Abendausgabe Nr. 513 41.Jahrgang Ausgabe B Nr. 257 = Vorwärts Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 5 Goldpfennig 00 Donnerstag 30. Oktober 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag G: nth. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan. der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Wahlerfolg der Konservativen. 50 prozentiger Golfchewismus. = Die Liberalen aufgerieben.- Asquith geschlagen.- Arbeiterverluste hauptsächlich munistische Bartei Deutschlands, die bei jeder Gelegenheit durch Bürgerblockbündnisse. Unerklärliches, Unfaßbares hat sich ereignet. Die Komunterstreicht, daß sie den Linkskurs" in der Kommunistischen Internationale vertritt und die" Bolschewisierung" der Arzu ihren Erklärungen gehandelt, sondern es auch zugelassen, daß ihr Zentralorgan, die„ Rote Fahne", ihre heiligsten Verpflichtungen gegenüber der Moskauer Exekutive in gröb= lichster Weise verlegt hat. London, 30. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Um zehn| beralen allmählich aufzureiben und ihre Nachfolgerschaft als große beiterbewegung anstrebt, hat nicht nur in striktem Widerspruch Uhr vormittags war der Stand der Parteien wie folgt: Fortschrittspartei zu übernehmen. Arbeiterpartei. Konservative Liberale Unabhängige 78 162 23 1 Es fehlt noch über die Hälfte der Ergebnisse, vor allem aus dem Norden( Schottland), der Hochburg der Arbeiterpartei. Der Reingewinn der Konservativen beträgt zurzeit 51 Mandate, der Verlust der Liberalen 35, der Verlust der Arbeiterpartei 16. Diese Verluste der Labour Party ergeben sich aus der Tatsache, daß sie 34 bisherige Mandate verloren, dagegen 18 neue gewonnen hat. Unter den zuletzt gemeldeten markanten Einzelniederlagen befinden sich die beiden liberalen Führer MacNamara in Cambewell( London) und Sir Donald Mac Lean in Schottland. Ferner die beiden Bradforder Arbeiterabgeordneten, Minister für öffentliche Arbeiten Jowett und Unterstaatssekretär für das Luftfahrtwesen Leach, gegen die sich der Bürgerblock gebildet hatte. Konservative Mehrheit in Sicht? Condon, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die Wahlbeteiligung war außerordentlich lebhaft. In einzelnen Wahlbezirken find mehr als 90 Proz. der Wähler zur Urne gegangen. Nach den bisher vorliegenden Resultaten, die natürlich noch feinerlei endgültiges Bild erfennen lassen, weil vor Donnerstag abend das Gefamiresultat nicht zusammengestellt sein kann, haben die konservativen einen bemerkenswerten Zuwachs erfahren. Die Konfervativen werden auf jeden Fall gestärkt ins Parlament zurücktehren. Ob es der Arbeiterpartei möglich ist, ihren bisherigen Bejih fland zu vergrößern, ist noch nicht zu erkennen. Es scheint sicher zu fein, daß der Wahlkampf im wesentlichen auf kosten der liberalen Partei geführt worden ist. Die Sitze, die die Arbeiterpartei nach den bis 5,30 Uhr morgens vorliegenden Meldungen verloren hat, find fast ohne Ausnahme durch das liberal- konservative Wahlbündnis verlorengegangen. Die Konservativen haben bis dahin 30 Site gewonnen und 3 verloren, die Liberal n 4 gewonnen und 20 verloren und die Arbeiterpartei 5 gewonnen und 16 verloren. Daraus ergibt sich, daß die Verlufte der am bürgerlichen Wahlbündnis beteiligten Liberalen viel stärker find als die der gemeinsam bekämpften Arbeiterpartei, während ihre Gewinne finer find, as die Arbeitergewinne. Liberale und Konservative zusammen haben 34 Site gewonnen, sie haben aber nicht verhindern können, daß sie 23, also mehr als zwei Drittel der Zahl der Gewinne verloren haben. * Condon, 30. Oktober."( Eigener Drahtbericht.) Die ersten fieben Resultate, die aus der Grafschaft Ulster nach London gemeldet wurden, waren sämtlich Siege der Konservativen. Vier der Wahlkreise haben fie der Arbeiterpartei und drei den Liberalen abgenommen. Die drei Wahlkreise von Salford sind ebenfalls von den Konservativen gewonnen worden. Salford- Nord war seit 1917 von dem befannten Arbeiterführer Ben Tillet vertreten, während SalfordSüd und West beim letzten Kampf von der Arbeiterpartei gewonnen worden war. Auch Wakefield, das in der letzten Wahl von der Arbeiterpartei gewonnen worden war, ging an die Konservativen verloren. Der erste liberale Sieg, der gemeldet wurde, war die Eroberung des Mandats der Universität Wales, die vom ehemaligen Privatsekretär Lloyd Georges auf Kosten der Arbeiterpartei gewonnen wurde. Der erste Arbeitersieg wurde aus Middles= brough gemeldet, wo Frau Wilkinson den bisher von den Riberalen innegehabten Parlamentssitz eroberte. Der Veteran der eng lischen Arbeiterbewegung, Tom Mann( Komm.), ist nicht gewählt worden. Miß Margarete Bondfield, das Mitglied des Arbeiter kabinetts und der erste weibliche Minister Englands, ist im„ dreifreis Macdonalds liegt noch kein Resultat vor, aber er wird edigen" Wahlkampf mit 1000 Stimmen unterlegen. Aus dem Wahlsicher gewählt sein. Auch der Sitz Lloyd Georges scheint gesichert zu sein. Der liberale Führer Asquith ist unterlegen. Bis 4 Uhr morgens waren zwei Frauen gewählt und neun unterlegen. für die Konservativen, 2617 439 für die Arbeiterpartei, 1 002 680 für Bis 5 Uhr morgens wurden gezählt: 3 107 900 Stimmen die Liberalen und 5257 für andere kleine Parteien. mit verkleinerter Majorität, wieder gewählt worden, darunter der Fast alle bisherigen Arbeiterminister sind, wenn auch teilweise Pensionsminister Robert, der Kolonialminister Thomas, der Arbeitsminister Tom Shaw, der Kriegsminister Walsh, ferner Henderlon, Clynes, Trevelyan, Ponsonly, Wedgewood. Die liberale Niederlage. Condon, 30. Oktober.( WTB.)( Reuter.) Die fonfervativen Wahlfiege waren eine Ueberraschung felbft für die aller optimistisch sten Konservativen, besonders die vielen Erfolge in den Industriebezirken tamen unerwartet. Biele Konservative wurden mit einer Majorität wiedergewählt, die zehnmal größer ist als früher. Die Niederlage von Asquith in Paisley wird zur Folge haben, daß sich der liberale Führer von der Politik zurückzieht, und Lloyd George wird dann der unbestrittene Führer der Liberalen sein. Die schweren liberalen Verluste sind besonders zurückzuführen auf die Taktik der London, 30. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Wohl taum in Arbeiterpartei und der Konservativen, die in streng liberalen Geeinem anderen früheren Wahlkampf ist das Inferesse an der Fest bieten doch einen Kampf der drei Parteien erzwangen und so die stellung des Resultats fo lebhaft gewesen, als diese Nacht. Nach liberalen Stimmen zersplitterten. Unter den erfolgreichen dem bisherigen Ergebnis der Wahl muß mit der Wahrscheinlichkeit Kandidaten find noch zu nennen: der Pazifist Morel, der frühere gerechnet werden, daß die konservativen die absolute irische Staatssekretär Hamar Greenwood, die Minister Thomas Mehrheit im Unterhaus, die ihnen bei der letzten Wahl im De- und Roberts; unter den geschlagenen Kandidaten befinden sich zember 1923 verlorengegangen ist, wieder gewinnen werden. Der Der der ehemalige liberale Minister und jetziges Mitglied der Arbeiter Wahlfieg der Konservativen geht vollständig auf kosten partei Addison und die Führerin der Arbeiterpartei Suzanne der Liberalen, deren Niederlage als vollständiger Zusammen- Lawrence. Die 8 tommunistischen Kandidaten unterlagen bruch gewertet werden muß. Daß die Arbeiterpartei eine Reihe von völlig, mit Ausnahme des Inders Saflatvala, der in Battersa den Sihen an bürgerliche Kandidaten abgeben mußte, war nach dem liberalen Kandidaten mit einer Mehrheit von 502 Stimmen schlug. liberal- fonfervativen Wahlabkommen in einer großen Anzahl von Wahlkreisen ganz selbstverständlich. Immerhin hat die Arbeiterpartei auch in der Mehrzahl dieser Wahlkreise sich ausgezeichnet gehalten und den vereinten bürgerlichen Angriff abgeschlagen. Asquiths Niederlage. Die größte Sensation des Wahlkampfes ist die Niederlage des liberalen Führers Asquith, der von der Arbeiterpartei geschlagen worden ist. Die Führung der Liberalen dürfte voraussichtlich an£ loyd George übergehen. London zeigt ein starkes Anwachsen der tonfervativen Stimmen, aber die Arbeiterpartei fonnte trotzdem dort einen neuen Sitz erobern. Asquiths Wahlkreis, Paisley in Schottland, war in den letzten Jahren sehr heiß umstritten. Bei der letzten Wahl hatte ihn der liberale Führer mit 3mar 1725 Stimmen Vorsprung gehalten, dies aber in einem vier cdigen Wahlkampf, wo sich zwei Arbeiter kandidaten( eir Gewerkschaftier und ein Genossenschaftler) die Hälse gegenseitig abschnitten, obwohl sie zusammen fast 2000 Stimmen mehr als der Sieger erlangt hätten. Diesmal zog sich der Konfervative zugunsten von Asquith zurück, aber die Arbeiterschaft einigte sich auf der Namen des bekannten Glasgower Kommunalpolitikers Rofilya Mitchell, der bei der vorlegten Wahl beimahe das Kunststück voübracht hatte, Bonar Law in seiner alten Hochburg Glasgow- Mitte zu stürzen. Die Niederlage von Asquith dürfte dadurch besondere politische Bedeutung erlangen, daß mit der automatischen Uebernahme der liberalen Führerschaft dura Lloyd George die Liberale Partei einen starken Rud nach rechts im Sinne der Bürgerblockpolitik gegen die Arbeiterpartei erfahren wird, während Asquith stets auf die linabhängigkeit des fortschrittlichen Bürgertums Bert gelegt Batte und nun Anlehnung eher an die Arbeiterpartei fuchte. Eine felche Wendung, weit davon entfernt, die Labour Party zu schwächen, fommt vielmehr ihrer eigenen Tattit entgegen, nämlich die Li Die Reaktion reißt das Land mit! London, 30. Oktober.( WTB.)„ Daily Herald" erklärt, bercits in den frühen Morgenstunden hätten alle Anzeichen für einen fonfervativen Sieg bei den Wahlen bestanden. Die liberale Partei habe eine vernichtende Niederlage erlitten. Eine der wichtigsten Bestimmungen der bekannten Mosfauer 21 Punkte", über die es seinerzeit zur Spaltung der Unabhängigen in Deutschland sowie der französifchen, italienischen und anderer sozialistischer Parteien kam, fordert, daß alle Kundgebungen der Exekutive der Driften Internationale von sämtlichen angeschlossenen Barteien wörtlich in ihrer Presse veröffentlicht werden. Unseres Wissens ist diese Bestimmung nicht aufgehoben worden. Das deutsche kommunistische Zentralorgan hat jedoch gegen dieses Grundgesez der Kommunistischen Internationale in gröblichster Weise verstoßen, indem es den am 28. Oktober veröffentlichten Aufruf der Moskauer refutive an vielen Stellenge mildert und ganze die Partei zu„ bolfchemisieren", ist die" Rote Fahne" einem Teile seinen Lesern vorenthalten hat. an sich anerkennenswerten„ Opportunismus“ und„ Revisionismus“ verfallen, der allerdings bald eine radikale, Säuberung an den leitenden Stellen der KPD. nach sich ziehen dürfte. " 31 21 Statt Aufrufes mit dem russischen Urtegt in der Moskauer Ein Vergleich des in der„ Roten Fahne" veröffentlichten Prawda" beweist dies zur Genüge. Wir würden es zur Not noch verstehen, wenn aus dem Aufruf Kraftworte wie Körper der Republik schändliche Republik" entfernt worfrech e" Gewalt, rohe" Verfolgung, täuflicher" den sind. Diese Streichungen zeigen, daß die unentwegten feucht" sind, daß sie gelernt haben, mit den gegebenen Machtlinken Führer" der KPD. bereits so opportunistisch ververhältnissen zu rechnen. Aber warum haben sie solche Aenderungen im Zert des Aufrufes vorgenommen, die den Ruf der KPD. schädigen? Warum haben sie aus dem Saz, daß die Kommunistische Partei der Vortrupp des repplutionären Proletariats sei, das Wort heldenhaft" ge= dem die KPD. die Führerin des deutschen Proletariats„ ge= strichen? Warum haben sie einen der folgenden Säße, nach worden" sei, dahin gemilbert, daß die KPD. erst„ die Führerin des deutschen Proletariats wird"? Nun einfach: In der linken Führung" dämmert die Selbsterkenntnis, daß die Lobsprüche der Moskauer Erefutine an die Adresse der BD. unverdient und unberechtigt sind. Einen geradezu revolutionären Borstoß gegen die Moskauer Exekutive bedeutet es, wenn die„ Rote Fahne" aus dem Sage, wonach die Kommunistische Internationale der unversöhnliche Feind des internationalen Finanzfapitals" sei, das Wort„ unversöhnlich" gestrichen hat! Diese Streichung enthält eine sichtbare Bosheit gegen die mit der Sowjetreigerung aus engste liierte Mosfauer Erefutive. Vielleicht foll fie gar auch eine Offerte andas internationale Finanzkapital darstellen, in der Zeit der russischen Konzessionserteilungen an amerikanische, englische, italienische, belgische und deutsche Kapitalisten sei es mit der vielgerühmten Unversöhnlichkeit" der Kommunistischen Internationale nicht gar so ernst gemeint! Aber es kommt noch besser: Aus dem Aufruf der Exekutive hat die Rote Fahne" den folgenden ganzen Passus fortgelassen: " ,, Schließen wir den eisernen Ring des proletarischen kommunistischen Kampfbündnisses um das revolutionäre Pro= In einem Artikel der Daily News", deren Schlagzeile lautet: letariat Deutschlands! Stellen wir dem wütenden Klaffen„ Die Reaktion reißt das Land mit", heißt es unter der haß der deutschen Bourgeoisie die ganze Kampfentschlossenheit, den Ueberschrift„ Antwort an Sinowjeff": die bisherigen Wahlergebnisse ganzen unerschütterlichen Mut und die grenzenlose Sofiließen feinen Zweifel über die Stimmung im Lande. Die konser darität der Kommunistischen Internationale entgegen. Die deutsche vativen Gewinne mit riesigen Mehrheiten feien symptomatisch. Die Regierung will die Internationale Rote Hilfe daran hindern, die Mehrheiten der Arbeiterpartei selbst dort, wo sie ihre Sige behielten, Opfer des weißen Terrors zu unterstützen. Sie wird in ihren Beseien fast überall und sehr beträchtlich vermindert worden. Die Liberechnungen getäuscht werden. Durch Tausende von Kanälen ralen hätten alle ihre Size in Manchester verloren, wenn nicht noch wird der Strom der revolutionären Solidarität nach Deutschland irgendeine ganz besondere Veränderung eintrete, so müßte von ihrer fließen. Deutsche Arbeiter! vollständigen Niederlage gesprochen werden. Die Stimmen der Frauen feien diesmal entscheidend in die Wagschalen geworfen worden, und zwar überall gegen die Revolution. Der SinomjeffBrief habe seine Arbeit getan. Der Wunsch nach einer stabilen Regierung habe über jede andere Bewegung triumphiert. Augenblick lich jedenfalls sehe es so aus, als ob die konservative Mehrheit im neuen Parlament nicht nur eine absolute sein werde, sondern auch start genug, um die vereinigte Opposition über den Haufen zu werfen. Nationalistenjubel in Paris. Paris, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Obwohl bisher nur ein kleiner Teil der englischen Wahlergebnisse bekannt ist, jubelt die nationalistische Bresse von Paris bereits laut. So schreibt der „ Gaulois", es sei nunmehr mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß in furzer Zeit die Konservativen in England wieder an die Regierung tommen und den entscheidenden Kampf gegen die dema gogische Agitation der Utopisten aufnehmen würden, denen England bei der vorigen Wahl sein politisches Edjidjal ausgeliefert habe. Petit Journal" erklärt, die Arbeiterpartei habe so viele politische Fehler begangen, daß ihre Niederlage unvermeidlich gewesen sei. Ihr müßt zeigen, daß die deutschen Sozialdemokraten und die deutsche Bourgeoisie ihre gegenrevolutionären Rechnungen ohne den revolutionären Wirt gemadyt haben. Je heftiger die Verfolgungen, desto größer das Vertrauen der ausgebeuteten und unterdrückten Masse zur Kommunistischen Partei. Je frecher und schamloser sich die sozialistisch- nationalistische Demokratie als unverhüllte Diktatur des Kapitals erweist, desto leichter wird es euch, deutsche Genossen, sein, die Massen auf den Weg des Kampfes um die Dittatur des Proletariats zu stoßen." Aus den weiteren Teilen des Aufrufes find merkwürdigerweise noch folgende Säge gestrichen worden: Verwandelt jeden Betrieb, jede Fabrit in einen Stütz. punkt des Kampfes!" „ Jeder Soldat der Revolution ist ein Führer der Revolution!" Wenn diese hohlen, scheinrevolutionären Phrasen aus dem Aufruf der Exekutive verschwanden, so ist das sicher ein Ver dienst, das sich die linken Führer" in Deutschland erwarben, E. zumal in dem veröffentlichten Tegt noch genug Unfinn ist der Schwindel mit dem Treueid auf die Berfaffung eine öffent zurüd bleiben mußte, der den wahren Charakter des fommu- liche Angelegenheit geworden, die der dringendsten Klärung bedarf. nistischen Wortraditalismus dokumentiert. Wesentlich ist aber Es wäre doch ein geradezu sfandalöser Zustand im Leben dines bei all dem die Tatsache, daß jetzt auch schon von Ruth Staates, daß irgendeiner der Geringsten im Bolte sich sein Recht Fischer und Scholem das Wort gelten muß: sprechen lassen muß von einem Manne, der das Grundgeseg dieses Staates nicht anerkennt und entweder aus Mei gung zum Hochverrat oder zur Erhaltung seiner Existenz miffent. lich einen falschen Eid geschworen hat und dessen öffentlich angeMagt ist. Es ist eine fittliche Pflicht der bayerischen Regierung, hier fofort einzugreifen und zum mindesten die Behauptung des Herrn Boehmer in einem Disziplinarverfahren gegen Kahr prüfen zu laffen. Und man will auch hier schon wieder Nicht so wie die Geistlichkeit." Einmal haben die linken Führer" schon den Beweis dafür erbracht. Sie erklärten vor den Wahlen pompös: fie betrach teten es als ihre Pflicht, in feiner Weise die Vertraulichkeit von Berhandlungen im Reichstage zu wahren. Aber angefichts der drohenden Gefahr des Ausschlusses aus dem Ausmärtigen Ausschuß bequemten sie sich zu einer gegen=" teiligen Erklärung, wodurch sie freilich ihre Pflichten gegenüber der Moskauer Exekutive gröblich verletzten. Jetzt haben sie gar durch ihre Zensur an dem Aufruf der Moskauer Erefutive den zweiten Sündenfall begangen. Es berührt schmerzlich, daß der unentwegte, fonfequente, revolutionäre Gedante Mostauer Prägung feine mutigen, auf rechten Bertreter in Deutschland mehr hat. Neben den fünfzig prozentigen Deutschnationalen erscheinen jetzt die fünfzig prozentigen Kommunisten. Es geht abwärts mit Es geht abwärts mit dem wahren Radikalismus in Deutschland! Was soll aus dem deutschen Bolte werden, wenn auf der Rechten wie der Linken nur halbe Männer umherhinfen? Benn sogar die unentwegten Bolichemisten ihrem obersten Ronzil den Gehorsam fündigen und dessen heilige Schriften derart verstümmeln, daß fie faum noch wiederzuerfennen find? Was soll aus dem Bündnis zwischen Radek und Reventlom, zwischen Scholem und Ludendorff werden, wenn programmatische Aufrufe der Romintern nur in faftrierter Form an die Deffentlichkeit gebracht merden? Bir fürchten, der Bannfluch wird bald von Moskau nach Berlin gefunkt und die opportunistische Tätigkeit der vom parlamentarischen Gift infizierten Bortámpfer der reinen bolschemistischen Lehre ganz plötzlich lahmgelegt werden! Kahr- Poehner. ,, An den Treueid nicht gebunden..." Der Monarchist und Hochverräter Poehner hat im HitlerBrozeß mehr oder weniger ausführliche Angaben nicht nur über feine politische Einstellung, sondern auch darüber gemacht, wie er als ein auf die republitanische Berfassung vereidigter Beamter fünf Jahre long das Geschäft des Hochverrats betrieben hat. Diese Angelegenheit erhält nunmehr ihre besondere Note durch gewisse Aus. sagen, die Boehner in dem gegen ihn durchgeführten Disziplinar. verfahren gemacht hat. Sie befinden sich nach dem Miesbacher Anzeiger" in dem Urteil der Disziplinarkammer für richterliche Beamte vom 12. Juli d. I. Poehner hat nach dieser Quelle erklärt: ,, Als Monarchist bin ich an den Treueid gebunden, den ich unter der früheren Verfassung als Beamter und Offizier dem König geleistet habe. Die nach der Revolution zur Herrschaft gelangten neuen Regierungen habe ich niemals anerfannt. Sie find nicht legitim, weil der König auf seine Rechte nie verzichtet hat. Die von den Machthabern des Umfturzes auf gezwungene neue Verfassung Banerns und des Reiches hatte da her feine verbindliche Wirkung. Ich habe deshalb ben verlangten Treueid auf die neuen Berfassungen als bebeutungslose Seinertlärung betrachtet, bie ich, weil einmal verlangt, zwar abgegeben habe, aber in der leberzeugung, nicht daran gebunden zu sein. Mein Borgesehter v. Sahr hat diese meine Einstellung gelaunt. Zwischen uns beiden hat Uebereinstimmung darüber bestanden, daß der Treneid auf ble neue Verfassung unverbindlich ist." Selbst wenn Boehner fein Lügner ist, so ist flipp und flar bie Tatsache gegeben, daß außer ihm auch Kahr den Eid auf die Berfaffung als für sich unverbindlich ansieht. Das fönnte man viel leicht nach hinnehmen, folange Kahr durch sein flägliches Fiasto im Hitler- Prozeß als ein gestürztes Gögenbild angesehen werden mußte. Nachdem er aber neuerdings auf einen der obersten Richter stühle Bayeris gehoben und in dieser Eigenschaft von der Regie rung als Hüler von Recht und Gefeß im Staat nerpflichtet murde, Katholisches Theater. Fälschung oder Wahrheit? Die geheime" Anklagefchrift. -w Der Reichsanwalt Riethammer hat zweifellos sich alle Mühe megeben, die nur wegen Geheimbündelei angeklagten Führer und Mitglieder der D. C. vor Gericht und in der Deffentlich feit zu entlasten. Da nun aber der Staatsgerichtshof feine Entlastungsoffenfive mit einer Handbewegung beiseite schob und allerdings im Rahmen der Anklage eine wesentlich schärfere Be urteilung der Ehrhardjünglinge eintreten ließ, so fühlt sich jetzt einer der Verteidiger, Justizrat Hahn Berlin, veranlaßt, aus der als„ geheim" bezeichneten Anklageschrift einzelne ihm pas fende Stellen der Deffentlichkeit zu übergeben. Der zur Wahrung des öffentlichen Rechtes eingesetzte und befeldete Reichsanwalt wird von dem Berteidiger gewissermaßen als Kronzeuge für die Unschuld der Verurteilten angezogen. # Man muß erwarten, daß die geheime", Anklageschrift balb. möglichst der Deffentlichkeit übergeben wird, damit man erfeinen form, in welcher Form ein Anwait des Reiches beim Staatsgerichts, hof zum Schuße der Republit seiner Aufgabe gerecht murde, die Republit vor ihren Feinden zu schützen. Bas der Justizrat Hahn aus dieser umfangreichen Anklagefchrift veröffentlidt, find willfürliche Zitate, die wegen ihrer Willtür ein halbes Bild geberi. Sie sind sicher geradezu gefälscht. So etwa, wenn Hahn diesen Sazz. veröffentlicht: Zur Zeit der Vorbereitung des Gesetzes zum Schuße der Repu blit erschienen weiter im„ Vorwärts" und dann in der Freiheit" die von Felix Claus, ehemaligem Mitglied Nr. 341 der D. C. herrührenden Briefe mit der Ueberschrift Berbrecherschutz der Deutschnationalen", welche dem Felir. Claus feitens der Re battionen der beiden Blätter mit je 400 m. bezahlt wurden. Die Sache ist", wie es in der Anflage heißt, gefchidt gemacht und wirfte." Die Wirkung trat bei der Bearbeitung des Gesetzes zum Schutze der Republik hervor und fand u. a. darin ihren Ausdrud, dah verhette Arbeiter am 4. Juli 1922 in Singen a. H., Amtsbezirk Konstanz, in die Wohnung des Majors a. D. Scheerer eindrangen und diesen Mann, der eine Stellung im bürgerlichen Beruf gefunden hatte, entsprechend den in jenen Zeitungen erlassenen Aufforderungen lediglich aus dem Grunde tot lugen, weil sie ihn, übrigens zu Unrecht, für ein Mitglied der D. C. hielten." Niethammer einen solchen Unsinn in die geheime" Anklageschrift Wir fönnen trotz allem nicht annehmen, daß der Reichsanwalt " " non Der Organisation Confuf mitgefaffe wurde, und angesichts der tatsächlich erfolgten politischem Morde an Vertretern der Republik eine Selbstverständlichkeit. Es ist aber eine geradezu schamlose Berdrehung der Tatsachen, wenn heute der und die Verteidiger der Geheimbünde es so darstellen, als wenn der ganze gesetzliche Schutz der Republik auf die Befundungen einiger moralisch nicht intakter Berfonen zurückzuführen wäre. Das Gesetz zum Schutze der Republik ist erlassen worden unter dem furchtbaren Eindruck des Rathenau- Mordes, dem der Mord an Erzberger und das Attentat an Scheidemann vorhengegangen war. Die Entdeckung der D. C. erfolgte lange vor dem Rathenaumord und irgendeine Be ziehung zwischen den Aussagen des Claus oder anderer von den Berteidigern genannter Beugen zu dem Gefeßzentwurf besteht gar nicht. Wir können nicht annehmen, daß der Reichsanwalt so etwas in seiner Artlage geschrieben hätte und müssen daher, bis zum Be meis des Gegenteils, annehmen, daß der Berteidiger Hahn die Anklageschrift fälscht um feines Zwakes willen. Neues vom„ dummen August". Bisher wurde in tommunistischen Kreisen mit großer Entrüstung immer wieder bestritten, daß die Moskauer Sowjetregierung den Schnapsverkauf wieder legalisiert habe. Noch in den letzten Wochen traten fommunistische Redner in den Versammlungen mit der Erflärung auf, daß von einer Wiedereinführung des Schnapsverkaufes in Sowjetrußland feine Rede sein könne. Nun hat unser gestriger Mostauer Bericht,„ Der Schnaps ist wieder da", den kommunistischen Schönrednern und Lügnern das Konzept verdorben. Die„ Rote Fahne" gibt fleinlaut zu, daß das seit 1914 bestehende Schnapsverbot tatsächlich von der Sowjetregierung aufgehoben worden ist. Aber die Erflärung, die der dumme August" dafür gibt, ist geradezu klassisch. Die„ Rote Fahne" erzählt des langen und breiten, wie das Alkoholverbot von den Bauern dadurch umgangen wurde, daß fie felbstgebrannten Schnaps, den sogenannten„ Samogón", produzierten. Alle Maßnahmen der Sowjetregierung gegen die Schnapsfeuche fruchteten nichts. Deshalb entschloß sich die Somjetregierung, den Schnapspertaufinnerhalb gewisser Grenzen frei ugeben", um zu fönnen." „ das vorhandene Uebel meistern Man liest dies und staunt: Also der ganze ungeheure Machi apparat der Sowjetregierung, vor dem sich das ganze Volt beugt, bie ganze Machtfülle der angeblichen proletarischen Diktatur hat nicht ausgereicht, um die heimliche Schnapsbrennerei der Bauern auszurotten und das vom Barismus erlaffene unb jahrelang bestehende Alkoholverbot aufrechtzuerhalten. Welch ein Armutszeugnis für die kommunistische Dittatur! Und wie jammervoll mutet die Ausrede an, daß die Sowjetregierung den Schnapsverkauf zugelassen habe, um das vorhandene Uebel meistern zu fönnen". Wenn der„ dumme August" teine besseren Ausreden hat, fo follte er lieber den Mund halten. Nationalistische Mordtat. Steffin, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Im Orte Trollenrigen Landarbeiter Paul Schlender. Der Feldhüter hatte bei einer Festlichkeit im Dorfe die Mufiter aufgefordert, ein nationalistisches Lieb zu fpielen, was non diefen aber abgelehnt wurde. Darauf entfachte Gettler einen Streit, in den auch der Bruder des Ermordeten und ein anderer Felbhüter hineingezogen wurden. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen holte Settler ein Jagdgemehr und schoß aus einer Enifernung von vier Metern den Landarbeiter nieber. Der nationalistische Mörber murde verhaftet. geschrieben und der Oberreichsanwalt Ebermayer das mit seiner Unterschrift gedeckt hätte. Wo ist denn der geringste Bemeis da für erbracht oder auch nur angetreten, daß die Arbeiter in Singen wirklich von Berwärts" und Freiheit" berhent" worben feien? Wo ist der Beweis bafür, daß wirklich ber Tot- hagen bei Neubrandenburg erschoß der Feldhüter Settler den 22jäh. lag, wenn er überhaupt erfolgt ist, in irgendeiner Weise mit der D. C. zufammenhing? Hat der Reichsanwalt mirtlich eine solche beweislose Behauptung gegen den Vorwärts" und die Freiheit" aufgestellt und diese Behauptung dann als„ geheim" erlärt, so märe das eine derart leichtfertige Handlung, daß mir dagegen auf das allerschärfste Einspruch erheben müßten. Aber wir vermuten, daß der Justizrat Hahn in dem Bestreben, feine verurteilten Klienten nachträglich herauszupaufen, miftürlich eine foldje gefälschte 3itatensammlung veröffentlicht, chne zu bebenben, wie schwer er den Reichsanwalt damit belastet. Daß der Bormärts" für energische Maßnahmen des Reiches zum Schuße der Republif eingetreben ist, braucht meder bestritten noch entschuldigt zu werden. Denn das war angesichts der Mord atmosphäre, die auch nach dem Urteil bes Staatsgerichtshofes 17 tont werden. Das bißchen Moralbogma und Gymbolit, Dinge piel leicht, die den Bühnenvolksgenoffen fchyr am Herzen liegen, genügen Die Aufführung wurde von dem staatsmännischen Auge des nicht, um aus einem halben Dilettanten ein ganzes und zugfräftiges Reichsfanglers Marg überwacht. Also handelte es sich um Runstpolitit, die übrigens schon sehr siegreich gearbeitet hat. Denn die Theatergememden des( katholischen) Bühnenvoltsbundes haben im Zentrum- Deutschland schon zweihundert Bühnen an sich gebracht. Shr Einzug in das Dramatische Theater gefchah, wie man weiß, nicht ohne Gewalttat. Es wurden Dramaturgen, Regisseure, Schau spieler und Dramatiler beseitigt, weil sie nicht im Zeichen des Kreuzes leben wollten. Nach ihrer Abschiedsstunde lub man zur Rommstunde" des Dichters Leo Weismantel ein. Es erschienen zur Ehrung des Dichters hohe Bentrumswürdenträger und zu ihrem Schuhe zahlreiche Bolizisten im grünen Sonntagsrod. Ben Weismantel, der so feierlich in Berlin eingebürgert werden foll, gilt als Storyphäe katholischer Dichtung. Das hindert ihn nicht, von den röteren Weltanschauungsdichtern ein ganzes Waffenzeug der dichterischen Ausdrucksmittel zu borgen. Man entdeckt in Weismantel außerdem eine reine, symbolische Kirchensprache, die nur gelegentlich von Rapansjargon durchfeucht ist. Schließlich zeigt er auch ein bescheidenes Temperament und Talent von selbständiger Kraft. Die Kommstunde“ das heißt: Anno tobad geschah eine scheußliche Bluttat. Bier unschuldige Menschlein famen um. Das Gedächtnis dieses Ereignisses, das Gott so hinterliftig einfädelte, soll dazu dienen, daß alle Beute in sich gehen an dem blutigen Tage von Anno tobad. Dazu dient die„ Kommstunde", die gleichbedeutend ist mit der Beicht- und Einkehrstunde. Die Menschen sollen in diefer Stunde bezeugen, ob sie Schufte waren oder gute Gottesschafe. Es tommt an den Tag, daß Frau Melanie Ed ein räubiges Schaf gewesen ist. Auch der Mann, der ihr als Hüter und Gärtner eingelegt worden ist, der Schlächter Gregor, war nur ein Bod und Berführer. Alles das wird ruchbar, als der Krieg ausbricht und Johannes Ed, der Mann der Melanie, vor die französischen Ranonen muß. In dem Stüde heißt Johann der„ Eheherr" der Melanie. Diefer Stil ist charakteristisch für das Ganze. Während Johannes draußen ist, treiben der Schlächter und Melanie Buhl schaft. Buhlschaft, fagt der Dichter einige Duzendmal. Auch das ist charakteristisch für ihn. Natürlich rächt sich die Buhlschaft, und der Schlächter Gregor wird von der bereuenden Melanie erstochen. Inzwischen ist Frieden geworden. Revolution war gewesen. Weismantel löjt den Weltumsturz, indem er predigt: Nicht von außen her, sondern von innen, aus dem Menschen muß der Anfang aller neuen Dinge fommen. Das ist hübsch gesagt, wenn auch nicht ganz neu. Das Siii heißt ein Schidfalsfpiel". Es unterscheidet sich aber nur im Titel Dom Taufendfachen, was schon war. Das muß immer wieder be19 Genie zu machen. Die Bühne Die neuen Herren laffen übrigens auch elend, hohl, unzulänglich und vorstadtmäßig Komödie spielen. Sie nerwechseln das Theatermachen mit der Schauspiel und Regiekunst. ist poltstümelnb, aber nicht volkstümlich ausgestattet. Smet, dreimal wird Fräulein Hagenbruch als Sünderin und Mörderin von einem guten Dichtermort getragen. Dann geht alles schnell bergab ins Liebhabertheater hinein. May Hochdorf. „ Didicht" von Bert Brecht. Nationalrat teilte der Präsident mit, daß der Abgeordnete enje Die Seipelpartei will nicht monarchistisch fein. Im Wiener ( chriftlich- sozialer Monarchist) im Zusammenhang mit der von den Monarchisten durchgeführten Gründung einer eigenen Bartei sein Mandat niebergelegt habe. genialen Regie des Erich Engel und an der Gestaltungskraft eines Fris Kortner, eines Walter Frant, eines Paul Bildt und der Franziska Ki'n 3. Der Beifall war start umstritten. Fast drohte ein neuer Theatersfandal zu entstehen. Der Berfaffer wurde stürmisch gerufen, aber in den Applaus mischten sich sehr energische Bfiffe. Dgr. Wie weit man mit 1 Zentner Kohle fommt. Welcher Kraft man fich auch zur Beförderung bedienen mag, schließlich ist es doch meist bie Rohle, die den zur Beförderung notwendigen Energieporrat liefert. Bei der Eisenbahn beträgt der Rohlenverbrauch im allgemeinen 10 bis 12 Kilogramm auf den Kilometer. Da ein Eisenbahnzug etwa 500 Personen befördert, entfällt auf die Person und den Rilometer nur eine Koh'enmenge von 20 Gramm. Das heißt also: mit einem Bentner Rohlen fann der Fahrgast eine Strede von 2500 Kilometern zurücklegen, das ist etwa die Strede von Rönigsberg bis Bordeaux Bei langfam fahrenden Zügen, also bei Personenzügen, ist der Kohlenverbrauch sogar noch geringer. En un der mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern die Stunde führt, braucht piermal foviel Rohlen wie ein Zug, der 50 Kilometer fährt. Noch günstiger stellt sich die Rechnung für die elektrische Straßenbahn. Ein Zentner Kohle liefert etwa 2000 Kilowattstunden elettrischer Kraft. Ein Straßenbahnwagen fährt damit etwa cehmen, so würde auf eine Berson bei voller Bfehung eine Strecke 100 Kilometer. Wenn wir eine Belegung von 30 Personen anDen 3000 Kilometern entfallen, die mit einem Aufwand von einem Bentner Kohle für die Person gefahren werden könnte. Die Kessel eines Schnelldampfers brauchen stündlich etwa 600 3 niner Kohlen. Wenn das Schiff mit der Befagung 2500 Personen trägt und die Entfernung Bremerhafen- New York in fiebon Tagen turmißt, entfallen auf den Kilometer Fahrt 14 bis 15. Zentner, d. h. auf den einzelnen Passagier etwa ein halbes Pfund. Der Passagier eines Schnelldampfers legt also mit Hife eines Zentners Kohle eine Strede von nicht viel mehr als 100 Riometer zurüd. Der Geeweg ist demnach, was den Betriebsstoff an langt, erheblich teurer als der Landweg. Das wird freilich durch andere Borteile Fortfall der Stredenanlegung- reichlich aufDas Deutsche Theater spielt jetzt auch eine Revue, und amar eine von ganz besonderer Art: ein Schauftüd in zehn Bildern" für die gebildeten, für die hochliterarischen Kreise. Didicht oder Untergang einer Familie" nennt Berthold Brecht, der Dichter der Trommeln in der Nacht" und des Baal", sein Schaustüd. Man erinnert sich des Theatersfandals, der den„ Baal" vor einem Jahr Dom Spielplan des Leipziger Theaters weggepfiffen hat. Berthold gesänge erinnernde Feder, die aber fanatisch und mit Wucht Tinte Brecht hat eine Inrische, an Christian Morgensterns Balmström sprigt. Man denkt an Sturm und Drang und an Wedekind. schehen berichten. Beim Aufgehen des Vorhangs beginnt die Dreh Was Dickicht" anbetrifft, so kann ich nur von dem äußeren Gebühne zu freifen und zeigt die ersten sechs Bilder des Schauftuds, während hinter den Kulissen ein Schauspieler mit monotoner Stimme eine Borrebe, eine Erklärung verlieft, in der die Zuschauer gebeten merden, nicht nach den Motiven zu fragen. Dann steht das Ka ruffell und wir bliden in einen dunklen Leihbibliotheksteller. Der Kommis zeigt einen Kriminalroman und bezeichnet ihn als schlechtes Buch, während er eine Reisebeschreibung für gut hält. Der Kunde indessen, ein reicher malanischer Holzhändler Shlint, will dem Kommis George Garga seine Ansicht abfaufen: er foll fortan den Kriminalroman als gut empfehlen und die Reisebeschreibung ein schlechtes Buch nennen. Als sich Garaa gegen die Gewissensver gewaltigung wehrt, fommen von dem Holzhändler gekaufte dunkle Existenzen in den Laden, benehmen sich fleezig und demolieren ihn Niederdeutsche Heimalwoche. Unter dem Brotettorat des Kultus. mit Seelenruhe. Der Kampf zwischen Gorga und dem Malayen beministers findet anläßlich des 50. Todesjahres Frit Neuters in der Reit ginnt. Im nächsten Bild stürmt Garga, der Mann mit den festen vom 2. bis 11. November in Berlin eine Friß- Reuter- und Niederdeutsche Ansichten und mit dem Gewissen in das Bureau des Holzhändlers Seimatwoche ſtatt. Geplant ist ein blattdeutscher Abendgottesdienst, eine und wirft ihm vor, der Kampf werde mit ungleichen Waffen geführt, niederdeutsche Sonderausstellung der Preußischen Staatsbibliothet, niederShlink sei reich und er und seine Familie bitterarm. Da schenkt deutsche Dichter- und Balladenabende, sowie Lichtbildervorträge. Am ihm der Malane mit einem Federstrich seinen ganzen Holzhandel. 4. November findet eine große Friz- Neuter Ehrung in der Universität statt. Von nun an beginnt sich das Geschehen zu verwirren. Es geht durch( Da der unvermeidliche Herr Roetbe und andere Reaktionäre unter den Dünn und Didicht. Im Verlauf des Abends hatten die meisten 3uitarbeitern aufgeführt werden wird most rig- Reuter nachträglich in einen Schwarz- Weiß- Noten ver ande li werden.) schauer das peinliche Gefühl, dümmer als die anderen zu sein, denn ich war auch darunter. Aber ich kann mich trösten, bestimmt haben fie wußten nicht,' worauf der Dichter hinaus wollte. Difen gefagt, 75 Proz. der Zuschauer das Stück auch nicht verstanden. Der Ein. druck des Abends war deffenungeachtet sehr start. Das lag an der gewogen. Bort äge. In der Humboldt Hochschule hält urt effe am Donne: stag, 8 Uhr, im Orgasaal, Friedrichstr. 154, einen Vortrag mit Filmvorführungen über film Biteratur". der Einführung der Briefmarke in Belgien wird von der belgischen Boit Die belgischen Jubiläumsmarted. But des 75jährigen Rubiläums eine Serie von Jubiläumsmarten herausgegeben, die in London nach einem Entwurf von Prof. Montenes gebrudt werden und nebeneinanderdie Borträt vignetten König Leopolds L und des gegewärtigen Königs Albert zeigen. Frankreichs Nationalisten/ deutsche Wahlen Deutsánationale Verdrehungskünfte. Durch die gesamte deutschnationale Bresse geht neuerdings ein Zitat aus dem Bariser Organ der französischen Schwerindustrie Journée Industrielle", dessen Echtheit wir zwar nicht feststellen tönnen, dessen Wiedergabe wir aber als richtig unterstellen wollen. Danach soll dieses Blatt den Sieg der deutschen Demokratie gemünscht haben, weil dadurch Europa vor einer allzu schnellen Wiederherstellung des Deutschen Reiches bewahrt werden würde. Mit diesem Zeugnis gehen nun die Reaktionäre bei ihren Gläubigen hau. fieren, verschweigen aber forgfällig die Tatsache, daß es sonst nur die Gegner Poincarés und des Nationalen Blocks sind, die im Interesse der Fortsetzung einer deutsch- französischen Friedens und Annäherungspolitik die Niederlage der Rechtsparteien bei der nächsten Reichstagswahl wünschen. Die alberne und unbeweisbare Behauptung der Journée Industrielle:, die im reaktionären Fehr wasser segelt, ist offenbar nur ein taftisches Argument, um den für die Poincaristen nachteiligen Wirkungen der erwarteten deutsch nationalen Niederlage vorzubeugen. Andere reaktionäre Blätter Frankreichs haben bereits ihre Gorge vor einem demokratischen Umschwung in Deutschland mit einer Deutlichkeit enthüllt, die für die wahren Gefühle der Anhänger Boincarés viel fennzeichnender ist, als diese eine dumme Acußerung des schwerindustriellen Organs. Im nationalistischen„ Echo de Baris" versucht der Hauptscharfmacher Bertinag Stimmung gegen die deutschen Linksparteien und gegen die englische Arbeiter. direkt Herriot zu treffen. spricht unumwunden die Befürchtung aus, daß ein Fort schritt der Demokratie in England und Deutschland den Gegnern Boincarés zugute kommen könnte. Noch drastischer äußerte fich der bekannte nationalistische Außenpolitiker der Liberté" und der Action Française" in legterem Blatte, als er im Hinblick auf die erwartete Niederlage der Reaktion und der Kommunisten am 21. Df tober schrieb: regierung zu 97 machen, V Er " Das politische Leben Deutschlands wird ruhiger werden. Das ist eine Gefahr, eine ernste und schwere Gefahr. Anarchie in der Wirtschaft und in der Polifit des Reiches war eine unserer besten Garanfien." Wenn die Anhänger Poincarés und Millerands, menn alle diejenigen, die gegen die Ruhrräumung und gegen eine Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich überhaupt find, das deutsche Wahlrecht befäßen, so würden sie nach ihrem eige nen Eingeständnis für die deutschnationalen Listen stim men. Das deutsche Volk wird daraus die Schlußfolgerungen zu ziehen wissen. Weniger Wähler, mehr Zeitungen. Die neue Brotpreisregelung. Berlin, den 30. Oftober 1924. Die mittlere Preisprüfungsstelle für Berlin und die Provinz Brandenburg teilt folgendes mit: Bekanntlich galt vom februar bis Ende August d. 3. unverändert ein Preis von 50 Pi für den Laib Brot von 1750 Gramm Gewicht bei einer Leigeinlage von 2000 Gramm. Als dann die Mehlpreise rasch und äußerst start anzogen, mar es unmöglich, den Brolpreis nach der bisher gel teaben allgemeinen Breistattulation noch län berechtigten Berlangen der Bäder auf Erhöhung des Brotpreises ger aufrecht zu erhalten. In anderen Städten mußte dem nach den steigenden Mehlpreisen fortgesetzt nachgegeben werden. In Berlin hat aber tie mutilere Preisprüfungsstelle einen anderen Weg eingeschlagen. Sie ging von dem Gebonden aus, daß die Ber. liner Bevölkerung zunächst an den einheitlichen Brotpreis von 0 Pf. gewöhnt sei, und daß in der Borkriegszeit die Schwankungen des Mehlpreises durch wechselndes Broigewicht zum Ausdrud getommen find. So gab es z. B. im Jahre 1894 für 50 Pf. durchschnittlich 2450 Gramm Brot und im Jahre 1891 nur 1580 Gramm. in den Jahren 1906 bis 1814 schwanfte das Brotgewicht zwischen 1570 and 1850 Gramm. hauptsächlich ist es aber geradezu un möglich, bei der unterschiedlichen Gestaltung des Bädergewerbes, das Groß, Mittel- und Kleinbetriebe, reine Brotfabriken und Gemischt bäckereien umfaßt, überhaupt eine einwandfreie einheitliche Brotpreistaitulation aufzustellen. Von solcher Kalkulation und Breisfeftfegung konnten weder die Bäcker noch die Verbraucher oder die mitdie neue Vereinbarung der mittleren Prismrüfungsstelle mit dem wirkenden omtlichen Stellen jemals befriedigt fein. Deshalb ging 3wedverband der Bäckermeister dahin, die Brotpreisbildung fünftig freizugeben, alfo mede: den Brotpreis noch das Gewicht weiterhin amtlich festzusehen. Am emheitlichen Brofpreis von 50 f. foll zwar festgehalten werden, jedoch darf das Brotgewicht entsprechend der Steigerung der Mehlpreise wie ehedem vermindert werden. Bei fintenden Mehlpreisen ist es in gleicher Weise unmittelbar durch Bermehrung der Teigeinlage wieder zu erhöhen. Jeder Bäcker ist für ein angemessenes Brotgewicht selbst verant. mortlich. Durch diese Regelung ist nunmehr auch für Brot die freie Marktpreisbildung eingeschaltet, und die mittlere Preis folge der Konkurrenz unter den Bädern das Brotgewicht durch. prüfungsstelle erwartet daven, daß nach Angebot und Nachfrage inschnittlich sich weniger mindern wird, als wenn ein einheitlicher Brotpreis bzw. ein gleiches Brotgewicht nach einer noch so scharfen Staffulation feftgefeßt würde Interessant iſt es, daß jetzt in ien, mo man die allgemeine Weltteuerung von Getreide und Mehl ebenso spürt mie bei uns, die Bundesregierung mit aleicher Begründung fich weigert, der Wiener Bädereigenossenschaft Richtoreise für Brot zu geben und die einheitliche Brotpreisfestlegung überhaupt verboten hat. Die Erwartung eines billigeren Brotpreises durch höheres Gewicht, als ob strenger Ralfulation erforderlich, hat sich für Berlin tatsächlich erfüllt. Bemeis dafür ist. das noch genauer schieb zwischen den Breisen des Brotes und des dazu erforderlichen Meh'es) von 36 Broz. auf 17 Proz. des Mehlpreises gefunden ist. Gleichzeitig muß freilich festgestellt werden, daß das Ergebnis noch beffer ausgefallen wäre, wenn nicht der Mehlzwischenhandel bei dieser Gelegenheit seine Berdiensfspanne von, 10 auf 15 bis 18 Proz. erhöht hätte. Im Anschluß daran betonte bie mittlere Preisprüfungsstelle, daß die Hausfrauen das wirtschaftliche Gefeß von Angebot und Nachfrage besser zu ihren Gunsten menden könnten, wenn sie nicht nur bei Brot sondern auch bei Fleisch und anderen Lebensmitteln mehr darauf bedacht wären, bort zu faufen, mo fie nach Qualität und Menge preiswürdig bedient werben. Die Preisprüfungsstelle feht sich dafür ein, daß die freie Marktpreisbildung in polfswirtschaftlich gesunder Weise sich he und nicht Preisbindung ihrer Mitglieder fei die vornehmste Aufgabe tefigen fönne. Blanmäßige Regelung von Produktion und Absatz der Kartelle und sonstigen Wirtschaftsorganisationen. Bo daher Preisvereinbarungen in Erscheinung treten, werde bie mittlere Preisprüfungsitelle ihr dhe der Preisprüfung und Breisüber wachung schärfftens ausüben. Die mittleren Preisprüfungsstellen, die feinerzeit eine wichtige Rolle bei der Preisfestlegung der hauptsächlichsten Lebensmittel gespielt haben und die, wenn auch heute in eine sehr bescheidene Bofition, gedrängt, nach dem allgemeinen Abbau der Kontrollstellen des Großhandels und Kleinhandeis noch übrig geblieben find, taben den Brotpreis geregelt". Indessen mit dieser Regelung fann die Oeffentlichkeit sich nicht so ohne weite res einverstanden erflären. Diese Regelung besteht des Brotes ganz nach Belieben festlegen können. Die mittleren nämlich darin, daß fortan die Bäcker den Preis und das Gawidt Preisprüfungsstellen geben sich dabei der trügerischen Hoffnung hin, daß bei einem Ginten der Mehlpreise die Bäder automatisch auch das Gewicht des Brotes erhöhen werden. Abgesehen banon, daß an ein Sinten des Mehlpreises vorläufig nicht zu denken ist, darf vor allem nicht vergessen werden, daß der Mehl zwischenhan del die gute Gelegenheit benutzen und für fräftiges Hochhalten der Preise sorgen wird. Die Preisprüfungsstellen müssen ja selbst zugeben, daß der Zwischenhandel seine Verdienstspannen von 10 bis auf 18 Prozent erhöht hat, und die Preisprüfungsstellen vermögen wefen. Die Preisprüfungsstellen zeigen sich bei der neuen Regelung nicht darzutun, daß diese Erhöhung notwendig und berechtigt gedes Brotpreises ferner nach der Richtung als Optimisten, weil fie Brotpreise verhindern wird, und daß die Bäcker, um möglichst viele hoffen, daß die freie Konkurrenz ein übermäßiges Steigen der Brotpreise verhindern wird, und daß die Bäcker, um möglichst viele Kunden zu haben, selbst bafür sorgen werden, daß der Brotpreis niedrig und das Brotgewicht nicht zu flein ausfalle. Diese Hoffnung fann man leider aus dem Grund nicht beilen, weil ja die Bäder= innungen den Preis und das Gewicht festießen und die Bäcker sich dem fügen müffen. Wenn die PreisprüfungsUnter dem Titel Nationalpoft" foll in Berlin am statistischer Erhebung der durchschnittliche Bruttobacklohn( Unter- stellen endlich darauf hinweisen, daß sie einschreiten werden, wenn 1. November eine neue Tageszeitung, die die Intereffen der Deutschnationalen Boltspartei vertritt, erscheinen. Die Zeitung erscheint wöchentlich sechsmal als Tagesausgabe und außer dem in einer Wochenausgabe Sonntags. „ Deutsche Tageszeitung". Kreuzzeitung"," Deutsche Zeitung", „ Reichsboie"- alle deutschnationalen Zeitungen in Berlin find für de Neinsager. Soll die„ Nationalpost" die Klagelieder der Jafager fingen? Sowjet- Rußland und Franzosenkapital. Der Bolschewismus in der Mottenkiste. Paris, 30. Oftober,( Eigener Drahtbericht.) Die„ Ere Nou. pelle" peröffentlicht eine Unterredung, die der russische Volts fommissar für auswärtige Angelegenheiten, Tschitscherin, einem ihrer Mitarbeiter gewährt hat. Tschitscherin erklärt darin, daß die Somjet regierung bereit sei: 1. die in den Händen französischer Klein. rentner befindlichen russischen Anleihen zurüdzuzahlen; 2. unter gewiffen Bedingungen den russischen Markt dem franzö= fischen Kapital zu öffnen; 3. die französische Industrie an den Konzessionen zu beteiligen, zu denen Rußland sich im ver. gangenen Jahre im Haag bereit erklärt habe. Ministerkrise in Polen. Infolge nationalistischer Angriffe. Warschan, 30. Oftober.( BTB.) Im Sejm tam es zu einem überraschenden Zwischenfall. Aufgebracht durch die tags vorher gehaltene Rede des Obmannes des National- demokratischen Klubs, Stanislaus Iombinfti, der der Regierung Fügsamfeit gegenüber dem Ausland vorwarf und darin eine Bedrohung der Zu funft des polnischen Staates erblickte, erschien Ministerpräsident Grabffi plöglich auf der Tribüne, stellte die Bertrauensfrage und verlangte die Abstimmung. Dann verließ der Premier mit dem gesamten Rabinett den Sigungssaal. Im Sejm herrschte die größte Bestürzung. Der Sejmmerschall unterbrag bie Sigung und berief den Weltestenrat ein. In den Abendstunden murde die Sigung auf morgen vertagt, um den einzelnen Klubs Gelegenheit zu geben, ihre Stellung zur Regierung Grabski zu flären. Um 9 Uhr erschien Sejmmarschall Rataj im Klublokal der Barlamentsberichterstatter und teilte mit, die Bage fei zwar perworren, es tönne jedoch angenommen werden, daß die Regierung über eine Mehrheit verfügen werde. Englisch- türkischer Vergleich. Vorläufige Schlichtung des Mossulkonflikts. Brüffel, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der englisch- türtische Streit um die Grenze des Irat ist auf der hiesigen Sonderfizung des Bölferbundsrates geslichtet worden. England sowohl als die Türkei nahmen die Entscheidung des Bölkerbundsrats an, die als vorläufige Grenze die Linie bestimmt, die im ersten Friedensvertrag mit der Lürket, in dem Vertrag von Sèvres, feft. gesetzt worden war. Diese Entscheidung greift der endgültigen Grenzbestimmung in einer Weise vor, verbürgt aber bis zur Eini gung über die Grenze den Frieden. Reichstagstandidaten. Der Kreisverband Leipzig der Deutschen Demokratischen Partei stellte gesten einftimmig den bisherigen Vertreter im Reichstag Prof. Dr. Walter G5 wiederum als Spizenkandidat auf; an zweiter Stelle wurde Frau Oberst Elsbeth Lange. Schwerin aufgestellt, an dritter Stelle Oberpoftfekretär Wilhelm Biermann Seipzig, an rierter Stelle Kaufmann Wilhelm Külter Waldheim. Die demokratische Kandidatenliste schließt an 16. Stelle mit Senatsprä fident i. R. Dr. Alfred Hagens aus Leipzig. Parteinachrichten Giusendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3, G Warum wurde der Reichstag aufgelöst? Preisvereinbarungen in Erscheinung treten, fo weiß der Kenner, daß es sich dabei mehr oder minder nur um Versprechungen handelt, da die Preisprüfungsstellen heute gar nicht mehr die Macht haben, Kartellen und deren Preispolitik hindernd in den Arm zu fallen. Rechtsparteien. Auf diese Vertretung deutschnationaler Weltanschauung" soll ihnen am 7. Dezember die gebührende Antwort zuteil werden. " Sobald mir aber Bei der gestrigen Wählerversammlung in Niederschön hausen sprach Gen. Crifpien( M. d. R.) über das Thema Warum wurde der Reichstag aufgelöft?" Der Redner betonte, Gegen konfessionellen Gewissenszwang der Schule. Daß der Reichstag aufgelöst werden mußte, weil er eine Gefahr Für die Schultirgänge zur Feier des Reforma. für ganz Europa bedeutete und ein tradener Butsch der monarchistifchen und fapitalistischen Sträfte verhütet werden mußte. Unsertions festes und ähnliche fonfeffionelle Veranstaltungen der Wahlkampf ist für die ganze Welt, nicht nur für Deutsch. Schule ist eine Mitteilung wigtig, die uns der" Bund entste land, entscheidend. Nach dem Kriege stand Deutschland allein bener Schulreformer" macht. Diefe Bereinigung hatte das in der Welt, zwei überragenden Weltmächten gegenüber, Groß. preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und britannien und den Vereinigten Staaten, bie ben Frieden in ihrem Boltsbildung in einer Eingabe gebeten, angesichts mander Intereffe dittierten. Die neutralen Mächte waren zu ohnunächtig, eingeriffener Mißbräuche tie Lehrer der Schule erneut darauf hin einen für Deutschland günstigen Einfluß ausüben zu fönnen. Der zumeijen, daß nach Art. 136 der Reichsverfassung niemand zu einer firchlichen hanblung oder gar zur TeilFriedenspertrag war hari und gelangte erst nach vielen Kämpfen zum Abschluß. Aus dem Bolt heraus wuchsen Kräfte, die bemüht na hme an religiösen Uebungen gezwungen werden kann. Darauf hat im Auftrage ter Ministers der Ministerialwaren, auf dem großen Trümmerhausen ein neues Gebäude zu er richten. Die Sozialisten begannen mit der Revision des direttor Jahnte erwidert: Da die Bestimmungen über die TeilFriedensvertrages, um günstigere Bedingungen zu ernahme von Shülern an religiofen Feiern ganz unzweideutig sind, zielen; leider waren die fremden Bölfer schwer zu überzeugen, daß bebarf es einer generellen Anordnung nicht. es noch ein anderes als das monarchistische Deutschland gab. Denn Einzelfälle vorgetragen werden, bei bence gegen diese Bestimmung Die bürgerliche Presse stempelte es zur Roferne, zum gotlermählten verstoßen wird, bin ich bereit, für die Innehaltung der Bestimmungen Herrenvolt, während die sozialistische Bresse totgeschwiegen wurde. zu forgen." Der Vorstand des Bundes entschiedener Schulreformer" Die Sozialdemokraten forgien für Aufklärung; ihr Biel hieß Frie gibt diefe ministerielle Antwort bekannt. Alle Eltern, Erzieher usw., densarbeit, auf dem Wege der Versöhnung wollten sie zum benen Fälle von Gesinnungsbrud der Schule gemelder Wiederaufbau fdyreiten. Deutschland follte 226 Milliarden Gold werden, fordert er auf, das Material unverzüglich bem Ministemart zahlen! Die Sozialisten aller Länder, das Unmögliche ein rialbirettor Jahnte( Berlin, Unter den Linden 4) zu unterfehend, vereinigten sich, dagegen Stellung zu nehmen; fie führten breiten. Reformen zur Erleichterung herbei, u. a. bas Londoner Abkommen, Der größte Unterwaffectunnei fertiggestellt. Der Lunnel für das heute im Mittelpunkt des Wohltampfes steht und feineswegs neue Lasten bedeutet wie fälschlich behauptet wird. Die sozialistische Fahrzeuge unter dem Hubfon, der der größte Unterwassertunnel der Internationale hat in Amsterdam dieses Abkommen bereits einer Belt fein foll, ist fertiggestellt. Präsident Coolidge hat gestern Revision unterworfen, um Deutschland die Reparationsleistungen zu obend burch elektrische Fernzündung den letzten Sprengichuß Revision unterworfen, um Deutschland die Reparationsleistungen zu erleichtern. Gegen diese Internationale wülen nun Deuticusgelöst. Der Tunnel verbindet Newport mit Newjersy und kann nationale und Kommunisten, aus politischem Wahnsinn täglich von etwa 45 000 Fahrzeugen benugt werden. ftimmen fie gegen das Londoner Abkommen, das tatsächlich einen Eine Gedenktafel für Karl Marg in Condon. Im Londoner Ge Fortschritt bebeutet. Diese Parteien müssen deshalb unschädlich gemeinderat hat Genosse Morritson den Antrag gestellt, am Wohnmacht werden, um teinen unheilvollen Einfluß ausüben zu fönnen. und Sterbehaus Karl Marg eine Gedenktafel anzubringen. Damit Aus diesem Grunde war die Auflösung des grotestesten cller Reichs würde die Londoner Gedenkfeier der Internationale einen würbioen tage notwendig. Es geht jeht um die Abrechnung der Sozialdemo- und bleibenden Nachtlang gefunden haben. tratie mit dem Großfapitalismus; ein internationales Bar= Iament foll errichtet werden, um das sich die englische Arbeiter partei große Verdienste erworben hat, und auch berriot erstrebt einen europäischen Staatenbund Die Sozialdemokratie bedarf aller Kräfte des Boltes, um die allgemeine Gefundung herbeiführen zu tönnen; fie allein bebeutet Sieg und Aufstieg der arbeiburg wartete gestern abend im Sportpalast mit einem großen tenden Klasse. Gegen den Anschlag der Hausbefizer. protestierte im Rahmen der Beranstaltungen der Mieberprotestwoche des Reichsbunds Deutscher Mieber" nun auch eine gutbesuchte Ber fammlung in Berlin Banfmig. Wie treffend die Ausführun gen des Referenten, Landgerichtsrat Gen. Ruben, die jetige Lage und die drohenden Gefahren Bennzeidynete, bemies nicht nur der lebhafte Beifall, sondern auch die Tatsache, daß mehrere der Herren Hausbefizer bei den allzudeutlichen Formulierungen das Befal schimpfend verließen. Wenn im Scherl'schen„ Grundeigentum" geschrieben wird:" Wir müssen endlich wieder normale Verhältnisse bekommen", so wiffen wir ganz genau, stellte der Redner fest, daß unter diesen Verhältnissen" die Aufhebung der Zwangswirtschaft nicht 100, fondern 300 Broz. Mieterhöhung brächte, denn sonst würde sich das Geschäft nicht„ rentieren". Wer aber die Aufhebung der Zwangs. wirtschaft verlangt und sich nicht ganz entsprechend gleichzeitig für Erhöhung der Löhne und Gehälter einfeht, ist ein unverantwortlicher Demagoge. Schon bei der augenblicklichen Gesetzgebung find in worden, nicht zu errechnen ist daher deren phantastische Biffer, wenn die fünftigen Gefeße der fommenden Regierung nach den einseitigen Wünschen der Hausbesiger, die ja schon jetzt im Grundeigentum" offen erflärt haben, daß fie Schulter an Schulter mit Großindustrie und Sofinana, ihren natürlichen Verbümdeten", in den Wahlkampf ziehen wollen, geschaffen werden würden. Dieselben Leute, die nicht des Geld haben wollen schadhafte Dächer ausbessern und defekte Wasserleitungen instandsehen zu lassen, haben Millionen übrig für bie verleumderische Wahlpropaganda ber Sport. Jnternationaler Borkampf- Abend. Der Sportklub CharlotienBrogramm auf, nicht weniger als hn Rämpfe gelangien zum Austrag. Der Sport bes Abends war gut, aber der Besuch ließ zu wünschen übrig. Raah( E.C.C.) und Fleischer( Mac) leiteten mit flottem Stampf den Abend ein, legtarer gemann nach Punkten. Im Bantamgewicht standen Ebeling( S.C.C.) und Post( B. F. B. Bankom) im Ring. Hier nerrichtete die harte Rechte des Pantomers gute Arbeit und Bost fonnte den Bunftsieg davontragen. Ebenso mußte der Schwergewichter Rübe( G.C.C.) die lieberlegenheit Görfes( Heros) anerkennen und diesem den Buntisieg überlassen. Das erste Internationale Treffen im Bantamgewicht de Raan ( Holland) gegen Sieglarsfi( Alt- Wedding) endete nach flotten brei Runden mit dem Buntisiege über den Holländer. Bruggink ( Holland) mußte ebenfalls die Ueberlegenheit des Deutschen Stahr und diesem den Bunttsieg überlassen. De Graaf cnerkennen ( Holland) fam un feinen verdienten Bunfifieg über den Weliergewichtler Claus( S.C.C.), denn das Schiebsgericht erklärte legferen zum Bunttsieger. Dieses Urteil fand begreiflicherweise die Schärffte Mißbilligung. Das Treffen des Australiers Carr gegen für Groß- Berlin Berlin im Monat September über 700 Räumungsflagen angefeßt( Hamburg) gelang es, im guten Rampf den Holländer Br of nadh ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof. 2 Trep. rechts, zu richten. 13. Kreis Mariendorf, Tempelhof. Die für morgen( Freitag) in Mariendorf Aula Sturfürstenstraße, geplante öffentliche Bersammlung findet nicht statt. Dafür befuchen alle Genoffen und deren Frauen die an demselben Sage in Tempelhof von unferer Partei einberufene öffentliche Frauenversammlung im Lyceum, Dorfstraße( Ede Germaniaftraße. 84, Abt. Santwig, Deute, Donnerstag abend 7 Uhr, Funktionärfonferens in Botal Aronte, Siethenfiraße. " eber( S.C.C.) brach der Ringrichter wegen Kampfunfähigkeit beider Gegner ab. Carr ist bekanntlich einer der besten Läufer feines Heimatlandes. Dem deutschen Meister im Mittelgewicht Riefe Punkten zu schlagen. Der Halbschwergewichtsmeister Hollands Meljon gewann den einzigen Kampf des Abends nach Punkten und rettete damit die Ehre der Holländer, über Gaitomsti, ber sich gegen den riesenhaften Holländer nicht entfalten fonnte. Einen guten Kampf zeigten das fegte Boar, Nispel( ros) und der Holländer Beefemer. Sier gelang es ebenfalls dem deutschen Meister, Beefemer gut nach Buntten zu schlagen. Damit hatte Deutschland diesen Abend cuf sein Konto gebracht. Alle Känipfe gingen über drei Runden, Gewerkschaftsbewegung Der Einheitsfronttermin. Am Schlusse einer politischen Betrachtung, die in der heutigen Ausgabe der„ Roten Fahne" angestellt wird, heißt es: „ Die Gefahren zeigen sich deutlich. Um ihnen zu begegnen, ist vor allem auch notwendig eine Verstärkung der Bewegung zur Vereinheitlichung der Gewerkschaften. Auch darin dürfen die Parteigenossen sich durch die Aufgaben des Wahltampfes nicht ablenten lassen. Der Beschluß des Zentral ausschusses, der für den Eintritt der Mitglieder der Partei in die Gewerkschaften bestimmte Termine festgesetzt hat, muß restlos durchgeführt werden." Die Kommunistische Partei verlegt also den Schwerpunkt ihrer politischen Agitation in die Gewertschaften. Sie fchickt ihre Mitglieder, soweit diese nicht in den selbständigen" fommunistischen Gewerkschaften bleiben, in die freien Gewerkschaften hinein, um darin erneut die kommunistischen Partei= parolen zu propagieren. Die gewerkschaftliche Aktion wird durch die fommunistischen Parteiagenten nicht eiwa gefördert, fendern gelähmt und geschwächt. Gerade jetzt fönnen die Gewerkschaften sich am allerwenigsten den Lurus gestalten, sich durch Ableierung kommunistischer Parteitiraden ihre Mitglieder aus den Bersammlungen vertreiben zu lassen und sich mit Weltrevolutionsprojekten und dergleichen von ihren Aufgaben abhalten und ihre Taktik durchfreuzen lassen. So sehr die Gewerkschaften jedes neue Mitglied begrüßen, das sich in Reis und Glied stellt, um die gewerkschaftlichen Aufgaben erfüllen zu helfen, so wenig fönnen sie zulaffen, daß unter gewertschaft lichem Dedmantel fommunistische Parteiagita. tion betrieben wird. Die Termine dafür sind festgesetzt. Die Gewerkschaften müssen sich darauf einrichten, thre Stuben sauber halten und sich mit aller Macht dagegen wehren, daß fie zum Tummelplatz der fommunistischen Radaupolitik werden. ständigung nicht fehlen loffen, um so mehr die Unternehmer, denen| Kind 69 Pf. pro Stunde erhalten. Erst wenn der Omnibusfahrer mithin alle Verantwortung für die Folgen zufällt. Die Tapezierer haben unverzüglich die Reihen zu schließen. Sie müssen jezt allesamt dem Rufe der Organisation folgen.( Siehe Versammlungsanzeige.) Lohnbewegung im Omnibusbetriebe. Die Omnibusgesellschaft hat sich endlich nach mehrmaligen Bertegungen und Verhandlungen durchgerungen und dem Personal ein Angebot vorgelegt, das jedoch feine hinreichende Ausbesserung der Söhne bringt und weit von der Forderung geblieben ist. Gefordert wurde eine Erhöhung des Tagelohnes um 1 M. Bewilligt wurden für den Fahrer 35 Pf., für die Schaffner 30 Bf., für die Arbeiter 25 Pf. pro Tag, berechnet nach dem bisherigen Epihenlohn( in fünf Jahren). Jetzt soll der Fahrer den höchst lohn in 20 Jahren, der Schaffner in 15 Jahren und der Arbeiter in 10 Jahren erreichen. Nach dem AnSozialdemokratischer Pressedienst. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienft" ( ab 1. November„ Sozialdemokratischer Preffedienst") verlegt am 1. November seine Redaktion von Lindenstraße 3 nach Berlin SW61, Belle- Alliance- Platz 8. Tel.: Dönhoff 4196-4198.- Telegrammadr.: Sopadienst. gebot der Gesellschaft erhält demnach in der Spize der Fahrer 182 M., der Schaffner 150 M., der Arbeiter 135 m. pro Monai. Berheiratete erhalten für die Frau und jedes Kind je 7 M. pro Monat. In Anbetracht der langen Dienstjahre ist das Angebot wirtlich nicht verlodend und unhaltbar, da die Personenzahl, die in den Genuß der Spigenlöhne fommt, nicht groß ist. Die Gesell schaft hat in der Inflation einen Teil der Leute entlassen. Soweit Diese später wieder eingestellt wurden, ist nur wenigen die Dienstzeit voll angerechnet worden. Den Fahrern ist bei der Umstellung des Pferdebetriebes in den Kraftwagenbetrieb die Dienstzeit als Kutscher nicht etwa voll angerechnet, sondern nur je fünf Jahre Rutscherdienst in ein Jahr Fahrerdienstzeit umgerechmet" worden. Es bleiben also nur recht wenige Fahrer und Schaffner übrig, die heute den Höchstlohn beziehen würden. Das eine Erhöhung von 25, 30 und 35 Pf. pro Tag reicht jetzt jüngere Personal it fast leer ausgegangen, denn nicht mehr aus, um ein Brot laufen zu können. Die Bezüge bleiben noch zurück hinter denen der Straßenbahnfahrer und schaffner, die doch schon niedrig genug sind. Der Straßenbahnfahrer bezieht ( über 24 Jahre alt) mach einent Dienstjahr pro Stunde 70 Pfg., verheiratete mit einem Kind 76 Pfg. Der Fahrer im Omnibusbetriebe würde nach den Angebot der Gesellschaft nach einAller Voraussicht nach wird die Haupt- jähriger Dienstzeit 63 Pfg., als verheirateter mit einem verwaltung der Reichsbahn denselben Standpunkt einnehmen wie das Reichsfinanzministerium, daß nämlich eine Erhöhung der Ge= hälter noch nicht spruchreif" ſei. Besoldungsbesprechungen im Reichsverkehrsministerium. Wie die Telegraphen- Union meldet, findet morgen, Freitag, eine Besprechung im Reichsverkehrsministerium mit den Organi sationen der Eisenbahnbeamten statt. Die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft wird sich voraussichtlich dazu äußern, wie sie sich zu der Neuregelung des Wohnungsgeld zuschusses und der Ortstiaffeneinteilung stellen wird. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diese Neuregelung quch von der Reichsbahngesellschaft übernommen werden wird. Die Organisationen der Eisenbahnbeamten werden diese Gelegenheit bemuzen, um ihre Wünsche über eine Aufbesserung der Ge= hälter vorzutragen. Dieser Standpunkt der Reichsbahngesellschaft, der offenbar aus ihren höheren Regionen berichtet wird, ist einmal sehr bequem, außerdem aber auch recht billig. Die Frage ist nur, ob die Beamten sich ohne weiteres damit abspeisen lassen. - Erneute Differenzen im Tapezierergewerbe. Der im Tapezierergewerbe seit 15. August 1923 bestehende tariflose 3ustand ist noch nicht behoben. Dreimal wurde von Arbeiterjeite versucht, in endlosen Berhandlungen, diesem Zustand ein Ende zu bereiten, dreimal ist der Versuch, an den Berhältnissen des Berufes, an den Verschlechterungsgelüften der Unternehmer gescheitert. 3 um vierten Male sollte in den letzten Tagen der Versuch, einen Tarifvertrag unter würdigen Bedingungen abzuschließen, gemacht werden. Troß der überaus günstigen Produktionsmöglichkeiten, trotz des Beweises, daß nur die Berhandlungskommission der Herren Arteitgeber, nicht die Unternehmer im allgemeinen, die Verlängerung der Arbeitszeit fordert, fahen sich diese nicht veranlaßt, davon abzusehen, sie wollten obendrein die Ferien noch weiter verringern, den Arbeitsnachweis zu einer Lächerlichkeit herabwürdigen und was sonst noch an Verschlechterungen der sozialen Bedingungen denkbar ist, durchzusetzen. Die Lohnforderung der Tapezierer zeigte dasselbe Bild. Die Teuerung wird anerkannt, aber die Kosten der erhöhten Lebenshaltung ließen sich von den Arbeitern leichter tragen als von den Unternehmern. Man fragt sich, woher die Herren den Mut zu derartigen Behauptungen nehmen. Die Herren wollen den Beweis führen, daß auch fie die Not der Zeit, die immer weiter um sich greifende Berelendung der Arbeiterschaft trotz ausreichender guter Beschäftigung auszunügen versuchen und ihre schon reichlich hohen Profite auf Kosten niedriger Arbeitslöhne noch weiter erhöhen wollen. Die Geduld der Tapezierer Berlins ist auf eine harte Probe gestellt worden, und nimmt es nicht Wunder, wenn den Tapezierern endlich der Geduldsfaden reißt und sie zum äußersten- Mittel der Abwehr greifen. Es scheint nicht möglich zu sein, im Tapezierergewerbe auch einmal friedlich zum Abschluß eines Tarifvertrages zu fomen. Die Erfahrung, daß in den legten Jahrzehnten jeder im Tapezierergewerbe abgeschloffene Tarifvertrag nur mit Streit durchgesezt werden mußte, hat die Scharfmacher im Unternehmerlager noch nicht belehrt. Die Arbeiter haben es an dem Willen zur VerKALMAR es fertig bringt, 8 Jahre Dienst zu tun, oder wenn er in der glüc lichen Lage ist, heute schon 8 Dienstjahre zu haben, dann erst hat er den fürstlichen Lohn des Straßenbahnfahrers nach einem Dienstjahr. Der Omnibussa, affer erhält den Lohn von 60 b3m. 66 Pf pro Stunde erst nach 15 Jahren, den der Straßenbahnschaffner bei einjähriger Dienstzeit( über 24 Jahre) erhält. Endlich der ungelernte Arbeiter im Omnibusbetriebe würde nach zehnjähriger Dienstzeit 54 Bf. Stundenlohn erhalten; der ungelernte Arbeiter bei der Straßenbahn erhält nach einem Jahr 53 Pf. Dabei besteht heute die Mehrzahl der„ ungelernten" Arbetter ini Omnibusbetriebe aus alien, im Dienst ergrauten Rutschern und Schaffnern, die 20 und mehr Dienstjahre hinter sich haben. Soll es auch im Omnibusbetriebe zu ähnlichen Katastrophen tommen wie im Straßenbahnbetriebe? Man ist auf dem besten Wege dazu; die Arbeitszeit ist un erträglich lang, die Fahrzeit nicht einzuhalten, die Löhne auch mit solcher Aufbesserung unzureichend. Die Omnibusgesellschaft stützt sich in ihrem Angebot auf die Lohnregelung im Hochbahnbetriebe. Dabei ist der Hoch bahnbetrieb in der ständigen Gefahr, zum Stillstand zu kommen, eben weil das Verkehrspersonal die Lohnregelung und den materiellen Inhalt des Tarifvertrages abgelehnt hat. Aber auch ohne dem fönnen die Omnibusbediensteten sich nicht auf die Hochbahnlohnregelung einiassen, ca fie glatt 17 Stunden Mehrarbeit pro Monat leisten, auch die förperlichen und dienstlichen Anstrengungen der Fahrer sowie Schaffner vieí größer find. Das Angebot der Direktion liegt dem Personal zur Beschlußfassung in zwei Bersammlungen am Freitag vor. Der Beschluß fann in Anbetracht der hier geschilderten Tatsachen nicht zweifelhaft sein. Erfolgreiche Lohnbewegung. Köln, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Die eingeleitete Lohnbewegung für die Gruppe der Gektromonteure, Heizungsmonteure, Klempner und Installateure wurde mit Erfolg abge schlossen. Ab 23. Oftober tritt eine Lohnerhöhung von 13 bis 15 Pf. in der Stunde in Kraft. Uebergang zur Affordarbeit in Sowjetrußland. Mtb. meldet: Auf der Konferenz der Trusts wird die Erörterung der Frage der Hebung der Produktivität der Arbeit fortgesetzt. Auf den Fabriken des Ledertrusts werden ungefähr 90 Broz. aller Ar Leiter auf Affordarbeit gestellt. Die Fabrit Kraffinij Treugelnik geht ebenfalls bis zum 1. November ganz auf Affordarbeit über. Näherinnen Groß- Berlins.„ Die Unternehmer im Klaffenkampf afte Arbeiter." Da eine Abstimmu na stattfindet, müssen die organifier. Tapezierer! Morgen, Freitag, nachm. 4 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Engelnfer 24/25, öffentliche Bersammlung aller Tapezierer und ten Kollegen unbedingt Berbandsbuch oder Karte mitbringen. Die Ortsverwaltung. Verantwortlich für Politik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Gaikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. K Wir machen das Rennen weil wir durch eigene Anfertigung in der Lage sind, hervorragend gute Herren- und Knaben- Kleidung zu konkurrenzlos niedrigen Preisen in den Handel zu bringen. Herren Anzüge u. Mäntel 78.- 65.- 54.- 45.- 36.- 29.Burschen- Anzüge u. Mäntel 56.- 50.- 44.- 36.- 30.- 25.Knaben- Anzüge u. Mäntel 1975 165 1350 1175 950 775 Loden- Anzüge ⚫ Loden Mäntel Wegen des großen Andranges bitten wir höfl. nach Möglichkeit den Vormittag zum Einkauf zu wählen. Loden- Joppen Friedrich Kerstholt, Schönhauser Allee 127, Billige Schuhe bei guter Strickwesten u. 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