Abendausgabe Nr. 49541. Jahrgang Ausgabe B Nr. 248 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaftion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Goldpfennig 20. Oktober 1924 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilux- g Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die neueste Situation. Zwei Briefe des Reichskanzlers.- Laverrenz Verkehrsminister!!? Der Reichstanzler hat sowohl an die demokratische Reichstagsfraktion als auch an die deutsch nationale Reichstagsfrattion je einen Brief gerichtet. In dem Brief an die Deutsch nationalen handelt es sich um die Differenzen, die zwischen dem Reichskanzler und den Deutschnationalen noch bestehen, und zwar erstens wegen der 3 ahl der Ministerjige, die die Deutschnationalen erhalten sollen, zweitens wegen des Vorfchlages der Deutschnationalen, ausgerechnet Herrn Caverrenz zum Verkehrsminister zu machen. Der Brief an die Demokraten stellt der demokratischen Reichstagsfraktion die Frage, ob sie bereit sei, den Reichswehrminister Dr. Geßler als ihr Frattionsmitglied in der Regierung zu belaffen. Die Antwort auf diefe Anfrage wird von der demokratischen Reichstagsfraktion gegenwärtig beraten. Heute abend 6 Uhr wird das kabinett die Antworten der Fraffionen zur Kenntnis nehmen und danach seine Entscheidung treffen. Es verlaufet, daß Reichskanzler Marg die Absicht habe, nach der voraussichtlich ablehnenden Antwort der Demokraten an Dr. Geßler persönlich die Frage zu richten, ob er unter NiederLegung feines Mandats als Reichswehrminister im 2mte zu verbleiben gedente. Die demokratische Reichstagsfraktion hat die Besprechung der Regierungsfrage gegent 1 Uhr unterbrochen und sich der Besprechung des deutsch- spanischen Handelsvertrages zugewandt. Sie wird die Besprechung der Regierungsfrage um 3 Uhr wiederaufnehmen. Der Reichskanzler Marg hat angeblich zwei Aftionen im Gange. Einmal macht er die Entscheidung abhängig davon, ob Dr. Geßler mit Billigung der demokratischen Frattion im Kabinett verbleibe, das anderemal davon, ob Dr. Geßler unter Lösung der Beziehungen zu seiner Frattion in der Regierung verbleiben wolle. Wir glauben nicht, daß Dr. Marr, wirklich solche doppelte Methode betreibt. Er dürfte sich auch überzeugt haben, daß er von Dr. Geßler eine flare Absage erhalten würde. Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Der sozialdemokratische Fraktionsvorstand tritt am Mittwochvormittag, die Reichstags frottion am Mittwoch abend zu einer Sigung zufammen. Die Deutschnationalen in Auflösung. Entrüftung ihrer Parteianhänger im Lande. Nachdem sich erst dieser Tage ein hervoragendes Mitglied der Deutschnationalen aus Sachsen in unzweideutiger Weise über die Gefühle ausgesprochen hat, die man in den Kreisen der Partei. anhänger über die Regierungstollmut" der deutschnationalen Reichstagsfrattion hegt, folgt jetzt aus Thüringen eine nicht minder eindeutige Zuschrift an die Deutsche Zeitung". Darin wird und Gehorsamheitsverweigerung geben. Die demokratische Frattion fönne nicht mit einem Bein im Bürgerblod stehen und mit dem anderen in der Boltsgemeinschaft". Die Republik den Republikaner.1. Das besetzte Gebiet müßte sich rühren. Wenn der neue Rechtsbled zu allen anderen Streitfragen auch noch das Reichsschulgesetz machen wolle, dann stehe Deutschland cor schweren Kämpfen. Es gebe in Zukunft zwei große Gruppen in der deutschen Politik: Der Blod der Reaktion, der Eisenzöllner einerseits und der Block Schwarz- Rot- Gold andererseits. Wenn eine folche Einteilung unvermeidlich sei, dann gehöre die Demokratische Bartei auf die Seite der Republik und der Freiheit. Der ewige Unruheftifter in der deutschen Politik sei die Deutsche Bolts. partei, die ihren Liberalismus längst vergessen habe. Absage an die Deutschnationalen. Am Sonntag fand in Berlin eine Tagung der Vertrauensleute der Deutschdemokratischen Partei des Wahlkreises Pots dam II ftatt. Einstimmig wurde folgende Entschließung ange nommen:„ Die zahlreich besuchte Vertraue ismännerversammlung des Wahlkreises Potsdam II der DDP. spricht der demokratischen Reichstagsfraktion Dant und Anerkennung für ihre entschlossene Haltung in der Frage der Regierungsumbildung aus; sie gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Fraktion weiterhin, unter ent fchloffener Ablehnung einer Roalition mit den antire publifanis, großargrarisch und schwer. industriell eingestellten Deutsch nationalen, an der Politit der Mitte im Sinne der Bolilik der bisherigen Regierung festhält. Sollte diese Politik an der Haltung bisheriger Regierungsparteien scheitern, so ist die Auflösung des Reichstages gerade vom demokratischen Standpunkt aus dringend geboten." Die Bürgerblock- Komödie. Paris, 20. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die linksstehende Presse in Frankreich ist einmütig in ihrem Urteil, daß die Welt noch fauni jemals ein so jämmerliches Schauspiel" gefehen habe, wie es die Entwicklung der politischen Krise in Berlin biete. So erklärt am Sonntag der Quotidien", daß mit Ausnahme der Sozialdemokraten, deren Haltung vom ersten Tage der Strije an flar und unzweideutig gewesen sei, alle anderen Parteien eine geradezu tlägliche Romödie aufg führt hatten, die den republikanischen Gedanken in Deutschland um jeden Kredit bringen müsse. Immerhin sei es erfreulich, daß die De motraten nach längerem Banten endlich den Mut gefunden hätten, sich offen dem Eintritt der Nationalisten zu widersetzen. Man könne sich nicht vorstellen, daß der Kanzler sich nicht darüber im Klaren sein sollte, welche Propofation es gegenüber der ganzen Welt, besonders Frantreichs bedeute, wenn er Monarchisten in sein Rabinett aufnehme. Auch der unvoreingenommenste Beobachter könne sich der chwersten Besorgnisse nicht enthalten, daß die Vorfämpfer an sich ihnen Justizschande. Das Fechenbach- Urteil jährt sich abermals. Bon Alwin Saenger. Bom 3. bis 13. Oftober 1922 fand vor dem Volksgerichte München I die Hauptverhandlung gegen Felig Fechenbach und Gen. wegen ,, Landesverrats" statt. Am 20. Ottober 1922 wurde das Urteil verkündet. Heute jährt es sich also zum zweiten Male, daß Fechenbach wegen eines Verbrechens des vollendeten und wegen eines Berbrechens des versuchten Landesverrats zur Gesamtstrafe von elf Jahren 3uchthaus verurteilt wurde; einen guten Teil der erfannten Strafe hat der Verurteilte als Unschuldiger mithin schon verbüßt. Was in den zwei Jahren, die seit diesem Urteil ver. gangen sind, über die politische Justiz des Freistaates Bayern aftenmäßig und unerschütterlich festgestellt wurde, ist so unerhört, daß diese Justiz alles, den letzten spärlichen Rest von Ansehen verloren hat. Denn um der Wahrheit willen muß man ihr den Vorwurf der Rechtsbeugung machen. In der angesehensten deutschen Rechtszeitschrift war der vernichtende Sah zu lesen, im Hitler- Prozeß fei das Recht rein willkürlich von den Richtern angewandt worden; dieser für die Justiz eines Kulturstaates schändlichste Borwurf mußte in einer deutschen fachwissenschaftlichen Zeitschrift allerersten Ranges deutschen Richtern gemacht werden, die vor den Augen und Ohren der zivilisierten Welt in einem wochenlang dauernden Strafprozeß Recht zu sprechen hatten. Selbst der bayerische Justizminister und das sagt wahrlich sehr viel mußte im Juli dieses Jahres im baŋe= rischen Landtag zugeben, daß der Gerichtsvorsitzende des Hitler- Prozesses gewisse Fragen nicht so leicht hätte nehmen dürfen. Er spielte hiermit auf eine besonders frasse und unerhörte Rechtsbeugung an. Der eine der Angeflagten war nämlich in der Berhandlung in der Oberland Uniform erschienen, deren Tragen gesetzlich ver= boten war; für diese bewußte Rechtsverletzung vor den Augen des rechtschützenden Gerichtes fonnte aber der Angeflagte sich auf die ausdrückliche Erlaubnis des vorsigenden Richters berufen. Da ist es eine wohlverstandene Selbstverständlichkeit, daß die Skandalchronik dieser sogenannten Rechtspflege bis zur Stunde in immer ausgiebigeren wohlgelungenen Variationen fortgeführt werden fann; und unter der Spizmarte öffentlicher Standa!" stellt die Parteipresse des Ministerpräsidenten Held auf Grund neuester Enthüllungen fest, daß das HitlerUrteil vom 1. April 1924 auf einem Bruch des objektiven Rechtes beruhe und daß ein Bruch der richterlichen Amts verschwiegenheit geschehen sei. Bulangliche Ursache dieser allerletzten Entrüstung der wohlge= merkt bayerisch- volfsparteilichen Presse war die öffentliche Feststellung, daß die Herren Laienrichter sich zu einem fchuldig" nur durch den Ruspruch" der Berufsrichter, Hitler und Gen. würden selbstverständlich Bewährungsfrist befommen, bestimmen ließen. So dürfen im Lande Personen hantieren, die den Ehrentitel Richter tragen! ber Reichstagsfraktion mitgeteilt, daß die Deutschnationale in Thu- der deutschen Revancheidee nun mit Hilfe des Zentrums der Vorwurf der Rechtsbeugung wegen des spielend zu ringen ihrem Verhalten ganz verständnislos gegenüberständen. Ihre Menschenwürde und Parteiehre, so heißt es it der Zuschrift, würden von der Fraktion als Kaufpreis für Ministerseffet dargeboten. Wie ein armseliger Bettler stehe die Partei an der Regierungspforte und flehe um Einlaß. Das würdelose Schnorren um die Regierung müsse fofort ein Ende haben. Hergt wird an fein bestimmtes Rüd. trittsversprechen" erinnert, aber auch Hoeksch, v. Dryander und v. Richthofen- Boguslawig werden als diejenigen denunziert, die ben bestimmenden Einfluß im Sinne der Regierungsbeteiligung ausüben. Die Berliner Parteileitung wird gewarnt und hinzu gefügt: Lange läßt sich die Partei nicht mehr zu fammenhalten, wenn solche Zustände weiter andauern!" Inzwischen hat der preußische Landtagsabgeordnete Pastor BoB seinen Austritt aus der Deutschnationalen Partei er. flärt und sich der Nationalsozialisten angeschlossen, weil er die„ Erfüllungspolitit" nicht mitmachen will, zu der sich nach seiner Meinung die Deutschnationalen bereit erklärt haben. Mit einer Partei, die in so vollkommener Auflösung begriffen ist, verhandelt der Reichskanzler im Auftrage Stresemanns als mit sinem Faktor von fonflanter Größe! Die Demokraten und der Rechtsblock. Dortmund, 20. Oftober,( TU.) Auf dem Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei für Westfalen- Süd in Dortmund sprach Abg. Ertelenz am Sonntagabend über die politischen Borgänge der legten Zeit. Die außenpolitische Lage sei seit den französischen Wahlen verhältnismäßig günstig. Die Art aber, wie in Deutsch land die leidlich günstige äußere Lage benutzt werde, fei verhäng is roll. Die jetzige Regierungskrise sei ein Verbrechen am deutschen Bolt. Das besetzte Gebiet protestiere dagegen, daß es wieder einmal zum Spielball innerpolitischer Laumen gemacht werde. Bier deutsch nationale Reinfager im Kabinett seien verhängnisvoll für die Außenpolitik. Der Reichskanzler habe aber leider nicht die klare Linie eingehalten, die er nach seine inneren Ueberzeugungen verfolgen müsse. Die demokratische Fraktion werde nicht in der Rechtsblock eintreten. Sie werde teinem Minister erlauben, in diesem Kabinett zu verbleiben. Sie werde es außenpolitisch unterstützen, soIange die Londoner Linie eingehalten werde. Interpolitisch behalte fie sich frele Hand vor. Minister Geßler hat der Fraftion positiv erflärt, er werde sich dem Beschluß der Fraktion fügen. Der oberfte Chef der deutschen Reichswehr werbe kein Beispiel von Indisziplin aus der Hand gewunden habe. Aehnlich urteilt das„ Deuvre", das dem Zentrum zum Vorwurf macht, fich feiner politischen Verantwortung zu entziehen. Die ganze Entwicklung der Krise dränge den Gedanken auf, daß die Republit in Deutschland noch keine Wurzel geschlagen habe. Einzig und allein die Sozialisten und Demokraten seien ihren Prinz pien treu geblieben, das Zentrum dag gen haben einen verhängnisvollen Mangel an politischer Courage und innerer Solidität gezeigt. Das Blatt ist der Ansicht, daß ein Kavinett des Bürgerblocs sich gegen die Opposition der Linksparteien faum fängere Zeit halten tönne. In der Zwischenzeit aber habe Deutschland ohne Vorteil feinen Kredit im Auslande ruiniert. Eine Friedenskundgebung in Essen. Ein Staat, in dem die In einem Staatswesen, gegen dessen politische Prozesse führenden Wahrheitsbeweises ungestraft erhoben werden fann, hat es feinen Sinn mehr, von Gerechtigkeit zu sprechen. In einem Staatswesen, in dem derjenige zum obersten Ber-. waltungsrichter von der politischen Gewalt ernannt wird, dessen jüngste Amtstätigkeit in einem planmäßigen Rechtsbruch nach dem anderen bestand, hat es keinen Sinn mehr, von Recht zu sprechen. zur Hütung und Wahrung des heiligen Glaubens an das Recht Berufenen und Berpflichteten nur in den Amtsstuben Dreister Berfassungsbrecher im Formate Dr. v. Kahrs zum rumoren und in der Deffentlichkeit feige schmeigen, wenn ein obersten Richter, in einem Kulturstaate, in einem deutschen dreister Berfassungsbrecher im Formate Dr. v. Kahrs zum Kulturstaate das deutsch ist für die Patentpatrioten hierhergesetzt ernannt wird, hat verlernt, dem Rufe nach Wahrhaftigkeit und Recht sein Ohr zu leihen. Und doch. Zögert man nicht selbst der politischen Justiz eines so I chen Staatswesens gegenüber die infamierende Anlage zu erheben, fie laffe einen Unschuldigen hinter Buchthausmauern? Dies Unmöglichste vollbringt diese bayerische politische Justiz. Sie vollbringt es mit einem 3ynismus, der in solcher Vollendung nur demjenigen zu eigen ist, der seine letzte Reputation durch eine freche Lüge zu retten versucht. Zwei Jahre unschuldig im Zuchthaus, und sie alle, die mit pastoraler Dynamit von der Wiedergeburt durch die Erweckung und Neubekräftigung christlicher Tugenden hierzu lande viel, sehr viel- reden, fie ich meigen gegenüber dieser Schmach! Effen, 20. Oftober.( Tul.) De Deutsche Friedensgesellschaft veranstaltete gestern vormittag im Städtischen Saalbau eine öffentliche Rundgebung, die u. a. von zahlreichen Besatzungsfranzosen besucht mar. General Berraug Paris und General v. Schönaich sprachen über die Abrüstung und die Bereinigten Staaten Don Europa". General Berraug führte u. a. aus: Eine Bor bed'ngung der Abrüstung jei, daß sie bei allen Bölfern erfolgt. Das sicherste. Mittel für die Wiederherstellung des Friedensgeistes sei die Schaffung der Bereinigten Staaten von Europa. Ein einheitliches Geld müsse geschaffen, Zölle und Grenzen müssen aufgehoben werden. Im polit schen Föderalismus liege Europas einziges Heil. Nicht nur Generalftreit, sondern auch Streit der Generäle fei nötig. Der Redner schloß mit einem Appell an die Frauen und dem Rufe:„ Krieg dem Kriege". General v. Schönaich sagte u. a.: In dem Stampf gegen die Kriegsschuldlüge halte er es mit Macdonald, der in Genf fagie, vorwärts und nicht rückwärts bliden. Diese Frage mögen die Historifer nach 30 Jahren entscheiden. Was sich die Kirche an grober Entstellung der Bibel leiste, um die Kriege zu verherrlichen, schreie zum Himmel. Die Schule aber sei nicht minder schuldig. Redner schloß mit einem Appell an die Mütter, ihre Schuldigkeit zu tun. Redner schloß mit einem Appell an die Mütter, ihre Schuldigkeit zu tun. Die Versammlung beschloß, an den Reichstanzler und Innenmin ster Severing folgendes Telegramm zu richten:„ Die Die Justizgewalt macht sichs bequem nach der Art subvon der Friedensgesellschaft Essen einberufene, von 2000 Berfonen alterner Naturen, denen der Mut zur Wahrhaftigkeit fehlt. Die besuchte öffentliche Verfammlung ermertet von der Reichsregierung Unschuld des Zuchthausgefangenen zu leugnen vermag felbft im Interesse der deutschen Ehre fofortige Maßnahmen zur Freisie nicht; denn die Schande, die mit den vor se ch s(!) Monaten Iaffung von Fechenbach. Erwiesenermaßen unschuldig sitt Felix Fechenbach ins dritte Jahr seines Zuchthausdafeins hinüber. Kein einziger aus dem anderen Lager, fein einziger Richter unter seinen politischen Gegnern befizt in diesem Deutschland, das im Namen des ewigen Rechtes zum Leben seiner nationalen Freiheit wieder kommen will, Charakter und Mut, für das Opfer eines etwiesenen furchtbaren politischen Fehlspruches einzutreten. ein einziger! Aber alle diese einzigen blähen sich hochmütig als beffere Christen", wenn sie ihre Mäuler über die Justizchronik jenseits der Grenzen aufreißen. veröffentlichten Gutachten deutscher Rechtslehrer über Fechenbachs Unschuld über diese Justiz fam, läßt sie den| Widerspruch gegen diesen Beweis nicht wagen. Doch jene Justizgewalt ist politisch und nicht gerecht; darum drückt sie sich um die Verantwortung. Sie duldet als„ Hüterin von Recht und Gesez" stillschweigend die Schmach, daß ein Unschul: diger büßt, weil im Deutschen Reichstag ein Gesehentwurf über Wiederaufnahmeverfahren für vollsgerichtliche Urteile verhandelt wurde, dessen Weiterberatung und alsbaldige Annahme eben von dieser selben Justizgewalt auf das heftigste befämpft wird. Wir aber stellen fest: auch zu diesem erbärm= lichen Zynismus schweigen die in Deutschland zum Sprechen Berufenen! Felix Fechenbach bleibt weiter unschuldig im Zuchthaus. Diese Justiz wird meiter den Zuchthausgefangenen höhnend auf das Morgenrot einer Freiheit verweisen, die er von einem Gesez erwarten möge, das diese Justiz nicht zur Tat werden lassen will. Es hat keinen Sinn mehr, über Gerechtigkeit zu reden und zuschreiben. Aber Pflicht ist es für uns alle, denen das höchste Gut menschlichen Lebens Recht und Freiheit ist, aus der Tiefe des betrogenen Rechtsgemissens heraus. immer wieder auf die entehrende Schande dieser Justiz zu weisen, um des Unschuldigen, um Deutschlands willen. Der Politiker des Unbewußten. Herr Stresemann hat eine Rede geredet. Er hat die Deffentlichkeit merkwürdig lange warten lassen, bis er sie mieder mit einer Rede beglückt hat. Dafür ist die Rede auch danach. Ihr Zweck ist nicht nur, eine Rede zu sein- das muß bei der Person des Redners ausdrücklich hinzugefügt merden. Sie hat wirklich einen 3wed zwar nicht einen politischen, aber einen agitatorischen. Vielleicht könnte doch noch die Auflösung erfolgen, und für diesen Fall möchte Herr Stresemann nicht als Vorfämpfer der Rechten in den Wahlfampf ziehen. Er redete also für die Wahl- und handelt für den Bürgerblod. Diese Rede ist ein Schulfall für das Verhältnis von politischer Jdeologie zu politischen Tatsachen. Jeder einzelne Sazz. Herr Stresemann begann: „ Erfreulicherweise haben wir gegenwärtig eine weitgehende Einigkeit über die Richtlinien der Außenpolitit. Mit Ausnahme der extremen Parteien links und rechts besteht Ueber= einstimmung darüber, daß die Politik des Reichs sich nur auf den in London getroffenen Bereinbarungen aufbauen fann." Weitgehende Einigkeit über die Grundlage: aber gewiß. Nun will der eine auf ihr weiterbauen, der andere sie zer= stören. So ifts auch mit dem Völkerbund. Da sagt Stresemann: Weitgehende Einigkeit besteht im deutschen Bolte auch in der Haltung gegenüber dem Bölker bunde. Wir würdigen durchaus die Rede Macdonalds, in der er Deutschland auffordert, dem Bölkerbunbe beizutreten, und die begeisterte Zustimthung, die er damit bei der Mehrheit des Völkerbundes fand. Aber man wird uns nicht verdenken können, wenn wir sorgsam prüfen und feststellen, ob wir in der Lage sind, die uns auferlegten Verpflichtungen in vollem Maße zu erfüllen. Wir tönnen es als einen Erfolg buchen, daß der von uns erstrebte ständige Ratssitz von allen in diesem Rate jetzt vertretenen Nationen Deutschland zuerkannt wird. Wir werden darüber hinaus aber darüber disfutieren müssen, daß man Deutschland nicht zumuten kann, Konfequenzen aus der Exekutive des Völkerburides in der Form der Mitwirkung an Kriegen oder der Mitwirkung an der Blockade zu ziehen, solange der Zustand andauert, daß Deutschland der einzige entwaffnete Staat ist, der von in Waffen starrenden Nachbarn umgeben ist." den Bölkerbund dilatorisch behandeln, um dabei Geschäfte im Ginne einer deutschnationalen Außenpolitik zu machen. Und im Innern? Da redet Herr Stresemann: In der Innenpolitif begegnen wir leider einer starfen Zerrissenheit in der Frage der Regierungsumbildung. Wenn von der Deutschen Volkspartei gesagt wird, daß sie eine Schwenkung vollzogen hätte von der Großen Roalition e อ ว Herr Laverrenz Rusch Von den Deutschnationalen als Verkehrsminister vorgeschlagen. Fachminister für Zusammenstöße, wofür er feine Eignung am 24. Juni 1924 im Reichstag bewies, als er gegen den Abgeordneten Eagerfied: fäflich wurde. Frage des Personals im Verkehrsminifterium: Hauf er auch im Amte? Wird er die Prügelstrafe einführen? Dies Kind, kein Engel ist so rein! Es gibt feine Sollfrage, feine Frage der Lastenverteilung, teine wirtschaftspolitischen Fragen, fein Achtstundentagproblem. Herr Stresemann hat nie um solcher Fragen willen die Große Koalition ge sprengt, das haben vielmehr die bösen Sozialdemokraten getan: ,, Wenn die Große Koalition gefprengt worden ist, so sollte die Sozialdemokratie daran denken, daß sie selbst zweimal aus dem Kabinett der Großen Koalition ausgeschieden ist und jenes Mißtrauensvotum gegen das verbleibende Kabinett der Mitte eingebracht hatte, das naturgemäß zu einer Entwicklung nach rechts führen mußte und gerade diejenigen Kräfte der Deutschen Volkspartei vor der Kopf stieß, die sich unter schweren Opfern für die Große Koalition nicht nur im Reiche, sondern auch in den Ländern eingesetzt hatten." Die Feststellung, daß die Ausführungen Stresemanns einen marimalen Mangel an innerem Wahrheitswert haben, ist eine objeftive Feststellung. Aber wie ist die Differenz zwischen der Rede Stresemanns und den politischen Tatsachen subjektiv zu erklären? Will man nicht unhöflich werden, so ist nur eine Erklärung: er weiß nichts von dem, was er politisch tut. Er ist ahnungslos feinem politischen Handeln gegenüber. Die Lenkung seiner Politik durch ausge= sprochene Klassenintereffen erfolgt im Unterbewußtsein. Er ist der Redner des Bewußten, aber der Polititer des Unbewußten. Aus Laverrenz' Leben. Borwärts" vom 15. November 1919: Deutschnationale Versammlungssprenger. = Die Deutsche Liga für Bölferbund hatte zu Freitagabend eine öffentliche Bersammlung über das Thema:" Nation und Völkerbund" einberufen. Als Redner waren angefündigt: Reichsminister Erzberger unb Professor Walter Göt Leipzig. Bes stimmte, dem Minister Erzberger feindlich gesinnte Kreise benutzten diese Gelegenheit zu einer Demonstration gegen den Reichsminister. Mehrere hundert Personen stürmten den Versammlungssaal vor Eröffnung der Versammlung; nachdem die Polizei ihn einmal ge= räumt hatte, wurde der Saal zum zweiten Male gestürmt und nun sezte ein ohrenbetäubender Lärm ein. Professor Schücking, der die Versammlung leiten wollte, wurde beschimpft und bedroht, ebenso Professor Bergsträßer, der Herausgeber des„ Demokratischen Deutschland". Professor Göz wurde gewaltsam gezwungen, seine Rede zu unterbrechen und verzichtete schließlich auf das Wort. Nun nahm der deutschnafionale Abgeordnete Laverrenz den Vorsitz der Verfammlung, und nachdem verschiedene Redner für die Kriegsgefangenen gesprochen hatten, hielt Abgeordneter Laverrenz eine mit großem Beifall aufgenommene Rede gegen den„ Reichsverderber Erzberger". Unter Absingung des Liedes:" Deutschland, Deutschland über alles" und unter Schmährufen gegen Erzberger und die Juden ging die Versammlung auseinander. Es wurde eine lebhafte Agitation getrieben, um einen Demonstrationszug zu formieren, der sich nach der Wohnung Erzbergers begeben sollte. Inzwischen trat die blaue Polizei in Tätigkeit, welche die aufgeregten Massen zu zerstreuen versuchte. Borwärts" vom 30. August 1921: Wie sie hetten! zum Bürger blod", so ist das eine vollkommen unzutref In einer rechtsbolschewistischen Versammlung in der Brauerei fende Darstellung. Die Deutsche Volkspartei hat ihr İdeal der Boltsgemeinschaft nicht aufgegeben und wird es ablehnen, Königstadt am 8. Januar 1920 referirte der Abg. Laverrenz sich auf einen Weg drängen zu lassen, der die Sozialdemoüber die Frage: Warum Deutschnational? Er zog mit allen Regeln der Prafie prinzipiell von der Mitarbeit am Staate Kunst über den„ Reichsverderber Erzberger" los und ausschließt. Wir werden diesen Fehler des alten Deutschland sagte u. a. wörtlich: nicht wiederholen. Die Deutsche Volkspartei Iehnt einen soDie einen wollen in den Völkerbund, nämlich die Sozial- zialen und politischen Bürgerblodgedanken ab demokraten, die Demokraten, der demokratische Teil des Zen- und wünscht nicht, daß Wahlen unter dem Schlachtruf„ hie rechts, frums, weil der Eintritt in den Völkerbund in der Richtung hie links" ausgefochten werden. Bleiben muß das Bufam.nenihrer grundsäglichen Außenpolitik liegt, die anderen, zu arbeiten der Mitte, an die sich gegenwärtig die Kräfte von rechts denen Herr Stresemann gehört, wollen den Eintritt in angliedern müssen." Triumph der Moral. Bipf war Moralist. Bon Peter Scher. Er fonnte außer sich geraten, wenn er stramme Männer, die offensichtlich gut gefrühstückt hatten, flapprigen Männern, die offen sichtlich schon lange nicht mehr mußten, mas ein Frühstück ist, mit martiger Stimme Kopf hoch" zurufen hörte. Der Anblick einer von Schinken und Gänsebrüsten strohenden Schaufensterauslage mit einem Dußend hohlwangiger Leute vor und einem Dugend knallbackiger Leute hinter der Scheibe fonnte ihn trübsinnig stimmen. Er hatte mit einem Wort teine Anlage zu fraftvoller Lebensbejahung, und es gab Leute, die ihn für einen heimlichen Bazifisten hielten. Doch muß man den Leuten nicht alles glauben. Einmal hatte sich Zipf von einem Bekannten, der ihn der frischfröhlichen Lebensbejahung wiedergeben wollte, zum Besuch einer von allen Herren und Damen unter fröhlichem Prosten, und von Hand- und Fußgehämmer begleitet, im Chor mitgesungen murde. Zipf, der Moralist, schäumte, und obwohl sein Bekannter ihn auch nicht aus den Augen ließ und sich Mühe gab, beruhigend auf ihn zu wirken. war er plöglich doch verschwunden und das Entsetzen des anderen erschien auf einmal mit Gebrüll oben auf dem Bodium. wer beschreibt Im Augenblick war alles still. Eine Dame nahm vor Verblüffung fogar die Beine vom Tisch, und die Herren klemmten ihre Uhrgläser fester ins Auge. Da brüllte auch schon der schäumende Zipf los: 2h ihr Gesindel- das ist euer Patriotismus! Schmach Ahund Schande!" Bum bum bum furz und gut: eine: Abrahama- santa- Clara- Rede mit schäumender Ueberzeugungstreue vorgetragen und von Gestitulationen unterstützt, wie man sie sich überraschender nicht vorstellen konnte. 21s er fertig war, stierte er noch einen Moment teuchend ins Publikum und schüttelte die geballten Hände drohend gegen die vornehmen Gaststätte hinreißen lassen, in der es in der Tat überaus Leute. bejahend zuging. Viele stramme Männer, denen man ansah, daß fie immer gut frühstückten, weil sie in fröhlicher Unbefangenheit die Gabe ausge: mutzt hatten, vielen flapprigen Männern genau so viel wegzu schnappen, wie diese gebraucht haben würden, um auch gut frühffücken zu können viele stramme Männer also saßen mit fröhlichon Damen hier und tranfen gute Weine. Eine Kapelle machte anregende Musik, und dann und wann trat j'mand auf das Podium, um etwas Zuversichtliches, Stimmungyebendes vorzutragen. Zwischendurch passierte auch mal ein kleiner Zwischenfall, intem ein Herr, der zuviel Burgunder mit Seft getrunken hatte, plötzHich einem anderen Herrn, der für diese Verhältnisse zu wenig getrunken hatte, die Beschuldigung ins Gesicht schleuderte, er habe das Baterland beleidigt, was jener, aber durch Befundung der cigenen Begleiterin des Anklägers cls Irrtum erweisen konnte, denn er hatte im Gegenteil bemerkt: Wie muß man die Franzosen fassen, daß man so in dem Burgunder wüten fann!" Na furz und gut, der Fall war zur Beruhigung aller gotlärt. Die Herren waren vergnügt. Die Damen befanden sich auch in richtiger Geelenhaltung, mas einige schon äußerlich zum Ausdruck brachten, indem sie die Beine auf den Tisch hielten. Da ereignete sich etwas, das unseren Zipf, der über alles dieses schon in bedenkliche Zustände geraten war, vollkommen daniebermarf. Ein Fräulein erschien in einem berückenden Phantasiekostüm f dem Podium und fang ein Couplet, deffen Refrain: Ob arm, ob reich, Wir fühl'n es gleich Im Herzen heiß. Wir halten stand um jeden Preis! Der Erfolg war überraschend. Die Damen flatschten außer sich vor Entzücken in die Hände; die Herren mieherten und trampelten; begeisterte Stimmen riefen: Famos!"" Doller Knabe!"" Täuschend echt!"„ Muß er nochmal machen!" Als der vollkommen konsternierte Zipf vom Podium heruntertaumelte, nahm ihn auch schon der Direktor in seine Arme und fagte aufgeregt:„ Ich biete Ihnen hundert zweihundert Mart pro Abend, aber Sie dürfen nur bei mir auftreten!" Sonntägige Musik. Man hört nun Artur Schnabel wieder in Berlin und fühlt fegleich, daß er uns wirklich gefehlt hat. Unter den großen, den wirklich einmaligen Spielern, steht er jetzt, nam dem Tode Busonis, funft in einer Mat nee der Boltsbühne von op. 31, dem romanganz obenan. Er schreitet den Weg der Beethovenschen Sonaten tischen Nachklang, über die klaffische Hammerklavierfonate bis zur entmaterialisierten Poesie des op. 111 ab. Und alle diese Abstufungen trifft Schnabel so charaktervoll, so in üppiger Klang- Gebelaune, so glänzend, pathetisch, verträumt und duftig, daß man wohl heute vergeblich nach einem gleich universellen Nebenbuhler auf dem Flügel des Gesanges suchen würde. Das ist's: Schnabel singt, er wägt und wiegt, ein echter Musitant aus Desterreich, die Melodien, die Kantilenen mit der Herzwage, und er gibt ihnen, deutsch geworden, jene der Werte erhebt sich eine stille, große Gemeinde bis zu Graden der eiferne Energie, die Beethovensch ist. Vier Sonaten, und an jedem Begeisterung, die man an gewöhnlichen Abenden der Kammermusik in Berlin nicht fennt. Ein ungewöhnl cher Genuß, eine herrliche Stunde Abends im populären Konzert. In der Lüzowstraße schwingt jetzt Julius Kopsch den Stab. Er hat sich im Zug von Oldenburg ,, Mit dem Zentrum unter Erzbergers Führung fönnen wir richt zusammengehen und fönnen es auch nicht unterstützen. Wenn Erzberger auch nicht vom Auslande best och en ist, so zeigt feine Tätigkeit am Wiener Hofe und während des Krieges, we s Geistes Kind Erzberger ist." Der letzte Sag war aber in einem solchen Tone gehalten, daß die Versammlung den Eindrud haben mußte, Erzberger sei vom nach Berlin zum Generalmusikdirektor gemacht, scheint aber auf dem Umweg von Berlin nach Berlin auch sonst mancherlei gelernt zu haben. Gestern gab er den Stock an Herrn Mingersdorf ab, der meistern ist. Er ließ seinen fleinen Chor leichte Bolkslieder angenehm ener von den soliden, nie strauchelnden, nie aufregenden Kapellportragen. Im übrigen schickte das vielgeplagte Orchester seine Maiadore vor zu solistischen Gaben, bei denen Ella Stockhausen ge= wandt( und wohl ohne Vorprobe) assistierte. Lambinon, der freundliche Konzertmeister, scheint so populär zu sein, daß er selbst in einer matten Stunde Beifallsfalven entfesselt. Er schien mir weder mit der Mensur noch mit der Tragfähigkeit feines( ungewohnten?) Instruments vertraut. Erst langsam fam Seele, Leben, Lonfülle auflade bei( Beethovens Romanze in F und Wieniawoffys Mazurfa in A). K. S. Angenehme Aussichten für den nächsten Weltfrieg. Auf der letzten Versammlung des Franklin- Instituts schilderten Eachverständige vor einem Auditorium von Wissenschaftlern neue Entmidiungen in der Lufttriegführung, welche die strategischen Methoden des Weltkrieges großenteils veraltet erscheinen laſſen. Das Bombardieren von Städten durch unbemannte, automatisch gelenfie Flugzeuge, die Vernichtung eines Kriegsschiffes durch eine einzige Luftbombe und die unschädlich machung einer ganzen Nation durch eine Kombination neuer chemischer Erfindungen solcher Art waren die neuen Kampfmittel, die besprochen wurden. Im Hinblick auf das unbemannte Flugzeug fragte General Squire: Wer fann fagen, wo die Grenze liegt für die Möglichkei'en neuer Angriffsmittel, wenn unglücklicherweise noch einmal ein Krieg tommen folle? Genau so. wie wir jetzt für die Zwecke einer Operation einem Menschen ein harmloses Betäubungsmittel geben, so werden wir in Zufunft imftande sein, mit Hilfe einer Kombination von neuen chemischen Entdeckungen und radiogelenften unbemannten Flugzeugen. ganze Nationen für 48 Stunden in Schlaf zu verfehen." Ceneral Batrid stellte fest, daß die Vereinigten Staaten berel's einen solchen automatischen Piloten" beigen, der völlig unbemannte Flugzeuge fentt, und gab der Weberzeugung Ausdruck, daß die Lenkung durch Radio nur eine Frage baldiger Entwicklung sei. Ganze Scharen von solchen Flugzeugen würden, von einem einzigen Mann in einem entfernten Flugzeug geleitet, in Zukunft gegen feindliche Städte operieren und je nach dem Billen des Piloten ihre Angriffe vornehmen." Paul Cassirer, Vittoriaftr. 35, eröffnet am 21. eine Sonderausstellung E. 2. Kirchner, die in einer Auswahl von 250 Holzschnitten. Radierungen und Lithographien einen lleberblid über das graphische Wert des Künstlers gist. Landsberg Kunft- und Buhhandlung. Der 11. Berlegertee muh technischer Smietigkeiten wegen ausfallen. b 25. Ditober übernimmt Dr. Kurt Hiller die literarische Zeitung der Tees. $ 3m Ceffing- Museum findet am 23., 8 Uhr, ein 2ortzing Abend zum Geburtstage des Meisters statt. Bortrag: Georg Richard Kruie.( e. fänge aus den Opern„ Casanova", 3um Großadmiral", Caramo" und „ Wildschüz". Das räfte Orgelfonzert von Prof. Balter Fisser im Dom findet am 23. Oftober, abends 8 Uhr, statt. Auslande testochen. Die Versammlung brüllte und tobte und ter füße Mob madhte 3 wischenrufe, die als Aufforde= rung zur Ermordung Erzbergers aufgefaßt werden mußien. ,, Borwärts" vom 25. Juni 1924: Deutschnationale Rüpeleien. ... Da sah man plöglich ein widerwärtiges Bild: vor dem Da fah man plöglich ein widerwärtiges Bild: vor dem Tisch des Hauses, der sonst meist umlagert wird, standen zufällig nur zwei Abgeordnete: ber beutschnationale 2a perrenz und unser Kieler Genosse Eggerstedt. Laperrenz. obwohl ihm die ganze Breite des Tisches zur Verfügung stand, rückte immer mehr nach links und stand bald vor den Bänker der Sozialdemokratie. Unb mit feirer Didhäutergestait drängte er den Beinen und fast aierlichen Eggerstedt beiseite, der sich erstaunt umdrehte und darüber einen brutalen Rippenstoß mit dem Ellenbogen erhielt. Es war flar, daß es darauf abgefehen war, die Sozialdemokraten zu provo gieren und einen 3wischenfall hervorzurufen. Unsere Genoffen ließen sich ober diese Pferdetnechimanieren bes wegen fener Brutalität berüchtigten deutsch national- pölfischen Raufbolds nicht gefallen. Eine Anzahl von ihnen stürzte sich auf ihn, dem wiederum seine Freunde beisprangen. Daraus enis fiand bald ein allgemeines Gemüht. in dem einzelne Hiebe auege tauscht wurden. Das Bulldoggengesicht des tapferen Carerrenz war sofort weiß wie ein Tischtuch geworden. Ganz nach tommu nistischer Art bezog er eine rü dwärtige Stellung, während andere Abgeordnete schließlich eine Mauer zwischen den beiben Gruppen bilden fonnten. Inzwischen hatte Dr. Rießer die Sigung erneut unterbrochen. Während der Bause beschäftigte sich der Weltestenrat mit dem Vorfall, und das Ergebnis wurde vom Präsidenten bei Wiederauf. nahme der Berhandlungen mitgeteilt: Der Abgeordnete Leverrenz erflärt, daß er sich lediglich habe Raum schaffen mol Ien(!? dabei haben ihm Vierfünftel des Tisches zur Verfügung gestanden), daß ihm aber die Absicht, unseren Genossen Eggerstedt zu ftohen, ferngelegen habe! Diese Entschuldigung entsprach zwar ganz unb gar nicht dem wahren Tatbestand, wohl aber dem toten bleichen Antlig dieses deutscnationalen Helden, der offenbar ganz erstaunt dar über war, daß die Sozialdemofratie, im Gegensatz zu den Rommunisten, sich selbst vor einem schwergewichteten reaktionären Bro volateur nicht fürchten! Nun, das Zentrum ist nicht mehr unter Führung Erz bergers, dafür haben die Gesinnungsfreunde des Berjammlungssprengers und Hezers Laverrenz gesorgt. Als fürzlich die Rede davon war, daß der Mörder Schulz aus Ungarn ausgeliefert werden sollte, zeigte sich die deutschnationale reuzzeitung" auch erkenntlich und nahm heftig gegen eine etwaige Auslieferung an die deutschen Gerichtsbehörden Stellung. Herriot über Deutschland. Austlang in Seddin. Die eisenbahntechnische Ausstellung in Seddin ist am geftrigen Sonntagabend geschlossen worden, nachdem ihr der letzte Tag noch einen ganz gewaltigen Besuch gebracht hatte. Nun werden diese prachtvollen Mofchinen, von der winzigen Liliput- Zubringer- Drud Iuftlokomotive bis zu den vierzylindrigen Mammutgeschöpfen der hat sich übrigens die Ausstellung merklich gelichtet und den Begroßen Lokomotivwerte wieder verschwinden. In den letzten Woher fuchern bot sich bei weitem nicht mehr das vollständige und großartige Bild der beiden ersten Wochen. Ueberfieht man noch einmal das Ganze, so wird man sich ert mern, wie sehr überall die Maschine an sich herrscht, so sehr, daß der Mensch, der ihr doch erst Leben derLeiht, faum noch Raum hot. Auf den modernsten Großlokomotiven hat sich seit 30 Jahren an der Maschinerie unendlich viel geändert, am Führerstand fast michts. Auf der vielbewunderten elektrischen Lotomotive bleibt für den Führer nur ein enger schmaler Raum übrig. In diesen engen Gehäusen, umgeben von Eisen und voin Raffeln und Donnern der Räder und Motore, stehen die Männer, benen das Geschick Hunderter von Menschen anvertraut ist. Auffällig an der Ausstellung war die große Anzahl von Luruspersonenwagen. Ein zwar neu gebauter und schön ladierter Bogen preußischer pierter Klaffe wirkte gegen diesen Zugus geradezu bedrückend. Die füddeutschen Biertertlaffemagen find dagegen viel fompathischer, weil sie das bequemere Gestühl der dritten Klasse über nommen haben, während Preußen offenbar Wert darauf legt, zu betonen, daß vierter Klasse vierter Klasse bleiben soll. Auffällig im angenehmen Sinne waren die vielen eleganten Straßenbahnwagen, für auswärtige Städte und für das Ausland bestimmt, lichkeit entlehren muß. In einem war die Ausstellung einzigartig: on denen man sehen fonnte, was Berlin vielfach noch an Bequem Weder den deutschen noch den ausländischen Gästen hat die deutsche Nationalflagge Willkommengruß geweht. Wann wäre das vor dem Krieg möglich gewesen? Und wenn die Ausstellungsobjette felbst von 1924 waren, die Hin- und Rückfahrt in den regulären Vorortzügen sien aus dem Jahre 1864 zu stammen. Wenn sich die Anmohner diefer Strede mit derartigem Borortverkehr begnügen müssen, dann sind sie die bedauernswerten Opfer eisenbahn- und verkehrstechnischer Unzulänglichkeit, die man faum noch für möglich gehalten hätte. Dom Auto getötet? Ein geheimnisvoller Unfall auf der Zehlendorfer Chauffee. von Zehlendorf nach Wannsee der 18jährige Gymnasiast Fritz Am Sonntagmorgen gegen 27 Uhr wurde auf der Chauffee echsler, Sohn des Herrn Brofeffor Wechsler aus Nitolassee, tot aufgefunden. Auf der Chaussee selbst befanden sich eine kleine Blutlache und ebenfalls eine solche 3 Meter davon entfernt auf dem Radfahrweg, wo auch die Leiche gefunden wurde. Das Unglüd hat sich wieder auf derselben Chauffee ereignet, die durch Unfälle verschiedener Art, besonders durch Ueberfälle auf Radfahrer, in Groß Berlin geradezu berüchtigt geworden ist. Die Kriminalpolizei stellte fofort Erhebungen an und ermittelte folgendes: Run, wo man Erzberger los ist und wo Dr. Marr das Pentrum führt, fönnen die Deutschnationalen mieder mit dem Zentrum zusammengehen. Die Bildung des Rechtsblocs mit in 3ehlendorf teilgenommen und sich gegen 2,20 Uhr nachts Wechsler hat am Sonnabendnachmittag an einer Schulfeier Laverrenz als Reichsminister ist offenbar als eine nach= von einem Freunde in Zehlendorf verabschiedet, um zu Fuß nach trägliche Ehrung Erzbergers durch seine Partei- Ritolas fee zu gehen und die Wohnung feiner Eltern aufzu Partei- itolassee freunde gedacht.... suchen. Bei der Deiche murden fleine graue Emaille [ plitter oorgefunden, die Don der Ladierung eines Autos herrühren. Die Leiche wies an der einen Schädelseite eine ziemlich tiefe und lange Verlegung auf. Außerdem waren am Fuß Schürfstellen. Es steht fest. daß Wechsler in der Nacht von einem ihm entgegenkommenden Auto angefahren, zu Boben geriffen und getötet wurde. Im 2.45 Uhr ist dieses Auto von einem Studenten in Zehlendorf gesehen worden. In dem Auto haben hinten zwei Damen gefeffen, die dauernd gerufen haben:„ Um Gottes willen, nun halten Sie doch, nun halten Sie doch". Neben dem Chauffeur hat anscheinend ein Herr gesessen. Dieses Auto hat zweifellos den jungen Wechsler über fahren. Da die Beiche nicht auf der Chauffee felbst, sondern auf bem neben der Chauffee laufender Radfahrweg gefunden wurde, besteht die Möglichkeit, daß Wechsler, als er auf der Straße ges legen hat, von Vorbeikommenden von der Straße fort unter den Baum gelegt worden ist. Es ist auch nicht ausgefchloffen, daß Wechsler noch so viel Kraft gehabt hat, sich selbst von der Straße nach dem Radfahrweg hinüberzuschleppen. Paris, 19. Oftober.( WIB.) Der rabitate Parteitag, ber in Boulogne- sur- Mer tagte, hat heute mittag seine Arbeiten beendet. Um 1 Uhr nachmittags fand in Boulogne das Schlußbantett des Partcitanes statt, dem Ministerpräsident Herriot mit fast fämt. Hiten Mitgliedern des Kabinetts beiwohnte. Im Verlaufe des Ban fets hielt Herriot Die bereits angefündigte politische Rede, in der er u. a. aus. führte: Frankreich befinde fich augenblidlich in einer ausgezeichneten Lage. Wenn er, Herriot, den diplomatischen Horizont absuche, entdecke er gegen Frankreich unter den Nationen, mit denen er in Genf zusammengetroffen fei, nicht eine einzige feindselige Boreingenommenheit. Mit Deutschland • unverzüglich bei Kriminalkommiffar Engelbrecht, Polizeiamt BehlenDie Infassen des Autos merden polizeilich aufgefordert, fich dorf zu melden. Ebenfalls bihet die Kriminalpolizei, dorthin fachbienliche Mitteilungen zu ridten. Die Namen der Mitbeilenden werden selbstverständlich geheimgehalten. Lebendes Schach. feien die Beziehungen tatsächlich besser geworden. Das bemeiſe der Verlauf der ersten Handelspertragsverhandlungen. Der demokratische Geist habe in Deutschland gewisse Erfolge davon getragen, die man nur verkennen fönne, wenn man ungerecht sein wolle, und die man mit Intereffe beobachte. Ich will, fährt Herriot fort, nicht behaupten, dak mir selbst vollkommen sicher sein fönnen, denn es scheint, daß Deutschland noch zwischen zwei Wegen schwanti. Es ist noch zu gewiß, daß die nationalistischen Parteien fortfahren, fich mit der militaristischen Borbereitung der Jugend zu beschäftigen und daß die Bereinigungen ehemaliger Frontfämpfer mit der Reichswehr in Verbindung bleiben, und dah gewiffe Feste beinahe Mobilifierungsversuchen ähneln. Wir müssen versichert fein, daß in die Herzen der deutschen Schüler und Studenten ebensowenig Haß gepilanzt wird, wie wir in die Herzen unserer Schüler und Studenten pilanzen. Wir wünschen, daß der demokratische Geist endlich den Sieg davontragen möge. Frankreich wenigstens hat zum Frieden aufgerufen. Es fordert die Völker ohne Egoismus, ohne Hintergedanken und ohne daß es irgend jemand ausschließen mill, hierzu auf. Die Völker müssen nun erflären, os fie genug Entfchlußfähigkeit befizen, um diesem Appell Folge zu leisten. Man muß die Stunde, die dahinfließt, festhalten, um zu verhindern, bak Europa und die Welt mieher bent Spiel der In trige und Rivalitäten zum Opfer fallen, denen fie schon einmal zum Dofer gefallen sind und aus denen wieder ein Krieg entstehen müßte. Frankreich hat seine Pflicht getan. Es ist geneigt und mird den Beweis bafür liefern, auch die Beziehungen mit Stu Bauch als Vermittler musikalischer Genüsse benutzt, und es ergab Iand wieder aufzunehmen. Ich wiederhole, Frankreich hat seinen Willen zur Gerechtigkeit und zum internationalen Frieden tund. gegeben. Mögen die anderen Bölfer es ihm gleich tun! Nach Herriot ergriff Kammerpräsident Painlevé das Wort, um im wesentlichen zur Einigkeit der linten Parteien aufzufordern. Die bürgerlich.demokratische Internationale. Varis, 20. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der radikal fozialistische Kongreß hat am Sonntag vor Abschluß seiner Tagung noch folgenden Befchluß angenommen: In alten Zeiten war das Schachspiel mit lebenden Figuren mongenländischer Könge Zeitnertreib. In den letzten Jahren be. gegnete man der originellen Abart hin und wiede: bei Urbeiter. sportfefben. Gestern feierte fie in reizvoller Form Wiederauf erstehung im Sportpalast. Das Wettspiel zwischen Welt meister Dr. Emanuel Laster und Großmeister Atiba Rubinstein selbst ließ ziemlich falt, was um so bedauerlicher war, als man sich ohnehin schon in einen verwandelten Eissdrant verfekt glaubte. Diesmal mar an jener Stelle, mo vor vier Wochen der Borer Milenz zu Boden geprenzelt worden ist, ein Riesenschachbrett von 110 Quadratmeter Umfang errichtet, auf dem in der üblichen Anordnung entsprechend ausstaffierte junge Damen Aufstellung nehmen. Der musikbegleitete Bufmarsch im blendenden Scheinwerferlicht war entschieden das Hübscheste, denn die Partie selbst, die bereits nach einer guten halben Stunde m't Remis endete, bot auch dem Durchschnittsspieler nichts Besonderes, wohl aber einem Teil des Bublifums Anlaß zu einem unbegreilich findischen Benehmen. Der Eaalbau des Sportpalastes wurde aber fich wieder, baß damit Anforderungen an ihn gestellt werden, die er rein afuftisch unmöglich erfüllen fann. Pietro Mascagni dirigierte und brachte Roffini, Verdi, Giordano, Wagner und meh. rere eigene Kompositionen zu höchstmöglichem Erfolge, an dem auch ber Baritonfänger Domenico Biglione Borghese be rechtigten Anteil hatte. Für die Alten. Im Verwaltungsbezirt Brenzlauer Berg eröffnete am Sonntag das Rentnerheim in der Greifswalder Straße den „ Die radikalen und demokratischen Parteien in Europa haben interbetrieb. Die Sommervouse ist dazu benutzt worden, eine internationale Bereinigung gegründet. Die Organi- mit beffernder Hand die Räume wieder sauber und behaglich hersation hat zum Ziel, die zusammenarbeit der demokratischen rentnerfürforce des Bezirks vor zwei Jahren aefchaffene Heim hatte zurichten und elettriche Beleuchtung cazulegen. Das von der KleinParteien, die den gleichen Jdealen zuftreben, zu erleichtern, zur im vorigen Winter einen durchschnittlichen Besuch von täglich 150 Wiederherstellung des endgültigen Friedens beizutragen Personen, die meist schon in recht vorgerücktem Alter standen. Man und mit allen Mitteln das obligatorische Schiedsverfah- darf erwarten, daß in dem fommenden Winter die Gästeschar nicht ten zu begünstigen. Es ist ein Komitee eingesetzt worden, in dem geringer fein wird. Der Eröffnungsabend, an dem mit den folgende Länder vertreten find: Deutschland, England, Frank- Aiten die in der Kleinrentnerfürforge tätigen Mitglieder der Wohlreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Hol. fahrtsverwaltung des Bezirks teilnahmen, brachte eine fünftle. land, Ungarn, Schweiz, Norwegen, Schweden, Polen, die Tschecho- tische Beranstaltung. Mufitsticke für Bioline und Klavier und Sologefänge ernster und heiterer Art erfreuten die Zuhörerschaft Flowatei und Citauen." und herzlicher Beifall bantte allen Mitwirkenden. Stadtrat Rosemann, der Wohlfahrtsdezernent des Bezirfes Prenzlauer Berg, betonte in einer Unsprache den Geist der Freundschaft und ber Gemeinschaft, der in diesem Heim herrschen foll, damit alle Besucher sich darin mohl fühlen. Das im Hause Greifswalder Zum Präsidenten der neugeschaffenen internationalen Bereini gung wurde der Franzose Buisson gemählt, zum Bizepräsidenten Dr. Heile. Es wurde beschlossen, den ersten Kongreß im nächsten Jahre in Kopenhagen abzuhalten. Etraße 225 untergebrachte Heim ist täglich( auch Sonntag) von morgens 10 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet. Es dient als Aufenthaltsstötte für ältere Frauen und Männer, die einige Stunden oder den ganzen Tag in behaglich erwärmten Räumen zubringen wollen. Die Besucher können dort nach Belieben lesen, nähen, miteinander plautern. Republikanischer Tag in Frankfurt a. Oder. Unter gewaltiger Beteiligung der Reichsbannerleute aus der Ostmark, der Neumark und Berlin fand gestern die Fahnenweihe des Kreisvereins Frankfurt a. d. D. statt. Der Zuzug, der schon am Sonnabend einfegie, verstärkte sich im Laufe des Sonntagvormittags ganz bedeutend. Eine derartig gewaltige Kundgebung hat lange nicht in Frankfurt stattgefunden. In einem Telegramm an den Reichspräsidenten Ebert wurde das Gelöbnis zur Republik und zur Verfassung erneuert und in einem Telegramm an den Reichsfang'er Marg gegen den Eintritt von Monarchistet in eine res publikanische Regierung auf das schärffte protestiert. Es zeigt sich immer mehr, daß der republikanische Gedanke in allen Bevölkerungsschichten starte Burzeln faßt, und ist die außer ordentlich große Teilnahme der Bevölkerung und der zahlreiche Flaggenschmud der Häuser wohl der beste Beweis dafür. Auf dem Weiherede irid mahnte, zusammenzuhalten, um allen Feinden Festp'ah im Schützenhaus hielt Oberregierungsrat Simons die zum Trug die Republif zu schüßen und zu befeftige 1. Regierungspräsident Bartel sprach seine Anerkennung aus, daß das Reichsbanner zu einer fo gewaltigen Orga= nisation geworden ist und erklärt, daß aus staatspolitischen und außenpolitischen Gründen eine andere Form des Staatswesens als die demokratische Republik unmöglich wäre. Der Borsitzende Stadt zeigte sich erst, wie groß die Teilnehmerzahl war. Der Zug des Gaves Berlin- Brandenburg, Kamerad Koch, überbrachte die Grüße des Gauvorstandes. Bei dem folgenden Umzug durch die wurde überall auf der Straßen auf das freudigste begrüßt. Nach ei ter furzen Ansprache des Gauvorsigenden auf dem Marktplag rüdten die einzelnen Kameradschaften in die verschiedensten Fest. lofale ab. Ohne Zweifel dürfte dieser Tag einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Explosion bei einer Denkmalsweihe. weibung eines Denimais für die Gefallenen bes Am gestrigen Sonntag fand in Jüterbog die in. 2. Garde Fußartt. Regt. und der Art. Schießschule Jüterbog fowie der hieraus erstandenen Kriegsformationen in üblicher Weise statt. Am Nachmittag fand aus Anlaß der Dentmalseinweihung ein Sportfest auf dem Schießplaggelände am Wassernehmer nach dem vorgesehenen Sportplatz begeben. Am Waſſerturm statt. Hierzu hatten fich die etwa 3000 zählenden FeftteilFeldhaubipen aufgefahren, die beim sportlichen Wettbewerb um ein turm waren vier mit Manöverfartuschen geladene 10,5-3entimeter100- meter- Geschütziehen Verwendung finden sollten, die bereits aufgefahren. Die Bedienungsmannschaft stand dabei und außerdem waren noch zwei besondere Posten zur Ueberwachung dieser Geschüße aufgestellt. Zunächst begab man sich nach der anderen Seite des Sportplages, um einem Geschühererzieren beizuwohnen, einer fogenannten Geschüß- Boltige", im langfamen Tempo und im Trabe vorgeführt, die mit einem Abproken und Abschießen der Geschütze 100- meterziehen begeben wollte, tradhte plöblich ein Schu endigte. Dann folgte man den leichtathletischen Freiübungen. Als man sich nun wieder zu den vier Geschüßen am Wasserturm für das mündung fich aufhaltenden Kanonier Schufa I und traf den gerade aufällig vor der Geſchüßder 8. Batterie des Res.- Artl.- Regt 3 fo amglücklich, daß ihm fofort der linte Oberarm buchstäblich vom Rumpfe zufällig auch Schulz heißt, aber mit Nr. 2 bezeichnet wird, hatte getrennt wurde. Der den Abschuß verschuldende Kanonier, der trotz des Befehls ur.id den Hinweisen des Postens sich am Schloßteil des Gefchikes zu schaffen gemacht. Im schwer verletzten, Lazarett geschafft. Schulz II wurde sofort in Haft genommen. fehr bedenklichen Zustande wurde Schulz I sofort ins nahe LagerDie Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste Sibung ant Donnerstag( um 45 Uhr). Aus Resten früherer Sigungen und neu hinzugefommenen Borlagen hat sich schon wieder ein bes trächtliches Arbeitspenfum angehäuft. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte Anfrage, die sich gegen die Absicht der Eriehung von Angestellten der Erwerbslosenfürsorge durch abge. baute Beamte richtet. Der sozialdemokratische Antrag, der die Wiederaufnahme zurüdgestellter fozialer Aufgaben der Stadt fordert, fchuß noch nicht wieder an das Plenum zurückgelangt. und die kommunistischen Erwerbslofenanträge sind aus dem AusGroßfeuer in einem Getreidespeicher. Auf ungeklärte Weise brach gestern abend gegen 10 Uhr bei der Fouragehandlung 3. Gumbart in Reinidendorf, Residenzstraße 11, Großfeuer aus. Es verbrannten ein Schuppen, ein kornspeicher mit Vorräten, zwei Wonen und zwei Ziegen. Die Höhe des Schadens ist noch nicht festgestellt. Nach anderthalbstündiger Tätigfeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Die Firma W. Gurlf, G. m. b. H., Telephon. und Telegraphenwerfe bittet uns, mitzuteilen, daß der Brand in ihrer Montageabteilung für automatische Telephonanlagen teine Störung des Gesamtbetriebes zur Folge gehabt hat. Die Fabritation wird durch Umstellung in der bisherigen Weise aufrecht erhalten. Die Kleinfierausstellung, die die Kolonisten der Lauben= folonie Hungriger Wolf" im Bornholmer Vereinshaus veranstalteten, dorf man als ein Zeichen fleißigen Schaffens und zähen Wiederaufbaumillens bewerten. Der schon seit langem be. stehende Verein hielt in diesem Jahre feine erste Kleintierschau ab, die einen glänzenden Eindrud hinterläkt. Anmähernd 200 Tiere murden von 30 Ausstellern geschickt. Man sah prächtige Tauben, unter ihnen hervorragend schöne Brieftauben, ferner Hühner, Enten, Gänse und Kaninchen. Unter lekteren sind namentlich die blauen Wiener zahlreich vertreten. Die Zucht macht einen guten Eindruc und man sieht, daß man nicht nur für den Kochtopf zieht, sondern auch auf den Belz Wert legt. Die Arbeit der fleinen Leute ist boch einzuschähen, da sie während der Inflationszeit unendlich große, niederdrüdende Berluste unter ihrem Viehbestand zu verzeichnen hatten. Lernt E'peranto! Ber Bölferberständigung will, muß sich auch des internationalen Verständigungsmittels Esperanto bedienen fönnen. Gründ lichen Esperanto- Unterricht erhalten Junge und Alte in den wahlfreien Surfen der städtischen Berufsschule Charlottenburg, Rosinenftr. 14, ieden Dienstag und Freitaa 7-8,40. Teilnehmergebühr für das ganze Halbjahr Oftober- März 4,80 M. Anmeldung in der Geschäftsstelle der Schule. Den Unterricht erteilt Gen. Starl Schulz. Das Bolfsbildungsamt Kreuzberg eröffnet da Winter- Programm 1924/23 mit einem Kammerorchester- Konzert( Dirigent: Edmund Weisel am 20. Oftober, 8 Uhr, im Orpheum, afenbeide Ede GräfeStraße. Das Programm bringt klaffische und zeitgenössische Musik. Karten zu 50 und 75 Pfg. Nordstraße 11 und Abendlasse. Reichsbund deutscher Mie ervereine, 4. Berwaltungsbezirt, Trestowftr. 58. Deffentliche Wieterversammlung am Montag, den 20. Oftober, 7%, Ubr, bei Glieiche, Kopenhagener Straße 74, am Dienstag, den 21. Dftober, abends 7%, Uhr, im Schweizergarten. Jugendveranstaltungen. Werbebegirt Reukölln. Abendfeier anläßlich des 201ährigen Bestehens der Berliner Arbeiter Ingend, heute 18 Uhr, in der Aula der KnabenMittelschule, Donauftr. 120. Eintritt: Untoftenbeitrag. Gewerkschaftsbewegung Betriebszeitungen. Bon der Kommunistischen Partei werden feit einiger sit für eine Anzahl Großbetriebe besondere Betriebs. oder Bellenzeitungen herausgegeben; auf einer Ausstellung während des Brandenburger Bezirksparteitages der KPD fonnte man 85 verschiedene Muster davon sehen. Die oft monatelang an bauernden Berbote der kommimistischen Blätter haben die Heraus gabe derartiger Organe gefördert; aus der Not ist also eine Sugend geworden und man fann annehmen, daß die Legalisierung" der Rommunistischen Partei das Bedürfnis danach wieder einschränken wird. Ob diese Bellenzeitungen wirklich der Verbreitung fommunistischer Ideen förderlich find, fann bezweifelt werden; gegen diefe Annahme spricht die Tatsache, daß bei den in der jüngsten Zeit vor genommenen Wahlen sich ein auffälliger Rüdgang ber fommunistischen Stimmen zeigte und daß auch bei allen gewerkschaft fichen Attionen, wo es im wesentlichen auf die Stellung der einzelnen Betriebsbelegschaften anfommt, der kommunistische Einfluß ganz wesentlich nachgelassen hat. Auf dem Brandenburger Parteitag der APD. hat Werner Scholem diesen kommunistischen Niedergang ausdrücklich zugestehen müssen. Die Be.riebszeitungen bedeuten zumeist einen Rüdfall in die Zeit der primitivsten Lebensäußerungen der Arbeiterschaft, Rein technisch fönnen fie vielleicht als Kuriosität gewertet werden, die aber an Wert verliert, je öfter fie erscheint. Gemiß ist es notwendig, die Mißstände in den Betrieben festzustellen und für deren Beseitigung zu sorgen, das aber ist Sache der Gewerkschaf en bzw. der Betriebsräte. Die fommunistischen Zellenzeitungen erscheinen illegal". Hinter der Anonymität verbirgt sich vielfach die Feigheit und die Infähigkeit, in der Bertretung der Interessen der Kollegenschaft feinen Mann zu stehen. Die Betriebszeitungen fönnen aber die Interessen der Belegschaft geradezu gefährden. wenn Mißstände erfunden, verallgemeinert oder übertrieben dargestellt werden; damit wird es dem Unternehmer leicht gemacht. den ganzen Inhalt der Beitungen als erlogen zu bezeichnen. Schließlich aber entsteht die Gefahr, das ist der Zwed der fommunistischen Betriebszeitungen, daß die Betriebsräte und Gewerffchaften bei der Feststellung von Miß ftänden ganz übergangen werden und die Kollegen fich daran gemöhnen, ihre Beschwerden entweder in dem unverantwortlichen und unkontrollierbaren Beitungserfaß abzuladen oder sie ganz für fich zu behalten. Die Bellen" geitungen fönnen auch den Erfolg haben, daß sie den Betriebsegoismus der Arbeiter stärken und dadurch auf Ummegen einen neuen Zunftgeist in die Arbeiterfchaft hineinschmuggeln, der den Unternehmern sicher fehr will tommen sein wird. Zusammenfassend fann man feststellen, daß die fommunistischen Betriebszeitungen am schnellsten dort Eingang gefunden haben, wo bie früher indifferente oder gelbe Arbeiterschaft nach einer furzen ,.revolutionären" Aufwallung schnell wieder ihre gemertschaftlichen Pflichen vergessen hat. Sie finden dort weniger Antlang. wo die Arbeiter sich daran gewöhnt haben, die allgemeinen Interessen ihrer Klasse über die Kirchturmsinteressen ihres Betriebes zu stellen. Es gibt auch viele Arbeiter, die im Betriebe gern die fommunistische Bellenzeitung annehmen, aber mit viel größerem Eifer nod) zu Hause die Morgenpost" oder den„ Bola anzeiger" lesen. In ihrer Berzweiflung, die Massen" zurückzuholen, greift die KPD. zu den unmöglichsten Mitteln auch wenn sie, wie die ganze Betriebszellen. organisation eine 3erfplitterung felbft der noch fommunistisch gefinnten Arbeiter zur Folge haben muß. " Der Abstieg der Kommunisten. 6 Tagen, der ihm nach dem Manteltarif zustand. Der Manteltarif. vertrag war allerdings von den Arbeitgeber zum 30. April d. J. ge fündigt morden. Die Firma erklärte sich nur zur Gewährung eines Urlaubs von 3 Tagen bereit, nämlich soviel, als fie in einem etwa neu abzuschließenden Bertrag zuzugestehen die Absicht hätte. Der Kläger berief fich in seiner Klageschrift darauf, daß der Urlaub für eine zurückliegende Dienstleistung zu gewähren ist, er also den Urlaub bereits verdient" hate. Weiter berief sich der Kläger noch auf die Bestimmung des Manteltarifs, nach der Urlaub bereits vom 1. April ab genommen werden könne. Wenn er nicht bereits schon im Monat April feinen Urlaub genommen hätte, so deshalb, weil nach einer Bereinbarung zwischen den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganifationen die Arbeiter gehalten waren, ihren Urlaub in der stillen Zeit der Sommermonate zu nehmen. Sport. Kehraus in Treptow. Legter diesjähriger Renntag in Treptow. Hauptnummer des Programms:„ Die Hundert". Bauer, Weiß, Bittig und Lemanom hatten ihre Meldung dazu abgegeben. Als die Fahrer die Bahn betraten, warteten Zuschauer massen, die sich trotz der herbstlichen Kühle eingefunden hatten, auf spannende Kämpfe. Bormeg gefagt: fie blieben aus! Wittig, der in beiden Läufen die Spike einnahm, ließ sich diese nicht nehmen und trug so„ Die Hun dert" heim. Bemerkt sei, daß Wittig ein scharfes Tempo fuhr. Im ersten Lauf verbesserte er sämtliche Reforde nicht unerheblich. Bei den Fliegern waren Hahn und Behrendt die tüch tigsten Kerle. Die Firma wandte demgegenüber ein, daß sie den Vertretern der Berlegschaft Mitte Mai, also nach dem( vermeintlichen) Ablauf Refulfate. Die Hundert." 1. 2 auf 30 Kilometer: 1. Bittig des Manteltarifs mitgeteilt habe, daß fie die Urlaubsansprüche der 45 Min., 28 Set.( Bahmeford), 2. Bauer 110 Meter, 3. Remanom 420 Meter, 2. 2 auf 50 Kilometer: 1. Wittig 49 Min., Belegschaft auf das von ihr gewünschte Maß zurücfeze. Die Gesamt- 4. Weiz 1140 Meter zurüd. 11,2 Set., 2. Lewanom 60 Meter, 3. Bauer 1540 Meter, 4. Weiß 1900 Meter arbeiterschaft, ebenso wie auch der Kläger, hätten feine Einwände zurüd. Selaffement: 1. Wittig 100 Kilometer, 2. Zemanov 99,520 Kiloerhoben, wären also mit der„ Neuregelung" des Urlaubs einvermeter, 3. Bauer 98,350 Stilometer, 4. Weiß 96,960 Stilometer gefabren. standen gewesen. Bramienfahren 15 Runden: 1. Hahn 6 min., 19,1 Set., 2. Abraham, 3. Stolz, 4. Behrendt. Punttefahren 25 Runden: 1. Behrend 10 Min., 37,7 Set., 2. Dstar Tieh, 3. Abraham, 4. Stolz, 5. Häusler. Das Gewerbegericht, bei dem der Streit ausgetragen wurde, tam zu folgender Entscheidung: „ Nach dem Tarifvertrage vom 28. April 1923 stand dem dem Kläger ein Urlaub von 6 Werktagen zu, da er am 1. April Stich'age für die Berechnung des Urlaubs 1 Jahr lang bei der Beklagten beschäftigt war. Dies mohl erworbene Recht tonnte dadurch, daß der Tarifvertrag zum 30. April 1924 gefündigt wurde, nicht aufge. hoben werden. Der Kläger hätte sich ferner feines alien Urlaubsanspruchs auch dadurch nicht begeben, daß er feinen Widerspruch gegen die Bekanntmachung der Firma erhob. Die Firma war somit verurteilt, dem Kläger den Lohn für die reftlichen drei Tage Urlaub zu zahlen." Die Entscheidung des Gerichts stützt sich auf den§ 1 der Ber: ordnung über Tarifverträge vom 23. Dezember 1918, der von der Unabdingbarkeit der Vorteile. Der Tarifverträge gegenüber dem Arbeiter spricht. Der Verband der Bebensmittel- und Geträntearbeiter hat den Spruch des Gewerbegerichts als eine prinzipielle Entscheidung angefehen und danach für alle Arbeiter der Viktoriamühle den alten Urlaubsanspruch durchgesetzt. Aussperrung in der AEG.- Turbine. Die Kranführer in der AEG., Turbinenfabrik in Moabit, haben am Freitag mittag die Arbeit eingeft.It. Sie hatten, ohne sich vorher mit den zuständigen Organisationen oder auch nur mit dem Betriebsrat in Berbindung zu sehen, Lohnforderungen gestellt, die von der Direktica abgelehnt wurden. In rücksichtsloser Weise hat daraufhin die Betriebsleitung am Freitag nachmittag die gesamte Belegschaft bis auf die Eisengießerei ausgesperrt. Die Abendschicht, die um 3 Uhr anfangen follte, fonnte die Arbeit nicht aufnehmen. In Betracht fommen etwa 2000 Mann. Wie wir erfahren, sind durch die Organisationen Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts eingeleitet. Reichsbahndirektion und Spediteurarbeiterstreit. Zu der Veröffentlichung mit dieser Ueberschrift in Nr. 475 des " Borwärts" entgegnet jetzt die Reichsbahndirektion: Die von gewerkschaftlicher Seite beanstandete Maßnahme ber Ginsenbahnverwaltung, während des Streits im Spe. bitionsgewerbe das Publikum durch Apisierung der Stüdgüter zur Selbstabholung in meitestem Maße zu veranlaffen, war nicht nur zulässig, sondern unbedingt notwendig. Andernfalls wäre in fürzester Zeit eine Ueberfüllung der Güterböden eingetreten, die die Eisenbahnverwaltung dazu genötigt haben würde, den Zulauf von Gütern nach Berlin zu sperren und damit die Verforgung der Stadt vorübergehend zu unterbinden. Diese äußerste Maßnahme, von der auch die Lebens mittel betroffen wären, mit allen zulässigen Mitteln zu verder Eisenbahnverwaltung. Nach der Abkehr der norwegischen und der finnischen Gemertschaften und der sogenannten Roten Gewerkschaftsinternationale ziehen sich jetzt auch die franzöfifchen Gewerkschaften, soweit sie ber Spaltungsparole gefolgt find, von Mostau zurüid. Wie erinner lich, hat sich in Frankreich Ende 192 auf Anordnung von Mostau cin kommunistischer Gewerkschaftsbund aufgetan. Die stärkste Dri ganisation dieses Gewerkschaftsbundes( CBTU) war der Baumeiden, mar nach Lage der Verhältniffe die vornehmste Aufgabe arbeiterverband. Dieser Verband, der in der Hauptsache Don Syndikalisten geleitet wird, befand sich immer in einer gewissen Opposition gegenüber der Kommunistischen Partei, meil er es ablehnte, sich den Befehlen von Mostau auf Gebeih und Verderb zu unterwerfen. Diese Oppostion hat sich in der letzten Zeit immer mehr zugeipigt. Wie uns nurmehr aus Paris gemeldet wird, beschloß gestern der Bauarbeiterverband feinen Austritt aus der CGTU. Nachdem schon seit längerer Zeit Einigungsverhandlungen mit dem Bauarbeiterverband der Amsterdamer Richtung stattgefun. den haben, dürfte diefe Wiedervereinigung sich bald vollziehen und damit auch der Wiedereintritt in den franzöfifchen Gewerffchaftsbund. Unabdingbarkeit der Vertragsvorteile. Die Frage, ob ein Manteltarifvertrag nach dem Ablauf weiter in Geltung bleibt, wenn an feine Stelle neue tarifliche Vereinbarungen nicht abgeschloffen sind, spielt in der Bragis fortgefeht eine große Rolle. Erst fürzlich flagte wieder ein Arbeiter der Berliner Biftoriamühle auf Gewährung seines Urlaubs von Rennen zu Grunewald am Sonntag, den 19. Oktober. 1. Rennen. 1. Wippize( M. Jenkich), 2. Maura,& Da Capo. Zoto: 46: 10. Plaz: 26, 28: 10. Ferner lief: Matto. 2. Rennen. 1. Luftpost(. Tarras), 2. Melantho, 3. Rosendame. Toto: 87: 10. Platz: 21, 24, 20: 10 Ferner liefen: Civilist, Baloma, Ber Dart, Santt Thomas, Ondina, Roderich, Habicht, Bendeir, Antilope, Rubel, Schneeberg, Bietnik. 3. Rennen. 1. Traumer( St. Torfe), 2. Manlius, 3. Scarfellino. Toto: 31: 10. Plat: 14, 18, 14: 10. Ferner liejen: Jean de France, Claudius, Le Gerfaut, Cabinet Noir. 4. Sennen. 1. Sisyphus( V. Hach), 2. Olympier, 3. Adidi. Toto: 98: 10. Blaz: 15, 12, 12: 10. Ferner liefen: Malatesta. Marienburg, Fürst Emmo, Barsisal, Regina II, Saturn, Marcellus, Laufjunge, Automedon. 5. Rennent. 1. Sinir( B. Tarras), 2. Hampelmann, 3. Lapis Electrig. Toto: 38: 10. Pla: 14, 23, 15: 10. Ferner liejen: Döberit, Hannar, Caprivi, Liebesgedante. 6. Rennen. 1. Gilda( Teichmann), 2. Balma, 3. Nimrod. Toto: 29: 10. Plag: 26: 10. 7. Rennen. 1. Sarazener( B. Tarras), 2. Dceana, 3. Aufklärung. Toto: 30:10. Blat: 14, 21, 24: 10. Ferner liefen: Eisenritter, Twoftep, Impreffario, Emeritus. Todessturz beim Großen Preis von Italien. Bei dem gestrigen Automobilrennen um den Großen Preis von Italien in Monza ist der deutsche Rennfahrer Graf 3 borowiti tödlich verunglüdt. Sein Mercedeswagen geriet in voller Fahrt neben die Bahn und überschlug sich. Zborowski erlitt einen Schädelbruch und starb bald darauf. Am Start erschiccen alle 12 angemeldeten Maschinen, nämlich vier Mercedes( Deutschland), vier Alfa Romeo( Italien), zwei Schmid( Frankreich) und zwei Chiribiri( Italien). Das Rennen wurde von Aseari auf Alfa Romeo gewonnen, die die 800 Kilometer in 5 Stunden, 2 Minuten, 15 Setunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 159 Kilometern zurücklegte. Zweiter wurde Wagner, wieder. um auf Alfa Romeo in 5 Stunden, 18 minuten, 5 Sefunden, dritter Campari auf Alfa Romeo in 5 Stunden, 21 Minuten, 5,5 Sefunden und vierter Minojia gleichfalls auf Alfa Romeo in 5 Stunden, 21 Minuten, 55 Exfunden. Das zweite französisch- deutsche Fußballspiel. = Am gestrigen Sonntag spielte in Paris zum zweiten Male nach dem Kriege eine deutsche Sportmannschaft gegen eine franzö fische, und zwar die Fußballmannschaft des Vereins TennisBorussia Berlin gegen den Club Français. Bor Beginn des Spiels überreichte die deutsche der französischen Mannschaft einen seidenen Wimpel mit der Inschrift: Tennis- Borussia dem Club Français zur Erinnerung an den 19. Oftober 1924". Eine große, auf ungefähr 15 000 Personen geschätzte Zuschauermenge hatte sich eingefunden, die mit Intereffe jebe Phase des Spiels verfolgte. In der ersten Halbzeit stand das Spiel 2: 0 zugunsten Boruffias, in der zweiten Halbzeit gelang es dem Club Français infolge des vorübergehenden Ausscheidens eines deutschen Spielers, den ein Ball ins Gesicht getroffen hatte, das Ghrentor zu schießen. Das Spiel endete mit 3: 1 zugunsten der deutschen Mannfchaft. As nach Beendigung des Spiels fich die deutsche Mannfchaft nach den Umkleideräumen begab, war sie Gegenstand lebhafter Ovationen der Zuschauer. Unzutreffend ist es, daß zur Zeit des Streits bereits Mangel übri an Eisenbahnwagen geherrscht hätte, daß somit durch die gens nur an einer Stelle erfolgte Dorübergehende Einlagerung Don Stüdgütern in Eisenbahnwagen eine Benachteiligung des allgemeinen Verkehrs durch Entziehung von Wagenraum eingetreten wäre. Ferner ist unzutreffend, daß die Dienststellen angewiesen werden feien, von der Erhebung des tarifmäßigen Lagergeltes abzusehen. Vielmehr ist in allen Fällen das vorgeschrie. Dene Bogergeld erhoben worden, und zwar ohne Rücksicht Parteinachrichten darauf, wo das Gut eingelagert war. Wir ersuchen ergebenft, diese Ausführungen in Ihrer Zeitung gefälligst zu veröffentlichen. Dr. 3ietschmann." Die streifenden Speditionsarbeiter hatten jedenfalls aus den Anordnungen der Direktion den Eindrud gewonnen, daß die Rüdfichtnahme auf die bestreiften Speditionsfirmen ziemlich weit ging, obgleich die Fuhrunternehmer es waren, die die Arbeiter zur Abwehr der ihnen angefonnenen Verschlechterungen ihrer Existenzbebingungen in den Streit getrieben hatten. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 46. Abt. Seute, Montag abend, um 18 Uhr heiterer Abend der Genoffinnen bei Martin, Cuvryftr. 1L Ansprache hält die Genoffin Rreffe Gäfte willkommen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Sonstiges: Willy Mobus; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Vaul Singer u. 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