Abendausgabe Nr. 525 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 263 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Donnerstag 6. November 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Coolidges Außenpolitik. Erklärung nach der Wahl. Auf Anfragen der amerikanischen Presse im Weißen Haus in Washington über die Außenpolitik des wiedergewählten Präfidenten Coolidge ist folgende Antwort erteilt worden: 1. Weitere Betreibung der internationalen Schiedsgerichte. 2. Abrüftung. 3. Reine Streichung ausländischer Schulden an Amerita, also auch der Kriegsschulden der Alliierten. 4. Mitwirkung am wiederaufbau Deutschlands. 5. Beteiligung an europäischen und Weltangelegenheiten, foweif amerikanische Lebensinteressen im Spiel sind. Eine Erklärung Coolidges. New York, 6. November.( kabeldienst der Telunion.) Die gesamte republikanische Presse hat einen scharfen Kampf gegen La follette eröffnet. Coolidge hat in einer Erflärung zum ersten male die äußere Politik gestreift, ind.m er erklärt, die Macht Amerifas müsse dazu benutzt werden, bedrückten Völkern zu helfen und die friedlichen Beziehungen zwischen allen Bölkern wieder herzustellen. Der Erfolg Coolidges ist hauptsächlich eine Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs, den die Vereinigten Staa. ten unter den Republikanern nach der Not der Nachkriegszeit nahmen. Biele Deutsche verließen im letzten Augenblid Cafollette, da sie befürchteten, eine Verschleppung der Kongreßwahlen durch ein totes Rennen fönne Geschäftsunsicherheit zur Folge haben. Lafolletts Erfolge. 6 bis 7 Millionen Stimmen. New York, 6. November.( Eigmer Drahtbericht.) Die Verteilung der Wählerziffern bei den amerikanischen Wahlen ist immer noch nicht bekannt. Bis jeht hat Coolidge in 34 Staaten gefiegt und daraus 389 Wahlmännerstimmen erhalten. Davis ist der Sieger in 13 Staaten, während Cafollette, wie sich jetzt herausstellt, nicht nur in Wisconsin, sondern auch noch in einem anderen Staat siegreich gewesen ist. Sowohl die republikanische wie die demokratische Presse haben den Erfolg Lafollettes bisher zu verkleinern gesucht. Jeht aber müssen fie, wenn auch widerwillig, zugeben, daß von einem großen Erfolg Lafollettes gesprochen werden muß. Die genauen Stimmenzahlen liegen noch nicht vor. Aber es erscheint wahrscheinlich, daß etwa sechs Millionen Wähler fich für Lafollette entschieden haben. Besonders bemerkenswert ist, daß zwei Millionen dieser Stimmen aus den konservativen Nordstaaten stammen. Trotz der Parolen der Gewerkschaften und der Farmerverbände find die Stimmen der Farmer und Arbeiter zu einem großen Teil bei den kandidaten der beiden alten Parteien geblieben. Das will jedoch für die Zufunft gar nichts bejagen. Entscheidend ist, daß Lafolleff: und seine engeren Freunde der Meinung sind, daß durch das Wahlergebnis die Lebensfähigkeit der neuen Partei dargetan und eine weitaus genügend breite Grundlage für die Fortsetzung der Parteiarb.it gegeben ist. Lafollette nicht entmutigt. New York, 6. November.( Eigener Drahtber cht.) Lafollette und der Generalsekretär der neuen Fortschrittspartei haben übereinstimmend erklärt, daß die Partei aufrechterhalten werde und sich schon jetzt für den Wahlkampf um das Repräsentantenhaus vor= bereite. New Yort, 6. November.( Tul.) Es besteht die Möglichkeit, daß die Republ faner nur eine knappe Mehrheit im Re. präsentantenhaus erhalten, die aber so schwach sein wird, daß die demokratisch- fectschrittliche Minderheit die größte Bedeutung haben wird. Im Senat werden die Demokraten und die Forf schr ttspartei zusammen mindestens ebenso start wie die Republikaner sein, vielleicht werden sie sogar eine knappe Mehrheit haben. Den Republikanern ist es äußerst unangenehm, daß die Fortschrittler Lafollettes als dritte Partei bestehen bleiben wollen. * Ein New Yorker Kabeltelegramm der B. 3." gibt die Stimmenverteilung wie folgt an: Coolidge 17, Davis 8 und Lafolette 7 Millionen Stimmen. Faschisten- Dämmerung. Erregung in Italien. Rom, 6. November.( Eigener Drahlbericht.) Die 3u fammenstöße zwischen Faschisten und Anhängern der Vereinigung„ Jtalia libera" bei der Siegesfeier am Dienstag sind nicht nur auf Rom beschränkt geblieben. In allen Städten von Neapelbis Trient sind ähnliche Zwischenfälle vorgekommen. Bei der Feler in Verona tam es zu einer wüsten Prügelei zwischen Faschisten und Frontkämpfern der Italia libera". Die Truppen mußten eingreifen und die Ordnung wiederherstellen. Die Erregung in der Bevölkerung über das Treiben der Faschisten gegenüber der Frontbeschlagnahmen. Der Beschlagnahme verfielen ebenso verfchiedene Zeitungen, darunter der„ Avanti" wegen Veröffentlichung „ übertriebener Einzelheiten" der Zusammenstöße am Dienstag. Deutsche Einheitsfront in Prag. Ablehnung des Budgets. " Prag, 6. November.( Tschechoslowakisches Pressebüro.) In der Sizung des Budgetausschusses erklärte der Abg. Bobet( DeutschChristlichsozial): Wir sind überzeugt, daß alles Reden unnük iſt, denn die Gegenseite behütet das Budget als ein unantastbares Heiligtum. Wir sind aber nicht hierhergeschickt worden, um das Budget so zu schlucen, wie es uns vorgelegt wird. Aus diesem Grunde haben wir den Entschluß gefaßt, diesmal eine andere Taftif einzuschlagen, und uns der von den deutschen Sozialdemokraten angekündigten Taktik anzuschließen. Abg. Bollmann( Bund der Landwirte) führte aus: Wir haben durch vier Jahre hindurch uns bemüht, in diesem Parlament getreu der Sendung, die uns seitens unserer Wähler zuteil geworden ist, uns an dieser hohen Aufgabe zu beteiligen. Wir sind aber nicht mehr in der Lage, unter den gegenwärtigen Verhältnissen den uns gegebenen Versprechungen, daß uns eine gedeihliche Mitarbeit er= möglicht werden wird, Glauben zu schenken. Wir müssen uns gegen die Behandlung verwahren, die die Opposition hier erfährt. Es ist nicht möglich für uns, weiter an den Verhandlungen des Budgets teilzunehmen, und ich bin namens der Arbeitsgemeinschaft beauftragt zu erklären, daß wir uns an der Debatte nicht mehr beteiligen werden. Finanzminister Be da beantwortete dann die in der Debatte gestellten Fragen. Was die von deutscher Seite vorgebrachten Einwürfe anbelangt, daß auch in diesem Jahre das Budget wieder verspätet vorgelegt wurde, so entschuldigte der Minister die Verspätung mit der außerordentlichen Sommersession im Der Generalberichterstatter schlug in seinem Monat September. Der Generalberichterstatter schlug in seinem Schlußwort eine Resolution vor, worin der Regierung aufgetragen wird, alljährlich spätestens in den ersten Oktobertagen dem Abgeordnetenhaus das Budget vorzulegen. Der Ausschuß beschloß hierauf, morgen die Spezialdebatte zu beginnen. Der Fall Nathusius. Der deutsche Botschafter in Paris hat bereits am Montag die französische Regierung um Aufklärung über die Verhaftung des Generals a. D. v. Nathusius ersucht und dabei auf die Erregung hingewiesen, die durch diese Verhaftung in Deutsch lond hervorgerufen werden dürfte und der am besten durch die Freilassung des Verhafteten vorzubeugen sein würde. General v. Nathufius in die Liller Arrestanstalt überführt. Paris, 6. November.( TU.) General v. Nathusius ist gestern abend um 7.11 Uhr in Lille eingetroffen.„ Deuvre" meldet, daß sich General v. Nathusius den Meter Rechtsanwalt Nikolai zum Verteidiger genommen habe. Das Blatt stellt weiter fest, daß die Verhaftung des deutschen Generals in Lothringen, namentlich in Thionville und Forbach, eine gewisse Erregung hervorgerufen habe. Linksblockwünsche für das Budget. Paris, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Die radikale und radikalfoziale Partei hat am Mittwoch eine Abordnung zum Finanzminister gefchickt, um mit diesem gewisse Verbesse rungen des eingebrachten Haushaltsplanes zu beraten, und damit den Haushalt mit den im Frühjahr gegebenen Ber fprechungen in Einklang zu bringen. Sie haben u. a. in Anregung gebracht, daß bis zur völligen Aufhebung des zwanzig prozentigen Einkommensteuerzuschlages die Regierung weitere Erleichterungen zugamsten der kleinen Steuerzahler eintreten läßt und den dadurch verursachten Ausfall durch eine Abgabe auf den Vermögenszuwachs ausgleicht. Der Finanzminister hat eine Prüfung der Anregungen zugesagt. Schlägerei im Sejm. Warschau, 6. November.( Eca.) In den Wandelgängen des Sejm tam es vorgestern zu einer Schlägerei zwischen den Abgeordneten der Wyzwolenie- Gruppe, dem Oberstleutnant im General stab Miedzinski und dem Abgeordneten Dr. Rabski, einem Mitarbeiter des„ Kurjer Warczowska". Durch einen Artikel Rabff's fühlte sich der Abgeordnete Miedzinski beleidigt. Er griff vorgestern während der Sgung Rabski tätlich an und versetzte ihm e'nen Schlag ins Gesicht. Der Abgeordnet: Rabsti antwortet mit Ohr feigen, worauf Miedzinski einen Revolver zog und auf Rabski anlegte. Inzwischen waren jedoch Abgeordnete herbeigeeilt, die die beiden Kämpfer trennten. Kassenbuch- oder Sozialpolitik? Der Vorstoß der Reaktion. Von A. Knoll, Bundessekretär des ADGB. Die Unternehmer beeilen sich, die sozialpolitische Abbaufonjunktur noch auszunuzen, der 7. Dezember könnte leicht einen Umschwung herbeiführen. Der Lohnabbau ist, zum Teil wenigstens, am Widerstand der Gewerkschaften gescheitert. Auch der Abbau des Achtstundentages ist aus demselben Grunde nicht ganz gelungen. Nun versucht man es auf einem dritten Gebiet, wo man weniger auf einen Widerstand der Arbeiterschaft um so mehr aber auf das„ Verständnis" der politit. Schon hört man von„ eingehenden" Darstellungen und Reichsregierung zu stoßen hofft der allgemeinen SozialBerechnungen, nach denen die Wirtschaft" sozialpolitisch zu start belastet" sei und diese Lasten nicht mehr tragen könne. Das ist nichts Neues und brauchte weiter nicht aufzuregen. Wer erinnert sich nicht, daß uns Gleiches mit genau denselben Argumenten schon vor 20 und 25 Jahren erzählt und sogar gewisse großẞindustrielie Kreise von jeher besonders starf. Es bewiesen“ wurde. Im„ Beweisen" derartiger Dinge waren fehlte bloß noch ein zweiter Doktor Alexander Tille, der den Nachweis" führt, daß die Sozialpolitik das Volk auch moralisch verseucht( Moralinseuche), dann wäre in der Tat alles da, was wir früher auf diesem Gebiet auch schon erlebt haben. Wenn es nach den damaligen Propheten gegangen wäre, dann wäre die deutsche Wirtschaft schon vor zwanzig Jahren totsicher zufammengebrochen". Ungefähr das Gegenteil hat sich bis zum Kriege vollzogen. Wenn man aus den Erfahrungen Der Vergangenheit also einen Schluß ziehen darf, so wäre es der, daß die deutsche Wirtschaft sehr lebensträftig ist und unmittelbar vor einem neuen Aufschwung steht. Damit könnte man, wie schon angedeutet, die Sache auf sich beruhen lassen. In der heutigen Reichsregierung aber denkt man, wie es scheint, anders darüber. Man soll dort die Darlegungen der Unternehmer als sehr ernst" be trachten und gar darüber be stürzt sein. Man soll weiter sehr eifrig darum bemüht sein, die von den Unternehmern vorgebrachten Argumente wenn möglich! durch die Tat fachen zu widerlegen. Es fann sich für die Reichsregierung gar nicht darum handeln, dem Borstoß des Unternehmertums dadurch zu begegnen, daß fie die Richtigkeit seines Zahlenmaterials nachprüft zu dem 3wed, die Aufrechterhaltung und Weiterführung der Sozialpolitik davon abhängig zu machen, ob diese Zahlen stimmen oder nicht. Denn in dem Augenblick, wo sich die Reichsregierung auf diese schiefe Ebene begibt, ist es mit Das hieße, die der Sozialpolitit Matthäi am letzten. Unternehmertums zur Kaffenbücher des Grundlage der Sozialpolitik machen. Das hieße, den Grundsatz aufgeben, daß Sozialpolitik ebenso wichtig und notwendig ist wie Arbeit und Wirtschaft und daher um ihrer selbst willen getrieben werden muß. Ja, es hieße, die Erfahrungen früherer Jahrzehnte verneinen, die den Beweis erbracht haben, daß Sozialpolitik nicht eine Belastung, sondern eine För derung und Befruchtung von Arbeit und Wirtschaft bedeutet. Jedes fachliche Eingehen auf die Beweisführung" dieser Unternehmerkreise bedeutete nichts anderes als die Anerkennung des Prinzips, daß Sozialpolitik nur getrieben werden darf, wenn die Wirtschaft derart im Ueberflusse schwimmt, daß es selbst mit Hilfe der gewagtesten Bilanzverschleierungen, der schlauesten Aufsichtsratskniffe und tollsten Abschreibungen nicht mehr versteckt werden " fann. Aber die Sache hat doch auch noch eine andere Seite. Angenommen selbst, die Angaben der Gegner wären objektiv richtig, was wir allerdings bestreiten, so zeigen uns die lohnstatistischen Feststellungen des Statistischen Amtes deren methodische Zuverlässigkeit aber mit guten Gründen bestritten wird, daß es bis jetzt nur die ungelernten Arbeiter sind, deren Löhne gegen die Vorfriegszeit eine so starke relative Steigerung aufzuweisen haben, daß sie der Steigerung der Lebenshaltungskosten scheinbar gleichkommt. Wobei aber zu bemerken ist, daß der vom Statistischen Amt errechnete Lebenshaltungsinder noch viel stärker angegriffen wird, und zwar hinsichtlich seiner fá ch Ii ch en Richtigkeit. Von den gelernten und qualifizierten Arbeitern hat nur ein sehr kleiner Teil relativ und absolut die Vorkriegslöhne erreicht. Die große Mehrzahl steht sogar hinsichtlich des Nominallohnes noch erheblich unter Friedensparität. Dasselbe gilt für die Angestellten und den größten Teil der Beamten. Man macht sich daher keiner Uebertreibung schuldig, wenn man behauptet, daß selbst im statistischen Durchschnitt die große Mehrheit der Arbeitnehmerschaft den Stand des Friedensnominallohnes noch nicht ganz erreicht hat. In Wirklichkeit ist der Stand viel ungünstiger, gerade weil es die Löhne der ungelernten Arbeiter sind, die die statistische Steigerung entscheidend beeinflussen. Daraus ergibt sich, daß die Gesamtlohnsumme, die die Arbeitnehmerschaft im Verhältnis zur Vorkriegszeit bezieht, erheblich unter dem Friedensstande liegt. Der Moskauer Maulkorb. Christiania, 5. November.( Eigener Drahtbericht.) Der fomgroß. Wie Nuovo Paese" meldet, haben die Leiter des italienifchen Frontfämpferbundes als Proteft gegen das Auftreten der Niederlage der Moslau- Kommunisten bei der norwegischen Wahl Kommunistblad" cheflo bat angesichts der vernichtenden Faschisten ihren Austritt aus der faschistischen Partet erklärt. veriucht, Krint an den Moskauer Instruktionen und der von dort Beppino Garibaldi, der Enkel des berühmten italienischen Freiheits- befohlenen Taktik zu üben. Er ist catauibin prompt iemes Amtes helden, hat in einer Proklamation die Regierung für die Vorkommentboben und ein williger Moskaujünger zum Chefredakteur nijje verantwortlich gemacht. Die Regierung ließ sie jedoch ernannt worden. tämpfervereinigung, die über 800 000 Mitglieder zählt, ist sehr munistische Parteiführer und Chefredakteur des Christianaer festzustellen". Eine solche wäre in diesem Falle objektiv und Ist das aber der Fall, dann ist es in der Tat kein Kunststück, eine höhere sozialpolitische Belastung als vor dem Kriege relativ felbst dann vorhanden, wenn die Beiträge, Umlagen u. a. nominal unverändert geblieben wären. Tatsächlich find allerdings auch die Beiträge usw. gestiegen. Also doch eine Höherbelastung? Bei der Beurteilung der Sachlage ist das folgende zu beachten. Die Kosten des Produktionsprozesses sezen sich be= kanntlich aus einer Reihe verschiedener Faktoren zusammen, die den Preis des Produttes bestimmen. Zu diesen preis- bestimmenden Faktoren gehört auch die sogenannte Lohn- g u o t e. d. i. der Anteil des Lohnes an den Gestehungskosten. Bezeichnen wir weiter die Gesamtsumme der sozialen Lasten als die S o z i a l q u o t e. Nun darf ja wohl noch heute als unbestritten gelten, daß seit dem Kriege die Lohnquotegefallen ist und sich auch bis heute noch nicht auf ihre frühere Höhe erhoben hat. Roh- Produkte, Maschinen, Geräte, Betriebsmittel und olles andere sonst ist teurer geworden— mit am meisten aber ist der Unternehmergewinn, die Profitrate, worunter wir auch den Zwischenhandelsgewinn verstehen, gestiegen. Es ist daher ohne weiteres einleuchtend, daß unter solchen Umständen die Lohnquote geringer geworden sein muß. Ja, die Lohnquote wäre selbst dann heute geringer, wenn alle Arbeitnehmer schon wieder den Friedensreallohn erreicht hätten. Alle anderen Produktionsfaktoren aber sind in die Höhe gegangen. Im Verhältnis zur Lohnquote ist auch die soziale Quote erheblich gestiegen. Aber kann deshalb im Ernste von einer sozialen Ueberlastung gesprochen werden? Müßte nicht erst fest- gestellt werden, ob und inwieweit Lohnquote und soziale Quote zusammen eine Steigerung der Produktionskosten bedingt haben? Wir sind überzeugt, der Nachweis läßt sich nicht erbringen. Oder ist es nicht geradezu absurd, ja noch schlimmer als das, zur selben Zeit, da bekannt wird, daß der Hutgroß- Handel seine Mitglieder zu einem Preisaufschlage von 30 P r o z. verpflichtet— und das ist kein Aus- nahmefall, die heute noch allgemein üblichen„Kalkulations"- Methoden sind hinreichend bekannt—, von einer sozialen Ueberlastung auch nur andeutungsweise zu reden? Man muß in der Tat den Mut der Leute bewundern, die es in solcher Situation fertig bringen, den Abbau der Sozialpolitik zu fordern. Aber daß so etwas möglich ist, zeigt uns. wessen sich die Herren der Industrie schon bei der heutigen Reichsregierung versehen und was die Arbeiterschaft noch zu gewärtigen hätte. wenn es gelänge, am 7. Dezember den so heiß ersehnten Bürgerblock zustande zu bringen. Jttzwischen aber möchten wir doch an die zuständige Stelle die eindringliche Mahnung richten:„R urnichtäng st lich, Herr Reichsarbeit s- „Nur nicht ängstlich, Herr Reichsarbeits- minister!" Denn selbst wenn es so wäre, wie es zweifellos nicht ist, und wenn das Unternehmertum alles, was es be- hauptet, beweisen könnte, so bliebe doch noch immer ein letzter und sozialpolitisch entscheidender Gesichtspunkt übrig, der gebieterisch Beachtung heischt: dieselben Kreise, die bis heute weder nominal und noch viel weniger real ihr Friedensarbeitseinkommen erlang-'n konnten, nicht zum wenig- sten infolge der Haltung des Unternehmertums, sind es, die auch im Kriege und in der Inflationszeit mit a m s ch w e r st e n gelitten haben. Sie haben an Lebensenergie und Ar- beitsfähigkeit eingebüßt neben allem, was sie materiell ver- loren haben. Auf der anderen Seite sind es dieselben In- dustrieherren, die durch den Krieg und durch die Inflation Riesengewinne eingehe im st und sich enorm bereichert haben, die auch j�tzt noch nicht nur nicht auf die gewohnten Gewinne verzichten wollen, sondern sie noch immer— selbst jetzt noch auf Staatskosten— zu steigern wuß'ten! Stellte es demgegenüber nicht einen wenn auch nur b e- scheidenen Ausgleich dar, wenn den Kreisen, die sich nicht bereichern konnten, die alle Opfer getragen haben, die noch immer zum weitaus größten Teile die Kosten des wirt- schaftlichen Wiederaufbaues in der Form von unfrei- williger Unterentlohnung tragen, dafür wirklich ein relativ höheres Maß an sozialer Fürsorge zuteil würde? Nur relativ— von einem absoluten Mehr ist ja ohnehin kaum etwas zu verspüren. Wenn der Begriff„Sozialpolitik" überhaupt einen Sinn hat, müßte sich dann nicht hier und in dieser Weise dieser Sinn offenbaren? Was hat alles Gerede über„Menfchenökonomie" für einen Sinn, wenn er sich nicht in der Form aktiver Sozialpolitik offenbaren will! Müßte Schicksalsgefährtin. ü)er Roman„Schicksalsgefährtin" von Erich K u t t n« r im Verlag von I. H. W. Dieß Nachf., Berlin, ist ein Zeitroman. In ihm ist die Entwicklungsgeschichte eines Individualisten hin zur Gemein- schuft nachzulesen. Der Held de» Romans, ein junger Student, ein- gespancU in das bedrückende Joch mühseliger Bücherarbeit und Vor. bereitunz zum Gelehctenberuf. wird auf schön erzählte Art und Weis« ron cinem jungen Mädchen, der Gegenspielerin, in die Frei- hell und Versuchung des Lebens geführt. Dort ist«r lange Zeit die hilflose und täppische Pupp« in den Händen des Gegenspielers, bis er sich endlich nach vielen Irrungen und Wirrungen befreit und dem Mädchen ergibt, der„Schicksalsgefährtin" wie sie Knttner so schön nennt Des ist in drei Sätzen der Schattenriß der Handlung. Der Roman selbst ist viel bewegter und vielgestaltiger, er zeigt intellek- tuelle Jugend, linkes Lager, rechtes Lager, die sich belauern und be- kämpfen, also den GewaUhaufen der feudalen Jugend, mit dem kalten Gegenspieler, dem Emporkömmling Brandt, der die Menschen kenn», verachtet, ausbeutet und größenwahnsinnig triumphieren will, dann die andere Seit«, zu der auch am Ende der Student stößt, das Lager der um die Neugestoltuitg der Welt kämpfenden, um die mutige Schar der Gemeinschaft hin zum Sozialismus.„Wenn man inner- lich für die ganze Welt steht," sagt die Schicksalsgefährtin,„dann hat man auch die Kraft, nach außen allein gegen die Welt zu stehen." Um dieses Mädchen geht der Kampf. Von den zwei Lagern aus. Das alles ist lebhaft, manchmal mit grellen Kino- Mitteln erzählt, bis natürlich der Student loder das Mädchen, wie ihr wollt) Siezer bleibt. Also«in moralisches Buch? Nein, ein aktuelles Buch mit gegenwärtigen Problemen unserer verrückten Zeit. Es ist schon gesagt, daß Kuttner auch Kinomittel nicht ver- ichmäht um Gezen'ätz« herauszuarbeiten,«r greift auch an manchen Stellen zur Kolportrg«, aber das macht nichts, er treibt damit d?.i Roman und feine lebendige Handlung nur rascher vorwärts. Ein- mal aber hemmt er selbst den Fluß der Erzählung. Er beginnt den zweiten Teil de, Roman» mit einem Tagebuch und bringt dafür schlechte Lyrismen wie:„Ich presse den schlangenbäumenden Leib in meine Anne. Meine Glut schmilzt das Schloß ihrer Lippen. Sie sinkt rückwärts auf den Sarkophag. Wirbelnde Seligkeit, rote Ab- gründe, loderndes Vergehen. Eine atemkurze Spanne. Sie reißt sich los: ,Gott, Leon, wenn jemand käme.' Aber niemand kam." Aber Kuttner selbst kommt bald dahinter und ändert den Ton und findet sehr rasch Anschluß an'das gute Tempo seines Romans. Ist die„Schickjalszefährtin" der Roman, nach dem wir alle sehnsüchtig suchen? Nein, er ist es nicht, aber er ist wertvoll, wichtig, aktuell, er bereichert und der Leser spielt noch lange, wenn das Buch schon geschlossen und die Stunde des Nachdenkens gekommen ist, mit den Schicksalen der von Kuttner vorgeführten Romanfiguren. Am kk�rsten aber leuchtet aus der Fülle feiner Menschen die Schick- salsgefährtin, die dem Romän den prachtvollen Titel gibt. also nicht gerade fetzt eine Regierung, die überhaupt Wört darauf legt, noch als eine soziale Regierung angesprochen zu werden, als Antwort auf die Zumutungen der sozialpolitischen Reaktion weithin leuchtend und vernehmbar die Parole ver- künden: Run erst recht Sozialpolitik! Diese selbst- verständliche Parole hat die Reichsregierung nicht ausge- geben. So wird es am 7 Dezember in der Hand der Ar- be i t e r f ch a f t liegen, daß auch auf diesem Gebiet das Ver- säumte nachgeholt wird._ Die Zübrerniete. Herr Winckler und die Kriegsschuldfrage. Die Führerpartei ohne Führer hat einen schweren tak- tischen Fehler begangen. Sie hat Herrn Winckler als Führerersatz eingeführt, als Platzhalter für den großen Unbe- kannten. Daß niemand im Lande ihn näher kennt und seine Oualitäter abzuschätzen weiß, mochte angehen. Vielleicht ge- hört das gerade zu dem sagenhaften Führer der Deutsch- nationalen. Der Nebel der Ungewißheit, das Geraune und Geflüster muß Format vortäuschen, wo keins da ist. Hätte Herr Winckler fein stillgeschwiegen, er wäre nach einiger Zeit eben dadurch, daß er da ist ohne da zu sein, den Herren Mit- läufern der Deutschnationalen als großer Mann erschienen. Herr Winckler hat geredet. Zwei Tage lang verzeichneten die offiziellen Mittellungen der Deutschnationalen: vor einem cnesenen Kreise. Bor der Auslese der Intelligenz und der Führer der Deutschnationalen, die seine tiefschürfende Rede mit. Begeisterung aufgenommen habe. Schauer der Ehrfurcht mußten das deutschnationale Fußvolk überlaufen. Der neue große Führer hat vor den Auserwählten die neue Heilslehre verkündet. Aber da kam der Regiefehler. Man hat die Rede veröffentlicht. Das war dumm, so dumm wie die Rede selber; denn nun wird Herr Winckler zum gewöhnlichen Menschen mit gewöhnlichem Format. Und was für einem! Mit kindlicher Raivetät redet er die albernsten Lügen daher, wie sie nur politische Unwissen- heit erfinden kann. Da sagt er über die Kriegsschuldsrage: „Das wird wohl das traurigst« Kapitel m der deutschen Ge- schichte bleiben, daß«s rrn deutschen Volke Parteien gab, di« das Bekenntnis der Kriegsschuld für ihre Partei- zwecke ausnutzten.— Ein Sozialdemokrat war es. der offen aussprach:„Ohne die Schuld üeutschfards am Weltkriege ist di« Revolution nicht zu reckstsertigcn." So lächerlich auch die Whaup- tung von der deutschen Alleinschuld schtießlich muh oll den Acuß:rungen englischer, amerikanischer und italienischer Poll- tiker und Staatsmänner ist, ihr Widerruf wäre gefähr- lich für di« deutsche Soziaidemotratiel Ties« legt taher den Männern, d'e in treuer Arb'it gegen die Schuld! üg« ankämpfen. Stein« in den Weg. Sie oerhindert de n Widerruf, sei es, dcß sie in der Rezierunz sitzt oder l«i«s. daß sie in Oppositionsstellung tie Regierung am Gängelband« hält. Diese ungeheure geschichtliche Schuld der Sozialdemo- k r o t i e ist es, die immer wieder und ganz be'onters in diesem Wahlkampf, un'ercm Volk vor Arrnn gehalten werden mu*." Herr Winckler muß seit dem Ende des Krieges geschlafen haben. So hat er verschlafen, daß Sozialdemokraten die ersten waren, die ihre Stimme gegen das abgezwungene Alleinschuld- bekenntnis im Bersailler Vertrag erhoben. Er weiß nichts von der Erklärung Brockdorff-Rantzaus in der Nationalversammlung, nichts von der Erklärung des Reichs- kanzlers Bauer. Damals dachten freilich die Deutschnatio- nalen noch nicht an Protest gegen die Schuldlüge— sie haben sich erst dafür interessiert, als sie sie für partekagitatorische Zwecke für geeignet hielten. Ebenso steht es mst dem Wider- ruf. Sie wollten aus varteiagitatoriscyen Gründen den Wider- ruf, um ihre Sehnsucht nach Ministersesieln damit vor ihren Wählern zu verdecken. Diese Frage, eine Frage des deutschen Volkes war ihnen gut genug, als Mittel zum Zweck des Schachers um Ministerposten. Und sie wollten den Widerruf in einem Augenblick, als gerade ihre polstische Verlogenkheit offenkundig war. Eine Partei der politischen Lüge sollte sich Nach ihr haben alle Sehnsucht, nach der liebevollen Frau, deren Welt, noch einem alten Wort, nicht nur di« Liebe, deren Lieb« auch die Weit ist, die verändert und neugebaut werden soll. Es lebe die gute Genossin! In dem Roman von Erich Kuttner sagt sie ein. mal, und das eine Wort erhellt die Tendenz des Buches:„Arbeit wird erst dann adlig, wenn sie nicht mehr dem eigenen Ich gilt." Der Verlag hat sich um die Ausmachung und Ausstattung des Romans sehr bemüht. Nehmt und lest dieses Buch, es ist«in Gast. gefchenk für den Weihnachtstisch. M. B. ,Ge!ü wie Heu." (L u st s p i« l h a u s.) Diese Theaterdirektoren sind doch komische Leutchen. Sie im- Portieren ausgerechnet die schlechten Stücke. Der Grund ist nicht gut einzusehen. Es ist übrigens auch ein Märchen, das dieser drei» aktige Schwank von Evans und Valentine drei Jahre rn London Riesenkasse gemacht Hot. So dumm sind die Engländer auch nicht. Besonders g. bildete Fachleute meinen, daß in diesem Schwank ein Stückchen Unsterblichkeit von„Charleys Tante" wieder gekommen sei. Auch das st nwnt nicht. Es ist einfacher Unsinn, mcht «in Unsinn, bei dem man sich totlacht. Man wird nur müde, weil man sich langweilt. Dabei ist olles angebracht, was«in Schwank bringen soll: Di« unverhoffte Erbschaft, die Vecwechflung, das ver- lorene Gedächtnis, der Mann, der nackig aus dem Bad« steigt, die taube Tan!«, di« immer falsch verstcht. die männerlüstern« all« Schachtel usw. usw. Aber alles das ist nicht recht gemischt, es geht nicht auf. Mit einem Wort miserabel! Man sagr, daß wir lachen müssen, und hat nicht unrecht mit diesem Rat. Doch wie soll man lachen, wenn man entdeckt, daß zwei sehr schwachsinnige Herren sich brüderlich vereinten, um ein« undiskutable Sache zusammenzuschustern? Der Schwank ohne Psychologie, der mir die unglm blichlten Situationen durcheinander quirlt, also so etwas wie«in gesprochener Ehoplin-Kino, wäre gor nicht übel. Im Kinvschwank ist das Entscheidend«, daß di« größt« Ueberrraschung immer einige Logik, einige Situationskomik, einen unerwarteten Trick, eine Ueberspitzung des Verslandes und«inen besonders witzigen Nasenstüber zeigt, der dem Menschen mit borniertem Gehirn ins Gesicht flitzt Diese Technik, dieses rasend« Tempo, dieses Rennen nach dem Wunderbaren und Unverhofften könnte ja auch auf der Bühne gezeigt werden. Man könnte strupet- los Possen reißen, wenn wirklich etwas vorhanden wäre, das den Spaß lohnt. Aber«s muß irgendwie die Achs« vorhanden sein, um die sich alles dreht. In diesem Schwank ist keine Achs« zu ent-' decken, man findet sich eben nicht heraus. Es gibt in tiefem Schwank nicht einmal Rollen. D«r Mann. der einige Male stirbt.' damit seine Frau erben kann, und der immer wieder kommt, ist nicht lustig, obwohl sich Herr Paul Heid«- mann bemüht, ihn mit Fröhlichkeit zu laden. Und all di« übrigen Teilnehmer an diesem Begräbnis, Frl. v. Thellmann, Frl. Stein, Frau Ludmilla Hell, die Herren Walter, Junker- mann und Rex, waren durchaus zu beklagen. Der Import lohnt« wahrhaftig nicht. Wenn die Theaterdirektoren nur solche Einfuhr- Politik treiben, möchte man nach Schutzzöllen rufen. W H. hüten, gerade den Kampf gegen die Schuldlüge monopolisieren zu wollen. Aber Herr Winckler braucht das alles nicht zu wissen Um bei den Deutsehnationalen Führer oder Führerersatz zu sein, genügt eine kräftige Dosis Engstrrnigkeit und Beschränktheit, die unentwegt an den ältesten Lügen festhält. Die Rede des Herrn Winckler hat nicht nur ihn charakterisiert— sie hat auch gezeigt, was man im deutschnationalen Lager unte'' Führertum versteht. Und so etwas will regieren! Der Iwistbenfall von Ingolftaüt. Wer sind die Drahtzieher? München. 6. Ncvember.(Eigen« Drahtbericht.) Ueber den Zwischenfall in Ingolstadt wird noch bekannt, daß die Belästigung der Ententeoffizier« schon bei der Dornahm« der Kontrolle selbst einsetzte. Hier gelang es ober der Po izei noch rechtzeitig, die Leute abzudrängen. Bei der Abfahrt drängte aber plötz'ich aus ver. fchiedenen Seitenstraßen an der Donaubrücke«ine Men�e von Leuten, denen gegenüber die geringen Polizeikräft« machtlos waren. Dem Auto wurde die Weiterfahrt gesperrt, es flogen Stein« gegen den Kraftwagen und di« Insassen wurden angespuckt. Zu besonderen Tätlichkeiten soll es nicht gekommen sein, nur einem Offizier wurde ein Knopf von der Uniform abgerissen. Schließlich gelang es der Polizei, die Menschen abzuwehren, wobei verschiedene Verhaftungen vorgenommen wurden. Unter den Verhafteten befindet sich auch ein äiterer, sonst als ruhig bekannter Bürger aus Ingo stadt, so daß die Vermutung naheliegt, daß sich die D r a h t z i eh e r im Hintergrund hallen. * Di« beiden französischen Offiziere, die in Ingolstadt nach der Ausübung der Miüiärkon'rolle tätlich beleidigt worden sind, waren in Zivil. Die bayerisch« Regierung hat ernen Regierungo- kommissar nach Ingolstadt geschickt. In der rechtsstehenden Presse wird«ine BS.-Meldung groß aufgemacht, wonach einzelne Trup- penteil« zehn- und elfmal hintereinander urler verschiedenen Vorwändcn kontrolliert worden seien. Diese Behauptung geht auf ein« beiläufige Aeußerung eines Referen'en der zuständigen Reichsbehörde zurück, der auf«ine Frage des BS.-D:r- treters, wie lang« di« Generalinspektion dauern könne, geantwortet hat, daß ein bestimmter Zeitraum dafür nicht abgemacht sei und daß in früherer Zeit einzelne Truppenteile zehn- bis«'final kcn- trolliert worden seien. Wenn es setz' wieder so gemocht würde, dann könnte di« Generalinspektion wohl länger« Z:it dauern. Aus dieser ganz beiläufigen Bemerkung ist«in solches Geschrei gemacht worden! Di« Generalinspek ion ist bis jetzt fast überall voll- kommen reibungslos ver'aufen. Der Zwischenfall in Inqol- stadt ist um so bedauerlicher und vernrtei'enswerter als g'eichfnlls in Ingolstadt schon im November 1S22 Kontrollofsiziere insultien worden sind. Die baperilcben Könkasmacher. Sie wollen abwarten. München, 6. Ncvember.(TU.) Zu der in der letzten Zeit in Bayern wieder v'el erörterten Kör.igcfragq bringt heut? der dem Ministerpräsidenten Held nah:, stehende„Regelt: burger Anzeiger" u. a. folgerd« Ausführungen: So wie die Dinge heut« liegen, muß der Gedanke der Wieds ran stich tung der bayerischen Monarchie im Rohmen d« deutschen Republik als Utopie bezeichnet werden. Ein« isolierte bayerisch« Restauration würde als ew Vorstoß g-gen den Reich sgedarken aufgefaßt werden, und die zum Cchloi aus- holende Republik um Bayern herum würde nicht nur Revublchcnzr als Bundesgarvssan haben Di« Monarchie in Bayern dürfte nicht durch«ine Revolte,«inen Staatsstreich oder einen Putsch kommen. Ein« unzeitgemäße Fcrcierung der monarchistischen Restaurierung in Bayern würde«ine groß« Gefahr in sich bergen. Der im Lande lebende jdönigsgedanl« ist«in kostbares Element des Staatsgedankens. Darum gehört die Pflege de» Kön!g-gedark:ns zu den Aufgabe« einer nm dl« Slärkuag des bayerischen Slaals- gedanken» bemühte« PolikZt.'( Berliner Volkschor. Liszts J) eil ige Elisabeth". Liszie bekanntestes, noch vor zwanzig Jahren laut umjubeltes Chorw-.e ist heute fast schon«in Chorwerk zweiten Ranzeg. Schuld dar-: ist die etwas rberflächlich«, keineswegs organische Dichtung, iei di« Vertonung, die nach der Art vieler späterer symphonischer Dich- tungen(seiner Nachfolger) allzusehr auf äußere Charakteristik, prunkhast Fanfaren med estektvolle ungansche Rhythmen eingestellt ist. Aber Dr. Zander tat doch gut daran in der Veran- staltung des Volkschors in der Brau«rei Friedrichs Hain, dieses in vielem glänzende, wenn auch wiederum im Bana'en und kitschiger Seligkeit schwelgend« Werk, das in den letzten zwei Dritteln auch bedeutend« innere Wert« birgt, wieder einmal zu Ehren zu bringen. Diese so recht sanglichen und niemals überanstrengenden Ehör« mit ihrer einschmeichelnd«, Orchesterbegleilung müssen vor ollem di« Ausführenden aufs intensivst« zur Betätigung reizen. Der Berliner Bolkschor, der namentlich in den Männerstimmen ein« bemerkenswert« Ku'tur zeigt, während die frischen Frauen- stimmen sich etwas größerer Deutlichkeit befleißigen dürften, und das treff.ich sekundierende Blüthner-Orchester vollbrachte unter Dr. Zanders Führung eine sehr anerkennenswerte Leistung, Dos Leicht«, Graziöse, Ritterliche, auch manchmal bei Liszt Ge- fährliche und darum schnell zu Uebergehende ist für seine nordische Natur weniger geeignet als die mehr nach innen gerichtete Musik, die er mit schöner Einfachheit zu interpretieren weiß. Rose Walter, di« Elisabeth, befitzt«ine sener gut gebildeten, beweglichen, kleinen Stimmen, die mehr zu Koloratur und Zier- gesang sich eignen. Große Ausdrucksfähigkeit und dramatisch? Steigerung ist ihr versagt, auch ihrer inneren Natur nach, während das rein Lyrische und Naiv« ihr recht gut liegt. Frau I o l a n- Helfferich mit chrem dunklen Mezzosopran wußte die Bruto- sität und abstoßende Herrschsucht der Loadgräfin Sophie auf» beste darzustellen. Hern onn S ch e y. dessen Baß-Bariton eigentümsicher. weise in den höheren Lagen besser fundiert ist als m der Tiefe. brachte in der zweiten Hälft« c's Landgraf ihermann Ludwig und Kaiser Friedrich II. m.inches Bedeutende und schön Abgeklärte. Stimmlich besser und sehr srmpathisch im Ausdruck brachte Werner Engel seinen ungarischen Magnaten und den Senescholl. H. M. Deutscher Auss6)uß für Sulwrbauwesr«. Unter dem Borsitz des Regisrungs- und Ba-urats Prof. Dr.-Jng. Zunker fand im Haufe des Vereins Deutscher Ingenieure eine Versammlung statt, welcher bei- wohnten: die Vertreter der Kulturbauverwaltungen zahlreicher beut- scher und österreichischer Staaten, die Inhaber der Lehrstühle für Kuliurtechnik, die Vertreter der geologischen Landesanstalten und sonstige Wissenschaft'«! und Praktiker Die Versammlung führte zur Gründung des Deutschen Ausschusses für Kulturb ou- wesen, dessen Aufeaben sind: 1 Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis. 2. Lösung kulturtechnischer Probleme durch Forschung und praktische Versuche auf Versuchsfeldern. 3. Ver'in- heitlichung kulturtechnischer Gegenstände und Berfahren. 4. An- possung der Berussoorbildung an die Forderungen der Praxis, Achard Stranh' Zoten» ezzo. das in Dresden mit starkem ättheren Erfolg seine llrausiührung erlcble, ist, wie wir hören, kür die Berliner StaatSover erworben worden ölannerter Sürgerblock. Gescheiterte Seuatswahl in Bremen. Bremen. 6. November.(WTB.) Die Bremer Bürgerschaft, bve gestern die Senatswahl auf Grund der vom Ausschuß aulgr- stellten Vorschlagsliste vornehmen sollt«, war in sich so uneinig, daß es zu keiner Wahl kommen koiurte. Die Sozialisten stellten, da der neue Senat nur aus bürgerlichen Mitgliedern bestehen sollt«, zum Pro- «st den Antrag auf Auflösung der Bürgerschaft. Auch mehere Truppen aus den Bürger'ichar(Handwerker, Gewerbe- tceib' nde, die mittlere Kaufmannschaft. Hausbesitzer) verlangten Der- tretung im Senat und lehnten eine Unterstützung der Borschlagsliste ab. Die Völkischen waren ungehalten darüber, daß sie nicht zu den Borverhandlungen hinzugezogen worden waren. Trotz mehr- sachor Unterbrechung der Sitzung konnte man zu kemer Einigung kommen. Die Voltsparteiler stellt« schließlich den Antrag. den jetzigen Senat bis Ende des Lahres im Amte zu belassen. Da- mit«raren die Sozialisten nicht einverstanden, die den Senat sofort erledigt wissen wollten. Sie gaben ihm nur ein« Frist bis zum 19. N o o e m b e r. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialisten und Demokiaten abgelehnt. Nun traten we'der die verschiedenen Erwerbslosengruppen mit ihren Forderungen hervor, rechdem kaum eine Eiaigung erzi'.lt worden war. Schließlich stiu.mte die Bürgerschaft eioem Vertagungsantrag bis Zum 19. November zu. Sozialüemokratke in ßront. Massenbesuch unserer Wöhlerversammlungen. 3m Bezirk Friedrichshain hatten die Kominunisten die Parole ausgegeben: Sprengung der fozialdemo- kratifchen Wählerverfammlung. die in der„Königs- dank". Große Frankfurter Strafe, stattfand, auf jeden Fall. Ader sie wurden dank des gut organisierten Saalschutzes bitter e n t- täuscht. Nachdem der sozialdemokratisch« Männergesanqverein, Bczirt Friedrichshain, die ungefähr von 1499 Personen besuchte Versammlung mit dem Liede..Empor zum Licht"" eröffnet batte, zeichnete de- Redner, Landtagsabgeordneter Genosse Otto Meier, in klaren Zügen den von der ertremen Rechten betriebenen Kuh- Handel, der mit dem schönen Wort„Volksgemeinschaft" umkleidet wurde Man wollt« hiermit nur die Sozialdemokratie auf den Leim locken. Aber es kam anders. Durch unsere Taktik konnten wir gegen den Willen einiger Varteien, wozu auch die kcmmuni- stifche gehört, die Reichstaasauflösirng erzwingen. Im folgenden behandelte Cenosss Meier das Dawes-Gutachten, das ein Erfolg der fozialdem c>kra lisch en Politik ist. Beim Londoner Abkommen hat zum ersten Male seit 1918 nicht Diktat, sondern die freie Ver> ständigung von Nation zu Nation gesprochen. Als der Redner die Bedeutung des Londoner Abkommens aufzeigte, mußten die an- wesenden Kommunisten bittere Wahrheiten hinnehmen, was ihnen sichtlich unangenehm war. Wenn jetzt die v-utschnationolen, unter- stützt von den Kommunilten. dieses Abkommen als ein zweites Ber- fei'':? bezeichnen, so spekulieren lie aus die Dummheit der Massen. (Stürmische Zustimmung.) Die Wählerschaft wi'd jedoch am 7. De- zember ein Urteil fällen, dessen Eraebnis wir nich« zu fürchten brauchen. Wir haben alle Ursach« gehabt, den Büreer'/ock zu verhinde-n, und wir werden auch in Zukunft den- selben Standpunkt einnehmen An, 7. Dezember heißt es: Deutsch- n-'irnal oder Schwarzrotgold? Kommn-isten und Deutlchnationale haben sich demaskiert. Das haben die Massen lännst erkannt. Mit der Varo's: Nieder mit dem Bürgerblock— für die Sozialdemokrat'che Partei— ziehen wir geeint in den Wahlkampf. Nach einer kurzen Diskussion, die von den Kommunisten dazu benutz' wurde, poNti'chen Unsinn vom Stapel zu lassen, konnte Ge- txc''" PV.i'r sein Schlußw-rt hassen, das zu einer schaff«" Ab, rechnung mit den Kommunist«» wurde. Am Schlüsse dieser Wahlkundgebung, die mit aller Klarheit gezeigt hat, daß im Bezirk Frisdrichshain die Kornm'miftsn ihre Roll« ausgespielt haben, 'rrn-ei, die Berlammelten die„Lnte-n'-tional«"". Ein Hoch aus die Sozialdemokratie fand begeisterten Widerhall. Za vaumschulsuweg. Genosse Adolf Hoffmann sprach in der stark überfüllten Aula des Lyzeums in Baumschulenweg. Er glossierte zunächst den deutschen Michel, dessen anoeborenur Bärenschlaf derselbe ge, bl eben sei, aus dam er nur. einen Augenblick erwache, um sich irgend- einen Stimmzettel in die Hand drücken zu lassen: fein Staats- bttrgertum sei ihm noch immer nicht ine Bewußt- s e i n g e r ü ck t. Die Frau ist in der Wahlze t stark umworben. Professor Bischof svrach ihr bckanntl'ch die Wahlfähigkeit ab, und nach Sckiller gehört sie ins Haus. Letzteres ist stets der Fall, uxnn es um«hre Rechte geht; sonst f ndet man sie in alle» Betrieben. Heute bemüht sich alles um das arme Volt, als ob ihm der Himmel auf Erden werden solle. Und viele Arbesser fallen prompt aus solch« Schwindelmanöver hinein. Genosse Adolf Hofsmann erinnerte, nachdem er Stellung zur Kriegsschuldfrage genommen hatte, an jene Zeit, als allgemeine Begeisterung für den Krieg herrschte; damals standen die Führer allen: nicht dcr Führer, die Masse hatte den Führer verlassen. Ln allem, meinte der Redner, ist der Deutsch« voran, nur nicht im polssischen Denken. Zur Erlösung Deutschlands führt nur ein Weg: die schwarzrotgolden« Republik. In ihrem eigensten Interesse muß die Masse den Führern auf diesem Wege folgen.— Dss Versammlung stinunt« am Schluß begeistert in das Hoch auf die Sozialdemokratie ein. 3n Reinickendorf. In Reinickendorf. West sprach in gutbesuchter«er- sammlung Genosse Landa., Die Krisen, die Deutschland seit der Revolution im Jahr« 1918 durchlebt hat, so führte er aus, hatten stets ihr« Ursachen im Kampf um die Staatssorm und um die Er- füllung des Fnedensver'rages. Allemal zeig!« sich eine erfchreckend« politisch« Unmündigkeit der Rechtsparteien, denen die Partei immer über das Vaterland ging. Unser« Partei hat durch die Zustimmung zum Sachverständigengutachten nicht etwa die sozial« Frage als erledigt betrachtet. Wir find uns stets dar- über klar gewesen, daß die gerechte Verteilung der Lasten aus dem Londoner Abkommen den Einsatz unscrer ganz«, Kampfkraft erfordern wird. Genosse Landa wies in seinen Ausführungen treffend noch, wie die Taktik der sozial- demokratischen Fraktion bei der Regierungsumbildung zu der von uns beabsichtigten Reichstag saussösung führt«. Wer heute noch g'aub', daß nach einem Sturz der deutschen Republik ein neues Kaiserreich oder ein« proletarische Diktatur möglich wäre, ist«in blinder Phantast. D e blutigst« Rechtsdiktatur wäre die Nachfolgerin der republikanischen Staatssorm,«ine Geroaltherrschaft, in der jede srecheitliche Regung der arbeitenden Massen bruial unterdrückt würde. Wir Sozialdemokraten stützen die Republik aus unserer ge- ichichtlichen Verantwortung heraus. Wir wissen, daß in d«r Re- publik der Kampf um den Achtstundentag, um höher« Löhne, um die soziale Besserstellung der Arbeiter- s ch a f t für uns am günstigsten zu führen ist. Die Führung dieses Kampfes und ssw Erfolg hängt von der geistigen Einst«!- l u n g des Proletariats ab. Bei der Wahl am 7. De- zember wird das Volk beweisen.können, daß es die politisch« Reif« besitz', die nö ig ist, um die parlmnentarische Regierungsform zur Auswirkung kommen zu lassen. Unser« Parole lautet: Gegen den Bür-erblock. für den sozia'en Fortschritt, für die Sozialdemokratie! — In der Diskussion stellte der frühere Kriegsfreiwillige jetzige Kommunist Steffen einig« Fragen an den Rcseventen, die die Klassenjustiz, die Lösung dcr sozialen Frag« und anderes betrasen. Sl-sssm hat die soziale Frage für seine Person bereits dadurch ge- löst indem er neben seiner Berufstä igkeit noch nebenoerdienstlich Heimarbeit für die Unternehmer leistet«, wie in der Gewerkschofts- kommission festgestellt worden ist. Der Redner trug m, übrigen viel zur Belustigung der Versammlung bei. Die Jeme öer Oberprimaner. Die Borgänge an der Oberrealschule in der Emser Straße. Die tumultarijchen Szenen, die gestern, wie mitgeteilt, zur Ber- tagung der Neuköllner Bezirksverjammlung führten, waren von dem Deutschnationalen K lo t h aus besonderen Gründen provoziert worden. Die Sozialdemokraten hatten ein« Anfrage ein- gebracht über«igeiwi-tige Vorgänge an der Oberreolschule Emser Straße. Noch ehe Genosse Harnisch die Anfrage be- grür.den konnte, versuchten die Deutschnationalen und Völkischen allen Ernstes, unsere Fraktion zur Zurückziehung der Anfrage zu bewogen. Sie hatten allen Grund dazu, denn alz unser Redner jene skandalösen Zustände an d?r Schul« geißelte, war das den Leutchen so unangenehm, daß sie die Sprache verloren. Genosse Harnisch leuchtet« in seiner Rede tief in diese traurigen Schul- Verhältnisse hinein. Am 1. Mai d. I. wurde Genosse Dr. Grelling an jener Schul« angestellt. Als Sozialdemokrat und Jude wurden ihm die größten Schwierigkeiten bereitet. Die Frechheil der Ob-rpr!rraner. die«r unterrichtete, aina soweit, daß die Mehrzahl der aufgeputschten Jungen im Beisein von Lehrern erklärten:„Wir deutschen Jungen lassen uns doch nicht von einem Juden unterrichten." In der gemeinsten Weise wurde die Hctz« fort- gesetzt und, wie«s scheint, auch von dem Direktor Dr. Marschall und einigen Lehrern unterstützt. Schließlich kam es zu einem so- genannten„ Schulstreik". Der Direktor soll hierbei aus die Frage «ssics Primaners, ob er gegen einen Schulstreik etwas einzuwenden hätte, erklärt haben:„Als Direktor kann ich Euch keinen Rat geben, ich kann gegen den Streik nichts unternehmen. Ich werde es dem Provinzia'ichulkollcgium melden, damit ein« Aendernng eintritt." Als Dr. Greiling auf seinen Antrag an eine ander« Schule versetzt wurde, teil"« der D vektor das den Scbülern so entsiclll mit. daß es wie eine Slrasoerseßung aussehen mußt?. Doch das war erst das Vorspiel. Fünf Lberprimaner hatten sich an der Hetze gegen Grcl- ling nicht beteiligt, auch am Schulstreik nicht teilgenommen. Sie wurden vom ersten Tage ob boykottiert. Anläßlich eines Schul- ausflugss nach den Rüdersdorßcr Kalkbcimen im Oktober d. I. wurden nun dies« fünf von dem Lehrer abgedrängt, einer wurde Steingut. Die Mode heißt Steingut. Das Kunstgewerbehaus von Fried- mann und Weber in der Budapester Straße zeigt augenblick- lich ein« Sonderausstellung von Erzeugnissen der Steingut- sabrike» in V e l t« n- V o r d a m m, die in mehr als einer Hinsicht Beachtung verdient. Zunächst cinmal wird hier dcr Beweis er- bracht, daß das so lange verachiete Steingut, das Porzellan des „k'einen Mannes" von der besten und«indrucksvcllsten Wirkung ist, wenn es richtig bearbeitet wird. Man sieht hier Tassen, Teller, Kannen, Basen, Dosen, Blumentöpfe von feiner Linie und mit weicher, warmer Farbe. All« diese Gegenständ« sind nämlich mit der Hand bemalt nach zum Teil sehr eigenartigen und originellen Vorlagen. Was so lange als durchaus stilwidrig galt, daß nämlich jeder Teller, jeder Teil einer Garnitur, einen anderen malerischen Schmuck aufweist, hier, in der Ausstellung lernt man, daß es ab- solut nicht stillos ist. sondern harmrnisch wirkt. Die Fabriken in Beltcn beschäftigen 1S9 Malerinnen, junge Mädchen, Töchter von Fabrikarbeitern, die in der Bew-alung des Steinguts unter bester künstlerisch sachverständiger Leitung ausgebildet worden sind. Man lernt ferner in der und durch die Ausstellung kenne», daß Steingut neben seiner praktischen Wertung auch hübsch wirkt, wenn man nicht wie das leider so lange üble deutsche Mode war, durch Kniffe und Mätzchen etwas anderes,„besseres" darausmachsn will. D!« ausgestellten Sachen bei Friedmann und Weber sagen: wir sind Steingut und verstecken uns nicht, als wären wir delikatestes Por- zellan. Diese Kaffee- und Teeservioes sind nun ober auch verhält- nismäßig billig. So kostet zum Beispiel ein Service für S Personen aus 33 Teilen bestehend 66, und«in sechs teilnes Kaffee- servic« 18 M. Gewiß, immer noch ein schönes Stück Geld. Aber wer derartiges bei besonderen Gelegenhei'en schenkt, bringt Gutes und Künstlerisches und nicht Schund, das sich vornehm kaschiert und relativ mehr Geld kostet als dies«„echten" Steingutgegenständ«. Ferner fleht man in der Auestellung sehr schön« Fayencen,«igen- artiges und, wenn man so will, eigenwilliges nach Wiener Muster, rrnfc kostbare Stücke aus der staatlichen Kunstgewerbeschule. Amüsement gefällia! Sie wollleu doch„Berlin bei Rächt" sehen! Bor nicht langer Zeit kam ein biederer Kauftnonn aus Hoyers- werda noch Berlin und traf hier mit einem Dresdener Geschäfts- freund zusammen. Di« beiden erledigten ihre geschäftlichen Air- gelegenheiten zu voller Zufriedenheit und wollten natürlich auch „Berlin bei Nacht" sehen. So trafen sie, nachdem sie sich schon reichlich gestärkt, spät abends in der Linienstraße einen Mann. der ihnen diskret ins Ohr flüsterte:„Amüsement gefällig? Prima Nockttänzel" Beide Herren stimmten freudig zu und der Schlepper, eröffnete den Nepp, dem dl« beiden Provinzler von diesem Augenblick an zum Opfer fielen, dadurch, daß er eine P r o- vision von 29 Mark verlangt« und auch erhielt. Nun ging«s selbdritt nach der Linienstr. t23, über einen dunklen Hof hinweg, in ein« nicht übermäßig Vertrauen erweckende Wohnung. Vom Korridor aus sahen die beiden abenteuerlustigen Koufleute einen behäbigen Herrn aus dem Feldbett liegen, aus der Wasserleitung streckten S Sektfioschen die silbernen Köpfe und aus einem Nebentzimmer tönt« gedämpft Musik und Frauen» lachen. Der Führer ließ den beiden Opfern keine Zeit zur Heber- lcgung, sondern führte sie in dos„Gastzimmer", das am Tag« einem stellungslosen„Kaufmann" als Logis diente, und nun konnte das „Berliner Nachtleben" beginnen. Zunächst ersckiien«in ebenfalls recht muskulöser Herr mit schwarzem Scheitel, nahm den Gästen die Garderobe ab und verlangte dafür die Kleinigkeit von 29 Mark; dann nahte der Kellner und erklärte, das Lokal führe nur Sekt, best« französisch? Marke, in Grünberg auf Flaschen ge- zoaen. Die beiden Sachsen, di? schon jetzt den Besuch dieses frag- würdigen Etablissements heimlich bedauerten, bestellten eine Flasche und nun nahte der Maitr« de plaistr, gleichzeitig Klavierspieler im „Orchester", und deutete an, die Herren könnten Nackttänze sehen, die in Berlin einfach ui erreicht seien. Natürlich stimmten die ver- gnügimgssüchtigen Kaufleute zu und so naht« das„Ballett", be- stehend aus vier weder jungen noch schönen Mädchen, die dafür allerdings auch auf den mindesten Schleier verzichtet hatten. Die „Dameii tanzten etliche Male durch di« Stube, bekamen darauf furchtbaren Durst und dl« zahlungsfreudigen Gäste �mußten zur Labung der vier Schönen noch«in« zweite Flasche Sekt bestellen. Damit nicht genug, kassierten die Tänzerinnen lö Mark pro Person„Tonzgebvhren", der Kapellmeister präsentierte die Rechnung der Kapelle über 39 Mark, und als dos Nacktballet sich schlichlich verzogen, ließ der Kellner für die zwei F'aschen Sekt(einschließlich Bedienungsgeld) sich die Kleinig- keit von 187 Mark zahlen. Programmäßig bezahlten die beiden Provinzler ihre Zeche, doch als sie daheim im sicheren Hotel das Fazit dieses kleinen Abenteuers zogen, kamen sie doch zu der Er- kenntnis, daß man sie für«inen Spaß, der keiner war, reichlich geneppt habe lind lo erstattet« denn der Hoyerswerda«? beiseiie genommen, geschlagen, mit Füßen getreten und einen Ar hang hiuabgestoßen. Das ärztlich« Attest spricht von schweren Miß Handlungen. Der Schüler war lauge Zell bettlägerig und hat zud?,r noch einen Nerver.chock erlitten. Weiter« Schandtaten dieser Horde konnten dorm endlich durch das Dazwischentreten des inzwisä'-u herbeigeeilten Lehrers verhindert werden. Der deutschvölkische StoSy-verordnet« Dr. Dan icke versuchte die«ach« s'chr harmlos hinzustellen. Er verurteilte dies« Rohhetten, aber im gleichen Atem- zuge meinte er:„Der mißhandelte Junge tonnie ja noch laufen." Da alle anderen Redner von dieser Sorte Verteidige? abrückten und sie allein blieben, mußte K l o t h die Situatton retten, indem er nicht geaen jene Sckull'eael. sondern qeacu den Zudcn und Sozialdemokraken Dr. Grilling und unseren Genossen Sauksky losschlug. Er sagte wärt ich: Kautskn hat ihm amtlich anvertraute? Material benutzt, um Geld zu verdienen. Dos sagt Kloth. der doch wissen müßte, wie oft diese elende Verleumdung widerlegt ward." ist. Auf ein paar Unwahrheiten mehr oder wenig«? kommt es ihm nicht an. So behauptet« er, daß Dr. Grelling als Herausgeber des Buches Antt-Iaccuse im Jahr« 1916 sich als„Landesverräter" er wiesen habe, und wenn ihn seine Partei stütze, so träte sie in sein« Fußtopfen. Dr. Grelling hat dieses Buch bekanntlich mit Wissen und Genehmigung der amtlichen S'ellen geschrieben und Pro- fcssor Hans Delbrück hat es ausführlich und wohlwollend besprochen. Im Anschluß daran wurde Grelling von dem bekannten nationalen Politiker Professor Rohrbach in die Zentralstelle für Auslandsdienst berufen. Stadtrat Genosse Dr. Löwenstein konnte als vorläufig.? Ergebnis mitteilen, daß das Provinzialschulkollegium fünf Oberprimaner von d?r Schule gewiesen hat und daß elf Schülern die Androhung der Verweisung zuteil geworden ist. Im Laufe der nächsten Woche ist das endgültig« Urteil zu erwarten. De Schüler die verhetzt wurden von Leuten, die angeblich die Politik aus der Schule oerfnnnen wollen, sind hart, aber gerecht bestraft worden Was aber geschieht wohl mit dem Direktor, der indirekt mit gewirkt hat, die Schulautvrttät zu untergraben? Bürger eine Anzeige, di« u. a. lautet«:„W ir waren aus solchen Nockttanz nicht vorbereitet und deshalb nahmen wir Anstoß daran." Das Gericht ober lud die eigentlichen Veranstalter dieser Nack: kunstabende zur Verantwortung. Der Inhaber der Wohnung,«ir gewisser Pr u tz, dcr, wie er angibt, schon seit Jahren stellungslo? ist, aber einen recht woh'habenden Eindruck macht, und sein Untermieter S ch i m me l p fe n n i g. der di« Roll- des Portiers spielt ftichten sich damit zu verteidigen, daß eine Gesellschaft der berühmt-• Unbekannten bei shnen die Nack tanzveranstaltungen ab- gehalten hätte und Prutz wollte als Entgelt von dem Verkauf jeder Flasche Sekt 5 Mark. Schimmelpfennig 2 Mark Garde? obcngeid erhalten hoben. Di« Ankto"« gegen sie lantcte auf Wucher und Verkauf geistiger Getränk« ohne Schankkonzession. Wegen des ersten Delikts erfclgte die Freisprechung, da Sekt, wie der Vorsitz-nde mittei'te,"och Ansicht des Gerichtes nicht zu den Gegenständen de? täglichen Bedarfes gebore und man infolgedessen auch nicht direkt von Wucher sprechen könne, obwohl in dem fragwürdigen Lokal die F'asche nie unter 59 Mark verkauft wurde. Wegen des zweiten Vergebens wurde Prutz zu 39, Schimmelpfennig zu 599 Mark Geldstrafe oerurte'li. Geltsame Ganitater. Bahn hol? ingen her. Kye'uzss, den 38 Jahre asten früheren Oberzolls? kretör Zldolf Je sie, und de« 28 Jahr« allen Gruppenführer Werner Nüsse beschuldigten, sich an Personen, die auf der Durchreise oder sonstwie' auf der Santtätswach« vorübergehend Unterkunft erhellen, veraangen zu haben, Iesk« an Frauen und Madchen, Nüsse an Burschen und Knaben. Das Personal der Wache wurde sofort entlassen und durch anderes ersetzt. Nüsse wurde von der Kriminalpolizei nach ein- gehendem Verhör und Zeugenvernehmungen dem Uniersuchiings- r chier vorgeführt, von diesem aber wieder entlassen. D- Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Nicht nur Zeugenaussagen, sondern auch Briefe enthalten Material, das Nüsse schwer belasttet. Jeek« wird beschuldigt, durch allzu lieben?- würdig« Fürsorge, aber auch durch Drohungen, sie sonst wieder auf die Straße zu setzen, die Frauen und Mädchen gefug g gemacht zu Hafen. Eine Frau wurde mit Kratzwunden und schweren seelischen Störungen ins Krankenhaus gebracht. Es sind noch mehrere Zeuginnen ermittelt, die den Beschuldigten gegenüber- gestellt werden. Ander«, die Berlin bereits verlassen haben, werden ersucht, sich bei Kriminalkommissar Johannes Müller, Kr!- mmalinfpektion Friedrichshain, Ceorgenkirchsträß« 1, zu melden. lieber die Arbeitszeit an den Festtagen hat der Polizeipräsifen: «ine neue Verordnung erlassen, der wir folgendes entnehmen: Für den Ortspclizribezirk Berlin wird der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen für de» Buß.ag, den Totensonntag und die beiden Sonntag« vor Weihnachten, also am 14. imd 21. Dezember, in folgendem Umfange gestattet: e) am Bußtage, den 19. November, mid am Totensonntaz, den 23. November, fü» Blumengeschäft« von 12� bi? 5 Uhr nachmittag«; d) an den feifen Sonntagen vor Weihnachten(am 14. und 21. Dezember) für sämtliche Verkaufsstellen, mit Ausnahme der Blumengeschäfte, von 2 bis 6 Uhr nachmittags. Die Ausnahm« unter b wird an die Bedingung geknüpft, daß diejenigen Arbettnohmer. die on beiden Sonntagen beschäftigt werden, an einem Werktage innerhalb �der letzten zwei Wochen vor Weihnachten vor- oder nachmittags 4 Stunden von der Dienstleistung befreit werden. Zn dnn Artikel„Zugeod von heute" in Nr. 522 vom 5. Novem- ber ist«in Fehler unterlaufen. Den Bortrag über die höhere» Schü- ler hat nicht Dr. Hiller. sondern der Schulveformer Dr. Hilter geholten Zeugen gesucht, die am Sonntag, den 21. September. nachmittags um etwa 1% Uhr. gesehen haben, wie ein Herr vom Vorderperron der Straßenbahn(Linie 44) herabgeschleudert wurde und besinnungslos liegen blieb. Der Unfall geschah in der Bnlckenstrahe zwischen Runge- und Köpenicker Straß«. Tldrcssen erbtttet Hans Berg. SO.. Mariannenplatz 26- Unkosten werden vergütet. Eine oberschlesisch« Woche veranstaltet der O b e rs ch le st s ch e Hilf». bund in der Zeit vom v.— IS. November. Sröfsnet wird Me Woche durch den ReichSpcäfidenten. Sie Sportpalast-vlrettion bittet mitzuteilen, daß entgegen den von o»- scheinend mteressierter Seite verbrelleten Gerüchten, noch TintritH» larten für de» beuiigen Kampsabend w genügender Anzahl— belandeio jN den mittleren Preislagen— zu haben sind. Di« Kämpfe beginnen 7'!, Im Partemachrichten für Hroß-öerlin Sinsendunge» sitr dies« Rubrik sind »erl'u S«.«. Linbeusrrah« 3. ftet» o« Um«ezUckolekretari-t. 3. Kos. 2 Treu, recht», zu richte» Ii«- Ii»,»bt. Ponkow.»>e chenoriimen iressen sich morgen, Kreiiag- den 7 Ii. von» 10 UM', bei Rikünan». MlUfevNr 70. zweSs Znfvrmalwn zur«eoeiinn« der.ffiäMtthr Zahlreich-«elettigung ist Pflicht' Sungl-ztaltste».«rapve Soukwig. Morgen. Freitag.« Uhr. Mttgliederwrmimn- lana bei siehmann. k Gewerkschaftsbewegung Der Streik als Kündigungsgrund. Genosse Clemens Nörpel schreibt uns: Die Darstellung von Rechtsanwalt Dr. Alfred Karger in der bendausgabe vom 1. November 1924 darf zur Vermeidung von Mißverständnissen nicht unwidersprochen bleiben. Im sozialistischen klassenlosen Staate werden im Arbeitsrecht die Beziehungen aller Arbeidenden geregelt. Im gegenwärtigen tapitalistischen Staate dagegen die Beziehungen zwischen Arbeit gebern und Arbeitern bzw. Angestellten. Daneben besteht noch der allgemeine fittliche, hygienische und kulturelle Schutz der Arbeitnehmer durch den Staat. Daraus ergibt sich aber, daß die Regelung der gegenseitigen Beziehungen nach beiden Seiten die gleichen Wirkungen haben muß. Was dem Arbeitnehmer recht ist, das ist dem Arbeitgeber billig. hat er also zu erkennen gegeben, daß er mit der Kündigung nicht einverstanden war. Das Gericht fam zu der Entscheidung: Die gegen den Vorsitzen den des Betriebsrats ausgesprochene Kündigung wird als un gerechtfertigt ertiärt und die Beklagte verurteilt, ihn wieder einzustellen und die Kosten des Prozesses zu tragen. Als vor der Verfündung des Urteils über die Möglichkeit eines Bergleichs gesprochen, vom Kläger aber geantwortet wurde, er lehne eine Geldentschädigung, zu der die Beklagte bereit war, grundfäßlich ab und verlange feine Wiedereinstellung, die ja auf Grund des BRG. im Urteil ausgesprochen werden müsse, da erflärte Geschäftsführer Schumacher: „ Dem Urteil muß ich mich fügen, aber ich werde versuchen, ihn wieder rauszufriegen." Herr Schumacher ist also entschlossen, seinen rechtswidrigen Kampf gegen den Betriebsratsvorsitzenden fortzusehen. Solche Politik, die den schlimmsten Scharfmacher: manieren gleichkommt, sollte doch in einem Betriebe der Stadtgüter nicht geduldet werden. Zur Berliner Operetten- und Revue- Theatersperre. Für die jetzigen Vorstellungen im Thaliatheater( Varieté) murben unter Anerkennung unserer Forderungen Mitglieder unseres Verbandes verpfichtet. Die Sperr: über das Thaliatheater wird desaufgehoben. Wenn nun der Arbeitnehmer durch Streif seinen Arbeitsvertrag unterbrechen darf, ohne daß der Arbeitgeber zur fristlosen Entlassung berechtigt ist, dann hat auch der Arbeitgeber das Recht, ohne Einhaltung der Kündigungsfrist auszusperren. Ein Grund hierzu läßt sich immer finden. Das bedeutet aber die Ausschaltung jedes Kündigungsschutes, denn der Arbeitgeber, welcher durch Verträge an die Einhaltung der Kündigungshalb fristen gebunden ist, kann sich dem dann in Krisenzeiten durch Bon sämtlichen Berliner Bühnen gelten zurzeit als gesperrt nur Aussperrung entziehen. Das wäre die Konsequenz des Frankfurter noch: 1. Berliner Theater, 2. Theater om Rollen Auch der Entwurf eines Arbeitsvertragsgesetzes( siehe Korredorfplatz, 3. Metropoltheater, 4. Künstlertheater, spondenzblatt des ADGB. vom 17. November 1923, Seite 461) 5. Theater in der Kommandantenstraße. entspricht feinesfalls dem Frankfurter Urteil. Landgerichtsurteils. Es heißt dort ausdrücklich:" Streif und Aussperrung sind im Zweifel feine Kündigungsfrist. Sie sind dann nicht vertragswidrig, wenn sie unter Beachtung der für die Lösung des Arbeitsverhältnisses vergesehenen Bedingungen erfolgen. Das Recht befristeter und unbefristeter Kündigung wird durch Streit und Aussperrung nicht berührt." Das Reichsgerichtsurteil vom 6. Februar 1923, III 93/23, ist ebenfalls sehr unklar, und das Reichsgericht sagt selbst, man solle nicht verallgemeinern. Die Arbeitnehmer müssen nach wie vor beachten: Wer ohne Einhaltung der Kündigungsfrist streift, fann fristlos entlassen werben; wer gleicherweise ausgefrerrt wird, kann die Einhaltung der etwa bestehenden Kündigungsfrist verlangen. Dem Frankfurter Urteil ist auf Grund der bestehenden Rechtslage entgegen zu treten, da andererseits auch bei Aussperrung die gleiche Rechtslage gelten müßte und der Kündigungsschutz vollkommen in Frage gestellt würde. Der Ausideg besteht darin, daß starke Gewerkschaften vorhanden sind. Auch diese müssen bestehende Verträge achten, das erfordert Treu und Glauben. Aber eine starte Gewerkschaft kann no falls auch unter Vertragsbruch streifen lassen. Wird der Streif verloren, dann sind eben die Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Wird der Streit aber gewonnen, dann werden nicht nur die Forderungen durchgefeht, sondern es fommt auch weder zu Entlassungen noch zu Schadenersatz, da alles durch Verein barung geregelt wird. Anders geht es nicht und ist es auch heute trotz des Frankfurter Urteils noch nicht. Bei der Wichtigkeit der Materie war diese Richtigstellung notwendig, denn nichts ist gefährlicher, als eine Sache nur für sich und nicht im Zusammenhang zu betrachten. Maßregelung eines Betriebsratsvorsitzenden. Geschäftsführer Schumacher, der die Fleischerei des von der Stadtgüter G. m. b. 5. verwalteten Gutes Sobrechts felde leitet, hatte den Borsigenden des Betriebsrats, der seit 10 Jahren im Betriebe beschäftigt war, getün digt und entlassen, ohne die nach§ 96 BRG. erforderliche Zustimmung der Betriebsvertretung einzuholen. Bei Berhandlung der Klage, die der Betriebsrat deswegen beim Gewerbegericht anhängig machté, fam über den wahren und angegebenen Entfaffungsgrund folgendes zur Sprache. Der Betriebsratsvorsigende hatte seinerzeit eine Klage beim Gewerbegericht eingereicht für einen Kollegen, der unter dem Verdacht des Diebstahls entlassen war. In der Prozeßperhandlung stellte sich die Grundlosigkeit des Verdachts heraus. Der Prozeß wurde durch einen Bergleich beendet. Als dem Geschäftsführer diese Klage, die vom Vorsitzenden des Betriebsrats unterschrieben war, zugestellt wurde, ließ er den Betriebsratsvorsitzenden in sein Bureau rufen und machte ihm Borhaltungen darüber, daß er die Betriebsleitung vertlagt habe. Der Betriebsratsvorsitzende antwortete, er habe mit der Unterzeichnung der Klage nur seine Pflicht getan und nicht beabsichtigt, fich persönlich gegen die Betriebsleitung zu wenden. 3m unmittelbaren Anschluß an diese Ausein andersehung sprach der Geschäftsführer die Entlassung des Betriebsratsvorsitzenden aus. Es fann hiernach gar nicht zweifelhaft sein, daß die Einreichung der Klage für den zu Unrecht entlassenen Kollegen der wahre Grund der Kün digung ist. Der Geschäftsführer gab allerdings an, der Betriebsratsvorsitzende werde deshalb gefündigt, weil er mit Bezug auf die Kontrolle der Arbeiter gesagt habe:„ Das ist ja hier wie im Gefängnis." Doch der Entlassungsgrund war für den Prozeß deshalb nicht pon Bedeutung, weil ja die Zustimmung der Betriebs= vertretung zur Kündigung ihres Borsigenden nicht ein geholt war. Der Geschäftsführer glaubte die Zustimmung nicht nachsuchen und auch den Kläger nicht wieder einstellen zu brauchen, weil dieser sich mit der Kündigung einverstanden erklärt haben foll durch die Worte:" Ich bin noch jung, ich werde andere Arbeit und Sie einen anderen Gesellen finden." Der Kläger beschmor aber, er habe noch hinzugefeßt:„ Das weitere wird sich finden." Dadurch Auch das Berliner Sinfonie.( Blüthner) Orchester, das sich noch nicht dazu verstehen konnte. feine Tätigkeit in einem der gesperrten Betriebe einzustellen, ist nach wie vor auf das strengste gesperrt. Norddeutsche Schrauben- und Metallwerke. Zu unserer Notiz in Nr. 520 teilt uns die Firma bericht gend mit, daß der Betriebsleitung nichts von einer Versammlung oder Aussprache der Arbeiter bekannt war. Die Entlassung von zwei Arbeitern, von denen der eine nur etwa 10 Wochen bei der Frma beschäftigt war, sei lediglich wegen zu geringer Leistungen, insbesondere in der letzten Arbeitswoche erfolgt. Die schlechte Geschäftslage in der Konfektion. In unserem Bericht über die Lohnbewegung in der Berliner Herrenkonfektion am Mittwoch früh(„ Vorwärts" Nr. 522) wurde die Behauptung der Arbeitgebervertreter erwähnt, daß trotz der Lebensmittelteuerung die schlechte Geschäftslage feine ohnerhöhung zulaffe. Zur Illustration dieser Behauptung, die die Arbeitnehmer nicht recht glauben wollten, dient eine Anzeige folgenden Inhalts: ,, Nur zur Vergrößerung meiner vorzüglich eingeführten hochrentablen, ständig flott beschäftigten Spezialfabrit der Konfettionsbranche in Dresden fuche ich nicht zu jungen, tüchtigen Kaufmann( Konfeffion gleich) als tätigen Teilhaber mit 20 000 Gm. Einlage und sichere ihm pro Anno mindestens 20 000 Gm. Gewinnanteil zu. Es handelt sich um reelles hochlohnendes Unternehmen. Es wollen sich nur Herren.... melden, welche auch das Geld nachweisbar haben." Wenn schon bei schlechter Geschäftslage solche Mindestgewinn anteile zugesichert werden können, und zwar selbst von reellem Unternehmer, dann möchte man doch gern einmal erfahren, was bei guter Geschäftslage aus der Konfettion herausgeholt wird. Sollte aber die Behauptung von der angeblich schlechten Geschäftslage nur ein Bluff gewesen sein, dann ist sie durch das vorstehende Inserat aus Dresden entlarvt.. Niedrige Löhne, hohe Preise und noch höhere Profite sind insbesondere auch für die Konfektion kennzeichnend. Soweit gar Heimarbeit vergeben wird, ist die Bezahlung hundsgemein, der Gewinn aber um so größer. Kellner und Konsul. Seit Jahren verkehrt Konsul Peters als Gast im Hotel Bristol. Wenn er den Kellner herbeirufen wollte, dann tat er nicht den Mund auf, sondern er machte durch Knipsen mit den Finger ein Geräusch, welches dem Knall einer Peitsche nicht unähnlich ist. Bisher war es immer so: Wie der Hund dem Pfiff des Herrn folgt, so eilte auf das Knipsfignal ein Kellner herbei und fragte mit devotem Bückling nach den Befehlen des Herrn Konsul. Doch eines Tages fam es anders. Der servierende Kellner, der wohl etwas mehr Selbstbewußtsein haben mochte, als dem Persona! eines vornehmen Hotels gestattet ist, beachtete das Knipszeichen nicht. Darob entrüstet, stellte der Konsul den Kellner zur Rede und herrschte ihn an: haben Sie nicht gehört, daß ich gerufen Treffend antwortete der Kellner:" Sie haben ja nicht gehabe?" rufen, sondern geknipst." Nun lief der Konsul zum Hoteldirektor und beschwerte sich über den Kellner, der ihm in frechem Ton" geantwortet habe. Wie nicht anders zu erwarten, verschaffte der Direktor dem Konsul Genugtuung" durch die Entlassung des Rellners. Dieser focht seine Entlassung als unbillige Härte vor dem Gewerbegericht an, mit dem Erfolg, daß sein Einspruch gegen die Entlassung als gerechtfertigt anerkannt und die Beklagte verurteilt wurde, den Kläger entweder wieder einzustellen oder ihm eine Entschädigung von 265 Mart zu zahlen. In der Urteilsbegründung wurde gesagt, es sei unge hörig, einen Kellner durch Knipsen herbeizurufen. Ungehörig sei aber auch die Ant= wort(?) gewesen, die der Kläger dem Gast gegeben habe. Die | Entlassung sei jedoch nicht notwendig gewesen. Man hätte, um die Wiederholung derartiger Vorkommnisse zu vermeiden, den Kläger in eine andere Abteilung versezen fönnen. Heimarbeit! Das Konfektionsgeschäft von Otto Brendel in Camburg an der Saale bezahlt seinen Heimarbeiterinnen für Blusen durchschnittlich 15 Pfennig, für Kleider 32 Pfennig Macherlohn; macht für 12 Blusen und 6 Kleider in der Woche einschließlich Sonntags der Haushalt muß mit in Ordnung gehalten werden 3,68 Mart Wochenlohn. Die noble Firma, die sich wahrscheinlich darauf berufen wird, daß andere gleich noble Firmen ja auch nicht mehr oder nicht viel mehr als 15 und 32 Pf. zahlen, mag weiter einwenden, daß eine Frau, der das nicht Lohn genug iſt, nicht für sie zu arbeitet brauche; oder aber, daß eine Frau, die sich den Lurus eines Haushalts" nicht gestattet, bei längerer Arbeitszeit schließlich auch bis zu fünf oder gar sechs Mark die Woche bei ihr verdienen könne. Kritit? Kein Wort! Ist die Ausbeutung gemeingefährlich, muß fie eingedämmt werden! Die Gemeindearbeiterbewegung im Weften beendet. Dortmund, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Bei den am Mittwoch vom Reichs- und Staatsfommiffar Mehlich geleiteten Berhandlungen der in dem Tarifvertrag der Gemeinde- und Staatsarbeiter vorgesehenen Bezirksschiedsstelle wurde in später Abendstunde ein Schiedsspruch gefällt, nach dem der Spizenlohn gemäß dem Schiedsspruch vom 15. Oftober ab 27. Dftober auf 70 Pf. pro Stunde festgesetzt wird. Beide Parteien haben erklärt, den Schiedsspruch anzunehmen. Die Streifbewegung der Gemeinde- und Staatsarbeiter Rheinlands und Westfalens ist damit beendet. Die Arbeitszeit in der Tschechoslowakei. Der erste europäische Staat, welcher ein dem Washingtoner Uebereinkommen voll entsprechendes Arbeitszeitgefeß erließ und dieses Uebereinkommen ratifizierte, ist die Tschechoslowakei. Nun hat das Internationale Arbeitsamt eine Schrift über die Arbeitszeit in d'efem Lande herausgegeben. Der erste Teil gibt Aufschluß über die Bestimmungen des tschechoslowakischen Gesezes betreffend den Achtfrundentag und die 48- Stundenwoche. Ausführlich wird die Art der Anwendung des Gesetzes im Eisenbahnbetrieb behandelt. Auch die Verschriften über zeitweise und dauernde Ausnahmen werden eingehend dargelegt. Daran schl eßen sich Angaben über die praft sche Durchführung des Gesetzes. Zum Schluß wird auf die Regelung der Arbeitszeit durch Tarifverträge eingegangen. Aehnliche Abhandlungen über die Arbeitszeit, die früher er schienen, betreffen Belgien, Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Italien, Großbritannien und die Niederlande, 3m Leitergerüstbaugewerbe ist über das neue Lohnabkommen Dor längerer Zeit eine Einigung erzielt, während die Verhandlungen über den Manteltarifvertrag sich noch länger hinzogen. Diese Verhandlungen führten jetzt zu einer gegenseitigen Verständigung. Der Achtstundentag, Urlaub sowie einige Verbesserungen sind in diesem Mantelvertrag enthalten. Tarifverträge beim Verkehrsbund, Engelufer 24-25, Germaniabrauerei, Frankfurter Allee 302. Dieser in einem ausgesprochenen Arbeiterviertel gel gene Geftwirtsbetrieb wird hierdurch Dom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten gesperrt. Der Unternehmer erflärte einem Gewerkschaftsbeamten unserer Organisation: Wenn die Arbeiter für ihre Versammlungen organisierte Kellner perlangen, sollen sie ihre Versamma Iungen wo anders ob halten." Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Cofales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Garantiesch. f. gesetzl Goldinh. ges. gesch FECHNER& PREIDEL, Straße 2, ausgeste lt. Keine Einsendung Kein Preisaufschlag. Trauringe Weihnachtsüberraschung als Prämie an meine Kunden bis Ende Dezember, bestehend aus Speise und Schlafzimmer, Küchen usw. Diese Gegenstände sind bei der Firma Möbelfabrik, Neue Schönhauser Ferner 50 Preise à 10,- Mark bar. irgend eines Betrages erforderlich. Bedingungen unverbindlich im Laden. 1 Ring 900 gest. 7 Gr. schwer M. 28.00 1 Ring 585 gestemp., 4 Gr. schwer M. 12.1 Ring 333 gestemp., 3 Gr. schwer M. 6.40 Berlin N., Artilleriestr. 30 H. 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Viele Menschen ertragen lieber eine innere Krankheit als die geringste Hauterkrankung, zumal im Gesicht oder anderen Körperstellen, die besonders durch die jezige Mode den Blicken anderer aus gesezt sind. Selbst einfache Hautunreinigkeiten ( Bickel usw.) tun nicht nur der Schönheit erheblichen Abbruch, sondern erregen oft bei anderen den ( meist unbegründeten) Verdacht, als feien es an stedende Hautkrankheiten, und die Betroffenen werden gemieden oder glauben es wenigstens. Da sucht man Hilfe, wo man sie zu finden glaubt, und den und trockenen Flechten, Hautunreinigkeiten, den Zeitungen angepriesene Schwindelmittel, die Wundsein der Haut, aber auch Hautgeschwüre, wie natürlich auch nicht helfen. Das wirklich zum Furunkel, werden schnell und glänzend geheilt. Ziele führende Mittel, die Bestrahlung, fennen die Bei Lupus ist außerdem noch Ganzbestrahlung des wenigsten. Leider wenden auch manche Aerzte noch Körpers nötig. Auch das quälende Hautjuden fällt nicht dies Mittel an. Ich habe z. B. zahlreiche in das Heilungsgebiet der künstlichen Höhensonne, Patienten eines berühmten Professors für Haut- besonders auch der unerträgliche Juckreiz an ein frankheiten in wenigen Sigungen von der Bart- zelnen Stellen( After, Segualorgane, Achselhöhlen flechte befreit, die monatelang bergebens von ihm usw.). Die davon Betroffenen merken ichon nach mit Salben behandelt wurden. Und dabei wirkt einer Bestrahlung das Nachlaffen des Juckreizes die Bestrahlung sofort. schon nach der ersten und sind in furzer Zeit ganz von ihrer Qual beSigung. Zur Behandlung eignen sich alle nässen freit. Ausgenommen ist nur die Mäge, bei der Die großen Vorteile und Ersparnisse sind es, die ,, BEWA die Milben erst durch Peru- Balsam abgetötet lich durchaus sachgemäß erfolgen Die Behandlung ist dann vollständig ichmerzlos und ungefährlich. Ich möchte hieran anschließend noch für diejenigen, die oft von weither das Höhensonnenbad Altis zur Behandlung aufsuchen, mitteilen, daß meine Sprechstunden nur von 10-1 und 4-72. Sonnabends von 10-4 Uhr sind. Sonntags ist die Anstalt auch für Auswärtige geichlossen. Man möge sich auch genau merken: nur Belle- AlliancePlag 6a( also nicht Belle- Alliance- Straße oder Blücherplatz) nahe der Lindenstraße. es, die ,, BEWA“ immer mehr Freunde erwirbt. Säumen auch Sie nicht länger, denn Sie sind uns ebenfalls dankbar, daß wir Sie auf ,, BEWA"-Seifenfäden aufmerksam machen. Vorteile: Sehr ausgiebig, fabelhafte Schaumbildung, größte Reinigungskratt, erfrischender Wohlgeruch, Schonen der Wäsche. Paket 40 f. Frei von Chlor. Fordern Sie..BEWA" bei Ihrem Lieferanten, und wenn nicht vorrätig, fragen Sie im nächsten Geschäft; die kleine Mühe finden Sie lohnend bezahlt, da sie kün tig nicht mehr soviel ausgeben brauchen. 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