Abendausgabe Nr. 50341. Jahrgang Ausgabe B Nr. 252 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise sind in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin NO Vorwärts Berliner Volksblatt 5 GoMpfennig Freitag 24. Oktober 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Schluß des Landtags. Mißtrauensvotum abgelehnt. Kommunistisch- deutschnationale Einheitsfront. Der Landtag trat heute zu feiner legten Sigung zu fammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung tritt Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff den Ausführungen des Abg. v. d. Often über die Stellung des Landwirtschaftsministers zu den 3ollfraget entgegen. Er erklärt, er habe nicht nur an der Abstimmung des Staatsministeriums teilgenommen, sondern auch persönlich seinen Standpunkt eingehend dargelegt und begründet und über seine Auffassung feinen Zweifel gelassen. Für das Verfahre des Abg. v. d. Often gebe es nur zwei Möglichkeiten: entweder er habe nicht gewußt, was sich im Plenum abgespielt habe- dann hätte er fahrlässig gehandelt; das wäre für eine Führer der Deutschnationalen Bolkspartei höchst eigenartig, eder aber feine Ausführungen seien un wahr, und der Minister förne ihm dabei nicht einmal nur objektive unwahrheit zubilligen.( Großer Lärm b. d. Deutsch nationalen.) Abg. v. d. Often( Dnat.) hält es für unter seiner Würde, auf die letzte Aeußerung des Landwirtschaftsministers einzugehen.( Sehr richtig! b. d. Dnat.) Er müsse bei seiner Behauptung bleiben, daß der Landwirtschaftsminister in der entscheidenden Sigung nicht anwesend gewesen sei und nicht seine ganze Kraft dafür eingesetzt habe. Er, Redner, habe also durchaus die objektive Wahrheit gesagt. Ministerpräsident Braun legt die Vorgänge im Staatsmini sterium bei der betreffenden Abstimmung dar. Den Landwirtschaftsminister treffe jedenfalls nicht der geringste Vorwurf. Er hat Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff: Der Abg. v. d. Often scheint ein sehr turzes Gedächtnis zu befizen. gestern nicht gesagt, der Minister habe an der entscheidenden Sigung nicht teilgenommen, sondern er hat davon gesprochen, daß der Minister in einer so entscheidenden Frage nicht seine ganze Kraft eingesezt habe. Abg. Milberg( dnatl.) tritt den Ausführungen seines Parteifreundes bei. Ministerpräsident Braun wiederholt, daß die Frage des Shuz zolls im Staatsministerium eingehend erörtert wurde. Nach Ausführungen des Abg. Dr. Meyer- Ostpreußen( Komm.) hebt Abg. Grze initi( Soz.) hervor, daß sich die sozialdemokratischen Minister wie die sozialdemokratischen Abgeordneten gegen den Schutzoll eingesetzt hätten. Das Mißtrauensvotum abgelehnt. Darauf wird die Abstimmung über das deutsch natio: nale Mißtrauensvotum gegen den Ministerpräsidenten Braun, den Innenminister Severing, den Handelsminister Siering und den Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff vorgenommen. Bei der namentlichen Abstimmung über das Mißtrauensvolum für den Ministerpräsidenten Braun werden 273 Stimmen abgeAmerika und der Völkerbund. Zunehmende Annäherung. Washington, 24. Oktober.( WIB.) Durch Funtspruch. Präsident Coolidge hielt in der Handelskammer eine Rede, in der er feine Stellung zum Böllerbund nochmals betonte und hervorhob, daß Amerika bisher nicht beigetreten fei, um nicht in internationale Angelegenheiten, an denen Amerika nicht unmittelbar beteiligt fei, verwickelt zu werden. Dies schließe aber nicht aus, daß Amerifa dem Schiedsgerichtshof im Haag beitrete und sich auch an internationalen Konferenzen beteilige, sofern hierdurch nicht eine Einmischung fremder Staaten in innere amerifenische Angelegenheiten zu besorgen sei. Völkerbundkundgebung in Paris. Paris, 24. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In der Sorbonne findet am Freitag abend in Anwesenheit des Präsidenten der Republik und unter Vorsitz des Ministerpräsidenten eine große Kundgebung für den Völkerbund statt. Außer dem Rektor der Universität, der zu gleicher Zeit Borsitzender des französischen Aktionsausschusses für den Völkerbund ist, werden die Delegierten, die Frankreich auf der Genfer Konferenz vertreten haben, das Wort ergreifen. Staatsstreich in China. Peking besett. Paris, 24. Oftober.( WTB.)„ Chicago Tribune" meldet aus Tientsin, daß die 11. Divifion der nationalen Armee unter dem General Feng Yu Hsiang, dem sogenannten„ chriftlichen General in Peting gemeutert und die Stadttore besetzt habe. Die Stadt jei vollkommen abgeschnitten. Peting, 24. Oktober.( WTB.) General Feng Yu Hsiang, der gestern abend in aller Ruhe und unerwartet Peking befeht hat, besitzt die vollständige Kontrolle der Hauptstadt; alle Verbindungen find abgeschnitten, die Stadttore geschlossen. Feng Yu Siang ließ geben. Das Mißtrauensvotum wird mit 192 Stimmen gegen 79 Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten bei zwei Enthallangen abgelehnt.( Beifall b. d. Mehrheit.) Das Mißtrauensvolum gegen den Innenminister Severing wird mit 205 gegen 80 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Das Mißtrauensvolum gegen den Handelsminister Siering verfiel ebenfalls der Ablehnung. Dafür stimmten 79 Abgeordnete, dagegen 198. Einer enthielt sich der Abstimmung. Es folgt dann die letzte und vierte Abfiimmung gegen den demofratischen Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff. Auch dieses mißtrauensvolum wird mit 197 gegen 82 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Bizepräsident Garnich stellte das fest und erbat die Ermächtigung für das Präsidium, den Landtag bis zum 6. Dezember noch einmal einzuberufen, falls die politischen Verhältnisse das erforder: lich machen. Das Haus stimmte diesem Borschlage zu. Darauf wurde die Sigung geschlossen. In diesem Augenblid erhob sich auf der Publikumstribüne ein junger Mann und warf mit lautem Zuruf einen großen Stoß fommunistischer Flugs während der Sigungsfaal fich langsam leerte. blätter in den Saal. Die Tribünen wurden darauf geräumt, Schluß gegen 12 Uhr. Landtagsschluß in Hessen. Neuwahl am 7. Dezember. Darmstadt, 24. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der zweite hessische Landtag hielt am Donnerstag feine I eßte Sigung ab, in der auf sozialdemokratischen Antrag noch der Beschluß gefaßt wurde, die Regierung zu ersuchen, den Fürsorgeverbänden Anweisungen zur Linderung der Not der Fürsorge beregtigten zu geben und die notwendigen Mittel vom Staate zur Verfügung zu stellen. In seiner Schlußansprache faßte der Präfi dent, Genosse Adelung, die wichtigsten Arbeiten, die der Landtag erledigt hat, zusammen und schloß mit einem Hech auf das deutsche Bolt und den Bolksstaat Hessen, in das alle Abgeordneten einstimmten mit Ausnahme der Kommunisten, die sigen blieben und während der Rebe des Präsidenten sich in Zwischenrufen austobten. Der am 7. Dezember neuzuwählende dritte Landtag des Freistaates Hessen wird fraft eigenen Rechts am 28. Dezember zu feiner ersten Sigung zusammentreten. Schwarz- Rot- Gold in Köln. | Geheimnis des Geheimbundes. Eine Komödie vor Gericht. Was sich vor dem Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik in den letzten Tagen abspielte, be= teinerlei Enthüllungen bringen würde, es sei denn, stätigt unsere Vorhersage, daß diese Berhandlung daß man die„ Verdienste der Organisation C um das Baterland" in bengalische Beleuchtung rücken würde. Das ist freilich in hervorragendem Maße geschehen. Von einer 3 eugenpernehmung weiß der Prozeßbericht nichts zu melden. Die ganze Erörterung, die vor Gericht gepflogen wurde, erstreckte sich auf freundschaftliche Auseinandersehungen zwischen dem Vorsitzenden und den Angeklagten. In allen entscheidenden Buntten beriefen sich die O.C- Männer auf jane Berhandlungen, die in der Geheimjigung unter Ausschluß der Deffentlichkeit gepflogen wurden. Da diese geheime 2hssprache angeblich erfolgte, um nicht die Sicherheit des Staates zu gefährden, so fann über sie in der Deffentlichkeit nicht gefprochen werden. Für die Beschuldigten aber hat das den Varteil, daß sie sich in den Mantel der Tugend hüllen und den Anschein erwecken fönnen, als ob sie die treuesten und biedersten Beschüßer des Reiches wären, das sich durch seine Weimarer Verfassung zur Republik erklärt hat. geht zur Genüge hervor, worauf die Angeklagten hinauswollen. Aus gelegentlichen Andeutungen der Verteidiger aber Sie suchen den Anschein zu erwecken, als ob sie auf Ver= anlassung der Regierung oder einer der Regierung nahestehenden Stelle ihren Geheimbund geschaffen hätten aus irgendwelchen wirklichen oder vermeintlichen militärischen Gründen heraus. Der Verteidiger Sad hat gestern ausdrücklich gefagt: 1921 wurde die O. C. von der Regierung, als durch den Bolenaufstand die Ministerfeffel madelten, gerufen, um zu helfen." An anderer Stelle der Verhandlung war die Rede von der Gründung eines Regiments Süd" und über Verhandlungen mit den oberschlesischen Selbstschuhverbänden. Schließlich hat die Berteidigung fogar, beantragt, den Reichspressechef Spieler als Beugen zu laden über den Inhalt der Berhandlungen, die mit der Leitung des Geheimburves in Bresian geführt worden seien. = = Der Vertreter der Reichsanwaltschaft schien gegen diese Vorstöße der Berteidiger vollständig in die Verteidis gungslinie gedrängt worden zu sein. Kein Be meisantrag von seiner Seite deutete auf die Verbindungen der Rathenau, der Erzberger Mörder und der Scheidemann Attentäter mit der angeklagten " Organisation Consul" hin. Nur in nebelhafter Ferne tauchte die Erinnerung daran auf, daß schon früher die Tätigkeit der Ehrhardt- Banden por Gericht eine Rolle gespielt habe. Rein Wort von all den Fememorden, die im Laufe der Starke Beteiligung aus Zentrum, Demokraten und Johre unter Anklage gestanden haben und zur Verurteilung Sozialdemokraten. führten. Kein Wort von den Feststellungen, die der StaatsKöln, 24. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Das Reichstäter trai. Rein Wort von der Entrüstung, die Oberreichs gerichtshof selbst im Falle Techow und der Scheidemann- Attenbanner Schwarz- Rot- Gold, das bekanntlich im britisch anwalt& bermeyer bei früheren Prozessen zum Ausdruck befeßten Gebiet mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, trat in brachte! Dafür aber überraschte der Vorsitzende den letzten Tagen in Köln mit Propagandaversammlungen zum ersten mit der Verlesung eines Teiles der geheimen" Anlage Male an die Deffentlichkeit in den Versammlungen sprachen Vertreter der Demofraten, des Zentrums und der Sozialdemokratie. In schrift, eines Teiles, der einem Plädoyer für die O..C. den einzelnen Stadtteilen wurden starte Kameradschaften gebildet. und für die Angeklagten so ähnlich sieht, wie ein Ei dem anderen. Das Reichsbanner wird im kommenden Wahlkampf sich im Kölner Bezirk vor allem den Schuh der Wahlversamm= lungen der republikanischen Parteien zur Pflicht machen, weil gerade hier bei den Wahlen im Mai der Versammlungsterror von lintsradikaler Seite besonders start war. Die Schutzöllner an der Arbeit. Tagung des Landwirtschaftsrats. Der Landwirtschaftsrat setzte seine außerordentliche Plenarversammlung mit einer öffentlichen Tagung fort, auf der der Borsitzende Brandes ein Schußzollsystem forderte, das über das Bülowfche hinausgeht. Als Regierungsvertreter sprach Landwirtschaftsminister Rani 3. Graf Reyserlint trat nicht nur für landwirtschaftliche, sondern auch für Industrieschußzölle ein. In einer Entschließung wurde demgemäß die Wiederherstellung und Verstärkung des Zollschutzes der gesamten deutschen Arbeit" als ein Gebot nationaler Selbsterhaltung" bezeichnet. Die Resolution läßt deutlich erkennen, daß gewisse Teile der Industrie mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, um er höhte Zölle durchzusetzen. 11 Einheitsfront der Beamten und Arbeiter. eine Proflamation anfchlagen, nach welcher er feinen Krieg führen Gestern traten die Vertreter der Spikenorganisatio. will, der das Land ruiniert und den Verlust vieler Menschenleben nen der Beamtenschaft zu einer Konferenz zusammen, in zur Folge hat. Er hat eine Konferenz zwischen der Regierung und der man erneut zur Frage einer Gehaltserhöhung Stellung der Gegenfeite einberufen, um dem Kriege Einhalt zu tun. Seine nahm. Von allen Seiten wurde betont, daß angesichts der fort Truppen liegen als Garnison in Peting, um die Ordnung aufrecht- schreitenden Leuerung und des sich vergrößernden Mißzuerhalten und die Ausländer zu schützen. Der Präfident geflohen. Tokio, 24. Oftober.( WTB., durch Funkspruch.) Nach einer Meldung der Agentur Kofufai aus Tientsin ift Tsaotun, Präfident von China, mit unbekanntem Ziel aus Peting geflohen." Internationaler Stahltruft?„ Chicago Tribune" meldet aus London, man plane die Bildung eines Verbandes aller Stahlindustriellen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Englands und Buremburgs. verhältnisses zwischen den Bezügen der Beamtenschaft und den Lebenshaltungskosten eine durchgreifende Gehaltserhöhung unvermeidlich und unaufschiebbar sei. Es müsse alles geschehen, um in diesem Sinne auf die Regierung einzuwirken. Nach längerer Aus sprache wurde dann der Beschluß gefaßt, eine Deputation zum Reichsfinanzminister zu entfenden, die diesem die Forderung der Beamtenorganisationen auf Anberaumung von Besoldungsverhand lungen unterbreiten soll. Gleichzeitig wurde beschlossen, diese Attion nach Möglichkeit in gemeinsamer Front mit der Ar beiterschaft durchzuführen. -Das Gericht hat leider den Antrag der Verteidigung abgelehnt, die ganze Antiageschrift oder doch ihre wesentlichen Stellen zu verlesen. Aus der Stellungnahme der Verteidiger aber ist schon zu entnehmen, daß die vom Borsitzenden verlesenen Teile der Anflage nur ein schwaches Spiegelbild von dem wirklichen Inhalt der Anklagefchrift geben. Wie muß eine Anklage beschaffen sein, deren sich die Verteidigung in einem politischen Prozeß zu Entlastungszweden bedienen tann? Während diese Zeilen geschrieben werden, hält wahrscheinlich der Verfasser dieser Anklageschrift, Reichsanwalt Niet hammer, seine„ Anklagerede". Wenn sie in Ton und Inhalt etwa dem entspricht, was die Verteidiger als den Ge halt der Anklageschrift andeuten, so wäre das allerdings ein einziger öffentlicher Standal! Drei Jahre hat man gebraucht, um die Untersuchung gegen die Verschwörer um Ehrhardt sagen wir höflich: hinauszuziehen! Drei Jahre hat geheimstes Seelen- und Geschlechtsleben zu untersuchen, um man gebraucht, um jeden Zeugen, der sich meldete, bis in sein dann schließlich vor der Welt befunden zu können, daß es sich bei der ganzen Femeorganisation um eine aufgebauschte Bagatelle handele. Schon aus dem furzen verlesenen Abschnitt der Anklageschrift kann man entnehmen, daß sie sich in einer Bolemit gegen Abgeordnete, 3eitungsredaktionen, Länderregierungen und Polizeibeamte ergeht, die angesichts des Erzberger- Mordes, des Meuchelmordes an Rathenau, des Mordversuchs gegen Scheidemann und all der völtischen Gewaltaktionen der letzten Jahre sich bemüht haben, Licht in das Dunkel der Landsknechtsverbände zu bringen. Niemand hat annehmen fönnen, daß die Reichsanwaltschaft beim Staatsgerichtshof es als ihre Aufgabe betrachten würde, solche Or ganisationen mit dem Mantel beschönigender Liebe zu umfleiden, weil diese selbst sich darauf hinausreden, daß sie in einer bestimmten Stunde ihre Landsknechtsdienste zur Ver teidigung Oberschlesiens zur Verfügung gestellt hätten! Wer sogar bei der Reichsanwaltschaft so liebevolle Aufnahme findet, wem man mit so viel Glaubensstärke entgegentommt, der hat freilich leichtes Spiel. Und ein Reichsanwalt, der sich in diesen Stunden nicht einmal daran erinnerte, daß jder Consul" selbst einmal im Leipziger Untersuchungs gefängnis gesessen, bis ih n die Verschwörer seiner Geheimorganisation daraus gewaltsam be- freiten.— ein solcher Reichsanwalt ist wirklich wert, im Zeichen des Bürgerblocks gegen die Patrioten der Kapp- brigade plädieren zu dürfen. Man sollte aber meinen, daß er wenigstens die fo demonstrativ in der deutschnationalen Presse veröffentlichten Erinnerungen� des meineidigen Hochverräters gelesen und vor dem Staatsgerichtshof zur Sprache gebracht hätte. Aber weder er noch der Gerichts- Vorsitzende hielten es für notwendig, auf diese f r e ch e n A u f- Zeichnungen Ehrhardts zurückzukommen. Das wäre ja auch gar zu peinlich! Denn aus ihnen wäre hervorgegangen. daß die Ehrhardt-Leute wochen-undmonatelangdie Befreiung ihres Confuls aus den Händen der Justiz betrieben, daß sie wochenlang nach Einbrecher- manier an der H e r st e l l u n g falscher Schlüssel ge- arbeitet haben, daß sie sich rühmten, ein Automobil gestohlen und den Diebstahl der französischen Besatzungs- truppe in die Schuhe geschoben zu haben. Kurz, schon aus diesen gedruckten Aufzeichnungen wäre das verbrecherische Treiben der O. 0 ganz klar zu erweisen gewesen. Statt aber diese Aufzeichnungen vor Gericht zur Sprache zu. bringen, hüllt sich der Reichsanwalt in Schweigen. Und auch der Vorsitzende weiß von ihnen nichts. So kann es kom- men, daß die Verteidigung sich aufs hohe Pf'erd fetzt und an das patriotische Herz zu rühren sucht, um die ein- zelnen Angeklagten, die— trotz Geheimschrift, trotz Deck- odressen, trotz klaren Wortlautes der Femesatzungen—„nie von nichts nichts gewußt" hoben, als verfolgte Unschuldsengel hinzustellen. So. konnte es kommen, daß die Tätigkeit der Organi- sarion C. mit der Tragödie der politischen Morde begann und mit der P r o z e ß k o m ö d i e vor dem Staats- gerichishof endet! Das Vertrauen in die Justiz der Republik wird freilich durch diesen Prozeß nicht erhöht. Man wird vergleichen die S ch n e i d i g k e i t, mit der gegen Kommunisten vorgegangen wird, und die liebevolle Langmut, die den Verschwörern der ehemaligen Kapp- Brigade zuteil wird, wobei wir nur bedauern, daß sozial- demokratische Beisitzer beim Staatsgerichtshos genötigt sind, einer solchen Verhandlung beizuwohnen, ohne in der Lage zu sein, selbst die Beweisaufnahme in irgendeiner Richtung beeinflussen zu können. Aber man soll sich vergewissert halten, daß in den Wahlen vom 7. Dezember auch abgeurteilt wird über die Verschwörer- gcsellschaften und über eine Justiz, die ihrer Aufgabe fiir die Republik nicht gerecht wird! verteiüigunysreüe des Neichsanwalts. Zu Beginn des heutigen Verhand'ungs'ages oerkündte der Präsi- dsnt, daß Anträge der Verteidigung, Zeugen darüber zu oernehmen daß die Statuten der 0. C. vor dem IS. September 1920 nur provisorisch gcrne'en seien, abgelehnt seien, da der Staatsgerichtshof dies als wahr unterstell«. Darauf gab die Gesamtverteidigung eine Erklärung ab, wonach sie anaesich s der schon vom Vorsitzenden ge'roffer-en„Feststellungen über den Charakter der O.p rück- fichtslofe Entschlossenheit und kühnen Wagemut von den Leitern politischer Geschick« verlangt. Nicht taktische Er- wägungen und fein« Diplematenkünst« des Wilhelminischen Zell- alters tun unserer Gegenwert nrt, sondern fester Will«, zähe Härte und unbeirrbare Zuversicht." Da hat Herr H e r g t seine Quittung und Herr W i n ck l e r einen gleichwertigen Willkommengruß. Aber woher den Führer nehmen, der dem Idealbild der„Deutschen Z e i- tung" entspricht? Wo ist der geheimnisvolle große Un' c- kannte, wer kennt Straße und Hausnummer, wo er zu finden ist? Die„Deutsche Zeitung" sedensalls nicht. Sie sieht nur eine Möglichkeft, ihn ausfindig zu machen: „Mäzen die nicht mehr lange auf sich warten lassenden Neuwahlen der Deut'chnationalen Volksvartll«inen Mann c'e. Nachfolger Exzellenz Hsrgts an die Spitz« stellen, tcr alle dies« seltenen Eigenschaften in sich oereinigt." Wir glaubten immer, durch demokratische Methoden würde das Hervortreten großer Führer verhindert, und ium siebt die„Deutsche Zeitung" nur noch die ein'ige Hoffming, daß in der Wahl der ideale Führer ans der anonnrnon Masse heraustreten werde. Die Führerkrisc in der 3cv'rdy nationalen Partei hat erwiesen, daß durch die Methoden der kastenmäßigen Abschließung, des Oberklassenprioilegs b'e Verachtung der Masse und ihrer lebendigen Kräfte nur verssockte Und verstumpsts Mittelmäßigkeit sich ergibt. Die Partei, die lärmend Anspruch auf die Führerrolle erbebt, fällt selbst von einem Führersurrogat ins andere, um am Ende ihre Hossnung auf die Führerauslese durch die Demokratie zu setzen. Erst H e r g t, nun W i n ck l e r— ein völliger Bankrott der Anhänger des Autoritätsglaubens! überreichen„Crescendo" war die Hemmung überwunden. Wir sahen schon bekannt« Tänze in neuer Durcharbeitung und wir lernten«ine Reih« nsuer Schöpfungen kennen. Die Entwicklungstime geht auf klarer« und durchfichtigere Gliederung der Komposi ionen, deren Aufbau heute schon von fast klassischer Schlichtheft ist, und auf An«- merzen aller pantomimischen Antlänge und akrobatischen Effekte, die früher noch hie und ha störten. Die ans Wunderbare grenzende Technik sieht immer im Dienst rein künstierischer Wirkungen und die dekorativen Schnörkel sind aus ein Mindestmaß beschränkt. Dabei Ablehnen alles äußere» Klimbims: einfache Kostüm«, schlichteste Aus- machung. Wigman-Stil in höchster Dollendung, verkörpert mit dem hinreißenden Elan und dem liebenswürdig graziösen Charme einer einzigartigen Künsllerpersönlichkeft. Der Beifall des überfüllten Hauses wuchs mit seder neuen Darbietung. Die Begeisterung steigert« sich schließlich zu einem Orkan:«in Teil des Publikums brach aus den Reihen und schien das Podium stürmen zu wollen. Am 2. November werden wir Gelegenheit haben, die Pa- lucea auf der Bühne des Theater« amBülowplatz in her diesjährigen ersten Tanzmatinee de» Volksbühne zu sehen. _ John Schikowsti. Marconi über Verbesserungen der dcahlloseu Telegraphic. Noch einer Londoner Mc dung aus Athen traf dort Marconi zu lurzem Aufenthalt eil, nachdem er mit seiner Jacht„Etektra" zufrieden- stellend« Versuche übex die Verbesserung der drahtlosen Telegraphic gemacht hat. Er erklärte:„Ich glaube das Problem der direkten drahtlosen Verbindung zwischen zwei Punkten des Erdballs ohne Benutzung von Zwischenstationen gelöst zu habet. Ich gelangte nicht nur zur völlig«» Isolation bei der Uebertragung von Nfichrichten, die als absolut privat angesehen werden müssen, sondern ich erz eile auch eine große Geschwindigkeit, die uns in die Lag« versetzen wird, die gegenwärtigen Gebühren auf den zwanzigste» Teck herabzusetzen." Eine tschechische Erfindung. Ein Mechaniker aus Königgrätz erfand ein« Maschine zur Herstellung von Hörnchen. Sie kann bei Bedienung durch drei Gehilfen mehr als 3000 Stück Hörnchen pro Stund? herstellen.— Diese Erfindung konnte nur in«inen: Vevk gemacht werden, von dem sein Wehrminister in öffentlicher Pariainentsred? sagt«:„Wir sind«ine Nation der Knödel und Golaschen." Die Hörnchenmaschine ist erst der Anfang. Bald folgt die Umstellung der Skoda werke auf Knödel- mitrailleusen und die Golaschenrotation. Und das ist oesser als Schwerartilleri« und M.-G» .Zf1 die» ädrige Kobelpre!» für phnflotogk und Zlkedirw wurde dem Profrssvr 51, ßintaoven In Lehden uerllehen, l)ie Diener volksoper bat r.jft orojjeu niMitflellcn Schwierigkeiten zu tämpfeu, da ihre finanzielle!! Kittel völlig»rschivfl sind. Sie steht nun»or der Entscheidung, ob sie ihre Pforten schliezen toll oder nicht. Einen letzten Versuch hat Dr. Fritz Sliedrh, der Leiter des Unternehmen?, noch unier. nommen, indem er ein(Besuch an den Bürgennetster van Sie» richtete. um von der Stadt einen Zuschuß zu erhalte». Shake- hand. Wenn der Engländer und der Amerikaner einem die Hand schüttelt, ein„ Shake- hand" gibt, wie man das auf englisch nennt, fo liegt darin viel mehr, als in dem flüchtigen und meisiens sehr oberflächlichen Handgeben des Deutschen. Das Shake- hand von Engländer und Amerikaner ist so etwas wie Treugelöbnis und steht nicht selten an Stelle von Kontraft und felfenfestem Bersprechen. Der Engländer und vor allem der Amerikaner fcheut sich aber auch nicht im geringsten, festes und, man möchte fast fagen, freudiges Shake- hand jebem zu geben, den er dessen für wert hält, und er ficht dabei nicht ängstlich nach der Kleidung und der gesellschaft Lichen Stellung des anderen, wie man das ja in dem Klaffenstaat Deutschland von jeher gewohnt ist. Eine Kleine und bemerkenswerte Szene konnte man fürzlich vor dem Anhalter Bahnhof beobachten. Vor dem Bahnhofsgebäude standen zwei große Automobiltourenwagen, wie man sie von den Rundfahrten um Berlin fennt. Bestellt für Hotel Esplanade war auf jedem der Wagen zu lesen. In beiden Wagen faßen Amerikaner und Amerikanerinnen, denen man unschwer ansah, daß fie viel money befaßen und, wie man hierzulande fagt, zu der guten Gesellschaft gehören. Da der Tritt der Wagen ein wenig hoch über dem Pflaster liegt, und das Aussteigen lästig ist, stand neben dem Wagen einer der Begleiter. ein einfacher Mann, und mar Männlein und Weiblein beim Aussteigen behilflich. Und nun ereignete sich das für uns Geltfame, ja für viele brave Deutsche Unfaßliche: jeber der aussteigenden Herren und jede Dame gaben dem Bedienten am Wagen die Hand, schüttelte sie mit viel Ernst und Nachdruck und bedankte sich auf das höflichste. Und die Damen hatten nicht mal Handschuhe auf den Händen! Wirklich, es war wie im Märchen! " In der Nähe standen zwei Dienstmänner, die sahen verständnislos und höchlichst verwundert auf diese Szene, und der eine meinte zum anderen:„ Haste Borbe!" Ja, weiß Gott, bei uns follte ein feiner Herr" und eine feine Dame" einem Arbeiter mit einem freundlichen„ Dante schön!" die Hand schütteln!? Die Welt müßte ja reinemeg untergehn! Aber wenn nun der Wahlkampi tommt. dann werden die großmächtigen deutschnationalen Grafen kommt, dann werden die großmächtigen deutschnationalen Grafen und Barore auch dem Arbeiter die Hand schütteln zum Stimmenfang. Doch diese Shake- hand ist ebenso verlogen wie ihre ganze Politit. Jm Südexpreß verhaftet. Zusammenarbeiten französischer und deutscher Kriminalpolizei. Einen groß angelegten Bandbetrug verübte ein 27 jähriger Bantbeamter Mag Unger aus der Schlüterstraße, der feit Ende September von der Kriminalpolizei gesucht und jetzt im Ausland ergriffen wurde. Unger war bis zum 25. September d. 3. bei einer hiesigen Großban? angestellt. Am nächsten Tage fuhr er nach Elberfeld und erhob dort bei einer Bank 120 000 Goldmart zum Nachteil des Berliner Banshauses. Der Streich gelong ihm mit Silfe eines folichen Baffes. Die Kriminalpolizei ermittelte eine Sour, die nach Biarriß führte. Es wurde festgestellt, daß der Flüchtige, der mit mehreren Pässen versehen war. die Absicht hatte. von dort nach Paris zu fahren. Ein Berliner Kriminalfommissar wurde nach Biarrik gesandt, und setzte sich mit der französifchen Kriminal polizei in Berbindung. Gestern ge fann es den gemeinsamen Bemühungen, den Betrüger auf der Fahrt von Biarrig nach Paris im Süderpreß zu ermitteln und festzunehmen. Das Haupt der Weisen. Jm Berliner Tageblatt lefen wir folgendes Inserat: " Bermiete meinen Sinterfosf als Retlamefläche. Stein herz. 1ondern Ernst! Buſchriften unter uim. Es ift begreiflich, daß jemand, der sich bewußt ist, nichts Brauch bores im Stepf zu haben, wenigstens bie äußere Schale seines Hirn fastens nugbringend verwendet. Aber weshalb sich auf den Hintertopf beschränken? Es gibt doch noch andere umfangreiche Rörperflächen, die fich für Reklamezwecke einnen. Namentlich die politischen Barteien sollen fich für die Wahltampone diese Berwendungsmöglichkeiten nicht entgehen lassen. Nationalistische Blafate gehören unbedingt auf die Bauch und Magengegend, während andere bür gerliche Parteien ihre Aufrufe getroft cuf den Hintern leben tönnen, da diese Bapiere von den Empfängern ja doch früher oder später dahin geführt werden. Im Rahmen der Mieterprotestwoche veranstaltete der Reichsbund deutscher Mieter, Bezirt Tiergarten, im Nationalhof. Bülowstr. 37, unter starter Teilnahme Der Mieter aus allen Kreisen eine öffentliche Versammlung. Der Referent Genoffe Thale, der Borsigende des Bezirks Tiergarten, schilderte die Not der Mieter und den unberechtigten Anspruch der Fauswirte, die legten Endes im Deutschen Reiche eine Renbe für fich beanspruchten, die 50 Milliarden Goldmart ausmachen würde. Empört waren die versammelten Mieter, daß die Deutfchrationale Bolkspartei, die Deutsche Boltsparbei und die Wirtschaftspartei den Hauswirten durch ihre Anträge im Reichstag auf Gefeheswege zu diesem Profit verhelfen wollten. Die weiteren Ausführungen des Referenten gingen darauf hinaus, daß an einen Abbau der Zwangswirtschaft nicht zu denken fei. Nachdem mehrere Distuffionsredner fich in derselben Weise aussprachen, wurde die bereits gestern veröffentlichte Entschließung einstimmig angenommen. Reichsbund deutscher Mieter, Bezirk Wedding. Deffentliche Mieterversammlung heute, Freitag, abend 7% Uhr in der Schulaula Pflugftraße. Die Vergnügungssteuer. Die Finanz- und Steuerbeputation hat sich erneut eingehend mit der Bergnügungssteuer beschäftigt. Die Nachprüfung und evtl. Wenderung der Steuerordnung felbst durch eine Novelle wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Insbesondere murde in Ausficht genommen, daß später vom Steuerausschuß der Stadtverordnetenversammlung die Vertretungen der Interessenten erneut angehört werden sollen. Da die Geltungsdauer der für die Sommermonate feinerzeit ermäßigten Steuerfäge mit dem 22. Oktober Der Berliner Magistrat will dafür ½ Million Mart bewilligen. Als Aufstellungplag fäme das Gelände des Zoologischen Gartens in Frage. Tüchtige Fachleute". # „ Sozialistische Mißwirtschaft in Groß- Berlin." Unter diefer Ueberschrift erschien in einem illustrierten Provinzblatte folgende Notiz: Die Latendervon Fachwissen nicht beschwerten fozialistischen Berliner Stabträte werden durch obiges Bild am besten bewiesen. Ende Juli d. 3 wurde in der Wilhelm ein Mast der Hochspannungsleitung angefahren und umgestürzt. Bafewaldt- Straße in Mariendorf bei Berlin von einem Kraftwagen Mitte Oftober ist man immer noch nicht so weit, die Straße für den Berfehr wieder freizugeben, da die im August begonnenen Arbeiten seit Monaten nicht mehr fortgesetzt werden. Tüchtige Fachleute an Stelle der sozialistischen Parteivonzen hätten schon längst für Ordnung gesorgt tommenden Stadtrate Mitglieder der Deutschen Bolts: Hierzu wird uns mitgeteilt, daß die für diese Anlage in Frage partei und„ Fachleute" sind. Der Dezernent für das Verfehrswesen ist Jurist, der andere Regierungsbaumeister Die Feierstunde der Sozialistischen Arbeiterjugend anläßlich des 20jährigen Bestehens findet im Gr. Schauspielhaus am Sonntag, den 26. Oktober statt. Der Bezirksvorstand. zwei niedlichen Beispielen ein Urteil bilden. a. D. Ueber ihre Tüchtigteit, fann man sich aus folgenden Beim Bau eines Kinderheims in Tempelhof war vergessen worden die Kinderklosetts einzubauen. Der Herr Regierungsbaumeister a. D. mußte sich von feinen eigenen Parteifreunden diese Tat als Schildbürgerſtüd bezeichnen lassen. Er entschuldigte sich damit, daß er Rinderklosetts alten Stils", damit meinte er Nachttöpfchen", für ausreichend gehalten habe. Mit erheblichen Kosten wurden nachträglich Kinderfloset's neuen Sils" eingebaut. Weiter mußten sich auf Beranlaffung der beiden Herren, die der Baudeputation vorstehen, diese fowcht als auch andere Bezirkskörperschaften in mehreren Sigungen um einen Namen für eine Straße in Lichtenrade abquälen, bis sich herausstellte, daß die Straße gar teine Straße, sondern nur ein schmaler Durchgang ist Beide Herren find von der bürgerlichen Fraktion auserfehen worden, nach dem Abbau unferes Genossen Bürgermeister Groß den Bezirk als Bürgermeister bzw. stellvertretender Bürgermeister zu leiten. Gewerkschaftsbewegung Ein Unternehmer für den Achtstundentag. 3m Berliner Tageblatt" veröffentlicht Professor Lujo Bren tano Angaben, die er von einem der größten Brünner Luchfabrifanten, Herrn George Villiers Neumart, über die Wirkungen des Achtstundentages auf die Produktion erhalten hat. Professor Lujo Brentano teilt aus dem ihm zugestellten um fangreichen Bericht folgende Einzelheiten mit: Im Jahre 1913 betrug bie Arbeitsdauer 58 Stunden die Woche, nach dem Kriege 48. In der Weberei erfolgte die erste Untersuchung über Arbeitsleistungen und Arbeitsintensität auf Grund der Leistung per Stüd". Die Leistung per Web- und Arbeitsstunde im Jahre 1913 mit 1 angenommen, ergab für 1922 eine Steigerung der Arbeitsintensität auf 1,6045, alfo um nicht weniger 1922 mit 48 multipliziert, ergab für 1913 1,2752, für 1922 1,6933. als 60 Proz Die Stundenleistung von 1913 mit 58, die von Da diese Ergebnisse für 1922 ein zu günstiges Bild ergaben, wurde versucht, die angegebene Ziffer auf Grund der durchschnittlichen Schußzahl per Stüd für die einzelnen Jahre umzurechnen; dabei ergab sich im Vergleich zu der für das Jahr 1913 mit 1 angenomme nen Arbeitsintensität eine Berbesserung der Arbeitsintensität für das Jahr 1922 auf 1,887, also um beinahe 90 Pro3. Diefe reicht indes nicht aus, um das absolute Gleichgewicht der absoluten Wochenleistungen wiederherzustellen; die Umrechnung ergibt, daß die WochenLeiftung 98,37834 Proz. der Wochenleistung des Jahres 1913 entspricht. Aber, fügt der Bericht hinzu, auf Grund der Strenge ber Schäzungen ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die effektive Leistung diejenige des Jahres 1913 mindestens erreicht und wahrscheinlich überschritten hat! Die Abschlußzahlen der Weberei des Jahres 1923 zeigen noch wesent lich güftigere Ergebnisse als die des Jahres 1922. Bei Annahme einer Arbeitsstundenintensität für das Jahr 1913 von 1 beträgt die für das Jahr 1923 1,789 575; fie war also um runb 79 Proz. größer. Die abfolute Wochenleistung beträgt 1,888 591 2 gegen die mit 1 angenommene absolute Wochenle stung des Jahres 1913. Wird dieselbe Operation auf Grund der durchschnittlichen Schußzahl vorgenommen, so lautet die 3iffer für die Arbetsintensität im Jahre 1923 1,360 247 4 im Vergleich mit der mit 1 angenommenen des Jahres 1913, fie bedeutet alfo eine Verbesserung um rund 36 Broz. Nicht anders steht es mit der Spinnerei. Auch hier stellen die Ergebnisse der 48- Stunden- Woche ein ungewöhn lich günstiges 3eugnis aus. Der Ber cht Neumarks schließt mit den Worten:„ Es ist also ein ziemlich lückenloser Beweis erbracht, daß die Arbeit des Achtstundentages sowohl relatio als auch absolut die günstigere ift. = Profeffor Brentano hat den Industriellen gefragt, ob etwa feit Einführung der 48- Stunden- Woche große technische Verbesserungen vorgenommen worden seien, worauf ihm erwidert wurde, daß diefe Bolt und Zeit, unsere illustrierte Wochenschrift, liegt unerheblich feien. der heutigen Boftauflage bei Falsche Kriminalbeamte verübten in der vergangenen Nacht im Südwesten der Stadt groben Unfug. Ein Kaufmann Siegmund K. aus der Linienstraße stand gegen 3 Uhr mit einem Mädchen an der Ecke der Mödernstraße und des Halleschen Ufers. Da traten zwei Männer an ihn heran und fragten ihn barsch, was er da zu ffen habe. Ohne erst eine Antwort abzuwarten, behaupteten sie dann, fie seien Kriminolbeamte, zogen Gum mitnüppel und forderten ihn auf, die Hände hochzuheben, damit sie ihn durchsuchen tönnten. As auf seine Stferufe eine Polizeistreife heran fam, ergriffen die beiden die Flucht, wurden aber nach längerer Jagd ergriffen und als zwei Kellner festgestellt, die auf dem Heim. mage von ihrer Arbeitsstelle maren. Es hatte sie gefikelt, einmal riminalbeamte zu fpielen. Dafür werden fie jeg menen Amtsanmaßung und groben Unfugs fich zu verantworten haben. Konfumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Am Sonntag, den 26. Ottober, finden wieber Besichtigungen ber Betriebs. anlagen in Lichtenberg statt, und zwar: 2orm. 8% Uhr für die Abgabestellen 7, 24, 33, 34, 36, 85, 127, 138 und 144( 7. 205bteiluna); vorm. 9% Uhr für die Abgabestellen 14, 16, 17, 58, 95, 97, 105, 124, 182 und 161( 6. 2bteilung): vorm. 10% Uhr für die gabestellen 11, 21, 83, 91, 94, 106, 130, 131, 134, 146, 147, 148, 154 und 164( 15. 2bteilung); vorm. 11% Uhr für die Abgabeftellen 12, 13, 41, 43, 56, 68, 98 und 143( 16. Abteilung). Alle Freunde der Genoffenschaft find hierzu eingeladen! Schafft Winterkleidung für Bedürftige. Vom Notdienst Berliner Frauen werden mir gebeten, folgendem Aufruf Raum zu gewähren: Bei Beginn der falten Jahreszeit tritt die Nachfrage nach wormen Kleidungsstüden in immer stärferem Maße an den Notdienst der Berliner Frauen heran. Der Notdienst hat in den 20 Groß- Berliner Bezirken Kleiderkammern errichtet, die es fich zur Aufgabe gemacht haben, die bedürftige Bevölkerung, die felber dazu nicht imftande ist, mit der notwendigen Kleidung für sich und vor allem für ihre Kinder zu versehen. Die Bestände fast aller dieser Kleiberfammern sind bereits arg gelichtet; am meisten ist dies in den armen Bezirken der Fall, in denen die Nachfrage nach warmer Winterkleidung befonders groß ist. Besonders groß ist die Not in Lichtenberg. Wer über irgendwelche entbehrlichen Kleidungsstüde verfügt, wird hierdurch herz ich gebeten, fie der 2ichtenberger Kleiderkammer zur Verfügung zu ftelien. Er tut domit ein gutes Wert, denn die Sachen tomm nur nach genauer Prüfung der Berhältnisse den Aermsten der Armen und vor allem den Kindern zugute, die ohne diese Hilfe dem ftrengen Winter ohne genügende Kleidung und schüßendes Schuhwert mit banger Sorge entgegenfehen. Die Sachen werden in der Kleiderkammer Lichtenberg, Türrschmidtstr. 25 am Montag, Donnerstag und Freitag von 2 bis 24 Uhr in Empfang genommen oder auf Wunsch abgeholt. In diesem Falle genügt eine Boftfarte. Die Mittel für Brennmaterialienunterfügungen an Silfsbedürftige find vom Magiftrat von 788 000 m. auf 1200 000 m. erhöht worden. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Heute, Freitag, 7 Uhr, Surnratssitzung Schule Gipsstr. 23 a Dazu die Turnwarte und Interessenten der Selamt übungen ameds Beschlußfassung. Der Arbeitergesangverein Hoffnung"-Spandau hält heute Freitag abend 7%, Uhr, in Spandau in Sochs Bismard- Sälen, Feldstr. 52, sein diesjäh. riges er bit longert ab. Bur Ausführung gelangt unter anderem An der Wolga", Byllus russischer Boltsliederfür Drchester, gemischten Chor und Rezitation. abläuft, ist für die Zeit bis zum Ende des Jahres eine vorläufige Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68. Lindenstraße 8, Botal Rubaid. Dagegen hat er die ganze erzielte Mehrleistung der gleichzeitig mit der Durchführung des Achtstundentages vorgenommenen Ber befferung in der ökonomischen Betriebsorgani fation zugeschrieben. Zur Beit der 58- Stunden- Woche waren die Arbeiter gegen Zeitlohn beschäftigt worden: mit der Enführung des Achtftundentages hat Herr Neumarf ein Brämien system eingeführt. dem er die Steigerung der Arbeitsintensität zuschreibt. Die Rapitalaufwand mit sich gebracht; denn wenn ich, fagte Herr Durchführung desselben hat allerdings gle'chfalls größeren Neumart, einem Arbeiter, der bisher 30 Kronen verdient hat, Brämien in Aussicht stelle, vermöge beren er nun 31 oder 32 Kronen verdienen fann, so hat dies felbstverständlich gar teinen Einfluß auf seine Be stang. Wenn ich ihm dagegen Prämien in Ausficht ftelle, vermöge beren er, falls feine Leistung einen bestimmten Betrag erreicht, 50 ronen, bei etwas geringerer Leistung 49 Stronen, bei noch gerinnerer 48 Stronen uff. verbient, tann ich mit Sicherheit entforechend Mehrleistungen erwarten! So der Brünner Tuchfabritant. Infere beutschen Industriellen Sie brüden die Löhne geben den umgekehrten Weg. und glauben, dadurch den Arbeiter zu einer größeren Arbetsintensität anzuspannen. Sie wollen sich eben nicht auf den Achtstundentag umstellen. Sie find wirtschaftlich ebenso rückständig w'e politisch. Sie müssen deshalb zum Fortschritt gezwungen werden. Das fann nur durch die geschlossene Macht der Arbe terschaft in den Gewerkschaften und in der Sozialdemokratie geschehen, vor allem auch am 7. Dezember. Zum Konflikt in den Gas- und Wafferwerten. Bergebens bemüht sich das Boffchemiftenblatt, fich fezt herauszu Schwindeln. Es schrieb, daß die sozialdemokratischen Magistratsmitglieder beim ADG B. vorstellig wurden, damit dieser helfe, ben Achtstundentag abzuwürgen, während ihr Gewährsmann gang richtig geschrieben hatte, daß bie Ortsverwaltung des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes alles in Bewegung gefekt hat, um den Achtstundentag zurüd. au erobern". Das ist ihr auch gelungen. Daher die But der Roten Fahne". Unter den abfichtlichen oder unabfichtlichen 11genauigkeiten des Boffchemistenblattes befindet sich auch die Mitbeiluna, haß in jener Eikung, zu der auch Aufsichtsräte der Gasund Wasserwerfe zugezogen waren, sich fein Kommunist befunden hätte. Tatsächlich war auch das tommunistische Affichtsratsmitglied Kamin anwesend. Erheiternd ist die Moralpaufe, die sich die..Rote Fahne" uns gegenüber leifbet. Das Blatt, das die blutigen Greuel in Georgien bedt, das Propaganda macht für die imperialistische Politit Rußlands in China, das zu dem standalösen Antreiberinstem in Somjet rußland fchweigt, behauptet, es habe die Stellungnahme der som munistischen Gemeindearbeiter zu dem Abkommen scharf fritifiert", während wir felbft große Gemeinheiten" von Gewertschaftsführern bedten, wenn diese unfere Barteigenoffen find. Weber Moralblinden die Schönheit eines Sonnenuntergangs beareiflich machen wollen. In Wirklichkeit hat die Rote Fahne" bisher überhaupt verschmiegen, daß die Kommunisten im Gemeindearbeiter. verband für das Abkommen gestimmt und gesprochen haben. Sie behauptet aber, daß unsere Genossen die Arbeiter pertauft und verraten" hätten. Nachdem sie nicht mehr anders tann, gibt fie fleinlaut zu, daß unsere Genoffen ihr möglichstes taten, um den Achtstundentag zu erhalten". Sie feien aber dem Drud einer, böheren" Stelle gewichen. Das ist natürlich höherer" Blödfinn. Diesem Drud feien ,, offenbar auch die fommunistischen Funktionäre indirekt zum Opfer gefallen". Das wäre ein Fehler" gemeins begriffe mit der Roten Fahne" zu diskutieren, hieße einem Farbenfür Groß- Berlin Also nicht: bertauft und verraten"? ffets an das Bezirksfekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, an richten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Regelung getroffen worden, die den jezigen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen durch Herablegung der Steuerfäße Rechnung zu tragen versucht. Die neuen Säge liegen meist zwischen den bisherigen Commerermäßigungen und den tarifmäßigen Säßen. 131. Abt. Stieberschöneweibe. Sonnabend. den 25, 7%, Uhr, Funttionärsigung im Der Magistrat ist den Beschlüssen heute nach Abänderung einiger Buntte im wesentlichen beigetreten. Die neuen provisorischen Säke werden vom 23. Oftober ab erhoben und betragen: Für Theater, Borträge und Konzerte ohne Konjum 10 Broz, für BirLuffe und Barietés ohne Konsum 15 Broz., für Lichtbildtheater allgemein 18 Proz., jedoch für volfsbildende Filme, die von dem dafür eingelegten Ausschuß als solche anerkannt find, 12 Proz. Für Staffeehaustonzerte ist die Mindeftsteuer mit 5 Bf. für den Besucher, an Stelle der tarifmäßigen 10 Bf., vorläufig beibehalten. Berlin bekommt ein Planetarium. Mit der Firma Karl Zeiß in Jena hat der Berliner Magistrat Berhandlungen angefnüpft. zur Schaffung eines Planetariums für Berlin. 139. Abt. Tegel. Am Mittwoch früh ift plöglich der Schloffer Genoffe Wilhelm Reinemann neftorben. Einäscherung, den 25, nachm. 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 99 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsftefie: Berlin G. 14. Sebastianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft Wilmersdorf. Sonnabend, den 25, abends 8 Uhr, Oberrealichule am Seepart Hindenburg- Schule) Treffen der gesamten Ra. meradschaft zweds Einteilung zur Potsdam- Fahrt und Ausgabe von Müzen. Die Berhandlungen mit der Gasbetriebsgesellschaft Nieberbarnim, die von der Ortsverwaltung des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes geführt werden, haben bereits zu dem Ergebnis geführt, daß ab 29. September eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf. eintritt. Weiter wurde vereinbart, daß das Abkommen mit ben Berliner städtischen Gas- und Wasserwerfen bezüglich ber Arbeitszeit auch für die Gasgefellschaft Niederbarnim Geltung hat. Für die weiteren Bestimmungen bes Manteltarifs curde der Schiedsspruch für die Gasbetriebs. gesellschaft zur Grundlage genommen. Der Bertrag läuft bis zum 30. September 1924. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekforn; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b.$., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin S. 68, Sindenstraße 6. Z Außer billigen Preisen, ermöglicht durch eigene Anfertigung, bieten wir ständig die größte Auswahl in moderner Kleidung Herren- Ulster mittelgrauer Fischgrätenstoff, schwere Qualität, mit Abseite viot mit Rückengurt 4800 5600 Herren- Ulster dunkelgrauer CheHerren- Ulster dunkelgrauer, reinwollener Diagonal 6500 Cheviot, äußerst tragfähig Herren- Ulster Ueberkaro tragfähig. dunkler Winter- Che85.viot mit elegantem 7700 Herren- Ulster marengo, Cheviot, elegant und sehr 9500 Herren- Ulster prima Velours- und versch, modernen Cheviot- Stoffe, 11500 schwarz und maHerren- Paletots rengo Cheviot m. 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