Nr.51041.Jahrgang Ausgabe A nr. 259 Bezugspreis: Böchentlich 70 Golbpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage ,, Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags and Montags einmal. Telegramm- Adrese: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpattige Nanpareille. seile 0.70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmart. Kleine zeigen das fettgedruckte Wort 0,20 Golà. mart( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche des erfte Wort 0,10 Goldmart, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen fir zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer miljen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindentraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 29. Oktober 1924 Keine Schiebungen. ... sagen die Deutschnationalen! Die Deutschnationalen veröffentlichen ihren Wahlaufruf Nummer zwei. Es geht bei ihnen eben nichts mehr ganz, sonder: immer nur in zweimal fünfzig Prozent. Einen Aufruf haben sie nun, der auf die dümmsten antisemitischen und nationalistischen Instinkte spekuliert, und einen, den sie hervorziehen können, wenn sie wieder eine Bürgerblockschiebung vorhaben was ihnen freilich der 7. Dezember verderben wird. Nummer zwei ist etwas vorsichtiger formuliert wie Nummer eins, etwas auslegungsfähiger, in den entscheidenden Punkten aber enthält er dasselbe. Außenpolitisch kommt der Wille zur Sabotierung der Dawes- Geseze in folgenden Sägen zum Ausdruck: = „ Die Dawes Gesetze sind jetzt bindendes Recht. Ihre Ausführung, die die Notwendigkeit einer Milderung unserer Lasten erweisen wird, verlangt wa ch same, mannhafte Bertretung des deutschen Standpunktes, damit Reich und Bolt nicht in wirtschaftliches Elend versinken und unsere tapferen Brüder und Schwestern im besetzten Gebiet endlich wieder die Freiheit erlangen." Die reaktionäre innerpolitische Zielsetzung ist gleich der des ersten Aufrufs. An Verlogenheit läßt auch Aufruf Nummer zwei nichts zu wünschen übrig. Wir heben folgende Glanzfäße hervor: " Eine Teilung des Volkes in Besigende und Besißlofe ist mit dem Grundgedanken jeder Volksgemeinschaft unvereinbar." Das von der Partei, die im Bürgerblock die Diktatur der Besitzenden über die Besizlosen errichten will und den Brot wucher zur Ausbeutung der Besiglosen propagiert. Weiter: „ Der Handarbeiter ist für uns gesellschaftlich und politisch vollberechtigter Staatsbürger." Beweis: sie haben Herrn Windler, einen der gehässigsten Berfechter des Dreiflassenwahlrechts in Preußen, zum Parteivorsitzenden gemacht. Wütender Haß gegen die Sozialdemokratie, Kampf gegen Severing, Bekenntnis zur Monarchie ist der Rest neben einer findlich- naiven Auffassung von Demokratie: " Nach demokratischem Prinzip, das unsere Gegner hoch und heilig preisen, hatte der Reichspräsident einen der unserigen zur Bildung der neuen Regierung zu berufen. Das hat Herr Ebert nicht getan. Auch in der Zwischenzeit ist uns der ge bührende und zugesicherte Anteil an der Regierung verweigert worden. Das geschah, weil zum Schiedsrichter über unser Recht vom Reichskanzler die kleine sterbende Partei der Demokraten erhoben wurde." Sie haben ja nun den höchsten Schiedsrichter nach demofratischem Recht für ihr Recht"- das Bolt. Es heißt in diesem Aufruf: Sowjetrußland von Frankreich anerkannt. Paris, 28. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der an den ruffischen Volkskommiffar für Aeußeres gerichtete Funtspruch, in dem die französische Regierung die rechtliche Anerkennung der Sowjetregierung mitteilt, ist am Dienstagnachmittag abgegangen. Die französische Regierung erklärt darin, die föderative Republit der Sowjets und ihre Regierung de jure anzuerkennen und schlägt die fofortige Aufnahme der diplomatischen Beziehungen durch Entfendung von Botschaftern vor. Die Anerkennung ist bedin gungslos ausgesprochen, doch enthält die offizielle Mitteilung eine formelle Rechtsverwahrung zugunsten der aus dem Bertrag mit den früheren Regierungen Rußlands fich ergebenden franzöfifchen Ansprüche und Rechte. Die ruffische Antwort wird noch im Laufe des Dienstagabend erwartet und soll zusammen mit dem französischen Telegramm sofort nach ihrem Eintreffen veröffentlicht werden. Die dritte Feststellung erfolgt. Paris, 28. Oktober.( WTB.) Die Reparationstommission veröffentlicht folgendes kommuniqué: Gemäß§ 3, Arfifel 3, Anhang 2b des am 19. August 1924 in London getroffenen Abkommens hat die Reparationstommission einstimmig befchloffen, zu erklären, daß das in Artikel 1 des Anhanges 2b feftgelegte Programm zur Wiederherstellung der fiskalischen und wirtschaftlichen Einheit Deutschlands von der belgischen und französischen Regierung am 28. Oktober durchgeführt worden ist. Damit ist die vorgesehene dritte Feststellung erfolgt. Fernwirkung deutscher Revanchephrasen. Dänischer Faschismus im Grenzgebiet. Kopenhagen, 28. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem fchon vor einiger Zeit die Kopenhagener Reaktionäre zur Bildung eines freiwilligen Grenzschußtorps in Nordschleswig und Jüt Der Boltswille darf nicht durch Schiebungen ausgeschaltet werden." Ausgezeichnet: weil sie durch Schiebungen unter Ausschaltung des Volkswillens zu Ministersesseln gelangen wollten, wird jezt an den Volkswillen appelliert. Was beschweren sie sich noch? Heute so, morgen wieder anders. Die Deutschnationalen und die Wahrheit. Die Deutschnationalen haben ein besonderes Verhältnis zur Wahrheit. Heute ist für sie Wahrheit, was morgen für fie Lüge ist. Sie wissen am Abend nicht mehr, was sie am Morgen gesagt haben. Man wird bald die alte Redensart: gelogen wie telegraphiert" umändern in gelogen wie ein Deutschnationaler". Ihre Drehungen und" Wendungen seit dem 29. August sind nicht mehr zu zählen. Auf dem Zenfrumsparteitag gab der Abgeordnete v. Guérard eine Darstellung der Verhandlungen vom 28. und 29. August. Aus seiner Darstellung ergeben sich folgende Tatsachen: ,, Am 28. August verhandelten v. Guérard und Dr. Lam mers( 3tr.) mit den Deutschnationalen Hergt, Graf Westarp, von Lindeiner. Hierbei stellte v. Guérard zwei Fragen. Erstens: ob die Deutschnationalen bereit seien, die Führung im neuen Kabinett Marr zu überlassen, zweitens, ob sie bereit seien, die unbedingte Fortführung der Außenpolitit au garantieren und auch Stresemann im Amt zu lassen. Beide Fragen wurden von den deutschnationalen Unterhändlern mit einem unbedingten Ja beantwortet. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devofitenkasse Lindenstraße 3 Wahltag in Großbritannien. Die konservative Wahlbombe. E. W. London, den 27. Oktober. Die vergangene Woche hatte, wie deutlich durch das. Lügengewebe des Wahlkampfes hindurch festzustellen war, eine entscheidende Verschiebung zugunsten der Arbeiterpartei gebracht. Die Aussichten des Labours waren bis Freitag als außerordentlich günstig zu bezeichnen, wenn man das wahre Trommelfeuer in Betracht zieht, das auf die Partei Macdonalds eröffnet worden war. Es war klar geworden, daß es sich als aussichtslos für die beiden bürgerlichen Parteien erwiesen hatte, durch den Kinderschreck des Campbell- Falles oder durch den Hinweis auf die Gefahren des Bolschewismus die Arbeiterschaft vor dem russischen Vertrage bange zu machen. Darüber hinaus aber waren die Aussichten der Arbeiterpartei dadurch vergrößert worden, daß die Konservativen immer deutlicher erkennen ließen, daß sie, falls sie die absolute Mehrheit wiedererlangen würden, auf die Neuaufrollung der Schußzollfrage nicht verzichten würden. Das hatte auf die echten Liberalen unter den liberalen Wählern einen tiefen Eindruck gemacht, die Neigung überall dort, wo für sie nur die Wahl zwischen konservativen und einem der Labour Party angehörigen Kandidaten offenstand, konservativ zu wählen, verringerte sich von Tag zu Tag. Es war am Freitag= abend völlig klar geworden, daß dieser Alternative gegenübergestellt ein großer Prozentsatz der Liberalen sich der Wahl völlig enthalten oder ihre Stimme dem Kandidaten der Arbeiterpartei geben würden. Die konservative Denunziation der Arbeiterpartei als„ verkappte Bolschewisten", als„ Werkzeuge Mostaus" war mißlungen. Ganz offen wurde in konfernativen Kreisen das mögliche Versagen eines Teiles der Wählerschaft durch Indifferenz am Wahltag zugegeben. Am Sonnabend explodierte die große fonser= vative Wahlbombe, die nur mit jenen phantastischen Am nächsten Tage, dem Tage der Abstimmung, kam Graf Höllenmaschinen zu vergleichen ist, die am Vorabend der Westarp zu v. Guérard und erklärte: Wir verlangen den amerikanischen Präsidentenwahlen zu explodieren pflegen. Sie Kanzlerposten. Von Guérard wies diese Forderung fofort als hat die politischen Haupt- und Nebenquartiere in einen Zuundisputabel zurück. In dieser Zumutung habe er einen stand geradezu ungeheuerlicher Erregung versetzt. pölligen Bruch dessen gesehen, was am Tage vorher besprochen war. Es war vom ersten Augenblick an flar, daß damit eine Krise In einem Briefe Hergts feien alle die am Tage vorher beim Wahlkampf eintreten würde. Die Konservativen sprochenen Dinge entstellt wiedergegeben worden. In atmeten erlöst auf. Das eine der beiden belangreichen Sonneiner Besprechung mit dem Abgeordneten We starp und Lind- tagsblätter, der„ Observer", glaubte geradezu eine„ Katastrophe einer hat Graf Westarp Herrn v. Guérard, der darauf aufmerksam für die Arbeiterpartei" feststellen zu können, während die machte, daß der Inhalt dieses Briefes unwahr sei, erklärt, daß Sunday Times" fonstatierte, daß überhaupt kein die Arbeiterpartei mehr schädigendes Dokument hätte publiziert wer seine( Guérards) Darstellung die richtige wäre." den fönnen als das Schreiben Sinowie ws an die englischen Kommunisten. Wichtiger aber als dies ist die Tatsache, daß am Sonnabend und Sonntag sich auf Grund dieses Briefes eine unbeschreibliche Flut von Verleumdun= gen, Beschimpfungen in Hunderten von Versammlungen der englischen Reaktion auf die Arbeiterpartei ergossen hat in der bewußten Absicht, der Autorität der Labour- Regierung und der Arbeiterpartei einen Schlag zu versetzen, von dem sie sich in den zur Verfügung stehenden drei Tagen nicht mehr würde erholen können. Sie haben am 28. August Marg belassen wollen, am 29. August haben sie seinen Kopf gefordert. Am 28. August sind sie einen Handel eingegangen, am 29. August sind sie wortbrüchig geworden und haben sofort durch eine Lüge die Westarp selbst eingestehen mußte die Unehrlichkeit zu verdecken gesucht. Es ist dieselbe Methode, mit der jegt Westarp den Handel um die Ministersize beschönigen will. Herr von Guérard und das Zentrum haben das besondere Verhältnis schon am 29. August fennen gelernt. Warum haben sie weiter verhandelt? land aufgerufen hatten. find unfere dortigen Genoffen nun hinter ein chauvinistisches Romplott gegen die sozialdemo= kratische Regierung in ihrer Abrüstungs- und Friedenspolitik gekommen. In heimlichen Sizungen in Londern und Tingleff haben dänische Chauvinisten beraten, wie sie der Regierung zu Leite gehen können. Zunächst sammeln sie Unterschriften für einen Aufruf an das dänische Bolt, daß das neugewonnene Nordschleswig eine starke Militärmacht gegen die angeblich bevorstehende deutsche Revanche erhalte. Die Chauvinisten haben reichlich material in den deutschen nationalistischen Kreisen gesammelt und führen Stahlhelmreden und andere deutschnationale Drohungen in der Nordschleswigfrage als Beweis für die Erzfeindschaft Deutschlands an. Den deutschnationalen und deutschvölkischen Revanchephraseuren fann Deutschland danken, wenn es den dänischen Chauvinisten gelingen sollte, eine Milifarisie rung Dänisch- Nordschleswigs durchzudrücken! In Kopenhagen herrscht große Erregung über die Berpflanzung faschistischer Methoden nach Dänemart. Mussolini gegen Gewalt..! Rom, 28. Oktober.( WTB.) Aus Anlaß des 3 weiten Jahrestages des Marsches auf Rom hat der Ausschuß für Verfassungs: reform unter dem Vorsitz des Senatoren Gentile, ehemaliger Unterrichtsminister, seine erste Sigung abgehalten. Gentile teilte eine Botschaft Mussolinis mit, in der betont wird, die Berfaffung solle man nicht gewaltsam ändern(!!), sondern vervollständigen und erneuern, da sie schon 75 Jahre alt sei. Er bittet den Ausschuß, er solle bei seinen Arbeiten sich nicht scheuen, sei es in Abänderungen, sei es in Beibehaltung der gegenwärtigen Berfaffungsbestimmungen. Die Ermordung des früheren bulgarischen Ministers Daskaloff in Prag, die mit den Manenmorden an den Bauernparteilern in Bulgarien innerlich zusammenhängt, hat jetzt zum zweitenmal das Schwurgericht beschäftigt. Der Mörder Citontoff ist zu 20 Jahren schweren Rerters berurteilt worden. " Der Tatbest and selbst, in eine schier undurch= dringliche Wolfe eingehüllt, sei mit möglichster Kürze festgestellt: Im Besitze des Auswärtigen Amtes befand sich seit einiger Zeit ein von Sinowjew im Namen der Kommunistischen Internationale und dem englischen Mitglied der Mosteuer Exekutive, Mac Manus, gezeichneter Brief, in dem die Hauptlinien einer großzügigen" fommunistischen Propaganda, insbesondere in Heer und Marine, dargelegt werden. Der Brief selbst ist eines jener typischen kommunistischen Dokumente, wie sie sich zu Dutzenden in den Polizeiarchiven fämtlicher fontinentaler Staaten befinden. Die Echtheit dieses Briefes ist jedoch fragwürdig, verschiedene Inftitutionen der 3. Internationale find falsch bezeichnet- das fönnte immerhin auf Kosten einer falschen Weitergabe gehen. Der Haupteinwand besteht jedoch darin, daß in diesem Dokument die 3. Internationale ausgerechnet das sagt, was die englische Bourgeoisie von Moskau hören will, um den Feldzug gegen Macdonald erfolgreich führen zu können. Auf diese Weise stellt der Brief oder angebliche Brief einen lückenlofen Beweis für alle die bourgeoisen Anschuldigungen über die Abhängigkeit Macdonalds von Moskau", der Moskauer Illoyalität gegenüber der Propagandaklausel des Vertrages, der bolfchemistischen Gefahr in England selbst dar, und zwar das alles in so tomprimierter und vollständiger Ferm, daß der angebliche Aufgabeort dieses Briefes, nämlich Riga, fritisch stimmen muß. Die Auffassung maßgebender Personen ist also feineswegs von der Hand zu weisen, daß es sich entweder um eine gekaufte" Arbeit handelt, bei der das Auswärtige Amthereingelegt worden ist, oder, Konservativen bestellte Arbeit handelt, ursprünglich was noch wahrscheinlicher ist, daß es sich um eine von gewissen dazu erzeugt, um Macdonald beim Kampf um die Ratifizie= rung des russischen Vertrages im Unterhaus zu stürzen, nunmehr zum ähnlichen Zweck im Wahlkampf verwendet, und zwar, um durch Bloßstellung Moskaus in diesem Augenblick Macdonalds Kampf um den russischen Frieden entscheidend zu unterminieren. Die Daily Mail", die erbittertste Feindin Mac donall>S, Me in den letzten Wochen ihre persönliche Hetze gegen ihn aufs skrupelloseste geführt hat, ist auf irgendeine unsaubere Wesse in den Besitz dieses Dokumentes gekommen und hat nunmehr unter Hintansetzung aller politischen Rücksicht, die eine Zurückhaltung bis zur Klärung der Angelegenheit per- langt hätte, aus purem Hast gegen Macdonald sich für die Publikation fünf Tage vor der Wahl entschlossen, in der Hoff- nung, damit Macdonald und der Arbeiterpartei den entschei- denden Schlag zu versetzen. Da sie aber selbst nur zu gut wußte, daß eine Publikation in ihren Eigenen Spalten beinahe wirkungslos verhallen würde, bot sie den kostbaren Text der gesamten englischen bürgerlichen Presse am Freitagabend an. Als hiervon de? zuständige R e f s o r t ch e f im Auswär- tigen Amt erfuhr, entschloß er sich ohne ausdrückliche Genehmigung Macdonalds, diesen Schlag durch amtliche Veröffentlichung des Moskauer Briefes und einer Rote an Rußland zu parieren. Damit war das Auswärtige Amt und Macdonald, wollte er seinen Referenten nicht oer- leugnen und sich dadurch als Staatssekretär des Aeußeren un- möglich machen, auf die Echtheit der Dokumente festgelegt. Der historische Tatbestand war damit geschaffen. Man muß der„Dolly Mail" und ihren Hintermännern Zugestehen, daß sie dank einer Skrupellosigkeit, der kein Mittel zu schlecht ist, dank einer beispiellosen Gerissenheit, in einem Augenblick, in dem eine Gegenaktion kaum mehr möglich scheint, eine Lage geschaffen hat, in der der Gegner nur zwischen zwei Uebeln zu wählen hatte. Selbst im gün- stigeren Falle blieb eine wahltaktische Schädigung unvermeidlich: nehmen wir an, der Sinowjew-Brief wäre ohne die Rote des Auswärtigen Amtes(die Macdonald leider wird decken müssen) veröffentlicht worden. Als Folge hätte sich eine unbeschreibliche Hetze gegen Macdonald eingestellt, der es versäumt habe, Moskau zur Verantwortung zu ziehen. Was hätte es aber geholfen, in solcher Situation die Fragwürdiakeit des Dokuments festzustellen? Jeder Versuch in dieser Richtung wäre infolge der Einigung der gegnerische» Presse wirkungs- los oerhallt. Auf der anderen Seite aber bedeutet die amtliche Veröffentlichung des Dokuments gleichzeitig mit einem schar- fcn britischen Protest die nie wieder gutzumachende Aner- kcnnung der Echtheit eines zweifelhaften Dokuments, und das ist vielleicht vom wahltaktischen Gesichtspunkt aus für die Ar- beiteroartci noch schlimmer. Die Reaktion spricht von einer katastrophalen Wirkung der Publikation. Sie scheint nur zu sehen, was sie zu sehen wünscht. Der Schlag ist auf gewisse schwankende Liberal« und auf die fluktuierenden Wählerschichten nicht ohne Wirkung geblieben. Das bedeutet unter Umständen Berlust von Sitzen. Der Grundstock der Labour Party aber, die Arbeiterschaft, hat diesen Schlag gegen Macdonald als einen Schlag gegen sich selbst empfunden und das erbärmliche Spiel der Reaktion durchschaut. Sie steht heute fester, einmütiger und kampfentschlossener als je hinter ihrer Partei. ltykoff über den angeblichen Sinowjerv-Srief. Moskau, 2g. Oktober.(Russische Telegvaphen-Agentur.) Der von seinem Kuraufenthalt im Süden Rußlands zurückgekehrte Präsident des Rats der Volkskommissar« Rykoff erklärte in einer Sitzung der Zentralexekutiv«, daß dos Zentralexekutivkomite« in der Frage de« vertrage» mit England sestgestclll hob«, die von der Sowietunicm gemachten Kenzessionen hätten den äußeren Punkt erreicht. Au der Angelegenheit des Sinowjew-Brieses erklärte Rytolff, daß die Sowjetrcgienmg die Briefe der kominunlstischei» Internationale nicht kontrolliere(7!) und daß sie nicht für den Briefwechsel verantworllich sei. den diese mit den verschiedenen komemmistischen Parteien führ«. Doch jetzt handle es sich nicht um d ese Frage, sondern darum, daß mit absoluter Sicherhett festgestellt werde, daß der fragliche Brief niemals geschrieben und niemals vom Präsidenten der kommunistischen International« Sinvwjew unterschrieben und abgeschickt wurde. Der Brief sei eine Fälschung zu Wahlzwecken und bezwecke den Kampf gegen die englisch« Avbeiterpartei, gegen die Sowjetunion und gegen den Vertrag mit England, außerdem habe man Grund zur Annahme, daß die Fälschung das Ziel verfolge, die sich günstig gestaltenden Be- Tief unter der Sonne! Von R Osmar Drei ch et. Goldig bricht im Osten der aufgehenden Senne Purpur empor, dieweil mein rägeldeschwerter Schuh auf hartem Pflaster schlägt. Auf d«? Drahten der Telegraphenleitung pfeifen die gefiederten Frühaufsteher mir frohen Morgengruß, und scheuchen mir den Schlaf aus müden Augen. Mehr und mehr belebt sich die Vorstadt, ilnd ich kenn« sie all», die mit mir die Straß« ziehen. Weiß nicht ihren Namen, aber' chren Weg. Alle auf dem Weg der Pflicht, der verdammten! Drüben klapst der alte Kumpel wle allmorgens seine kurze Pfeife am Telcgraphenpfahl aus, um dann schneller hasten zu können. Und' als sich seine Stirn während des Gehens in kraus« Falten zieht, da rechnet er wohl aus, ob vom nächsten Geldtag wieder ein Päckchen vom«Billigsten" abfällt. Am Eingangstor des großen Straßenbahndepot» begegnet mir wie immer die Frau mit dm lachenden Augen, deren Mann auf dem „Frlde der Ehr« geblieben ist", und die hier wohl die Wagen von dem Unrat spät heimgekehrter Lebegents zu säubern hat. Heute glänzen ihre Augen mehr denn sonst. Und da weiß ich, daß heute Zahltag ist und ihre Kinder Freude haben werden. Irgendwo schreit die Sirene, die verhaßte, mir Schauern in die Seele.— Und ganz nah schon grüßt mich der Zechenturm. Durch das groß«, schnrtedceisern« Tor, da, erste Wahrzeichen baldiger Weit» abgeschieden heit, trete ich vor die Morkenausgabe, an der schon«ine lang« Reihe von Männern mit schlaftrunkenen Augen auf die blechern« Arbeitsbescheinigung Harn. Und jedesmal, wenn metallen-s Klrrren erklingt, ist wieder einer ins Geschirr gegangen...— Als ich meine Marke in der Hand halte, fällt auf sie durch der Gebäude Spanen ein verirrte? Sonnenstrahl. Und ich spür« das heiße Brenn«? des Metalls—... Aus der Waschtaue dringt mir schwer und schwül der Staub entgegen und legt sich auf die Zunge. „Glück Auf!" Mechanisch und mürrisch klingt der Gruß zurück, begleitet vom Rasseln der auf- und niederfahrenden Kelten, an den Midi« kohlenstauboollen Arbeitskleider hängen. /Noch ist es Zeit bis zur Anfahrt. Nur hier heraus und noch L-ftht und Sonne und Lust schöpfen. D:r alte Invalide, der eines seiner Bein« in der Grube verlor, reicht mir meine Lampe, und nun schreite ich auf die Höhe der Hängebank. Schreite mit viel«, anderen Männern, die alle das flackernd« Lichllein tragen, die 9« Eisenstufen empor, die ich einst in früher Stunde gezählt. Neben mir ist heiseres Keuchen! Ein alter Jnva- lide, dsr seit 4« Jahren alltäglich diesen Weg macht, lst fast am End« seiner müden Kräfte. Auf der Hängebank liegt drückend noch der Staub des Gcstein. Ziehungen zwischen Frankreich und der Sowjetunion zu schädigen. Es sei'klar, daß die reaktionären bürgerlichen Klassen versuchen, die öffentliche Meinung gegen Sowjetrußland zu mobilisieren. London, 28 Oktober.(WTB.)„Daily News" zufolge ist das Vertrauen des Auswärtigen Amtes in die Echtheil des Sinowjew- briefes nicht im geringsten Maße, weder durch die letzte russische Not« noch durch Macdonalds Rede erschüttert worden. London, 28 Ottober.(MTB.)„Daily Telegraph" erklärt, es fei unmöglich, die Tatsache anzuzweifeln, daß die Aussichten der konservativen am Vorabend der diesmaligen Wahl weit besser seien als am Tage vor den Wahlen des Vorjahres. Auch Sinowjew äustert sich. Moskau, 27. Ottober.(WTB.) Bei einer Unterredung mt Pressevertretern erklärte S i n a w j e w u. a., der ihm zugeschriebene Brief vom kS. September 1324 sei eine Fälschung vom e r st e n bis zum letzten Wort. Sinowjew weist auf den Teil des an- geblichen Briefes h'n, in dem von der m i l i(ä r i(ch en Sektion der englischen kommunistischen Partei die Rede ist, und sagt, es existiere keine militarssche Sekt on in der englischen kommu- nistischen Partei Die Hinzuziehung begabter militärischer Spezialisten sei für die englisch« kommunistische Partei n i ch t d r i n g l i ch. Sie habe dringendere Aufgaben, und zwar die Gewinnung der Mehrheit der englischen Arbeiter für ihre Sache mittels Agitation und Per- breiiung marxistischer Ideen. Sinowjew oerwett bei den Worten: „Die britische kommunistische Partei stützt sich auf die Bewegung der Minderheit«n den Gewerkschaften und arbetet daran, die An- sichten der Kommunistischen Internationale durch Propaganda in die weiten Massen zu bringen, und erklärt, es bestehe kein Zweifel, daß die englische kommun-stische Partei dies mit immer größerem Er- folg(?) vollbringen werde, denn sonst würde die Bourgeoisie im Kampfe mit ihr keine solche außerordentlichen Mittel er- greisen müssen, wie die Dokumcntensälschung.(Ach, Herr Snowjew, stellen Sie sich nicht dümmer als sie sind: Sie wissen sehr aenau, daß die englischen Bürgerblockcmhänger mit ihrer„Enthüllung' nicht die englische Kommun-sten-„Partei", sondern di« große Labour Party und die Regierung Macdonalds treffen wollen. Die ganze Angelegenheit beweist nur, daß die Moskauer Internationale van der Reaktion in allen Ländern als Folie benutzt wird, um die Spießer zu erschrecken und den Sozialdemokraten zu schaden. Red. d.„V.".) Die Enthüllung de» angeblichen Briefes des Exekutiv- komitees der Kommunistischen International« sei mit der Berech» nung gemacht, daß die Antwort des Kom'tees nicht zeitig genug einlaufen könnte, denn bis zu den Wahlen in England seien nur nach zw«! Tag«. Es sei nicht schwer zu verstehen, warum einig« Führer des liberal,.konservativ«n Blocks zu einem solchen Mittel gr fscn wie die Dokumentenfälschung. Es sei aber ichwer zu verstehen, warum das Foreign Office, das sich noch unter der Führung Mac- d onalds befind«, es nicht perschmäht habe, eine so grobe Fälschung anzuwenden."(??) Snowjew fuhr fort:„Wir unsererseits schlugen vor, daß die Angelegenheit des angeblichen Briefes durch englische Gewerkschaftler untersucht werd«, indem ein« Kam- Mission, die vom Generalrat der englischen Gewerkschaften ernannt werden soll, alle Dokumente verlange und ihre Entscheidung treffe, die wir bedingungslos anerkennen'werden. Durch diesen Vorschlag hoffen w'r am besten, allen Unparteiischen, zu beweisen, daß wir die Untersuchung dieser Angelegenheit nicht fürchten, und daß das uns zugeschrieben« Dokument eine Fälschung ist. Weiter teilte Sinow- jew mit. daß laut Nachrichten aus ziemlich glaubwürdigen Ouellen die Fälschung des Briefes aus polnischen Kreisen stamyie. I. H. Thomas über die Absichten der Slrbeitcrregierung. London, 28. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Aglanialmini- fter T h o m a s, der in Derby'über die sich nach den' Wahlen er- gebende Lag« sprach, führte dabei aus, da, Kabinett werde kei- neswegs sofort ab'Mü f einer T h r o n- rede, in der das Regierungsprogramm erneut auseinandergesetzt wird, vor das Parlament treten und dieses zwingen, über dieses Programm abzustimmen. Dadurch werden die fortschrittlichen Ele, mente im bürgerlichen Lager zweifellos in«in« peinliche Situation kommen. Auch der Vorabend der Wahl wird beherrscht von dem Briefe Sinowjew?. Wenn auch die von der Reaktion erwartete vernich- tende Wirkung unerschüttert ist, so ist dieses umstritten« Dokument, wie vorauszusehen war, in den Wahlkreisen, wo der Kampf lediglich zwischen Konservativen und der Arbeiterpartei ausgefdchten wird. nicht ohne Eindruck auf die Liberalen geblieben. Aus ver- Noch einen letzten Blick werf« ich durchs staubbelagerte Fenster, und mit dem goldigleuchtenden Gruß der Frühsonn« im Herzen trete ich auf das Fördergestell. Todes fahrt! Mit Rasen geht'« hinab in di« dräuende Tiefe, und junges und altes Leben verharrt in großem Schweigen. Nur di« Spurlatten singen knackende Begleitmusik. In den Ohren drückt die Luft. Und ich sink« mit dem rasenden Einken de» Korbe, in leeres Sinnen. Da, die Sohle! Wieder Licht, Licht! Und wenn auch nur das der großen«kektriichen Lampe de» Schachtsüllorte-. Wie non großer Bedrückung befreit trete ich aus dem Förder- geftell, und schreite dann mit Alwin, einem jungen Menschen aus einem einsamen Dörfchen im Osten des Landes, jene Straße, die Menschenhand in tausendjähriges Gestein getrieben. Drohend blicken jetzt di« SUinkoloss« auf uns zwei Menschen. Feindliches Sinnen ist in ihren ehernen Gesichtern. Alwin dagegen hat glückliche Augen,«ährend er mir sagt, daß er heute zum letzten Male hier sein will.» Denn morgen fährt er zu seinem Nmtterchen, und dann will er wieder unter leuchtender Sonn- arbeiten und leben. Bor und hinter un« sind tanzende Lichtlein, die sich der Gangart de« Träger, anpassen. Und im Wassergraben gurgeln des Grundwasicrs Wellen Stumm gehen wir so fürbaß. Dumpf dröhnen unsere Schritt« im Querschlag- Weit vor uns schwenkt ein einsame» Lichtlein, di« anderen sind alle links abgekehrt. Wir aber müssen weiter, und der dort hinten allein geht, ist unser Arbeitsgenofse, der lange Geograph. So wird er genannt wegen seiner großen Länderkemrtr.is, dieser große, gute Mensch, dessen Augen in die Welt blicken wie die eines Kindes. Freundlich klingt sein„Glück Auf", als wir ihn erreichen. Und als wir dann auf der Gezähkiste sitzen und unser Brot oerzehren. da redet Alwin von seinem Mütterchen, seiner Heimat, und der Geograph von seinem Sohrw, de? ihm mit seiner Aufgewecktheit die hellste Baterfreude bereitet. Beide trällern lustig vor sich hin, als sie in den Pfeiler kriechen. Ich aber klettere höhe? hinauf, um an anderer Stelle das Gestein zu brechen. Heiße Luft schlägt mir entgegen! In Bächen ziehr der Schweiß an meines Körpers Nacktheit hinunter. Und ermattet sink' ich nieder.* Ich lieg« und träume! Liege auf stehenden Steinen mit weit- offenen Augen beim spärlich flackernden Lampensch« iri. lieber mir ist dräuende», zackiges Gestein. Und des Gesteins eherne Fülle wird zu grinsenden Gesichtern, dieweil solch Klage zu mir klingt: schiedenen Wahlkreisen kommen in letzter Stunde Meldungen, wonach lokale liberale.Führer ihre Anhänger auffordern, in solchen Wahlkreisen den konseroativen Kandidaten zu wählen. Die konservativen Abendblätter richten einen letzten Appell an die Wäh« lex, ihre Wahlpflicht zu erfüllen. Die Apathie des Bürgertums im Kampfe gegen die Arbeiterpartei sei die ernsteste Gefahr dieser Wahl. Im übrigen wird der Berleumdungiseldzug fort- gesetzt._ versumpftes Sürgertum. Die Llpaatze der Demokratie. Das liberale Bürgertum hat feit der großen sozialen Umwälzung durch die Inflation eine klägliche Rolle gespielt. Die Ideologie des Liberalismus erwies sich als kraftws und matt gegenüber den neuen gesellschaftlichen Erscheinungen. Gegenuber den Mammutkonzernen und gegenüber der� neuen Schutzzollbewegung verblaßt die liberale Tradition. Schließ- lsch gibt es nur noch ein großes Organ in Deutschland, dos für sich in Anspruch nehmen kann, die Traditionen des Libera- lismus hochzuhalten. Es hat der Demonstration des Machtwillens der Deutsch- nationalen seit den Maiwahlen bedurft, daß in der Demo- kratifchen Partei man sich auf die guten Traditionen des Liberalismus besann— nicht auf die seiner Versumpfung. Die Kampfstellung der Demokratischen Partei gegen die Deutschnationale Partei, die als loses Konglomerat von Mit- läufern den festen Kern der alten Konservativen umgibt, ent- spricht der Tradition des Liberalismus aus besseren Tagen. Diese Stellung mußte durchgesetzt werden gegen die Kräfte in der Demokratischen Partei, denen der Bürgerblock höher steht als der Liberalismus, und die sich lediglich besinnen können auf die Traditionen der Halbheit und Versumpfung des Liberalismus. Die Deutsche Volkspartei hat auf die Stellung- nähme der Demokraten geantwortet mit dem Kampfruf zur Vernichtung des Liberalismus in Deutschland. Nun wollen die Schiffer und Siemens eine „liberale Vereinigung gründen. Ironie der Welt- geschichte! Wiederbelebung des Liberalismus unter Anleh- nung an die Volkspartei im Kampfe gegen die Demokraten, mit einem Programm für Bllrgerblock und Schutzzoll— das ist ihr Programm. Es drängt diese Kreise, die Quaatze der Demokraten zu spielen, und ein würdiges Seitenstück zu der famosen„Nationalliberalen Vereinigung" zu liefern. Versumpfung, Grundsatzlosigkeit und Würdelosigkeit stehen auf ihrer Fahne. Ihre Worte sind reichlich großsprecherisch, nur wird ihre Diversion zugunsten der Reaktion wenig fruchten._ vom Wahlkampf. Auf den offenen Brief des Profesio-rs Gerland an den Bor- sitzenden der Demokratischen Partei antwortet Dr. Koch: „Völlig falsch ist es zu behaupten, die Partei habe sich im Lauf« der Zeit nach links gewandt. Das kommt nur denen so vor. di« selbst nach rechts gegangen sind. Vielleicht darf ich Sie auch daran«rinnern. daß Sie zu denjenigen gehört halten, di« bei der Gründung der Partei Herrn Dr. Stresemann u. a. : den EinWtt veeirtehrten. weil Ste zu weit-reclü» gerichtet seien.... Der Vorwurf, daß. unsere Politik ein« Politik der Halbheiten sei, ' Ist aus ihrem Munde grolesk. Ebenso lehne ich di« Mahnung, mein« Politik Mutig Zu vertreten, von Ihrer Seite ob." Di« Parteileitung und di« Wahlkteisvorsitzenden d«r Deutschen Demokratischen Partei hielten am Dienstag im Reichstagsgebäude ein« gemeinsam« Sitzung ab, in der die Kreis» und Reichsax-hloor. schlüge der Partei eingehend besprochen wurden. Di««ndgültigen Listen sollen jedoch erst am Montag aufgestellt werden. D«r Demokratentag für Magd« burg-An halt stellte über das Aus- scheiden von Dr. Schiffer und Dr. Böhm« folgende, fest: „Schiffers W l« d e ra u fstellu n g infolge seiner schwankenden Haltung sei sehr zweifelhaft gewesen. Loyaterweis« lzab« man Schiffer frühzeitig davon in Kenntnis gefetzt. Böhmes Ausscheiden sei vom Standpunkt des Interesstnpolttiker» verständlich. Er habe „Warum reistest, Mensch, du uns aus long«? Ruhe, reistest Stücke du ouz unserem Körper, der nun blutet? Rauschendes Leben und groß« Menschen sind über uns hingegangen. Pielternsend Jahre schliefen wir, und nun hast du uns geweckt, daß wir dich zermalmen!" Und während das Gestein in totes Erstarren zurücksinkt, dringt von irgendwo krachendes Gebirgzfallen. Wo mag es sein? Dumpfes Schweigen!— Nur die Tannenbäume, einst lrald'ger Höhen stolz« Zier, ächzen und stöhnen unter der gewaltigen Last, bis einst dt« Sehnsucht nach der Sremo ihnen dai Herz bricht und sie mit letztem Ausschrei zerbrechen. Nachbrechendes Gestein spielt dann grausig schönen Todes- marsch...— Liebermann über die Zusammenlegung der Kunstschulen. Prof. Max Liebermann, d«r Präsident der Akademie, sendet un« folgende Erklärung: „Der amtliche Pressedienst der preußischen Regierung verbreitet, wie ich au»«!n«r Berliner Zeitung ersehe, ein« Notiz, durch di« das Kunstreferat des Kultusministeriums gegen die Anarisfe. denen es wegen der Zusammenlegung der Hochschule für die bildenden Künste und der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums ausgesetzt ist, verteidigt werden soll. Hierbei werden zur Unterstützung des Ministe- riums zustimmend« Aeußerungen von mir Ms Feld geführt. Dies« Hinweise sind richtig aber— unvollständig und daher ungeeignet, den Zweck ihrer Erwähnung zu erfüllen. Ich befand mich und befind« mich noch heule in ooller Uebereinstimmung mit dem Ministerium über den Grundgedanken der Reform und einer räumlichen Zu. sammenlegung der-beiden Kunstlehranstalten, nicht aber bezüglich der vollständigen Verschmelzung beider. Ich habe mit Bestimmtheit au». gesprochen, daß ich absolut dagegen bin daß bei einer Zusammen- teguna beider Änstacten die Hochschule für die bildenden Künste von der Kunftgewerbeschiise verschlungen wird. Ich habe auch niemals das Ministerium darüber im Zweifel gelassen, daß di« äußere Form der neuen Doppclanstalt, ihr Reglement nichts, dagegen dessen Aus- sührung durch eine geeignete teilend« Persönlichkeit alles ist und daß ich den Absichten der Kunstverwaltung bezüglich der dieser geeignet ersckteinenden Persönlichkeit auf das Entschiedenst« entgegenzutreten gezwungen bin.— Die diesen Gegensatz verschweigende amtliche Au». lassung ist daher irreleitend." Veltsbübv«. In ble dritte Konzertabteilung können noch Mitglieder Aufnahme finden. Die erste Belanstaltung dieser Abteilung— Tanzmatinee Ar et Palucca— finde! am Sonntag, den 2. November, vormittags II1/, Mr. im T b e a t« r am Bülow-PIatz statt. Die Abonnenten der'3. Abteilung haben ferner Anlvruch oui dos Konzert am 23. November, bei dem das Hnvemann-Cluarteli unter Mitwirkung von Maria von BasilideS von der Budapester Over.Die junge Magd' von Hindemilb und Tchönberg.VerklSrtc Nacht' zur NukMhrung bringen wird. Am 11. Januar ist-in Konzert der Kovelle der Staatgoper unter Leitung von Aenerolmustkdirektor Erich Kleiber, jerner ist eine Solistenmalinee»nd ein Chorkonzert vorgesehen. Abonnements, die zum Besuche aller slius Konzert« berechtigen,(lud zum Preise von 5 M. in der fflelchä'teitelle der BoIk«bühne. in den Warenhäusern von Hermann Ties, Volkebühnenbuchhandlung Köpenicker Strafte 68, und itt den Zahlstellen zu haben. | jetzt den dritten Barteimechsel vollzogen. Was von Böhme zu halten sei, fönne man am besten daraus beurteilen, daß er der Partei für die Maimahlen das Material gegen feine jezige Bartei geliefert habe.| Die Stellreg der Demokratischen Partei zum Bauernbund sei unperändert." * Þ In der Schlußversammlung der Reichsjugendtagung der Deutschen Boltspartei in torta hielt Reichstagsabgeord. neter Dr. Hugo eine Ansprache, in der er u. a. sagte:„ Das deutsche Bolt dürfe nicht in eine internationale Bindung über den Achtstunbentag eintreten mit dem Schiedsgericht des Bölkerbundes. Es merde bald eine reinliche Scheidung der Geister tommen; entweder handle es sich um eine nationale oder um eine fazialistische Regierung. Es gelte, alle nationa! gesinnten Kreise zu einem gewaltigen Heerbann zu sammeln gegen die Demokratie und ben Sozialismus. Die Deutsche Boltspartei tämpft in der Wahlbewegung für den Bürgerblod mit der deutschnationalen Partei der Berlogenheit. " Wie die München- Augsburger Abendzeitung" hört, hat sich Ab. geordneter Pöhner von jeder Betätigung im völkischen Blod zurückgezogen, und zwar nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Die Bölfischen mögen untereinander streiten, fic zählen politisch bei dieser Wahl nicht mit, ihre Zeit ist vorbei. Deutsch nationale Terroristen. Gesellschaftliche Feme. Die Rönigsberger Boltszeitung" ist in der Lage, einen Boykottbeschluß der oftpreußischen Ehrengerichtsstelle abzubruden, über deren Gründung mir vor längerer Zeit bereits berichtet haben. An der Spize dieser Provinzial- Ehrengerichtsstelle steht der Landeshauptmann v. Brünned. Er ist selbstverständlich ein strammer Deutschnetionaler, sein Name ist ja durch die Untersuchungen über die Berfehlungen bei der Ostpreußischen Landesbant bekanntgeworden. Der Femeerlaß lautet: „ Der Ehrenrat des Kreises Gerdauen, vertreten durch die Herren v. Blaten( Kazborn), Bantvorsteher Müßer( Gerdauen), Ebler v. Graeve( Rurkenfeld), Bundt( Neuhof- Momehnen) und Karl Scheffler( Wesselowen) hat gegen den Rittergutsbesiger Karol Gutzeit( R- Gnie) auf Ausschluß aus der Gemeinfchaft vaterländisch gesinnfer Männer erfannt. Diefer Spruch des Kreisehrenrates ist durch die Bestätigung bes Broving alehrenrates, vertreten durch die Herren Bandes hauptmann v. Brünned, Exzellenz v. Berg( Martienen), p. Ber bandt( Langendorf), Strüpy( Borlaf), Graf zu Cufenburg( Gallin. gen) und Major a. D. Fletcher rechtsfräftig geworden. Für die Provinzialehrengerichtsstelle: mann Der Landeshauptmann. gez. v. Brünned." Der preußische Minister des Innern hat die sofortige Einleitung einer Untersuchung veranlaßt, um festzustellen, ob der Landeshaupt Brünned tatsächlich in seiner amtlichen Eigenschaft diesen Schritt unterzeichnet hat. Gegen den Terror der Deutschnationalen in Ostpreußen wird hoffent lich mit aller Energie eingeschritten werden. Gigung des Landesgesundheitsrats. Am 27. Oftober tagte im Ministerium für Boltswohlfahrt der Ausschuß A des Landesgesundheitsrates. Gegenstand der Ver handlungen waren die vom Hauptausschuß des preußischen Landtages von allen Parteien angenommenen fozialdemokratischen Anträge, die Regierung zu ersuchen, 1. gesetzgeberische Maßnahmen zur Errichtung einer Den tiftentammer in die Wege zu leiten; 2. Die Sulaffung der 3ahntechnifer zur Strantentassen. behandlung gemäß§ 123 RBD. zu vertiefen und die Zulassung selbst von dem Bestehen dieser Brüfung abhängig zu machen. Der Ausschuß ſezte sich zusammen aus vier Regierungsbeamten. elf Bertretern der ärztlichen und zahnärztlichen Hochschulen und Behörden und aus vier anderen Mitgliedern des Landesgesundheits. rates. Es nahmen ferner teil als Sachverständige Bertreter vers fchiedener Reichs- und Staatsbehörden und Mitglieder des Land. Das Hamburger Mädchen. ( Soldatenweise.) In Samburg verloren die Börrischen 66 Bros. ihrer Stimmen vom 4. Mai. Ich will Euch mein Schicksal erzählen, Bie traurig es geht auf der Welt: Meinen Namen, den darf ich nicht nennen, Denn ich bin ja eier völkischer Held. In Hamburg, da bin ich gewesen, Ich saß auf hochtrabendem Gaul. Meine Wähler, die ha'm midy verlassen, Denn ich wirfte allein mit dem Maul. Aus München hot Hitler geschrieben: Bieber Bruder, ach tehre zurüd! Wir figen daheim in der Batsche, Mit Lubendorff ha'm wir fein Glüd." Da hab ich ihm mieber geschrieben: „ Nach München febr' niemals ich heim. Meine Ehr ist in Hamburg geblieben, Mir geht teiner mehr auf den Leim." Begen's Reichsbanner bin ich gezogen, zu fallen in offener Schlacht. Davon spür' ich noch heut' meine Glieder Edywarz- Rot- Gold hat die größere Macht. " Bas nüßt mir in Hamburg das Leben, Benn die völtische Sache zerfällt? Ich werd mich in's Rheinland begeben, Dort sucht Nollet Belden für's Geld! Mich. von Lindenheden. Museumsführungen. Sonntag, ben 2. November, vormittags 10 Uhr, finden wissenschaftliche Führungen im Staifer Friedrich Museum und im Museum Brina Albrecht ( Borderafien) Dr. Chelolf Prof. Göze statt. Straße 7( Vor- und frübgeschichtliche Kunst) Rulagfarten zu je 1 M. sind vor Beginn am Eingang der genannten Museen in beschränkter Anzahl erhältlich. Der Verein Berliner Künstler veranstaltet vom 2. November bis zum 3. Dezember eine Herbst ausstellung, in der Werte von Bereins. mitgliedern sowie von geladenen Gästen gezeigt werden. Die Ausstellung wird am Sonntag, den 2. November, mittags 12 Ubr, eröffnet, Die Gemäldegalerie Carl Nicolai, Bittoriaftr. 26a, eröffnet am 1. Nov. eine umfangreiche Kollektivausstellung von Werten des Malers elmut Barnah, eines Enfels des bekannten verstorbenen Schauspielers Qudwig Barnay, welche außer figürlichen Kompofitionen auch Tierſtüde, in monu mentaler Auffassung nach der Natur gemalt, zeigen wird. Das Deutsche Archäologische Inffilut in Rom, das durch den Krieg fein altes Heim auf dem Kapitol berloren hatte, hat nun im Evangelifden Gemeindehause ein Unterfommen gefunden. Bom 8. November ab wirb die berühmte Bibliothef den Studierenden wieder zugänglich sein, und ant 9. Dezember, dem Geburtstage Windelmanns, wird die erste feierliche Sigung mit internationalem Charakter stattfinden. tages, darunter die Genossen Dr. Beyl, Dr. Freund, Dr. Drucker| und Frau Destreicher. Es wurde zunächst über den Antrag zu 1 verhandelt. Den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion vertrat u. a. Genosse Dr. Went in ausführlichen Darlegungen. Er bat, im Interesse der Boltsgesundheit und im Einverständnis mit den Trägern der Sozialversicherung dem einmütigen Beschlusse des Hautausschusses auch in diesem Kreise Rechnung zu tragen. Die Abstimmung ergab schließlich eine ablehnende Haltung des Landesgesundheitsrates mit 11 Stimmen der Beamten und ärzt lichen Hochschullehrer gegen 4 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Es muß hervorgehoben werden, daß die anwesenden Vertreter öffentlicher Interessen und der Vertreter des Landeskrankenkassenverbandes, darunter aud) der Abgeordnete Streiter( DVP.), hinter denen doch Hunderttausende von Mitgliedern und Verficherten stehen, sich einmütig für den Antrag des Hauptausschusses erklärten. Die Beratung des zweiten Antrages wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen zunächst vertagt. Der am 7. Dezember neu zu wählende Landtag wird sich voraussichtlich erneut mit dieser gesamten Materie zu befallen haben, die wegen der vorzeitigen Auflösung im alten Landtage nicht mehr zur Erledigung gekommen ist. Wahlfreiheit im besetzten Gebiet. Sozialdemokratische Forderungen. Bochum, 28. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Nach einer Mitteilung der Besatzungsbehörden dürfte in den nächsten Tagen mit der Aufhebung des Belagerungszustandes im neu besetzten Gebiet zu rechnen sein. Noch ehe diese Meldung befannt gegeben wurde, hatte die westfälische Parteileitung der Sozialdemofratie ebenfalls zu der Angelegenheit Stellung genommen und eine Entschließung der Deffentlichkeit bekanntgegeben, in der es heißt: Troß der Annahme der Dawes- Gesetze im Reichstag und dem Beginn ihrer Durchführung ist die politische Freiheit dem besetzten Gebiet noch immer nicht zurückgegeben. Noch immer bestehen jene Berordnungen der Besagungsbehörden, die die Freiheit der Bresse und der Parteien erheblich einschränken. Insbe fondere macht der Zwang zur Anmeldung und Einholung von Genehmigungen aller Bersammlungen ein wirkliches politisches Leben unmöglich. Ist diese Beschränkung der politischen Freiheit in ruhigen Zeiten eine schwere Belastung, so ist sie unerträglich in Zeiten eines Wahlkampfes. Von ihr am meisten betroffen werden naturgemäß jene Parteien, die nur in Versammlungen an die breite Masse der Wählerschaft herankommen können. Das sind aber in der Hauptsache die Parteien der Arbeiter. Die Sozialdemokratie als die erste Vertreterin der Arbeiterinteressen hat deshalb auch am ersten Veranlassung, die Zurücknahme der bestehenden Verordnungen zu verlangen. Sie erwartet daher bestimmt, daß die Reichs= regierung bzw. deren Unterhändler versuchen, die notwendigen Erleichterungen bei den Besagungsmächten einzuholen und erwartet von den Besatzungsmächten, daß diese der Wähler. schaft in den besetzten Gebieten die notwendigen politischen Freiheiten zurückgeben. 3m Wilnagebiet werden an Polen freiwillig feine Steuern mehr gezahlt. Einem Dorf wurden deshalb 150 Hoth Geldstrafe auferlegt. Denjenigen, die nicht bezahlen fonnten, wurden das Bieg und die Kleider fortgenommen. Es entstand ein großer Auf ruhr, da sich verschiedene der Aermsten nicht von ihrer letzten Kuh trennen wollten. Sie wurden zu Boden geworfen und schwer mißhandelt. ein Bruder des rumänischen Verkehrsministers, ist als Mitschuldiger Baßfälschungen in Rumänien. General Alexander Boitoianu, in der Korruptionsaffäre der Auswanderungspässe verhaftet worden, ebenso der Sekretär des Innenministers. Franasovici, und mehrere Abgeordnete, die Verhaftung des Innenministers Voitoiano soll bevorstehen. Wirth auf dem Zentrumsparteitag. Brauns warnt vor sozialdemokratischer Entwicklung. In der Debatte des Zentrumsparteitags wandte sich Reichs. arbelisminister Dr. Brauns gegen Darstellungen, wie sie in der Breffe,& B. in der Berliner Börsen- Zeitung, erschienen sind, in denen dem Reichsarbeitsministerium eine einseitige, parteidottrinäre unb wirtschaftsfeindliche Einstellung vorgeworfen wird. Bei der im Reichsarbeitsministerium ergangenen Maßnahme handelt es sich nur um eine Revision der Rotgesege, die Ende 1923 angesichts des Bankrotts der Wirtschaft notgedrungen erlassen worden waren. Es handelt sich nicht um eine Rückkehr zum schematischen 2chtstundentag. Bezüglich der Lohnfrage erflärte Dr. Brauns, die Löhne hätten zwar die Nominalhöhe der Borkriegszeit erreicht, davon aber, daß die Realhöhe der Friedenslöhne erreicht worden jei, lönne abfolut teine Rede sein. Gine besondere Gefahr liege in der jezigen Preis politit. So lange eine Preispolitif, wie sie in den letzten Wochen und Monaten zum Ausdrut tommt, bestehen bleibt, solange eine Kartellpolifit fich geltend macht, bie noch jest 30 Broz. im Großhandel der Minister führte als Beispiel das Hutgewerbe an Aufschlag verlangt, folange tönnten die Arbeiter unmöglich mit ihren jebigen Löhnen austommen. Von dem Gedanken der Arbeitslosenversiche rung dürfe nicht abgelassen werden. Der Minister berührbe auch die Frage der Arbeitsgemeinschaft zwischen Wertsbefizer und Arbeit nehmer und betonte die Gefahr, daß die von gewisser Seite propagierte erfsgemeinschaft uns in die Zeiten der gelben Organisationen" zurüdführen tönne. Nach ihm sprach 2bg. non Guerard, der noch einmal die Geschehnisse im Berlaufe der Regierungsfrise beleuchtete. Zur Frage Rechts oder fints" erklärte er, baß das Zentrum den alten Weg gehen und Anlehnung dort suchen müsse, wo sie aus der Not geboren sei. Die kommenden Reichstagswahlen dürften nur einen Stanzler möglich machen, und das sei der Zentrumstanzler Mart. Unter äußerster Spannung der Versammlung ging dann Dr. Wirth des Näheren auf das Problem des Verhältnisses der Wirtschaft zur Politik ein. Er führte u. a. aus: Im Laufe der Jahre habe ich, wie auch andere Reichstanzler, häufig Gelegenheit gehabt, Führer der Wirtschaft als poli. tische Berater neben mir zu haben. Ich habe wenige Männer der Wirtschaft tennen gelernt, die ihre Stellung aufgaben, um Aemter im Reiche zu übernehmen, oder die in ihrer Stellung so unabhängig waren, daß sie sich nicht als Interessenvertreter gefühlt hätten, die von Methoden und Grundfäßen ausgingen, die eine Sabotage ber deutschen Außenpolitit bedeuteten. Zur Rede des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns betonte Dr. Wirth, daß sie der Ausdruck der Sorge um eine fojialreaffionäre Entwicklung in der Zukunft gewesen sei. Er bedauerte, daß Dr. Brauns nicht schon früher feine warnende Stimme erhoben habe. Dr. Wirth fuhr dann fort: Die sozialethifche Reinigung tut in unserem Reiche not. Wir haben eine sosiale Reattion mit einem liberalen Gin. schlag. Darum fommen wir nicht voran. Die Frage der sozial politischen Orientierung ist unser Lebenselement. Mahnende Worte richte ich an die Krise, die jede freiheitliche Regung schmerzlich empfinden, wer der fatholischen Arbeiterschaft den Glauben an die fozialethische Einstellung des Zentrums nimmt, liefert sie nicht nur dem Meffer, sondern dem Lager der Kommunisten aus. Der ehemalige Reichskanzler wandte sich alsdann nachdrücklich gegen das Nachöffen von Angriffen der Deutschnationalen gegen führende Zentrumspolitiker im Zentrumslager selbst. Er bestritt ins besondere den Sag, der ihm, losgelöst von seiner organischen Ver. bindung mit den vorausgegangenen Darlegungen, zugeschrieben worden ist: Der Feind steht rechts!" Dr. Wirth wies ausdrürt lich darauf hin, daß er nach der Ermordung Rathenaus im Reichs. tage die Mordatmosphäre gegeißelt und unter Würbis gung dieser Atmosphäre im Hinblick auf die politische Lage betont habe: Dieser Feind steht rechts!" Weiter wandte er sich zu dem Gaz, daß er behauptet habe, im entscheidenden Kampfe der Revolution zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stehe er auf Seite des Proletariats. Er betonte aus drücklich, daß er diesen Ausspruch im Berlaufe einer Kommissionsfitung im Reichstage abgegeben habe. Wenn man eine Nation derart spalten will, daß man einen Grundsah aufstellt, der feinen Sinn hat, wie den Sah: Hie Besis, hie Proletariat", bann stehe er mit ganzem Herzen für diejenigen ein, die ihr Leben bzw. ihren Lebensunterhalt zu erfämpfen haben, und das sei das werttätige Bolt. Diefe Grundfäße feien felbstverständlich; es haben nur wenige den Mut gehabt, fie auszusprechen. Dr. Wirth schloß seine Ausführungen: gehabt, ie auszusprechen. Dr. Wirth schloß feine Ausführungen: unser Glaube ist Dienst an der Allgemeinheit. Mögen in schwierigen Augenblicken einige Tausend, die sich von der Erinnerung an die Bergangenheit nicht zu praftischer Arbeit aufraffen fönnen, ausschalten. Wir müssen diesen Dienst aufrechterhalten, weil er der Gotteszwed der Zeit ist. Darüber hinaus muß er erweitert werden zum Arbeitsdienst an der Berständigung der einzelnen Nationen untereinander. Den Ausführungen des ehemaligen Ranglers folgte fehr starter Beifall, der mehrere Minuten andauerte. Dann bestieg Abg. Joos die Rednertribüne, um die Ausführun gen Dr. Wirths nach verschiedenen Richtungen zu ergänzen. Industrielle und Arbeiter. Am Nachmittag fam ein Bertreter der Wirtschaft zu Wort, und zwar der Reichstagsabgeordnete Lammers. Als Begleiter des 2bgeordneten von Guérard auf seinem ersten Berhandlungsgang auf Einladung der Deutschnationalen geht er turz auf die Vorgänge ein und schildert vor allem seine Bemühungen durch seine Beziehungen zur Wirtschaft auf die wirtschaftlichen Streife in der Deutschnationalen Volkspartei cinzuwirken, damit die Annahme des Londoner Abkommens nicht an dem Mein dieser Partei scheitere. Mit den Ausführungen Dr. Wirths bezüglich der Berantwortung des christlichen Unternehmers erflärt sich Lammers durchaus einverstanden und möchte auch nicht über den Vorrang der Politik über die Wirtschaft diskutieren, da dies für jeden Staatsbürger eine Selbstverständlichkeit sei. Aber der Politiker, der es verhältnis. mäßig leicht habe, durch gefühlsmäßige Appelle sein Publikum zu begeistern, tönne des nüchtern wirtschaftlich dentenden Mitarbeiters nicht entbehren. Wenn er auf feinen Rat nicht hört, so tommt er leicht in die Bersuchung, dem Bolte in seiner jetzigen Not Dinge zu versprechen, bie bei ber Lage Deutschlands für die nächsten Jahrzehnte einfach nicht zu vermittlichen gehen. Neben dem heißen Drängen des Polititers müsse daher der nüchtern faltulierende Geist ber Männer stehen, die in der wirtschaft mitten drin steden und ihre Möglich. feiten und Grenzen tennen. Das Mißtrauen gegen bie Wirtschaft müffe verschwinden, denn schließlich arbeitet der Wirtschaftler in seinem Bereiche auch im Dienste des Ganzen. Gerade bei der praktischen Ausführung des Bonboner Abkommens, bas schließlich in den Köpfen uns staatlich mindestens nicht freundlich gesinnten Wirtschaftlern entstanden ist, wird deutschen Wirtschaftlern die Arbeit zufallen, für uns ungünstige Auslegungen des Abkommens in der Praxis zu verhindern. In der weiteren Diskussion nahm ein Vertreter der christlichen Arbeiterschaft, Drösser Düsseldorf, das Wort und bezeichnete das Bild, das Lammers von den Industriellen gezeichnet habe, als Wenn das Bild eines Industriellen, wie er fein jollie, aber nicht al das Bild derjenigen Industriellen mit denen die Arbeiterschaj im Kampf um die Sozialrechte steht. Sonst hätte auch der Reichsarbeitsminister Brauns nicht von der Gefahr einer Sozialreaftion sprechen können. Industrielle, wie Herr Lammers sie schildert, für das Wohl der Gesamtheit arbeiten, dann entstehe tein Widerspruch zwischen ber Ansicht Wirths und der Ansicht Bammers. Gerade die Zentrums. arbeiterschaft wird jedem in der Fraktion restlos Bertrauen entgegenbringen, der auf dieser Basis arbeitet, Wir von der chriftlichen Arbeiterschaft ergreifen jede Hand gern, die sich im Sinne der Gemeinschaftsarbeit uns entgegenstreckt.( Stürmischer Beifall.) Der Wahlaufruf des Zentrums. Der Parteitag nahm schließlich einstimmig einen vom Reichs fangler Marg als Borsigenden und dem gesamten Borstand unter zeichneten Bahlaufruf an, in dem es u. a. heißt: Aus unflaren Stimmungen hervorgegangen, hat sich der letzte Reichstag unfähig gezeigt zu meltschauender nationaler Gemeinschaftsarbeit. In unfruchtbaren Auseinandersegungen zwischen den extremen Parteien verzettelte das Parlament Zeit und Kraft. Die Reichsregierung, das Kabinett Marr, erwirkte in ausdauernder Arbeit im Londoner Abkommen eine Entspannung der außenpolitischen Lage und neuen Grundlagen zu innerer Feftigung... Als Partei der Mitte, stehend auf dem festen Grund echten Christentums und lebendigen Boltstums, waren wir jederzeit bereit, mit allen denen zusammenzuwirken, die gleich uns den wieder. aufbau von Staat und Wold auf dem Boden der Geund stehenden verfassungsmäßigen Ordnung frieblicher Entwicklung wollen, mögen sie von links ober von rechts tommen. So fegen wir bewußt beiseite alles, was unser ohnehin zerrissenes Bolt noch mehr zerflüften tönnte. Wir tennen nicht Klaffenvorurteil und Klassen haß. nicht den Standes. oder Rassenradikalismus. An diesem um fassenden, ausgleichenden und einigenden Charakter wird die Deutsche Zentrumspartet underribar festhalten. Darum weg Der neue Reichstag muß Best and haben, wenn er den vordie Auswüchse des Parteiwesens verschwinden. gezeichneten Aufgaben gerecht werden will. Er fann es nur, wenn mit dem Radikalismus! Weg mit der politischen Zersplitterung! Nicht auseinander, sondern zueinander müssen wir! Stärket die Mitte! Stärkt vor allem ben Kern jeder gefunden Mitte, die Deutsche Sentrumspartei! Die Wahlparole der Zentrumspartei ist far: Für eine Politit, die an Deutschlands Zukunft glaubt! Für Fortsetzung der bisherigen nationalen Rettungsarbeit und für die Befreiung von Ruhr und Rhein! Für den Schuß der Weimarer Verfassung und für eine befestigte Staatsautorität! Für wirtschaftlichen und sozialen Ausgleich und gerechte Lastenverteilung! Für christliche Erziehung und Durchdringung des öffentlichen Lebens in Wirtschaft, Staat und Politik mit den sittlichen Grundfäßen des Christentums! Darum geschlossen zur erfolgreichen Fahne des Zentrums! Für Wahrheit, Recht und Freiheit!" Bewerkschaftsbewegung 3 Schwerindustrielle Regierungspolitik. chrieben: Es besteht im allgemeinen sehr häufig die Auffassung und wird Don den an den Tarifverträgen beteiligten Organisationen Es besteht im allgemeien sehr häufig die Auffassung und wird such bei Lohnverhandlungen auf Arbeitgeberseite zitiert, daß durch Erhöhung der Löhne Preissteigerungen hervorgerufen werden. Daß diese Legendenbildung nunmehr endgültig zerstört ist, beweist die Tatsache, daß seit dem 1. Juni für die gesamten Arbeiter, Angestellien und Beamten des Reichs teine Aenderung in ihren Bezügen eingetreten ist Auch in der gesamten Privatindustrie sind die Löhne seit diesem Zeitpunkt stabil geblieben oder nur geringfügig erhöht worden. Trotzdem haben wir ein dauerndes er= hebliches Anziehen der Preise für alle Lebensmittel und Bedarfsartikel. Geradezu Empörung muß die Einstellung der Reichsregierung unter den Reichs- und Staatsarbeitern auslösen. Es wird erklärt, daß durch eine Erhöhung der Löhne den Inflationstreibern Borschub geleistet wird. Fest steht, daß die von der Regierung ftets mit großem Tamtam angekündigten Preisabbaumaß nchmen ein Schlag ins Wasser gewesen sind. Es sei ohne weiteres zugegeben, daß sich die Teuerung für die Beamtengruppen 12 und 13 nicht so fühlbar machen dürfte wie insbesondere in Den Gruppen der Unterbeamten. Aber nun erst die Arbeiter! Während in den letzten Jahren noch eine Anlehnung Der Arbeiterlöhne an die unteren Gruppen der Beamtengehälter er folg.e, sehen hier die Verhältnisse jetzt geradezu troft los aus. Durch die letzte Besoldungsaktion ergeben sich bei einer Gegen überstellung des Arbeiters geçenüber den gleichartigen Unterbeamten Differenzen von 20 bis zu 100 Bro3. So beträgt 3. B. in Berlin der Durchschnittsstundenlohn eines Ungelernten, der verheiratet ist und ein Kind hat, sofern er Arbeiter ist, 50 Pf., wenn er Beamter ist 70 Pf., der des Gelernten 67 bzw. 87 Pf. Wenn nun schon zugstanden werden muß. daß die Bezüge insbesondere der Unterbeamten erhöht werden müssen, dann wird man aber auch anerkennen müssen, daß die Reichs- und Staatsarbeiter geradezu Hungerlöhne beziehen. Geradezu grotesk wirkt es, wenn die Bertreter der Reichsregierung ftets eine Gegenüberstellung mit den Löhnen der Metallindustrie herbeiführen. Bloß in einem Bunfte irrt man sich auch hier, indem man als echte Bureaufraten sich nur mit Zahlenmaterial beschäftigt, aber nicht mit der nackten Wirtlichkeit. Während in der Metallindustrie 80 Proz. der Beschäftigten im Afford arbeiten oder sonst noch Buschläge oder Leistungszuschläge erheiten, die auf dem Papier nicht in die Erscheinung treten, hat der Reichsarbeiter nichts weiter als den nackten Lohn, wie er auf Dem Papier steht. Hoffentlich ziehen nunmehr auch die Reichs- und Staatsarbeiter die Nuzanwendung aus diefer Tatsache und geben am 7. Dezember den Vertretern der großkopitalistischen Schwerindustrie, die heute regieren und diese Lohnpolitik betreiben, die gebührende Antwort. Die Regierung aber sei gewarnt, den Bogen nicht zu überspannen. Auch die Reichs- und Staatsarbeiter wissen, daß sie bei derartigen Hungerlöhnen nichts zu verlieren haben. Sie werden im letzten Augenblick doch lieber vorziehen, einen entscheidenden Entschluß zu faffen, als vollständig mit ihrer Familie zu verelenden. Die Lohnpolitik der Reichsbahngesellschaft. Der Aufsichtsrat der Reichsbahngesellschaft hat das Gehalt des Generaldirektors, feither Reichsverkehrsminister, auf 100 000 m., das der Direktoren in der Hauptverwaltung auf 60 000 und das der Verwaltungsratsmitglieder auf 24 000 m. jährlich festgesetzt. Anders ausgedrückt bedeutet die Umwandlung der Reichsbahn zur Abgeltung Reparationslaſten für glanzendes Geschäfte er das leitende personal ein fretern der Eisenbahner, daß die Reparationslasten eine Erhöhung der Löhne, die mindestens so hoch, wenn nicht höher als die Löhne in der Privatindustrie seien, nicht zuließen. Ein Bahnunterhaltungsarbeiter, der Stammarbeiter ist, bei Wind und Wetter draußen steht und täglich sein Leben riskiert, erhält in Berlin, wenn er über 24 Jahre alt und verheiratet ist, einen Stundenlohn von 52 Pfennig. Bei neun Arbeitsstunden und 26 Arbeitstagen macht das monatlich 101,68 mt. In der Ortsklasse E beträgt das Monatseinkommen eines Bahnunterhaltungsarbeiters 93,60 mt., vorausgesetzt, daß er über 24 Jahre alt und verheiratet ist. Davon gehen aber noch die verschie denen Abzüge für Steuern, Kranken-, Invalidenversicherung usw. ab. Ein Reichsbahnarbeiter der Lohngruppe 4 mit Frau und zwei Kindern betom: nt in Berlin einen Stundenlohn von 58 Pig., pro Tag 5,22 Mt., pro Woche 31,32 Mt. und monatlich 135,72 Mr. Davon gehen an Abzügen noch ab 23,70 17 Proz. Mit den verbleibenden 112 Mt. soll dieser Reichsbahnarbeiter in Berlin sich selbst und seine Familie ernähren. Es ist uns einfach unverständlich, wie die Direktion der Reichsbahngesellschaft, die den leitenden Beamten eine ganz außerordent liche Gehaltserhöhung zugebilligt hat, gleichzeitig den ausgehunger ten Eisenbahnern erklärt, daß sie nicht in der Lage ist, höhere Löhne zu zahlen. Aus den vorstehenden Zahlen ergibt sich aber auch, daß die Behauptung, in der Privatindustrie würden feine höheren oder noch niedrigere Löhne gezahlt als bei der Reichsbahngesellschaft, durchaus falsch ist. Die Direktion der Reichsbahngesellschaft verweist mit ihrer Lohnpolitik die Eisenbahner auf den einzig möglichen Weg, sich mit dem Achtstundentag auch Löhne zu erkämpfen, die ihnen und ihren Familien eine ausfömmliche Eristenz sicherstellen. Dieser einzig mögliche Weg ist der des einheitlichen festen 3u sammenschlusses in der Gewerkschaft. Nur wenn die Direktion der Reichsbahngesellschaft wissen wird, daß die Eisenbahner restlos in ihrer Gewerkschaft zusammengeschlossen und entschlossen sind, sich eine menschenwürdige Eristenz zu erkämpfen, dann wird sie auch die Möglichkeit finden, den Eisenbahnern Lohn- und Arbeitsbedingungen zu sichern, die erträglich sind. Tarifabschluß der Buchbinder. Der Achtstundentag gesichert. Für die Buchbindereien des Arbeitgeberverbandes der papier verarbeitenden Industrie( API) ist es zum Abschluß eines neuen Manteltarifs gelommen. In tha wird die 48- Stunden. Woche wieder festgelegt. Jeder Ueberstunde muß mit 12% Proz. Aufschlag bezahlt werden. Die Ablaufzeit ist auf den 30. September 1925 festgesezt worden. Die Festsetzung dieses Termins ist den Unternehmern unangenehm gewesen, da der bise herige Kündigungstermin am 30. Juni wegen der um diese Jahreszeit stets einsetzenden schlechten Koni aftur ihnen beffer paßte. Der bisherige Lohn von 62 Pf. in der Spize wurde bis zum 5. November d. I. verlängert. WHW EB Erziehung einsehen, sich jedenfalls verbitten, daß eine derartige Ausbildung" verquickt wird mit der fachlichen Ausbildung. Die Lohnverhandlungen in den Betrieben des Berbandes deut.| Kriegervereinsgeift. Hier sollten die Eltern der Lehrlinge mit der fcher Buchbindereien( BDB.) gestalteten sich weitous schwieri ger, da die Arbeitgeber einen Abbau der Löhne verlangten. Ein Spruch des Reichsarbeitsministeriums verlängerte die Geltung der bisherigen Stundenlöhne ebenfalls bis zum 5. November. Unter dem Druck der Stuttgarter und Leipziger Buchbinder, die in den Streit getreten waren, gelang es schließlich, zwar nicht die verlangte Erhöhung von 25 Proz durchzudrücken, aber doch den bis herigen Lohn von 61 auf 68 Pf. zu erhöhen. Die Vereinbarung läuft bis zum 19. November. Die Annahme des Abkombandes. mens erfolgte bereits durch die Funktionäre des BuchbinderverEine moderne Lehrlingswerkstätte. " Den wachsenden Ansprüchen der Industrie an die Qualität der Facharbeiter versuchen eine Anzahl großer Industrieunternehmungen der Metallindustrie durch Errichtung besonderer Lehrwertstätten gerecht zu werden. Die jungen Leute sollen durch die Art der Auswahl und der Lehrtätigkeit in besserer Weise ausgebildet werden, als dies bisher bei den fleinen Meistern" geschah und leider noch geschieht. Die Deutschen Werte A.-G.", die bekanntlich als Reichsunternehmen aus den früheren Staatswerkstätten hervorgegangen sind, haben in den Werfen Spandau und Haselhorst in neuester Zeit Lehrlingsabteilungen eingerichtet, die mit den modernsten Maschinen ausgerüstet sind und auch durch eingehende theoretische Schulung die angehenden Metallarbeiter für ihren Beruf vorbereiten. Nach der Umstellung der Werke auf Friedenswirtschaft waren die vorhandenen Lehrlinge in den einzelnen Fabrikationsabteilungen untergebracht, wo der Erfolg ihrer Ausbildung von der persönlichen Eignung und dem Verständnis abhing, das die Ausbildenden den Lehrlingen entgegenbroditen. Die im Jahre 1920 auf dem Eis= merder errichtete Lehrlingsabteilung genügte bald nicht mehr. Ihr Neuaufbau wurde auch deshalb notwendig, weil die Werkstätten vom Eiswerder nach Haselhorst verlegt wurden. denn hier So entstand eine neue Lehrwerkstätte. In einem zweistödigen Gebäude find 230 Arbeitspläge für Maschinenbau-, Werkzeugmacher- und Dreherlehrlinge vorhanden. Die Anfängerlehrgänge sind im oberen Stofwert unterg: bracht, wo ihnen von dazu ganz besonders geeigneten Meistern und Lehrgesellen die Elementarkenntnisse der Metallbearbeitung beigebracht werden. Schon vom dritten Lehrhalbjahr av kommen die Lehrlinge in den Parterreraum zu den Fortgeschritteneren. Die Arbeitsie stungen der„ Einjährigen" gehen ichon weit über das hinaus, was ven den jungen Menschen in den üblen Lehrlingszüchtereien sonst geleistet wird. Bom vierten bis zum fiebenten Lehrhaibjahr muß dann in den zuständigen Fabrikationsabteilungen praftish gearbeitet werden. Zur Anfertigung des Gesellen stüdes gehts im letzten Halbjahr in die Lehrlingsabteilung zurück. Die von den Jungen argefertigten Prüfungsarbeiten, die bei der Besichtigung gezeigt wurden, vertrugen durchaus eine fachmännische Prüfung. Sie waren unter Zuhilfenahme der modernsten Werkzeugmaschinen die die Lehrwerkstätte in allen gebräuchlichen Arten enthält, hergestellt und was besonders wichtig ist, in einer Arbeitszeit, die bei Sungausgelernten angemessen erschien. Bei den Meßwerfzeugen ist sogar die Teilung von den Prüflingen auf den vorhandenen Teilmaschinen gemacht worden. Die Auswahl der Lehrlinge bei ihrer Einstellung erfolgt durch eine pinchotechnische Eignungsprüfung, bei der die Sinnestüchtigkeit im allgemeinen, die intellektuellen und festgestellt werden. Das Gesamtergebnis wird statistisch festgelegt. die technisch- lonstruktiven Fähigkeiten der Bewerber im besonderen Bei den Ausgelernten zeigte sich eine gute lebereinstimmung zwischen dem Aufnahmeprüfungsergebnis, den regelmäßig vorgenom Die Lehrlinge haben also das erfüllt, was die pinchotechniſche menen Werkstattleistungskontrollen und der Güte des Gesellenstückes. Prüfung versprach. Bereits nach 6 bis 7 Monaten werden die Lehrlinge mit produktiven Arbeiten beschäftigt, wobei aber feineswegs etwa eine Profitabsicht der Wertieitung vorliegt. Obwohl befinden, erfordert die Lehrlingsausbildung doch einen beträchtlichen fich ständig 40 bis 50 Proz. der Lehrlinge in der Werksabteilungen 3uschuß. Einige Zahlen veranschaulichen das am besten. Im Laufe des letzten Jahres wurden folgende Arbeitsstunden geleistet: 11 Broz. waren Schulstunden, 58 Broz. unproduktive Arbeitsstunden und nur 31 Prez. der in der Lehrwerkstätte geleisteten Stunden maren produktive. Unter Einschluß der in den Fabritations= abteilungen arbeitenden Lehrlinge erhöht sich die letzte Zahi auf 57 Broz. Neben der praktischen läuft eine theoretische Ausbildung. der städtischen Berufsschule bilden die Lehrlinge der deutschen Werke gefchloffene Klasseneinheiten. Der Werfschulingenieur ist gleichzeitg au Fachschullehrer. Dadurch ist ein gutes Handinhandarbeiten der theoretischen und der praktischen Ausbildung gewährleistet. Sie Lehrlinge müssen vom ersten Tage an ein Werkstattsfiszenbuch führen, das vom Werkstattingenieur dauernd fontrolliert und zensiert wird. Für die der Berufsschule Entwachsenen wird der Unterricht in der Werksschule fortgescht, er= gänzt und erweitert, wozu dann bei den Gefellenprüflingen allgemeine Maschinenbautunde, Normungsfunde und die Kenntnis des Grenzlehrensystems tommt. Wenn bei den jungen Leuten einigermaßen die Borbedingungen vorhanden sind, fann durch dieses interrichtssystem eine theoretische Ausbildung erreicht werden, die weit über die sonst übliche und erreichbare hin ausgeht. Die Gefellenprüfungen, die durch eine aus beiden erken bestellte Prüfungskommission abgehalten werden, hat die Wirkung einer Handwerkstammerprüfung. Erfreulich ist, daß die neugebadenen Gesellen mindestens 6 Wochen lang im Wert als Facharbeiler weiter beschäftigt werden. In den Lehrlingswerkstätten werden auch Braftifanten für den Ingenieurnachwuchs ausgebildet. Das gesamte Lehrpersonal besteht aus einem Wertstattleiter, einem Wertschulingenieur, Drei Meistern und 14 Lehrgesellen. Im Gebäude befinden sich ferner die Bureaus für die leitenden Personen, ein Unterrichtssaal, eine Lehrmittelsammlung, die Bücherei und ein Wohlfahrtsraum, in dem die Lehrlinge ihre Mahlzeiten einnehmen. Gegenwärtig werden 122 Maschinenschlosserlehrlinge, 37 Dreher und 107 Werkzeugmacherlehrlinge ausgebildet. 3ur fittlichen und förperlichen Ertüchtigung" der Lehrlinge ist eine Lehrlingsvereinigung gegründet worden, die unter Protektorat der Deutschen Werke steht. Der Eintritt ist zwar jedem freigestellt, jedoch hat die Arbeiterichaft im allgemeinen mit solchen„ halbamtlichen" Bereinigungen teine guten Erfahrungen gemacht. Die Bortragsfolge eines ffeinen Konzerts, das die Lehrlingskapelle bei der Besichtigung zu Gehör brachte, atmete mit dem DeutschmeisterRegimentsmarich" und dem Marsch Mein Regiment" einen echten " Der Streit bei Schwarzkopff in Wildau beendet. Am Montag fand eine Vollversammlung der im Streit stehen. den Arbeiter der Schwarzkopffwerke in Wildau statt. Kraag bes richtete über die augenblickliche Streiflage. Es wurde festgestellt, daß die Haltung der Streifenden geradezu mustergültig ist. Die Arbeitswilligen, die in größeren Trupps angekommen waren und versuchten, in den Betrieben der Schwarzkopffwerke Einlaß zu finden, wurden von den Streifpoften aufgeklärt, daß sich die Arbeiterschaft in einer Abwehrbewegung befindet. So ist es gelungen, nennenswerte Zahlen von Arbeitswilligen dem Betrieb fernzuhalten. Die Firma vers fuchte in allen gegnerischen Zeitungen, Arbeiter aus der Provinz den, daß es der Firma nicht gelungen ist, hochqualifizierte eingeund auch von außerhalb heranzuholen. Auch hier muß gesagt wer arbeitete Kräfte für Lokomotiven zu bekommen. Einige von den Arbeitswilligen, die versucht hatten, die Arbeiten auszuführen, haben nicht in der Lage waren, den Anforderungen, die an sie gestellt nach wenigen Stunden die Arbeit wieder niederlegen müssen, da sie waren, zu entsprechen. Nunmehr ging der Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf die Verhandlungen ein, die zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und dem DMV. geführt wurden. Die Verhandlung am Donnerstag hat zu einem Ergebnis nicht geführt. Der Verbandsvertreter wurde beauftragt, noch einmal mit der Direktion der Schwarzkopffwerke zu verhandeln. Die Firma eru rte sich bereit, nach den Vereinbarungen, wie sie zwischen dem VBMI und Metallfartell abgeschlossen wurden, zu zahlen. Bei der Lohnregulierung betr. Affordarbeiter war feine Einigung zu erzielen. Die Direktion erklärte, daß erst die Arbeit aufgenommen werden müßte; wenn das geschehen sei, soll über die Akkordregulierung verhandelt werden. mehr mit dem Ergebnis der Verhandlungen. Es wurde schließlich Die Fortsetzung der Betriebsversammlung beschäftigte sich nun beschlossen, eine ür abstimmung vorzunehmen. Gegen eine starfe Minderheit wurde beschlossen, die Arbeit aufzunehmen. Mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung und das Gelöbnis abgebend, den Verband noch mehr auszubauen, wurde die Versammlung geichlossen. Wenn die Zechenbefizer sparen. Dortmund, 28. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Auf Veranlaffung des Reichsarbeitsministeriums fand im Oberbergamt Dortmurd eine Sigung zur Beft echung bei Arteitsverhältnisse auf den wieder zu übernehmenden Regieze chen statt. In der Bes sprechung wurde mitgeteilt, daß etwa 6700 Arbeiter erwerbslos werden. Die Zechenvertreter erklärten, nicht mehr Arbeiter anlegen zu können als sie beschäftigen könnten. Man werde aber das Aeußerste tun, um möglichst vielen Arbeitern Beschäftigung zu bieten. Auch würden sie Arbeiter über den augenblicklichen Bedarf hinaus einstellen. Für sie lägen andere Verhältnisse vor als bei der Regie. Diese habe ihre volle Förderung abgefeßt. Sie seien aber auf die Beteiligung beim Syndikat angewiesen. Letzteres sege zurzeit nur etwa 50 Proz. der Beteiligung ab. Das Ergebnis der Berhandlungen kann dahin gekennzeichnet werden: Die Arbeiter werden nur zum Teil wieder eingestellt. Mehr als 6000 Arbeiter werden vorerst erwerbslos werden. Die Verwaltungen werden in erster Linie ihre alten Belegschaften einstellen. Nach der Auffassung der Zechenbefizer handelt es sich um eine Neueinstellung; in tariflicher Hinsicht soll dadurch den Arbeitern ein Nachteil nicht erwachsen. Die Betriebsvertretung wird nicht anerkannt und soll auch bei der Einstellung nicht mitwirken.( Das ist die glorreiche Politik der Schwerindustrie, die, sich mit Hilfe des Reichsarbeitsministers im Ruhrgebiet austoben konnte. Verlängerung der Arbeitszeit, Teuerung, Hungerföhne und Entlassungen.) Buchdrucker! Die Wahl von vier Beisikern zum Verbandsvors stand, an der laut Statut nur die Handsezer beteiligt sind, hatte folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden 3910 Stimmzettel, davon waren 3437 gültig und 473 ungültig. Stimmen erhielten die Genossen R. Barth 2801, W. Riese bed 2550, D. Brünner 2509, D. Fiedler 2483, 21. Pezold 1759 und A. Guth 1529. Die vier Erstgenannten sind somit gewählt. Deutscher Eisenbahnerverband. Seute abend 7 Uhr in den Andreas- Festfälen, Andreasstr. 21, allgemeine Mitgliederversammlung. Stellungnahme zur Lohnbewegung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingte Pflicht! Angesezte Rahlstellenversammlungen fallen aus. Die Ortsverwaltung. Rentralverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkmeisterverband. Chemische Industrie: AFAFunktionärversammlung Donnerstag abend 7% Uhr im Verbandsbureau des RDA., Belle- Alliance- Str. 7-10, Tagesordnung: Bericht über die Tarifverhandlungen vor dem Schlichter. Aus der Partei. Partei und Studenten. Freunde der sozialistischen Studentenbewegung wollen zur Einleitung eines gemeinsamen Arbeitens mit den einzelnen Ortsgruppen ihre Anschriften einsenden an das Sekretariat des Vorstandes der sozialistischen Studentenvereinigun ftraße 29. Es ist beabsichtigt, durch einen 3usammenschluß gen Deutschlands und Desterreichs, Leipzig, Quersozialistischer Jung und Altakademiker sowie onderer für die studentische Bewegung interessierter Kreise in den einzelnen Orten Arbeitsgemeinschaften zu schaffen, die zugleich, etwa in Art der Fabiergesellschaft, durch Diskussionsabende ihre sozialistische Weiterbildung in gegenseitigem Gedankenaustausch fördern. Auskunft für Berlin erteilt Dr. Otto Friedlaender, Berlin W. 30, Landshuter Str. 37, Telephon: Lützow 7742( von 6-7 Uhr abends). Verantwortlich für Politik: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich ,, Lebewohl" mit Filzring. Auf vielseitigen Wunsch haben wir uns entschlossen, die beliebte Zigarette, VALUTA" rund und mit GoldmundENVER stück für 2 Pfg.herauszubringen, damit jeder sie haben kann, der für wenig Geld etwas unbedingt Gules rauchen möchte BEY „ Enver Bey" Zigarettenfabrik Nr. 510+ 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Wahlreden im Rathaus. Neuwahlen auch für die Berliner Stadtverordnetenversammlung? Das von Bürgerlichen und Kommunisten wiederholt ge äußerte Verlangen nach Auflösung der Berliner Stadt verordnetenversammlung ist aus Anlaß der bevorstehen den Reichstagswahlen erneuert worden. Diesmal haben neben den Kommunisten auch die Demokraten einen dahingehenden Antrag eingereicht, während bisher gerade die Demokraten sich stets gegen die Auflösung erklärt hatten. Es verstand sich von selber, daß in der gestrigen Stadtverordnetensitzung die Begründung dieser Anträge dazu benutzt wurde, schwungvolle Wahlreden zu halten. Der Kommunist Dörr erzählte von den Wahlerfolgen, die die KPD. sich verspricht. In seiner bekannten Art nahm er den Mund reichlich voll, aber ein Unterton der Besorgnis flang doch durch. Der Deutschnationale Roch wetteiferte mit ihn in demagogischen Tiraden. Beiden antwortete unser Genoffe Rei mann in einer sehr wirksamen. Rede. Mit den Kommunisten rechnete er so ab, wie diese Maulhelden es längst verdient hatten. Er stellte ihnen in Aussicht, daß den Wählern mit aller nur mög. lichen Deutlichkeit gezeigt werden soll, wie die Kommunisten im Berliner Rathaus nicht das geringste von einer positiven Leistung zustande gebracht haben. Zu den„ Erfolgen", deren sie sich„ rühmen" fönnen, gehört die jezige bürgerliche Mehrheit des Magistrats. Ihnen ist vor allem auch zu danken, daß der Bürgermeisterposten jegt mit einem Bürgerlichen besetzt ist. Die Auflösungsanträge der Kommunisten und der Demokraten haben trotz Unterstützung durch die Deutschaationalen feine Aussicht auf Annahme. Die Abstimmung wurde auf die nächste Sigung verschoben. In der gestrigen außerordentlichen Sigung, die furz nachy 6 Uhr unter dem Borfiz des Gen. Haß begann, hatten die noch unerledigten Anträge aus der Versammlung den Vorrang. Nachdem ohne Aussprache die Dringlichkeitsvorlage des Magistrats genehmigt worden war, die den Betrag für die Zuwendung von Brennmaterial an Unbemittelte von 188 000 auf 1,2 Mill. M. erhöhen will, um u. a. Ausgesteuerten oder nicht unterstützungsberechtigten im Notfalle beizu springen, fam zunächst der Antrag der Wirtsch. Partei vom 17. September zur Verhandlung, wonach sofort mit dem Polizeipräsidenten über Einschränkung des" wilden" Straßenhandels, Unter. fagung der Ansammlung von Straßenhändlern in einzelnen Straßen, und Rückkehr zum 3wange des Betriebes im 11 mherziehen ins Benehmen getreten werden soll. Der Begründer Berichte malte natürliá grau in grau; er fieht den feßhaften Handel bereits ruiniert und die Markthallen verödet, wenn diesem unlauteren Wettbewerb" nicht schleunigst ein Ende bereitet wird. Rintorf ( Komm.) lehnte den Antrag rundweg ab; die Straßenhändler würden gewiß, wenn es ihnen möglich wäre, einen anderen Weg wähien, um ehrlich ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Gen Reimann unterstrich diese Auffassung. Gewiß hätten sich Mißstände heraus. gebildet, aber es sei doch schon viel gebessert, und zudem unterliege doch ohnehin der Straßenhandel der polizeilichen Genehmigung. Bee einem unlauteren Wettbewerb" fönne vollends nicht die Rede fein. Nach der Meinung der Sozialdemokraten müßte dem einzelnen Straßenhändler sein Stand garantiert werden, das herbeizuführen sei Aufgabe der Verkehrspolizei, und damit wäre beiden Teilen ge= holfen. Jedenfalls sollte man dem gefunden Straßenhandel und die ganz überwiegende Mehrzahl der Händler gehöre dazu unter unter ollen Umständen sein Recht gewährleisten. Die Sozialdemokraten lehnen somit gleichfalls den Antrag ab.- Linfo( Dnatl.) plädierte für Ausschußberatung; Schwien( D. Bp.) regte sich gleich dem Antragsteller über den wilden" Straßenhandel mächtig auf. Bei der Abstimmung fiel( die rechte Seite des Saales mies Lüden auf) der Antrag auf Ausschußberatung und dann der Antrag selbst.Das gleiche Schicksal traf den Antrag der D. Bp., den, Magistrat zu 11] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. ,, Was tun Sie hier?" fragte Bertram und berührte feinen Arm. Lord Ottery starrte ihn zerstreut an, als ob er überlegte, wer zum Teufel das sein könnte, dann aber begrüßte er ihn herzlich. ,, Alch, Du bist's, Bertram. Dacht' schon, es wär' einer von den Offizieren a. D., die einen um' nen halben Sovereign erleichtern möchten. Warum, zum Teufel, meldest Du Dich nicht nach Irland zu den Schwarz- Gelben? Wär' nüßlicher, als hier ohne Beschäftigung herumzulungern." Bertram behielt seine fezerischen Ansichten über diesen Gegenstand für sich und wiederholte seine Frage. Lord Ottery ticherte und offenbarte ihm dann ein Geheimnis. Er besah sich die Läden, um seine Garderobe aufzu frischen. Er hatte nämlich entdeckt, daß er ausgezeichnete Sachen fertig bekommen fönnte, statt seinem Schneider das Sechsfache dafür zu zahlen. Zwei Hausanzüge hatte er schon gekauft, die saßen wie angegossen, nur zwei kleine Aenderun gen waren nötig gewesen. Ja, auch einen Laden im Totten ham Court Road hatte er entdeckt, wo er erstklassige Stiefel fürs Land faufen fonnte, ganze zwei Pfund billiger als bei feinem Schuhmacher. Ja, einstens hätte er bei dem Gedanken, fertig getaufte Sachen zu tragen, geschaudert. In früherer Zeit, noch unter der Königin Bittoria, da war er ein echter Stutzer gewesen, der dasselbe Paar Beinkleider nicht zweimal in derselben Woche angezogen, oder eine Krawatte mehr als einmal getragen hätte. Aber jetzt war es soweit gekommen, daß Spar. samkeit an der Tagesordnung war. Und was schadete es auch? Mit solchen erprefferischen Steuern, solchen dividendenlosen Papieren und drückenden Grundbesigsteuern fämen Leute feines Schlages bald dazu, für einander die Wäsche zu waschen. Aber zu weit durfte er mit der Sparsamteit in der Garderobe auch nicht gehen. Da mar ihm neulich eine peinliche Geschichte passiert. Er hatte bei einem Kleiderjuden einen prachtvollen Ueberzieher eingehandelt, schon etwas getragen, aber mit Astrachanfragen, Seidenfutter, ein wahrer Fundfür zwölf Sovereigns. Bei seinem Schneider hätte er 42 bezahlen müssen. Aber als er ihn gerade an seinem Play in der Borhalle des Herrenhauses aufhängt, kommt da nicht der alte Banthord dazu und schreit: Der Teufel soll mich holen, wenn das nicht mein alter Ueberzieher ist! Da ist ja noch das Loch drin, da über dem dritten Knopf, das ich mit meiner Bigarre hineingebrannt hatte." ersuchen, bei unbebauten Grundstüden von der Nachforderung der durch die Beschlüsse zum Haushalt erhöhten Zuschläge zur Grundvermögenssteuer für die Zeit vom 1. April bis 1. Oktober 1924 Abstand zu nehmen. Herr Hallensleben stieß bei fast die Unfuſt unserer Genossen fest, den Grundbesigern auf Kosten allen Fraktionen auf Widerspruch; audy Gen. Dr. Lohmann stellte der Allgemeinheit ein neues Geschenk zu machen. Darauf wandte fich die Versammlung den beiden Anträgen zu, die von den Demo traten und den Kommunist en eingebracht sind, um die O mittwoch, 29. Oktober 1924 Herrn Dörr und Herrn Stolt, die auf dem Gebiete der Wohnungsbeschaffung eigentümlichen Machenschaften nicht fern gestanden hätten, sehr schlecht zu Gesicht. Den Wählern werde seitens der Sozialdemokratie klar gemacht werden, daß die Schuld dafür, daß der Magistrat jetzt eine bürgerliche Mehrheit hat und daß ihm Herr Scholz. angehört, bei den kommunisten liegt. Man scheue den Kampf mit den Kommunisten nicht, im Gegenteil. Den Deutschnationalen neide die Sozialdemokratie die Bundesgenossenschaft der Kommunisten nicht. Die Sozialdemokratie wünsche die Verquickung der Wahlen nicht; für sie arbeite die Zeit.( Lebhafter Beifall bei den Soz.)— Müller- Franken von den Wirtschaftlern hielt den Demofraten vor, daß ihr Antrag alles sci, nur nicht demokratisch. Für getreten, aber Stadtverordnetenpolitik könne in allgemeinen politischen die Auflösung sei die Wirtschaftspertei von allem Anfang an einWahlen nicht gemacht werden. angebrachtermaßen abzulehnen. Die Auflösungsanträge feien also angebrachtermaßen abzulehnen. In diesem Zusammenhang hielt es der Redner für angezeigt, seine Feindschaft gegen den ( Komm.) unter temperamentvollster Assistenz seiner Fraktion gegen Achtstunden tag ausführlich zu dokumentieren. Damit schloß die Aussprache. Im Schlußwort ging Go B Reimann mit heftigen Ausfällen vor und es gelang ihm beinahe, in dieser Beziehung Herrn Dörr auszustechen. Die Abstimmung wurde auf Donnerstag 7 Uhr verschoben. Die Bersammlung befaßte fich dann nur noch mit dem Ausscheiden des Kommuniffen Stolt die Frage in öffentlicher Sigung zu besprechen beantragt. Er suchte aus seinem Amte als besoldeter Stadtrat. Herr Stolt selbst hatte an dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts, das ihn hauptsächlich wegen der Aeußerung Rinder, geht stehlen!" zur Dienstentlassung als Tendenzurteil hinzustellen. In der Erwerbslosenfürsorge habe er und zur Tragung der Kosten verurteilt hat, Krit zu üben und es einen sog. Leunakämpfer: unterstützt, der bei der Polizei nicht angemeldet war; in dieser Handlungsweise eines Beamten, einem Verbrecher zu helfen, liege für das Gericht der entscheidende Grund für das Urteil. Diese Instanz sei ja dazu da, als Instrument der Fraktion halte ihm nach wie vor für durchaus geeignet zu ihrem BerStaatsmaschine jede Opposition zu unterdrücken. Die Kommunistische treter; die Versammlung solle die Kenntnisnahme und die bezüglich Bortage ablehnen. Auch die Abstimmung hierüber wird Donnerstag stattfinden. Die Siedlungsaufgaben der Stadtgemeinde. In der Berliner Stadtverordnetenverfamnifung richtete die fozialdemokratische Fraktion an den Magi strat folgende Anfrage, die ihr auf eine Pflicht der Gemeinden hinweiſt: und Neuwahlen am Tage der Reichstags- und Landtagswahl herbeiAuflösung der Stadtverordnetenversammlung zuführen. Für die Dem. sprach Dr. Michaelis, der an sachlichen" Gründen die Arbeitsunfähigkeit der Versammlung ins Feld führen konnte und diese aus den unsicheren Verkehrsverhält nissen herleitete; ihm sei oft geradezu unheimlich geworden, wenn er wahrnahm, wie die Versammlung bei ihren Entscheidungen einer Schaufel geglichen habe!- Den Antrag der Kommunisten vertrat Bersammlung neu gewählt wiffen wollen, führte er darauf zurück, Dörr. Daß gerade auch die Demokraten zum 7. Dezember die daß die Demokraten die Konjunktur zu diesem Zeitpunkt als für ihre Wahlaussichten sehr günstig ansehen. Dann goß er, wie man ja nicht anders erwarten fonnte, die ganze Scale feines 3ornes und noch eiwas darüber über die Sozialdemokratie aus, die sich in allen ihrce fommunalen Taten als würdiger Bestandteil der einheitlichen recttionären Masse" erwiesen habe. Stadtrat Richter trug die fachlichen und technischen Bedenken vor, die einer Neuwahl am 7. Dezember enigegenstehen. Schon die Aufstellung der Wählerlisten und ihrer möglichen Rückwirkung auf die kommunalen Wahlen würde angesichts der Abänderungen des preußischen Wahlgefehes einen so frühen Termin kaum gestatten. Koch( Dnatl.): Wir tönnen doch nicht so lange warten, bis der Reichspräsident neu gewählt wird( Heiterfeit). Die Anträge zeigen, daß inan sich doch allmählich auf den Weg der Bernunft begibt.( Erneute Heiterfeit.) Zuerst standen wir mit der Forderung der Auflösung allein; den ersten Schritt zur Bernunft machten nach uns die Kommunisten ( Bachen), dann folgte die D. Bp., jetzt auch die Demokraten. Das Zentrum wird ja nicht mitmachen und von den Soz. wird man Schritte zur Vernunft nicht erwarten.( Gelächter.)- Dr. Caspari ( D. Bp.): Aus den heutigen Verhandlungen wird die Bürgerschaft hoffentlich lernen, daß man in diese Versammlung Leute schicken In einem Erlaß des Breußischen Ministers für Volkswohlfahrt muß. die es mit ihr und mit sich selbst ernst nehmen und nicht so Dom 12. September 1924 wird darauf hingewiesen, daß die Gebedeutsame Sachen scherzhaft behandeln oder Wahlreden halten. meinden auf Grund des§ 4 des Preußischen Ausführungs( Lebhafter Widerspruch und Lachen bei den Komm.) Aus der gefeges zum Reichsheimstättengeseh Ortsfagungen erlassen Auflösung, wolle der Redner feine politische Frage gemacht wiffen. fönnen, durch welche Landflächen zu heimstätten Auffällig fand er, daß ausgerechnet Herr Dr. Michaelis das Gleichgebieten erflärt werden. Was gedenkt der Magistrat zu nis von der Schaufel gebraucht habe; das Schwanken der Versamm. tun, um baldmöglichst die durch den Erlaß gegebenen Anregungen lung bei ihren Beschlüssen habe doch nur zu oft daran gelegen, daß zu verwirklichen?" bald Herr Merten, bald Frau Deutsch in der Dem. Frattion den Ausschlag gegeben habe. Es könne nichts dabei herauskommen, am 7. Dezember diese Neuwahl als Schwanz den Reichstags und Landtagswahlen anzuhängen. Gen. Reimann stellte fest, daß auch die Haltung der Deutschnationalen in diefer Frage nicht immer einheitlich gewesen ist und berief fich dafür auf eine Rede des Kochschen Fraktionsgenoffen Lüdide im Landtage. Wenn man die Versammlung und ihre Leistungen hier schlecht made, so sei fie in Wirklichkeit besser als ihr Ruf. Nicht nur die Sozialdemokratie, sondern auch die Parteien der Rechten wüßten ganz genau, welches Riefenmaß von Arbeit und unter wie schwierigen Verhältnissen es zu bewältigen gelte und daß diese Arbeit sich auch im Vergleich mit den Leistungen der Barla mente sich sehr wohl sehen lassen könne. Also etwas mehr Selbstachtung! Mit dem Ausfall auf die Billa, die sich Stadtrat Wutzky in Rudow gebaut habe, werde Herr Koch feine Geschäfte machen. Der fozialistische" Magiftrat, auf den man immer losgehadt habe, bestehe nicht mehr; jeht möge der in feiner Mehrheit bürgerliche Magiftrat zeigen, ob er Befferes leiften fönne als der sozialistische. Die Ausfälle des Herrn Dörr gegen Stadtrat Wuzfn ständen gerade ,, Natürlich mußte ich ihm erklären, wo ich ihn gekauft hatte, und er lachte, bis ich dachte, der Schlag würde ihn sühren. Aber das Beste an der Geschichte ist, daß er selbst einen fertiggetauften Anzug trug, er selbst hat mir den Laden hier in Charing Croß Road empfohlen. Eine Menge von uns tut das jetzt." Bertram lachte und erfreute sich so sehr an dem Spaß, wie es einem jungen Mann, der zwar noch nicht bis zu, abgelegten Sachen" gesunken ist, seinem Schneider aber unangenehm viel Geld schuldet, nur möglich ist. ,, Die Zeiten werden immer schlechter," bemerkte er. Lord Ottery blieb mitten auf dem Trafalgar Square stehen und deutete mit seinem Stock nach dem Turm von Westminster. ,, Dort steckt das Malheur," sagte er. Diese Leute im Unterhaus haben sich dem Teufel verkauft. Denten nicht ans Baterland, sondern nur, wie sie ihre Stimmen und Aemter behalten fönnen. Versprechen dem Bolt alles mögliche den Kopf des Kaisers, deutsches Gold, Unterstützung für alle ohne Arbeit. Mir graut vor der Zukunft. Das Reich gerät in die Hände der Juden. Blicke nur nach Indien. Die Regierung schmeichelt dem Böbel. Dent an die Gewerkschaften! Whitehall wimmelt von Stellenjägern, und in England regiert eine forrupte Bureaukratie. Es find auch schon andere Reiche untergegangen. Wenn wir den Dingen nicht ins Auge schauen, mit fester Hand regieren, die Bestechlichkeit ausrotten, das Bolt wieder zur Arbeit zwingen und den revolutionären Geist in den Massen nicht niederstampfen, so verlieren wir unsern alten Play in der Welt. Ich werd's nicht erleben, Gott sei Danf! Aber du vielleicht!" Bertram warf seinem Schwiegervater, der so fest neben ihm herging und ab und zu seinen schlecht gebürsteten Seidenhut berührte, wenn ihn Borübergehende grüßten, einen verftohlenen Blick zu. Er erschien ihm wie das leibhaftige Alt England, dessen Tage bald gezählt waren. Der Krieg hatte neue Männer an die Oberfläche geworfen, vielleicht liberaler von Ideen, geschmeidiger sich an neue Zustände anpassend, dafür aber nicht so tief in England verwurzelt, dem alten Ehrbegriff nicht so treu ergeben, nicht so fest und ehrlich in ihrem, wenn auch misverstandenen Pflichtgefühl. Die Alten hatten dem Vaterlande in früheren Zeiten gute Dienste geleistet. Mit ihm verglichen bin ich ein Schwächling, dachte Bertram. Ich bin zwischen alten Traditionen und neuen Idealen hin und hergeriffen und glaubte innerlich an beides nicht. Ich bin weder Fleisch noch Fisch. Er aber steht fest auf seinem Standpunkt und wird auch dabei bleiben, bis der Wall durchbrochen ist und er und seinesgleichen verschwinden. Wie lange wird das noch auf sich warten lassen? Die Krise der Demokraten. = Die Auseinandersehungen innerhalb der Demokratischen Partei machen sich auch in der Berliner Organisation bemerkbar. Schon bei der letzten Kandidatenaufstellung vor den Maiwahlen gab es heftige Debatten. Die Mehrheit stellte damals Herrn v. Siemens auf, gegen den die Linke mit der Kandidatur des Prof. Bonn Sturm lief. Jetzt beginnen sich die Reihen der Stadtverordnetenfraktion zu lichten. Der frühere Stadtbaurat des Zwedverbandes Beuster hat tereits seinen Uebertritt zur Deutschen Volkspartei vollzogen. Der Direktor des Kalisyndikats Prenzel gehört zu den Unterzeichnern des Gründungsaufrufs der Liberalen Vereinigung. Nur von dem Vorsitzenden der Berliner Demokratischen Organisation, dem sehr geschäßten Herrn Merten, ist gleiches noch nicht verlautbart worden. Kundige Thebaner behaupten, es fäme nur daher, weil Herr Merten noch nicht wisse, ob er zur Boltspartei oder zu den Deutschnationalen gehen folle! Wenn wir unsere bescheidene Meimung dazu sagen dürfen, so würden wir vorschlagen, daß Herr Merten zu den Deutschnationalen geht. Da gehört er hin! Ottern schien auf diese Gedanken zu antworten. Unsere Zeit ist vorüber, ich meine die Zeit der alten Aristokratie in England. Ein kleiner Mann da im Unterhaus hat die Attacke eingeleitet, der Krieg und seine Kosten haben das übrige getan. Die alten Güter werden von Kriegsgewinnlern aufgefauft, unfereiner fann sie nicht mehr halten. Sieh dir Holme Ottern an, ich geh' zugrunde, trotzdem ich alles zerfallen lasse." Er seufzte tief und wechselte das Thema. ,, Wie geht es Jonce?" Bertram gab guten Bescheid darauf, verschwieg aber seine geheime Herzensangst. Sie hatte sich seltsam verändert, seit das Kind gestorben war, wehrte seine Liebkosungen ab, zeigte ein wahres Fieber nach Zerstreuungen, war feindselig gegen ihn gestimmt, und meist wegen dummer politischer Meinungsverschiedenheiten, Irland zum Beispiel und das Recht der Ärbeiter auf ausreichende Löhne. Auch ein Grund zu Zwistigfeiten zwischen Mann und Frau! Aber augenblicklich schien jeder Grund recht zu Streitigkeiten zwischen ihnen. Es war wohl ihr Zustand, die Arme, und sein ganzes eigenes zwerkloses Leben. Plöglich sprudelte er seinen Wunsch nach Beschäftigung irgendwelcher Art hervor. Ich gehöre auch zu jenen Offizieren a. D., von denen Sie vorhin sprachen. Ich muß irgendeine anständige Beschäftigung haben, schon Jonces wegen. Können Sie mir nicht dazu verhelfen?" Lord Ottery starrte ihn zerstreut an, als stände er wer weiß wie weit von ihm entfernt. Das war sein Blid, wenn er um irgendetwas angegangen wurde. ,, Wie? Ich soll dir zu etwas verhelfen? Warum trittst Schufte in die Hölle?" du nicht bei den Schwarz- Gelben ein und jagst die irischen Außerdem wird's schlecht bezahlt. Lange nicht genug, um Bertram lachte verlegen. Ich habe den Krieg übersatt. Außerdem wird's schlecht bezahlt. Lange nicht genug, um mit Jonce ihr Haus in Holland Street zu halten. Ich möchte doch auch mein Teil beitragen." Lord Ottern blieb vor dem Herrenhaus stehen und erwiderte das Salutieren des Schuhmanns, indem er an seinen Hut griff. ,, Warum trittst du nicht ins Geschäft ein?" fragte er, als ob das Geschäft nur so eine offene Türe wäre, die jeden einließ. Das tut man ja heutzutage, wie ich höre." Er nickte Bertram zu und schob sich durch den Vorhof von Westminster. Höhere Beziehungen! dachte Bertram bitter. Der Alte würde feinen Finger für mich rühren. ( Fortsetzung folgt.) Die neue Verkehrsregelung. Verkehrstürme, Verkehrsstraßen 1. und 2. Ordnung. Die neue Polizeiverordnung zur Regelung des Straßenverkehrs, über die wir im gestrigen Abendblatt bereits furz berichteten, sieht u. a. Berkehrsstraßen 1. und 2. Ordnung fowie sogenannte Einbahnstraßen, die nur in einer Richtung befahren werden dürfen, vor. Ferner Parkpläge, das find durch Bartlinien kenntlich gemachte Warte- und Haltepläge für Fahrzeuge. ( Das Warten der Fahrzeuge auf den Parkplätzen wird als Parken" bezeichnet.). " 1 Den von den Berkehrstürmen gegebenen Licht lignalen haben Fahrzeugführer und Fußgänger Folge zu leisten. Das rote Licht bedeutet" alt". Es sperrt die Straße für den Fahrzeugverkehr und gibt sie zum Kreuzen für die Fußgänger frei. Das weiße Licht bedeutet Achtung" und fündigt den Wechsel an. Auf dieses Signal darf in der bisher freigegebenen Straße tein Fahrzeug mehr den Schuhweg überfahren. Das grüne Licht bedeutet Freie Fahrt" und gibt die Straße für den Fahrzeugverfehr ungehindert frei. In allen Straßen ist rechts zu fahren. Neun Bräute. Der Mann, der so gut reden konnte. Berliner Straßenführer". Die Firma Blankerk u. Co., Berfin W 57, Bietenstr. 20, hat einen Berliner Straßenführer herausgegeben. Dieser Straßenführer ist in neuartiger Weise, mit Angabe von Postamt, nächster größerer Haupt- oder Querstraße, Bahnhof usw., zusammengestellt und faßt trop der ca. 4500 Straßen und Pläke und dem Anhang: Behörden, Konfulate, Theater, Sehenswürdigkeiten, nur etwas über 100 Seiten. Der Preis einschließlich der Plan- Beilage ist 60 Pf. Eine Schnellbahn Köln- Dortmund. In einem Vortrag, der von dem rheinisch- westfälischen Pros vinzialausschuß über das Schnellbahnprojekt Köln- Dortmund ge halten wurde, wurde berichtet, daß das Projekt genehmigt ist und 44 Techniter mit der Ausarbeitung desselben behäftigt find. Im Wege einer Anleihe sollen die Kosten Don 200 millionen beschafft werden. Die Schnellbahn, die teils oberirdisch, teils unterirdisch geführt und 1932 dem Verkehr übergeben werden soll, würde die Fahrt von Dortmund nach Köln in 70 Minuten ermöglichen. In Straßen, die nach beiden Richtungen befahren werden, aber schädigten Frauen, als sie hinter den Betrug fam, kurzerhand weg: Parteinachrichten nur einen Fahrdamm haben, darf auch zum Ueberholen anderer Fahrzeuge nicht über die Straßenmitte gefahren werden. In allen Straßen ist das Halten der Fahrzeuge 5 Meter vor und 5 Meter hinter den Haltestellen der Straßen bahnen und der Autobusse verboten. Die von doppelten Schutlinien umgrenzten Sch it we ge dürfen auch in der freien Straße nur mit Schrittgeschwindigkeit überfahren werden. Das Einfahren in eine Berkehrsstraße 1. und 2. Ordnung ist den Fahrzeugen nur in Schrittgeschwindigkeit gestattet. In BerkehrsStraßen 1. und 2. Drdnung darf fein Fahrzeug wenden. In Verkehrsstraßen 1. Ordnung dürfen Personenfahrzeuge zwischen 10 Uhr vormittags und 7 Uhr nachmittags nicht länger halten, als das Ein- oder Aussteigen erfordert. Den Lastkraft wagen ist das Halten zum Ent- oder Beladen in diesen Straßen von 12 Uhr mittags bis 7 1hr abends verboten. Den mit Pferden bespannten Lastwagen imd den Handwagen ist sowohl das Halten zum Ent- oder Beladen wie das Befahren diefer Straßen in der Längsrichtung von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr nachmittags verboten. In Verkehrsstraßen 1. Ordnung dürfen die Fußgänger den Fahrdamm nur an den Straßeneden oder auf den Schuhwegen freuzen. Die Aktienfälscher. Neue Beobachtungen und Berhaftungen. Der große Aftienfchwindel, über den wir seinerzeit berichteten, beschäftigt noch immer die Kriminalpolizei. Zu den geflüchteten Mittätern gehört auch ein 34 Jahre alter Kaufmann Heinz Wehrfrig. Auch er war unter den Leuten, Die bei dem Baron von Blumenthal in der Nassauischen Straße ein und aus gingen und an den häufigen Konferenzen teilnahmen, in denen immer neue Bläne zur Unterbringung gefälschter Aftien geJchmiedet wurden. Die rechte Hand dieses Wehrfriß war seine Geliebte, eine Frau Käte Klein geb. Am End. Die Frau war in faufmännischen, Bant- und Finanzgeschäften sehr bewandert, mehr als ihr Geliebter, den sie ganz in der Hand hatte. Das Paar wohnte in ersten Hotels, verschwand aber, als der große Schwindel an den Zag fam. Die Kriminalpolizei ermittelte eine Spur, die nach Dresden führte. Durch andauernde Beobachtungen wurde fest gestellt, daß Wehrfriz und seine Geliebte über Ammendorf und Bittau nach Kötschenbroda und von dort nach Zoffen und endlich mit der Vorortbahn nach Berlin zurüdgefahren waren. Hier versuchte Frau Klein, sich durch allerlei Verkleidungen und Haartünfte, besonders durch ein Lockentoupet, unfenntlich zu machen. Sie wechselte auch faft Tag für Tog, immer unter falichem Nomen, ihr Hotel. Die beobachtenden Beamten erkannten sie aber und nahmen die lange Gejuchte feft. Die Berhaftete gibt ihre Be teiligung an den Schwindeleien und Fälschungen zu, will aber nicht wissen, wo sich ihr Geliebter Wehrfrih aufhält. Die Ermittlungen der Inspektion C ergaben weiter, daß auch noch ein Kaufmann fchwunden. Es wurde festgestellt, daß er geschäftliche Berbindungen in Dresden unterhielt, und daß auch er sich dorthin gewandt hatte. Die Dresdener Kriminalpolizei wurde auf ihn aufmertfam gemacht und fchritt ebenfalls zu feiner Berhaftung. Die Fälschergesellschaft hatte, mie jest feststeht, noch große Pläne. Bisher hatte sie alle Attien in fremden Betrieben drucken lassen. Das schien ihr auf die Dauer doch wohl nicht sicher genug zu sein. Außerdem gingen die „ Geschäfte" so gut, daß fie fich unabhängig und ganz felbständig zu machen beschlossen. Bei einer Berliner Fabrit hatte das Konfortium bereits Drudereimaschinen usw. in Auftrag gegeben, um eine eigene Druckerei einrichten zu können. Auch Behr war verEin Briefmarder im Zeitungsviertel. Briefunterschlagungen im Zeitungsviertel, die großes Auffehen erregt hatten, lagen der Anflage gegen den oft fchaffner Robert Klaus zugrunde, der sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen Amtsunterschlagung zu verantworten hatte. Bei dem Post amt Berlin S. 68 in der Lindenstraße waren fortgesetzt Klagen über das Verschwinden von Briefen eingelaufen, inan fonnte dem Täter aber längere Zeit nicht auf die Spur temmen. Eines Tages war das Abflußrohr der Toilette verstopft, und bei dem Reinigen fand man, daß der Schaden durch Hun derte von Briefumschlägen und durchgeriffenen Briefen verursacht worden war. Da es sich ausschließlich um Briefe hanbette, die der Angeklagle zu bestellen gehabt hotte, nahm man bei ihm eine Haussuchung vor und fand in seinem Befiß noch 44 Briefe, die er an demselben Vormittag beseitigt hatte. Es handelte sich in ellen Fällen um Briefe, in denen der Angeklagte Gelb vermutet hatte. Borwiegend waren es Briefe, die an die Berlags. häuser jenes Bezirkes gerichtet waren. Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis. Auf diese Weise dürfte auch das Ver schwinden vieler en die Borwärts" Redaktion gerichteter Briefe zu erklären sein. Die„ Minderbemittelten" von Petershagen. Die Gemeinde Petershagen bei Strausberg beantragte feinerzeit mangels eigener Waldbestände bei der benachbarten Oberförsterei Rüdersdorf einen größeren Posten Brennholz. Der Genehmigung des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten entsprechend, wurden auch etwa 500 Raummeter Brennholz im Werte von über 2000 Goldmart an die Gemeinde geliefert. Obwohl die Regierung an den Berbauf die Bedingung gefnüpft hatte, daß das Holz zur Berteilung an Bedürftige bestimmt fei, hat der Gemeindevorsteher Franz Mai einen Teil des Holzes an den Past or, den Lehrer und die Gemeindebeamten verkauft. Hieraus entwickelte sich ein Strafverfahren gegen den Gemeindevorsteher, der vom Amtsgericht Landsberg megen Unterschlagung zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Die Standalaffare von Petershagen bildete nunmehr Gegenstand einer neuen Berhandlung vor einer Straffammer des Landgerichts II. Als Zeugen und Zuschauer waren derbe Bauerngestalten, Forstleute in Uniform und ländliche Typen zu sehen, denen ein Auftreten vor Gericht sichtlich ein Er= eignis schien. Das Gericht kam zu der Auffassung, daß der Angeflagte zwar in inforretter Weise über das Holz verfügt hätte, daß aber der Tatbestand der Unterschlagung, des Betruges oder der Untreue nicht gegeben sei. Es erkannte auf den Freispruch des Gemeindevorstehers und überließ eine eventuelle Bestrafung der noc) zu erwartenden Entscheidung der vorgelegten Disziplinar behörde. Der Gemeindevorsteher hat das Holz zwar im Interesse der Gemeinde verwendet, wird jedoch noch Nachforderungen der Oberförsterei Rüdersdorf zu begleichen haben. Ein Aufgebot von neun Bräuten trat in einem Heirats schwindeteiprozeß vor dem Amtsgericht Tempelhof als Belastungszeuginnen auf. Der Kaufmann Mar 3. hatte Heirats inserate in den Zeitungen aufgegeben und dann die jüngeren und älteren Damen, deren Bekanntschaft er auf diese Weise machte, um ihre gesamten Ersparnisse gebracht, obwohl er in zweiter Che verheiratet war und noch in Scheibung lebte. Er zeigte steis nur die Sterbeurkunde seiner ersten Frau, verschwieg aber seinen Scheidungsprozeß. Wie die Seuginnen befundeten, besaß der Angeflagte eine geradezu faszinierende Ueberredungsgabe. Eine Zeugin meinte, er redete wie ein Buch, eine andere sagte:„ Der redet einen besoffen und wieder nüchtern." Um den Frauen Sand in die Augen zu streuen, bezeichnete er sich als Direktor einer Fabrit in Köpenick. Die Aussicht, Frau Direktor zu werden und im eigenen Auto zu fahren, 30g in allen Fällen. In Wirklichkeit war der Angeklagte vollkommen vermögenslos. Er bewohte ein leeres Zimmer mit einer zusammengenagelten Bettstelle. Das einzige Befigtum, die Betten, hatte ihm eine der gegenommen. Die Sache tom schließlich dadurch zum Klappen, daß eine der Bräute" den Angeklagten eines Abends auf dem Potsdamer Platz mit einer neuen Braut am Arm antraf. Es tam dabei au einer Prügelei zwischen den beiden Frauen, bei der schließlich der Angeklagte von den beiden Frauen, als diese erkannt hatten, daß sie beide das Opfer eines Betrügers geworden waren, eine Anzahl fräftiger Ohrfeigen erhielt. Bielfach hatte der Angeflagte seine Bekanntschaft auch in Tanzlokalen gemacht. Der Verteidiger machte für den Angeklagten geltend, daß bei ihm in pfychologischer Hinsicht eine eigentümliche Mischung von Optimis. mus vorliege. Gein leicht, entflammtes Herz habe ihn zeitweilig an die Versprechungen, die er den heiratsluftigen Damen_madyte, felbft glauben lassen. Entsprechend den Einwendungen der Verteidigung konnte das Gericht den Angeklagten nur in drei Fällen des Betruges für überführt erachten, während er in fechs Fällen freigesprochen werden mußte, da die betrügerische Absicht sich nicht einwandfrei nachweisen ließ. Das Urteil lautete daher nur auf neun Monate Gefängnis, wobei noch ein Monat auf die Untersuchungshaft angerechnet wurde. 17 Eine, die niemand vermißt! Ein Leichenfund, der schon über zwei Jahre zürüd Ilegt, beschäftigt die Kriminalpolizei. Am 2. Juli 1922 fand man in der Machnower Forst etwa 150 Meter füdlich der Chaussee 3ehlendorf Klein Machnom die Leiche einer unbekannten Frau. Sie wies am Hals und an den Handgelenken Scharfe Strangulationsmarten auf. Die Leiche war mit einem Herrenpaletot zugedeckt, über dem Kopfe stand ein aufgespannter Regenschirm. Die Frau ist ohne Zweifel erdroffelt worden. Es ist aber bis heute noch nicht gelungen, ihre Persönlichkeit fe it 3 u stellen. Sie scheint den besser gestellten Kreifen angehört zu haben, war etwa 55 Jahre alt und trug einen graugestreiften Mantel, eine gestreifte Hemdbluse, einen grau- schwarzen Rod, eine weiße Untertaille, weiße Beinkleider und schwarze Halbschuhe. Der einzige Schmuck, den man bei der unter einer Riefer liegenden Leiche fand, war eine Brosche aus einem großen lilafarbe nen geschliffenen Glasfluß. Der Rand war mit blauen Auflagen verziert. Im Haar trug die Tote zwei schy lopattartige Kämme, einen dunkleren Kamim und eine schwarze Haarspange. Die Potsdamer Kriminalpolizei ermittelte mehrere Leute, die die Frau mit einem Manne in der Gegend der Fundstelle hatten figen sehen. Eine weitere Aufklärung war bisher nicht möglich. Es handelt sich vermutlich um eine Berlinerin, die von ihrem Begleiter auf einem Ausflug ermordet worden ist. Sie muß doch irgendwo vermißt werden. Mitteilungen nimmt die Bermißtenzentrale im Zimmer 56 des Polizeipräsidiums entgegen. In einer Waffenhandlung erschoffen. Eine aufregende Szene spielte sich gestern in einer Waffenhandlung in der Kantstr. 144 ab. hier erschien der Kaufmann Kurt Wolf aus der Liebenburger Straße 31 und ließ sich mehrere Bistolen zur Auswahl vorlegen. Nachdem er eine der Schußwaffen getauft hatte, begaben sich der Inhaber der Waffenhandlung und der Käufer nach dem unter dem Baden befindlichen Keller, um die Waffe auszuprobieren. Wolf feuerte zunächst einen Schuß auf eine Scheibe ab; dann richtete er blitzschnell die Waffe auf sich und gab einen weiten Schuß ab. Die Kugel drang ihm in die linte Brustseite und verlegte ihn in der Herzgegend so schwer, daß bald darauf der Tod eintrat. Einsendungen für diese Nubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 30. Oktober, 6 Uhr, Funk tionärinnenkonferenz bei Klug, Danziger Str. 71. Pünktliches Erscheinen notwendig, da anschließend Kreisvorstandsjikung. 6. Kreis Kreuzberg. Die Kreisbildungsausschußmitglieder treffen fich ent Donnerstag um 7 Uhr am Büfett in der Neuen Welt". 6. und 14. Kreis. Achtung, Ordner! Donnerstag, den 30. Oftober, 6 Uhr; in der Neuen Belt", wichtige Besprechung. 9. Kreis Wilmersdorf. Donnerstag, den 30. Oktober, 7% Uhr, Kreismit Thema: gliederversammlung im Bittoriagarten, Wilhelmsaue 114-115. Referent G. Aufhäuser. Reichstagswahlkampf und Sozialdemokratie". 11. Kreis Schöneberg Friedenau. Kreiskonferenz der Arbeiterwohlfahrts- und Kinderschutzkommission Donnerstag, den 30. Ottober, 7% Uhr, bei Rosenthal, Eberstr. 66. Referent Stadtrat Friedländer: Die Fürsorgeverordnung". Wegen wichtiger Beschlüsse müssen alle in der Wohlfahrt tätigen Genossen und Genofsinnen erscheinen. 14. Kreis Neukölln. Achtung, Wohlfahrtspfleger und pflegerinnen, Bezirks. vorsteher und Waisenräte! Donnerstag, den 30. Ottober, 7% Uhr, in der Aula der Mädchenmittelschule Donaustraße, 1. Runstabend des Ge noffen Schneider. Heute, Mittwoch, den 29. Oktober: 9. Abt. 7 Uhr Sihung der Bezirksführer und Betriebsvertrauensfeute bet Hübner, Wilsnader Str. 34. 85. Abt. Tempelhof. Flugblattverbreitung. Material ift abzuholen bei der Genoffin Maßdorf. 128./130. bt. Bantow. Die Funktionärtonferens#nbet mit Müdlicht auf ble erweiterte Kreisvorstandsfikung nicht statt. Morgen, Donnerstag, den 30. Oftober: 8. Abt. 6 Uhr Sandgettelverbreitung von Ridert, Steinmenftr. 38a, ans, 8 Uhr Funktionärsihung ebenda. 35. Abt. 7 Uhr bei Peter, Schreinerstr. 36, Funktionärfonferens mit ben Betriebsvertrauensleuten, Elternbeiräten und Referenten. 37. Abt. 7 Uhr Sigung sämtlicher Funktionäre, Elternbeiräte und Straßen führer bei Jerasch, Ebertnite. 10. Wahl der Kreisvertreter und der Delegierten aum Bezirkstag. 80. Abt. Schöneberg. Der Frauenabend fällt wegen dringender Bahlarbeit aus. Die Frauen beteiligen sich an der öffentlichen Bersammlung im Rathaus Friedenau. 101. Abt. Treptow. Der Rurfus bes Genoffen Ruge wird um 7% the im Jugendheim Elfenftr. 3 fortgefekt. Um 7 Uhr pünktlich ebenda wichtige Hörerbesprechung. 106. bt. Johannisthal. 7% Uhr Gihung fämtlicher Funktionäre bei Gobin, Roonstr. 2. 108. topenia. 7½ Uhr Vorstandssikung im Jugendheim Grünauer 116. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr im gofal Mähne, Borhagener Str. 54, Funktionärsihung. Wichtige Besprechung. Straße 5, 8immer 1. 128./130. 6t, Bankow. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Grunowstraße. Bortrag des Genossen Kiegmann:„ Kulturaufgaben bet Bartei". 139. Abt. Tegel. 8 Uhr im Jugendheim Bahnhoffte. 15 Funktionärfikung. Tagesordnung: Stellungnahme au den Reichstagswahlen. * 44. t. Fretton, ben 81. Oktober, 7% Uhr. im Reichenberger Hof, Reichen Bichtige berger Str. 147. außerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 7. Abt. Am 27. Oftober verftarb plöhlich Genosse Albert Charlet, Aderfir. 154. Beerdigung erfolgt am Donnerstag, ben 30 ottober, ne mittags 3 Uhr, von der Salle des friedhofs der Franzöfifch- Reformierten Gemeinde quts. 77. Abt. Schöneberg( 2. Begirl). Genaffe nedenhaus ift geftorben. Einäscherung am Donnerstag, den 30. Ottober, 15 Uhr, im Krema Jugendveranstaltungen. Lichtenberg1 EnifenPetersburger Reichen Heute, Mittwoch, den 29. Oftober, abends 7% Uhr: Kaulsborf: Adolfstraße. Leseabend: Bub und Mädel". Яtors: Bartaue 10. Bortrag: Die gegnerischen Jugendverbände". fest: Stallschreiberstr. 54. Naturwissenschaftlicher Bortvag. Biertel: Ebertnite. 12. Bortrag: Erste Silfe bei Unglücsfällen". berger Biertel: Glogauer Str. 15. Bertrag:" Bibel und Naturgeschichte". Wedding: Schule Ruheplan. Bortrag: Pazifismus". Der Kampf gegen das Ungeziefer. Der Polizeipräsident macht darauf aufmerksam, daß nach der Polizeiberordnung in allen Gärten, Baumschulen, Hofräumen und Alleen bis spätestens zum 15. März 1925 jämtliche Bäume und Sträucher, und zwar die Bäume bis zur Höhe von mindestens 6 Metern über dem Erdboden, durch die Eigentümer, Bächter, Nuznießer oder Verwalter bon Raupennestern sowie von Schmetterlingspuppen und Schmetterlingseiern befreit werden müssen, Gleiche gilt von den Einfriedigungen bepflanzter Grundstücke ( Mauern, Battenwände, Bäune, Heden usw.). Die Raupennester, Buppen und Eier der schädlichen Schmetterlingsarten find durch unbedingt Verbrennen oder Zerbrüden zu vernichten. Das Ein- und Auszahlungen im Poftchedverkehr. Nachdem das neue Mit nzgefes von der Reichsregierung in Kraft geſetzt worden ist, hat das Reichspostministerium die Postanstalten angewiesen, bei Einzahlungen auf Zahltarten außer Rentenmart alle au Zahlungen an Bostlaffen zugelassenen Zahlungsmittel unbe. hränttentgegenzunehmen. Bu Auszahlungen im Postschedverkehr werden gleichfalls außer Rentenmark die sonst zu gelaffenen Zahlungsmittel verwandt. Das Konfulat der Türkischen Republit hat seine Geschäfte wieder aufgenommen und befindet sich vorläufig in der Grolmanstr. 38. Sprechzeit von 10 bis 1 hr. In diesem Zusammenhang fei erwähnt, daß angesichts des Infrafttretens bes Lausanner Vertrages der Bevölkerung aus den abgetretenen GeBieten der Türkei, die noch zurzeit dort wohnhaft ist, eine Frist von zwei Jahren gewährt wird, um für die türkische Nationalität gu optieren. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 29. Oktober. von Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-5 55 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus. 6 Uhr abends: Die Funkprinzessin erzählt: Nordische Märchen Gnomen und Trollen. 1. Der Trollritt, Anna Wahlenberg. 2. Vom Bub, dem niemals bange war, Alfred Smedberg. Die Funkprinzessin: Adele Proesle. 7 Uhr abends:„ Ein Jahr Deutscher Rundfunk. Uebertragung aus der Staatsoper Unter den Linden. I. Teil. 1. Ouvertüre aus der Oper Der Freischütz", C. M. v. Weber ( Dirigent: Generalmusikdirektor Erich Kleiber). 2. Vorspruch, verfaßt und gesprochen von Walter Bloem. 4. Ballade der Senta aus der Oper Der fliegende Holländer", R. Wagner( Gesungen ven Barbara Kemp und dem Chor der Staatsoper; Dirigent: Prof. Dr. Max von Schillings). 5. An der schönen blauen Donau( Ballett) Johann Strauß( Dirigent: Kapellmeister Otto Urack als Gast). 20 Minuten Pause. II. Teil. Vorspiel und Festwiese aus der Oper Die Meistersinger von Nürnberg", R. Wagner. Dirigent: Prof. Max v. Schillings. Besetzung der Hauptrollen: Hans Sachs: Cornelis Bronsgeest; Walter v. Stolzing: Björn Talen; Eva: ElOtto Holgern; David: Waldemar Henke; Magdalena: Ida v. Scheelefrie de Marherr- Wagner; Beckmesser: Heinrich Schulz; Pogner: Müller. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Mädchenausschußfihung am Donnerstag, den 30. Ottober, 7% Uhr, Vortrag: Die Schule". Alle Abtei im Jugendheim Lindenstr. 3. lungsmäbchenvertreterinnen find zu dieser Gigung eingeladen, Achtung, Abteilungsleiter! Die Abrechnungen für die Feierstunde müssen erledigt werden. Geschäftliche Mitteilungen. Die schwere Geschäftslage hat es mit fidh gebracht, baß die Geldmittel des Bublifums nur den Rauf des Allerbilligsten vertragen. Es tit feine leichte Aufgabe, eine Rigarette herauftellen, die dem Breise nach für jeden erreich bar und doch wohlschmeckend ist. Eine Berliner Firma, die Enver- BenBigarettenfabrik, hat sie dadurch bewältigt, daß fie ihren fachmännischen Ehrgeis nicht nur auf die loftspieligen, sondern ebenso auf die billigen Marten gelenkt hat. Die Rigarette Baluta" zum Preise von 2 Pfennig ist bas Ergebnis alelbewußter Berbilligungsbemühungen, ohne das Wohlgeschmac und Bekömmlichkeit der Zigarette gelitten bätten. Arbeitersport. Süddeutschland Bundesmeister im Kunstturnen. Wie bei der Leichtathletik veranstalten auch die Turner jett Wettkämpfe um die Bundesmeisterschaft, um die besten Kräfte innerhalb des Bundes festzustellen. Die Wettkämpfe am Sonntag in Mannheim zeigten die Ueberlegenheit des 10. und 5. Kreises. Unfer Kreis( Provinz Brandenburg) war noch dadurch benachteiligt, daß für Schneider Neukölln Ersatz gestellt werden mußte. So mußte sich der 1. Kreis mit dem dritten Blayz begnügen, während er im anderen Falle wohl an die zweite Stelle gefommen wäre. Das Resultat ift: 0 1. Süddeutscher Verband( 10. Kreis) 1166 Runkte, 2. Mitteldeutscher Verband( 5. Streis) 1099,5 Buntte, 3. Ostdeutscher Verband( 1. Kreis) 1081 Punkte, 4. Nordwestdeutscher Verband( 11. Kreis) 1077 Punite, 5. Südostdeutscher Verband( 19. Kreis) 1075 Punkte. Bon den Berlinern erreichten Leuthold- Fichte 211 Bunfte, Gutschow- FTGB. 207 207 Puntte, Schmidt- Fichte 204 Punkte, Schwante- Eberswalde 193 Punkte, Mangold( ols Bertretung) 184 Punkte. In den Stabfreiübungen erhielten die Berliner die höchste Bewertung in Ausführung und Wirkung. Turnerisch war die Veranstaltung ein großer Erfolg, der Besuch des Bublikums ließ zu wünschen übrig. Den Höhepunkt erreichte die Veranstaltung mit cinem vorzüglichen Programm und bei vollem Hause am Nachmittag beim Schauturnen der Mannheimer freien Turnerschaft, wo auch die besten Turner nochmals ihre Kunst zeigten. Der Arbeitersport hat in Mannheim wieder Zeugnis hohen könnens abgelegt und die Berliner werden sicher alles daran jetzen, um beim nächsten Wetttampf ernsthafter Konturrent um die Bundesmeisterschaft zu werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 92 fheinen. Rameradschaft Lichtenberg: Am Donnerstag, den 30. Oftober, abends Gämt 28 Uhr, bei Krüger, Türrschmidtstraße, erweiterte Vorstandssitung. liche Untergruppen müssen durch Vorfikende und Rugführer vertreten fein. Kamerabschaft Köpenid: Am Mittwoch, den 29. Oftober, abends 7 Uhr, in der Turnhalle, Köpenick, Amtsstraße, Turn- und Sportabend der Jugendkameraden. Ramerabschaft Tempelhof: Am Mittwoch, den 29. Oktober, abends 7% Uhr, Mitgliederversammlung in Tempelhof. Genossenschaftswirtshaus, Dorfstr. 51. Kamerabschaft Kreuzberg, Blod L- IX: Mittwoch, den 29. OttoBet, abends 8 Uhr, bei Bogasch, Nostizstr. 29, äußerst wichtige Versammlung. Erscheinen aller Kameraden ist Pflicht. Kamerabschaft Kreuzberg: Treff punkt Donnerstag, den 30. Oktober, abends 6 Uhr, Vorraum„ Neue Welt", Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaftianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Achtung! Die demokratischen Leiter der Kamerabschaften treffen fich am Donnerstag, den 30. Oftober, abends 8 Uhr, in der Reichsgeschäftsstelle, Bernburger Str. 18. Kameradschaft Lichtenberg. Unter. gruppe Friedrichsfelde: Am Mittwoch, den 29. Oktober, abends 8 Uhr, Vorstandssigung bei Schwarz, Capriviallee Hafenheide. Auch die Gruppenführer müssen er Berliner Mieterbund, e. B. Ortsgruppe Berlin- Lankwik. Genoffe Land gerichtsra Ernst Ruben sprids heute. Wittwoch, den 29. Oftober, abend. 8 Uhr, im Gaale von Lehmann. Berlin- Bantwit Kaiser- Wilhelm- Str, 29-31, in einer vom Reichsbund Deutscher Mieter veranstalteten öffentlichen Protestversammlung über das Thema:., Schuh dem Mieterfchug". Wetter für Berlin und Umgegend. Meift betöltt mit einzelnen leichten Für Deutschland: Ueberall Regenfällen und wenig geänderter Temperatur. mild und bewölkt. Besonders im Norden und Westen leichte Regenfälle. 1 BILLIGE ANGEBOTE Verkauf soweit Vorrat Mako, Oberhemdrag. 1050 Selbstbinderschmack- 25 Selbstbinder aparte Muster 275 Wirkwaren Damen- Hemdhosen Baumw. weiss, 175 Herren- Hemden a.Beinkleider, normal- 245 gestreift, o.Arm tarb., Winterqual., St. Damen- Hemdchen Bwl, weiss, Arm, 190 Herren- Garnitur Bw Jacke u. 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Roth Tänze: H. Lingen Bühn Bild: E.Stern Lustspielhaus Täpi 8 Uhr: Die Zwillingsschwester Lustsp. v L.Fulda Rate Borsch/ Joh. Riemann Hans Junkermann Henes Operettenhaus Täglich 8 Uhr: K. Valentin/ Lisl Karlstadt in Vorstadttheater" stehlich. Kassian Burleske v. Karl Valentin Berliner Theater 7.30 Uhr: Der süße Kavalier SCALA 8 Uhr: Internat. VARIETE Residenz- Th. Dir.: Fel. Meinhardt Wallner Theat. Tägl. 7 Uhr: Uriel Acosta Th.i.Admiralspalast Täglich 84 Uhr die große Revue Noch and Noch" Central Theater U Wissenswarm Täglich Deuts Opernhaus Die 8 Uhr: 72 Uhr zu ermäßigt. Preisen vier Der flieg. Holländer Schlaumeier Intimes Theater Mus. v. W W. Goetze Stg U: 360 Frauen 8: Llebeskonzern Tempo Tempo! Rose- Theater Metropol- Theater Dir. B Rose Tägl. 712 Uhr: Alt- Heidelberg Gräfin Mariza Anfang 7.45 Nenes Theat, am Zoo Circus Tägl. 8 Uhr: Busch Die Frau ohne Schleier Tgl.7 2, Stgs. a.3 U. Nur noch wenig.Tage Th. i. Kommand. Str. Nur noch 2 Vorstell. za volksfüml. 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Noch erbärmlicher benahmen sich die Deutschynationalen, Böltischen und Kommunisten in ihrer politischen Tätigkeit. Durch Ablehnung der Gesetze aus dem Dawes- Gutachten trieben sie es entweder zu einem neuen Krieg oder zur Aufteilung Deutsch lands. Das Rheinland haften fie bereits aufgegeben. Bei diesem Treiben der übelsten Reaktionäre, das das deutsche Bolt und nicht zuletzt die Arbeiterschaft, die Beamten, Angestellten, Rentner, Kriegsfrüppel, Kriegshinterbliebenen, Witwen und Waisen in die größte Not und in das bitterste Elend gestürzt hätte, mar. schierten die Kommunisten mit den Verderbern Deutschlands Schulter an Schulter. Oft waren fie fogar führend und übertrafen die Deutschnationalen und Bölkischen in ihrem verbrecherischen Treiben. War das widerwärtige und abstoßende Treiben der Deutschnationalen, Völkischen und Kommunisten vom Standpunkt der deutschen Nation ein Verbrechen, besorgten sie damit die Ge schäfte der uns feindlich gesinnten Ausländer, so setzten ihm die Deutschnationalen die Krone auf durch einen Berrat ihrer eigenen Wähler. Aus berechtigter Wahlfurcht und um durch einige Ministerseffel an die Reichsfufferkrippe zu kommen, stimmte die eine Hälfte für, die andere Hälfte ge gen tas entscheidende Gesetz aus dem Londoner Vertrage. Durch diese Handlung wurde die würdelose Deutschnationale Partei zum Gespött sowohl des Inlandes wie des gesamten Auslandes. Noch nie hat eine Partei eine solch erbärmliche Rolle gespielt wie die deutschnationale, die eine Außenpolitit treibt, die zum Verderben, und eine Innenpolitit, die zum Bürgerkrieg und damit zum Untergang Deutschlands führen muß. Man sollte meinen, daß diese volts- und vaterlandsverräterische Bolitik und das standalöse Treiben der Deutschnationalen, Böltischen und Kommunisten gar nicht mehr zu übertreffen ist. Es ist jedoch anders gekommen: Die Deutsche Bolt partei, jene Bartei, die sich so oft, die schwarzweißrote Fahne schwenkend, halb republikanisch gebärdete, mit republikanischen Parteien in verschie.. denen Regierungen saß, jene Bartei wollte mit den Deutschynationalen gemeinsame Sache machen. Noch während des Rampfes um die Gesetze aus dem Londoner Abkommen hat die Bolkspartei den Deutschnationalen Ministerfige versprochen, hat felbft dann noch, als die Deutschynationalen sich bei der Abstimmung halbiert und vor aller Welt lächerlich gemacht hatten, ihre Aufnahme in die Regierung und damit die Schaffung des Bürgerblods mit allen Mitteln angestrebt. Die Deutsche Boltspartei ift demnach ebenso reattionär wie die Deutschnationalen. Sie bewies durch ihr Berhalten, daß sie an Würdelosigkeit die Deutschrationalen, Bölkischen und Kommunisten noch übertrifft. Der außenpolitische Schaden, den die Deutsche Volksparte unferem Bolte und Lande zugefügt hat, ist unberechenbar. Die Treibereien der Volkspartei haben nun zur Auflösung des Reichstages geführt. Die Behauptung der Volkspartei, die Demofraten hätt die Auflösung des Reichstages verursacht, ist genau so unwahr, wie die Behauptung Dr. Stresemanns, die Bolkspartei hätte feinen Bürgerblod, sondern nur eine Erweiterung der Regierung nach rechts angestrebt, die nur für die allernaivsten Gemüter im Lager der Bolkspartei berechnet ist. Am 7. Dezember d. J. findet die Neuwahl zum Reichs. tage und zum Preußischen Landtage statt. Dieser Wahltag muß ein Gerichtstag für die Monarchisten und deren Helfershelfer, die Kommunisten, werden. Kameraden! Der Wahlkampf hat begonnen. Mit welcher Berlogenheit er geführt wird, zeigen die Wahlaufrufe und Breffeäußerungen der Deutschnationalen, Völlischen, Volksparteiler und Kommunisten. Dieser Lügenfeldzug richtet sich jedoch nicht nur gegen die republikanischen Parteien, sondern in erster Linie gegen uns als Reichsbanner. Mit, der Lüge aber werden die Monarchiften und Kommunisten auch wieder zu der brutalsten Ge. ma't, zu Bersammlungsfprengungen, tatsäch. lichen Angriffen usw., wie sie bei der Nachwahl in OberSchlesien in Erscheinung traten, greifen. Schon sind die Bater. ländischen nach langen Beratungen sich einig, wie sie ihren Lügenfeldzug gegen die republikanischen Parteien und unseren Bund und die Versammlungssprengungen am besten betreiben können. Hier, Kameraden, beginnt unsere Arbeit. " Es darf bei dieser Wahl nicht eine Berfammlung der republi. tanischen Parteien von den Monarchisten und Kommunisten gefprengt werden. Wir haben als Reichsbannerleute alle Versammlungen der republifanischen Parteien zu schüßen, die Ruheftörer, falls Polizei nicht vorhanden, zu entfernen. Aber mit Versammlungsschutz allein ist es nicht getan. Jeder unserer Kameraden hat die Pflicht, mit allen Kräften im Rahmen seiner Bartei für deren Sieg und damit für die republi fanische Sache zu arbeiten. Wir können als republikanische Verfassungs. parteien nur die sozialdemokratische, die demofra. tische und die 3entrumspartei ansehen. Zwergparteien, auch wenn diese sich republikanisch nennen und es vielleicht auch gut meinen, zersplittern nur die Kräfte und Stimmen und schaden der republikanischen Sache. Sie zu unterstüten haben wir feine Urfa che. Kameraden! Die genannten republikanischen Parteien, Sozialdemo. tratie, Demofraten und 3entrum, deren Bersammlungen mir zu schützen haben, für die wir mit allen Kräften jeder für feine Partei arbeiten werden und müffen, haben große, ja fogar grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, eins aber haben sie alle gemeinsam: Mittwoch, 29. Oktober 1924 Zum Wahltag in England. ( Vom Leuchtturm der Arbeiterpartei strahlt das Licht der Volkswohlfahrt.) THE PEOPLE'S WELFARE ABOUR Dieses Licht können sie doch nicht auspusten! den Willen zur Erhaltung der Republik! und damit des Deutschen Reiches. Angesichts diefes hohen Zieles glauben mir, nicht dringend genug raten zu können, die Austragung der Meinungssverschiedenheiten inner. ( halb der republikanischen Parteien in Wort und Schrift während dieses Wahlkampfes zu unter. Iaffen. Wir alle haben einen gemeinsamen Feind, die reaktionären Monarchisten und deren Helfer, die Rommunisten. Diese niederzuringen ist das Gebot der Stunde, darum: Schützt die Bersammlungen der republikanischen Parteien! Arbeitet mit allen Kräften, jeder für seine Partei! Unterlaßt die Austragung von Meinungsverschiedenheiten während der Wahl! Rüttelt alle Säumigen, Männer und Frauen, auf! Stärft unferen Bund, das Reichsbanner, mit allen Kräften! Die Welt sieht bei diesen Wahlen nicht nur auf die republikanischen Parteien, sondern auch auf das Reichsbanner. Darum, auf zum Wahlkampf mit allen Kräften, der Sieg wird und muß unser sein! Nieder mit den monarchistischen, reaffionären Deutschnationalen und Volksparteilern, den Völkischen und den verräterischen Kommunisten, die unser Volk und Land an den Abgrund gebracht haben und dieses Treiben vereint fortsetzen. Hoch die Republik und die republikanischen Parteien!: Sozialdemokratie, Demokraten und Zentrum! Hoch das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold! Der Bundesvorstand. Kommunistischer Kintopp. Ein Film der Roten Fahne". Wir verzichten auf jeden Kommentar; wir geben nur Ueberschriften und Manschetten der Roten Fahne" aus den legten vierzehn Tagen der Regierungskrise wieder. Zwischendurch einige Zitate aus den lichtvollen" Erläuterungen, mit denen das Kommunistenblatt feine marttschreierische Unwissenheit zu begleiten beliebte. Wer dann noch nicht begreift, daß die Kommunisten in der Entwicklung der innerpolitischen Krise nur die Rolle des dummen August zu spielen vermögen, dem ist nicht zu helfen. Dem kleinen Häuflein dieser Houy NHNM 1924 ( New Leader.) Unbelehrbaren wollen wir gerne das Vergnügen lassen, am 7. Dezember fommunistisch zu wählen. Die Arbeitermassen haben den Unfug der KPD. Iängst fatt, sie werden diesen Arbeitervertretern die Quittung geben, die sie ver= dienen. Freitag, den 3. Oktober: Der Schacher hat begonnen. Die SPD. als kosten. lose Zugabe. Sonnabend, den 4. Oktober: Die SPD.- Führer erklären fich für die Koalition mit den Deutschnationalen. Sozialdemokratische Arbeiter, wollt ihr euch mit Tirpitz koalieren? Sonntag, den 5. Oktober: Vertrauensmänner Nollets für das Westarp- Kabinett. Montag, den 6. Oktober: Zur Tirpik Hilferding- Koalition. Dienstag, den 7. Oktober: Die Bedingungen der Deutschnationalen als Regierungsprogramm. Friß SPD.- Vogel oder stirb. Mittwoch, den 8. Oktober: Sie betteln nochmals um Aufnahme in die DawesKoalition Hergt- Wels. Donnerstag, den 9. Oktober: Die SPD. Reichstagsfraktion für die Koalition mit den Deutschnationalen. Es ist klar, daß die SPD.- Führer die Bedingungen der Deutschnationalen sch I uden werden. Haben sie ja bisher als Minister schon gegen die berechtigten Arbeitskämpfe der Proletarier mit allen Mittel Front gemacht. Die Arbeiterschaft, die aber weiß, was gespielt wird, muß sich gegen die Versklavungskoalition zum Kampfe fammeln, die deutschnationalen Bedingungen wie di mit ihnen tonformen Richtlinien des Zentrumstanzlers zerreiße Freitag, den 10. Oktober: Trotz allen Bettelns doch ein Fußtritt für die SPD.- Führer. Dem Geschrei von der Reichstagsauflösung tommt immer weniger Bedeutung zu. Die fozialdemo fratischen Führer werden auch nach dem jetzigen Fußtritt wieder antriechen. Wer glaubt, daß sie nun dem Mary- Kabinett oder einem Bürgerblod ernstliche Oppofition machen würden? Sie werden fich wieder auf alle Fälle als anonyme Teilhaber einfinden... Die Arbeiterschaft sieht mit Berachtung auf dieses friechende Geschmeiß der gekauften Partei. Sonnabend, den 11. Oftober: Der Schacher geht also luftig weiter. Das Proletariat meiß aber fchon längst, daß, wie das fünftige Kabinett auch aussieht, es eine von den Deutschnationalen beherrschte Bürgerbloc regierung sein wird, mit Unterstügung der SPD. Führer. Aufgabe der Arbeiterschaft ist es, ihre Reihen unter Führung der KBD. zu wuchtiger Gegenmehr zu mobilisieren. Mittwoch, den 15. Oftober: = " Das vorläufige Weiterbestehenfassen der Marg- Regierung mit deutschnationalen Fachminiftern à la Ranip fcheint die Lösung zu sein, zu der auch die Deutsche Boltspartei immer mehr hinneigt Der sozialdemokratischen Unterstügung ist eine folche völlig von den Deutschnationalen be. herrschte Regierung fich er, schon weil die EPD.- Führer in ihrer schlotternden Angst vor einem neuen Wahlkampf es nicht zu Neumahlen tommen laffen wollen." Donnerstag, den 16. Oftober: Die Demoiraten unterstützen ein Rechtskabinett.- Bom Zentrum bis zu den Deutschhnationalen. ,, Die sozialdemokratischen Führer haben jetzt also nach dem erteilt hatte, auch noch die Fußtritte der Zentrumsfraktion und der Fußtritt den ihnen der Zentrumskanzler Marg bereits fräftig genug Demokraten bekommen. Jetzt wird der schwarzblaue Blod gebildet und den SPD.- Führern wird doch nur erlaubt, ohne Ministerfige dieses Kabinett zu unterstüßen." Sonnabend, den 18. Oftober: Wier deutschnationale Reichsminister Sonntag, den 19. Oktober: Ebert für deutschnationale Regierung ..Mag der„ Vorwärts" abschwindeln soviel er will. Der ehrliche Frizz Ebert straft ihn eindeutig Lügen. Er bekennt offen die Haltung der Sozialdemokratie, und die ist: Im vollen Einverständnis mit Wilhelm Marg für die Aufnahme der Hergt, Schiele und Konsorten." Montag, den 20. Oftober: „ Das Berhalten des Sozialdemokraten Ebert läßt auch nicht den geringsten Bersuch eines unerbittlichen Kampfes" erkennen. Nicht einmal zur Reichstagsauflösung will cr fchreiten." Dienstag, den 21. Oktober: Der Dates- Reichstag aufgelön. „ Der Erfüllungsblod von Crifpien bis Tirpitz weiß, daß eine andere tommunistische Partei jest an der Spitze der Massen steht, als es noch 1923 der Fall war " In der Tat, wir wissen, daß eine andere fommunistische Bartei heute an der Spize der alleräußersten Nach hut der Arbeiterbewegung marschiert. Der Blödsinn, mit dem die kommunistischen Führer ihre Heze gegen die Sozialdemokratie betreiben wollen, ist zu offenkundig, als daß er noch auf irgend jemand wirken tönnte. Die KPD. von heute ist allerdings eine andere Partei. Sie ist teine Arbeiterpartei, sie ist nur noch: die legte Hoffnung.der Reaktion! Wirtschaft Die nächsten Aufgaben der Kreditpolitik. In der gestrigen Gigung des 3entralausschusses der Reichsbant, der ersten nach der Neugestaltung, erstattete der Borsitzende, Reichsbantpräsident Dr. Schacht, Bericht über die Maßnahmen, welche im Zusammenhang mit der Ueberleitung der Bant auf die neuen Berhältnisse getroffen worden sind. Zur währungspolitischen Lage machte er folgende Ausführungen: Mit dem Infrafttreten des Bankgesetzes und der Durchführung der großen Anleihe sind die Maßnahmen für die deutsche Währungsreform fürs erste abgeschlossen. Die Renienmark hat ihre Aufgabe als Brüde zur Wiederherstellung der Goldmährung erfüllt; jezt wird es darauf ankommen, die deutsche Wirtschaft in ihrer Bahlungsbilanz dauernd attiv zu machen. Größte Sparsamkeit im Innern und Verbilligung der Produktion find hierfür Bedingung. Dadurch gewinnt das Preis problem heute stärkste währungspolitische Bedeutung. Ich möchte mich hierbei auf die Erörterung derjenigen Maßnahmen beschränken, die die Reichsbant in erster Linie angehen. 1. Die Bereitwilligkeit des Auslandes zur Kreditgemährung an Deutschland wird gelähmt durch das in stemlose Hinterherlaufen hinter dem ausländischen Kapi tal feitens eines Heeres von unberufenen Vermittlern, ferner dadurch, daß ausländische Kredite nicht nur für leben s= notwendige, wirklich produktive 3wede gesucht werden, sondern auch insbesondere DON öffentlichen Körper= fchaften, die im Interesse der deutschen Wirtschaft besser auf die Berwendung ausländischer Gelder verzichten sollten. Soweit diese Körperschaften ihre Einnahmen aus Steuern und Abgaben, nicht aber aus wirtschaftlichen Betrieben ziehen, ist die allergrößte 3urüd haltung in der Aufnahme ausländischen Kapitals bringend geboten. Erst dann wird auch das ausländische Kapital nicht auf hohe einmalige Provisionsgewinne sehen, sondern auf dauernde gefunde Anlage bei wirtschaftlich vertretbaren Zinsfäßen. Für kommunale Wohlfahrtszwede ist nur soweit Raum, als die eigenen Ersparnisse des Landes dies erlauben. Ich halte es deshalb für dringend erforder lich, daß zentral geleitete Maßrahmen ergriffen werden, um die Berschuldung öffentlicher Körperschaften insbe fondere an das Ausland unter eine wirtsame Kontrolle zu nehmen, und begrüße den von der preußischen Regierung in dieser Hinsicht gemachten Anfang. 2. Eine solche Kontrolle ist um so wichtiger, als schon jetzt die Kommunen infolge des schematischen Finanzausgleichs und im Rahmen ihrer eigenen Besteuerungsfreiheit die Wirtschaft ohne Not in einem Ausmaße belasten, das dringend der Minderung bedarf. Wenn diese Belastung Kommunen in den Stand fest, nicht nur der Zeit entbehrliche Erwerbungen zu machen, sondern sogar auf eigene Faust Schuldenaufwertungen vorzunehmen, die das Reich als Ganzes sich unter dem 3wange der Not versagen muß, so zeigt dies, wie sehr eine solche finanzpolitische Desorgani fatian verbunden mit der Ueberlastung der Wirtschaft der Abstellung bedarf. 3. Wenn die Stabilisierung der deutschen Währung nur durch den entschiedenen Bruch mit allen Inflationsauffassungen gelungen ist, so werden wir die Konsequenzen dieser Politik insbesondere auch da ziehen müssen, wo die Inflation mit am stärfften geschadet hat, nämlich auf dem Gebiete des Bant- und Kreditwefens. Ich stelle mit Genugtuung fest, daß die Reichsbank bei ihren Bemühungen, die Zinssätze herunterzubringen, nirgends auf bösen Willen gestoßen ist. Dagegen besteht auf dem Gebiet des Bank- und Kreditwesens heute noch eine leberproduktion, die leider naturgemäß dem Herabdrücken der Binsfäße entgegenwirft. Der Umstand, daß neben den üppig ins Kraut gefchofferen privaten Neu12.4 auf 10,5, bie Sturzarbeit von 27,5 auf 17,5 v. H. der Mitglieder. Soweit die Arbeitszeitverkürzungen fontrolliert wurden, ifi festzuftellen, daß gerade die vorher am stärksten eingeschräntWesentlich zurückgegangen sind vornehmlich die Arbeitszeitver fürzungen, die mehr als 17 Stunden die Woche betrugen. gründungen der Inflationszeit zahlloje tommunale Bant. organisationen mit teurem Betrieb neu entstanden sind, daß die große Mehrzahl aller Sparkassen sich heute mit Kredit- und Kreditvermittlungsgeschäften befaßt, daß jede staatliche oder Reichsten Betriebe ihre Arbeitszeit wieder ausdehnen konnten. anstalt, die über öffentliche Geider verfügt, oder mit öffentlicher Unterstützung Gelder an sich zieht, sich für berufen hält, der deutschen Wirtschaft mit Krediten unter die Arme zu greifen, bemirft bei dem chreienden Mißberhältnis von Wollen und Rönnen eine Berte ue= rung der Binsfäße und Brovisionen, die für das Birtschaftsleben unerträglich ist. Diese Berhältnisse haben außerdem dazu geführt, wie die Ereignisse der leg en Wochen und Monate gezeigt haben, daß infolge unerfahrenheit und Leichtfertigkeit BerIuite entstanden sind, die unter der straffen Organisation der Vorfriegszeit niemals möglich gemefen wären, und deren Deckung zu Auf zum Wahlkampf! Oeffentliche Wählerversammlungen: tiederschönhausen: Heute, Mittwoch, den 29. Oktober, 7% Uhr: Schloß Schönhausen, Lindenstr. 11. Thema:„ Warum wurde der Reichstag aufgelöst?" Referent: Artur Crifpien.- Die Genossen von Bankow find eingeladen. Donnerstag, den 30. Oftober, abends 71/2 Uhr: Meukölln und Kreuzberg: im großen Saal der neuen Welt", Charlottenburg: Hohenzollern- Festfäle, Berliner Straße 105 Hasenheide. ( Ecke Wilmersdorfer Straße). Steglitz: Gymnasium, Heesestraße. Tagesordnung: Diese Gesamtfeststellungen schließen natürlich nicht aus, daß in einzelnen Berufen die Besserung noch wenig oder gar überhaupt nicht zu spüren war. So ist bei den Metallarbeitern die Arbeitslosigkeit nur wenig zurückgegangen, dagegen hat die Kurzarbeit in diesem Berufe fühlbarer nachgelaffen. Andere Berufe, wie die Porzellanarbeiter die Fabrikarbeiter und die Lebensmittel- und Getränfearbeiter meldeten einen unveränderten oder etwas vergrößerten Bestand an Arbeitslosen. Auch bei den Berkehrsarbeitern trat die Besserung bis Ende September noch menig zutage. Hingegen ist die Besserung bei anderen Gewerbe zweigen uhverkennbar. So ist bei den freigewerkschaftlichen Holzarbeiter in der Berichtszeit die Arbeitslosigkeit von 15,2 auf 11,9, die Kurzarbeit von 18,9 auf 11,7 Proz. zurückgegangen. Auch bei den Tabatarbeitern und bei den Bekleidungsarbeitern besserte fich die Lage wesentlich. Nach den Monaten fortgefegt zunehmender Arbeitslosigkeit ift diese leichte Entspannung der Lage am Arbeitsmarkt von größter Wichtigkeit. Es ist noch verfrüht, weitgehende Schlüffe aus diefer Wendung zu ziehen. Es ist denkbar, daß es sich hier nur um eine Saisonerscheinung handelt und daß ein neuer Rückfchlag erfolgt, wenn die Produzenten die geringe Besserung der Konjunktur schon wieder zu neuer Preistreiberei ausnuten. ImmerNieder mit dem Bürgerblock. Es lebe die Sozialdemokratie! Redner: Ruttner, M. d. L., Severing, Minister des über bessere Beschäftigung. Es ist das alle System: Wenn man Innern, Ströbel, M. d. R. hin muß verzeichnet werden, daß auch diese Besserung der GesamtInge unmöglich gemesen märe, wenn bei einer Ablehnung der Dames- Gesetze die deutsche Wirtschaft weiter stärksten Kreditbeschrä fungen ausgefeßt geblieben wäre. Die tommunistische Preise macht sich die Sache sehr leicht. Nachdem die Kommunisten gegen den Londoner Vertrag gestimmt haben, bringt ihr Zentralorgan nur noch Meldungen über Betriebsstillegungen und feine einzige erst einmal unrecht gehabt hat, so muß doppelt darauf losge= schwindelt werden. Die Ergebnisse der Arbeitsmarktstatistik. die nicht von Kapitalisten, sondern von Krantenfallen und von den Gewerkschaften gemacht wird, beweist jedenfalls schlagend, daß der vielen einzelnen Meldungen über Arbeitszeitverkürzungen und Betriebsstillegungen noch mehr andere gegenüberstehen, aus denen eine Besserung des allgemeinen Beschäftigungsgrades hervorgeht. Keine Senkung der Stickstoffpreise? Freitag, den 31. Oktober, abends 7/2 Uhr: Berlin- Mitte: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 73.- Nationalhof, Bülowstraße 37. Wedding: Germaniasäle, Chausseestraße 110. Spandau: Restaurant Markthalle, Pichelsdorfer Straße. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 26.( Beginn 8 Uhr.) Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 108.( Beginn 8 Uhr.) Friedenau: Rathaus( Bürgersaal), Am Lauterplag. Tempelhof- Mariendorf: Aula Kurfürstenstraße in Mariendorf. Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal: Aula Berliner Straße in Niederschöneweide. Sichtenberg: Schulaula Parkaue. Weißenfee: Aula Realgymnasium, Boeldpromenade. Pantow: Konzerthaus Linder, Breite Straße 34. Reinidendorf- Tegel: Schützenhaus in Reinickendorf- Ost, Re- wirtschaft im Preise zu senden. Auffallend ist, daß die agrarische fidenzstraße 1/2. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Nieder mit dem Bürgerblock! Es lebe die Sozialdemokratie! Redner: Aufhäuser, M. d. R., Clara Bohm- Schuch, M. d. R., Crispien, M. d., R., Dr. Freund, M. d. L., Paui Hirsch, M. d. L., Heinig, Regierungsrat Joachim, Künstler, Kuttner, M. d. L., Dr. Löwenstein, Otto Meier, M. d. L., Dr. Moses, Heinrich Ströbel, M. d. R., Heinrich Schulz, Stelling, Dr. Benl, M. d. L. Tempelhof: Deffentliche Frauenversammlung Freitag, den 31. Oftober, abends 7½ Uhr: Lyzeum, Dorf, Ede Germaniaftraße. Referentin: Genoffin Todenhagen. * Genoffinnen und Genossen Berlins! Hamburg ist ein Vorbild, hinter dem Berlin nicht zurückbleiben darf. Auf zum Wahlkampf! Sorgt für Maffenbesuch der Versammlungen! einem großen Teil wiederum aus den Taschen der Steuerzahler erfolgen muß. Soweit Geldorganisationen unter besonderen Gesetzesoder Verwaltungsprivilegien stehen, wird eine Rückkehr zur früheren Ordnung der Dinge unerläßlich sein. 4. Zeigt diese ganze Entwicklung, daß mit den vorhandenen, an sich bescheidenen Kapitalersparnissen unwirtschaftlich umge. gangen wird, so ist mit prohibitiven Maßnahmen allein hier nicht geholfen. Bielmehr wird es Aufgabe der Gesetzgebungsfattoren fein, diejenigen Kapitaler parnisse und sonstigen Gelder, die sich unter besonderem behördlichen Schutz oder behördlicher Kontrolle entwickeln, in ihrer richtigen Verwendung zu beinflussen, wie dies vor dem Kriege durchweg der Fall gewesen ist. Dies gilt insbesondere von Sportassen- und Versicherungsgeldein, sowie von Geldern ge= wiffer öffentlicher Kaffen, die feinesfalls im rifttopollen, furzfristigen, hochperzinslichen Kreditverkehr, sondern in mündelsicherer. langfristiger hypothetarischer Anlage, insbesondere für die vom Hnnothetentredit nahezu entblößte Landwirtschaft, verwandt werden müssen. Das ganze Volf, und insbesondere jeder, der mit Geldausleihen zu tun hat, muß einsehen, daß es in einem verarmten Lande unmöglich ist, durch enfeitine hohe Bins- und Provifionsbelastung das Verlorene in furzer Frist wieder zu gewinnen, sondern daß es einer langen fyftematischen Arbeit bedarf, um durch eine international leistungsfähige Produktion Nationalfapital allmählich wieder aufzubauen. das Zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes. Die ausführlichen Ergebnisse der deutschen Arbeitsmartt berichterstattung, die jetzt vom Reichsarbeitsblatt" für den Monat September veröffentlicht werden, sind diesmal von befonderem Intereffe. Die allgemeine Arbeitsmarktage steht im Zeichen einer leichten Besserung. Nicht zuletzt ist diese darauf zurückzuführen, daß durch die Annahme des Dawes Blanes die gewaltige Unsicherheit beseitigt wurde, die vorher lähmend über dem deutschen Wirtschaftsleben lag. Ist auch die Besserung vorläufig nur gering, so ist sie doch ein Beweis dafür, daß die Geschäftstätigkeit wieder so ist sie doch ein Beweis dafür, daß die Geschäftstätigkeit wieder aufgelebt ist. = Die Zahl der bei den gesetzlichen Krankenkassen versiche rungspflichtigen Mitglieder betrug am 1. September 11,43 millionen, am 1. Oftober 11.6 millionen. Die Zunahme der Beschäftigten beträgt also nach diesen Berichten, die 5214 Raffen umfaffen, 1,5 rom Hundert. Ebenso tommt eine Besserung der Lage in den Statistiken der Gewerkschaften über die Arbeitslosigkeit und Rur3 arbeit zum Ausdruck. Die Arbeitslosenziffer vermindert sich von M An Hand von Urielien Sachverständiger hat fürzlich Professor Sering festgestellt, daß die Stidstoffpreise um minde. stens 25 Broz gefenft werden tönnten. Eine folde Verbilligung der landwirtschaftlichen Produktionsfosten wäre auch für die städtische Arbeiterschaft fehr erwünscht, weil die Schuhzollpropaganda der Großagrarter in demselben Maße hin fällig wird, in dem es gelingt, die Betriebsmittel der LandPreffe bisher auf die Feststellungen Serings faum reagiert hat Das Stidstoffignbitat veröffentlicht jetzt fogar eine Mit teilung, aus der hervorgeht, daß man an einen weiteren Ab bau der Stickstoffpreife nicht denkt. Jestgehalten verdienen aus dem Kommuniqué des Synditats folgende Ausführungen: Bon allen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln find die Etide Stoffdüngemittel die billigsten Der Preis des Etiditoifs im schwefelsauren Ammoniaf liegt heute rund 20 Broz. urter den Workriegspreifen und sogar rund 40 Proz. unter bem gegenwärtigen Chile'alpeterpreis. Im Gegensah hierzu liegen die Breise der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse heute wesentlich über den Vorfriegspreisen. Der Landwirt fauft infolgedessen den Stickstoff mit einer viel fleineren Menge seiner Erzeugnisse, als vor dem Kriege; z. B. waren vor dem Kriege zur Anschaffung von 100 Kilogramm fchwefelfaurem Ammoniat rund 160 Kilogramm Roggen erforderlich, gegenwärtig dagegen wenig über 100 Rilogramm Roggen. Daraus geht hervor. daß schon jezt die Landwirtschaft eine ihrer wichtigsten Bedarfswaren wesentlich vorteilhafter be ziehen fann als vor dem Kriege, daß also die Geftungskosten feineswegs mehr in einem folchen Widerspruch zu Preisen stehen, wie das etwa während der Sommermonate der Fall war. Trotzdem wird man sich mit den Ausführungen des Synditats nicht zufrieden geben dürfen. Die Preise für Betriebsmittel der Landwirtschaft müssen soweit gesenkt werden, als das irgend dent. bar ist, damit auf diese Weise die Anwendung fünstlicher Düngemittel zur intensiven Kultur möglichst rentabel wird Dann ist jede unnüße Verteuerung des Getreides durch Zölle überflüssig. Diese Auffassung wird, wie kürzlich bei uns dargelegt worden ist, auch von dem bekannten Agrarfachverständigen Professor Aere boe geteilt. Wenn das Syndikat verhindern will, daß die Aufträge nicht zu spät erteilt werden, so sollte es daher jeht den notwendigen weiteren Preisabbau sofort vornehmen. Weigert es sich jedoch, so wäre endlich eine öffentliche Untersuchung darüber notwendig, in welchem Ausmaße die Stickstoffpreise gesenkt werben fönnen, wenn man die Raltulationsgrundlage ändert. Heute simb bie Breife so hoch, daß auch unwirtschaftlich arbei. tende Betriebe mit ihnen austommen, daß auf der anderen Seite aber die großen Werte des Anilinfonzerns gewaltige e bergeminne einstreichen. Die Beit ist aber vorüber, wo einzelne ernehmungen aus ihrer Monopolstellung derartige Uebergewinne ziehen dürfen. Die Neuorganisation des nordamerikanischen Gefretbehandels. Fünf der größten nordamerikanischen Getreidefirmen haben ihre Getreidelagerhäuser in einer Anzahl nordamerikanischer Städte mit Geschäfte an eine neugegründete Genossenschaft der getreide. bauenden Landwirte übertragen Die Getreidefirmen befasen riesine Getreidelagerhäuser in einer Anzahl nordamerikanischer Städten mit groken Geschäftsapparat. Hinter der Meubildung steht der ameritaeinem Faffungsvermögen von über 50 Millionen Bushel und einem nische Bandbund. Die Landwirte erhalen die volle Kontrolle über das neue Unternehmen. Die Vorteile der Neugründung sollen außer in den durch die Vereinigung der fünf Firmen zu erzielenben Betriebserfparniffen in einer beträchtlichen Befferung der Methoden des Getreideablages bestehen Der Abfah soll unter billiner Berücksichtigung der Produzenten und Konsumenten erfolgen. Die Verbraucher verteilt werden Man hofft, daß unter dem neuen Verbisherigen Profite der Getreidehändler sollen auf Landwirte und fahren die Landwirte je 6 bis 8 Cents pro Bushel mehr als bisher erhalten werden. Die Bedingungen der Geschäftsübertragung find für die Landwirte sehr günstia, fie müssen den Kaufpreis erst alimäh lich nach Makgabe ihrer Leistungsfähigkeit bezahlen. Man fragt fich warum sich die Geschäftsleute zu dieser Umformung ihrer Ge schäfte entschlossen haben. Der Grund dafür ist, daß dank der ſteigenden politischen Macht der Landwirte die ft aatliche Beein= fluffung und Kontrolle des Getreibehandels von Jahr zu Jahr zunimmt, was die Inhaber der großen Geschäftsfirmen zum Rücktritt von der selbständigen Tätigkeit zur Ueber= tragung ihrer Geschäfte an die Großgenossenschaft veranlaßt hat