Nr.538 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 273 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat Der., Borwärts mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Aleingarten sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Ronpareille. seile 0.70 Goldmart. Refiamezeile 1. Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Bort 0,20 Golbe mart( auläffig zwei fettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark tedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0,30 Goldmart. Eine Goldmark ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden ftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion. Donhoff 292–295 Verlag: Donbon 2506 2507 Freitag, den 14. November 1924 Tendenzurteil im Hermann- Prozeß. 1000 Mark Geldstrafe wegen ,, utrene". morden. Diefe Mittel feien einem Konto entnommen worden, Weimar, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Im Pro-| feien Bahlungen erfolgt, als feine Beurlaubung aufgehört hatte zeß Hermann erging folgendes Urteil: Freisprechung des und schließlich sei auch ein Teil seiner Umzugskosten ausgezahlt Angeklagten& unze in allen Punkten und Verurteilung des Genoffen Hermann zu 1000 m. Geldstrafe oder 4 Wochen das ver Reichs wegen zu dem Zweck gegeben worden sei, für die Ausrüstung und Linderung notieidender Landespolizeibeamten Verfür die Gefängnis wegen Untreue und Unterschlagung. wendung zu finden. Von diesem Konto feien Gehaltszahlungen an Im Punkte Waffenauftauf und Waffenschiebung ist Freisprechung Kopf erfolgt auf Veranlassung Hermann, der über diese Mittel in erfolgt. dieser Weise nicht verfügen fonnte. Er habe die Mittel anderweitig und eigenmächtig und nicht für die bestimmten Zwede ausgegeben. Der Angeklagte Hermann habe sich der Untreue schuldig gemachi und sei zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten, die in eue Geldstrafe von 3000 m. umzuwandeln fei, zu verurteilen. Es folgten die Plädoners der Rechtsanwälte RosenfeldBerlin und Blüher Eisenach, die für Freisprechung des Angeflagten Hermann in der Angelegenheit Kopf eintraten. Während ersterer die staatspolitischen Gesichtspunkte hervorhob, beleuchtete Blüher befenders die strafrechtliche Seite. Darauf fällte das Gericht das oben wiedergegebene Urteil. Der lekte Verhandlungstag. Weimar, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Donners. tagverhandlung im Hermann- Prozeß zog sich bis in die späten Abend unden hin. Die Verhaftung des Zeugen Claß, der mit noch fünf anderen Zeugen gegen Müller- Brandenburg auftrat, wurde am Donners ag wieder aufgehoben. Wie es scheint, wird aber die Angelegenheit Claß- Müller- Brandenburg noch die Gerichte beschäftigen. Auch am Donnerstag behauptete der Zeuge Claß mit aller Entschiedenheit, Müller- Brandenburg habe den Raum, wo die Waffen untergebracht waren, gefannt und seine Verwendung angeordnet. Am Vortage habe er über diese Angelegenheit die reine Wahrheit gefagt. Die anderslautende Aussage im Disziplinar verfahren gegen Müller- Brandenburg habe er aus bestimmten Gründen gemacht. Die Frage des Angeklagten Runze, ob Claz nicht nach jeder Fahrt gemeldet hätte, was er an Waffen gebracht habe, bestätigt der Zeuge bejahend. Er gab auch zu, daß er über die Waffenangelegenheiten oft mit Müller- Branden burg gesprochen habe, nach dem Einmarsch der Reichswehr in Thüringen habe ihn Müller- Brandenburg jedoch nicht mehr zu fich fommen laffen. Demgegenüber erklärte Müller Brandenburg, er bleibe bei seiner Aussage, daß er nichts von den Waffen wußte. Er mußte erst von der Verteidigung darauf hingewiesen werden, daß der Beuge Gottschalt zu ihm gesagt habe, die Waffen aus ZellaMehlis feien angekommen. Festgestellt wurde weiter, daß MüllerBradenburg gegen Claß fein Disziplinarverfahren eröffnete, obwohl dieser ihn damals belogen hatte. Sehr vergeßlich war MüllerBrandenburg auch, als in der Berhandlung die Frage der ir Maschinengewehre angeschnitten wurde. Er erklärte, daß es nur vier Maschinengewehre gewesen seien. Später gab er dann aber zu, daß es auch mehr gewesen sein könnten. Im Laufe der weiteren Berhandlung fagt Waffenmeister Claß aus, er habe Müller- Brandenbura gegenüber der Reichswehr nicht verraten wollen und habe Mitleid mit ihm gehabt, und darum habe er die Waffen nicht angegeben. T Ein Zwischenfall. Anschließend gab es eine fleine Ueberraschung, die für den Oberstaatsanwalt nicht gerade besonders rühmlich ist. Auf Grund des Widerspruchs der Aussage im Disziplinarverfahren gegen Müller- Brandenburg und in der Verhandlung am Mittwoch hatte der Oberstaatsanwalt bekanntlich die sofortige Verhaftung des Claß angeordnet, ein Beginnen, das für einen objektiven Beobachter unverständlich war. Er hatte aus der betreffenden Aussage des Claß einen Satz verlesen und die darauf folgenden wichtigen Säße ein fach unterschlagen und somit das ganze Gericht und die Berteidigung irregeführt. Rechtsanwalt Rosenfeld verlangte die vollständige Berlesung der damaligen nichteidlichen Aussage des Zeugen Claß. Der von der Berteidigung genannte 3euge, Genoffe Dietrich, erschütterte wei erhin die Gaubwürdigkeit Müller Brandenburgs, als er eine Aeußerung wiedergab, die Müller Brandenburg in seinem Dienstzimmer ihm gegenüber getan hatte. Als Dietrich ihn im Dienstzimmer aufgesucht hatte, dort Waffen vorfand und ihm Vorhalte darüber machte, erklärte Müller- Brandenburg:„ Die mache ich zu Aften." Das Plaidoyer. In der Nachmittagsfizung ergriff der Oberstaatsanwalt das Wort zu seinem Plädoner. Er griff auf den letzten Hermann Brozeß zurück und hob dessen fachliche Durchführung hervor. Er habe auch diesesmal für sich in Anspruch genommen, das parteipolitische moment aus der Berhandlung auszuschalten, wie er es bereits damals getan habe. Was die Waffenangelegenheit betrifft, so habe der dringende Verdacht bestanden, daß die Waffen zu staatsfeindlichen Zweden Verwendung finden follten. Dieser Verdacht gründete sich darauf, daß der Kauf der Waffen durch ein Konto der Landespolizei finanziert wurde und die Auffindung dieses Kontos bzw. der Waffen unter sehr merkwürdigen Umständen vor sich gegangen fei. Weiter fomme hinzu, daß die Waffen unter Umständen nach Weimar übergeführt und dort aufbewahrt worden feien, die zu Bedenken Anlaß gegeben hätten. Mit dem Vorhandenfein der Waffen feien nur Leute bekannt gemacht worden, die zu den Bertrauten Hermanns gehört hatten. Einen Nachweis für die strafbare Handlung habe die Verhandlung nicht ergeben. Hermann habe an Minister Sattler bei der Bildung der neuen Regierung einen Brief gerichtet, in dem er auf das Borhandensein der Waffen hingewiefen hatte. Der Beweis, daß der Brief infolge der Verhaftung des Claß geschrieben worden sei, fei nicht geglüdt. Man müsse daher annehmen, daß Hermann seinen Nachfolger pflichtgemäß von dem Vorhandensein der Waffen in Renntnis gesetzt habe. Damit fallen alle übrigen Punkte der Anflage in der Waffenangelegenheit in fich zusammen. Er sehe sich beher genötigt, die Anträge nicht mehr auf diesen Bunkt zu stützen. Die Anklage auch gegen Kunze müsse fallen gelaffen werden, und er plädiere auch in diesem Falle für Freisprechung megen mangels genügenber Beweise. Dagegen sind die Berfehlungen im Falle Kopf strafbar. An Kopf der erste mit einem Zusammenbruch der Anflage. Der zweite Prozeß gegen Genossen Hermann endet wie Schon im ersten Prozeß konnte es feinem Zweifel unterliegen, daß die Justiz im Fall Hermann zu tendenziösen politischen Zwecken mißbraucht worden ist. Als am 3. Januar die Berhaftung des Ministers erfolgte, lautete die Anklage auf ich were Urkundenfälschung. Einen ganzen, Monat lang durfte die reaktionäre Breffe von gewissen, dem thüringischen Bürgerblock nahestehenden Stellen gespeist die gemeinsten Berleumdungen gegen Hermann gebrauchen. Diese Berleumdungen bildeten die Hauptmunition des Bürgerblods bei den Wahlen zum thüringischen Landtag. Als dann im Juli schweren Urkundenfälschung" um nichts anderes handelte, als der Prozeß begann, stellte sich heraus, daß es sich bei der um eine Praris in der Führung der Beförderungslisten, wie sie auch unter dem monarchistischen Regime gehandhabt wurde und wie sie auch heute noch in anderen Ländern gehandhabt wird. Das mußte gerichtsnotorisch fest gestellt werden, obwohl der Innenminister I arres eine Vernehmung des Ministerialdirektors Falf versagte, obwohl die reaktionäre thüringische Regierung die Genehmigung zu einer Bernehmung des früheren thüringischen Landesministers D. Brandenstein nicht gab und obwohl sie nur solche Beamte zur Aussage zuließ, die gegen Hermann Zeugnis ablegten. Trotz der gemeinsamen Anstrengungen der vereinigten Reaktion fonnte die Anflage auf schwere Urkunden fälschung nicht aufrechterhalten werden, und die Verurteilung Hermanns zu 1000 m. Geldstrafe erfolgte wegen einer Handhabung der Beförderungspraxis, wie sie auch anderswo üblich ist. Bürgerblodjuſt iz! Auf 1000 M. Geldstrafe lautet das Urteil auch in diesem Prozeß. Auch in diesem Prozeß mußte der Hauptteil der Anflage fallen gelassen werden. Anlegung von geheimen affenlagern war das Staatsverbrechen, wegen dessen Hermann sich zu verantworten hatte. 3 weds Bewaff nung proletarischer Hundertschaften" fügte der Leiter des thüringischen Landeskriminalamts Oberregie rungsrat Nitsch, der schon im ersten Prozeß eine üble Rolle gespielt hatte, in seiner Denunziation an die Staatsanwalt schaft hinzu. Und was bleibt davon übrig? Hermann hat nicht nur seinerzeit wegen des Waffenauftaufs mit der Reichsregienuc seinerzeit wegen des Waffenauftaufs mit der Reichsregierung verhandelt, er hat sogar bei der Regierungsübergabe einen Brief an seinen Nachfolger Landesminister Sattler gerichtet, in dem er auf die Waffenlager aufmertsam machte. Der Herr Minister läßt es aber stillschweigend zu, daß seinem Amtsvorgänger wegen dieser Angelegenheit der Prozeß gemacht wird. Bürgerblodregieung! Berurteilt wurde Hermann, weil er einem Beamten, der aus dem Dienst schied, Umzugskosten und für eine Uebergangszeit das Gehalt auszahlen ließ. Der Grund: der Beamte hatte einen Gefeßentwurf ausgearbeitet, für den der Minister auf diese Weise dem Beamten seine Anerkennung aussprach. Zeugen erklären der ausscheidenden Herrn, für dessen Berabschiedung persönliche Gründe maßgebend waren, für einen äußerst tüchtigen und begabten Beamten. Es stellt sich heraus. daß diese Praxis genau wie die der Bordatierung auch anderwärts geübt wird. Es wird festgestellt, daß die BürgerBrandenburg ebenso gehandelt hat und daß in dieser blockregierung im Fall des Renegaten Müllerblodregierung im Fall des Renegaten Müller Handlungsweise durchaus nichts Auffälliges zu sehen ist. Urteil: 1000 m. Geldstrafe wegen Untreue und Unter schlagung. Bürgerblod justiz! politische Justiz und die Bürgerblöckler Aber natürlich: es gibt feinen Klassenkampf, es gibt feine -tein Engel ist so rein! Und das Vertrauen zu dieser Justiz? Rechtsprechung eine Braris breitmacht, die ihren Namen nicht Wie lange noch soll das Reich zusehen, daß sich in der mehr verdient? Auch darüber wird am 7. Dezember Entscheidung fallen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckfonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Devoitentasie Lindenstraße 3 Die Krise in Spanien. Partei- und Gewerkschaftsverhältnisse. Bon Hanns Erich Kaminski. Madrid, Anfang November 1924. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß das spanische Direktorium schon erledigt ist. Primo de Rivera weilt feit Monaten in Marokko und fümmert sich nicht mehr um die Regierungsgeschäfte, und die Generale, die in Madrid sizen, regieren auch nicht viel. In Wirklichkeit wird Spanien in diesem Augenblick nur noch verwaltet, während alle möglichen dunklen Kräfte daran arbeiten, sich an der Macht zu halten oder an die Macht zu kommen. Die öffentliche Meinung, die schon in normalen Zeiten faum existiert, ist durch die Pressezenfur, durch das VersammlungsWas fommen wird, ist allerdings gar nicht vorauszusehen. verbot und durch den ganzen Terror des Direktoriums völlig zum Stillschweigen verurteilt. Das Land ist der vielen Erperimente und Enttäuschungen müde und hat nur den Wunsch, aus dem Zustand der dauernden Krise herauszukommen. Aber politisch ungeschult und kaum organisiert, wie das spanische Bolt ist, bleibt die Lösung der gegenwärtigen Situation ledigmal diesen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß aus den lich den politischen Kreisen vorbehalten und vielleicht nicht einIntrigen des Hofes und der Generalität noch einmal eine neue Diktatur geboren wird, die selbstverständlich auch nur eine Fortsetzung der problematischen Gegenwart bedeuten fönnte. Parteien in unserem Sinne gibt es überhaupt nicht in Spanien. Die Konservativen und die Liberalen sind nicht mehr als Tendenzen, die sich obendrein taum voneinander unterscheiden, und die Republikaner find fogar nur Personen, auch wenn diese Personen Persönlichkeiten sind. Auch die sozialistische Partei ist nicht das festgefügte Gebilde, Stillschweigens, zu dem sie augenblicklich verurteilt ist, sind ihre wie in anderen Ländern. Trotzdem und trotz des absoluten Führer guten Mutes und sehen voller Bertrauen in die Zukunft. Die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder beträgt freilich gut organisiert und diszipliniert. Sie befißt eine Presse, die nur rund 25 000, aber die Partei ist für spanische Verhältnisse ziemlich gut verteilt ist, und unter ihren Führern sind Männer von Idealismus, Kenntnissen und Erfahrung. sehr weit entwickelt ist, bedingt es, daß auch der Klassentampf Die Tatsache, daß der spanische Kapitalismus noch nicht zwar nicht weniger schroff, aber doch weniger im allgemeinen Bewußtsein lebendig ist. Infolgedessen ist der Sozialismus weniger geschlossen, weniger stoßfräftig, als für einen nahen Sieg notwendig wäre; er hat jedoch dafür die Möglichkeit, ungestörter besonders auch in die intellektuellen Kreise einzudringen, für die er kein Schreckgespenst ist. Auch der Sozialismus ist in Spanien im wesentlichen nur eine Tendenz, aber er hat vor den anderen Parteien den Vorzug, daß diese Tendenz sich um einen festen Kern gruppiert, der mit der Ausdehnung der spanischen Industrie notwendigerweise immer fräftiger und widerstandsfähiger werden muß. Sehr bezeichnend für diesen Umstand ist die Lage der spanischen Gewerkschaften. Man muß dabei in Betracht ziehen, daß der primitive französische Syndikalismus, wie in allen lateinischen Ländern, so ganz besonders auch in Spanien noch viele Anhänger hat. Die Organisation dieser Anarcho- Syndikalisten ist die„ Confederazon Nacional del Trabajo", die in der Hauptsache in Barcelona ihre Mitglieder hat und daher sehr start mit tatalonischen( separatistischen) Tendenzen durchsetzt ist. Nach syndikalistischem Rezept lehnt die Confederazon jede Teilnahme am alltäglichen politischen Kampf, an den Wahlen und an der staatlichen Verwaltung ab. Sie verfolgt vielmehr das Prinzip der kleinen Streifs, der großen Putsche, und es gibt in ihren Reihen Leute, die sogar an das Heil von Attentaten glauben. Die Confederazon Nacional del Trabajo ist zwar nicht Mitglied der Moskauer Gewerkschaftsinternationale, aber sie hat eine sehr starte Richtung, die den Anschluß daran fordert, so daß die Organisation, wie das in den Moskau nahestehenden Gebilden, ja jo üblich ist, in zwei stark voneinander abweichende Gruppen gespalten ist. Die von ihr eingenommene Haltung hat allein das Resultat gehabt, weite Kreise gegen sie aufzubringen und dadurch die Voraussetzung für die Militärdiktatur zu schaffen. Der fürchterliche Terror, den der General Martinez Anido dann gegen sie entfaltete, hat allerdings nur abkönnen. Es gab viele Leute, die nach der Strenge des Gefezes stoßend und aufklärend auf jeden anständigen Menschen wirken gegen die anarchistischen Pistoleros"( Attentäter) riefen, aber diese Leute riefen nach der Strenge des Gesetzes, nicht nach einem willkürlichen Terror, dessen Opfer Mitgefühl beanspruchen dürften, selbst wenn sie insgesamt die niedrigen Verbrecher wären, die sie ganz gewiß nicht sind. Das Direktorium hat sich bemüht, für die Zerstörung der Confederazon Nacional ein Gegengewicht zu schaffen und zu unterstüßt. Auch diese Organisation existiert hauptsächlich nur diesem Zwed die Gründung der„ Sindicatos libres" in Katalonien, aber wenn man zurzeit nicht sagen tann, wie die start die Confederazon Nacional noch ist, so fann man mit völliger Sicherheit fagen. daß die ,, Sindicatos libres" gänzlich unbedeutend find. Sie fleben an den Rockschößen der Diktatur, und sie werden deren Schicksal nicht überleben. Wiederherstellung des Achtstundentags. Eine dritte Gewerkschaftsorganisation find die Sindi- Sie hängt ab vom Ausgang der Reichstagswahlen. catos cattolicos", deren Mitgliederzahl gleichfalls nicht Der Reichsarbeitsminister besuchte fürzlich die oberschlesische sehr groß ist. Bei dem Geist der katholischen Kirche, die in Hochofen, Stahl- Walzwerke und Kofereien. Unter dem Einbrud der Spanien noch so reaftionär ist wie zur Zeit der Gegenreforma schweren Arbeit der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter teilte tion, iſt es klar, daß diese Gewerkschaften kaum Gewerkschaften er bei einer Beratung mit den Vertretern der Metall- und Bergfind. Freilich gibt es eine Richtung in ihren Reihen, die sich arbeiterverbände in Gleiwik mit, daß die Arbeitszeit der Feuerbemüht, wenigstens auf die gleiche Linie mit den katholischen arbeiber so rasch wie möglich neu geregelt werde. Da die UnterGewerkschaften in Deutschland, Belgien und Italien zu ge- fuchungen des Arbeitsausschusses des Reichswirtschaftsrates zur Festfangen. Sie fteckt jedoch noch in ihren Anfängen und es ist stellung der gesundheitlich gefährdeten Berufsgruppen, bei welchen fangen. Sie steckt jedoch noch in ihren Anfängen und es ist Die bedeutendste, zielbewußteste und zukunftsreichste Ge- geführt werden soll, nach der Auffassung des Reichsarbeitsministe gemäß§ 7 der Arbeitszeitverordnung der Achtstundentag wieder einwerkschaft ist die„ Unión General de Trabaja riums fich noch lange hinziehen werden, sollen, wie der dores", die der Amsterdamer Internationale angehört und ungefähr 250 000 Mitglieder hat, eine für spanische Berhältnisse" Soz. Pressedienst" erfährt, zunächst die Untersuchungen über die recht große Zahl. Bon sozialistischem Geiste getränkt, steht sie Lage der Feuerarbeiter noch im Laufe des Monats Novemrecht große Zahl. Bon sozialistischem Geiste getränkt, steht sie ber zu Ende geführt werden, damit im Anschluß daran sofort im der sozialistischen Partei nahe, deren starte Reservearmee fieber der sozialistischen Partei nahe, deren starke Reservearmee fie Berordnungsweg der Achtstundentag für diese Arbeitergruppe darstellt. Die Unión General ist die nächste Hoffnung nicht nur der Sozialisten, sondern aller freiheitsliebenden Kräfte, die eine moderne Entwicklung in Spanien erstreben. Vorläufig muß man freilich anerkennen, daß an eine Ber. wirklichung des Sozialismus in Spanien zunächst nicht zu denken ist. Das Ziel der sozialistischen Partei ist, vor allem einmal das Land über die Verantwortung des Königs und der Armee aufzuffären. Durch die Räumung Maroffos und die Abschaffung der Armee hofft sie, die Mittel zur Bekämpfung des Analphabetentums und anderer unumgängliche Voraus fegungen für den politischen Kampf zu gewinnen. Die liberal demokratische Republit das ist das das ist das Kampffeld, auf dem der spanische Sozialismus dann seine entfcheidende Schlacht zu schlagen gedenkt. wieberhergestellt werden kann. Darüber hinaus wird, ba nach der Auffassung des Reichsarbeitsministeriums die Arbeitszeitverordnung überholt ist, das neue Arbeitszeitgefek so schnell wie mög.ch fertiggestellt, damit seine parlamentarische Erledigung fofort nach dem Zusammentritt des neuen Reichstages in Angriff genommen werden kann. Bei der Fertigstellung des Arbeitszeibaefepes merden die Interfuchungsergebnisse des Arbeitsausschusses des RWR. Berücksichtigung finden. Das Gesetz soll nach der Absicht des Reichsarbeitsministeriums in seinem Grundcharafier so gestaltet werden, daß für die Ratifizierung des Acht stundentag Abkommens der Weg geebnet wird. Es wird fich an das französische Vorbild anlehnen, das nach der un widersprochenen Behauptung des französischen Arbeitsministers den Forderungen des Achtstundentag- Abkommens gerecht wird. Für die Ratifizierung selbst muß natürlich noch ein besonderes Gesetz ge schaffen werden. mittefn aufgebaut worden sind. Bielleicht haben bie Baterländischen Verbände bald Gelegenheit, ihre erste Behauptung an zuständiger Stelle zu verantworten. Der zweite Buatt ihrer Feststellung" bes fagt gar nichts Neues. Die Sozialdemokratie ist Mitglied der Arbeiterinternationale und hat Anspruch auf die Solidarität aller Mitglieder dieser internationalen Gemeinschaft. Das gleiche gilt von den Gewerkschaften, die dem JGB. angehören. Der Unter fchieb aber ist nur, daß die nationalen" Baterländischen mit ausländischen Geldmitteln gegen die Verfassung arbeiten, dem Ausland einen Fehdehandschuh nach dem anderen hinwerfen, aber dann von den Größen, die sie, weit von der Schußlinie, mit ist das Bolk- nehmen. Die Sozialdemokratie hat übrigens über Phrasen bekämpfen, Geld zum Kampf gegen den Staat die empfangenen Gelder erst auf dem letzten Parteitag öffentlich Rechenschaft abgelegt Sie braucht sich dieser Gelder, die feine Bettelpfennige find und nicht zum Schaden des Volkes benutzt wurden, nicht zu schämen. Das gleiche gilt von den Gewerkschaften! Aus der deutsch nationalen Sudelküche. Beschlagnahme einer Wahlbroschüre. Amtlich wird gemeldet: und das gleichen Haufe wie der Schriftenvertrieb der Deutschnatio. Im Brunnenverlag Karl Winkler, der sich in dem nalen Boltspartei befindet, ist eine Broschüre Für wen?" hergestellt worden, die die Neuauflage einer ursprünglich für die Reichstagswahlen im Mai hergestellten Druckschrift darstellt und jetzt von der Deutschnationalen Volkspartei in großer Anzahl zu den Wahlen im Lande verbreitet werden sollte. Die Broschüre enthält mit der deutlich erkennbaren Absicht der Beleidigung und verächtlich machung Angriffe gegen die Person des Reichspräsidenten und gegen die verfaffungsmäßige rebeshalb die in der Druckerei noch vorhandenen Exemplare der publikanische Staatsform. Die Berliner Polizei hat Druckschrift wegen der in ihr enthaltenen Verstöße gegen§ 8 3iffer 1 des Gesetzes zum Schuße der Republik vorläufig beschlagnahmt. früher geäußert hatte, haben ihn nicht abgehalten, mit allen alten Auflage, die dazu bestimmt waren, mit der inzwischen schon Die guten Absichten, die der Reichsarbeitsminister schon Es handelt sich bei dieser Beschlagnahme um 22 000 Exemplare der Kräften an der Beseitigung des Achtstunden erschienenen Neuauflage zusammen verbreitet zu werden. Es ist tages zu arbeiten, nachdem die Widerstandskraft der Ge- erschienenen Neuauflage zusammen verbreitet zu werden. Es ist werkschaften durch den Rusammenbruch der Mart geschwächtliche Bestätigung der vorläufigen polizeilichen Beschlagwar. Die neuesten wiederholt gemachten Versprechunnahme gestellt und beantragt worden, das Strafverfahren Paris und den sonstigen Städten seien von der Polizei Telegramme bleiben, wenn die Arbeitnehmerschaft nicht am 7. Dezember gegen die für die Broschüre Verantwortlichen einzuleiten. Diktatoren- Dämmerung. Der Aufstand von Barcelona von Lockspikeln inszeniert. Paris, 13. November.( Eca.). Ueber die letzten Zwischenfälle in Barcelona bringt der„ Quctibien", allerdings nur unter Bor: behalt, folgende Darstellung: General Brimo de Revera lei in Marokko vollkommen gescheitert. Um die öffentliche Meinung anderweitig zu beschäftigen, brauchte man irgend eine AbDer„ berühmte" General Martinez Anido, der „ Schlächter von Barcelona", habe diese Ablenkung gebracht. Nach Ienfung. gerichtet worden, wodurch die Emigranten an die Grenze beordert feien. In Barcelona wurde gleichzeitig die Ankunft der Emigranten gemeldet und der Bürgermeister, der eine Kreatur des Direktoriums fei, habe das Gerücht, daß ein Aufstand bevorstehe, verbreitet. Eine Kaserne sei allerdings angegriffen worden. Das sei richtig. Aber von mem? Bon einem Dugend junger Leute, die man später nicht mehr mieder gefunden habe. Dagegen feien zwei Gewerschaftsmitglieder nach einem summar fchen Prozeßverfahren erschossen. Dabei sei General Anido vollkommen von ihrer Unschuld überzeugt, aber man brauchte Opfer und die Geheimpolizei hatte sie ausgewählt. Der Terror herrscht weiter. Madrid, 13. November.( WTB.) 36 Personen von verschiedenen revolutionären Banden in der Provinz Navarra wurden verhaftet und dem Kriegsgericht übergeben. Im Zusammenhang damit wurden weitere Verhaftungen in Saint Jean de Luz, San Sebastian und Bilbao vorgenommen. Einfuhr französischer Zeitungen nach Spanien verboten. Paris, 13. November.( WTB.). Wie Journal aus Madrid meldet, hat die spanische Regierung vom 11. November ab den Ein. gang franzöfifcher Zeitungen nach Spanien verboten. Die preußische Landeswahlliffe des Zentrums beginnt mit fol genden Namen: 1. Geheimrat Dr. Porch, 2. Fräulein Wolter, 3. Landesfinanzamtspräsident Dr. Schmedding, 4. General Direktor Dr. Häger, 5. Kammergerichtsrat Dr. Schmidt, 6. Gewert schaftssekretär Gaft, 7. Fräulein Direktor Dr. Lauer, 8. Oberlandes gerichtsrat Dr. Cramer, 9. Ministerialdirektor a. D. Neulamp, 10. Gewerkschaftssekretär Sauer. Venezianische Nacht. Bon Mar Barthel Auf der Heimfahrt von Rom stieg Quast ohne besonderen Plan in Berona um und fam nach; Benedig. Dort trieb er sich noch zwei Tage und zwei Nächte herum. Davon erzählte er jetzt seinem Freund Heilemann. Der war vor zehn Jahren in Benedig gewesen und kannte die schöne Stadt, er hörte jetzt mehr gequält als erfreut zu, denn seit Jahren tam er nicht mehr aus der großen Stadt. Als nun Quast eine venezianische Nacht beschreiben wollte, zudte Heilemann wütend die Schulter und sagte:„ Das weiß ich, das fenne ich, aber was du nicht weißt und was du nicht kennst, lieber Quast, das ist eine venezianische Nacht im Norden von Berlin. Wenn du Lust hast, Töfche die Lichter deiner Erzählung für eine Stunde und tomme mit." Quast, noch voll von der Unruhe der Reise, ließ sich nicht lange bitten. Mit der Untergrund fuhren sie nach dem Norden. Heile mann führte. Die Freunde tamen in eine der hunderttausend grauen Straßen, in deren vier- und fünfstöckigen Häusern mit Seitenflügeln, Höfen und Hintergebäuden Arbeiter, fleine Bürger, fleine Beamte und Lumpenproletarier eng zusammengepreßt wohnen, jedes Haus ein wimmelnder Flug geschäftiger Arbeitsbienen für die feudalen Honigförbe des Westens. Aus einem dunklen Flur stieß grelle Musit. Die Freunde traten näher. Auf dem mit Papierranten ausgeschmückten Hof war ein buntes Fest, Männer, Frauen, Rinder tanzen, Reben wurden Los gelaffen, Lampions brannten, der Beierfaften machte Mufit und in den Papierfetten schwang sich fnisternd der Wind. Das Fest im Hof hieß venezianische Nacht. trunken. Diefes Haus war ein ganzer Blod mit gegen 200 Menschen. An den vorhergegangenen Tagen gingen die Kinder durch die Häufer und bettelten für den papiernen Schmud des Hofes Geld zusammen. Die Polizei hatte die Konzession für eine Nacht erteilt, der Macher des Festes, der Organisator, der liebenswürdige Einpeitscher hatte einen großen Kübel Brennspiritus gekauft. Dieser Spiritus wurde, ein wenig mit Wasser verdünnt, als Rognat ausgeschenkt und geein wenig mit Wasser verdünnt, als Rognak ausgeschenkt und geQuaft war begeistert.„ Mensch," sagte er, Mensch, das ist ja ein richtiges Volksfest über Dreck und Armut. Das ist Tanz über den holprigen Hof in das Himmelreich hinein." „ Sachte," antwortete Heilemann, fachte, lieber Quast, jetzt beginnt die Sache romantisch zu werden," und dabei erklärte er dem Freund die Personen des Festes: die dicke Frau Müller, die von einem schwarzen Jüngling umschwärmt wurde, das Mädchen Paula, vierzehn Jahre alt, für die sich Herr Lattte sehr interessierte, den Leierkastenman Ebermann, der jetzt auf einem Bein, das andere faul'e bei Verdun, mit Fräulein Hesse auf dem Hof herumhopfte und so weiter, und so weiter, daß Quast erstaunte Augenbrauen machte umb fragte:„ Rennst du die Leute so gut?" Heilemann antwortete:„ Ja, ich benne fie, ich wohne ja hier." dafür sorgt, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion so Derstärft wird, daß weder gegen noch ohne sie regiert werden kann. Das Gefeß über den Achtstundentag, wie überhaupt die gesamte Sozialpolitik wird so ausfallen, wie die Reichstagswahlen. Die Geldgeber der Vaterländischen. Der Sozialdemokratische Bressedienst" schreibt: Als wir am Donnerstag die Behauptung aufstellten, daß die Baterländischen Verbände in aller Welt herumpumpen und sich nicht einmal schämen, troß ihres Nationalbewußtseins" in der Schweiz um Geld zu werben, waren wir uns bewußt, daß diese Behauptungen als falsch" zurückgewiesen würden. Unsere Erwartung ist sehr schnell bestätigt worden. Immerhin nicht so schnell, als wir angenommen hatten, denn am Donnerstag abend hat die Berliner Rechtspresse die notwendigen Worte noch nicht gefunden. Erst später erschien Herr Geisler mit einem Dementi auf dem Blan und erklärte, daß unsere Behauptungen Lügen sind. Wir denten vorläufig aus bestimmten Gründer gar nicht daran, auf diefe freche mit den Tatsachen nicht übereinstimmende Er flärung einzugehen. Aber nur eines wollen wir schon heute sagen: Wer zulegt lacht, lacht am besten! " bände, die öffentliche Aufmerksamkeit von ihrer Finanzierung durch Im übrigen versucht die Feststellung der Baterländischen Ber. das Ausland mit dem Hinweis abzulenten, daß die Sozial demokratie und die Gewertschaften während der Jn flation nachweislich von Stoatsmitteln gelebt und nach dem Zu fammenbruch mit Hilfe von internationalen und ausländischen Geld. Quaft wurde plößlich müde und wollte heim. Für den anderen Tag verabredeten sich die Freunde im Besten der Stadt. Quaft begrüßte, ausgeschlafen, ausgeruht und schön angezogen den Heile mann:„ Nun erzähle, wie endete dieses fabelhafte Fest im Norden?" „ Die venezianische Nacht ging bis zum anderen Morgen! neun Uhr," berichtete Heiiemann, fie endete mit einem Mißtlang. Frau Müller, ich zeigte dir die Frau, das war die mit dem papierren Indianerkopfpuk, verprügelte, der Teufel weiß, warum, gegen halb zehn Uhr ihren Jungen auf dem Hof. Du weißt, sie ist eine große dide Frau, nun, ihr Kind ist dünn und flein. Male dir felbft aus, was geschah, nur foviel: fie trat den Jungen mit Füßen und schlug mit der Lederpeitsche. Der Junge fonnte nicht mehr schreien, nur noch wimmern. Das war der erste Mistiang. Um zehn Uhr aber drohten sich fast alle Familienväter gegenseitig mit dem Staatsanwalt, ihren Frauen mit der Scheidung. Dann war den ganzen Tag Ruhe. Am Abend femen die Männer und Frauen aus den Betten, sie hatten den einzigen freien Tag der Woche verschlafen, und als dann der Beierkastenmann zu dudeln anfing.. a und wollten endlich ihre Ruhe haben Ich weiß," unterbrach ihn Quast,„ ba jagten sie ihn vom Hofe Heilemann lachte. Nein, lieber Quast, da zündeten sie wieder die Bampions an und feierten nach der venezianischen Nacht noch ein fleines Berliner Nächtlein, und die kennst du ja." Theaterkrach und Bühnengenossenschaft. Das Präsidium der Bühnengenossenschaft hatte zu gestern nachmittag Vertreter der Presse in das Haus der Bühnengenossenschaft geladen, um über die letzten Theaterzusammen sprach man zuerst die Angelegenheit der Großen Boltsoper. brüche Informationen zu erteilen. In dieser Zusammenkunft be. Bom Bräsidenten der Bühnengenossenschaft Wallauer sowohl als von Herrn Widmann, dem Vertreter des Personals, murde darauf hingewiefen, daß dem Personal der Boltsoper an dem Zusammen. bruch feine Schuld zuzuschreiben fei, fondern lebiolich dem Leiter, Generalintendanten Lange. Namentlich Herr Widmann machte mehrere Angaben über die finanzielle Mißwirtschaft des Herrn Lange. Besonders interessant war die Mitteilung, daß Herr Lange feinerzeit mit Stinnes in Berbindung getreten sei und daß ein Stinnes Konzern unter Leitung Langes alle pier Berliner Opernhäuser unter eine Dede brin gen sollte. Es wurde ferner betont, daß der Aufsichtsrat nicht geschlossen hinter Herrn Lange stehe, daß der Berliner Magistrat jede Hilfe für die Voltsoper abgelehnt hebe, und daß Herr Lange es auch verabsäumt habe, die von den Mitgliedern aufgebrachten Steuern abzuliefern fo baß das Finanzamt zu einer Pfan dung der Abendkasse schreiten mußte. Das sind freilich un erhörte Borgänge, die, wenn sie sich wirklich so abgespielt haben, Großen Volksoper nur zu leicht erklärlich machen. Was im übri wie das gestern behauptet worden ist, den Zusammenbruch der gen mit der Großen Boltsoper werben wird, weiß heute noch fein Mensch. außerdem sofort beim Oberreichsanwalt der Antrag auf gericht= Tillessen oder nicht? In Ergänzung der Meldung über die bevorstehende Entlassung des Erzberger- Mörders Tillessen wird uns von amtlicher Seite mitgeteilt, daß der Berhaftete wahrscheinlich nicht mit Tillefsen identisch ist. Es soll sich inzwischen bereits ein Kriminalbeamten nach Breßburg begeben haben, der die Identität des Berhafteten mit Tillefsen feststellen soll. Falls der Verhaftete der gesuchte Erzberger- Mörder ist, soll sofort ein Auslieferungs. antrag gestellt werden. Der aus Ungarn ausgewiesene Förster Schulz ist aus der Oberstadthauptmannschaft.( Bolizeipräsidium) Budapeſt abgeführt worden. Er soll unter Bebedung nach Lötösheza an der rumä fchen Grenze gebracht werden, wo er die Grenze allein überschreitet. Ende des Beamtenabbaus in Preußen? Der Landesausschuß Preußen des Allgemeinen Deutschen eamtenbundes batte türzlich in einer Eingabe an die breuztiche Staatsregierung die Forderung gerichtet, den Personalabban in Breußen für beendet au erklären, da es nicht anginge, Beamte abzubauen und gleichzeitig Reueinstellungen von Hilfezunehmen. Der Landesausschuß Preußen des ADB. het nur mehr fräften in größerem Umfange bei den verschiedensten Refforts vor Staatsministerium die Frage der Herbeifübrung eines Beschlusses, bom preußischen Finanzministerium den Bescheid erhalten, tak im wonach auf Grund des§ 1 der Personalabbauverordnung die vorgefchriebene Personalverminderung als durchgeführt augu iehen wäre, zurzeit der Brüfung unterliege, Es wurde dann die Angelegenheit des Dramatischen Theaters besprochen. Herr Otto von der Bühnengenpfsenschaft ließ es bei seinen Ausführungen über den Zusammenbruch des Dramatischen Theaters an dankenswerter Klarheit über Herrn Gerst nicht fehlen. Er unterstrich, daß Gerst einen verderblichen Darauf hin, daß diefer Herr in einem Flugblatt das Loblied auf Einfluß auf das gesamte deutsche Theaterleben ausübe, er wies den Bühnenvoltsbund und dessen christlich nationale An chauung finge und gleichzeitig darauf hinweise, daß die sozialdemokratischen" Voltsbühnen mit ihrer gottlosen Gesinnung für das große Bubitum gar nicht in Betracht fämen.( Diese Behauptung des Herrn Gerst ist eine dreifte unwahrheit. Anm. b. Red.) Herr Otto teilte aber vor allem die unerhörte Tatsache mit, daß der lichen Mitteln erhalten habe. Der Kultusminister wird Bühnenpoltsbund bisher 12 000 m. aus staatüber dieses unglaubliche Vorgehen der Deffentlichkeit gegenüber und vor den Steuerzahlern Rechenschaft ablegen müssen. Herr Lind von der Bühnengenossenschaft hat entschieden recht, wenn er gefiern meinte, ber Bühnenvoltsbund sei in der Hauptsache Dilettantismus und verunreinige mit seiner Dilettantensauce das ganze deutsche Theater.( Herr Gerft hat zum Beispiel, das nur nebenbei, ein Stüd ausgesucht für das Dramatische Theater, in dem ein Erzbischof vorkommt, aber unter der Bedingung, daß die Rolle des Erzbischofs gestrichen werde!) Zum Schluß wurde noch darauf hingewiesen, daß der Bühnenvolfsbund entgegen den Bestimmun gen der Gewerbeordnung feiner Theaterkonzeffion bedürfe, weil er ein angeblich gemeinnüßiges Unternehmen sei ja im Rheinland fo aar als Theaterautachter auftrete. An den Minister des Janern ist dieferhalb eine Beschwerde gerichtet, und es steht zu hoffen, daß mit diesem Unfug bald aufgeräumt werde. Wie ich das Schid al des Dramatischen Theaters und feiner Mitglieder weiter gestalten wird, bleibt ebenfalls zur Stunde noch im unklaren. Der Fall Ludendorff- Trotki. Ja, es ist eigentlich derfelbe Fall. Sie haben beide an ein System geglaubt, feine Allmacht vertündet, und das ging gut. fo. Tolange das System und sie eins waren. Dann aber trat der gar nicht in Berechnung gezogene Fall ein: das System und fein Ver fünder waren nicht mehr eins. Und da zeigte das System dem Verkünder, daß man nicht ungeftraft Götzen aufrichtet, die andere versdlingen sollen. Eines Tages frißt der Göße seinen überheblich gewordenen Diener. Ludendorff ist Monarchist, war Monarchist. Er war es um so überzeugter, als er während des Krieges feinen Monarchen beherrschte. Ludendorff dormerte feinen Wilhelm an, pfiff ihn an, machte bem in zitternder Angst ausbiegenden Monarchen entfehliche Szenen. Wilhelm fürchtete ihn wie der Schufjunge ben Lehrer fürchtet. Um fo mehr Grund für Ludendorff, nach außen hin die Heiligkeit des monarchischen Prinzips, die Pflichten der Mannes treue, der Gefolafchaft, des unbedingten Gehorsams zu verfünden. Denn all dieser Gehorsam tam ihm zugute. Aber die Zeiten ändern sich, Wilhelm verschwindet, und eines Tages verfracht sich Ludendorff mit einem Rupprecht, ber beinahe auch Monarch von Gottes Gnaden geworden wäre. Und nun tommt Zum Sachsenkonflikt. Eine Mahnung des Parteivorstandes. Der Parteivorstand hat am Donnerstag den fächsischen Parteiorganisationen und der fächsischen Parteipreffe folgende Mahnung übersandt: An die sächsischen Parteigenossen! Der Parteivorstand richtet an die sächsischen Parteigenossen die dringende Mahnung, während des gegenwärtigen, für die Partei aussichtsreichen Wahlkampfes jebe Differenz, die auf Grund landespolitischer Fragen entstanden ist, zurüdzustellen. Es geht um das zukünftige Geschick der deutschen Arbeiterflaffe. Hinter dieser entscheidenden Frage müssen alle anderen zurzeit zurücktreten. Der Parteivorstand nimmt zu der Erklärung der fächsischen Der Parteivorstand nimmt zu der Erklärung der fächsischen Landesinstanzen und der Fraktionsminderheit jezt feine Stellung. Er will damit der Parteiorganisation das Beispiel geben, daß in 3eiten des Kampfes das Wort Lassalles gilt: Alle Kräfte auf einen Buntttonzentrieren." Die deutsch- franzöſiſchen Verhandlungen. Mussolini und die Kommunisten. Um die Exportabgabe. Die Schwierigkeiten, die in den deutsch- französischen Berhandlungen aufgetaucht sind, gehen hauptsächlich zurüd auf die Einführung der 26 prozentigen Egportabgabe in Frankreich. Diese Abgabe, die von der deutschen Regierung zurüderstattet werden muß, gilt angeblich der Sicherstellung von Reparationszahlungen, ist also feine unmittelbare Schädi gung der deutschen Industrie. Dagegen find die mittelbaren Nachteile, die dem deutsch- französischen Handel daraus ent stehen, außerordentlich groß, die Formalitäten, die mit ihr verknüpft sind, stellen eine derartig schwer Gefährdung des deutsch französischen Warenaustausches dar, daß sie felbst bei französischen Importeuren auf scharfen Widerspruch gestoßen sind. Die Erhebung der Abgabe widerspricht üterbies dem Geiste des Dawes Gutachtens, nach dem die Reparationszahlungen durch den Transferkommissar zu leisten sind. mod Der Parteivorstand hat sich von Anfang an bemüht, in den sächsischen Streitfragen vermittelnd zu wirken; eine schnelle Durchführung der in Dresden getroffenen Vereinbarungen hätte den gegenwärtigen Konflikt vermeiden laffen. In der nächsten Zeit erscheint aber eine AendeEs war selbstverständliche Aufgabe der deutschen Unterrung der landespolitischen Situation Sachsens nicht mehr händler, die Beseitigung dieses schweren Hemmnisses im möglich. Deshalb gilt es, alles zu verhindern, was die Kräfte deutsch- französischen Handel bei allen Berhandlungen in den der Organisation lähmen könnte. Alle Macht ist auf den Bordergrund zu stellen. Darüber ist nun bisher feine Einigung Reichstagswahlkampf zu tonzentrieren, aller Streit erfolgt. Es ist verständlich, wenn die französische Regierung zu vertagen, bis der politische Gegner in der Hauptschlacht ge- auf die Interessen gewisser Industrie- und Handelsfreise im fchlagen ist. Dazu sind alle Kräfte zu mobilisieren, über die die Partei verfügt. Kein Mann und feine Frau ist eigenen Lande Rücksicht zu nehmen sucht. Unverständlich aber dazu zu gut oder zu schlecht, die der Partei, die der Arbeiter- lichen Annäherung Deutschlands und Frankreichs wäre es, wenn darüber das große Problem der wirtschaftflaffe zu dienen bereit sind. Scheitern sollte. Und das wäre noch unerklärlicher, nach dem die Handelsvertragsverhandlungen auf beiden Seiten mit dem guten Willen zu einer Einigung und, wie wiederholt betont worden ist, in durchaus freundschaftlichem Geiste begonnen Daß die Regelung nicht von heute auf morgen erfolgen lungen ernsthafte Schwierigkeiten auftauchen werden, war für jeden vorauszusehen, der die wirtschaftliche und politische Entwicklung der letzten Jahre miterlebt hat. Derartige Schwierigkeiten sind jedoch dazu da, um überwunden zu werden. Das ist eben die Aufgabe der Unterhändler auf beiden Seiten. Wir erwarten daher, daß auch auf beiden Seiten diese Stockung der Verhandlungen nicht zum Borwand wird, die für beide Böller wichtigen Fragen zu verschleppen. Auf deutscher Seite liegt diese Absicht sicherlich nicht vor, wenn man auch eine gewisse Mißstimmung über die neue Wendung nicht verhehlen kann. Das Interesse beider Bölfer jedoch ge bietet es, daß der Wille zu einer Berständigung erhalten bleibt. Dann wird der Abschluß des Handelsvertrages schon möglich werden. haben. Ein beispielloses Schachergeschäft. Bereits vor etwa zehn Tagen wurden uns von absolut zuverlässiger italienischer Seite über die Absichten der Kommu nisten bei der Wiedereröffnung des Parlaments Einzelheiten mitgeteilt, die uns so ungeheuerlich erschienen, daß wir erst ihre Bestätigung durch die Tatsachen abwarten wollten, ehe wir sie an die Deffentlichkeit brachten. Diese Bestätigung liegt nun in der Meldung vor, die zwar ganz harmlos er scheint und in Wirklichkeit den raffiniertesten und elendesten Arbeiterperrat darstellt, den die Kommunistische Internationale bisher zugunsten der Reaktion verübt hat. Die italienischen Kommunisten waren an die übrigen Oppositionsparteien, nach deren Beschluß, das MussoliniParlament zu bontottieren, mit dem äußerst„ revolu tionären" Vorschlag herangetreten, sich offiziell als Gegenparlament zu proflamieren. Das war natürlich heller Unfinn; denn es wäre bei den gegenwärtigen Machtverhältnissen eine völlig aussichtslose Auflehnung gewesen, die der faschistifchen Regierung nur den erwünschten Vorwand zu brutalen Gegenmaßnahmen und neuen Gewalttaten geliefert hätte. Die Kommunisten aber drohten für den Fall, daß man ihren Vorschlag ablehnte, den Boykott nicht mitzumachen, sondern in das Parlament zu gehen und dort allein Opposition zu machen. Drohung erschien den Oppositionsparteien sofort höchſt verDieser unmögliche Vorschlag im Zusammenhang mit dieser dächtig. Die italienischen Kommunisten haben sich bei früheren Gelegenheiten bereits sehr eigenartig verhalten: man entfann sich der Rede des kommunistischen Abgeordneten Bombacci, ber die Wesensverwandtschaft der faschistischen und der bolfchemistischen Diktaturtheorie mit allerlei Lobsprüchen auf die Lattraft Mussolinis hervorgehoben hatte.( Bombacci Unser Kampf gilt jetzt den Klassengegnern; hinter der Gefahr tann, daß vor allem beim Beginn der Handelsvertragsverhand- hatte diese Rede im Auftrage des russischen Sowjetgesandten einheitlichen Kampf zu stören geeignet ist. Der Parteivorstand. Strafrechtsreform. Eine Antwort der Reichsregierung. Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsregierung hat in der Sigung vom 12. b. M. die Beratung des Entwurfs eines Allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuchs fortgefeht und beendet. Die Beschlußfassung über den Entwurf, der der Reichsregierung bereits feit geraumer Zeit vor. gelegen hat, hatte bisher wegen der Leberlastung mit außenpolitie schen Fragen zurückgestellt werden müssen. Nummehr hat sich die Reichsregierung damit einverstanden erflärt, daß der Entwurf in der vom Reichsjustizministerium empfohlenen Fassung dem Reichsrat vorgelegt wird. Der Entwurf wird gemäß dem Beschluß der Reichsregierung demnächst veröffentlicht werden. Er hat eine besondere Bedeutung auch infofern, als ihm gemeinsame Borarbeiten mit der öster reichischen Justizverwaltung zugrunde liegen. Es be fteht die Hoffnung, daß der Entwurf auf dem Gebiete des Straf. einer wesentlichen Rechtsangleichung mit rechts zu Desterreich führen wird. Deutschland im Völkerbundrat. Wachsende Zustimmung des Auslands. Genf, 18. November.( Eigener Drahtbericht.) In Kreifen des Böllerbundes verlautet, daß die Antworten Spaniens, Schte bens und Japans in ber Frage der Gewährung eines ständigen Ratsfiges an Teutschland zustimmend lauten werden. Das Aufnahmegeluch Deutschlands wird allerdings erst für die Zeit nac den Reichstagswahlen und nach der Renbildung der Regierung erwartet. Der Bölferbund wird wahrscheinlich für Januar zu einer Sondertagung einberufen. J die Tragit. Weil er's wagt Ludendorffs eigene Darstellung feine Ehre mit der eines Monarchen auf gleiche Stufe zu stellen, wird er moralisch gebackpfeift, hinausgeworfen, Don 27 Generalen mit Eelsfußtritten bearbeitet und von der Offiziersbundmeute in die Wildnis gehekt. Mert bir's, Unterian: ein Monarch hat eine Chre, du nicht! Er hat den Gehorsam gegen den Monarchen verfürdet. Geschieht ihm recht! Von da zum Fall Trokti. Tropki ist Bolschewist, war Bollches wist. Er war es um so überzeugter, als er, der Organisator ber bolschewiftischen Armee, jahrelang den bolichewiftischen Staat be herrichte. Er donnerte die Eretutive an, pfiff sie an. Die Erefutive fürcht be ihn, wie der Schuljunge den Lehrer fürchtet. Um so mehr Grund für Troßfi, nach außen hin die Allgewalt der kommunisti. fchen Erefutive zu verfünden, ihr Recht auf Unterbrüdung jeder feherischen Meinung, jedes abweichenden Gedankens für geheiligtes Brinzip zu erklären. Denn der fo erzeugte Gehorsam tam ihm Bugube. Turin, waren wiederholt gemeinsam mit faschistischen GewertRüge davon.) Kommunistisch geleitete Gewerkschaften, z. B. in schaften vorgegangen, ohne sich um die Stellungnahme der sozialistischen Gewerkschaften zu kümmern. Und dergleichen mehr. Vor allem war es feit jeher aufgefallen, wie forreft und der Sowjetregierung verkehrte, wie viele Vereinfogar freundschaftlich die Mussolini- Regierung mit barungen zumindest wirtschaftlicher Art zwischen Rom und Moskau geschlossen wurden, während sich Mussolini in Innern den Anschein gab, als richtete sich der Druck des Faschismus vor allem gegen die bolichemistischen Lehren. zeugung, daß dieser Borschlag der italienischen Kommunisten Man ging nun der Sache nach und kam zu der Ueberund ihre Drohung, allein die parlamentarische Opposition zu besorgen, ein abgefartetes Spiel zwischen Mussolini und den kommunisten bzw. der russiStaatssekretär von Trendelenburg, der Führer der deutfchen Delegation für die deutsch- franzöfifchen Handelsschen Sowjetregierung sei. vertragsverhandlungen, hat sich zur Berichterstattung über den Stand der Berhandlungen nach Berlin begeben. Die Mitglieder der Delegation verbleiben in Paris. Ministerrat in Paris. Iuftleeren Raum, den die Oppositionsparteien durch ihr Denn vor nichts fürchtet sich Mussolini mehr als vor dem Fernbleiben vom Parlament geschaffen haben. Eine Regierung, besonders eine folche, die auf so zweifelhaften verfassungsrechtlichen Grundlagen beruht wie die faschistische, braucht um jeden Preis eine Opposition, wenn fie nach innen und nach außen den Eindruck der Gefeßmäßigkeit aufrechterhalten will. Deshalb hat Mussolini die Dienste der Kommunisten bzw. der Opposition"! Somjetregierung in Anspruch genommen. Jezt hat er Paris, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) In einem Rabinettsrat von ungewöhnlich langer Dauer beschäftigte sich die Regierung am Donnerstag u. a. auch mit den Schwierigkeiten, die in den Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland und Belgien aufgetreten sind. Die Frage, über bie es zu Meinungsfeine Umge, mit verschiedenheiten zwischen der deutschen und französischen Delegation gefommen ist, ist von entfcheidender Bedeutung für die gekommen ist, ist von entscheidender Bedeutung für die Gestaltung der fünftigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Bolltarifabmachungen mehr oder weniger in der Luft hängen. beiden Ländern, und ohne thre endgültige Regelung würden alle Herriot beriet am Donnerstag lange mit dem belgischen Gesandten wegen des gespannten Verhältnisses, das burch die belgische Nichtratifizierung des Wirtschaftsabkommens entstanden ist. Die Bariser Blätter beschuldigen Belgien, daß es am Tage nach der Unterzeichnung des Abkommens seinen Zollbarif heraufgelegt und damit die dem französischen Handel gewährten Borteile hinfällig gemacht habe. Dieses Verfahren sei illoyal E. D. Morel gestorben. Londen, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Der bekannte englische Bazifist und Abgeordnete der Arbeiterpartei E. D. Morel, der am Mittwoch auf einen Spaziergang mit seiner Schwester plötz lich ohnmächtig zusammenbrach, ist in der vergangenen Nacht in feiner Wohnung im Alter von 51 Jahren gestorben. Morel mar einer der Gründer und Sekretär der„ Union of Democratie Control" und Herausgeber zahlreicher Schriften ausgesprochen deutschen freundlichen Charakters. Bor 25 Jahren erregten feine Enthüllungen über die Aus. beutung und Mißhandlung der Eingeborenen in Belgisch. Rongo lebhaftes Aufsehen. Gleichzeitig wandte er sich aber, zufammen mit Lloyd George, gegen die von englischen Truppen Aber die Zeiten ändern sich. Lenin stirbt, und mit feinen Epi- im Burenfrieg begangenen Greueltaten. gonen gerät Trogti in Konflikt. Und nun tommt die Tragit. Weil Nach Kriegsbeginn veröffentlichte er zahlreiche Artikel, in denen " er wagt, dem Epefutinfomitee gegenüber eine eigene Meinung zu haben, wird er in 3wangsurlaub geschicht, in der Bramba", ohne daß er sich wehren kann, moralisch gebacpfeift, wird sein Buch tonfisziert und unterdrückt. Mert bir's, bolfchemistischer Untertan, das Exekutivkomitee hat eine Meinung, du nicht! Er hat die Unterdrückung jeder Meinungsfreiheit gepredigt. Geschieht ihm recht! Ludendorff ift aus der Stenbesgemeinschaft der bayerischen Generale hinausgeflogen. Wie wär's, wenn er mit Trokli zu fammen eine neue Standesgemeinschaft der von ihren Göken geprellten Generaliffimi bildete? Mich. von Lindenheden. er auf die Kriegsschuld der Ententemächte hinwies und besonders gegen Grey und Churchill scharf vorging. Diese Auffäße er schienen sodann in Buchform unter dem Titel: Die Wahrheit und der Krieg". Bald darnach folgte ein zweites Buch derselben Tendenz. Die Lloyd- George- Regierung magte zwar nicht gegen ihn wegen seiner schriftstellerischen Tätigkeit offen vorzugehen, nahm jedoch ein Bergehen gegen das Kriegspoftgefet er hatte einen Brivatbrief an Romain Rolland nach Genf durch einen Freund befördern laffen, ac statt ihn in den Postkasten zu werfen, und dieser Brief wurde von den Behörden beschlagnahmt zum Vorwand, um ihn zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen. Morel fam im Dezember 1923 ins. Parlament, indem er im ahtreis Dundee feinen ärgsten Feind Winston Churchill glänzend Bei den jüngsten Wahlen wurde er mit noch größerer Mehrheit gewählt. Im Vorjahre machte er eine längere Stubien reise durch Deutschland. Die Stadt Berlin und die trachenden Opern. Ein Magistrats ausschuß hot sich gestern mit den Angelegenheiten der Großen Boltsoper und des Charlottenburger Opernhaufes beschäftigt. Er ist zu der einmütigen Auffassung gelangt, jede Bebesiegte. teiligung in irgendeiner form an beiben Unternehmungen abzulehnen. Dabei wurde gleichzeitig festgestellt, daß, abgesehen con in Notfillen gewährten Krediten, eine Beteiligung der Stadi Berlin an den beiden Unternehmungen auch in den letzten Jahren reicht vorgelegen hat. Ueber Bühnenkunfft und-technit wird Regierungsbaumeister E. Bofllad im Rahmen der Humboldt- Hochschule eine Reihe von drei Vorträgen( mit anschließender Führung durch das Bühnenhaus des Deutschen Opernhauses) am Freitag, den 14. November, abends 8 Uhr, Georgenstr. 30/31, beginnen. Slevogt- Ausstellung. In der Graphischen Ausstellung des Berlages Bruno Cassirer. Derfflingerftraße 15, findet vom 15. November bis zum 31. Dezember werttäglich von 10 bis 6 Uhr, Sonnabends bon 10 bis 3 Uhr. eine Ausstellung von Aquarellen, Zeichnungen und graphischen Arbeiten Mag Glebogts statt. Unter den Graphifen befinden sich feltene Probedrude sowie die Vorzugsdrude zu bem jüngt von May Sle bogt illustrierten Grimmschen Märchen Fitchers Vogel", dann neue Märchen bücher des Künstlers u. a. m. Preisspiel um den Grofrian- Flügel. In der Hochsfule für Muhit Theatersaal) findet am 18., nachm. 4 Uhr. das Preisspielen um den von der Firma Grotrian Steinweg geftifteten Flügel statt. Zutritt ist gegen Entnahme eines Programmes gestattet. Er gehörte der Unabhängigen Arbeiterpartei an und war mit Macdonald eng befreundet, der ihn für den Nobel Friebens preis vorschlug, wobei hervorragende Persönlichkeiten des eng lischen öffentlichen Bedens diefen Vorschlag unterstüßten. Mit Morel ist einer der glänzendsten Redner bes englischen Unterhauses dahingegangen, der während der letzten Parlaments feffion einer der Hauptverfechter des englisch russischen Vertragsabschlusses war. Die Londoner Abendpresse hebt einmütig Die Unantastbarkeit und die Macht der Persönlichkeit des Berstorbe nen hervor. Das Mörderkreuz. Die Butarefter Polizei hat zwei Studenten verhaftet, die einer geheimen Hakenkreuzorganisation angehören sollen. Sie sollen gestanden haben, daß die Ermordung des Bolizeipräsidenten von Jaffn die Folge eines Komplotts ist, dem nacheinander mehrere politische Persönlichkeiten der Regierung und der Opposition zum Opfer fallen sollten. Brandrede des Reposi, die Ordnungsrufe ufm, es ist alles Das Erscheinen der Kommunisten in der Kammer, die mur bestellte Arbeit Parteipolitisch glauben zwar die Kommunisten, daß sie mit dieser Haltung Gelhäfte werben allein in die Höhle des Löwen" zu begeben wagen,- bald machen fönnen, indem sie sich als diejenigen hinstellen, die sich aber wird ihnen die Maske vom Geficht geriffen merden, und fie werden endgültig als das entlarnt werden, wofür fie Matteotti, dessen Namen sie heute schänden, wenige Tage vor feiner Ermordung erklärte: als die schlimmsten Feinde der Arbeiterschaft und als die Knechte des Faschismus! Faschistische Mörderverehrunn. Rom, 13. november.( Elgener Drahtbericht.) während der Eröffnungsfihung des italienischen Rumpfparlaments, der sich n'cht auch die Abwesenheit Giolittis besonders auffiel, legten die Sozianur die eigentliche Oppofifion fernhielt, fondern bei der vor allem listen an der Stelle, wo Matteotti feinerzeit überfallen und verfchleppt wurde, einen großen kranz nieder. Die Faschisten warfen diesen Kranz in den Ziber. Mailand, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Wahlen des Arbeiterrats der Fabrit Tedeschi in Turin erhielt die antifaschistische, mit den Sozialisten sympathisierende Liste 509, die Faschisten dagegen nur 71 St mmen. Auch diese Zahlen sprechen für den 3 erfall der faschistischen herrschaft in der Gewerkschaftsbewegung. goo Eine neue demokratische Partei? Rom, 13. November.( TU.) Wie verlautet, beabsichtigt der frühere Ministerpräsident Orlando, eine neue demokratische Partei Bu bilben, die der Reg'erung gegenüber eine unabhängige Etellung einnehmen wird. Die Schlacht im Parlament. Schießerei in der mexikanischen Kammer. Megito, 13. November.( Havas.) Im Verlauf der Kammerdebatte hatten sich die Abgeordneten Silva und Altamarino gegenseitig beschimpft, schließlich mit dem Revolver in der Hand den Sigungsfaal verlaffen und sich in die Wandelgänge begeben. In diesem Augenblid beirat der Führer der Agrarpartel General José Santios die Rednertribüne und verlangte von dem Abg. Morones, einem der bekannten Arbeiterführer, die Zurüdnahme beleidigender Aeußerungen, die diefer am Sonntag in einer Bersammlung gegen den General ausgesprochen haben soll. Morones verweigerte die Zurücknahme. Hierauf sollen beide Gegner mit dem Revolver in der Hand die Wandelgänge aufgesucht haben. Nun fekte eine allgemeine Schießerei ein. Als Polizei und Militär eintraf, waren die Kammer und benachbarten Straßen leer, während der Abg. Morones und der Abg. Guerrero tödlich verwundet dalagen. Der Abbau der R.-K. Rücktritt Barthous? Paris, 13 November.( WTB). Figaro" berichtet: Da durch bie Reorganisation der Reparationskommiffion die Rolle des ersten Delegierten wesentlich eingeschränkt wird, ist es wahrschein lich, daß Louis Barthou seinen Posten als Delegierter nieberlegen wird. Gewerkschaftsbewegung Der Streik der Hochbahner. Die Direktion flunkert, das Personal steht fest. Die Diret ion der Hoch- und Untergrundbahn hat das streikende ersonal durch Brief aufgefordert, am Mittwoch nachmittag um Uhr die Arbeit aufzunehmen oder sich wegen Vertragsbruch als entlassen zu betrachten. Wie in einer Streitversammlung gestern nachmit ag mitgeteil: wurde, hat es die Direktion mit der Zustellung dieser Schreiben sehr eilig gehabt. Einzelne Streifende haben mehrere folcher Briefe auf einmal erhalten. In der Berfammlung wandten sich die Diskussionsredner ganz entschieden gegen die Aeußerung der bürgerlichen Bresse, wonach es den Hochbahnern hauptsächlich auf die Erwerbung der Beamteneigenschaft anfame. Mit der Forderung der Einreihung in die Reichsbe foldungsordnung ist eine solche Absicht keineswegs ver bunden. Die Hochbahnverwaltung hat befanntgegeben, daß fie vom gestrigen Nachmittag ab einen Teilbetrieb auf der Dab emer Strede aufnehmen wird und daß ihr zu diesem 3med zirka 300 Arbeitswillige zur Verfügung stehen. Die Streitleitung hat einwandfrei festgestellt, daß von den etwa 2000 Streifen den im Höchstfalle 60 arbeitswillig geworden sind. Die Hochbahner sind sich darüber klar, daß mit diesen Elementen, un'er denen sich wenig oder gar feine Zugführer befinden, ein Bahnbetrieb nach den Vorschriften der Aufsich sbehörde nicht durchgeführt werden kann. Für die Direktion scheint es sich hierbei vielmehr um eine Prestigefrage zu handeln, um das gleich nach Beginn des Streits gegebene Bersprechen einzulösen. Die im Ausstand befindlichen Hochbahner werden sich durch solche Mittel nicht von ihrem berechtigten Kampf abbringen lassen. Gie werden der Diret ion nicht den Gefallen tun, etwa durch gewaltfere Behinderung der Arbeitswilligen Anlaß zum Einschreiten der Polizei zu geben. Es und dem Deutschen Mufiterverbend. Seit Mai d. I. besteht zwischen| Schiedsspruch Löhne festsetzte, die unter benen in anderen Meierei. diesen beiden Organisationen ein tarifloser Zustand, nachdem der betrieben waren, mit dem Schiedsspruch ab und beantragten die Vers im Jahre 1920 abgeschlossene Tarifvertrag vom Deutschen Bühnen- bindlichkeitserklärung. In der Berhandlung vor dem Schlichter verein gefündigt worden war, um weitgehende Aenderungen der wurde ein Vergleichsvorschlag" gemacht, der für fast alle Tarifbestimmungen herbeizuführen. Diese als arge Verschlechterun Gruppen der Arbeitnehmer feine oder nur eine ganz geringe Lohn gen der Anstellungsbedingungen anzusehenden Aenderungen wurden erhöhung gebracht hätte Diesen Vergleichsvorschlag lehnte die Bevom Deutschen Musikerverband und feinen Mitgliedern abgelehnt. legschaftsversammlung, ein stimmig ab. Inzwischen hat der Bühnenverein mit einem neu gegründeten Reichsfartell deutscher Berufsmusiker", dem nur etwa 5 Proz. der Gesamtzahl angehören, denn etwa 90 Proz. aller deutschen Orchestermusiker find im Deutschen Musikerverband organisiert, einen„ Tari Arbeiter, aufgepaßt! Der feit 14 Tagen in Berlin vorgeführte proletarische Großfilm Schmiede" hat den lebhafteffen Beifall der flessen- und zielbewußteu Arbeiterschaft Berlins gefunden. Die Arbeiter sind erfreut und beglückt, daß endlich an Stelle von Filmen wie Friedericus Rer usw. den Kinobesuchern ein Film gezeigt wird, der Leben und Kämpfe des Proletariats um menfchenwürdige Zustände zeigt. Der Erfolg. den der Arbeiterfilm„ Schmiede" erzielt hat, rief reaffionäre Kräfte wach, die dahin wirken, daß der proletarische Film treat aus den Kinotheatern verschwindet. Wiederholt sind in Kinothertern von reaktionärer Seite Störungen provoziert worden. Die Reaffion will mit aller Kraft dahin arbeiten, daß das Kinotheater nur ein Propagandamiftet für ihre Bestrebungen sei. Wir fordern die Arbeiterschaft Berlins auf, recht zahlreich die Kinoth afer zu besuchen, die froh eller Scherereien der Reaktion den proletarischen Film zeigen. Nur durch zahlreichen Besuch ist die Arbeiterschaft in der Lage, alle Störungsverfuche im Keime zu erstiden. Der Streit ist nicht allein auf die Verbindlichkeitserklärung des Welche Ansprüche die Hohnbahngesellschaft an ihr Bersonal stellt, zeigen die Bedingungen, die von den Bewerbern erfüllt werden müssen, ehe sie überhaupt in den Hochbahnbetrieb aufgenommen werden. Die Bewerber müssen zunächst über 21 Jahre, aber nicht älter als 35 Jahre sein. Es wird verlangt, daß die erforderliche Ge sundheit, Rüstigkeit und Gewandtheit, insbesondere das nötige Seh-, Hör- und Farbenunterscheidungsvermögen da ist. Di Untersuchung Dom Bahnarzt muß der Bewerber selbst bezahlen. Ferner ist eine Körpergröße von mindestens 165 Zentimeter vorge chrieben. wird die Fähigkeit verlangt, in deutscher und lateinischer Schrift deutlich und leferlich freiben zu könne, fich schriftlich angemessen ausdrücken zu können und auch das Rechnen zu beherrschen. Der bisherige Lebenswandel des Bewerbers muß einwandfrei fein, worüber die Direktion bei der Polizei Erkundungen einzieht. Beim Polizeipräsidium erfolgt außerdem die Bereidigung des Personals als Bahnpolizeibeamber. Nachdem diese Bedingungen erfüllt sind, erfolgt zunächst die Anstellung auf Probe und nach Ableistung einer Prüfung dann als Hilfsbeamter und nach einem weiteren Jahre als Beamter. Schon durch diese Anstellungsbedingungen ist einwand. frei bewiesen, daß sich das Angestelltenpersonai in einem Be amtenverhältnis befindet. Wenn die Direktion den. Streifenden jetz nachfag, daß sie um diese Beamtenschaft kämpfen, so gibt fie damit selbst zu, daß die Beamtenschaft jetzt nicht mehr vorhanden ist, sich die Anstellungsbedingungen also geändert haben. unzulänglichen Schiedsspruches zurückzuführen, sondern hat seine Ursachen in einer weit zurückliegenden, tiefgehen den Erbitterung des Personals. Schifanen aller Art von der Direktion, schlechte Behandlung durch das Aufsichtspersonal, die Verwendung von ausgebildetem Bersonal zu allen möglichen Dienst obliegenbeisen, einmal als Zugabfer iger, dann wiederum als nicht bazu bei, die Arbeitsfreudigkeit zu erhöhen. Die Deffentlichkeit Schaffner oder als Billettfripfer und Nachtwächter, trägt natürlich hat durchaus ein Interesse daran, die wahren Ursachen des Streikes bei der Hochbahn zu erfahren, In einer einitimmig angenommenen Resolution erhob die Bersammlung schärfsten Protest gegen den Vorwurf des Vertragsbruches. Die Versammelten machen allein die Direktion für den Streit verantwortlich, die durch bewußte Irre führung der Schlichtungsbehörden über die Vertragsbedingungen an der Fällung des Schiedsspruches schuld sei. ** Das technische Personal, das am Mittwoch zum Streit Stellung genommen hat, beschoß zunächst weiterzuarbeiten. Sobald aber Betriebsfremde zur Ingangsegung des Hochbahnbetriebes heranges zogen werden sollten, wird auch das technische Personal sich mit dem Fahrpersonal solidarisch erklären. * Der Direktion der Hoch- und Untergrundbahn ist es gelungen, auf der Dahlemer Strecke der Untergrundbahn einen Notbetrieb allerdürftigfter Art einzurichten. Sie hat zunächst dazu das Auffich spersonal herangezogen, dann aber auch sämtliche Schwerkriegsbeschädigte auf diese Strecke hingeschickt und auch einige arbetiswillige Fahrkartenverfäuferinnen gefunden. Durch die Streiffeitung ist fest. gestellt worden, daß zur 3ugabfertigung und zur Bedienung der Signalanlagen auf den Bahnhöfen ungeprüftes Personal verwendet wird. Wir erwarten, daß sich die Aufsichtsbehörde sofort um diesen Betrieb fümmert, ehe ein schweres Unglück geschehen ist. Die Zugfolge ift fehr unregelmäßig, es werden nur die sogenannten Bendelverkehrzüge gefahren, die nur aus einem Wagen bestehen und ohne Zugbegleiter fahren. Die Fahrgäste sind vernünftiger als die Direktion und haben bisher darauf verzichtet, ihre Gesundheit dem Machtwillen der Direktion zu opfern. Lohnverhandlungen bei der Deutschen Reichspost. Die Fortießung der Verhandlungen über Erhöhungen der Löhne der Lohnempfänger der Deutschen Reichspost findet heute vormittags 10 Uhr im Reichspostministerium statt. Ueber den Abschluß der Verhandlungen werden wir berichten. Bezirksverband der SPD. Groß- Berlin. 3. 2. Franz Künffler. Jugendsekretariat der SAJ. 3. A.: Mar Westphal. vertrag" abgeschloffen. der für die Musiker noch ungünstiger ist als das dem Deutschen Musiterverband vom Bühnenverein gemachte Angebot Nachdem bereits der 2. Berbandiston des Deutschen Musikerverbandes im Juni d. I. die Vorschläge des Bühnenvereins als u geeignet abgelehnt hat, nahm die jetzt abgehaltene Orchestervertretertagung zu der Tarifongelegenheit einstimmig nachstehende Ents schließung an: Die deutschen Orchestermusiker lehnen den zwischen dem Deut. fchen Bühnenverein mit dem Reichskartell deutscher Berufsmufiter" abreschlossenen Tarifvertrag entschieden ab. Die Vertretertonferenz fordert die deutschen Orchester auf, jede auf Grund dieses Tarifver trags on sie etwa herantretende Zumutung, wie z. B. die Beschränkung des Mitbestimmungsrechts der Orchestervorstände, Ausdehnung der Proben über drei Stunden ohne vorherige Zustimmung des Drcheftervorstendes Ablehnung. bzw. Verringerung der Bezahlung für Nachmittags. bzw. Doppelvorstellungen am gleichen Tage, Fortfall der freien Lage, Verschlechterung des Krankheitsparagraphen und dergleichen mit aller Entschiedenheit und gefchloffen abzulehnen. Der Verbandsvorstand wird beauftrost: falls nicht bis späte. ftens 1. Dezember 1924 in den berechtigten Interessen der deutschen schen Bühnenverein und dem Deutschen Musikerverband zustande Mufiterschaft Rechnung tragender Tarifvertrag zwischen dem Deutgekommen ist oder mindestens in sicherer Aussicht steht, a) eine, insbesondere auch auf alle Aushilfen auszudehende Generalsperre über sämtliche deutschen Bühnen zu ver abftimmung über eine eventuell bei fömtlichen deutschen Bühnen hängen, fowie b) fofort Maßnahmen zu treffen um eine Urdurchzuführende Arbeitseinstellung der Orchester in die Wege zu leiten." Der Lohnkonflikt im Bergbau. " Das Organ des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes, die Bergarbeiter Beitung enthält in ihrer neuesten Ausgabe eine scharfe Kampfanlage der Bergarbeiter gegen Regierung und Unternehmer, falls die Regierung sich in dem Lohnkampf der Bergarbeiter zum Schildhalter der Unternehmer hergeben und den Arundfäßlichen" Kampf der schwerindustriellen Machthaber gegen die berechtigten Lohnforderungen der Gewerkschaften durch die In den be öffentlichen Instanzen, Schlichter usw. unterstüten. merkenswerten Ausführungen der Bergarbeiter- Zeitung" heißt es: Trotzdem die fchwerindustrielle Presse die fatastrophale Abwärtsentwicklung der Reallöhne nicht leugnen tann, läuft fie gegen die Forderungen der Gewerkschaften Sturm. Nachdem von den Zwangseingriffen der Regierung in der Preisbildung feine Preissenfung zu erwarten ist, muß die ruhige Entwicklung der deutschen Wirtschaft start gefährdet werden, wenn sich die Unternehmer und die staatlichen Schlichtungsbehörden noch länger gegen einen notwendigen Lohnausgleich sträuben. Die Unternehmer warten sehr optimistisch auf die Helfersdienste der Regierung und erhoffen hierdurch eine wesentliche Verschärfung der Situation. Falls die Regierung sich hierzu hergeben sollte, wird es Sache der Arbeiterorganisationen sein, auch diesen Widerstand zu brechen. Es stehen fchwierige, Berhandlungen und hartnäckige Kämpfe bevor, so daß es der ganzen Kraft unserer Organisation bedarf, um dem gesteckten Biel näherzukommen. Dieses Ziel gipfelt in der Erkenntnis, daß eine weitere Berelendung der Arbeiter nur dann verhindert werden tann, wenn die Lebenshaltung den notwendigen Bedürfnissen angepakt und eine allgemeine Lohnerhöhung mit sofortiger Wirkung durchgeführt wird. Bochum, 13. November.( Mtb.) Die angekündigten Lohnverhandlungen für den Ruhrbergbau sind für Freitag dieser Woche in Essen angefekt. Auch der Gewerkverein Chriftlicher Bergarbeiter hat in Ronferenzen und Versammlungen der letzten Tage den Zechenverband scharf angegriffen. Beide großen Bergarbeiter verbände fordern zur Stärfung der Organisation auf, um den Kampf erfolgreich durchführen zu können. and Tarifbewegung der Orchestermusiker. Drohender Generalffreit in fämtlichen deutschen Theatern. Vor einem Streit bei Bolle Im Banteltsaal des Weinhauses Rheingold, Berlin, Botsdamer Straße 1, tagte am 11. und 12. November d. J. eine aus allen Bom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Teilen des Reiches start beschickte Konferenz von Vertretern dar Wie wir, bereits mitteilten, bestehen bei der Meierei Bolle dem Deutschen Musikerverband angehörenden Orchestermusiker. Die Lohndifferenzen. Den vom Schlichtungsausschuß mit den Stimmen Konferenz beschäftigte sich in der Hauptsache mit der Frage des Neu- der Arbeitgeberbeisiger gefällten Schiedsspruch lehnte die abschluffes eines Tarifvertrags zwischen dem Deutschen Bühnenverein Gefchäftsleitung ab. Die Arbeitnehmer fanden sich, obwohl der Vexhaus mild gehaltvoll Die Situation ist nun folgende: Bleibt die Geschäftsleitung der Firma auf ihrem Herrenstandpunkt bestehen und erklärt der Schlichter den Spruch nicht für verbindlich, was wir allerdings nicht annehmen, dann ist die Gefahr einer Arbeitsniederlegung bei Bolle in greif bare Nähe gerüdt. Gefahr insofern, als mit der Arbeitseit.stellung ein Teil der Kundschaft von Bolle, wir meinen Krankenhäuser, Kliniken, Säuglings- und Kinderheime, fein Milch bekommen. Hat die Geschäftsleitung bedacht, daß sie mit dem Beharren auf ihrem Herrenstandpunkt einen Streit heraufbeschwört und damit dur die Unterbindung der Milchbelieferung das Leben und die Gesundheit von Laufenden aufs Spiel stellt? Die Meierei Bolle liefert täglich zirka 30 000 Fla'chen Kinder- und Säuglingsmilch. Und noch ei Frage: Ist der Verdienst an der Milch im allgemeinen und an Kindermilch im besonderen so gering, daß die Firma Bolle die an e geringen Lohnerhöhungen nicht tragen fann? Geht die Profitfue der Unternehmer auch über die Interessen der Gesunden hinweg, so müßte fie, nach allgemein menschlicher Auffassung, unter allen Umständen bei den Säuglingen und Kranken haltmodjen. Tut der Unternehmer es nicht freiwillig, dann muß er dazu gezwungen werden; so oder so. Streit der Lackierer. Wegen Affordabzug in der NAG., Oberschöneweide, steber. die Ladierer im Streif. Gestern teilte die Direktion mit, daß Abzüge bon 10-15 Broz. entreten. Dem vom Be des Streitfalles hinzugezog nen triebsrat aweds Beilegung Organisationsvertreter wurde mitgeteilt, daß die Tirektion es ablebne, mit der Organisation zu verbandeln Ter Abzug auf die Affordpreise bleibe befteben. Hierauf haben die in der Backiererei Beschäftigten einmütig die Arbeit niedergelegt. Weil schon seit Monaten von der NAG. versucht wird, Lackierer von außerhalb nach Berlin zu locken. wird vor Zuzug nach Berlin gewarnt. Die Firma ist gesperrt. Die Arbeiterpresse wird um Abdrud dieser Notiz geboten. Verband der Maler und Ladierer( Filiale Berlin). Pfändung bei Hubert Lehmann& Cie. Zu unserer Notiz in Nr. 531 des Vorwärts" teilt uns einer der um feinen Lohn geprellten Arbeiter, ein Zimmerer mit, daß daß er bei dieser nicht empfehlenswerten Firma auf Grund eines vollstreckbaren Urteils pfänden ließ. Es stellte sich heraus, die gepfändeten Gegenstände der praktisch eingerichteten Firma nicht gehören, sondern ihr von Frau Alma Gerlach. Charlottenburg, Spreestraße 12. nur zum Gebrauch überlassen waren. Wer also einmal in die Verlegenheit fommen sollte, für die Firma Hubert Lehmann& Cie. zu arbeiten, muß sich den Lohn vorher bezahlen lassen. Dann nur ist er sicher, daß er ihn bekommt. Zweiter Behördentechnikertag. Für die im Reichs-, Landes- und Kommunaldienst beschäftigten techmischen Beamten und Angestellten veranstaltet der Bund der 23. November d. I. in Berlin den zweiten Behördentechnikertag. en am 2 technischen Angestellten und Beamten am 22. und Derselbe wird eingeleitet durch eine am Sonnabend, den 22. November, abends 7 Uhr, im Sigungsfaal des Vorläufigen Reichs. wirtschaftsrates in Berlin, Bellevueftr. 15, stattfindende Kundgebung, der das Thema zugrunde lieat: Die Stellung des TechDeffentlichkeit berührender aktueller Fragen niters in Staat und wir ilma ft.". Es wird hierbei eine Reihe auch die breitungsreform. Tenit und öffent wie die liche Verwaltung, die Stellung der Beamten und öffentlichen Angestellten zum Staat und zur Wirtschaft Dom Standpunkt des Technikers aus behandelt werden. Am Sonn tag, den 23. November, werden dann die Reichs- und Landesgruppen der technischen Beamten und Behördenangestellten eingehend zu den aufgeworfenen Fragen in geschloffener Sigung Stellung nehmen. Der Lohnkampf in der rheinischen Metallindustrie. Der Arbeitgeberverband der rheinischen Metallindustrie hat den Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Löhne um 7 Prog. borsieht, abgelehnt, ebenso das Karlswerk Mülheim und das Land- und Seelabelwerk Nippes. In der Blechindustrie wurde die freie Vereinbarung von beiden Parteien ange. nommen. Hier ist eine Lohnerhöhung von 10 Proz. in Kraft getreten. Die. Arbeitnehmer verbände werden nun beim Reichsarbeitsminister die Verbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche beantragen. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Die Nr. 2 der Betriebszeitung„ Der Kämpfer" ist erschienen und sofort vom Betriebssefretariat. Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr., in Empfang zu nehmen. Besonders die Vertreter der Mittel- und Kleinbetriebe werden ersucht, das Material abzuho.en. Parteiausweis mitbringen! Siemenswert. Heute, Freitag, mittags 12 Uhr, Betriebsversamm lung des Dynamowerks am Alien Platz. Die Streitleitung. Der drohende konflitt im Parifer Zeifungsgewerbe ist am Mittwoch beigelegt worden. Die Arbeiter verlangten eine tägliche Teuerungszulage in Höhe von 5 Fr. Die Zeitungsverleger hatten ihr ursprüngliches Angebot einer täglichen Zulage bon 2,40 Fr. auf 8 Fr. erhöht. Die Seger haben in einer Versammlung mit 643 gegen 96 Stimmen dieses Angebot angenommen. Berband der Maler unb Sadherer. Gettionsverfammlung der Lackierer heute abend 7½ Uhr im Gewerkschaftshaus. Engelufer 24-25. Die Ortsverwaltung. Rentralverband der Angestellten. Ban, Sola. Rohlen: Mitgliederversamme Tung im RdA. heute abend 7% Uhr. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Friz Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen. 2% beste If. Zigarette go MASCHALLAH BERLIN # Nr. 538 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Berlin kauft in der Halle. Um Berliner Markthallen ist kein Zauber der Romantik ge-| man muß sich viel Mühe geben, will man nicht über all dem, was goffen. Sie liegen nicht wie die berühmten Pariser„ Halles" an den Boden in Ueberfülle bedeckt, zum Ausrutschen tommen. Ist es einem der stattlichsten alten Pläge, gegenüber einem viel bewunderetwas ruhiger geworden können sich Nichtbeteiligte freier bewegen, ten Bauwerk, und Berliner Markthallenherrscherinne. befizen auch Berge von Gemüse- und Obstabfall werden durchsucht, was brauch dann beginnt die Jagd nach allem noch Verwertungsmöglichen. nicht das Sonderrecht, jedem Ehrengast der Stadt einen Kuß anbieten oder aus ihrer Mitte die Karnevalskönigin wählen zu Obdach- und Arbeitslose zu finden, traurige beflagenswerte Gebar ist, wird eingesteckt. Kaninchenfutter-? Hier sind auch viel dürfe.1. Nein, dazu ist Berlin viel zu nüchtern. Aber seine Markt- ftalten Wo Ueberaadrang an Arbeit ist, läßt sich auch eine kleine hallen sind trotz alledem anziehend durch den Ueberreichtum der Gelegenheitsarbeit erhaschen. Und wo man recht viel LebensmittelWaren und durch den förmlichen Ueberschwang an menschlicher Ar- ware vor sich sieht, da darf man auch hoffen, eine Reinigkeit für beitsregung und Willenskraft zur Arbeit, fesselnd aber auch für den beobachtenden Besucher durch das soziale Bild, das sich in ihrem Treiben entrollt. Im Stadtbild felbst spielen sie nicht gut mit. Im Gegenteil, fie verschandeln es nach Herzenslust. Die schöne Charlottenstraße endet durch die häß iche Rückseite der Lindenmarkthalle in einem Chaos von Verbauung. Am Luisenufer wird die Bauflucht nicht angenehm durch eine Markthalle unterbrochen. Sie haben alle so ziemlich den gleichen Stil, der heute nicht mehr gefallen kann, scheinen auch aus gleicher Zeitperiode zu stammen. Die Zentralmarkthalle ist direkt in einem Winkel um die Eisenbahn herum gebaut und die Enge der Etraßen wird oft zu Bedrängnis und Verhängnis. Etwas freundlicher läßt sich die Halle am Magdeburger Plaz an. Sie ist defür aber auch ganz bedeutend kleiner und fein eigentlicher Marttmittelpunft. Zentralmarkthalle. Man muß sehr früh, schen um fünf Uhr morgens, dort seta, will man ein richtiges Bild, aber auch einen starken Eindruck mit nach Hause nehmen. Hier ist das Zentrum der Berliner Lebensmittelversorgung. Hier ist Arbeitstreiben, das durch Behendigkeit und Energie bezwinge id wirkt. Hier ist aber auch Offenbarung fozialer Rot. Wagen an Wagen kommt, vielfach von Frauen gelenkt, 6 Fleisch und Wuntwaren Richard Schwartz die an Wortfecft of: Männern überlegen find. wenn sie nicht schnell durchkommen und feinen richtigen Standplag für das Fuhrwerf geminne. Berge von Körben häufen sich, wandeln, lassen ihre Träger verschwinden, gewaltige Mengen gefch achteter Tiere werden eilig von starten Schultern getragen. Man muß recht vorsichtig sein, um hier durchzukommen. Man wird gestoßen, getreten, vor allem aber, 25] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Lady Oftery stand an ihrem Stuhle und hielt Cercle. Bertram bemerkte viele auffallend hübsche Mädchen und viele ung aublich häßliche alte Damen. Die letzteren intereffierten ihn am meisten. Gott, waren sie häßlich! Die meisten trugen schwarze Seide mit bunten Perlen, wie es unter Königin Victoria Mode gewesen war. Andere waren nach der neuesten Mode gekleidet, mit fleinen, nedischen Hütchen, furzen Mänteln und tief ausgeschnittenen Taillen. Sie waren dick und alt und hart und faltig. Er kannte sie alle, meist Träge rinnen erlauchter Namen und Titel. Das alte Regime hatte sich hier versammelt. Die Männer waren in der Minderheit, aber die da waren, hatten Rasse. Alte Herren, weißhaarig, fahl, mit Säcken unter den Augen, Backenbärten und Habichtsnafen; Männer in mittleren Jahren, die in zufünftigen Tagen genau das Abbild der alten Herren sein würden, jetzt aber hatten fie schlanke Figuren, furz geschorenes Haar und scharf beobachtende Augen. Auch unter ihnen befanden sich Herzöge, Grafen und Generäle, lettere in Zivil. Ja, seine Schmiegermutter hatte ein gutes Haus" versammelt. Die älteste Aristokratie war zugegen und eine ganz dünne Schicht der neuen Reichen. Es war doch etwas Imposantes an den häßlichen alten Damen. Er fannte den Geist, der sie beherrschte, unbeugsam, hart gegen sich und gegen andere, fest entschlossen, wenn es sich um ihre Pflicht handelte. Das waren die Großmütter der modernen Jugend in Joyces Kreis. Dieser hübschen, lachenden, fesch aussehenden Mädchen. Der Herzog von Bramshaw führte Lady Ottery zu dem Vortragspult auf der Rednertribüne, fofort erhob sich lautes Händeklatschen, und jeder eilte an seinen Plaz. Der Herzog von Bramshaw eröffnete den Vortrag mit einigen einleitenden Bemerkungen in seiner melancholischen Stimme. Dann begann Lady Ottery, fie las mit harter, flarer, durchdringender Stimme Seite auf Seite ihres manustripts vor. Sie sah auffallend schön aus, war völlig ruhig und unbefangen und absolut von der Wahrheit des Inhalts überzeugt. Bertram versuchte, nicht hinzuhören, aber ihre Worte bohrten sich ihm ins Gehirn, wie sie mit einer Art irrfinniger und schrecklicher Logik die Tatsachen in allen Ländern durch die verschiedenen Jahrhunderte zusammengetragen hatte, um zu gänzlich falschen Schlüffen zu gelangen. Aber an allen menschlichen Impulsen war fie bei all Fleish waren Gottlieb Kraus Sort Scha Choo Freitag, 14. November 1924 daß man sich des heiteren Eindruds beinahe nicht erwehren möchte. Dicht unter einem feisten Ochsenviertel stehen drei Körbe Aepfel, daneben hängen Gänse und zwischen Schmalz, Butter und Eiern auch der Lotentag und nun wissen wir, daß es Winter wird. Blumen des Spätherbstes und immer wieder Blumen. Es naht ja find es Frauen aus dem Volke, durch die Engpässe. Ihre Einkäufe Langsam und mit prüfender Vorsicht bewegen sich die Käufer, meist sind klein, aber sie brauchen lange, bis sie sich dazu entschlossen haben. Es muß gespart werden und man muß das nehmen, was das Billigste und Beste zugleich ist. Selten aber sieht man eine Frau, die nicht in ihrem fiemen, bescheidenen Körbchen wenigstens eine B'ume liegen hat. Also doch ein Stück Poesie und sogar echte Volksposte. Der Geschäftsgang ist schlecht. Es ist nicht zu bemerken, daß sich die Verkaufstöfige ouch nur eingermaßen leeren. Bollends unberührt scheinen die Geflügelstände zu sein und man wird schon angerufen, während man sich annähert, ob man nicht eine schöne Gans haben möchte, das Pfund zu einer Mart sechzig. Warum nicht? Alle möchten es gerne haben, aber bei allen ist auch ein Hinderungsgrund verhanden. Halle im Westen. Wie ganz anders ist es in der Halle am Magdeburger Platz, viel kleiner, weil meniger Markthalle.imäßiges ist, mehr faufhausmäßiges und in der Umgebung ist nichts von Karren und Abfall zu sehen. Hier wird man wohl leichter in die Seele von Käufern und Käuferinnen bliden fönnen. Weit gefehlt. Die Unterhaltung wird fast im Flüstertone geführt, fein Käufer will sich in den Geldbeutel bliden lassen, aber jeder hat seine besonderen Obs Wünsche und Sorgen. Die Demen taufen hier nicht persönlich ein, wohl aber Leute aus dem Mittelstand, denen nicht gerade übertriebene Lebenssucht aus den Augen blickt. Nur einen jungen ,, besseren" Mann sah ich. Dem war fein Stück beim Schlächter recht und als er endlich eins gefunden hatte, ließ er es noch bes sonders zurechthacen. Er meinte, das letzte Mal habe es doch so ,, wundervoll" geschmeckt. Glücklicher Genießer! Ueber dem hatten sich einige andere Anwärter angestellt, darunter eine große stattliche Frau und ein alter Herr mit Brille und langem Bart. Sehnsüchtig blickte er lange nach einer Speckseite. Dann steckte er der Frau einen Bettel zu, meinte, es werde ihr Glüd bringen und entfernte fich. Die Frau las. Es waren Tugendermahnungen aus Bibelzitaten. Ausgerechnet mir, sagte fie und zerriß unter allgemeinem Gelächter den Zettel. die eigene Lebenshaltung meist ist dies recht wenig zu er. langen. Alles in allem: ein startes, soziales Bild, eine Großstadtlebenserscheinung. Lassen mir es bei den Eindrüden vom Treiben um die Halle bewenden und begeben wir uns nach der Lindenstraße, um dort das Innere einer Markthalle auf uns wirten zu lassen. Lindenmarkthalle. Auch hier herrscht ähnliches Morgentreiben, doch nicht annähernd im gleichen Umfang. Alte Mütterchen in warmem Mantel, die Hauben über den Kopf gezogen, stehen vor Handwagen oder han. tieren an ihnen. Andere, rüftiger noch, derber und weniger ver braucht. tommen mit Fuhrwerken herangefahren. Es ist ein harter Beruf der Frau, hervorgegangen aus schwerer Kriegsnotwendigkeit und nicht wieder aufgegeben. Im Innern der mächtigen, schlichten, aber nicht u.schönen Halle fann man sich nur vorsichtig bewegen, um nicht vom Hebel einer Wage oder anderem unzart erfaßt zu werden. Welche Buntheit, weld ein Reichtum in dieser Enge, die statt Verkaufsständen nur eine Art von Käfigen fennt! Da ist alles da, was den Sinn erfreuen fönnte, und es ist zusammengewürfeit, ihrem Forscherfleiß blind vorübergegangen. Sie hatte nicht erkannt, daß die wilden Instinkte der hungernden Massen fich aufbäumen müssen, wenn sie sehen, wie andere schwelgen, fie verstand nicht die Leidenschaft für die Freiheit in nieder getretenen Völkern, nicht die Träume von einem leichteren Leben in den Gemütern der Darbenden und hoffnungslos Arbeitenden, nicht die göttliche Wut im Herzen eines Bolkes, das unter der Knute und der Brutalität einer Geheimpolizei schmachtet. Bertram mußte an all die Männer denken, die mit ihm in Frankreich und Flandern gekämpft hatten. Sie hatten Tag auf Tag, Jahr auf Jahr das Grauen des nahen Todes gespürt, aber sie waren nicht verzagt und hatten das Walten eines Geistes in sich gespürt, der sie inmitten aller Schrecken aufrecht erhalten hatte. Und solche Menschen sollten die Opfer eines ,, Geheimfultes" sein, der sie anstachelte, alle Zivilisation umzuwerfen? Die sollten in finsterer Berschwörung, getäuscht von deutschen Juden, in diesem Lande Höllen und Satansanbetung treiben, in diesem Lande, das sie durch die Tapferkeit ihrer Seele gerettet hatten? Nein! Verbittert, friedlos, unzufrieden waren sie! Kein Wunder bei diesem Emporschnellen der Preise und Fallen der Löhne und der Angst vor der Arbeitslosigkeit, die in Millionen von fleinen Heimstätten wie eine dunkle Flut des Elends hereintroch. Joyce, ich halte es nicht mehr aus! Dies ist wahnsinnig und entseglich!" Sie beantwortete sein verzweifeltes Flüstern mit einem ärgerlichen: Sei doch still, Bertram!" Ihre Bewegungen und Jonces Antwort medten den alten Grafen Ottern auf. Er lächelte Joyce schläfrig zu und sagte, ihre Mutter lei wirklich hervorragend. Schließlich erhob sich Bertram und flüsterte Joyce zu: Tut mir leid, mein Kind, ich gehe. Ich kann hier nicht atmen." Du bist unausstehlich, flüsterte Joyce zurück und schüt telte ärgerlich die kurzen Locken. Bertram schritt durch eine Zuhörerschaft hindurch, die ihm wegen seines Gehens zürnte. Draußen standen die Chauffeure in Gruppen zusammen, und vom Orford Circus her fam ein Zug Arbeitsloser mit feinen Bannern: ,, Wir wollen Arbeit!" 19. Bertram setzte seine ganze Hoffnung auf sein Buch, trok Christys scherzhaftem Pardon, Pardon, Kamerad!" Es ging gut vorwärts, ausgezeichnet fogar; er selbst war erstaunt, wie ihm das Wort zufloß. Nach dem ersten schweren Ringen mit dem Stoff schrieb er leicht und schnell. Es war, als ob er nur hinschrieb, was ihm sein Unterbewußtsein diftierte. Es war merkwürdig, wie in dem kleinen Heim in der Holland Street | Nun hatte man doch noch einen Schimmer Boltsleben erhascht. Man verläßt die Halle mit der forgenvollen Gewißheit, daß alles in Ueberfülle vorhanden ist und daß doch das Bolk herzlich wenig davon abbekommt, wenn es sich nicht selbst mehr um sein Schicksal fümmert. Der 7. Dezember bietet ihm die Möglichkeit dagu. Eine 5- Millionen- Anleihe der Stadt Potsdam. Der Magistrat von Potsdam wird der Stadtverordnetenverfammlung demnächst eine Vorlage zur Beschlußfassung unterbreiten, der wir folgende Ausführungen entnehmen:„ Um die Bes lebung unserer Wirtschaft durch die Wiederaufnahme der in den lezten Jahren vernachlässigten fommunalen Aufgaben zu ermög lichen, hat der Potsdamer Magistrat nach sorgfältigster Prüfung aller in Frage kommenden Bedürfnisse beschlossen, für die im Laufe ber Beit hervorgetretenen notwendigen Bedürfnisse eine 5% Millioen Anleihe aufzunehmen. U. a. wird mit der Anleihe der Umbau des städtischen Krankenbauses, Erweiterung der Elektrizitätswerke und anderer Kommunalsachen inbegriffen sein. Die Bezirksversammlung Spandau baut Dr. Herz ab. Am Mittwoch abend hat sich die Spandauer Bezirksverfamm lung zum zweitenmal mit der Abbaufrage befaßt. Unbelehrbar, wie die bürgerliche Bezirksverordnetenversammlung mehrheit in Spandau ist. hat sie beschlossen, es bei ihrem ersten Beschluß, der auf Abbau des ftellvertretenden Bürgermeisters, Genossen Dr. Herz und des Stadtbaurats Olbers lautete, au belassen. Dieser Beichluß ist vollkommen gesegwidrig. Wir werden auf den Rechtsbruch der Spandauer Bezirksveriammlung noch zurüdtommen, da er von allgemeiner Bedeutung ist. die Erinnerung erwachte bei dem Lärm der Londoner Straßen. Wenn Joyce aus war oder schlief und er in später Nacht allein in seinem Arbeitszimmer saß, trat das Bild des früheren Lebens so deutlich, mit solcher Kraft vor sein geistiges Auge, daß er beim Aufblicken ganz erstaunt war, sich nicht im Schüßengraben, sondern in seinem friedlichen Zimmer zu be= finden. Hier, in diesen Manuskriptblättern vor ihm, hatte er berichtet, wie der Krieg wirklich ist. Die Männer, die ihn mitgemacht hatten, würden sagen müffen: So ists gewesen." Sein Buch würde doch vielleicht etwas nützen. Es war wert, geschrieben zu werden, ja, vielleicht war es wert, dafür gelebt zu haben. Denn es war die Wahrheit in jeder Zeile, in jedem Wort. Und er hatte die Gabe des Wortes. Das war sein begrabenes, jegt offenbartes Talent. Er hoffte, daß Joyce das Buch lieben würde. Wie schön wäre es, beim Vorlesen ihr Bravo!" zu hören. Sie würde wohl kritisieren, denn sie würde manches hassen von dem, was da geschrieben stand, weil es brutal die Wahrheit aussprach, aber das Buch würde doch etwas Großes werden, denn er sagte alles darin, überging nichts von all dem Entsetzen, Mut, Ueberdruß, Furcht, Schmutz, Lachen und Wahnsinn des Krieges. Sie würde es trotzdem lesen und ihn nachher besser verstehen und geduldiger mit ihm sein. Und schließlich würde sie sehen, daß auch er seinen Teil zum Lebensunterhalt beitragen und sich nicht nur auf sie verlassen würde. Vielleicht würden Jonce und er dann wieder einander näher gebracht, und die alten Bande der Liebe und trauten Kameradschaft lebten wieder auf zwischen ihnen. Mit solchen Gedanken beschäftigt, nahm er ein paar Bücher zusammen und stieg in Jonces Zimmer hinauf. Es war am Morgen nach dem Vortrage und Joyce war noch im Bett. Bielleicht könnte er ihr jetzt ein paar Seiten vorlesen. Er war, wie alle Autoren, geradezu lächerlich aufgeregt bei seinem Erstlingswert. Er hatte mit und in diesem Buche gelebt, alle seine Hoffnungen darauf gesetzt, es war sein erftgeborenes. Joyce hatte die Zeitungen vor sich, als er mit herzlichem Gruße eintrat. Sie murmelte irgend einen Gegengruß und vertiefte sich wieder in die raschelnden Blätter der Morning Post". Bertram wartete ein wenig, bis sie zu Ende gelesen hätte. Sie saß im Bette in einem japanischen Seidenmorgenrod, ein Band um den Kopf gewunden und sah sehr jung und lieblich aus. Ihre Stirn war leicht gerunzelt. ( Fortsetzung folgt.) 1 Hochbahnstreik. In der Streifperfammung! Blauer Rauch liegt wie eine Wolfe über den vielen Köpfen. Dichtgedrängt siehen sie, die Männer und Frauen. Eine ruhige sachliche Stimme spricht. Sie weist die Kündigungsbriefe energisch zurück. Manche haben gleich vier Stück erhalten. Namen von Streifbrechern fliegen auf. Pfui! hallt dts Echo. Wer hätte das von dem gedacht. Einigkeit! Den Kampf durchhalten, mahnt die Stimme weiter. Wir kämpfen um unser Recht, unser Brot: Kontraflbrüchig ist die Direktion, die sich feit Jahren über unfre Rechte hinweggefeßt. Diskussionsrebner ( prechen. Eine Frauenstimme klingt hell. Kuriere fommen. Neue Redner. Es wird fein Rad an der Hochbahn gedreht, bis jeder Kollege an fetriem Platze steht." Anschuldigungen gegen einen anwesenden Kollegen wegen Streifbruchs. Er steht auf, fann sich rechtfertigen. Drohendes Grollen wird zum Bravo. Immer mehr, die threm Herzen Luft machen müssen. Mit 110 M. monatlich gehen fie nach Sause und sind schon 11 Jahre im Betrieb. Neue Mitteilungen, Anklagen, Rechtfertigungen. Die Musikkapelle der Hochbahn wird in den abendlichen Versammlungen spielen. Refolutionen. Nicht mechanisches Heben der Hände, sondern entschloffen empor. gehoben wie zum Schwur. Die Streitversammlung ist zu Ende. Nur mühsam löst sich der Knäuel. Wie in der Hochbahn" fogt einer und lacht. Draußen treffen sie sich. Diskutieren. Sprechen sie mit Groll über die Streifbrecher. Die machen ben Kohl nicht fett." Wir halten es durch, und wenn wir nur Trodenbrot effen." Die Frauen und Mädchen sind ebenso entschlessen wie die Männer. " Gleich auf ein Jahr die lange Arbeitszeit festiegen!"" Der anstrengende Schichtdienst, 11 bis 12 Stunden ist man oft unterwegs. Die Streifenden zerstreuen sich, dahin, dorthin, und tragen ihre fefte Zuversicht mit nach Hause. Borden Bahnhöfen! Es ist, als ob die Stadt nur noch, mit einem Lungenflüget arbeiten müffe, quälend und schwer. Die Stadtbahn, die Straßenbahnen, die Autobusse überfüllt. Die Autos haben Hochkonjunktur. Die Drochtenkutscher bekommen übergenug zu tun. Bor den Bahnhöfen Stille. Alexanderplatz. Elferne Gitter. Streltpoften drüden Flugblätter in die Hände. Ach, ich habe es jo eilig," Nun, das läßt sich schon verschmerzen." Die Gympathie ist fast überall auf Seite der Sireilanden. Ein Hochbahner erzählt: Meine Frau muß mitarbeiten. Komme ich hunder übe von der Schicht, muß ich mir alles selber machen. Ein fleiner Gewerbe treibender: echt so, dann kommt wenigstens mieder mal Geld unter die Leute, wenn ihr mehr verdient." Dieselben Szenen spielen fich fast vor allen Sjoch- und Untergrundbahnhöfen ab, nur ist der Beften reservierter, wenn auch dieses Mal merkwürdigerweise nicht 10ie sonst üblich gegen die Streifenden eingenommen. " Die Streitbrecherlinie! Nürnberger Platz bis Thielplay. Bon morgens 7 bis abends 9 Uhr. Bersammlungslokal der Direktoren, der gutgenährten Herren. Ein Hochbahner steht und midt unterwürfig: Wenh es uns nur gelänge. Ja, das ist noch Die Frage!"" But, daß wir das Ding gerade noch gestern einbauten," Das sind so Gesprächsfeßen. Die Zweiwagenbahn fast sähnend leer. Dafür die Tunnel verschwenderisch erhellt. Auf dem Fehrbelliner Blak wieder ein wandelnder Gehpelz und zwei Grime. Auf der Rückkehr dieses Mal hier das hohe Direktorium mit dem Gehpelz zusammen. Die Eröffnung die er Linie ist ein großer Bluff. Ein Kinderspielzeug. Die Berfehrsadern liegen wo anders. Sie mit pulfiterendem Leben zu erfüllen, dazu bedarf es der Streifenden, und die bestehen auf ihren gerechten Forderungen. Die Sympathie after gerecht Dentenden ist ihnen in ihrem Kampfe gewiß. Der Hauswirt als Brandstifter. Er wollte billig eine Garage bauen! Durch einen lauten Knall wurden in der Nacht zum Dienstag bie Bewohner bes Hauses Jahnstr. 33 34 Brig aus dem die helfen medt. Sie sahen, wie aus dem Dach bes Sei'enflügels die hellen Flammen emporschlugen. Die Feuerwehr löschte den Brand, so daß die übrigen Baulichkeiten nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Besitzer des Grundstücks der 41jährige Automobilschlosser Paul Trappiel machte sciner Versicherung Mit'ellung von dem Brande und erhob seine Ansprüche auf die Entschädigung. Der Feuerwehr aber mar die Entstehung des Brandes etwas feltfam erschienen. Die Kriminalpolizei stellte Nachforschungen an, die ergaben, daß Trappiel Brandstiftung verübt hatte. Trappiel hatte vom Montag zum Dienstag in der Au oschlosserei in der Melchiorstraße. in ber er beschäftigt war, Nachtdienst gehabt. Hier wird auch Benzin gebraucht. Nun fand die Kriminalpolizei auf dem Gehöf! eine große Benzintanne, und ein Junge hatte Trappiel mit Dieser Kanne gesehen. Er geriet so in die Enge, daß er endlich ein Geständnis ablegte. Er trug sich mit dem Gedanken, den Seitenflügel abzureißen und statt dessen eine Garage zu bauen. Wiederholt bemühte er sich beim Wohnungsamt um die Erlaubnis zum Abbruch. Sie wurde ihm endgültig verweigert, meil in dem Seitenflügel mehrere Mieter wohnen. Jetzt fam er auf den Bebanten, die Baulichkeit, die feinen Garagebau verhinderte, ohne Rücksicht auf die Gefährdung seiner Mieter, durch Feuer zu beseitigen und so auch noch das Ber sicherungsgeld für den Neubau zu bekommen. Während des Nachtdienstes nahm er aus der Schlosserei die große Ronne Benzin mit, stieg, um nicht gejehen zu werden, über mehrere Zäune auf sein Hintergrundstück hinüber, bestieg mit einer Leiter, die a vorher schon bereitgestellt hatte, das Dadh eines Schuppens, der en Seitenflügel angebaut ist, schlug ein 2och in die Mauer, gup die ganze Ranne Benzin hinein und warf ein brennendes Streiche hola hinterher. So erklärte sich der Knall und das rasche EmporTobern der Flammen. Der Berhaftete wurde in das Gerichts gefängnis gebracht. Standpunt, daß eine Breifpredung erfolgen müſſe. In vielen Fällen trage das Publikum felbst die Schuld an den Unfällen. Irrig sei die Annahme des Schöffengerichts. daß der Fahrer auch die Wirkung des Straßenverkehrs auf den Fußgänger zu be rücksichtigen habe. Das sei eine vertebrsfeindliche Auffassung, die den ganzen Automobilverkehr lahmlegen müsse. Das Gericht folgte den Ausführungen des Verteidigers und sprach den Angeklagten frei. Landgerichtsrat Wehel hob in der Begründung des Urteils befonders hervor, daß nicht nur der Wagenlenter, sondern auch das Publikum beim Ueberschreiten der Straße sorgfältig auf den Berfehr acht zu geben habe. Im Gegenfah zum Schöffengericht müsse feftaeftellt werden, daß nur ollein ein 8 u fammenwirten zwischen Bubitum und Kraftwagenführer die Verkehrsverhältnisse bessern tanı. Der vorliegende Fall habe bewiefen, daß nicht immer den Wagen führer die Schuld an den Urföllen treffe. Oeffentl. Wählerversammlungen heute, Freitag, den 14. November, abends 7/2 Uhr: Wedding: Pharusfäle, Müllerstr. 142 und Schulaula Grünthaler Str. 5. Staafen: Gasthaus Wolf. Tage den Dienſt in Zivit und hatte den Auftrag, ble ankommenden Kommunisten zu überwachen. Als er einen gewissen Habeck, der auf die Menge einredete, verhaften wollte, flüchtete diefer in ein Lokal, und er habe, als er ihn dort ergreifen wollte, einen Messerstich in den Kopf erhalten. Von dem Augenblick wisse er nicht mehr, was mit ihm geschehen sei. Auch der zweite Angeklagte, der Wachtmeister Klaus bestritt jede Schuld. Als die Teilnehmer am Ulanentage in die Kirche gehen wollten, wären zirka 60 junge Leute, Gummifnüppel schwingend, auf sie losgestürzt. Habeck habe die Menge aufgewiegelt, die Massenmörder tot zu schlagen". Er hätte nicht nur niemand geschlagen, sondern im Gegenteil, einen Rommunisten, der frant geworden war, zu einem Sanitäter gebracht. Nach Vernehmung der Angeklagten verlas Rechtsanwalt Bahn einen Artikel der kommunistischen Volkswacht", morin mitgeteilt wurde, daß der Plan der Kommunisten, den Ulanentag zu stören, gelungen sei. Die Parteileitung hätte, um die Polizei zu täuschen, ihre Stoßtrupps von Erfner und Hangelsberg durch die Wälder nach Fürstenwalde dirigiert. Rechtsanwalt Bahn legte auch einen Tagesbefehl der kommunistischen Zentrale vom 17. Mai vor, in welchem es heißt, daß die Fahrt nach Fürstenwalde teine Latschenfahrt" sei und daß alle Teilnehmer fid) mit Gummifnüppeln und mit wies barauf hin, daß auch in den Fobrifen Flugzettel ähnlichen Ins Schußwaffen versehen müßten. Rechtsanwlt Wolfgang Heine halts verteilt worden seien. Ueber die Vorgänge auf der Polizeiwache wurden die Angeklagten der blauen Polizei von Fürstenwalde vernommen. Wachtmeister Böttch er sagte aus, daß Domte nach Grunewald: Aula des Gymnasiums Herbert Ede Kaspar feiner Berwundung, bei der er sehr viel Blut verloren hätte, wie ein Theis- Straße. Schöneberg: Ühlandschule, Kolonnenstr. 20/22. Lichtenrade: Restaurant Rohrmann, Hilbertstraße. Grünau: Jägerhaus, Bahnhofstr. 1. Panfow: Gesellschaftshaus, Berliner Str. 103. Hohenschönhausen: Schulaula Rödernstr. 68/72. Borfigwalde: Borsigwalder Festfäle. Tagesordnung: Deutschnationale oder sozialdemokratische Politit? Kriegs- oder Friedensreichstag? Redner: Aufhäuser, Robert Breuer, Anna Gener, Adolf Hoffmann, Klodt, Lüdemann, Dr. Moses, Niefisch, Ella Seger, Gerhart Seger, Adele Schreiber. Sonnabend, den 15. November, abends 7½ Uhr: Friedrichshain( 37. Abt.): Schulaulo Hausburgstr. 20. kaulsdorf- Süd: Restaurant Sanssouci. Tagesordnung: Deutschnationale oder sozialdemokratische Kriegs- oder Friedensreichstag? Redner: Karl Leid, Karl Litte. Politif? Sonntag, den 16. November, vormittags 10 Uhr: Canfwih: Lehmanns Festfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 29. Redner: Eduard Bernstein. Diebe aus Veranlagung. Ein Seitenstid zum Prozeß Morvilius. Die Bererbung spielte eine verhängnisvolle Rolle in dem Schicksal einer Familie, aus der drei Mitglieder sich vor dem Schöffengericht mitte wegen fortgesetter Warenhaus. diebstähle zu verantworten hatten. Die eine Angeklagte, Frau Anna 3. ist die geschiedene Frau eines Baumeisters und die Schwie. germutter eines befannten Berliner Theaterdirektors. Mit ihr ist auch ihr Sohn, der Ingenieur Arno 3., angeflagt. Ihre Schwester, Frau Marie R., ist die geschiedene Frau eines Großindustriellen, der als Generaldirektor eine führende Stellung in einem großen Montanunternehmen bekleidet. Der Fall bildet ein Seiten stück zu dem Fall Röber Morvilius, in dem sich befannt ich auch die Mitglieder einer ganzen Familie zusammengeban hatten, um fortgefeßt Ware thäuser zu bestehlen. Tier gestöhnt und jeden, der hereintam, losgeschlagen und gestoßen habe. Er hätte sich so benommen, daß alle sagten, er müſſe in ein Krankenhaus geschafft werden. Ein anderer Polizeibeamter befundete, daß Domte fogar auf ihn felbft losgegangen war, als er ihn zur Ruhe ermahnte. Die damcls verhafteten Kommunisten sagten einheitlich aus, daß sie von Domke und verschiedenen anderen Schupobeamten in fürchterlicher Weise verprügelt morden feien. Da noch etwa 20 Zeugen zu vernehmen sind, vertagte Landgerichtsdirektor Siebert die weitere Verhandlung auf den heutigen Freitag früh. Einem Antrage von Rechtsanwalt Dr. Samter als Nebenkläger der verhafteten Kommunisten, die beiden Angeklagten zu verhaften, wurde nicht stattgegeben. Um 50 Mark. Das Schidfal eines vom Unglüd Berfolgten. Ein Oberpoftfefretär P. ift 24 Jahre im Postdienst und hat sich nie etwas zuschulden tommen lassen. Am 27. Juli, als er sich in den Ferien befindet, geht er an einen Bostschalter und überreicht einem Kollegen am Schalter einen Postfched über 50 M., der ihm dara if das Geld auszahlt. Es stellt sich hinterher heraus, daß das Postched tonto fchon im Dezember aufgelöst worden war. Die Folge war eine Betrugsanflage. Schwere Schicksalsschläge hatten P. verfolgt und ihn in einen Zustand der Geiftesverwurung gebracht, denn die Tat war so ungeschickt und plump, daß er sich als erfahrener Beamter, der selbst lange Jahre Schalterdienst getan hatte, von vornherein sagen mußte, daß der Schwindel fofort aufgedeckt werden müsse. Der Angeklagte fonnte auch feine rechte Aufklärung geben, zu welchem Zweck er diese Manipulation unternommen hat. In seiner Jugend hat er, wie er erzähle, als Schüler durch einen Unglücksfall das rechte Auge perloren. Eine Schicksalsfügung besonderer Art wollte es, daß fein einziger Sohn in genau demselben Alter vor einem Jahr ebenfalls das rechte Auge verior. Seit der Zeit fräntelte das Kind. Im Juli trat eine ernste Erkrankung ein mit hohem Fieber. Der Vater behandelte das Kind selbst nach einem homöo pathischen Lehrbuch und war am 27. Juli in die Stadt gefahren, um Meditamente zu holen. Dabei verfolgte ihn immer die Weisung des Lehrbuchs, daß, wenn das Fieber am 5. und 6. Tage zunehme, die lleberführung in ein Krankenhaus notwendig sei. Bei dem geringen Gehalt und den vielen Krankheitsfällen war er ohne Geldmittel und es peinigte ihn der Gedante, was er anfangen sollte, menn bei der Heimkehr das Fieber sich gesteigert und die Ueberführung ins Krankenhaus nötig sei. Wie es nun gefommen ist, will der Angeklagte nicht wissen. Plötzlich hatte er ein Blatt aus feinem alen Schedbuch, das er noch in der Tasche ha'te, in Händen und stellte den Betrag von 50 M. aus. Obwohl es an sich nicht statt. haft ist, zahlte der Kollege ihm den Betrag sofort ohne Prüfung aus. Er versprach auch, der Bitte des Angeklagten zu willfahren und den Sched noch einen Tag lienen zu lassen. Durch ein Bersehen wanderte der Sched jedoch am nächsten Morgen zum Boftschecamt und fam hann später mit dem Vermert, daß das Ronto erloschen fei, auriid. Inzwischen war der Angeklagte aber schon am nächsten Morgen felbst auf dem Bostamt erschienen und hatte die in Empfang genommenen 50 Mart genau so, wie er sie erhalten, zurüdgeSanitätsrat Dr. Leppmann erstattete ein sehr inter geben. essantes Gutachten aus dem hervorging, daß der Sachverständige bei dem Angeflag en einen leelischen Erschöpfungszustand annehme. Nachdem dieser vorübergehende Zustand gewichen war, ist der Angeklagte wieder zur Besinnung gefommen und hat das Unfinnige seiner Handlungsweise eingefehen. Demnach recht fertige fich für die Tat die Arwendung des§ 51. Das Urteil lautet demgemäß auf Freisprechung. Moloch Alfohol. Im Norden Berlins, in dem Kinderkort Wiesen- Ede Bankstraße veranstaltet der Arbeiter biti nenten Bund( Ortsgruppe Berlin) eine alfobolgegneriide Ausstellung. Die vom 14.- 19. November geöffnet sein wird. Durch Bilder, Modelle und Blafate sollen die mannigfalticen Schäden veranschaulicht werden, die der Alkoholismus der Arbeitericbaft aufügt. Täglich werden Führungsvorträge von Sad fund gen gebalten werden. Der Eintritt ist ire. Die Ausstelluno ist werfe toge von 6-9 Uhr, am Sonntag und Bußtag von 10 5 Uhr offen. An dem Eröffnungsabend, Freitag 7 Uhr, wird St tarzt Genosse Dr. Druder über Arbeiterklasse und Alfobolfrage sprechen. Frau 3. ist jeẞt 60 Jahre und ihre Schwester, Frau R., 63 Jahre alt. Die ergrauten Matronen haben bereits von ihrer frühesten Jugend an Gefängnisstrafen erlitten und find so gar schon im Zuchthaus gewesen. Immer wieder verfielen sie ihrem ang zum Stehlen, obwohl ihre Vermögenslage eine glänzende war. Kaum meren fie aus der Strafanftait ent'affen, Raum meren fie aus der Strafanstalt ent'affen, wurden sie wieder rückfällig und wanderten von neuem hinter die vergitterten Fenster. Auch der Sohn ist in gleicher Weise vor bestraft. Nach dem Gutachten des Gerichtsartes, Medizinalrat Dr. Hommerich, liegt bei allen drei Angeflagten eine erbliche Belastung vor. Schon die Großmutter und die Mutter der belben alten Frauen haben dauernd, besonders unter dem Ein fluß von Altohol, ihre diebischen Anlagen betätigt. Reines megs aber hie't der Sachverständige den§ 52 für vorliegend. Die megs aber hie't der Sachverständige den§ 52 für vorliegend. Die gegenwärtige Anflage beschuldigt die Angeklagten, daß sie Schuhgeschäfte, Wäschegeschäfte, Drogerien und ander Spezialgeschäfte und Warenhäuser aufgesucht und nach der bekannten Man er ausliegende Waren eingesteckt haben, während die anderen Mi.glieder der Familie das Verkaufspersonal abzulenken suchten. Was sie gestohlen haben, waren im allgemeinen recht geringfügige Gegnstände, die bei der Vermögenslage der Angeflagten.faum ins Gewicht fielen. Staatsanwaltschaftsrat herrmann beantragte gegen die Angeflagten. die voll geständig waren, mit Rücksicht auf die zahlreichen Borstrafen und die Gemeingefährlichfeit Strafen von 1% Jahr gegen Frau 3. und zwei Jahre 3uchthaus gegen Arno 3. und Frau R. Die Rechtsanwälte Dr. Schwindt und Dr. Binbar betonten die schwere Entartung der angeflagten Frauen, die, obwohl fie reichen Häufera entstammten, schon in frühester Jugend bei gefüllten Geldfaffen getingu- ertige Diebstähle ausführten. Man fönne mit gutem Recht von einem ererbten franthaften Trieb und einem 3 wang reden, der sie immer wieder, troz Das Berhältnis von Kraftwagenführern und Straßenpublikum schwerer Strafen, zu den Diebstählen trieb. Das Schöffengericht 7, Uhr, im Rahmen einer ozioliftlichen Feierstunde in Stealik, Gemeinde im Berliner Berkehr und die gegenseitige Berantwortung bei Un unter Borsiz von Amtsgerichtsrat Dr. Feldhahn billigte den Arschule I, Ringstraße( unweit Albrechtstraße), fiber das Thema Boetbe und die Religion". Durch Klaviervorträge wird die Feier stimmungsglüdsfällen erfährt bei den Berichten in den zahlreichen klagen, geklagten trop früherer Buchthausstrafen im Hinblick auf ihren er. erbien Schwach sinn dennoch mildernde Umstände zu voll umrahmt. bie aus den Unfällen hergeleitet werden, eine verschiedenartige Be Don und erkannte auf Eirafen drei bis vier Mo urteilung. Das zeigte sich auch bei einem Prozeß gegen den leinaten Gefängnis. Der vom Staatsanwolt beantragte Haft schermeister Max Breitag. Im Mai d. I. wurde auf dem Balten. plag eine Frau von dem durch Breitag geleiteten Kraftwagen überfahren und getötet. Das Schöffengericht hatte Breitag megen fahrläffiger Tötung zu 9 Monaten Gefäng. nis verurteilt. Das Urteil hatte sich auf die Angaben mehrerer Beugen geftüßt, nach denen der Angeklagte zu schnell gefahren sei. Das Schöffengericht hatte die hohe Strafe festgesetzt, weil es den Standpunkt vertrat, daß der Führer eines Kraftwagens auch die Wirkungen des Straßenverkehrs zu berücksichtigen babe. Auf die von Rechtsanwalt Dr. Puppe eingelegte Berufung beschäftigte fich die Straffammer des Landgerichts I von neuem mit dem Fall. Die Beweisaufnahme ergab ein wesentlich anderes Bild. Nach den Befundungen eines Zeugen soll die Ueberfahrene einen Gegenstand ängstlich in der Hand gehalten und nicht die Straße überquert, sondern dem Auto entgegengegangen fein. Als ein zweites Auto herannahte, wurde sie so verwirrt, daß sie in den Wagen hineinlief. Der Verteidiger vertrat den Publikum und Auto. F ALTER befehl tam infolgedessen auch nicht in Frage. Bei der Urteilsbegrün bung richtete der Borsigende an die Familie die erneute Mahnung, sie müsse doch derartige entartete Mitglieder nicht frei in Geschäften herumlaufen lassen, sondern ständig unter strenger Aufsicht halten, da die Angeklagten in Zukunft schwerlich vor einer neuen Suchthausstrafe bewahrt bleiben würden. Ein Nachspiel zum Ulanentag in Fürstenwalde. In Fürstenwalde spielt sich augenblicklich ein Prozeß ab, in dem fich die Bolizeiwachtmeister Domte und Klaus wegen Miß handlung im Amte zu verantworten haben. Es handelt sich um ein gerichtliches Nachspiel zu den Ausschreitungen, die anläßlich des Ulanentages am 18. Mai in Fürstenwalde vorgekommen waren. Die damals verhafteten Rommunisten sollen auf der Woche schwer mißhandelt worden sein. Der angeklagte Bolizeiwachtmeister Domte bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Er tat an jenem Genoffe Pfarrer Bleier spricht Sonnabend, den 15. November, aberds Die Nache des Ermittierten. Goslar war gestern der Schauplatz eines blutigen Dramas. In der Wallstraße wohnte der etwa 68jährige Rentier Stod. meister seit mehreren Jahren zusammen mit einem Fräulein hattenberg. Schließ ich aber wurde St. gerichtlich aus der Wohnung entfernt. St. verließ darauf Goslar, war längere Zeit verschwunden, dann aber wieder hierher zurückgekehrt. Ais Fräulein Hattenberg nun gestern abend von einem Spaziergang zurückkehrte, gab St mehrere Revolverschüsse auf sie ab, die den Tod zur Folge hatten. Unmittelbar nach der Tat beging Stockmeister Selbstmord. Mit dem Flugzeug in die Zuschauermenge. Be einer Krieger. dentmals enthüllung in Tunis führte der bekannte französische Fliegerhauptmann Madon Schauflüge aus. Dabei stürzte fein Apparat aus geringer Höhe mitten in die Zuschauermenge_hinein. Der Hauptmann wurde tot unter den Trümmern des Flugzeuges hervorgezogen. Auch ein Zuschauer tam ums Leben. HEINBRAND JACOBL1880 3 Erdbeben auf Java. In Wonosobo( Java) wurde ein heftiges Erdbeben verspürt, Einige Drte find vollständig vom Erdboden ber schwunden. Im Distrift Legono find 45 Häufer ber. ich wunden. Der Erdboden schwankte während des Bebens in starten Wellenbewegungen. Zahlreiche Familien haben fich ins Freie geflichtet, Ueber die Zahl der Opfer, die fehr groß sein soll, stehen nähere Berichte noch aus. Familientragödie in Mannheim. Der Profeffor an einer Mannheimer Mittelicule, Richter, der mit seiner Frau in Ehescheidung lebt, erfcho 3 feinen 11jäbrigen Sohn und verlegte feinen 15jährigen Sohn gleichfalls fchwer. Alsdann erschoß sich der Brofessor mit einem zweiten Jagdgewehr. Explosion einer Feuerwerksfabrik. In Pasuruan ist gestern eine Feuerwerffabrit in die Luft geflogen. Bisher wurden 12 Leichen un'er den Trümmern aufgefunden. sed Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin itets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richte 7. Krets Charlottenburg. Die Abteilungsvorsitzenden werden gebeten, am Sonnabend awilden 5 und 7 Uhr beim Genoffen Wilt, Schillerstr. 40, Werbeplakate abzuholen 14. Kreis Beukölln. Heute, Freitag, 7%, Uhr, in der Spedition Redarftr. 26, Funktionärinnenfikung. 17. Streis Litenberg. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde: Sonnabend, ben 15. November. 7% Uhr, im Gefangfaal des Cäcilien- Enzeums, Rat hausftr. 8, Clternverfammlung. Referat über die Aufgaben der Rinderfreunde. Aussprache über die Organisation der Arbeit im Kreise. Heute, Freitag, den 14. November: 21. Abt. Gruppe 1: 7% Uhr Rahlabend bei Rösner, Immanuelfirchftr. 25. Wahlanaclegenheiten. 3. Gruppe: Rahlabend und Materialausgabe im Neftaurant Schweizerhäuschen, Greifswalder Gtr. 80b. 57. bt. Charlottenburg. 1. Gruppe: Flugblattverbreitung Freitag von 7 bis 8 Uhr und Sonntag ab früh 9 Uhr bei Arndt, Rantstr. 51. Junasozialisten, Gruppe Schöneberg: Der Gruppenabend fällt Freitag aus. Die Genossen und Genoffinnen beteiligen fich an der Wahlversammlung in der Uhland- Schule, Rolonnenstraße. Morgen, Sonnabend, den 15. november: 44. Abt. Bezirksführer! Abholung der Flugblätter ab 8½ Uhr bei Eiffert, Oranienftr. 196. 87. Stadtbezirk: Treffpunkt aur Flugblattverbreitung Sonntag frith 9 Uhr bei Schibold. Admiralftr. 5. 45. bt. 26 Uhr und Sonntag vormittag 9 Uhr Flugblattverbreitung von Die den Lokalen Studenberg, Sebestreit, Gommer und Minnig aus. Gruppenführer holen die Flugblätter von Berth, Wiener Str. 88, ab. Die Jugend trifft fich bei Minnia. Laufiger Str. 45. 12 Abt. Steglik. Sigung der erweiterten Agitationstommiffion bei Thiel, Albrechtstr. 87. Die Beairtsführer holen bie Flugblätter am Sonnabenb von Samburg, Schlokite, 103, ab. Gonntag, den 16. Nopember, treffen fich die Genoffen in ben Bezirkslokalen zur Flugblattverbreitung. bt. Renkölln. Bezirksführer! Flugblätter am Sonnabend beim Genoffen Cherminin abholen.-Montag, den 17. November. 7 Uhr, Funktionär fikung in der Schule Mariendorfer Weg. 102. Abt. Baumschulenweg. 8wischen 5 und 6 Uhr findet bei Sak, Baumschulenftraße 72, bie Ausgabe der Flugblätter statt. Die Bezirksführer müffen restlos erscheinen und eine arohe Anzahl Barteigenoffen aur Verbreitung mitbringen. Die Abteilungsleitung. Flugblattverbreitung Sonnabenb abend 6 Uhr und onntag vormittag 9 Uhr bei Siete, Möllendorff, Ede Rittergutitraße. t. Karlshorst. Uhr Abholung der Flugblätter vom Restaurant Buch1. Trestowallee, Ecte Dönhoffstraße. 119 Abt. Lichtenberg. 121. Sung sialiffen. Gefamiveranstaltung! Um 8 Uhr fpricht im Friedrich- Wilhelm. Gammnasium. Rochfte. 13. Genoffe Bfarrer Mennide über Die geistigen Rugleich Ausgabe der neuen Strömungen in der Arbeiterbewegung". Jungfozialistischen Blätter". 8. bt Gonntag frith 8% Uhr Flugblattverbreitung: Abt. 8a bet Ridert, Steinmekftr. 86a; Abi. 8b bei Mener, 2ükomftr. 7. Die Bezirksführer baden ein. 13 bt. Die Genoffen und Jugendaenoffen treffen fich Sonntag früh 8 Uhr in der Vorwärtsfpedition Wilhelmshavener Str. 48 sur Flugblattver breitung. tes bt. Jobannisthal. Sonntag felth Uhr bei Schreiner, Friebrichte. 6. Fluablattverbreitung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 24. Abt. Der Funktionär Genoffe Johannes Beder, Winsstr. 23. int nach langem Rrantenlager verstorben. Einäicherung Sonnabend, den 15. NoDember, nachmittags 3% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Morgen. Sonnabend, ben 15. b.., abends 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, Borfikendenkonferena. Dortfelbft Abrednung der Feierstunde- Rarten, Lofe, Theaterbarten, Abgabe der Berichts. bogen Ferner find noch Theaterkarten für unfere Borstellung am 28. au haben ebenso müffen alle Abteilungsvorsitzenden die Karten aum Ronaert on 30. b. M. in Empfang nehmen. Achtung, Abteilungsleiter! Seute pon 5-7 Uhr Abrechnung der Beitragsmarten und Empfananahme der Arbeiter- Jugend" und Jugend voran". Heute, Freitag, 7% Uhr: Baumschulenweg: Jugendheim Ernftstr. 16. Bortrag: Bursche und Mädel in der Bewegung". Brig: Jugendbeim Chauffeeftr. 48. Vortrag: Jugend und Erziehung". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Vortrag: Riele der GAZ." Köpenie: Jugendheim Grilnauer Str. 5. Vortrag: Nature gefchichte". Moabit 1: Schule Waldenferstr. 20. Bortrag: Schulreform" Neukölln 1: Jugendheim Beraftr. 29. Bortrag: Erziehung zum Sozialisten". Neukölln 11: Jugendheim Nogatftr. 58. Mitgliederversammlung. Reukölln III: Blankenburger Str. 69. Jugendheim Nogatftr. 53. Funktionärfikung. Riederschönhaufen: Schule Disfuffion: SAJ. und Reichsbanner". Rorben: Schule Butbufer Str. 8. Vortrag: Schutzollfrage". Often( Frankfurter Biertel): Schule Tilfiter Str. 4-5. Distuffion: Rechte und Pflichten der Mitglieder" Often( Stralauer Biertel): Schule Naglerftr. 3. Bortrag: Schwalbenbuch Reinidendof- Weft: Inaendheim Auguste- Biktoria- Allee. Glakbrenner- Abend. Rofenthaler Borftabt: Landsnemeindehaus. Sophien. Straße 23. Bortrag: Soz. Lebensführung". Ede Schöneberg 1: Rubens Hauptstraße. Bortrag: Proletarische Jugend und Lebensreform". Gülboft ( Köpenider Biertel): Jugendheim Mariannenufer 1a. Vortrag: November revolution 1918" Treptow: Jugendheim Elfenftr. 8. Bortrag: Reichsbanner und SAS." Webbing I: Schönstedtstr. 1. Mitgliederversammlung. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". 99 Gefchäftsfeie. Berlin G 14. Sebastianftr. 37/38. Sof 2 St. Achtung, Fahrt nach Senftenbera! Alle Rameraben, bie am Sonntag an der Fahrt nach Senftenberg teilnehmen, wollen ben Rug uut 7 Uhr vormittags ab Görliker Bahnhof benuken. In Lübbenau umsteigen, dann Weiterfahrt nach Genftenberg. Es wird empfohlen, bis Lübbenan Conntagsrückfahrkarte an lofen und in Lübbenau Fab tarte bis Senftenberg nachzulösen. Der Gauvorstand. Kamerabschaft Bankow mit fämtlichen Untergruppen: Freitag, den 14. b. M., abends 7 Uhr, Treffen Berliner Str. 103. Berfammlungsschuk. Ramerabschaft Eichwalde: Am Freitag, den 14. d. M.. abends 7 Uhr. fritt die Rameradschaft vollzählich bei Lindner Aum Saalfchuk an. Ramerabschaft Reinidendorf: Freitag, den 14. b. M., abends 7 Uhr, in den Borgwalder Restfälen Borfigwalde, Spandauer. Ede Ronrabftraße. Treffen fämtlicher Rameraden. Kamerab Erscheinen Pflicht. fchaft Schöneberg: Freitag den 14. d. M., Antreten aller Ramevaden zum Gaalschuß in der Uhland- Schule, Rolonnenstraße, pünktlich 6% Uhr. Rame. rabidraft Röpenid: Freitag, den 14. b. M. öffentliche Wählerversammlung ber SBD. in Grünau im Jägerhaus. Die Kameraden vom Saalfchuk treffen fich abends 7 Uhr am Röllnischen Vlak. Abfahrt 7½ Uhr. Berein ber Freibenker für Fenerbeftattung. e. B., Gau Berlin. Reiniden. dorf- Weft, Begirt 20: Freitag. Den 14. b. M., abends 7 Uhr, im Boltshaus, Scharnweberstraße, Mitaliederversammlung. Bortrag, Bezirk 4, Prenzlauer Berg. Achtung, Genoffen! Die Rahlftelle 40, Rarl Schröder, Stolpifdhe Gir. 89. befindet fich lekt Stolpifche Gtr. 86" beim Genoffen Wilhelm Goldschmidt. Restaurant. Die Rahlstelle 197, bisher bei Bäshold. Raumerftr. 14, befindet fich jegt beim Genoffen Georg Dorner Schliemannstr. 40, Laden. Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, e. B. Gikuna am Dienstag, den 18. November, abends 72 Uhr, im Snaienischen Inftitut ber Universität. Dorotheenstr. 28. Herr Dr. Dubrowinsti- Mostau a. G.:,,Bon ben Geuchen in Rußland. ihrer Epidemiologie und Bekämpfung in ber Gegenwart". Gäste willkommen. Arbeitersport. Fichte- Cleste. Die Vereinsberiammlung des Tv. Fichte", in der auch der Bundesvorfißende Gellert zu Wort tam, wurde nachts um 1 Uhr berta gt und wird nächstens fortge. fegt werden. Wir werden alsdann zusammenfassend über die Verhandlungen berichten. Berliner Arbeiter Schachklub. " Abteilung Gesundbrunnen: Am Bukbag muß jede Rampfmannschaft antreten. Treffpunkt 1 Uhr am Brunnenplak ber Männer, Jugend- und Rindermannschaften. Abt. Norben|( Webbing) fpielt jeben Freitaa bei Rak, Maritt. 12. Freitag, ben 14. November. Bor trag über die Wiener Bartie. Gäfte willkommen. Unterricht wird unentgelt. lich erteilt. Arbeiter- Radfahrer- Bunb Golibarität, Drtsgruppe Berlin. Touren führ Sonntag, den 16., und Mittwoch, den 19. November. 2. Abt.: Adlershof ( Riege). Start 1 Uhr nachmittags. Frith 8 Uhr Streifzüge durch den Grune matd. Start Dieffenbachstr. 36. Nachmittag 4 Uhr Gikuna, riefenftr. 13, Neuwahl. Start 1 Uhr. Mittwoch nach 3. Abt.: Waidmannsluft( Arlt). Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 14. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus". 6.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Erich Mindt: Jugendboxen". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Wie die Erde entstand. 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Siegfried Mauermann: Lustiges aus der Reichshauptstadt". 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert: Dirigent: Otto Urack, früher Kapellmeister an der Berliner Staatsoper. 1. Ouvertüre zu der Oper Euryanthe", C. M. v. Weber. 2. Arie Kommt ein schlanker Bursch gegangen" aus der Oper Freischütz*, C. M. v. Weber( Charlotte Lindemann von der Berliner Staatsoper). 3. Intermezzo und Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen", Offenbach. 4. Fantasie aus der Oper, Bohème", Puccini. 5. Ouver türe zu der Oper Mignon", Thomas. 6. Arie Kennst du das Land", aus der Oper Mignon". Thomas( Charlotte Lindemann). 7. Hymne an die heilige Cäcilie. Gounod. 8. Fantasie aus der Oper La Traviata", Verdi. Das Orchester besteht aus Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterdienst. Struveshof. Start 10 Uhr Baufiker Blak. 5. bt.: Neu- Buch( Schwanenbura). Start 1 Uhr. Mittwoch nach Rehlendorf( Gereke). Start 1 Uhr Landsberner Blak. 6. b.: Sonnabend, den 15., 7 Uhr abends. Stiftungsfeft. Schwedter Str. 23. Sonntag 1 Uhr nach Röntgenthal( Marr). Mittwoch Streifallge durch den Norden, Endziel Ratharinenfee. Start 10 Uhr Kopenhagener Str. 26. 7. bt.: Streifaüge durch den Grunewald. Start 1 Uhr Rolonieftr. 147. 8. bt.: Gtreifalige durch Briefelang. Start 8 Uhr Arminiusplak. Nachmittags Bidelsmerder( Freund). Start 1 Uhr Waldftr. 8. 9. Abt.: Rehlendorf( Gereke). Start 1 Uhr. Mittwoch Streifzüge durch Groß- Berlin. Start 1 Uhr Schulftr. 114. Ortsgruppee Treptam- Baumschulenweg: NeuRittau. Start 10 Uhr. Mittwoch Schnitellaab, Röninsheide. Start 1 Uhr Bereinslokal. Ortsgruppe Niederschönhausen: Streifzüge Savel- Wannfec. Start 10 Uhr Kreuz, Ecke Wollanfstraße. Ortsgruppe Reinidendorf: Riel 1 Uhr am Start Stefidensstraße, Ecke Pankower Allee. tung, Bundes. nenofen! Am Mittwoch. den 19. November, wird eine Reigenmannschaft fahren in Struveshof hinter Großbeeren. Genoffen, die sich an der Besichti auna beteiligen wollen, treffen fich dafelbft mittags 12 Uhr. per Bahn bis Submiasfelde. Sugendabteilung: Am 15 November Unterhaltungsabend hei Boeker. Weberftr. 17. verbunden mit Aufführungen, Reigenfahren und Tana. Der heutige Grokkampftan ber Sportlichen Verciniouna Norboft" beginnt abends präzife 8 Uhr in hem Rampfring her Germania- Gäle, Chauffee-, Ecke Invalidenstraße. 5 Jiu- Jitsu- Kämpfe zmifchen erster deutscher Raffe fowie 5 Bor- und 6 Rinarämpfe amifchen den besten Vertretern Berlins bilden bas gebiedene umfangreiche Programm. Arbeitsgemeinschaft der Freunde des Schachproblems. Am Gonnabend den 15. November. 8 Uhr. bei O. Nak. Berlin N. 65, Marftr 12, erfte Rusammen. funft aller Broblemlöser und Romponiften. Rwed: Gründung einer Arbeitsgemeinfdaft der Problemfreunde im Rahmen des Berliner Arbeiter- Schachflubs. Willkommen find auch Broblemfreunde aus anderen Arbeiteroraanifationen. Alle Anschriften find zu fenden an G. Buchmann, Neukölln Friedel. Straße 26. Gefchäfts. Wichtige S. B. Sparta 1911. Beichtathletit Fußball, Soden, Sardball. ftelle: Erich Grofenid. 9. 54, Fehrbelliner Str. 40-41. Freitag den 14. November. 8 Uhr, bei Solmann, Rigaer Str. 67, Bollversammlung. Tagesordnung. Freie Turnerschaft Renföln- Brik. Am Sonnabend. den 15. November, begeht die Freie Turnerfchaft ihr 29 Stiftunasfeft im großen Gnale der Neuen Welt. Safenheide. Aur Auffithruna aclamat bie große Revue Bater Fintritt Jahn, der Tacht dazu". Reffereröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. 1 M. inf. Nachftener. Ende? Alle Freunde, Gönner sowie die Arbeite fchaft Neuköllns find dazu recht herzlich eingeloben. Freie Schwimmer Charlottenbura 1904, e. B. Ranu und Segelabteilun Die Gikunaen finden ickt ieben 2. Freitag und 4. Sonnabend im Monat fatt Die nächte Gibune findet am Freitaa. ben 14. Movember abends 7 Uhr, bel Treftel. Königsweg 3, ftatt. Um pünktliches und zahlreiches Crfcheinen der Mitalieder wirb aebeten. Gäfte herzlich mitommen Werbeneranstaltungen des Athletit- Sport- Club. Achtung! Das Hockenfotel AGC.- Leinaia- ASC.- Berfin findet nicht wie angefündlat. auf dem her Sportplan Goklerstraße fondern auf hem Fußballplak in Annaft trake( om Bahnhof Stralau- Rummelsbura) statt. Beninn 2 Uhr. Das voraufaehende Sandbolliniel beainnt um 141 Uhr ebenfalls Annaftftrake, und zwar fpielt FTGR..Bedding acnen AGC. Der Start zum Straßenlauf ift pinktlich 2 Uhr Rudolfplak. Bir meifen nochmals darauf hin, dok fich die Führer der Bereine um 12 Uhr in der 228./281. Gemeindefdule, SohenIoheftr. 10( am Rubolfnlak) treffen. Weitere Anmebungen am Bauf werben schnellstens an die Gefchäftsstelle Alfred Behrends, Berlin N. 87. Binzendorfftrake 7 erbeten. Touristenverein Die Naturfreunde". Berbebesir? Often: Abendfeier am Sonnabend. ben 15. Movember 7 Uhr, in der Aula des Mealanmnasiums Treptow Neue Rrugallee 6. Ronzert, Gefana, Rezitation. Sprechchor. Eintritt 50 Bf. Sport. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 13. November. 1. Rennen. 1. Frrteufelchen( 2obmann), 2. Intereffent( W. Lemzer), 3. Allene( Rauß jr.). Toto: 133: 10. Plag: 22, 18, 17: 10. Ferner liefen: Rohannisfeuer, Baron Alatawah, Long Nunchen, Hauptmann, Peralta. Clärchen, Batchari. 2. Rennen. 1. Carl Alerander( F. Schmidt), 2. My Darling ( 3. Mills), 8. Damson Batts( 3. B. Allen). Toto: 158: 10. Play: 27, 17, 49: 10. Ferner llefen: Benus, Andante, Kapellmeister, Haraldus B., Baron Gabler, Alarich. Hersteller, Wafferlauf, Morgentau, Dichtung, aula 21., Binnte 3. Renne 1. 1. Gubrun II( H. Schröder), 2 Ddyffeus( SnöpToto: 534 10. Blat: 48, nadel fr.), 3. Colonel Dillon( Weidmüller). 14, 15: 10. Ferner liefen: Gamein, Long Alfa, Clematis blau, Leichtfinn, Heidepring I, Aula Dela, Silverius, Eilzug, Matador I, Berdun, Gassen madel, Teufelsbart. 4. Renne tt. 1. Della( Großmann), 2. Aftorie( Weidmüller), 8. Baronek Lybia( J. Mills). Toto: 45: 10. Plaz: 22, 18, 86: 10. Ferner liefen: Ballonlönigin, Luftiger Bruder, Handfeft. Jimiene, Bringelfin Etawah, Heidemann, Edinhard, Amazonla, 3mme I, ibgraf, Wing I, Quintora, Haubize. 5. Rennen. 1. Alland( Th. Mills), 2. Bilasta( Swiger), 8. Marcel ( 3. Mills). Toto: 12:10. Plat: 11, 28: 10. Ferner liefen: Dut vive, Freda Granford, Trotteur. 6. Rennen. 1. bteilung: 1. Allertony(. Stopfe), 2. Altgold ( E. Elias), 3. Mattönigin I( W. Rösler). Toto: 56: 10. Blab: 20, 14, 31: 10. Ferner liefen: Fürst, Baron Watts jr., Alired B., Zufall, Mac Gregor, Beitgeift. 2. Abteilung: 1. Alora Bingen( Miele), 2. Jeffries jr. ( E. Perf), 8. Walfisch( C. Frische). Toto: 65: 10. Plat: 24, 43, 27: 10. Ferner liefen: Fafner 3., Bella Dawson. Lumpi. Hartenfels, Fistus, Schlips. 7. Rennen. 1. Marnot I( Herm. Schleusener). 2. Cobra( Dinse), 3. Koranna(. Schmidt). Toto: 56:10. Blab: 20, 38, 26: 10. Ferner liefen: Laby Betaurift, Adelei B., Bismart, Durchbruch, Alpensex. Tell, Cleo Watts. 1. Delina( Rosenberg), 2. Blaumeife( Schröder), 8. Rennen. Ferner 8. Eturm( J. Mills). Zoto: 186: 10. Blag: 23, 16, 16: 10. liefen: Omega. Native Forbes, Margareth O'Donna, Novelle I, Mignon Forbes, Leuchtturm, Baron Tregantle, Mac Gregor I, Stämpfer, Legter Mohilaner, Torrero, Heidefee, Sirene, M. P. In Planne, Topf und Kuchenfelg gehört nur Rahma buttergleich Rahma MARGARINE buttergleich K Man verlange grafts die Kinderzeitung Der kleine Coco 2 billige Tage in der KVG. Mengenabgabe vorbehalten. 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Zunächst eine grundsäßliche Feststellung: Nach den traffen Beweisen von Wahrheitsliebe, die Herr Stresemann erst vor wenigen Wochen geliefert hat, ist jedec mann von vornherein befugt, seinen Behauptungen und seinen Dementis ebenso viel Glauben zu schenken wie seinen Reden. Damit er nicht abermals dementiert, wollen wir in feinem eigenen Interesse und damit er sich nicht noch tiefer in die Nesseln sett, ihm gleich mitteilen, worauf mir anspielen: Am Freitag, den 12. September, abends 6 Uhr, hielt Dr. Stresemann vor etwa 40 Berliner Journalisten eine Rede über die Notifizierung der Kriegsschuldnote und den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund. In diesem Vortrag erklärte er in absolut eindeuti ger Form: 1. Man mag darüber verschiedener Ansichten sein, ob die Veröffentlichung der Kriegsschuldkundgebung des Reichstanzlers opportun gewesen sei oder nicht, jetzt aber, wo dies geschehen fei, ginge es um die Autorität der Reichsregierung nach innen und nach außen, daß die angekündigte Notifizierung ohne weitere Berzögerung erfolge. Er werde sich dafür mit aller Entschiedenheit bei Wiederzusammentritt des Kabinetts einsetzen. 2.( Wörtlich.) und nach meiner Ueberzeugung fann von einem Eintritt Deutschlands in den Bölferbund überhaupt teine Rede sein, solange nicht die Kriegsschuldfrage in unserem Sinne geflärt ist".( Stürmische Zuftimmung bei den anwesenden Bürgerblodjournalisten.) Am Sonnabend, den 13. September, ließ Herr Dr. Stresemann durch die B. 3. am Mittag" versichern, daß er sich niemals in diesem Sinne geäußert hätte, vielmehr ad 1, daß er durchaus nicht für eine sofortige Notifizierung fei; ad 2, daß er sich durchaus nicht den großen Vorteilen eines Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund verschließe, aber gegen einen Eintritt unter Erneuerung des deutschen Schuldbekenntnisses sei. Seit diesem Tage halten wir uns für befugt, Herrn Strefemanns Borte erst zu glauben, menn fie länger als 24 Stunden aufrechtstehen. Der Vorwurf der Wahlligen", den die Zeit" bei Abdruck der Stresemannschen Berichtigung gegen den Vorwärts" richtet, kann uns von dieser Seite nicht mehr treffen. " Und jetzt zur Sache! Herr Stresemann schickt uns folgenden Brief: Dr. Gustav Stresemann, Reichsminister des Auswärtigen. Berlin, 12. November 1924. Unter Bezugnahme auf den Auffah Köpfe" in Nr. 534 des Borwärts" ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. Es ist unwahr, daß ich im Jahre 1918 bei Bildung der Demofratifchen Partei dieser fernblieb, weil sie mir ein sicheres Mandat verweigerte. Wahr ist, daß ich niemals mit der Demokratischen Partei wegen Eintritts in diese Bartel oder wegen einer Kandidatur verhandelt habe. Der Abgeordnete Fischbeck hat mir vor mehr als Jahresfrist diese Tatsache auf meine Anfrage ausdrücklich bestätigt. 2. Es ist unwahr, daß ich in meiner Studentenzeit Wahlschlepper für die Fortschrittliche Partei gewesen sei. 3. Es ist unwahr, daß ich es darauf angelegt hätte, während meiner Reichskanzlerschaft den Austritt der sozialdemokratischen Minister herbelzuführen Wahr ist, daß ich alles getan habe, um die große Koalition beineinander zu halten. 4. Es ist unwahr, daß ich eine Rede bes Gesandten Dr. Pfeiffer 3. M OG Königliche Hoheit sind schuld!" Exzellenz sind schuld!" " Ruhe, Exzellenz Kahr ist schuld!" Brecht den Stab über ihn! Unftet und flüchtig sollst zum Anlaß genommen habe, Herrn Poincaré irgendwelche Erklärung Du sein auf Erden, fo flüchtig wie Anno 1918!" abzugeben. Die Rebe des Herrn Dr. Pfeiffer ist niemals vom Aus. wärtigen Amt oder von mir zum Anlaß irgendeiner Attion gemacht worden. 5. Es ist unwahr, daß ich die fremden Regierungen privat brieflich hätte wissen lassen, daß die beabsichtigte Note wegen der Schuldfrage lediglich innerpolitischen Zweden biene. 6. Es ist unwahr. daß ich die Absendung der Brivatbriefe bes Herrn Reichskanzlers Dr. Mary jemals öffentlich abgeleugnet hätte. Ich habe niemals eine derartige Erklärung erlassen. 7. Es ist ebenso unwahr, daß ich jemals die Stellung abgeleugnet hätte, die Graf Keßler in Genf eingenommen hat. Wahr ist, daß ich, als in der Presse während meines 11tägigen Urlaubs unrichtige Darstellungen über diese beiden Angelegenhei'en erschienen, die erste Gelegenheit benutzt habe, um die Dinge richtig zuftellen. 8. Es ist letzten Erdes unwahr, daß die Darlegungen, die ich gemeinsam mit dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichs finanzminister Dr. Luther über das Gespräch mit Lord Barmoor gemacht habe, irgendwie der Tatsachen nicht entsprächen. Ich darf in diefer Beziehung auf der Leitartikel des Borwärts" verweisen, in welchem der„ Borwärts" selbst zugestanden hat, daß nach diefer Richtung dem Außenminister teine Borwürfe zu machen sind. Ich begnüge mich auf blese Feststellung der handgreiflichen Un wahrheiten in dem Aufsatz des„ Borwärts" und darf erwarten, daß Sie diese Berichtigung zum Abdrud bringen. gez. Stresemann. Zu dieser Berichtigung des Herrn Strejemann haben wir folgendes zu bemerken: Zu 5 und 6 bestreitet Herr Stresemann nicht, daß in den Privatbriefen, in denen den fremben Regierungen von der entworfenen Kriegsschuldnote Mitteilung gemacht worden ist, betont war, daß die Note an der deutschen Erfüllungspolitik nichts ändere. Die zuständige Stelle" hat die Absendung der Privatbriefe an die fremden Regierungen bestritten. War die zuständige Stelle" etwa nicht das von Dr. Stresemann geleitete Auswärtige Amt? Zu 7. Durch das offiziöse BIB. wurde eine Erklärung der Stresemannschen Zeit" verbreitet, wonach Graf Regler feinerlei offiziöse Stellung bekleidet und daß, wenn er dergleichen behaupte, er sich eine solche Stellung angemaßt er dergleichen behaupte, er sich eine solche Stellung angemaßt hätte. warde Herr Stresemann ist wie gewöhnlich im Bestreiten nicht faul. Aber drei wichtige Tatsachen, die unser Artikel enthielt, hat er zu bestreiten unterlassen: Zunächst bestreitet er nid) t, daß er seinen von ihm Abschied nehmenden sozialdemofratischen Ministerkollegen erflärt hat, er charatterlos fein, wenn er den Bürgerblock mit den Deutschnationalen erstrebte. Weiter bestreitet Here Strefemann die Behauptung nicht, daß er für die Deutsche Volks partei die Verhandlungen mit den Deutschnationalen geführt hat, in denen dieser Partei für den Fall, daß eine zur Annahme des Eisenbahngesetzes ausreichende Anzahl ihrer Abgeordneten für das Gesetz eintrete, der Bürgerbfoder sprochen worden ist. Herr Stresemann bestreitet schließlich nicht, daß er bemüht gewesen ist, den Reichskanzler Marg von der deutschen Delegation zu den Londoner Verhandlungen fernzu Iten. zuführen?" 4* Was haben Ew. Exzellenz zu Ihrer Verteidigung anIch vermute, daß hinter dem Verfahren mal wieder eine jüdische Intrige fteci!" 4. Gerry Wilke „ Herrgolfjafra, jeht wo foll man dean den Brandstempel aubringen? Hinten ist auch tein Plah mehr!" Zur Bermeidung eines stärkeren Andranges in den letzten Tagen der Auslegung ist eine möglichst frühzeitige Einsichtnahme in die Ciften erwünscht. 2. Die Geschäfte des Kreis: vahlleiters für den Wahlkreis 2 Berlin und des Berbandswahlleiters für den Wahlkreisverband Brandenburg I werden im Hauptwahlamt, Rathaus, Zintmer 16, erledigt, wohin alle für den Kreis- und Verbandswahlleiter bestimmten Schreiben zu richten find. 3. Die Geschäftsräume des Kreiswahlleiters für den Wahlfreis 4 Beisdam I, des Barbandswahlleiters für den Wahlfreisverband Brandenburg II und des Kreiswahlleiters für den Wahlttels 3Wahlttels 3- Potsdam II- befinden sich im Regierungsgebäude in Potsdam, Spandauer Straße. Heute so, morgen wieder anders. Tas Gesicht der Volkspartei. Herr Die Denische Boltspartei hält ihren Barieitag ab. Stresemann hat ihn mit einer Rebe eröffnet. Ber erinnert fich nicht an die Maiwahlen! Damals hielt im Wahlkampf die Deutsche Bolkspartei ebenfalls ihren Parteitag ab. Die Leute von der Nationaliiberalen Vereinigung" hatten die Boltspartel verlassen, und Herr Stresemann hielt wie immer eine Rede, Seine Rede von damals hat ihn nicht gehirdert, im Grunde dasselbe zu tun, wie die Leute von der Rationalliberalen Vereintgung. Wozu hat man denn seinen Scholz? Heute so, morgen wieder anders. Wer denkt nicht an jenen fläglichen, zwerchfellerschütternden Umfall in der Frage der Kriegsschuldnotifizierung! Herr StrefeUm Herrn Stresemann unser Wohlwollen zu beweisen, mann tam, spielte dem Reichsfanzler gegenüber das Brävenire, wollen wir ihm einen alten journalistischen Erfahrungsjah gab der Bresse Erklärungen über seine Absichten im Gegensab zu verraten, dessen Richtigkeit sein Berhalten bestätigt. Der Saß ber bekannten Stellung des Reichstanzlers noch keine vierundlautet: nichts ist dümmer als eine halbe Bezwanzig Stunden später hatte er nichts gesagt und war mit dem Zu 1 bleiben wir bei unserer Behauptung und erteilen das Wort dem Reichsminister a. D. Koch, Borsigender der Deutschdemokratischen Partei, der fürzlich in einer öffentlichen Bolemit mit dem von den Demofiaten zur Stresemann Partei übergegangenen Professor Gerland die von uns behauptete Tatsache engedeutet hat. Es gibt in der Demofratischen Partei noch lebende Personen Herr Fried berg ist ja leider verstorben, die sich der Unterhandlungen mit refemann genauer erinnern, als er selbst. Sie mijiex, richtigung! & daß Siresemann sogar unter Auferlegung ge misler Beschränkungen bereit war, in die Deutsch+ demokratische Partei einzutreten, daß er sich aber wie gewöhnlich sehr schnell vom Sonnabend bis Montag eines anderen befann und plöglich seine Bolfspartei gründete. Zu 2. In unserem Artikel war deutlich gesagt, daß Herr Stresemann sich dieser Tätigkeit nicht mehr erinnert; unjere Behauptung ist erweislich wahr. Bu 3 empfehlen wir Herrn Stresemann, die Berichte über feine im April 1924 gehaltenen Wahlreden nachzuschlagen, die sich wie Jubelhymnen auf den Rücktritt der sozialdemokratischen Reichsminister lesen. Bu 4. Auch hier müssen wir bei unferer Behauptung bleiben. Seht die Wählerlisten ein! Wahrt Euer Stimmrecht! Der Magiftrat der Stadt Berfin teilt mit: 1. Der Bevölkerung sind durch öffentliche Bekanntmachung der Bezietsämter am 11. und 12. d. m. diejenigen Stellen bekanntgegeben worden, in welchen vom 15. bis einschl. 22. november d. 3. die Sfimmlisten für die gemeinsamen Wahlen zum Reichstag und Candtag ausliegen werden. Der Saulenanschlag dieser Befanntmachungen wird am 15. und 16. sowie am 21. und 22. d. m. wiederholt. Außerdem sollen die plafate über die Ciftenauslegung noch in den Dienstgebäuden der Bezirksamter und an anderen geeigneten Stellen angeschlagen werden. Reichskanzler vollständig einverstanden. Wie der Führer, so die Pariei. Auf den Alarmschuß ven Anhalt hin schwor die Zeit": fein Wahlbündnis mit den Deutschnationalen, wir machen unseren Kram selbst. Auf der Sigung des Zentralausschusses der Deutschen Belfspartei gab Stresemann die Losung aus, daß die Deutsche Boltspartei un ab. hängig nach allen Seiten und selbständig in jeder Be. ziehung in den Wahlkampf eintritt. Die Bersammlung nahm die Ertlärung mit lang anhaltenden Beifall auf. Da beschloß die Deutsche Voltspartet in Schleswig- Holstein, mit den Deutschnationalen eine Bereinbarung zu treffen, daß fie im bever fiebenden Balllampf Burgfrieden halten und den Kampf unter der Parole Schwarz- Weiß Rot gegen SchwarzRot- Gold führen wollen. Heute fo, morgen wieber anbers, Das ist eben die Mission der Bol? spartei, die fie von den Nationalliberalen ererbt hat. Diese Mission ist eben heute fo und morgen wieder anders, wie's gerade trefft. Da fchreibt in der Zeit" Herr Dr. Goldammer, Herrn Spieß' Nachfolger, über die Mission der Volkspartei: Aber wir müßten uns schämen vor den großen geistigen Ahnherren unserer Politik, Friedrich II., Freiherrn vom Stein und Bismarck, wenn wir den Schmerz über Berlore= nes als zugträftiges Reflameschild vor unseren Reihen dahergetragen hätten." Raum war's gefchrieben, da gingen sie hin und trugen die schwarzweißrote Wahlparole als Reklameschild vor ihren Reihen her. Was ist denn nun ihre Wahlparole? Die Stresemann- Rede oder das schwarzweißrote Reflameschild? Die Worte Stresemanns über die notwendige Berständigung mit Frant reich oder jener Erguß der parteioffiziellen Korrespondenz der Bolkspartci, in dem es hieß: Und läßt es auch die„ Tante Boß" nichi ruhn, Was Frankreich rät, das darfst du niemals tun. Was ihm gefällt, das ist für dich das Schlechte, Das, was es ärgert, ift für dich das Rechte! lind Frankreich fängt gewaltig an zu schrei'n, Sprichst du ein Wort von deinen Rechtspartei'n. Man sieht. o Demokraterich erbleiche: Das Rechte und die Rechte sind das Gleiche. Besonders schafft dem guten Frankreich Weh Die D. B. P" = d Heute Verständigung, morgen Verärgerung. Heute so, morgen wieder anders. Wie man's unter dieser Parole in der Volkspartei lernt, so treibt man's. Da erzählt die Zeit" unter der Ueberschrift Folsch verbunden" folgende kleine Geschichte: " Am 2. November tagte im großen Saal des Ziviltasinos in Frankfurt a. d. D. die Bertreterversammlung der DBP. zur Festfegung ihrer Kandidatenliste. Die Berhandlungen sollen beginnen. Der Vorsitzende greift zur Glocke, da öffnet sich die Tür; ein eleganter herrim Gehrock und 3ylinder tritt ein und durchmißt den Saal, freundliche Grüße einzelnen Herren und Damen zunidend, bis er beinahe zum Vorstandstisch gelangt war. Plöblich stockt er, erblaßt und verläßt fluchtartig den Saal. Da löst die lautlose Stille, mit der alle diese Erscheinung beobachtet hatten, brausendes Lachen aus, denn der fremde Cast war Herr von Kemnih, der sich dert als " Deutsch nationalen"(!) Kandidat präsentieren wollte. Diplomatenpech!" Herr von Remnih hat bei der Deutschen Volkspartei gelernt. Er ließ sich als Volksparteiler wählen und ging gleich rach der Wahl zu den Deutschnationalen. Was gingen ihn die Wähler an. Wieviel Kemnize nimmt jetzt die Deutsche Boltspartei in ihren Reihen aus dem demokratischen Lager auf, um sie in der Kunst des Heute- so- morgen- wieder- anders weiterzubilden? Ist nicht nur ein gradueller Unterschied zwischen Herrn von Kemnitz und Herrn Stresemann, der eine, der sich für die Volkspartei wählen läßt und dann zu den Deutschnationalen übertritt, der andere, der jetzt während der Wahlbewegung vernünftige Reden hält, um nach der Wahl wieder das Werben um die Deutschnationalen zu beginnen, damit die einzig vernünftige Politit nur ja ruiniert wird? Heute so, morgen wieder anders. Das einzig Bleibende ist das Gelüste nach dem Rechtsanschluß, rach dem Bürgerblod, nach der Regierung des Besitzes. Alles Schwanken ist Versuch über das Thema: Wie komme ich am besten zum Bürgerblod heute so, morgen wieder anders. Die innere Berwandtschaft mit den Deutschnationalen ist das stärkste bei ihnen fie zeigt sich sogar im Schwanken, in der Halbheit, in der Doppelzüngigkeit. Nur die Deutschnationalen find halb und halb zu gleicher Zeit, bei der Volkspartei heißt es: Heute so, morgen wieder anders! Wenn erst der Bürgerblock regiert! Zur Beachtung für die kommende Reichstagswahl! Laß dich vom Linten lieber warnen und nicht vom Rechten dich umgarnen." Vier Beamie des Postzeitungsamtes wurden wegen Nichtgrüßens ihres Amtsvorstehers außerhalb des Dienstes von ihm mit einer Ordnungsstrafe von je 50 Pf. bestraft. Eine Rechtfertigung seitens der Beteiligten wurde vom Amte vorsteher gar nicht entgegengenommen. So geschehen am 11. November 1924. Geld nehmen sie. Die Pension von der Republik, die sie bespeien. Es gibt monarchistische Beamte, die angeblich dem Staat dem republitanischen Staate!-dienen, und ihn dennoch bekämpfen. Versteht sich, daß sie sich dafür von der Republik be zahlen laffen. Es gibt auch monarchistische Pensionäre, die von der Republik Pension beziehen und sie trotzdem bespeien. Zur letzteren Kategorie gehört vor allem Herr Ludendorff. Die Pension von der Republik, Gegenleistung" den Putsch gegen die Republik. Was einem General Budendorff recht ist, ist einem simplen Major billig. Das„ B. I." hängte fürzlich das Gebaren eines Majors a. D. niedriger, der sich bei einer Denkmalseinweihung über eine schwarzrotgoldene Kranzschleife entrüftet hatte. Natürlich gehört er zu den Schmaroßern, denen das Geld der Republit nicht zu gut ist. Die„ Kreuzzeitung" findet diefe Liebe zum republikanischen Gelde in der Ordnung: Wenn das„ B. L." die aus wehlerworbenen Rechten stammerde Pension des Majors mit den schwarzrotgoldenen Farben in Verbindung bringt, dann ist das gelinde gesagt eine Geschmacksverirrung. Es fehite gerade noch, daß die Republik alle wohlerworbenen Rechte tassiert, um noch mehr Geld für rote Diätenempfänger und ähnliche Stühen der Republik zum Fenster hinauswerfen zu fönnen." Warum nicht gleich:" Nehmt nur recht viel, damit die Republik NEU RICHTER SEGUTZ Klar und eindeutig. Zum Briefwechsel zwischen Moskau und Amsterdam. In der Nummer 530 des„ Vorwärts" vom Sonntag, den 9. Rovember( 3. Beilage) nahmen wir Kenntnis von dem Briefwechsel, mit dem der A11russische Gewertschaftsrot in Moskau seine Einigungsaktion zwischen den von ihm vertretenen russischen Gewerkschaften und den dem Internationalen Gewerkschaftsb und angeschlossenen reformistischen" Gewerkschaften eingeleitet hat. Während für den Zentralen Allruffischen Gewerkschaftsrat die Sache fo einfach zu liegen scheint, daß es lediglich der Einberufung eines Kongresses Weltarbeitertongresses- bedürfe, um die Einigung zu beschließen, hat der„ bureaukratische" Borstand des JGB. den Borbehalt gemacht, daß es vor der Aufnahme mündlicher Verhandlungen notwendig sei, fchriftliche Unterlagen zu haben, die erkennen lassen, welche übereinstimmende Linien und welche gemein= fame Taftit möglich iſt". In dem Antwortschreiben aus Moskau wurde daraufhin gesagt: Ihrem Wunsche nach etwas Schriftlichem, das als Grundlage für die kommenden Verhandlungen dienen fönnte, tommen wir gerne nach." In Wirklichkeit weicht der Allrussische Gewerkschaftsrat diefem Berlangen aus, indem er sich auf etliche Gemeinplätze beschränkt. Er schreibt u. c.: ,, Unfererfeits find wir bestrebt, sowohl national als auch international die Einheit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung herzustellen, d. h. wir trechten danach, soweit es möglich ist, die größte 3ufammenfassung aller Gewerkschaften herbeizuführen, sowohl der Organisationen der Roten Gewerf fchaftsinternationale als auch des IGB. und der außerhalb jeder internationalen Körperschaft stehenden Organisationen. Bedingung ist dabei, daß diese abseitsstehenden Organisationen das Prinzip des Klaffentampfes anerkennen. Es ist wohl nicht nötig, zu begründen, weshalb wir nach dieser Einheit, dieser Allianz von Gewerkschaften mit wirklich anti- tapitalistischer Tendenz streben. Sie wissen so aut wie wir, daß die Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung die wichtigste Borausfegung eines erfolgreichen Kampfes sowohl gegen die Offensive des Kapitals, als auch die faschistische Reattion und die ganze fapitalistische Gesellschaftsordnung ist." Und nun folgt das Einheitsrezept: „ Das zweckmäßigste Mittel zur Schaffung der Einheit und zur Ermöglichung der Gründung einer einzigen Gewerkschaftsinternationale ist nach unserer Ansicht die Einberufung eines gemeinsamen, allgemeinen Kongresses, eines Weltarbeitertongresses. Von Threr Ansicht, daß zwischen der Tattit, die von uns, und derjenigen, die von Ihnen als grundlegend für die Gewerkschaftstätigkeit anerkannt wird, ein grundsäglicher Gegensah besteht, der über die Frage eines mehr oder minder radifalen Auftretens weit hinausgeht, haben wir Kenntnis genommen." Diese Gegenfäße seien ja doch nichts Neues. Selbstverständlich sind wir am gegebenen Ort und im gegebenen Augenblick gern bereit, diese Meinungsverschiedenheiten, die uns von Ihnen trennen, in allen ihren Einzelheiten zu be sprechen. Unsere Vorschläge lauten deshalb wie folgt: voll= ständige Aufgabe jeglicher Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie; gemeinfamer, nationaler und internationeler Kampf der Arbeiter und ihrer Organisationen gegen das Weltkapital pleite geht und fein Geld zur Verwaltung da ist. Reicht's nicht, fönnen ja republikanische Beamte abgebaut werden." Es ist nach der Kreuzzeitung" in der Ordnung, daß sie nehmen. Mit weicher Entrüstung hätte die„ Kreuzzeitung" einfimals solche Gesinnung wenigstens öffentlich abgewiesen. Jest sagt sie öffentlich: wir lieben das Geld der Republit, wir nehmen. Jawohl, sie nehmen! Die Wahlleiter für Brandenburg. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat ernannt: für den Reichstags- und Landtagswahlkreis 2( Berlin) und den Reichstags- und Landtagswahlkreisverband Brandenburg I, zum Kreiswahlleiter und zum Verbandswahlleiter den Stadtrat Dr. Richter, als dessen Stellvertreter den Stadtrat Wege; für den Reichstags- und Landtagswahlkreis 4( Potsdam I) und für den Reichstags- und Landtagswahlkreisverband Brandenburg II, zum Kreiswahlleiter und zum Verbandswahlleiter den Regierungsrat Dr. Wolfram, als dessen Stellvertreter den Regierungsrat Kretschmer und für den Reichstags- und Landtagswahlkreis 3 ( Potsdam II) zum Kreiswahlleiter den Dr. Biz dam, als dessen Stellvertreter den Regierungsrat Freiherrn von 3iegefar. Die reiswahlvorschläge, Berbindungs- und Anschlußerklärungen für beide Wahlen müssen bestimmungsgemäß eingereicht werden; und zwar die Kreiswahlvorschläge an den zuständigen Kreiswahlleiter his spätestens am 17. Tage vor dem Abstimmungstage( 20. 11.), die Verbindungserklärungen an den zuständigen Verbandswahlleiter bis spätestens am 12. Tage vor dem Abstimmungstage( 25. 11.), und die Anschlußzerklärungen an den zuständigen Kreiswahhlleiter bis spätestens am 8. Tage vor dem Abstimungstage( 29. 11.). einem Aufruf des Reichsparteivorstandes des Zentrums geht hervor, Abkommen zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei. Aus daß nunmehr zwischen Bayerischer Bolkspartei und Zentrum eine Bereinbarung für die Wahlen zustandegekommen ist. Danach wird das Zentrum im rechtsrheinischen Bayern sowohl für die Reichstagswahlen wie für die Gemeindewahlen keine eigenen Kandidaten aufstellen und örtlichen Kandidaturen„ weder moralische noch materielle Unterstützung zuteil werden lassen". Dafür stellt die Bayerische Volkspartei keine Kandidaten außerhalb Bayerns auf. In der Pfaiz werden beide Parteien getrennte Wahlvorschläge einreichen, sie wollen fich aber im Wahlkampf mit Glacéhandschuhen anfassen. Blautopf ZIGARETTENFABRIK OTTO KRESSIN, BERLIN, SCHÖNHAUSER- ALLEE 149. In der„ Roten Fahne"( Nr. 154, 1. Beilage) wird an die Beröffentlichung des Briefwechsels die Behauptung gefnüpft:„ Der Allrussische Gewerkschaftsbund hat die Frage der Einheit der Gewertschaftsbewegung flar und eindeutig gestellt, worauf nur eine flare und eindeutige Antwort am Plaze ist.“ Der Vorwärts" habe jedoch versucht, in seiner Nummer vom 9. November die klare Fragestellung zu verwischen und sie auf ein falsches Geleise zu schieben. Der Vorwärts" habe drei Fragen gestellt. die nicht die Herstellung der Einheit in der Gewerkschaftsbewegung, sondern die Kommunistime Internationale in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen versuchen. " Der Vorwärts" foll es sich gesagt sein laffen, es handelt fich nicht um die Verschmelzung der Kommunistischen Internationale mit dem Amsterdamer Gewerkschaftsbund, fondern um die Herstellung der Einheit der beiden Gewerkschaftsinternationalen." Die Herren vom Allrussischen Gewerkschaftsrat müssen dem Borwärts" schon gefatten, in einer so sehr wichtigen Angelegenheit seine Meinung zu sagen. An einer gewerkschaftlichen Einheitsfront haben insbesondere die deutschen Gewerkschaften ein überaus großes Interesse, zumal nachdem ihre Einheitsfront auf Anweisungen von Moskau aus so übel zugerichtet wurde, daß sie noch heute vielfach große Mühe haben, sie wiederherzustellen. Wir müssen wissen, ob die Leiter und die Mitglieder des Allrussischen Gewerkschaftsbundes in ihren Entschliehungen unbehindert, oder aber gebunden sind. Wir müssen wissen, ob bei der Einigungsaktion die Lüge als Kampfmittel ausgeschaltet wird und die ehrliche Absicht besteht zu verständnisvollem aufrichtigen Zusammenwirken. Wir müssen wissen, ob man die Gewerkschaften als selb= ständige Gebilde mit ihrem geltenden Wirkungsfreise anerkennt, oder aber ob sie nur als Mittel zum 3 wed gebraucht werden sollen. Wir müssen wissen, ob die gewerffchaftligen Landeszentralen autonom bleiben, ihre Tattik noch wie vor den besonderen Verhältnissen ihres Landes anpassen können, oder aber ob sie den Parolen irgendeiner Zentrale unterstellt werden sollen. Wir müssen wissen, wie man sich in Moskau zu diesen Dingen stellt, fiber die sich wohl auf einem Weltkongreß manches reden läßt, die jedoch zuvor geflärt werden müssen. Mit Redensarten und radikalen Deflamationen werden feine Regelungen er= fett; solche können nur in gründlichen. ernsthaften Beratungen erreicht werden. Dffen gestanden: So sehr uns eine wirkliche gewert fchaftliche Einheitsfront am Herzen liegt, so scheint uns aber nach allen üblen Erfahrungen, die wir in den legten Jahren mit mosta u madjen mußten, einige Vorsicht am Plaze. Gegen die Unterstellung, ein hinterlistiges Spiel" zu treiben, brauden wir uns wirklich nicht zu verwahren. Wir find aber nach allem dazu verpflichtet, mit darauf zu achten, daß nicht unter dem Deckmantel der Einheitsfront ein hinterliffiges Spiel mit den Gewerkschaften getrieben wird. An die 21 Bedingungen der Kommunistischen Intermotionale hatten wir nicht einmal erinnert. Wenn die Rote Fahne" darauf aufmerksam macht, saß sie noch bestehen, so wird auch darüber ein Wort zu reden ſein. Aus der Partei. Die Stärke der belgischen Arbeiterpartei. In einem Interview gibt Genosse van Roosbroed, der Sekretär der belgischen Arbeiterpartei, folgende interessante Daten über den gegenwärtigen Stand der belgischen Arbeiterbewegung: Die Bartei zählte am 31. Dezember 1923 ungefähr 640000 Mitglieder; sie ist derart organisiert, daß sie in ihrem Aufbau auch die gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen einschließt. Für sich genommen zählen die Gewerkschaften rund 700 000, der Genossenschaftsbund rund e'ne Million Mitglieder, die Jugendorganisation 22 000. 3ur Partei gehören ferner eine gute Frauenorganisation, eine der besten Arociterbildungsorganisationen heime und eine weitverbreitete Presse, darunter sechs Tageblätter, die und ein Studienbureau und Archiv. Se verfügt über 80 Arbeiterzusammen eine Auflage von 120 000 Eremplaren haben. Die Partei ist in der Kammer durch 68, im Senat durch 52 Abgeordnete vertreten. Außerdem zählt sie 3164 Gemeinderäte und verfügt über die Mehrheit in 246( von insgesamt 2600) Gemeinden. Die fommunalpolitische Zeitschrift„ Die Gemeinde" bringt in ihrem zweiten Novemberhest Beiträge über:„ Kommunale Aufwertung" von Ernst Reuter," Die Reformen des kommunalen Berfassungsrechts in Braunschweig" von O. Grotewohl,„ Die Bemessungsgrundlagen der Gewerbesteuer" von B. Schimmel," Abbau der Mieterschutzgesetzgebung durch die Rechtsprechung" von Ernſt Katz,„ Die Fürsorgeverordnung in den westfälischen Gemeinden" von Frih Haverkampf, fermer Notizen über Berwaltung, Gesetzgebung und Literatur. Wetter für Berlin und Umgegerd. Das falle, trodene, meist heilere Better wird weiter anhalten. Für Deutschland. Im Westen zeitweise nebelig, sonst größtenteils heiter, überall falt, im Osten ziemlich starter Frost. Spröde u.rote Haut Aufspringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und unreinen Teint bejeitigt fofort Leokrem Dieles bewährte Saut pflegemittel erhalten Sie überall, wo Sie die bekannte Chlorodont Zahnpaste laufen. C in Friedensformat Die beliebte KRESSIN 39 K ZIGARETTE in bekannt überragender Qualität Wirtschaft Der Kampf gegen die öffentlichen Banken. Der große Ronjuntturumschwung, den die Beendigung der Inflationsperiode und die Wiederherstellung stabiler Währungsverhältnisse im Bankgewerbe gebracht hat, mußte natür lich zur Entfesselung eines heftigen Kampfes der Bankunter nehmen und ihrer Organisationen sowie der interessierten Presse gegen die in den letzten Jahren sich herausbildende Kenkurrenz der öffentlich- rechtlichen Bantanstalten( Sparkassen, Kommunalbanken und Girozentralen) führen. Die vor dem Kriege einsetzende Entwidlung des fommunalen Bankwesens, die Zusammenfassung privater und öffentlicher Mittel in Sparkassen und Giro zentralen und der Beginn einer mehr banfmäßigen Ausgestaltung dieser Institute sowie eine entsprechende Verwertung der in diesen großen Sammelbecken zusammenströmenden Gelder hatte bereits zu dieser Zeit den Abwehrkampf ber privaten Inter= essenten herausgefordert. In den Jahren nach dem Krieg, als es den Banken trotz ihrer ständig zunehmenden Zahl und der Aufblähung ihres Angestelltenförpers nicht annähernd möglich war, den an sie herantretenden Anforderungen zu genügen und alle Aufträge den öffentlichen Banken und den Genossenschaftsinstituten gern geder Kundschaft auszuführen, als die Abwanderung der Kunden zu sehen und mit den bekannten Mitteln der Verärgerung der kleinen Kundschaft gefördert wurde, trat vorübergehend dieser Kampf in den Hintergrund und man fand auch in den Fachzeitschriften seltener einen Aufsatz gegen diese Entwicklung. Es ist bezeichnend genug, daß nunmehr auf ganz breiter Front, in der Lages- und Fachpresse, ein außerordentlich heftiger, ständig an Umfang zunehmender Rampf begonnen hat und mit imuner weitergehenden Forderungen an Gesetzgebung und Verwal tung zieds Einschnürung und Verhinderung dieser Entwicklung herangetreten wird. Leider hat eine Reihe von Schwierigkeiten verschiedener Sparfaffen den publizistischen Vertretern der Bankintereffen Material an die Hand gegeben, das in der schärfsten Weise gegen sämtliche öffent lichen Anstalten ausgenutzt wird. Es ist zwar fein zweifel, daß Zahl und Umfang der in der privaten Bantwelt eingetretenen Berfuste relativ viel größer ist, als bei den Sparfaffen usw. Diese Fälle gelangen aber naturgemäß nicht annähernd in derselben Vollständig teit zur öffentlichen Kenntnis und finden selbstverständlich auch zumeist kein derartiges Echo in weitesten Kreisen, wie das berech tigter Weise bei öffentlichen Unternehmungen der Fall ist, die als Institute der öffentlichen Verwaltung in vollem Umfange der Kontrolle der Bevölkerung unterliegen müssen. Diese gewiß bedauerlichen und mit allen geeigneten Mitteln zu verhütenden Einzelvorfälle sind cber als Einzelerscheinungen im Zusammenhang unserer gegenwärtigen Gesamtverhältnisse zu betrachten und es sind Maßnahmen zu erwägen, die sie nach Möglichkeit in Zukunft wieder ausschließen. Denn daran soll tein Zweifel gelassen werden, daß führen, rücksichtslos gegen jede die besonderen Aufgaben der öffentlichen Unternehmung verfenende spekulative Ge schäftsführung einzuschreiten und sich auf diese Weise die im Interesse unserer Volkswirtschaft notwendige Stärkung Brune Asch. ihrer Stellung zu erkämpfen. Handelsverträge und Gewerkschaften. wenn fie für ihre Kundschaft nicht nur Sparanstalten sind, die etwa noch dazu den Giroverfehr pflegen, sondern wenn sie außerdem auch die Ausführung aller sonstigen bantmäßigen Aufträge übernehmen. Bei der gegenwärtigen entwickelten Geld verkehrswirtschaft würde das Herabdrücken des Arbeitskreises der Sparkassen und Girozentralen auf den Sta.td vor etwa 30 Jahren, des Zentralausschusses gefordert worden sein soll, in Wirklichkeit das wie sie von dem Präsidenten der Reichsbank in der letzten Sigung Ende der Kassen bedeuten. Kein Institut wäre bei dem Mißverhältnis zwischen den ihm bei einer derartigen Organisation zu Handelsvertrages sind im Gange. Während bei früheren VerhandDie deutsch- französischen Verhandlungen zum Abschluß eines fließenden Geldern und den Unkosten des Betriebes auch nur im entferntesten zur Deckung der Spesen in der Lage, was bei den lungen ähnlicher Art in Spa und Genua Vertreter der Gewert gegenwärtigen fommunalen Finanzverhältnissen den unmittelbaren fchaften hinzugezogen wurden, sind die Gewerkschaften diesmal, Zwang zur Aufhebung zahlreicher Kassen bedeuten würde. Daß obwohl die Frage des Achtstundentages unter Umständen in die dies von den Vertretern des Bankkapitals nicht besonders ungern Verhandlungen hineinspielt, merkwürdigerweise übergangen gesehen würde, ist wohl taum zweifelhaft; ob es aber den Interessen worden. Aber die Gewerkschaften sind nicht nur sozialpoli örtlichen und bezirklichen Kredit der öffentlichen Banken angewie- chaftspolitisch am Geschick der deutschen Wirtschaft und am der Gesamtwirtschaft und insbesondere denen der auf den tisch, sondern als Vertreter der Verbrauchermassen auch wirtfenen wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungsfreise entsprechen Abschluß langfristiger, das Wohl der arbeitenden Bevölkerung würde, steht auf einem anderen Batt. hat daher, wie wir hören, ein Schreiben an das ReichsDeutschlands berücksichtigender Handelsverträge lebhaft interessiert. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wirtschaftsministerium gerichtet, worin er sowohl sein Befremden über das Nichthinzuziehen von Gewerkschaftsvertretern worden sei. Der Vorstand des ADGB. beantragte ferner, den freien zu den deutsch- französischen Verhandlungen ausspricht, wie ferner nach den Gründen fragt, warum diese Unterlassung begangen Gewerkschaften bei der bevorstehenden Schaffung des sogenannten Gewerkschaften bei der bevorstehenden Schaffung des sogenannten großen Verhandlungsausschusses für die deutschzum Abschluß von Handelsverträgen eine angemessene Vertretung französischen Verhandlungen eine angemessene Vertretung einzuräumen, und schließlich bei künftigen Verhandlungen der freien Gewerkschaften von vornherein hinzuzuziehen. Der Herr Wirtschaftsminister wird in diesem Schreiben um Mitteilung gebeten, ob die Anträge Annahme gefunden hätten. ften Zukunft auf dem Gebiete des Hypotheken, Bürg Gerade die wichtigsten volkswirtschaftlichen Aufgaben der näch fchafts- und kleinen Kontoforrenttredits werden ebenso wie in der Vergangenheit zu erträglichen Bedingungen nur von den öffentlich- rechtlichen Instituten erfüllt werden. Daß das daran, daß die fetteren Gewirne des furzfristigen Leihgeschäfts gegenwärtig nur sehr unzulänglich der Fall sein kann, liegt nicht lecken; es ist vielmehr darauf zurückzuführen, daß jeder verantwor: tungsbewußte Leiter eines derartigen Unternehmens im Interesse der Liquidität seines Unternehmens davor zurückscheuen muß, in fast gar nicht zufließen, sondern der größte Teil der Einlagen größerem Umfange berits jetzt, wo ihm langfristig angelegte Gelder turzfristig fündbar ist, Ausleihungen der genannten Art, die immer nur langfristig fein fönnen, vorzunehmen. Es wird den Kaffen zurzeit auf der einen Seite vorgeworfen, fie seien nicht genügend auf die Wahrung ihrer Liquidität bedacht, auf der anlaffen würden, die gerade zur Illiquidität führen muß. Der deren Seite, daß sie nicht genügend Geld in eine Richtung fließen artige Argumentationen, wie sie gegenwärtig allzu oft vorgebracht werden, richten sich für den unterrichteten Beurteiler von selbst, sie sind aber trotzdem in dem jetzt gegen die öffentlichen Banken geführten Kampfe sehr ernst zu nehmen. Die öffentlichen Banten werden, nachdem ihnen der Kampf aufgezwungen ist, gut tun, sich durch ihre Organisationen zur Wehr zu setzen. Ihre Hauptaufgabe in dieser Situation aber muß sein: durch ihre Geschäftsführung nicht dazu beizutragen, daß Borfälle der im Laufe der letzten Monate bekanntgewordenen Art dem Gegner Material zum Kampf gegen die öffentlichen Banken an die Hand geben, selbst scharfe Kontrollmaßnahmen einzu Preisnotierungen für Nahrungsmittel. W die Vorschläge der Geschäftsinhaber für die Aufstellung der GoldDarmstädter und Nationalbant. Der Aufsichtsrat genehmigte marferöffnungsbilanz für den 1. Januar 1924. Danady wird das Aktienkapital der Bant auf 60 000 000 Gm. umgestellt und ein ordentlicher Reservefonds von 40 000 000 Gm. gebildet, so daß Aktienkapital und Reserven der Bank 100 000 000 Om. befür die Beamten 1 000 000 Gm zugeführt. Vor dem Kriegsausbruch trogen. Außerdem wird dem wieder aufzubauenden Pensionsfonds verfügten die in der Darmstädter und Nationalbant vereinigten Banben über 334 Mill. M. an Aktienkapital und Reserven. Das Aktienkapital allein betrug vor der Umstellung 600 Mill. Papermart. Die Zusammenlegung erfolgt somit im Verhältnis von 10 3u 1. Inwieweit sie durch eine Verminderung der Suftanz herbeigeführt ist, wird aus der Goldmarkbilang nicht ersichtlich. Die Banten lassen sich nämlich bei der Bewertung thees Bermögens von dem Grundfah leiten, daß das neue Aftienkapital von vornherein so gering bemessen werden muß, daß schon im nächsten Jahre eine es, daß die mehr als 150 Bankgebäude der Darmstädter Bank nur nit 25 Millionen M. ausgewiesen werden, während allein in den letzten Jahren rund 40 Millionen Gm. für Bauten usw. aufgewandt worden sind! Auch die Effeftenbestände dor D. mstädter Bant find nur so weit sichtbar gemacht, als es das Bedürfnis nach hohen stillen Reserven zuläßt. Der Bestand an eigenen Wertpapieren. ist mit ganzen 23,64 Millionen Gm. ausgewiesen, und zwar wurde der Bewertung der niedrigste Kurs im vorigen Inflationsjahr init starten Abstrichen zugrunde gelegt. Man sieht: ganz so arm, mie Be die Goldbilancen es erscheinen lassen, sind die Banken nicht. schäftsjahr start angewachsen find, daß es sich dabei aber meist um merkenswert ist, daß die Einlagen bei der Bank im neuen Ges turzfristige Durchgangsgelder, nicht so sehr um Spareinlagen handelt. Man erwartet genügend Gewinn, um eine angemessene" Dividende ausschütten zu können. die Verantwortung der Leitung einer öffentlich- rechtlichen Unter Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je ſtattliche Dividende ausgeschüttet werden kann. So kommt nehmung, die Gelder der Gesamtheit verwaltet und infolge ihrer Lefonderen Vertrauensstellung( Mündelsicherheit) eine ganz andere Stellung zu wahren hat als privatwirtschaftliche Unternehmen mit der mangelhaften Sicherung von Spargeldern oder. ihrer spekulatiren Anlage nicht vereinbar ist, und daß allen wirklichen Auswüchsen auf diesem Gebiete gar nicht schnell und ent fchieden genug entgegengetreten werden fann. Es darf aber auch nicht übersehen werden, daß die Zeit der Inflation notwendiger meise die Durchbrechung vieler guter alter Grundsäße überall zu ciner Frage der Selbsterhaltung gemacht hat und daß es nur zu natürlich ist, wenn die Wiederherstellung konsolidierter Verhältnisse nach den gewaltigen Erschütterungen des Jahres 1923 nicht erfolgen fonnte, ohne daß an der einen oder anderen Stelle Fehler gemacht wurden, deren Wirkungen fich im Zusammenhang mit der allge meinen Wirtschaftskrise und dem Zusammenbruch einer Reihe anerkannt großer und anscheinend gefestigter Unternehmen der Privatwirtschaft zeigen mußten. Aus diesen Einzelerscheinungen mü für die öffentlichen Bankinstitute Konsequenzen gezogen werden, wie sie etwa der Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom 22. Mai 1924 über den Geschäftsbetrieb der Sparkassen zieht, aber es. liegt teir fachlich begründeter Anlaß vor, den öffentlichen Banten eine Berengung ihres Arbeits: bereiches aufzuzwingen, wie fie gegenwärtig propagiert wird und die sie praktisch lebensurfähig machen müßte. Es ist ganz selbstverständlich, daß überall mit den Methoden und der Arbeitsweise der Inflationsjahre gründlich Schluß gemacht und bei der Auswahl und der Durchführung aller Geschäfte sorgfältig den Satzungen und Bestimmungen der Kaffen entsprechend gearbeitet werden muß, ebenso daß das Schwernewicht der öffentlichen Bankarbeit nicht auf die Erzielung rascher Konjunkturgewinne, sondern die Wiederheranziehung ber Sparkunden und die Belebung der Spartätigteit zu lenken ist. Diese Aufgaben aber fönnen die Kaffen nur erfüllen, Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose... Haferflocken, lose.... Hafergrütze, lose.... Roggenmehl 0/1..... Weizengrieẞ Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehi Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, erl Langbohnen, handverles. Linsen, kleine Linsen, große Linsen, mittel Kartoffelmeh! Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudeln Mehinudein Bruchreis Rangoon Reis Tafelreis, glasiert, Patna Tafelreis, Java. Ringäpfel, amerik. .. Getr. Pilaumen 90/100.. Pflaumen, entsteint Zentner frei Haus Berlin. 18,50-24,50 Kakao. fettarm 75,00-96,00 18,50- 18,75 Kakao, leicht entölt 100,00-120,00 20,00-21,00 Tee, Souchon, gepackt. 320,00-400,00 21,50-22,50 Tee, indischer, gepackt. 400,00-470,00 17,00-19.00 Inlandszucker basis mel. 30,20-33,00 19,25-22,50 Inlandszucker Raffinade 33,00-35,00 24,50-27,0 Zucker Würfel. 37,00-42,00 17,0 19.25 Kunsthonig. 39,00-41,00 19,50-26,50 Zuckersirup hell in Eim. 40,00-45,00 18,00-24,00 Speisesirup dunk. in Eim. 27,00-31,00 16,00-18,00 Marmelade Einfr. Erdb. 90,00-95,00 22,00-24,75 Marmelade Vierfrucht 40,00 28.50-37,5 Pflaumenmus in Eimern 18,50-29,50 Steinsalz, in Säcken 31,00 37,50 37,5052,25 Siedesalz in Säcken... 17,25-21,25 43,50 45,00 Bratenschmalz in Tierces 81 45,00-53,00 3,10-3,60 3,70-4,20 4.40- 5,00 90,00-93.00 5,20- 5,80 90,00-95,00 86.00- 88,00 88,00-92,00 65,00-66, 47,00-54,00 Bratenschmalz in Kübeln 25,00- 30,00 Purelard in Tierces 16,50-18,00 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung 24,25-32,00 Speisetalg in Kübeln 32,7542,00 Margarine, Handelsm: 1 66,00 80,00-1 0,00 desgl. II. 60,00-63,00 40,00-46, 0 Margarine, Spezialm. I 80,00-84,00 66,00-76,00 desgl. II. 69,00-71,00 60,00-65,00 Molkereibutter la i. Fäss. 206,00-210,00 60,00- 70,00 Molkereibutter i. Pack. 212,00-220,00 75,00-92,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 175,00-192,00 65,00-75,00 Molkereibutter i. Pack. 180,00-200,00 195,00-210,10 Auslandbutter in Fässern 216,00-220,0 200,00-210,00 Corned beef 12/6 lbs p. 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In der ersten Hauptversammlung der Rohstahlgemeins schaft am Montag wurde zum Borsigenden Friz Thyssen, Hamborn, zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden Direktor E. Poensgen, Düsseldorf, zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden Kommerzienrat Gerhard Meyer, Peine, und zum 3. stellvertretenden Vorfizenden Generaldireffor Koengeter gewählt. Es wurden sodann die e teiligungsziffern bis auf einige Werte festgesetzt, mit denen die Betriebsverhandlungen noch nicht gänzlich zum Abschluß gekommen sind. Die Gesamtbeteiligungsmenge der in der Rohstahlgemeinschaft vereinigten Werke darf mit etwa 13½ bis 14 Millionen Tonnen Rohstahl im Jahre angegeben werden. Um diese Gesamtmenge der gegenwärtigen Marktlage einigermaßen aizupassen, beschloß die Versammlung die Herabsegung um 20 Pro3. für den Monat Dezember. Sie soll indessen bei Halb8eug nur 10 Broz. betragen, damit die Versorgung der weiter verarbeitenden Industrie sichergestellt ist. 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