Nr. 530+ 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 269 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat. Der., Borwärts" mit der Gonntagsbeilage, Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareillegeile 0.70 Goldmart. Reflamezeile 4.- Goldmart.., Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 0,20 Goldmart( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), febes weitere art 0.10 Goldmart. Stellengesuche ba erfte Wort 0,10 Goldmart, fabes meitere Wort 0.05 Goldmars. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. 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Was sich vor sechs Jahren ereignete, war zum guten Teil Zerfall, Auflösung, Demobilmachungskrise, gefihis mäßiges Sichaufbäumen eines Bolfes, dem man den Sieg porgespiegelt hatte und das sich plötzlich vor dem Abgrund jah. Aber aus dem Chaos fchrie der Wille zum Leben, rang sich neue Gestaltung los. Ein Ruf scholl durch das Land, der zusammenführte, Hoffnung weckte, das Bolf wieder an seine Zukunft glauben ließ. Er lautete:„ Es lebe die Republit!" Die Sozialdemokratie wies den Weg zu einer neuen Ordnung. Wer hat damals einen anderen gezeigt? Das Alte war unwiederruflich dahin, an der Last seiner eigenen Fehler zusammengebrochen. Wissende sahen in seinem Zufammenbruch geschichtliche Notwendigkeit, Gläubige fühlten in ihm den Finger eines überirdischen Schicksals. Menn bamals die Träger des alten Systems ohne Ausnahme ihre Flucht in die Unsichtbarkeit vollzogen, fo war es gewiß nicht nur persönliche Feigheit, die sie überall dorthin führte, wo sie nicht zu fassen waren nach Holland, nach Schweden, auf die Rittergüter des platten Landes, sondern es war auch die Erkenntnis, daß die Weltge. schichte das Weltgericht ist, daß sich Unvermeidliches, Berdientes über ihren Häuptern entlud und daß es für sie nichts mehr zu taten und zu raten gab, als das wenige, was fich auf ihre armselige persönliche Sicherheit bezog. Rein Rein Wort des Proteftes, teine Gefte des Widerstandes, nichts als ein fatalistisches Hinabgleiten ins Schicksal, nichts als die Sorge um das eigene bißchen Leben und materielle Bohl ergehen! Bar es so oder war es nicht so? Wenn es aber so war, so ist damit der Beweis erbracht, daß das alte System feine geschichtliche Rolle selbst als erledigt erkannte und neuen Faktoren die Berantwortung für die Zukunft des Volkes überließ. " Rein fönigliches Wort aus jenen Tagen ist lebendig geblieben, als das eine, das sächsisch gemütvolle: Macht euch euren Dreck alleene." Dies das Abschiedsmort der Monarchie an ein Bolf in den schwersten Stunden seiner Geschichte. Mehr hatte die Monarchie nicht zu sagen, nicht zu geben! * Die Herbstrevolution von 1918, Folge, nicht Ursache des verlorenen Krieges, war in ihrem Kern nur ein später Nach fömmling der fürgerlichen Revolutionen, die in vers gangenen Jahrhunderten über den Westen dahingebrauft maren und 1848 ihre Wellen auch nach Deutschland geworfen hatten. Sie räumte auf mit den politischen Privilegien der Geburt und des Besizes, mit der halbabsoluten Erbmonarchie, den Klaffenparlamenten. Sie entfernte, um das Problem auf eine geographische Formel zu bringen, die russifchen Elemente aus der deutschen Verfassung und ersetzte sie Durch amerikanische, englische, franzöfifche. Sie vollzog damit - für das deutsche Bolt mindestens zehn Jahre zu spät die Anpassung Deutschlands an die demokratischen Staatsformen, die sich sonst überall schon in der zivilisierten Welt durchgesetzt hatten, Träger dieser Umwälzung war aber nicht das Bürger tum, das im Schatten der Kaisereiche seine Zeit verschlafen hatte, sondern die Arbeiterschaft. Das gab Anlaß zu tragischen Mißverständnissen. War das, was sich da als geschichtliches Elementarereignis mit Blizz und Donner vollzog, nicht die soziale Weltrevolution, der Zufammenbruch der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die endgültige Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohnstlaverei? War es nicht möglich, durch rücksichtslose Anwendung sinnvoll erdachter neuer Wirtschaftsformen die Not zu bannen, die der Kapitalismus geschaffen, der Krieg ins Namenlose verschärft hatte? Hatte nicht für Deutschland, für Schlagen? Zum 9. November. ausstreben über das Erreichbare die Gefahr katastrophaler| find sicher in der lebazeugung, daß uns das auch gelingen Rückschläge in sich barg. Die Sozialdemokratie hat von dem Augenblick an, in dem fie Anteil an der Macht gewann, als die Partei der Vermirtlichungen gewirkt. Sie hat es getan angesichts eines siegreichen äußeren Gegners, der ihr fein Siegesdiktat auferlegte und nicht im entferntesten daran dachte, das tapi taliftische System zu befeitigen. Sie hat es getan im Kampf gegen ihre Klassengegner, die bald erkannten, welche Aussichten ihnen die Zerrissenheit der Arbeiter fchaft bot, und deren Widerstandsträfte mit jedem Tage wuchsen. Die Träger des alten Systems, die die Niederlage Deutschlands in blindem Uebermut herbeigeführt hatten, be lasteten sie mit der Verantwortung für den Frieden der fanden bei unaufgeklärten Boltsmassen Niederlage und fanden Glauben. Nie war auf menschliche Schultern eine schwerere Last gefallen als die, die wir deutschen Sozialdemokraten zu tragen hatten. Wir aber find unter ihr nicht zusammengebrochen! und am 9. November 1924, dem sechsten Geburtstag der Deutschen Republif, rüften wir auversichtlich für den 7. Dezember zu einem neuen Sieg! Die deutsche Reaktion begeht diesen Gedenktag wahrlich nicht mit erhebenden Gefühlen. Sie weiß, daß fie von heute in vier Wochen eine Niederlage erleben wird, und sie weiß. sie weiß- desto schlimmer für fie!, daß auch diese Niederlage verdient ist. Den gefürchteten, verfemten, tot geschrienen und totgelogenen Margismus" sieht sie wieder sich erheben. Sie wehrt sich mit den Mitteln, die ihr die Gerechtigkeit und Weitherzigkeit der Demokratie gelassen hat, aber sie weiß, daß sie sich vergebens wehrt. = Ist die Sozialdemokratie heute die Partei der schrittweisen, mit der Wirklichkeit rechnenden Berwirklichungen, so ist die Rechte die Partei der rückwärts gewandten Utopie geworden. Die Monarchie eine Utopie! Die Dittatur eine Utopie! Der Revanchefrieg eine Utopie! Die rassische Reinigung" eine Utopie! Alles Gespenster, denen die Möglichkeit, Fleisch und Blut zu gewinnen, fehlt. Sie nennt sich national, sie ist es nicht. Sie verschließt die Augen trampshaft vor der Tatsache, daß heute die Re publik die Nation und die Nation die Re publif ist und daß sich an der Nation versündigt, wer die einzig mögliche Grundlage ihrer Existenz, die Republik, antaftet. Sie ruft nach der Monarchie und sucht vergebens einen Monarchen. Sie fordert die starke Führerpersönlich feit" und macht die ausgesuchtesten Nullen zu ihren Führern. Sie fämpft mit dem Mund und nicht vorhandenen Waffen gegen die ganze Welt und stimmt aus Angst und blinder Machtgier für Gefeße, die sie Versklavungsgefeße" nennt. Auch in ihrem neuen Verfall, nach furzem Aufflackern Lebenszeichen, wirft geschichtliches trampfartiger Schiajal. So und nicht anders ergeht es Politikern, die den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verloren oder nie gewonnen haben. Wer da glaubt weil er so lange log, bis er es felber glaubte, daß die Niederlage des deutschen Kaiserreichs nur ein Mißverständnis der Weltgeschichte oder ein Produkt eines Dolchstoßes von hinten" sei, wer in der Deutschen Republik nur eine geschichtliche Episode sieht, der muß erbärmlich schlechte Politit treiben, weil er von Vorausfegungen ausgeht, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Sein Zusammenstoß mit ihr muß für ihn immer wieder zur Katastrophe werden. wird. Darüber hinaus bleibt uns noch ungeheures zu tun übrig, eine Zukunft liegt vor uns mit harten Kämpfen und schweren Aufgaben; wir müssen sie zwingen, sie soll uns gehören. Der Ruf aber, mit dem es begann, flingt auch heute hell durchs Land und soll am 7. Dezember machtvoll in die Welt hinausdröhnen: Es lebe die Republik! Die Steuerermäßigungen beschlossen. Zunächst Umsatz- und Einkommensteuer. Nach zmeitägigen Beratungen mit den Finanzministerien der Länder fam zwischen ihnen und dem Reichsfinanzministerium folgende Berständigung über die fofort zu bestimmenden Steuererleichte bie die Umfaßfteuer von jetzt 2 auf 1½ Brozent ermäßigt. Gleichrungen zustande. Es soll eine Verordnung erlassen werden, deitig soll die sogenannte Lurussteuer, die in vielen Fällen eine Steuer auf exportwichtige Qualitätswaren ist, von 15 auf 10 Prozent herabgesetzt werden. Diese Entlastung des Verbrauches wird ficherlich besonders von der arbeitenden Bevölkerung begrüßt werden, wenn es wirklich gelingt, die dadurch beabsichtigte Preisermäßigung herbeizuführen. Von der Einkommensteuer bleibt lediglich derjenige Teil unverändert, der auf ein veranlagtes Einfommen erhoben wird. Ermäßigt wird dagegen die Lohnfte uer, und zwar in einer Weise, die besonders der Notlage der minderbemittelten und finderreichen Familien Rechnung tragen soll. Der Betrag des steuerfreien Arbeitseinfommens, der bisher monatlich 50 m. betrug, wird auf 60 m. heraufgesetzt. Ferner sollen die ganz fleinen Steuerbeträge, die bis zu achtzig Pfennig monatlich betragen, nicht erhoben werden. Die Birfung der Steuer stellt sich folgendermaßen dar: Beim Junggesellen bleibt ein Einkommen bis zu 875 M. steuerfrei Ehepaar ohne Kinder DE PP " 11 m. 1 Kind " " BP 2 Kindern, " 889 " " 906 " " " 929 " " 2 " Die Summen, die hier für den einzelnen in Betracht kommen, springen nicht ins Auge. Die Beträge, die jedoch dadurch dem Reichshaushalt entgehen, sind recht erheblich. Bei der heutigen Berarmung hat die große Masse des Volkes nur ein sehr niedriges Einkommen. Gleichzeitig mit der Lohnsteuer wird auch die Einkommen. steuervorauszahlung zunächst um 25 Prozent für Dezem ber ermäßigt. Es handelt sich hier um die Vorauszahlungen, die nicht auf Grund eines tatsächlich erzielten Einkommens, sondern nach Maßgabe der Umfäße von Handel und Gewerbe erhoben werden. Die Herabsehung des Börsenumfasstempels ist noch nicht beschloffen. Das Reichsfinanzministerium macht sie davon ab hängig, daß die Banken gleichzeitig ihre Provisionen und Spesenfäße wesentlich mindern. Die Verhandlungen darüber sind im Gange und nehmen einen guten Verlauf. Maßgebend war für den Erlaß der Notverordnung der Reichsregierung der Umstand, daß sich die Finanzlage des Reiches durch das Zustandekommen der Auslandsanleihen geändert hat und nunmehr eine feste Grundlage für die Reichsfinanzen geschaffen ist. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtfchaftseinheit, der Wegfall der Ausgaben für die Micumverträge und der Vorausleistungen auf die Dames- Anleihe im September und Oftober haben eine gewisse Erleichterung gebracht, die es notwendig machte, die unerträglich hohen Steuerlasten zu mildern. Bestimmend war auch ein außenpolitischer Grund. Das Morato. rium, das Deutschland jetzt durch die internationale Anleihe erhalten hat, muß dazu ausgenugt werden, um die deutsche Wirtschaft für die später aufzubringenden Lasten tragfähig zu machen. Daher wollte man mit den Steuerermäßigungen nicht warten, zumal die Reichstagswahl erst in einem Monat ftat findet, und bis zur Bildung einer neuen Regierung noch weitere Zeit vergehen Darum wurde eine provisorische Regelung g bie gange Belt bie Stunde des Sozialismus ge- ein Aufstieg zu höheren Formen und in beffere Zeiten mög- troffen, die die Steuern fentt, im übrigen aber der Geftaltung ber Wohl zeigte sich finnfällig, daß jede Demokratie in einem Staat der Arbeit und der Arbeiter auch ihre sozialen Rüdwirkungen hat. Der A chtstundenta g, die repräfentative Bertretung der Schaffenden im Betrieb waren durch gesetzt. Berhandlungen über die Arbeitsbedingungen wurden in einem anderen Ton, auch mit besseren Erfolgen geführt. Aber bei alledem blieb doch das Elend, und dem Wanderer durch die Wüste erschien lockend das Bild der Erlösung. Wer soziales Empfinden befißt, wird die frampfhaften Budungen jerer Zeit verstehen. Aber er wird auch denen Gerechtigkeit widerfahren lassen, die damais schon erkannten, Daß lange noch nicht alles erreichbar war, und daß das Hin Die Sozialdemokratie steht mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit, auf dem Boden der Deutschen Republit, die sie selbst geschaffen hat und die zu schüßen ihre Aufgabe ist. Sie weiß, daß diese Wirklichkeit von Boll fommenheit weit entfernt ist, aber auch, daß nur von ihr aus lich ist. Was Ariftoteles vom Staat im allgemeinen sagt er sei entstanden um des Lebens willen und er bestehe, um ein besseres Leben zu ermöglichen das gilt auch be fonders für die Deutsche Republit. Sie war das Eiland, auf das das deutsche Bolt gesprungen ist, um sein nadies Leben als Staats volt zu retten, und es wird der Arbeit von Generationen bedürfen, um aus ihr ein Vaterland zu schaffen, das allen seinen Rindern einen gerechten Anteil an ben materiellen und fulturellen Gütern der Menschheit darzubieten imftande ist. Aber von diesem Boden, auf dem mir Fuß gefaßt und unsere Fahne gehißt haben, laffen wir uns nicht vertreiben. Wir sind bereit, ihn gegen jedermann zu verteidigen, und wir Reichsfinanzen nicht vorgreift. Das war insbesondere deshalb notwendig, weil durch die Senfung der Steuern die Finanzen der Bänder und Gemeinden fehr start berührt werden. Aus diesem Grunde baben die Landesregierungen dem Projekt des Reichsfabinetts starken Widerstand entgegengesetzt. Länder und Gemeinden find an dem Ertrag der Einkommensteuer mit 90, an der Umsatzsteuer mit 20 Prozent beteiligt. Nicht alle Länder und Gemeinden aber sind in der Lage, auf diese Einnahmen zu verzichten. Endgültig geregelt kann diese Frage nur werden durch die Neuaufstellung eines Finanzaus gleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden Dazu hielt fich die Reichsregierung nicht für ermächtigt; sie glaubt, daß nur ein Rabinett mit fefter Reichstagsmehrheit die bereits begonnenen Arbeiten hierzu abschließen kann. Um vorübergehend den Ausfall im Haushalt der Länder und Gemeinden auszugleichen, hat das Reichsfinanzministerium ihnen zugesagt, daß die Reichssteueran teile während der letzten vier Monate dieses Rechnungsjahres nicht niedriger fein follen, als diejenigen im Monatsdurchschnitt von August und September dieses Jahres, Die Länderregierungen miesen bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß die Gewerbesteuern der Länder und Gemeinden auto matisch mit den Reichssteuern ermäßigt würden. Sie erflärten über. dies, daß sie, wo es irgend mit dem Haushalt der Länder zu vereinbaren ist, von sich aus die Steuern ermäßigen und auf die Gemeinden in gleichem Sinne einwirken würden. In der gegenwärtigen Form erlischt die Einkommensteuer mit Ablauf des Kalenderjahres. Der Reichsrat hat nun der Regierung zugeftimmt, daß die Steuer in dieser Form bis zu ihrer gesetz lichen Neuregelung durch den neuen Reichstag meiter erhoben werden soll. Indem die Länder ihre Zustimmung zu der Notverordnung gaben, erklärten sie aber ausdrüdlich, daß damit ihrer grundsäglichen Stellung zur Frage des Rechtes der Notverordnung nicht vorgegriffen werden soll. Tatsächlich ist der Artikel 48 in der letzten Zeit außerordentlich häufig an gewandt worden. Durch ihren Verbehalt haben die Länder zum Ausdruck gebracht, daß sie grundfählich mit der Fortführung diefer Art Gefeßgebung nicht einverstanden find. Das Bolt fann nur wünschen, daß der neue Reichstag mit einer starten republitanischen Mehrheit die Anwendung dieses Notrechtes weitgehend überflüssig macht. Maßvolle" Aufbesserung. Die Reichsregierung hat nach amtlicher Mitteilung über die Kabinettsfizung vom 6. November sich zu dem Entschluß durch gerungen, eine„ maßvolle allgemeine Aufbefferung der Beamten gehälter zum Zweckt ihrer weiteren Annäherung an die Friedens nominalgehälter" sobald wie möglich durchzuführen. Diefe mehr als vorsichtige Formulierung der Abfichten der Reichsregierung muß die unsere Beamtenschaft stugig machen. Bekanntlich haben die höheren Becanten bis jest 80 Broz. ihres Friedensgehalts er reicht und der Reichsbund der höheren Beamten hat auf seiner Lagung in Dresden ver furzem die längst notwendige Bieber herstellung der Borkriegsgehälter" gefordert. Will nun das Reichs fabinett etwa in der Hauptsache nur die Annäherung an die Frie densgehälter der höheren Beamten? Hier wäre Klarheit dringend erwünscht, damit das Reichsfinanzministerium, das zurzeit eine neue Besoldungsvorlage ausarbeitet, rechtzeitig vor Mißgriffen gewarnt Die unteren Beamten sind schon vor dem Kriege furchtbar schlecht bezahlt worden, aber damals hatten wir noch keine werden kann. chronische Teuerung wie heute. Eine neue Warnung. Aber sie wird auch nichts nühen. Die Deutsche Zeitung" nennt das Ergebnis der Gemeindewahlen in Mecklenburg- Strelitz eine neue Mahnung an die Wahlmüden und bemerkt dazu: " energisch und zielflar vertritt, dann muß die Parole am 7. Desember heißen: Alle Mann an Bord! Zeigt der Reaktion, daßihreure Rechte zu wahren wißt! Das Gesamtergebnis. Bon den Gemeindewahlen in Medlenburg- Strelik am 2. Nobember liegt uns jest folgende Uebersicht vor: Wahlen Stäbte Reichs- Neustrelit tags- Neubrandenburg wahl Woldeg! am Fürstenberg Der„ Borwärts" nimmt das Ergebnis der bekanntlich am leg ten Sonntag stattgehabten Gemeindewahlen in Mecklenburg- Strelig zum Anlaß zu einem Borschuß- Triumph für die Reichstagswahl. Tatsächlich hat der Vorwärts" Recht, wenn er höhnisch überschreibt menetetel". Hier nützt keine Bogel- Strauß- Politik; der Rüdgang der der national pöltischen Stimmen ist erschredend! Rein parla mentarisch" freilich ist wohl die Niederlage nicht so groß, wie sie nach den Zahlen scheint; benn im Parlament entscheidet ja nicht die absolute Stärke oder Schwäche einer Partei, sondern ihr Größen. 4. 5. 24efenberg. verhältnis zu den gegnerischen Parteien. Bekanntlich aber sind die oben nicht erwähnten Demofraten bei weitem am meisten geschwächt worden, und euch die Gesamtheit der margistischen Stimmen ist Stad{ zurückgegangen. Um so größer aber ist die Schuld der national völtischen Nichtwähler; denn sie hätten, gerade weil auch die anderen verloren, nicht nur die nationalvölkische Niederlage verhindern, sondern jest endlich den nationalwahlen Döllischen Sieg erringen fönnen. Die Wahlmüdenscheinen schon daran zu verameifeln, ob es möglich sein 2.11.24 wird, eine Niederloge zu verhindern. MecklenburgStrelitz ist der Beweis, daß nicht nur dies, sondern sogar der Sieg möglich ist wenn jeder den Sieg will und wählt! Der Kassandraruf der Deutschen Zeitung" zeigt, wie groß die Verzweiflung im deutschnationalen Lager ist. In der Tat, gibt es noch einen Deutschnationalen, der den Sieg wollen fann? Welchen Sieg? Den Sieg der Jasager oder der Neinfager? Hat sich etwa die Lage bei den Deutschnationalen nach der Abfägung Hergts geflärt? 3m Gegenteil: ber arteivorstand treibt unter dem Vorsitz des Herrn Windler auch weiter jene Verschleierungspolitik und jene Politik des doppelten Bodens, die den deutschnationalen Wählern und jedem anftändigen Menschen bis zum Halfe steht. Die Aufrufe der Jasager und der Meinsager wechseln in buntem Reigen, bei der Kandidatenaufstellung versucht man die eben erst Abgesägten wieder hereinzumogeln, und der Krach ist wieder einmal so weit gediehen, daß die alte Garde der Konservativen ihr Beto einlegen muß. Wo ist da überhaupt noch etwas von zielbewußter Politik zu spüren? Sollen die deutschnationalen Wähler etwa ihre Stimmen für die deutschnationale Liste abgehen, um nachher zu sehen, daß Fraktion und Parteivorstand ihr u nehrlines Spiel Don neuem beginnen? Oder sollen sie für die Nationalsozialistische Bartei stimmen, die unter Ludendorff immer mehr vertrottell? Die Deutsche Zeitung" hat also schon recht, wenn sie an der Möglichkeit verzweifelt, die Reichstagswähler noch einmal über das Ohr zu hauen. " Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung. In einem hat fie aber Unrecht. Der„ Borwärts" ist meit davon entfernt, über die mecklenburgischen Gemeindewahlen Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- zu triumphieren. Wir glauben, daß das Resultat noch viel bundes hat beim Reichsarbeitsministerium die Erhöhung der Unter- beffer hätte ausfallen können, wenn sich der Teil der flüßungsfäße für die Erwerbstojen beantragt. In der Eingabe 2rbeiter, den der Efel von der unehrlichen und komödienwerden die bisherigen Säge angesichts der besonders im Winter haften Bolitit dre Deutschnationalen, Nationalsozialisten und sich steigernden Lebenshaltungstoften als ganz unzulänglich be. Kommunisten megtreibt, non feiner Wahlmüdigkeit zeichnet Weiter heißt es darin: Nachdem die Beitragserhebung aufraffen würde. die Bezuschussung der Fürsorge aus Reichs- und Landesmitteln fast restlos überflüssig machte, würde auch eine Erhöhung der Unterftügungsfäße bie Staats- und Landesfinanzen nicht belasten. Es ist auch eine stärkere Beitragsbelastung der Wirtschaft nicht zu er warten. Die Zahl der Unterstützten ist rückläufig. Wenn auch der demnächstige Rückstrom aus der Landwirtschaft und das Abflauen der Bautätigkeit infolge des Winters den Rückgang zunächst chas aufhalten werden, so ist doch mit der allgemeinen Befferung des Arbeitsmarktes zu rechnen. Zudem würde selbst bei einer Erhöhung der Unterstützungsfäße die Beitragsleistung vermindert werden fönnen, wenn nur durch einen allgemeinen Gefahrenausgleich die Laft gerechter auf alle Zweige und Bezirke der Wirtschaft verteilt würde." In den Republikaner! Bon A. T. Wegner. Dich meine ich! Du, den ich nicht fenne, Sandforn unter den Bielen, Repu blikaner, Bürger dieser barbarischen Stadt, gib mir die Hand. Bas wendest du dich und schielst nach dem Rücken der anderen? Du bist es, den ich bestürme. In dir liegt die Schuld, der Anfang aller Knechtschaft und aller Striege. Ich knete deine Seele, mende sie um, einen zerbrüdten Handschuh aber was fommt heraus? Eine fleine Eitelkeit, ein gefrümmter Finger der Habsucht. War das Deine Revolution? Diese Maffen auf den Straßen, Geschrei, Schüsse, zerfetzte Reden? Nichts ist geschehen, solange deine Seele sich nicht wandelt. Wir glauben nicht, daß ein Arbeiter, der feine fünf Sinne beisammen hat, heute aus ehrlicher Ueberzeugung noch tom munistisch, nationalsozialistisch oder deutschnational wählen fann. Wir fönnen es aber sehr gut verstehen, wenn die Arbeiter, die diesen Parteien auf den Leim gegangen sind, jeden Kampfgeist und den Willen, an dem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg der Arbeiterklasse mitzuarbeiten, verloren haben. So fommt man aber nicht weiter. Es muß endlich Schluß gemacht werden mit jener Politik der Unehrlichkeit und der Berlogenheit, um wieder eine Politik der Energie und der Vernunft zu betreiben. Wenn aber der 7. Dezember den Lints blod bringen foll, der die Interessen der arbeitenden und fonfumierenden Bevölkerung meinem Leibe nicht mir? Wenn es mich gelüftete, den Keim zurüd zustoßen in Finsternis, wer wollte mich hindern? O Gefängnis eurer Ehe, folgfame Amme des Staates, der nach Bürgern und Soldaten hungert. Wir rufen das freie Recht aller Lebendigen, das Recht auf Freude! Dies ist das Eigentum des Menschen. Es gehört dir, mir, uns allen. Durch niemanden darf dieses Recht beschnitten werden, durch niemanden fann es beschnitten werden, es sei denn durch das Recht des Nächsten! Brot! Friede! Freiheit! Drei Worte stehen auf unserer Fahne geschrieben: Brot: die Frucht der Erde, die auch uns erzeugt hat, emige Nabelschnur, die uns an die Scholle biefes erfaltenben Geftirnes fesselt und ohne die wir erfalten müssen. Friede: zitternder Atemhauch, in deinem Duft grünen die Felber und die Tiere paaren sich. In dir ift alle Süße des Reiffeins und das Glüd aller Liebenden. Der Mann, sein Wert vollendend, blidt voll Stolz auf das gutgeordnete Land, und die schwangeren Mütter bereiten sich zu gebären. Fühltest du nie die unterirdische Gewalt, den einfam ringenden Gedanken, der sich von allem losjagt, was Bergangenheit, Freund fchaft, Gewinn heißt, lange ehe sein furchtbarer Ausbruch dein Auge erreichte, vor dessen letzter Folgerung du erschricst? Auf deine Er- Freiheit: unsterbliche Hoffnung aller Gefnechteten. Bor dir flärung warten mir, die Revolution deines Herzens, wichtiger als zittern die Fürsten, und die Reichen verbergen ihr Gut. Wo bein alle politischen und sozialen Revolutionen. Didh meine ich. Dein fostbares Wort ertönt, da zerspringen die Tore aller Kerber. In Selbst, dem ich nicht Ruhe lasse. In bir hat es angefangen. Gebeinem Namen lächeln die Gefangenen, und die Sterbenden glauben fegnet sei der Aufruhr deiner schlaflofen Nächte, der magere 3meifel, wieder an das Leben. die ewig wiederholte Prüfung des Gewissens. Es gibt teine Er hebung der Masse ohne den Umfturz des Ich. Bedente aber, baß die Hauptsache erst fommen soll, und wir affe nur Stufe find. Was zögerst du? Nicht auf das Können fommt es an, fondern auf die Gesinnung. Willst du mein Bruder fein? Gehen wir eine Strede gemeinsam. Menschenrecht. Das Recht des Menschen ist mit ihm geboren worden. Dies ist das heiligste Gesetz der Erde. Wo Lebendige atmen, sterben oder gelitten haben, da erheben fie die uralte Forderung ihres Geschlechts: Das Recht auf Freiheit. Das Recht auf Luft, Feuer, Wasser und Erde. Das Redyt auf den eigenen Leib. Das Recht auf den eigenen Gedanken. Das Recht auf Liebe: fich den Genoffen und die Genoffin zu wählen, allein nach den Geboten der Freundschaft. Das Recht auf Schlaf. Das Recht auf den eigenen Tod. Mir gehören die verbotenen Wege im Weld nicht weniger als die steinernen Baläfte, an benen ich voll Berachtung vorüberschreite, ohne sie zu betreten. Leib und Seele: ihr foftbaren Güter, die mir die Erde geschenkt hat, euch zu verwalten! Wie werde ich es dulden, daß ihr euch für das Wert der Habgier erhebt, noch das Kleib des Soldaten für die Geschäfte des Mordens anlegt. Ist diefer Leib, deffen Schmerzen ich trug, nicht der meine? Gehört dieses Kind in Drei Worte, und soviel Blut vergoffen um ihretwillen! Soviel Finsternis, Berblendung, Gewalt. Soviel Tränen... und soviel Freude! " Cloclo" im Berliner Theater. Das herzliche Lachen, das man der urernsten, saftig- fomischen Wer bezirt, bem meiblichen Ben dant Pallenbergs, entgegenheult, die höhere Freude, einer Emmi Sturm mit ben jungenhaft gelentigen Tanzsprüngen, dem frischesten Bühnenlichern und dem saubersten Soubrettengelang in einer temperamentvollen Bombenrolle zu begegnen, macht„ Cloclo" zu einer Erfolgsoperette. Das Buch( Bela Jenbach) mischt Luftig feit mit Familienftimmung, Tanzbar mit guter Wohnftube, Gewagt. heiten mit Spießigkeiten. Eine Heine Bariser Kokotte, die zu ihrem ältlichen Berehrer aus der Provinz Bapa" sagt und von dessen Frau als Tochter ins Haus gebracht wird; eine Bolizeirazzia, bie mit dem Abschub der falschen, später mit einer tnalligen Ohrfeige an einen Bolizisten endet, häufige Gemitterszenen im fittenstrengen Bürgermeisterhaus, eine Sittlichkeitspräsidentin, die im gefährlichen Alter noch zur Garçonne avancieren möchte, in all diefen Si tuationen liegt piel Humor und Wig. Léhar brauchte nicht viel Schlager, um die Stimmung zu erheitern, und er nutzte diesen Bor. teil aus. Das Garçonne- Couplet, das altväterliche Lied unter der Familienlampe und der Java- Tanz auf Babette das find die feiner, unaufdringlicher Musiker geleitet das Stück mit seinen Noten Nummern, die am besten einschlugen. Ein etwas müder, aber und mit seinem Stab, Auch da, wo eine Schlagermelodie fehlt, weiß Lehar durch die Bartheit feiner Mufit zu intereffieren. Emmi Sturm und Gisela Werbezirt waren vom Beifall umrauscht. Da -| Unabh. Soziald. 884 Deutsch völkisch Sozial Bürgerlich demo Rommit fraten nisten 1875 3512 1088 48 683 1 654 8708 1206 35 944 713 544 288 8 879 499 873 821 18 353 204 345 215 4 182 verordneten445 Neustrelit.... 3130 1257 (-930)(-372)(+219) Neubrandenburg 707 3358 1401 (-947)(-350)(+205) 205 (-478) 560 (-384) Woldegt.... 1 092 598 (+360) am Fürstenberg. Wesenberg.. 1316 729 286 '(+71) Mittelstandslift. Arbeitnehmerlisten 572 (+251) In den freien Feldern der Stadtberordnetenwahl haben Kom munisten und Böllische teine Listen eingereicht. In den übrigen 6 Städten des Landes finden die Wahlen im Laufe des Monats statt. Heute wählt Anhalt seinen neuen Landtag. Das Gericht und die Eselei. Ein fröhliches Ereignis von den Anhalter Wahlen. Barlament, das aus den letzten Juniwahlen hervorging, hat sich als Heute wählt Anhalt aufs neue zum Landtag. Denn das arbeitsunfähig schon von seiner Geburtsstunde an erwiesen. Damals erzielte die„ Rechte“ pon ben Bölkischen bis zur Volkspartei 17 Manbate, während die Binke von den Demokraten bis zu den Kommu nisten 19 Size erhielt. Die vier kommunisten aber verhalfen bei der Regierungswahl den Reaktionären zur Regierung! Diesen Streich mostomitischer Dumm- oder Bosheit habe unsere Genossen in einem Flugblatt und in einem Plakat behandelt, Beibe zeigten drei treubeutsche Brachtgestalten auf den Rücken on sein abgebildet, die von einer Hand aus Moskau ge30gen wird. Als Text ist lediglich hinzugefügt:" 3 Realtionäre lenkt werden. Als Text ist lediglich hinzugefügt:„ 3 Reaktionäre Regierungsmat Flugblatt und Blatat haben eine durchschlagende Wirkung ges habt: Die Polizei hat- augenscheinlich auf höhere" Anweisungbeide beschlagnahmt und das Amtsgericht hat die Beschlag nahme bestätigt mit der Begründung," es fei für einen Mini fter beleidigend, wenn er auf einem Esel sigend abgebitbet würde." Zu der Eselei der Kommunisten gefellt sich hier also noch eine polizeilich gerichtliche Entgleisung. Denn der Entscheid des Amisgerichts hat ganz übersehen, daß der Efel eine geschichtliche Rolle ven überragender Bedeutung gespielt hat. Bergleiche Evan gelium Matthäi 21 Bers 2-8, Mart. 11, 1-10, Butas 19, 20-38, Joh. 12, 12-15! Der Herr Amtsrichter follte diese Bibelsteller schleunigst noch einmal nachlesen. Aber vielleicht hat er unferen Parteigenossen nur das schöne Wort Heinrich Heines ins Gedächtnis rufen wollen: Gib ihren wahren Namen immer In deiner Fabel ihren Helden. Magst du es nicht, ergehts dir schlimmer: Zu deinem Eselsbilde melden Sich gleich ein Dußend graue Loren... Hast einen Dummfopf schonen wollen, Und zwölfe find es, die dir grollen! neben sind die Männer nur im Abstand zu nennen, zumal fein einziger fingen kann. Doch zeichnete Franz Groß den spießigen Bürgermeister sehr wißig und Herbert Riefer ebenso einen etwas sentimentalen Klavierlehrer. R. S. Tilla Durieug als Königin von Neapel". Der gestrigen Urauf führung des Schauspiels Die Königin von Neapel" von einem Herrn Fedor Ranewsti war die Bauart des Kleinen Theaters sehr von Nugen. Es hat nur einen Ausgang, der ohne erhebliches Aufsehen nicht zu erreichen ist. Besäße es noch andere Fluchtmöglichkeiten, so wäre das Theater beim Fallen des Borhangs halb leer gewesen. Die andere Hälfte der Zuschauer dachte zum größten Teil nur aus dem Grund nicht ans Entfliehen, weil sie eingeschlafen war. Der verantwortliche Regisseur Georg Altmann hält die Komödie wahrscheinlich für ein starkes Stüd, weil mit Shakespearescher Frische so nebenher ein paar Personen erschlagen werden und weil efprittrifende Sentenzen vorkommen, wie: Man stirbt, und dann für immer", pder:" Es gibt feinen Mann, mur Männer". Tilla Durieur ift offenbar ebenfalls überzeugt, es einer einzigen Rolle besteht( die fie spielt). Und der Kritiker meint, mit einem ftarten Siüd zu tun zu haben, weil es eigentlich nur aus Heim zu loden, um es drei Stunden lang mit einem Gewäsch von daß es ein starkes Stüd ist, das Bublifum aus seinem behaglichen beispiellofer Langeweile anzuöden. Soweit wären die beteiligten Fattoren in der Beurteilung des Dramas also einig. Die Geschichte con ber Königin, die nicht der Politit zu Liebe heiraten, sondern Mensch sein möchte, diese Courths Mahler- Geschichte, interessiert uns nicht im geringsten, obgleich sie den Bedürfnissen der Neuzeit ent Sprechend mit einem republifanis gewollten Schlußeffekt befiebt ift. Als einziger Mensch im Theater, der bei der Sache war, erwies sich die routinierte Tilla Durleur, die ihre Bombenrolle mit einer Berve hinlegte, daß man für Momente aufmerksam wurde. Die einzig belebende Empfindung beim Zuschauer war aber die Sehnfucht, die Qual möchte zu Ende gehen. Das Drama starb fo lang am, daß einen endlich die bange Furcht beschlich, die Mechanik des Vorhangs sei entzweigegangen. Er wollte und wollte nicht fallen. Dgr. Das Ende der Volksoper? Die Boltsoper scheint nun doch trog der Hilfe, die die Stadt Berlin ihr gewährt hat, in eine unhaltbare Situation geraten zu sein. In einer Sigung, an der das ganze abend die Lage ausführlich beraten. Das Ende vom Lieb war der Personal, Direktorium und Aufsichtsrat teilnahmen, wurde SonnBorschlag, auf Teilung zu spielen. Das Personal stimmt zu, falls Intenbant Bange, der lebhaft angegriffen wurde, sofort geht. Es wird alfo vorläufig meitergespielt. Montag definitive Entscheidung, ob Fortführung auf Tellung oder Ronfursanmeldung. Cine 5000 Jahre alte Pharaonenffatue, In Gaffara, dem wegen der Fülle feiner Altertümer und Infchriften berühmten Dorf am Saum der Lubischen Wüfte, wurde fürzlich eine flgende lebensgroße Statue aus Staffftein aufgefunden, die als das Bildnis des Königs 3ofer, bes Grbauers ber berühmten Stufenpyramide von Sattara, Dynasti und gleichzeitig auch das erste Bildnis des Königs Zofer, festgestellt wurde. Es ist die erste Statue aus der Zeit der dritten 30'er, das bisher aufgefunden wurde. Das bisher aufgefunden wurde. Man fond die Statue am Fuß er Byramide in vorzüglich erhaltenem Zustand; der Kopf der Figur ist leicht nach vorn geneigt. Nach diesem bedeutungsvollen Fund darf Da stehste Kopp. Alles lacht. Das ist nicht etwa der Titel einer neuen Revue, sondern ein einfacher Tatbestand und die Folge davon, daß der Deutsch nationale Georg Wilhelm Schiele einen Leitartikel in der Deutschen Tageszeitung" über die Geschichte der Zollvorlage peröffentlicht. Offenbar hat er vor seiner Erleuchtung Tischelrücken gespielt. Denn es ist zu lesen: Es gibt eine oberste demokratische Führung. in deren Hand auch Zentrum und Sozialdemokratre nur 3 crt zeuge find, geschweige denn die Einzelpersonen. Diese große Demokratie" ist nahe verwandt mit den Mächten des Großkapitals, des Bankfapitals, der Internationalen. Und nun geht's los. antwortlich, weil dadurch die ruhige wirtschaftliche und politische Weiterentwidlung gestört werde. Namens der Lintssozialisten erklärte der Abgeordnete Schwarz, nachdem der sozialistische Landesparteitag für die Auflösung des Landtages eingetreten sei, hielten sich seine Freunde für perpflichtet, heute für die Auflösung zu stimmen. Für die Rechtssozialisten verlas der Abgeordnete Wirth eine Erklärung, in der die Auflösung im gegenwärtigen Augenblick abgelehnt wird. Darauf schritt man zur namentlichen Abstimmung. bie folgendes Ergebnis zeitigte: Bon 93 anwesenden Ab. geordneten stimmten 43 für und 50 gegen die Auf lösung des Landtages. Hilfe für die Hochwassergeschädigten. Der Reichspräsident stellt 200 000 M. zur Verfügung. „ Auf diese Weise hat die geheime greße" Demofra. Die Reichsregierung hat beschlossen, sich mit einem Aufruf an tie versucht, die Landwirtschaft sturmreif zu machen für die 1: ächsten Wahlen; wir glauben, daß hinterher hann aud) bie n- tie Bevölkerung zu wenden, um die private Opferwilligdustrie fühlen würde, wie sich ihr ein Seil um den Hals legt, bas teit für die durch die Ueberschwemmungstatastrophe fie in das Joch dieser unheimlichen macht eenspannt." Sammlung mit einem Betrag von 200000 mart aus seinem Geschädigten anzurufen. Der Reichspräsident wird die Die große geheime Demokratie" hat den Deutschnatio= nalen einen bösen Streich gespielt. Schiele weiß das ganz genau! Sie hat nämlich die 3 ollvorlage extra und aus gerechnet dazu eingebracht, um die Deutschnationalen in die Regierung zu loden. Raum aber sagten diese zu, da verschwand die Zollvorlage wieder. Das ist nicht etwa das Bert bestimmter Leute, sondern jener gespenstischen Macht, welche die Fäden zieht, an denen die Inhaber der großen Rollen sich bewegen". Und die armen, frumben Teutschnationalen waren so ehr. lich und bieder, sie sagten selbst zu dem Dawes Blan ja wenigstens so halb und halb mit einem Schuß Rognat-.. Jeht verleumdet die Linke die Deutschnationalen, sie hätten sich die außenpolitische Ueberzeugung für Schutzzölle abtaufen lassen. Siehst du nun, o frommer Christ, daß das Judenmache ist? Junge, Junge, muß der Tisch aber gemadelt haben! Noch jetzt biegen fich in der Redaktion der Deutschen Tageszeitung" die Balken. Keine Landtagsauflösung in Sachsen. Dispositionsfonds eröffnen. Severing besucht das Hochwassergebiet. Köln, 8. November.( Mtb.) Wie die Rheinische Zeitung" meldet, wird Innenmnister Severing am Montag in Godesberg mit den Berwaltungsbehörden die Maßnahmen der Hilfs. aktion für die Hochwassergeschädigten besprechen. Minister Seves ring wird einen Teil bes ring wird auch einen Teil des Hochwassergebietes besuchen. 2 u dh Ministerpräsident Braun wird eine Reise durch das Hoch waffergebiet unternehmen. Deutschnationale Verleumder. Wenn der Prahlhelm droht! Er will., über Leichen“ gehen. Der Stahlhelm" in Frankfurt a. b. D. hatte in der Bekämpfung der dortigen sozialdemokratischen Parteiorganisation an unfere Stadtverordnetenfraktion die offene Anfrage gerichtet, ob sie ten Etahlheim für eine gemeingefährliche Organisation haite. Die Frak. tion hat nicht gezögert, diese Frage ohne jeden Vorbehalt für die Frankfurter Orisgruppe des Stahlhelms mit Ja zu beantworten. Zur Begründung dieser Stellungnahme berief sich die Fraktion u. a. auf einen Borgang in der Frankfurter Stadtverwaltung, der ein bezeichnendes Licht auf die Haltung des Stahlhelms wirft. Der Stahlhelm betrieb durch seine Beauftragten die 2nstellung eines feiner Mitglieder, des Magistratsratsangestellten Neŋ, als Berwaltungssekretär, Berftellungen beim Oberbürgermeister in Frankfurt hatten befen zu der Zusage veranlaßt, in einer der nächsten Stadtverordnetenfigun gen die Angelegenheit zur Verhandlung zu bringen. Inzwischen war der Oberbürgermeister aber dienstlich verreist und die Sache vorstandes, barunter ein Herr Grothe, bei dem Stadtrat Dr, Müller blieb liegen. Nunmehr wurden drei Mitglieder des Stahlheimvorstellig und wollten biefen veranlassen, die Anstellung des Ney unbedingt für die nächste Stadtverordnetenfißung anzusehen. Stadt. rat Dr. Müller erblickte in der Art des Vorgehens der Stahlhelmleute eine Nötigung und Drohung, was den Grothe zu ber Aeußerung veranlaßte:„ Eine Drohung sieht ganz anders aus! Wenn Frontsoldaten wirtlich brohen, Dann wählen sie andere Formen, dann gehen sie fur ht wurde bieferhalb genantenn los über Leichen, selbst über Stadtratsleichen." Greihe wurde bieferhalb wegen Beamtennötigung vor Gericht zur Rechenschaft gezogen und zu ganzen 60 m. Geldstrafe verurteilt. Gegen diefes Urteil legte er auch noch Revision ein. In der Verhandlung, die am Sonnabend vor dem zweiten Straffenat des Rammergerichts stattfand, sah der Staatsanwalt als erwiesen an, daß die Aeußerung des Grothe durchaus als Drohung und Beamtennätigung aufzufaffen sei und der Senat tam zu einer Merwerfung der Revision, so daß das Urbeit gegen Grothe redits: fräftig geworden ist. Neue Severing- Hehe der Deutschen Zeitung". Die Deutsche Zeitung" berichtet in ihrer Morgennummer vom 8. November aus Dortmund, zwei Schutzpolizei beamte in Bochum hätten einen Zusammenstoß mit französischen Da der Frankfurter Stahlhelm gegen einen umferer partei. Kriminalbeamten gehabt und hätten sich, um Weiterungen zu entgenöffifchen Stadtverordneten wegen der rückhaltlosen Bejahung gehen, in das zurzeit nicht mehr besetzte Dortmund begeben. Ron ber Anfrage und ihrer Begründung Strafanzeige erstattet hat, will dort hätten sie ihrem Borgesetzten in Bochum mitgeteilt, daß sie fich er fich augenscheinlich noch einmal eine gerichtliche Bestätigung seines entfernt haben, um den Franzosen nicht in die Hände zu fallen. wahren Charakters holen. Dieser Borgesetzte habe sie aber angewiesen, sofort zurückzukehren. Sie feien dann in Bochum von den Franzosen verhaftet, Im Anschluß daran wird der Minister Severing gefragt, was furchtbar mißhandelt und dann ins Gefängnis übergeführt worden. er zu jenem Polizeibeamten in Bochum fage, der feine Beamten awinge, sich in die Klauen“ der Franzosen zu begeben. Mit 50 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Dresden, 8. November.( WTB.) Der sächsische Landtag trat heute nachmittag 1 Uhr bei voll befeztem Hause und poll befesten Tribünen zu seiner ersten Sigung nach den Ferien zusammen. Bar Eintritt in die Tagesordnung wurde ein tommunistischer An trag, die im Hause stationierten Kriminalbeamten fofort zu entwisherigen Ermittlungen ergeben, daß in der Tat vor einigen Tagen fernen, gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Der pon der Regierung eingebrachte Gesezentwurf zur Aenderung des 2 and tagswahlgefeßes, das in Einklang mit dem Reichs wahlgefes gebracht werden soll, wurde sodann einstimmig an genommen. Hierauf ergriff der beutschnationale Abgeordnete Beutler das Wort zur Begründung des Antrages auf Auf15. jung des Landtages. Nach dem Abgeordneten Beutler erklärte sich der tommu nikische Abgeordnete Böttcher ebenfalls für die Auf Lösung des Landtages. Der Abgeordnete Blüher( D. Bp.) gab sodann namens seiner Fraktion eine Erflärung ab, in der er die Angriffe der Deutschnationalen gegen die fächsische Regierungstoalition zurüdwies. Sicher habe sie nicht alle Wünsche erfüllt, aber auch ein beutschnationaler Diftator hätte das nicht gefonnt. Es bestehe feine Gewähr dafür, daß man jetzt durch eine Bandtagsauflösung etwas Besseres erreichen könne. Der demokratische Abgeordnete Dr. Genfert bezeichnete eine Auflösung im gegenwärtigen Augenblick als überflüssig und unver. Wie der Amtliche Preußische Breffedienst mitteilt, haben die bort berichtet habe, er und andere feiner Kollegen hätten 3 wi ein Polizeiangestellter nach Dortmund gekommen sei und fchenfälle mit Franzosen gehabt. Dieser Beamte ist aber fofort der Betreuungsstelle in dem unbefesten Arnsberg überwiesen worden. Bon einem Borfall, wie er der " Deutschen Zeitung" berichtet wurde, ist in Dortmund den amilichon Stellen nichts bekannt. Was die Anfrage an den Minister Sepe ring betrifft, so fei darauf aufmerffam gemacht, baß in Bochum teine staatliche Bolizei besteht, sondern nur eine Ersatz polizei unter Beitung von kommunalen Aufsichtsbeamten. Kommunistischer Gefängnissturm in Estland Reval, 8. November.( Eca.) Eine bewaffnete Bande griff in ber legten Nacht das Gefängnis an und perfuchte die 149 Gefan genen Kommunisten zu befreien, deren Aburteilung wegen Hoch nach heftigem Feuergefecht vertrieben. verrades am 10. November beginnen follte. Die Bande wurde Der Generalagent für Reparations ahlungen, Gilbert, empfing gestern die Bertreter der Berliner Presse und fündigte an, daß er richten werde. fie über seine Arbeiten durch Kommuniqués fortlaufend unterBesuch einer Kontrollfommission in Ingolstadt bem Borsigenden Die Reichsregierung hat wegen des 3mischenfalles beim der Interalliierten Militärtontrollkommiffion gleichfalls ihr Be Dauern und ihre Entschuldigung mündlich zum Ausdrud bringen laffen. Der österreichische Eisenbahnerstreik. Lebensmittelzüge streiffrei. Wien, 8. November.( Eigener Drahtbericht) Der Streit auf den Bundesbahnen ist vollständig. Die Streiflellung hat ledig. lich Lebensmittelzüge mit leichtverderblichen Waren für den Verkehr freigegeben; dagegen wurden Kohlenzüge vom Bertehr ausgeschlossen. Die Geschäfte der Verwaltungskommission der Bundesbahnen werden weitergeführt. Die Vertreter der Konfumenten haben mit der Streitleitung Fühlung genommen, um genaue Beftimmungen für die sichere Durchführung der Cebens. mittelzüge, insbesondere der Milchzüge, zu vereinbaren. Auch ein Rotverkehr durch Arbeiter- und Schülerzüge in der Umgebung Wiens ist vorgesehen. Dagegen ist der Durchgangsverkehr, auch der internationale Personen- und Güterverkehr vollom men tillgelegt. Die Züge aus den benachbarten Staaten, fo aus Deutschland, Italien, Ungarn, der Tschechoslowakei verkehren nur bis zu den Grenzstationen. man auf weitere wichtige Ergebnisse der Ausgrabungsarbeiten rechnen. Die Stufenpyramide von Gaffara liegt am Rand der Wüfte, eine Tagesreise von den besser befannten Byra. miden in der Höhe der Ruinen von Memphis entfernt. Sie wurde unter der Regierung des Königs Bofer por mehr als 5000 Jahren v Chr. von Imhotep erbaut; sie ist deshalb etwa 3500 Jahre älter als Tutankhamen und die in deffen Grab gefundenen Gegenstände. Imhotep, der Erbauer der Pyramide, ist auch der Berfasser des ersten zu unserer Kenntnis gelangten Buches über Moral und weise Lebensführung. Seine Werke wurden als höchstes philosophisches Gut por 5000 Jahren in Aegypten hoch in Ehren gehalten. Die gewaltige Byramide, die er für die Aufnahme der Mumie Königs 3oser errichtete, ist die älteste unter den ägyptischen Pyramiden. Die ergebnisreichen Ausgrabungen in Saffara perbreiten über eine Es finden bereits Berhandlungen mit den Eisenbahnern statt, Geschichtsperiode Licht, die so weit zurüfliegt, daß wir wenig oder um den fern von Wien wellenden Abgeordneten die Möglich. nichts von ihr wiffen. Nur soviel ist uns bekannt, daß die Ziviliteit zu geben, durch Sonderzüge zu der für Dienstag vorfation schon in dieser fernen Zeit eine hohe Entmidlungsstufe erreicht hatte. So hatten die Pharaonen von 5000 Jahren beispiels gesehenen Sigung des Nationalrats nach Wien zu fommen. Bor. weife bereits Schiffe aus dem Zedernholz des Libanon gebaut und aussichtlich wird die christlichsozial- großzdeutsche Mehrheit die RegieMonumente errichtet, die noch heute zu den Wundern der Welt rung Seipel, die heute vormittag offiziell ihre Demiffion dem zählen. Bundespräsidenten überreichte, wiederwählen. Die Sorberverffellung der Bolisbühne, die am 16. Mov, im Sentral, Aufführung bringen sollte, ist auf Sonntag, den 14. Dea. im Theater am theater stattfinden und D'Neills Unter dem faribischen Mond" zur ersten Bülowplay verlegt. Der Bolfschor Difen", Mitgl. d. D. Arb. S.-B., veranstaltet am Sonntag, den 16. Nov. 7 Uhr in der Aula des Andreasrealgymnasiums, Robben. straße 76, ein Herbst- Stonzert. Einlaßkarte nebst Programm und 2ieber tegt 1 Mt. Fledermaus"-ufführung des Bereins Berliner Preffe". Als zweite Is Binterveranstaltung bringt der Verein Berliner Breffe" am Sonntag, ben 16. November, vorm. 11, Uhr. eine Aufführung der Flebermaus her aus. Die musikalische Leitung hat Brof. Bruno Bolter. Die Abele fingt Filzi Masary, den Eisenstein- Subert Marilahla. ben Brinzen Drlowsti Lola Urtôt de Padilla, den Alfred Leo Slegal, ben Frosch spielt Mar Ballenberg. Der Startenverkauf beginnt ausschließlich an der Staffe des Metropol Theaters Dienstag vormittag. leutnant a. D. Bretthaupt über: Zeppelinfahrt über den Atlantischen. Im Muſeum für Meeresfinde spricht Dienstag abend 8 Uhr Kapitän Der nächste Vortrag des Deutschen Werbundes findet am 13. im Zentrals institut für Erziehung und Unterricht, Botsdamer Str. 120, ftatt rchitett Albrecht 2. Merz aus Stuttgart ſpricht über das Thema er bil dende mens an Stelle des Gebildeten. Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. Die Weiterbeförderung der Lebensmittel trop des Streits straft das offizielle Organ der Deutschnationalen, die Nationalpoft", Lügen, die den Eisenbahnern nachsagt, daß sie sich aus permessenem Größenwahn rühmten, die Hand an der Gurgel des Staates zu haben. Wenn dieses verschollene Wort des Kommunisten Geschke heute noch allen Eisenbahnern aufgemügt wird, werden hoffentlich alle Eisenbahner den deutschnationalen Berleumbern am 7. Dezember die Antwort darauf geben! Seipels Kampfparole: die Sanierung. Wien, 8. November.( Eigener Drahtbericht.) Bor Pressever. tretern erklärte der zurückgetretene Bundestanzler Seipel, boß sich die Regierung nicht gegen die Lohnforderungen, sondern gegen und die Demission gegeben habe. Die Bundesbahnange den Geist, aus dem diese Forderungen erhoben würden, gewendet stellten müßten ebenso wie die Bundesangestellten davon Kennt. nis nehmen, daß die Beamtenschaft alle Einzelinteressen zurück. 3ustellen bat, bis das Sanierungswert abgeschlossen ist. In der Sigung des Nationalrats am nächsten Dienstag werde bie Dienstag Parlamentssigung. wirtschaftlichen Kampf der Eisenbahner eine Mobilmachung Herr Seipel sucht den Spieß umzudrehen und aus dem des Bürgerfums gegen die Gewerkschaften, d. h. gegen die Arbeiterbewegung überhaupt zu machen. Wie weit er damit tommt, ist umso zweifelhafter, als die christlichsozialen und großdeutschen Eisenbahner, die Parteigenoffen der Regierung, ben Streif vereinbart mit unseren Genossen führen. Die Barole Sanierung ist auch nicht neu, sie hat schon bei den Barlamentswahlen vom Oktober 1923 ihre Rolle gespielt und die starke Belastung der negativen Sanierungsseite, der umfangreiche und bei der Höhe der Abfindungen von Pensionen finanziell nuglose Beamtenabbau, die Drosselung der Kulturausgaben, die starke Verminderung des Erports- das alles hat die Abneigung gegen die Sanierung um so mehr gestärtt, als mit ihr der Berzicht auf die Finanzhoheit des Staates verbunden ist. Außerdem steht ihr das glänzende Beispiel der sozialdemokratisch verwalteten Stadt Wien gegenüber, die fich aus eigener Kraft, durch Befiz- und Luxussteuern so faniert hat, daß ihre Leistungen von Fachmännern aller Länder bemundert werden. stimmt, was die Bolksvertretung zu tun habenämlich nichts, Merkwürdig ist, daß der Bundestanzler schon porausbeund was sie zu unterlassen habe nämlich alles. Da wird sich wohl das Parlament selbst die Entscheidung vorbehalten und diese Bevormundung kann sehr wohl gegen den Herrn Prälaten ausschlagen. Drei Vertrauensmänner verunglückt. Wien, 8. November.( Eigener Drahtbericht.) Anläßlich ber Feuerbestattung des vor wenigen Tagen verstorbenen Genossen Abg. Josef Wiedenhofer, eines Führers der Wiener Metallarbeiter, ereignete sich ein schweres Unglück. Die Ortsgruppen der Metallarbeiter aus der näheren und weiteren Umgebung von Wien entfondten zur Einäscherung Abordnungen, die infolge der Stillegung bes Eisenbahnverfehrs nur mit anderen Berkehrsmitteln nach Bien gelangen fonnten. Dabei ist der Straftwagen, der drei Vertrauens. männer aus dem Krupp- Wert Bernderf bei Wiener- Neustadt nach wien bringen sollte, verunglückt. Einer der Vertrauensmännewar fofort tot. Die Genfer Sanierung. Genf, 8. November.( TU.) Das Bölkerbundsfefretariat neröffentlicht den 22. Bericht des Generaltommiffars für DeutschDer Bericht umfaßt d'e Zeit vom Desterreich Zimmermann. rom September in die Tat umzusetzen. Regierung, die Beschlüsse des Völkerbundents Die finanzielle Lage set hierdurch gil n stiger geworden. Es fet zu hoffen, daß die Koittrolle bald nur noch in den Händen des Parlaments und der Regierung ruhen werde. Die erfte Aufgabe war die Verbereitung des Bubnets für 1925, deffen Ausgabenfeite nicht mehr als 495 Millionen Goldkronen aufweisen barf, wozu 50 Millionen Goldtronen für Investierungen fommen, also insgesamt 545 Milfionen. Der Finanzminister hat einen Budgetentwurf aufgeficit, der mit einem Gesamt defizit non 40,7 Millionen Goldfronen abschließt, wobei bie Ausgabenfeite 544,8 Millionen Goldkromen, die Einnahmefeite 504,1 Millionen Goldtronen aufweist. Jm Berein für deutsches Kunstgewerbe spricht am 12., abends 8 Uhr. bisherige Regierung von ihrem Rücktritt Mitteilung machen. Zur 15. September bis 17. Oftober und schildert die Bemühungen der im Hörsaale bes alten se unft gemerbemuseums, Prinz Albrecht. Straße 7a, Prof. Dr. Dstar Bie über, der moderne Sans", mit Lichtbildern. Eintrittskarten an Saaleingange. Die Haaß- Berlow- Spiele, wohl die belannteste deutsche Wanderfchauspiel. truppe, die mit ihrer primitiven und einbrudsvollen Stunft überall eine starle Anhängerschaft gefunden hatte, hat sich nunmehr im Stadttheater in Gelfentiren als Theater der dortigen Boltsbühne feßbaft niebergelaffen. Ein englisches Gefhent für das Berliner Museum. Als Geldent eines Londoner Kunstfreundes, Langton Douglas, ist jetzt eine bisher un befannte an baethaung albreht Dürers in bas Stupferlichkabinett der Berliner Museen gekommen. Das loftbare Blatt, bas türzlich in London aufgetaucht ist, ftellt einen schreitenben Gathr dar Neuwahl der Regierung werde der Nationalrat erst wieber zu sammentreten, wenn alle Vorausjegungen bazu gegeben feien. Unter diesen Borauslegungen versteht der Bundeskanzler die Beendigung des Eisenbahnerstreifs. Zunächst müsse der Lohn fonflikt mit den Eisenbahnern aus der Welt geschafft werden und allen Kreisen die Erfenntnis fommen, daß das Sanierungs. werk Deutschösterreichs durch keine Aktionen mehr ge= rt werden darf. Die zurückgetretene Regierung werde, ehe sie sich zur Wiederwahl stelle. Garantien perlangen, daß das Sa. nierungswert ungestört fortgefegt werden kann. Gewerkschaftsbewegung Abschluß der Lohnbewegung der Buchdrucker. Durch Schiedsspruch, der für verbindlich erklärt ist. Unter Borsitz des Herrn Prof. Brahn wurde gestern abend nach liebenstündiger Beratung folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Der Spizenlohn wird vom 1. November 1924 ab um 6,40 M. auf 40,00 m. erhöht. 2. Es wird eine einmalige Sonderauszahlung geleistet, die für verheiratete Männliche 8 M., für ledige Männliche und Weibliche 6 M, beträgt und am 5. Dezember 1924 zahlbar ist. Lohrtarif gilt 1925. Ganz energisch aber verbitten sich die Eisenbahner, daß die Regelung| ihrer fozialen und rechtlichen Angelegenheiten ohne hinzu ziehung ihrer Organisationsvertreter erfolgt. Mag ber 1,5 Millionen(?) zählende Deutsche Beamtenbund durch Herrn von Schlieben und Kühnemann als nicht bestehende Organisation behandelt und provoziert werden. Mag diese Auch organisation von der weiblichen Hilfsangestellten oben benannter Herren zur Ohnmachtlosigkeit verurteilt worden sein, so ist diese legten Endes der Erfolg dieser faz budeinden, frieche rischen Beamtenschaft. Die im DEV. organisierten Eisenbahner fordern nach mie vor die Beseitigung der im preußischen Kommißgehirn geborenen zehntägigen Lohnzahlung. Nicht wie Herr von Trampedach glaubt, die 14tägige Lohnzahlung. Sie fordern fißenden", den Bertreter Paeths während dessen Abwesenheit. Die Freie Vereinigung sei aus den Bereinigten Verbänden unter Ver legung der Verbandssagung und Nichtzahlung der Beiträge, ohne Angabe von Gründen ausgeschieden. war. Die von Ihnen gestreiften Behauptungen, betreffend die Ar beitgeberkommission bei den seinerzeitigen Verhandlungen des Reichsmantelvertrages halte ich vollauf aufrecht. Ich habe dem betreffenden Gremium freigestellt, mich wegen Beleidigung zu ver flagen. Es ist unterblieben, meil kein Grund zur Klage gegeben Der Bertreter des Württembergischen Holzindustriellenverbandes, welcher angeblich nach Angabe der Arbeiterführer" eiren unflätigen Ausdruck gegen mich während meiner Abwesenheit gebraucht haben soll, ist mir leider nie näher bezeichnet worden. Ich nehme an, daß es der Kollege des Herrn Haertlein, der da malige Geschäftsführer des Württembergischen Holzindustriellenverbandes gewesen ist Teil der Angelegenheit, den wir für die Holzarbeiter bedeutsam stätigt. Im übrigen müssen wir der Gerichtsverhandlung die Klarstellung der gegenseitigen Anschuldigungen der TischlerinnungsObermeister überlassen. 3. Diffe Anordnungen, um Rampfhandlungen ein Betriebsvertrauensleute und Gewertschaftsfunktionäre! ats Debutant bezeichneten, wird also durch die Berichtigung be4. zustellen, find sofort zu treffen. 5. Wo Kündigungen ausgesprochen sind, sind sie zurüd. zuziehen. 6. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden, soweit nicht straf. bare Handlungen vorliegen. 7. Das Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen. Die Aufforderung des Borfizenden an beide Parteien, fich fo. fort zu entscheiden, wurde beiderseits mit Ablehnung auch dieses Schiedsspruches beantwortet, was zur Folge hatte, daß der Schiedsspruch durch den Reichsarbeitsminister im öffentlichen Intereffe sofort für verbindlich erklärt wurde. Damit hat der Schiedsspruch Rechtstraft erlangt und muß von beiden Teilen respektiert werden. Verhandlungen über die Eisenbahnerforderungen. Auf Drängen der vertragschließenden Drganisationen fanden am Sonnabend im Laufe des Nachmittags im Reichsverkehrs. ministerium noch einmal Berhandlungen statt. Sie fonnten jedoch aus besonderen Umständen nicht zu Ende geführt werden. Sie wurden um 5 Uhr bertagt und auf morgen( Montag) ber legt. Bu irgendeinem pofitiven Ergebnis ist es bisher nicht ge Sommen. Wir werden über das Ergebnis der morgigen BerhandTungen berichten. * Man schreibt uns: Nachdem die wirtschaftliche und soziale Bage ber Eisenbahnarbeiter wiederholt dargelegt wurde, mußte man annehmen, daß nunmehr die neue Reichsbahngesellschaft eine zeit. gemäße Aufbefferung der Löhne vornehmen würde. Nichts von Sem. Hartnädig und brutal sind die Herren Deser, von Siemens, Klöckner und Konforten, turzsichtig und verantwortungslos gegen über der Allgemeinheit. Man scheint auf die große Explosion zu warten. Welchen Erfolg diefe Spekulation für die Reichsbahngesellschaft haben wird, wird die nächste Zeit lehren. Not tennt fein Gebot" ihr Herren Direktoren. $ Die Eisenbahner haben genügend Opfer gebracht. Daß das Rapital Opfer" gebracht habe, bis zur weitestgehenden Bernichtung des Bermögens", wäre erst nachzuweisen. Jedenfalls ist der deutsche Industrieherr wie auch andere Unternehmergruppen vom Hunger tnphus verschont geblieben. 3u gegebener Zeit wird einmal das Gesamteinkommen der jeßigen Eisenbahndiftatoren der Deffentlich. Beit unterbreitet werden müssen. Erfreulich ist, daß die In differenten mehr und mehr den Ernst der Stunde begreife fernen. Sie tehren in ihre Organisation, den Deutschen Eifen bahnerverband, zurüd. Die Berwaltung ist ein guter Beobachter. Elende Kreaturen, deutschnationales Gefindel unter der Marte Wertverein" betteln inb minfein um Sonderzulagen. Nun hat die Verwaltung aus sich heraus die Ortslohn. zulage für Berfin von 20 auf 26 Pro3. ab 1 November erhöht. Die nächsten Tage werden selbst dem dümmsten Arbeiter te Augen öffnen, was dieser Schachzug bedeutet. Wenn nun einige Herren der Berwaltung glauben, bie Bewegung abgebogen" zu haben, fo irren fie fich gewaltig. Die durchschnittliche Erhöhung für Berlin beträgt 3 Bf. pro Macht eine Mehrausgabe von 600 m. pro Stunde bei 20 000 Eisenbahnarbeitern in Berlin. Großartig, fozial gehandelt, nicht wahr? Wer lacht da? Bielleicht haben auch einige andere Brennp unfte diefen fozialen" Hauch zu spüren bekommen. Die Eisenbahner verlongen nichts mehr und weniger als eine allgemeine, gieichmäßige, zeitgemäße 2ohn erhöhung. Auf Aal, Schinken und Gänsebraten verzichten fie gerne im Intereffe der opferwilligen, verarmten Rapitalisten". Nif Tischtuch Prima halbieinen Hausmacher- Jacquard 130x160 cm. Servietten dazu passend, eoxeo om 4.85 0.90 Taschentücher Damentücher, weiß Batist, mit Hohlsaum, 30 cm...... Herrentücher, fein Linon m. buntgewebten Kanten, 43 om 0.15 0.35 srael Am Montag, den 10. November, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25( großer Saal): Funktionärkonferenz aller SPD.- Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Wahlen/ Unsere Aufgaben Referent: Genosse Gustab Eckhardt. Ansprache der Genoffin Gertrud Hanna. 2. Aussprache. Materialausgabe. Parteiausweis legitimiert. Das Betriebssekretariat. außerdem eine allgemeine Lohnerhöhung und feine Danaergeschente. Bor den Vorstärden des DEB., AER. und GDE. wird rücksichts. loses Durchgreifen dann verlangt, wenn die Reichsbahngesellschaft ihren ablehnenben Standpunkt aufrechterhalten sollte. Sämtliche im DEV. organisierten Eifenbahner haben nunmehr bi e Aufgabe, gerüftet dazustehen. Die Indifferenten haben die Pflicht, fich reftios dem DEB. anzuschließen, wenn sie nicht den berechtigten Borwurf auf sich laden wollen, nur ernten zu wollen, wo sie nicht mit gefät haben. Obermeister Paeth berichtigt. innung zweimal ausgefpudt habe, aber ich habe ihm gegenüber den „ Es ist unwahr, daß ich vor dem 2. Obermeister der TischlerAusbrud" pfui" gebraucht, als er in seiner Eigenschalt als mir unterstellter Rassenführer der Innung in Gegenwart der Angeftellten es wiederholt versuchte, mich in den Augen derselben herab zusetzen, und nachdem mir bekanntgeworden war, daß er üble Nachreben und schwere unwahre Beschuldigungen über mich verbreitet hatte. antrag gegen Borsdorf gestellt habe, und zwar deshalb, weil dieser Es ist richtig, daß ich auf Grund diefer üblen Nachrede Straf die ungeheure Berleumbung gegen mich ausgesprochen hatte, ich hätte Gelder der Ruhrhilfe zu Privatzweden verwandt. Es ist ferner unwahr, daß ich für die notleidende Ruhrbevölke rung Gelder gesammelt und bieselben nicht, oder durch mein Verschulden entwertet abgeliefert habe." Herr Paeth gibt dann eine längere Darstellung über die Anlage der Gelder der Vereinigten Verbände der Berliner Holzindu strie, auf Grund von Beschlüssen, die in seiner Abwesenheit gefaßt wurden, woraus hervorgeht, daß die Beiträge der Unternehmernerbände für die Ruhrhilfe mit deren Mitgliederbeiträgen und Beiträgen für Papierbeschaffung zusammen auf das Banktonto der BVBH. eingezahlt wurden. Von diesen gemeinsam ver einnahmten Beiträgen der Unterverbände feien a unächst alle notwendigsten Ausgaben der Bereinigten Ber. bände bezahlt worden. Nach seiner Rüdfehr habe er( Paeth) darauf ge drängt, daß die rüdständigen Beiträge der Unterverbände jofort abgeführt werden, damit das Ausgabentonto für Ruhrhilfe getrennt geführt und belegt werden tonne". Weil inzwischen die ganzen Gelder entwertet waren, fei auf fein entschiedenes Drängen eine erneute Umlage beschlossen worden, um den Geschäftsführer der VB. in die Lage zu versehen, auch die gebuchten Ruhrgelder der einzelnen Unternehmerverbände an die in Frage tommende Stelle abzuführen. Der Geschäftsführer der Freien Vereinigung beschuldige durch feine eidesstattliche Berficherung feinen eigenen damaligen Bor Vorteilhafte Damen- Kleidung Jumper- Bluse bedruckter Flanell mit 3.75 2 Seitentaschchen.... Kleid reinwollener Gabardine mit langen Armeln, 19.50 weiß garniert... Kleid reinseid. Crêpe de Chine, modern. Kasakform in hellen Farben.. 39.00 Mantel reinwollener Velours mit großem 39.00 Pelzkragen Marabu- Besätze in dunklen und Modefarben Mtr. 1.45 Herrenkleidung Winter- Ulster mod. 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Mufifinstrumentenarbeiter! Die au morgen, Montag, angelegte Urabstimmung wird ausgesezt, da der Arbeitgeber berband die Verbindlichkeit des Schiedsspruches beantragt hat. Zu diesem Zweck finden am Montag im Arbeitsministerium nochNach einem vorliegenden malige Verhandlungen statt. Ergebnis wird sofort eine Funktionärversammlung einberufen. Deutscher Holzarbeiterverband. Die Ortsverwaltung. 3du.- Mitglieder, Fachgruppe„ Metall". Ile Gettionen Dienstag abend 7% Uhr in Saverlands Festfälen, atoßer Saal, Neue Friedrichstr. 35, Eingang Rochstraße, wichtige Mitglieder. verfammlung. Tagesordnung: 1. Sukzoll und Arbeitslohn. Ref.: Rollege Gottfurcht. Die Borschläge des BBMI. zum Leistungstarifvertrag". 3. Auf ftellung ber Borschlagsliste der Generalversammlungsbelegierten. Wir er warten vollaäbliges Erscheinen! Die Ortsverwaltung. Die Fachgruppenleitung. Achtung, Serrenkonfektion fowie Ruschneider Ruschneiderinnen! Mit gliederversammlung Dienstag abend 7 Uhr im Rosenthaler Sof", Rosenthaler Str. 11/12, großer Gaal Tagesordnung: 1. Bericht von den Verhand Die Filialleitung. lungen vor dem Reichsarbeitsministerium. 2. Branchenangelegenheiten. Mit aliedsbuch oder Karte legitimiert. Rentralverband der Schuhmacher. Montag abends 6% Uhr Branchenver fammlung der Zuschneider im Gaal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25. Dienstag, nachm. 5% Uhr, Branchenversammlung der Stepperei und Vorrichterei der Straßenstiefel, Ball- und Lurusbranche im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, ngelur 25Siemens- Schudert, Dynamomert. Montag, vorm. 10 Uhr. Bersammlung after freigewerffchafflich organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen im Lokal von Seidel, Siemensstraße. Ede Märkischer Steig. 12 Uhr mittags BetriebsDer Obmann. versammlung an der alten Stelle. Achtung, Seifenarbeiter! Die neuen Lohntarife find fertiggestellt und fönnen gegen Legitimation vom Verband der Fabrikarbeiter, Engelufer 24/25, Aufgang C I, abgeholt werden. Die Branchenleitung. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage.). hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Togal Rheuma, Herven- und Ischias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harniäure aus. Klinisch erprobt. 3n allen Apotheken erhältlich. Best. 74,3% Acid. acet. salic., 0,46% Chinin, 12,6% Lithium ad 100 Amylum Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Säle frei! Norden 9296. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schifomski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Ginger ut. Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu vier Beilagen und Die Bählerin". Qualitätswaren Blusen- u. Kleiderflanelle gestreift und bedruckt 0.90 Reinwollen. Lama moderne Streifen, Mtr. 1.65 Alpaka für Kleider und Schürzen, schwarz oder marine, 1.95 110 cm breit...... Mtr. Reinwoll.Schotten schwarz- weiß, sehr modern, 105 cm Mtr. 3.90 Crêpe marocain Wolle mit Seide, für 7.90 Abendkleider, 100cm Mtr. Wirkwaren Kragenschoner 2.35 aus Kunstseide Schlupfbeinkleider für Damen, aus Kunstseide.. 3.90 Füßlinge Reinwolle, für Damenstrümpfe, schwarz..1.25 Damen- Golfbluse Reinwolle, gestrickt. 8.75 Sweateranzug gestrickt, für Knaben, 11.50 3-9 Jahre, Mittelgröße Bettwäsche Deckbettbezug aus Linon, zum Knöpfen, 130x200 cm 7.50 Kissenbezug dazu passend, 80X80 em... Kissenbezug Linon mit reich. Hohls. 80X80 Laken aus Daulas 146 225 cm...... aus Daulas 160x245 cm Laken 2.25 2.90 5.75 7.50 Seidenstoffe Ottomane Kunstseide mit Wolle, glatt oder gestreift, letzte Neuheit für Mäntel und Capes, ca. 100 cm., Mtr. 16.Reinseiden. Taft schwarz oder farbig, 5.60 Velours Chiffon ca. 85 cm. breit, Mtr. schwarz, dunkel 1. lichtfarbig, ca. 100 cm., Mtr. 15.Slinks or braun, 9.ca. 130 cm., Mtr. Gold- und Silberstoffe für Hut- und Kleider- 6.75 garnierungen, 60 cm Mtr. 40 x 60 cm.. 40x50 cm... 40X50 Kissenplatten Bezeichnet mit Rückwand, grau, schwarz od. farbig 1.45 Handbestickt mit Rückwand, grau oder schwarz, 4.75 Gobelingewebe Perser- od. Blumenmuster 40X50 1.75 Handgemalt waschbar 3.85 Füllkissen dazu passend, Pranzenfaser im Nesselbezug 2.25 Bettfedern u. Daunen Nur gut gereinigte Qualitäten Graue Bettfedern 1.80 1/2 Kilo Weiße Schleißfedern Kilo 5.60 bis 12.00 Graue Daunen Kilo 4.00 8.00 Steppdecke doppelseitig Satin, Handarbeit. 19.150x200 cm Möbelstoffe Möbelkrepp bedruckt, 80 cm... Mtr. 1.35 Baumwollstoff bedruckt, 130 cm, Mt. 1.90 Gobelinrips schmal 5.25 gestreift, 130 cm, Gobelinstoff VerdureMuster, 130 cm breit.... Mtr. 5.40 Gobelinstoff schwere Qualität, 130 cm breit.. Mtr. 7.75 Kissengarnitur für Korbmöbel, Sitz- u. Lehnkissen 3.90 Gardinen Halbvorhang Etamine mit Klöppel- 2.40 Halbvorhang Etamine Einsatz und Spitze. mit handgearbeiteten Motiven 6.00 Halbvorhang Etamine, mit handgearbeitetem Files..9.75 Halbvorhang Etamine mit handgestopfter Mittelteil 12.50 Madrasstoffe auf dunklem Grund, 130 cm breit.... Mtr. Bettstellen 3.75 Eiserne Bettstelle für Kinder, weiß lackiert, 1 Seite abklappbar, 70X140 cm... 20.50 Eisen- Bettstelle weiß lackiert, m. Patentboden, 33 mm. 80 X 90 × 190 cm. 21.- 19 190 cm. 23.m. Diwanbett buntem 38.Bezug.... Str. 53041. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 9. November 1924 Die gewandelte Straße. Was der Sturm des 9. November mit hinausfegte. Die Straße einer Stadt ist das Spiegelbild der geistigen Berfaffung einer Stadt Wer das Leben und Treiben auf den Straßen betrachtet und beobachtet, fann zuverlässige Schlüffe ziehen auf die Bewohner und ihre Eigenarten, auf Handel und Verkehr und die ganze Struftur einer Stadt. Das gilt von allen Städten, vor Herrschaft des Müßiggangs. nehmlich von den großen Gemeinden und in erster Linie von Berlin. Der aufmerksame Beobachter wird finden, daß die Straßen von Berlin heute ein wesentlich anderes Bild zeigen, als vor der Revo lution. Nun gibt es allerdings eine ganze Anzahl Menschen, denen diese Gegenfäße nicht auffallen, die längst vergessen haben, was man vor der Republit auf den Straßen Berlins fah und was man heute erblidt, und andere wieder gibt es, die es nicht jehen wollen, und die man daher auch nicht belehren fann. Und doch ist der Unterschied sehr groß, find die Gegenfäge in die Augen fallend. Polizei und Soldaten. Zunächst einmal, um mit einem Aeußerlichen anzufangen: auf den Straßen steht heute bekanntlich nicht mehr der blaue Schutzmann, sondern der Grüne. Diese Tatsache ist nicht nur rein auf das Neuferliche eingestellt. Der blaue Schußmann war er Typ des Polizisten", das Publikum mochte ihn nicht um Rat angehen, weil es nicht angefchnauzt werden wollte, und das von unseren Reichstagsabgeordneten geprägte Wort: Schuß vor dem Schuß mann! hatte nur zu sehr Bedeutung und Geltung. Als Herr v. Windheim Polizeipräsident von Berlin war, änderten sich zwar " 21] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Während Bertram im Schüßengraben gelegen hatte, war Janet in Boulogne gewesen, hatte Ambulatorien und Ber stümmelte von der Bahn zu den Pflegeftationen gebracht, nachbem fie ein furchtbares Vierteljahr bei einer Schuztruppe in Belgien verlebt hatte, wo sie oft unter Feuer gewesen war. Dabei hatte sie mehr Nichtachtung von Gefahren gezeigt als die belgischen Offiziere und die englischen Kranfenträger. Jezt hatte sie eine kleine Wohnung in London, schrieb gewagte Romane( Bertram errötete, wenn er sie las), pazififtische bittere Artikel und gelegentlich auch Berse, fehr mystische. Dabet fand sie noch Zeit, für erblindete Soldaten im Regents- Park Gefährte und Führerin zu sein, bei einem sozialistischen Klub als Sefretärin zu wirken, in Arbeiterverjammlungen zu sprechen und Christy Befuche abzustatten, um fich frische Inspirationen, Rat und geistige Erfrischung zu holen. Sie nannte sich selbst entschieden liberal, aber nicht zum Ertrem gehörend". Bertram fand sie allerdings nach mehreren Erfahrungen so extrem, daß er nicht begriff, wie man noch mehr lints" fein tönne, wenn man die alte Ordnung nicht sofort mit blutigem Ansturm hinschlachten wollte. Ueber ihre politischen, sozialen und moralischen Anschauungen sträubte fich ihm das Haar. Sie erschreckte ihn, zog ihn aber durch ihre ummiderstehliche Lustigkeit und Kühnheit wieder an, auch durch ihre ü'erströmende Gutmütigkeit und Lebensfreude. Als er sie das erstemal bei Chrifty getroffen hatte, war fie wie braufender Südwind hereingestürmt und hatte Christy mit absurden, neuerfundenen Schimpfnamen angeschrien, weil er einem von ihr geleiteten Abend" für ihre Schußbefohlenen nicht beigewohnt hatte. ,, Sie Reptil, Sie überempfindlicher Ichthyosaurus! Sie nur mit sich selbst beschäftigtes, psychoanalytisches Didel dud bum!" Dann hatte sie Bertram erblickt, ihn sofort wiederertannt, mährend auch er sich ihrer langjam erinnerte. Diese großen braunen Augen, die furze gerade Mase, der launische, etwas große Mund, in welchen früheren Tagen hatte er dieses Mädchen gesehen, auch gefüßt, wenn er fich recht erinnerte, und diese Haarmassen gezupft, die sich jetzt so schön unter dem Hute wellten? Aber ja, natürlich, das war doch Janet Welford! Sie fuhr auf ihn zu und ergriff ihn beim Rod: ,, Bertram Pollard, bei allem, das romantisch ist! Mein kleiner Anbeter aus der Kinderzeit! Das Ideal meiner Jugendträume! Er, dem ich meine ersten Küsse meihte, und den ich gleich wieder | Die öffentliche Liebedienerei. Und noch ein anderes Unterscheidungsmerkmal im Straßenbild. Das frühere tönigliche Schloß durfte man nicht so ohne weiteres betreten. Auf dem inneren Schloßhof war eine Wade, auf den anderen Höfen und auf den Gängen wimmelte es von Krimmal beamten, und jeder. Der in den Schloßhof ging, wurde sofort gefragt, mo er hinwolle. Auch das äußere Bild des Schlosses war ein anderes als heute. Die Jalousien vor den meisten der Fenster waren, namentlich im Sommer, herabgelaffen. Heule tann jeder in das Schloß gehen, über die Höfe wandern, die Treppen emporsteigen und sich wenden, wohin er will. Heube find im Schloß ehörden untergebracht, Bureaus von Privotgesellschaften, und eine großen Teil des Schloffes nimmt das Kunstgewerbemuseum ein. In Sen Berliner Theatern und in einer Reihe von Konzertsälen sind diese Verhältnisse ein wenig zum Bessern, der blaue Schuhmann| Aber sie hatte nur bedingte Bedeutung. Denn in der Straße wurde etwas höflicher, aber im großen ganzen blieb doch bcm Unter den Linden aus welchem Grunde mag der feje Bublifum die Angst vor dem Schuhmann bestehen. Der Grüne" Gott wiffen durften die Caftwagen nur auf der nördlichen Seite bogegen ist höflich und gibt in liebenswürdiger Weise Auskunft, fahren. Die füdliche Seite war für fie gesperrt. und die Kutscher sondern er tut nur seine Pflicht und Schuldigkeit, aber die Tatsade auf den Buckel nehmen und über die Straße tragen. Heute ist wenn er gefragt wird. Das ist gewiß fein besonderes Lob für ihn, mußten die schweren Kisten, nachdem sie fie vom Wagen abgelader, ais folche muß doch konstatiert werden. Ferner: Heute sind vou diese Bestimmung fortgefallen, die in einer Stadt der Arbeit fimilos den Straßen Berlins fast vollständig die Soldaten verschwunden, und stilwidrig ist. denn Berlin hat teine Garnison mehr. Wie ganz anders war das vor der Revolution! Auf allen Straßen und Plätzen begegneie man Soldaten entweder in Trupps, die von einer militärischen Uebung tamen oder eiligen Soldaten, die als Ordonnanzen mit großen und diden Mappen von einem Borgelegten zum andern Burch ganz Berlin rannten. Vor den Häusern, in denen Generale wohnten und Fahnen aufbewahrt wurden, vor den vielen Magazinen, Kafernen, Pulverschuppen, Badeanstalten und namentlich vcr ben vielen Schlössern standen Tag und Nacht Poften. Das Bosterstehen aber in Berlin, namentlich in den start begangenen Straßen, war für die Soldaten eine Tortur. Gie mußten auf paffen, um ja nicht eine Ehrenbezeugung für einen der vielen vorbeiwandelnden Ofiziere zu vergessen, Me ja nichts we: ter zu tun hatten, als auf den Rotau vor ihrer Kaste und darauf lief bech das Grüßenmüssen hinous- zu achten. In dem kaiserlichen Berlin gab es zwei Wachen Unter den Linden, die eine neben dem Brans denburger Tor, die andere im Lustgarten. Auch hier hat sich das Bild im Laufe der Zeiten vollständig gewandelt. Damals in der Zeit vor dem Kriege 30g an jedem Tag mittags um 12 Uhr mit großem Klimbim die Wache auf, und die Wachtparade gab der Straße Unter den Linden das charakteristische Gepräge eines unglaublich findischen Schaustellervergnügens. Den Soldaten voran ritten Schuhleute, Schuhleute begleiteten zu beiden Seiten die zur Bache aufziehenden Soldaten, offenbar zu dem Zweck, daß ihren die Menschen nichts taten. Zwar zieht auch noch heute eine Wache auf, um einige wenige Gebäude durch Posten zu fidyern. Über clles das vollzieht sich heute ohne Gepränge und wird recht wenig beachtet. Die Höfifchen und ihre Lakaien. leber die Straßen Berlins rollten vor der Revolution tagtäglich und namentlich im Winter, wenn der faiserliche Hof in Berlin refidierte, Hofequipagen. Bald saß in einem biefer Bagen S. M. mit dem Leibdiener auf dem Bod, dessen Dreispitz von wallenden Federbüschen umgeben war, bald hodie in dem Wagen eine prinzliche Herrlichkeit und manchmal auch nur eine emfache Hofdame. Der Poften vor dem Gewehr aber an der Wache im Luftgarten hatte dabei einen schweren Stand. Er mußte ganz genau aufpassen und wissen, vor welcher der vorbeifahrenden So equipagen er die Wache ins Gewehr rufen mußte. Auf solche wichtigen" Dinge wurden lange Unterrichtsstunden verschwendet. sehen und erkennen fonnte, wer drin faß, ob ein Brinz oder mur Um ihm, der doch nicht in das Innere eines gefchloffenen Wagens eine Hofbame, ein Zeichen zu geben, welche Ehrenbezeugung er zu machen hatte, fentte der Rutscher der Hofequipage beim Borbet fahren an der Hauptwache die Peitsche. Nun wußte der Bosten, daß ein Allerhöchster" in der Equipage fah, er schnarrbe fein Raus". Die Wache trat ins Gewehr und der Offizier gab eine Reihe Schnarrender Kommandolaute von sich. Inzwischen war die Hofequipage, in der vielleicht ein Bring in einem Alter von noch nicht einem Jahr faß, längst aus dem Gesichtskreis der Hauptwache ver schwunden. Auch von dieser Masterade ist heute, Gott sei Dant, nichts mehr zu fehen. In der Wache neben dem Brandenburger Tor liegt heute eine Abteilung Schupo und vor der Wache steht ein Grüner", nicht. um vorbeifahrenden Prinzen Honneurs zu machen und andere Faren zu treiben, sondern um darüber zu machen, daß nichts auf den Straßen zum Schaben des Publikums geschieht. Und cuf den Straßen sieht man heute statt marschieronder und parc dierender Soldaten Zivilisten, die eifig zur Arbeit wandern, ober von der Arbeit tommen, statt der Hofequipagen erblidt man Fuhr werte aller Art und Lastwagen, die vollbelaben sind mit Riften für die Geschäfte. Die Straße dient dem Verkehr, diese fabe.hafie eisheit prägte befanntlich Herr v. Jagom feligen Angebenfens. füssen möchte, wären nicht meine mädchenhafte Schüchternheit und Luke Christy im Wege. Gott, wie mein Herzchen pocht hier unter der seidenen Bluse." Natürlich war Bertram in äußerster Verlegenheit, schüchtern wie ein Schuljunge und feuerrot. ,, Lassen Sie sich durch mich nicht stören", sagte Chrifty. Nur muß ich Ihnen sagen, daß Bertram verheiratet ist. Und feine Frau ist eine wirkliche Aristokratin." ,, Go? Das macht die Operation noch sicherer und disfreter", lachte Janet Welford. Na Bertram? Die alten Beiten? Den flüchtigen Eindruck wieder zu beleben, was fagen Sie?" Damit bot sie ihm die Bange dar. Solche Aufforderung fonnte natürlich nicht abgelehnt werden, schon aus Ritterlich tett, aber Bertram war befangen und zurückhaltend in feinem leichten Kuß. Janet Welford rieb sich in drolliger Entrüstung die mange und sagte: Welche Heftigkeit! Wie stürmisch er nur ist, diefer fchredliche Engländer!" Sie sezte sich auf die Lehne des alten Lederseffels, legte ihren Arm um Christys hals, lehnte ihre Wange an die seine und nannte ihn ein schönes Pterodactyl und einen weisen alten Plesiosaurus. ,, Seien Sie bitte nicht gar zu fotett mit mir", brummte Christy in verstelltem Zorn, ich bin wohl häßlich anzuschauen, aber schließlich auch nur ein Mensch." Ihre Tugend ist unwiderstehlich," sagte Janet. ,, Wehe der armen verliebten Weiblichkeit in dieser Welt der Frauenüberzahl. Sie feufzte tief, 30g Christy am Dhrläppchen und glitt von der Lehne herunter, um sich fittfam Bertram gegenüber zu fezen. ,, Nun fagen Sie mir", begann sie ,,, find Sie einer von den unfrigen?" Als Bertram sich erfundigte, in welcher Weise, ertlärte fie: In der einzigen Weise, in der allein richtigen, in der besten Weise." War er einer von denen, die dieser alten, bösen Welt voll von allen und bösen Menschen den Rüden gefehrt hatten und die mit der Jugend in die neue Welt der Gleichheit, Brüderlichkeit und des Weltfriedens marschieren wollten? Christy. Bollard tastet sich langsam zum Lichte empor", grinste Dann will ich ihn an der Hand führen", fagte Janet. Ich leite ihn in eine solche Flamme des Lichts, daß seine junge Seele geblendet wird. Er wird die Erscheinung der größten Lebensherrlichkeit und die leuchtenden Gewänder Herrschaft der Arbeit. ? sid auch die Hoflogen, die damals um Gottes willen nicht fehlen durften, überflüffig geworden. Und was gab es nicht alles für Hoflieferanten in Berlin. Nicht nur für S. M. und seine erlauchte nähere Familie, nicht nur für Pringen und Prinzessinnen, sondern auch für die große Anzahl der großen und kleinen Botentaten in Deutscheiner strahlenden glücklichen Menschheit schauen. Kommen Sie, mein Freund!" Ist es weit zu gehen?" fragte Bertram ,,, oder muß ich den Omnibus nehmen?" Sie beruhigte ihn damit, daß es nur bis zu einer BuchHandlung im Charing Croß Road wäre, wo sich jeden Diens tag und Freitag der Klub Linter Flügel" vereinigte. Beitrag zwei und einen halben Schilling, Kaffee einbegriffen. Sie erfundigte sich noch eingehend nach seinem politischen und philosophischen Standpunkt und fand ihn zweifelhaft. Seine Instintte wären gefund, aber seine Ansichten idiotisch. Wenn er sich bedingungslos ihrer Führung überließe, so würde fie feine vererbten Borurteile ausrotten und ihn in eine frische, junge Seele des„ Linken Flügels", zu hohem Fluge bereit, verwandeln. ,, und Ihre Ehe, lieber Bertram? Lehnen Ste sich auf gegen das Joch, oder haben Sie die Fähigkeit erworben, m einem anderen Wesen Tag für Tag unter demselben Dache wohnen, ohne zu leiden bis zur Qual und nervös zu werden bis zur Unerträglichkeit? Sagen Sie es mir offen. Ich kann Ihnen helfen!" Bertram errötete bis unter die Haarwurzeln, sagte: Bum Teufel noch einmal", lachte aber dann herzlich auf. Janet Belford war wirklich das merkwürdigste Exemplar moderner junger Weiblichkeit, das er je gesehen. Sie schien froh darüber, ihn heiter gestimmt zu haben. Dies Lachen wird Ihnen gut tun", belehrte sie ihn.„ Sie haben sich Sorgen gemacht, Sie haben geheime Angst. Lachen ist das große Heilmittel gegen Furcht. Ich weiß das von meinen Blinden." ,, Sind Sie überhaupt jemals ernft?" fragte Bertram. ..So sehr weit entfernt vom Lachen bin ich allerdings nie", antwortete sie. Und das war die Wahrheit, wie Bertram bald herausfand, als er sie nach dieser ersten Begegnung öfters besuchte, oder in fleinen Restaurants, nach ihrer Arbeit bei den Blinden mit ihr zusammentraf. Bertram hatte es immer gehaßt, diese Kriegsblinden zu sehen, wie sie sich furchtsam, trübsinnig, niedergebeugt, an ihren Stöden über die Straßen tasteten, vor jebem vorbeiraffeinden Auto erzitternd. Dieser Anblick ließ ihn den Krieg noch mehr verfluchen und erbitterter wurden die Anflagen in seinem Buche. Aber Janet Belford zeigte ihre besten Seiten mit diesen Blinden. Gegen diesen Teil ihres Birkens hatte er nicht das geringste einzuwenden, wenn er sie auch in allem andern bekämpfte. Von nun an fuchte er sie häufig auf.( Forts, folgt.) land. Allerdings ist die Clique biefer feinen monarchistischen Liebe. biener auch heute noch nicht ausgestorben, das Wörtchen Hofliefc rant" dient ihnen heute dazu, die Käufer der begüterten monarchistischen Kreise an sich zu loden. Aber sie erreichen damit heute weiter nichts, als daß fie verdientermaßen der Lächerlichkeit zum Opfer fallen. In der Leipziger Straße endlich, um auch das zu erwähnen, erhob sich früher der Prunkbau, der einer paitisch vollständig überflüffigen, veralteten und verfalkten Institution, dem Herrenhaus zur Stätte feiner, num fagen wir mal, Lätigkeit, diente. Das Haus steht heute noch, aber es dient besseren und erfpießlicheren 3weden, denn in ihm ift das Wohlfahrtsministerium untergebracht. So hat sich die Straße in Berlin in auffälliger Weise gewandeft. Aus dem Berlin der Monarchie ist das Berlin der Republik geworden, wenn auch die finnfällige Bezeichnung für einen Plaz der Republik noch immer fehlt. Das Bolt hat es in der Hand, sich fein Geschick, das auch die Sprache der Straßen wiedergibt, selbst zu schaffen. Es möge dafür sorgen, daß die Wahlen am 7. Dezember so ausfallen, daß jener Spuf und lächerliche Mummenschanz nie wieder erscheinen. * Spuk am Brandenburger Tor. Du träumst vom Brandenburger Tor Und siehst gebannt und fannst nicht vor, Kannst nicht zurüd und feitwärts gehn, Weil rings um dich Soldaten stehn. Sie ftehn wie Puppen, steif und dumm, Sie atmen faum und schaun nicht um, Dieweil die Ehre man erweist Der Tante, die Prinzessin heißt. Sechsspännig fommt das angerüdt, Hoflieferanten stehn beglückt Und glohen fich das Wunder an, Indes fein Mensch sonst fahren kann. Mein Freund, du stündest jetzt noch dor Und stündest fest und fämst nicht fort, Wär nicht der ganze stolze Traum Zerplatzt wie eifel Seifenschaum. Borüber ist der Sput, doch heiß Rinnt dir im Wachen noch der Schweit Und ftammelnd rufft du: welch ein Gllid, Kein Mensch wünscht diese Zeit zurüd. " Grock. Was heißt das? Ift das etwas zum hinunterschlucken oder richtiger zum Trinken? Handelt es sich um jenes liebliche, an heimeinde Getränk das der fühle Norden über den Rebensaft fegt? Nichts von alledem. Grod ist ein Mensch, ein Mann unter den Rubrum:" Weltattraktion". Also gewissermaßen von Beruf Clown, Komiter, dummer Auguft oder sowas. Hier stockt mom. Brod hat in der Tat nichts von diesen. Er geht auf die Bühne und wünscht vielleicht, daß man über ihn lachen soll. Vielleicht wünscht er es auch nicht. Meist tut er nicht so, als sei es ihm angenehm, men man über ihn lacht. Aber immerhin, es sei angenommen, er fühle sich berufen, die Beute vergnügt zu machen. Eine Angelegenheit, Die des Schweißes aller Edlen wert ist. Alfo die Weltattraktion Grod" tommt über die Bühne der„ Scala" gefchlichen. Es ist schon einer da. Sein Partner, der spielt fein Bioline. Auf einmal teht Grod neben ihm. Grod macht ein errites Gesicht als hätte er i Amerika seinen Bater zu Grabe getragen. Er schleppt einen Ric fenfchiffslederfoffer mit sich. Sein Anzug ist bequem für zwei Grods berechnet. Mit aller Vorsicht öffnet er die komplizierten Schlöffer des Koffers, schlägt die beiden Hälften auseinander und entnimmt einer unergründlich gähnenden Reere ein winziges Violinchen. In Wahrheit ein Violinchen, nicht größer als eine Biond. Nun wird Grod von jenem jungen Mann engagiert, ber fo herrlich auf der großen Geige fpielt. Grod muß zeigen, wie wett seine Musikalität geht. Er bläft Klarinette, er Spielt Klavier und zerbricht mehrere Stühle, er spielt Bandonion und noch irgend was. Es ist fast eine alltägliche Angelegenheit. Warum redet man nun darüber? Weil dieser Komiker oder sonst was nur eine Weltattraktion ist oder weil wir so begierig auf bie Internationalitäten sind, denen man in Paris und London, wie es so schön heißt, sujutelt"? Der wohre Grund ist vielleicht ber, daß jebermann beim Anblick dieses sonderbaren Menschen das Gefühl hat: Das it feiner, der sich verpflichtet fühlt dir unbedingt Theater vorzuspielen. Hier ist einer, der sich toternist confchidt, ein Berf zu vollführen, in dem er zeigt, wie einer zu seinem Leidwesen tomisch fein muß, ohne es zu wollen. Bielleicht hält er das für seinen Fluch und möchte lieber ein großer Tragöde sein. Manch mal scheint es sogar, als ob ihm die Sache feinen Spaß macht, oder vielleicht ist er ein fo guter Schauspieler, daß er die Langeweile iber fich felbst den anderen vortäuschen möchte. Am Schluß feines Aftes zeigt er sich mos tein komiker tut in feiner wahren Gestalt. Er reißt die Berrüde ab, etwa um zu betonen: ganz so dumm sehe ich doch nicht aus. Die halbe Stunde, die er an jedem Abend Taufende unterhält, ist für jeden, der sehen kann und nicht mur auf Knalleffekte verfeffen ist, eine feltene Erholung in dem ofiste Unterhaltungswirrwarr dieser Stadt, die sich noch immet Lemüht, eine Weltstadt zu werden. Schwarz- Weiß- Rot als Gaunerbeckmantel. Man schreibt uns: Er fommt mit Fahrrad mit schwarz weißrotem Fähnchen", so schließt die neueste Nummer des Märkischen Landbund" die Beschreibung eines Gauners, der die Bauern verschiedener märkischer Kreise gebrandschaßt hat. Der betreffende Zeitgenosse gibt vor, Quartiermacher zu fein für jungdeutsche Uebungen mit Parade dor Feldmarschall Madensen und stellt einen Aufmarsch von 4000 Jungmannen in Aussicht. Natürlich ist es ihm um Geldfammlung zu tun und er weist diesbezügliche Liften vor. Biele der patriotischen Landbund bauern find ber Märkische Landbund" stellt es betrüblich fest dem Gauner auf den Leim gegangen. Schwarzweisrot zieht eben immer in diefen Kreisen und das sonst so zäh festgehaltene Mißtrauen fchmitzt rasch dahin. Der Sauptmann- von- Köpenid"-Standpunft ist noch immer ein gutes Locmittel, wenn auch die Epigonen fich mit fleineren Beträgen zufrieden geben. Die unzulängliche Rettungswache. Berechtigter Freispruch eines Arztes. Unter der Anflage der fahrlässigen Tötung hatte fich der praftische Arzt Dr. med Bunz vor dem großen Schöffengericht Mitte zu verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, den Tod eines neugeborenen Kindes dadurch verschuldet zu haben, daß er ihm nicht die nötige Sorgfalt zugewandt habe. Dr. Bunz hatte in der Nacht zum 3. März Dienft auf der begleitet von einem Schußmanne, halte, in der sich eine Wöchnerin Rettungsstelle 9, als eine Meldung fam, daß draußen cine Droschke, 元 に Revolutionsgedenkfeiern am Sonntag, den 9. November. Vormittags: Steglitz: 10 Uhr Albrechtshof", Albrechtstraße. Redner: Genoffe Robert Breuer. Nachmittags und abends: 3. Kreis Wedding: 8 Uhr Schulaula Grünthaler Straße 4/5. Redner: Genoffe Aufhäuser. Charlottenburg: 7 Uhr Aula der Fürstin- Bismarck- Schule, Sybelstraße. Karten bei Gen. Wilk, Nordhaufener Str. 10. 103. Abt. Oberfchöneweide: 612 Uhr Realgymnasium Zeppelinstr. Redner: Gen. F. Künstler. 128/130. Abt. Pankow: 6%, Uhr bei Linder, Breite Straße. Redner: Genoffe Otto Meier. 132. Abt. Blankenburg und 133. Abt. Buchholz: 5 Uhr bei Klug, Blankenburg, Dorfstraße 2. Redner: Genoffe Landa. 134. Abt. Buch: 5 Uhr„ Elysium", Kaiser- FriedrichStraße. Redner: Genoffe Dr. Witte. 136. Abt. Reinickendorf- Oft: 7 Uhr Aula des Realgymnasiums Berner Straße. Redner: Genoffe Willi Möbus. mit einem Kinde befinde, die soeben auf der Straße von dem freudigen Ereignis überrascht worden war. Der Arzt ging hinaus und fand in der geschlossenen Drochte eine Frau, die das Neugeborenc, das in eine Decke und den Mantel der Mutter eingewidelt war, in den Armen hielt. Dr. Bunz nahm feine weitere Handlung an dem Kinde und der Mutter vor, sondern gab Weifung, fofort zum Städtischen Krantenhaus Friedrichshain zu fahren. Dort ist das Kind alsbald gestorben. Dem Arzt wird zur Last gelegt, daß er den Tod des Kindes verschuldet habe, weil er nicht sofort die Abnabelung und das Einpacken des Kindes in wärmeDr. B. mit der größten Entschiedenheit. Er sei 4 Stunden vor. haltende Watte porgenommen habe. Gegen diese Antiage wehrte sich her von einem Kinde gekommen, das an Diphtherie verschieden mar Er habe nach den Borschriften, innerhalb 24 Stunden eine Wöchnerin nicht berühren zu dürfen, gehandelt. Außerdem habe es auf der Rettungswache auch an allen antileptischen Einrichtungen gefehlt. Auf der Rettungswache befand sich nur eine Matraße auf der Erbe, auf der sich Be trunkene und Epileptifer herumgewälzt hatten. Darauf fonnte man feine Wöchmerin betten. Der Operationstisch eignete fich auch nicht für eine gnnäfologische Behandlung. Aus Sparfam felts gründen fehlten alle Jnfettionsmittel. Die notwendige Desinfektion der Rettungswache hätte mehr Zeit erfordert, als der Weg der Droschte zum Krantenhaus, tas in zehn Minuten zu erreichen nar. Das Kind war, so erklärte der Angeklagte, in der Tede genügend warm gelagert, und er lehnte daher auch die Forde. rung des Wachtmeisters noch einer Mull- oder Battepadung ab. Das Kind hätte ausgepodt werden müssen, und das war angesichts der alls Sparsamteitsrücksichten ungeheizten Rettungsmache nicht angängig. Die Abnabelung hatte noch Zeit bis zum Eintreffen im Krankenhaus. Dort wäre das Kind weit besser aufgehoben gewesen. Geh. Rat Prof. Dr. Straßmann fonnte eine Fahrlässigkeit des Angeklagten nicht erblichen. Nach den geschilderten Umständen war es das Beste, das Kind ins Krankenhaus zu fchicken. Weitere Anträge von Rechtsanwalt Dr. Kunz, Beweiserhebung über die Zustände auf der Rettungswade 9 zu machen, lehnte das Gericht ab und fam, entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts, der die Anflage nicht mehr aufrechterhalten fonnte, nach furzer Beratung zu einer Freisprechung wiederum Das Kind in der Aktentasche. Bor dem großen Schöffengericht in Lichterfelbe hatte sich eine junge Berkäuferin Gertrud F. wegen Kindesmordes zu ver. antworten. Das Mädchen unterhielt ein Liebesverhältnis mit einem Maler P., das nicht ohne Folgen geblieben war. Auf einer Fahrt nach Zoffen bemerkte fie, daß ihre schwere Stunde nahe. Sie begab sich auf den Abort des Bahnhofs, wo sie ein Kind zur Belt brachte. Da das ratlose Mädchen nicht wußte, was sie mit dem neugeborenen Kinde machen sollte, und da fie sich schämte, fich Fremden anzuvertrauen, wickelte sie ihr Kind in Lappen und sterkte es dann in die Attentasche, die sie zuschloß. Beim Ueber fchreiten des Notte- Kanals fam thr der Gebanfe, sich bes Kindes zu entledigen und sie warf die Aktentasche mit dem Kinde ins Wasser. Der Angefagten wurbe zugute gehalten, daß fie pielleicht doch nicht gewußt habe, daß das Kind noch lebe. Daher beantragte der Staatsanwalt nur die Berurteilung megen fahr lässiger Kindestötung. Das Gericht verurteilte die Angeflagte dem Antrage gemäß zu 1 Jahr Gefängnis. Die Briefmarken- Ausstellung im ehemaligen Herrenhause schließt heute, Sonntag, abends um 8 Uhr, ihre Pforten, nachdem am Frei tag die Verkündung der Preisträger stattgefunden hat. Die Große Goldene Plakette erhielten Dr. Dub Oberstein für seine Sonbersammlung Saargebiet, Boftdirektor Hiepe für Sammlung Alt- Deutschland, Karl Günther Chemnih für Spezialfammlung Sachsen, Baron von Scharfenberg. Besizer des Eben- hotels, für seine Sammlung Alt- Deutschland, meist gebraucht, Trübs bachChemnitz für Alt- Deutschland, meist ungebraucht, und Alfred Weymann Berlin für die größte zurzeit existierende Sammlung deutscher Kolonialmarken. g Ehrliche Finder aber unehrliche Aufbewahrer! liefert sie besen Betrag bei der Fundstelle des Berliner PolizeiEine Dame findet 80 M. auf der Straße. Ehrlich wie sie ist, präsidiums ab. Ihre Ehrlichkeit wird auch belohnt, allein, der Finderlohn ist so gering, daß sie sich beschwerdeführend an die be= treffende Stelle in Polizeipräsidium wendet. Auch dort werden Bedenken laut. Man prüft die Arbeit der Fundstelle. Die leitenden Beamben haben passende Ausreden zur Hand. Der Polizeipräsident ist damit nicht zufrieden. Eine weitere sehr scharfe und eingehende Untersuchung hatte für einige Beute der Hauptfundstelle ein vernichtendes Ergebnis. Der Borsteher, Pol zeiinspektor Gaul, der Sekretär Schmalz und der Amtsgehilfe BoB wurden wegen Unterschlagung von Fundgeldern und gefundenen Gegenstän= den verhaftet. 21sbald legten sie auch Gefiändnisse ab. Der Leiter der Hauptfundstelle, Gaul, war ein früherer Ges fängnis direttor und war auch jetzt noch der Letter Des Bolizeigefängnisses. Um den gesamten Umfang der Unregelmäßig feiten festzustellen, wird die Hauptfundstelle im Polizeipräsidium am Montag und Dienstag( 10. und 11. November) gefay offen' ein. Bom 13. November ab wird das Publikum wieder von 10 ihr vormittags bis 1 Uhr nachmittags abgefertigt werden. Polizeicberinspektor Müller wurde an Stelle des Verhafteten mit der Leitung der Fundstelle beauftragt. Besonders erfreulich ist die Energie. mit der der Polizeipräsident in dieser Angelegenheit durchgegriffen hat. Nur durch ein derartiges Vorgehen kann sich die Behörde das Vertrauen des Publifums bewahren. Parteiabzeichen bei der Schuljugend. " Den Schülern und Schülerinnen ist es verboten, mit Abzeichen politischer Jugendvereinigungen zur Schule zu kommen. Daß diese Anordnung noch nicht allgemein befolgt wird, davon haben wir fürzlich eine Probe aus einer höheren Lehranstalt Wilmersdorfs mitgeteilt. In seltsamem Gegensatz zu der Wurschtigkeit", mit der manche Jungen fich über das Verbot hinwegsehen, steht ihre Emp findlichkeit gegenüber den Abzeichen gegnerischer Bereinigungen. Auf dem Schulhof des Berliner Königstädtischen Gymnafiums, Elisabethstraße, fam es vor einigen Tagen sogar zu einer Brügelei, weil ein 17jähriger Kaufmannslehrling, der in der großen Pause den Hof beirat und einen Schüler dieser Anstalt, einen Primaner, zu sprechen wünschte, unter dem offenen Mantel an seinem Rock das Abzeichen des Reichs banners SchwarzRot Gold trug. Oberterianer, die selber ungeachtet des Verbotes an ihrer Kleidung allerlei Abzeichen trugen, wandten jih gegen den jungen Mann mit Sticheleien und herausfordernden Worten, warfen Sand und Steinchen nach ihm und bedrängten ihn mit einer Schubserei. Als er einem von ihnen bei der Fortjehung diefes Treibens in Aussicht stellte, eine runterzubekommen", fielen fie über thn her und hie ben ihn mit Fäusten ins Geficht. Der Primaner, den er hatte besuchen wollen tam ihm zu Hilfe, wurde aber selber geschlagen und im Gesicht verwundet. Erst ein dazwischentretender Lehrer machte dem Handgemenge ein Ende. Als der Kaufmannslehrling sich bei dem Direktorstellvertreter beschwerte, brachten die Jungen gegen ihn die Beschuldigung vor, er habe einen Schlagring gebraucht. Das ist unwahr! In Wirf ichteit hat der Mißhandelte, als er auf dem Wege zu dem Direftor. stellvertreter mor und die Jungen ihm nochmals eine drohende Haltung anzunehmen schienen, einen zum Schuß gegen lleberfälle bei sich geführten Schloaring vorsichtshalber aus der Hosentasche zin bie leichter erreichbare Manteltasche gesteckt. Daß er sich nicht neuen Mißhandlungen ausfeßen wollie, sondern auf Berteidigung und Abwehr bedacht war, ist durchaus verständlich. Wissen möchten wir, was der Direktorstellvertreter gegen die schuldigen Jungen anordnen wird. Den Geift, der an dieser Anstalt herrscht, fennzeichnet die Tatsache, daß auch einer der Lehrer im Unterricht bas Ab zeichen einer rechtsstehenden politischen Berei nigung zur Schau trägt. etwas anderes erwarten? Soll man dann von den Schülern Republik oder Monarchie? In der Kumbgebung des Reichsbanners am Montag, den 10 Nov., abends 8 Uhr im Saalbau Friedrichshain, wird von den Sozialdemo traten Aufhäuser, von den Demokraten Erfelenz und ein führender Politiker des Zentrums sprechen. Dieser Veranstaltung folgen in fürzester Zeit in anderen Stadtteilen zwei weitere, die demselben Zwed dienen sollen, die republikani schen Ideen im Wahlkampf in den Vordergrund zu rücken. Eine Junggeflügelschau. Die schau- und lernlustigen Kleintierzüchter finden augenblicklich in der neuen Engros- Fleischballe in Berlin, Landsberger Straße 116/117, ein reiches Material. Der Verein der Berliner Geflügelzüchter Fortuna" stellte über 2000 Kleintiere in einer Junggeflügelfcau aus. Die Tiere kommen größtenteils aus Berlin und der Umgegend, aber auch aus Glas, von den Gütern aus Pommern und selbst aus der Steiermart. Die Steier marfer stifteten auch eine schöne Bronze. Alle Raffen sind vertreten, so die großen Tiere, die auf Bierförnerfutter angewiesen sind und deren Austrag teuer bleibt, ebenso sieht man aber auch die Zwerghühner, die in ganz reizenden Farbenschlägen vorhanden find. Unter den Wirtschaftsraisen fallen vor allem die Steirer auf. Sie sind dauerhaft und dankbar. Diese anspruchss lofen Tiere legen, wenn es sich um eine gute Henne handelt, 200 Gier pro Jahr. Außerdem liefern sie ein gutes Fleisch. Ihre Legetätigteit beginnen sie bereits mit 4 Monaten. Die Steirer Boulette ist so recht ein proletarisches Huhn. In seinem Heimatland hat der fleine Bauer und überhaupt der fleine Züchter sich durch die Aufzucht der Steirer Hühner einen einträg lichen Ausfuhrartikel geschaffen. Ferner find Enten, Gänse, Puten uns Tauben vertreten. So fommit auch der Sportsmann, der nur auf Farbe, Schönheit und Figur sieht, voll auf seine Stoften. KON LINON KALODONT so ausgiebig wie die meisten Zahnpasten ist isf Kalodont Der Auswertungsvorschuß für Sparer. Was die Sparer zu beachten haben. Bei der Sparkasse der Stadt Berlin und ihren Zweigstellen in den Bezirken herrscht jetzt ein lebhaftes Treiben. Die Anmel dungen zur Auswertung der Sparguthaben sind noch lange nicht sämtlich eingegangen. Bis spätestens 31. De zember dieses Jahres muß die Anmeldung vollzogen fein, sonst erlischt der Aufwertungsanspruch des Sparers. Viele hatten die Anmeldung hinausgeschoben, weil sie den ersten Anfturm vorübergchen laffen wollten. Jetzt fommen die Nachzügler in noch reht beträchlicher Zahl zu den Kassen, um sich ihren Anspruch zu sichern. Die Anmeldung muß, das jei nochmals betont, bis zum 31. Dezember 1924 eingegangen sein. Wann aber die Aufwertung folgen wird und schließlich die Auszahlung statt finden kann, das weiß noch niemand. Sicher ist nur, daß dar. über noch eine Reihe von Jahren vergehen wird. Die Sparkassen müssen selber noch auf die Aufwertung der Beträge warten, die sie vor dem Kriege und während des Krieges als Hypothefendarlehen oder zum Kauf von Anleihepapieren weg gegeben haben. Erst wenn die Aufwertung der Hypotheken und Anleihen den Sparkassen einen Teil jener Gelder wieder zuführt, fönnen auch sie entsprechend aufwerien und zahlen. pon der Stadt Berlin fommt. Renntnis erhalten. Unterfchlagungen und Urkunden.! fälschungen hat Jeschte zum Schaden der Reinmachefrau der Dienststelle begongen. Diese, ein Flüchtling aus Moskau, bean. spruchte für ihre Arbeit fein Geld, sondern nur Wohnung. Es wurden ihr aber fünfundzwanzig Mart den Monat zugesprochen. diese hat Jeschte schon seit längerer Zeit unterschlagen und auf den Quittungen hat er den Namen der Frau gefälscht. Der verhaftete ist geständig. Er will sich damit entschuldigen, daß öfter auch Frauen aus der dortigen Gegend zu ihm in das Dienstzimmer gefommen feien und sich ihm an den Hals geworfen hätten. Erleichterungen im Paßwesen? Zum Besten der Armen des Bezirks Friedrichshain wird am Dienstag, 11. d. M., abends 8 Uhr, im Saalbau Friedrichshain ein Wohltätigkeits. fonzert veranstaltet. Die Berliner Orchestervereinigung unter Leitung ihres bewährten Dirigenten Julius Maibaum hat sich in den Dienst der guten Sache gestellt und wird mit einem auserlesenen Programm aufwarten. Als Soliiten wirken noch mit: State Susel( alt), welche Lieder von Brahms, Schubert und Strauß fingen wird, und Monti Kusel, der am Flügel eigene Kompositionen zu Gehör bringt. Der Reichsangehörige im Inland bedarf gegenwärtig zur Reise ins Ausland neben einem deutschen Paß, der neuerdings regelmäßig auf zwei Jahre ausgestellt wird, lediglich eines steuerlichen Unbedenklichkeitsvermerfs des zuständigen Finanzamts, den er jedoch nicht persönlich einzuholen braucht, sondern sich zum Beispiel durch einen Boten oder auf dem Postwege beschaffen kann. Zur Wiedereinreise, genügt der deutsche Baß ohne Sichtvermerk. Für Ausländer besteht zwar noch Baß- und Sichtvermerkszwang, das heißt für jeden Grenzübertritt ist neben einem Heimatpaß ein Sichtvermerk der zuständigen deutschen Behörde erforderlich. Aber auch für die Beschaffung dieser Sichtvermerte sind wesentliche Erleichterungen vorgefehen. So fönnen Dauersichtver Das sind trübe Aussichten für alte Leute, die ihr Leben den. In einwandfreien Fällen wird der Sichtvermerk erteilt, ohne merte mit einer Geltungsdauer bis zu zwölf Monaten erteilt werhindurch sich jeden Bissen in den Mund hinein daß der Reisende persönlich bei der Sichtvermerksbehörde erscheinen zählen zu müssen glaubten, um für das Alber einen muß. Schließlich sind bei Erteilung von Sichtvermerken im Ausland Mobgroschen zu haben. Wie viele oder wenige von ihnen fönnen in Abweichung von der in verschiedenen anderen Staaten bestehenden die Aufwertung und Auszahlung überhaupt noch lebung vorherige Rückfragen bei einer Zentralbehörde im Inland erleben? Diesen Greifen und Greifinnen gilt die Hilfe, die grundsäglich nicht erforderlich. Wie es weiter heißt, erwägt man an Unbe noch teine Mittel zu einer vorläufigen Aufwertung bat, jo greift bentlig tettsvermerts für 2uslandsreifen. Gleichdie Stadt ein und gibt aus ihren allgemeinen Mitteln einen Vorzeitig muß allerdings geprüft werden, ob sich die nach der gegen schuß her, den sie der Sparkasse zur Verfügung stellt. Auf fünf wärtigen Rechtslage mit Ende des Jahres außer Kraft tretenden Millionen Mart hat sie ihn zunächst bemessen, aber man darf Bestimmungen des Steuerfluchtgesetzes verlängern oder nicht. hoffen, daß bei weiterer Besserung der Stadtfinanzen in nicht zu ferner Zeit ein nochmaliger Vorschuß in ähnlicher Höhe gegeben werden kann. Aus diesen fünf Millionen fann wenigstens den über 65 Jahre alten Sparern schon jetzt ein Vorschuß auf diejenige Summe gezahlt werden, die ihnen einmal nach der endgültigen Aufwertung ihres Sparguthabens zustehen wird. Sie follen einstweilen 10 Prozent ihres ganzen in Goldmark umgerechneten Guthabens erhalten aber der zulässige Höchstbetrag dieses Vorschusses ist auf 100 Mart festgesetzt. Die Papiermartbeträge, die während des Krieges oder nach dem Kriege eingezahlt wurden, werden nach dem jeweiligen Kurs umgerechnet. Wer dann 8 B. 500 Goldmark Guthaben hat, erhält 50 Mart Vorschuß, mer 600 Goldmart Guthaben hat, erhält 60 Mart Vorschuß usw. Bei mehr als 1000 Goldmart Guthaben ergäben 10 Prozent mehr als 100 Mark Borschuß, doch darf über 100 Mart Vorschuß, wie schon gefagt, einstweilen nicht hinausgegangen werden. Benn später einmal feststehen wird, wie weit aufgewertet werden kann, dann werden von den endgültigen Beträgen die Vorschüsse abgezogen. Die Sparer fönnen nach Belieben sich die Vorschüsse jezt in bar auszahlen laffen oder sie einem neu einzurichtenden oder schon bes stehenden wertbeständigen Sparkonto gutschreiben' affen. Bu beaten ist nun, daß die oben erwähnte Anmeldung zur Aufwertung des Sparguthabens und der Anspruch auf Rahlung eines Borschusses zwei verschiedene Dinge find. Der Aufwertungsanspruch muß von allen Sparern angemeldet werden, aber die über 65 Jahre alten Sparer müssen außerdem auch noch ihren Vorschußanspruch anmelden Sie tun das bei der Svartasse, die ihr Sparbuch ausgestellt hat. Die Kassenstunden find Montag bis Freitag 9-3 Uhr, Sonnabend 9-1 Uhr. Bei der Anmeldung muß das auf den Namen des Sparers ausgestellte Sparbuch ( auch die Sicherungskarte, falls eine solche ausgestellt wurde) vorgelegt werden. Vorzulegen ist auch ein amtlicher Ausweis, aus dem das Lebensalter zu ersehen ist. Solche Ausweise find 3. B. der Geburts dein( Taufschein), die Heiratsbel heinigung und andere am liche Schriftstücke, in denen das Geburtsjahr angegeben ist. Die Mühe dieser Anmeldung ist nicht groß, denn die Abferti gung vollzieht sich ziemlich rasch. da bei den Kaffen alle nötigen Borfehrungen getroffen sind. Die Sparer haben nach der Anmeldung weiter feine Laufereien, fendern erhalten durch die Poſt eine Benachrichtigung, fobalb der Borschuß festgefeßt ist und zur Verfügung fteht Wahrscheinlich werden aber noch mehrere Wochen hingehen, bis die Umrechnungen der Papiermartbe'räge in Goldmark fertig gest Ut find. Das ist, weil der Kurs sehr verschieden war, eine umständliche Arbeit, die viel Zeit erfordert. Vor dem Ab chuß dieser Arbeit haben die vorschußberechtigten Sparer feine Nachricht zu erwarten. Hoffentlich ist es aber möglich noch vor Weihnachten amit fertig zu werden. Mit der Auszahlung ber Ber. schüsse würde vielen al en Leuten eine Weihnachtsfreude be= reilet, die ihnen von Herzen zu gönnen ist.. Kommiffar" Jeschte. Der Mann mit den guten Zeugniffen. Zu den Borkommnissen in der Sanitätswache auf dem Schlefischen Bahnhof wird gemeldet, daß die von der Kriminalpolizei geleite en Ermittlungen jetzt abgeschlossen sind. Der„ Kommissar" des Roten Kreuzes Adolf Jeschte ist dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Zu den Borfommnssen ist abschließend zu bemerken, daß dem Deutschen Roten Kreuz mit der Einstellung Jeschtes ein folgenschwerer Mißgriff unterlaufen ist. Jeschte hatte Lei feiner Einstellung gute Zeugnisse aufzuweisen und war qum persönlich gut empfohlen. Obgleich die ersten Berfehlungen vier Monate zurückliegen, Boemen die ersten Anzeigen erst am 2. November d. I. Die Kontrolle durch die Aufsichtsstellen des Deutschen Roten Kreuzes ist angeblich in ausreichender und schärffter Weise erfolgt. Die Stelle am Schlesischen Bahnhof war in der fraglichen Beit grundfäßlich nur als Verpflegungsstelle für die burchreifenden Kindertransporte bestimmt. So erflärt es sich, daß Nachtkontrollen nicht ausgeübt worden sind und Jeschtes Nachttreiben unbemerkt bleiben konnte. Wenn Jeschke Bersonen weiblichen Geschlechts, für die die Fürsorge nicht in Frage fam, nächtliche Aufnahme gewährt hat, so hat er damit gegen seine Dienst vorschriften gröblich verstoßen. Die Beobachtungen, die einige Bahnangestellte gemacht haben, sind leider niemals der zuständigen Stelle zu Ohren gekommen. Erst am 2. d. M. wurden die erster Meldungen erstattet. Jetzt erst wurde durch egriffen. Die Schuldigen wurden fris.los entlassen und angezeigt. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes hat rücksichtslofeste Nachprüfung angeordnet. Der Oberbahnhofsvorsteher, der in ständiger Fühlung mit der Dienststelle des Roten Kreuzes arbeitete, hat erst am 3. November von dem Treiben Jeschtes persönlich Defft 6-8 Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 9. November. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. Schauspielerin Edith Wiese liest Texte aus Josef Görres. ausgewählt und eingeleitet von Geheimrat Dr. Wilhelm Schellberg; Musikdirektor Fritz Ohrmann spielt am Meisterharmonium: Trae ambulum, Palästrina; Ave verum, Mozart; Sanctus, Liszt. 10 Uhr vorm.:' Hans- Bredow- Schule, Abt. Hochschulkurse der Funkstunde. 10-10.20 Uhr vorm.: Geh. Reg.Rat Prof. Dr. Miethe, o. Prof. an der Technischen Hochschule, Berlin: Die Bedeutung, der Photographie. 1. Vortrag:„ Das Auge und die photographische Platte". 10.30-10.50 Uhr vorm.: Prof. Dr. phil. Dessoir. o. Prof. an der Universität Berlin: Einführung in die Philosophie. 1. Vortrag: Was ist Philosophie?" 11-11.20 Uhr vorm. Geh. Reg.- Rat Prof. Dr.- Ing. J. Brix, o. Professor an der Techn. Hochschule, Berlin: Die Stadt. 1. Vortrag: Entstehung und Entwicklung der Stadt". 11.30-11.50 Uhr vorm.: Prof. Dr. phil. Bock, o. Prof. an der Techn. Hochschule, Berlin: Deutsche Kunsterziehung( 1. Vortrag). 3.30 Uhr nachm. Die Funkprinzessin erzählt: Märchen aus dem Pflanzenreich. 1. Vom unfolgsamen Tan Metz. Warum die Stiefmütterchen so böse Gesichter Tännlein, Else Hofmann. 2. Woher die gelben Blumen kommen? machen, Sophie Reinheimer. Die Funkprinzessin: Adele Proesler. 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus 8.15 Uhr abends: Einleitende Worte zu der Oper:„ Das Nachtlager von Granada" 8.30 Uhr abends: Singspielbühne. Leitung: Cornelis Bronsgeest. II. Veranstaltung: Das Nachtlager von Granada. Romantische Oper in zwei Aufzügen von Konradin Kreutzer. Text nach Friedrich Kinds gleichnamigem Schauspiel von Karl Johann Braun. Ritter von Braunthal.( Für den Rundfunk umgearbeitet.) Dirigent: Kapellmeister Otto Urack. Gabriele: Irene Eden; Gomez: Paul Stieber- Walter; Ein Jäger: Cornelis Bronsgeest; Ambrosio Ernst Lehmann; Vasco: Leonhard Kistemann; Pedro: Rudolf Krasa; Jäger. Diener, Hirten, Hirti. nen, Gerichtspersonen. schließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 9. November. Chor. AnDer Bernichtungskampf gegen die Raffen am 22. und 23. November erfordert mancherlei Vorbereitungen. Da die Brotkommissio nen nicht mehr bestehen, hatten die zur Auslegung von Rattengift Verpflichteten diesmal die Bekanntmachungen von den Polizeirevieren abzuholen. Um den Abholenden ein nochmaliges Kommen zu er sparen, war ihnen meist Gelegenheit gegeben, den an der Bekanntmachung befindlichen Erlaubnisschein zum Erwerb von Gift gleich auszufüllen und abstempeln zu lassen. Ganz besonders wird das Publikum darauf aufmerksam gemacht, daß vom 22. bis wenigstens zum Ablauf des 24. November Haustiere wegen des Gift gehalts der Phosphorlatmerge sicher zu ver wahren sind. Nach fif bis sechs Tagen ist die Latwerge der= wittert und fann dann feinerlei schädliche Wirkung mehr ausüben. Als Meerzwiebelpräparate dürfen bei der diesmaligen Rattenbefämpfung u. a. auch verwendet werden: Ratinin, Eritus, Mors, Stnr, Antiusol 3 und Rodro 2. Die hiesigen städtischen Bezirksämter werden vor den Kampfbagen möchentlich in bestimmten Zeitabschnitten Sprechstunden zur Raterteilung über die Rattenbekämpfung durch ihre Desinfektoren abhalten lassen. Der Preis für die Büchse Phosphorlatwerge beträgt übrigens nicht 80, sondern nur 50 Pf. Sozialdemokratische Studenten! Ericheint zur Versammlung der sozialdemokratischen Studentengruppe am Dienstag, den 11. November, abends 8 Uhr im Jugendheim, Lindenstraße 3, 2. Hof links 8 Tr. Referent: Gen. Dr. Friedländer. Jfalienischer Sprachfurfus für Parteigenossen der Gewerkschaften. Meldum gen beim Gen. Unikower, Berlin W. 57, Surfürstenstr. 21/22: Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, vormittags 11 Uhr, imGroßen Schauspielhaus, Proletarische Feierstunde:„ Die Revo lution". Starten zum Preise von 1 M. find noch an der Kasse zu haben. Heute, nachmittags 3 Uhr, im Theater des Westens: Wozzeck", bon Georg Büchner. Karten zum Breffe von 90 Bf. find noch im Vorraum des Theaters zu haben. Sonntag, den 23. November, nachmittags 3, hr, im großen Saal der Philharmonie: 2. Festkonzert ( Französische Kammermusit). Preis der Einzelfarte 1 M. Im Monat Dezember im Theater des Westens Aufführung Romeo und Sulia" von Shakespeare. Breis pro Karte 90 Bf. Um 12., 22, 26. und 29. November, 3. und 6. Dezember: Märchenaufführung im Theater des Westens:" Lotte im Weihnachtslande". Karten zum ermäßigten Preise von 60, 40 und 30 Pi. Karten für alle Veranstaltungen an den bekannten Stellen. Begrüßung der Zeppelinleute in Bremen. Die ersten Mannschaften des Zeppelin, die mit dem fahrplanmäßigen Zuge gestern nachmittag um 2.53 Uhr in Bremen eintrafen, wurden bort von Bertretern des Bremer Senats feierlich begrüßt, während ihre Ankunft in Curhaven sich in aller Stille vollzog. Berliner Varietés. In der Scala ist diesmal Grod, über den an anderer Stelle berichtet wird, die Hauptattraktion. Aus dem übrigen Varietéprogramm sei als hervorragend erwähnt: der Perche- Att der drei Arconas, die im Kopistand Rollschuh laufen, die drei Schwestern Facory in einem Trapezatt, die japanischen Jongleure und Balanceure uji und die treff lichen Geschicklichkeitsspiele Rolf Hansens. Tanzenderweise unterhier nicht mehr unbekannte russische Ballett„ Eltzoff". hier nicht unbeaten rebent suveniles und das Jm Wintergarten zeigt das neue Programm besonders augenfällig das, man muß sagen, tramvihaste Beitreben der Artiſten. in schon oft gesehene Summern eine neue Note zu bringen, um die Zugfraft zu erhöhen. Die 8aza und 3o3o verbrämen ihren Att mit musikalischen Beigaben und allerband Clowniaden, der Jongleur Dtto ve gel betätigt sich zugleich als Komiter, die jüns tanzenden Topsi Turvy 3 baben sich besondere Ges michie und dreare Gestelle bauen laffen, auf denen fie ihre Tanz evolutionen arji hren, beim Aéros Trio fehlt nicht der Clown, und Marie, Didinson mit den sechs tanzenden Mädchen bringt so viel number jou, pe Zang oder die Arabesten. Sehr gutt iſt die Hundebreffur Beiwerk zu den Tänzen, daß man schließlich nicht weiß, was man mehr be yon Raffayettes, und viel belacht werden Cornalla und Eddie, sowie die Doppelgänger Terry wins. Die hervorragendite Nummer des Programms aber ist entschieden die indianische Seiltänzertruppe i a watha. Was diefe vier Personen auf dem Seil borführen, hat man bish es in der Bollendung und mit dem Wagemut noch nicht gesehen, meNo e Der Zitfus Busch, reich in seinem Programm an Senfationen uns siebe Miz Ruth Rule, die Dame auf den balsbrecherischen Kunststüden hat eine neue Gldiern in der Luft und das Autorennen in der Luft Senfation auf sein November- Brogramm gefest. sapitän 23a11, der Unterfeetaucher, produzkeit fich mit strokodilen und Aligatoren und fämpft, wie es in der Ankündigung heißt, unter Wasser mit einem RiefenKrokodil. Nun, tiefer Kampf ist nicht sehr aufregend. Verblüffend aber find Walls Leistungen, der unter dem Wasser raucht, igt, trinft und mehrere Minuten unter Wasser in schlafender Stellung bleibt. Eine wirt liche Bereicherung des Programms stellt die Jfarfer BonhairTruppe dar. Was dieje Artisten an Gewandtheit, Grazie, Geschicklichfeit, Kraft und Geistesgegenwart leisten, ist wahrhaff verblüffend und präs Salonquartett Ramme, Königswusterhausen,( 1. Violine: W. Schulz; fett, Straft und eigena 2. Violine: E. Schorradt; Cello: P. Amrhein; am Flügel: A. Ramme). 10.40-11.40 Uhr vorm.( Welle 680). 1. Ernst- AugustMarsch. Blankenburg. 2. Ouvertüre zur Operette" Die schöne Galathé", Suppé. 3. Fantasie aus der Oper La Bohème", Puccini. 4. Zwei Lieder für Koloratursopran: a) Geisternähe, Schumann, b) Rosenarie aus Figaros Hochzeit", Mozart. 5. Idylle passionelle, Walz rintermezzo, Razigade. 6. Wenn Buddha träumt, Foxtrott. Herbert Brown. 11.50-1250 Uhr nachm..( Welle, 2450). 1. Unter dem St.nenbanner, Marsch, Sousa. 2. Ouvertüre zu„ Alessandro 3. Lied des Pagen aus der Oper„ Die HugeStradella", Flotow. Rigoletto", notten", Meyerbeer. 4. Czardas, Monti. 5. Fantasie aus Verdi- Tavan. 6. Die Nachtigall( Lied für Koloratursopran) Alabieff. 7. Pas des Fleurs aus Naila", Delibes. Montag, den 10. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus". 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Baurats Hammer von der Berliner Feuerwehr; Vortragsreihe: Verhaltungsmaßregeln bei Bränden, 1. Vortrag:" Feuer in Wohngebäuden". 8.30 Uhr abends: Edvard- Grieg- Abend. 1. Vier Stücke aus Peer Cynt" für Violine, Cello und Klavier: a) Morgenstimmung, b) Ases Tod. c) Anitras Tanz, d) Solveigs Lied( Ibolyka 2. Fünf lyrische Zilzer, Hermann Hopf und Dr. Rich. H. Stein). Stücke: a) Arietta, b) Walzer, c) Albumblatt, d) Volksweise, e) Elfentanz( Alfred Lichtenstein, Flöte). 3. Drei Lieder: a) Herbststimmung( Paulsen) op. 26 Nr. 5, b) Im Kahne( Krag) op. 60 Nr. 1, c) Guten Morgen( Björnson) op. 21 Nr. 2( Alexandrine Alexandrowa, Sopran). 4. a) Berceuse op. 38 Nr. 1, b) Hochzeitstag auf Troldhaugen op. 65 Nr. 6( Ibolyka Zilzer, Violine). 5. Allegro aus der Cellosonate in A- Moll op. 36( Hermann Hopf, Cello). 6. Drei Lieder: a) Liebe( Andersen) op. 15 Nr. 2, b) Margaretlein( Krag) op. 60 Nr. 1, c) Zwei braune Augen( Andersen) op. 5 Nr. 1( Alerandiine Alexandrowa, Sopran). 7. Ronianze aus der dritten Violinsonate in C- Moll op. 45 Ibolyka Zilze., Violine). 8. Vier norwegische Tänze für Violine, Cello und Klavier op. 35( Ibolyka Zilzer. Hermann Hopf und Dr. Rich. H. Stein). Am Flügel: Dr. Rich. H. Stein. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten.. Theaterdienst. EDEL WIE DER NAME Massary Das Thalla- Theater hat seit dem 1. November eine Spezialitätenbühne eingerichtet. Georg Wallis, dem artistischen Leiter, ist es gelungen, el ausgezeichnetes Programm zusammenzustellen. Großen Beifall fanden die 5 Abotts in ihrem Balance- Strafiatt, der tomische Imitator Klein schmidt, Gust, der Mann mit seiner gemaltigen Fingertraft, 3 Ser berts. auf dem Drahticil und die 4 Beanos als Schleuderakrobaten. Den Schluß bildeten die 7 Mu Feh Ach meds, die ihren Ruf als urabische Wüstenspringer bewiesen. Weiter für Berlin und Umgegend. Troden, ziemlich beiter und fühl bei schwacher Luftbewegung. Für Deutschland. Fortdauer der herrschenden Witterung. Beco Kopfhörer lautstark klangrein Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions- Apotheke Homöopathische Zentral- Officin Berlin N. 31, Anklamer Siraße 39/40, in der Ecke Brunnenstr., 5 Min v. Rosen hat. Tor. Tel. Amt Humboldt 1022. Adler- Apotlieke ( Paul und W. Sadée), Berlin- Friedenau, Rheinistr. 16. Tel.: Rheingau 2029, Friedrich WilhelmApotheke, Apotheker Geore Seelenbinder, Charlottenburg 2. Leibnizstraße 106. Telephon 121. Schweizer- Apotheke. 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Nr. 530 41. Jahrgang Köpfe. 2. Beilage des Vorwärts Gut Holz! Sonntag, 9. November 1924 f Herr Wilhelm Laverrenz, deutschnationaler Spitens fandidat für Berlin. Herr v. Kröcher hat einmal feiner Sehnsucht nach einem führendben Staatsmann Ausbrud gegeben, der nicht flug zu sein brauche aber Kraft haben müsse. Die Deutschnationale Partei teilt offenbar Kröchers Borstellung, daß Intelligenz für einen Politifer entbehrlich ist, wofern er nur das Manto durch das ersetzt, was man in der Fraktion Mampe unter Kraft versteht. Nur so erklärt es fich, daß fie Herrn Wilhelm averrenz als Minifteranwärter für das Kabinett des Bürgerblocks präsentiert hat, und daher tommt es auch, daß Herr Laverrenz Spigenfandidat der Deutschnationalen in Berlin ist. Herr Laverrenz entspricht auf intellektuellem Gebiete den Anforderungen des Herrn von Kröcher in weitgehendem Maße. Obwohl er der Sohn eines fönigita preußischen Kammermusikers ist, cerficht er echts von Tuten und Blasen. Von Beruf ist er Baumeister und fann als solcher empfohlen werden, denn ihm fällt nichts ein. Das Schlimme für Herrn Laverreng ist, daß er selbst von seiner Beschränktheit durchbrungen ist, in der er wirklich Meister ist. Es ist bitter, von den anderen als dumm erkannt zu werden, aber bitterer, wenn der objektive Tatbestand den Erfannten dazu nötigt, den anderen recht zu geben. Herr Laverrenz mendet bei Mittel an, um das Urteil, das die Welt über ihn gefällt hat, zu erschüttern. Zunächst einmal: Er sucht seinem Gesicht, deffen Ausdrudslosigkeit so groß ist, daß dagegen ein Kartoffelpuffer mit marfanten Zügen ausgestattet erscheint, durch Zähnefletschen, Hervorbrüden der Badenfnochen und Augenrollen einen finsteren, drohenden, bebeutenden Charakter zu geben. Indessen ist dieses Mittel erfolglos geblieben. Jedermann fühlt sich beim Anblid des deutchnationalen Randidalen an eine jener Bulldoggen erinnert, die fürchterlich wild aussehen und dabei so harmios find wie ihre Herren, die Corpfiers und die Bur schenschafter an den deutschen Hochschulen. So war denn die einzige Wirkung des Spiels der Mienen des Herrn Laverrenz, daß er im Reichstag den Beinamen, der Couleurhund" erhalten hat. Die zweite Methode, die Herr Laverrenz anwendet, um den Bohlenbelag feiner Stirn zu verbecken, besteht darin, daß er im Reichstag ein Schweigen beobachtet, das ihm den Anspruch auf die Würde des Priors in einem Trappistentloster verleihen tönnte. Aber er ist darum doch nicht zu dem Ruf eines Philosophen gelangt. denn er redet außerhalb des hohen Haufes. Dort glaubt er sich den Berschleiß dessen, was er Gebanten nennt, aus der Erwägung heraus lelften zu können, daß seine Gesinnungsgenoffen aus naheliegenden Gründen auf dem Gebiete der Einschätzung geistiger Leistungen zurückhaltend sind. Aber er hat nicht bedacht, daß andere Leute durch die Zeitungen non seinen Reden Kenntnis erhalten. Im Juni 1923 sprach Herr Laverrenz vor den Magdeburger Deutschnationalen. Er erfreute fie durch die Mitteilung, daß England Frankreich einzufreisen beginne, und forderte von der deutschen Regierung, daß sie mit England gegen Frankreich ein Bündnis schließe. Im nächsten Augenblick bezeichnete er die Antwort, die Lord Curzon auf das deutsche Angebot, zur Befreiung der Ruhr die bekannten Berpflichtungen zu übernehmen, erteilt hatte, als eine ungeheure Ohrfeige und todelte es, daß die Regierung Cuno- Rosenberg auf die englische Note erwibert hatte. Weiter forderte er von der deutschen Regierung, daß fie die franzöfifchen Gewalttaten im Ruhrgebiet mit Repreffalien beantworte! Und endlich rief er mit Stentorstimme in den Soal, daß eine charaktervolle beutsche Regierung, wie er fie sich vorstelle, zum Schuße Schlageters den General Rollet hätte verhaften müffen! Die deutschnationalen Zuhörer des Herrn Laverrenz dachten nicht daran, ihn zu fragen, ob er geneigt gewesen sein würde, den Haftbefehl persönlich zu vollstrecken; fie spendeten ihm vielmehr frenetischen Beifall. In den anderen Bartel lagern aber erwog man, ob es sich nicht empfehle, Herrn Laverrenz eine Narrenkappe zu verehren. Man nahm schließlich mit der Be. gründung davon Abstand, daß es Dimensionen der Dummheit gebe, die jedes äußere Abzeichen entbehrlich machten, und daß im bejon deren Herr Laverrenz ohne Gefahr einer Verkennung mit jeber beliebigen Kopfbedeckung durch die Welt ziehen könne. NOVEMBER Hel, wie fie damals purzelten, die Kegel! Wie rollten alle Jeune über'n Sand! Inflationsopfer und Rechtsparteien. Die Wahlparole des Sparerbundes. Der Borstand und der Beirat des Hypothetengläubiger. und Sparerschutzverbandes haben gemeinfam folgenden Beschluß gefaßt: 1. Die Gründung einer eigenen Bartei liegt zurzeit weber im Intereffe des Vaterlandes noch in dem unseres Berbandes. Die Durchführung der Organisation unseres Berbandes wird frogbem mit allem Nachdrud weiter betrieben werben. 2. Borstand und Beirat empfehlen ben Landesverbänden die Unterstügung folgender Parteien: Deutschnatio nale Boltspartei, Bentrumspartei, National. fozialistische Freiheitsportei, da diese drei Parteien fachlich befriedi ende Antworten auf unsere Fragen gegeben und uns bündig versprochen haben, führende Männer unseres Verbandes an ficherer Stelle auf die Reichswahll ften bzw. auf verschiedene Streis. wahll ften zu stellen. Derartig bindende Zusicherungen find bisher von anderen Parteien nicht gegeben worden. Damit enthüllt sich dieser Berband als Anhängsel ber nationalistischen Rechtsparteien. Er soll die Stimmen der Inflationsopfer unter falschen Vorspiegelungen den Deutschnationalen und Böltischen zuführen Dom Zentrum ist nur pro forma die Rede. zu wollen, bie jebe Maßnahme zur Bekämpfung der Inflation anDie Inflationsopfer als Stimmbieh für die Partei kommandieren gegriffen und fabotiert hat, ist der Gipfel des Wählerbetrugs. Wie stehen die Deutschnationalen zur Aufmertung? 1449 Heut' steh'n sie wieder aufrecht, frisch und fregel, Flint eine neue Kugel drum zur Hand! O. K 1. menn er nachweist, daß er ohne sein Berschulden bie Einspruchsfrist persäumt hat; 2. menn er megen Rubens des Stimmrechts nicht eingetragen oder gestrichen war, der Grund, aber nach Ablauf der Einspruchsfrift weggefallen ist; 3. wenn er Auslandsdeutscher war und seinen Wohnort nach Ablauf der Einspruchsfrist in das Inland verlegt hat. Gemeindebehörde des Wohnorts, in den Fällen der Buständig zur Ausstellung des Etimmicheins( Wahlscheins) ist die Nr. 1 2 die Gemeindebehörde des bisherigen Wohnorts. hat der Antragsteller auf Erfordern glaubhaft zu machen. Ueber Den Grund zur Ausstellung eines Stimmscheins( Wahlscheins) feine Berechtigung zur Antragstellung oder zur Empfangnahme des Stimmscheins( Wahlscheins) muß er sich gehörig ausweisen, Anträge auf Ausstellung von Stimmscheinen( Wahlscheinen) werden im Gesamtgebiet der Stadt Berlin nur bis zum 5. Deember 1924 entgegengenommen. Stimmliffen. Die Stimmliften liegen nach Berfügung des Herrn Minifters des Innern in der Zeit von Sonnabend, den 15. November, bis ein Schließlich Sonnabend, den 22. November d. 3. öffentlich zur Einficht aus. De Auslegungszeiten sind von uns einheitlich für das Gesamtgebiet der Stadt Berlin festgesetzt auf wochentags von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends, für Sonntag, den 16. November, und für Mittwoch, den 19. November dieses Jahres( Bußtag) von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags. nationale Abgeordnete Frohwein, Textilindustrieller, daß die Indies bis zum Ablauf der Auslegungsfrist bei der Gemeinbe Im Aufwertungsausschuß des Reichstags erklärte der deutschWer die Stimmlifte für unrichtig oder unvollständig hält, fann buftrie entschieben gegen die Aufwertung fei. In diefelbe Kerbe hieb behörde ober einem von ihr ernannten Beauftragten[ chrift. der Deutschnationale Ravené für den Großhandel. Graf Roid. li anzeigen oder zur Niederschrift geben. Soweit reuth, ber beutschnationale Borsigende des Landbundes, erklärte: die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht offenfundig ist, hat er für und die Steuern für die Landwirtschaft abgeschafft werden. Aufwertung nur dann, wenn die Landwirtschaft Schutzölle erhält fle Beweismaterial beizubringen. Auch in der Aufwertungsfrage ist b'e Deutschnationale Bartei bie Bartel halb und halb. Die Wählerstimmen sucht fie mit umehrlichen Versprechungen zu fangen im Barlament vertritt sie die Interessen ber 3nflationsgewinnler gegen die Inflationsopfer. Ber für gerechte Aufmertung, für die Entschädigung der wirt. lichen Opfer der Inflation eintritt, der wählt sozialbemotra. tisch! Wie wird gewählt? Die Wahlordnung für Berlin. Der Berliner Magiftrat veröffentlicht folgende Bekanntmachung über d'e Wahl am 7. Dezember: Die Abstimmungszeit dauert von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends. Stimmrecht. Rraft befit Herr Laverreng, unbestreitbar. Wenn man seine Hände betrachtet, so tommt einem der anerkennende Gebante, daß cr mit Kommißbroten würde Sechsundsechzig spielen tönnen. Aber in der Art, wie er über seine phyfischen Machtmittel verfügt, zeigt er, daß er selbst nicht ohne die staatsmännische Tugend der Borsicht ist. Er erinnert an den Schlossergesellen Buttfe, von dem eine alte Studentengeschichte erzählt:„ Der Schlossergeselle Buttte war be. fanntlich to start, daß er mit dem vorgestreckten rechten Arm einen in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnschnellzug zum Stehen bringen fonnte. Dieses tat er aber nicht." Herr Laverrenz ist, wenn es ihn gelüftet, den politischen Kampfplay in eine Sporthalle zu verwandeln, so vorsichtig, andere für sich tätig werden zu lassen, oder er sucht sich, wenn er höchstselber raufen will, Gegner aus, von denen er richts zu befürchten hat. Die Rotte von Landfriedensbrechern, die einst das Podium der Philharmonie stürmte, um Erzberger am Reben zu verhindern, stand zwar unter feiner Führung, aber er hatte als friegserfahrener Mann nach berühmten Mustern sein Hauptquartier weit hinter der Front aufgeschlagen und erschien erst, als der Feind in die Flucht geschlagen war, um die Siegesrede zu halten. Und als Herr Laverrenz in öffentlicher Reichstagssigung das Bedürfnis empfand, nach dem Dichterwort zu handeln,„ Ber Kraft im Arm hat, geh fie zu beweisen", griff er nicht etwa Belsohnort( gleich Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt) in oder Beine an, deren Handschuhnummer ihm die verdienten kräftigen Ohrfeigen und feinem Zahnarzt lohnende Beschäftigung garantiert hätte, sondern er legte Wert darauf, sich auf der Linie des geringen Widerstandes zu bewegen und stürzte sich, er, der Schwergewichts athlet, auf den jüng inghaft schmächtigen Genossen Eggerstedt. Der Würde seines Verhaltens entsprach seine Verteidigung, die thin gegen den Ausschluß von der Sigung schüßen sollte. Als er die nichtsnugige Tat gegen Eggerstedt verübte, standen sein Opfer und er allein vor dem Tisch des Hauses, in einem Raum, in dem zwanzig Menschen bequem plag haben. Herr Saverreng stammelte aber wider befferes Wiffen, daß ihm jebe Angriffsabficht ferngelegen, und daß er nur habe Plaz schaffen wollen. Und dabei hätte er es so bequem gehabt, fich wirksam zu entschulbigen. Herr Laperrenz hat fich nämlich lange in Afrika aufgehalten. Selbst der ftrengste Abge. odnete würde gefagt haben: Nun ja, wenn jemand lange unter den Kaffern gelebt hat!" Ein Mensch ohne Berstand und ohne Wissen, ein gegenüber ber Gefahr porsichtiger Mann, an dem allerdings die Stirn eisern ist, ein Mauthelb, den der Ruf der Narrheit nicht schreckt, mußte Spizenfandidat der Deutschnationalen Bolfspartei in der Hauptstadt des Reiches werden. Kandidat und Partei sind einander würdig. An ihren Früchtchen sollt ihr sie erkennen! Stimmberechtigt ist, wer am Abstimmungstage Reichsangehöriger und zwanzig Jahre alt ist. Das Wahlrecht zum Breußischen Lanbtaa tann jedoch nur ausüben, wer feinen Preußen hat. Breußischen Landtage je eine Stimme. Abstimmen tann nur, wer Jeder Wähler hat für die Wahlen zum Reichstage und zum in eine Stimmliste eingetragen ist oder einen Stimm schein( Wahlschein) hat. Wählbar zum Deutschen Reichstag ist jeder Wahlberechtigte, ber am Wahltag fünfundzwanzig Jahre alt und feil minbestens einem Jahre Reichsangehör ger ist; wählbar zum Breusi den Landtag ift jeber Wahlberechtigte, der am Wahltag fünfundzwanzig Jahre alt ist. Stimmscheine. Einen Stimmschein( aur Reichstagswahl) bzw. ahl fchein( aur Landtagswahl) erhält auf Antrag: I. ein Stimmberechtigter, ber in e'ne Stimmlifte eingetragen ist, 1. menn er sich am Abft'mmungstage während ber Abstim mungszeit aus zwingenden Gründen außerhalb feines Stimmbezirts aufhält; 2. wenn er nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Stimmbezirt verlegt; 3. wenn er infolge e'nes törperlichen Leidens oder Gebrechens in feiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch den Stimm fchein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günftiger gelegenen Abstimmungsraum aufzusuchen; II. ein Stimmberechtigter, ber nicht in etne Stimmlifte eingetragen oder barin gestrichen ist, Nach Ablauf der Auslegungsfrist tönnen Stimmberechtigte nur aufgenommen oder darin gestrichen werden. in Erledigung rechtzeitig angebrachter Einsprüche in die Stimmliste Weibliche St'mmberechtigte tönnen zu Abstimmungsvorstehern, Abstimmungsvorsteher- Stellvertretern, Schriftführern und Beisitzern ernannt und berufen werden. Die uns im Gesamtgebiet der Stadt Berlin für die Wahlen zu stehenden Obliegenheiten hinsichtlich der Abgrenzung der Stimmbezirke, der Entscheidung über Einsprüche gegen die Stimml ſten oder gegen die Versagung eines Stimmscheins( Wahlscheins), der Ernennung der Abstimmungsvorsteher und ihrer Stellvertreter und der Bestimmung der Abstimmungsräume haben mir den Bezirtsämtern für ihre Berwaltungsgebiete übertragen. Die Bezirksämter werden die Auslegungsstellen und näheren Bestimmungen über die Erhebung von Einsprüchen gegen die Simmlisten, ferner die Abgrenzung der Stimmbez.rte, die Abstimmungsräume sowie die Abstimmungszeit noch be fonders durch Säulenanschlag bekanntgeben, auch soweit möglich gegen Erstattung der Auslagen Abschriften der Stimm listen erteilen oder die Anfertigung von Abschriften zulaffen. Berlin, 5. November 1924. Magistrat. Böß. Abgefägt! dsT Bismard Dämmerung. Im Wahlkreis Weser- Ems haben die deutschnationalen Neinfager den„ Gurgelgriff" gegen die Jasager mit Erfolg angewandt. Sie hatten es gleich mit zwei Jasagern zu tun: dem jungen Bismard und dem Handlungsgehilfen Har B. Herr Hart war von vornherein erledigt, aber mit dem jungen Bismard wurde erst noch einige Komödie aufgeführt. Zunächst verzichtete. er auf die Wiederaufstellung, böser Ahnungen voll. Dann erzählte man ihm, er merde wieder aufgestellt, und sofort willigte er ein, als Spitzenfandidat zu kandidieren, um nun endgültig abgefägt zu me An bienrat Osterloh und Rentner Kayser. Jafager ade! der Spitze der deutschnationalen Liste in Weser- Ems stehen Su Thüringen und die Reichstagswahlen. Weimar, 7. November.( Eigener Drahtbericht.) Die tommu. nistische Frattion batte einen Antrag auf Auflösung bes Thüringischen Landtages gestellt. Demgegenüber vertritt die sozialdemokratische Frattion die Auffassung, baß die Dinge in Thüringen noch nicht so weit gebiehen find, um eine Auflösung an rechtfertigen. Sie wünscht, daß mindestens bas Ergebnis der Reichstagswahlen in Thüringen abgewartet wird, ehe eine Entscheidung erfolgt. Um Frauenrechte. Das neue Rotkäppchen. 9. November 7. Dezember. Bon Anna Geyer. Menn am 7. Dezember die Frauen an die Wahlurnen eilen, dann find faft fünf Jahre vergangen feit jenen stürmischen Januarsagen, in denen zum erstenmal in einem deutschen Wahlkampf auch um die Stimmen der Frauen geworben wurde. Damals wurbe bie Nationalversammlung gewählt. Sie schuf die Berfaffung mit dem Artikel 109: Männer und Frauen haben grundsätzlich diefelben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten." Das ungeschriebene Recht der Novemberrevolution von 1918 hatte das Frauenwahlrecht aber schon vordem zur selbstverständlichen Tatsache gemacht. Wenige Jahre sind erft vergangen seit diesem bedeutungsvollen Einschnitt in die soziale Stellung der Frau. Es scheint, als hätten biele wenigen Jahre bereits die Erinnerung ausgelöscht an die früheren Zeiten politischer Rechtlosigkeit der Frauen. Bis zum Jahre 1908 war es den Frauen in Deutschland untersagt, Mitglieb einer politischen Partei zu werden. Das preußische Vereinsrecht schuf für die damalige Klaffifizierung der Frauen einen befonders prägnanten Ausdruck, indem es turzerhand bestimmte, daß Frauenspersonen, Schüler und Lehrlinge" feinem politischen Berein angehören dürften. Das Inkrafttreten des ReichsDereinsgefeßes öffnete im Jahre 1908 den Frauen die Tore zu den politischen Parteien. Noch immer waren die Frauen feine gleich berechtigten Staatsbürgerinnen, aber sie fonnten nun wenigstens burch Zugehörigkeit zu einer Partei ihrem politischen Willen Ausbrud verleihen. Freilich war so ihr Einfluß nur sehr gering. Die einzige Partei, in der, die Frauen wirklich von vornherein mit vorbehaltloser Gleichberechtigung aufgenommen wurden, war bie Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratische Partei hatte felt ihrem Bestehen für die politische Gleichberechtigung der Frau gefämpft. Dieser Kampf schien aussichtslos, solange die Macht der rechtsstehenden Parteien unerschüttert dastand. Die rechtsstehenden Parteien sind heute und waren damals das politische Instrument ber wirtschaftlich herrschenden Klaffe. Der Wille zur Ausnutzung, Erhaltung und Festigung ihrer Herrschaft war und ist ihrer Politit Selbstzwed. Diefer Macytwille ließ es nicht zu, daß sie den Frauen auch Rechte einräumten. Sie allein wollten als Klasse herrschen unb fie fühlten überdies, daß die Einstellung der Frau zur Politit folchen Herrscherinstinkten widerstrebte. Wenn wir heute, nach, turzer praktischer Arbeit der Frau in der politischen Bewegung überhaupt, eine Besonderheit gegenüber der Politik der Männer fonstatieren fönnen, so ist es die Tatsache, daß Frauen ihrem ganzen Wesen nach mehr dazu neigen, vor allem bas Leben, den Menschen, um den es doch legten Endes geht, zu fühlen. Ein fühles, fast rechnerisches Abwägen in Dingen, wo es um Menschenschicksale und Menschenglück geht, ist den Frauen fängst nicht in dem gleichen Maße möglich wie den meisten Männern. Die mütterlich- sozialen Instinkte der Frauen scheiden sich hier von ben Herrschaftsinstinkten der Männer, mie fie in unverhüllter Brutalität sich im Kampf der rechtsstehenden Parteien um ihre Alleinherrschaft auswirken. 800 O.ROESTER Als das Republik- Rotkäppchen fechs Jahre alt geworden war, ging es wieder einmal durch den Wald, und wieder begegnete ihm ein Wolf, diesmal fogar ein richtiger Werwolf. Was hast du denn da in deinem Körbchen?" fragte der böse Wolf. .Eine Flasche Mampe Halb und Halb", erwiderte Rottäppchen. Das durfte nicht fommen", sagte der Wolf mif etwas fäuerlicher Miene, aber vielleicht tönnen wir ein Slüdchen Weges zusammen gehen?" Ja Kuchen!" entgegnete Rottäppchen, wenn du dich jeht nicht gleich aus dem Staube machst, tommt mein großer Bruder und verhaut dich!" Es ist ganz selbstverständlich, daß eine Partei wie die Sozial demokratie, die nicht die Herrschaft einer Klasse über eine andere erstrebt, sondern die an die Stelle der Klassenherrschaft die so ziale Gerechtigkeit sehen will, in den gleiden Neigungen der meisten Frauen nur eine willkommene Förderung ihrer eigenen Pläne erbliden tann. So flar die Sozialdemokratie von vornherein diefe innere Zugehörigkeit der Frauen zum Befreiungskampf der wirtschaftlich und sozial Unterdrückten erkannte, so wenig flar war und ist die gleiche Erkenntnis auf seiten der Frauen. Fünf Jahre politische Rechte sind noch keine lange Schulungszeit. Aber das ist auch wirklich der einzige Grund, der es begreiflich erscheinen läßt, woll C deß Frauen in größerer Zahl die rechtsstehenden Parteien unter stüßten, daß dem Reichstag zum Beispiel eine Frau angehörte, die ein langes Leben voll eifriger Arbeit der Verbesserung des Lofes der Heimarbeiterinnen gewidmet hat und die sich und ihr Werk felbst ohrfeigte, indem fie fich der Deutschnationalen Partei anschloß. Solche Zeichen geringer politischer Einsicht vieler Frauen beruhen auf ihrem Mangel an Erfahrung. Es schien vor wenigen Monaten, als sollte den Frauen diefe Erfahrung beigebracht werden nach dem drastischen Rezept:„ Durch Schaden wird man flug." Mit der Zurüddrängung des Einflusses der Sozialdemokratie ging die Berringerung des Einflusses hand in hand. Der Nationalversammlung gehörten an 9 Proz. Frauen, dem Reichstag von 1920: 8 Proz. und dem Reichstag vom Mai 1924 nur 6 Proz. Im Mai fonnte es zum erstenmal wieder eine Bartei wagen, offen gegen die Gleichberechtigung der Frauen aufzutreten. Die Völkischen ließen prinzipiell feine Frau zum Reichstag fandidieren. Trotzdem fanden sie Wähler und sogar Wählerinnen genug, um in beträchtlicher Stärfe in den Reichstag einzuziehen. Wichtige Gefeße, die besonders im Interesse der Frauen lagen, wurden verfchleppt. Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtstrantheiten und das Schantstättengefeß hat die Regierung nicht wieder eingebracht. Das Jugendwohlfahrtsgesetz wurde durch eine Notverordnung verstümmelt. Den Reichstagsbeschluß zur Gleichstellung männlicher und weiblicher Erwerbsloser führte das Reichsarbeitsminifterium einfach nicht durch. Die Frauenforderungen zur Reform des ehelichen Güterrechts und zur Bessezung der Rechtsstellung des unehelichen Rindes verhallen im Wind. Bei dem Beamtenabbau wurden die weiblichen Beamten befonders hart und ungerecht behandelt. Im Juli legte die Regierung einen Entwurf zur Aenderung des Wahlgefeßes vor. in dem zwar nicht von einer Beschränkung der Frauenrechte die Rede ist, der aber in der Praxis darauf hinausläuft. All das zusammengenommen, find deutliche Zeichen dafür, daß es ab märts geht mit den Rechten der Frau! Im Augenblic steht es zwar infofern günstiger, als wir einen Wahlsieg der Sozialdemokratie erwarten fönnen. Bächst die Macht der Sozialdemokratie, dann bedeutet das eine neue Festigung der Frauenrechte. Frauen, die nicht mehr in den allerkleinsten Nummern politischer Kinderschuhe durch das Leben tänzeln, werden am 7. Dezember wissen, wie sie zu wählen haben, wenn sie nicht wieder als Frauensperfonen mit Lehrlingen und Schülern auf eine geistige Stufe geftellt werden wollen. 27 Die politischen Rechte der Frauen find bedroht. Was der Mensch befizt oder erreicht hat, pflegt er meistens nicht mehr allzu hoch zu schäßen. Droht seinem Besitztum Gefahr, dann erkennt er häufig erst seinen Wert und fämpft für seine Erhaltung. Es wäre wohl an der Stunde, daß die Frauen sich sehr lebhaft des Wertes erinnerten, den für sie die politische Gleichberechtigung hat. Dann werden fie am 7. Dezember nach der flaren, einfachen Formel zu handeln wissen: Vexhaust Die Sozialdemokratie für die Frauen! Die Frauen für die Sozialdemokratie! 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Aber schon die Liquidation des Ruhrkampfes brachte Schwierigkeiten. Was vorher niemand für möglich gehalten hätte, trat ein: der deutsche Bergbau fonnte die Kohlenlieferungen an Frankreich nicht entbehren, weil er im Inland und am freien Auslandsmarkt für seine Rohle nicht genügend Absatz sand. Ueber die Ausführung Ueber die Ausführung der Sachlieferungen selbst entspann sich ein Streit, der unerquickliche Folgen zu zeitigen drohte. Nun ist es wenigstens in diefem Punkte zu einer Einigung gefommen. Wie uns ein eigener Drahtbericht aus Paris meldet, haben die Verhandlungen über die Fortsetzung der deutschen Kohlenlieferungen, die Ende Oktober in Essen an der Transportfrage gescheitert und neuerdings in Paris wieder aufgenommen worden waren, nunmehr zu einer Einigung in Form eines vorläufigen Abkommens geführt. Die endgültige Regelung der fünftigen Lieferungen bleibt, wie dies im Londoner Protokoll vorgesehen ist, Berhandlungen der Reparationstommiffion bzw. des Romitees für Naturallieferungen mit den zuständigen deutschen Stellen vorbehalten. Bis dahin sollen jedoch die deutschen Rohlenliefe. rungen, die seit dem 28. Oftober, dem Tage des Ablaufs der zwischen der Micum und der Ruhrindustrie geschlossenen Verträge, faft völlig aufgehört hatten, auf der bisherigen Grundlage und in der bisherigen Menge wieder aufgenommen werden. Die Frage des Transports, die in Effen zu einem Bruch der Berhand. lungen geführt hatte, ist auf dem Wege des Bergleichs geregelt worden. Die Berfrachtung der Reparationstohle bleibt den deut schen Firmen überlassen. Diese sind jedoch verpflichtet, der Reparationstommiffion eine genaue Aufstellung der Versandkosten sowie alle von dieser gewünschten Ausfünfte zu geben. Die Verhandlungen, die zu dieser Vereinbarung geführt haben, sind, wie von fran zöfifcher Seite ausdrücklich anerkannt wird, im Geifte gegenseitigen Entgegenkommens und des Berständigungswillens geführt worden. Interessant ist der Kommentar, den das offizielle Organ der franzelschen Schwertneustrie,„ Journée Industrielle", zu dieser Eini gung macht: Der neugeschaffene Zustand," schreibt ste, ist als ein leber. angsregime anzusehen, das vielleicht zur Kommerzialisie. sung der deutsch französischen Beziehungen in der Ruhr führen fann." * Die Kommerzialisierung der deutsch- franzöfifchen Beziehungen an der Ruhr", das ist die Formel, unter denen man jetzt die Berhandlungen zwischen den deutschen und den französischen Industriellen zusammenfassen fann. Sie laufen darauf hinaus, in der Form eines Synditates die kapitalistische Kontrolle und Rege lung des Kohlen und Eisenabsages des deutschen, franzöfifchen und belgischen Industriereviers mindestens nach dem internationalen Martt hin in die Wege zu leiten. Die Verhandlungen darüber wurden von einigen Industriellen abgeleugnet. Der loth ringische Schwerindustrielle de Wendel bestritt fogar, daß überhaupt irgendwelche Besprechungen stattgefunden hätten, obwohl schon vorher das bereits zitierte Organ der französischen Schwerindustrie zugegeben hatte, daß solche Rücksprachen erfolgt sind, nur so fügte feien diese privater" Natur gewesen. Nun gibt es, es hinzu seitdem der Stahlwerksverband und der Eisenwirtschaftsbund zu funktionieren aufgehört haben, feine Stelle, die etwa in amtliche m Auftrage mit ausländischen Gruppen für die deutsche Schwerindustrie verhandeln könnte. Die Bestrebungen zu einer Neuorganisation der deutschen Großeisenindustrie sind eben in der mit der kürzlich erfolgten Gründung eines Rohstahlverbandes erst gerabe über das 2nfangsstadium hinausgelangt. Infolgedessen konnten schon aus diesen technischen Gründen amtliche Besprechungen über die Gründung eines internationalen Synditats nicht stattfinden ganz ab. gesehen davon, daß allen verbindlichen Geschäftsbesprechungen prinate informatorische Unterhaltungen vorauszugehen pflegen. Daß diefe jedoch ftattgefunden haben, ist unbeftreitbar. Worauf die Arbeiter. schaft aber dringen muß, das ist, daß sich der Zusammenschluß der deutschen und der franzöfifchen Schwerindustrie nicht auf dem Rüden der Verbraucher und der Arbeiterschaft vollzieht. Nach der famosen Haltung der deutschen Schwerindustrie, unmittelbar nach Abbruch des Ruhrkampfes, läßt sich von den deutschen Magnaten allerhand erwarten. Damals hatte man dieselben Arbeiter, deren Opferfreude und Patriotismus man vorher nicht genug rühmen fonnte, in der rücksichtslosesten Weise zu Mehrarbeit und unterentlohnung gezwungen. Eins aber ist bezeichnend an diesen ganzen Verhandlungen. Die Unterhändler der deutschen Schwerindustrie sißen im deutschnalen und im voltsparteilichen, Bager. Dieselben Kreise, die in verleumderischer Weise die Sozialdemokratie und alle übrigen Demokratischen Elemente Deutschlands fortgeseßt der Abhängigkeit Dom internationalen Kapital bezichtigen, setzen sich mit den SchneiderCreuzot, de Wendel und Konsorten an einen Tisch, um über die Formen zu beraten, mit denen man die Hochhaltung der Eisenpreise durch internationale Abmachungen garantieren will. Diese Leute sind national bis zum Profit. Und weil sie ohne den Profit nicht leben fönnen, sind sie halt auch mal zur Abwechslung international natürlich nur außerhalb des Wahlkampfes und außerhalb des Parlamenis. Was bei den Syndi fatverhandlungen herauskommen wird, läßt sich noch nicht übersehen. Offenbar will man erst das Ergebnis der Handelsvertragsverhandlungen, die zwischen der deutschen und der französischen Regierung stattfinden, abwarten, ehe man weiter gehi. * Mit großen Besorgnissen hatte die englische Presse alle diese Bestrebungen, die auf eine deutsch- französische Berständigung hinausliefen, beobachtet. Jetzt beginnt man allmählich einzusehen, daß diese Zusammenarbeit eine Notwendigkeit ist. Man fann nicht verhindern, daß riesige Rohstoffgebiete, die dicht nebeneinander liegen, aber durch politische Grenzen zufällig getrennt find, nach Formen gemeinsamer Arbeit und Arbeitsteilung suchen. Auch für die Arbeiterschaft, die von einem Zusammenschluß der deutschen und der französischen Schwerindustrie mancherlei zu befürchten hat und der Kräftezusammenballung nur mit starfen internationalen Organisationen begegnen fann, muß bei der Beurteilung dieser Wirtschaftstendenzen die Tatsache maß gebend bleiben, daß wirtschaftsgeographische Vorbedingungen der Produktion fich nicht einfach mit gesetzlichen Maßnahmen aus der Welt schaffen lassen. Die englische Presse beurteilt jetzt die deutsch- franzöfifchen Verständigungsbestrebungen viel ruhiger. So schreibt„ Westminster Gazeite", die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Franzosen im Rheinland und Ruhrgebiet wären nicht als die geringsten der Borteile zu veranschlagen. die Europa pon dem guten Werte ernte, das auf der Londoner Konferenz vollbracht wurde. würden ein weit besseres Pfand für die Bezahlung sei als Diefe Beziehungen alle Pfänder, die Poincaré beschlagnahmte, Was man in England am meisten befürchtete, das war die Gefahr, daß die Zusammenarbeit der deutschen und der franzöfifchen Schwerindustrie eine ungeheure Ronkurrenz gegen die englische Schwerindustrie entstehen lassen könnte. Auch darüber werden jetzt ruhigere Urteile laut: Der diplomatische Berichterstatter des Daily Tele. graph" schreibt, es fei sicher, daß unter Banfiers und Industriellen die Ansicht darüber sehr geteilt sei, ob die wirtschaftliche Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose Roggenmehl 0/1..... Hafergrütze, lose Weizengrieß Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseerbsen. Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, eri Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffelmehl Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Mehlnudein Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java Ringapfel, amerik. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu.. Korinthen, choice.... Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zentner frei Haus Berlin. 100,00-120,00 Sonntag, 9. November 1924 Erholung Deutschlands und der vorgeschlagene franzöfisch- deutsche Kohlen- und Stahlkonzern eine ernste Bedrohung für den englischen Ausfuhrhandel bedeute. Insbesondere unter Banfiers bestehe Neigung, diese Bedrohung leicht zu nehmen aus dem einfachen Grunde, daß 1. Deutschland an Kapitalmangel leidet, 2. daß die Stabilisierung der deutschen Währung die Produktionskosten wesentlich erhöhen merde, und 3. daß die deutschen Gewerkschaften, deren Fonds sich außerordentlich vermindert haben, sich erholen werden, wenn die Mark wiederhergestellt ist, und auf der Forde rung des Acht stundentages bestehen werden. Der dritte Punkt verdient die Aufmerksamkeit der deutschen Arbeiterschaft ganz besonders. Die deutsche Schwerindustrie ist es, die alle Mittel anwandte, um über den Lohndruck und die Verlängerung der Arbeitszeit eine Unterbietung des Weltmarktes durch foziale Schlechterstellung der Arbeiterschaft zu erzielen. Unsere österreichischen Genossen fahen fich genötigt, gegen derartige Versuche einen Riegel vorzuschieben, indem sie in den 3olltarif besondere 3ollerhöhungen gegen Staaten einsezien, die das Washingtoner Abkommen nich' ratifizierten. Auch in England sind gerade in fonservativen Kreisen, die jetzt an der Regierung sind, Schußzzollbestrebungen im Gange. 3war haben diese keine Aussicht auf Erfolg Aber man will fich anderer Mittel bedienen, um das gleiche Ziel zu erreichen, und man hat große Möglichkeiten darin, daß England als Kreditgeber in der Weltwirtschaft eine große Rolle spielt und seine Kredite davon ab hängig machen will, ob die frebitsuchenden Staaten ihm handelspolitische Vorteile zugestehen oder nicht. Deutschland hat das stärkste Interesse daran, daß ihm der 3ugang zum Weltmarkt nicht durch neue Sperrzölle oder gleichartig wirkende Maßnahmen fremder Staaten verwehrt wird. Derartige Maßnahmen drohen aber, wenn es der Schwerindustrie gelingt, das soziale Dumping durchzuführen. Die Arbeiterschaft erfüllt also eine volts- und weltwirtschaftliche Pflicht, wenn sie an dem Acht stundentag festhält und ihn gegen die Profitintereffen turzsichtiger Unternehmerverbände verteidigt. Festwertanleihen im Oktober. Das finanzielle Hauptereignis für Deutschland im Monat Oftober war die Ausgabe der internationalen 800- Millionen- Mart- Anleihe. Sie wurde fast gleichzeitig in Amerika und Europa aufgelegt und in allen Ländern um ein Bielfaches überzeichnet. Die Anlethebebingungen felbft find nicht günftig für Deutschland. Die Banken haben die Anleihe zu einem Kurse übernommen, der in Amerika 87 Broz., in Europa 87% Broz. beträgt. An die Käufer wurde die Anleihe zu 92 Broz. weitergegeben. Da der Binsfuß felbft 7 Broz. beträgt, so bedeutet das für dos Reich eine reale 3inslast von von 8 Proz., während der Privatmann, der einen Kurs von 92 angelegt hat, daraus eine Realverzinsung von 7,6 Proz. erhält, Voi Standpunkte des internationalen Geldmarktes aus gefehen, find biese Zinsfäße hoch, wenn man bedenkt, daß der offizielle Bantoisfont in England 4 Proz., in Amerita gar nur 3 Proz. beträgt. Die hohe Berzinsung, zu der fich Deutschland verstehen mußte, ist eden eine Folge des verlorenen Krieges, der feinerseits wieder eine Folge der früheren jahrzehntelang falsch betriebenen tapita. listischen Wirtschaftspolitif in Deutschland war. Wenn auch, an internationalen Maßstäben gemessen, die Ber zinsung der Anleihe hoch erscheint, so stellt sich diese Frage doch anders bar, wenn man sie unter dem Gesichtspunkte des innerdeutschen Kapitalmart tes betrachtet. Dann nämlich erfcheint eine Realzinslaft von 8 Broz niedrig. Die in Deutschland umlaufenden festverzinslichen und wertbeständigen Anleihen haben augenblicklich einen Kurs, der dem Käufer eine über 8 Proz. liegende Realverzinsung gewährt. Man kann das deutlich an deg nachfolgenden Kursen der om der Berliner Börse notierten fünfprozentigen Goldhypotheken- Pfandbriefe erkennen. Die Kurse laufe auf Goldmart für 1 Gramm Feingold, 1 Gramm Feingoíb 39,00 40,00 2,79 Goldmart nach der Defination der Reichsmart. 40,00-45,00 27,00-- 31,00 90,00- 95,00 40,00 18,50-24,50| Kakao, fettarm 75,00-96,00 17,75-18,75 Kakao, leicht entölt 20,00-21,50 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 20,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 16,25 18,00 Inlandszucker basis mel. 30,45-33,00 19,25-22,25 Inlandszucker Raffinade 33.00 35.00 24,50 26,75| Zucker Würfel. 16.25-18.25 Kunsthonig. 18,75 25,50 Zuckersirup hell in Eim. 18,00-24,00 Speisesirup dunk. in Eim. 16,00-18,00 Marmelade Einfr. Erdb. 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 28,00-32,00 Pflaumenmus in Elmern 18,50 29,50 Steinsalz, in Säcken 31,00-37,50 37,50-52,25 Siedesalz in Säcken 17,25-21,25 43,00-45,00 Bratenschmalz in Tierces 47,00-52,00 Bratenschmalz in Kübeln 25,00-30,00 Purelard in Tierces 16,50-18,00 Purelard In Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,25-32,00 Speisetalg in Kübeln 37,00-45,00 43,00-53,00 3,10- 3,60 3,70 4,20 4.40- 5,00 5,20-5,80 88,00-93,00 89,00-95,00 86,00-88,00 87,00-89,00 65,00-66, 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. I 66,00 85,00-90,00 desgl. II. 69,00-71,00 60,00 63,00 40,00 43,25 Margarine, Spezialm. I.. 80,00-84,00 60,00-66,00 desgl. II. 60,00-65,00 Molkereibutter la i. Fäss. 208,00-210,00 60,00- 70,00 Molkereibutter i. Pack. 218,00-220,00 75,00-92,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 175,00-192,00 70,00-75,00| Molkereibutter, i. Pack. 180,00-195,00 195,00-210,00 Auslandbutter in Fässern 216,00-220,0 200,00-210,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 40,00-42,00 110.00-120,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-120,00 Kümmel, holländischer. 55,00-65,00 Quadratkäse. 50,00-65,00 Schwarzer Pfeffer Singap. 125,00-130,00 Tilsiter Käse, vollfett.. 125,00-140,00 Weißer Pfeffer. 175,00-185,00 Bayr. Emmenthaler.. 160,00-170,00 Rohkaffee Brasil 203,00-223,00 Echter Emmenthaler 170,00-185,00 Rohkaffee Zentralamerika240,00-305,00 Ausl. ungezuck. Condens260,00-300,00 milch 48/16 21,00-23,50 Röstkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam... 330,00-400,00 Inländische desgl. 48/12 16,50-19,25 Röstgetreide, lose 20.00- 22,00 Inl. gez. Condensm. 48/14 25,00 25,00 Zimt( Cassia) Berliner Hypothefenbant Frankfurter Pfandbriefbank Leipziger Hypothekenbant Meininger Hypothekenbant Norddeutsche Grundkreditbank. Breußische Bodenkreditbank. Schlesische Bodenkreditbant. Westdeutsche Bodenkreditbank . 1.10. 10.10. 21.10. 31.10. 1,65 1,72 1,68 1,58 1,70 1,59 1,57 1,53 1,60 1,55 1,55 1,58 1,58 1,55 1,58 1,65 1,55 1,56 1,51 1,52 1,51 1,52 1,51 1,56 1,57 1,56 1,54 1,68 1,55 1.53 1,53 Durchschnittlicher Wert der 8 Kurse: 1,62 1,58 1,56 1,53 Die Kurse zeigen die sehr beachtenswerte Erscheinung, daß sie mährend des ganzen Monats Oktober fich in absteigenber Linie bewegen, nachdem sie monatelang vorher die entgegengefette Richtung beibehalten hatten. Es ist das ein besonders die Rommunen und Kommunalverbände start interessierender Borgang. Die fünfprozentigen Goldhypotheken- Pfandbriefe weisen während der letzten 9 Monate folgende Kursentwicklung auf: Ende Februar 1,56 März 1,41 " April 1,04 Mai 1,09 Juni 1,11 Ende Juli 1,25 Auguft 1,57 September 1,67 Dftober 1,53 Eine Notiz von 1,53, wie fie Ende Oftober vorlag, bedeutet für den Käufer der Pfandbriefe eine Realverzinsung von 9,1 Proz, Brokat von Die große Mode! 1850 an حده Damenstrümpfe prims Seide in vielen modern. Farben, Fehr haltbare Qualität, extra billig 4.50 Damen- Lackspangenschuhe prima Lackleder, in eleganter spitzer, moderner Form, mit elegantem Absatz, prima Qualität, besonders billig.... 1250 Damen- Lackschnürschuhe Lackleder, in nenester spitzer Form, mit elegantem Absatz, feinste Rahmenarbeit, erstklassig. 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Unter biefen Umständen bleibt ben Gemeinden nur übrig, an dem Ausbau des fommunalen Spartaffen. wefens eifrig weiter zu arbeiten. Sie erweisen badurch ebenso fehr sich selber wie ihrer Einwohnerschaft einen voltswirtschaftlich nüglichen Dienst. Dr. M. Zusammenschluß von Baumwollkonzernen. Die Firma Chriftian Dierig G. m. b. H., Oberlangenbielau, und der Hammersen- Konzern find im Begriff, eine Arbeitsgemein ichaft zu bilden. Bei diesem Zusammenschluß wird es sich um eine der bedeutendsten Bertitalfonzentrationen in der Geschichte der deut schen Baumwollindustrie handeln, da vom Spinnen bis zum Fertig: fabrikat die ganze Produktion in eine hand tommt. Die Bedeutung des Zusammenschlusses ergibt sich daraus, daß die beiden Firmen über mehr als 400 000 Spindeln und etwa 10 000 Webstühle perfügen. In die neue Fusion wird die Firma Dierig 6. m. b. H. ein großes Wert in Oberlangenbielau, bas Frankenberger Wert und die in Grünau i. b. M. bestehenden Ausrüstungsanstalten einbeziehen. Hinzu kommen noch verschiedene Finanz und andere Ge fellschaften. Der Firma hammerien bagegen find ange gliedert: die Firma F. H. Hammersen A.-G. in Osnabrück mit 57 000 Spindeln und einer Buntweberei mit 972 Stühlen, die Schmölber Epinnerei 2- G., die Weberei C. Roesch u. Comp., Mülheim- Ruhr ufa. In Rheine befigt die Gesellschaft eine Baummollspinnerei mit 60 600 Spindeln sowie eine Weberei mit 800 Stühler für gröbere und 750 Stühlen für feinere Rohgewebe In Bocholt befindet sich ihre Spinnerei„ Rote Erde" mit 37 500 Spindeln, in Uerdingen die ilerdinger Baumwollspinnereien; in Rheydt gehört der Firma eine Spinnerei mit 43 800 Spindeln mit Rebenbetrieben, in Gröba bei Ri ja eine Spinnerei mit insgesamt 53 000 Spindeln. Auch die Attienmajorität der Spinnerei und Weberei aftern befindet sich in Händen der 3. H. Hammersen A.-G. Dieses Wert verfügt über 57 212 Spindeln und 1890 Stühle. Ferner tommen als zu Hammersen gehörig noch in Betracht: Augsburger Buntweberei vorm. 2. A. Riedinger; Haunstetter Spinnerei und Weberei in Haunstatten; Mener u. Kaufmann, Tertilwerfe A.-G. in Tannhausen in Schlesien: Mechanische Baumwollspinneret urid Weberei, Bamberg; Mechanische Baumwollspinner: i und Weberei, Kaufbeuren; Neue Augsburger Kottunfabrit A.- G.; Tillburgsche Kattunfpinnerei in Lillburg( Holland); 3. Elsbach u. Co. in Herford A.- G.; Baumwollfeinspinnerei in Augsburg 2.- G.; Gesellschaft für Spinnerei und Weberei Ettlingen A.-G. Bon diesen Gesellschaften hat Hammersen mehr als die Hälfte der Aftien in festen Basiz. # Nebenbei jei bemerft, baß Hammersen noch an dem Blumen. tein Rongern unb bem Gebr. Simon Ronzern, Berlin, start intereffiert ist. Außerdem find beide Firmen an ausländischen Unternehmungen start beteiligt. Mit dem Zusammenschluß Dierig- Hammersen fonzentriert sich ein gut Teil beutscher Baumwollindustrie in einer Gemeinschaft. Wir haben es hier mit einem Borgang zu tun, der sich zum Teil aus der anormalen Lage ber Baumwollwirtschaft erflärt und der sehr wahrheinlich Nachahmung finden wird. Fortschritte der Moor. und Dedlandkulturarbeiten. Das Breußische Staatsministerium nahm in feiner legten Sigung einen Bericht bes Landwirtschaftsminifters über eine gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten unternommene Besichtigungsreife in das nordwestdeutsche Moorfultur und Sieblungs. gebiet entgegen. Es wurde betont, daß die Entwicklung der staatlichen Moore und Deblandkulturen, in denen bauernd in bedeutendem Umfange wertvolles Grün, und der land neu für unsere Volkswirtschaft und Siedlung erschloffen werde, über alle Er wartungen gut felen. Das Staatsministerium nahm davon Kenntnis, daß das Landwirtschaftsministerium mit dem Finanzminifterium gemeinsam über die schleunige Aufbringung von weiteren Mitteln beraten werbe, um bis zum nächsten Früh jahr weitere neue Moorkultivierungsbetriebe zur abermaligen Ausbehnung der erfolgreichen staatlichen Arbeit auf diesem Gebiete anzufezen. Gründung einer Preisfonvention in der Röhreninduftrie. Die Bestrebungen zur Shndizierung der deutschen Ehwerindustrie, die mit der Gründung des Robstahlverbandes ihren Anfang genommen haben, schreiten fort. Zunächst ist jegt eine Breistonvention ber führenden Firmen bes stöbrenmarktes gegründet worden, die fich vorläufig auf Stablmuffrohre bezieht und nur bis zum 1. Dezember Geltung baben soll. Gewerkschaftsbewegung ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Gelte Hauptblatt.) Um die Einheitsfront. Zum Briefwechsel zwischen Amsterdam und Moskau. Der Allruffische Gemertschaftsrat in Mostau hat dem Inter nationalen Gewerkschaftsbund in Amsterdam, mit Schreiben vom 26. Juli, den Vorschlag gemacht, um zu einer Einigung zwischen Amfterdam und Mosfau zu gelangen, einen Kongres atau halten. Der Borstand des Internationalen Gewerffchaftsbundes beantwortete biefes Schreiben fofort nach seiner Borstandssigung am 11. September. Et fchrieb u. a.: " Der Wunsch, die organisatorische Einheit der Gemertschaftsbewegung, für deren Epaltung wir nicht verantwortlich find, wieder berzustellen, hat uns stets beseft und wir haben ihn auch wiederholt zum Ausdrud gebrant. Auch stimmen wir mit Ihnen darin über. ein, daß der immer schärfere Kampf zwischen Arbeit und Kapital nur erfolgreich fein tann, wenn die Kräfte der wirtschaftlichen Dr. ganisationen des Proletariats zusammengefaßt werden und die Ein Es ist indeffen nicht zu verkennen, daß zwischen der Iaftit, Gewerkschaftstätigkeit anerkannt wird, ein grunbjäblicher die von Ihnen und derjenigen, die von uns als grundlegend für Sie Gegensaz besteht, der über die Frage eines mehr oder minder rodifalen Auftretens weit hinaus geht. Diese verschiedenartigen Auf faffungen in Uebereinstimmung zu bringen, dürfte nicht ganz leicht fein, aber wir wollen es mit all unseren Kräften versuchen. von Ihnen vorgeschlagene mündliche Verhandlung ge Jedenfalls dürfte es nötig fein, bevor an die 5acht werben tann, schriftliche Unterlagen zu haben, die ertennen laffen, welche übereinstimmende Linie unb welche gemeinfame Tattit möglich ist. Wir möchten Sie baher bitten, uns bestimmte schriftliche Borschläge zu machen, damit wir beurteilen fönnen, ob eine gemein ia me Grundlage gefunden werben fann." Am 30. Oftober erhielt der 368. aus Mostau die Antwort auf fein Schreiben. Der Zentrale Allrussische Gewertschaftsrat" betrachtet als das zwedmäßigste Mittel zur Schaffung der Einheit und zur Ermöglichung ber Gründung einer einzigen Gemertschafts. Internationale" die Enberufung eines gemeinsamen allgemeinen Kongresses, eines Weltarbeiterfongreffes. Dem Verlangen nach schriftlichen Berhandlungs. porschlägen weicht der Zentralrat aus. Größte Zusammen faffung aller Gewerffchaften, die das Brinip des Klaffenkampfes a erkennen, fei fein Bestreben, das feiner Begründung bedürfe. Der Vorstand des 3G B. fann sich erst in seiner nächsten Sigung im Dezember mit dieser Antwort beschäftigen. Inzwischen seien uns einige Bemerkungen gestattet. In dem Brief aus Moskau wird also wiederum der alte Bor schlag gemacht, einen Rongreß einzuberufen, selbstverständ lich einen Weltfongres Dieser Kongreß hätte darüber zu ent feiben, in welcher Weise die fünftige Tätigkeit der titernatio nale Gewerkschaftszentrale vor fich gehen soll. Hierzu wäre zu nächst rein organisatorisch zu bemerken, daß für die 3u sammenfegung eines solchen Kongresses bestimmte Grundfäße vereinbart werden müßten, da man nicht irgendeiner Organisation das Recht zugestehen fann, so piele Delegierte zu entfenden, wie es ihr paßt. Die Zahl der Delegierten müßte in einem ganz bestimmten Berhältnis zur Zahl der nachweisbar vorhandenen zah lenden Mitglieder stehen, wobei Gelegenheit einer Nachprüfung ge toten fein müßte. Beiter taucht die Frage auf, wie der Bille der Minorität in denjenigen Organisationen zur Geltung fommen foll, in benen verigiebene Strömungen herrschen. In Deutschland z B. gehören den Gewerkschaften eine Anzahl Kommunisten an, außerdem haben die Kommunisten ihren Partei. mitgliedern befohlen, bis Mitte Januar den Gewerkschaften beizu treten. Auch in Rußlanb gibt es in den Gewerkschaften zweifel. los große Kreise, die mehr auf der Seite von Amsterdam als ouf der von Mostau stehen. Wie sollen diese imstonde sein, ihrer freien Meinung Ausdrud zu geben? Auch die Finanzfrage ist nicht rebenfächlich. Der JGB. ist bei seinem Beitrag von 12 Gulben pro 1000 Mitgliedern gerade imstande, fein aus 25 Personen bestehendes Bureau aufrech zuerhal ten. Das Bureau der RG3. besteht aus über 100 Ber. jonen. Es ist fraglich, ab nicht die Kommunisten der Ansicht sind, boß bei einer Zusammenlegung beider Bureaus das Personal noch entsprechend vermehrt werden müßte. Bo bie Kommunisten bie Mittel herbetommen, um einen derart großen Apparat aufrechzuerhalten, mollen wir nicht untersuchen. Aber das müßte untersucht werden, wie der Betrieb der zu schaffenden Gewerkschafts zentrale in Sufunft im Gange gehalten werden fann, durch eigene Einnahmen, aus den Beiträgen der Gewerkschaftsmitglieder. Auffallend ist daß in bem Brief aus Mostau nicht auf den Wunsch des JGB. eingegangen wird, schriftliche Unterlagen zu liefern zu der Frage, wie die auseinandergehenben Grundsäge und die ausa einandergehende Lattik der Roten Gewerkschaftsinternationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes in lebereinstimmung gea bracht werden tonn. " Das Einzige, was angeführt wird, ist, daß die Gegensätze betannt sind, daß es sich darum handelt, den Klaffenkampf gegen das Rapital bis aufs Messer zu führen und doß jedes Zusammenarbeiten mit den kapitalistischen Slaffen ausgeschlossen fein muß. Wenn gefagt wird, daß jedenfalls auch der Wiener Rongreß diese Gegenfäße berücksichtigt hat, so trifft dieses vollständig zu. Denn der Kongreß hat ganz scharf den Auftrag erteilt, nur auf Grundlage der Sagungen bes 3GB. mit der ruffischen Gewerkschaftszentrale, nicht etwa mit der Roten Gewertschaftsinternationale zu verhandeln. Was die Forderung anbetrifft, alle Berbindungen mit den fapitalistischen Alaffen zu lösen, so ist damit wohl ohne weiteres verbunden, daß man fich gegen Tarifverträge ausspricht, so daß diefe in Zufirift nicht mehr abge fchloffen werden bürfen. Ferner ist darin enthalten, daß jede Zufammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitsamt in Genf abgelehnt werden muß. Die dem JGB. angeschlossenen Organisationen werden faum bereit sein, auf den Abschluß von Tarifverträgen und auch auf Zusammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitsamt zu verzichten. Es wären aber noch andere Fragen zu flären: 1. Soll die neue Gewerkschaftsinternationale völlig unabhängig Anweisungen irgendeiner politischen Partei ausüben müſſen. Es iſt von politischen Parteien sein, oder foll ste ihre Tätigkeit nach den bekannt und wird von den Russen nicht bestritten, daß die Tätigkeit der RGI. von den Auffassungen und Beschlüssen der politischen fommunistischen Internationale abhängig ist. Falls die Kommunisten oud) fernerhin an diesem Stanbpunti festhalten, würde eine Doll. nationale unter ständige Unterordnung ber Gewerffchaftsinter unter bie tommunistische politische Internationale eintreten. Berbefferung der Lage der Arbeiterschaft in der jetzigen Wirtschafts. 2. Soll die Tätigkeit der Gewerkschaften in erster Linie auf eine cdnung gerichtet sein oder auf die herbeiführung der Welt. revolution? Müssen die Gewerkschaften im letzteren Falle Attionen unternehmen, die von vornherein zum Mißlingen ver. urteilt sind und die den Arbeitern Schaden zufügen? Es ist bekannt, boß auf Grund der Anweisungen von Moskau die Gewerkschaften in verschiedenen Ländern Aktionen unternommen haben, denen sie innerlich nicht zustimmen tonnten, die sie aber auf Grund der Sagungen der RGI. ausführen mußten. Hiermit hängt folgende Frage zusammen: 3. Sellen die Gewertschaften der einzelnen Länder über zu unternehmende Aftionen selbst beschließen, oder follen Sie verpflichtet sein, die Anordnung der Internationalen Bentraistelle ohne weiteres auszuführen? Nach der Auffassung der RGI. wird von der Zentralstelle in Mos. tau bestimmt, was gemacht werden foll, während der IGB. die Autonomie der einzelnen Landeszentralen gewährleistet. Der Unterschied ist sehr groß und vorläufig ist nicht einzusehen, wie hier eine Uebereinstimmung herbeigeführt. werden fann. Eine wirkliche gemertfdjaftliche Tängfeit, um eine Verbesserung der Lage der Arbeiter in der jegigen Wirtschaftsform herbeizuführen, ist nach Moskauer Rezept nicht möglich. Diese Bestrebungen müssen nach fommunistischer Auffassung dem großen Ziel der Weltrevolution untergeordnet werden. Es ist nicht zu erwarten, daß die dem 3GB. angeschlossenen Gemertsgaftszentralen bes reit sein werden, ihre alte Tattit über Bord zu werfen und die russische Auffassung anzuerkennen. Es wäre wünschenswert, daß fich Moskau zu diefen Fragen ganz bestimmt äußern würde. Achtung, SPD.- Bekleidungsarbeiter! Das Propagandamaterial ift morgen, Montag, in ber Reit von 5-7 Uhr abends abzuholen. Für die folge jeben Freitag von 4-7 Uhr abends. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Daimler, Marienfelbe! Alle GBD.- Genoffen treffen fich Dienstag 5 Uhr bei Bildgrube. Der Fraktionsvorstand. Stoffe für Herren und Damen Bekleidung Beste Fabrikate, Grote Auswahl Paletot- u Ulster- Stoffe Flausch, Velours, glatt u. in engl. Art gemust. 15.-, 20.-, 25.- 10.Breite 140/50 cm.... Gabardine, Rips, Ondelé für Kleider und Kostüme, Breite 130/40 cm. 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Seute, Sonntag, 7% Uhr, Schulaula Grünthaler Straße 4/5, Revolutionsgedenkfeier. Feftrede, Rezitationen, KammerÖffentliche Kundgebung Arbeitersport. Heute, Sonntag, vormittags 10 Uhr, in Köpenid, Aula der Körnerschule, Lindenstr. 11. Thema: Der 9. November und die Reichstagswahlen! Redner: Dr. Julius Moses. Öffentl. Wählerversammlungen mufit, Meinedfcher Männerchor. Die Abteilungen bringen gegen 4 Uhr die Republik und Berbilligung der Lebensmittel! die Fahne, 4. Kreis Prenzlauer Berg. Die 24., 25. und 26. st. önnen die Sandgettel und Blatatstreifen für die Frauenverfammlung am 17. November aus ber Spedition Immanueltirchstraße abholen. 6. Areis Kreuzberg. Areisbildungsausimuk! Montag, ben 10. November, 7 Uhr, Sigung in der Bibliothet, Binbenitt. 8, 2. Sof 2 Tr. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 11. November, 8 Uhr, Sigung bes Wahlausschusses bei Rroik, Solfteinische Git. 6. 11. Areis Schöneberg- Friebenau. Rrelsbildungsausschus! Pünktlich 7 Uhr Gigung bei Bill, Martin- Luther- Str. 69. 14. Areis Renkölln. Die Genossen beteiligen sich an der Revolutionsfeier ber Jugend in der Aula der Realschule, Boddinitrake. Montag, ben 10. November, 7 Uhr. im Parteibureau Gigung des engeren Streisvor ftanbes mit den Abteilungsleitern. Genoffen, die gewillt find, an der Lanbagitation teilaunchmen, werben aufgefordert, fich am Dienstag, den 11. November, abends 7% Uhr, im Lofal von Schittler, Neukölln, Donau, Ede Weichfelstraße, einzufinden. 17. Arcis Bichtenberg. Montag, ben 10. November, 7 Uhr, Funktionärtonferen im Arbeitsamt, Schreiberhauer Straße. 20. Kreis Reinidenbort. Die Genossen und Genoffinnen aller Abteilungen befuchen die am Dienstaa, 7 Uhr. Lotal Schneiber, Rofenthal, Sauptite. 8, stattfindende öffentliche Wählerverfammlung. Heute, Sonntag, den 9. November: 81. Abt. Weiebenau. Bon 5 Uhr ab geselliges Beisammenfein bei Rlabe, Sanbjernstr. 60/61. 74. Abt. Rehlendorf. Seute, nachmittags 5 Uhr, im feinen Gaal des, Linden. part" Rehlenborf- Mitte, Berliner Chauffee, Revolutionsfeier. Ansprache. Danach wird Schauspieler Beer Shot zeitgemäße Gedichte rezitieren. Im Anschluß Beisammensein. Gäste herzlich willkommen. 137. Abt. Reinickendorf- West. 8 Uhr Flugblattverbreitung. Die Bezirks. filhrer holen die Flugblätter von 4 Uhr ab im Boltshaus Scharnweber. traße 114 ab. Alle Genoffen müffen helfen. Am Sonntagabend gemüt liches Besammensein im Bollshaus. 8. Abt. Morgen, Montag, den 10. November: Die Riebelolonnen treffen fich abends 10 Uhr bei Ridert. Diens. tag, den 11. November, abends 6 Uhr, Sanbaettelverbreitung von Ridert, Steinmekſtr. 86a, ab. 14. Wb. 8 Uhr Rufammenkunft aller funktionäre bei Gillwald, Butbufer Straße 24.. 19. Abt. 7 Uhr Funktionärligung bei Schrepel. Grünthaler Straße. 28. t. 71. Uhr bei Barthel, Wörther Str. 19, Funktionärsihung. Betriebsvertrauensleute müssen auch erscheinen. Die 29. Abt. 7 Uhr bei Bura. Prenzlauer Allee 189, Funktionärsigung mit fämtlichen Betriebsvertrauensleuten. 22. Abt. 7 Uhr Schule Lange Str. 31, Rimmer 55, Funktionär und Funktionärinnenkonferenz. Die Betriebsvertrauensleute miffen erscheinen. 33. Abt. 7% Uhr Funktionärinnentonferenz bei Fröhbrodt, Simplonftr. 35. 36, Abt. 7 Uhr bei Bufch, Tikiter Str. 27, Huntlionärtonferenz. Da die Beschlife der lekten Mitgliederversammlung ausgearbeitet werden sollen, Erscheinen Pflicht. Die alten Wählerlisten find mitzubringen. 39. Abt. 7 Uhr Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3. Funktionärßigung. 41. Abt. 7 Uht bei Schult. Mariendorfer Str. 5, Funktionärsigung. 48. t. 7 Uhr bei Reller, Fürstenftr. 1. Funktionätlonferens Charlottenburg, 51. bt. 8 Uhr Funktionärtonferenz bei Lehmann, Rönigs meg 8. Mittwoch Vortrag bes Genoffen Rubeil. Durch Flugblatt einladen. 53. bt. 7% Uhr Funktionärtonferens bet Richter, Buttenftr. 24. Mittwoch Rahlabenb in ben bekannten Lokalen. 56. Abt. 7% Uhr Funktionärverfammlung bei Lierfch, Kantstr. 62. Flugblätter( Wähle rin) abholen Montag 6 Uhr bei Liersch. Alle Genoffinnen und Beairts. führer werden gebeten, fich au beteiligen. 81. bt. Friebenau. 8 Uhr Funktionärtonferenz bei Alabe, Sanbjernftr. 60/61. 86. Abt. Marienborf. 7% Uhr Funktionärsihung mit der Wahlagitationstommission bei Niendorf, Chauffeeftr. 19. 101. Abt. Treptow. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Dettinger, Riefholaftr. 33/34. 137. Abt. Steinickendorf.West. 7% Uhr Funktionärfigung im Boltshaus. Wich tige Tagesordnung. De Funktionäre müssen erscheinen. Frauenveranstaltungen am Montag, den 10. November: 89. Abt. Mentolin. 7 Uhr bei Stahl. Sanberstr. 11. Bortrag des Genoffen Rielmann: Die Frauen und die Reichstagswahlen." Uebermorgen, Dienstag, den 11. november: 6. Abt. 7% Uhr Funktionärkonferenz bei Dobrohlaw, Swinemünber Str. 11. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Bflicht. 16. Abt. 7 Uhr bei Döhling. Brunnenstr. 79, Gigung der Funktionäre und Wahlhelfer. 24. bt. 7% Uhr bei Winzer, Christburger Str. 9, Funktionärsgung. Bichtige Tagesordnung. 31. Abt. 7 Uhr Schulaula Schönfließer Str. 7, Mitgliederversammlung. Thema: Die Aufgaben der Sozialdemokratie im kommenden Wahlkampf. Referent: Genoffe Criſpien. 35. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferena bet Beter, Schreinerftr. 36. Met Make Montag, den 10. November, abends 71/2 Uhr: Adlershof: Lokal Wöllstein, Bismarckstr. 75. Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schutzölle Redner: Landtagsabgeordneter Hirsch. Dienstag, den 11. November, abends 71/2 Uhr: Friedrichsfelde: Tempels Festsäle, Brinzenallee 30. Rosenthal: Lotal Schneider, Hauptstr. 3. Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schutzölle die Republik und Verbilligung der Lebensmittel! Redner: Artur Crispien, Adolf Hoffmann. für für Öffentliche Frauenkundgebung am Dienstag, den 11. November, abends 7, Uhr, in Weißenfee, Tagesordnung: Gegen Realgymnasium, Woelckpromenade. 3ölle auf Lebensmittel! Gegen lange Arbeitszeit und Lohndruck! Für Arbeit, Brot und Frieden! Referentin: Frau Ella Seger. 69. Abt. Wilmersdorf. 7 Uhr bei Rulla, Lauenburger Str. 21, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genoffen Litte: Worauf es diesmal ankommt!" 74. bt, Rehlendorf. 8 Uhr Barteilokal midlen, Potsdamer Str. 25, Mit gliederversammlung. Wahluorbereitungen. 94. Abt. Reukölln. 7% Uhr Funktionärsigung bei Günther, Schillerpromenabe 11. Frauenveranstaltung am Dienstag, den 11. November. 13. st. 7% Uhr Lokal Bausch. Bredomstraße, Bortrag mit gemütlichem Beifammenfein. Gäfte willkommen. 33. bt. Mittmod), ben 12. Stonember, 7 Uhr. Mitgliederversammlung in der Schulaula Sohenlohestr. 10. Bortrag des Gen. Reuter, Redakteur: ,, Wirtschaft und die Aufwertungsfrage." Besteller laden ein. 71. Abt. Wilmersdorf. Mittwoch, den 12. November, 72 Uhr, bei Jonas, Durlacher, Ede Bruchfaler Straße. Referentin: Gentoffin Luise Kähler: Die Aufgaben ber Sozialdemokratie im Wahlkampf." Die Straßenführer laben ein. Wichtige Tagesordnung. 119. Abt. Sichtenberg. Mittwoch, den 12. November, 7 Uhr, im CäcilienInaeum, Rathausstraße, Vortrag bes Genossen Dr. Lohmann: Was geht uns die Bolitik an?" 124a- Abt. Mahlsdorf- Süb. Mittwoch, den 12. November, 7% Uhr, bei Diek, Uhlandstraße, Mitgliederversammlung. Thema: ,, Der englische und beutsche Parlamentarismus." Ref.: Genoffe Arthur Nichtev- Lichtenberg. Jungsozialistische Bereinigung Groß- Berlin! Alle Gruppen, welche jung fozialistische Blätter vom Arbeitsausschuß bezogen haben, müssen die. felben bis spätestens am 13. November beim Genoffen Baul Sandelmann, Berlin D. 112, Beichfelftr. 9, bezahlen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 34. Abt. Unfer langjähriges Mitglied Genosse Robert Lebhardt, Memeler Str. 76, ift verstorben. Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr in Wilhelmsberg statt. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 9. November: Moabit II: Rrliger, Butlikstrake, Bunter Abend.- Steinidendorf- Weft: Auguste- Vittoria- Allee, Revolutionsfeier. Schöneberg I: Nubens, Ede Abrech.s Sauptstraße, Revolutionsfeier. Steglik I: Revolutionsfrier im hof" Albrechtstr. 1, vorm. 10 Uhr. Cübweften: Lindenstr.& Revolutions. feier. Wannsee: Charlottenftraße( Schule) Revolutionsfeier. Montag, den 10. November, abends um 18 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 3, Mädchenkonferenz. Mutter und Kind." Morgen, Montag, 7½ Uhr: Petersburger Biertel. Eberinftr. 12, Vortrag: Proletarische Bewegung." Freier Regler- Bund E. V. Ein Herausforderungstampf bes Bundesmeisterflubs Gefelligkeit- Mariendorf gegen GRR. Luftige Brüder- Weft fommt am Sonntaa um 3 Uhr im neuen Regierheim Lindenhof. Bessemerftr. 36. zum Austrag. Berliner Sportvereinigung. Gin Mannschaftstampf im Ringen findet am Dienstag, den 11. Rovember, abends 8 Uhr, um die Kreismeisterschaft des AABD. zwischen Sportklub Zurich 02" und der Berliner Eportvereinigung ,, Nord- West" in der Turnhalle Swingliftr. 37 ftatt, Sport. Beginn des Reit- und Fahrturniers. Bei verhältnismäßig sehr gutem Besuch fond gestern nachmittag im Sportpalast die Eröffnung des Reit- und Fahrturniers statt. Die Hauptattraktion des Nachmittagsprogramms war das außer Konturrenz stattfindende Gechsspännerfahren. Man fah, daß auch heute im Zeitalter des Automobils die Fahrkunft noch lebt, leichzeitig famen einem Gedanken ouf an die Zeit, da die Postfutsche Toch fuhr. Als ein Gespann in vollem Galopp eine Runde zurücklegte und auch die Bahn in der gleichen Gangart verließ, wollte der Beifall faum ein Ende nehmen. Ein hübsches Schauspiel war ferner der Einzug der ländlichen Reitervereine. Er brachte es mit sich, daß gleichzeitig mehrere Hunderte von Pferden in der Bahn des Sportpalastes waren. 2. Renne it. Rennen zu Strausberg am Sonnabend, den 8. November. 1. Rennen. 1. Marc Anton( Stuhnte), 2. Oceana( Walter Heuer), 3. Mis me quid( Willi Heuer). Toto: 65: 10. Play: 30, 20, 31: 10. Ferner liesen: Raubritter, Don II, Herzliefel, Simona, Turfball, Brise. 1. Cambutta( se Edler), 2. Karneval( Kränzlein), 3. Chane( Heitner). Toto: 43: 10. Blab: 15, 15, 29: 10 Ferner liefen: Delmora, Settee, Wildfaze, Rößling, Savitry, Bubi. 3. Renne it. 1. Roberta( Basch), 2 Friedchen( Jentsch), 3. Hohe Sonne( Bachmeier), Toto: 65: 10. Blat: 26, 22: 10. Ferner liesen: Rodenftein, Laurin, Mottlau. 4. Rennen. 1. Artenta( Willi Heuer), 2. Zauberflöte( Schimma), 3. Siri( St. Edler). Toto: 28: 10. Blaz: 18, 82, 14: 10. Ferner liefen: Mimameidr, Czaba, Twostep, Diogenes, Lachsalve, Bastonetta, Fabel. 5. Stennen. 1. Rofenteufel( Breege), 2. Transuse( M. Schmidt), 3. Annabell( Ludwig). Toto: 28:10. Platz: 18, 18, 15: 10. Ferner liefen: Rort blume, Höllenfee, Seestern, Fuchsie. 6. Rennen. 1. Gandolfo( Hartmannshen), 2. Walküre( Thiele), 3. Atalanta( Derschug). Toto: 106: 10. Play: 23, 54, 26: 10. Ferner liefen: Rehnsgraf, Retrossa, Sommerflor, Stingrivals, Herbststurm. 7. Rennen. 1. Stolberg( Staudinger), 2. Sternberg( Ludwig), 3. Gnadenfrift( Jenssch). Toto: 28: 10. Plag: 13, 15, 13: 10, Ferner liefen: Mellarosa, Primavera, Sonnenschein, Fipa II, Zwirn, Alex. Geschäftliche Mitteilungen. Das willkommenfte Geschenk für den Weihnachtstisch find Gegenstände aum Ausschmücken des Heims. Die Firma Teppich Bursch, Berlin C. 2, Spandaner Straße 32, bietet hierzu eine ganz besondere Gelegenheit. Sie hat mit dem großen Weihnachtsverkauf begonnen und es empfiehlt sich, das heutige Insetat mit Sorgfalt au Iefen. In unserer heutigen Nummer finden Sie ein Jnferat der Firma Curt Bentheufer u. Co. fiber ihren gefehlich geschütten Artitel Leucolit- Hustentropfen unb Sustentee. 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Lange noch nach dem Sturze eines Königs pflegt man seine Krone aufzubewahren, seinen Thron zahlenden Sonntagsbesuchern nicht ohne einen leisen Schauer zu zeigen. Denn in den Dingen wohnt mehr Kraft, als in den Menschen. Die Majestäten sind ja in Wirklichkeit meist dümmer, ahnungsloser, seelenloser als die Dinge: Krone, Szepter, Reichsapfel. In den meisten Fällen sind es die„ Infignien", die den König machen. Das hängt mit der Unvollkommenheit der menschlichen Seele 111 zufammen. Wie oft ist es doch vorgekommen, daß ein ganzes Regiment sich im Kriege opfert nicht für den Obersten, sondern für die hne. Und, wie die leere Schale der Puppen bleibt, nachdem die metterlinge ausgebrochen sind, so bleiben die Symbole noch eine Sonntag, 9. November 1924 haben? Ist es nicht vielleicht ein Beweis dafür, daß sie ihren Inhalt Ceniation, gibt ihr Gelegenheit, ihr reiches Können zu entfalten. Wir er noch gar nicht verloren haben? leben sie als Opfer einer unglüdlichen Ebe, im Schmerz eines Rusammenbruches, der sich aus dem Selbstmord eines unwürdigen Mannes und dem Verlust ihres Vermögens ergibt. Sie eines jungen Mannes, der alles iii fie einsett, aber fie flieben muß, weil it his nerettet burch den Wagemnt ihr hartberziger Onkel ihn bedroht mit der Enthüllung eines iebstahls, Handlung ist zum Schluß hin mit Spannungen geladen, die bis ans kit den er ihr zu Liebe begeben wollte. Aber fie bält ihm die Trene. Die imige streifen. Die beiden finden fich wieder in einem mertwürdigen Um schwung: der Onfel foll Ministerpräsident werden und der Beliebte, eben noch ein junger Anfänger Finanzminister. Der Diplomat, der ihr einen Am Berlobungsabend tommt der Beliebte nicht, er steht vor dem Selbst. reichen adeligen Lebemann zum Gatten bestimmt hat, droht mit Standal. mord. Sie sucht ihn, findet den enthüllenden Brief ihres Onfels und den milübersandten Revolver, und in fer Erregung trifft sie den Geliebten. Bolizei. Vertuschung des Sachverhalts. Sestiger Zusammenprall mit dem Der Onkel weicht vor der siegreichen Macht der schwergeprüften und erprob Dntel. Der Geliebte tommt mit dem Leben davon, nimmt die Tat auf sich. ten Liebe. Henny Borten adelt diese Filmgeschehnisse durch ihr vornehmes Spiel. das sie über die schöne Repräsentation zur gestaltenden Berinner lichung führt. Ergreifend in ihrem Schmerz, mitreißend in ihrer Fröhlichkeit ganz liebende Braut, ist sie immer eine vollendete Filmkünstlerin. Fiebe rich Kayßler gibt der an sich unsympathischen Rolle des Onfels Würde und Charatter. Der Liebhaber tit Eduard Leithoff. Sein feingeschnit tenes Geficht fein gehaltenes Spiel eignen ihn vortrefflich für die Gestalt, nur tit er vielleicht zu jugendlich für den zweiten Teil. Der Regiffeur Babit bat aus den Darstellern alles herausgeholt, was fie zu geben haben, und im übrigen dem Kino gegeben, was ihm gebührt. Bundervolle südliche Land faits silber( or deben in gaggiore it qu Ballonfahrt der Liebenden gibt Gelegenheit zu allerlei luftigen Intermezzi. Weile. Alfred: Aber leider eine sehr lange, eine gefährlich lange Meile! Eduard: In Deutschland vielleicht länger, als in anderen Ländern. Wir haben leider einen großen Respekt vor schlechten klirrend zersprangen Ketten und Schein. Denkmälern. Es gibt fein anderes Band, in dem eine revolutiontes auf sterbenden Cippen: Unser Bolt ist frei! Frei wurden auch wir, wir gefnechteten Frau'n! Wir dürfen froh auf zur Sonne schaun, dürfen fegnend die Hände heben, dürfen lieben das heilige Leben. Rein ist die Seele, flammendurchloht. Irrtum und Fehle, Schmerz und Nof läkt der Liebe heiligen Schein heller nur leuchten, welthinein! Tag der Erlösung aus schmachvoller Qual, blutiger Vergangenheit Wundenmal, Wegleuchte der Zukunft auf dunklem Pfad, wir grüßen Dich wieder, Du Tag der Tat! Clara Bohm- Schuch. rende Masse so bedächtig den Rafen schont und so leichtsinnig ihre eigenen Vorteile verliert. In Deutschland sind die öffentlichen AnIgen dem Schuße der Revolution geradezu empfohlen. Man denke fich eine aufgeregte Menge, die durch die Siegesallee zum Reichstag zieht. Durch diese Allee, die, wie nichts anderes in Deutschland, aus lauter Berhöhnungen des Volkes und des guten Geschmacks besteht. In einer schauderhaften Reihe stehen hier die dümmsten Fürsten vor den besten Gelehrten des Landes. Und diese Allee läßt man unversehrt! Man läßt ben Reichstag seine progige golbene Krone. Und die Republik wacht heute noch in der dunklen Siegesallee, weil hie und da einem steinernen Ibioten der bronzene Säbel gestohlen wurde. Alfred: Beweist das nicht unsere Unfähigkeit, Revolution zu machen? Eduard: Reineswegs! Es beweist nur unsere Fähigkeit, Klangfam Revolution zu machen. Bir haben eine findische Angst Dor Polizeiverordnungen, Gartenheden, Medaillen, Abzeichen. Das ist ein Stück Sentimalität. Aber in Wirklichkeit schadet doch ein schlechtes Denkmal, ein dummer Gartenzaum der Geschichte nicht im geringsten. Im Gegenteil: vielleicht sind diese Denkmäler Mittel eines guten Anschauungsunterrichts. Wir können unsere freien Enkel hoffentlich, in die Siegesallee führen und ihnen zeigen: Seht, so unglücklich waren eure Ahnen! Von diesen Dummföpfen wurden sie regiert! Gebt acht, daß euch nicht eines Tages ähnliche Herrscher zustoßen. Bleibt frei! Gespräch am 9. November. ( Bon Alfred und Eduard) Alfred( wirft einen Blick auf den großen Wandkalender: es ist der 9. November des Jahres 1924.): Weißt Du, was heute für ein Tag ist, lieber Eduard? Eduard: Heute ist der Jahrestag eines unvollendeten Ereigniffes. Das deutsche Bolt machte an diesem Tage Revolution. Alfred: Du sagst selbst:„ umvollendetes Ereignis". Kann eine Revolution unvollendet" sein? Eduard: Sie ist es sogar immer! Die Revolution ist nicht Sache einer Stunde, eines Tages, eines Jahres. Sa, nicht einmal eines Jahrzehnts. Das Datum ist nur eine Brüde der Geschichtsforschungen. Revolutionen find Naturereignisse. Es gibt teine plög. lichen Naturereigniffe nur solche mit plöglicher Birtung. Lange, ehe der Bultan ausbricht, hat er schon auszubrechen begonnen. Die Lawine war schon lange vorhanden bevor fie den Wanderer oder das Dorf verschüttete. Und Wilhelm, der Größenwahnsinnige begann in dem Augenblick seinen Thron zu verlieren, in dem er ihn bestieg. So haben wir also immer noch Revolution. Gestern, heute, Die Revolution ist am morgen und vielleicht noch übermorgen. neunten November unvollendet geblieben. Sie tonnte garnicht vollendet werden. Sie vollendet sich selbst. Alfred: Man sieht nur leider so wenig davon! Eduard: Du hast Recht! Man sieht nicht viel, nicht genug! Das liegt an der Existenz der alten Symbole, der Wahrzeichen einer begrabenen Zeit. Denn sie sind das einzige Sichtbare im Fluß der geschichtlichen Wirklichkeiten. Sie sind die Meilensteine der historischen Entwicklung, an denen man die Länge des Weges mißt, die zurüdgelegten Teile und die noch wartende Strede. Alfred: Ist es nicht aber ein schlimmes, ein trauriges Zeichen, daß die Symbole noch leben, auch, wenn sie ihren Inhalt verloren Alfred: Ein schwacher Troft! Eduard: Aber ein Trost! Lieber eine feine Hoffnung, als ein unnötiger Grimm, der groß ist. Die Revolution ist nicht vers loren, fie ist nur unsichtbar. Sie gleicht einem Fluß, der bald in einem unsichtbaren, unterirdischen Bett verschwindet, nachdem er sich eine Zeitlang gezeigt hat. Eines Tages bricht er wieder hervor, wo man ihn am wenigsten erwartet. Wir haben Zeit! Denn mit uns ist eben die Zeit! Alfred: Das fagt die Reaktion auch! Eduard: Die Reaktion fagt: Beit" und meint: tonjunttur Es bleibt ihr nichts übrig, als Konjunktur. Die Reaktion spielt an der Börje der Weltgeschichte. Alfred:... und gewinnt! Eduard: Ja! Fiftine Werte! Foule Papiere. Che fie den Gewinn umfäßen fönnen, müssen sie schon wieder verlaufen. Wir aber spielen nicht. Wir sind die Kinder und die Künder einer Zeit ohne Börse, ohne Attien, ohne faule Papiere. Alfred: Eine schöne Zeit! Eduard: Eine schöne Zeit! Sie heißt: Revolution. Filmschau. Henny Porten in einer neuen Rolle. Henny Borten hatte unter den deutschen Filmtünstlerinnen ben erften Namen. Sie war wie feine andere bewundert und beliebt. Ja, sie war es. Aber seit längerer Zeit sab man sie in feinem neuen Film. Die Urauf führung des Marimfilms„ Gräfin Donelli"( im Primus- Bala ft) hat Frau, die durch ihre Erscheinung und ihr Wesen bezaubert. Das von Hans ihren Ruhm aufs neue befestigt. Sie ist immer noch die unvergleichliche Ayfer bearbeitete Manuskript, fern von der Literatur, aber nicht von der d Bertettung( Richard Oswald Richtsptele) beißt ein Film, mit dessen Inhalt weder Bublifum noch Regisseur etwas anzufangen wußten. Soll er dem Befizenden eine Warnung sein, Bankdirektoren Geld anzus vertrauen? Oder soll er für eine besondere Bantdirettorenehre plädieren? Ein Bankdirektor, der im verschwenderischen Lurus lebt, lann den Sturz in die Armut wohl vertragen, aber nicht den Verlust seiner Ehre, der eintritt, wenn er fich verspekuliert hat. Darum schießt er sich einfach tot. Da feine Frau aber früber einen Raubmörder zum Gatten hatte, der feinem Metier freu blieb, fann man sich so ungefähr vorstellen, was sich alles in sechs Filmatten ereignen tann. Der Regiffeur Mar Reichmann hat offenbar fehr viel gute Filme gefehen, er weiß auch, was einem guten Film au tommt, nur hat er selbst nicht die nötige Begabung für den Film. Er reibt nur hübsche Bilder aneinander, die jedoch nicht dem Geschehen not wendigerweise entwachsen. Die Aufnahmen find gut, aber niemals origined, man begnügt sich mit Schablonennieblichfeit. Das Programm enthält be fremblicherweise nicht die Namen der Darsteller, sondern nur Inhalts. angabe und Rellame. „ Ein Mädchen und drei alte Narren"( U. T. Rollendorfplat) ift einzig im Titel interessant. Wenn man dreiviertel des Films verschläft, fieht man noch überleidig genug. Die Amerikaner fabrizierten einen un geheuerlichen Inbalt und die Deutschen einen ungeheuerlichen Tertballast. sing Bictors Regie zeigt nicht eine Spur von Können. Er liebt langausgespielte Szenen, die er in Langweiligkeit erfterben läßt. Bei der Flucht eines Sträflings nimmt er einmal Tempo auf, erfreut sich felbft aber scheinbar nur an Brutalitäten. Böse Zungen behaupten, amerikanische Filme dieses Genres hätten eine schäbenswerte Eigenschaft, fie feten spottbillig. Selbst dieser Grund sollte nicht genügen, um sie in Deutschland aufzuführen. e. b. Ein Film ohne Tifel. Auf eine ebenso originelle wie pirkjame Reflameidee ist fürzlich eine amerikanische Filmgesellschaft gekommen. Sie läßt in einem New Yorker Lichtspieltheater einen Film laufen, der feinen Titel hat. Gleichzeitig fordert sie das Publitum auf, zu dieser Beschichte ohne Namen einen passenden Titel zu suchen und an die Filmgelellichaft einzureichen. Für den treffendsten und besten Titel ist ein erster Preis von 5000 Dollar ausgesetzt. Die Phoebus- Film A- G. eröffnet die Phoebus- Richtspiele im Marmorhaus am Donnerstag mit der Uraufführung des Froelich- Films Muiter und Kind"; in der Hauptrolle Henny Borten. " Wieviel Kinos gibt es in Deutschland? Das fest für das Sabr 1925 aufschlüsse über die Bahl der in Deutschland vorhandenen Lichtſpieltheater. in neuer Auflage erscheinende Reichs- Kino- Adreßbuch bringt intereffante Sie wird in dem Handbuch mit ungefähr 3580 angegeben. Diese Stinotheater verteilen fich auf die verschiedenen Bezirke Deutschlands wie folgt: auf Dstdeutschland fommen 680, auf Mittelbeutschland 970, auf Norddeutschland 410 und auf Süddeutschland 900. Des weiteren gibt es in Deutsch land ungefähr 620 Firmen, die sich mit der Produktion von Spiel. und Programmfilmen beschäftigen. Herren- und Damen- Stoffe Größte Auswahl! Bekannt billige Preise! Velour de laine, schwere Ware Gabardine, feine Qualität Seal- Plüsch, Biberette, Krimmer 105 850 650 550 1650 1250 850 Crepe de Chine, moderne Farben. 750 650 Herren- Paletotstoffe, schwarz, marengo 1150 750 130 breit 1. Geschäft: Warschauer Straße 79 Paul Karle 2 Geschäft: Frankfurter Allee 49 Istall WENESTI SCHERIF AM He... Moha Die dicke 38- Zigarette. cm) 443 olples? elbyb ARMOTORC 1554.055 Unser Kundenkreis hat sich während der Sondertage erheblich vergrößert. 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Es tit Pflicht jedes Branchenangehörigen in dieser Bersammlung zu erscheinen. Ihre Wundersalbe binnen acht Tagen geheilt worden Für dasselbe schmerz hafte Leiden haben wir die Galbe noch wiederholt mit Erfolg anderen geben tönnen. Achim b. Bremen. Frl. Silbe v. Hahn. Alleiniger Fabrikant: Achtung! Generalversammlung! Apotheker Grundmann Am 22. Dezember findet die ordent liche Generalversammlung für das britte Quartal statt. Anträge dazu müssen bis zum 23. November bei der Ortsverwaltung einge reicht sein Die Wahltörper- Bersammlungen milffen in der Zeit vom 8 bis 16. Dezember abgehalten werden Die Ortsverwaltung. Pelzwaren- Haus A. Klaẞ& Co. Rosenthaler Str. 40/41 ( am Hackeschen Markt) Seal- ElektrikSeal- BisamNutriaPersianerMäntel und Jacken Besätze in sämtlichen Fellarten Amerik. u. austral. 6possum Große Auswahlin Herren- und Damen- Pe.zen Kragen und Muffen zu billigsten Preisen Stahlmatratzen 1. Maß, Bolsteraufl., Metallb. a. Priv. Günst Beding Ra'.30Afrei Eisenmöbelf.Suhl.Thür. 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