Nr.512 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 260 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar? pro Monat. Der., Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten" sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldplcanig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmark, Reklamescile 4.- Goldmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 0,20 Goldmart( auläffig awei fettgedruckte Worte), febes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes. weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 0,30 Goldmark. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müfen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 30. Oftober 1924 Erste englische Wahlergebnisse. Konservative Erfolge- hauptsächlich auf Kosten der Liberalen. London, 30. Oktober. 1 Uhr Londoner, 2 Uhr Berliner Zeit.( Eigener Drahtbericht.) Der Stand der Parteien ist folgender: Konservative Arbeiterpartei Liberale Unabhängige 82, 41, 13, 1. London.( Eigener Drahtbericht.) Um% 1 Uhr Londoner Zeit ( ½2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) lagen folgende Gesamtergebnisse ver: Konservative 60, Arbeiterpartei 29, Ciberale 10, Unabhängige 1. und einen alten verloren, die Arbeiterpartei 3 neue gewonnen und 9 alte verloren, die Liberalen 2 neue gewonnen und 15 alte verloren. Eine erste Ausgabe der liberalen„ Daily News" bezeichnet in ihrer Baltenüberschrift den ersten Eindruck der Wahlen als einen völligen Umschwung zugunsten der Konservativen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depojitenfase Lindenstraße 3 Nieder mit der Reaktion! Bon Philipp Scheidemann. Niemals ist von einer politischen Partei ein so verächtliches Spiel getrieben worden, wie von den Deutschnationalen mit nur 116 Stimmen Mehrheit, standen jedoch diesmal lediglich mit der Erfüllungspofitit im allgemeinen, den Gesetzen zum einem fonservativen Bürgerblodkandidaten gegenüber. Dawes- Gutachten im besonderen. Niemals hat eine politische Das gleiche gilt für den, vom Arbeiterparteiler Sherwood in Partei irgendeines Landes selbst ihre eigenen Anhänger Wakefield an einen konservativen Bürgerblockgegner verlorenen Sig, so belogen und betrogen wie die Deutschnationalen. Niemals ben er im Vorjahr mit nur 621 Stimmen Vorsprung in einem„ drei- freilich sind auch politische Betrüger um die Früchte ihres edigen" Kampf gewonnen hatte. intriganten Verhaltens so betrogen worden wie die Deutschnationalen. Die Erwartungen der Parteileitungen. Condon, 29. Oftober.( WIB.) Wie der amtliche Funtdienst meldet, zeigen die in den Hauptquartieren der einzelnen parfeien eingegangenen Berichte, daß der heutige Wahlkampf überall ungewöhnlich scharf war. Sein Hauptmerkmal ist, daß sich die Frauen in einer nie dagewesenen Zahl an der Wahl beteiligen. Die tonservative Partei nimmt als sicher an, daß ihr eine tlare Mehrheit über die beiden anderen Parteien zufallen Damit haben die konservativen 20 neue Size gewonnen wird, d. h. daß es von 650 Parlamentsfihen mindestens 326 erlangen wird gegenüber 258 Sigen bei der letzten Wahl. In fonjervativen Kreisen wird erklärt, der Strom der Wähler sei so start, daß er Tausende von Wählern zur Wahlurne führe, die nicht nur im letzten Jahce, sondern niemals vorher zur Wahl geschritten feien. Die Konservativen rechnen auf den Sieg zunächst wegen des Sino wjew- 3wischenfalls, dann deswegen, weil in ihrem Programm der allgemeine Zolltarif nicht enthalten ist, der ihnen bei den lehten Wahlen die Niederlage brachte, und schließlich bauen fie darauf, daß die Wähler ihre Enttäuschung über die Tätigkeit der Regierung hinsichtlich der Arbeitslosenunterstüßung und der Wohnungsprobleme befunden werden. Im Hauptquartier der Arbeiterpartei erwartet man andererseits, daß die Partei trotz des Sinowjew- Briefs und der von den anderen Parteien an der Tätigkeit der Regierung im Innern geübten Kritik wesentliche Gewinne erlangen wird. herrscht die Auffassung, daß die Arbeiter einer Arbeiterregierung ihre weitere Unterstützung zuteil werden lassen, die sie instand fezzen würde, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Lösung der Wohnungsprobleme durchzuführen, wozu die bisherige Regierung nicht die genügende 3eit gehabt habe. Das Hauptquartier der Arbeiter regierung glaubt, daß sie zwischen 15 und 35 Sige gewinnen wird und der Arbeiterpartei im neuen Unterhaus London, 30. Oftober nachts..( Eca.) Die Gewinne der Konservativen sind bisher in der Hauptsache auf Kosten der Libe ralen errungen worden. Der Sohn des früheren Premierministers Baldwin, der als Kandidat für die Arbeiterpartei aufgestellt war, wurde von seinem fonservativen Gegner ge= ichlagen. Henderson, Walsh, Clynes wiedergewählt, Margaret Bondfield geschlagen. London, 29. Oktober. 11 Uhr 45 min. abends.( WIB.) Die ersten Wahlergebnisse bringen tonservative Gewinne in industriellen Wahlkreijen. Bisher haben die Konservativen acht Size gewonnen, davon vier von der Arbeiterpartei und vier von den Liberalen. Henderson, der gegenwärtige Minister des Innern, ist in Burnley gewählt. Bis 12 Uhr abends stehen 12 Wahlergebnisse fest, und zwar zehn konservative und zwei Arbeiterparteiler. London; 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Nach den bis 341 Uhr Londoner Zeit vorliegenden Resultaten sind folgende Mit glieder des Kabinetts wiedergewählt: Marineminister Stephen Walsh, im Wahlkreis Ince( Grafschaft Lancashire) mit 18 000 gegen 7000 Stimmen, d. h. mit etwa der gleichen Mehr heit wie das vorigemal. Der Großsiegelbewahrer Clynes ist in Blatting( Manchester) mit 1000 Stimmen Mehrheit wiedergewählt worden gegenüber 3000 bei der vorigen Wahl. Dagegen ist die Unterstaatssekretärin im Arbeitsministerium, MB Margaret Bonfield, die das letztemal den Wahlkreis Northampton mit 4000 Stimmen Mehrheit erobert hatte, dort geschlagen worden. Sie nar b.fanntlich das einzige weibliche Mitglied der Arbeiter regierung. Teilerfolge der Arbeiterpartei. London, 30. Oftober. 2 Uhr nachts.( Egener Drahtbericht.) Der linksradikale Arbeiterparteiler indischer Abstammung Satlat oala, der bei der letzten Wahl von seinem Bürgerblockgegner im Wahlkreis Battersea Nord( London) mit nur 186 Stimmen geschlagen worden war, hat seinen Siz zurüderobert. London, 30. Oktober, 12,50 Uhr vormittags.( Tul.) Soeben eingetroffenen Meldungen zufolge scheinen sich die Aussichten für die 211 beiterpartei gebeffert zu haben. Miß Ellen Wilkinson Arbeiterpartei) hat in Middleborough Ost einen auf Kosten Ser Liberalen gewonnenen Siz erhalten. In Lincoln verloren Die Konservativen an die Arbeiterpartei einen Sitz. = Mit Miß Wilkinson ist ein neuer weiblicher Abgeordneter ter Arbeiterpartei gewählt worden. Es handelte sich um einen„ dreiedigen" Wahlfampf genau wie im Vorjahre. Damals lautete das 213 bis 233 Size zufallen werden. Es Im Hauptquartier der Liberalen scheint man auf eine Besserung in ihrer parlamentarischen Stellung nicht zu rechnen. Es besteht die Ansicht, daß eher die Konservativen als die Liberalen Die Liberalen rechnen mit einem Berlust an Sigen in Schottland, von den Berlusten der Arbeiterpartei Borteil erlangen werden. doch hoffer sie im großen und ganzen, auf ihrer alten Höhe bleiben zu können. Starke Wahlbeteiligung. Condon, 29. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der Wahlkampf hat bis zur letzten Stunde seine Schärfe beibehalten. In der letzten Nacht haben beinahe 1400 Wahltandidaten einen letzten Appell an die Wähler gerichtet. Viele bürgerliche Wahlredner konnten ihre Ansprachen infolge des Widerstandes der Versammlungen nicht zu Ende führen. Die Abstimmung begann mit der Eröffnung der Wahlbureaus sofort unter sehr großem Andrang. In vielen Londoner Wahllokalen standen die Wähler in dichten Reihen bis auf die Straße hinaus. Der größte Teil der Stimmen ist bereits am Vormittag abgegeben worden. Abends 9 Uhr englischer Zeit( 10 Uhr bei uns. Red.) wurde die Wahl geschloffen. Die ersten Ergebnisse dürften gegen Mitternacht bekannt werden. Man rechnet damit, daß morgen am späten Vormittag das gesamte Wahlergebnis bekanntgemacht werden kann. Immerhin dürfte aber wohl noch einige Zeit vergehen, bis das endgültige Resultat bekannt ist, zumal, da die Wahl resultate von den Inseln und dem entfernten Norden spät eingehen werden. Mit Ausnahme ganz unbedeutender Zwischenfälle ist der Wahltag bisher völlig ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung ist bisher weitaus stärker als bei den früheren Wahlen. beteiligung der Frauen festzustellen. Die Mehrheit der Nationalversammlung hat im Juli 1919 die Unterzeichnung des Versailler Ver= trages beschlossen, nachdem von den Gegnern der Unterzeichnung die Erklärung abgegeben war, daß sie die ehrliche Ueberzeugung der Mehrheit nicht im geringsten anzweifeln. Raum waren die feierlichen Versicherungen der Deutschnationalen verhallt, als diese das Land mit ihrem verlogenen Lärm erfüllten: Wir fönnen, wir wollen, wir werden nicht erfüllen! Die Männer, die ihrer Ueberzeugung entsprechend dem Verjailler Diftat notgedrungen zugestimmt hatten, wurden als wurde der Dolch konstruiert, mit dem die Front erstochen die Berderber des Vaterlandes gebrandmarkt. Allmählich worden sein sollte und nun waren die Waffen für die ,, vaterländische" Agitation beisammen:„ Dolchstoß und Zustimmung zum Versailler Diftat!" Die Zahl der Jünglinge und Mädchen, die auf den alldeutschen, jungdeutschen, beuticnationalen Schwindel hineinfielen, war völkischen und größer als man hätte für möglich halten sollen. Die„ vaterdenen patriotisch mit den Zungen geraffelt wurde, weil es an ländischen" Organisationen öffentliche und geheime-, in Säbeln fehlte, fanden vielen. Zulauf. Die Hinweise auf 1813 regten die jungen Leute, denen das Verständnis für Ursache und Größe unseres Elends vollkommen fehlt, begreiflicherweise erheblich auf. Die ihnen angesteckten Hakenkreuze, Stahlhelme, bemerklich schwellen und wirkten auch auf die Stimmbänder Wikingerschiffchen, Johanniterorden usw. ließen ihre Brüstchen Waffenfunde, sowie das racheschnaubende Getue der Hergt, ein. Die Mitteilungen der Presse über Organisationen und Westarp, Mulle, Ludendorff, Hitler usw. erleichterten den und deren Begründung. Diese Bedrückungen leiteten wiederum Franzosen die Bedrückungspolitik, die Kontrollmaßnahmen Und so arbeiteten sich die deutschen und französischen Reaktio= den reaktionären Elementen bei uns Wasser auf die Mühlen. näre ausgezeichnet in die Hände. die Bedrückung Deutschlands erleichtert; sie sind verantwortDie Reaktionäre aller Richtungen, besonders aber die Deutschnationalen, haben durch ihre Agitation den Feinden lich für die Besetzung der Ruhr und für die Inflation, die jeden Rentner, jeden Pensionär, ja nahezu jeden Deutschen zum armen Mann, wenn nicht zum Almosenempfänger gemacht hat. Den Bemühungen der deutschen Sozialdemo= traten ist es gelungen, trotz der verbrecherischen Politik der deutschen Reaktion internationale Beziehungen besonders mit England und Frankreich wiederherzustellen. Die Sozialdemo traten der ganzen Welt verpflichteten sich auf Kongressen für die Revision des Versailler Vertrages zu wirken. In Frankreich wurde Poincaré gestürzt, in England der Führer der Sozialdemokratie, unser Genoffe Macdonald zum Ministerpräsidenten gemacht. Unter Herriot und Macdonald wurde dem ertrinkenden Deutschland der Damessche Rettungsgürtel zugeworfen! Wir sprechen absichtlich nur von einem Rettungsgürtel, der vor dem Versinken bewahrte, vor neuer Inflation, die dann aber zweifellos absolut tödlich hätte wirken müssen. Db wir, im letzten Augenblick vor dem Schlimmsten gerettet, nun wirklich wieder gesund auf die Beine kommen, das hängt nicht von dem Dames- Gutachten, sondern von dem deutschen Volke selbst ab Bolte selbst abschlägt es die Reaktion bei den bevorstehenden Wahlen gründlich aufs Haupt, dann ist Deutschland gerettet. Dann fann es mit bester Aussicht auf Erfolg an die Aufbauarbeit gehen. borlig: Ergebnis: Liberale 9241, Arbeiterpartei 7718 und Konser. Insbesondere iſt eine außerordentlich große Bahl Gutachtens sofort und setzte sich dafür ein. Die Deutschnatiorative 5790. In Lincoln war gleichfalls ein„ dreieckiger" Kampf, der sich im Borjahr zugunsten des Konservativen mit 11 338 gegen den Arbeiterparteiler R.-A. Taylor mit 9251 und einen Liberalen mit 6447 Stimmen entschieden hatte. Bürgerblock- Erfolge. London, 29. Oktober.( WTB.) Abends 11 Uhr. Die ersten bekannt gewordenen Wahlergebnisse brachten den konservativen fünf Gewinne, und zwar drei Site in Salford, einen in Wakefield und einen in Manchester. Die drei Salforder Wahlkrese( Umgebung von Manchester), die die Konservativen gewonnen haben, gehörten bisher den Arbeiterparte lern Ben Tillett, Toole und Haycod. Tillett hatte im Borjahre einen Konservativen mit nur 567 Stimmen Vorsprung geschlagen, hatte jedoch diesmal den Vorteil eines„ dreieckigen" Wahltampfes. Umgekehrt hatten Toole, und Hancock im Dezember 1923 in dreiedigen" Rämpfen gefiegt, ersterer mit 2731, letterar London am Wahltag. Condon, 29. Oktober.( Eca.) Ganz London befindet sich heute in einer Art von Taumel, die sich mit einem rheinischen Karneval vergleichen läßt. Schon in den ersten Morgenstunden begannen Straßenpaffanten, fich gegenseitig mit Bartei. tonfetti zu bewerfen. Die bekannten Politiker werden von großen Menschenmengen vor ihren Wohnungen belagert und auf der Straße durch lebhafte Burufe begrüßt. Tausende von Autos sind von den einzelnen Parteien eingestellt worden, um ihre Wähler zur Wahlurne zu führen. Wahlmüde werden von ihren Freunden und bezahiten Schleppern aus ihren Wohnungen hercusgeholt und in den bereitstehenden Autos in die Wahllokale gebracht. tei und ihre Wähler zu Lust bar feiten und Lüfterischen Dar Alle Parteien haben große Säle, ja ganze hotels gemie. bietungen eingeladen, in deren Verlauf die einlaufenden Wahl refuftate fofort bekanntgegeben werden sollen. Die Polizei stunde ist bis 4 Uhr nachts verlängert worden. Die Sozialdemokratie erkannte die Bedeutung des Damesnalen aber beschimpften wiederum jeden, der sich auf den Boden des Gutachtens stellte, als Landesverräter. failles", einem neuen Fluch", den das deutsche Volk Helfferich sprach von einem zweiten Berauf sich nehme. Her gt unterstrich den Fluch und schnitt auf der Reichstagstribüne die fürchterlichsten Grimassen und appelte mit Händen und Füßen, als er das Gutachten in die Wolfsschlucht schmiß. Tirpit nannte das Dames- Gutachten einen Schwertstoß ins Herz des deutschen Boltes". Die deutschnationale Presse tobte über nationalen Berrat. Wir Sozialdemokraten fennen unsere Pappenheimer, Gefolgsmannen einzuschätzen und zu behandeln hat. Wir wiffen, wie man die deutschnationalen Steifleinenen und ihre brachten sie schier zur Verzweiflung, indem wir ihnen Tag für Tag wörtlich oder dem Sinne nach auf den Kopf zufagten: Ihr werdet ja doch zustimmen, ihr Heuchler, den ihr habt ja eine Heidenangst vor Neuwahlen, vor der Abrechnung des Volkes!" Sjergt, der gefeierte Führer der Deutschnationalen, kochte vor Zorn— begreiflicherweise, hatte e r doch sogar verlangt, daß die Reichsrcgierung, weil sie dem Dawes-Gut- achten zustimmen wolle, vor den Staatsgerichtshof gestellt werden müsse! So hatten die Deutschnationalen aufoffenerBühne gespielt, jsinter den Kulissen kuhhandelten sie mit der Deutschen Volkspartei, den würdigen Erben der Nationallibe- ralen, um den Judaslohn, den sie bekommen sollten, wenn sie verrieten, was sie öffentlich feierlich gelobt hatten. Die„Volksvertreter" wurden sich einig. Wenn die Deutschnationalen, die sich zur Erfüllungspolitik bereit erklär- ten, soviel Mann abkommandierten, day das entscheidende Dawes-Gesetz über die Eisenbahnen die verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit fände, dann sollte das Koalitionsmini- sterium in Preußen gesprengt werden, die Deutschnationalen sollten vier Ministerposten in der Rcichsregierung haben und der Vürgerblock sollte begründet werden! Für Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten war die Zustimmung zu den Dawes-Gesetzen eine Handlung im Interesse von Volk und Vaterland, also ein vaterländisches Beginnen, für die Deutschnationalen aber war es doch, wie sie tausendfach verkündet hatten, Volks- und Landes- o e r r a t! Sie stellten die„Landesverräter"— 49 ausgewachsene Deutschnationale von insge- samt 99, die sich an der Abstimmung beteiligten. Als ihnen dann— oildlich gesprochen— nach dem „Schwertstoß ins Herz des deutschen Volkes" millionenfältig ins Gesicht gespukt wurde, da schrien sie nach der Belohnung und verlangten die vier Stühle im Reich, verlangten die Be- seitigung Severings und Brauns in Preußen, verlangten den „Bürgerblock, ohne den sie Bürger, Beamte, Geschäftsleute und Arbeiter durch Zölle und Steuern nicht s o schröpfen können, wie sie es für erforderlich halten, wenn sie s i ch s e l b st gebührend schonen wollen. Der deutsche Michel hat sich schon hundertmal belügen und betrügen lassen. Als Ludcndorff längst wußte, daß alles oer- loren war, als er feine Friedens-Betteltelcgramme nach Berlin bereits formuliert hatte, sein Kumpan Nicolai aber immer noch Siegesmeldungen produzierte, da glaubte der gute deutsche Michel immer noch an den Sieg! Als Ludendorff vor dem durch i h n verschuldeten vollkommenen Zusammenbruch unter dem Namen Lindström aus Angst längst nach Schweden ge- flohen wer, da wartete der deutsche Michel immer noch auf die Siegesbotschaften. Und als später, nachdem die Sozialdemo- traten das Vaterland wirklich vor dem Zerfall bewahrt hatten, die reaktionäre Sippschaft die bekanntesten Arbeiterführer Tag für Tag verdächtigte und verleumdete, um die Aufmerksamkeit von den eigenen Schandtaten abzulenken, da ist der deutsche Michel wiederum vielfach auf die plumpen Manöver hinein- gefallen. Wird der deutsche Michel die Zipfelmütze nun endlich " herunternehmen, nachdem die Deutschnationalen sich offen vor aller Welt als ganz gewissenlose, unwahrhaf- tige.unehrlichePolitiker gezeigt haben? Wer kann einem Menschen, der heute gegen Entschädigung tut, was er gestern als erbärmlichen Verrat gekennzeichnet hat. das ge- ringste Vertrauen schenken? Wo ein Deutschnationaler oder ein voltsparteilicher Ge- sinnungsverwandter sich sehen oder hören läßt, da weist ihm die Türe! Bei den Wahlen zur Bürgerschaft in Hamburg haben Zehntausende Wähler den Deutschnajionalen, der Deut- schen Volkspartei und den Völkischen entrüstet den Rücken gekehrt. Diese drei Parteien haben zusammen nach kaum fünf Monaten nahezu 69 999 Stimmen verloren. Der Verlust der Kommunisten beträgt rund 33 999 Stimmen. Die S o- zialdemokratie allein hat 1999 Stimmen gewonnen, obwohl die Beteiligung an der Wahl ganz bedeutend zurückgegangen war. Mit Abscheu muß und wird Auruck zur Musik. Konzeriumschau von Kurt Singer. »Zurück zur Musik"— doz kann ein Schlachtruf fem, wie einst Rousseau m seiner neu«,»Heliose" und in»Emile leiden- schafilich ein»zurück zur Natur" verründete. Vielleicht ist beides s» gar das gleiche. Auch in der musikalischen Gestalt, im Ausdruck musikalischor Gefühle muß Natur und organisches Wachsen der Will- kür und Unnatur ein Varoli bieten köirien. Dieses selbstverftänd- liche Motto darf allerdings mcht völlig inst rückwärtsgewandtem Kopf vor uns stehen; denn das würde Leblosigkeit bedeuten, fhn- liches Berauschen an bequemen, eingängigen und durch die Erinne- rungskraft schon angenehm wirkenden Werken. Das Herz des Kom- ponisten muß in jedem Musiktakt pochen, und ein Charakter soll in jedem Rhythsnus, in jeder Harmonie Ausdruck gewinnen. Das kann und darf im 20. Jahrhundert nicht klingen wie im 17. oder 18.. weil man nicht das Klischee als mustergültig hinstellen. Wenn wir aller- dings ganz kritisch und hart sind, so können wir wohl sagen, daß 90 Proz. aller erscheinend cn Kompositionen, unter dem Gesichts« winhel der Ewigkeit gesehen, überflüssig sind, weil sie entweder nicht Geist und Wille von heut«, sondern von vorgestern haben oder weil das Gewollte nur in der bizarren Abwegigkest unschöpferifch« Tage»- bedeutung erhält. Symptomatisch wird der Ruf»Zurück zur Musik" dann, wenn ein ganz Moderner anfängt, sich zu wandeln, wenn er oerbrennt, was er angebetet, anbetet, was er verbrannt hat. Das schien bei dem jugendlichen und begabten Rudolf P e t e r k a der Fall zu sein, der fein Opus g mit jenem Motto versieht und in einer lebenskrästiqen Musik modernen»Gottesdienst treffter Der- innerlichung der Menschen höherer Geistesziele" steht. Sein Quartett ist reine Gcsühlsmusik. Dos wimderfchön dahinNingend« Adagio, dessen Anfangsthema auch im Allegro und im Schlußsatz wieder- kehrt, wird nicht nur äußerlich Zentrum des Musikstückes. Ein energischer Rhythmus und eine sehr solid« Satztechnik zeichnen den ersten,«in slawisches Tanzmetos, das wieder rhythmisch an das Adagio erinnert, de» dritten Satz aus. Nichts von atonalen Gebär- den. nichts von Willkürtichkevm. Also rein« Musik, reine Empfin- dung. Allerdings geht die Melodie deutlich auf Schubert und auf das Brucknerschc Streichquintett zurück. Das Schachtebeck- Quartett nahm sich der Novität mit Eiser und in einer schwimg. vollen Darbietung an. Jenes Motto erfüllt sich immer wieder, wenn wir«in Händel- sches Oratorium hören. Als Händel von der Oper weg zum epischen Oratorium schritt, bezeichnete er selbst die neue, im Stilko,- trost zu den Passionen stehende Kunst als.sein" Oratorium. In dem Worte Epos liegt bereit« der stärkst« Kontrast zu den lyrischen Arien und dramatischen Chören etwa Bachs, Tclemans, Matthesons. Der Chor der Singakademie unter Georg Schumanns Leitung sang»Israel in Aegypten: und brachte die ununter- kroch ene. gewaltig« Schönheit u id Größe dieses Chororatoriums zu uachbrücklichster Wirkung. Gerade das konirastterende Element zun. schen den n der Stimmung gehaltenen tontemptiven, sinnenden Chören und dem mehr aggressiv kriegerischen, das Massige bewnen- den Chören wurde' durchaus lebendig dargestellt. In jedem«in- zelnen Satz ist ein« fest umrissen« Stimmung tonzentnert festge- das Volk stch von den Reaktionären wenden, sobald es sie in ihrer ganzen Erbärmlichkeit, Habgier und Herrschsucht er- kannt hat Die bevorstehenden Wahlen geben Gelegenheit, die Ge- waltpolitiker von rechts und links zu erledigen. Tut es, Wähler und Wählerinnen, indem ihr sozialdemokratisch wählt! Harakiri! Bruderstreit der Schwgrz-Weist.Roteu. Die„Kreuzzeitung" sieht sich gezwungen, aus den ihr nahestehenden Kreisen eine Zuschrift eines Herrn v. St. Gr. abzudrucken, in der eine schwere Niederlage der Deutschnationalen vorausgesagt wird, Die Zuschrift führt die bezeichnende Ueberschrift„Harakiri", womit be- kanntlich der Japaner die dem Europäer höchst unsympathische Sitte des sich selber den Bauch Aufschneidens bezeichnet, und führt aus: Alle Parteien, die an den eklen Berhand- l u n g e n um die Regierungsbildung beteiligt gewesen seien, hätten,„milde gesagt, einen guten Teil des Vertrauens �ihrer Wähler verloren." Darum bleibe gar nichts anderes übrig, als daß alle Rechtsparteien das Harakiri, den selbstmörderischen Bauchschnitt, an sich vollzögen und unter der einigen Parole „Schwarzweißrot!" in den Wahlkampf gingen. Die„Kreuzzeitung" nennt das„ein charakteristisches Zeichen aus den Kreisen der Wähler", ist aber von der Heil- kraft des angegebenen Rezepts nicht ganz überzeugt. Wie weit hin es mit der schwarzwcißroten Einheitsfront ist, zeigt übrigens zu gleicher Zeit ein Aufsatz des bisherigen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten o. Freytagh- Loringhoven in der„Deutschen Zeitung". Dieser be-' kannte Führer der Unversöhnlichen bezeichnet es als die Hauptaufgabe der Deutschnationalen,„wieder(d. h. nach dem Umfäll vom 29. August. Red. d.„B.") mit aller Kraft gegen die Erfüllungspolitik Front zu machen". Herr v. Freytagh-Loringhoven wendet sich sodann gegen HerrnStresemann mit folgenden Liebenswürdigkeiten: Hekr Stresemann habe sich mit seiner Hamburger Rede „plump und taktlos" in die inneren Verhältnisse der Deutschnationalen eingemischt. Außenpolitisch habe er immer ein„ungewöhnliches Ungeschick" bewiesen. Strese- mann sei„kranrvorEitelkeit,völligurteilslos und könne nicht mehr ernst genommen werden." Auch Herrn o. E a m p e, der in der letzten Sitzung des Preußischen Landtags die Treue der Volkspartei zur großen Koalition verkündete, sagt Herr v. Freytagh gründlich sein« Meinung, um folgendermaßen zu schließen: Unter diesen Umständen muh-an die Volkspartei die Frage gerichtet werden, ersten», ob sie die Erklärungen de» Herrn Stresemann billigt und im Ernst der Deutschnationalen Volkspartei zumuten will, sich ihr als dienendes Glied anzuschließen und fortan m it te l par te il i che Erfüllungspolitik zu treiben, und zweitens, ob die Worte des Herrn von Camp« tot- sächlich den Sinn hatten, daß in Preußen dl« Koalition mit den Sozialdemokraten aufrechterhalten werden soll? Antwortet sie auf diese Fragen mit einem Ja, dann kann von der vielberufenen Einheitsfront nicht mehr die Red« sein. Festzustellen ist also eine starke Spannung zwischen den Deutschnationalen und der Volkspartei, aber auch zwischen denDeutschnationalen selb st. Denn während Graf W e st a r p in der»Kreuzzeitung" bei der Absicht bleibt, nach den Wahlen mit Volkspartei und Zentrum einen Bürgerblock zu gründen, suchen Freytagh-Loringhoven und die deutsch» nationale Prooinzpresse durch wüstes Schimpfen auf Zentrum und Volkspartei diese Absicht zu hintertreiben. Harakiri! Harakiri! .Kleine Nebel!" In der»München-Augsburger Abendzeitung" setzt der deutsch. nationale Jasager V. Strathmann auseinander, nicht ein ein- ziger seiner Freunde habe mit seiner Abstimmung«in« Rechtfertigung halten, in den 19 chorischcn Nummern des Werkes steckt die Hand» lung, die Gesamtatlion selber. Und das ist eine Wesenheit der Musik, von der man wohl sagen darf, daß sie ihrer Natur am angemessen. sten scheint. Daher auch der geradezu populär« Charakter aller Händelschen Oratorien. Für die Solisten wird durch eingeschobene Arien ein« Betätigung frei gemacht. Frau iy o e ß l i n ist im Stil dieser Musik kaum heimisch, Frau P o S-C arloforti fand sich mit «ine? aus dem Esther-Oratorium entnommenen Sopranari« mehr stilistisch' als technisch zu recht. Ganz andere Musik und doch Musik von Dauer, allerdings be- stimmt durch den Rhyth-nus der Zeit und des heutigen Lebens, ist Strawinskis„Petruschko". Vor Jahren Hot Brecher in der Philharmonie dieses Werk synsonisch vorgeführt. Damals riefen wir nach den unbedingt notwendiges Darstellungen des Rhythmus in der tänzerischen Bewegung. Ohne irgendroi« auf die Qualität und die Choreographie im D i ag h il« w- Ballett«inzugehen: die musikalischen Szenen wurden von einem mittleren Orchester in der Volksoper innerhalb des Tanzmelos«indringlicher wiedergegeben. als einst von einem erstrangigen Orchester ohne die notwendige Ballettunterlage. Sein ganzes Leben lang hat Max Bruch um die große Form des Oratoriums und auch der Messe gerungen. Ein populärer Zug, bedingt durch eine schöne Erfinoungsgabe und durch lebhaftes Kon- trastieren zwischen Innig Kit und Pomp geben seinen Chorwerken ein eigentümliches Gepräge. Man erkennt ihn als«inen tief fühlen- den, romantischen Musikcharatter. wenn auch ohne tiefste Geistigkeit und Leidenschaft in all seinen Chorwerken wieder. Die„Typo- graphia" unter Alexander Weinbaums charaktervoller Lei- tung erweckte das bekannte Jugendwsrt Bruchs die Chor- kanlate Frithjof wieder zum Leben. Diese Wieder. «rweckung wird allerdings alle paar Jahr« erfolgen und ebenso wieder veraessen werden, weil bei aller Würdig- keit und Kräftigkeit der Musik, ja bei gewissem Hochschwung zu dramatischer Erregung unser musikalisches Fuhlen in dieser nach- romantischen Atmosphäre nickst mehr ganz zu Hause ist. Eine so wuchtig« und gleichzeitig in den dramatiichen Partien abgedämpfte Aufführung, wie die der„Typographia" mit Albert Fischer und Adelheid Pickert(sowie Paula Weinbaum) als prominenten Solisten wirbt unbedingt für das Werk. Und im ganzen bleibt es höchst begrüßenswert, daß einmal ein namhafter Männerchor wieder ob- rückt von den Einzelgesöngen zu einer auch inhaltlich geschlossenen oratorischen Ausführung. Daneben standen Werke von d'Albert und Btr r. Im 2. Sinfoniekonzert der Staotsopernkapelle dirigierte Kleiber eine respektabel instnirneittiertc und wirkungsvoll«, doch im Gesomthabitus musikalisch nicht sehr bedeutende Ouvertüre von Berlioz,»Der C o r s a r". Sie kommt feiner eigenen, von ner» vösen Einflüssen reichlich abhängigen Art des Dirigieren« außer- ordentlich entgegen; deshalb wirkte st«. In den„Gesichten" von Bernhard S e t l« s konnte er ein« musterhafte Detailzeichmmg geben, verbunden«it kecken und koketten, doch durchaus das Wesent- liche der kleinen Snick« tresfeichen Dorstcllnngsnüancen. Diese phon- tcrsttschcn Miniaturen sind kleine Einfäll«, die kaum durch Erfin- dungsreichtum. wohl aber durch ihre koloristische Aufmachung und rhythmische Dielseit-gkeit so lang« interessiere» wie sie klingen. Visionär aushuschend, geisterhaft abklingend, mit deutlichen exotischen der von der Regierung betriebenen AußenpoKttk beabstchtigi. Keine? wolle auch nur ein Wort der Kritik an den Gesetzen zurücknehmen. deren Annahme sie ermöglichten. Also e« bleibt beim»zweiten Versailles", bei den..V- r s i lav u n g s g e se tze n". es bleibt dabei, daß jeder, der für sie stimmte, wegen Landesverrats vor deä Staatsgerichtshos gehört.»Keine Rebell" ruft v. Strathmann emphatisch aus. und:„Diese Nebel müssen zerstreut werden." Warum aber, verehrter D. Strathmann, dann doch? Weshalb, wieso, weswegen, zu welchem Ende? Ganz einfach, die Linke wollt« sich damals durch die Auslösung die Macht sichern, und »dieses Spiel wollten wir durchkreuzen und haben mir durchkreuzt". Nun wird's lag! Di« Sonn« scheint auf ein deutschnattonoles Heldenschauspiel._ SteuerhiaterZieher in Zront! Gute Aussichten bei der Schachcrpartei! Das Finanzamt St. Pauli-Eimsbüttel in Ham- bürg gibt bekannt, daß ein Emil Oppermann gemäß rechts- kräftigen Steuerbescheids vom 12. Juli 1924 wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung zum eigenen Dorteil zu 1l>0l)<1 M. Geldstrafe verurteilt werden muhte. Die Veröffentlichung des Straferkenntnisses auf Kosten des Verurteilten in vier Hamburger Zeitungen wurde angeordnet. Wer ist dieser Emil Oppermann? Er ist ein Großschlächter, der auf der deutschnationalen Kandidatenliste für die Bürgerschaftswahlen stand. Peinlich. Noch peinlicher, daß er sich unter den 28 gewählten deutschnationalen Abgeordneten befindet. Um so peinlicher, als feststeht, daß der deutschnationalen Partei- l e i t u n g bei der Aufstellung der Kandidatenliste die B c r- urteilung des Herrn Oppermann bekannt war. S-e hat es bis auf den heutigen Tag unterlassen, von dem öffentlich gebrandmarkten Steuerhinterzieher abzurücken. Vorsätzliche Steuerhinterziehung zum eigenen Vorteil scheint demnach bei den Deutschnationalen kein Hinderungsgrund zur Aus- Übung de? Parlamentstätigkeit zn sein. Das ist leicht verständlich. Warum soll eine Partei, die mit politischer Ueberzeugung, Stimmzetteln. Ministcrportefeuilles, Gehpelzen. Kleidern, Briketts und charitativer Weihnachtsbeihilse handelt, nicht einen Steuerhinterzieher zu ihrem berufenen Vertreter wählen? Ein knifflichcs Geschäft erfordert eine dementsprechende Geistes- kapazität._ Schwarzweißrote Spitzelwi'rtschast. „Waffen" gegen das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Bor einiger Zeit forderte der Vorsitzende des bayerischen Bun- des„Bayern und Reich", Hauptmann a. D. Heiß dazu auf, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold systematisch zu bespitzeln. Daß di« Bespitzelung des Reichsbanners auch von den Hakenkreuzlern außerhalb Bayerns betrieben wird, beweist«in Dokument, das unser Stettiner Parteiorgan, der„Bolksbote", veröffentlicht. Es Handell sich um«in Rundschreiben Nr, 2ö der Bastei-Ostkammer(Sitz Lauen bürgt des„J u n g d e u t s ch«» Ordens" vom 30. September. In dem Schreiben heißt es: „MU dem Führer des Stahlhelms für Hinter- pommern ist eine Vereinbarung getroffen worden, daß beide Verbände künftig in friedlicher Arbeit nebeneinander gehen in gegenseitiger Anerkennung und Kameradschaft. Mit dem Jung. stürm und der deutschen Bürgerschaft, die einem Zi<' zustreben, ist örtlich zunächst ein gleiches zu vereinbaren, bis seitens der Führer dieser Verbände mit dem Orden Regelung erfolgt. Jungdeuffcher Orden und Stahlhelm verpflichten sich gagenseitig zu gemeinsamer Abwehr des Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold." In einem besonderen.Fragebogen" werden die örtlichen Leiter des»Jungdeutschen Ordens" angewiesen, genaue In- for mationen über die Stärk« und die Führer des Reichs- banners Schwarz-Rot-Gold, der Kommunistischen Partei und der Separatisten sowie über den als„fremde Macht" bezeichneten katholischen Verein einzuziehen. Diese Fragen —»——n m%cM Einschlägen, weckten die Impressionen des bekannten Frankfurter Meisters teils ruhig« Befriedigung, teils behagliches«chmunzeln. Solch« Kurzweiligkett ist recht etwas für das Publikum. Wir möchten bald bei Kleiber etwas hören, was gegen das Publikum ist. Der nächste Abend kann«s bringen. Es hieße„Eulen nach Athen tragen", wollte man das Rose- Quartett preisen. Wären all« Konzerte so vom Geist der Musik erfüllt, in dch: technisechn Ausbalancierung derartig vollendet wie di« Beethoven-Abende dieses Elitequartells, so dürfte di« Musikkritik ihr Amt al, erledigt betrachten. Don den Schneeoo igt- Konzerten ist zu berichten, daß sie einem hochgestimmten Publikum Beethovens sinfonisches Werk und fein« Konzens zu Herzen spielen. Ein Künstler von dem pädagogischen Ruf Richard Roeßlers verleugnet zwar an seinem Konzertabend durch«in« besonders delikate Phrosierung diesen Lehr- zweck nicht, weiß aber bei dem Vorttag der Schubertschen �-Moll- Sonate gleichzeitig Gesang, Empfindung und Lyrik ans den Tasten klingen zu lassen. Er spielte außer Schubert Bach, Beethoven und Schumann— das Alarmierende des Kampfrufs»Zurück zur Musik" ist hier glücklich verloren gegangen. Nauhe Vahlsitten. Bei den jetzigen englische» Wahlkämpfen wird viel über gemalt- sam« Störungen von Versammlimgen und allerlei Tätlichkeilen ge- klagt. Das ist bei den englischen Wahlen nichts Neues, und ein Veteran der englischen Wahlkämpfe, der Führer der konservativen Wahlagenten Londons I. H, Bottomley behauptet sogar, in seiner 40jährigen Erinnerung seien die Wahlsitten immer besser geworden. Die Szenen, d« er aus früheren Wahlkämpfen anführt, be- Migen sei«,« Anschauung. So crzähtt er. daß es früher bei Wahl- Versammlungen gar nicht selten war, daß plötzlich die Gasflammen ausgelöscht wurden und in der vollständigen Dunkelheit«ine furcht- bare Schlägerei losging. Die Radaubrüder trieben es manchmal so arg, daß die KandidMen sich nur noch zum Fenster hinaus flüchten konnten. Zu gefahrlichen Zwischenfällen kam es bei der Wahl von 1910: In Bclfast wurde ein« Bombe in«in Wahllokal geworfen und ein Mann schwer verletzt. öZ Personen wurden wegen dieses An. lchlogs«erhoftet. und bei der Serichlsverhandlung sagte einer der Täter:„Das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem. was wir für das nächste Mal vorhaben. Wir werden dann gleich die Leichen- wagen bestellen, um die Leute abtronsportteren zu lassen." In Repton stürinlen bei diesem Wahlkampf 300„konservative" Schul- jungen das Bureau de? liberalen Kandidaten und bombardierten ihn .und fein« Anhänger mit allen möglichen Wurfgeschossen, von Feder- Haltern bis zu Tintenfässern. Als Lord Cecil«ine Wahlrede hielt, flog«in großer Ziegelstein dicht an ihm vorbei. Er verlor aber feine Ruhe nicht, sondern sagte, er hoffe, daß der Werfend« seinen Gegner wählen werde, denn er wolle lieber durchfallen als Msn- schen im Parlament vertreten, die eines solchen Benehmens fähig seien. In South Hackney wurden die Unionisten mit einen, Hagel großer Steine begrüßt; viele erlitten Verletzungen, und die Frau des lmionistijchen Abgeordneten Sir William Bull wurde schwer ver» mundet. Daß«in Abgeordneter vor dem Gebrüll der Versammlimg nicht zum Rede» kam, war sehr häufig, und bei de» handgreiflichen sind sehr genau spezialisiert und beziehen sich auch auf solche Be hörden, die dem Reichsbanner feindlich gegenüberstehen. In einer Schlußbemerkung auf dem Fragebogen wird gesagt: Bedenkt, daß diefe Nachrichten Waffen in unserer Hand find, die sorgfältig gejamiedet sein wollen." Spigelei gilt bis auf den heutigen Tag als eine gemeine und verwerfliche Handlung. Eine feine Gesellschaft, die Stahlhelm und jungdeutschen Ordensleute, die ihre Anhänger zu Schuften erzieht! Die Deutschnationalen forrumpieren die Wählerschaft durch Geld, ihre schwarzweißroten Ableger demoralisieren bie Jugend, indem fie sie zu ehrenrührigen Handlungen anhalten! Das ist die„ chriftliche" Erziehungsarbeit der allerchristlichsten Partei bei Nicht befehen. Arbeitsgemeinschaft der Mitte. Volksparteiliche Methoden. Die Arbeitsgemeinschaft der Mitie" besteht augenblicklich in der Gemeinschaft der Absicht, sich gegenseitig zu verarbeiten. In der„ Boff. 3tg." hatte Herr Erkelenz die zutreffende Bemerkung gemacht, daß eine Hereinnahme der Deutschnationalen in die Regierung die Befreiung der besetzten Gebiete erschweren würde. Das offizielle Organ der Volkspartei, die " Nationalliberale Korrespondenz" erklärte darauf, schlicht und einfach, der Artikel des demokratischen Führers fei Hochverrat, wenn das Wort Hochperrat überhaupt noch einen Sinn hat." Die" Boff. 3tg." antwortet darauf: Das ist der unverfälschte Hitler Graefe Zudendorff- Lon. Das wagt man einem Mann von dem leidenschaftlichen Patriotismus eines Erkelenz zu bieten. Das wagt die ,, Nationalliberale Korrespondenz", die noch vor wenigen Monaten mit Recht empört war, wenn von rechtsradikaler Seite gegen Dr. Stresemann derselbe Borwurf erhoben wurde. Für diese feige und verräterische Kampfesweise gibt es feine Kennzeich nung, die scharf genug wäre. " Die Boff. 3tg." übersieht in ihrer begreiflichen Ents rüstung, wie entseglich dumm die„ Natl. Korr." ift. Denn sie bezichtigt die Bolkspartei selbst, mit einer Partei in der Regierung zu figen, deren Führer ein Hochverräter ist! Das werden sich die Deutschnationalen natürlich im Kampf gegen die Volkspartei nicht entgehen lassen. Aber vielleicht betrachtet es die Natl. Korr." als ihre Aufgabe, gegen ihre eigene Partei für die Deutschnationalen und die Bölkischen zu wirken. Ein Wunder wäre das nach ihrer bisherigen Entwicklung nicht. Die Ursachen des völkischen Haders. Unsinnige Geldwirtschaft und persönliche Bereicherung. München, 29. Oktober.( Eca.) lleber die Vorgeschichte des 3wistes in der völfischen Bewegung veröffentlicht der Bayerische Kurier" eine Reihe interessanter Einzelheiten Die Differenzen gingen schon auf das Jahr 1922 zurüd, mo bereits versucht worden sei, die völkische Bewegung für persönliche 3mede zu mißbrauchen. Auch sei es wiederholt zu schweren inneren Streitigkeiten gekommen, in deren Folge ganze Sturm abteilungen aufgelöst werden mußten. Die Bartei habe eine geradezu unsinnige Geldwirtschaft betrieben. Die Sturmabteilungen hätten Unsummen von Geld verschlungen, bei spielsweise kostete der Deutsche Tag" in Nürnberg ber Partei mehr, als die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen und frei willigen Geldspenden für mehr als drei Monate ausmachten. Die Verfuche, Hitler von seiner militärischen Einstellung abzubringen, feien fehlgeschlagen. Schon seit dem Jahre 1923 und Anfang 1924 feien gegen den Geschäftsführer Amman und Hermann Esser die schwersten Borwürfe erhoben morden: persönliche Bereicherung, Devisengeschäfte, mangelhafte Buchführung usin. Auch die Bemühungen zur Reinigung der Partei von solchen Schäolingen feien vergeblich gewefen. Dr. Feder richtete anfangs August 1924 einen Brief an Hifler mit Vorwürfen über verschiedene Bortommniffe( Sefigelage usw.), in dem er fordert, zur gewohnten Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der gegnerischen Bar. teien floß viel Blut. Auch Lloyd George hat während des Burenfriegés beim Wahlkampf viel auszustehen gehabt, und bei einer Ber. fammlung fam er in eine so gefährliche Lage, daß er nur noch in der Uniform eines Schußmanns durchs Fenster flüchten und sich so retten fonnte. alten Partelarbeit zurückzukehren und den militärischen Apparat einzuschränken. Effer habe sich, trok jeiner am 9. November erfolgten Flucht nach Desterreich, sein Gehalt meiter zahlen lassen und von den in Salzburg gesammelten Summen zur Unterstüßung notleidender Parteigenossen einen Geldbetrag erhalten. Preußentag des Zentrums. Die große Koalition muß bleiben! Der Parteitag der Preußischen Zentrumspartei wurde gestern vormittag vom Bräsidenten Borsch eröffnet. Das politische Referat erstattete Landtagsabgeordneter Gottwald. Er bezeichnete als Richtlinie für die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages die Politit der Mitte, die eine Politif des Ausgleichs fei. Das Zentrum sei die einzige Partei, die den Grundfaz Der Gleichberechtigung aller Staatsbürger nicht nur proflamiere, sondern auch in die Tat umgesetzt habe. Zur Frage der großen Koalition führte Abg. Gottwald aus: und in den meisten Ländern erwägt, wird allein in einer frisen. Wer den beständigen Regierungswechsel im Reich losen Zeit von solcher Zeit den Beweis für die Richtigkeit der Sentrumspolitik fehen, die den anderen Barteien die gemeinsame Arbeit geradezu aufdrängte. In dieser Zeit ist Preußen von größeren Unruhen verschont geblieben; der Gegen faz gegenüber der Vergangenheit und gegenüber anderen deutschen Ländern, die zeitweise in sehr schwierige Lage gerieten, läßt dieses Berdienst der preußischen Regierung flar hervortreten. Diese Ruhe und Stetigkeit war die stärtste Stüge für das Reich, das feinen äußeren und inneren Schwierigkeiten erliegen muß, wenn es nicht an Preußen einen stärkeren Rückhalt besitzt. Man wird sich, um nur auf besonders wichtige Tatsachen hinzuweisen, taum has Schicksal des Rheinlandes und Oberschlesiens vorstellen fönnen, wenn eine einseitige Politik den Deutschen zum größten Feind seines Volfsgenossen gemacht hätte. Die Entschiedenheit, mit der fich das Zentrum für die Politif der Sammlung einsetzte, hat es innerhalb der Koalition für die Vertretung seiner eigenen Grundsäte aufgewendet. Infolge der Koalition mit den Sozialdemo fraten ist es der Zentrumsfrattion gelungen, einen Kulturampf, der oft in drohende Nähe gerüdt war, zu verhindern. Mit Ende der Legislaturperiode tann die politische Lage dahin zufammengefaßt werden, daß die alte Landtagsfraktion der neuen feinerlei Berpflichtungen hinterläßt; die Entschließungsfreiheit wurde der neuen Zentrumsfraktion volliommen gewahrt. Zur Frage der Kulturpolitik führte der Redner u. a. aus: Der Kampf um die tonfeffionelle Schule sei in der VerDer Kampf um die tonfefsionelle Schule sei in der Vergangenheit mit den schärfsten Mitteln geführt worden. Der Be stand der christlichen Schule hänge von der Wachsamkeit der christ lichen Bevölkerung ab. Die Entscheidung liege allerdings beim Reich, aber die Gegensäge machten sich auch in den Schulverwaltungen der einzelnen Länder geltend, und erschwerten die fruchtbringende Arbeit. Die Kulturpolitit der Zentrumsfrattion sei unbestritten. Die 3 u. fammenarbeit mit der Sozialdemokratie habe auf die tiefen Bestrebungen, die christliche Schule zu erhalten, feinen Einfluß gehabt. Die Sozialdemokraten wissen ganz genau, daß die Roalition mit der Zentrumspartei sofort gefährdet, ja unmöglich gemacht würde, wenn man die christliche Kulturpolitit des Zentrums einzufchränten versuche. Dann be schäftigte sich Geheimrat Dr. Porsch im Schlußwort besonders Dem Referat folgte eine angeregte Disfuffion. ausführlich mit der Frage der Koalition mit der Sozialdemokratie. Das Zusammengehen mit der Sgzialdemokratie in der Politik bedeutete noch lange nicht eine Gesinnungsgemeinschaft mit der Sozialdemokratie, Das unvermeidliche Zusammengehen mit der Sozial demokratie hat aber auf der anderen Seite sogar Momente für sich, die auch im fommenden Wahlkampf nicht übersehen werden dürfen; wenn wir Ruhe im Innern haben, so ist das gerade der Mitarbeit der Sozialdemokratie in der preußischen Regierung auch zum großen Teil zuzuschreiben. Gerade ein sozialdemokratischer Innenminister war beffer als vielleicht ein deutschnationaler in der Lage, die Kommunisten im Saum zu halten. Dr. Borsch lam in diesem Zusammenhange ouf die Versuche von deut dynationaler Seite zu sprechen, die große Koalition in Breußen aufzu= heben. Ein foldes Berlangen hätten die Deutschnationalen wohl taum in Bayern oder Württemberg erhoben. Im übrigen sei ein folches Verlangen von deutschnationaler Seite sehr unflug gewesen. Hätten die Deutschnationalen nach den Mai- Wahlen diese Forderung nicht erhoben, so wären sie vielleicht in die Reichsregierung hineingekommen, und hätte sich dort ein Zusammenarbeiten mit den Deutschnationalen nüglich erwiesen, so wäre vielleicht im Laufe der Zeit auch in Preußen ein Zusammenarbeiten mit den Deutschnationalen ermöglicht worden. Die Zusammenarbeit des Zentrums mit der Sozialdemokratie in Preußen hat aber weiter die Reichspolitik zum großen Teil ermöglicht. Mit Worten des Dantes schloß Dr. Borsch den Parteitag. Er wurde wieder einstimmig zum Vorsitzenden der Preußischen Bentrumspartei gewählt. Berechtigte Vergeltung. Erhöhung der deutschösterreichischen Einreisegebühr für Reichsdeutsche. Die Kriegsmaßnahme des Sichtvermertzwangs hat längst jeden Sinn verloren. Verbrecher und mostowitische Butschheher sind auf diese Weise niemals ferngehalten worden, und seitdem Deutschland eins der teuersten Länder der Welt geworden ist, hat auch die Flut der Balubareifenden aufgehört. Die Rentermart steht auch so hoch, daß es nicht mehr nötig ist, die deutschen diplomatischen Vertretungen durch Sichtvermerkeinnahmen zu erhalten; es bewerben sich ja auch nur noch wenige um den Sichtvermert nach Deutschland! Im Gegensatz zu fast alle europäischen Kulturstaaten hält aber die deutsche Reichsregierung an dem Sichtvermert under. rüd bar fest und sie hat sogar ihre eigenen Landsleute mit einer Ausreisefteuer von 10 Goldmart belegt. Ein besonderer Standal war es jedoch, daß die Einreisegebühr für Deutschösterreich nach Deutschland trog aller Proteste ein Vielfaches der deutschösterreichischen Einreisegebühr für Sanierung", die Deutschösterreich zu den härtesten Sparmaßnahmen Reichsdeutsche betragen hat. Troß dem würgenden Druck der Genfer 3mingt und eben jetzt fogar den Abbruch eines im Bau befindlichen zwingt und eben jetzt fogar den Abbruch eines im Bau befindlichen großen Wasserkraftwerks herbeigeführt hat, blieb Deutschösterreich bei der niedrigen Gebühr. Als aber auch die Vorstellungen des deutschösterreichischen Gesandten im Auswärtigen Ami nuglos blie ben, hat die Wiener Regierung zu dem offenbar einzigen Mittel gegriffen, mit dem auf gewisse Maßgebende im Deutschen Reichsaußenund Finanzminiserium noch Eindruck zu machen ist: die deutschösterreichische Einreisegebühr für Reichsdeutsche ist seit gestern be trächtlich erhöht worden. Borgestern hat der Reichstanzler auf dem Zentrums. parteitag die großeutsche Bee feierlich proklamiert; vielleicht bringt er dem Auswärtigen Amt bei, daß es nicht die Aufgabe hat, der fünftigen Heimkehr Deutschösterreichs ins Deutsche Reich immer wieder Steine in den Weg zu werfen! Rausschmiß aus der Repko. Ein hoher Beamter gepfändet, entlaffen, hinausgeworfen. Frankfurt a. M., 29. Oftober.( Eca.) In der Neparationstommiffion ist es gestern, wie die Franff. 8tg." erfährt, zu einem fleinen Zwischenfall gekommen. Ein Gerichtsvollzieher erschien im Hotel Astoria, um dort das Gehalt eines hohen Beamten der Reparation Commission zu pfänden. Dieser Beamte, deffen Name und Nationalität von den Blättern nicht bekannt gegeben wird, der aber einen hohen Posten bekleiden muß, da fein monatliches Gehalt fich auf 10 000 Fr. beläuft, wurde auf Beschluß des Generalsekretariats mit fofortiger Wirkung entIaffen. Er weigerte sich, die Entlassung anzunehmen. Nach einem heftigen Wortwedsel. der in Tätlich feiten ausquarten drohte, entfernte die Polizei den Beamten mit Gewalt aus dem Hotel Astoria. Cillessen verhaftet. Aber nicht in Ungarn, sondern in einem Kulturstaat. Das tschecho Prag, 29. Oftober.( Gigener Drahtbericht.) flowvatische Justizministerium hat gestattet, daß ein reichsdeutscher Mord betraut ist und die Mitglieder der Drganisation Consul Polizeibeamter, der mit der Untersuchung über den Erzbergerfennt, in Preßburg dem mutmaßlichen Mörder Tillessen, der in Preßburg berhaftet wurde, gegenübergestellt werde. Die Regierungspresse betont, daß das weitere Edicial des Verhafteten im Justizministerium entschieden werden und daß sich in der Tschechoslowakei die ungarische Behandlung des Falles Schulz nicht wiederholen dürfte. Bayerns neues Gemeindewahlgeset München, 29. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Der Ber. fassungsausschuß des bayrischen Landtags hat nunmehr den von der Regierung vorgelegten Entwurf eines neuen Gemeindewahlgefeges in zwei Sigungen durch beraten und verabschiedet. Sämtliche Forderungen der sozialdemo tratischen Fraktion, u. a.: Wahlrecht bei sechsmonatiger Aufenthaltsdauer, Beibehaltung der geundenen Liste, Erlöschen des Mandats beim Ausscheiden aus einer Gruppe, auf deren Vorschlag der Gemeinderat gewählt wird, Wahl er ersten Bürgermeister durch fämtliche Wahlberechtigte, wurden von der bürgerlichen Mehrheit niedergestimmt. Das neue Geseg das im Plenum des Landtags kaum noch Abänderungen erfahren wird, enthält folgende neue Bestimmungen: Wahlberechtigt ist, wer sich mindestens zwölf Monate in der Gemeinde aufgehalten hat; der Wähler fann nur den in die Zentrum und bayerische Volkspartei. Wahlvorschläge aufgenommenen Bewerturn feine Stimme geben, München, 29. Oktober.( WIB.) Der Landesausschuß und zwar einem Bewerber höchstens drei Stimmen; der Stimm. der bayerischen Bolts partei ist zu einer außerordentlichen zettel darf nicht Namen aus verschiedenen Wahlvorschlägen entTagung am Sonntag, den 2. November, nach München berufen halten; menn mehr als die Hälfte aller auf einen Wahlvorschlag entmorden. Auf der Tagung soll der zuständigen Barteiinstanz Gefallenden Stimmen für den unveränderten Wahlvorschlag abgegeben Der Berliner Sängerchor unter Leitung feines Chormeisters Philipp Heid konzertierte im großen Saal der neuen Welt" por einem zahlreichen und dankbaren Publikum. Der Abend war ganz dem Chorwert großen Stils, mit und ohne Orchester, gewidmet. Einem langschönen, etwas tonventionellen Feftgefang von H. Seyf farbt folgte fpäter Segars flippenreiches Totenoolt. Zu einer schönen Darstellung gelangte Edvard Kriegs and erfennung", eine in Chor und Orchester runde Leistung, gut auf gebaut in seiner mächtigen Steigerung und flangschön ausgefeilt im Chor. Wohl der Höhepunkt des Abends. Weiterhin folgte Hugo Jüngsts russischer Liederzyklus An der Wolga", in dem die ruffisch- volfshaften Elemente nur leider allzu sehr unter dem Gelegenheit gegeben werden, zu dem Ergebnis der Verhandlun gen Stellung zu nehmen, die am 28. Oftober in Berlin zwischen fichtswinkel mitteleuropäisch- neuzeitlicher Mufitkultur geschaut und gestaltet find, so daß ihr Wesenhaftes eigentlich ganz verloren geht. Bertretern der bayerischen Volkspartei und der 3entrums Hier sprach. Gregori die verbindenbe Dichtung und hinterließ partei zweds Herstellung eines Burgfriedens für die Wahlen starte Eindrüde. Franz Reisinger fang die fleine Solopartie stattgefunden haben. am Schluß, wie auch die Worte des Königs in der ,, Bandertennung". Er bot weiter Wotans Abschied in starker, bühnenmäßiger Auf fassung, schien aber an dem 20bend stimmlich nicht ganz auf der Höhe zu sein. Der junge Felix He id spielte Mendelssohns G- Moll- Klavierfonzert, vielleicht mit für den großen Gaal noch zu kleinem Ton, aber in abgeglichener Technik und mit jugendlichem Elan. Eine schon recht achtbare Leistung. Philipp Heid leitete und begleitete mit gutem Erfolge. S. G. Soziologische Bortragsrelhe. Das Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht wirt in Verbindung mit dem Institut für angewandte Soziologie im Monat November eine Vortragsreihe über das Thema:„ Der Auf bau der menschlichen Gesellschaft" veranstalten. Die Bor träge werden von den Professoren Vierkant und Dunkmann gehalten und finden jeweils am Montag und Donnerstag um 8 Uhr Botsdamer Str. 120 statt. Prof. Dunfmann eröffnet fie Montag, den 3. November: Aufgabe und Bedeutung der modernen Gesellschaftslehre". Deutsche Kunst in Frankreich. Zu der im nächsten Jahre in Baris stattfindenden Sunstgewerbe Ausstellung wird auch Deutschland eingeladen werden. Die Einladung soll unmittelbar nach Unterzeichnung des deutsch- französischen Handelsbertrags erfolgen. Der Shauspieler de Mag ist, 55 Jahre alt, in Baris gestorben. Er gehörte zu den bekanntesten Vertretern der sogenannten tlaffischen franzo fischen Bühnenkunst, wie sie noch heute in der Comédie française gepflegt wird, beren Mitglied de Mag war. Der Satanist als Bureaufrat. Der polnische Staatspaäfident hat den Digter Stanislaus Brzybyszewsti zum Beamten in seiner Sibiltanzlei ernannt. Przybyszewski, von dem viele Berte zuerst in deutscher Sprache erschienen sind, hat um 1890 lange Zeit in Berlin gelebt, wo er, der„ Satanist". eines der wildesten Mitglieder des Künstler und Literatenfreises war, der sich im Schwarzen Feriel" um Strindberg und Carl Ludwig Schleich zu versammeln pflegte. Mostaus Revolutionsmuseum. In dem brächtigen Gebäude, welches ehemals den vornehmen Englifchen Klub beherbergte, ist jetzt das Museum der Rebolution eröffnet worden. Das Haus liegt an der Ewerstajajtrage, einer der Hauptverkehrsadern Moskaus. Deimling für Schwarz- Rot- Gold. . Das Im Plenarsizungsfaal des ehemaligen Herrenhauses hatte am Mittwochabend die Demokratische Partei, Ortsgruppe Berlin- Mitte, einen demokratischen Abend veranstaltet, auf dem General v. Deimling über„ Vaterland und Republik" fprach. Er führte u. a. aus: Ein Lichtblick in dem Chaos der Parteien bilde das Reichsbanner Schwarz Rot Gold, das überparteilich das Reich und die Republik schützen, der Welt zeigen will, daß nicht die Chauvinisten in Deutschland die Mehrheit haben. Reichsbanner wolle dafür sorgen, daß die Republit nicht eine leere Form bleibe, sondern mit lebendigem Leben erfüllt werde. In Reichsbanner gäbe es nur Staatsbürger, alle gleich fehr intereffiert an dem Wiederaufstieg des Reichs wie an der Berföhnung der gefellfchaftlichen Gegenfäße. Das Reichsbanner fet nicht etwa eine sozialdemokratische Organisation, wo es scheine, sei bie Bauheit und Schlaffheit des republikanisch gesinnten Bürgertums schuld. Wahre nationale Gesinnung sei nicht bei den Bhraseuren der vaterländischen Verbände. Des Reichsbanner mache täglich größere Fortschritte, aber alle Kriegsteilnehmer, auch die Offiziere müssen hinein. Der demokratische Staat sei das, was der Fleiß, die Gewissenhaftigkeit und die Opferwilligfeit seiner Bürger qus ihm machen. Die deutsche Republit habe 1919 auf Schwarz- Rot- Gold als auf das uralte Symbol der Einheit aller deutschen Stämme zurückgegriffen, dieses Hoheitszeichen fordere Respekt und sollte ebensomenig wie Schwarz- Weiß- Rot zu einem Propagandamittel erniedrigt werden; das deutsche Bolte stehe jetzt vor der Wahl: Demokraft: oder Reatfion und Weltfrieg. Es gehe in dem beginnenden Wahlkampf aufs Ganze. Der demokratische Schlachtruf fönne nur lauten: Nieder mit der Realtion! Hoch die Republik! Hoch das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold! find, so ist bei Berteilung der Size die Reihenfolge der Bewerber in dem betreffenden Wahlvorschlag magebend; die ersten Bürgermeister werden in Gemeinden, bis 3000 Einwohner von sämtlichen Wahlberechtigten, die weiteren Bürger. meister von den Stadt- und Gemeinderäten gewählt; die Höchstzahl der Bürgermeister beträgt drei( die Zahl der Gemeinden in Bayern unter 3000 Einwohnern beträgt 7783, aber 3000 Einwohner nur 185). Nach diesem neuen Gemeindewahlgefeh sollen bereits die gleichzeitig mit der Reichstagswahl stattfindenden bayerischen Ge meindewahlen durchgeführt werden. Eine neue Teufelsinsel. Offenbar scheinen die Greuel auf den Solemezk- Inseln den maßgebenden Kreifen der Sowjetrogierung noch nicht auszureichen. Wie uns aus Mostau mitgeteilt wird, haben diese Herrschaften einen neuen Berbannungsort für gefangene Sozialisten ausfindig gemacht, der anscheinend den Ruhm" der Solonezl- Inseln ver dunkeln wird. Das ist die Insel Che an der Mündung des Obj. nördlich vom Polartreis. Dorthin find bereits aus einer aus Tobolst angelangten Gefangenengruppe 12 Personen transportiert worden, darunter 6 Jugendliche, die aus Babersburg aus gewiesen worden sind. Ob die Insel Che bewohnt ist oder ob die dorthin deportierten Sozialisten die Kolonisatoren dieses Eiseilandes sein merden, ist uns noch nicht bekannt. Jedenfalis ist die Insel Che in den geogra phischen Lehrbüchern nicht verzeichnet und konnte nur mit Mühe auf einer der größten Seefarten ausfindig gemacht worden. Der nationalliberale Wahlausschuß meldet fich wieder.. Er teilt mit, daß der Vertretertag der Nationalliberalen Reidspartei am Sonntag, den 9. November, in Berlin stattfindet. Er wird sich mit dem Eingreifen der Partei" in den Wahlkampf und der Haltung zu den anderen Parteien befassen. Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Krämpfe. Lohnverhandlungen bei der Deutschen Reichspoft. Am Dienstag begannen die Verhandlungen mit der Deutschen Reichspost wegen Erhöhung der Arbeiterlöhne. Nach sechsstündigen Verhandlungen wurde die Fortsegung auf Dienstag nächster Woche bei der Berhandlung erklärt, daß die Deutsche Reichspost allein bertagt. Bon den Vertretern der Deutschen Reichspost wurde die Lohnfrage nicht regeln tönnte. Die Deutsche Reichspost will fich aber in Anbetracht der Notlage der Arbeiter erneut an die Reichsregierung wenden, um eine befriedigende Lösung der Sohnfrage zu finden. Eisenbahner und Reichsbahngesellschaft. Zum Transportarbeitertarif in der Metallindustrie. Eine Funktionärversammlung aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller nahm am Dienstag Stellung zur Lohnfrage, wie sie nach dem Abschluß des Lohnabkommens für die mächtigter 3ista vom Metallarbeiterverband gab eine Darstellung Transportarbeiter in der Metallindustrie entstanden ist. Bevollder Entwicklung der Lohnfragen während der tarifiosen Zeit. Er fam zu dem Ergebnis, daß durch die Beseitigung der Familienzulage ein lange erstrebter Zustand erreicht worden ist. Wenn auch die vereinbarten Löhne immer noch als sehr niedrig bezeichnet werden müssen, so ist doch die Möglichkeit gegeben, auf der Basis diefes Lohntarifes weiter aufzubauen. Zista betonte, daß sein Bericht rein informatorischen Zweden dienen solle. In der Diskussion verlangte ein Kommunist, daß eine ,, Massenbewegung" unter den Metallarbeitern eingeleitet werde, wobei es" Nebensache" sei, ob die Metallarbeiter gut organisiert sind oder nicht. Ein anderer Kommunist, Niedertirchner, nahm den gegenteiligen Standpunkt ein, ohne jedoch auf den Kern der Sache einzugehen. Wer von den beiden Rednern die Parole der KPD. befolgte, war nicht recht ersichtlich. Niederkirchner gab sogar zu, daß Verhandlungserfolge nicht allein von der Verhandlungskommission, sondern auch von der organifatorischen Macht abhängen, die hinter den Unterhändlern steht. Die Mehrheit der Versammlung bedeutete ihm, seine Binsenwahrheiten den Unorganisierten vorzutragen. Die Versammlung war schließlich mit dem Verhandlungsergebnis, soweit der Abbau der Familienzulage in Betracht kommt, einverstanden. Die Gewerkschaften haben jahrzehntelang ihre Kämpfe geführt, Die Gewerkschaften haben jahrzehntelang ihre Rämpfe geführt, bevor in Berlin eine Filiale von Moskau eingerichtet und mit vers schiedenen Angestellten besetzt wurde, mit dem romantischen Auftrage, den deutschen Teil der Weltrevolution zu besorgen. Derartiges läßt fich in Moska auf den Weltkongressen sehr leicht beschließen und in den Roten Fahnen" propagieren, allein die Ausführung gestaltet fich etwas schwieriger. Die verschiedensten Butschversuche endeten mit fläglichem Fiasto, wie das bei solcher Mache nicht anders sein In einer überfüllten Mitgliederversammlung tann. Die Angestellten der KPD.- Zentrale haben es auf alle erdes Deutschen Eisenbahnerverbandes sprach gestern abend der Bedenkliche Weise versucht, ihre Moskauer Auftraggeber zufrieden zu vollmächtigte Winkler über die Lohnbewegung der Eisenbahner. tellen, jedoch vergeblich. Tort gilt nur der Erfolg. Die Moskauer Er führte aus: Der Arbeitgeber für die Eisenbahner hat seinen Hezpeitsche treibt die armen Kerle unausgesetzt zur„ Aktion" Es Charakter grundsätzlich geändert. War es früher eine Reichsbehörde, gelingt nichts mehr. Es bleibt ihnen nichts mehr übrig, als die mit der Lohnverhandlungen gepflogen wurden, so steht heute den Arbeitnehmer gegen ihre pclitische Organisation, die Sozialdemo- Eisenbahnern ein privatfapitalistisches Unternehmen gegenüber. fratische Partet, und gegen ihre Gewerkschaften aufzubringen. Da Dementsprechend ist auch die Einstellung der Verhandlungsfomfinden sich denn immer wieder Arbeiter, die durch die Nöte des mission und die Form der Verhandlungen anders geworden. Die Alltagslebens, durch lange Arbeitslosigkeit verbittert find, und sich Reichsbahndirektion hat den Standpunkt vertreten, daß für Lohnin den Dingen nicht zurecht finden, da thnen jede gewerkschaftliche erhöhungen teine Veranlassung vorliegt. Obwohl selbst die Regierung die gegenwärtige Teuerung anerkennt und Maßnahmen daund politische Schulung fehlt; daneben Phraseure,„ Ünverstandene, gegen ergriffen hat, die aber bisher ohne Wirkung geblieben getränkte Leberwürfte, Streßer und dergleiden, die bei der KPD. find, wollte die Reichsbahndirektion eine Verteuerung der Lebensauf ihre Rechnung zu kommen hoffen. Die KPD. foll, tämpfen" haltung nicht zugeben. Die Eisenbahner haben aber einen berech und will ,, tämpfen". Womit? Alle Versuche, die Gewerkschafts- tigten Anspruch darauf, die Preissteigerungen durch Lohnerhöhun organisationen vor ihre verfahrene politische Karne zu spannen, find gen ausgleichen zu können, um so mehr, als gerade die Preispolitik gescheitert. Gifrig späht sie nach jeder gewerkschaftlichen Regung, der Landwirtschaft, der Schwerindustrie und ihrer Helfer in der jeder Lohnbewegung, die nicht glatt nerläuft, nach dem unbe- Regierung die Ursache dieser Preissteigerungen ist. Die jetzt gel tenden Löhne der Eisenbahnarbeiter zwingen diese zu einer deutendsten Streit, turz nach jedem Fünfchen, um es mit ihrem miserablen Lebenshaltung. Gegenwärtig bekommt bei nicht nur der Stadt Köln, sondern des ganzes Bezirkes entstanden großen Blasebalg anzufachen. Da die Lohnbewegungen aber ledig- spielsweise ein Arbeiter der Klasse VII bei etwa 60 stündiger lich den„ reformistischen" Zwed haben, die Lohn- und Arbeusbedin- Arbeitszeit einschließlich einer Familienzulage für Frau und gungen irgendwie und seweit als möglich zu verbessern, finden fie Rind 24 Mart pro Boche. Das macht für die Stunde etwa 40 Pf. Ein Handwerker erhielt vor dem Kriege bei Lebenshaltungspreisen, die bedeutend niedriger waren als die jetzigen, bedeutend mehr Lohn. Zudem kommt, daß früher die Zuschläge auf die Gesamtbezüge gewährt wurden, während jetzt der Ortszuschlag unberücksichtigt bleibt. Ein Vergleich mit den Löhnen der ameritanischen Eisenbahner zeigt, daß diese bedeutend besser gestellt find. Winkler sprach die Ermartung aus, daß die Bestimmun gen des Dames- Gutachtens, die von einer Gleichstellung der gleichwertigen Arbeiter spricht, nicht in Vergessenheit gerät. Bei den Verhandlungen war der Einfluß der schwer industriellen Direttionsmitglieder unverfennbar. Ihr System der niedrigen Löhne bei langer Arbeitszeit soll auch bei der Reichsbahn eingeführt werden. Aber die Einwände der Direktion find nicht stichhaltig, da selbst der Generaldirektor Defer vor einiger Zeit in Hamburg andere Angaben über den Stand der Reichsbahn gemacht hat. immer wieder einen Abschluß. So tobt denn die KPD.- Zentrale in ihrer Roten Fahne" tagtäglich über die reformistische Gewerkschaftsbureaukratie", die nicht kämpfer, sondern den Kapitalismus stüßen, seine Geschäfte besorgen wolle. Sie tobt, sobald ein Lohnkampf aufgenommen ist, daß die reformistische Gewerkschaftsbureaukratie den Kampf nicht zum Generalstreit aller Berufsangehörigen und darüber hinaus zum Generalstreit aller Arbeitnehmer ausdehne, fie tobt am Ende jeder, auch erfolgreichen Bewegung, die reformistische Gewerkschaftsbureaufratie habe den Kampf cbgewürgt". Die Moskauer Filialisten, die seit Jahren die verzweifeltſten Kampf" perimente machen und sich über ihre Taktik noch immer so wenig cinig sind, daß sie sich ständig darüber in die Haare ge raten, sie wollen den Gewerkschaften kommandieren, wie wir unsere Lohnkämpfe zu führen haben. Sie find so entgegenfommend, die Forderungen für die Gewerkschaften aufzustellen, den Zeitpunkt des Kampfes zu bestimmen und das Tempo, das Kommando zu über. nehmen und immer wieder ist es die reformistische Gewertschaftsbureaufratie", die nicht so tanzt, wie die KPD. pfeift. Insofern ist die KPD. gegen diese reformistischen Bureaufraten" in Borteil, als sie nicht danach zu fragen hat, ob der Zeit punft zu aussichtsreicher Lohnbewegung geeignet ist, ob die Geldmittel zu den Streits an den verschiedenen Verbandsorten reichen, ob die Arbeiterschaft, vom Hunger bezwungen, die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen muß, oder irgendeinen Erfolg zu hverzeichnen hat, das alles ist nicht ihre Sache. ausWenn aber die KPD. und ihre Rote Fahne" noch nicht wissen sollte, daß die gemertschaftlichen Rämpfe überhaupt nicht ihre Sa che find, und dann muß es ihnen noch de utlicher als bisher gesagt werden. So schwer es den Herrschaften fallen mag, ihre Spetulation auf die Gewerkschaften fallen zu lassen, so müssen sie sich doch damit abfinden, daß die Gewerkschaften sich feiner politischen Partei unterstellen, a m allerwenigsten der moralisch längst banterotten tommunistischen Putschpartei. Das ganze Geschrei und Geschimpfe in der Roten Fahne" tann daran nichts ändern. Winkler ließ die Versammlung in feinem Zweifel darüber, daß die Tattif des DEV. gegenüber der privatkapitalistischen Reichsbahn anders werden muß als bisher. Der Druck der Spikenorganisationen auf das frühere Reichsverkehrsministerium fällt jetzt fort. Die Eisenbahner haben keine Veranlaffung, mehr Rücksichten zu nehmen, als man auf sie nimmt. In der Diskussion wurde von allen Rednern an dem Berhalter der Reichsbahndirektion scharfe Kritik geübt. In einer einstimmig angenommenen Resolution protestierte die Versammlung gegen die Gesellschaft, die ihren Leitern Riesengehälter bewilligt hat, den Arbeitern aber einige Pfennige Lohmerhöhung verweigert. Die Verhandlungstommission wurde nochmals beauftragt, an den gestellten Forderun gen festzuhalten. Dem Borhaben der Industriellen im Verwaltungsrat, durch niedrige Eisenbahnerlöhne, auch die Löhne in der Industrie herabzudrücken, wird der schärffte Kampf angesagt. Die Eisenbahner werden am Schluß der Resolution aufgefordert, sich geschlossen einzureihen in den Deutschen Eisenbahnerverband, um so ein machtvolles Ganzes zu bilden. Der Streik in den Kupferschmiedereien erfolgreich beendet. Der Streit in den Kupferschmiedereien Groß- Berlins konnte mit einem guten Erfolg für die Kollegen beendet werden. Bei einem am Sonnabend vormittag durch den Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses Groß- Berlins bon Amts wegen unternommenen Versuch, die Parteien zu Verhandlungen aufammen au bringen, einigte man sich dabin, am Montag ein Schiedsgericht Die Regierung lehnt alles ab. Amtlich wird gemeldet: Die Organisationsvertreter der Reichsaufammentreten zu laffen. Dieses fällte dann nach längerem Bet beamten und Angestellten bei der Reichsverwal. bandeln einen Schiedsspruch, nach welchem die bis zum Streif gültigen Lohnfäße um 18 Pro3. erhöht werden und außer tung wurden am Mittwoch erneut im Reichsfinanzministerium bent die Zuidbläge für Stadtmontage für Kupferschmiede von 5 Pf. wegen Erhöhung der Bezüge vorstellig. Es wurde ihnen eröffnet, auf 8 Pf., für Helfer von 3 Bf. auf 5 Pf. festgelegt werden. daß ſeit der legten Besprechung keine Genderung eingetreten ſei, Dieſer Spruch iſt von beiden Barteien angenommen, die es dem Reichsfinanzminifter ermögliche, eine andere Saltung die Arbeit am Mittwoch früh geschlossen wieder aufgenommen gegenüber der erhobenen Forderung einzunehmen. worden. Filiale Köln des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes von der Verschärfung im Kölner Transportarbeiterstreik. Köln, 29. Ottober.( Eigener Drahtbericht.) Der Kölner Trans portarbeiterstreit geht unvermindert weiter. Der Schaden, der durch den bereits zwei Wochen dauernden Streif dem Wirtschaftsleben ist, ist schon jetzt außerordentlich groß. Da der Vorsitzende der städtischen Hafenverwaltung gemaßregelt wurde, weil er sich ig teigerte, Streifarbeiten zu verrichten, ist eine Verschärfung der Streiflage in den nächsten Tagen wahrscheinlich. Die Gemeindearbeiter Kölns haben zu der Maßregelung bereits in einer erregten Versammlung Stellung genommen und von der Stadtverwaltung die Wiedereinstellung ihres Kollegen verlangt. Drohender Streik der Rheinschiffer. Duisburg, 29. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Berkehrsbund, Abteilung Binnenschiffer, ruft in Flugblättern und in Versammlungen das Rheinschiffahrtspersonal zur Aftionsbereitfchaft auf, um, falls die Arbeitgeber bei der bisherigen ablehnenden Haltung gegenüber der ab 1. November geforderten 20prozentigen Lohnerhöhung verharren, unter Benutzung der durch die günstige Rheinschiffahrtslage geschaffenen vorteilhaften Lage die Anerkennung der neuen Lohnforderungen zu erzwingen. In verschiedenen Rheinhäfen haben örtliche Berhandlungen zwischen den Organifationen der Rheinschiffahrt und der Hafenarbeiter stattgefunden, um im Falle einer Ablehnung der von den Rheinschiffern und den Hafenarbeitern geforderten Lohnerhöhung in eine gemeinsame Streifattion zu treten. Zwischen dem Berkehrsbund und der zurzeit Bes niederländischen Rheinschiffer- Organisation fint en sprechungen über eine Solidaritätsaktion im Falle eines Streits der deutschen Binnenschiffer statt. Der Abstieg der Kommunisten. Nach dem Austritt des Bauarbeiterverbandes aus der französischen fommunistischen Gewerkschaftszentrale scheint sich der Zerfall dieser von Moskau einst mit großen Hoffnungen ins Leben gerufenen Organisation rasch zu vollziehen. Am Sonntag bes schloß der elsaß- lothringische Gauverband der Post angestell. ten, der bisher der kommunistischen Organisation angehörte, seinen Uebertritt zur Poſtgewerkschaft der Amsterdamer Richtung. Zentralverband der Angestellten, Bund der technischen Angestellten und Beamten, Deutscher Werkmeisterverband. Chemische Industrie: AfAFunktionärversammlung heute abend 7% Uhr im Verbandsbureau des 80A., Belle- Alliance- Str. 7-10 Aufg. v. III). Tagesordnung: Bericht über die Tarifverhandlungen vor dem Schlichter. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Sateruns; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sieran zwei Beilagen und Frauenstimme". Ein milde und sicher wirkendes Abführmittel sind San.- Rat Dr. Strahis Hauspillen, seit dem Jahre 1851 weltbekannt. Auch bei Hämorrhoidal-, Leber- und Gallensteinleiden vorzüglich bewährt. Von Aerzten u. Patienten glänzend begutachtet. In Originalschachteln a Mk. 1. u. 2. zu haben in den Apotheken, wo nicht, franko Nachnahme durch Elefanten- Apotheke. Berlin SW., Leipziger Straße 74, am Dönhoffplatz. Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Säle frei! Norden 9296. Große Reklame- Woche für unsere Qualitäts- Margarine Reichelt's Allerfeinste Täglich frisch im Ausstich Preis: 12 Pfund 50 Pfg. Wir verabfolgen von heute bis Mittwoch, den 5. November auf 2 Pfund 1 Rippe Qualitäts- Schokolade auf 1 Pfund 2 Rippen Qualitäts- Schokolade auf 2 Pfund 4 Rippen Qualitäts- Schokolade auf 5 Pfund 10 Rippen Qualitäts- Schokolade 147 Geschäfte Reichell in Groß- Berlin fe. 512 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Ein Jahr Berliner Rundfunk. Vom Siegeszug des Wechselstroms.- Der neueste Stand der Nachrichtenübermittlung Antennen, Drahtleitungen, Rabel, Eisenbahnschienen, Schnell dampfer, Flieger und Lenkluftschiffe sind die äußeren Zeichen eines Zeitalters, das drauf und dran ist, Raum und Zeit zu überwinden. Seitdem die Erde nicht mehr als Mittelpunkt der Welt erscheint, wird sie kleiner und immer fleiner. Es vergehen nicht mehr Monate und Jahre, ehe wir die neuesten Nachrichten" aus den entfernten Teilen der Erde erhalten: mit Lichtgeschwindigkeit, mit 300 000 Rilometern in der Setunde werden sie zu uns getragen, und ftändig ist die Bevölkerung von den wichtigsten Geschehnissen aus jenen Gebieten unterrichtet, in denen neuzeitliche Nachrichten übermittlung heimisch ist. Rundfunk und Draht. Bertretern der Presse wurde fürzlich vom Reichspost minifterium Gelegenheit gegeben, die neuesten Fortschritte auf diesem Gebiet fennen zu lernen. Zunächst ein Wettstreit zwischen Rundfunk und Draht. Die drahtlose Technit hat sich ja bei uns innerhalb des einen Jahres, da der erste Rundfuntfender in Berliu zu arbeiten begann es war am 29. Oftober v. Jahres, von 8 bis 9 Uhr abends eine ständig wachsende Zahl von Freunden erworben. Es mag jetzt bald an 400 000 eingefchriebene Rundfunkteilnehmer, neben den immer noch vorhandenen Baungästen, geben. Eines der Probleme, an dem die Funktechnifer jegt arbeiten, ist die einwandfreie Uebertragung von Opern. Jeder Rundfunkteilnehmer fennt die Leiden und Freuden, die ihm blühen, wenn die Sendeantenne, die ihn mit elettromagnetischen Wellen versorgt, die Stimmen der Sänger und Sängerinnen und des Orchesters zu ihn schickt. Bei der Borführung im Reichspostministerium wurde eine Oper, sowohl durch Rundfunk wie durch Draht, übertragen. Es zeigte sich, daß die Drahtübertragung störungsfreier, also reiner ist. Tropdem dürfte die Rundfunkübertragung sich fiegreich durchsehen, da sie wirtschaftlicher zu arbeiten vermag. Aber Draht und Funt find nicht nur Wettbewerber, die sich gegenseitig den Rang ab zulaufen versuchen, fie fönnen sich auch prachtvoll ergänzen und helfen, wie zwei treue Brüder. Draußen auf dem Meere schwimmt ingendwo ein Dampfer. Seine Antenne ist zwischen den Lademasten verspannt, und in einer Meinen Kabine fizzt der Funker, die Hörer an den Dhren, nicht um Musik zu hören die Rundfunkfender sind bei ihm gerade nicht sehr beliebt sondern, um die Stimmen zu vernehmen die aus dem Raum zu ihn dringen, und vielleicht Antwort erheischen. Plötzlich wird laut und deutlich sein Schiff und er felber telephonich angerufen. Ein Griff und der Sen der ist mit der Antenne gefoppelt. Nun spricht er selbst hinans aus der Meeresainöde und feine Stimme mird flar und vernehmlich mitten in dem steinernen Meer der Großstadt gehört. Scheinbar ein ganz gewöhnliches Telephongespräch und doch fein gemöhnliches. Der Sprecher aus dem Bostministeriumn war zunächst mit der Funktelle Norddeich durch normale Telephonbrähte verbunden. Seine Sprache wurde dann den drahtlosen Wellen dieser, an der Waterfant liegenben, Fimtstelle überlagert und von ihnen hinübergeiragen dem in See befindlichen Schiff. Die Antwort des Funters ging dann ben umgefehrten Weg zurüd, unb so tönnte man auf diese effe von jedem beliebigen Telephonanihluß aus mit irgendwelchen melt auf dem Meere schwimmenden Verwandten oder Freunden Rich jederzeit unterhalten. Eine neue Leistung des Wechselstrome. Die brahtlose Stunft hat sich aber auch in anderer Weise als meid ole helferin der Drahttelearaphie und Telephonie erwiefen. Während es früher als ganz felbstverständlich galt, baß man über einen Draht nur immer jeweilig eine Nachricht senben fönne, isk es durch die Anwendung der Erkenntnisse der Hochfrequenztechnifer möglich geworden, zwei, drei, vier bis fechs und später vielleicht noch mehr Nachrichten gleichzeitig den selben Drahlweg entlang zu fenden, ohne daß fie fich gegenseitig störten. Der Strom, der hierbei berugt wird, ist nicht mehr ehrfamer Gleitstrom, sondern hin und her schwingender Wechselstrom. Menn man mum die Schwingungs. zahl der Wechselströme, die am Draht entlanglaufen follen, ändert, b. h. genau so wie in der Drahtlosen mit anderen Wellenlängen fendet, bann fann man über einen Draht mehrere Gespräche aleich zeitig in eine bestimmite Richtung schiden. Sender und Empfänger 12] Der Mittelweg. Von Sir Philip Gibbs. 9. Bertram hatte tief bedauert, daß Lute Chrifty so lange nicht in London gewesen war, und freute sich, als er seine Unterschrift unter einem Artikel in der ,, Neuen Welt" las. Christy war nur feiten in London, und nach einigen Tagen oder Wochen in seiner Wohnung zog es ihn wieder nach Paris, Berlin, Wien oder Rom, um mit unerfättlicher Begierde zu sehen, wie die Sachen im Geiste der Völker und ihren sozialen Bedingungen ihren Berlauf nahmen. Das Refultat seiner Forschungen fonnte man dann in raditalen Blättern lesen unter dem Titel: Unser Spezialberichterstatter schreibt uns", und feine Artitel trugen ein taltes miffenschaft liches Gepräge, vollgepfropft mit Tatsachen und Statistiken und gänzlich unpersönlich. Die Flamme im Herzen dieses Mannes gab fich nicht darin fund, aber Bertram wußte, wie sehr sie von einer abseitigen Gruppe internationaler Männer und Frauen geschätzt wurde. Diese bezeichnete Kenneth Murleß als ,, langhaarige Idealisten, friechende Bazififten und daheimgebraute Bolschewisten". Auch Chrifin hatte er ein paarmal so genannt und hinzugefügt: Der Kerl müßte erfchoffen werden." Er ist mein Freund," hatte Bertram gesagt. Renneth Murleß hob milde erstaunt die Augenbrauen. Ja? Ach, dann nähren Sie eine Schlange an Ihrem Busen, mein Lieber. Christy und Genoffen haben uns und unseren Idealen den Krieg erklärt." ,, Was für Idealen?". Die gute alte Ordnung aufrechtzuerhalten, unsere Borrechte, Englands stattliche Schlösser, unser jo angenehmes Leben, was alles durch Steuereinnehmer und das gierige Geschrei des unerfättlichen Böbels schon arg bedroht ist." Bertram widersprach heftig. Dieser Böbel hat im großen Kriege das Sterben besorgt und fordert jegt nur angemessenen, ausreichenden Arbeitslohn." find bei diesem System der Drahttelegraphie denen der Drahtlosen recht ähnlich geworden. Der Vorzug dieses Systems, gegenüber der Funtentelegraphie, besteht einmal darin, daß das Nachrichtengeheimnis einwandfrei gewahrt wird und dann darin, daß dieje Nachrichtenübermittlung mit sehr geringer Kraft erreicht wird. Dann für Telegraphie und Telephonie gleich starte oder richtiger gleich aber hat die Ausbildung der Elektronenröhre es möglich gemacht, schwache Kupferdrähte in den Kabeln zu benutzen. Früher mußte man, da der Telegraphiestrom wesentlich stärker ist als der Telephonstrom, für diese Zwede ziemlich starte Kupferdrähte benutzen, die natürlich viel teuerer waren als die Telephondrähte. Seitdem man Rkri aber den Telegraphierstrom durch Einschalten der Elektronenröhre in jedem gewünschten Grade verstärten fann, genügen für bas Telegraphieren auch schwächere Ströme und damit auch schwächere Drähte. Elektronenröhre und Seekabel. Es war eine Großleistung der Technit, bevor die Drahtlose ihren heutigen Stand erreicht hatte, die Erdfeile durch Rabel mit einander verbunden zu haben. Aber diese Kabel hatten einen großen Nachteil. Es dauerte immer längere Zeit, ehe der durch das Kabel geschickte Strom am Ende des Rabels so fräftig wurde, daß die Telegraphenapparate ansprachen. Dadurch war der Schnelligkeit des Telegraphierens eine gewisse Grenze gesetzt. Höchstens 150 Buchstaben in der Minute Connten durch solch ein langweiliges Rabel hindurchgefondt werden. Heute hat man diese Geschwindigkeit faft verzehnfacht. Mit der Geschwindigkeit eines Schnellredners zeichnet Entschuldigungen hatte die Jugend der Gymnasien, Universitäten und des Landadels nicht gesucht." ,, Stimmt!" sagte Bertram. Sie haben sich brav gehalten. Keiner besser." ,, Wie gut, daß du menigstens soviel zugibst, Bertram!" fagte Joyce höhnisch. Es flang wie eine Herausforderung. Das war im Salon des Hauses in Holland Street, Joyce lag auf einer Menge der buntesten Rissen auf dem Sofa, die übereinander geschlagenen Beine ließen die langen Seidenstrümpfe sehen. Eine reizende, schlanke, goldhaarige Erscheinung in einem enganliegenden Jumper, so jung und frisch, daß es selbst Bertram kaum glaublich erscheinen wollte, daß sie Mutter eines Kindes gewesen war. Wie schön war sie doch! Wie gut, sie wieder hergestellt zu sehen. " Warum sollte ich das nicht zugeben? Es ist doch eine geschichtliche Tatsache." ,, Aber du nimmst immer die Seite der gewöhnlichen Leute. Schreibst die Arbeiterpartei groß. Das ist uns gegenüber eine Untreue." Bertram rüdte unruhig hin und her. Sprich doch um Gottes willen nicht immer von den einfachen Leuten, als wenn sie Schmutz wären, Joyce! Sie haben England gereftet und England steht in ihrer Schuld. Diese Jungens in meiner Kompagnie, sage ich dir... ,, Diese Jungens in deiner Kompagnie!" fagte Jonce und Schnippte die Asche ihrer Bigarette in den Kamin. Ich begreife nicht, wie du überhaupt deine Autorität bewahren fonnieft, wo du so intim mit ihnen warst." ,, Sie haben mir mehr als einmal das Leben gerettet," sagte Bertram leise. ,, Das sind alte Geschichten. Immer redeft du von dem alten Krieg! Aber wir reden ja von heute. Die Arbeiter sind durch und durch unmoralisiert und mit Bolschewismus durch seucht. Mit starker Hand sollten sie in ihre Schranken zurück gewiesen werben." Ganz meine Meinung!" bestätigte Kenneth Murleß. Tyrannisch und überheblich find sie geworden." ,, leberheblich?" lachte Bertram und strebte, seines aufsteigenden Mergers Herr zu werden. Jal fordert hohe Löhne für möglichst wenig Arbeit," antwortete Renneth in seiner gelassenen, lächelnden, überheb- Jawohl," sagte Kenneth nachdrücklich, geradezu widerlichen Art. Ihm gefiel die Anficht nicht, daß der Mob am wärtig in ihrer Ueberhebung. Weil sie feine steifen Kragen meisten sein Blut vergossen hatte. Die besten Familien Eng- und Krawatten tragen, wollen sie nicht mit solchen verfehren, lands, die alte Aristokratie hatten vom Anfang bis zum die es tun. Weil sie ungebildet sind, verdammen sie die InEnde des Krieges freiwillig ihr Blut in Strömen vergoffen.| tellektuellen als Parasiten und Barias. Ihre Gewerkschaften Spezialberufe und unabtömmliche Beschäftigungen." Solche sind erflusiver als West End Clubs. Ihre Arbeiterführer | Donnerstag, 30. Oktober 1924 heute der Morseschreiber in fertiger Druckschrift die Nachrichten auf, die von einem Edteil zum anderen durch das Kabel gesandt werden. Dieses Wunder verdanken wir wiederum der Elettronenröhre, die die schwachen Ströme am Ende des Kabels so schnell und so erheblich verstärkt, daß die Telegraphieapparate jetzt eher als früher bereit sind zu arbeiten. Dann aber haben die Kabeltechniker zu einem geholfen hat: Sie haben die Induktivität des Seefabels erhöht, indem sie den Kupferdraht mit einem magnetischen Stoff von ganz bestimmter Zusammensetzung umgaben. Dadurch wurde das bisher fo träge Seekabel für die Weiterleitung der Telegraphieſtröme wesentlich empfindlicher, so daß man jetzt mit verhältnismäßig geringeren Kräften die große Telegraphiegeschwindigkeit von mehr telegraphen erzeugt mird. Die Möglichkeit, lange Seefabel für als 1000 Buchstaben in der Minute erzielt, die von den Schnellmoderne Schnelltelegraphie zu benutzen, ist für Deutschland von um fo größerer Bedeutung, als es nicht ausgeschlossen. erscheint, daß unser Land nunmehr wieder durch ein eigenes fabel den Telegraphenverkehr mit Amerika wird aufnehmen fönnen. ganz besonderen Kniff gegriffen, bei dem ihnen die Drahtlose nicht Die Zukunft des Fernsprechverkehrs. Der Umfang, den das Nachrichtenwesen in Deutschland angenommen hat, fann am besten durch einige Zahlen gekennzeichnet werden. Es gibt in Deutschland, nach dem Stande von 1923/24, 41 000 Telegraphenanstalten, die durch 880 000 kilometer Telegraphenleitungen miteinander verbunden sind, und auf denen 60 Millionen Telegramme befördert wurden. Noch größer ist ber Umfang, den das Fernsprechwesen bei uns angenommen hat. In bem angeführten Jahre gab es bei uns 7500 Ortsnetze, 7600 Vermifflungsstellen, 45 000 öffentliche Sprechstellen, 2 200 000 private Sprechstellen, einschließlich der Nebenanschlüsse. Alle diese Stellen waren insgesamt etwa durch 8 Millionen kilometer Fernsprechleitung verbunden. Die erwähnten Telegraphenleitungen würden etwa 22 mal den Aequator umspannen, die Fernsprechleitungen bagegen fönnten 200 mal um den Aequator gelegt werden. Nicht weniger als 270 millionen Ferngespräche und 1 milliarde 600 millionen Ortsgespräche sind im Jahre 1923/24 geführt worden. 104 500 Menschen waren notwendig, um diesen Riesenverkehr zu bewältigen. Von diesen waren im Telegraphendienst 33 500, im Fernsprechdienst 47 000 und im Leitungsbau 24 000 Menfchen beschäftigt. Im Fernsprechwesen vollzieht sich langfam eine Revolufion durch die Umstellung auf den Selbstanschlußbetrieb, bei dem die Telephonistinnen ausgeschaltet werden. Alle neuen Aember, die heute entstehen, werden für den Selbstanschlußbetrieb gebaut. Es gibt bereits jetzt etwa 25 Aemter für 10 000 Teilnehmer, 10 für 1000 und rund 45 für 100 Teilnehmer. Etwa 40 Zehntausenderämter find in Bau und zirka 60 in Borbereitung. Das Zukunftideal des Fernsprechbetriebes ist in der völligen Automatisierung zu erblicken, auf die die Reichspost bewußt hinarbeitet. In Berlin dürfte der automatische Betrieb in 10 bis 15 Jahren durchgeführt fein. Die neuesten Fortschritte auf dem Gebiete der Nachrichtenübermittlung zeigen, daß nirgends ein Stillsband eingetreten ist. Fast unter dem Ausschluß der Deffentlichkeit scheint hier das Neue zu entstehen. Wenn wir heute, aus Anlaß des in Deutschland vor einem Jahre eingeführten öffentlichen Rundfunks, auf diese technischen Fortschritte hinweisen, so geschieht es in dem Bewußtsein, daß späteren Geschlechtern diese ganze Technik, in der wir es lo herrlichs meit" gebracht haben, als höchst unzulänglich erscheinen wird. Und bas ist gut so! Stillstand bedeutet Tod. Solange aber Menschen auf der Erbe benten fönnen und schaffen müssen, werden sie darüber nachfinnen, wie sie alles beffer gestalten können, denn nichts ist so vollkommen, als baß es nicht noch besser gemacht werben tönnte. Randjuntunterhaltung für Paliemen in Krantenanstalten. | Günftige Erfahrungen in amerikanischen Krantenhäusern haben zu der Anregung geführt, auch in deutschen Krantenhäusern Rundfunfunterhaltungen möglich zu machen. Der Reichspoftminister hat für die Frage großes Verständnis gezeigt. In Kranten. taffentreisen ist der Gedanke, Batienten in Er. holungsheimen Rundfunfunterhaltung zugänglich zu machen, bereits auf fruchtbarem Boden gefallen. So haben z. B. die Batienten, welche von der Allgemeinen Ortofrantenfasse SchönebergFriedenau in ihr Erholungsheim in Bernigerode am Harz geschickt werden, täglich Gelegenheit, Rundfunfunterhaltungen zu hören. sind erklärte Feinde der durch die Oberklassen so schwer errungenen englischen Freiheiten, der Freiheit der Rede, Gleichheit vor dem Gesetz, gleiche Gerechtigkeit für reich und arm, religiöse Duldsamkeit und Besteuerung gemäß dem Bermögen. Gerade diese Burschen unterdrücken jede Freiheit. Wer es wagt, ihnen zu widersprechen, ist ein verdammter Reaktionär. Hätten sie ihren Willen, wie in Rußland, würden sie jede freie Religionsübung verhindern und jeden geistigen Wiber ftand mit dem Hentersbeil bestrafen. Selbst bei uns find die Arbeiter die einzige steuerfreie Klasse, sie erhalten ihre Erziehung umsonst, und möchten trobem von jenen erpressen. die durch schwere Arbeit ein bißchen Geld angesammelt haben." Wie Sie zum Beispiel," sagte Beriram. Ich geWie ich, jawohl," antwortete Kenneth ruhig. stehe aufrichtig ein, daß meine Tätigkeit beim Auswärtigen Amt nicht ermüdend ist, aber schufte ich nicht über meinen Sonetten? Ringe ich nicht in bitterer Arbeit, um meine Gedantenprobe für den Londoner Merkur zutage zu fördern?" ,, Sie sollten ins Parlament eintreten, Kenneth," sagte Joyce, Ihre Beredsamkeit würde sogar Lloyd George überwältigen. Und ich will zugeben, daß eine Menge Berstand in Ihrem Kopfe ift, troß Ihrer verderblichen Schönheit und arroganten Einbildung. Sie sprach mit gewohnter, leichter Jronie und doch mit einer geheimen, Bewunderung, welche er herausfühlte und genoß. Er errötete ein wenig und lachte geziert. Den Dank meines Herzens, Dame, für diesen Tribut. Aber trübon Sie meine reine Seele nicht mit Politit. Es ist unmöglich, fich in den Toren des Parlaments rein zu erhalten." Es tamen noch mehrere Herren von Jonces Freunden, unter anderen eine italienische Gräfin, welche dem schönen Kenneth schmachtende Blicke zuwarf. Bertram sah, daß ihre von herrlichen Ringen funkeinden Hände unsauber waren. Sie nannte Joyce ,, Cardissima", und während der Begrüßung schlüpfte Bertram hinaus, um den alten Christy wieder einmal aufzusuchen.. 10. Lute Chrifty öffnete, als Bertram einen fleinen Messingflopfer an einer im dritten Stock gelegenen Tür in Bewegung gesezt hatte. Hallo, Major. Ich hatte doch eine Ahnung, daß Sie fommen würden. Sie können sich von meinem verderblichen Einfluß nicht fernhalten." ( Fortfegung folgt.) Neues Semester. Und wieder beginnt an der Universität in diesen Tagen ein neues Arbeitshalbjahr. Universität · dieses Wort hat in der Ge schichte der deutschen Republik teinen allzu guten Klang. Bir fönnen nicht vergessen, daß die Mordatmosphäre, die jahrelang über Deutschland lastete, zu einem guten Teil in unseren Hochschulen ihren Ursprung hatte, und daß die geistige und tatsächliche Reaktion gerade von dort ausging, wo man einen klaren Quell neuer und freier Ideen erhofft hatte. Schuld an diesen demoralisierenden Zuständen, trägt nicht zuletzt auch die nachfichtige Republik selbst, denn fie tat fast nichts, um den Einfluß des monarchistisch und antisozial denkenden Typus Roethe zu dämmen. Jede Universität hat aber, wie überhaupt jede Schule, ihren Sinn verloren, wenn sie eine Stätte des Rückschritts ist, da eine universelle Wissenschaft teine nationale Begrenzung fennen darf. Weil aber jede konsequent universelle Wissenschaft den Ehrlichen auch zum universellen, d. h. politisch- internationalen Wollen führt, muß es gerade die wichtigste und edelste Aufgabe der Hochschulen sein, durch eine Internationale des Geistes das Fundament einer Internationale der Wirtschaft mit schaffen zu helfen. Solches Wirken bewußt heute schon zu erwarten mag im Hinblick auf die vorläufig noch rein bürgerliche Tendenz aller Hochschularbeit utopisch sein, restlos zeigt sich jedoch die Wichtigkeit der Angelegenheit, wenn man bedenkt, daß dieselben jungen Wilhelm unb Prinz- Abrecht- Straße führen, abgefehen von der taum zu vermeidenden vollkommenen Zerstörung des PrinzAlbrecht- Parts. Fernheizung von Wohnungen. Berlin foll Berfäumtes nachholen. Der Städtische Nachrichtendienst hat vor kurzem eine Mitteilung über eine im Berliner Rathause abgehaltene Besprechung verbreitet, in der die Frage geprüft wurde, inwieweit für Berlin eine planmäßige Heizungsversorgung von öffentlichen und privaten Gebäuden durch Zuführung der Wärme von Fernheizwerken durch geführt werden kann. In dieser Mitteilung war auch von einem beabsichtigten Heizwerk der Technischen Hochschule in Charlottenburg, das an das vorhondene Elektrizitätsnetz angeschlossen werden könnte. Der örtliche Bauleiter des Kraftheizwerkes der Tech Eine trostlose Partei ift die Deutschnationale Boltspartei, die im Reichsfage felt Wochen ein ganz unwürdiges Spiel aufführte. Sie Studenten, die zum großen Teil auch heute noch nicht von ihrer suchte Ministerportefeuilles zu kaufen als schwarzweißroten Schein- Ideologie loskommen fönnen, Pädagogen, Juristen oder Schriftsteller in wenigen Jahren das öffentliche Leben mit beeinflussen werden. Bleiben die Kinder wie die Bäter sind, so wird aus der Republit( res publica öffentliche Sache) bald eine res privata, eine Privatangelegenheit der kapitalistifür fünfzigprozentige Gesinnungslumperei, um sich an die Regierungs- Futtertrippe" heranzudrängen. Das ist ihr nicht gelungen, deshalb sucht fie jetzt „ Volks- Oper"? Man schreibt uns: zu stürmischen Auftritten tam es am Dienstag bei Beginn der Abendvorstellung im Theater des Westens. Etwa 150 Personen, Teilnehmer an den von der GVO. veranstalteten Opern- 3yklen, fanden teinen Einlaß. Die Direktion hatte die für diese Besucher vorgesehene Anzahl Plätze verfauft, ohne die Teilnehmer vorher von der Vorstellungsverlegung zu benachrichtigen. Da diefelben zum Teil einen stundenweiten Weg zurückgelegt hatten, andere bereits schon einmal unverrichteter Dinge hatten umfehren müssen( und das wird einem in der GVD. öfter zugemutet). so bemächtigte sich der Benachteiligten eine starke Erregung. Sie verlangten dauernd den verantwort lichen Geschäftsführer zu sprechen, und ein Teil drang, als sich die Direktion fortgesetzt nicht blicken ließ, in den Vorführungsraum ein. Jetzt endlich tauchten zwei Herren auf, die nach der Schupo fandten und das Theater räumen ließen, so daß die Aufführung mit halbstündiger Verspätung beginnen fonnte. Dann suchte einer der Herren mit einigen unangebrachten Witzen und Abwälzung der Verantwortung auf untergeordnete Stellen" über die für die GBO. peinliche Situation hinwegzukommen und die Uebriggebliebenen durch Vorzugsfarten zu beschwichtigen. Es drängt sich einem bei solchem Erlebnis die Frage auf, wo denn die in der Firma geführte Gemeinnüßigkeit zu suchen fei? Die Aktionäre der Oper stammen zum Teil aus redyt wenig bemittelten Kreisen, und für diese maren die unpopulär" hohen Stammsihpreise schon eine starte Enttäuschung. Die Opern- 3yklen- Teilnehmer tommen sich aber geradezu als Lückenbüßer vor, die an schlechten Kassentagen dazu dienen, das Theater zu füllen. An Tagen aber, an denen man eines vollen Hauses sicher ist, stickt man sie einfach heim. Es muß gesagt werden, daß sich die ehemals starfe Sympathie ihrer kleinen Aktionäre und Zyklen- Abonnenten infolge dieser Geschäftsgebarung in eben so große Abneigung verwandelt hat, und man ist über diese Anwendung Ichen Klaffe werden. Das zu verhindern und dafür zu bewirken, auch Wahlstimmen für Pelzmäntel, es Begriffes„ Gemeinnüßigkeit“ empört. daß sich die Brutstätten der Reaktion in Pflanzstätten des Fortschritts rerwandeln, gibt es eine Möglichkeit; fie auszunuzen ist unsere Pflicht am 7. Dezember! Roheitsaft eines Chauffeurs. Wegen Körperverletzung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der bisher selten angewendete§ 22 des Automobil. gefeges fam in einer Anklage gegen den Kraftfahrer Alfred Laborius zur Geltung. Nach diesem Paragraphen wird bestraft, nier es unternimmt, nach einem Unfall sich der Feststellung seiner Berfon oder des Fahrzeuges durch die Flucht zu entziehen. Laborius war außerdem wegen gefährlicher Körperverlegung an geflagt. Im Februar raste er mit seinem Auto in der Mittagsstunde durch die Rheinstraße in Friedenau und überfuhr einen Straßenfeger. Er hatte zwar Signale gegeben, aber die Geschwindigkeit von mindestens 30 Kilometer nicht ermäßigt. Die Folge mar, daß der Straßenfeger von dem Auto erfaßt wurde. Die Schaufel und Mühe flogen zur Seite, der Mann selbst geriet unter das sehr niedrige Chassis des Wagens und wurde mit geschleppt. Zunächst hatten die Passanten, die mit Entsetzen den Vorfall mitangesehen hatten, den Eindruck, als wenn der Wagen halten wolle. Diefer setzte sich nach furzem Stocken aber wieder zu rasender Fahrt in Bewegung. Ein Mann, der mit erhobenen Händen dem Wagen entgegentrat, um ihn zum Halten zu bringen, fonnte sich nur noch rechtzeitig durch Beiseitespringen retten. Erft, 80 Meter von der Unfallstelle entfernt wurde der Wagen zum Stehen gebracht, nachdem ihn ein Radfahrer eingeholt hatte. Eine Menschenmenge war Anzüge, Britefts und Trostpreise zu ergaffern. Das darf ihr nicht gelingen, deshalb zahlt beizeiten freiwillige Beiträge für den Wahlfonds der SPD. an die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Berlin S. 14, Wallstraße 65, oder auf Postiched tonto Nr. 48 743 an Alex Pagels, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. nischen Hochschule Charlottenburg, Regierungsbaumeister Dr.- Ing Ruhberg schreibt uns nun hierzu: Das künstliche Gedränge. Ein raffinierter Trid von Brieftaschenräubern. Bon einer unglaublichen Frechheit und Gerissenheit zeugte das Borgehen dreier Ausländer und internationaler Gauner, nämlich des Küschners Falt Lews aus Witebst, des Kaufmanns Leo Persper aus Rumänien und des Schauspielers Andre Ruczewski aus Jno Euwolfi die sich vor dem Großen Schöffengericht Mitte wegen Bandendiebstahls in vier Fällen zu verant worten hatten. Die Arrangierung dieser vier Fälle ist für das Bublifum äußerst lehrreich. Drei Leute hätten Ein Heizwerk der Technischen Hochschule Charlottenburg ist nicht beabsichtigt, sondern es wird bereits im Auftrage der Breußischen Bau- und Finanzdirektion ein sogenanntes Kraft Heizstopft und die hand darübergelegt. Da feine Braut werf mit allen neuzeitlichen Einrichtungen ausgeführt. Wäh rend früher die Maschinenanlage des Maschinen- Laboratoriums der Technischen Hochschule mur elektrischen Strom und Kraft erzeugte und die Heizung der Technischen Hochschule eine getrennte Anlage für fich war, werden die Maschinen mun so angelegt, daß der erforderliche Antriebsdampf nach verrichteter Arbeit in den Maschi nen in die neu geschaffenen Fernheizleitungen zur Beheizung der Gebäude geleitet wird. Der Dampf wird doppelt ausge nugt, seine Wärme aber bei diesem tombinierten Betrieb um zirka 80 Proz. ausgenutzt gegen früher um 20 Broz. In diesem Winter werden außer den gesamten Gebäuden der Technischen Hochschule die Hochschule für bildende Künste, die Hochschule für Mufit, die Militärtechnische Akademie mit dem Chemischen Baboratorium an der Kurfürstenallee von diesem Kraftheizwert mit Wärme ver sehen. Beabsichtigt ist, auf diese % dem Wagen gefolgt, denn das bedauernswerte Opfer war während gebäude im Hochschuldeise in Kürze alle Staats. Brieftasche im Besiz. Am Ausgana tam er aber in ein Geder ganzen Zeit unter dem Wagen mitgefchleift worden und konnte jest erst hervorgeholt werden. Der Ueberfahrene hatte schpere Verlegungen om Kopf, von denen er zwar geheilt worden ist, er hat aber das Gehör verloren und ist pensioniert worden. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten Laborius wegen Körperverlehung und Flucht zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt und brachte zu seiner Verteidigung vor, daß er nicht die Absicht gehabt hätte, zu entfliehen. Ihm sei gar nicht bewußt, gewesen, daß der Straßenkehrer unter sein Auto geraten war. Er habe auch gleich halten wollen, sich aber in der Verwirrung dabei vergriffen und statt der Bremse den falschen Hebel angestellt. Dadurch sei die verstärkte Fahrgeschwindigkeit zu erklären gewesen. Auf Grund der Beweisaufnahme fam das Gericht aber zu der Ueberzeugung, daß diese Verteidigung des Angeklagten eine faule Ausrede sei, denn wenn er sich wirklich in dem Griff geirrt haben sollte, dann hätte er das in dem nächsten Moment merten müssen und also schon wenige Meter weiter den Wagen zum Stehen bringen können. Das Gericht nahm eine einheitliche Strafhandlung an, so daß die zweite Verurteilung wegen Bergehen gegen§ 22 des Automobilgesetzes in Wegfall tam und nur die Strafe von drei Monaten Gefängnis bestehen blieb. Projektierte Straßendurchbrüche. Der Magistrat hat fürzlich in einer feiner legten Sigungen die Frage der Entlastung des Potsdamer Plages besprochen. Man war sich darüber einig, daß die früher geplante Durchführung der Eichhornstraße und die Durchführung der Boßstraße aus technischen und finanziellen Gründen außer Betracht bleiben müssen. Zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf dem Potsdamer Blaz und Astanischen Platz fönnen außer dem Ausbau bestimmter Linien des Schnellbahn- und des Omnibuspertehrs mur große Straßendurchhrüche dienen, die eine Ablenkung des Autound des Straßenbahnverkehrs von der Leipziger Straße, Potsdamer Platz und Askanischen Play zur Folge haben. In erster Linie foll ein nördlich der Leipziger Straße gelegener Durchbruch gefördert werden. Diese neue Verkehrslinie ft in der Lage, den Straßenbahnverkehr von der Spandauer und der Französischen Straße her aufzunehmen, wodurch eine wesentliche Erleichterung für die Verkehrsverhältnisse des Potsdamer Plazes geschaffen würde. Allerdings wird man daran denten müssen, die Tiergartenstraße nach dem Tiergarten hin wenigstens so weit zu verbreitern, daß die Straßenbahn auf eigenem Bahnförper verlegt merden kann. Auch eine Verbesserung der Berbindung zwischen Tiergartenstraße und Kurfürstendamm, ferner die Verbreiterung der Corneliusbrücke muß vorgesehen werden, damit diefer Straßenzug seine Aufgabe voll erfüllen fann. In zweiter Linie rechnet man mit einem südlichen Durchbruch der Kurfürstenstraße unter dem Potsdamer Güterbahnhof zur Schöneberger Straße und weiterhin zur Anhalt, Stech und Oranienstraße. Die eingehenden Erörterungen des Ausschusses haben zu dem Ergebnis geführt, daß. es zweckmäßig ist, die Kochstraße für diese südliche Entlastungslinie zu benutzen. Ein Durchbruch von der Schöneberger Straße durch den Prinz- Albrecht- Part zur Brinz- Albrecht- und Zimmer straße hätte zwar gewisse Vorteile, würde aber voraussichtlich zu einer verkehrlich und städtebaulich ungünstigen Lösung an der Ede der. zwischen Hardenbergstraße, Berliner Straße und Stadtbahn einzubeziehen. Sehr erwünscht ist aber später eine Verbindung mit den kommenden Kraftheizwerten, ob fie vom Magistrat oder anderen Intereffengemeinschaften angelegt werden. Die Stadt würde in einzelne Wärmebezirte perfallen, die sich nötigenfalls gegenseitig mit Heizungswärme oder elektrischem Strom ausheffen. Wenn bei immer größer werdenden Kraftheizwerken die Frage der Abgabe des elektrischen Stroms in die öffentlichen Netze gelöst ist, dann ist die Fernheizuna von Woh nungen teine 3utunftsmufit mehr. Sie wird sich genau fo wie die Waffer, Gas und Stromversorgung aus fleinen Anfängen so weit entwickeln, daß der Hausbefizer das heute als notwendig geltende Uebel des Kohlen- und Ascheschleppens mit der Staub- und Rußbildung und der Feuersgefahr ganz vergessen wird. Man wird den Wärmebedarf genau so wie den Strom-, Gas- und Wafferbedarf an der städtischen Uhr ablesen lassen und danach bezahlen. In Hamburg ist ein solches Fernheizwert schon in großem Umfange entstanden. Es gilt in Berlin Versäumtes nachzu holen, um das unterirdische Leitungsnetz der neuzeitlichen Großstadt zu einem vollkommenen Nerven- und Adersystem auszubauen. Am 27 d. M entschlief nach langem schwerem Leiden im Alter von 62 Jahren mein lieber Mann, unser guter Bater, der Gastwirt 273b August Wiemers Bülowftr. 58 Im Namen der Hinterbliebenen Dorothea Wiemers. Landparzellen fpottbillig. Borort Faltensee b. Spandan, 10 Min vom Bahnhof in herrlicher Lage, v altem Dauerwald umgeben, guter Boden. zum Teil m. Mifchwald bestanden, geringe Anzahlungen, langjährige Ratenzahlungen Buchholz, NO 18, Aniprodeftr. 19. Die Einäfcherung findet am Gonn Metallbetten abend, den 1. Roo, nachm. 5½ Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Willst Möbel Du jetzt billig kaufen, Mußt Du schnell zu Möbel- Gross laufen! Wegen Räumung meiner Läger Eingang Ackerstr. Invalidenstr.51 verkaufe zu jedem annehmbaren Preise auch auf Teilzahlung Möbel jeder Art Verkaufsschluss am 5. November daher Eile geboten! Möbel- Gross HenkoHenkel Walch und Bleich- Soda Hall aufbewahr Der erste Fall betraf einen Getreidehändler aus der Provinz. Er hatte bei der Reichsbank den Sched eines Kunden eingelöst, das Geld zu anderen Beträgen in eine Seitentasche gean der Untergrundbahn am Spittelmarkt auf ihn wartete sei er berthin gelaufen. An der Umfieigestelle der Leipziger Straße sei beim Aussteigen eine Stodung eingetreten, obwohl nur wenige Leute im Wagen waren. vor dem Eingang gestanden und wollten nicht Plazz machen, so daß er einen Augenblick die hand von der Tasche wegnahm und den einen der Männer beiseite schob. Er sah dann noch, wie dieser Mann, in dem er den Angeklagten Berper wiedererkennt, ebenfalls ausstieg und zum Ausgang humpelte, als ob er schwer gehen fönne. Erst auf der Straße merfte der Getreidehändler, daß sein Geld weg war. Ein Wertmeister, der auf der Reidysbant annähernd 1600 m. abgehoben hatte, war in, die Straßenbahn geftiegen. 3 wei Männer drängten sich an ihn heran. Als er aussteigen wollte, hatte er noch die bränge, das offenbar fünstlich erzeugt war und gleich danach fühlte er zu seinem Entfehen, daß seine Brieftasche verschwunden war. Durch denselben Trid des fünstlichen Gedränges wurde auf der Untergrundbahn ein Kassenbote um 5000 M. gebracht. Als er den Untergrundbahnzug verlassen wollte, faßte ein vor ihm stehender Mann plötzlich oben an die Stange und drängte sich zurück, während von hinten gegengestoßen wurde. Auf dem Bahnsteia fehlte ihm dann das Geld. Nahezu an Raub grenzte der vierte Fall, der sich im Stettiner D- 3ug ereignete. Ein Architekt hatte mit seiner Frau ein Abteil dritter Klasse betreten. Kurz vor Abgang des Zuges tauchten drei Männer auf. Der eine blieb auf dem Gange, der zweite_trat in das Abteil hinein und griff fofort nach dem Hand. gepäd des Reisenden Dieser stand auf und es entstand ein Handgemenge, wobei der dritte Mann, der in der Tür stand. dicht an den Architekten herantrat. Der ganze Vorgang spielte sich in wenigen Sekunden ab. Ohne ein Wort zu sagen, verließen dann die Eindringlinge den Wagen. Nunmehr erst merkte der Architekt das Fehlen der Brieftasche. Mit Hilfe des Zugpersonals wurde der ganze D- 3ug abgesucht, Mitreisende hatten aber gesehen, daß drei Berein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. Montag, den 3. November, nachmittags 5, he, in den Sophien- Sälen"( großer Saal), Sophienftraße 17/18: Generalversammlung. KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Tagesordnung: Berichterstattung von den 2ohn Trauerfpenden perhandlungen. jeder Art 8u biefer Generalversammlung haben außer den liefert preiswert Delegierten die Bertreter gemäß§ 4, Abs. 1 und die Bertreter Paul Gollets, Der Betriebe nach§ 4, Abs. 3, 8utritt( großer Stempel 1924). varmals Robert Meyer, Eintritt nur gegen Borzeigung der Begitimationstarte. Mariannenstr. 3. Der Gauvorstand. Amt Morikpl. 10303 Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Gelbmetallindustrie! Beute, Donnerstag, den 30. Oftober, abends 7 2hr, im Bofal von Redling. Waffertorffe. 71: Situng der Branchenkommiffionsmitglieder. Achtung! Berwaltungsmitglieder! Freitag, den 31. Oftober, abends pünktlich 7 Uhr: Sigung der mittleren Ortsverwaltung. Die Sigung wird pünktlich eröffnet. Die Auszahlung der Liquidation findet vor der Sigung statt. Die Detsverwaltung. Servus Schuhputz mit Terpentin Berliner Tik- Trio es gibt nichts besseres als ihn Neukölln, Lahnstr.74/ 75 L Chem. Werke Lubszynski& Co.A.-G., Berlin- Lichtenberg Henk Heate Wirth and Breich da spart Seife und Seifenpulver! Mitverwendung von Henko bei der Wärche verbilligt das Wafchen. Vorzügliches Einweichmiffel Männer getrennt voneinander ben in Abfahrt begriffenen Zug wieder verlassen hatten. Der Zeuge erkannte die drei Angeklagten mit voller Bestimmtheit wieder. Der Wertmeister und der Kassenbobe waren sich aber nicht über die Personen der Täter voll im flaren. Infolgedeffen konnten die Angeklagten nur in den beiden anderen Fällen des Diebstahls überführt werden. Staatsanwaltschaftsrat Muth hielt die strengste Strafe gegen diese internationalen Merbrecher, die eine Gefahr für das Publikum buden. für einen Aft der Notwehr. Das Schöffengericht verurteilte die drei Angeklagten zu je drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverluft und Stellung unter Polizeiaufficht. Mord und Selbstmord im Hotel. Tot aufgefunden wurden gestern nachmittag in dem Zimmer cines Hotels in der Mohstraße ein 29 Jahre alter Polizeibermachtmister Richard Schmidt und eine 35 Jahre alte Frau Elli Hundertmart. Beide wohnten bis vor vier Tagen in der Softeinischen Straße und siedelten am 25. b. M. in das Hotel über. Da sich die Gäste bis gestern in den Nachmittagsstunden nicht zeigten, öffnete man gewaltsam die Tür und fand beide in den Betten tot auf. Schmidt hat sicherlich zuerst die Frau erschossen und dann fich selbst. Um den Schall zu dämpfen, legte er ein Kopffiffen über das Geficht und die Waffe, bevor er den Schuß abfeuerte. So ift es auch erflärlich, daß niemand im Hause den Knall der Waffe gehört hat. Papiere und sonstige Aufzeichnungen, aus denen hervor sehen fönnte, warum fie gemeinsam aus dem Leben geschieden find, wurden nicht gefunden. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in das Schöneberger Schauhaus gebracht. Einstellung von Schuhpolizeibeamten. Nachdem der Landtag den Hausalt der Schutzpolizei für das Rechnungsjahr 1924 genehmigt hat, tönnen nunmehr die durch die Citeetats 1924 gegenüber 1923 mehr überwiesenen Stellen für Bolizeihaupt- und Bolizeioberwachtmeister unverzüglich besetzt wer den. In einer Verfügung des Ministers des Innern, in der einé Meihe von Einzelheiten dazu aufgeführt werden, wird, wie der amts fiche Breußische Bressedienst mitteilt, hinsichtlich der unfündbaren Anstellung u. a. folgendes bemerkt: Nach den Festießungen im Haus halt des Ministeriums des Innern für das Rechnungsjahr 1924 fönnen von den 5799 Polizeihauptwachtmeistern und 18521 Bolizei oberwachtmeistern, aufammen 24320 Stellen, bis zu 6000 boll polizeiverwendungsfähige und für den Polizeiberuf besonders geeignete Beamte mit mindestens awölfjähriger Gesamtdienstzeit auf Antrag untundbar angestellt werden. Rüdfehr vom Candaufenthalt. Die im Kreise Rummels. burg in Pommern untergebrachten Neuköllner Kinder treffen am 1. November, abends 8.04 Uhr, auf dem Stettin er ahnhof ein. Die Eltern werden gebeten, die Kinder erst in Empfang zu nehmen, nachdem sie fämtlich mit ihrem Gepäd den Pahnwagen verlassen haben, da sonst sehr leicht Gepädftüde abhanden kommen fönnen, für die fein Erfag geleistet wird. Die, Nachuntersuchung der Kinder findet am Sonnabend, den 8. No. nember, vormittags 8 Uhr, im früheren Schulhause, Neukölln, Ertstr. 27, parterre, statt. Schupo- Konzerte. Die Bezirksgruppe Groß- Berlin des Berbanbes Preußischer Polizeibeamten E.B. veranstaltet in den Winter monaten Konzerte. Der Reinertrag soll zu wohltätigen Zweden der Mit glieder Verwendung finden. Wir machen auf das am 5. November, abends 8 Uhr, in dem Marmorsaal des Zoologischen Gartens, Kurfürstenitraße 72/73, stattfindende Konzert aufmerksam. Es haben ihre Mitwirkung zugesagt: Opernsängerin Frau Rose Seegers( Sopran); Kammerfänger Eduard Habich, Staatsoper( Bariton); Profeffor Mar Saal( Staats. over); Deman Duartett( Deman, Cavallerh), Bagner, Dedert ( Staatsoper). Rod B Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Gonntag, ben 9. Rovember, voc mittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus: Proletarische Feiera unde zum Gebenten an den 9. Nopember 1918. Sonn tag, den 2., 9., 16. und 30. November, im Theater des Westens: Bozzed von Georg Büchner. Preis pro Karte 90 Bfg. einschl. Garderobe und Theaterzettel. Sonntag, den 16. November, nachmittags 2, Uhr, im Deutschen Opernhaus: Rigoletto". Karten für alle Veranstaltungen find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, Vorwärtsbuchhandlung, Lindenstr. 2, Bigarrengeschäft von Horsch. Engel nier 24/25( Gewerkschaftshaus), in allen Vorwärtsspeditionen und bei allen Cbleuten der Kreisbildungsausschüsse. Ueber den Leipziger Prozeß gegen die D. C. und über Landesverratsprozesse findet am Freitag, den 31. b. M., abends 8 Uhr, in den Spichern. älen, Nürnberger Blaz, eine Volksversammlung der Deutschen Liga für Menschenrechte statt. Borsig: Sen. Bras. Frey m uth; Redner: Dr. Kurt Mosenfeld( M. d. N.), Alfred Müller Hepp. Otto Lehmann. ußbildt und Redakteur Ernst Frenzel- Leipzig, der jest zwei onate Festung wegen Veröffentlichung eines Gutachtens des Reichswehr. niinifteriums zum Falle Zeigner erhielt. Berliner Uthmann- Chor( M.d.d.Arb.- Sang. Bd.) veranstaltet am Sonntag, Fen 2. November, nachm. 3/4 Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Straße, ein Konzert. Mufitalische Leitung: H. G. Rohrbach. Mitwirkende: r. Beit, 1. Bioline; A. Graupner, 2. Violine; W. Hoeber, ratsche; B. Schulz, Cello( Solisten des Berliner Philharmonischen Crchefters). Humboldt- Hochschule. Schauspieler Dr. Tyndall rezitiert Donnerstag, abends 8 Uhr, in der Aula Kochstr. 66: Goethes Faust, Meisterszenen aus dem 1. und 2. Teil. Zeugen gesucht, die am Sonntag, den 21. September, nachmittags etwa 1, Uhr, gefehen haben, wie ein Herr vom Vorderperron der Straßen bahn( Linie 44) stürzte und besinnungslos liegen blieb. Der Unfall geschah bittet Hans Berg, Berlin SO, Mariannenplay 26. Unkosten werden vergütet. in der Brüdenstraße zwischen Runge und Köpenider Straße. Adressen ers Aus der Partei. 40. bt. 7% Uhr in ber Bodbrauerei, Fidicinfte. 2-3, außerordentliche Mitaliederversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Aufstellung der Randidaten zum Reichs- und Landtag. 42. Abt. 7 Uhr bei Wiersdorf, Urbanstr. 6, Funktionärkonferenz. Abteilungsmitglieder können daran teilnehmen. Alle 43. Abt. 7 Uhr Bezirksführersihung bei Rutscher, Urbanstr. 93. 45. Wbt. 7 Uhr in der Schulaula Reichenberger, Ecke Forster Straße, aukerordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Stel. Tungnahme zur Aufstellung der Randidaten zum Reichs- und Landtage. 46. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Wrangelstr. 85. Tagesordnung: Wahlen. 47. Abt. 7 Uhr wichtige Mitgliederversammlung bei Pflug, Muskauer Straße 1. Stellungnahme und Wahl der Delegierten zum Bezirtstag 48. Abt. 7½ Uhr bei Gliefing, Waffertorstr. 68, außerordentliche Mitgliederversammlung. Stellungnahme zum Bezirtstag. Mitgliedsbilcher mitbringen. Die Bezirksführer müssen dazu einladen. Straftonto der Parteipreffe. Der verantwortliche Schriftleiter Rentöln. 96. Abt. 7 Uhr bei Lüben, Thomasftr. 5, Funktionärsgung. Stelder Bromberger Volkszeitung" wurde vom polnischen BezirksMonaten Gefängnis verurteilt. gericht wegen Beleidigung des Staatsanwalts in Konig zu sechs Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, an richten. Zur Unterstützung der Wahlaqitation in Oberschlesien werden alle Parteigenossen, die aus Oberschlesien stammen und dort noch Berwandte oder Bekannte haben, gebeten, ihre Adresse dem Bezirksfekretariat( Th. Fischer), Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, anzugeben. 2. Kreis Tiergarten. Donnerstag, den 80. Oftober( heute), 7% Uhr, bei Sübner, Wilsnader Str. 34, Funktionärinnenkonferenz. Wichtige Tagesordnung. 3. Kreis Wedding. Seute, Donnerstag, den 30. Oftober, 7 Uhr, Sikung des erweiterten Streisvorstandes an bebannter Steffe. Gämtliche Ordner treffen fich Freitag abend 6 Uhr in den Germania- Sälen. 4. Kreis Prenzlauer Berg Freitag, den 31. Oftober, 8 Uhr, Kreisvertreter versammlung im Lebigenheim, Pappelallee 14. Bünktlich 7 Uhr erweiterte Kreisvorstandsfihung im selben Lokal. Die Kreisvorstandsfizung am Donnerstag fällt aus. Soweit die Kreisvertreter noch nicht im Befik ihrer Mandate find, tännen diefelben in der Kreisvertreterversammlung in Empfang genommen werden. 7. Areis Charlottenburg. Rarten für die Borstellung am 2. Rovember im Theater des Westens find noch zu haben beim Genoffen Bill, Nordhaufener Str. 10. 14. Kreis Reukölln. Der füte heute 7% Uhr in der Donauftraße angefekte Rurfus für die Wohlfahrtspfleger findet der öffentlichen Bersammlung wegen nicht statt. Eine neue Aufforderung erfolgt im Dezember. Die Funktionärinnen treffen sich ½ Stunde vor Beginn in der VersammJung in der Neuen Welt zu einer wichtigen Besprechung. Heute, Donnerstag, den 30. Oktober: 10. bt.. 8. Uhr Ronferenz aller funktionäre und Delegierten zum Kreisver tretertag und zum Bezirtstag bei Trümper, Flensburger Str. 3. 11. Abt. 7½ Uhr bei Ranfer, Goẞtowstnitraße, Funktionärkonferens. airtsführer, Bezirksverordnete und Delegierte aur AreisvertreterverfammTung müffen erscheinen. Be 33. Abt. 72 Uhr außerordentliche Funktionärsihung bei Lojad. Benmeste. 8. Sämtliche Borstandsmitglieder, Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute müssen erscheinen. 128./130. bt. Bankow. Die für heute angefekte Mitgliederversammlung in der Schulaula Grunowstraße finder mit Rücksicht auf die am Freitag bei Linder stattfindende öffentliche Bersammlung nicht fiatt. Jungsozialisten. Gruppe Rorbost: 7% Uhr Danziger Str. 23, Sigung. Gruppe Friebrichshain: 7 Uhr im Jugendheim Tilfiter Gir. 4-5, Dis tuffionsabend: Wahlpropaganda und Demokratie". Gruppe Neukölln: 8 Uhr in der Rinderlesehalle Rogatstr. 11-12, Bortrag des Genoffen Dr. Sturm: Erziehungsfragen". Gruppe Treptow: 7 Uhr im Jugendheim Elfenstr. 3, Beteiligung an der volkswirtschaftlichen Arbeitsgemeinfchaft der Partei. Gruppe Sübost: Die Veranstaltung fällt aus. Die Genoffen beteiligen fich an der öffentlichen Bersammlung in der Neuen Welt". Morgen, Freitag, den 31. Oftober: 27. t. 7% Uhr Vorstandsfihung mit den Gruppenführern bei Behmann, Rorförer Str. 1. 36. bt. 7 Uhr bei Busch, Tilfiter Str. 27, Sihung ber Elternbeiräte ber Abteilung. Bortrag des Herrn Lehrer Michaelis: Moderne Schulerziehung. Wahl des Obmanns. Sämtliche Elternbeiräte der Lifte Schulaufbau auch bie noch nicht in Funktion getretenen fomie bie in der Abteilung wohnenden fozialdemokratischen Lehrer müffen er. fcheinen. 39. Abt. 6 Me in ber Suriftifchen Sprechstunde, Sindenftr. 3. Funktiondo finung Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 30. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Paul Markwald- Caro: Was muß man von der Aufwertungsverordnung wissen?" 8.30 Uhr abends: Internationales Konzert. 1., Thränen, vom Freund getrocknet", Arie 2. Streichquartett in D- Dur, Borodir( Barmas- Quartett: Prof. Issay aus der Oper Don Juan", Mozart( John Collinson, Gesang). Barmas, 1. Violine; Willi Petereins, 2. Violine; Kammermusikus Otto Kluft, Viola, und Kammermusikus Fritz Dechert, Cello). 3. a) Lamento di Frederico( Aus der Oper L'Arlesiana") Ciléa b) Amor di vieta"( Aus der Oper Feodora") Giordano( John Collinson. Gesang). 4. Streichquartett in F- Dur, op. 96. Dvorak ( Barmas- Quartett). 5. Irische und schottische Volkslieder: a) A Prayer to our Lady. b) I heard a Piper, c) Oft in the stilly Night, d) Ye Banks a Braes, e) Annie Lauris, bearbeitet von Clutsam ( John Collinson, Gesang). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack, Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. Jungnahme zu den Wahlen. Sämtliche Partei- und Gewerkschafts. funktionäre milffen erscheinen. 97. Abt. 7 Uhr wichtige Funktionärfizung bei Rohs, Siegfriedstr. 28-29. 137. Abt. Keinidendorf- Weft. 7½ Uhr Rahlabend und Mitgliederversammlung im Volkshaus, Scharnweberstr. 114. Thema: Reichstagswahlen und Sozialdemokratic". Referent Genoffe Robert Breuer. Jugendveranstaltungen. Heufe, Donnerstag, den 30. Oftober, abends 7% Uhr: Friedenau: Offenbacher Str. 5a. Bortrag: Unser Wollen". brunnen I: Echule Gothenburger Str. 62. Bortrag: Arbeitsdienstpflicht". Borstadt: Ibsenstr. 17. Unsere Winterarbeit". Südwesten: Lindenstraße. Bortrag: Sozialistische Politik". Gefand Schönhauser Seute, Donnerstag, 7 Uhr, Mädchenausfanthikung im Jugendheim Lindenstr. 3. Vortrag: Die Schule". Alle Abteilungsmädchenvertreterinnen find eingeladen. ROUND Arbeitersport. Das Arbeiter- Sport- und Kulturkartell Lichtenberg veranstaltet morgen, Freitag, den 31. Ottober, in der Schulaula des Cäcilien- Enzeums, Rathaus ftraße 8, eine Film vorführung. Unter anderem werden folgende Filme vorgeführt: In den Eishöhlen des Dachsteingebirges" und Motorlos in den Lüften". Gleichzeitig gelangen zwei Sportfilme mit Reitlupenaufnahmen zur Vorführung. Wir fordern alle Genossen auf, den Kulturkampf zu unterstützen. Anfang 28 Uhr. Eintritt 40 Bf. Rarten find bei Wagner, Lichtenberg, Sagenstr. 6, und bei allen Funttionären der Vereine zu haben. Mannschaftskämpfe im Ringen: Rorben 1893- Rathenow 1893. Sonnabend abend 8 Uhr finden in der Turnhalle der Sportlichen Vereinigung Norden 93, Bank, Ede Wiesenstraße, Mannschaftskämpfe in der A- und B- Riaffe ftatt. Bon der Sportlichen Bereinigung gehen folgende Kollegen auf die Matte: S. Georg, M. Gabel, W. Bienst, M. Krüger, W. Gräbert, F. Schols, E. Patrias; Klaffe B: E. Reidler, F. Clubka, A. Bolen. Ch. Beibler, W. Schulz, F. Albrecht. Da beide Vereine ihre besten Leute auf die Matte fchiden, ist guter Sport zu erwarten. Großkampftag im Ringen und Jiu- Jitsu. Der Sport- Club Libertas 96, Berein für moderne Körperkultur( Mitgl. d. AABD.), Charlottenburgs ältefter Verein für Schwerathletit, veranstaltet am Freitag, den 31. Oktober, in den Sohenzollern- Festfälen. Berliner Str. 105, einen Großkampftag. Anfang der Rämpfe pünktlich 8 Uhr. Raffeneröffnung eine Stunde vorher. Die Schwerathletikabteilung des Vereins, Kreismeister 1923/24, stellt zu den Rämpfen nur gute Kräfte. Als Gegner treten die Besten ihrer Klaffe an. Außerdem wird am 4. Nopember wieder ein Jiu- Jitsu Rurfus eröffnet in der Turnhalle Spreestr. 29. Alle Interessenten wollen sich dort melden. 1 Mk. 95 Pfg. kostet nach folgendem Rezept ein selbstgebackener Detter- Kuchen Manche Hausfrau weiß vielleicht gar nicht, ein wie billiges, nahrhaftes und wohlschmeckendes Nahrungsmittel sie damit auf den Tisch bringen kann. Dr. Oetker's Schokoladenkuchen 250 g Margarine à Pfd. 0.60 500 g Zucker 6 Eier à 0.12 500 g Weizenmehl 1 Päckchen Dr. Oetker's Vanillin- Zucker 1 Päckchen Dr. Oetkers Backin 3 EBIöffel voll Kakao 1 kleine Tasse Milch oder Rahm M. 0.30 0.40 0.72 0.20 0.06 0.08 0.15 004 M. 1.95 Zubereitung. Die Butter rühre zu Sahne, gib Zucker, Eigelb, Vanillin- Zucker, Mehl, dieses mit dem Backin gemischt, Milch daran und zuletzt den Schnee der 6 Eiweiß.-Teile die Masse, menge unter die eine Hälfte den Kakao, fülle den Teig abwechselnd in die gefettete Form und backe den Kuchen 1 bis 1 Stunden. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, durch Postkarte gratis und franko von Dr. A. Detter, Nährmittelfabrik, Bielefeld Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen. 730 Dyckhoff Esders& GERTRAUDTENSTR- 8-9 ANDER PETRIKIRCHE Billige und gute Herren- Kleidung! neueste Form Ufter 50 78 77 767-4500 in dunkel- und modefarbenem vorzügl. 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Es gibt aber auch Sieger der Inflation! Das sind nicht nur die Spekulanten und Schieber bei denen es übrigens meistens heißt: wie gewonnen, so zerronnen. Das sind vor allem die Großindustriellen in Deutschland. Was die Arbeiterklasse und die Klaffe des Mittelstandes verlor, hat die Klasse der Großunternehmer gewonnen. Nachdem die Zeit der Stabilität ein Jahr angehalten hat, werden die Klassenverhältnisse wieder durchsichtig. Auch der oberflächliche Beobachter erkennt, was eigentlich geschehen ist. Der Ruf nach der Aufwertung ist die erste Reaktion auf die in der Zeit der Inflation eingetretene Verschärfung der Klassengegensätze. Er ist nicht nur ein Hilferuf der wirtschaftlich Bedrängten, sondern er entspringt dem Gerechtigkeitsgefühl, der Empörung des verlegten Rechtsgefühls über die brutale Niederdrückung und Ausplünderung ganzer Klaffen zugunsten der Siegerklaffe der Inflation. Er ist vom Mittelstand aus gesehen der Ruf nach Freiheit gegenüber der Abhängigkeit, in die der Mittelstand von der Siegerklasse der Inflation geraten ist. Die Ueberzeugung, daß das soziale Ergebnis der Inflationszeit nicht geduldig als unabänderlich hingenommen werden kann, bricht sich eben in allen Klassen Bahn, die durch den Aufstieg des Großunternehmertums in wirtschaftliche Bedrängnis und Abhängigkeit geraten sind. Wenn der geschädigte Mittelstand nach Aufwertung, nach Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ruft, so ist das grundsäglich das gleiche, wie wenn die Arbeiterschaft, die unter der Inflation gelitten hat, in ihren Lohnkämpfen und in ihrem politischen Kampf eine Lebenshaltung zu gewinnen sucht, die ihr ein kulturwürdiges Dasein gestattet. Es ist das gleiche Streben nach Freiheit gegen großkapitalistische Abhängigkeit, wenn der Mittelstand um freien Raum für Bildungs- und Kulturmöglichkeiten und unabhängige politische Betätigung ringt, und wenn die Arbeiterschaft gegen Verlängerung der Arbeitszeit und politische reaktionäre Treibereien anfämpff. Dies Ringen um Freiheit gegen die Siegerklasse der Inflation, gegen das Großunternehmertum, ist Klassenkampf. Klassenkampf ist nichts, was durch Parteien und Agitatoren fünstlich gemacht werden kann. Ohne Klassengegensätze fein Klaffentampf, ohne die Unterdrückung von Arbeiterschaft und Mittelstand durch das Großunternehmertum nicht das Sich- zur- Wehr- sezen gegen Ausbeutung und Abhängigkeit. Die Siegertlasse der Inflation aber möchte, daß die in der Inflation ausgeplünderten Klaffen den jetzigen sozialen Zustand als unabänderlich hinnehmen. Wenn die Bürgerblöckler die Parole ausgeben: gegen den Klassenkampf, so meinen fie: für die Klassenherrschaft des Großunternehmertums, der Sieger der Inflation. Das deutsche Großunternehmertum hat in der Inflationszeit wahre Orgien des Klaffentampfes gefeiert. Mit Betrug gegen den einzelnen und gegen den Staat, unter Ausnügung der Notlage von Bolt und Staat hat es seine Klaffenmacht gestärkt. Ueber Treu und Glauben, über alle Gebote der Ehrlichkeit, der Menschlichkeit, der Baterlandsliebe hinweg hat es den Prozeß der Ausplünderung des Volkes und der Anfammlung eigener Reichtumsmacht vollzogen. Das war die brufalste, die niederträchtigste Form des Klassenkampfes, die möglich war. Der Klassenkampf der Großunternehmer ging auf Kosten des ganzen Boltes, der Arbeiter wie des Mittelstandes! Die Nuznießer dieses Klassenkampfes rufen nun: nieder mit dem Klaffentampf! Sie wollen ihre Machtstellung behaupten, das Inflationsunrecht verewigen, neues Unrecht hinzufügen. Sie wollen den Bürgerblock, um auch die Großagrarier zu stärken auf Kosten des Volkes. Bürgerblock ist klassenherrschaft, ist politische Form des Klassentampfes von Großunternehmern und Großagrariern gegen alle anderen Klassen des Volkes! Hinter dem Ruf: Nieder mit dem Klassenkampf! verbirgt sich der Wille der Sieger der Inflation zum Klaffenkampf, die Forderung, daß die Ausgeplünderten und in Abhängigkeit Geratenen ihr Schicksal schweigend und ohne Abwehr hinnehmen sollen. Klaffenherrschaft des Bürgerblocks heißt Berewigung des sozialen Unrechts. Den Bürgerblöcklern muß am 7. Dezember eine Niederlage bereitet werden das ist der erste wirksame Schritt zur Wiedergutmachung des Inflations unrechts! Die Stimmzettelumschläge für die Wahlen. Es ist in Aussicht genommen, für die Abgabe der Stimmzettel zur Reichstags- und Landtagswahl nur einen Umschlag zu verwenden, und zwar den für die Reichstagswahlen ausgegebenen Umschlag, der außer dem Adlerstempel feinen weiteren Aufbrud trägt. Nach einer Verfügung des Preußischen Ministers des Innern find in erster Linie die ungebrauchten und schon einmal gebrauchten Umschläge dieser Art mit dem neuen Adlerstempel zu verwenden; soweit diese nicht ausreichen, muß aus Sparsamteitsrüdsichten auf die ungebrauchten und schon einmal benutzten Umschläge mit dem alten Adlerstempel zurüdgegriffen werden. In jedem Wahiraum dürfen aber nur Umschläge gleicher Art benutzt werden. Die Verwendung der für Ostpreußen, Schleswig- Holstein und Oberschlesien seinerzeit gelieferten gelben Umschläge mit dem neuen Ablerstempel und dem weiteren Aufdrud„ Reichstagswahl" tommt in diesen Provinzen für die bevorstehenden Wahlen nicht in Frage. 000 Georg Wilke Der Sturz der Verdammten. Gewerkschaften und Partei. München, 29. Oftober.( Gigener Drahtbericht.) Die Zeit der Kommunisten in den Münchener Gewerkschaften ist endgültig vorüber. Das zeigte sich ganz flar in einer außerordentlich stark besuchten Delegiertensitzung, die sich in der Hauptsache mit den tommenden Wahlen befaßte. In der eingehenden Aussprache meldete sich nur ein einziger Kommunist zu Worte, der die übliche Mostauer Grammophonplatte ablaufen ließ und fast nur Seiterfeit auslöfte. Das Ergebnis der Aussprache war die Aufstellung folgen der Richtlinien, die mit allen gegen 4 Stimmen angenommen wurben: Die Mitglieder der freien Gewerkschaften werden aufgefordert, in der Einzelagitation alles zu tun, um die Wahlsäumigen in Arbeiterfreifen aufzurütteln und zur Wahlurne zu bringen. Die Arbeiterkreisen aufzurütteln und zur Wahlurne zu bringen. Die Beitung selbst wurde ermächtigt, selbständig alle die Maßnahmen zu treffen, die im Interesse der Gesamtarbeiterschaft liegen. Dabei wurde unsbesondere betont, daß als Vertreterin der Arbeiterschaft die Sozialdemokratische Partei in Frage fommen die Sozialdemokratische Partei in Frage kommen tann. Der wahre Dolchstoß. Geständnis des Freiherrn von Wangenheim. Der Führer des Reichslandbundes, der Freiherr von Wangenheim- Klein- Spiegel, hat auf der Tagung des Reichslandwirtschaftsrates ein wertvolles Geständnis abgelegt. Er erklärte: „ Aber wer nur einigermaßen hinter die Kuliffen sehen fonnte, dem mußte es schon im Herbst 1914 tlar fein, daß wir schon unmittelbar vor dem Zusammenbruch der Brotverforgung standen." Schon damals wußten Wangenheim und Genoffen, wie es ausfah. Sie haben trotzdem das wahnwihige Annerionsgefchrei erhoben. Sie haben durch das Hochtreiben der Lebensmittelpreise die Not des Bolles verschlimmert. Die Großagrarier find die wahren Dolchtößler. Jetzt wollen sie durch Brotwucher und Hochschuh3011 einen neuen Dolch stoß gegen das deutsche Volt führen. Am 7. Dezember Abrechnung mit den großagrarischen Dolchstößlern. Abschied von Hergt. RUSCH KOESTER WILKE ABEKING O.K. Die Zeichner des„ Borwärts": Exzellenz fehen uns faffungslos ob der Größe des Verlustes, den wir erleiden. Hergt: Nur Mut, meine Herren, ich empfehle Ihnen meinen Herrn Nachfolger. Donnerstag, 30. Oktober 1924 Vom Untertan zum Staatsbürger. Was jeder Wähler bedenken sollte. Jeder Staat wehrt sich gegen gewaltsamen limsturz. Die demofratische Republik hat bei solcher Abwehr auch noch das mora= lische Recht auf ihrer Seite, denn fie gibt jedem Staatsbürger das gleiche Recht zur Beeinflussung der Staatsleitung und wenn in einer bemokratischen Republik die niedergehaltenen Putschisten in fittlicher Entrüstung machen, so ist das um so verlogener, als ihre Gesinnungsgenoffen dort wo sie die Macht haben die Faschisten in Italien und die Kommunisten in Rußland selbst die friedliche Betätigung einer oppofitionellen Meinung, geschweige denn die Werbung dafür, mit dem schändlichsten Terror unterdrücken. Dies fei grundfäßlich vorausgeschickt und nun betrachten wir einmal den Fall Breußen- Deutschland. Staatsrechtlich gab es schon in der Monarchie feine Untertanen mehr. Allein die preußisch- deutsche Monarchie und besonders ihr letter Kronenträger liebten es, ihr Gottesgnadentum zu betonen; als Instrument des Himmels sich betrachtend, so sagte Wilhelm II. in einer feiner klassischen Reden, gehe er seinen Weg. Und mag dieser Weg auch das von ihm so herrlichen Zeiten entgegengeführte Bolt über die Marneschlacht und unter den Siegfrieblern à la Claß, Hergt, Ludendorff, Tirpik nach Versailles und Ihn selbst nach Doorn gebracht haben es gab doch genug Deutsche, die sich trotz aller Fußtritte als allerhöchstseine Untertanen fühlten und es gibt ihrer heute noch eine erfleckliche Anzahl, die bereit sind, wieder eine solche Militär- und Junkermonarchie auf sich zu nehmen. Dieser Knechtfinn hat das lange Bestehen einer Staatsform ermöglicht, die die ganze Welt leider nicht nur durch ihre majestätischen" Kinberlitzchen ergötzbe, sondern sie auch durch ihre Ueberheblichkeiten beunruhigte und sie schließlich durch die Mißachtung der Neutralität Belgiens das einzige fast, was von dem Schlieffenschen Feldzugsplan übriggeblieben war, ohne daß man was besseres an feine Stelle hätte feßen tönnen im Haß gegen das faiserliche Deutschland einigte, den dann das deutsche Volk auszubaben hatte. Damit ist es aber nach der Meinung unserer Monarchisten noch nicht genug; fie wollen Kaiser, Wehrpflicht und Revanchefrieg. Um in die Reichsregierung hineinzukommen, haben sich die Monarchisten bereit er. tlärt, Erfüllungspolitik zu treiben, um so nach und nach ihren Monarchen mit dem Junkerregiment dahinter durchsetzen zu können. Fürs erste würde also das deutsche Volk neben den Reparationen auch noch Zivillisten für die p. t. Monarchen und Dynastien zu zahlen haben, mit der Aussicht auf die baldige Wiederkehr jener politischen und sozialen Unterdrückung, deren sinnfälligster Ausdruck das erst am 9. November 1918 beseitigte Dreitlassenwahl. recht gewesen ist. Die Ernennung des eifrigsten Verteidigers dieser deutschen Nationalschmach, des heiligen Windler zum Vorfizzenden der Deutschnationalen Volkspartei" zeigt deutlicher als alles, wohin ihr Kurs geht. Erst die Republik hat die Deutschen auch tatsächlich zu Staatsbürgern gemacht, indem sie ihren allen, auch den Frauen, auch den Jugendlichen vom 20. Jahr an, das gleiche Recht gab, die Führung der Reichs- und Staatsgeschäfte durch die Voltsvertretungen, bei denen alle Macht liegt, zu beeinflussen. Schon dieser gewaltige Rechtszuwachs, den die Republik jedem einzelnen gebracht hat, sollte es bei einem reifen Bolt undenfbar machen, daß sich nennenswerte Teile von ihm nach dem Untertanenverhältnis zu einer Monarchie zurückfehnen könnten. noch nicht so bewußt geworden zu sein, daß sie sich ihrer mit hörIndessen scheint tatsächlich die Untertänigkeit vielen Deutschen barem Aufaimen entäußern. Die einen erstreben wenn selbst nicht die Monarchie so doch den Militarismus, der ja auf der sklavischen Untertänigkeit gegenüber dem Vorgesetzten, und wäre es der sadistischste oder schurkischste Menschenschinder, aufgebaut ist. Die anderen sind auch in durchaus unreligiösen Dingen unterdie Untertänigkeit allerhand Deutscher gegenüber den Moskauer tänig der Kirche und schließlich sehen wir, als neuere Erscheinung, Terrortyrannen, von denen sie sich in aussichtslose Butsche hineinhehen und von denen sie sich ihre Führer ernennen und absetzen lassen. So betrachtet und dazu noch die Untertänigkeit bedauernswerter Volksgenossen gegenüber dem Geldsack mit der Aufschrift„ Bolkspartei" genommen, sehen wir, daß über die Monarchisten hinaus selbst die meisten deutschen Parteien, die jetzt um die Wählerstimmen werben, an irgendeinem Untertänigteitsverhält nis festhalten, auf ihm aufgebaut sind, aus ihm zu profitieren hoffen oder wirklich aus ihm Nußen ziehen.. Des gleichberechtigten republikanischen Staatsbürgers ist jedes Untertänigkeitsverhältnis unwürdig. Will er den Boltsstaat vorwärts bringen, ihm die Kraft geben, damit er die monarchistisch reattionären Berwaltungs- und Justiz schladen aus seinem Blutkreislauf abzustoßen vermag, so muß er fich von all den Untertänigteitsparteien losfagen. Und dann bleibt ihm kaum noch eine Wahl, dann kann er nur für die Partei der Einheit stimmen, für die Sozialdemokratie. Wir müssen sie gewinnen! Werbt unter den Wahlmüden! Berfall der nationalistisch- kommunistischen Demagogie, Wiedercufstieg der sozialistischen Bewegung: das ist das allgemeine Kennzeichen der in der jüngsten Zeit vorgenommenen Einzelwahlen. Unzweifelhaft vollzieht sich im öffentlichen Leben Deutschlands ein Ge sundungsprozeß, der seine deutlichsten Auswirkungen in dem tatastrophalen Rückgang der kommunistischen und natio= nalistischen Stimmen und in dem Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen zeigt. Neben diefer erfreulichen Entwicklung läuft aber ein bedenklicher Borgang einher, nämlich eine gewisse Wahlmüdigkeit, besonders in Arbeiterkreisen. Die kommunistische Presse meint, daß der Rückgang der Wahlbeteiligung vor allem die KPD. treffe und daß der Ausfall der tommunistischen Stimmen auf die Enttäuschung breiter Schichter der Arbeiterschaft über das Parlament zurückzuführen sei. Das ist falsch. Ein großer Teil der bisher kommunistischen Arbeiter ist nicht perlamentsmüde, er ist nur müde der Parlamentshysterie der Scholem und Ruth Fischer, er ist müde der Kindertrompetentonzerte und Prügelszenen der kommunistischen Abgeordneten. Richtig ist nur das eine, daß von der Wahlmüdigkeit zunächst nur jene Schichten befallen werden, die bisher kommunistisch oder völkisch gewählt haben. Die Arbeiter fallen von der Kommunistischen Partei ab, weil sie sich betrogen und belogen fühlen und von der Aussichtslosigkeit der kommunistischen Bewegung überzeugt sind. Nunmehr drohen sie aber in einen neuen Fehler zu verfallen. Se entsagen jeder politischen Tätigkeit und versinken in dem Sumpf des Indifferentismus. Das muß verhindert werden! Der Sozialdemokratischen Bartei erwächst jetzt die außerordentlich wichtige Aufgabe, diese Arbeiter zurückzugewinnen, fie wieder einzuordnen in das große Heer des sozialistisch geschulten Proletariats. Wirtschaft oder fast das Vierfache der wirklichen Eingänge im Vorjahre betragen| fchaftsjahr, ebenso wie im Borjahre, weit höher sein wird, als werden? im Etat vorgesehen ist. Besonders erstaunlich jedoch sind die im Etat angeführten Zahlen über die Einnahmen und Ausgaben der Eisenbahnen und der Der russische Staatshaushalt. Industrie. Die gesamte Fachpresse Sowjetrußlands war in den Auf der gegenwärtig in Moskau stattfindenden Tagung des letzten Monaten angefüllt mit Mitteilungen über die schwere finanZentralrats der Sowjetunion hat der Finanzkommiffar Sofolni- dielle Lage der Eisenbahnen. Der Staat mußte ihnen Unterstützungen Höhe von 40,5 Millionen Rubel gewähren. Im Etat jedoch sind fom über den Etatvoranschlag für das Wirtschaftsjahr 1924/25( das die Einnahmen und Ausgaben der Eisenbahnen ohne Fehlam 1. Oftober begonnen hat) Bericht erstattet. Danach beläuft sich betrag belanciert. Dabei ist zwei Tage vor der Veröffentlichung der Ausgaben etat der Sowjetunion auf 2091 Millionen Rubel, des Etats in der amtlichen Bresse festgestellt worden, daß nach Anmas gegenüber dem Borjahre eine Erhöhung von 10 Broz. bedeutet. ficht des Kollegiums des Verkehrstommissariats bei der Anspannung Bon den Ausgaben entfallen 1880 Millionen auf den ordentlichen aller Kräfte die Einnahmen der Eisenbahnen 708 Millionen( statt der im Etat vorgesehenen 780 Millionen) betragen werden, während die und 211 Millionen auf den außerordentlichen Etat. Der EinAusgaben, selbst wenn nur die notwendigsten Bedürfnisse gedeckt nahmeet at besteht aus folgenden Posten: ordentliche Einnahmen werden, sich auf 794 Millionen belaufen werden. Auch hier flafft 1881 Millionen, Emission von Silber und Kupfermünzen 80 Millionen, also eine Lücke von mehr als 80 Millionen Rubel, die durch staatRealisierung von Staatseigentum 10 Millionen, Anleihen 120 Millio- liche Zuschüsse ausgefüllt werden muß.( Eton. Shifn" vom nen, mit denen man das bestehende Defizit zu decken beabsichtigt. 17. Oftober.) Der Etatentwurf ist zum ersten Male in fester Währung aufgestellt und rechtzeitig zu Beginn des Wirtschaftsjahres einges bracht worden. Der wesentlichste Mangel des Entwurfs besteht darin, daß er lediglich summarische Angaben enthält und, zum Unterschiede von den Etats in allen demokratischen Ländern, feine detaillierten Angaben enthält, die den breiten Waffen der Bevölke rung die Möglichkeit geben fönnten, festzustellen, wie die Regierung ihre Wirtschaftspolitit zu führen gebenft. Dies wäre um jo notwendiger gewesen, als in Sowjetrußland außer dem Etat der Sowjetunion noch die Elais der einzelnen Sowjetrepubliken und der örtlichen Sowjets vorhanden sind, deren gegenseitige Beziehungen noch feineswegs geregelt find. Es ist ferner von Interesse, daß im Gegensatz zu allen Kulturländern und selbst zur Praris der letzten Periode des zaristischen Rußlands der Etatentwurf der Sowjetregierung lediglich vom fommunistischen Zentralrat erörtert und bestätigt worden ist. Schon eine oberflächliche Betrachtung des Etats ist geeignet, das größte Befremden zu wecken. In einem Lande, wo die Kommunisten die Herrschaft in der Hand haben, bilden die indiretten Steuern, die in einer Höhe von 376 Millionen veranschlagt find, 43, 5 Pro 3., also fast die Hälfte aller Steuereinnahmen. Dabei ist zur Genüge befannt, daß die indireften Steuern am schwersten die arbeitenden Bevölkerungsklassen belasten. Unter den direkten Steuern, die insgesamt 414 Millionen betragen, steht die landwirtschaftliche Steuer, die von den Bauernmaffen getragen wird, mit 250 Millionen an erster Stelle. Kann unter diesen Umständen erwartet werden, daß die Bauernschaft der Politik der Sowjetregie rung Sympathie entgegenbringt? Und wie tommt es, daß ein Staat, der über die gesamte Industrie, die Banken, den Großhandel, die Bergwerfe, Forsten und Ländereien verfügt, nach dem Etatentwurf noch auf ein Defizit von der gesamten Staatswirtschaft rechnet? Weist das nicht deutlich darauf hin, daß in dem System der Berwaltung Rußlands, das sich jetzt seit sieben Jahren in den Händen der Kommunisten befindet, ein grundlegender Fehler enthalten ist? Beachtenswert ist ferner die ungeheure Summe der mili. tärischen Ausgaben, die sich auf 378 Millionen beläuft. Charakteristischerweise sehlen im Etat die Angaben über die Ausgaben für die politische Staatsverwaltung( Tscheta) somie für die Kommunistische Partei und für die Kommunistische Internationale. Diese ungeheuren Ausgaben, die von der russischen Bevölkerung zu tragen sind, werden entweder aus anderen verborgenen Quellen gedeckt oder sind unter anderen Ausgabentiteln im Etat versteckt: Nach dem Etatentwurf soll die staatliche Industrie im fommenden Wirtschaftsjahre vom Staate 59 Millionen erhalten, von benen fie aus ihren Geminnen 50 Millionen zurückerstatten soll. Es ist also in diesem Jahre nur ein staatlicher Zuschuß von 9 Millionen Rubel vorgesehen. Hat diese Ziffer realen Wert? Aufschluß darüber gibt die Regelung dieser Frage im letzten Jahr. Nach dem letzten Etat war ein staatlicher Zuschuß an die Industrie in Höhe von 65 Millionen und ein Bantkredit von 40 Millionen vorgesehen. In Wirklichkeit jedoch erhielt die Industrie aus Etatmitteln 90 Millionen und in Form von Krediten 240 millionen(„ Torg.- Brom. Gaseta" Nr. 223). Dabei ist in der sowjetamtlichen Breffe in zahlreichen Artikeln festgestellt worden, daß unfristete Banttredite im Grunde genommen nichts anderes sind als perhüllte staat= liche Zuschüsse. Die Angaben über die Verschuldung der Industrie bei den Banten sprechen darüber eine beredte Sprache. So belief sich die Schuldsumme am 1. Oktober 1923 auf 143 Millionen, am 1. Oftober 1924 jedoch auf 400 Millionen! Ungeachtet der staatlichen Unterstützung, die sich im vorigen Jahre auf 330 Millionen belief, ist die finanzielle Lage fast aller Industriezweige so schlecht, daß fie in einer Reihe von Dentschriften, Die in den letzten Wochen eingereicht wurden, um die Erhöhung der staatlichen Zuschüsse und Kredite bitten. So verlangt die Metall industrie einen Zuschuß von 42 Millionen und einen Kredit von 100 Millionen, die Textilindustrie entsprechend 35 und 13 Millionen, die Lederindustrie 64 Millionen, die Zuckerindustrie 15 Millionen usw. Faßt man die Summen für das vorige Jahr zusammen, so erweist es sich, daß die nicht rückzahlbaren Zuschüsse an die Industrie sechs mal höher waren, als im Etat vorgesehen war. Nichts deutet darauf hin, daß in dem begonnenen Wirtschaftsjahre günstigere Ausfichten vorhanden find. Schon diefe Tatsache unterstreicht zur Genüge, daß die entsprechenden Zahlen im Etatentwurf absolut feinen daß die entsprechenden Zahlen im Etatentwurf absolut feinen realen Wert befizen. Obwohl der ruffische Staatsetat im allgemeinen bloß ein Defizit Don 120 Millionen aufweist, zwingen die gemachten Darlegungen zu der Annahme, daß der wirkliche Fehlbetrag im neuen WirtPreisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1.. Hartgrieß Ein eingehende Prüfung des Etats und sein Bergleich mit den Angaben über die Durchführung der vorhergehenden Etats zwingen Weizengrieẞ zu der Anahme, daß er nur einen sehr geringen realen Bert befizt und lediglich demonstrative 3iele verfolgt. Wir wollen hier nur auf die wichtigsten Punkte hinweisen. 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Laut dem Boranschlag wird erwartet, daß die landwirtschaftliche Steuer 250 Millionen für den Bundesetat und 90 Millionen für die örtlichen Etats, d. h. insgesamt 340 Millionen Rubel erbringen wird. Es ist jedoch anzunehmen, daß diefer Betrag nicht aufgebracht merden fann, da schon in den beiden letzten Jahren, die gute Ernten aufwiesen, bei der Aufbringung dieser Steuer Fehlbeträge von 100 bis 150 millionen zu verzeichnen waren und da in diesem Jahre selbst Schnittnudein, lose.. nach sowjetam lichen Angaben über 8 Millionen Bauern hungern und etwa 15 Millionen vom Staate unterstützt werden müssen. Im legten Wirtschaftsjahre( 1923/24) hat die Gewerbe steuer, di 36 Millionen erbrachte, nach der einmütigen Fest stellung von 40 Gouvernementsfinanzabteilimgen die Grenzen des Möglichen erreicht( f. Westnik Finansow" Nr. 49). Dennoch hofft Die Sowjetregierung, in diesem Jahre aus dieser Steuer 66 Millionen, d. h. fast das Doppelte herauszuholen! Im lez en Jahre waren an Einnahmen aus indiretten Eteuern 169,5 Millionen vorgesehen; am Jahresschluß erwies sich jedoch, daß die Fehlbeträge sich bei den Atziseeinnahmen auf 45,5 Proz. und bei den Zolleingängen auf 23 Proz. beliefen. Die übliche Methode der Einziehung der Fehlbeträge, meistbietender Berkauf, ist in Rußland nicht anwendbar, da 92,7 Prog. der Schuldner ftaat liche Rörperschaften find!( ,, Eton. Shifn" Nr. 282.) Kann unter diesen Umständen ernstlich angenommen werden, daß die Einnahmen aus indirekten Steuern im tommenden Wirtschaftsjahre 376 Millionen Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni. Makkaronimehl Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. .. Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50 Kakao. fettarm...... 75,00-96,00 17,50-18,00 Kakao, leicht entölt ... 100,00-120,00 21,00- 22,00 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17,50-19,50 Inlandszucker basis mel. 31,25- 33,00 20,00-23,00 Inlandszucker Raffinade 24,75- 26,03| Zucker Würfel 17,50-19.50 Kunsthonig 19,75 26,50 Zuckersirup hell in Eim. 18,00-24,00 Speisesirup dunk. in Eim. 16,00-18,00 Marmelade Einfr. Erdb. 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 28.00- 32,0 Pflaumenmus in Eimern 18,50-29,50 Steinsalz, in Säcken 31,00-37,50 37,50 51.00 Siedesalz in Säcken 17,75-19,50 Wie glaubt nun die Sowjetregierung das Defizit zu decken? Wil man den amtlichen Erklärungen Glauben schenken, so soll dies nur mit Hilfe innerer Anleihen geschehen. Wie sieht es aber in der Praxis aus? Schon im letzten Jahre mußte man die inneren Anleihen, auch für kleinere Beträge, 3 wangsweise unterbringen, und zwar die Prämienanleihe bei der Eintreibung der Steuern und die Goldanleihe bei der Auszahlung der Löhne und Gehälter an die Arbeiter und Angestellten. Aber selbst unter diesen Bedingungen erbrachten die Anleihen nur 60 Pro 3. der erwarteten Beträge( fiche Diese TatBericht der Finanzverwaltung vom 1. Oftober 1924). sachen wecken den lebhaftesten Zweifel, daß das gesamte Defizit nur Neue mit Hilfe der inneren Anleihen gedeckt werden könnte. Notenausgaben sind unvermeidlich, wenn auch nur in der verhüllten Form, die im letzten Jahre geübt wurde( Bantemiffionen in Höhe von 400 Millionen Rubel). Der Unterschied ist bloß der, daß weitere Emissionen eine Inflation herbeizuführen drohen, da der Geldmarkt nach Ansicht der Kommunisten selbst bereits übersättigt ist. Die stolzen Erklärungen Sofolnikows sind in dieser Beziehung wenig überzeugend, da auch der Etat von 1922 von der Erklärung begleitet wurde, daß er dem kapitalistischen Europa beweisen müsse, daß die Sowjetregierung ihre Wirtschaft beffer führt, als ihre bürgerlichen Nachbarn". Drei Monate später jedoch mußte dieser Etat zurüdgezogen und durch einen anderen ersetzt werden, der ein weit größeres Defizit aufmies. Warten wir ab, wie es dem diesjährigen Etat der SowjetA. Jugow. regierung ergehen wird. Regierung für den deutsch- spanischen Handelsvertrag. Das Reichsfabinett befagte sich in seiner gestrigen. Sigung mit den Beschwerden der Weinbauinteressenten über den deutsch- spanischen Handelsvertrag. Bei aller Würdigung der Notlage der deutschen Winzer verharrte das Kabinett aus allgemeinen politischen Gründen doch auf dem Standpunkt, daß der deutschivanische Handelsvertrag, der von den beteiligten Regierungen be tanntlich angenommen ist, den gefeßgebenden Körperschaften zur Ratifizierung vorgelegt werden muß. Sowjetkapitalismus. Die Verhandlungen, die der amerikanische Harriman fonzern über die monopolistische Ausbeutung der weltberühmten Manganerzportommen in Georgien mit der Sowjetregierung führt, haben besonders in Deutschland berechtigtes Aufsehen erregt, da die deutsche Industrie vor und nach dent Kriege an den georgischen Mangangruben start beteiligt war. Der Direktor der Deutschen Bant Dr. Bonn und der Direktor des Rautafischen Grubenvereins Behrendt find in dieser Angelegen heit fürzlich nach Moskau gereift. Der Ost- Expreß ist in der Lage, über die Berhandlungen aus russischer Quelle folgende Mitteilungen zu bringen: Die Manganerzgruben befanden sich vor der russischen Revo lution in Privatbesitz und sind von der menschemistischen Regierung in Georgien durch ein besonderes Dekret nationalisiert worden. Zur Durchführung des Defrets fam die menschemistische Regierung nicht mehr. Die Sowjetregierung, die an ihre Stelle trat, hat die Nationalisierung der Bodenschäze bestätigt. Später wurden mit einigen der ehemaligen Besizer( Gelsenkirchener BergwerksA.-G., Kaukasischer Grubenverein u. a.) Berträge über die Ausbeutung von Manganerzbergwerfen abgeschlossen. Die größte Gefellschaft, die zum Stinnesfonzern gehörige Gelsenkirchener Bergwerks 2.-G., führte jedoch nach der russischen Darstellung den Vertrag nicht aus, unterließ die Gewinnung der Erze und taufte diese bei Privatpersonen, die das Erz durch Raubbau gewannen. Unter Ausnutzung des Umftandes, daß die Sowjetregierung ihren Behördenapparat in Georgien noch nicht fest organisiert 4.40 5.00 hatte, wurden die Erze nach dem Auslande abgefeht. 39,00-45,00 39,00-42,00 40,00- 45,00 27,00- 31,00 90,00-95,00 40,00 43,00- 45,00 3,10-3,60 3,70- 4,20 5,20-5,80 96,00-97,00 97,00-97,50 91, 0-91,50 43,00-46,00 Bratenschmalz in Tierces 38,00-39,00 Bratenschmalz in Kübeln 25,00-28,00 Purelard in Tierces 17,50-18,00 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,25-32,00 Speisetalg in Kübeln 32,75-39,75 Margarine, Handelsm. I 85,00-90,00 desgl. II. 60,00-63,00 40,00-43,50 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 54,00-61,50 desgl. II. 69,00-71,00 99 90,50-91,50 65,00-66,00 66,00 Getr Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer warzer Pfeffer Singap. 120,00-125,00 Tilsiter Käse, vollfett. 120,00-135,00 60,00-65,00 Molkereibutter la i. Fäss. 222,00-226,00 60,00 70,00 Molkereibutter i. Pack. 230,00-233,00 75,00 92,00 Molkereibutter Ila i. Fäss. 190,00-200,00 70,00-75,00| Molkereibutter i. Pack. 190,00-210,00 190,00 Auslandbutter in Fässern 235,00-24,0 200,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 40,00- 42,00 106,00-115,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-120,00 55,00-65,00 Quadratkäse. 50,00-65,00 Weißer 165,00-170,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 Rohkaffee Brasil 200,00-223,00 Echter Emmenthaler 175,00-185,00 Rohkaffee Zentralamerika240,00-305,00| Ausi. ungezuck.CondensRöstkaffee Brasil milch 48/16. 21,00-23,50 Röstkaffee Zentralam... 330,00-390,00 Inländische desgl. 48/12 16,50- 19,25 Röstgetreide, lose 20.00- 21,001 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,00- 26,00 260,00-300,00 Im Jahre 1921 wurde für den Verkauf der Manganerze die Edelster Deutscher Weinbrand Scharlachberg Meisterbrand Weinbrennerei Scharlachberg A.-G., Bingen am Rhein Filialbureau Berlin: Berlin W. 57, Kurfürstenstraße 28. Billige Preise für vornehme Winterkleidung Harren Ulster, mod. verarb., mit Rückenfalt. u. Gurt, in viel Stoffart., Must. u. Farben 70.- 65.- 58.Herren- Paletots, ein- und zweireihig, aus magengo Cheviot und schwarz. u. grau Eskimo m. Samtkragen, je nach Qualität und Art. 90.- 70.- 65, Herren- Schlüpfer aus Fischgrätund Diagonalstoffen, in guter haltbarer Qualität 72.- 65.- 58.Gabardine- Winter- Ulster neueste Mode, Ersatz für Maß, Verarbeitung teilweise in Biedermeierform, teilweise in Sportform mit 4 aufgesetzten Taschen und herumgehendem Gurt 95.- 90. 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Inzwischen haben mehrere große deutsche Ronzerne, abgesehen von der Deutschen Bant, auch ihrerseits ihre Bereitwilligkeit erflärt, eine Ronzession auf die Ausbeutung und Ausrüstung der Manganerzbergwerfe zu übernehmen. Die Sowjetregierung steht den deutschen Angeboten durchaus günstig gegenüber. Das Verhandlungsobjekt- die Manganerzwerte in Tschiaturisind die reichsten und der Qualität nach besten der Welt, mit einem Erzgehalt von 19 bis 55 Broz. 1913 wurden auf Tschiaturi 69 mill. Bud( 54 Proz. des Welterports aus anderen Ländern da gegen 59,6 mill.( 46 Broz.) ausgeführt. 1909/13 gingen 12 Broz. des Manganerzerports aus Tschiaturi nach Deutschland, 16 Proz. nach England, 6,5 Proz. nach Belgien, 4 Broz. nach den Bereinigten Staaten usw. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren ist die Erzausfuhr start gefunden, neuerdings jedoch wieder im Steigen. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen betragen die Vorräte an Manganerz in Tschiaturi rund 6 Milliarden, die Vorräte im Bezirk Nitopol rund 3 Milliarden Bud. Wir behalten uns vor, auf diese Preisgabe von Bodenschätzen an das Privatkapital durch die kommunistische Regierung noch aus führlicher zurückzukommen. Weiterer leichter Rüdgang der Großhandelspreise. Die auf den Stichtag des 28. Oktober berechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem Stande vom 21. Dt. tober( 131,1) meiter um 2, Bro3. auf 128,5 Proz. zurückgegangen. Gefunken find namentlich die Preise von Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Schmalz, Zucker, Rindfleisch, Hopfen, Baumwollgarn, Baumwollgewebe, mogegen Heringe, Sped, Kaffee, Bieffer, Kalbfelle, Treibriemenleder, Baumwolle, Jute, Hanf und die Nichteisenmetalle im Preise anzogen. Von den Hauptgruppen fanten die Lebensmittel von 129,1 auf 125,0 oder um 3,2 Broz, davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 119,5 auf 114,3 oder um 4,4 Proz., während die Industriest offe Don 134,8 auf 135,2 oder um 0,3 Broz. stiegen. Die Gruppe Kohle und Eisen ist mit 121,9 unverändert. Die Inlandswaren gaben von 125,1 auf 122,0 oder um 2,5 Proz. nach, die Einfuhr waren zogen von 160,7 auf 161,5 oder um 0,5 Proz. an. Ein französisch- polnisches Wirtschaftsabkommen. Zwischen der französischen und der polnischen Regierung ist am Mittwoch ein neues Wirtschaftsabkommen geschlossen worden, das eine Ergänzung des provisorischen Vertrages vom Jahre 1922 bildet. Frankreich erhält darin neue sehr beträchtliche 3ollermäßigungen für eine Reihe sehr wichtiger Exportartikel, insbesondere für Weine, Spirituosen, Seide und Automobile. Unter den Konzessionen, die Bolen erhalten hat, befindet sich u. a. die ausdrückliche Zusicherung, daß die an Bolen abgetretenen ehemaligen deutschen und öfterreichischen Provinzen in den Genuß aller zolltariflichen Vergünstigungen treten sollen, die ihnen im deutschen bezw. öfter reichischen Staatsverband vorbehalten geblieben wären. Auf zum Wahlkampf! Oeffentliche Wählerversammlungen: Heute, Donnerstag, den 30. Oktober, abends 71% Uhr: Neukölln und Kreuzberg: im großen Saal der„ Neuen Welt", Hasenheide. Charlottenburg: Hohenzollern- Festfäle, Berliner Straße 105 ( Ecke Wilmersdorfer Straße). Steglitz: Gymnasium, Heesestraße. Tagesordnung: Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Buttkammer. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefchäfts ftefie: Berlin G 14, Gebaftianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Ramerabschaft Röpenid, Untergruppe Friedrichshagen: V Donners tag, den 30. Oftober, abends 76 Uhr, in Schröders Festsälen, Friedrichstr. 137, Mitglieder- und Werbeversammlung. Referent Franz von Kameradschaft Rönigswusterhausen: Am Sonnabend, den 1. November, abends 8 Uhr. Unterhaltungsabend Im Restaurant, um intenkrug Inhaber Baul Behm, Berliner Str. 18. Republikaner als Güfte herzlich willkommen. Rameradschaft Neukölln: Donnerstag. abends 6 Uhr, Antreten aller Kameraden im Borraum der Neuen Welt. Erscheinen ist Pflicht Sport. Rennen zu Karlshorst am Mittwoch, den 29. Offober. 1. Rennen. 1. Albatros( b. Drachenfels), 2. Häfeler( b. Bartels), 3. Christschmud( Wennmoß). Zoto: 44: 10. Blag: 17, 72, 23: 10. Ferner liefen: Heldin, Hedenrose, Eisenbahner, Alarm II, Minister II, Preußenburg, ein Bürsch'l, Veilchen III, Cimber, Choral, Bremen, Nieder mit dem Bürgerblock! Es lebe die Sozialdemokratie! Redner: Kuttner, M. d. L., Severing, Minister des Provinz. Chasseur. Innern, Ströbel, M. d. R. 2. Rennen. 1. Memento( Ruß), 2. Wollenschieber( Bittner), 3. Paris ( C. Seifert). Toto: 95: 10. Plat: 22, 21, 16: 10 Ferner liefen: Grazie, Ganymed, Brandsadel, Herenmeister II, Alarid, Markgrafin. 3. Rennen. 1. Onkel Otto( Braun), 2. Hiltrud( v. Borte), 3. Sultan ( b. Edertsberg). Toto: 42:10. Blag: 18, 16: 10. Ferner liefen: Giegerl, 4. Rennen. 1. Berseba( Stys), 2. Solo( Hartmannshenn), 3. Wippizo ( Kranzlein). Toto: 68: 10. Blaz: 17, 18, 17: 10. Ferner liefen: Chartreuse II, Rößling, Primavera, Lachfaloe, Märchenzauberin, Dtus, Madi, Zamara. Freitag, den 31. Oktober, abends 7/2 Uhr: Berlin- Mitte: Mufiferfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 73.- National Heraliesel, Kurtchen. hof, Bülowstraße 37. Wedding: Germaniasäle, Chausseestraße 110. Spandau: Restaurant Markthalle, Bichelsdorfer Straße. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 26.( Beginn 8 Uhr.) Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 108.( Beginn 8 Uhr.) Friedenau: Rathaus( Bürgerfaal), Am Lauterplag. Tempelhof- Mariendorf: Aula Kurfürstenstraße in Mariendorf. 5. Rennen. 1. Wetterscheide( v. Below), 2. Rappelfopf( b. Edertsberg), 3. Colberg( Staudinger). Toto: 158: 10. Pla: 35, 35, 21: 10. bold, Carlsminde, Balestrina, Don II, Tüchtig. Narr, Champfleuri. 3. Zerefina( Lewidi). Toto: 30:10. Plat: 15, 20. 16:10. Ferner liefen: 6. Rennent. 1. Cardinal II( Thalede), 2. Pharisaer( Eichhorn), Fichte, Mandarin, Nogulna, Schirmberr, Eichfabe, Fipa II. Berner lieien: Artilleriefeuer, Waldfrieden, Kormoran II, Städer, Rauf7. Rennen. 1. Jongleur( Gorsler), 2. Heldin( Nuß), 3. Jungfernrede( Kränzlein). Toto: 85: 10. Play: 28, 26, 23:10. Ferner liefen: Ma Berthe, Nalog, Blauschwarz, Mirakel, Maifäjer, nädigste, Siege. Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal: Aula Berliner Straße in Niederschöneweide. Lichtenberg: Schulaula Bartaue. 8. Rennen. 1. Abteilung: 1. Srajan( Tarras), 2. Valant Weißenjee: Aula Realgymnasium, Boeldpromenade. ( Müschen), 3. Beleda( Albers). Toto: 36: 10. Play: 24, 26, 21: 10. Pankow: Konzerthaus Linder, Breite Straße 34. Ferner liefen: Cyane, Waldsee, Roforo, Edel, Herenprinz, Glashäger. 2. Abteilung: 1. Aarau( Huguenin), 2. Jojo( D. Schmidt), 3. Czepel Reinickendorf- Tegel: Schüzenhaus in Reinickendorf- Ost, Re-( M. Schmidt). Zoto: 159: 10. Blag: 87, 15, 27: 10. Ferner liefen: sidenzstraße 1/2. Bietnik, Staffelei, La Bourree, Hexentanz, Hanka, Calderon, Emeritus. bnis abn Tagesordnung in allen Bersammlungen: Nieder mit dem Bürgerblock! Es lebe die Sozialdemokratie! Redner: Aufhäuser, M. d. R., Clara Bohm- Schuch, m. d. R., Crispien, M. d. R., Dr. Freund, M. d. 2., Paul Hirsch, M. d. L., Heinig, Regierungsrat Joachim, Künstler, Kuttner, M. d. L., Dr. Löwenstein, Otto Meier, M. d. L., Dr. Moses, Heinrich Ströbel, M. d. R., Heinrich Schulz, Stelling, Dr. Weŋl, M. d. L. Tempelhof: Deffentliche Frauenversammlung Freitag, den 31. Oftober, abends 7% Uhr: Lyzeum, Dorf, Ecke Germaniastraße. Referentin: Genoffin Todenhagen. Genofsinnen und Genossen Berlins! Hamburg ist ein Borbild, hinter dem Berlin nicht zurückbleiben darf. Auf zum Wahlkampf! * Sorgt für Maffenbesuch der Bersammlungen! Wetter für Berlin und Umgegend. Mild. Ueberwiegend bewölkt mit leichten Regenfällen bei mäßigen jüdwestlichen Winden. Stoffe für Herren- unb Damen Bekleidung Beste Fabrikate, große Auswahl Anzug- Stoffe gediegene Qualitäten", in Gaberdine u. neuen Tuchbin- 15.-, 20, 25.-, 10.dungen, Br. 140 50 cm Mtr. Velour de laine, Eskimo für Paletot, Mantel und Ulster. 10., 15.-, 20.-, Breite 130/50 cm... Mtr. Manchester- Loden für Sport8.Anzüge, Pelerinen, imprägn. 6., 8., 10.-, 4.Breite 70/140 cm.... Mtr. 6.-, 8.-, Koch& Seeland Gertraudtenstraße 20 21 gegenüber ber Petrifirche. HALPAUS ipa Die edle Cigareffe TIETZ Leipziger Strasse * Alexanderplatz Frankfurter Allee 191 Hervorragende Preisermässigung!. 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