Nr. 502 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 255 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Buremburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat. Der., Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit..Sied. lung und Aleingarten" sowie der Unterhaltungsbeilage Heimmelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Gozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpiennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille geile 0,70 Goldmart, Reklamezcile 1.- Goldmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Bort 0,20 Gold mart( auläffig amei fettaedryckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmart. icdes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönben 2506--2507 Freitag, den 24. Oftober 1924 Hergt abgesägt. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckfouto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Depoftcnfajie Lindenstraße 3 Die Führerkrise der Deutschnationalen. Der Vorstand der Deutschnationalen Partei hielt gestern im Reichstag eine lange und stürmisch bewegte Sihung ab, in deren Berlauf Herr Hergt sein Amt als Parteivorfihender niederlegte. Mit der Führung des Amtes wurde provisorisch, bis zur statutengemäßen Neuwahl, die zu Ende d. 3. erfolgen soll, der preußische Landtagsabgeordnete Dr. Windler betraut. Die Bürgerblockfront hat einen schweren Schlag erhalten. Herr Hergt, der Führer der Fraktion der fünfzigprozentigen Gesinnung, ist abgefägi worden. Seine Führerrolle ist zu Ende. Nicht als ob der Verlust dieses Führers ein harter Schlag für den Bürgerblod wäre. Ob Herr Hergt oder eine andere Erzellenz, ist vollständig gleichgültig. Die persönliche Qualifikation für das Führeramt kommt dabei nicht in Frage. So geistvolle Säße, wie den vom ,, Banner, das nie geschwankt hat", oder den vom„ beinahe nicht anders können", fann schließlich jeder beliebige prägen. Nicht deshalb ist die Abfägung des Herrn Hergt ein schwerer Schlag für die Bürgerblodfront. Sie reißt die künstliche Fassade, der politischen Richtlinien, Erklärungen, Versicherungen, der Redensarten von Volksgemeinschaft, Versöhnung, Konsolidierung ein, die vor dem Bürgerblod errichtet worden ist. Sie läßt erkennen, was dahinter steckt, und wie der Bürgerblod eigentlich aussieht. Der Bürgerblock sollte zustandekommen durch einen, riesigen Betrug. Am 29. August begann es mit dem fünfzig prozentigen Umfall der Deutschnationalen in der entscheidenden außenpolitischen Frage. Die Jasager sollten die Deutschnationalen in den Bürgerblod einkaufen, die Neinsager den Kurs im Bürgerblock bestimmen. Die Jasager sollten der Deffentlichfeit Sand in die Augen streuen, sollten den Eindruck erwecken, als seien die Deutschnationalen auf dem Wege, sich zur Er füllungspolitik zu befehren, die Neinjager sollten als fünfzigprozentige Triarier die lebende Garantie gegen den Wählerschwund bilden. Die Jasager sollten für die bürgerbloctolle Bolkspartei Vorwand und Begünstigung liefern zur Herbeiführung einer Regierungskrise mit dem Ziele des Bürger blocks, die Neinjager sollten die wirklichen Teilhaber werden. Die Volkspartei war nicht etwa das Objekt, gegen das der Betrug sich richtete! Um den Handel zu erleichtern, versuchte fie die klare Linie der deutschen Außenpolitik immer wieder zu verwischen und abzubiegen. Die Eskapaden des Herrn Strese mann von der flaren außenpolitischen Linie bezeichnete sie als originelle Erfindung, als die eigene außenpolitische Linie der Volkspartei nur um den Deutschnationalen näher zu fommen. Sie wußte, daß es 47 von den 48 Jasagern der deutschnationalen Fraktion nicht darum zu tun war, eine andere außenpolitische Linie als die der nationalen Phrase einzuschlagen, sondern nur darum, einer Abrechnung im Wahltampf aus dem Wege zu gehen. Und wenn sie es nicht gewußt hätte, so hätten sie die Auseinandersetzungen bei den Deutschnationalen belehren können. Es wurde bald flar, daß die Rechtsradikalen bei den Deutschnationalen in der Ueber zahl waren. Laut und grob sagten sie ihre Meinung und forderten als Garantie gegen ein Verlassen der alten agitatorischen Linie in der Außenpolitik den Kopf von Hergt. Der Schacher um die Regierungsbildung mit den Deutschnationalen vollzog sich unter der Begleitmusik der unentwegten deutschnationalen Preffe. Im Chor wiederholte sie den Refrain: Hergt muß fort. Herr Hergt, der doch selber ein Neinsagar ift, konnte die offene Rebellion nur mit dem Versprechen befänftigen, daß er vom Führeramt zurücktreten werde, wenn die Verhandlungen über die Regierungsbildung zu Ende sein würden. Die Deutsche Volkspartei wußte also von vornherein, daß nach der Bildung des Bürgerblocks die Führung in der Deutschnationalen Partei an die Schlange und Laverrenz übergehen würde! Hätte sie das befristete Rücktrittsversprechen von Hergt nicht belehrt, so hätte sie die Nominierung von Laverrenz als Verkehrsminister durch die deutschnationale Frattion schließlich belehren sollen. Aber sie bedurfte feiner Belehrung! Die fünfzigprozentige Ehrlichkeit der Deutschnationalen war der Volkspartei gerade recht! Auf der Grundlage der Unsicherheit und der Lüge über die vom Bürgerblock zu verfolgende Außenpolitik sollte der Bür gerblod aufgebaut werden. Man wollte ihn erst bilden, und dann erst die Flagge zeigen. Die Auflösung des Reichstags hat das saubere Spiel durchkreuzt. Nun wurde es für die Hergt und Genossen schwierig, das System der fünfzigprozen tigen Ueberzeugung durchzuhalten; denn schließlich wollten die Wähler nicht zwei Ueberzeugungen zu je fünfzig Prozent ihrer Partei hören, sondern eine hundertprozentige. Die Unentwegten bei den Deutschnationalen wurden nun rebellisch, als fie erkannten, in welche katastrophale Situation sie durch die | Politik der Halb und Halben geführt worden waren. Sie wurden unangenehm deutlich. Noch gestern Abend schrieb die wurden unangenehm deutlich. Noch gestern abend schrieb die „ Deutsche Zeitung" drohend: ,, Wenn jetzt aber wirklich das Unerhörte Tatsache werden sollte, daß die Parteibureaukratie versucht, Exzellenz Hergt, dessen forte gesetzte Mißerfolge und Niederlagen die Partei bis an den Rand des Abgrunds geführt haben, noch zu halten, dann muß jede Rücksicht aufhören. Es handelt sich doch nicht um die Person allein ,, es handelt sich um das System Hergt und das Verbleiben Exzellenz Hergts fönnte nur so ausgelegt werden, daß die Parteileitung beabfichtigt, die jammervoile und in jeder Beziehung verunglückte Er füllungs- und Kompromißpolitit der letzten Monate fortzusetzen. Für eine solche Politit find aber weder die Bölkischen noch die Vaterländischen in der Partei zu haben. Sollte versucht werden, sie ihnen trotzdem aufzuzwingen, dann müßten sie sich, wenn auch schweren Herzens, für ein andere Lösung entschließen." Gegenüber der deutlichen Drohung mit der Parteispaltung hat er gt nicht erst einen Beschluß der Borstände der deutsch Her nationalen Landesorganisation abgewartet, sondern sich rechtzeitig selbst abgefeßt. 5 Er ist nicht abgefägt worden, weil er das erbärmliche Spiel vom 29. Auguft betrieben hat, nicht aus Schamgefühl darüber, daß er als Neinjager 48 Jajager gegen vier Ministersize verhandeln wollte. Nicht politisches Reinlichkeitsgefühl hat ihm den Hals gebrochen. Er war den Laverrenz und Schlange, den Leuten von der Deutschen Zeitung", zu unsicher, zu kompromißfüchtig, nicht entschieden genug in der Bertretung nationalistischer Kraftphrasenpolitik. Sein Abgang ist eine Konzession an den Rechtsradikalismus. Die Wahlfundgebung der Deutschnationalen, die Rede Westarps, die Abjegung Hergis alles zeigt, wie wenig die Deutschnationalen daran denken, sich zu einer vernünftigen Außenpolitik zu befehren. Die Absetzung ergts zerstört die Lüge, auf Die der Bürgerblock aufgebaut werden sollte, die Lüge von der außenpolitischen Wandlung der Deutsch nationalen. Sie ist eine Ohrfeige für die Bür gerblodfreunde in den anderen Lagern. verdirbt den Bürgerblöcklern das Wahlkonzept. Aber für die Deutschnationalen? Sind sie dadurch wieder ehrlich geworden? Keineswegs: die Schmach bleibt auf ihnen figen, daß sie mit Gesinnung handelten wie mit alten Hosen. Ift ihre innere Krise nun vorüber, werden sie nun den ersehn ten großen Führer" an die Spizze stellen? Gestern abend schrieb die ,, Deutsche Zeitung": = .Bu solch tatenfroher und zukunftsgewisser Zielsetzung bedarf es allerdings eines Mannes von hoher geistiger Schwungtraft, wie sie nur allein einem solchen eignet, der nicht bereits in gewissem Sinne, durch die aufreibende Tätigkeit des Alltags verbraucht ist, men er an seine Führertätigkeit herantritt. Es muß eine Hauptaufgabe der Deutschnationalen Partei fein, sich den neuen Führer genau darauf anzusehen, ob er frisch und unverbraucht genug ist, die ausgefahrenen Geleise der bisherigen Parteipolitit zu verlassen und selbst mit festem Wollen und hohem Streben erfüllt, feiner Partei einen neuen und gewissen Geist" einzuhauchen." An der Stelle von Herrn Hergt erscheint Herr Windler. Seine hohe geistige Schwungkraft besteht darin, daß er weder jasagerisch noch neinsagerisch festgelegt ist. Der neue Führer ist also ein Kompromißprodukt, ein Platzhalter für den kommenden wirklich großen Führer". Den Ünverfür den kommenden wirklich großen Führer". Den Ünverbrauchten, den Schwungkräftigen. Der schließlich auch eine Niete sein wird, wie Kapp und Kahr und Tirpitz. Da sie ihn nie finden werden, wird ihre innere Verwirrung weitergehen. Die Bürgerblockwahlen fangen gut an für die Deutsch nationalen. Wie sag' ich's meinen Kindern? Der dramatische Borgang der Absetzung von Hergt wird in einer parteioffiziösen, beschönigenden Mitteilung in folgen der Form mitgeteilt: Der Parteivorstand der Deutsch nationalen Volkspartei hielt heute im Reichstage eine Sigung ab, in der an erster Stelle die Frage des Wahltampfes erörtert wurde und der bisherige Parteivorsitzende Staatssekretär Hergt entsprechend feiner bekannten öffentlichen Ankündigung mitteilte, daß er den Parteivorsiz niederlege, nachdem die Verhandlungen über die Regierungsbildung ihr Ende gefunden hätten. Der Parteivorstand nahm mit schmerzlichem Bedauern den Entschluß des hoch verdienten Parteiführers zur Kenntnis, sprach ihm den herzlichen -PURP Dank für seine erfolgreiche und selbstlose Leitung der Partei aus und richtete an ihn die einmütige Bitte als Mitglied der Parteileitung weiterhin der Partei seine Kraft zur Verfügung zu stellen, die unter ihm zur stärksten Partei Deutschlands geworden sei. Mit der Parteiführung wurde bis zur saßungsgemäßen Neuwahl der Parteiinstanzen Ende dieses Jahres der Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktion Dr. Windler betraut. zu gleicher Zeit wurde Großadmiral v. Tirpit einhellig zum Mitglied der Parteileitung ernannt. Im Laufe der nächsten Woche werden die Vorsitzenden der Länderverbände der Deutschnationalen Volkspartei zu einer Eizung zusammentreten. Nach dieser diplomatischen Darstellung hat sich die Abfägung des Parteiführers in den friedlichen Formen einer Geburtstagsfeier bewegt. In Wirklichkeit hörte man den Streit und den Lärm aus dem Beratungszimmer der Deutschnationalen bis weit auf den Gang hinausschallen. Die Freude werden Sie nicht erleben!" Während die Deutschnationalen Herrschaften im Reichstag Herrn Hergts Schicksal entschieden, hielt Gen. Heilmann im Preußischen Landtag eine ausgezeichnete Rede, über die wir in der Beilage dieses Blattes berichten. Eine Stelle verdient jedoch besonders in der vollen Ausführlichkeit des stenographischen Protofoills wiedergegeben zu werden. Es entwickelte sich folgendes anmutige Frage- und Antwortspiel: Aber, meine Herren, Sie haben ja Ihren Lohn schon dahin. 3ft Herr Hergt eigentlich noch Ihr Führer?( 3uruf bei der Deutschnationalen Volkspartei: Das geht Sie gar nichts an! Stürmische Heiterfeit.) Meine Damen und Horren, was öffentlich erörtert wird, geht die Oeffentlichkeit an( Sehr richtig! links), und nachdem Sie gestern in der Deutschen Zeitung" gelesen haben: heute bietet die Partei ein Chaos und sie wird sich daraus nur retien, wenn sie diesen Führer"- nämlich Herrn Hergt in den Abgrund stürzt", darf ich doch wohl die Frage stellen.( 3uruf bei der Deutschnationalen Volkspartei: Die Freude werden Sie nicht erleben!) Ist Herr Hergt schon den Weg gegangen, den Herrn Baecker aus der Chefredaktion der„ Deutfchen Tageszeitung" herausgegangen ist( Heiterfeit links), der Herrn Hoesch aus der Kreuzzelung" herausgeführt hat? Herr Hergt ist ja der Verfasser des berühmten Wortes von den„ Amerikanern, die nicht fliegen können". Da interessiert es uns doch, zu wissen, ob Herr Hergt fliegen fann.( Große Heiterfeit links.) Er fann es, fann es besser als prophezeien. Ihm bleibt nur der Trost, daß er nicht der einzige schlechte Prophet seiner Partei ist. Denn zur selben Stunde, da der Ruf erscholl:„ Die Freude werden sie nicht erleben", hatte Hergt schon auss gezappelt. Wer ist's? Landtags; freilich sind ihm die schönen Tage des Dreiflaffenhauses Herr Winckler gehört zum eisernen Bestand des preußischen entschwunden. Dort war er, der Bürgerliche, das ausführende Organ der. hochedlen Junker für die Hausknechtsarbeit der Schlußanträge, mit denen man den Sozialdemokraten das Wort abschnitt. Zuweilen ward er cuch als Verhandlungskommis zu anderen Barteien geschickt, wozu sich so ein Pappenheim oder Arnim- 3üsedom ja nicht gern hergab. Gifrig lief Wincler, hochjunkerlichen Befehlen zu folgen und gar freudigen Herzens, wenn es was recht Mude= und ists wohl noch risches zu tun gab. War er doch dent der evangelischen Generalfynode. Als fgl. Landrat a. D. und Präfi aftiver Rittergutsbesitzer hatte er ouchy die nötige weitliche Daseinsgrundlage. Diesen trockenen Schleicher sich als Führer der größten deutschen Partei" vorzustellen, das geht über die Kraft derer, die ihn fennen. ihn kennen. Durch den notgedrungenen Rücktritt Hergts war eben ein Loch entstanden. Man suchte etwas, um es zu stepfen, fand Herrn Winckler. Die Monarchisten verlangen Aufklärung. Ja oder nein?! Tirpitz in der Klemme. München, 23. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im Anschluß an einen Vortrag, den jüngst Großadmiral a. D. Zirpik por geschlossenem Kreise in München gehalten hat, erhob, wie die demofratische Münchener Allgemeine Zeitung" zu berichten weiß, der deutschynationale banerische Landtagsabgeordnete Professor Bauer, der von Herrn v. Kahr bestellte Vorsitzende der Vaterländischen Verbände, die Forderung, daß eine fünftige Redjtsregierung im Reiche fefert an die Vorbereitungen für die Wiedereinführung der Monarchie, vor allem in Bayern, zu gehen habe. Die Meinung der Versammlung zu diesem Vorschlage war geteilt. Tirpig selbst anwortete ausweichend und ließ durchblicken, daß eine mittelsbachische Sondermonarchie mit seinen prer Bischen Gefühlen nicht ganz in Einflang zu bringen fei. Ein T betont worden sei, daß der Reichskanzler völlig freie and behalte. Die deutschnationale Barteileitung habe sich zwar bemüht, diese Zugeständnisse in einem Brief von Guérarb umzufälscher, Guérard habe aber den Versuch sofort zurüdgewiesen, was auch von Bestarp anerkannt wor den sei. der Anwesenden zollte Professor Bauer, der ganz offensichtlich vom| nach rechts und links zugestanden habe, wobei ausdrücklich Bund„ Bayer und Reich" vorgefchidi war, großen Beifall. Sein Vorschlag fützt sich auf die zwischen den Deutschnationalen und einem erheblichen Teil der Bayerischen Volkspartei bestehende Lebereinstimmung, daß der Wahlkampf die Wege für eine möglichst rasche Wiedereinführung der Monarchie in Bayern frei zu machen habe und deshalb von einer fünftigen Rechtsregierung im Reiche die Mitwirkung an einer gründlichen Umwälzung der Reichs- und Landesverfassungen im Sinne des föderalistischen Bam berger Programmes zu erzwingen sei. Als Hauptpunkte für die Sonderstellung eines monarchischen Bayern werden angesehen: 1. Ein besonderes bayerisches Heeresfontingent zur freien Verfügung der bayerischen Regierung; 2. Abtrennung der baye. rischen Eisenbahn- und Verkehrseinrichtungen von der Reichsbahn A.- G.; 3. wenn nötig, als Vorstufe für die Monarchie eine bayerische Staatspräsidentschaft. in deren Hände einstweilen die wesentlichsten Regierungsbefugnisse gelegt werden sollen, unter Einschränfung der Rechte der Boltsvertretung, darunter auch die Bewilligung der Steuern und die Kontrolle des Staatshaushalts. Die Wahlparole der Volkspartei. Reaktion und politische Unehrlichkeit. Der geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Volks partei hat, wie die Beit" meldet, in voller Einmütigkeit" folgende Wahlparole formuliert: Die Sache wird für die Deutschnationalen immer blamabler! Es zeigt sich, daß sie bei dem Schacher um einige Ministerportefeuilles von einer geradezu astetischen Bescheidenheit gewesen sind. Was soll man aber davon sagen, daß auch der altton fervative Graf von Westarp mit von der Partie gewesen ist und Hergtan Bescheidenheit noch übertroffen hat? Das ist ein Kapitel, das bei der Sitzung der deutschnationalen Landesvorstände weitgehende Berücksichtigung verdient. Hergt ist abgefägt. Und Westarp? Wenn schon, denn schon! Freiheits- und Befreiungspolitie". Ein Aufruf der Putschpartei. Die Nationalsozialistische Partei veröffentlicht einen zweiten Wahlaufruf, der noch deutlicher als der erste zeigt, wohin die Fahrt gehen soll. In dem Aufruf heißt es, die Nationalsozialistische Partei erkenne den durch die Abstimmung vom 29. August geschaffenen Zustand nicht an und fordere den Kampf 29. August geschaffenen Zustand nicht an und fordere den Kampf gegen ihn. Sie rufe das Volk zu einer Freiheits- und Befreiungspolitit. Ein Eintritt in den vom jüdisch- fapitalistifchen Internationalismus geleiteten" Bölkerbund wird als drittes Versailles bezeichnet. „ Die Deutsche Volkspartei wird den Wahlkampf felbständig führen ohne Anlehnung nach fints oder rechts. Die Deutsche Boltspartei wird ihre bisherige Politik der inneren Konfolidierung auch weiterhin verfolgen. So wie bisher die Man fennt die Tonart. Es sind die alten Phrasen, mit denen Außenpolitik der Deutschen Boltspartei die Hitler und Ludendorff ihre Gläubigen in den Bürgerbräuimmer größere Anhängerschaft gefunden hat, so hofft Butsch gelockt haben. Die Deutschnationalen waren da sie auch, daß die Neuwahlen die Grundlage für eine 3 usammen- mals nicht dabei, weil sie es verstanden hatten, sich vorsichtig im fassung immer größerer Kräfte auf der Linie der Hintergrund zu halten. Aber man erinnert sich, daß einer ihrer Mi Deutschen Volkspartei in der inneren Politit nisterkandidaten für den Bürger blod bei einem Gelingen des schaffen werden." Butsches bereit war, in das Direktorium einzutreten. Die neu erwachte Freundschaft der Deutschnaticeralen für die Rechtsputschisten ist also zu verstehen. Die selbständige Führung des Wahlkampfes wird die Bolkspartei nicht verhindern, nach den Wahlen wieder Zu treiberdienste für die Deutschnationalen zu leisten. Die Ansprüche der Großlandwirtschaft. Außenpolitit der Deutschen Volkspartei: sie hat gar teine. Der Kurs der deutschen Außenpolitik ist jahrelang gegen die Deutsche Bolkspartei bestimmt worden. Die Rentenbankhypothek den Landbündlern! Gezwungen durch die Wucht der Tatsachen und die innere Logik der Außenpolitik der Republik, mußte sich die Deutsche Donnerstag, in Berlin zu seiner 54. außerordentlichen BollDer Deutsche Landwirtschaftsrat ist gestern, Volkspartei unter Stresemann trog ihres schwarzweißroten Geredes zu dieser Außenpolitik befehren. Aber immer mußte versammlung zusammengetreten. Zur Frage der Bildung der Herr Stresemann von außenpolitischen Efeleien der Deutsch- Rentenbankereditanstalt hat er folgenden Beschluß gefaßt: nationalen zurückgehalten werden. Diese Mischung aus " Der Deutsche Landwirtschaftsrat muß mit Bedauern festMüssen, Widerstreben und Anderswollen nennt sich„ Außenstellen, daß das Gesez über die Liquidation des Umlaufes an politik der Voltspartei". Diese Wahlparole für etwas, was gar nicht egiftiert, ist ein Humbug. Die Linie der Deutschen Volkspartei in der inneren Politik ist freilich flar genug: feine flare Stellung zur Republik und zur demokratischen Verfassung, politische Reattion gepaart mit fozialer Reaktion, Interessenpolitik für die Großindustrie. Die Volkspartei will den Bürgerblod- das ist ihre innere Konsolidierung". Ihre Wahlparole ist bewußt schwammig, aber gerade deshalb um so deutlicher: Bürgerblod und innere Reaktion, verhüllt durch politische Unehrlichkeit. Zentrum und Deutschnationale. Die Unterhändler berichtigen. Auf die Behauptung des deutschnationalen Wahlaufrufes, das 3entrum habe sein Bort gegenüber den Deutschnationalen nicht eingelöst, stellen die Unterhändler des Zentrums v. Guérarb und Lammers fest, daß das Zentrum ben Deutschynationalen für den Fall einer Annahme der Dawes- Gesetze durch ihre Fraftion lediglich eine entsprechende Vertretung in den Ausschüssen zur Durchführung des Gutachtens und eine entsprechende Berücksichtigung bei Verhandlungen über eine Regierungserweiterung Ein Opfer des Amazonas. -Bon Joh. Kregen. Die deutsche Landwirtschaft, die ohte Mitverantwortung floatlicher Organe zu zwei Dritteln die Last für die Wiederherstellung der deutschen Währung übernommen und getragen hat, und nunmehr zur Tilgung der aus diesem Anlaß bei der Renterbant aufgenommenen Reichstredite verpflichtet worden ist, muß für sich das Recht und die Fähigkeit in Anspruch nehmen, die bei der Deutschen Rentenbank zur Sanierung ihrer eigenen Kreditnot ver= fügbar gebliebenen geringen Mittel durch ihre eigenen Organe zu verwalten. Liest man die Entschließung, so wird man geradezu auf den Gedanken gestoßen, daß die Umgestaltung der Deutschen Rentenbank ausschließlich eine Sache des Reichslandbundes und seiner amtlich angestrichenen Filiale, der Breußischen Hauptlandwirtschaftskammer sowie des Deutschen Landwirtschaftsrats sein soll. In der Generalversammlung der Deutschen Rentenbank wiegt der Einfluß der politisch organisierten Großlandwirte derart vor, daß eine Er füllung der vom Landwirtschaftsrat erhobenen Forderungen geradezu eine Preisgabe der kreditbedürftigen mittleren und fleinen Landwirtschaft an den Großgrundbesitz bedeuten. würde. Es ist zum erstenmal in der Geschichte des Bankwesens, daß eine private Intereffengruppe mit dem Anspruch auftritt, eine sta at i ich festgesezte Generalhypothek auf die deutsche Landwirtschaft ohne jede wirksame Kontrolle an sich zu ziehen. Denn die maßgebenden wirtschaftlichen Verbände der deutschen Landwirtschaft, insbesondere die Genossenschaften, sind in dem bisherigen Rentenbankstatut vollkommen in den Hintergrund gedrängt; eine wirtsame behördliche Kontrolle, die durch eine bloße Aufsicht des Reiches feineswegs ersetzt werden kann, wird in der Entschließung abgelehnt. Dabei beruft man sich in großen Tönen auf die Fähigkeit, die die Rentenbank angeblich bisher bei der Finanzierung der Landwirtschaft gezeigt haben soll. Die Bauernorganisationen sind aber darüber anderer Meinung. Sie haben gegen die einseitige Kreditpolitik der Rentenbank wiederholt aufbegehrt. Auch sonst bestehen gegen die von den Landbündlern geforderte Umstellung der Rentenbank schwere Bedenken, auf die noch näher einzugehen sein wird. Schon jetzt hat man aber den deutlichen Eindruck, daß es dem Reichslandbund darum zu tun ist, mit dem unkontrollierten Recht auf zwei Milliarden Mart Hypotheken der Landwirtschaft sich ein wirtschaftliches Machtmittel zu sichern, das es feinen eigenen politischen 3weden nugbar machen Reichskabinett diesen Bestrebungen ohne weiteres nachgibt, will. Wir können nicht annehmen, daß das gefchäftsführende zumal ihm für die Gründung der Rentenbankkreditanstalt eine ausdrückliche Ermächtigung des Reichstages fehlt. Rente umartſcheinen infolge des Einspruchs des Organisations Reichspräsident und Untersuchungsrichter. Kommunistisches Gerede. Die Rote Fabne" hält in ihrer heutigen Morgenausgabe ihre Behauptungen aufrecht, daß der Reichspräsident mit dem untersuchungsrichter Vogt über den Prozeß gegen die Mitbezieht sich dabei auf ein Altenstüd, in welchem der Untersuchungs glieder der Kommunistischen Bentrale verhandelt habe. Das Blatt richter felbft zwei Besprechungen mit dem Neichspräsidenten ver. merkt habe. Wie wir erfahren, bat der Untersuchungsrichter diese Unterredungen nicht mit dem Reichspräsidenten, sondern mit dem wirklich an der betreffenden Stelle fich das Wort„ Reidepräsident von selbst ergibt, nur der Reichstagspräsident gemeint sein. Deni finden würde, so fönnte damit, wie sich aus dem Zusammenbang präsidenten, dem Landtags und dem Reichs direktor di es ist ausdrücklich von Verhandlungen mit dem Landtags präsidenten, dem Landtags und dem Reichs direktor di tebe, außerdem handelt es sich ja um die Haussuchung im tomitees für die Goldnotenbank in einer Fassung verabschiedet worden ist, welche die fünftige Gestaltung der notwendigen Kre. bithilfe für die deutsche Landwirtschaft offen gelassen hat. Die Regelung dieser Frage ist ein Gebot der daß die in§ 9 des genannten Gefehes vorgesehene Errichtung einer Stunde. Der Deutsche Landwirtschaftsvat fordert einstimmig, landwirtschaftlichen Kreditanstalt unverzüglich und in engster Anlehnung an die erfolgte Umgestaltung der Deutschen Renten bant vorgenommen wird. Träger der Rentenbanktreditanstatt fönnen nur die in der Geichstag& präsidenten Wallraf gehabt. Wenn in dem Altenstikt neralversammlung der Deutschen Rentenbant vertörperten grundschuldberpflichteten Landwirte fein. Eine Bertretung ber feit aftersher mit der Vermittlung des landwirtschaftlichen Kredites beschäftigten und darin bewährten Institute in den Organen der Rentenbankfredttanstalt ist gleichwohl nur zu begrüßen. Für eine anders geartete Bertretung der Länder, durch welche die Selbst. perwaltung der Rentenbankfrebitanstalt in der Hand der beut fcher Landwirtschaft in Frage gestellt werden fönnte, fann ein Be dürfnis um so weniger anerkannt werden, als die Unterstellung der Anstalt unter die Aufsicht des Reiches die fagungs gemäße Berwaltung der Mittel und die Berücksichtigung der Kre. ditbedürfnisse in den einzelnen Landesteilen verbürgt. Meter hohen Roroima; westwärts reifte er meiter zum Orinoco, den durch dessen Bifurkation( Gabelung) entstandenen, 400 Kilometer fangen Cafiquiare entlang fübwärts und schließlich auf dem Rio Negro zurüd zum Amazonas. Aus dem nördlichen Brasilien, aus Manaos, dem Vorposten der Bei diesen Reisen zu Wasser und zu Lande hat Koch- Grünberg Zivilisation am mittleren Amazonas, kommt die Trauernachricht, daß ungeheure Strecken zurückgelegt. Seine Wirksamkeit als geographidort der deutsche Südamerikaforscher Theodor Koch- Grünscher Forscher hat manchen weißen Fled in den südamerikanischen berg ein Opfer der heimtüdischen Tropenkrankheit, der Malaria, Karten verschwinden machen. Aber höher steht seine Tätigkeit als geworden ist. Der Forscher wollte eben seine vierte große füdameri Ethnograph, seine Wirksamkeit für die Bereicherung der Bölkerfanische Forschungsreise beginnen. Seine Expedition sollte gefunde. Manche Indianerstämme hat der Forscher als erster Euromeinsam mit einer von Norden vordringenden amerikanischen päer überhaupt, viele andere Stämme als erster wissenschaftlich ge= Schulter Europäer besucht. Und vor allem: er hat den roten Männern Expedition Aufklärung über das Quellgebiet des Orinoco bringen, jenes mehr als 2200 Kilometer langen, im eine große Liebe zugewandt, die für feine Forschungen außerordent Grenzgebiet von Brasilien und Venezuela entspringenden Haupt- lich fruchtbar geworden ist. Alle Seiten der Indianerexistenz hat er fluffes von Venezuela, der schon Alexander v. Humboldt feffelte. Apparat hat ihm soviel Ausbeute gegeben, wie der im Notizbuch in den Bereich seiner Beobachtung gezogen. Der photographische Der Drinoco ist bis zu seinen Quellen bis heute nicht erforscht, wenn auch jenes Phänomen, daß er seine Wasser sowohl nach Norden zum festgehaltene Eindruck. Die Menschen an sich haben ihn gefesselt, Karibischen Meer, wie auch durch den Cafiquiare nach Süden zum wie auch alle ihre Lebensäußerungen von der Geburt bis zum Tode. Rio Negro und dadurch zum Amazonas fendet, zuletzt noch durch Er hat Feststellungen über den Beugungs- und über den Geburtsaft, Koch- Grünberg flargestellt worden ist. über die Aufzucht und die Erziehung der Kinder treffen fönnen, alle Bemühungen um die Lebensbedürfnisse hat er kennengelernt. Auch die geistigen Lebensäußerungen, Religion und Dichtung, Tanz und Gefang, find ihm bekanntgeworden. Roch- Grünberg hat die Ergebnisse seiner beiden legten Reisen außer in Leildarstellungen hier und dort in mehreren großen Werken aufammengefaßt. Ueber die Reise in den Jahren 1903/05 berichtet das Wert zwei Jahre unter den Indianern", das in einer einbändigen Bolfsausgabe 1921 bei Streder u. Schröder unter dem Titel 3 wei Jahre bei den Indianern Nordwest Brasiliens" neu herausgekommen ist. Die lehte Reife ift in cinem fünfbändigen Wert, dessen noch fehlender Band wohl vor der Abreise des Forschers zu seiner neuen Reise abgeschlossen worden ist, unter dem Titel Bom Roroima zum Orino ca", Ergebnisse einer Reise in Nordbrasilien und Benezuela in den Jahren 1911 bis 1913", dargestellt. Beide Werte sind Fundgruben für den Ethnographen sowohl, wie für den allgemein an der Soziologie der Naturvölker Interessierten. Es sind Zeugnisse für Stämme und Kulturen, die sich in rascher Zersehung befinden. In Zersehung deshalb, weil der rote Mann überall dort starte Veränderungen im Charakter und in seinen Beziehungen zur Natur erfährt, wo er dem Einfluß der Weißen" unterliegt. Theodor Koch- Grünberg gehört zu jener Forschergeneration, non ber man nichts Größeres fagen tann, als daß sie nichts anderes wollte, als der Wissenschaft zu dienen; nicht irgendeiner angewandten, im Effekt Geld und Gut einbringenden Wissenschaft, sondern jener Wiffenschaft, die einfach Fragen, die ohne Antwort bleiben müssen, nicht erträgt, die diese Antworten so lange sucht, bis sie sie gefunden hat. Ihn reizten die Eintragungen" terra incognita"( unbekanntes Land) in den brasilianischen Karten; ihn reizte die große Frage, die dahinter verborgen ist. Bei seiner Reise zu Anfang des Jahrhunderts ging er vom Amazonas dessen größten linten Nebenfluß, den Rio Negro( Stromlauf über 2000 Kilometer), hinauf bis dorthin, wo dieser, vom Norden kommend, die scharfe Biegung nach Osten macht. Bon hier aus wendete sich der Forscher nach Westen in das brasilianisch- folumbianische Grenzgebiet und erforschte dies, den Flüssen folgend, nach allen Richtungen. Bei seiner legten Reise Bei seiner legten Reise folgte er wieder erst dem Rio Negro und dann seinem großen Nebenfluß, dem Rio Branco, nach Norden. Er gelangte bis zum 2600 | Diese in jedem Betracht ungeheure Leistung wurde erzielt unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen. Die Gebiete, die Koch- Grünberg bereiste, liegen in unmittelbarer Nähe des Aequators. Das riefenhafte Becken des Amazonas, zu dem fie im weiteren Sinne gehören, ist so ungefund wie möglich. Fieberfrant heiten( deren einer der Forscher jekt erlegen ist) fordern fortwährend Opfer ohne Zahl. Giftige und ungiftige Schlangen, große Raub tiere, zahlloses Ungeziefer alle find Gefahren für den Menschen und insbesondere für den Gringo, den landesungewohnten Europäer. Die Elemente der Natur selbst find seine Gegner: regnet es im Amazonasgebiet, so fallen Waffermassen vom Himmel, aus Rinnfalen werden reißende Bäche, aus Bächen Ströme. Weite Strecken werden unpaffierbar. Auch der Bootfahrt fann dann leicht ein Halt geboten sein: die Flüsse führen Bäume mit in reißender Strömung, Uferland treibt als schwimmende Insel in den Fluten. Auch unter sozusagen normalen Berhältnissen ist die Kom munitation schwierig: ein Kilometer im Wald des nördlichen Brasiliens mag der hundertfachen Entfernung auf deutschen Wegen und Faschinenmesser) mag man sich mühsam den Weg bahnen. Selbst im Kraftaufwand entsprechen. Nur mit Foiçe und Facao( Haufichel die größeren Tiere der Wildnis fönnen sich nur auf ihren in langen Zeiten mühsam durchbrochenen und ausgetretenen Pfaden bewegen. In den Wohngebieten der Indianer, die sich allerdings gern längs der Flußläufe ansiedeln, dann Kanoes anzufertigen und auf den schwierigsten Gewässern zu handhaben missen, gibt es uralte Landwege, anscheinend unter Benutzung von noch älteren Wildpfaden entstanden. Aber was heißt im Urwald Weg! In tausend Windungen, der Linie des geringsten Widerstandes folgend, um alle starten Bäume herumführend, zieht sich ein Pfad durch ein Unterholz, das man nach deutschen Begriffen gut und gern als ein dichtes Nieder holz bezeichnen fönnte. Einen Forscher sich auf solchen Pfaden mit feinen immer größeren Gepäck vorzustellen, ist fast unmöglich. Die | Parlament. in Duisburg hat die Einreisegenehmigung des Reichsinnenministers Jarres bleibt ausgewiesen. Die belgische Beratungsbehörde Dr. Jarres und die Uebernahme der Geschäfte des Oberbürgermeisters in Duisburg durch Jarres erneut versagt. Hochachtung vor solchen Leistungen steigt, je mehr man die Schwierig. feiten fennt. Ein Opfer der Wissenschaft ist ieht Theodor Roch- Grünberg geworden: der Amazonas- lodend mit immer noch unzähligen Rätfeln und gefräßig wie Moloch hat ihn gefordert, wie er Jahr für Jahr mit seinen Fieberdünsten tausende und wieder tausende üngenannte als Opfer fordert. Radio- Wahleede. Grau, von der tiefen Dämmerung ungeheuer geweitet, unter einem fließt im Nebel. Lichtreflamen werfen bligartig ihr gelbes, grünes Bleicher Himmel, liegt der Trafalgar Square. Die Nelfonsäule zerund rotes Licht in seine von grellen Lichtstraßen umrahmte Dämmerung. Gedämpft nur flingt, wie ein fernes großes Bumpwert, in feine Stille das Rauschen der Autos und Omnibusse, die in einer Rette ohne Ende auf dem federnden Holzasphalt Londons dahingleiten. Asquith spricht, 500 Rilometer entfernt, in Baisley, seinem Wahlbezirk. Aber der Neubau am Südwestende des Squares, ein moderner Eisenbetonbau, eingehüllt in die Verschalung eines Holzgerüftes, grell angeleuchtet von den Gaslaternen der Straße, trägt Die Sprachrohre, drei Trichter, die so ungehörig- sinnlos aus dem Holz des Baugerüftes herausragen wie Kanonenrohre aus einem Getreidefeld. Davor auf dem Blag ein paar Tausend, wie zögernd fich versammelnde Menschen, herumstehend, auf dem Rand der Baffins fizend, an die Sockel der Denkmäler gelehnt, ein wenig fröftelnd und ohne jede Zusammengehörigkeit, zu der jeder ge= schlossene Raum die Menge zusammenschweißt. Blöglich schallt aus den Trichtern ein Klappern, als ob Teller aufeinandergestellt würden: Asquith wird in Baisley begrüßt. beginnt seine Rede. Seine Stimme schallt übermenschlich aus den Er Trichtern heraus. Sie ist hier lauter als in Wirklichkeit; sie tönt über den ganzen riesigen Plak. Jedes Wort ist deutlich, wenn auch manchmal eine Silbe von einer Autohupe verschlungen wird. Es ist die Wahlrede des Führers einer Oppositionspartei. Also muß man anflagen, muß den Gegner, der nicht antworten fann, aufs Glatteis führen und ihn lächerlich machen. Asquith zieht alle Register der Biederfeit und des donnernden Ernstes. Die Zuhörer auf dem Trafalgar Blah fröfteln. Es fehlt der Kontakt zwischen dem Redner und den Zuhörern. Freilich ist man trog solcher nur zu offenbaren Mängel feinen Augenblick darüber im Zweifel, daß diefe Neuerung der jüngsten Jahre, diese Einstellung darstellt. Man ist sich darüber klar, daß sich hier unerschloffene Möqdes Radio in den politischen Kampf einen bedeutsamen Fortschritt lichkeiten der Erziehung zur Politik bieten. Wichtige Parlamentsfigungen fönnen ungezählten Zuhörern übermittelt werden, die nichts anderes zu tun haben, als den Kopfhörer umzuschnallen; wichtige Reden von Staatsmännern und Parteiführern fönnen in einer unbegrenzten Anzahl von Versammlungen gleichzeitig gehört werden. Die Zeitung ist nur eine zu schmale Brüde zwischen den politischen Führern und den Massen. Das gesprochene Wort, das durch Radio vermittelt wird, mag leichter Eingang finden als das gedruckte, und dadurch helfen, die Basis, auf der die Demokratie steht, zu erweitern. Egon Wertheimer, London. Bayerischer Partikularismus. Der Finanzminister fordert Rückübertragung der gesamten Finanzverwaltung. Republikschuh verboten! 2 Monate Feftung für einen sozialdemokratischen Redakteur Leipzig, 23. Oftober.( Eigener Drahtberidyt.) Der verantwortliche München, 23. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im baŋeri- Redakteur der„ Leipziger Boltszeitung", Genosse Ernst Frenzel, schen Landtag, der nach einer Pouse von etwa drei Monaten ist am Donnerstag von dem Amtsgericht zu Leipzig zu 3 mei mo= am Donnerstag vormittag wieder zusammentrat, legte Finanzminister daten Feftungshaft verurteilt worden. Franzel wurde beKrausned den Doppeletat für die Jahre 1924 und 1925 vor. schuldigt, die Staaissicherheit dadurch gefährdet zu haben, daß er Der Finanzminister stellte dabei fest, daß es gelungen sei, dos Gleich über den befannten Konflikt Geßler- 3eigner wegen der gewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Der ordent- schwarzen Reichswehr Dinge veröffentlicht hatte, die in einem Ausliche Haushalt für 1924 schließt in Einnahmen und Ausgaben schuß des sächsischen Landtages bereits zur Sprache gekommen waren. mit rund 544 Millionen ab, jener für 1925 mit mit rund Die Berhandlung erfolgte unter Ausschluß der Deffentlichkeit, 562 Millionen Goldmart. Der außerordentliche Das Urteil bedeutet eine neue Rechtsbeugung. Haushalt für 1924 weist einen Ausgleich auf mit Der Sinn der Beröffentlichung in der Leipziger Bolfs16 790 000 m., der für 1925 mit 34 680 000 m2. Die Staatsaus- zeitung" und in anderen sozialdemokratischen Blättern war, gaben für 1924 sind gegen jene des letzten Borkriegsjahres 1913 den Staat sichern und die Vorbereitungen zum Umsturz um 54 Proz gestiegen. Der Grund hierfür liegt hauptsäch von rechts verhindern zu helfen. Nur deshalb erfolgten die lich in dem Mehraufwand für Besoldungen und Versorgungsbezüge. Veröffentlichungen. Es läßt tief bliden, wenn heute noch die Die Zahl der Beamten( 52 000 bayerische Landesbeamte) hat sich Möglichkeit besteht, daß republikanische Richter den Willen gegenüber 1913 um rund 4000 vermehrt. Abgebaut wurden bisher zur Staatserhaltung mit Festung bestrafen können. etwas über 7 Proz. der Landesbeamten. Unter den Betriebshaus. holten steht der Haushalt der Staatsforstverwaltung an erster Stelle. Er schließt für 1925 mit 72 Miuionen Roheinnahmen ab, denen 34 Millionen Betriebsausgaben gegenüberstehen, so daß eine Reineinnahme von 38 Millionen erzielt wird. Der Haushalt der Berg, Hütten- und Salzwerte ergibt eine Ablieferung von rund 200 000 Soldmark jährlich. An direkten Steuern weist der Haushalt für 1924 eine Einnahme von 355 Millionen, für 1925 eine solche von 361 Millionen auf Das sind etwa zwei Drittel der gesamten Staatseinmahmen.. Davon fließen allerdings 113 Millionen den Gemeinden und Kreisen als Steuermaterial zu. Der Finazminister gab im Zusammenhang mit der Etatsberatung u. a. noch bekannt, daß die Berhandlungen zur Ueberführung jämtficher bayerischer Staatsbetriebe in privatwirtschaftliche Form abgefchloffen sind. Auch das Hofbräuhaus, dessen Lage nicht ungünstig ift, soll in privatkapitalistische Betriebsform übergeführt werden. Am Schlusse seiner Ausführungen über den Haushaltsplan forderte der Finanzminister grundsäglich die Rüdübertragung der gefamten Finanzverwaltung an die Länder, um die Selbstverantwortlichkeit der einzelnen zu steigern. Nicolai auf Kriegspfaden? Schlachtpläne gegen den Vorwärts". " Halle, 23. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Biz dem„ Boltsblatt" von einem abfolut zuverlässigen Teilnehmer mitgeteilt wird, hat vor einigen Tagen im Hotel Stadt Hamburg eine Vertreterkonferenz der Deutschnationalen stattgefunden, auf der u. a. auch der bekannte Leiter des Kriegspresseamtes, Oberst Nikolai, sowie der deutschnationale Ministerkandidat Kamerad Leopold" teilgenommen haben. Die Herrschaften zerbrachen sich darüber die Köpfe, wie der politische Einfluß des Vorwärts" auf die deutsche Bevölkerung gebrochen werden könne. Nach stundenlangen Gehirnverrenfungen famen sie zu folgendem genialen Beschluß:„ Alle verfügbaren Kräfte sollen für die Verbreitung eines in Berlin erscheinenden Antisemitenblättchens eingefeht werden. Dies soll den roten Borwärts" allmählich auf folgende Weise verdrängen: Das Antisemitenorgan foll den Arbeitern in den Betrieben und in den Berten eine Zeitlang gratis zur Verfügung gestellt werden. Gegebenenfalls will man es den in Frage fommenden Arbeitern bändig gratis zustellen." Da diese Methode schon alt und ihre Anwendung in ähnlichen Fällen bisher regelmäßig mißglüdt ist, darf man den Herrn Kriegspressechef und den Kameraden Leopold" wohl fragen, mer sie auf diese politische Schnapsidee gebracht hat. Für die Arbeiterschaft, die erfahrungsgemäß auf solchen Schwindel nicht hereinfäät, ist es übrigens sehr interessant, daß der Leiter der Kriegspressezentrale gleichzeitig Pressematador der deutschnationalen Boltserneuerungspartei ist. Dr. Ofann, ein befannier Führer der Boltspartei, ist geftor ben. Er war hessischer Landtagsabgeordneter und früher auch Reichstagsabgeordneter. nayat Khan über den Sinn des Lebens. Bevor man einen indischen Weltweisen hört, weiß man schon, daß er in soundso viel Ausdrucksmöglichkeiten von erfaßtem Gefühlsleben reden wird, und daß er durch seine Lehre die Gefühle der gesamten Menschheit organisieren will. Der Orient tommt uns stets religiös, stets ge fühlsmäßig. Das wird erklärlich, wenn wir das Klima berück fichtigen, baran denken, daß die Orientländer Agrarländer sind, und überdies die politische Unfreiheit der Bölter nicht außer acht lassen. nayat Khan, der Führer der Sufi Bewegung, der in der irania über den Sinn des Lebens" fprach, will eine religiöse Bereinigung, in der die Menschen sich finden in Liebe und Schönheit. Die Natur ist das Buch aller Bücher. Religion ist das Streben nach einem Ideal die Grundlage der Sittlichkeit ist Liebe. Durch innere Betrachtung gelangt man zur Herrschaft über sich felbst. Gottesdienst ist, wenn man das göttliche Leben in allem fucht, was um einen besteht. Die Sufi- Lehre in Ehren( das Gute, das sie will, hat sie mit vielen, vielen Lehren gemeinsam), aber als ein in einem abendländischen Industrieland lebender Sozialiſt fann man wohl der Meinung sein, daß die innere Betrachtung nur einem kleinen Kreis praktisch möglich ist. Für die große Masse der Ausgebeuteten muß, bedingt durch eine andere Wirtschaftsordnung, der tägliche Kampf ums tägliche Brot erst mildere Formen angenommen haben, bevor sie überhaupt einmal Zeit zur Beschaulich feit findet. Und sollte dann nicht vielleicht doch der Sozialismus die Botschaft des Abendlandes an das Morgenland fein? e. b. Reaffionäre Flegeleien im Kopenhagener Opernhaus. In der dänischen Hauptbt wird lebhaft ein Zwischenfall besprochen, der fich im Kopenhagener Opernhaus bei einer Borstellung ereignete, an ver auch der sozialistische Unterrichtsminister, Frau Lira Bang, teilnahm. Studenten fangen am Schluß der Borstellung das Kompflieb„ König Kristian", das als Provokation gegen die demokratische Aera betrachtet wird. Es kam zu erregten Szenen im Barkeit und cuf der Bühne, wo einzelne Schauspieler und Schauspielerinnen zum Protest gegen die Reform des Unterrichtsministers bei der Hofoper mitfangen. Angeblich war die Demonstration von einem Kopenhagener Großindustriellen inszeniert. 44 In der Over am nigsplah wird Sonnabend statt der ursprünglich angekündigten Zauberflöte" Ziefland" gegeben. Anfang 7 1hr. Zur Erinnerung an Anatole France findet ein Berlegertee am Sonnabend in der„ Gondel", Bellevuestraße 4, für den Kurt Wolff Verlag statt. Es lesen: Ernst Blaß. Dr. Sturt Hiller, Dr. Huelsenbeck, Fränze Roloff, Beli Samih. Beginn 5 Uhr. Eintritt frei. Roßbach in Deutschösterreich. Im Nationalrat zu Wien brachte Roßbach in Deutschösterreich. Im Nationalrat zu Wien brachte Abg. Gen. Witterniga eine Anfrage darüber ein, daß Roßbach in Salzburg Volks- und Mittelschüler fowie Lehrlinge zu militärischen Gesinnten fomme. Es wird gefragt, feit wann Ausländer im Lande lebungen heranziehe, wobei es oft zu Zusammenstößen mit anders Privatmilitär ausbilden und leiten dürfen. Um den britischen Bürgerwahlblod. London, 23. Oftober.( Eigener Drahtberid.) Rommender Mittwoch ist Wahltag. Der Wahlkampf schlägt hohe Wellen. Die Leidenschaften äußern sich in sehr zahlreichen Störungen von Wahlversammlungen. Das liberale Hauptquartier gibt bekannt, daß es nicht daran dente. in jenen Wahlkreisen, wo ein liberaler Randidat nicht aufgestellt sei, den liberalen Wählern die Stimmab gabe zugunsten der Konservativen vorzuschlagen. Man taun in dieser Ert'ärung einen Erfolg der linksliberalen Gegner eines Bürgerblocks Modell Lloyd- George erblicken. Es kann aber auch ein Manöver zur Abwehr des Macdonaldschen Kampfes um das demokratische Gewiffen und die Partelehre der Liberalen sein. Lloyd George erflärte in einer Bersammlung, daß nad) den Wahlen mit Sicherheit die Konservative Partei ars Ruder tomme. Die Liberalen würdet jedenfalls die Konservativen unterstützen. Auf eine Frage, wie sich die Liberalen weiterhin zu einer tonfervativen Regierung verhalten würden, antwortete Lloyd Ge orge: Wir werden nie einer guten Maßnahme der konservativen Regierung die Zustimmung verfogen, nur weil sie eine Maßnahme der Konservativen ist. Wir werden allerdings, wenn uns Vorschläge der Regierung bedenklich und gefährlich erscheinen, ohne Rücksich hafter parlamentarischer Arbeit und der einzige Weg, auf dem Abauf die Folgen, dagegen stimmen. Das ist der einzige Weg ernstgeordnete ihre Pflicht gegenüber ihren Wählern erfüllen fönnen. OC. vor dem Freispruch. ( Fortsetzung aus der zweiten Beilage.) = In der Nachmittagsfihung wurde dann die Vernehmung der Angeklagten fortgesetzt. Nachtem die Verhältnisse in der Zentrale München und die Tätigkeit des fächsischen Bezirksleiters Rapitän v. Abendroth geflärt waren, wurde nunmehr der Breslauer Leiter der D. C., Freiherr v. 3edlih eutirch vernommen. Die Sagungen der D. C., so erklärt Freiherr v. Bedliß, habe ich nie gekannt. Für mich hat es sich allein um das Schicksal Oberschlesiens gehandelt. Auch Ehrhardt tam für mich erst in zweiter Linie; ich Bannte ihn als braven Führer. Ob er vor dem Gesetz Hochperrat begangen hat, ist mir ganz gleichgültig. Ich bin zweimal, das letzte Mal nach dem Erzberger- Mord verhaftet worden. Bors: Betrachteten Sie die D. C. nach dem Erzberger- Mord noch als bestehend? Angeklagter: Als fefte Organisation habe ich die D. C. nie betrachtet. Wenn so das Vorbringen der Agenten und Zuträger in nicht zerfiel, fonnte doch erwartet werden, daß irgendetwas von Belang zu ermitteln sei, als Abgeordnete und Schriftleiter von 3eitungen bestimmte Behauptungen öffentlich aufgestellt und sich den Anschein gegeben hatten, als ob ihnen bestimmte Tatsachen unterlagen und zuverlässige Beweismittel zu Gebote stehen. Auf die Anhörung dieser Abgeordneten und Schriftleiter wurde besonderes Gewicht gelegt. Aber sie tonnten nichts befunden, was auch nur die Möglichkeit gewährt hätte mit weiteren Erhebungen einzusetzen. Einer von ihnen gab in der Untersuchung fol„ Wir sind als Parlamentarier veranlaßt, gende Erklärung ab: manchmal mit Kombinationen zu arbeiten, dadurch auf den Busch zu flopfen, daß wir Behauptungen auf Grund glaubhafter Kombinationen aufstellen, um zu sehen, wie die Regierung darauf er widert, ob sie in der Lage ist, die Behauptungen ernstlich zurüd. zuweisen und zu widerlenen." Im übrigen stellte sich heraus, daß war, ben eine sächsische Polizeibehörde am 17. März 1922 über die Angaben des wegen Landesverrats festgenommenen Hauptmanns a. D. Wilhelm v. P'odowiti aufgenommen hatte. Allein v. Plodowski war seit dem Jahre 1919 wiederholt wegen Geistestranfheit in Behandlung und Beobachtung gewefen. Er war schon fuchung wegen der Ermordung des Ministers Rothenau gehört am 28. Juni 1922 in der Heilanstalt in Doefen zu der Unterwoorden. Der Unwert seiner Angaben stand fest. Ferner war die Frage zu prüfen, ob die D. C. die Vorbereitungen eines Die Unterfuchung ergab die zweifeisfreie Berneinung hochperräterischen Unternehmens bezwedt habe. dieser Frage. Die Veröffentlichungen in der Zeitschrift„ Wifing" standen dem Versuch einer gewaltsamen Aenderung der Berfassung des Reiches oder eines Landes ablehnend genenüber. Die zeug für Vertrouens eute" und der Blan für Schaffung einer an einzelne Mitglieder ausgegebenen Abhandlungen Geistiges RüstBressezentra e", der in den Akten der Abteilung P. oder D. C. geführt wurde, fahen nur den Rampf mit geistigen Dann folgte die Vernehmung des Leutnants Koppe, des Führers der Sturmtompagnie in Oberschlesien. Vorf.: Sie nahmen für solche Behauptungen insbesondere der Bericht verwertet worden in München einmal an einer Sikuna teit, die Ehrhardt leitete? Angeflagter: Jomohl. In dieser Sigung verbot Ehrhardt alle Eigenmächtigkeiten der Unterführer, die zu Putschen führen fonnten. Borf.: Sie find fomohl nach dem Erzberger= ols auch nach dem Rathenau Mord verhaftet worden. Gie kennen doch die Statuten? Wie dachten Sie sich den Kampf gegen die Verfassung? Ang fagter: Den Kampf gegen die Weimarer Verfassung predigten alle Rechtsparteien. Ich per lie mich dabei auf den Führer. Weshalb die D. C. geheim organisiert wurde, ist doch in geheimer Sigung dargelegt worden. Der Beseitigung der Regierung galt die Tätigkeit der D. C. doch nicht. Angeklagter Korvettentapitän a. D. Ehrentraut schilderte, daß er durch die Gründung von Offiziers- und Mannschaftsftamm: tifchen die Kameradschaft der von ihm geführten Decoffiziers fomnognie aufrechtzuerhalten fudhte. Im Frühjahr 1921 fei_er in Berlin mit dem Savitanleutnant Werber zufammengetroffen und man habe für den Fall eines Polenaufstandes, die Aufstellung Truppe zur Miebertämpfung innerer Unruhen fchaffen und Sie von Abwehrkomragnien besprochen. Borf.: Sie mollien doch eine haben doch eine der Regierung recht feindliche Haffung eingenommen. Ungeflagter: Das ist wohl erflärlich, wenn Sie sich in die Seele eines Offiziers hineinverfegen, der aus feinem Beruf geworfen wurde und als er fich fräter zur Verfügung stellte, wieber ohne Dant nach Hause gefchickt wurde. Borf.: Es waren doch aber green Ihre Organisation so starke Berdachtsmomente aufgetreten, daß Sie eigentlich die Kühle der Regierung hätten verstehen follen. Rechtsanwalt Dr. Sa d: Herr Bräsident. Sie haben heute mehrfach ausgesprochen, daß die Regierung und die Preffe mit Recht Btrauen gegen die D. C. geäußert hätten. Dann aber hat der Staatsgerichtshof auch die moralische Pflicht auszusprechen, weshalb der Staatsanwalt in Offenburg den Schleier von dem Geheimnis der O C. nicht wegezogen hat. 1921 wurde die D. C. von der Raierung, als durch den Polenaufstand die Ministersessel wadelten, gerufen, um zu helfen. von ihm cb. Ueber die Berliner D. C. wurde dann Major a. D. Viebia bernommen. Er hat als Organisator der Einwohnerwehr 1919 einen falschen Namen geführt, da seine Bost ausspioniert wurde. Diefen Namen hat er näter auch beruht. Vors.: War der Ra thenau- Mörder Techow in der Berliner D. C.? Angeflag ter: Techom besorgte für mich Bost und ich holte sie auch Der Angefl. Sto bmaffer hat mit Major Viebia in Berlin zusammen aarbeitet. Shm feien nur die rein militärischen Ziele der D. C. bekannt gewefen. Verf.: Welche Beziehungen hatten Sie zu Techow? Angeklagter: Er trot als 3eitfreiwilliger in meine Gruppe ein. Bors.: Surach Techow in regie rungsfeindlichem Ginne? Angeklagter: Das ist zu viel gesagt. Wir waren selbstverständlich nicht mit allem einverstanden, was die Regierung tat, aber von Butschen oder Attentaten ist niemals die Rede gewesen. Politiche Debatten waren fast verpönt, denn wir maren fein Soldatenrat! Kervettenkapitän a. D. erber war erster Vorsitzender des Vereins ehemaliger Ehrhardt- Offiziere. Er schilderte, daß er zum Kommandeur des Regiments Süd in Oberschlesien bestimmt gewesen habe. Die ganze Politifosterei ist mir verhaßt. fo erklärte der Ange jei und daß er Maior Biebig zu seinem Generalstabsoffizier gemacht flagte. Ich habe lediglich versucht, in die Eldaten wieder olten Golbat ngeist hineinzubringen.( Beifall im Saal.) Die ganzen Statuten der D. C. fümmerton mich nicht. Ich hatte nie dos Gefühl daß Sie ist, ganz im die Organisation Conful ein Geheimbund war. Gegenteil, nach meinem Empfinden durchaus legal oder sagen wir, fogar offiziös gewesen.( Bewegung.) Der letzte Angeklagte ist ber Oberleutnant zur See a. D. Wehr mann, der als einer der ersten zur Ehrhardt- Brigade fam. Reichsanwalt Miethammer: Sie haben in München mit den anderen Herren mindestens auch über soziale Fragen gesprochen. Angeri.: Nur über die Nationalsozialistische Partei, da ich dieser Rechtsanwalt Vereinigung vollkommen fremd gegenüber ftand. Dr. Quetgebrune: 3ft für Ihre Ansicht über Ehrhardt auch nicht das moment ausschlaggebend gewesen, daß Herr v. Seedt den Kapitän Ehrhardt unter feine Fittiche genommen hat? Angell.: Banz gewiß. Vorträge in der Akademie der Wissenschaften. Im Auftrage der Breußischen Akademie der Wissenschaften sollen wie im Vorjahre während des fommenden Winters von Mitgliedern der Akademie an Sonnabenden öffentliche Borträge gehalten werden. Es iberden sprechen: 25. Dkt. Herr Meyer- Bu sehr lebhaften Ausei onderlegungen zwischen dem StoatsRuble( Bonn):„ Aus der Frühzeit der Nomania", 22. Nov. Herr Vetersen: gerichtshof und der Verteidigung tam es nun, als der Vor: Die Wesensbestimmung der deutschen Nomanti". 18. Dez. Derr Correns: fiende, nachdem mit dem lekten Angeflaaten die Bernehmung Die Eriverbung vererbbarer Eigenschaften". 24. Jan. Herr Frante:„ Der geschichtliche Stonfuzius". 21. Febr. Herr Keibel:„ Die Entwicklungsgeschidaur Sache und die Beweisaufnahme bis auf die Vernehmung des und die bergleidende Anatomie des Wirbeltierberzens". 14. Mara Herr Untersuchungsrichters beim Staatsgerichtshof, Dr. Richter, beendet Johnsen: Die Vorträge Die Entwidlungsgeschichte eines Minerals". finden in der Akademie, Unter den Linden 38, statt und beginnen pünktlich aus der geheimen Anklageschrift des Oberreichsanwalts 74 Uhr. Eine Karte für die gesamte Neihe foftet 10 M., für die Einzelporträge 2 M., Stehpläge je 50 Bf. Die Pläge sind numeriert. Eintritts. die bisher in der Sigung nicht verlesen wurde, folgende Stelle zum farten bei dem förtner der Akademie. 1 Vortrag brachte: war, " 23 affea vor. In keinem der vielen bausend beschlagnahmten die D. C. auf einen Umsturz hinarbeite." Schriftstücke fand sich auch nur eine Andeutung des Inbalts, of Präsident Niedner( fortfahrend). Das ist das negative Ergebnis der Anklage in diesem Prozeß. Wir hätten nun noch als Beugen den Untersuchungsrichter beim Staatsgerichtshof. Dr. Richter, zu hören, der über meitere Aussagen der Angeschuldigten befunden soll. ministerium, als vorgefehte Behörde. Dr. Richters, hat jedoch die Das fächsische Justiz2lusiage Dr. Richters nur insoweit gestattet dak er befunden darf, die Angeklagten hätten auch in der Borunterfuchung in dem hier vorgetragenen Sinne sich geäußert.( Große Bewegung im Saal.) Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune( fpringt auf): Mit dieser unverständlichen Beschränkung des fächsischen Justizministeriums fönnen wir überhaupt nichts anfangen. Damit wird die Ausiage des Untersuchungsrichters Dr. Richter für uns vollständig belanglos. Rechtsanwalt Dr. Sad( fehr errent): Das ist um so mehr bes bauerlich, als gerade die sächsische Regierung in Sachen der D. C. in der furchtbarsten Weise danebengehauen hat. Borsigender( unterbrechend): Ich bitte Sie, Herr Rechts. anwalt, boch hier fachlich zu bleiben. Rechtsanwalt Dr. Sad: Aber ich verlange ja gerade vom Staatsgerichtshof, daß er mit uns die Feststellung trifft, daß die sächsische Revierung ebenso wie andere Stellen gegenüber D. C. im Unrecht geblieben ist. Ich erfehe hier aus den Arten des Prozesses, daß fogar Reichsjustizminister Radbruch auf eine Beschwerde des Oberreichsanwalts über das eigenmächtige und schädigende Borgehen gewiffer Polizeibehörden sich die Beschwerde des Oberreichsanwalts zu eigen gemacht hat, und gegen Diese Polizei sich ebenso wie gegen andere Stellen gewandt hat. Reichsanwalt Niethammer: Ich bedauere, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Sack die Stellungnahme des Reichsjustizmi isters und des Herrn Oberreichsanwalts gegen Mißgriffe der Polizei hier öffentlich verlesen hat. Hätte er mich vorher um meinen Rat gefragt, so würde ich entschieden abgeraten haben. Aber da diese Dinge nun hier befannt geworden sind, so muß ich doch sagen, daß Untersuchungsrichters Dr. Richter nicht der Staatsgerichtshof, sondern troffen hat. Im übrigen muß ich feststellen, daß der Borgefeßte des die Mißbilligung am wenigsten die sächsischen Polizeibeamten beder sächsische Justizminister ist und daß er allein eine Entscheidung über die Aussage treffen tann. Es wurde eine furze Pause gemacht, in der die Verteidigung zufammentrat, um ihrerseits zu der Lage Stellung zu nehmen. Nach Wiedereröffnung der Sigung bat Rechtsanwalt Luetgebrune im Namen der Berteidigung, daß der Vorsitzende einen Teil der ganzen sehr umfangreichen Anklagefchrift verlesen möge, um diefen zum Gegenstand der Berhandlung zu machen und um auf diese Weise öffentlich bas bekanntzugeben, was die Voruntersuchung einwandfrei festgestellt habe. Gegen eine Verlesung der Anklage sprächen feine rechtlichen Gründe, zumal ja auch das Bolts. gericht in München im Hitler- Prozeß die Gesamt anklage zum Vortrag gebracht habe. Das Gericht zog sich daraufhin zur Beratung zurück, an deren Schuß Präsident Nicdner erklärte: Das Gericht lehnt den Antrag auf Verte ung der Anklagefchrift ab, da eine gefehliche Handhabe hierfür nicht vorhanden ist. Das Gericht nimmt den Standpunkt ein, das eine Verlesung von Teilen der Anklage lediglich der Initiative des Borsigenden entspringen lönnte. Damit war die Beweisaufnahme geschlossen. Am morgigen Freitag beginnen die Plädoyers. Die Sigung wurde auf Freitag, morgens 9 Uhr, vertagt. Gewerkschaftsbewegung gelbe Organisationen, weil sie in Harmonie mit dem Arbeitgeber| das Theater in der Rommandantenstraße, ausdehnte, ftehen. So Herr Kühne vom FEB. am 16. Oftober. Dem an unternahm die Direktion des letzteren, Dr. Martin Zidel, einen Rechtwesenden Herrn Schiemenz waren diese Betenntnisse fertigungsversuch. Die entscheidende Stelle der Zuschrift an uns Kühnes höchft fatal. Ob nun der§ 4 Absah 1 der Satzungen lautet: „ Gewerkschaften fordern 15 Proz. Lohnerhöhung." in Frage fommt? In Nr. 183 der Roten Fahne", EisenEin Berliner Abendblatt hat gestern mit dieser Balkenüberschrift bahner, seid auf der Hut", ist der DEV. wieder gelb geworden. Berrückt und drei sind sieben! Wer nimmt feine Titelseite geziert, Drei weitere Ueberschriften:„ Neue diese Leutchen noch ernst? Lohnkämpfe auf der ganzen Linie", Gespannte Lage in der Industrie", Geschlossenes Borgehen aller Gewerkschaften" sollen die Sensation verstärken, die durch einige dürftige Angaben zu rechtfertigen versucht wird. " Den Gewerkschaften wird durch solche Tatarea meldungen feineswegs gedient Ihre Lohnbewegungen eignen sich nun einmal nicht zu Sensationszweden. Es ist falsch, zu behaupten, die Gewerkschaften fordern 15 Prozent Lohnerhöhung, selbst dann, wenn zufällig die Forderungen einiger Gewerkschaften sich gleichzeitig auf dieser Linie bewegen. In der Berliner BörsenZeitung" wurden die von den Gewerkschaften propagierten Lohnerhöhungen auf durchschnittlich 15 bis 20 Prozent angegeben. Jede Gewerkschaft bestimmt selber darüber, ob, wann und mit welchen Forderungen sie in eine Lohnbewegung eintritt. Das sind für jede einzelne Gewerkschaft Fragen der Taftit, die im wesentlichen von der Arbeitsmarttiage abhängig find. Bo1 einem geschlossenen Vorgehen aller Ge wertschaften kann schon deshalb keine Rede sein. Das entspricht wohl der Taktit, die die kommunistische Parteizentrale für die Gewerkschaften festgesezt hat, die Gewerkschaften aber haben feineswegs die Absicht, die Verbündeten der Deutschnationalen in ihren gewerkschaftsfeindlichen Bestrebungen zu unterstützen. Die Löhne find allerdings durchweg viel zu niedrig, gemessen an den heutigen Lebensmittelpreise. im weitesten Sinne zumal. Das weiß man in den Gewerkschaften am besten, denn sie selber, ihre Mitglieder sind es ja, die davon unmittelbar betroffen sind. Die Gewerkschaften werden auch nicht versäumen, die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen, sobald ihnen der Zeitpunkt geeignet erscheint. Sie haben dafür ein erprobtes Augenmaß und auch ihre bestimmten Maßstäbe. Sie lassen sich nicht in Streifs und Aussperrungen treiben, wenn es ihren Gegnern in den Kram paßt. Nein, die Dinge liegen so. Der FEB. pfeift aus dem legten Loch. 8000 Mitglieder im ganzen Reich sind beim besten Willen nicht in der Lage, einen großen Stab zu unterhalten. Darum das Verdrehen der Tatsachen und der WahrSPD. Funktionäre! = Montag, den 27. Oftober 1924, abends 7 Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 25/26: Allgem. Funktionärversammlung Tagesordnung: Gegen Monarchisten und Militaristen. Für den Sozialismus. Referent: Genoffe Arthur Crifpien. Alle Funktionäre mit dem Ausweis von 1924 find verpflichtet zu erscheinen. Der Bezirksvorstand. heit. Hinzu kommt der Schreden für den FEV. Nämlich die Abwanderung ihrer früheren Freunde in das Lager der Indifferenten. So bedauerlich diese Feststellungen sind für die Organifationsverhältnisse der Eisenbahner gegenüber ihrem neuen Arbeit geber, es ist der„ Erfolg" der betrogenen Betrüger. Diefelben Feststellungen über die Kampfesweise des FEV. und seine Methoden, soweit die Einberufung von Versammlungen in Frage tommt, wurden in Westend und anderen Belegschaftsversamm. Iurigen gemacht, zu denen wir uns im gegebenen Augenblick äußern Darum, Kollegen vom DEV., nüßt die Zeit! werde.1. Lohnbewegung im Holzgewerbe. " Der Deutsche Bühnenverein hat, da er sich mit dem Verband der Musiker über tarifliche Fragen nicht einigen konnte, mit dem Reichskartell Deutscher Berufsmufiter einen Tarifvertrag abge= schlossen. In diesem Tarifvertrag wurden die Arbeitsbedingungen zwischen den Theaterleitem und den Orchestern geregelt." Zu den Bedingungen dieses Tarifvertrags habe das Theater in der Kommandantenstraße Musiker beschäftigt, die dem Verbande an gehörten. Diese Musiker sollten auch weiterhin unter den gleichen Bedingungen beschäftigt werden, allein im Berlauf des inzwischen ausgebrochenen Kampfes zwischen dem Musikerverband und dem Reichstartell habe der Deutsche Musikerverband seinen Mitgliedern verboten, zu den tariflichen Bedingungen des Reichskartells" zu arbeiten. Die Musiter seien am letzten September ausgeschieden und an ihre Stelle sei am 1. Ottober das neue Orchester des Reichsfartells eingetreten. In den übrigen gesperrten Theatern lägen die Dinge ähnlich und es erscheine als ein unberechtigter Terror, wenn der Musikerverband verlangt, daß die Bühnenleiter nur mit ihm Verträge abschließen und andere nicht organisierte Theatermusiker( Kartell der Deutschen Reichsmusiker) nicht beschäftigen sollen. * Der Deutsche Musikerverband, dem wir Gelegenheit goben, zu diesem Vorwurf Stellung zu nehmen, bemerkt hierzu u. a.: Gerade das numerisch fleine Orchester des Theaters in der Kommandantenstraße fann als die Musterkarte eines Theaterorchesters dienen, wie es nicht sein soll. Gerade dieses Orchester bildet ein Sammelsurium von Elementen, die unter normalen Verhältnissen als„ Theatermusiker" nie in Frage gekommen wären. Ensemblemufifer, Klockorianer( Deutsches Tonfünstler- Orchester), J. K.- B.Leute( Internationale Kapellmeister- Bereinigung), abgebaute Be. amte, das sind so die Rudimente, aus welchen sich dieses Orchester zusammensetzt. Selbst ein aktiver Schupobeamter fehlt in Wenn Herr Dr. Zickel bezüglich des diesem Orchester nicht jezigen Kampfes der Berliner Theatermusikerschaft die Meinung vertritt, es handle sich um einen Kampf zwischen Musikerverband und Reichsverband Deutscher Berufsmusiker, so ist das total verkehrt. als solche bezeichnen wir Der Kampf der Berliner Theatermusiker die Musikerschaft, die bisher in den Berliner Theatern tätig gewesen ist richtet sich in diesem Falle wirklich nicht gegen die an sich sehr bedeutungslose Splitterorganisation mit dem hochtrabenden Titel„ Reichstartell Deutscher Berufsmusifer", fondern es handelt sich hier einzig und allein um einen Kampf zum 3wede der Erhaltung des bisher für die Theatermufiterschaft gültigen Tarifpertrages. · Unsere Gewerkschaftsgenossen werden sich durch keinerlei Einmischungen von außen her irremachen lassen. Um so mehr aber müssen sie alles dransetzen, die Indifferenten heranzuziehen, ihre Reihen zu schließen und zu Die Funktionäre des Holzarbeiterverbandes der Tischlereibetriebe stärken. Fordern ist sehr leicht. Das haben uns die kommu- nahmen am 21. Oktober zur Gesamtlage ihres Gewerbes Stellung. nistischen Drahtzieher erst fürzlich in Gotha gezeigt. Doch mit dem In einem ausführlichen Referat schilderte Koll ge Boese die VerFordern allein ist es nicht getan. Die Gesamtheit der Betragsbewegung während der nun schon neun Monate dauernden tariflofen 3eit. Die Berliner Verhältnisse haben unter der rufsgenossen muß hinter den Forderungen stehen, ihr Wille sie schlechten Beschäftigungsmöglichkeit in der Möbelbranche ganz durchsetzen, sobald die Möglichkeit dazu gegeben erscheint. Zurzeit ist von Lohnkämpfen auf der ganzen Linie", zumal in besonders gelitten. Erst seit etwa vier Wochen ist eine leichte Besses fache mit Auch"-Theatermusikern behelfen, die mit der wirklichen rung eingetreten. Von dieser tariflofen Lage ist auch die Lohnpolilit des Gesamtverbandes sowie die der Berliner Verwaltungsstelle beeinflußt worden und die Organisationsleitung in ihren Handlungen eingeengt gewesen. Berlin, teine Rede. Betrogene Betrüger. Die„ Rote Fahne" beschäftigte sich in ihrer Nr. 138 wieder einmal mit der wirtschaftlichen Lage der Eisenbahner. An und für sich ist hiergegen nichts einzuwenden. Die im DEB. organi fierten Eisenbahner, ganz gleich ob Arbeiter, Angestellte oder Beamte, haben nunmehr ein Interesse daran, zu erfahren, wie derartige Betriebsverfammlungen und die in diesen gestellten Forderungen, z. B. 30prozentige Lohnerhöhung. 75 M. Wirtschaftsbeihilfe und Freilassung der politischen Gefangenen", zufbonde fommen. Die Betriebsversammlung der Bm. 42 Rummelsburg wurde einberufen von dem fommunistischen Betriebsrat Müller. Natürlich ohne Wissen des Obmanns, weil dieser dem DEB. angehört. Selbst die zu zwei Drittel an wejenden Unorganisierten waren empört über diese geschäftswidrige Handlung des Müller. Im Verlauf der Versamm lung wurde festgestellt, daß es den Rapedisten weniger auf die Durchführbarkeit der wirtschaftlichen Forderungen des FEB. antommt, als auf die Ablenkung von der unerhörten, gegen das Betriebsräte geseg verstoßenden hand. FEB. Betriebsratsmitglieder. lungsweise der Unverhohlen brachten die Unorganisierten( der Schrecken des FEV.) zum Ausdruck, daß fie gut genug waren als Stimmoieh für die FEV. Kandidaten, desgleichen mzu Zeichnen auf tom munistische Sammellisten. Müller, in die Enge getrieben, erklärte, auch in Zukunft feinen Unorganisierten zu vertreten und- legte fein Amt nieder. Die Stimmung war, das ist bezeichnend, auf der Seite des DEV. Daran änderte auch die Resolution nichts. Ein 3 wischenruf traf den Nagel auf den Kopf und verglich die Tattit des FEV. mit der des Rintopps. " Dieselbe Taktik wurde angewandt im Tempelhofer Betrieb. Den DEB.- Betriebsratsmitgliedern sowohl wie den in großer Anzahl anwesenden Unorganisierten war die Tagesordnung nicht be fanit. Erst nach langer Beratung mit den zwei anwesenden Ka nenen" Kühne und Schiemenz vom FEB. wurde die Regie" aufgezogen. Auch ihnen fam es weniger auf die Durchführ barkeit der vom FEB. gestellten Forderungen an. Sie wollten lediglich die Stellung der Vertragskontrahenten fennen lernen. Darum die Vorstöße in den Betrieben und in den Berichten der ,, Roten Fahne". Interessant war zu hören, daß, wenn der FEV. zu radikal sei, nur der DEV. als zuständige Organisation der Eisenbahner in Frage tomme. Denn er stehe auf dem Boden des Klassenfampfes! Alle anderen, AE B., Christen usw. find Geschäftszeit 9 bis 7 Uhr Die Preisentwicklung der letzten Wochen jedoch machte die Kündigung sämtlicher Berliner Verträge not wendig, um die Löhne den veränderten Preisen anzupassen. Die auf gestellten Lohnforderungen für die Tischlereien find den Arbeitgeberverbänden in der Erwartung unterbreitet worden, zu einer tariflichen Regelung zu fommen. Verhandlungen, die mit einer Arbeitgebergruppe der Freien Vereinigung geführt wur. den, brachten keine Verständigung, da die Herren glaubten, ein Lohn in der Höhe von 73 Pf. müßte genügen, um die Lebensmöglichkeit der Tischler sicherzustellen. Die Verhandlungsfommission des Berbandes jedoch mußte diesen Vorschlag als undiskutabel ablehnen, so daß auch weiterhin der bisherige Zustand bleibt. Eine im Sinne des Referats vorgelegte Resolution fand gegen wenige Stimmen Annahme, so daß die Versammlung der Funktionäre mit den Maßnahmen der Ortsverwaltung einverstanden ist, indem in allen Betrieben die Forderung von 90 Pf. als Durchschnitts, lohn aufzustellen ist und bei sich etwa ergebenden Differenzen die Organisation eingreifen soll. Henning In der Diskussion fonnten die tommunistischen Funt. tionäre unter Führung ihres geistigen Leiters es sich nicht verfneifen, die Parole der„ Roten Fahne" der Bersammlung aufzutischen. Die Funktionäre jedoch erteilten den Maulrevolutionären die Antwort, die sie verdienten; hoffentlich ziehen diese taraus die notwendigen Konsequenzen. Aber auch die„ Rote Fahne" glaubt, sich mit der Bewegung des Holzgewerbes beschäftigen zu müssen. In ihrer Nummer 36 vom legten Dienstag wird die Bertragsbewegung sowie die Lage des örtlichen Gewerbes in einer Form geschildert, die den Holzarbeitern gestattet, den Einsender an seinen fattfam bekannten Tiraden zu erkennen. Die„ Rote Fahne" hält sich effenbar berufen, die Holzarbeiterbewegung in die richtigen Bahnen zu lenken und Forderungen sowie Kampfparolen zu liefern. " Dieser Kampf ist im ganzen Reiche von der im Deutschen Musikerverband organisierten Theatermusikerschaft mit vollem Erfolg geführt worden und auch die Berliner Theater. mufiterschaft hat die Einführung des verschlechterten Tarifnoch nicht geschehen ist, müssen sich die Direktoren eben in der Hauptvertrages in den meisten Betrieben abwehren fönnen. Wo dies Berliner Theatermufiterschaft nie etwas gemein hatten und auch für die Zukunft nicht gemein haben werden." Erholungsstätten der Angestellten. In den letzten Jahren haben Berufsorganisationen aller Art besondere Erholungsstätten gebaut oder angekauft, um ihren Mitgliedern zu mäßigen Preisen eine ihren Verhältnissen entsprechende Gelegenheit zur Erholung und Ausspannung zu geben. Der Deutice Wertmeisterverband, Siz Düsseldorf, der zurzeit 160 000 Mitglieder zählt, ist jetzt diesem Beispiel gefolgt und hat das Schloß Hohened, das in Frankenhausen, am Fuße des schönen und sagenreichen Syffhäusers liegt, als Erholungsheim erworben. Diefes Erholungsbeim ist deshalb bea sonders bemerkenswert, weil den erholungsbedürftigen Mitgliedern fich Gelegenheit zur Benutzung der beilkräftigen Solbäder in Frankenhausen bietet. Wie wir hören, wird der Deutsche Werkdie bei seiner ersten Erholungsstätte gemachten Erfahrungen günstig meisterverband noch mehrere solcher Erholungsheime errichten, falls die bei seiner ersten Erholungsstätte gemachten Erfahrungen günstig ausfallen. Transportarbeiter der Berliner Metallindustrie. Sonntag, den 26, Oktober, vormittags 9% Uhr. im ,, Dresdener Garten", Dresdener Straße 45( an der Brinzenstraße), wichtige Rufammenkunft aller Funktionäre und Betriebsdelegierten obiger Betriebe. Stellungnahme zu bem Berhandlungsergebnis mit dem VVM J. Diskussion und Beschlakfassung. Die in den BBM J. Betrieben tätigen Transport arbeitergruppen haben ihre Funktionäre und Betriebsbelegierten zu Beaufs tragen, an dieser Zusammenkunft bestimmt teilzunehmen. Die Zulaffung er folgt nur unter Borzeigung des Verbandsausweises, der Funktionärfarte oder, wo bie Funktionärkarte fehlt, durch Bescheinigung des Betriebsrates. Ohne Ausweis fein Zutritt. Deutscher Verkehrsbund, Sektion 5, Industriearbeiter. Achtung, Rimmerer! Berbandskameraden! Am 9. Oktober fanden zentrale Verhandlungen in Hannover statt. Es ist eine Bereinbarung über die Rechte und Pflichten der Betriebsvertreter zustande gekommen, welche bereits am 20. Oftober in Rraft getreten ist. Es ist daher unbedingt notwendig, daß alle Verbandsmitglieder am Sonnabend, den 25. Oktober, in den Bezirkslokalen erscheinen und fich die Nr. 43 des Rimmerer" abholen und denselben für später aufheben, da Nachlieferungen nicht stattfinden. Achtung, Buchhandelsgehilfen! Für die Monate Oktober, November, De zember und Januar ist ein neues Gehaltsabkommen getätigt worden. Der Alliance- Str. 7/10, erhältlich. Die Holzarbeiter Berlins fennen die findlichen Manieren der Weltrevolutionäre", und wir dürfen uns wohl ersparen, auf das Beschreibsel dieser Auch- Arbeiterzeitung näher einzugehen. Die Berliner Funktionäre haben gesprochen und erblicken in ihrer Organifation feier Spielzeug, sondern ein Machtinstrument, das Kindstöpfen Tarifvertrag ist im Bureau des Rentralverbandes der Angestellten, Bellenicht ausgeliefert werden darf. Zum Tarifkampf der Berliner Theatermusiker. Bezüglich der vom Deutschen Musikerverband gegen das Berliner Sinfonie( Blüthner) Orchester ausgesprochenen Sperre, die sich damit auch auf einige Theater, worunter Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. m. Kleider- Vertrieb GE b. H. Kommandantenstr. 80-81, Warschauer Str. 33, Frankfurter Allee 82, Neukölln, Berliner Str. 47-48 Bod. Müllerstr. 181 Herren- Winter- Ulster in reicher Auswahl und verschieden. neuen Ausführungen 125.- 100.85.- 77.- 68.55.43.- 36.00 24ºº Damen-, Herren-, Kinderstiefel Reichhaltiges Lager, billigste Preise. garnitur. Damen- Uebergangs- Mantel gemustert 900 Damen- Winter- Mantel Flausch, mit Rosetten- 1450 Damen- Winter- Mantel molliger Flauschstoff. 2000 Damen- Winter- Mantel schwerer, schwarzer Che- 2250 Damen- Kleid blau Cheviot. viot. • Damen- Kleid woll. Gabardine, farbig Damen- Westen reine Wolle 950 .. 1600 1175 Ensom billig i Herren- Winter- Joppen 395 mit Barchent- Futter Boddinstr. Geschäftszeit 9 bis 7 Uhr Herren- Sakko- Anzüge in vielen modernen Stoffarten. Vorzügliche Paßform. 125.- 85.- 70.60.- 48.- 35.2950 ja jeder Wäsche. Trikotagen. Strümpfe, Stoffe de in großer Auswahl, äußerst preiswert. Nr. 502 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Spargroschenaufwertung/ Kleinwohnungsbeschaffung Beschlüsse der Berliner Stadtverordnetenversammlung. wenden; finderreiche Familien, die auf der Dringlichkeitslifte eines Wohnungsamtes eingetragen find, sollen vorweg berücksichtigt werden; die Verwendung der Mittel wird der Wohnungsfürsorgegesellschaft mit der Maßgabe übertragen, daß Kleinwohnungen im Hochbau zu bevorzugen find; 3. für Vorbehalfsmittel 3 Millionen, von denen einmalig 200 000 m. zur Unterstützung notleidender Berliner Künstler zur Verfügung zu stellen find; die Summe foll teils zu wirtschaftlichen Beihilfen für nicht mehr arbeitsfähige Künstler, teils zur Erteilung von Aufträgen und zu Ankäufen dienen. Um eine sachgemäße Berwendung der Summe zu gewährleisten, soll der wirtschaftliche Verband Berliner Künstler zur Mitwirtung herangezogen werden; Die Stadt Berlin schwimmt leider noch nicht im Geld, aber die| Stadtverordnetenversammlung tonnte gestern doch ein paar Beschlüsse fassen, durch die schon über einige voraussichtlich sich ergebende Ueberschüsse verfügt wird. Aus dem Haushaltsausschuß, dem eine Reihe von Anträgen sozialer Art überwiesen worden war, tam unerwartet das Ergebnis feiner Beratungen und unverzüglich wurde die Berichterstattung und Beschlußfassung über seine Vorschläge auf die Tagesordnung gesetzt. Genosse Reuter berichtete aus dem Ausschuß, und er verteidigte im Laufe der Debatte auch als Redner der Fraktion die Ausschußvorschläge gegenüber den mehrfordernden Kommunisten und Deutschnationalen, denen er vorhielt, daß fie mit ihren unerfüllbaren Mehrforde rungen nur ihr gefährdetes Wahlglüd verbessern 4. alle weitergehenden Anträge sind abzulehnen. möchten. Die Rechte wollte für die Aufwertung von SparkassengutGen. Reuter gob als Ausschußreferent diese Beschlüsse behaben sogleich doppelt soviel wie der Ausschuß zur Verfügung stellen, farrit und erläuterte sie. Der Ausschuß hat die umfassende Materie womit die Hergabe von Mitteln für die dringend notwendigen Woh zwei Sigungen. Ueber die Voraussetzung einer etwaigen Stellung in drei Sigungen beraten, daneben brauchte noch ein Unterausschuß nungsbauten unmöglich geworden wäre. Nach Ansicht des Kämme- nahme zugunsten der Anträge, D. h. über die städtische Finanzlage, rers ist ja noch nicht einmal sicher, daß die vom Haushaltsausschuß sei eine restlose Aufklärung nicht möglich gewesen; doch habe auch erwarteten Ueberschüsse voll einkommen werden. Die Abstimmung der Kämmerer geglaubt, die Berwendung eines lleberschusses bis ergab die Annahme der Ausschußvorschläge. zur Höhe von 13 millionen verantworten zu können. Infoweit liege ein übereinstimmender Beschluß vom Magistrat und Ausschuß vor. Hinsichtlich der Verteilung habe der Ausschuß das Verlangen der Deutschnationalen für verfrüht und feine Erfüllung zurzeit für unverantwortlich erachtet; es würde allein eine Sparinlage von 700 millionen Goldmart aufzuwerten sein. Schließlich ist der Ausschuß in seiner Mehrheit über die Verteilung in der angegebenen Art schlüssig geworden.. * Der Vorsteher Genoffe aß eröffnete die gestrige Sitzung mit der Mitteilung, daß an Stelle des ausgeschiedenen Gen. Felger der Raffenbeamte Gen, Büchner in die Bersammlung eingetreten ist. -Ein Dringlichkeitsantrag der Wirtschaftspartei, daß der Magistrat beim Vorstand der Straßenbahn G. m. b. H. dahin einwirke, daß Anträge des Personals auf angemessenen Vorschuß zur Beschaffung von Heizmaterial, Winterfleidung und Kartoffeln nach Möglichkeit berücksichtigt werden, wurde ohne Debatte angenommen. Eine Anzahl weiterer Dringlichkeitsanträge hat die Reichstagsauflösung und der Beschluß der Selbstauflösung des Landtages hervorgerufen. Bon den Demokraten und den Kommunisten wurde die Auflösung der Stadtvertretung und die Vornahme der Neuwahl am allgemeinen Wahltage, 7. Des zember verlangt, von den Kommuniste lagen Anträge auf weitgehende Steuererleichterungen und auf Herabiehung Der Arbeitszeit in den städtischen Werfen vor. Alle diese Anträge stießen auf Widerspruch und fonnten demnach gestern no nicht zur Besprechung kommen. Der Antrag des Magistrats auf Gewährung eines Darlehns von 150000 m. an den Verein Hoffnungsthal E. B. ging an einen Ausschuß; die Vorlage wegen Neufestfehung des Taschengeldes( monatlich 3 M.) wurde an= Arbeitsentlohnung für die Infassen städtischer Anstalten wurde an genommen. Hierauf befaßte sich die Versammlung außerhalt der Tages. ordnung mit den erst gestern vom Haushaltsausschuß gefaßten Be schlüssen zu den Anträgen der Deutschnationalen betreffend Auf hebung der dritten Steuernotverordnung und Aufwertung der städtischen Anieihen und Sparfassenguthaben, zu dem Antrag unserer Genossen megen Wiederaufnahme der zurückgestellten sozialen Aufgaben der Stadt und zu den Anträgen der Kommunisten betreffend Berbesserung der Erwerbslosenfürsorge. Der Ausschuß hat folgende Beschlußfassung empfohlen: Von dem zu erwartenden 7] Ueberschuß von 13 Millionen Mark find zu verwenden: 1. Für die Aufwertung der Spartassenguthaben vorläufig 5 Millionen; das einzelne Sparguthaben ist mit 10 Broz. aufzuwerten, wobei über 100 Rentenmorf nicht hinauszugehen ist; die Aufwertung hat bei den Sparern zunächst im Alter von 65 Jahren und darüber zu beginnen, jedoch sollen ihnen folgen a) Sparer, die fich in ganz offenbarer Notlage befinden, b) Sparguthaben, die für Mündel angelegt sind und zur Bestreitung dringender Ausgaben, wie Aufwendungen für Berufsausbildung, für Einkleidung usmo, benötigt werden; 2. für die Förderung ds Wohnungsbaues 5 Millionen; diese Mittel sind als Spigenbeträge in Form hypothetorischer Beleihung zu möglichst niedrigem 3insfaz, evil. auch ohne Zinsverpflichtung, für die Durchführung von Wohnungsbauvorhaben Minderbemittelter, Baradenbewohner usw. zu ver Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs.. Einen Augenblic fah er noch auf sie nieder, im Innern durch ihre schnelle Abwehrbewegung ebenso verlegt wie durch ihre Worte und dennoch voll zärtlicher Liebe zu ihr. So stand er schweigend, als es flopfte, und die Pflegerin mit Jonces Mutter, Lady Ottery, hereintraf. Die Mutter eilte auf das Bett zu und umarmte ihre Tochter. ,, Mein armes Herzenskind!" Mutter, mein armes Rindchen!" flagte Jonce. Es war das erstemal, daß sie in Bertrams Beisein das Kind erwähnte, und es ging ihm durch und durch. Wäre ich nur bei dir gewesen!" sagte ihre Mutter, und auch Bertram tat es herzlich leid, daß Joyce es damals nicht erlaubt hatte, aber all seine Ueberredungskunst war umsonst gewesen. Mama ist zu herrschsüchtig am Krantenbett," hatte sie gesagt. Außerdem wäre es zu viel von ihr verlangt, jegt nach dem Kriege, wo Rudy und Heinz beide gefallen sind. Wenn mir auch noch etwas zustößt, so stirbt sie mit." So war Joyce. Wenn sie leiden sollte, so litt fie eben allein, ohne andere mit hineinzuzerren. Aber Bertram war nicht so überzeugt davon, daß Lady Ottern mitgestorben wäre, wenn Joyce etwas zugestoßen wäre. Er glaubte nicht daran. Er war ja dabei gewesen, als die Nachricht von Heing's Tode eintraf. Das war ein Jahr, nachdem Rudolf gefallen war. Ottern hatte das Telegramm seiner Frau wortlos übergeben. Ihn hatte es hart getroffen, er atmete schwer, riß an seinem rötlichen Bart und starrte mit tränenden Augen auf einen Baum in der Ferne. Ein Julinachmittag war's gewesen. Sie standen alle im Garten von Holme Ottern und fahen dem Tennisspiel der Mädchen zu. Bertram war gerade dazu gekommen, um sich einen Trunk zu holen. Er erinnerte sich an den Ausdruck auf Lady Otterys Gesicht, diesem mageren, fpitzen, gebietenden Gesicht. Nur einen furzen Augenblic zitterten ihre Lippen und Augenlider. Gleich dar auf aber lächelte sie ihrem Gatten zu, ein sonderbares, stolzes Lächeln war es. Für England!" Dann ging fie auf ihn zu, ergriff seine Hand und sagte: Der arme Heinz hat seine Pflicht getan. Rudy wird sich freuen, ihn wiederzusehen!" Bertram hatte ihren Mut, ihre Härte, ihre Liebe für England bewundert, die so groß war, daß sie bereitwillig alle ihre Söhne zu seinem Schuße hergab. Er erinnerte sich auch An das Referat schloß sich eine umfangreiche Aussprache. Dr. Steiniger( Dnat.) sprach seine Freude darüber aus, daß der Ausschuß und der Kämmerer grundsäßlich für die Aufwertung gewonnen sind. Im übrigen blieb er bei seinem ursprünglichen Anfrag stehen. Kämmerer Dr. Karding führte aus, daß auch der Magistrat fich für berechtigt halte, mit einem gewissen Ueberschuß zu rechnen; es fönne ober auch anders kommen, denn das Rechnungsjahr sei erst halb vorbei, und es sei nicht üblich, Ueberschüsse zu verteilen, ehe man sie habe. Die Wintermonate feien schwerer als die Sommer. monate; allein für Wohlfahrtsausgaben seien für den Rest des Jah res noch 5 bis 6 Millionen mehr erforderlich, auch habe man im nächsten Jahr feinen Anteil mehr an der Umsatzsteuer, und es stehe ein neuer Finanzausgleich bevor, bei dem die Gemeinden mit Zähnen und Mauen ihren Besihstand verteidigen müssen. Der Magistrat wolle auch durchaus, daß etwas geschehe; über die Grenze von 13 Millionen dürfe nicht hinausgegangen werden. Er sei auch für die Berücksichtigung des Anspruchs der hochbetagten Sparer, die vielleicht das Aufwertungsjahr 1933 nicht erleben werden. Aber darüber hinauszugehen oder gar gemäß dem Antrag Steiniger eine beschränkte Wiederaufnahme des Sparfaffenzinsendienstes eintreten zu lassen, hält der Magistrat für ganz undistutierbar und, da dazu neue Steuern nötig wären, für unver antwortlich. Eine nur vorübergehende Maßnahme derart würde aber auch den Gläubigern nichts nügen. Lange( 3.) bekämpfte den Antrag der Deutschnationalen. Noch auf Jahre hinaus würden wir an der Inflation zu fnabbern haben; tomme aber einmal die Aufhebung der dritten Steuernotverordnung, so müßten bei der Aufwertung die Kriegsanleihen weitaus im Bor dergrund stehen. Daß für die Neubautätigkeit gar nichts geschehen solle, bedauerte Der Zentrumsredner außerordentlich. Stolt ( Komm). erging sich in wüsten Angriffen gegen die„ Blockbrüder" der Bürgerlichen, die Sozialdemokraten, die jetzt Tag und Nacht auf die kommunistischen Reichstagsmitglieder, die jest nicht mehr die Immunität besäßen, Jagd machten. Auf einen Zwischenruf unserer Genossen: Georgien! wie handeln dort eure Leute?" befam er es fertig, zu antworten:„ Das Bolt hätte längst totgeschlagen werden müffen!" Erregte und entrüstete Zurufe aus unseren Reihen waren die Erwiderung. Dr. Michaelis( Dem.) gab den Ausschußvorschlä gen die Zustimmung, während v. Eynern( DVp.) davon ausging, daß den Sparfaffengläubigern durchaus der Vorrang gebühre, und ihnen deshalb 10 Millionen statt 5 Millionen bewilligen wollte; für den Wohnungsbau hielt er nur 2 Millionen statt 5, n an den Zorn, als er Christy Lady Otterys Standpunkt und opfermutigen Patriotismus verdammen hörte. ,, Das ist höllisch!" hatte Christy gesagt. Der Krieg wird nie aufhören, solange folch Frauen es für ihre edelste Pflicht halten, ihre Söhne für die Schlachtbank aufzuziehen, solange sie den Tod ihrer geliebten Kinder bejubeln, sei es für die englische oder die deutsche Sache. Das heißt ja, die allergemeinste Dummheit im menschlichen Leben zur Religion erheben. Das heißt, die Tradition des Krieges, ob für eine gerechte oder ungerechte Sache, als höchsten Prüfftein für die Tugend einer adligen Kafte hochzuhalten, und alle seine Bluterklären. Wie sollen wir je den Frieden in der Welt erhalten, opfer als notwendige, unvermeidliche und heilige Pflicht zu wenn solcher Geist in den Frauen lebt?" In dieser Weise hatte er weiter gesprochen, bis Bertram ihn rauh unterbrochen hatte: Halt doch den Mund, um ihn rauh unterbrochen hatte: Gottesmillen!" Mutter und Tochter! Wie unendlich verschieden und doch wie ähnlich. Lady Ditery in ihrer Furcht gebietenden Würde, einfach, faft nachlässig angezogen. Fonce mit furzgeschnittenem Haar, erregt die Bettdecke abwerfend, nach einer Bigarette greifend und Berdammt!" rufend, da das Streichholz herunterfiel. Sie lachte, als die Mutter einen zu verräterischen Knopf schließen wollte und fündigte ihre Absicht an, für ihren besten Freund" einen Tee zu geben. Sie fümmerte fich nicht darum, daß ihre altmodische Mutter sich entsegte. Und doch, mußte Bertram denken, war sie aus demselben harten Stahl unter ihrer weichen Oberfläche und von derselben Fa milientradition beherrscht. Lady Ottery wandte ihre Aufmerksamkeit einen Augenblick dem zuerst ignorierten Bertram zu. Sie mochte ihn nicht, wie er genau wußte, die Heirat ihrer Tochter mit dem armen jungen Offizier hatte sie enttäuscht und seine politischen Anfichten schienen ihr nach ein paar hizigen Gesprächen sehr verdächtig. Heute nachmittag aber bemerkte sie huldvoll, er fähe so sorgenvoll aus. Joyce meinte, daß er sich stets Sorgen machte. Wahrscheinlich litt er an einem fomplizierten Seelenübel, das sie nicht ergründen fonnte, hatte vielleicht ein schlechtes Gewissen oder sehnte sich nach einem höheren Leben. Zuviel Krankenstubenluft!" entschied Lady Otfery. die Männer ist es immer am schlimmsten." Für Sie erwähnte einen Vortrag, den sie in London halten wollte ,,, Die Religion der Revolution", und verließ sich fest darauf, daß Bertram ihn anhören würde. Das würde seine Freitag, 24. Oktober 1924 für das Extraordinarium 1 statt 3 Millionen für ausreichend. Eine Spefulationsaufwertung, wie sie aus dem Antrage der Deutschnationalen herausgelesen werden könne, lehne die Deutsche Volkspariei ab. Müller Franken( Wp.) beantragte, die fünf für den Wohnungsbau herzugebenden Millionen zur Erleichterung der Gewerbetreibenden in der Gewerbesteuer zu verwenden. zu dem weiteren Ausschußbeschluß, den bereits bewilligten Kredit Nachdem der Kämmerer noch die Zustimmung des Magistrats von 2,1 Millionen für die Radiohalle zu annullieren und den Magistrat zu ersuchen, diese Summe durch Anleihe aufzubringen, in Aussicht gestellt hatte, feiste fich Gen, Reuter mit den Anträgen der Deutschnationalen noch ausführlicher auseinander. Diese Anträge wollen die Aufnahme einer 3prozentigen Verzinsung für die Sparfaffenguthaben ab 1. Juli 1924, ferner die Wiederaufnahme der vollen Berzinsung der städtischen Anleihe, soweit sie auf städtischen Unternehmungen ruhen; daneben soll die dritte Steuernotverordnung aufgehoben werden. Gen. Reuter mies nach, daß, wollte man dem Verlangen bezüglich der städtischen Anieihe nachkommen, auf absehbare Zeit hinaus eine Herabsetzung der Werktarife zur Unmöglichkeit gemacht werden würde. Wie einer spekulativen Ausbeutung vorgebeugt werden solle und könne, sei im Ausschusse mit feiner Gilbe üble, hatten die Deutschnationalen zur Sanierung der Reichsfinanzen angedeutet worden. Als die Inflation ihre verheerenden Wirkungen feinen Finger gerührt, vielmehr hätten sie diese Sanierung fyftematisch sabotiert. Die Forderung der Verzinsung der 700 Millionen zu 3 Broz. ab 1. Juli 1924 fei eine unsachliche, demagogische, mah lagitatorische Politit. Man nehme menigstens die Ausschußvorschläge als eine Abschlagszahlung on! In der Abstimmung drangen die Ausschußvorschläge auf der ganzen Linie durch. Der Antrag v. Ennern, für die Sparfaffenguthaben 10 statt 5 Millionen zur Verfügung zu stellen, fiet. mit 115 gegen 51 Stimmen; der Antrag der Wirtschaftspartei wurde mit 103 gegen 59 Stimmen abgelehnt. Die Anträge der Deutschnationalen und der Kommunisten blieben gleichfalls in der Minderheit. Zwischendurch hatte um 7 Uhr die Versammlung die Abstimmung über die zu den Berliner Verkehrsverhältnissen und zu den Straßenbahnunfällen vorliegenden Anträge Dorgenommen. Mit 92 gegen 91 Stimmen gelangte der Antrag der Kommunisten zur Annahme, der den Magistrat zur sofortigen Beseitigung der hervorgetretenen Rotstände zum Ausbau des Berkehrsnezes, zur Sicherstellung eines geregelten Ber fehrs, zur Sicherung der achtstündigen Arbeitszeit und eines ausreichenden Lohnes für das Personal auffordert. Auch der Antrag der Deutschnationalen wurde in seinem ersten Teil( Abstellung der Mißstände) angenommen, ebenso der Antrag der Demokraten wegen Befhleunigung und Vereinheitlichung der" Straßenreparaturen. Republikanischer Tag in Potsdam. banners aus Am tommenden Sonntag findet aus Anlaß der Bannerweihe der Ortsgruppe Potsdam des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold der erste Republikanische Tag in Potsdam statt. Die Beteiligung an diefem Republikanischen Tag wird sowohl von seiten des Reichsman rechnet mit einem Aufmarsch von 12000 Reichsbannertameraden als auch von seiten der republikanischen Bevölkerung Berlins und Potsdams außerordentlich start werden. In fehr entgegenkommender Weise hat die Reichsbahn sich zur Einlegung von Sonderzügen von und nach Potsdam in den Hauptverkehrsa stunden bereit erklärt. Die genauen Zeiten für den Verkehr der Sonderzüge werden noch befannt gegeben. Das Programm der Veranstaltung ist folgendes: Die Veranstaltung findet auf dem Bassin plat statt. Bis um 12 Uhr ist das Reichsbanner dort aufmarschiert. Nach dem Einmarsch der Fahnen werden Ministerpräsident a. D. Stelling und Professor Bergsträßer sprechen. Nach Gesang des Deutschlandliedes beginnt das Antreben zum Ummarsch, durch die Stadt. Am Brandenburger Tor löst sich dann der Zug auf und die einzelnen Teile ziehen dann in ihre Festlokale. Der Republikanische Tag in Potsdam hat durch den jetzt begonnenen Wahlkampf eine noch größere Bedeutung bekommen, da er sichtbar zum Ausdruck bringen wird, wie weit und wie start das Gemeinschaftsgefühl unter den republikanischen Parteien ist. Sorgen sicherlich erleichtern. Bertram nahm die gebotene Karte dankend entgegen, innerlich amüsiert bei dem Gedanken, daß irgendein Ausspruch seiner Schwiegermutter seine Sorgen zerstreuen fonnte. Ich glaube, ich leide am Frieden," sagte er lächelnd, als Lady Ottern ihn durch ihre Lorgnette betrachtete und erklärte, er sähe so ,, verbrummt" aus. ,, London ist imstande, auch eine lachende Hyäne trübe zu stimmen. Aber ich will noch ausgehen und Euch beide allein laffen. Joyce hat Dir gewiß viel zu erzählen." Aber Joyce hatte gar nichts zu erzählen. Im Gegenteil, politische Zustände von ihrer Mutter hören. Hatte Evelyn die fie wollte die neuesten Nachrichten über gesellschaftliche und Scheidung schon durchgesezt? Machte der Premierminister noch immer Kotau vor der Arbeiterpartei? 6. London hatte zu dieser Zeit einen niederdrückenden Einfluß auf Bertram und erfüllte ihn mit einer so trüben Stimmung, daß er begann, diese Stadt zu haffen, die er in früheren Beiten mit romantischer Liebe geliebt hatte, als einen Ort endloser Abenteuer, wo sich das Drama des Lebens in ungeahnter Fülle abspielte. Wie erwartungsvoll war er während seines ersten Jahres in Orford zum ,, Bummeln" nach London geeilt, zu den wilden Nächten in Musichalls und Piccadilly Circus, wo er sich mit den anderen Studenten traf, und zu den lärmend luftigen Soupers in den Restaurants von Soho. Ein zweites Jahr in Orford gab es dann nicht mehr für ihn, denn der Krieg kam und warf alles um, aber selbst als er Offizier beim Maschinengewehr war, zog London noch mächtig an feinem Herzen und ließ ihn den so seltenen Wochenendurlaub mit glühender Sehnsucht erwarten. ,, Leb wohl, Piccadilly, leb wohl, Leicester Square!" Diese dummen alten Worte, so oft von der Menge gebrüllt, die zum ersten Male in Khati- Uniformen in den Schlamm und das Feuer Flanderns ging( die Urlauber sangen nicht mehr so luftig, oder nur, wenn sie betrunken waren), medten die alte Liebe für London immer aufs neue. Er summte den Refrain, wenn er nachts im Schüßengraben lag, ein paar hundert Meter von der feindlichen Linie entfernt es war in Mailly an der Somme und Christy, der neben ihm lag, zog ihn auf, weil er das Wort ,, London" mehr als einmal im Schlafe murmelte. ( Fortsetzung folgt.) Bunter Herbst. Sonnige Oktobertage tönnen felbst den bescheidenen Reizen der Mark erhöhte Wirkung verleihen; die Fernsicht von den kleinen Hügeln, die wir Berge nennen, ist flarer als zu anderen Zeiten und offenbart uns noch reiches landwirtschaftliches Leben; die letzten Anstrengungen vor dem Eintritt der Winterruhe. Im Grund unten wird noch heu geborgen, zur rechten Hand unserer Straße„ buddelt" man Kartoffeln und zur finten sprießt schon die neue Saat hervor; Bergangenheit und Bufunft reichen sich so die Hände. Es ist augenscheinlich jetzt die Ansicht der Landleute, daß man den Roggen nicht früh genug säen kann: die frisch- grünen Flächen der aufgegangenen Saat nehmen fich als träftige Farbenflede vorzüglich aus neben funden haben, wo der Turnverein Schlageter" den Ge| demokratie die Berständigung mit den anderen burtstag unserer ehemaligen Landesmutter feierte. Die Bezirksversammlungen Friedrichshain und Prenzlauer Berg haben einstimmig wiederholt einen größeren Schuh gegen die im Friedrichshain sich aufhaltenden Wegelagerer gefordert. Erst vor turzer Zeit ist ein Arzt zum britten Male von derartigem Gesindel überfallen worden, so daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Mir erscheint es notwendig, daß die Schutzpolizei, die gestern dem Turnverein Schlageter" zur Verfügung stand, viel nüglicher für den Schutz der gejamten Bevölkerung in der Umgebung des Friedrichshains verwendet werden würde. " den braunen Kartoffelfeldern. Wagen mit Runkelrüben begegnen Berein Sozialistische Arbeiter- Jugend Groß- Berlin uns; mächtige Eremplare diefer nühlichen Frucht, die für das liebe Bich die Wintermahlzeiten schmackhaft macht. Die reiche Ernte auf diesem Gebiet dürfte für die Kartoffelversorgung wichtig sein, und je mehr Rüben zur Verfügung stehen, desto weniger Kartoffeln werden verfüttert. Die vollen Strahlen der Oktobersonne find milde genug, um den sonst dem Wanderer so gefürchteten Chauffee- Spaziergang an= genehm erscheinen zu laffen. So gewinnt man einen Einblick in die ländliche Tätigkeit, wird auch beobachten, daß die Bautätigteit sich allenthalben bemerkbar macht. Mutige Siedler wagen sich 30, 40 und mehr Kilometer hinaus aufs Band, oft als erste Pioniere für eine gedachte„ Kolonie", die nicht immer zur Wirklichkeit wird. Die Hauptsache ist das Vorhandensein einer guten Straße, die den Radund Autoperfehr. gestattet. Bewundernswert, welche Strecken oft die Arbeiter zurücklegen, um zur Arbeitsstätte zu gelangen. In der Der schönen Jahreszeit ein Bergnügen, im inter eine Strapaze. In den Dörfern rüstet man sich ebenfalls auf den Winter: Holz und Kohlen sind aufgestapelt, legte Reparaturen werden noch schnell vorgenommen späterhin unterbrechen mir die verschiedenen „ Schlachtefeste" die Einförmigkeit des Daseins. Aber ein neuer Zug geistiger Art muß konstatiert werden: das Streben, die winterliche Ruhezeit durch Borträge, Theaterspielen u. bergl. zu beleben. Bo in Wirtshäusern ein neuer„ Saal" gebaut oder ein alter modernifiert wird, fehlt die Bühne" nicht mehr ein Beweis für die Rührigkeit schon bestehender oder fich bildender Vereine " •.. Das schönste der Herbstwanderung ist aber immer der Anblid der Farbenpracht der hinsterbenden Natur. Alle Nuancen vom hellen Braun bis zum fatten Rot erfreuen unser Auge, mögen es die Schlingpflanzen an den Häusern und Spalieren, die soldatisch aufgereihten Chauffeebäume oder die zusammengeballien Maffen der Büsche und Gehölze sein. Zu unseren Füßen liegen die herabRefallenen Eicheln und Kastanien, letztere in besonders reicher Fülle. Dabei erinnern wir uns des alten Spruches, daß ein gutes Rastanienjahr einen falten Winter anfagt. Aber noch ist es nicht foweit mit Kälte und Dunkelheit, noch erfreut sich das Menschenherz ber leuchtenden Sonne und die Beine marschieren in fröhlichem Zaft.. Die Kilometer schwinden dahin, und ehe der Abendnebel auffteigt, fibt man wieder im Zuge und fährt der Großstadt zu. Ein Ferientag, der die Lungen geweitet und das Gemüt erfrischt hat durch Bilder, die Allmutter Erde im ewigen Kreislauf vom Werden und Vergehen vor uns hinzaubert. Aus Menschlichkeit". Der Böllische als falicher Kriminalbeamter. -In Lederjoppe und Gamaschen steht der Angeklagte Rarl Siegelen vor dem Schöffengericht. Sein Geficht, von zariem Rosa überhaucht, mit dunklem Bärtchen, erinnert an die Wachspuppenföpfe in den Schaufenstern von Herrentonfettionstäden. Selbstbewußt nennt er sich Mitglied der Deutschoölti fchen Reichspartei. Ihm wird Best echung, Amtsanmaßung, Unterschlagung zur Baft gelegt. Sein Mitangeflagter, der Jockey Herbert Michaelis, ist von ihm eigentlich ein bißchen übervorteilt worden, neben dem stattfichen Siegelen erscheint der fleine Joden noch fleierer und schmäler. Siegelen ist übrigens auch als„ Hans von Auen" aufgetreten, da er, wie er be hauptet, wegen seiner politischen Tätigkeit dauernd verfolgt wurde. Michaelis, wiederholt leicht vorbestraft, saß im Sommer 1923 im Untersuchungsgefängnis Moabit, wo Siegelen von Juni bis Juli als Hilfsmachtmeister angestellt war, vereidigt quf die Berfajjung und auf fein Amt. Die beiden Eide hinderten ihm nicht, fich auf Durch stechereien einzulaffen, er beförderte Briefe für Michaelis und erhielt dafür ein Paar Schuhe, die ihm bei M. be= fonders gefallen hatten. Aber er sollte auch Sachen und Geld besorgen und behielt alles für sich. Da beschwerte sich M. beim Bolizeiinspektor und die Geschichte tam heraus. Siegelen foll Siegelen foll den Richtern den Hergang schildern. Das macht er geschickt und felbstsicher. Man erfährt, daß er viele Broschüren geschrieben hat, daß er im Kriege als Flieger an der Westfront mar, abstürzte, Schädelbruch Gehirnerschütterung französische Gefangenschaft. Im übrigen betont er, fein Gedächtnis habe start gelitten. Tatsächlich beantwortet er eine Reihe peinlicher Fragen mit der Wendung:„ Das weiß ich nicht mehr!" Lediglich aus Menschlichkeit mill er gehandelt haben, als er sich mit seinem Gefangenen M. einließ, er wollte dem M. helfen. Deshalb ging er nach dem Hotel, in welchem Michaelis bis zu seiner Berhaftung gewohnt hatte, um die von M. zurückgelassenen Sachen abzuholen. Dort und in der Brivatwohnung des Hotelportiers legitimierte er sich als Kriminalbeamter, es ist lächerlich zu sagen, womit" meint Siegelen fröhlich nämlich mit einer Wochenfahrkarte und mit feinem Parteiausmeis. So ,, beschlagnahente" er Wäsche und Schuhe; die Wäsche nahm er stillschweigend für sich, ebenso die Geldsumme, die er von einer Bekannten des M. bekommen hatte, um damit einen Verteidiger für die Braut des Michaelis zu be forgen. Michaelis ist auf den Mann, mit dem er die Anflagebant teilt, schlecht zu sprechen, er nennt ihn ostentatio ,, der Angeklagte". Ich bin erstaunt über die elegante Aufmachung, damals ging der Angeflagte mit zerrissenen Schuhen, er tat mir leid. Der AngeMagte bat mich, ob ich nicht etwas erübrigen fönnte, er fönne fich solche Sachen, wie ich sie damals trug, nicht leisten." Nachts brachte ihm Siegelen die Schuhe und erhielt das andere Paar. Ich gab sie ihm aus Mitleid und bitte Zeugen zu befragen dafür, daß ich öfter Sachen verschenkte." Das Urteil lautet gegen Siegelen auf 6 Monate Gefängnis, davon werden 3 Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt angesehen, für die übrigen 3 Monate wird ihm eine Bewährungsfrist von 3 Jahren bewilligt. Er ist sofort aus der Haft zu entlassen. In militärisch strammer Haltung, Hacken zufammenfchlagend ,,, Jawohl, Herr Präsident!" nimmt Siegelen dieses Urieil entgegen. Michaelis wird mit einem Monat Gefängnis bestraft. Keine Bewährungsfrist. Unter lautem Protest begibt sich der Jockey ins. Gefängnis zurüd. Wofür die Schutzpolizei Zeit hat! Bon einem Parteigenossen wird uns geschrieben: Als ich gestern, Mittwoch, abend meinen Zahlabend in der Brauerei Friedrichshain besuchte, bemerkte ich, daß das Lotal von foundsovielen Schupobeamten mit umgehängtem Karabiner umstellt war. Ich glaubte erst, daß man die von uns im republifanischen Sinne geplante Beranstaltung schüßen wollte, bis ich gewahr wurde, daß ein häuflein von Jünglingen in Hafenfreuzuniformen in Reih und Glied unter Borantragung einer schwarz= meißroten Fahme durch das von der Schupo gebildete Spalier anmarschiert fam, Wie man mir mitteilte, soll ein weiteres Schupoaufgebo: fich noch in der Brauerei, einige Beamte jogar im Saale beAm Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 10 Uhr Feierstnade anläßlich des 20jährigen Bestehens der Berliner Organisation im Großen Schauspielhaus, Karlstraße Gesangschor Roseberry d'Argufo. Festanfpr.: Staatssett. Heinr. Schulz Karten im Vorverkauf à 0,75 9. für diese Beranstaltung sind zu haben im Jugendfekretariat, Lindenstr. 3, 2. Sof 2 Treppen, bei den Funktionären der Sozialistischen Arbeiter- Jugend, in der Vorwärts- Buchhandlung, Sindenfte. 2, bei Fischer, N 20, Bastianstr. 7, G. Jofeph, N., Wilhelmshavener Str. 48, F Schmidt, Charlottenburg, Rofinenstr. 4, B. Dölz, Jmmanueltirchstr. 24, Vorwärts- Spedition, NO 55, Greifenhagener Str. 22, Goldschmidt, N 113, Stolpische Str. 36, Lier, SD, Naunynstr. 9, Wittichus, 34, Petersburger Str. 5, Hoffmann, N 58, Lychener Str. 8, Burg, Prenzlauer Allee 189, Sorsch, GO, Engelufer 24, Schlag, Copenid, Rieger Str., Kroll, N 65, Utrechier Gtr 21, Borwärts- Spedition, Utrechter Str. Die verführerischen Dollar. Unterschlagungen eines jugendlichen Kokainiften. Ein Opfer der Kotainseuche ist der 24 Jahre alte HandlungsLehrling Baul H. geworden, der bei seinen Eltern in Charlottenburg wohnte. wohnte. Die Familie erhielt vor einiger Zeit Besuch aus Amerika. Ein Bruder des Mannes war dort zu Gelb getommen und weilte num für längere Zeit wieder einmal in der Heimat. Der junge H., der der Kotainsucht verfallen ist, griff wiederholt, um fich den gefährlichen Stoff verschaffen zu fönnen, heimlich in die Taschen des wohlhabenden Ontels, ohne daß diefer etwas merkte. Damit begnügte er sich aber noch nicht. Eines Tages fandie ihn der Onkel mit einer Kabelbepesche nach dem Bostamt, durch die er sich von seinem Sohn in Amerifa 700 und 500 Dollar durch Banküberweisung erbat. 5. besorgte die Depesche und rechnete genau aus, wann das Geld hier sein fonnte. Dann fälschte er an Hand der polizeilichen Anmeldung des Onfels einen Ausweis, ging nach der Bant und ließ sich die beiden Beträge auszahlen. Ohne erst wieder nach Hause zu gehen, verließ er seine Stellung, die er in Erwartung der großen Summe bereits gekündigt hatte, und fuhr mit dem Gelde in der Tasche zunächst nach Hamburg, wo er in einem spielte. Von der Hansastadt aus unternahm er eine BergnügungsHotel erster Klasse wohnte und den reichen Amerikaner reise nach dem Allgäu. Als ihm hier endlich das Geld ausging, fehrte er nach Berlin zurüd. Unterdessen hatte der Onfel, dem das Ausbleiben der erbetenen Sendung auffiel, auf der Bant nachge fragt und den Betrug erfahren. Aus der gefälschten Quittung ging hervor, wer der Täter war. Gleich bei der Ankunft in Berlin wurde der Neffe von der Kriminalpolizei in Empfang genommen und nach Moabit gebracht. Bon den ungefähr 1300 Dollar befaß er nur noch wenige Pfennige. Die Charlottenburger Wafferwerke geben nach! Nach langen Verhandlungen, die zwischen dem Magistrat und den Charlottenburger Wafferwerfen gepflogen wurden, ist es gelungen, einen Schiedsspruch zu erwirken, der den Mindest verbrauchsfat für die Belieferung der bei den Charlottenburger Wasserwerfen angeschlossenen Grundstüde mit Wasser von 30 auf 12 Rubikmeter für das Bierteljahr mit wir fung vom 1. Ottober 1924 herabfett. Damit haben zahlreiche hauptsächlich aus den Kreisen der Siedler der westlichen Bororte stammenden Klagen ihre Erledigung gefunden. Mit Recht ist vom Magistrat immer wieder betont worden, daß es feineswegs berechtigt erscheint, einen Teil der Wasserabnehmer innerhalb GroßBerline höher zu belasten als den anderen, nur weil ersterer nach Lage der Verhältnisse gezwungen ist, von einem bestimmten Werk das Wasser zu nehmen und nicht die Möglichkeit hat, fich an ein städtisches Unternehmen zu wenden. Die Frauen und die kommenden Wahlkämpfe. In der Bockbrauerei Fidicinstraße fand gestern eine öffentliche Frauenfundgebung statt. Sie wurde für die vielen Erschienenen eine Stunde der Freude, da der Rahmen ein sehr freundlicher war. Borerst wurden Gesangsvorträge, Kinderreigen und Rezitationen geboten, bevor die Reichstagsabgeordnete Genoffin Bohm- Schuch ihre Ansprache hielt. Sie betonte, daß viele Frauen das politische Leben für etwas Häßliches hielten, dem sie nach Möglichkeit aus dem Wege gehen wollten. Politif ist aber etwas, das die Frauen angeht in ihren allereinfachsten Lebensinteressen. Von dem Ver antwortungsgefühl der Frauen hängt es ab, das eigene Schicksal zu gestalten, über dieses hinaus das Schicksal des ganzen Boltes und so auch die Zukunft der Kinder. Die Frauen sind die Trägerinnen des Lebens und nicht die Werkünder der Vernichtung. Der Frauen Wille zum Leben muß ein ungeheurer Damm gegen die friegerischen Berwicklungen der Völker fein. Wir müssen der Partei unsere Stimme geben, die unsere Interessen vertritt. Die Partei, die uns zu Freien gemacht hat, ist die Sozialdemokratische Bartei. Sie hat für das Recht der Unterdrückten und besonders für die Frauen gefämpft, die von allen die Unterdrücktesten waren. Wie aber haben die Frauen der Sozialdemokratischen Partei und der Republik diese Freiheit gelohnt? Sie haben stimmungs= gemäß den Parteien ihre Stimme gegeben, die ihnen das meiste versprachen, aber als diefe Parteien unter dem Raiserreich an der Herrschaft waren, alles schuldig blieben. Zum Aufbau gehört Zeit, Geduld, sowie mühsame Arbeit. Seit fünf Jahren ist das außenpolitische Ziel der SozialDas Rundfunkprogramm. Freitag, den 24. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-0.25 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen:„ Ratschläge fürs Haus", 6.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Kurt Doerry: Der wahre Sport". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Nerven und Gehirn der Pflanzen 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Garten direktors Ludwig Lesser, Präsidenten der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft: Herbst- und Winterarbeiten im Garten". 8.30-10 Uhr abends: Heiterer Mozart- Abend unter Mitwirkung von Cida Lau und den Mitgliedern des Berliner Philharmonisc en Orchesters: Konzertmeister Franz Veit, 1. Violine; Alois Ederer, 2. Violine; Willi Höber. Viola; Emil Perdus. Kontrabaß; Oskar Schumann 1. Horn; Leo Thiersch, 2. Horn. 1. Divertimento in F- Dur( Für zwei Violinen, Viola, Kontrabaß und zwei Hörner). 2. a) Arie der Tertina aus Cosi fan tutte", b) Rondo aus dem„ Schauspieldirektor"( Cida Lau, Gesang). 3. Divertimento in B- Dur( Für zwei Violinen. Viola, Kontrabaß und zwei Hörner). 4. a) Schon klopfet mein liebender sang). 5. Dorfmusikantensextett( Für zwei Violinen, Viola, KontraBusen, b) Der Zauberer, c) Die Alte, d) Warnung( Cida Lau. Gebaß und zwei Hörner). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Völkern. Die Deutsch nationalen wollten durch die Zollvorlagen den Versuch wagen, uns die notwendigen Lebensmittel zu verteuern. Die Kommunisten haben in der Interpellationsdebatte im Juni nicht ein Wort gefunden gegen diesen un= erhörten 3olltarif. Jetzt haben es die Frauen in der Hand, zu entscheiden, ob man ihnen das Brot verfeuern soll, ob neue Zollschranken die Verständigung der Völker hindern dürfen, und ob eine feit 50 Jahren betriebene Sozialpolitit der Sozialdemokratie zunichte werden darf. In den Schlußiäßen Blang die Rede der Bortragenden aus in eine begeistert aufgenommene Werbung für die Idee des Sozialismus. Es wurden viele neue Mitglieder gewonnen. fangsvorträge schlossen die Versammlung. Unter der Anklage des Bierwuchers. Ein Freispruch der Berufungsstraffammer. Ges Bor einiger Zeit erregte ein Strafverfahren gegen mehrere Generaldirettoren von Berliner Brauereien großes Aufsehen, die wegen Bierwuchers vor dem Schöffengericht mitte angeflagt, damals aber freigesprochen worden waren. Der Staatsanwalt hatte gegen den Freispruch Berufung eingelegt. Der Fall hat folgende Borgeschichte: Der Gastwirt Ihlenfeld, der in der Bergmannstraße eine Gaftwirtschaft betrieb, hatte in der Inflationszeit im Sommer vorigen Jahres die ständigen Preiserhöhungen für das Bier nicht mitgemacht, sondern sich größere Mengen Bier in den Keller gelagert und unter Anwendung großer Reflame das Bier zum alten Preise verkauft. Gegen diese Konkurrenz hatten die Gastwirte des Südwestens Front gemacht und die Lokalkommiffior der Gastwirtevereinigung hatte sich an den Verein der Brauereien Berlins, sowie an die Böhowtrauerei, von der Ihlenfeld sein Bier bezog, gewendet, damit Ihlenfeld zur Einhaltung der Preisschußkonvention von 1920 angehalten werde. Thlenfeld wurde von der Brauerei schließlich auch die Bierlieferung entzogen. Dasselbe geschah dann auch von der Schultheiß- Pazenhofer- Brauerei. Darauf hatte Ihlenfeld Wucheranzeige gegen den Vorizenden des Bereins Berliner Brauereien und die Generaldirettoren der beiden Brauereien, die ihm Das Bier entzogen hatten, erstattet und behauptet, daß von ihm verlangt worden sei, er müsse dos alte Bier sofort zu den neuer Preisen verkaufen. Das Schöffengericht hatte barin teine unlautere Machenschaft zum Zwecke der Preistreiberei erblickt und die drei Angeklagten freigesprochen. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Be rufung eingelegt. Bor der ersten großen Straffammer des, Landgerichts I, die sich erneut mit dem Fall beschäftigte, hielt Staatsanwaltschaftsrat Dr. Seidenspinner nach stundenlanger Beweisaufnahme die Anklage aufrecht. Die Brauereien hätter Grundfäße zur Anwendung gebracht, Die gegen die Preistreiberei verstießen. Ihlenfeld sei unter Androhung der Lieferungssperre des nach den gesetzlichen Bestimmun gen unzulässige Ersuchen gestellt worden, alte Bierbestände zu den neuen Ausschantpreisen zu verkaufen. Der Berteidiger bezeichnete es als bedauerlich, daß wegen des vorliegenden, aus der schlimmsten Inflationszeit stammenden Falles hervorragende Angehörige des Brauereigewerbes bereits zum zweitenmal vor die Deffentlichkeit ges zerrt" würden. Das Gericht fam daher zur erneuten Freisprechung Berhältnisse ein tlares Bild nicht erbracht habe und weil die bei den Der Angeklagten, weil die Beweisaufnahme über die tatsächlichen hätte berücksichtigt werden müssen. von den Brauereien angewendeten Maßnahmen die Geldentwertung 66 Proz. der Friedensmiete im November. Monat November wiederum auf 66 Prozent der reinen Friedensmiete Der Minister für Bollswohlfahrt hat foeben die Miete für den festgesetzt. Die Miete bleibt demnach dieselbe wie im Oktober. Mieter, welche die jogenannten Schönheitsreparaturen ausdrücklich oder stillschweigend selbst übernommen haben, zahlen 62 Proz. der reinen Friedensmicte. Schon wieder ein großer Dachstuhlbrand. Gestern, Donnerstag abend, wurde die 2. Rompagnie in der Bahnhof, gerufen, wo der Dachstuhl des großen Miet 10. Stunde nach der Sorauer Straße 15, am Görliger hauses bei Ankunft der ersten Löschzüge schon in solcher Ausdehnung in Flammen stand, daß unverzüglich mit mehreren Schlauchleitungen von Motorsprigen gelöscht werden mußte. Ueber Treppen und Leitern wurde angegriffen und es gelang, trotz Hize, Qualm und Finsternis, den Brand, der reiche Nahrung an dem Inhalt der vielen Bodenverschläge gefunden hatte, auf das Haus Sorauer Straße 15 zu beschränken. Der Schaden ist sehr bedeutend. Der Dachstuhl ist zum Teil niedergebrannt und meh rere Wohnungen haben durch Wasser Schaden erlitten. Die Hausbewohner vermuten Brandstiftung. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßen. bahnwagen und einem Fuhrwert ereignete sich am Donners tag mittag an der Ede der Boruffia- und Berliner Straße in Tempelhof. Dabei wurde ein Fahrgast schwer verlett. Die Feuerwehr brachte ihn nach dem Krankenhaus in Brig. 8 wei leichtberlegte Berionen fonnten sich nach ihren Wohnungen begeben. Stalldiebe vor Gericht. Empfindliche Strafen verhängte das Schöffengericht gegen ein paar gemeine Pferdediebe, deren Spezialität es war, in Stallungen einzubrechen und Pferde und Wagen zu stehlen, und zwar gegen den Fuhrherrn Karl Sommer und den Schloffer May Dahlmann, die bereits den Gerichten und der Kriminalpolizei als gefährliche Pierde diebe längst bekannt und deswegen vorbestraft find. Auch jetzt hatten sie sich vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen mehrerer mit der größten Dreistigkeit ausgeführten Dieb tähle von Pferden und Gespannen zu verantworten. Das Schöffengericht erkannte gegen Sommer auf 1½ Jahr und gegen Dahlmann auf zwei Jahre Zuchthans. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 23. Oftober. 1. Rennen. 1. Kontrabent( Hr. Rönig). 2. Jjelberg( v. Edertsberg), 3. Lilienstein( v. Borte). Toto: 29: 10. Play: 12, 11, 13:10. Ferner liefen: Fancy, Algebra, Daim II, Münze, Herzliefel. 2. Stennen. 1. Felsenquelle( Franzte), 2. Prinzeß Fried.( Tarras), 3. Lava( Jentsch). Toto: 105: 10. Blab: 20, 15, 16: 10. Ferner liefen: Lump, Laurin, Operette, Fippa, Maifa, Gauller, Begonie. 3. Rennen. 1. Labrador( Bismark), 2. Dorn II( Baftag), 3. Münzmeister( Schuller). Toto: 23: 10. Blat: 14, 120, 19: 10. Ferner liejen: Smmerweiß, Teresina, Wippizio, Leander, Twostep, Schirmherr, Golm, Rüdgrat, Puppenfee. 4. Rennen. 1. Bisa( Bennmohs), 2. Napoleon( Braun), 3. Albatros ( v. Drachenfels). Toto: 98: 10. Blaz: 25, 19, 40: 10. Ferner liefen: Heldin, Heimatfang, Achill, Eisenbahner, Morgengruß, Heimweh, Heckemose, Bremen, Häfeler, Augapfel, Chasseur. 5. Rennen. 1. Abenteurer( Haufer), 2. Baltazar( E. Eichborn), 3. Rappelloof( b. Edertsberg). Toto: 37: 10. Blag: 17, 15, 15: 10. Ferner liefen: Don II, Lämmergeter, Nächer, Elfchen, Tippel, Sultan. 6. Rennen. 1. Solo( Hartmannshof), 2. Mundschent( Schrarker), 3. Le Challenge( Steim). Toto: 29: 10. Blat: 15, 15, 20 10. Ferner liefen: Bauberflöte, Bubi, Adria, Fabel, Gito, Tamara, Cera. 7. Rennen. 1. Abteilung: 1. Ringrivalis( Bachmeier), 2. las bager( D. Müller), 3. Japs( Thielemann). Toto: 65: 10. Blas: 18, 16, 13:10. Ferner liefen: Dida, Eifel, Brandsadel, Astra, Waldrun, Waltüre. 2. Abteilung: 1. Floree( Elflein), 2. Cea( Franzte), 8. Kadewitt( Stautunde, Memento, Herenmeister II, Balant, Alarid, Calderon. binger). Toto: 30: 10. Blat: 16, 24, 31: 10. Ferner liefen: Morgen. Wetter für Berlin und Umgegend. Troden, größtenteils heiter, auch am Tage falt, bei abnehmenden Winden. Für Deutschland: Besonders im Binnenlande vielfach Nachtfröste. Wirtschaft Kommunisten und indirekte Steuern. ,, Kampf der Lohnsteuer, Rampf den 8öllen! Kampf den Berbrauchssteuern und der Umsatzsteuer" So steht fett gedruckt in einem Wahlartifel der„ Roten Fahne" zu lesen. Glücklicherweise haben die Kommunisten ein eigenes Haus, das nach ihren eigenen Schilderungen die reinste Bara bieslaube fein müßte. Dieses Haus heißt Sowjetrußland. Unwillkürlich fragt man, wie sich die Kommunisten dort, im eigenen Heim, zu den indiretten Steuern verhalten. Da macht man nun die schöne Entdeckung, daß in dem Steuerfyftem Sowjetrußlands die in diretten Steuern, die bekanntlich die arbeitende Bevölkerung am stärksten belasten, eine große Rolle spielen. Im Steuerjahr 1922/23 bildeten die indirekten Steuern( ohne 3ölle) mehr als ein Sechstel aller ordentlichen Einnahmen und mehr als ein Drittel aller Steuereingänge. Im Steuerjahr 1923/24 waren die entsprechenden Zahlen 23 Proz. und 38 Proz. Nach dem soeben veröffentlichten Etat für das erste Bierteljahr von 1924/25 müssen die direkten Steuern 166 Millionen und die indirekten Steuern 84 Millionen Rubel, d. h. mehr als 32 Proz. aller Steuereingänge ergeben. Diese Höhe der indiretten Besteuerung erklärt sich aus folgenden Umständen: Die direkten Steuern haben bei dem niedrigen Stand des Volkseinkommens in Sowjetrußland ihre höchst grenze erreicht. Sie belasten hauptsächlich die städtischen Einwohner und die städtischen Betriebe. Angesichts des schlechten Steuerapparates ist die Sowjetregierung nicht in der Lage, die direkte Besteuerung der Dorfbevölkerung zu erhöhen. Sie vermag zurzeit nur mit Mühe die einheitliche landwirtschaftliche Steuer einzuziehen( die in diesem Jahre durchschnittlich ein Sechstel des bäuerlichen Einkommens be= trägt). Um den Hauptsteuerzahler, die Bauernmasse, zu Steuern heranzuziehen, blieb fein anderer Weg übrig, als indirekte Steuern einzuführen. Das schönste ist nun, daß die Leiter diefer Politik die in direkten Steuern nicht nur als ein notwendiges Uebel, fondern ganz grundsäglich als richtig anerkennen. So hat die Steuerverwaltung des Boltsfommissariats für Finanzen ihre Auffassungen folgendermaßen formuliert: Je ärmer eine Bevölkerung ist, desto schwieriger ift es, die geringen lleberschüsse, die sie befigt, zu erfaffen. Es ist in der Pragis unmöglich, auf dem Wege der direkten Besteuerung jene Schich'en der Bevölkerung zu er= faffen, die nur minimale Ueberschüsse besigen; hier können mur genügend verfeinerte Methoden einer universellen, indirekten Besteuerung helfen."( Siehe„ Bolksund Staatswirtschaft", 1923.) Geleitet von diesem Brinzip, erhebt die russische Steuerverwaltung im laufenden Jahre indirekte Steuern( in Form von Afzifen) Don folgenden Waren: Ta bat, 3igarettenhülsen, Streich hölzer, Traubenweine, Spiritus, Branntwein, Bier, Meth, was, Limonaden und Mineralwasser, 3uder, Sacharin, Tee und ihre Suurogate, Salz, Petro leum, Schmieröle, Benzin, Wachsterzen, Gummi. schuhe und Manufatturwaren. Ferner wird von allen Fertigwaren, die aus dem Auslande eingeführt wurden, außer dem Zoll noch eine besondere Atzise erhoben. Besonders drückend für die breiten Massen der Bevölkerung sind die indiretten Steuern auf Zucker, Salz, Streichhölzer, Betroleum und Manufakturwaren. Die Budersteuer ergibt 24,4 Broz., die Tabaksteuer 17 Broz., die Salzsteuer 13,4 Proz., de Naphtafteuer 9,6 Proz, die Manufakturwarensteuer 6,9 Proz. aller Afzifeneingänge. Die Steuerfäße selbst find außerordentlich hoch. So beträgt die Zuderfteuer 31,5 Broz., die Sirupfteuer 40 Broz, bie Salzsteuer 17-32 Broz, die Petroleumsteuer 22 Bros., die Streichholzsteuer 24 Proz der betreffenden Großhandels. preise. Die Wirtschaftsorganisationen, die den Handel mit den genannten Waren betreiben, haben in zahlreichen Denkschriften den Nachweis erbracht, daß die Afzisesätze so hoch sind, daß der Konsum zurückgegangen und sowohl der Handel wie auch das Interesse des Fiskus geschädigt worden sind. Auf die Kommunisten außerhalb Rußlands macht das natürlich teinen Eindruck. Denn bort haben sie ja die Herrschaft. Dafür wirft man auf die Sozialdemokratie mit Steinen, well fie, um den Bestand der Republik zu retten und trotz des erbitterten Widerstandes des Besizes die Inflation beseitigen wollte, indirekte Steuern hingenommen hat. Und man beschimpft sie, ob wohl die Kommunisten genau wissen, daß es die Sozialdemokratie ift, die jetzt mit allem Nachdruck einen Abbau der sozial ungerechten Berbrauchssteuern und eine stärkere Heranziehung des Befiges zur Steuer verlangt. Aber wer in der Glashauslaube des Sowjetpara dieses fißt, follte lieber nicht mit Steinen werfen. Ein spätes Eingreifen. Gegen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen wurde vor fast einem Jahre die bekannte Kartelloerordnung erlaffen. Sie ist inzwischen recht oft angewandt worden, wenn eine betroffene Partei sich durch die Bestimmungen eines Berbandes benachteiligt fühlte und wenn diese Bestimmungen in irgendeiner Weise den Interessen der Allgemeinheit widersprachen. Da neben sieht aber das Kartellrecht in seinen§§ 4 und 10 vor, daß Kartellabmachungen nichtig werden können, auch ohne daß sich eine betroffene Firma darüber beschwert. Das kann dann ges schehen, wenn die fraglichen Verträge, Beschlüsse, Geschäftsbed ngungen oder Preisfestsegungen die Gesamtwirtschaft oder das Gemeinwohl gefährden. Erforderlich ist dazu immer das Einschreiten des Reichswirtschaftsministers. Auffälligerweise wurde von diesen Bestimmungen lange Zeit hindurch überhaupt fein Gebrauch gemacht. Man wartete ab, bis sich jemand fand, der sich benachteiligt fühlte und erst dann erfolgte ein Einschreiten. Diese Haltung des Reichswirtschaftsministeriums befrem dete infofern, als bei der gegenwärtigen Preisüberspannung an vielen Stellen der Produktion und des Handels und auch bei den Konditionen der Banken oft der Eindruck entstand, daß hier eine wirtschaftliche Vormacht zum Nachteil der Allgemeinheit ausgenutzt würde. Erst jetzt liegt ein Fall vor, der Anlaß zum Einschreiten im Interesse des Gemeinwohles gegeben hat. Im Rahmen der Maßnahmen, die eine Ueberspannung der Machtmittel der Kartelle beseitigen wollen, liegt, wie der Ron Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirtssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. fettionär" von beteiligter Seite erfährt, beim Kartellgericht gegen einen Großhändlerverband der Herrenhutbranche cin Antrag nach§ 4 Absatz 1 3iffer 1 vor, einen Beschluß, der die Mitgliedschaft des betreffenden Verbandes bindet, einen Preis. Ginkaufspreis zu fordern, für nichtig zu erklären. aufschlag von nicht weniger als 30 roz. auf den Darüber hinaus ift nach§ 10 beantragt, daß die Abnehmer der angeschlossenen Großhändler von allen Berträgen zurüd programmentwurf der SPD. 3. Verschiebenes. Bezirksgruppe Berlin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemofrafischer Lehrer und Lehrerinnen. Zum Reichstags- Wahlkampf wird den Monarchisten und Kommunisten wieder jedes Mittel zur Erringung von Mandaten recht sein. Durch gewiffenlosen Schwindel werden diese Parteien erneut versuchen, die nofleidende Arbeiterschaft und das mit ihr fympathifierende Bürgertum in Berlin zu verwirren und irrezuführen. Durch gehörige Aufklärung der Wähler und Wählerinnen muß das verhindert werden. Hierzu bedarf es ganz beträchtlicher Geldmittel. Freiwillige Beiträge für den Wahlfonds sende deshalb jeder, der es fann, fofort auf Poftichedfonto nr. 48743 an Aleg pagels, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. treten tönnen, die seit der letzten Preisfeftfegung abgeschloffen sind und mit dem genannten Preisaufschlag rechnen. Außerdem ist bereits dem Großhändlerverband aufgegeben worden, daß Ab= schriften aller zur Durchführung seiner Breistonvention er. folgenden Vereinbarungen und Verfügungen nach§ 4 Absatz 1 Biffer 3 einzureichen sind und ihr Infrafttreten erst mit Zugang der Abschriften erfolgt. Es ist immerhin interessant, bei diesem Anlaß zu erfahren, daß es in gewiffen Branchen noch Verbände gibt, die einen Preisaufschlag von 30 Prozent für den Großhandel als angemessen erachten. Die ungeheure Berteuerung mancher Waren zu den so künstlich erhöhten Preisen tommen nun noch die Zuschläge des Detailhandels wird dann leicht erklärt. Man sieht an dem Beispiel zugleich, daß es nicht immer der Kleinhandel ist, der an der Preistreiberei Schuld trägt, sondern daß oft die Ursachen der Verbeuerung vielmehr schon bei der Produktion und bei folchen Großhändlern zu suchen sind, die so schroffe Kartellbedin gungen hinnehmen. Sonnabend, den 25. Oktober, 6 Uhr, im Gigungsfaal der Bezirksver ordnetenversammlung Kreuzberg, Dorfstr. 11. 1. Bortrag der Genoffin Dr. Wegscheider: ,, Die Kulturpolitik bes Landtags." 2. Aussprade über den SchulAchtung, Beamte! Besprechung der Wahlarbeit am Sonnabend, den 25. Oktober, abends Punkt 8 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, LindenStraße 3. Alle Kreis- und Abteilungsobfente find unbedingt zum Erscheinen verpflichtet oder müssen einen Vertreter senden. * 1. Rzeis Mitte. Mittwoch, den 29. Oktober, milffen in allen Abteilungen außerordentliche Mitgliederversammlungen abgehalten werden. Tages. ordnung: Wahl der Delegierten aum Kreisvertretertag und zum Begirtstag. 7. Atreis Charlottenburg. Seute abenb 7 Uhr Funktionärversammlung im Restaurant Wilhelmshof", Spreeftr. 7. 12. Kreis Steglis, Lichterfelbe, Bankwik. Seute abend 8 Uhr im Enzeum, Rothenburgstr. 18, Runstabend. Sumor und Frohsinn." Alle Mitglieder müffen teilnehmen. Heute, Freitag, den 24. Oktober: 74. bt. Rehlendorf. 8 Uhr wichtige Funktionärversammlung im Barteilokal. Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht eines jeden Funktionärs, pinktlich zu erscheinen. Jungiozialisten Norden. Achtung! Heute Freitag, abends 7%, Uhr, im Bedigenheim, Orthstraße, Mitgliederversammlung Erscheinen aller mitglieder ist ẞflicht! Morgen, Sonnabend, den 25. Oktober: 31. t. 7% Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Funktionärkonferens mit den Betriebsvertrauensleuten. 128./130. t. Pankow. Die Mitglieder der Agitationstommiffion werden au einer wichtigen Situng 7% Uhr Jugendheim Breite Straße eingeladen. Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, den 24. Oftober, 7% Uhr: Moabit I: Waldenfer Straße, Bortrag: Alt- Berlin." Rorben: But bufer Str. 3, Borttag: Deutsche Reichsverfassung." Norboften I: BözowStraße 40: Kurt- Heinide- Abend." Rosenthaler Borstadt: Sophienstr. 23, Lichtbildervortrag. Weißensee: Woeldpromenade, Bortrag: Entwicklungsgeschichte der Erde." Frankfurter Biertel: Tilsiter Str. 4/5, Diskussion: Meine Erlebnisse in, der Fabrik." Stralaner Viertel: Naglerstr. 3, Bor. trag: ,, Etwas über Botanit." Schöneberg 1: Rubens, Ede Hauptstraße, Vortrag: ,, Buchdruckkunft." Brig: Rathaus, Chauffeeftr. 48, Vortrag: Jugend und Nation." Neukölln II: Nogatstr. 53, Vortrag: ,, Gemeinschaftsgeist." Unverständlich aber erscheint es, daß eine derartige Kartellbestimmung mehr als ein halbes Jahr in Kraft sein konnte, ohne daß das Reichswirtschaftsministerium davon erfahren hat. Das Eingreifen erfolgt reichlich spät. Würde es sich angesichts dieses borf. Vorkommnisses nicht lohnen, die Ueberwachung der Kartelle zu verschärfen, um so den Preisabbau zu fördern? Die Verbandsbestrebungen der Schwerindustrie. Ueber die Bestrebungen nach neuen Stahl- und Eisenkartellen, auf die der Geschäftsführer des Vereins der Eisen- und Stahlindustriellen in seiner bekannten Berliner Rede am Dienstag verwiesen hat, wird nun von unterrichteter Seite u. a. folgendes mitgeteilt: In Frage kommt nicht nur die Bildung eines Rohstahlverbandes, sondern vor allen Dingen die Errichtung eines Ausfuhrverbandes für fämtliche Eisen- und Stahlerzeugnisse. Bon maßgebender industrieller Seite wird mun eine Einigung mit der ausländischen europäischen Eisenindustrie bestritten. Angesichts solcher Kommuniqués ist immer in erster Linie bei den gegenwärtigen Verhältnissen an England zu denken. Sollte aber eine Einigung mit den europäischen Eisenländern nicht zustandekommen, so wird man das Gespenst der Konkurrenz nur vergrößern und nicht verringern. Ein Rohstahlverband ohne die Einbeziehung Englands ist direkt un dentbar, weil Deutschland, Frankreich und Belgien darauf angewiesen sind, einen erheblichen Teil ihrer Erzeugnisse in den England gehörigen Ländern abzusehen. Für Deutschland ergibt sich, die gleichen Verhältnisse vorausgesetzt, folgendes: Will der Rohftahlverband bestehen, so fönnte er das nur dann, wenn er auf dem Inlandsmarkt durch hohe Preise die Mittel aufbringt, um im Auslande ein erfolgreiches Preisdumping zu betreiben. Welche Folgen aber ein folches Borgehen in außenpolitischer Beziehung nach sich ziehen würde, ferner, welcher Schaden der deutschen Volkswirtschaft, besonders den rerarbeitenden Industrien, durch eine beträchtliche Preisverteuerung zugefügt werden würde, ist von uns wiederholt betont worden. Uebermäßige 3insforderung ist Leistungswucher. Ein für die Geschäftswelt wichtiges Urteil wurde vom Ersten Straffenat des Reichsgerichts gefällt, das bahin lautet, daß das Forder übertreibereiverordnung angesehen werden kann. mäßiger Zinsen als Leistungswucher im Sinne des§ 4 der PreisErnährungsforgen in Frankreich. Das französische Amtsblatt der Aderbauminister Organisationen schafft, deren Aufgabe Journal Officiel" veröffentlicht ein Dekret, durch welches darin bestehen soll, die Frage der Beschaffung von Brot getreide zu regeln und dem Ackerbauminister fachmännische Austünfte über die Berwendung von Saatgetreide und den Bezug von Auslandsgetreide zu geben. Gea Günftige Wirkung des Handelsvertrages mit Spanien auf die deutsche Industrie. Der Verband Württembergischer Industrieller hat eine Umfrage bei seinen Mitgliedern veranstaltet, in weicher Weise sich das Intrafttreten des deutsch- spanischen Handelsvertrages ausgewirkt habe. Uebereinstimmend wurde erklärt, daß seit dem 1. August eine wesentliche Belebung des fchäftsvertebrs mit Spanien eingetreten sei. Zum Teil feien sehr beträchtliche Aufträge eingegangen, die für die Weiterbeschäftigung der Werte start ins Gewicht fallen. Auf Grund dieses Materials spricht der Verband Württembergischer Industrieller die Erwartung aus, daß die Ratifizierung des deutsch spanischen Handelsabkommens mit größter Beschleuni gung geschieht. Achtung, Abteilungsleiter! Die Starten für die Feierstunden müffen unbedingt heute, Freitag, abgerechnet werden. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14, Sebaftianfte. 37/38,$ of 2 Tr. Kameradschaft Tiergarten. Am Sonnabend, den 25. Oktober, unt 48 Uhr in der Turnhalle Alt- Moabit 23. Dort Ausgabe von Jaden und Mügen und Einteilung nach Botsdam. Kamerabschaft Neinidenborf. Am Freitag, den 24. Oktober, abends 7 Uhr, im Lofal Rammlow. Kastanienwäldchen, Schönholz 14( Nähe Bahnhof Reinickendorf- Schönholz), Boll verfammlung. Ortsgruppe Eichwalde. Am Freitag, den 24, Oktober, abends 8 Uhr, Vorstandssitung bei Lindner, Bahnhofstraße. Am Sonnabend, den 25. Oftober, abends 8 Uhr, im Lokal von Kreuz, am Bahnhof, BollverfammTung der Ortsgruppe. Sehr wichtige Tagesordnung. ++ örenid. Am Sonntag, den 26. Oktober. Treffen früh 7 Uhr Bahnhof Röpenid zur Fahrt nach Potsdam. Rameradschaft Kreuzbera. einscht. sämtlicher Unter. gruppen. Am Sonntag, den 26. Oftober, vormittags 8 Uhr, Treffen Hochbahnhof Hallesches Tor. Kamerabschaft Friedrichshain, Ingendgruppe. Am Montag, den 27. Oftober, abends 7 Uhr, in der Turnhalle Ecertstraße. Kamerabschaft Bankow, einschl. sämtlicher Untergruppen. Am Sonntag ,, den 26. Oftober, vormittags 72 Uhr, Treffen fänttlicher Rameraden Berliner, Ecke Mühlenstraße zur Fahrt nach Potsdam. Untergruppe Buchholz. Am Montag, den 27. Oktober, abends 7 Uhr, Rameradschaftsversammlung bei Roffack, Buchholz, Sauptfte. 72. Republikaner als Gäste milffommen. Rameradschaft Charlottenburg. Am Sonntag, den 26. Oktober, morgens 8% Uhr, Bahnhof Charlottenburg. Pünktliches, vollzähliges Erscheinen aller Rameraden einschl. ber Förderer ( Bassiven) zu den angekündigten Versammlungen ist dringend erforderlich. Arbeiter- Nadio- Klub, Ortsgruppe Weften, veranstaltet am Freitag, abends 7 Uhr, im Lindenpart, Schöneberg, Sauptfte. 13, eine öffentliche Ber fammlung. Reichsbund Dentscher Mieter, Gruppe Treptow- Baumschulenweg. Proteft versammlung am Freitag, den 24. Oktober 1924, 8 Uhr abends, im neuen Gesellschaftshaus am Bahnhof Treptow. Referent: Landgerichtsrat E. Ruben. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Biesdorf. Am Sonnabend, den 25, Oktober, abends 8 Uhr, feiert der Berein fein 5. Stiftungsfeft, wozu wir alle Turn- und Sportgenoffen einladen. Da wir in unserem Ort noch sehr mit den Bürger. lichen zu rechnen haben, muß am 25. Oktober die Parole after Turnschwestern und Turngenoffen fein: Auf nach Biesdorf. 2. Männer- Handballmannschaft Spiele auf Gegners Blak. Spielangebote au abends 7 Uhr im Jugendheim, Reichenberger Str. 66, Bortrag:„ Die Ent Freie Turnerfehaft Groß- Berlin. Bezirk Süden. Wir fuchen für unsere richten an Otto Eichner, Berlin SD., Brandenburgstr. 33. Sonnabend ftehung und Entwicklung des Arbeiter- Turn- und Sportbundes." Briefkasten der Redaktion. M. E. 42. Rochschule des Berliner Hausfrauenvereins, Breite Str. 6. W. S. Die Frau erwirbt durch die Eheschließung die Staatsangehörigkeit des Chemannes. A. G. 19. Erfordern Sie von dem Gericht, in deffen Bezirk der Erblasser verstorben ist, eine Abfchrift des Teftaments. Die dadurch entstehenden Roften find unerheblich. F. G. 111. 1. Wenn eine Verständigung auf gütlichem Wege nicht möglich ist, muß die Entscheidung des Gerichts angerufen werden. 2. Der Anspruch muß bei der Sparkasse angemeldet werden. .. 32. Das richtet sich ganz nach den Ansprüchen, die geftellt werden. Nach unserer Ansicht mindestens 90 m. W. 2. 4. Die Bestimmung ist noch Schneider. 1. Tauffayein oder Ronfirmationsschein. 2. Die Roften find sehr gering. 3. Beim Amtsgericht. 4. Nein. Barteinach Shren Einkommensverhältnissen. 3. Shre Frau wird sich wahrscheinlich genoffe 1907. 1. Ja, fofern sie noch unterhaltsbedürftig ist. 2. Richtet sich nicht aufgehoben. an das Wohlfahrtsamt gewandt haben. 4. Hängt von der Söhe des Strett gegenstandes ab. 6. R. Nein. Unwissender. Ja, der Hauswirt muß aber 5... 40. Wenn bann fich den Abzug von 3 Bros. gefallen lassen. der Scatswirt die Pflicht nach dem Bertrage übernommen hat, so muß er fie auch erfüllen, Weigert er sich, so bleibt nur der Klageweg übrig. D. 9. 1891, 1. bis 8. Wenden Sie sich an den Gemeindevorstand bzw. den Landrat, wo Gie alles Nähere erfahren. Es ist möglich, daß Sie Gelb erhalten. 4. Melden Sie Ihren Aufwertungsanspruch bei der Spartaffe an. Die Anmeldung muß bis zum 31. Dezember d. 3. erfolgt fein. Ueber die Söhe der Aufwertung Täßt sich zurzeit nichts Beftimmtes fagen. 5. Den Kindern steht auf alle stehen. 6. Unter Umständen ist das möglich. Jedes Kind erhält dann aber Fälle der Pflichtteil zu. Den Pflichtteil önnen Sie den Rindern nicht ent nur soviel, als der Pflichtteil beträgt Darilber hinaus hat es teine An[ vrliche. Sieb. 8. 1. Wenn es zu einem Prozek tommen sollte, so müssen Gie dem Hauswirt den Eid über die Rahlung zuschieben. 2. Ja. 3. Werden Sie noch einmal beim Poftamt unter Darlegung des Sachverhalts vorstellig. Bielleicht wird dann von der Erhebung einer besonderen Gebühr Abstand ge nommen. R. B. 1. Ja, da es sich um laufende Instandsehungsarbeiten handelt. 2. Ja, fofern eine Ründigung des Vertragsverhältniffes bisher nicht erfolgt ist. B. G. G. 5. 1. Der Sauswirt ist zur Annahme der 4 Proz. verpflichtet, da eine Bereinbarung. wonach Sie die Schönheitsreparaturen übernommen haben, nicht vorliegt. 2. Nein, bieten Sie ihm aber nach wie vor die 4 Prog. an. Sie tönnen auch diese hinterlegen. 9. R. 24. 1. Nein. 2. Die Umlegung des Waffergeldes ist aulaina. Massary ROAL• Defff Eine Zigarette von Rang. 58 68 Edel wie der Name. HERMANN Tiefz BILLIGE Lebensmittel Frisches Fleisch 186 Verkauf nur sowelt Vorrat Hammelvorderfleisch Pfund 68Pt. Hammelrücken............ Pfund 76Pt. Hammelkeulen Kalbskamm .Pfund 90Pf. Pfund 86PL Kalbsrücken u,-brust Pfund 95Pt. Kalbskeulen.... .Pfund 100 Schweinebauchu.- blatt Pfand 110 Prima Rinderfett in Buchs., 5 Prd. 335 netto...... Stück Schweineköpfe gepäkelt, Pfund 36PL. Gefrierfleisch englische Ausstellungsware Ochsensuppenfleisch Pfund 50PL. Ochsenschmorfleisch 75Pf. o.Kn. Gemüse Möhren Pfand 4Pt. Kohlrüben..... Pfund 4Pf. Weisskohl..... Pfund 4Pf. Wirsingkohl holl., Pid. 7Pf. Rotkohl holl.... Pfund Pf. Dauerzwiebeln Ptd. 10Pt. Sellerie....... Pfund 30P. Obst Kochbirnen.... Pfund 8Pt. Kochäpfel Pfund Pf. Beurre blanc Pfund 12 Pf. Essbirnen( Diele) Ptd. 15Pf. Edelböhmer..Pfund 14Pf. Rosmarien... Pfand 15Pf. Renetten grane, 2Ptd. 25Pf. Kolonialwaren Graupen....... Pfund 23Pf. Vikt.- Erbsen IPtand 26Pf. 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Schauspielhaus 7 U.: Peer Gynt Täglich 8 Uhr Schiller Theater Tilla Durieux in B 72 U.: Fuhrmann Henschel Ein idealer Gatte Volksbühne Tilla Durieux, A. Sandrock, 7: Schneid.Wibbel M. Kestner, H. Burg. Lettinger, Westerhold, Deutsch. Theater Sbd. 25. Okt. 4 Uhr: 72 Uhr: Gr. Kind.- MärchenZum letzten Male: Vorst m Gesang u. Michael Kramer Tanz( Klein.Preis): Kammerspiele 8 Uhr: Die tote Tante und andere Begebenheiten Schneewittchen. tg. 26. O t., 4 Uhr: KI. Pr. Schneewittchen Theater i. d. Königgrätzer Str. Residenz- Th.! 8 Uhr Erich XIV. Dir.: Fel. Meinhardt Th. a. Nollendorfpl. Die Täglich 7.30: Die Geliebte Sr. Hoheit mit Fritzi Massary vier 8 Uhr: Berliner Theater Schlaumeier 7.30 Uhr: Mus. v. W W. Goetze Der süße Kavalier Stg. 31, U.: 360 Frauen Komödienhaus 8: Der unwiderSCALA stehlich. Kassian Deutsch. Künstlertheat. Täglich 7 Uhr Der Tanz um die Liebe Operette in 3 Akt. von Osk. Strauss Martha Serak Erikav.Theilmann Paul Graetz/ Robert Nästlberger Robert Scholz Hans Wassmann Georg Bascit Erich Walter Mus.Leit.: M. Roth Tänze: H. Lingen Bühn Bild: E.Stern 8 Uhr: Internat.Yarieté Sonntag 3.30 zu halben Preis. das volle Programm! Th.i.Admiralspalast Täglich 84 Uhr: die große Revue ,, Noch and Noch' 66 Stg. 2 Verst. in erster Besetzy. 34 u. 8 Uhr Central Theater U.: 13 G'Wissenswarm Deuts Opernhaus 7 J. Figaros Hochzeit Intimes Theater Lustspielhaus Tägl 8 Uhr. Die Zwillingsschwester Lustsp. v L.Fulda Käte Dorsch/ Joh. Riemann Hans Junkermann Neues Operettenhaus Täglich 8 Uhr 8: Liebeskonzern K. Valentin/ Lis! Karlstadt Tempo Tempo! Metropol- Theater in ,, Vorstadttheater" Tägl. 72 Uhr: Burleske v. Karl Valentin Gräfin Mariza Wallner- Theat. Tägl. 71% Uhr: Th. I. Kommand. Str. Uriel Acosta Letzt Vorstellungen Volkstümliche Preise 1-6 M, 8: M Tister Globetrotter Goethe- Bühne Stg. 3 Mädels von Davos Klosterstr. 43 Neues Theat. am Zoo Taglich 7%, Uhr: Heute 7 Uhr: Premiere! Die natürliche TOCHTER Die Frau ohne Schleier Abonnenten Bramatisch. Theater Preise: 7.-, 5.-, 3.halbe Kassenpreise Chausseestr. 30/31 Casino- Theater Dir.: With. Dieterle 71 Uhr: Lethrin er Str. 37 Tägl. 8 Uhr Neu! New! Gastspiel der Künstlertrappe Satan Weib! des Bühnenvolksbundes: Berliner Volksstück in 6 Bildern Donna Diana Berliner Humor, Berliner Typen Lustspiel v. Moreto Vorher Bunter Teil Volkstüml. Preise Trianon- Th. Heute 7 Uhr: Th.i.d.Gem.- Turnhalle Solott' Weißensee, Pistoriusst.23 Sonnt. abds 74 Uhr Enka Gläßner, Eva Benndorf in: Jul.Falkenstein Der fidele Baner u. Ferd. Bonn von Leo Fall Preise 80 Pf b. 2M. Vorverk. u. Abendk, THEATER Thalia- Theater 7% Tägi. 7% Der Harem auf Reisen o. Rud. Nelson Berlins Musikschlager. 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Volk entscheide! Im Landtag ergab gestern, wie wir schon turz melde len, die Abstimmung über den Uranirag der Sozialdemokraten, Der Demofraten und des Zentrums zum vierten Male die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Es mußte eine neue Sigung mit der Tagesordnung ,, Dritte Beratung des Haushaltplanes" angesetzt werden, bei der zur Beschleunigung der Arbeiten die Redezeit auf eine halbe Stunde beschränkt wurde. Als erster Redner ergriff das Wort Abg. Heilmann( Soz.): Der erste Landtag der Republik Preußen steht am Ende seiner Arbeiten. Der preußischen Politik wegen wäre die Auflösung des Landtages noch nicht notwendig gewesen. In Preußen bestand teine politische Krise. Die Auflösung fam nur, weil die Krise im Reich wiederum zur Reichstagsauflösung geführt hat. Die letzten Reichstagswahlen brachten einen arbeitsunfähigen Reichstag. Der geplante Eintritt der Deutschnationalen ins Reichs fabinett tam zunächst nich: zustande, weil die Deutschnationalen die Dawes Gefeße ablehnten. Am 29. August tam dann der be= rühmte große Umfall: die Deutschnationalen lehnten sämtliche Dawes- Gesezze in allen drei Lesungen ab, nur bei der entscheidenden Schlußabstimmung über das Eisenbahngesez stimmten 49 Deutschnationale mit Ja, 50 mit Nein. Die Art der deutschnationalen Abstimmung zeigte, daß es sich bei ihnen um ein tattisches Manöver handelte, um die Reichstagsauflösung zu vermeiden und den Eintritt in die Regierung herbeizuführen. Die Deutschnationalen halten sich für die Abkommandierung von 4 Dutzend Stimmen vier Ministersite versprechen lassen. Ein so schamloses Verhandeln der eigenen Ueberzeugung, ein so schmählicher Stimmen. fauf ist in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus bis dahin unerhört gewesen.( Lebhafte Zustimmung links, Unruhe rechyts.) Die Deutschynationalen hatten im vorhergehenden Wahlkampf die Dawes- Gesetze als zweites und schlimmeres Bersailles gekennzeichnet. Sie wollten damit sagen, daß sie das Bustandekommen der Dames- Geseze ermöglichen würden, wie sie das Zustandekommen des Versailler Friedens hatten ermöglichen helfen. Damals in Weimar, als das kabinett Scheidemann zurückgetreten war, weil es den Mordfrieden nicht unterzeichnen wollte, haben die Deutschnationalen feierlich erklärt, niemals zu bezweifeln, daß diese 2nnahme nur unter dem äußersten Zwang und aus lauterftem Patriofismus erfolgte. Die Deutschnationalen haben ihre Erklärung dahin gehalten, daß sie Matthias Erzberger in den Tod hetzten. Genau so wenig wie in Weimar haben die Deutschnationalen jetzt daran gedacht, ihre Agitationsmethode und ihre Handiungsweise zu ändern. Herr Hergt erflärte im oberschlesischen Wahlkampf, es liege bei den Deutschnationalen feine Aenderung des Urteils oder der Gesinnung vor, es handele sich lediglich um ein taftisches Manöver. Zu gleicher Zeit erklärte Herr Schlange. Schönin gen auf der Tagung der Bismard- Jugend in Braunschweig, Kaiserkrone und Schwarz- Weiß- Rot feien das unabänderliche Programm der Deutschnationalen. Der Eintritt in die Reichsregierung sei für die Deutschnationalen nur die erste Etappe, das andere werde sich dann schon entwickeln, bis zu dem Tag, wo unter den schwarzweißroten Kriegsfahnen das Heer init dem Kaiser an der Spitze die verlorenen Brüder heimführen werde. Das ist die Gesinnung der Deutschnationalen: sie denken an Revanche und unterschreiben die Richtlinien der Politik des Reichstanzlers, deren grundlegende Bunkte waren: Schutz der Republit, Fortsetzung der Friedens- und Verständigungspolitit, Eintritt in den Völkerbund. Es wurde nie ein erbärmlicheres Spiel der Heuchelei und des Voltsbetruges betrieben. Aber die. Deutschnationalen haben ja ihren Lehn schon dahin. die deutschnationale Partei ist heute ein Chaos das fagen die Rechtsblätter, wie z. B. die Deutsche Zeitung". Ist Herr Hergt cigentlich noch der Führer der Deutschnationalen? Ist er schon den " Beg gegangen, den Herr Baeder, der Chefredakteur ber Deutfchen Tageszeitung", gegangen ist, den Weg, der Herrn Hoesch aus der Kreuzzeitung" herausgeführt hat? " Im jeßigen Wahlaufruf hat sich die jetzige deutschynationale Reichstagsfraktion abermals als völtisch und monarchistisch und als Kämpferin gegen die Erfüllungspolitik erklärt. Und mit dieser Partei mollte das Zentrum zusammengehen, das sich hier als den ersten Träger des Erfüllungsgeistes gerühmt und den ersten Kranz dafür in Anspruch genommen hat! Was laffen sich die bürgerlichen Mittelparteien eigentlich alles bieten? Abrechnung im Landtag. regierung, die Deutschland ohne lange Flaufen in den Böldas deshalb, weil wir ja gerade im Wahlkampf die preußische Referbund hineinführt. Die Stresemannschen halben Bersprechun- gierung als Vorbild einer feften republikanischen Regierung hingen und lahmen Dementis find feine Außenpolitit. Deutschland stellen wollen. muß wählen zwischen Erfüllungsgeist und Revancheidee, zwischen Friedensgeist und Kriegsgeist. Das deutsche Volt muß sich entscheiden. Die Republit ist der Friede. Republikanisch oder monarchisch eine Zwischenlösung gibt es nicht. Nannte nicht der„ Lokal- Anzeiger" den Reichstanzler Marg eine höchst merkwürdig duftende Blüte am Baum des deutschen Barlamentarismus", schrieb nicht Herr Baeder in der Deutschen Tages zeitung", das Verhalten des Reichsfanzlers Marg sei illoyal und unwürdig? Schrieben nicht Blätter wie der Lokal- Anzeiger" und die„ Deutsche Tageszeitung", der Riß zwischen national und international, zwischen deutsch und deutschfeindlich müsse mit mitten durch has Zentrum hindurchgehen? Auf das alles hat das Zentrum Fortführung der Verhandlungen gehabt. als Antwort nur die ( Hört, hört.) Die Deutfcnationalen wollen nicht nur die Zerstörung der Republit, sie wollen den alten Obrigkeitsstaat mit Dreitlassen wahlrecht und Herrenhaus.( Widerspruch rechts.) Sie protestieren? In der Kreuz- Zeitung vom 9. Ottober 1924 stand folgender Saz:„ Am allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht muß das Deutsche Reich zugrunde gehen.“ ( Hört, hört, links.) Die Demokraten hat man geschmäht und beschimpft, weil sie den erbärmlichen Boltsbetrug aufgebedt haben, weil sie gegen die Lüge waren, daß die Deutschnationalen zur bisherigen Mußenpolitik und zur Republik stünden. Das ganze Manöver zur Cinbeziehung der Deutschnationalen in die Reichsregierung ist ein fortlaufendes Gewebe von Verstellung und Heuchelei gewesen.( Sehr richtig bei den Goz.) Ausgezappelt! Extrablatt Reichstagsanfong G.POESTER Aber Ew. Exzellenz, kommen Ew. Exzellenz doch wieder zu Ew. Exzellenz!" Der Kampf für die Republik muß geführt werden unter der Fahne der Republik, die im Wahlaufruf der Deutschnationalen geschmäht wird. Die Fahne Schwarz- Rot- Gold wurde jüngst hier von dem deutschooltsparteilichen Abgeordneten Herrn v. Eynern recht freundlich besprochen. Er erinnerte daran, daß es die alte Fahne des deutschen Idealismus und der Burschenschaften sei. Dürfen wir daran erinnern, daß am 16. November 1918 der Vorsitzende der deutschwölkischen Fraktion im Reichstag, Herr Wulle, geschrieben hat: helfen tann uns nur die befreiende schwarzrotgoldene Tat zur Einheit, Ordnung und Freiheit."( Hört, hört, lints.) Die Wahlen am 7. Dezember werden fchwarzrotgoldene Wahlen, Reichsbannerwahlen fein.( Beifall.) Wir werden aber am 7. Dezember zugleich mit der Republit den Parlamentarismus verteidigen müssen. Heuchlerisch und zweibeutig wie alles bei den Deutschnatio. nalen ist auch ihre Haltung gegenüber dem Parlamentarismus. Der jüngste Wahlaufruf der deutschnationalen Reichstagsfraktion erklärt den Parlamentarismus für endgültig bankrott. Aber im der Deutschnationalen lautet Parteiprogramm Punkt 2:„ Wir fordern die Abkehr von der Diffatur und die Rückfehr zu der allein möglichen parlamentarischen Regierung."( Heiterfeit linfs.) Gegenüber dieser Zweideutigkeit sind wir bereit, die Demokratie auf den Schanzen der Wahlschlacht zu verteidigen und im Herzen des Volkes durch soziale Gerechtigkeit zu verankern. Die soziale Gerechtigkeit tann nicht darin be= stehen, daß die Lasten der Erfüllungspolitik und des Dawes Planes einseitig auf die Maffen abgewälzt werden. Die breiten Massen fühlen, daß der Eintritt der Deutschmationalen in die Regierung Industriezölle, Agrarzölle, Brotwucher, Kartellpreiswucher und Ausbeutung jeglicher Art bebeutet. Wir wollen am 7. Dezember das geplante großinduftriell- agrarische Liebesgadengeschäft zerstören, Der Tag der legten Reichstagswahl, der 4. Mai, war der legte Sieg Poincarés. Es war die letzte Frucht der Inflation. Durch die Inflation ist dem deutschen Volk die ruhige Ueberlegung geraubt worden und so wurde es bei den letzten Wahlen am 4. Mai an den Rand des Abgrunds geführt. Es gilt, am 7. Dezember eine vernünftige Friedenspolitif und eine feste republikanische Politit zu sichern. Darum geht der Kampf. Und wir rufen den Wählermassen im Lande zu: Deutsches Bolt, rette Deutschland, rette dich selbst.( Stürmischer Beifall links. Bischen rechts.) Der weitere Berlauf der Sizung zeigte die Niederlage der Deutsch nationalen in ihrer ganzen Größe. Sie haben durch ihr Verhalten bei der Abstimmung über die Dames- Geseze und durch das Schachern um die Ministerposten jeden Kredit verloren. Abg. Dr. Schwering, der Vertreter des Zentrums, bezeichnete die Haltung der Deutschnationalen als Schnorrere i, bei der einem der Etel antomme. Die verantwortungslose Politik der Rechten trage die Schuld am 9. November. Ihr Umfall sei in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus unerhört. Eine Partei, die den Klassentampf organisiere, habe nicht das Recht, sich eine christliche zu nennen. Die Reichs= tagsauflösung sei zu begrüßen. Sie gebe dem Volf Gelegenheit, Klarheit zu schaffen. und den Raubzug auf die Taschen der arbeitenden Bevölkerung verhindern. Besonders auch den Raubzug gegen die Mieter. Bei den letzten Verhandlungen des Hauses, die dem Wohlfahrtshaushalt galten, haben die Herren auf der Rechten wieder einmal das Ende der Mietzwangswirtschaft und den Sturz des Wohlfahrts ministers proflamiert. Die Herrschaften wollen die freie Miete, d. h. die fünffache Friedensmiete. Wir werden den Kampf gegen die Raffgier der Reichen führen wie gegen die UnAlles wollen die erfättlichteit der Hohenzollern. Hohenzollern heraushaben, alles ist Prozeßgegenstand. Die Hohen30llern haben es wirklich nicht verstanden, in Schönheit zu sterben. Wir begrüßen es, daß der preußische Wahlkampf mit dem im Reich zusammenfällt. Preußen hat in seiner Politik dem Reich ein Beispiel gegeben, wie man selbst in den schwierigsten Zeiten ruhig und stetig regieren kann. Diese Stetigkeit war zu einem guten Teil gerade deshalb möglich, weil in Preußen auch ohne die Deutsche Volkspartei Wie der Redner des Zentrums, so bekannte sich auch der Sprecher der Demokraten, Abg. Dr. Schreiber- Halle zur großen Koalition, die das bedeutendste deutsche Land vor politischen Krisen bewahrt habe. Die Koalition habe ihr Arbeitspensum noch nicht erledigt. An der Spize stehe die Sich erung der republikanischen Staatsverfassung durch Besetzung aller leitenden Stellen mit unbedingt zuverläffigen Republikanern. Der Reichstag ist aufgelöst, der Wahlkampf entbrannt. Worum wird der Wahlkampf geführt? Gestern haben die Franzosen die ersten Teile des widerrechtlich besetzten deutschen Gebietes geräumt. Die Sozialdemokra. tie begrüßt die vom Joch des fremden Milita eine Mehrheit vorhanden war. Wir wünschen, daß der neue Reichs: rismus befreiten Gebiete.( Bravo liefs.) Wir be tag so zusammengesetzt ist, daß die Drohung der Deutschen Volks. grüßen die Rückkehr der Verurteilten und Ausgewiesenen, das partei, ihre Minister zurückzuziehen, nicht gleich unter allen UmHallen der Zollgrenze, die Freigabe der Pfänder. Das alles ist ständen eine Regierungstrife und einen Regierungssturz herbeidie Frucht der Erfüllungspolitik.( Sehr richtig links.) Diefe führen muß. In 14 Monaten fünf Krisen, alles nur Bolitit muß fortgesezt werden. Fortgefegt von durch das Verlangen der Deutschen Boltspartei, denen, die sie bisher getragen haben.( Lebhafte| um jeden Preis die Deutschnationalen in die Re. ( Lebhafte um jeden Preis die Deutschnationalen in die Re Zustimmung lints, erregte zurufe vechts.) Aber das alles ist nur gierung zu bekommen; das ist wirklich etwas zu ein erster Anfang. Erreicht werden kann die ganze Befreiung nur viel. Wir freuen uns, daß die Deutschnationalen im letzten Augen durch eine demokratisch- republikanische Reigs- blid ihr Mißtrauenspotum gegen Severing eingebracht haben. Und " 1 Fast sensationell wirkte die Rede des Vertreters der Boltspartei, Abg. Dr. v. Campe. Sie war ein un= eingeschränktes Lob der großen Koalition, die die Erfolge in Oberschlesien, Hannover und im Westen gezeitigt habe. ,, Zu der von uns eingenommenen Haltung in Preußen befennen wir uns nach wie vor," geftand der Redner, um am Schluß feiner Ausführungen unter dem Beifall seiner Fraktion noch einmal zu betonen: Wir stehen unbedingt zu der Politif, die wir getrieben haben, mit ihr werden wir auch meiterfommen!" Das ist eine flare Absage an den Bürgerblock. In Preußen ist also den Deutschnationalen das Wild davongelaufen, noch ehe sie zum Schuß gekommen sind, und man darf neugierig sein, was die Jäger ihren Treibern für eine Parole vorfehen werden, um sie dennoch zur Futterfrippenjagd herauszulocken. Das ganze Unternehmen ist für sie eine nuglofe 3eitvergeudung. = Die Deutsch nationalen und die Kommunisten aber fein Wort davon! Herr v. d. Osten( deutschnational) gab national) gab als Wahlparole den Kampf gegen den überwuchernden Geist des Großtapita= lismus" aus, das Stichwort des Herrn Meyer- Ostpreußen( Kommunist) lautet: Nieder mit dem Bund der Räuber, nieder mit dem Bölkerbund!" Die Kommunisten und Deutschnationalen gedenken also ihr Spiel Wechselt die Bäume" auch während der Wahlen fortzusehen. Und das Bergnügen soll man ihnen lassen. " Die heutige Sigung des Landtags beginnt um 10 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die namentliche Abstimmung über das deutsch nationale Mißtrauensvotum. Der Klub der Harmlosen. Die Aussagen im O. C. Prozeß. B. S. Ceipzig 23. Oftober. Der Angeklagte en tel war bei der oberschsischen Organisation und lernte dort den Angeklagten Freiherrn v. 3edlih- Neufirch fennen. Er trat der D. C. bei. Borf.: Sie erhielten einen Befehl in Geheimschrift, der besagte, daß die D. C. fich am oberschlesischen Kampf beteiligen werde. Dr. Sad( unterbrechend) Sollten die Kämpfe sich ausmadsen... Rechtsanwalt Ja, Herr Präsident, wir können doch, wenn diese Dinge geheimgehalten werden sollen, hier den Befehl nicht zu Ende verlesen. Reichsanwalt: Wir können doch nicht darüber hinweg, daß die D. C. das Regiment„ Süd" aufstellen sollte. Bors.: In dem geheimen Befehl handelt es sich um die Mobilmachung der D. C. Es heißt hier, daß die Mitglieder sich bewaffnet an bestimmten Stellen zu. sammeln haben. In Artikel 10 heißt es:„ Der Name unserer Organisation iſt ſtreng geheim zu halten." Angell.: Diesen Befehl habe ich erhalten. Bors.: Ist es nicht zwischen dem Jungdeuffchen Orden und der D. C. zu Differenzen gekommen? Angell. Henkel: Der Vorsitzende des Jungdeutschen Ordens drohte mir, daß er mich der Staatsanwaltschaft übergeben wolle, wenn ich im Jungdo" für die D. C. werbe. Ich habe dem Jungdo" daraufhin Verrat an der nationalen Sache vorgeworfen und bin ausgeschieden. Vors: Sie haben einmal gesagt, daß Sie einen Rechtsputsch nicht verurteilt hätten, und Sie waren doch in der D. C. der Ansicht, daß die nach Ihrer Meinung antinationale Regierung befämpft werden müsse. War es Ihnen nicht bedenklich, für dieses Ziel im Jungdo" zu werben? Angefl.: Ich hatte mich um Politik nicht gekümmert. Auch über die Sagungen der D. C. have ich mir feine Kopfschmerzen gemacht. Die Verpflichtungsformel zu unbedingten Gehorsam legte ich mir in militärischem Sinn aus. Angekl. Alfred Krebs war in Leipzig als Werber für die D. C. tätig. Vors: Bei Ihnen ist ein Schriftstüd von Killinger aufgefunden, in dem Sie aufgefordert werden, 3 Herren darüber ehrenmörtlich zu befragen, ob sie sich dem„ Chef" meiter zur Verfügung Dis Herren sollen aber Vorbehalte gemacht ftellen wollten. haben. Angefl.: Ich habe den Vorbehalt gemacht. daß die O. C. von mir nicht verlange, was gegen mein Gewissen oder gegen die Regierung geht. Die Herren, die ich selbst verpflichtete, haben zum Tei auch auf der Rückseite des Scheines den Vermert gemacht, da fie bei etwaigen Putschen oder so nicht mitmachen würden. Borf.: Sagten Sie den Leuten nicht, daß es sich um Ehrhardt hanbele, daß man gegen die Verfassung und gegen undeutsches Wefen anfämpfen wolle? Angefl.: Das weiß ich nicht meh genau. Bors: Sie haben vor Ihrer Verhaftung Aftenstücke F Der Garanziesch. f. gesetzl. Goldinh. feite gebracht? Warum bas? Angel.: 3ch wollte meiner Frau, bte gerade der Niederkunft entgegensah, die Haussuchung ersparen. Der Angeft. Wegelin erklärt, er habe nur einen Sagungs. entwurf der D. C. gesehen. Bors.: Jezt fagen Sie alle Sagungsentwurf. Früher nannten Sie das einfach Sagungen". Sie haben, als Ihre Berhaftung drohte, die Sazungen verbrannt. Warum denn? Angeli.: Ich wollte mich nicht belasten? Rechtsanwalt P. Bloch( Berlin) stellte den Untrog, mehrere Bersonen zu vernehmen, die bezeugen follen, daß die Sagungen tat. fächlich als Entwurf gedacht waren. Reichsanwalt Riethammer widerspricht. Es ist doch sicher, daß sich die D. C. nicht auf den ursprünglich gedachten Zwed, nämlich die Bildung des Regiments Süd" beschränkt hat, sondern daß über alle Gagungen hinaus 3iele berfolgt worden sind, die sich gegen die Verfassung und den Staat richteten. Das Gericht stellte den Antrag Bloch vorläufig zurüď. Der folgende Angeklagte, Student Seffner, war als Berber für die D. C. tätig. Als ihm die Berhaftung brohte, hat er das gefamte in feinem Besitz befindliche Material vernichtet. Borf: Was stellten Sie sich unter dem Kampf gegen die anfinationale Regierung vor? Angefl: Das meiß ich nicht mehr so genau 00 Kaufen Sie nur bei uns Ihren Anzug oder Wintermantel 5 auch auf Teilzahlung! Reichliche Auswahl! Jede Preislage! Niedrige Kassenpreise! Bequeme Ratenzahlung! Anzüge beste Verarbeitung, guter Stoff, von. M. 28 Ulster u. Palefors Print Stoff und Ver 4800 arbeitung von M. Bei Abzahlung nur geringer Preiszuschlag von 15% Sofortige Mitnahme bei ausreichenden Ausweisen Großes Lager in Berufskicidung Manchesteranzüge, Monteuranzuge, Arbeitskittel, Wäsche, Stromale asw. Textilstelle des Reichsverbandes der Arbeitsgenossenschaften E. V. Berlin Chausseestr. 76( Nähe Bahnh Wedding) Schönhauser Allee 47( Hochb. Danz.Str.) Neukölln, Kaiser- Friedr.- Str. 230/31 ( Näne Hermannplatz) Anzüge und Wintermäntel Litauer Str. 15( Ecke Romintener Straße) Tell ahlung. Frankfurter Allee 190( Nähe Bahnh. Lichtenberg- Frd.) Koloniestraße 140( Nähe Badstraße) Kottbuser Damm 69 auf Geschäftszeit von 9-7 Uhr Dann wurde der Angeflagte Theobor Fritsch, ber Sohn des Herausgebers der antisemitischen Zeitschrift Der Hammer" ver nommen. Er habe nie den Eindrud gehabt, daß die D. C. eine geheime Organisation gewesen sei. Der folgende Angeflagte Anders war längere Zeit in Oberschifien in den Kampfverbänden tätig. Er habe die Sagungen der D. C. gelesen und im wesentlichen gebilligt. Bon vornherein habe er es jedoch abgelehnt, sich etwa an Puffchen zu beteiligen, doch fei er von Krebs nach dieser Richtung hin beruhigt worden mit der Behauptung, daß unter der Führerschaft Ehrhardts, der aus dem Stapp- Butsch gelernt habe, so etwas nicht zu befürchten sei. Dann wurde Korvettenfapitän a. D. Abendroth vernommen, einer der maßgebendsten Männer in der D. C. Abendroth gehörte als Marineoffizier der Brigade 2 an. Er erfärte u. a.: Ich habe mich aus Kameradschaftsgründen selbstverständlich der D. C. zur Berfügung gestellt. Für mich und meine Arbeit bei der D. C. waren lediglich mililärische Gründe maßgebend. Ich wollte nicht als Etappenfrieger gelten fondern wollte in Oberfchlefien an der Front mittämpfen Vors: Ist es Ihnen, als einem gereiften Manne, nicht leichtfertig erschienen, jungen, unreifen Burschen Satzungen zugängig zu machen. die Schlagworte enthalten wie Kampf der antinationalen Regierung!" usw.? Angeft.; Damals habe ich nicht mit solcher Schärfe geprüft wie heute. Es tam mir und vielen Anzüge nach 13 | anberen Rameraben nur barauf an, die Leute aus ber allgemeinen Negation dem Stonte gegenüber herauszureißeßn( 1) und sie zur pofitinen Arbeit für den Staat heranzuziehen. Borf.: Ich bin durchaus überzeugt, daß Sie diese Ansicht hatten, aber war Ihnen denn der eme Paragraph nicht beängstigend? Man fonnte aus ihm sehr wohl das Wort„ Merd" herauslesen. Angefl.: Mir persönlich hat eine solche Deutung vollkommen ferngelegen. Reichsanwalt Niethammer: War Ihnen, als Sie sich der D. C. midmeten, belannt, daß die Beitung außer der Ihnen übertragenen Aufgabe in Oberhlesien auch noch andere Aufgaben verfolgte? Angel.: Ich hörte davon, aber ich legte all dem fein Gewicht bei. Reichsanwalt Nicthammer: Ich muß Ihnen aber vorhalten, daß Sie Oberbezirtsleiter für Sachsen gewesen sind. Da müssen Sie doch selbstverständlich über alle Ziele der Bereinigung genau im Bilde gewefen fein menn Sie alle Fäden in der Hand halten und Ihrer Aufgabe als Führer gerecht werden sollten. Rechtsanwalt Dr. Sad: Wir wollen doch ganz ehrlich aussprechen, daß die Tätigkeit des Angeft. Abendroth in Sachsen teine andere gewesen ift als die, eln Refrutendepot aufzustellen. Hierauf trat eine größere Pause ein. ( Fortsetzung des Berichts auf der 3. Seite des Hauptblatts.) Das schmeckt! vom Winterzeit ist Kackenzeit. Jede Hausfrau weiss, wieviel Freude ste thren Angehörigen mit einem guten Kuchen bereitet; aber leider hält sie der hohe Butterpreis allzuoft Backen ab. 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