Nr.514 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 261 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. " Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit" mit..Gied. lung und Kleingarten". sowie ber Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Norwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ropareille Beile 0.70 Goldmart, Reklamezeile 4.- Goldmark. Kickse Anzeigen" das fettgedruckte Bort 0,20€ Id. mart( aulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Sort 0,10 Goldmart. Stellengefuge has erfte Wort 0,10 Goldmark, ies weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zähn für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0.30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20 Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 31. Oktober 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depoütenkane Lindenstraße 3 Konservative Zweidrittelmehrheit. 5 Mill. Arbeiterstimmen= 151 Mandate 53 Mill. konservative Stimmen= 400 Mandate! Condon, 30. Offober.( WTB.) Nach den bis 11% Uhr empfindliche Schlappe und die Liberalen eine| Herrn Mussolini in den Sattel geholfen haben, wie die deutvorliegenden Wahlergebnissen haben die konservativen 400, die Arbeiterpartei 151, die Liberalen 40 und die Unabhängigen 4 Mandate erlangt. Die Konservativen haben 159 Sige gewonnen und fechs verloren, die Arbeiterpartei hat 24 Sige gewonnen und 65 verloren, die Liberalen haben 9 gewonnen und 120 verloren, die Unabhängigen haben keinen Sig gewonnen und feinen verloren. Condon, 30. Oktober.( TU.) Die konservative Mehrheit ist die größte feit 1832. Trotz der großen Niederlage hat die Arbeiterpartei bisher fünf Millionen Stimmen errungen. Ein groteskes Wahlergebnis. Bei der Beurteilung englischer Wahlen muß man stets grundsäßlich zweierlei Dinge unterscheiden: das nadte Wahl ergebnis, d. h. die Verteilung der Sie im Barlament und Die Stimmenzahl der einzelnen Parteien. Früher, d. h. bis vor etwa 30 Jahren brauchte man eine solche Unterscheidung nicht zu machen. Damals rangen nur die zwei alten Parteien, die Konservativen( Tories) und die Liberalen ( Whigs), um den Sieg und da die Wahlkreise gleichmäßig eingeteilt waren, entsprach das Verhältnis der Stimmen ungefähr dem Verhältnis der Mandate. Seitdem aber eine neue, eine dritte Partei, die Arbeiterpartei, in entscheiden der Weise in den Kampf eingreift, hat sich das Bild völlig verschoben. Das althergebrachte Wahlsystem ist zum grotesten Unsinn geworden und es können zum Schaden der einen oder zu Gunsten der anderen Partei die tollsten Ungerechtigfeiten daraus entstehen. Eine Partei fann 40 Prozent der Stimmen, aber 66 Prozent der Sitze im Unterhaus erlangen, eine andere fann mit 25 Prozent der Stimmen nur etwa 10 Prozent der Size erobern. So ist zwar die Mandat stärke für die Bildung der Regierung und für den Kurs der Politit allein bestimmend; aber für die wahre Stimmung im Lande sind vor allem die Wählerzahlen kennzeichnend, die die einzelnen Parteien aus ihre Kandidaten vereinigt haben. Die Unsinnigkeit eines längst überholten Wahlsystems stellung: vollständige Ratastrophe erlitten haben. Die Liberalen mögen durch das nackte Wahlergebnis noch so hart getroffen sein, sie haben nur das geerntet, was sie selbst gesät haben: ihre schwankende Haltung während der Regierungszeit Macdonalds, der Uebermut, mit dem sie als Zünglein an der Wage glaubten, mit der Regierung Kaze und Maus spielen zu dürfen, indem sie alle acht Tage einen neuen Vorwand entdeckten, um mit der Entfesse lung einer Regierungskrise durch Verstärkung der konservativen Opposition zu drohen, der innere 3 wiespalt in ihrer Führerschaft, von der ein Teil unter Lloyd George mit den Konservativen liebäugelte, während der andere Teil unter Asquith eine für Macdonald geradezu verlegende Vormundhaltung einnahm, das alles waren Gründe genug, um die Wählerschaft von dieser Partei abzubringen. Aber die eigentliche Ursache ihrer Ratastrophe haben die Liberalen selbst geschaffen, als sie sich auf Bürger blodverhandlungen mit den viel stärkeren Konservawährend sie in nicht weniger als 216 Wahlkreisen darauf vertiven einließen. Sie wurden dabei gründlich übervorteilt: zichteten, eigene Kandidaturen aufzustellen, brachten die KonLiberalen. Und vermutlich dürften unter diesen 47 Kreifen servativen nur in 47 Kreisen dasselbe Opfer zugunsten der manche gewesen sein, in denen die Aussichten des Bürgerblocks sowieso nicht allzu rosig waren. sowieso nicht allzu rosig waren. " 1 schen Monarchisten ihre Erfolge bei den Reichstagswahlen in der Hauptsache den Kommunisten verdanken, so haben sich di e Bolschemiki wieder einmal um die Weltreattion verdient gemacht. Das sind die Etappen" der kommunistischen Weltrevolution"! Man möchte sagen, daß es fast belanglos ist, ob das Schreiben Sinowjews, das unmittelbar vor der Wahl den Konservativen als Wahlbombe diente, echt oder gefälscht sei. Das wird sich wohl niemals einwandfrei feststellen lassen. Allein die Tatsache, daß ein solches Schreiben als echt veröffentlicht werden fonnte, ist bezeichnend und ausschlaggebend. 3 u Duzenden hat der ebenso eingebildete wie ignorante Borsitzende der Moskauer Exekutive in den letzten Jahren an die kommunistischen Parteien aller Länder solche blödsinnig perbrecherischen Instruktionen erteilt. Es ist nicht allzu lange her, daß derselbe Sinowjem an die deutschen Kommunisten die öffentliche Aufforderung richtete, sich mit Gewalt Waffendepots der deutschen Reichswehr und Schutzpolizei anzufagenhafte britische Kommunistenpartei eine Fälschung ist, so eigenen. Auch wenn das Schreiben an die mehr oder minder spricht die Tatsache Bände, daß man es nicht als eine Fälschung Präzedenzfälle für seine Echtheit sprachen. Die Wahlsofort entlarven fonnte, weil die Wahrscheinlichkeit und die bombe der Konservativen hat ihre Schuldigkeit getan. Macdonald fann gehen..... Indessen liegt der Zusammenbruch der Liberalen ganz Die dummen Auguste, die die internationale fommunistische in der Linie der Gesamtpolitik der Arbeiterpartei. Lektere Presse redigieren, stellten in den letzten Tagen mit stolzer Be betrachtet sich als die natürliche Erbin des fortschritt- friedigung fest, daß durch den Streit um das Sinowjem- Dokulichen Bürgertums und hat keinerlei Intereffe daran, das ment der Kommunismus den englischen Wahlkampf beSo stand Leben der Liberalen Partei zu verlängern. Sie steht sogar herrsche". es sowohl in der Pariser in der Berliner Roten Fahne" dieser in mancher Hinsicht mit einem größeren Haß als den" Humanité" wie Konservativen gegenüber. Deshalb die schroffe Ablehnung zu lesen und so äußerte sich auch Sinowjew selbst in einer jeder Koalition zwischen Labour Party und Liberalen durch Erklärung an die Moskauer Telegraphenagentur. Ueber Macdonald, obwohl eine solche Kombination auf Jahre hinaus diese Art der„ Beherrschung" eines Bahlkampfes werden und seine Parteifreunde ins Fäustchen der Arbeiterpartei gestattet hätte, die Konservativen von der sich Baldwin Regierung völlig auszuschalten. Die Liberalen hatten übrigens lachen. Sie fürchten den Bolschewismus ungefähr so, wie der im Dezember 1923 das große Glück gehabt, daß Baldwin Besucher eines naturwissenschaftlichen Museums eine im durch seine damalige Schutzzollparole ihnen die Möglichkeit Alkohol konservierte Kreuzotter. Aber den englischen Wählern - besonders im Zusammenhang mit den von ihnen starf an zu einem unverhofften Wiederaufstieg gegeben hatte. Die neuen Wahlen beweisen, daß die Spekulation der Arbeiter gegriffenen englisch- russischen Handelsvertrag den partei, auf ein baldiges Absterben des bürgerlichen Libera- Bolche wistenschreck einzujagen, dazu war ihnen Herr lismus richtig war. Unter dem Gesichtspunkt einer Politik auf Sinowjew gerade noch gut genug. Man mag über die Moralität einer solchen Kampfesweise sehr lange Sicht ist diese Zerreibung der Liberalen ein Ersich leider nicht leugnen, Probleme das Spiel der„ Daily- Mail"-Redakteure und sonstiger fozialistenfeindlicher Ehrenmänner erleichtert hatte. liegt uns fern, an der Politik unserer englischen Genossen in der Regierung Kritik zu üben. Sie hatten bei den letzten Wahlen die Parole der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Sowjetrußland und der Wiederbelebung des Handels durch diese Wiederaufnahme ausgegeben und sie haben mit anerfennenswerter Folgerichtigkeit ihr Wort gehalten. Aber verschiedene Anzeichen in den letzten Wochen mußten uns, die Mestauer Machthaber manche Erfahrung gesammelt haben, wir hinsichtlich der Mentalität und der Skrupellosigkeit der bedenklich stimmen. ergibt sich am deutlichsten aus nachstehender Zusammen- folg für die Arbeiterpartei. Aber unter dem Gesichtspunt daß die Arbeiterpartei in der Behandlung der russischen 6. Dezember 1923 29. Oftober 1924 Mandate Stimmen Mandate Stimmen 400 5,75 mill. Konservative. 255 5,5 mill. Arbeiterpartei 195 4,5 Liberale • • 151 99 155 4,3 40 5 2 99 99 Die letzteren Ziffern sind zwar nicht endgültig, doch dürften sie ungefähr dem Endergebnis entsprechen. Würde in England das Proportional system gelten, dann wäre das Ergebnis etwa das folgende gewesen: Konservative Arbeiterpartei Liberale • . . 270 230 100 Labour Party keinen Anlaß, sich darüber zu freuen, daß die Liberalen zu einem bedeutungslosen Faftor im neuen Unterhaus geworden sind: mit mehr als 200 Stimmen Mehrheit werden die Konservativen im neuen Parlament manche innerpolitische und außenpolitische Maßnahme treffen können, die durch feine noch so rücksichtslose Opposition behindert werden dürfte. Indessen: bei den konsolidierten verfassungsrechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen Großbritanniens fann es sich die Arbeiterpartei zur Not leisten, die Regierung der reaktionärsten Partei zu überlassen und sich auf Opposition und Agitation zu beschränken. In Deutschland wären, so wie die Dinge heute bei uns liegen und bei der Mentalität unserer Bürgerblockparteien, derartige Experimente für unsere junge republikanische Staatsform und für die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterschaft sehr zweischneidig, wenn nicht gar gefährlich. Also wegen eines verhältnismäßig minimalen Stimmenunterschiedes bleibt die Arbeiterpartei um mehr als 250 Mandate hinter den Konservativen zurück, die Libe= Die Arbeiterpartei hat etwa 50 Mandate verloren, da ralen haben nicht einmal die Hälfte der Vertretung im gegen mehrere hunderttausend Stimmen im Vergleich zum Unterhaus, auf die sie Anrecht hätten und die konser- Borjahre gewonnen. Es ist daher ein albernes Gerede, vativen werden als lachende Dritte über eine 3 wei wenn unfere reaktionäre Preffe zu behaupten wagt, die eng drittelmehrheit verfügen, die ihnen theoretisch und viel- lischen Wählermassen hätten der Regierung Macdonalds den leicht auch tatsächlich erlauben wird, während fünf Jahren Rücken gekehrt. Das Gegenteil ist der Fall. Die ungestört zu regieren, obwohl sie im Volfe selbst bei weitem Arbeiterpartei befindet sich nach wie vor im Aufstieg nicht die absolute Mehrheit der Wähler hinter sich haben. Das und ihre Aussichten, weitere Massen zum Sozialismus und sind Zustände, die zum Himmel schreien und die einer zum Klassenbewußtsein zu befehren, werden sich in den fommodernen Demokratie unwürdig find. Aber die Objek- menden Zeiten, in denen sie wieder frei von staatspolitischen fivität zwingt uns festzustellen, daß die Arbeiterpartei in ihrer Fesseln sein wird, erst recht steigern. Macdonald hat nicht Mehrheit Gegnerin der Einführung des Proporzes ist und allein von seinen bisherigen Wählern ein Vertrauens daß, als nach den letzten Wahlen die Stimmen in den bürger- votum erhalten, sondern neue Hunderttausende da lichen Parteien sich mehrten, die eine Wahlreform verlangten, von überzeugt, daß die Arbeiterschaft reif für die Regierung ist es die Führer der Arbeiterpartei waren, die als damalige Nutz- und daß dem Sozialismus die Zukunft gehört. nießer des alten Wahlsystems und unter dem Eindruck ihres Sieges am energischsten dagegen Stellung nahmen Aber alle Rechnerei vermag nichts an der Tatsache zu ändern, daß die Konservativen einen ungeheuren, in ihrer Geschiche noch nie dagewesenen zahlenmäßigen Triumph erlangt haben, während die Arbeiterpartei, soweit, ihre Unterhausvertretung in Frage kommt, eine Das Tragitomische dieser Wahl ist, daß die Konservativen ihren Sieg offenkundig einer Partei verdanten, die in England sozusagen gar nicht besteht. Der Triumph Baldwins ist ein Erfolg der kommunistischen Inter nationale, das größte Berdienst an der ungeheuren Stärfung der englischen Reaktion gebührt Herrn Grischa Sinowie w. Wie die italienischen Kommunisten donald als Minderheitsregierung und ohne So Großes und Bewundernswertes die Regierung Maceigene Presse, sondern nur mit der ungeheuren Kraft unverbrauchter moralischer Machtmittel geleistet hat, so sehr mußte ihre Politit Sowjetrußland gegenüber ihr zum Berhängnis werden. Die Londoner Konferenz, die Genfer Bölkerbundstagung, die Herabsehung der Lebensmittelpreise durch Abschaffung verschiedener Steuern, die tatkräftige Befämpfung der Wohnungsnot, das alles waren großartige außenund innenpolitische Leistungen der Regierung Macdonald, die in der Geschichte Großbritanniens einen Ehrenplatz einnehmen werden und auch vom englischen Volke selbst anerkannt wurden, wie der Stimmenzuwachs der Labour Party beweist. Um so betrübender ist der Gedanke, daß diese für die ganze internationale Arbeiterschaft so hoffnungsvolle Ent midlung mit Hilfe von Männern jäh unterbrochen werden fonnte, die vorgeben, der Arbeiterklasse zu dienen und die in Wirklichkeit überall, wo sie die Politik auch nur vorübergehend konnte, die vorgeben, der Arbeiterklasse zu dienen und die in „ beherrschen", nur Unheil anstiften zum Vorteil der inter nationalen Reaktion. 800 000 Stimmen gewonnen? Kopenhagen, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.)„ Socialdemokraten" erhält von dem in London weilenden Beneffen Andersen die Nachricht, daß die Arbeiterpartel am gesteigen Wahlizg 800 000 Stimmen mehr erhalten hat als b der vorigen Wahl. Macdonald wiedergewählt. London, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) 8 Uhr abends lag in London folgendes Ergebnis vor: Konjervative 393, Arbeiterpartei 149, Ciberale 40, Unabhängige Liberale 4, Genossenschaftler 5, Konstitutionelle 3 und Kommunisten 1 Sih. Bisher find 595 Abgeordnete gewählt, 20 Sige stehen noch aus. Die Konservativen haben bis 8 Uhr 149 Sige gewonnen, die Arbeiterpartei 40 verloren und die Liberale Partei 110 verloren. Die Konservativen hatten bis 8 Uhr abends 191 Sitze mehr als alle übrigen Parteien zusammen. Eine ähnliche sprunghafte Veränderung der Zufammensetzung des Parlaments ist schon 1906 einmal erfolgt, als die Liberalen ihren großen Sieg über die Konservativen erfochten und mit 376 Abgeordneten in das Parlament ein30gen. Fast alle kabinettsmitglieder sind wiedergewählt, auch der Premierminister Macdonald mit einer 2100- Stimmen- Mehrheit. Bevorstehender Rücktritt der Regierung. Condon, 30. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Wie sehr der Zufall bei dem englischen Wahlfyftem das Wahlergebnis entfchetdend beeinflußt, beweist am besten die Tatsache, daß 3. B. um 3 Uhr nachmittags das Berhältnis der abgegebenen Sitmmen der einzelnen Parteien folgendes war: Konservative rund 5% Millionen, Arbeiterpartei 4 millionen, Liberale 2 Millionen. Da zu diesem Zeitpunkt noch rund 200 Wahlkreise ausstanden, erschien der Beweis für einen außerordentlichen Stimmenzuwachs der Arbeiterpartei bereits erbracht. In einer großen Anzahl dreiediger" Wahlkreise ist der Arbeiterkandidat von der dritten Stelle an die zweite gerückt. Macdonalds Sohn und Baldwins Sohn find als kandidaten der Arbeiterpartei mit fleiner Minorität unterlegen. Macdonald ist um 6 Uhr abends aus feinem Wahlkreis Aberavon zurückgekehrt. Voraussichtlich werden die Mitglieder der Arbeiterregierung noch in den späten Abendstunden zur Besprechung über die politische Cage zufammentreten. Das Kabinett wird wahrscheinlich den Zusammenfritt des neuen Unterhauses nicht abwarten, sondern noch Ende dieser Woche zurücktreten. Eine spätere Meldung spricht bereits von 5 Millionen Stimmen für die Arbeiterpartei. Das ist die größte bisher erreichte Stimmenzahl der britischen Arbeiterpartei. Macdonald jubelnd empfangen. Condon, 30. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Macdonald wurde bei seiner Ankunft auf der Station Paddington unbeschreiblich enthusiastisch begrüßt. Er machte phyfisch den Einbrud, von den Anffrengungen des Wahlkampfs sehr erschöpft zu fein. Bon der morgigen Sigung des Ministeriums wird die Entscheidung über den Zeitpunkt des Rüdtritts erwartet. Die Niederlage der Liberalen. Condon, 30. Oftober.( Gigener Drahtbericht.) Das bisherige Er. gebnis der Barlamentswahlen wird natürlich nicht nur in ben 3ei tungen, sondern auch in den politischen Zirkeln sehr lebhaft kommentiert. Im Mittelpunkt der Besprechungen steht merkwürdiger weise weder der Sieg der Konfernativen noch der Mandatsverlust der Arbeiterpartei, fondern die in England als vernichtend ange: fehene Niederlage der Liberalen. Daß die Arbeiter par tei trog des heißen Kampfes ihre Wähler an der Stange hat halten fönnen, gilt überall als Beweis der festen Macht der Arbeiterpartei. Man sieht in dem bisherigen Wahlergebnis ein Anzeichen Der Rückkehr zum 3 weiparteien system und glaubt, daß in Zukunft das Pendel der parlamentarischen Macht, das sich sonst zwischen Konservativen und Liberalen bewegt hat, fortan zwischen Den konservativen und der Arbeiterpartei fdwingen wird. Daß die liberale Bartei jemats wieder in die Lage fommen wird, der Arbeiterpartei den Rang abzulaufen, hält man für vollkommen ausgeschlossen. Der Erdeutsch der Deutschnationalen. Wer kommt wieder? Die Presse der Rechten hat bisher nicht gewagt, ihren Lefern die Wahrheit über Hamburg zu sagen, über die gewaltige Niederlage, die die Deutschnationalen, die Völkischen, die Kommunisten erlitten haben. 56 000 Stimmen haben die Rechtsparteien verloren, 36 000 ihre fommunistischen Bundesgenossen! Wie das den Lesern sagen? Wie sag' ichs meinem Kinde? Nun macht die" Deutsche Zeitung" den Anfang. Durch tagelanges Brüten über das Hamburger Resultat hat sie glücklich herausgefunden, daß nach diesem Vorspiel ein erflecklicher Teil der deutschnationalen Abgeordneten nicht wiederkommen wird: „ Gleichwohl darf man sich der Gefahr nicht verschließen, daß die Weiterentwidlung vom 4. Mai 1924 zum 26. Dt bieſem Falle tober 1924 fymptomatisch werden kann für das Reich. In diesem Falle aber würden im kommenden Reichstag abermals 100 Sozialdemokraten fitzen, dagegen nur etwa 12( ftatt 34) Nationalsozialisten und 78( statt 106) Deutsch nationale!" Das haben die Deutschnationalen nun glücklich herausgerechnet, und sie müssen sich betrübt eingestehen, daß ihnen die Wähler davongelaufen sind. Um so eifriger interessieren sie sich jetzt für die Zusammensetzung der Kandidatenliste. Die Bombe von Hamburg dient den deutschnationalen Neinsagern als Argument für die Abfägung der Jasager. Die Deutsche Zeitung" schreibt: = „ Um die Nichtwähler wieder zu Wählern zu machen, muß ihnen also die unbedingte Gewähr gegeben werden, daß in Zukunft schlechthin väitisch nationale Politit getrieben. wird und nicht irgendwelche Parteipolitif. Sie werden nur solchen Männern ihre Stimme geben, zu denen sie das Ver. frauen haben, daß sie zielentschlossen ihren eigenen Weg gehen, unbeirrt durch parlamentarische Rücksichten. Alles kommt also an auf die Zusammensetzung der Kandidatenlisten." Darauf fommt es ihnen jetzt an. Ein großer Teil der deutschnationalen Reichstagsabgeordneten kommt nicht wieder -men soll es treffen? Das verschärft die Rauferet der Deutsch nationalen um die Liften. So eröffnet die„ Deutsche Zeitung" eine Generaloffensive: " ,, Nun hören wir das faft Unglaubliche, daß es doch eine Stelle gibt, wo man den Ernst der Lage zu verkennen scheint. Und diese Stelle ist das ist das Fürchterliche daran diejenige Parteiinstanz, welche den Beruf hätte, das feinste Gefühl für die Strömungen zu zeigen, die das nationale Leben durchfluten. Es heißt, daß Kandidaten, die das Vertrauen ihrer Wahlkreise verloren haben, auf die Reichsliste gesetzt werden sollen darunter der verhängnisvolle Professor oefch und ähnliche politisch schwankende Gestalten. Wenn derartiges geschieht, wäre die Katastrophe unvermeidlich.... Es gilt, einen Entschluß zu fassen, ob die Partei auch weiterhin gewillt ist, die Wege zu wandeln, die sie so offensichtlich von der stolzen Höhe des 4. Mai zum Harafiri des 29. Auguft geführt haben, oder ob sie nun den Schlußstrich machen wird unter die bis herigen Jammerfeligkeiten und politischen Unehrlich feiten. Die Reichsliste wird zunächst der Grabmesser dafür sein, ob und in welchem Umfange die nötige Reform an Haupt und Gliedern ernstlich gewollt ist. Es muß nochmals den verantwortlichen Männern der Deutschnationalen Partei gejagt werden, daß es so unmöglich geht, und daß die Gebulb ihrer vöttisch gerichteten Wähler jedenfalls erschöpft ist. So dich ein Glieb ärgert, so raise es ab und wirf es ins Feuer!" " London, 30. Oftober.( WTB.) Asquith erklärte in einer Neben der Reichsliste die Wahlfreislisten! Aus Kur Rede, er habe durchaus nicht die Absicht, sich aus dem öffent- hessen läßt die Deutsche Zeitung" sich eine Zuschrift senden, lichen Leben zurückzuziehen und er werde sich wieder auf- in der entrüftet gegen die Absicht protestiert wird, den Herrn stellen laffen. Die Liberalen feien nicht niedergeschlagen, sie von Lindeiner dort unterzubringen, aus Weser Ems müßten die Entscheidung im Geist von Sportsmännern an läßt sie die Abfägung der Jasager Bismard und Hart nehmen. Er bedauere das Ergebnis der Wahlen als einen ernsten und des Parlamentariers schlechthin" Henning verlangen. Schlag für die liberale Partei. Mit solchen Sorgen und Kandidatenhändeln belastet, gehen die Der Erbfeind und die Erben. Bon Elie Ha. Ueber die Toten soll man mur Gutes reben-wenn man fann. Ueber Stinnes fonnte man nicht einmal Gutes reden, als er noch lebte. Er hatte die Gewohnheit, zu dementieren, wenn man ihm etwas Sympathisches zumutete. Nun er tot ist und in der Walhalla der verstorbenen Großindustrie, erfährt man, daß er in Paris eine französische Filmgesellschaft gegründet, finanziert und besessen hat: die„ Ciné- France". Einer der größten Filme, den diese Gesellschaft herausgebracht hat, behandelt das Leben des franzöfifchen Helden fönigs Henri des Vierten. Es ist die Art der Großindustriellen, Nationalhelden zu felern. Manchmal sind es deutsche, es können auch französische sein. Wie's trifft! Dieser französische Heros hat dank der Finanzierung des Herrn Etinnes fogar eine Filmlänge von acht tausend Metern erreicht. An dem Riesenwuchs dieses Franzosen. fönigs ist neben Stinnes auch noch die franzöfifche Regierung mit einigen Subventionen beteiligt. Man sieht also den„ Erbfeind" mit dem„ vaterländischen" Deutschen Schulter an Schulter mitten in der Internationale, der " Branche". Als ein dritter Bundesgenosse kommt noch der„ Matin" hinzu, jenes französische Blatt, das sich zwar durch sein Niveau sehr bedeutend, burch seine Gesinnung nicht fehr merkbar von den deutschen patristischen Zeitungen unterscheidet. Ja, niemand anderer wie der Matin"! Denn der Hauptattionär vom Matin" ist der Hauptaktionär von der„ Bathé- Freres- Filmgesellschaft". Und diese vertreibt die Filme der Stinnes- Gesellschaft„ Ciné- France". Go macht der„ Matin" Reflame für die Stinnes- Filme! Für das Geld des Herrn Stinnes! Für den Gewinn des Herrn Stinnes! Und es ereignet sich das nicht sehr seltene, aber selten sichbare Moment einer Verbrüderung zwischen dem Erbfeind und den Erben. Denen des Stinnes nämlich. Aber die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" beeift sich nicht, diese Geschichte ihren patriotischen Lesern mitzuteilen. Sie wird sich mit Recht hüten. Denn man würde dann vielleicht merken, wie man Kriege finanzieren fann gegen Frankreich; indem man zuerst Frankreichs Filme finanziert. Man amüsiert das Bolt, uns es dann föben zu können. Stinnes selbst ist tot. Es läge nahe, vor der Majestät des Todes zu schweigen. Wäre diefer nicht so ohnmächtig gegenüber dem Kapital. Mächtig ist er nur, wenn er sich mit Proletariern abgibt, um sie zu„ Helden" zu machen. Auf einem Ehrenfeld hat er es leicht, Massen zu treffen. Sm Sanatorium begegnet er nur einzelnen. Der 13, Verlegertee der Landsberg Kunst- und Buchhandinng, Surfürften. damm 201, indet am 1. November, Sonnabend, 4%, Uhr, in der Gandel", Sellevneite. 4, fe Bett Beilag des Feuerreiters flatt. GB fefeft: Heinrich Eduard Jacob, Rudolf Leonhard, Fränze Noloff, Hans Sochaczewer, Georg Bivier. Eintritt frei. Der Kongreß von Concord. ( Oktober 1774.) = Deutschnationalen unter dem niederschmetternden Eindrud ber Hamburger Wahl in den Wahlkampf. Ahnungsschwer heißt es am Schluß der Zuschrift aus dem Wahlkreis Wefer- Ems an die Deutsche Zeitung":" Biele werden deshalb am 7. Dezember zu Hause bleiben." Bei uns aber geht jeder Mann und jede Frau zur Wahl! Drauf und dran: Parole Hamburg! Preisabbau und Steuerfrage. Beratungen der Reichsregierung. Im Reichsfinanzministerium fanden schon seit längerer Zeit Beratungen über neue Steuer milderungen statt. Diese Milderungen sollen, wie auch in den Lohnverhandlungen der Eisenbahner von dem Verwaltungsrat der Reichsbahn zum Ausdruck gebracht wurde, einen Teil der geplanten zweiten Preisabbauaktion darstellen. Am Freitag nehmen die Bertreter der Länder an den Beratungen im Reichsfinanzministerium teil. Das Ministerium bestreitet in zwar, daß die Besprechungen mit den Vertretern der Länder auch der Steuermilderung gelten. Ein solcher Zusammenhang bleibt aber unbestreitbar, da vom Finanzministerium für den Sonnabend positive Mitteilungen über den Umfang und die Art der Steuermilderungen angekündigt worden sind. Eine be= sondere Schwierigkeit für die Steuermilderung liegt darin, daß gegenwärtig fein Reichstag vorhanden ist. Man wird sich aber wahrscheinlich auch hier, ähnlich wie das für die Ratifizierung des Handelsabkommens zwischen Deutschland und Deutschösterreich geplant ist, mit den§ 48 der Reichsverfassung helfen. Allerdings kommt die Anwendung des§ 48 nur für ganz bestimmte Steuern in Frage. Justizskandal im Hitler- Prozeß. Privatpersonen als Zuhörer der Geheimfizungen. München, 30. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Man erinnert sich, daß es im großen Hitler- Broz: ß einige Sensation machte, als die Verteidigung davon Kenntnis gab, daß ein gewiffer Oberst Schraubenbach als ehemaliger Generalſtäbler Dinge aus den geheimen Sigungen, denen er merkwürdigerweise beiwohnen durfte, gegen Bezahlung einem geriffenen Ver= leger mitteilte und zu diesem Zwed auch einen Vertrag abgeschlossen habe. Diese Angaben der Verteidigung veranlaßten die Münchener Post" damals, eine außerordentlich scharfe Satire auf den Oberst Schraubenboch und die Gepflogenheiten des HitlerGerichts zu schreiben. Das bewog den Herrn Generalstäbler zu einer Beleidigungsflage, da er inzwischen nachweisen konnte und nachgewiesen hatte, daß die Angaben der Berteidigung nicht richtig waren. Diese Beleidigungsklage wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht München dindgeführt und der verantwortliche Rebatteur unseres Parteiblattes zu 300 M. Geldstrafe verurteilt, nachdem der Richter es abgelehnt hatte, ein Beweisangebot des Verteidigers des Peklagten entgegenzunehmen, weil ihm die ganze Angelegenheit schon hinreichend geklärt schien. Der Prozeß interessiert aber vor allem deswegen, weil man endlich erfuhr, in welcher Eigenschaft der seinerzeit vieígenannte Generalstabler Schraubenbach den geheimen Sitzungen im HitlerProzeß, die nicht nur aus Gründen der Landesverteidigung, sondern auch aus politischen Gründen das Licht der Deffentlichkeit zu scheuen hatten, beiwohnen fennte. Schraubenbach gab nämlich selbst an, es fei unrichtig, daß er als Vorsigender eines Ehrenrats bayerischer Generalstabsoffiziere beim Prozeß zu= gegen gewesen sei. Er sei zweiter Borsigender der Generalstabsvereinigung, der auch verschiedene Angeklagte damals ongehört haben. 2 us diesem Grunde habe er um eine Zuhörerfarte nachgesucht. Um die Erlaubnis zur Anwesenheit in den Geheim= fitungen habe er nicht nachgesucht, sei aber erfreut gewesen, daß er zugelassen wurde. Danach steht feft, daß Schraubenbach als vollständige Privatperfon, lediglich als zweiter Borsitzender des Generalstäblervereins, den geheimen Verhandlungen eines Prozesses mit einer derartig politischen Tragweite beiwohnen konnte. Der Jufil; minifier wird alle Veranlassung haben, sich auch mit dieser neuesten Untiefe des standalöfen Hitler- Gerichts zu befaffen. diesjährige Tagung in Weimar ab. Charakteristisch für die Ausführungen der vier Redner war, daß sie sämtlich in Anlehnung an Schopenhauers eigene Stellung der Universität gegenüber heftig Front machten gegen profefforale Weltmeisheit und Ratheberphilosophie. Leider brachten sie selbst nicht eigene freifchöpferische Ge danken, die über das Niveau der angefochtenen Brofessorenphilofopie hinausgegangen wären. Am höchsten standen die Ausführungen des Gefretärs der Gesellschaft Dr. Franz Modrauer- Dresden, der gerebe in der Schopenhauerschen Weltablehnung den Anfang tultureller Erneuerung fieht. Seine Darlegungen, daß die Weltentwicklung vom Individualismus zum Sozialismus und damit vom Chaos zum Kosmos führt, waren auch soziologisch interessant. Mehr als gewagt waren die Versuche eines anderen Redners, aus Schopenhauers Welt als Wille und Vorstellung" ein psychoanalytisches Weltbild oder vielleicht besser Seelenbild zu konstruieren im Anschluß an die Theorien Freunds. Besser glückten die Ausführungen des letzten Referenten bei seinein Vergleich Rontscher und Schopenhauerscher Ethik, in dem er Rants Petegorifchen Imperativ als rationalistisch, Schopenhauers auf Mitgefühl begründete Ethit als aus ben Tiefen des unbewußten Gefühlslebens geschöpft aufzeigte. Schön fionaltheater, Sie eingeleitet wurde durch Stücke aus Nietzſches " Schopenhauer als Erzieher". Niehsches Kompofitionen, von anderen( darunter Ansorge) für den Vortrag eingerichtet, find interessant deshalb, weil sie die künstlerisch schöpferische Bielseitigkeit des Dichterphilosophen aufs neue dartun. Eigene musikalische Bedeutung Revolutionen find nicht äußerliche, tatastrophale Ereignisse, fon. dern langfame, unmerklich wirksame Umstellungen im Denten und Fühlen der Bölfer. Erst wenn der Abstand zwischen dem neuen Empfinden und den veralteten Zuständen eine gewisse Größe er reicht hat, entlädt fich nicht immer! die Spannung in gewaltfamen Ereignisse, ohne daß sich oft felbst dann die Mithandelnden der revolutionären Tragweite ihres Tuns bewußt find. So war es gewiß auch der Fall bei jenen Männern, die im Oftober 1774 aum Kongreß in Concord( Massachusetts) zusammentraten, und damit den ersten Lebensaft einer neuen Republik bekundeten, die heute, nach 150 Jahren, der mächtigfte Staat der Welt ist. Großbritannien, damals von einem feiner Macht sicheren Abetsflünget regiert und unter der Herrschaft einer habgierigen ausländischen Dynastie, führte foftspielige Kriege, für deren Koften das gänglich unbeteiligte Bolt auftonimen mußte. Als es das nicht mehr fonnte, follten die erst recht unbeteiligten Anftebler Neuenglands herangezogen werden. Bereits das Stempelsteuergesetz von 1768 hatte ernste Unruhen hervorgerufen. Besonders in dem damaligen Vorort der Kolonie, Boston, regte sich lauter Widerspruch. Militär laß zu einer Schießerei, bei der viele Bürger getötet wurden. wurde gelandet. Am 5. März 1770 fam es aus unbedeutendem Aneußerlich war die Rube hergestellt; int Herzen blieb, vielen wohl unbewußt, ber Bunich nach Nache für das„ Bostonmaffater". Dann tam bas bekannte Teefteuergesetz von 1773. Die Stadtbehörde ver. weigerte die Ausladung der Kisten, die Regierung bestand darauf, da mit der Landung die Einfuhrabgabe fällig wurde. Am 16. De ember warfen als Indianer verfleidete junge Leute die Kisten ins Das Mar in ordenkmel Schillers am Gendarmen Waffer; ein toller Streich, aber gewiß noch feine Revolution, wie manche Geschichtsschreiber es darstellen. Wieder landete Militär. markt, hergestellt von Reinhold Begas, ist burch eine von der Tiefüber diesmal ging man weiter. Unerhörte Eingriffe in altgewohnte baubeputation beauftragte Steinfegfirma in unsachgemäßer Weise Gelbstverwaltung erfolgten: Die Gerichtsbeamten wurden der nit der Zimmermannsraspel, Starborantum und Salzsäure behandelt britischen Behörde unterstellt, Kapitalverbrechen zur Aburteilung worden, wodurch die Oberflächenbearbeitung des Künstlers verlorenaußer Landes, nach Nova Scotia ober England, verwiesen. Vergegangen ist. Wir erheben Einspruch gegen einen berartigen Vansammlungen der Bürgerschaft wurden verboten. Endlich fiel der Balismus, der sich an einem der besten Denkmäler Berlins entscheidende Schlag, am 1. Juni 1774 wurde der Hafen von Boston vollzogen het." geschlossen; auch nicht das fleinste Boot, feine Fähre durfte mehr verfehren. Ginfuhrhäfen wurden Marblehead und Salem, letzteres auch Hauptstadt. Aber der Geist der Ansiedler ließ sich nicht beugen. Sie verweigerten jeden Handelsverkehr mit England; erhielten er Gage wußte sich nicht anders zu helfen, als den Massachusetts Ge nrutigenden Zuspruch von Nachbarn und Fernstehenden. General neral Court( Brovingiairat) in Salem aufzulösen. Die Mitglieder traten noch im selben Monat in Concord, außerhalb der Besetzungs zone, wieder zusammen, und ihre nunmehr illegal gewordene Ver fammlung nannten sie Rongreß". Diesem ersten Provinzialfongres folgten andere, aus ihnen ging der Allgemeine Rongreß der 13 Ber einigten Staaten von Amerika hervor. Es fam der Krieg, es fam die Freiheit. Am 17. März 1776 verließ der letzte britische Soldat die Stadt Bofton, bie Wiege der Republik.. Tagung der Deutschen Schopenhauer- Gej jajaft in Weimar. Am 26. und 27. Oftober hielt die Deutsche Schopenhauer- Gesellschaft ihre tann man ihnen faum zumessen. H. L. Kommunale Kunstpflege". Der Vorstand des Vereins Berliner Künstler hat an die Tiefbaudeputation des Mogistrats Berlin folgendes Schreiben gerichtet: Radio bei den Estimos. Auch die Estimos find jetzt mit den Wundern des Rundfunks bekanntgemacht worden und erblicken barin einen neuen starken Bauber, den der weiße Marin sich dienstbar gemacht hat. Aber auch dem Polarforscher, der sich in der Einsam Möglichkeiten. Bon diesen Rundfunkfreuden im höchsten Norde't feit des ewigen Eises vergräbt, bietet per Rabicapparat ungeahnte erzählt Kapitän Donald Mac Millan, der fürzlich mit seinem Schoner" Bowdoin" nach einem Aufenthalt von 15 Monaten in der Arktis nach New York zurückgekehrt ist. Kein Tag und keine Nacht ist in dieser buntler Winterzeit des Nordens vergangen, an dem wir nicht Neuigkeiten aus aller Welt erfahren hätten," erzählt er. Hawai. Ja, wir konnten die Stimmen unserer Freunde erkennen. Wir hörten die Radiostationen von England, Deutschland und Die Eintönigkeit der Polarnacht ist gebrochen. Radio hat die ganze Welt erobert. Der Radio- Apparat ist die wertvollste Ausrüstung, die der Polarforscher mitnehmen tain. Er wird dadurch instand gesetzt, seine Uhr genau bis auf eine Zehntelsekunde zu stellen, er Wer sind die Blamierten? Deutschnationale und Sparkassenskandale. Die Deutschnationale Presse tischte vor einigen Tagen wie der einmal mit Sparkaffenstandalen auf. Obwohl fie felbft zu geben mußte, daß sozialdemokratische Verwaltungsbeamte mit der Sache nichts zu tun hatten, versuchte sie es durch einen ebenso plumpen wie unsauberen Trick so hinzustellen, als seien Mitglieder der sozialdemokratischen Partei für die Fälle verantwortlich. Wie sich jetzt herausstellt, endet die Angelegenheit mit einer Riesenblamage der Deutsch nationalen. Es ist nämlich der Initiative des sozialdemokratischen Regierungspräsidenten von Merseburg, Genossen Grüner zu verdanken, wenn überhaupt in Mitteldeutchland durch gegriffen wurde. Genosse Grüßner hat die Aufsichtsbehörden der Sparkassen, Landräte und Bürgermeister, angewiesen, eine gründliche Kontrolle aller Sparinstitute vorzunehmen. Und dabei wurde dann allerdings allerhang zutage gefördert. Erst kam die Torgauer Sparkasse, bei der etwa eine halbe Million Defizit ist, dann Delizich, wo der Spar kaffendirektor, zu gleicher Zeit Fraktionsvorsitzender der Deutschnationaten in der Stadtstube, die Sparkasse um nur" 25 000 mt. geschädigt hat. Dann geriet die Girofasse in Elsterwerda in Schwierigkeiten, und heute stellt sich bei der Bitterfelder Kreissparkasse heraus, daß nach einer Dom dortigen sozialdemokratischen Landrate angeordneten Revision ein Defizit von über 400 000 Me. festgestellt wurde. Der verantwortliche Direktor dieser Sparkasse heißt Kuzte und ist Mitglied der Deutschnationalen Bar tei! Er hat das Vertrauen des Landrats in gröbster Weise getäuscht. Er hatte u. a. entgegen den Sagungen und ohne Wissen des Landrats bei einer Privatfirma ein Konto von faft 100 000 Mr. auflaufen lassen. Er gab in dem einen Falle sein Verschulden zu, verschwieg aber die übrigen Fälle. Die Revificn erwies zweifelsfrei die Schuld des„ treuen Mannes". Er ist jetzt seines Amtes enthoben worden. Weitere Verfahren schwe ben. Einen erheblichen Schuldteil trägt die Girozentrale in Magdeburg, an deren Spitze der Generaldirektor Hartmann steht, der beileibe kein Sozialdemokrat ist. Die Girozentrale hat es verabsäumt, ihrer Pflicht einer ständigen und gewissenhaften Revision all dieser Kassen nachzukommen. So sehen die sozialdemokratischen" Spartassenskandale aus, wenn man sie aus dem deutschnationalen Jargon ins Hochdeutsche übersetzt. Angesichts der Tatsache, daß in die peinliche Affäre auffallend viel Mitglieder der Deutsch nationalen Partei verwickelt find, liegt der Gedanke nahe, daß die Wendung von den sozialdemokratischen" Sparkassenstandalen absichtlich von deutfchnationaler Seite in die Deffentlichkeit lanciert wurde, um die Aufmertfam feit von dem tatsächlichen Sachverhalt abzulenken. Daß sie in Der Kunst des Verdrehens zwar nicht Meister, aber nur allzu begeisterte Dilettanten find, haben die Deutschnationalen ja nicht nur in ihrem glücklicherweise negativen Verkehr mit der Sozialdemokratischen Partei bewiesen. Gesellschaftsfeme über Ludendorff. Dem Schicksal Trühschlers, Deimlings und Schönaichs verfallen. Der Streit zwischen Ludendorff und Rupprecht hat einen tragikomischen Abschluß gefunden. 27 von ben 36 Gene rälen der ehemaligen Kgl. bayer. Armee haben sich am 25. Oktober unter dem Borsiz Rupprechts zusammen gefunden und folgenden Beschluß gefaßt: Auf Grund der sämtlichen über den Konflitt Seiner König lichen Hoheit des Kronprinzen von Bayern mit dem General Luben dorff vorliegenden Arienstücke erklären wir folgendes: General Ludendorff hat in der Deffentlichkeit gegen Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen eine beleidigende Beschuldigung er= hoben. Er hat sich, nachdem ihm nachgewiesen worden war, daß feine Behauptung unwahr sei, geweigert, die Beschuldigung in an= gemeffener Weise öffentlich zu widerrufen. Das von Seiner König steht in ständiger Berührung mit der Außenwelt und ist über das Schicksal seiner Freunde, seines Landes unterrichtet. Die Eskimos, die mit uns die Radiomeldungen hörten, werden dieses Erlebnis niemals vergessen. Der Film und der Rundfunk erscheinen ihren als reine Zauberet. Sie famen in ihren Hundeflchitten Hunderte von Kilometern durch Eis und Schnee, um diese unglaublichen Wunder zu sehen." fichen Hoheit darauf gegen ihn beantragte Ehrengericht hat er abges| unflare Haltung des Zentrums, scharfes Eintreten für das Koali lehnt. Seine als Grund der Ablehnung angegebene Forderung, sich| tionsrecht nur durch die Sozialdemokratie. einem Ehrengericht nur dann zu unterstellen, wenn das Gleiche auch von Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen geschieht, steht in schroffem Widerspruch mit der Auffassung fönigs treuer Offiziere. Die unterfertigten Generale der alten König lich bayerischen Armee sehen sich daher gezwungen, fernerhin die Standesgemeinschaft mit General Luden dorff abzulehnen." Damit hat Ludendorff dasselbe Schicksal ereilt, wie den ehemaligen Hofmarschall Wilhelms II., Grafen 3 edlig Trükichler sowie die Generale v. Deimling und v. Schönaich, von denen der Deutsche Offiziers. bund noch soeben gesagt hat: jein wird.“ Angehörigen der alten Armee solche Generale in „ Es muß flargestellt werden, daß die urteilsfähigen beiden Genannten durch ihr den Traditionen des alten deutschen stärkstem Maße ablehnen. Von dem Offizierkreis haben sich die Heeres zuwiderlaufendes Auftreten und Handeln selbst gefchieden. Sie und die neuen Herren, denen fie dienen, mögen weiterhin nicht glauben, daß ihnen Gefolgschaft ehemaliger Untergebener befchieden Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Man wird also allen Ernstes fragen müssen, gilt das, was der " Deutsche Offiziersbund" von Deimling und Schönaich sagt, auch für Ludendorff? Wenn ja, dann sind Frontbann und Frontring pleite und Ludendorff ist ein General ohne Offiziere. Sehr bedauerlich! Denn wo bleibt dann der Befreiungsfrieg? Oder gedenkt Erich Ludendorff auf dem Wege des Bürgerfrieges der Republik und dann dem Wittelsbacher mit seinen 36 Generalen auf den Leib zu rücken, ehe er die schwarzweißrote Fahne siegreich über den Rhein trägt? Ein bißchen viel Arbeit vor der Entscheidungsschlacht. Die Schwie rigkeiten türmen sich vor dem alten Herrn allmählich zu Bergen auf und es ist zu befürchten, daß ihm der lezte Primaner wegläuft, wenn das so fort geht. Die Getroffenen. Man hört nicht gern seine Schande. Der Aufruf des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold zur Wah! hat einen Wutfchret bei den angegriffenen reaktionären und monarchistischen Parteien hervorgerufen, ebenso bei der Deutschen Boltspartei, der unverhohlen die Wahrheit gesagt wurde. Unter dem Eindruck dieses Aufrufs haben die deutsch- volksparteilichen Abgeordneten v. Campe, Dr. Leidig, v. Eynern und Buchhorn folgende kleine Anfrage an die preußische Staatsregie rung gerichtet: " Nach Zeitungsberichten hat der Vorfikende des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Hör. fing, einen Wahlaufruf an die Mitglieder des Reichsbanners er laffen, in dem es unter anderem heißt: Nieder mit den monarchisch- reaktionären Deutschnationalen und Deutschvoltsparteilern, den Bölkischen und den verräterischen Kom munisten, die unser Bolt und Land an den Abgrund gebracht haben und dies treu vereint fortfehen." Ist das Staatsministerium mit diefem politischen Vorgehen des Herrn Oberpräsidenten hörsing einverstanden? Ist es insbesondere der Ansicht, daß sich ein derart unerhörter Angriff gegen eine Partei, der Minister der zurzeit bestehenden Regierung angehören, mit den Pflichten eines leitenben po mit Rücksicht darauf, daß die Uebergangszeit zwischen den beiden litischen Beamten vereinbaren läßt? Ist die Regierung Landtagen wie den Ministern so auch den politischen Beamten die Bilicht zur besonderen Zurückhaltung in politischen Maßnahmen und Aeußerungen auferlegt und mit Rücksicht darauf, daß man nad diefem Borgehen z: der Person des Herrn Hörfing sin entsprechendes Bertrauen nicht haben fann, bereit, Herrn Hörfing alle agitatorischen Rundgebungen zu verbieten?" Es ist richtig, daß in der Deutschen Bolkspartei Monarchisten und Reaktionäre fizzen, siehe das Auftreten des Herrn einze aus Sachsen. Es ist richtig, daß die Volkspartei sich nicht unver hohlen zur Republik befennnt. Es ist richtig, daß die Boltspartei zu den Parteien gehört, die bis zum Zusammenbruch wirtfame Maßregeln gegen den Währungszusammenbruch sabotierf und Land und Bolt bis an den Rand des Abgrundes gebracht haben. War nicht Stinnes ihr Mitglied? Es ist aber auch das gute Recht eines Beamten, eine politische Meinung zu haben und zu sagen, namentlich ist es ſein Recht, zugunsten der Verfassung und der Republik feine Meinung zu sagen gegen ihre Feinde und gegen alle unsicheren Kantonisten wenn fie auch Regierungspartei sind. Warum plötzlich so große Aufregung in der Volkspartei, wenn ein leitender politischer Beamter" sich für die Republif einfegt? Oder ist es nur dem Reichsaußenminister Strefemain erlaubt, politische Reden zu halten für die- Hohenzollern? Schutzpolizei und Republik. Forderungen, die noch zu erfüllen find. Die Klagen der Polizeibeamten über zu geringe Befol= dert, daß die Polizeibeamten überhaupt aus Gruppe II beraus dung sind durchaus berechtigt. Die Sozialdemokratie for= genommen werden. Dem steht das Reichsrahmengesetz im Wege, das die Einstufung von 25 bis 40 Proz. der Polizeibeamten in Grupe II fordert. Es gilt deshalb, das Reichsrohmengeses zu ändern. und hierfür durch eine entsprechende Zusammensetzung des form= den Landtags und Reichstags zu sorgen. Befehl aus Moskau: Bütteldienst für die Reaktion! parlament am Mittwochabend Arm in Arm mit den Böllischen Die Kommunisten haben im Bielefelder Stadt= schen Bürgermeisters Genoffen Röllner gestimmt und und Deutschnationalen für den Ab bau des sozialdemokrati mit ihren vier Stimmen den Ausschlag für den Abbau gegeben. Sie begründeten ihre arbeiterfeindliche Haltung damit, daß von nun an auch in Bielefeld die Bolschewisierung der Kommunistischen Partei in die Wege geleitet werden soll. Damit sind sie auch in Bielefeld zum Büttel der Reaîtion geworden, obwohl bis dahin in allen Beratungen, die feit 3 uni d. 3. über den Abbau des Genossen Köllner stattgefunden haben, die kommunistischen Stadträte stets die Erklärung abgegeben, daß sie niemals ben reattionären Parteien beim Abbau Köllners Helfersdienste leisten würden. Das geschah auch in sämtlichen vier Ausschußsizungen. Vor der Enischeidung im Stadtparlament selbst sind aber Gebeiminstru? tionen der Zentrale der KPD. an die Bielefelder Komar munalvertreter ergangen, in denen ausdrücklich erklärt wurde, daß folche sentimentale Dummheiten wie die Berhinderung des Abbaues eines sozialdemokratischen Bürgermeisters nicht mehr gemacht werden dürfen. Von Moskau tam vielmehr der ausdrückliche Befehl an die Bielefelder Kommunisten, daß Köllner zu Fall gebracht werden muß. Noch während der Stadtverordneten fizung fam ein Sendling der Zentrale, der tommunistische Landtagsabgeordnete Rogg, in Bielefeld an, um den vier Pommunistischen Stadtverordneten im Beratungszimmer des Rate hauses ein letztes Mal einzuheizen. Die Bielefelder Arbeiterschaft, unter der die Erregung über diese Haltung der Kommunisten groß ist, wird den Moskauern die Rechnung am 7. Dezember begleichen. Die Arbeiterschaft des Reiches aber sollte aus dem Bielefelder Fall ersehen, daß die Wahl ven Kommunisten nichts anderes bedeutet als eine Stärkung der Reaktion. Aus dem Wahlkampf. Es stellt sich heraus, daß die famose„ Ciberale Vereini der Deutschen Boltspartei ist. Das„ Biegniter Tageblatt" läßt sich gung der Herren Schiffer und Genossen nur eine Vorstellung aus Berlin über die Borgeschichte und den Zweck dieser Vereinigung melden: Die Gründung einer liberalen Bereinigung ist, wie unser Berliner Bertreter aus bestunterrichteter Quelle erfährt, auf die persönliche Initiative Dr. Stresemanns zurückzuführen. Nach langen Beratungen mit den Führern der Deutschjen Bolkspartei murde den ausgeschiedenen demokratischen Abgeordneten nahegelegt, nicht ohne weiteres in die Deutsche Bolkspartei überzutreten, sondern eine liberale Vereinigung zu gründen mit dem Zweck de rechtsstehenden Demofraten, die mit ber Bolitit der bemokratischen Reimslags frattion nicht einverstanden sind, aufzunehmen ge= fchloffen der Boltspartei zuzuführen. Die liberale Bereinigung soll fünftighin eine Brüde bilden zwischen Der Boltspartei und den rechtsgerichteten Demofraten. Aus diesem Grunde werden auch einige der aus= geschiedenen Demokraten von der Deutschen Bolfspartei bei der Reichstagswahl an sicherer Steie aufgestellt werden, damit fie späterhin als Berbin= dungsmänner dienen fönnen. Diese Abgeordneten sollen gleichzeitig die Kerntruppe zur Bildung einer großen liberalen Bartet werden, die under Abstoßung des info Flügels der demokratischen Partet die Deutsche Voltsvartei und den rechten Flügel der Deutschdemokratischen Partei umfaffen soll." Eine feine Bereinigung, so eine undefinierbare Mischung aus Quaaz- Maretzkyscher Mandatsjägerei und Sinowfewscher Zellen tattit! Auf diefer Grundlage eine große liberale Partei" mit der Volkspartei, deren Ziel die Bernichtung des Liberalismus ist? Aber die politische Perversität war immer das Rennzeichen einer gewissen Spielart von Liberalen in Deutschland. Der Landesausschuß der Deutsch nationalen Bolts. parteim Baben hat befchloffen, unabhängig von einer etwaigen anderen Stellungnahme im Reiche und in anderen deutschen Ländern mit der Deutschen Volkspartei, dem Badischen Landbund und der Wirtschaftsbereinigung Ver= handlungen zu führen, um einen gemeinsamen Wahl= vorschlag für die Reichstagswahlen zu erzielen. Wenn die eine oder ble andere Gruppe bem Zusammenschluß nicht zustimmen sollte, sollen die Verhandlungen mit den übrigen weitergeführt werden. Der Rhythmus des Zeichners. Alfred Kubin, der geniale Graphiker, der schon so manche feine Beobachtung aus dem Reich des unbewußten schriftlich festgehalten hat, äußert sich im neuesten Heft des Piper- Beten" über die Art fenes Schaffens und unter fcheidet dabei zwischen Rhythmus und Konstruktion. Der Rhythmus ist der unbewußt von selbst sich einstellende Bug der Hand, den dann zur Vollendung des Kunstwerks die Konstruktion, der klare Formgedante, folgen, muß. Auf unerklärliche, duntie Weise", fchieibt er, teilt sich der Rhythmus den Strichen, die über das Papier fegen oder forgfam hingefent werden, als Schwung oder Hemmung mit und verleiht o der Beichnung jene unverwechselbare Prägung, die wir als persönlich" empfinden. Aehnlich wie bei den Handschriften kann man auch hier fagen, soviel zeichnende Hände, soviet Rhythmus. Also schon in der angeborenen Begabung wurzelt der Rhythmus, und leberung wird ihn mehr oder weniger bereichern, schmiegsamer oder starrer machen, unter Umständen bis zur Manier. Dem Ruls schlag des Menschen verwandt, enthüll et dem Kundigen marches von den feelischen Eigenschaften des Künstlers, daher liegt im Rhyth mus auch die geheime Anziehungskraft, die verwandte Seelen zuein ander zwingt. Die zahllosen, durch die ganze Anlage ir der Bergangenheit des Künstlers begründeten Eindrücke haben in dieser Handschrift" ihren Niederschlag zurückgelassen. Der Beschauer ahnt gemacht worden ist, so liegt das nicht zuletzt daran, daß der preußte halten. Darf er in seinem Wahlkreis Liegniß nicht mehr aufsteigert Liniengefüge, das diese geheimnisvollen Grundformen trägt, entsteht dann durch das konstruktive Element des Schaffens, das mit Den Rhythmus zur Einheit verschmolzen wird, Die Geschwindigkeit der Sonne. Die Bestimmung der Bewegung unserer Sonne und damit des ganzen Planetersystems im Raume beschäftigt die Astronomen schon seit langem, und immer nieber find neue Berechnungen angeftalt worden, um dieses schwierige Problem zu lösen. Man hatte als Belwindigkeit der Sonnen bewegung schließlich benar por 29 Rilometern in der Gefumbe Wert von 20 herausgerechnet, wonach die Sonne fich also im Bergleich zu anderen Sternen ziemlich langjam vorwärts bewegt. Wie im letzten Heft der„ Astronomischen Zeitschrift mitgeteilt wird, fomnien nun die reuesten Untersuchungen über die Sonnenbemegung von Balamowly und Samoilowa zu dem Ergebnis, baß die bisher angenommene Sonetengeschwindigkeit zu groß ist und daß die Geschwindigkeit der Conne nur mit 15 Kilometern pro Gefunbe anzurehmen ist, Weber Goethes Farbenlehre werdett in der Berliner Urania" fechs Borträge mit ausführlichen Demonstrationen gehalten werden, bie Der Goetheforscher Rudolf Meyer am Sonnabend, abends 7 Uhr, mit dem Thema beginnt: Wissenschaft und Stunit, zwet traite des Menschen gum Erleben der Well". Die Vorträge follen nicht nur in Goethes, natuur wiſſenſchaftliche Dentweise einführen, sondern auch Einblide in sein dichterisches wissenschaftliche Dentweise einführen, sondern auch Einblide in sein dichterisches und künstlerisches Schaffen geben. Auf dem preußischen Zentrumsparteitag erklärte der Vorsitzende Abg. Dr. Porfch ganz offen, es fei lediglich der Sozialdemo. tratie in der preußischen Regierung zu verbenken, daß im größten Bundesstaat die Ruhe erhalten blieb und der Politit der Reichsregierung ein fester Rückhalt gewährt wurde, während es in anderen Ländern gärte. Mit einem deutschnationalen Innenminister wäre das unmöglich zu erreichen gewefen. Wenn Preußen zu einer wirklichen Ordnungszelle im Reich Die Deutsche Tageszeitung" tobt vor Wut gegen den Genossen Scheidemann, der gestern morgen in unseren Leit artikel den Deutschnationalen einer Spiegel vorgehalten hat. Eie flagt über mangelnben guten Ton". Das liegt nun nicht aut Scheibemann, fondern an der deutschen Sprache. Schon Riccant de la Morlinière fand, daß fie eine plump Sprat" sei, weil sie einen Betrüger einen Betrüget nenne. * Herr Hergt hat seine erste Wahlrede in Karlsruhe ge= utreten? Er erklärte, die Wahlen in Deutschland feien sinnlos, nutlos und schädlich für das deutsche Volk. Die Wahlen feien un. nötig, well man die Lösung, die der Wunsch des Bolkes war, die Berbreiterung der Regierung nach rechts und Betrauung der stärksten Partei mit der Regierungsbildung auch ohne diese Wahlen hätte finden müssen. Herr Hergt wird sich am 7. Dezember über den Wunsch des Voltes wundern! Die Schußpolizei, so wie sie heute ist, wurde nach dem Krieg im wesentlichen von Severing und seinem Mitarbeiter Dr. Abegg gefchaffen. Die preußische Schußpolizei steht fest zur Weimarer Verfassung. Severings Ziel ist, eine Derfaffungstreue zivlle Polizei zu schaffen. Die ersten Schritte dazu sind getan. Worauf es vor allem ankommt, das ist eine Ergänzung der Beitung der Schußpolizei von unten her. Die sozialbemo tratif de Frattion des Landtags forderte deshalb auch, baß mindestens 50 Proz. der zu Offizieren Beförderten aus den unteren Boltsschichten kommen müssen. Zur Hebung des geistigen Niveaus soll das Polizeischulwesen ausgebaut werden. Es ist interessant zu beobachten, daß die Deutsch nationalen und die Deutsche Bolts partei im Reichstag für einen Ausbau des Reichswehr schulwesens geftimmt, im 2 andtag dagegen die zur Organisation des Polizeischulwesens notwendigen Schulleiterstellen abgelehnt haben. Die Reaktion will eben nicht Schuhleute im modernen Sinn, Freunde und Beschützer aller Hilfsbedürftigen, sondern nur Büttel und Knechte. Wie mit dem Polizeischulwesen, so steht es auch mit dem durch Deutsch nationale und Deutsche Boltspartei, Roalitionsrecht der Polizeibeamten: ftrifte A blehnung on der Rechtsregierung wird denn nicht mehr die Rede faim 5am burg klingt den Deutschnationalen schon in den Ohren wie Die Drommele des Gerichts! Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe. gestern abend in elfter Stunde folgenden Schiedsspruch gefällt; Das vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schiebet hat 1. Der tariftide pigenlohn wird vom 1. November 1924 bis zum 2. Januar 1925 auf 37 D. festgefeßt. Falls nicht bis zum 24. Dezember d. 3. die Kündigung diefer Bohnregelung aus gesprochen wird, läuft sie bis zum 31. Januar 1925. 2. Erklärungsfrist bis zum 3. November 1924. 3. Es wird den Arbeitgebern empfohlen, den in der Zeit vom Arbeitnehmern 3,40 m. in der Spitze je Woche nachzuzahlen. 18. bis 81. Oftober 1924 in ihren Betrieben beschäftigt gewefenen M. Gewerkschaftsbewegung Die Gewerkschaften während der Inflation. fchrieben: Von der Statistischen Abteilung des ADGB. wird uns geUnter dieser Ueberschrift bespricht der Vorwärts" in Nr. 506 den Inhalt des Jahrbuches des ADGB. für 1923, der sich auf Lohne politik und Lohntämpfe bezieht. Diese Besprechung enthält leider zwei Hinweise, die geeignet sind, eine falsche Beurteilung des Charakters der mit diesem Teil in Verbindung stehenden Statistiken zu erwecken. Es heißt in bezug auf die Lohnstatistik: Diese zusammen stellung hat zwei wesentliche Fehlerquellen. Sie gibt feinen ge= mogenen, sondern nur einen rohen Durchschnitt und sie läßt außer Betracht, daß nur ein Bruchteil der Arbeiterschaft die angeführten Löhne erhielt, während die Mehrheit auf Arbeitslosenunterstützung oder Kurzarbeiterlohn angewiesen war. So kommt das Elend der Inflation mur sehr unvollkommen zum Ausdruck." Zum Liegnitzer Böttcherstreik. Tariffonflikt im Versicherungsgewerbe. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Wie uns vom Verband der Böttcher geschrieben wird, ist endlich auf Anordnung des preußischen Handelsministers die Technische Nothilfe am Dienstag aus den Liegnitzer Sauerkohlfabriken durch den Regierungspräsidenten zurückgezogen worden. Der Regierungspräsident sagt in dem Schreiben an den Vorsitzenden der Lieg rungspräsident sagt in dem Schreiben an den Vorsitzenden der Leg- hängig niger Bahlstelle des Böttcherverbandes, dies sei geschehen, nach dem der Verband der Böttcher, Bezirk Liegnig, das Instandsetzen undicht gewordener Bottiche und Lagerfässer als Notstandsarbeiten aner fannt... hat." Tatsächlich hatte sich der Böttcherverband dazu von vorn= herein bereit erklärt und gerade diese Arbeiten sind megen technischer Unfähigkeit von den" Nothelfern" nicht ausgeführt worden. Der Böttcherverband hatte es aber abgelehnt, Export fäffer mit gegore tem Eouerfohl zu verböttchern. Fässer zum Export find in allen Faßhandlungen usw. zu haben. Aber die Meister in Breslau und Umgegend zahlen 65 Pf. die Stunde, während die Liegnitzer Herren einen Spruch mit 50 Pf. abgelehnt haben, worauf die Meister im Böttcherberuf gar nicht daran dachten, den Einlegereien beizuspringen. Vielmehr sagten fie: 3ahlt euren Böttchern auch den Innungslohn!" und diese Arbeit hat die Tend bis zum letzten Tag verrichtet, d. h. ausgesprochene Streitbrecherarbeit. Jetzt sind eine Reihe dieser Teno- Leute als offene Streifbrecher von den Unternehmern übernommen worden. Durch das Hervorkehren dieser Fehlerquellen" wir der Lohnstatistik ein Charakter zugeschrieben, auf den fie gar feinen Anspruch erhebt. Sie hat nicht die Erforschung des wirklichen Lohneintommens zum 3wed, sondern bringt lediglich„ Die Entwid lung der tariflich festgelegten Zeitlöhne" zur Darstellung. Die Zusammenstellung der Tariflöhne wird nicht dadurch zu einer fehlerhaften, weil sie feine gewogene Durchschnittszahlen Wir wiederholen, was wir gleich zu Beginn dieses Konflikts enthält und auch Beschäftigungslosigkeit unberücksichtigt läßt. Es ist gesagt haben: Es müssen endlich im Einvernehmen mit den Gewerkin der Beschreibung der Statistik ausdrücklich darauf hingewiesen, fchaften flare Richtlinien ausgearbeitet werden, die verhindern, daß es feine Einkommenstatistik ist, die Durchschnittszahlen über daß die Technische Nothilfe eine vom Staat unterhaltene Organi dem allgemeinen Lohnniveau liegen und nur als Meßziffern be- iation des Streifbruch's wird. Das Vernünftigste wäre, die nutzt werden können. Diese Vorbehalte wurden gemacht, um einer Technische Nothilfe überhaupt zu beseitigen. Sie hat heute feine irreführenden Auslegung der Statistit vorzubeugen. Es ist bedauer- Existenzberechtigung mehr. Wenn die Monarchie ohne sie auslich, daß es troßdem im Vorwärts" geschehen ist. Die Darstellung tommen fonnte, muß es auch die Republik können. Aber wenn man der Tariflöhne ist nicht zur Kennzeichnung der Inflation unter sich dazu noch nicht entschließen kann, dann muß man wenigstens den nommen, sondern als dauernde Einrichtung gedacht, zu dem haupt- Einsatz der Technischen Nothilfe auf ganz bestimmte Fälle beschränken, fächsten Zweck, für die Gewerkschaften eine wichtige Grundlage zur die zu bestimmen nicht den icfalen Einflüssen ausgesetzten RegierungsBetreibung ihrer Lohnpolitik zu schaffen. Gewiß wäre es wün- präsidenten allein überlassen werden darf. Zum mindesten ist die schenswert, das tatsächliche Arbeitseinkommen zu erfassen, doch Zustimmung einer paritätischen Kommission erforderlich, deren Mitstehen solchen Erhebungen große Schwierigkeiten entgegen. glieder selbstverständlich nicht am Konflikt direkt beteiligt sein dürfen. Go, wie bisher, fann es jedenfalls nicht mehr weitergehen! " Des weiteren wird in der gleichen Abhandlung über die Statistik der Lohnbewegungen, Streits und Aussperrungen gesagt, daß diese sucht zu unterscheiden zwischen Lohnbewegungen, die eine Erhöhung des Reallohns zum Ziel hatten und solchen, die nur einen Ausgleich für die eingetretene Teuerung herbeiführen sollten". Das ist eine falsche Auslegung. In der textlichen Darstellung dieser Statistik ist von einer solchen Unterscheidung nicht die Rede. Sie wäre gar nicht durchführbar wie der Vorwärts" felber sagt und zugleich auch finnlos. Sämtliche während der Inflationzeit ge= forderten Lohnerhöhungen erschöpften sich lediglich darin, einen Ausgleich für die Geldentwertung herbeizuführen. Ein Ziel, das leider nie erreicht wurde, trotz aller Kraftanstrengung der Gewerkschaften. -O * " Es ist uns nicht recht verständlich, welcher Unterschied besteht zwischen der Erforschung des wirklichen Lohneinfommens und der Darstellung der Entwicklung der tariflich festgesetzten Zeitlöhne. Diese Löhne tönnen doch nur dargestellt" werden, wenn sie wirtlich ermittelt sind. Wenn von 20 Arbeitern 8 einen Stundenlohn Don 40 Bf., 5 von 50, 3 von 60, 2 von 70 und 2 von 80 Pf. die Stunde haben, dann ist der gewogene Durchschnittslohn 56,5 PBf., der rohe 60 Pf. Je nachdem ob eine fleine oder eine große Gruppe eine Loh erhöhung durchsetzt, wird sich der wirkliche Durchschnittslohn verschieben. Will man also die Entwicklung der tariflich festgesetzten Zeitlöhne darstellen, so muß man auch diese Verschiebungen entsprechend berücksichtigen. Sonst ist es besser, man verzichtet auf eine Statiftit. Ebenso ist es mit den MeBziffern, die, wenn fie wirtliche Meßziffern sein sollen, die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit be. rüdfichtigen müffen. Wenn es dann in der Erwiderung noch heißt, daß die Darstellung der Tariflöhne nicht zur Kennzeichnung der In flation, fondern als dauernde Einrichtung gedacht ist, so verstehen wir einfach den tonftruierten Gegensatz nicht. Wenn die dauernde Einrichtung die Entwicklung während der Inflation nicht berüdsichtigt, dann ist sie wertlos. Soweit die Statistik der Lohnbewegungen in Frage tommt, wird uns eine falsche Auslegung des Berichts vorgeworfen. Auf Seite 81 heißt es jedoch: Im Gegensah zu den Vorjahren sind alle Borgänge, die nur neue Lohnfestsetzungen als Ausgleich gegenüber der Geldentwertung betrafen, und sich auf Grund be stehender Tarifverträge abfpielten, als eine einheitliche Be megung" gezählt und die gleichen, wiederholt an diesen Lohnerhöhungen beteiligt gewefenen Berfonen nur einmal nach ihrer Höchstzahl in den Betrieben aufgeführt worden." Gewiß wären, wenn man sämtliche Lohnbewegungen angeführt hätte, phantastische Zahlen herausgekommen, aber diese Zahlen hätten nur der Wirklichkeit entsprochen, während die in dem Bericht aufgeführten Zahlen davon feine Vorstellung geben. So ungeheuerlich diese Zahlen auch sein mögen, so gibt ihre Aufzählung allein ein richtiges Bild von den Lohnfämpfen des Jahres 1923, während z. B. die im Kaffenbericht enthaltenen Papiermartzahlen ganz finnlos find, weil sie sowohl Papiermark vom Anfang des Jahres mit Papiermark nach dem Zusammenbruch der Mart unterschiedlos durcheinanderwerfen. Gewiß ist hier eine Unter fcheidung nicht oder fo qut wie nicht möglich. Aber wenn man schon diese sinnlosen Zahlen anführt, dann hätte man auch zumindest die Zahlen anführen müssen, die von der erschöpfenden Arbeit der Gewerkschaften im Jahre 1923 erst eine richtige Vorstellung geben fönnen. Geschäftszeit 9 bis 7 Uhr Die KPD.- Zentrale gegen die Gewerkschaften. Die Kommunistische Partei spekuliert natürlich auch auf die Ausschlachtung der Lohnbewegungen für ihre russischen 3wede: „ Es ist ohne weiteres klar, daß die Cohnkämpfe die Bewegung für die gewerkschaftliche Einheit( wie sie die KPD.- 3entrale auffaßt! Red. d.„ V.") gewaltig fördern müssen." Eine Aktion werde in vielen Fällen verhindert, weil den Gewerkschaften die„ revolutionäre Führung" fehlte. Wer siegreiche LohnUnorganisierten in die freien Gewerkschaften und ein Kämpfer für bewegungen führen wolle, müsse ein Agitator für den Beitritt aller die Eroberung der Gewerkschaften durch das revolutionäre Profetariat ſein*. „ Es darf in der Gewerkschaftsarbeit kein Nachlassen im Tempo geben.... Alle Fraktionen und Betriebszellen müssen dafür sorgen, daß der Beschluß des Zentralausschusses durchgeführt wird, ohne daß der Partei ein Mann verloren geht. Lebendige Aktivität( im Sinne der Kommunistischen Partei! Red. d.„ V“.) und selbständige Initiative(!) müssen von unseren Genossen in diesen Wochen mehr denn je entfaltet werden. So allein ist es möglich, die Beschlüsse der Partei zu erfüllen und das verräterische Spiel der Amster damer für immer zu erledigen." Der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen hatte die Verlängerung des bestehenden Reichstarifvertrages um ein weiteres Jahr von der Anerkennung verschiedener Verschlechterungen der allgemeinen Bestimmungen durch die Angestelltenverbände abhängig gemacht. Dieses Anfinnen des Arbeitgeberverbandes ist vom Zentralverband der Angestellten und den übrigen am Reichstarifvertrag beteiligten Angestelltenverbänden einmütig abgelehnt worden; darüber hinaus wurde in einer Reihe von Punkten die Aufhebung des in den letzten Jahren erfolgten Abbaus der früheren Rechte der Angestellten gefordert. Daraufhin hat nun der Arbeitgeberverband deutscher Versicherungsunternehmungen den Reichstarif 1924 auch formell zum 31. Dezember 1924 gekündigt und noch weitergehende Abbauforderungen in Aussicht gestellt. Ernste Tariffämpfe im Versicherungsgewerbe stehen wieder eins mal bevor. Die Herausforderung des Arbeitgeberverbandes müffen auf den letzten Mann organisieren. die Versicherungsangestellten dadurch beantworten, daß sie sich bis Das Innungsschiedsgericht weiß von nichts. Von den Arbeitsgerichten genießen die leider immer noch bes stehenden Innungsschiedsgerichte das wenigste Vertrauen. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, daß dieses Mißtrauen durchaus berechtigt ist, lieferte das Schiedsgericht des Innungsaus schusses für das Baugewerbe in Steglih. Der Maurer Born hatte gegen die Baufirma Ge brüder Meier aus Treptow auf Grund tariflicher Bestim mungen eine Puzzulage zu erhalten. Die dafür zuständige Tarifinstanz hatte den Anspruch anerkannt und die Beklagte zur 3 ahlung berpflichtet. Da die Firma den Schiedsspruch dennoch nicht erfüllte, mußte der Baugewerksbund im Auftrage des Klägers beim zuständigen Innungsschiedsgericht eine Erfüllungsklage anhängig machen, um einen Schuldtitel zu erhalten. Das Gericht hatte als Erfüllungsgericht in diesem Falle den Streitfall nicht mehr fachlich nachzuprüfen, da er bereits von der zuständigen Tarifinstanz entschieden war. Das Innungsschiedsgericht tam dennoch aus fachlichen GrünVorsitzenden wurde neben allen unmöglichen Ablehnungsgründen den zur Abweisung der Klage. In der Begründung des auch die Ablehnung der Klage hauptsächlich damit begründet, daß im Baugewerbe in Berlin feine tarifliche Regelung des Arbeitsverhältnisses bestehe, da der Tarifvertrag am 31. März 1924 abgelaufen ist. In Wirklichkeit aber ist durch Schiedsspruch des Schlichters ven Berlin der alte tarifliche 3ustand in diesem Punkte wieder hergestellt. Wenn dies der Vorsitzende des Steglitzer Innungsschiedsgerichts nicht wußte, mußten es die Bcifiber auf Arbeitgeberseite dech wissen. Um den Arbeiter um seinen tariflichen Anspruch zu bringen, anstatt ihm dazu zu verhelfen, brauchte fich das Innungsschiedsgericht nicht erst zu bemühen. Oder glaubt man sich über die bestehenden Gesetze hinwegsehen und sich ein bes beruhende Entscheidung des Stegliger Innungsfonderes Recht schaffen zu können? Nun muß erst Berufung beim ordentlichen Gericht eingelegt werden, um die auf unfenntnis fchiedsgerichts zu forrigieren. Entschließungen der christlichen Textilarbeiter. Eine Konferenz von Delegierten der Ortsgruppe des linfen Niederrheins in Krefeld faßte einstimmig zwei Entschließungen. In der ersten wird zur Arbeitszeitfrage festgestellt, daß die Regelung der Arbeitszeit, wie sie durch die Schiedssprüche feit Jahresfrist erfolgte, nicht den Bedürfnissen der Industrie und im Interessen der Arbeiterschaft entspricht. Es wird die baldige gesehliche Fest fegung des Achtstundentages gefordert, des freien Samstag Nachmittags und angemesse= ner Ferien. Das Washingtoner Abkommen müsse gleichzeitig von allen Mächten ratifiziert werden. Die zweite Entschließung bezeichnet die gegenwärtige Erwerbslosen fürsorge als gänzlich unzureichend; fie müsse durch eine, Erwerbslosenversicherung ersetzt werden. Jeder un= verschuldete Erwerbslose( dazu zählen auch Ausgesperrie. Red. d.„ B.") müsse vollen Anspruch auf ausreichende Entschädigung haben. Achtung, Tapezierer und Näherinnen! Kann es ein verräterifcheres Spiel geben als die Berlegung der kommunistischen Barteiagitation in die Gewerkschaften? Gibt es eine größere Miederträchtigkeit als die unverblümte Absicht, unter dem Vorwand der Einheitsfront die kommunistischen Parteisendlinge in die Gewerkschaften zu treiben, um die Grundlagen der ganzen Gewertschaften zu zer. stören, die neinigteit in die Reihen der Gewerkschaften zu tragen, die Gewerkschaften I a hm zu legen in einer Zeit, wo sie aller Kräfte bedürfen im Kampfe um günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen? Kann noch offener und unverschämter das kommu= nistische Treiben gegen die Gewerkschaften angekündigt werden, wie hier in der Roten Fahne"? Hat die nach Moskau orientierte, dur ch und durch torrumpierte Partei den Gewerkschaften nicht schon genug Schaden zugefügt, als daß die Gewerkschaften sich ihre erbärmliche Quertreiberei noch weiter gefallen lassen könnten? Den strupellosen Burschen muß das Konzept verdorben werden, ihr offenbar verräterisches Spiel muß entlarvt und ihre Agenten müssen hinausgeworfen werden, sobald sie sich herausnehmen, anstatt der Gewerkschaftsarbeit fommunistische Parteigeschäfte in den Gewerkschaften zu betreiben. Mit diesen Mauhelden werden die Gewerkschaften fertig zu werden wissen. Jedem an ständigen Arbeiter aber, der heute noch der KPD. nochläuft, muß flar gemacht werden, daß machen. Weiter weisen wir die Bezirksleitungen nochmals darauf hin, daß diese Partei nur die Geschäfte der Reaktion be. sorgt. Die heute nachmittag 4 Uhr im Gewerschaftshaus, Engelufer 24-25, ftattfindende öffentliche Versammlung, die Stellung nimmt zu dem ablehnenden Verhalten der Unternehmer in der Tarif- und Lohnfrage, wird pünktlich eröffnet. Die Kollegen haben unter allen Umständen den Betrieb so frühzeitig zu verlassen, daß das Versammlungslokal um 4 Uhr erreicht ist. Kollegen und Kolleginnen! Reigt den Unternehmern, daß Heinliche Bebenken Euch nicht hindern können, das Opfer eines Stundenlohnes zu bringen, wenn es gilt, Unternehmerwill. für zu brechen. Da wichtige Beschliffe at faffen find, liegt es im Intereffe jedes einzelnen, an der Versammlung pünktlich zu erscheinen. Deutscher Holzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter: Funktionärer sammlung heute abend 8 Uhr im Lokal von Heinrich, Große Frankfurter Straße 30. Am gleichen Tage 6 Uhr in demselben Lokal Rommiffionssikung. Adtung, Zimmerer! Sonnabend für den Bezirk 10( Moabit) äußerst wichtige Bezirksversammlung bei Marr, Bredowstr. 11. Alle Kameraden werden ersucht, die Mitglieder des Bezirks 10 auf diese Versammlung aufmerksam zu am Gonnabend, den 8., oder Sonntag, den 9. November, in allen Bezirken Der Vorstand. Bersammlungen anzusehen sind. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales In dem Bergwerfsgebiet in Süd- Sardinien um Iglesias und Sonstiges: Fris Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. herum streifen etwa 15 000 Bergarbeiter wegen Lohnstreitigkeiten, Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68 Lindenstraße 3. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei die durch Lebensmittelteuerung verursacht worden sind. Hierzu 3 Beilagen. Kleider- Vertrieb GB b. H. Kommandantenstr. 80-81, Warschauer Str. 33, Frankfurter Allee 82, Neukölln, Berliner Str. 47-48 Bor. Müllerstr. 181 Geschäftszeit 9 bis 7 Uhr Herren- Winter- Ulster in reicher Auswahl und verschied. mod Ausführungen. 125.- 105.85.77.68.- 55.- 45.- 36.Herren- Sakko- Anzüge in vielen modernen Stoffarten. Vorzügliche Paẞform 125,-85.- 70.- 60.- 48.- 35. Burschen- Winter- Ulster Burschen- Anzüge 24.⁰⁰ 29 50 vorzügl. warmer Stoff mit Abseite in verschiedenen Mustern 3950 2250 etten 0 Damen- Hemden Trägerform... 1.85 1.65 125 Damen- Schlüpfer mit angerauhtem Futter 3,50 320 Damen- Beinkleider bw. Flanell mit Langu3,50 310 Damen- Unterröcke bw. Flanell. Damen- Unterröcke bw, Flanell mit Languetten 400 Herren- Einsatz- Hemden. 240 Herren- Unterhosen wollgemischt, gute Qualität 390 Kinder- Trikots mit angerauhtem Futter Damen- Halbschuhe Roß- Chevreau. ... von Damen- Halbschuhe Roß- Chevreau. Damen- Stiefel Chevreau und Rindbox Kinder- Strapazier- Stiefel Spaltleder von Herren- Arbeitsstiefel Spal leder • • Herren- Stiefel Rindbox, sehr preiswert Burschen- Stiefel Spaltleder. 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Vp. wegen angeblicher niften zeigten wenig Lust zu großen Reden und auch die Freude am Verhandlungen des Magistrats mit einzelnen Bezirk: n zur Ein Radau schien ihnen durch ihre Wahlsorgen getrübt zu sein. Infolge- richtung städtischer Gargverlaufsstellen fand dadurch richtung städtisches Eargverlaufsstellen fand dadurch ihre Erledigung, deffen konnte ein beträchtlicher Teil der reichlichen Tagesordnung sind. teleitet taß vom Magistrat solche Verhandlungen nicht eingeleitet Die Stelle des Stadtmedizinalrats wird ausgeerledigt werden. Die nachgeholte Abstimmung über die kommunistischrieben und die Angelegenheit vom Abbauausschuß weiter be= schen und demokratischen Anträge auf Neuwahl der Stadt= trieben werden. Ueber verordnetenversammlung ergab, wie zu erwarten ge= wesen war, die Ablehnung. Die Magistratsvorlage über die Umwandlung der 308. Gemeindeschule auf dem Wedding( Leopold: play) in eine Lebensgemeinschaftsschule ist im Ausschuß von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt worden. In der Stadtver ordnetenversammlung warb für diesen Schulreformversuch unser Genosse Kreuziger mit einer Rede, die den Gegnern der Lebensgemeinschaftsschule nichts schenkte. Scharf geißelte er die unanständige Rampfesweise der Schulreaktionäre von rechts und ihrer Bresse. Er wies die engen Beziehungen zwischen Schulreform und Jugendbewegung nach. Wie gering drüben das Verständnis für diese Dinge ist, zeigten die Erwiderungen der Redner aus dem Lager der Deutschnationalen und der Deutschen Bolkspartei. Mit den Sozialdemokraten wollen die Kommunisten für die Vorlage stimmen. Erst die nächste Sizung wird die Entscheidung bringen. In der gestrigen ordentlichen Sigung der Stadtverordnetenvir fammlung fam zunächst eine Anfrage unserer Genossen, die Praxis der Leitung des Rathaustellers bei der Einfteliung von Personal betreffend, zur Verlesung. Auch die von der sozialdemokratischen Fraktion an den Magistrat gerichtete( im Borwärts" bereits mitgeteilte) Anfrage, die Erklärung von Landflächen zu Heimstättengebieten anregt, wobei an Steingartenbauertolonien gedacht wird, ist der Verjammlung zugegangen und wird dem Magistrat zur hoffentlich baldigen Beantwortung überwiesen. Eine Reihe schon länger vorliegender Anfragen wurde erledigt. Am 30. September haben unsere Genossen die Absicht des Magistrats, bei den Arbeitsnach weisen, insbesondere in den Erwerbslofenfürsorgestellen tätige Angestellte durch abgebaute Beamte zu ersehen, die zurzeit Wartegeld empfangen und dann auf Privatdienstvertrag beschäftigt werden follen, zum Gegenstand einer Anfrage gemacht. Gen. Flatau führte dazu aus: Am 9. September hat der Magistrat, gezeichte Wege, ein Rundschreiben in diesem Sinne an die Bezirksämter gerichtet. Wenn er, wie wir hören, seine Absicht nicht durch zuführen gedenkt, so würden wir das als einen Erfolg unserer 2infrage ansehen. Es ist nicht das erstemal, daß der Magistrat in Gebiete einfällt, die seiner Beschlußfassung nicht unterliegen; die Bureaukratie hat jetzt im Magiftrat die Oberhand und versucht, verstärkt durch den uns unerwünschten Zuwachs aus Charlottenburg, immer wieder, gefeßliche Bestimmungen zu hintertreiben. Nachdem wir darauf hingewiesen haben, daß der Magistrat im Candesarbeitsamt gar nichts zu jagen hat, fcheint er ja etwas verfichtiger geworden zu sein. In der Bes gründung des einschlägigen Reichsgefehes heißt es ausdrücklich, daß in den Erwerbslolenfüt forgestellen Angestellte beschäftigt wer den sollen; wenn der Magistrat hier Beamte auf Wartegeid hinein bringos will, verstößt er, wenn nicht gegen den Wortlaut, so doch unzweifelhaft gegen den Sinn des§ 13. Erspart würde kein fennig; wohi aber würde eine Reihe weiterer Personen der Erwerbslosenfürsorge cnheinifallen. Mit uns teilen auch die Arbeitgebervertreter unsere Bedenken. Den Magistrat ersuchen wir dringend, solche Schritte in Bufunft zu vermeiden und die entstandene Unruhe zu beseitigen; wir würden sonst unserem Ersuchen noch crößeren Nachbrud geben müssen. Stadirat Brühl: Es handelt fich bloß um eine Umfrage Diese hat ergeben, daß die Mehr zahl der Bezirksämter die Maßnahme für falsch hält. Der Magistrat hat darauf davon Abstand genommen. Die Anfrage ist vom Magistrat gestellt und von Stadtrat Wege in Vertretung des Oberbürger13] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Er salutierte ungeschickt, wie ein betrunkener Soldat und nahm Bertrams Hand in seine langen, fnochigen Finger. Christy war ein langer, gelenfiger Mensch, mit glatt rasiertem Gesicht, das wegen des langen, mageren Unterkiefers und der hervorstehenden Stirn besonders häßlich wirkte.„ Eine häßliche Fraze," wie Bertram es oft gescholten hatte, aber von innen heraus erhellt durch dunkle, humoristische, nach denkliche Augen. Er war in Hemdsärmeln und gerade dabei, inmitten von schmutzigen Kragen, Socken, Pyjamas, Büchern und sonftigem Kram nach einer langen Reise ein paar Handkoffer auszupacken. Romme eben von Polen zurüd, über Berlin. Zünden Sie fich' ne Pfeife an und erzählen Sie mir alles von London, während ich diese Trümmer hier verstaue. Wie geht's Lady Joyce und der britischen Aristokratie?" Dabei jah er Bertram mit dem eigentümlichen Lächeln an, das immer zum Vorschein fam, wenn er Bertram wegen dessen Verwandtschaft mit der geschwollenen Aristokratie" neckte. Seine Eltern hatten einen ffeinen Laden in irgend einem Dorf Joyce ist wieder ziemlich wohl," sagte Bertram. Sie hatte ein Kindchen, aber es ist tot." O weh!" rief Christy mit herzlicher Teilnahme. Das ift traurig. Tut mir so leid!" " 1 Schlimm für eine Frau, erst ein Wesen zur Welt zu bringen und dann sehen zu müssen, wie es verlöscht. Hat mir zu leid getan, das zu hören, Pollard. Das ist für Sie und Ihre entzückende kleine Dame zu traurig. Ja. Aber ich, wijsen Gie. ich hätte nie den Mut gehabt, es zu riskieren. Ich hätte trübe Ahnungen gehabt." ,, Wieso denn?" fragte Bertram. die Abänderung der Ortsftatute für das Gewerbe- und Kaufmannsgericht berichtete Stadtv. Gronewaldt( Wirtschaftsp.). Die Abänderung ist notwendig geworden, weil die Berordnung über das Schlichtungsmesen vom 30. Oftober 1923 die Zuständigkeit beider Gerichte er weitert hat. Gen. Flatau befürwortete hierzu einen im Verein mit dem Zentrum gestellten Antrag, die Beisitzerwahlen erneut zu verschieben, mobei er sich auf die Zustimmung sowohl des Reichsar beitsministeriums als des preußischen Handelsministers für eine Antrag, der die Wahlperiode von drei Jahren auf fünf Jahre, erftsolche Maßnahme berufen fonnte. In diesem Sinne empfahl er den malig bis Ende 1926, verlängern will. Dr. Caspari( D. Vp.) atzeptierte die Verlängerung der Wahlperiode auf 5 Jahre, lehnte zeptierte die Verlängerung der Wahlperiode auf 5 Jahre, lehnte aber die Verlängerung der Mandatsdauer der jetzigen Inhaber ab. Der Magistratsvertreter hielt auch an der Vorlage fest; auch der Oberpräsident stehe auf dem gleichen Boden. Flatau hielt beiden entgegen, daß im vorigen Jahre die Verlängerung der Wahlperiode auch von der DVP. angenommen und vom Oberpräsidenten bestätigt worden ist. In der Abstimmung wurde die allgemeine Verlängerung der Wahlperiode auf 5 Jahre angenommen, die Ausdehnung auf die derzeitigen Mandate aber mit 103 gegen 84 Stimmen abgelehnt. Auf Antrag Flatau wird noch eine dritte Lesung der beiden Borlagen vorgenommen werden. Das Statut für die an der Technischen Hochschule zu Berlin zu errichtende städtische Stipendien stiftung sieht die Verfügung über die Zuteilung der Stipendien Gen. durch den Senat der Hochschule vor. Unsere Genossen wollen der Stadt eine Mitwirtung gewährleisten und haben einen Ausschuß vorgeschlagen, der aus 2 Magistratsmitgliedern, 4 Stadtverordneten und 6 Eenatsvertretern bestehen foll; eventuell soll die Hälfte genügen. Diesen Antrag empfahl Flatau, während Bürgermeister Scholz und die Redner der Rechtsparteien für die Vorlage sprachen. Die Abstimmung wurde auf die nächste Sizung Die Abstimmung wurde auf die nächste Sizung Die Beschaffung eines Planetariums verschoben. = 1 ron der Firma Zeiß in Jena für 300 000 m. wurde genehmigt. Die Vorlage wegen Gründung der Berliner Milchverfor= gurg 3. m. b. 5) ging an einen Ausschuß. Uni 7 Uhr hatte die Versammlung die in der vorigen Sitzung verschobenen Abstimmungen vorgenommen. Die Anträge der Dem. und der Komm. auf Auflösung der Bersammlung wurden mit beträchtlicher Mehrheit abgelehnt; gegen die Antragsteller lehnte die ganze Lersammlung auch den intrag der Komm. ab, das Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegen den früheren Stadtrat Stolt nicht zur Kenntnis zu nehmen. Zu der ohn= regelung der stäbischen Arbeiter und Arbeiterinnen ab 25. Mai d. 3. nahm die Mehrheit den kommunistischen Antrag an, der die Niederschlagung der Beträge fordert, die bei den Vorschuszahlungen zuviel gezahlt sind und jetzt zurückverlangt werden. Die Versammlung trat hierauf in die zweite Beratung der Vorlage wegen Umwandlung der 308. Gemeindeschule in eine Lebensgemeinschaftsschule. Der Ausschuß hat die Vorlage mit seiner bürgerlichen Mehrheit a b= gelehnt. Gen. Kreuziger trat mit größer Wärme und Entfchiedenheit für dieses Projekt ein; das Lehrerkollegium, das den Antrag gestellt habe, bestehe aus durchweg pädagogisch erfahrenen Antrag gestellt habe, bestehe aus durchweg pädagogisch erfahrenen Männern. Man widerstrebe der Durchführung ledig. lich aus politischen Gründen. In der Bezirkssc) u ldeputation sei das Projekt angenommen worden; dort hab: Fenster. So hatte Christy oft am Eingange eines Schützengrabens gestanden, als Bertram und er unter der Erde hausten, nicht weit von der feindlichen Linie. Wovor haben Sie denn Angst?" fragte Bertram mit dem föstlichen kleinen Schauder, den er als Kind kannte, wenn die Kinderfrau ihm Gespenstergeschichten erzählte. Ich fürchte Schlimmes für diese unsere Zivilisation." Und dann erzählte er über eine Stunde lang von allem, was er auf seinen Reifen gesehen hatte. Er war in Ost- Europa gewesen, wo die Zivilisation erstarb. Polen war verarmt, verseucht und völlig demoralisiert. Desterreich war nur noch der Leichnam einer Nation, die einst ein mächtiges Kaiserreich gewesen war und jetzt einen Wasserkopf ohne Leib darstellte. Wien mit seiner Zweimillionenbevölkerung war der Wasserkopf. Er beschrieb den Totentanz dieser Stadt, wo Frauen und Kinder verhungerten, den Ruin der Intellektuellen und der geistigen Arbeiter. In den Hotels hockten die Fremden und saugten sich an dem sterbenden Mittelpunkt der Zivilisation fatt. Internationale Spefulanten häuften Bermögen an durch die Schwankungen des Papiergeldes, schlemmten und foffen in Orgien des Lasters mit den Dirnen, die ihr Lächeln für ein Abendbrot und ein warmes Zimmer verkauften. Die alten Paläste von Wien standen noch, und die Herrschaftshäuser und die Kirchen und Galerien und Museen auch. Aber dies Erbe einer glänzenden Bergangenheit bröckelte ab, und das Geld fehlte, um es zu erhalten. Niemand konnte sich dem Studium und dem Genuß non Schönheit und Wahrheit, Musit, Malerei und Wissen fchaft hingeben, wie früher. Entweder mußte man aufs Land zurüd, um dort ein färgliches Brot aus dem Boden zu graben, oder man mußte verhungern. Und genau so fah es in anderen Ländern aus, in den kleinen baltischen Nationen und im mächtigen Rußland. In Rußland selbst war er diesesmal nicht gewesen, trog, dem es ihn gewaltig hingezogen hatte, aber an der Grenze traf er auf die Flüchtlinge und hörte ihre Jammerberichte. " Ma, überhaupt ein junges Leben in die Welt zu setzen. In Rußland lag die Zivilisation im Sterben oder war schon tot. War's ein Junge?" ,, Ja, und er sollte nach mir genannt werden." " Wie? Ein Junge? Gott nein. Ich fönnte nicht so ohne weiteres einen Jungen in die Welt segen. Es wäre zu ungerecht. Noch nicht wenigftens, bis man sieht, wie sich die Dinge gestalten, Major, wissen Sie? Ich fürchte, ich werde ein Feigling." Er kam an die offene Tür und lehnte dagegen. Bertram jaß auf einem niedrigen Lederstuhl mit dem Rücken zum 2015 10 196 i som Freitag, 31. Oktober 1924 auch das demokratische Mitglied dafür gestimmt. Man ziehe sich jetzt hinter die Ausflucht zurück, daß es in Berlin der Versuchsschulen fchon genug gebe. In der Rechtspresse sei in gemeiner, ja infamer Weise, so im„ Lag", gegen die Lebensgemeinschaftsschule gehegt worden; es handle sid) dobri um einen neuen gemeinsamen Borstoß der Reaffion. Die moderne Jugendbewegung und mit ihr auch die Idee der Lebensgemeinschaftsschule werde trotz Jungdo und Stahlhelm ihren Weg machen.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Troll( Dnat!.) suchte glauben zu machen, daß seine Gesinnungsgenossen sich weder den modernen Ideen nod, der modernen Jugendbewegung antipathisch modernen been der gegenüterstellen, daß sie sic; viemehr nur gegen llebertreibungen wenden. Hier handie es sich nicht um einen pädagogischen Versuch, fondern um eine Schule, die jeder rechtlichen Grundlage überhaupt cntbehre. Specht( D. Bp.) lehnte mit seiner Fraktion die Borlage ab, da man in den Außenbezirken schon 12 solcher Schulen habe. Goß( Komm.) sprach sid; zwar im Prinzip gegen die welt= weltlichung des gesamten Schulwefens nicht entfernt verwirklichen, lichen Schulen aus, weil sie das kommunistische Ideal der Verhatte aber nichts gegen den hier beabsichtigten pädagogischen Versuch einzuwenden. An dieser Stelle brach die Beratung ab. Schluß 9 Uhr. Die Preise steigen. Die Preise für die ländlichen Produkte: Milch, Eier, Geflügel, Fett, sind in beständiger Steigerung begriffen auch ohne Zollschutz schutz- und bedrohen das knappe Wirtschaftsbudget der nicht reichen Familien. Da erinnert sich wohl manche Familienmutter ihrer früheren Beziehungen zu den Bauern der Umgegend, bei denen sie in der Kriegszeit„ hamstern" ging. Sie denkt bei direktem Einkauf an der Quelle ein paar 10- Pfennig- Stücke zu ersparen und macht sich auf den Weg in das Dorf. Aber die Begrüßung durch den Bauer ist von feiner besonderen Liebenswürdigkeit er hat augenscheinlich kein Verlangen, alte Freundschaften mit dem Stadtvoff zu erneuern. Wohl hört die Frau die Kühe und Schafe blöken, die Hühner gadern, die Schweine grunzen, aber für sie ist nichts vorhanden. Und wenn sie gar der Hoffnung Ausdruck gibt, daß sie wohl billiger faufen könnte, als in der Stadt, befommt sie als Antwort zu hören:„ Billig is nich wir wollen auch leben." Und die Klagen über die hohen Steuern werden losgelassen, ganz nach dem Rezept des Landbundes, der ja diese Tonart so glänzend beherrscht, daß die Wahrheit anders aussieht. was fümmert dies die Handlanger der Reaktion. So endet der Besuch mit einem Niederbruch der gehegten Hoffnungen. Das Adjös voch id habe uff Feld zu tun" des Bauern schließt die und Unterhaltung ab. Noch einmal wendet er sich um immd ruft: Gie brauchen ooch nicht widderzukommen."- der rechte Ausdruck für das Mitgefühl, das er der Notlage der Stadtbevölkerung entgegenbringt, deren Gehälter und Löhne niedriger als vor dem Kriege sind, während die Bedarfsartikel alle höher im Preise stehen... Die Stadtfrau sieht ihn noch einen Augenblic nach gerade lassen die Kühe ihr Muh- Muh ertönen und in den Eden des Hofes picken die Hühner im Strohhaufen herum. Dann gibt sie sich einen Ruck und wendet sich wieder dem Borortbahnhof zu. Es war einmal fleigen. jetzt fühlt sich der Bauer wieder. Die Preise Wieder ein Dachstuhlbrand. Aus noch nicht aufgeflärter Urfache brach gestern nachmittag gegen 26 Uhr in dem Fabrikgebäude Choriner Str. 84 Groh feuer aus. Bei Eintreffen der Wehr stand der Dachstuhl des großen Gebäudekomplexes in seiner gesamten Ausdehnung in hellen Flammen. Auf den Ruf Großfeuer" eilten noch mehrere Züge der Berliner Feuerwehr unter Leitung des Baurats Franke an die Brandstelle. Man griff mit vier Echlauchleitungen mittieren. Kalibers an. Das Vorgehen der Wehr wurde durch die starke Qualmentwicklung erheblich erschwert, so daß Rauchschukapparate ange= wendet werden mußten. Erst nach zweistündiger Arbeit gelang es, das Feuer auf den Herd zu beschränken und zu löschen. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hin. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt. Auch in Berlin und anderen deutschen Städten war er gewesen. Was ging dort vor? Eine gewaltige Industrie in einem vom Kriege über seine Kräfte angestrengten Volke, das zerschmettert, dessen Stolz zu Boden geschlagen war, das aber mit verzweifelter Entschloffenheit daran arbeitete, seinen Plaz in der Welt zurückzugewinnen und seine nationale Einheit zu verteidigen. Es arbeitete mit erstaunlicher Energie und paßte sein ungeheures Genie den Erfordernissen des Bersailler Friedens und seinen Strafbestimmungen an. Der Kanonen- Krupp warf jezt Nähmaschinen, Ernte- und Mähmaschinen, Kassen, Rasiermesser, alles, was sich nur aus Metall schaffen ließ, auf den Weltmarkt. Aber die von den Siegern auferlegten Kriegsabgaben machten alle Anstrengung zu Schanden, die Mart fiel Woche auf Woche. So oft die Entschädigungen bezahlt werden mußten, fiel die Mart in Grund und Boden. Darauf überschwemmte die Druckerpresse das Land mit neuen Mart. Das sehte Deutschland zwar in den Stand, seine Konkurrenten auf allen Märkien zu unterbieten, aber gleichzeitig blutete es sich dabei zu Tode. Unterdessen zog Frankreich die Schraube immer fester an und stachelte die Deutschen dadurch zu neuem Hasse auf, so daß sie schworen, sich zu rächen, wenn auch vielleicht erst in ferner Bufunft, irgendwann, und sollte der Tag noch so lange auf fich warten lassen. Frankreich war entschlossen, lieber die ganze Welt zugrunde zu richten, als daß es Deutschland wieder in die Höhe kommen ließe, und die ganze Welt, England voran, würde ruiniert werden, wenn Deutschland den Weg Desterreichs gehen müßte und in den Abgrund eines nationalen Bankerotts hinuntergestoßen würde. Ueberall waren üble Kräfte am Wert, Kräfte der Grauſamkeit, der Habsucht, der Dummheit und des Hasses. Die Männer der früheren Ordnung der Dinge hatten noch immer ihre feste Hand an der Staatsmaschine, setzten ein neues Gleichgewicht der Mächte zusammen und bereiteten neue Bündnisse für einen unvermeidlichen" Krieg vor. Und ihnen ftanden wieder jene feindlich gegenüber, welche alle Zivilisation um jeden Preis zerstören wollten, die Revolutionäre aus Prinzip, die Fanatiker, die mit Mördern und Höhlenleuten im Bunde waren. Trogdem mußte er bald nach Rußland, um die Wahr heit zu erforschen. Es war eine Sungersnot im Anzuge, die millionen von Menschen vernichten würde. Dort ebenfalls Zwischen diesen beiden Extremen stand das arme, gefonnten nur solche Menschen am Leben bleiben, die auf der duldige, den Frieden herbeisehnende Bolf, das ganz verwirrt Scholle blieben und ihre Bodenerzeugnisse verzweifelt fest- war durch die Nichterfüllung aller Hoffnungen nach so unhielten. fäglichen Opfern, und das sich in seiner Unwiffenheit an falsche Götter wandte, welche feinen niedrigen Instinkten schmeichelten, oder es mit den größten Lügen betäubten. Denn die Masse wollte die Wahrheit nicht hören.( Fortsetzung folgt.) Würde der größte Teil von Europa wieder zu Bauern werden? Möglich! Aber es fonnte noch viel schlimmer kommen! Raubmord in der Elfaffer Straße. Ein Händler erdrosselt und beraubt. Entdeckung eines Kapitalverbrechens verursachte gestern mittag im Norden der Stadt lebhafte Aufregung. Vor dem Tatort, dem Hause Elsasser Str. 76, sammelten sich alsbald größere Menschenmengen. Hier bewohnte seit einem halben Jahr ein 42jähriger Kaufmann Benno Hamburger allein eine kleine einfenstrige, im Erdgeschoß liegende Stube. Hamburger, der erheblich friegsbeschädigt war, lebte von kleinen Handeisgeschäften. Er hatte viel Besuch von Händlern. Seit Montag war Hamburger nicht mehr zum Vorschein gekommen. Man hatte zuletzt noch gesehen, daß ein Besucher mit einem großen Paket unter dem Arm aus seinem Zimmer herausgekommen war. Die Pförinerirau hatte Hamburger tängere Zeit nicht gesehen. Auf ihr Klopfen erhielt sie feine Ani wort. Sie benachrichtigte das Polizeirevier von ihrer Wahrneh= mung. Kriminalbeamte fanden die Stubentür verschlossen. Sie ließen durch einen Schloffer öffnen und fanden, als sie die sorgfältig übergebreitete Tülldecke und die Bettdecke zurückschlugen, Ham burger tot im Bette liegen. Sie alarmierten die Mordkom mission, die alsbald am Tatort erschien. Der Tote hatte einen Knebel im Munde und an beiden Seiten des Kopfes Ber legungen, die von einem stumpfen Siebwerkzeuge herzurühren scheinen. Er ist wahrscheinlich erdrosselt worden. Bekleidet war er nur mit Unterzeug, Strümpfen und Hosen. Der Erkennungsdienst photographierte die Leiche mit der Stube und ihrem Inhalt, um den Befund festzulegen. Nach Spuren zuf dem Fußboden scheint ein Kampf stattgefunden zu haben. Wahrscheinlich hat der Mörder sein Opfer mitten in der Stube niedergeschlagen. Die Leiche dann in das Bett gelegt und sorgfältig zugedeckt, um eine frühzeitige Entdeckung seines Verbrechens zu verhindern. Allem Anscheine nach liegt ein Raubmord vor. Der Gerichtshof im Tayameter. Mit nachahmerswerter Gründlichkeit beleuchtete der Vorsitzende des Potsdamer Amtsgerichts, Amtsgerichtsrat Westphal, die Gefahren, die eine mangelhafte Straßenbeleuchtung her beiführen kann. Am Abend des 3. Oktober fuhr der 37jährige Kriegsinca ide Karl Wolff mit seinem Krantenwagen, einem sogenannten Celbstfahrer, die Straße Am Kanal" in Potsdam entlang, als er plöglich von einer hinter ihm: fommenden Dr ofte angefahren und auf die Straße geschleudert wurde. Mit blutenden Wunden schaffte mon den Verunglückten ins Krankenhaus, wo er längere Zeit verbleiben mußte. Der Droschtenfutscher wurde wegen Körperverlegung angeflagt. Um nun ein genaues Bild dieses bedauer.ichen Berkehrsunfaltes zu gewinnen, war gestern ein Abendlofaltermin mit arschließender Verhandlung anbercumt. Dioschke, Krantenwagen, Zeugen fanden sich an der Unfallstelle ein. Der Borsitzende bestieg die Druschke, setzte sich auf den Kutscherbock und fuhr zweimal an dem Krantenwogen in voller Fahrt vorüber. Dann wieder mußten Antsanwalt und Verteidiger in die Droschke einsteigen. Rings herum tiefste Dunkelheit. Im Augenblitt, als das Gericht aus der Droschke stieg, stürzte ein paar Meter weiter ein Radfahrer gegen die Bordschweile. Nach kurzer Berhandiung fam Das Gericht zur Freisprechung des Droschtenkutschers. Der Vorsitzende hob in der Begründung des Urteils hervor, daß er sich com Kutscherbock aus itlbst davon überzeugt habe, daß man den Krankenwagen bei derart mangelhafter Beleuchtung nicht einmal fünf bis sechs Schritte voraus'ehen konnie. Ausländer als Dollarfälscher. Dollarfälschungen größten Umfanges bildeten gestern den Geg: n fland einer längeren Berhandlung vor dem großen Schöffengericht Charlottenburg. Der erst 18 Jahre alte russische Kaufmann Wolf Irrgang und der Desterreicher Eichenthal hatten sich unter ber Andlage des fortgesezten Münzverbredens zu verantworten. Ein dritter Mitbeteiligter, ber russische Staatsangehörige Witten berg, der wegen angeblicher Haftunfähigkeit vor dem Termin aus der Haft entlassen worden war, hatte es vorgezogen, Deutschland zu verlassen. Im April hatte ein griechischer Kaufmann, der in Berlin größere Einläufe für dan Export nach Griechenland machie, bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattet, deh er und einige feiner Landsleute in einem Café in der Lauenkienstraße 100Dollar Noten angefauft hätten ,, die sich hinterher als ge= fälscht erwiesen. Die Fälscher hatten aus 5- Dollar- Noten durch Aegungen und Nachdruck 100- Dollar- Noten angefertigt. Es gelang, die Fälscher zu verhaften. Bei ihnen wurden noch ganze Stöße dieser falschen Noten vorgefunden. Während der AngeHagte Sergang behauptete, von den Fälschungen nichts gewußt und die Noten selbst im guten Glauben erworben zu haben, war der Angeklagte Eichenthal zu feiner vernünftigen Ertiärung zu bewegen. Er hate angeblich einen Nervenschock. Die Gerichtsärzte Prof. Dr. Strauch und Med.- Rat Dr. Thiele äußerten Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten Eichenthal, der anscheinend von eine: schweren haft psychose befallen sei. Nach längerer Beratung font das Gericht zu einer Abtrennung des Verfahrens gegen Eichenthal, dessen Geisteszustand noch genau untersucht werden soll. Irrgang erhielt mit Rücksicht auf den großen Umfang der Fälschungen und den von ihm angerichteten Schaden eine Strafe von 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Auf zum Wahlkampf! Oeffentliche Wählerversammlungen: | nächste Ede gegangen waren, hörten sie hinter sich zwei Schüsse fallen. Sie fanden den fremden Mann, einen Arbeiter Smie= darski, tödlich verlegt in seinem Blute am Boden liegend. S. ist auch bald danach gestorben. Der Ausflug auf das Gebiet des Filmdeteftios hatte für Block die Folge einer Anklage der Körperverlegung mit tödlichem Ausgang, die vor dem großen Schöffengericht Mitte zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte behauptete, daß er von dem fremden Mann nach dem Weggang der Beamten überfallen worden sei. Der Mann hätte ihn mit Fäusten bearbeitet und zu Boden geschlagen. Es seien ihm zwei Zähne herausge hauen worden. Dann sei er auch mit Füßen getreten worden, so daß ihm schwarz vor den Augen wurde. In dieser Bedrängnis habe er zur Waffe gegriffen. Er berief sich darauf, daß er zu 50 Proz. schmer friegsverletzt sei und durch eine Verschüttung eine Rückgratoerkrümmung habe. Die Polizeibeamten bestätigten, daß der Getötete ein dem Angerlagten förperlich weit überlegener Mann gewesen sei. Das Gericht iam entgegen dem Antrage des sprechung des Angeklagten, indem angenommen wurde, daß er Staatsanwalts, der auf 3 Jahre Gefängnis lautete, zu einer Freisich in einer vermeintlichen Notwehr befunden habe. Dreifacher Mordversuch. Um eine neue Che schließen zu können. Heute, Freitag, den 31. Oktober, abends 7/2 Uhr: Berlin- Mitte: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. | Tiergarten: Arminiushallen, Bremer Straße 73.- NationalWedding: Germaniajäle, Chauffeestraße 110. hof, Bülowstraße 37. Spandau: Restaurant Markthalle, Pichelsdorfer Straße. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 26.( Beginn 8 Uhr.) Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 108.( Beginn 8 Uhr.) Friedenau: Rathaus( Bürgersaal), Am Lauterplay. Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal: Aula Berliner Straße in Niederschöneweide. Lichtenberg: Schulaula Parkaue. Weißensee: Aula Realgymnasium, Woeldpromenade. Pantow: Konzerthaus Linder, Breite Straße 34. Reinickendorf- Tegel: Schützenhaus in Reinickendorf- Ost, Re- Verdacht auf, daß Brandt, der nicht zu Hause war, sie geöffnet habe, sidenzstraße 1/2. Tagesordnung in allen Bersammlungen: Nieder mit dem Bürgerblock! Es lebe die Sozialdemokratie! Redner: Aufhäuser, M. d. R., Clara Bohm- Schuch, M. d. R., Crispien, M. d. R., Dr. Freund, M. d. L., Paul Hirsch, M. d. L., Heinig, Regierungsrat Joachim, Künstler, Kuttner, M. d. L., Otto Meier, M. d. L., Dr. Moses, Heinrich Ströbel, M. d. R., Heinrich Schulz, Stelling, Dr. Weyl, M. d. L. * Tempelhof- Mariendorf: Deffentliche Frauenversammlung heute, Freitag, 31. Oktober, abends 7% Uhr, in Tempelhof, Lyzeum, Dorf- Ecke Germaniaſtraße. Referent: Genossin Todenhagen. Der Amateurdetektiv. Ein Abenteuer mit tragischem Ausgang. Einen tragischen Ausgang hatte der Versuch des Gärtners Rudolf Block genommen, sich einmal nach dem Muster der von ihm im Film viel bewunderte i Meisterdetektive auf der Suche nach dem Raubmörder Rebdat zu betätigen. Einer schweren Lebensgefahr entging die Ehefrau des Posthilfsschaffner Walter Brandt aus der Fidicinstraße 15, ihr fleines Rind und ihr Bruder. Die Kleine erwachte in später Nacht und weckte durch Schreien auch ihre Mutter. Diese fand Stube und Küche mit Gas angefüllt. Die Hähne des Kochers und der Stubenlampe waren geöffnet. Es tauchte sofort der um Frau, Kind und Schwager zu vergiften. Von der Kriminalpolizei zur Rede gestellt erklärte er, daß er sich spät Abends Essen warmgemacht und dabei vielleicht den Hahn des Rochers aufgelassen habe. Wenn er auch den Lampenhahn geöffnet habe, so müsse das in einem Dämmerzustand geschehen sein. Diesen erklärte er aus den Nachwirtungen eines Kopfschusses. Ein ganz anderes Bild aber ergaben die Ermittlungen. Hiernach lag ein ganz raffiniert vor= bereiteter Mordplan vor. Auf dem Postzeitungsamt, auf dem Brandt beschäftigt war, hatte er schon seit acht Wochen davon erzählt, daß er die Bekanntschaft einer gefchiedenen jungen Frau gemacht habe. Seine Frau sei schwer trant, so schwer, daß die Aerzte eine Operation verweigerten. Brandt zeigte auch Geld, das er von seinem Schwiegervater erhalten habe, uni einen Sarg taufen zu können. Für den Fall, daß seine Frau sterben sollte, habe er bereits eine Wirtschafterin, die auch eine neue Wohnung vorgesehen habe. Es wurde weiter festgestellt, daß Brandt am Morgen nach der kritischen Nacht geäußert hatte, er wolle doch einmal anrufen, wie es seiner Frau gehe. Sie habe startes Fieber gehabt und ihr Zustand sei bedenklich gewesen. Hoffentlich, hat er dabei geäußert, habe sie nicht in ihrem Zustande den Gashahn offengelassen. Dabei habe er auch noch gefragt, wie lange es wohl dauern könne, bis ausströmendes Gas tödlich wirke. Nach stumdenlangem Berhör bequemte er sich endlich zu dem Geständnis, daß er Frau und Kind und auch seinen Schwager mit Gas habe töten wollen, um die geschiedene Frau zu heiraten. Er hatte sich in der Küche zu schaffen gemacht und zunächst hier den Gashahn aufgedreht. Dann war er noch einmal in die Stube gegangen, hatte auch den Lampenhahn geöffnet und war hierauf um dreifachen Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt. 10% Uhr weggegangen. Brandt wird wegen versuchten Buzztag und Totensonntag. Block hatte sich das Bild des Mörders genau eingeprägt und war überzeugt, daß es ihm gelingen müsse, den Gesuchten im Gewühle der Großstadt zu entdecken. Als er am Abend des 6. August von seiner Arbeit fam, ging er durch die Straßen und musterte die Bassonten. In der Kastanienallee fam er an einem Rummelplay vorbei. Dort entdeckte er einen Mann, auf den das Eignalement genau zu passen schien. Flugs eilte er zum Polizeirenier, alarmierte die Kriminalpolizei vom Alexanderplatz, und aus dem Revier rückte ein ganzer Schwarm von Polizeibeamten aus, um den Raubmörder zu fassen. Die Streise auf dem Rummelplatz verlief aber ergebnislos. Nirgends wer der Gesuchte zu entdecken, nur soviel erfuhr man, daß ein Mann in der von dem Gelegenheitsdetektiv beschriebenen Kleidung furz vorher in Begleitung einer Dame den Rummelplatz verlassen hatte. Block wollte die Flinte damit ober nicht in das Korn werfen, er veranlaßte einen Beamten, ihn durch verschiedene Wirtschaften und Kaffees der Umgebung zu begleiten, aber nirgends fand man eine Spur von dem Gesuchten. Als Block heimwärts wanderte, bemerkte er auf einer Bont einen Mann, der den Hut tief ins Gesicht gezogen hatte. Es schien ihm sogar, als ob der Mann, als er den freiwilligen Detektiv herannchen fah, sich noch besonders duckte. Das erschien Block verdächtig. Er schritt auf den Mann auf der Bank zu, riß ihm den hut vom Kopfe und fegte ihn wieder auf. Das wollte sich der Mann aber nicht gefallen laffen, eilte dem Davongehenden nach und stellte ihn ziemlich unfenft zur Rede. Während des Worlwechsels tamen zwei Gunungen find gleichfalls verboten, wenn sie gewerblichen Charakter b: amte daher, bei denen sich der Fremde über das Verfahren Blocks erergisch beschwerte. Blod entschuldigte sich damit, daß der Mann ihm verdächtig erschienen fei. Die Polizeibeamten rieten beiden, ruhig nach Hause zu gehen. Als die Beamten aber faum um die Der Polizeipräsident hat für die Aufführungen In Theatern, Zirkussen, Kinos, Varietés, Kabaretts, Konzert- und sonstigen Bergnügungslokolen om Bußtag und Totenfonntag folgendes bestimmt: Am Totensonntag dürfen in Theatern, Zirkussen, Varietés, Kabaretts, Konzert- und sonstigen Vergnügungslokalen nur ernſte Darbietungen stattfinden. Am Bußtag sind die genannten Unternehmungen grundsätzlich geschloffen zu halten. Ausnahmen find nur zulässig: in Theatern, wenn es sich um ein ernſtes, der Weihe des Tages Rechnung tragendes Stüd handelt; in Konzertfälen, in denen regelmäßig nur Darbietungen von höherem Kunstwert stattfinden, z. B. Scharwenta, Blüthenersaal, Philharmonie, wenn es sich um rein geistliche Musik handelt; in Lichtspieltheater:, wenn Bilder religiösen oder legendären Inhalts vorgeführt werden. In Lokalen mit Schantbetrieb, gleichgültig, ob es sich um Cafés, Konzert- oder ähnliche Lokale handelt, find musifalische Darbietungen jeder Art, also auch ernste Musik, grundsäßlich verboten. Deffentliche Rennen, Borkämpfe und ähliche Veranstal tragen. Arbeiterbildungsschule. Das Seminar des Genossen Grunwald wird in Rücksicht auf die Wahlbewegung verlegt. Wann die Arbeiten fortgesetzt werden, wird den Teilnehmern schriftlich mitgeteilt. ICH HAB'S Urbin UND NUR Urbin DEN GUTEN SCHUHPUTZ KAUFE IHN BERALL Na L ERHALTLICH ebt euren Kindern nur das beste! Für Ihre Kinder haben Sie bestimmt alles übrig, denn sie bilden das kommende Geschlecht, auf das sich Ihre Hoffnung richtet. Die hygienische Herstellung und unser Kirnverfahren sind die Ursache, dass ,, Schwan im Blauband" von Kindern mit Vorliebe als Brotanfstrich gegessen wird, und Sie können ihnen so viel Butterbrote geben, wie Sie wollen, weil dies nicht nur der geringe Preis der Feinkostmargarine Schwan im Blauband" ermöglicht, sondern diese auch durch ihre leichte Verdaulichkeit sich besonders für die Kinder eignet. das Halbpfund in der Preis 50 Pfennig bekannten Packung. Schwan im Blauband MARGARINE frisch gekirnt Fabrik Urban& Lemm, Charlottenburg Um Dollar und Dollarschähe. Beutezüge eines Betrügerkonsortiums. Die Dollarschazanweisungen, die sich bekanntlich seinerzeit einer großen Gunst im Publikum erfreuten und ein begehrtes Wertpapier darstellten, sind von einem Betrügerfonsortium zu einem sehr ein träglichen Schwindel benuhi worden. Der frühere Oberleutnant Bauch hatte in Erfahrung gebracht, daß ein Major L. Dollarschazanweisungen gegen Dollar unter Gewährung eines Aufgeldes umzutauschen wünschte Er setzte sich mit ihm in Verbindung und versprach ihm ein hohes Aufgeld. Der Major wurde dann durch Vermittlung des Schiff bauers Erich Staer in ein Geschäft in der Kantstraße geführt, in dem der Kaufmann Herbert Kopf als Proturist tätig war. Hier sollte die Umwechslung erfolgen. Kaum hatte der Major seine 40 DollarJayaganweisungen auf den Tisch gelegt, als ein„ Kriminalbeamter" erschien und auf Grund der Devisenverordnung den Betrag für beschlagnahmt erklärte. Alle Beteiligten wurden zur nächsten Wache geführt, wo der Beamte das Geld versiegelte und die Festgenommenen mit der Weisung entließ, daß sie sich am nächsten Tage auf dem Polizeipräsidium einzufinden hätten. Erst dort erfuhr der Major, daß er Schwindlern in die Hände gefallen war. Die Gaunerbande hatte die Beute sofort unter sich verteilt. Einen weit erheblicheren Betrag erbeuteten die Schwindler an demselben Tage durch ein anderes Manöver, dem ein Russe, Dr. M., zum Opfer fiel. Bauch hatte ihm in Aussicht gestellt, 5550 Dollar in einem Banthause der Behrenstraße umzuwechseln. Im Kassenraum der Bank traten Bauch und dann der Kaufmann Perchalla ohne Hut und Mantel dem Russen entgegen. Berchalla gab sich als Sekretär des Direktors aus, der angeblich den Rauf abschließen wollte. Er bemerkte, daß aber vorher die Dollar auf ihre Echtheit geprüft werden müßten. Vertrauensselig lieferte der Russe dem Herrn Sekretär das Geld aus und dieser hatte nichts Eiligeres zu tun, als über die Hintertreppe des Weite zu suchen. Nur einem Zufall war es zu verdanken, daß die Gauner ihrer ge= rechten Strafe nicht entgingen. Der Major L. war bei dem für ihn so übel verlaufenen Geschäft von einem Freunde begleitet worden. Als dieser Herr einige Zeit später bei der Abteilung I A des Polizei präsidiums zu tun hatte, erkannte er in dem dort beschäftigten Kriminalbeamten Otto Rodig den angeblichen Beauftragten des Devisenfommissars. So gelang es, die ganze Schwindlerbande dem Richter zuzuführen, und sie hatte sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen ihrer Betrügereien zu verantworten. Bauch erhielt ein Jahr drei Monate Gefängnis und wurde sofort verhafte:. Percha ila wurde zu einem Jahr Gefängnis, Stiller und Kopf zu je sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Rodig, der inzwischen aus dem Dienst entlassen ist, tam mit 5 Monaten Gefängnis und Bewährungsfrist davon. Die Betriebssicherheit auf der Stadtbahn. Zu diesen Ausführungen fendet uns die Reichsbahndirettion folgende Erwiderung:„ Der vom Deutschen Eisenbahnerverband ausgehende Artikel über die Betriebssicherheit auf der Stadtbahn und besonders über die Besetzung der Stellwerke des Bahnhofs Friedrichstraße stützt sich nach Angabe des Ortsbeamtenrates des Bahnhofs Friedrichstraße auf Mitteilungen, die von leyterem dem Deutschen Eisenbahnerverband für die Verhandlungen über die neuen Diensttauervorschriften im Juli 1924 gemacht wurden, zur Veröffentlichung aber mangels jeglichen Anlasses nicht bestimmt waren. Diese Mitteilungen waren für die damaligen Verhältnisse schon stark zurecht gemacht und entsprechen seit Inbetriebnahme des neuen Fernbahnsteiges des Bahnhofs Friedrichstraße noch weniger der Wirklichkeit. Die elektrisch betriebenen Stellwerke des Bahnhofs Friedrichstraße find ständig mit je 2 Beamten und während des starken Berufsverkehrs von 6-9 Uhr vormittags und 2.30 bis 8 Uhr nachmittags Jogar mit je 3 Beamten befeßt. Ta nur 2 Beamte jeweilig Dienst tun fönnen, ist also auch dafür gesorgt, daß sich die Beamten von Zeit zu Zeit ablösen können. Die Bedienung der Blockeinrichtungen, des elektrischen Stellwerts und des Richtungsanzeigers ist recht einfach, durchaus nicht anstrengend und für jede Fahrt innerhalb einiger Gefunden zu erledigen. Für eine Zuafahrt auch fommen nicht, wie in dem Artikel behauptet wird, 10, sondern nur 5 HandJungen in Frage, die ebenfalls äußerst einfach und bei der Lage des Stellwerks und der zweckmäßigen Anordnung der Arbeitsplätze der Beamten bequem durchzuführen sind. Auch in Störungsfällen, wo an Stelle der Blockbedienung das Zugnieldeverfahren anzuwenden ist, ist die Besetzung der Stellwerte nach der eigenen Ansicht des Personals durchaus ausreichend, wobei zu bemerken ist, daß bri Störungen auch während des schwächeren Verkehrs ein dritter Beamter zur Hilfeleistung gestellt wird. Die Behauptung in dem Artikel, daß wegen der unzureichenden Besetzung der Dienstposten ungefähr 150mal in der Stunde gegen die Block- und Stellwerks vorschriften verstoßen werden müßte, erklären die beteiligten Beamten selbst für unzutreffend. Nach ihrer Aussage wird in feinem Falle gegen die Vorschriften verstoßen. Bei den regelmäßigen Prüfungen sind von den Dienststellenleitern derartige Berstöße auch nicht festgestellt worden. Von einer Gefährdung der Betriebssicherheit infolge zu geringer Personalbesetzung fann somit feine Rede sein." Keine Sonderzuschläge mehr für nachträglich gelöste Fahrtarten. Wie das Reichsverkehrsministerium mitteilt, wird fünftig in den Eisenbahnzügen der Zuschlag, der bei nachträglicher Lösung der Fahrkarte während der Fahrt erhoben wurde, wegfallen. Das brennende Gefängnis. Ein Juffizwachtmeister mit Frau und Tochter ermordet. Vorgestern nacht wurde das Gerichtsgefängnis in Hal bau( Oberlausiz) angezündet und der Gefängniswärter Justizwachtmeister Scheuermann und seine Frau in zwei verschie= denen, fest verschlossenen Zellen, die im Beisein der Polizei.er= brochen werden mußten, ermordet aufgefunden; sie waren mit einer Art erschlagen worden. Nach eingehender Durch suchung des brennenden Gebäudes fand man schließlich noch das dritte Mitglied der Famili, die 20jährige Tochter im Keller unter Kartoffeln verscharrt, in eine Decke gehüllt, tot vor; außer tiefen Kopfwunden wies der Körper sieben lange Schnittwunden am Gefäß und Stiche im Rücken auf. Nur ein Gefangener befand sich in einer verschlossenen Belle, aus der er durch die Feuerwehr befreit merden mußte, er hat, wie er angibi, verdächtige Geräusche gehört und glaubt, zwei Personen wahrgenommen zu haben. die gegen 12 Uhr nachts das Haus verließen. Das Feuer war an verschiedenen Stellen des großen Dachbodens an= gelegt und mit Heu und Betroleum genährt worden. Zu dieser grauenhaften Tat werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die Polizei hat im Laufe des Donnerstag bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen und verfolgt eine ganz bestimmte Spur. Nach dem bisherigen Ergebnis der Unterfuchung läßt sich mit Bestimmtheit feststellen, daß die Mörder Familie Scheuermann auf des genaueste vertraut gewesen sind, da mit der Einrichtung des Gefängnisses und mit der Lebensweise der alle Anzeichen darauf hindeuten, daß die Verbrecher es in erster Reihe auf das Geld und die Schmucksachen der Frau Scheuermann abgesehen hatten. Der Gefängniswärter hatte am 29. Oktober fein Gehalt in Höhe von 105 Mart abgehoben und hatte außer= dem von einem Bekannten ein Darlehn in Höhe von 50 M. zurückerhalten. Das Gefängnis selbst beherberate nur einen einzigen Gefangenen. Die anderen Zellen standen offen, und eine diente Handwerksburschen, die durch die Stadt zonen, als Nachtquartier, wenn sie von der Polizei auf Grund ihrer Ausweispapiere die Genehmigung zum Uebernachten erhielten. Wie nun der gerettets Gefangene gestern bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft ausfagte, hat er gehört, daß gegen 9 Uhr der Wärter Scheuermann mit einem fremden Mann auf dem Gang vor der Zelle stand, und daß beide einen ziemlich erregten Wortwechsel miteinander führten. Scheuermann habe dabei die Worte gebraucht: So einfach ist das nicht, wie Sie sich das einbilden." Darauf sei es offenbar zu einem Kampf gekommen, wie der Gefangene aus der Tatsache schloß, daß ein schwerer Körrer mehrmals gegen die Mauer des Korridors gestoßen wurde. Später habe er darn hilfrufe der Frau Scheuermann und der Tochter vernommen, deren Stimmen ihm genau befannt waren. Wie genau der oder die Mörder im Gefängnis Befcheid wußten, geht auch aus der Tatsache hervor. daß man eine Paterne henukte. die an versteckter Stelle des Canges in einer Mauernische stand und die von Scheuermann nur selten benukt wurde. Das junge Mädchen ist vor seiner Ermordung von den Tätern cefchändet worden, und die Leiche zeigt in der Gegend des Beckens fieben tiefe Messerschnitte. Auch Frau Scheuermann ist in einer Gefängniswärter ist nicht nur das Gehalt und die fünf Behnmartnerdezu grauenvollen Weise verstümmelt morden. Dem ermordeten fcheine geraubt worden, sondern auch die geringen Ersparnisse der Familie fomie die Schmuckfachen der Frau Sch.. die an einem verheckten Plok im Schlafzimmer lagen, find verschwunden. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß die Täter frühere Häft= linge sind. antreten wollte, von zwei Männern erschlagen, feiner Barschaft beraubt und dann in einer Rübenmiete bericharrt, wo er am anderen Morgen von den Arbeiterinnen gefunden wurde. Die Täter fonnten verhaftet werden. Ein Doppelmord im Riesengebirge beschäftigt jetzt auch die Berliner Kriminalpolizei. Am Mittwo voriger Woche, dem 22. d. M. vormittags, wurde in Großaupa im Riesengebirge eine Frau Tippelt mit ihrem vier Jahre alten Kinde durch Messerstiche ermordet. Als Täter fommen zwei junge Leute im Alter von 19 und 21 Jahren in Betrach die am Tage der Tat um 10 Uhr vormittags auf der Schneetoppe und um 1½½ Uhr nachmittags in den Grenzbauden gesehen worden sind Von da aus sollen sie sich nach Schmiedeberg begeben haben. Geraubt wurden 8000 tichechische Kronen in Hundertfronennoten und 50 Stronennoten, diese von der neuesten Ausgabe Die Raubmörder werden wohl versuchen, die Noten in einer Großstadt in Wechselstuben und Banken in deutiches Geld umzuwechseln. Deshalb wird auch in Berlin auf sie gefahndet. Sie sprechen wahrscheinlich rheinische Mundart. Beide trugen Rucksäcke mit Kochgeschirr nach Art der Wandervögel. Mitteilungen über ihr Auftauchen nimmt Kriminalfommissar Geißel im Zimmer 55 56 de Polizeipräsidiums entgegen. Der Sprengschuß. Nach einer Meldung aus Hersfeld ging in frühzeitig los. Drei Bergarbeiter wurden lebensder Kaligrube der Gewerkschaft Hattorf ein Sprengich ui gefährlich verwundet, einer getötet. Die Verletzten die sämtlich Familienväter sind, wurden in das Herzfelder Krankenhaus übergeführt. Vorträge, Vereine und Verfammlunge Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Geschäftsstelle: Berlin G 14. Gebastianstr. 37/38. Hof 2 Achtung! Wir machen heute darauf aufmerksam, daß sich sämtliche Berliner Kameraden an der Fahnenweihe in Spandan am Sonntag, den 2. November, an beteiligen heben. 8-10 Uhr Eintreffen der Kameraben auf dem Hauptbahnhof in Spandau. 12 Uhr Fahnenweihe in Seiß Feftfälen, Schüßenstraße. 24 Uhr Antreten auf dem Exerzierplak an der Wilhelmstraße, Nahe Bahnhof West, Spandau. Ben de gemeinsamer Feftumzug. Ganvorstand. Kameradschaft Friedrichshain, Jugendgruppe: Am Sonnabend, den 1. November, abends 7 Uhr, im Jugendheim Tilfiter Straße. Thema: ,, Unsere Sonntagsfahrt". Erscheinen Bflicht. Kameradschaft Pankow: Am sammlungsschus. Am Montag, den 3. November, mit fämtlichen Untergruppen Freitag, den 31. Oktober, Treffen Berliner Str. 102, Gesellschaftshaus, Berin der Turnhalle. Erscheinen Bilicht, da sehr wichtige Mitteilungen. Kame rabschaft Berlin- Mitte: Die Rüge 1 bis 6 treffen sich am Freitag, den 31. Oftober, abends 6% Uhr, in den Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Straße. Kame rabschaft Tiergarten: Am Sonnabend, den 1. November, abends 48 Uhr, Uebungsabend in der Turnhalle Alt- Moabit 23. Kameradschaft Kreuzberg einschl. Untergruppen: Am Sonntag, den 2 November, vormittags 8½ Uhr, Abmarsch vom Halleschen Tor zur Teilnahme an der Fahnenweihe in Spandau. Kameradschaft Wedding: Der Unterricht im Jiu- Jitsu findet ftatt: Montag, Dienstag, Freitag in der Turnhalle Böttgerstr. 18. Anfang 8 Uhr. Mittwoch und Donnerstag in der Turnhalle Lütticher Str. 4. abends 7% Uhr. Meldungen find an den Abenden beim Lehrer oder beim Rameraden Müller, Uferstr. 12, umgehend einzureichen. Am Sonnabend, den 1. November, Badeabend im Stadtbad Gerichtstraße. Kameradschaft Charlottenburg: Am Sonntag, den 2. November, vormittags 94 Uhr. Treffen sämtlicher Kameraden am Bahnhof Jungfernheide zum Ausmarsch zur Teilnahme an der Fahnenweihe in Spandau. Die Beteiligung sämtlicher Kameraden wird zur Pflicht ge= macht. Kmeradschaft Reinidendorf: Am Freitag, den 31. d. M., abends 7 Uhr, im Schüßenhaus, Reinickendorf- Ost. Residenzstr. 1-2, Treffen. KamerabKameraden fämtlicher Untergruppen müssen bestimmt erscheinen. schaft Niederschöneweide: Den Schuk der öffentlichen Wählerversammlung in der Schulaula, Niederschöneweide, Berliner Straße, übernimmt am heutigen Abend die Ortsgruppe Oberschöneweide- Niederschöneweide- Johannisthal. Die Kameradschaftsleitung. Am Sonntag, den 2. November, findet in Adlershof eine Gedenksteineinweihung statt, wozu vom Reichsbanner zur Teilnahme aufgefordert wird. Treffpunkt mittags 21 Uhr am Bahnhof Baumschulenweg. Nach der Rückkehr von Adlershof Mitgliederversammlung der Parteiorganisation und anschließend gemütliches Beisammensein bei Saft, Baumnachmittags bei Hast. Die Erschlagen, beraubt und verscharrt. Nach einer Meldung aus Magdeburg wurde ein Viehhändler in Hornhausen, als er in angetrunkenem Zustande den Heimwen von einem Gasthause idhulenweg. Nichtteilnehmer an der Adlershofer Feier treffen sich um 16 UhDas Rundfunkprogramm. Freitag, den 31. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Von Tempelfesten und Straßentypen in Japan". 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Professor Hans Philipp Weitz: Hundert Meter unter den Kellern Berlins". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. Ungarische Weisen und Czardas ( Ungar. Orchester Krepela). 2. a) Renouveau, Godard, b) Spieluhr, Berger( Fritz Wenneis, Celesta). 3. a) Was ist Humor? Rudolf Presber, b) Der Mäkler. Rud. Presber. c) Das Amt, Rud. Presber, d) Meine Angst( Radio) Rudolf Presber( Ulrich Franz Krolop, Humoristische Rezitation). 4. a) Das Herzensecho, b), Wenn der Mond schön leucht"( Hansi Sacher. Jodlerin). 5. Karneval a) Bacchanten. Wenneis, b) Expressionen. Wenneis. c) Ausklang, Wenneis( Fritz Wenneis, Schiedmayer- Meisterharmonium). 6. a) Si vous n'avez rien à me dire, Baronin Rothschild, b) Ungarischer Czardas( Josef Krepela, Zimbal). 7. a) Erschaffung des Weibes, Fulda, b) Malinung an Junggesellen, Hochstetter, c) Stilblüten aus Schulaufsätzen( Ulrich Franz Krolop, Humorist. Rezitation). 8. a) Oesterreichisches Volkslied, b) Schweizer Jodler und Schnadahüpfl( Hansi Sacher, Jodlerin). 9. a) Der Werdegang des Klaviers ( Humoristischer Vortrag). b) Alte Opernmelodien als moderne Tänze( Ulrich Franz Krolop. Humorist. Rezitation). 10. a)„ Tschai!" Indische Liebesserenade, Burns, b) In Hawai, Onestep, A. Werau ( Ungar. Orchester Krepela). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack, Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Über ganz Deutschland Von Flensburg bis München- von Memel bis Köln- 113 eigene Verkaufsstellen Von der Fabrik direkt TACK SCHUH der gute Courad an den Käufer Courow Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen, Groß- Berlin. 3. Stiftungsfelt am Sonnabend, den 1. November, abends 8 Uhr, in der Kindl- Brauerei, Neukölln, Hermannftr. 214-219. Bund freier Menschen, Gruppen für Körperkultur Freitag den 31. Ottober, abends 8 Uhr, in Paul Schwarz' Weftsälen. Be.-Lichtenberg, Möllen dorffftr. 25-26( nahe Bhf. Frankfurter Allee), Lichtbildervortrag von Adolf Koch über Körperbildung Nacktkultur Aufstieg, oder Nackttänze, Presse schwindel, Niedergang. Unkostenbeitrag. 10 Pig. Die Sendung, 10 Pig. ( Rundfunk woche) DIE BASTELSCHULE setzt ihren Unterricht fort: Der Primärempfänger mit Kristalldetektor ( Sendung- Schaltung 1) Zu haben in allen Kiosken und im Straßenhandel. Nach auswärts Probenummern kostenlos durch Verlag Hermana Reckendorf, Berlin W 35. Lützows raße 102 Ultimo- Angebot zu erstaunlich billigen Preisen! Mädchen Schulstiefel, 2 kräftige Lederverarbeitung, echt Rindbox, spottbillig Gr. 34/35 6.90, Gr. 31/33 6.40, Gr. 29/30 5.90, Gr. 27/28 Damen- Halbschuhe, nur beste Qualitäten, teilweise 540 la Robdhevreau 7.50, 6.90 590 Herren Schnürstiefel, bestes Rindbox in gefälliger Form nur 980 . 4 Schlager in Original- Goodyear- Welt zu Friedenspreisen Damen- Halbschuh, neueste Modeschöpfung, Orig. Goodyear Welt. 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Oftober um meitere 2 Proz. gegenüber der Vorwoche, nämlich von 131,1 auf 128,5 zurückgegangen. Da die Preissenkungsmaßnahmen der Reichsregierung wirkungslos blieben, schien das Verhängnis einer starken Teuerungswelle seinen Lauf nehmen zu wollen. Lohn- und Gehaltserhöhungen auf der ganzen großen Linie hätten die Folge sein müssen. Aber in dem Augenblicke, wo die Lohn- und Gehaltsempfänger zum Ausgleich der Teuerung höhere Löhne und Gehälter forderten, wehrte sich das Unternehmertum mit der Begründung, daß die Erhöhungen von Löhnen und Gehältern erneute Preissteigerungen zur Folge haben würden. 1922 war dieser Zugang 153( 4,8 Proz.), die Sterblichkeit 1,06 Prozent. In ganz Berlin zählte man rund 15000 tuberkulöse Schulkinder. -schwestern." auf mangelhafter Ernährung, ungefunden Wohnungsverhältnissen Die Zahl der Kinder, die an Sfor but litten, einer schweren, und Unreinlichkeit beruhenden Krankheit, wie man sie bei verschlage nen Nordpoljahrern kennt, ist nach einem Bericht Professor Finkel steins, des Leiters des Berliner Kinderkrankenhauses, fünfzehnmal so groß als vor dem Kriege. Die Wirkungen auf Seelenleben und Lernfähigkeit tann man sich vorstellen.„ Leilweise erschütternde Berichte der Schulüber 14 Jahre sind die Wirkungen eher noch auffälliger. So waren Bei den Schulentlassenen und den höheren Schülern 1922 im Bezirk Bankow 22 Proz. der Knaben und 25 Proz. der Mädchen in Größe und Gewicht unternormal, 31 Proz. der Knaben, 30 Broz. der Mädchen, fast ein Drittel, nicht berufsfähig! Im Bezirk Schöneberg wurde der Körperzustand der Schulentlaffenen im Jahre 1913 bei 53,5 Proz. gut und bei nur 4,9 Proz. schlecht befunden im Jahre 1922 aber bei nur 35,2 Proz. gut und Freitag, 31. Oktober 1924 Arbeiters" erhöht würde. Aber nicht allein mehr schuften müßten die Arbeiter und sich für die Rolle des Kononenfutters für Kriegsverlierer begeistern. Die Gewerkschaften follen gemeinsam landwirtschaftlicher und industrieller Betriebe mit der Unternehmerschaft die unerhörte Steuerbelastung beseitigen." Also Steuerfreiheit für die Unternehmer, was natürlich eine weitere Belastung der Lohnund Gehaltsempfänger nach sich ziehen würde. Also Aber auch dann fann noch nicht die Rede sein von einer Lohnerhöhung. Die mit der Einziehung der sozialen Lasten betrauten staatlichen Stellen" wie überhaupt die Kommunal- und Vernaltungsbehörden müßten herabgemindert werden. Abbau der Sozialpolitik auf der ganzen Linie. Anrecht auf Ausbesserung ihrer Bezüge, solange die ReparationsAber auch dann hätten die Lohn- und Gehaltsempfänger noch fein lasten bestehen, die bekanntlich u. a. eine Hypothef auf das Industrie. fapital vorsehen. Mit dieser Hypothet steht es aber in Wirklichkeit so wie mit der„ Belastung" durch die Rentenmarkbank, die schließüch ein glänzendes Geschäft für die„ Belasteten" wurde. Diese ebenso eigennüßige wie dummdreiste Darstellung war in allen schriftlichen Erzeugnissen der Unternehmerwelt zu lesen. Die Wortführer des Unternehmertums schickten sich bereits an, wie in früheren Jahren den„ wissenschaftlichen" Nachweis zu führen, daß die geringste Lohn- und Gehalts bei 17 Proz. schlecht. 1913 waren 8,1 Broz. tuberfulös und 0,8 Proz. beendet. Nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Arbeits. erhöhung ein Todesstoß ins Herz der deutschen Wirtschaft sei. Die zuständigen Regierungsstellen Arbeitsministerium und Wirtschaftsministerium- ließen deutlich genug erkennen, daß auch sie von der listigen Irrung solcher ,, wissenschaftlichen" Beweisführung eingefangen sind. Dadurch war für die deutsche Wirtschaft eine fonflittschmangere Situ ation geschaffen worden. In sie hinein fuhr wie der Blizz in die Gewitterschwüle die Kunde von der Auflösung des Reichstags. Man sah im Geiste die fazenjämmerlichen Gesichter derSchieber und Preistreiber am Getreidemartte, man hörte das Wehklagen der Zollschuhgeister im Lager der Landwirtschaft und Industrie. Ihnen allen, allen schwammen die Felle dahin. Nun stand zu erwarten, daß der Sehnsucht breiter Boltsmassen nach Preisabbau Erfüllung werde. Und in der Tat, was die Preissenfungsmaßnahmen der Regierung nicht zu erreichen vermochten, das ward durch die Auflösung des Reichstags verwirklicht: die Großhandels. preise sinten. Werden ihnen die Kleinhandelskreise folgen? Das Statistische Reichsamt hat in den letzten Wochen und Monaten einen fast unbeweglichen, mit dem wirklichen Auftrieb der Preise für die Lebenshaltung nicht im Einklang stehenden Lebenshaltungsinder gehabt. Es hat noch in seiner Nr. 19 von ,, Wirtschaft und Statistik"- allen Preissteigerungen zum Troß angegeben, die Reichsinderziffer für Lebenshaltung vom Juli mit 1,16 fei auch im Monat September unverändert geblieben. Alle einigermaßen Kundigen waren erstaunt über diese Angabe. Nun die Großhandelspreise sinken, sind wir voller Neugierde, ob etwa die Inderziffer für Lebenshaltung nach unten beweglicher wird, als sie es war in der Zeit des Steigens der Preise. Da die Ermittlungs- und Berechnungsmethoden der Inderziffer nach wie vor dieselben geblieben sind, ist zu erwarten, daß bei einem etwaiger merklichen Sinken der Kleinhandelspreise, wovon leider zur Stunde noch nichts zu spüren ist, die umstrittene Inderziffer sich taum verändern wird. Die Gewerkschaften werden hierüber ein machsames Auge haben. Die Wähler aber haben am 7. Dezember dafür zu forgen, daß nicht eine Bürgerblodmehrheit nach dem Herzen der Schutzöllner und Spekulanten eine neue Teuerungswelle bewirkt! Kindernot nach dem Kriege. Noch heute, fast sechs Jahre nach dem Waffenstillstand, und noch auf viele Jahre vor uns machen sich im Gesundheitszustand des Volkes die fürchterlichen Folgen der Kriegs not bemerkbar.„ Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum" jagi Kellner in feiner ,, Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere"- durch spätere ,, durch spätere fräftige Nahrungszufuhr ließe sich das, was in dieser Hinsicht verfäumt worden sei, wieder ausgleichen und nachholen. Tiere, deren Entwicklung in der Jugend gehemmt wird, erlangen in späteren Lebensperioden auch bei sorgsamſter Pflege und befter Ernährung ihre volle förperliche Ausbildung in der Regel nicht mehr." Wieviel schlimmer liegen die Dinge bei den Menschen, wenn mit furzen Unterbrechungen dieser Ansturm der Unterernährung immer neu eingesetzt und in den Verheerungen der Geldentwertung und der Arbeitslosigkeit dem Nachwuchs der Besiglosen immer aufs neue die Lebenskräfte entzogen hat. So spielt in der Denkschrift über die Not in Berlin, die Oberbürgermeister Böß im vorigen Jahre veröffentlicht hat, das Kinderelend eine besonders große Rolle. Da heißt es: Folgen des Kriegs: In der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegszeit furchtbar; 1920 und 1921 Beginn einer erfreulichen Besserung; mit zunehmender Teuerung empfindlicher Rückschlag, Aufwuchs- und Lebensbedingungen erheblich verschlechtert vor allem Fehlen der leicht verdaulichen Mehl, Grieß- und Eierspeisen sowie Milch. Folgen der Unterernährung: Rachitis, schlaffe Muskeln, schwachs Knochen, Blutarmut, Tuberkulose, Strofulose, Drüsenerkrankungen, Stillstand der Entwicklung, schwere Formen der Spätrachitis; als Folge der mangelhaften Bekleidung Krankheiten der Atmungsorgane; Magenstörungen mit Magengeschwüren, neuerdings auch bei Kindern häufiger beobachtet; Erfrankungen der Schilddrüse bei Mädchen, Zunahme der Wurmfrank. heiten, Schmutzfranfheiten, Ungeziefer, Säuglinge mit minderwertis gem oder schädlichem Milcherjazz, Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe wegen Koften verzögert oder ganz unterlassen; Heil- und Stärkungsmittel meist unerschwinglich. Schreckliche Zahlen berichten die Schulärzte. Im Bezirk Bankow im Oftober 1921 bei 23 Proz. der untersuchten Kinder Hilfsmaßnahmen dringend, in Schöneberg 1922 von 1428 Schulanfängern 135 gleich 9½ Proz.( 1913 2,1 Proz.) zurückgestellt, davon 82 wegen Schwäche aus Unterernährung. Dort war der Körperzustand im Jahre 1913 bei 45,1 Proz. der Kinder gut und bei 13,9 Proz. schlecht, dagegen im Jahre 1922 nur bei 15,8 Proz. gut und bei 27,2 Broz. schlecht. Das in dem reichen Schöneberg. Im Bezirk Brenzlauer Berg aber waren 1922 unter 450 Kindern von 2 bis 6 Jahren 90 Pro 3. unterernährt. Ausgesprochene Tuberkulose wurde im Jahre 1914 bei 0,5 Proz. der Anfänger, dagegen 1920 bei 1,2 Proz., 1921 bei 2,5 Proz. und 1922 gar bei 3,2 Proz. der Anfänger festgestellt. In der Poliklinik des Kinderkrankenhauses zählte man 1913 33 Zugänge tuberkulosekranker Kinder( 1 Proz.), und auf 1000 Kinder unter 14 Jahren eine Tuberkulosesterblichkeit von 0,41 Proz. Potsdamer Stinktierplage. 39 von Stinffieren beobachtet worden. Zur Bekämpfung dieser In Potsdam ist neuerdings ein maffenweises Auftreten lage hat die Regierung auf den 7. Dezember einen AntiStinffier- Tag anberaumt. rachitijch- 1922 aber 15 Pro 3. tubertulös und 8,2 Broz. rachitisch 1922 aber 15 Pro 3. tuberkulös und 8,2 Proz. rachitisch: fast ein Viertel! tranfheiten. Nach den Feststellungen der Ortskrankenkasse Besonders bedenklich ist das Anwachsen der GeschlechtsBerlin waren aus diesem Grunde im Jahre 1913 658 männliche männliche und 14 757 weibliche! Wobei zu beachten ist, daß nur und 6782 weibliche Mitglieder erwerbsunfähig 1921 aber 2055 ein Teil der Erkrankten arbeitsunfähig wird, ein anderer feine Kranfheit gar nicht anmeldet. Auf die jugendlichen Altersklassen ent fielen 1921: bis 16 Jahre 52 männlich, 213 weiblich, 17 bis 20 Jahre 351 männlich, 1879 weiblich, 21 bis 25 Jahre. 634 männ lich, 3926 weiblich: zusammen 56 Proz. mehr als im Jahre 1919. man denke an die Damit ist der deutschnationale Wunschzettel aber noch nicht zeitfrage" fönne überhaupt ren den Löhnen gesprochen werden. Also Verlängerung der Arbeitszeit, und zwar, die Kreuzzeitung" weist ausdrücklich auf den§ 7 der Arbeitszeitverordnung hin, selbst in den gesundheitsschädlichen Betrieben! Damit nicht genug. Es dürfe ja kein„ Druck auf die Getreidepreise" ausgeübt werden, wie überhaupt„ die Frage der Agrarzölle endlich einer Klärung im positiven Einne zuzuführen ist". Also Verteuerung der Lebenshaltung, Preiswucherzugunsten der Großgrundbesizer. Zujammengefaßt sagt dis„ Kreuzzeitung", daß nur dann„ teilweise eine Lohnerhöhung zugestanden werden kann, wenn durch eine Erhöhung der persönlichen Arbeitsleistung die erfor derliche Vermehrung der Produktion vorher sichergestellt ist". Wenn die deutschnationalen Wahiredner mit diesem Programun fein Glück bei den Wählern haben, dann wird das eben wieder einz Beweis gegen die Demokratie sein. Wie wir dem Programm des Unternehmerinnditus Dr. Meiffinger zur größeren Verbreitung verhalsen, wollen wir dafür sorgen, daß auch das Lohnprogramm der Deutschnationalen den Arbeitern befannt wird. Auf den Blödsinn der„ Roten Fahne" einzugehen, die als getreue Bundeshelferin der Unternehmer und der Reaktion ihren Lohnfampf" ausschließlich gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie führt, verlohnt sich nicht. Die Arbeiter wissen heute, was sie von den Bundesbrüdern der Hergt und Grcefe zu halten haben. Die Gewerkschaften merden fich weder durch die fragwürdigen Rechenkunststückchen des Unterdavon abhalien loffen, die Stärkung der Kauftraft der Verbraucher nehmersynditus, nech am alíerwenigsten durch die Deutschnationalen durch die Erhöhung nicht allein der Naminal-, sondern auch der Reallöhne herbeizuführen. Sie werden das tun unter Abwägung aller Umstände, aber auch mit Entschlossenheit. Kapitalistischer als Kapitalisten! Die Kommunisten als Helfer der Schwerindustrie. Als im Reichstag über ein Gesetz beraten wurde, das den Kapitalisten eine jährliche Steuerlaft von 300 millionen Goldmart auferlegt, haben die kommunisten haben sie gegen die Verschärfung der Verordnung über die Geschäftsgegen das Gefeh gestimmt. Mit den Bölkischen zusammen aufficht gestimmt und dadurch die Schieber geschütt. Sie haben es durch ihr Berhalten so weit gebracht, daß der volfparteiliche Abgeordnete Dr. Beder- Hessen ihnen öffentlich der Dank der Schwerindustrie ausgesprochen hat. Er erklärte anläßlich der Stellungnahme des fommunistischen Abgeordneten koenen, der sich gegen die Belaffung der Industrie ausgesprochen hatte, wötilich folgendes: Das ist eine rein fapitalistische Auffassung. Wie ich mich freue, wenn die Kommunisten eine topitalistische Auffassung vertreten, das fönnen Sie sich ohne weiteres selbst sagen. 3d gehe nun nicht einmal so weit wie Herr Scenen. Denn das würde ja beweisen, daß man jede hohe Steuer befämpfen müßte." Die Kommunisten sind also in ihrer Liebedienerei fapitalistischer als die kapitalisten selb ft. Sie haben sich in ihrem Kampf gegen das Condoner Abkommen oft auch nationalistischer erwiesen als die schlimmsten Nationa. listen im Lager der Deutschnationalen und der Deutschvölkischen. Wie sie lügen! Berichte gleicher Art fommen aus allen Teilen des Reichs. Vor furzem hat das preußische Wohlfahrtsministerium dem Landtag zwei Dentschriften über die gesundheitlichen Zustände im Jahre 1923 vorgelegt, die solche und noch schlimmere Bilder aus dem ganzen Staate mitteilen. Nur mit tiefster Erschütterung läßt man die amtlichen Zahlenangaben am Auge vorüberziehen, die in ihrer Knappheit eine unsagbare Menge von bitterster Not- und von einem Voltselend ahnen lassen, wie man es in dieser Ausdehnung vor einem Jahrzehnt in einem Kulturstaate nicht für denkbar ge= halten hätte. Freilich war auch damals denen, die wissen wollten, allzu viel von Not weiter Schichten bekannt Feststellungen über Heimarbeiterelend, die Wohnungsuntersuchungen der Berliner Allgemeinen Ortstrankenkasse und manches andere aber alles hat sich doch weit in die Breite und Tiefe ausgedehnt. Mag auch sein, daß die amtlichen Stellen, sei es als Frucht der Staatsumwälzung, sei es, weil die Not auch den Mittelstand ergriffen hat und ihre Feststellung Waffen gegen ausländische Verderber Deutschlands liefern soll, weniger zurückholtend und beschönigend über diese Dinge berichten als unter dem alten System, wo nach Wilhelms II. leichtfertigen Brahlwort, für jeden gesorgt mar bis ins hohe Alter". Heute darf wenigstens die Wahrheit berichtet Die Rote Fahne" entrüstet sich über die Verwendung des werden. Und sie bringt Schande nicht nur über Poincaré und Ueberschusses vor 13 Millionen in der Stadt Berlin. Sie schimpft feine Werkzeuge auch über viele„ Volksgenossen"( nicht nur darüber, daß fünf Millionen an über 65 Jahre alte SpaLeute aus dem Osten", auf die unsere Nationalen" so gern die rer ausgegeben werden sollen. Das werden sich die Sparer eigenen Sünden abwälzen), die in dieser Zeit der schwersten Not gezweifellos merfen. Sie höhnt derüler, Saß fünf Millionen praßt oder fie gar zu eigener Reichtums- und Machtausdehnung als niedrig verzinsliche Hypotheken für Neubauten zur Berausgenützt haben. fügung gestellt werden. Die Arbeiter und Angestellten, die Notbaradenbewohner, die auf die Weise im Laufe des nächsten Jahres zu anständigen Wohnungen kommen, werden darüber anders den= Deutschnationale Lohnpolitik. ten als die„ Rote Fahee". Sie lügt, daß nichts für die ErwerbsSteuerfreiheit für Unternehmer- Lohndruck gegen Arbeiter lofen, nichts für die Rentner geschehe. Die Lügen der„ Roter Fahne" zeigen nur, wie unangenehm es den Kommunisten ist, wenn Die„ Kreuzzeitung" fühlt sich bemüßigt, für die deutschnationalen wirklich die Stadt etwas leistet. Am Tage vorher hat die„ Rote Wahlagitatoren Anleitungen herauszugeben, wie sie sich in der Wahl- Fahne" berichten müssen, daß 1,2 Millionen für die Beschaffung agitation zur Lohnfrage zu stellen haben. Zu diesem Zweck verDon Brennmaterialien für Wunderbemnelte bewigt öffentlicht sie in ihrer Nr. 499 vom 23. Oktober einen Leitartikel unter wurden. Diese Summe wurde ausdrücklich erhöht, damit auch die der Ueberschrift:„ Der Widersinn der gewerkschaftlichen Lohnpolitik". Ermerbstofen je 10 Beutner Briteits erhalten. Selbstver Also grundsäßlich" ist die„ Kreuzzeitung" nicht gegen Lohetaufständlich für die Rate Fahne" ist das alles nichts. Warum zahlen befferung. Sie ist aber der Meinung, daß diefe von einer Reihe von die Bonzen der„ Roten Fahne" von ihren Gehältern nichts Vorausfegungen abhängt. Zunächst sei der gegenwärtige für die Erwerbslosen, anstatt darüber zu schimpfen, wenn andere Zeitpunkt nicht der richtige. Die Lehnforderungen seien auch nicht an etwas leisten. Eine Woche vorher ist erst der Beschluß gefaßt, die die richtige Adresse gerichtet; die Arbeiter sollen sich gegen die Renten so zu erhöhen, daß 6 bis 7 Millionen Mar? Mehrausgaben Alliierten wenden und die Aufhebung des Abkom für den Winter entstehen. Die„ Rote Fahre" lügt also, wenn sie mens von London fordern: Bei einer derartigen Haltung behauptet, es geschehe nichts. Ste spefuiiert höchstens auf die würden die deutschen Arbeiter die gesamte deutsche Wirtschaft an Dummheit ihrer Leser und rechnet damit, daß sie von Lag zu Lag ihrer Seite finden." Also statt Lohnerhöhung Nationalistenrummel. vergessen, was die Fahne selbst hat berichten müssen. Die Lügen Statt der Riesengewinne der Schwerindustrie, der Konzerne und Syn- der Roten Fahne" tönnen die Sozialdemokratie nur noch mehr dikate zu Leibe zu gehen, sollen die Arbeiter die Revanchetrommel veranlassen, trop des Widerstandes der Kommunisten rühren, um das Knurren des Magens zu übertönen. die Arbeit der Gemeinde zu unterstützen, damit sie wirklich soziales Hilfswerk leiften farm. Schließlich werden die Lügen der Kommu niften auf niemand mehr Eindruck machen. Von eier Erhöhung der Löhne könne aber auch nicht gesprochen werden, wenn nicht vorher„ die persönliche Leistung des einzelnen Wirtschaft Genossenschaften gegen Landbundbank. Bekanntlich besteht die Absicht, die unter dem maßgebenden Einfluß des Reichslandbundes befindliche Rentenbank unter der neuen Firma Rentenbankfrebitan ft alt zu verewigen. Das neue Institut soll gleichzeitig den Bersonal- und den Hypothekerkredit pflegen. Da der Realkredit aber für die nächste Zeit infolge der hohen Zinssäke so gut wie gar nicht in Betracht kommt, würde die Rentenbankkreditanstalt vorläufig nach den eigenen Angaben ihrer Förderer fast ausschließlich den Personaltre dit zu pflegen haben. Dadurch aber fäme sie in konflikt mit den großen ge nossenschaftlichen Organisationen, die bisher die Kreditversorgung der Landwirtschaft mit großem Erfolg versehen haben. Schon die großen landwirtschaftlichen Organisationen haben deshalb gegen den Plan einer Rentenbankkreditanstalt Protest erhoben. Eine neue Kundgebung dieser Art geht jetzt von dem maßgebenden Institut der Kreditgenossenschaft aus. Es ist dies die Preußische 3entralgenossenschaftstasse, die jetzt aus einem reinen Staatsunternehmen zu einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen umgewandelt worden ist. Wat bisher das Kapital ausschließlich in Händen des preußischen Staates, so wurde jetzt die Hälfte der Kapitalanteile den Ge= nossenschaften zugestanden, die Kunden der Preußenfasse find. Es sind dies Genossenschaften aller Richtungen und aller Berufe. Der Wirkungsfreis der Breußenkaffe erstreckt sich aber nicht etwa auf Preußen allein, sondern über das ganze Reich. Ihr gehören die großen füddeutschen Bauernorganisationen ebenso an, wie die Konsumvereine und die sozialen Baubetriebe. Der Ausschuß der Preußischen Zentralgenossenschaftskaffe, in dem die Genossenschaften selbst durchweg vertreten sind, hat am 29. Oftober folgende Entschließung mit allen Stimmen bei einigen Enthaltungen gefaßt: I. Angesichts der jetzt schon unerträglich gewordenen Steuer= Iaft der deutschen Landwirtschaft und im Interesse der baldigsten Wiederherstellung flarer Grundlagen für den landwirt schaftlichen Kredit muß in erster Linie angestrebt werden, daß die Rentenbankbelastung sobald wie irgend möglich bleder aufgehoben wird und daß, solange sie noch besteht, die dafür von der Landwirtschaft zu entrichtende Abgabe auf das zulässige Mindest maß be schränkt wird. Grundsäglich scheint es uns nicht richtig, daß die für die Befriedigung des Kreditbedarfs der Landwirtschaft erforderlichen Mittel im Wege der Zwangsbelastung der Landwirtschaft felbst aufgebracht werden, weil hierdurch reue Mittel zur Kred tgewährung überhaupt nicht geschaffen werden, vielmehr nur das, was auf der einen Seite dem Landwirt genommen, ihm auf der anderen Seite verteuert wieder zugeführt wird. NEU RICHTER STEGLITZ II. Soweit aber die vorhandenen Mittel der Rentenbank nicht zu einer Ermäßigung der Lasten der Landwirtschaft, sondern zu Kreditzweden verwendet werden sollen, müssen die Kredite der Landwirtschaft auf dem einfachsten und billigsten Wege unter Vermeidung jeder Ueberorganisation, zugeführt werden, alse durch Bermittlung bereits bestehender, mit den erforderlichen Einrichtungen und Erfahrungen ausgestatteter Banten. Weite Kreise der Landwirtschaft fordern daher, daß die Verteilung der Rentenbanfmittel, soweit sie zur Befriedigung des Ber fonalfredits erforderlich sind, der Preußischen 3entral genossenschaftstasse übertragen wird, die sich in fast dreißigjähriger Tätigkeit für den weitaus größten Teil der deutschen Landwirtschaft voll bewährt hat. Wenn demgegenüber von anderer Seite und insbesondere von den Landschaften die Schaffung einer neuen Kreditanstalt in enger Angliederung an die Rentenbank zu Zwecken des Real fredits gewünscht wird, so will der Ausschuß dagegen feinen Widerspruch er. heben, da er der Ansicht ist, daß die Flüffigmachung größerer Mittel für Zwecke des Realfredits eine fühlbare Erleichterung auf dem Gebiete bes Personalfredits bringen würde. III. Als Voraussetzung dieser Lösung betrachtet es jedoch der Ausschuß, daß 1. die zu errichtende Anstalt, soweit in einer Uebergangszeit ihre Mittel für Zwecke des Personalfredits Berwendung finden follen, durch das Gefeß ausschließlich auf die Aufgaben einer Berteilungsstelle für eine engbegrenzte Zahl zentraler Kreditinstitute beschränkt wird; 2. für die Preußische Zentralgenossenschaftstasse die Zuweifung einer ihrem ausgedehnten landwirtschaftlichen Rundenkreis entsprechenden Quote an den zu verteilenden Mitteln sichergestellt wird; 3. die von der Anstalt den mit ihr in Verbindung stehenden zentralen Kreditinstituten berechneten 3insfäße für jede derfelben so bemeffen werden, daß bei allen der legte Kreditnehmer den gleichen Zinssatz zahlt; 4. eine Bertretung der Preußischen 3entral genossenschaftstasse in der Verwaltung der Anstalt gesetzlich oder fazungsgemäß gesichert wird. IV. Diesen Forderungen tragen jedenfalls die vorliegenden Entwürfe nicht Rechnung. Vor allem schließt der§ 10 des Sagungsentwurfes die Gefahr in sich, daß die neue Anstalt infolge des Auf baues ihrer Leistungsfähigkeit auf der Zwangsbelastung durch immer weitergehende Ausdehnung ihres Geschäfts- und Kundenkreises die Preußische Zentralgenoffenschaftstaffe außer stand feßt, die ihr verbleibenden Aufgaben fünftig unter gleich günstigen Bedingungen zu erledigen, wie es bisher der Fall war. Das würde zunächst den Lebensintereffen des großen landwirtschaftlichen Kundenkreises der Anstalt durchaus zuwiderlaufen. Die verminderte Leistungsfähigkeit der Preußischen Zentralgenossenschaftstasse würde sich aber auch auf dem Gebiet des städtischen Genossenschafts- und Konsumvereinswesens auswirken und damit eine schwere Schädigung auch weiter Kreise des Staufopf ZIGARETTENFABRIK OTTO KRESSIN BERLIN SCHONHAUSER ALLEE 149 Das altbewährte Kräftigungsmittel für Körper und Nerven Sanatogen ist in allen Apotheken und Drogerien erhältlich. 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Koloniestraße 140( Nähe Badstraße) Kottbuser Damm 69 städtischen Mittelstandes und der Arbeiterschaft bedeuten, die zum großen Teil durch die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre in ganz besonderem Maße hart betroffen wurden. V. Der Ausschuß sieht sich aus den dargelegten Gründen nicht in der Lage, fich zu den vorliegenden Entwürfen zustimmend zu äußern. Von der preußischen Staatsregierung erwartet der Ausschuß, daß sie nur einer solchen Lösung zustimmt, welche die unbedingte Gewähr bietet für den weiteren Bestand und die Lebensfähigkeit der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse, in die der Ausschuß auf Grund ihrer bisherigen segensreichen und von veller Unparteiliteit und Sachlichkeit getragenen Leistungen zugunsten der deutschen Loadwirtschaft und des städtischen Genossenschafts- und Konsumveseins wesens volles Vertrauen fett. = Deutschland und Japan. Die deutsch japanischen Handelsver tragsverhandlungen lenten wieder das Interesse auf die Handelsbeziehungen Deutschlands zu diesem Staate, mit dem vor dem Kriege ein Handelsvertrag bestanden hat. Der beutsche Außenhandelsver. band schreibt dazu: Wenn auch der Anteil Deutschlands am Import Japans im Vergleich mit demjenigen der Bereinigten Staaten und Englands noch sehr gering ist, so hat er sich doch von Jahr zu Jahr start erhöht. Er betrug 1920 0,5 Proz., 1921 3 Proz., 1922 5,8 Proz. und 1923 ebenfalls 5,8 Proz. Der entsprechende Anteil der Vereinigten Staaten, die die erste Stelle in der Einfuhr Japans einnehmen, ist 37,3 Bros., 35,2 Proz., 31,5 Prozent, 24,2 Proz. Es scheint demnach, daß Deutschland froß der ungünftigen Bedingungen seine Einfuhr auf Rosten der Vereinigten Staaten vergrößert hat. Die deutsche Einfuhr. ist insofern bisher gegenüber der Einfuhr anderer Länder stark benachteiligt ge= wesen, als Deutschland keinen Handelsvertrag mit Japan besaß und infolgedessen dem japanischen Generaltarif unterworfen wurde, während Großbritannien, Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten besondere Vertragstarife befizen, durch die die Einfuhr dieser Länder nach Japan begünstigt wird. Deutschland. befand sich also in einer sehr schmierigen Lage und die japanische Regierung bat nichts, um der deutschen Einfuhr eine gerechtere Be handlung zuteil werden zu lassen. Im Gegenteil, der am 31. Juli in Kraft getretene Luruszoll von 100 Prozent auf den Wert trifft die Meistbegünstigungsklausel oder die Konventionaltarife gegen in erster Linie Deutschland, da die meisten anderen Länder durch diese Zollerhöhung mehr oder weniger geschüßt sind. Auch durch nisteriellen Genehmigung unterliegen soll, ist hauptsächlich Deutschdie Verordnung vom Juni, daß die Einfuhr von Farben der milands Farbenindustrie getroffen worden. Um so dringender ist es, daß jetzt Deutschland mit Japan zu einem Vertrage tommt, der Deutschland diefelben Vorteile einräumt, die die anderen Nationen genießen. Briefkasten der Redaktion. . 52 R. Wir habe darüber nicht berichtet. A. A. 93. Besten Dant. Leider nicht geeignet. Zin Friedensformat Die beliebte 35 KRESSIN Anatole France Selbstbiographie I. Der kleine Peter Deutsch von Beatrice Sacs II. Blütezeit des Lebens Deutsch von Arthur Seiffhart Jeder Band in Halbleinen 3.- Gm. * Diese Kindererinnerungen des flugen, gütigen französischen 3ronifers enthalten wundervolle Seiten, nirgends zeigt sich France gütiger, lächelnder, zarter als in diesem liebenswür digem Buch. Hermann Heffe( Nationalzeitung"). Eines der entzüdendsten Bücher, die uns France gefchenkt hat." Dr. G. Hübscher( Münchener N. N."). 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Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Die Sozialdemokratie im Wahlkampf Massenbesuch unserer Versammlungen. Kreuzberg und Neukölln, zwei Kreise, die in der Berliner Arbeiterbewegung an erster Stelle stehen, veranstalteten gestern gemeinsam eine öffentliche Wählerversammlung in der„ Neuen Welt". Saal und Galerie waren überfüllt. Hunderte mußten sich mit Stehplätzen begnügen, während draußen viele keinen Einlaß mehr fanden. Referent des Abends war der preußische Minister des Innern, Genoffe Severing. Einleitend streifte der Redner die englischen Wahlen. Die Konfervativen haben zumeist auf Kosten der Liberalen einen Wahlfieg errungen. Die Arbeiterpartei mußte ebenfalls eine Niederlage hinnehmen. Trotzdem noch teine genauer Wahlergebnisse vorliegen, jubelt in Frankreich und in Deutschland die Reaktion. Sie glaubt im Ernst, daß das Pazifistentabineit Macdonald ein für allemal erledigt sei. Ein Anlaß zur Trauer über die Niederlage der englischen Genossen liegt für die deutsche Sozialdemokratie nicht Wir wissen, daß vor. die englische Arbeiterpartei feinen Stimmenverlust 31 verzeichnen hat. Lediglich das englische Wahlsystem hat einen abermaligen Sieg der englischen Genossen verhindert. Für die Deutschen Wahlen am 7. Dezember ist nur zu wünschen daß die Wähler in gleich großer Anzahl zur Wahlurne schreiten wie in England. Wenn jetzt von einer gewissen Seite die Parole ausgegeben wird, das deutsche Volk sei wahlmüde, so muß man, wenn man diese heutige Riesenversammlung betrachtet, zur gegenteiligen Meinung fommen. Zur kommenden Wahl äußerte fich Genosse Severing dahingehend, daß, wenn ein Sieg des Bürgerblocks eintrete, die Gefahr neuer Kriege näher denn je liegt. Warum fonnten überhaupt am 4. Mai die Deutschnationalen einen Wahlfieg erringen? Wenn man diese Frage beantworten will, so muß man sagen, daß hier die Ber geßlichkeit des deutschen Boites viel zu diesem„ Sieg" beigetragen hat. Mit dem Wort Versailles gingen die nationalen Kreise hausieren, und am 4. Mai war die Wählerschaft blind genug, auf diesen Bauernfang hineinzufallen. Das darf nicht noch einmal geschehen. In treffender Weise kennzeichnete Genoffe Severing den Radaupatriotismus der Nationalen und Völkischen. Diese Leute, die heute fagen, Deutschland müsse einen Krieg gegen Frankreich führen, find entweder Dummköpfe oder Verbrecher. ( Stürmische Zustimmung.) Liegt es im Interesse des deutschen Belles, derartige Rezepte in die Welt zu schleudern? Möge die Teutsche Wählerschaft am 7. Dezember darüber ihr Urteil fprechen. Sor dem 4. Mai bliefen die Nationalen" ganz gewaltige Töne. cch dem 4. Mai ging es jedoch schon mit gedämpfter Trommel Mang. Doch eine neue Parole wurde gefunden: Ablehnung des Dawes- Gutachtens, das nach der Meinung der Völkischen ein zweites Versailles" bedeutet. Aber wie wurde abgelehnt? Jeder, der damals die sozialdemokratische Bresse genau verfolgt at, weiß, was die tapferen Nationalen am 29. August taten. Dann gilberte Genoffe Severing den von den Deutschnationalen betriebenen Kuhhandel. Jetzt ging den Wählern im Lande ein Licht anf. Besonders die streng nationale Wählerschaft lief Sturm gegen Die Praktiken ihre Vertreter und protestierte. Beschwichtigungsverinche wurden unternommen, die jedesmal dahin austlangen: Ja, mir Nationalen sind gegen das Dames- Gutachten, und wir wollen burch unseren Ruhhandel nur die Regierungsgewalt an uns reißen. nd der Kuhhandel ging weiter, bis zur Reichstagsauflösung. len wir neue Repressalien im Westen verhüten, wollen wir neue mut und die Verzagtheit, die sich im vergangenen Jahre bei der niedergedrückten Arbeiterschaft einschleichen konnten, zu vertreiben. Und haben wir diesen Feind erst einmal veririeben, dann haben wir gefiegt.( Langanhaltender Beifall.) kommunistische Weisheiten, während ein anderer zur Stimmenthal In der Diskussion verzapfte zunächst ein Redner anarchistischtung aufforderte. Die Versammlung quittierte diesen blühenden Unsinn mit lautem Gelächter. In beredten Worten wandte sich eine Genossin an die Wählerinnen. Gerade die Frauen müßten immer wieder daran denken, daß vier Jahre schrecklichen Mor= dens hinter ihnen liegen. Daher darf es für die Frauen nur die Parole geben: Alle Stimmen der Sozialdemokratie, der Friedenspartei. Freitag, 31. Oktober 1924 Arbeitersport. Schwimmverein Borwärts Berlin 1897, Gruppe Rorboft. Am Sonntag, en 2. November, nachmittags 3 Uhr, begeht die Gruppe in der Badeanstalt erberger Straße ihr diesjähriges Winterfchwimmfest. Das Schwimmfailt vor allen Dingen der Jugend, deren Ronkurrenzen von allen Gruppen De Bereins start befekt sind. Im Schwimmen über alle Lagen sind über 200 chwimmer am Start. Gleichzeitig findet im Anschluß an die Austragung der reinsmeisterschaften vom Neuköllner Schwimmfest am 16. Oktober, die strung der Meisterschaft im Einzelmehrkampf, ferner Meisterschaftswasser. Lovie ftatt. Bei einem voltstümlichen Eintrittspreis von 50.Pf. wird reer Buch der Arbeiterschaft, erwartet. Die eptower Sportabteilungen Fichte- Süboft, Fiate 3 und der AthletitSport- Cluc. B. haben sich) zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Am Sonntag, den 2. November: 2auf durch den Treptower Part. Ablauf 211 Uhr Fichte- Plak: 11-12 Uhr Speerwerfen. für Sonntag, den 2. November. Leitung S. D. Arbeiter- Radfahrer- Bund,.Colidarität". Ortsgruppe Berlin. Touren 1. Not.: Streiftour durch den Blänterwald. Start 1 Uhr Billowstr. 55. 2. Abt.: Ertner- Gosen. Start früh 7½ Uhr. Nachmittags 1 Uhr Hirschgarten( Wilhelmshof). 3. Abt.: Nachmittagstour Johannisthal( Bota). Start 1 Uhr Laufizer Plak. 4. Abt.: Sirichgarten. Start 1 Uhr Weberwiese. 5. Abt.: Katharinenfee. Start 1 Uhr Landsberger Play. 6. Abt.: Adlershof( Riege). Start 1 Uhr Kopenhagener Straße 26. 9. Abt.: Bireknwerder( Japan). Start 12% Uhr Schulstr. 114. 10. Abt.: Adlershof( Riege). Start 1 Uhr Comeniusplak. Ortsgruppe Treptow- Baumschulenweg: Bezirksiour. Start 9 Uhr Bahnhof. Drtsnruppe Schöneberg: 1. November, abends 8 Uhr. 25. Stiftungsfest. Luther- Säle, Lutherstr. 31-32. Ortsgruppe Charlottenburg: 6 Uhr Familienabend im BirnStart 9 Uhr baum". Ortsgruppe Pantow: Fuchsiagd Summt- Birkenwerder. Flora, Ecke Mühlenstraße. Ortsgruppe Niederschönhausen: Schnikeljagd nach Glienicke. Start 10 Uhr Friedensplan. Ortsgruppe Tegel: Tour wird am Nach einem kurzen Schlußwort Geverings fonnte die imposante Wahlkundgebung, die als ein gutes Omen für den Wahltag be= trachtet werden kann, mit einem begeistert aufgenommenen Hoch Start bekanntgegeben. Start 1 hr. auf die Sozialdemokratie geschlossen werden. In der überfüllten Wählerversammlung in den Hohen= 30llern Sälen in Charlottenburg Sprach Genosse Kuttner. Während sich die bürgerlichen Bartelen barum streiten, wer von ihnen die Reichstagsauflösung verschuldet hat, bekennen mir Sozialdemokraten freimütig, daß wir bewußt das Ende dieses Parlaments herbeigeführt haben. Bei der Wahl am 4. Mai überwogen diejenigen Wähler, die den Stimmzeitel als Blitzableiter für ihren politischen Aerger benutzten. Diese Wähler haben nicht überlegt, daß der verflossene Reichstag als Hauptaufgabe die Berabschiedung des Londoner Abkommens hatte, das sich bei der Wahl bereits ankündigte. Der Demagogie der Deutsch nationalen gegen das Londoner Abkommen ging Genosse Kuttner unter dem Beifall der Versammlung in feiner sarkastischen Weise scharf zu Leibe. Er meinte, die Deutschnationalen ständen auf dem Standpunkt, wenn sie schon dem Abkommen durch ihren Abstimmungsbetrug zur Annahme verholfen hätten, brauchten sie deswegen noch lange nicht die Lasten zu tragen. Die wollten sie schon zwei Tage nach dem 29. August durch die Zollvorlage auf die arbeitenden Massen abwälzen. Die sozialdemokratische Fraktion hat diefen sauberen Plan vereitelt. Aber damit ist der Zolltarif nicht endgültig erledigt. Ob er fommt oder nicht, hängt von dem Aus. fall der Wahl am 7. Dezember ab. Mit unserer Tattit bei der beabsichtigten Regierungsumbildung haben wir Sozialdemo: Praten die Reichstagsauflösung erreicht. Damit ist die Entschei dung über die Frage des Bürgerblocks und demit der Lastenverteilung aus dem Londoner Abkommen den Wählern über geben. Durch die Wahi müssen wir eine Regierung schaffen, die die Befriedung Deutschlands zum Ziel hat. Der Redner ging furz auf den voraussichtlichen Ausfall der englischen Barlamentswahí ein, der jetzt schon von unseren Nationalisten bejubelt wird. Sie freuen sich darüber, daß der Deutschenfreund Macdonald beseitigt ist und an seine Stelle wahrscheinlich ein Kabinett der Ronferocliven treten wird, das ihnen wieder den erwünschten Agitations stoff tringen soll. Eetzen wir dieser internatio= nalen Bölferverhehung unsere internationale Völkerverständigung gegenüber. Bei der Wahl geht es um die Republik. Die Wiederkehr der Monarchie bedeutet Wiederkehr der Junterherrschaft, bedeutet Teilung des Bolles in Erstklassige und in regierte Untertanen. Die Sozialdemokratie ist für ein freies Volf in einent freien Staate; deshalb alle Stimmen der Sozialdemokratie. ige verhindern, so muß die deutsche Wählerschaft am 7. Dezember Parteinachrichten Urteil fällen, daß ein Regierungseintritt der Deutschnationalen unmöglich ( Lebhafter Beifall und stürmische Zustimmung.) Ein Sieg der magogie und der Lüge, denn etwas anderes war der Sieg der tionalen am 4. Mai nicht, darf nicht noch einmal zur Tatsache Sen. War die Niederlage der Sozialdemokratie berechtigt? er weiß, daß schon seit Jahren die Sozialdemokratie die Interund das Wohl des deutschen Volkes höher stellte als die Parlereffen. Dann zerpflückte Genosse Gevering den letzten Wahlfruf der Deutschnationalen, in dem u. a. gesagt wird, daß Beonde und Befiklofe in einem Boltsstaat unmöglich sind. Hiermit Ommen wir uns einverstanden erflären. Aber wir wissen ja zur Genüge, wie die Herrschaften der Rechten das meinen. Auch mein Name ist als einziger Minister in diesem Aufruf vermerkt." Fort mit Severing" heißt es. In meiner Heimatstadt in Westfalen et man für diejenigen, die es immer besonders eilig haben und rängeln, den Satz geprägt:" Daß das morgen auch noch gehe." Und mit diesem Sah will ichs halten. Augenblicklich bin ich noch da. Und wenn die Wählerschaft es will, werde ich nach dem 7. Dezember auch noch da sein. ( Sürmischer Beifall.) Warum soll ich gehen? Die Nationalen migen mein System nicht. Mein System, das die Demokratifierung des Voltsstaates und die Beseitigung der Suntertaste vorsicht! Nachdem der Redner die früheren Wahlprattiken der Deutschen Volkspartei, insbesondere bei der Juniwahl 1920 charakterisiert hatte, fam er auf das Kabinett Cuno und auf die Ruhrpolitik zu sprechen. Wenn sich jetzt die Deutsche Volkspartei als Richter aufspielt und behauptet, die Sozialdemokratie habe versagt, so ist das mehr als Irrsinn. Immer, wenn das Baterland in Gefahr schwebte, und das war damals beim Kabinett Tuno der Fall, kam die Deutsche Volkspartei zu uns, um um Hilfe au bitten. Und die Sozialdemokratie hat stets geholfen. Jetzt foll fie nun auf einmal versagt haben? Ja, wenn die Deutsche Volkspartei dieses Versagen dahingehend erklären will, daß fozialdemokratische Minister nicht ihre Hand zu Arbeitszeitverlängerungen und Lohnkürzungen Ginfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, Sport. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 30. Oktober. 1. Rennen. 1. Diana VII( G. Jauß), 2. Baron Slatawah( J. Mills), 3. Federnelle( F. Schmidt). Toto: 31: 10. Plaz: 15, 19, 19:10. Ferner liefen: Clärchen M., Hauptmann, Baron Watts jr., Frechheit, Bismart, Margot I, Linsto, Karneval, Marina. 2. Rennen. 1. Alices Tochter( M. Ringius), 2. Venus( F. Thomas), 3. Ludwig( Przyrembel). Toto: 32: 10. Play: 15, 32, 9, 22: 10. Ferner liejen: Triumph, Kapitän Halle, Terraria, Baron Gabler, Andante, Charade, Kalle, Dolerit, Dilemma, Kadett. 3. Rennen. 1. Pontresina( Weidner jr.), 2. Colonel Dillon( Weid müller), 3. Erbschaft( Sauß fr.). Toto: 60: 10. Blag: 19, 13, 17: 10. Ferner liefen: Stella Harf, Sung Bergfried, Clematis blau, Lady Betaurist, Arche, Durchbruch, Heideprinz, Leichtsinn, Prahlhans, Pechjackel, Adler, Silverius, Teufelsbart. 4. Rennen. 1. Long Alfa( 2. Weiß), 2. Interpellant( Ch. Mills), 3. Altgold( Elias). Toto: 164: 10. Blah: 32, 16, 28: 10. Ferner liefen: Sybill, Barones Lybia, Arworthy J., Lustiger Bruder, Johannistäfer, Nathan IV, Fafner J., Wildfate, Cleo Watts, Gawein. 5. Rennen. 1. Lukullus( Ch. Mills), 2. Eilzug( J. Mills), 3. Beter I ( Heckert). Toto: 42: 10. Plak: 17, 19, 30: 10. Ferner liefen: Odysseus, Stuart Webbs, Monarchist, Rusa Defa, Manfred, Qui vive, Dankwart, Josef, Schlips, Trotteur, Kittyschor. 6. Rennen. 1. Wasserlauf( Herm. Schleusener), 2. Sudan( Ch. Mills), 3. Kapellmeister( Rosenberg). Zoto: 63: 10. Play: 25, 14, 25: 10. Ferner liefen: My Darling, Kammersänger, Divisionär, Karl Alexander, Lebenslust, Idafa, Deukmünze, Herstelle. 7. Rennen. 1. Quintora( Gottschall), 2. Attorie( F. Moser), 3. Une Petite( Elias). Toto: 81: 10. Platz: 29, 23, 23: 10. Ferner liefen: Heiderose B., Haubike, Hannover, Lumpi, Zeitgeist, Long Nunchen, Copal, Allertony, Tell. 8. Rennen. 1. Mignon Forbes( Ch. Mills), 2. Jnge I( M. Ringius), 3. Wainsca( Snöpnadel jr.). Zoto: 41: 10. Plat: 20, 53, 30: 10. Ferner liefen: Iduna, Instanz, Vyverberg, Abdulah Silver, Leuchtturm, Musical Girl, Eulenspiegel, Heidefce, Maitönigin I, Blaumcise, Manila I, Frettchen, Ballast, Diy S., Else B. I. Und wieder Kehraus im Radsport. Die Sommerbahnen wollen anscheinend ibre forten nicht schließen. Herr Schwarz( Treptow) und Herr Lücke( Olympia) übertrumpfen fich gegenseitig und fündigen für kommenden Sonntag je einen Kehraus an. In Treptow soll dieser letter" Renntag ein Boltstag mit povu lären Eintrittspreisen( von 1-7 m.) werden. Die Direktion ist bemüht, für diesen Tag ein gutes Programmt zusammenzustellen. Für die Dauer rennen den Abschiedspreis", der in zwei Läufen über je 30 km ge jahren wird ist bisher der Holländer Bletemolen gewonnen. Mit Auch brei weiteren Fahrern stehen die Verhandlungen vor dem Abschluß. die Besetzung der Fliegerrennen steht noch nicht fest, da der Meldeschluß erit am Donnerstag abend ist. Der Beginn der Rennen ist trot der frühen Dunkelheit auf nachmittags 3 Uhr festgesetzt, da die Treptower falls bei elettrischer Beleuchtung ausfabren zu lassen. für Groß- Berlin Bahn mit ihrer Lichtanlage in der Lage ist, den Rest der Rennen nötigenstets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 3. November, 7% Uhr, Kreisver treterversammlung in der Aula des Realgymnasiums Schillerstr. 26. Tagesordnung: Der 7. Dezember und die Sozialdemokratie". Referent Ge= toffe Nietisch. Borschläge zur Aufstellung der Kandidaten. Bur Teilnahme sind berechtigt die in den Abteilungen gewählten Delegierten, die Abteilungsvorstände, bie Mitglieder der Bezirks- und Stadtverordnetenversammlung sowie die Stadträte. Den Abteilungen wird empfohlen, am Saaleingang ein Verzeichnis der Delegierten abzugeben. 17. Kreis Lichtenberg. Bildungsausfchuk und Jungfozialisten: Der Kursus ,, Marrliteratur" muß wegen der öffentlichen Bersammlung heute ausfallen. Nächster Abend Freitag, den 7. November, abends 7% Uhr, in der Bibliothek Weichselstraße. 19. Kreis, Bankow. Sonnabend, 1. November, 6 Uhr, Kreisbelegiertenverfammlung im großen Sikungsfaal im Rathaus Pantow. 20. Rreis Reinidendorf. Die Genossen und Genoffinnen der Abteilungen des Kreises beteiligen sich an der am Freitag abend 7 Uhr in Reinidendorf- Oft, Schüßenhaus, Residensstr. 1-2, stattfindenden öffentlichen Wählerversammlung. Heute, Freitag, den 31. Oftober: 39. Abt. 6% Uhr Funktionärsikung in der Juristischen Sprechstunde, Lindenftraße 3. 7% Mitgliederversammlung ebenda. Reichsbanner ,, Schwarz- Rot- Gold". 103. Abt. Die Genossen, die Mitglieder des Reichsbanners find, haben sich in Windjacke und Kappe in der öffent. lichen Versammlung, 7 Uhr, in der Aula in Niederfchöneweide als Gaalschuß einzufinden. 137. Abt. Reinickendorf- West: Die angefeßte Mitgliederversammlung fällt wegen der öffentlichen Kreisversammlung aus. rngjezialisten. Gruppe Norden: Freitag 7 Uhr im Jugendheim des Ledigen. heims( Orthstraße) freier Abend. Gruppe Schöneberg: Jm Heim der GAJ.. Rubensstraße, Beteiligung an den Sprechchorübungen. Morgen, Sonnabend, den 1. November: 31. Abt. 8 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Straße 86, Funktionärtonferenz mit den Betriebsvertrauensleuten. Wichtige Mitteilungen. Gämt liche Kreisvertreter der Abteilung erhalten ihr Mandat heute 72 Uhr vor dem Eingang des Gaales vom Abteilungsleiter. 36. Abt. 7 Uhr bei Bierbermann, Bordorfer, Ecke Löwestraße, Abteilungs. verfamlung. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Wahlen. 2. Wahl der Delegierten zum Bezirkslag. Die Bezirksführer werden gebeten einzu Taden. 57. Abt. Charlottenburg. 72 Uhr bei Thunack, Wielandstr. 4, außerordent Tiche Mitgliederversammlung. Stellungnahme zur Reichstagswahl. 91. Abt. Neukölln. 7% Uhr außerordentliche Abteilungsversamlung im II. Gaal vom Karlsgarten, Stellung zur Reidstags- und Landtagswahl. 101. und 102. Abt. Bildungsausschuß Treptow- Baumslenweg: 8 Uhr in der Treptower Sternwarte Aufführung des Films Der Berg des Gdjickfals". Karten zu 30, 50 und 75 Pf. find noch an der Abendkasse zu haben. Leffingstraße. geboten haben, so wird sie es sich gefallen lassen müssen, daß sozialdemokratische Minister auch fernerhin„ verjagen", Was haben 117. Abt. Lichtenberg. 7½ Uhr: Kuntionärsikung bei Grundlach, Kant-, Cac wir zu tun? Unsere vornehmste Aufgabe muß es sei den KleinDefft 68 EDEL WIE DER NAME Massary Die Dlympia bahn will am Sonntag den besten Schrittmacher herausfinden. Die Dauerrennen führen über 5 × 20 Kilometer. Lewanow, Wegmann, Bauer, Weiß und Seruptat werden ftarten. Da jeder Schrittmacher einen Lauf mit jedem der fünf Fahrer fahren muß und der Sieger sowohl bei den Fahrern als auch bei den Schrittmachern nach Punttwertung ermittelt wird, werden diese Rennen besonders über die Vorzüge der einzelnen Schrittmacher, welche ja alles erprobte und bewährte Stämpen auf dem Zement find, Ausschluß geben. Nicht uninteressant wird auch die Feststellung sein, wie sich die einzelnen Fahrer hinter den verschiedenen Schrittmachern zurechtfinden werden. Die 3mischenpausen werden durch ein fleines Flieger- Match ausgefüllt werden. Die Rennen beginnen u m 2 Uhr. Samfon- Körner- Cool. Die beiden Gegner find nach längeren Berhandlungen einig geworden, am 6. November im Sportpalaft über 10 Runden zu fämpfen, und zwar ebenfalls in 4- Unzen- Handschuhen und harten Bandagen. Die Ernennung des Schiedsrichters steht noch aus. Der Borverkauf für diesen Kampfabend wird diesmal bereits am Sonnabend, vormittags 10 Uhr, eröffnet, Sonntag ist die Kaffe geschlossen. Die Die Eintrittspreise betragen 3-30 M. Die Vorverkaufsstellen sind wie bisher: Stasse des Sportpalastes, Potsdamer Str. 72, Passage Laden 30 und Verlag Hadebeil, Stallschreiberstr. 34/35. Geschäftliche Mitteilungen. Ein Baar gute näheschüßende Stiefel oder Schuhe zu besiken, ist jeht der begreifliche Wunsch der meisten Menschen. Aber nicht nur gut follen die Schuhwaren fein, fie dürfen auch im Intereffe des Geldbeutels einen bestimm ten Preis nicht überschreiten. Im Inferat in heutiger Nummer bietet die bekannte Schuhfabrik Conrad Tack u. Cie., A.-G., Burg b. M., Schuhwaren au ganz erstaunlich billigen Preisen an. 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Der Inhalt bewegt sich in der Hauptsache um den Kampf für den Achtstundentag. Der Film schildert uns ferner von unseren Kämpfen. Gorgen und Möten und unseren Siegen. Den Höhepunkt des Films bildet der letzte Aft mit der gewaltigen Ratastrophe im Riefenwert. Der Film schließt unter den Klängen der Internationale. Beachtet die Inferate und Mitteilungen der Organisation. ROA 53 EINE ZIGARETTE VON RANG. Unsere Sonder- Tage LST bieten Ihnen, wie stets, unvergleichliche Vorteile, die Sie in Ihrem Interesse nicht unbenutzt vorübergehen lassen dürfen. Lesen Sie unser Angebot, kommen Sie zu uns und Sie müssen feststellen, daß unsere Leistungsfähigkeit kaum übertroffen werden kann. Wir bringen zum Beispiel: Besonders empfehlenswert: Herren- Stiefel in Rahmen- Ausführung, prima Rindbox, spitze Form mit Ringsbesatz, weiß gedoppelt, in hervorragend. 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