden. Höhepunkte, aber keine Ruhepunkte gibt es in der Geschichte der Menschheit. Und das Wort Ben Akibas„Es üst schon alles dagewesen" wird noch des öfteren zu schänden werden. Der Men- schengeist rm Kampfe mit der Natur spürt immer neue Punkt« auf, an denen er die Hebel seines Wissens und Könnens ansetzt. im SchiUer-Theatec. Alfonso, der freundliche Fürst von Ferrara, der zu seinem Gemtss« Paläste. Lorbeerhaine und den Unsterblichkeitsstürmer Tor- quato Tasso hält, ist eigentlich«in ganz beträchtlicher Tyrann. Er drückt stch zwar sehr gemessen und gewählt über seinen genialen Schützling aus, dem er ein hübsches Zimmer in seinem Palast« und auch einen Bruchteil von dem Inhalt jenes Kassenschrankes einräumt, den die begeistertm und gepreßten Untertanen des Fürsten mit Goldstücken beliefern: aber er verlangt zur Belohnung für seine Freigebigkeit, daß Torquato Tasso ibm sein Genie auf Lebenszeit verkauft. Man stelle sich vor. daß der geniale Jüngling nicht einmal über sein poetisches Manuskript verfügen soll, um Korrekturen daran vorzunehmenl Der Fürst will selber den Tag be- stimmen, an dem Tasso diese Berschönerungearbeit beginnen dürfe. Ueberlegt man das alles, so versteht man. daß Tasso die Gastfreund- schaft seines Beschützers gründlich satt hat. Das süße Brot, das er empfängt, mundet ihm plötzlich sehr bitter. Es kommt noch hinzu, daß ihn auch die Grazien des Hofes, die beiden Leonorsn, außerordentlich enttäuschen. Auch die Prinzessin Este und die Sanvitale sind nur launisch« Frauenzimmer. Die Sanvitale mackit gar kein.Hehl daraus, daß sie sich neben dem ehelichen Gemahl auch dieses lungen Dichters erfreuen mächt«, und die Prinzessin Este, die so rosig und zierlich über die geziemende Frauensitte redet, ist gar«in verlogener Blaustrumpf. Wahrhastig ist sie nur in jenem elenden Augenblick, da sie mit dem Gold schuh nach dem Jüngling ausschlägt, der endlich etwas fester zugreifen will. Innerhalb der ganzen adeligen Gesellschaft Reibt Tasso der beste und moralischste, obwohl wir wissen, daß er ohne das Dach des Fürsten «in Vagabund fein wird. Tasia hat sogar den Mut. dem glatten Hofmenn Antonio oll seine Eall« und wilde Rebellion mit aller Deutlichkeit ins Gesicht zu ichlcudern. Wenn der„Tasso" trogdem als das Stück der Gahaitenheit und des geordneten Gefühls gilt, so möchte man meinen, daß diese Ueberlieferung bald beseitigt werden könnte. E» würde kein Sakri- leg gegen das Goethesche Genie fem, wenn mau oinmal ganz von umfangreiche Beweisführung dafür anbieten, daß LuSendorffs Ver» halten in München unsäglich kläglich war, und sie wird auch eine ganze Reihe Zeugen dafür benennen, daß Ludendorfs ein Schädling Deutschlands ist, der alle Ursache hätte, im Hintergrund zu bleiben, statt zu versuchen, sich durch politische Prozesse reinzuwaschen. Bor allem aber wird dicsei Prozeß Anlaß geben müssen, den Lberstaatsauwalt Schütz« etwas näher zu vetrach- t e n. Derselbe Herr hat nämlich erst vor wenigen Tagen den Antrag eines Sozioldemotratcn aus einem lä'blichen Bezirke Südhannovers, Sttafantrag gegen einen völkischen Wahlbeleidiger zu erheben, a b- gelehnt. Die Begründung lautete kurz: Im Wahlkampf darf man nicht jedes Wort so genau wägen. Wenn aber Ludendorff sich wegen eines Wahlangrisss beleidigt fühlt, dann kann dieser Staatsanwalt anders. Und eben dieser Staatsanwalt hat es am Tage der Ermordung Rathenaus fertiggebrach i. demselben Genossen Schiller einen Prozeh wegen Aus- reizung zu Gewalttätigkeiten anzuhängen, weil er als Borsitzender des Sozialdemokiatifchen Vereins ein Versammlungs- plakat herumtragen ließ, in dem zum Protest gegen die völ- tischen Mordbuben aufgeferdert wurde. Nur dem Umstand, daß das RepUbli Schutzgesetz in Kraft trat. ist es zu danken, daß der Prozeß, niedergeschlagen wurde. Aber neuerdings arbeitet der Oberstaatsanwalt in seinem Sinn unbeirrt am Schutz der Republik weiter. Als Dar- spiel für diesen Ludendorsf-Prozeh, der bereits für den ZV. Oktober angesetzt war, hat Herr Schütze am 17. Oktober öffentliche Anklage im Auftrage des Göttiuger Stahlhelms ebenfalls gegen Schiller erhoben, weil dieser in einem Artikel dagegen Stellung nahm, daß der Stahlhelm am Tage der a l l g e m e i- n?nTrauerfsi«rfürdis Kriegsopfer ei neFahnen- weihe mit Kommers und Parade abhielt, der Trauerfeier aber demonstrativ fernblieb. Es spielen sich also m diesem volkisch-okodemischen Etappenort. ununterbrochen wunderbare Iustizoklionen ab, die geeignet sind, die schärffte Aufmerksamkeit einer größeren Oeffentlichkeit aus sich zu lenken. Die Prozesse reißen hier gegen ein und dieselbe Person uns Zeitung nicht ab. Nel-en den oben skizzierten Aktionen haben empfindliche Verurteilungen wegen Beleidigungen der bei M e ch t e r- sie dt beteiligten Morburger Studenten, wegen Beleidi- gung der berühmten Kähne- Familie u. o. ftattgefunden. Große Landfriedensbruchsprozesse aus Anlaß der Rat Henau-Morddemonstration in verschiedenen Orte» Südhaunovers Haber, die Göitingf Gerichte jahrelang beschäftig und nun neuerdings diese Ludendorff-Aktion. Es scheint in der Tat, daß man solche Vorgänge, die sich abseits von den politischen Brenn- punkten abspielen und den Stempel absoluter politischer Justiz tragen, besondere Aufmerksamkeit widmen muß. Die unter- irdische Tätigkeit des Ludendorfs-Verteidigers Lütgebrune und des ihm gesinnungsoerwandten Olerstaatsanioaltz muh an den Pranger gestellt werden. �akenkreuzlertumult in Hagen. Eine Friedenskundgebung gesprengt.— Versagen der Schutzpolizei. Hagen. 1«. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Friedensgesellschaft hielt am Mittwoch abend tn Hagen im großen Saal« der Stadchalle«n« öffentliche Versamm- lung ab. die der deutsch-ftanzöstschen Verständigung dienen soll'« Als Redner waren der deutsche General von Schönaich und der bekannt« französisch« General Ber ra ux vorgesehen. Di« n a t i v nalistisch en Verbände und Parteien, darunter auch die Deutsche Voltspartet, hatten schon seit einigen Togen in ein«? wüsten Hetzarbeit alles aufgeboten, die Versammlung nicht zu- stände kommen zu lassen. Sie wollten es nicht dulden, daß ein französischer Friedensgen« ral in Hagen zu Wort« kam. Das haben sie tatsächlich fertig gebracht. Nachdem es ihnen mißlimgen�war, durch«inen Antrag in der Stadtvsrordnetenverscumnlunz die Stadt- halle für die Veranstaltung zu entziehen, und auch ein Versuch,«in polizeiliches Verbot herbeizuführen, nicht gelang, haben sie dte Ver- sammlung mit Gewalt gesprengt. Der Versammlungssaal, der 2000 Personen faßt, war schon eine halbe Stund« vor der angesetzten Zeit zu etwa ein Viertel mit der Rolle des Rebellen ausginge, den Hofcheaterglanz auswischte. und die ganze Hofgesellschaft ein wenig karikiert«. Es muß in Goethe zynisch gebraust haben, als er sich die!« Verse des entgleisten Genies aus dem Herzen rang. Die Vers« sollten iialienisch tönen unld gesättigt sein oon seder Hannonie, ober sie sollten auch stechen und verwunden. Ob dies« Tasso-Trogödie in Weimar oder in Ferrara spielt, sie ist immer die Goethe-Tragodi«. Schillertheaterltil ist vorläufig noch, so weit es den„Tasso" angeht, Hoftheaterstil. Leonen« Est«, gespielt von Fräulein Marga- tete Anton, die der Staatstheatertrupp« eingereiht werden soll. war blond und kühl. Ihr« Stimm« klang gestern etwas müde- Sicher ist, daß ihr Lächeln leicht« gewinnt als ihre tragische Miene. Gerda Müller war sehr froh, als sie Hey Hofton verlassen, und weiblich intrigieren durste. Sie ist viel zu sehr aus entzündliche Leidenschaft gestimmt, um sich dem italienischen Pathos der Goethe- fchen Vers« zu fügen. Alwin Kaiser, der Tasso, spielte klug. wie ein in Schmerzen erfahrener Mann, nicht wie ein von Träu men durchgluteter Jüngling. Er steigerte das Alter Tassas und schadete dadurch der Roll«, die nach einem blühenden, rhetorisch perlenden Schauspieler verlangt. M. H. „Lolokk" im Trlanonkhealer. Lolott' ist natürlich ein: Kakau'. die freilich unter dem Deckmantel einer geschiedenen Frau ihr Wesen treibt. Die Kokotte ober ist, wie immer Erika GlSßner. Da man irgendein Gerüst« der Handlung haben muß, von dem herab sie ihre Beine schlenkern und ihre kessen Extempores sprudeln lassen kann, hat Fritz Friedmann-Frederich ein« kleine Beamtensatire laszelasscn. Ganz nette Ansäge: Die Beamten sind der(jeweiligen) Regierung treu ergeben: Beamter wird man, weil man doch leben muß. Die Beförderung geschieht immer noch nach Beziehungen: z. B. ei» Faulpelz, der angeblich ein ZZerhältnis mit der Frau des Ehefs hat. macht rasend Karriere. Ja. so machen es die Lustspielfabrikant cn. Aber die Hauptsache ist die Gläßner. Sie ist die Rakete, die Wind- hose, das große eniant ternble, dos als angebliche Frau des Ober. Präsidenten diesem auf seiner Inspektionsreise in«in Prooinznest folgt, dort die heilloseste Verwirrung anrichtet, mit ihrem richtigen Manne, der vor ihr geflohen ist, ertappt wird und schließlich beide Trottel sitzen läßt, um mit einem neuen Verehrer davonzugehen In dieser unmöglichen Rclle läßt sie ihre gewohnten Verrücktheiten spielen, sagt sie Keckheiten, Tollheiten, erlebt das gewisse Etwas, das Männlein und Weiblein in diesem Amusierthecuer, dem Lieblings- kinde der Rotier, oon ihr erwarten. Di? Rudität wird nur maßvoll angewendet, dafür entschädigt ein Liedchsn, das sie tn dem ihr eigenen Iaxgon und Tonfall vorträgt. Der Oberpräsident, den Herr Bonn sehr soigniert mimt, und der erste Mann und nunmehrige Beamte. den.Herr Falken st ein von der Resignation bis zur Forschheit variiert, sind ihre Ecksäulen ihrer Schaukel. Aber mos man in der Schaukel sieht, ist nachgerade etwas fad geworden Gerade die starken Cbosey nützen sich am ersten ab.—i. Ä!e Uusslellung de, Relchsorchiv, ,ur devtschea Geschichte feit tut iit aus allgemeinen Wunsch hin nach verlängert worden. Für dte Lenonttichkeit ist die Ausstellung zugänglich am Donnerstag, den 16. und Freitag, den 17.. nachm. von 8—5 sowie Sonnabend, den 18., vorm. von 10—1 und nachm. von S— S.nnd Sonntag, de» 13., von 10—2, gegen einen Eintrittspreis von 1 M. Der Reichsbunj» Deirischer Mieter hat anläßlich der am 10. und 11. Oktober 1924 in Göttingen abgehaltenen Konferenz der Wohnungsressortreferenten des Reiches und der Länder dem Reichs- ardeitsministerium und den Ländern eine ausführlich begründete Eingabe mit den Forderungen der deutschen Mieterschaft überreicht. Unter Hinweis darauf, daß die Wohnungsnot immer fürchterlichere Formen annimmt, daß die bisherige Art der kurzfristigen Regelung endlich einmal aufgegeben und durch eine systematisch« Neuregelung ersetzt werden müßte, stellt der Bund folgende Forderungen: 1. Die Grundgedanken des Mieterschutzes: Sicherheit vor unberechtigter Steigerung des Mietzinses, Sicherheit vor willkürlicher Kündigung, Pflicht der Behörde zur Vermittlung eines Ersatzraumes für den Mieter, der ausziehen muß, sind heute fester Bestand des Rechts- und Wirtfchastsempfindens unseres Bc-lkes geworden. Di« heutige Wohnungswirtschaft ist die natürliche Ausdrucksform dieses Empfindens; sie ist deshalb keine möglichst bald abzubauend« Zwangswirtschaft, sondern eine Wirtschaftsform, die entsprechend seiner ungeheuren Bedeutung für die gesundheitliche und sittliche Eni- Wicklung des Volkes ausgebaut werden muß, auch wenn die dazu notwendigen Maßnahmen von einzelnen als Zwang empfunden werden. Einen solchen Zwang gegenüber Volksgenossen, für die nicht das Volkswohl oberster Grundsatz ist, kennen Recht und Wirt- schaft auch auf zahlreichen anderen Gebieten(Eherecht, Grundstücks- verkehr, Steuerverpflichtungen usw.). 2. Die Freigabe möblierter Räume aus den Be- timmungen des Reichsmieten, und des Mieter- chutzgesetzes darf nur dort erfolgen, wo das Angebot be- anders groß ist und die Nachfrage tatsächlich wesentlich über- teigt und die Sicherheit dafür besteht, daß sich die Mietzinsen in den richtigen Grenzen halten werden. Dabei ist noch besonders zu er- wägen, ob und in welchem Umfange sich die Freigabe auch auf Räum« beziehen darf, die für selbständige Haushaltungen vermietet sind. Die notwendigen Feststellungen müssen nach Gehör der Ver- mieter und Mieter in jeder Gemeinde besonders getroffen werden. Die Behörde hat trotzdem den Metzins für möblierte Räume weiter festzusetzen. 3. Die öffentliche Raumbewirffchaftung, die sich zurzeit wesent- lich nur auf selbständige Wohnungen erstreckte, muß auf Räume jeder Art unter Einführung der Anmeldepflicht und einer zunächst generell zu erteilenden Genehmigung ausgedehnt werden, damit einerseits die heutige Praxis der Wohnungsämter aufgehoben werden kann, bei der Wohnungen von mit ihnen verbundenen gewerblichen Räumen iium Schaden des Verwendungswertes derselben getrennt worden sind, und andererseits für den Räumungsgläubiger die Sicherheit der.Vollstreckung gegen den Räumungsschuldner, der nur gegen Ersatzraum zu räumen braucht, gegeben wird. 4. Die Wohnungsämter sind, soweit sich ihre Tätigkeit praktisch erledigt hat(Teilung von Wohnungen, neue Beschlag- nahmen wegen Zwangseinquarrierungen), abzubauen, im übrigen aber auszubauen und mit einem besonders guten Beamten- stob zu versehen. Di« Wohnungsämter werden dauernd ein« unentbehrliche Wohlfahrtseinrichtung bleiben. S. Solange die Mietzinssteuer noch erhoben wird, muß sie neben dem Mietzins gesondert tiach Prozentsätzen der Friedensmiet« aus- geworfen werden und darf nicht nach dem preußischen System an den Hausbesitz„verpachtet" werden, der damit in Preußen«in Geschäft von zirka 150 Goldmillwnen jährlich macht. Der Anteil der Steuer für den Wohnungsneubau muß mindestens 10 Proz. der Friedensmiete betragen. 6. Der Neubau ist planmäßig und unter wesentlicher Unterstützung des gememnützigen Wohnungsbaues durch Zuschüsse zu öer Meter. fordern, die bis auf weiteres grundsätzlich ohne Zins- und Tilgung?- pflicht zu geben sind. 7. Der Teil des Mietzinses, den der Vermieter behält, darf nich weiter gesteigert werden; abgesehen von der Untragbarkeit der Last, gewähren ihm schon die heute meist üblichen 40 Proz. ein« Rente. die seine Friedensrent« oft weit übersteigt. Der Hausbesitz hat kein Recht auf eine Aufwertung, die sonst kein Gläubiger hat. 8. Für die großen Jnsiandsetzungsarbeiten ist wieder ein be- sonderer Fonds in einer öffentlichen Kasse zur Hergabe zinsloser Darlehen an notleidend« Häuser anzusammeln. g. Es ist die öffentlich-rechtliche Verwaltung?, und Unter- Haltungspflicht für Grundstücksbesitzer einzuführen; sonst wird der Besitzstand unserer Volkswirtschaft an Gebäuden immer mehr g«- schädigt, außerdem unsere Wirtschaft aber im unklaren über die Lasten gehalten, die die Hauswirtschast erfordert. 10. Auch die Mieter in Neubauten, die ohne öffentliche Mittel errichtet sind, müssen vor Ausbeutung und willkürlicher Kündigung, bzw. Zwangsvollstreckung ohne Ersatzraum, geschützt werden. 11. Es ist eine Belastirngssperre für die Grundstücke einzuführen. Belastungen sollen grundsätzlich nur für Verbesserungen und nur in Form von Tilgungshypotheken zugelassen werden. fius öer Mieterbewegung! Die letzte Abteilungsmietervertreterversammlung der SPJ). brachte den Beweis, daß positive Arbeit geleistet wurde, wenn auch dos Interesse für die Mieterfragen lange nicht so rege ist. wie«e sein sollte. Nachdem die Einigung der maßgebenden Mieterverbände zu einem Reichsbund in Magdeburg beschlossen, dürfte es nun � an der Zeit und möglich sein, noch intensiver wie bisher die Forderungen der Mieter wahrzunehmen. Der Bericht über die Einigung zeigte, daß die Frag« der Sonderkandidatur leider nicht abgelehnt wurde, weshalb von uns die größte Wachstimt-rit zu wahren ist. Der Jahresbericht des Ausschusses— vom Genossen Glaser erstattet— zeigte dessen bisherige Tätigkeit, die ohne Monita ge- würdigt wurde. Es sei bedauerlich, daß die Mieterbewegung durch die Vertreter in den Reichs-, Landes- und kommunalen Körper- fchaften nicht genügend unterstützt werde; nur selten und ver- cinzslt nähmen diese an den Versammlungen teil oder stellten sich mit Referaten zur Verfügung. Mit dem Bezirksvorstand sei das Z u- f.ammenarbeiten gut, dort find? die Bewegung das not- wendige Entgegenkommen. Auch beim Parteioorstond werde der Wichtigkeit der Mieterfragen wcxhsende Auftneiksamkeit gezeigt. Alles m allem war die zu leistende Arbeit schwer, aber nicht nutzlos. Sie wird noch erspri'Hlicher fein können, wenn in den einzelnen Kreisen und Abteilungen eine stärkere Förderung eintritt und da- durch mehr Verständnis über die Mieterfragen unter die Partei- genösse«, gebracht wird. Bei der Wahl des Ausschusses wurden die Genossen Dr. Glaser, Rhode, Hanl ein. Lange, Ewald wieder, und Güldenmeister rind Rüben neugewählt. Eine Er- Weiterung des Ausschusses wurde für notwendig erachtet, weil auch nach außen mehr Agitattone- imd produktive Arbeit geleistet werden soll nnd muß. Die Mieter forderungen sind in der Wohnungs- und Bodenreform vielfach dieselben wie die der sozialdemokratischen Partei; deshalb müssen und werden viele Mieter auch den Weg zur Partei finden, wenn sie über diese grundlegenden Fragen auf- geklärt werden. Das soll die Aufgabe der partei genöMchen Mienr in der Mieter organisation sein! * Hamburg für Aufrechkerhaltung des Mieterschutzes. Die Harn- burger Bürgenschaft nahm den demokratischen Antrag an. den Senat zu ersuchen, im Reichsrat dqfür einzutreten, daß die B e st i m- mungen der Mieterfchutzgefetzgebung für Wohnun gen und gewerbliche Räume aufrecht erhalten bleiben. Nationalisten g ef n l l t. Die dann noch zuströmenden Ar- bener und Reichsbannerlcute konnten keinen Einlaß wehr finden, weil die Polizei den Saal absperrte. Schon bei Beginn der Ver- sammlung setzte ein solcher Lärm der Hakenkreuzler ein. daß General Schönaich nur kurze Zeit sprechen konnte. Durch Lärm und Singen wurde«in Weiterführen der Versammlung un- möglich gemocht. Das merkwürdigste an dem Verlauf der Bersamm- lung war die Tatsach«, daß die im Saal zahlreich anwesend« P o l i- zei keinen ernsthaften Versuch machte, die Versamm- lungsfreiheit zu schützen, wenn Reichsbannerleute die Skörenftiede zur Ruhe bringen wollten, wurden sie von der Polizei daran gehindert. Wohl hat die Polizei auf dringendes Ersuchen der Versammlungsleitung einige Schreier aus der Versammlung ent- fernt; als es aber darauf ankam, die Versammlungssprenger zur Ruhe zu bringen, versagt- die Polizei völlig. Dabei wäre es ihr «in Leichtes gewesen, die Ruhe aufrecht zu erhalten, da sie einige Hundertschaften aufgeboten hatte. Sicher ist. daß. wenn keine Polizei im Saale anwesend gewesen wäre, das Reichsbanner die Ruhe und Ordnung hergestellt hätte. Erst unter dem Schutze der Polizei konnten die Hokenkreuzler so frech werden. Der französische General V e r r a u x mußte die Hetz« der Ratio- nalisten mit ansehen. Wenn er auch nicht zum Worte kam,-so drückte er sich doch in persönlichen Unterhaltungen dahin aus, öaß er nicht rasten und ruhen werde, bis dem kranken Europa der Segen der deulsch-sranzösischen Verständigung gebracht sei. Prahlhelms ffelöentaten. Hetzrede gegen den Reichspräsidenten und zertrümmerte Fensterscheiben. Halle, 16. Oktober.(Eigener Drahtbericht-) In der deutsch- nationalen Kreisen Halles ist durch das Verbot des Stahlhelm- fporttagez«jne regelrechte Spaltung eingetreten. Die groß- agrarische„Hallesche Zeitung" greift den Oberstleutnant D ü st e r- b«rg in schärffter Weis« an und führt aus. daß die Waffen zum Verbot vom Stahlhelm(lies Düsterberg) selbst geliefert worden seien. Zu dem Artikel Düsterbergs im„Alten Dessauer" übergehend, bemerkt das Blatt:„Was für eine Wirkung versprach sich der brave „Alte Dessauer" von diesem Artikel eigentlich? Uns und jedem logisch Denkenden war es doch klar, daß dieser Artikel nichts anderes als ein« Sabotage des S tahlhelmsporttagcs war. War dies die beabsichtigt« Wirkung, dann ist fi« erreicht, und der Stahl- Helm mag dem„Alten Dessauer" ein« Dankvisite abstatten." Am Sonnabend hatten die Vaterländischen in Halle, Merseburg, Magde- bürg und in Berlin noch einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die nachträgliche Genehmigung zum Faschistenaufmarsch zu be- kommen. Di« hiesig« Stahlhelmleitung hat es trotz des unzwei- deutigen Verbotes durch den Regierungspräsidenten fertig bekommen. Telegramm« in die Provinz hinauszuschicken mit der Mitteilung: „Alles nach Halle kommen. Stahlhelmsporttag findet trotz Verbot statt." Regierungspräsident Grützner, dem davon Mit- teilunz geworden war, hat darum am Sonnabend abend nach einmal besonders scharf« Instruktionen an den Halleschen Polizeipräsidenten für den Fall eines illegalen Aufmarsches des Stahlhelms ergehen lassen. Sonntag früh waren infolgedessen die großen Stahlhelm- plakat« an den Litfaßsäulen durch verschiedene kleine Zettel beklebt, auf denen dem Publikum metgeteilt wurde, daß von dem Stahlhelm- fporttag nichts weiter als zwei Protestnerlanunlungen und eine „vaterländische Kundgebung" in geschlossenen Räumen übrig geblie- . den waren. Bemerkenswert ist, daß die am Sonntag vormittag in der Saaleschloßbrauerei statkzefundene Kundgebung so schwach besucht war, daß die Stahlhelmarraugeure passierendes Publi- kum von den Straßen hereinholten, um notdürftig den geräumigen Saal zu besetzen. Hier hielt der Stahlhelmhäupilrng Düstsrberg eine semer bekannten Hetzreden, in der er den Reichs- Präsidenten im Zusammenhange mit dem bekannten Berliner Munitionsarbeiterstreik beschimpft« und die von auswärts trotz Verbotes zum Stahlhelmsporttag Erschienenen aufforderte, eine Schadensersatzklage gegen den Regierungspräsidenten an- zustrengen. Die Hetz» ging so weit, daß eine regelrechte Po- gromstimmung entstand. Kein Wunder, daß in der Nacht zum Montag die nationalistischen Rowdies zum Gebäude des„Volks- ölatt"-Derlages zogen und zwei je 16 Quadaratmeter große Schau- fenstsrscheiben total zertrümmerten. Polizei war natürlich nicht zu sehen. Es unterliegt gor keinem Zweifel, daß der intellektuelle Ur- Heber dieser Rowdtestreiche der früher« Oberstleutnant Düsterberg ist. Bemerkt zu werden verdient noch, daß bereits vor einigen Tagen die beiden Schaukästenscheiben der ,.Polksblatt"-Buchhandlung in der Ullrichstraß« ebenfalls von StaWelmleulen zertrümmert worden find, und daß in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag die Licht- reklame des demokratischen„Mitteldeutschen Kuriers" gleichfalls zer- stört worden ist. Es ist also höchste Zeit, daß in Halle durch die Palizeileitung mit dem Stahlhelm in einem anderen Tone gesprochen wird, als das bisher leider zum Schaden des Ansehens der Republik geschehen ist. Katz läßt Sie Inhaftierten in Stich! Kommunistischer Schwindel. Die„Rote Fahne" behauptet in ihrer Dienstagnummer, daß Genosse Hermann Müller am Montagabend im Aeltestenausschuß Herrn Iwan Katz aufgefordert habe, infolg« des.Vorgehens der Deutlchnationalen und der Mittelparteien freiwillig„doch sein Amt alz Vorsitzender des Rechtsausschusses niederzulegen". Diese Be- houptung ist erlogen. Sie wurde berefts im Aeltestenausschuß zurückgewiesen. Genosse Hermann Müller hat Herrn Katz nur auf- gefordert, bis zu einer Eickscheidung des Reichstags über den Konflikt unter voller Wahrung setner Rechte den zweiten Vorsitzenden amtieren zu lassen, und zwar, weil nur so die Be« ratungen über die wichtizen Vorlagen dieses Ausschusses in den nächsten Tagen fortgeführt werden können. Es handelt sich dabei u. a. um die Einführung des Wiederaufnahmeverfahrens gegen Urteile der bayerischen Volksgerichte. Indem Herr Katz dem Vorschlage des Genossen Hermann Müller, der nicht nur von dem Präsidenten des Reichstags, sondern auch von Herrn von Graefe unterstützt wurde, nicht nachkam, zeigte er, daß ihm und seinen Freunden die Verbesserung der Rechtspflege ebenso gleichgültig ist, wie dos Schicksal der politisch Verurteilten. Hamburg für Wohnungswirtschaft. Hamburg. 16. Oktober.(Eigener Drahtbertcht.) In der H am- burger Bürgerschaft kam es am Mittwoch zu einer mehr- stündigen Aussprache über die Frozen der Mieterschutzgesetzgebung, der Behebung der Wohnungsnot und der Beseitigung der Woh- nungsämter. Auf sozialdemokratischen Antrag wurde mit großer Mehrheit beschloffen, sin Senat zu beantragen, bei der Reichs- regierung dahin zu wirken, daß die öffentliche Wirtschaft im Wohnungswesen beibehalten wird. Zur örtlichen Behebung der'Wrbnungsnot wurden zu den bisher bewilligten Mitteln aus sozialdemokratischen Antrag weitere 5 Mil- lionen Mark bewilligt. Die Regelung Ses Serliner Messewesens. Gegen die unter Beteiligung der Stadt Berlin im Sonnner 1923 entstanden« Gemeinnützige Mes s ea u f ba u- G e s ell- schaft richtet sich eine lebhaste Agitation von„Fachmesse-Inter- essenten". die eine Beeinträchtigung ihrer eigenen Messevaranstaltun- gen fürchten. Mit der neugegründetm„Zentralstelle" dieser Interessentengruppen hatte das Messeamt eine Besprechung, an der Vertreter vteler Verbände teilnahmen. Zu dem Vorwurf, das Messe- amt wolle alle anderen Messebestrebungen au»- schalten oder erschweren, äußerte sichfürdasMesseomi der Direktor Dr. S ch i ck. Er b e st r i t t auf das entschiedenst«, daß das Messeamt ein M o n o p o l beabsichtige und daß man sich gegen- über irgendwelchen berechtigten Wünschen hinsichtlich anderer Messen ablehnend verhalte. Beabsichngt sei nur ein« Verhinderung der„wilden" Messen, wie sie wiederholt zum Leidwesen der Interessenten stattgefunden haben. Dr. Schick betonte, daß er im Namen von wenigstens 100 Verbänden sprach, die hinter der von ihm geleiteten Mc-sseaufbou-Oraanisation stehen. Niemals fei die Rede davon gewesen, daß irgendwelchen berechtigten und anerkann- ten Organisatwnen die von ihnen beabsichtigten Messen unmöglich gemacht werden sollten. Ebenso wenig könne von einer Heber- vorteilung der Aussteller durch Standmieten und andere Abgaben gcsproel'en werden. Vom Verband der Schuhhandelsvertreter er- klärt« Mengel, daß die Schuh- und Ledermesse einen be- deutenden Erfolg gehobt habe. Auch die Vertreter der Film- und Kinvbranche sowie der Bekleidungsindustrie stellten sich mit ihren Darlegungen hinter das Messeamt. * Das Haus der Funkindustrie, das gegenwärtig durck das Berliner Messeamt auf dem Gelände otd Kaiser dämm nach einem Entwurf des Professor Straumer ausgeführt wird, umfaßt auch einen V ortr ag s saal mit L00 Plätzen, der insbesondere für Zwecke des Films und der Technik dienstbar gemacht werden soll. Für die Dauer der Funkaus st«llung vom 4. bis 14. De- zember sind zahlreiche Vorträgs aus dem Gebiete des Funkwesens und der angrenzenden Wissenschaften und Technik geplant, und es laufen täglich von den Berbändsn und Schulen, die ihren Besuch bereits angemeldet haben. Wünsche nach weiteren Vorträgen ein. Das Berliner Messeamt bittet R«mer, die den Wunsch haben, bei dieser Gelegenheit Vorträge über geeignete Themen zu hallen, sich in der Angelegenheit direkt an den Verband der Radio- industrie, Berlin SW� Zimmerstr. 3/4, zu wenden, um ein« Eingliederung in den Organisationsplan des gesamten Vortrags- wefens der Funkäusstellung vornehmen zu können. Köpenicker Abbaukomödie. Gestern abend vollzog sich in der Köpemcker Bezirksversammlung der erste Akt der eigentlichen Abbaukomödie. Die Bürgerlichen ver- suchten immer wieder mit Unterstützung der Kommunisten, trotz eines einmal gefaßten Beschlusses der Bezirksversammlung, nicht einen, sondern zwei Stadträte zum Abbau zu bringen. Der Bezirksverownetenvorsteher Genosse Woick stellt« sich aber mit Recht auf den Standpunkt, daß die Frage, wieviel Stadträte abgebaut seien durch die Anweisung des Magistrats und die bereits erfolgte Zustimmung der Bezirksversammlung zu dieser Anweisung, bereits erledigt fei. Er ließ infolgedessen eine erneute Abstimmung über die Zahl der abzubauenden Stadtröte nicht zu. Infolge dieses der Ge- schäftsordmmg entsprechenden Verhaltene des Bezirksvsrordnetenvor» stehers ließ sich ein Teil der bürgerlichen Bezirtsver. ordneten zudenwüstesten Beschimpfungen gegen den Vorsteher hinreißen. Die Versammlung mußte deswegen auf einige Zeit oertagt werden. Mit ziemlicher Mühe gelang es dann, schließlich. zur Abstimmung zu gelangen. Bon den drei zum Abbau vorgc- schlagen«! Stadträten erhielten Paß fünf Stimmen, Herz 16 und Manie 21 Stimmen. Die Bürgerlichen versuchten nun ihre Auffassimg dahin durchzusetzen, daß auf Grurid dieses Abstimmungsergebnisses bei den Stadträten Herz und Manie sich diese in der vom Gesetz vorgeschriebenen Form zu ihrem Abbau zu äußern hätten Der Vorsteher erklärte aber diese Auffassung für nicht zulässig und verkündet« als Beschluß der Versammlung, daß nur der Stadtrat Monte sich zu seinem Abbau zu äußern habe. Die Bürgerlichen brachten dann einen Antrag ein, wonach durch eine Aenderung der Geschäftsordnung drei Mtglieder der Versammlung jederzeit da? Recht haben sollten, ein Mißtrauensvotum gegen den Borsteher ein- zubringen, der bei Annahme eines solchen Mißtrauensvotuins für die Dauer der Sitzung zurückzutreten habe. Unter dem Eindruck der außerordentlich wirkungsvollen Ausführungen des Vezirksoerordne- ten Genossen Meyer, der die Bürgerlichen in chrem eigenen Interesse vor der Annahme eines solchen unsinnigen Antrages warnte, stimmten die Bürgerlichen sckilleßlich dafür, daß ihr Antrag zunächst in der Geschäftsordnungskommission durchberaten würde. Tödlicher Motorradunfall in Wannsee. In der vergangenen Nacht fuhr der 24 Jahre alt« Verlags- buchhändler Hans Langenscheidt aus Wannsee«ruf seinem Motorrad in übermäßig schnellem Tempo von Berlin kommend die Colomierstrahe entlang. Er bemerkte dabei nicht einen ihm entgegenkommenden Gemüsewagen des Händlers Friedrich aus Bornim bei Potsdam und stieß mit voller Gewalt mit ihm zusammen. Langenscheibt wurde vom Rade geschleu- dert und war auf der Stelle tot, sein« Begleiterin, die 22 Jahre akte Gerda Raymond aus der Potsdamer Straß« 34 kam mit Hautabschürfungen davon und wurde von einem Schutz prliziften in ihre Wohnung gebracht. Nuhrartige Erkrankungen sind im Hi ld« ga rd-Ha u s zu Lankwitz aufgetreten, das als Krankenpflegeschule zur Ausbildung von Pflegsfchwestem dient. Vier Schwestern sind schwerer erkrankt und mußten dem Krankenhaus zu Lichterfelde überwiesen werden, wo sie in der Isolierabteilung untergebracht wurden. Andere, die cheichter erkrankt sind, konnten im Hildegard-Haus bleiben, wurden aber dort gleichfalls isoliert. Die Schwestern waren vorher im benachbarten Viktoria-Krankenhaps tätig gewesen, das dem Verband der Krankenkassen Berlin gehört. und Schwestern vom Hildegard-Haus beschäftigt. Der Chefarzt des Mktoria-Krankenhauses hat die Erkrankungen als ruhrartig be- zeichnet. Im Viktoria-Krankenhaus selber ist niemand von dieser Ertrankung befallen worden, weder eine Schwester, noch«in Patient. Kohlenoxydgasvergiflung zweier Arbeiterinnen. Am Mittwoch nachmittag gegen%5 Uhr wurde bei der Firma Kohnen u. I ö h r i n g, Alexanderstraße 12, ei» Ofen angeheizt. Infolge der sich entwickelnden Kohleimxydgase brachen plötzlich die beiden in Lichterfelde wohnenden Arbeiterinnen Ledwanowski und Seidel d e- s innungslos zusammen. Sie wurden mit Hilfe eines Sauer stoffapparates wiedsr ins Leben zurückssrufen. parteinachrichten für Groß-öeriin filnfestamactt für dies« Rubri? find W. flp» l�t, as da,«ejftlsfeftetatfof, Berlin««. m, Ltndenftretz» 9. i. 8«f, 5#w». r«ht», jn dichte». Ii. Stria Lichtki-driN ssraktion dcr so-iicldcnidtralischrn Eitcrntufirita. Die anderaumts Siluinz nndrt ntat am ssrritaa. sondern heute abend'.4t Wir in der Mittetschul«. lAarirsn»,«, statt. Wichtig« Saawtfeituiw. Ein soziales Kulturwerk der Arbeiterschaft. In Desterreich gibt es Arbeiterkammern, deren Ausgaben durch Pflichtbeiträge gedeckt werden. Vor kurzem fand die Bollversammlung der Wiener Arbeiterfammer statt, die den Boranschlag für das Jahr 1925 zu prüfen hatte. Diesem Voranschlag, dem die Vollversammlung zustimmte, der sich auf 10½ Milliarden Kronen( 650 000 Goldmart) beläuft, entnehmen wir folgende Angaben: Die fachlichen Ausgaben( Instandhaltung des Gebäudes, Bureaueinrichtung, Beheizung, Beleuchtung usw.) sind mit nahezu zwei Milliarden, die persönlichen Ausgaben mit etwa 3% Milliarden berechnet. Neben diesen Aufwendungen ist die Arbeiterkammer in zunehmendem Maße an einer Reihe von Arbeiten und Institutionen beteiligt, die im Interesse der Arbeiter und Angestellten liegen. So wirft die Kammer für ihre sozialwissenschaftliche Studienbibliothek 350 Millionen aus, weitere 32 Millionen für das Abonnement von Zeitungen und Zeitschriften und 80 Millionen für die. Herausgabe eines ab 1. Januar 1925 vierteljährlich erfcheinenden sozialwissenschaftlichen Literaturblattes. Für statistische Erhebungen sind 100 Millionen, für die sozialpolitische Gesetzesfammlung 50 Millionen vorgesehen. An Zuschüssen für soziale 3nftitutionen ( Lehrlingsheimen, Mittelschulfurse für Arbeiter, Verein Kinderfreunde, Zentralverband für Gemeinwirtschaft, Museum für Sied lungsgenossenschaften, Arbeiter- Abstinentenbund, Institut für Auslandsrecht, Bolkshochschulen usw.) sind 120 Millionen vorgesehen. Für Arbeitslose ist ein Betrag von 400 Millionen in Aus sicht genommen. Dieser Betrag ist vorgesehen für besonders berüdfichtigungswürdige Einzelfälle, vor allem aber für größere Aftionen, die von allgemeinem wirtschaftlichen Werte sind und den Arbeitslofen die Erlangung von Arbeitsgelegenheit erleichtern. Die Kammer wendet besondere Mittel für Bildungsaufgaben auf. Sie betrachtet die Ausbildung der Funktionäre der Gemertschaftsbewegung, sowie der Betriebsräte als eine ihrer vornehmsten Aufgaben. Seit einigen Jahren hatte die Kammer Stiftungsfurle in den Volkshochschulen auf eigene Koften unterhalten, und zwar werden gegenwärtig etwa 50 Kurse auf fozialpolitischem, geschichtlichem, naturwissenschaftlichem und technologischem Gebiete von der Wiener Arbeiterkammer aus eigenen Mitteln unterhalten. Des weiteren sind mit der Gegen die Aushöhlung des Betriebsrätegesetzes. Auf der Tagung des Beirats des Deutschen Eisen bahnerverbandes, die om 10. und 11. Oftober in Erfurt ftatifond, ftand neben anderen Fragen auch die Wirkung des Personalabtaues und namentlich die Außerfraftfegung des § 84 Biff. 4 des Betriebsrätegefeges durch Art. 16 der Personalabbauverordnung zur Erörterung. Dieser Art. 16 be ſtimmt, daß§ 84 Biff. 4 BRG. für die Arbeiter und Angestellten, ist. Bar die Beseitigung dieses Schutzes schon während des Perjonalabbaues zu verwerfen, to wird die Unbilligkeit einer solchen Benachteiligung von den Arbeitern irid Angestellten um so stärker empfunden, je längere ü Aufhebung has Stündigungsschußes froß über Bersonalabbau hinaus aufrecht erhalten bleibt. Bleibt die der Beendigung des Personalabbaues meiter bestehen, so erscheint fie als der Anfang der Beseitigung diefes wichtigen Sozialrechts überhaupt, so daß der Art. 16, je länger er besteht, mehr und mehr zu einer Bedrohung aller Arbei ter und Angestellten sich gestaltet. Die Aufhebung des Art, 16 PAV. tregt fomit nicht nur im Interesse der Arbeiter und Angestellten der öffentlichen Betriebe, sondern der gesamten Arbeit nehmerschaft. | Urania" und dem technologischen Gewerbemuseum Bereinbarungen getroffen, wonach ein betriebswissenschaftlicher Kur fus für Wertmeister und Kurse für autogene und Elettroschweißer veranstaltet werden. Außerdem sind für die Bildungs. kurse der Gewerkschaften 200 Millionen vorgesehen. Seit Jahren finden in Gemeinschaft mit dem Verein der Gemerberichter Schulungskurse für Gewerbegerichts= beisiger statt, die von der Wiener Arbeiterfammer finanziert werden. Die Kammer gewährt für Kinder von Arbeitern und Angestellten Studienstipendien zum Besuch der Universität, der technischen Hochschule und anderer Lehranstalten. Sie unterstützt außerdem in entsprechender Form eine Reihe von gewerblichen Fachschulen. Auch die ausgezeichnete Zeitschrift: Arbeit und Wirtschaft", die von den österreichischen Gewerkschaften herausgegeben wird, erhält die Unterstützung der Kammer. Die Wiener Arbeiterfammer widmet sich insbesondere dem wichtigen Gebiet von Lehrlingsschuh und Berufsfürsorgh. Im übrigen steht der Kampf bei Schwarzkopff für die Arbeiter. schaft durchaus gut. Die Belegschaft hat den Streitbeschluß vollkommen durchgeführt. Streifbrecher, die die Firma durch Annoncen in bürgerlichen Blättern nach Wildau lockte, fonn ten nach entsprechender Aufklärung durch die Streitposten wieder zum Umfehren veranlaßt werden. Die Arbeiterschaft hat es eben fatt, sich mit den erbärmlichen Löhnen des VBMI. abfinden zu laffen, auch wenn die„ Rote Fahne" Unternehmerdienſte leistet. Die Sonntagsarbeit in der Rhein- und Ruhrindustrie. Auf eine Anfrage im Landtag über die Sonntagsarbeit in der Metallindustrie des Rhein- und Ruhrgebiets antwortete der preußische Handelsminister:„ Die durch die Erlasse vom 16. Januar und 28. Juni d. I. allgemein erteilte Genehmigung zur Anwendung des sogenannten Dommeldinger Schichtwechselfystems in den auch an den Sonntagen durchgehenden Betrieben der Eisenund Stahlindustrie wird über den 31. Oftober d. I. hinaus nicht verlängert werden. Nach den angestellten Ermittlungen hat die überwiegende Mehrzahl der in Frage kommenden Betriebe von dieser Erlaubnis feinen Gebrauch gemacht, vielmehr eine andere Regelung des Schichtwechsels vorgenommen, die mit den Sonntagsruhebestimmungen der Gemerbeordnung und der Bebanntmachung des Reichskanzlers vom 5. Februar 1895 in Eins Mang steht, also einer besonderen Ausnahmebewilligung nicht be> darf. Die beteiligten Regierungspräsidenten und Gewerbeauffichtsbeamten find angewiesen worden, auf baldige vollständige Befeitigung des Dommeldinger Systems hinzuwirken und feine vora übergehende Beibehaltung im Wege der Einzelbewilligung nur zuzulaffen, menn die besonderen Betriebsverhältnisse eines Werkes die sofortige Einführung einer anderen, der Bestimmungen über die Sonntagsruhe voll entsprechenden Regelung des Schichtwechsels nicht ermöglichen foliten." Erhöhung der Beamtengehälter in Frankreich. Die Lehrlingsschußstelle der Kammer ist zu einer geistigen Zentrale des gesamten gewerblichen Jugendschutzes in Desterreich geworden. In Wien und Niederösterreich allein werden 22 Lehrlingsfchuß stellen unterhalten. Zu diesem Zwed gibt die Kammer auch die Zeitschrift Lehrlingsschuß und Berufsfür forge" heraus, die unentgeltlich abgegeben wird. Sie unterhält in Gemeinschaft mit der Stadt Wien Berufsberatungsämter. Die aus Zuschüssen zur Krankenversicherung von den Arbeitern aufgebrachten Mittel ermöglichen der Wiener Arbeiterkammer- die nicht etwa eine paritätische Arbeitskammer, sondern eine reine Vertretung Paris, 16. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Eine Besprechung der Arbeiter und Angestellten ist rundeine Milliarde für am Mittwoch unter dem Vorsitz Herriots zwischen der Regie3uschüsse und Bildungszwede, 660 millionen für rung und den Mitgliedern des Haushaltsausschusses der Kammer Jugendfürsorge, 400 Millionen für den Pensionsfonds, hat in der Frage der Erhöhung der Beamtengehälter einen Be200 Millionen für den Bildungsfonds auszuwerfen und außer- fchluß gefaßt, durch den die von den Beamtenverbänden gestellten dem je eine Milliarde in Reservefonds und dem Hausbau- Ferderungen fast restlos erfüllt werden. schlossen, das Grundgehalt der untersten Beamtenstufen auf fonds zu überweisen. 6000 Fr. zu erhöhen. Es wurde weiterhin ein neuer La. Die Wiener Arbeiterkammer, der die Stadt Wien ein palaftrif aufgestellt, der entsprechende Erhöhungen auch für die anderen ähnliches Gebäude im Zentrum der Stadt zur freien Verfügung ge- Beamtengruppen bis zu einem Grundgehalt von 40 000 Frs. vor stellt hat, ist ein Musterbeispiel dafür, wie die Arbeiterschaft, und wir sieht. Durch diese Neuregelung der Beamtengehälter erhalten die meinen hier, was bei den Wienern sich von selbst versteht, die sozia unteren Beamten eine Zulage von 1480 bis 2000 Frs., die mittlist isch denkende und erzogene Arbeiterschaft für den sozialen leren eine solche von 3000 bis 4000 Frs. und die Höheren von Aufstieg der Arbeitert lasse wirft. Die Wiener 4000 bis 6000 Frs. Unter Berücksichtigung der von der Regierung Arbeiterfammer ist im besten Sinne ein soziales Kulturwerf. in Aussicht genommenen Einsparung auf dem Wege eines Abbaus des Beamtenapparates, verursacht diese Gehaltsreform eine Mehrausgabe von rund 700 Millionen Francs. In den Kreisen der Beamten werden die am Mittwoch gefaßten Beschlüsse mit großer Genugtuung aufgenommen. Der Achtstundentag in gesundheitschädlichen Berufen. Der besondere Arbeitsausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates tritt heute zur Feststellung der gesundheitsschädlichen Berufe, bei welchem auf Grund der Arbeitszeitverordnung der Achtstunden: tag wieder eingeführt werden soll, zu feiner erjben Beratung zufammentreten. Die Liste des Reichsarbeitsministeriums über die für den Achtstundentag in Betracht kommenden Berufe, die in Anlehnung an die Gliederung der Reichsstatistit aus Bergbau, Hütten wesen, Metallverarbeitung. Stein und Erden, chemische Industrie liegt dem Reichswirtschaftsrat jekt vor und ebenso sind eine Reihe von Ergänzungsanträgen von den Arbeitnehmern eingegangen. Die erste Beratung des Arbeitsausschusses wird zunächst einmal einen Reichsarbeitsministerium rechnet man mit einer schnellen Erledigung Arbeitsplan aufstellen. Weber im Reichswirtschaftsrat noch im der Streitfrage. Wir finden die ganze Art, wie hier noch immer der Achtstundentag lediglich als Ausnahmefall für gewisse Berufe feſtgeſetzt werden soll, wenig glücklich. Hoffentlich bringt das Arbeitszeitgesetz eine flare Festlegung des Achtstundentages als Regel. Die entscheidenden Paragraphen des Gesetzes merden erst nach der Rüdfehr des Reichsarbeitsministers von seinem Urlaub, der am 15. Of. tober zu Ende ist, formuliert werden. Zum Streit bei Schwarzkopff in Wildau. In Verbindung damit hat der Berbandsbeirat Stellung genom men zu dem Reichsgerichtsurteil( 3. Zivilsenat) vom 8. Juli 1924. Das Urteil erklärt, daß bei Entlassungen von Betriebs= ratsmitgliedern, die Angestellte sind und deren Entlaffung durch den Personalabbau bedingt ist, die Zustimmung der Betriebsvertretung nicht erforderlich ist. Domit ist auch der im§ 96 BRG. gegebene besondere Entlassungsschuß für diese Betriebsratsmitglieder aufgehoben. Obwohl das Urteil des Reichsgerichts unmittelbar nur die Interessen der Angestellten und ihrer Betriebsvertretungen berührt, ist doch zu erwarten, deß ouch die Beamten von der Wirkung des Urteils betroffen werden, denn die Mitglieder der bei einigen öffentlichen Verwaltunnahme oder Ablehnung des Schiedsspruches selbstverständlich die gen und Betrieben eingerichteten Beamtenvertretungen sind nach Den entsprechenden Erlassen durch ähnliche Bestimmungen gegen Entlassung geschüßt, wie die Betriebsvertretungen der Arbeiter und Angestellten nach dem Betriebsrätegesetz. Der übereinstimmende Wortfout gefeglicher Bestimmungen hat aber zumeist auch ihre übereinstimmende Auslegung und Anwendung zur Folge. Es wurde bezurzeit noch arg darnieder. Im Arbeitsnachweis warten noch Tischler, meidet Berlin! Das Berliner Tischlergewerbe liegt 5326 Erwerbslose aller Branchen auf Arbeit; unter diesen sind rund 3400 Tischler, welche voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht unterzubringen find Trotz der großen Zahl von Arbeitslosen, versucht die Bautischlerei Gebrüder Raabe, Berlin, Usedomſtr. 31, zuziehen. Die Arbeitsverhältnisse bei der Firma Raabe sind derart, daß man dieselben als einzig in Berlin dastehend bezeichnen kann. Untegrenzte Ueberstunden und Sonntagsarbeit sind an der Tagesordnung. Diese bedauerlichen Zustände in diesem Betrieb sind jedoch nur auf das schlechte Organisationsverhältnis der Arbeitnehmerschaft des Betriebes zurückzuführen. Jeder Arbeiter, der es wagt, Abhilfe zu schaffen, wird an die Luft gesetzt. Wir sehen legen auf diesen Musterbetrieb aufmerksam zu machen, um sie vor uns infolge diefer Tatsache gezwungen, die etwa reiselustigen RolSchaden zu bewahren. Deutscher Holzarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Gebastianstr. 37/38, Hof 2 Tr. Achtung! Die Rameraden, die nicht an der Fahrt naci Frankfurt a. b. Oder teilnehmen, beteiligen sich an der Dentmaiseinweihung in Müne b'e rg. Abfahrt 6.48 Uhr ab Alexanderplag.( Sonntags- Rudfahrkarte 4. Klasse 1.80 M.) Kamerabschaft Charlottenburg. Am Freitag, den 17. Oftober, abends 7% Uhr, Kamerad fchaftsversammlung im Wilhelmshof, Berliner Straße, Eingang Spreestraße. Vortrag des Kameraden Storch. Kamerabschaft Niederschöneweibe einschl. Jugendgruppe Oberfpree. Am Freitag, den 17. Oktober, abends 7 Uhr, fang eine halbe Stunde später verlegt worden ist ist pünktliches Erscheinen Rameradschaftsversammlung im Einsiedler" zu Johannisthal. Da der AnBflicht. Die Kameradschaftsleitung. Kameradschaft 17. Bezir? Lichtenberg In dem Bericht, den die„ Rote Fahne" vom 15. Oftober über den Streit bei der Firma Schwarzkopff- Wildau bringt, werden die Tatsachen wieder einmal auf den Kopf gestellt. Der Vertreter des Metallarbeiterverbandes, Kraaz, soll nach der„ Roten Fahne" von sich aus den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses zur Annahme empfohlen haben. In Wirklichkeit hat aber Kraak nur den Beschluß der Vertrauensmänner des Wertes mitgeteilt, der der Belegschaft die Annahme des Spruches empfahl. Er setzte außerdem noch hinzu, daß über die endgültige AnBelegschaft in einer Urabstimmung zu entscheiden hätte. Als in einer gestern abgehaltenen Streifversammlung auf diesen Wider. spruch zwischen der Wirklichkeit und dem Bericht der Roten Fahne" hingewiesen wurde, meldete sich der Berichterstatter der" Roten Serbstfest- Bannerweihe find bei den Untergruppenkaffierern im obigen Lokal Fahne", ein Angehöriger des Werkes, und erklärte, daß er der Roten Fahne" wahrheitsgemäß berichtet hätte und daß er felbst erstaunt sei, wie das Blatt seinen Bericht ge fälscht habe. Es war also wieder einmal festgestellt, daß es der Roten Fahne" in gewerffchaftlichen Dingen nicht auf eine Unter fügung der Arbeiterschaft ankommt, sondern daß sie es lediglich darauf anlegt. Verwirrung und Uneinigkeit anzurichten und damit den Unternehmern Hilfe leistet. Die Versamm iung nahm gegen wenige Stimmen folgende Resolution an:„ Die am 15. Oktober 1924 stattgefundene Streitversammlung der Firma Schwarzkopf- Wildau nimmt Kenntnis von der vollständig falschen und geradezu verheßenden Bericht. erstattung der Roten Fahne". Die Arbeiterschaft Iehnt es Die beteiligten Arbeiter, Angestellten und Beamten find über entschieden ab, sich und ihre Organisation, den Deutschen zeugt, daß die Reichstagsfraktion unserer Partei nichts unterlassen Metallarbeiterverband, von dem Organ ber KPD. beschimpfen zu wird, um dieses Unrecht aus der Welt zu schaffen. laffen." Der Verbandsbeirat hat, um die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf diese Dinge zu lenken, seine Stellungnahme in einer Entschließung zum Ausdrud gebracht, in der vom Reichstag die fofortige Aufhebung des gegenwärtigen Wort lautes des Art. 16 PAB. gefordert wird und seine Erfegung durch folgenden Enz: " Die Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes sowie die Bestim mungen der von den obersten Reichs, Landes- oder Gemeindebehörden herausgegebenen Erlasse über Beamtenvertretungen werden durch die vorstehenden Vorschriften nicht aufgehoben." Deutscher Metallarbeiterverband Am 12. Oktober verstarb unser KolTege, der Kunstformer [ 172/3 Paul Franke Ackerstr. 48. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet statt am Freitag, den 17. D. M., nachm.5% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung, 17. Bezirk. Fritz Ranmer Neukölln, Reuterstraße 53 die billige Bezugsquelle für LWäsche Wäschrstoffe jeder Art. 2. 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Oftober Reidsbannertag in Frankfurt an der Oder. Freiwillige Teilnehmer mögen fich umgehend beim Kameradschaftsführer Kameradschaft Tiergarten. Am Sonnabend, bis Freitag abend melden. den 18. Oktober, Uebung 8 Uhr in der Turnhalle Alt- Moabit 23. Dort von 48 Uhr bis 49 Uhr Abgabe von Mützen und Windjacken aus der Verteilungs fbelle des Gaues. Jeder hat pünktlich zu erscheinen. Am Sonnabend, den 18. Oktober, abends 7 Uhr, hält die 20. Kameradschaft Reinickendorf, Unter Aruppe Reinidendorf- West, in der Hardmanns- Brauerei, Reinidendorf- West, ab. Da qute Tünstlerische Vorträge geboten werden, wird zahlreicher Besuch Scharnweberstr. 101/104( Straßenbahnlinie 27, 68, 128), eine Gründungsfeier aften zugesandten Karten bis Sonnabend, den 18. Oktober, abzurechnen. der Berliner Kameraden erwartet. Es wird noch gebeten, die den Kamerad Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Willy Möbus; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fahrräder and Nähmaschinen Berliner lk- Trio Leichtmotorräder Besonders Auf Teilzahlung Zettha, Berlin Oranienburger Strasse 65 wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des ,, Vorwärts" und trotzdem billig! Neukölln, Lahnstr.74/ 75L HOLZHAUSER von 500 Mk. an. Schuppen, Hallen, Goragen etc. llefert preiswert kurzfristig Holzhausbau Littmann N 54, Lothringerstrasse 91/93 Morden S020/ 21 Auf der Höhe in Geschmack u. Qualität ist meine Herren- Bekleidung Herren- Ulster moderne lange Form 98.- 85.- 75.- 60.- M. 54.- 47.- 40.- M. Paletots schwarz u. marengo 95.- 75.- 65.-M. 23.- 19.• • Hosen 15.- 11.- 8.- 6.- 450 M. Anzüge Maßersatz 82.- 72.- 62.- 52.- 45.. Gabardine- Anzüge reinwoll. 98.- 85.- 75.- M. 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