Nr.516+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 262 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmark pro Monat. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Beit" mit..Gied. lung und Kleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0,70 Goldmark, Reflamezcile 4- Goldmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig zwei fettgedruckte Borte), jebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Geldmark, fedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Der Hauptgrund Jahren einen solchen Wechsel von Hoffnungen und Befürchtungen diefes Entschlusses liegt darin, daß die Regierung zunächst mehr Licht erzeugt, daß man dem neuen Umschwung mit einer gea in die mysteriöse Angelegenheit des Sino wjew- Briefes wissen Ruhe entgegensehen könne. Man dürfe mit bringen will. Die Regierung hofft, daß die Untersuchung bis nächste Bestimmtheit erwarten, daß die neue Regierung sich von den bisWoche abgeschlossen werden kann. Sie wird dann wahr- herigen Richtlinien der englischen Diplomatie nicht allzu weit entscheinlich zurüdfreien. Die Entscheidung darüber wird erst der fernen werde. Die Entente fei nicht das Ergebnis einer willkürlichen Ministerrat am Dienstag fällen. Der König kommt am Montag Rombination, sondern das logische Produkt jeder auf Befriedung zurück und wird wahrscheinlich am Ende der nächsten Woche Ge- Europas gerichteten internationalen Politik. legenheit haben, eine fovative Regierung zu berufen. Der Untersuchungsauschuß für den Sinowjew- Brief hat mit feinen Arbeiten begonnen. Macdonald hat beschlossen, falls der Brief sich als Fälschung herausstellt, eine Entschuldigung an die Sowjeíregierung zu richten. Das Gesamtwahlergebnis. London, 31. Oktober.( WTB.) nach den letzten Feststellungen über die gestrigen Wahlen haben die konservativen 407, die Arbeiterpartei 152 und die Ciberalen 40 Site erhalten; anderen Parteien fallen 4 Sitze zu.( Die Mandate der Universitäten dürften noch ausstehen. D. Red.) Frankreich zum englischen Wahlausfall. Paris, 31. Oktober.( Eigener Drohtbericht.) Die Kommentare des größten Teils der Pariser Presse zu dem Ausfall der englischen Wahlen sind am Freitag morgen, nachdem die erste Ueberraschung sich gelegt hat, erheblich philosophischer als am Tage zuvor. Ziemlich allgemein kommt die Auffassung zum Durchbruch, daß die englische Politik gegenüber Frankreich durch den Sieg der Konservativen faum allzu erheblich geändert werde. Denn im Grunde bleibe, gleichgültig, ob Lloyd George, Macdonald oder Baldwin Premierminister seien, die äußere Politik des englischen Auswärtigen Reaktion und Nachrichtenwesen. Weitere Rechtsschwenkung in der Telegraphenunion. Der gewaltige Einfluß, den das Industrie- und Finanzfapital fich durch Zeitungserwerbungen und durch Ankauf von Nachrichtenagenturen gesichert hat, soll neuerdings weiter ausgedehnt werden. Es ist noch erinnerlich, wie die Telegraphenunion früher ein neutrales Unternehmen, den Presseverlag Dr. Dammert angekauft hat, um so die Organi sation des Artikeldienstes über die ganze deutsche Provinzpresse hin sich anzugliedern. Die Ehe dauerte nicht lange. Eines schönen Tages maßte sich die geschäftliche Leitung das Recht an, das Unternehmen schwerindustriellen Geld. gebern auszuliefern. Dr. Dammert, der Inhaber der Artifelforrespondenz, zog daraus die Folgerung, aus dem Betriebe auszuscheiden. Trotzdem gab der schwerindustrielle Berlag eine ganze Reihe von neutral oder politisch gemäßigt erscheinenden Artikel- und Informationsforrespondenzen heraus, bei deren Bearbeitung die Schriftleiter einige Selbständigkeit hatten. Infolgedessen war es auch linksgerichteten Schriftstellern möglich, an dem Unternehmen mitzuwirken. Das wird jetzt anders. Es erregte bereits Aufsehen, als mit dem 1. Juli d. J. der Leiter der Telegraphenunion, der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Cremer, seine leitende Stellung in der Agentur aufgab, deren Finanzierung in der Hauptsache durch den Hugenberg Konzern erfolgte. Dieser schwerindustrielle besitzt außerdem die Ala, ein weitverzweigtes Annoncenbureau, und ferner verfügt er über die geistige Freiheit des ScherlVerlages, deffen Blätter, der ,, Lokal- Anzeiger" und der ,, Tag", seitdem ihren Radaunationalismus noch um einige Grade vertärkt haben. Schließlich waren ja Rüstungen seit jeher das einträglichste Geschäft der Schwerindustrie. Es lohnt sich des halb schon, ein paar Jahre hindurch einige Blätter und eine Nachrichtenagentur durchzuhalten, weil man mit nationalistischen Phrasen den Profitabsichten der beteiligten Gruppen die besten Dienste leistet. In den reaktionären Blättern kommt die Hoffnung zum Ausdruck, daß der Wahlausfall in England nicht ohne Rückwirkung auf die Innenpolitit Frankreichs bleiben werde. So schreibt die„ Journée Industrielle":" Der fonfervative Sieg ist im höchsten Grode heilsam für das Kartell der Linken, das vielleicht nunmehr die Realitäten der Politik beffer be greifen wird. Herriot hat bisher in einem Traum gelebt und dieser Traum hätte, wenn die Politif der Arbeiterpartei noch einige Monate fortgedauert hätte, mit einem sehr schlimmen Erwachen sein Ende gefunden. Nachdem die auf den Internationalismus gesetzten Hoffnungen enttäuscht worden sind, ist zu hoffen, daß die Mehr heit des 11. Mai nunmehr endlich anfängt, eine nationale Realpolitik zu treiben." Herzog nnd die Südafrika- Deutschen. Kapstadt, 31. Oftober.( Reuter) Die deutschen Einwohner in Südwest afrifa bereiteten General Herzog, der eine Rund reise durch das Land machte, einen herzlichen Empfang. Herzog erfärte, er schäme sich seiner deutschen Abstammung nicht. Er verspreche eine sympathische Erwägung der verschiedenen Beschwerden einschließlich der Beschwerde über ungenügenden Schulunterricht im Deutschen und er gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Deutschen beginnen würden, ihr Schicksal an das der übrigen Völker Südafrikas zu knüpfen. Jetzt hat also die geschäftliche Leitung die Möglichkeit, das Gift reaktionärer Berhebung und nationalistischer Propaganda durch die verschiedenen Kanäle gaben in die Provinz preffe zu leiten, ohne von republiseiner mehr oder minder ,, farblosen" und neutralen" Auskanischen Elementen darin gestört zu werden. Die große Masse der Stinnes- Zeitungen wird dabei tüchtig mithelfen. Die Journalisten aber, die sich nicht dazu hergeben, willenloses ihre politische Ueberzeugung oder ihre wirtschaftliche Werkzeug der Reaktion zu sein, stehen vor. der Frage, ob sie Gristenz opfern wollen. So droht der deutschen Presse eine weitere Korruption der Meinungsäußerung durch das schwerindustrielle Kapital- ein Beweis mehr, wie notwendig tratie sich einseht und das die berufstätigen Schriftleiter vor ein Journalistengeset ist, für das die Sozialdemoderartigen Konflikten und ihren Folgen schüßt. Gewerkschaften gegen Lafollette? New York, 31. Oktober.( Kabeldienst der TU.) Der Bollzugsausschuß der New Yorker Gewerkschaften ist von Lafollette abge: rückt, den sie unter Gompers Führung im letzten Herbst unterstützten, und stellt sich jetzt hinter den Demokraten Davis. Dieses Vorgehen ist allein darauf zurückzuführen, daß die New Yorker Gemertschaften die progressive Kandidatur als aussichtslos ansehen. In der Entschließung wird ausdrücklich festgestellt, daß die Stimmabgabe für Lafollette, da er nicht über genügend Anhang perfüge, gleichbedeutend mit einer Stimmabgabe für Coolidge, den größten Feind Davis' und der Arbeiter, sein würde. Deshalb müßten alle Gegner Coolidges einheitlich zusammengefaßt werden. Diese Entschließung ist außerordentlich wichtig, weil in New Dort ort 700000 Gewertschaftsmitglieder wohnen. Aus Chicago liegt eine ähnliche Entschließung der dortigen Arbeiter. partei vor. Die Demokraten hoffen, dadurch die gesamte Arbeiterschaft zu sich herüberziehen zu können. Die Aussichten Las follettes werden auch durch das englische Wahlergebnis stark beeinträchtigt, da die große Presse den Wahlsieg der Konser vativen überhaupt nur in diesem Zusammenhang bespricht und 10. Januar Räumung der ersten Zone? = Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Poftscheckfonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Labour auf dem Vormarsch. Die Zukunft gehört der Arbeiterpartei! Die Presse der Rechten ist voll lärmender Freude über den Ausgang der englischen Wahlen. Diese Freude zeigt weniger politischen Verstand als den ungeheuren Haß gegen näre beseelt. In ihrem Freudengeheul vergessen sie ganz, wie die Arbeiterbewegung und den Sozialismus, der die Reaktiosie bisher den deutschen Sozialisten gegenüber Macdonald als den großen Führer, als den national gesinnten Engländer, bezeichnet und mit falschem Lob überschüttet haben. Nun zeigt sich, wie verlogen und gemacht diese Art der Bolemik der Rechtspresse gegen die deutsche Sozialdemokratie war. Das Pressegeheul der Rechten überschlägt sich: gewaltige. Niederlage des Sozialismus, das englische Bolt gegen die rote Seuche! Rechner! Sie sehen nicht, was ist, fie erkennen nicht die Aber die Deutschnationalen sind schlechte Rechner! Sie sehen nicht, was ist, sie erkennen nicht die Beichen der Zeit, sie stecken den Kopf in den Sand! Sie rechnen so schlecht, wie sie nach der Hamburger Wahl gerechnet haben. Der Wahlausgang in England ist ein Menetekel für die Reaktionäre in der ganzen Welt, die sich in dem Glauben wiegen, daß die Welt unverändert stillstehe und daß die heutigen politischen Machtverhältnisse und die Klassenverhältnisse unabänderlich seien. Die Wahl in England zeigt der Wlte, daß der Sozialismus in unaufhalifamem Vormarsche ist. nalen das Schicksal, das ihnen am 7. Dezember bevorsteht. Hamburg und England zeigen den DeutschnatioJawohl England! Die Arbeiterpartei hat sich glänzend geschlagen. Stolz fann sie sagen: Noch eine solche Niederlage und wir haben gewonnen! Troß der vereinigten Angriffe der Konservativen und Liberalen, trotz des heftigen Wahlkampfes der Bürgerblodfront gegen den Sozialismus, trotz aller Wahlmachenschaften hat die Arbeiterpartei ihre Stimmenzahl von 4 780 000 auf 5 502 000 Stimmen gesteigert. Das ist die Abkehr vom Sozialismus, über die die deutschnationale Presse jubelt, das ist die Niederlage der Arbeiterpartei. In diesen Stimmzahlen tritt die Tatsache hervor, daß die Arbeiterpartei in England, daß dei Idee des Sozialismus im Vormarsch begriffen ist. Dieser Vormarsch wird in der Zukunft weitergehen, stetig und unaufhaltsam. Günstiger als in Deutschland ist in England der Kampfboden für die Arbeiterpartei. England hat nicht gelitten unter den furchtrung hat die enijeglichen Leiden der Inflationszeit nicht erbaren Nachwehen eines verlorenen Krieges. Seine Bevölke fahren. Ein gesundes Bolt, das von der geistigen Bergiftung verschont geblieben ist, die die deutsche Bevölkerung in der Inflationszeit erlitten hat. Dort ist kein Boden für den erleben, dort richtet sich nicht franthafter, fiebriger Haß der Wahnwiz der extremen Parteien, den wir in Deutschland durch die Leiden des verlorenen Krieges elend Gewordenen und geistig Zermürbten gegen jede Regierung schlechthin, sei es selbst die freiheitlichste und wohlmeinendste Regierung. Berantwortung für die Leitung des britischen Weltreiches geZehn Monate lang hat die Arbeiterpartei in England die tragen, zehn Monate lang hat sie mit gewaltigen Problemen der inneren und der äußeren Bolitik gerungen. Sie hat sich trozdem im Bertrauen der Maffen behauptet, sie hat trotzdem vermocht, bei den Wahlen ihre Stimmenzahl um mehr als Unter der Führung ihrer großen Persönlichkeiten, geftügt auf 20 Broz. zu steigern. Diese Entwidlung wird weitergehen. den gesunden Menschenverstand des englischen Bolkes, der die finnfällige Notwendigkeit der Entwicklung zum Sozialismus hin immer mehr erfaßt, wird sie weiter vorwärtsschreiten zum Sozialismus. wirken wie bisher. Wohl verfügen die Konservativen über Auch in der Opposition wird die Arbeiterpartei weiter eine gewaltige Mehrheit, aber sie müssen damit rechnen, daß steht, die zahlenmäßig fast so start ist wie die ihre, daß die. hinter der Opposition der Arbeiterpartei eine Wählermasse Oppofition aus Arbeiterpartei und Liberalen die Mehrheit Wege, die die Regierung der Arbeiterpartei eingeschlagen hat, des Landes repräsentiert. Sie können nicht die politischen jäh und schroff verlassen. Sie können namentlich der englischen Außenpolitik nicht schroff eine grundsätzlich andere Richtung geben. Wollten sie ihre gewaltige Unterhausmehrheit dazu ausnutzen, der Mehrheit des Landes eine Politik aufzuzwingen, wie sie in ähnlicher Situation die Deutschnationalen brutal und berniert einleiten würden, so müßten fie Jetzt wird der Kurs der Telegraphenunion noch weiter gegen ihn ausspielt. Die Wetten für Lafollette werden täglich un nach rechts gedreht. Die deutschnationale Clique, die in günstiger. An der New Yorker Börse stehen die Wetten 1:15 fürchten, daß das nächstemal das merkwürdig reaktionäre enger Zusammenarbeit mit dem Scherl- Verlag den maßgeben gegen Lafollette. Die Republikaner rechnen mit einem Wahlsystem ebenso oder noch stärker gegen sie ausschlagen den Einfluß auf die Agentur gewann, macht sich jetzt dort glatten Siege Coolidges. derart breit, daß eine Reihe von Mitarbeitern demokra= tischer Richtung aus der Telegraphenunion ausschied. Es sind dies Dr. D. E. Hesse, der Leiter des Feuilletons, Dr. Räuscher, der Chefredakteur der Ausgabe B. des Berliner Dienstes. einer mehr demokratisch gerichteten Korrespondenz, Wilhelm Vogel, Chefredakteur des Deutschen Handelsdienstes, Dr. Klein vom Nachrichtendienst und Dr. Rückert, der für das Kommunale Leben" verantroortlich zeichnet. Die Umgruppierung der Redaktion scheint damit noch nicht vollendet zu sein. Köln, 31. Oftober.( TU.) Der Kölnischen Boltszeitung" wird aus Düsseldorf gemeldet, daß nach Mitteilung von zu ständiger belgischer Seite die belgischen Truppen am 10. Januar die erste 3 one des bejegten Gebietes räumen werden. Das Bingtieme Siecle" richtet an die belgische Regierung die Frage, ob tatfächlich schon Maßnahmen eingeleitet würden, um die belgischen Truppen am 10. Januar hinter die Linie Düren- Sinzig zur zuziehen. " würde, wie es jetzt gegen die Arbeiterpartei ausgeschlagen ist. Die Zeit ist mit der Arbeiterpartei! Bleibt jenes Wahlsystem, das den demokratischen Anschauungen als veraltet, als ungerecht, als reaktionär erscheint, als Ausfluf eines traditionellen, echt englischen onservatismus, bis zur nächsten Wahl unverändert, so winkt der Arbeiterpartei nicht nur neuer Stimmengewinn, sondern ein gewaltiger Sieg, der ihr eine machivolle Unterhausmehrheit und die unabhängige Regierungsgewalt in die Hand gibt wahrscheinlich für immer. Wird inzwischen das Wahlsystem in England modernen demokratischen Anschauungen angepaßt, verschwindet das Brinzip der relativen Mehrheiten und setzt sich in der einen| preffe so viel An st and doch aufbringen würde, um ihren| oder der anderen Form das Prinzip der proportionalen Lesern mitzuteilen, daß die Arbeiterpartei damit Minderheitenvertretung durch, so beginnt für die Arbeiter mehr als 1 100 000 Stimmen gegenüber der partei die Zeit, wo sie als führende Partei jeder Regierung legten Wahl gewonnen hat. Mit Ausnahme der ihr Gepräge aufdrücken wird. Wie diese Entwicklung fich auch Beit" aber bringt es fein rechtsstehendes Blatt fertig, vollziehen mag, und ob auch die englischen Konservativen seinen Lefern diese Feststellung vor Augen zu führen. Es diesen Wahlausgang benutzen werden, um sich jahrelang an würde nämlich diesen ein Licht darüber aufgehen, wie sie von der Macht zu behaupten: die Zukunft in England ihrer Presse belogen und betrogen werden. Eine ,, Abkehr vom gehört Labour. Sozialismus", die sich durch einen Gewinn von über einer Million Stimmen in dem verhältnismäßig furzen Zeitraum von elf Monaten ausdrückt das wäre doch eine allzu mert würdige Erscheinung. Man zieht es daher vor, diesen Teil des englischen Wahlrefultats tot zuschweigen oder so tom mentarlos wiederzugeben, daß der Lefer nichts merkt; und im übrigen bleibt es bei der Abfehr vom Sozialismus" und bei der" Abrechnung mit Macdonald". Das alles sehen die Deutschnationalen nicht. Sie wollen es nicht sehen. Sie steden den Kopf in den Sand und haben wieder Phantasien, wie nach der Hamburger Wahl. Sie reden von einer Niederlage des Sozialismus in einem Augenblic, wo das Fanal des sozialistischen Vormarsches hell aufleuchtet. Sie erzählen, daß die englische Wahl das Signal für eine Niederlage der deutschen Sozialdemokratie am 7. Dezember fei. Wahrhaftig, wir wünschen uns eine solche Niederlage, wie sie die englische Arbeiterpartei erlitten hat. Eine solche Niederlage würde bedeuten, daß wir nach dem 7. Dezember statt mit 100 Mandaten mit 122 Mandaten in den deutschen Reichstag einziehen würden. Freilich, wir gestehen offen, daß ein solcher Ausgang der Wahl vom 7. Dezember hinter unseren Erwartungen beträchtlich zurückbleiben würde. Aber wenn uns die Deutschnationalen eine solche Niederlage wünschen: nur immer zu! Solche Niederlagen find der Ruin unserer reaktionären Gegner und wir werden nach solcher Niederlage wie die englische Arbeiterpartei fagen fönnen: Noch mehr solcher Niederlagen und wir haben gewonnen. England und Hamburg! Menetetel für die Deutschnationalen! Abkehr von Macdonald? Die deutsche Reaktion und die englischen Wahlen. In den Bürgerblockblättern aller Schattierungen fonnte man am Freitagmorgen Betrachtungen des Inhalts lesen, die das englische Wahlresultat als eine 2btehr der britischen Wählermassen vom Sozialismus und von der Regierung Macdonald zugunsten einer nationalen Politif" usw. hinzustellen bemüht waren. Die Deutsche Tageszeitung" schrieb: ,, Es hat sich gezeigt, daß England für bolfchemistische und( 1) fozialistische Experimente doch ein allzu heißes Eisen ist." Die Kreuzzeitung". erklärte: Die furze Episode des britischen Sozialismus ift zu Ende; fie hat mit einem un zweifelhaften Mißerfolge und einer Abkehr der Wähler von ihm geendet, denn auch die Arbeiterpartei hat eine starke Einbuße an Mandaten zu verzeichnen." Es. ist schon so, mie die„ Germania" schrieb: Die Art, in der die Rechtspresse den konservativen Sieg als Stimmungsmittel für die deutschen Wahlen verwenden will, verrät eine wirkliche oder absichtliche Unkenntnis der eng lischen Parteiverhältnisse. Es ist an sich schon mißlich, Bergleiche zu ziehen, da überall die Parteien historisch und national bedingt sind. Eine Parallele zwischen dem englischen und deutschen Wahlkampf wird immer fchief ausfallen." Bir glauben weniger an eine wirkliche, als an eine a b fichtliche Untenntnis der englischen Dinge bei den deutsch nationalen Redakteuren. Und wenn es eine Schlußfolgerung gibt, deren Richtigkeit unanfechtbar ist, so ist es die, daß der fozialistische Gedanke in England unter der Regierung Macdonalds weiter riesige Fortschritte gemacht hat, die alle Verdrehungsfünfte der deutschnationalen Zeitungsschreiber nicht aus der Belt werden schaffen können. Das kommunistische Preisausschreiben. Von Pelzen, Briketts und Lenin- Bildern. Die Deutschnationalen haben Preise für erfolgreiche Werbearbeit ausgesetzt. Sie bewegen sich zwischen einem Pelz im Werte von 200 M. und verschiedenen Zentnern Brifetts. Die Kommunisten, nicht faul, wollen hinter den Deutschnationalen nicht zurückstehen. Da man aber in Moskau anscheinend zu wenig Pelze und Briketts, um so mehr aber Lenin- Bilder hat, so ist man auf ein sozusagen idealistisches Anreizmittel gekommen. Den Parteifunktionären wird mifgefeilt: als Anerkennung ein Lenin- Bild( eingerahmt) mit einer „ Die Zentrale hat beschlossen, den besonders eifrigen Mitgliedern Widmung der Parteizentrale zu übersenden. Die Be sie wollen sofort nach Abschluß der Aktion die Namen und Adressen senden." der betreffenden Genossen an die Abteilung Zentral- Agitprop, ein Es ist immerhin anzuerkennen, daß die eifrigen Mitglieder der KPD. doppelt belohnt werden: erstens durch das eingerahmte Lenin- Bild, zweitens durch die Unterschriften der Ruth Fischer und Werner Scholem. Man hätte noch ein übriges tun und den Mitgliedern die Kindertrompeten zum Geschent machen sollen, mit denen die fommunistischen Ab. geordneten so nühliche Arbeit für das Proletariat geleistet haben. Und in einem Artikel der Deutschen Allgemeinen Zeitung", der von sachlichen Unrichtigkeiten stroßt, war von einer Abrechnung mit Macdonald" die Rede. Obwohl es schwer anzunehmen ist, daß die Redakteure der Bürgerblockpreffe über die englischen Verhältnisse so wenig informiert sind, daß sie in ihrer ersten Begeisterung über den starken Mandat gewinn der englischen Konservativen die Frage der Stimmen verteilung völlig aus den Augen verloren, so wäre dies doch nur die einzige Erklärung für ihre Aeußerungen. Abschließende Angaben über die Stimmen zahlen der einzelnen Parteien lagen am Donnerstag noch nicht nor, und fo waren wir gezwungen, unfere ersten Betrachtungen Es scheint aber, als ob troh Lenin- Bild( mit Rahmen) über das groteske Wahlergebnis an der Hand unvollständiger Zahlen und unter Borbehalt späterer Korrekturen zu veröffentlichen. Inzwischen trafen am Freitagmittag auch die end g 1tigen Stimmenzahlen ein: Die Konservativen haben 7,6 Millionen Stimmen erhalten, die Arbeiterpartei 5,5 Meil fionen und die Liberalen 3,1 Millionen. Danach hätten, wenn das Proportionalwahlrecht in England eingeführt märe, die Konservativen nur 280 mandate( statt 405), bie Arbeiterpartei 215 att 152) und die Liberalen 120( statt 43) erhalten. Man möchte nun annehmen, daß die Berliner Rechts„ Der haarige Affe". ( Tribüne.) Eugen O'Neilt ist der Yankee Dramatiter mit dem weichen Gemüt. Ob er das Matrosenmädel schildert, das seine Dirnenschande mit dem Tode büßt, oder den Nigger, der sich aus all feinen Schwinde leien und Grausamteiten nicht herausminden tann, er verschafft feinen Lieblingsgefchöpfen immer einen herrlichen Abgang. Sie gehen in die Ewigkeit als Märtyrer ein. Das gleiche schöne Schicksal wird auch dem Haarigen Affen" zuteil. Er ist ein Heizer tief unten in der. Schiffshölle. Die spleenige Tochter des Stahltönigs will fich diesen furchtbaren Menfchentäfig eines Tages ansehen. Sie stößt auf den Riefenferi, der von Ruß und Schweiß beschmutzt ist. Entfekt prallt fie zurüc, ihr Angftfchrei: ,, Der haarige Affe!", dieser Schrei bleibt in der Seele des Heizers fizen. Eben fabelte er noch Dom Sozialistenstub", nun wacht das Gewissen in thm auf. Er will sich rächen dafür, daß die reinlichen Menschen ihn einen haarigen Affen schelten durften. Seine Rache soll Dynamit sein, der alles in die Luft sprengt und zerstört, allen Stahl der Belt, allen Reichtum der Welt, alle wohlgewaschene Meinlichkeit der Welt. " Also zeigt O'Neill den Lebensweg des Proletariers, der hinauf will und heraus aus dem Elend. Der Broletarier tann nicht heraus. Er fikt zu tief drin in dem Dreck. Die lehte Station feines Leidensweges ist der Zoologische Garten. Da steht er vor dem Gorillakäfig, da fieht er das Ungeheuer, mit dem er verwechselt wurde. Berbrüdern will er fich mit dem Ungeheuer, da fein anderer sich mit ihm verbrüdern will. Er befreit den Affen. Sieh, eine Gefunde scheint es, als wenn der Untermensch und der Ueberaffe nach der Umarmung hinausgehen werden, um den Stampf aufzu nehmen gegen die Reichen und gegen die Reinen. Der Affe will es anders. Er schleudert den Menschen in den Gorillakäfig. Dort trepiert der Mensch. Proletarierlos. Das ist Symbolit, die nicht sehr tief sigt, aber sich doch in jeden gefunden Menschenverstand einprägt. Der Dramatiker O'Neill, der feine Bilder lose aneinanderreiht, ist ein volkstümlicher Mann. Es lebt in ihm in Eintracht die Dichternatur mit der Quäfernatur. Man muß auch bedenten, daß er bie Gebantenfraft der amerikanischen Theaterbillettkäufer nicht überlaften darf. Er trifft sie trohdem an thren Nerven. Er schmuggelt trotzdem eine beträchtliche Portion von guten Ideen ein. Der Dantee mag es nicht gern hören, daß zwischen der fünften Avenue von New York und dem schmutzigen Broletarier ein bretter Abgrund vorhanden ist. O'Neill überbrüdt ben Abgrund manchmal, aber er zeigt auch mit mutigem Finger auf all den Moder und die Ungerechtigkeit, die dort unten wimmelt. Theatralisch ist das fnallig aufgebaut, der Dramatifer hat pom Stino gelernt, aber er redet auch ziemlich echt die Sprache des fleinen uns gequälten Montes. Er ist ein unerfchrodener Dichter und gleichzeitig ein unverzogter Fabrikant von szenischen Effetten. Ge rade als die Aufmerksamkeit im Erlöschen ist, fällt ihm der groß artige Schluß- und Riefeneffett ein: die Zwiesprache zwischen dem Affen, dem menschliche Kraft zugetraut wird, und dem Menschen, der als 2ffe assfuckt wird. Diefes Ende padt. Es schneidet in das Fleisch des Buschauers. Einnbildlichkeit und moralische. Absicht deden sich prächtig. die Bezirksleitung der KPD für Berlin- Brandenburg dem Frieden nicht recht traut. Sie verschickt z. B. Anweisungen an die Funktionäre über die Durchführung einer Agitationstampagne im November. Es heißt darin: „ Dabei bitten wir aber besonders zu beachten, daß die Flugblattverbreitung nicht von einzelnen Genossen durchgeführt wird, sondern daß die Abteilungsführer unter allen Umständen Kolonnen von je 2 Mann zusammenstellen, die am 8. November die Flugblätter ver teilen und am 9., 10. und 11. November in den Häusern persönlich nachfragen nach neuen Mitgliedern und neuen Abonnenten.( Es ist beffer, nur einige Kolonnen, die sich gegenseitig bei der Nachfrage Eugen Klopfer spielt den Proletarier. Er grunzt ihn zunächst, er ist schon unten im Maschinenraum ein unglücklicher Riese, der gegen. fidy felber mit feinem murmigen Gewiffen wütet. Steigt er nun hinauf, um sich unter die eleganten Leute von der fünften Avenue zu mischen, biegt er im Gefängnis, in das man ihn sperrt, die Eisenstangen auseinander, so geht von ihm wirklich eine Urwaldgraufigkeit aus. Dadurch, daß der Schauspieler immer mit gedämpften Mitteln spielt und ganz vorsichtig seine Leidenschaft bis zur Explosion steigert, ergreift er om stärksten. Klöpfer mich durch diesen Taft der Regie aus, die nicht immer wußte, wie sie das Traumhafte vom Wirklichen zu unterscheiden hatte. Aber die Bühnenbilder von Baluschet, befonders die roten Schlünde der Maschinen, waren sehr gelungen. M. H. 21 Gerhart Hauptmann als Vorleser. fontrollieren können, zu haben, als eine große Anzahl von einzelnen Genossen, die das Nachfragen in den Häusern megen irgend= melcher schöner Gefühle einfach bleiben lassen!) In bezug auf die Pressewerbung wurde in einem 600 Mitglieder starken Berliner Bezirk festgestellt, daß nur 275 Genossen die„ Rote Fahne" abonniert haben. Die Rote Fahne" wird in diesem Bezirk mehr von Sympathifierenden gelesen ais von den eigenen Genossen." Wie nun aber, wenn auch die Zwei- Mann- Kolonnen schöne Gefühle" friegen und gleichfalls die Parteibonzen bemogeln? Es wird also nichts anderes übrig bleiben, als eine leberkontrolle zu organisieren und mit Gewehr und Handgranaten die widerspenstigen Genossen für die fommunistifchen Ideale zu befehren. Macht Schluß mit diesen Leuten!" Hilferufe aus der KPD. = Im München Gladbacher Stadtparlament find die Kommunisten seit dem 4. Mai mit 10 Stadtverordneten als zweit stärkste Fraktion vertreten. Die Linksentwicklung der Partei ist an dieser Fraktion nicht spurLos vorübergegangen. Wie in zahlreichen anderen Orten des Westens hat es auch hier den obligaten Krach gegeben. In der Tegten Stadtverordnetenfizung gaben drei bisherige fommunistische Stadtverordnete folgende bezeichnende Erklä rung ab: In der kommunistischen Partei haben Leute die Führung an sich gerissen, denen nicht das Wohl und Wehe des Proletariats am Herzen liegt, sondern die es nur darauf abgesehen haben, die alten Führer zu beseitigen, um selbst die Aemter zu befehen. Wir haben zu verzeichnen, daß zu diesem Zwecke die schmutzigsten Argumente * vorgebracht werden und daß man vor feinem Mittel zurückschreckt, um diejenigen, die bisher die Führung der Partei inne hatten, zu brandmarten. Wir sehen das hinausschmeißen ganzer Stadtverordnetenfraftionen in Remscheid usw. Und diese Leute sagen dann: wir sind diejenigen, die die richtige Politik machen! In Wirklichkeit wird die Partei jetzt aber geführt von Wirrköpfen und das Proletariat hat darunter zu leiden. Wir jagen dem Proletariat: Macht Schluß mit diesen Leuten, die das Proletariat von einer Niederlage zur anderen geführt haben.. Mit welchen schoffen Mitteln gearbeitet wird, geht daraus hervor, daß der Stadtverordnete Roperit uns Polizeifpigel genannt hat, ohne daß Tatsachen hierfür vorhanden sind. Wir haben unferen Ausschluß mit einer Mitteilung befommen, die lautet: ,, Die beiden Herren haben das Ansehen der Partei als Mitglieder der Partei geschädigt; weil fie auf dem Abtshofe Kaffeegetrunten(!) haben." Die Erklärung der München- Gladbacher Kommunisten spiegelt die Stimmung wieder, die überall in der KPD. herrscht. Die Mostauer Latrinenparolen mirt. fchaft hängt den Führern, soweit sie in der kommunistischen Parteipolitit etwas anderes sehen als eine leichte Art des Broterwerbs, schon seit langer Zeit zum Halse heraus. Aber mer es magt, zu mucken, den läßt Moskau über die Klinge springen, wie das München- Gladbacher Beispiel von neuem beweist. Und so schlucken denn viele ihren Grimm und ihre Verärgerung herunter, weil sie an diesen skandalösen Zustän den doch nichts ändern können, und die Moskauer Terroristen tönnen auch weiter nach Laune herrschen. Der Arbeiterfchaft ist damit allerdings nicht gebient. Es wird Zeit, die Moskauer Seiten abzuschütteln, um ganz für die Arbeit bereitzustehen, die sich in den Vordergrund drängende Reattion der Monarchisten, Großagrarier und Schwerindustriellen abzuwehren. Das Reichstommiffariat für Zivilgefangene und Filchtlinge wurde aufgelöst, da es feinen Aufgabenfreis erledigt hat. Es stand unter der Leitung des Reichstommiffars Genossen Studien, Die Abwicklungsstelle, die die laufenden Geschäfte zu erledigen hot, befindet sich in den bisherigen Geschäftsräumen des Reichskommis fariats Berlin M. 9, Potsdamer Sir. 134. Dichters, und die Arbeit daran stellt vielleicht eine Erholungspause in feinem Schaffen dar. Aber vielleicht greift Hauptmann später doch auch noch einmal wieder auf den von ihm vor langen Jahren gehegten Plan einer Wiedertäufer" Tragödie zurüd. Dr. Wilhelm Bolze. Neue Ziele". 11 Peter Behrens fproch im Verein für deutsches Kunstgewerbe über Neue Ziele". Er wies zunächst auf die vielen Disharmonien unserer Zeit hin, die uns, im Gegensatz zu den Epochen der Vergangenheit, verhindern, in den modernen Erzeugnissen ein geschlossenes Stilbild zu erkennen. Den traditionslosen Formen bes Eisen- und Betonbaus steht der teils gotische, teils romanische Eklektizismus gegenüber. Die Kunstausstellungen bringen neben den alten Staffelei- und Modellbildern, im- und expressionistische Malereien, und das Programm der Konzerte umfaßt am selben Abend Mozart, Wagner und Schönberg. Diese Gegenfäglichkeit und Zerrissenheit, diefer Mangel an gemeinsamer Kultur entspringt einem Mangel an gemeinsamen In tereffen. Die große Kunst steht aber stets Abhängigkeit von einem Gemeinschaftsleben, hat ihren Boden und Ursprung in einer Inter. eſsengemeinschaft. Man dente z. B. an die Kirche und ihr Verhältnis zur Kunst in früheren Zeiten. Es, werden unter den zahlreichen Besuchern, des Blüthner. Saales mohl manche gewesen sein, die in erster Linie die Neugierde getrieben hat, den berühmtesten Dichter unseres Boites von Angesicht zu sehen und sprechen zu hören. Sie werden festgestellt haben, daß sein Aussehen, abgesehen von dem schönen Greifentopfe, nichts Ungewöhnliches an sich trägt, und daß seine etwas lehrhafte Darüber hinaus werden sie aber aus den gebotenen Proben von Bortragsart feine Spur von genialer Außerordentlichkeit verrät. Die ungeheure technische Entwidurig unferer Zeit, die man Hauptmanns Schaffen den Eindrud gewonnen haben, daß die vielleicht analog zur Stein- und Bronzezeit als die elektrische Schaffenstraft des Dichters fich verjüngt hat und eine neue Phase 3eit bezeichnen fönnte, hat die seelischen Werte zu sehr in ben abgeflärtester fünstlerischer Reife zu erleben beginnt. Der Dichter Hintergrund gedrängt. Es scheint aber, als ob mir jetzt wieder an der„ Weber" scheint allmählich ähnlich wie einst der Dichter des einem Punête arigelangt sind, wo wir anfangen, uns nach dem Göz von Berlichingen" in das Patriarchenalter des Künstlers Transzendentalen zu sehnen. Ingenieure, mit denen Behzu gelangen. rens vielfach gemeinsam gearbeitet hat, gaben zu, daß das Ge. Hauptmann las zuerst eine Episode aus seinem Epos Lillfühlsmäßige beim technischen Bauen eine durchaus bedeutsame Eulenspiegel", eine Erzählung Tills am Lagerfeuer der Zigeuner, Rolle spiele. Der Entwurf zu einer Brüde würde 3. B, oft erst er, bei denen er im Walde biwafiert. Es ist freilich ganz und gar nicht fühlt, bann technisch gestaltet. die uns geläufige Figur aus dem Bolfsbuch, die uns hier entgegen. tritt. Diefe Figur im breiten Fluffe der Herameter darzustellen, wäre ja auch eine stilistische Unmöglichkeit. Hauptmanns Eulen spiegel ist nicht ein übermütiger Schalk und Bossenreißer, fondern ein in unserer Zeit lebender weifer, nachdenklicher Weltbetrachter. In der Erzählung, die uns der Dichter vermittelte, ist modernes, meltrevolutionäres Geschehen in gleichnishaften, phantastischen Bildern geschildert, die mit starter dramatischer Lebendigkeit vor uns abrollen und in ein Schlußbild von gewaltiger pifionärer Ein bringlichkeit münden. Man gewann aus dieser überlegenen Geftaltung aufs neue die Erkenntnis, daß echte Kunst unabhängig ist Don der Originalitätshascherei literarischer Formexperimente. Nicht so eindrudsvoll war die nachfolgende Borlesung des ersten Attes aus einem Lustspiel in gereimten Bersen, in deffen Mittel punft der Ritter und Minnesänger Ulrich von Lichtenstein steht Hauptmann gibt hier, soweit man nach der gebotenen Brobe urtellen darf, unter Verzicht auf Charakterisierung und braniatische Komplizierung eine fröhliche, von leichtem Humor getragene Tändelei, die sich in glatten Worten erschöpft. Die liebenswürdige Anmut dieses Luftspiels ist gewiß nicht ohne Reiz, aber das Fehlen jeder Problematik bedeutet hier auch ein Fehlen von Tiefe. Das Wert beweist immerhin ein ungemindertes jugendliches Fühlen des Zum Schluß zeigte der Vortragende in einer Reihe von Lichtbildern Stichproben neuester Kunst. Russische Plastiken, russische Theaterdekorationen in belten das Konftruttive als herrschendes Prinzip. Dann Bauten Erich Mendelssohns( Glektrizitätswert in Balastino, Ginsteinturm), holländische Wohnhäuser und eigene Entwürfe. Auch hier, in den Möbeln eines Gelehrtenzimmers Bes tonung des Kostruttiven, strenges Innehalten der Zweckbestim mung, während doch durch die Eigentümlichkeit der Herstellungsart ( mit Meißel und hohleifen wie bei einer Holzplastik) Leben und Bewegtheit der Fläche erzielt, Schmudempfindungen ohne jedwede Ornamentit hervorgerufen werden. Auch noch ein paar Worte über moderne Gartengestal. tung fügte der Rebrer mit Bilderbeispielen hinzu. Der moderne deutsche Garten ist im Gegensatz zu den italienischen Anlagen nicht repräsentativ. Er soll zum Ruhen, Denfen, Träumen einladen, Er soll gewachsen sein, geboren, nicht geschaffen. Das Erfühler der Eigentümlichkeiten des Bodens hat als Richtfchnur und maßgebender Faktor für die Gesamtanlage zu dienen. Abgezirkelte Wege; Grad linigkeit, sind zu vermeiden. Alles muß ohne 3mang und Künstelei wachsen und wuchern. Der sehr interessante Vortrag fonnte wegen der beschränkten Zeit nur diefe allgemeine Richtlinien andeuten, ohne intensivere Ludendorff enthüllt. Kronprinz Rupprecht auf der Anklagebank? Es war vorauszusehen, daß Ludendorff auf die gesellschaftliche Berfemung der bayerischen Offiziere nicht schweigen würde. In einer vorläufigen Entgegnung fündigt er an, daß er das Material über die Ursachen des Ehrenhandels nach seiner Rückkehr nach München veröffentlichen werde. Aber schon heute stellt er fest: Die Verhandlungen, die zunächst mein Rechtsbeistand pflegte Seine Königliche Hoheit, Generalfeldmarschall Kronprinz Rup precht von Bayern hatte sich bekanntlich zunächst durch einen Rechtsanwalt an mich gewandtschienen unferes Erachtens einen befriedigenden Verlauf zu nehmen, als Seine Königliche Hoheit Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern die Ver. handlungen plöglich abbrechen ließ und sich nunmehr an Generalfeldmarschall von Hindenburg wandte, um auf dem Ehrenwege den Zwist auszutragen, wobei er mir die schwersten Be. leidigungen zufügte. Ich willigte in einen mir recht viel zumutenden Ausgleichsvorschlag des Generalfeldmarschalls von Hindenburg ein, um den 3wist im allgemeinen Interesse beizulegen. Seine Königliche Hoheit Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern lehnte indessen den Vorschlag des Ehrfurcht gebietenden Offiziers der deutschen Armee ab, weil er mir die Genugtuung vorenthalten wollte, die Generalfeldmarschall von Hindenburg wegen der mir zugefügten schweren Beleidigungen für nötig hielt. früher recht stepfisch zur Rüdfehr Seiner Königlichen Hoheit| Gerichtsaffeffors hin ein Meineidsverfahren gegen den Gedes Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern auf den Thron seiner Bäter verhieit, heute durch den Mund des Minifferpräsidenten des Wahrers der Verhaffung des Freistaates BayernHerrn Held, Propaganda für diese Rückkehr machen läßt und durch andere reaktionäre Elemente um den„ Miesbacher Anzeiger" und den Bund Bayern und Reich, die in gleicher Richtung tätig sind. Der Monarchist Ludendorff als Wahrer der Weimarer Verfassung und der Republikein Bild, das selbst Götter zu Tränen rühren muß! Aber im Kampf gegen den verhaßten Mittel recht. Wittelsbacher ist dem Monarchisten Ludendorff jedes Hause Wittelsbach zeigt, wohin es führt, wenn man an die Die Auseinandersetzung zwischen Ludendorff und dem Berfassungsfrage rührt. Die Monarchisten und ehemaligen Potentaten geraten sich in die Haare und üben Selbstzer fleischung nach allen Regeln der Kunst. Wie würde das erst werden, wenn die Republik gestürzt würde! Deswegen: macht am 7. Dezember mit dieſem unwürdigen Spuf ein Ende! " Potsdamer Entrüstung. Papierresolution gegen die Reichsfarben. Die Bannerweihe des Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" am porigen Sonntag entfeffelte gestern Szenen im Potsdamer Stadtparlament, wie man sie dort kaum erlebt. Die Rechte Auch einen anderen Schrift zur Beilegung des Konfliktes hatte brachte einen Dringlichkeitsantrag an den Magiftrat ein, wonach ich unternommen, indem ich im Prozeß eine ausführliche Erkläer dafür Sorge tragen soll, daß derartige herausfordernde Berung über die nicht beteiligung Seiner Königlichen Hoheit lästigungen von fremden Elementen und Mitgliedern des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern abge- von Schwarz- Rot- Gold" in der durch schwarzweißrote geben hatte. Der Wortlauf steht mir augenblicklich leider nicht zur Erinnerungen geheiligten Stätte" unterbleiben. Berfügung. Ich fühlte mich überdies zu diesem Schritt auch noch Der Magistrat wird daraufhin eine Resolution an die maßdadurch veranlaßt, daß ich in einer Geheimfihung gehört gebenden Stellen in Berlin einreichen. In der Resolution, die der hatte, daß Seine Königliche Hoheit Generalfeld. Magiftrat gefaßt hat, heißt es u. a.:„ Die städtischen Körperschaften marschall Kronprinz Rupprecht von Bayern am fordern auf das entschiedenste, daß die Staatsregierung fünftig 11. oder 12. november die Absicht gehabt habe, auf die Empfindungen der Mehrheit der Potsdamer einen besonderen Schrift durchzuführen, hierzu Bürgerschaft(?) Rücksicht nimmt und im Rahmen der Gefeße eine Proklamation habe entwerfen lassen und in alle Rundgebungen verbietet, die den Empfindungen München zur Durchführung dieser Absicht eingefo offen zuwiderlaufen." Ferner brachten die Deutschnationalen troffen fei. ben Antrag ein, daß der Magistrat sich einen Einfluß auf das Glodenspiel der Garnisonfirche sichern soll, da es be fannt geworden ist, daß das Glockenspiel zu der Bannerweihe von Schwarz- Rot- Gold spielen sollte. Wenn die weiteren Enthüllungen sich in der Richtung der vorläufigen Feststellung bewegen, dann fann man sich auf allerhand gefaßt machen. Das Kapitel des Bürgerbräuputsches, das im Hitler- Prozeß sorgfältig ausgeschaltet wurde, dürfte. dann ans Tageslicht kommen. Auch in den öffentlichen Sigun gen des Prozesses spielte der Termin des 11. und 12. November eine große Rolle. Man sprach von einem orprellen der Hitler und Ludendorff, woraus fommissar Rahr gleichfalls eine Aktion auf man den Schluß ziehen mußte, daß der damalige GeneralstaatsLager hatte. Man blieb sich nur im unflaren darüber welche, wenn auch die Erklärung Kahrs im Bürgerbräu, er betrachte fich als den Statthalter des Königs", Rückschlüsse zuließen. Nun tommt Ludendorff und behauptet, Rahr habe damals tatsächlich nur als Statthalter des Königs" im Bürger bräu gestanden. Rupprecht selbst habe für den 11. oder 12. November einen besonderen Schritt" vorgehabt und für diesen 3wed bereits eine Profiamation ausarbeiten laffen. Was damit gemeint ist, kann sich jeder an den zehn Fingern abzählen. Nach dieser Feststellung ist es erklärlich, wenn die Kahr, Seißer und Böhner die Treppe nicht herunter, sondern herauffielen. Denn Hochverräter sind sie affe, alle, und was dem einen recht ist, das wäre dem Rup precht billig. Ludendorff ist so boshaft, seine vorläufige Feststellung mit den Worten zu schließen: Der Kampf galt und gilt allein allen Böltischen, das sehe ich auch heute als innere Ursache für den unerquicklichen Zwist an, und auch dafür, daß die Bayerische Boltspartei, die sich Vertiefung und Begründung. Immerhin gab er eine große Fülle von Anregungen und Antri ben zur persönlichen Berarbeitung, was bei allem letzten Endes wohl immer das Wichtigste bedeutet. F. E. Bogel Hoffentlich werden die maßgebenden Stellen" in Berlin dem Potsdamer Magiftrat begreiflich machen, daß seine Resolution eine Beleidigung der Reichsfarben darstellt! Um so mehr, ols der Magistrat gegen die zahlreichen monarchistischen Rummel in den Mauern Potsdams noch nicht das geringste einzuwer.den bung der Mehrheit des Bolles in so ausgesprochener Weise, daß hatte. Und doch verlegen diese Hohenzollernspielereien die Empfin. alles andere davor verblaßt! Verurteilte Verleumder. noffen Loeb eingeleitet hat. Wenn dieser Sachverhalt irgendein Verfahren rechtfertigte, so wäre es gegen das Frankfurter Gericht, das mit ungewöhnlicher Leichtfertigkeit Behauptungen aufstellte, die es nicht hätte aufstellen fönnen, wenn es auch nur mit genügenber Gorgsalt seine eigenen Aften ſtudiert hätte. OC. und andere Prozesse. Republikanische Protestversammlung in Berlin W. Gestern, Freitag abend, veranstaltete die Deutsche Liga für Organisation Consul und die Justizskandale in der Menschenrechte in den Spichern- Sälen eine start besuchte Versamm. fung zur Besprechung des Leipziger Brogelfies gegen die deutschen Republik. Einleitend verwies der Vorsitzende, Senats. präsident Freimuth, auf das telegraphische Verlangen der Liga am 25. Oktober an den Reichskanzler, gegen den Reichsanwalt Miethammer disziplinarisch vorzugehen, weil er im OC.- Prozeß feiner antirepublitanischen Gesinnung Ausdruck gegeben hat, die ihn als ungeeignet zur Wahrnehmung der Justizpflege in der Republit erscheinen lassen muß. Der Reichsfanzler hat auf dieses Telegramm bis heute noch nicht reagiert. " 1 Justizrat Berthauer beleuchtete das Leipziger Erkenntnis, das Verbrecher aus Ueberzeugung", die nach richterlicher Ansicht eben nur gute Patrioten sind, verurteilt, von der juristischen und politischen Seite. Angesichts der Tatsache, daß das Gefeß zum Schutz der Republik faft nur gegen linfs angewandt wird, müsse das deutsche Volt die Amnestie aller derer verlangen, die so verurteilt worden sind. Sorgen wir bei den kommenden Reichstags= wahlen dafür, daß nur Abgeordnete in den Reichstag einziehen werden, die für das Recht eintreten. Nach weiteren Rednern fprach noch Genosse Frenzel, Redakteur der„ Leipziger Volks. zeitung". In ihr veröffentlichte er am 23. Mai 1924 unter der Ueberschrift Dr. Geßler schüßt die Geheimverbände" das Gutachten des Reichswehrministeriums gegen Dr. 3 eig ner, das bereits in der öffentlichen Landtagssigung Reichsverfaffung war das Blatt zu dieser Publikation ohne weiteres Dom 2. Mai Abg. Genosse Arzt verlesen hatte. Nach§ 30 der berechtigt, der Amtsrichter lehnte infolgedessen auch ein Betfahren gegen Frenzel deshalb ab, aber der Staatsanwalt erreichte unter Ausschluß der Deffentlichkeit gegen Frenzel ein Urteil auf zwei Monate Festung, weil in der Veröffentlichung ein Bergehen gegen§ 17 Breßgefek erachtet wird. Zwar ist gegen das Urteil Berufung eingelegt, aber bereits jetzt ging die bisher unwidersprochene Meldung durch die Presse, daß gegen den Genossen Arzt gleichfalls ein Landesverratsverfahren eingeleitet werden foll, falls er durch Auflösung des Landtags nichtimmun werden sollte. Alles das geschieht durch eine Justiz, die durch die Namen Fechenbach und Ehrhardt genügend gekennzeichnet ist. Folgendes Telegramu wurde mit allseitiger Zustimmung an den bayerischen Ministerpräsidenten Held abgesandt: Heutige Volksversammlung Deutscher Liga für Menschenrechte, Bro test gegen andauernde Einterferung Fe chenbachs, deffen Berlin, Spichernfäle, beschäftigt sich mit politischen Strafurteilen Deutschlands insbesondere auch Bayerns, erhebt einmütigen Unschuld die hervorragendsten Rechtslehrer Deutschlands n a)= gewiesen haben." Vorläufig keine Vierteljahrsgehälter. Eine von uns im geftrigen Abendblatt wiedergegebene Meldung, wonach im Finanzministerium Verhandlungen über Wiederein. führung der vierteljährlichen Borauszahlung der Peamtengehälter flattgefunden haben, entspricht, wie amtlich bervierteljährlichen Vorauszablungen foll vor Ablauf des jeßigen fichert wird, nicht den Tatsachen. Die Wiedereinführung der Etatsjahres nicht in Frage tommen, da die Gehaltszahlung burch Karlsruhe, 31. Ottober.( WTB.) Das Schöffengericht verhandelte heute bie öffentliche Beleidigungsflage gegen den Berlagsleiter 3iegler aus Baden- Baden und den früheren Hofapotheker Albert Senff aus Dos- Scheuern. Senff hatte am 16. August in der„ Badener Morgenzeitung" einen Artikel veröffentlicht, in dem unter Bezug auf den Heidelberger Dozenten Gumbel und den General v. Deimling gefagt wurde: Wäre es nicht beffer, wenn die beiden Deutschen den Staub von den Füßen schütteln und nach Frankreich ziehen würden, wo sie mit offenen Armen aufgeben Etat monatlich geregelt ist. nommen und eine feine Versorgungsstelle erhalten würden? Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Beleidi gung zu je 100 Mart Geldstrafe. Meineidsverfahren gegen Loeb. Tatsachen, und was daraus gemacht wurde. Das halbamiliche Wolffbureau hat am Freitag eine Meldung verbrei in der ein Meineidsverfahren gegen den früheren thüringien Staatsbantpräsidenten Genossen 20 eb angefündigt wird. Der Rechtsbeistand des Beschuldigten, Dr. Levi, teilt dem Sozialdemokratischen Pressedienst dazu aus Thüringen folgendes mit: In einem wegen Bergehens gegen das Bersicherungsgesetz gegen den Inhaber einer Frankfurter Versicherungsfirma schwebenden Verfahren war Genosse Loeb in Weimar als Zeuge vernommen worden. Er hat zu Protokoll ausgesagt, daß er im Auftrag jener Firma im Jahre 1919 im Reichsversicherungsamt, wo er als Versicherungsvermittler vorsprach, von Oberregie. er als Versicherungsvermittler rungsrat Meißner die Auskunft erhalten habe, über die Genehmigungspflicht der von der Frankfurter Firma eingeführten Aufruhr- Versicherung sei noch feine endgültige Entscheidung gefällt wor den. In dem weiteren Berfahren wurde D berregierungsrat Meißner vernommen, der als Zeuge angab, den zuständign Be amten in der fraglichen Zeit gelegentlich vertreten zu haben, sich aber an die Angelegenheit nicht mehr erinnern zu fönnen. Dagegen machte ein Geheimrat Beder vom Reichsvrsicherungsamt die Aussage, daß um die fragliche Zeit ein Herr jüdischen Aussehens bei Vom Wahlkampf. er trägt bie Schulb an der Unordnung in Deutschland? Auf diese Frage antwortete in einer demofratischen Wählerversammlung Georg Bernhardt sehr deutlich: die Deutschnationalen. Er sagte über die wirtschaftlichen Hintergründe der Bürgerblodpolitik: " Da wird die Absicht der Reinigung des politischen Lebens" von den Novemberzuständen verfündet und behauptet, die Deutsch nationale Volkspartei werde„ Ordnung" in Politik und Wirtschaft schaffen. Wer hat denn aber jene große Unordnung gefchaffen, die Inflationszeit, an beren leberwindung mir heute immer noch laborieren? Die Deutsch nationalen, vor allem Helfferich und der nur äußerlich volksparteiliche Hugo Stinnes. Bereits beim ersten Auftauchen der Inflationsgefahr, noch zu Lebzeiten Rathenau, haben Fachmänner auf die Gefahren der ewigen Deckung der Staatsschulden durch die Notenpresse und auf die Notwendigkeit der Erhebung von Steuern zur Abwehr der Geldentwertung hingewiesen. Diese Ansicht ist stets von Stinnes, auch im Reichswirtschaftsrat, befämpft worden, sogar noch zu einer Zeit, da die Schäden der Inflation schon ins ungeheure gewachsen waren und das Vermögen der Reniner und Sparer zusammengeschmolzen war, während die Industriellen für Papiermartwechsel, die ihnen die Reichsbank gewährte, sich Sachwerte nach Belieben laufen konnten." Die Volksschulbildung in Sowjetrußland. In der Sigung des 3ntralegefulivkomitees vom 9. Oftober erstattete der Volksbildungskommissar Lunatscharffi Bericht über den Stand der Bolts. bildung in Rußland. Bor dem Kriege gab es in Rußland 62 000 Boltsschulen, im- Oftober. 1923 dagegen nur 49 000. Die Zahl der Böglinge in diesen Schulen belief fich vor dem Kriege auf 4 200 000, jetzt jedoch auf 3 700 000. Die Zahl der höheren Schulen ist Dagegen gestiegen pon 1063 auf 2028. Der Etat für Bolksbildung in Großrußland beläuft sich auf nur 60 Mii lionen Rubel im Jahr.( Ein Rubel= 2,16 Marf.) Infolgedessen werden die Lehrer, insbesondere die zahlreichen Dorfichullehrer, unglaublich schlecht bezahlt. Bom Januar bis März 1924 belief sich das durchschnittliche Gehalt eines städtischen Lehrers auf 14,05 Rubel und das eines Dorfschullehrers auf 10,13 Rubel im Monat. Gegen wärtig beträgt das Durchschnittsgehalt 20.5 Rubel im Monat. An einzelnen Stellen werden wesentlich niedrigere Gehälter gezahlt. So ihm gewesen sei, der als Versicherungsnehmer große Besorgnisse man wollte nicht sagen, was man will, sondern nur das, was man 3. B. im Gouvernement Baryzin 8,05, im Gouvernement Rjafan Rubel. In allen diesen Gouvernements find die Lehrer buchstäb. lich zu einem Hungerdasein verurteilt. Das Boltsbildungskommis fariat hatte bei den ihm unterstellten Instanzen darauf hingewirkt, daß die Gehälter der Lehrer erhöht würden. In seinem weiteren Bericht erklärte Lunaticharsti, daß das Volkskommissariat es als seine Hauptaufgabe betrachte, die zu fammenbrechende Dorfschule zu retten, deren Eristenz noch keines. wegs gesichert fei. Auch bei der Bekämpfung des Analphabeten tums feien nur sehr geringe Ergebniffe gezeitigt worden. Das sei fein Wunder, da statt bes erbetenen Kredites von 1 700 000 Rubel für diesen Zweck nur 100 000 Rubel bewilligt wurden! Dieses von Lunaticharsti gezeichnete Bild spricht für fich selbst. Dennoch dürften die wirklichen Verhältnisse noch weit schlimmer sein. Der Rommunist Schochin fügte ergänzend hinzu: Unsere Dorfschulen verwandeln fich jezt in Schulen für die wohlhabendsten Elemente des Dorfes. In den Reihen des Dorfproletariats jedoch herrscht nach wie vor das Analphabetentum." Eine Führung durch die Abgußlammlung griechischer Bildwerte( Univerfität, Dorotheenstraße), findet Sonntag, den 2. Nov., vorm. 11 Uhr, statt. Sarte 50 Pf. Der Chirurg Robert Gerfung ist im Alter von 80 Jahren in Wien gestorben. Er war ein Schiller Bilroths und wurde 1894 Direktor des Wiener Rudolfinerhauses. Untersuchung der Moskauer Kirchen. Das Moskauer Gouvernements Museum hat durch eine Kommiffion 199 Stirchen in und bei Moskau unterfuchen laffen, um festzustellen, ob sich in ihnen noch bemerkenswerte seunstgegenstände oder fulturgeschichtlich interessante Sachen befinden. Etwaige Funde dieser Art werden in das Museum übergeführt. Ungedruckte Briefe Rouffeaus. Bei Armand Colin in Baris beginnt jetzt eine auf die Originale zurüdgebende, mit Kommentar versehene Sammlung der Briefe Jean Jacques Rousseaus zu erscheinen, die Théophile Du four mit Unterſtüßung des Instituts de France herausgibt. Die Ausgabe ist auf 20 Bände berechnet. megen einer von ihm bei der Gesellschaft abgeschlossenen Aufruhr Bersicherung zeigte und fragte, ob diese Versicherung genehmigungs. pflichtig sei. Geheimrat Becker will diesem Herrn eine Auskunft gegeben haben, die der Aussage Loebs widerspricht. In der Urteilsbegründung in dem Verfahren gegen die Frankfurter Firma erklärte das Gericht:„ Es sei ihm zwar das Aussehen des Zeugen Loeb nicht befannt", es unterliege aber feinem weifel, daß jener Herr von jüdischem Aussehen der sich, wie gefagt, als Versicherungsnehmer vorgestellt hatte identisch sei. Irgendein weiterer Versuch zur Feststellung der Identität murde nicht gemacht. Der Name Loeb und die Herkunft aus Frankfurt haben dem Gericht als Identitätsnachweis für einen Herrn mit jüdischem Aussehen genügt. mit Loeb Weiter wird gegen den Genossen Loeb der Borwurf erhoben, daß er in seiner Beugenaussage verschmiegen habe, schon an einem früheren, dann gescheiterten Gründungsversuch der Frankfurter Firma beteiligt gewesen zu sein. Das soll aus einer mit der Aftenfeite bezeichneten Stelle hervorgehen. Ein Einblick in die Atten ergibt, daß an der zitierten Stelle deut. lich der Name des fraglichen Gründers mit Alfred Loeb angegeben wird, dem Namen des Baters des früheren Staatsbankpräsidenten. Der Beschuldigte selbst heißt Walter Loeb, Der britte Bunkt der gegen den Genossen Loeb erhobenen Anschuldigung geht dahin, Loeb habe in seiner Aussage verschwie. gen, sich mit der Angelegenheit bereits früher beschäftigt und sogar eine Dentschrift verfaßt zu haben. In der protokollierten Aussage Loebs steht aber ausdrüdlich, daß Genosse Loeb diese Dentfchrift verfaßt und sie der Gesellschaftsversammlung der Frankfurter Gesellschaft vorgelegt hat. Das ist der ganze Tatbestand, auf Grund dessen die Staatsfichste Beweis für die Verlogenheit der deutschnationalen Politik. für den zugkräftigften Schwindel hielt. Auch bei der Beröffentlichung des zweiten Aufgusses scheinen im letzten Moment noch allerhand Renderungen, Bedenken, Schiebungen vorhanden gewesen zu fein. Die Telegraphen- Union berichtigt, fie habe„ durch ein technisches Versehen" einen Sah ausgelassen. Dieser Sah heißt: Die deutsch nationalen Wahlaufrufe sind der deut Wie wir für das ganze Reich deutschen pölkischen Geist und Bekämpfung der jüdischen Vorherrschaft verlangen, so fordern wir besonders für Preußen, daß der Zuftrom der Ostjuden endgültig abgedämmt wird." Ob der antisemitische Jargon erst noch nachträglich eingeflict wurde, oder ob er fogar der TU. zu dumm war? Die famose Liberale Vereinigung" bestreitet, daß sie eigentlich eine Erfindung des Herrn Stresemann sei, und versichert, daß sic eigenes Geiftesprodukt ihrer Mitglieder sei. Diefer Prioritätsstreit tut wenig zur Sache. Die Tatsache, daß die Liberale Vereinigung Bor und Aufnahmestellung für die Bolfspartei, eine Vereinigung gegen den Liberalismus ist, schafft er nicht aus der Welt. Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverband bereitet die Aufstellung Die Macher der Splitterparteien find unbefehrbar. Der eigener Kandidatenlisten für die Reichstagswahlen vor. Soll der Unfug vom 4. Mai sich am 7. Dezember wiederholen? Jaurès ins Pantheon. Ueberführung am 23. November.. Paris, 31. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat hat am Freitag die Ueberführung der sterblichen Ueberreste von Jean Jaurès für den 23. November befchloffen und den vom anwaltschaft in Weimar auf die Anzeige eines völkischen Unterrichtsminister vorgeschlagenen Feierlichkeiten zugestimmt. Gewerkschaftsbewegung Falsche Zahlen des Reichsstatistischen Amtes. Bom Deutschen Eisenbahnerverband wird uns geschrieben: Der hohe Realwert der Löhne, der durch das Statistische Amt des ADG B. auf. Zu dessen Sitzung am 23. und 24. Oktober waren auch Bertreter des Reichsstatistischen Amtes geladen und erschienen, jedoch konnten deren Ausführungen die Zweife! gegenüber diesen Zahlen bei den Mitgliedern des lohnpolitischen Ausschusses nicht beseitigen. Wir haben die in„ Wirtschaft und Statistit" vom 1. Oktober aufgeführten Löhne für Reichsbetriebs- bzw. Eisenbahn= arbeiter nachgeprüft und sind zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, daß die Grundzahlen, mit denen das Reichsstatistische Amt operiert, von den tatsächlichen Stundenlohnfäßen Wiederherstellung des Achtstundentags? Gleiwitz, 31. Oktober.( Eca.) Reichsarbeitsminister Dr. Brauns hatte für heute nachmittag die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Berg- und Metallarbeiterverbände Oberschlesiens zu einer Besprechung nach Gleiwit eingeladen, an der auch der Schlichter für Oberschlesien, Oberregierungsrat Dr. Brandes, erausgerechnet wird, fiel dem lohn politischen Ausschußteilnahm. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns teilte mit, daß in den nächsten Wochen eine Verordnung herauskommen soll, durch die § 7 der Arbeitszeitverordnung geändert wird. Für die Kokereien, och öfen, Balzwerke und Stahlwerke soll der Acht stundentag wieder eingeführt werden. Bon einer chematischen Einführung des Achtstundentages fönne kaum die Rede sein. Der Minister erklärte, er habe die ober- und niederschlesischen Betrieve besucht, um festzustellen, für welche Betriebe die neue Verordnung in Frage fäme. In nächster Zeit werden noch Bertreter des Reichswirtschaftsrates. die sich gegenwärtig im Westen aufhalten, die oberschlesischen Industriebetriebe zu dem gleichen 3wed besichtigen. An die Ausführungen des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns knüpfte sich eine rege Aussprache, in der von den Vertretern der Gewerkschaften noch verschiedene Wünsche vorgebracht kündigung des Reichsarbeitsministers zukommt, wird erst zu beurteilen sein, wenn der Wortlaut der angekündigten Verordnung vorliegt. Doch nicht allein in den gesundheitsschädlichen Berufen, ganz allgemein muß der Achtstundentag wiederhergestellt werden. Darüber wird wesentlich der 7. Dezember entscheiden.) weit abweichen. thres Standpurities an, die Borauslegung des§ 50 BRG. träfe nicht zu, denn jedes Gut bilde einen in sich abgeschloffenen Betrieb mit besonderer Eigenart, von einer Gleichartigkeit der Betriebe und ihrer Zusammengehörigkeit im Sinne des§ 50 könne feine Rede sein. Das Gewerbegericht erhob Beweis über diese Behauptung und kam kürzlich zu der Entscheidung, daß der§ 50 ouf betriebsrat zu Recht bestehe. die Stadtgüter G. m. b. 5. zutreffe und der GesamtEinige Wochen vor dieser Entscheidung hatte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, dem tisherigen Brauch entsprechend, wieder eine Eizung an einem Wochentage vormittags 10 Uhr nach Berlin einberufen. Die Verwaltung der Stadtgüter verlangte, die Sizung solle erst um 4 Uhr nachmittags stattfinden, damit weniger Arbeitszeit versäumt werde. Der Vorsitzende des Gesamtdie Sigung um 10 Uhr ab. Obgleich der Sizungstag ein Regen betriebsrats berief sich aber auf Brauch und Abkommen und hielt tag war, an dem landwirtschaftliche Arbeit gar nicht geleistet werden konnte, zog die Verwaltung den 13 Mitgliedern des Gesamtbetriebsrats den Lohn für den Sizungs. tag a b. der Handwerkerlohn 1913 in den Berliner Eisenbahnwerfstätten wurden.( Anmerkung der Redaktion: Welche Bedeutung der An- fertigt. Das Gericht hält es zwar nicht für notwendig, In der Spalte 6 sind die Werkstättenarbeiterlöhne für Berlin für 1913 mit 64 Pf. angesetzt. Nach unserem Wissen betrug aber 81 Pf. pro Stunde. Ausdrücklich wird in der Besprechung des Statistischen Amtes gesagt, daß jeweilig der höchste tarifmäßige Lohn eingesetzt ist. Abgesehen von dem vie! zu niedrig angesetzten Lohn von 1913 ift ein weiterer Fehler in der Berechnung enthalten, und zwar der, daß den Lohnfäßen von Januar bis Oktober dieses Jahres der Soziallohn für eine Frau und zwei Kinder zugeschlagen worden ist. Tatsächlich fommt auf jeden Arbeiter im Reichsbahnbetrieb nur ein Kind. Außerdem sind auch nur 60 Proz. der Eisenbahnarbeiter verheiratet. Da nun der Frauen- und Kinderzuschlag gleich ist, könnte nur der Soziallohn für 1,6 Personen eingerechnet werden und nicht, wie das Reichsstatistische Amt getan hat, für drei. Legt man nun die richtigen Zahlen zugrunde, so ergibt sich für den Handwerfer folgender Reallohn: 7. Januar 1924 53,5 Proz., 4. Februar 58,1 Proz., 3. März 59,4 Proz., 9. April 64,5 Proz., 7. Mai 62,2 Proz., 4. Juni 75,4 Proz., 2. Juli 72,8 Proz., 6. Auguſt 74,7 Broz., 3. September 74,1 Proz., 1. Oktober 71,6 Proz., 15: Qftober 69,1 Proz. Für ungelernte Arbeiter hat das Statistische Amt folgende Zahlen errechnet: 1913 100 Proz: 7. Januar 1924 91,1 Proz., 4. Februar 98,7 Proz., 3. März 101,3 Broz., 9. April 111,4 Proz., 7. Mai 108,9 Proz., 4. Juni 126,6 Proz., 2. Juli 121,5 Pro3. 6. Auguſt 124,1 Proz., 3. September 124,1 Broz., 1. Oftober 119 Broz. Auch hier sind unrichtige Zahlen zugrunde gelegt, und zwar find statt 44 Pf. pro Stunde nur 39.5 Pf. im Jahre 1913 an genommen. Ebenso ist der Soziallohn für drei Personen berechnet. Stellt man hier die richtigen Zahlen in Rechnung. fo ergibt sich folgender Reallohn: 1913 100 Broz.: 7. Januar 1924 74,4 Proz., 4. Februar 80,9 Proz., 3. März 81,5 Proz., 9. April 92,0 Broz, 7. Mai 88,9 Proz., 4. Juni 104,6 Proz., 2. Juli 101,1 Bros., 6. August 103,7 Broz., 3. September 102,7 Pro3., 1. Oftober 99,4 Proz., 15. Oftober 95,4 Proz. Ob bei der Errechnung der Reichsinderziffer der Lebenshaltungsfosten nicht ähnliche Fehler unterlaufen sind, soll hier nicht unterfucht werden. Jedoch muß schon bei oberflächlicher Betrachtung auch die Inderzahl angezweifelt werden. Wenn man auch davon überzeugt sein kann, daß die rechnerischen Arbeiten des Reichsstatistischen Amtes richtig sind, so tann immerhin schon bei der Ermittlung der Inderzahlen für die Jahre 1913/14 ein ähnlicher Fehler, wie bei der Lohnaufstellung, unterlaufen sein. Außerdem ist auch nicht ausgeschlossen, daß bei der Wahl der Waren und Bedarfs artikel, die zur Errechnung des Inder mit ihren Preisen die Grundlage bieten, mancher Fehlgriff getan ist. Offenbar muß es zu einem unrichtigen Ergebnis führen, menn zur Ermittlung des Waren in Betracht gezogen werden, die im Haushalt lehr wenig gebraucht werden, und die in der Nachkriegszeit eine Verteuerung nicht erfahren haben. dagegen andere Gegenstände, die im Haushalt eine wichtige Rolle spielen, besonders teuer geworden sind und nicht in Betracht gezogen werden Angesichts solcher Veröffentlichungen ist es gar nicht verwunder: lich, wenn das Unternehmertum in Deutschland die Meinung zu verbreiten sucht, daß die Arbeiter mit ihrem färglichen Einkommen ein schönes Leben führen fönnen, ja beffer leben als vor dem Kriege. Angesichts dieser Agitation der Unternehmer, die alle Herabfetzungen der Fracht, der Kohlenpreise und der umfaßfteuer schlucken und sogar neue Breissteigerungen vornehmen, ist es die Pflicht des Reichsarbeitsministeriums, eine Nach prüfung der statistischen Unterlagen des Reichsstatistischen Amtes vorzunehmen, zu der selbstverständlich die Vertreter der Unternehmer wie der Arbeiter heranzuziehen sind. Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn dem Reichsstatistischen Amt in Arbeiterfreisen zum Borwurf gemacht werden tann, es bemühe sich, durch falsche Zahlen die Preistreiber im Unternehmerlager mit Material gegen die Arbeiter und die Regierung zu versehen. Gasbetriebsgesellschaft und Arbeiterrat. % Am 1. Oftober gab die Direktion der Gasbetriebsgesellschaft den Arbeitern durch Anschlag bekannt, daß die bisherige 8% ft ün bige Arbeitszeit bis auf weiteres bestehen bleibt. Dieser Anschlag verursachte lebhafte Erregung unter den Arbeitern, denn zu jener Zeit schwebten noch die Tarifverhandlungen, bei denen die Forderung der Arbeiter nach Festlegung des Achtstundentages eine Rolle spielte. Der Arbeiterrat glaubte, zur Be ruhigung der Arbeiter etwas tun zu müssen. Er schlug deshalb eine Bekanntmachung an, die den Arbeitern zeigen sollte, daß er ihre Rechte hinsichtlich der Arbeitszeit wahrnehmen werde. Der Arbeiterrat protestierte in feiner Bekanntmachung gegen die einseitige Bestimmung der Direttion. Er ging von der Ansicht aus, daß die Arbeitszeitverordnung der Direktion fein Recht gebe, die Arbeitszeit von sich aus festzusetzen. Er brachte das im Schlußfaz feirter Bekanntmachung zum Ausdruck mit den Worten: ,, Nach der Arbeitszeitverordnung darf die tägliche Arbeitszeit nur 8 Stunden betragen. Ausnahmen sind nur zulässig für bestimmte Gruppen in bestimmten Ausnahmefällen. Eine Ueberschrei tung der achtstündigen Arbeitszit für sämtliche Arbeitnehmer unter vollständig regulären Produktionsbedingungen ist nur zulässig durch tarifliche Regelung zwischen dem Arbeitgeber und der Arbeiter organisation." s Hiergegen flagte der Gesamtbetriebsrat beim Gewerbegericht, welches am 28. Oktober entschied: Die Klage ist gerecht. daß die Sigung am Vormittag abgehalten wurde, es ist aber der Meinung, daß die einzelnen Mitglieder des Gesamtbetriebsrats dafür nicht verantwortlich gemacht werden können, denn sie haber der Anordnung ihres Vorsitzenden Folge geleistet und mußten annehmen, die Abhaltung der Sizung am Vormittag sei in der Ordnung, weil es bisher immer so gewesen sei, Abgewehrte Aussperrung. Saarbrüden, 31. Oftober.( WTB.) Gestern haben unter dem Vorsiz des Bürgermeisters Dr. Neites Verhandlungen zwischen den Röchlingschen Eisen- und Stahlwerfen und den Vertretern der Arbeiterorganisationen stattgefunden. die zu dem Ergebnis füb ten, daß die Röchlingschen Werke sich zur Wiederaufnahme ihrer Betriebe unter folgenden Voraussetzungen bereit erklärten: 1. Der Betrieb der Völklinger Hütte wird am 3. November 1924 wieder aufgenommen, 2. die Wiedereinstellung der Arbeiter erfolgt sobald wie möglich und in vollem Umfange unter Berücksich tigung der Betriebsmöglichkeiten, 3. Maßregelungen von Arbeitern finden nicht statt, 4. die Stillegung der Werke gilt nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses, 5. für das Arbeitsver hältnis der Arbeiter der Völklinger Hütte ist von 3. Morcmber 1924 an maßgebend der Manteltarifvertrag, welcher für die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes der Saarindustrie auf dem Gebiete der Eisenindustrie gilt, 6. die Löhne richten sich ab 3. No. vember nach dem Lohntarif, wie er zurzeit bei den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes der Saarindustrie auf dem Gebiete der Eisen- und Stahlwerke in Anwendung ist, 7. beide Parteien werden für eine weitere Ermäßigung der Kohlenpreise für die Hüttenwerke eintreten. Die Arbeitervertreter nahmen hiervon Kenntnis mit dem Bemerken, diefe Vorschläge ihren Organisationen zur Entscheidung unterbreiten zu wollen. Diesen Possus in der Bekanntgabe des Arbeiterrats nahm die Direktion zum Anlaß beim Arbeitsgericht die 2 E sezung bes Arbeiterrats zu beantragen. Die Direktion begründete ihren Antrag so: Der Arbeiterrat habe ihr den Vorwurf einer beschuß für das bergische Land fäute für das rechtsrheinische Textil wußten Rechtsverlegung gemacht, daduch habe er die Arbeiter aufgehegt" und sich einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht. Die Direktion nimmt für sich in Anspruch, zu ihrem Erlak berechtigt gewesen zu sein. Der Arbeiterrat erflärte demgegenüber, er halte das Vor gehen der Direktion fü unbillig und ungerechtfertigt, er halte feine Rechtsauffaffung für zutreffend, wenn er auch in seiner Bekanntmachung vielleicht nicht den schlüssigen Beweis dafür geführt habe, Das Gericht wies den Antrag auf Amtsent he bung des Arbeiterrats ob mit der Begründung: Der Arbeiterrat hätte vielleicht besser geten, feine Bekanntmachung richt zu veröffentlichen, sondern seine Auffassung nur der Direktion be fanntzugeben und mit ihr darüber zu verhandeln um eine Berstä.1Diming herbeizuführen. Aber der Inhalt der Bekanntmachung lasse nicht erferien, daß der Direktion der Vorwurf der bewußten Rechtsverlegung gemacht werden sollte. Stadtgüter G. m. b. H. gegen Betriebsrat. Solange die Güter der Stadt Berlin in städtischer Regie be= trieben wurden, bestand zur Bertretung der gemeinsamen Interessen der Arbeiter aller Güter ein Gesamtbetriebsrat nach§ 50 BRG. Infolge einer Vereinbarung mit der derzeitigen Verwaltung hielt der Gesamtbetriebsrat feire Sigungen stets während der Arbeitszeit ab und den Teilnehmern an den Sigungen wurde außer dem Arbeitslohn noch der notwendige Aufwand entschädigt. Nachdem die städtischen Güter in eine G. m. b. 5. umgewandelt waren, fehrte die neue Verwaltung den Herrenstand puntt heraus. Sie bestritt dem Gesamtbetriebsrat die Eri. ften 3 berechtigung, und als es deswegen zu einer Rare vor dem Gewerbegericht tam, führte die Verwaltung zur Begründung Schiedsspruch für die Textilindustrie im Bergischen Land. Barmen, 31. Oftober.( TU.) Der staatliche Schlichtungsaus gewerbe folgenden Schiedsspruch: Die Löhne des allgemeinen Lohnabkommens und der Branchentarife werden um 9 Proz. erhöht. Die Akkordlöhne werden nur erhöht, wenn und soweit der bisherige Akkordverdienst die neue Lohnbasis plus 10 Proz. nicht erreicht. Das Abkommen gilt ab 1. November 1924 auf unbestimmte Zeit und fann mit einmonatiger Kündigung erstmalig zum 31. Dezember 1924 gefündigt werden. Das bisherige Arbeitszeit- und Ueberarbeitsabkommen wird vom 1. November bis 28. Februar 1925 verlängert. Falls vorher durch Gesetz die Verordnung eine dem Arbeitszeit- oder Ueberarbeitsabkommen widersprechende Regelung eintritt, kann das Abkommen mit 14tägiger Frist gekündigt werden. Erklärungsfrist bis einschließlich 4. November. Ultimatum der österreichischen Eisenbahner. Wien, 31. Oftober.( Tul.) Die Vertrauensmänner der Eisenbahner haben an die Generaldirektion der Bundesbahnen ein Ultimatum gerichtet, in welchem sie für den Fall, daß bis zum 7. November mitternacht ihre Lohnforderungen nicht erfüllt sind, mit Streit drohen. Gewerkschaft beutscher Boltslehrer, Provinzialverband Berlin. Heute, Sonnabend, 7 Uhr, Gigung im Rathaus, Rimmer 55. Thema: Die Lehrer bilbungsfrage". Referent aus dem Minifterium. Besoldungsfragen. vember, findet unsere ordentliche Generalversammlung für das 8. Quartal statt. Anträge zu dieser Generalversammlung müssen spätestens bis Donners. tag. den 6. November, bei der Ortsverwaltung eingereicht fein. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Donnerstag, den 13. NoDie Ortsverwaltung. Verantwortlich für Politik: Ernst Neuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Sitowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. Sonnabend- Angebote Extra- Preise mitteltarb. 70 cm br.Mtr. Blusenstoffe reinwoll., aparte Strelf. 3 M Schottenstoffe moderne Stellungen 320 ca. 105 cm br.. Mfr. Cheviot reine Wolle, marengo und schwarz, ca. 130 cm br. 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Seilage ües vorwärts SonnabenS, 1. November 1424 Sonntägliche wanöerziele. Die Rauenschen Berge. Bon den Bahnhöfen der Stadtbahn fahren wir über Erkner (umsteigen) nach Fürstenwalde. Dies« Stadt ist eine alte Sied- lung im Spreetal. Vom Bahnhof aus kommen wir zuerst durch die neueren Stadtviertel. Breit«, gutgepflastert« Straßen, großstädtische Häuser treffen wir hier an. Je näher wir aber der Spree kommen, desto älter erscheint das Stadtbild. Die Straßen werden schmal, alte Giebelhäuser geben ihr das Gepräge. Der älteste Teil der Stadt liegt auf den Inseln, die die Spree hier bildet. Da diese Inseln das Ueberschreiten des Flusses erleichterten, führt« hier eine alte Handelsstraße vom Norden nach dem Süden vorüber. So ist es denn leicht verständlich, daß hier ein Rastplatz entstand, an dem dann ein« Siedlung aufblühte. Wir sehen hier ähnlich« Verhältnisse wie bei Berlin-Kölln, wo es letzten Endes auch die geologischen Ver- hältnisse waren, die die Havplursach« für die Art und Weis« der ge- schichtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung der Siedlung bildeten. Wir wandern über die neue Spreebrücke nach Ketschendorf. Von der Dorfftraße wenden wir uns jedoch alsbald rechts ab durch die Petcrsdorfer Straß«. Hinter dem Dorf schlagen wir den Weg nach Süden ein. Durch völlig ebenes Gelände führt er hin, wir durchqueren dos Warschau-Berliner Urstromtal. Vor uns ragen die Rauenschen Berg« auf. die wir schon von Fürstenwalde aus sehen konnten. Sie gehören dem Berging an, der sich auf dem Süd- rand des Urstromtals in oftwestlicher Richtung hinzieht. Oestrich von den Rauenschen Bergen liegeki die Soldatenberg« und die Dubrowberge. Diese Bergkette ist eine Endmoräne der Eiszeit, deren Kern aus tertiären Schichten besteht. vie tertiären Ablagerungen. Die dem Tertiär, d. h. der dritten großen Erdbildungs- Periode angehörenden Schichten des Kerns der Endmoräne sind durch den Druck des Inlandeises der Eiszeit aufgestaucht und häufig zerstört worden. Sie gehören dem Miocän, also dem mittleren Tertiär an. Di« Schichten bestehen aus Formsonden, Letten und Braun- kohlen. Das Vorkommen mehrerer Brauntohlenflöze führt« zur An- lag» von Bergwerken, die zum Teil noch in Betrieb, zum Teil bereits aufgelassen sind. Unser Weg bringt uns zu den Grubengebäuden der Braunkohlengrub«.konsolidiert Gnadenreich" am Fuß der Rouenschen Berg«. Von hier führt« der„Brohlstollen" in das Inner« des Berges bis unter sein« höchst« Kuppe, 63 Meter unter Tage. Jetzt ist der Stollen verfallen, wahrscheinlich ist dos Kohlenflöz abgebaut. Das Erdreich über dem S'ollen ist einge- funken— zu Bruch gegangen, wie der Bergmann lagt. Auf ein« lange Strecke hin können wir so den ehemaligen Gang verfolgen. Unmittelbar südlich der Braunkohlengrube beginnen die Form- s a n d g r u b e n, die sich westlich des Weges Ketschendorf— Peters- dorf hinziehen. Beide Gesteinsarten, Formsand und Braunkohl«, kommen stets zusammen vor, so daß man beim Aufichließen des Formsandes immer die Braunkohle in der Nähe vermuten darf. Der Formsand wird zur Herstellung der für die Metallgießereien nötigen Formen verwendet, daher sein lliam«. Er ist. je noch seinen Bei- mengungen, von verschiedener Farbe, schwarz, schokoladenbraun, grau oder weiß, aber immer äußerst sein, mehlartig. In den Gruben sehen wir die Aufstauchungen und Verwerfungen der Sandschichten. Haar- scharf und meist immer gut zu erkennen ist die Grenze zwischen den tertiären Ablagerungen und denen der Eiszeit, die darüber liegen. In den Formsanden kommen mitunter schwache Braunkohlen- f l ö z« vor, die den Abbau der Sand« hindern. Si» werden deshalb angezündet und glimmen allmählich sott. Die verbleibenden Alchenrückständ« lassen sich leichter entfernen als die gewachsene Braunkohle. Die Kohlenflöze in den Bergwerken entzünden sich öfter selbst: der in der Kohle enthalten» Schwefelties entwickelt bei seiner Zerl-�ung soviel Wärme, daß Flözbrände entstehen. Von der Ketschendorf— Petersdorfer Landstraße haben wir einen präch- tigen Ueberblick über die Landschaft. Zwischen den Rauenschen und den Soldaten- und Dubrowbergen befindet sich«in« Senk«, die bei Petersdorf von dem Petersdorfer See ausgefüllt wird. Nach Süden hin schließt sich e i n L u ch an, das sich bis zum Schar. mützelsee erstreckt: dieser fiillt weiterhin die Senke aus. Die Senk« ist eine Rinne, durch die die eiszeitlichen Schmelzwasser gen Süd abflössen. Di« Hügelkuppcn und Einschnitt« zaubern uns ein Bild vor Augen, das uns an eine Gebirgslandschaft Mitteldeutschlands erinnert. Die Markgrafensteiae. Wir kommen nach Petersdorf, das wir jedoch nur in seinem nördlichen End« berühren. Gen Nordwest führt unser Weg zum Dorf hinaus. Das Gelände steigt an, geht es doch dem Gipfel der Rauenschen Berge zu. Im Walde sehen wir trichterförmige, kreisrunde oder langgestreckte Gruben. Es sind Erdfälle, die durch den Einsturz des Untergrundes infolg« des Bergbaues entstanden sind. Die Strecke ist zu Bruch gegangen, sagt der Bergmann. Durch Der Treffpunkt. Am großen Mark graten stein. schönen Nadelwald bringt uns der Weg zuerst in nordwestlicher, dann in südwestlicher Richtung zu den Ma r k g ra f« nst e i ne n, zwei gewaltigen Findlingsblöcken, von Sagen reich umwvben. Der kleine Markgrafen st«in hat einen Umfang von 21,5 Metern und ist ö,7v Meter hoch, de von stecken jedoch 2 Meter in der Erde. Der große Markgrasen st«in hat ein« Höh« von 6,60 Metern, davon 4,70 Meter über der Erde. Der kleine Stein liegt noch unbe. rührt: dagegen wurde von dem großen im Jahr« 1826 ein 16 Zcnt- ner schweres Stück abgesprengt. Hieraus wurde unter Leitung des Baumeisters CantiandieScholevordemAltenMuseum im Berliner Lu st garten hergestellt. Auch die Friedens- fäule auf dem Belle-Alliance-Platz stammt von dem großen Markgrafenstein. Vor der Sprengung hatte dieser Stein 29,5 Meter Umfang und war 8,5 Meter hoch. Di« Markgrafenstein« sind wohl die größten Findlingsblöck« in der Mark Brandenburg. Sie zeugen von der gewaltigen Kraft des In- landeises. das sie aus der skandinavischen Heimat hierher geschleppt hat. Auf dem höchsten Gipfel der Rauenschen Berge. 148 Meter über dem Meeresspiegel oder lIVMeterüberderSpre«, steht«in Vermessungsgerüst, das gegen Entgelt bestiegen werden darf. Das Besteigen ist jedoch nur schwindelfreien Personen anzu- raten. Von oben genießen wir«ine prächtig« Rundsicht. Nahebei der dicht« Wold, im Norden das Warschau-Berliner Urstrom- tol mit Fürstenwalde und der Hochfläche des Barnim auf dem jen- seitigen User. Im Westen sind bei klarem Wetter die Türme aus den Kranichbergen bei Woltersdorf und auf den Mllggelbergen zu erkennen. Im Süden blitzt der Spiegel des Scharm iitzelsees auf. In der Näh« des Gerüstes steht der steinerne Tisch, aus Resten des von dein großen Markgrafenstein abgesprengten Stückes hergestellt. Auf steilen Stufen wandern wir jetzt vom Bergesgipfel herab. Bald sind wir in Nauen, dessen Kirche bemerkenswert ist. Sie muß schon «in hohes Alter(etwa 600 Jahr«) besitzen, denn sie ist aus unbe- arbeiteten Feldsteinen erbaut. Von Nauen wandern wir auf der Chaussee nach Fürstenwalde zurück. Ein Gang durch die Stadt im Abenddämmern bringt uns wieder zum Bahnhof. Weglänge etwa 17 Kilometer. Irgendwo muß man sich doch, wenn man eine Verabredung hat, treffen. Da die alten Normaluhren verschwunden sind, so trifft man sich an anderer Stelle. Und wo könnte sich der moderne Ver- liner besser oerabreden und treffen als..., sagen wir mal am Ein- gang zu einem Untergrundbahnhof. Zum Beisp el an dem der König- grötzer Straße. Man glaubt gar n.cht, was das für ein ausgezeich- neter Treffpunkt ist. Hunderte lausen dort hinein, Hunderte kommen heraus. Alles drängt, eilt, läuft, schubst, jeder hat größte Eile und will vorwärts. Mitten in dem wilden Gewimmel liegt nun jener Treffpunkt. Und wenn der eine Partner eingetroffen ist, dann wird der Treffpunkt zum Standpunkt. Dort steht er oder sie und wartet und weicht nicht. Wild, aufgeregt trommell und knattert das Trampeln der vielen Menschen um den Wartenden. Das kümmert ihn nicht. Er steht im Mittelpunkt des Ganzen und wartet. Welch Glück aber, wenn der bzw. die Erwartete endlich gekommen und wohl gor noch einen oder zwei gute Freunde oder Freundinnen mitgebracht hat. Wo in oller Welt könnte in Berlin«ine bessere Gelegenheit sein, sich gegenseitig vorzustellen, zu plaudern, zu lachen und sich Anekdoten zu erzählen, als ganz genau in dem Eingang zur Untergrundbahn, wo Hunderte und aber Hunderte sich um die angeregt Plaudernden herumschlängeln müssen. Mitunter treffen sich an dem Eingang zwei oder drei verschiedene Parteien, und dann wird es überhaupt erst richtig gemütlich. Des Lachens und Scherzens ist— immer enn Eingang zur Untergrundbahn— gar kein Ende. Und die Leute, die hinunter- oder herauswollen, werfen wohl mißbilligende oder auch wütende Blicke auf die im Trefspunkt Stehenden, und dmm gehen sie um sie herum und verschwinden. Es hat ja niemand viel Zeit. .Hin und wieder aber kommt es doch vor, daß«in Mann von rauhen Sitten einen Durchbruchsversuch macht, etwa mit den Worten: „Möchten Se nich gefälligst Platz machen und den Eingang frei hallen!" Der aber kann was erleben.„Prolet" ist noch das Wenigst«, was er von den Leuten auf dem Treffpunkt zu hören bekommt. Auch ein Schupo läßt sich mal sehen. Aha, denkt man sreudig, jetzt macht er den Eingang frei. Aber auch der Schupo geht höflich um die Leute auf dem Treffpunkt herum und angelt sich ein armseliges Weiblein, das am Eingang, eng an die Wand gedrückt, leise uni eine Gabe jammert. Sie muß weg. S'e muß Platz machen. Di« Treppe ist für den Verkehr! Ordnung muß sein! Der Eingang zur Treppe aber ist für den geselligen Verkehr. Da hat der Schupo offenbar nichts zu sagen. Es wäre jedoch sehr out, wenn er was zu sagen hätte und wenn er es auch sagen würde. Denn rund heraus gesagt, die Leute von: Treffpunkt sind die Leute, die die ge- lassenc Dreistigkeit besitzen, sich mitten in den Weg zu stellen, wo der Verkehr am größten und dicksten ist, und da haben sie wirklich nichts zu suchen. Auf eine deutfchnationale Tasse Kaffee. Das folgende kleine Erlebnis teilt uns eine Leserin mit:„Früh- morgens 9 Uhr. An der Straßcnbahnhqltestelle. Warten, verzweifeltes Worten. Ein« Straßenbahn kommt nicht. Man trippelt auf, man trippelt ab. Auch ich. Hinter und manchmal auch neben mehr immer«in Herr mit einem Bäuchlein, aber sonst ziemlich statt- lich. Er beobachtet mich fortgesetzt. Schließlich findet er den Mut, mich anzusprechen.„Fräulein, gestatten Sie, daß ich Sie für heute Abend zu einer Taste Kaffee einlade?"„Danke recht sehr, tut mir leid, daß ich keine Zeit habe."„Schade."„Warum", ineine ich. „Nun, Sie haben so schön« Zähne!" Jetzt muß ich aber wirklich lachen.„Das hat doch mit Kaffeetrinken nichts zu tun."„Doch, doch", entgegnete er,„ich bin nämlich Zahnarzt." Und noch mal versucht «rs und findet wieder eine Ablehnung.„Muß das wirklich sein?" Da endlich kommt die Straßenbahn. Gott sei Dank. Zum Schluß meint er,„gelt Fräulein, aber einen Gefallen tun Sie mir noch, am 7. Dezember wählen Sie auch ohrne die Taste Kaffee die Deutsch- nationale Volkspartei, ja, bitte recht sehr!" Und ehe ich antworten kann, fährt die Straßenbahn weg." Der liebenswürdige Agitator ist sicher um eine s«hr unterhaltsame politisch« Kaffeestunde gekommen. _ Ungarische Sozialdemokraten! Sonntag, den S. November, friib Sh'z Uhr. Lokal Eichler, Kollnomstr. 13: Zusammenkunft(nicht bei Schulz. Elisabethstr.). w Der Mittelweg. von Sir Philip Gibbs. Und das britische Reich? Das kleine Alt-Cngland, ab- hängig vom Ueberseehandel, vom Weltmarkt, der es im Stich gelassen, von seiner Handelsmarine, die keine Fracht bekom- men konnte, würde am härtesten bedrängt werden. Und der Geist der Revolution unter Männern, die durch den Krieg verbittert, durch trügerische Versprechungen enttäuscht, auf eine niedrige Lebenshaltung herabgedrückt waren, hatte letzten Endes auch England ergriffen. „Rein, Major." schloß Christy,„ich möchte doch lieber keinen Sohn in die Welt setzen." Bertram erhob sich und sah schweigend in das Dunkel hinaus, das von den glühenden Augen der Lokomotiven und dahinrasenden Autos unterbrochen wurde. Dann wandt« er sich zu Christy zurück und sagte:„O, altes Gespenst! Du jagst einem Schauer über den Rücken. So schlimm stehen doch die Sachen noch nicht." Christy lachte und drehte das elektrische Licht an.„Diel- leicht ist es nur mein trankhaftes Temperament, und ich habe Unrecht. Aber ich beobachte, wohin die Dinge treiben. Doch lasten wir die internationale Lage und beschäftigen wir uns lieber mit Heimpolitik. Was treiben Sie zurzeit. Major?' „Ich suche Arbeit," sagte Bertram. Luke Christy gab ihm den Rat sich um eine bequeme, kleme Stelle bei der Regie- rung zu bemühen, die aus der Tasche der Steuerzahler be- zahlt würde und nicht mehr Arbeit erforderte, als der erste beste Bureaudiener leisten konnte, ohne es zu merken.„Rein! Ich will ein ehrlicher Mensch bleiben," sagte Bertram. Das schien Luke Christy ungeheuer drollig zu finden. „Aber mein lieber Major, die einzigen ehrlichen Leute in der Welt sind die, welche verhungern. Ich bin einer der schlimmsten Heuchler Einer: denn während mein Herz für die leidende Menschheit blutet, erziele ich ein gutes Honorar für meine Artikel, in denen ich ihre Qualen beschreibe." Da errötete Bertram plötzlich und sagte nervös:„Christy, ich glaube, wenn ichs versuchte, könnte ich auch schreiben. Was meinen Sie dazu?" „Sie?" sagte Christy. Das Wort und seine Betonung waren nicht sehr ermutigend. Es wurde Bertram schwer, seinem Freunde zu gestehen, daß er ein Buch geschrieben hätte, und daß er überzeugt war, endlich einen Lebenszweck gefunden zu haben. „Was für eine Art Buch?" fragte Christy. „Ein Buch über den Krieg." Christy stöhnte, hielt die Hände hoch und rief:„Pardon! Pardon! Kamerad!" 11. Joyce war zu einem Tanzabend gegangen und hatte Bertram bei seinem Buche zu Hause gelassen. Zwar hatte sie ihn aufgefordert, sie zu begleiten, damit sie sich nicht an„andere Gesellschaft" anschließen müßte. „Was für Gesellschaft?" fragte Bertram und sah scharf von seinen Schriften auf. Sie zuckte die Achseln.„Die ge- wöhnliche, die beiden Russinnen. Jack und Kenneth." Bertram stieß seine Papiere zurück.„Wozu brauche ich dann noch mit zu kommen? Die Russinnen langweilen mich zu Tode mit ihren Geschichten aus der alten Zeit und den Greueltaten der Bolschewisten, und ich haste es, dich mit Kenneth Murleß tanzen zu sehen. Er tanzt wie'n verliebter Ballettmeister. Und außerdem—" „Außerdem?" „Wenn schon getanzt werden soll, dann will ich mit dir tanzen." Sie lächelte.„Die ganze Zeik, Bertram?" „Ja. Du bist meine Frau." Seine verwünschte Eiser- sucht war wieder stärker gewesen als er. „Ja, aber nicht dein Eigentum, mein Lieber," sagte Joyce. „Anderer Leute Eigentum aber auch nicht, knurrte Bertram.„Ich bin noch so altmodisch, daß ich nicht leiden kann, wenn irgend jemand zum Jazz die Arme um dich schlingt. Das ist widerlich." „Du selbst bist widerlich," antwortete Joyce. Ihr Gesicht flammte in plötzlichem Zorn auf, und in ihren Augen blitzte es stahlhart. Sie stand an der Tür in ihrem lichtseidenen Abendkleid, das den weißen Hals und die Arme frei ließ. In ihrem goldenen Haar spielte das elektrische Licht. Bertram war in ihren Anblick versunken und fühlte, wie der Zorn ihm ins Gehirn kroch, weil er sie nicht hindern konnte, mit dem Manne zu tanzen, den er verabscheute, und weil er sie nicht für sich allein behalten konnte, und weil sie ihm ihre einzige Liebe nicht schenkte, nach der seine Seele hungerte. „Das Wort sollte keine Frau zu ihrem Manne ge- brauchen," sagte er heftig. „Es war dein Wort". Sie lacht« und zögerte an der Tür. Dabei blickte sie ihren Mann mit einem halb spöttischen, halb betörenden Lächeln an. Aber er starrte auf seine Schreibereien und sah es nicht. Auch nicht das Mitleid in ihre« Aug««. „Vielleicht kommst du doch lieber mit? Dein Buch macht dich noch nervös." „Es interessiert mich," antwortete Bertram. „Ich werd' es noch mal hasten. Ich möchte den ganzen Krieg schon am liebsten vergessen." „Das möchte jeder," sagte Bertram leidenschaftlich.„Die Kriegsschieber, die Alten, die den Mastenmord befahlen, die Politiker, die den Frieden verdarben, und die geschminkten kleinen Mädels. Aber der Teufel soll mich holen, wenn ick) es ihnen erlaube." „Geschminkte kleine Mädels?" wiederholte Joyce.„Bin ich damit gemeint?" „Nein!" „Danke!" Damit verließ sie das Zimmer, und Bertram hörte, daß der Wagen gemeldet wurde. Er stand auf. Viel- leicht sollte er doch lieber mitgehen? Er hätte es jetzt gern getan. Er sehnte sich nach Joyces Schönheit, wenn er sie auch mit ihren Freunden zu teilen hätte. Aber es war zu spät, das Auto rollte davon. Er war zu rauh mit Joyce. Warum sollte sie schließlich nicht mit anderen tanzen? Hatte er etwas von der Härte und Unduldsamkeit seines Baters geerbt? Oder war es die Leidenschaftlichkeit seiner Liebe, die sich Joyce ihm versagen ließ, nachdem ihr Kindchen gestorben war? Sie machte kein HeHl daraus, wie unangenehm ihr seine Zärtlichkeiten waren. Oder hatte dieser unaufhörliche Zwist zwischen ihnen in ihren verschiedenen Anschauungen seinen Grund? Wie es auch war, es war sehr schwierig. Er mußte sich mehr zusammen- nehmen, sich zu selbstloserer Liebe aufschwingen, und im Not- falle sogar seine leidenschaftliche Liebe zu Joyce zum Opfer bringen, um ihretwillen. Er zwang sich, weiter zu schreiben, und war bald tief in seine Aufgabe versunken, froh über den schnellen Fluß seiner Feder und die wuchtigen Streiche, die sie austeilte. Es waren starke Sachen. Eine bittere Verurteilung all der Dumm- heiten, der Mißgriffe, der so unnötigen Hinschlachtung von Menschenleben. Seine eigenen Leute waren unter den Opfern gewesen. Wie hatte er diese Befehle vom Hauptquartier ver- flucht! Wie unbegreiflich blödsinnig waren sie gewesen! Nachdem er, ganz vertieft in seine Arbeit, mehrere Stun- den geschrieben hatte, hörte er die Glocke in der Vorhalle. Konnte Joyce schon zurück sein? Unmöglich! Es war ja erst Mitternacht. Das Stubenmädchen war zu Bett gegangen, also mußte er selber öffnen gehen. Gräßlich! Wer konnte es sein in oller Welt? (Fortsetzung folgt.) Der neue Kurs. Erste Heldentat des neuen Schuldezernenten. Die 16 Realschulen von Alt- Berlin unterscheiden sich bekanntlich dadurch vorteilhaft von den anderen Realschulen, daß der fremdsprachliche Unterricht in ihnen erst in der vierten Klasse beginnt und daher die begabten Schüler noch nach fünf- bis sechsjährigem Besuch der Gemeindeschule ohne Zeitverluft aufgenommen werden können. Diese Einrichtung, die von dem Berliner Stadtschulrat Bertram stammt und für die sich bei der Einführung auch der berühmte Sprachforscher Steinthal in einem Gutachten ausgesprochen hatte, ist der Schulreaktion schon lange ein Dorn im Auge. Es ist ihr zwar gelungen, die Ausführung des nach der Revolution von der alten Deputation für das höhere Schulwesen mit Zustimmung aller Sozialisten und Demofraten mehrfach gefaßten Be schlusses auf Aufhebung der völlig unnötigen fünften und sechsten Klassen zu hintertreiben. Aber es war ihr bisher nicht gelungen, die Berlegung des fremdsprachlichen Anangsunterrichts in die sech ste Klasse zu erreichen; Cassel, der langjährige Führer der Bürgerlichen im Rathaus, widersetzte sich der Absicht in dem Interesse der begabten Gemeindeschüler energisch. Was sind aber Größen wie Bertram, Steinthal und Cassel gegen den neuaufgehenden Stern, Stadtrat, Studienrat Benete. Zu Dienstag, den 28. Ottober, berief diefer eine Sigung des Bezirksbildungsausschusses auf 5 Uhr ein, um die Beseitigung dieses por vierzig Jahren erreichten Schulpolitischen Fortschritts durchzu feßen. Run tagten aber gleichzeitig verschiedene Fraktionen, z. B. auch die unfrige, wie dem Stadtrat Benete befant war. Daher legte Benoffe Stadioerordneter Dr. Witte schriftlich Einspruch gegen die Abhaltung der Sitzung ein. Obwohl noch andere Stadtverordnete der Linken ebenfalls durch Fraktionsfizungen an der Teilnahme der Sigung des Bezirksschulausschusses verhindert maren, begann man allen parlamentarischen Sitten zum Troß die Berhandlung über eine so wichtige Angelegenheit. Als Genoffe Witte nach Schluß der Fraktionsfigung turz vor Beginn der Stadtverordnetensizung boch noch im Bezirksschulausschuß erschien, stellte er den Antrag, daß der von ihm ausgearbeitete Lehrplan, bei dem die Beibehaltung des fremdsprachlichen Unterrichts in der vierten Klasse vorgesehen, aber die Neuordnung des höheren Schulwesens durch den Minister Boelig berücksichtigt fei, in einer besonderen Sizung geprüft werde. Aber dieser Borschlag wurde abgelehnt, obwohl zugegeben wurde, daß vor Oftern 1925 eine Aenderung des Lehrplans nicht eintreten tönne. Fürchtete man etwa, inzwischen würde der Abbau Paulsens von der Aufsichtsbehörde für ungeset lich erklärt werden und der Genosse wieder bas Schulbezernat übernehmen? Man erklärte: Wenn nicht bald die Berlegung des fremdsprachlichen Anfangsunterrichts in die sechste Klasse beschlossen werden würde, so würde sie von dem Minister angeordnet werden. Genoffe Witte schlug darauf vor, von einem Beschluß überhaupt Abstand zu nehmen, da er ja nur eine Romödie fein würde; wenn die Angaben richtig wären, wäre es am besten, dem Minister die Verantwortung für diesen schulpolitischen Rückschritt zu überlaffen. Aber es half nichts, die Schulreaktion raste und wollte ihr Opfer haben. So wurde beschlossen, zu Ostern 1925 in der ihr Opfer haben. So wurde beschloffen, au Ostern 1925 in der fechsten Klassen mit dem fremdsprachlichen Unterricht zu beginnen. Die Abstimmung fand zu einer 3eit statt, wo schon die Sigung der Stadtverordnetenversammlung begonnen hatte. Der Fall dürfte einzig in der Geschichte des Berliner Kommunallebens dastehen, daß die Abstimmung in einer Deputation oder in einem Ausschuß, noch dazu über einen so wichtigen Gegenstand, allen anderen Borschläge zum Troß zu einer Zeit vor genommen wurde, wo an der Teilnahme verschiedene Mitglieder durch eine Sihung der Stadtverordnetenversammlung verhindert waren. Das ist die erste Heldentat des neuen Schuldezernenten. Gegen ihn wird bei dem Oberbürgermeister Beschwerde erhoben werden. Polizei und Autoverkehr. 2800 Strafen in einem Bierteljahr. Die zahlreichen Uebertretungen der Kraftfahrzeugführer, die allein im letzten Bierteljahr 2800 Strafverfügungen zur Folge hatten, haben das Kommando der Shutzpolizei veranlaßt, den Beamten, die den Straßenaufsichtsdienst versehen, die Vorschriften über den Kraftfahrzeugverkehr ganz besonders in Erinnerung zu bringen. In geschlossenen Ortsteilen st den Kraftwagenführern folgendes verboten: eine Geschwindigkeit über 35 Kilometer, das Deffnen der Auspufftlappe und die Benutzung start wirkender Scheinwerfer. Darüber hinaus wird lebhafte Klage darüber geführt, daß die Beleuchtung des hinteren Renn zeichens in fehr bedenklichem Maße vernachläffigt wird. Die Stennzeichen find vielfach nur teilweise oder oft so schwach beleuchtet, daß sie nicht zu erkennen sind. Ihre schlechte Erbennbarkeit beruht zum Teil auch darauf, daß sie verbraucht und schmuhig sind, wodurch auch der rote Stempel in Mitleidenschaft gezogen wird. An manchen Kennzeichen ist der Stempel entweder gar nicht oder nur sehr schwach zu sehen. Kennzeichen mit Transparent sind oftmals beschädigt oder so repariert, daß Buchstaben und Nummern nicht zu lefen sind. Da es sich in den genannten Fällen regelmäßig um Nachlässigkeiten handelt, wird dagegen rücfichtslos vorgegangen werben. Das Rennzeichen muß bei Lage und bei Nacht auf 20 Meter deutlich lesbar fein. Der Stempel muß auf etwa 10 Meter deutlich als noch vorhanden zu erkennen sein. Ferner dürfen Kraftfahrzeuge nur furze Warnungssignale abgeben. Gegen alle Fahrzeuge, die insbesondere die elektrischen Hupen länger anhaltend benußen, meist um sich freie Bahn zu verschaffen, wird auf Grund der Verordnung über Kraftfahrzeuge Dom 15. März 1924 Anzeige erstattet. schuß, die für die doppelte Friedens miete abgegeben werden und deren Inhaber mindestens 2000 m. bares Geld einzahlen müssen. Die Finanzierung der Wohnungsbauten, für welche Hauszinssteuerhypotheken beantragt werden, bleibt den Antragstellern überlassen. Die Wohnungsfürsorgegesellschaft ist nach den ministeriellen Vorschriften nicht berechtigt, bei der Förderung des Wohnungsneubaus über gewisse Summen hinauszugehen, so daß die Antragsteller darauf angewiesen sind, die Restbautosten aus eigenen Mitteln oder durch Darlehen von dritter Seite aufzubringen." Sozialdemokratischer Pressedienst. Der„ Sozialdemokratische Parlamentsdienst" ( ab 1. November„ Sozialdemokratischer Pressedienst") verlegt am 1. November seine Redaktion von Lindenstraße 3 nach Berlin SW61, Belle- Alliance- Platz 8. Tel.: Donhoff 4196-4198.- Telegrammadr.: Sopadienft. Er wollte es ihm zeigen". Ein Jahr Gefängnis für einen Kriminalbeamten. Durch eine vorzeitig begonnene Silvesterfeier hat der auf Probe im Bolizeipräsidium angestellte Kriminalbetriebsaffiftent Erwin Loeffner seiner Probedienstzeit ein jähes Ende bereitet. Schwere Ausschreitungen im Amte, die er in der Trunkenheit begangen hat, führten ihn vor das große Schöffengericht mitte, vor dem er sich wegen Rörperverlegung und unberechtigter Festnahme, beides im Amte begangen, zu verantworten hatte. Eine halbe Stunde später rempelte er vor einer Liförstube am Der Angetlagte war nachmittags um 2 Uhr dienstfrei geworden. Alleganderplag einen jungen Kaufmann Unger schwankenden Gan. ges an. Als dieser ihm zurief, er möge sich doch vorsehen, wurde er ausfallend und sagte, er werde es ihm zeigen, mit wem er es zu tun habe". Er fei Kriminalbeamter. Er suchte dann auch alle Taschen durch, bis er seine Dienstmarte fand. Darauf padte er unger im Genid, stieß ihn vor sich her und forderte ihn auf, zur Feststellung wegen Beamtenbeleidigung mit zum Polizeipräsidium zu fommen. Unger folgte willig. Untermegs machte der eigenartige Gefangenentransport mit dem torfeln den Beamten in Bivil großes Aufsehen, es sammelten sich Menschen an und aus dem Publikum erschollen laute Rufe des Unwillens. Unger folgte jedoch dem Beamten, da er selbst den Tatbestand festgestellt wissen wollte. Ein Freund des Unger wurde von dem An geklagten beim Polizeipräsidium zurückgewiesen. Im Gebäude selbst erhielt Unger von bem Angeflagten Faustschläge auf den Kopf und wurde in ein Diensizimmer der Abteilung IV gebracht, obwohl Loeffner zur politischen Abteilung gehörte. Er mishan machten der Dienststelle Meldung von diesen skandalösen Borgängen. belte dort den Berhafteten". Andere Beamte tamen hinzu und Obwohl der Polizeipräsident eine Umfrage" An alle" erließ, daß sich Der Beamte, der einen gewiffen Unger, von dem inzwischen auch eine Anzeige eingelaufen war, festgestellt hätte, melden solle, fonnte der Angeflagte erst nach einiger Zeit ermittelt werden, da er sich nicht felbst meldete. Bor Gericht fuchte der Angeffagte alles abzu streiten. Er wollte sich an die ganzen Borgänge nicht erinnern und bestritt auch, obwohl 5 Beugen einwandfrei seine starte Trunfenheit bekundeten, an jenem Lage überhaupt Alkohol genossen zu haben. ersucht habe, Unger wegen Diebstahlsverdacht zum Präsidium zu Er will Unger festgestellt haben, weil ein Kriminalfommissar ihn bringen. Den Namen des Kommiffars vermochte er jedoch nicht anzugeben. Er berief sich für sein mangelndes Erinnerungsver. mögen und seinen taumelnden Gang auf eine angebliche Grippe erfrankung. Das Gericht tam auf Grund der Beweisaufiahme zu der lleber zeugung, daß den Auslaffungen des Angeklagten feinerlei Glauben zu fchenten fei. Es handle sich um eine grobe Ausschrei tung eines auf Probe angestellten jungen Beamten, der vom Ge. fühl seiner Großartigteit als Polizeibeamter geleitet worden sei und nicht etwa um einen schlechten Silvesterscherz. Ein solches Berhalten sei geeignet, das Ansehen der Polizeiorganie und der Staatsautorität zu untergraben. Erschwerend fomme in Betracht, daß der Angeklagte nicht den Mut gehabt habe, seine Tat einzugestehen. Derartige Fälle müßten exemplarisch geahndet werden, damit das alte Ansehen der preußischen Staatsbeamten wieder hergestellt und den jetzigen jungen Beamten zu Gemüte geführt werde, wie sie sich zu benehmen haben. Das Schöffengericht verurteilte Loeffner wegen Körperverletzung und unberechtigter Feststellung im Amte zu einem Jahr Gefängnis unter 2 berkennung der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf 5 Jahre. Wegen der Höhe der Strafe ließ Bondgerichtsdirektor Wachler den Angeklagten sofort in Haft nehmen. Der hilfsbereite Arzt. Nach ein zeitig hatte das Gericht auch eine Begünstigung der Straftaten des Fröschle angenommen und hierfür auf 500 Mart Gelda strafe erkannt. Während der erste Teil des Urteils rechtsträftig günstigung zweds neuer Feststellungen aufgehoben. geworden war, hatte das Reichsgericht das Urteil wegen der Be. gehender Beweisaufnahme fam die Berufungsfammer des Land gerichts III wiederum zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten. Das Gericht gewann die Ueberzeugung, daß der Angeflagte helfend eingreifen wollte und sich somit der Begünstigung schuldig gemacht habe. Das erste Urteil sei außerordentlich milde gewesen und entspreche feineswegs dem Grad der Verfehlung. Das Gericht sei leider jedoch an das Strafmaß des Bordergerichts gebunden, so daß es wiederum nur auf 500 M. Geldstrafe erkennen fonnte. Wahlgeldsammelei der Deutschnationalen. Die richtige Antwort! Zu den bevorstehenden Reichstagswahlen brauchen alle Parteien begreiflicherweise viel Geld. viel Geld. Wie die Deutschnationalen ihre Geldsammelet betreiben, lehrt ein Fall, der uns aus Berlin- Südost gemeldet wird. In der Reichen berger Straße läutet bei einem Hinterhausbewohner ein fremder Mann, und der öffnenden Hausfrau trägt er folgende Bitte vor: Herr Reftor Schulz schickt mich. Jezt kommen doch die neuen Wahlen, da möchten Sie einen Beitrag für den deutschnationalen Wahlfonds beisteuern." Die Frau wehrt ab: Nein, nein! Wie fann man für die Partei etwas geben! Das sind doch unfere Feinde!" Nein, das sind doch," sagt der Fremde ,,, nicht unsere Feinde! Aber die Sozialdemokraten was haben die uns in den fünf Jahren nach dem Kriege gebracht?" Schlagfertig erwidert die heutigen De utihnationalen mit Wilhelm an der Spine!" Frau:„ Wer hat uns in den Krieg hineingeritten? Die Da geht dem Geldfammler ein Licht auf und er Bonzentriert sich rüdwärts, indem er verlegen stammelt: Entschuldigen Sie, enc fchuldigen Sie! Ich dachte, Sie wären deutschnational." Wir vermuten, daß dieser im luftrage eines deutschnationalen Rektors fammeinde Herr in derselben Weise die Arbeiterwohnungen eine nach der anderen abflappert. Also: Vorsicht! Taschen zu! Hoffentlich erhält er überall eine so wirksame Abfuhr, wie in dem geschilderten Fall. Der Ehemann der schlagfertigen Frau beift uns das oben wiedergegebene Gespräch mit und äußert sich in fammelei der Deutschynationalen. Der dreifte Versuch des deutsch fräftigen Worten über die so bei Arbeitern betriebene Wahlgeldnationalen Sammlers hat bei ihm eine aufrüttelnde Wirkung ge habt. Seinen Brief an uns schließt er damit, daß er den ,, Bor wärts" bestellt. So war's richtig! Kundgebung der deutschen Versicherungsträger. Der Verband der Berliner Krantentassen ver anstaltete am Freitagnadymittag im Stadtverordnetensaal des Ber liner Rathauses eine Rundgebung, die zu den unerhörten Angriffen Stellung nahm. Es waren wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung der Berliner Aerztekammer gegen die deutsche Sozialversicherung von allen einschlägigen Ministerien Vertreter erschienen. Der erste Redner war der Reichstagsabgeordnete Dr. Moses. Er erinnerte an den Genius loci biefes Saales Rudolf Birdhent der im Jahre 1848 die denkwürdigen Worte sprach, daß der Arzt der natürliche Anwalt der Armen sei und stellte demgegenüber das Verhalten der Aerzteorganisation, deren einziges Interesse vom Geldbeutel diftiert jei. Er berichtete von Richtlinien, die der Leipziger Verband zur Durchführung von Aerztestreits erlassen hatte und nach denen die Behandlung in der Sprechstunde, die Ausführung von Besuchen, ja fogar die Hilfeleistung bei Entbindungen abzuweisen fei. Er erinnerte an den Ausspruch des Führers der ärztlichen Poincaristen Dr. Wittowsti, der erklärte, die gesamte deutsche Aerzteschaft müsse zur Wahrung ihrer beruflichen Freiheit der Sozialversicherung ihre Dienste verweigern, und wir müssen zur Cr reichung unferes Zieles den Krantentassen die hand an die Gurgel legen. Er schilderte die Behandlung der Kaffenpatienten in Sprechzimmern, die in so baufälligen Räumen fich befänden, daß sie baupolizeilich geschlossen werden müßten, und stellte bemgegenüber die nach allen modernen hygienischen Gesichtspunten eingerichteten Krankenfaffenambulatorien, in denen die Staffen. patienten wie Brivatpatienten behandelt werden und nicht wie bei ben Raffenlöwen nur zur Füllung ihres Geldbeutels dienen. Er führte aus, daß die Aerzteorganisation zur Einführung der Familien behandlung 15 Goldmart pro Kopf und Jahr verlangt habe, mäh rend die Krankentasse die gleiche Leistung für taum 3,50 M. u ftande bringe. Er stellte weiter fest, daß mit der Errichtung von Raffenambulatorien eine neue Aera in der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung begonnen habe. Die Krankenkaffen werden aber auch dazu übergehen, die Ambulatorien zu Fürsorgestellen auszubauen, die Hand in Hand mit den städtischen und staatlichen Einrichtungen arbeiten werden. In den Ambulatorien würden die Kassenmitglieder nicht wie in vielen Polikliniken bekannter Rassenlöwen als Demonftrationsobjekte für gut zahlende ausländische Aerzte verwendet wer den. Für die Professoren, die auf der Aerztekammertagung für e Etwas weit hatte der Chefarzt eines Krantenhaufes in Hohen- Wahrung der Berufsfreiheit, Standesebre usw. eintraten und die dorf bei Chemniß, Dr. Born, den Begriff der ärztlichen Hilfe zum großen. Teil nicht einmal den Unterschied zwischen Kranten leistung gespannt. Dadurch wurde er in das Strafverfahren wegen und Invalidenversicherung fennen, gebrauchte er bas 3itat pen des Raubes im Juliusturm, der vor einigen Jahren großes Morib Hartmann: 150 Profefforen, Baterland, du bist verloren. Aufsehen erregte, hineingezogen. In seinem Orte wohnten die 3um Schluß erwähnte Dr. Moses eine ganz besondere RiderEltern des an dem Raube beteiligt gewefenen früheren Offiziers fracht der Krankenkassen, daß sie nämlich Badeanstalten b burschen Karl Fröschle. Dieser hatte eine größere Menge der das Kinderheime eingerichtet hätten, aber trotzdem hoffe er, daß mals geraubten rumänischen Lei erhalten, um sie ins Ausland zu gegen den standestreuen Aerztevertretern der gesunde MenschenverStand auch bei der Aerzteschaft durchbringen werde, und daß fie in bringen. Fröschle hatte aber teils in Berlin, teils in Wien das furzer Zeit nicht nur wie bisher gegen, sondern mit den Krankengestohlene Geld umgewechselt und diese Werte zu seinen Eltern ge ,, Korruptionsschwindel der Roten Fahne". bracht. Nach der Berhaftung Fröschles fand in der Wohnung der faffen für das Wohl der Versicherten jorgen werden. Als aweiter Redner sprach Direttor Helmut Lehmann vom Hauptverband Bir erhalten folgende Buschrift: In Nr. 143 ber Roten Eltern eine Hausfuchung statt. Das Gelb wurde jedoch nicht ge. Jahne" vom 29. Ottober 1924 find gegen die Wohnungsfür. funden. Einige Zeit später entdeckten die Eltern die Kiste auf der deutschen Krankentassen. Er stellte die Beitragsziffern von 118 forgegesellschaft Berlin unter der Ueberschrift„ Korrup dem Hängeboden in einem Verfted. Frau Fröschle befam und 1924 gegenüber gab einen furzen Ueberblick über die vermin tion bei ber auszinssteuervermenbung in Ber vor Schred Herzfrämpfe. Dr. Born wurde zu Hilfe gerufen. derten Einnahmen der Krankenkassen durch den gewaltigen Lohn Lin" Angriffe erhoben worden, die sich bei näherer Betrachtung als Ihm entdeckte man auch die Ursache der Erkrankung. Dr. Born abbau und durch die allgemeine Verarmung der deutschen Wirtschaft. Wahlmache niedrigster Art tennzeichnen. Die in dem Ar riet, das Geld nicht auszuhändigen, sondern es für den Sohn für Nicht die Krankenkassen sind an der Ueberfüllung des ärsttitel erwähnten Berfonen halten es für unter ihrer Würde, auf die spätere Zeiten aufzubewahren. Er ließ sich die Noten nach seiner lichen Berufs schuld, sondern die Aenderung der ge. gegen fie gerichteten persönlichen Anwürfe zu antworten. Zur Sache Wohnung bringen und schaffte fie von dort ins Krantenhaus. Nach famten Wirtschaftslage. 1913 famen auf 3400 Einwohner felbst hält sich die Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin verpflichtet, einiger Zeit schickte er das Gelb in Wertpaketen nach Leipzig und ein Arzt. 1923 auf 1400 Einwohner. Die Ausgaben der Kranten zu erklären, daß für die Bewilligung von Hauszinssteuerhypotheken fuhr selbst im Auto dorthin, um es umzuwechseln. Das Ehepaar laffen für den Versicherten sind von 5,30 M. auf den Kopf des ausschließlich die Dom Minister für Volkswohlfahrt Fröschle hat den Betrag in Teilsummen bis auf eine kleine Rest- Versicherten im Jahr 1913 auf 13 M. im Jahre 1924 gestiegen. gemeinsam mit dem Finanzminister erlassenen fumme später zurückbekommen. Dr. Born wurde wegen Unter Troß dieser erhöhten petumiären Leistung an die Aerzte fönnen die Richtlinien für die Verwendung des für die Neubautätigkeit ichlagung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gleich- Krankenkassen denselben nicht eine materielle Sicherung bieten., da die Aerzte das elementarste wirtschaftliche Gebot, eine Regelung bestimmten Anteils am Hauszinssteuerauftommen maßgebend Angebot und Nadyfrage bewußt sabotierten. Die Krankenkassen fein müffen, ganz gleich, ob es sich um private Baufirmen oder um hätten aber in erster Linie soziale Aufgaben zu erfüllen, und sie gemeinnüßige Siedlungsgesellschaften handelt und ob diese Mittel müssen deshalb fordern, daß sie nicht wie die Aerzte wünschen, unter unmittelbar burch eine städtische Dienststelle oder durch eine beson ärztliche Bormundschaft gerieten, sondern daß fie frei, entsprechen: b dere Gesellschaft zur Verteilung gelangen. Daß die zu diesem Zwed den Anforderungen der Zeit ihre soziale Miffion erfüllen fönnen. unter Beteiligung des preußischen Staates gegründete Wohnungs- Außer dem üblichen Tagesprogramm: Der dritte Redner, Direktor Heinemann vom Betriebstranten. fürsorgegesellschaft für die diesjährige Bautätigkeit bereits von 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funk- faffenverband schloß fich aleichfalls diesen Forderungen an und außerordentlichem Borteil gewesen ist, beweist die Tatsache, daß kapelle). Während der Pausen: Ratschläge fürs Haus". 6.20 Uhr flärte, daß die Krantentassen nicht Versorgungsanstalten für schlecht bis jezt 6000 Neubauwohnungen in Groß- Berlin abends: Vortrag des Herrn Oberingenieur Nairz: Die Funkein- beschäftinte Aerzte sein könnten. Es sprachen dann noch vom ADGB mit Hilfe der Hauszinssteuer errichtet werden und richtung des Amerika- Zeppelins". 6.45 Uhr abends: Vortrag: Prof. Hermann Müller, der erklärte, daß die Aerzte durch ihr ser baß weitere 3000 Wohnungen noch) für das. Etatsjahr 1924 zu er= Oskar Bie spricht über: Die Oper im Sendespiel. warten find, ein Ergebnis, auf das die Wohnungsfürforgegesellschaft anstaltung: Figaros Hochzeit, Oper in drei Akten von W. A. Mozart. abends: Sendespielbühne. Leitung: Cornelius Bronsgeest. I. Verhalten hilflosen Kranken gegenüber den Ehrennamen„ Gewerkschaft". den sie so stolz au führen beliebten, für alle Zeit verscherzt hätten mit Stolz hinweisen fanm und das burch eine städtische, nach kamera-( Für den Rundfunk umgearbeitet.) Dirigent: Generalmusikdirektor Buchbrucereibesiker Scholem und der Syndifus der Vereinigung listischen Grundfäßen arbeitende Dienststelle in dieser, Zeit niemals Erich Kleiber. Personenverzeichnis: Graf: Cornelis Bronsgeest; der Berufsgenossenschaften Dr. Boywidt, sowie das Mitglied erreicht worden wäre. Zum Schluß möchten wir noch darauf hin- Gräfin: Emmy Bettendorf; Susanne: Irene Eden; Figaro: Leo. des Staatsrates, Stadtverordneter Reimann, fchloffen sich ben weisen, daß die Wohnungsfürsorgegesellschaft auf die Ber: Schützendorf; Cherubin: Elfriede Marherr- Wagner; Marzelline; Ausführungen ihrer Vorredner an und erklärten, daß nur durch der Ida v. Scheele; Bartolo: Hermann Bachmann; Basilio: Waldemar, gebung der Bauarbeiten nicht den geringsten EinAusbau der Ambulatorien und einen endlichen Frieden mit der Henke; Don Curzia: Robert Philipp; Antonio: Rudolf Krasa i fluß ausübt und nach ihrer von der Stadtverordnetenversammlung Bärbchen: Charlotte Lindemann. Chor und Orchester der Staats- Aerzteschaft die deutsche Sozialversicherung ihrer Bestimmung befchloffenen Eagung auch nicht selbst bauen darf. Böllig unwahr oper. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages- Wohle des Voltsganzen voll und ganz genügen fönne. Es wurde ist auch di von der Roten Fahne" aufgestellte Behauptung, die nachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- dann noch eine Resolution gefaßt, die mir an anderer Stelle brin Wohnungsfürsorge gesellschaft gebe nur solchen Wohnungsbauten 3u dienst. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. gen werden. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 1. November. 7.30 Uhr n Der Mord in der Elsasser Straße. In einem Lofaltermin in der Elsaffer Str. 76, bei dem auch die Staatsanwaltschaft vertreten war, munden gestern die Zeugen noch einmal gehört. Die Tür zur Stube des ermordeten Hamburger hat drei Schlöffer, von denen zwei Sicherheitsschlösser sind. Die beiden Sicherheitsschlüssel wurden aufgefunden. Den anderen Schlüssel dürfte der Mörder haben. Es wurde festgestellt, daß die Tür nur dann gut schließt, wenn die Sicherheitsschlösser benugt wurden. Es hat sich noch ein Zeuge gemeldet, der außer dem Bekannten Hamburgers den verdächtigen großen stattlichen jungen Mann mit den beiden Pappfartons noch gesehen hat. Dieser beobachtete, wie der Kartonträger durch die große Hamburger- und weiter in die Artillerie straße hineinging. Er muß auf diesem Wege und weiterhin auch von anderen Leuten noch gesehen worden sein. Es war das am vergangenen Montag gegen 11 Uhr vormittags. Die beiden Kartons, 100X60 Zentimeter groß, sogenannte Konfektionsfartons, waren neu und postmäßig verschnürt. Der Mann hatte sie wahrscheinlich erst turz vorher getauft, vielleicht auch die Schnur. Wer über ihre Herkunft Auskunft geben fann, wird ersucht, sich unverzüge lich bei der Mordkommission, den Kommissaren Dr. Riemann und Braschwih, im Zimmer 83 des Polizeipräsidiums zu melden. Bas geraubt worden ist, läßt sich im einzelnen noch nicht sagen. Der Bruder des Ermordeten, der aus Stargard hierher gekommen ist, hatte ihm Stoff zu drei Anzügen gesandt, die er hier in Berlin ver arbeiten ließ, einen marengo, einen grauen und einen braunen Anzug. Sie waren auf Seide gearbeitet. Von jedem Anzug fehlt nun das eine oder das andere Stüd. Was Hamburger in Bildern, Briefmarken, Notgeld usw. besessen hat, scheint unversehrt zu sein, bis auf das, was er weiter in Kommission gegeben hat. Die umfangreiche Korrespondenz wird augenblicklich noch daraufhin geprüft, ob man Kriminalpolizei, Dienststelle B. I. 2, Zimmer 56, um Mitfahndung| Sunalozialisten. Gruppen Friedrichshain und Gäben: Gruppenfahrt. Trefferfucht worden. Hier werden auch evtl. Mitteilungen entgegenpuntt 7 Uhr Potsdamer Fernbahnhof. Fahrt nach Neubabelsberg- Botsdam. genommen. Die Bluttat im Halbauer Gerichtsgefängnis. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 1. November: Bankow: Breite Str. 32. Werbeabend. Werbebezirk Oberspree: Heute abend 7 Uhr im Jugendheim Niederschönemeide Werbebezirksdelegiertenkonferenz. Jede Abteilung muß vertreten fein. Achtung, Jugendgenohen! Ru der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Reichsverfaffung des Genossen Abraham werden noch Anmeldungen entgegengenommen. Die Vorbesprechung findet am Donnerstag, den 6. November, im Die gestern vorgenommene Obduktion der Leichen des Justizwachtmeisters Scheuermann, seiner Frau und seiner LochSpuren ergeben. Es konnte lediglich festgestellt werden, daß die ter haben feine Anhaltspunkte für die Verfolgung irgendwelcher Verlegungen, die alle drei erlitten haben, ganz furchtbarer Natur gewesen sind, und daß die Mörder anscheinend noch nach erfolgtem Tebe ihrer Opfer in einer Art von Blutrausch die Leichen weiter verstümmelt haben. Das trifft befonders bei der Tochter Scheuer. manns zu, die nach den Feststellungen der Obduktion nicht ver te= waltigt worden ist, wie man bisher auf Grund des ganzen Leichen- Jugendheim Lindenitt. 3 ſtatt. befundes angenommen hatte. Immerhin lassen die tiefen Schnitte, die der Leiche nachträglich mit einem Meffer beigebracht worden find, darauf schließen, daß es sich bei dem betreffenden Täter um einen abnorm veranlagten Menschen handelt. Die Ver. nehmungen einiger Berdächtiger haben zu feinem Ergebnis geführt, da diefe ihr Alibi nachweisen fonnten. Einer noch nicht bestätigten Meldung zufolge sollen in Sorau einige Verhaftungen in dieser Sache erfolgt sein. Explosion auf einem amerikanischen Petroleumschiff. Nach einer Meldung aus New York ist an Bord des amerikanischen Petroleumschiffes, Aldea Anderson" eine Explosion entstanden. 8wölf Mann der Besaßung sind ums Leben gelommen. Die Zahl der Verwundeten beträgt 20. aus ihr irgendwelche Anholtspunkte gewinnen kann. Auch nach Parteinachrichten anderen Richtungen sind die Ermittlungen der Mordkommission in vollem Gange. Konsumgenossenschaft Berlin u. Umg. Die lezten Befichtigungen der Betriebsanlagen in Sichtenberg finden morgen, Sonntag, den 2. November, statt, und zwar: vorm. 8 Uhr für die Abgabestellen 15, 18, 19, 40, 45, 53, 65, 80, 96, 118, 120, 141, 151, 153, 157 und 159( 13. und 18. Abteilung); vorm. 91%, Uhr für die Abgabestellen 8, 4, 10, 48, 50, 66, 93, 103, 122, 135, 150, 158 und 175( 8. Abteilung); vorm. 10% br für die Abgabestellen 38, 77, 78, 87, 88, 89, 136, 137, 149, 156 und 160( 10. Abteilung); borm. 11, Uhr für die Abgabestellen 23, 37, 52, 54, 59 nnб 69( 12. Abteilung). Alle Freunde und Gönner der Genossenschaft find hierzu herzlichst eingeladen! Da an den vorhergehenden Sonntagen der Andrang sehr groß war, werden die Mitglieder gebeten, die Zeiteinteilung au beachten. Raubmord in Bayern. Das Opfer eines Raubmordes ist die 35jährige Händlerin Therese Brameis aus München geworden. Am 30. Oftober fand man fie in einem Altwaffer der far nicht weit entfernt von Plattling. In der Nacht zuvor gegen 12 Uhr wurde sie mit einem 22 bis 25 Jahre alten Burschen gesehen. Belde strebten dem Orte Blattling zu. Der Bursche ist seit dieser Zeit nicht mehr gesehen worden. Die Händlerin hatte sich ihm wahrscheinlich angeschlossen, um nicht allein im Dunklen den Weg zurücklegen zu müssen. Der Täter ist ungefähr 170 bis 175 Zentimeter groß, blond und bartlos. Er war mit einer grauen Windjacke und einer grauen Stoffmüge befleidet. Die übrigen Kleidungsstüde fönnen leider nicht genauer beschrieben werden, da die Zeugen ihn ja auch nur im Dunklen gefehen haben. Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei hat er ungefähr 300 Mart bares Gelderbeutet. Da anzunehmen ist, daß er versuchen wird, in Berlin unterzutauchen, ist die Berliner Ginsendungen für diese Rubrit find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Arbeitersport. Fußball am Sonntag. Städtetreffen wieder seinen Fortgang. Der Südwestbezirk beginnt Der Spielbetrieb nimmt nach der Unterbrechung burch das bereits mit der zweiten Runde, während die Bezirke des Nordens und Ostens noch die restlichen Spiele der ersten Hälfte austragen. Spielbeginn 2½ Uhr nachmittags; vorher spielen 2. und 3. Mannschaften. für Groß- Berlin bersalbe ftets au das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten Beamtenanitation! weds Besprechung der Bahlarbeit am Sonnabend, ben 1. November, abends pünktlich 8 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Alle Kreise und Abteilungen müssen vertreten sein. 2. Kreis Tiergarten. Sonntag, den 2. November, vormittags 9% Uhr, im Artushof. Berleberger Str. 26, Rreisvertreterversammlung. Vortrag über Die bevorstehenden Wahlen". Referentin Genoffin Alara Bohm- Schuch. Stellungnahme aur Aufstellung der Randidaten. 10. Kreis. Gonnabend, den 1. November, abends 7 Uhr, bei Midlen, Rehlendorf, Botsdamer Str. 25, Kreisvorstands- und Kreisdelegiertenversammlung. Mit Rüdlicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung, in ber auch die Aufftellung der Reichstagskandidaten erörtert werden muß, ist das Erscheinen unbedingt erforderlich. Heute, Sonnabend, den 1. November: 32 bt. 7 Uhr Funktionärtonferena, bei Rromphardt, Grüner Weg 49. Sämt liche Kreisdelegierte müssen erscheinen. Betriebsvertrauensleute, Bezirks. verordnete müssen erscheinen. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr im Lotal Riefelath, Sönower Straße, Funktionär fikung. Tagesordnung: Die Reichstagswahlen". Morgen, Sonntag, den 2. november: 21. bt. Frith 9 Uhr Funktionärtonferenz bei Kroll, Utrechter Str. 21. 28. Abt. Pünktlich 10 Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Gigung der Begirlsführer, politischen Bertrauensleute und sonstigen Funktionäre. Wichtige Tagesordnung. Schöneberg. 77. Abt. Früh 9 Uhr Treffpunkt der Genoffen aur Borwärts". Berteilung. 1. Bezirk: 10 Uhr bei Milde, Nollendorfstraße. 2. Bezirk: Jürgens, Barbarossastr. 5a. 3. und 4. Bezirk: Will, Martin- Buther- Str. 68. 78, Abt. Früh 10 Uhr Funktionärtonferenz bei Rönig, Feurig, Ede Prinz- Georg- Straße. 79. Abt. Vormittags 10% Uhr bei Rettlig, Gedanftrake 60, politischer Frühschoppen. 95. Abt. Neukölln. Die Genoffen und Genoffinnen treffen fich zum Besuch ber Ronfumgenoffenfchaft frith 7½ Uhr Bahnhof Neukölln. 09. bt. Brig. Nachmittags 1 Uhr Besuch der Ausstellung der Arbeiterwohlfahrt in Charlottenburg. Treffpunkt 1 Uhr Knie. Gäste willkommen. 102. Abt. Baumfäulenweg. Nachmittags 2 Uhr in Adlershof Reichsbannerveranstaltung( Denksteineinweihung). Alle Genoffen und Genoffinnen be teiligen fich. Treffpunkt Bahnhof Baumschulenweg 12% Uhr. Nach der Rüdtehr von Adlershof Parteimitgliederversammlung bei Sak. Die Ge noffen, die sich an der Feier in Ablershof nidyt beteiligen, treffen fich nachmittags 5% Uhr bei Sak. Schönhauser Allee: Bankow 08- Sertha, Bichelswerder; Boruffia- Brik ix Norden: Belten- Borwärts in Belten; Nordiska- Eisenspalterei, Erer, Reinickendorf; Wacker 20 Elsthal. Erer, Schönhauser Allee: Fichte- Gefund brunnen- Bernau, am Schäferfee; ATV. Pankow- Wacker- Lichterfelde, Andreas. Hofer- Plak: Briefelang- Selvetia in Briefelang; Siemensstadt- HGB. Nord, am Roten Kreuz: Artus- Adler 12 in Wittenau, Pflichtspiele: TeutoniaHansa: Alemannia- BSB., beide an der Christianiastraße; Spandau- Union in Spandau; Minerva-AGB. 24 in Borsigwalde; Sportverein 22- Wittenau in Often: Sparta- A.- JBC., Wagnerplak; Frisch frei- Sparta- B. in NiederSchöneweide, Berliner Straße: Lichtenberg I- Fichte- SO., Rummelsburg, Rynaftftrake. Pflichtfpiele: Alt- Glienicke- TBC. in Alt- Glienicke; AstaniaGermania in Röpenid: Romet- BGB. 16 in Fürstenwalde; BfB.- Sertha in Röpenick; Oberfpree- Lichtenberg II. uhlheide: Tasdorf- Friedrichshagen in Tasdorf: Weißenfee- BGB. 22, Rennbahn Weißensee; Brandenburg 02- Britannia, Lichtenberg, Eitelstraße; Merkur- Lustig- Fidel in Grünau; Lichtenberg III- Adlershof. Trestowallee. Südwesten: Potsdam- Hertha- Luckenwalde in Potsdam, Bornstedter Feld; Zeltow- Britannia in Teltow; Schöneberg- Steglit in Schöneberg. Dominicus Spielplag: Brandenburg a. d. S.- Lankwig in Brandenburg a. d. H.; NeuTölln- Nowawes, Neukölln, Dammweg; Wilmersdorf- Ludenwalde I, Württembergische Straße, Wilmersdorf: Riftig- Borwärts- Frisch auf in Neukölln, Grenz allee; Woltersdorf- Berolina in Woltersdorf; SB. Moabit- Fortuna, Blößenfee, Wassersportplag: Behlendorfer BC.- Mariendorfer BC. in Rehlendorf, Spandauer Straße: Trebbin- Neuköllner BC. in Trebbin. Turn- und Sportverein Fichte, 14. Gruppe. Sonnabend, den 1. November, abends 7 Uhr, Gruppenversammlung bei Soffmann, Stralauer Allee, Ede Martgrafendamm. Altersriegenturner Groß- Berlins. Dienstag, den 18. November, 8 Uhr, findet in der Turnhalle Prinzenstvaße ein Rufammentuenen aller Groß- Ber liner Arbeiterturner und sportler über 35 Jahre ftatt. Turngenoffe Paul Weber, Fichte- Tempelhof- Mariendorf, ist verstorben. Geschäftliche Mitteilungen. Der erste proletarische Großfilm Schmiebe" unter der Regie des Genoffen Martin Berger läuft von heute ab im Luisen- Theater, Reichenberger Str. 34. Alle Nähere in Inferat der heutigen Ausgabe. Der bekannte Raufhauskonzern Lindemann n. Co., A.-G., eröffnet heute. Sonnabend, den 1. November, pormittags 10 Uhr, in Berlin- Moabit, Turm-. Ecke Ottostraße, das neuerbaute Kaufhaus größten und modernsten Stils. Anläklich der Eröffnung findet in dem Galonedfenster eine Modenschau statt, in welcher die neuesten Schöpfungen durch Mannequins vorgeführt werden. 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Die Spitzen der Gewerkschaften, Angestelltenverbände und Arbeiterorganisationen bezeichnen diesen Film als den Großfilm des Proletariats Jeder Handwerker, Arbeiter, Angestellte muß diesen Film sehen! Jugendliche haben Zutritt! Ab 31. Oktober täglich: Besuch der ersten Vorstellung um 5 Uhr sichert guten Platz im Luisen- Theater Reichenberger Straße 34 Das lachende Berlin Rennen zu Strausberg Paul Beckers a. G. Senta Söneland Eise Balzer- Lichtenstein usw. Unter anderem: Die lebende Schreibmaschine Das Massen- Himmelsbett Die Wembley- Ausstellung Parkett 2,50 Eintritspreise! Kleine Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82 ( Clou") Mauerstraße 82 Täglich geöffnet Vier- Uhr- Kaffee Promenaden- Konzert Gesellschaftsabend/ Tanz Beinleidende fordert in den Apotheken Dr. Sidier's Sonnabend, d. 1. November Siwalin", nachmittags 1 Uhr Fahrplan: Charlotibg. ab 10.40 11.16 Zoo 10.46 1122 Friedr- Str., 11.01 11.38 Alex.-Pl. 11.07 11.45 Schles. 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Dezember so aus, daß der Bürger61od möglich ist, das heißt, daß im Reichstage und in der Regierung die Deutschnationalen mit Hilfe der Nachbar Regierung die Deutschnationalen mit Hilfe der Nachbar= parteien herrschen, fo bedeutet das weitgehendsten Ab baualler Sozialpolitik und Aufbürdung aller Reparationslaften auf die Schultern der werftätigen Bevölkerung Die Deutschnationalen haben darüber nie einen Zweifel ge= laffen. Hergt und seine Freunde verlangen ja ausdrücklich ihre Aufnahme in die Regierung, um die Aus- und Durch führung der Dawes- Gesetze und die Erfüllung der Repa rationspflichein nach ihrem Sinne gestalten oder sabotieren und mit den„ Novemberverbrechern" abrechnen zu können. Bei einem Abbau des Achtstundentages im welchen Mitteln die Deutschnationalen in ihrer Verzweiflung greifen, um Stimmen zu fangen. Die sonst so sehr auf ihre ,, nationale Arbeit" stolz sein wollen, gehen jezt zu den der Spekulation. Das ist nicht etwa erst in den letzten Tagen Nuznießern des Geldhandels, sie degradieren sich zu Dienern der Fall. Schon im Reichstagsausschuß und im Stadtparlament war die Tätigkeit der deutschnationalen Vertreter dahin gerichtet, unter Nichtachtung der schweren Notlage aller durch Sie Inflation geschädigten Kleinrentner eine allgemeine Aufwertung durchzusetzen, die der Rentenfpetu lation ihre durch Kurstreiberei erzielten Gewinne ich erzustellen. soziale Aufwertung. Erst Hilfe den Armen und Die Sozialdemokratie hingegen fämpft für eine Schwachen, dann Ermäßigung des Steuerdruckes auf Arbeit Dr. Winckler Boltspartei, Sinne der Arbeitszeitverordnungen würde es unter der der vorläufige Hergt- Erjah und Gesundbeter der Deutschynationalen Bürgerblockherrschaft feineswegs bleiben. 3urüd zum Zehnstundentag! ist das Feldgeschrei des Unternehmertums sowieso. Der Unternehmer will von seinem erbeuteten Mehrwert nichts einbüßen, also muß der Arbeiter zwei Stunden länger schuften, um auch die Reparationslaften mit zu erarbeiten. Die Gefahr ist um so größer, nachdem sich selbst namhafte Sozialpolitiker wie Professor Brenfano und Ludwig Hende nur noch platonisch zum Achtstundentag bekennen. Ihre Reden im Verein für Sozialpolitik und auf der Tagung des Reichsarbeitgeberverbandes deutscher Gemeinden beweisen das. Sie betrachten den Achtstundentag nicht mehr als Kultur, sondern vom Manchesterstandpunkt aus: Bringt er dem Betriebe mehr Nußen als die längere Arbeitszeit?" Im Kampfe um den Zehnstundentag, den die Industriellen gegen die Gewerkschaften nicht erreichen, ist ihnen natürlich ein Bürgerblockreichstag höchst willtommen. Am 7. Dezember fällt die Entscheidung über die Zus funft der deutschen Sozialpolitik. Arbeiter! Gewerkschaftler! Wählt sozialdemokratisch! Aufwertung als Stimmenköder. Dentschnationale Wahlmache an der Börse. Bon einem ständigen Börsenbesucher wird uns geschrieben: Der Börsenrestaurateur hat jetzt gute Tage. Selten war das Restaurant so überfüllt wie gegenwärtig, denn den mißgestimmten armen" Börsenteuten bleibt bei der augenblicklichen Flaute", mo die Courtagen und Provisionen nicht mehr so reichlich fließen, mie man es gewohnt ist, nur das Börsenrestaurant übrig. Mit guten Braten, delikaten Mayonnaisen und fräftigem Münchener bemüht man sich, seinen Gram hinunterzuspülen. Auf unbestimmte Zeit hinaus ist die ganze Aufmertungsfrage vertagt, wie denn der ganze Komplex der an die dritte Steuernotverordnung anfnüpfenden Fragen auf ein totes Gleis geschoben worden ist. Das Schlimmste für die Börsenleute aber besteht darin, daß der Aufwertungsausschuß seit der Auflösung des Reichstages ebenso wie die übrigen Ausschüsse seine Tätigkeit eingestellt hat und daß damit auch die einträgliche Gerüchtemacherei, die die Unwissenden und Leichtgläubigen aus dem Publikum immer wieder heranlockte, ihr Ende erreicht hat. Es. hat wenig Zwed und noch weniger Erfolg, wenn die Börsianer jetzt durch die ihnen ergebenen Organe behaupten wollten, bie Regierung habe ihren Standpunkt zur Aufwertung geändert. Damit lockt man feinen und mehr hinter dem Ofen hervor; jedermann weiß, daß die Aufwertungsangelegenheit erst wieder zur Sprache fommen kann, wenn der neue Reichstag zusammengetreten ist und die Ausschüsse sich neu tonstituiert haben. So leicht wie noch vor kurzem verdient man das Geld in der Burgstraße jetzt nicht, denn die oft erprobte Möglichkeit, die Kurse der Renten hinaufzutreiben, dann auszusteigen" und den außenstehenden Kreisen das Nachsehen zu übertassen, besteht zunächst nicht mehr. Daß das Börsenvolt höchst verstimmt darüber ist, weil es die schönen Verdienstmöglichkeiten eingebüßt hat, liegt auf der Hand. Wer den Börsianern, die am Anleihemarkt engagiert sind - und es ist die größte Zahl von ihnen die Aufwertung serspricht, der hat sie in der Tasche, denn Auswertung bedeutet für sie Bewegung am Rentenmarkt, Kurssprünge und mühelose Gewinne großen Stils. Bewinne, mie fie ber September brachte, wo mancher Börsenmann mit gutem Riecher" in wenigen Stunden durch die riesigen Schwantungen in heimischen Anleihen seine 10 000 bis 15 000 m. einheimsen fonnte. Jetzt ist es damit, wie man zu sagen pflegt,„ Effig". Es Die flaue Stimmung der Börsenleute machen sich nun, wie es scheint, gewisse Kreise in parteipolitischem Sinne zunuhe und es droht, daß die Aufwertungsfrage in einer sehr unfachlichen Weise in den Wahlkampf hineingezogen wird. tauchen feit kurzem an der Börse Gesichter von Neulingen auf, die zwar sicherlich ihre Legitimationen und auch ihre Börseneinlaß farten in der Tasche haben, sich aber für den Wertpapierhandel meit weniger intereffieren als für bie Bolitit. Bei bem Thema Reichstagswahlen wird sehr schnell das Gespräch zur Aufwertung der Anleihen hinübergelenkt. Wenn man diesen geschäftigen Leuten glauben fönnte, fo würden die Börsenleute wählten sie deutsch national goldene Berge gewinnen. Wie die deutschrationalen Kreise, die es anscheinend fertig bringen, durch Hinteriürchen ihre Agenten zur Börse zu schicken, sich das Geld beschaffen wollen, um den Spetulanten große Aufwertungsgewinne zuzuschanzen, wissen sie wohl felbst nicht. Allem Anscheine nach handelt es sich um einen sehr plumpen Stimmen. fang, bei dem der Profithunger der Börsenleute ausgenutzt wird und die Aufwertung als Röder dient. Den geschäftigen Agenten, die jest in der Burgstraße deutschnationale Wahlpropaganda treiben, bzw. deren Hintermännern fiegt ja naturgemäß am Stimmenfang der 3000 ober 4000 Börsenmänner nicht gar zu viel. Man weiß aber anscheinend, daß viele pon ihnen eine zahlreiche, oft nach hunderten zählende Ge. folgschaft in ihren Geschäftskreisen haben und erwartet wohl, daß sie die Propaganda zugunsten derjenigen, die ihnen jetzt die Aufwertung versprechen( ohne ihr Versprechen doch jemals einlösen zu können) fortsetzen werden. Ein so ernstes Problem wie es die Aufwertungsfrage ist, darf aber unter feinen Umständen zum Gegenstand einer billigen Wahlagitation gemacht h Brusch Dies Kind, fein Engel ist so rein, Hilft uns aus allen Nöten: Es jagt nicht ja, es sagt nicht nein, Es wird nur fleißig beten. Und schrumpft auch, wenn man nächstens wählt, Die Anzahl unsrer Sihe: Die Null, die etwa hinten fehlt, Die steht dann an der Spige! und Verbrauch O. K. das ist ihr Programm. Ein Bolt, das den Krieg verlor und ungeheure Schulden eingehen mußte, um sich leisten, einer gewinngierigen Spekulation gefegliche vor Gewaltakten der Sieger zu schüßen, fann es sich nicht Prämien auszusehen. Das zu verlangen überläßt sie mit gutem Gewissen der Partei der Banterotteure, die jetzt mit einem neuen Aufwertungsschwindel bei den Börsianern Stimmung für ihre nationale" Haltung und für ihre Parteikasse macht! „ Die alten Zeiten, für die sie streiten!" Schnellebig und gedächtnisschwach ist die heutige Zeit da ist es von Wert, wenn einmal in die entscheidenden Seiten des Wahltampfes ein fleines Bliglicht fällt aus ber gutem, alten 3 eit, in der alles so gut und so schön war", ous jener Beit, für deren Wiederkehr die nationalistischen Kreise und ihre verblendete Gefolgschaft mit so großem Aufwand von Energie und innerer Verlogenheit streiten. Nicht der Inhalt, wohl aber der Schluß der Veröffentlichung einer Bekanntmachung des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen und des Präsidenten der dortigen Landwirtschaftskammer durch den Landrat des Streifes Salzwedel in der Salzwedel- GardelegerZeitung" vom 16. November 1918 verdient der Vergessenheit entriffen zu werden, benn sie lautet: Magdeburg, Halle a. S., den 11. Nopember 1918. Der Oberpräsident. gez. von der Schulenburg. Der Präsident der Landwirtschaftskammer. gez. Graf von der Schulenburg. Beröffentlicht Salzwebel, den 21 November 1918. Der Vorsitzende des Kreisausschusses. von der Schulenburg, Landrat. Der Vertreter des Herrn Landrats aber, der Herr Kreisdeputierte, zeichnete ebenfalls, wie nicht anders zu erwarten: J. B. Graf von der Schulenburg, Kreisdeputierter. Es bedarf feines Kommentars, es ist ja so begreiflich, wenn SIE SICH troß aller jubenfeindlichen Einstellung nach den " Fleischtöpfen Aegyptens" zurück sehnen, wenn sie fämpfen mit Der Unmut des Berfaffers obiger Zuschrift über die allen, allen Mitteln, denn feines ist ihnen zu schlecht, wenn sie demagogische Art, mit der die Aufwertungsfrage betrieben Ueberzeugungen und Stimmen verkaufen, um Ministersessel zu erwird, ist nur allzu berechtigt. Interessant ist es immerhin, auringen, wenn sie vor feiner Selbstentwürdigung, vor seiner Bermerden. Sonnabend, 1. November 1924 leumdung zurückschrecken, für das Ziel, das winft, ist ihnen kein Preis zu hoch! Der Wahltag am 7. Dezember legt die Entscheldung in die mit der Betternwirtschaft, angefangen bei Wilhelm von Doorn bis Hand des Volkes! Die Entscheidung muß lauten: Endgültig fort herunter zu den Schulenburgs! Die Gefahren hoher Getreidepreise für die Landwirtschaft Bauern gegen Schutzölle. Es ist eine befannte Tatsache, daß die Schußzollpolitik, auf die der Ernährungsminister Kanig bereits hingearbeitet hat, nicht der zugute tommt. Die deutschnationalen Großagrerier find es, die sich gesamten Bandeeirtschaft, sondern nur den Großgrundbefizern seit jeher für den Brotwucher eingesetzt haben, und die ihn ohne Rücksicht auf die Interessen der Allgemeinheit sicher durchsehen wür ben, wenn ihnen die bevorstehender Reichtagswahlen Erfolge bringen würden. Erfreulicherweise erkennen die Kleinbauern bereits die beweist das. großen Gefahren der Schutzollpolitik. Eine Reihe von Kundgebungen 22 So fand am 12. Ottober in Antum( Kreis Bersenbrück) eine star? besuchte Bersammlung der Bächter und Kleinbauern statt, auf welcher Reichstagsabgeordneter Genosse Georg Schmidt über Land. bevölkerung und Republi?" sprach. Außerdem hielt der Geschäftsführer des Reichsverbandes( andwirtschaftlicher Kleinbetriebe Lübke Berlin ein Referat über Tagesfragen der Pächter und Kteinbauernbewegung" fowie Genosse Helling. Osnabrück über das Thema: Was soll aus den Heuerleuten werden?" Am Schluffe der Bersammlung wurde mit allen gegen zwei Stimmen folgende Entschließung angenommen: 20 H Die am 12. Oftober in Anfum in der Zahl von 500 versam melten, im Reichsverband landwirtschaftlicher Kleinbetriebe organi fierten Heuerleute, Bächter und Kleinbauern des Kreises Bersenbrück stehen geschlossen hinter der Republik und der Verfassung von Weimar. Sie lehnen die Zollvorlage der Reichsregierung ab, weil diese die im Intereffe der Erzeuger und Berbraucher notwendige Stabilisierung der Getreidepreise nicht gewährleistet, auf der anderen Seite aber den deutschen Boden der Spetulation ausliefert. Sie fordern Vereinheitlichung und Vereinfachung der landwirtschaftlichen Steuergefeggebung. An Stelle der Vermögens, Einkommen und Umfassteuer hat eine Grundwertsteuer zu treten, welche Groß- und Kleinbetrieb unter Berücksichtigung von Bobengüte und Verkehrslage gleichmäßig belastet. Die Buchführung ist als Grundlage der Besteuerung in der Landwirtschaft ein für allemal abzulehnen, Siedlungs- und Pachtschuhgefeggebung müssen weiter ausgebaut werden mit dem Ziele, den Artikel 155 der Reichsverfcffung in die Tat umzusetzen, den lleberschuß der Land bevölkerung nicht in die Großstädte zu treiben, sondern ihn der deutschen Landwirtschaft zu erhalten. Infolge des starten Bes völkerungszuwachses und der damit zusammenhängenden Wohnungsnot ist die Pachtschußordnung für den Stand der Heuerleute eine Lebensnotwendigkeit geworden, Die Heuerleute des Kreises Bersenbrück verlangen daher von Reichstag und Regierung ein Pachtrecht, welches fie gegen Entziehung des Landes und wirtschaftlich ungerechtfertigte Leistungen schützt. Sie verlengen als Bedenbearbeiter Schuh ihrer nationalen Arbeit gegenüber den Grundeigentümern, welche teilweise von arbeitslojem Menteneintommen leben, ohne dem Wolfsganzen zu dienen." Auch die demokratische Bauernschaft Oldenburgs wandte sich in einer start besuchten Versammlung gegen die ungeheure Berteuerung des Getreides, die in den leßten Monaten eingetreten ist. In einer Entschließung, die dort zur Annahme ge= langt ist, heißt es u. a. Wenn nun, auch mit Annahme des Dames- Planes, der den einzigen Weg zur Beruhigung und zum Wiederaufstieg bot, eine merkbare Erleichterung eintrat, auch die Preise der zu kaufenden und zu verkaufenden Produkte sich mehr und mehr einander angleichen, so bleibt doch für alle kleinen und mittleren Betriebe Olden= burg- Ostfrieslands wie in ganz Deutschland neben hohen Abgaben und Steuern die große Gefahr hoher Getreide- und Futter mittelpreise, sowie der Preise für alle landwirtschaftlichen Bedarfs= artikel für die Sufunft bestehen. Die weitaus überwiegende Zahl aller landwirtschaftlichen Betriebe ist nur existenzfähig, menn Gelreide und Futtermittel nicht fünfflich durch Zölle verteuert, die Erzeugung Don Edelprodukten dadurch unrentabel gemacht wird. Aus Milch, Butter, Eiern, Fleisch und anderen tierischen Produkten muß der fleine und mittlere Landwirt feinen Ertrag erzielen. Hohe Getreideund Futtermittelpreise nähen hauptsächlich und in fich steigerndem Maße dem großen und größten getreidebauenden Grundbesih, ruinieren drn fleinen und mittleren, auf Veredelung angewiesenen und tiden Betriebe". dafür besonders fauglichen Grundbefih, bindern die Siedlung, vermehren den Großbesih, vermindern die kleinen bäuer= bober Getreidepreise für ihren Berufsstand erkennt, beweist schlagend, Die Tatsache, daß die Bauernschaft selbst die verheerenden Folgen daß der Kampf gegen die Echugzölle, wie wir ihn führen, feineswegs ein Kampf gegen die Landwirtschaft ist, aber er ist ein Kampf gegen die Sonderinteressen jener unterkaste, die die Arbeiterschaft politisch, sozial und wirtschaftlich schwächen will, ihr unbeschränkte Arbeitszeit und unerträgliche Brotpreise zumutet, um ihre wirtschaftliche Macht zum Kampfe für die Wiederaufrichtung des preußischen Junkerprivilegs auszumußen. Bekanntlich hat auch der größte Teil der volkswirtschaftlichen Fachgelehrten eine fünftfiche Berteuerung der Bebenshaltung durch Zölle abgelehnt. Die Arbeiterschaft hat also die Wissenschaft auf ihrer Seite, wenn sie gegen das perfehlte System der Getreidezölle ankämpft und die Sonderinteressen der Großagrarier bei der Stimmabgabe om 7. Dezember gebührend zurückweist, indem sie für die Sozialdemo tratie stimmt. fie Die Hakenkreuzler als Arbeiterpartei. In Böhmen wie in Deutschland. Zwischen den Deutschnationalen in der Tschechoslowakei nennen fich Deutsche Nationalpartei und den deutschböhmischen Hakenkreuzlern besteht seit einiger Zeit ein arger Schimpffampi. Um den Hakenkreuzlern einen Dämpfer aufzusehen, hat der Führer der Deutschnationalen, Abg. Lodgiann, der Presse folgende Mitteilung zur Veröffentlichung übergeben: " Der Borsigende berichtete über seine Berhandlungen mit der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartel wegen Deckung der aus der Zeit der Wahlen aufgelaufenen Wahlschulden. Danach fetzten beide Parteien einen unparteiischen Schieds. richter ein, welcher darüber zu entscheiden haben wird, welche Ausgaben als gemeinsame Bosten zu betrachten sind oder nicht. Je nach dem Schiedsspruche werden die betreffenden Beträge von der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei anerkannt und der Deutschen Nationalpartei erfett werden." Damit liegt flar zutage, daß den Halenkreuzlern ihr Wahltampf gegen die Sozialdemokraten von der Deutschnationalen Fabrikantenpartei bezahlt worden ist. Zur Krise der deutschen Automobilindustrie. Ursachen der Notlage Die deutsche Automobilindustrie befindet sich zurzeit in einer nicht leichten Notlage. Der Absatz im Innern ist arg ins Stocken geraten und das so wichtige Ausfuhrgeschäft, das einst vier Zehn'el der Gesamterzeugung ausmachte, ist seit 1920, wo der Ausfuhrüberfchuß 432 371 Doppelzentner betrug, stetig und sehr weit in die Tiefe gegangen. Die Krise drückt sich aus in Betriebseinschränkung und durch eine hohe Zahl von Arbeitslosen und Kurzarbeitern. Diesen Zustand, gewiß beklagenswert und der Abhilfe dringend bedürftig, suchen die Fabrikanten zur Erlangung von gesetzlichen Vorteilen zu nutzen. Unser Kraftwagengewerbe ist seit dem Kriege durch Einfuhr sperre geschüßt, die nur durch die friedensvertragliche Einfuhrfreiheit der elsaß- lothringischen Erzeugnisse und durch gelegentliche Geneigtheit oder Willkür einer deutschen Behörde etwas abgeschwächt wurde. Obwohl die ausländischen Wagen vom deutschen Markt fast ganz ferngehalten wurden, ist der Rückgang des Absatzes der deutschen Erzeugnisse im Innern nicht aufgehalten worden. Die Zweck losigkeit, um nicht zu sagen, die Schädlichkeit der Sperre, hat das Verlangen nach ihrer Aufhebung mehrfach stellen heißen. hat das Verlangen nach ihrer Aufhebung mehrfach stellen heißen. Unter den Krisenursachen wurde als das Hauptübel der hohe Preis der deutschen Wagen ziemlich einhellig genannt. Das ist nicht unrichtig. Der hohe Preis verhindert, daß das Automobil in Deutschland Absatz in Masse findet und macht einen erfolgreichen Wettbewerb auf dem Weltmarkte fast unmöglich, weil hier der billigere ausländische Wagen eine starke Stellung hat. Zollsperre für billige Wagen? So einheitlich die Meinung über die Hauptursache der Krise, so weit geht sie auseinander, wenn die Mittel der Abhilfe zur Sprache kommen. Die Fabrikanten, die gegen die Aufhebung der Einfuhrsperre sind, flagen über viel zu hohe steuerliche Belastung, über zu teure Rohstoffe und schließlich und besonders über die hohen Löhne und die Ueberspannung des Tarifs gedankens", das heißt über die lohnvertragliche Bindung, den Arbeitern einen bestimmten Mindestsah zahlen zu müssen. Für all bie Nachteile, die die deutsche Industrie der ausländischen gegenüber habe, müsse ein geziemender Ausgleich durch Schutzoll geschaffen werden. An der Zollforderung der Fabrikanten hat die Bescheidenheit feinen Teil. Sie heischen einen Zoll von 15,3 bis 202 v.. des Wagenpreises: je billiger der ausländische Wagen, desto schwerer soll er belastet werden. Dies sei an ein paar Beispielen klar gemacht. Für jeden der vier( billigen) Ford- Wagen, die von 1765 bis 3250. M. fosten, wird ein Zollzuschlag von 3200 M. oder von 98,5 bis 181,3 v. 5. verlangt, für den teuren englischen RollsRoye- Wagen aber, der ab Fabrit 45 780 m. fostet, der also nur in geringer Zahl in Frage kommt, bloß" ein Zuschlag von 7000 M. oder 15,3 v. H. Diese Regel läßt sich durch Dutzende von Beispielen erhärten. Der Zweck dieser Uebung ist klar. Durch den Zollzuschlag von 3200 bis 7000. werden die ausländischen Wagen vom deutschen Markt nachgerade ferngehalten, und der deutsche Käufer muß wohl oder übel den Preis der deutschen Industrie zahlen, der um den Zuschlag hinaufgesetzt und auf dieser Höhe gehalten werden wird. Und da die leichten und wohlfeilen Wagen in Deutschland am ehesten Aussicht haben, in Masse abgesetzt zu werden, weil sie der Kauftraft wie dem Erfordernis zahlreicher Schichten des Mittelstandes entsprechen, sollen diese mit den verhältnismäßig höchsten 3ollbelegt werden. Der Wagen, der beispielsweise für 1765 M. zu haben iſt, täme dann, wenn die Forderungen der Fabrikanten Gesez fein würden, auf 4950 M. zu stehen. Die Wirkung dieser Berteuerung läßt sich leicht ermessen Hunderttausende von Leuten müßten darauf verzichten, sich ein neuzeitliches Berkehrsmittel anzuschaffen, die Automobilisierung Deutschlands würde nachdrücklichst ge drosselt, die Entfaltung des Personen- und Lastverkehrs hintangehalten zum Schaden aller, einschließlich der deutschen Automobil industrie, das heißt aller Kreise, die mit ihr als Brotverdiener und als Verbraucher verbunden sind. Und selbst die Fabrikanten werden schließlich zu den Leidtragenden gehören. Dieser Ansicht sind übrigens auch die Automobilhändler. In ihrer Denkschrift vom 17. August zerstäuben sie die Gründe der Industriellen für hohe Schutzölle. Die deutschen Automobilfabrifanten, so heißt es darin, seien dank der durch die Einfuhrsperre hochgehaltenen Inlandspreife in der Lage gewesen, an das Auslandum 40 Pro3. billiger zu liefern. Deutsche Händler hätten im( besetzten) Rheinland- Westfalen neue deutsche Wagen aus Holland billiger beschafft als direkt von der deutschen Fabrik. Diese Feststellung von fachkundiger Seite bestätigt einmal mehr die 19 Das Indexrätsel. Die Lebensmittelpreise steigen- der Index, der die Lebenshaltungskosten im Reichsdurchschnitt anzeigt, bleibt hingegen unverändert. So wird jetzt wieder amtlich gemeldet: Die Reichsinderziffer für die Lebenshal. tungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung für Mittwoch, den 29. Oftober, ist nach den Fest stellungen des Statistischen Reichsamtes gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben. Sie beträgt das 1,23fache der VorPriegszeit. Diese Mitteilung ist um so auffallender, als andere Messungen die Verteuerung der Lebenshaltung in der letzten Zeit deutlich anzeigen. So hat der Lebenshaltungskosteninder der Industrie- und Handelszeitung" in der Woche vom 24. bis 31. Oktober eine Steigerung von 121,8 auf 122,1, mithin um 0,3 Proz. erfahren. Bon den verschiedenen Gruppen- Inderziffern erfuhr auch in der 6M Ausgleich durch Schutzzoll? | alte Erfahrung, daß der Schußzzoll in der Pragis darauf hinausläuft, alte Erfahrung, daß der Schutzzoll in der Praxis darauf hinausläuft, dem Auslande billiger zu liefern auf Kosten der heimischen Kundschaft. Womit indessen nur erst eine dünne Seite der Schädlichfeit des Schutzzolles genannt ist. Würde er den Automobilfabr tanten bewilligt, so würde zum ersten verhindert, daß der letzten Ursache der Notlage der Industrie mit der gebotenen Schnelligkeit und Gründlichkeit zu Leibe gegangen wird, zum andern hätten die deutschen Berbraucher die Kosten des kommenden Wettbewerbs mit dem technisch überlegenen Auslande zu zahlen, eine ungeheuerlichkeit, an die noch nicht einmal gedacht werden sollte, und eine Unmöglichkeit, weil bei unserem Finanzstand solche Opfer einfach nicht gebracht werden können. Mittel und Wege der Abhilfe. Dor Es gibt feinen Industriestaat, wo das Automobil so selten ist wie in Deutschland. In den Vereinigten Staaten kommt auf 7 Personen ein Kraftwagen, in England auf 70, in Belgien auf 130, in der Schweiz auf 168, in Deutschland aber nur erst auf 400. Um in Deutschland die Autodichtigkeit, fagen wir, nur Wagen nötig, eine Menge, die eine Industrie auf Jahre hinaus die Englands zu erreichen, sind 800 000 bis 1 million voll beschäftigen kann. In unseren Mittelschichten ist das Verlangen nach Kraftwagen sehr stark, sie konnten und können es nicht erfüllen, weil die Preise der deutschen Wagen für sie zu hoch sind und die ihnen zusagenden ausländischen Fabrikate hält die Einfuhrsperre fern. Somit ist der deutsche Markt ein prächtiges Absah: gebiet, das noch viel verbessert werden kann durch Erzeugung von wohlfeilen und leicht zu handhabenden Wagen, und schließlich und besonders durch Förderung der Kaufkraft der masse. Hierin können die Vereinigten Staaten als Vorbild dienen, wo wohlfeile Kleinautos auf den Markt gebracht werden und deren Industriellen den heimischen Markt als das ersprießlichste Absatz gebiet betrachten und es durch Steigerung der Massenkauffraft pflegen. Der Erfolg hat nun freilich die Aufbesserung der Löhne sowie die Her absehung der Preise zur Vorausfegung. Mit beiden hapert es aber in Deutschland gewaltig. Die Preisverminderung muß soll man das noch sagen?. allem durch Verbesserung der Produktivität, durch Rationalisierung des technischen Apparates und der Arbeitsweisen sowie durch Verminderung der Typen und Vereinheitlichung der Teile verwirklicht werden. Das wir darin beträchtlich ourück sind, lehrt ein Vergleich unseres Produktionsstandes mit dem amerikanischen, als eine Betrachtung der fabelhaften Vielfältigkeit unserer Typen und Teile, übrigens auch die Zahl der Kleinbetriebe. Nach einer Erhebung, die der Deutsche Metallarbeiterverband fürzlich vorgenommen hat, birgt die deutsche Automobilindustrie unter ihren 157 Betrieben noch 55 oder 35, 3 v. H., die sich mit 5 bis 50 Leuten im Auto= bau üben. Wie deren technische Ausrüstung beschaffen sein muß, läßt sich leicht denken. Nun wird allerdings bald von hier, bald von dort berichtet, die Umstellung sei in vollem Gange, es wird dabei jedoch meist nicht gesagt, ob sie nur den Uebergang von einem Fabrikat zu einem anderen oder den Uebergang von der altmodischen Produktionsweise zur neuesten betrifft. Für die vorhin erwähnte Erhebung wurde von vielen Betrieben berichtet, daß in ihnen je de Voraussegung einer wirtschaftlichen Erzeugung fehlt. Die Fabrikanten zeigten wenig, nein, gar kein Verständnis für die Vorschläge, welche die Betriebsräte zwecks Steigerung der Produktivität machten. Die Normung der Räder für Lastkraftwagen fonnte noch nicht einmal durchgeführt werden, obwohl die Stahl= gußfirmen eine Preisermäßigung von 50 undert teilen in Aussicht stellten, Womit nur bestätigt wird, was die Berichte aus den Fabriken befagen, nämlich, daß nur wenig ernsthafte Umstellungsversuche begonnen worden sind und daß sie der Kühnheit des Griffes und des Weitblickes ermangeln. Selbst in den Betrieben, wo man glaubt in Sachen der Umstellung den Gipfel des Möglichen unternommen zu haben, wird man, wie uns unsere Kenntnis der amerikanischen Industrie befürchten läßt, bald inne werden, daß man in dieser schnellaufenden Zeit doch nur wie ein ängstlicher Krämer gehandelt hat. Die Hausreinigung mit alten Maschinen, Arbeitsweisen und Gedanken wird auch dort, wo man sich höchst fortschrittlich dünkt, viel zu zaghaft und viel zu sehr mit dem Blick nach des Käufers Tasche und des Arbeiters Lohntüte vorgenommen. Anstatt Mittel und Kräfte ungeteilt auf die Einstellung allerneuester Maschinen und hochqualifizierter Technifer zu verwenden, wird viel Zeit und Kraft für die lächerliche Zeterei über zu hohe Löhne und für Schutzzollpropaganda, das heißt also für die Schröpfung der Arbeiter und der deutschen Verbraucher vertrödelt. Auf diese Art dürfte die Notlage der Automobilindustrie bestimmt nicht zu beheben sein. Friz Kummer, Stuttgart. abgelaufenen Woche nur die Gruppe Ernährungstoften eine Veränderung( plus 0,5 Pro 3.), die in erster Linie auf die steigen den Fleischpreise zurückzuführen ist. Allerdings fanken diese Breise gegen Ende dieser Woche, nachdem sie noch zum Wochen beginn starf gestiegen waren. Daß die Preissteigerung des wichtigsten Lebensbedarfs wesentlich größer ist, als es der Reicheinder angibt, geht auch aus den Berechnungen des Berliner Statistischen Amts hervor: Die Berliner Kleinhandels Indexziffer des Statistischen Amts stellte sich nach den Berliner Wirtschaftsberichten am 29. Oftober, 1913 gleidh 100 gefeßt, für Fleisch- und Wurstwaren auf 139,7, für Fische auf 201,7, für Milch und Milcherzeugnisse auf 167,7, für Brot, Mehl und Nährmittel auf 114,4, für Hülsenfrüchte auf 137,7, für Gemüse auf 186,9, für fonstige Lebensmittel auf 150,3, für Heiz- und Leuchtmittel auf 118,5 und für Wohnung auf 66,0. Der Inder für sämtliche Lebens= mittel zusammen betrug 151,8 und der Gesamtindeg für sie Lebensmittel, Bohnung fowie Heiz- und Leuchtmittel 146,0. Diese vom Statistischen Amt der Stadt Berlin neu errechneten Inderziffern find fein Ausdruck der Kosten der Lebenshaltung, sondern stellen die durchschnittliche Teuerung aller von der Statistit erfaßten Lebensbedürfnisse der genannten Art dar. Die starken Widersprüche der Berechnungen ergeben, wenn man mit den tatsächlichen Aufwandkosten vergleicht, zum mindeſten einen Schluß: Die Methode, mit der das Statistische Reichsamt die Teuerung zu erfassen sucht, ist unzulänglich. Die Gewerkschaften haben dagegen auch bereits Einspruch erhoben. Es würde zu weit führen, hier die Gründe des Mißverhältnisses im einzelnen darzulegen. Sie beruhen vor allem darauf, daß das Statistische Reichsamt bei seinen Feststellungen von einer Reihe von Waren ausgeht, die den heutigen Bedarf nicht mehr einwandfrei spiegeln. Das Volk ist verarmt; es muß oft zu minderen Qualitäten der Nahrung und Bekleidung greifen, um sich den Wirkungen der Teuerung zu entziehen. Mindere Qualitäten sind aber auf die Dauer die teuersten. Es wäre an der Zeit, daß man endlich dem Reichsinder um fassende Erhebungen über die tatsächlichen Aufwandsosten gegenüberstellt. Das Statistische Reichsamt scheint dazu infolge von Personenmongel und Ueberbürdung nicht in der Lage zu sein. Eine hervorragende Aufgabe erwächst hier den Gewerte der Arbeiterschaft im Lohnkampf außerordentlich schärfen würden. schaften, die mit berartigen Untersuchungen die geistigen Waffen Befriedigende Ernte in Hackfrüchten. Als letzte in der Reihe der im August beginnenden Erntevorschäzungen liegen nunmehr die Angaben für Kartoffeln, Rüben und Weißfohl vor. Ueber die voraussichtlichen Heftarerträgnisse berichtet die„ Statistische Korrespondenz": Die Kartoffelernte ist in den einzelnen Gegenden Preußens viel gleichmäßiger, und zwar durchweg besser, ausgefallen, als es sich nach den Meldungen über das vielfach sehr wechseinde und ungünstige Spätsommerwetter erwarten ließ. Bei Kartoffeln entspricht der Staatsdurchschnitt genau dem, was man von einer Normalernte verlangt; die Provinzen Sachfen, Brandenburg und Pommern liegen noch wesentlich über diesem recht befriedigenden Eaz, und selbst in den ungünstigeren westlichen Gegenden bleibt der Ertrag mindestens leidlich. Ein Vergleich mit den Vorjahren zeigt, daß die Kartoffel- und Zuckerrübenernte günstiger als in den Jahren 1923 und 1921-19 steht, an Höhe der Ziffern also nur von dem Jahre 1922 übertroffen wird. Auch dieser Vergleich zeigt die Hackfrucht- und Kohlernte des laufenden Jahres in recht gutem Licht, da die jeßigen Erträge für Kohlrüben, Runkelrüben und Mohrrüben nur noch von den sehr günstigen Jahren 1922 und 1923, bei Weißkohl dagegen überhaupt nicht übertroffen werden. Bergieich Die gesamten Erntemengen im Vergleich mit dem Vorjahr ergeben folgendes Bild: Im laufenden Jahre sind insgesamt 257115181 Doppelq zentner Kartoffeln gegen 222 773 484 Doppelzentner Kor. toffeln im Jahre 1923 zu erwarten, was einem Plus von 15,4 Proz. entspricht. Die entsprechenden Ziffern für Zuckerrüben sind für 1924: 76 137 187 Doppelzentner, 1923: 86 387167 Doppeizenmer ( plus 14,7 Pro3.); Runfelrüben 114 787 506, 1923: 123 736 995 ( minus 7,2 Proz.) Für Kohlrüben und Mohrrüben ergibt sich dent Borjahre gegenüber ein Defizit von 12.7 bzw. 17,1 Proz., während die Weißkohlernte mit ihren 4 752 820 Doppelzentrern ein Plus von 6,4 Proz. aufweist. Die Förderung des Wechselkredits durch die Reichsbank. Die Reichsbank bemüht sich schon seit langer Zeit, den Warenkredit durch den Wechselkredit zu ersetzen. Sie will so u. a. auch eine Diskontermäßigung erzielen. Bereits bei Lockerung der Restritiionen und Erhöhung der Kreditsummen um 10 Broz. hat sie diese Maßnahmen von der Bedingung abhängig gemacht, den Wechsel nicht allein als Kreditmittel, sondern wie früher wieder als Zahlungsmittel zu verwenden. Der Bian der Reichsben hat hefonders in ben industriellen und gewerblichen Verbänden Widerstand gefunden. Die Reichsbank richtet nun unter dem Datum des 31. Oftober ein Schreiben an die Handelsverbände, in dem auf die Notwendigfeit des Uebergangs zum Wechselkredit hingewiesen wird. Die Reichsbank ist der Auffassung, daß sich das Ziel erreichen läßt, wenn die Verbände von der Forderung der ausschließlichen Barzahlung abgehen und Warenkredite in Wechselform günstiger ausgestalten als Kredite in Form der offenen Warenschuld. Weiter hat die Reichsbank an die Banten das Ersuchen gerichtet, Kredite an die Wirtschaft nicht mehr vorzugsweise im Wege der Buch- oder Kontokorrentkredite. sondern mehr in Form der Diskontierung ordentlicher Geschäftswechsel zu angemessenen Zinsen zu gewähren. Belebung der Bautätigkeit. Der Deutsche Baugewerks bund konnte Anfang, Oftober einen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe buchen. Es wurden 25 650 Arbeitslofe gezählt gegenüber 34 838 im Auguſt und 34 341 im Juni. Die Bau tätigteit hat sich danach gehoben. Boufrebite find in günſtigerer Weise erhältlich. Die Besserung dürfte a1halten, da aus vielen Gegenden die Inangriffnahme neuer, zum Tea größerer Bauprojekte gemeldet wird. Wenn Sie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihre Hühneraugen und Hornhaut durch ,, Lebewohl" los werden, würden Sie sich nicht erst mit minderwertigen Mitteln herumärgern. Lebewohl" wirkt durch Filzring sofort schmerzlindernd. Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf. Seit 20 Jahren bewährt. 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Der als„ Schumacherei" benannte Zwischenfall ist mit dem Ausschiuß des„ Union"-Weyer, des„ Ausgesperrten"-Kaiser und des Schneider Schumacher, der Müller, Lilienthal, Czerni, Schmidt, Schiele, Graul ,, und viele anderer" noch nicht beendet. Die Berliner Union flagt, daß einige Parteibureaufraten der KPD. es fertig gebracht haben, die Union zu spalten. Der preußische Landtegsabgeordnete Gustav Sobott ta und der rühmlichst bekannte Hubert Serve" hätten erklärt, die Union habe sich außerhalb der Roten Gewerkschaftsinternationale gestellt. Das sei purer Schwindel, sagt Wener. In Berlin- Schöneberg ist eine neue Schöneberger Union aufgemacht worden. Kollegen und Genossen! Beachtet den Bericht vom Bezirkstag, beachtet die Beschlüsse, so werdet Ihr erkennen, welch frivoles Spiel jene Leute um Sobottfa treiben. Wir wissen, daß sich fein aufrichtiger Kollege dazu finden wird, die Schöneberger Union anzuerfennen. Der bekannte Paul Gehlmann ist dort als befoldeter Bezirksleiter eingesetzt worden. Lange Monate war er vorgeschlagen. Nun, durch die Spaltung haben die Leute es endlin geschafft. einen Ruhe posten 3 hatten Wenn Albert Müller vom Lorenzwert und Sawati ( Rabelwerk) sich an dieser Bezirksleitung mit beteiligt, so trauchen wir feinen Kommentar hinzuzufügen." Die Unionsmitglieder werden vor dieser neuen Union, von der Weyergruppe gewarnt, in die sich Leute hineingesett" haben, die nirgends gewählt sind". „ Sobotika, wie Serve und ein gewisser Mar Müller haben im vergangenen Jahre die Union im Ruhrgebiet zerschlagen. Von der einst so stolzen, annähernd 65 000 zählenden Bergarbeiterschaft sind nur noch 10 000 organisiert. Die gleiche Arbeit hat Sobotika und Co. in Halle vor einigen Monaten verrichtet. Auch dort ist vcn jenen die Union zerschlagen worden. Im Ruhrgebiet ist tie Arbeit erledigt, Halle ist gefolgt, jetzt soll Berlin herankommen." Das ist in dem Mitteilungsblatt der Industriegruppe Metall der Union der Hand- und Kopfarbeiter( Nummer 8, 25. Oftober) zu lesen und zum Schlusse: ,, Vor aller Deffentlichkeit stellen wir diese Arbeiterführer" bloß; sie sind diejenigen, die im letzten Jahre alles, was sich an revolutionären Gewerkschaften regt, zerschlagen. Unsere Kollegen und Genossen sind gewarnt. Wir find leider verpflichtet, den Kampf jetzt nicht nur zu führen gegen die Unternehmer, gegen den ADGB., nein, auch gegen die Sobottfa, Gehlmann und Konsorten." Das Blatt berichtet dann über einen Bezirtstag der Union in Berlin. Eine Genossin Kaspar stand om Saaleingang der Sophienfäle und sagte: aber ,, Was die da heute machen, die wollen mich nicht herein laffen, der ganze Laden soll heute hochgehen." Auf diesem Bezirkstage hielt Schumacher im Auftrage des Kartells eine Begrüßungsansprache: Berein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. „ Die selbständigen Berbände sind Organe der revolutionären Arbeiter Der Streit der selbständigen Verbände hat seine Grundursache in der falschen Auslegung der Beschlüsse des 3. Kongresses der RGI.... Der Bezitstag muß den Kampf gegen all seine Feinde cufnehmen und, wenn es notwendig ist, auch gegen den deutschen Reichsarbeiterausschuß ( der KPD.)." In seinem Referat meinte Weyer: die breiteste Propaganda in der Ricjenarmee der Unorganisierten ,, Wenn den selbständigen Verbänden Gelegenheit gegeben wird, zu entfalten, wenn die selbständigen Verbände en Stelle von 10 000 Arbeitern 100 000 in ihren Reihen vereinigt haben, dann ist es leichter möglich, den ADGB. zu Verhandlungen zum 3wede der Vereinigung zu zwingen.. Der Berichterstatter über die Lohnfämpfe führte u. a. aus: Redetti von der KPD. Leitung hat vor einem halben Jahr die Industrie organisation ins Leben gerufen, die gesamte damalige linke Parteirichtung hat die Gründung der Ind.- Org. gefördert. Jekt will sie ihr eigenes kind ersticken. Sie hätte es nicht erstickt, wenn die von der KPD. vorge dobenen Personen wie Gehlmann und Redezki, Albert Müller und Konsorten in die Leitung hineingewählt worden wären. Wir müssen für die Zukunft scharf gegen diese Leute vorgehen Sobottta als Korreferent sagte von der Union: Die Union hatte schon in vielen Gebieten Mitglieder. Sie fonnte den Arbeitern auch nichts Besseres geben, deswegen sind sie wieder ausgetreten. Die Vermutung liegt vor, daß, wenn die selbständigen Verbände unter Führung von Schumacher und Weyer groß werden, sie dann dem Sozialismus zugeführt werden.( Gelächter.) Ihr seid ( Gelächter.) Ihr seid unsere Gegner, wir werden, wenn es nicht anders geht, organisatorisch gegen Euch vorgehen müssen. Wir loffen uns nicht gefallen, daß gegen uns Organisationen aufgezogen werden, das ist versucht werden. Wir haben über Euch zu wachen, wir fordern Euch auf, treu auf dem Boden der Beschlüsse der RGI., des RAA. und des Bochumer Kongresses zu stehen." Rabelwer? hin, in der Genosse Schumacher sprach. Da war Sawati wies„ auf eine Versammlung vor einem Jahre im Schumacher so ein Kommunist, als wollte er die Revolution allein machen. Heute geht er aus der Partei oder wird ausgeschloffen. Und wir werden noch viel mehr ausschließen... “ Genosse Wagner spricht gegen die Ausführungen Sawatzkis, er geht auf die illegale Sigung mit den Russen ein. Weiter weift er darauf hin, daß er heute in der Münzstraße war und dort einen Stapel von ausgeschlossenen Ge= nossen gesehen hat, unter all diesen waren nur einige nicht gewerkschaftlich organisiert. Alle anderen waren jahrelange Funk. tionäre einer Gewerkschaft. Kaiser vom Verband der ausgeschlossenen Bauarbeiter er flärte den Streit zwischen der KPD. und den selbständigen Verbänden für bedauerlich. Was liegt vor? Erstens, dürfen die selbständigen Verbände Unorganisierte aufnehmen? Zweitens die Frage der Erhaltung des Kartells. Wenn ein Leiter einer Organisation sich weigert, Unorganisierte aufzunehmen, dann tun die Mitglieder recht daran, wenn sie beide Flügel der Tür aufmachen und den Betreffenden rausschmeißen. Die Wiedervereinigung haben wir uns als Bauarbeiter als Hauptaufgabe gestellt, sie kann aber nur geschaffen werden, wenn die notwendigen Vorausjegun= Die Berliner Städtischen Wasserwerke Akt.- Ges. beabsichtigen die Er richtung eines Lufthammers in Berlin SO auf dem Grundstücke Melchiorftr. 20 u. 22.1 Etwaige Einwendungen gegen diefe Anlage find bei dem unterzeichneten StadtMontag, den 3. november, nachmittags 5 Uhr, in den ausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage " Sophien- Sälen"( großer Saal), Sophienstraße 17/18: nach der Veröffentlichung ab gerechnet, fchriftlich in doppelter Ausfertigung oder zu Protokoll anzubringen. Nach Ab auf dieser Frist tönnen Einwendungen nicht Tagesordnung: Berichterstattung von den Lohn- mehr erhoben werden. Beschreibung und verhandlungen. Beichnungen der geplanten Anlage liegen Zu dieser Generalversammlung haben außer den in unserem Bureau, Berlin C 2, WaifenDelegierten die Vertreter gemäß§ 4, Abs. 1 und die Bertreter traße 27, 1 Tr., 8immer 25, an den Geter Betriebe nach§ 4, Abs. 3, Zutritt( großer Stempel 1924). Schäftstagen in der Zeit von 8 bis 2 Uhr Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimationstarte. während der oben bezeichneten Frift zur Einsicht aus. Generalversammlung. Der Gauvorstand. Möbel auf Kredit! An- und Abzahlung nach Belieben! Schlafzimmer, Küchen, Einzelmöbel Riesen- Auswahl! Landwehr Müllerstraße 7, vorn 1 Treppe ( am Weddingplatz) 8ur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird vor unferem Rommissar, Stadtinspettor Kunde, auf Dienstag, den 18 November 1924, vormittags 9 Uhr, daselbst ein Termin an beraumt, zu dem die Unternehmerin fowie die Widersprechenden unter der Eröffnung geladen werden, daß auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Berlin, den 30, Ottocer 1924. Der Stadtausschuß Berlin, Abt. I Schneider. Garbaty- Zigaretten! und Saba 28,50, SC. 36,-, Port 42.andere Marten- Zigaretten billigit. Lenz, Wehlauer Straße 2, v. 1 Tr, Nähe Greifswalder, nahe Elbinger Str. Rgft.8868 Garderobe in guten Qualitäten( Ersatz für Maßarbeit) auf Teilzahlung bei kleinster An- und Abzahlung und ganz bequemen Wochen- oder Monatsraten ganz nach Wunsch der Käufer. Zwecks Räumung meiner Riesenläger werden 800 Anzüge, Paletots, Ulster u. Burschen- Anzüge zu billigen Preisen abgegeben. Bel genügender Legitimation sofortige Aushändigung der Ware. COHN Im Osten: Große Frankfurter Straße 58 ( 5 Minuten vom Alexanderplatz) Im Norden: Badstraße 47-48( 5 Minuten v. Bahnhof Gesundbrunnen). Man achte genau auf Firma und Hausnummer! gen dazu geschaffen sind.( Die Gegenorganisation start genug ist. D. R.) ,, Wenn der Kampf fo weit gegangen ist, daß man von re Bauarbeitern jetzt 38 Borstandsmitglieder aus der KPD. ausgefchloffen hat, so freut sich nur der lachende Dritte, das ist der Baugewerts. bund und die Bauunternehmer. Mit den 38 Genossen haben sich bereits 100 jolidarisch erklärt und werden vielleicht noch 300 mit uns Solidarität üben. Mit der ganzen Frage muß jetzt Schluß gemacht werden." Damit der Humor bei diesem ganzen Schindludertreiben mit den Arbeitnehmerinteressen nicht fehlt, hat auch dieser Bezirkstag eine Entschließung gefaßt zur Verwirklichung der Einheitsfront aller arbeitenden Schichten". " Die Beiträge wurden in 4 Klassen mit 20, 30, 40 und 60 Pf. feſt. schaftern aus der KPD" wurde eine Protestresolution begesetzt. Gegen die Massenausschlüsse von Gewerf. schlossen. In einer weiteren Entschließung gegen die Schreib. weise der Roten Fahne" heißt es: " Die persönliche Hehe gegen einige führende Genossen der selbständigen Verbände ist niederträchtig. Der Bezirkstag fordert, daß die Rote Fahne" diesen persönlichen Kampf einstellt. Der„ Laden" ist noch nicht hochgegangen", trotzdem Sobottfa unterstützung wandte und mit Begenmaßnahmen drohte. sich besonders gegen die Einführung von Streit- und Maßregelungs„ Ihr spaltet die Union, Ihr seid Verbrecher", wird ihm zugerufen. Die vier Freigestellten( wie die Kapedister ihre " Bonzen“ nennen) wurden einstimmig gewählt, nachdem sie eine Erklärung abgegeben hatten, daß sie auf dem Boden des Kartells stehen. Die Zersplitterer sind dabei, sich selber zu zersplittern. Wir wollen sie dabei durchaus nicht stören. Wir wollen nur, daß die Berliner Arbeiterschaft sich das Affentheater ansieht und sich um so eifriger der Stärkung der freien Gewerkschaften widmet. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 99 Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft Niederschöneweibe, 15. Kreis: Die gesamte Rameradschaft trifft sich Sonntag, den 2. November, um 1 Uhr am Sammelplak, Feuerwehrgebäude, Niederschöneweide. Von dort erfolgt der Abmarsch nach Adlershof. Die restlose Beteiligung ist Pflicht.- Rameradschaft Wilmers dorf: Am Sonntag, den 2. November, abends 6 Uhr, im Logenhaus, Wilmersdorf, Emfer Str. 12-13, Winterfest, verbunden mit Kabarett, Tanz, Tombola, Eintrittspreis 50 Pf. Republikaner als Gäste willkommen. Kamerabschaft Kreuzberg, Jugendgruppe I: Am Montag, den 3. November, abends pünktlich 7½ Uhr, Turnhalle Fürbringerstr. 33. Kameradschaft Friedrichshain: Am Mittwoch, den 5. November, abends 6 Uhr, treffen sich sämtliche Kameraden in der Königsbank", Große Frankfurter Straße, zweds Saalichuk Kamerad schaft Charlottenburg: Der Turnabend am Dienstag, den 4. November, fällt aus, dafür geselliger Abend im Schiller- Saal, Am Knie. Anfang abends 8 Uhr. Republikaner als Gäste willkommen. Arbeitslose Kameraden gegen Legitima. tion freien Eintritt.- Kameradschaft Köpenick einschl. sämtlicher Untergruppen: Am Sonntag, den 2. November, Teilnahme an der Denkmalseinweihung, in Adlershof. Treffen nachmittags 1 Uhr Köllnischer Plak. Ramerabschaft Berlin- Mitte: Treffpunkt zweds Teilnahme an der Fahnenweihe in Spandau am Sonntag, den 2. November, morgens 8% Uhr. Die Rüge 1-2 am Lehrt Bahnhof. Abfahrtseite. Alle übrigen Züge 8 Uhr Landsberger Str. 89. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bea. Wedding 3. Mitgliederversammlung Montag, den 3. November, abends 8 Uhr, im RestauBericht vom Gautag. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Bappelallee 15, Bor trag des Herrn Dr. W. Kunk:„ Georg Herwegh, ein Dichter und Seld". Landgerichtsrat Genoffe Ruben in Köpenid, Dorotheen- Schule, über das Im Rahmen der Mieterprotestversammlungen spricht am Montag abend Thema ,, S chuß dem Mieterfchuke". Beginn 7% Uhr. Fortschrittliche Verkehrstechnik, e. V. Vortrag über Das moderne Motors rad" Donnerstag, den 6. November, 8% Uhr, im Nollendorf- Rafino, Rleiftffraße 41. Eintritt für jedermann frei. Haben Sie kalte 2 Füße Wo kalte Füße das Fußnervensystem schwächen und zum Tragen von Stiefeleinlagen nötigen, Keine kallen rube Keine kalfen Füße mehr! De med Brandau's Oso- warm Tulplegemittel LIQUOP Anhidromholars Отинем тый Cascel Fulpflegemiffel s Wach bewacham sida Patent pse Chando Schulsonic Cams wo infolge kalter Füße Katarrhe aller Art, Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Rheuma, Gicht, Podagra den Körper zermürben und die Schaffenskraft mindern, wo infolge kalter Füße nachts stundenlang kein Schlaf eintritt, Füße mehr! De med Bandgu Oso- warm Gesetz da hilft Dr. med. Brandau's O- SO- WARM Chasalla nach bewährtem Chasalia' Schuhnach und ,, O- so- warm"-Vertrieb: Fußpflege( gesetzl. gesch.) 0.48. 0- so- warm medizin. 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