Nr. 540�41. Jahrgang Ausgabe A Nr. 274 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Doldpsennig. monatlich S,— Goldmarl voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland Danzig, Eaar- und Memelgebiet. Oesterreich, Litauen. Luxemburg 150 Goldmarh siir das übrige Ausland öLV Goldmar' vro Monat. Der..Vorwärts' mit der Sonntags. beilage„Voll und kieit" mit..Sied- lung und Kleingarten' sowie der Unterhaltungsbeilage.Leimwell' und KrauenbeUage..Frauenstimme' erscheint woiOnläglich zweimal, Konntags und Montag, einmal. kelegramm-Adresse: .«»tialdemotrat Berlin' Morgenausgabe wv Berliner Nolksblntt (10 fioMplcnüij) Anzeigenpreise: Die etnivaltige Ndirpareille. »eile l>.70 Eoldmarl Rellamezeile 1- Goldmark.„Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 0.20 V°Id> mark liuläkstg zwei sctlgedruckte Worte). iedes weitere Wort I.lll Goldmark. Ztellengesuche das erste Wort 0.10 Eoldmarl iedes weitere Wort 0.05 Eoldmarl. Worte llbcr 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, ffamilienanzeigcn für Abonnenten geile 0.50 Doldmark. Eine Soldmark— ein Dollar geteilt durch 4.20. Anzeigen svr<>ic nächste Nummer Müssen bis 4� Uhr nachmittags im Hauvlgcschäft. Berlin SW 05 Linden. ftrahel! abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fehen parte» Deutfchlands Redoftion und Verlag: EW 6S, tindenstraß» 3 Ttrriiilirprfjpr. l»«dattion: Toubofi ei»!t-SgS »�cruiyremer., x, � Tönhof« sz«««so? Sonnabend, den 1Z». November vorwärts-verlag G.m.b.H.. GW öS, Lindenfh. 3 Postscheckkonto: Perlin 375 36- Bnnkkouto: Direktion der Tiskotito-iKeiellschatt. Tepositcukaiie Lindeiiitraile 3 Generalagent unö Exportabgabe. Ein Schreiben Gilberts an den Reichsfiuanzminister. ÄTB. teilt mit: Oer Generalagent für Reparationszahlungen, S. Parker «d i ll, er t. hat an den Relchsfinanzm.nister Dr. Luther folgendes Schreiben gerichtet: 3n Ucbereinfflmwung mit den Bestimmungen des Sachoerstän- digenplanes, die feftfehen, daß die Gewährung und Zurückziehung von Geldern für Kreditierung der Zahreszahlungen von dem Generalagenten und dem Transferkomilee kontrcll.ert und geregelt werden soll, habe ich die Ehre. Sie davon in Kenntnis zu sehen, daß der Generalagent für Reparationszahlungen der deukschen Regierung keine V e t r ä g e aus die Jahresleistung kreditieren wird, die den Exporlenren als Gegenleistung für Abzüge von ihren waren- rechnungrn aus Grund eines Reparation Recovery Acls am t. De- zember 1924 oder später zugewendet worden sind. Alle Beträge, die für den vorstehenden Zweck angefordert wer- den sollten, werden nur von dem Generalagenten für Re- parationszahlungen geleistet werdrn, und zwar sofern und soweit es vom Transferkomilee bevollmächtigt ist. Das Transserkomitee hat in se'ner Sihung vom Zt. Oktober 1924 den Generalagenten ermächtigt, Zahwngen gei. äß der Reparation Recovery Z�cks bis nuf weitere Entscheidung des Komitees zu leisten. Wie wir aus gutunterrichteter Quelle ersahrey, ist dieses Schreiben n i ch t als eine Antwort auf den de?ltschen Einspruch xtizen die von Frankreich und Belgien eingeführte 26proz. Ab- gäbe au: den deutschen Export aufzufassen. Es handelt sich vielmehr um eine rein technische Eni- sck eidung in der Frage der B u ch f ü h r u n g der Export- abgäbe bzw. ihrer Zurückcrstatlung durch die deuischen Finanz- behürden Bisher wurde diese Zurück.-rstattung lediglich von deutscher Seite kontrolliert. Der Generalagent steht aber aus dein Standpunkt, daß er gemäß dem Dawes-Gutachten ein Kontrollrecht über diese Transaktionen haben muß. da es sich mitunter um sehr erhebliche Summen handelt. An der Entschädigung der deutschen Exporteure wird natürlich nichts geändert, allein werden sie die betreffenden Summen nicht direkt vom Reiche, sondern indirekt durch die Ber- miltlung des Generalagenten erhalten. Der üeutstb- französische kanöelsvertrag. Die Pariser Bcrhandlungcn. Paris, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Die deutsch- sranzösische Kontroverse wegei der Erhebung der 26proz. Abgab« auf t«n deutschen Export datiert bereits von End? September. Da- »ucils hatte die deutsche Regierung in einer Note gegen die von 5)«rriot m der Kommer angekündigte Absicht, der englischen Rrcovery-Abgob« entsprechend den sranzösijchcn Importeuren beut- scher Waren die Verpflich.ung aufzuerlegen, 26 Proz. des Faltur«-,. preis«? an die sranzösische Regierung abzuführen, protestiert. Der von ihr entwickelte Rechtsstandpunkt daß die Einführung einer permanenten Abgabe die'er Art im Widerspruch mrt den Londoner Abmachungen stände, die lediglich deren provisorische Erhebung für die kurze Uebergangsperiode bis zum vollen Jakrafttretei des Dawcs-Planes gestatteten wurde von der französischen Regierung in ihrer Antwort b e- stritten. Die juristische Kontroverse, die in verschiide'nen Aus- sprachen fortgesetzt wurde, hatte zu keinem positiven Ergebnis ge- führt. Dagegen gewann die Frag« er reut akute Bedeutung ge- lcgentlich der Verhandlungen über den Abschuß eines deutsch- französischen khimdelsvertrages. In unmittelbarem Anschuß cm die erst« Sitzung der beiden Delegationen nach Wiederaufnahme der Verhandlungen am 16. No- vember machte der Chef der deutschen Delegation, Staatssekretär Trendelenburg, den französischen kzandelsmiaister Rat» naldy in einer persönlichen Unterredung auf die enge Wechsel- Wirkung beider Prcbiem« aufmerk'am, und er gab dabei der Be- fürchtung Ausdruck, daß die deutsche Regierung es nicht wagen lönne, dem Reichstag einen Veulfch-französischen Liandclsvertrag zur Ratifikation vrrzulcgen. wenn sie ihm nicht gleichzeitig die Zu- sicherung geben könne daß Frankreich auf die woitere Erhebung der 26proz. Exportabgabe, die den deutschen Export nach Frankreich nahezu völlig zu erdrosse'n droh«, verzichten werde. Handelsminister Raiualdi) wandte zunächst«in, daß es sich hier um eine Frage handle, die in das Kapitel der Reparationspolitit gehöre und deren Verquickung mit den Handelsvertrogsverhandlungen er deshalb ab- lehnen müsse, weil die Entscheidung über diese Frage der Zuständig- kcit des Ministerpräsidenten selbst unterliegt. Es kam demgemäß zu der bereits mehrfach erwähnten Unter- redung zwischen Herr tot und Rai naldy bzw. dem deutschen Botschafter Herrn v. H o« s ch und Staatssekretär Trendelenburg Auch hier konnte«in« Einigung über die reckitliche Seite der Frage nicht erzielt werden. Von französischer Seite wurde erneut darauf hingewiesen daß Deutschland gegen die Erhebung der gleichen Abgabe in England keinen Widerspruch erhoben habe und nicht recht errzusehen fei, warum der deutsche Export nach Frarkreich durch die Abgab« stärker geschädigt werden solle als der Export nach England Zu gleicher Zeit wurde es von französischer Seit« sehr kategorisch abgeiehnt, die Regelung der Angelegenheit in irgendeiner Weife mit den Handelsvertragsverhandlungen ver- quicken zu lassen. Du- ist nach Mitteilung von zuständiger Seite der augenblick- liche Stand der Dinge. StaatssckretSr Trendelenburg, de? am Donnerstag zur Berichterstattung noch Berlin abgereist ist, wird Anfang der kommenden Woche in Paris mit neuen Instruktionen zurück erwartet. In unterrichteten Kreisen glaubt man Grund zu der Annahm« zu haben, daß es zu einer Verständigung kommen wird. Zu dem gleichen Thema meldet die„Expreß-Eorrespondenz" aus Paris: Die von der französischen Presse verbreiielen Gerüchte, wonach die Deutschen irgendwelche Bedingungen gestellt haben, die mu der Räumung des Ruhrgebiets, der Kölner Zone, dem Völkerbund usw. zusammenhängen, sind durchaus unrichtig. Ebenso ist es nicht richtig, daß deutscherseits in dem Orgonifations- ausschuß für die S a ch l i e f e r u n g e n irgendwelche O b st r u t- t i o n getrieben worden sei Die Verhandlungen nehmen vielmehr einen durchaus normalen Verlauf und sind durch keine ringe- wohnlichen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Das Statut der Sachlieferungen. Paris, 14. November.(WTB.) Der aus Grund des Londoner Abkommens erngcsetz'e gemischte Ausschuß, der sich aus deutschen und alliierten Vertretern zusammensetzt und dessen Ausgabe darin besteht,«in neues Statut für di« Sachlieferüng aus- zuarbeien, hat sich in seiner Nachmittagssitzung dahin geeinigt, die im Abkommen vorgesehene neutrale Persönlichkeit zu den künftigen Verhandlungen hinzuzuziehen. Die Ernennung dieses neutralen Delegierten wird in den nächsten Tagen erfolgen. Das fimeftiegefey vor öem Senat. Erfolg der Linken zugunsten der Eisenbahngem atzregelten. Paris, 14. November(Eigener Drahtberichl.) Der Senat, der am Freitag die Diskussion des Amncstiegesetzes fort- sitzte, hat zur Wiederemstcllung der Eisenbahner den von leiner Kcmmission vorgeschlagenen Text, der die Wiedereinstcllung in das Ermessen der Gesellschaften stell'e, nach einer Intervention Herriots abgelehnt. Mit 161 gegen 13S Stimmen wurde«in Antrag der demokratischen Linken auf Wiederherstellung des Paragraphen in der ursprünglichen Fassung der Kammer, in der di« Wicdereinstellung der entlassenen Beamten den Gesillschaften obligatorisch gemacht wird, angenommen. Der Sinowjew-Drief. Kein Abbruch der rnssisch-englischen Beziehungen. London, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Der zur Unter- suchung des Sinowjew Briefes gebildete Ausschuß von Kabinetts- Mitgliedern besteht aus dem Außenminister Chamberlain und drei Mitgliedern der Regierung, die Juristen sind, dariinter Lord B i r k« n h e a d. In den der Regierung nahestehenden Kreisen wird energisch bestritten, daß dos Kahinett Baldwin plane, die Auer- kennrmg Rußlands als für sich nicht bindend zu erklären. Am Freitag fand im Auswärtigen Amt ein Empfang der in Eng- land akkreditierten Botschafter statt. Churchill reist nach Paris.— Die interalliierten Schulden. London, 14. November.(Eigener Drahtbericht.) Dl« Ankllndi- gung, daß der neue Schatzka izler Winston Churchill in der nächster Zeit nach Frankreich reisen werde. Hot in der englischen Oeffentlichkeit die Diskussion über die Frage der i n t e ra l. i i e r t e n Schulden erne"t eröfs.ret. Keine der bisherigen englischen Re- gierungen ist auf das wiederholt gestellte französische Verlangen auf Annullierung der interalliierten Kriegsschulden eingegangen, weil die englisch« Oefkentllchkeit davon nichts wissen will. Man erhofft durch die Rückzahlung der Kriegsschulder eine Erleichterung der Steuerlast. In den Londoner Finonzkreisen hat man zwar keine sehr günstige Meinung von der gegenwärtigen französischen Budgetwirtschaft, aber man ist der Ueberzeugling, daß Frankreich in etwa drei Iahren siinen Haushalt endgültig balanciert Hab"! wird und dann fähg ist, seine Schulden zurückzuzahlen. Ebenso wie England siinc Schulden an Amerika zurückzahlt, müsse das Frankreich auch gegenüber England tun. Die Totalsumme der alliierten Schulden an Enq.cmd beträgt ruid 40 Milliarden Goldmark, von denen auf Frankreich und Italien 56 Proz. entfallen. Aus dem Wiederbeginn der Dcbatie übe? die.Schulden frag« ist ersichtlich, daß die Reise Churchills der Regelung dieser Angelegenheit dieien soll. Ludo Moritz Hartman» gestorben. Sozialdemokrat— Grotzdeutscher— Geschichtsforscher. Dien, 14. November.(Eigener Drahtberichl.) heute Freitag ab'nd um ü Uhr ist Genosse Prof. Dr. Ludo h a r t m a n n, der ehemalige deulschösterreichische Gesandte in verlin, einem krebsleiden erlegen, hartmann war im Jahre 1SSS in Stuttgart geboren und hat an den Universitäten Wien, Verlin und Straßburg studiert. Der verstorbene war schon seil länc-�..' Zeit krank, hatte aber noch in den letzten zwei Tagcii an Sitzungen de: Partei teilgenommen. Das Leichen, egängnis findet Montag nachmittag statt. Ein lieber Freund ist uns entrissen: unser Genosse Ludo Moritz Hartmann in Wien, seit längerer Zeit an schwerer Krankheit leidend, hat gestern Freitag früh einen Schlaganfall erlitten und ist abends gestorben. Selbst nahe Freunde durften nichts davon erfahren, daß er krank war, denn— fo war Hartmanns Wesen— er wollte nicht, daß feiner Person irgendwie besonderes Interesse.zugewendet, geschweige denn Schonung, Rücksicht oder gar Mitleid ihm entgegengebracht werde. Seine Bescheidenheit war ebenso groß wie sein Wert als Mensch, wie seine Bedeutung in der histori- schen Wlssenschaft und wie die Zuneigung und Verehrung, die ihm seine vielen Freunde und Genossen übers Grab hinaus zollen. Hartmann war von der Wissenschaft her zur Arbeiter- bewegung gekommen; rriie nicht wenig" vor ihm, neben ihm und sicherlich auch nach ihm, so hatte auch er aus der Forschung und Lehre des Marxismus die Gewißheit geschöpft, daß die Entwicklung der Menschheit notwendig auf die Ueberwindnng der Klassenunterschiede, der Klassengegensätze und des Klaffen- kampfcs durch die Aufhebung der Klaffen überhaupt hinzielt, guf die sozialistische Gesellschaft, und daß es darum gilt, das Proletariat physisch wie geistig kampssähig für seine nächsten Ziele und reif zur Erfüllung seiner späteren Aufgaben zu machen. Freilich war Hartmann schon von vornherein domo- kratisch und sozial eingestellt. War doch sein Vater kein anderer als der deutschböhmische Dichter und Abgeordnete der Linken im 1848er Parlament der Frankfurter Paulskirche, Moritz Hartmann. Wie aber der Vater Hartmann z. V. in seiner schönen Novelle„Der Krieg um den Wald" und in anderen Werken ein tiefes Verständnis für die Seele des tschechischen Volkes zeigt, so lag auch dem Sohn, der ein Vor- kämpfer des demokratischen Großdeutschland werden sollte, nichts so fern als irgendwelche Ueberhebung oder gar Feind- seligkeit gegen andere Völker, die ja fast immer nur ein Zeichen der Unkenntnis ihrer Natur ist. Jenen wahren Jnternatio- nalismus, dessen Grundlage die Liebe zum eigenen Volk ist, auch den fand Hartmann in der Sozialdemokratie, und so war er ihr unauflöslich verbundsn. Ludo Hartmann hatte sich der akademischen Lehrtätigkeit für seine Lieblingswissenschast, die Geschichte, zugewendet. Er war Privatdozent an der Wiener Universität. Seine Erfolge als wissenschasnicher Forscher und Schriftsteller wie als Lehrer erzwangen ihm die hohe Achtung seiner Fachgenossen, und der Lehrkörper der Universität Wien ließ es nicht an Vorschlägen fehlen, Hartmann zunächst eine außerordentliche Professur zu erteilen. Aber der Kandidat war Sozialdemokrat und oben- drein konfessionslos; darum durfte er nicht Universitäts- profcffor werden. Das verhinderte der starke klerikale Einfluß im k. k. M'.iisterium für Kultus und Unterricht, von den Bischöfen mit reger Unterstützung des kaiserlichen Hofes, be- sonders der jüngst verstorbenen Kaisertochter Marie Valerie geübt. Erst die Republik Deutschösterreich konnte gut machen, was die Monarchie auch in diesem Einzelfall gesündigt hatte — an der Wissenschaft und ihrer Lehre gesündigt, die' nach der Verfassung frei sein sollten. Hartmann kannte den Feind sehr genau. Weit mehr als der laute politische Kampf lag seinem Wesen die stille Arbeit an der V o l k s b i l d u n g. der er sich mit nimmermüdem Eifer hingab. Die volkstümlichen Universitätskurse, mit denen Wien vielen deutschen Hochschulstädten vorangegangen ist, die Volksheime— freie Volkshochschulen, deren Wien mehrere be- sitzt— verdanken Hartmann und einigen seiner engeren Freunde ihre Gründung und ihren Bestand, der schwere Zeiten materieller Not überwunden hat. Als der Kleklkalismus wieder einmal die Hand nach der seit 1869 allgemein inter- konfessionellen(simultanen) Volksschule ausstreckte, rief Hort- mann mit den von Dr. Karl L u e g e r, dem christlichso zialen führer und Wiener Bürgermeister, gemaszregelten Lehrern arl S e i tz und Otto Glöckel— die heute als Bürgermeister und Stadtschulratsleitcr an der Spitze des hauptstädtischen Schulwesens stehen— den Kampfverein„Freie Schule" ins Leben; er besteht heute noch, freilich haben die Bürgerlichen ihn großenteils verlassen, zumal- seit die Großdeutschen sich mit Haut und Haaren den Christlichsozialen verschrieben haben. Die junge Republik Deutschösterreich aber, deren erstes Wort in der einstweiligen Verfassung das großdeutsche Be- kenntnis war:„Deutschösterreich ist ein Glied der deutschen Republik", mußte keinen Besseren als Ludo Hartmann für d i e außenpolitische Funktion, die ihr die wichffgste schien. für den Gesandtenposten in Berlin, fe-chon Ende November 1918 übernahm er dieses Amt— noch in dem ehemaligen k. u k. Botschaftspalais in der Roonstraße. Wo vor- her nur Hochadlige mit mehr oder weniger langen und meist recht fremdartig klingenden Namen kaiserliche Diplomatie ge- trieben, also nichts getan hatten, da zog nun ein deutscher Sozialdemokrat ein, und sofort begann die eifrigste Arbeit für die Verwirklichung jenes Einleitungssatzes der Wiener Der- fassung. Heim ins Reich wollten die Millionen Deutschöster- reicher, und da die Männer der deutschen Republik von gleichem Geist beseelt waren, betrachtete man Hartmann ein- fach als Gesandten eines der deutschen Länder. So hat er auch an den Vorarbeiten zur Weimarer Verfassung jenen Anteil genommen, der seinem Amt und Austrag wie seinem geschicht- üch-politischen Wissen und sprachschöpferischen Können ent- spracb. Der harte Zwang der Entente hat dieses Werk geknickt— feine Seele konnte kein Druck ersticken. Hartmann rief mst Paul Lobe den„Oesterreichisch-Deutschen Volksbund" ins Leben, der den Gedanken wachzuerhalten hat. Das Ausscheiden unserer Genossen aus der deutschöster- reichischen Regierung und die Seipelsche Politik der Sanierung mit Ententehilfe gegen Aufgabe der'Finanzhoheit des Staates statt durcb eigene Anstrengung auf dem Weg, den die Sozial- demokratie wies und in der Gemeinde Wien selbst erfolgreich beschritt, veranlaßte Hartmann zum Rücktritt. Er ging wieder nach Hause ins Wiener Rathausviertel und auf die benach- barte Universität, um zu lehren und zu forschen. Die Wiener Wähler hatten ihn 1919 in den Nationalrat gewählt, nun wurde er vom Land Wien in den Bundesrat entsandt, der etwa unserem Reichsrat entspricht, aber ohne die gleiche Macht und nicht von Regierungen ernannt, sondern von den Land- tagen gewählt. In Wien, des Gesandtenamts mit seiner vielfachen In- anspruchnahme der Zeit ledig.' schaffte der alte Schüler M o m m s e n s an seinem Werk weiter, die Schöpfungen seines Meisters über römische Geschichte mit modernen wissenschaftlichen Methoden fortzusetzen. Er hat dem deutschen Volk die vielverbreitetc neue Weltgeschichte geschenkt. Er war ein wissenschaftlicher Organisator ersten Ranges und hat nach dem Krieg seine alten Beziehungen besonders zu italienischen Gelehrten sehr innig gestaltet. Seine letzte Arbeit ist eine Schrift über Italien. Wir trauern mit unseren Genossen an der Donau um den uns Entrissenen, von dem die Wissenschaft wie die Volks- bildung noch viel erwarten durfte. Das Leben wird auch diese Lücke ausfüllen— das Gedenken Ludo Hartmanns wird nicht erlöschen. Die Scharfmacherpartei. Programm der Deutschen Bolköpartei.— Für Tchwarz- Weist-Rot und Klassenkampf des Unternehmertums. Herr Stresemann hat auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei drei Reden gehalten, von denen eine jede anders nuanciert war. Er ist sicher ein Meister im Reden und im Bielreden, aber selbst drei Stresemann-Reden können nicht verdecken, wag der Wahlaufruf der Deutschen Volkspartei laut und deutlich in die Welt schreit. Diese Partei ist keine republi- konische Mittelpartei. Sie ist eine Rechtspartei. Sie ist die Partei der versteckten Reaktion auf pqlitischem Ge- biet, sie Ist die verkörperte Reaktion auf sozia- l e m Gebiete. Der Parteitag der Deutschen Volkspartei hat einen Wahlaufruf beschlossen, der das wahre Wesen der Partei des Herrn Stresemann kennzeichnet. Dieser Wahlauf- ruf befaßt sich zunächst mst der Außenpolstik der Volkspartei: .Wir bekennen uns zu dem Gedanken nationaler Real« Politik. Sie unterscheidet sich ebenso von einer Jllusionepol'tik, de sich«in« nicht vorhanden« Macht vortäuscht, wie von jener Jllu s i on s p o l it i k. die von moralischer Abrüstung Deutschlands Erfolge erträumt und nichts aus der Ver- gangenheit gelernt hat. Befreiung des Daterlandes von moralischen und materiellen Fesseln ist unser Ziel. Widerstand gegen Segegnungen. Bon Peter Walter. Jäh« Lichtkeil« zerhackten die Dunkelheit. Schlaghämmer häm> mern Takte auf eisernen Kellen, di« sich in die stumpfe, zerbrochen« Erde hineinwürgen. Kraftgespannt« Arme rudern Kreis« in der Luft, ÄSryer beben bei dem Aufprallen der Hämmer, eisern« harte Ecken sticht das Licht aus Gesichtern, die nichts sehen als den eisernen Ketl, der in die Erde hinein muß— heute nacht noch.—— Arbeiter sind es, dir blank zerriebene metallen« Sträng« aus fest«., Gestein lösen. Auf dem eisernen vierkantigen Keil schlagen sie dc« ganze Nacht den eigenen Schmerz tot—«igen« Sehnsucht hämmeri sie unbeugsam tot— ich weih es. Diesen harten Arbeiter habe ich doppelt lieb in der Nacht, well er den Schmerz hat. nichts zu sehen als bloßen«inen Keil. Diesen Keil treibt er in die Erde, in seir Herz, in sein Gehirn, und frrägt eine ganz« Nacht fett Gehirn, warum er das machen muß. Das Gehirn läuft zum Herzen, das Herz zum Gehirn, fragt in der Nacht:„Warum muß ich das wohl machen?" Aher er findet kein« Antwort darauf. Nur in der Paus« manchmal hebt er den Kopf, sieht ein« stelle Häuferwand und denkt ganz lcngjam: Bielleicht haben die Häuser schuld." Dl« Häuser.--- Warum sie bloß di« Häuser so eng bauen, wo doch die Menschen kranken.-- Kra.ck« Menschen kosten viel Geld. Er weih es. Als seine Frau krank war, mußt« xr ein Biertelsahr sparen, um den Arzt zu be. zählen. Der Arzt sagte ganz ruhig:„Die Krarkhelt hängt auch mit der engen Wohnung zusammen." Jetzt grübelt er darüber schon lange.„Mit der engen Wohrung hängt d>« Krankheit zu- snmmen. Warum sie bloß immer wieder eng« Wohtungen bauen." Cr möchte diesen Gedanken totwürgen. Er sagt zu sich:„Mene Frau hat grün« Schmerzen und rot«. Wenn die roten Schmerzen grün wären, do.in hätte sie viel mehr grüne Schmerzen." Das sagt er setzt schon sechsmal hintereinander, um dl« engen Häuser zu ver. gesieu Er kann in der letzten Zeit schon gar nicht mehr richtig denken.———/ Immer wieder muß«r grübeln-- er weiß ja selbst darum. Manch mal ist es dann gut, wenn er hämmern muß bis morgens. Er ist sehr erschöpft und berührt sein« Frau im Bett nicht mehr. Er ist entkräftizt und schläft unruhig. Ganz wirr träumt«r von ungeheuren, stürzenden Häuserblgcke.i mit vielen Fenstern.— Die Auge» sind ihm weh. Ais ich im Süden war, traf ich zerlumpte Steinhauer. Ihr« zerfressenen Gesichter, ihr wunden Augen schrien mich ebenso an. Einer spuckt« Blut, immer kleioe illüntpchen. Einen müden Kuli fand ich am Hafen. Er hatte dieselben ausgemergelten, b!au- strähnigen Arme, vorspringend« Bockenknoche.i und tiefliegende Augen- Arbelteraugen.--— Rechtsbruch, Dsrstäiidigung mst den Gegnern auf dem Fuße der Gleichberechtigung, Uebernahme von Lasten nur g:gen Sicherung von Freiheit, Ehre und Leben als Kulturvolk, Wiedereinfügung Deutschlands als Faktor in Weltpolitlk und Weltwirtschaft sind die Meilensteine unseres Weges... Die ersten Erfolge dieser Politik der Deutschen Volkspartei und ihres Führers beginnen zu reiicn." Das Wort„nationale Realpolitik" ist eine neue Erfindung des Herrn Stresemann, aber mehr nicht. Die Politik, die von der Volkspartei in der Regierung verfolgt werden mutzte, wenn sie überhaupt Regierungspartei bleiben wollte, war nichts anderes, als die Außenpolitik der Weimarer Koalition. Die Früchte dieser Außenpolitik reifen nun heran, nachdem sie in zähem, jahrelangem Kampf von der Sozialdemokratie, von Männern wie W i r t h, wie R a t h e n a u gegen die Rechte verteidigt und durchgesetzt wurde. Bis nach dem Ruhr- kämpf wurde die Befreiungspolitik durch Erfüllung, die Deutschland endlich den Weg ins Freie geöffnet hat, von der Partei des Herrn Stresemann auf das hef- t i g st e b e k ä m p f t. Die Partei des Herrn Stresemann hat immer die Interessen der deutschen Großindustrie gegenüber den Interessen des deutschen Volkes in den Bordergrund ge- stellt. Solange die deutsche Schwerindustrie in der Inflations- zeit mit Gewinn für sich die Inflation vorwärts treiben und das deutsche Volk ausrauben konnte, solange hat die Deutsche Volkspartei die demokratische Außenpolstik bekämpft, deren Ziel es war, der Inflation ein Ende zu setzen, den Weg zur Verständigung mit den Gegnern auf dem Fuß der Gleich- berechtigung zu ebnen und Deutschland wieder in dje Welt- polstik und Weltwirtschaft einzugliedern. Die Partei des Herrn Stresemann hat sich erst zur demokratischen Außenpolitik bekehrt, als die Zerrüttung der deutschen Finanzen und die Zerrüttung der politischen und weltwirtschaftlichen Stellung Deutschlands aufhörte, für die Hyänen der Inflation, die sie oertrat, ein gutes Geschäft zu sein. Die Wahlphrasen des Programmes der Volkspartei sind eine Unverschämtheit gegen die Führer der bisherigen Außenpolitik, nicht nur gegen uns Sozialdemokraten, sondern gleichermaßen gegen die Politiker des Zentrums und der De- mokratischen Partei, die die bisherige Außenpolitik unterstützt haben. Herr Stresemann hätte allen Grund, bescheiden zu sein und sich nicht als den Führer der deutschen Außenpolitik auf- zuspielen. Ohne, die Gegenwirkung der republikanischen Parteien gegen die verhängnisvolle Politik, die er, die fein Parteifreund Stinnes, die seine ganze Fraktion im Interesse der Schwerindustrie während der Inflationszeit getrieben haben, wäre Deutschland längst verloren. Herr Stresemann war auch im Kabinett Marx nicht der Führer der deutschen Außenpolitik. Den Kurs der Außenpolitik mußte Herr Marx energisch gegen Herrn Stresemann durchsetzen. Wäre Herr Stresemann der Führer gewesen, die deutsche Außenpolitik wäre längst im Sinne deutschnationaler Katastrophenpolstik betrieben worden. Das Wahlprogramm der Deutschen Volkspartei''st der unverhohlene Versuch, die Linie der bisherigen Außenpolitik zu verlassen, Brücken zu schlagen zu den Deutschnationalen. Das Schlagwort nationale Realpolltit soll die Bahn frei machen zum B ü r g e r b l o ck. Die wahren Ziele der Deutschen Volkspartei und domit des Bürgerblocks, kommen in folgenden Sätzen zum Ausdruck: „Wiedergefundung der Wirtschaft ist ohne Produltion»- forde rung, vernünftige Steuerreform und staatlichen Schutz dersenigen Zweigs nicht denkbar, die trotz rationeller Be- triebsweise der Auslandskonkurrenz unterliegen würden." Das ist das Programm der sozialen Reaktion! Dahinter verbürgt sich die Absicht, die Lasten des Dawes-Gutachtens durch Verlängerung der Arbeitszest und durch Schutzzölle auf die arbeitende Bevölkerung abzuwälzen. Herr Stresemann hat erst vorgestern in seiner ersten Rede vor der Schutzzoll- Politik gewarnt. Das Wahlprogramm feiner Partei ist d a s unverhohlene Bekenntnis zur Schutzzoll- Politik. Ein neues System von Industriezöllcn und Agrar- Einmal schlief ich im Armenhaus«. Als ich morgens die Stiege hinaufkletterte, um«in Stück Brot abzuholen, fand ich auf dem Korridor ein kleine» blasse» Kind. Es hatte auch wieder dieselben fragenden, traurigen Augen, wie ich sie oft bei den Kindern fand, welche bei uns auf dem zweiten Hofe spielten. Alle dies« Augen hatten ein so tief Derwardtes, als ob sie einer Mutter Schoß ent« blüht wären. Alle schauen noch etwas aus. Dielleicht suchen sie alle doch im letzten Grad« bloß Liebe. All« haben sie doch ein« Sehnsucht zum guten Menschen. Ich kannte eine ehemalige Dirne. Die ging für Wochen wieder hinaus auf die Straße, um drei heimlich bei ihr häufend« kranke Leute zu unterstützen. In dieser Dirne fand ich noch Lipbe.--- Aver euch wieder dies« Augen, die nach etwas ausschauten wie bei dem Kuli, dem Kind«, dem Steinarbeiter, dem Straßenarbester.—— Der Straßenarbeiter möchte manchmal sein Herz auf dem Eisen zerhauen. Ich weiß«s. Neues von der§arbenphotographie. Das..Zos.Pe-.verfahren. Di« Farbenphotogravhie war immer das Schmerzenskind oller Phatographen, die die Wiedergab« der natürlichen Farben durch ein phowgraphlfches Perfahren als hockst es Ziel anstrebten. Wäh. rend beim natürlichen Betrachten einer Landschaft Helles Licht die Linien verschwimmen und die Farben hervorireten läßt, ruft es in der Kamera die«nlgegengesetzt« Erscheinung hervor: die Umrlss«. die Linien, werden scharf, der Farbenglanz aber verschwindet. Nun gab es allerdings bisher schon eine Reihe von Verfahren, die di« Photographie in natürtichen Färben gestatleten, aber dies« Bilder ivaren immer nur farbig« Diapositiv«, also Glasbilder, und ge- statteten nicht, von ihnen farbig« Abzüge zu machcn. Dt« oft in Zeitschriften oerösfentlichten fordmphotographischen Bilder waren gewöhnliche Drucke nach diesen Glasplatten. Nun ist es gelungen, den Anfang mit einem auch für die industriell« Verwertung ge- »ignclen, absolut sicher arbeitenden B erfahren zur photographischen Herstellung farbiger Papierbilder zu machen. In einem Bortraz, den Professor Ment« von der Technischen Hochschule Charlostenburg im Atelier Dührkoop, Unter den Linden. hielt, wurde der Entwicklungsganq der Farbenphotographie von ihren ersten kelmhaften Anfängen bis zu dem modernsten, dem so- genannten„I o s- P«".Verfahren geschildert. Bei dem neuen Ver- fahren wird ähnlich vorgegangen, wie bei der Herstellung drei- farbiger Drucke. E« werden drei Aufnahmen gemacht, bei denen die Negativ« durch Vorschauen von roten. Nauen und gelben Filtern für die entsprechenden Töne befander» lichtempfindlich ge> macht werden. Zur Erzeugung dieser drei Aufnahmen ist eine be- sonder« Kamera gebaut worden, die mit einem einzigen Objektiv drei in einem bestimmten Winkel zueinander angeordnet« Plasten belichtet. Das Licht wird durch Spiegel auf die Platten gelenkt. So entstehen mit einer einzigen Belichtung drei In ihren Maßen vollkommen übere'nstimmende Aufnahmen. Di« Platten sind söge- nannte.Ios.P«"-Farb«nplatttn. die höchst farbenempfindlich sind zollen, die Durchbrechung des Achtstundentages, die Bedrückung der Arbeiterschaft— das sind die Ziele des Bürgerblocks. Dies Walilprogramm ist die Praklanlation des unverhüllten Klassen- kampfes des Unternebmertums gegen die Arbeiterschaft. Es spricht lauter als die schändlich verlogenen Deklamätionen gegen die Zerreißung des Volkes durch Klassenkämpfe. Die Herren von der Schwerindustrie und ihre politischen Hand- longer mögen sich nicht einbilden, daß die deutsche Arbeiter- schaft schweigend und kampflos ihre Diktatur hinnehmen wird. Pclitik der Volkspartei— dos heißt Klassenkampf. Je mehr die Volkspartei ihre reaktionären Ziele durchzusetzen sucht, um so stärker wird der Klassenkampf der Arbeiterschaft anschwellen. Und zu allem zeigt dieser Wahlaufruf, wie die Volks- portei zur Republik und zu den Verfassungsfragen steht: „Unter falscher Flagge, mit irreführenden Parolen ist der Wcchlkampf eingeleitet worden. V«rfassungsfra»«n st ehe n nicht im Vordergrund... Zur Schau getragenes Republi» kanertmn ist keine Gewähr für Tüchtigkeit und Charakter. Danncr- paraden lenken vom Wesentlichen ab und tragen di« Gefahr der Ueberhebung und Verhetzung in sich... Unter dem Symbol der alten Reichsfarben SchwapZ-Weiß-Rot wollen wst ein neues, glückliches Deutschland schaffen." Gibt es etwas Doppelzüngigeres, etwas Unehrlicheres als diese Partei, die auf der einen Seite als republikanische Mitiel- partei in der Regierung sitzt, und auf der anderen Seite die Agitation gegen die Republik betreibt! Außenpolitisch schwan- kend und zweideutig, innenpolitisch die Vertr terin der sozialen Reaktion und der Diktaturgelüste des Großkapitals, das Sammelbecken aller versteckten Monarchisten und Schwarz- Weiß-Roten— so geht diese Partei in den Wahlkampf. Die Deutsche Volkspartei, jenes zweideutige, verlogene, unebrliche Gebilde, ist die wahre palitifcheGefahr in Deutschland. Kampf gegen diese Partei. Kamps gegen die verkörperte Doppelzüngigkeit, das ist das Erfordernis dieses Wahlkampfes. Die Deutsche Volkspartei ist die Verkörperung des Bürgerblocks.„Bürgerblock oderSozialdemo- k r a t i e" ist die Parole des Wahlkampfes, darum nieder mit der Volkspartei! Der ganze Unterschieü. Wirth und Stresemann. Da Herr Stresemann, um als außenpolitischer Führer zu erscheinen, sich von den bisherigen Führern der deutschen Außenpolitik unterscheiden muß, hat er das Wort von der nationalen Realpolitik erfunden. Man kann auch sagen reale Rationalpolitit, das ist gleich. Der Name ist da, wo ist der Unterschied? In einer seiner Dortmunder Reden sagte Herr S t r e s e- mann: „Trennt sich unser« Auffassung der Außenpolitik von den Parteien der Rechten, so trennt st« sich andererseits mit E n t s ch i« d e n, heit von der Illusionipolitil der Linken ab.... Dr. Wirth war«in ehrlicher Anhänger der Ersüllungspolitit' s»n» p ii r»» e." In der Tat! Wirth trieb Erfüllungspolitik ohne Klausen, Stresemann Ersüllungspolitit mit Klausen. Das ist der ganze Unterschied! Staats Hilfe für öas tzochwaffergebiet. � Eine Million Mark neu überwiesen. n Der Amtliche Preußische- Pressedienst meldet: Die Preußisch« SlaatSregierung hat am Freitag als weitere Abschlagszahlung der NolftandSattian zur unmittelbaren Hilfe- leistuna für die geschädigten Einwohner des Hochwasser- katastrophengebieteS die Summe von einer Million Mark an die hieifür bestimmte Zentrale, den Oberpräsidenten der Nhein- provinz. Dr. FubS, überwiesen. In den vorhergegangenen Taecn waren bereits 850 000 M. für den gleichen Zweck an den Ober- prästdenien von der StaatSregierung gesandt worden. und nur kurz« Belichtungszeit benötigen. Die drei ln der Kamera erzeugten Teilbilder sind nicht nur in der Größe, sondern euch in der Helligkeitsverteilung gleich. Von diesen drei Platten, auf denen also jeweils di« blauen, gelben oder roten Farbenanleil« des Bcldes besonder» hervortreten, werdcn Diapositive von beliebiger Größe angefertigt, deren Schicht chemisch so zusammengesetzt ist. daß st« in «ine Farblösung eingetaucht werden kann. Man beginnt mit der Blauplatte, taucht sie m«in« blaue Farbtösung, spült sie ab und legt nun das Kopierpapier darüber, breitet über defe« ein Stück Wachstosset und streicht da» Wasser herunter. Räch etwa drei Minuten ist die Blaupause von dieser Platte fertig. Sle wird her- untergenommen und nun auf di« entspmtend vorbereitete Eelb- platte gelegt, wobei natürlich die einzelnen Linien sich genau d:ckeii müssen. Mit dieser Platte wird genau verfahren wie mit der Blau- platt«. Das Kopieren der roten Platte vollendet dann das Drei- sarbenbild. da« zuweilen überraschend schöne, immer fast gleich. mäßig ausfallende Töne ergibt. Dieses Verfahren wurde innerhalb von vier Monaten auf Grund einer von dem Hamburger Photo- graphen Koppmann gefundenen Methode ausgebildet. Die Farben wirken noch nicht ganz natürlich, da blau und rot auf d:n Bildern zu stark hervortreten. Immerhin ist e««in vietverspreäen- der Anfang ur.h sicherlich werden v«1« so hergestellt«„Dreisarben- Photographien" als durchaus brauchbare Abbildungen der Wirklich- Kit angesehen werden können._ W. M. üultusminlslrrium und Bühnenvolksbund. In unserm gestrigen Bericht über die Zusammenkunft, zu der da» Präsidium der Bühnen- genossenschaft die Vertreter der Presse geladen hatle, erwähnten wir auch die Mitteilungen einiger Herren von der Bühnengenossenschast, wonach den' Bühnenvollsbund seitens des Priußischen Kultusministerium» besondere Dorrrcht« eingeräumt worden seien. Dazu nimmt der Preußische Pressedienst auf Grund von In- formationin aus dem Kultusministerium folgendermaßen Stellung: „Es ist unrichtig, daß der Bühnenvoltsbund beim Preußischen Kulllisministerium Vorrecht« irg«ndwclä>er Ant. insbesondere dos der Befreiung von der Konzessionspfiichi oder die„Vorteile uner- härter Privilegien", genießt. Zunächst ist für die hier in Betracht kommenden Fragen der Konzesstonspflicht überhaupt nicht das Kultusministerium, sondern das Oberverwattunqsgericht die zu- ständig« oberste Stell«. Im übrigen wird der Bühnenoolksbimd als Befucherorganssation von Preußen wi« von den andern Ländern und vom Reich durchaus paritätisch mit der anderen Besucher- orqanisation, nämlich dem Verband der Freien Volkibühnenveieine, behandelt. Er ist wie dieser Verband Gesellschafter der Preußischen Laildesbühn« und erhält von den Ländern und vom Reich gemäß den in öffentlichen Verhandlungen gefaßien Beschlüssen der Parlamente, so des Preußischen Landtags, di« gleich« Förderung. auch durch staatlich« Beihilfen, wi« z. B. der Verband der Freien Volk»bühnenver«ine. Für das Dramatische Theater sind weder ihm, dem Bühnenvolt?bund, noch Herrn VIeterl« irgendwelche staeÄichc Mittel gewährt worden." E>v Thealer de» Sühne» voltsbuode» zolamtnergeb-ochea. Da« Schke- (1(4« 2ande«Ibeat«r, da» dem BübnenvalkSbund gebirte, hat in dielen Zagen leine ZablungSunsähigteit ertlär». Wie,«» brttzt, find auch Schauipiclergagen in Höh« von LS 000 M. noch nicht bezahlt. Das Cnöe üer Regie. Tie Folge der Londoner Abmachungen. Die Eisertbohnregie im besetzten Gebiet ist aufgehoben. In der Äacht vom IS. zum 16. November geht d e r B e t r i e b a�ller Negie st recken im besetzten Gebietandie Reichsbahngesellschaft über. Alle Maßnahmen und Vorschriften des Regiebetriebes werden von diesem �jeit» Punkt an aufgehoben. Die deutschen Tarife und Verkehrsvor- schriften treten an»hre Stelle. Die Fahrpläne sür Personen- und Güterzüge werden schnellstens, bis zum 31. Dezember, ab- geändert. Daniit ist die letzte Etappe der wirtschaftlichen Räumung der besetzten Gebiete vollzogen. Die Forderungen des Sach- verständigcngutachtens und die Londoner Abmachungen über die Wirtschaftseinheit Deutschland sind erfüllt. Es bleibt noch die Entfernung der Befatzungs- t r u p p e n aus dem Sanktions- und Einbruchsgebiet, die bis 25. August 1S2Z vollzogen sein muß. Dann ist der Vertrags- zustand wieder hergestellt. Das ist der Erfolg der Er- f ü l l u n g s p o l i t i t. den die Deutschoölkischen, die Kommunisten und die Deutschnationalen hintertreiben wollen. Im Jargon der Deutschnationalcn müßte es heißen: Der Erfolg des„Zweiten Versailles", das 49 oder SV Proz. ihrer Fraktion verabschieden halfen. Die Korruption ües alten Regimes. Ein Nachwort zum Hermann-Prozest. Weil der ehemalige thüringische Innenminister Hermann einer in Not geratenen Beamtensamilie 143 M. aus Mitteln zugewendet hat, die ihm von privater Seite persönlich zur Ver- fügung gestellt worden waren, wurde er von einem Weimarer Gericht wegen Veruntreuung vonStaatsgeldern zu IVVV M. Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 30VV M. Geldstrafe oder 3 Monate Gefängnis beantragt. Das Gericht stellte in aller Oeffentlichkeit fest, daß der Minister niemals in den Verdacht kommen könne, eine Handlung aus irgendwelchen unedlen Motiven begangen zu haben. Wegen 143 M. für eine arme Beamtensamilie IVVV M. Geldstrafe! Wieviel hätte der Reichskanzler Bülow seinerzeit an Strafe erhalten müssen, wenn die Gerichte, die jetzt wegen Lächerlichkeiten eine kleinliche und empörende Hetze zu politischen Zwecken gegen republikanische Minister veran- stalten, in der Zeit des Kaiserreiches gegen die großen, öffent- lich bekannten Skandale des alten Regimes eingeschritten wären. Wir erinnern uns an folgenden Fall: Im Jahre 1905 wurde auf Drängen Wilhelms II. der Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg vom Reichskanzler Bülow als Kolonialdirektor in den Reichsdienst eingestellt. Es stand dem Prinzen zu Hohenlohe und Langenburg ein etats- mäßiges Gehalt von 20 OVO M. zuzüglich 1500 M. Wohnungsgeld?u. Auf Anordnung des Reichskanzlers Bülow wurden dem Prinzen zu Hohenlohe-Langenburg ohne die erforderliche Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften heimlich zu diesem Direktorgehau weitere Bezüge ausgezahlt. Er erhielt aus einem für diesen Zweck nicht zuständigen Ge- ha'tstitel, aus dem sogenannten Hilfsarbeiterchnds noch 10 000 Mark Gehaltsz.uschuß und 20 00.0 M. Wohnungsgeld, so daß er i n s g e s a m t 5 0 0 0 0 M. bezog. Sein Nachfolger Dernburg erhielt, solange er Kolonialdirektor war, lediglich die für diele Stelle von den gesetzgebenden Körperschaften be» willigten 81 500 M. Der inzwischen verstorbene Personal- referent v. König trug dem die Kassenorder aufsetzenden Bs- amten auf, hierü'-er„um Eotteswillen nichts bekannt werden ,'U lasten". Die Sache wurde aber doch begannt. Das Reichs- schatzamt forderte den Erbvrimen zur Rückzahlung des ihm zu Unrecht ausgezahlten Betrages von rund 30 000 M. auf. Der Erbprinz w e i g e r t e sich schriftlich, den überhobenen Au, der Werkstatt Anatol« Frances. Die Werke des verstor- denen Anotole France zeichnen sich nicht zuletzt durch ihre große Formvollendung aus. Zu einem großen Test ist die? dem großen Fleiß des Dichters zuzuschreiben, mit welchem er an leinen Werken teilte. So berichtet Paul Gsell, der zu dm intimen Freunden des Verstorbenen gehörte, in feinen Erinnerungen an Anatol« France über d!« Entst-bur.gsaeschichte des bekonnten Werkes:„Die Jungfrau von Orleans, daß diese» dem Dichter 20 Jahr« ernster literarischer Arbeit gekoste: Hab«.„Jede Scste wurde oerbestert und immer wieder durchgesehen, verfeinert wie ein Werk der Bildhauerei. Wenn inon die Manuskript« eine' Durchsicht unterzieht, nimmt man mit Erstaunen wahr, wieviel Arbeit ihn fein scheinbar leichtflüssiger und verfeuerter Stil getestet bat. Mit unermüdlichem Fleiß suchte Aua- tole France die denkbarste Einsachkeit des Stils zu finden, die er in der Tat auch erreichte." was eine.Zilm-Minute" kostet. Eine amerikanische Filmstrma hat von ihrem Statistiker berechnen lasten, wie hcch sich durchschnitt» [ich da« Kosten für einen Film stellen. Die Durchschnittszeit für die Aufnahme eines Drama» ist auf vier Wochen, d. h. 24 Arbeitstage brreckmet, wobei Zeitverlust durch fchlechtrs Wetter usw. eingeschlossen ist. In einein achtz.ündigcn Arbeitstag müssen also, da jedes Bild etwa 300 Szenen umfaßt, 12 bis 13 Szenen aufgenommen werden. Die Durchschnsttskosten für einen Film betragen 23 000 Dollar, für jede Szene, einschließlich Text also tßVi Dollar. Eine Tagesarbeit ist gleich einer Ausgabe von 1040 Dollar, und jede Minute tostet 2 17 Dollar. Die Austtellung schließt mit einer Mahnung an die Schauspieler und das übrige Personal, mit den Minuten zu geizen. vi« drei Pferd«. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen war als Kronprinz mir der Regierung feines Vaters nicht sehr zusrnden. Eines Tages ließ er vor dem königlichen Schloß drei Pferde,«in blindes, ein lahmes und ein mag: res. so lange herumführen, bis der König sie lemerkte. Aus dessen Frage, was das zu bedeuten habe, erwiderte er:„Das will ich Eurer Majestät- fageci. Das magere Pserd ist das Nclk. das. von schlechten Beamten ausgesogen wird: das lahm« das Ministerium, das nicht zu handeln versteh», und das blinde stellt Eure Majestät dar, die nicht steht, wie man mit Allerhöchst derselben Blindekuh spiest." Die Folge war etliche Tage strenger Arrest.__ 3m Sronprlnzeapalai» wird Dr.«. Daun. Dezernent sür Kunst im Polize'pi ästdium, am Lonntaa.''en I«.. voim. g»/« Ubr, Bortiaa über die dcrl befindlichen modernen Gemälde de« JmpressioniimuZ und Expressio» nitmuS daltcn. Am L»ßta« findet unter der Leitung von Pros. Tiegirled Ochi in der Bdilhaimonie eine Äufiübrung der Beethovenschen Mtssa tolemi« ftatt. Dw Tost baden Übernommen Fi au Lotte Leonard, grSulein Hilde Ellger, Die Herren v. N Lalier und Prot. Alierl stlicher.«uheldem Wirten mit der Cbor der ftaallichen okadennichen Hochschule sür Mufit und da» Ph stalmonischi Orchester, sowie al« Organist Fritz Kleiner. K»l> Cautfr«-ätzt z. ZI. w der neubegründeten Bosttbübnen Verlags» und NeUlied»'« m.b.H. drei neue Serie erscheinen l eine unmittelbar au» den Quellen geichöpste Verdculschung der.Tatuntala" de« Kalidalo, serner ein Drama.Nalumbo' und die Komödie eine« modernen Abenteurer« „Die Sntklei nng de« Anlonlo Corossa'- Der Volttbübnen-Verlaa wird auch alle weiteren Werke Lauckner« ,n den nächsten Jadren berauSbringen. Tie llraulsübruna der.Talunlala' wird»oraussichlltch noch Im Dezember in der verliner Volk«bühn« erfolg«». Betrag zurückzuzahlen mit der Begründung, daß der Reichs- kanzier v Bülow ihm die erhöhten Bezüge versprochen hätte. Der Reichskan.-ler v. Bülow hat sich damals glatt über das Elalsrecht des Reichstages hinweggesetzt. Er hat Staats- gelder veruntreut Lautere Motive können ihm nicht zuge- billigt werden. Es handelte sich einfach um eine ungesetzliche finanzielle Sonderzuwendung an einen Verwandten des Kaiferhaufes. Kein Siaatsanwalt hat damals gegen den Reichskanzler v. Bülow, wie gegen den Erbprinzen v. Hohenlohe-Langen- bürg Anklage erhoben. Keine der rechtsstehenden Zeitungen, die gegen den Minister Hermann eine schamlos verlogene Hetzkampagne geführt haben, und die ehrlos genug find, den Zusammenbruch der Anklage im Prozeß Hermann ihren Lesern zu verschweigen, hat damals diesen öffentlichen Skandal mitzuteilen gewagt. Alle Hetzverlnche gegen republikanische Minister sind bis- hei schmählich'>.mmenge' rochen. Die Verwaltung der Re- publik ist ehrlich und rein. Die Korruption des allen Regimes aber und der Justiz des kaiserlichen Deutschland stinkt gen Himmel! Marx geaen öie Deutschnationalen. Gegen die Augriffe auf den Reichspräffdente«. Breslau, 14. November.(WTD) Im überfüllten Saal« des Schießwerdas erschien heut« auf Einladung der Zentrumspartei Neichskanzler Dr. Marx. Er wurde mit großem Beifall empfangen und führte etwa fclgcndes aus: „Kürzlich habe ich darauf hingewiesen, daß das Zusammen- arbeiten von Deutscher Vo'tspsrtei. Zentrum und Demokraten sich bewährt hat. und betont, daß dies« drei Parteien auch fiirderhin den festen Kern in der Regierung und im Varlament darstellen müssen. Es ist bcz'ichnend. daß«in rechtsstehendes Blatt diese Aeußerung mit den Worten kommentiert:„Marr wird immer gefährlicher." Elaubt man denn aus dieser Seit« allen Ernstes, in Deutschland nach der Wahl rnü einer Rechtsre-ierung weiterzukommen? Die Stichproben, die in den letzten Wochen in Meck- lenburg. in Hamburg und in Anhalt stattfanden, scheinen mir nicht gerade dafür zu sprechen, dast am 7. Dezember ein über- wältigendrr Sieg der Parteien der Rechten zu verzeichnen sein wird, so dafi selbst die Parteien der Mitte nicht einmal mehr zur Regierungsbildung benötigt werden. Ich betone auch heute wieder — und das gilt für jede Partei, die nicht grundsntzstch in der Opposition verharren will—, daß«in« gewiss» Mäßigung in d:r Führung de» Wahlkampscs notwendig ist, wenn der neue Reichs- tag nicht vrn vornherein wieder zur Unstuchtl'arkeit verurteilt sein soll; denn«ine Verwilderung der politischen Sitten im Wahltampf kann nicht ohne Folgen b'ciben für die Sitten des Parlaments, dos aus dem Wahlkampf hervorgeht. Tie Erfahrungen mit dem letzten Reichstag sind doch traurig genun. Wer immer und immer wieder die Auswüchse des parlamenlarisch-demokratilchen Systems beklagt, sollte vor ollem sich se'bst vor schweren Entgleisungen hütcen. Eine schwere Entgleisung ist es aber, die Person des Reichspräsidenten in den Wahlkampf hineinzuzerrcn, urd d»?u Nock' in solch gehässiger Art, wie das zumit geschieht. Der Reichspräsident steht, solange er auf seinem Posten ist über den Parteien, und die Parteien sollten dies« Stellung respektieren. Das ist einfach ein Gebot des politischen Anstandes. aber auch der Klugheit, denn was jetzt dem Reichspräsidenten Eberl widerfährt, kann später einem anderen w'dcrsahrin. Mit solchen, überdies durchaus gegensaudslostn Angriffen auf dm Reichspräsidenten schädigt man auch das deutsch« Ansehen in der Welt Leider ist es notwendig, an diese Selbstverständlichkeit Parteier zu er- innen,, die ihre Opposi-tionso gerne als„nati o n«l" bezeichnen."_ bestrafter Verleumder. 1000 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung des Reichs- Präsidenten. Halle, 14. November.(Eigener Drah-.bericht.) Am Donterstag hotte sich vor dem Schöffengericht in Eisleben der F'etschernmstcr Focmz Walter aus Unterröblingen a. Sc« wogen Beleidigung de» Reichspräsidenten zu verantworten. Walter hatte'M April 1924 auf einer Fahrt nach Halle in der Eise.ibahn ein politisches Gespräch geführt und dabei auch den früheren Reichsministcr Scheide- mann und dei Reichspräsidenten Ebert mit Schimpfwortrn, wie Lumpen usw.. beleidigt. Unterstützt wurde er darin durch einen im selben Abteil sitzenden Hauptmann a. D. Ein zufällig mitfahrender Republikaner wollt« die beidei Heiden auf dem Bahnhof in Halle feststellet lassen. Der Hauptmann a. D. wählte aber der Borsichi besseren Teil und oerschwand, während der Fle schermeifier zur Polizeiwache folgen muht«. Das Gericht verurteilt« den Schimpf- Helden zu 1000 M. Geldstrafe. Nur sein hohes Alter befreit« ihn vo- dem Gefängtis. flus üem Wahlkamps. Die„Ratio na lp oft", das offiziell« Parteiorgan da Deutschnationalen in Berlin, rüffelt die„Deutsche Zeitung", weil sie den Jammer der Deutschnationalen zu offen zugesteht: „Diese Rechtspartei kann, wie nun einmal die Dinge liegen, mir die DeutschirMional« Doiksportei fein. Es geht nicht an, ihr im selben Atem Mangel an Charakter vorzuwerfen und gleichzeitig von w«derzugewinnmdem Vertrauen zu sprechen. Wer überhaupt den Aufstieg der Deutschnationalen will, muß den Schwierigkeiten Rechnung tragen, die sich aus den, Charakter d:r Rahmenpartcien ergeben. Rur ein ganz großer. überlegener Führer würde es vielleicht fertig bringen, alle de Hemmnisse zu überwinden, die sich daraus ergeben. Solang: ein solcher nicht gefunden ist. müssen die vcrschicdmen Richtuno'n und Strömungen von selbst zusammenhaltkn und Diszipi/n zeigen. Auch die„Deut'che Zeitung" wird sich zu«nt"'«iden haben, ob sie in diesem Sinne den Erfolg der Deuischn>oti0Kp«n am 7. Dezember will oder nicht. Will sie ihn. und das nehmen wir an, da wir keinen Slnlaß lab.n. an der vaterländischen Ein- stellung der„Deutschen Zeitung" zu zweifeln, dann muß bis zum errungenen S'eg alles zurückgestellt werden, was zwar nickt unsere Mitglieder, wohl aber die hunderttausend« von Mit- l ä u f e r n siptzig machen und verwirren kann, die nun«inmo! zu einem glattm Wahlsieg«hören. Das Säen von stntrmt zwischen den Weizen besorgen die Schwarzrotgelben ohnehin schon genügend." Durch Verschweigen und Unwahrheit sollen de Mitläufer ein- gefangen werden. Nur nicht kopsscheu machen, ist die Parole. * An der Spitze des nationalsozialistischen Reichs- tag s w a h l o o r sch l og es steht wi.derum General Luden« darf f. Von den bekannten Führern nehmen Graes« die zweite, Graf Rsventlow die viert« und Major Henning die sechst« Stell« des Reichswahlvor'chlages«in. Bemerkenswert ist das Fehlen des bekannten völkischen FLHr-r« Wulle in dem nativnal�onal sti'chcn Rejchsma�vorschlog. Im ganzen umfaßt die neue völkische Liste 20 Kandidaten. wegen Der Spandauer Abbauskandal. Die Abbauerei in Berlin ist mit Recht bereits in bürgerlichen Ztltungen als einer der größten Skandale bezeichnet worden, die in der Kommunalpolitik je erlebt worden sind. Di« vielumstrittene Personalabbauverordnung soll ein« Verbilligung und V«r- «infochung der Berwaltunz ermöglichen. Durch sie sind eine Reihe verfassungsmäßiger Recht« der Bcamtm außer Kraft gesetzt. Zum Ausgleich dafür ist aber sowohl durch Gesetz wie durch Aus- führunzslxstrmmungen der zuständigen Ministerien der Versuch ge- macht worden, eine Reihe von Kautelen zur Sicherung der berechtigten Interessen der vom Abbau betroffenen Beamten zu schaffen. Bei den W a h l b e a m t e n, auf die in Preußen der Ab- bau ousgcdchnt worden ist, hat sich die Abbauverordnung so aus- gewirkt, daß die in Betracht kommenden Dienststellen(Stadtverord- netenversammlung und Gemeindevertretung) an Stelle der Anwen- dung der Bestinm ungen des Gesetzes willkürlich ihre politi- schen Leidenschaften jpl elen ließen. Der Abbau der Wahlbeamten ist dadurch zu einer politischen Frage geworden. Reak- tivnäre und Bürgerblock-Zufallsmehrheiten haben geglaubt, ihren Ge- lüften freien Lauf lassen zu können. Ein geradezu klassischer Fall für«in b«wubt parteiischex Vorgehen ist das Verhalten der Mehrheit der Bczirksverordnetenver- sammlung Spandau beim Abbau unseres Genossen Dr. her z. Stadtrat Dr. herz gilt in allen Fachkreisen als«in anerkannter undangesehener Fachmann. Sein« bemftiche Befähigung, seine juristische Vorbildung und seine Qualitäten als Derwaltungs- beamter sind von keiner Seite bestritten worden. Aber«r Hot zwei Fehler: er ist Sozialdemokrat und er ist Jude. Das letztere ist wahrscheinlich noch schlimmer. Klar ist, daß ein solcher Mann abgebaut werden muß! Die Bezirksverordnetenversammlung Spandau hat sich In diesem Fall« durch keinerlei Rechtsbelehrungen von ihrer skandalösen Rechtsbeugung abHallen lassen. Daß es sich um eine objektiv« Rechtsbeugung handelt, über deren Charakter sich die Mehrheit der Spandauer Bezirtiverordnetenv«'- sammlung nicht im unklaren sein konnte, geht aus folgenden Daten hervor. Unter dem 8. November Hot der Magistrat mit Unter- schrist des Oberbürgermeisters eine Rundverfügung an dl« Bezirke erlassen, in der mri Rücksicht aus den vielfachen Mißbrauch der Be- stimmungen der Pcrsonalabbauoerordnunz- folgendes festgestellt wird: 1. Der Abbau der Stellen des Vorsitzender de? Bezirksamtes und seines Stellvertreters ist unzulässig, weil die Stellen im Ge- setz vom 27 April 1920(§ 25) vorgeschrieben sind. 2. Vor dem endgültigen Abbau von besoldeten Bezirksamt»- Mitgliedern, deren Stellen nicht m Fortfall kommen sollen, ist die Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten zur wiederbcsehung der Stellen einzuiioleu.... Di« Genehmigung zur Wieder- besetzung kant die Slufsichtsbchcrde. wenn die Umstände des Falles es rechtfertigen, insbesondere wenn die Zustimmung nicht vorher «ingeholt ist. von der Bedingung abhängig machen, daß der bis- herig« Stellen'nhaber wieder eingestellt wird(Minisderkclerloß vom 23. September 1924) Nach diesen klaren Bestimmungen konnte«in Abbau de« Stadt- rats Dr. herz, der stelloertre:«ilder Bürgermeister in Spandau ist, nur in Betracht kommen, wenn vorher der Oberpräsident mn Ge- nehmigung der Wiederbesetzung der Stelle ersucht worden war. Di« Bezirksoersammlung hat sich um düese vorgeschriebene Verpflichtung überhaupt nicht gekümmert. Die Abbauverordnung schreibt ferner vor, daß der abzubauende Beamte Gelegenhoit haben muh, sich zu dem Abbaubeschluß der Dienststell«(in diesem Falle Bezirksverordnetenversammlunz) zu äußern. Die Lezirksoerordnetenversmnmlung Spandau hat das nicht für notwendig gehalten. Ter Vorsteher der Ver- sammlung hat zwar dem Stadtrat Dr. herz den Beschluß der Ver- sammlung mi! der Bitte um Aeußerung initgxtoilt, die V e r s a m m- l u n g beschloß c-ber in ihrer nächsten Sitzung, daß dieses Vorgehen gänzlich überflüssig gewesen sei und daß sie lediglich eine Erneuerung ihres ersten Beschüsses feststelle. Die':? Verhalten Mr Bezirksverordnetenversammlung ist verständlich, wenn man bedenkt, daß jeder Abbaubeschluß begründet sein muß und daß es im Z 20 der Abba-uverordnung heißt. „Für die Zluswahl(der Abzubauenden) ist der Wert d« r . d ie 1 stli che i'L« i stu n g für die Staatsverwaltung, bei gleich- wsrtigen Leistungen sind die wirtschaftliche, und die Familienverhältnisje entscheidend. Bei Berückstchtinung der Fami.i.»nverhältniss« sollen ledige Beamte vor verh'iralckcn Beom.en, kinderlose vor Beamten mit ualerhaltungsberechtigten Kindern usw. usw. ausgewählt werden." Di« Bezirksversammtung hat gar nicht daran gedacht. 1», Fall« Dr. herz' sich an diese Bestimmung zu halten. Daß seine Leistungen denen olla anderen Bezirksomtsmitglicder gleichzusetzen sind, wurde nicht bestritten. Seit Abbau wird nur damit begründe», daß er„zu d«n wirtschaftlich Stärtstm" gerechnet wird. Di« Bc- gründung weswegen Dr. herz al» wirtschaftlich stark angesehen wird, ist daz Famoseste,'was man überhaupt bei solchm Abbau- «ktionen je gehört Hot. In dem Schreiben des Borsitzenden de? Versammlung hcißt es: „Als früherer anerkannt tüchtiger Rechtsanwalt(?) in Altona wird es Ihnen auch für die Zutunfl nicht schwer fallen, sich wieder ein« Rechtsanwaltsproxis zu gründen und dadurch den Lebens> unterhalt für sich und Ihre Familie in angemesse ter Weis« zu bestvcftcn." Also, der verdammte Jude ist auch noch ein tüchtiger Kcrl, also kann man ihn erst recht abbauen! Da« Ist echte Bürger. b l o ck l o g i k. Daß Dr. herz der einzige Spatdauer Stadtrat mit drei unversorgten Kindern ist, spielt gegenüber seiner Tüchtigkeit keine Roll«. Sonst werden die Sozis„wegen Untüchtigkeit" abgebaut, hier hat man der Abwechslung halber mal den Fall, daß der Jude und Sozi mal wegen Tüchtigkeit abgebaut wird. Wir sind apf Einzelheiten dieses Falle» nicht nur deswegen eingegangen, weil es sich um eiten der anerkanntesten sozialdemokratischen Kommunalpolitiker, de, Verfasser des kommutolen Pro- grammentwurfe» der USP. handelt, sondern weil mit derselben rücksichtslosen Außerachtlassung aller gesetzlichen Bestimmung«!' überoll da gearbeitet wird, wo wild gewordene bürgerlich« Wehr- heilen einen Sozia'demotraten glauben beseitigen zu können. 59:,, es noch die Möglichkeit eines AppellsandasRecht gibt, dann muß die Aufsichtsbehörde diesem SKmdal et» Ende bereitet. Di« Sozialdemokratie wird sich nicht gefallen lassen, daß das Recht zu ihren Ungutste, in diese- Weis« vergewaltigt wird. GöVerMostsbewegung Oer Streik öer Hochbahner. Bevorstehender Vermilllungsversuch. a>ie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wird von den de- nördlichen Schlichiungsslcllen ein versuch unternommen, den Streit der Hochbahncr, der das cfesamte Wirtschaftsleben Berlins In Mitleidenschasl zieht, burdi Verhandlungen zu schlichten. Wir erfahren weiter, dasz auch in der Berliner Gemeinden«?- waltung bi; Stillegung der Hochbahn, an deren geregelter Weiter- führung die Sladk Berlin als vertrazskontrahent ein wesenllichss Interesse hat, bereits zu Erörterungen geführt hat. die sich in der nächsten Stadkverordnelensihung zu bestimmten Antrögen verdichten werden. Es ist anzunehmen, daß sich der Magistrat schon vorher mit der Stillegung eines der lebenswichtigen Verkehrsmittel Verlins befassen wird. « Da es nunmehr offenbar ist, daß die Ankündigungen der Hoch- bahn über die Wiederaufnahme des Betriebes nichts anderes waren als Aufschneidereien, bestimmt, die Oeffentlichkeit wie das Personal zu bluffen, ist es höchste Zeit, daß die zuständigen Stellen— und dazu gehört vor allem der Berliner Magistrat — mit der Direktion der Hochbahn ein ernstes Wörtchen spricht. Es geht nicht an, daß die Bevölkerung Berlins weiter unter dem Geldsackterror der deutschnationalen Leiter der Deutschen Bank leidet. Denn diese ist es, die die Hochbahn„kontrolliert" und die Taktik der Direktion der Hochbahn bestimmt. Dieselbe Scharsmacher- taktik bestimmt die Deutsche Bank auch in einem der größten Berliner Warenhäuser, mit dem wir uns wiederholt befassen mußten. Die Frage aber steht so: Sind die Berliner Verkehrsmittel dazu geschaffen, um gewissen Schorfmachern als Bersuchsobjekt zu dienen bei ihrem Plan der allgemeinen Beseitigung des Acht- stundentages und der Herabdrückung der Lebens- Haltung der Arbeiterschaft? Darf es weiter gestattet werden, daß die Hochbahngesellschaft zur Durchführung dieses Plans von den vertraglich über- nommenen Verpflichtungen befreit wird? Es gibt hier keine Frage der höheren Gewalt. Die Hochb�hng fellschaft führe den immerhin noch gef-tzlichen Achtstundsn- tag wieder ein; sie gewähre die bescbeidenen und erfüllbaren Lohn- forderungen— und die Hochbahn rollt wieder. Die Hochbahngefell- schast kann dies tun— also muß sie es tun. vie Entlassunaen Ser Ne''chsbahnoesellschost. Irreführung der Oefsenklichkeik. In der Berliner Abendpresse vom Montag erschien eine Notiz über die in Aussicht genommenen Entlassurgen in den Werkstätten der Reichsbahngesellschaft. Der Kern dieser Meldung bestand in der Behauptung, daß dies« durch«in Rimdschrdiben der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft angeordneten Entlassungen nach Verhandlungen mit dem Hauptbetriebsrat und den Gewerkschaften durchgeführt werden und deren Z u st i ni m u n g gefunden haben. Die'e Behauptung, deren Unrichtigkeit wir bereits in der Morgenausgabe vom Dienstag festgestellt haben, beruhte auf einer Mitteilung, die der Presse in einer am gleichen Tag« abgehaltenen Konferenz von dem Pressereferenten der Hauptver- w a l t u n g gemocht worden war. Wie wir nun erfahren, ist infolge einer Beschwerde des Hauptbetriebsrates über diesen Vorgang in Verhandlungen mit. maßgebenden Persönlichkeiten der Hauptver- waitmrg der Reichsbahngzsellschcvst• festgestellt worden, daß dies Rund'chreibsn dem Hauptbetriebsrat nichteinmal vorgelegt, geschweige derm mit ihm oder mit Vertretern der Gewerb'chaften beraten worden ist. Bei dieser Gelegenheit ist auch betont worden, daß der Hauptbetriebsrat und die Gewerkschaften es auch im Falle sil.cker Verhandlungen abgelehnt hätten, dem Rundschreiben ihre Zustimmung zu geben. Damit ist die Unrichtigkeit der Mitteilung des Pressereferenten der ijauptverwaltung, sowie der Presse selbst von authentischer Seite zugegeben worden. Die Leichtkertigkeit, mit der hier eine irresühccnde falsche Nachricht verbreitet wurde, wird nicht dadurch gemildert, daß dies« falsche Nachr.cht offenbar Mißtrauen und Zwie- tracht unter die Eisonbcchncr säen sollt«. volkswirtsckast unö Achtstundentag. Als zu ,B:ginn dieses Lahres in der Schweiz die Volksabstlm- uung über die Aufrechterhaltung des Achtstundentages stattfand, könnt. n Regierung und Unternehmer nicht genug daraus hinweisen, daß bei einer Beibehaltung das ganze Land der vollständ gen wirtschaftlichen Zerrüttung entgegengehen werde. Wie nia' t anders zu erwarten war. hat sich jedoch gerade das Gegenteil ereignet. Seil der Abstimmung, bei der sich die große Mehr- hcit des Schweizer Volkes zugunsten des Achtstundentages aus- ivrach, sind die Z ffcrn für Warenausfuhr von Monat zu Monat gestiegen. Der Export, der auf 30 bis-10 Proz. des Fried'ns''a-des zurückgegangen war, hat nunmehr die Zahlen der Vorkriegszeit wieder erreicht. Die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter ist zurückgegangen. Während man Ende März noch 21 380 Arbeitslos« zählte, waren es schon Ende April nur noch deren 16 700. Im 1 Viertelsahr 1024 hat sich die Ausfuhr von Farbwaren allein um 20 vom Hundert gehoben. Der Export von Baumwoll- und Wollwaren ist ebenfalls beträcht- lich gestiegen. Di« Ausfuhr von Uhren hat sich von 40 auf 48 Mil- lionen Franken erhöht, die der Maschinen von 3Z auf 41,3 Mil- lionen. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei allen anderen Ausfuhr- artikeln. Im Baugewerbe ist die Beschäftigung wieder auf Vor- kriegshöhe. Viel« Industrien, die ganz danieder lagen(Stickereien usw.), haben sich wieder erholt und beschäftigen«ine große Zahl von Arbeitern. Natürlich mögen bei dieser Entwicklung auch noch andere Faktoren eine Roll« gespielt haben, doch kann auf alle Fälle gesagt werden, daß die Beibehaltung des Achtstundentages diese Entwicklung nicht gehemmt hat. vke LohnverhanSlungen im Sergbau gestheitert. Essen. 14. November.(WTB.) Di« heutigen Lohnverhandlungen zwischen Zechenverband und Leraarbeiterverbänden sind nach ein- gehender Erörterimg der gegenseitigen Standpunkte gescheitert, da sich eine Annäherung der Anschauungen nicht erreichen ließ. Die Unternehmer erklärten es im Hinblick auf die Gesamtlage der deut- schen Wirtschaft und auf die jeßt schon stark eingeschränkte Be- schäftigunqsmöglichkeit ihrer Arbeiter ablehnen zu ntüssen, eine Lohnerhöhung eintreten zu lassen. Es wurde von ihnen geltend gemacht, daß ein solche lediglich weiter« Absatzverringerung und Betriebsemschränkimgen mit sich bringen und ferner eine Ver- mehrung der schon jetzt in großer Zahl erforderlich werdenden Feier- schichten zur Folge haben wiirfc«, so daß die Arbeiterschaft von einer Lohnerhöhung in Wirklichkeit keine Vorteile haben würde. Es wurde schließlich darauf hingewiesen, daß die Löhne die nominellen Friedenslöhne bereits überschritten hätten. Die Arbeiteroertteter erkannten dies an, verblieben aber bei dem Standpunkt der Rot- wendigkett einer Lohnerhöhung. « Essen. 14. November.(Eigener Drahtbericht. Die Lohnverhcmd- lungen für den Bergbau sind gescheitert. Die Bergarbeiterorganisa- tionen werden jetzt den Schlichter anrufen. » Die Wolff-Meldung gibt getreulich die sattsam bekannten Argumente der Zechen bescher wieder, oerschweigt aber voll- ständig die Begründung der Bertreter der Bergarbeiter. Eine derarttg« tendenziöse Beeinflussung der Dcsfentlichkcit ist einfach ein Skandal. Im übrigen laufen die Argumente der Unternehmer aus folgenden Beweis hinaus:„Wenn der Unternehmerprosit be- schnitten, die Arbeiterschaft und mit ihr der Mittelstand kaufkräftig gemacht wird, dann sinkt die Absatzmöglichkeit." Daß die Nominallöhn« teilweise die Friedenslöhne erreicht haben. stimmt. Wie aber steht es mit den Reallöhnen. Sind etwa die Kohlenpreise Friedensnominalpreise? In öer Auflösung. Eine der Hauptgründungsn der KPD., mit der sie den Fabrik arbeiterverband in die Luft zu sprenge» hofft«, ist der Industrie verband Chemi. Aber trotz der schrankerlolestan� Demagogie und � der größten Hilfsmitt-'l, die Moskau dabei verwendet Hot, ist die Orgemi'ation nienmls über eine gewisse lokale Bedeutung hinausgekommen. Und nun befindet sie sich in vollster Auflösung. Moskau hat die Leute aufgeputscht, nun sollen sie wieder zurück in die Ge- werk'chaften, um dort an die Massen berannckommen, die der Spoltungsparol« von Moekau nicht gefolgt sind. Das erzruat Zer- fttzlmaeersch-''nungen d'e nicht g rade erfreulicher Natur sind. Die Zahlstellen Höchst a. M und B'ebrich sind desha'b bereits ans d,m kommunistischen Verband ausgetreten. In einem Flugblatt dos die Zahlstelle herausgibt und daß ganz in dem Tone gebalten ist, den diese Kommunisten von Moskau aelernt haben, werden den mos- kowitilchen Drahtziehern allerlei Wahrhe't-'n gesagt. Wir zitieren: „Wir gründeten den Verband mit Zustimmung aller gerade und ehrlich gesinnten Kollegen unseres E�b'ets und mit Zustim- mung der Kommuni st ischcn Barte! Deutschlands. Wir gründeten ihn aus eigener Kratt und ohne jede sinanz-elle Unterstützlinq von irgendeiner Seite. Aber nach ganz kurzer Zeit wendet sich das Blatt. Aus den Leuten welch? der Gründung wobl- wollend gegenüberstanden, wurden schofle Gegner, die«inen unter- irdi'chen be'mtückftchen Krieg aeg n den Bcrtrnd führten. In Mannheim fand am 23. Juni«ine Roichskonfere''z der Zahl- stellen stait. Die Gegner des Verbandes Batten es verstanden die Leitung in ihre Hände zu bringen. Mi' einer nichtsrmtziaen Rcso- lut'on und statutarischen Richtlinien wollte man dm Verband er- würgen. Als im fem Vertreter das Panagran''en Machwerk durch- schauten und gegen diese Abwürgung Front machien. warf man sie hinaus. Das ehemalige Vorstandsmitg'ied Böh!«r-Ni-?d reiste nach Berlin und vcrkupvelte die Zahlstelle jedoch wieder an dics? Macher, ohne vorher auch nur ein Mitalied der Verwaltung davon in Kcnntn s zu setzen oder von der Mitalicdmoerlammlung b.'aus- tragt zu sein. Wonia« Wochen später fand in Btrlin eine neue Konferenz statt. Die Teilnehmer waren zu 07 Proz. Leute, d i e gar nicht im Industrieverbond oraanisiert sind, die den alten Gewerkschaften onerhoren, und d es« Leute bestimm- ten, daß der Industrieverband in die alten Gewerkschaften einzu- treten hat.... Wir fanden in der Reichsleitung des Chemie-Ber- bandes Leute, die im Wortverdrehen, im Ränkespinnen, im Ein« seifen und in der Kunst, die Kollegen um ihr gutes Sclbstbestim- mungsrecht zu prellen, den anderen ebenbürtig waren... Die Statutenberatungskommission, welche den Entwurf auszuarbeiten hatte, wurde in einer Sitzung der Reichsleitunq von Sachs als u n- sähig erklärt, weil sie sich erlaub: hatte, Paragraphen ein-u- brinom. Fast alle Paragraphen, welch« das Selbstbeftimmungsrccht der Mitglieder garantieren sollten, wurden verstümmelt oder ganz beiseite geschoben. Man peitschte einen Paragraphen durch der den Zahlstellen das Recht an ihrem mühselig erworbenen Inventar. Bureaueinrichtung. Maschinen usw. und an ihrem Bermögen nimmt und der Reichsleitung das Berfllgungsrecht darüber gibt. Ats Reichsleiter wählte man mit Hilfe der gut funktionierende» Reg'ssur einen gewisien Baumgärtner. Der Mann ist bis heute der Zahlstell« Höchst noch Aufklärung schuldig über abge- schickte Sammelaelder. Diese Burschen find wie Ratten; was sie nicht ftessen können, verunreinigen sie. Das ticfbedauerlicke ist, daß die Kommunistssck« Partei sich von ihnen als Helfer be- nutzen läßt. In einer Derfammlung der Kommunistischen Partei wurde beschlossen, eine Gencralver�ammtung für dm Industriever- band einzuberufen. Dieser Beschluß wurde von Personen herbei- geführt, die dem Industrieverband gar nicht angehören. Das ist der G pfel der Frechheit. Es liegt uns fern, entscheiden zu wollm, ob die Genasfühlten von Höchst und anderwärts im Recht und ob die Drahtzieher in Berlin und Moskau im Unrecht sind. Für die Mass« der Arb?'ter- schaft verliert die kommunistische Katzbalgerei immer mehr an Inter- esse. Es hat auch vor dem Kriege Ouerickantsn gegeben, die sich nicht in Reih und Glied stellen konnten. Sie suchten und fanden bei ten Lokalisten und Anarchosyndikalisten Unterschlupf, ohne j'mals irgendwelche Bedeutung zu erlangen. Di« Kommunistisch« Partei befindet sich jetzt in einem veborgangsstadium zu einer kleinen be- deutungslolen Sekte. Wir begrüßen diesen Auflösungsprozeß, der zur Gesundung der Arbeiterbewegung führt. Tie Slussperrung im Tynamowerk danert fort. Die Aus'verrung im Dvnamowerk des SiemeuS-Kon-ernö dauert weiter an Die AiiSgeiperrten hielten gestern mittag wiederum eine Beiriebsverinmmlung ab in der der Borßtzende des Arbeiterrais mitteilte, daß die Berbandlun-en mit der Direktion bisher noib zu keinem EraebniS geführt haben Borher hatien die streikenden Dreber beschlossen, unter diesen Umständen'm Streik z u ver- harren. Die Firma Siemens verkolat offenncknlich die Taktik, durch Verschleppung der Verbandlunaen die Aus'perrung immer mebr hinzuzörern. um ans diefe Weste die B.'leafibaft unterzukriegen. Da? verlangt nun einmal die Politik der„Volksgemeinschaft" der Arbeitgeberverbände. IöhiedSstPrnch im Dnisbnrqer Hafenarbeiterfonflikt. Duisburg. 14. Rov-'mber.(Eigener Drahtbericht.) Die Durch- führung des von dem Verkehrsbund, Abteilung Hafenarbester, ge- faßten Streikbeschluß wurde durch Einiireiß?» des Sch'stb'ers verhindert. Bei den am Donnerstag abend statt�fiiudenen Schlichtungsnerhandlungen für die Lobnreae'una der Hafenarbeiter und Kranführer des Duisburg. Ristrorter Höfens wurde aogeu die Stimlnrn der Arbei aober ein Schiedsspruch aest'llt, nach dem rückwirkend ob 1. November der Toaelobn auf 6,33 M. und der narontierte Akkordlebn auf 6 M. fest-esctzt wurde. Sämtlich»? Be- züo« erbö�n sich ensinrechmd um 0!-� Venz Die Ma�ch'nistenlöstne erhöhen sich in demselben Verhältnis. Di« Erklärungsfrist läuft am Sannabend ab. In Aufrufen nnd Beistamm'unnen gibt dst Organ i- ßiftnn der Hnfenarbeiter der Berkebr-hund. bekannt, daß. falls die Arbeitgeber bei ihrer oblehnend-n Stellun-a verbarnm, am Man- taa morgen die S'reiksperre über den Duisburg-Ruhr- arter Hafen verhängt wird._ Frankreich will den Achtstundentag in de«-?chiffalirt. Baris. 14. November.(Eigener Drabtbericht.Z In der Kammer wurde am Fmitaq morgen be> der Lestina des Etats der Handels- marine von soua istischer Seite erneut der Antrag auf Durch- führung des Achtstunden ages für das Personal der Handelsmarine eingebracht. Es sprachen dazu die Genossen Canavelli und B r o u i l s o". die sich zuoleich süi die Rekomltituierung der vom Nat'nnalen Block verramschen staatlichen Handelsflotte einsetzten. Im Namen der Regierung gab der zuständige Unterstaatssekretär die Erklärung ab daß sie zur Durchführung des Acht- stundentages bereit sei. sobald dieser auch in den anderen Ländern durch ein in'ernationales Abkommen gesichert werde. Achtung, TPD.-gimmcccrl Am Eonntaq vsrmitt«« ly Uhr Bei l�i Ohnnemach. Newmandsntenltr. 88, Bersammlnna«Iler EPD.-gimmerer. � Erscheinen rr.hciirnt no'nicnMi. Tee g akti«n»»orftand. S Achtnna, ararhssche» Eeweibe! Die CDD-Genossen des aranhifchen Gewerbes holen bos Derbemateriol nm Monte», ben 17. Nonember, W aus dem Eranhischen Pe'ein-baus. Der araphische Werbeanoschuh. ZlerontworMch kllr"Politik: Eensl Nevtee: Wirtschaft: Artne Saternns; Grwerkschcflsbeweauna: Z. Steiaer: ssrnilleton: Dr. Nohn Schikowski: Lokales und Tonstiaes: grih itarstädt: Anzeiaen- Th. Glocke, sämtlich in Berlin Verlag: Lorwärts-Verla« G m d. K.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Verlaasanstalt Paul Einoer u Eo. Neriin SW 68, Lindenstrahe 3. Klee?»? Beilaaen. Arn 13. NovPiubcr 1924 verstarb in Berlin mich kurzer schwerer Krankheit das Mitglied des Verwaltungsruts der Deut-chen Reichsbahn-Geselischaft, der frühere Präsident des Eisenbahn-Zentralamts Herr Wirklicher Geheimer Oberbaurat Rieliarcl Sarre Wir verlieren in dem Verstorbenen einen hervorragenden Eisenbahnfachmann und einen ausgezeichneten Mit- arbeuer von vornehmer Denknngsart nnd großer persönlicher Liebenswürdigkeit. Auf. seine reichen Erfahrungen und außerordentlichen Fachkenntnisse hatte die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft große Hoffnungen gesetzt. Wir werden sein Andenken in hohen Ehren halten. Berlin, den 14. November 1924. Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft Der Generaldirektor O e s e r. Der Präsident des Verwaltungsrata Dr. 0. F. von Siemens. j Am 15 Noormdcr iciect das Ehepaar j 1 Wllh. Löwe, Eamphauienstrahe 25, j da« I Herzliche» Gllickwimlch! der Seidenen Hochzeit, X. i.'> ivrause- Pksinos Miele Xiisbacher Sir.>. 'fWarflintrrcirah Hecht rabakvaren Toflsandianq Ik'arren.Ziparettei.. Tabak hilli LimleiBtr. 81 flfletallbetteii itahlwairatz.. Kinderbetten dir an Priv Kat.30A ftei. Elsenmöbelfabr. Snbl Thür jSanscnbe Befreit von Vandwurm durchgelcBel'sSand- «utmmiltel„Fort I«i er". ZZjiihrliie Er -olge. M 3 00. iiit Rindet mach Alter) M, 2 49 InDtoqerien un dApothelrn ei hält» lich, aber echt u wirk» sam nur mit Firma Otto ReiAel. Berlin 43. SO, Eisenbaftnstr. 4. Das altbewährte Kräftigungsmittel für Körper und Nerven ist in allen Apothefen und Drogerien erhäcklich. Proben und Broschüren kostenlos durch Bauer& Cts., Berlin EM 48, Friedrichstraße 231 WMÜMldM-MÄ Montag, ben IT. noocmbec, abends 7 Uhr. Im veegnügnngopatns» „Seotz- verlin" itiliems Zeslsale). Hnsenheide 1Z 14: 'Branchenversammlung der Rohrleger und heiser. Taqesorbnung: i. Durchführung des Eachverstiinbiaenautachtens und d r Arbeiter. 2. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. Mitg'iedsbuch legitimiert. Erscheinen aller Rollegen ist Pflicht Alhtiing! Achtung! Montag, 17. Itooembcr. nbb». 7 Ahr. im verboabohanfe Cinfenftr. 83 SB- KombiDierte BrandienversamiDlöng Tagesort nung: 1. Seridit von bot letzten Verhandlung und Stellungnahme dazu. 2. Berschiedenes- Zeder Ro liege ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. vt» ortsverrvaltong. IiicligsliZIisiilljiiiig! üinze.veika it auch an Private zu Eagrospi eisen. kiesealsxeT in mollernen l)zmen- unä Herrenstoffen Meter 4.90 6 25 7.75 9.75 Ulster- und Paletotsloffe in den feinsten Qualitäten Max Lachotzki ruchgroSrandlun« Nur Künlgatr. 46, 3. Etage Sine genau auf Firma zu achten! Vei einigte Land- und Städ e-Feueisozieiälen n Ge ründet 1719 Hausrat- Feuer- u. Einbructidiebstahiversiclierung Fester Beitrag! Keine Nachschnßpf licht! Keine Aasfcrtignngsgehühr! Mindestbeitrag 3 Goldmk. 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Sind dies die Verbindungen von Norden und Osten, so ist Zossen(von wo in der Postkutschenzeit einst offizielle Fahrt war) oder noch besser die Station Neuhof Ausgangspunkt für die Wanderung, die zu den nördlichen Ufern des Teupitzer Sees führt, so daß man um das westliche Ende herumgehen oder sich übersetzen lasten muß. Im Süden dehnen sich von Baruch bis an die Dahme und darüber hinaus bis zur Spree gewaltige Forsten aus, die für die An- Näherung an Teupitz weniger in Frage kommen. Mal aber muß noch der Dampferfahrten von Berlin aus gedacht werden, die im Sonimer häufig statt- finden. Klein und bestheiSen... Wer sich in der Stadt umsieht, wird wenig von der einstigen Bedeutung vorfinden Und doch war sie von der Mitte des 14. Jahrhunderts an das Henlrum für das den Schenke» von Landsberg(bei Hall«) gehörige 4 Oucdratmeilen große Gebiet, das u. a. Mitlcnwalde und Wuslerhausen einschloß. Aber mit dem Uebergange aus dem Lausitzer in den brandenburgischm Lehensvcrband(1462) und nach dem Elend des Dreißigjährigen Krieges war die Einfügung in Preußen nur eine Frage der Zsi', und nachdem Wusterhausen schon 1683 von dem späteren ersten preußischen König verkauft worden war. erwarb Friedrich Wilhelm I. 1718 das ganze Schenkenländchen für 54 000 Taler. Er unterstellt« das neu«„Amt" seinem Liebling s- aufenthal' Königswusterhaufsn. Später ist es dann, soweit Teupitz in Frage kvmmt. in adlige Hände gelangt und neuerdings von einem Bürgerlichen erworben worden, wobei der Kaufpreis sich mal in jenen Millionen und Milliarden ausgedrückt hat, die uns einen so lustigen„Reichtum" vorgespiegelt haben. Das Amt oder Schloß liegt auf einer in den See vorspringenden Land- zun-g?; es weist noch alte Fundament« und einen mittelalterlichen Tor urm auf, der oben von buschigem Grün umlaubt ist. In der Kirche, einem einschiffigen Ziegelsteinbau, bei dem der nieder? Turm einseitig auf den Wcstgicbel gesetzt ist, was recht sonderbar aussieht, findet sich so gut wie gar nichts an Erinnerungen aus der Schenken- zeit; das Innere wurde bei der Renooa ion in der schlimmsten Banausmepoche des 19. Jahrhunderts alles dessen beraubt, was hillorisches Interesse bean'pruchrn konnte. Und das Rathaus, diese Zierde der meisten alten kleinen S'ödte? Nun es ist ein gewöhn- liches Haus, das nur durch feine Aufschrift seine Bestimmung verrät — man möchte lagen, daß es so recht Ausdruck jener Armut des Städ chens ist, die alle älteren Chronisten hervorgehoben haben, die aber schon A.tmeister Fontane als nicht mehr bestehend bezeichnet hat. ... und öoch eine Zukunft. „Teupitz ist schön"— diesen Satz hat auch schon Fontane geprägt. Und die Zukunft der kleinen, kaum 1006 Einwohner zählenden Stadt liee war im achten Monate schwanger, und man nimmt an, daß ihr Mörder ein Liebhaber aus der Gegend von Pa'sewalk war. der ihrer wegen der Schwangerschaft überdrüssig ge- worden ist. Das Mädchen ist vielleicht von Berlin nach Pasewalk gelockt worden und ahnungslos ins Verderben gegangen. Es war etwa 18—20 Jahr« alt. 1.62 groß und kräftig gebaut, hatte dunkel- blondes Haar und blaue Aug n und trug«inen grauen S«geltuch- Hut,«ine dunke'biou« Bluse mit feinen grüner Längsstrelfen, einen dunkelblauen Cheviotrock, blaue Strümpfe und hohe schwarze Schuh« mit Lackkappen und an Unterzeug«in« zweit« dunkelblau« Bluse mit lila Streifen, ein Korsett,«ine weiß« Untertaill? aus dünnem Baumwollstoff mit einfacher Spitzenverzierung, einen Unterrock mit Baumwollhemd, der D. G. gezeichnet ist und«in hell- und dunkel- gestreiftes Reformbeirkleid. Der Schal, mit dem das Mädchen erdrosselt wurde, ist 18 Zentimeter breit, besteht aus grürer Wolle mtt blauer Kante und Franken und war eng um den Hals gezogen und durch einen doppelten sogenannten„Weberknoten" festgemacht. 26s Der Miklelweg. von Sir Philip Gibbs. Er setzte sich neben sie auf das Bett und sah mit ihr in die Zeitung, welche sie eilends überlas. „Ich Hab mein Buch mitgebracht so weit ich damit ge- kommen bin," sagte er mit läche'nder Nervosität.„Möchtest du etwas davor hören, Joyce? Mir siegt viel an deinem Urteil." , Nein, Joyce mochte nicht zuhören, sie hatte etwas anderes auf dem Herzen, und das war sein Weggehen aus dem Bor- trage ihrer Mutter. „Du hast dich gestern abscheulich benommen, sagte sie. ohne auf die Blätter in seiner Hand zu achten.„Sogar Vater hat dein Betragen getadelt als du so demonstrativ fortgingst." „O du," seufzte er zerknirscht, bat um Verzeihung und zeigte ihr den Haufen Manuskriptblätter, den er mitgebracht hatte.„Ich glaube, es ist mir diesmal gelungen." sagte er aufgeregt,„diesmal ists das Richtige. Hast du eine Stunde Zeit für mich, damit ichs dir vorlesen kann?" „Es interessiert mich nicht im geringsten." war die kühle Antwort.„Bitte, geh hinaus, ich möchte aufftehn." Wenn sie ihm mit geballter Faust ins Gesicht geschlagen hätte, würde es ihm nicht so weh getan haben. Er begriff nicht, daß er die allerschlechtcste Zeit für das Vorlesen seines Buches getroffen hatte. Joyce war tief ge- kränkt durch seine Nichtachtung des gestrigen Dortroges und noch mehr beleidigt durch sein flüchtiges Hinweggleiten über sein Unrecht. Seine erbitterten Bemerkungen bei dem Vor- trag ihrer Mutter hatten ihr aufs neue offenbart,«ie sich die Trennung zwischen ihren und seinen Ideen immer mehr ver- größerte. Außerdem hatte das Buch sie von Anfang an ge- reizt. Lächerlich, sich einzubilden, daß Bertram ein Buch schreiben könnte, wo er doch nichts von dem glänzenden Geist Aennelhs besah und deutlich gezeigt hatte, wie sebr ibn die Unterhaltung ihrer Bekannten über Bücher und Dichtkunst langweilte. Ganz besonders aber batte das Schaffen seines Buches heimlich an ihr genaat. Er batte es ihrer Gesell- schaft vorgezogen. Er hatte sich absichtlich isoliert, um diese Blätter voll zu kritzeln. Dieses Buch war eine Scheidewand zwischen ihnen beiden. Es hatte ihn gegen eine standes- gemäße Arbeit gleichgültig gemacht und ihn veranlaßt, immer wieder über diesen greusichen Krieg zu grübeln. Er wühlte in den allen Wunden und geriet immer tiefer in sein« krank- Haft trüben Anschauungen hinein. Sic war sicher, daß das Buch von bitteren, demokratischen Ideen erfüllt war, welche in ihrem Sinn einem Verrate des Vaterlandes gleichkamen. Und außerdem gerade jetzt wollte er ihr sein Buch vor- lesen, wo sie die Friseurin erwartete, um sich das Haar wellen zu lassen! Wirklich, Bertram konnte einen nervös machen. Als er wieder nach unten kam, warf er sein Manuskript auf den Schreibtisch und knirschte:„Hölle und Teufel!" Auf ihre schneidende Antwort hatte er einfach erwidert: „Bedaure, dich gestört zu haben" und war gegangen. Auf der Treppe traf er die Friseurin. 20. Und so kam es, daß er sein vollendetes Buch nicht Joyce vorlas, sondern Ionet Welford. Mit ihrem eigentümlichen Be- gehr nach Erfahrung aller Art. ihrer Gewohnheit, die in- timsten und tiefbohrendsten Fragen zu stellen, hatte sie ihm schon vor längerer Zeit das Eingeständnis entlockt, daß er seinen Lebenszweck gesunden hätte in seinem Buch über den Krieg Sie war unglaublich aufgeregt. Sie behauptete, daß sie sofort gesehen habe, daß er der Well etwas sagen würde, was sie wissen müßte. „Nur nicht schüchtern!" war ihr Rat; sie trieb ihn an. brutal zu sein, die nackte Wahrhell zu sagen. Sie haßte die kleinen Skribenten, die den Schmutz des Krieges mit Rosen- wasser besprengten, um den Gestank zu betäuben. Bertram sollte gegen sich und seine Leser brutal sein und ihnen nicht das Geringste ersparen. „Scfireiben Sie so, daß den Leuten die Nerven zappeln. Packen Sie sie beim Genick wie junge Hunde, stoßen Sie sie mit der Nase in den Graus hinein und sagen Sie:„Hier schaut her! So ists gewesen! Und so wirds wieder werden für eure stubbsnasigcn kleinen Jungens und eure Männer, euer Liebstes auf der Well, wenn ihr euch nicht gehörig in acht nehmt." Bertram sagte, das hätte er auch getan, er wäre ehrlich gewesen, unbedingt. Aber das befriedigte Ianet noch nicht. Sie wollte von ihm haben, daß er sich an seine eigenen Qualen in den schlimmsten Stunden erinnere, um die Qualen all dieser Blinden, Krüppel und vom Nervenschock Getroffenen in seinem Buche zu schildern.„Schreiben Sie so, daß meine armen Blinden gerächt werden." Bertram meinte, sie erwarte zu viel von ihm, es wäre doch sein Erstlingswerk. Er brauchte Kritik. „Sollen Sie haben, Sie kleiner Junge, Sie," versprach Ianet.„Lesen Sie es mir nur vor, und die Haut soll Ihnen schaudern, wenn Sie unwahr gegen sich gewesen sind." Das war ihre Einladung, und er nahm sie an mit dem empfindlichen sehnsüchtigen Wunsch aller Neulinge in der Kunst nach Ermutigung, Teilnahme, Verständnis und Lob. Abend für Abend ging er nach dem Essen zu Ianet. Sie wohnte in einer langen Reihe großer Häuser, am Batterson Park, die meistens von den ärmeren„Intellektuellen", den „Ucberzähligen Jungfrauen", wie Ianet die Unverheirateten ihrer eigenen Klasse nannte, oder jungen Ehepaaren mit be- scheidenen Mitteln bewohnt wurden. Solange das Vorlesen des Buches andauerte, schloß Ianet alle anderen Besucher aus. Sie schob einfach ein Kuvert mit der Aufschrift„Berreist" unter die Klingel. Sie half ihm tatsächlich, sie sparte nicht mit ihrer Kritik, sie ließ seine Haut erschaudern, wie sie versprochen halte. Sic war unnachsichtlich bei Stilfehlern aller Art und schrie, als ob sie sich verbrannt hätte, in solchen Fällen allerhand- drollige Schimpfwörter heraus, so daß Bertram wider Willen lachen mußte. Und hundert Male tobte sie auf ihn ein. weil er das letzte Wort doch nicht gesagt hatte und feige vor der Roheit der Fotterkammern des Krieges zurückgeschreckt war. „Stärker!" rief sie dann.—„Stärker! Das war viel zu schwach. Heraus mit der Wahrheit, daß sie denen ihr blutiges. Gesicht zeigt, die noch an die Herrlichkeit und den Glanz des Kriegsabenteuers glauben, den romantischen Weibern, den grausamsten von allen, den Hundertprozent-Patrioten, die einen Weltkrieg heraufbeschwören möchten, um einen Nadel- stich zu rächen." Es kamen Zeiten, in welchen Bertram den kalten Schauder des Mißlingens in sich herauskriechen fühlte. Aber vor Ianets Rührung, Wut, Lachen und Weinen bei der Vorlesung hielt seine niedergeschlagene� Stimmung nicht stand. Es rührte sie tief, was er über die Soldaten geschrieben halte. Sie kannte sie gut. sie hatte sie gut gepflegt, in chren Annen hatten die Erblindeten geweint. Sie hatten „gebrummt" und geflucht und gescher-t und in Todesqualen geschrien und das Geheimnis ihrer Seele in seiner ganzen Nacktheit enthüllt. Sie wußte alles, und Bertram hatte ge- schrieben, was sie wußte. (Fortsetzung folgt.) Die Ermordete ist. wie die Ermittlungen ergaben, am 24. Oktober, nochmtttags gegen 3 Uhr, zuletzt auf der Chaussee gesehen worden, als sie mit einem Begleiter von Rollwitz im Kreise Prenzlau her- kam. Damals trug sie auch noch ein graugrünes Jackett, das ver» fchwunden ist. Der Begleiter ist ein großer, schlanker Main, etwa 1,75 Meter groß, von ungefähr 25—30 Jahren mit rotblondem Haar. Er trug einer grauen Jackettanzug(Militärentlassungsanzug). Mitteilungen zur Feststellung der Persön'ichkeit der Ermordeten und zur Ergreifung des Möeders nimmt Kriminalkommissar Bern- dorf. Dienststell« B. I. 8, Im Polizeipräsidium entgegen. Oer Toö öes privatSozenten vr. Dayfcn. Kohlengasvergiftung. Der rätselhaft« Tod des Privatdozentm Dr. Franz Dvysen aus der Altonaer Straß« 10 hat durch die Obduktion jeme völlige Aufklärung erfahren. Gestern nachmittag nahm der Gerichts- arzt Pror. Dr. Strauch im Schauhause die Obduktion vor. Es wurde festgestellt, daß Dr. Duysen einer Kohlenoxydgasver- giftung zum Opfer gefallen ist. De beiden alten Herren, Dr. Duysen und Dr. Kratz, die für gewöhnlich Ihre Speisen auf einem Gasherd zubereiteten, hatten das erstemal in diesem Jahre in dem Kohlenherd in der Küche Feuer angemacht. Unglückl'cherweis« setzte iich noch Dr. Duysen mt seinem Stuhl dicht an den.Herd heran. Da ie wohl die Lüftungsklappen nicht vorschriftsmäßig öffneten, so >reitkten d i c K o h l e n g a s e stch in der Küche aus. Da Dr. Duysen seit langer Zeit stark berz- und nierenleidend war und an hoch- gradiger Arterienverkalkung litt, so erlag er den Enflüssen des giftigen Gases nach kurzer Zeit. Sein Freund, Dr. Kratz, ist wohl iwr deshalb dem Tode entgangen, weil er weiter entfernt vom Herd« saß. Als er dann feinen Freund sterben sah, eilt« er zu ihm und öffnet« dabei d e Tür. So konnte ihm das giftige Gas nicht viel schaden. Seine Hilflosigkeit beim Ausfinden durch den Assistenten der Landwirtschaftlichen Hochschule am M'ttwoch ist ebenfalls leicht da- durch zu erklären, daß er noch stark unter den Nachwirkungen der Ginatmung des giffgen Gases gelitten hat. Dr. Kratz hat stch von dem mrvöfcn Zusammenbruch noch nicht erholt. Er mußte heute in die psychiatrische Abteilung der EharitS übergeführt werden. Das Nachspiel zum F-ürsteuwalder Ulanentag. Der Prozeß gegen die beiden Berliner Schupowachtmeister Domke und Klaus wegen der Zusammenstöße zwischen Polizei und Kommunisten anläßlich des Fürstenwalder Ulanentages wurde gestern vor dem Fürstenwalder Schöffengericht unter weiterem starken An- drang des Publikum» fortgesetzt. Bor Eintritt ln die eigentlich« Ver- Handlung kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen dem Nebenkläger H a S e ck, einem Kommunistenfllhrer, und dem Ver�eidtger Rechtsanwalt Ba h n- Berlin. Habeck verlangte mit drohend erhobener Faust die Verhaftung eines Zeugen wegen angeb- sicher Verdunkelungsgefahr und rückt« dabei dem Verteidiger so dicht auf dem Leib, daß dieser schließlich erklärte: Fuchteln Sie mir nicht so mit der Faust vor dem Gesicht herum, wir sind hier nicht in einer kommunistischen Versammlung in Moskau. Als dann schließ- sich ein Protokoll verlesen wurde, aus dem sich ergab, daß Habeck eigens zu dem Ulanentag nach Fürstenwalde gereist war, erklärte dieser: Das ist ja alles Dreck, was hier vorgebracht wird. Sein Ver- teidiger, Rechtsanwalt S a m t e r, bezeichnet« dos Protokoll als die Niederleoung durch Drohung erpreßter Bekundungen und erklärte weiter: Vieles, was ln Moskau geschieht, steht turmhoch über dem. wo» sich in Furstemvolde ereignet hat. Es wird leider noch sehr viel Theater gespielt. R.-A. Bahn forderte hierauf die Prototollierung des ganzen Vorganges, während R.-A. Heine bemerkte, daß man das Urteil, wo hier wirklich Theater gespielt würde, ruhig dem Gerichtshof überlassen tonn«. Dann wurde in die eigentliche Beweisaufnahme eingetreten und als erster Zeug« der praktische Arzt Dr. Aron au» Fürstenwalde vemommen, der sich über die Verletzungen äußert, die der Neben- tläger Wassermann bei den Krawallen erlitten hatte. Er habe Wunden infolg« Schlägen mit Stöcken oder Gummi- knüppeln davongezogen und leide infolg« der erlittenen Auf- regunq an Nervenanfällen. Die Verhandlcmgen zogen sich bl» in die späten Abendstunden hin. Aus der Vernehmung des prakt. Arz'es Dr. Aron ist noch nachzutragen, daß der Zeuge über die Verletzungen, die der Arbeiter Wassermann erlitten hat, bekmidei, Wassermann sei mehrere Wochen arbeitsunfähig gewesen. Wassermann habe ihm auch berichtet, daß ihm von Wolizeibeamten die Haare abrasiert worden seien. Es wurden dann mehrere Zeugen vernommen, die über schwere Miß- lnmdlunaen, die die Angeklaaten verübt haben sollech berichteten. Der Hutmacher B a u m, der sich partellos nennt, spricht von gerade- zu besttasischen Mißhandlungen. Auch ander« Zeugen bekunden be- stimmt» von Polizeibeamten mißhandelt zu sein. Ter„Bankdirektor". Eine unliebsame Ueberraichung erlebte ein rbeinischer In- dustrieller, der in GesckiSftSangelegenheiten nach Berlin gekommen war. Er konferiert« hier mit verschiedenen Geschäftsleuten in einem Hotel am Anhalter Bahnhof. ES ließ sich au» ein Mann bei ihm melden, der sich als Bantdirektor ausgab. Dieser Bank- direkror verhandelie mit ibm über Geldgeschäfte, zu denen seine Bank Geld leihen sollte. Dieier Herr war ta gewandt, daß der Industrielle es gar nicht merkle, wie ihm der angebliche Bant- direttor 5000 Mark aus der Aktentasche entwendete. Nachdem da? Geschäft anscheinend zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt war. empfahl sich der gewandte Herr. Erst später wurde der Diebstahl bemerkt. Bei der Kriminalpolizei erkannte der Be> trogene in dem vorgelegten Verbrecheralbum bald den»Bant- direttor' wieder, einen Slljäbrigen Max Hammerschlag, der der Kriminalpolizei wegen vieler Betrügereien seit langem be- kannt ist. Tte Darlehen deS Herrn»on Below. Gin umfangreicher Betrugsprozeß fand vor dem Großen L-chaffengcricht Schöneberg gegen den Major a. D. v. B e l o w und den Fabrikdirettor Eonrad L a m b e r t y statt, v. B. war Anwärter der Fmnilieuftdeikommisie Saleskl und Reddenthin. Da er stch in Gel doerlegenheit befand machte ihm Lamberty den Bor- schlag,-die Auslösung der Güter durchzuführen und im Hinblick auf die zu erwartenden Kapitalien Geldzu beschaffen. L. erhielt eine Generalvollmacht und verstand es in der Folg«, unter Aus- Nutzung der herrfch.nden Kapitalknappheir in der Zeit von Oktober 1021 bis Juni 1922 unter der Borspiegelung von großen Darlehen aus den durch die Auflösung flüssig werdenden Geldern mit einer Reihe von Industrie uctternehnningen Darlehensoer träge obzufchließen, wobei er sich sofort Provisionen auszahlen ließ. Im ganzen hat«r etwa 800 000 Mark eingenommen und an v. B. 117 000 Mark abgegeben. In Aussicht gestellt war, daß am 30. April 1922 die Kapitalien zur Auszahlung gelang«, �sollten, während der Aus- losungsantrag überhaupt erst am IS. März gestellt wurde. Die Firmen und Privatleute sind um die Vorschüsse geschädigt worden. v. B. behauptet«, daß er von dem Treiben Lambertys nichts gewußt habe. Die Rechtsanwälte Dr. Bloch und Dr. E i s e n st ä d t traten für jeden der beiden Angeklagten umfangreich« BoivdsvntrSgc an. Nach längerer Verhandlung kam dos Gericht zu folgender Ver- urteilung der Angeklagten: Der Angeklagt« Major a. D. Below wurde in fünf Fällen freigesprochen und in einem Fall zu 2000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte Lam- berty wurde wegen Betruges w 6 Fällen zu 6000 Mark Geldstrafe verurkilt. Letzterer hat das Urteil angenomnwn, während der Angeklagte v. Below Berufung einlegen wird. Wn schwerer Zusammenfloß, bei dem ein'Mann tödlich verunglückte, trug sich am Donnerstag abend um 7 Uhr auf der Chaussee Adlershof— Oiiederschöneweide zu. Dort fuhr«in Last- kraf wagen der Firma Lutter». Wegner aus der Charlotten- straß« gegen ein zweispänniges Fuhrwerk, des Besitzers Radke aus Adlershof. Der Anprall war so heftig, daß das Lastauto in den Ehauffeeoraben und gegen eine Telezrophsnftange flog. Während der Chauffeur sich durch Abspringen retten konnte, flog fein' Mitfahrer Johann Heid aus Adlershos mit dem Kopf durch die Windschutzscheibe, schnitt sich an den Scherben die Halsschlagader durch und starb auf der Stell« an Ver- blutung. Radke erlitt einen Newenschcck. Die Mitteilung, daß der Chauffeur betrunken gewesen sei und dadurch das Unglück verschuldet habe trifft noch den neueren Feststellungen nicht zu. Ein Arzt, der den Chauffeur verband und un ersucht«, hat an ihm nicht ein« Spur von Trunkenheit wahrgenommen. Der Chauffeur erklärte, daß da s Licht der großen Bogenlampen des Bahnhofs ihn so geblendet habe, daß er das Ful-rwerk nicht habe sehen können. Auf der an dieser Stelle schmalen Straße gehören Unfälle nicht zu den Seltenheiten. Geffentl. Wählerversammlungen heute, Sonnobenö, 15. November, abenSs 7'/: Uhch Ariedrichshain(37. Abk.): Schulaula Hausburgstr. 20. Kaulsdorf'Süd: Restaurant Sanssouci. Tagesordnung: Deukschnakionale oder sozialdemokratische Politik?— Kriegs- oder Ariedensreichstag? Redner: Karl Leid, Karl Litke. Sonntag, öen lö. November, vormittags 10 Uhr: Oankwih: Lehmanns Festfäle, Kaiser-Wilhelm-Straße 29.— Redner: Eduard Bernstein. Montag, den 17. November, abends Vh Uhr: Daumschulenweg: Lyzeum Baumschulenstraße.— Redner: Falkenberg, Erna Kresse. »* Geffentl. Zrouenkunögebungen Montag, öen 17. November, abends Vh Uhr: Prenzlauer Derg: Lyzeum Greifswalder Str. 25.— Redner: Mathilde Wurm. Eharlotlenburg: Schellbach. Königin-Elifabeth-Str. 5.— Redner: Pfarrer Franke. Zehlendorf: Lindenpark, Berliner Str. 8.— Redner: Marie Kunert. Dienstag, öen 18. November, abends Vh Uhr: Wilmersdorf: Oberrealschule am Seepart.— Ansprache, Rezitation. Gesangsvorträge.— Redner: Pfarrer August Bleier. Venn e» um die Republik geht. Der Staaksanwalt dreht dem Verteidiger den Rücken zu! Die bekannt« Verordnung vom 24. Mai 1021, durch die Unter- nehmungen zur Bildung mit tärischer Verbindungen unter Strafe ge- stellt werden, bildet« wieder einmal di« Basis einer Gerichtsverhand- lung gegen diejenigen, di« di« Republik gegen Angriffe von rechts schützen wollten. Vor dem Derufungsgercht des Landgerichts III unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors S i e g e r t hattep sich gestern di« Bahnarbeiter E r d m a n n und T h i« l wegen Vergehens gegen das Schutzgesetz zu verantworten, nachdem sie ln erst«? Instanz vom großen Schöffengericht Spandau freigesprochen waren. Der Staats- anmalt hatte gegen das Urt«il Berufung eingelegt.— Die Angeklag- ten arbe!:et«n am Verschiebebahnhof Wustermark bei Döberitz. Erd- mann fungierte als Vorsitzender des Betriebsrats Als Ende Oktober 1923 die Hitlcr-Truppen an der thüringischen Grenze stan- den, befürchtet« die Arbeitrschast von Wustermark und Umgegend das Eindringen der Hitler-Vanden in Thür ngen und Preußen und deren Bemühen, den strategisch sehr wichtigen Verschiebebahnhof Wustermark in ihr« Hände zu bekommen. Dlese Besorgnis kam in einer vom Betr ebsrai«inberufen«n Versammlung zur Sprache, bei der Crdmann als Vorfitzendcr die Belegschaft aufgefordert haben soll, sich zu Verbänden militärischer Art zusammenzuschließen, Thiel soll ihm dabei geholfen haben.— Im Vorverfahren hatten zwar einig« Zeugen vor dem Regiernngsrat H ü l f e n b e ck angegeben, Erdmann hätte sie zum Schutz gegen d e Hitier-Leute zur B ldung von Hundert- fchaften aufgefordert. Sie erklärten ab«r nachher, daß sie stn«. be- lastende Aussage nur unter dem Druck ihres Vor- gesetzt en aus Angst vor dem Abbau abgegeben haben Es bleibt schließlich nur ein Belastungszeuge, und dieser wird von Erdmann al»„Opfer seines Ehrgeizes' bezeichnet, jener Zeuge wolle sich mir beliebt machen.— Der Angeklagt« bestr tt gestern, von proletarischen Hundertschaften gesprochen zu haben. Er licibe lediglich auf den drohenden Rechtsputsch hingewiesen. Damals habe es stch darum gehand: lt, daß bei einem etwaigen An- griff auf die Republik die Republikaner, d e eine Waffe führen könwm, bereit fein sollten.— Im übrigen beschäftigt« stch jene ver- lammlung in Wustermark hauptsächlich mit der Erörterung der wirt- schaftlichen Lag?, de damals sehr schlecht war, und mit den damit zusammenhängenden Lohnfragen. Der Vorsitzende ftagte den An- geklagten Erdmann wiederholt nach seiner politischen Partei, aber auf Anraten seines Verteidigers, des Stadtverordne!« 7i Rechts- anwalts Dr. Siegftied Weinberg, lehnte der Angeklagt« di« Be- antwortunq dieser Frage ab.— Staatsanwalt St? ner beantragt« gegen Erdmann ein« Gefängnl» strafe von drei Monaten, gegen Thiel wegen Beihilfe zwei Wochen Te, f ä n g n i s Der Verteidiger bedauerte, daß der Eifer der An- klagebehörde sich gegen nicht vorbestraft« Arbeiter r cht«, die sich zum Schutze der Republik bereit erklitren, und daß diefcr Eifer nicht auch auf solche Verbände und Personen sich erstrecke, die zum Angriff auf tue Republik auffordern. Gegenüber dem damals drohenden Rechtsputsch fei es Pflicht aller Angestellten und Arbeiter gewesen, sich bereit zu hallen zum Schuhe der Republik, von der sie ihr Gehalt bekämen. Bei dieser Aeußerung stand der Staaisanwalt aus und drehte dem Verteidiger den Rücken zu. worauf Dr. Wein- berg sein Plädoner unterbrach mit der Erklärung, daß er es vorz'ehe, mit der Dorderscit« und nicht mit der Rückseite des Staalsanwalts zu d'skutieren. Er beantragte Freisprechuna und wies noch darauf hin, daß Ludendorff, der die ganze moralische Verantwortung für d'e gewaltsamen Umsturzversuche gegen die Republik trag«, und der Schuld sei am Tode von Dutzenden deutscher Staatsbürger, die bei diesen Unternehmungen gefallen sind, freigesprochen sei. Das Urteil lautet« gegen Thiel auf Freisprechung mangels tatsächlicher Feststellungen. E r d m a n n wurde zu 5 0 0 M. Geldstrafe verurteilt, mit der Begründung, daß es strafbor fei, zur Bildung von Hundertschaften aufzufordern. Welcher Zweck damit verfolgt werde, sei aanz gleichgültig. Es fall mit der Verordnung das private Vorgehen unterbunden werden. Wenn erst einmal bewaffnete Hundertschaften zum Schutze der Re- publ f vorhanden feien so wüßte man nachher nicht ob st? nicht auch einmal gegen die Republik verwendtt werden. Wer zum Schutz der Republik bandeln will, muß in erster Lin e deren Gesetze resp-ktieren. Das hat Erdmann nicht getan. Deshalb sei er zu bestrafen.— Der Verteidiger bemerkt» übrigens, daß 500 M. das halbe Jahresgehalt des Angeklagten darstellt.... Auch d>ses Urteil wird wie so manches andere als Tendenz- urteil w'rten, ganz abgefeben davon, daß das beleidigende Verhalten des Staatsanwalts gegenüber dem Verteidiger durchaus dazu an- getan ist, den Eindruck dieses Urteils als eines Klasienuri-ttls noch zu erhöhen. Aus allen diesen Urteilen können die Arbeiter ermessen, was ihnen blühen würde, wenn am 7. Dezember eine reaktionäre Wehrhstt in den Reichstag einzöge und damit eine ebenso ge- artete Regierung ans Ruder brächte. »von und zu Sgloffflein". Er hat nur vom Schwindel gelebt. Im weiteren Verlauf« des Prozesses gegen den Hochstapler von Eglosfstein wurde u. a. der Vahnhofskommandant von Kassel, Major a. D. Bern et, vernommen. Nach dem Verschwinden des angeblichen Verbindungsoffiziers. Freiherrn v. Richthofen, hatte er die eingehende Post sperren lasten. Es waren noch mehrere Akten- stück« von Staatsanwalffchasten eingelaufen. Ee stellt« sich heraus, daß der Angeklagte telegraphisch von den Potizeioerwaltungen und Strafanstalten die gegen ihn schwebenden Strafatten mit der Be- gründung, daß er dieselben in einer Ermittlungssache gegen den Schulreiter Ludwig Oerthel benöt'gte,«ingefordert hatte. Durch die Unterzeichnung„Verbindungsoffizier' hatten sich die Amtsstellen veranlaßt gefel)«.,. diesem Ersuchen stattzugeben. Oerthel hat die Akten dann einfach vernichtet. Einen humoristischen Bei- geschmack hatte ein Streich, den der Angeklagt« gemeinschaftlich mit seinem„Adjutanten" Hermes bei einem Bauern im Hanncver- scher unternommen hatte. Nach längerem Hm und Her erklärte der Angekagte folgendes: Ein Herr I hatte mir verraten, daß ein Bau er inGladeberginder Provinz Hannover zu Hause 50 000 bis 100 000 M. liegen habe. Ich bin dann mit Hermes dort hinqefabren und ging zum Gemeindevorsteher, dem ich mich durch falsche Pässe als Assessor des Finanzamtes auswies und erNärte, daß gegen den Bauern ein Versohren wegen Steuerhinterziehurg schwebe. Hermes hotte ich als Referendar und meinen Protokoll- führer angegeben. Der Bauer war ober kurz angebunden und warf uns einfoch hinaus. Herr X. hotte nur die Absicht, dem Bauern eins auszuwischen. Wir beide, Hermes und ich, wollten urs aber iaiür- lich einen Bermöaensvortcil verschaffen. Als dann mehrere kleine Fälle zur Sprach« kamen, erklärte der Angeklagt«: Wozu dos alles noch brcittreten. ich habe ja ein Geständnis abgelegt. Wenn S.e wollen, bin ich auch bereit noch mehr einzugestehen als in der Anklage steht, denn ich habe ja. seitdem ich aus Kassel weg war, nur von Betrug und Schwindel gelebt. Vors.: Sie haben keinen Anlaß, sich mehr zu belasten, als Ihnen die Anklage zur Last legt. Der Angeklagte gibt dann die einzelnen Fälle auch zu. Es bandelt stch um all« möglichen Bettügereien unter den verschiedensten Masken. Di« Beweisaufnahme dürfte am Montag beendet werden. Am Dienstag sollen die P ädoyers statliinden. Da» Gericht wird für die Urteilsfällung«ine dreitägig« Unterbrechung eintreten lassen, so daß das Urteil erst am nächsten Sonnabend erfolgen wird. Ein schwere» Fahrstah'onglück ereignete st» gestern in der Eifengießerei von Jacklmann in Wittenau, Svandauer Sir. 5. Beim HerauSfabren o»S dem fZobrsiuhl aeriec der Fatnstubliiibrer Max Hennig a»S der Steinmetzstr 123 mit dem Kopf jwli»en Gren, schiene und Fahrstuhl und wurde eingeklemmt. Er trug Ichwere llnterlieferverletzungkn und einen Schädelbruch davon»nd mußte na» dem Ecisabeib-Krankenhause gebracht werden. Die Schuld trifft den Verungliickien. Sprech or ffir proletarische Jelerflvnde» Die nächste NebungS- stunde findet am TonnerStaa, den 24. November, abends 7'/. Uhr. in der Schule Weinmeislerinabe lö N, statt. Genen Vorzeigung der Mit- gliedSlaite baben die Milalicder de« Sprechchoi« sstr da» Konzert non Walter DrwenSti In der Garniiontirche am Sonnabend, den 15. d«. Mt«., Preisermäßigung. Di« Karte kostet 75 Psg. Das Erdbeben auf Java. 300 Tote. Die Zahl der Opfer bei dem gestern gemeldeten Erdbeben in Wonosobo beträgt nach einer Meldung aus Batavia 3 0 0 Tote, außerdem ein« große Anzahl Verwundeter. Neuer Erdrutsch am Walchenfee. Am Wafense« hat ein zweiter großer Erdrutsch statt- gefunden. Durch die heruntergestürzien Erdmassen wurde di« Strecke Zürich— Sargans unterbrochen. Der Bertehr wird durch Auiomobtle auftechterhalten Um«ine wettere Katastrophe zu ver- meiden, wurde die Frage erörtert,«inen Tunnel zu bauen. Die voraussichtlichen Kosten werden etwa sechs Millionen Schweizer Franken betragen. Z. R. 3 und die Wissenschaft. Die Plenarversammlung der schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm beschloß, an die Schwester- akademien der im Weltkrieg neutralen Länder fol- r ndes Rund'chreiben zu richten:„Die Reise des letzten eppelin-Luftfchiffes zwischen Europa und Amerika hat deutlich die Vorzüge dieses Lustfahrzeugtyps in verkehrstschnisrher Hinsicht erwiesen. Weiler wurde hierdurch offenbar, daß hiermit der geographischen Forschung für die Kartographie noch unbekannter Erdgebiete ein außerordentlich wichtiges Hrlfsmittel zur Verfügung steht. Gewiss« allgemein bekannt« Umstände legen iirdessen der fori- gefetzten Herstellung und Eutwick'ung dieses Berkehrsmittels bedenk- liche Hindernisse in den Weg. Es erscheint der schwedischen Akademie der Wissenschaften als eine gemeinsam« Angelegenheit der wissen- schaftlichen Korporationen der«inzetnne Länder, diese Schwierig- keiten so bald al» möglich zu beseitigen. Unter der Voraussetzung, daß diese Ansicht von Ihrer Akademie geteilt wird, erlaubt sich die schrvedi'che Akademie der Wissensckzaften die Frage, ob Sie bereit waren, ihr mitzuteilen, welche g:me!ri(amen Maß- nahmen Ihnen angemessen erscheinen, um in diesem Fall« das Interesse der Wissens chafttichen Forschung wahr- zunehmen._ Neu« Versuchsfahrt des ftfletttierschisseS. Da» Flettner-Segel-Turmschiff fuhr gestern mit hervorragenden Vertretern der Wissenschaft und Technik an Bord von Kiel nach E ck e r n f ö r d«. An der Fahrt nahmen u. a. Professor Laaß, Rek- tor der Technischen Hochschule zu E ha rl Ottenburg. Geheimrat Busiey und Gehrimrat Flamm von der Schiffbautechnsschen Gesellfchatt, Professor P raubte von der Universi ät Böttingen, Professor Prüll von der Hochschule in Honncver, Dr.-Ing. Förster und Dr. Koppe von der Deittichen Versuchsanstalt für Lus fahrt in Beriin-Adlers- Hof teil. Die Reichsn orin« war vertreten durch Admiral von Eazern, di« Direktion der Hamburg Amerita-Üinie durch die Herren Warn- holtz/Peltzer und Zetzmann, die Direktion der Kruppschen Werft durch die Herren Tradt. Dr. Regenbogen und Craß. Diese vieri« Meß- und Versuchsfahrt bestättgt« den Effekt und seine Anwendbar- keit auf große Seeschiffe in vollem Maß«. Di« Manöver wurden von Direktor Flettner persönlich geleitet. Aeuer in den Hanseatischen Gummiwerken. Na» einer Meldung au« Hamburg�einstnnd in den Haniealischen Gummiwerken G.m d.H. in Mooifletb am DonnerSiagabend um 8 Ubr ein Feuer, das vier Gebäude zur Häl'te zerstört«. Bier Lös», üae und ein Löschboot bekämpiten den Brand in dreistündiaer Täiigkeii. Schwere Explosion auf rivem Dampfer. Auf einem Dampfer im Hafen von K o t k a eveimete sich nach einer Meldung au, Heising- fors«ine Kesselexrfvsirn. Bon den Passaaleren des Damvftrs werden etwa 25 vermißt, 22 sind mehr ober minder jchwer oerwunbet. Eisenbahnunglück im Ural. Bei B u l a s e iv o unweu Tichel j abinf f ist ein nach Sibirien gehender Pa iiagier- und Güterzug entgleist. 8 Wagen wurden auS den Geleiien gerissen, ebenso 2 große Zisternen mii Petroleum. 2 Batsagiere wurden getötet. 22 v e r w n n d e t. Zur Stelle des Unglücks ivuide» 3 HilsSziige abgeschickt. An der Wiederherstellung deS Bahndammes wird gearbeitet. Flugblattverbreitung in Groß-Berlin Sonntag, den �6. November, von den bekannten Stellen aus. Ver haarmann-prozeß. Beginn am t. oder 8. Dezember. Der Prozeß gegen den Massenmörder Hoarmann und den mit ihm ang< klagen Grans vor dem Hannoverschen Schwurgericht wird nach den neuesten Diopcsitionen eniweder am 1. oder am 8. Dezember seinen A-ifang nehmen. Vorsitzender dieser Schwurgerichtsperiod« und damit auch des Haarmann-Prozesses ist Landgerichtsdirektor Dr. L ö ck e l m a n n, die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. W U d e. Zur Anklaz« selbst, die bekanntlich Haarmann Mord in 27 Fällen vorwirft, ist zu bemerken, daß. entgegen der bisherigen Annohme, sein Mitangeklagter Grans nicht wegen Beihilfe zum Mord, sondern wegen Anstiftung zum Mord in zwei Fällen airgeklagt ist. Es handelt sich dabei um die Ermordung chrs gewissen Adolf lhannappel aus Düsseldorf und eines Fritz Witt ig aus Cassel � zu der Haarmann nach seinen eigenen An- gaben von Gran» angestiftet worden ftin soll, und zwar well dieser gern in den Besitz der Kleidungsstücke der beiden jungen Leu!« ge- langen wollte. Tatsächlich trug Gans bei seiner Verhaftung den Anzug Wittigz aus dkm Leib«. Weiter ist Grans der gewerbs» mäßigen Hehlerei angeklagt, weil er die Sachen der Getöteten Im Auftrage Haarmanns verkauft hat. Die Anklage rechnet mit der Annahme, daß �aaemann weit mehr Morde begangen hat, als ihm bisher unwiderleglich nachgewiesen worden sind. Der Massenmörder, der der kommenden Verhandlung ziemlich gleichgültig entgegensteht, gibt im allgemeinen die 27 ihm zur Last gelegten Morde zu. nachdem man ihm die inzwischen herbeigeschafften Klei» dungsstück« dieser Opfer vorgehalten hat. Unter den Ermordeten befindet sich nur ein Berliner, während der Rest meistens aus Nord- und Westdeutschland stammt. Die 190 Zeugen, die bisher für die'en Zweck geladen sind, setzen sich gräßtentel's au» den Eltern und Angehörigen der Opfer Haarmanns zusammen, so daß man mit dramatischen Szenen tm Gerichtssaal rechnen muß. wenn die Eltern dem Mörder ihrer Söhne gegenüberstehen. Man rechnet mit einer Verhandlungsdauer von 12 bis 14 Tagen. die ober möglicherweise erheblich abgekürzt werden kann, wenn Hoarmann voll geständig ist und infolgedessen nicht all« 190 Zeugen vernommen zu w rden brauchen. Für Haarmann ist als Offizial. Verteidiger Justizrat Philipp Leiser- Hannover bestellt worden. mährend die Derteidinuna des Grans Rechtsanwalt Dr. Tänzer» Hannover übernommen hat. Einlead-ngen für diel« Ruliril sind BetUn CS. 68,«iRdcnftTate 3. f parteknachrichten für Groß-Serlin stet»»n da» Beztriiletertaeta«. 2. Kol, 2 Trev. recht», m richte» vorstänSekonfereuz. Montag, de» 17 November, abend« 7 Uhr. im Sörsensaol de» Mosttervereinehouse«, Koiser-Milbelw-Slr. 31 An dieser Sonserev, müsiea teilnehmen: ver 1Ze-lrt»vorst«md. die Abtcilungsleittr oder deren Stellreilieler und die Abteilungs- kaifierer. Es ist unbedingt notwendig, daß jede Abteilung vertreten ist. • 5. ttrel« irrledrichehai». beute. Eonnabend. Vii Übt, bautburastr. 28, Eilum« der SildunMtontmifHon......_ 7. Ürei, Sbarlottrnburn und E»a»da». juristisch« Sprechstunde leden Eomi» abend von 8—6 Übe im Iupendheim Rostnenftrafte. 14. ttrrio ReatSlln. Adlcllunasleiterl beut«. Sonnabend, im Varlelbureau. Reckorstr. 3. Materiol fiir die WSblerUNen abbolrn. yeuke. Sonnabend, den IS. November, Flugblattoerbrcikung: 6. Abt. 7% Ubr bei bebtet Deoraentirchlir. 36, Sistun« der Se»irf»fübtct, Belritbsverlrauensleuie und Zvolilbelfer. Zt. I-Wilhelmehaaen. 8 Uhr bei Pleschke Wllh«lm»haa«n. jahlabcnd. Dohlvorbeteltunaen und Kestlcauna einer öffentlichen ver- sammluna.„..... 128.736.«dt. Pankow. Die«ruppenfllbret holen die lNuablöttet von beer B-rwört-spedltton Rtstmann ad.- Sonnta, krllb S Ubr Muablattver. breiluna. Treffpimkt der Genossen in den bekannten Lokalen. 181. Abt. Riede-litinhaple». 8 Uhr ssunktionärstpum, im Lokal«ubosch. 186. A»t. Reinickendoef.Olt. Von 6 Uhr an Nnd die Mliablätter vom G«. nosscn Wahle. Brovtnrftr.«1. durch die Beiirksstlhrrr abtuholen. Verna». 8 Uhr Mitaliederversammwno bei Modisch, ktaiserstrahe. Wichtiae Taaesardnuna. jede» Mttaltrd muh erscheinen. Morgen. Sonntag, den 1k. November. Alugblatwerbreitung: I. Abt. Pormittoa» dllnNll» VilO Uhr tm Lokal gschieNn«.««erstr. I. 1.«bt. Die Genossen. teefken Nch um 1 Uhr tm Lokal«riiaer.«naeluser S. dur gluadlatlverbreitun«. 4.«bt. Bormlttaa» 1 Uhr tm Lokal LSischert. Reue briedrtchstr. 16». 6. Abt. 1 Uhr bei Dobrohlaw. Swinemvndrr Str. II. 1. Abt. 1 Uhr bei Slldner. Wilonacker Str. 34.— Laut Beschluh wird silr die»wei Mahlmonat« ein vbliaatorischer Srlvalxltroa»on ie 56 Bs.«rhoben. u. Abt. Tnelsvunlte»ur lZluodlattverbrettuna! Betirkc 676—681. 684 und 685 Abholun« beim Beilirleftthrer im Lokal Keraer. Levehowstr. 21: Be- ,irie 682— 684», 68« und«87 716—718 Im Lokal ktavser. Eohkowokiistr. 84. IZ.«bt. Bonnlttaa» S Uhr bei Schmidt,«tclefstr. 17. 15.«bt. Muablattoerdreiwnal Beilrk 26« vormittaa» 1 Uhr bei«una«. Acherstrahe. All« iibriaen Beairi« bei Obialo. Sirallunder Str. 11. Z5«bt. Vormittaa« 9 Uhr bei Gott, stnivrodestr. 8. Muablatwe-breitumi. 26.«bt. VormUwg» 9 Ubr nur Lokal Wichmann. Deihenburaer Str. 1. 32. Abt. 9 Ubr ssluablattverbreitana: Tresfounkt 1.«romphardt. Grün«! Wea 49: 2. bei Balcntin strautltr. 86. 86. Abt. Die Belr'rdsvcrtrauenslent« sowie sämtliche Mitalieder trcfsen stch um 9 Ubr bei Busch Ttlstter Str. 27. nur Muablattverbreituna. 88. Abt. 9 Uhr Muablattverbreituna. Di« Genossen finden stch in ihren Be- airkslokalen ein. 46. Abt. 9 Uhr von geufner. Kaaelberaer Str. 26a, aus Muablatlixrbtcituna. 41. Abt. Uhr Muablatlverbreituna: Simon. Belle-Allianre-Str. Zö: Schuster. Chomissoplati 4: Luhe. Beramannstr. SZ: Wende. Gneisenaustr. 6. Die Gruvpcnleiter emnfanacn dos Material Sonnabend von 4 Uhr ab bei Schult. Mariendorlcr Str. 5. 42. Abt. Bezirke 112—114: 9 Uhr wlchtiae Besptechun« bei Bofllet, Mitten» »ml der Slr. 16. 43. Abt. 9 Uhr von dt. bekannten Lokalen au» Muablattverbreituna. Bc> airksfllbrer Material abholen von. Wolf. Grifestr. 26. 47. Abt. 8 Ubr Muablattverbreituna für all» Stadtbeairk« foustcr 165i von Siedentonf. Muskauer Str. 35. au»,«chiuncil Di« Mitalieder der Rom» munalen Rommlflion erhalten dort Auskunft über die am Buhtaa vor- mittaa stattsindend« Bcsschtiauna des städtischen Sraiehunasheims Linde»- Hof. on der ander lnterelstert« Genossinnen und Genossen auch teilnehmen können. Gharlottenbnra. 32. Abt. Die Genossen werben aebeten Vvrmitta-S 9 Uhr aur Muablaltvcrteiluna bei Bad« Raiscrin-Auausta-Alle«. au erscheinen.— 53.»bt. Pünktlich 9 Uhr bei Sur Muablattverbreituna.— 56. Abt. 9 Uhr Muablattverbreituna: 1. Eruvve bei Licrsch. Rantstr. 62: 2. Gruvv« Lokal Soltiendorssllr. 26. 73. Abt. Schmaracndorf. 9 Uhr bei Bahr. Breit« Str. 26. Muablattvcr- teiluna. Mittwoch, den 19. November. 10 Uhr. Borstandssihuna Mit den Strasienfsihrern ebcndort. Echönedera. 78. Abt. 818 Uhr in den bekannt«» Rohlabendlokalen Muablatt- vcrteUuna.— 79. Abt. Pünktlich 8'h Uhr in den Beairken von den Röhl- adendlokalen au» Mnablattverbrritunq. 81. Abt. Mied«»«». Treffnunkt von 9 Uhr ab stir alle llunktionkkrs und Dahl- Helfer aur Muablattverteiluna bei Ziudbeck. Odenwald str. 26. Auf«. 1. 2 Trevven. 11.«bt. Neukölln. iVi Ubr bei Mifchie. München« Str. 28. Trefkvunkt aur Muablattverbreituna 1«. Beairk Trevtoro. Bormittaa« 9 Uhr von den Beairkslokalen aus Mua- blativerbreituna. k2. Bezirk von der Vorwörtsfvedltion.l Wäh-end der Ausleaunasaeit der Wählerlisten lieat«ln« Abschrift in der Borwärts- Ivodltlan fsir Genossen und Anhänqer aur Ginstcht au». 117. Abt. Lichtende ra. 9 Uhr Miiablottvrrbreituna: ssür den Ortstell Rummels- dura bei Rrüaer. Türrfchmidtstrasie. Geke Biktorianlah: für Reu-Lichtenbera bei Rlof«. Gitel-. Ecke Runprechtstrah«. 141. Abt. Rosenthal. Bormittaa« 16 Uhr Muoblatwerbreltunq vom Lokal ssritschc. Niederfkr. S. Mitarbeit aller Genossen Pflicht. �uaenüveranttoltunaen ,-»l, 1> 1 1.../. e. 7. 12 1 I■ Borsthe«de»k»»lcren, heute abend m Ubr im juaendheim Linden-; i strasie 8. Referat:..Di« Wahlen und die Arbeiterfuaend�. Ohne Mit- W altedsbuch und Ausweis kein Rutritt.- Auf der Borsthendenkonferena Ab'-chnuna der sseierstunbe-. Theaterkarten und Los«. Abaal« der Sc- lg richt,b»aen; ferner Aiisaad« der Ratten»um Ranzert am Sanntaa den M 80. d M.. nvchmlttoas 8 Uhr in d«r Philharmonie, Bernburaer W Strasie 22—28. Karten aur Theatervorftclluna am Sonntaa, den 28.. m sind ebenfalls noch au heb«». Zl Heute. Sonnabend, den IS. November, abend» 7 Vi llhr: Morgen. Sonntag, den IS. November: Werbebeairk Oflohn: isiihreeauslvracki« tm juaenbbcim Parkau» 16. Borträae und Dislufsion liber: 1. juaendbeweaunaen. 2. Rulturfraaen. 8. Plsncholoaie der juaend. Beainn vormittaa» 9 Uhr. _ Abteil»»» Rirden: 4. G'stvduna-feier Im juaendhelm Schule Put- Z g buser Str. 8. Programm: Rezitationen. Anlnroche u. a. Gäste will- r l kommen. lis »vsenthaler Vorstadt, Banderun» nach Strauober«. Sretknunkt W Uhr Börse.— Stealih I: Muleumsbeluch. Treffpunkt 10 Uhr Bhf. Südcnde— Südost fReichenberaer Viertelt: Besuch de, Muleum» für Naturkunde. Treff. vi'nkt ii Uhr Rottbus« Tor.-«est«»: ffahrt Btrkenwerder. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Bülowstrasi«. Abteil»»« Rehleadorf: Elter»»dend um 7 Uhr Im Gesangfaal d« Slldlchule mit besonderem Programm. Gesäiäftlicke MMellungen. Einer faai'o dem an der»! basi inan erstNaMa aearbeltete Ulster. Paletoi», Anzvae Burschen, und Rindersachen In wirklich auter Ai-isühvuna mit klein- st er Anzahluna und spielendletchter Tcitaahluna In dem altrenommierten Unternehmen Sohn. Im Osten G-osie Frankfn.rter Str. 58. und im Rordcn Badftr 47— t8 auf Kredit erhält. Der gute Ruf. dessen stch dieses Saus seit Jahrzehnten«freut, bllrat jedermann fiir beste und ae- wissenhafteste Bedirnuna. Es wird aebeten, auf das Inserat in der heutigen Ausgabe au achten.__ Wetter fir Berlin und Umgegend. Zeilweile neb-II-,. sonst trocken und ziemlich heiler bei rauhen östliche» Viiiden. slorldaurriid l lt.— Aür veuttchlond.steine weientliche Renderung der besicbciide'i Witteruna. Das kunäkunkproxramm. -onnsberck. cke» IS. November. �rrstor äem äbliobon Tll°:ospro?r»mm: 4.80— S 15 Ifbr abenäs: �ntsrknldunxsmasil. IDorlinor knpollo).«i.20 Ubr nbsnäs:.Lat-iokl!lRS kürs bfnuu''. 6 86 Ubr ndsniis: Vortrag äos Ilsriw Dr. �äolk Zcbiei:. virob.tor äos Roilinsr.silosss. »indes:»kisrlio als»Sj-as- nnä �ns!it«lIii,.R»sdnäd'. 7—7.26 Übe vbvncks: Hans-kZreclova-ZoilnIs. �dd. Koobsolirllkiirso äsr I�unlr- sdnnSo.i Uhr. Lerbstfest Im Seebad Mariendorf. Mandolinenkonzeit. sseltrede des Raineraden Stadirat Rostn. Tana.— Rame-adlcholt stealih: Sonntaa. den 16. vormittags 16i4 Uhr. Antreten vor dem Parkrestaurant in Südende zur Teilnahme on der reviidlikanische» Riindacbuna. Die Unter- nruvven Lichtcrfeld« und Lankwih treffen sich um 9i>! Uhr In Lehmann» stell- salcn. Lankwih, zur Teilnahme on der dortigen Rundacbuna.— Rameradschast Pankow mit sämtlichen Unterarunpen: Sonntag, den 16. d. M.,»achmittags 1 Uhr. Anticlen t» Pankow iRirche) zur stahrt nach Ladcbura. stahraeld zirka 1 M. hin und zurück. Erscheinen Pflicht.— Kameradschaft Wedding! Sonnroa. den 16. d. M.. nachmittags 1 Uhr, Trelien am Dahnhof Eefundbrunnen zur stahrt nach Bernau.— Kameradschaft Tiergarten: Sonntaa, den 16. d. M.. vormittags 16 Uhr. Antreten Cof« Gärtner. Dienstanzua. Darmittaasdienst.— Rameradfckait striedrichsbain: Eonnabend. den 15. November. 7 Uhr. Schul- aula Kaiisbnrastr. 26. Die qanz« Rameradschast zum Saalschuh antreten.— Kameradschaft Prenzlaner Berg: Sonntaa. den 16.. nachmit'agg 1 Uhr. ver- sammeln sich die Ram«ad«n zur aemeinsamen stahrt nach Bernau am Stet. tiner Borortbahnhof.— Kameradschaft Schönebera-strlrbenan: Sonntaa, den 16. Novemb«. 16 Uhr vormi'taas Bahnhof Papestrasie. Antreten der Käme- raden zur Rundaebuna nach Südcnde. Rückfahrt 12'/i Uhr. st«irellqlöse Gemeinde. Sonntaa normitta/, U Uhr Bavpelallee 15. Bor- trog de» Serrn Dr. K. Sturm:..Di- Quäker�. Gäste willkommen. Schuh.Produktin-Genossenschast«. G. m. b. A. Montag, den 24 Ronem- b«. bei Stöver. L'chtenbera. Sonntoastrasie. Generalversammlung. Erscheinen aller Genossen Pflicht. I. A: Albert Parlow. Rcicksbund iübtlchee strontfeldate». Beil'k Ost. Am Dienstan. den 18. Ro- vember. abend« 8 Uhr. In den Andreas-stestfälen. Andreasstr. 21(Grosier Saall. spricht L«r Refchstaasabveordneter Dr. Julius Moses Üb«. Die Drückeberacre! der Juden". Gäste willkommen. Gesellschaft Ine den Grsundheitsschnh der Juden„OSE*. Dlnista-,. den 18. November, abends 8 Uhr in der Aula der Mädchenschule Ralferstr. 29— 36 kam Aleronderplahl. 2. Bolksversammluna mit dem stilm..Die weihe Seuche fTnberkulos«)". D« stilm wird durch einen Vortrag des sterrn Dr. Gn«. stein über Tuberknlofe eingeleitet, ßerr Dr. Muntner wird über die„OSE" im Kampf gegen die Tube-knlofe sprechen. Arbeitersport. 5ukdaU5pkele am Sonntaa. In vollem Umfang« werden morgen di« Serienlni-le forbgesitzt und in einzelnen Gruppen mag vielleicht schon der Spitzknfübrrr d e Gew ßheit zur Bek'liqung an den Ausschoidumreso'eicn ertvafkn; ! aber in anderen Gruppen ist der Ausgang noch sehr ungewiß und w rd erst nach interessonten Kämpfen entschb den Vierden. Di? Spiele berinnen nachm-ttaas 2 Uhr; vorher die unteren Mannschaften: vormittags Iumendspele. Rirden: Teutonia— Velten. Alemannta— Pankow 68. beide Sviel« auf den Plähen an der Thrtstlanlastrasie: Minerva— Kortha in Borsiawalde: Eilen- fvallerei— Borwärts In Eistnlvolterri bei Ebcrowolde: Sans"— Elsthal in Sohenncuendorl: Borussia— Sergormüble E«mein''rsvortvlah in Reinickovdori: Union— Brih. Gemerndrsvortvlah in Pankow. Piilre'swerd« Strasie: Briefe- lang— Bernau ln Br'clelana: ATP. Pankow— S-"akon. Andrras-So�y.P:��, Rackcr-Lichterfrlde— stichte-Gelundbrunnrn in Lichterfeld« bei Ebcrsw"lde: Rathrnoi»— SSV. Nord In R"tbcnow: Strmcnsstadt— Adler 12 in Si-v-ensstadt am Roten Kreuz: Svandav— Wittenau in Snanda». stolkenhoorner Strasie. Osten: Brandenbura 62— Adlcrehof tu Bichtenbrra. Srädtifcher Eolelvlah, Eitelsirasie: Komet— Alt-GUenIck« in stürstenwelde: Svaeta— Germania In Lichtenberg. Waan«rvlah: Sparta— Lich'evixra II in Lichrevbe-a.strirs-ieiefgrx Kar'ellvlah on der T-r,kowrlle«: BEB. 22— strifch-strei: Tasdorf— Rrtr�endorf In Tasdorf: Merf"r— BS?. 16 In Grünau: Oberin-co— Tichfr-SO S'ä�rlse.� Splelplah Wublhcide: Lichtenberg I— Konfvrdfg in Rum-velsbur". Kvv-Nr—"sie ivormittaasl: Tosmania— Lvstia-stidel In strcdersdorf fOsthobnl: Bl?— Bri- tannia In Köpenick am striedhof: Sertba— Stralau: TBE.— str>edr!chsh"q-n, Srädgfcher Svielplah im Plänterwald: Wolsienfee— Lichtend«« lll Rciinbahn Weisionfee. Tübwcffev! Senha-Luckenwalde— Brandenbura a. d. S. In Luckenwalde: Britannia— Stealih. Temnrlholer stold: Echönedera— PotsNim, Domln'cusvlah am Sochfendamm in Schön-bara: Liickonm-ald» I— Now"-"?? t» Li'ckenmolde: Rlistla-Borwörts— Neukölln Svieivloh Grenzassee in RruköNn: Pikto'ig— Adler 68 In Tcmpelhoi Vcrlänoe"'e Ka!sertn.A"a!>st"-Ktr"sie: storti-na— Bero- linn In Lichters-Ide: BE. Moobit— Woltorsdort: Rossen— Trebbin in Rossen Schühenbaus: NAC.— RBE.. Tcmpclbofer stold, Nc"löllner Seite. Hockey- S tödkckreffen. Am Sonntagnachmittaq? Uhr werden sich d« AS� Manu- schakten von Leipzig und Berlin ans dem Sporiv�o'' �'Ngst- straße, am Ve-hnhok Rummclsbi'ro, ein intarassantra Svia l"rn. Vorher findet ein Propaganda-Stroftenlaus statt. Start und Z el: Rudglsplatz.— Genoffcn, besticht die Veronstolt'.'nn �er Arbeiter- sp ortler.______ Arbeiter-Enort. nnd Rrltnrka-tell Trlrdrlcksbalv Montao den 17. No- vomber. abends 7 Uhr. bei Mechg«. Borheaener Str. 114 mlchtlao Kortell- sihuna. Bo' sdcntsmitalieder � S'unde früher. Die noch ausstehenden stragc. bogen sind nmacbend einr'ileiidan. Tnrn- nnd Sportvere'n..Et�«'. Kövenlck IMltal d. A.-T.» Sn>?.). Mittwoch iB»s-ga) drn 19. November, ir-ilim''»-?» 5 Uhr. Brr"n»-pr! der Verein einen B"nten Abend im Erbolun"sba"lc Svln�l-rs-eld. de"eh»rd aus Konzert iRau-Enscwblet Porträoen. tiinterichen Bo-lilhri'naen und Tbeater. Die Bläh« werden verlost. Soalcrösfnuna 4 Uhr. Sinlosikarton lind bei Mitglied« zu haben. Sport. JreskenflrZter-Doddird. In Hiillilfimvf des näckic» Svorl- v.ilasttieeiöeniia am tag. den"28. B. D?., iv'rd Hau?'Breiten. st r ä t a r ivieder tm Ring ersg eine». Sein Gecner wird vur liö- ndiililb— einem liüber gen»' enrn Wunicte Vreile, siiöicre ivi- ip elbenh— ver englische Sbivergeiv chtöm'isier ,?rn»t Gov- dar» sein. Wenn 8ie wüßten wie sicher und bequem Sie Ihr' Hühneraugen und Hornhaut durch„Lebewohl" los werden, würden Sie sich n cht erst mit minderwertigen Mitieln herumärgern. „Lebewohl" wirkt dirch Fi'zr n« sofort schmerzlindernd. 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Die im Reichslandbund zusammengeschlossenen Reaktiv- näre zeichnen sich dadurch aus. daß sie in der rücksichtslosesten Weise nach Macht streben. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung jenes„Staates im Staat e"., den die Großagrarier zusainmen init der Schmerindustrie zu Wilhelms herrlichen Zeiten inne hatten. Der kluge Politiker tut allerdings nur das. was innerhalb gegebener Machtverhältnisse möglich und richtig ist. Der Reichslandbund erhebt auf derartige politische Klug- heit keinen Anspruch. In dem Uebereifer semes Machtwillens fühlt er sich genötigt, schon jetzt mit eindeutigen Experimenten der staunenden Mitwelt zu beweisen, wie es in dem Staate des Bürgerblocks aussehen inüßte. Und es ist kein Wunder, daß derlei Bestrebungen zuerst in demjenigen deutschen Gau sich durchsetzen, der seit jeher der Sitz welt- fremder Reaktion und Blasiertheit gewesen ist. Der Leser merkt, man meint Pommern Der Pommersche Landbund wendet nämlich neuerdings Methoden an, die in hohem Grade an die bewährten Prak- tiken ihrer märkischen Vorfahren, der Raubritter, erin- nern. Freilich, für Raubzüge ist im Zeitalter der Maschinen- vistolen und Automobile nur ein enger Raum. Aber es gibt za auch zioilisiertere Mittel, um zu den gleichen Zielen zu ge- langen. Die Nachfohren der Köckeritz, Lüderitz und Konsorten überfallen keine Städte, um ihnen den Säckel zu leeren. Sie machen es einfacher und halten sich an die Handle r�, die Lebensmittel auf dem Lande aufkaufen und nach den Städten liefern. Wer dem Landbund keine Steuern zahlt, muß leer ausgehen. Das ist in kurzem der Sinn des nachfolgenden Beschlusses, der von der Kreis- Sruvpe Laucnburg des Pommerschen Land- u n d e s gefaßt wurde, aber auch in den Kreisen Stolp und Schlawe durchgeführt wird: l. Der Handel mit lantmjirtflfaftlichen Produkten und Bedcrfs- artikeln soll in Zukunft aus einig« wenig« Firmen und Stellen vereinigt werden. 2. Diese Firmen und Stellen sollen verpflichtet werden, ein« vom Handel mit den oben bezeichneten Gegenständen billigen Rück- sichten entsprechende Abgabe zu Händen des Landbundes zu le'lien. 3. Der Borstard wird ermächtigt, die Firmen und Stellen fest- zustellen und mit diesen Bert rage abzuschließen. 4. Der Dorstand wird angewiesen, die Firmen und Stellen den Mitgledern de? Arbeitgebergruppe mit bindender, dem Ent- fchluß eTUsprechender Wirkung mitzuteilen. 5. Der Vorstand der Arbeitgebevgrupp« ist gehalten, bei Nach- weis zurzeit nkht lösbarer Berpflichivngen gegenüber Firmen und Stellen, die nicht für den Handel benannt sind, befrl stete Aus- nahmen zu genehmigen. Bei Nachweis eines zur Ablösung von bestehenden Derbindlichkeiien nach Höh« und Zinsfuß entsprechen- den Kvedits dürfen befristet« Ausnahmen nicht genehmigt werden." Dieser Beschluß wurde mit entsprechenden Weisungen in eingeschriebenem Brief den Mitgliedern des Kreislandbundcs zugesandt. Daß er auch durchgeführt worden ist, bezeugt die Talsache, daß der„Reichsbund des Deutschen.Han- dcls mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Bedarfs st offene. D." sich unter dem 4. November dieses Jahres an den Reichswirtschaftsmini st er beschwerdeführend gewandt und die Anrufung des Kartell- geeichtes verlangt hat. In der Eingabe heißt es u. a.: „Wir richten an Sie, Herr Minister, die dringende Bitte, mit allen Ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen ein derartiges Drei« den des Landbundes einzuschreiten, denn es handelt sich hier um ein vorgehen mit großen wirkschaflllchen Mochlmlkleln. denen gegenüber die Interessen des Handels seitens der zuständigen Be- Hörden unbedingt geschützt werden müssen. Wir weifen noch darauf hin. daß auch in anderen Bezirken seitens des Reichsland- bundes Borkehrimgen aetrofsen werden, ähnliche Konzess'o- nierungen vorzunehmen und dadurch mehr und mehr den freien Wettbewerb im Verkehr zwischen Handel wni» Verbraucher auszuschalten. Abgesehen von der Ausschaltung des freien Wettbewerbs aber dürfte in dem Verlangen einer prozentweisen Abgabe vom Umfotz unbedingt ein preisvertenerndes Moment erblickt werden, denn wir glauben nicht, daß ein Händler, der sich hat konzessionieren lassen, die M-— 2 Proz. vom Umsatz nicht aus den Preis ausschlägt und dadurch«ine Teuerung herbeiführt, da ja die Land- wirt« ihr Getreide und Futtermittck nicht verkaufen können. Andererseits werden auch die Landwirte gehindert, über ihre Produkte frei zu verfügen. Im Namen des gesamten einschlägigen Handel« richten wir nochmals an Sie, Herr Minister, die dringend« Litte, uns in der AufrechtcrhÄtung des freien Wettbewerbs unterstützen zu wollen, und weifen daraus hin, daß. wenn nicht schleunigst Abhilfe ge- schaffen wird, der pommersche, durch die Inflation geschwächte Handel zugrunde geht." Selbstverständlich fehlt es dem Landbund nicht an einer Begründung für fein eigenartiges Vorgehen. Angeblich will man die Preisbildung für landwirtschaftliche Produtte in die 5iand bekommen. In welcher Richtung das aber ge- schehen soll, erkennt man daran, daß nirgend in dem Be- fchluß davon die Rede ist, die von ihm konzessionierten Händler dürsten ihre Produkte nur mit einem angemessenenGe- w i n n abgeben. Darauf kommt es den Großagrariern nicht an Wichtiger ist es ihnen, auf dem Wege über eine eigene U m s a tz st e u« x den schwachen Parteit assen Geld zuzuführen, und wir zweifeln nicht, daß bei der Aus- wähl der Händler keineswegs nur vö'kische Gesichtspunkte maßgebend sind, sondern daß man vielmehr mit jedem paktiert. der d'ese faii' eren Gesckaftsmetboden mitmacht. Ueberd'es ist die Bermntimg nicht von der Hand zu we'':n. daß man mit einer derartigen Regelimg des Getreide- und Produktenhandels ein äbn�ckizs.�iel verfolgt wie es die amerikanischen Farmer im Zusammenschluß mit den führenden Ge�reidesirmen angestrebt baden: Man beabsichtigt ostenbar in nicht allni ferner Zeit die S ch a s kn n g eines A g i o r t r u st e s, der die Getreideprelse nach Belieben hoch- schra'lken kann und zum mindesten es ermöglichen soll, bei der von den Großagrariern propagierten Einführung eines Schutz- zolle« jede Senkung des Getreidepreises bei günstiger Ernte zu verhindern. Wollten die Agrarier nämlich wirklich eine Verminderung der großen Spanne, die heute noch zwischen den Erzeuger- preisen und den Kleinhandelsvreisen für Lebensmittel besteht, jo wäre m geradezu widersinnig, wenn sie sich mit den kapitalistischen Organisationen zusammensetzen. Hat doch selbst der bekannte Landbundführer Freiherr v. Wangen- heim-Klcinspiegel wiederholt den richtigen Weg gezeigt und darauf hingewiesen, daß eine wirkliche Verbilligung der Warenoerteilung nur auf dem Wege über die großen g e- Nossens ch astlichen Organisationen möglich ist. Dieser Parole leisten die pommerschen Landbündler keine Gefolgschaft. Denn die Verbraucherorganisationen werden sich schon weigern, der politischen Organisation des Reichsland- bundes einen besonderen Tribut zu zahlen. Der wirtschaftliche Terror, den der Reichsland- bund auszuüben sucht und mit dem er sogar den Lebensmittel- Handel seinen eigenen politischen Zwecken dienstbar machen will, widerspricht in der Tat allen Begriffen, die man sich bis- her in einem Rechtsstaat gemacht hat. Die rücksichtslose Aus- Nutzung des Bodenmonovolss zugunsten einer kleinen Be- völterungsschicht ist zwar feit jeher Programmpunkt der Groß- agrarier. Jetzt jedoch geht man weiter. Man spielt sich zum Wslerw«er«eilsWliemleii MeMMult». .Obertopf etwa» schwach entwickelt, aber die Hände garantieren große Schlagfertigteit.&. v." tSandidawrverwendnagsfähig.) Steuererheber auf und verhängt den Boykott gegen alle diejenigen, die dem Landbund kein Geld geben wollen. Was sagt der Reichsernährungsmini st er, was der Reichswirtschafts mini st er zu dieser Unge- heuerlichkeit? Die Verbraucher aber und der Mittelstand sehen, was ihnen von dem Bürgerblock droht. Oder glaubt jemand daran, daß eine Bürgerblockregierung es wagen würde, gegen derartige Machenschaften ihrer st ä r k st e n Träger und Propagandisten aufzubegehren? Tut man das aber nicht, so ist die Auswucherung des Volkes und die Preisgabe des Lebensmittelhandels an das Diktat der Agrarier unvermeidbar. Man muß den Landbündlern dankbar sein, daß sie diese Kostprobe ihrer Vorstellungen von politischer Macht gegeben haben. Sie laufen auf nichts anderes heraus, als auf die Vil- dung einer Minderheitsdiktatur, deren stärkste Wasse die H u n g e r p e i t s ch e ist. Es ist das die gleiche Methode, die die Kommunisten anwenden. So hat man wohl recht, wenn man das Ideal der Landbündler im Bolschewis- mus eigener Prägung sieht. tzohenzollern-Juftiz. Das Landgericht l erklärt die Beschlagnahme des Hohen- zollern-Vermögens für rechtsungültig l Genosse Siegfried Weinberg sendet uns in Er- gänzung seines in Nr. 536 des„Vorwärts" erschienenen Auf- satzes:„Hohenzollern/ Deutsches Volt" folgende Zeilen: In meinem Artikel„Hohenzollern/ Deutsches Volk" in Nr. 536 des„Vorwärts" have ich bereits ausgeführt, daß wir zu unseren monarchistisch gesinnten Richtern nicht das Vertrauen haben, daß bei einem gerichtlichen Austrag des Streites lim das angebliche„Lzohenzollernvermögen" das Volk zu feinem Rechte kommen wurde. Erst nach oer Abfassung jenes Aufsatzes kommt mir ein Urteil der 4. Zivilkammer des Berliner Landgerichts I zu Gesicht, das sich vor einigen Monaten mit der Rechtsgültigkeit der Beschlagnahme- Verordnungen besaßt hat, und das meine Befürchtungen in jeder Beziehung rechtfertigt. Ein Bankier hatte sich mit Recht auf Grund einer auf die Beschlagnahmeverordnungen gestützten Verfügung des damaligen preußischen Finanzministers, Genossen Lüdemann, geweigert, die Verfügungen des Hohenzollernprinzen Friedrich Leopold— der bekanntlich sofort nach dem 9. November auf seinem Wohnsitz in Klein-Glienicke die rote Fahne gehißt hatte— über sein Bankguthaben anzuerkennen, so daß der Hohen- zollernprinz klagbar gegen den Bankier vorging. Der Bankier verkündete seinerseits ter preußischen Regierung den Streit. Diesen Prozeß hat das Landgericht zugunsten des Hohen- zollernprinzen entschieden, indem es sich auf den Standpunkt stellte, daß die preußischen Beschlagnabmever- ordnungen ungültig seien. Das Gericht ist zwar so gnädig, anzunehmen, daß diese im November 1918 erlassenen Verordnungen zur Zeit des Erlasics gültig gewesen seien, da damals zu befürchten gewesen sei, daß die Volkswul sich gegen den Besitz des vormaligen Königshauses und seiner Mit- glieder richten würde, und daß deshalb die Beschlagnahme auf Grund des preußischen Polizeirechts, insbesondere des Allgemeinen Landrechts vom Jahre 1794(I!) gerechtfertigt werden könne. Jetzt seien aber„die Volksleidenschaften hinsichtlich des vormaligen Königshauses so weit beruhigt und die Staatsgewalt so weit erstarkt, daß die polizeirechtlichen Gnmdlagen der Bekanntmachungen heute als fortgefallen angesehen werden müssen". Die Beschlag- nähme habe zu einer völligen„Entrechtung" der Hohenzollern geführt. Die Enteignung sei auch„nicht zum Wohle der Allgemeinheit" vorgenommen und schon deshalb sowie wegen des Fehlens einer angemessenen Entschädigung nach Artikel 153 der Reichsverfasjung u n- gültig. Den Kenner der Denkweise der Mehrzahl unserer Richter kann dies Urteil sowie seine Begründung nicht in Erstaunen setzen. Es betrachtet offenbar die ganze Beschlagnahme des dem Volke gehörigen sogenannten„Kronvermdgens" nur unter dem Gesichtspunkte, wie weit sie geeignet ist, der Hohen- zollerndynastte zum Vorteil zu gereichen. Dies war der Fall, solange befürchtet werden mußte, daß das Volk dieses Eigen- tum nicht genügend respektieren würde. Es beurteilt die Cr- eignisie der deutschen Revolution und die staatsrechtlichen Um- ttmlzungen der Jetztzeit mit den Polizeiaugen des Allgemeinen Landrechts aus dem achtzehnten Jahrhundert! Das Urteil zeigt, wie groß die Gefahr ist, daß unsere königlich oreußischen Gerichte das Volksvermögen dem könig- lichen Deserteur und seiner Familie zusprechen, wenn nicht das LolC� am 7. Dezember dafür sorgt, daß«in Reichstag gewählt wird, der die verfassungsrechtlichen Grundlagen für eine Lösung dieses Problems im Sinne des Volkes auch für den königstreueften Richter völlig außer Zweifel stellt, uno ein Landtag, der mit aller. Energie diese Volksrechte gegen die dynastischen Ansprüche durchsetzt. Wer lacht üa nicht? Graf Westarp als Talmudist. Der sattsam bekannt« Gras Westarp hat in einer Rede in Königs- lit-rg abermals über die Außenpolitik der Deutschnationalen ge- sprachen und abermals bekräftigt, daß sie grundsätzlich oei schieden von der bisherigen repubttkamsären Außenpolitik ist. Heber den 29. August jonglierte er hinweg. Noch einem Bericht der TU. sagte er: „(kr betonte, daß in der Fraktion über die grundsätz- kiche Verurteilung des Sochverftäudlgengulechiteng und der Londoner Abmachungen Einmütigkeit geherrscht habe." Also grundsätzlich nein, aber praktisch fünfzigprozentig ja. Nun entsteht offenbar eine Legende, die von der� deutschnationalen Partei- leilung ausgeht. Es soll oertuscht werden, daß um vier Ministersitze die deutschnativnale Fraktion Gesinnung und Grundsätze verschacherte wie alte Hosen. Der schusrige, genretne, charakterlos« Schacher ist durch kein« Legende aus der Welt zu schaffen. Die Deutschaotionalen werden als die verlogene Partei des 29. August in der deutschen politischen Geschichte ewig gebrandmarkt sein. Du ahnst es nicht! KreuzzeitungS- Weisheiten. In der„Krerrzzeitung" schreibt ein gewisser Oberst von Mantey übe? das Thema„Volksgemeinschaft". Dir Sozialdemokratie gehört natürlich nicht dazu: den» wer ist die Sozialdemokratie: „Immer wieder muß gesagt werden, daß Sozialdemokratie und Ardeirerpartei nicht dasselbe ist Wer sind denn„die Sozialdemo- traten", abchesehen von Ausnahmen? Doktoren. Rechtsanwälte, Parteifunktionäre, Leute, die sich vor der Arbeiterschaft im Gewand« d:s Bürgers stellen und„wir Proletarier" sagen." Da müßt««s in Deutschland mehrere Millionen Doktoren, Rechte- ernwälte und Porteifuntttonäre geben. Wir haben immer gewußt, daß w r das Volk der Dichter und Denker sind, daß sich» ober das deutsch« Volk zum größten Teil aus Doktoren, Rechrvanwälten und Parteifunktionären zusammensetzt, ist eine neue Entdeckung. Aber ganze sechs Zeilen weiter schreibt dieser Herr: „Wir haben ein Schiebertum, das sich in das deutsche Fell wie Ungez-efer eingenistet hat, das weder wir von rechts los werden können, noch die Arbeiter, und das nnser Volk in einer Weis« aus- saugt, wie es die 4— 5 Millionen Arbeiter der Sozial- demokrati« nicht ahnen." Also es gibt auch Arbeiter in der Sozialdemokratie. 1 b:s S Millionen, sagt Herr Mantey. Bei der letzten Wahl waren es sechs, am 7. Dezember wird sich Aeigen, daß es einige Millionen mehr sind. Das sind also die Ausnahmen in der Sozialdemokratie, die große Mehrzahl sind Doktoren, Rechtsanwälte, Parteifunktionär«. Sie müßten dann mindestens doppelt so stark sein, wie dl« paar Millio- neu Ausnahmearbeiter....' Ader hären wir auf. Herr Mantey, wie wird Ihnen, wenn Sie ihre Rechnung zu Ende führen? Mastenversammlungen üer Kpv. Wie fie aussehen. „llebenüllte kommunistische Bersammlungen", so berichtet die „Rote Fabne" ihren gläubigen Lesern. Zu Massenbesuch der ösfenrlichen Wählerderiammtung forderte die KPD. die Arbeiter, Angestellten«nd Beamten in der Gegenp Pappelallee, Stargarder Straße usw. durch Klebestreifen aus. Veisammlungk- lokal: Poppelallee ,04, ohne näbeie Bezeichnung des Lokals. lind siehe da, das Veriammlungslotal erwies sicki als das zirka L ü— ll 0 Personen fassende VereinSzimmer des dort befinMichen Restaurants. Viel Zutrauen zu der Zugkraft der KPD. scheint man also selbst In der eigenen Leitung nicbl mehr zu habe». Der Besuch dieser Versammlung war denn auch so. daß, iveu» noch ein paar Dutzend Besucher erschienen wären, in dem VercinSziminer der nächstgelegenen Kneipe eine Parallelversammlung härte abgehalten werden können._ fius üer Wahlbewegung. Erfolg einer deutschvölkifchen Wählerversammlung. Arn 11. November veranstalteten in Pr enzlau di« Deutsch- völkischen e'nc Wähferversem stellvertretend m Vorsitzenden des Sownokom K a m e n j e w das Wort, denn die Ehrfurcht vor der vorgesetzten Behörde ist bei den Redakteuren der „Roten Fahne" das einzige Gefühl, dos noch funktioniert: „Wir sollten bis zum 1 November 155 Millionen Rubel einnehmen. Wir haben aber bis zum Augenblick nur 5 7 Mil- lionen Rubel eingervmmen. Natürlich schließt infolgedessen auch unser davon abhängender G.'treideverkaus mit einem Defiz-t ab.. Deshalb hängt unser ganzer Ervort- und Importplan in der Luft... Unsere Einfuhr ist infolgedessen größer als die Ausfuhr."(Bericht des CK. vom 31. Oktober.) 3. Die„Rote Fahne" wirft uns vor, wir härten verschwiegen. daß die Sowjetindustrie im schnellen Tempo wieder aufgebaut wird. Unser Artikel bchandelte die Sonictfinanzen und nicht die Sowjet i n d u st r ie Wir sind aber bereit, auch hierüber unsere Meinung offen zu sagen. Es ist richtig, seitdem man darauf oer- zichtet hat, kommunistische Experimente in ctnem unentwickelten Lande zu machen, läßt sich ein langsamer, von Krisenerscheinungen unterbrochener Aufstieg wieder feststellen. Aber es muß sollendes betont wertxn: 1. vollzieht sich diese Wiederherstellung der Bolls- Wirtschaft aus der Grundlage einer ungewöhnlich starken kapi- talistischen Ausbeutung, die von d-'m Slaatskap'tallsmus, m>f den sich die russischen Kommunisten zurückgezogen hatten, weit entfernt ist. 2. Die nationalisiert« Industrie wird so töricht und verlustreich geleitet, daß sie nur auf Kosten ihrer Substanz und des Betriebskapitals überhaupt existieren kenn. 3. D'e Wiederherstellung geschieht nicht dank den Maßnohmen des Staates, sondern oft genug trotz dieser Maßnahmen, im Kamps« und unter Umgehury der staatlichen Araveisungen. Und schließlich 4. in einem Land?, in dem formell die Diktatur des Proletariats existiert, wird der Versuch gemacht, die Unrentabilität der Industrie durch Verlängerung der Arbeitszeit, durch Einfüh- rung der Akkordarbeit und anderer Formen der Intensivierung der Leistung der Arbeiterschaft herbeiz uführen. 4.„Die Produktion hat sich im letzten Jahre um 30 Proz. ge- hoben." Es ist ricktig. die Produktion einiger Industriezweig« ist im letzten Jahre erheblich gewachsen. Aber erstens fiel der Leistungsgrad der Industrie während des Bürgerkrieges auf 7— 10 Proz. der Vorkriegsz'it, so daß ein Fortschritt um 30 Proz. für die Höhe des erreichten Grades noch nichts besagt. So hat ssch z. B. die Erzproduktion im letzten Jahre verdoppelt, erreicht aber trotzdem erst 8 Proz. der Vorkriegsproduktion. Auch der Volkskommissar für Finanzen S o k o lni k o w äußert sich ähnlich über die Zu- nähme der Produktion? „Das Vestreben, künstlich die Entwicklung unserer Schwerindustrie zu bescklleunigeu, verleitet uns zu politischen Fehlern und schadet den Arbeitern und Bauern... Das über« trieben« Tempo führt lediglich zu schweren Krisen."(„Prawda" vom 1. November.) 5. Wir solle» Kredite und Subsidien verwechselt� haben. Diese Verwechslung haben nicht wir vorgenommen, sondern die Leiter der Sowjetindustrie, die kurzfristig« Kredit« aus dem vergangenen Jahre in Höhe von 240 Millionen Rubel nicht zurückerstattet haben. („Hand. 1s- und Industriezeitung" Nr. 223) K r u m i n, der Redak- teur der„Ekonomitscheskoja Shisnj" schreibt darüber:„Unser Kredit ist in v«len Fällen ungesund gewesen. Di« Gelder, die wir als Kredit hergegeben haben, sind»crlown gegangen. Das gilt in erster Linie von d?n langfristigen Krediten für die Industrie. („Ekonom. Shisnj" vom 1. November.) 6. Die Emission von Papiergeld hat aufgehört, die Inflabon sieht nur noch im Kopfe der Mer.fchewisten— behauptet die„Rote Fahne". Derselbe K r u m i n schreibt in einer Auseinandersetzung mit den'Leuten, die einer künstlichen Erwe'trung der Produktion ohne Rücksicht auf die wirkliche Kaufkraft des Publikums das Wort reden: „Die Kredit«, de wir geben, sind ein Teil der vorhandenen Geldmasse, und die Fra-i« des Ausmaßes der BankemrPon kann und darf nicht von dem Problem unseres qefamten Geldumlaufes qetremtt werden. Vor uns steht als selbständig« Aufgabe die Verpflichtung, die Widerstandsfähigkeit des Geld- Umlaufes und die Stabilität der Baluta zu sichern." In dem Artikel„Gefahr im Verzug" heißt es: „Unsere Jndustre durchlebt eine gefährliche Krise: Es fehlt an Mitteln für den Ankauf von Rohmaterial(„Handels- und Jn- duftrie-Zcitung" vom 1. November). Und der Bericht des Gas- plan stellt ein allgemeines Anwachsen der Schuldverpflich- tungen für die Bezahlung der Arbeitslöhne fest. Selb st die Verpflichtungen sür September sind noch nicht erledigt!!" Daraus konzentrierte sich auch der Sinn unserer Kritik. Ein« unrentable Industrie, Transport, Bureaukratie. Tjcheka ver- langen starke Zuschüsse. Di« Einstellung dieser Zuschüsse ge- fährden die Diktatur Gegeben werden können sie aber nur um den Preis, daß man sich auf das stürmische Meer der Inflal'an wagt, denn las bedeutet es, wenn man die Notenpresse in Bewegung setzt. Die jungen Leute in der„Roten Fahne" verwechseln ein« sach- liche Kritik des Sowjetbudgets mit einer... Intervention. Sie sehen überall irgendwelche Hände sich nach dem kaukasischen Petra- leum ausstrecken. Nach soviel Mord- und Gewalttaten, wie die russischen Kommunisten in Georgien auf dem Gewissen habe»,>st es kein Wunder, daß auch ihre deutschen Jünger an Halluzinatiom.» zu leiden beginnen. A. I u g o w. vie Erhaltung üer öffentlichen Sparkaffen. In einer Verfügung des preußischen Ministers des Innern an die Obcr- und Regierungspräsidenten heißt es u. o.: In der letzten Zeit sind verschiedentlich Bersuche bekannt geworden. öffenlliche Spartasseri auszulösen, um sie dann gegebenen-- falls Unter Verschmelzung mit einer örtlichen Kommunalbank als Abteilung einer Zweiganstalt eines Provinzialkredttinstituts neu erstehen zu lassen. Wen» auch in dem Runderlaß vom 13. April v. I. die Anlehnung der öffentlichen Bankanstalten der unteren Kommunalverbände an dos provinzielle Kreditinstitut, insbesondere an die Girozentral«, und dessen Beteiligung an der örtlichen Kom- munalbank empfohlen wird, so würde«s doch eine völlige Berken- mmg der Grundtendenzen jenes Erlasses bedeuten, hieraus zu foi- gern, daß das provinziell« Kreditinstitut auch öffentliche Spar» k a f s e n sich eingliedern dürft«. Der Runderlaß stellt vielmehr ge- Verkauf nur soweit Vorrat Mengenabgabe vorbehalte« ünterRlemer eso ans Kanatselde, viele Farben and Grössen......................... Eies. Carnltor R;5 Hemd und Schlupfbeinkleid •na feinem Wäschetuch, znsamm. s25 2" lliMeiml dazu passend......... Heiniiliose NUR HEUTE rcbt Bös überwiegende staatliche und volkswirtschöftllche Interesse an dem Bestand« und der Kräftigung der Sparkassen in den Vordergrund, indem er die Gründung von Kommunolbanken nur zuläßt werin sie ohne Beeinträchtigung der Sparkassen erfolgen kann und insbesondere für die Fälle ablehnt, in denen die mit der Begründung einer Kommunalbank angestrebten Ziele durch Einrich- tung einer besonderen �Bankabteilung" erreicht werden können. Das Sparkassenwesen bedarf gerode in der heutigen Zeit, wo die Betätigung eines wiedererwachenden Spartriebs die wirtschaftliche und sozialen Verhältnisse wirksam zu bessern ge- eignet ist, der oesonderen Fürsorge des Staates. Eine Auflösung von Sparkasse, ist deshÄb, sownt sie nicht etwa zum t wecke und in Durchführung des Zusammenschlusses gemeindlicher parkassen mit einer Kreissparkasse erfolgt— ein Vorgehen, das im Interesse der Ersparnis an Berwaltungskosten nur Förderung vcr- dienen würde— grundsätzlich unerwünscht; keinesfalls darf sie M'm Zwecke der Eingliederung von Sparkassen in provinzielle Kreditinstitute oder deren Zweiganstalten erfolgen. Der Mnister ersucht deshalb die nachgeordneten Behörden, die Auflösung von Sparkassen nur ausnahmsweise und lediglich dann zu genehmigen, wenn es nach der besonderen Lage der ört- lichen Verhältnisse zweckmäßig erscheint. Dies wird in der Regel in solchen Fällen angenommen werden können, in denen sich eine Zusammenlegung mehrerer Sparkassen in einem Kreise des- halb empfiehlt, weil sie erhebliche Ersparnisse an Verwaltungskosten herbeiführen würde, ohne daß die Nutzkroft der einzelnen Spar- kassen für ihren Garantieverband und für die wirtschaftlichen In- tereflen der Bevölkerung des Garontieverband.'s hierdurch beein- trächtigt wird. Nach den gleichen Gesichtspunkten wird die Ge- nehmigung zur Errichtung einer Sparkasse(Sparabtsilung) in Der- bindung mit einen, provinziellen Kredilinfiitut oder deren Zweig- anstalt in der Regel versagt werden müssen. Reichsbaok. Der ReichSbankausweiS vom 7. November zeigt nach der starken Anspannung, die der Okioberultimo gebracht halte, eine wesentliche Entlastung. Nach großen Rückflüssen an Zahlungsmitteln beziffert sich der Notenumlauf auf 17Sl.8 Millionen Reichsmark, außerdem sind noch etwa 1650 Mtllionen Rentcnmark im Verkehr. Die Bestände an Wechseln und Lombardforderungen sind etwas zurückgegangen. Der Goldvorrat wurde um 61 000 M. auf 694,3 Millionen vermehrt. Außerdem wird zur Deckung ein Bestand von Devisen in Höhe von 231,4 Millionen Reichsmark aus- gewiesen. Die Notendeckung durch Gold beträgt demnach 40,3, die Deckung durch Gold und Devisen 53.8 Proz. Dresdner Bant. Bei der Aufstellung der Goldmarkbilanz weist die Dresdner Bank ein Reinvermögen von 100 Millionen Gold- mark aus. wovon 22 Millionen dem Reiervefonds überwiesen werden und die übrigen 78 Millionen als Goldmarkkapital gelten. Die Zusammenlegung der bisher im Betrage von 975 Millionen Mark ausgegebenen Aktien er'olgt im Verhälinis von 12'/,: 1. Effekten und Gebäude sind auch bei dieser Bilanz so niedrig' an- gegeben, daß hierin große stille Reserven enthalten sind. So stehen die 119 Bankgebäude mit nur 4 Millionen zu Buche. Die Produkkionseinschränkungen des Ruhrbergbaus. In der Mitgliederversammlung der Ruhrkohle A.-G. des Kohleniyndi- kats wurde am Mittwoch vom Vorstand Bericht erstattet über das Ergebnis der Verhandlungen, die wegen der ReparationS« lrekerungen in Essen gepflogen worden sind. Bei der Be- ivreckning der MaRtlage wurde darauf hingewiesen, daß leider die Absatzverhältnisse noch nicht g ü n st i g e r geworden sind. Dies kommt darin zum Ausdruck, daß beschlossen werden mußte, die V e r k a u f s b e t e i l i g u n g in Kohle aus 55 Proz., in Kots und Briketts auf 40 Proz. anteilig zu verringern. ES sind damit neue Produklionseinschräukungen vorgesehen. Für die Be- Handlung der Streitfragen, die„och zwischen der Mehrheit und den beigeschlossenen Zechen schweben, wur�e ein Ausschuß ernannt. Grundsätzliche Einigung mit der Schweiz. Die seil Wochen schwebenden Verhandlungen zwischen Deuischland und der Schweiz, betr. den Abbau der beiderseitigen Einsuhrbeschränkungen. stehen vor dem Abschluß, nach dem unbeschadet der Bestimmungen des deutsch-schweizeriichen Handelsvertrages über die wesentlichen Grundsätze eine Einigung erzielt worden ist. Ter völlige Abbau ist für den 30. September 1925 vereinbart worden. Die Zahl der Waren, hinsichtlich deren sich die Regieruugen für die Uebergangszeit Einfuhrbeschränkungeii noch vorbehalten, hat eine wesentliche Verminderung'erfahren. Um eine Be- schleunigung des Abbaus schon während der Uebergangszeit zu er- möglichen, haben sich beide Teile bereit erklärt, jederzeit in Be- t'vrechungen über die Revision der Konlingenllisten einzutreten. Das Abkommen kann auf den 30. September j.925 gekündigt werden. Der Abschluß der Vereinbarung durch die Delegation hängt von der Verständigung über die K o n l i n g e n l§ l, st e n ab. über die zurzeit noch verhandelt wird. Die Vereinbarung soll l4 Tage nach ihrer Genehmigung durch beide Regierungen in Krakt treten. Pf.-Tage werden berechtigtes Aufsehen erregen! Beginn Sonnabend den 15. November, früh 9 Uhr Kasoks ««S ffCStr. i Blusen 95 Pf «OS«Ja rem Vdoanbtdtad 95 Pf. Schotten Q< für Kleider, 00 cm bnü, fffr. Pf- Hauskleid.- Stoffe QC /ür praMMie Kleider, Mir.*7*3 Pf. Blusenstoffe nc hühsdtc Streifen... Mir. Pf- 95 pf. Veloursbarchent nc gute Qaali/3t.... Mir. Pf. Seidenbatist u-ctl......... Mir, Schwarz-weiß ne karierte Kleidersioffe, Mir. i-J Pf, 2 Mtr. Rohnessel nc «>« v°>>«... Damen-Hlmonowesten"i°« woiie. mit nrd ohne Arm............ Kinder-Westen refn® Wolle, veneb. 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