Nr.522+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 265 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der., Borwärts mit der Sonntags beilage, Bolt und Beit mit..Gieb. lung und Aleingarten sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt* und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntage und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 0.70 Goldmart. Retlamegeile 4.- Goldmart...Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erste Wort 0,10 Goldmark, iedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte fiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68. Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönboft 2506-2507 Mittwoch, den 5. November 1924 Kammerbeginn in Frankreich. Herriots Kampf gegen den Wucher. Paris, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Die außerordent iche Herbstsession des französischen Parlaments ist am Dienstag in Kammer und Senat mit dem üblichen Zeremoniell eröffnet worden. Die Sigungen, die in beiden Häusern nur von furzer Dauer maren, galten lediglich der Feststellung der Tagesordnung. Der Senat, der bis zur Verabschiedung des Budgets durch die Kammer lediglich die unerledigten Borlagen der letzten Gession aufzuarbeiten haben wird, hat beschlossen, sich noch auf eine Woche zu vertagen und am 30. November mit der Diskussion des Amnestie gesezes zu beginnen. In der Kammer stellte nach der Eröff nungsansprache des Präsidenten der Vorsitzende der Finanznicht ganz leicht fein. Auch die Frage der von Frankreich zugunsten Elfaß- Lothringens verlangten Privilegien dürfte zu schwierigen und langwierigen Distusfionen Anlaß geben. Voraussichtliche Wiederwahl Coolidges. In Nordamerika wurde gestern, Dienstag, bis 6 Uhr abends gewählt, d. h. bis zu unserer Mitternacht. Die sehr spärlichen Nachrichten, die bis zum Redaktionsschluß vor lagen, machen eine ziemlich große Mehrheit für die republitanische Partei und damit die Wahl Coolidges zum PräsiVorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenfane Lindenstraße 3 Macdonalds Rücktritt. Das Rückblick auf die erste Arbeiterregierung. London, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Arbeiterkabinett hat am Dienstagnachmittag feine letzte Sigung abgehalten. Sie galt dem Bericht des Kabinettfomitees, das mit der Untersuchung der Angelegenheit des Sinowjew- Briefes beauftragt war und seine Arbeiten beendet hat. Um 5.15 Uhr hat sich Macdonald zum König begeben, um ihm die Demission seiner Regierung zu überreichen. Als er das Auswärtige Amt verließ, wurde er Später empfing der König den konservativen Parteiführer von einer großen Menschenmasse herzlich begrüßt. Baldwin, den er mit der Neubildung des Kabinetis beauftragte. Baldwin hat diesen Auftrag angenommen. * fommission, Genosse Vincent Auriol, den Antrag, auf die Tages. denten und Dawes zum Bizepräsidenten sehr wahrscheinlich. donald gestattet, die Konsequenzen aus dem Mehrheitsordnung der nächsten Sigung die Diskussion des Budgets zu setzen und mit Rücksicht auf die Arbeiten der Kommission zunächst mit der Lesung der Einzeletats zu beginnen. Das hat die Bertagung der General debatte zur Boraussetzung. Für die Diskussion der inzwischen auf 30 angewachsenen Interpellationen foll die Freitagsizumg reserviert bleiben. ** New York, 5. November, 21 Uhr morgens.( Funtspruch.) In 69 fleinen Wahlbezirken wurden für Coolidge 3933, für Davis 1234, für Lafollette 637 Stimmen gezählt. In acht Wahlbezirken des Staates Georgia, der immer eine Hochburg der Demokraten war, erhielten Davis 888, Coolidge 203 und Lafollette 81 Stimmen. Bei diesen Ergebnissen handelt es sich um kleinere Orte, in denen der Wahlakt frühzeitig geschlossen werden konnte. Glockengeläute für die Wahlfäumigen. Im Laufe der Geschäftsordnungsdebatte ergriff Herriot das Mort; dabei entstand ein großer Tumult, als ihm ein Abge.. ordneter der Rechten antworten wollte. Die Sigung mußte unterNew York, 4. November.( EP.) In mehreren Staaten find brochen werden. Nach Wiederaufnahme der Sigung beschloß die Kammer mit 308 gegen 140 Stimmen gemäß dem Antrage des Fi Wahlpflicht zu erinnern. So werden im Staate Bisconsin Kammer mit 308 gegen 140 Stimmen gemäß dem Antrage des Fi- orkehrungen getroffen worden, um die fäumigen Wähler an ihre nanzausschusses, Mittwoch nachmittag die Diskussion über bas während des ganzen Tages alle halben Stunden die Budget für 1925 zu beginnen. Damit war der Antrag ber Oppo- Kirchengloden geläutet Allem Anschein nach ist die Wahl. sition, die Diskussion erst in acht Tagen aufzunehmen, abgelehnt. beteiligung fehr groß. Man glaubt, daß heute 38 millionen Amerikaner zu den Urnen gehen. In Chicago tam es trotz der VorParis, 4. November.( Eigener Drabtbericht.) Die Regierung fichtsmaßnahmen zu 3 ufammenstoßen zwischen den Anhat am Dienstag in der Kammer einen Gefeßentwurf zur Belämp- hängern der verschiedenen Parteien. Ein Mann wurde getötet, fung der Spekulation und des Buchers eingebracht, der die Ueber sieben Berfonen verhaftet. In Chicago wurden auch mehrere Wahlschreitung der ortsüblichen bzw. offiziell festgesetten Preise beim urnen entführt und verbrannt. Die ersten Resultate Berkauf von Getreide, Mehl, Nahrungsmitteln und Gegenständen liegen aus Ashford( Massachusets) und aus Sommersets( Vermont) des täglichen Bedarfs, Kleidungsstüden usw. sowie von Rohstoffen, vor. Diese beiden Resultate sprechen im ganzen von 28 Wahl Diese beiben Resultate sprechen im ganzen von 28 Wahl die zur Herstellung dieser Artikel dienen, mit Strafen von einem männern zugunsten Coolidges und 4 zugunsten Davis'. Monat bis zu einem Jahr Gefängnis und Geldstrafen von 5000 bis 50 000 Frant bedroht. Das Gefez enthält außerdem eine Be stimmung, durch die den Detailfaufleuten zur Pflicht gemacht wird, die Preise der von ihnen feilgehaltenen Waren anzuschlagen. Neue Kammerfraktion. Paris, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) In der franzöfifchen Rammer haben sich eine Anzahl, den verschiedenen Gruppen des ehe. maligen Notionalen Blocks angehörende Abgeordnete zu einer neuen Fraktion vereinigt, die am 15. und 16. November ihren tonftituiere den Kongreß abhält. Die neue Bartei entsendet Mitglieder in die Rammerausschüsse und wird ihren Plaz zwischen der Union republis caine democratique, den sogenannten Progressisten, und den Republicaines de gauche, denen 3. B. e Trocquer angehört, ein nehmen. Die neue Bartei zählt 14 Abgeordnete ,. zumeist aus dem Elsaß und der Bretagne und hofft auf Beitritt einer Anzahl anderer Abgeordneter im Laufe der Kammerfeffion. Hervorgegangen aus politischen Organisationen der Provinz, wie die Union populaire republcaine d'Alsace und der Föderation democrate du Finisterre Prager Kommunistenkompromiß. Schmeral bleibt Kreibich fliegt. Bor wenigen Tagen haben die Leser des„ Borwärts" aus dem Artikel des Genoffen Falta Brünn von der Krise der KPTsch. erfahren. Nun erhalten wir folgenden weiteren Bericht aus Brag: fich feit der zweite Kongreß der Kommunistischen Bartei in der chechoslowakischen Republit statt. Dem Rongreh ging eine wilde Diskussion in den Parteiblättern voran. Es handelte sich um Annahme der Beschlüsse des Mostauer Kongresses, welcher eme Bolichewisierung" der Partei mit Hinsicht auf die starken zentriftischen" Tendenzen in ihr angeordnet hat und zugleich ein Nationalprogramm" für die Tschechoslowakei befchloß, laut welchem die Partei alle nationalen irredentistischen Aktionen der Minderheiten und auch die separatistische Bewegung der Sinowiem lomatischen Katholiken unterstügen foll. Dieser Tage fand hier unter Ausschluß der Deffent17 " Der englische parlamentarische Brauch hätte Mac= wechsel vom 29. Oktober nicht sofort zu ziehen, sondern noch den Zusammentritt des neuen Unterhauses abzuwarten und vor die neuen Abgeordneten zu treten, in dem er eine natürlid) von ihm redigierte und im Sinne seiner Politik genatürlich von ihm redigierte und im Sinne seiner Politik ge= haltene Thronrede verlesen hätte. Danach wurde Baldwin als der Führer der gegnerischen Bartei einen Zusatzantrag eingebracht haben, des Inhalts, daß das Haus Seine Majestät ehrerbietigst darauf aufmerksam mache, daß die Regierung Seiner Majestät das Vertrauen des Hauses nicht beersten Arbeiterkabinetts zu Ende gewesen. fige. Erst nach der Abstimmung wäre die Regierungszeit des So hatte nach den Wahlen vom 6. Dezember 1923 Baldwin gehandelt und damit seine Regierungsdauer um mehrere Wochen, nämlich bis in den Monat Januar hinein fünstlich verlängert, obwohl der Ausgang der Abstimmung über den Mißtrauensantrag der Labour Barin damals ebenso sicher feststand, wie er heute feststünde, wenn Macdonald es darauf ankommen ließe. Der einzige Vorteil, der fich für Macdonald daraus ergäbe, wenn er dem Beispiel der, daß er die Liberalen damit zwingen würde, Farbe seines Vorgängers( und Nachfolgers) im Amte folgte, wäre zu bekennen und entweder für ihn gegen Baldwin zu stimmen oder umgekehrt durch Vermehrung der ohnedies riesigen fonservativen Mehrheit, den Bürgerblockpakt des Wahlkampfes vor aller Welt zu bestätigen. Dies wäre aber auch der einzige Vorteil einer soichen Tattit gewesen. Macdonald hätte sich damit demselben Vorwurf ausgesetzt, den seine Freunde vor Jahresfrist in der gleichen Situation gegen Baldwin erhoben, nämlich, am Amte zu fleben. Und wenn dann die Stunde der Abstimmung gefommen und das Resultat verkündet worden wäre, dann hätte die Labour Party diesen rein taktischen Vorteil mit einem gefährlichen Prestigeverlust bezahlt. Im übrigen wird es in den kommenden Zeiten ohnedies an Gelegenheiten nicht fehlen, das zurückgebliebene häuflein von Liberalen zu zwingen, sich über ihren fünftigen Kurs, ob rechts oder lints, zu entscheiden. Mit einer zuweilen geradezu unerbittlichen Folgerichtigkeit versucht die Arbeiterpartei die Liberalen in die Arme der Konservativen zu stoßen, um sie in den Augen der öffentlichen Meinung immer ( Bretagne), ftüßt sich die neue Partei auf eine große Anzahl feit und Manuilffy haben an die Partei am Borabend des Kon mehr zu kompromittieren, zu dezimieren und deren Erbschaft Jahrzehnten bestehender katholischer Arbeitervereine. In ihrem Programun unterscheidet sich die neue Fraktion wesentlich von den sogenannten offiziellen Katholiken der Richtung Ifa ac und Millerand durch die starte Betonung sozialer und friedlicher Tendenzen. Der Sowjetbotschafter in Paris. Paris, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Geschäfts. träger der Sowjetregierung in London. Ratowili, der zum Botschafter in Paris ausersehen, dessen offizielle Ernennung bisher aber noch nicht vollzogen ist, ist feit zwei Tagen in Paris, um in inoffiziellen Verhandlungen die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vorzubereiten. Der deutsch- französische Handel. Wiederaufnahme der Pariser Verhandlungen. Paris, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsch- französischen, Handelsvertragsverhandlungen, die Mitte Oftober nach dem Zustandekommen einer prinzipiellen Voreinigung vertagt worden waren, um den Delegierten Gelegenheit zu geben, mit interessierten Wirtschaftskreisen Fühlung zu nehmen, werden am Mittwoch wieder aufgenommen. Die aus etwa 30 Mitgliedern bestehende deutsche Delegation ist am Dienstagabend in Paris eingetroffen. Die erste Phase der Verhandlungen hatte zu einer grundfählichen Verständigung darüber geführt, daß Frankreich, das in feinem Zoll- und Vertragssystem die Klaufel der meist begün. frigung nicht fennt, diese von Deutschland zugestanden erhalten soll unter der Voraussetzung, daß die von ihm Deutschland gewährten Vergünstigungen einen vollwertigen Gegenwert bilden, d. h. daß Deutschland für alle wichtigen Importartikel den französischen Minimal tarif erhalten soll, was eine Meistbegünstigung nicht de jure aber de facto darstellen würde. Bei, den jetzigen Verhandlungen wird vor allem der letzte der dafür in Frage fommenden Artikel aufzustellen sein, und darüber wird eine Einigung Der wahre Sinn der Erörterungen war, ob Dr. Edmeral, derzeitiger Führer der Partei, auch weiterhin in der Parteiexekutive verbleiben, ober ob er als Opportunist auf den Haufen geworfen werden soll. Laut dem Kongreßbericht soll die Partei 140 000 Mitglieder zählen. Bon diefer Bahl muß aber eine gute Sälfte abgezogen werden. Zwei Drittel der Partei sollen Tschechen und Slowaken fein, ein Drittel entfällt auf die nationalen Minderheiten. politsche Kampf wurde auf dem Kongreffe in den Reben des Abg. Schmeral und des Korreferenten Neurath ausgetragen. Dies geschah unter argen Beschimpfungen des Abg. Gdymeral, welchem vorgeworfen wurde, er fei tein Kommunist, über haupt tein Sozialist und von der Regierung getauft, um die Partei zu zerschlagen. Die mostautreue Linke" war aber auf dem Kongreß zahlenmäßig ich wa ay vertreten und es ist zu einem Rompromiß gefommen, wonach beide Richtungen in die Parteierefutive und Parteikontrolle gewählt wurden. Dr. Schmeral ist vorläufig gerettet. Diefes Resultat entspricht dem Wunsch der Moskauer Führung, welche in der Tschechoslowakei fein zweites Norwegen er leben wollte und darum lieber auf die„ Bolschewisierung" der Partei verzichtete. Zur Beruhigung der„ nken" wurde der bis herige Führer der deutschen Komunisten, Abg. Kreibich Reichen berg geopfert, er wurde aus der Parteiegekutive ausgeschlossen. = Die Unterdrückung Georgiens. Mostau, 3. November.( Ruff. Telegr.- 2g.) Das georgifche Zentralegefufiofomitee beschlagnahmte das Vermögen der früheren Mitglieder der mensche wistischen Regierung und der Nationalverfammlung, die sich jetzt als Emigranten im Auslande aufhalten und die„ mit den letzten Ereignissen in Georgien in Verbindung stehen". Ihren Familienmitgliedern find die Gegenstände für den häuslichen Gebrauch und Produktionsmittel für ihnen gehörige fleine Betriebe belassen worden. Das beschlagnahmte Vermögen wird zur Dedung der durch den Aufstand verurfachten Schäden verwendet. möglichst restlos anzutreten. 3um Teil hat diese Taktik den Liberalen gegenüber zum Ziele geführt- aber nur zum Teil. Die Liberalen haben nicht ganz ein Drittel ihrer Mandate gereffet, aber einstweilen haben die Konservativen den weit größeren Ruzen aus dieser Haltung unserer englischen Freunde gezogen. Augenblick hingewiesen werden, in dem die Nachricht des Es mußte auf diesen Gesichtspunkt nochmals in dem Rüdtritts Macdonalds eintraf. Es mußte festgestellt werden, daß es nur an Macdonald und seinen Freunden selbst gelegen hätte, eine auf Jahre hinaus stabile Regierung zu bilden. Aber die Vernichtung des bürgerlichen Liveralismus, dieses unverrückbare Ziel der Arbeiterpartei, war mit dem Gedanken einer Koalition mit ihm unvereinbar. Und so zog es Macdonald vor, als Minderheitsregielich waren sogar innerhalb der Arbeiterpartei die Ansichten rung ohne direkte fremde Mitarbeit zu regieren. Ursprüngdarüber geteilt, ob man überhaupt einem Ruf des Königs unter diesen Umständen Folge leisten sollte. Ein großer Teil der Partei, besonders der radikale schottische Flügel hätte es vorgezogen, wenn man mit dem Regieren so lange gewartet hätte, bis man über eine eigene Mehrheit im Unterhaus ver fügt haben würde. Dem stand aber die Wahlparole der Labour Party selber entgegen, die den Massen erklärt hatte, ihre Partei sei reif für die Regierung" und man müßte ihr eine Chance geben". Nun war diese Chance da, und fie mutwillig abzuschlagen, wäre in den weitesten Kreisen als ein Kneifen" vor der Berantwortung und als ein Eingeständnis von Un reife aufgefaßt worden. Macdonald hatte die Regierung ausdrücklich unter dem Berbehalt angenommen, daß er nur im Falle einer Niederlage im Parlament über eine grundsägliche oder hochpolitische Frage zurücktreten würde. Frage zurücktreten würde. Die Führer der beiden bürgerlichen Prateien versprachen ihm damals feierlichst ein ,, faires iSpUf. Vas mußten sie auch wn. denn eine andere LSsnng für die Bildung der neuen Regierung war angesichts der all- feitigon Ablehnung von Koalitionen gar nicht vorhandein Ob sie aber ihr Versprechen eingehalten haben, ist ein andere Frage, Namentlich die chaltung der Liberalen mußte oit den Eindruck einer für Macdonald recht demütigenden Bor- m u n d s ch a f t erwecken. Die Arbeiterregierung mußte im Laufe der Monate ein volles Dutzend von Ab st im- munasniederlagen im Parlament einstecken und er- klärte ledesmal, diese Schlappen seien nicht„grundsätzlich" und nicht„hochpolitisch". Sozialistische Minister in Koalitums» regierungen sind bekanntlich nicht zu beneiden, ob sozialistische Minister einer Minderheitsregierung weniger zu bedauern sind, möchte man nach diesem Vorbilde bezweifeln.... Dessen ungeachtet hat die erste Arbeiterregierung Groß- britanniens großes Ansehen erworben, nicht nur im eigenen Lande, sondern sogar in noch stärkerem Maße im Auslande. Die hohen Friedensziele der Arbeiterregierung, ihr mutiges Bekenntnis zum Völkerbund, der Ausgleich mit Frankreich und die Liquidierung des Ruhrkonfliktes, das alles trug um so mehr dazu bei, das Prestige Großbritanniens in der Welt— und nicht zuletzt das Prestige Macdonalds selber — zu erhöhen, als seine Vorgänger in der Behandlung der großen weltpolitischen Fragen völlig versagt hatten. Lloyd George war nur ein genialer Dilettant gewesen, der ungeheures Unheil angestiftet hatte, und bei dem Versuch, dieses Unheil wieder guizumachen, die Konfusion zum Teil nur noch verschlimmert hatte. Bonar Law war ein tot- kranker Mann, dessen Passivität die schlimmste Explosion des Poincarismus, die Ruyrbesetzung, erst möglich machte. B a l d w i n stand der ihm hinterlassenen Situation so rat- und machtlos gegenüber, daß die englische Politik unter seiner Leitung schließlich dazu überging, das Verhängnis in Europa seinen Lauf nehmen zu lassen und das Königreich mit seinen Kolonien in eine mehr oder minder glänzende Isolierung zurückzuführen. Macdonald ist es gewesen, der durch seine kühne Friedenspolitik etwas Ordnung in das Ehaos zu bringen vermochte, das ihni seine bürgerlichen Vorgänger hintrelalsen hatten. Mögen auch die allgemeine politische Ent- Wicklung, der Umschwung in Frankreich und das Werk der Sachverständigne zu diesem Ergebnis beigetragen haben, der persönliche Anteil Macdonalds ist unbestreitbar und wird ihm auch von der Geschichte bezeugt werden. Daß auch im eigenen Volke das Ansehen Macdonalds gewachsen ist, beweist die einfache Tatsache der Stimmen- zunähme der Arbeiterpartei um elfhunderttausend Stimmen innerhalb von elf Monaten. Auch die innerpoli- tischen und wirtschaftlichen Leistungen der Arbeiterregierung ließen sich durchaus sehen, obwohl sie natürlich in einer Re- gierungszeit von knapp neun Monaten nicht zur vollen Aus- Wirkung gelangen konnten. Jedenfalls wurden jene bös- willigen Propheten der kapitalistischen Lügenpresie glänzend widerlegt, die von dem Regierungsantritt der Arbeiterpartei eine wirtschaftliche und finanzielle Katastrophe für England prophezeit hatten. Die englische Währung hat sich nicht verschlechtert, der Handel hat sich eher gebessert, ebenso die Ar- beitslosigkeit, und das Budget ist durch den Schatzkanzler Philip S n o w d e n trotz wesentlicher Ermäßigungen oder Streichungen indirekter Steuern in mustergültiges Gleichge- wicht gebracht worden. Würde die englische Labour Party anstatt über ein einziges Blatt über eine große Tages- presse verfügt haben, dann hätten die englischen Volks- mästen noch weit mehr, als es der Fall war. die Verdienste der Arbeiterregiernng gewürdigt. Aber die mächtigen Or- gane, die die öffentliche Meinung„machen", haben nach wenigen Wochen des„fair plaj" eine systematische und oft perfide Hernnterreißung des Kabinetts Macdonald betrieben. Es ist unter diesen Umständen doppelt und dreifach erstaun- lich und bewundernswert, daß die Arbeiterpartei einen so großen Stimmenzuwachs erlangen konnte. Wer weiß, ob nicht sogar der Ausfall der Wahlen ohne die Bombe des Sinowjew-Briefes ein ganz anderer der König See Könige. Don Michael Ku r d. In der fernen Niidsee, durch Taufende von Kilometern von Europa getrennt, liegt abseits von allen Schiffahrtsstraßen und un- berührt vom Handel und Wandcl der Kontinente die winzige Insel Prea-Dang. Kein Mensch kennt ihren Namen, kein« Groß- macht begehrte dies Stückchen Land dort draußen im fernen Sunda- Archipel: so hat sie denn das Glück gehabt, frei und unabhängig zu bleiben, im Gegensatz zu ihren vielen größeren Schwestern, die schon seit langer Zeit unter englisches oder holländisches Joch gehen mußten. Prea-Vang kann, man einen LUiputstaat nennen:< Kilometer nur mißt sie im Durchmesser und etwa ö000 Menschen bevölkern das Eiland, dessen größte Eigenart wohl sein Herrscher ish Lal» Rao-Singh, der allmächtig« Tyrann.— Wenn wir von ab- solutistischen Königen sprechen, denken wir an Ludwig XIV. etwa, der Frankreich noch dem Grundsatz„der Staat bin Ich" regiert«, oder einen.Herrscher aller Reußen", der seine„Landeskinder" noch Belieben in die Wüsteneien der sibirischen Steppe verschicken konnte: aber nur als Zwerge der Machvollkommenheit erscheinen st« neben dem Riesen Lal-Rao. An ihm gemessen spielen sie all« nur Parodien von absolutistischen Königen. Wer den Staat von Prea-Bang betrachtet, weiß, wie es in einer wahren Monorchie aussieht. Da ist der König auch zugleich der Gott, da ist der König das lebende Gesetz, da ist der König der Richter, da ist der König der einzige Kapitalist.... Im Staate Lal-Raos gibt es keine Freiheit. Der Bürger darf nicht schreiben und nicht lesen lernen. Schicken sind verboten, und Missionar« werden ohne viel Umstände in» Meer gejagt: nur der König Ist«in„gebildeter" Mann, der mühsam ein wenig pidgin- english radebricht. Wahrscheinlich befürchtet er, daß eines Tage» dann ein ganz gewöhnlicher Prea-Vanger ihn an„Büldung" über- treffen würde, und da» wäre doch fürchterlich. Wenn Untertanen erst denken.'—— Auch das Privateigentum duldet er bei seinen lieben Bürgern nicht. Die Ernte und der Ertrag des Fischsange» muß restlos ab- gelkjert werden, und dann verteilt er all« Güter auf die gerechtest« Waise, nämlich so, daß er der einzige Reiche von Prea-Dang ist. Aber man darf nun nicht etwa glauben, daß Lal-Rao ein Nichtstuer sei. Di« Untertanen machen ihm genug Sorgen, und so ist er fast so viel beschäftigt, wie einst im Mai Wilhelm der �veite: Er segnet die Felder, läßt die Reisernte«inbringen, beschwört die Geister, handelt in eigener Person mit einem seemden Schiff, da» etwa alle Jahr einmal in diese Südsee-Eck« verschlagen wird: kurz, er kommt sich mindestens ebenso wichtig vor, wie die„Allerhöchsten Herrschasten" in Europa. Lal-Rao-Singh ist die„Blüte seiner Nation" und(beim Hergt!) von.Gottes Gnaden". gewesen wäre? Aber in der Behandlung des russischen Problems hat die Methode Macdonalds versagt, ja sie m u ß t e versagen, denn eine Propaganda für ideale Ziele und mit rein idealen Mitteln kann nur Erfolg haben, wenn ihr Ob- j e k t solcher Ziele und Mittel würdig ist. Die Begeiste- rung, mit der sich Macdonald für die Anerkennung Sowjet- rußlands und für seine Einbeziehung in den Kreis der euro- päischen Gemeinschaft einsetzte, erweckte bei den Moskauer Machthabem nur kaltschnäuzigen Zynismus. Die gesamte internationale kommunistische Presse b e s ch i m p f t e auf Anweisung Moskaus Macdonald in einer Weise, die für seine bürgerlichen Gegner ein gefundenes Fressen war._ Es ergab sich das merkwürdige Schauspiel, daß die Arbeiter- rgierung gegen den Widerstand der Mehrheit des Parlaments Abmachungen mit Sowjetrußland ratifizieren lassen wollte, und daß sie von Sowjetrußland als Dank für dieses Bestreben lauter Fußtritte erhielt. So erklärt sich auch die ungeheure Wirkung der Smowjew-Bombe drei Tage vor der Wahl. Man hatte von dieser Gesellschaft schon so vieles in letzter Zeft erlebt, daß man sie auch jeder verbrecherischen Torheit für fähig halten mußte. Man schenkte dem Dementi Sinowjews um so weniger Glau- den, als er sich wohl hütete, zu versichern, daß er von der Pa- role der kommunistischen Zellenbildnng im englischen Heer und in der englischen Flotte entschieden abrücke. Uns will es scheinen: hätte Macdonald etwas mehr Erfahrungen mit den Kommunisten gehabt, so hätte er die russischen Fragen»er- mutlich anders behandelt. Indessen— keine Regierung dauert ewig, am aller- wenigsten eine Minderheitsregierung. Aber wenige Regie- rungen werden in der Geschichte Großbritanniens einen so ehrenvollen Platz einnehmen wie das Kabinett Macdonald. Das englische arbeitende Volk kann stolz auf die Männer sein, die es in der Regierung vertreten haben. Auch die ge- famte sozialistische Internationale ist stolz darauf, Männer wie Macdonald, Snowden, Tom Shaw, I. H. Tho- mos und die vielen anderen Mitglieder des ersten britischen Arbeiterkabinetts zu den Ihrigen zu zählen. Das Steuerermäßigungsprogramm. Noch keine Einigung mit den Länder«. Der Reichsrat beschäftigte sich am Dienstag mit der Regie- rungsvorlag« über die Steuerermäßigungen usw. Nach langen Verhandlungen ging die Sitzung ergebnislos zu Ende, weil sich kein« Annäherung zwischen der Auffassung der Länder und der des Reiches ergab. Das Kabinett vertritt die Auffassung, die Ermäßigungen eventuell auf Grund des Artikels 48 durchzuführen, da der Reichstag vor dem neuen Jahr nicht zusammentreten wird und die Steuererleichterunzen z. B. der Land- Wirtschaft schon zum IS. November, wo Borauszahlungen fällig sind, zugute kommen sollen. Gegen die Anwendung des Artikels 48 sträuben sich di« Länder, unter anderem Preußen und Württemberg. aus Gründen, die sich auf die Bilanzierung der Etats in den Ländern beziehen. Die Durchfuhrung der Ermäßigung bs- deutet für Reich und Länder einen Ausfall, der weit über 100 Mil- lionen Mark liegt. Selbstverständlich ist, daß vom Beginn des neuen Finanzjahres 1925 ab«ine Regelung durch neu« Steuer- gesetze, unter anderem durch Neuregelung des Finanz- a u s g l e i ch s, geschaffen werden muh. Vorläufig fehlt Ersatz für dos laufende Etatsjahr, das mit dem 1. April 1925 zu Ende ist. Hier verlangen die Länder Erstattung, und zwar in genügender .iiöhe. um den Ausfall zu decken. Aus dieser Sorge heraus haben sie das Kabinett ersucht, vorläufig mit der Anwendung des Ar- tikels 48 bis zum Freitag zu warten, da der Reichsrat an diesem Tage zur Beratung de? Auslandskredit« doch zusammen« tritt. Immerhin ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß das Ka- binett den Mederzusam msntritt des Reichsrats am Freitag nicht abwartet und die Verordnung zu einem frühzeitigeren Termin vor- cffentlicht. Usber den materiellen Inhalt der Pläne des Kabinetts erfahren wir folgendes: Die Umsatzsteuer soll eine Ermäßigung von 2 Für Kriegstaten schwärmt er persönlich ebensowenig, wie seine zivilisierten Kollegen. Er liebt vielmehr die Ruhe und Bequemlich- keit, die L. L.(Lieben Lcmdeskinder) können sich schon eher ein wenig opfern. Ueberhaupt richtet sich sein Lebenswandel nach be- rühmten Mustern. Zum Schluß muß ich über den lOOprozentigen Absolullsten Lal-Rao-Singh noch«che sehr traurige Mitteilung machen: Dieser „König der Könige" ist, wie französische Blätter jetzt melden, schon vor einigen Wollten gestorben. Prea-Vang ist nun verwaist.— Dielleicht mietet ein findiger Kopf die llein« Insel und richtet dort ein«„Schule des Absolutismus" ein. Im Reich« Lal-Roas könnten di« Bataillone der Exfürsten und ihr« Trabanten ihren Beruf wieder lernen und ungestört ausüben.„Könige für sofort gesucht. Stellungslose bevorzugt. Meldungen unter Prea-Dang erbeten." Ein Urwelitter im Zlalurkundemuseum. Die Tendaguru-Expe- dition, die dos Geologisch- Paläontologische Instttirt der Berliner Universität tn den Jahren 1909 bis 1912 veranstaltete, hat aus Delttsch-Ostasrtta«in« Füll« von versteinerten Gebilden der Sau» rier-Lebewell nach Berlin gebracht. Die Saurierwelt, die in Jura- Schichten der Umgebung des Tendrguru- Hügels in mehr oder weniger vollständigen Resten in erstaunlicher Menge begraben ist. umfaßt ein« Füll« von Arien der abenteuerlich gestalteten Rep- tilien der Vorzeit, wie sie unendliche Zeiträum« hindurch die Be- Herrscher der Erde waren, ehe sie höher organisierten Säugetteren und Vögeln den Platz räumen mußten. Reben Flugsauriern und Krokodilen sind es in erster Linie Dinosaurier verschiedener Art und Größe bis zu den gewaltigsten Ausmaßen, die j« an landbewohnen- den Tieren gefunden worden sind. Das Riesenmaß eines solchen Sauriers mag nur allein durch di« Talsache beleuchtet werden, daß er seinen kleinen Kopf bis gegen 14 Meter hoch in die Lust strecken konnte, also höher als ein dreistöckiges Haus. Hunderte von schwarzen Arbeitern wurden, so berichtet der Expeditionsleiter Prof. Ianensch jetzt im„Naturforscher", benötigt, um die gewaltige Aus- beute an Knochen auszugraben und zum ferngelegenen Hasenort zu tragen. Em ganz besonderes Matz fachmännischen Könnens und sorgfältigster Feinarbeit wurde aber dann für die endgültige Pro- paration der Knochen im Berliner Museum benötigt: si« ist in dem Grade langwierig, daß di« Ferttastellung eines einzigen der viel- fach höchst komp'iziert gebauten Stücke, zum Beispiel großer Hals- Wirbel, die Arbeit von Monaten erfordert. Von einem besonders eigenartigen Dinosaurier vom Tendaguru ist nun ein Skelett im Berliner Museum ausgestellt worden. Dieses Kentrurosourus benannte Reptil steht mit einer Länge von 5 bis 7 Metern an Größe zwar anderen gigantischen oswfrika- nischen Dinosauriern, deren Aufstellung noch aussteht, weit nach, es ist ab«? dadurch höchst merkwürdig, daß Schwanz und Rumpf eine Doppelreihe gewalliger Stacheln tragen, die nach dem Kopfe zu in kleine Knockenplotten übergehen. Ein mächtiger Schwanz, ein hoch- gewölbt« kurzer Rumpf, sehr kurze Bordergliedmaßen,«in ent» sprechend niedrig getragener kleiner, in ein« schnabelartigen spitzen Schnauze auslaufender Kopf tragen weiter dazu bei, eine übstäus auf Vi Prozent und die Luxüssteuer eine solche von 15 auf 5 Prozent erfahren. Weitere Maßnahmen sehen die Milderungen beim Lohnabzug vor. Hier denkt man an«ine Erhöhung des steuerfreien Lohnes von 600 auf 720 Mark. Dazu kommen weiters Milderungen, deren Vorteile den wirtschaftlich Schwachen zugute kommen sollen. Man denkt unter anderem an eine Befreiung der Steuerleiftung für Invaliden usw., deren Einkommen wohl üb« 720 Mark siegt, ober nicht in dem Maße, daß die Steuer. leistung 0,20 Mark für die Woche übersteigen wird. Weit« sollen die Vorauszahlungen auf die Pauschaleinkommensteuersätz« durch. weg um 25 Prozent«mäßigt werden. Die Regierung betont, daß sie mit diesem Steu«milderungs- Programm eine Preisverbilligungsaktion»«bindet und ist auch gewillt, bestimmte Garantien als Konzessionen für die Steuermilderungen durchzusetzen, das ist nach dem Fiasko der verschiedenen Preissenkungsaktionen, z. B. durch Kohlenpreis. oder Frachtermäßigung, nur verständlich. So ist unter anderem ein« Ermäßigung der Börsenumsatzsteuer vorgesehen. Die Durchführung dieser Milderung hängt aber davon ab. daß die Banken unmittelbar eine Ermäßigung d« Provisionssätze in Kraft treten lassen, damit die Mild«ung der Börsensteu« dem Publikum und d« GeDbewegung zugute kommt. Weiter steht d« Plan d« Regierung vor, die bisherigen Reichs- tagsmitglieder, die dem Branntweinmonopolbeirat an- gehörten, in ihrer Funktion bis zum Zusammentritt des neuen Reichstages zu belassen._ Hürgerblock in Dremen. An der Strippe der Hakenkrenzler. Bremen, 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Di« Verhand- lungen zur Neubildung der durch«in sozialdemo- t r a ti sch e s Mißtrauensvotum gestürzten Bremer Regierung haben ihren Abschluß damit gefunden, daß di« De- mokraten, Volksparteiler und Deutschnationalen einen rein bürgerlichen Senat bilden, in dem 6 Bolts- parteiler, 5 Demokraten und 3 Deutschnationale als Senatoren ver- treten sind. Dies« Bürgerblock-Senat hängt von der Gnade der Hatenkreuzler ab, die für die parlamentarische Mehrheit der Bürgerlichen in Bremen ausschlaggebend sind. Die S o z i a l d« m o k r a t e n, die die Regierungsbildung seinerzeit erzwungen hatten, versuchten di« Bildung einer Regierung der Mitte. Jedoch verweigerten ihnen di« bürg«lichen Parteien die Anerkennung des parlamentarischen Stärkeoerhällnisses. Außer- dem weig«te sich die Polkspartei, eine Koalition ohne Deutschnatto« nal« einzugehen, weil beide die gleichen Industrie- und Handelsinter- essen in Bremen vertreten. Die Demokraten ließen sich von der Boltepartei ins Schlepptau nehmen und stimmten aus Angst vor Neuwahlen der Bildung eines Senats von Demokraten bis Dölti- schen zu. Die Kommunisten betät gten sich bei dieser Regierungs- bildung wieder auf ihr« Weis«. Sie schlugen einen aus 14 aus- wärtigen Kommunisten bestehenden Senat vor, an dessen Spitz« Max Hölz, Höllein und M a s l o w s k i marschierten. Die Sozialdemokratie beantragt« in der Erkenntnis, daß dieser neue, a n der Strippe der Hakenkreuzler hängende Bürg«block- Senat kein« Lebensdau« haben kann, Auflösung der Bürgerschaft und Neuwahlen zusammen mit der Reichstagswahl. Di« Demokraten lehnten jedoch di« Unterstützung des Antrages ab, wodurch er schei- terte. Di« Wahl des neuen Senats durch di« Bürgerschaft«folgt am Mittwoch Die französischen Konsuln in Deutschland. Generalkonsul F a m a l e n s, bisher in Dresden und Leipzig, nach Aniwerpen verietzt: Nachfolger: Generalkonsul Ristelhuber. bisher in Zürich: Konsul Lecureuil als Vizekonsul der französischen Vot- schaft in Berlin zugeteilt. Koniul Raynaud, bisber in Karl»- ruhe, nach Mainz. Konsul Ealviäre, bisher in Balence, nach Karlsruhe berufen. Reakilo« und Bachrichkeuwesen. Zu unserm Artikel„Reaktion und Nachrichtenwesen" vom 1. November teilt uns der Abg. Dr. Crem er mit. daß er nicht am 1. Juli, sondern bereit« Anfang Januar diese« Jahre« sein« Beziehungen zur Telegraphen- Union gelöst hat. fremdartig« Ti«crsch«inimg zu schaffen. Der äuß«st kleine Hirnraum läßt auf ein Mindestmaß geistig« Tätigkeit schließen. Für Lang- samkeit und Schw«fälligkelt der Fortbewegung sprechen die ge> drungenen Körperformen und die Plumpheit der Gliedmaßen. Di« Bewehrung mit Stacheln diente diesen Tieren offenbar zur Ab- wehr der gleichzeitig lebenden schnellen, mit furchtbarem Gebiß ans- gestatteten riesigen Raub-Dinosaurier, deren gewaltig« Zähne bei den Ausgrabungen nicht selten gefunden wurden. Wie sich bei den Ausgrabungen ergab, lebt« d« stachelttagende Kentrurosourus in Herden bis zu 50 Stück, und herdenweise fanden di« Tier« vor vielen Johrmillionen unfern des Strandes des Me«es der Iure- zeit, im Schlamm«»«sinkend, den Tod. Ausstellung von Sinderfürsorgeeinrichtungen in Weimar. In den Räumen des staatlichen Bauhauses wurde am 3. November eine Ausstellung über Kinderfürsovgceinrichtungen in Thüringen eröffnet, die einen Ueberblick gewährt nicht nur über den jetzigen Stand, sondern gerade auch über di« starke Entwicklung m den letzten Jahren seit dem Kriege, in denen die Wohlfahrigabteilung des Thü- ringischen Wirts choftsmimsteriurns unter soziaiistisch« Leitung stand. Insbesondere die Erholungsfürscrge zeigt in einer graphischen Darstellung«in sehr beträchtliches Ansteigen der Kurve. Das ist um lo bewundernswerter, als dieses Anwachsen gerade in dt« Zeit fällt — die Jahre 1920, 1921, 1922—, in der man an so vielen Orten aus Mangel an Mitteln kurzsichiigerwess« dies« so unbedingt nötig« Fürsorge abbaut«. Di« Ausstellung ist jehr hübsch und übersichtlich geordnet. Es werden ferner an jedem Abend der Ausstellungs- woche darin Borträae z. T. mit Lichtbildern zur Einführung ab- gehalten werden. Der Ausstellung eingegliedert sind Möbel und Spielsachen, die wesentlich Entwürfen des Bauhauses ent- stammen, teilweise in seinen Werkstätten ausgeführt wurden, teilweise schon in Fabriken hergestellt werden, so daß jetzt zur Weihnachszeit die Spielsachen zu sehr mäßigem Preise unter dem Namen„Spiel- zeug des Bauhauses Weimar" durch die Geschaf!««chättlich sein werden. Die Möbel sind schon in Beiwendung in verschiedenen Kindergärten und Anstalten, so in Weimar. Di« von Alma Buscher gestalteten sind besonders interessant dadurch, daß sie, dem Gestal. tungs rieb des Kindes entgegenkommend, gestatten,«in Stück auf das Derschicdenst« zu benutzen. Ein Stuhl wird umgedreht zum Wagen, zur Lei'er usw. Dabei sst alle« sehr praktisch abwaschbar. unzerbrechlich. Der Ausstellung der Kinderspeisung ist eine Aus- stellung von Kinderzeichnungen angefügt, die mir viel interessanter als die der juryfreien Ausstellung in Berlin«scheinen will. Die Weimar« Zeichnungen stammen aus dem unmtttelbaren Erleben der Kinder, si« stellen Szenen dar der Kinderspeisung, der Herstellung der Sveisen, ihres Transports.— dabei ist der kindlichen Phantasie aller Spielraum gewährt—, endlich der Speisung selbst So hat die Weimarer Ausstellung neben dem Wohlfahrtspflege rilchen auch einen modern künstlerischen Eharakter, und es ist das nicht zum«emgstsn der Tätigkeit einer größeren Anzahl unserer Genossen und Ge- nossinnen zuzuschreiben, die auf dem Gebiet der Kinderfürsorge in Thüringen mit Eifer tätig sind. H. L. Mary Mgman ist von ihrem im Frühjahr erlittenen Unfall völlig wicderber-iestellt und hat bereits ihre Tournee angetreten. Da« Berliner Austreten der Künstlerin findet am 4. Dezember statt. Der Reichskanzler im Wahlkampf. Gegen die Deutschnationalen. Münster, 4. November,( MTB.) Anlaßlich des heutigen Parteitages der westfälischen Zentrumspartei fand in der Stadthalle eine große öffentliche Versammlung statt. Der Borsitzende der west fälischen Zentrumspartei, Abg. Herold, bewillkommnete in seiner Eröffnungsrede den Reichstanzler, der bei seinem Erscheinen mit jubelnden Zurufen und lebhaftem Händeflatschen begrüßt worden war. Reichsfanzler marr sprach dann über die politische Lage und worf zunächst die Frage auf, ob die Auflösung des Reichstags notwendig war und beantwortete diese Frage mit einem entschiedenen I a". Eine Regierungserweiterung mar nicht mehr zu umgehen. Entscheidend für die Erweiterung des Kabinetts mußte aber die Rücksicht auf die Außenpolitit sein. Boten die Deutschnationalen die Gewähr für eine unveränderte Fortsetzung der bisherigen erfolgreichen Politit? Meiner Ueberzeugung nach hätte Der Beitritt von deutschnationalen Ministern dos bisher mühsam be= tämpfte Mißtrauen des Auslandes von neuem ermedt. Dafür sorgte schon die Bresse der Deutschnationalen, aber auch die Presse der Deutschvölkischen, die ihren Einfluß bis meit ins deutschnationale Lager hinein erstrect. Mit der ablehnenden Haltung der deutschnctionalen Fraktion war für das Zentrum die Erweiterung der Regierung nach rechts vollends untragbar geworden. Die Auflösung war unvermeidlich geworden. Der Kanzler wies mit aller Entschiedenheit die Behauptung zu rüd, der Reichspräfident habe auf die Auflösung des Reichs. tags hingearbeitet. Der Herr Reichspräsident hat auch dieses Mal wie in allen früheren Fällen, die mir persönlich bekannt geworden find, in feiner Weise die Schritte des die Berantwortung für die Politit allein tragenden Kanzlers zu beinflussen versucht. Als Zielpunkt für die komunende Wahl bezeichnete der Kanzler in außenpolitischer Hinsicht die tonfequenie Weiterverfolgung des einmal eingeschlagenen Weges. Wir müssen an dem Gedanken der Berständigungs. politit festhalten. Man fann es bedauern oder nicht, es ändert nichts an der Tatsache, daß wir durch Faust, chläge auf den Tisch, durch findisches Säbelraffeln und rethorische Aufgeblasenheit nichts auszurichten vermögen gegen Staaten, die mit starfer Waffenrüftung dastehen. Den Weg zur Freiheit müssen wir uns durch Arbeit und besonnenes handeln in ruhiger fühler Beurteilung der wirklichen Sachlage erfämpfen. Wir müffen den Weg zur wirtschaftlichen Geſundung meiter verfolgen, der durch den Londoner Vertrag und die Dames- Gesetze eröffnet ist. Schwere Lasten sind dadurch dem deutschen Bolte auferlegt worden. Ob wir sie in vollem Umfange tragen fönnen, wird die Zukunft lehren. Heute verlangt von uns die Pflicht, das Reich zu erhalten, daß wir ehrlich den Willen befunden, unseren Berpflichtungen nach besten Kräften nachzukommen. Das ist zurzeit die einzige Politik, die uns Luft schafft und uns die Möglichkeit gibt, unfere zerrüttete Wirtschaft allmählich wieder aufzurichten. Alle die, die diese Politik verwerfen, find verpflichtet, fich richt auf Kritik zu beschränken, eine Kritit, die leicht ist an gesichts des ungeheuren wirtschaftlichen Rotstandes, in dem wir uns nun einmal infolge des verlorenen Krieges befinden. Sie müssen vielmehr auch positive Angaben darüber machen, welchen Weg denn sie zur Aufrichtung Deutschlands für zweckmäßig und eussichtsreich halten. Wenn sie das nicht vermögen, bann haben wir ein Recht, uns ihre fadenscheinige Kritit mit Ernst und Nach brud zu verbitten. Der Kanzler ging dann auf die innere Politit über, die sich auf einer mittleren Linie bewegen müsse. Er bezeichnete es a's eine ernste Pflicht aller Zentrumsanhänger, mit aller Ent schiedenheit sich auf den Boden der Verfassung zu stellen, und jede ungefehliche, namentlich gewaltsame Alenderung der Ber. faffung nach Kräften zu befämpfen. Die Ausführungen des Kanzlers wurden wiederholt von Beifallstundgebungen unterbrochen, die sich zum Schluß zu einer leb. haften Ovation für ihn gestalteten. Fraktion Mampe und die Kautschukrichtlinien quittiert auf dem Zentrumsparteitage die Unterwerfung Wirths mit Wenn sie unter sich find. In Nr. 3 vom 1. November der„ Monatlichen Mitteilungen" des Kreisvereins Altona der Deutsch nationalen Partei wird in einen Rüdblid auf die Politik unferer Partei" u. a. ausgeführt: ,, Dem Parteivertretertag in Berlin am 30. September 1924 erschien die Führerfrage in unserer Partei nicht so wichtig als den meisten unserer Freunde im Londe. Wichtiger erschien es, die ver heißenen Regierungsfite bald einnehmen zu können und durch Versprechungen für später jetzt die Einigkeit der Partei nach außen zu wahren Unsere Partei schluckte sogar die Kautschut Richtlinien des Kanzlers mit ihrem Streben nach Aufnahme in den Bölkerbund und Mithilfe an der Dames Berfflapung, die nach allgemeiner Ueberzeugung für unsere Partei unannehmbar und nur gegeben waren, um den Eintritt der Deutschnaticcialen meiter zu erschweren. W Als Antwort auf die Selbstverleugnung von rechts verschiebt der Kanzler die Entscheidung. Wieder erlebten wir das flägliche Schauspiel eines Regierungs- Kuhhandels: Nicht völ fische und nationale, sondern die Parteibelange herrschen." „ Unsere Partei schluckte Ach ja, die Deutschnationale Partei hat so menches geschluckt. Wir befürchten aber, daß sie fich die bitterste Pille für den 7 Dezember aufbewahrt hat. Denn was sollen die Wähler von einer Partei erwarten, welche Richtlinien schluckt,„ die nach allgemeiner Ueberlegung für unsere Barbei unannehmbar" sind und die im„ kläglichen Schauspiel eines Regierungs- Kuhhandels" die Rolle des betrogenen Betrügers spielt? „ Kinder oder Hampelmänner". Austritte aus der KPD. Die Behauptung, daß die Zerfehung der Kommunistischen Partei munter fortschreitet, wird täglich durch neues Material be stätigt. Hundertfach haben prominente Rommunisten in den letzten Wochen ihrer Partei den Rüden gefchrt, weil sic den Unfug der fommunistischen Zentralleitung nicht mehr länger mitmachen wollten. Neuerdings hat in Spremberg der einzige am 4. Mai gewählte fommunistische Stadtverordnete Mäd. fer feinen Austritt aus der Kommunistischen Partei erklärt. Selbstverständlich betrachtet es jetzt die kommunistische Presse als ihre mich tigste Aufgabe, ihn mit allen Mitteln zu verleumden. Mädler mendet fich info gedeffen jekt in einem„ Offenen Brief" gegen die Anwürfe feiner ehemaligen Parteifreunde, indem er sagt: Meine Stellungnahme zur SPD- Fraktion ift grundsätzlich ehrlich. Ich bin überzeugt. daß nur eine gemeinsame Arbeit der Vertreter der gesamten Arbeiterschaft im Gemeinde211s Mann mit flarem Menschenverstand ist es mir unmöglich geparlament zum Wohle unferer Gemeinde Erfprießliches leisten fann. wesen, das fommunistische Kommunalprogramm, so wie es die Bentrale der KPD. vorschreibt und wie es von Führern" der KPD. hier am Orte gutgeheißen wird, zu befolgen. Wenn ich nach besagtem Programm arbeiten wollte, so hätte ich als einziger Vertreter der KPD. im Gemeindepartament alles abzulehnen. zu toben, alles auf den Kopf zu stellen, also auf deutschy: 3 hätte mich zu betragen wie ein Berrüdter. Eine folche Arbeit" als im Interesse der Arbeiterschaft legend zu bezeichnen, Kinder oder politische Hampelmänner, bie auf jeden Rud von oben reagieren... Ich war aus den angeführten Gründen gezwungen, aus der KPD. freiwillig auszufcheiden, wollte ich mich nicht dauernd von politischen Kinds. töpfen anpöbeln lassen. Ich bin und bleibe Sozialist laffe mich aber niemals provozieren. Auch Ihr anderen Arbeitsbrüder merdet er. fennen, daß nur Gefchloffenheit die Arbeiterklasse vorwärts bringt." Mädler erklärt also mit anderen Worten, daß die tommu nistische Zentralfeitung ins Irrenhaus gehört, nicht nur weil sie sich selbst wie verrüdt gebärdet, sondern weil sie von anderen ver. nünftigen Menschen ebenfalls verlangt, daß sie sich wie verrückt be. tehmen. So erwecken die heutigen Zustände in der Kommunistischen Partei in der Tat den Eindrud, der an das Narrenhaus erinnert. das fönnen nur Aus dem Wahlkampf. Die Deutsche Zeitung" befennt sich zum Gurgel. griff gegen die Hergtianer. Sie läßt alle Rüdsicht bei feite und rechnet den Deutschnationalen ihre Schande vor: einer Kompromißrede, in der nicht zur Fühlung mit der Deutschnationalen Bolkspartei, sondern auch mit den Sozialdemokraten verobwohl er weiß, daß beides unvereinbar ist. langt wird Von Herrn Marg dieses unparteiischen" Ranzlers Rede, ganz zu schweigen. Was bei Herrn Marg nicht mehr überrascht, tann aber bei Stegerwald nicht ohne weiteres verständlich sein, sofern er und feine Umgebung Anspruch darauf erheben, daß die nationale Oeffentlichkeit noch jenes Vertrauen bewahrt, das er feinerzeit durch sein Essener Programm in so startem Maße erworben hatte man glaubt ihm gern seine taftischen Schwierigkeiten. Aber alle Tattit hat ihre Grenzen. Allmählich muß man sich doch wohl entscheiden, ob man auf eine Bewegung, bie einst große nationale Hoffnungen erweckt und zum Teil schon vergeudet hat, oder auf das Wohlverhaltungszeugnis der linksstehenden Kreise der Zentrumspartei verzichten will. Hat Stegerwald nicht den Rückhalt bei seinen Leuten, der ihm gestattet, den nichtsozialisti. schen Flügel im Zentrum wirklich zu führen, oder fehlt es ihm an Kraft und Entschlosserheit, bonn feßle er auch nicht länger gewiffe Erwartungen und Kräfte an sich. die sich ihm nur als Führer jener Bewegung, nicht als irgendeinem 3entrumsführer zur Verfügung destellt haben." Die Deutschmationalen fühlen, daß es mit ihnen bergab geht. In der Enttäuschung blamieren fie Stegerwald, der doch wahr. haftig genug für sie und den Bürgerblod getan hat. Verwirrung im Bürgerblodlager! eine schwere Geburt! Aus deutschnationalen Kreifen wird mitgeteilt: Die Kandidatenliste der Deutschnationalen ist Die Sigung des Parteivorstandes der Deutschnationalen Volkspartei Legann mit einer programmatischen Rede des Parteivorsitzenden Dr. Windler, in der er die aus der Parole Schwarz- WeißRot sich ergebenden Aufgaben sowohl außen- wie innenpolitischer Natur auseinandersetzte. Die Kandidatenlisten merden erst in den nächsten Tagen veröffentlicht werden können. Tagelang wird noch darum gefchachert! Die Deutschnationalen betreiben seit dem 29. August den Schacher und Kuhhandel mit geradezu sadistischer Perversität. Bankgeheimnisse. Betrug, Steuerhinterziehung, Wechselschieberei. In der letzten Generalversammlung der Magdeburger BankAktiengesellschaft wurden gegen den Vorstand, Herrn Beate, Borwürfe des Betruges erhoben. Bon der Oppo fitionsgruppe, deren Wertführer Rechtsanwalt Pohl mar, wurde, nach einem Bericht der T.-U.", darin Betrug erblickt, daß Beate unerlaubte 3udergeschäfte gemacht haben soll und daß er bereits vertauften 3uder noch weiter ver tauft habe. Hierdurch seien andere Unternehmungen schwer geschädigt worden. Des weiteren wird Herrn Beate Unterschla gung und Untreue zur Laft gelegt. Andere Vorwürfe sind die des Buchers, der Wechselschieberei, der Steuerhinterziehung und andere mehr. Die Opposition betonte, daß bereits im Mai d. J. dem Aufsichtsrat Kenntnis von diesen Borgängen gegeben worden sei, ohne daß Außerdem erwähnte die genügend dagegen vorgegangen wäre. Opposition, daß bereits mehrere Strafverfahren gegen Beate bei der Staatsanwaltschaft anhängig seien. Der Direttor Beate bestüritt die Richtigkeit aller Borwürfe. Beate mußte jeboch zugeben, daß er bereits zu einer Geldstrafe wegen Wu ders verurteilt worden sei, gegen die er aber Einspruch erhoben habe. Außerdem gab Beate zu, im Jahre 1922 Steuern falso detlariert zu haben In der weiteren Aussprache murde dem Borstand mit 608 416 Stimmen gegen 12 441 Stimmen der Opposition Entlastung erteilt. Die Stimmen wurden natürlich nach Attien, nicht nach Personen gezählt. Wiedergewählt wurden alle Aufsichtsratsmitglieder mit Ausnahme eines einzigen! Wenn auch nur einiges von dem bei dieser Bant geäußerten Bor. würfen in einem von Arbeitern geleiteten Betriebe mit einem Schein von Recht erhoben merden könnte das Geschret in der gesamien bürgerlichen Breffe möchten wir erleben. Aber hier handelt es sich ja um eine honette Gesellschaft auf Attien, da schweigt die Rapelle! In dieser famosen Bank fizen natürlich durchaus treudeutsche Mannen, deren heißeste Sehnsucht die ist: unser geliebtes Bater land wieder zu alter 3ucht und Ordnung zu führen". Wir find überzeugt, die Versammlung war garantiert fozialistenrein, Stellen wir uns aber einmal vor, statt des volt sparteilichen Stadtverordneten 3ehle( Magdeburg). statt des Barons Alpensleben, statt des Kammerpräsidenten Kein. Dorff, statt des Rittergutsbesigers Dippe, stait des Grafen Rüdiger von Hagen, der als dammerherr" auf Schloß Mödern thront, statt Rittergutsbesitzern,„ Dekonomieräten" und anderen fäßen im Aufichtsrat Sozialisten, und dieser Auf11 701 meibliche); zu jener Zeit hatte Bayern wenig über 4 000 000 3olitit ohne Charatter, ohne Klarheit, obesichtsrat stellte sich hinter einen Direktor, der in der gleichen Art Die deutsche Auswanderung in früheren Zeiten. Das Statistische Reichsamt hat unlängst Angaben über die deutsche Auswande rung veröffentlicht, morüber die nationale Presse höchst klägliche Betrachtungen anstellt. Es sind im Jahre 1922 24 605 Personen, 1923 allerdings 92 808 nach den Vereinigten Staaten gegangen. Bergleicht man mit diesen Ziffern diejenigen aus früheren Zeiten, so zeigt sich, daß die Auswanderung gar nicht fo beängstigend groß ist. Nach einem amtlichen Bericht aus Washington betrug die Auswanderung allein von Bayern nach den Vereinigten Staaten in dem Zeitraum 1835-1839 24 507 Köpfe( 12 896 männliche und Einwohner. Anno 1842 famen in den Häfen der union 20 844 deutsche Einwanderer an, bei einer Gesamtbevölkerung Deutschlands von zirka 30 Millionen. Das Verhältnis ist also heute feineswegs riesig gestiegen. Und überhaupt follte man auch beim Menschen mehr auf die Qualität als auf die Quantität achten. Eine große Zahl schlechtgenährter Menschen sind lein Segen für einen Staat. Es ist weit beffer, wenn sich der Ueberschuß in günstigeren Strichen ansiedelt, als daß er daheim bas Elend vergrößert. Daß aber in Deutschland so drückende Not herrscht, daran sind am meisten die jenigen schuldig, die am meisten über die„ Entvölkerung" flagen; wohl hauptsächlich, weil sie eine Berringerung der Bahl ihrer Arbeitssklaven und ihrer Soldaten zum Revanchefrieg" befürchten. Dr. L. Wahre Demokratie im Islam." Ueber dieses Thema sprach in der Theosophischen Gesellschaft der Rettor der Universität Lahore, ber einzigen indischen Hochschule, Profeffor Sadr- ud- Din. Er faßte die Quintessenz seiner Religion dahin zusammen: " Der Islam fordert von uns, daß wir ein Gott gefälliges Leben führen, ein Leben des Gebeles, aber auch der Taten, ein Leben, bas Gutes aussät unter Gottes Geschöpfen, ein Leben, das teusch ift, ehrlich in Gelddingen und friedlich. Der Islam hat uns echte Demokratie gebracht. Die Achtung der Frau ist durch den Islam gehoben worden; fie genießt in jeder Beziehung die gleichen Rechte wie der Mann. Der Islam lehrt Einheit und Universalität Gottes und universale Brüderlichkeit der Menschheit. Der Moslem verehrt die Propheten aller Bölfer. So wünscht er, den Frieden in der großen brüderlichen Gemeinde der Menschheit zu fördern, die unter Der Führung des einzigen allumfaffenden Gottes durch die Zeiten schreitet." Gabriel Fauré, der ebemalige Direttor des Ronfervatoriums und be. fannter. Komponift, ist im Alter von 80 Jahren in Paris geftorben. Er war ursprünglich Organist. Sein Schaffen, bas zahlreiche Lieber, Konzerte, einige Chorwerke und Dpern, darunter Prometheus" und" Benelope", umfaßt, mar bon César Frand beeinflußt. Der 1. Kongreß der Europäischen Intellektuellen- Bereinigung ist in Baris eröffnet worden. Er hat au ſeinem Präsidenten den Brofeffor&. Borel, Mitglied des Instituts, und zum Generalsekretär den Gründer der Union, Prinzen von Roban, gewählt. In der ersten Sigung haben Bertreter aus Deutschland, Desterreich, Belgien, England, Frankreich, Italien, Bortugal, der Schweiz und der Tichechoslowakei das Wort ergriffent; fchrift liche Zustimmungen find aus Holland, Schweden und Spanien eingegangen, Die fieffie Höhle der Erde ist bei dem italienischen Beiler Raspe mit 360 Metern unter der Erdoberfläche erforscht worden. Eine neue ägyptische Königsstatue gefunden. Aus Kairo wird gemeldet, daß bei Ausgrabungen in Caffara eine lebensgroße Statue bes Sönigs Boser, des Erbauers der berühmten Stufenpyramide, entdeckt wurde. Der Unmut, die Verwirrung, die Wahlmüdigkeit rechts find nicht von der„ D. 3." geschaffen, sondern eine Folge des unerhörten Umfalls der D. N. 2. P., die Enttäuschung, ja Berzweiflung in alle weitesten Kreisen der Parteigefolgjchaft hervorgerufen hatte; man wußte im Lande doch, unter welchem Schlachtruf die Parteiführer die Getreuen zum Wahlkampf geführt hatten, und erlebte donn den Zusammenbruch vom 29. August, der für die Parteileitung und die Partei den Abschluß einer Rraft bildete. Im Lande entstand das Gefühl, betrogen, miß braucht worden zu sein. Dies Gefühl ist die Ursache der von der " Deutschen Tageszeitung" betlagten Erscheinunger. Der von ihr erwähnte einfache Monn versteht nicht, wie Leute, die ihn führen und vertreten wollen, preisgeben, was fie feierlich verkündet; er versteht nicht, daß die Parteileitung in der Frattion jene Direktions- und Disziplin Iofigteit einreißen ließ, d'e am 29. Auguft zu dem Erfolge führte, daß die eine Hälfte mit ein, die andere mit Ja stimmte, die Fratimmer der berühmte einfache tion also„ plus minus Null" madyte; Mann versteht den Mangel on Festigkeit bei der Führung nicht und ist gerade deshalb irre geworden.... Unser Gurgelgriff ist nichts anderes als das Drängen auf Befreiung von denen, die die Partei in eine beispiellose politische und moralische Lage gebracht haben." Das ist deutlich genug! Wer wird fich für eine Partei ohne Charatter, ohne Klorheit, ohne Kraft einsetzen! Wenn es so aus dem eigenen Lager schallt, werden die Wähler, die am 4. Mai den Deutschnationalen die Etimme gegeben haben, sich diesmal wohl anders besinnen. In Bayern werden gleichzeitig mit der Reichstagswahl die Gemeindewahlen stattfinden, nachdem gestern der Landtag das neue bayerische Gemeindewahlgefeß angenommen hat. Die Deutsch nationalen sind mit den Bürgerblodfreun den im Zentrum unzufrieden. Sie sprechen Herrn Stegerwald ihre Mißbilligung aus, daß er noch nichts Bürgerblockliches zustande. gebracht hat. Sie wollen feine platonische Liebe von ihm sehen, sondern Realitäten. Die Deutsche Tageszeitung" läßt sich aus westfälischen Gewerkschaftstreifen schreiben: scharf angegriffen würde. Wir würden sofort das gellende Geheul der gesamten Presse erklingen hören, die beim zehnten Teile solcher Vorwürfe mit ihrem an altpreußische Zucht und Ehrlichkeit" gewöhnten Gemüt absolut nicht würden begreifen können, wie ein fo schwer beschuldigter Mann noch weiter unbehindert seine Tätigkeit ausüben dürfte, bevor nicht der letzte Berdacht eines Fledes auf seiner Weste widerlegt wäre. Angst vor dem Reichsbanner. ,, Vaterländische Gegenkundgebungen. Steffin, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Der große Er folg der republikanischen Rundgebung des Reichsbanners am borigen Sonntag hat nicht nur die reaktionäre Preffe zu magloser ut angestachelt, die monarchistisch- nationa liftischen Verbände haben es auch mit der Angst bekommen, weil sie für ihre Herrlichkeit in Pommern fürchten. Um den starken Biderhall der Reichsbanner Rundgebung abzuschwächen, haf die Nationale Arbeitsgemeinschaft der Vaterländischen Verbände für nächsten Sonntag in die Bentralhallen", wo die republikanische Veranstaltung stattgefunden hatte, einen Deutschen Tag" an beraumt. Als Redner werden Graf v. d. Goltz von den Vater ländischen, Admiral Scheer und der bekannte völkische Hezer aus Salle, Oberstleutnant Düfterberg vom Stahlhelm, angekündigt. " Demokraten und Reichsbanner. Dank des Parteivorstandes. Der Borstand der Demokratischen Partei erläßt nach Abschlußz des Parteitages einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: Der Deutsche" Stegerwalds ist durch Beseitigung feines bisherigen Chefredakteurs Dr. Ulmann, der entschieden für ,, Jezt heißt es fämpfen und siegen, nicht für die Parbei, sondern die Zusammenarbeit mit der Deutschnationalen Boltspartei eintrat, und wohl beshalb, wie jezt mehr und mehr durchfickert, den christlichen Gewerkschaften hier im Westen nicht mehr genehm war, gerade im für das größere Biel der deutschen Freiheit und Einwichtigsten Augenblice seiner bisherigen Stoßfraft beraubt und zu heit. ezt muß Poincaré und die internationale Reaktion zereinem politisch farblofen oder schwankenden Geschlagen werden Das ist die Aufgabe des deutschen Wählers. Bir unbeschadet seiner überparteilichen werffcftsblatte gemacht worden. Stegerwald hat sich danten besonders dem Reichsbanner Schwarz- Rot in diesem Falle offenbar dem Dittat des Herrn Imbusch, Gold, das sich Und Stellung auch bei uns unter der Führung des Generals v. Deimder wiederum Werkzeug ganz anderer Kräfte mar, gefügt. derfelbe Stegerwald, der seit brei Jahren in Schrift und Rede die ling in den Dienst des Kampfes zur Befreiung von Rhein und Ruhr Sozialdemokraten für regierungsunfähig ertlärt hat, und zur Sicherung der Republik gestellt hat." Gewerkschaftsbewegung Lohnbewegung der Reichs- und Staatsarbeiter. Zu den Lohnverhandlungen der Reichs- und Staatsarbeiter wird uns von den an den Tarifverträgen beteiligten Organisationen fol. zendes geschrieben: Es besteht im allgemeinen sehr häufig die Auffassung und sie wird auch bei Lohnverhandlungen von Arbeitgebervertretern zitiert, aß durch Erhöhung der Löhne Preissteigerungen hervorgerufen werden Daß diese Lege noenbildung nunmehr endgültig 3erstört ist, beweist die Tatsache, daß seit dem 1. Juni für die gesamten Arbeiter, Angestellten und Beamten des Reiches feine Anderung in ihren Bezügen eingetreten ist. Auch in der gesamien Privatindustrie sind die Löhne seit diesem Zeitpunkt stabil geblieben und trogdem haben wir ein dauerns des, erhebliches Anziehen der Preise für alle Lebenss mittel und Bebarisartikel zu verzeichnen. Geradezu Empörung muß bie Ginstellung der Reichsregierung innerhalb der Reichs- und Staatsorbelter auslösen, wenn man erfiärt, daß durch eine Erhöhung der Lömme den Inflationstreibern Borschub geleistet wird. Obwohl festeht, daß die von der Regierung ftets mit großem Tamtam an gefündigten Preisabbaumaßnahmen ein Schlag ins Wasser gewesen sind. Es sei ohne weiteres zugegeben, daß sich die Teucrung für die Beamtengruppen 12 und 13 nicht so fühlbar maden dürfte wie insbesondere in den Gruppen der Unterbeamten. Aber nun erst die Arbeiter! Während in den letzten Jahren noch eine Anlehnung der Arbeiterlöhne an die unteren Gruppen der Beamtengehälter erfolgte, sehen hier die Verhältnisse jetzt geradezu trostlos aus. Durch die letzte Besoldungsaktion ergibt sich bei einer Gegen überstellung des Arbeiters gegen den gleichartigen Unterbeamten fol gendes Lohngebilde. Lag 8 Stunden. Monat 208 Stunden. Vergleich der Beamtengehälter aus Besoldungsgruppe 2 und 4 und der Reichsarbeiterlöhne aus den Lohngruppen 7 und 3 in Stundenlöhne umgerechnet. Ab 1. Juni 1924 in Ortsklasse A in den Lohngebieten 1 bis 3, und zwar in Königsberg i. Pr., Lohn gebiet 1, ohne Ortslohnzuschlag, Berlin, Lohngebict 2, 20 Broz. Örtetohzuschlag. Mannheim, Lohngebiet 3, 20 Broz. Ortslohnzuschlag. Ort Besoldungs bezw. Bohngruppe Familien ſtand Anfangsgeh Endgehalt Durchschnitt Beamte arbeiter Reichs Beamte arbeiter ReichsBeamte arbeiter Reichs 74 46 Königsberg Rohngebiet I Bel.-Gr. Il Ungelernie Arbeiter" berb. 1 d. 57 40 3 17 Bes.- B.IV verh. 1 Kd. Handwert. 080 43 TE 55 19 50 77 40 67 40 94 46 84 46 70 49 94 49 82 49 3 88 55 111 55 99 19 ㄕ Bef. Gr. II Berlin Lohngebiet II Ungelernte Arbeiter 59 verb. 1 d. 3, 50 81 50 70 50 78 56 98 56 88 56 Bef.- Gr.IV verh. 1 d. 74 Handwerk. 67 98 67 86 67 3 92 73 116 73 104 73 " Bej. Gr. II Ungelernte Arbeiter verh. 1 d. 62 54 85 54 73 54 3 81 60 103 60 92 60 " " 72 103 72 Mannheim Lobn gebiet III 49 200 90 72 96 78 122 78 109 Bel.- Gr.IV verh. 1 d. 77 Handwert 8.5 m 78 Streitgefahr bei der Omnibusgesellschaft. Eine Bollversammlung des technischen Personals nahm den Bericht des Organisationsvertreters Roch I vom Deutschen Metallarbeiterverband über die Lohrverhandlungen entgegen. Gefordert wurden 12 Pf. pro Stunde, bewilligt wurden jedoch nur in der hohen Spize 6 Pf., für Handwerker 6 und 5 Pf., für Ungelernte 3 Pf. Die Versammlung war einmütig der Ansicht, daß das An gebot ungenügend sei und beauftragte umgehend den Organisationsvertreter. sofortige Verhandlungen mit der Direktion noch Achtung, SPD.- Holzarbeiter! Morgen Donnerstag, abends 7 Uhr, in Boekers Festsälen, Weberstraße: Beriammlung der SPD.- Holzarbeiter. Tagesordnung: Die bevorstehenden Wahlen. Unsere Werbearbeit im Wahlkampf." Referent: Gen. Gustav Eckhardt.- Das Erscheinen aller ist dringend notwendig ParteiDer Werbeausichuß. ausweis legiflmiert. mals anzubatynen. Sollte dieses ergebnislos fein, ist mit einem Streit unter allen Umständen bei der Omnibusgesellschaft zu rechnen. Die Abstimmung ergab einstimmige Ableh, nung. Es soll jedoch heure morgen noch eine Urabstimmung innerhalb der Werkstatt vorgenommen werden. handlung, auch, daß für das technische Personal Siggelegen Der Organisationsvertreter des DMV. verlangte bei einer Berheit geschaffen werde, da tein Speisesaal vorhanden ist und die Leute, während sie essen, überall herum stehen müssen Die Direktion war auch bereit, dafür zu forgen, daß Siz gelegenheit geschaffen wird der Obermeister Wiechert, der Der Obermeister Wiechert, der von der Direktion zum Betriebsingenieur gemacht wurde, und jezt glaubt, einen eigenen Laden hier aufmachen zu können, erklärte jedoch dem Betriebsrat gelegentlich einer Unterredung:„ Wir wollen doch mal sehen, wer den didsten Schädel hat." Da diese Zustände auf die Dauer nicht weitergehen können, möchten wir die Direktion einmal fragen, wer eigentlich in ihrem Betriebe zu bestimmen hat. In der Hand der Direktion wird es liegen, die Verhandlungen mit den Organisationsvertretern zu einem guten Ende zu führen. Die Berliner Bäckermeister und ihre Gelben. Auf Antrag der Arbeitnehmerorganisation, des Zentralverbandes der Bäcker und Konditoren, in Lohnverhandlungen einzutreten, teilte die Innung mit, daß gemeinsame Verhandlungen stattfinden sollen, da auch die anderen Organisationen gleiche Forderurgen gestellt hätten. Als die Vertreter des Zentralverbandes zu den Verhandlungen erschienen, stellte sich heraus, daß mit den anderen Organisationen nicht nur die Christlichen und Hirsch- Dunderfchen sondern auch die Geiben gemeint waren. Gegen die Verstärtung" der bisherigen Lohntommission der Arbeiter, wie sie die Bäckermeister planten, erhoben die Vertreter des Zentralverbandes entschiedenen Protest. Der Sprecher der Bäckermeister erklärte jedoch, es sei Beschluß der Bädermeister, mit allen Gesellen organisationen gemeinsam zu verhandeln und keine Gruppe auszuschließen. Daraufhin verließen die Vertreter des Zentralverbandes die Verhandlungen. Der Schlichtungsausschuß wurde angerufen, und hier wiederholte sich das gleiche Spiel. Abermals wurde vom Zentral verband der Bäcker gegen die Anwesenheit der Gelben Einspruch erhoben. Diesem Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. In der Herrenkonfektion ist das Lohnabkommen von dem Deutschen Bekleidungsarbeiterverband gefündigt worden. Es wurde eine Erhöhung der jetzt bestehenden Löhne von 67 Pf. in der Spize für Schneider um etwa 20 Proz. gefordert. Die Verhand lungen, die für die Branche im ganzen Deutschen Reich geführt wurden, führten zu feinem Ergebnis. Die Unternehmer beriefen sich darauf, daß durch die Auswirkungen des neuen Manteltarifs eine Erhöhung der Zeit- und Stücklöhne unnötig sei. Wenn auch die eingetretene Teuerung anerkannt werde, so ließe auch die schlechte Geschäftslage feine Lohnerhöhung zu. Obwohl Die Unterhändler der Arbeitnehmer alle Einwände der Unternehmer widerlegen konnten und besonders auf die Mitteilung eines Fachblettes hinwiesen, wonach sich die Geschäftslage in der legten Zeit sehr gehoben habe, blieben die Arbeitgeber bei ihrer Ablehnung. Vom Bekleidungsarbeiterverband ist nunmehr das Reichsarbeitsministerium ange. rufen worden, das Berhandlungen zum Freitag angesetzt hat. nummer Die KPD.- Zentrale nicht recht im Bilde. Der Abdruck des gewerkschaftlichen Teils des Berichtes der KPD. an den Bezirkstag Berlin- Brandenburg in unserer Sonntagshat unter den Gewerkschaften allgemeines Interesse ermedt. Man wußte ja auch ohne die Eingeständnisse der KPD., daß es mit deren Einfluß in den Gewerkschaften rapid bergab geht. Man ist jedoch erstaunt über die offenbar große Unfennt nis der KPD. nicht nur in allen wesentlichen Gewerkschaftsfrogen, glieder kann sicherlich nicht die Ursache dieser Untenntnis sein. denn sondern selbst in den Personalfragen, soweit es sich um ihre eigenen Parteigen offen handelt. Die Fülle der Mitnach dem Bericht besitzt die KPD. in Groß- Berlin nur noch 16 000 Mitglieder. Die„ Rote Fahne" schweigt sich zu unserer Veröffentlichung völlig aus. Nicht einmal das einfältige Gef gimpfe von Spielmache" weiß sie zu stottern. Von den verschiedenen Zuschriften und Mitteilungen, die mir erhalten haben, erwähnen wir heute die des Hauptvorstandes des Deutschen Lederarbeiterverbandes. Es wird in dieser Zuschrift Bezug genommen auf die Angaben der KPD., wonach bei den Lederarbeitern der Posten des 1. Bevoll mächtigten in der Hand der Kommunisten sei und daß im Zentralvorstand von 13 Mitgliedern 4 der KPD. argehören. In Wirk lichkeit gehören nur noch 2 Mitglieder des Zentralvorstandes der RBD. an, da die beiden anderen sofort nach dem Moskauer Rone greß die notwendige Konsequenz gezogen haben und aus der KPD. ausgetreten sind. Das ist der Bezirksleitung der KPD. offenbar unbekannt. Es ist ihr weiter unbekannt, daß wohl der 1. Vors fizzende in Berlin, der ehrenamtlich tätig ist, der KPD. angehört, daß aber der besoldete Bevollmächtigte nicht Mitglied der KPD. ist. Weiter wird uns vom Hauptvorstand des Zentralverbandes der Fleischer mitgeteilt, daß die Behauptung des Berichts der KPD., wonach diese im Hauptvorstand des Zentralverbandes der Fleischer die Mehrheit habe und die Berliner Zahlstelle fest in der Hand sei, in beiden Teilen falsch ist. Bon zehn Mitgliedern des Haupt vorstandes sind nur zwei Mitglieder der KPD. Soweit die Zahlstelle Berlin in Frage fommt, ist der Bevollmächtigte nicht mitglied der KPD. und auch die übrigen Mitglieder der Ortsverwaltung, deren Parteizugehörigkeit dem Hauptvorstand bekannt ist, richten fich, wie übrigens auch die zwei kommunistischen Mitglieder des Hauptvorstandes, nicht nach den Weisungen Moskaus, sondern als gute Gewerkschafter nach den Statuten und Beschlüssen der Organifation. Diese und noch andere Unrichtigkeiten in dem Bericht müssen bei der KPD. um so mehr überraschen, als man aus der Fälschungszentrale weiß, wie bureaukratisch genau die KPD. die Personalien zu registrieren pflegt. Buchdruckerstreik in Essen. Effen, 4. November( Eigener Drahtbericht.) Wegen abgelehnter Lohnforderungen find die Setzer bei der Rheinisch- Westfälischen Beitung" in den Streit getreten. treter ber driftlicher schlossen sich jest auch die Ber der Hirsch Dunderigen Organisationen an. Der Schlichtungsausschuß entschied, daß etwaige Berhandlungen mit den Gelben zunächst ausgesetzt werden sollen, um beim Reichsarbeitsminister Erfundigungen einzuziehen. Der Schlichtungsausschuß verhandelte also ohne die Gelben und fällte einen Spruch, der inzwischen von beiden Teilen an= genommen wurde. Damit ist anscheinend die alte Taktik zunächst fammlung aller maler, Zadierer und Anftreimer der Metallinbuſtrie. Unser Morgen, Donnerstag, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Ber aufgegeben worden, die meisterfreundlichen Gelben als Organisation Rampf in der Metallindustrie." Ref.: Kollege D. Schiemann. zur Geltung zu bringen. Kollegen? Da es gilt, eine neue Lohnregelung für die Metallindustrie t treffen, muß jeder erscheinen! Die Ortsverwaltung. Es besteht jedoch die Gefahr, daß bei den Verhandlungen über den Manteltarif die Bäckermeister wiederum ihrer alten Liebe zu den Geffen Geltung zu verschaffen suchen. Der Manteltarif ist von den Arbeitgebern gekündigt worden und mit dem 31. Oftober abgelaufen. Nach dieser Tabelle ist zu verzeichnen, daß Differenzen Don 20 bis 100 Pro3. vorhanden sind. Wenn nun schon zugestanden werden muß, daß die Bezüge, insbesondere der Unter beamten, erhöht werden müssen, dann wird man aber auch anertennen müssen, daß die Reichs- und Staatsarbeiter geradezu Hungerlöhne beziehen. Geradezu grotest wirkt, wenn die Bertreter der Reichsregierung stets eine Gegenüberstellung mit den Löhnen der Metallindustrie herbeiführen. Doch in einen Buntt irrt man sich auch hier, indem man fich bureaukratisch nur mit Zahlen material beschäftigt, nicht aber mit der nackten Wirtlichkeit. Während in der Metallindustrie 80 Broz. der Beschäftigten im Gebinge arbeiten oder auch sonst noch Buschläge oder Leistungszuschläge erhalten, die auf dem Papier nicht in die Erscheinung treben, hat der Reichsarbeiter weiter nichts als den nadten Lohn wie er auf dem Papier steht. Hoffentlich ziehen nunmehr auch die Reichs- und Staatsarbeiter die Nuzanwen bung aus dieser Taffache und geben am 7. Dezember den Bertretern der großtapitalistischen Schwerindustrie die gebührende Antwort. Die Regierung aber sei gewarnt, den Bogen nicht zu überspannen, denn auch die Reichs- und Stactsarbeiter wissen, daß fie bei berartigen Hungerlöhnen nichts zu vergeber zu belasten. Die Bädereiarbeiter wissen daß die Wirtlieren haben und im letzten Augenblick doch lieber vorziehen, einen entscheidenden Entschluß zu faffen, als mit ihrer Familie vollständig zu verclenden. Die Arbeitnehmer des es Bäderberufes in Berlin werden also für die Folgezeit besonders auf dem Posten sein und alle Kräfte anspannen müssen, um zu verhindern, daß bei der Festsetzung ihres Manteltarifes die Arbeitgeber durch Hinzuziehung der Gelben ihre Position zu stärken versuchen, was den Ausfall des Manteltarifs start beeinträchtigen muß. Ist doch der Grundgedante dieser wirtfchaftsfriedlichen" Gelben, daß die Gesellenzeit nur eine kurze uebergangszeit sei, die nicht dazu benutzt werden dürfe, um die Arbeitliteit zu anderen Gedanken zwingt. Sie müssen sich deshalb hinter den Zentralverband stellen, ihre entschiedenste Interessenvertretung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachrich, daß meine Frau, unsere Mutter und Schwiegermutter am 3. November verstorben ist. Berlin D, Goßlerstr. 16 290b Otto Beetz nebst Familie Einäscherung: Sonnabend, nachm 42 Uhr, im Kremat. Baumschulenweg Verband der Maier und Lackierer. Deutscher Baugewerksbund. Fachgruppe ber Töpfer. Seute, Mittwoch, nachm. 26 Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung in den Residens feitsälen, Landsberger Str. 31. Bericht über die Lohnverhandlungen und weitere Beschlußfaffung. Alle Kollegen, auch Andersorganisierte und Nichtorganisierte, find eingeladen. Musikinstrumentenarbeiter, Solzarbeiterverband. Da eine Branchenver. fammlung wegen Gaalmangels nicht stattfinden fann, heute nachm. 5 Uhr Funktionärversammlung im Reichenberger Sof". Stellungnahme zur Lohnbewegung. Achtung, SBD.- Hochbahner! Donnerstag abend 7 Uhr am Gleisbreied Fraktionsfigung der SPD.- Genoffen. Tagesordnung wird in der Versamm lung bekanntgegeben. Erscheinen aller Genossen wird zur Pflicht gemacht. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Politik: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Sierzu 2 Beilagen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil nahme bei dem Hinscheiden meines lieben Offene Beine Mannes, unseres guten Vaters, des Gaft Krampfadern und Flechte iris August Wiemers, fagen wir Be teiligten, insbesondere dem Gesangverein Biedertafel W, unseren aufrichtigften Dant. 2915 Dorothea Wiemers. Sichere Heilung Besuch fostenlos Auswärts brieflich. Heilinstitut$. A. Müller 9-7. Martgrafenfir. 83, v. I. Oft nachgemacht doch nie erreicht Erdal am roten Frosch erkennt man's leicht! Erdal putzt die Schuhe pflegt das Leder Erdal- Fabrikniederlage Berlin, Lankwitz, Charlottenstr. 33 Правила біздет Für stärkste Figeren Passendes! Nor Qualitätswaren! Mittwoch, Donnerstag, Freitag Ausnahmepreise für 3 Plüsch-. Pelzlage!!! 83.Sealplüscomäntel 225.- 170.- 141.Peizmäntel, gate Felle 650.- 420.- 350.- 195.Pelzjacken, flotte Form 450.- 375.- 250.- 150.Seidenplisch- n.Wol plüsch mäntel 18: 69. 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Auch die Jugend der besitzenden Stände ist von diesen üblen Einwirkungen nicht verschont geblieben. Falsch geleitete Erziehung, Verstand- oislosigkeit für die Bedürfnisse der Kinder, oft auch verknöcherter Formalismus der Schule, der ungesunde Spekulationsgeist einer Schieberzeit, in Verbindung mit Vergnllgungs- und Genußsucht rächen sich eben auch an dem Nachwuchs der begüterten Kreise, sie schaffen innere und äußere Konflikte zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern. Ein Teil dieser Jugend versucht zu rebellieren. Er flüchtet in seinem Protest gegen das Elternhaus in die bürger- liche Jugendbewegung, tastet noch neuen Ausdrucksformen, sucht An- lchnung an die das Leben neu gestaltende aufstrebende Arbeiter- klasse, ja, dringt selbst zu deni Bewußtsein durch, daß nur eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsform Erlösung bringen werde. Trotzdem aber besteht zwischen dem Lebensweg des proletarischen und dem des bürgerlichen Kindes ein großer Unterschied. Das proletarische Kinö. Enge dürftige Wohnungsverhältnisse, mehr als ungenügende Nahrung, ungemmt-e Aufsicht, überfüllte Volksschul klaffen, die Straße mit allen ihren Eindrücken als selbstverständlicher Tummel- platz haben auf das proletarische Kind, das ltjährig die Schule verläßt, eingewirkt. Fremde Menschen umgeben ihn in der Werk- statt und im Betriebe. Er findet Freunde und Vergnügungen außerhalb seiner häusUchkeit, die oft keine ist. Mannigfaltig« V«r- suchungcn belauern sein junges Gemüt, Lockungen, die Geld kosten. das er nicht hat. Sein Lehrlingsgehalt muß, so gering es ist, zur Unterstützung des Haushaltes mit beitragen, das knappe Taschen- geld reicht nicht aus. Schlechtes Beispiel, schlechte Gesellschaft, leichte Gelegenheit, ungenügend« Führung reizen manchen zu Eigen- tumsvergehen, der einmalige Erfolg zu Wiederholungen. Dann folgt Entdeckung, Anzeig«, polizeiliche Vernehmung, das Gerichts- verfahren. In diesen, Augenblick greift das Gesetz ein, um diesen Jugendlichen vor Bösem zu schützen, im Guten zu stützen— das Jugendgerichtsgesetz. Der Jugendliche und dessen Familie, sein Vorleben und seine Lebensweise werden Gegenstand der Erfor- schung durch den Jugcndgerichtspfleger, der den Eltern des jungen Menschen zum Berater wird. Das Zugendgericht ordnet die er- forderlichen Erziehungsmaßnahmen an. Hilst die Aufsicht des Jugendhelfers ollein nicht, muß der Jugendlich« aus feiner Um- gebung entfernt werden: so kommt er in Familienpslege, in ein« Fllrsorg:anstalt oder selbst ins Jugendzeföngnis. Doch ungünstig, jetzt mehr als je, sind die Bedingungen für die sozial« Besserung des„Verwahrlosten"— Not, Arbeitslosigkeit, Unvolltommenheiten der Jugendfürsorge treiben zum neuen Rückfall— Gefängnis, Zuchthaus ist oft das traurige Ende, trotz aller Versuche wohl- meinender Menschen. Es ist geradezu ein Wunder und zeugt für die große sittliche Widerstandskraft des Proletariats, daß es zum weitaus größten Teil trotz ständiger Gefährdung seinen sittlichen Halt bewahrt. Das.bürgerliche Kind. Der Lebensweg des bürgerlichen Kindes ist ein wesentlich an- derer. Stöhnt auch der Mittelstand unter der Last der Zeit, um wieviel besser hat es hier trotzdem noch das Kind im Vergleich zum proletarischen: saubere� Räume, jedes Kind sein Velt. ausreichende Kleidung, genügende Nahrung. Befriedigung der notwen- digften Kulturbedürfnisse. Der Besuch einer Hölzeren Schule gilt als Selbstverständlichkeit, selbst wenn die geistige Eignung dafür fehlt, denn es sind ja„achtbare Eltern", die auf„Ehrlichkeit" und „sittsames" Benehmen ihrer Kinder besonderen Wert legen, sie dem „standesgemäßen" Leben«ntgegenführen. Gerät aber diese Jugend nicht auch hin und wieder in Konflikt mit den Strafgesetzen? Nur selten einmal bringen Zeitungen Berichte über jugendliche Banden aus höheren Schülern oder über verlorene Söhne wohlhabender Eltern. Gar mancher Vater plagt sich da mit seinem Jungen ab, schickt ihn schließlich nach Amerika, schleppt ihn durch Gymnasium und Hochschule, bis er die kritische Zeit hinter sich hat. Das ist es eben: die kritische Zeit! lieber die Zeit der Geschlechtsreise führen den jungen Menschen die bemittelten Eltern hinweg— weil sie sich das leisten können. Strauchelt hier ein jungee Mensch, so machen die Eltern den zugefügten Schaden gut, d,e Sache kommt nicht zur Anzeige, die Schule wendet ihr: eigenen disziplinarischen Mittel an. Wie die Ding« in Wirklichkeit in höheren Schulen liegen, darüber gab der entschiedene Schulreformer Dr. H i l l e r in der Sitzung des Bundes der Jugendgerichtshelfer vor längerer Zeit interessante Aufschlüsse. Eigentumsöelikte höherer Schüler. Die Kriegs- und Revolutionsjahre haben zu unglaublicher Ent- fittlichung der höheren Schüler geführt. Die Eigentumsdelikts haben derart erschreckend überhand genommen, daß die Garderoben von den Korridoren in die Klassen verlegt, die Klassenzimmer mit Gitter versehen werden mußten, während der Pausen in den Klassen Schüler als Wächter bleiben. Geld, Uhren. Bücher von Mit- schülern, Mikroskope und verschiedene physikalisch« Instrumente wurden zur Beute der Schüler. Oft begnügen sie sich aber nicht mit Diebereien in den Schulen. Sie erweitern ihr Tätigkeitsfeld auch auf Kaufläden. Selbst klein« Banden entstanden, die in den Vororten ihr Unwesen trieben. Verwöhnung zu Hause, srüh entwickelte Genußsucht, ungerechtfertigt großes Taschengelo. das trotzdem nicht reicht, sind hier im Gegensatz zur sozialen Not bei den Proletarierkinden die«igenlichen Ursachen der Eigentumsdelikte. Hin und wieder tritt dieser Hang zur Aneignung fremder Gegen- stände selbst stiebartig auf, selbst bei Kindern wohlhabender Eltern, Noch stärker grassieren die Betrügereien jedweder Art: Fälschungen von linterschrifteii, von Entschuldigungszetteln, beim Markentausch und dergleichen mehr. Aber geradezu epidemische Formen haben die Schiebergeschäste angenommen. Es gibt überhaupt nichts, das nicht geschoben würde: alt« Briefmarken, ganze Bogen neuer, Not- geld, Zigaretten, die dem Dater entwendet worden sind und selbst Devisen. Sexuelle unü politische vergehen. Diese Gegenüberstellung gehört nicht dem Referenten, erscheint aber nichtsdestoweniger gerechtfertigt. Die Verquickung sexueller und politischer Momente bei Jugendlichen hat auch der Rathenau-Mord offenbart. Wie die einen, so auch die anderen haben ihr« Quelle in den Entwicklungsjahren. Beide Kategorien von Vergehen werden durch dm Unverstand der Schule und der Familie begünstigt. Fa- mikie und Schule spielen Vogel- Strauß-Politik in bezug aus die sexuelle Aufklärung. Sir überlassen den jungen Menschen diesem quälenden Problem— sie sollen mit ihm fertig werden, so gut sie können, der böse Zufall übernimmt die Rolle des Lehrmeisters. Die unausbleiblichen Folgen sind Körper und Seele schädigend« sexuelle Exzesse, unter Umständen selbst ein Hinabgleiten in die männliche Prostitution. Das Triebhaste charakterisiert die Jugend auch aus politischem Gebiete. Das Verbot der Teilnahme an politischen Der'- «inigungen führt zur Bildung geheimer Konventibrl. Wäre es da nicht richtiger, diese Beteiligung zu gestatten, die Jugend aber zur Achtung gegenüber der Meinung Andersdenkender und zu republi- kanischen Bürgern zu erziehen? Das allein feligmachende Mittel der Schule im Kampf gegen Eigentumsdelikte heißt: aus der Schule ver- weisen oder den Eltern nahelegen, den Jungen aus der Schule zu nehmen Der junge Menich wird aus dem normalen Gleise h:raus- geschleudert und damit oft der Anfang zu einer schiefen Laufbahn gelegt. Aufs Jugendgericht kommt der junge Mmsch aber nicht, dem Jugendamt wird keine Gelegenheit gegeben, vermittelnd einzugreifen. Soweit der Referent. Di« Ausführungen drängen aber zum Problem.Zugendgericht und höhere Schule". Mit Unrecht. Das Reichsjuaendgericht und Zugendwohlfahrtsgesetz sind zum Wohle aller Jugendlichen ohne Ausnahme geschaffen, einerlei, ob es sich um Kinder des Proletariats oder des Bürgertums handelt. Der Eingriff des Jugendamts durch den Jugendgerichtshelfer in das Leben des Jugendlichen, der unter der, Familienverhältnisfm, auch den gut bürgerlichen, leidet, ist ein Recht des Jugendamts und des benach- teiligten Jugendlichen. Die Verweisung aus der Schule erscheint als ungerechtfertigte Grausamkeit. Neben dem Interesse des Jugend- lichen an wohlmeinender Hilfe erfordert diesen Eingriff auch das Interesse der Oeffentlichkeit. Vielleicht wäre die Gesellschaft von so manchem erwachsenen Uebeltäter verschont, wenn rechtzeitig die Zugendwohlsahrtsbehörden von ihrem Rechte Gebrauch machten. Es ist nur«in geringer Trost, wenn solche Menschen mühselig über die kritischen Lebensjahre mit Hausbackemen Mitteln hinübergefchleppt werden. Im Leben bewähren sie sich meist doch nicht. nKtden zu Trägern latenter Kriminalität, die durch dos Strafgesetz nicht zu fassen ist. Es find herzlich schlechte Männer und Väter und arten zu Schädlingen an ihren Mitmenschen aus. » Jugendamt und Jugendgerichtshilfe haben eine ungeheuer wich- tige Funktion im Volksleben. Das Jugendamt in seiner Arbeit zu unterstützen ist Aufgabe aller Schichten der Bevölkerung. Je mehr freiwillig« Hilfer, desto erfolgreicher seine Tätigkeit. Das sollte die iverktätig« Bevölkerung insbesondere beherzigen. Denn um da» Wohl ihrer Kinder geht es in erster Linie. Aus dein Jugendwohl» fahrtsgefetz erstehen dem Jugendlichen neue Rechte aus Schutz durch die Gesellschaft, erwachsen dem Jugendamt imd dem Volk« neue Verpflichtungen. Der Maulkorbzwaug. Das Polizeipräsidium weist nochmals ausdrücklich darauf hm, daß auch in den nicht mehr zum Tollwutsperrbezirk gehörigen freien Teilen Berlins gemäß der Polizeiverordnung vom 9. September 1921 alle Hunde mit einem beißsicheren Maulkorb zu ve r- s>: h e n sein und, wenn sie frei umherlaufen, durch ihren Besitzer oder Führer ständig gewissenhaft überwacht werden müssen. Hunde, die ohne Maulkorb oder ohne vorschriftsmäßigen Mmilkorb frei umher- laufend betroffen werden, werden weggefangen. Außerdem habec. die frei umherlaufenden Hunde gemäß der vichssuchen polizeilichen Anordnung vom 13. September 1921 ein Halsband mit der genauen Adresse des Besitzers oder mit daran befestigter gültiger Steuermarke zu tragen. Diese beiden Verordnungen sind encht ausgehoben ge- wesen und daher nach wie vor in Kraft. Schließlich wird erneut darauf aufmerksam gemacht, daß im Sperrbczirk alle Hunde, auch die aus freien Teilen der Stadt stammenden, mit Maulkorb zu versehen und an die Leine zu nehmen sind, und daß Maulkorb- und Leinen- zwang für die Tiere, die aus dem Sperrbczirk in einen freien Stadt- teil geführt werden, auch hier vorgeschrieben ist. t7s Der Mittelweg. von Sir Philip Gibbs. Nein, er war sich nicht klar darüber gewesen und ent- schuldigte sich demütig, entsetzlich beschämt bei dem Gedanken, seiner Frau gegenüber Gewalt angewendet zu haben. Das war die Handlung eines Flegels.„Joyce, ich schäme mich so, und es tut mir furchtbar leid. Aber du weiht doch, wie schwer es gestern sür mich war. Ich hatte doch mein Wort gegeben—" „Ich lehne es ab. dies Thema zu diskutieren. Meine An- sichtest kennst du. Wenn du noch ein Wort davon redest, ver- lasse ich das Haus." So war's gewesen. Es interessierte sie nicht einmal, ob O'Brien die Nackt schließlich in Bertrams Studierstube zuge- bracht hatte oder nicht. Vielleicht hatte sie die Dienstmädchen schon ausgefragt und sich über diesen Punkt vergewissert. Bertram war aber überzeugt davon, daß sie innerlich nicht gleichgültig über den Zwischenfall war, und daß er sie beide noch mehr entfremdet hatte. Sie ging ihre eigenen Wege, schloß ihn absichtlich von ihren Plänen aus, oder befragte ihn niemals vorher, so daß er gar nicht dazu kam, mit ihr zu- sammenzutresfen. Während der paar Wochen, die nach Susans Besuch folgten, war sie seften zum Frühstück zu Hause und kam gewöhnlich erst zurück, um sich zum Diner umzukleiden. Selbst dann halle er keine Gelegenheit zu privater Unterhaltung mit Ihr, denn Abend für Abend lud sie Freunde zu Tisch— vielleicht in der Absicht, jedeUntime Berührung mit ihm zu ver- meiden. Und nach dem Essen füllte sie ihren Salon mit einer buntgemischten Gesellschaft, oder begab sich mit Bekannten ins Theater oder zu Tanzabenden. Ob sie nun zu Haufe blieb oder nicht, änderte nichts an Bertrams Vereinsamung. An Leib und Seele war er einsam. Joyce antwortete wohl, wenn er sie anredete, aber weiter sprach sie nichts. Sie war stets heiter, aber sie lachte ihn nicht an., �„ Kenneth Murleß betrachtete das Haus wie' sein eigenes, kanz ungeladen zu Tisch oder abends, war immer höflich gegen Bertram, ließ sich durch dessen mürrisches Wesen nie aus der Stimmung bringen, immer heiter, in Paradoxen schwelgend, unterhaltend für jedermann, nur nicht sür Bertram, der ihn haßte, weil Joyce ihn gern hatte. Es kamen auch noch andere Leute, welche Joyce gern halle. Unter anderen feine Ehrwürden Peter Tynde, den Ber- tram eine Salonkatze nannte. Der kam auch zu jeder Zeit und strömte von Salbung über, oder erzählte ein bißchen Klatsch von Lady A. und Lady B. Aber nach Tisch, wenn die Damen die Tafel verlassen hatten, dann erzählte cr gern saftige A-vk» boten. Die Männer fanden ihn„menschlich, verstehend", und die Frauen sagten, er wäre ein zu lieber Mensch. Bertram hielt ihn für einen ausgemachten Esel, behielt es aber für sich. Er hatte mit dem Kreise um Joyce nichts gemein. Bertram war oft genug mit den Leuten seiner alten Kom- pagnie in Berührung gekommen.„Kriegskameraden" nannten sie sich, wenn sie sich in kärglich möblierten Klubs zusammen- fanden, in ihrer Sehnsucht nach jener Kameradschaft, die das Beste vom Kriege gewesen war. Noch immer waren sie ruhe- los und unstet, manche noch kaum besser als„Zitterer, dic�den Nervenchoc noch nicht überwunden hatten. Sie grübelten über einen Ausweg aus ihrem jetzigen Elend— das war Arbeitslosigkeit, hohe Preise, ein Gefühl, daß die Nation, der sie ge- dient hatten, ihnen nicht die Treue gehalten hatte. Einige von ihnen sprachen geläufig von Bolschewismus und Kom- munismus. Das schreckliche Experiment in Rußland— wo war die Wahrheit darüber?— lockte sie auch. Sie glaubten, es wäre auch für London„ganz gesund". Bertram glaubte ja nicht an einen wirklich revolutionä- ren Geist unter ihnen. Sie hatten übergenug von- Krieg und Blutvergießen. Aber das war nicht die Ansicht der Leute in Joyces Salon. Sie fürchteten sich vor der Zukunft. Biel- leicht suggerierten die beiden Russinnen aus der Zarenzeit und die Männer ihrer Kaste, die sie mitbrachten, die Möglichkeit einer Revolution in England. Die Russinnen wurden nie müde, bolschewistische Greueltaten zll erzählen, die sie gehört hatten, in allen ihren schrecklichen Einzelheiten. Die ältere der beiden, Gräfin Lydia Gravida, hatte einen Putzladen er- öffnet, wo Joyce sich mit ihr angefreundet hatte, und die jüngere, Paula, spielle in Konzerten wundervoll Violine. Beide waren große, häßliche, elegante Mädchen, die ein halbes Dutzend Sprachen mit gleicher Leichtigkeit und den gleichen leidenschaftlichen Gesten beherrschten. „Weshalb schickt uns England nickt eine Armee, um meinem armen Vaterland zu helfen?" fragte Lydia eines Abends.„Ich begreife Eure englische Politik und Eure schreckliche Untätigkeit nicht." Solche Bemerkungen hatte Bertram schon oft von den Russinnen gehört. Sie machten ihn wütend.„Weshalb be- sorgen Ihre russischen Leute das Kämpfen nicht selbst? Warum lungern sie in europäischen Hauptstädten herum und erwarten, daß andere ihr Rußland befreien und das Zarentum wieder einführen und ihnen ihren Reichtum zurückgewinnen?" „Also sind Sie Bolschewist?" fragte Gräfin Gravida und starrte ihn mit schwarzen, drohenden Augen an. „Absolut nicht," sagte Bertram.„Aber ich bin ein töt- sicher Gegner dieser fatalen Expedittonen, in welchen Eng- land sein Gold ausgegeben hat. Mit welchem Resultat? Da- mit noch mehr Blutvergießen in Rußland ist, noch ein Rück- zug eines unfähigen Generals mehr, noch mehr Leiden und Entsetzen und Quälen von russischen Bauern. So erscheint es mir wenigstens. Vielleicht habe ich unrecht." Gräsin Gravida rief durch den ganzen Salon, der von Foyces Freunden wimmelte. Sie hatte eine hohe, scharfe Stimme und ein schrilles Lachen. „Liebe Lady Joyce! Ihr Gatte ist ein schlimmer Bol- schewist. Er sagt die schrecklichsten Sachen, meine Liebe!" „Das ist so seine Gewohnheit," antwortete Joyce. Obgleich sie es lächelnd gesagt hatte, errötete Bertram vor Aerger. Sie wollte ihm weh tun, und es tat ihm weh. „Gelegentlich sage ich allerdings die Wahrheit, und das ist schrecklich," sagte er zu Lydia. „Aber nicht die Wahrheit über Rußland, Sie schlechter Mensch. Sie kennen unser armes, altes Rußland ja gar nicht!" „Ich würde sogar bis nach Rußland gehen, um die Wahr- heil zu erfahren," sagte Bertram.„Kennt man sie denn dort?" „Glauben Sie, ich hätte Ihnen etwas vorgelogen?" „Es wird soviel darüber gelogen, aber ich meine nicht Sie damit." Sie schlug mit ihrer langen Bernsteinkette auf seine Hand, daß es ihm weh tat. Dann nannte sie ihn ein revoluttonäres Ungeheuer, einen Jakobiner. „Ich sehe Sie schon den englischen Mob anführen und die rote Fahne über dem Parlamentsgebäude hissen." Immer wieder der englische„Mob"! Schon wieder! Diese Leute hatten vor allem Angst, sogar vor England. Der General Bellasis gab neuen Stoff zu der Furcht, unter welcher die Londoner Gesellschaft momentan litt. Er war einer von denen, die sich um Joyces Gunst bemühten. Obgleich aktiv in Irland, schien er seine Zeit zwischen Dublin und London zu oerbringen und kam immer mit Blumen, Theaterkarten und Huldigungen oller Art zu Joyce. (Fortsetzung folgt.) Gedenket der Obdachlosen! Der Verwaltungsdirektor des Städtischen Obdachs läßt uns nachstehenden Hilferuf zugehen: Tag für Tag wanten vom frühen Nachmittag an 4000 und mehr Obdachlose nach dem Städtischen Obdach in der Fröbelstraße- zer mürbte, zerlumpte Gestalten, jeder schützenden Hülle beraubt, vicle barfüßig, und warten dicht gedrängt am Eingange darauf, daß das Tor zu ihrem Asyl sich auftut, täglich... und müssen im Morgengrauen des anderen Lages wieder auf die Shaße hinaus, nicht wiffend, ob für sie sich eine milde Hand öffnen, ob von einem Mittagstisch ein färglicher Reft für sie abfallen wird! Ein Tag wie der andere: ruhelos, arbeitslos, obdachlos, frierend! Mitbürger! Trotz der eigenen Not gibt es Menschen, weiche die schwere Zeit noch schwerer empfinden als Shr, für die ein eigenes Bort für Not geprägt werden müßte, die da leiden an dem lähmenden Nichtstun und Nichtshaben. Seht sie Euch an, wie sie in sich zu sammengebauert dahinschleichen in endlos langem Zuge, und Ihr werdet denken: Wie fönnte man helfen? Männer, Frauen, Kinder, jucht nach in Euren Schränken, ob eicht irgendwo vergessene Sachen hängen, die Ihr noch habt und selbst nicht mehr tragen fönnt, nach denen fich aber begehrlich Tausende von Händen ausstrecken. Spendet sie den Obdachlosen! Bald ertönen wieder die Weihnachtsglocken. Helft den Wermsten der Armen, deckt auch ihnen den Weihnachtstisch. Die fleinste Gabe ist willkommen, jedes Stück ist ein Pflaster auf eine Wunde, und der Wunden sind so viele. Der Berwaltungsbirektor des Städtischen Obdachs, Berlin NO. 35, Fröbelstr. 15, nimmt jederzeit freundliche Spenden entgegen. Der Raubüberfall in der Großen Frankfurter Straße Auch die beiden flüchtigen Räuber verhaftet. Ein schwerer Raubüberfall wurde, wie wir berichteten, am 20. v. M. auf dem Grundstüc Große Frankfurter Straße 52 perütt. Er galt der Fahrradhandlung von Kraus. Dessen Wirtschafterin Emmi 2qgmund wurde von einem der Täter niedergeschlagen und lebensgefährlich verlegt. Sie liegt noch im Krankenhaus. Als Aufpasser wurde ein Arbeiter Willy Millat sofort festgenommen. Der Haupttäter war ein 19 Jahre alter Water Kurt Carom aus Berlin, sein Mittäter ein ebenso alter Arbeiter Georg Schön. Endlich wurde Carom in Berlin festgenommen. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Er war früher bei Kraus beschäftigt gewefen und auch in schwerer Zeit von ihm noch unter stüßt worden. Deshalb vermutete er Geld bei ihm. Nach einem Wortwechsel zwischen Kraus und feiner Wirtschafterin nahm daß diefe ihren Arbeitgeber verlassen und daß Kraus nun allein sein werde. So verabredete er mit Schönrod im Gefängnis zu Berleberg den Ueberfall und nahm als Aufpasser Millat noch hinzu. Als er wider Erwarten die Wirtschafterin antraf, nachdem Kraus durch VorSpiegelung eines Motorradgeschäfts weggelodt worden war, schlug er fie nieder. Die Räuber mußten aber ohne Beute flüchten. Carom und Schönrock fuhren mit der Bahn bis Wilsnad. Weil sie jetzt fein Gelb mehr hatten, wanderten sie zu Fuß nach Perleberg weiter in der Hoffnung, bei den Eltern Schönrods Unterschlupf zu finden. Sie wurden jedoch abgewiesen. Jetzt wandten fie fich einer Scheune zu, die brei Kilometer von einem Rittergut entfernt am Walde liegt. Hier hauften sie seitdem. Nahrungsmittel holten sie sich ab und zu aus der Wohnung Schönrocks. Carom fehrte endlich nach Berlin zurück und wurde verhaftet. Schönrod hatte geäußert, daß er per fuchen wolle, sich Geld zu verschaffen, um nach Hamburg zu fahren. Das ist ihm aber auch nicht gelungen. Die Scheune und die Schön rodsche Wohnung wurden beobachtet, aber der Verfolgte hielt sich im Walde verborgen, bis die Luft rein" war. Schließlich jedoch ereilte auch ihn das Geschick, als er aus der Scheune heraus wieder einmal nach der elterlichen Wohnung ging, um Lebensmittel zu holen. Die Berhafteten sind geständig, bestreiten aber, Mordabsicht gehabt zu haben. rod aus Perleberg. Diese beiden entkomen. Das Gerücht von einem Morde war vorgestern im Osten der Stadt verbreitet. Auf den Stufen einer Ladetreppe an der Schillingstrüde fand man einen jungen Mann erschossen auf. Die Biftole lag neben ihm. Die Kriminalpolizei des 87. Reviers ermittelte bald, daß allem Anscheine nach Selbstmord vorliegt. Die Person des Toten fonnte noch nicht festgestellt werden. Er scheint ein Spanier zu sein. Bei ihm fand man eine Karte des spanischen Konsulates in Hamburg auf der Namen Betsch. Eine Aufzeichnung lautet: Liebe Käthe! Der legte Gruß. Hans." Sie ist gerichtet an eine Käthe Wittenberg an der Stralauer Brücke, die noch nicht ermittelt wurde. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Mit teilungen zur Aufklärung und zur Feststellung der Persönlichkeit nimmt das Polizeiamt Friedrichshain entgegen. Weil es ein ,, Grüner" war! Einen schweren Autounfall sucht die Kriminalpolizei aufzu tlären. Am Dienstag voriger Woche spät abends wurde der Schuß polizeibeamte Sturt Schulz aus Köslin vor dem Hause AltMoabit 86 besinnungslos aufgefunden und nach dem Krankenhause gebracht. Hier fam er wieder zu sich und gab an, daß er von einem Auto überfahren worden war. Schulz wollte in Berlin seinen Stiefbruder besuchen, fand ihn aber nicht gleich, weil er seine Adresse nicht genau wußte. Beim Ueberschreiten des Fahre dammes wurde er von einem Auto überfahren, auf dem zwei Chauffeure saßen. Diese stiegen beide ab, als sie sahen, was fie angerichtet hatten. Als sie jedoch in den Taschen des Ueberfahrenen den Ausweis des Beamten fanden, riet einer dem anderen abzus hauen", weil es ein Grüner sei. Gie fuhren dann auch sofort weiter, und Schulz verlor das Bewußtiein. Später stellte er fest, daß ihm auch die Brieftasche mit 68 M. gestohlen worden war. Die beiden Chauffeure sind noch nicht ermittelt. Mitteilungen zur Aufklärung, insbesondere von denen, die Beugen des Unfalles waren, den Wagen sahen, und sich auch um den lleberfahrenen bemühten, nimmt der 1. Kriminalbezirk des Polizeiamtes Tiergarten entgegen. Stiefvater und Stieftochter. Nach vier Tagen ging gestern ein Aufsehen erregender Gittlich: teitsprozeß, der unter strengem Ausschluß der Deffentlichkeit geführt wurde. zu Ende. Der Kaufmann v. Langen war megen fitt lichen Berfehlungen an feiner Stieftochter vom Schöffengericht zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Da er acht Monate durch die Untersuchungshaft verbüßt hatte, war er gegen Kaution auf freien Fuß gefeßt worden. Gegen das Urteil war von dem Angeklagten Berufung eingelegt worden. In der neuen Verhandlung, die vor der Straffammer des Land gerichts I stattfand, hatten die Rechtsanwälte Dr, Jaffa und Theobor Liebt necht den Wert der Aussage eines in der Entwicklung begriffenen Mädchens, nämlich der Stieftochter angefochten und es waren zahlreiche Sachverständige geladen und vernommen worden. v. Langen hatte eine Witwe R. geheiratet, die ein von ihrem ersten Mann hinterlassenes Glaswarenengrosgeschäft weiterführte. In die Ehe hatte sie zwei Töchter im Alter von 8 bis 10 Jahren mitgebracht. Nach achtjähriger Che start Frau R und die Töchter gingen aus dem Hause. Der Angeklagte heiratete wieder, hatte aber auch aus der ersten Ehe ein Kind. Wegen der Erbauseinandersegungen tam es zwischen dem Stiefvater und den Töchtern zu Differenzen, in deren Verlauf die jüngere Tochter mit der Beschuldigung auftrat, daß v. Longen schon zu Lebzeiten der Mutter und ehe fie das vierzehnte Jahr erreicht hatte, an ihr unzüchtige and Iungen vorgenommen habe. Auch in der neuen Berhandlung bestätigte Lotte R. ihre Befündungen erster Instanz. Die Berteidiger A bemühten sich, den Nachweis zu führen, daß die Befundungen des Mädchens suggestiv beeinflußt seien und deshalb nicht zur Berurteilung ausreichten. Nach umfangreicher Beweisaufnahme be= rief sich der Staatsanwalt auf zwei jugendliche Zeuginnen, an denen sich der Angeklagte in gleicher Weise vergangen haben soll. v. Langen wurde darauf wegen Verdunkelungsgefahr in Haft genommen. Als nun diese beiden Zeuginnen die Behauptung des Staatsanwalts bestätigten, bequemte sich der Angeklagte zu einem umfassenden Geständnis. Mit Rücksicht darauf baten die Verteidiger um eine Umwandlung der Zuchthausstrafe in Gefängnisstrafe und eine Herabsehung des Strafrests. Das Gericht tam jedoch zur Verwerfung der Berufung und damit zur Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Proletarische Feierstunde Das Hochwasser fällt. Яöln, 4. november.( Mtb.) Meldungen vom Oberrhein lassen erkennen, daß, begünstigt durch das eingetretene trodene Wetter, seit den Mittagstunden ein langsames Sinten des Wasserstandes zu beobachten ist. Am Oberrhein in Straßburg ist der Pegel um etwa 40 Zentimeter gefunten. Der Mittel- und Niederrhein haben unter dem Zufluß der stark angeschwollenen nebenflüsse zurzeit zwar noch beträchtliches Steigen zu verzeichnen. Der Cauber Pegel ist seit gestern um rund 1,40 meter gestiegen. Wie aus Mannheim gemeldet wird, ist das Wasser auch dort zum Stillstand gekommen. Aus Koblenz wird gedrehtet, daß augenblicklich noch ein Steigen von 2 bis 3 Zentimeter ftündlich zu beobachten ist. Infoige des Hochwassers find einige Fernsprechtabel, darunter ein wichtiges Fernfprechfabel, beschädigt worden. Telephongejpräche nach Berlin, Landes müssen umgeleitet werden. am Sonntag, den 9. november, vormittags 11 Uhr, im Großen Frankfurt, Koblenz, Mannheim und einigen Orten des Bergischen Schauspie haus, Karlstraße: Die Revolution Trommeln/ Paufen/ Hörner/ Orgel/ Männerchöre/ Sprechchore. Reqniem von Toller. Hinan- vorwärts- hinan! von Goethe. Ansprache: Genosse Arthur Crifpien. Mitwirkende: Ebert( Mitgl. des Staatstheaters), Solofprecher; Watter Drwensti( Orgel); Männerchor Namenlos"( Mitgl. d. 2SB.) unter Ceifung des Chorm. Thilo; der Sprechchor für Proletarische Feierstunden" unter Celiung von Albert Florath. Einzelfarte 1 Goldmart. Nachm. 3 Uhr im Theater des Westens: Wo33 e d", ein Fragment von Georg Büchner. Eintritt 0,90 Gm. Karten für alle Veranstaltungen zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof II, 8immer 8, Buchhandlung Vorwärts. Lindenstr. 2, 8igarren geschäft Horsch, Engelufer 24/25, bet fämtlichen Spediteuren sowie allen Obleuten der Kreisbildungsausschüsse. Der Weg einer Verführten. Sie wollte nicht wieder„ auf die Straße". Schwurgerichtssaal in Potsdam. Hinter verschlossenen Türen wird das Abenteuerleben eines Mädchens abgerollt, wie es bedauernswürdiger nicht gedacht werden kann. Angeklagt wegen Meineid ist die 27jährige Elise F. aus Berlin. Gute Eltern haben über ihre Kindheit gewacht. Erst drehte sie künstliche Blumen, dann wurde fie Krankenpflegerin und pflegte die Siechen und Armen. Draußen lachte das Leben und das Spital wurde ihr zu eng. Ein Detektiv benutzte sie als Mittel zum 3wed. Erft fam die Erpressung, dann wurde sie politische Agentin, dann kam das Nichtstun, dann die Straße mit der Kontrolle und dann der Ekel. In einem großen Hotel war sie als Abwasch mädchen von der Straße untergeschlüpft. Er war dort Portier, Kriegsbeschädigter mit einem Arm, fie flickte ihm die Wäsche. Sie war glücklich, nicht mehr auf die Straße zu müssen, und tat alles, was er wollte. Sie ahnte nicht, daß er in Nowawes Frau und Kind hatte. Die Frau fam, pochte auf ihr Recht. Der Scheidungsprozeß nahte, fie fühlte sich Mutter, mußte ins Krankenhaus, und um ihn nicht zu verfieren, befchwor fie in ihrer Angst am 4. Dezember auf dem Amtsgericht in Potsdam, daß sie nichts mit dem beklagten Ehemann vor. gehabt habe. Ein anderer Freund sei ihr Verführer gewesen. Und dann zog sie zu ihm. Aber ihr Opfer war umsonst. Ein Martyrium begann. Er schlug fie, trat sie mit Füßen, trotzdem sie sich wieder Mutter fühlte, und bald fam eine andere an ihre Stelle. Er warf fie auf die Straße. Da lief das verängstigte Mädchen zur Polizei, um ihre damals gemachte Aussage zu widerrufen und sich damit selbst des Meineides zu bezichtigen. " Warum haben Sie das getan," fragte der Richter die Ange klagte,„ Sie haben doch einen Meineid geleistet?"" Herr Richter, ich wollte nicht wieder auf die Straße gehen." Das Zuchthaus blieb ihr erspart. Der Milderungsparagraph 157 wurde angezogen und das Urteil erging auf 7 Monate und 15 Tage Gefängnis. Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre nächste Sigung am Donnerstag, um 45 Uhr. Zu den ersten Beratungsgegenständen der Tagesordnung gehört die sozialdemokratische Anfrage wegen der Abschiebung des Obermagistratsschulrats Selmte aus dem höheren Schulwesen in das Fachschulwesen. Umleitung von Straßenbahnlinien. Vom 3. November d. 3. ab berkehren die Linien 15( Neukölln- Augustenburger Play) und 31( Streliger Straße- Bahnhof Zoologischer Garten) von der Urban ftraße durch die Camphaufenstraße und vom Kaifer Friedrich- Platz über den fahrplanmäßigen Weg durch die Blücherstraße zum Salles fchen Tor. Auf den Linien 82 und 86 tritt am gleichen Tage ein neuer Fahrplan in Kraft, der eine geringfügige Verschiebung ber Abfahrtszeiten von den Endpunkten borsieht. Arbeiterbildungsschule. Der Kurfus des Genoffen Sfein muß am Donnerstag ausfallen. Nächste Zusammenkunft 13. november. Eine Chrysanthemen-, Alpenveilchen- und Orchideenschau veranstaltet die Deutsche Gartenbau- Gesellschaft vom 7. bis 10. Rob. im Landwehrfafino am 800. Die Gruppe Berlin des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaues ist die Mitveranstalterin dieser Schau und die bekanntesten Gärtnereien Groß- Berlins werden sich mit ihren schönsten Blumen an dieser Veranstaltung beteiligen. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 5. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus". 6.45 Uhr abends: Dichterabend: Oskar Wilde. Die Funkprinzessin erzählt: Märchen yon Oskar Wilde: a) Die Nachtigall und die Rose. b) Der glückliche Prinz, c) Der selbstsüchtige Riese.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler.) 7.30 Uhr abends: Dr. Karl Hagemann, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, spricht über Oskar Wilde und trägt Gedichte in Prosa" sowie Aphorismen" von ihm vor. 8.30 Uhr abends: Kabarett Zum springenden Funkpunkt". 2. Veranstaltung. Regie: Dr. Karl Wilczynski; Ansager: Kurt Robitschek vom Charlott- Kasino. 1. Aus eigenen Dichtungen: a) Ein Brief, Paul Strasser, b) Elegie auf den Tod eines Hundes( Dr. Karl Wilczynski). Hugo Moesgen, b) Mädel, sag igen"( ja) Heinrich Strecker 2. a) Mensch, sieh dir die Beene an! Text von Karl Wilczynski, ( Melitta Klefer). 3. a) Matrosenlied, Text von Klabund, b) Ich bin ein Matrose! Text von Karl Wilczynski, W. Rich. Heymann( Wolfgang Zilzer). 4. Das Stimmphänomen Adeline Lareine( Rakete und Schwarzer Kater) singt Sopran und Kontraalt: a) Märchen der Wenn du's nicht bist, dann wird's ne andre sein, Willi Rosen, Jugend, Robert Stolz, b) Dell Amore Veneziana, H. Richards. b) Du kannst ruhig du" zu mir sagen, Text und Musik( Willi Rosen) Willi Rosen. 6. a) Die Feldartillerie, Text von Fritz Grünbaum, Robert Stolz, b) Ein Weib, von Kurt Robitschek, Robert Stolz( Mizzi Dressel). 7. Aus eigenen Dichtungen: a) Schicksal, Alfred Strasser, b) Kinder, laßt euch mahnen! Alfred Straßer ( Karl Wilczynski). 8. a) Heut möcht ich mal wissen, von Th. A. Körner. Klefer). 9. a) Märchen( nach Ludwig Bechstein) von Leo Heller, Th. A. Körner. b) Das ist der„ Blues", Dr. R. Katscher( Melitta b) Landpartie, Otto Urack( Wolfgang Zilzer). 10. a) Das Geheimnis der Nacht, v. Herbert. b) Im Traum bin ich bei dir! Otto Stranzky( Adeline Lareine). 11. a) Gemacht, mein Schatz! Text und Musik, Willi. Rosen, b) Das ist Berlin auf der Tauentzien, Text von Kurt Robitschek( Willi Rosen). 12. a) Kriegserinnerungen des Schwalenschers" Sebastian Kraxelmeier, Text von Kurt Robitschek, R. Stolz. b) Ein kleines bayerisches Volkslied( Mizzi Dressel). Kurt Robitschek erzählt Schnurren und Anekdoten aus dem Witzbuche Die einsame. Träne" von P. Morgan und K. Robitschek. Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Trier, 4. November. Das Hochwasser der Mosel ist heute weiter auf 7,37 Meter gestiegen. An der ganzen Mosel und der unteren Saar find Ortschaften vom diretten Bertehr abgeschnitten, weil alle Zufahrtswege im Tale hoch überschwemmt sind. In allen Kellern ist der Wein start gefährdet. Bei Bernkastel rüdten etwa tausend Weinstöde den Berghang hinab. Sie waren noch nicht abgeerntet, so daß neben den Stöden auch noch ein Fuder Wein verlorengegangen ist. Bei Trier rückte eine große Obftanlage den Berg hinunter und wurde zerstört. Mainz, 4. November. Infolge des Hochwassers wurden im fanalisierten Main die Nadelwehren umgelegt. Der obere und untere Teil von Mainz bis Kochheim ist unter asier gesetzt. Das Mainwasser bringt eine Menge Holz usw., das in rasendem Tempo abwärts treibt. Die Lagerfchuppen in Mainzer Rheinhafen stehen teilweise unter Wasser. Hochwasserunglück auf der Fulda. Die Fulda führt durch den andauernden Regen gewaltige Waffermengen in überaus starter Strömung mit sich. Bei Wagen furt wurden die 3 Kinder des Landwirts Dieling, der 23jährige Schn, eine 28jährige ledige Tochter und die verheiratete älteste Tochter, die sich auf den hochgehenden Fluten beim Fischfang befanden, ein Opfer der Fluten. Sie wollten mit ihrem Kahn einem vom Hochwasser mitgeführten Holzsteg ausweichen, wurden vom Strudelerfaßt und tricben mit voller Wucht gegen einen Pfeiler der dortigen Steinbrücke, wobei der Kahn zerschellte und die drei Insassen vor den Augen der zuschauenden Dorfjugend ver fanten. Bisher fonnten die Leichen nicht geborgen werden. In Rassel ist die Fulda im niedrig gelegenen Stadtteil über die fer getreten, ernsthafter Schaden ist jedoch nicht eingetreten. da in den gestrigen Bormittagsstunden eine rüdläufige Bewegung Die Edertalsperre hat trog des Wassers festzustellen war. des plötzlich eintretenden gewaltigen Zuflusses die Wassermengen restlos aufgenommen. Köln, 4. November.( Eca.) Obwohl der Rhein auch heute weiter gestiegen ift, laffen Nachrichten vom Oberrhein einen baldigen Stillstand des Hochwassers erwarten. Berschiedene Straßen der Umgebung Kölns und weite Streden von Feldern stehen unter Wasser. Bei einem Dammbruch in Köln- Mülheim war heute das erffe Menschenopfer des Hochwaffers zu beklagen. Wichtige Ferntabel, vor allem die nach Berlin, Frankfurt und Koblenz, find schwer befchädigt. In den Mojelorten stehen viele Häuser bis zum ersten Stod unfer Waffer. Weite Streden nicht abgeernteter Weinberge und Obstanlagen find die Bergabhänge hinuntergerutscht. Von Koblenz rheinflutet. Die Insel Nederwörth steht vollkommen unter Waffer. Nur abwärts haben die Wassermassen ganze Städte und Ortschaften über noch die Häuser ragen etwas heraus. In Duisburg wurden von der Strömung drei Schiffe losgeriffen. Auch das ganze Erzlager der Hütte Phönig steht unter Wasser. Schwere Zuchthausstrafen für Raubüberfälle. Das Schwur gericht in Braunschweig verurteilte sieben Mitglieder einer illegalen fommunistischen Kampforganisation wegen Raubüberfalls auf das Bureauhaus der Grube Treue bei Schöningen zu längeren Zuchthausstrafen. Im einzelnen erhielten der Dreher Ludwig Rusch aus Berlin 12 Jahre Zuchthaus, der Hilfsarbeiter Ernst Haberland und der Dreher Rudolf Claus je 8 Jahre Zuchthaus, der Schloffer Walter Schiering, der Arbeiter Otto Bauli aus Sommerhausen und der Schneider Franz Kupczyt aus Charlottenburg je 6 Jahre Zuchthaus, der Schlosser Konstantin Steinbrunner 3 Jahre Zuchthaus. bei Danzig getöteten Personen find Flugzeugführer Jakob, der Das Flugzeugunglüd bei Danzig. Die bei dem Flugzeugunglück bereits ein Jahr bei dem Danziger Aero- Lloyd tätig war, Direktor Rumpler aus Boppot von den Danziger Sarottiwerfen, der feit einem Jahr bei der 8oppoter Zeitung" als verantwortlicher Rebatteur tätige Franz Beyer und die Frau des Danziger Zollbeamten Talies. " Elektrizität auf 3sland. Am 2. November wurde die bybroelektrische Straftstation in Mangabao eröffnet, deren Herstellung über eine Million Pfund Sterling loftete. Die Kraftitation ( 24600 Pferdeträfte) wird den ganzen südlichen Teil von Nord Island mit Einschluß von Wellington versorgen. Jugendveranstaltungen. Reichenberger Biertel. Achtung, Jugendgenoffen! Ab heute tagen wir im neuen Jugendheim, Reichenberger Str. 66( Feuerwehr). Mitgliederversammlung: Bericht von der Generalversammlung. Abteilungsversammlungen. Heute, Mittwoch, 7½ Uhr: Falkensee. Lotal Wulff, Bahnhofstraße. Friedrichsfelbe. Berliner Gtr. 45. Friedrichshain. Große Frankfurter Str. 16. Raulsborf. Coule Lichtenberg- Norb. Barkane 10. Luisenstadt. Stallschreiber Abolfftraße. ftraße 54. Betersburger Biertel. Ebertnftr. 12. Reinidendorf- West, Augufta- Bittoria- Alice. Rofenthal. Schule Schillerstraße. Webbing- Norb. Ruheplay, Ede Antonstraße. Weißenfee. Nealgymnasium, Woeldpromenade. Tempelhof. Germaniaftr. 4/6. ** Achtung, Jugendgenoffen! 8u der Arbeitsgemeinschaft Abraham: Die Deutsche Reichsverfaffung" werden noch Anmeldungen im Jugendsekretariat entgegengenommen. Die Borbesprechung findet am Donnerstag, den 6. d. M., im Jugendheim, Lindenstr. 3, ftatt.. Arbeitersport. Touristenverein ,, Die Naturfreunbe", Drtsgruppe Berlin, Abt. Süboft. Am Mittwoch, den 5. November, abends 8 Uhr, findet die erste Rufammenkunft der Jugendabteilung Sildoft des Touristenvereins Die Naturfreunde" im Jugendheim Mariannenufer la flatt. Arbeiter Schachtlub. In der Abteilung Süd- West, Bärwald ftr, 38 bei Borbrich, with am Freitag, den 7. November, abends 7% Uhr, Schamgenosse Schaffarand einen Bortrag über falsch angelegte Partien halten. Nach dem Bortrag wird der Redner fimultan an allen Brettern spielen. Gäfte find au biefer Beranstaltung eingeladen und können sich am Simultanspiel beteiligen. Ruderverein ,, Borwärts". Donnerstag, abends 7 Uhr, außerordentliche Generalversammlung im Bootshause. Briefkasten der Redaktion. B. 6. 32. Benden Sie sich an G. Rakenstein, Charlottenburg, Niebuhr ftraße 61, Wetter für Berlin und Umgegend. Troden und vielfach heiter. Nachts Frost. Auch am Tage ziemlich fühl. Für Deutschland. In Mitteldeutschland heiter, im Nordosten und Süden etwas Regen. Augen auf!- Die Reaktion rüstet! Jagt sie zum Teufel und wählt eine Die Deutsch nationalen haben, wie aus dem von uns gestern veröffentlichten Bericht über die Sigung der Vater ländischen Verbände hervorgeht, beschlossen, eine Abord nung zu Ludendorff zu schicken, die den Putschgeneral fniefällig um Gnade anflehen soll. Weshalb diese Kriecherei vor einem Parteiführer, der zu der Deutschnationalen Partei in dem denkbar schärfsten Gegensah steht? Die blasse Angst vor den Wahlen spricht aus diesem Entschluß. Die Deutschnationalen befürchten a m 7. Dezember zusammengehauen zu werden und lassen kein Mittel unverfucht, um zu retten, was noch zu retten ist. republikanische Regierung der Tat! vergewiffern, um einen genauen Ueberblid über die Zuverlässigkeit und den Wert der Truppe zu gewinnen. Mit der Aufstellung von Stammrollen ist sofort zu beginnen. Heil! werden. C. Hereth, Regimentskommandeur. II. Dienſtvorschriften. § 1. § 2. Das Regiment Arminius" ist der sogenannte militärische Aber die Angst vor den Wahlen ist nicht der einzige Be- lichen National- Sozialisten, um ihnen Gelegenheit zu geben, daß sie 3usammenschluß der im Kreis Chemnitz, wohnhaften männweggrund. Ludendorff ist der militärische Orlichen ganisator der Monarchisten. Die Deutschnationalen zu echten deutschen wehrhaften pflichtbewußten Männern erzogen standen am 9. November 1923 bereit, mit fliegenden Fahnen zu Ludendorff überzugehen. Sie hatten die Mitglieder ihrer Partei bereits bestimmt, die in das Direktorium der Reichsdikatur eintreten sollten. Es waren das 3. T. dieselben Herren, die man in das Bürgerblockabinett hineinschmuggeln wollte. Wenn die Deutschnationalen nicht schon damals mit Ludendorff zusammengingen, so deshalb, weil sie zur rechten Zeit ein fahen, daß Ludendorff nicht start genug war, um mit feiner Butschgarde die Macht zu erobern. Ludendorff hat aus den Fehlern des 9. November gelernt. Er hat eingesehen, daß er mit der Reichswehr nicht rechnen tann, wenn seine Verbände nicht start genug sind, auch ohne die Reichswehr zu operieren. Nachdem er sich deshalb durch seine Wahl zum Reichstagsabgeordneten immun gemacht hatte, ging er daran, eine Heeresorgani fation zu schaffen, die beffer funktioniert als die Hitler Garde. Er gründete zu diesem Zweck den Front bann und Garde. Er gründete zu diesem Zweck den Frontbann und den Frontring. Was will der Frontring? Die banerische Regie: rung hat ihn furzerhand verboten und Ludendorffs Stroh männer dem Reichsgericht der Republik überantwortet. Sie weiß Bescheid! In den anderen Ländern des Reiches find Frontring und Frontbahn nicht verboten. Ihre Gründer und Leiter geben vor, daß er nichts anderes bezwecke, als die übrigen fameradschaftlichen Bereinigungen auch. Ist das richtig? Unser Parteiorgan in Chemnitz, die " Boltsstimme", veröffentlicht zwei Dokumente, die beweisen, daß Frontbann und Frontring Butschorgani sationen sind, wie sie im Buche stehen. Sie lauten: I. 1. Komp. 2 Epempl. Großdeutscher Frontbann Regiment„ Arminius" % Chemnik, den 1. 10. 24. Vertraulich! Regimentsbefehl Nr. 1. 1. Auf Befehl der Landesleitung wird die Sport und Wander Abtíg. Arminius" mit dem heutigen Tage als Regiment Arminius" dem Großdeutschen Frontbann angegliedert. Einteilung der bis jetzt bestehenden Bezirke und selb. ständigen Ortsgruppen bleibt wie bisher, jedoch tritt an Stelle der Bezirke die Bezeichnung Batl. und der selbständigen Ortsgr. Rompagnie. Ich erwarte von einem jeden Angehörigen des neuen Regis., daß er nach wie vor seine Bft cht erfüllt, fich der hohen Aufgabe unserer heiligen Bewegung bewußt ist und getreu seinem Bersprechen in unverbrüchlicher Treue zu den Führern steht. Die Bereidigung auf das Regt. hat innerhalb Die Bereidigung auf das Regt. hat innerhalb 10 Tagen zu erfolgen. Meldung hierüber bis 12. 10. 24. 2. Infolge der Neueinteilung werden folgende Herren zum Regtsstabe tommandiert: 1. Pfosch, N., Chz., mit dem Range eines Beutn. als Rgts.- Abit. 2. 3öismann, Paul, Chb., mit dem Range eines Oberzahlm. als Rgis.- Zahlm. 3. Bedert, Walter, Chb., mit dem Range eines Leutn. als Verpfl.- Off4. Günther, Martin, Chh., mit dem Range eines Leutn. 3. 3u Btl. Führern mit dem Range eines Haupt. als N.O. manns werden ernannt: 1. Müller, Hans, Chh., I. Bil. Chng. 2. Lindner, Wily, Hohenstein- E., II. B. Hohenstein. Ernstthal. 5. Paul, Otto, Marienberg, III. Bil. Marienberg. 4. Von den Herren Bt.- Kommandeuren erwarte ich Borschläge für Bt.- Adjt., B.D., M.D. und Zahlmeister. 5. Es ist unbedingt Sorge dafür zu tragen, daß bis 10. 10. 24 fämtliche Angehörige meines Rgts. vollständig ausgerüftet find, ebenso muß bis dahin jeder mit dem Gewehr umzugehen verstehen. Unzuverlässige Perfonen find unter allen Umständen von den nächsten 3ufammenfünften fernzuhalten bzw. fofort zu entlassen, denn nur wenn wir uns auf jeden einzelnen verlaffen können, besteht Aussicht auf Erfolg unferer nächsten Ziele. 6. Am Sonntag, den 12. 10. 24, findet wichtige Führerbe sprechung in Chemnitz statt. Sämtliche Kommandeure einschl. der Zugführer haben zu erscheinen. Vertrauliche Mitteilungen über den Ort der Zusammenkunft folgt noch. Bei dieser Besprechung werden die neuen Ausbildungsvorschriften ausgegeben, damit eine einheitliche Ausbildung vor sich gehen kann. 7. Ich mache es jedem Führer nochmas zur Pflicht, sich unter allen Umständen über die genaue Sfimmung seiner Untergebenen zu efft EDEL WIE DER NAME Das Regiment jetzt sich zusammen aus drei Bataillonen, das Bil. zu je 4 Kompagnien, die komp. zu je 3 Zügen, der Zug zu je 4 Gruppen à 8 Mann. Regiments- sowie I. Batl.- Stab befindet sich in Chemnitz. Der Stab des II. Batl. in Hohenstein- Ernstthal und der Stab des III. Bail in Marienberg. Zum I. Ball. gehören: Chemnitz, Einsiedel, Neukirchen und Frankenberg, zum II. Batl.: HohensteinErnstthal, Gersdorf, Lichtenstein- Callnberg und Delsnih, zum III. Bafl.: Marienberg, Großolbersdorf, Grünhainichen, Waldkirchen, Borstendorf, Wünschendorf, Cippersdorf und Lengenfeld. § 3. Ludendorffbereitet seinen nächsten Butsch vor. Das ist das Geheimnis des Frontrings. Die Deutschnationalen aber, denen es nicht geglückt ist, die Republik auf faltem Wege zu überrumpeln, schicken Ludendorff Hals über Kopf ihre Deputationen und lassen um gut Better bitten. Sie möchten, um Gottes Willen, mit von der Partie sein, wenn die Sache nur 51 Proz. Aussicht auf Erfolg hat. Und die Reichsregierung? Wähler und Wählerinnen! Sorgt dafür, daß am 7. Dezember eine Regierung ans Ruder kommt, die sich nicht, wie die letzte, von den deutschnationalen Phrasendreschern Sand in die Augen streuen läßt! Am 7. Dezember muß auf= geräumt werden mit dem monarchistischen Putsch und Lügengesindel! Wähler und Wählerinnen! Sorgt dafür, daß am 7. Dezember ans Ruder kommt eine republikanische Regierung der Tat! Aus der Partei. Prager Trauerfundgebung für Czermat. Prag, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Den Maffen der Arbeiter war es nicht gegönnt, dem toten Führer Karl Czermat das letzte Geleit zu geben. Fern von den Stätten, die das eigentliche Gebiet seiner Arbeit waren, ist Kart Czermat zu Grabe getragen worden. Aber aus allen Teilen Deutschböhmens hatten sich in Prag Bertreter der proletarischen Organisationen eingefunden, um von dem toten Genossen Abschied zu nehmen. Groß war auch die Zah der offiziellen Gäste. Die Regierung hatte ebenfalls einen Vertreter entsandt. Eine große Delegation stellte die tschechische Sozialdemo fratische Partei. Viele rotbebänderte Kränze waren am Grabe niedergelegt, darunter ein Kranz der reichsdeutschen und österreichischen Sozialdemokraten. Arbeiterturner trugen den mit roten Nelken bedeckten Sarg an das Grab, an dem Genosse Dr. Czech Worte der Würdigung sprach. Für die tschechische Sozialdemokratie sprach Genoffe Dr. Soukup, der darauf hinwies, daß Genoffe Czermat bestimmt gewesen wäre, am fonstruktiven sozialistischen Wiederaufbau im Staate mitzuarbeiten. Das tschechoslowakische Proletariat werde das große Vermächtnis des Verstorbenen in Ehren haiten. nach weiteren Trauerreden und Sängerchören sentten sich die roten Fahren über das Grab. Aufnahme finden nur echte National- Sozial ften, über 18 Jahre, die jederzeit bereit sind, mit dem äußersten für unsere heiligen Biele einzutreten. Der Aufnahme selbst geht Ausfüllung und Ein. reichung des als Beilage I beigefügten Aufnahme und Verpflichtungs. scheines voraus. Sämtliche darin gemachten Angaben sind sofort gründlichst nachzuprüfen. Nur ganz einwandfreie Leute dürfen auf genommen werden. Als Sicherheit müssen mindestens 3 bereits längere Zeit im Regiment befannte Kameraden für den Neuaufzunehmenden Bürgschaft leisten. Die Aufnahme selbst entscheidet ledig. lich der Kompagnieführer. Neuaufnahmen finden nur als Schüßen ftatt, jedoch können, soweit Stellen frei find, ehemalige Militärd enstgrade als Borgefeßte eingestellt werden. Jeder dem Regiment An gehörige hat seinen Borgefeßten gegenüber unbedingten Ge. horsam zu leisten, desgleichen über die Vorgänge im Regiment größtes Stillschweigen zu bewahren. Zuwiderhandlungen Parteinachrichten werden mit sofortiger Entlassung geahndet. Die Bereidigung hat durch die Herren Kompagnieführer zu erfolgen. § 4. Die Ausbildung sämtlicher Regimentsangehöriger hat nach den Richtlinien der A.B.3. zu erfolgen, ebenso ist für Ausbildung Don genügendem Sanitätspersonal durch völkische und nationale Aerzte Gorge zu tragen, eventuell find diefelben als aftive Mitglieder zu gewinnen. 3weds Ausbildung mit dem Gewehr ist mit deutschen Schüßenverbänden in Verbindung zu treten. Marsch übungen sowie Turnübungen find sehr zu pflegen. § 5. Als Uniform dient die felbgraue Stiefelhose, ebensolche Bidelgamafchen, Windjade und Hitlermüße sowie ein Be briemen mit Hakenkreuzschloß. Die Offiziere haben einfache Leberriemen mit Schnallenschloß und Schulterriemen. An der Müze befindet sich schwarzweißrote Rotarbe und ein einfaches Haten. treuz. Ferner muß jeder im Besitze einer Dede, eines Brotbeutels, einer Feldflasche und eines Trinkbechers sein. § 6. An Dienst graden fommen in Betracht: Untergruppenführer, Hauptmann, Major, Oberstleutnant, Oberst und General. Für die Gruppenführer, Unterzugführer, Zugführer, Leutnant, Oberleutnant, Raffenangelegenheiten: Unterzahlmeister, Zahlmeister, Oberzahlmeister Rechnungsrat, Oberrechnungsrat. Ausgabe von Rangabzeichen folgt demnächst. Beförderungen von tüchtigen Mannschaften zu Unterführern erfolgt nach Borschlag von dem Kompagnieführer durchs Batl., zu Offizieren durchs Regiment. Ehemalige gediente Soldaten find unter allen Umständen zu berüdfichtigen. Die Offizierslaufbahn steht für jeden Tüchtigen offen. Für Die Mannschaft und Unterführer find Stammrollen, für die Genoffe Josef Wiedenhofer- Wien, Mitglied des Nationalrates und Sekretär des Metallarbeiterverbandes, ist im Alter von 51 Jahren nach furger Krankheit gestorben. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, * für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts. au richten. Die Kreisleiterinnen müffen bis heute mittag 12 Uhr( Telephon 5086 Dön hoff) die Wählerin" bestellen. Anzahl und Speditionsstelle angeben. Rommunalbeamten- Werbeausschuß! Donnerstag nachm. 44 Uhr wichtige Sigung Klosterftr. 68, 1 Tr., Gigungsfaat. Besprechung der Wahlarbeit. Alle Bureaus und Betriebe müssen vertreten sein. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Mittwoch, den 5. November, 71 Uhr, Beamtenwerbeabend bei Rösner, Immanuelfirchstr. 25. 14. Kreis Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde! Jugendheim Bergstr. 29 am Donnerstag, ben 6. November, 7½ Uhr, Selferfihung. Jeden Donnerstag von 5-7 Uhr Schachspielturfus für Kinder, 20. Streis Reinidendorf. Sämtliche Abteilungen des Rreises besuchen die am Mittwoch, den 5. Nopember, abends 7 Uhr. in Sartmanns Brauerei, Reinickendorf Weft, Scharnweberstr. 101/104, stattfindende öffentliche Ver Jammlung. 27. Abt. Mittwoch, den 5. November, abends 716 Uhr, Funktionätigung bei Lenfer, Kopenhagener Str. 37. Heute, Mittwoch, den 5. November: 31. t. 7% Uhr Funktionärfonferens mit den Betriebsvertrauensleuten bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Besprechung der Wahlarbeit. 38. Abt. Bildungstommiffion! 6 Uhr Rönigsbant, Gr. Frankfurter Straße. 133. bt. Buchhola. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Roffad, Sauptstr. 71. Jungfozialisten. 6 Uhr RdA., Belle- Alliance- Str. 7/10, Arbeitsausschußfizung. Morgen, Donnerstag, den 6. November: 38. bt. 7 1hr Gigung fämtlicher Funktionäre, Betriebsvertrauensleute, Elternbeiräte bei Bauer, Große Frankfurter Str. 1. 52. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Bade, Raiserin- Augusta- Allee 52, Funktionärsigung. 79. Abt. Schöneberg. Pünktlich 8 Uhr im Lotal Groß. Gedanftr. 17, Funktionärsikung. Wichtige Tagesordnung. Alle Funktionäre und Funktionärinnen fowie Betriebsvertrauensleute müssen erscheinen. 37 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr große erweiterte Funktionärversammlung im Lokal Sur Linde", Friedrich- Rarl, Ede Werder Straße. 105. Abt. Ablershof. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Gedanstr. 3. Vortrag des Genoffen Robert Breuer: Auf, in den Wahlkampf." Gäste willkommen. 110. Abt. Grünan. 8 Uhr bei Stegemann, Köpenider Str. 15, Frauenabend. Die Faltenberger Genoffinnen find eingeladen. 143. Abt. Waidmannsluft. Donnerstag, den 6. November, abends 7% Uhr, im Lotal Busch. Oraniendamm 10, Extra- Rahlabend. Wichtige Tagesordnung. Offiziere Ranglisten zu führen, lettere werden beim Regiment Vorträge, Vereine und Versammlungen. Heere, und zwar erhält die Gruppe von 8 Mann einschl. des Untergruppenführers einen Gruppenführer, 2 Gruppen noch einen Unterzugführer dazu usw. Das Batt. muß haben 1 B.D., 1.D., 1 Abit. und 1 3ahlmeister. Einsetzung derselben erfolgt auf Vorschlag durchs Regiment. § 7. Jede Komp. hat wöchentlich 1 Cifte der in ihrem Bereich wohnhaften eventl. im Ernstfall als Geijel in Betracht tommender hoch gestellter jüdischer personen einzureichen. Ebenso über die Führer der Linksparteien und Rebatteure der Lintszeitungen. Zusammenstöße mit dem Reichsbanner find soweit wie möglich zu vermeiden. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Geschäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Kameradschaft Prenzlauer Berg. Am Mittwoch, den 5. November, pünktlich 7% Uhr, Turnhalle Seinersdorfer Straße. Rusammen tunft fämtlicher Mitglieder. Mitteilungen des Borstandes und Aussprache über eine fehr wichtige Angelegenheit. Kamerabschaft Tempelhof. Am Mittwoch, den 5. November, Treffen am Bersammlungsplan vor dem Boftamt in Tempel. hof, abends Uhr. Am Freitag, den 7. November, öffentliche Rundgebung abends 7 Uhr in Serolds Feitfälen in Mariendorf, Chauffeestraße. Ramerad Otto Ruschte. Kamerabschaft Lichtenberg, Untergruppe Mahlsborf. Ant mittwoch, den 5. November, abends 8 Uhr, bei Anders, Bahnhofstraße, außer. zählta erscheinen und Mitgliederfarten abholen. Republikaner willkommen. ordentliche Mitgliederversammlung. Ref.: Martin Stein. Mitglieder vollKameradschaft Friedrichshain. Am Donnerstag, den 6. November, Turnhalle Dieftelmeierfte, 5, abends 7% Uhr. Pünktliches Erscheinen Pflicht. Ramezab schaft Köpenie. Am Donnerstag, den 6. November, abends 7 Uhr, in der Aula der Dorotheenschule, Köpenick, Freiheit, Mitglieder- und Werbeverfamm. lung. Referenten: Frans v. Buttkamer, Chefredakteur Nuschte. Dr. Sammerich. Kamerabfchaft Kreuzberg. Am Donnerstag, den 6. November, abends 7 Uhr, bei Bieler, Dieffenbachstr. 76, Borstandssigung, Blod- und GruppenStamerabfchaft Reinidendorf. Am Mittwoch, ben 5. November, abends 7 Uhr, in Sartmanns Brauerei, Reinickendorf- Weft, Scharnweberstr. 101/104, Treffen fämtlicher Rameraden. führer. Erfcheinen Pflicht. 3ch erwarte von einem jeden Angehörigen des Regiments, daß er sich voll und ganz unter seine Führer stellt, and falls der Tag hereinbricht, wo endlich Abrechnung gehalten wird mit den nopemberverbrechern von 1918, mit Ceib und Seele 7 Uhr in der Rönigsbant, Große Frankfurter Str. 117. für die heilige Bewegung einjeht. Bis Herausgabe der Dienstvorschriften der Reichsleitung bleiben vorstehende Dienſtvorschriften bestehen. Chemnih, den 1. Oftober 1924. 6 Heil! C. Hereth, Regiments tommandeur. MASSARY Männerchor Friedrichshain. Die Gangesbrüder treffen fich Mittwoch abend Reichsbund ber Kriegsbeschäbigten! Teilnehmer und Sinterbliebene. Orts gruppe Gilden! Mittwoch, den 5. Ottober, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Gliefing, Waffertorstr. 68. Vortrag des Gen. Sitke: Reichstagswahlen und Kriegsopfer." Berein der Freidenfer für Feuerbestattung E. B., Mariendorf, Bezirk 13. Donnerstag: den 6. November. abends 7 Uhr, in der Schulaula KurfürstenStraße 54. Mitgliederversammlung. Bund heimattreuer Ostpreußen. Bezirk Norben, feiert am 8. November. 7% Uhr, in Dietrichs Ballhaus, Brunnenste. 34, fein diesjähriges Stiftungsfeft. Gäste millkommen. ROAL EINE ZIGARETTE VON RANG 58 Orni Tropfen: Lewing- Theater Kaol Heute Hänsel u. Gretel Gr. Kindermärchen Täglich 8 Uhr: Die große Revue: Wien gib acht! Ueb.150Mitwirkende Deutsch. Künstlertheat. Täglich 7, Uhr: Der Tanz um die Liebe Operette in 3 Akt. von Osk. Strauss Martha Serak Erikav. Theilmann Paul Graetz/ Robert Nästlberger Robert Scholz Hans Wassmann Georg Baselt Erich Walter Mus.Leit.: M. Roth Tänze H. Lingen Bühn Bild: E.Stern Lustspielhaus Täel& Uhr Die Hand aufs Herz Zwillingsschwester ist die beste Oel- Politur für alle Metalle Sparsamer als Putzwasser Überall zu haben! Theater, Lichtspiele usw. Lustso, v L.Fulda Rate Dorsch/ Joh. Riemann Hans Junkermann Neues Operettenhaus Täglich 8 Uhr R. Valentin/ Lis! Raristadt in !.. Vorstadttheater" SCHUTZ- MARKE DETHOMPSON'S SEIFEN SCHUTZ- MAR Dr. Thompson's Seifenpulver Rennen zu Strausberg Burleske v. Karl Valentin Mittwoch, d. 5. November Wallner- Theat. Tägl. 8 Uhr David u. Goliath nachmittags 121, Uhr Fahrplan: Charlottbg.ab 10.19 10.40 10.25 10.46 10.40 11.01 10.46 11.07 Zoo Goethe- Bühne Friedr.- Str." Klosterstr. 43 Täglich 7% Uhr: Die natürliche Staats- Theater Rose- Theater TOCHTER Opernhaus 7 U Zwingburg Opernhaus am Königsplatz 7 Unr: Madame Butterfly Schauspielhaus 72 Wallenst. Lager Die Piccolomini Schiller Theater 7% U.: Dr. Klaus Volksbühne 7 Schneid. Wibbel Deutsch. Theater 7 Uhr. Die heilige Johanna von Bernard Shaw Regie: M. Reinhard: Kammerspiele 8 Uhr: Die tote Tante und andere Begebenheiten Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 8 Unr Der Diener źweler Herren von Carlo Goldoni Regie: M. Reinhardt Theater 1. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr Der Mann ohn.Moral Th. a. Nollendorfpl. 7.30: Die Geliebte Sr. Hohelt mit Fritzi Massary Komödienhaus 8 Uhr: Karussell Berliner Theater 7.30 Uhr: Der süße Kavalier SCALA Tägl. 8 Uhr: Grock und 11 internation. Künstlertruppen bilden eine Varieté Revue Th. im Admiralspalast Täglich 84 Uhr Die größte Revue der Welt: Noch und Noch" Sonntag 2 vorstellungen in erster Besetzun 3 u. 8 Uhr Central Theater U.: G'wissenswurm Deuts Opernhaus 7 Unr Die toten Augen Intimes Theater 8: Liebeskonzern Tempo Tempo! Metropol- Theater Tägi. 712 Uhr: Gräfin Mariza Neues Th. am Zoo Taglien 8 Uhr Rer Bombenerfolg Die Frau ohne Schleier Märca enspiele Sbd. 8., 3 U. z. 1. M.: Fzifitz. der Imme schneider Th. i. Kommand. Str. Täglich 8 Uhr: Der neuest.Schlager von Hugo Hirsch Wenn man vers liebt ist.. mit Molly Wessely Siegfried Arno Dir.: B Rose 3/48 Uhr: Titelrolle: Else Heims Abonnenten Alt- Heidelberg halbe Kassenpreise Uhr Große Volksoper 7 Uhr Der Wildschütz KOMISCHE OPER Direktion: James Klein 8 Uhr Allabendlich 8 Uhr GRÖSSTE REVUE ALLER ZEITEN „ Das hat die Welt noch nicht gesehn Darsteller: Bruno Kastner Paul Westermeier Hugo Flink Siegfried Berich Else Berna Hanna Gorina Lotte Werkmeister Miss Nielsen Sensations- Bilder Legende vom Nil ( Ballett unter Wasser) Perlenballett ( mit lebendem Diadem) Straußfedernballett Riesenspielzeug ( 90 Zwerge und Knaben) Zillebilder Unter einem Frauenrock Spiegel- Ballett Auftreten der fabelhaftesten span. Tänzer Vorverkauf ununterbrochen Apollo8 Uhr 8 Uhr Theater Direktion: James Klein Die erste große Revue- Posse Das lachende Berlin Paul Beckers a. G. Senta Söneland Eise Balzer- Lichtenstein usw. Unter anderem: Die lebende Schreibmaschin Das Massen- Himmelsbett Die Wembley- Ausstellung Parkett 2,50 Eintrittspreise! Kleine " Alex.- Pl Schles. Bhf ab 10.52 11.15 11 25 12.25 1.25 Strausbere an 11.25 1153 12.15 1.15 2.15 macht die Wäsche blendend weiss. Möbel auf Kredit! An- und Abzahlung nach Belieben! Schlafzimmer, Küchen, Einzelmöbel Riesen Auswahl! Landwehr Müllerstraße 7, vorn 1 Treppe ( an Wedaingplatz) fs ist die feinheit! Moser Roth Drum iss u. trink! Schokolade u.Kakao Vertreter: Hans Handtmann, N 54, Zionskirchplatz 13, II Kleines Th. Gr. Kinder- Vorstell. Circus Heute 4 U klein. Pr. im Trianon- Th. Sehneewittchen Heute Mittw. 4 Uhr Gr. Kindermärchen Täglich 8 Uhr: Preise ab 60 Pt. Gr Zaubermärchen Tilla Durieux in Rotkäppchen Ein idealer Gatte Die Zauberbrille Daza die entzück. Sensation Busch Tgl.7, Stgs. a.3 U. Neue Sensation. Danertaucher Kapt Wall's RiesenTh.i.d.Gem.- Turnhalle Krokodile Residenz- Theater Weißensee, Pistoriusst.23 Der Kampf Dir.: Fel. Meinhardt Sonnt. abds 7% Uhr unt. Wasser 8 Uhr: W. Heiden- Heinrich Die vier kurze Zeit verlängert! in: Schlaumeier Die Abenteuerin Auto- Rennen Operette von Grzyb in der Luft!! Mus. v. W W. Goetze Sonnab. 4 U. kl. Pr. Preise: 80 Pf. b. 2 M Hänsel u. Gretel Täglich 8 Uhr: Die berühmten Ikarier Bonhair- Truppe Trianon- Th. Casino- Theater Abends z. Schluß: Lothringer Str. 37 Tägl. 8 Uhr Wasserschaustück Solott' Satan Weib! Neu! Carmen Nur noch kurze Zeit Erika Gläßner, Berliner Volksstück in 6 Bildern Sonnt. nachuo. zum Schluß: Manage- Märchenspiel Berliner Humor, Berliner Typen Jul.Falkenstein Vorher. Bunter Teil Dornröschen Nachm. halb.Preise u. Ferd. Bonn Volkstüml. Preise WINTER TORTEN VarietéSpielplan METROPO VARIETE 8 Uhr Das unver leichliche NovemberMagen nehmen Rauchen gestattet! Programmten Reichels Magentropfen, das erprobte Rezept M.1 u. 2,50. Jn Drogerien ut Apotheken, sonst bei Metallbetten Otto Reichel, Berlin 43. Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv SO. 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Die Partei, die das Führermonopol gepachtet zu haben glaubte, ist in der tödlichsten Verlegenheit. Wir hatten immer geglaubt, die Deutschnationalen müßten die wirklich großen Führer dutzendweise auf Vorrat lagern habeu. Wir hatten angenommen, man könne von ihnen aus Wunsch Dutzende von Adressen, Name, Straße. Hausnummer von wirklich großen Führern erfahren. Aber Enttäuschung! Gestern abend lasen wir in der„Kreuz-Zeitung": „Schafft Männer, national und christlichgesonnen, an die Spitze des Stoptes. die«inen Willen besitzen. Es kommt heut«, gs» rode bei der verzweifelten und verwickelten Lag« des geknechteten Deutschlands nicht auf Zungenfertigkeit an, die bei uns so est mit politischer Begabung verwechselt wird, weniger auf die Vielseitigkeit der Kenntnisse, weniger auf die taktisch« Gewandtheit, ots auf die Energie. Danach sollte man auch in den nationalen Kreisen die Männer auswählen, die in die Volke- Vertretungen entsandt werden sollen. Das deutsche Volk braucht Führer. Sie müssen zu finden sein. Denn so arm ist kein Volk, vor allem aber nicht ein Volk mit einer großen Ueberliefe- rung wie das deutsche/ Wo sind also dk großen Führer? Mit der Behauptung: „sie müssen zu finden sein" ist uns nicht gedient. Die großen Führer der Deutschnationalen sind merkwürdige Gestalten. Sie sind nur in der Behauptung da, in der Idee, in der Ein- bildung der Deutschnationalen. Die Herren von der Deutsch- nationalen Partei, die samt und sonders keine Führer find, trösten sich mit dem Gedanken, daß, geheinmnisvoll verborgen, schließlich doch einer unter ihnen leben könne. Auf die Frage: wo er sei, antworten sie stolz: er muß zu finden sein. Fawohl, er muß zu finden sein! Wenn die Deutschnationalen ober nur wüßten, wie er aussehen muß. Auf Zungenfertig- feit— siehe Hergt— kommt es nicht an, auf Kenntnisse auch nicht, nur auf die Energie. Der starke Mann, wie er im Buche steht, etwas dumm zwar, etwas stotternd, aber energisch, energisch, das ist ihr Mann. Sie müssen zu finden sein, haben die Deutschnatwnalen schon oft genug gesagt. Aber jedesmal war es eine Pleite, wenn sie glaubten, den großen Unbekannten nun wirklich ge- firnden zu haben. Herr H i n d e n b u r g war doch nicht etwa der große Führer oder kam er dem deutschnationalen Ideal nahe? Oder etwa Herr Ludendorff? Von der Pleite braucht man nicht zu reden. Und wie war es schließlich mit Herrn Kopp, dem starken Mann, der so lächerliches Fiasko erlebte, und wer denn nun? Etwa Herr T i r p i tz? Herr Wallraf? Herr Hergt? Oder gar Herr Äinckler? Es steht schlecht um die Auffindung des großen Unbe- kannten, der unter uns lebt, ohne daß wir ihn kennen, und der neben glänzenden Führereigenschaften und der Gabe des Geschickes, Führer au sein, selbstverständlich die deutschnationale Parteizugehörigkeit besitzt. Vielleicht veranstalten die Deutsch- nationalen ein Preisausschreiben mit Pelzen und Driketts über die Frage:„Wie finden wir den großen Führer?" !�ie haben es nötig, denn sie möchten Friedrich Ebert '-"rch emen„nationalen Führer" ersetzen. Die„Kreuz- Zeitung" schreibt: „Aus diesem Grund« kann es für den Wiederaufbau der Na- tion nicht genügen, wenn es gelingt, eine schwarzweiß- rote parlamentarisch« Mehrheit durch die Wahlen zu erlangen, sondern wir müssen schleunigst Umschau halten nach einer Persönlichkeit, die den sozialistifchen Vertreter auf dem Präsidentensitz durch einen nationalen Führer er- fttzt." Also dafür muß ein Führer gefunden werden. Es ist immerhin schmerzlich für die Deutschnationalen, daß die Sozialdemokratie nicht auf die Suche nach dem großen Unbe- kannten angewiesen ist. Die Persönlichkeit Eberls kann keine deutschnationale Gehässigkeit herabsetzen. Die Deutschnatio- nalen haben, wie sie meinen, das Privileg auf große Führer. Sie haben das Monopol auf Bildung und Besitz. Aus engsten gesellschaftlichen Zirkeln heraus glauben sie große Persönlich- leiten erzeugen zu können. Aber die Geschichte ist gegen sie. Sie suchen und suchen, und sie finden niemand, dem sie der ans dem Volke erwachsenen Persönlichkeit entgegenstellen könnten, die sie gerade deswegen ausrichtig hassen. die Partei drehscheibe. Von Minister Severing beleuchtet. Bielefeld. 4. November.(Eigener Drahtbericht.) Auf dem sozial- demokratifchen Dezirksparteitag für das östliche Westfalen und Lippe zu Herford hielt der preußische Innenminister Genosse Karl S«v«. ring«in großzügiges politisches Rafevat. Zur innerpolitischen Log« sagte er u. a.: „Gegenüber der Lac,« vor dem 4. Mai sind crnige Aenderungen fm�trcien. Die bun�rlichen Parteien stehen imter sich in einem anderen Verhältnis: die Demo traten stehen heute entschiedener links imd die Dolksparter entschiedener rechts, das Zentrum aber ent- sprechend seinem Namen wiederum in der Mute. Ursache der Der- Schiebung ist nicht nur der 29. August mit dem Svproz. Umfall der Deutschnationalen. Teile des Zentrums und besonders die Volks- pardei hatten ja schon v o r dem 29. August den Deutschnativnalen Versprechungen gemacht. Sparer sind dies« Parteien dann von den De utschnaii onalen immer dringender gemahnt worden. Schon auf dem Parteitaz der Volks Partei zu Hannover würde zuerst die verstärkte Parole„Anlehnung an die Deutfchnationalen. Kampf .zogen die Sozialdemokratie" ausgegeben. Ihrer Tradition roch ist die Dolkspart.'i schon b»her sehr o e weglich gewesen. Sie ist aber nun noch beweglicher geworden. Nach dem Hamburger Wo ist- rehritet ist jedoch in dieser Partei die Parole Anschluß nach rechts kleinlauter geworden. Man weiß nicht, was noch kommen mag.(Große Heiterkeit.) Man darf in der Politik nicht starr fein. aber «ick«o von Stimmungen und Tageserscheinungen leiten lassen wk die Volkspariel ist sicher da» größere Hebel. Unsere Aufgabe im Wahlkamps ist neben den anderen, die Behaup. tung der Volkspartei von exem„Versagen der Sozialdemokratie" gründlich zu widerlegen. Wenn es'rgendeine Partei gibt, die anderen Parteien-in Zeugms über polüssch« Charakterfeste,. mcht ausstellen darf, dann ist es gerade dr« unaufhörlich schwcmkend« Volkspartei. Wo war denn diese Partei, wo waren ihre Führer 1918? Sie waren nicht da! Ihre Führer waren politisch ob- hachlos und suchten sich einen politischen Schlupfwinkel. Als die anderen das Odium des Friedensvertrags auf sich nahmen, da trat d'e Volkspartei mit ihrem bekannten Spruch hervor:„Von roten Ketten macht uns frei allein die Deutsch« Vo.ks- partei." Als dann die Volkspartei nach der Reichstaaswahl 1920 in die Reichsregierung eintrat, da vergingen keine vier Wochen und dieselben Leute gingen noch S p a' Das Ergebnis von Spa war mindestens ebenso drückend wie das von Versailles. Di« Heinze und Scholz kamen aus Spa zurück und sie halten zu- gestimmt. Sie hatten auch der Kohlenzwangslieferung an Frankreich und dem Eingriff in die Polizeigewolt zugestimmt! Alto ein ewiges Schwan- ken in der innerpolitischen Einstellung. Was bat die Volkspartei 1921 versucht, alz es darum ging,«ine vernünftige Linie für die Erfüllungspolitik zu finden? Wären Demokraten. Zentrum und die Sozioldemo traten den Ratschlägen der Volkspartei gefolgt, dann hätten wir außenpolitisch noch Schlimmeres an Rhein und Ruhr erlebt. Dann gäbe es kein«in'ges Deutschland mehr. Dann wären wir wohl«in Kolonialstaat geworden. Auch an der Regierungszeit des C u n o- Kabinetts und der schlimmsten Katastrophen in den letzten Iahren muß der Deutschen Volkspartei ein gerüttelt Maß von Schuld zugesprochen werden. Sie hat damals begeistert ihren Becker-Hessen präsentiert. Deutfthnationale Wahlgebete. »Die Deukschnalionalen bitten um einen Wahlsieg!" .häng' an. das ist heule schon da» zwanzigstemaii" Herr Hermes blieb zwar auch im Bau, aber heute wollen selbst Zentrumsleut« von der Tätigkeit eines Hermes nichts mehr wissen. Eindeutig muß aber festgestellt werden: die Sozialdemokratie ist immer dann eingesprungen, wenn es brannte. und daß sie dann die Prügel bekam, die die anderen ver- dient hatten. So war es auch wieder i m M a i 1 9 2 3. In diesem Monat sah man im Reichstag lang« Gesichter, auch bei der Volkspartei. Die Volkspartei hat damals i>k Sozialdmnokpi'tie inständigst gebeten, sie möge in dos Reichskabinett«in- treten, und zwar so schnell wie möglich. Wer binter die Kulissen des vergangen-n Jahres geschaut hat, der wundert sich nicht über den volksparteilichen Vorwurf, daß die Sozialdemokratie versagt habe. Denn mit der Hilf« der Sozialdemokratie wurden die schwercit Folgen des R u h r a b e n t« ue r s liquidiert, die die deutsch- national. volksparteilich« Front dem deutschen Volk eingebrockt hatte. Genosse H i l s e r d i n g deckt« damals schonungs- los dos Elend der deutschen Finanzen auf. E r stoppte die wild« Notendruckcrei und bracht« die Industrie Westfalens wieder in Gang, damit Westfalen ohne Reichs mittel«eine Bevölkerung«r- nähren könnte. Man hat Hllfeiding den Vorwurf gemacht, er habe nicht schnell genug die Rentennrark geschafsen. Meines Erachtens war es seine größte Tat, daß er den stürmischsten Drängern in dieser Hinsicht nicht so schnell nachgab, sondern mit dem wertbeständigen Zahlungsmittel so lange wartete bis der Geldstrom nach dem Ruhrgebiet abgedämmt war. Sanft wäre ja die Rentenmark nicht stabil geblieben! In sozialpolitischer Hinsicht ist die Sozialdemokratie ebenso fest geblieben, und sie ist besonders fest geblieben, soweit es sich um das gleiche Recht aller Reichsbürger und aller Bundesländer handelt«. Sie ist für gleiches Recht auch dann eingetreten, als man Sachsen und Thüringen mit der Reichsexekutive bedachte. Bayern aber ungeschoren liest Auch heut- treten wir noch— entgegen de» Zielen der Volks- partes— für ein erhöhtes Lohnniveau, für eine ge- sund« Regelung der Arbeitszeit«in. weil wir der Ansicht sind dast man nur mit einer zufriedenen und einer gut- gestellten Arbeiterschaft in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig bleiben kann. Severing wandte sich dann gegen die DeusschnaSonalen und sagte iL Ein« politische Partei must ehrlich sein. Wer aber am 29 August vormittags noch erklärt:„Unser Banner ha! nie geschwankt!" und sagt, daß di« Zustimmung zum Dawes-Gut- achten Volksverrat sei und nachmittags umfällt. l>at keinen Anspruch mehr darauf, politisch ernst genommen zu werden. Zum Schluß feiner Ausführungen, die mit großem Beifall be- dacht wurden, forderte Severing auf. diesmal olles daran zu setzen, daß wir einen Reick?s!ag des Friedens und einen Reichstag der Republik erhalten: Unf.-r Ziel im Wahlkamps muß zunächst lein, ein« Mehrheit zu erhalten, die eine Abänderung der Ver- fassung ein für allemal unmöglich macht. Wir hoben«inen Bundesgenossen im Komps: Zuversicht und Begeisterung. Mu diesem Bundesgenossen wird es uns gelingen, bei der Wahl am 7. Dezember' an dos schwarzrotgolden« Banner rote Bänder zu heften. Der Ausammenbruch üer KPD. Wie es hinter den Kulisse» aussieht. Die Kommunistisch« Partei verzichtet im Gegensatz zu den alten Traditionen der Arbeiterbewegung darauf, über ihren Mitgliederstand und ihre wirkliche Stärk« öffentlich abzurechnen. Sie behauptet, das aus Illegalitätsgründen nicht tun zu können, in Wirklich- keit hat sie ganz ander« Gründe. Wenigstens ging sie im vorigen Jahr, als ihr« Bewegung zunahm und sie glaubte renommieren zu können, dazu über, Zahlenmaterial mitzuteilen. Wenn man der„Roten Fahne" Glauben schenken soll, muß sie im Herbst vergangenen Jahres 40999 zahlende Mitglieder gehabt haben. Um so wertvoller ist es, aus dem Bericht der Verliner Bezirksleitung auf einem Bczirtsporteitag zu entnehmen, wie die w i r l- l i ch e Stärke im Bezirk Groß-Berlin und im Bezirk Provinz Brandenburg gewesen ist. Nach dem vorliegenden Abrechnungsbericht zählte die KPD. an zahlenden Mitgliedern in Groß-Berlin. Männer Erwerbslose u. Frauen Mär, 1924.... 8964 6991 April...... 12 642 19252 Mai...... 8 964 5 496 Juni...... 8 682 5 500 Juli...... 11 630 6 510 August...... 11 488 6 129 Brandenburg. März 1024.... 1 895 754 April...... 1457 1081 Mai...... 1 739 565 Juni...... 1 523 879 Juli...... 2 418 654 August...... 2 787 777 Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist zu berücksichtigen, daß sie sich auf die Zlbrechnungen der Bezirke stützen und infolgedessen die wirkliche Stärk« aus dem ungefähren Durchschnitt mehrerer Monate zu entnehmen ist. Selbst wenn man sehr weitherzig rechnet, bleiben danach zurzeit höchstens 29 999 zahlende Mitglieder in Berlin und 4999 Mitglieder in der Provinz Brandenburg übrig. Die Kommunistische Partei ist demnach in ihrem Mitgliederbestand« wieder weit zurückgeworfen, sie hat in dem letzten Jahre d i« H ä l f t e ihrer Mitgliedereingebüßt, und, was das Entscheidend« ist: diese Rückwärtsentwicklung geht weiter. Wir wünschen Ruth Fischer und Schalem«in langes Leben, sie werden die KPD. schon auf den Hund bringen. Den Rest werden ihr unser« Genossen in der Wahlagitation geben. wie sie sich sthächten. Hergt der Diplomatische und die Brüder der Schlauge. Die„Mecklenburgisch« lparte", das Organ der DAtsschen und des rein arischen Herrn von Graes«, höhnt die Deutschnationalen im alttestamentarischen Stile: Da trat aus ein Großer im Lande und sprach: „Wiewohl noch viel« unter euch sind, die noch nicht Mi- n i st e r waren, so wollen wir ihnen auch den Anspruch nicht schmälern. Aber da der Herr der Banken und Börsen es will, daß wir offen seine Ketten tragen, wollen wir auffordern die Söhne Hergts des Diplomatischen und die Brüder der Schlang«, daß sie mit uns annehmen das Diktat der Bank- juden!" Und sie sandten Briefs zu den beiden Oberpriestern und wink. ten von ferne mit Ministerposten. Da kommandierte der Oberste der Priester in seiner Zielstrebigkeit 48 Jasager und er führte auf einen Eiertanz und sagte, als er sich i>;ii Bankjuden unterwarf, seine Mannen wären die nationale Hoffnung, und er hätte den Willen zur Macht. An den Banken und Börsen aber war eitel Wonne und Freude, und die 399 feierten 3 Tage. Di« Ja- und Neinsager ober falzaen bis an diesen Tag im Lande umher und reden gewaltig, schimpfen auf die, die nicht auch kuschen, und weinen blutig« Tränen, da das Trugbild der Ministerposten verschwindet und die Fata Morgan a der Portefeuilles zerfließt. Und da die Stund« gekommen war, da dos Volk einen neuen König wählte, zogen sie durch dos Land und betörten die Leute, auf daß sie ihnen ihre Stiimn« geben sollten, und sie redeten große Worte und versprachen Heldentaten. Das Volk aber merkte, daß die Schlange aus ihnen sprach, und sie verwiesen den Goliath des Landes, weil«r wankcl- mütig geworden war in der Schicksalsstunde seines Bolkes. Und er ging hin. zerriß seine Kleider und weint« bitterlich." So tun sich die Mannen der nationalen Hoffnung untere, inrnder cbl Mit Betrübnis ober sehen wir, wie das Organ des Herrn von Graes« sich auf den alt testamentarischen Stil versteht. Das ist die Stimme des Blurts. Ach. es gibt kein« reinen Arier mehrt Deutschnationale Sauernfreunülichkeit. Ausschluss der Kleinbetriebe von der Berufsvertrehtng. Der Borsitzcndes des Mecklenburger Landbundes, Freiherr von Brandenftein, hat als Ministerpräsident dem Mecklen» burgerLandtag einen Gesetzentwurf über die Neubildung der Landwirtschaftskammer in Mecklenburg vorgelegt. Dieser Entwurf schließt alle landwirtschaftlichen Be. triebe bis zu S Hektar(29 Morgen) Größe von der Kammer aus. Er bringt— wie die„Bossische Zeitung" mitteilt— weiter durch die Teilung des Landes in 17 getrennte Wahlbezirk« eine sichere Kammermehrheit des Großgrundbesitzes. Mit welcher brutalen Rücksichtslosigkeit gerade von den Rechts- Parteien, die immer wieder ihr«„Vauernfreundlichkeit" betonen, in Mecklenburg ihre Machtstellung ausgeübt wird, mögen ein paar stattstische Zahler, erläutern. Nach der Betriebszählung des Jahres 1997 waren in Mecklen- burg-Schwerin an landwirtschaftlichen Betrieben vorhanden: in Größe bis zu 2 Hellor(8 Morgen).... 74712 ,„ von 2—5 Hektar(8—29 Morgen)... 8 462 ,,, 5—29 Hektar(20—80 Margen).. 7 129 .. 29— 190 Hekiar<80-499 Morgen). 5 95! „» über 199 Hektar(über 499 Morgen).. 1 329 Summe 97 574 Von dielen schließt der Entwurf der beiden söge- nannten Volksparteien„nur"......... 83174 oder 85,3 Proz. von der Berufsvertretung aus. Sämtlich« landwirtschaftlichen Kleinbetriebe in den Dörfern, fast restlos all« Ackerbürger der kleinen Städte und Flecken— von den Arbeitnehmern ganz zu schweigen— haben keinerlei Vertretung in der Kommer. So fleht in Wirklichkeit die Bauernfreundlichkeit des Land. bundes, der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei aus! Wirtschaft Um das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat. Bon besonderer Seite wird uns geschrieben: Nach langwierigen Verhandlungen und durch fanften" Drud des Reichswirtschaftsministers wurde am 16. September 1924 die Bereinigung für die Berteilung und den Bertauf von Ruhrtohle 2.-G.", furz Ruhrfohle" genannt, als Rechts nachfolgerin des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats gegründet. Die Gründung war etwas eigenartig, weil 90 Broz. der Zechen sich nach tagelangen Beratungen freiwillig zusammenfanden, während die restlichen damals noch fernstehenden 10 Proz. vom Reichswirtschafts. minister auf Grund der Ausführungsbestimmungen zum Kohlenwirtschaftsgesetz der Vereinigung durch Berordnung zugeführt wurden. Bei den Zwangsmitgliedern handelt es sich ausschließlich um sogen. reine Bechen, die berechtigt und zum Protest fernblieben, weil sie glaubten, durch die starke Ausdehnung der Selbstverbrauchsrechte der gemischten Werte in ihren Intereffen benachteiligt zu sein. Allerbings hatten sich auch große Gesellschaften reiner Zechen, wie Har pener und Hibernia, mit den Bestimmungen des Syndikats. vertrages abgefunden und waren der Bereinigung beigetreten. Ohne Protest dürften aber auch sie diesen Schritt nicht vollzogen haben. Der Reichswirtschaftsminister würde sehr zweddienlich gehandelt haben, wenn er sich vor dem Eriaß seiner damaligen Ber. ordnung den von der Mehrheit der Zechen( gemischte Betriebe) ver, einbarten Synditatsvertrag genauer angefeher hätte. Für diese Unterlassung werden ihm nun furchtbar bittere Wahrheiten gesagt. Die verbündeten Zwangsmitglieder des Syndikats haben sich Gutachten von namhaften Juristen über die Rechtsgültigkeit des Syndikatsvertrages erstatten lassen. In dem gemein famen Gutachten der Dr. Schwering und Dr. Irag ist das Urteil geradezu vernichtend, denn die beiden Juristen führen aus, daß sie den Syndikatsvertrag, so wie er von den Gründern in den Borverhandlungen vereinbart worden ist, wegen Verstoßes gegen die guten Sitten für nichtig halten, unter dem Borbehalt, daß die Sachdarstellung nach den Verhandlungsproto tollen richtig ist. Unter diesem Borbehalt führen sie aus, daß das Syndikat ein Gemisch von Gesegesverlegungen, von willfürlichen Bevorzugungen einzelner mit. glieder und von Benachteiligungen der schwächeren Zechen dar. stell:, wie sie bei einem gemeinwirtschaftlichen Syndikat nicht vor. kommen dürften. Die Syndifate wären zwar formell privatrechtliche Unternehmerverbände, jedoch mit öffentlich rechtlichen Befugnissen und mit öffentlicher Berwaltung be traut" Es müsse als dem An standsgefühl aller billig und gerecht Denkenden zuwiderlaufend angefehen werden, wenn diefe Organisationen der öffentlichen Rohlenwirtschaft dazu aus. genußt werben, den einzelnen schon ohnehin mächtigen Unter. nehmungen Sondervorteile zu verfchaffen, wenn zu diesem Zweck die gemeinwirtschaftlichen Pflichten bet der Gewährung von Selbstverbrauchsrechten und Bewilligung fon ftiger Ausnahmen völlig auß er acht gelaffen werden und menn die mächtigsten Mitglieder fich wechselseitig binden, Anträge anderer Mitglieder auf Erteilung der gleichen Ausnahmebewilligung blindlings abzulehnen". Es mag fühn sein," so wirb weiter aus geführt, ein folches Urteil über einen Bertrag abzugeben, ber bie Grundlage einer ministeriellen Verordnung bildet, und wir haben uns in aller Würdigung dieser Sachlage innerlich lange Zeit gegen eine derartige mittelbare Berurteilung einer Ministerialverordnung gemehrt. Allein die Tatsachen sprechen eine zu deutliche Sprache. Offenbar ist der Minister indem geschickt eine Zwangslage und ein Fall höchster Eile geschaffen wurde überrumbeit morden. Gerade hierin liegt ein weiteres fd mermiegenbes Moment ber Infittithfeit" In gleicher Weise vernichtend urteilt der Rechtsanwalt und Rotar Dr. Friedländer. Er führt aus, daß ber Grunbjaß ber Gleichmäßigteit offensichtlich verlegt märe, und nicht aus gemeinwirtschaftlichen Gründen, sondern in Verfolgung rein privatrechtlicher Interessen". Er verweist hierbei auf den Fall Rheinftahl- Anilin- Konzern, und insbesondere auf den Fall Krupp. Krupp fei in einem Einzelfall ein besonderer Borzug erteilt worden unter gleichzeitiger Bindung ber maßgebenden Ron zerne,„ jede materielle Erörterung auch noch so berechtigter Intereffen in gleichliegenden Fällen" abzulehnen. Das sind vernichtende Urteile, die noch ergänzt werden von dem Universitätsprofeffor Geheimrat Triepel vom Standpunft der fenne. Reichsverfassung aus, die nur die rechtliche Gleichheit aller Einen Punft scheinen die Gutachter noch übersehen zu haben. Dem Reichstohlenrat ist nach den Ausführungsbestimmungen zum Kohlenwirtschaftsgesetz die Pflicht der Genehmigung der Syndifatsverträge zugedacht. Der ftrittige Syndikatsvertrag ift am 16. September abgeschlossen und am 1. Oftober in Straft getreten, ohne daß der Reichstohlenrat bisher zu ihm Stellung genommen hätte. Die Verordnung des Reichs: wirtschaftsministers entbindet den Reichstohlenrat nicht von der Stellungnahme. Es liegt sonach noch eine weitere und anscheinend von den Gutachtern übersehene Gesetzesverlegung vor, die von der unschlüssigen Geschäftsleitung des Reichsfohlenrates begangen worden ift. Auf die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit fann an gespannt sein, aber auch darauf, wann der Reichstohlenrat sich zu feiner Pflicht entschließen und Stellung nehmen wird. Auch ein Schuh nationaler Arbeit". Wohin die unter dem Schlagwort ,, Schuß der nationalen Arbeit" propagierte Hochschutzollpolitik führen fann, nämlich zu einer Be günstigung des ausländischen Kapitals auf Roften der deutschen Industrien, dafür liefert die Konsumgenossenschaft liche Korrespondenz" in folgenden Ausführungen ein intereffantes Beispiel: Seit Anfang 1924 find die zufammengeschlossenen deutschen Delmühlen bestrebt, für Dele und Fette wieder die Borfriegs. zölle zur Einführung zu bringen, Der erfte Antrag der Del mühlenindustrie wurde infolge des Widerstandes der ölverarbeitenden Industrie von der Regierung abgelehnt. Mit dem Auftauchen der landwirtschaftlichen For berungen auf Wiedereinführung der Getreidezölle traten auch die Delintereffenten wieder mit ihrer Forderung auf den Plan; fie hofften, gleichzeitig mit diesen Zöllen auch diejenigen für pflanzliche Dele und Fette zur Wiedereinführung zu bringen. Die Be ftrebungen fließen nicht überall auf den nötigen Widerstand; teilweise fanden fte sogar Unterstützung aus Kreisen, von denen fie nicht erwartet werden durfte. Gegen die Wiedereinführung dieser Zölle wandten sich mehrere Länderregierungen, darunter besonders auch Sachfen, und auch eine Anzahl Handelskammern, darunter in besonders eingehender und tiefgründiger Weise die Hamburger Handelstammer in ihrem Schreiben vom 8. September 1924 an die Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. Mit dem Schwinden der Aussicht auf Wiedereinführung der Getreidezölle verloren die gleichen Bestrebungen der Delindustrie an Aussicht auf Berwirklichung, dagegen hatten die Schußzölner auf indirettem Weg einen ganz ansehnlichen Erfolg zu verzeichnen. Die Reichsfinanzverwaltung hat nämlich eine Verfügung er. laffen, wonach gehärteter Tran als Runftspeisefett erflärt worden ist.( Gewöhnlicher Zollfaz 12,50 mt.) Die Sache liegt so, daß bei der jetzt zu erwartenden Einfuhrfreigabe von Tran auch ber gehärtete Tran nach der richtigen Auslegung unter Bost fion 131 fallen müßte, alfo e infuhrfrei würde, während nun nach der Verfügung der Reichsfinanzverwaltung der gehärtete Tran als Runftspeisefett unter die Bosition 207 fällt und nicht einfuhrfrei ist. Im Zolltarif felbft steht feine Unterscheidung zwischen rohem Deffentl. Wähler- Bersammlungen 7/2 heute, Mittwoch, 5. November, abends 7 Uhr: Friedrichshain: Königsbant, Große Frankfurter Str. 117. Baumschulenweg: Lyzeum Baumschulenstraße. Reinidendorf- West: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 104. Tagesordnung: „ Nieder mit dem Bürgerblod! Es lebe die Sozialdemokratie!" Redner: Otto Meier, Adolf Hoffmann, Wilhelm Landa. Donnerstag, 6. November, abends 71/2 Uhr: Lichterfelde: Aula der Oberrealschule, Ringstraße. Tagesordnung: „ Die Hohenzollern und ihre Vermögensverschiebungen." Redner: Landtagsabgeordneter Otto Meier. Neukölln: Kindl- Brauerei, Hermannstr. 214. Tagesordnung: Die Lügen im Wahlkampf Redner; Adolf Hoffmann. GFSO Augen auf!" Freitag, den 7. November, abends 7/2 Uhr: Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Wilmersdorf: Bittoriagarten, Wilhelmsaue. Tagesordnung: Der Tag der Entscheidung der 7. Dezember. Redner: Anna Geyer, Mielig, Heinrich Schulz. und gehärtetem Tran, ba die Härtungsindustrie sich erst in den letzten 20 Jahren entwickelt hat. Gehärteter Tran ist ein billiges und wichtiges Rohmaterial für die Margarine und Geifenindustrie. lich in der Hand ausländischer Rongerne. Die Interessen Die deutschen Härtungsanlagen befinden sich nahezu ausschließ zweier großer Induftriekonzerne laufen hier zum Nachteil der Berbraucher zusammen. Einmal hält durch diese Berfügung der Reichs finanzverwaltung der Verband der deutschen Delmühlen die ihm un erwünschte Konkurrenz, die der gehärtete Tran als Rohmaterial bilbet, von Deutschland fern, und weiter werden die freien Fa. briten der verarbeitenden Industrie in die hand rinetonzerne gegeben. Was hier vorgenommen wurde, ift der ausländischen englisch- holländischen Marga. als eine direkte Fälschung des technischen Begriffes anzusehen. Die in Frage fommenden Margarinefonzerne verfügen über ein Riefen. fapital und ihre Interessen umfassen, fo weit bekannt, England, Holland, Norwegen, Deutschland und gehen auch nach der Tschecho ffomafei über. Das Kapital einer einzigen, nämlich der englischen Tochtergesellschaft Jurgens Ltd., soll nicht weniger als 10 000 000 englische Pfund Sterling betragen. bote allgemein, befonders aber für so wichtige Rohmaterialien, Es ist zu wünschen, daß die noch bestehenden Einfuhrver. wie die ber Del- und Fettindustrie, bald verfchminden und damit auch die noch notwendigen jedesmaligen Gesuche um Einfuhr erlaubnis überflüssig werden. Die Einführung von 3.0llen auf diret'em oder indirettem Weg auf gute und billine Rohmate. rialien, wie fie für die Margarine- und Seifenindustrie hier bringend benötigt werden, sollten im Interesse der Verbraucher. industrie und der Verbraucher in Deutschland unmöglich sein. nicht in den Krieg verwidelt waren oder aus dem Bölferkrieg als Es ist bezeichnend, daß die Bolltarife berjenigen Länder, bie Siegerstaaten hervorgegangen find, soweit bort Zölle erhoben wer den, folche für Dele und Fette, fomeit befannt, nicht eingeführt haben. Das wirtschaftlich darnieberliegende Deutschland und die fchwer um ihre Eristenz ringenden deutschen Gehalts- und Lohn empfänger fönnen sich den Lurus der Abführung von Sonderver. günstigungen für solche monopolisierte Interessengruppen erst recht nicht leisten. Getreide für die Branntweinherstellung! Der Reichsminister bem Berein der Kornbrenner mitgeteilt, baß er auf begründeten für Ernährung und Landwirtschaft hat, so wird uns geschrieben, Antrag von Fall zu Fall Getreide zu Brenn3weden im Wege der Ausnahme freigeben werde. Hier handelt es sich um die Freigabe von gutem, gesundem, für die menschliche Ernah. rung brauchbarem Korn! Aus beschädigtem Getreide dürfen die Brenner schon längst Spiritus herstellen, wenn der Regierungs. präsident zustimmt. Daß nunmehr der Ernährungsminister auch tadelloses Getreide den Branntweinproduzenten überlassen will, guten Ernte und der unaufhörlich steigenden Mehl- und Brotpreise wenn auch nur im Wege der Ausnahme", ist angesichts der wenig unverantwortlich, geradezu ein Attentat auf Bolts wohl und Boltsgesundheit! 75,00-96,00 Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose.. 18,50-24,50| Kakao, fettarm Gerstengrütze, lose 17,50-18,00 Kakao, leicht entölt 100.00-120,00 Haferflocken, lose 20,00-21,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 Hafergrütze, lose 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 Roggenmehl 0/1 16,00-18,00 Inlandszucker basis mel. 31,00-33,00 Weizengrieẞ 19,25-22,25 Inlandszucker Raffinade 33,00-35,00 70%, Weizenmehl Hartgrieß 24,50-26,50 Zucker Würfel 39,09-45,00 16,00-18,50 Kunsthonig 39,00-42,00 Weizen- Auszugmeh! 18,73-25,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 Speiseerbsen. kleine Speiseerbsen, Viktorla 18,00-24,00 Speisesirup dunk. In Elm. 27,00-31,00 16,00-18,00 Marmelade Eintr. Erdb. 90,00-95,00 Bohnen, weiße, Ferl 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 40,00 23,00-32,00 Pflaumenmus in Eimern 43,00- 53,00 18,50-29,50 Steinsalz, in Säcken. 3,103,60 3,70- 4,20 4,40- 5,00 5,20-5.80 95,50-95,00 96,00-96,50 92,00Langbohnen. handverles. Linsen. kleine Linsen, mittel Kartoffelmehl Linsen, große Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Meh! nudein Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candla Sultaninen Caraburmu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer Singap. Weißer Pfeffer Rohkaffee Brasil 99 31,00-37,50 37,50-51,00 Siedesalz in Säcken 17,75-21,00 43,00-45,00 Bratenschmalz in Tierces 47,00-52,00 Bratenschmalz in Kübeln 25,00-30,00 Purelard in Tierces 17,50-18,00 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,25-32,00 Speisetalg in Kübeln 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. I 85,00-90,00 desgl. II. 40,00-43,50 Margarine, Spezialm. I.. 54,00-61,50 desgl. II. Löhne und Gewinne im Bergbau. Uns wird geschrieben: er Zu den Lohnforderungen der Bergarbeiter wird pon den Unternehmern erflärt, daß unter den heutigen Verhältnissen die Frage einer Lohnerhöhung„ Dollfommen undiskutabel" scheine. Die Lage im Rohlenbergbau sei nach wie vor ernst, das hätten auch die Verhandlungen über die Zechenſtillegungen gezeigt. Für ihre Auffassung führen die Unternehmer feine Beweise an Undiskutabel." Damit basta! Trotzdem gestatten wir uns zu diskutieren. Wenn wir von einem Schichtförderanteil von 0,880 Tonnen pro Ropf der bergmännischen Belegschaft und einem tariflichen Ge famtdurchschnittsiohn von 5,74 m. einschließlich Soziallohn je Schicht im Oktober ausgehen, dann ftellten sich die Selbsttosten je Tonne Ruhrtohle wie folgt: 1. Lohnaufwand je Tonne 2. Beamtengehälter je Tonne 10 Proz. von 6,52 m. 3. Bersicherungsbeiträge je Schicht 92,52 Pf.= je Tonne 4. Materialfoften je Tonne 2,34 M. Borkriegsstand und 20 Proz. Aufschlag 6,52 m. 0,65 1,05 B SP . • 2,81 0,58 5. Steuern je Tonne nach den Angaben des Bergbauvereins " 6. Allgemeine Untosten je Tonne nach den Angaben des Bergbauvereins 7. Abschreibungen 10 Proz. d. vorstehenden Selbstkosten Summa 1-7: 8. Selbstverbrauch 9 Proz. und unbezahlte Hälfte der Deputattohle 2 Broz. sind zusammen 11 Proz. Für den Verkauf verfügbar bleiben mithin von 100 rund 89 Tonnen. Für 100 Tonnen 1321 M. geteilt durch 89 gleich je Tonne • 9. Fettförderkohlenpreis 15 M. ab 5 Proz. Handelsnuten bleiben 10. Durchschnittserlös 18 Prog mehr 2,57 m.+ 14,25 m.. Die vorstehenden Berechnungen ergeben mithin: Selbstkosten je Tonne Förderung Durchschnittserlös je Tonne Förderung Gewinn je Tonne Förderung B • 9 12 0,40 1,20" 13,21 m. 14,84 " • 14,25 " . 16,82 n " 14,84" " • 16,82 • 1,98 m. Bei einer Lohnerhöhung von 20 Proz. würde der tarifliche Gesamtdurchschnittslohn steigen von 5,44 m. auf 6,53 m. zuzüglich 0,29 m. Soziallohn auf 6,82 M. Wenn wir von einem tariflichen Gesamtdurchschnittslohn von 6,82 M. und einem Schichtförderanteil Ruhrtohle wie folgt: Don 0,880 ausgehen, dann stellen sich die Selbsttosten je Tonne 1. Lohnaufwand je Tonne. = 2. Beamtengehälter je Tonne 10 Prog. von 7,75m.= 8. Bersicherungsbeiträge je Schicht 92,52 Pf. je Tonne 4. Materialfoften je Tonne 2,34 M. Bortriegsstand und 20 Prog. Aufschlag • . 5. Steuern je Tonne nach den Angaben des Bergbauvereins 6. Allgemeine Untosten je Tonne nach den Angaben des Bergbauvereins 7. Abschreibungen 10 Proz. d. vorstehenden Selbsttoſten 7,75 m. 0,78 1,05" 2,81 W B 0,58* 0,40" 1,34 " Summa 1-7: 14,71 m. 8. Selbstverbrauch 9 Proz. und unbezahlte Hälfte der Deputattohle 2 Proz. find zufammen 11 Broz. Für den Verkauf verfügbar bleiben mithin von 100 rund 89 Tonnen. Für 100 Tonnen 1471 M. geteilt durch 89 gleich je Tonne. 9. Fettförderkohlenpreis 15 m. ab 5 Proz. Handels. nugen bleiben 10. Durchschnittserlös 18 Proz. mehr= 2,57 m2+ 14,25.= Die vorstehenden Berechnungen ergeben mithin: Selbstkosten je Tonne Förderung Durchschnittserlös je Tonne Förderung Gewinn je Tonne Förderung 16,53 . 14,25, . 16,82 PT. • • 16,53 16,82 " 0,29 m. nungen stellen selbstverständlich feine absoluten, sondern nur nDiese für die Ruhrtohle äußerst günftigen Selbstkostenberech näherungswerte bar. Immerhin geben fie wichtige Einblicke und Anhaltspunkte zur Beurteilung der ganzen Verhältnisse und eine gute Diskussionsgrundlage. Die Unternehmer mögen nun ihre Einwände geltend machen, damit geprüft werden kann, ob und ist beim besten Willen nichts anzufangen. inwieweit fie stichhaltig sind. Mit dem kategorischen„ Undiskutabel" Der infernationale Kongreß der Spartaffen, der in diesen Tagen in Mailand stattfand, beschloß die Einfegung eines internatio nalen Studienamtes über das Spartaisenwefen der ganzen Welt. Ferner famen die Beteiligten überein, den 81. Oftober als den Schlußtag des Kongresses in allen Ländern zum Spartag zu erklären, in dem in der ganzen Welt der fördert werden würde. Die deutschen Delegierten erwirften auch die Sparsinn der Bevölkerung durch eine umsichtige Propaganda geAufnahme der deutschen Sprache unter die offizielle Rongressprache. S Hirsch- Kupfer. Mit der Hirsch Kupfer und Meffing Werte A. G. hat eine der größten deutschen Industrieunternehmungen ihre Goldbilanz vorgelegt. Die Bilanz sieht eine Ermäßigung des Attienkapitals Don 80 Millionen auf 12 Goldmillionen vor, schafft aber gleichzeitig eine offene Referve in Höhe von 5 Goldmillionen. Das Friedenstapital betrug 10 Millionen. In der Erhöhung des Goldfapitals um 2 Millionen tommt ber Substanzzuwachs nicht zum Ausdrud, denn gerade Hirsch- Kupfer bat fich während des Krieges und der Inflation derart vergrößert, daß man den Betrieb. beute fast gar nicht wieder erkennt. Indem man bei Hirsch- Kupfer, ähnlich wie bei der Berliner Handelsgesell schaft und bei der Harpener A.-G., bei Aufstellung der Bilanz nicht Don der tatsächlich vorhandenen Substanz, sondern von der zufünftigen Rentabilität ausgeht, hat man in Form von vorsichtiger Bewertung aller Aktiven derartig viele stille Referven geschaffen, daß das gegenwärtige Goldtapital kaum einen Aufschluß über den Substanzzuwachs gibt. Ein Gewerkschaftsvertreter in der französischen Verhandlungstommiffion. Der französische Handelsminister veröffentlicht eine neue Liste der für die am 6. November wieder beginnenden Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland 92.50-93,00 beftimmten Sad verständigen. Zu den 24 Sachverständigen, 65,00-66,- die bereits anfangs Ditober ernannt wurden, fommen noch weitere 66,00 awei Sachverständige. Sehr start vertreten sind landwirtschaftliche 60,00-63,00 Produkte, Wein, Cognac, Baumwolle. Tertilien, Feinmechnik, Farben, 80,00-84,00 Beber und Holz. 69,00-71,00 Auch Sachverständige für die allgemeinen wirt 60,00-66,00 Molkerelbutter la 1. Fäss. 216,00-221,00 ihaftlichen Fragen find ernannt worden. Unter ihnen befindet sich 60,00-70,00 Molkereibutter 75,00-92,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 182,00-192.00 noffe Léon Jou baur. i. Pack. 222,00-227,00 ber Generaliekretär des Allgemeinen Arbeiterverbandes( CGT.) Ge70,00-75,00| Molkereibutter i. Pack. 185,00-195,00 190,00200,0019 Auslandbutter in Fässern 2 4,00-232,0 Corned beef 12/6 lbs p. K. 40,00-42,00 106.00-115,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-120,00 55,00-65,00 Quadratkäse 120,00-125,00 Tilsiter Käse, vollfett 165,00-170,00 Bayr. Emmenthaler 200,00-223,00 Echter Emmenthaler Rohkaffee Zentralamerika240,00-305,00 Aust. ungezuck. CondensRöstkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam. östgetreide, lose 260,00-300,00 milch 48/16 50,00-65,00 125,00-140,00 160,00-170,00 175,00-185,00 21,00-23,50 330,00-390,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-19,25 20,00-21,75 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,00-26,00 Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl mit Filzring.