Abendausgabe Nr. 533 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 267 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Dienstag 11. November 1924 Berlag und Anzetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Ube Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Hochbahnerstreik in Berlin. Alle Verhandlungen abgebrochen. In einer Versammlung des Fahrperfonals der Hoch- und Untergrundbahn, die in der vergangenen Nacht auf Bahnhof Gleis breied stattfand, wurde einmütig beschlossen, heute früh den Fahr betrieb nicht wieder aufzunehmen. Die Hoch- und Untergrundbahn liegt also in ihrem gesamten Umfang still. Zum Streit selbst er fahren wir folgende Einzelheiten: Der für das Fahrpersonal gültige Mantelbarifvertrag ist von den Gewerkschaften, dem Deutschen Verkehrsbund und der Gewert schaft Deutscher Eisenbahner( chriftliche Richtung) zum 1. Oftober gefündigt worden. Die Forderungen des Personals erftredten fich auf die iedereinführung des achtstündigen Ar. beitstages, auf die Bezahlung der Ueberstunden mit 33% Bros. auf eine Berlängerung des Urlaubs bis auf 20 Tage nach zehnjähriger Dienstzeit und auf eine Ver. befferung der Rrantheitsbezahlung. Die Berhand lungen mit der Hochbahn- Direktion scheiterten an dem Starr finn ber Direttion. Ein Schiedsspruch des Schlich tungsausschusses vom 21. Oftober brachte dem technischen Bersonal wohl die achtstündige Arbeitszeit und sprach eine Ueberstundenbezahlung von 25 Broz. zu, ließ aber im übrigen alle sonstigen Wünsche unberücksichtigt. Auch die Lohnforderungen wurden nur in unvollfommenem Maße erfüllt. Das technische Personal nahm aber diesen Schiedsspruch mit Rücksicht auf den wiedereroberten Achtstundentag an. Für das Bertehrsperfonai wurde dagegen die tägliche Arbeitszeit auf 8 Stunden und 51 Minuten festgesetzt. Auch die Forderung des Personals auf Einreihung in die Reichsbesoldungsordnung wurde nicht erfüllt; auch die Bezahlung der Krankheitstage sollte die gleiche bleiben wie bisher. Der Spruch wurde daher Dom Bertehrspersonal abgelehnt, gleichzeitig aber die Gewerkschaften beauftragt, erneut mit der Direktion zu verhanbeln. Diese Berhandlungen scheiterten wiederum und die christliche Organisation rief munmehr den Schlichter von Groß- Berlin zur Bermittlung an. Bei den fich daraus ergebenben Berhandlungen beantragte jetzt die Direktion der Hochbahngefell. schaft die Berbindlichteitsertlärung des Schieds. pruches, die auch am 5. November ausgesprochen wurbe. Das Bersonal nahm zu der neugeschaffenen Situation Stellung und beschloß, eine Urabstimmung vorzunehmen. Die Abftim. mung ergab eine große Mehrheit für den Streit. Um aber alle Berhandlungsmöglichkeiten zu erschöpfen, wurde eine Kom miffion zu nochmaligen Berhandlungen bevollmächtigt. Die Direktion war fich offenbar des Ernstes der Lage noch nicht bewußt, denn sie Heß auch diese letzten Verhandlungen ergebnislos verlaufen.. Preußens Hilfsaktion am Rhein. 200000 Mark Unterstützung für die Notstandsgebiete. Koblenz, 10. November.( TU.) Bom Oberpräsidenten ber Rheinproving find im Auftrage des preußischen Ministeriums des Innern zur Behebung der durch das Hochwaffer entstandenen Schäden für die Rheinproving 200000 Mart bereitgestellt worden. Mit diesem Betrage dürfte jedoch die Hilfe der Regierung nicht abgeschlossen sein. Die 200 000 Mart werden hauptsächlich zum Trodnen der durchnäßten Häuser verwandt werden. Die Hauptleistung dürfte jedoch den Gemein den anheimfallen. Zurzeit werden die Unterlagen für Unter stügung der geschädigten Winzer, die besonders in der Mofelgegend schwere Einbußen erlitten haben, geprüft. Riefenversammlung in Köln. Otto Braun und Sollmann als Redner. Köln, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Sozialdemokratie eröffnete ben Wahlkampf mit einer Riesen verfamanlung in der Kölner Meffe, in der der preußische Ministerpräsident Otto Braun und der Spitzenkandidat für Köln- Aachen Genoffe Sollmann sprachen. Otto Braun wandte sich scharf gegen die Rechtsparteien und fagte: Mitverantwortlich für die politische Verwirrung fei vor allem die Deutsche Boltspartei, auf die fast alles zutreffe, was über die Deutschnationalen zu sagen fet. Sie fei eifrig bemüht gewesen, in das republikanische Staatsschiff bie nationalistische Ronterbande einzuschmuggeln. Ihr Spiel murde durch die Tattit der Sozialdemokratie durchkreuzt. Es ist viel von einer Boltsgemeinschaft die Rebe gewefen. Es fann nur wirksam und fruchtbar sein, wenn der rechte Gemeinschaftsgeist in all denen lebt, die biese Gemeinschaft billigen. Wenn aber ber besigende Teil des Bürgertums, Deutschnationale und Boltspartei, eifright Bropaganda für den Bürgerblod gegen die stärkste Bariei des Reiches, gegen die Sozialdemokratie treiben, fann es ihnen mit der Bolts gemeinschaft nicht ernst sein. Die Sozialdemokrate fürchtet den Bürgerblod nicht Sie wird dem Kampf nicht aus dem Bege gehen. Aber zum Besten des Landes werde eine solche Polirit nicht ausschlagen. Die Sozialdemokratie gehe mit großer Zuversicht in ben Kampf. Sie werde ihn führen gegen den Befihbürgerblod und das System der Ausbeutung, gegen Monarchie, Reaktion und Krieg und für Republik, Frieden und soziale Gerechtigkeit. Sollmann wandte sich gegen die Kölnische Zeitung", die jegt täglich die nationale Zuverlässigkeit der Sozialdemokratie anzweifle, obwohl sie genau wiffe, daß das Rheinland nicht durch liberale Rommerzienräte und deutschnationale Professoren, son bern durch die Arbeiter gerettet worden fel. Sehr um Inzwischen erschien auf den Dienststellen ein Anschlag der Direttion folgenden Inhalts:„ Der am 21. Oftober gefällte Schiedsspruch ist vom Schlichter für Groß- Berlin am 5. November für verbindlich erklärt. Damit sind die Arbeitsbedingungan bis zum 30. September 1925 und die Lohnbedingungen bis zum 31. De. zember 1924 endgültig und für beide Teile verbindlich geregelt. Es ist uns bekanntgegeben, daß das Berkehrspersonal durch eine urabstimmimg den Streit beschloffen hat. Bir machen alle unfere Arbeitnehmer darauf aufmerksam, daß jeder, der diesem Beschluß folgt und seine Arbeit nicht weiter ordnungsgemäß verrichtet, sich eines Vertragsbruches schuldig macht. Er hat sich als entlassen zu betrachten." Bei dem Hochbahnpersonal verfing diefe alte Taktik der Diret. tion nicht mehr. Die Nachtversammlung beschloß einmütig, die Arbeit ruhen zu laffen. Schon im Frühjahr dieses Jahres, als burch die Starrköpfigkeit der Hochbahngesellschaft eine ähnliche Situation heraufbeschworen war, suchte die Direktion ihre letzte Zuflucht in einem ähnlichen Anschlag. Wenn sich damals noch das Personal durch die Drohungen des Anschlages einschüchtern ließ, fo muß feftgestellt werden, daß diese Waffe inzwischen ſtumpf geworden ist. wie sich die Direktion durch die ein mütige Arbeitsnieber legung überzeugt haben wird, kann man eben mit ganz gewöhne licher Scharfmacherei auf die Dauer nicht die berechtigten Ansprüche der Arbeitnehmer unterdrüden. An der Hochbahndirektion wird es nunmehr liegen, wie lange dieser Streit, der tief in das Berliner Verkehrsleben einschneidet, dauern soll. Nach dem Bericht der TU., der offenbar von der Direktion der Hochbahngesellschaft herrührt, ist mit einer längeren Streifdauer zu rechnen, da die Hochbahndirektion erflärt hat, hierbei( d. h. in der Frage der Arbeitszeit, der Einstufung in die Reichsbesoldungs. ordnung und der Bezahlung der Krankheitstage teine 3u geständniffe machen zu können." Um aber dennoch auf ihre Weise zur raschen Beendigung bes Streits beizutragen, hat die Direktion sämtliche Beamte und Arbeiter ber Gesellschaft brieflich aufgefordert, bie Arbeit am Mittwoch früh wieber aufzunehmen. Wer dieser Aufforderung nicht nachtomme, habe sich als ent. lafffen zu betrachen. Wenn dieser Schredschuß wirfte, wäre es nicht erst zum Streit gekommen. Die Direktion wird schon einiges Entgegenkommen zeigen müssen. Mit entlassenem Personal kann die Hochbahn nicht fahren. angenehm fei den nationalen Herrschaften die Erinnerung an ihre gesamte Deutschnationale Boltspartei und führende Teile der DeutBersadungspolitit. Es sei aber nicht zu leugnen, daß die schen Bolkspartei, freilich auch vereinzelte Demokraten und Zentrumsl'ute drum und dran gewesen seien, im Herbst 1923 das Rheinland au opfern und sich auf ein Rumpfdeutschland zurückzuziehen. Dieser Berrat am Rheinland sei von den sozialdemokratischen Reichs ministern leidenschaftlich bekämpft worden. De Große Koali. tion im Reich sei zugrunde gegangen, weil die Boltspartei durch ihre Mißhandlung Sachfens und die Schonung Bayerns eine reine Klaffenregierung aufgerichtet habe. Nach den Wahlen werde die Sozialdemokratie fampftüchtiger und innerlich fräftiger fein, als in der Hochflut der Inflation. Diese Kräftigung würde sich bemertbar machen, sei es in einer Roalitionsregierung, fei es in der Oppofition. Die Reben fanden stürmischen Beifall. Einige Kommu nisten, die stören wollten, wurden von unseren Reichsbanner leuten an die Luft gefeßt. Eine Diskuffion wurde wegen des Mißbrauchs, den die Rommunisten während des letzten Wahlkampfes mit der freien Aussprache getrieben haben, nicht zugelaffen. Völkische Einbrecher. Der Jungdeutsche Orden" stürmt eine Synagoge. Kaffel, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) In der Nacht litische Bethaus eingebrochen und die Fenster ger vom Donnerstag zum Freitag wurde in Hersfeld in bas isra e trümmert, um in das Innere der Synagoge zu gelangen. Dort wurden foftbare Deden entwendet und großer Schaden durch 3er störung eines Telles der Inneneinrichtung angerichtet. Die Decken wurden in die Fulda gemcrfen, woraus die Polizei sofort ertannte, baß es sich um die Tat von Antisemiten handelt. Sie ging damit nicht fehl Denn es stellt sich heraus, daß der Bant. beamte Thielom, der Sohn eines staatlichen Oberförfters, aus Niederorla, ferner ein gewiffer Göße und Reinmüller, alle brei Mitglieder des jungbeutschen Ordens, sowie ein Ingenieur Detting als Täter in Frage tommen. Hameln, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Urheber bes Giftattentates, das am Sonntag abend auf dem Bahnhof Hessisch- Oldendorf gegen Angehörige des Reichsbanners aus Rinteln verübt worden ist, ist nunmehr in der Person des Dr. Lange in Hessisch- Oldendorf einwandfrei ermittelt. Der Hergang der Tat tonte lüdenlos festgestellt werden. Der Berbrecher ist mit glied des Jungdeutschen Ordens, dessen Abzeichen er während der Tat felbft trug. Der Staatsanwaltschaft ist das Ergebnis der Ermittlungen unterbreitet, ebenso der Regierung in Kaffel, die dem Schurken den Betrieb der Apotheke entziehen wird. Munitionsmangel im Wahlkampf Der Reichspräsident foll helfen. Infolge der inneren Zersegung ist den Deutschnationalen jedes Bugmittel für Wahlversammlungen ausgegangen. Thre Bujammenfünfte sind wie ihre Presse von einer geradezu täglichen Langeweile. Deshalb greifen sie zu den dümmsten Mitteln, um irgendein Feuerchen anzünden zu fönnen. Ihr aß gegen den preußischen Minister des Innern, Seve ring, ist geradezu sprichwörtlich geworden. Jeder ihrer Rebner pflegt mit besonderem Brustton der Ueberzeugung auszurufen: ,, Severing muß fort!" Und die bestellten Jünglinge vom Bismard- Bund, die in ihren Wahlversammlungen herumlungern, pflegen befehlsgemäß lebhaft Beifall zu spenden. Neben Severing ist es der Reichspräsident Ebert, dem die besondere Aufmerksamkeit der Halben" gilt. Ihn pflegt die deutschnationale Presse als den bösen Geist der RePublit barzustellen, der alle Fäden in seiner Hand vereinigt und die Parteien wie Marionetten an der Strippe be megt. Alle patentierten Patrioten guden sich die Augen aus nach einem Führer", der Deutschland wieder zur ruhigen Entwicklung bringen fönnte. Wir sind nicht ganz so naiv, anzunehmen, daß ein Führer vom Himmel fallen und allen traten wissen wir, daß noch zu jeder Zeit unter den jeweiligen Schmerz und Leid beseitigen könnte. Aber als Sozialdemo Berhältnissen die gegebenen Führer aus dem Bolte herausgewachsen sind, wenn die geborenen" und„ ererbten" von der Bildfläche verschwanden. Wenn man den Angriffen der Deutschnationalen auf den Sozialdemokraten Ebert glauben darf, dann ist er allerdings der Führer, den sie in anderen Lagern vergeblich zu erspähen suchen. Wenn es wahr ist, was sie behaupten, daß der Reichspräsident Stresemann und Hergt auseinanderzusprengen, dann wäre es tatsächlich fertigbringt, die schönsten Verschwörungen von eigenschaft, daß sich selbst die Halb und Halben" vor er ein Mann von so überragender Führerihm neigen sollten. Auf diese Idee sind sie freilich noch nicht verfallen. Im Gegenteil begeifern sie ihn in der kleinlichsten und unwürbigften Weise. Neuerdings wird es geradezu zum Sport, stellen. Aber selbst dieser Unsinn ist nicht einmal auf deutschden Reichspräsidenten als einen Landesverräter" darzu schen Hilfe bedurft, um den„ Landesverrat" zu entdecken. nationalem Boden gewachsen. Sie haben erst der völki. Ichen Hilfe bedurft, um den Landesverrat" zu entdecken. Wie unseren Lesern befannt, ist von einem völkischen präsident als Landesverräter beschimpft worden, und als er Agitator namens Ganßer in München zuerst der Reichsbeshalb vor Gericht gezogen wurde, erklärte er, Ebert habe im Jahre 1918 einen Munitionsarbeiterstreit inszeniert, und das fei in Wirklichkeit einem Landesverrat gleich-zustellen. Durch Bernehmung des Reichspräsidenten und der von Canßer selbst benannten Zeugen wurde das Unsinnige der Behauptung sofort flargelegt. Das Münchener Schöffenmissarischen Bernehmung des Reichspräsidenten diesen gericht aber besaß die Dreistigkeit, troz der erfolgten tom= persönlich vorzuladen. Auf den Rat seines Rechtsbei standes, des Genossen Heine, hat der Reichspräsident allerdings darauf verzichtet, sich vor dem Münchener Gericht zum Gegenstand völkischer ,, Ovationen" zu machen. Trog allem aber wiederholen die völkischen und deutschnationalen Blätter die Unterstellung, als ob tatsächlich der gegenwärtige Reichspräsident durch Anzettelung eines Munitionsarbeiterstreifs die Verteidigung des Landes gefährdet habe. Genosse Heine hat nun vor einigen Tagen im ,, Berliner Tageblatt" gegen diesen Landesverratsschwindel" fehr ausführlich sich geäußert und für den bürgerlichen Leserfreis dargelegt, was jeder Sozialdemokrat ohnehin weiß, nämlich, daß seiner ganzen Stellung nach der damalige Parteivorsitzende der alten Sozialdemokratie, Ebert, mit dem Beginn des Munitionsarbeiterstreits von 1918 nichts zu tun hatte und daß er erst auf Berlangen der sozialdemokratischen Vertrauensleute im Auftrage des Parteivorstandes sich dem Aktionsfomitee zur Verfügung stellte, um einen ehrenvollen Abschluß des Streifs herbeizuführen. Heine sagt u. a.: Im Januar 1918 brach als Ausdrud der allgemeinen Mißstimmung, die in dem hungernden, verzweifeln. den Bolte entstand und von Epartatiften genährt murde, ein der Gewerkschaft n als der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei politischer Generalstreit aus. Sowohl die Generalfommiffion standen diesem Streit vollkommen fern und wurden von ihm überrascht. Sie lehnten jede Berantwortung für diese gefährliche Torheit ab. Arbeiter aus der Mehrheitssozialdemokratie, die in den Betrieben gewaltsam zur Teilnahme am Streit genötigt wurden, baten aber den Barteivorstand, Delegierte in den Streifausschuß zu entfenden, damit auch ihre Interessen und die der sozialdemo tratischen Politit gewahrt würden. Erst auf die Aufforderung der Streifleitung felbst, in der die intransigente Rich: ung schließlich doch unterlag, trat Ebert zusammen mit zwei and ren fozialdemokratischen Abgeordneten in das Komitee ein, zu dem aus. gesprochenen Zwede, den Streit in geordneten Bahnen zu halten und ih gerade im Interesse der Vaterlandsverteidigung durch Berhandlungen mit der Reichsregierung möglichst schnell beizulegen. Zu diesen Berhandlungen tam es leider nicht, weil der Staatssekretär des Reichsamts des Innern, Herr Wallraf( jezt noch deutschnationaler Reichstagspräsident! Red. d.„ B.") sich darauf versteiffe, mer mit Abgeordneten und nicht mit den Arbeitern selbst zu sprechen, und weil das Oberkommando in den Marten in blinder Berkennung der Sachlage jede Tätigkeit des Streiffomitees unterfagte. In anderen Städten, wo die Behörden sich auf Verhandlun. en mit den Bertretern der Sozialdemokratie und der Arbeiter einießen, murde der Streit binnen weniger Tage zur allgemeinen Beriedigung abgebrochen. In Berlin dauerte er dank diefen Unge chicichkeiten etwas länger." Jedem, der nicht völlig die Zeit verschlafen hat, werden die chweren Kämpfe in Erinnerung sein, die um jene Zeit innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung ausgetohen ourden. Und jeder, der nicht absichtlich die Augen er en Latfachen verschließt, wird sich erinnern, daß gerade Ebert is Führer Der alten Sozialdemokratie in den Auseinanderlegungen mit Den Spartafiften und den ehemaligen Unabhängigen in Dorderster Reihe stand. Der ganze Streit unter den Rechts- und Linkssozialisten drehte sich ja einzig und allein um die Stellung zur Landesverteidigung. Daß dem jozialdemokratischen Parteivorstand, und insbesondere feinem Borsitzenden Ebert deshalb nicht nur von spartakistischer Seite, jondern auch von den Unabhängigen die schwersten Vorwürfe gemacht wurden, daß er noch bis weit nach dem Kriege als Sozialpatriot", als Raisersozialist", ja fogar als„ Sozialverräter" bezeichnet wurde, ist allgemein bekannt. Ohne daß wir heute alte Wunden aufreißen wollen, muß an diese Tatsache doch erinnert werden angesichts der Ungeheuerlichkeit, daß mun gerade Ebert in Gemeinschaft mit Scheidemann und anderen Sozialpatrioten" als ein Landesver räter dargestellt wird. Die Kreuz- Zeitung Die Kreuz- Zeitung" hat den Artikel des Genossen Heine zum Anlaß genommen, eine ganze Beilagenseite der Rolle Eberts im Januarstreif zu widmen. Darin führt sie ein funterbuntes Gemisch von Zitaten aus allen möglichen Schriften auf, durch das sie beweisen will, daß der Munitionsarbeiterstreit vom Januar 1918 an sich politischen Charakter hatte und für die Landesverteidigung gefährlich geworden sei. Von einer positiven Tätigkeit Eberts, außer der von Heine zugegebenen und allgemein bekannten, tann allerdings selbst die" Kreuz- Zeitung" nichts nachweisen. Um fo eigensinniger hält sie an der Fiktion fest, daß jeder, der damals an der Leitung und an den Verhandlungen beteiligt war, ein Landesverräter sei. In einer neuen Erflärung an das„ Berliner Tageblatt" fagt Wolfgang Heine: In Köln und München waren die Behörden flug genug, den Einfluß der sozialdemokratischen Führer auf die Massen nicht zurückzuweisen, und infolgedessen hat hier der Streit sehr bald ein Ende gefunden. Im bayerischen Landtag hat der Minister selbst den Sozialdemokraten seinen Dank für ihre' Ife ausgesprochen. Nur in Berlin, wo engffirnige, dem pelilifchen Leben völlig fernstehende Bureaukraten und Militärs fich einbildeten, man müßte solche Bewegungen mit Gewalt unterdrücken, hat sich der von vornherein aussichtslose Streit etwas länger hingezogen. Gerade Gewaltmaßregein solcher Art haben dazu bei getragen, die Stimmung im Lande zu verderben und den Geist des Heeres an der Front dadurch zu ersehen, daß der höchste Dienst für die Sicherheit des Baterlandes als Strafe gegen unbotmäßige Arbeiter verhängt wurde. % Ernsthaft wird selbst in den Streifen der Deutschnationalen niemand daran glauben, daß der angebliche Landesverrat" irgendeine positive Unterlage habe. Das ganze Gerede läuft in Wirklichkeit darauf hinaus, daß den Deutschnatio nalen die geistige Munition im Wahlfampf abhanden gekommen ist und daß fie nun mangels eines eigenen Führers sich an den Reichspräsidenten halten, damit er ihnen, wenn auch wider Willen, in irgendeiner Weise den nötigen Zündstoff für ihre Propagandareden liefere. Sie werden freilich damit keinen Erfolg haben. Denn, nachdem ihre blöden Berleumdungen über die vermeintlichen Rittergüter, Jagdschlösser und Billen des Reichspräsidenten ergebnislos verpufft find, wird auch ihre patriotische Entrüftung über den ,, Landesverräter" ins Waffer fallen. Der 7. Dezember wird vollenden, was in Anhalt, Mecklenburg und Hamburg so hoffnungsvoll begonnen ist: der deutsch nationale Sput, der sich seit dem 4. Mai so wichtigtuerisch breit machte, wird verscheucht werden und Der italienische Barbier. Stagione in der Staatsoper. Gewiß ist, belehrt durch das Fiasto der Mascagni- Gruppe, Berlin nicht mehr gewillt, eine neue Truppe ohne Kritik hinzunehmen. Ja es ist steptisch geworden, auch wenn ein nech so berühmter Star über die Alpen geflogen tommt. Die geftrige erste Vorstellung des italienischen Ensembles, Roffinis Barbier, wurde warm und respektvoll, doch mehr unter dem Blickwinkel des gesell schaftlichen als des fünstlerischen Ereigniffes begrüßt. Der Reichspräsident mit Gattin wohnten der Aufführung bei und bewiesen durch ihre Anwesenheit die unentwegt freundschaftliche Gesinnung, die man in Deutschland italienischen Gästen in der Oper des Staates entgegenbringt. Ob allerdings der Preis eines Parketiplages don 24 M. refp. 30 m. eine richtige, deutschen Verhältnissen entfprechende Kalkulation ist. dürfte bezweifelt werden. Der wahre Meister des Abends, der einzige vielleicht, ift Riccardo Stracciari. Er ist das belebende, lustige, anregende Element der Truppe, er hat die ausdrucksvoll große, weitklingende Stimme, mit der er, ab und zu unserem Bohnen ähnelnd, pathetisch, teď und ironisch zu spielen imstande ist. Seine Sprache, fein Rezitativ ist ein melodischer Springquell, und wenn er auch das Primabonnenhafte nicht gerade ausschaltet, so wirkt sein quirliges Temperament bei aller Wohlbeleibtheit der Figur doch natürlich genug, um zu gefallen. Auch die Rosina, von der Frau Capsir hat ihre Reize. Die Stimme ist nicht mehr in voller Blüte, doch bleibt ihr Viergesang, wenn er nicht in dramatischen Höhen zugespißt flingt, ebenso gefällig wie das schnippische Spiel. Ein mittelmäßiger Tenor, der erst im zweiten Att auflebt, ein äußerlich wirksamer Baßbuffo, ergänzen das Ensemble, das man in ernster Oper gern wieder sehen möchte. Das Außergewöhnliche hätte vom Orchester ausgehen können. Der Dirigent Armani hatte viele, vielleicht zu viele Striche aufgemacht und folgte feinen Sängern sehr angemessen, fehr fider. Aber die Tempi Italiens, die Berauschtheit, Grazie, Delikatesse und Unbeschwertheit dieser Edelpartitur hätten wir uns anders gedacht, hoben wir in Deutschland schon einschmeichelnder gehört. Lout oder leise das schien das wichtigste Problem für den Dirige: tten zu sein. Er löste es leider nicht so sehr für die Feinhörigen als für die Schwerhörigen. Vielleicht fehlt ihm der Zusammenhang mit einem so feingliedrigen Instrumentalorganismus wie dem der Staatsoper, den er zu massiv und scharf anfaßte. K. S. der neue Reichstag ein Gesicht bekommen, das den Ausreißern| 74 255 Stimmen der Boltsgemeinschaft Stadt und Land enthalten von 1918 und ihren Trabanten sehr wenig angenehm sein find. Zieht man aber die Verhältnisse im deutschnationalen Lager in Betracht, so ist der Schluß wohl nicht verfehlt, daß die Wahlwird! müdigkeit nicht auf voltsparteilicher, sondern auf deutsch nationaler Seite liegt. Könnten die Ziffern Der Deutschen Volkspartei gesondert erscheinen, so würde ein erheblicher Zuwachs der DBP. festzustellen sein." Der Katzenjammer. Nach der Bürgerblockpleite in Anhalt. Alles in allem: Anhalt hat eingeschlagen! Aber es ist noch nicht zu Ende! Rüstringen- Wilhelmshaven dasselbe Bild, und es geht weiter. Es geht weiter! Da ist kein Halten mehr bis zum 7. Dezember. Die Abrechnung fommt, bald wird das Entsetzen der Rechten zur hellen Banik geworden sein! Im ersten Schrecken über das Resultat von Anhalt hat die Rechtspresse alle Vorsicht vergessen und ihr wahres Geficht gezeigt faffungslos, von Entfegen geschlagen. Das waren faffungslos, von Entsegen geschlagen. Das waren fchon teine Elegien mehr, sondern der Anfang einer Panit. Heute, vierundzwanzig Stunden später, suchen sie die Fassung wiederzugewinnen. Aber es gelingt nicht mehr recht. Das Entfeßen wird jetzt durch fassungslose But abgelöst- die zeigt noch deutlicher, wie die Rechtsparteien die Niederlage am Abgeordnetenimmunität und Interregnum. herannahen fühlen. 7. Dezember unvermeidbar Sie Der Ueberwachungsausschuß wird die Frage behandeln. toben: ,, internationale Dissidenten gegen christliche BarAm Mittwoch, 12. November, tritt der Ueberwachungsausschuß teien" wobei die Kreuz- 3eitung", die sich des Reichstags zusammen, um zu der Frage der Immunität helfen kann, das Zentrum zu den nicht anders helfen der Mitglieder des leberwachungsausschusses und des ,, internationalen Dissidenten" rechnet; oder Wahlterror Auswärtigen Ausschusses während des Reichstagsinterdes Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold", wie in der Deut regnums zu beraten. Als die Auflösung des Reichstags im De= chen 3eitung" zu lesen steht; oder, in trauter Gemeinschaft mit der Deutschen Zeitung" die Rote Fahne": " Der Stimmenzuwachs der SPD. ist hauptsächlich auf den bis zum Wahlterror gesteigerten Schlepperdienst unter den Nichtwählern durch das Reichsbanner zurückzuführen. Magdeburg, die Bundeshauptstadt des schwarzrotgoldenen Faschismus, hatte ganze Regimenter ouf Anholt am legten Sonntag losgelassen." Kommunist deutschnationale Klage über Wahlterror. durch Republikaner- ein feines Bild. Die zember 1923 bevorstand, vertrat der Aeltestenrat die Anschauung, daß für den Fall der Aufiösung die noch Artikel 27 bzw. 35 der Verfassung in Funktion bleibenden Organe des Reichstags im Besiz ihrer geseglichen Rechte verbleiben". Diese Stellungnahme hat der damalige Reichstagspräsi dent Löbe in der Plenarsizung vom 8. Dezember 1923 dem Reichstag zur Kenntnis gebracht. Unter dem Regime des deutschnational- volfsparteilichen InnenNoch erheiternder als der Anblick des Grimmes der Unter- ministers Jarres begann die Verfolgung auch jener Mitglieder der am 30. Oftober beim deutsch nationalen Reichstags= legenen ist der Krach der Bundesbrüder untereinander. Deut. KPD., die in den Ausschüssen fizen. Die KPD. hat sich deshalb sche Volkspartei und Deutschnationale wollen plöglich nichts präsidenten befchwert. Sie erhielt von Wallraf die Antmehr voneinander wissen. Triumphierend zog die RechtsWahrung der Rechte der nach Artifel 35 der Reichsverfassung presse nach der Reichstagsauflösung in den Wahlkampf mit der mort, baß er bereits mit dem Reichsminister des Innern zwecks Deutsche Allgemeine Zeitung" schrie nach dem haben sein Schreiben an den Innenminister, in dem er sich ganz auf Parole: Bürgerblod oder Sozialdemokratie". fungierenden Ausschußmitglieder in Verbindung getreten" sei. Wir Wahlbündnis der Rechtsparteien, Block der Rechben Standpunkt seines Vorgängers und aller Romanentatoren der ten war die Parole. Heute schreibt dieselbe" Deutsche Allge- Reichsverfassung stellt, schon am 3. november veröffentlicht. Inmeine Zeitung": zwifchen find zwar bereits etliche weitere Tage ins Land gegangen, aber eine Erklärung des Herrn Jarres liegt immer noch nicht vor. Auch wir sind zu Beginn des Wahlkampfes für ein Wahl abkommen zwischen Deutschnationalen und Deutsche Volkspartei eingetreten. Das soll mun nicht aber so verstanden wercen, daß die Parteiunterschiede vollständig in einer Sammelliste zerfließen, müßten, denn die Anziehungskraft der in einem Wah blod vereinigten Parteien wird zweifellos nicht erhöht." 3weifellos! Die parteioffizielle Nationalliberale Korrefpondenz" der Volkspartei wendet sich ebenfalls mit Schaudern von den Deutschnationalen ab: " Wie kann die Wahlmüdigkeit beseitigt werden? Zweifellos nicht dadurch, daß noch einmal Deutsche Boltspartei und Deutsche nationale Volkspartei sich zu einer gemeinsamen Liste vereinigen. Im Gegenteil hat die Reichsparteileitung der Deutschen Volkspartei von vornherein das Richtige getroffen, als sie gleich nach Auflösung des Reichstages die Parole ausgab:„ Die Deutsche Volkspartei führt den Wahlkampf selbständig!" Würde man den Vorschlägen gewisser fogenannter überparteilicher Organisationen folgen und eine gemein fame Liste von Deutscher Boltspartei und Deutschnationaler Belfs. partei herstellen, so würde die Ausführung eines solchen Borschlages nicht geeignet fein, die Wahlmüdigkeit im bürgerlichen Lager zu heben. Die praktische Politik beider Parteren war boch im entscheidenden Augenblick und in großen Fragen zu ver schieden, als daß man von ihren Wählern verlangen könnte, sich nun ohne weiteres zu einer Listenverbindung zu verstehen." Zu allem streiten sich nun die Bürgerblockbundesgenossen um den Anteil an den Stimmen, die sie gemeinsam erworben haben. Die Volkspartei fühlt sich geschäftstüchtiger und reklamiert den Löwenanteil für sich. Die Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: Die genaue Stimmenziffer der Deutschen Boltspartei läßt sich nicht angeben, da die volksparteilichen Stimmen in den die nur zum kleinen Teil veröffentlicht worden sind, die Wichtigkeit des Heimatschutes immer wieder eindringlich betont. Mit feinem Humor wußte er den beider me st so funstfremden Politikern es bei zubringen, daß der Künstler in Fragen des Heimatschutzes der beste Sachverständige ist. Die Künstler sind sehr bescheiden," sagte er einmal;„ einer der Hauptwünsche, der mir, feit ich im Landtag size, vorgetragen worden ist, besteht darin, daß sie auch einmal gehört benkmäler des Landes handelt. Im Stillen habe ich mir gedacht, werden wollen, wo es sich um Erhaltung der Kunst- und Naturdaß man die Künstler, die in gewissen Bezirken heimisch sind, zu Heimatschuhmännern ernennen könnte oder zu Waldhütern, da diese ja den Titel Fortwart" angenommen haben." Der Meister flagte beweglich im Landtag über das allmähliche Berfinken der schönen deutschen Heimat. Er erläuterte das an einem drastischen Beispiel, indem er meinte, die Zeit sei gar nicht mehr so fern, da werde man das Eichendorffsche Lied In einem fühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad" nur noch mit einem Kommentar verstehen können. Was ist ein fühler Grund? wird man fragen, und die Erklärung wird lauten müssen: Da, wo jeßt die großen Eisenrohre hingehen, da war einmal im Tal ein Bach, der hat ein großes Mühlenrad getrieben, über das das Wasser stürzte, so daß es im hellen Sonnenlicht wie Diamanten gligerte. Und dann werden die Ander weiter fragen: Wo ist denn die schöne Müllerin, die dort gewohnt hat? Ja, wird man antworten müssen, die arbeitet jegt Stadt; schön ist sie immer noch, aber sie hat keine roten Baden mehr. in der Fabrik oder ist Verkäuferin in einem Warenhaus in der Neben die Erhaltung der alten Bauernkunst, der Bauerntracht und Bauernbräuche, für die Thoma unermüdlich eintrat, hat er stets den Schuß der Landschaft gestellt, mit der ja diese Volkskunft aufs engste verschwistert ist. Für seinen geliebten Schwarzwald hat er rührende Worte gesprochen und auch für seine gefiederten Bewohner, Waldestünstler," me nte er in seiner schalthaften Art. Die Singdie Singvögel. Ich fühle mich sozusagen als Anwalt unserer vögel haben sich mit einer Betition an mich gewendet ich weiß nicht, wie sie es erfahren haben, daß ich jetzt Mitglied der Ersten Rammer bin. Auch einige Raubvögel haben unterschrieben, und weil sie so schön sind, möchte ich auch für sie ein gutes Wort einlegen. Ich denke, der Haushalt der Natur ist doch wohl noch tomplizierter als der Haushalt des Staates, und wer vermaa fo genau zu wissen, ob nicht am Ende auch diese Räuber eine Aufgabe zu erfüllen haben." So hat Meister Thoma nicht nur durch seine Kunst, sondern auch durch sein Wort und sogar als Politiker die Ideen des Heimatschutzes vertreten, und man follte wohl aus seinen Reden, Auffäßen und Sprüchen ein Büchlein zusammenstellen, das uns immer an diese Menschenpflicht gemahnt. Das Fiasto des Bühnenvolksbundes in Berlin. Der Generalsekretär des Bühnenvolfsbundes sendet uns zu unserer Betrach tung über den Zusammenbruch des Dramatischen Theaters einige Berichtigungen auf Grund des§ 11. Die Leser werden gleich leben, was für Berichtigungen das sind. Aber wir drucken sie gern ab. Also: Hans Thoma als Vorkämpfer des Heimatschuhes. Hans Thoma ist wohl der erste freie Künstler gewesen, der auch eine politisch wichtige Stimme zum Schuß der Kunst und der Heis 1. Es ist unwahr, daß das Theater in der Komman. mat erhoben hat. Er wurde bekanntlich in die Erste. Badische dantenstraße vier Wochen lang unter dem Regiment des Ständefammer berufen und er hat in feinen portrefflichen Reden,| Generalsekretärs Gerst gestanden hat, Wahr dagegen, daß diefes Trogdem wird die KPD. auch weiter über die Terrorpartei" der Sozialdemokraten Beter und Mordio schreien und den Deutschnationalen Lafaiendienste le: ften. Ein echter Weltrevolutionär von Mostaus Gnaden hat seine eigene Auffassung von der Lo Ein Präzedenzfall. Uns wird geschrieben: Zu der jetzt aufgeworfenen Frage, ob die Mitglieder des Auswärtigen- bzw. Ueberwachungsausschusses des Reichstages auch nach der Reichstagsauflösung immun find, fann festgestellt werden, daß diese Frage nach der Auflösung des vorigen Reichstages bereits zu entscheiden war, und zwar in dem Fall des früheren Reichstagsabgeordneten Eichhorn. Gegen diesen war im Jahre 1919 ein Haftbefehl erlassen worden, der im Jahre 1924 nach der Auflösung des früheren Reichstages hätte vollstreckt werden können, wenn Eichhorn nicht immun war. Er war damals Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und nahm als solcher den Schutz der Immunität in Anspruch. Die für die Boll. stredung des Haftbefehls zuständige Behörde, die Staatsanwaltschaft I Berlin, hat die Frage dama's geprüft und sich auf den Standpunkt gestellt, daß Eichhorn als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses immun sei, und daß der Haftbefehl nicht vollzogen werden dürfe. Der Magiftrat von Hannover hat dem Antrag des Oberbürgermeisters Leinert, ihn zum 1. Jamar 1925 mit den ihm zu stehenden Bezügen in den Ruhestand zu versehen und ihn dis dahin zu beurlauben, zugestimmt. Türkische U- Boote. Das türkische Wehrministerium steht wegen Baus von sechs Unterseebooten mit einer ausländischen Gesellschaft in Unterhandlung. Theater nie unter seinem Regime stand. Es bestand ein Lieferungsvertrag. An der Schließung des Theaters waren wir weder finanziell noch sonstwie beteiligt.. 2. Es ist unwahr, daß das Experiment mit dem Stegliger Schloßparttheater völlig negativ endete. Wahr dagegen, daß wir mit diesem Theater überhaupt fein Experiment gemacht haben, vielmehr dem Theater, mit dem wir an sich ja nichts zu tun dem Direttor die Abwicklung seiner Verpflichtungen zu ermöglichen hatten, eine Beihilfe besorgten und ein Darlehen gewährten, um und die Schädigung der Schauspieler durch einen Zusammenbruch des Theaters zu verhindern. Es wurde dann auch die Spielzeit bis zur Verpachtung des Hauses an eine Sommerdirektion durchgeführt. Man sieht, der Bühnenvolfsbund ist ein Wohltäter der Mensch heit. Er besorgt Theatern, mit denen er nichts zu tun hat, Beir hilfen, gibt ihnen Darlehen usw. Es lohnt nicht, über Worte zu streiten, wo Tatsachen vorliegen. Das Theater in der Romman dantenstraße wurde sogar als Theater des Bühnenvolksbundes“ bei der Eröffnung beeichnet. 12 In einem Zirkular an die Presse teilt der Bühnenvolksbund weiter mit, daß er von seinem Borpachtsrecht beim" Dramatischen Theater" feinen Gebrauch gemacht hat, vor allem weil die sinnlose und unwahrhaftige Heze der Linkspresse ein gedeihliches Arbeiten im Augenblid mindestens erschwert". Aber auf Grund von KreditTheaters in Berlin energisch weiter verfolgt. zusagen wird der Blan eines christlich nationalen probiert es Herr Gerst, nachdem er mit der Wohltätigkeit und den indirekten Methoden der Beteiligung bisher in Berlin Fiasko er litten hat, mit einer offenbundigen Theatergründung. Er kann unferes regsten Interesses dabei versichert sein. Vielleicht Kapelle des Karlsruher Hauptfriedhofs die Gedächtnisfeier für Hans Hans Thomas Beisehung. Montag nachmittag fand in der Thoma statt, der der Staatspräsident, der Finanzminister, der Oberbürgermeister, der Reftor und Bertreter des Senats der Universität Heidelberg fowie Bertreter von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft beiwohnten. Die Gedächtnisrede hielt Kirchenrat Fischer, der das Lebens- und Charakterbild des Verstorbenen zeichnete. Dann wurde der Sarg van acht Schülern der badischen Kunstgewerbeschule zur letzten Ruhestätte auf dem nordöstlichen Teil des Friedhofs geleitet, wo die Stadt Karlsruhe ihrem Ehrenbürger einen Ehrenplatz ein geräumt hat. Das Märchenspiel Figlifik der Himmelsichneider", von Mar Jungnidel, gelangt im„ Nenen Theater am 300" bis auf weiteres an jedem Mittwoch, Sonnabend und Sonntag, nachmittags 3%, Uhr, zur Aufführung. Aus dem Nachlaß von Bernt Grönvold, dem verstorbenen norivegischen Maler und Kunstfreund, der jahrzehntelang im Berliner Kunstleben wirfte, hat seine Bitwe der Berliner Staatlichen stunstbibliothet cine wertvolle Stiftung gemacht. Es find rund 300 illustrierte Bücher des 19. Jahrhunderts, Berle über Stunst und Stünstler der Gegenwart, sowie eine Sammlung von Einzelblättern, die sie der Kunstbibliothet in der Prinz- Albrecht- Straße schenkte. Eine Sammlung von Marim Gorfis Erzählungen erscheint demnächst im Berlag Heffe& Beder in Leipzig. Sie umfaßt drei Bände und enthält alle die in ihrer Art Hlassischen Geschichten, die Sortie Ruhm begründet haben. Lohnaufbesserung bei der Reichsbahn. Mit dem 1. Dezember d. 3. ftriff der tarifliche Zustand wieder ein. Für alle Cohngruppen tritt eine gleichmäßige Cohnerhöhung von 9 Pro3. ein mit der Maßgabe, daß die Mindestzulage 4 Pf. pro Stunde betragen muß. An Stelle der zehntägigen Cohnzahlung tritt wieder die wöchentlichc. Kein Streit bei der Gasbetriebsgesellschaft! Da der Schiedsspruch heute mittag für verbindlich erklärt wurde, ist die Lohnbewegung bei der Gasbetriebsgesellschaft beendet. Verhandlungsbeginn in Wien. Wien, 11. November.( WTB.) Die Verhandlungen zwischen dem Präsidenten Dr. Guenther und den Vertretern der Eisenbahner- Gewerkschaften haben heute um 12 Uhr begonnen. Sympathiekundgebung für die Wiener Eisenbahner. Eine vom Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deut schen Beamtenbundes veranstaltete öffentliche Be vom 10. November übersandie dem Gewerkschafts- und Rechtsschutzverein des Desterreichischen Eisenbahnpersonals in Wien folgendes Begrüßungstelegramm: Berliner Beamtenschaft verfolgt Euern Kampf mit größtem Interesse. Massenversammlung des Ortsausschusses Beriin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes versichert, Euch wärmster Sympathie." amtenverfammlung Die Regierung Baldwin und Rußland. Reine Ratififation des englisch- russischen Vertrages. London, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Die tonjet. vilave Regierung ist sich bereits schlüssig darüber, daß der von Macdonald mit den Russen abgeschlossene Vertrag nicht ratifi. ziert wird. Sobald Chamberlain die verfahrene SinowjemAngelegenheit erledigt hat, beabsichtigt er den Russen zu erklären, daß der vorliegende Bertrag nicht ratifiziert wird, England aber bereit sei, auf einer neuen Grundlage ein Vertragsverhältnis mit Ruhland herbeizuführen. Baldwins erste Ministerpräsidentenrede. Aus der Rede. Baldwins, die in ausführlicher Fassung nunmehr vorliegt, sind noch folgende Stellen zu entnehmen: Bei den Wahlen habe das Land fich für geordneten Fort chritt und nicht für Stillstand ausgesprochen und habe fich in entschiedener Weise gegen eine Minderheitsregierung erklärt. Das Hauptziel der britischen Regierung in der äußeren Politik werde Stabilität und Folgerichtigfeit sein.( Lebhafter Beifall) Wir stehen zu den Friedensverträgen und wollen auf der Grundlage dieser Verträge gute Beziehungen zu allen fremden Andern pflegen. Daß diese Politit feine Politik der Stagnation t, geht aus der von der letzten fonservativen Regierung unternommenen Aflion hervor, die in gerader Linie zum Damesbe cicht und zur Londoner Konferenz geführt hat, welche sich unter der gefchickten Leitung Macdonalds als so erfolgreich erwies. Die Konferenz war nicht nur wertvoll in sich selbst, sondern sie hatte auch einen besonderen Charakter, da sie den Wiedereintritt der Bereinigten Staaten in die europäischen Angelegenheiten bedeutete. Baldwin erklärte, die Reerung würdige vollauf die besonderen Umstände, die die ständige Mitwirkung Amerikas bei den europäischen Angelegenheiten schwierig estaltete, fönne aber nicht umhin, ihre Dankbarkeit für die führende Rolle zum Ausdruck zu bringen, die die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen spielen, die in dem Londoner Protokoll ihre Krönung fänden, das jetzt auf gutem Wege sei, durchgeführt zu wer den. Dieses sehr befriedigende und hoffnungsvolle Ergebnis würde nicht ohne die staatsmännische Haltung der französischen Regierung erreicht worden sein. Herriot habe sich die Dankbarkeit Europas für feine Loyalität und Mäßi gung verdient und er könne sich versichert falten, daß die britische Regierung fortfahren werde, ihm die freundschaftlichste und ftetiofte Unterstützung bei der Durchführung einer Politif, die er selbst in so weitem Maße erleichtert habe, zuteil werden zu lassen. Sodana folgte die von uns in dem allergrößten Teil unserer Morgenausgabe bereits wiedergegebene Stelle über Deutsch land, die hinsichtlich des Völkerbundes wörtlich lautet: Die Regierung begrüße den Vorschlag, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten solle in einer Form, die mit feiner eigenen Würde und seinen Verpflichtungen vereinbar sei, und sie habe das Vertrauen, daß die Zulassung Deutschlands nicht lange aufgeschoben werde. Baldwin fegte weiter der Bölterbund habe sich als Clearinghaus" für internationale Streitigkeiten wiederum in der Moffulfrage erwiesen. Wenn sich auch die britische Regierung dem Lausanner Vertrage unterwerfe und erwarte, daß die Türkei benso handeln werde, sei sie doch damit zufrieden, Fragen der Aus: egung dem Völkerbunde zu überlassen. Die Regierung habe nicht je Absicht, sich in den Streit in Arabien wegen der Herrschaft über die heiligen Blähe einzumischen, noch beabsichtige fie, als Bermittler aufzutreten. Was Rußland und Aegypten anlange, so halte es die Regierung für verfrüht, jetzt schon irgendwelche Erklärung abzugeben. Die Regierung werde die großen Fragen, die die Vor zugsstellung der Dominien und die Reichsverteidigung berührten, noch einmai untersuchen, und, das Genfer Protokoll werde in einer Beratung mit den Dominien geprüft werden. Zum Schluß erklärte Baldwin, die Regierung werde eine fortschrittliche innere Polifit führen, um die sozialen Bedingungen der Massen zu verbessern. So werde sie sich energisch mit dem Wohnungsmangel beschäftigen und die Gründe für die hohen Lebenshaltungsfosten untersuchen. Es bestehe eine zu hohe Epanne zwischen den Gestehungskosten der Lebensmittel und den Kleinhandelspreisen, die beseitigt werden müsse. Die Regierung werde eine nationale Bolitit führen, so wie sie während der Wahl durch Anhänger aller Parteien unterstüßt worden sei. London, 11. November( WTB.)." Morning Post" schreibt zur geftrigen Rede Chamberlains, wenn man daraus folgern dürfte, daß Chamberlain sich entschließen wolle, die Aufrecht erhaltung des Versailler Vertrages zum Angelpunkt feiner Außenpolitik zu machen, statt England zu unflaren Träumereien und gefährlichen Verbrüderungen zu veranlassen, so dürfe man endlich die Rückkehr des wahren Friedens in Europa erhoffen. Eine Botschaft Baldwins an Herriot. Paris, 11. November.( WTB.) Der englische Botschafter Lord Crewe hat gestern abend dem Ministerpräsidenten Herriot eine Botschaft der neuen britischen Regierung an die französische Regierung überreicht. Der französische Ministerpräsident hat Lord Creme beauftragt, Baldwin den Dank der französischen Regierung zu übermitteln. Berlin ohne Hochbahn. grundbahn still. Die Bevölkerung Berlins, die heute in den ersten Seit heute morgen stehen alle Räder auf der Hoch- und UnterMorgenstunden zur Arbeit eilte, fand zu ihrer nicht angenehmen Ueberraschung die Tore zur Hoch- und Untergrundbahn gesperrt und Schilder mit der Aufschrift: Geschlossen! Da der Ausbruch des Streits vielen überraschend fam, hatte er heute in den ersten Bor= mittagsstunden mancherlei Verwirrung im Gefolge. Die Straßen und manches verspätete Eintreffen in Werkstätte und Bureau war bahnen und die Auto omnibusse waren besetter denn je auf Konto des Streits zu sehen. Im Louf des Vormittags, als man allgemein von dem Streit Kenntnis erhalten hatte, wickelte sich der übrige Verkehr wieder reibungslos ab und nach unserer Kennt nis ist es nirgends zu irgendwelchen turbulenten Szenen gekommen. Ueber den Streit selbst, seine Ursache und Ausdehnung berichten wir an anderer Stelle des Blattes. Morgen ohne Gas? Die Streitgefahr bei der Gasbetriebsgesellschaft hat fallte Schiedsspruch ist von der Direktion der Gasbetriebsgesellschaft sich außerordentlich fritisch gestaltet. Der am letzten Sonnabend geabgelehnt worden, während die Tarifkommission der Arbeiter den Schiedsspruch anzunehmen bereit war. Neue Verhandlungen find, nachdem der Schiedsspruch gefällt worden ist, nicht mehr möglich. Reichsarbeitsministerium den gefällten Spruch als verbindlich erklärt, Es ist möglich, daß, wenn nicht im Laufe des heutigen Tages das die Belegschaft am Mittwoch morgen geschlossen in den Aus stand tritt. Bei einem Streit bei der Gasbetriebsgesellschaft würde der Süden, Südwesten und auch ein Teil der west lichen Außenbezirke betroffen werden. Eine Autofalle. Das Drahtseil über der Chauffee. Eine neue Auto folle ist gestern cbend auf der Nauener Chaussee zwischen Belten und Marwizz festgestellt worden. Gegen 7 1hr abends fuhr ein fleines Auto, in dem sich zwei Infassen, Gustav Steinseifer aus der Wilmersdorfer Straße 5 und Felig Greu lich, befanden, von Belten nach Nauen zu. Auf der Strecke zwifchen Belten und Marwig rannte der Wagen gegen ein über die als und am Hinterkopf verlegt, zum Glück jedoch nicht Chaussee gespanntes Drahtseil. Beide Infassen wurden am gefährlich. Sie sahen noch, daß das Sit weiter gespannt blieb, nach dem fie darunter hinweggefahren waren. Eiligft fuhren fie nach Nauen, erstatteten dort Meldung und fuhren gleich nach Berlin weiter, um auch hier der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen. Alle Ortspolizeibehörden wurden schleunigst benachrichtigt. Der Chef der Kriminalpolizei, Oberregierungsrat oppe, beauftragte Kriminalfommissar Galzom mit der Aufklärung dieses Verbrechens und ferner auch der Anschläge, die in der letzten Zeit auf der Berlin: Rommissar ist heute früh in Begleitung der beiden Verletzten zum Magdeburger Chausse und andersmo rerübt wurden. Der Tatort nach Belten gefahren. Die schwarzweißrote Oberrealschule. Wir berichteten in Nr. 528, daß in einer Elternversammlung der Luisenstädtischen Oberrealschule( Dresdner Straße) bei der Enthüllung eines der Schule geschenkten Schiffsmodells auf Aufforderung des Direfiors Dr. Grundscheid das Flag= auf Aufforderung des Direfiors Dr. Grundscheid das Flag genlied gesungen wurde. Der Kehrreim dieses Liedes lautet: " Dir woll'n wir stets ergeben sein, getreu bis in den Tod, dir woll'n wir unser Leben weih'n, du Flagge schwarzweißrot." Zur Ergänzung teilen wir heute mit, daß inzwischen diefes Modell eines Handelsschiffes auf dem Flur der Schule aufgestellt worden ist und den Blicken der Lehrer und der Schüler sich im Schmud einer schwarzweißroten Fahne darbietet. Bohlgemerft: Das Schiffbein trägt nicht die jetzt als deutsche Handelsfiagge dienende schwarzweißrote Fahne mit der sich bescheiden in eine Ede drückenden schwarzrotgoldenen Gösch, sondern eine ,, unverfälscht" fchwarzweißrote Fahne ohne die schwarzrotgoldene Gösch! Dem Herrn Oberstudiendirektor Dr. Grundscheid empfehlen wir drin. gend das Studium der von der Zollbehörde vor längerer Zeit an alle Schulen versandten Fiaggentafel. In der Elternversammlung wies er richtig darauf hin, daß das Geschent eines solchen Schiffes sich deutscher Technik und Wissenschaft ist. Es scheint aber, als wolle besonders gut für eine Schule eignet, die eine Vorschule für Träger Deutschtums besonderer schwarzweißroter Art heranzüchten. Wir man in der Luisenstädtischen Oberrealschule auch Pioniere eines erwarten und fordern, daß die Flagge des Kaiserreiches schleunigst von dem Heck des Schiffleins verschwindet. Sorgt der Anstaltsleiter nicht selbst dafür, so muß er durch höhere Weisung dazu angehalten werden. Hier hätte Stadtrat Benede sogleich eine treffliche Gelegenheit, feine Eignung" für die Berwaltung des höheren Schulwesens zu zeigen. Das Pferd mit dem Dummkoller. ehrlich Wegen Betruges hatte sich der Pferdehändler Bernhard Küchler vor dem Weißenseer Amtsgericht zu verantworten. Beim Verkauf eines Pferdes hatte der Angeklagte verschwiegen, daß das Tier den Dummfoller hatte. Ende Juni dieses Jahres erhielt R. aus Ostpreußen mehrere Pferde. Unter diesen befand sich ein Fuchswallach für einen Kaufpreis con 200 m. Schon am ersten Tage bemerkte der Händler, daß das Tier nicht ganz einwandfrei war. Trogdem verkaufte er das Tier für 250 M. an einen Schlächtermeister in Oberschöneweide. Ein Tag später fam der Käufer mit dem Wallach zurück und bemerkte, daß das Tier dumm fei. Am 15. Juli brachte der Angeklagte seine gesamten Pferde nach dem Weißenfeer Pferdemarkt. Hier wurde das dummkollerische Pferd an einen Fuhrmann für 290 m. verkauft. Beim Kaufabschluß bemerkte der Händler noch ausdrücklichst, daß das Tier und gut" fei. Der Handel wurde fofort abgeschlossen und die Kaufsumme fassiert. Im Stalle des Fuhrmannes bekam das Pferd feine Stunden". Es warf sich auf die Erde und tobte herum. Anspannen ließ es sich nur widerwillig. Der Fuhrmann fonnte mit dem Tier nicht fertig werden. Schließlich wurde auf der Tierarzneischule festgestellt, daß das Pferd den Dummkoller habe. Als sich nun der Betrogene an den Pferdehändler wandte, wurde er von diesem barsch abgewiesen. Der Bruder des Angeklagten bot dem Fuhrmann sogar Ohrfeigen an. Der Amtsanwalt betonte, daß der Angeklagte die erheblichen Mängel des Pferdes beim Kauf abfluß verschwiegen habe. Daß der Wallach als Rugtier nicht zu gebrauchen war, wußte K. sehr wohl. Er habe daher wissentlich einen ganz gemeinen Betrug begangen. Der Amtsanwalt beantragte 150 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 250 Goldmart Strafe. In der Notwehr. In der Nacht zum Sonnabend zwischen 1% und 1% Uhr wurde der Ballschuhmacher Brütte am Elisabethufer hinter der Gasanstalt mit einem Kopfschuß, schwerverlegt aufgefunden. Man glaubte zunächst an ein Verbrechen, zumal hie Schußwaffe fehlte. Grütte hat sich jetzt im Krankenhaus so weit erholt, daß er ver nommen werden konnte, wie er selbst sagt, hat sein Gegner in der Notwehr gehandelt. Er hatte versucht, diesem eine krokodillederne Aktentasche zu entreißen. Um den Angreifer abzuwehren, zog der Unbekannte einen Revolver und schoß ihm eine Kugel in den Kopf. Dann lief er davon. 3eugen des Vorganges werden noch gesucht, insbesondere ein Arbeiter aus Neukölln, der zuerst auf den Verletzten aufmerksam wurde, zwei junge Männer, die diesen Arbeiter ansprachen und auch die, die ben Verlegten nach dem Krankenhause brachten. Sie werden ersucht, sich bei dem Polizeiamt Kreuzberg am Belle- Allianceplay. Simmer 38, zu melden oder bei der Dienststelle B. II, 5 des Polizeipräsidiums. Ebenso der Mann. der in der Notwehr den Schuß abgegeben hat. Dieser ist ein großer, starter, etwa 30 Jahre alter Mann mit schwarzem, vollem, nach oben ge= drehtem Schnurrbart. Er trug einen Künstlerlodenhut. Betäubungsversuch am Fahrkartenschalter? Der Mann mit der Zigarette. Ein Anschlag mit einem Betäubungsmittel, der auf einen Schallerbeamten des Potsdamer Bahnhofes rerübt sein soll, beschäftigt seit einiger Zeit die Kriminalpolizei. Am 1. d. M., abends gegen 11 Uhr, löste ein Mann zu dem Zuge, der 11.03 Uhr nach Potsdam abfährt, eine Fahrkarte, während eine Frau hinter ihm stand. Während der Schalterbeamte die Karte aus dem Fach nahm und stempelte, blies der Käufer den Rauch seiner 3igarette sehr start durch das Schaltergitter in den Raum hinein. Der Beamte fühlte sich plötzlich unwohl und verlor die Besinnung. Ein zweiter Beamter, der sich noch in dem Raum be= fand, wurde ebenfalls benommen und öffnete ein Fenster. Unterdessen waren der Mann und die Frau weggegangen. Die Beamten nehmen an, daß der Fahrkartenlöser cs cuf einen Raub Abstand genommen habe. als er den zweiten Beamten fah. der Schaltertaffe abgesehen hatte, von seinem Plane aber Der erste Beamte mußte ein Krantenhaus aufsuchen. Der Beamte, der am nächsten Morgen den Schalterdienst übernahm, merkte ebenfalls noch einen üblen Geruch. Ob wirklich ein Anschlag mit einem sollte meinen, daß dann auch der Raucher der Zigarette selbst Betäubungsmittel vorliegt, fonnte noch nicht festgestellt werden. Man darunter hätte leiden müssen, wenn sein Tabak irgendwie präpariert gewesen ist. Auch hätte sich wohl ein Betäubungsmittel am nächsten Morgen verflüchtigt, um so mehr, als ein Fenster geöffnet worden war. Diebstähle in Stadtbahnwagen, die unter Anwendung voci Betäubungsmitteln verübt worden sein sollten, haben wiederholt die Kriminalpolizei beschäftigt. Die Bestohlenen glaubten immer, daß der Dieb sie mit einem solchen Mittel eingeschläfert habe. In den allermeisten Fällen aber hat sich das als unrichtig erwiesen. Andere blieben ungeklärt. Auf dem Potsdamer Bahnhof muß man doch wohl mit der Möglichkeit recnai, daß das Unwohlwerden der Beamten auf eine andere Ursache zurückzuführen ist. Leider kann der Beamte den Käufer der Fahrkarte nicht beschreiben. Schwere Explosion in Schöneberg. Aus noch nicht geklärter Ursache entstand heute vormittag in einer Abteilung der Bonbonschwere Reffelerplosion. 3wei dort beschäftigte Ar= fabrit in der Feurigstraße in Schöneberg eine Händen. beiter erlitten starte Brandwunden im Geficht und an den Man veranlaßte die sofortige Ueberführung in das Auguste- Biktoria- Krankenhaus, wo man den Verletzten erste Hilfe leistete. Eine Scheune mit Erntevorräten niedergebrannt. In der letzten einer großen, mit Ernte porräten gefüllten Scheune in der Nacht brach um 2 Uhr in dem Dorfe Schönefeld bei Grünau in Dorfstraße Feuer aus, das sich sehr schnell ausbreitete. Die freiwilligen Wehren aus Alt- Glienice, Bucom, Johannistal und anderen Orten waren bald zur Stelle. Die Berliner Feuerwehr en fandte die Wache aus Niederschöneweide, die mit zwei Rohren stärksten Kalibers wirffam löschte. Nach vierstündiger Tätigkeit fonnte diese Wache wieder abrüden. Die freiwilligen Wehren, de ebenfalls wader sich an den Löscharbeten beteiligt hatten, fonnten erst nach der Aufräumung abrüden. Der Schaden ist groß. Ingenieur Hans Steffen aus Schöneberg, Cherusterstraße 18, Der Gastod. Wegen Arbeitslosigkeit vergiftete jich der 38jährige mit Gas. Der Arzt der Rettungsstelle Schöneberg fonnte nur noch den Tod feststellen. Den Aufwertungsausschuß der Kreisspartaffe Niederbarnim. Borgehen der Berliner Sparkasse und des Kreisausschusses Teltow folgend, beabsichtigt auch der Kreisausschuß des Kreises Niederbarnim, allen über 65 Jahre alten Sparern der Kreissparkasse auf den Goldmarkwert ihrer Sparguthaben einen Auf wertungsvorschuß zu zahlen. Anträge unter Vorlegung des Sparbuches und einer Ürkunde über das Lebensalter des Sparers nehmen in der Zeit vom 16. November bis 31. Dezember 1924 die Kreissparkasse, deren Nebenkassen und Nebenstellen entgegen. Ein Siebzigjähriger! Genosse Bernhard Blehner beging am 9. November feinen 70. Geburtstag. Pleßner ist Mitbegründer des früheren Verbandes der Bureauangestellten und bereits seit Jahrzehnten eifrig in der Partei tätig. Am Sonntag hatten sich im Altersheim Buch, dessen Insasse Gen. Pleßner ist, eine große Anzahl von Parteigenossen und Kollegen eingefunden, um ihre Glüdwünsche zu übermitteln. Der Gesangverein Prenzlauer Berg leitete. die Feier durch Gesangsvorträge ein und benuzie die Gelegenheit, auch die übrigen Insassen des Altersheims durch seine Darbietungen zu erfreuen. Kindern Warnung vor Zuzug ins besetzte Gebiet. In den letzten Wochen find zahlreiche Personen auch ganze Familien, sogar mit fleinen aus den verschiedensten Gegenden des Reichs, namentlich aus dem Often, auf gut Glück in den rheinisch- westfälischen Industrie= bezirk zugezogen in der Hoffnung, dort Unterkunft und Arbeit zu finden. Bor solchem Zuzug wird dringend gewarnt. ei der überaus ungünstigen Wirtschaftslage des rheinisch- westfälischen Industriebezirts mit seiner immer noch riesigen Bahl von Arbeitslosen müssen die Zuziehenden damit rechnen, das herrschende Elend noch zu vermehren und auf Arbeitslosenfürsorge oder Armenpflege angewiesen zu sein. Das erste Wohltätigkeitskonzert des Sinfonieordhekers der Schutpolizei, das am 13. November mit Kammerfänger Walter Kirchhoff im Blüthnersaal stattfindet, ist bereits a usverlauft. Karten sind nicht mehr erhältlich. Das zweite Konzert findet vor Weihnachten statt. HI Ein grauenvolles Attentat. Das unscheinbare Paket. Auf den Arbeiter Johannes Schulz des bei Dortmund gelegenen Eisen- und Stahlwerfes Hoesch wurde ein grauenvolles Attentat verütt, dem er wie seine Familie zum Opfer fielen. Als er das Werk verließ, erhielt er vom Portier ein für ihn abgegebenes Paket in der Größe eines Ziegelsteins. Bei dem Versuch, das Paket in seiner Wohnung zu öffnen, explodierte dessen Inhalt, der aus schweren Sprengförpern bestand. Schulz wurde gräßlich zugerichtet. Der Leib wurde ihm aufgerissen, außerdem verlor er die rechte Hand. Seine im Zimmer weilende Haus hälterin sowie drei Kinder wurden lebensgefährlich verlegt. Die Zimmereinrichtung wurde vollständig zertrümmert. Schulz starb auf dem Transport zum Krankenhause, auch die actderen vier Verletzten werden faum mit dem Leben davonkommen. Ueber den Täter fehlt jede Spur. Man nimmt an, daß es sich um einen Racheaft der ersten Frau des Getöteten handelt. Den Kopf abgerissen. Auf dem Kaposvarer Militärerergierplatz demonstrierte, wie aus Budapest gemeldet wird, Oberleutnant Alois Balazs vor der Mannschaft, wie eine Handgranate geworfen werden müsse. Die Granate explodierte vorzeitig und riß den Kopf des Oberleutnants in Etüde. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, ob die tobbringende Granate fehlerhaft hergestellt oder die Explosion infolge unrichtiger Handhabung verursacht wurde. Oslo ftatt Christiania! Die Norwegische Gesandtschaft teilt amtlich mit, daß infolge Gesezes vom 11. Juli 1924 die Hauptstadt Norwegens ab 1. Januar 1925 Oslo heißt. Der jetzige Name Chriftiania ist somit vom 31. Dezember b. 3. gefeßlich aufgehoben. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 St. Achtung Kameradschaftsführer! Sofort Wahlmaterial von der Geschäfts stelle, Sebastianftr. 37( Warenvertrieb) abholen. Gauvorstand. Gewerkschaftsbewegung Die Lüge als Kampfmittel. Wenn die Rote Fahne" der KPD. nun schon einmal darauf eingestellt ist, die Lüge als Kampfmittel zu benüßen, dann dürfte fie bei der langen Uebung im Gebrauch diefes Rampfmittels denn doch nicht gar so plump mehr damit umgehen. Wer soll ihr denn den Schwinde! abnehmen, daß bie Don der Reichs bahngesellschaft geplanten Arbeiterentiafsun gen eine abgetartete Geschichte zwischen Gewerkschaften und Reichsbahn- A.- G." feien. Dabei fordert die Robe Fahne" die gewertschaftliche Einheitsfront. Bir möchten die Gewerkschaft fehen, die mit solch gemeinen Berleumdern eine„ Einheitsfront" herstellen wollte. In der heutigen Morgenausgabe des„ Borwärts" haben wir den Sachverhalt ausführlich geschildert und die Andeutung des„ 8- Uhr Abendblattes" zurückgewiesen, als seien die für die nächsten Mociate vorgesehenen Entlassungen nicht ohne vorheriges Benehmen mit den „ Gewerkschaftsvertretern" erfolgt. Weder der Hauptbetriebsrat noch der Deutsche Eisenbahnerverband haben sich hiermit einverstanden erflärt. I rozdem tommt die Rote Fahne" mit der abgefarteten Geschichte. " Weil der Vorwärts" fich über die Situation in ber RPD. in Berlin und ihrer Gewerffchaftsabteilung fo gut unterrichtet gezeigt hat, zieht die" Rote Fahne" daraus ben Schluß, daß der„ Borwärts" auch wissen müsse, was in der Direktion der Reichsbahn vor sich geht. Bar es schon auffällig, daß der sicher fehr gut orientierte„ Borwärts" in seiner Sonntagsnummer feine Beile von den geplanten Maffenentlassungen bei der Eisenbahn brachte, so hot das weitere Schweigen in seiner Montag- Abendaus gabe. ganz far gezeigt, daß die Eisenbahner von den Gewert fchaften und den Dames- Parteien schmählich verraten und perfauft werden sollen, ohne daß man davon in der Deffentlich teit auch nur befonders verichtet. Bis jetzt find es immer noch die legolen Bertretungen der Eisen bahner, vorab der Deutiche Eisenbahnerverband, die die Intereffen der Eisenbahnarbeiter zu wahren haben und nicht die KPD. mit ihrer Roten Fahne", benen nichts mehr verhaßt ist als die Gewerkschaften und die SPD. Wenn die Moskauer Filiale glaubt, mit solchen fouftdicen Lügen ihren start zurüdgegangenen Einfluß" auf die Eisenb ahner zu verstärfen, mag fie fo meitermachen. Am 7. Dezember gehen ihr auch die Eisenbahner die gehörige Antwort. Beilegung des Tapeziererftreiks. Aus Anlaß der Teilstreits, die in einer Anzahl Werkstätten des Tapezierergewerbes wegen der Lohndifferenzen ausgebrochen waren, fanden gestern mit den Unternehmern Berhandlungen statt. Es ges lang den Organisationsvertretern, die Unternehmer zu Lohnzu lagen zu bemegen, die etwa 18 Bro 3. betragen. Die Erhöhung wird sich so auswirken, daß männliche Bollarbeiter einen Stunden. John von 85 Pf., Junggesellen einen solchen von 52 Pf., Näherinnen 59 Pf. und ungeübte Näherinnen 43 Bf. erhalten werden. Löhne bedeuten Mindestlöhne, die ab 8. November bis zum Jahresschluß gelten sollen. Die Eine Versammlung der Streifenden, die heute morgen statfand und in der Müller vom Verband der Portefeuiller und SEEEEEE 199999999 Shrem langjährigen Raffierer, Genoffen Hugo Suhr zu feinem 60. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Die 5. Abteil ca. 700 Strickwesten Jacken, Rodelgarnit., Jumper, Schals. Mützen etc., in neuest Mustern und richtiger Ausführ. zum Einzelverkauf ständ. am Lager v 8.50 bis 29.50 M. Bleyles Kinderkleidung zu Originalpreisen. Bitte kommen Sie vertrauensvoll zu uns; Sie finden das Richtige. Bruno Richter& Co., Gardinen Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- and Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Fabriklager thür. Wollwaren, Berlin- Neukölln, Bergstr.67 Pankow, Mühlenstr. 1, Ecke Breite Str Geschäftszeit 9-7 Gelegenheit am Ringbahnhof. JL Reste f. Wintermäntel u. Kostüme: ferate im Sealplüsch, Samt, Krimmer. Futterseiden u. Halbseiden bedeutend unter Preis. Haarpuder, Goltzstr.2 ( Grunewaldstraße) Hosen Hosen jeder Art kaufen Sie am besten und billigsten in d. München- Gladbacher HerrenHosen- Zentrale. und Knaben- Anzuge, Hosenträger, Stutzen sehr preisw München- Gladbacher Hosen- Zentrale Rügener Str. 25( nahe Gesundbr.) Blauer Laden Fahrgeldvergütg. Vorwärts fichern Erfolg! Beusselstraße 25 Hosen- Anders RICHARD LOHMANN HILDE LICHTWARK Tage einer entwurzelten Jugend Ein Roman, wie er spannender, erschütternder nie geschrieben wurde In Ganzleinen gebunden 2,50 M. Zu beziehen durch jede gute Buchhandlung und J. H. W. Dietz Nadif., Lindenstraße 2 Tapezierer den Bericht gab, nahm nach turzer Aussprache das Berhandlungsergebnis an. Damit ist der Streit beendet. Die Arbeitsaufnahme muß nach der Verein barung spätestens am Donnerstag früh erfolgen. Die Bereinbarung gilt für das gesamte Gewerbe in Groß- Berlin. Der Protest der Beamten. veranstaltete gestern abend der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen ,, Gegen Bucher und Ausbeutung, für fofortige Gehaltserhöhung" Deutschen Beamtenbundes eine Versammlung, die von den Beamten außerordentlich start besucht war. Runze vom Bundesvorstand führte zum Thema aus: Dar ADB. nimmt als erste Spikenorganisation Stellung zu den Beamtengehaltsverhandlungen, die in den letzten sechs Wochen statt. gefunden haben. In der Zeit, in der die wichtigsten Lebensmittel ganz außerordentlich im Preise gestiegen sind, ist den Beamten fein Pfennig 3uloge gewährt worden. Noch heute müssen die Beamten mit den Gehältern auskommen, die ihnen in vollkommen unzulänglicher Höhe am 1. Juni bewilligt worden sind. Damals hatten es die höheren Beamten verstanden, sich selbst 71 Bro. zent Erhöhung zu bewilligen, während die unteren Gruppen mit ganzen 17 Prozent abgespeist wurden. Die Steige rung der Lebensmittelpreise trifft somit den fleinen Beamten mit voller Bucht. Nicht die Erhöhung der Gehälter hat diese Verteuerung der Lebenshaltung bewirkt, wie damals die Regierung festftellen wollte, sondern gemeinste Spekulations- und Profitsucht der agrarischen Kreise. Trotz der von der Regierung angefündigten Breisfentungsattion erfolgte bie Borlegung der Schuzzollvorlage im Reichstag. Schon ihre Ankündigung ließ den Getreidepreis emporschnellen. Aber Finanzminister Luther war optimistisch genug, von der Zurückziehung der Vorlage ein Gleich bleiben der Lebensmittelpreise zu erwarten. | Beamtenfchaft nichts spüren. Ihnen wird auch in Zukunft nur der Rampf bleiben, ein Kampf, der aber nur in Organisationen geführt werden fann, die, wie der ADB., auch kämpfen wollen. die tämpfenden österreichischen Eisenbahner gerichtet. Nach ausgiebiger Diskussion wurde ein Sympathietelegramm an In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde eine an gemessene Gehaltsaufbesserung gefordert und versprochen, nach dem Muster der österreichischen Beamten auch dafür zu kämpfen. Sperre über das Berliner Sinfonie-( Blüthner-) Orchester. Durch Anfragen aus Arbeiterfreisen veranlaßt geben wir befannt, daß von der über das Blüthner- Orchester verhängten Sperre felbstverständlich auch die eigenen Ronzerte diefes Orchesters betroffen werden. Wie sich die Mitglieder der freien Gewerkschaften Veranstaltungen gegenüber verhalten follen, bei welchen das Blüthner- Orchester zur Mitwirkung herangezogen wird, darüber bedarf es wohl feiner besonderen Belehrung. Bezüglich der letzten Bekanntgabe der gesperrten, Theaterbetriebe fei gefagt, daß die Aufführungen der Operette„ Der Tanz um die Liebe" nicht mehr im Künstlertheater, sondern im Neuen Operettenhaus( Schiffbauerdamm) stattfindet. Es gilt fomit jetzt das Neue Operettenhaus als gesperrt. Deutscher Mufiter- Verband Ortsverwaltung Berlin. Erstarkung der italienischen Gewerkschaften. Trotz Faschismus und Kommunismus. Generalsekretär d'Aragona machte der Roma" folgende Angaben über die gegenwärtige Stärke des sozialistischen italienischen Gewer lichaftsbundes: Der Bund zählt 400 000 Mitglieder. Die Organisation ist in den lezten Monaten gewaltig verbeffert worden. Abgesehen von den Felbarbeitern blieben die Arbeiter aller Gewerbezweige dem Bunde treu. In der Emilia und in Toscana, wo die Faschisten noch start find, find die öffentlichen Angestellten in den faschistischen Gewerkschaften verblieben, obwohl fie mit den sozialistischen sympathisieren. Viele Eisenbahner gehören heimlich wieder dem Gewerkschaftsbund an, da sie sich durch offene Stellungnahme nicht Verfolgungen ausseßen wollen. In vielen Gewerlicbaften werden heimliche Gewerkschaften gebildet, um die Angehörigen vor Verfolgungen der Faschisten zu schüßen. Bei den Gehaltsverhandlungen zeigte es sich flar, daß die Hinter männer des Großfapitals und der Schwerinduftrie die haltung der Regierung beeinflußten. Der ADB. forderte den Deutschen Beamtenbund auf, bei dieser Sachlage mit den Arbeiterorganisationen eine gemeinsame Kampf front zu bilden. Aber alle Borstellungen blieben leider erfolg los. Bei den veränderten Lebensverhältnissen hatten die Beamten von der Regierung eine automatische Neuregelung der Gehälter er wartet, aber nichts rührte sich. Als am 24. Oktober die Beamtenorganisationen im Finanzministerium zu Berhandlungen erschienen, wurden sie auf den Korridoren von weiblichen Hilfskräften und Amts Lohntarif für die Berliner Landschaftsgärtnerei. Die Stunden dienern abgefertigt.( Stürmische Bfuirufe aus der Versammlung.) löhne betragen ab 3. November 1924: Für Gärtner unter 20 Jahren Ende Oktober teilte der Finanzminister mit, daß sich an der ab im 1. Jahre der Branchentätigkeit 0,63, unter 20 Jahren nach ein lehnenden Haltung der Regierung nichts ge- jähriger Branchentätigkeit 0,70, über 20 Jahre im 1. Jahre der ändert habe. Das sagte der Minister zu derselben Zeit, als die Branchentätigkeit 0,72, über 20 Jahre nach einjähriger BranchenBreise fortgefeßt weiterstiegen. Leider hinderte die organisatorische tätigkeit 0,80, für Obergärtner und Anlageleiter 0,85, für Arbeiter Zersplitterung der Beamten, der Regierung die richtige Antwort zu unter 20 Jahren 0,60, über 20 Jahre 0,70, über 20 Jahre nach dreigeben. Unter lebhaftem Beifall stellte der Refernt fest, daß hinter jähriger Branchentätigkeit 0,72, für Frauen 0,45 Goldmart. Die Dem Borgehen der Regierung und besonders des Finanzministers Landzulage beträgt pro Tag 3% Stunden. Der Lohntarif gilt ab die Absicht steht, den Beamten die republitanische 3. November 1924 bis auf weiters und kann mit wöchentlicher Frist Staatsform zu vereteln. Die Beamten müssen unter allen gekündigt werden. Umständen daraus die politischen Schlußfolgerungen Biehen. Runze fritisierte scharf die Ankündigung der Regierung,„ ma ßpolle Gehaltsaufbefferungen" zu gewähren. Unter diefer Aufbesserung versteht man die Annäherung" der Gehälter an die Friedensfäße in der Form, wie das am 1. Juni in Erscheinung trat. Im übrigen stellt sich die ganze Angelegenheit als eine üble Wahimache der Regierung heraus. Bon den Steuerabbaumaßnahmen der Regierung wird die untere Vom Zunftgesellen zum freien Arbeiter Eine kleine Kulturgeschichte mit zeitgenössischen Bildern von PAUL KAMPFFMEYER In Ganzleinen gebunden 1,75 Mark Zu haben: J. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 Gegen bequeme Wochen- oder Monatszahlungen geben wir jetzt auch aus eigener Fabrikation Damen- Konfektion zu bekannt billigen Preisen ab. Oskar Wollburg, Brunnenstraße 56-57 Kredit- Abteilung. Bären- Stiefel für Herbst und Winter zuverlässig, dauerhaft, billig! Hans Bähr, Spittelmarkt 7 Bracke) Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Morgen abend 7 Uhr im Großen Gaal des Lehrervereinshauses, große öffentliche Proteftperfamme lung aller Reichs- und Staatsarbeiter. Tagesordnung: Der Lohnkampf der Reichs- und Staatsarbeiter und der reaktionäre Standpunkt der Reichsregierung. Berantwortlich für Bolitik: Cent Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lofales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. ENORM PREISWERTE GELEGENHEIT! KLEIDERSTOFFE tuchartiges für neueste Muster für Kleider und schwere Gestreifte Stoffe mit Seldeneffekten für Blusen und Kleider, Meter 0.95 Crêpe Marocaine. 100 cm breit Kasaks und Jumper 195 Hauskleiderstoffe oder schwark, ca 140 cm breit Motor 2.25 Reinwollene Musseline Kazaks Meter 2.90 Reinwollene K'garn- Cheviots were Kostümware. 3.75 Reinwollene Ulsterstoffe extra schwere Qualität, ca. 140 cm breit.... 3.90 Reinwollene Kleider- Schotten 105 cm bret, Mtr. 4.95 WOLL- U. WIRKWAREN HANDARBEITEN Strickmützen chen, viele Farben für Knaben Mäd. 0.95 Kopftücher schwarz, reine Wolle 1.75 Kindergarniturennd Mütze Wolle, Schal 1.95 Barchenthemden Knaben u. M& dchen, 60 cm lang 1.95 Trikot- Schlüpfergeraubtem 2.50 Barchenthemden Herre Dreiz 2.95 Futter Untertaillen 3.50 Wollene Herren- Sweater 7.85 Ph. Brand& Co. Weingroßhandlung Donhoft • t.Herr.u Damen schwere Qualität moderne ca. Meter gut. Wäschestoff, arten. Taschentücherer uten bild; 0.15 Hemdpassen Richage 0.48 Kaffeewärmer adeira gez Richelieu, 0.68 Kissenplatten ges in allen Stick 0.85 Untertalllen in hübschen Mustern 0.85 Is Rips, Kissenplatten ex, hubeche Muster 1.95 Tischläufer bott ich mit 2.25 bestickt Spitzen garniert. Blende, Küchengarnitur.Wachestoff, 6.9.85 9> CHAUSSEESTR. 61-62 Berlin SW, 68, Lindenstr. 3( V.) 1200-1201 Ecke Liesenstraße Singer Von 12-3 Uhr geschlossen Untergrundbhf. Schwartzkopffstraße empfehlen als besonders preiswert 1922 Lieserer Schloßberg M. 1.40 die Flasche, ohne Glas und ohne Steuer Preisliste zu Diensten