Nr.534 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 271 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart vro Monat Der., Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. -Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Goldplennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille Beile 0.70 Goldmart, Retlamezeile Goldmark.., Aleine Anzeigen" bas fettgedruďte Wort 0,20, Gold mart( aulässig zwei fettaedruckte Worte), fedes meitere Wort 8.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmart lebes meitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 12. November 1924 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Depofitentasie Lindenstraße 3 Mussolini und sein Rumpfparlament. Beamte und Reichstagswahl. Mehrheit und Minderheit tagen getrennt. – Kampfanſage der Opposition. Der seit der Ermordung Matteottis streng durchgeführte| Verwaltungsmaßnahmen und sonstiger immerpolitischen Pläne feiner Bontott des italienischen Parlaments durch die gesamte Regierung. Opposition Sozialisten, Marimalisten, Demokraten, Wie der offiziöse Bericht meldet, wurde Mussolini am Schluß Katholische Volksparteiler und Republikaner hat Musso- seiner Rede von seinen Ministerkollegen und von den anwesenden lini in die größte Berlegenheit gebracht. Ein Teil der Libe- Abgeordneten( etwa 300) lebhaft beglückwünscht. ralen unter Führung von Giolitti und Orlando, der sich noch bei den Wahlen in völliger Abhängigkeit der faschisti- Einstimmiger Kampfbeschluß der Opposition. ichen Regierung befand, hat sich von der sogenannten MehrRom, 11. November.( WTB.) Die Abgeordneten der Oppo. heit die doch nur das Produkt eines schwindelhaften Wahlsystems ist- losgesagt und sympathisiert mit der Opposition versammelten sich in der Kammer unter dem Vorsitz des sition. Letzteres ist jedenfalls ein sicheres Symptom da- katholischen Volksparteilers Rodino. Dieser hielt eine Rede, in für, daß das led gewordene faschistische Schiff von den Ratten verlassen wird. Die Rebellion der Frontkämpferver= einigung, die lange Zeit das Rückgrat des Faschismus bildete, hat elektrisierend auf die Massen gewirkt. In dieser Krisenatmosphäre tritt nun das italienische Rumpfparlament zusammen, das nur noch aus mehr oder minder begeisterten Anhängern Mussolinis besteht. Es ist für die politische Unsicherheit des Diktators bezeichnend, daß er seine große" Eröffnungsrede, in der er mit der Opposition abrechnen wollte, außerhalb des Parlaments hielt: darin liegt das Eingeständnis, daß die von der Opposition gemiedene Deputiertenkammer von der Bevölkerung nicht mehr als ein Barlament angesehen wird. Hoffentlich wird sich auf diese Weise der Faschismus bald totgelaufen und so lächerlich gemacht haben, daß ihm nur noch das schleunige Berschwinden von der politischen Bildfläche übrig bleibt. angenommenes Die Tatsache, daß gleichzeitig die Abgeordneten der Opposition zusammentraten und ihre Geschlossenheit und Entschlossenheit durch ein ein einstimmig Rampfmanifest vor aller Welt befundeten, dürfte auf das italienische Volk und nicht zuletzt auf den wankelmütigen König einen starken Eindruck machen. Damit ist die Krise des faschistischen Regimes in eine entscheidende Phase gefreten. Die Eröffnungsrede des Diktators. Rom, 11. November.( Stefani.) An Stelle der gewöhnlich bei Wiederzusammentritt des Parlaments abgegebenen Regierungserklärung hielt Mussolini in einer Versammlung von Abgeordneten der Mehrheit eine Rede, in der er hinsichtlich der Lage im Innern betonte, daß die Ordnung troß einiger, im übrigen schnell beendeter Streifs, trotz einiger sporadischer 3wischenfälle und trotz des Feldzuges der Oppositionspresse nicht ernstlich gestört worden sei. Die Miliz habe dem König den Treueid geleistet, was eine wichtige Tatsache auf dem Wege zu einem normalen Zustand darstelle. Mussolini wandte sich dann gegen die Auslegung des Wortes Normalisierung durch die Gegner, für die es einfach Ministerkrise bedeute. Die Mehrheit könne nicht das Spiel der Opposition unterstützen. Die Kammer fönne und werde trotz der Manöver der Gegner arbeiten. Die Abwesenden hätten unrecht und würden unrecht behalten, denn während sie scheinbar für die Achtung vor der Verfassung einträten, hätten sie in Wirklichkeit eine verfassungfeindliche Haltung eingenommen. Sie hätten sich freiwillig isoliert, und die Mehrheit habe nicht die Pflicht, fie einzuladen. Sodann erklärte Mussolini, daß der Druck des Faschismus leichter(?) geworden und die Zusammenfeßung der Partei geändert worden sei. Seit mehreren Monaten hätten die sporadischen Gewalttaten an Zahl abgenommen(?), im übrigen sei jede Ungefeßlichkeit, selbst wenn sie sich in den Reihen des Faschismus offenbare, streng bestraft(?) worden. Der Redner empfahl das Aufhören der Festzüge und anderer öffentlichen Rundgebungen aller Art. Daß der Faschismus einige un verantwortliche Elemente ausgestoßen habe, sei ein Beweis, daß man dem Wunsch des Volkes nach Ruhe Rechnung trage. Nach zehn Jahren der quälenden Spannung sei eine Nerpenberuhigung notwendig. Mussolini sprach dann über die Teuerung als über eine Erscheinung, die sich in der ganzen Welt bemerkbar mache. Er meinte, er könne mit voller Ueberzeugung behaupten, daß das Vorgehen der Regierung gegen die Teuerung energisch und schnell gewesen sei. Hierauf ging er zur auswärtigen Politik über und sprach zu erst von der rührigen Tätigkeit der Regierung in dieser Hinsicht. Er zählte die Pafte. Abkommen, Handels- und Freundschaftsverträge auf, die von der Regierung abgeschlossen worden feien, und fügte hinzu, des alles beweise, daß die Außenpolitik der Regierung den Richtlinien vom Ottober 1922 treu bleibe, die die politische Ver= wirklichung des Friedens und zugleich die feste und ununterbrochene Verteidigung der politischen, wirtschaftlichen und moralischen Interessen der Nation vorsehen. Der Redner kam dann auf die Maßnahmen, die zugunsten der Bolts, der Mittel- und Hochschulen ergriffen wurden und über die der er die Festigkeit und die Unabhängigkeit der Opposition Was der Reichstag vom 4. Mai den Beamten brachte. Von Willy Steintopf. Blidt man auf den aufgelösten Reichstag vom 4. Mai 1924 zurüd, so muß jeder ehrliche Wähler sich selbst gestehen, daß er ein derart unfähiges Parlament bisher noch nicht erlebt hat. Sieht man von der Annahme der Dawes- Geseze ab, hat der letzte Reichstag nichts, aber auch gar nichts zustande gebracht. Es ist fast wie eine Ironie des Schicksals, daß ausgerechnet dieser Reichstag es war, der infolge der Annahme der Dawes- Gefeße einen Ruhepunkt in der Außenpolitik schaffen konnte. Jedoch ist dies tatsächlich nicht sein Verdienst. Denn hätte der Reichstag Gelegenheit gehabt, in eine materielle Beratung der Gesetze einzutreten, hätten nicht umstände ganz besonderer Natur bei der Abstimmung mitgespielt, die Gesetze wären in diesem Reichstag nie zustande gefommen. Der letzte Reichstag hat also nichts, womit er sich könnte, es sei denn, daß man sich die ersten Prügelszenen ein bleibendes Denkmal in der Erinnerung des Rolfes setzen im Deutschen Reichstag und die viel bewunderte Seelenund sich topfschüttelnd fragt: Wie war so ein Reichstag nur gemeinschaft Ludendorff- Scholem ins Gedächtnis zurückruft möglich?" hervorhob und das Bündnis der monarchistisch gesinnten Liberalen, Demotraten und Volksparteiler mit den Republikanern und den Sozialisten, denen der monarchistische Glaube fehlt, rechtfertigte. Er erinnerte an Matteotti und an Casalini und sagte zum Schluß, daß der Bund der Opposition den Italienern die Sicherheit wiedergeben wolle, nebeneinGanz besonders die Beamten, die abgesehen von Ausander ein friedliches bürgerliches Leben zu führen, und das Aufnahmefällen im Behördenbetrieb an fachliches Arbeiten hören der Gewalttaten, die Entwaffnung der Bürger, die Wiederherstellung der Disziplin, und der Autorität, für die Unmöglichkeit des letzten Reichstages haben. Sie, die und höfliches Benehmen gewöhnt sind, werden Verständnis die Gleichheit vor dem Gesetz, das nicht mehr den Parteien und den Cliquen unterworfen werden soll, verlange. die Volksvertreter gewählt haben, damit diese in ruhigen und verbessern trachten, haben mit Entsetzen gesehen, daß eine Anfachlichen Beratungen das Schicksal des deutschen Volkes zu zahl dieser Boltsvertreter das ihnen geschenkte Bertrauen dazu mißbrauchten, um in nicht wiederzugebenden Schimpfereien und in widerwärtigen Schlägereien das Ansehen des Deutschen Reichstags im In- und Ausland so tief herabzusetzen, daß es fiefer wirklich nicht mehr ging. Es wurde einstimmig durch Zuruf ein langer Beschluß gefaßt, der das Band dapon in Kenminis feßt, daß die Opposition den parlamentarischen Arbeiten fernbleiben werde, da die politische Lage die gleiche fei, gegen tie fie fich am 2. Juni ausgesprochen habe. Der Beschluß unterzieht die Lage einer eingehenden Prüfung und kritisiert scharf alle Maßnahmen der ReBrobleme festzustellen, die durch eine Lage, die sie selbst nicht ge gierung. Es sei nicht Sache der Oppofition, die Lösung der gierung. Es sei nicht Sache der Oppofition, die Lösung der schaffen habe, entstanden seien. Es sei aber natürlich diese endgültige Lösung in einem Appell an das Volt zu suchen und zu finden, der unter der Bedingung einer vollkommen verwirklichten Gefehlichkeit und mit allen politischen und moralischen Garantien vor sich gehen solle. Zum Schluß wird betont, daß nicht nur die Opposition, sondern auch alle Männer und alle Parteien, die an dem politischen Leben teilnehmen, verpflichtet feien, ihre Meinung genau zu formulieren und eine flare Berant. wortlichkeit der gegenwärtigen Lage gegenüber zu übernehmen. Seipel wiedergewählt. Aussichtsreiche Verhandlungen mit den Eisenbahnern. Wien, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Dienstag fizung des Nationalrats war nur sehr kurz. Der Präsident machte vom Rücktritt der Regierung Mitteilung und setzte die nächste Sigung auf Donnerstag an mit der Tagesordnung: Neuwahl der Regierung. Im Namen der Sozialdemokraten gab Dr. Danneberg die Er. flärung ab, daß die Sozialdemokraten mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhandlungen mit den Eisenbahnern von einer sofortigen Besprechung des Eisenbahnerstreits absehen. Nach der Sigung trat der Hauptausschuß zusammen. Auf Antrag der Christlichsozialen wurde Dr. Seipel mit 8 gegen 6 Stimmen erneut zum Bundeskanzler bestimmt. Dr. Seipel nahm die Wahl an und erklärte, daß er zunächst mit den Parteien verhandeln müsse, um festzustellen, ob die Sanierung nicht gestört werde. Er werde auf Grund dieser Verhandlungen am Donnerstag Borschläge für die neue Regierung machen. Darauf wurde der Hauptausschuß auf Donnerstag 10 Uhr vertagt. Folgendes wird amtlich mitgeteilt: In den heute unter dem Vorsitz des Präsidenten Günther abgehaltenen Besprechungen mit den Vertretern der drei Angestelltenorganisationen. wurde ein Vorschlag zur Behebung der Differenzen beraten, den die Bertreter der Drganisationen ihren für morgen einberufenen Mitgliederversammlungen unterbreiten werden. Eine spätere Meldung cus Wien besagt: Die Verhandlungen, die zwischen der Organisation der Eisenbahner und dem Präsidenten Dr. Günther heute nachmittag geführt find, wurden um 7 Uhr abends beendet. Die Vorschläge der Bundesbahnverwaltung wurden von den Vertretern der Organi fationen afzeptiert. Sie werden vormittags den Vertrauens: männern unterbreitet und 3 ur Annahme empfohlen werden. zur Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie nunmehr zur Annahme gelangen, so daß der Streif am Mittwoch abend beendet sein wird. Ausweisung reichsdeutscher Kommunisten. Wien, 11. November.( WTB.) Gegen das Mitglied der Kom munistischen Partei Deutschlands, Werner Hirsch, der sich hier publizistisch und als Versammlungsredner politisch betätigte, hat die Polizei ein Ausweisungsverfahren eingeleitet. Gegen andere hier agitatorisch tätiae ausländische Kommunisten soll in gleicher Weise vorgegangen werden. 1 und mit ihnen leben, die weiter gewohnt sind, auf Grund ihrer Für deutsche Beamte, die gewohnt sind, im Dienst mit den Dingen zu rechnen und zu arbeiten, die um sie herum Erfahrungen ihr Denken zum Segen der Allgemeinheit prattisch einzustellen, hat es keine größere Enttäuschung als den legten Reichstag und die Vorgänge in ihm geben können. Sie werden eingesehen haben, daß in Mißstimmung getätigte Wahlen, in Verärgerung ausgeführte Abkehr von Parteien mit flarem Programm und festen Zielen, das unstete Wechseln von einem Extrem ins andere, das Hinterherlaufen hinter inhaltlosen Parolenphrasen es nicht dazu bringen fann, ein Reichsparlament zu schaffen, das zur praktischen Arbeit und Wahrung seiner Würde fähig ist. Doch es ist nicht nur diese ideelle Enttäuschung allein, die den deutschen Beamten die Augen geöffnet hat. Auch für die materiellen Interessen der Beamten hat der letzte Reichstag nichts gebracht. Wollte man das ganze Sündenregister aufführen, man hätte Bände zu schreiben. Einen allein über den BesolDungsstandal vom Juni 1924, der vom letzten Reichstag nicht beseitigt, sondern verewigt worden ist. Der Reichstag hatte es in der Hand, die Friedensgehälter", wie Herr Dr. Luther sie auffaßt, zu beseitigen und eine vernünftige und sozial gerechte Besoldungsordnung an ihre Stelle zu fetzen. Der Weg dazu wurde von der Sozialdemokratie vorgezeichnet. Er ging über die Aufhebung der Regierungsermächtigung zur felbständigen Regelung der Beamtenbesoldung. Nur wenn diese gefallen war, fonnte der Reichstag handeln. Als aber die Sozialdemokraten ihren Kampf um die Aufhebung dieser Ermächtigung bis zur letzten Konsequente trieben, wurden sie im entscheidenden Augenblick von sämtlichen bürgerlichen Parteien im Stich gelassen. Der Bebestätigt, d. h. verewigt; auf ihn bauen sich alle weiteren Ersoldungsskandal vom Juni 1924 wurde von diesen Parteien höhungen auf. Die Regierung aber konnte die Ermächtigung noch dazu mißbrauchen, gegen den klaren Willen sämtlicher Gewerkschaften den Ortszuschlag durch das Wohnungsgeld zu ersetzen und das neue ungerechte Ortsklassenverzeichnis einzuführen. Das Ergebnis in der Besoldungsfrage ist eine Enttäuschung der breiten Massen der unteren und mittleren Beamten, für die das bürgerliche Kabinett Marr- Stresemann und sämtliche bürgerlichen Parteien die Verantwortung fragen. Genau so verhält es sich mit der Frage der PersonalAbbauverordnung. bürgerlichen Parteien ist feins erfüllt worden. Ihre Anträge Bcn den Wahlversprechen der bürgerlichen Parteien ist keins erfüllt worden. Ihre Anträge auf Aufhebung der Abbauverordnung waren nie ernst gemeint. Wäre es anders, hätten die Regierungsparteien nicht gegen den Antrag der Sozialdemokraten gestimmt, den Abbau solange auszusetzen, bis die Novelle zur Abbauverordnung vom Reichstag verabschiedet ist. Wären die Anträge der bürgerlichen Parteien ernst gemeint gewesen, hätten sie es nicht geduldet, daß ihre Reichsregierung diesen Antrag der Sozialdemokroten einfach ignorierte, trotzdem er mit Stimmenmehrheit im Plenum des Reichstags angenommen war. Und als die Sozialdemokraten beim Kampf um die Novelle zur Abbauverordnung im Haushaltsauschuß und dessen Unteraus schuß um die Aufhebung der Abbauoorschriften kämpfte, wäre sie nicht von allen bürgerlichen Parteien verlassen worden, wenn es diesen ernst mit ihrer Sorge für die Beamten gewesen wäre. Der Unterausschuß hatte sämtliche im Plenum eigge- brachten Anträge für erledigt erklärt. Die Sozialdemokraten waren die einzigen, die daraufhin ihre Anträge auf Auf» Hebung der Abbauvcrordnung im Haushaltsausschuß er- neuerten, die dann restlos von sämtlichen bürgerlichen Par- teien abgelehnt wurden. Ganz offen sagten sie, daß wohl ..Milderungen" angängig seien, von einer Aushebung aber keine Rede sein kann. Diese„Milderungen" macht jetzt die Regierung— zur Freude der bürgerlichen Parteien. Eine Enttäuschung war weiter die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien zur Frage der Dien st zeit derBe- a m t e n. Nur dadurch, daß die Dienstzeit der Beamten nicht gesetzlich geregelt ist, war es dem Kabinett Stresemann möglich, den Ächtstundentag mit einem Federstrich restlos zu beseitigen und für die Beamten des Reichs den neunstündi- gen Mindestarbeitstag einzuführen, während die Beamten der Länder und Gemeinden den Achtstundentag behasten haben, und er für die Arbeiter in Privatbetrieben gesetzlich grundsätzlich gesichert ist. Die Sozialdemokraten beantragten die Aufhebung der Neunstundentagsverordnung. Der Antrag wurde im Beamtenausschuß zwar angenommen, er ist aber im Haushaltsausschuß, den er wegen seiner finanizellen Aus- Wirkungen passieren mußte, versackt. Ihn ans Tageslicht zu ziehen und zur Erledigung zu bringen, daran hatten weder die bürgerliche Regierung noch die bürgerlichen Parteien irgend welches Interesse. Alle Bemühungen der Sozialdemo- kraten in dieser Richtung waren umsonst. Die Bürgerlichen wollten nicht. Die Sozialdemokraten hatten außerdem noch beantragt, in dem kommenden Beamtengesetz die Dienstzeit unter grundsätzlicher Wahrung des achtstündigen Arbeitstages gesetzlich zu regeln. Es sollte für die Be- amten das gemacht werden, was für andere Arbeitnehmer längst besteht. Der Antrag wurde von sämtlichen bürgerlichen Parteien abgelehnt, die in der gesetzlichen Regelung der Dienst- zeit eine Herabminderung des Ansehens des Berufsbeamten- tums erblicken und im übrigen von dem Achtstundentag nichts wissen wollen. Genau so erging es dem sozialdemokratischen Antrag auf gesetzliche Regelung des Erholungsurlaubs unter Berücksichtigung der Dienstzeit und des Lebensalters. E n t- täuschungen über Enttäuschungen! Und wenn nun die deutschen Beamten fragen, ob denn dieser Reichstag ihnen nichts, absolut nichts gebracht hat, so werden sie sich selbst die Antwort geben müssen:„Nein, es ist wirklich gar nichts für uns übrig ge» wesen." Mag dies den deutschen Beamten eine Lehre sein. Falsch wäre es aber, jetzt arollend abseits zu stehen. Klares Denken und Urteilen auf Grund der gemachten Erfahrungen und Rechnen mit realpolitischen Werten läßt den rechten Weg wiederfinden. Wohin dieser Weg führt, darüber kann es keinen Zweifel geben. Die Arbeitnehmer, ob beamtet oder nicht beamtet, stehen heute in geschlossener Abwehr gegen die Auswuch�rung durch die wirtschaftlich starken Kräfte. Land- Wirtschaft und Schwerindustrie, gegen den Schutzzoll, der den Arbeitnehmern die Lebenshaltung verteuert, und gegen den Monarchismus. Sie stehen in geschlossener Reihe für eine menschenwürdige Entlohnung, für gerechte Verteilung der Lasten, für die Wiedererringung des Achtstundentages, für die Republik, die die Dölkerverftändigung sucht, und ihre Flagge schwarzrotgold. Beamte! Wählt Sozialdemokraten! Zort mit yabsburg! Warschau, 11. November.(TU.) Die Regierung richtete an die beiden Habsburger Karl Albert und Leopold Karl die Aufforderung, ihren Dienst in der polnischen Armee zu quit- iieren. Die beiden Erzherzoge sind Brüder des„Erzherzogs" Wilhelm, der gern ukrainischer König geworden wäre. Das Lächeln Englands. Bon Lola Landau. Im Dunkel vor Morgengrauen landen wir. Das Schiff, das uns über ein schwarzes, schläfriges Meer hinwiegte, keucht am End« der Fahrt. Obwohl wir nichts sehen als Finsternis, hin und wveder von Lichtern zerrissen, spüren wir doch seltsam erregend das neue Land. Feucht« warme Luft schlägt wie von einem anderen Erdteil hinüber. Wir sind auf einer Insel, wir sind m England. Jedesmal wiedcr beim Betreten englischen Bbdens wird diese Empfindung des Insularen überwältigend, und wenn die ersten schmalen Gesichter aufblitzen, wenn die ersten Laute der mathematisch klaren Sprache uns wachrufen, so wissen wir: hier leben andere Menschen mit -mderen Sitten, hier blieb inmitten Europas ein Volk der Insulaner, das durch seine Abgeschlossenheit zu-einem starken und starren Leben gekommen ist. Allmählich heben sich die Nebel, die wie eine schwere Traumdeck« aus dem Lande logen, da ist sie unverändert, die lieblich« englische Landschaft, jetzt in stumpfem Grün und durchzogen von braunen Hecken: aber allmählich werden diese steigenden Nebel uns die größte Ueberraschung enthüllen, ein vollkommen verwandeltes neues England, das wir nicht mehr wiedererkennen. Wie, England wäre wirklich noch ein Infelreich? England ist kontinental geworden, England ist europäisch geworden, und unsere Augen waren bei der Landung noch von aiten Erinnerungsbildern getrübt. Denn tatsächlich ist für England der Weltkrieg nicht nur ein Zerstörer, sondern ein Brückenbauer geworden. In der ungeheuren Völkerwanderung von 1314 konnte auch England, das immer glaubte, auf die Kenntnis der fremden Sprachen und den Zustrom fremden Wesens verzichten zu können, sich ausländischer Einflüsse nicht entziehen. So wurde diese Insel an Europa angeschwemmt, de? Kanal wurde zur festen Straß«, und die Insulaner waren ge- zwungen, vier Jahr als Festländer zu leben. Und wie beim Spiel des Teufels, der dos Bös« will und das Gute schaffte, hat sich das Seltsame vollzogen, daß England durch den Krieg gezwungen wurde, einmal nicht insular-britisch, sondern europäisch zu denken. Aufgestachelter, nachdenklicher, erweckter, biegsamer ist das englische Leben geworden, nicht mehr allein in dfe vorgeschriebenen Formen eingepreßt, nicht mehr den großen traditionellen Vorbildern nach- Icbend. sondern neue Jdcen vorlebend. Da» ist Sinn und Ziel dieser Generation. England hat erkannt, daß es in einer„Splendid-Ifo- latian" auch geistig ersrieien müßt«. Aber das alt« England, dos wir von früher her kennen, wo ist es? Ist es versunken? Nein, es ist noch da. Noch flackert dos Feuer in den Kaminen, noch glänzt der goldene Tee auf den ge« schmückten Teetischen, um den sich die Familie seden Nachmittag wie zu einer Feststunde versommelt, noch lebt der Sport, der ein« Reli- gwn des Lebens dem Tage erst Maß und Form gibt, noch ist das englische Lächeln da, das so freundlich einlädt und doch alles innere Leben verbirgt, und noch ist das Beste da. der herrliche Humor der Dickens und Thackeray, das freie Lackzen eines freien Volkes. Das alte und das neue England, beide leben sie und sind am Werte oft so dicht nebeneinander, daß sie sich in einer sonderbaren Weise miteinander verschlingen. SozialüemokratistherGemeinüewahlsieg. Ueberall Erfolge. Lei der am Soaukog in Portitz bei Leipzig stalkgefundenen Gemeiudeverordnetenwahl, die durch eiueu Volksentscheid der portitzer wählerschosl erzwungen wordeu war. hat die Sozial- demokratie«inen gläuzeudeu Sieg erfochten. Abgegeben wurden für die Sozialdemokratische Partei 194(\27), für die Kommunisten 48 1102) und für die Bürgerlichen 60(108) Stimmen Die Zahle« in Klammern sind da» Stimmergebni» der letzten Reich»- tag»mahl. Gegenüber der lehtev Gemeindeverord- n e t e o w a h l hat die Sozialdemokratie 67 Stimmen gewonnen, während die Kommunisten S4 und die Bürgerlichen 48 Stimmen verloren habe« Die Sozialdemokratie erhält 7, die Kommunisten 2 und auf die Bürgerlichen entfallen 2 Mandate. Veutschnationaler Reinfall. Die Striegauer Berhaftuugeu. In S t r i e g a u war es am 6. November zwischen dem Stahl- Helm und dem Reichsbanner zu Zusammenstößen gekommen. Di« Schuld wurde dem Reichsbanner in die Schuh« geschoben und trium- phierend meldete die Rechtspress« die Verhaftung zweier Führer des Reichsbanners, des Stadtrats Müller und des Hauptlehrers Geburt. Dies« Freude ist aber verfrüht. Wie der..Vossischen Zeitung" aus Breslau gemeldet wird, hat die»Unter» suchung durch einen Regierungskommissar, den die Regierung von Niederschlesien nach Striegau entsandte, ergeben, daß die beiden Verhafteten sich bemüht hatten, Zusammenstöße zu vermeiden, daß aber der Stahlhelm dies« Bemühungen ver» eitelte. Di« Haftentlassung der beiden Beschuldigten steht bevor. Wenigstens ist nicht anzunehmen, daß ein Gericht einen Haftbefehl bestätigen wird, der unter falschen Voraussetzungen ergangen ist. Die weitere Untersuchung wird in sehr trübe Zusammenhäng« hineinleuchten müssen. Die Haupttriebkraft zu dem Borgehen gegen das Reichsbanner war der Polizei-Inspektor Lehmann in Striegau, der offenbar dem Stahlhelm zuliebe gearbeitet und die Oeffentlichkeit wie die Gerichtsbehörden irregeführt hat. Der Re- gierungspräfident in Breslau hat bereits gegen diesen Beamten, der offenbar sein« Pflicht verletzt hat, ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel aus Dienstentlassung eingeleitet. Ruhrhilfe und Tischlerinnung. Der deutschnationale Reichstagskandidat Paeth vor (Aericht. Bor dem Amtsgericht Bcrlin-Mitte sollte am Dienstag der im „Borwärts" vom Sonnabendmorgen erwähnte Streit zwischen den beiden Obermeistern der Berliner Tischlerinnung verhandelt werden. Aber nur der erste Teil dieses Streites, nämlich die dem zweiten Obermeister Borsdorf durch den ersten Obermeister Poech durch zweimaliges„Pfui"-Rufen und Ausspucken zugefügte Beleidigung. Wegen der die Oeffentlichkeit in hohem Maße interessierenden Be- hauptung des Herrn Borsdorf, Paeth habe für die Ruhr- Hilfe gesammelte Gelder erst abgeführt, nachdem sie infolge der Inflation fast völlig entwertet und inzwischen für Zwecke der Vereinigten Derbände der Holzindustriellen und der„Fachzeitung der Tischlermeister" verwendet worden waren, schwebt bor einer anderen Wleilung de» Amtsgerichts eine Beleidigungsklage Paeth gegen Borsdorf. Da dies« beiden Klagen in ursächlichem Zusammenhang stehen, beschloß dev- Gericht, sie an einem späteren noch unbestimmten Termin Hemelnsam zu verhandeln. Als der Richter die Parteien zu«in�n Vergleich zu bewegen suchte, erklärte Paeth, er tonne, da die Angelegenheft bereits in der Presse behandelt worden sei. auf eine Klarstellung vor Gericht nicht verzichten. Borsdvrf gab seiner- seitz die Erklärung ab, er habe dem Obermeister Paech nicht den Vorwurf machen wollen, daß er aus unlauteren Motiven I Einer meiner ersten und stärksten Eindrück« war in England dieses Zusammentreffen der alten und neuen Lebensform. Es war in einem Sitzungssaal der Arbeiterpartei, m einer der Borsiädte Londons, wo ein« halb politische, halb gesellschaftliche Versammlung stattfand. Wir hatten über Deutschland gesprochen und das wunder» volle Zuhören empfunden— keiner versteht so diszipliniert zuzu- hören wie der Engländer—. als uns das eindringlich« Fragen, das stürmisch« Interesse nach dem Leben und Wesen unseres Landes in Staunen versetzte: denn hier war etwas Unenglisches. Neues in diesem lebhaften, wihgierigen und selbstkritischen Geist, der nicht wie früher an sich selber Eenüge fand. Hier wenigstens, in diesen Kreisen war«in« Kapsel der Enge und Selbstsucht gesprengt worden. und unter der Oberfläche bebte eine tiefe menschlich« Erschütterung. Und plötzlich, während wir noch in ernsten Gesprächen verkettet waren, brach plötzlich das alte England wieder herein. Ein Spiel begann und riß uns auseinander in zwei Reihen. Rote Luftballons, die im Saale schwebten, wurden hin- und hergeschleudert, ohne «inen anderen Sinn als den des kindlichsten Vergnügens. Di« kleinen roten Monds tanzten hin und zurück, Gelächter und Jubel sprengt« den Raum, der Lersammlungssaal hatte sich in ein« Kinderstube verwandelt. Derm warcn dies noch dieselben ernsten Männer und Frauen von vorhin? Es waren klein« Knaben und Mädchen, die ihre roten Ballons fliegen ließen. Aber man hüte sich wohl, über diese kindische Art der Freuden zu spotten. Denn hier in diesem Gelächter steckt das Geheimnis einer Volkskrast, hier ist der Jungbrunnen, aus dem sie alle wieder hervortauchen, von ihren freien Sonnabendnacknnittagsn und Sonntagen, gestärkt, er- frischt für neue harte Arbeit und zäh« Gedanken. Und empfanden wir nicht denselben Wesenszug einige Tag« später auf der Er- ziehungskonferenz in Heighley, einem alten englischen Landsitz, wo in der Halle neben dem Konferenzsaal ein Ping-Pong-Tisch aus- gestellt war zur Erhosunq und Erheiterung der Kongreßmitglieder? Politik ist heute wie damals die Kunst des englischen Volkes, und die politisch« Tribüne ist sein Theater. Aber obwohl heute au' dieser Bühne der lebhafteste S.zenenwcchsel der Personen und Ge- danken stattfand, wird doch dos starre traditionell« Gesicht des alten Englands mit allen Gebräuchen und Ueberlieferungen sich überall dazwischen schieben. Inmitten der neuen umwälzenden Ideen wird in jsder Versammlung als erstes und letztes das Gebet abqesungen werden, ohne das Glück, Schlaf, Arbeit nicht erlaubt ist. Ein« firch- sich«, feit Generationen überlieferte Frömmigkeft bat sich auch mit dem Sozialismus tief verqu'ckt und ihm in ihrer Weise«inen ent- materialisierten religiösen Smn gegeben. So hat sich ein neues kirchlich-doginatisihes Echos gebildet, das den englischen Sozialismus durchdringt und ihn so englisch und rotionaloerständlich niacht. Eng- land nahm ein Stück Rußland In sich auf und blieb England. England trank sich voll mit kontinentalen Ideen und blieb doch eine Insel. Amerika hat«s mit seinen Einflüssen überschüttet, und Lon- don. die Riesin, ist ein« amerikanisiert« Stadt geworden. Am Htm- mel prasselt nachts ein� Lichtckavs, Buchstaben laufen wie wild« Leuchtkäfer über die Dächer. Eisenbahnen mit roten und grünen Rädern rollen daher, und ein« Tänzerin sctteudert hoch über allen Häusern ihre zuckenden LichtgLeder in die Luft. Aber mag ganz Amerika am Himmel über London abbrennen, da unten liegt doch ein rem englisches London, England unter der oder aus persönlichem Interesse die Ruhrgekder zurückbehalten habe, er werde aber in dem kommenden Termin den Nachweis führen, daß die in der Innung gesammelten Gelder im Betrage von SOO Goldmark erst noch einigen Alonolen abgeliefert worden seien, als sie nur noch den wert von IS Pfennigen hatten, und daß das Geld inzwischen mit den Geldern der Bereinigten Berbänd« zu- sammen verwaltet und zum Ankauf von Papier für die»Fachzeltnng der Tischlermeister" verwendet wordeu sei. Das fei eine grob« Inkorrektheit und ein« Verletzung der Pflichten, die der Obermeister der Innung gegenüber zu erfüllen habe. Obermeister Paech entschuldigte sich damit, daß er zur fraglichen Zeit schwer krank gewesen und sein Stellvertreter für die Verzögerung der Geldablieferung verantwortlich sei. Es bleibt also noch den Erklärungen der beiden streitenden Obermeister die Tatsache bestehen, daß für die Ruhrhilfe gesammelle Gelder zunächst für Zwecke einer llnlernehmerorganifation verwendet und der Ruhrhilfe erst zugeführt wurden, als sie durch die Inflation fast völlig verflüchtigt waren. Moralisch verantwortlich ist der Ober- meister auf alle Fälle dafür, was mit den von der Innung für einen ganz bestimmten Zweck gesammelten Geldern geschieht. Selbst Fahr- lössigkeit und mangelnde Boraussicht kann in solchem Falle nicht als Entschuldigung dienen. Soviel steht fest:derdeutschnationale Stadtverordnete und Reichstagskandidat hat dem vaterländischen Interesse einen sehr schlechten Dien st geleistet, weil er nicht Vorsorge für die schleunigste Ablieferung des Geldes traf, das sich, was ja jedes Kind wußte, von Stunde zu Stunde entwertete. Milöe Sühne wenn es gegen rechts geht... Halle, 11. November.(Eigener Drahtbericht.) Der wegen Mordversuchs an Scheidemann zu 10 Iahren Zuchchaus verurteitt« Verbrecher Hustert hatte den Gedanken an die goldene Frecheft und ähnliche Pläne noch nicht aufgegeben. Es gelang seinen Freunden vom„Oberschlesischen Selbstschutz" unter heute noch nicht aufgeklärten Umständen Zutritt in die Strafanstalt Lichtenberg und Sprecherlaubnis zu erhaüen. Außerdem entspann sich ein Verhältnis zwischen einem Mitgefangenen und einem Hilssausseher namens K u b a n e t. Nach der Entlassung des Mitwissers Gehrings vermittelle Kubanek die Kassiber. Der unge- treue Beamte fertigte auch Wachsabdrücke der Gefängnis- s ch l ü s s e l an, übergab sie dem Gehrings und der vermittelle sie dann an einen völkischen Freund des Hustert, an den Studenten Essen aus Bonn. Mitwissende Gefangene müssen jedoch etwas aus» geplaudert haben. Kurz. Kubanek wurde im August 1923 ent- lassen und der Attentäter Hustert in einen sicheren Flügel des Zuchthauses verlogt. Der sauber eingefädelte Fluchtplan wurde aus- gedeckt und die nationalen Helden, der ungetreue Gefängnis- beamte Kubanek und sein deutjchvölkischer Freund Essen hatten sich vor der Strafkammer in Torgau zu verantworten. Der erste Termin mußte wegen Nichterscheinens des Essen vertagt werden. Erst bei dem zweiten Termin kam Licht in die Sache. Beide taten nach vorheriger Vereinbarung sehr gesetzt und würdevoll. Essen be- hauptete, arm zu sein und keine Beziehungen mehr zu irgendwelchen völkischen Organisationen zu haben. Kubanek erklärte gleichfalls, nUr aus Idealismus" gehandelt zu haben. Geld habe er nicht verlangt. Das Urteil wurde dahin verkündet, daß Kubanek wegen passiver Be> stechung z u drei M o n a t e n G e j ä n g n i s, Essen zu 300 M k. G e! d st r as e verurtellt wurde. Beiden wurden mildernde Um. stünde zugebilligt, außerdem wurde dem Kubanek eine dreijährige Bewährungsfrist gewährt. Das Verbrechen hat durch diesen Spruch seine Sühne nicht ge- funden. Beide Täter laufen vergnügt umher. Kubanek„bewährt" sich in den Armen seiner Braut und für Essen werden die nationalen Mordverbände mit Vergnügen elende 300 Mark bezahlen. Man sieht jedoch ferner, daß die völkischen Mordvcrbände noch heute unge- hindert fortbestohen und ihre Führer mit in die Zuchchänser stecken, um gleichgesinnt« Verbrecher zu hefteten. Ehrhardt machte den An- sang, die kleinen Lumpen kommen hinterher. Tarnkappe des Nebels mit seinem inftlhasten Lächeln, das uns freundlich empfing und freundlich wieder entläßt, ohne daß wir es ganz haben enträtseln können. Kino ües Lebens. Der Film, der da vorn über die Leinwand geht, ist hoffnungslos vertuscht. Man nehme ein viertel Liter Kaschemmendust, zwei Pfund rauhe Männerseelen, drei Kilo Fraucnleib, rühre«in Stück- chen biederes Herz dazwischen, brate das Ganze in einer Pfanne mit Schmalz... Aus diese Art. Es geht darum, daß ein fabelhast reicher Jüngling aus«ine unmögliche Art mir'einem armen Ding zusammengebracht wird, daß beide betrunken gemacht werden— na, und daß er schließlich lieber mtt Freunden und Familie bricht und Haus, Hai. Diener und Erbe, als dt« Mutter seines Kindes im Stiche läßt. Ende des dritten Aktes. Ich fühl« physischen Schmerz in meinem Kopfe. Da hörte ich hinter mir ein paar Worte flüstern:„Der hat wenigstens noch Ehre im Leibe!" Ich drehe mich um: zwei ältliche Mädchen. Die«ine hatte cs zur anderen gesagt. Ganz ernst. Also ein ethisches Werturteil.> Es gibt also Menschen, die das ernst nehmen. Kinder, Kinder! Es gibt also Menschen, denen das nicht hoffnungslose Mache ist. Ich guck« mir die Sprecherin noch einmal an. Ihr« Micnenzüg« sind derb und hott. In ihren Augen hängt eine müde Traurigkeit. Ich vergogenwär ig« mir den Ton noch einmal: Der hat wenigstens noch Ehre im Leibe...! Ein«Uiisches Werturteil? Ach, Unsinn: das ist ein Begriff der Akademiker und Philosophen. Was versteht die Hintsr mir unter ethischem Werturteil! Eine Anklage war das: Der hat... Und das hieß: 2lnd:re haben nicht. Ob sie es selbst schon erfahren Hot e, daß andere nicht das haben, was sie Ehre nann e? Ob chr Satz der Ausfluß eines großen Leidens war? Eines Leidens, das das Leben oergiftet? Da schien es mir plötzlich so kindisch, an dem Urteil des Mädchens zu kritisieren. Herrgott: der Maßstab, den ich anlecite, der war> icht der ihre. Aber was war mein Maßstab? Das Ellenmaß logischer Norm,«in anerlesenes angebildetes Gefühl zu künstlerisch« Wertung! Und die? DI« ha'te ein Erlebnis gehabt, das ihr das Herz zerrissen hat«. Di« trug ein« Wunde Ihr Leben wäre Frieden und Seligkeit gewesen, hätte jener so gedacht wie dies« Aincheld. Die Lampen erloschen. 4. Akt. Ueberschrifft Am nächsten Morgen. Jene hinter mir hielt das für gut und klug. Jene hinter mir. die vielleich- schon einen Golgathogang gegangen war, gegen den mein bißchen Erleben«in Spiel war. Da schien es mir plötzlich ganz bnabenhaft, nach meinem Maß» stab zu messen._ H. B. Das neue Reichsbühnengesetz. Der Reichsfinanzminist« hat seinen Einspruch gegen das Reichsbühnengesetz zurückgezogen, so daß an d« Vorlage weiter gearbeitet werden kann. D« Einspruch des Reichsfinonzministcr bezog sich auf den öffentlich-rechtlichen Teil, nicht auf den arbeitsrechtlichen Test des Gesetzes. Der Kampf gegen die Bedürftigen. Wozu die Unternehmer Geld und wozu fie feins haben. Zu der Veröffentlichung des Reichsarbeitsblatts" über die Höhe der Kosten der Sozialversicherung( siehe Morgenblatt vom 11. November) wird uns noch geschrieben: Insgesamt stellen sich nach den Angaben des Reichsarbeitsblatts" die Laften für Unfall, Angestellten, Invaliden und Krantenversicherung für das Jahr 1924 auf 1290 Millionen Reichs mart gegenüber 1102 Millionen im Jahre 1913. Die Mehrbelastung Beirägt im ganzen 18 Proz, also noch nicht einmal so viel wie die allgemeine Zeuerung, ober, um eine in der Bapitalistischen Preffe gern angewandte Flostel zu gebrauchen, wie die sogenannte Golbentwertung". Dabei ist aber noch zu bedenken, daß diese Belastung für den Arbeitnehmer 27½ Pro 3. ausmacht, also ungefähr soviel wie die Steigerung der übrigen Lebenshaltungsfosten, für den Arbeitgeber aber nur 6,5 Proz, also noch nicht mal den vierten Teil der Steigerung, welche die Großhandelspreise gegen. über der Bortriegszeit erfahren haben. Kommunistische Gemeindearbeit. Bochum, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Kampf ber Kommunisten in den Gemeindevertretungen des Ruhrgebietes geht unentwegt weiter, Am 7. Dezember werden in Dortmund die Neuwahlen für das Gemeindeparlament stattfinden, nachdem die Kommunisten durch eine unglaubliche Taftit die Interessen der Arbeiterschaft so lange mit Füßen getreten haben, bis die bürger. fichen Barteien die dauernd arbeitsunfähige Stadtperordnetenver sammung zur Auflösung bringen fonnten. Ein ähnliches Schicksal scheint der Bochumer Stadtverordnetenversammlung beschieden zu sein. Nachdem wegen der Wahl eines Demokraten zum Oberbürgermeister der Zentrumsvorsteher sein Amt als Stadtver ordneienvorsteher niedergelegt hat, verhindern die kommunistische Fraftion und der stellvertretende fommunistische Stadtverordneten vorsteher systematisch jede Tätigkeit. Die einzige Arbeit der Kom munisten ist ein wüster Radau, der die Erledigung auch der michtigsten Angelegenheiten unmöglich macht. Die letzten Stadtver. ordnetenfigungen flogen sofort nach Eröffnung der Sigung auf. Ob die für Freitag einberufene Versammlung endlich die Wahl des ersten Borstehers bringen wird, ist durchaus ungewiß. Vermutlich Die sogenannte Erwerbslosenversicherung, die wir wird nach weiteren Standalszenen die Regierung ein. bis jetzt nicht berücksichtigt haben, ist ja der tapitalistischen Bresse ein greifen. Anscheinend versuchen die Kommunisten in Bochum befonderer Dorn im Auge. Dabei vergißt sie, daß die Erhaltung dem Befehl der Moskauer Zentrale rüdsichtslos nachzukommen, der lebendigen Arbeitskraft Erhaltung des besten Benachdem die kommunistische Parteizentrale erst fürzlich die pofitive triebskapitals und der besten Substanz bedeutet. Diese alte Arbeit für die Arbeiterschaft leiftenden Vertreter in weitmar Wahrheit, die der rüdständige deutsche Unternehmer bei Henry ausgefchloffen hat. In dem Verhalten der Kommunisten, Ford nachlesen mag, wird immer noch verkannt. Sum mindesten das die größte Erbitterung in Arbeiterfreisen übersteht man, daß heute die Lasten aus der Erwerbslosenfürsorge hervorruft, liegt System. Auch in den übrigen Städten des früher von der berüchtigten Armenpflege getragen werden Ruhrgebietes ist es in der letzten Zeit zu gewaltsamen Auseinander mußten. Das war ein Zustand, der direkte Kulturschande war. Im fegungen gekommen. In Düsseldorf mußte nach einer Schlägerei übrigen muß man sich wundern, mit welch wenigem Aufwand die die Geschäftsordnung start verschärft werden, weil fonft auch dieses Erwerbslosenfürsorge durchgeführt wird. Die fapitalistische Pros Parlament arbeitsunfähig geworden wäre. Die Antwort auf ihre paganda hat immer mit dem Trid gearbeitet, die höchft Rabaufzenen werden die Kommunisten hoffentlich am 7. Dezember beiträge 3 Proz. vom Lohn, von denen je die Hälfte auf erhalten. ben Arbeitgeber und den Arbeitnehmer entfällt immer wieder mit den tatsächlich geleisteten Beiträgen zu verwech feln. Die tatsächlichen Beiträge liegen aber viel niedriger, z. B. in Baden 1,2 Proz., in Eachsen 1 Proz., in Berlin und Hamburg fogar nur 0,5 Proz. Nur im befeßten Gebiet erreichen die Beiträge die Höchstgrenze von 3 Proz. Das Reichsarbeitsministe. rium und die Gewerkschaften sind der Auffassuna. daß durch Bil bung von Gefahrengemeinschaften die Beiträge bedeutend herabgebrüdt werben fönnen. Was die Gesamtkosten der Er. werbslofenfürforge anbetrifft, fo bedeuten sie im Durchschnitt eine Belastung von 180 bis 190 Millionen Reichsmart. Das ist eine lächerlich geringe Gumme, wenn man bedenkt, daß die deutsche Industrie an der Franfenfpetulation und am Frantenblet im Frühjahr dieses Jahres auf einen Schlag, gering gerechnet, 300 millionen Mart ver. loren hat, und daß bei Getreidefpekulationen vor ganz furzer Zeit Summen verlorengegangen sind, die einen wesentlichen Teil der Aufwendungen des Unternehmertums für die Er werbslosenfürsorge ausmachen. Wenn man die Kosten für Sozialversicherung und Erwerbs. ( cfenfürsorge zusammenfaßt, fo ergibt sich eine Gefambausgabe von höchstens 1½ Milliarde Mart. Das ist für die Erhaltung der deut schen industriellen Tüchtigkeit und der Volksgesundheit eine so geringe Summe, daß dem vernünftigen Menschen angesichts der tapi talistischen Anwürfe gegen unfere Sozialversicherung die Schamröte ins Gesicht steigen muß. Bei Betrachtung dieser Dinge muß man röd bedenten, taß das deutsche Bolt unter den Kriegsfolgen, 3 B. Underernährung, Nachwirtung von Seuchen aller Art, Kriegs beschädigungen, ganz beträchtlich leibet und vor allen Dingen einer weitgehenden sozialen Fürsorge bedarf. Dieses Moment tritt natür lich auch in die Erscheinung, und man muß fagen, daß die deutsche Sozialversicherung noch ben Umfang ihrer Tätigkeit erweitern muß, um den einfachsten Berpflichtungen nachzukommen. Auch dieses Kapitel steht am 7. Dezember, dem Wahltag, zur Debatte. Es ist zu hoffen, daß das arbeitende Bolt ben Feinden feiner Sozialpolitik die richtige Antwort geben wird. Zum Zusammenbruch der Großen Bolfsoper. Gestern nach mittag fand im Berliner Rathaus eine Sigung in der Angelegenheit der Großen Volksoper statt. Stadtrat e ge, der bekanntlich dem Aufsichtsrat der Boltsoper angehört, hatte die Bersammlung ein berufen, um der Bresse Aufklärungen zu geben; auch Prof. Mar Epstein gab ein großes Referat über das Schicksal der Boltsoper und versuch'e die Gründe auseinanderzusehen, wieso das Unternehmen in Schwierigkeiten geraten muß e. Dazu rechnete er z. B. die längst vergangene Kroll- Angelegenheit, dann das Verfagen eines Mäcens, den er als Inflationsgewinnler bezeichnete( obwohl dieser Mann in edelster Absicht gehandelt und zirta 300 000 Goldmart per loren hat), zuletzt das angebliche Ausbleiben von weiteren Geld summen durch den Magistrat Berlin. Es war merkwürdig, Herrn Epstein an der Seite von Herrn Wege anzu'reffen, da man Herrn Epstein zutrauen dürfe, tiefer in die Geschäftsangelegenheiten des Theaters hineingeblidt zu haben. Zuletzt bat Direttor Bange die Bresse, ihn nicht im Stich zu lassen, sondern zu unterſtüken, sowie ie es bei der Gründung seines Un'ernehmens getan habe. Eine Gelegenheit zur Diskussion wurde nicht gegeben; die ganze Bersamm. lung dürfte baber wei ere Aufflärungen als bisher nicht gebracht haben und endete sozusagen wie das Hornberger Schießen. " Dernière im Dramatischen Theater. Man war gekommen, um eine Aufführung des genialen Guiscard" Fragments von Kleift zu sehen, und man entdeckte doch nur die traurigen Ueberreste der noch traurigeren Mera Gerft. Im spärlich erhellten Borraum gesti tulierten und debattierten die nun brptlos gewordenen Schauspieler und Angestellten des Theaters, deren letzter Versuch der Bildung einer Robgemeinschaft" daran gescheitert ist, daß Herr Gerst in Erläuterung seiner heiligen sozial- ethischen Versprechen bereits polizeilichen Einspruch gegen die Benutzung des Fundus, den er ja um den Spottpreis von 16 000 m. geramfcht hat, erzielte. Am Freitag finden die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß statt bann mag sich dieser Fahnenträger des deutschnationalen Idealismus nicht nur juristisch, sondern vuch moralisch verteidigen. Go. Ueber Anatole France( prach vor der Gesellschaft für ethische. Kultur Kurt W. Goldschmidt im August Förster- Saal in der Reithstraße Anatole France der Mensch, der Dichter und der Welt. bürger wurde gebührend beleuchtet und in das richtige, fritische Licht gerüdt, und der ausgezeichnete Vortrag wurde durch Proben aus den Werfen des Dichters auf das glücklichste abgerundet. Goldschmidt sprach von dem, legten Humanisten" France, er betonte, daß der Dich ter Pariser war, so sehr Bariser, daß der Pariser Luremburg- Garten ihm die Natur Frankreichs war, wie das einmal Georg Brandes ausgedrückt hat, und er machte darauf aufmerksam, wie das Barijer tum, wie die unmittelbare Umwelt, die Seine mit ihren lebhaften Ufern Einfluß gehabt haben auf das literarische Schaffen von Anatole France. Der Vortragende analysierte mit feinem Verständnis die Hauptwerte von Anatole France, die gewissermaßen ein Resümee französischer Dichtung und franzöfifchen Geiftes find, und er vergaß nicht darauf hinzuweisen, daß Anatole France der echte Erbe bes Geistes von Montaigne ist, jenes geistvollen Skeptikers, beffen Devise mar: que sais- je?( was weiß ich?) 3um Schluß sprach Goldschmidt von der Wandlung France zum Sozialisten und von seinen schneidenden sozialen Antiogen. Lauter Beifall belohnte den Vortrag, den anzuhören ein Genuß war. K. F. Schlägerei im rumänischen Parlament. Bukarest, 11. November.( EP.) In der rumänischen Rammé am es gestern zu großen Standalszenen, meil es befannt wurde, daß ein Führer der Opposition, Dr. Lipu, von den Sowjets aus Mostau eine Depesche erhalten hatte, in der die rumänische Opposition aufgefordert wird, die Bolschewitibewegung in Baffara bien zu unterstützen. Als der Minister Baitoianu in offener Gigung an Dr. Lipu die Frage richtete, was es mit der ominöfen Depesche für eine Bemandinis habe, stürmte Lipu gegen die Mi nifterbant und schrie deff Minister mit geballten Fäusten zu:„ Bandit!" Es entstand ein allgemeiner Tumult, welcher zu einer Schlägerei zwischen der Opposition und der Regierungs partei ausartete. Hierauf wurde die Sigung geschlossen. partei ausartete. Hierauf wurde die Stzung geschlossen. Nach Wiedereröffnung erklärte Minister Baitoianu, die Untersuchung habe ergeben, daß das Telegramm der Bolschewiki tatsächlich aus Mostan über Riga und Warschau in Bufarest eingetroffen sei. Sein Inhalt sei dadurch befanntgeworden, daß Lipu selbst es feinen Parteifreunden gezeigt habe. Lipu gab zu, eine solche Depesche er halten zu haben, erklärte jedoch, niemand fönne ihn dafür verant wortlich machen, daß jemand ihm ein solches Telegramm schide. Attentatsplan gegen Horthy. Drei Kommunisten verhaftet. Budapest, 11 November.( WIB.) Wie die Blätter melden, hatte die Polizei in Erfahrung gebracht, daß eine aus Rommu nisten bestehende organisierte Bande gegen den Reichsverweser 5) orthy ein Attentat plante Im Zusammenhang mit diefer Angelegenheit befinden sich bereits drei Personen auf der Oberftadthauptmannschaft in Saft. Die eigentlichen Urheber befinden fich außerhalb Ungarns. Im Interesse der Untersuchung gibt die Polizei vorläufig feine weiteren Auffärungen. Wir geben diefe Meldung schon deshalb nur unter Borbe. halt wieder, als ja die Sowjetregierung im Gegenteil eine An näherung an Horthy- Ungarn betreibt, da heide Länder in Rumänien einen gemeinsamen Gegner erblicken, Rußland wegen der Annerion Beffarabiens, Ungarn wegen der Annerion Siebenbürgens. Die Gerüchte, die fürzlich im Umlauf waren, über den Abschluß eines ruffisch- ungarischen Militärbündnisses find bisher nicht dementiert worden. Daher erscheint ein bolschewistisches Romplott gegen Horthy, wenigstens zurzeit, menig wahrscheinlic Reinigung der Labourparty. Ausschließung der Moskaujünger. Condon, 11, November.( Eigener Drahtbericht) Das Eretutivkomitee der Arbeiterpartei hat beichloffen, den angefchloffenen Organisationen zu empfehlen, alle Mitglieder, die zugleich der kommunistischen Partei angehören, auszuschließen. Die Arbeiterpartei dürfe in ihren Reihen nicht Mitglieder einer anderen Partei dulden. Die Kommunisten feien besonders desbalb auszuschließen, weil sie ihren Parteiftandpunkt nicht aus den englischen Verhältniffen herleiten, sondern durch Befehl aus Mostau empfangen. Herriots Dank an Baldwin. Herriot hatte am Dienstagmorgen dem englischen Botschafter Paris, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Ministerpräsident einen Besuch abgestattet, um diesem für die ihm übermittelte Sympathieadresse des neuen englischen Kabinetts zu danken und seiner pathieadresse des neuen englischen Kabinetts zu danken und seiner Genugtuung über die von Baldwin in seiner Rede vom Montag über die fünftigen Beziehungen zwischen England und Frankreich gemachten freundschaftlichen Erklärungen Ausdruck zu geben. Vervollständigung des Baldwin- Kabinetts. Condon, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Balbw'n hat noch einige untergeordnete Bosten seines Ministeriums besetzt. Dadurch ist die Bertretung der Regierung im Oberhaus verstärkt worden. Das Ministerium zählt jetzt 21 Mitglieder und ist das stärkste ber legten englischen Min fterien. Das Kabinett Bonar Laws bestand aus 17 Mitgliedern, das von Baldwin des letzten Jahres aus 19, das von Macdonald aus 20. Nathusius wird vielleicht freigelassen. gelegenheit Nathufius ist eine Entscheidung über die Dauer Paris, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) In der An. ber Haft in den allernächsten Tagen zu erwarten. Die von den nationalistischen Blättern verbreitete Darstellung, wonach die deutsche Botschaft in Paris im Auftrage der Reichsregierung die Frei. laffung des Generals gefordert haben soll unter Berufung darauf, daß Deutschland die Berurteilung deutscher Offiziere durch franzöfifche Schiedsgerichte nicht anertenne, entspricht in einer Weise den Tatsachen. In den verschiedenen deutschen Borberührt worden, zumal Nathusius selbst den Wunsch nach einer stellungen auf dem Quai d'Orsen ist die Rechtsfrage überhaupt nicht Revision seines Prozesses, von der er den völligen Zusammenbruch der gegen ihn erhobenen Anflage zu erwarten berechtigt ist, ausgesprochen hat. Unter diesen Umständen hat die Botschaft sich darauf beschränkt, die französische Regierung mit Rücksicht auf das hohe Alber und die schwer angegriffene Gesundheit des Verhafteten um deffen vorläufige Entlaffung aus der Haft gegen Ehren wort oder Raution zu ersuchen. Eine endgültige Antwort darauf ist bisher nicht erfolgt, doch liegt, da die französische Regierung aufrichtig bemüht ist, dem peinlichen Zwischenfall jede Schärfe zu nehmen, ein günstiger Entscheid im Bereich hoher Wahrscheinlichkeit. Waffenstillitandsfeier in Paris. Q Paris, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Jahrestag nalen Blocks unter Poincaré Nationalfeiertag, wurde am Dienstag des Waffenstillstandes, durch einen Beschluß der Kammer des Mat o in Baris in der Form einer Totengebentfeier am Grabe des Un bekannten Solbaten begangen. Dort hatten sich an der Spiße ber Regierung, des biplomat schen Korps, ber Militär- und Zivilbehörden der Präsident der Republik und Ministerpräsident Herriot eingefunden. Reden wurden nicht gehalten. Im Anschluß an die Minute des feierlichen Schweigens erfolgte ein Vorbe marsch der Truppen, der Abordnungen der Kriegsbeschädigten und der ehemaligen Frontfämpfer vor dem Grabe. Am Nachmittag fand die angekündigte, von den Parteien ber Rechten organisierbe Jm Reiche der Komif" heißt das Thema, das sich der Direktor der Urania, Dr. von Leßei, zu einer fein durcharbeiteten kulturStraßendemonftrafion der Kriegsbeschädigten historischen Studie wählte. Er zeigte die Komit in der antifen Belt, statt, bie nach den Absichten der politischen Drahtzieher eine Broteftverwies darauf, daß die tomischen Gestalten Teufel und Narr fich fundgebung gegen die von ihnen behauptete unzulänglichkeit der stets gegen Dogma und Tradition auftehnten und erinnerte daran, von der Regierung in Aussicht genommenen Erhöhung der Ben wie zu allen Zeiten die volkstümliche Komit jede engherzige Betrach. fionen fein sollte. Die Bete ligung an dem Demonstrationszug war tungsweise befämpfte. Selbst das Derbtomische hat oft seinen fünft- jedoch weit geringer als nach dem Lärm, den die nationalist sche lerischen Wert. Shakespeare und Cervantes 3. B. waren derb- und Presse in den letzten Tagen vollführt hatte. angenommen worden feintomisch zugleich. Mit besonderer Liebe sprach der Redner jobann war. Es hatten fich lediglich einige Tausend Invaliden e ngefunden, Don Glaßbrenner, der dem Berliner Wig die noch heute wirksame die nach dem Quai d'Orfan zogen, wo eine Deputation dem Ministers Form gegeben hat. Durch Bühnendarsteller fand manche Glaß- präsidenten die Wünsche der Kriegsbeschädigten überre chte. In dem brennersche Figur lebendige Bertörperung. Glaßbrenners Wiz zündet Buge befand sich u. a. eine Gruppe, die Schilder mit pazififti. noch heute und seine Laune steckt an. Anerkennenswert ist die Viel- chen Aufschriften, wie Kr eg dem Kriege" und" Haß dem Haffe" feitigteit der Urania- Darbietungen, daß man aber in den Rahmen trugen. De Demonstration ist ohne Zwischenfall verlaufen. dieses Vortrags ausgerechnet den Zeppelinfilm eingespannt hat, er scheint doch als eine Ülebertreibung des löblichen Prinzips. Auch in den Hauptstädten der anderen Ententeftaaten wurde der Tag gefeiert. e. b Revaler estnischen Blättern Reflamenotizen für die bevorstehende Cine„ gebüldete" Redaktion. In den letzten Tagen waren in den Demonstration des Films„ Die Finanzen des Groß herzogs" in geschickt verhüllter Form als angebliche Telegramme der Ufa"( die befanntlich feine Telegraphenagentur, sondern eine Filmgesellschaft ist) über eine auf Minorca ausgebrochene Revolution, wobei diese Telegramme" nur ganz unmertlich vom übrigen Tert gefchieden waren, erschienen. Harmlosere Gemüter fonnten natürlich auf diese Mystification hereinfallen, aber daß es auch Zeitungs. redaktionen gibt, welche die Meldungen von der Revolution im Herzogtum" Minorca ernst nehmen würden, hätte man denn doch nicht für möglich halten sollen. Aber wie es sich erweist, ist dies bei einem Teil der estnischen Brovingpreffe doch der Fall gewefen. So wohl das Böhja Rodu" in Narva wie die Safala" in Fellin haben die" Telegramme" für bare Münze genommen und reprobu zieren fie im Tert unter den Tagesnachrichten. Von fich aus hängt das B. Rodu" einige anscheinend dem Konversationslegiton ent nommene und wenigstens ganz richtige orientierende Daten über Minorca an, während die Safala" ihren Lesern folgende wahr. haft erschütternde geographische Information auftischt: Minorca ist ein fleines Herzogtum(!), das auf einer Insel zwischen Spanien und Portugal(!!!) belegen ist. Hauptstadt Minorca(!). Der Staat(!) hat 40 000 Einwohner usw. usw. In der Geschichte der Breffe dürften Redakteure mit einem folchen Bildungsniveau" nicht häufig anzutreffen sein. " P Jm IV. Konzert der Boltsbühre am Sonntag, den 16., vorm. 12 Uhr im beater am Bülow blat, wirb bie stapelle der Staatsoper unter Leitung von Kabellmeister Georg Sell Schuberts Duvertüre zu Sofas munde" und Tichailomstys V. Sinfonie zur Anfführung bringen. Ston. sertmeister Jofeph Wolfsthal wird Mendelssohns Violinkonzert opus 64 spielen. Im Bugtagstonzert wird die Bläfervereinigung der Staats. oper Duintette und Sertette, Eva Goldbach Lieder mit obligater Klarinette zum Vortrag gelangen lassen. Bräparat berzustellen, das sich eburol nennt, und das bei vernach Ein neues Krebsheilmittel? Einem Prager Arzt ist es gelungen, ein la figten Strebsfällen Anwendung finden soll. Das Mittel soll sich in deutschen Kliniken bereits glänzend bewährt haben. Der Maserbazillus entdeckt? Aus Tofio wird gemetdet: Der japanische Arzt Kubana habe den Maferbazillus entdeckt. * Französische Klage abgewiesen. Bom Pariser Schiedsgericht. Paris, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Bor dem deutich franzöfifchen Schiedsgericht wurde am Dienstag die Klage der franzöfifchen Eisenbahngeiellichaft Dames- Hamab( Eyrien) auf 140 Millionen Frant Schadeneifas gegen die deutsche Regierung wegen Zerstörung ihrer Eisenbahnanlagen abgewiefen. Das Schiedsgericht erkannte den von den deutschen Staatsvertretern gemachten Einwand, daß nicht die deutsche, sondern die türkische Regierung für diese Zerstörungen verantwortlich zu machen sei, in vollem Umfange an. 3. R. Ill amerikanisches Eigentum. III New York, 11. Movember.( TU.) Nachbem Marinesekretär Bilbour die Papiere unterzeichnet hat, durch die„, 3. R. III" offiziell in den Besitz der Vereinigten Staaten übergegangen ist, wird Staats. fetretär Hughes die deutsche Regierung benachrichtigen. Die Taufe bes Luftschiffes auf den Namen„ os Angeles" foll schon in den nächsten Tagen erfolgen. 3. R. III" wird dann in turzer Zeit verschiedene Probefahrten unternehmen und wahrscheinlich New York, Philadelphia und Washington besuchen. In Marinefreifen wird der Plan der Einrichtung eines dauernden Transogeanvertebrs für Baffagiere und Frachten erwogen. Dr. Edener verabschiedet sich heute in Washington und trtt am 15. november die Heimreise nach Deutschland an. Marinesekretär Wilbour erklärte Breffevertretern, das Zeppelinluftschiff werde unter amerikanischer Bemannung beweisen, daß es für den Handelsverkehr auf langen Streden glänzend zu verwenden sei. Bu dem Abschied Dr. Edeners meint New Dort Herald", der deutsche Führer werde bald nach den Vereinigten Staaten zurüdfehren, um für die Goodyear Zeppelingesellschaft zu arbeiten. Gewerkschaftsbewegung werden soll, mindestens unzeitgemäß. Aber es ist schon fo: die Der Streik der Hochbahner. bag lediglich als Ausnahmefall" für gewisse Berufe festgefeßt| lofen, noch das Selbstverwaltungsrecht der Versicherten besteht. Das ist die Sozialpolitik des Herrn Dr. Brauns, die Sozialpolitik einer Wähler werden am 7. Dezember fräftig nachhelfen müssen. rein bürgerlichen Reichsregierung. Es wird Zeit, daß die Arbeit rehmer am 7. Dezember dafür sorgen, daß diese Sozialpolitik einer gründlichen Revision unterzogen wird. Erwerbslosenfürsorge in anderen Ländern. Deutschland hintendran. Um eine Uebersicht der Regelung der Arbeitslosenfürsorge in den einzelnen Ländern zu erhalten, hat sich der Internationale Gewerkschaftsbund mit einer Rundfrage an die angeschlossenen Landeszentralen gewandt. Bei der Fragestellung hat er sich auf die wich tigsten Punkte beschränkt und sich vorbehalten, eventuell später auf Einzelheiten einzugehen. Die eingelaufenen Antworten ergeben fo gendes Bild: Das streifende Fahrpersonal der Hoch- und Untergrundbahn wat gestern nachmittag vollzählig zu einer Versammlung im Gewerkschaftshause zusammen. Nach den Ausführungen der Bersammlungsfeitung und der nachfolgenden Diskussionsredner fämpft das Ber sonal neben den ideellen Forderungen, die wir bereits im gestrigen Abendblatt darlegten, ouch um eine ausreichende Gehaltserhöhung. Das Fahrpersonal hat gegenwärtig bei 230 Dienststunden im Monat ein Anfangsgehalt von 156 M., das nach 11 Jahren auf 167 m. steigt. Die geringen Zulagen für die Kinder sind kaum zu rechnen. In Belgien gibt es feine staatliche Arbeitslose werfiche Bon diesem gewiß färglichen Gehalt geht noch die runde Sumne rung. Diese wird ausschließlich von den Gewertschaften von 30 M. durch Abzüge aller Art ab. Die Forderungen sind dem erganisiert. Hing- gen zahlt der Staat eine Subvention pon gegenüber bescheiden zu nennen. Bei einem Anfangsgehalt von 50 Proz. des Betrages der von den Mitgliedern bezahlten Sum167 M. wird ein Endgehalt von 209 m. verlangt. Als Kinderzulage men. Der Betrag dieser Subvention wird der Arbeitslosentasse gut werden 15 M. pro Monat gefordert. Bei den Fahrkartenverkäufe geschrieben und dem Krisenfonds üterwiesen. Organisationen, die rinnen liegen die Verhältnisse ähnlich. Hier steigt das Anfangsgehalt in Schwierigkeiten geraten, können aus diesem Fonds Vorschüsse von 106 auf 117 M.; verlangt werden 123 resp. 171 M. Einer be- beziehen. Daneben hat die Regierung einen nationalen fonderen Kritik wurde die überaus lange Arbeitszeit unter- Krisenfonds für die ausgesteuerten Arbeitslosen errichtet, zogen. Die Dienstzeit kann bis zu 12 Stunden täglich der noch eine weitere Unterstüßung von 30 Tagen vor= ausgedehnt werden und die einzelnen Dienstschichten sogar sieht. Dauert die Krie in der Industrie noch länger an, so fann eine Verlängerung dieser Frist bewirkt werden. Sind die bis zu 18 Stunden. Daß diese Arbeitszeit für die Dienst- Arteitslosenfassen der einzelnen Organisationen erschöpft, so leistung des Verkehrspersonals und bei der Verantwortung, die daübernimmt zudem der Nationale Krisenfonds alle ſtatutabei zu tragen ist, viel zu lange ist, bedarf keiner besonderen Er- rischen Verpflichtungen gegenüber den Arbeitslosen. Zu Beginn wurde dieser Grundfaß streng eingehalten, seitdem jedoch katholische Minister im Arbeitsministerium fizet, erfolgt die Unterstützung nur noch, wenn dies absolut unumgänglich ist. wähnung. Das Personal steht ferner auf dem Standpunkt, daß die neuen Bertragsverhältnisse, wie sie durch den Schiedsspruch festgelegt werden sollen, gegen Treu und Glauben verstoßen. Das Personal ist feinerzeit zu bedeutend günstigeren Bedingungen eingestellt worden, so daß es verständlich erscheint, wenn es sich nunmehr gegen die beabsichtigten Verschlechterungen zur Wehr seht. Wenn die Hochbahndirektion durch ihre Veröffentlichungen jetzt so großes Gewicht auf die Innehcltung des zurzeit geltenden Tarifrechts legt, so vergißt sie dabei, daß sie im Januar d. I. die Richtlinien ihres Arbeitgeberverbandes gutgeheißen hat, in denen Stellung zu den 3 wangstarifen" genommen wurde. In diesen Richtlinien war u. a. gesagt:" Da unseren Wunsche, die Bestellung der Schlichter nur im Einvernehmen der beiderseitigen Organisationen vorzunehmen, nicht entsprochen ist, wäre die Zusammenarbeit mit Schlichtern, die nicht das Vertrauen beider Teile haben, abzulehnen." Mit der Anerkennung dieser Richtlinien wollte die Direktion sich offenbar bei Schiedssprüchen, die ihr nicht gefallen, freie hand behalten. Die Träger der Arbeitslosenversicherung in Dänemort sind die om Staate anerkannten Arbeitslojentassen der Gewertschaften. Die finanziellen Mittel werden von den Mitgliedern sowie durch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln aufgebracht. Der Staatszuschuß beträgt 35 Pro3. der von den Mitgliedern eingezahlten Beiträge, der Zuschuß der Gemeinden 30 Broz. Insgesamt beträgt der Zuschuß des Staates und der Gemeinden somit 65 Proz. der von den Mitgliedern eingezahlten Beiträge. Außerdem besteht ein sogenannter Krisenfonds für die Unterstützung der ausgesteuerten Mitglieder solcher Arbeitslosenkassen, für die eine außerordentliche Arbeitslosigkeit besteht, S. h. wenn in den beiden letzten Monaten der Prozentsatz der Arbeitsfofen einer Kasse 50 Proz. über den Durchschnitt der entsprechenden Monate der letzten 14 Jahre mit Ausnahme der beiden höchsten Prozentfäße liegt und mindestens 7½ Proz. beträgt. Die finanziellen Mittel dieses Fonds werden vom Staat, den Gemeinden und Arbeitgebern aufgebracht. Lohnkonflikt im Meiereibetrieb von Bolle. Ende Oktober wurde vom Schlichtungsausschuß für das gewerbliche Personal der Meierei Bolle mit den Stimmen der Arbeitgeberbeisiger ein Schiedsspruch gefällt, der die Löhne des Personals von der laufenden Lohnwoche ab folgendermaßen festfezte: Gruppe 1( Handwerfer, Maschinisten und Heizer, Molkereifacharbeiter. Touren- und Bahnfutscher und Schwerstarbeiter) 36 M. je Woche. Die Gruppe 2, in der alle übrigen Arbeiter sich befinden, sollte 34 M. erha ten, während der Gruppe 3, die die Frauen umfakt, 26 m. je Woche zugesprochen wurde. Die Arbeitnehmer nahmen den Schiedsspruch ouch an, die Firma lehnte ihn dagegen ab. Von den Organisationen wurde nunmehr die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Bei den Bergleichsverhandlungen lehnte die Firma den Schiedsspruch besonders megen der Höhe der FrauenFirma den Schiedsspruch besonders megen der Höhe der Frauenlöhne ab. Sie unterbreitete aber gleichzeitig einen neuen Vorschlag, nach dem die Heizer, Maschinisten und Handwerker 76 Pf. je Stunde et halten sollten, wohingegen der Schiedsspruch nur 75 Bf. vorjah, Die übrigen Arbeitnehmer der Gruppe 1 follten 72( 75) Bf. erhalten. Der Gruppe 2 mutete man einen Abzug von 2 Pf. je Stunde auf 69 Pf. zu und bei den Frauen sollte diefer Abzug gar 2½ Pf., also 52 Pf. Stundenlohn betragen. Die Firma machte weiter den Vorschlag, daß über die Eingruppierung der Frauen vom 1. Januar n. 3. ab ein freies Schiedsgericht verhandein sollte. Da der Vorschlag der Firma für einen großen Teil der Arbeitnehmer eine nesentliche Verschlechterung gegenüber dem SchiedsSpruch bedeutete, kam es zu feinem Vergleich. Die Belegschaft wird heute, Mittwoch, erneut Stellung nehmen. In den übrigen Milchbelieferungsgesellschaften werden im all gemeinen höhere Löhne gezahlt als der Schiedsgericht für die Meierei Bolle vorsieht. Dessen ungeachtet haben die Arbeiter und Arbeiterinnen den Schiedsspruch angenommen, weil sie sich ihrer Verantwortung dem lebenswichtigen Betrieb gegenüber bewußt waren. Um so verwunderlicher ist es, daß dieser Schiedsfpruch nicht für verbindlich erklärt worden ist. Tarifabschluß in der Damenmaßbranche. Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, über den am 23. Oktober im Vorwärts" berichtet wurde, war von den Arbeitgebern trotz der geringen Lohnerhöhung abgelehnt worden. In einer erneuten Verhandlung vor dem Schlichter, welche über vier Stunden in Anspruch nahm, ist über die Lohnhöhe sowohl wie über den Mantelvertrag eine Einigung erzielt worden. Strittig ist lediglich der Stücklohntarif geblieben. Die Versammlung ging mit dem Gelöbnis auseinander, in dem aufgezwungenen Kampfe fest zusammenzustehen. Das technische Personal wird heute, Mittwoch, zu dem Streit des Verkehrspersonals als drei Achtel, die Arbei er ein wenig unter drei pruches abgeändert und sonst, wie bisher, in Kraft getreten. Die Stellung nehmen. Streitarbeit ist bisher vom technischen Personal abgelehnt worden und wird auch in Zukunft nicht geleistet werden. beabsichtigt die Direktion, das streitende Personal zu entlassen Wie wir zum Streik des Hochbahnpersonals weiter erfahren ,, und dafür betriebsfremdes Personol einzustellen. Die Direktion hat sich wegen des Schutzes der Streitbrecher bereits an das Polizeipräsidium gewandt. Diese beabsichtigten Maßnahmen erscheinen um so verwunderlicher, als die Direktion sonst an das Fahrpersonal ganz bedeutende Ansprüche in bezug auf Ausbildung und Fähigkeiten stellt. Wie die Direktion mit vollkommen neuem Personal einen geordneten Bahnbetrieb ohne Gefahr für Leib und Leben der Fahrgäste ausführen will, bleibt ihr Geheimnis. Wir nehmen aber ohne weiteres an, daß das Polizeipräsidium darüber wacht, daß die diesbezüglichen Bestimmungen zur Verkehrssicher: heit auch eingehalten werden, zumal es mehr als fraglich erscheint, daß ehrliche Arbeiter sich zu Streifbrecherarbeit hergeben werden. Unerfindlich ist uns auch, wie der Reichsarbeitsminister die auf der Arbeitsministerkonferenz von Bern getroffenen Vereinbarungen in Einklang bringen kann mit der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches. Die deutschen an die österreichischen Eisenbahner. Der Hauptbetriebsrat der Deutschen Reichsbahngefell schaft, der 400 000 Eisenbahnarbeiter vertritt, hat einstimmig beschlossen, folgendes Telegramm an die fämpfenden Eisenbahner in Desterreich zu richten: Die Vollsigung des Hauptbetriebsrates der. Reichsbahn, die am 11. November 1924 in Berlin tagt, spricht den tämpfenden österreichischen Eisenbahnern die wärmste Sym pathie aus. Die vorbildliche Geschlossenheit, mit der unsere österreichischen Kollegen im Kampfe stehen, gibt uns die Gewißheit, daß sie ihre Sache gegen alle widerstände zum vollen Erfolg führen werden. Der Achtstundentag als Ausnahme. Am Donnerstag dieser Woche wird der besondere Arbeitsaus schuß des RWR. zur Feststellung der Berufsgruppen, bei welchen der Achtstundentag wieder eingeführt werden soll, zu seiner ersten Beratung zusammentreten. Die Liste des Reichsarbeitsministerums über die für den Achtstundentag in Betracht kommenden Berufe, die in Anlehnung an die Gliederung der Reichsstatistik aus Bergbau, Hüttenwesen, Metallverarbeitung, Stein und Erden, chemische Industrie und sonstigen Gruppen bestimmte Arbeiterkategorien herausgreift, liegt dem Reichswirtschaftsrat jezt vor und ebenso sind eine Reihe Ergänzungsanträge von den Arbeitnehmern eingegangen. Die erfte Beratung des Arbeitsausschusses wird zunächst einmal einen Arbeitsplan aufstellen. Weder im Reichswirtschaftsrat noch im Reichsarbeitsministerium rechnet man also mit einer schnellen Erledigung der Streitfrage. Die Arbeitgeber werden wahrscheinlich darauf bestehen, daß auch Betriebsbesichtigungen vorgenommen werden. Die eigentliche Entscheidung fällt der sozialpolitische Ausschuß. Wir finden die ganze Art, wie hier noch immer der Achtstunden In Großbritannien gibt es eine Arbeitslosenversicherung Die Kosten werden zu einem Biertel vom Staate getragen, die Unternehmer zahlen ein wenig mehr Achtel In Holland ist das sogenannte dänische System der Arbeitslosenunterstützung in Anwendung. Die Träger der Arbeitsloset= unterstützung sind die vom Staate anerkannten und subventionierte Gemeinden leisten einen Zuschuß von je 50 Proz, also insArbeitslosenfaffen der Gewerkschafen. Sicat und gesamt 100 Broz. der von der Mitgliedern eingezahlten Beiträge. die lokalet Bestimmungen, denen zufolge der Staat nur an GemeinFür die ausgesteuerten Mitglieder der Arbeitslosenkassen gelten den Subventionen zahlt, deren Finanzlage eine sehr schlechte ist. In Italien besteht obligatorische Arbeitslosen versicherung, deren Kosten von Unternehmern und Arbeitern zu gleichen Zeilen getragen werden. Der Staat leistet einen 3uschuß von besteht eine Arbeitslosenunter st ügung. Die Mittel werden durch die Kranken- und Unfallversicherungsorgane in der Höhe von 5 Proz. des Krankenversicherungsbetrages aufgebracht, In Jugoslawinionen Lire. In Lettland gibt es weder Arbeitslosenversicherung noch Arbeitslosenunterstützung. Nur in Perioden allerschwerster Arbeitslosigkeit wird den Arteitslosen, die schon längere Zeit keine Arbeit finden fonnten, eine winzige Unterstüßung in Form von Fett, Brot, Holz usw. gewährt. In Oesterreich besteht eine staatliche Versicherung. Die Kosten werden aufgebracht durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 42 Proz., Staat 14 Proz. und Gemeinde 4 Proz. In Polen besteht seit 1. September d. I. eine staatliche Arbeitslosenversicherung. Die Unternehmer zahlen 1½ Proz., die Arbeiter ½ Proz. und der Staat 1 Proz. der ausgezahlten Lohnbeträge. In Schweden gibt es teine staatliche Arbeitslosenversiche rung und der Staat leistet auch feine Zuschüsse an die Arbeitslosenkassen der Gewerkschaften. Die Frage steht zurzeit zur Behandlung, aber eine Lösung ist bisher noch nicht gefunden worden. Während der letzten Wirtschaftskrise waren jedoch der Reichstag und die Regierung gezwungen, Maßregeln zur Linderung der Not vorzunehmen. Kronen für diesen Zwed verausgabt, die zum größten Teile für die Insgesamt wurden von Staat und Gemeinden zirka 250 Millionen Vornahme von Notstandsarbeiten verwendet wurden. In der Schweiz wurde die staatliche Versicherung am 1. Juli dieses Jahres aufgehoben. Gegenwärtig ist ein Gesetz in Beratung, das einen Staatszuschuß noch dem Genter System vorfieht. In Spanien gibt das staatliche Arbeitsomt einen geringfügigen Bufchuß an einige Gewerkschaften., die fagungsgemäß ihre Arbeitslosen unterstüßen. Eine gesetzliche Regelung gibt es nicht. In der Tschechoslowatei besteht eine staatliche Arbeitslosenunterstüt ung; die finanziellen Mittel werden durch den Staat aufgebracht. In Ungarn gibt es weder staatliche Arbeitslosenversicherung noch Arbeitslosenunterstützung. Aus dieser Erhebung geht vor allem eins hervor: Deutsch land ist auch auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung ins intertreffen geraten. Hier haben wir die beispiellofe Gin richtung, daß die Arbeitnehmer wie die Arbeitgeber verhältnismäßig hohe Pflichtbeiträge( bis 1½ Proz. des Lohnes) zu leisten haben, aber weder ein Recht auf Unterstützung für die ErwerbsDie Lohnhöhe bleibt in der Spike mit 88 Pf. bestehen. Der Mantelvertrag ist in den§§ 13 und 16 in der Faffung des Schieds. Löhne der Konfettionsänderinnen sind im Anschluß an die Verhandlungen vor dem Schlichter ebenfalls neu geregelt worden. In einer Versammlung der Funktionäre obengenannter Bran geholt werden konnte, es auf die schlechte Konjunktur und die unchen berichtete a ust marn über die schwierigen Verhandlungen vor dem Schlichter und betonte, daß, wenn nicht mehr herausgenügende Organisationszugehörigkeit der Branchenangehörigen tragen, daß die Organisation ausgebaut wird, damit das jetzt Verzurückzuführen fei. Er ermahnte die Funktionäre, dafür Sorge zu fäumte nachgeholt werden kann. Bezüglich des Stücklohnes wurde betont, ihn unter keinen Umständen zur Einführung zu bringen. Sollten von den Arbeitgebern Versuche unternommen werden, so sei das Bureau sofort in Kenntnis zu setzen. Die im Anschluß an den Bericht einsetzende Diskussion stimmte im wesentlichen den neuen Lohnabmachungen bei, so daß diese auch für die Konfektionsänderinnen endgültig als abgeschlossep gelten. Die neuen Lohnfäße können im Bureau des Deutſchen Be fieidungsarbeiterverbandes, Sebastianstr. 37/38, Hof 3 Trp., in der Beit von 8-1 Uhr und Freitags von 4-27 Uhr nachmittags gegen Borlegung des Mitgliedsbuches in Empfang genommen werden. Achtung, Mufifinftrumentenarbeiter! Am heutigen Tage findet, wie bereits gestern mitgeteilt, die Urabstimmung statt über den vom Arbeitsministerium gemachten Vergleichsvorschlag. Der Stimmzettel lautet: 1. Ich stimme für 5 Pros. Lohnerhöhung. Dieser Stimmzettel ist zu trennen 2. Ich stimme für Streif. und der gewünschte Teil unter Vorzeigung des Mitglieds. buches ohne Vermerk in die Urne zu werfen. Bei den Zehnprozentige Lohnerhöhung für Rheinschiffer. Schlichtungsverhandlungen über die Lohnerhöhungen in der Rheinschiffahrt wurde ein Schiedsspruch gefällt, der eine Erhöhung der Löhne um zehn Prozent vorsieht. Die Erklärungsfrist läuft bis Wittwoch. Achtung, Tapezierer! Donnerstag abend 7 Uhr findet in den ZentralFestfälen, Alte Jakobitr. 32, eine öffentliche Versammlung aller Tapezierer und Näherinnen statt. Rentralverband der Angeftellten, Fachgruppe Gemeinde. Sektionen Nichtständige- und Werksangestellte. Mitgliederversammlung Donnerstag abend 7 Uhr in den Musiker- Festsälen, Raiser- Wilhelm- Str. 31. Tagesordnung: 1. Angestelltenrechte in der Republik. Referent Rollege Reig. 2. Bericht über die Gehaltsverhandlungen. 3. Aufstellung der Delegierten für die örtliche Generalversammlung. 4. Berschiedenes. Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl" mit Filzring. In der ALEXANDER- APOTHEKE, Alexanderstraße 8, dicht am Polizeipräsidium, ua tinden Sie Ihre Gesundheit wieder; dort erhalten Sie einen vorzüglichen Tee, den Vulneral- Blutreinigungstee des Apothekers Grundmann, der Sie von Gicht und Rheumatismus befreit. Und nicht nur das, der Tee ist auch ein vorzügliches Mittel bei Neigung zur Säfteverderbnis, Flecht n. Hautausschlägen, Aderverschleimung, Blasen- und Nierenleiden, sowie Blutandrang nach dem Kopfe und wird kurgemäß mit gänzendem Erfolge a gewendet Er dürite demnach in keiner Familie fehlen, Pakete zu 2 und 3,50 M., 3 Pakete à 3,50 M. gehören zu einer Kur, schmerzstillendes Rheumaöl 2 M. Können Sie nicht selbst hingehen, dann schreiben Sie eine Karte oder telephonieren Sie Amt Königstadt 375, ANNO 1892 Salpaus mit Gold o. Mdstk. Okassa Es steht also fest, daß diese Marke eine der ältesten überhaupt ist. Sie ist aus rein orientalischen Tabaken hergestellt. Diese Original Halpaus- Cigarette ist für 2428 wieder überall zu haben. KON LINON Nr. 534 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts METER KILO Mittwoch, 12. November 1924 sind die Fehlergrenzen etwa wie folgt bestimmt: Ein 50- KMoGewicht darf nach oben und unten nicht mehr als 10 Gramm abweichen. Bei 1 Kilo läßt man noch 0,4 Gramm zu. Werden diese Grenzen überschritten, so müssen die Gewichte den Eichämtern zur Kontrolle vorgelegt werden. Die Tätigkeit der R. M. G. Wer die Reichsanstalt für Maß und Gewicht" besucht, glaubt ein Haus im Dornröschenschlaf zu betreten. Kein Haften und Lärmen auf den Korridoren. Und doch in den Arbeitsräumen angefirengte wissenschaftliche Arbeit. Neben der Kontrolle der Maßeinheiten für die Eichungsbehörden und für wissenschaftliche und technische Institute obliegt der Reichsanstalt die Ausarbeitung und Ergänzung der Eichvorschriften für alle ordentlichen Maß- und Wiegegeräte des öffentlichen Lebens. Besondere Abteilungen sind für die Prüfung und Begutachtung von Maßgeräten, wie Alkoholometer, Milch-, Wein- und Mostprobern usw., vorhanden. In anderen Abteilungen werden Getreideprober, die die Qualität des Ge= treides feststellen, kontrolliert und die Vorschriften für ihren Bau entworfen. Die Reichsanstalt prüft auch alle Arten von Gas- und Waffermeffern auf ihre Eichfähigkeit. Ein besonderes Laboratorium dient der Prüfung von Sprigen, Injektoren und Mekgläsern aller Arten für chemische, technische und medizinische Zwecke. Eine Modellfammlung eichpflichtiger Mekaeräte, von der Elle des Bandhändlers über das Kilogewicht des Krämers und das Litermaß der Milchfrau, bis zu den komplizierten felbfttätigen Maffengüterwagen zeigt jedem Interessenten die amtlich vorgeschriebenen Formen der gebracht. Hier findet man die mannigfaltigsten Formen von hiſtoGeräte. Im obersten Stockwerk des Hauses ist das Museum unterrisch gewordenen Wiegeschalen neben hölzernen Butterwagen; man sieht Stein- und Lotgewichte, Holzmaße für Essig und Kupfermaße für Wein zu„ 15 Quart". Eine Bibliothek mit den Eichvorschriften aller Länder, eine mechanische Werkstatt und eine große Anzahl von Einzelarbeitsräumen gehören außerdem zum Institut. Die Hausfrau, die bei ihren Einkäufen beim Krämer genaues große Glocken den Fußboden überdachen. Das ganze Bauwerk ruht Gewicht verlangt, und der Bekleidungsfünstler, der beim Anlauf auf der Sandfüllung einer riesigen Betonwanne, die ins Erdreich von Stoffen.„ reelles Maß" haben will, haben sich wohl über die eingelassen ist. Der Raum ist ohne Fenster, nur zwei Türen führen Entstehung, die Herstellung und die Kontrolle der beim Wiegen und in Vorräume. Grundbedingung für genaue Messungen ist gleichMessen benutten Maßstäbe und Gewichte herzlich wenig Kopf- mäßige Temperatur. In dem Komparatorraum ist eine Schwanschmerzen gemacht. Sie wiffen wohl, daß ab und zu die Gewichterung zwifchen Morgen- und Abendtemperatur nicht wahrzunehmen. Durch künstliche Erwärmung des Raumes fann erreicht werden, daß einmal geeicht werden müssen; aber schon bei der„ Elle" des Stoff- der Unterschied zwischen den Temperaturen am Fußboden und an händlers versagt die Wissenschaft. Und doch ist es so wichtig und der Decke höchstens ein Drittel Grad beträgt und daß während dabei interessant, etwas darüber zu erfahren. einer Messung der Raum eine vollkommen gleichmäßige Tempe. ratur erhält. Hierbei wird nach hundertstel Grad gemessen. Infolge der vorzüglichen Isolation fällt die Temperatur nach Beendigung der Heizung erst in zwei Wochen auf die Ausgangstemperatur zu rüd. Jede Erschütterung der Instrumente durch äußere Einflüsse iſt so gut wie aufgehoben. In den Apparaten lassen sich Maßstäbe von einem und von vier Meter Länge messen, besser gesagt vergleichen. Der Normalmokab wird neben den zu vergleichenden in einen„ Trog" gelegt, deffen Doppelwandung mit Wasser gefüllt ist, das durch elektrische Heizung auf aleicher Temperatur gehalten wird, die sich auf wenige hundertstel Grad bestimmen läßt. Nachdem alles auf das peinlichste vorbereitet ist, können durch Vergleichung mittels Mikro- Die Reichsanstalt war früher selbständig, ist jetzt aber als Abslope Fehler festgestellt werden, die noch geringer als der fünfte teilung der Physikalisch- technischen Reichsanstalt angegliedert und Teil eines taufendstel Millimeter sind. So werden die Normometer steht unter Leitung von Geheimrat Meyer. Sie ist eine dergeprüft, die wiederum die Ausgangseinheiten der Maßstäbe derjenigen wenigen Behörden, von denen kaum jemand einmal etwas oberen und unteren Eichungsbehörden find. In neuerer Zeit braucht hört, deren wissenschaftliche Arbeiten aber in weitestem Maße Einthe Industrie ganz besonders genaue Maße zur Herstellung von Meßgeräten aller Art, die bei der Fabrikation von normalisierten fluß auf unser gesamtes Wirtschaftsleben ausüben. Wenn wir heute Arbeitsstücken Verwendung finden. Die Prüfung dieser Maße ge- allenthalben reelles Maß und Gewicht" erhalten, haben wir das schieht auf sogenannten Interferenzapparaten mit Hilfe des Helium nicht zuletzt der R. M. G. zu danken. lichtes. Die auf diese Art kontrollierten„ Endmakklöhchen" find so genau gearbeitet, daß zehn Stüd, mit den Meßflächen aneinandergeschoben, nicht mehr als ein tausendstel Millimeter von der vorgeschriebenen Länge abweichen. Die Grundlagen für Maß und Gewicht. Das metrische Maß- und Gewichtssystem hat als Einheit das Meter und das Kilogramm. Das sind nicht willkürlich angenommene Werte. Das Meter ist von einem genau bestimmten Teil des Erd umfanges abgeleitet worden, während das Kilo das Gewicht eines Würfels aus Waffer ist, der an allen Kanten 10 Zentimeter lang ist. Eigentlich, follte man meinen, wäre damit alles in bester Ordnung. Aber die Erde ist ebenso veränderlich wie das Wasser. Mit Maßstäben und Gewichten, die auf so unsicherer Grundlage aufgebaut find, könnte sich weder die Techn!? noch die Wissenschaft, ja, nicht einmal der Handel begnügen. Sie bedürfen vielmehr Makeinheiten, die ein für allemal unveränderlich festgelegt sind, und bei denen dafür gesorgt wird, daß sie auch nach menschlichem Ermessen unverändert bleiben. Die R. M. G. Draußen in Charlottenburg am Knie, im„ physikalischen Viertel", liezt die„ Reichsanstalt für Mak und Gewichte( R. M. G.). Sie ist die Hüterin des deutschen Urmeters und des Urtilos. Durch internctionale Abmachungen sind eine Anzahl Staaten miteinander auf das metrische System verpflichtet. Jedes dieser Länder besitzt eine genaue Nachbildung eines international festgelegten und verwahrten Urstückes des Meters und des Silos. Diese Nachbildungen, also auch die deutschen Urstücke, bestehen aus Platin- Iridium, einer Metall legierung, die äußeren Einflüssen den denkbar größten Widerstand bietet. Schon die Aufbewahrung der deutschen Prototype, fo nennt man die Urstücke. läßt ihre ungeheure Bedeutung und ihren großen Wert erkennen: In einem feuersicheren Gewölbe, dessen verschiedene Schlüffel in den Händen mehrerer Beamten des Instituts sind, werden sie aufa hoben. Nur die Leiter der beiden Arbeitsgruppen für Längenbestimmungen und Maßebestimmungen" find die Auserwählben, die mit ihnen bei der Festsetzung allerfeinster Maße und Gewichte für grundlegende wissenschaftliche Forschungen arbeiten dürfen. Für den allgemeinen Dienstgebrauch sind Normalmeter und Normaltilo, vom Urmaß abgeleitet, vorhanden, die wieder mit Arbeitsnormalen einer niederen Gruppe ständig kontrolliert werden. So ist für weitgehendste Schonung der Urmake gesorgt. Man könnte annehmen. daß sich durch diese vielen Unterteilungen immer neue Fehler einschleichen und daß so die Genauigkeit leiden könnte. Durch die Anwendung feinsinnig fonftruierter Aprarabe ist aber die Gewähr für Gerauigkeiten gegeben, die ans Wunderbare, Unfaßliche grenzen. Es verlohnt sich, zunächst einmal in groben Umrissen einen folchen Prüfopparat fennen zu lernen, der zum Vergleich und zur Bestimmung der Maßebeweisungen dient. Der Komparator". " Der große Komparator( d. h. Bergleicher") der R. M. G. ist eigentlich kein Einzelinstrument, sondern eine Kombination von Baul chkeiten aller Art aus Beton, Steinen, Sand, Eisen, in Verbindung mit den feinsten Meßgeräten und Mikroskopen. Diese Apparatur befirdet sich in einem großen Raum, dessen Doppelwände eine 80 Zentimeter breite Luftschicht umschließen und die wie 28] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Das junge Mädchen berührte seinen Arm und flüsterte: Ich bin nicht Sinn Fein, wie Rose und Betty. Unser Herrgott ist gewiß nicht für Gewalt. Aber ich bin Dennis' Schwester und er ist der edelste Mensch, den ich kenne. Lieber Gott, was soll ich tun, wenn er uns genommen wird?" Sie lehnte sich gegen die Tür und weinte bitterlich. ,, Sie werden ihn für eine Weile ins Gefängnis steden," tröstete Bertram ,,, das ist nicht so schrecklich." Er füßte ihr voll Mitfühl die Hand. Gott helfe Jrland- und England!" sagt er, nahm den Hut ab und ging. Weshalb wurde er immer und hergerissen? Die meisten Menschen gingen entweder auf der einen oder der anderen Seite der Hecke des Lebens. Er versuchte sich in der Mitte des Weges zu halten, und von beiden Seiten bewarf man ihn mit Steinen. It 16. Am selben Abend besuchte ihn Digby, aber nicht in der Uniform der Schwarz- Gelben. Die war in London nicht be= liebt, und die oberste Leitung sorgte dafür, daß sie nicht gefehen wurde. Die Brüder begrüßten sich in der üblichen Weise. Hallo, Alter!" sagte Digby. Hallo, mein Junge!" antwortete Hallo, mein Junge!" antwortete Bertram. " Wie geht's?" Wie geht's dir?" fragten beide gleich zeitig. Wie gut, wieder zurück in England zu sein nach der Hölle in Irland. Man fühlt sich wieder sicher auf der Straße Man braucht nicht immer einen Blid über die Schulter zu werfen, und ein Klopfen an der Tür läßt einen nicht zu fammenfahren." Als aber etwas später das doppelte Klopfen des Briefträgers an der Haustür ertönte, fuhr er doch erschrocken auf. ,, Entschuldige." sagte er, gezwungen lachend, taftete nach feiner Pfeife und zündete sie an. Er war faum zwanzig Jahre alt und war nur eben noch davor bewahrt worden, den Krieg mitzumachen, da der Waffenstillstand während seiner Ausbildung erfolgte. Er war ein blondhaariger Junge mit reingeschnittenen, zarten, fast mädchenhaften Zügen. Aber er fam Bertram verändert vor. Die Linien des Mundes waren weniger feft, und die Augen wichen dem Blick aus. Auch stotterte er leicht. Hast du etwas Whisky, Alter?" fragie er Bertram, nach „ Wiegeschalen". Inbegriff der Feinheit.„ Apothekergewicht" ist genaues Gewicht. Für den gewöhnlichen Sterblichen ist eine Apothefermage der und doch ist der Unterschied zwischen den Prüfwagen der R. M. G. und einer Apothekerwage etwa fo, wie der zwischen den Wagen Instituts spielen Temperatur, Feuchtigkeitsgehalt der Luft und abso eines Krämers und eines Apothekers. In den Wageräumen des lute Ruhe die gleiche Rolle wie bei den Längenmessungen. Die Begriff Wage zutrifft Wagen wenn auf diese Wunderinstrumente überhaupt noch der find auf Konsolen montiert, die wiederum Straße vor der Reichsanstalt an bis auf die Grundmauern gehenden Wänden befestigt sind; die Für Wägungen mit dem Urtilo sind Wagen vorhanden, die bis auf alt ist für Fuhrwerke ständig gesperrt, den hundertften Teil eines Milligramms den Fehler beftimmen. Die Die fleinste Wage, die für Mitrowägungen benutzt wird, gibt bet Pleineren Wiegefchafen zeigen bedeutend geringe Belastungen an. einer Belaftung mit fünf Milligramm jedes weitere Milligramm an der Skala durch 480 Teilstriche an. Eine andere fann den Gewichts. unterschied zwischen zwei halben Grammstücken, die auf die Schalen gelegt werden, bis auf eintausendstel Milligramm genau feststellen. Daneben gibt es aber auch Wagenriesen, deren Genauigbeit und Präzision dem Laien die höchste Bewunderung einflößen. Die Wagen, die in Glasfästen stehen, find so empfindlich, daß die Körperwärme des mit ihnen Wägenden sie schon ungünstig beeinflußt. Bei den feinsten Wagen wird deshalb auch die Hantierung in einer Entfernung von mehreren Metern vorgenommen. Die Ablesung der Stala erfolgt durch ein Mikroskop. Solche Anforderungen werden natürlich mir an die Gewichte für die chemischen Forschungsinstitute gestellt. Für die Gewichte des allgemeinen Handels dem die paar ersten Fragen nach den Eltern, Joyces Befinden und dem neuesten Theaterstück erledigt waren. Bertram brachte im Whisky, hob aber die Augenbrauen, als Digby sich ein halbes Wasserglas vollschenkte und auf einen Zug leerte. ,, Du, das war ein tüchtiger Zug!" Digby meinte, das wäre gar nichts. Er war ganz anderes gewöhnt. Alle tranfen sie wie ein Schwamm in seinem Regiment. Was anderes fonnte man doch in der alten Kaserne nicht anfangen. Es wurde beinahe von dem fommandierenden Offizier eher gern gesehen. Sogar die Gemeinen durften so viel trinken, wie sie wollten, bevor sie auf Haussuchungen und Streifen gingen. Es machte sie ein bißchen wild und hielt sie bei Stimmung. Sonst verführen sie zu milde mit den Iren, besonders mit den irischen Mädchen, die meistens verdammt hübsch waren. Angenehm war es nicht, Mädchenschlafstuben bei Nacht zu durchsuchen. Bei Nacht? Ja, natürlich. Alle diese Streifflopfte an die Türen oder stieß sie ein, und dann drang ein züge wurden nachts unternommen. Man umstellte die Straße, Offizier mit mehreren Mann ins Haus ein, um es nach Rebellen und verborgenen Waffen zu durchsuchen. Etlige Arbeit für einen anständigen Menschen war's gewesen. Eines Nachts hatte er schwere Mühe mit seinen Leuten. Nachtanzügen aufgestöbert- Mädchen aus bester Familie-Sie hatten bei der Haussuchung drei junge Mädchen in ihren und fingen an, sie auf unsaubere Weise zu belästigen. Einem der Mädchen wurde das Nachthemd heruntergerissen, und sie schrie, als sollte das Haus einstürzen. Es war die Schuld des Sergeanten, der in dieser Nacht schwer betrunken war, dazu felhaft verliebter Natur. Digby drohte, ihn zu erschießen, und schlug tatsächlich einen der Soldaten zu Boden. Das ernüchterte sie endlich, fie ließen von den Mädchen ab, waren aber dadurch so wild, daß sie im nächsten Hause einen Jungen, ein Kind noch, der ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen wollte. ohne weiteres niedergeschossen. " Und haben sie ihn getötet?" fragte Bertram mit erstickter Stimme. Bei diesen Berichten tochte ihm das Blut in den Adern vor Empörung, es überlief ihn heiß und kalt. " Ja, mein Gott! Durch den Kopf geschossen!" In einer anderen Nacht hatte sich auch etwas höllisches begeben. Sie hatten einen jungen Rebellen aufgestöbert, welcher mit in einem Hinterhalt gelegen hatte. Dieser Ueberfall hatte damals fünf Schotten das Leben gefoftet. Mutter und Schwester hatten ihn in einem Wäscheschrank verborgen. Natürlich wurde er sehr bald aufgefunden, aber die Schwester stellte sich mit " * Heuchlerische Wohltätigkeit. Der Winter hat begonnen und wenn er auch noch nicht Käle und Schnee gebracht hat zur Enttäuschung jener, die so gern SchlittDie weder Kohlen noch warme Kleidung besitzen, wenig fümmert, schuh laufen oder Schlitten fahren, wobei sie natürlich die Vielen, so find doch die Abende lang und langweilig für die Tausende, die nicht arbeiten brauchen. Gott ja, man hat die Theater und man fann fchließlich auch Konzerte befuchen. Aber schließlich befommt man folch ein Amüsement satt. Man will doch Abwechslung haben im Leben und man will vor allem die neuesten Gesellschaftskleider zeigen. Dazu braucht man Feste, Feiern in Familien, die große und auf das elegantefte eingerichtete Wohnungen haben, und Feste Die Ballsaison hat bereits begonnen, so ganz langsam und tropfenvor allem in den feinen Sälen feudaler Hoteis und Reſtaurants. weise gewissermaßen, um im Februar den Höhepunkt zu erreichen. Drei und vier große Bälle an einem Abend sind dann beine Seltenheit. Aber es scheint so, als ob die Herrschaften, die das Leben verfinden und das, wenn auch sehr dunkle Gefühl haben, daß sie nichi tändeln und verschlemmen, doch so etwas wie Scham darüber empganz das Richtige tun, wenn rings um sie Bolksgenossen in bitterer Not sich befinden, die nicht wissen, wie sie das Leben fristen und wie sie sich gegen die Unbilden der Witterung' chüßen sollen. Und da hat man einen famosen Ausweg gefunden, um das bißchen Gewiffen zu beruhigen. Man tanzt zu wohltätigen Zwecken, man opfert fich eben auf für die Armen und Bedürftigen. Wohltätig feitsbälle und Wohltätigkeitsfeste waren immer schon im Schwange, und die wirklich Armen haben von dieser merkwürdigen Art der einem rotglühenden Schürhaken zwischen ihren Bruder und die Soldaten und drohte, dem ersten, der sich ihr nahe, die Augen auszubrennen. Der Sergeant zog seinen Revolver, die Mutter warf sich auf ihn, und er erschoß die Frau. Dann stürzte auch die Schwester auf die Soldaten los, und der eine rannte sie mit dem Bajonett durch und durch, um seine Augen vor dem rotglühenden Stahl zu schützen. Was hätte er anderes tun können? Noch schlimmer war es, wenn die Franen schreiend und betend sich um die Verfolgten drängten. Das machte die Leute total nervös, d. h. das waren sie dort eigentlich immer. Sie fonnten feine paar Schritte tun, ohne zu riskieren, eine Kugel durch den Kopf zu bekommen und in lebhaften Straßen oder einsamen Alleen von einem scheinbar harmlosen Bassanten plöglich hinterrüds niedergeschossen zu werden. So etmas mußte ja die Leute verrückt machen, das war viel schlimmer als wirklicher Krieg. anpadten oder nicht parieren wollten und in ein ganzes Dorf Kein Wunder, daß die Jungens die Iren manchmal„ derb" hineinschossen, wenn ihre Kameraden dort umgefommen waren wie die Hunde. In ein Dorf hineinschießen" aber wurde folgendermaßen gemacht: Man fuhr im Panzerwagen hindurch und schoß mit Maschinengewehren nach rechts und nach links in die Türen und Fenster. Dabei wurden Frauen und Kinder getötet, fragst du? Sehr oft natürlich. Ein verdammtes Spiel, bißchen Whisky, Alter? Ja? Danke!" aber dieser Kleinfrieg war mal fo... Hast du noch ein Bertram die Berichte des„ Kleinen", wie er ihn immer geUnd so erzählte er noch eine Stunde immer weiter, bis nannt hatte, nicht mehr mitanhören konnte. Ihm wurde physisch übel dabei. Alle Lebenskraft schien von ihm gewichen, so daß seine Knie zitterten, als er im Zimmer auf und ab ging. Mein „ Es ist entseglich, es ist teuflisch! Und das nach dem großen Kriege, nach all unseren Opfern für die Freiheit! Zwei englischsprechende Völker, durch Blut, Christentum, durch heldenhafte Vergangenheit miteinander verbunden! Gott, Digby, ich flehe dich an, gib es auf! Reiche deinen Abschied ein! Schneide dir lieber die rechte Hand ab, ehe du diese schmutzige Arbeit weiter tuft! Es ist entehrend. Es ist zu schmuzig, es ist mörderisch!" Digbys Geficht flammte. Er schüttete noch mehr Whisky herunter und zündete sich eine Zigarette an. Es muß doch gemacht werden," antwortete er mürrisch. Irgendeiner muß es tun. Es geht nun mal in dieser verdammten Welt so zu ( Fortfegung folgt.) Die Tote im Walde. Wohltätigkeit niemals auch mir einen Hauch verspürt. Einen Ge-| Nach furzer Beweisaufnahme stellte sich das Gericht auf denfelber| Garderobenablage und der Theaterbesuch nicht zu den Gegen winn, wenn man so will, von diesen lärmenden Wohltätigkeits- Standpunkt und tom unter Aufhebung des ersten Urteils zur foften veranstaltungen haben nur die gehabt, die da feierten und tangren, lofen Freisprechung des Angeklagten. die ihre pruntvollen Kleider zeigen und das überflüssige Geld ausgeben fonnten. Man hielt es ja auch im Kriege so. Hunderttausende von Soldaten lagen im Dred, immer mit dem Tod auf du und du, aber die in der Heimat, die aushielten" und Sped fraßen, wollten sich doch auch amüsieren, sie wollten etwas haben vom Leben, und so feierte, man und tanzte man zugunsten der Soldaten. Die Sol daben jedoch haben niemals etwas von den Folgen dieser Wohl tätigkeit verspürt. Und heute ist es genau ebenso wie einst. An den Litfaßsäulen sieht man die ersten Plakate, die Wohltätigkeitsbälle antündigen, und um dem allen ein patriotisches Mäntelchen umzuhängen, tangt man zugunsten der armen Bewohner der annettierten Gebiete. Diese Heuchler sind damit öffentlich angeprangert, aber viele von ihnen wissen es nicht einmal und haben gar Beine Empfindung für diefe Schande. Sie haben und fennen nur ein Intereffe, und das heißt: fich amüsieren um jeden Preis! Herr Gerthel alias v. Egloffstein. Er fut alles nur im„ nationalen Intereffe". Der Hochstapeleiprozeß des Herrn Derthel alias Baron von Eglofffteln nimmt feinen Fortgang und ob der Angeflagte nun adlig ob nicht, das eine ist bereits vollkommen flar, daß er auf den Dummenfang mit jene albernen plumpen Mitteln gegangen ift, die in Deutschland. noch immer ihren Mann emährt haben, nämlich mit Titeln, Orden, Uniformen, hohen Verbindungen und ,, nationalem Interesse"., In den Fällen des Heiratsschwinbels bleibt von der Antlage nichts übrig, ba die als Beugin vernommene Baronin D. jetzt eine ganz andere Darstellung gibt. Sie fühlt sich nicht geschädigt und hat dem Angeflagten nar Geschenke gemacht. Die Verhandlung mendet sich dann der Tätigkeit des Angeflagten bei der Er. schleichung und Bernichtung von Strafaften zu, die der Angeflagte zufammen mit dem sich verborgen haltenden und noch immer nicht ermittelten Angeklagten Schrowe verübt hat. Scyrome, ben er im 3immer des Untersuchungsrichters in Moabit fennengelernt hatte, erzählte ihn, daß gegen ihn ein Berfahren wegen einer großen Räfefchiebung schwebe und daß es ihm daran Lege, Einsicht in feine aften zu befommen. Er versprach, so berichtet der Angeflagte, mir 10 000 m., wenn ich ihm die Aften verfchaffen tönnte. Nach Einnahme einer Bortion Rofain ging ich zum Staatsanwalt und sagte ihm, daß der Untersuchungsrichter mich schide; er wolle die Aften haben. Der Staatsanwalt gab mir die drei Bände Aften, ich folle fie ihm aber gleich wieder bringen. Schrowe nahm mir die Aften ab und hat mich dann gleich versetzt. Er hat sie gleich verbrannt. Der nächste Bunft betrifft einen Schwindet bes Angeflagten mit einer Einfuhr. bewilligung. Ein Kaufmann Adolf Steiner wollte mehrere Waggon Lebensmittel einführen und bot Schrome für die Beschaffung der Einfuhrbewilligung 10 000 m. für jeden Waggon an. Sdyrowe fette fich nun mit feinem Freund Egloffstein in Berbin dung, und diefer ging nun als Baron von Egloffftone und als Delegierter bes Rumänischen Roten Kreuzes in Uniform zum Einfuhrtommiffar und sagte dort, daß ein rumänische Komitee die Ber forgung der rumänischen Kolonien mit Lebensmitteln bezwecke. Da die Sache aber nicht so glüdte, wie er gehofft hatte, fälschte er Einfuhrbewilligungen und brachte fie Steiner. Dieser hatte jedoch ge iefen, daß ein Schwindet eines Barons von Egloffftein mit Eine fuhrbewilligungen beim Reichsfommiffar aufgebedt worden war, und so wurde nichts baraus. Wie eine Berwandlungsfomödie mutet der große Betrugsfall an, bei dem Egloffftein in Gemein fchaft mit Schrome es auf 9 millionen Mart Kriegs" noten abgefeben hatte. Der Argeflagte bestreitet wieder jebe ge winnsüchtige Absicht und will lediglich in nationalen Inter effe" gehandelt haben. Der Betrag follte für den in Vorbereitung befindlichen Rapp- Butsch dienen. Durch Schrome hatte Egloffftein im Dezember 1919 in Erfahrung gebracht, daß der Bankier Heinrich Eppstein in Breslau für 9½ Millionen fogenannter Kriegsnoten besaß, die während der Besetzung Bolens ausgegeben worden waren und damals zur deutschen Mart 65: 100 ftanden. Die Noten wurden nur Rüdwanderern und Kriegsgefangenen eingelöst. Derthel trat als Berbindungsoffigter Oberleutnant Freiherr von Richthofen bei Eppftein auf und erbot fid), die Striegsnoten aum pollen 2ẞert beim Armeeoberfommando Madenfen einzutauschen. Da Eppftein aber durch verfchiedene Swischenfälle mißtrauisch geworden war, fuhr Derthel nach Breslau. Mit einem Propeller unter bem Arm, in voller Uniform mit dem Pour le mérite und ER. I, ftieg er im ersten Hotel Breslaus unter dem Namen eines Frei herrn von Richthofen ab. Bu feiner Ueberraschung sah er sich in der Halle des Hotels plöglich 30 Familienangehörigen von Richthofen gegenüber, bie bort zum Familientage Der. fammelt waren. Fluchtartig verließ der falsche Oberleutnant von Richthofen das Hotel und ließ sich einen Stempel Baron von Lüt. tichau anfertigen. Er versuchte dann unter diesem Namen mit gefälschtem Schreiben von Breslau aus die Herausgabe der Kriegs noten in Raffel zu bewirken, aber auch dieser Coup glückte ihm nicht, und er mußte das ganze Projekt fallen laffen. Die billigen Stiefelfohlen. Großes Aufsehen erregte im Jull b. 3. die Berurteilung des Obermeisters der Schuhmacherinnung Ederlein wegen Preistreiberei durch unboutere Machenfchaften au 500 m, Belbftrate an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisftrafe von 10 Tagen. Der Schuhmachermeifter Wolff, ber in der Bergstraße 20 eine Belohl anſtalt ohne Gefellen betreibt, hatte burch Preisaushang im Fenster feines Rellergeschäfts fich zum Befohlen von Stiefel zu wesentlich niedrigeren Sägen, als die Mindestpreise der Innung betrugen, er boten und war deshalb von der Schuhmacherzwangsin nung Berlin, in Strofe genommen worden. Wolff wollte sich das nicht gefallen lassen und hatte gegen den Obermeister Der Innung Wucheranzeige erstattet. Das Schöffengericht mitte fah in dem Berbot der Preisunterbietungen eine unlautere machenchaft, da es zu ber fraglichen Beit weiten Streifen nicht möglich war, die überaus hohen Breife der Innung für Befohlungen zu zahlen. Das Verbot ber öffentlichen Unterbietungen" fonnte nur den 3wed haben, die freie Konkurrenz auszuschalten und die anderen Echuh macher abzuschrecken.. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt worden. Die Straffammer des Landgerichts I gelangte aus recht lichen Gründen zu einem anderen Ergebnis. Die Verteidiger be ftritten von vornherein, daß der Angeklagte verantwortlich sei und daß die Strafbestimmungen, die das Schöffengericht angewandt habe, auf den sogenannten Leistungswucher überhaupt Anwendung fänben. mer wieder Entdeckung eines Mordes nach zwei Jahren. Einen graufigen Fund machten Berliner Ausflügler vor einiger Beit im Walde der Gemarkung 3ehrensdorf. in der Nähe des Truppenübungsplages 3offen. Wie jetzt festgestellt wird, handelt es sich um einen Mord. Die Ausflügler faben aus dem Waldboden ein menschliches ein herausragen, das anscheinend von Füchsen ausgescharrt und ar gefressen war. Die benachrichtigte 3offener Bolizei grub nach und meter lief gelegen haben mag. Die ärztliche Besichtigung ergab, entdeckte eine weibliche Leiche, die ursprünglich wohl einen ständen des täglichen Bedarfes zu rechnen feien. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und fam zu einer Freisprechung auf Kosten der Staatstaffe. Das Urteil gewinnt besondere Bedeutung, weil nach einer Erflärung des Staatsanwalts eine Sammelanzeige des Polizeipräsidiums gegen eine Rethe Berliner Theater megen übermäßiger Garderobengebühren vorliegt und ein Verfahren gegen weitere Theater in Aussicht genommen war. Boraussichtlich wird der Staatsanwalt zunächst gegen dieses Urteil Berufung einlegen. 80 Pf für Garderobe und 50 Pf. für Programm macht zusammen 1,30 M. Für diesen Betrag fann man in der Programm frei. Und da wundern sich die Direktionen der Boltsbühne eine Vorstellung besuchen und hat Garderobe und privaten Bühnen, daß niemand mehr in ihre Musentempel hinein will. Freiheit der Wahlpropaganda. Um etwaige Zweifel zu beseitigen, wird für die Dauer der mit dem 7. Dezember abschließenden Wahlperiode auf folgende Bestim Oeffentl. Wählerversammlungen mungen hingewiefen: heute, Mittwoch, den 12. November, abends 7/2 Uhr: fung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahl. Mitte: Sophienfäle, Sophienstr. 17/18. Tiergarten: Nationalhof, Bülowstr. 37. Charlottenburg: Aula der Gemeindeschule Pestalozziftr. 40. Dahlem: Lofal Schilling, Königin- Luife- Str. 42. Johannisthal: Bürgergarten, Bartstr. 26. Raulsdorf: Turnhalle der Schule Adolfftr. 25 Buchholz: Lokal Bochow, Bajewalter Str 67. Nach§ 43 Abfag 3/4 der Gewerbeordnung ist zur Bertei= weden bei der Wahl zu gefeßgebenden Körperschaften eine polizeiliche Erlaubnis in der Zeit von der amtlichen Be fanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlattes nicht erforderlich. Dasselbe gilt auch bezüglich der nicht gewerbsmäßigen Berteilung von Stimmzetteln und Drudschriften zu Wahlzweden. Nach§ 2 Abja 3 des Reichspreßgefeges gelten St'mmzettel, welche im Wege der Berv'elfältigung hergestellt sind und nur die Bezeichnung der zu wählenden Personen enthalten, nicht ages 1 bes§ 6( Angabe von Namen und Wohnort des Druckers und als Druckschriften im Sinne der Reichs- und Landesgesetze. Nach § 6 Absatz 2 des Reichspreßgefeges sind von der Vorschrift des Abdes Berlegers bzw. des Herausgebers) ausgenommen Stimmzette! für öffentliche Wahlen, sofern fie nichts weiter als Zwed. Zeit und Ort der Wahl und die Bezeichnung der zu wählenden Personen enthalten. Die Polizeireviere find angewiesen worden, in der Zelt bis zum 7. Dezember einschließt ch bei allen zu Wahlzmeden zur Ver breitung fommenden Flugblättern und Blataten im Inter effe einer möglichst freien Wahlentfaltung und Wahlagitation fich tunlichst eines Einschreitens und der Erstattung für von Strafanzeigen zu enthalten. Ausgenommen hier von find Fälle, in denen der Inhalt der Wahlflugblätter und der Wahlplafate gegen das Strafgefeßbuch oder das Gefes zum Schuhe der Republit usw. verstoßen oder das Berteilen Der Flugblätter bzw. das Anschlagen der Plakate an den behördlich hierzu bestimmten Vorrichtungen die öffentliche Ruhe und Ordnung besonders schwer gefährden. für Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schutzölle die Republit, für Verbilligung der Lebensmittel! Redner: Bartels, Crifpien, Dittmann, Kuttner, Landa, Meier, Rosin. Siedlung Lindenhof: Saal des Ledigenheims. Vortrag: Kampf bem§ 218. Redner: Dr. Julius Moses. Donnerstag, den 13. November, abends 7 Uhr: Mariendorf: Aula des Gymnasiums Kaiserstraße. Waidmannsluft: Lokal Arit, Waidmannstraße. Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schutzölle die Republik und Berbilligung der Lebensmittel! Redner: Luise Kähler, Karl Wermuth. Freitag, den 14. November, abends 71% ühe: Wedding: Pharusfäle, Müllerstr. 142 und Schulaula Grünthaler Str. 5. Staaten: Gasthaus Wolf. Grunewald: Aula des Gymnasiums Herbert Ede Kaspar Theis- Straße. Schöneberg: Ühlandschule, Kolonnenstr. 20/22. Lichtenrade: Restaurant Rohrmann, Hilbertstraße. Grünau: Jägerhaus, Bahnhofstr. 1. Pankow: Gesellschaftshaus, Berliner Str. 103. Hohenschönhausen: Schulaula Rödernstr. 68/72. Borfigwalde: Borsigwalder Festfäle. Tagesordnung: Deutschnationale oder fozialdemokratische Politif? Kriegs- oder Friedensreichstag? Anna Geyer, Adolf Hoffmann, Klodt, Lüdemann, Dr. Moses, Redner: Aufhäuser, Robert Breuer, Fleißner- Dresden, Ella Seger, Gerhart Seger, Adele Schreiber. Herabfehung der Eisenbahnfondergebühr. Die Reichsbahn- A.- G. hat sich veranlaßt gefehen, jetzt die Sondergebühren herabzusehen, bie bisher beim Fahrtarten verf auf erhoben worden find. Nach der neuen Verfügung beträgt der Zuschlag beim Fahrtartenverlauf in D- 3ügen 4 Proz. des Fahrpreises, in Abteilschnellzügen, Eils und Personenzügen 8 Broz, während bei der Einziehung erhöhten Fahrgeldes oder bei einer durch die Beamten veranlaßten Nachläfung nach Die vor 10 Pro3. erhoben werden. Von einer Zahlung der Sondergebühren an Revisionsbeamte und Zugrevisoren wird zukünftig Abftand genommen, da diese Beamten nach den Berichten der Reichs bahndirektion zum allergrößten Teil derartige Zuweisungen nicht ziet nicht erhalten fonnte, darf ein 3uflag nicht mehr wünschen. In Fällen, in der en der Reifende auf der Abfahriftation aus technischen Gründen eine durchgehende Fahrfarte bis zum Reiseerhoben werden. Dagegen wird der Zuschlag erhoben, wenn der Reisende geltend macht, daß er infolge Schalterandranges teine Fahrkarte mehr bat lösen fönnen. Hier erblickt die Reichsbahn ein gemisses Berschulden des Reifenden, doch foll, menn besondere Was im Dufel für eine Autofalle angesehen wird. daß die Leiche schon vor langer Zeit, vielleicht schon vor etwa zwei Jahren vergraben fein muß. Bur Feststellung der Gründe vorliegen, der Zuschlag nachträglich zurückerstattet werden. Bersönlichkeit fehlte jeber Anhalt. Aerzte und Bahnärzte sowie die Berliner Kriminalpolizei beschäftigten sich mit der Aufklärung. Die Feststellungen an ban Ueberbleibseln ergeben, daß die unbe tannte ohne Zweifel ermordet worden ist. Der Schädel wies nicht weniger als 37 Stiche auf, die mit einem schraubenartigen Wertzeuge ausgeführt worden sind. Diese Berlegungen haben den Tod herbeigeführt. Das Alter der Ermordeten wird auf etwa 24 bis 27 Jahre geschäßt. Die Größe ließ sich aus den noch vorhandenen Rörperteilen nicht mit Bestimmtheit ermitteln. Aus ben noch vorbandenen Kleidungsstüden fann man aber auf eine gute Mittelgröße 3ähne. Im Oberliefer treten biefe start nach außen vor. Es ist fchließen. Ein besonders wichtiges ertmal find die ein fogenanntes Raffzahngebiß. 3m linfen Ober- und Unterlegenheit fehlte, das Seil zu befestigen, die Bäume ab. Aber auch fiefer befinden sich Backzähne mit Plomben. An Kleiberresten wur den noch gefunden: eine meergrüne Boileblufe mit halblangen Mermeln. Gie trägt Hohlfaumverzierungen un in der Schulter gegend find zur Zier Perlmutterknöpfe aufgenäht gewefen. Die Blufe hatte einen 12 Zentimeter breiten weißen Batiftfragen mit hohlsaumrand. Ferner fanden sich eine weiße Unterteille und weiße BeinNeider und ein Stüd eines braunwollenen Strumpfes mit weißem Schuhe waren nicht vorhanden. Der Morb muß also an anderer Gummihalter. Auch der Unterrod war weiß. Der Oberrod und die Stelle verübt und die Leiche von dieser anderen Stelle herangebracht und vergraben worden sein. Zunächst fommt es jetzt darauf an, die Persönlichkeit der Ermordeten zu ermitteln, und hier ist die erfte Froge, wo ein Mädchen oder eine Frau, auf bie die an gegebenen Merkmale und die Kleidung zutreffen, Dermißt wird. Mitteilungen nimmt das Raubdezernat im Berliner Polizeipräsidium entgegen so Pfg. Theatergarderobengeld foll kein Wucher sein Die übermäßig höhen Theatergarderobengebühren, bie feit langem den Unwillen des Publikums erregen, führten den Diret tionsstellvertreter vom Apolle- Theater, Felix Wolff, unter der An Hage des Leistungswuchers vor das Schöffengericht mitte. Im Apollo- Theater wurde für die Garderobenablage eine Gebühr on 80 Pfennig je Berfon erhoben. Hierin erblickte die Antlagebehörde eine lebervorteilung des Bublifums im Sinne der Preistreibereiverordnung. weil die geforderte Bergütung für einen Gegenstand des täglichen Bebarfes einen übermäßigen Ge winn bedeute. Nach einem Gutachten der Preisrüfungsstelle war diefer Preis als eine liebervorteilung des Bublifums bezeichnet worden. Bor bem Kriege feien im allgemeinen 20 f. gefordert worden, unter der Berücksichtigung der heutigen Berhält niffe würde höchstens ein Saß von 40 Pf. angemessen er scheinen. Das Mitglied der Preisprüfungsstelle. Kummer, vertrat auch in der Verhandlung dieses Gutachten; der Generalsekretär des Bühnen- Bereins stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß das Gutachten falsch fei. Während der Staatsanwalt 150 M. Geldstrafe beantragte, trat die Verteidigung für die Freisprechung ein, weil die to if en Nauen und war wig ist von der Berliner Das angebliche Drahtseilattentat auf der Chauffee Kriminalpolizei rasa aufgeflärt worden. Auf die Benachrichtigung des 121. Reviers fuhr Kriminalkommissar Galzow mit dem jungen Steinseifer in einem Auto alsbald hinaus, um an Ort und Stelle die Ermittlungen aufzunehmen. Die Stelle, bie der junge Mann bezeichnet hatte, fand der Kommiffar für ein Wege stehen Säufer. Man fuchte nun weiter, weil es hier an Ge Drahtieilattentat denkbar ungünstig, denn rechts und links am hier fand sich feine Spur. Eine gründliche Untersuchung des be fchädigten Autos zeigte nun, daß die eine Laterne zertrümmert, die andere aber ganz geblieben war. Das Drahtseil mußte alio ichräg gestanden haben. Die Lösung fand der Kommiffar an dem nächsten Eisenbahnübergang durch eine Erklärung des Schrantenwärters. Er war an dem fraglichen Abend um 7 Ubr eben im Begriff gewesen, die Schranke des Ueberganges herunterstand noch schräg, als das Auto unter ihr hinwegfuhr. Die untere aulassen, als er bas Auto berantafen fah. Die Schranke 2eiste des beweglichen eifernen Stabwertes der Schranke batte die Infaffen bes wagens getroffen, aber nur unerheblich verlegt. Aus der Schranke machten die beiden Autofahrer, die angetrunten waren, ein- Drahtseil. Fahrterleichterungen nach Danzig. den Unbedenklichtel svermert für ende nach Danzig, die den Sce Die Finanzämter finb, wie ar ich mitgeteilt wirb, angewiesen, weg über Swinemünde oder von uptpreußen her über Billau benußen, gebührenfrei zu erteilen. Im Intereffe des den Seeweg nach Danzig benutzenden Bublifums ist dieser Entschluß, auf die Gebühr von 10 Goldmark für jede Reife zu verzichten, lebhaft zu begrüßen. einschließlich Ostpreußens einerseits und Danzig andererfelts werben für die Zeit vom 17. November b. 3. bis einschließlich 31. März 1925 auch die Fahrpreise für die Seeftrede erheblich ermäßigt. Der Fahr. preis beträgt auf der Geeftrede von Swinemünde nach Neufahrwaffer ( Danzig) bam. Billau oder umgekehrt 7,50 Goldmart und zwischen Neufahrwasser und Pillau oder umgefehrt 450 Goldmart. Für Reisende nach bzw. von Danzig wird bei Lösung einer Fahrkarte über den Seeweg außerdem noch eine Raigebühr von 0,50 Goldmart erhoben. Die Fahrpreise Berlin- Swinemünde- Neujahrwaffer ( Danzig) betragen jetzt in der 2. Klasse 21,60 m. statt bisher 29,10 M., in der 3. Klasse 17,30 m. statt bisher 24,80 m. und in der 4. Klasse 14,20 m. ftatt bisher 21,70 m. Der Dampfer verläßt jeden Montag und Donnerstag abends 7 Uhr den Swinemünder Hafen und trifft am nächsten Tag um 11 Uhr in Neufahrwasser ein. Die Rüdfahrt muss darauf hingewiesen werden, dass J. Palmin nurecht ist, wenn in Tafelpackung mit dem Namenszug rfchlinck Flugblattverbreitung in Groß- Berlin Sonntag, den 16. November, von den bekannten Stellen aus. von Neufahrwasser( Danzig) erfolgt am Mittwoch und Sonnabend| entspricht. Nach unseren Erkundigungen, die wir erneut zu dem 12,45 Uhr nachmittags. Ankunft in Swinemünde am nächsten Morgen um 5,40 Uhr. Der Schlichtungsweg. Nachdem feinerzeit die alte und längst überlebte Befindeordnung endlich abgeschafft wurde, waren und find auch heute noch viele Dienstgeber wie ausangestellte der Ansicht, daß nun mehr jegliches Recht, jegliche Berantwortung sowohl von der einen wie von der anderen Seite aufhöre. Gefehliche Kündigung ist noch immer die fechswöchige vor Ende des Quartals; da aber eine folch lange Kündigungszeit unter Umständen bei einer Hausgemeinschaft fehr unangenehm sein fann, fo fönnen vierzehntägige und vierwöchige Kündigung( erstere nur vom 15. zum 1. d. M., lektere nur vom 1. zum 1. jeben Monats) ertra vereinbart werden. Ein plöhliches einseitines Lösen des Dienstverhältnisses ohne be sonderen Grund ist auch heute noch unstatthaft. In Streitigkeitsfällen griff früher die Polizei ein, auch dies fällt jekt weg. Dafür hat man sogenannte Schlich tungsausschüsse eingefekt, deren Aufgabe es ift, in täglichen Sprechstunden Rat und Auskunft zu erteilen und in Streitigkeits. fällen beide Parteien vor die Schlichtunostommiffion zu laden und zu versuchen, die betreffende Angelegenheit auf aütlichem Wege zu einigen. Ist dies nicht möglich, dann muß der Kläger die Hilfe des Amis erichts in Anspruch nehmen. In vier Fünftel Fällen werden die Streitigkeiten gütlich beigelegt. Es handelt sich ja dabei meistens um Lohnstreitigkeiten, ungeitige Ründigungen usw. Und dies sehr oft nur aus einfacher Unfenntnis oder aus Mißverständnissen heraus ohne böse Absicht. So glauben noch viele Dienstgeber, daß fie berechtigt find, menn der Housangestellte feine Stelle zu Un recht verläßt, ihm feine Sachen, Zeugnisse oder Lohn einzubehalten als Requivalent für den entstandenen Schaben. Dies ist aber ganz falsch. dem Hausangestellten müssen auf jeden Fall feine Sachen, feine Papiere ausgehändigt und fein Lohn bis zu dem Tage, wo er gearbeitet hat, ausnezahlt werden. Glaubt der Dienstgeber Erfat. ansprüche an das Mädchen zu haben, so fönnen diefe extra eingeflagt werden, denn das Gehalt des Hausangestellten ist pfändbar. Gbenfo ist unter den Hausangestellten vielfach der Irrtum ver. breitet, fie fönnten eine angenommene Stelle innerhalb einer beftimmten Frist, sei es nach 24 Stunden oder gar 3 Tagen, wieder rüdgängig machen. Ja, manche nehmen 2 bis 3 Stellen an und gehen dann am ersten auf diejenige Stelle, die ihnen am besten dünkt. Auch dies ist falsch. Ein mündlich abgefchloffener Dienst vertrag ift fofort bindend. Will ihn der eine Teil hinterher töfen, so ist es guter Wille vom anderen Teil, wenn er darauf eingeht. Fall eingezogen haben, hat Steffen feinerzeit im Hauptvorstand des Glasarbeiterverbandes, deffen Mitglied er war, angegeben, daß er hauptberuflich Heimarbeit leiste. Nach einem Beschluß der Berliner Berwaltungsstelle des Verbandes ist aber die Heimarbeit, auch wenn fie hauptberuflich ausgeübt wird, verboten. Somit hat Steffen da. mals gegen den Beschluß seiner Berliner Kollegen verstoßen, obwohl er im Hauptvorstand saß. Im übrigen ist er inzwischen aus dem Berband ausgeschlossen worden und wir haben teine Veranlassung, ums weiter mit ihm zu beschäftigen. 35. bt. 7 Uhr Rahlabende: 1. Töpver, Rigaer Str. 85; 2. Gemeindeschule Samariterftr. 20; 8. Bombe, Boigtstr. 25; 4. Borkowski, Schreinerstr. 32. 38. bt. Rahlabend. 154. unb 156. Bezirk bei Rochhale, Fürstenbergftr. 12. Referent Genoffe Lehmann. 186., 187., 188. und 195. Bezirk bei Mog mik, Barnenstr. 13. Referent Genoffe Reibefant. 39. 6. 7 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3 Mitgliederversammlung. Dortrea des Genoffen Gustav Edardt. 45. Abt. 7% Uhr Rahlabende: Stuckenberg, Glogauer Str. 17; Sebestreit, Reichenberger Str. 127; Gommer, Wiener Str. 25; Minnig, Laufiker Strake Lagesordnung: Die Wahlen. 80. bt. Schöneberg. 7 Uhr Rahlabende: 1. und 3. Bezirk. bei Gitrlich, Rubens, Ede Begasftraßee. Referent Genoffe Georg Wendt. 2. Bezirk bei Lähn, Rubensftr. 49. Referent Genosse Friedrich Wendel. Thema in beiden Versammlungen: Auf zum Wahlkampf". ist noch nachzutragen, daß Genoffe Dr. Kurt Loewenstein für die Zu dem Bericht über den außerordentlichen Bezirksparteitag 101. bt. Steptow. 7 1hr Rahlabende: 2. Bezirk bei Gollif, Riefholzftr. 19; Reichsliste vorgeschlagen worden ist. Die Bedeufung des Straßenhandels für die Berliner Bevölkerung. Ueber diefes Thema veranstaltet der Reichsverband ambulanter Gewerbetreibender Deutschlands, Drtsverwaltung Berlin C. 25, am Donnerstag, den 13. Nobember 1924, abends 8 Uhr, im großen Saale des Schweizergartens, Am unterbindung des Straßenhandels durch ungefeßliche Polizeimaßnahmen. Friedrichshain 25, eine Protestverfammlung Ferner wird behandelt: Die 3m Anschluß datan: Freie Aussprache. 83. Abt. Lichterfelbe- Oft. 7%, Uhr bei Frante am Rranolbplat Rahlabend. 3./4. Beairt bei Dettinger Riefholaftr. 33/34; 5. Bezirk bei Krugmann, Am Treptower Part 67. 1. Bezirk tagt megen Lokalmangel am Donnerstag, den 13. November, bei Stefan, Gräfte. 1. Mahlsbort. 124. t. 8 Uhr Rahlabend bei Anders, Bahnhofstraße. Abt. 124a Mahlsdorf- Güb. 8 Uhr bei Biek. Uhlandstraße, Mitgliederverfammlung. Bortrag des Genossen Jubrian. 136. Abt. Steinidendorf- Oft. 1., 2., 3. Bezirk: 7 Uhr Sonderzahlabend im Lobal Rofad, Brovinaftr. 61. Wahl eines Bezirksführers für den 2. Bezirk. Abt. 140a Wittenan. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Schulz, am Bahnhof. Einteilung der Wahlarbeit. Der Borstand ½ Stunde früher. Morgen, Donnerstag, den 13. november: 79. Abt. Schöneberg. Die Genoffinnen beteiligen fich am Kreisfrauenabend bei Rofenthal. Ebersstr. 66. 132. Abt. Blantenburg 7½ Uhr Sahlabend bei Rlug. Dorfftr. 2. Freidenfer- Jugendweihe. Achtung, Freidenfer! Sozialisten! Diejenigen Kinder, die im Frühjahr 1925 aus der Schule entlassen werden und bie nach dem Wunsch der Eltern oder Vormünder die Jugendweihe der Freidenfer empfangen follen, bitten wir foon jegt bei unseren Funktionären anzumelden. Bedingung: Eltern müssen aus der Kirche ausgeschieden und Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 13. november: die anzumeldenden Kinder vom Religionsunterricht befreit sein. Die Hochwafferschäden an der Mosel. Die ersten Zahlen über die Hochwasserschäden werden aus dem Beairt Trier bekannt. Unter den 9 Streifen, beren Gesamt. haben man auf 2 100 000 Goldmark schäßt. hat der Weinbauallein für etwa 440 000 m. Berwüstungen angerichtet. Der vom treis Berncastel am schwersten gelitten. Hier haben die Elemente preußischen Ministerium des Innern zur Verfügung gestellte Be trag foll in erster Linie zur Beschaffung von Rohle, zur Austrod. nung der naffen Wohnungen und zum Ersatz der verdorbenen daß infolge der schlechten Finanztage des Staates an einen völligen Lebensmittelvorräte dienen. Es wird allerdings darauf hingewiesen, Erjaß der entstandenen Berluste nicht gedacht werden tann, eine Entscheidung, die auch für den vom Trierer Bauernverein gestellten Antrag auf Berbilligung des Kunstdüngers und des Brotgetreides Geltung hat. Eine Ueberprüfung des ablehnenden Bescheides wird von der Trierer Bauernschaft erstrebt mit Rückfidyt auf die troft. lofen Ausfichten für die nächstjährige Ernte. Auch der Beafall des Dienstbuches hat manche Mißverständniffe Parteinachrichten hervorgerufen. Biele haben plöglich ihre Zeugniffe vernichtet, weil ,, man jest doch feine Papiere brauche. Sie scheinen zu glauben, daß der Besik von Zeugnissen ein Zeichen von fflavischer Abhängig. feit fei. Sie vergeffen dabei gang, daß jeder Angestellte, welcher Art er auch fei, Beugnisse erhält und auch haben muß. Das find so die Hauptpunkte, die durch die Schlichtungskom. missionen erledigt werden. Daß es dabei nicht immer ohne temperamentvolle Ausfälle oder mehr oder weniger unfreiwilligen Humor abgeht, ist selbstverständlich. Der räffelhaffe Tod des Hauptwachtmeisters der Schuhpolizei Georg Weinig aus Danfenfelde beschäftigt immer noch die Kriminal polizei. Am Sonntag, den 19. Oftober, war er bei einem Rameraden in Carom. Abends fehrte er zurüd und am Stettiner Bahnhof traf er einen Bekannten, den er zu einem Glas Bier aufforderte. Dieser lehnte jedoch ab, meil er frant mar und beide trennten sich. Weinig wollte mit der Untergrundbahn bis zur Gneisenaustraße fahren und sich dann nach der Kaserne in der Friesenstraße begeben. Am Mitt woch, den 6. November, wurde er als Leiche aus dem Landwehrtanal an der Potsdamer Bride gezogen. Wo er sich in der Zwischen. zeit aufgehalten hat, weiß man noch nicht. Ebensowenig ist ermittelt, ob er Gelbstmord verübt hat oder aus Rache ins Waffer geworfen worden ist. Die Dbduktion ergab, daß der Tod durch Ertrinken eingetreten ift. Durch einen Piffofenfchuß geföfef. Eine beftige Schlägerei entstand in der Nacht zum Dienstag in einem Lokal der Huifiten Straße. Dort wurde eine Brivatfeftlichkeit gefeiert, zu gleicher Zeit waren aber auch die Mitglieder eines Regeltlubs mit ihren Frauen zu einem Kegelabend bersammelt. Zwischen beiden Barteien entstanden Streitigkeiten, die sich auf der Straße fortiesten und in beren Verlauf der Kriminalbetriebsaffiftent Rr. eine Bistole zoa und einen Schuß abgab, durch den der Lokomotiv. fübrer Wieland aus der Kiautichaustraße getötet wurde. Str. gibt an, in der Notwehr gegen eine lebermacht gehandelt zu haben. Eine Aufklärung des Falles wird durch die Untersuchung erfolgen, benn es ist doch außerordentlich befrembend. daß ein Kriminalaffistent zu einer geftlichkeit eine geladene Pistole mit nimmt. Zu der großen Affienfälschung, fiber ble rir feinerzeit be richteten, erfahren wir. daß jezt auch ber Direttor Boed, einer der Haupttäter. verhaftet worden ist. Während die meisten Beteiligten in Berlin festgenommen werden fonnten, war Beed verschwunden. Aus einer Boftfarte, die bier einging, erfab man, baß er fico na 2ondon gewandt batte. Die bortige feriminal polizei wurde auf diplomatifdem Wege benachrichtigt. Sie er mittelte Boed gestern in einem Bororte Londone und nahm ihn feft. Das Auslieferungsverfahren wurde eingeleitet. Eine Berichtigung. In unserem Bericht über die Wählerver fammlung in Reinidenborf- eft in Rr. 525 des Bormärts" batten wir über den Kommunisten Steffen gefchrieben, daß er die fogiate Frage für feine Berfon bereits dadurch gelöst habe, daß er neben seiner Berufstätigteit noch netenverbienstlich Heimarbeit für bie Unternehmer geleistet habe, wie feinerzeit in der Gewertschaftstommiffion festgestellt worden sei. Dazu schickt uns Steffen eine Be richtigung, in der er fagt, daß diefe Behauptung nicht der Wahrheit Cinfendungen für diese Rubrit flud Berlin B. 68, Sindenftraße 3. für Groß- Berlin flets an das Beztetssetretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, an richten Arbeitsgemeinschaft der Minderfreunde Brenzlauer Berg Donnerstag abend pinktlich 7% Uhr findet in unferem neuen Rinderfreundeheim, Danziger Straße 62, Barade 8. bie Selferfihung der Kinderfreunde flatt. Nach Erledigung verschiedener Anfragen und Mitteilungen wird uns unfer Genoffe Walter Friedländer von feiner Englandreife erzählen. 11. Areis Schöneberg- Friedenau. Die Abteilungsführer bolen Plakate und Sandzettel von 6 Uhr ab bei Will, Martin- Luther- Str. 68, ab. Alle fchreibgewandten Genoffen und Genoffinnen müffen fich aum Abschreiben der Wählerliften ab Mittwoch, den 12. November. nachmittags 4 Uhr, in neuen Rathaus aur Berfügung ftellen. Keberhalter und eber inb mitzubringen 20. Kreis Reinidendorf. Alle Genoffen befuchen bie am Donnerstag, den 13. November, 7% Uhr, in Waidmannsluft. Sotal Arlt, Waidmanns. ftrake( am Bahnhof), ftattfindende öffentliche Wählerversammlung, ebenfo am Freitag die Bersammlung in den Borfigwalder eftfälen, Borsigwalbe, Spandauer, Ede Roncadstraße. Heute, Mittwoch, den 12. November: 13. Abt. Rahlabend in den bekannten Sokalen. Tagesordnung: Borbereitung der Wahlarbeiten. 14. bt. 7 Uhr Rahlabend in folgenden Lokalen: Starte, Butbufer Str. 14; Gillwald, Butbufer Str. 24, und Bogen, Graun, Ede Gleimstraße. 19. bt. Umständehalber findet der Rahlabend des 820, Beairts am tommen ben Dienstag bei Grinbera. Brinzenallee 57, ftatt. 22. Hot. 7% ühe gemeinsamer Rahlabend in der Schulaula Sütticher Straße 47/48. Bericht vom Bezirtstag. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 12. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 11. Kreis Schöneberg- Friebenan. 7% Uhr Kreisfrauenabend bei Rofenthal, Ebersftr. 66. Lichtbildervortrag des Genoffen Dr. Silfer. Gäste milltommen. Die Funktionäre treffen fich ½ Stunde früher. 10. bt. 7% Uhr bei der Genoffin Frankenthal, Leffingftr. 35, Vortrag mit gemütlichem Beifammenfein. Gäfte willkommen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungstaffierer! Beute, Mittwoch, von 5-7 Uhr, Abrechnen der Beitragsmarken und Empfangnahme ber Arbeiter- Jugend" und Jugend Doran". Heute, Mittwoch, den 12. November, abends 7% Uhr: Friebrichsfelbe: Jugendheim Berliner Str. 45. Bortrag: Das Sozialistenben Sozialismus" gefet" Luisenstadt: Schule Stallfchreiberstr. 54. Vortrag: Einführung in Südost( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66. Revolutionsfeier. Tempelhof: Enzeum Germaniaftr. 4-6. Die Jugendbewegung der Gegenwart". otterranean 18. Bannfce: Schule CharRuheplak, Ede Antonftrake. Webbing II: Schule. Bortrag: Eine Wanderfahrt" Weikensee: Realaninafium Woeldpromenade. Bortrag: Ferdinand Laffalle". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Gefch& fts ftefie: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 37/88: Sof 2 Tr. Achtung, Kameradschaftsführer! Sofort Wahlmaterial non der Geschäftsstelle. Sebaftianfte 57( Warenvertrieb). abholen. Gau verftand. Kameradschaft Friedrichshain: Am Donnerstag, den 13. b. M., abends 7 Uhr, im Bereinslotal, Fruchtstr. 36a, Borstandssikung mit sämtlichen Gruppen- und Bezirksführern Kamerabschaft Köpenia und Untergruppen: Am Mittwoch, den 12. b. W., abends 7 Uhr, in der Turnhalle Amtsstraße. Turn- und Sportabend unter Leitung des Gaufportleiters, Ramerabfchaft Röpenid: Am Mittwoch, den 12, b. M., abends 7 Uhr, in ber Rörner- Schule öffentliche Bersammlung der Demokratifchen Partei Die Kameraden zum Gaalfchut treffen fich um 7 Uhr por der Körner- Schule. Kamerabschaft Lichtenbera ncbft Untergruppen: Am Donnerstag, den 18. d. M. abends 7% Uhr. Mitgliederversammlung mit Damen im Lotal Tempel, Friedrichs felbe, Prinzenallee 30. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Kameradschaft Ren tölln, Brik Budow: Am Donnerstag, den 13. b. Mabends 8 hims Lokal von Moster Weichfelftr. 8, Borstandssikuna. außerdem außerordentlicys Führerbefprechung. Borstandsmitglieder. Rug- und Gruppenführer müssen erfcheinen. Thema: Reichsbanner in Front". Au den 8uqversammlungen am Montag wird jeder Kamerad fchriftlich eingeladen. Jungmannschaft Neu. ton: Mittwoch, den 12. November, abends 8 Uhr, in der Turnhalle Mallwer, Ede Sermannstraße, Turnabend. Kamerabfchaft Rehlendorf: Beute. Mitt med, abends zwifchen 6.50 und 7 Uhr, Sammeln am Bahnhof Mitte( Dorffette) aur Fahrt nach Dahlem. Saalfduk für die SPD. Pflichtteilnahme... * Die Einäscherung des Kameraben Burr findet am Donnerstag, den 13. November, abends 8% Uhr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Die. Ramepadschaften freffen fich 6.50 Uhr vor dem Haufe Starfftr. 29. Beteiligung aller Kameraben bringend erwünscht. Der Gauvorstand. Bereinigung foaialdemokratischer Merate. Mitgliederversammlung am Frei bag, den 14. November. abends 8 Uhr pilnftlich, im Vortragsfaal des Saupt gefundheitsamtes der Stadt Berlin. Tagesordnung: 1. Gilberftein: Sozialdemokratische Aerzte und Reichstagswahl. 2. Aussprache. 3. Berfchiebenes. Arbeitsgemeinschaft der 2. G. 3.- Sportler und bes Cosialistisen Rultur. ansidhuffes im 17. Kreis. Donnerstag, den 13. b. 0, bei Geipfe, Kron, prinzen-, Ede Scharnweberstraße, rattionsfikung. Erscheinen aller Genoffen.. bie Mitglied eines Turn-, Sport, Tennis, Soden, Fußball., Schwimm- ,. Ruber, Athleten-, Radfahrer Stenographen-, Efperanto. Gesang, Schach, binat notwendig. Abstinenten, Samariter-, Bolksgesundheits-, Wandervereins find, ist unbePartei und Vereinsbuch legitimiert. Durch Mitglieder Eingeführte haben Zutritt. Genoffen, welche verhindert find, werden gebeten, ihre Adressen in der Bibliother Weichfelftraße abzugeben. Stealth. Gemeinschaft proletarischer Freibenter. Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 13. d. M.. abends 7% Uhr, im Jugendheim Kniephof, Ede Jeverftrake. Gäfte willkommen. Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Verbände der deutschen Republik. Donnerstag, den 13. November, abends 7 Uhr, in ben Sophien- Sälen, Gophienftr. 17/18, öffentliche Berfammlung, Dr. Mar Deri fpricht über Das Wefen des Freidenfertums". Rentralverband ber Mieter Deutschlands( Berlin). Deffentliche Mieterperfammlung am Donnerstag, ben 13. b. M., abends. 7% Uhr, im Reichenberger Sof. Reichenberger Str 147. Thema: Aufhebung der Rwanaswirtfdaft unb feine Folaen. Reichstagswahl und die Porteien". Gefellschaft für Serualreform. Redakteur C. E. Klögel spricht am Donners. jag, ben 18. b. M., abends 8 Uhr, in der Schulaula Friebrichftr. 126( Oranienburger Tor) ber Frauenleben und Serualprobleme in Borderaften". Ein Reisebericht. Eintritt 50 f Gäfte willkommen. 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Von glückverfolgten und geplagten Leuten. 1. Hans im Glück. Grimm. 2. Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein. 3. Pechvogel und Glückskind, R. Volkmann- Leander. Die Funkprinzessin: Adele Proesler. 4.30 bis 6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus". 7-7.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. Abt. Hochschulkurse der Funkstunde.( Zwei Vorträge). 1. Geh. Med.- Rat Dr. med. Hildebrand, o. Professor an der Universität Berlin. Direktor der chirurgischen Universitätsklinik des Charité- Krankenhauses: Wundinfektion und Wundbehandlung. 7.30-7.50 Uhr abends: 2. Dr. med. Adrion, Privatdozent ara zahnärztlichen Institut der Universität Berlin: Hygiene des Mundos. 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Oberregierungsrats Dr. v. Köbke: Das deutsche Handwerk". 8.30 Uhr abends: VIII. Sonderveranstaltung der Berliner Funkstunde A.-G. unter Mitwirkung von Professor J. v. Raatz- Broekmann, Kammersänger; Frieda Langendorff, Kammersängerin; Georg Kulenkampff- Post, pember, in den Unions- Feftfäler, Grelfswalder Str. 222, Gründungsfeier, derSchubert, e) Auf Flügeln des Gesanges, Violinvirtuose. 1. a) Ave Maria, Schubert, 1. b) Frühlingsglaube, v. MendelssohnBartholdy, d) Gruß,) Arie aus bekommen. Samson and Dalila, SaintSaëns( Frieda Langendorff, Alt). 2. a) Nocturno, Sibelius, b) Introduction und Rondo capricioso, Saint- Saëns( Georg Kulenkampff- fammlung. Bortrag: Der Patt von Sondon", Herr Regierungsrat Dr. Stern: Post). 8. a) Der Nöck, Löwe. b) Hochzeitslied. Löwe( J. v. RaatzBrockmann. am Flügel: Lena Wolde). 4. a) Es blinkt der Tau, Rubinstein, b) Widmung, Franz, c) Liebesfeier, Weingartner, d) Zueignung, Strauß. e) Waldseligkeit. Reger, Mariä Wiegenlied, Reger( Frieda Langendorff). 5. c) Cavatine, Cui, b) Zwei Stücke: Aus meiner Heimat, Smetana, c) Slavischer Tanz, Dvorák- Kreisler ( Georg Kulenkampff- Post). 6. a) Der Rattenfänger, Hugo Wolf. b) Biterolf( aus dem Lager vor Akkon, 1190) Hugo Wolf, c) Kophtisches Lied, Hugo Wolf, d) Gesellenlied, Hugo Wolf( J. v. RaatzBrockmann, am Flügel: Lena Wolde). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeis Urack.ter: Otto Rubische Gemeinschaft( Bornhender Baul Toller). Sonnabenb. den 15. No. bunden mit Tanz, Tombola unb Borträgen erfter Rünstler. Starten find im Bureau. Mehnerftr. 4( Raft. 2174), fowie bei allen Borstandsmitgliedern au Sduhverband ber Schwerhörigen, e. B. Am 18 November, 7% Uhr, in Saverlands Feftfälen, Neue Friedrich ftr. 87, Cing. Rochftraße, Monatsver Borführen eines neuen Sörapparates", Serr Ingenieur immel. Briefkasten der Redaktion. .. Die Gebühr wird nur von Bewohnern folcher Gebäude erhoben, die fabtisches Eigentum find. Wetter für Berlin und Umgegend. Beitweise neblig, fonft trocken bet mäßigen öftlichen Winden. Nachtfrost. Auch in den Tagesstunden falt. Für Deutschland. Ueberall trocken. Fortdauer des Nachtfrostes. EA 0100 32302 ROAL EINE ZIGARETTE VON RANG 58 MASSARY 63 68 Defft EDEL WIE DER NAME Duni Tropfen! Apollo Kaol Sind das 8 Uhr Theater & Uhr Direktion: James Klein Die erste große Revue- Posse Das lachende Berlin Paul Beckers a. G. Senta Söneland Eise Balzer- Lichtenstein usw. Preise 2 bis 10 M. Rennen zu Strausberg Geheimnis, Mittwoch, d. 12. November Dauerglanz auf Metallen zu erzeugen Kein Putzwasser. sondern Qel- Politur! Überall zu haben! Theater, Lichtspiele usw. mittags 12%, Uhr Fahrplan: Charlot bg. ab Zoo 10.19 10.40 10 25 10.46 " Friedr.- Str." 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Neueinstudiert Othello Regie Paul Bildt Kammerspiele 8 Uhr: Die tote Tante und andere Begebenheiten Die Komödie Tägl. 8 U.: Zaza Lustspielhaus Täol 8 Uhr Geld wie Heu Neues Operettenhaus Tägl 28 Uhr Der Tanz um die Liebe Wallner Theat. Tägi. 8 Uhr David u. Goliath 8 U: Residenz- Th Die vier U.: Deuts Opernhaus 7 Unr: Die toten Augen Intimes Theater 8: Liebeskonzern Tempo Tempo! Metropol- Theater Tägl. 71, Uhr: Gräfin Mariza Neues Th. am Zoo Täglich 8 Uhr: Die Frau ohne Schleier Märchenspiele Heute 3 Uhr Fitzlifitz, der( immelsschneider Th. f. Kommand. Str. 8: Neuest. Schlager von Hugo Hirsch Wenn man ver. liebt ist.. Schlaumeier mt Molly Wessely ETROPO VARIETOL 8 Uhr Das unver leichlichs NovemberProgramm CHUTZ- MARK DE THOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZ- MARKE WASCHE MIT Dr. Thompsons Seifenpulver Garantiert unschädlich Rose- Theater Dir. B Rose 24: Rattenfänger v. Hameln 78 U. Schmetter. lingsschlacht Theater am Hotmusser for. 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Die Einäfcherung findet am Don nerstag, den 13 Novbr., nachmittags 41 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Rie holaftraße, statt. Allen Genoffen, Freunden und Be fannten bie traurige Nachricht, daß meine liebe Mutter, Schwieger- und Großmutter, Frau Albertine Mix geb. Frig am 8 November. im 75. Lebensjahr, nach langem Rrantenlager durch den Tod erlöst wurde. In tiefer Trauer Arthur Mig nebst Frau 3ba Mig geb. Zachow, Erwin, Berner, Gerhard, Erich als Enfeltinder. Friedenau, Raiserallee 96. Beerdigung: Donnerstag, 13. NoDember, nachm. 3%, Uhr, bon ber Salle des 11. städtischen Friedhofes, Endtfte ße( Blanke Hölle), aus. Gruppenversammlung Ulster- und Paletotstoffe Strumpfwaren Trikotagen aller in der Gasmefferbranche befchäftlaten Kolleginnen und Kollegen. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Das Erscheinen aller Rolleginnen und Rollegen ist unbedingt erforderlich. Die Ortsverwaltung. 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Beilage des Vorwärts Herr Stresemann, Reichsaußenminister und Spikenkandidat der Reichsliste der Deutschen Volkspartei. Die deutschen Konservativen brauchen mindestens 50 Jahre, um die Notwendigkeit einer politischen Veränderung einzusehen, die sich im Kampfe gegen sie durchgesetzt hat. Herr Stresemann hat nur vier Jahre nötig, um grundlegende Irrtümer, die er begangen hat, zu erkennen. Deshalb gibt es in Deutschland Menschen, unter| denen er obenan steht, die ihn für einen Staatsmann halten. Er ist es nicht. Der schwerste Fehler, den ein Politiker begehen kann, ist die leberschätzung der Kräfte des eigenen und die Unterschätzung derjenigen anderer Länder. Herr Stresemann hat vier Jahre lang in der Vorstellung gelebt, daß Deutschland allein den Kampf mit der ganzen Welt bestehen und ihn mit weitgehenden Eroberungen abschließen könne. Er, der geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutsch- Amerikanischen Wirtschaftsverbandes war, hat das Eingreifen Amerifas in den Weltkrieg für ebenso belanglos gehalten wie Herr Hergt, der den Beruf zum Propheten in sich verspürte und in Wirklichkeit nur das Zeug zum Registrator hatte. Ein Mann, der einmal in leitender Stellung versagt, der sein Land falsch geführt hat, darf den Glauben an seine politische Sendung nicht behalten. Nichts berechtigt ihn zu der Annahme, daß es ihm gelingen wird, sein Bolf aus dem Gumpf, in den er es geführt hat, auf festes Land zu leiten. Olivier, der letzte Ministerpräsident Napoleons III., hat nach der Ratastrophe von 1870/71 niemals wieder politischen Ehrgeiz gezeigt. Herrn Stresemanns Bewußtsein von feiner Mitverantwortlichkeit für den Zusammenbruch Deutschlands äußerte fich in nichts anderem als dem Zugeständnis, daß er durch feine Annegionspolitik zu sehr kompromittiert sei, um in den nächsten Jahren eine führende Rolle spielen zu fönnen. Seine Buße hat nicht lange gedauert. Der Mann, der im November 1918 an den Berhandlungen über die Bildung einer großen demokratischen Partei hervorragenden Anteil nahm und ihr aus feinem anderen als dem Grunde fern blieb, daß sie ihm ein sicheres Mandat vermeigerte, machte in der Nationalversammlung seine Fraktion zu einem Anhängsel der Deutschnationalen. Eugen Richter hat einmal von den Nationalliberalen der 80er Jahre gesagt, daß sie sich von den Konservativen nur unterscheiden wie der Füsilier vom Musketier. Das gleiche gilt von der Stresemannschen Volkspartei pon 1919 und 1920. In seiner Studentenzeit hatte Herr Stresemann fich ais fortschrittlicher Wahlschlepper seine politischen Sporen verdient. An diese Tätigkeit erinnert er sich allerdings nicht mehr, obwohl er ein gutes Gedächtnis hat und auch haben muß. Später hat er mit Raumann zusammen den nationalsozialen Verein gegründet. Im November 1918 fühlte er sich vom Geiste der Demotratie mweht. Im Januar 1919 trieb er deutschnationale Politit. Ein wenig mehr Beständigkeit dürfte man von einem Staatsmann verlangen fönnen. Im Laufe des Jahres 1923 begann Herr Stresemann, wieder vier Jahre später als andere, zu begreifen, daß ein besiegtes Bolt, das auf fremde Hilfe nicht rechnen fann, Erfüllungspolitik treiben muß, um sich zu befreien. Es wurde ihm zugleich flar, daß Deutschland nur im Schuße der Demokratie wieder auferstehen kann. Die große Koalition mit dem wieder einmal reuigen Herrn Strefe mann als Kangler folgte. Aber da begannen die Marely und Lersner ihre Minierarbeit, Nullen, vor die aber die Schwerindustrie gewichtige Zahlen stellte. Herr Stresemann mußte den Abmarsch Der Geldgeber feiner Partei ins deutschnationale Lager befürchten und beschloß, die Verbindung mit der Sozialdemokratie zu lösen. Er legte es darauf an, den Austritt der sozial. demokratischen Minister herbeizuführen. Aber beim Abschied versicherte er ihnen, daß er bleibe, was er fei, und fügte hinzu, daß er caratterlos fein würde, wenn die Behauptung wahr wäre, daß er den Bürgerblod mit den Deutsch nationalen erstrebe. Man wird nicht berechtigt sein, aus der emfigen Tätigkeit, die Herr Stresemann sehr bald danach zum Zwecke der Bildung des Bürgerblodes entwickelt hat, den Schluß zu ziehen, daß er seitdem moralische Verluste zu beklagen gehabt hat. Denn es wird ihm nicht schwer sein, den Beweis zu erbringen, daß er heute genau dasselbe Maß von Charakter befißt wie früher. Die Reichstagswahl vom 4. Mai dieses Jahres verstärkte die Deutschnationalen auf Kosten der Boltspartei. Nun gab es für Herr Stresemann und seine Mannen fein Halten mehr. Herr Scholz fand die Klassische Formel:„ Die Werbekraft der Deutsch nationalen wird erst dann gebrochen sein, wenn man sie in die Regierung hineinnimmt. Dann wird man sie erziehen fönnen wie die Hunde, indem man sie mit der Nase in ihren eigenen Dred stößt." Herr Stresemann war ganz derselben Meinung. Nur drückte er sich in der Sprache des Diplomaten so aus, daß es gelte, eine Brüde zu den von der Deutschnationalen Partei vertretenen Boltsmaffen zu schlagen. Es ist ungewiß, ob er dabei nicht daran gedacht hat, daß die erste Voraussetzung des Baues einer Brücke die Gleichheit des Niveaus beider Ufer ist oder ob er das Niveau feiner und das der Deutschnationalen Partei für gleich gehalten hat. Sicher ist, daß für ihn als Motiv der Anbiederung an die Deutschnationalen der Respekt hinzufam, den er, der aus fleinen Verhältnissen Emporgekommene oder vielmehr emporkommende Mann( er ist kein Barvenu, sondern ein Parvenant) vor jedem hat, der ein hohes Amt oder gar ein Adelsprädikat befigt, besonders, wenn der Glanz des Namens durch ein Einglas, durch Zusammenschlagen der Haden und durch eine Sprache erhöht wird, die gleichzeitig aus Mund und Nase tommt. Handelt es sich gar um Fürstlichkeiten, so steigert fich die Hochachtung des Herrn Stresemann zur Anbetung. So erflärt es fich, daß er fürzlich ausgerechnet einem Amerikaner von der geistigen Begabung des ehemaligen Kronprinzen erzählt hat, als ob es niemals einen Rosner gegeben hätte. Und er fonnte es sich bei dieser Gelegenheit nicht versagen, sich seines Briefwechsels mit der ehemaligen Königlichen Hoheit zu rühmen. Ein Bedenken war noch zu überwinden, bevor Herr Stresemann fich daran machte, den Bürgerblock zu schmieden. Herr Stresemann hat eine Weltanschauung. Sie ist egozentrisch. Ihm würde jedes Rabinett minderwertig erscheinen, dem er nicht angehört. Die Deutschnationalen hatten ihn in den Monaten vor und während der großen Koalition behandelt wie einst den armen Erzberger. Würden sie ihn im Bürgerministerium dulden? Aber Herr Hergt, dem es, wenn nur seine Bartei zur Macht gefangen konnte, auf einen Schönheitsfehler nicht anfant, benahm ihm seinen Zweifel. Er sollte im Amte bleiben dürfen. Und nun fonnte das widerwärtigste Kapitel der Parteigeschichte aller Zeiten und Länder beginnen, von dem es schwer ist zu sagen, welchem der interessierten Teile es zu größerer Schande gereicht. Herr Strese mann hat für die Deutsche Boltspartei die Ber. handlungen geführt, die den Umfall der Hälfte der deutsch nationalen Fraktion bei der Abstim mung über das Eisenbahngefeß zur Folge hatte. In seinem Arbeitszimmer wurde das Schreiben aufgesetzt, aus dem die Deutschnationalen den Anspruch auf vier Ministersize ableiteten. Die Herren Curtius und 3 apf waren nicht viel mehr als seine Laufburschen. Nichts fonnte ihn davon abhalten, in die Arme der Deutschnationalen zu sinken, nicht die Erklärung deutschnationaler Führer, daß sie gar nicht daran dächten, die Verantwortung für die Politik der Vergangenheit zu übernehmen und daß sie es ablehnten, diese fortzusetzen, nicht die erpresserische Androhung schärfster Opposition, die die Deutschnationalen für den Fall aussprachen, daß RAD Wir wählt Raffke? Raffle: Mögen die Hungerleider für die Sozialdemokraten stimmen, ich wähle Bürgerblod!" man sie nicht in die Regierung hineinlasse, nicht die Erinnerung an gemeine Verleumdung, die kurz vorher aus dem deutschnationalen Lager gegen ihn erhoben worden war, nicht die antisemitischen Orgien, die seine neuen Verbündeten auch jetzt wieder feiern, wie stets, wenn das Maß ihrer Sünden so groß geworden ist, daß sie das Bedürfnis empfinden, sie auf andere abzuwäizen. Alles das war für Herrn Stresemann nebensächlich, seit er seinen Ministersessel gesichert wußte. Herr Stresemann will weiter Erfüllungspolitit treiben, im Bunde mit denen, die sich zu dem Borsaz bekennen, sie per. eiteln zu wollen. Er schwört, daß er nicht im mindesten darauf finne, die Sozialdemokratie aus der deutschen Volksgemeinschaft aus zuschließen, aber er geht Arm in Arm mit denjenigen, die offen erklären, daß sie die größte deutsche Partei, ganz wie in der millelminischen Zeit, zum Objekt der Gesetzgebung machen wollen. Er, der eine Rede des Gesandten Dr. Pfeiffer zum Anlaß nahm, Herrn Poincaré missen zu lassen, daß ihm jeder Gedanke an Revanche ferit liege, verbrüdert sich mit einer Bartei, deren Führer zwar auch nicht an Revanche denten, aber, in allem das Gegenteil von Gambefta, beständig davon sprechen und dadurch schwere Gefahren herauf beschwören. Man kann sich nicht wundern, daß solche Haltung einen Mißgriff nach dem anderen zur Folge hatte. Der Erfüllungspolitifer Stresemann hatte nichts Wichtigeres zu tun, als eine. Note zu ent werfen und zu veröffentlichen, in der das erzwungene, in den Augen jedes urteilsfähigen Menschen bedeutungslose Geständnis der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege, noch einmal angefochten wird. Er weiß aber, daß seine deutschnaticaalen Freunde diese Note als den ersten Schritt zur Beseitigung des Bersailler Bertrages be: trachten, und weil er nicht genügend harmlos ist, um sich von einem papiernen Protest die geringste Wirkung zu versprechen, stellt er den fremden Regierungen das törichte Schriftstück nicht zu und läßt sie privatbrieflich wissen, daß die Note lediglich inner. politischen Zweden diene und an der deutschen Er füllungspolitik nichts ändere. Als aber die Absendung dieser Privat briefe ruchbar wird, leugnet er sie öffentlich ab, um sie bald darauf eingestehen zu müssen. Mittwoch, 12. November 1924 des Deutsch- Amerikanischen Wirtschaftsverbandes infolge unzuläng lichkeit seiner Kenntnis der englischen Sprache diesen Verhandlungen nicht habe folgen fönnen? Man gewinnt fast den Eindruck. daß Herr Mary in London mit seiner Versicherung, er sei fein Diplomat, sondern ein aufrechter Mann, auf Herrn Stresemann gezielt hat. Vielleicht wollte er sich so für die mit mehr Eifer als Vornehmheit betriebenen Bemühungen seines Kollegen rächen, ihn von der deutschen Delegation fernzuhalten. Der Vorgänger Stresemanns in der Führung der National liberalen Partei, Bassermann, hat einen Biographen gefunden. Eine liebenswürdige Ironie des Schicksals hat einen Herrn Mittelmann zum Herold des Verstorbenen gemacht. Herr Mittelmahn würde auch zur Schildeung des Lebenslaufes Stresemanns berufen sein. Aber er braucht sich nicht zu bemühen. Die Biographie des Herrn Stresemann ist bereits erschienen. Heinrich Mann ist ihr Verfasser. Der Held seines Romans Der Untertan" ist Herr Stresemann, wie er leibt und lebt. Herr Stresemann weiß, daß die Bertretung Deutschlands im Völkerbunde für uns nur Borteile haben tann. Er läßt die englische Regierung wissen, daß er den bekannten Pazifisten, Graf Reßler, zur Völkerbundstagung nach Genf mit dem Auftrage entfandt habe, für iher Mitteilungen Macdonalds in der Anschlußfrage entgegenzunehmen. Aber für die deutschnationalen Freunde des Herrn Stresemann haftet dem Völkerbund der Ludergeruch des Internationalismus an, und deshalb leugnet Herr Stresemann öffentlich die Abordnung des Grafen Keßler ab, wieder, um fie furze Zeit danach eingestehen zu müssen. Und er erzählt der deutschen Deffentlichkeit, daß von englischer Seite während der ganzen Londoner Verhandlungen über den Beitritt Deutschlands zum Bölkerbunde tein Wort gesagt worden sei, während Lord Parmoor behauptet, daß er diese wichtige Frage mit der deutschen Delegation drei Stunden lang besprochen habe. Sollte das geschäftsführende Präsidialmitglied Deutsche Jugend, bist du wach? Dann verhüte das Unrecht. Dann erhebe dich gegen die Freunde des Bürgerblods, des Blods der Besitzenden gegen die Befihlosen! Der Bürgerblod will, daß der Arme noch ärmer, der Reiche dagegen noch reicher wird als er ist! Der Bürgerblod will die Casten, die wir nach dem Dawes- Gutachten zu tragen haben, auf die Schultern der Armen abwälzen durch Schutzölle, die das Brot verteuern, durch Berlängerung der Arbeitszeit, durch Abbau der Sozialpolitit. Der Bürgerblod darf nicht tommen! Das Unrecht darf nicht siegen! 2 Das Recht muß fiegen! Das Recht und die Zukunft! Die Zukunft aber gehört der Republit und dem Sozialismus! Welcher junge Mensch, dessen Herz und Hirn gefund find, fann heute noch den Völkischen und Deutschnationalen nachlaufen? Welcher junge menfch fann heute noch den kommunistischen Wahnsinnsparolen folgen? Aus den Trümmerhaufen dieser Parteien, aus diesen Ruinen blüht niemals wieder neues Leben! Neues Leben und neue Zukunft aber bringt dem deutschen Bolt die Politik der Sozialdemokratischen Partei! Was fie forderte und vertrat, hat sich immer wieder als das allein Richtige gegen alle Widerstände durchgesetzt. Die Sozialdemokra tische Partei und teine andere ist die Partei der Wiederbefreiung Deutschlands, ist die Partei des deutschen und europäischen Wiederaufbaues! Deshalb gibt es feinen Zweifel: Die deutsche Jugend wählt am 7. Dezember sozialdemokratisch? Wie sie sich beurteilen. Deutschnationale über Deutschvölkische. Dr. Kaufmann( deutschnational) in einer Wählerversammlung am 5. November 1924: Die Nationalsozialisten sind nur tüchtig im Mundaufreißert." „ Ludendorff hat sich nicht mit Ruhm bedeckt." Graf West arp( deutschnational) am 7. November 1924: Die Deutschvölkischen verhindern den Sieg der Nationalen." Haß und nicht Völkerversöhnung ist unsere Barole!" Aus den Freundlichkeiten" der Rechtsparteien über die Deutsche Volkspartei. Freiherr von Senden in einer Wählerversammlung am 4. November 1924: ,, Die Bolkspartei steht unter jüdischer Führung!" Stadtrat Steinhoff am 7. November 1924: " Drehbarer Stein, bald rechts, bald links." Die Deutschnationalen beleuchtet von Nationalsozialisten. Bulle in einer Wählerversammlung am 3. November 1924: Die Deutschnationalen, die Partei der widerlichen Heuchelei." ,, Wallraf ein Schlappstiefe!." Partei des Kuhhandels und der Futterkrippenpolitit." „ Der Dames- Plan Satanswerf." Jolle( völtisch): " Die Deutschnationalen, die Partei Mampe halb und halb." Die Sammlung wird fortgesetzt. Kommunisten für Redefreiheit! Redefreiheit für Gegner! Da staunfte, mas? höhnten französischen Liga für Menschenrechte einberufen war, haben In einer Bersammlung, die von Bazifisten, von der stets ver Kommunisten die nationalistischen Radaubrüber zu Beginn der Berfammiung an die Luft befördert, denn:„ Der Kommunist will die Freiheit des Wories für jeden, wer es auch immer fei, geachtet wiffen, der seine Ansichten auseinanderzusehen wünscht, er stellt sich immer jeder blinden Sabotage entgegen." So zu lesen in der Humanité" vom 4. November. Was wird Moskau sagen, was die deutschen Kommunisten? Die erwähnte Bersammlung hat am 25. Df.ober in Le Mans stattgefunden, ben Redner des Abends hatte die französische Liga sich aus Deutschland verschrieben. Wer war es? Was hat er gesagt? Ja, lieber kommunistischer Leser, det willste ooch noch wissen? Kein Wort davon in dem langen Bericht der Humanité", der fpringt gleich mit beiden Füßen in die Disfuffion. Bang und breit entwickeln da die Genossen Gayet und Hurtel ihre Ansichten und ernten rauschenden Befall. den Befern des„ Vorwärts" verraten, daß der wirkliche Redner des Wir wollen weniger geheimnisvoll sein als die Humanité" und Abends der Heidelberger Privatdozent Dr. Gumbel war, der außer in Le Mans noch in vier anderen französischen Provinzstädten sich in öffentlichen Versammlungen für die deutsch- französische Verſtändigung aussprach, und wie üblich, ob dieser Freveltat jetzt von der nationalistischen Presse diesseits und jenseits des Rheins verleumdet und verdammt wird. Der Reichswahlvorschlag der Deutschen Boltspartel, der jetzt vollständig vorliegt, enthält 3.4 Namen. Spizenkandidat ist wie der Reichsminister Dr. Stresemann. Weiter folgen: 2. Frau Direktorin Mag- Stettin, 3. Reichsminister a. D. Dr. Scholz- Charlottenburg, 4. Gewerkschaftsvorsitzender Thiel Charlottenburg. 5. Malermeister Havemann- Hildesheim, 6. Landwirt Hepp- Seelbach. Oberlahnkreis, 7. Bergmann Winnefeld- Günnigfeld, Kreis Gelfen. mersdorf, 9. Geheimer Justizrat Dr. Rießer Berlin, 10. Oberpoſt. firchen, 8. Geheimer Justizrat Professor D. Dr. Kahl- Berlin- Wil inspektor Morath- Karlshorst, 11. Geheimer Justizrat Dr. Zapf- Zweibrücken, 12. Syndikus Dr. Keinath Berlin. Herr Keinath der von den Demokraten flüchtete, ist also untergefrochen. Daher der Name: Liberale Vereinigung. # Der polnische Spitzenkandidat für den Reichstagswahlkreis Oppeln ist Probst Klimas. Wirtschaft Die Rentenbank in Liquidation. Gestern mittag fand die Generalversammlung der Renten bant statt, die die Umgestaltung der Rentenbant zu beschließen hatte. Dabei war für die jetzige Rentenbant in Liquidation" der Aufsichtsrat zu wählen. Die Wahl erfolgte durch Zuruf. Die Generalversammlung setzt sich nunmehr folgendermaßen zusammen: Deutscher Landwirtschaftsrat 30 Mitglieder, Reichslandbund 20 Mitglieder, Bereinigung deutscher Bauernvereine 20 Mit. glieder, Reichsverband Deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften 20 Mitglieder und Generalverband der deutschen Raiffeisen- Genossen schaften 20 Mitglieder. Die Vertreter der Industrie sind jetzt in der Rentenbank nicht mehr stimmberechtigt. In der Generalversammlung wurden dann noch Mitteilungen über die beabsichtigte Gründung des Agrarkreditinstituts, ber Rentenbankkreditanstalt, gemacht, die als Tochtergesellschaft der Rentenbank gelten foll. Dabei ergab sich, daß die Rentenbant in einem wichtigen Punkte ein Zugeständnis an den Standpunkt der Länderregierungen gemacht hat. Die Grundschulden sollen nicht in die Verwaltung der Kreditanstalt übergehen, sondern mit der Tilgung der Rentenbankscheine erlöschen. Im Verwaltungsorgan sollen aber die Landwirte ausschlaggebenb ver treten sein. Es würde also doch darauf hinauslaufen, daß das Bertürbe mögen der Rentenbank ebenso wie die noch eingehenden Zinszahlungen nicht unmittelbar der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wer. den, sondern daß sie erst auf dem Umweg über ein von den Organen des Reichslandbundes heherrschtes Institut in den Berkehr gelangen. Das ist eine höcyst überflüssige und den Krebit unnüt Derteuernde Einrichtung. Tatsächlich erklärte ein Bertreter der Bauernvereine, daß er gegen diefe Regelung fet. Die Diskussion darüber wurde jedoch vorzeitig abgebrochen, weil sie ben Landbündlern nicht ins Procramm paßte. Man kann sich daran eine Borstellung machen, in welcher Weise die wirtschaftlichen Intereffen der mittleren und fleineren Landwirte in der geplanten Rentenbankkreditanstalt vertreten werden würden! Natürlich betonten die Aufsichtsratsmitglieder der Rentenbant fehr nachdrücklich, daß die Gründung der Rentenmarktreditanstalt fofort notwendig sei. Man hat offenbar die Absicht immer noch nicht aufgegeben, die Gründung durch eine Notverordnung der Reichsregierung durchzusetzen. Gegen derartige Bläne muß jedoch schärffter Einspruch erhoben werden, schon deshalb, weil noch ausreichend Zeit ist, bis die Landwirtschaft ihre erste Kredit rate zurückzuzahlen hat. Das ist erst in einem Jahre der Fall. Auch Auslandstrebite tann die Rentenbant vorerst, wie gestern zutreffend betont wurde, nicht erschließen. Infolgedessen bleibt wirklich genug Gelegenheit, den Reichstag zu hören. Sachliche Gründe zu einer übereilten Behandlung der Frage liegen demnach nicht vor, es sei denn, daß man die politischen Bestrebungen des Reichslandbundes als einen fachlichen Grund anerkennte! Zur Frage der kommunalen Auslandskredite. Die vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband nach New Yort entsandten Bertreter sind von ihrer Reise zurückgekehrt. Sie hatte den 3wed, die amerikanische Banfwelt über Wesen und Aufgaben der deutschen Sparkassen- und Giroorganisation zu unterrichten und neben der Anfnüpfung allgemeiner Geschäftsbeziehungen insbe sondere die Frage zu flären, ob und unter welchen Voraussetzungen es möglich wäre, amerikanisches Rapital für die Wirtschaft der deutschen Kommunalverbände flüffig 3u machen. Entsprechend der Stellungnahme der Reichsregierung und der Reichsbant zur Aufnahme tommunaler Auslandskredite, mit der sich die von Anfang an in dieser Frage vom Deutschen Spar taffen und Giroverband sowie den kommunalen Spizenverbänden vertretene Auffassung deckte. ist bei den Berhandlungen davon aus gegangen worden, daß zur Vermeidung einer Schädigung der deutschen Volkswirtschaft langfristige Kredite von den Kommunalverbänden im Auslande lediglich für werbende Zwede aufgenommen werden sollten. Es zeigte sich auch schon bei den ersten Borbesprechungen mit den amerikanischen Banken, daß diese den gleichen Standpunkt im Interesse des amerikanischen Rapitals einnahmen. Außerdem aber ergab sich sehr bald, daß die großen Banten der Frage erst dann ein lebhafteres Interesse entgegenzubringen begannen, als das Projekt der Aufnahme einer größeren einheitlichen deutschen Kommunalanleihe zur Erörterung gestellt wurde. Ueber diesen Plan ist es zu ernsthaften Verhandlungen ge fommen. Die Verhandlungen sind zwar noch nicht abgeschlossen und vertraulichen Charakters, eröffnen Aussicht darauf, daß das Biel in absehbarer Zeit erreicht wird. Boraussetzung ist allerdings, daß die dem Ansehen und der Kreditwürdigkeit der deutschen Kommunal verbände so außerordentlich abträgliche, durch zahllose Bermittler Gardinen Etamin- Halbstores 290 375 575 mit Einsätzen Etamingarnituren 575 775 975 mit Einsätzen S teilig Tüllgarnituren 395 675 875 Madrasgarnituren hellgrundig 675 975 9" 1250 Bettdecken, 2 bettig 975 1275 1750 Schalgardinen Meterware Meter 95PL. 125 165 Etamin 115 kariert, 150 cm breit....... betriebene Nachfrage nach Rommunalfredtten in ben Bereinigten Staaten aufhört. Außerdem würde es zum Erfolge wesentlich bei tragen, wenn es gelänge, auch die großen deutschen Städte zu einer Beteiligung an der Anleiheaktion der Giroorganisation zu veran lassen. In diesem Falle ist auch die Hoffnung berechtigt, folche An cihebedingungen zu erwirken, daß sie allen Kommunalverbänden günstig erscheinen. Verbraucher und Handelsverträge. In allen beteiligten Ministerien ist man heute an der Arbeit, die orbereitungen für die abzuschließenden handels. verträge und die dazu notwendigen Bollmaßnahmen zu treffen. Das geschieht unter Hinzugtebung und Anhörung von Sachverständigen aus Industries, Handels- und Landwirtschaftstreifen. Nur eine Kategorie Interessenten zieht man nicht binzu, und das find gerade die, die leßten Endes die Kosten zu bezahlen haben. Uns ist wenigstens nicht bekannt geworden, daß Verbrauchervertreter in den Borbesprechungen um ihre Meinung gefragt worden sind. Man wird sich nicht damit berausreden fönnen, daß man die große Organisation der Verbraucherbertreter, die heute schon ungefähr ein Biertel der bentichen Bevölkerung umfaßt, nicht fennt. Die Spigenorganisation, die Großeinkaufs Gesellschaft Deutscher Koniumvereine m. b. S., Hamburg, die die Versorgung der Konsumvereinsmitglieder mit Lebensbedürfnissen aller Art versorgt. die selbst zirka 30 erftflaffige und beftgeleitete Fabritbetriebe unterbält, dürfte febr wohl in der Lage sein, die Arbeit der Herren in den Ministerien durch ein wirklich durch fein Brofitintereffe getrübtes Sachverständigen- Gutachten zu unterstügen. Deutsch russische Handelsvertragsverhandlungen. Am Sonnabend, den 8. November, hat sich die deutsche Dele. gation für die Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland nach Moskau begeben. Die Delegation besteht aus Bertretern des Auswärtigen Amtes, des Reichswirtschaftsministeriums, des Reichs, ernährungsministeriums und des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe, im ganzen 14 Herren. Bertreter des Reichs. fin.anzministeriums zur Beratung der Frage der doppelten Besteue rung usw. werden folgen. Die Delegation, der auch Industriefachver ständige angehören, bringt bis ins einzelne ausgearbeitete or chläge für die Regelung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland mit. Wie der Deutsch Russische Berein mitteilt, ift man fich auf deutscher Seite darüber im flaren, daß die Sowjetregierung das größte Gewicht auf die Anerkennung des russischen Außenhandelsmonopols legen wird. Indem dieser Sachlage Rechnung getragen wird, ist man indessen in Deutschland der Ansicht, daß auch bei Aufrechterhaltung des Grundsazes des Aukenhandelsmonopols fich praktische Möglichkeiten ergeben, den Wirt schaftsverkehr zwischen den beiden Ländern weit mehr zur Entfal Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose Roggenmehl 0/1..... Weizengrieß Hartgrieß Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50| Kakao. fettarm 75,00-96,00 18,50-18,75 Kakao, leicht entölt... 100,00-120,00 20,00-21,50 Tee, Souchon, gepackt 320,00-400,00 21,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17,00-18,00 Inlandszucker basis mel. 30,20-33,00 24,50- 27,50| Inlandszucker Raffinade 33,00- 35,00 24,50- 27,00| Zucker Würfel 37,00-42,00 17,0 19.25 Kunsthonig 39,90-41,00 19,50-26,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00- 45,00 18,00-24,00 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00- 31,00 16,00-18,00 Marmelade Eintr. Erdb. 90,00 95,00 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 40,00 28.50-33, 0 Pflaumenmus in Eimern 43,00- 53,00 3,10 3,60 3,704,20 4.40-5,00 -5,20- 5,80 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speiseer bsen. Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Ferl Langbohnen, handveries. Linsen. kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffe mehl Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Meh nudein. Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, java....... Ringäpfel, amerik. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Rosinen in Kisten, Candia Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer singap. Weißer Pfeffer. . 18,50-29,50 Steinsalz, in Säcken 31,00-37,50 37,50-52.25 Siedesalz in Säcken 17,25-21,25 25,00 30,00 Purelard in Tierces 87,00-88,00 43,50-45,60 Bratenschmalz in Tierces 91,60-93,00 47,00-54,00 Bratenschmalz in Kübeln 91,00-95,00 16,50-18,03 Purelard in Kisten.... 87,00-92,00 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 65,00-66, 24,25-32,00 Speisetale in Kübeln 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. i 66,00 80,00-1 0,00 desgl. Il 60,00 63,00 40,00-46, 0 Margarine, Spezialm.i.. 80,00-84,00 desgl. II. 60,00-65,00 Molkereibutter ia i. Päss. 208,00-210,00 60,00- 70,00 Molkereibutter i. Pack. 215,00-220,00 75,0092,00 Molkereibutter Ila i. Fäss. 175,00-192,00 65,00-75,00 Molkereibutter, i.Pack. 185,00-205,00 66,00-76,00 • 69,00-71,00 19,00-210,10 Auslandbutter in Fässern 216,00-220,0 200,00-210,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 40,00-42,00 110,00-120,00 Aust. Speck, geräuchert 108,00-120.00 55,00-65,00 Quadratkäse 45,00 60,00 125,00-130,00 Tilsiter Käse, vollfett.120,00-135,00 175,00-185,00 Bayr. Emmenthaler 160,00-170,00 203,00-223,00 Echter Emmenthaler Rohkaffee Zentralamerika240,00-305,00 Ausl. ungezuck.CondensRöstkaffee Brasil 260,00-300,00 milch 48/16 330,00-400,00 Inländische desgl. 48/12 20.00-22.00 Inl. sez. Condensm. 48/14 Rohkaffee Brasil Röstkaffee Zentralam. Röstgetreide. lose .. Teppiche 170,00-185.00 21,00-23,50 16,50- 19,25 25.00- 26.00 | iung zu bringen, els es in den letzten Jahren der Fall war. Daß dieser Gebante berechtigt ist, beme ft die Wandlung, welche die Handelsbeziehungen Rußlands mit dem Auslande im Laufe der letzten zwei Jahre durchgemacht haben, in sehr flarer Weise. Während früher die Handelsvertretung, das heißt die Zweigstelle des Auhenhandelskommissariates in Berlin, allein als Käuferin und Ver. täuferin auftrat, ist es nach und nach dazu gekommen, daß neben ihr eine ganze Reihe ruffischer Wirtschaftsorgani fationen mit auf den ausländischen Märkten erschienen sind und bie Handelsvertretung in ihrer Bedeutung als faufmännischer Faktor fogar überflügelt haben. Die amtliche Handelsvertretung ist im Laufe dieser Jahre immer mehr und mehr zu einer regulierenden, überwachenden und kontrollierenden Stelle geworden. Der größte llebelftand im Handelsverkehr zwischen Deutschland und Rußland besteht darin, deß jede Befruchtung des Handels durch persönliche Fühlungnahme mit den russischen Wirtschaft organen und stellen, mit den Wirtschaftsführern in Rußland für deutsche Interessenten, als Auswirkung des Außenhandelsmonopols, faft unmöglich geworden ist. Alle Berhandlungen und Vereinbarungen werden von russischen Vertretern in Deutschland ge führt, während Deutschen die Greise nach Rukland und die Be arbeitung des russischen Marktes fast verwehrt bleibt. Dadurch gehen auch für die russische Wirtschaft außerordentlich große Werte den ruffischen Wirtschaftlern in zahlreichen Fällen in der Lage sein verloren, da der deutsche Kaufmann im unmittelbaren Verkehr mit wird, M tbel und Wege zu finden, ein für beide Teile lohnendes Ge schäft zustandezubringen, auch dort, wo der mehr nach bureaukratifchen Vorschriften verfahrende Beamte feinen Ausweg sieht. Dabei würden selbstverständich die russischen staatlichen Interessen feinesfalls in Gefahr geraten. 34 Handelsvertragsverhandlungen gehende deutsche Delegation VorBon diesem Gesichtspunkte ausgehend, wird die nach Moskau zu fchläge für die Gestaltung des Handelsverkehrs machen. Sie hat den Wunsch, jetzt, nachdem die Berhandlungen mit Rußland eit fünf Vie teljahren in Berlin gepf onen wurden einem pofit ven Ergebnis zu bringen Da auch auf ruffischer Seite, wie Herr Kraffin neuerdings geäußert hat, der Wunsch besteht, die Berhandlungen zu gutem Ende zu führen, so besteht die Hoffnung, daß schon in den nächsten Wochen die Frage des Handelsvertrages mit Rußland um ein gutes Stück vorwärts gebracht werden wird. Die Baumwollpekulation hat sich in den letzten Monaten be fonders ausgiebig des Mittels der tendenziöfen Bericht. erstattung über das Ernteergebnis bedient, um die Baumwollpreife hochzutreiben und hochzuhalten. Die Hoffnungen, die die Spefulation an einen schlechten Ernteausfall gesezt hatte, werden jezt hinfällig. Das amerikanische Ackerbauamt hat in seiner neuesten, auf den Stichtag des 1. November lautenden Ernteschähungsziffer für Baumwolle abermals eine Erhöhung des voraussichtlichen Ernteertrages festgestellt. Wie der" Tertil- Woche" telegraphisch gemeldet wird, wird die Beschaffenheit der Ernte nunmehr auf 55,9 Proz. des normalen Standes beziffert, verglichen mit 54,7 Broz. am 18. Oftober und 535 Broz. am 1. Oktober. Der Doraussichtliche Gesamtertrag der amerikanischen Baumwollernte wirb jegt auf 12816000 Ballen geschäßt, verglichen mit 12 675 000 Ballen am 18. Oftober und 12499000 Ballen am 1. Ottober. Die privaten Schäzungen der letzten Tage hatten zwischen 12 260 000 und 13 000 000 Ballen geschwankt. Das Quantum ber bis zum 1. November entfernten Baumwolle wird Dom Ackerbauamt auf 9 595 000 Ballen angegeben, verglichen mit 7 600 000 Ballen am 18. Oftober. Gemeffen an der Entfernungsziffer, die also am 1. November bereits 75 Proz. des voraussichtlichen Ernteertrages ausmachte, erscheint die erhöhte Ernefchätzungsziffer durchaus nicht als zu optimistisch; die Schwache Haltung der Baumwollmärkte in den letzten Wochen findet hierin im wesentlichen ihre Erklärung. Indiens Genossenschaftswesen. Die voltewirtschaftliche Brobleme Indiens gewinnen ihre Eigentümlichtkeit durch das Nebeneinanderbestehen natural und gelowirtschaftlicher Formen. Die Ungleichheit zwischen der Preisbildung auf dem Lande und in der Stadlo die große Breissteigerung, der Lohndruck, der durch den llebergang Dom Natural zum Geldlohn verursacht wird, der hohe Bins'ah bei Naturaldarlehen, ber mit heiligen, jahrtausendealten Traditionen zufammenhängt, find Erscheinungen der Uebergangsperiode, die Indien eht durchmacht. Das wucherische Darlehen ist das Hauptproblem der indischen Boltswirtschaft, wegegen man mit dem von der Regierung geförderten Genoffensaftswesen anfämpft. Die inbiscy Benossenschaft ist ein eigenartiges Gebilde. Von der Kreditorganifation ist sie ausgegangen. Aber sie wurde zu einer Einheits. genoffenschaft, die neben der Kredithilfe sich auch mit Wohnungsbau, mit Förderung der Bodenkultur, dem Versicherungswesen usw. befaßt. 1914 hat man mit der Gründung von Genossenschaften begonnen. Heute gibt es deren schon 39000 mit 1 ½ millio. nen Mitgliedern. Durch die Genossenschaften wurde das Anleihemonopol der Dorfwucherer gebrochen, der Sparsinn der BeDöfferung entfacht, die indrfhe Gleichgültigkeit teilweise überwunden. Das Anbrechen einer rationellen Wirtschaftskultur und die Schaffung der Borbedingungen zu einem indischen Kapitalismus sind mit der raschen Entfaltung der indischen Genossenschaften prbunden. Darum schwärm der erwachte indische Nationalismus für die Genossenschaften. und Läuferstoffe 60 X 130 170 x 280 200X800 250x350 em Axminster 1200 4800 7200 10800 äusserst solide... 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