Abendausgabe Nr. 53141.Jahrgang Ausgabe B Nr. 266 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Montag 10. November 1924 Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 0-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Sieg in Anhalt! Linksmehrheit im Landtag. Starke Zunahme der Sozialdemokraten und Demokraten.- Zusammenbruch der Kommunisten. zeigt! holfen. Die Sozialdemokratie marichtert geschlagen ist die schwarzweißrote Gemeinschaft der Ausbeuter, die auch in Anhalt den Verfuch wagbe, sich trotz ihrer Pleibe im Reich zu behaupten. Deffau, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Das Wahl| Partei zur Bedeutungslosigkeit führen. Wie das Erempel| größten Kreditversprechungen im letzten Augenblid haben nicht geergebnis, das in den späten Abendstunden bereits für ganz Anhalt vorlag, bedeutet einen glänzenden Sieg der Linten und insbesondere der Sozialdemokratie, die ihre Anhängerfchaft um faft 14 000 Simmen erhöhen tonnte. Die Demokraten haben ihre Stimmenzahl fogar mehr als verdoppelt. Dagegen hat der Bürgerblod, in dem sich alle Reaffionäre unter dem schamhaften Titel„ Boltsgemeinschaft" zusammenfanden, froh slätte. rer Wahlbeteiligung Stimmen eingebüßt. 3m einzelnen fieht das Wahlergebnis wie folgt aus: Sozialdemo. traten 78 672( am 22. Juni 64 943), Demokraten 13 970 ( 6188), Bodenreformer 3199( 3005), 3entrum 2406( 2009),& ommunisien 11 113( 16 714), Nationalsozialisten 7908( 7991), Bürgerblod 74 225( 74 522). Danach verteilen fich die 36 Landtagsfiße wie folgt: 15 So. zialdemokraten, 3 Demofraten, 1 Bodenreformer, 2 Kommuniften, 1 Bölkischer und 14 Boltsgemeinschaft. Danach hat die Linke 19 Sige, der Rechtsblod 15, die Kommunisten fiehen mit 2 Aggeordneten daneben und werden nicht mehr die Möglichkeit haben, auf ihrem Rücken die Reaffionäre zur Regierungsmacht zu tragen. Die geftrigen Landtagswahlen in Anhalt geigten dieselbe Entwidlungslinie, die schon bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und bei den Gemeindewahlen in Mecklenburg- Streliz zutage getreten war, nur noch in verstärkter Form. Die Anhänger des Bürgerblods, die ben Gedanken der Bereinigung aller rechtsgerichteten Kreise bei den anhaltischen Wahlen auch in die Praxis umsetzten, haben eine empfindliche Schlappe erlitten. Deutsch nationale, Volksparteiler, Landbündler und sogenannte Wirtfchaftsgruppen hatten sich in einer ,, bürgerlichen Volksgemeinschaft" zusammengetan, um die reaftionäre Tendenz ihrer Parteien auch nach außen deutlich erkennbar zu machen. fraten, das Zentrum und eine Sonderliste der Bodenreformer, Ihnen standen gegenüber die Sozialdemokratie, die Demowährend die Bölkischen und die Kommunisten ihre eigenen Dittaturtheorien im Wahlkampf propagierten. Das Ergebnns der Abstimmung in dem fleinen Lande bedeutet einen vollen Sieg der republitanischen Parteien. Nach den vorläufigen amtlichen Ergebnissen wurden abgegeben an Stimmen für die: Sozialdemokraten Demokraten Bodenreformer Zentrum. Kommunisten Nationalsozialisten. Rechtsblod 9. Nov. 78 672 22. Juni 64 943 4. Mai 65768 10 250 ? 13 991 6 188 3 207 3 005 2.406 11 217 16714 22 799 7.942 74 482 2009 7.989 74 514 2 83 9 631 83 821 Das Bemerkenswerteste aber ist der Zusammen bruch der Kommunisten. Diese Kindertrompeter des Putschismus, denen die Nachwirkung der Inflationsperiode zu einer Parteiinflation verhalf, stehen am Grabe ihrer Hoffnungen. Seit dem 4. Mai, also in einem halben Jahre, haben sie in Anhalt nicht weniger als die Hälfte ihrer Anhänger eingebüßt. Schon in der kurzen Frist vom 4. Mai bis 22. Juni waren ihnen mehr als 6000 Wähler davongelaufen. Fast die gleiche Zahl ist seit dem 22. Juni in der Bersentung verschwunden. Es handelt sich nicht nur um eine Verschiebung, denn die Sozialdemokratie hat seit dem 22. Juni fa ft 14 000 Stimmen gewonnen, das ist also mehr als das Doppelte dessen, was die Kommunisten in dieser 3eit einbüßten. Die Terroristen von Beruf und Neigung, die in der Kommunistischen Partei heute den Ton angeben, flagen angesichts dieser deutlichen Abfuhr über angeblichen Terror, der gegen sie verübt worden sein soll. Insbesondere beschuldigen sie das " Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold", daß es gegen sie einen besonderen Terror organisiert hätte. Diese Ausrede ist mehr als dumm. Wenn man weiß, daß die Kommunisten einen besonderen Sport aus der Sprengung gegnerischer Versammlungen machen, daß sie sich rühmen, jedes Auftreten von Sozialdemokraten verhindern zu wollen, daß sie sich nicht scheuten, vielfach sozialdemokratische Redner niederzubrüllen und törperlich zu mißhandeln, so wirft ihre erlogene Klage über angeblich gegen sie gerichteten Terror geradezu er bärmlich. Stillstands vorüber ist und daß die republitanischen Tatsächlich lehrt die Anhalter Wahl, daß die Zeit des Barteien, allen voran die Sozialdemokratie, wieder erfreuliches Vorzeichen auch für die kommende Reichsstagswahl. im Vormarsch begriffen sind. Das ist ein überaus Die Deutschnationalen waren noch bis zum Sonntag voll eines nainen Glaubens an den Sieg der Rechtsparteien. Die Kreuz- Zeitung" glaubte noch am Sonntag ihren Lesern den Sieg des Rechtsblods versprechen zu können, indem sie schrieb: Die extremen Parteien dürften start geschwächt werden, die Demokraten vielleicht durch eine Listenverbindung mit den 2000 Zentrumswählern ein Mandat gewinnen, die Sozial. demokraten entweder ihren Besißstand behaupten oder ein Mandat verlieren.... Nun hat im Gegenteil der bürgerliche Rechts blod sowohl Stimmen wie ein Mandat verloren, die Linke aber vier Mandate gewonnen und dadurch die ganze Lage im Landtage verschoben. Jetzt fann sich die Rechtspresse nicht einmal mehr auf die Wahlmüdigkeit berufen, die ihre Partei schwächte, denn in Anhalt war die Wahlbeteiligung außerordentlich start und erreichte teilweise, wie in Dessau, den hohen Sah von 93 Proz. Es bleibt also dabei, daß das Geschrei der Deutschnationalen, sie wären die stärkste Partei im Lande und hätten infolgedessen einen Rechtsanspruch darauf, zur Regierungsbildung berufen zu werden, schon heute endgültig abgetan ist. Wir sind über zeugt, daß der 7. Dezember die Abrechnung mit den Deutsch nationalen und den Bürgerblödnern aller Schattierungen endgültig gestalten und sie sowohl im Reiche wie in Preußen on ihrem Pappturm herunterstoßen wird. Diefe Zifferngegenüberstellung zeigt deutlicher als alles andere die Berfchiebung, die seit den Maiwahlen in der Wählerschaft eingetreten ist. 3war standen, trotz der ungünstigen Situation, auch am 4. Mai unsere Genossen an der Spize aller einzelnen Parteien. Aber die im bürgerlichen Rechtsblod zusammengeschlossenen Reaktionäre hatten damals in der Gesamtheit doch mehr Stimmen aufgebracht als die Sozialdemokraten allein. Jetzt hat unsere Bartei für sich allein schon den Rechtsblod überflügelt! Die Demo fraten, die bis zur letzten Landtagswahl( 22. Juni) mit ihnen gemeinsam die Regierung bildeten und h gerade in Anhalt treu zur Republif stellen, haben ihre Stimmen zahl gegenüber der Landtagswahl mehr als ver Doppelt und auch im Verhältnis zu den Maiwahlen noch einen erheblichen Gewinn buchen fönnen. Die Fo'ge ist, daß die alte sozialistisch- demokratische Regierungsfoaution von ben 36 Abgeordneten jetzt 18 ficher hat( 15 Sozialdemokrten, 3 Demokraten). Da der eine gewählte Bodenreformer wie bisher schon auch in Zukunft wahrscheinlich in allen entscheidenden Fragen fich an die Seite der Linksparteien stellen wird, so ist das Schicksal der bisherigen reattionären, d. h. halt zu ihrem glänzenden Wahlfieg folgendes Telegramm: Der Parteivorstand sandte den Genossen in Anvolksparteilich deutschnationalen Regierung unzweifelhaft entschieden. Der Bürgerblodtraum ist ausgeträumt Bravo Anhalt! Hoch die Republik! Hoch die Sozialund das fleine Anhalt dürfte binnen furzem wieder eine demokratie! Der Parteivorstand. republikanische Regierung aufmeisen. Anhalt gehört bei den Reichstagswahlen zu demi Wahlfreis Magdeburg- Anhalt, der auf demokratischer Liste bisher die Abag. Schiffer und Dr. Böhme präsentierte. Diese beiden haben nach den Regierungsverhandlungen im Reichstage ihrer bisherigen Partei den Rücken gekehrt, weil thnen die Demokratie anrüchig geworden war und meil sie glaubten, rechtzeitig den Anschluß nach rechts fuchen zu müffen. Auch ihnen erteilt die gestrige Abstimmung eine heilfame Lehre. In dem Augenblid, da die bürgerlichen Demofraten sich auf ihre demokratischen Grundsäße befinnen und weniger das Bürgerliche" betonen, gewinnen fie an Halt und Ansehen im Volfe. Diejenigen aber, die als Demokraten immer nur Wert darauf legen, Ellen bogenfühlung nach rechts zu erhalten, würden die " Unseren Genossen im ganzen Reiche aber gibt die Wahl am Revolutionstage in Anhalt eiren freudigen Antoß. ihre Anstrengungen zu vervielfachen, um dem arbeiter feindlichen Bürgerblockgedanken bei der Preußen- und Reichstagswahl den Gnadenstoß zu versehen. Es lebe die Republik! Es lebe ihre Trägerin, die Sozialdemokratie! Bravo, Anhalt! Einzelergebnisse. Deffau, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Auch diese Schlacht ist geschlagen! In Hamburg: Sieg. Und hier? Geminn auf der ganzen Linie, Sieg für die Sozialdemokratie im einzelnen und für Schwarz- Rot- Gold im befonderen. Der Kampf war schwer! Tragbem: Wie bisher marschiert die Sozialdemokratie an der Spike mit 78 672 gegen 64 943 am 22. Juni, dem Toge der letzten Landtagswahl in Anhalt! Faft 14 000 Stimmen bucht sie als 3urahme davon allein in der Stadt Dessau über 4000 Stimmen mehr. So sieht der Untergang des Marrismus, das Ende der Sozialdemofratie aus! Was hat man nicht alles getan, um diese Prophe zeiung zu verwirklichen. Für die Steuern fehlte das Gelb, aber für den Kampf gegen die Sozialdemokraten reichte es immer noch. Endlos waren die Versprechungen und Versicherungen. Aber selbst die Im gleichen Maße, wie die Sozialdemokratie, haben sich die Demokraten erfolgreich geschlagen. Bisher 6188 Stimmen und ein Gig, gehen sie jetzt mit 13 991 Stimmen und drei Sitzen aus dem Remmen hervor. Eine beffere Willenstundgebung gegen den Bürgerblod fann es faum geben. In Anhalt wurde den Schiffer und Böhme die erste, aber derbe Quittung erteilt. Gleich zeitig haben die hiesigen Wahlen gezeigt, daß der Kostenauf. wand des Herrn Stresemann für die liberale Ber-. einigung", die neueste Hoffnung der Deutschen Boltspartei, nit lohnend ist. Die eigentliche Rechnung bezahlen die Kommunisien. Am 4. Mai, em Lage der Reichstagswahlen mit 22 700 Stimmen auf hohen Rossen, sant ihre Wählerschaft bis zum 22. Juni, also fechs Wochen später, auf 16 714, um rund 6000 Stimmen. Raum ein Bierteljahr später hat sich ihr Anhang abermals wieder um fast 6000 Stimmen vermindert. So haben die Kommunisten also vom Mai bis November 1924, in faum einem halben Jahre, rund 12 000 Wähler oder 50 Proz. ihres Anhanges verloren. In Dessau- Stadt erhielten die Sozialdemokraten Stimmen), Demokraten 3862 Stimmen( Gewinn 2200), Kom18 197 Stimmen( Gewinn gegen die Landtagswahl im Juni 4000 munisten 1399( Verlust 1000), Zentrum 457 Stimmen, National fezialisten 1174( Berlust 100). Bodenreformer 642( Gewinn 200), Bürgerblock 16 897( Berlust 900). In Köthen erhielten die Sozialdemotraten 6186 Rommunisten 145( 250), Zentrum 383( 286), Nationalsozialisten 710 gegen 5057 bei der Landtagswahl im Juni, Demofreten 1364( 6: 3), fraten 138( 113), Kommunisten 175( 295), Zentrum 21( 27), Natio ( 688), Mieterschutzbund 429( 310), Bürgerbled 6257( 5424). Ballenstedt( Stadt): Sozialdemokraten 569( 506), Demosozialisten 313( 395), Mieterschußbund 217( 118), Bürgerblock 2051( 1763). Vorwärts auch in Westpreußen! Stadtverordnetenwahlen in Marienburg. Marienburg, 10. November.( Tul.). Die Stadtverord. netenwahlen, die infolge Eingemeindung mehrerer Bororte notwendig wurden, hatten folgendes vorläufiges Ergebnis: Allge meine unpolitische Wählerliste( Deutschnationale und Deutsche Bolks partei) 8( 11) Mandate, Socialdemokraten 2( 1), Zentrum 8( 5), Bölkisch- sozialer Freiheitsblod 3( 2), Bodenreformer 4( 4), Hause frauenbund 1( 0), Unabhängige 2( 3), Kommunisten 1( 2). Halb und Halb. Posadowsky gegen die Deutschnationalen. Einer der ältesten Deutschnationalen, der neben politischem Fingerspizengefühl Sinn für die politische Würde einer Partei befißt, der Graf Posadowsky, hat sich in der Deutschen Presseforrespondenz mit der politischen Haltung der Deutschnationalen seit London auseinandergesetzt. Seme Kritik ist vernichtend. Er verurteilt zunächst die schmählichen Handel der Deutschnationalen, die ihre sachliche Ueberzeugung gegen Ministersize verkaufen wollten: „ Das Londoner Abkommen ist von so unfagbar schmerer Be deutung für das Baterland, daß ihm gegenüber nur fachliche, teine tattischen Erwägungen maßgebend sein dürften. Db die Partei in die Regierung eintritt oder nicht, war bemgegenüber völlig nebenfächlich. Außerdem sind die Berhält nisse für den Eintritt der Deutsch nationalen Boltspartei in die Regierung noch nicht reif." Mit aller Schärfe stellt er die innere Zerrissenheit der Deutschnationalen fest und straft alles Einigkeitsgeschrei Lügen: Man kann auch nicht behaupten, daß die Partei in ihren Grundanschauungen einig ist, wenn sie in dieser schwersten Frage, die feit dem Versailler Bertrag ihrer Entschließung unter. lag, auseinanderfällt. Hier mußte die Partei geschlossen auftreten und einig für oder wider stimmen ohne jede Rücksicht auf ihre politischen Wünsche und ihre Stellung zu der Regierung. Eine Bartei, die gegenüber solch schicksalsschweren Fragen auseinander. fällt, einen Janusfopf zeigt, verneint die Voraussetzung füle den Begriff und die Wirksamkeit einer politischen Partei überhaupt. Die Partei einer gefehgebenden Bersammlung ist mehr als ein Ver ein, in welchem öffentlich- rechtech Frogen tefprochen werden und Jedes Mitglied die Freiheit behält, fich nachher zu äußern und zir ftimmen oder zu handelr nach eigenem Belieben." Bosadowsky überschreibt seine Auseinandersetzung mit der Brandmarkung: Die Halben". Nun haben die Deutschnationalen es aus dem Munde eines ihrer Besten, was sie sind: halb und halb. Der bayerische Monarchenrummel. Eine offiziöse Stimme. Unsere Kandidaten. Bezirksparteitage in Westfalen und Pommern. Das offizielle Organ der bayerischen Boltspartei, der Dortmund, 9. November.( Eigener Drahtbericht.) Der SDBayerische Kurier" beschäftigt sich in einem längeren zialdemokratische Bezirksparteitag für das west. Artikel mit dem Streit zwischen Ludendorff und Ruppliche Bestfalen nahm am Sonntag zu den bevorstehenden recht von Wittelsbach. Man fann da u. a. folgendes lesen: Reichs- und Landtagswahlen Stellung. Die Randidatenliste So traurig die Tatsache ist, so notwendig es ist, fie festzustellen: für den Reichstag blieb unverändert. An der Spitze stehen General Ludendorff hat mit seiner legten Erflärung die Stufe Regierungspräsident König, Robert Schmidt und Huse. eines fommunistischen Agitators erreicht. Er hat in mann. Die Landtagsliste führt klupich Dortmund. gehäffiger Weise und unter Berufung auf gewisse Massen. In einer Entschließung wandte sich der Parteitag gegen ble instintte, die allerdings nicht den Namen reaktionär verdienen, Stillegung der Randzechen des Ruhrgebiets. In der bie Streitfrage zwischen ihm und dem Kronprinzen Rupprecht so Entschließung wird unterstrichen, welche Schädigung öffentlicher berzerrt und entstellt, daß dem objektiven Beurteiler nur ein Gefühl Interessen die Stillegungsmanie darstellt, durch die die Bergarbeiter kommen tann: die Empfindung eines furchtbaren Entsetzens. Nicht der größten wirtschaftlichen Not überantwortet und blühende Gebarum handelt es sich, ob es unter den ehemaligen Mitgliedern der meinden dem Berfall entgegengeführt werden Da die stillgelegten beutschen Armee zwei Arten von Ehre geben tann, sondern darum, Zechen durchaus abbauwürdig sind, gehen außerdem noch große ob es mit der Ehre eines Generals vereinbar ist, das Haupt der volkswirtschaftliche Werte verloren. Der Bezirksparteitag erhob Familie Wittelsbach freventlich zu verleumben und daher die Forderung, daß die Reichs- und Landesbehörden un ver. barum, ob es mit den monarchischen Anschauungen vereinbar ist, züglich eingreifen. da die privatfapitalistischen Erwägungen gegen den Träger des dynastischen Prinzips des. unvereinbar feien mit den allgemeinen Interessen. Insbesondere halb Ehrenflage zu erheben, weil dieser seine verlegte Ehre gegen soll geprüft werden, ob nicht durch betriebstechnische Maßnahmen die Berleumdung verteidigt hat. Daß ein Mann, der sich der Treue Rentabilität der Betriebe sicherzustellen ist. Eine weitere Entgegenüber seinem faiserlichen Herrn rühmt, in Bayern es wagen Schließung des Parteitages wendet sich gegen die Still. fann, unter dem Beifall seiner Gesinnungsgenoffen. Offiziere, bie legungsabsichten im Siegerländer Eisenberg. eine selbstverständliche Treuepflicht gegenüber bau bem Kronprinzen erfüllt haben, zu beschimpfen, daß er es wagen fann, die monarch sche Treue als etwas hinzustellen, von dem sich jeder anständige Mann mit Schauder abwenden müsse, bas ist, wie immer man auch über die Frage der Staatsform denken mag, ein politischer, ein bayrischer und ein eth scher Standal. Und menn General Ludendorff die Offiziere, die eine andere Auffassung Don Treue haben, als Herr Lange und Lindström, dem Gespött der ganzen Welt preisgeben will, so mag folche Haltung zwar nicht das Gefpött, aber doch die Empörung der ganzen Welt verdienen. Das bemerkenswerteste an dem Artikel ist, mit welcher Frechheit er den Privatmann Rupprecht als bayerischen Monarchen behandelt. Der Bayerische Kurier" ist nicht dieses und jenes Blatt, er ist das offizielle Organ der Bayerischen Bollspartei. Damit zeigt sich aufs neue, wohin der Rurs in Bayern geht. Jeder, der genug hat von dem monarchistischen Hokuspokus, jeder, der das Deutsche Reich. nicht wieder der monarchistischen Aliquen und willkürherrschaft ausliefern will, wird sich am 7. Dezember fagen müssen, daß es auf jede Stimme antommt, wenn eine Reichsregierung zustande kommen soll, die start genug ist, das Reich vor der Spaltung durch die Monarchie zu bewahren. Monarchistische Dummheit und Miquenwirtschaft haben uns in den Weltkrieg hineinschlittern" laffen nach einem Ausspruch des deutschnationalen Tirpig, fie haben den Frie densschluß in einem Zeitpunkt verhindert, in dem es möglich war, ohne Reparationen und Landverlust den Krieg zu li quibieren. Sollen monarchistische Habsucht und Unver. nunft Deutschland jetzt auch noch in einen Bürger frieg hegen, der das Ende des Reiches, neue In flation und neues Elend bedeuten würde? Sorgt bafür, daß die republikanische Mehrheit im neuen Reichstag start genug wird, um den Monarchisten von vornherein die Luft au zu nehmen, sich die Finger zu verbrennen! Auch die bayerischen Offiziere gegen Ludendorff. München, 10. November.( TU.) Die bayerischen Offiziers verbände veröffentlichen folgende Erklärung: Die bagerischen Offiziersverbände, Berband der bayerischen Offiziers. regimentsvereine, Landesverbände Bayerns, Deutscher Offiziers bunb und ber Nationalverband Deutscher Offiziere, haben sich in ihren Bertreterversammlungen der in der Breffe veröffentlichten Ertlärung der bayerischen Generale über ihre Einstellung zu General Ludendorff auf Grund des Berhaltens feiner Erzellenz gegenüber feiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern, rüd haltlos angeschlossen. Sie perlangen, daß die in ihnen Berbänden zusammengeschloffenen bayerischen Offiziere diesem Standpunkt unbedingt beitreten." Wo bleibt die Altersfürsorge? Bon Hans Bauer. Die Beiben find nicht gut. Es hat ein jeder recht fetyr mit fich zu tun. Die Arbeiter, bie Angestellten, die Meinen Geschäftsleute tommen nicht aus. Sie müssen reden. Mehr als dies. Bahlt man die Miete gang, muß man beim Schuster hängen bleiben. Zahl man den, reichts nicht zur Miete. Immerhin hat diese Dürftig beit den Vorteil, im Berborgenen zu bleiben. Die Zeitungen nehmen feine Notiz von den Sorgen des Herrn Lehmann, und Stadtgespräch wird fo etwas gleich gar nicht. Hingegen fo ein Rammerfänger wie der Herr Leo Elezat. Das flingt fo großartig, ein weltberühmter Sänger zu sein. Das mumt sich nach wunder was aus. Aber fommt nur hin. Auch folch ein Mann hat seine Sorgen. Auch folch einen grinft das graue All tagselend an. Ja, wenn ihm nur wenigstens noch bliebe, was dem ormseligsten Bettler feiner versagt, daß er für fich bleiben tönnte mit feinem Rummer: fchicfalsgeschlagen, aber stolz. Nein, die Welt rebet auch noch von feiner Mifere. Es ist publit geworden. Und da spricht er in einem Wiener Blatt das Bittere schon gleich felber aus: Es geht ihm gar nicht gut... Nahrungsforgen ahnen wir!... Er hat mit dem Sauren beginnen müssen, sich zum drittenmal in feinem Leben feine petuniäre Eriftenz neu aufzubauen, für bas Alter vorzuforgen. Schlimm, schlimm für einen, der fein Junger mehr ist. Und da hat er zum letzten Mittel gegriffen Nicht zum Strick! Schlimmer, schlimmer: Er ist zur Revue gegangen. Gegen 800 m. pro Abend und Ersatz der Spesen. Aber wenn einer schon Bech hat, dann geht ihm auch alles schief. Nicht einmal hier hat ihn das Unglüd zur Besinnung fommen lassen. Sein Direktor Sames Klein hat sich überlegt, daß 65 000 m. unb ein viertel Jahr Hotelrechnungen mehr nach ihrer ebatbelastenden als nach ihrer albersversorgenden Seite zu würdigen feien, und nicht mehr mit gemacht. Mas fängt ein auf die Straße gefeßter Rammerfänger nun bloß an? Bir anderen aber wollen uns hübsch mit unseren Sorgen be. scheiden, die doch nichts mußen, wo wir sehen, daß selbst Großverdie. ner vom sozialen Elend ihr Lied zu fingen wissen. Die Deutiche Schiller- Stiftung in Not. Die Schiller- Stiftung ist am 10. November 1859, dem 100. Geburtstage des Dichters, gegründet worden. In Weimar mird fie verwaltet. Sie hat die Aufgabe, deutsche Schriftsteller und Schriftstellerinnen, welche für die National- Literatur( mit Ausschluß, der strengen Fachwissenschaften) verdienstlich gewirkt, vorzugsweise folche, die sich dichterischer Formen bebient haben, dadurch zu ehren, daß sie ihnen oder ihren nächst angehörigen Hinterlassenen, in Fällen über sie verhängter schwerer Lebensforge, Hilfe und Beistand bietet." Dant vieler Gaben verSteffin, 9 November.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand ein außerordentlicher Begirtsparteitag ber Pommerns in Stettin ftatt. Nach einem Referat des Genossen Schumann über die Reichstags- und des Genossen Deder über die Landtagswahlen wurde ohne weitere Diskussion die Aufstellung der Kandidatenlisten vorgenommen. Spitzenkandidat für den Reichstag ist wieder Schumann, ihm folgen wie bisher die Genoffen Bassoh!, Horn und Georg Schmidt. Listen führer für den Landtag ist Herbert; an zweiter Stelle steht Hartwig. an dritter Rönig Swinemünde, an plerter die Ge. nofsin Höfs. Als Vertreter des Parteivorstandes wohnte Genosse Ludwig dem Parteitag bei. Der Kampfwille der pommerschen Genossen und die bisher durchweg start besuchten Wahlverfammlungen berechtigen auch Bommerns Sozialdemokratie zu den größten Hoffnungen auf einen günstigen Wahlausfall. Unsere Kandidaten in Köln und Koblenz. Köln. 10 November.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag tagte in Bonn ein fozialdemokratischer Parteitag für den Bezirk der oberen Rheinproving, um die Borbereitungen zu den kommenden Wahlen zu treffen und die Kandidaten für die beiden Wahlkreise des Agitationsbezirts zu nominieren. Nach beifällig aufgenommenen Referaten der Genossen Sollmann und Haas, Köln, über die bevorstehenden Wahlen wurde für den Wahlkreis Köln- Aachen einstimmig wieder der bisherige Spitzenkandidat Genosse Sollmann benannt. Weider steht auf dem Reichswahlvorschlag an zweiter Stelle bie bisherige Stadtverordnete Frau Schiffgens. Aachen, mäh rend an dritter Stelle der Kölner Gewerkschaftssekretär Bender fandidiert. Die Landtagswahlliste im Kreise Röln- 2lachen führt wieder wie früher Genoffe ha as. Röln und Frau Roehl. An britter Stelle steht auf dem Landtagswahlvorschlag der frühere Reichstagsabgeordnete Fries.Köln. 3m Wahlkreis Koblenz Trier fandidiert zum Reichstag der bisherige. Abgeordnete Redakteur Rirschmann. Un der Spize der Landtagswahllifte steht der bisherige Landtagsabgeordnete Kleinmeyer. Koblenz. Der Borteitag, ber in voller Harmonie verlief, eröffnet die günstigsten Aussichten für die Entfaltung des 7. Dezember. Die Kandidatenaufstellung in Geffen- Naffan. Frantfurt a. M., 10. November.( Elgener Drahtbericht.) Der Bezirksverband für" Heffen Raffau stellte für den Reichstag folgende Randidatenliste auf: 1. Scheidemann Raffel, 2. Robert DIB. mann- Frankfurt, 3. Gustav Hoch- Hanau, 4. Schabrich Kaffel, 5. Heinrich Hüttmann Frankfurt, 6. Bergarbeiter BederLahnfreis, 7. Mitt- Wiesbaden. Zu den Landtagswahlen machte der Bezirf Frankfurt a. M. zmei aussichtsreiche Boften geftend, außerdem beanspruchte er den . fügte die Stiftung im Jahre 1920 über ein Rapital von 2% bis 3 Millionen Mart. Sie fonnte einfchließlich ihrer Zweigstiftungen 100 000 m. für Penfionen und Unterstügungen bereithalten, fonnte in Hunderten von Fällen eingreifen. Da brach die Geldentwertung über sie herein. Das Rapital ging verloren. Heute steht es um die Schiller- Stiftung fo, daß ihr Grundoermögen auf 1129 m. zufammengeschmolzen ist, daß die Staatshilfe und andere bringlich erbetene Zuwendungen ihr mur Jahresausgaben von 6000-7000 erlauben. Sie fann ihren Benfionären, deren Bahl fie Don 85 auf 30 beschränken mußte, statt der gewohnten 3000 m. nur 200 bis 250 M. fenden, fie muß die Schar der um einmalige Unterstüßung Nachfuchenden bis auf wenige abweisen und fann auch den wenigen nur mit geringen Beträgen beifpringen. Unfere Dankbarkeit gegen unsere Toten, die Schäße nicht fammeln fonnten, unfere Achtung vor den Lebenden, die im Kampfe für ihr Wert stehen und denen wir Wegbereiter sein müssen, gebietet den Wiederaufbau der Stif tung. Männer des Befißes müffen fle bedenden. Ginmalige und regelmäßige Suwendungen follen fließen. Dichter, Schriftsteller, Dramatiter, die der Erfolg getragen, haben die Berufung, sich der Stiftung anzunehmen. Die Schiller- Stiftung hofft, Berleger, Buchhändler, Beitungen, Zeitschriften, Vereine mit schöngeistigen und reinliterarischen Intereffen um sich zu scharen. Bühnen, private Theater- Bereinigungen, Sdyulen mögen den Ertrag einer Borstellung abführen. Wanderbünde, Studenten- Gruppen sollen für die Stiftung abführen. Wanderbünde, Studenten- Gruppen sollen für die Stiftung sammeln. Festabende, Borlesungen und andere Beranstaltungen bringen Mittel. Die Bandesregierungen und die deutschen Städte bringen Mittel. Die Bandesregierungen und die deutschen Städte werden vorangehen. Spenden für die Deutsche Schiller- Stiftung nimmt die Geschäftsstelle unserer. Zeitung entgegen. Radio- Sendefpielbühne: Nachflager von Granada." Man kann über das unvollkommene Radio noch so viel mikeln und die Achseln zuden, der geftrige Rundfunk des Borhauses hat bewiesen, baß es doch einen ernsten Kunstwert hat. Ridyt als ob jetzt Lohen Nicht grin, Tristan, Carmen, Aida zuhause im Lehnstuhl genau so ge= nossen werden könnte wie in der Oper. Bis es zu diesen tom plizierten Meisterwerfen fommt, wird wohl noch manches Jahr vergehen. Aber es bedeutet doch schon etwas, daß man heute eine ein fache Oper wie das Nachtlager" dem Hörer zugänglich machen kann. Ein einleitender Bortrag belehrt die Hörer über das Leben und Wirken Conradin Kreuzers. Ein wahrhafter Dr. Fauftus, nicht etwa als Alchimist, sondern als Polyhistor wider willen, der von der Mufit ausging und sich über Theologie und Medizin wieder zur Musit, der färglich spendenden, zurücgefunden hat. Später Erfolg, furzes Glüd nach stetem Existenzfampf. Zieht man nun das Fazit aus der gestrigen, von Cornellius Bronsgeeft geleiteten Aufführung, so ist sie als Ganzes und im Einzelnen als völlig gelungen zu betrachten. Otto Urad dirigiert ftilvoll ohne falsche Weichlichkeit. Irene Eben, die vornehm und sehr gefühlroll fingende Gabriele, Cornelius Bronsgeeft, der geschmac volle Jäger( Prinzregent) Paul Stiebe Walter, der mit schönem freiem lyrischem Tenor den Gomez darstellt u. a. erfreuen uns mit den alten woh bekannten Weisen. Der Chor tuf seine Schuldigkeit. Das Orchester hört man allerdings als einheitliche Maffe, nicht die einzelne Instrumentalgruppe. Holzbläser und Hörner aber, sobald Spizenkandidaten. Die Debatte hierüber mar fehr ausgiebig, ba die einzelnen Bezirke teils gegenteiliger Meinung waren. Die Abstimmung über die Kandidatenliste ergab folgendes Resultet: 1. Rebatteur Mardwald. Frankfurt a M., 2. Brezinsty Raffel, 3. 5aese. Wiesbaden, 4. Frau Ege. Frankfurt, 5. Kassel( Kandibat noch nicht bestimmt), 6. Witish Franffurt und 7. Wid. Oberursel B Die demokratischen Kandidaten in Halle. Der Nachfolger Schiffers. Halle, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Demos fraten haben im Bezirk Halle am Sonntag Professor Dr. Hummel, den früheren badischen Staatspräsidenten, und Georg Bernhard als Sp zenkandidaten aufgestellt. Profeffor Hummel kandidiert auch in Magdeburg als Spitzenkandidat, so daß an der Stelle von Schiffer wahrscheinlich Georg Bernhard in den Reichstag einziehen wird. Sozialdemokratie und Auslandsdeutsche. Soziale Entschädigung erforderlich. Auf eine Anfrage des Bundes der Auslandsdeutschen E. B. hat die fozialdemokratische Reichstagsfraktion folgende Antwort erteilt: Die Sozialdemokratische Partei anerkennt die Pflicht des Deutschen Reiches, die Auslandsdeutschen nach möglich. feit zu entschädigen. Sie hält die bisher gewährten Entschädi. gungen für unzulänglich, insbesondere bei der Masse der Entschädigungsberechtigten in tleineren Berhältnissen. Die Sozialdemokratische Partei wird deshalb für eine ausreichende Entschädigung dieser Schichten eintreten und dahin wirken, daß die Mög lichkeit dafür durch die Besteuerung der großen Einkommen, Vermögen und Erbschaften geschaffen wird." „ Deutscher Tag" in Stettin. Wüste Hehe gegen die Republik. Steffin, 9. November.( Eigener Drahtbericht.) Su dem„ Deutschen Tag" in den Sentralhallen" am Sonntag hatten die Nationalisten von der Deutschen Boltspartei bis zu den Bölkischen alle nur erdentlichen Bünde und Vereine cuf geboten. Wie vorauszusehen war, bestand dieser Deutsche Ing" in einer wüsten Sege gegen die Sozialdemokratie, gegen die linksgerichteten Polititer überhaupt und vor allem gegen das Reichsbanner. Der erste Redner, Graf D. b. Golg. hegte den Wunsch, daß eine nationale Regierung und e nationaler Reichspräsident tommen mögen, die die günstige Gelegenheit der nächsten vier Jahre im reaktionären Sinne auszunüßen verstünden. Weiter wünschte er, daß den Innenminister Sepering der 7. Dezember in die Ostsee spülen möge. Brof. Dr. Roethe von der Universität Berlin feierte Wilhelm non Amerongen als genialen Fürsten und als Freund der Wissen schaft; unter ihm hätte das deutsche Bolt die größte Freiheit gehab ( das behauptet ein Berliner Universitätsprofeffor, der die Leg Arons persönlich erlebt hat! D. Red.) Die Geiftesrichtung der Besuche diefes Deutschen Tages" wurde auch dadurch charakterisiert, bas mehrfach in Zwischenrufen verlangt wurde, die lintstehen. den Minister aufzuhängen. Ein Gleiches wünschte man couch dem Oberpräsidenten von Pommern, Lichmann, der den Mut gehabt hatte, am Sonntag zuvor fich öffentlich zum Reichsbanner und zur Republit zu befennen. ge Mann über Bord? Ein Zwischenfall in Köln. Köln, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Unter der Ueber. schrift: Mann über Bord?" schreibt unsere Kölner Parteizeitung: Wie wir erfahren, hat der wirtschaftsparteiliche Stadtverordnete Haferrod gegen den sozialdemokratischen Beigeord. neten Schäfer die Beschuldigung erhoben, daß dieser in einem vier Jahre zurückliegenden Fall für die Besorgung von Mehl an die Ronditoreninnung ein Gelbgefchent angenommen habe. Der Führer er sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion, Gencffe She solistisch dominierend heraustreten, find von idealer Deutlichkeit und Festumrissenheit. Auch die ausgezeichnet gefpielte Solovioline gewärt ungetrübten Genuß Was wäre das Resultat dieser Aufführung? Wie viele schöne Opern, die heute ihres Tertes oder nicht genug dramatischen Musik megen fast oder ganz verschollen find, fönnten durch den Rundfunk wieder zu feinstem Genuß der Hörer ausgegraben werden. Rennen fie die Oper, dann werden sie bie Hondlung und Ausstattung durch ihre eigene Phantasie ergänzen fönnen. Ein reizendes Spiel für sich. Wenn nicht, fo werden fich schon Lehrer für das Fehlende aus ber Umgebung der Bernbegierigen finden. Das musikalische Verständnis tann da ausgezeichnet ge fördert werden, was der ernsten Oper nur von höchstem Gewinn sein wird. 5. M. Der erste Novemberfojialist. Novemberfoziafift! November. verbrecher! Novemberling und neuerdings Novembergeist! In Acht und Bann also mit denen, die aus ihren entsetzlichen Erlebnissen im Weltkrieg auch die politischen Folgerungen zogen und der sozialdemokratischen Partei beitraten, ber fie während des Krieges und vorher vielleicht schon nahestanden. Wenn nicht ein Weltfrieg fich mit ehernem Griffel einprägen und die politische Denfungsart umgestalten sollte, welches Ereignis tönnte es dann? Troß alledem soll das Schlagwort brandmarten; es find Giftpfeile, geschleudert von den Deutschnationa'en, die jedoch wohl kaum daran gedacht haben dürften, daß einer ihrer jegigen Führer als erster Novemberfozialist bezeichnet werden kann. Es ist Tirpih, der in feinen Erinnerungen bereits am 13. November 1914 schreibt: Nach dem Kriege gebe ich unter die Sozen und suche mir Laternenpfähle aus; denn es müßte einer ganzen Hydra zuleibe gegangen werden, wenn es beffer werden sollte. Also schon im ersten Kriegsnovember tommt ein Ronservativer, der die beste Einsicht in das Getriebe der taiserlichen Bolitit hatte, auf den vernünftigen Gedanken, unter die Gozen zu gehen", im Riesenschritt von rechts nach links. Die im November 1918 unter dem Eindruck der gewaltigen Niederlage und des elenden Zusammenbruchs den Gedanken verwirklichten, der im Hirn von Tirpitz vier Jahre vorher trotz aller Siege entstanden war, hatten sicher nicht einen so weiten Weg nach links zu gehen, schleppten auch nicht fo lange wie Tirpik die furchtbare Ahnung von der fommenden Nieberlage mit sich herum. Ganz sind sie allerdings ihrem Führer Tirpit nicht gefolgt; denn die Straßenlaternen blieben unbeschwert, und die Hydra lebt, und einer ihrer Führer, ihrer Köpfe, ist- Tirpik der erste Novemberfozialist! Volfsbühnenjugend. Leo Reftenberg fbricht am Dienstag, 11. b. M abends 7, 1hr, in der Aula des Sophien- Vogeums, Weinmeisterftr. 16/17, über die Oper mit besonderer Berüdüchtigung des Freischüt". Mitwirtung von Frau Ida Harth zur Nieden( Gesang). Die Notipielgemeinschaft des Dramafifchen Theaters veranstaltet unter Führung ihres Spielleiters Karl Vogt ab Dienstag, ben 11. November, 8 Uhr abends, im Dramatischen Theater, Chauffeeftr. 30/31, Aufführunngen von Robert Guistard" und Demetrius" zu boltstümlichen Eintrittspreifen. Es werden gute. Sippläge zum Preise von 0,80 bis 3 mt. ausgegeben. Trimborn, hat, als der Oberbürgermeister in einer Sigung bes Weltestenausschusses der Stadtverordneten die Angelegenheit voring, fofortige und schonungslose untersuchung der Ange legenheit verlangt. Es ist anzunehmen, daß die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft überreicht wird. Die Kölner Sozialdemokratie will und wird nichts vertuschen. Sie erwartet die gründ fiche Untersuchung auch gegen die angeschuldigten Führer der Kölner Konditoreninnung" Der Kampf in Deutschösterreich. Unverminderter Streitfortgang. Postbeförderung in Autos. Wien, 9. November.( Eigener Drahtbericht) Am Sonntag haben teinerlei neue Verhandlungen zwischen den Organisationen der Eisenbahner und der Regierung oder der Generaldirektion der Bundesbahnen stattgefunden. Der Streit geht unverändert und unvermindert weiter. Auch für den Montag find bis zur Stunde irgendwelche Berhandlungen nicht in Aussicht genommen. Es werden feinerlei Zwischenfälle gemeldet. Die Postverwaltung läßt die Post durch Autos zwischen Wien, einigen Candeshauptstädten und den Grenzstationen befördern. Das personal der elektrischen Bahn Wien- Preßburg hat sich dem Streit angeschlossen. Auf der Donau follen mehr Personendampfer in Dienst gestellt werden. Der Postgerprtschaft ist ihre Forderung nach Erhöhung der Wirtschafts prämie, worüber schon mehrfach verhandelt wurde, unter Hinweis auf die finanzielle Cage abgelehnt worden. Die Gewerkschaft hat diese Erklärung nicht zur Kenntnis genommen und ihre Forderungen voll aufrecht erhalten. Ueber den Notverkehr wird fortgefeht verhandelt, wobei sich wohl die Möglichkeit für Anregungen zur Beltommiffar Zimmermann begreiflicherweise nicht passen. Die Streit. leifung hat geftatief, daß 14 3 üge mit kohlen nach Wien fahren und dort entladen werden dürfen. Der Rücktritt des Präsidenten der Generafdireffion der Bundesbahnen, Günther, wird auf einmal widerrufen. Der Grund dazu ift fehr einfach. An Stelle Günthers träte nämlich der Bizepräsident der Generaldirektion und das ist fein anderer als unser Genosse Smerital, der Vorsitzende des Allgemeinen Rechtsschuh- und Gewerkschaftsvereins, das heißt des freigewertschaftlichen Eisenbahnerverbandes! Und eine folche Ceitung der Bundesbahnen würde der Seipelregierung famt dem Generaltommiffar Zimmermann begreiflicherweise nicht paffen. Beamtenbewegung in Belgien. Brüffel, 10. No.( TU.) Ungefähr 30 000 Eisenbahn- und Postbeamte durchzogen gestern in geschlossenem Zug die HauptStraßen der Stadt und schieten dann eine Abordnung zu dem Mi. visterpräsidenten, der um Berücksichtigung neuer Gehaltsforde. rungen ersucht wurde. Theunis erwiderte, er fel bereit, folche zuzugestehen, wenn der Ertrag der im Parlament vorgeschlagenen und zur Annahme gelangten Steuern es eclaube. Unterdeffen müsse die Regierung sich an die Vorschläge der Fachkommiffion halten. Die Teuerung in Frankreich. Paris, 10. November( Eig. Drahtber.). Die amtliche Statistik verzeichnet für den Monat Oftober eine neues Steigen der Großhandelspreise. Der Gesamtinder ist von 487 im August bzw. 496 im Eeptember auf 507 im Oktober gestiegen. Be sonders start ist die Erhöhung der Lebensmittelpreise. So ist der Inder für pflanzliche Lebensmittel von 408 im Auguft auf 451 im Oftober gestiegen. Revolutionsfeiern. „ Für Republit und Boltsversöhnung." An den verschiedensten Stellen von Groß- Berlin fanden gestern Revolution gebentfeiern statt. In Buch sprach Genosse Dr. Bitte, der einen Appell an die Jugend der Republik richtete und sich mit Entriüftung gegen die falschen Jugenderzieher wandte, die die Jugend aufbeßen, in einen neuen Krieg vortrieben und damit das Baterland dem Berderben preisgeben wollen. Er verglich in wirkungsvoller Weile die Studenten vor 100 Jahren, die für die Farben Schwarz- Rot- Gold fämpften und litten, mit den Studenten von heute, denen ein Profeffor Bohl in Tübingen in feiner Schrift: Reichsverfassung und Bölferversöhnung" fagen darf: Wir wollen den 3orn über unsere Erniedrigung als brennendes Feuer denen vererben, die nach uns tommen. Wir wollen in ihnen ein startes Gefühl erweden für Erhabenheit, die darin liegt, daß ein so geknechtetes Bolt in heroischem Aufschwung die Fesseln bricht, sobald feine Stunde fommt." Genoffe Bitte trat dann dafür ein, daß Knaben und Mädchen in völferverföhnendem Geist erzogen werden und später durch den Bertreter im Böiterbund erwirten, daß die vollstümliche Entwidlung des Vaterlandes nicht beeinträchtigt wird und durch friebliche Arbeit zu Wohlstand gelangt. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Weißheimer gefungen. Mit Orgelspiel begann und mit Orneſſpiel Partei hat gestern des Tages der Revolution gedacht und in Ber. flang die Feier aus. fammlungen und Feiern der einzelnen Abteilungen auf die Be deutung des 9. November für die arbeitende Bevölkerung hinge. wiesen. Am stärksten, eindrucksvollsten und wuchtigsten war die Revolutionsfeier gestern mittag im Großen Schauspielhaus. Die gestrige proletarische Feierstunde war Weihe, Bedenken der Toten und Bekenntnis zur Republik zugleich. Bon befonderem Einbrud, dem sich niemand entziehen konnte, war die Aufführung des Requiems von Zoller, das eine geschickte Regie mit der Ansprache von Artur Crispien und dem Chor der Toten von Conrad Ferdinand Meŋer verbunden hatte. Der Borhang erhebt sich über einer stilisierten Landschaft, die noch in tiefem Dämmer liegt. Langsam, wie mit schwerem und nach denklichem Schritt ziehen Männer, Frauen und Kinder mit roten Fahnen auf. Und dann ertönt der Sprech chor, wundervoll ab. geftimmt, die Bucht Tollerscher Verse rührt an das Herz, bie Fahnen senten und heben sich, das Dämmer weicht und langsam steigt die Sonne auf über dem Sieg der arbeitenden Massen, über bem Jubel, der die Klage um die Toten der siegreichen Revolution adelt. Die Toten sind nicht umsonst gestorben. Der Toten gedachte auch Genosse Artur Crifpien in feiner Ansprache. Er verglich die bürgerliche Revolution von 1848, deren Früchte das Bürgertum aus Angst vor der profetarischen Revolution nicht zu pflüden wagte, mit der sozialistischen Revolution des 9. November 1918. Genoffe Crifpien vergaß aber auch nicht darauf hinzuweisen, daß noch viel Brachfeld übrig geblieben ist, das es zu beadern gilt. Er mahnte mit eindringlichen Worten zur Weiterarbeit, zum Borwärtsschreiten auf der Bahn des Erfolges, um schließlich den vollen Sieg zu erringen, und erinnerte daran, daß der 7. Dezember fo recht ein Tag ist der Republik zum Siege zu verhelfen. Ein zweiter Höhepunkt der profetarischen Feierstunde war die Aufführung der Dichtung Die Revolution vom 9. Nonem ber 1918" von Rothenfelder. Der Sprechchor und Staatstheater als Einzelsprecher gaben auch hier Bestes und Eindrucksvollstes, und als das Wert ausflang in ber Internationale", sangen die Maffen, die das weite Rund des Großen Schauspielhauses füllten, begeistert mit. Borher hatte man andächtig gelauscht den Leistungen des Männerchors Namenlos", der unter Leitung von Chormeister Thilo das padende Sturm von Beffen und das traurig- trcßige Bet' und arbeit" von Wendelin Zwei Heime- für Alte und für Kinder. Altersheim für Sozial. und Wohlfahrtsrentner, In Berwaltungsbezirt Prenzlauer Berg bat bas das auf dem freigewordenen Barackenschulgrundstück Danziger Str. 62 im vorigen Jahre eröffnet wurde, den im Sommer eingestellten Be trieb jetzt mit Beginn des Winters wieder aufgenommen. Die Turnhalle, die als Heim eingerichtet ist und den alten Leuten eine behaglich durchwärmte Aufenthaltsstätte bietet, macht mit ihren bunt gestrichenen Wänden und den bunt gedeckten Tischen einen an heimelnden Eindrud. Am Sonntag wurde in dem Heim aus Anlaß der Wiedereröffung eine fleine Einweihungsfeier veranstaltet, ein Vortragsabend, an dem Vertreter der Wohlfahrtspflege des Be zirtes und des Notdienstes der Frauen teilnahmen. Auch die Gattin des Ministers Genossen Siering war unter den Gästen. Stadtrat der Dezernent des Bezirkswohlfahrtsaus. Benoffe Rosemann schusses, wies in seiner Ansprache darauf hin, daß im vorigen Winter die Zahl der alten Leute, die hier Zuflucht fanden, an manchen Tagen bis zu 250 ging. Danf den Mitteln, die vom Notdienst der Frauen beschafft und beigesteuert wurden, kann den Besuchern für einen geringen Betrag( im vorigen Winter waren es 8 Pfennig, in biefem Winter werden es vielleicht ein paar Bfennige mehr fein müffen, weil die Mittel uoch knapp find) zu Mittag ein einfaches Essen und am Nachmittag Kaffee mit Schrippe gegeben werben. In demselben Geist der Bölferversöhnung für Republik und Freiheit sprachen in Stegliz Genosse Robert Breuer, im britten Krels Webbing Genoffe Aufhäuser, in Charlottenburg Genoffe ilt, in ber 103. Abt. Dberschönemeibe Genoffe . Rünstler, in der 128/130. Abt. Bantom Genoffe Otto Meier, in ber 132. Abt. Blankenburg Genoffe Landa, in der 136. Abt. Reinidendorf- Oft Genosse Billy Mobus. * Einer unferer Genoffen teilt uns folgendes ,, Revolutionserlebnis" mit: Ich hatte heute früh zu meinem Balfon die schwarz- tot- goldene Fahne hinausgeftedt, weit und breit die einzige, Aber gerade des. wegen fonnte sie doch ich wohne an einer sehr belebten Ede die Vorübergehenden, die es zum allergrößten Teil sehr nötig haben, daran erinnern, daß heute der Geburtstag der Republik ist. Um 10 Uhr wurde ich vom Fernfprechautomaten aus angerufen: ,, Haben Sie die Fahne herausgestedt?" ,, Gewiß!" antwortete ich. Wenn Sie die Fahne nicht sofort entfernen, werden wir Ihnen nachts einen unliebsamen Besuch abstatten." ,, Deutschvölkischer Mannesmut!" fagte ich nur noch und hing ab." Kommentar dazu ist natürlich überflüssig, den geben mir heute über vier Wochen. als Mitglieber an. Allerdings lehnen wir es ab, in unfere Reihen Parteipolitit hineintragen zu laffen. Wir verstehen den Schmerz daß es für sie nicht angenehm ist, wenn sie bemerken müssen, daß der Gewährsmänner der Roten Fahne" und glauben ihnen gern, es Organisationen gibt, die sich gegen Spaltungen zu wehren wissen. Nochmals der Ehrenobermeister". Er ist zu Unrecht verurteilt". der Meineidsprozeß gegen den früheren Ehreno bermeister Bor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann heute früh Rarl Rahardt, der damit zum drittenmal und jetzt unter der ihmerften antiage vor Gericht erscheint. Karl Rahardt, ber im 63. Lebensjahre steht und schwer leidend ift, ist feit dem 26. September 1921 in Untersuchungshaft. Er ist bereits in zwei Brozeffen rechtsträftig wegen Betruges, Bestechung und Untreue zu einer Gesamttrafe von 3½ Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe würde im April nächsten Sabres beendet sein. Nach der Anlage foll fich Karl Raharbi einer fallen Aussage vor dem Disziplinar Unterfuchungstommiffar des Oberpräsidiums der Provinz Brandenburg fchuldig gemacht haben. Die Aussage soll in brei Buntten falfch gewefen fein. Der Angeklagte erflärt, daß er sich Troß der neuen Zugeständnisse, die die Regierung den Kriensbeidhädigten gemacht hat und die deren gegenwärtige Bezüge bis zu 50 Proz. erhöhen, dauert in ihren Kreisen die Agitation mit unverminderter Heftigkeit fort. Ihre Organisationen haben be. schlossen, an der für den 11. November( Waffenstillstandstag) in Die linksstehenden Blätter warnen die Kriegsbeschädigten, fich Sonntagen finden hier Bortvogsatende statt, bei denen Gefangperiene, leicht für die Richter und Geschworenen fein mag, das ganze frühere " von den Drahtziehern der Reaktion mißbrauchen zu laffen. Das Gemertschaftsblatt Beuple" erinnert daran, daß die Strieasbe. Schädigten sich in einer weit befferen Situation befinden, als die Arbeitsinvaliden, deren Renben[ Bondalös niedrig feien und für deren Angehörige in beiner Weise geforat wird; die Mitolieder der Kriegsbeschädigtenorganisationen die dem Nationalen Blod als Sturmtruppen gegen das Ministerium Herriot dienten, würden deshalb gut daran tun, etwas weniger egoistil aufzutreten. Aus den von den Blättern veröffentlichten Angaben über die Wirkung der vorgesehenen Aufbesserungen geht hervor, daß die Renten eines Bollinvaliden mit Berstümmelungszulage sich Fünftig auf 10000 bis 11 006 Frs., ohne Verstümmelungszulage auf 6000 bis 6900 Frs. belaufen. Die Grundrente eines Kriegs. beschädiaten mit 80 Proz. Arbeitsunfähigkeit erhöht sich von 1920 auf 2688 Frs. Bevorstehende Revisionsverhandlung. eines deutschen Proteftes. freulicherweise stellt eft die Jugend sich in den Dienst dieser Liebestat, Die den Alten ein bißchen Sonnenschein bringt. Auf demselben Grundstüd hat in einer ehemaligen Schufbarade auch das Heim für tuberkulojeverdächtige Rinder, Mietsschulhauses an der Gethsemanestraße benußte, eine zweckmäßig das bisher Räume des für Schulzwecke nicht mehr verwendeten eingerichtete Unterkunft gefunden. Stadtrat Genoffe Rosemann er. wähnte, daß dieses Heim aus der Gethsemanestraße umziehen mußte, meil ber Houswirt gritend machte, daß er die Räume für Schulzwede, aber nicht für ein derartiges Heim vermietet habe. Er habe sich sogar geäußert, daß er mit diesem Gesindel nichts zu tun haben wolle. Die Besichtigung der neuen Räume zeigte uns, daß bei dem Wedyfel das Heim gewonnen hat. Der Betrieb wird mit 25 Kindern eröffnet, aber ihre Zahl foll auf 50 gesteigert werden, für die zwei hübsch ausgestattete Aufenthaltsräume zur Verfügung stehen. Die Kinder werden durch eine Tuberkuloseärztin ausgewählt, wobei auch bie wirtschaftliche Lage der Familie berücksichtigt wird. Sie schlafen nachts bei den Eltern und gehen morgens vor dort zur Schule, mittags aber begeben sie sich sofort zum Heim, wo sie aus der Heim. tüche ein fettreiches und nahrhaftes Mittagessen und später einen Bechyer Milch oder Katao mit Brötchen erhalen. Nach dem Mittag- legenheiten und beim Abschied geschah das. Freien, möglidft auch im Winter, felbstverständlich geschützt durch effen müffen fie auf Liegestühlen ruhen, bei gürftiger Witterung im wärmende Ümhüllung. Danach machen sie im Beisein einer Jung lehrerin ihre Schularbeiten und es folgen dann gemeinfame Spiele und Gefänge, auch fleine Hotdarbeiten, Basteleien, Lektüre usw. Die Kinder werden auf die Notwendigkeit hygienischer Lebensweise hingewiesen und zum fleißigen Gebrauch der Waschgelegenheit an geholten. Die Kur in dem Heim foll nicht unter fechs Wochen bauern, fie wird aber nach Bedarf auch sehr viel weiter ausgedehnt, nötigenfalls auf viele Monate. Die Unterhaltstoften werden vom Notdienst der Frauen aufgebracht. Berfahren bei diefer Gelegenheit von neuem aufzurollen, denn er fei zu Unrecht verurteilt worden. Landgerichtsdirektor Schimmad machte ben Angeklagten darauf aufmerksam, daß die Gefahr bestehe, daß der Prozeß abgebrochen werden müsse, indem nicht beendet fein würde und somit die Möglichkeit nicht bestehe, eine auch der Staatsanwalt neues Material herschaffen müsse. Es Gesamtftrafe zu bilden. Der Angeklagte erklärt jedoch, daß er bei feinem Borfaß beharren müsse. Die ersten Seugen find auch erst au Mittwoch geladen worden. Borf.: Der erste Bunft in dieser Berhandlung betrifft Ihre Aussage über Ihr Verhältnis zu Frau Hoffmann, was haben Sie beschworen? Angell.: Daß ich bie Frau Hoffmann in Staßfurt in dem Hause ihrer Eltern vor noch anders abgefaßt, wenn ich vorbereitet gewesen wäre, daß ich 20 Jahren Benen gelernt habe. Redaktionell hätte ich es vielleicht die Aussage bei dem Oberregierungsrat Felich würde beeidigen müssen. Borf: Frau Hoffmann steht Ihnen boch sehr nahe. Angel 1.: Es war ein Freundschaftsverhältnis, wie es felten vortommt. Ich wurde zur Familie gerechnet. Borf.: Sie haben Frau Hoffmann doch auch getüßt?" Angel L: Bei familiären GeDie Beschuldigungen gegen Nathusius. Zurückweisung den am Sonnabend im Auftrag der deutschen Regierung BotschaftsParis, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Ueber den Schritt, rat Rieth in der Angelegenheit des verhafteten deutschen Generals a. D. von Nathufius beim Auswärtigen Amt unternommen hat, glaubt der Figaro" folgende Angaben machen zu fönnen: Herr Rieth hat gegen die Verhaftung des deutschen Generals formell Protest eingelat mit der Begründung, daß die deutsche Regierung das Urteil des Kriegsgerichts nicht anerfenne; fie verlange die fofortige Freilaffung des Berhafteten. Der politische Direktor des Außenministeriums habe demgegenüber erwidert, daß Nathufius auf Grund eines Urteils verhaftet worden fei, das unanfechtbar fei. Denn die Alliierten hätten fich formell bas Recht vorbehalten, auch die nicht auf der Liste der Kriegs. Rote Fahne" und Roter Krenz- Standal. schuldigen stehenden deutschen Offiziere zur Berantwortung zu ziehen, Bon der Leitung des 1. Kreises im Arbeiter Gama. wenn ihnen Berstöße gegen die Landfriegsordnung nachgewiesen werden fönnen. Die Boulevard- Bresse veröffentlicht längere riterbund wird uns geschrieben: Die Rote Fahne" vom 6. und Telegramme aus Lille, wonach der Fabritant aus Roubaix, in dessen 8. November 1924 behauptet wider befferes Wissen in einer Kritik Billa General von Nathufius einquartiert gewesen war und dessen über die Borgänge bei der Station des Roten Kreuzes am Schlefi. Anzeige die Einleitung des Gerichtsverfahrens seinerzeit veran- fchen Bahnhof, daß der Arbeiter- Samariter- Bund mit dem Roten laßt hatte, die damals gemachten Aussagen im vollen Umfang auf Kreuz e'ne Arbeitsgemeinschaft geschlossen habe. Bei der Einrecht erhalte. Er behaupte u. a., Nathufius habe bei dem Rüdstellung der Roten Fahne" zum Arbeiter- Samariter- Bund ist diese zug im Oftober 1918 mehrere Risten mit Kleidungsstücken, unwahre Behauptung tein Wunder. Es ist nicht wahr, Belzen und Wäsche im Werte von 8000 Francs mitgenommen. Auf daß zwischen dem Arbeiter- Samariter- Bund und dem Roten Kreuz die ihm von der Haushälterin des Fabrikanten gemachten Bor- eine Arbeitsgemeinschaft besteht. Daran hindert uns alle' n schon haltungen habe er ausdrücklich erklärt daß diese Gegenstände für die militärische Einstellung des Roten Kreuzes. Bon allen anderen seine Frau und feine Kinder bestimmt seien. Ein anderer Zeuge Hindernissen für eine derartige Arbeitsgemeinschaft ganz abgesehen. will die gepackten Riften und auf einer die Adresse des Generals in Der Arbeiter- Samariter- Bund ist im Sinne des Artikels der Roten Roblenz gesehen haben. Wie weit diese Angaben zutreffen, wird Fahne" feine„ Sozialist sche" Organ fation. Er steht auf dem Boden die in der nächsten Woche fattfindende Revision des Prozesses der Berfassung und es gehören ihm eine große Anzahl Kommunisten zu erweisen haben. Die bisher mit den Urteilen ber französischen Kriegsgerichte gemachten Erfahrungen haben gezeigt, daß in ben wenigen Fällen, wo eine Wiederaufnahme des Berfahrens in Gegenwart der Angeklagten stattgefunden hat, die Belastungshaben. Erst in der zeugen jedesmal verlegt boffizier, er jeg efangenen och ift ein ehemaliger beutscher jetzt Stadtfchreiber von Hagenau im Elfaß ist, und der von einem franzöfifchen Kriegsgericht megen ähnlicher Delitte zu zehn Jahren Zuchthaus perurteilt worden mar, in der Berufungsverhandlung, in der sich die Zeugen mert. würdigerweise ihrer früheren Angabn nicht mehr genau zu erinnern wußten, freigesprochen worden. " Öffentl. Wählerversammlung Montag, den 10. November, abends 7 Uhr: heute, die 71/2 Adlershof: Lotal Wöllstein, Bismardstr. 75. Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schutzölle Republik und Berbilligung der Lebensmittel! Redner: Landtagsabgeordneter Hirsch. für Borf: Es haben Frau in Ihrem Leben fo viel bedeutet, mußten Sie doch auch bie Sie in der Sommerfrische beobachtet haben. Wenn Ihnen die Ermittlungen ftattgefunden und es find Leute vernommen worden, wiffen, wann Ihnen die Frau zuerst zu Gesicht gekommen ist. Angel: Meiner Anschauung nach ist das richtig, was ich gefagt habe. Borf.: Herr Rahardt, das macht teinen lugen Eindrud, wie Sie fich verteidigen. Die Situation war doch folgende: Sie waren Borgefekter Hoffmanns, den Sie in die Stellung gebracht haben. Dem Hoffmann wurde vorgeworfen, daß er der dieberietretär fei und Sie bede. Das Berhältnis zwischen Ihnen und dem Sekretär und besonders zwischen Ihnen und der Frau des Sekretärs wurde allgemein besprochen. Die Situation muß doch fehr peinlich für Sie gewefen fein, als Oberregierungsrat Felsch diese Frage ftellte. Angefl: Die Sache liegt 20 Jahre zus rüd und ich habe seitdem Taufende von Menschen tennen gelernt. Wir werden über den Fortgang des Prozesses berichten. Tödlicher Fliegerabffurs in Münster. Bei den gestern in Münster veranstalteten Flugfahrten stürzte der Flieger Schröder aus Barmen während der Borführung eines Lufttampffluges aus 80 Meter Höhe mit einer Dietrich- Bobiet- Maschine ab. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Der Flieger war auf der Stelle tot. Dampferzufammenflok auf der Schelde. Auf ber Schelde iſt es zu einem Zusammenstoß zwischen dem französischen Dampfer ,, Marquise de Buberfac aus Rouen und dem Schlepp. dampfer Alerte" gefommen. Bekterer fant, während der andere Dampfer amar befchädigt wurde, aber das Dod noch zu erreichen vermochte. Bekämpfung der Wohnungsnot in Baris. Die Stadt Baris hat zur Ermöglichung von Neubauten billiger Wohnhäufer den ersten Abschnitt einer großen Anleihe in Höhe von 75 millionen aufgelegt. Man hofft, baß binnen zwei Jahren auf diese Weise für piele Laufende von Samnien billige Bohnungen geschaffen werden Lönnen. 389 Allometer in einer Stunde. Der Militärflieger Bonnet hat eine Stundengeidymindinfeit von 389,890 Kilometern erreicht und damit den bisherigen französischen Schnelligkeitsrekord von 375 Kilo. metern überholt. Erdbeben in der Schweiz. Zürich, 10. November.( Eigener Drahtbericht) Am Sonnabend nachmittag verursachte ein schweres Erdbeben am Walen. fee im Ranton Graubünden einen gewaltigen Erdrutsch am Südufer des Sees, wodurch die Geleise der Bahnlinie auf 150 meter haus hoch verschüttet wurden. Damit ist der Bertehr auf dieser hochwichtigen internat onalen Strede nach dem Engadin' und dem Arlberg völlig unterbrochen. Beitere Erdrutsche in dem steilen Felsennelante werden befürchtet. Gewerkschaftsbewegung Langsamer Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Stichtagzählung der wichtigeren Arbeitsnachweise ergab: gen. Die Hochwafferschäden in Koblenz. Das Hochwasser hat in Roblenz so weit noch gelaffen, Daß die überfluteten Straßen wieder freigeworden sind. Die Schaber den an den Wohnhäusern, in den Wohnungen selbst, sowie in gewerblichen Betrieben sird sehr groß. Fuß hoch lageri der Schlamm carf den Straßen und in den Wohnungen. In verschiedenen Wohnbäufern find die Fußböden durch die Wucht des hereinströmen ben Waffers aus den Fugen gehoben. Türen und Fenster sind zertrümmert und die Wohnungseinrichtungen erheblich beschädigt. 3mi. schen dem Schlamm auf den Straßen haben sich angeschwementer Hausrat, Hölzer, Zierleichen und Geröll gesammelt. Besonders fchlimm sieht es am Deutschen Ed aus, wo sich die Mofel während der Hohflur einen neuen Weg gebahnt hatte. Die gärt nerischen Anlagen sind völlig zerstört. Tiefe Furchen haben sich in den Boden eingegraben. Von den Granitblöcken sind Postamente heruntergestürzt und weggefchwemmt. Schwere Granitplatten find vom Hochwasser gehoben und zertrümmert worden. Ebenso hat die Eisenumzäunung des Deuschen Eds erheblichen Echaden gelitten. Das gleiche Bild zeigt sich in den Rheinanlagen. Schweres Uufounglüd bei Graz. Heute vormittag wollte ein Lastauto, in dem fich 22 Personen befanden, die zu einer Bersamm Jung nach Graz fuhren, auf der Bundesstraße bei Beggou einem Personenauto ausweichen und stürzte dabei über die steile Straßenbofchung, die zur Mur führt, hinab, wobei sich das Fahrzeug mehrere Male überschlug. Drei Personen wurden getötet, 15 schwer und drei leicht perletzt. Unter den Toten befindet sich der Obmann des steirischen Bauernbundes, Bundesrat Lanner. Sport. Reit- und Fahrturnier. Zu diesem Turnier im Sportpost fanden wieder schwedische, ungarische, italienische, fchweizer ucid holländische Offiziere den Weg in die deutsche Repubiit. Diese Herren wurden auch vom Außenminister der deutschen Republit empfangen. Die Turniere finden auch unter der breiten Bevölkerung eine immer größere Anhängerschaft, dennoch sehe gewisse Kreise sie für eine ureigene reaktionäre Angelegenheit an. Reit- und Fahrturnier. Gleich der erste Abend des Jagd fpringens mit Totalifater fand eine so große Teilnehmerzahl, boß die fühnsten Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. Es waren an diesem einen Abend 172 Starter zu verzeichnen. Das war des Gut wirklich zu viel, das Bublifum ermüdete sichtlich und nur menige Betreue harrten pon 8 Uhr abends bis 22 Uhr nachts aus. Künftighin werden darum die Pferde, wenn sie soviel Fehler gemadyt haben, daß sie nicht mehr als Plozierte in Betracht kommen fönnen, abgeläutet. Damit werden unnötige Längen vermieden und Die einzelnen Springen behalten ihr interessantes Bild. Bei dem vorzüglichen Pferdematerial gibt es sehr scharfe Kämpfe und bei fehlerfrei absolviertem Runs gibt die Zeit, bei der 3. B. ½ Sefunde eine Rolle spielt, den Ausschlag. Als am Sonntag nachmittag ein schwedischer Oberleutnant aus der Eignungsprüfung für Offizierspferde als Gieger hervorging, forgte das Publikum nicht mit seinem Beifall. Das Abendspringen zog sich aber. trok der Neuordnung, wieder bis weit nach Mitter.ccht hin. Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 9. November. 1. Rennen 1. 2odung( Jauk ir.), 2. Frelichen( Czerson),& Dolina ( 3. Rosenberg). Zoto: 69: 10. Plaz: 21, 34, 35: 10. Ferner liefen: Bains ca. Eulenspiegel, Marg. D'Domna, Mac Gregor I, Mac Gregor, Wyver berg. Bouditer jr., Native Forbes, Musical Girl, Mirabelis I, Dollyfa, Motuna, Lu, Blaumeiſe, Katharina, Ninon I. 2. Hennen. 1. Ludwig( Przyrembel), 2. Linscott ir.( Hartjeil), 3. Denimange( G. Lautenberg). Toto: 105: 10. Plat: 29, 143, 24: 10 Ferner liefen: Doletit, Augenstern B. Baron Gabler, Stalle, Kadett, Terraria, Hellina, Dilemma, Baron Nushaga, Filio, Freibeuter, Dichtung, Berber. 3 Rennen. 1. Zeitgeist( 2. Sola), 2. Haubize( W. Eösler), 3. Ballonfönigin( D. Schmidt). Zoto: 116: 10. Blat: 42, 49, 39: 10. Feiner liefen: Artcorthy J, Bella Dawson, Ludmill I, Bontresina, Barmaid, Johannisfeuer, Heideprinz, Fürst, Nachtfalter, Harry B., Jimiene, Erbgraf, Alpenjeg, Fiscus, Conrad. 4. ennen. 1. Homer( Großmann), 2. Mary H.( Jauß fr.), 3. Erdmann( B. Hedert). Loto: 16:10. Blag: 11, 11. 12: 10. Ferner liefen: Feuerwebr, Interbellant, Prinz Manowan, Hetmann, Fels. 5. Rennen. 1. Bring Adbell( B. Heckert), 2. Nathan IV( Sm. Schlimm), 3. Bring. Fortuna( B. Lemzer). Toto: 225: 18. Plaß: 40, 15, 74: 10. Ferner liefen: Stella Harf. Prahlbans, Fenelon, Erbschaft, Tafna, Francisco, Gudrun II, Gawein, Gaffenmädel, Eilzug. 6. Rennen. 1. Boz( Grozmann), 2. Stittyschor( 3. Mills), 3. Stuart Webbs( St. Schon). Toto: 26:10. Plat: 18, 17, 23:10. Ferner liefen: Lady Betäurist, Bute, Clematis blau, Beter I, Odysseus, Schlips, Pava, Trotteur, Teufelsbart. 7. Rennen. 1. Sudan( Ch. Mills), 2. My Darling( J. Mills), 8. Rapelimeiiter( Rosenberg). Toto: 18:10. Blaz: 11, 13, 15:10. Ferner liejen: Binnie, Lebensluft, Wasserlauf, Staßbach. 8. ennen. 1. Johannistäfer( B. Strauß), 2. Federnelle( F. Schmidt), 3. Della( Großmann). Toto: 119: 10. Pag: 26, 21, 18: 10. Ferner liejen: Margot I, Batichari, Lumpi, Jmme I, Quintora, Stapellauf, Adelei B., Billy I. Goethe- Bühne Klosterstr. 43 Tiglich 8 Uhr: Sturm u. Drang" von F. M. Kiinger Re le: Dr. Heine Vorverkauf: Theaferk. 10-2, 5-8, Werth ,, Speler a. Peters Mitgl halb.Kass.-Pr. WINT BARTEN VarietéSpielplan Rauchen gestattet. Theater am Hotbusser Tor. Täglich 8 Uhr u Sonnt nachm 3 Uhr. EllicSänger Fabelhalles NovemberProgramm! Volkstüml Preise. KrausePianos zur Miete Reichshallen- Theat. Abends 8 U. u. Stg. nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Hachm. halbe Pr. b. voll. Abendurogi. Dönhoff- Brettl: Herrlich. Progr ,! Anf. 72. 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August... 17 808 Die Zahl der Arbeitsuchenden ist um knapp 10 Proz., die verfügbaren Stellen um etwas über 7 Broz. zurüd gegan zurüdgegan Der Rüdgang der Stellenangebote beschränkt sich auf das weibliche Geschlecht, beträgt hier allerdings ein volles Sech stel, während das Angebot für Männliche um gui ein Behntel 3 un a hm. Auf ein Stellenangebot tamen bei den Männern noch 37,8, bei den Frauce 7,6 Arbeitsgefuche. Wie sonst war nur für Landarbeiterinnen das Stellenangebot( 4938) größer als die Nachfrage der Arbeiterinnen( 1583) Sonst besteht fast überall noch ein mächtiges ll eberangebot von Arbeitern. So famen in der Gruppe Bergbau und Hütten. wesen auf 555 freie St: llen 27 109 verfügbare männliche Arbeiter, in metallverarbeitung und Maschinenindustrie 130 098 auf 1427 Stcllen, im Holz und Schnikstoff gewerbe 24 178 auf 729, im Baugewerb e15 529 auf 2337, im Vertebrsgewerbe 34 434 auf 324( 106 auf 1 Stelle!), bei 2033 Stellen, 22 517 weibliche auf 10008 offene Stellen. Bei tauf Lohnarbeit wechselnder Ari 176.339 männliche Arbeitsuchende auf männischen und Bureau angestellten, Technifern famen 72 327 männliche Stellensuchende auf 788 Stellen, 32 700 weibliche auf 634 Stellen. Bei den häuslichen Diensten standen einer frage von 25 135 Weiblichen 6632 offene Stellen gegenüber. Nach Gebieten gab es: Berlin Brandenburg Rheinproving Bayern. Freistaat Sachien • S Arbeitsuchende männlich weiblich 58 851 28 996 7729 130 437 55822 Offene Stellen männlich weiblich 332 1150 1028 546 2 034 13 868 716 1 658 21 171 1 093 48 997 12 019 1 182 1 105 1883 Die Einstellung des Kampfes im Buchdruckgewerbe. Nach langwierigen Verhandlungen hat der mit größter Hart nädigkeit geführte Kampf durch den an Saunabend gefällten Schieds spruch sein Ende gefunden. Der Reichsorbeitsminister hat diefen von beiden Seiten abgelehnten Schiedsspruch im öffentlichen Interesse für verbindlich erklärt. Benn auch die gestellten Forderungen nicht restlos ereicht wurden, so dürfte dach das Ergebnis des Kampfes in Anbetracht der großen Widerstände wenn auch nicht als befries digend, so doch als vorläufig annehmbar anzusehen sein. Der mit größter Einmütigteit und Beschlossenheit geführte Rampf muß nunmehr mit derfelben Disziplin beendet werden. Wir ersuchen alle unsere Funktionäre, dahin zu wirken, daß die ausgesprochenen Ründigungen restlos zurüd. genommen werden und die im Schiedsspruch festgelegten Beftimmungen zur Durchführung gelangen. Jede Maßregelung hat zu unterbleiben; die etwa in Einzelfällen von den Brinzi palen aufrechterhaltene Ründigung ist uns sofort zu melden. Die sich aus dem Schiedsspruch ergebenden Lohnfäße werden in dem morgen erscheinenden Korrespondent" veröffentlicht. Berein Berliner Buchbruder und Schriftgieger. Robert Braun Berband der graphischen Hilfsarbeiter und crbeiterinnen( Ortverwaltung Berlin). Otto Gloth. Der Streik bei der Gasbetriebsgesellschaft. Der durch Urabstimmung der Belegschaft der Gasbetriebsgesellschaft( früher englische Gaswerte) am Freitag beschlossene Nach- Streit, wird höchstwahrscheinlich heute nacht beginnen. Die Ausführung des Streitbeschlusses war zunächst ausgefeht worden, um das Ergebnis der heutigen Verhandlungen vor dem Schlichter Wissel abzuwarten. In feinem Gebiet außer der fleinen Grenzmart ist die Zahl der offenen Stellen größer als die der Nachfragenden. In Berlin tommen auf eine perfügbare Stelle fast 176 männ liche Arbeiter, in der Rheinprovinz gar 239! Nach der gesamten Inanspruchnahme der Arbeitsnachweise ergibt sich ein günstigeres Bild schon für September. Die 3ahl der Arbeitsuchenden war damals im ganzen 1,49 Millionen gegen 1,41 Millionen im August(+6 Broz.), die Zahl der offenen Stellen 511415 gegen 396 169(+29 Proz.), die Zahl der befehten Stetten 420 104 gegen 325 926(+ 29 Prez.). Die Andrang 53iffer( Arbeitsuchende auf 100 offene Stellen) war 292 gegen 35€, die Zahl der vermittelten Stellen auf 100 Arbeitsuchende 28 gegen 23 im Auguft. In den Arbeiterfachverbänden waren im September bei 3 450 000( im August 3 380 000) erfaßten Mitgliedern auf je 100 Mitglieder: Arbeitslos Kurzarbeiter männlich weiblich männlich weiblich 10,7 9,8 16,5 20,4 12,7 11,5 26,0 31,8 12,9 11,3 25,7 30,2 September.. August Juli.. Im ganzen ein noch immer langsamer, aber doch unverkennbarer Aufstieg der Beschäftigung. Hinsicht ich der Zahl der Bollerwerbslofen standen am günstigsten: Vervielfältigimgsgewerbe mit 4,0, Spinnstoffgewerbe mit tung mit 17,1, Buchbinderei mit 11,9, Holz- und Schnitzstoffe mit 6,1 Proz. am ungünstigsten: Maschinenbau und Metallverarbei118 Proz. infichtich Kurzarbeit am besten: Gärtnerei mit 0,1, Bervielfältigung mit 1,3, Baugewerbe und Berkehr mit je 1.6 Proz. cm schlechtesten Ma'chinenbau- und Metallgewerbe mit 33,2, Spinnstoffe mit 28,2, Leder mit 21,9 Proz. Immerhin gab es in der Metallindustrie 49,7 Proz. Bollarbeiter gegen 29,2 im Auguft, im Spinnstoffgewerbe 65.7 Proz. gegen 49,6 im Auguft. Die Rauftraft der Masse( im Vergleich mit der Bor. friegszeit) war 86 Pf. gegen 88 im Auguft und 94 im Februar. Die nüchternen Zahlen lehren, daß das Wirtschafts'eben dan! der wachsenden Entspannung der internationalen Lage sich einer unrerkennbaren, wenn auch noch viel zu langsamen Besse rung erfreut. Aber noch immer ist die Not bergehoch, die Abhilfe völlig unzulänglich. Und die Entwicklung der Lebenshaltungstoften zeigt schon heute ohne Zölle gegenüber der zollgesegneten Borkriegszeit eine wachsende Entwertung der Kauffraft des Geldes. Bringt das Wahlergebnis neue Erschütterungen, so ver. schlechtert sich die Arbeitsgelegenheit reißend schnell. Bringt es einen Sieg der Schutzöllner, so wächst die Teuerung in gleicher Weise. Weitere Ausbreitung des Tapeziererstreiks. Als gesperrt gelten weiter die Betriebe von Birnbaum, Fliederstr. 4 und Sommer, Schöneberg, Hauptstr. 151. Letztere Firma ist auch in Zukunft mit besonderer Sorgfalt zu behandeln. Bir tommen fpäter darauf zurück und ersuchen, bei evtl. späterer Arbeitsannahme, erst im Bureau Erfundigungen einzuholen. Wir biten audy bei bisher nicht bestreitten Betrieben mit der Arbeitsaufnahme äußerst vorsichtig zu sein. Ortsverwaltung. Heute findet eine Berhandlung mit den Unternehmern statt. Zur Entgegennahme des Berich's hierüber finden sich die Streifenden morgen Dienstag früh 10 Uhr im Gewerkschaftshaus ein. Verkäufe B In unserem Bericht über den Cohnkonflikt, am 2. November, heißt es: Es hat den Anschein, als ob die Direktion es unter allen Umständen zu einem konflitt mit der Belegschaft treiben will" Die Direktion hat diese Annahme durch ihr Verhalten jeht vollauf bestätigt, indem sie den Schiedsspruch abgelehnt hat. Der Belegschaft bleibt nun taum mehr eine andere Möglichkeit als die, den Streitbeschluß durchzuführen. Was wollen die Arbeiter? Nichts weiter als die gleichen Lohnbedingungen die für die Berliner städtischen Gas. und Wasserwerte gellen und für die Gasgesellschaft Niederbarnim. Die hier gezahlten, mit dem Verbande der Gemeinde- und Staatsarbeiter geregelten Löhne, tönnen auch von der Gasbetriebsgesellschaft gezaht werden. Nach allem spekuliert die Direktion auf die Technische. Nothilfe. Sonst fönnte fie mit den Interessen ihrer Abnehmer unmöglich ein derartiges Spicl freiben. Dem tönnte nur durch sofortige Berbind. des Schiedsipuches gesteuert lichteitsertlärung werden. Erfolgt sie nicht, dann haben wir den Streit Hier Hubert Lehmann& Cie.! Boa uns fein Geld zu bekommen." Bom Baugenertsbund wird uns gechrieben: Eine wahre Gefahr für die Arbeiter des Baugewerbes ist die BaufirmaHubert Lehmann u. Cie., Berlin- Charlottenburg, Spreeftr. 12. Wir waren schon öfter gezwungen, uns mit ihrem Inhaber in der Deffentlichkeit zu bes schäftigen. U. a., als er einem Arbeiter. der feinen verdienten Lohn forderte, den Revolver vor die Brust hielt. Fast jedes Arbeitsverhältnis endet mit einer lage vor dem Gewerbe gericht, wo Herr Lehmann dann mit einer verblüffenden Ungeniertheit auftrit; fo als: Mir tann feener! Die Prozeßführung sucht er durch alle aur denkbaren Machinationen zu erschweren und jeden Klage so lange wie möglich hinzuschleppen. Nach erfolgter Verurteilung muß dann in jedem Falle die Klageforderung durch Zwangsvollstreckung beigetrieben werden. Der Baugewerksbund wird bald in der Lage sein, wenn Leh monn fein gemeingefährliches Spiel noch weiter treiben kann, die Jubiläumstlage, nämlich die hunterste gegen ihn einzureichen. In lehter Zeit hat sich dieser Gemütsmensch ganz und qar abgewöhnt, noch Löhne zu zahlen oder noch vor Gericht zu erscheinen, da ja doch jede Pfändung fruchtlos ausfällt. Bon seiner Gemütsverfassung zeugt folgender Brief, den berr Lehmann am 3. November an einen Mourer schrieb, der sich bemühte, auf gütlichem Wege feinen Lohn zu erhalten: Hierdurch möchten wir Sie bitten, wegen Ihrer Fordes rung sich nicht mehr an uns zu wenden, sondern können diese beim Gericht anmelden. Wir haben beim Gericht den Konkursantrag ges stellt und ist jedes Fahrgeld, welches Sie ausgeben, u m Don uns Geld zu betommen, weggeworfen. Wir bitten Sie daher Ihren Befuch zu unterloffen. Hochachtungsvoll! Hubert Lehmann u. Cie. gez. Lehmann." Wir warnen hiermit die Bauarbeiter, bei dieser Firma in Arbeit zu treten, wenn sie nicht umsonst arbeiten wollen. Deutscher Wertmeister- Berband, Buchbinderei- Wertmeister unb graphische Beruie. Bon morgen, Dienstag, ab finden unsere Branchenversammlungen im Restaurant Rahmann, Wilhelmstraße, abends 5 Uhr. statt Der Branchenleiter. Achtung, Buchdrudercihilfsarbeiter! Mo gen, Dienstag nadm 25 Uhr Forb fegung der Funitionärversammlung im Gewer: fchaftshaus, Gaal 1. Funktionär buch und Mitgliedsbuch find am Eingang vorzuzeigen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Gditowski: Cotales und Sonstiges: Frig Karstäbt: Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucerel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68, Lindenstraße 8. Monatsgarderobe. Täglich großer Damenmäntel, Flauschmäntel 5.Berkauf von Anzügen, Baletots. Män 8.-. 18.-, 18.-, Affenhautmäntel 19. teln. Cutaways, Frads, Gmotings, 25.-. 85- Tuchmäntel 9.-. 14.von feinsten Herrschaften nur wenig 21-, Estimomäntel 16., 25.-, 35.Teppich Schrager verfauft gegen Gelenheitstäufe in aller Damenmäntel- Fabrit Charlottenstraße Teilzahlung Teppiche, 2X3, 30.- an. getragen. bester Brüden, Diwandeden neuer Garderobe eigener Ser- Rr. 66, 11. 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