Nr.500 41.Jahrgang Ausgabe Nr. 254 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit ,, Gied. Jung und Kleingarten". sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. -W Telegramm- Abrene: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt ( 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 0,70 Goldmart, Reklamezeile - Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 0,20 Gold mart( aulässig awei fettgebruckte Worte), fedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark, jedes meitere Wort 0,05 Coismarf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmark. Eine Goldmark- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Döuboff 2506-2507 Donnerstag, den 23. Oktober 1924 Zum Kampf bereit! Tagung der Reichstagsfraktion und des Parteiausschusses. Am Mittwoch traten die Mitglieder der sozialdemokra- Die Landesvorstände der Deutsch nationalen Partei fifchen Reichstagsfraktion und die Mitglieder des werden sich am fommenden Sonntag in Berlin versammeln. Bei Parteiausschusses in bester Stimmung zu einer Konferenz dieser Gelegenheit dürften auch die Führerfrage und der Wahlim Reichstage zujammen. Nach einer furzen Begrüßung durch den aufruf der Nationalsozialisten behandelt werden, in dem die Genossen Weis erstattete Genosse Hermann Müller den Be- deutsch nationalen Führer, die sich um die Ministersessel richt über die gescheiterten Regierungsverhandlungen. Der Sozial- bemühten, als Partei bonzen und Schieber apostrophiert demokratie sei es zu danken, daß der Versuch mißglückt sei, die Re- werden. Im übrigen spricht der Wahlaufruf die Hoffnung aus, gierung einseitig nad) rechts zu erweitern und einen Bloc der Ka- die Neuwahl möge eine Mehrheit bringen, die die Dawes-Gesetze pitalisten gegen das deutsche Volk aufzurichten. Auch der Wahl- zerschlägt. Da auch der phantasiebegabteste Nationalist keine fampf habe das Ziel, diesen Befihbürgerblod zu verhin- nationelsozialistische Mehrheit erwarten fanm, hat der Aufruf einen dern, den außer den Demokraten alle bürgerlichen Parteien er- Umfall der Deutschnationalen nach der rechtsradi. Umfall der Deutsch nationalen nach der rechtsradi. reichen wollen. Die deutsche Politik dürfe nicht mehr unter die talen Seite zur stillschweigenden Voraussetzung. Aber auch das Führung der Propagandisten für die Revanche und der Monarchisten nürde die Durchführung der Dawes- Gesetze, die mit Hilfe der Deutsch jowie der Junter und der Großfapitaliften geraten. Es gelte zunationalen angenommen wurden, nicht verhindern können. Ludennächst die Republik zu sichern und die Befriedung Europas her- dorff hat sich trotz aller entgegengesetzten Ratschläge seiner Freunde beizuführen, die durch die Außenpolitik der Sozialdemokratie ein- und Freunde" wieder an die Spike der nationalsozialistischen Reichsgeleitet worden ist. Im Mittelpunkt dieses Kampfes stehe der fo- liste gestellt. jiale Schuh aller Schwachen, für den die Sozialdemokratie fich mit allen Kräften einfegen werde. Nach kurzer Ausfprache billigte die Fraffion und der Barteiausschuß einmütig die Haltung des Vorstandes. Der Parteivorfland wird den Wahlaufruf in den nächsten Tagen veröffentlichen. Nach der Besprechung organisatorischer Fragen erreichte die Sigung, die von der Siegeszuversicht der Partei, der Schlagfraft der sozialdemotafischen Organisation und der Begeisterung der Massen des werktäligen Boltes Zeugnis ablegte, in der zweiten Mittagsffunde Ihr Ende. Die Vorbereitungen der Parteien. Der Borstand der demokratischen Partei hat für den 2. November einen außerordentlichen Parteitag nach Berlin einberufen. Auch der Parteitag des Zentrums wird in Berlin und nicht, wie ursprünglich vorgesehen war, in Frankfurt am Main stattfinden. Er ist auf den 26. und 27. Oftober festgesetzt worden. Die Volkspartei hält am 16. November in Dortmund einen außerordentlichen Parteitag ab Die Reichstagsfraktion der Boltspartei tagte gestern unter Hinzuziehung von Mitgliedern der Landtagsfrattion. Von einer offiziellen Beröffentlichung des Ergebnisses dieser Sigung wurde auf Wunsch des Vorsitzenden. Abg. Dr. Scholz, Abstand genommen. Es wurde aber mitgeteilt, baß die Fraktionsmitglieder die politische Führung der Parteileitung einmütig gebilligt haben. Die Wirtschaftliche Bereini gung( Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes, Bayerischer Bauernbund, Deutsch- Hannoveraner) wird auch diesmal eine eienheitliche Reichsliste aufstellen. Die befreiten Gebiete. Bayerische Demokraten gegen Stresemann. München, 22. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Demoratische Partei Südbayerns richtet einen Offenen Brief an Dr. Stresemann wegen der Rundgebung der Deutschen Bolfspartei, in der gesagt ist, daß bei der Haltung und bei den Entschlüssen der Demofratischen Reichstagsfraktion in der Frage der Regierungserweiterung Einflüffe inter nationaler Trusts eine verhängnisvolle Rolle gespielt und die Reichstagsauflösung berschuldet hätten. Dieser Saz, so heißt es in dem Offenen Brief, enthält eine so ungeheuerliche Anschuldigung einer ganzen Frattion, daß in aller Deffentlich teit genauestens aufgeklärt werden muß, auf welche bestimmten Unterlagen in sachlicher und persönlicher Hinsicht sich dieser Bor wurf politischer Unmoral und Bestechlichkeit stützt. Auslegung der Stimmlisten. Der Reichsminister des Innern hat bestimmt, daß die Stimm. listen und Stimmtarteien für die Reichstagswahl vom 16. November 1924 bis einschließlich 23. November 1924 auszulegen find. In Preußen werden die Listen mit Rücksicht auf die Regelung im preußischen Wahlverfahren vom 15. bis einschließlich 22. November ausgelegt. Näheres über Ort und Zeit der Auslegung geben die Gemeindebehörden bekannt. Einsprüche gegen die Stimmlisten müssen bis zum Ablauf der Auslegungsfrist erhoben werden. Wählen kann nur, wer in die Stimmliste eingetragen ist oder bei Abwesenheit vom Wohnort am Wahltage einen Stimmschein sich rechtzeitig hat ausstellen lassen. Uebergabe. Die Regiefranten werden sofort außer Kraft gesetzt; die Reichsbahn lehnt es ab, diese Zahlungsmittel einzulösen. Elberfeld, 22. Oftober.( WTB.) Heute wurde das GeDie bestehenden Verträge der Regie mit den Bahnhofsbuchhandbiet von Vohwinkel, Remscheid, Wipperfürth, Ründeroth sowie die Gebietsstreifen nordöstlich und öftlich derungen und den Rollfuhrunternehmern werden gekündigt. Alle Bollerklärungen kommen in Wegfall. Grenze des Brüdentopfes& öln geräumt. Aus Remscheid zogen die Truppen in der Frühe ab. Die Truppen Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Krachen im Gebälk. Geftörter Bürgerblockfrieden. Der Riß in der deutschnationalen Partei. Geßler will Demokrat bleiben. Der Aufruf der deutschnationalen Reichstagsfraktion ist gestern hier einer scharfen Kritik unterzogen worden. Auch die demokratische und die Zentrumspresse hat sich über ihn in abfälligster Weise geäußert. Nun fommt auch das offiziöse Organ der Volkspartei, die Beit", mit einer Zurüdweisung, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. sei er von irgendeinem jungen Abgeordneten völkischer RichDie Beit" meint höhnisch, der Aufruf sehe so aus ,,, als fei er von irgendeinem jungen Abgeordneten völkischer Richtung verfaßt und ohne Korrekturprüfung an die Deffentlichfeit gebracht worden". Und sie fährt fort: Der ganze Aufruf steht in vollem Gegensatz zu der Politik, die die Deutschnationale Partei und Herr Hergt gerade in den letzten Wochen getrieben hat. Verstehen wir ihn recht und ist er mehr als eine Zusammenstellung von Schlagworten, dann ist er eine Absage an den Parlamentarismus überhaupt. Das geht aber nicht an. Man kann nicht gleichzeitig unter Berufung auf die Stärke der Partei den Anspruch auf die Zuteilung von Ministersigen erheben und den Parlamentarismus überhaupt ablehnen. Man kann sich auch nicht bereit erklären, mit Parteien zusammenzugehen, die in bezug auf die Stellung zum Staate eine bejahende Saltung einnehmen und den Staat dann derartig angreifen, wie man es hier getan hat. Wir bedauern auch unsererseits außerordentlich, daß in dem Aufruf der Kampf gegen die Judenherrschaft als Ziel des Wahlkampfes hingestellt wird. Das alles erschwert die Durchsetzung der Ideen, um derethalben der Kampf der letzten Wochen gegangen ist. Dabei braucht nicht erst betont zu werden, daß die Deutsche Volkspartei als liberale Partei besonders mit dem Gedanken der Religionshehe und der Raffenhetze nichts zu tun hat. Da wir glauben, über die Entstehung des Aufrufs einigermaßen unterrichtet zu sein, wollen wir ihm nicht die Bedeutung beilegen, die wir ihm beilegen müßten, wenn er ais offizielle Parteifundgebung anzusehen wäre. Wir hoffen, daß die offizielle Parteileitung Beranlaffung nehmen wird, in ihrem Aufruf das Einigende mehr zu betonen als das Tiennende. Und wir wiederholen die Warnung, die wir gestern ausgesprochen haben, daß man fich hüten möge, durch die Methoden des Wahlkampfes das zu verderben, was die Verhandlungen der Parteien in den letzten Wochen der Erfüllung nähergebracht haben. wegen Die Ausführungen der Zeit" lassen deutlich erkennen, daß sich die vorläufig noch bestehende deutschnationale Parteileitung bei der Volkspartei nichts an der Tatsache, daß er eine durchaus offizielle Erklädieses Aufrufs entschuldigt hat. Das ändert aber rung der bisherigen deutschnationalen Reichstagsfraktion darstellt, derselben deutschnationalen Reichstagsfraktion, deren unbegründeten Anspruch auf vier Ministersize die Bolfs= partei mit allen Mitteln" bis zur angedrohten Spren gung des Kabinetts und zur Reichstagsauflösung verfochten hat! Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat der Boltspartei für all diese Liebesmühe mit einem flatschenden Schlag ins Gesicht gedankt. Sie hat alle Behauptungen, mit denen die Volkspartei für den Bürgerblod eintrat- bie Deutschnationalen hätten mit der bestehenden Staatsordnung und der bisherigen Außenpolitit ihren Frieden gemacht -aus Vohwinkel fuhren mit der Bahn nach Koblenz. Einige fran- Die kommunistische Niederlage in Norwegen. glatt widerlegt und damit die Politik der Volkspartei ſelbſt zöfifche Eisenbahner blieben zurück, die jedoch im Laufe des Tages abziehen werden. Limburg, 22. Oktober.( WTB.) Heute mittag haben die Franzosen die Stadt Limburg endgültig geräumt. 3rgendwelche Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. * Die Flagge halbmast. Christiania, 22. Ottober.( Eigener Drahtbericht). In Christiania herrscht bei den Kommunisten, die in Norwegen noch vor wenigen Jahren die gesamte Arbeiterbewegung beherrschten, über ihre fatastrophale Niederlage große Bestürzung. Der Eindruck der WahlChristiania so niederschmetternd, daß am Dienstag die rote Flagge halb mast gehißt wurde. Reichspräsident, Reichsregierung und preußische Regierung haben niederlage war im tommunistischen Hauptquartier in an die befreiten Gebiete Glückwunschadressen gerichtet. Die Uebernahme der Regiebahnen. Köln, 22. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Uebergabe unheilbar bloßgestellt. Und so ergibt sich die überraschende Tatsache, daß der Wahlkampf, der um den Bürgerblod unter maßgebendem Einfluß der Deutschnationalen geführt wird, mit einer moralischen Isolierung der Deutschnatio= nalen beginnt! Zugleich wird dadurch die sozialdemokratische Behauptung bestätigt, daß nicht die angeblich erzielte Uebereinstimmung in politischen Tagesfragen, sondern lediglich die Gemeinsamkeit der gegen die Arbeiterschaft gerichteten sozialreaftionären 3iele die Grundlage aller Bürgerblockbestrebungen bildet. der Regiebahnen an die Reichsbahn A.-G. ftellt auch die ußlands Anerkennung durch Frankrei). Boltspartei zuliebe auch im Wahlkampf die Filzpantoffeln Eisenbahndirektion Köin vor schwere Aufgaben. Von 40 000 Eisenbahnbediensteten der Kölner Direttion sind nicht weniger als 24 000 bei der Regie tätig. Von diesem Personal müssen diejeni gen, die früher bei der Reichsbahn beschäftigt waren, wieder übernommen werden, während die Franzosen und Belgier ausscheiden. Umftritten ist noch die Frage, mas aus den neueingestellten Regiebediensteten werden soll, die ohne fachliche Vorbildung find. Die Regie rechnet sie zum ständigen Bersonal, während die Deutsche Reichsbahn unter Hinweis auf ihre hohen ReparationsLeistungen nur diejenigen übernehmen will, deren Dienstwert cinen reibungslosen Berkehr gewährleistet. Zahlreiche Lokomotiven ftchen schon an der Grenze des besetzten Gebietes, die sofort die starf verschliffenen Maschinen der Regie ersetzen sollen. Alle Vorfart verschliffenen Maschinen der Regie ersetzen sollen. Alle Vorbreitungen sind getroffen, damit die Zugsicherung und das Meldewesen, deren Einrichtungen unter der Regie stark gelitten haben, wieder instandgesetzt werden. Einstweilen bleiben die bisherigen Fahrpläne der Regie in Kraft, höchstwahrscheinlich bis zum 30. November. Die deutschen Tarife gelten jedoch mit dem Tage der Uebergabe. Die Fahrkartenausgabe wird sofort neu organisiert. Die gierfahrtarten verschwinden um Mitternacht des Tages der Kein Verzicht auf die französischen Forderungen. Paris, 22. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die französische Regierung hat die Sowjetregierung am Mittwoch de jure anerkannt. In dem Telegramm an die Sowjefregierung wird betont, daß Frankreich mit diesem Aft der Anerkennung keinen Verzicht auf die Rechte franzöfifcher Staatsangehöriger an ihrem von der Sowjetregierung fonfiszierten Besitz oder auf franzöfifche Schadenersahforderungen ausspricht. Es ist nun abzuwarten, ob die Deutschnationalen der wieder anziehen werden, auf denen sie in die Regierung einschleichen wollten, oder ob sie im Stil ihres letzten Aufrufs fortfahren werden den Kampf mit jener verlogenen Demagogie zu führen, der sie ihren vergänglichen Wahlsieg am 4. Mai verdankten. Der Miesbacher Schriftleiter Martin Weger, der wegen Be= leidigung des früheren Reichsjustizministers Dr. Rabbruch Fraktionsvorsigender zu sein. Herr Hergt ist Anzeiger" als verantwortlicher Redakteur au vier Monaten Gedurch einen nicht von ihm geschriebenen Artikel im„ Miesbacher fängnis verurteilt wurde, ist begnadigt und nach Verbüßung der halben Strafe entlassen worden. Deutsche Pazifisten in Frankreich. Der zweite Vortrag von Dr. Gumbel in Frankreich fand am 21. Oftober in Orléane tatt. Gumbel sprach zusammen mit dem Professor der Physit Langevin vor etwa 700 Personen, die seine Ausführungen begeistert aufnahmen. In der Abschiedssitzung der deutschnationalen Reichstags frattiones gibt kein Wiedersehen! wurde Herrn Hergt aus Anlaß seines 55. Geburtstages ein Blumenstrauß überreicht, worauf der so Gefeierte melancholisch erklärte, da es feine Fraktion mehr gäbe, habe er ja aufgehört, wie lange. Nach den eigenen Erklärungen der deutschnatioaber noch Partei vorsigender, indes weiß man nicht, für nalen Barteileitung bestand die Absicht, die bisherigen Führer durch Männer der schärferen Richtung zu ersetzen, wenn der Berliner Baft nicht zur Ausführung gelange. Nachdem nun sämtliche Ministerfelle davongeschwommen sind, scheint dieser Fall eingetreten zu fein: die Schlange, Freytag Loringhoven und Laverrenz haben ein Recht auf die Parteiführung erworben und sind die designierW fen Minister der Burgerblockregrerung— wenn sie kommt. Das sind wohl auch die„jungen Männer völkischer Richtung". deren Geist den deutschnationalen Wahlaufruf befruchtet hat. Der Herzog ist noch nicht gefallen, wohl aber der Mantel. Die„Kreuzzeitung" verabschiedete gestern abend öffentlich den einzigen Mitarbeiter, der ihrem Älalt noch Bedeutung gab, den bisherigen Reichstagsabgeordneten Prof. H o e tz f ch. In seinem letzten Wort an die Leser darf er noch sagen: Wie bekannt, habe«ch- am 29. August, in der festen lleberzeugung, das; mir die Verantwortung vor Volk und Vaterland diesen Entsästutz gebiete, mit„2a" gestimmt. Und ich halte an diesem Standpunkt mit den(Ich daraus ergebenden Schlußfolgerungen, wie ich sie in meinem Artikel vom 3. 9. hier:„Das deutschnationale Ja zum Londoner Pakt" dargelegt Hab«, unverändert fest. Die Schrislleitung der „Kreuzzertung" hat bereits in ihrem Begleitwort zu jenem Artikel bemerkt, daß sie ihren Standpunkt, der die Annahme des Londoner Paktes verurteilt, weiter innehält, und sie hält an dem Standpunkt seiner grundsätzlichen Ablehnung fest. Diesen beiden grundsätzlich verschiedenen Einstellungen auf die Dauer nebeneinander in einer Zeitung vertreten zu lassen, ist offensichtlich unmöglich. Herr Prof. H o e tz s ch ist der einzige deulschnationale Jasager, der seine Abstimmung am 29. August als Ausfluß feiner Ueberzeugung aufgefaßt wissen will. Hätten auch die anderen gehandelt wie er, so wäre dem öffentlichen Leben Deutschlands die tieffte Herabwürdigung, die schlimmste Ber- giftung erspart geblieben. In bürgerlichen Kreisen hört man oft den Einwand, die Sozialdemokraten hätten keinen Grund, die deutschnationalen Jasager wegen ihrer Haltung am 29. August so heftig anzugreifen, denn jene wären damit doch nur auf die Linie der Außenpolitik eingeschwenkt, auf der die Sozialdemokratie vorausgegangen sei. Dieser Einwand wäre berechtigt, wenn die Jasager ehrlich zu ihrer Ueberzeugung gestanden hätten. In Wirklichkeit aber haben sie alle selber, mit der einzigen Ausnahme des Herrn Hoetzsch, ihre Abstimmung nicht mit ihrer Ueberzeugung, nicht init ihrer„Verantwortung vor Voll und Vaterland", sondern mit ihrer Angst vor einer Wahlniederlage und mit ihrer Sehn- sucht nach Ministersesseln begründet, auch Herr H e r g t. der selber, um den Schein zu wahren, mit Nein stimmte, hat ihre Jastimmen für Ministersessel verkauft. Dadurch hat sich die deutschnationale Partei b e- schmutztund entehrt wie noch nie eine Partei, und ver- geblich durchsuchen wir die ganze deutschnationale Presse nach einem noch so bescheidenen Versuch, unsere Behauptung zu entkräften oder auch nur Entschuldigungsgründe vorzu- bringen. Warum widerlegt die deutschnatio- n a l e Presse unsere Beschuldigung nicht? Wenn sie aber sie nicht widerlegen kann, dann beschmutzt und ent- ehrt sich jeder Wähler selbst, mag er politisch sonst stehen, wie er will, wenn er dieser beschmutzten und entehrten Partei seine Stimme gibt. In der Presse ber Rechten herrschte gestern morgen über- schwänglicher Jubel darüber, daß einige unsichere Kantonisten das Lager der Demokraten verlassen hatten. Herr G e ß l e r gehört übrigens nicht zu ihnen, er erläßt in der ihm nahestehenden Presse eine Erklärung, wonach er Mitglied der Demokratischen Partei bleiben will. Man prophezeite voreilig den„Zusammenbruch der bürgerlichen Demokratie", man hätte— ach so gerne!— auch den Zusammenbruch der Sozialdemokratie prophezeit, doch soweit traut man sich nicht, denn auf die allzu plumpen Kommunisten ist schon gar kein Verlaß mehr. Zusammenbruch? Wo? Eben meldet die völkische Presse, die deutschnationalen Neinsager hätten sich unter der Führung des alldGitschen Iustizrats C l a ß zusammengeschlossen, um bei der Kandidatenaufstellung die Jasager abzu- sägen, falls dies nicht gelingt, eine eigene Partei zu gründen. Das Geschrei über den Zusammenbruch der Demokraten hatte offenbar nur den Zweck, das Krachen zu übertönen, das im Gebälk des Bürgerblocks deutlich vernehmbar wird. Die dieutschnationale Partei steht nicht nur vor dem Revue im Großen Schauspielhaus. Zunächst der Titel! Ein Revue-Titel soll kitzeln, pfeifen, zischen, klatschen. Er soll wie eine Liebkosung schwach machen oder gar irr- sinnig. Er soll wie«ine Ohrfeig« wirken, auch wie ein Nasenstüber und schließlich auch wie ein Stoß in den Hintern. Nur hereinspaziert, mein« Herrschaften, um jeden Preis herein! Blechen, blechen! Ihr werdet sehen... Nun, die Revue des Großen Schaufpiell Hauses, repu- blikanisch neudeutsch übersetzt„die große Schau", nicht zu verwechseln mit der großen Parade Kaiser Wilhelms auf dem Tempelhofer Felde, empfiehlt sich zunächst nur etwa wie ein Wahlaufruf von Stresemann oder Westarp.„A n a l l« l" wird ausgerufen und aufgerufen. Man gebe zu, das klingt etwas matt. Stresemann und Westarp haben es aber besser als die Revuedichter. Die beiden Diaiadorenpolititer brauchen sich nur schwarzweißvot anzupinseln und nichts weiter tun. Aber die Leute von der großen Revue... Soweit sie in Berlin ansässig such, hoben sie vor Monaten schon die Koffer gepackt und die Packvisa erschwitzt, und dann sind sie los- gefahren, um die Schauwunder aus der ganzen Welt aufzusuchen. Man spielt Revue in Paris, in London, in Brüssel und New Jork. Man vergesse nicht, daß die Pariser Revue für alle Nichtpariser be- stimmt ist. Die Pariser, sofern sie arm sind, arbeiten nämlich wie die Teufet und haben für so was kaum Geld oder Zeit. Nur in der Fibel Ludendorfis iiind Hitlers ist es anders zu lesen. Die Parsser, iofern sie witzig sind, und sie sind oft sehr witzig, genießen ihre Bor- ltadtrevii«. Vorstadt bedeutet in diesem Falle keinen Entehrungstitel, sondern einen Ehrentitel. Die Nichtpariser, für die man die Pariser Revue macht, sehen gern allerhand Nacktes und zahlen dafür gut. In London und New Jork hat sich diese Pariser Boulevardmode auch eingebürgert. Man verhüllt ein wenig, aber man ist seit den geseg- neten Krieqsjahren auch in den Hauptstädten der Moralreinigungs- anstalten etwas duldsamer geworden. Nun kam aus dem Angel- sächsischen etwas wirklich hübsches und neues in die altertümliche Revue. Es war dieser Gelenkerhythmus, dieser wirtlich frappant«, harmonische Mädchenbeineschlag, durch den offenbar wurde, daß lö Mädchenbeinepaare und ebenso viel Mädchenhüftenpaare und dazu noch 32 Arme und Hände und ebenso viel« Augen und 16 süße meist blonde Köpflein in unerhörter Genauigkeit zusammenklingende Be- wogungsn vollführen können. Der Erzieher dieser entzückenden Harmonie heißt John Tiller, und sein« Bein-, Busen-, Hüsten- und Schulterarmeen zogen stegreich in alle Weltrevuen ein, auch in die Berliner. An dieser Anmut, die mehr als Anmut ist, weil sie in den dümmsten Mädels so etwas wie eine Sternenoerwandtschaft verrät, kann sich der kleine Mann ebenso erfreuen, wie der dicke. Man rechnet übrigens im Großen Schauspielhaus durchaus auf den kleinen Mann und verspricht ihm für bescheidene Preise Sachen, die noch nie dagewesen sind. Die große Schau im Großen Schauspielhause denkt wirklich an alle, allerdings etwas gedankenarm, sonst aber mit riesiger Kraft- onstrengunq und mit fabelhafter Freigiebigkeit. Das hat gekostet, oorostetl Farben, Bilder, Töne, Balletts, Chöre, Visionen, Historisches, Modernes, ein Zuschuß Sentimentalität, ein Zuschuß Per- Zusammenbruch, sondern in ihm selbst, die Volkspartei ist genötigt, gegen die Desperados zu ihrer Rechten Erklärungen zu erlassen, die fast wie ein Widerruf ihrer bisherigen Politik klingen Ihre Liebe zu den Deutschnationalen reicht zwar bis in die Regierung aber nicht bis in den Tod. Darum wünscht sie im Wahlkampf ihr Schicksal von dem der Deutsch- nationalen zu trennen und bezeichnet sich wieder als eine liberale Partei. Gestern noch auf stolzen Rossen. Heute—„Rette s i ch w e r k a n n!" Luöenüorff führte üen„Dolchstoß*! Clemens v. Delbrück bezeugt es. Soeben erscheinen im Verlag für Kulturpolitik, München, unter dem Titel„Die wirtschaftliche Mobilmachung Deutsch- lands 1914" die Denkwürdigkeiten des verstorbenen kaiser- liehen Staatssekretärs, Chefs des Zivilkabinetts und deutsch- nationalen(!) Abgeordneten Clemens v. Delbrück. Zu den vielen Zeugnissen gegen die reaktionäre Dolchstoßlüge fügt Clemens v. Delbrück ein neues hinzu. Er schildert die Lage in den ersten Oktobertagen 1918— also einen Monat vor dem sogenannten Dolchstoß— folgendermaßen: „Herr v. Berg... wolle wegen Bildung eines alle Portsien um- fassenden Kcalitionskabinetts verhandeln, im Augenblick fei er beim Prinzen Max, um eine Ucb ereilung der Friedensaktion, auf welche die Oberste Heeresleitung forigefeht dränge, zu verhindern. Aus alledem ergab sich, daß die Obersie heeceslsitung unsere Lage plötzlich für äußerst bedrohlich, den Krieg für verloren ansah und, um eine militärische Katastrophe zu vermeiden. Schritte verlangte, die uns in eine schwere politisch« Katastrophe hineinführen mußten oder schon geführt hatten. Dabei blieb völlig im Dunkeln, welche Ereignisse und Erwägungen diese Sinnesänderung und das stür- mische Vorgehen der Obersten Heeresleitung ver- anlaßt hatten. Die Ansicht, daß der Krieg verloren und alsbaldige Friedensverhandlungen notwendig feien, konnte doch nur auf der Erkenntnis beruhen, daß die Zahl und Beschaffenheit unserer Trup- pen sowie das verfügbare Kriegsmaterial nicht ausreichten, um unseren Gegnern weiterhin mit Erfolg Widerstand zu leisten. Diese Erkenntnis konnte aber der Obersten Heeresleitung unmöglich erst von gestern auf heut« gekommen fein!... Wenn man sich alles das vergegenwärtigte, mußte man zu der Annahme kommen, daß General tudendorff vorübergehend die Nerven verloren habe." Das schrieb der Chef des Zivilkabinetts! Das schrieb ein deutschnationaler Reichstagsabgeordneter! Hamburger Vorspiel. Teutschnationale Hoffnung.— Bürgerschastswahl am Sonntag. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Am 26. Oktober wird im Stadtstaat Hamburg das Parlament, die Bürgerschaft, neu gewählt. Der Wahlkampf ist in vollem Gange. Reben den S politischen Parteien, aus denen sich bisher die Bürgerschaft zusammensetzte— 69 Sozialdemokraten, 23 Demokraten, 33 Volksparteiler, 18 Deutsch- nationale, 17 Kommunisten— bewerben sich noch zehn Sonderlisten um die Stimmen der Wähler. In der Hauptsache geht der Kampf umdiejetzigeRegierungs- koalition(Demokraten und Sozialdemokraten), die seit 1919 im Amte ist. Der Senat besteht jetzt zur Hälfte aus bürgerlichen Demokraten, zur anderen Hälfte aus Sozialdemo- traten. Deutsche Volkspartei und Deutschnationale machen die größten Anstrengungen, diesmal die Mehrheit in der Bürgerschaft und damit einen Senat nach ihrem Willen zu bekommen. Der Ausfall der Reichstagswahl vom 4. Mai, bei der die Sozialdemokraten erheblichen Stimmen- rückgang erlitten, während Deutschnationale und Kommu- nisten großen Zuwachs erhielten, hat ihnen Mut gemacht und läßt sie schon in Siegerhoffnungen schwelgen. In der ersten versität auch. Ohne Prüderie muß gesogt werden, daß die letzte Zutat besser weggeblieben wäre. Da wird nämlich geredet. Es ist aber «in Jammer, sobald in dieser Schau geredet wird, wird«s entsetzlich dumm. Trotzdem muß zum aufrichtigen und uneingeschränkten Lob gestanden werden, daß soviel Geschmack und Ausdauer ein« Bier- ftundenmonstrumreoue zustande brachten, die sich sehen lassen kann und gesehen werden muß. Das Programm für solche Revue kann kein Theaterzettel fassen, dafür muß man schon einen mehrere Seiten langen Speisezettel drucken. Also: Text von... Für diesen Text wären nomina omina. Musik von 21. B. C.— und„anderen Komponisten" sagt der Riesenspeisezettel lakonisch. Man bezweifle das nicht. Für jede Nei- gung etwas, für jeden Appetit ein Bissen, fabelhaft gewürzt alles, wirklich so hergerichtet, daß jedermann im Laufe von vier Stunden «in Dutzend mal zuschnappt und vor Behagen schmunzelt. Ein Riesenoergnügen, ein Riesentingeltangel, eine Riesenfchau im Riefen- theater, eine Riesenarbeit und ein Riesengeld, das verschlungen wurde. Darum doch noch ein paar Namen: S l a de k. Reouekassenl. wart und Direktor, Charell. Obermeister aller Bewegung, P e u k e r t, Cläre W a l d o f f, die entzückenden T i l l e r g i r l s. __ Max H o ch d o r f. Ein stummer Settler. Bon Ewald Stern. Er steht in London, Lioerpoolstreet-Station, dort wo täglich viele Taufende von der Untergrundbahn kommend, die Station be- treten. Cr steht jetzt schon etwa zwei Jahre an dieser lebhaften Stelle, tagaus, tagei», nochtaus nachtein. Man wird stber feine Ausdauer nicht weiter erstaunt sein, wenn ich sage: Dieser stumm« Bertler ist ein Automat. Auf folgende Art und Weise macht jeder Borübergehende seine Bekanntschaft: Man verläßt die Untergrund, eilt die Treppen hinauf und sieht sich einer braungestrichenen Wand gegenüber, die die fragende Aufschrift trägt: Haben Sie das schon gesehen? Natürlich wird man neugierig und sieht sich das Ding an. Und auf diese nicht zu unterdrückende menschliche Eigenschaft spekuliert die Aufschrift. Man sieht einen Kasten von der Größe eines Geldschrankes bei einer gutfundierten Bank. Innen mahnen große erleuchtet« Trans- parente: Helfet den armen Blinden! Außen läuft an zwei Rollen von unten nach oben ein breiter Treibriemen, an dem wie an einem Miniaturbagger viele kleine Becher angebracht find. Und jetzt kommt der Trick, ein echt englischer Trick! Durch die ermahnenden Aufrufe wird man mildtätig gestimmt und wirft ein Geldstück in einen Becher. Eine Sekunde später schon ein Glockenzeichen und all« Transparente sagen in blendendster Be- lcuchtung: TKanll yo«, thank you! Der automatische Bettler hat die Wohltätigkeit belohnt. Wie aber erging es mir und allen anderen, die die Einrichtung nicht genau kannten.--- Ich nahm nur einen halben Penny und warf ihn in den Becher.— Kein Glockenzeichen, kein Dankeschön. Dafür wurde es stockdunkel in dem Kasten. Für die Gefühle, die mich da über- mannten, hat die deutsche Sprache den Ausdruck„sprachlos da- Wähleroersammlung der Deutschnationalen verkündete deren Wortführer sogar, daß es um Höheres gehe als um die Zu� famnienfetzung der künftigen Landesregierung, es gehe viel, mehr darum, mit einem Wahlsieg in Hamburg den Boden für die Beseitigung der jetzigen Koalition in Preußen zu be- reiten. Jetzt ist nun auch die Reichstagswahl dazu gekommen. Die Rechtsparteien bemühten sich, einen Bürgerblock schon vor der Wahl zustande zu bringen. Es ist ihnen aber nicht gelungen, weil die Demokraten den Gedanken, die So- zialdemokratie auszuschalten, strikte ablehnen und auf der anderen Seite auch das Bündnis init den Völkischen, d.e jetzt zum erstenmal bei einer Bürgerschaftswahl als selb- ständige Partei auftreten, beiden Rechtsparteien, besonders aber der durchaus privatkapitalistisch eingestellten V o l k s> parte!, unbequem ist. Diesen Parteien liegt vielmehr daran, ihre frühere Alleinherrschaft wieder auf- zurichten. Das versuchen sie mit den niedrigsten Mitteln. So wird z. B. behauptet, die jetzige Bürgerschaftsmehrheit und der Senat hätten die Hamburger Interessen als Welthandels- und Hafenstadt nicht genügend gewahrt. Dabei zeigt gerade der Aufschwung des Hamburger Hafens und die relativ sehr gute Finanzlage Hamburgs, sein unerschüttcrter Kredit im In- und Auslande, daß diese Vorwürfe jeder sachlichen Grund- läge entbehren und lediglich Wahldemagogie sind. Unsere Partei geht in sestgeschlossener Front, mit starkem Siegeswillen in den Streit. Ueberall herrscht kampfes- frohe Stimmung. Die kommunistischen Versamm- lungen sind dagegen kläglich besucht und machen einen öden Eindruck. Es ist zu hoffen, daß die Mehrheit der Ham- burger Wähler die hohe Bedeutung der Wahl richtig einschätzt. Geht es doch bei dem Kampf um die politische Macht im Staat zugleich auch um Fortschritt oder Rückschritt im Schul- wesen, im Wohnungswesen, in der Sozialpolitik. Auf allen diesen Gebieten hat die bisherige Regierungskoalition in Ham- bürg Vorbildliches geleistet. Die Prügel-Internationale. Nationalisten aller Länder! Haut die Pazifisten! Wir bereits meldeten, machten am Dienstagabend fran» zösische Nationalisten in einer Pariser Versammlung der sran- zösischen Liga für Menschenrechte, in der der Professor Viktor Bäsch über seine Reiseeindrücke in Deutschland reden sollte, Radau und oersuchten, die Kundgebung zu sprengen. Dazu bemerkt die„Deutsche Zeitung" wörtlich: „Herr Bosch scheint also dos Schicksal aller Propheten zu habeu und sich in Paris derselben Unbeliebtheit zu erfreuen, auf die er bei den sonstigen nationalen Kreisen st i e ß. Unsere Pazifisten werden gewiß darüber sicherlich verständnislos die Hände ringen." Also: in Paris wird Bäsch als„Deutschenfreund", wahrscheinlich sogar als„Boche" von den nationalistischen Anhängern Poincar<5s, Maginots und Dau- d e t s beschimpft. Unter den„s o n st i g e n"(!) nationalen Kreisen meint aber die„Deutsche Zeitung" ihre eigenen Leser! Deutlicher konnten unsere„vaterländischen" Brüllafseu ihre Solidarität mit Poincarä, ja sogar ihre geistige Abhängigkeit(..s o n st i g e n nationalen Kreisen") von den ärgsten Feinden Deutschlands gar nicht zum Ausdruck bringen. Die Friedensfreunde in Deutschland werden sich über diese Gesinnungsgemeinschaft zwischen dem„BVV." und den fran» zösischen Nationalisten um so weniger wundern, als sie ja dieses Zusammenspiel seit Iahren gebrandmarkt haben. An- dererseits war es die„Deutsche Zeitung", die zu Beginn des Ruhreinmarsches den Jubelschrei ausstieß:„Gott erhalte uns Poincarvl" Daß aber alldeutsche Redakteure s o dumm sind, daß sie sich öffentlich als die„sonstiqen" Hilfstrnppcn Poincar6s selbst kennzeichnen würden, das übertrifft doch unsere Erwartungen und wir müssen darüber tatsächlich„verständnislos die Hände ringen.. stehen" gefunden. Ich war wirklich sprachlos. Bis mir jemand von den vielen Umherstehenden, die mich vernichtend ansahen, sogt«, daß die kleinste Spende«inen Permy betrage und der Autvmot erst dann wieder seine Funktionen aufnehmen würde, wenn ich einen ganzen zu dem halben Penny gäbe. Ick) tat es und wurde durch ein Glockenzeichen und ein„TKank you" belohnt. Und in der nächsten Sekunde wieder die Ermahnung: Helfet den armen Blinden! So werden Geizig« und Unwissende in London, Liverpoolstr:et- Station belehrt, daß«in halber Penny keine Unterstützung für die armen Blinden ist._ Wie Herr Gersl regiert. Herr Friedrich Neubauer, der bis» herig« Regisseur des„Dramatischen Theaters", sendet uns eine Zuschrift über seinen Konflikt mit dem Generalsekretär des Bühnenvolksbundes und jetzigem Beherrscher dieses Theaters. Er bemerkt darin u. a.: „Nach der Premiere des„Methusalem" erklärte mir Herr Direktor Dieterle, daß er das von mir inspirierte Extempore über den Bühnenvolksbund durchaus oerstehen könne, ersuchte mich aber, dem Ber- treter des Bühnenvolksbundes, der damals noch nicht die Geschäfte des„Dramatischen Theaters" Übernammen hatte, mit einigen freund» liehen Worten die Situation verständlich zu machen, zumal dieses Wert ein Generolsatyrikon in sich schließt, dem mehr oder weniger alles rücksichtslos verfallen ist. Ms ich Herrn Gerst gcgcnübertrat und ihm die Hand reichen wollte, verweigerte er mir ostentativ vor Zeugen den Handschlag, worauf ich mich in berechtigter Empörung zu den von Herrn Gerst zitterten Aussprüchen hinreißen ließ. Im übrigen seh« ich einer Prioatklage des Herrn Gerst mit Vergnügen entgegen. Nur im Interesse meiner Kollegen brachte ich das Dvfcr, in den 2(>prazentigen Kagenabbau einzuwilligen, jedoch war ich nie- mals bereit, meine künstlerischen Grundsätze zu opfern und ein« Einmengung des Bühnenoolksbundes in die künstlerischen Interessen des„Dramatischen Tl)eaters" zu dulden. Es wurde mir bereits für November und Dezember ein Jnzsenierungsurlaub zu Dr. S�sdry nach Wien bewilligt. Außerdem habe ich mit Herrn Direktor Dieterle vereinbart, daß ich nach meiner Rückkehr am„Dramcttischen Theater" ein« Reihe von Dramen inzsenieren werde. Aus den Zeitungen ersehe ich, daß ich entlassen sei, obwohl mir hierüber von Direktor Dieterle bisher nichts zugekommen ist. Alle entgegenwirkenden 2ln> ordnungen des Herrn Gerst weise ich entschieden zurück. Meine In- teressen in dieser Angelegenheit vertritt das Nechlsbureau der Ge- nossenschaft deutscher Bühnenangehöriger." Vedeussame FarsschrUte in der kabellelegraphie. Der riesen- haste Berkehr der Kabellelegraphie von Konttnent zu Kontinent bat, trotz der großen Ausdehnung des drahtlosen Verkehrs, der Kabel- telegraphie keinerlei Abnahme gebracht. Im Gegenteil, von Tag zu Tag wächst dieser Verkehr. Abgesehen davon, daß zum drahtlosen Telegraphieren eine große elektrische Energie benöttgt wird, leidet dieser Verkehr durch mancherlei Schwierigkeiten. Besonders Sonnen. ftrahlung und auch andere atmosphärische Einflüsse stören hier die Uebertragung. Auch, daß von Unbefugten das Abfangen der Funk- sprüche unvermeidlich ist, wird als störend empfunden. Es bleibt deshalb die Kabettelegraphie bis heute nach immer das Sicherste. Bis jetzt war es nur möglich, etwa 200 Buchstaben in der Minute mittels Die Beschwörung der Toten. Ein fommunistischer Aufruf. Wie den Mörder die Schatten seiner Opfer nicht loslaffen, so wird die KPD. von den Schatten ihrer Opfer verfolgt. Der Zentralausschuß der KPD. veröffentlicht in der Roten Fahne" einen Aufruf zur Erinnerung an die revolutionäre Großtat des Hamburger Aufstandes". Der finnlose Butsch, der so vielen Arbeitern das Leben gekostet hat, wird als die vorzüglichste Lehre der klassischen revolutionären Kämpfe überhaupt" bezeichnet. Natürlich! Es fehlt auch nicht der Dolch stoß. Diesmal sind es die„ linken" Sozialdemokraten gewesen, die den Dolch der KPD. in den Rücken gestoßen haben. gewesen, die den Dolch der KPD. in den Rücken gestoßen haben. " Nie wieder im Bunde mit der Sozialdemokratie" ist deshalb der Ruf. Die kommunistischen Führer reden ihren Anhängern ein, daß die Bourgeoisie mit schlotternder Angst" ihren ein, daß die Bourgeoisie mit schlotternder Angst" ihren Butschen entgegenfähe. Du lieber Gott! Wer freut sich mehr über die Kommunisten als die deutsche Bourgeoisie? Wer unterstützt die Butscherei der Kommunisten mit größerer Liebe als gewiffe Deutschnationale und Deutschvölkische! Das ganze sentimentale Geseire der„ Roten Fahne" hat einen ganz anderen Zwed. Der sentimentale Appell an die Leichen, für die man selbst verantwort lich ist, soll die schwierige Stellung der linken Führer in der KPD. erhalten. Das ewige Wiederkäuen der Parole: Gegen die Sozialdemokratie, wird den kommunistischen Arbeitern langweilig! Es mehren fid) die Berichte aus Mitgliederver sich sammlungen, in denen sich Opposition gegen die linke Führung erhebt. In der gleichen Nummer der„ Roten Fahne" steht eine lange Auseinandersetzung mit dem Opportunisten Smeral, dem Führer der tschechischen Kommunisten. Nur in diesem Zusammenhang ist es verständlich, wenn die KPD. jetzt die Leichen von Hamburg, die sie verschuldet, beschwört, um den anarchistischen Kurs ihrer Politik bei den Massen zu verteidigen: " Die Kommunistische Partei Deutschlands von heute ist nicht mehr die Kommunistische Partei von 1923. Die Partei ging durch die unerbittliche Schule des weißen Terrors. Biele Taufende unferer Mitglieder gehen durch die glühenden Retorten der Schmelzöfen des konterrevolutionären Juftizterrors. Die Zweifel an die revolutia nären Kräfte des Proletariats, die Illusionen und Hoffnungen auf die rettenden Kräfte der bürgerlichen Gesellschaftsordnung werden mit glühenden Eisen aus den Herzen und Hirnen der Arbeiter aus gebrannt. Alle Brücken und Bindeglieder, die die Arbeiterklaffe noch mit der alten Gesellschaft verbunden haben, brennen nieder für alle Zeifen. Die Partei wird endlich nach so vielen Jahren der bitteren Enttäuschungen, Irrungen und Fehler zu jener leninistisch- bolsche mistischen Kampftruppe, die allein den Sieg des Proletariats ermöglicht und garantiert. Genoffen! Der Zentralausschuß erkennt und verspricht: Jeder Bersuch, in der Partei der alten opportunistischen Boli tik, die uns so schwere Bunden geschlagen hat, wieber Eingang zu verschaffen, muß mit den schärfften Mitteln be kämpft und verhindert werden. Der Zentralausschuß be trachtet es als die heiligste Aufgabe der Partei, die Partei von den Schlacken alter traditioneller Ideologien zu reinigen, die die Entwidlung zum Bolschewismus hindern und versperren." Das ist der wahre Zweck der Uebung, das ist die heiligste Aufgabe, den Feind in den eigenen Reihen zu bekämpfen, zu verhindern, daß die kommunistischen Arbeiter zur Be finnung tommen und auf die Selbstmordmethoden diefer Anarchisten verzichten, die selber bekennen, daß sie mit ihrer eigenen Bergangenheit nichts mehr zu tun haben wollen. Verdientes Schicksal. Immer mehr schwinden die„ Massen" dahin, die den kommunistischen Parolen noch Gefolgschaft leisten. Eine zwar feine, aber doch sehr lehrreiche Episode: In Spandau, einem der am wei. testen industrialisierten Vororte Berlins, war Ende der vergangenen Woche eine Versammlung mit dem Thema„ Los von Mostau" anberaumt, mit Ketty Guttmann aus Hamburg als Rednerin. Diese Ketty Guttmann gehörte jahrelang zu den Führern der Hamburger Kommunisten. Sie stand an der Spitze der„ Oktoberrevolution", sie wurde für würdig befunden, als Abgesandte der KPD. bes Rabels zu befördern, und durch die enormen Ansprüche sind alle Rabel überlastet, so daß vielfach Störungen der llebertragung die Fee waren. Durch schwierige, zeitraubende Versuche und mühevolles Arbeiten ist es dem telegraphentechnischen Reichsamt gelungen, die Telegraphiergeschwindigkeit der Stabel auf bas a dtfache, gegenüber den bisherigen Leistungen auf verhältnismäßig einfache Weise, zu erhöhen. Die Neuerungen bestehen außer einer vers besserten Schaltung mit den Spulen und der Einfügung einer Elet. tronenröhre ganz besonders in der Verbesserung der Kabel und ihrer Schußhülle. Alle diefe Neuerungen und Berbefferungen zufammen bewirten, daß die Telegraphiergeschwindigkeit in den Unterfeefabeln auf etwa 1000 Buchstaben in der Minute erhöht werden fann, ohne daß die Deutlichkeit der Zeichen auf der Empfängerseite leidet. Durch diefen großen Fortschritt, der von Deutschen erzielt wurde, ist es möglich, die Gebühren der Kabeltelegramme bedeutend zu vermindern. Für unsere Weltwirtschaft eine große Ersparnis. Unser Turm. Der Turm steht auf dem Blake, Zehn Meter über der Welt, Und droben stehet der Schuhmann Als Türmer, zum Schauen bestellt. Es türmen fich Wehikel, Gehemmt in Fahrt und Lauf, Rings um ben Turm, und Laris Und Droschten bauen sich auf. Die Fahrer der Straßenbahnen Ergreift es mit wildem Beh, Sie schauen nicht mehr auf die Kurbel, Sie schauen hinauf in die Höh'. Kein Mensch rührt sich vom Blake, Und alles ist wie im Baun, Bon Wertheim bis zu Jofty Gafft alles den Türmer an. Ein Flüstern und ein Raunen: „ Schafft und vollbringet er's?" Es wartet halb Berlin hier Aufs Zeichen des Verkehrs. Da da! Jetzt funft er:„ Weiter!" Die Wagen faufen im Sturm, Bom Alp befreit, über's PflasterEs madelt der Zentrumsturm. Und wo sich Gruppen bilden Und rufen:„ Die Schupo ist groß!" Da heißt es: Weitertürmen! Es geht bald wieder los!" Max Schwarz. Theaterchronit. Die Eintrittspreise im Dramatisen Theater find um fast die Hälfte herabgefeßt. Es werden teine Bons mehr ausgegeben und feine Nachzahlungen gefordert. Die Arbeiterpartei im Wahlkampf. London, 20. Oftober.( Eigener Bericht.) Anders als die kontinentalen sozialistischen Parteien, trog innerer Meinungsverschiedenheiten zwischen den so genannten reformistischen und radikalen Flügeln doch ein einheitliches Ganzes, eine einzige Organisation darstellen, ist die große englische Labour Party. trotzdem Einzelmit gliedschaft möglich ist, im wesentlichen eine Rahmen den Grundstock und die große Masse, die kleinen ihr angeorganisation, in der die gewerkschaftlichen Mitglieder schlossenen Organisationen wie die Fabier- Gesellschaft und die Independent Labour Party( Unabhängige Arbeiterpartei) furz JLP. genannt, und kleinere Organisationen wie die Social democratic Federation( Sozialdemokratischer Bund) den aktiven, unmittelbar politisch interessierten Teil bilden. Der von den Kommunisten erstrebte An- und Einschluß der Kommunistischen Partei in der gleichen Weise wie die JLP. und die Fabier- Gesellschaft usw. wurde bekanntlich auf dem jüngsten Parteitag mit einer großen Majorität abgelehnt. Unter diesen angeschlossenen Organisationen ist zweifellos die JLP. das führende Eiement, die sozialistische Borhut. Sie ist es, die die Gesamtbewegung mit sozialistischem Geiste erfüllt, und wenn in der Labour Party das sozialistische Be mußtsein in den letzten Jahren einen so überwältigenden Fortschritt und den liberalen Anhänger der Labour Party zu einer immer größeren Seltenheit gemacht hat, so ist es nicht zuletzt dem Enthusiasmus und der Opferfreudigkeit dieser aktiven Minorität zu danken. Die JLP. hat der Labour Party die besten Köpfe gestellt, als die erste britische Labour- Regierung gebildet werden mußte: Männer wie Macdonald, den Schazkanzler Snowden, dessen Budget neben der Außenpolitik Macdonalds der größte Erfolg der Labour- Regierung war, Ponsonby, Macdonalds bescheidener Staatssekretär im Auswärtigen Amt, der die russisch- englischen Berhand lungen geführt hat, heatley, den Minister für Volkswohlfahrt, deffen Hausbaupläne so sehr umstritten wurden und der sich neben Macdonald im Unterhause bei den bürgerlichen Barteien den größten Respekt verschafft hat, Trevelyan, den Unterrichtsminister, E. Shin well, den jugendlichen Bergbauminifter, den leidenschaftlichen Anhänger des Gedankens der Sozialisierung des englischen Bergvaues. Wie groß der Einfluß der JLP. auf die Gesamtpartei ist, ergibt sich beson ders aus der Tatsache, daß neben den eigentlichen Kandidaten der JLP. eine große Anzahl der Labour- Kandidaten, die von den Gewerkschaften usw. präsentiert werden, Mitglieder dieser fleinen aktiven Gruppe sind, die nicht eine Organisation gegen fleinen aktiven Gruppe sind, die nicht eine Organisation gegen die Labour Party, sondern eine ihrer Untergruppen darstellt. Wo freiwillige Arbeit geleistet wird, da fann man ihre Mitglieder in den vordersten Reihen finden: als freiwillige Schreibkräfte in den einzelnen Wahlbezirken, als Austräger von Wahlliteratur, als Sprecher an Straßeneden, mit dem Rad auf dem Weg nach den kleinsten Dörfern, wo noch fruchtbares Wahlnenland zu erobern ist. Kurz und gut, bei all der nach Sowjetrußland entjandt zu werden. Was sie aber dort erlebte, das machte sie zu einer glühenden Feindin des Kommunismus. nach ihrer Rüdfehr nach Deutschland schloß sie sich irgendeiner anderen fommunistisch- anarchistischen Eefte an und seitdem predigt sie in Wort und Schrift:„ Los von Mostau!" Die„ Rote Fahne" hatte ihre Parteigenossen und die kommunistische Jugend aufgefordert, die Spandauer Versammlung zu besuchen, natürlich nicht, um mit Ketty Guttmann fachlich zu diskutieren, sondern um sie, wie es vorher schon an anderen Orten geschehen war, als Antibolschewiftit zu verprügeln. Man tat noch ein übriges, indem man Wilhelm Düwell, Rriegsberichterstatter a. D., als Parteirebner entsandte. Was aber geschah? Es war faum ein Dugend Parteis fommunisten erschienen, Herr Düwell fonnte nur mit Not ein paar Phrasen an den Mann bringen, nicht die Kommunistische Partei, sondern ihre Brüder aus den anderen Fatuitäten bes herrschten mit Krach und Radau das Versammlungsfeld. Das Ganze löfte sich in mitterrächtiger Stunde in einem Gebalge der verschiedenartigen Geftenanhänger auf. Der Ostpreußen- Skandal. Die Mitwirtschaft bei der Provinzial- Landesbank. Wir haben vor einigen Wochen über die skandalösen Zustände berichtet, die in der Berwaltung der Ostpreußischen Provin. zial- Landesban? herrschen, einem Institut, das sich der be= Arbeit, zu der der durchschnittliche Engländer wenig Luft hat und die von den bürgerlichen Parteien mit schwerem Geld bezahlt werden muß. Diese Freiwilligkeit der Wahlarbeit in der Labour Party, am Kontinent eine Selbstierständlichkeit, wird hier zu einem der wesentlichsten Elemente des Erfolges der Labour Party, zu einem Gegenstand des Neides der bürgerlichen Parteien. foftet, das belastet die Arbeiterpartei mit einem Schilling. Was die Konservativen im Wahlkampf ein Pfund Sterling Diese Tatsache ist wohl der schlagendste Beweis für den Geift, der die Bewegung erfüllt, und die Erklärung dafür, daß die Arbeiterpartei im fostspieligsten aller Wahlkämpfe, im englischen, mit den gefüllten Kassen der liberalen und konservativen " Hat jemals eine eng= Partei konkurrieren kann. lische Partei eine solche Schar selbstloser Anhänger besessen?" fragte neulich ein Redner voll ehrlichen und berechtigten Stolzes. Hierauf beruht ein großer Teil des geheimnisvollen Erfolges, den die englische Arbeiterbewegung in den letzten Jahren errungen hat. Dieser Geist des Opfermutes ist eine starke Gewähr dafür, daß die Labour Party auch diesen Riesenkampf gut bestehen wird. Stürmische Wahlversammlungen in England. Condon, 22. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der Wahlkampf wird mit einer bisher in England nicht erlebten Heftigkeit geführt. zum erstenmal in der britischen Geschichte sind Parlamentskandidaten in den Wahlversammlungen durch die Opposition am Sprechen ge= hindert worden. Zwei liberale Redner, darunter Sir Alfred Mond, mußten ihre Wahlreden vorzeitig abbrechen, weil aus Arbeiterkreisen stürmische Opposition laut wurde. In einer Reihe von Versammlun gen der Arbeiterpartei sind von organisierten Trupps, die sich selbst englische Fasch ist en nennen, systematisch Radaukonzerte aufgeführt worden. In bürgerlichen Kreisen hat ein Offener Brief des ehemaligen Einpeitschers der Liberalen Mac Callum Scott an den liberalen Führer Asquith großes Aufsehen erregt. Scott for dert von Asquith die Ausgabe einer Parole an die liberalen Wähler in allen Wahlkreisen, wo sich nur ein tonservativer und ein Arbeiterfandidat gegenüberstehen, unter allen Umständen den Arbeiterfandidaten zu wählen.. Eine Kundgebung Macdonalds. London, 22. Oktober.( WTB.) Macdonald hat an sämtliche Kandidaten der Arbeiterpartei eine Rundgebung gerichtet, in der er folgendes jagt: Die Arbeiterpartei ist im ganzen Lande erfolgreich tätig. Obgleich wir in der Presse einer Oppofition gegenüberftehen und in den Wahlfreifen vereinigten Gegnern, wie sie bisher noch feine Partei gehabt hat, macht unsere Sache im Norden, Süden, Osten und Westen riesenhafte Fortschritte. Das Bolt ist mit uns, und nichts kann unseren Vormarsch aufhalten. In ihrem Kampfe für Frieden nach außen und soziale Reformen im Innern begleiten Sie meine besten Wünsche. | ,, hans Fischer" unterhielt, über das er seine Transaktionen aus führen ließ und dem es nötigenfalls Kredit bewilligte. Es ist erstaunlich, daß diefer Herr trotz der schwebenden Untersuchung immer noch nicht von seinem Amte fuspendiert ist. Nach dieser Probe fann man auf das Ergebnis der behördlichen Untersuchungsaktion gegen die Landesbank neugierig sein. Gelegentlich der gegen die Landesbank erhobenen Beschwerden ist übrigens eine andere standalöse Tatsache bekanntgeworden, nämlich die Spefulationsverluste bei der Zentrale der Landesbanken in Berlin. Diese Zentrale hat durch umfangreiche Effektengeschäfte fpefulativen Charakters einen Verlust von über 2 Millionen Goldmart erlitten. Dieser Vorgang ist angesichts des Umstandes, daß biefe Banken öffentliche Institute sind, die mit öffentlichen Geldern und Krediten arbeiten, und die deshalb allgemein für mündelsicher ge halten werden, eine Ungeheuerlichkeit. Su beachten ist, daß selbst. verständlich auch hier aller Schaden letzten Endes zu Lasten der Steuerzahler geht. Auch in diesem Falle ist eine energische Nach prüfung von feiten der verantwortlichen Behörden unbedingt zu fordern. Es tarf auf keinen Fall über diesen Skandal der Mantel der christlichen Nächstenliebe gededt werden, nur weil man die beteiligten ..staatserhaltenden", das heißt rcaktionären Kreise schonen will. Die Deffentlichkeit hat alles Interesse daran, die volle Wahrheit zu ers fahren. Schulz- Debatte in Budapest. fonderen Fürsorge des deutschnationalen Landeshaupt Der Justizminister als Beschützer des Erzberger- Mörders. manns v. Brünned und seiner Parteifreunde erfreut. Die von uns mitgeteilten Beispiele für die dort eingeriffene Mißwirtschaft haben den Anlaß gegeben, daß der preußische Minister des Innern einen Bericht über die Angelegenheit eingefordert und außerdem einen sachverständigen Kommissar zur Untersuchungsführung nach Königsberg entfandt hat. Auch im Landtag ist die Sache schon wiederholt zur Sprache gekommen, mit dem Ergebnis, daß unsere Landtagsfraktion im Interesse der Aufklärung dieser dunklen Geschichte eine Anfrage an die Regierung richtete. Wie wir nun neuerdings aus Ostpreußen hören, hat vor dem Bandgericht in Lyd vor kurzem die Hauptverhandlung gegen zwei Beamte der Filiale der Landesbank in Lyd stattgefunden. Ein Direktor dieser Zweigstelle hat sich Ende Juni dieses Jahres er sayoffen, nachdem Unregelmäßigkeiten aufgebedt morden waren. Das Gericht hat nunmehr den zweiten Borstandsbeamten wegen fortgesetter Untreue und Urkundenfälschung zu 3 Jahren, einen nciteren Beamten aus demselben Grunde zu einem Jahr Ge fängnis verurteilt. Der Landesbank und damit den ostpreußischen Steuerzahlern ist durch die Verfehlungen dieser Beamten beträchtlicher finanzieller Schaden zugefügt worden. In nahestehenden Kreisen vertritt man die Ansicht, daß mangelnde fachgemäße Aufsicht und Kontrolle wesentlich dazu beigetragen haben, die Angestellten zu diesen Beruntreuungen zu verleiten. Diese Ansicht gewinnt dadurch an Boden, daß auch bei anderen Stellen der Landesbant Unregel mäßigkeiten aufgedeckt worden sind. 3 Budapest, 22. Oftober.( BTB.) Nationalversammlune. Abg. Ruppert interpellierte in ber Angelegenhit der Verweigerung der Auslieferung von Schulz Förster. Der Standpunkt der Re gierung fei verfehlt, wenngleich auch Deutschland seinerzeit unrichtigerweise die Auslieferung des Tisza- Mörders Chernyak verweigert habe. Redner vertritt den Standpunkt, daß die Ermordung Erzbergers fein politisches Delift sei. Abg. Ruppert fragte schließlich den Justizminister, weshalb der in Ungarn befindliche Schuiz Förster seinerzeit nicht verhaftet wurde, und ob er geneigt sei, fämtliche auf die Erzberger- Affäre bezüglichen Aften auf den Tisch des Hauses niederzulegen. Justizminister Best hy erklärte, daß in der Erzberger- Affäre auch Abg. Farkas eine Interpellation angemeldet habe, und daß er beide Interpellationen gleichzeitig beantworten. werde. Abg. Fartas( Soz.) verlangt som Justizminister Auftiärung ilber die Beweggründe ber Bermeigerung der Auslieferung Schulz Förfters. Den Minister des Innern fragt er, warum die Polizei die Verhaftung Schulz- Försters erft verfügte, als die Zeitungen Enthüllungen über den Fall veröffentlichten, obgleich doch die Polizei schon früher davon Kenntnis hatte, daß Schulz- Förster sich im Lande aufhalte. Juftizminister Pest hy erwidert, feines Biffens habe die Po. fizei, fobalb sie von dem hiesigen Aufenthalt Schulz- Försters Rennt. nis erhielt, sofort Maßnahmen ergriffen.(?) Die Regierung habe sich in ihrer Stellungnahme von feiner von außen fommenden Strö mung beeinflussen lassen.(?!) Die Grundlage ihrer Entscheidung war ausschließlich die von ungarischen Gesetzen und dem internationalen Recht gegebene. Zwischen Ungarn und dem Deutschen Reich besteht in dieser Frage feinerlei internationaler Vertrag, so daß ausfonnte. Seinerzeit als Ungarn die Auslieferung des Hauptmanns schließlich die Gegenseitigkeit vor Augen gehalten werden Csernyat verlangie, wurden seitens der ungarischen Regierung Schritte in der Richtung unternommen, daß ohne Rücksicht darauf, ob der Mord aus politischen Motiven und zu politischen Zweden verStaaten gelte, demzufolge die Auslieferung angeordnet wird. Die Berhandlungen haben jedoch zu feinem Ergebnis geführt und die deutsche Regierung hat die Auslieferung Cfernyats verweigert, weil feine Tat als ausschließlich politische Strafhandlung aufgefaßt wurde. Die Ermordung Erzbergers ist auch von der gesamten deutfchen Presse als politisches Berbrechen aufgefaßt worden.( Wir haben cingehend nachgewiesen, daß dieser Bergleich absolut unzulässig ist. Red. d.„ V.".) Diese Motive veranlaßten die Regierung, die Auslieferung Schulz- Försters zu verweigern. Durch alle diese Momente verstärkt sich der Eindruck, daß der Leitung und den Aufsichtsorganen der Landesbank erhebliche Berlegungen ihrer Aufsichts- und Ueberwachungspflicht zur Last fallen, so daß diese als die eigentlichen Schulbigen anzusehen find. Daran tönnen auch die in der deutschnationalen Presse erscheinenden Ent faftungsartitel und Dementis, die um die wesentlichen Beschuldigunübt wurbe, ein Gegenseitigkeitsverhältnis zwischen den gen herumgehen, nichts ändern. Zum Teil sind die von der Bantleitung ausgehenden Erklärungen offensichtlich irreführend gewesen. So 3. B. hat der Generaldirektor der Bant, Herr Hud, erklärt, er habe niemals Geschäfte abgeschlossen, die mit der Bant in einem direkten Zusammenhang stehen bzw. an denen die Bank beteiligt sei. Diese Erklärung erhält eine eigenartige Beleuchtung, wenn die uns mitgeteilte Behauptung sich bestätigt, daß Herr Generaldirektor Hud bei der( seiner!) Landesbank ein fingiertes Konto auf den Namen „ Die Wirtschaft" in Gefahr! Die Eisen- und Stahlindustriellen als Retter. Der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller feierte am| Betriebsstillegungen sprechen dagegen. Feierschichten, Abbau und Lienstag, den 21. Oftober, im früheren preußischen Herrenhaus sein worum es sich in Wirklichkeit handelt: 50jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß brachte die„ Berliner BörsenBeitung" eine eigenartige Feſtnummer heraus mit dem Stichwort: Das Washingtoner Abkommen darf nicht rafifiziert werden! So wollen es die Herren, so befehlen fie! Der Untertitel: „ Eine sozialpolitische Kundgebung deutscher Wirtschaftsführer" ist insofern falsch, als es sich um eine antifozialpolitische Rundgebung handelt. Was da auf den vier Seiten des Blattes von Walter Funk, M. Klönne, Ernst v. Borsig, Konrad Piatscheck, Frizz Tänzler( Hauptgeschäftsführer der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände), N. Meissinger, Fr. Eichberg und Fr. A. Pinkerneil gedruckt wurde, war bereits in den berüchtigten Schriften der Vereinigung der Arbeitgeberverbände über ihre Lohnpolitik und die Arbeitszeitfrage zu lesen. Dennoch ist erfreulich, daß just am Morgen nach der Reichstagsauflösung eine Fürzere Fassung des Programms der Industriellen erschienen ist. „ Es kommt heute nicht darauf an, mehr Kohle, als vielmehr billigere Kohle zu fördern. Wenn wir dies mit der bisherigen Arbeitszeit nicht erreichen fönnen, müssen wir eben mehr arbeiten." ir", sagt Funt, er meint jedoch die anderen, die Berg leute, die heute sieben Stunden arbeiten und eine Ueberstunde Selbst wenn man die machen, also acht Stunden arbeiten. deutschen Bergarbeiter zwingen fönnte, 10 Stunden zu arbeiten, was wäre damit gewonnen? Im Auslande, vorab in England, würde man entweder zu Maßnahmen greifen müssen, um die Einfuhr deutscher Kohle zu erschweren, oder man würde auch dort die Arbeiter unter dem Druck der deutschen„ billigen" Konkurrenz zu gleich langer Arbeitszeit zwingen, zur Förderung ebenso billiger Rohlen. Das wissen auch die Herren vom Stahl und Eisen. Sie wollen nur ihre Profitgier nicht so offen zeigen, von der ihre Rezepte für die anderen diktiert sind. Das Reichsarbeitsministerium wird als wirt= Walter Funk, der Redakteur der deutschnational- anthaftsfeindlich erklärt und seine Beseitigung gefordert, semitischen Börsen- Zeitung", fühlt sich zu einem Urteil als„ Wirt durch Zusammenschluß mit dem Reichswirtschaftsministerium, in das schaftsführer" befonders berufen. Er behauptet, wenn das Washingtoner auch das Reichsernährungsministerium und der Torso des ReichsAbkommen über die Arbeitszeit ratifiziert wird und die von den Ge- verkehrsministeriums aufgehen müssen“. Wenn die Deutsch mertschaften propagierten Lohnerhöhungen um durchschnittlich 15 nationalen mit der Volkspartei die Regierung in bis 20 Broz. vorgenommen werden, jeder Versuch zur Erfüllung der die Hände bekommen, überweist man der Einfachheit halber die AufVerpflichtungen aus dem Londoner Baft von vornherein aussichtslos gaben des Reichsarbeitsministeriums der Vereinigung der ist und unsere Währungsstabilität gefährdet wird. Das deutschen Arbeitgeberverbände. Reichsarbeitsministerium begnüge sich jedenfalls nicht mit der Rati fizierung des Washingtoner Abkommens, es wolle durch die Arbeitslosenversicherung die sozialen Lasten noch stärker vermehren. In der Eisen- und Stahlindustrie sei die Leistung in der Nachfriegszeit bei der Verkürzung der Arbeitszeit um 2 Stunden nicht nur um 20 Proz., sondern trok vielfach vorgenommener technischer Berbesserungen um 40,8 Proz. gesunken. " Nach Wiedereinführung der verlängerten Arbeitszeit war eine Steigerung der Leistung um zirka 50 Broz. festzustellen, obwohl die Arbeitszeitverlängerung nur 20 Proz. betrug." Die hier beobachtete Erscheinung, wonach die Arbeitsleistung bei Arbeitszeitperkürzung um das Doppelte finft, bei Ar beitszeitverlängerung aber meit über das Doppelte des Zeitunter schiedseffekts steigt, ist ökonomisch wie physiologisch und psychologisch so wunderbar, daß man sich mit der nackten Behauptung unmöglich begnügen kann, sondern genaueren Aufschluß darüber fordern muß. Der Funk"-Dienst des Unternehmerfapitals verrät aber auch, meshalb die Industrie nicht mehr vom 3 weischichtwechsel zum Dreisch chtwechsel zurüdgehen will: " Beseitigt man die zweimal 12stündige Schicht über Tage, so wird der Bergmann unter Tage auch nicht mehr zur achtstündigen Schicht zu bewegen sein." Wir müssen die Bergarbeiter gegen die Unterstellung in Schuh nehmen, als arbeiteten sie nur deshalb 8 Stunden, weil ihre Kameraden über Tage 12 Stunden arbeiten; sie würden nicht mehr 8 Stunden arbeiten, wenn diese auch nur 8 Stunden arbeiteten. Jahrelang hat man den Bergarbeitern zugelegt, fiel müßten unter allen Umständen mehr Kohlenfördern; darauf tomme alles an, davon hänge alles ab. Feierschichten, Abbau und Der Streik in den Kupferschmiedereien. In einer Versammlung der in den Kupferschmiedereien beschäf tigten Arbeiter am 9. Oftober wurde beschlossen, dahin zu wirken, daß an Stelle des bisherigen tariflosen Zustandes wieder ein neuer Lohntarif tritt. Den Arbeitgebert wurde eine Forde rung unterbreitet, wonach der tarifliche Stundenlohn des Arbeiters über 23 Jahre 1 Mart betragen foll. Zu dieser For derung, die in Anbetracht des Lohnniveaus gleichartiger Berufsgruppen äußerst bescheiden ist, erklärten die Arbeitgeber durch ihren Snditus, fie feien hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage, von sich aus eine Lohnzulage zu gewähren. Also glatte Ablehnung unter dem Vorwand wirtschaftlicher Schwierigkeiten, trotzdem die Konjunktur fich wesentlich verbessert hat und arbeitslose Kupferschmiede fast nicht vorhanden sind. 日 Die Versammlung am 20. Oftober nahm den Bericht von dem bisherigen Berlauf der eingeleiteten Lohnbewegung entgegen, und beschloß, als Antwort auf die brüste Ablehnung einer Lohnerhöhung am Dienstag in den Streit zutreten. Mit einer Einstim migkeit, die alle Erwartungen übertraf, ist dieser Barole am Dienstag früh Folge geleistet worden. In allen in Frage fommen ben Betrieben ist die Arbeit gänzlich eingestellt worden; ein Zeiche der Solidarität, aber auch ein Ausdruck der starken Unzufriedenheit über die rücksichtslose Lohnpolitik der Arbeitgeber. So einmütig, wie die Kupferschmiede der Streit begonnen haben, werden sie auch zusammenstehen, um einen Erfolg zu er reichen. Schiedsspruch für die Damenmaßbranche. Bor einigen Wochen beschäftigte der Schlichtungsausschuß die Arbeitgeber der Damenmaßschneiderei durch einen Spruch, die in den„ englischen Ateliers" beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen auch in der Werkstott im Stüdlohn zu beschäftigen. Diesen Spruch lehnten die Arbeitnehmer ab. Auch die von den Arbeitgebern beantragte Berbindlichkeitserklärung wurde abgelehnt. Der Beleidungsarbeiterverband beantragte Lohnerhöhungen, die als Spigenlohn für die Facharbeiter eine Mart pro Stunde vorfahen. Zu Berhandlungen darüber fam es nicht. Bielmehr befolgten auch hier die Unternehmer die Taktif, jede Lohn erhöhung schriftlich abzulehnen und sich schließlich durch die Schlich tungsinstanzen ein paar Pfennige Lohnerhöhung abnötigen zu lassen. Die Unternehmer gaben den Arbeitnehmern anheim, im StüdIohn zu arbeiten, wodurch die Möglichkeit eines höheren VerBetanntlich hat die Industrie" die Arbeiterlöhne so meit herabgedrückt, um die Arbeiter zu zwingen, länger u arbeiten, um egiftieren zu können. Die Herren geben zu, daß die Löhne zu niedrig sind, beraten aber die Arbeiter, daß sie ja mehr verdienen fönnten, wenn sie nur länger arbeiten wollten. Unter dem Einfluß der Krise im Anschluß an die Inflationsperiode, die die Gewerkschaftstassen leerte, Verwirrung in die Arbeiterschaft brachte und ihre Geschlossenheit beeinträchtigte, ist die Lohndrückerei auf einen Tiefpunkt angelangt, der selbst die Unternehmer in Erstaunen sezt. Wenn die ,, deutschen Wirtschaftsführer" sich auch nur einmal die Ziffern der Lohntüten ansehen wollten, die in ihren Betrieben aufgezeichnet merden, und sie mit den Bebensmittelpreisen vergleichen würden, dann müßten sie sich unwillkürlich fragen: Wie ist es nur mög lich, daß die Arbeiter bei solchem Einkommen mit ihren Familien egiftieren können?" Aber der Wirtschaftsführer" Funk wagt zu fordern: Man muß das Bolf zum Sparen zwingen." " Wer es wagt, die deutsche Arbeiterschaft in ihrer. heutigen Notlage derart zu verhöhnen, müßte auch den Mut haben, das Leben eines verheirateten Arbeiters auch nur vier Wochen lang zu führen, der mit 14 bis 19 Mark Wochenlohn nach Hause geschickt wird. Der Unterschied zwischen der Lehensführung der Börsenindustriellen und jener der Arbeiter muß schon ungemein groß sein, wenn die Wirtschaftsführer" faft ausnahmslos feinen blaffen Schimmer von der Not des Bolles gewahren. Bei den beporstehenden Wahlen muß ihnen jedenfalls ein gehöriges Licht aufgesteckt werden. 17 Der Stimme der Profitmacher haben wir unsere Stimme und unsere Stimmen entgegenzusehen. und unsere Stimmen entgegenzusehen. Das Spiel geht um die Eristenz der deutschen Arbeitnehmerschaft! Als Ergebnis der Verhandlungen am Mittwoch wurde ein. Spruch gefällt, der den verteuerten Lebensverhältnissen umso meniger. Rechnung trägt, als die Löhne in den Maßschneidereien und für die Konfettionsänderinnen seit April dieses Jahres unverändert geblieben sind. Für die Facharbeiter wurde der Sohn von 84 auf 88 Bf. erhöht, für die Arbeiterinnen um durchschnittlich 2 Pf. Die Geltungsdauer des Lchnabfommens wurde von der laufenden Lohnwoche bis Ende dieses Jahres festgesetzt. In der Branchenversammlung am Mittwoch abend berichtete Faustmann, daß die Arbeitgeber während der Verhandlungen fich über die eingereichten Lohnforderungen ganz verwundert zeigten, da sie doch während der Zeit geringerer Lebenshaltungskosten auch feine Lohnfürzungen verlangt hätten. Trotzdem in der Diskussion die Bohnerhöhungen als völlig unzureichend bezeichnet wurden, würde schließlich dem Schiedsspruch zugestimmt. Faustmann ermahnte die Anwesenden, für einen stärkeren Ausbau der Organisation zu sorgen, damit in den kommenden Manteltarifverhandlungen der Verband eine genügende Rückendeckung habe. In der Frage der Stücklohnarbeit wurden die Anwesenden verpflichtet, unter feinen Umständen dem Verlangen der Arbeitgeber zu entsprechen. Der Streit in der Strickerei Trikota ist beendet! Es gelang, den angedrohten 2obnabbau um die Hälfte zu verringern. Da der Betrieb noch nicht lange besteht, war das Organisationsverhältnis nicht geschlossen. Die Arbeiterschaft mußte sich deshalb mit diesem Teilerfolg begnügen. Möge sie hieraus die Lehre ziehen, daß im wirtschaftlichen Kampf ein gutes Organi sationsverhältnis die erste Borbedingung ist. Der Streit bei der Teppich fabrit M. Progen& Sohn mit den Streifenden zu verhandeln, weil sie alle Arbeitnehmer wird gelchlossen weiter geführt. Die Firma lehnt es ab, friftlos entlassen hat. Ein wichtiger Entlaffungsgrund? In einem Großbetriebe der Metallindustrie dürfen sich die Kriegsbeschädigten eine Viertelstunde por Feier abend waschen und umkleiden. Zu diesem Zweck ließ sich ein Kriegsbeschädigter vom Meister den Schlüssel zur Garderobe geben. Während sonst der Saalbiener mitging und nach beenbigtem Umfleiden des Kriegsbeschädigten den Garderobenraum abschloß und den Schlüffel zurüdbrachte, verlangte jegt der Meister auf Anordnung der Kriegsbeschädigte Kriegsbeschädigte meigerte fich Erscheinen der übrigen Arbeiter eftige Mimsten unveriIoffes und unbeaufsichtigt blieb. Am folgenden Tage stellte der Meister den Kriegsbeschädigten wegen dieses Vorfalles zur Rede. Der Kriegsbeschädigte lehnte es ab, mit dem Meister zu verhandeln, er perlangte, daß der Vertrauensmann hinzugezogen werde, damit der Meister von dem, was verhandelt werde, nicht wieder etwas abfchwindeln" tönne. Als sich der Kriegsbeschädigte zum Gehen wandte, sagte der Meister, was so ein dummer Mensch sich einbilde. Nach diesem Vorgang wurde der Kriegsbeschädigte fristlos entlassen. Er flagte beim Gewerbegericht. Die Kammer 10 unter dem Vorsitz des Magistratsrats Sommer wies die klage ab mit der kurzen Begründung, es liege ein wichtiger Entlassungsgrund vor, denn der Kläger habe sich beharrlich ge= weigert, feine Pflichten zu erfüllen. Dies Urteil stüßt sich unserer Meinung nach auf eine völlig irrige Anwendung des§ 123 26. 3 der Gewerbeordnung. Wir wollen die Weigerung des Klägers, den Schlüssel zurückzu bringen, feineswegs billigen, denn die Rüdgabe hätte ihm weder einen nennenswerten Zeitverlust, noch sonst einen Nach bringen, feineswegs billigen, denn die Rückgabe hätte teil gebracht. Man mag sein Verhalten als eine ungehörig feit bezeichnen, aber ein Grund zur fristlosen Entlassung im Sinne des§ 123 Abs. 3 der Gewerbeordnung ist es auf teinen Fall, denn dieser sagt, daß Arbeiter fristlos entlassen werden können, wenn sie den nach dem Arbeitsvertrag ihnen obliegenden Verpflichtungen nachzukommen beharrlich vermei gern". Da die Anordnung des Meisters erst in einem einzigen. Falle verweigert wurde, fann von einer beharrlichen Verweigerung feine Rede sein, und dann ist das Zurückbringen des Garderobenschlüssels doch keine im Arbeitsvertrag begrünDas Urteil beruht also auf einem Rechts. dete Verpflichtung. irrtum. Der Gemeindearbeiterstreik in Mitteldeutschland. Magdeburg, 22. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Die Ge meindearbeiter in Mitteldeutschland sind in den Streit getreben, weil der Arbeitgeberverband der Kreise und Gemeinden in Mitteldeutschland die Lohnverhandlungen schon seit Monaten hinschleppte. Ein Schiedsspruch der Be zirksschiedsstelle in Magdeburg hat den Arbeitern eine Lohn. erhöhung von 3 Pf. pro Stunde zugesprochen. Der Arbeitgeberverband hat diesen Schiedsspruch ab. gelehnt und gefordert, an Stelle der fünf bisherigen Lohngruppen sieben Lohngruppen einzuführen, und zwar zwei Handwerkergruppen, zwei Gruppen für angelernte und drei Gruppen für ungelernte männliche Arbeiter. Diesen sieben Gruppen der Arbeiter würden sich mindestens noch weitere sieben Gruppen der Der Zentralausschuß, die letzte Schiedsinstanz im Reichs manteltarif der Gemeindearbeiter, hat den Schiedsspruch der Mogdeburger Schiedsstelle aufgehoben und die Forde rung des Arbeitgeberverbandes anerkannt, so daß durch seinen Spruch die vierzehnstufige Eingruppierung der Arbeiter vorgenommen werden sollte. Diefer Spruch mußte von den Arbeitnehmern abgelehnt werden, da die Dreipfennig- Lohnerhöhung nach dem Magdeburger Schiedsspruch nur für die ersten Gruppen voll gezahlt, für die nachfolgenden Gruppen aber progen tual abgestuft werden sollte. Zu diesen Löhnen wurde eine Erhöhung von 10 Pf. für Auguft und September für Arbeiter und von 6 Pf. für Arbeite rinnen gefordert. Diese Forderung wurde abgelehnt. Von der Ortsschiedsstelle Magdeburg wurden den Arbeitern 3 Bf. zugesprochen für den Monat September; ab 1. Oftober follert weitere 5. Pf. zugelegt werden. Die Arbeitnehmer haben die Beibehal tung der bisherigen Lohntlassen gefordert. Berständigung wurde nicht erzielt und so find im mitteldeutschen Bezirk bis jest 7000 Gemeindearbeiter im Streif. Eine Die Streifenden haben sich bereit erflärt, in alten Betrieben Die Notstandsarbeiten zu verrichten. Trogdem mor haben einzelne Stadtverwaltungen und darunter Magdeburg die Technische Nothilfe in den Betrieben eingesetzt und so die Berrichtung der Rotstandsarbeiten durch Gemeindearbeiter unmög lich gemacht. Die Technische Mothilfe hat es sehr wichtig in diefem Streit. Sie muß nach ihrem jüngsten Breffebericht z. B. in Erfurt die Heizung in den Magistratsbureaus heformen und in Nordhausen die Heizung im Rathaus durchführen. Achtung, Berliner Bauflempner! Der Schiedsspruch vom 18. Oftober ist von der Klempnerinnung angenommen. Das mit treten die neuen Lohnfäße vom 17. Oftober ab in Kraft. Lohntarife find Linienſtr. 83/85, Zimmer 20, zu haben. Die Orts verwaltung des SMV. Tarifes haben sämtliche Lithographen und Steindruder in den Lithographen und Steindruder! Wegen Nichtanerkennung des Deutschen Werten die Arbeit niedergelegt. Die Firma ist hiermit gesperrt. Jedes Angebot ist strifte abzu« lehnen. Der Ortsvorstand. Achtung, Buchbinder in den BDB.- Betrieben! Mit dem BDB. ist es gestern zu einer Vereinbarung gekommen, die mit dem heutigen Tage in Kraft tritt. Berichterstattung für die Funktionäre Freitag abend 5 Uhr bei Gründler, Zimmerfir. 30. Die Branchenleitung. Der Streit im ostoberschlesischen Baugewerbe ist durch einen Schiedsspruch beendigt worden, der den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 10 Broz. zubilligt. Achtung, Ausgesperrte der AEG.- Turbinenfabrik! üblichen Betten in der alten Halle, Eingang Suttenſtr. 16. Lohnzahlung ist morgen, Donnerstag, au den in den Meisterschaften fonft Morgen, Donnerstag, nachm. 3 Uhr, in der Schulaula Rostoder Straße Bersammlung aller freigewerkschaftlich organisierten Kollegen. Mitgliedsbuch Wiclefstraße, Betriebsversammlung der gesamten Belegschaft. legitimiert. Freitag, den 24. Oktober, nachm. 3½ Uhr, im Moabiter Gesellschaftshans, Das Er Achtung, Kupferschmiede! Seute, Donnerstag, abend 7% Uhr, im Gaal I des Gewerkschaftshauses äußerst wichtige Mitgliederversammlung. scheinen eines jeden Kollegen ist unbedingt erforderlich. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: We born; Feuilleton: Dr. John Schifowski: Lokales Friz Karstädt; Anzeigen: Sh. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buch bruderei und Verlagsanstalt Vaul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 8. Sierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". dienstes gegeben sei. Die Arbeitnehmer riefen den Schlichtungs Glüffel arüdbringe. Der Striegsbege felber ben Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. beffen, er ging nach Hause. so daß der Garderobenraum bis zum Gebrauche Ata Ata Das Rutamin Henkri Norden 9296. Säle frei! Ata Scheuerpulve putzalies -und im Haus sieht's stets bei dir wie Sonntag aus! ( ATA Henkel's Putz- und Scheuermittel) Nr. 50$ 4 41. Jahrgang 1. SMtM ÜLS Vsrwärts Vonnerstag, 2Z. Oktober 1024 Viele Personen, die emen Freund oder Verwandten aus der alten Heimat herüberkommen lassen wollen, zögern oft lange, ehe sie zur Auswanderung aufmuntern oder das Reisegeld hinüber- schicken. Hauptsächlich werden sie dadurch abZehalten, daß der Ein- wanderer aus irgendeinen! Grund« nicht zugelassen werden könnte, nachdem er die Brücken hinter sich abgebrochen und das Reisegeld verausgabt hat. Niemand scheint imstande zu sein, ihm bestimmt zu sagen, ob der Einwanderer zugelassen werden wird oder nicht. Tat- sächlich kann kein Zeitungsredakteur, kein Jnformotionsbureau, an die man ssch gewöhnlich wendet,«in« bestimmte Antwort geben; denn de» endgültigen Entscheid treffen die Cinwanderungsbchörden der Vereinigten Staaten, die sich in bezug auf die Zulässigkeit des Einwanderers vor dessen Eintreffen im Ankunstshafen nicht äußern können. die Mmen. Die größte Zahl der Abgewiesenen findet man in der Rubrik L. P. C. Dies« Anfangsbuchstaben bezeichnen den englischen Ausdruck„b-ilcelzr to become a Public Charge"(wird wahrscheinlich der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen). Dies« Gruppe umfaßt Einwanderer, deren Lebensunterhalt nicht genügend verbürgt ist oder die einen körperlichen Mangel aufweisen, der sie daran hindern kann, ihren Lebensunterhalt zu oerdienen. 8233 Einwanderer dieser Kate- gorie wurden von der Landung ausgeschlossen, und weiter« 1088 Aus- länder dieser Gruppe wurden im Laufe des Jahres von den Ein- lvanderungsbehörden aufgegriffen und abgeschoben. Allein reisende Frauen und Kinder kommen fast sicher in diese Kategorie, wenn sie kein ordentliches..Ailiüavit ol Support" aufweisen können. Das Die Ausgeflossenen. Eine Warnung für deutsche Auswanderer, die nach Amerika wollen. Abschied von der Heimst. gleiche trifft zu auf eine Witwe, die zu einem entfernten Verwandten I ri* kommt, auf«ine alt« Großmutter, die sich zu einem Sohn begibt, der augenscheinlich mittellos ist. Um zu entscheiden, ob ein Ausländer wahrscheinlich der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen wird, ziehen die Einwandcrungsbehördcn unter anderem folgende Ding« in Betrocht: seinen Beruf(einschließlich der physischen Fähig- keit, dem Beruf nachzugehen), die Zahl der lebenden Personen, die in bezug auf den Lebensunterhalt von ihm abhängen, die Möglichkeit, die sich dem Einwanderer bietet, Arbeit zu finden und zu behalten, und die Geldsumme, die er besitz'. Es ist wohl zu beachten, daß«in > Affidavit, welches die amerikanischen Konsuln in Europa zufrieden- ! stellt«, nicht immer den Ansprück?en des Cinwanderungsinspektors im amerikanischen Ankunftshafen entspricht. Man tut daher gut, die Affidavits sehr sorgfältig ausstellen zu lassen, und zwar von dem nächskcn Vluksverwondlen. Wenn möglich, sollte man neben dem Affidavit«in Empfehlungsschreiben von einem angesehenen ameri- konischen Bürger, wie etwa von dem Arbeitgeber der Person, die den Einwanderer kommen läßt, hinüberschicken. Analphabeten. 2396 Analphabeten wurden von der Landung ausgeschlossen, da das Einwanderungsgesetz verlangt, daß der Einwanderer lesen kann. Die Leseprllfung des Ausländers wird so vorgenommen, daß der Inspektor ihm«ine Kart« zu lesen gibt. Dies« Kort« enthält Aus- züge aus der Bibel in vielen Sprachen und etlichen Dialekten. Bei der Prüfung kann d«r Ausländer die Sprache wählen, in der er ge- prüft werden will. Er muß nicht weniger als 33 und nicht mehr als ig Wort« mit Verständnis lesen können. Die Korten für Ein- wanderer aus nichtchristli-Hen Ländern enthalten kein« Bibelstellen, sondern ein« Aufforderung, irgendein« einfache Handlung zu voll- ziehen. Bewohner der Vereinig'«« Staaten, ob Ausländer oder Bürger, sowie zulässige Ausländer können ihren Vater, ihren über 66 Jahre alten Großvater, ihre Frau. Mutter oder Großmutter und ihre unverheiratete oder verwitwete Tochter herüberkommen lassen oder mitbring«n, ohne daß die Lesebestimmung auf diese Ber- wandten Anwendung ffndet. Von der Bestimmung sind ebenfalls ausgeschlossen Ausländer, die in zufriedenstellender Weife beweisen können, daß sie in dieses Land kommen, um der religiösen Verfol- gung zu entgehen. Kontraktarbeiter. Di« drittgrößt« Gruppe der Ausgeschlossenen bilden die so- gemmnten Kontraktarbeiter. Viele Einwanderer glauben, daß nur solche als Kontraktarbeiier von der Landung ausgeschlossen werden, die einen bestimmten Arbeitstontrakt unterzeichnet haben. Die Be- stimmung über Kontraktarbeiter schließt jedoch jeden aus. der durch mündliche Arbeitsversprechungen bewogen worden ist, noch den Vereinigten Staaten auszuwandern. Wer im Ausland ein« Stellung?- anzeige gelesen hat und dadurch veranlaßt worden ist,� herüber- zukommen, wird genau so als Kontraktarbeiter betrachtet wie jemand, dessen Reise von einer Gesellschaft bezahlt worden ist, die ihn als Arbeiter zu beschäftigen sucht. Eine Ausnahm« wird bei gelern. ten Arbeitern gemacht, wenn«in Mangel an solchen gelernten Arbeitern besteht, aber in dem Fall muß das Arbeitsdepartement in Washington die Einreise solcher Einwanderer vorder besonders bewilligen. Aach Dienstboten werden zu der Klasse der Kontraktarbeiter gerechnet. Solange die Quote nicht erschöpft ist, können ssch Dienstboten, die sonst allen Bestimmungen der Einwanderunqsgefttze genügen, nach einer bestimmten Familie in diesem Lande begeben. Nach der Erschöpfung der Quote ihres Geburtslandes dürfen Dienst- boten auch dann landen, wenn sie sich in Begleitung der Familie be- finden, von der sie vorher im Ausland beschäftigt waren, oderjvenn sie sich nach dieser Familie begeben. Zofen und Kindermädchen werden nicht zu der Klasse von Dienstboten gerechnet. Kranke. Heber 1300 Personen, die nicht landen dursten, gehören zu den Klassen 2.C.D. und D.C.D. L.C.D. ist die Abkürzung für „Loathsome and Contagious Disease"(ekelhofie und ansteckende Krankheit), wi« hauischwainm. Läusejucht. Trachoma(Augenkrank- heit) und ähnliche Krankheiten. Die an solchen Krankheiten leiden- In der neuen Welt den Einwanderer sind automatisch von der Landung ausgeschlossen. Der von der Einwanderungsbehörde benützte Ausdruck D. C. D. be- deutet„Dangerous and Contagious Disease"(gefährliche und ansteckende Krankheit, wie Geschlechlsk raukheilen und Schwindsucht). Unter der Rubrik der wegen körperlicher Mängel Abgewiesenen finden wir 783 Fälle von Irrsinn oder Fallsucht. 166 Fäll« von geistig gering.~ 7 oder«inen ernsteren Defekt, wi« etwa den Verlust der Seh- minderwertigen Personen und 86 chronische Säufer. Die Frag«, ob ein Einwanderer, der ein geringes körperliche, Gebrechen aufweist, kraft auf einem Auge, den Verlust eine» Gliedes, der Hörtraft oder der Sprache, landungsfähig ist. kann nicht im voraus vor der Umeriuchung im Ankunftshafen entschieden werden. Derartige körperliche Mängel reihen den Einwanderer nicht an und für sich den unbedingt auszuschließenden Personen an. werden aber ernsthaft bei der Cnffcheidur.g in Erwägung gezogen, ob der Aus- länder wahrscheinlich der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen wird. Ist ein Auswanderer sonst zulässig, so kann er unter Bürg- schaft landen, d. h. jemand muß für ihn einen sogenannten Bond stellen und dafür bürgen, daß der Ausländer nicht der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fällt. kinüer. Ferner wurden 262 Sinder unter IS Zcchren ausgejchlossen, die allein reisten oder sich zu einem ihrer Eltern begaben. Das Einwan- derungsgefetz ist sehr streng in dieser Hinsicht. In vielen Fällen hat eine Mutter oder ein Vater in den Vereinigten Staaten einen 61 Der Mittelweg. Von Sir Philip Gibbs. „Ach Bertram, ich furchte, das Kind ist ganz zu den Sinn- feinern übergegangen. Sie begeistert sich dafür, wie damals für die Suffragettes. Der Vater droht, sie aus dem Hause zu werfen, wenn sie noch ein einjigesmal davon anfängt. Wir hatte» gestern eine entsetzliche Szene." Bertram konnte sich das vorstellen. Susanna schwärmte für Szenen. Sie war eine irische Rose mit vielen scharfen Dornen. Ihr Blut kannte keine normannische Kühle. Sie hatte nichts von der Sanftheit ihrer Mutter. Frau Pollard ließ mehr als ihre gewöhnliche Aengstlich- keit durchblicken.„Wenn es nur nichts Schlimmes mit Susanna ist. Vor einigen Tagen ist schon ein Schutzmann hiergewesen." „Ein Schutzmann? Das hört sich ja wie ein Melo- drama an." Er wollte, daß ihm Susanna die Adresse eines jungen Iren Dennis O'Brien sagte.„Susanna behauptete nichts von ihm zu wtfsen, aber ich weiß, daß sie sich immer mit ihm schreibt." Bertram entfuhr ein„Donnerwetter!" wofür er sich bei seiner Mutter sofort entschuldigte. Er versuchte vor ihr seine eigene Erregtheit zu verbergen. Er kannte Dennis O'Brien. Er war mit ihm in der gleichen Mafchinengewehrabteilung gewesen und von ihm hatte er immer die Neuigkeiten aus Irland gehört. Keine Nachrichten, über die man leichtherzig debattieren konnte. Der Junge war mit Leib und Seele Sinnfeiner.., „Wo ist Susanna? fragte er kurz. Frau Pollard griff sich an die Stirn:„Kann ich das wissen? Moderne Töchter ziehen ihre Mütter nicht mehr ins Vertrauen. Sie kommen und gehen, wie es ihnen gefällt, und weisen Fragen zurück. Zu meiner Zeit ist das nicht fo gewesen." Bertram mußte bei den letzten Worten lächeln. Wie oft hatte er sie früher gehört. Wie oft halten er und die beiden Mädels— alle drei Nebellen— als Kinder vor Iahren über sie gelacht. Sein Bruder Digby, der jetzt als Schwarz-Gelber — welch entsetzlicher Gedanke— in Irland war, war damals noch zu klein gewesen, um über diesen Spaß zu lachen. Er blieb noch etwas, seine Gedanken lösten sich allmählich von Joyce und seinem toten Kinde. Bei seiner Mutter, deren Liebe beruhigend und alles verstehend war, fühlte er sich wieder als Knabe. Sie sprachen von alten Zeiten und die Mutter oergoß ein paar Tränen, weil sich alles so sehr oer- ändert hatte, und sie sich so einsam und verlassen fühlte, wo nun auch Digby, ihr Jüngster, nach Irland in den Mittel- punkt all dieser Schrecklichkeiten gegangen war. Sie machte keine Anspielung, daß auch Joyce an ihrer Vereinsamung etwas mitschuldig war. Joyce schien sie nicht sehr zu lieben und hielt Bertram mehr als es höflich war, von seiner Mutter zurück. Bertram erriet ihre Gedanken..Wenn es Joyce erst wieder gut geht, werden wir öfter zu dir kommen, Mutter." „Das ist lieb von euch," antwortete sie ruhig, aber nicht sehr hoffnungsvoll. Er verließ sie kurz vor Mitternacht und war bereits wieder in der Holland Street, bevor das Parlament eine lange Debatte über die Lage in Irland beendet hatte. Am nächsten Morgen sah Bertram, daß seines Vaters Rede wörtlich in der Zeitung abgedruckt worden war. Er las sie nicht. 5. Joyces Genesung schritt nur langsam vorwärts. „Braucht Aufheiterung!" meinte die Pflegerin, die noch im Hause geblieben war.„Aber Besuch kann ich noch nicht erlauben. Das Aufheitern ist Ihre Sache, Herr Major!" Bertram tat. was er konnte, um sie zu erheitern, ging im Krankenzimmer aus und ein, brachte Blumen, Bücher, illustrierte Blätter mit und äußerte heitere Bemerkungen über das Wetter und die Dinge im allgemeinen. Aber Erfolg hatte er nicht. Joyce schien sich über etwas zu kränken und blieb niedergeschlagen. Nur wenn die Pflegerin sie manikürte, oder wenn ein.,Truelooe"-Mädchen kam, um ihr das kurz- geschnittene Haar zu kräuseln, heiterte sie sich etwas auf. Auch zerstreuten sie die vielen Erkundigungen noch ihrem Befinden, die meistens von so vielen Blumen begleitet wurden, daß Bertrams Sträußchen darunter ganz oerschwand. So oft es läutete war sie gespannt, welcher von ihren Freunden es wohl fein konnte. „Ist Kenneth noch nicht hier gewesen?" fragte sie und auf Bertrams Antwort:„Mindestens ein halbes Dutzend mal" sah sie ihn belustigt und provozierend an.„Ein netter Junge! Die Pflegerin muß mir erlauben, ihn zum Tee einzuladen." Bertram unterdrückte eine plötzliche Eifersucht. In diese Dummheit durfte er nicht wieder verfallen. Nach einer kurzen Pause, die Joyce wohl verstand, erlaubte er sich nur den. K schüchternen Vorschlag, daß sie vielleicht besser täte, zuerst Familienmitglieder zu empfangen, ihre Mutter z. B. und auch seine, und auch Susie, seine Schwester. Sie würden sich immerhin verletzt fühlen, wenn andere dort Zutritt hätten, wo sie ausgeschlossen wären. Joyce schnitt eine drollige Grimasse.„Ach. bei dir muß alles nach den Regeln des Anstands gehen! Natürlich muß ich Mama empfangen, aber wozu auch gleich Schwiegermütter und Schwägerinnen, das begreife ich nicht. Es wäre viel lustiger, Kenneth und noch ein paar aus meinem Kreise hier u haben, eine richtige tolle Teegesellschaft, mit der wir meine ückkehr in die Gesellschaft feiern könnten." „Gott! fange doch so etwas nicht wieder cmt" sagte Bertram hastig. „So etwas?" ftagte Joyce kalt. Cr vermied eine direkte Antwort.„Laß uns erst mal ein bißchen ruhig bleiben, uns beide. Ich muß mir die Sache erst überlegen. Vor allem brauche ich Arbeit." „Daran werden meine Teegesellschaften dich nicht hin- dern," sagte Joyce, setzte sich im Bette auf und wurde dunkelrot. Bertram, fangen wir doch nicht wieder mit den alten Argumenten an. Ich lasse dir freie Hand. Ich bin auf keinen deiner Freunde eifersüchtig, obgleich der Sozialist, dieser Christy, einen üblen Einfluß auf dich ausübt. Ich be- stehe darauf, meine eigenen Freunde zu haben und sie zu treffen, wann und wie es mir gefällt. Wenn du kein Ber- trauen zu mir hast, so beleidigt mich das in meinem Ehr- gefühll" „Aber geliebtes Kind," flehte Bertram zerknirscht und demütig. Natürlich vertraute er ihr, es war ja alles ganz harmlos, natürlich war er davon überzeugt, daß ihre Freund- jchoft mit Kenneth Murleß absolut rein und ehrlich war, und doch war diese Freundschaft ihm so verhaßt, denn er liebte seine Frau mit eifersüchtiger Liebe und haßte alle aus ihrer Umgebung, denn sie verdrängten ihn aus dem absoluten Be- sitzerrecht, nach welchem er sich sehnte. „Ich werde Kenneth morgen zum Tee bitten," sagte Joyce entschieden,„und danach andere von all denen, die mich be- suchen möchten. Mir graut schon vor dieser ganzen Kranken- stubenexistenz. Hoffentlich nie wieder nach dieser einen Er- fahrung!" „Lade ein, wen du nur möchtest," sagte Bertram und beugte sich über sie, um sie zu küssen, aber sie wich ihm ver- drießüch aus.(Fortsetzung folgt.) | Flugblätter heraus, beriefen Bersammlungen ein, in denen dem neuen Verein der Kampf bis aufs Messer" erklärt wurde. Der Forts schritt der jungen Organisation fonnte trotz dieser Schikanen und der der Handwerksmeister nicht gehindert werden. Wie die Handwerksmeister hier eingreifen wollten und sollten, darüber schreibt Peters folgendes:„ Die Handwerksmeister wurden durch die Handwerks= fammern und Innungen aufgefordert, den Lehrlingen den Organis sationsgedanken mit dem Prügel auszutreiben. Allen voran ging der Obermeister der Tischlerinnung, Rahard, der einen Brügelerlaẞ öffentlich bekannt gab. Das ist derselbe Ra hardt, der vor etwa einem Jahre wegen unerhöhrter Schiebungen seines Amtes enthoben wurde und sein fündhaftes Leben im Gefängnis beschließen muß." Auch in der bürgerlichen Presse wurde gegen den Lehrlingsvereint Schreiben: gehetzt, und die Staatsbürgerzeitung" ging ſogar so weit, zu Breund in dem alten Heimatsort gebeten, sich der Kinder während| wieder ins Untersuchungsgefängnis zurüdtam. Gegen die Neuer Reise anzunehmen. Wenn nun eins der Kinder aus irgendeinem anberaumung des Termins hatte R.-A. Dr. Alsberg Einspruch erGrunde von der Landung ausgeschlossen wird, muß auch die be= hoben, weil das Gutachten der Irrenanstalt noch nicht vorliegt und citende erwachsene Person mit ihm zurück. Auf diese Weise wurden es darauf ankommen werde, festzustellen, ob die Angeklagte über im vergangenen Jahre 198 Erwachsene ausgeschlossen, welche Kinde: haupt noch zur Verantwortung gezogen werden fönne. Landoder frante und invalide Personen begleiteten, obwohl sie selbst gerichtsdirektor Dr. Schimmad hat infolgedessen gestern den zugelassen worden wären, wären sie allein gekommen. Uebernimmt Termin aufgehoben. jemand die Begleitung von Kindern auf der Reise, so sollte er sich zuerst vergewissern, ob der Vater oder die Mutter oder auch beide Eltern das Kind erwarten und vollauf fähig sind, für das Kind zu forgen. Eltern, die einen Freund in der alten Heimat bitten, ihr Kind mitzubringen, müssen darauf gefaßt sein, die Rückfahrt des Begleiters zu bezahlen für den Fall, daß das Kind nicht landungsliche Begleiter einen Vertreter stellt, vorausgesetzt, daß die Eltern die fähig ist. Die Einwanderungsbehörden gestatten, daß der ursprüng Rückreise bezahlen; denn die Dampfschiffsgesellschaft ist nur für die teilungsblattes der Sozialistischen Arbeiterjugend zu finden ist. erst dann zur Einsicht kommen werde, wenn es zu spät ist, wenn die Zurücksendung ausgeschlossener Ausländer verantwortlich. aft Das Bisum des amerikanischen Konsuls verbürgt nicht die Zulassung des Einwanderers. In letzter Instanz entscheiden nur die Einwanderungsbehörden der Vereinigten Staaten, und der endgültige Entscheid fann nur im Gebiete der Vereinigten Staaten gefällt werden. Der amerikanische Konsul ist beauftragt, Fahrgäste zu warnen, wenn ihre Landungsfähigkeit im Zweifel steht. Kommt der Fahrgast trotz dieser Warnung und wird er von der Schiffahrtsgesellschaft befördert, so trägt nur der Fahrgast das Risiko. Der von dem Einwanderungskommissar in jedem Ankunftshafen ernannte besondere Untersuchungsausschuß( Board of Special Inquiry) ent scheidet über den Ausschluß von Einwanderern. Jeder Ausschuß besteht aus drei Mitgliedern, die aus einer Liste von Beamten gewählt werden, die von dem Arbeitssekretär und dem General tommiffar für Einwanderumg gutgeheißen worden ist. Zwei Meineide um ein paar Stiefelfohlen. Meister und Lehrling ins Zuchthaus. 20 Jahre Berliner Arbeiter- Jugend. „ Keines der 25 Männlein, die vor 20 Jahren beisammensaßen, um den Lehrlingsverein" in Berlin zu gründen, gab sich in diesem Augenblic Rechenschaft über die ungeheuren Wirkungen dieses BeAuffah ein, der in der Sonderausgabe des Groß- Berliner Mit ginnens." Mit diesen Worten leitet Genosse Mar Peters einen Zwanzig Jahre sind es jetzt her, daß sich beherzte Jungproletarier zuſammentaten, um bessere Lebensbedingungen für unsere jugend lichen Arbeiter und Lehrlinge zu schaffen. Zwei volle Jahrzehnte, die gewaltige Alenderungen innerhalb der Jugendorganisation gebracht haben. Die Groß- Berliner Arbeiterjugend wird diesen zwanzigsten Gründungstag festlich begehen. Sie hat u. a. eine Sonderausgabe des Mitteilungsblattes Jugend voran herausgebracht. Mar Peters schreibt darin über die Vorgeschichte der Berliner Jugendorganisation folgendes: Im Juni des Jahres 1904 beschäftigte der Selbstmord eines Schlosserlehrlings Paul Nehring die Deffentlichkeit. Fortgefeßte seelische und körperliche Mißhandlungen durch seinen Meister hatten den jungen Menschen veranlaßt, sich im Grunewald zu erhängen. Dieser sinnfällige Ausdrud des Jugendelends erregte zwar die Deffentlichkeit, doch wurde er im cllgemeinen kaum in seinen tiefsten Ursachen verstanden. Lediglich in einer Zeitung, in dem vom Genossen Eduard Bernstein seinerzeit herausgegebenen Neuen Mon= tagsblatt", bemerkte ein Mitarbeiter, Rechtsanwalt Dr. Broh, daß derartige Vorkommnisse verhindert werden müßten, was viel leicht durch Schaffung von Lehrlingsvereinen ge. schehen könnte. Brohs Gedante, Lehrlingsvereine zu schaffen, veranlaßte den damals 16jährigen Lehrling Peters, dem neuen Montagsblatt" einen Brief zu schreiben, in dem die Notwendigkeit eines Lehrlingsvereins näher begründet wurde. Eduard Bernstein druckte den Brief ab und mußte sich nun allerlei„ nette" Angriffe gefallen lassen. Jedoch die Diskussion über Bildung eines Lehrlingsvereins waren im Gance. Die Erwachsenen warnten zunächst, einen der artigen Verein ins Leben zu rufen. Besonders tat sich, hierbei die bekannte und inzwischen verstorbene Gewerkschafts- und Genoffenfchaftsführerin Helma Steinbach hervor, die dem Verein jede Lebensfraft von vornherein absprach. Troß dieses Pessimismus der Erwachsenen erschien im Neuen Montagsblatt" eine Aufforderung an die Jugendlichen zur Bildung eines Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins". Am 10. Oftober fand schon die erste tonstituierende Mitgliederversammlung" statt. Weitere Bersammlungen folgten. Der Verein wuchs und wurde befannter. Am 17. November 1904 wurde dem Verein in der Delegiertenversammlung der Berliner Gewerkschaften nach einem heftigen Widerstand Tischendorfes auch die Sanktion der Gewerkschaften zuteil. Nun ging es an die Deffentlichkeit. Die erste öffentliche Versammlung fand an einem Sonntag nachmittag stait. Troßdem Fortbildungsschullehrer und Polizisten alles versuchten, sie noch in letter minute zu vereiteln, war die Versammlung außer. ordentlich start besucht. Selbst auf den Fensterbrettern faßen und standen Jugendliche. Aber auch die chriftlichen Jünglingsvereine abgeordneten Mumm, des Schwi gersohnes des früheren Hof waren unter Führung des jeßigen deutschnationalen Reichstags: predigers Stoeder, erschienen. Herr Mumm wollte auch schon damals zeigen, daß er„ Mumm" befike und fekte feine Rede so zu recht, daß Lärmszenen unausblieblich schienen, die eine Auflösung der polizeilich überwachten Versammlung hätte zur Folge haben müffen. Aber Mumm und feine Anhänger, die sich im Standalieren einander überboten, hatten fein Glück damit. Genosse Peters schreibt darüber Um Nichtigkeiten werden nicht nur täglich zahllose Eide ge= schworen, sondern leider auch meineide, wie die Gerichtspraris der legter Zeit gezeigt hat, in Hülle und Fülle. Durch die Selbstbe zichtigung eines Fürsorgezöglings war ein Meineidsver fahren in Fluß gekommen, das das Schmurgericht II beschäftigte. Dem Schuhmachermeister Iautich us in Königswusterhausen hatte ein dort ebenfalls wohnender Runde, namens Roalid, Stiefel zum Besohlen gebracht. Das war Ende Oktober 1922. Der Kunde fonnte aus Mangel an Geld die besohlten Stiefel erst am 15. Dezember abholen, wollte aber nur soviel zahlen, als die Reparatur im Oktober gekostet hatte. Der Meister verlangte jedoch eine der Geldentwertung entsprechende Aufwertung. Nun nagte der Kunde auf Herausgabe seiner Stiefel und behauptete in dem Zivilprozeß, hoß damals ein fefter Preis vereinbart worden war, was auch seine Buchhalterin eidlich bezeugte. Der Lehrling des Meisters beschwor jedoch, daß kein Preis festgefekt worden war. Das Amisgericht Königswusterhausen schob dem Meister als Betlagten den Parteieid zu und dieser schwor dasselbe, wie sein Lehrling. Infolgedessen cewann er den Prozeß. Koalid aber erstattete Anzeige wegen Meineides. In dem Ermittelungsverfahren gestand der Lehrling, der inzwischen von dem Meister entlassen und in die Für forgeanstalt zurückgekommen war, aus der er dem Meister in die Lehre gegeben worden war, daß er auf Anftiftung des Meisters die unwahrheit geschworen hätte. Rechtsanwalt Dr. Plettenberg stellte unter Beweis, daß es sich um einen Racheatt des Lehrlings handele, da der Meister ihn wegen Diebstahls entiassen hätte. Mehrere Zeugen bekundeter auch, daß der Lehrling eine Reihe von Unterschlagungen und Diebereien be gangen habe. Der Lehrling jedoch, der jetzt vor Gericht ebenfalls als Angeklagter erschien, blieb bei feiner Selbstbezichtigung. Rechtsanwalt Dr. Steinfeld, der dem angeflagben Lehrling als Offizich- Berteidiger beigegeben war, vertrat ebenfalls die Ansicht, daß dessen Angabe fein Glauben zu schenker fei und daß es sich um einen Racheaft des minderwertigen jungen Bur- folgendes:" Nachdem ein Lärmmacher an die frische Luft gesetzt, sch en handele, der die Tragweite seiner Handlungsweise nicht zu übersehen imftande sei. Staatsanwaltschaftsrat Jügel hatte die Verurteilung beider Angeklagten beantragt. Auch das Schwurgericht tom zu der Ueberzeugung von der Schuld der beiden Angeflogten. Jautsayus wurde wegen Meineids und Anstiftung dazu zu 2 Jahren, der Lehrling zu 1 Jahr 3uchthaus verurteilt. Beiden Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt und es wurde ihnen die dauernde Fähigkeit zur Eidesleistung abgesprochen. Außerdem wurden beide Angeklagten sofort in Haft genommen. Mordprozeß Nägler wieder vertagt. Heute sollte sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts I Gertrud Nägler wegen ihrer Beteiligung an dem Raubmord, dem ter Kaufmann Wolfner im Juli 1920 zum Opfer gefallen war, verantworten. Dieser Mord beschäftigt das Schwurgericht zum drittenmal. Wie erinnerlich war der Ermardete auf Anstiftung von Gertrud Näger von ihrem Bruder und dem Drogisten Bod, einem Beiter des Geschwisterpaares, unter der Vorspiegelung des Berkaufs von Brillanten in ein Hotelzimmer am Anhalter Bahnhof gelockt, dort mit Aether betäubt und von Bod um gebracht worden. Das Schwurgericht hatte die Angeklagten im Juni 1921 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Die von R.-A. Dr. Alsberg eingelegte Revision beim Reichsgericht hatte für die Geschwister Nagler den Erfolg, daß das Urteil gegen diese beiden aufgehoben wurde. Gegen Bod war das Urteil rechts fräftig geworden, er ist aber vor turzem im 3uchthaus ge= storben. Als dann das Geschwisterpaar von neuem vor den Geschworenen erschien, wurde Gertrud bei Beginn der Berhandlung von Krampfanfällen befallen, so daß sie verhandlungsunfähig erschien. Der Bruder ist dann zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und dieses Urteil ist auch rechtskräftig geworden. Gertrud Nägler verfiel nachträglich in Geistestrant heit und war 1½ Jahre in der Irrenanstalt, von wo sie fürzlich und der wie toll sich gebärdende Lizentiat zur Ordnung gezwungen war, sah diefer feinen 3wed vereitelt. Er verließ mit feinen Anhängern den Kampfplak unter dem Gesang des Liebes„ heil dir im Siegerfranz". Die Entschließung des Lizentiaten Mumm erhielt feine Stimme. Der Erfolg der Versammlung waren 268 Neuaufnahmen." Doch die Gegner ließen nicht nach. Sie gaben Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 23. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus. 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Prof. Dr. Lowinsky: Fantasie und Lüge im Seelenleben des Kindes". 8.30-10 Uhr abends: Fröhliche Kunst aus der Biedermeierzeit. 1. a) Der Gottesdienst der Liebe, Saphir, b) Der rechte Barbier, Chamisso, e) Das verbotene Fluchen, Kopisch, d) Ein Leib und eine Seele, Glaßbrenner( Emil Kühne, Rezitation). 2. a) Der kleine Fritz. Weber, b) Reigen, Weber, e) Ich schnitt es gern in alle Rinden ein, Schubert, d) Eine Berliner Grisette. Lortzing( Charlotte Freyer von der Berliner Staatsoper. Gesang). 3. a) Ratskollegium, Eichendorff. b) Mauskätzchen, Hoffmann v. Fallersleben, c) Friedrich des Zweiten Leibkutscher, Aug. Kopisch. d) Anekdoten aus Alt- Berlin. Glaßbrenner ( Emil Kühne, Rezitatien). 4. Soirée de Vienne Nr. 6, SchubertLiszt( Franziska Schotter, Klavier). 5. a) Mädel, du liegst mir im Sinn, b) Das Lied vom Canapé, c) Der schauderöse Ferdinand ( Emil Kühne, Cesang zur Laute). 6. a) Vogellied aus der Gesangsposse„ Die Mottenburger", Bial, b) Ja, es lacht oft mein Mund", aus, Lucinde vom Theater", Conradi, c), Ich schäm' mich so sehr, Conradi, d) Schusterjungencouplet( Charlotte Freyer, Gesang). Klavier). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack). An7. Soirée de Vienne Nr. 9, Schubert- Liszt( Franziska Schotter, schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. bis 11.30 Uhr abends: Tanzmusik. 10.30 Es scheint, daß man in unseren regierenden Kreisen Ministersessel gestürzt sind, wenn die Throne ranten und frachen." Es würde hier zu weit führen, den weiteren Werdegang des Lehrlingsvereins zu beschreiben. Der Verein fonnte seinen Mitgliederbefband dauernd vergrößern. Bedrohten auch hier und da einmal Meinungsverschiedenheiten die Einheitlichkeit, so wurden die Auseinandersehungen dennoch stets auf gütlichem Wege beigelegt. Nach dem auch die erwachsene Arbeiterschaft eingefehen hatte, daß die Jugendorganisation eine Notwendigkeit ist, ging es vorwärts und aufwärts. Heute steht die Jugendorganisation mächtig da. Biele Verbesserungen für die Jugendlichen fonnten sie infolge ihrer Stärke erringen. Wenn nun am fommenden Sonntag die Groß- Berliner Sozialistische Arbeiterjugend sich im Großen Schauspielhause versammelt, um den zwanzigsten Gründungstag festlich zu begehen, so werden sie auch derer gedenken, die damals in uneigennütziger Weise ihre Kraft dem Wohle der proletarischen Jugend gewidmet haben. Auch heute ringen in der größten deutschen Jugendorganisation die Geister miteinander. Meinungsverschiedenheiten bestehen, die zeigen, wie in der Jugend immer neues Leben pulst. Auch diese Kämpfe werden, auf gütlichem Wege ausgetragen, zuletzt doch nur zu einer Stärkung der Arbeiterjugendbewegung führen. der Jugend immer neues Leben pulst. Auch diese Kämpfe werden auf gütlichem Wege ausgetragen und führen zuletzt doch nur zu einer Stärkung der Arbeiterjugendbewegung. 1925 Auch Stadtverordnetenwahlen? Die demokratische Rathausfraktion hatte beschlossen. einen Ans trag einzureichen, nach dem die Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung ebenfalls am 7. Dezem= ber vorgenommen werden sollen. Die jetzige Stadtverordnetenverfammlung ist am 16. Oftober 1921 gewählt, ihre Wahiperiode läuft danach normalerweise im Herbst des nächsten Jahres ab. Im Preußischen Landtag bestand eine Uebereinkunft zwischen den Barfeien, die neue Städtecrdnung am 1. April 1925 in Kraft treten zu lassen und Neuwahlen für sämtliche Gemeinden Preußens, also auch für Berlin an einem Tage bis spätestens am 1. Oftober vorzunehmen. Durch die jetzt beichlossene Auflösung ist es nicht mehr zu einer Verabschiedung der Städteordnung gekommen. Damit entfällt auch die erwähnte Vereinbarung und es bliebe bei der normalen Wahl für das Berliner Stadtparlament im Oktober 1925. Die Anregung der Demokraten scheint, nach der Presse zu urteilen, auf teine Gegenliebe bei den übrigen Parteien zu stoßen. Wenigstens meldet die bürgerliche Presse übereinstimmend, daß auf Seiten der bürgerlichen Fraktionen feine Neigung be stehe, die großen politischen Wahlen am 7. Dezember auch noch mit diese Auffassung auch in der deutschnationalen(!) Presse tommunalen Wahlen zu verquiden". Es ist amüsant, zu sehen, daß legung der Berliner Stadtverordnetenwahlen mit den Reichstags= diefe Auffassung auch vertreten wird. Auch wir sind der Meinung, daß eine Zusammenund Landtagswahlen äußerst unzweckmäßig sein würde. Die„ Germania" hat vollständig Recht, wenn sie betont, daß für die KomBevölkerung notwendig ist. Man kann nach den bisher vorliegenden munalwahlen eine intensive Aufklärungsarbeit in der Aeußerungen annehmen, daß der demokratische Antrag mehrheit finden wird. eine Der zweifelhafte Belastungszeuge. Erinnerungen an den aussehenden Raub im Juliusturm, bei rief eine Berhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts I dem Millionenwerte an rumänischen Lei entwendet worden waren, zurüd. Wegen Meineides war eine der Mitangeklagten aus dem Raubprozeß, die Ehefrau Frida Roth angeklagt, während als Die Belastungszeuge und Geschädigter ein anderer Mitangeklagter aus jenem Prozeß, der Kaufmann Walter Pingel, auftrat. Angeflagte Roth war damals wegen Hehlerei verurteilt worden, Pingel aber wurde freigesprochen Nach dem Prozeß trat Frida Roth mit einer Scheckforderung über 200 000 m. gegen Pinge! auf. Dieser behauptete jedoch, daß die Angeklagten den Scped durch die Drohung erpreßt habe, daß sie ihn in dem Raub. prozeß schwer belasten würde. In dem Zivilprozeß hatte die Ange flagte beschworen, daß der Scheck eine Darlehensforderung betreffe. R.-A. Dr. Schmoller war der Meinung, daß auf die Aussage Bingels, der in der ganzen Sache eine bedenkliche Rolle gespielt babe, die Frau nicht ins Zuchthaus geschickt werden könne. Das Schmurgericht tam zu derselben Auffassung und sprach die Angefiagte frei. Der Ein Straßenbahnunfall. Gestern abend fubr in der Brakestraße in Lichterfelde West ein Wagen der Linie 177 einen Möbelwagen an. Die Straße ist an der Unglücksstelle wenig beleuchtet. Straßenbahnwagen wurde an der Plattfarm start eingebrüdt. Mehrere Fensterscheiben wurden zersplittert. Mehrere Berfonen wurden durch Schnittwunden verleßt. Das eine Pferd des Möbelwagens lam zu Fall und geriet unter den Möbelwagen. P Die Restaurationsräume im Berliner Gewerkschaftshaus am Die Gabege, die fürzlich die Bewirtschaftung übernommen Engelufer sind jetzt für die Sonntage erweitert worden. bat, hat für die Sonntagsbefucher im ersten Stodwert einen weiteren angenehmen Aufenthaltsraum geschaffen. Auch hier oben ist für musikalische Unterhaltung gesorgt. Unverantwortlicher Leichtsinn- anders kann man es nicht nennen- ist es, wenn Sie tage- oder gar wochenlang Ihren Mund und Ihre Zähne nicht richtig pflegen. Dabei haben Sie's so bequem: Sie spritzen ein paar Tropfen Odol in ein Glas warmes Wasser, rühren mit der Zahnbürste um, spülen und gurgeln damit nach Herzenslust und bürsten zum Schluß- besonders vor dem Schlafengehen- recht tüchtig Ihre Zähne. Sie werden sehen: Odol ist eine wundervolle Mund- Erfrischung und dabei weit sparsamer als alle Zahn- Pasten und Zahnpulver. Im Laufe der Jahrzehnte wurde Odol zum Kulturbegriff. Nächtliches Abenteuer eines Königsberger Anwaltes.| fannten skandalöfen Zustände. Die Verkehrspolizei mag fich diese Das nächtlich: Erlebnis eines Rechtsanwalts, der aus Königsberg nach Berlin gefemmen war, um sich hier einige bergnügte Tage" zu machen, hatte für zwei Damen der Friedrichstraße ein böses Nachspiel in Gestalt einer Diebstahlsantlege. In der Nähe des Clou war der auf einer Kneiptour begriffene Rechtsanwalt in vorgerückter Nachtstunde von den beiden Prostituierten angesprochen und noch einem Absteigequartier in der Dorotheenstraße geführt worden. Dort angelangt, schien ihm die eine bei Licht weniger gut zu gefallen und er schickte sie wieder weg. Sie tlieb vor der Tür, um auf ihre Freu idin zu waren, die auch nach einer halben Stunde erschien. Nun hatte aber ein Kriminalbeamter die Spur der beiden verfolgt. Die eine von ihnen, eine Frau T., hatte sich vor einiger Zeit verheiratet und war infolgedessen von der Sittenkontrolle frei gefommen. Gegen den Ehemann waren Ermittelungen im Gange, um ihn der schweren Zuhälterei anzuflagen. Der Beamte beobachtete, daß die beiden Frauen sich vor der Tür einen ansehnlichen Geld betrag teilten. Da Frau T. ohnehin als gemeingefährliche Diebin befcant war, juchte er den Rechtsanwalt in seinem Hotelzimmer auf. Auf die Frage, ob ihm nichts weggefommen sei, erwiderte der Gast schlaftruntei:" Nein, es ist alles in Ordnung." Der Beamte ließ aber nicht locker und schließlich sagte der Rechtsanwalt schlaftrunken:„ Nun, dann sehen Sie doch selbst in meiner Brieftasche nach." Jetzt stellte sich heraus, daß 500 m. verschwunden waren. Am nächsten Morgen wurde bei Frau T. Haussuchung gehalten. Eie hatte schon ihre Miete bezahlt und noch 90 M. in der Tasche, gab auch zu, daß sie ihrer Freundin F. für das Warten 90 m. gegeben hatte. Frau T mot nunmehr wegen Diebstahles, ihre Freundin wegen Hehlerei angeflagt. Das Amisgericht mitte verurteilte die erstere auch zu einem Jahr Gefängnis, sprach aber die zweite Angeklagte frei, da es als gerichtsnotorisch angenommen wurde, daß derartige Provinzon fels" mit dem Gefde sehr leichtsinnig umzugehen pflegen, so daß die F. annehmen konnte, daß der freigebige Gast ihr für das Warten vor der Haustür 90 m. migeschickt habe. Gegen diese Freisprechung legte der Staatsanwalt sofort Berufung ein. " Personalabbauverordnung und Provinzialschulkollegium. Die an und für sich schon geringen Rechte der Städte an den von ihnen unterhaltenen Schulen und besonders an den höheren sind durch die Personalabbauverordnung noch verringert worden. Die Schulaufsichtsbehörden können im Interesse der Personal verminderung" ohne 3ustimmung der beteiligten Unterhaltungsträger Leiter und Lehrer von staatlichen Schulen an städtische versetzen(§ 63 der preußischen PAB.). Der Fall läge z. B. vor, wenn eine staatliche Schule einginge und der Leiter und die Lehrer an anderen staatlichen Schulen nicht untergebracht werden können. Das Berliner Provinzialschulfollegium hat mun aber den Direktor des staatlichen Lyzeums und Oberlyzeums in Frankfurt a. d. D. mit Rücksicht auf die gesellschaftliche Stellung eines feiner Familienangehörigen an die städtische Berliner Sophienschule auf Grund der Personalabbauverordnung versetzt. In die in Frankfurt a. d. D. dadurch frei gewordene Direktorstelle ist der Studenrat einer staatlichen Schule berufen worden. Der Bezirksschulausschuß von Alt- Berlin, der sich auf Antrag des Genossen Stadtverordneten Dr. Witte mit dieser Angelegenheit in feiner letzten Sitzung beschäftigte, trat einstimmig dessen Ansicht bei, daß die Versehung eine Verlegung der Personalabbauverordnung sei und beschloß, die erforderlichen Schritte zu tun. Der Straßenbahnverkehr im Nordoften. Man schreibt uns: Die Verkehrsverhältnisse nach dem Nordosten der Stadt, insbesondere nach der Landsberger Allee und Hohenschönhausen nehmen immer gefährlichere Dimensionen an. Kein Tag, ja teine Stunde vergeht, to nicht Streit zwischen Fahrgästen und den gänzlich unschuldigen Schaffnern und Führern entsteht. Kürzlich ist es gegen 7% Uhr auf der Linie 66 unweit der Tilsiter Straße sogar zwischen einem Fahrgast und einem Schaffner zu bedauerlichen Tätlichkeiten gekommen. Motor und Anhängewagen waren derart überfüllt, daß niemand mehr mitfonnte. Trotzdem versuchten an der Haltestelle einige Damen dies, mußten aber wieder absteigen, weil sie das Trittbrett zur Fahrt be nußen wollten. Ein jüngerer Mann wollte den Borderperron, auf dem er mit Not und Mühe stehen konnte, trotz mehrfacher Aufforderung des Schaffners nicht mehr verlassen, so daß ihn der Schaffner sanft herunterzog. Raum aber hatte der junge Mann das Straßenpflaster erreicht, versezte er dem 12 Jahre im Dienst befindlichen Schaffner unverhofft eine Ohrfeige; daß sich dies der Schaffner nicht gefallen ließ, ist erklärlich. Das öffentliche Interesse erfordert hier unbedingte fofortige Abhilfe dieser der Straßenbahn nicht unbeEdelster Deutscher Weinbrand Scharlachberg Meisterbrand Weinbrennerei Scharlachberg A.-G., Bingen am Rhein Filialbureau Berlin: Berlin W. 57, Kurfürstenstraße 28. VON 95 2 VON 75 75 VON 9 9A 32006 Bo früher 6 Linen( 58, 64, 65, 75, 81 und 164) notwendig waren, Zustände einmal näher ansehen. Sie spotten jeder Beschreibung. will man heute den Verkehr mit 2 bzw. 3 Linien aufrechterhalten, und mit den wenigen Einsetzwagen ist nicht viel zu erreichen! Zwei Nächte Gleissperre auf der Stadtbahn. 23. zum 24., und von Freitag zum Sonnabend, also vom 24. zum In den Nächten vom Donnerstag zum Freitag, alio vom 25. d. M., wird wegen Ausführung umfangreicher Arbeiten im Stadtbahngleis 3 Richtung Charlottenburg- Schlesischer Bahnhof dieses Gleis vor Eintritt der Betriebepause für die Züge, die nach zwischen den Bahnhöfen Bellevue und Lehrter Stadtbahnhof 12 11hr 55 Minuten die Arbeitsstelle befahren, gesperrt. Als legter ug über Gleis 3 verkehrt der Zug 2953 nach LichtenbergFriedrichsfelde, ab Charlottenburg 12 Uhr 40 Minuten. Die weiteren noch bis zum Betriebsschluß verkehrenden Züge werden zwischen Charlottenburg und Schleicher Bahnhof über das Ferngleis 1 geleitet. Die wifchenbahnhöfe Savignyplaz, Tiergarten, Bellevue, Lehrter Stadtbahnhof, Börse und Jannowigbrücke sind für diese Rüge vom Berlehr aus. geschaltet, aber durch Rückfahrt von dem vorgelegenen Fern bahnhofe mit einem Stadtbahnzuge auf Gleis 4 ohne Nachzahlung zu erreichen. Wucherzinsen in Pfandleihen. Wir berichteten fürzlich über die unerhört hohen Zinsen, die in der staatlichen Pfandleiheanstalt den Darlehnsnehmern abgefordert werden. Hierzu schreibt man uns, daß in privaten Pfand Pfandleihe wurden einem Geldbedürftigen, der auf einen als Pfand leihen noch viel höhere Zinsfäße vorfommen. Bei einer privaten hingegebenen Anzug ganze 5 Mart erhalten hatte, nach zwei Mo naten 1,25 Mark Zinsen berechnet. Die Umrechnung auf ein volles Jahr ergibt 7,50 Mart 3injen, d. h. bei 5 Mark Darlehn 150 Prozent. Dieselbe Pfand eihe belieh ein Paar Schuhe mit 4 Mark und forderte für zwei Monate 1 Mark Zinsen, das sind bei Umrechnung auf ein volles Jahr 6 Mart, also wieder 150 Prozent. Aber selbst das gilt noch als ,, bescheiden" gegenüber den Zinssägen, die für einige einmonatige Darlehen berechnet wurden. Auf eine filberne Uhr gab diese Pfandleihe 3 Mart und an Zinsen für einen Monat berechnete fie 70 Pfennig, das bedeutet für das Jahr 8,40 Mark oder 280 Prozent. Sie belieh ein Kleid mit 2 Mart und berechnete die Zinsen für einen Monat mit 50 Pfennig, so daß mit 6 Mark für das Jahr volle 300 Prozent Zinsen erreicht werden. Solche Binsfäße sind allerdings ein Skandal, der 3 um immer schreit". Himmel schreit". Sie gchen weit über die für Pfandleihen durch die Behörde festgesetzten Höchstzinsfähe hinaus, die schon un begreiflich hoch sind. Die Pfandleihen dürfen nehmen: bei Dar lehen bis zu 30 M. als Zinsen pro Mark und Monat 10 Pf.. aufs Jahr umgerechnet 120 Broz., bei Darlehen über 30 M. als 3insen pro Mark und Monat 9 P., aufs Jahr umgerechnet 108 Pro3. Wo diese doch wahrhaftig mehr als reichlichen 3i1sfäße noch überschritten werden, ist Meldung bei der Wucherabteilung des Polibeipräsidiums zu empfehlen. Lösche trocken. Das wurde Wenn man die Anpreisungen der vielen Fabriken, die Handfeuerlöscher herstellen, ohne weiteres Glauben schenken wollte, fönnte man zu der Ueberzeugung kommen, daß Brände überhaupt nicht mehr möglich sind. Offenbar verlangen soviel Glauben die Fabriken aber gar nicht; sie wollen durch die Tat die Güte ihrer abritate beweisen, und deshalb veranstaltete auch fürzlich bie und der Presse. eine Löschprobe. Die Total- Löscher sollen besonders Total- Feuerlöscher- Gesellschaft in Gegenwart pieler Intereffenten Entstehungsbrände schnell und sicher löschen. nicht nur von dem Brandmeister der Gesellschaft, sondern auch von Herren aus, dem Publitum schnell erreicht. Ein tüchtig brennen der Holzstoß war in etwa 5 Gefunden abgelöscht, und auch bei Leer und Flüssigkeitsbränden war das Feuer fehr bald erstickt. Die Apparate löschen„ troden", d. h. durch den Druck ausströmender Kohlensäure wird ein Pulver gegen den Brandherd geblasen, das nun seinerseits auch wieder noch Kohlensäure entwidelt. Die Kohlensäure fühlt infolge des hohen Strömungsdruces die Luft um den Löschenden start ab, so daß ein guter Schutz vor der Brandhihe erreicht wird. Leider sind die Apparate immer noch zu teuer, als daß sie auch der kleine Mann für den Haushalt erwerben tönnte. Für diesen 3wed etwas Billiges und doch Brauchbares zu schaffen, sollten sich die Fabriken angelegen sein laffen. Das Landesarbeitsamt Berlin, Fachabteilung für die Wohl. fahrtspflege und für weibliche Angehörige geisti. ger Berufe, hat jezt feine Geschäftsräume in Berlin W. 9, Eichhornstraße 1( Fernruf durch Bezirksamt Tiergarten, Hansa 2700). Sprechstunden sind Mittwoch und Freitag von 2 bis 6 Uhr nachmittcgs, an den anderen Tagen der Woche außer Sonnabend von 10 bis 2 Uhr. „ Die Lebensgemeinschafts- Schule" ist der Name für ein Mitteilungsblatt der neuen Schulen in Deutschland", das monatlich einmal bei Beltz- Zangenfalza, herausgegeben von Fritz Karsen Berlin und Johannes HeinSamburg unter Mitwirkung von Wilhelm Paulsen erscheint. Die neue Zeitschrift dient in erster Linie dem Austausch prattischer Er.. fabrungen und die 3 bisher erschienenen hefte zeigen in lebensvollen Berichten, wie freudig und tatkräftig in den neuen Schulen in Hamburg, Bremen, Berlin, Mogdeburg, Sachsen, Thüringen u. a. gearbeitet wird. Lehrer, Eltern und Elternbeiräte, die allgemein wertvolle, praktische Er fahrungen aus den neuen Schulen mitzuteilen haben, find zur Mitarbeit eingeladen. Der Vierteljahrspreis beträgt 0,50 M. Bezug direkt vom Berlag oder durch die Post. Die Junglehrerfagung des Lehrerverbandes Berlin, die in Lehrervereinshause stattfand, erörterte eingehend die Notlage der stellungslosen Junglehrer. Außerdem sprachen unter anderen Geheimrat Dr. Karstädt über Ziele und Wege der Lehrerfortbildung und der 2. Vorsißende des Teutichen Lehrervereins Wolff über die Aufgabe des Junglehrers als Erzieher und Mitarbeiter im Volksstaat. Der Bericht über die Notlage der Junglehrer gab erschütternde Beispiele, wie der heutige LehrerMaurer, Fleischer, Streckenarbeiter, Bergmann, Koblenträger, nachwuchs sich sein Brot verdienen muß. Viele arbeiten als Bureaugebilfe, Reisender usw. Um wohnungslose Junglehrer nicht im Ashl für Obdachlose unterbringen zu müssen, hat der Berliner Lehrerberein eine eigene Herberge eingerichtet. nachmittags pünktlich 3 Uhr, im Theater des Weitens:" Madame Legros". Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Am Sonntag, den 26. Oktober, von Heinrich Mann. Starten zum Preise von 90 Pf. find noch an der Kasse zu haben. Am Sonntag, den 9. November, Proletarische Feieiit unde zum Gedenken an den 9. November 1918. Preis pro Starte 1 M. Am Sonntag, den 16. November, nachmittags, im Deutschen Opernhaus:" Rigoletto". Am Sonntag, den 2., 9., 16. und 30. November, im Theater des Westens:„ Wozzeck", von Büchner. Preis pro Karte 90 Pf. Karten für alle Veranstaltungen find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3. 2. Hof II, Vorwärts. buchhandlung, Lindenstr. 2, Zigarrengeschäft von Horsch, Engelufer 24/25 ( Bewertschaftshaus), in allen Borwärts"-Speditionen sowie bei allen Dbleuten der Kreisbildungsausschüsse. Achtung! Die Ordner der Proletarischen Feierfiunden treffen sich am Sonntag, den 26. Oftober, normittags 8 11hr, an den bekannten Stellen zur Feierstunde der Sozialistischen Arbeiterjugend. Bolfsbildungsamt Paufow. Erster Volkskunstabend am Freitag, den 24. Ottober, abends 8 Ubr, in der Hoffnungskirche, Lindenpromenade. Konzert des Blüthner- Orchesters unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Generalmusikdirektor Stops ch. Eintrittspreis 1,20 M. Für Mitglieder der Kunstgemeinde 75 Pf. Die sozialen Boraussetzungen für die Kultur der Gegenwart. Ueber dieses Thema spricht in der Reihe der von Werkbundmitgliedern veran stalteten offenen Abende" am Donnerstag, abends 8 Uhr, im Institut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120, Herr Dr. Bruno Rauede. An diesem Abend wird sich auch eine freie Aussprache dem Vortrag anschließen. Der Eintritt ist frei. Der erste Schnee. Der erste Schnee ist auf den Höhen des Thüringer Waldes, namentlich auf dem Stutenhaus und Umgebung gefallen. Die erste elettrische Eisenbahn in Estland, die zugleich die erste der Strecke beträgt 11,5 Kiliometer und verbindet Tallinn( Rein den baltischen Staaten ist, wurde vor kurzem eröffnet. Die Länge station in der Nähe von Ellamaa, 60 Kilometer von Keval, mit val) mit Pa asfule. Die Bahn wird von einer elektrischen Kraftelektrischem Strom versorgt. Die Gesamtkosten der Eisenbahn betrugen 36 Millionen estländische Mart. Die Bahn wird schätzungsweise 2,5 Millionen Personen jährlich befördern können. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 23. Oftober, abends 7½ Uhr: Gesundbrunnen I. Schule Gotenburger Str. 2. Bortrag: Was ist Sozialismus?" Schmargendorf. Rathaus, Berkaer Plaz, Vortrag: Ernst Toller und sein Wert." Rehlendorf.. Südschule, Wilhelmstraße, Vortrag: Die Nevolution am 9. November 1918." Cilles rennt zum Achtung, Abteilungsleiter! Die Karten für die Feierstunden müffen unbedingt morgen, Freitag, abgerechnet werden. Kuchen ist billig und doch von großem Nährwert, wenn er nach Dr.Oetkers Rezepten gebacken wird. Man versuche Apfelkuchen sehr fein 125 g Margarine à Pfd. 0.60 125 g Zucker à Pfd. 0.40 3 Eier à 12 Pfg.. 200 g Weizenmehl Pfd 0.20 1 Päckchen von Dr. Oetker's Backin" 1/ 8-14 Liter Milch à Liter 0.22 750 g( 12 Pfd.) geschälte Aepfel. M. 0.15 0.10 0.36 " 99 0.08 99 0.08 0.05 " 0.30 M. 1.12 Butter und Zucker rührt man schaumig und Zubereitung. fügt nach und nach das Eigelb, das mit dem Backin gemischte Mehl und soviel kalte Mi ch hinzu, daß man einen glatten Teich bekommt. Zuletzt rührt man den Eierschnee unter die Masse und füllt diese in eine ge.ettete Springform, hier aut belegt man den Teig mit den geschälten und in 6 Stücke geschnittenen Aepfern, bestreut ihn mit Zucker und bäckt ihn etwa 2 Stunde. An Stelle der Aepiel kann man auch mit durchschnittenen, entsteinten Zwetschen belegen Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarte gratis und franko von Dr. A. Detfer, Nährmittelfabrik, Bielefeld • Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen. Total W Ausverkauf wegen vollständiger Aufgabe der Konfektion Abt. Leipzigerstr.65 Beginn Montag, den 20. Oktober Leis Ser HAC beirrt durch die schon wieder auftretenden Preis. steigerungen gehen wir unseren Weg. Und vervielfachen unsere Anstrengungen, um Zeitverhältnissen angepakt- immer niedrige und niedrigere Preise zu bieten, wie sie das Publikum fordert. Was wir hiermit erreicht haben, zeigt Ihnen wieder einmal treffend unser heutiges Angebot- cin Angebot, doppelt bewundernswürdig in einer Zeit, wo die Teucrungsschraube sich langsam wieder zu drehen beginni! 20 1. 2. 3. Prächtiger Winter- Mantel aus gut. Astrachanware, ganz auf gemust. Satin nur. Herrlicher Velours Mantel aus warmer, molliger Ware, Aermel und Seitenpartien hübsch mit Biesen verziert nur. Flotter Winter- Mantel aus schöner Teddyware, mit Pelzkrag.u,-Stulpen nur 00 39° 29 12 00 50 Königstr. 33 Am Bahnhof Alexanderpl. 242 Chausseestr. 113 Beim Stettiner Bahnhof ( Untergrundbahnstation) C& A Schrittliche Bestellungen können nicht berücksichtigt Servus kennt ein jeder, putzt die Schuh', erhält das Leder Chem, Werke Labszynski& Co. A.-G., Berlin- Lichtenberg Damenmäntel, Flaufdhmäntel 6,90, 9.50, Tuchmäntel 8.50, Estimomäntel Möbel Musikinstrumente 16.-, Affenhautmäntel 19.-, Gabardine. 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In Düsseldorf wurde im Verlauf eines von den Franzosen eingeleiteten Spionage= verfahrens den Angeklagten, die sämtlich Mitgliedr der D. C. waren, Dinge zur Last gelegt, die zum Teil in Oberschlesien, zum Teil an Rhein und Ruhr sich abgespielt hatten und die nach Ansicht der franDie Landsknechte und ihr Consul. -Donnerstag, 23. Oktober 1924 find, noch bevor am 15. September 1920 die Sagungen der Organi| Staatskommiffar für die öffentliche Ordnung Mitteilung, daß die fation Conful endgültig genehmigt worden waren. Angefl. Regierung über das Wesen und die Ziele der Organisation Consul Rautter: Das ist richtig. Bors.: Es ist doch aber nicht zu nicht im Klaren sei. Herr Wolf das war damals Ehrhardts leugnen, daß Sie Dedname drüde allen Unterführern seine Anerkennung aus. Angefl. Hoffmann: Dieses Rundschreiben ist nicht von mir Sad: Dieses Schreiben ist doch nur ein Beweis dafür, daß die verfaßt, sondern von einem anderen Herrn. Rechtsanm. Dr. Organisation Conful ihre Rüftungen für die Regierung(?) so geheim getrieben hatte, daß nicht einmal einzelne Regierungsstellen Der Präsident schloß darauf die Sizung und vertagte sie auf Donnerstag morgen 9 Uhr. vor allem die Verfassung bekämpften, wie aus allen Nummern des„ Wifing" hervorgeht. Das geschah, cbwohl Ihre Statuten angeblich nicht feststanden.- Rechtsanw. Dr. Sad: Ist es richtig, bjerr v. Killinger, daß Sie nach der Rückkehr aus Oberschlesien im Juni strende Anwei zösischen Richter in ursächlichem Zusammenhang miteinander standen. fungen aufstellten, die der Angeflagte Müller zum Ausbau einer genau über den Stand der Dinge im Bilde waren. Ueber die gestrige Geheimverhandlung läßt sich nur an deutungsweise sagen, daß der Inhalt der Hoffmannschen Schilderung über die D. C. und die Ereignisse in Oberschlesien sich mit den Befundungen der Angeklagten in jenem Düsseldorfer Prozeß deckt, allerdings wohl mit dem Unterschied, daß in Düsseldorf die Angeflagten sich hinsichtlich der Bindungen, die zwischen der D. C. und verschiedenen Stellen bestanden haben, sich gewisse Einschränkungen in ihren Befundungen auferlegi hatten. Vor dem Staatsgerichtshof scheint dagegen gerade über diesen Punkt gestern ziemlich eingehend gesprochen worden zu sein, um so mehr als die Berteidigung aller Angeklagten auf der Behauptung basiert, daß fie mindestens zur Zeit der mittelDeutschen und polnischen Aufstände den Glauben haben fonnten, man stehe an, maßgebender Stelle" der D. C. nichtfeindlich gegenüber. Nach einer einstündigen Mittagspause murde dann um 3 Uhr nachmittags die öffentliche Berhandlung wieder aufgenommen. Als nächster Angeklagter wurde Kapitänleutnant Rautter bernommen. Er schilderte, wie er in Dachau bei München Ehrhardt zufällig(?) auf der Straße getroffen habe und von ihm aufgefordert worden sei, in nationalem Sinne zu arbeiten. Es habe sich dabei um die Bearbeitung der Presse und um die Herausgabe eines Buches gehandelt. Borf.: Haben Sie nicht den Witingbund gegründet? Angefl.: Nein, das ist wohl eine Verwechslung mit der Zeitschrift„ Wifing". Bors.: Wir haben die Sahungen dieses Geheimbundes, der fich zur Aufgabe gemacht hatte, Deutschland von allem Undeutschen, vom Kommunismus und Judentum zu befreien, der den Versailler Friedensvertrag zerschlagen wollte.§ 7 der Sagungen befagt, daß bei Aktionen sich jeder hinter die Führung zu stellen habe. Jeder habe sich einem Ehrenrat zu unterstellen und Satisfattion zu leisten. Fremdrassige sind ausgeschlossen, und jeder Aufzunehmende habe ein Raffebetenntnis abzulegen. Berräter verfallen nach § 10, der Feme. Niemand dürfe Führer oder Kameraden verraten. ( Zum Angeklagten): Davon ist Ihnen nichts befannt? Angel.: Nein! Vorf.: Diese Sagungen stimmen mit denen der D. C. genau überein und sind in Ihrer Wohnung gefunden worden. Heldenspieler Ehrhardt. HABEKINO 24 Könnte ich nicht den Wallenstein bei Ihnen spielen, Herr Direktor?" „ Dafür reicht wohl Ihre Figur nicht ganz, mein Beffer. leicht die Rolle des Schufterle übernehmen." Aber nächstens geben wir die Räuber", da fönnten Sie vielbestimmten Stelle, darunter auch Herrn Kautter, überbrachte? v. Rillinger: Jawohl. Angefl. Haffmann: Der Eagungsentwurf ist auch einem beschränkten Kreis von Unterführern zugängig gemacht worden. Bors.: Am 5. Juni 1921 hat die Hauptleitung in München einen Befehl an die Unterführer losgelassen, der monatlichen Nachweis der Stärke aller Formationen verlangt. Dann sind geheime Schriften versandt worden, die 3 ah len statt Worte zeigten, die jedoch nach einem Wörterbuch leicht zu enträtseln waren. Das alles deutet doch darauf hin, daß eine festgefügte Organisation bereits im Sommer 1920 bestand, nicht, wie hier behauptet wird, eine lose Vereinigung. So heißt es z. B. in einem Befehl, daß in Telegrammen oder im öffentlichen Briefverkehr nicht das Wort„ Consul" verwendet werden follte. Rechtsanw. Dr. Sad: Herr v. Killinger, Angeft. Müller: Es handelt sich darum, daß damals junge Beute nach Oberschlesien gehen wollten, aber sie verlangten, daß anständige Leute neben ihnen ständen. Ich selbst habe einen Teil der Satzungen entworfen. Borf.: Was bedeutet" Consul"? Was wollten Sie Damit fagen? Angell. Kautter: Gegen Ehrhardt schwebten Strafverfahren. Deshalb nannten wir ihn und redeten ihn mit Conful an. Die Freiforps find ja auch nach ihren Führern benannt worden.- Bors.: In den Satzungen der D. C. heißt es, daß die Organisation Conful gegen die Weimarer Berfaffung, die Sozialdemokratie und das Judentum fämpfe, daß eine restlose Radikalisierung Deutschlands unmöglich gemacht werden müsse und daß gegen eine Selbstentmannung Deutschlands anzutämpfen fei. Die D. C. sei eine Geheimorganisation und als solche ein Ma chi faktor, wenn das Reich das erfordere. Jedes Mitglied schulde seinem Vorgesetzten Gehorsam. Juden oder Fremd raffige feien von der Aufnahme ausgeschlossen. Die Mitgliedschaft crlösche durch den Tod, durch ungehorsam oder freiwilligen Austritt. Jedes Mitglied sei zum Schweigen gegen jedermann verpflichtet. Verräter verfallen der Feme. Aus diesen Sazungen, Herr Hoffmann, geht doch flar hervor, daß Sie die Wei marer Verfassung bekämpften. Angefl. Hoffmann: Nach Er- Es wird über die Organisation Consul hier lang gestritten, wann füllung unserer militärischen Mission wollten wir einen Verband mit fie begründet wurde. Die Hauptsache aber ist, daß die Organis voterländisch- politischen Aufgaben schaffen. Den Ausdruc anti- fation Conful bestanden hat und geheime Ziele neben der nationale Weimarer Verfassung", den wir damals prägten, Abwehr in Oberschlesien hatte.- Rechtsanw. Dr. Luetgebrune: bitte ich nicht als definitiv zu betrachten, denn die Parteien Interne Ziele, die der Regierung geheimgehalten werden sollten, bemaren über die Verfassung selbst noch nicht einig. Borf.: Kam standen da mals nicht. Ihnen nicht zum Bewußtsein, daß Sie mit dem Wort„ antinationale Verfassung" eine ffarte Staatsfeindlichkeit bekannten? -Sie hatten doch bei einer ganz bestimmten Stelle ständig über , die Durchführung der übernommenen Aufgaben zu berichten. War das ohne Bericht an die Unterstellen möglich? Angeflogter v. Killinger: Nein. Die Geheimschrift ist nicht erstaun lich, da Chifrierung bei uns Marineleuten gang und gebe war. Der Vorsigende verlos daraufhin die Entwürfe zur Organisation Consul, die am 15. September auf der Tagung in München behandelt werden sollter. Die militärische Leitung sollte Herr v. Killinger übernehmen. Rechtsanw. Niethammer: Der Vorsitzende ging dann auf den Verdacht der Teilnahme der D. C. an der Ermordung des Reichsminifters Erzberger ein und stellte fest, daß die Leiter der Organisation Consul megen dieses Berdachtes mehrere Monate in Haft gewesen seien. Der Hauptangeflagte Hoffmann erklärte, daß mit dem Eingreifen des badischen Staatsanwalts nach der Ermordung Erzbergers für ihn die Organisation Conful erioschen sei. Er habe sich nie wieder um die Organisation gefümmert. Bor= fiender: Engriff denn nun nicht der Mann die Zügel, der doch dauernd im Hintergrund stand, nämlich Herr Ehrhardt? Er hat doch im November 1921 nod Sie haben doch das Ansehen der Regierung damit direkt untergraben. Angell.: Nein, denn wir haben das öffentlich behandelt. Das ist doch kein Untergraben.- Bors.: Doch, denn Sie haben ja Ihre Organisation streng geheimgehalten und so gegen die Regierung gewühlt. Angefl.: Die beste Organisation, die es gab, war wohl die deutsche Armee, und obwohl man dort schärfften Gehorsam forderte, war doch kein fflavischer Gehorsam möglich, der chwa bedingungsloses Unrecht fordern fonnte. Borf.: Die Armee war der Staat. Sie aber waren der Staat im Staate. Angefl. fich energisch um die Finanzierung der D. C. bekümmert und Hoffmann: Wir brauchten den unbedingten Gehorsam, um den sich an den bayerischen Ministerpräsidenten geübernommenen Verpflichtungen gerecht zu werden.-Borf.: Warum wandt, um zu erreichen, daß die völkische Industrie Mittel, die sollten Verräter der Feme verfallen?- Angefl: Das bedeutete, für die Organisation Conful dienen sollten, an die Adresse des daß Verräter cum infamia" meggejagt wurden. Auf ihnen sollte Sanitätsrats Piffinger in München jenden sollte. wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Boyfott liegen. Bors.: Angeft. Hoffmann: Davon höre ich heute zum erstenmal. War das nun ein gesetzliches Mittel? Angefl: Das weiß ich Vorf.: Wir haben auch noch andere Beweise, daß die Organisation nicht, da niemand uns zur Seite stand. Bors: Unter Feme verConful weiter bestanden hat und nicht, wie Sie sagen, durch den steht man ganz etwas anderes. Es heißt doch, wenn man den Eingriff der Statsanwaltschaft aufgeflogen ist. Mir liegt hier ein mittelalterlichen Begriff betrachtet, daß Berräter talt gemacht werSchreiben des Angeklagten Biebig vor, der sich damals„ Dr. den". Es ist verständlich, wenn in der Presse diese Meinung aufBogt" nannte und der in chiffrierter Form die Bezirksleiter fam. Angefl: So konnte es Außenstehenden erscheinen, aber warnte, fie follten sich auf Hausfuchungen gefaßt machen.- Der diese Sagungen, die man beschlagnahmte, waren doch nur ein Angeflagie Biebig behauptet hierzu, daß er nicht die BezirksEntwurf. Bors.: Herr v. Rillinger, wer hat denn den in leiter der Organisation habe warnen wollen, sondern lediglich feine Frage kommenden Sagungsentwurf gemacht? Angefl: Das alten Rameraden vor nannehmlichteiten iühen maren Rautter und ich. Angefl. Müller: Ich betone, daß diesem Bors: Dann hat das Gericht weiter ein Schreiben Sagungsentwurf rein militärische, nicht politische Ziele zudes Angeklagten Henkel, das von der Zentrale München aus grunde lagen. Bors. Es ist eine bewußte Hetze, menn ein on die Thüringer Organisationen gegangen war, im Besik. In Geheimbund seine Mitglieder zwingt, derartige Zeitschriften wie der diefem Schreiben heißt es, daß die Organisation Conful formell auf,, Wiking" oder Flugblätter zu halten oder zu lesen. Angefl. zulösen sei, daß aber eine„ kameradschaftliche Organisation ehe. Rechtsanw. Rautter: Dazu ist niemand gezwungen worden. maliger Frontfämpfer" gebildet werden müsse. Gleichsam auch als Dr. Luetgebrune: Alle diese Erklärungen lassen sich dahin forErfiärung findet sich in diesem Schreiben. das der Angeflaate muleren, daß im Sommer 1920 die Organisation Consul noch im Sjenfel verfaßt hat. noch der Sak: Oeffentlich find wir aufgelöst; Gründungsstadium war, daß bis zum September nach was wir im geheimen find, muß jeder am besten wissen. An den Statuten jedoch nicht verfahren ist. Borf.: Herr geflagter Hoffmann: Auch dafür fann ich nicht verantwortlich Hoffmann, ist das richtig? Angefl. Hoffmann: Gehorsam wurde gemacht werden. Für mich als Leiter der Organisation Conful war auch damals gefordert, und an einigen Stellen mögen wohl Verpflich- die Organisation eben erledigt. Vors: Ich möchte Ihnen dann fungen dazu vorgenommen worden sein. Forderung nach Gehornod, vorhalten, Herr Hoffmann, daß Sie am 7. Juli 1921 ein fam war in die Praxis umgesetzt worden. Rechtsanw. Dr. Rundschreiben versandt haben, das ebenfalls in Geheim Quetgebrun e: Ich bitte zu fragen, ob nicht die Arbeiten in der Ichrift abgefaßt war und das die Nummer 1 139" trägt. am Vormittag besprochenen Weise durchgeführt worden In diesem Rundschreiben heißt es, Sie hätten aus Berlin über den -1 t.cllte. T Endkampf im Landtag. Die Deutschnationalen wollen Severing stürzen. Kommunisten helfen mit! Die Im weiteren Berlauf der Landtagsjigung fritisiert beim Haushalt für den Landtag Abg. Frau Wolfftein( Komm.) das Verhalten des Präsidenten Beinert. Die Kommunisten verlangten seine sofortige Amtsenthebung, Einsetzung eines Untersuchungsausschusses und Einleitung eines Disziplinarverfahrens.( Großer Lärm im Hause.) Abg. Grzesinifi( Soz.) spricht unter andauerndem Lärm der Kommunisten diesen das Recht ab, über Leinert zu urteilen. Abg. Dr. Deerberg( Dnat.): Zu der Korruption haben die Rommuniste ihr gut Teil beigetragen. Der Redner hält den Kom munisten, die seine Ausführungen mit großem Lärm begleiten, vor, daß sie die Raume des Hauses unter dem Schutz der Immunität mißbraucht hätten. An der weiteren Auseinandersehung über diese Angelegenheit beteiligen sich die fommunistischen Abgeordneten Dr. Meyer- Ostpreußen und Frau Wolfftein, sowie der deutschnationale Abgeordnete Dr. Deerberg. Mehrere Kommunisten werden wegen beleidigender Zurufe gegen den Abg. Dr. Deerberg zur Ord= nung gerufen. Der Haushalt des Landtags wird genehmigt. Den Haushalt des Staatsraats leht Abg. Dr. Meyer Ostpreußen( Komm.) ab, während Abg. Dr. Hoffmann- Münster( Dnat.) bemerit, daß der Staatsrat nach Auffassung seiner Partei eine Staatsnotwendigkeit sei. Der Haushalt wird bewilligt. Bum Haushalt für das Staatsministerium und den Ministerpräsidenten hat die deutschnationale Fraktion ein Mißtrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten Braun, den Minister des Innern Severing, den Handelsminifter Siering und den Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff eingebracht, das vom 2bg. Bachem( Dnat.) besonders mit Rücksicht auf die Zustände im Saargebiet(!) und im besetzten Gebiet(!) bes gründet wird. Abg. Dr. Meyer- Ostpreußen( Komm.) will dieses Mißtrauens votum auch auf den Justiz minister ausgedehnt sehen und era flärt die Zustimmung der Kommunisten zu dem deutsciationalen Antrag. Abg. Dr. Wiemer( D: Bp.) erklärt, daß seine Partei dem Miß trauensvotum nicht beitreten könne, da ja doch am 7. De zember das Bolt die Entscheidung fälle. Der Haushalt wird angenommen, über das Mißtrauensvotum wird am Donnerstag abgestimmt werden. Der Haushalt des Finanzministeriums wird angenommen, nach dem Abg. Ebersbach( Dnat.) Beschwerden über die Behandlung der Beamten erhoben und Abg. Dahlem( Komm.) die Abfindung der Hohenzollern fritisiert hatten. Bum Haushalt des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Wolfsbildung verzichtet eine ganze Reihe Redner auf das Wort. Abg. Kilian( Komm.) führt aus, die Schule sei zu einem Instrument der Unterdrückung der Arbeiterschaft geworden; für die Kirche have man dagegen eine freigebige Hand. Abg. Delze( Dnat.) bedauert das Nichtzustandekommen des Reichsschulgesches. Abg. Bok( Natsoz.) bestreitet, daß der Evangelische Bund fonfeffionelle hetze treibe. Der Kultushaushalt wird angenommen, ebenso nach furzer Er örterung der Haushalt der Allgemeinen Finanzverwaltung und das Haushaltsgejez. Finanzminister Dr. v. Richter teilte mit, daß eine neue Grundsteuer vorbereitet werde. Nächste Sizung: Donnerstag 12 Uhr( britte Beratung des Haushalts). Schluß: 3 Uhr. Wirtschaft Der Börsenumfasstempel. Die Bestrebungen, eine her a bießung des Börsenum fakstempels herbeizuführen, haben zu der bekannien Demonftration der Berliner und zu einer gleichartigen Rundgebung der Stölner Börse am Montag geführt. Sie sind inzwischen nicht zur Ruhe gekommen. Mit erneutem Eifer arbeiten die Börsianer darauf hin, daß diese Steuer aufhört oder wenigstens ermäßigt wird. Die Arbeiterschaft fann an diesen Forderungen nicht achtlos vorübergehen. Die Börsensteuer wurde in Deutschland deswegen so starf crhöht, weil in der Inflation alle übrigen Befitsteuern mehr oder minder versagten. Sie beträgt bei einem doppelten lim= fa 3 eines Banffunden heute 34 vom Tausend gegen 0,9 vom Tausend vor dem Kriege. Händler zahlen den geringeren Stempel von 4 v. T. für ein Geschäft gegen 0,3 v. T. vor dem Krieg. Würdigt man diese Gäge rein objektin, so fann man feinesfalls zu dem Ergebnis kommen, daß sie zu hoch sind. Der Aktienkäufer, der ein Papier nur deshalb erwirbt, weil vielleicht daran 3,4 Proz. zu gewinnen sind, der Händler, der ein Bermittlungsgeschäft eingeht, bei dem nicht mehr ais e Achtel Prozent Profit winkt, sind beide immerhin Selten heiten. Das muß doch einmal offen ausgesprochen werden. Höher find aber die Beträge, die der Staat für sich beim Börsenumsatz bean+ fprucht, nicht. Bederft man hingegen, wie hoch der Berbrauch heute belastet ist, der bei dem geringsten Wareneinkauf mindestens 4 Proz. Umfagsteuer bezahlen muß, dem Lohnabzug unterliegt und alle mög lichen indirekten Abgaben außerdem zu tragen hat, fo fann feines. wegs davon die Rede sein, daß die Börse mit Steuern überlastet ist. Wenn man trotzdem das glaubt, so hätte man mindestens Bor schläge zu machen, in welcher anderen Weise der Besitz für die Ausfälle haften soll, die bei einer Ermäßigung der Börsenumfassteuer entstehen. Es handelt sich dabei immerhin um erhebliche Beträge., Brachte dech beispielsweise der Börsenumsatzstempel im September allein 12,9 millionen Goldmart und in der ersten Hälfie Aber in des laufenden Steuerjahres 60,5 Millionen Goldmark. biefem Bunft ist das Berfangen der Börsianer nicht weniger unsinnig cls das jener Deutschnationalen, die gleichzeitig von Staat und Gemeinden die Aufwertung der öffentlichen Anleihen verlangten, ilmen aber die Steuern am liebsten verweigern möchten. Ueberhaupt besteht zwischen den Deutschnationalen und der Börse bekanntlich ein enger Zusammenhang. Die Aufwertungsforderungen dieser Partei waren es, die die Hausse am Rentenmarkt her. beigeführt haben und die an der Börse Millionengewinne auf Rosten der verarmten Rentner möglich machten. Denn diefe Kreise nollten ja nicht eine Entschädigung derjenigen, die durch die Inflation um ihre Spargroschen betrogen waren, sondern vielmehr eine all. gemeine Aufwertung, die die Gewinne der Spekulanten sicher stellen sollte. Es ist bezeichnend genug, daß eines der führenden Börsenblätter feit einiger Zeit die Börseninteressenten in seinem politischen Teile mit allen möglichen yöllischen Bhra fen füttern darf. Tatsächlich war auch die Hoffnung vieler Leute, die am Montag die Protestfundgebung veranstalteten, der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung. Die Hoffnung ist durch die Auflösung des Reichstags vereitelt worden, und seitdem ist es an der Börse womöglich noch stiller als vorher. Einen berechtigten Kern hat die Kundgebung insofern, als es auf die Dauer unerträglich ist, wenn der Kapitalumfaß in Deutschland stärker belaftet wird als im Ausland. Die Folge Lavon müßte fein, daß ein Teil des deutschen Kapitals sich ausländischen Börsenplägen zuwendet, wo die Börsenbesteuerung wefent lich niedriger ist. Die Arbeiterschaft hat aber das größte Interesse daran, daß die deutschen Unternehmungen nicht durch fünstliche Hemmungen des Kapitalverkehrs um die Möglichkeit der Kapital beschaffung gebracht werden. Infolgebeffen betrachten wir hohe Börsenumsatzsteuern als ein Uebel. Das Uebel ist nur leider not wendig, solange die Gesamtbelastung des deutschen Volkes mit Steuern berart schwer ist wie heute und solange kein Erfaz für den Ausfall von Börsensteuern durch andere Befizsteuern geschaffen ist. Sonst würde die vorzeitige Reduktion der Börsensteuer nur eine neitere Berschiebung der Steuerbelastung des deutschen Volkes zugunsten des Besiges herbeiführen. bie zahlenmäßigen Unterlagen für eine medmäßige allgemeine Energiepolitik in Gestalt einer gut entwidelten Energies statistit, wie sie die Hauptwettbewerbsländer zu ihrem Vorteil bereits besitzen. Damit unter den gegebenen Umständen das Ziel: Verbilligung unserer Produktion unter Berraeibung Notlage erfordert, ist ein 3usammenwirten der Ingenieure, zwangswirtschaftlicher Wege so schnell erreicht wird, wie es unsere Raufleute und Verwaltungen in öffentlichen und privaten Betrieben und laufende Berständigung zwischen den verschiedenen 3weigen der Energiewirtschaft( Kohlen-, Wärme-, Gas-, Elektrizi täts- und Wasserwirtschaft) erforderlich. | Efindungssumme usw. erfolgt sein. Die landwirtschaft. I führung an sich vorhanden. Allerdings fehlen uns noch vielfac lichen Anteilseigner treten ouf Einladung ber Rentenbant am 11. November zu einer Generalversammlung zusammen, die die Wahl eines neuen Aufsichtsrats vornehmen und über die Errichtung einer deutschen Rentenbank- Kreditanstalt Beschluß fassen soll. Der Rentenbank zu einem Agrarkreditinstitut nicht ohne weiteres Bei dieser Gelegenheit ist festzustellen, daß die Umgestaltung erfolgen darf. Der Reichstag het seine Zustimmung nur zu dem Gefeh gegeben, das die Liquidation der Rentenbant vorfieht. Die Uebertragung der Rentenmarkhypothefen auf eine staatlich privilegierte Landbundbant, wie sie jetzt geplant zu sein scheint, bedarf erst noch der Zustimmung der gefeßgebenDieser Weg wird in unseren Hauptwettbewerbslän ben törperschaften. Der Ausfall der Reichstagswahlendern mit warnender Bielsicherheit eingeschlagen. Bir befizen in wird darüber entscheiden, ob den politisch rechtsgerichteten Kreisen mer der Kohle", des Reichstohlen rates, eine geeignete neutrale den technisch- wirtschaftlichen Sachverständigenausschüssen der„ Kamder Landwirtschaft eine solche ökonomische Macht in bie Hände ge- Organisation, die diefe Aufgabe zu erfüllen berufen ist und sich bereits große Verdienste erworben hat. fpielt werden soll. Energiepolitik. Im Haushalt jedes einzelnen, jedes Unternehmens, in wachsen dem Maße auch der Landwirtschaft, spielen die Kosten der Energie, die bie heutige Technit uns in Form von festen BrennStoffen, Det, Gas, Elektrizität, Wärme, Licht und Kraft zur Verfügung ftellt, eine große Rolle. In vielen und gerade den wich tigsten Industries und Tronsportunternehmungen bilden die Ausgaben für Energie einen Selbsttoftenanteil in der Größenordnung der Löhne. Es ist deshalb erstaunlich, dah Kaufleute und Berwaltungsbeamte fast allgemein den Fragen bes bestmöglichen Haushaltens mit der Energie verhältnismäßig viel zu geringe Aufmerffamteit schenken. In einem sehr beachtilchen Vortrag vor der Deutschen Gesell. fchaft" gab Dipl.- Ing. 3ur Redden Montag abend einen Ueberblid über die Mittel und Wege, die es Deutschland ermöglichen, durch herabsehung des Energietoftenanteils je Stüd Fertigfabrifat unsere Bettbewerbsschmierigtet ten angesichts der großen Reparationslaften erheblich zu mildern. Wir wollen dabei nicht wieder den Fehler begehen, alles heil von einer Sentung der Energie( Kohlen-, Strom-, Gas- usw.) Breise und der Transportkosten diefer Energieträger zu erwarten. Selbst ein weiterer Ausbau von Wasserkräften über die im Gange befindlichen Arbeiten hinaus fann wesentliche Erleichterung nicht bringen, ba sie billigere Energie auch nicht zu liefern vermögen. Biel richtiger und aussichtsreicher find die Wege, die dazu qung und den Verbrauch an Energie in Stüd erzeugter Ware zu vermindern. Hierfür entwickelte der Vortragende im einzelnen ein flares energiepolitisches Programm: Brennstoffe veredeln, beffere Wärmewirtschaft treiben, die Kohle nicht verbrennen, sondern vorher unter Gemimmung der demischen Wertstoffe entgafen oder auch vollständig vergafen. Die einzelnen Forderungen und die Konfequenzen daraus find den Fachleuten geläufig, die technischen Verfahren heute fertig entwickelt, die Organisationen zu ihrer Durch Bei ernsthafter Ueberlegung fann fein Mensch glauben, daß eine Ermäßigung oder gar eine Beseitigung des Börsenstempels eine wesentliche Belebung des Börsenperlehrs in Deutschland herbeiführen wird. Denn es gibt noch eine ganze Reihe von anderen Gründen, die den Börsenumfah hemmen. Es ist ja fchließlich auch der Börse nicht unbekannt, daß wir in Deutschland eine Kapitalknappheit haben. Bei Kapitalmangel aber find Tebhafte Börsenumfäße nicht möglich. Es ist schließlich auch der Börso bekannt, daß die außerordentlich militürliche Aufführen, den Bedarf an hochwertigen Rohlen zur Energieerzeu stellung der Goldbilanzen und ihre hinauszögerung den Aftieninteressenten jebe Möglichkeit nimmt, den voraussichtlichen Ertrag einer Kapitalanlage in Aftien einigermaßen zu berechnen. Man darf sich dann nicht wundern, daß Leute, die sichergehen wollen, lieber ihr Geld auf Bankkonto stehen lassen oder in Wechseln an= legen. Dabei bleiben in der Regel wenigstens unliebfams Ueber raschungen und Berlufte erspart. Unter diejcen Umständen aber die Börsensteuer allein für das Daniederliegen des Börsenverkehrs perontwortlich zu machen, dazu gehört schon die einseitige Ein= stellung der Intereffenten, die mir bei Steuerprotesten nachgerade gewohnt sind. Im übrigen sind auch in der Zeit der hohen Börsensteuern von gewiffen Börseninteressenten recht gute Geschäfte gemacht worden, wo der Marit gerade günstig lag. So groß ist jedenfalls die Notlage der Börsianer noch nicht, daß sie auf Kosten des übrigen Volkes Steuergeschente brauchen. Gerade in Börjenkreisen wird die Propaganda der Rechtsparteien, die auf einen Abbau der diretten Steuern hinausläuft, lebhaft unterstügt. Man sieht, die Herren können aud; anders: fie verlangen den Abbau indirekter Steuern, wo diefe ben Besitz belaften, und scheuen sich dabei mcht nor dem sonst so verschienen Mittel eines Streifs, der in diesem Falle sogar ein politischer Streit ist. Uns fann es gleidh fein, womit Börfianer sich die Zeit vertreiben, wenn nichts zu tun ist. Warum sollen sie nicht auch streiten? Sie werden sich schees davor hüten, wenn das Geschäft Iebhafter mird. Denn einen Streif, der etwas tostet, nerträgt diese Sorte Margistentöter ja nicht. Immerhin wird man sich das Borkommnis merten müssen für den Fall, daß Unternehmer die Berechtigung von Streits im all. gemeinen bestreiten sollten. Die Umgestaltung der Rentenbank. Die von der Rentenbant gegebenen I andwirtschaftlichen Kredite von rund 780 Millionen müssen bekanntlich in einem Beitraum von drei Jahren getilgt sein. Als Stichtag für die Brolongationen ist jetzt der 21. Ottober 1924 bestimmt worden. Bon diesem Tage an beginnen also die Fristen zu laufen. Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1.... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen. kleine Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handveries. Linsen, kleine. Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl. Makkaroni. Makkaronimehl Schnittnudeln, lose.. Bruchreis Rangoon Reis Cal. Pflaumen 40/50 F Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari. Zimt( Cassia) Zentner frei Haus Berlin. 75,00-96,00 18,50-24,50 Kakao, fettarm 17,50-18,00 Kakao, leicht entōlt 100,00-120,00 21,00-22,50 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,00 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 18,75-20.00 Inlandszucker basis mel. 33,25-35,00 21,00-23,00 Inlandszucker Raffinade 24,75-26,00| Zucker Würfel 42,00-45,00 18,40-20.00 Kunsthonig 39,00-42,00 21,00 27,00 Zuckersirup hell in Eim. 40,00 45,00 18,00-24,50 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00- 31,00 16,00-18,50 Marmelade Einfr. Erdb. 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 40,00 28,00-32,00 Pflaumenmus in Eimern 18,50-29,50 Steinsalz, in Säcken 31,00-37,50 37,50-51,00 Siedesalz in Säcken 17,75-19,50 90,00 95,00 43,00- 43,00 3,10-3,60 3,70- 4,20 4.40-5,00 5,20- 5,80 43,00 46,00 Bratenschmalz in Tierces 99,50-101,50 38,00-39,00 Bratenschmalz in Kübeln 101,00-102,00 24,25- 32,00 32,75- 39,00 85,00-90,00 40,00- 43,00 54,00-61,50 60,00-65,00 CAD 4 Damit die Arbeiten dieser Aerzbe teuerer Energiewirtschaft" unter Vermeidung behördlichen 3manges zum Ziele führen, bedürfen sie des Vertrouens der Deffentlichkeit, der Unterstübung der Industrie und befferer Unterlagen über den Energiebedarf. Ausführungen mit einem Appell an die beteiligten BerwaltungsDer Vortragende schloß seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen und Wirtschaftskreise, zu den bezeichneten Zielen einmütig zu= fammenzuwirken. Umfchwung am Eisenmarkt. Wie die Deutsche Bergwerfs= zeitung" schreibt, hat die Einleitung von Berhandlungen zur Bil dung von Eisenverbänden am Eisenmarkt einen plöblichen Umjhwung hervorgerufen. Die Werke haben erhebliche Aufträge hereinnehmen können und dürften durchweg bis Ende des Jahres beschäftigt sein. Die Belebung der Nach frage hat sich auf das Preisniveau bisher nur in verhältnismäßig geringem Maße auswirken fönnen. Zurzeit stand bei effettiven Ab. fchlüffen etwa folgende Durchschnittspreise zu ermittelt: Halbzeug, Rohblöde 92,50 M., Knüppel 101-102 m., Stabeifen 112 M., Univerfaleisen 125-126 M., Bandeisen 150-160 M., Grobbleche 128 M., Feinbleche 160-170 m. Ueber die Gründe des Tendenzumschwungs ist man geteilter Auffassung. Es scheint sich diesmal weder um eine Händlerhausse, noch um eine Meinungshausse der Werke zu handeln. Berücksichtigt werden muß der Erfolg der deutschen Anleihe, ferner die Bestellungen des Eisenbahn- 3en= tralamts, die höchstwahrscheinlich in dieser Woche herauskommet, ferner die für die nächste Zeit zu erwartenden größeren Reparationsaufträge für Serbien. Die Konvention der Berliner Brauereien, die jeht ablaufen sollte, ist nach längeren Verhandlungen gestern auf die Dauer von zwei Jahren verlängert worden. Die Krise in der Schuhindustrie. Infolge der brutalen Lohn politit der Unternehmer und der überhöhten Preise für Lebens mittel ist die starke Absatzstodung eingetreten, die eine große Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit herbeiführten und so den Warenmarkt weiter einengte. Die weitere Folge war, daß jest selbst die Waren des täglichen Bedarfs feine Käufer fanden. Obwohl inzwischen eine leichte Besserung des Arbeitsmarktes zu verzeichnen ist, dauerte die Krise in der Schuhindustrie mit unverminderter Schärfe fort. Aus einem der Hauptorte der deutschen Schuhfabrikation, Birmasens, wird jezt gemeldet, daß dort von 50 000 Bewohnern 20 Proz. ertverbslos find. Eine Schubfabrik nach der anderen muß ihren Betrieb stillegen. Erst vor einigen Tagen haben wiederum acht Schuhfabriken geschlossen. Bezeichnend ist, daß die Arbeiter beim Amtsgericht beantragen mußten, daß über einen Betrieb der Kontur& verhängt wird, weil er feit Wochen an die Arbeiter nur noch Abschlagszahlungen leisten kann. Für Annahme des deutsch- spanischen Handelsvertrages. Die Solinger Industrie und Handelstammer hat vorgestern ein bringendes Telegramm an die Reichsregierung gerichtet, in dem sie für die Annahme des deutsch spanischen Hanbelsvertrages eintritt. Sie hat sich außerdem nochmals an alle Abgeordneter des betreffenden Reichstagsausschusses gewandt und die günstigen Wirkungen dargelegt, die die Annahme des deutsch spanischen Handelsvertrages für die Kleineisenindustrie mit sich bringen würde. 25,00- 28,00 Purelard in Tierces Geringe Preisfenfung im Großhandel. Die auf den Stichtag 17,50-18,00 Purelard in Kisten 96,00-98,50 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 65,00- 66,00 des 21. Oktober berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Speisetalg in Kübeln Reichsamts ergibt gegenüber dem Stande vom 14. Dftober( 182,2) Margarine, Handelsm. I 66,00 einen weiteren Ridgang um 0,8 Proz. auf 131,1. Gefunken desgl. II 60,00-63,00 Margarine, Spezialm. I.. 80,00- 84,00 find vor allem die Preise von Brotgetreide, Kartoffeln, Buder desgl. H. 69,00-71,00 fowie Baumwolle, Baumwollgarn und gewebe. Höher lagen Molkereibutter la i. Fäss. 222,00-226,00 60,00 70,00 Molkereibutter i.Pack. 230,00-233,00 dagegen die Preise namentlich von Fleisch und Fetten sowie Diese Festsetzung der Fristen hängt mit der Genehmigung 75,00-90,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 190,00-200,00 der Metalle. Von den Hauptgruppen santen die Lebensmittel von der neuen Sagungen der Rentenbank zusammen, Sie 70,00-78,00 Molkereibutter, Pack. 190,00-210,00 130,7 auf 129,1 oder um 1,2 Broz, davon die Gruppe Getreide 175,00-185,00 Auslandbutter in Fässern 238,00-244,0 und Startoffeln von 122,0 auf 119,5 oder um 2,0 Bros., ferner die cm 21, Oftober durch die Reichsregierung erfolgt ist. Die Entwick175,00-185,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 37,00- 42,00 106.00-115,00 Ausi. Speck, geräuchert 103,00-120,00 Industriestoffe von 185,1 auf 184,8 ober mm 0,2 Proz. Die lung zum Agrarkreditinstitut, dem u. a. die landwirtschaftlichen Kümmel, holländischer 55,00-65,00 Quadratkäse. 50,00-65,00 Gruppe Kohle und Eifen war mit 121,9 unverändert. Die Inlands Kredite unterstellt werden, soll sich nun wie folgt vollziehen: Die Schwarzer Pfeffer Singap. 108,00-115,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 120,00-135,00 industriellen und anderen Gruppen scheiden mit waren gaben von 126,4 auf 125,1 oder um 1 Broz. und die EinWeißer Pfeffer 150,00-155,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 Rohkaffee Brasil..... 195,00-220,00 Echter Emmenthaler 175,00-185,00 fuhrwaren von 161,5 auf 160,7 oder um 0,5 Proz. nach. In den Beginn der Liquidation aus dem Aufsichts. und Ber= Rohkaffee Zentralamerika238,00-295,00 Ausl. ungezuck. CondensKosten der ebenshaltung, die auf den Kleinhandelspreifert Röstkaffee Brasil maltungsrat der Rentenbank aus. Zwischen ihnen und der 240,00-290,00 milch 48/16 21,00-23,50 verbleibenden Landwirtschaft soll bereits eine Einigung über die Röstkatee Zentralam... 310,00-375,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-19,25 beruhen, ist von der geringen Preissenfung im Großhandel noch Röstgetreide, lose 20.00-21.00 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,00-26.00 nichts zu spüren. . Billige Preise für vornehme Winterkleidung Herren Ulster, mod. verarb.. mit Rückenfalt. u. Gurt, in viel Stoffart, 45Must. u. Farben Herren- Paletots, ein- und zweireihig, aus marengo Cheviot und schwarz. u. grau Eskimo m. Samtkragen, je nach Qualität und Art 58.Herren- Schlüpfer aus Fischgrätund Diagonalstoffen, in guter haltbarer Qualität 72.- 65 Gabardine- Winter- Ulstarneueste Mode, Ersatz für Maß, Verarbeitung teilweise in Biedermeierform, teilweise in Sportform mit 4 45.aufgesetzten Taschen und herum- 85gehendem Gurt 95.- 90.Jackett- Anzüge für Herren, aus blauem und braunem Cheviot, Jackett- Anzüge Nadelstreifen in 22.50 verschiedenen Farben und auch 40.andere Muster. 60.- 30.Jackett- Anzüge Ersatz für Maß aus besten Stoffen, Form und Verarbeitung nach neuestem Schnitt, elegant 95.- 85.- 75.Gabardine- Anzüge aus einfarb. 68.u. gestr. best. 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Dezember zu einem Siegestage der Partei zu gestalten, damit die deutsche Republie ein Hort des Friedens und des Fortschrittes wird, damit publik ein Hort des Friedens und des Fortschrittes wird, damit Josef Seliger, bem unvergeßlichen und unerfekten Führer ber deutschböhmischen Sozialdemokratie, ist am Sonntag in Teplig Schönau ein würdiges Grabdenkmal enthüllt worden. Vor Laufenden Parteigenojien gebachte der Parteivorsitzende Genoffe Dr. Ludwig Czech, Bizepräsident des tschechoslowakischen Abfoziale Gerichtigkeit in der Republik waltet. geordnetenhauses, unseres teuren Toten. Parteinachrichten Einsendungen für diefe Rubrik sind Berlin B. 68, Lindenstraße 3, Am Sonntag, den 26. Oktober, finden in allen Unterbezirken unferes Bezirksverbandes Unterbezittstonferenzen statt. Die Ortsvereine sind durch Zirkulare des Bezirkssekretariats dazu eingeladen worden. Jeder Ortsverein muß durch Delegierte auf den Unterbezirtstonferenzen vertreten fein. mit diesen Unterbezirkskonferenzen trift der Bezirksverband Branden. 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. burg in den Wahlkampf ein. Am Sonntag, den 2. November, vormittags 10 Uhr, findet in Berlin, Landtag, Saal 8, ein für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, Bezirksvorstand. Sonnabend, den 25. Oftober, abends 6 Uhr: Sigung im Konferenzfaal der„ Borwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh. Freitag, den 24. Ditober, nachm. 5 Uhr, Borstandssigung im Sekretariat, Rimmer 10. Anschließend Sigung mit ben Kreisvorständen um 7 Uhr in ber Juristischen Sprechstunde. 5. Kreis Friedrichshain! Arbeiterwohlfahrt, Rinderschuß- und Kommunale Kommiffion! Freitag, den 24. Ottober, 7% Uhr, Bortrag des Genoffen Röhler über Biele und Aufgaben der Jugendpflege" im Wohlfahrtsamt, Rigaer Str. 103, Simmer 16/17. Erscheinen aller ehrenamtlich tätigen Ge. noffen und Genoffinnen erforderlich. Interessenten willkommen. Beginn pünktlich, da um 8 Uhr das Saus gefchloffen wird. 14. Kreis Neukölln. Freitag, den 24. Oftober, abends 7 Uhr, engere AreisBorstandssigung im Parteibureau. Alle in der Wohlfahrtspflege tätigen Genoffen, und Genoffinnen( auch die Bezirksporsteher und Waisenräte) find au einer wichtigen Zusammenkunft am Freitag, den 24. Oktober, 7 Uhr, in der Knabenmittelschule Donaustraße eingeladen. Heute, Donnerstag, den 23. Oktober: 101. Abt. Treptow. Au der Arbeitsgemeinschaft des Gennien Ruge: Rolfs. mirtschaftliches Denten und Sandeln" ist noch die Teilnahme von Ge noffen notwendig. Der nächfte Abend findet heute 7½ Uhr im Jugend heim Elsenstr. 3 sbatt. Junasozialisten Gruppe Friedrichshain, 8 Uhr Jugendheim Tiffiter Str. 4/5, ordentliche Mitgliederversammlung. Erscheinen Pflicht. Gruppe Nordoft. 7% Uhr Danziger Str. 23, Aussprache über die fommenden Reichstagswahlen und unsere Wahlarbeit. Gruppe Südoft, Die Veranstaltung fällt aus. Nächster Abend Donnerstag. den 30. Oftober, Neues Jugendheim, Reichenberger Str. 66( Feuerwehrmache). Referentin: Genossin Sodann. Gruppe Treptow. Die Gruppe beteiligt sich an der Arbeits. gemeinschaft der Partei: Volkswirtschaftliches Denten und Handeln." Referent: Bantvat Ruge. Im Jugendheim Elfenste. 3. Anfang 7 Uhr. Morgen, Freitag, den 24. Oktober: 22. bt. 7 Uhr Funktionärßigung bei Radzan, Brüffeler Str. 43. 30. bt. Die angefegte Funktionärversammlung fällt aus. 36. Abt. 7% Uhr Sigung des Beamtenwerbeausschusses bei Wittschuk, Veters burger Str. 5. Die Beamtenfunktionäre und sonstige intereffierten Genoffen müssen erscheinen. 55. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr Funktionärsigung bei Reimer, Wilmers. dorfer Str. 21. Reukölln. 93. bt. 7% Uhr bei Belger, Treptower Str. 23, Funktionärsigung. Alle Funktionäre find dazu eingeladen. Der Borstand trifft sich eine 95. Abt. 7½ Uhr bei Pflanz, Prinz- SandjornStunde früher cbenda. Straße 73, Gigung fämtlicher Funktionäre. Wichtige Tagesordnung. Einladen. ffatt. außerordentlicher Bezirksparteitag Tagesordnung: 1. Die Partei und die Wahlen. Referent: Parteivorsitzender Genoffe Otto Wels. 2. Aufstellung der Kandidaten. 3. Geschäftliche Mitteilungen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. " Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftstelle: Berlin 6. 14, Sebastianfte. 31/38, Sof 2 St Samerabfchaft Areuzberg. Donnerstag, det 28. Oftober, Thr einfließlich Gruppenführer. abends, bei Bieler, Dieffenbachite. 16, Sung der Funktionäre Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 22. Oktober. 1. Rennent. 1. Selmann( Sauß it.), 2. Starneval( 3. Mains). & Interpellant( Ch. Mills). Toto: 29: 10. Blat: 18, 19, 19:10. Serner liefen: Heiberofe B., Bismart, Tell, Hebernelle, Cläschen M., Alpenfer, Daintora, Della, Hauptmann, Margot L 2. Rennen. 1. Marl Alexander. Schmidt), 2. instönigin ( e. Swiger), 3. Delos( 3. Mills). Zote: 53:10. Blab: 20, 19, 18: 10. Ferner liefen: Dichtung, Freibeuter, tapitän Salle, Baron Gabler, Zins. cott jr., Benus, Triumph, Kalle, Ludwig, Sevilla, Sattenfpieler. 3. Rennen. 1. Bafferfall( Großman), 2. Gudrun II( 8. Shuler), 8. Arworthy&.. Mi03). Zoto: 35:10, Nab: 17, 18, 42: 10. Ferner liefen: Lucullus, Gabiac Agrasrthy, Longobarde, Famer J., Bela Dawson, Bing I, Cbinhard, Fenelon, Long Alfa, Peter I, Erbgraf, Ludmill I, Amazonio. 4. Nennen. 1. Aberglaube( S. Mis), 2. Erdmann( S. Sedert), 8. Colonel Dillon( Weidmüller). Tpto: 30: 10. Blat: 14, 13, 18: 10. Ferner liefen: Silverius, Dftermagda, Diang VII, Sohannistäfer, Abler, Erbighalt, Erbschaft, Feuerwehr, Harry B., Adelei, Fürft, Graphit 5. Rennen. 1. Alland( Ch. mins), 2. Sting Batts( E. Smiker), 2. Alfred( Wiltshire). Tota: 14:10. Blag: 11, 14: 10. Fermer liefen: Doritha, Frotteur, Qui vive. 6 Renne t. 1. Sudan( Ch. Mins), 2. Buchdruder( Großmann), 3. Mipengeler( Wiltshire). Toto: 47: 10 lab: 17, 14, 16:10. Berner liefen: Diagonale, Lebensluft, Damion Batts, Belvedere, Willy A., Eulogie, My Darling, Kabbach. 7. Rennen. 1. Hannover( E. Sein), 2. Lens I( G. Elias), 3. giffertonh( Stople). Leto: 212: 10. Blaz: 64, 48, 29: 10. Ferner liefen: Die Wahl der Delegierten erfolgt auf den am 26. Oftober tagen- Blaumeife, Niagara I, Luftiger Bruder, Klue, Haubike, Bainsca, Bafil. Simtene, Baron Tregantle, Bella Damson, Germania B., Baron Batts j den Unterbezirkskonferenzen. Wie ersuchen die gewählten Bezirks- Fists, insto, Bonfrefine, Zufall. tagsdelegierten dringend, pünktlich zum Bezirtstag einzutreffen. 8. Rennen. 1. Baron Alatapah( 3. Mills), 2. Une Petite( Ch. mins), Delegierte, die schon am Sonnabend, den 1. November, in Berlin. Elſe 8. I( Wiltshire). Loto: 35: 10. Blak 18, 20, 14: 10. Ferner eintreffen müssen und auf Quartierbeschaffung reflektieren, bitten Mailönigin I, Inge I, Barmaid, Kämpfer. liefen: Omega, Stathavina, Frettchen, Margareth O'Donna, Long Nunchen, wir, bis spätestens Mittwoch, den 29. Ottober, dem Unterzeichneten Mitteilung zu machen. Genossinnen und Genossen! Jeder Tag bis zum 7. Dezember muß jeht refifos für den Dienst am Siege der Bartet ausgenutzt werden. Die Partei steht in diesem Kampfe nicht in der Defensive, sondern im Angriff gegen die Feinde der Republit, gegen die Zerstörer der Arbeiterbewegung. Der Bezirtsausius 3. 2.: Wilhelm Krüger, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Arbeitersport. Jiu- Jitsu- Meisterschafts- Turnier. Am Freitag, den 24. Dttober, veranstaltet der Sport. lub urich 02" Ausscheidungstämpfe für die Jiu- Jitsu Kreismeisterschaft des Arbeiter- Athletenbundes im Bantamgewicht( 105 bis 115 Pfund) und Beichtgewicht( 125-130 Bfund) in der Turnhalle Wrangelstraße 128( an der Manteuffelstraße). Es ist anzunehmen, daß die in Frage fommenden Siu- Jitsu- Sport betreibenden Bereine des 4. Kreifes: Adler 05"," Libertas 96" Charlotten burg, Lurich 02"," euföllner Jiu- Jitsu- Vereinigung"," Rorboft" und Beran μ Stoffe für Serren- u. Damen- Bekleidung für Herren- u.Damen- Bekleidung an ihre beften Sträfte zu biefen Rämpfen entfenben mercm Mtr. Beste Fabrikate:::: Große Auswahl Anzug- Stoffe gediegene Qualitäten", in Gabardine und bindungen, Br. 140/50 neuen Tuch: 15.-, 20.-, 25.-, 10. Velour de laine, Eskimo für Paletot, Mantel und Eskimo. 10.-, 15.-, 20.-, Manchester- Loden für Sport- Anzüge, Pelerinen, imprägnierte, erte, O., 8., 10.-, Ulster, Breite 130/50 cm Breite 70/140 cm. • Mtr. Mtr. Koch& Leeland Sertraudtenstr. 20/21 Segn 1893 gegenüber der Petri- Kirche 8. 4. ben. Besonders Norboft", Libertas 96" und Zurich 02", die bisher im Jiu- Jitsu die Führung hatten, werden sicher alles daran. feßen, auch in diesen Meisterschaftstämpfen die ersten Pläge zu egen und den Steg an sich zu reißen. ta: famn baher auf habe, spannende Rämpfe gefaßt fein, bis fich aus dem hervorragenden Stämpfermaterial die besten Jiu- Jitsuer im Bantam Leicht. durch eine Jiu- Jitsu- Demonstration, an der auch der bekannte Tech nifer und Jiu- Jitsu- Lehrer Aug. Führer teilnimmt Beginn der 50 Pf. gewicht herausichälen werben! Eingeleitet wird der Kampfabers Rämpfe 8 u br. Der Eintrittspreis ist einheitlich auf 30 Bi. feltgefeßt. Propaganda- Schach- Abend der Arbeiter-Schach.bt. Sitenberg im Lokal Stober, Gonntag, Ede Lenbadhibeaße( Bahnhof Stealau- Rummels. burg), am Freitag, ben 24. Oftober, abends 8 Uhr. 1. Bortrag über ben Werdegang unserer Rorrefpondenz- Bartien mit Mannheim- Bindenhof bis Aum gegenwärtigen Stand. 2, Simultanfpiele. 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Kassian SCALA 8 Uhr: Internat. VARIETE Th.i.Admiralspalast Täglich 84 Uhr: die große Revue ..Noch und Noch" Sig. 2 Verst. in erster Besetzy. 34 u. 8 Uhr Sentral Theater U.: G'wissenswurm Deuts.Opernhaus Zu ermäß. Preisen 7% U: Die Bohème Intimes Theater 8: Liebeskonzern Tempo Tempo! Metropol- Theater Tägl. 7 Uhr: Gräfin Mariza i. Kommand. Str. eetzt.Vorstellungen Volkstümliche Preise 1-6 M, 8: Malobetrotter Stg. 31: Mädels von Davos Dramatisch. Theater Chausseestr. 30/31 Dir.: Wilh. Dieterle 72 Uhr: Gastspiel der Künstlertruppe des Bühnenvolksbandes: KOMISCHE OPER Direktion: James Klein 8 Uhr Allabendlich 8 Uhr Diese Revue Das hat die Welt noch nicht geseh'n" übertrifft fraglos alle Revuen der Welt aus folgenden Gründen: Die berühmtesten Berliner Bühnenkünstler sind nur bei uns! Die Original- Ausstattungen der Pariser Revuebühnen sind nur bei uns! *** Die fabelhaften echten spanischen Tanztruppen sind nur bei uns! 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Unter anderem: Die lebende Schreibmaschine Das Massen- Himmelsbett Die Wembley- Ausstellung Parkett 2,50 triprise! Kleine AHermann Tiefz Fen ganzen Land must sen Luslian Jch hab's Urbin Terpentinol Ware der gute Schuhpufz erpentingly tinölwa Herren- Taschentücher weiss Linon, mit Ripskante... 2550 390 . Dutzend Dutzend 140 Herren- Taschentücher 145 Herren- Taschentücher 185 bunt gemustert.. Pützt man die Stiefel manho Urbin In Dosen überall erhältlich. Hersteller: Urban& Lemm, Charlottenburg. 8 Uhr Große Volksoper 8 Uhr Lessing- Theater 8 U.: Die gr. Revue Ballett Diaghilew Wien gib acht! Verlängertes Gastspiel Ballette von: Russische Märchen Lladow. Cimarosiana- Cimarosa Petruschka Stravinsky Ueb.150Mitwirkende Kasse den ganzen Tag geöffnet Stg. 26. Okt., 4 Uhr Gr. Kinder- Vorstell. Kleine Preise: Sonntag 26.. 11 U.: Abschiedsmatince Hansel und Gretel Populäre Preise von 1 M. an Walhalla am Rosenthaler Tor Großes Internationales Varieté Programm! 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Vorverk. 1-1, 5-7 Uhr Casino- Theater Lothringer Str. 37 Tägl. 8 Uhr Neu! Neu! Satan Weib! Berliner Volksstück in 6 Bildern Berliner Humor, Berliner Typen Vorher: Bunter Teil Volkstüml. Preise Goethe- Bühne Klosterstr. 43 Täglich 7, Uhr: Die natürliche TOCHTER Titelrolle: Else Heims Preise: 7.-, 5.-, 3.Abonnenten halbe Kassenpreise Circus Karl Wilhelm Stange geb. 30. 10. 1899, möchte ein Rebenszeichen an feine alte Mutter in Gwinemünde geben. Wer über den Verbleib und jezigen Aut enthalt orientiert ist, wird gebeten, Nachricht zu geben an Frau Ww.Marie Stange Swinemünde, Lotsenstraße 37 Auf Teilzahlung 1½ 2uzabiung Rest in 6 Monatsraten Zu Ladenpreisen tausen Sie elegante, gutfigende Herrengarderoben Damen- Gummimäntel ALBERT bet chenia Köpenicker Str. 127 Hof rechts, Pein Laden. BUSCH Geſchäftss. 9-7 Uhr. Diskret! Ungeniert! Tgl.7%. Stgs. a.3 U. DieSportsensationen Auf Teilzahlung! 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