Nr.542 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 275 Bezugsprets: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Saar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat Der., Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten sowie der Unterhaltungsbeilage..Heimwelt" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. Beile 0,70 Goldmark. Reflamezcile L. Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig awei fettgedruckte Borte), iedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erite Wort 0,10 Goldmart jedes weitere Bort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer milfsen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68. Lindenftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion:: Donhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 16. November 1924 Der Separatistenprotektor abberufen. Herriot ersetzt die Generäle de Metz und Denvignes durch Zivilbeamte. Paris, 15. november.( Eigener Drahtbericht.) Ein Erlaß der Interalliierten Rheinlandfommission beruft die beiden franzöfifchen Generäle de Metz und Denvignes, die das Umi eines Delegierten der Rheinlandfommiffion in Speyer bzw. Mainz ausübten, con ihren Poften ab. Die beiden Generäle werden durch 3ipilbeamte ersetzt. Die Ersetzung der leitenden militärischen Verwaltungsbeamten in der Pfalz und im mittelrheinischen Gebiet durch Zivilbeamte bedeutet ein Entgegenkommen Frankreichs über das in London vereinbarte Maß hinaus. Sie kann nur als Zeichen dafür angesehen werden, daß das Kabinett Herriot mit dem militärischen Charakter der Besatzung zu brechen wünscht. Vor allem die Abberufung des Generals de Mez wird Genugtuung über die Grenzen des besetzten Gebietes hinaus erwecken. De Metz war einer der eifrigsten Förderer des Separatismus. Er versuchte die Losfösung der Pfalz vom Reich mit allen Mitteln zu betreiben. Er galt in Paris als eine der Hauptstützen für die Rheinlandpläne der französischen Militaristen. Seine Abberung hat prinzipielle Bedeutung. Die deutschnationale und völkische Presse, die sich nach wie vor bemüht, den guten Willen des Kabinetts Herriot zu verdunkeln, wird es nicht unterlassen, auch diesen Schritt Frankreichs falsch zu deuten und zu verkleinern. Man kann sie bei diesem Treiben unter sich lassen. Es wird diesen Desperados nicht noch einmal gelingen, das Volf irre zu führen. Nur die Erfüllungspolitik hat die Wandlung in Frankreich und damit das Kabinett Herriot ermöglicht. Nur die Erfüllungspolitik hat zu der Befreiung Dortmunds und der Gebiete in Baden und Hessen geführt. Ein Erfolg der Erfüllungspolitif ist es, wenn jetzt der Separatistengeneral de Metz abberufen wird. Nur die Er füllungspolitik wird die vertragsmäßige Räumung ber noch besetzten Gebiete ohne Blutvergießen bringen.. Und wie fagt ergt? London hat zu feinem Erfolg geführt, die konservativen Wahlen in England müssen den deutschen Wählern ein gutes Beispiel geben. Rechts schwenkt, marih marsch!" Gewiß, wenn es nach Hergt und seinen Halbundhalben ginge, dann würde Deutschland nach dem 7. Dezember unter dem Kommando: Rechts schwenkt, marsch marsch!" in eine neue Katastrophe hineinschlittern und wir könnten schon heute die Rheinlande aus unserer Landkarte streichen. Aber die Wähler werden wissen, welche Antwort sie den Hergten am 7. Dezember schuldig sind! Ludo Moritz Hartmann. Neichsdeutschlands Beileid. Der Reichspräsident hat an Fran Profeffor Hartmann in Wien das nachfolgende Beileidstelegramm gefandi:„ Bei dem schweren Verlust, der Sie durch den Tod Ihres Herrn Gemahls betroffen hat, bitte ich Sie, meiner und meiner Frau herzlichsten Anteilnahme versichert zu sein. Den Dahir geschiedenen, der mir felt langen Jahren persönlich nahegellanden hat, habe ich als Menschen, als politiker und als Mann der Wissenschaft slets hochgeschätzt. Als erster Gesandter der Republik Defterreich beim Deutschen Reich hat er, ein aufrichtiger Freund Deutschlands, seine ganze Kraft daran gelegt, die Beziehungen unserer in Freud und Leid eng verbundenen Bölfer zu vertiefen. Ich werde sein Andenken fiets in Ehren halten. Reichspräsident Ebert." Aus der Pfalz wird uns gefchrieben: Die Bevölkerung der Pfalz hat mit großen Hoffnungen den Regierungswechsel in Frankreich erwartet. Aber bis jetzt hat sich noch taum etwas zum Besseren gewendet. Die kleinen Könige, die Bezirksdelegierten, regieren noch in der alten Weise und auch die Offiziere, die in Privatquartieren bei der Zivilbevölkerung wohnen, wollen sich noch immer nicht als Friedenseinquartierung fühlen. Besonders in Meinen Städten wie Landau, das in Friedenszeiten schon eine sehr große Garnison hatte, fällt das gegen früher verdoppelte Militär den Bürgern sehr zur Last. So ließ erst zu Beginn dieses Jahres der Oberst eines dahin verlegten Spahiregiments furzerhand eine Familie aus ihrem Haus, das noch große Grundstücke anliegen hat, ermittieren, obwohl ihm die Stadi verschiedene gleichwertige Wohnungen zur Verfügung stellen wollte. da ihm diese Wohnung am günstigsten zu seiner Kaserne lag. An dererseits weigern sich die Franzosen beharrlich in die für sie nach ihren eigenen Wünschen die Pläne lagen ihnen zur Genehmigung - erbauten Häuser überzusiedeln. Es sind in dieser Stadt von taum 14 000 Einwohnern schon Hunderte von Wohnungen errichtet worden, ohne daß bis jetzt der Wohnungsnot, die durch die Besetzung verursacht wurde, gesteuert ist. Am schlimmsten sind die dunklen Existenzen der Ziv Ibevölkerung, die sich beim sogenann ten Heerestroß befinden. Dor In letzter Zeit beginnen die Truppen die männlichen Einwohner wieder zu zwingen, die Trikolore beim Aufziehen zu grüßen, indem sie den Leuten den Hut vom Kopfe schlagen. Beschwerden können von Einwohnern des befegten Gebiets dagegen nicht erhoben werden. Der Ausverkauf hat nach Stabilisierung der deutschen Währung aufgehört, aber andererseits werden viele Geschäftsleute gezwungen. durch Gewährung von Sonderpreisen den Soldaten entgegenukommen. Am schlimmisten ist für die Bevölkerung, daß sie verpflichtet st, bei gemeinsamer Küchenbenukung wildfremden Menschen ihr ganzes Geschirr, ihre Bestecke usw. zur beliebigen Berfügung zu stellen. Ein anderer Uebelstand ist, daß viele Familien ihre ganze Verwandtschaft aus Frankreich zur Erholung fommen lassen. Diesen, die doch gar nichts mit der Befagung im eigentlichen Sinne zu tun haben, müssen die notwendigen Zimmer zur Verfügung gestellt werden. Tatsächliche Hilfe fann der gequälten Bevölkerung nur werden, menn. und das muß offen ausgesprochen werden. eine reinliche Scheidung von französischen Zivils und Militärpersonen einerseits und den Pfä'zern andererseits stattfindet, indem die franzöfifche Regierung, über die als eine lintsrerich'ete Regierung die Royalisten und Poincaristen unter den Offizieren sich luftig machen, verfügt, daß die Besatzung die für sie nach ihren Wünschen erbauten Häuser bezicht. Nur so fann der gequälten Bevölkerung geholfen werden. Verfassung festlegten: Deutschösterreich ist ein Glied der deutschen Republik. Mit solcher Unwissenheit, wie sie die " D. A. 3." da offenbart, gibt es keine Polemik. Aber auch der Vorwurf gegen die reichsdeutsche Sozialdemokratie ist vollkommen unbegründet. Gesezt, man hätte die Vereinigung vollzogen gehabt mer zweifelt daran, daß die Clemenceau- Lloyd George- Entente diesen Att ebenso durch schärfsten Terror zunichte gemacht hätte, wie sie mit diesem Mittel sowohl jenen Saß der Wiener Berfassung, wie den frei gewählten Namen Deutschösterreichs und was die verehrlichen Monarchistenblätter missen müssen auch drei im Entwurf der Weimarer Verfassung bereits enthaltene Bestimmungen gestrichen hat; brei Bestimmungen, die Deutschösterreichs Rechte im Reich für den Zeitpunkt seiner Eingliederung vorbehielten Wenn aber die D. A. 3." so tut, als wäre die VereiniDer deutsche Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, ist beauf gung sicher gekommen, wenn dem deutschen Volk bloß seine tragt worden, anläßlich des Ablebens des Pref. Dr. Cudo Hart- Dynastien erhalten geblieben wären, so genügt ja das mann dem Bundespräsidenten hainisch das Beleid Bahlwort 1866, um die Unmöglichkeit einer staatlichen Gemein schaft von Hohenzollern und Habsburgern darzutun und des Reichspräsidenten und der österreichischen Regierung daran zu erinnern, daß der schwarzweißrote Heros Bismarc das Beileid der Reichsregierung auszusprechen. Der Ge- felbit die lole öitereri hisch- Deutsche Gemeinschaft des damaligen fandle wird an der Beliehung teilneymen und im Namen deutschen Fürstenbundes mit Blut und Eisen zerstört hat. des Reichspräsidenten und des Auswärttgen Amtes Kränze niederlegen. Hilfe für die Hochwassergeschädigten! Die Presse hat übereinstimmend Ludo Hartmanns in Hochwasser im Westen und Süden Deutschlands! Blühende ehrendster Weise gedacht. Zwei Blätter der Rechten aber, der Ortschaften, gepflegte Aecker find überflutet worden. Wohnungen Lokal- Anzeiger" und die„ Deutsche Allg. 3tg.", glauben brauchbar. Tausende verloren in wenigen Stunden ihr wurden zerstört, Hab und Gut fortgeschwemmt, Arbeitsgerät unselbst diesen traurigen Anlaß nicht vorübergehen lassen zu fönnen, um gegen die Sozialdemokratie als Inhaberin der Heim und die Früchte jahrelanger Arbeit. Die Schäden zu heilen Regierungsmacht vom 9. November 1918 bis zur Bildung der ist dopeplt schwer bei der wirtschaftlichen Not der Gegenwart, dreiersten Reichsregierung nach Zusammentritt der Nationalver- fach schwer in den heimgeluchten befehten Landesteilen, sammlung den Vorwurf erheben zu dürfen, daß sie den Zeit- Der Staat hilft nach Kräften, aber seine Mittel genügen nicht. Allen punft verpakt hätte, zu dem die Eingliederung Deutschöfter- Volksgenoffen rufen wir deshalb auf: Helft! Gebt schnell! reichs ins Reich noch ohne außenpolitische Schwierigkeiten Gebtreichlich! möglich gewesen wäre. Die„ D. A. 3." dehnt diesen Vorwurf sogar auf unsere deutschösterreichischen Genossen aus, obwohl biese es gewesen sind, die als Einleitungssag der vorläufigen Der Reichspräfident. Die Reichsregierung. Spenden auf Konto Hochwasserschäden" bei der Deutschen Bank oder auf Postschecktonto Berlin 55 770 erbeten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postfcheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direftion der Diskonto- Gesellschaft. Devontentaie Lindenstraße 3 Eins! Die Sozialdemokratie an der Spike. Die Glode, sie hämmert ein mächtiges Eins, Und unten zerschellt das Gerippe. Goethe. seinen Borgängern wesentlich vereinfachen. Der Wahlgang cm 7. Dezember wird sich im Vergleich zu Seit der Einführung amtlicher Stimmzettel bestand bisher insofern ein unterbuntes Durcheinander, als die Parteien diejenige Stelle auf dem amtlichen Stimmzettel erhielten, die ihnen die Reihenfolge der Anmeldung ihrer Kandidatenliste zuwies. So fonnte es fommen, daß eine Partei in einem Wahlkreise an zweiter Stelle, in einem anderen an fünfter und wiederum in einem anderen an siebenter Stelle verzeichnet war. Das ist durch eine vernünftige Anordnung der Regierung jezt mit einem Schlage geändert. Auf dem amtlichen Stimmzettel erscheinen die bisherigen Reichstagsparteien nach der für fie bei der Wahl am 4. Mai abgegebenen Stimmenzahl. An der Spize marschiert die Sozialdemokratie, die im ganzen Reiche und auch bei der Preußenwahl die Liſtennummer Eins führt. Damit ist gewissermaßen auch amtlich anerkannt, daß das anmaßende Geschrei der Deutschnationalen, als wären sie die stärkste Partei und könnten aus dieser Tatsache besondere Rechte ableiten, eitel Flunkerei ist. Bei der Aufstellung der Stimmzettel haben die Regierung und der Reichswahlleiter sich nicht daran gekehrt, daß die Fraktion Hergt im Reichstage sich durch die Hinzunahme einiger auf Grund ganz anderer Programme gewählter Personen fünstlich zur stärksten Frafticn aufgeblasen hatte. Sie ist vielmehr auf die nüchternen Ziffern des 4. Wiai zurückgeführt und damit ganz eindeutig an die zweite Stelle geschoben worden. Die Sozialdemokratie marschiert an der Spie! Das ist ganz unbestreitbar. Denn auch bei den ungünstigen Verhältnissen, unter denen die Maiwahlen stattnationalen nur 5 718 543 Wähler auf ihr Programm verfanden, erzielte fie 6 014 372 Stimmen, während die Deutscheinigen fonnten. Freilich war der Unterschied bei der letzten Abstimmung nur geringfügig. Aber jedermann im Lande ist heute überzeugt, daß die Inflation der Deutschnationalen Partei inzwischen zum Stillstand gekommen ist, und daß die nächsten Wahlen für sie einen sehr wesentlichen Rückschlag bringen werden, wenn sich die Erfahrungen von Hamburg. Mecklenburg und Anhalt im Reiche wiederholen und vertiefen. Ebenso ist jedermann der Ueberzeugung, daß die Sozialdemokratie wieder im Vormarsch begriffen ist und am 7. Dezember mit einem erheblichen Vorsprung an der Spizze aller Parteien verbleiben wird. gestern. Es ist sehr vielen unbekannt und deshalb wert, daß Diese erste Stelle befleidet sie nicht erst seit heute und wieder einmal daran erinnert wird: Schon seit den Wahlen vor 1893 ist die Sozialdemokratie unbestritten die an Stim= menzahl stärkste Partei in Deutschland gewesen und trog aller Stürme geblieben. Mehr noch: Schon drei Jahre vorher, noch unter den letzten Zudungen des schandvollen Ausnahmegeseges gegen die Sozialdemokratie, hatte unsere Partei alle anderen Parteien mit Ausnahme des Bentrumis überholt. Trotz Verbotes ihrer Versammlungen, trotz Unterdrückung der Mehrzahl ihrer Zeitungen. trotz Berfolgung und Schilonierung aller tätigen Parteigenossen, troz Ausweisung Hunderter der besten von ihnen fonnte die verfehmte Sozial demokratie im Februar 1890 schon 1323 000 Stimmen zählen, während das Zentrum ihr mur um 28 000 Stiminen vorausblieb Freilich hatte das Bentrum damals 105 Mandate und die Konservative Partei, die Vorgängerin der heutigen Deutschnationalen, mit nur 930 000 Stimmen 73 Parlamentsfiße, während die Sozialdemokratie sich infolge der veralteten Wahlkreisgeometrie mit nur 35 Sigen begnügen mußte. Aber nicht in der Zahl der Mandate, sondern in der Bewegung der Massen lag und liegt die Stärke der Partei. * bestritten geblieben. Zunächst zwar blieb das Zentrum uns Seit dem Jahre 1893 ist unser Platz an der Spizze unhart auf den Fersen, aber von Wahl zu Wahl vergrößerte sich der Abstand, so daß wir schon 1903 3 Millionen, 1907 3 Millionen und 1912 gar 44 Millionen Stimmen zählen konnten, während selbst die stärkste bürgerliche Partei die zweite Million nicht erreichte. Rund ein Drittel der abgegebenen Stimmen der Partei im Barlament sich nur mit etwas mehr als ein fielen allein auf die Sozialdemokratie, wenn auch die Stärfe Biertel- 110 unter 397 Abgeordneten ausdrückte. Die Erinnerung von 1912 reizt geradezu zum Vergleich mit dem Frühjahr 1924. Der Sieg der Sozialdemo fratie war so ungeheuer, daß er den damals herrschenden Kreisen fast den Atem verschlug. In fünf Jahren hatte die Bartei nicht weniger als 1 million neuer Stim men gewonnen! Auch im Reichstag war sie dem Zentrum als der nächststärksten Partei um 20 Sige voraus. Parlamen | in den Reihen der österreichischen Parteigenossen. Was man an ihnen, den Ausländern", lobenswert findet, das pflegt man an der deutschen Sozialdemokratie in Grund und Boden zu verdammen. Aber die Sozialdemokratie läßt sich dadurch nicht beirren. Sie sieht, daß ihre Politik auf der ganzen Linie zum Erfolge schreitet. Sie verzeichnet mit Genugtuung, daß fogar die Partei Stresemanns sich zur Erfüllungspolitif" bekennen und daß die Fraktion Westarp widerwillig die Erfüllungsgesetze als bindendes Red, t" anerkennen muß. " " tarischem Brauche hätte es entsprochen, daß die stärkste Partei| frater Der eine in der englischen Labour Party, der andere den Präsidenten des Parlaments stellte. Die SozialDemokratie erhob aber nicht einmal darauf Anspruch, sondern begnügte sich, die Stelle des ersten Bizepräsidenten zu fordern. Es fanden sich auch wirklich soviel Liberale und Zentrumsabgeordnete, daß für den Genossen Scheidemann eine Mehrheit heraussprang. Ein sozialdemokratischer Vizepräsident im Deutschen Reichstage das war damals schlimmer als die offene Revolution! Entsetzen in allen Parteien. Der alle Spahn vom Zentrum, der zum Präsidenten gewählt war, legte das Amt nieder. Das Gleiche tat der Nationalliberale Dr. Paasche. In allen Parteien begann ein Rumoren und Untersuchen, wer wohl in der geheimen Abstimmung dem Sozialdemokraten die Stimme gegeben haben fönnte. Besonders erregt zeigten sich, wie immer, die National liberalen( heute Bolkspartei!), in deren Mitte auch einige räubige Schafe jaßen. Konnten sie damals eine Regierungsfrise nicht machen, so begnügten sie sich wenigstens mit einer Präsidentenfrise und erreichten denn auch, daß nach Ablauf der geschäftsordnungsmäßigen Vierwochenfrist der rote Bize beseitigt und unter Führung des alten Kämpf ein Minderheitepräsidium gebildet wurde. Der unbestreitbar stärksten Partei, die jeder anderen fomöhl an Wählern, wie an Mandaten weit voraus war, wurde 1912 fogar das Recht auf Beteiligung an der Leitung der Reichstagsgeschäfte bestritten. 1924 aber, als die Deutschnationalen nur durch Aufpfropfung einiger Splitter sich fünft lich zur stärksten Fraktion" emporgefabelt hatten, fand sich die bürgerliche Reichstagsmehrheit fofort bereit, dem KandiDaten dieser gefälschten Fraktionsziffer, dem unmöglichen Bureaukraten Wallraf in den Präsidentensessel zu helfen. Aber damit begnügten sich die Halb und Halben nicht. Durch das ganze Land ericholl ihr Kriegsgeschrei: Wir sind die stärkste Bartei, wir verlangen, daß der Reichspräsident uns mit der Regierungsbildung betraut. Das ist parlamentarischer Brauch. Wehe dem, der von diesen geheiligten Traditionen abreicht!" Damit haben sie allerdings fein Glud gehabt. Denn die Fabel von ihrer überragenden Stärke war nur eine Fabel Und wenn sich auch die bürgerlichen Parteien im Reichstage ron ihr täuschen ließen, so konnte sich der tühle Berstand einer folchen Täuschung nicht hingeben. Seit dem Mai ist der deutschnationale Stern verblaßt. Anfang Dezember wird sich zeigen, was von der ganzen Herr lichkeit noch übrig geblieben ist. Und wenn der 7. des Beth nachtsmonats, wie wir hoffen, wieder die Sozialdemokratie weitaus an der Spitze der Parteien zeigen wird, dann wird fich die deutschnationale Fraktion in Wahrung parlamentarischer Rechte sicher nicht untreu werden und verlangen, daß die Sozialdemokratie die Regierungs. bildung übernehme. Oder sollten wir uns darin täuschen? Die Sozialdemokratie marschiert an der Spike! Daran besteht fein Zweifel. Trotz der Zersplitte rung, die die einst so geschlossene Arbeiterbewegung betroffen hat. trotz des Ansturms der Realtion auch im Sowjetgewande, ist sie die Säule und Trägerin der Republik geblieben.. Sozia lismus und Demokratie finden in ihr die stärkste Stüge. Torheit und unverstond machen ihr zum Vorwurf, daß sie international sei und die Bölferverständigung auf ihre Fahnen geschrieben habe. In diesen Tagen aber mußte die ganze bürgerliche Bresse Notiz nehmen von dem infcheiden zweier sehr bekannter Borfämpfer der Vöiterverständigung und des Friedens: E. D. Morels und Ludo Hartmanns! Angesichts des Todes ringt fich jogar ein Teil der Rechtspreffe Worte der Anerkennung ab für das Wirken dieser Beiden, die auf ihrem Felde für die Berständigung unter den Nationen und die Anerkennung der Rechte Deutschlands gewirkt haben. Beide waren inter national und national zugleich, wie die deutsche Sozialdemokratie. Beide standen im Lager der SozialdemoDie Pleite der Diktatoren. Bon Eli- Ha. Ich hätte gerne: Dämmerung der Diftaturen oder: Untergang über diese Ausführungen gesetzt. Allen, dazu reichen die Ausmaße Der hier Gemeinten nicht aus. Es find nämlich Diftatoren von einer Art, für die Börsenjargonausbrüde am besten passen. Die Mussolinis, die Primo de R veras und die tief unter ihnen, aber immerhin auf Derselben Kellertreppe, stehenden Hitlers und Ludendorffs fönnen leine Dämmerung" und feinen„ Untergang" erleben, ebensowenig, wie sie jemals einen richtigen Aufstieg" und Triumph erlebt haben. Als fie in Mode waren, hatten sie n'chts anderes wie eine " Konjunktur". Run, da sie zu jenem Metall geworfen werden, mit dem sie regierten: nämlich zum alten Eisen erleben sie eine Bleite" Und so sehr das die raffereinen Diktatoren ärgern mag, ihre Erlebnisse sind doch nur mit der Nomenklatur des Börsenlebens au tennze chnen. Der arischeste General fann sich nicht gegen die Tatsache wehren, daß seine gute Zeit auch die gute Zeit der Börsianer mar. Ja, es ist eine sehr intime Beziehung zwischen Großen 3e ten" und Guten Zeiten"; zwischen Krämern und Helden; zw schen Generälen und Börsenmaklern; zwischen Hauptquartieren und Bant fontoren. Wenn der General schlachtet, lebt der Krämer. " " Es ist also, fast über Nacht, eine Bleite der Diftatoren gekommen. Der spanische General Primo de Rivera erleidet in Afr fa eine Niederlage nach der anderen. Mussolini, der italienische Fasch ft, ft von der Hälfte des italienischen Boltes verlassen. Nun machen wir einen großen, großen Sprung abwärts und wir sind bei unserem Ludendorff, angelangt. Ihn verloffen fogar feine Kollegen, die Generale.' tler bekommt bein Taschengeld mehr. Er könnte mit alten Knüppeln haufieren gehen. Aber in München sind alle Einwohner, die als Hitlers Kunden in Betracht kommen fönnten, schon, mit Knüppeln verforgt. Ist es nicht eine wahre Pleite? Woher tommt es wohl, deß im Zeitalter der Borkunft die Fäufte nicht mehr ernsthaft regieren fönnen? Selbst nicht, wenn ein fluger Kopf fie reg ert? Bon Ludendorffs und Hitlers Röpfen wiffen wir so viel, daß sie nicht vorhanden sind. Von Primo de Riveras Kopf weiß man in Mitteleuropa verhältnismäßig wenig. Da Primo de Rivera aber ein General von Beruf ist, fann man ohne große Gefahr annehmen, daß auch sein Kopf eine Art optifcher Täuschung ift. Aber Mussolini lennen die Gegner als einen flugen Tatlifer. Run, und auch ihm hat die Rughe f wenig genügt. Den tatastrophalen Unsinn, in dieser komplizierten Welt des zwanzigsten Jahrhunderts mit Gewalt zu regieren, fann nämlich feine luge Tattit auf die Douer halten. Die Gewalt ist in diesem lebten Kriege fo übersteigert worden, daß sie sich unmöglich gemacht hat. In vergangenen Zeiten konnte man trotz dem bekannten Sprichwort zwar nicht ruhig, aber ziemlich lange auf Bajonette fizen. Heute kann man es nicht mehr. Denn es gibt Giftgafe. Die Existenz der äußersten Mordmöglichkeit genügt, um die bis jetzt Der neue Wahltag wird eine weitere Etappe auf diesem Wege bedeuten. Die Politit der Verständigung hat zu den Dawes- Gefeßen geführt, als deren wichtigste Vorbedingung in dem Gutachten der Sachverständigen niedergelegt ist, daß die deutschen Arbeiter nicht schlechter gestellt sein dürfen als die Arbeiter in den Ländern der Alliierten. Auf diesem Boden führt die Sozialdemokratie den Kampf um die Ausgestaltung der demokratischen Republif zu einer sozialen Gemeinschaft. Die Eins an der Spitze des amtlichen Stimmzettels foll ein Symbol für den Ausgang des Wahllampfes werden. Wenn die Wähler am 7. Dezember viel millionenfach das mächtige Eins erflingen laffen, dann wird das nationalistische Gerippe elend zerschellen: Würdeloser Anbiederungsversuch. Hergt klopft bei den englischen Konservativen an. Die Telegraphen- Union verbreitet nachstehende Berlautbarung der amtlichen deutsch nationalen Presse stelle: Durch die deutsche Provinzpreffe geht immer von neuem wieder die bereits einmal dementierte Nachricht, daß ,, die Deutschnationalen erstreben, mit den englischen Ronservativen in Berührung zu kommen, und daß führende Mitglieder der Partei sich demnächst zu diesem Zwecke nach England begeben wollen". Tatsächlich sind folche Reisen bisher weder unternommen noch beabsichtigt. Da aber der Berliner Berichterstatter der„ Times" diese Nachricht herausgegeben haben[ o11, scheint uns in gewiffen englischen Krelsen ein Jntereffe an solchen Reifen deutschnationaler führender Personlichkeiten und an persönlicher Fühlungnahme mit ihnen zu bestehen. Wir glauben dieses Interesse, falls es besteht, als Erfolg der FestStellung würdigen zu dürfen, die der Abgeordnete Hergt in seinen legten Reden machte, nämlich, daß nach der Regierungsübernahme in England durch die Konservativen auch in Deutschland eine parallèle Politik erforderlich sei, d. h., daß die Wahl des 7. Dezember die Deutschnationalen zur Regierung bringen muß. Das ist schon fein Versuchsballon mehr, sondern ein ebenso plumper wie würdelofer Anbiede rungsversuch. Weil der Berliner ,, Times" Berichterstatter ein Gerücht weiter verbreitet haben soll(!), wonach deutschnationale Führer nach England reisen möchten, dreht die deutschnationale Pressestelle den Spieß um und versucht, den Eindruck zu erweden, als liefen die Engländer Herrn Hergt nach! Das sei sogar ein Erfolg der Reden Hergts und deshalb müsse man am 7. Dezember deutschnational wählen!! Wenn in Deutschland Lächerlichkeit töten würde, dann betämen die Deutschnationalen feine einzige Stimme. Aber menn fogar ihre Führerschaft fein Gefühl für Würde nnd Befchmad befigt, wie foll man sich darüber wundern, daß ihre Anhänger an diesem grotesten Anbiederungsversuch feinerlei Anstoß nehmen? Worum es geht. Die Verteilung der Laften. Bürgerblod oder Sozialdemokratie ist die Wahlparole und bleibt es. Die Deutsche Boltspartei tämpft trotz aller Stresemannschen Phrasen um dieselbe Entscheidung: Wer soll die Lasten tragen? Die Beit" veröffentlicht eine Schluß betrachtung zum Parteitag der Volkspartei, in der es heißt: üblich gewesene unpraftis zu machen. Die Bajonette sind wirklich das, was sie immer waren und was die Generäle der ganzen Welt heute werden: nämlich altes Eisen". Eine Rompagnie marschieren. der Soldaten mit Trommeln, Pfeifen und der ganzen burlesfen Masterade ist heute so anachronistisch lächerlich, wie eine Boftfutsche neben dem Zeppelin Nummer 3. Es sieht aus wie ein Karnevalszug, wenn hundert arme Rerle mit Schießprügeln vorbeidefilieren. Was sollen fie? Ein fleines häuflein explodierenden Giftes und sie sind dahin. Der kleine schwächliche, für den Militärdienst ,, untaugliche" Chemifer im Laboratorium ist stärker als eine Armee bärenhafter Menschen. Die förperliche Kraft ist dorthin verbannt, wo sie hingehört: in den Ring", in den Zirkus, in den Sportpalast. So fürchterlich die Giftgafe auch sind, sie stellen die verdiente Ueberlegenheit des menschlichen Geistes über die förperliche Kraft wieder her. Die Raserne ist im Sportpalast zu Hause und heimatsberechtigt. Die Generäle follten beffere Bogmanager werden. Wenn es noch Kriege geben wird diese Soldaten werden sie nicht mehr entscheiden. Mit Bajonetten kann man einzelne töten, aber nicht die Geschichte Mit Bajonetten kann man einzelne töten, aber nicht die Geschichte aufhalten. An dem Tage, an dem das Lewisith" erfunden wurde, fant die Gewehrfugel zur geringen Bedeutung des Rizinusöls herab. " " Diese Diftatoren darin glich Mussolini dem Ludendorff waren auf Rizinusöl" eingestellt". Sie sprechen von Mannesmut"," Säuberung". fühn"; fie operieren mit Begriffen aus dem Nibelungenlied, fie wollen alle eine Art Siegfried" darstellen, der doch nur mit Lindwürmern gefämpft hat und der gegen Lewisith" nichts ausgerichtet hätte. Giftgase find feine Lindwürmer. Das zwanzigste Jahrhundert ist nicht das sechste. Der. Säbel ist ein Schürhaken, das Bajonett ist ein Hacmeffer, der General in Barade fieht aus, wie ein Reflameartikel der Helm ist ein unpraftisches Geschirr für hygienische Zwecke, die Orden sind eine Art Kubschellen für Alpendörfer, die Militärmusik ist am besten für Karussells zu verwenden. Und die Diftatoren find pleite. Tempo. Bon Ivem Hoe. Ein reicher Getreidehändler in einer fleinen westdeutschen, Stadt mar entschloffen, Jeine Tochter, der er alle Zeit feine herzlichkeit gewidmet hatte, nur mit dem tüchtigsten Mann in der Gemeinde zu verheiraten. Um den Tauglichen von vornherein zu erkennen, wandte er die folgende Methode an: Er lub den Bewerber zum Mittagessen ein. Stand dann die Schüffel dampfender Suppe auf dem Tisch. fragte er wie im Scherz:" Was ist leichter erträglich? Bu heiß oder bu talt?"- Der erfte, den er in diese Falle lockte. antwortete: Bu heiß! Denn die Hige tann ich verdampfen laffen. Aber eine falte Schüssel ist nichts ohne Küche und Herd."„ Bravo," sagte der Gastgeber. Aber am Ende gab er dem jungen Manne lächelnd die | ,, Gegenwärtig ist mit den Sozialdemokraten wegen der Finanz- und Wirtschaftsprobleme, die zu lösen sind, eine 3usammenarbeit nicht möglich. Das ist die taktische Umstellung gegen früher, die durch die Haltung der Sozialdemokratie notwendig geworden ist. Der Kern der Politik bleibt derselbe: Die Mitte marschiert unter Anziehung der arbeitswilligen Kräfte, wo sie sich bieten. Die taftische Loge macht zurzeit den Anschluß der Rechten notwendig und möglich. Die Demokraten lehnen ihn prinzipiell ab, und verstoßen damit gegen die Grundsätze der Demokratie." Mit den Sozialdemokraten ist eine Zusammenarbeit nicht möglich. Warum? Die Sozialdemokraten sind für gerechte Berteilung der Steuerlasten, die Volkspartei für Begünstigung des Besitzes. Die Sozialdemokratie ist für eine rationelle Produktionspolitik, die die menschliche Arbeitskraft als Produktionsfattor schüßt und schont, die Bolkspartei ist für ihre rücksichtslose Ausbeutung. Die Sozialdemokratie will den Achtstundentag. die Bolkspartei verlängerte Arbeitszeit, die 12- Stunden- Schicht für die Arbeiter in den Kokereien. Die Sozialdemokratie will ausreichende Entlohnung, die Volkspartei Lohndruck. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemo traten nicht möglich, notwendig aber der Anschluß an die Deutschnationalen, die mit der Volkspartei gemeinsam die Laften des Londoner Abkommens auf die Schultern der partei verschweigen wollen. Ein Dukend Zeilen der Zeit" verraten, was drei lange Reden vor Stresemann und ein langer Wahlaufruf der Bolkspartei verbergen wollen. Es geht darum, ob der Besitz blod oder ob soziale Gerechtigkeit in Deutschland herrschen soll. die Das Reparationskonto. Die Einnahmen und Ausgaben des Generalagenten. Der Generalagent für Reparationszahlungen, S. P. Gilbert, hat einen offiziellen Bericht über die Einnahmen und Ausgaben im September und Oktober veröffentlicht. Danach betragen die Einnahmen während diefer belten Monate 169 712 577 01 Goldmar!, Deutschland hat Ausgaben 143 079 431,59 Goldmark. nahmen während diefer belten Monate 169 712 577 01 Goldmart, 69 Millionen bar gezahlt. Die nächftgrößte Einnahme von ungefähr 30 Millionen stammt aus dem englischen Recowary- Act; soviel bringt, die britische Steuer auf die deutsche Ausfuhr. Die Einnahmen aus der französisch- belgischen Eisenbahnregie, die also hier auf Reparafionskonto gerechnet werden, betragen 23 m lionen. Un England wurden für Lieferung von Farbstoffen, chemischen Produkten, ferner für Besatzung fosten und für Kosten, die aus dem Rheinlandabfommen entstanden sind, sowie für den Reparations- Recovaryfet 37 951 633,91 m. bezahlt. Frankreich hat für Sachlieferungen ( Kohlen, Chemikalien, Düngemittel, Farbstoffe ufw.) 60 841 570,66 Mart befomm- n. 3fallen erhelf für Sachlieferungen usw. 13 363 330,04 m., Belgien für ähnliche Zwede 15$ 19 437,95 m. Schließlich bekam Japan für Farbstoffe 2237,25 m. Für die verschiedenen intet alliierten& ommissionen wurden folgende Zah'ungen geleistet: Reparationsfommiffion Rheinland emmiffion Militärkontrollfommission Marinetontrolltommiffion Afonto ahlung für Verwaltung des Bureaus des Generalagenten Die Sachlieferungen. 99 1747 900 90 m. 2 500 000, 2 000 000,-. 70 000, 207 205,38 Die gegenwärtig in Paris geführten Sachlieferungsverhandlungen werden noch geraume Zeit tauern, da eine ganze Rihe schwieriger Fragen zu erledigen ist, für deren Entsche dung unter Umständen ein Schiedsrichter bemüht werden muß. Bei rem für den deutschen. Bergbau überaus wichtigen Rohleniieferungsprogramm, durch das die großen Schwankungen in den Kohienanforderungen beseitigt werden sollen, läßt sich nach dem„ Soz. Pressedienst" auf französischer Seite Berständnis und Hand und ließ niemals mehr von sich hören. Der zweite, den er auf diese Weise befragte, gab zur Antwort:" Beides ist unerträg ich: Bu heiß und zu falt! Ich haben einen empfindlichen Magen. hm ging es nicht anders als dem erften. Der britte hingegen war Hände und rief: Hallo, ist das Essen schon fertig?"" Nanu?" ein Sonntagsfind. Schon als er die Stube betrat, flappte er in die sagte der Alte. hob den Deckel von der Terrine und schaute hinein. Ich habe teine Beit," gab der Freier zurüd und „ Du bist nicht schlecht," fogie der Bater, aber nun mußt du dich doch ein wenig gedulden, denn die Suppe ist noch so heiß, daß sie zu dampfen ver. gißt."- hallo", lachte der Junge, das wollen wir friegen." Und griff zur Wafferkaraffe und goß fie über der Suppe aus.„ So," fagte er, u talt ist besser als zu heiß. Ich habe feine Zeit über dem Tellerchen Wind zu machen! Her damit! Eine neue Bortion!" Und er war schon bei der dritten Portion. Und der Alte sprach:" Bravo, Herr Schwiegerfohn!" beras Tragödie von der Kindesmörderin endet mit Glocken. Strindbergs Kronenbraut" im Schiller- Theater. Strinb. geläut und Begnadigung. Das junge Mädel, das nicht mehr aus und ein wußte, wird freundschaftlich im Himmel aufgenommen. Es wird ihr die gleiche Barmherzigkeit zuteil, die Strindberg für sich felber erwinselte, als er fein Greifenalter durch Gewiffensbisse und Frömmigkeit quälte. Dieses melodramatische religiöse Spiel, einem fehr gepreßten Herzen abgerungen, zehn Jahre bevor der Dichter zur Sterblichkeit auswanderte, tann nicht immer gefallen, weil der Dramatiker sich zu eifrig am Dogma hält. Er zerhämmert sein eigenes Herz mit Leidenschaft, aber die Worte feiner Beichte brücken feit und 3orn die Folge find. Der Zorn richtet sich geradeaus gegen so schwer auf das Gehirn des Hörenden und Schauenden, daß Müdig ben Moralisten, der so zelotisch mit allen Schwächen des Menschen umfpringt. Sonft aber ist es trotzdem staunenswert, wie Wald und Wind, alle Naturwunder, alle Crdenalltäglichkeit, aller Jammer, after Eigenfinn, aller Saß, alle Liebe, alle nervöse Empfindsamfelt, furz, eine unermeßliche Weit der Sinne und Ueberfume auch in dieses Stück hineinström en. Es war nur schade, daß der Negiffeur Realistit mit ziemlich ordi nären Mitteln, mit beleuchteten Requifiten, mit gefpenftisch ver größerten oder verkleinerten Men chen, mit der rollenden Bühne, furz mit allem Theatertomtam dieses Traumftüd aufführen wolte. Der Regisseur und der Bühnenmaler waren nicht sehr erfinderisch. Es entfernten sich von ihrer Armut mit Glüd die Kindesmörderin, dargestellt von Fräulein Gerda Müller, der Repräsentant der Gerechtigkeit, die zugleich stroft und vergibt, verförper durch Herrn George, und der jugendliche Ba er des Sündenfindes für den Herr Kaiser ein gefühlvoller, überschwänglicher Schauspieler war. Schwedische Bauern follen auf der Bühne stehen, grobgeschnitzte Menschen mit schweren Bewegungen und mit schweren Zungen. Diefes Edige, dieses trotzdem ganz start aus der Seele Kommende gelang den drei Hauptakteuren. Gerba Müller ist noch niemals fo natürlich gemelen, wie an diesem Abend, da sie das Mitleid für die bäuerliche Kindesmörderin nordi chen Blutes zu wecken hare. M. H. Mu'eums füntung. Sonntag, den 16., 11 br: Führung durch die Abgußsammlung griechischer Bildwerte in der Universität, Dorotheenftraße.( 50 31.) Entgegenkommen feststellen, so daß in der grundsäßlichen Frage mit einer Einigung gerechnet werden tann. Baldige Klarheit über ein Mindestprogramm in der. Kohlenlieferungsfrage wäre auch im Hinblick auf die Lohnverhand lungen der Bergarbeiter erwünscht, da ein solches, mindestens drei Monate, womöglich eber ein halbes Jahr umfassendes Programm in de Arbeits- und Abfazverhältnisse mehr Stetigkeit hineinbringen würde. Trendelenburg erstattet Bericht. TV. teilt mit: Das Reichsta binett bielt gestern mittag eine eigung ab, in der der Leiter der Telegation für die dentid franzöfifchen Wirtschaftsverbandlungen, toate feiretor Er. Tren delenburg, der vorgestern abend aus Paris hier eingetroffen ift, über den bisherigen Verlauf dieser Verhandlungen und die dabet zutage getretenen wierigkeiten Bericht erstattet. Wann wird Fechenbach frei? also nicht den Tatsachen. Ein Abendblatt berichtet in sensationeller Aufmachung von einem bevorstehenden Schritt des Reichstanzlers bei der bayerischen Regierung zweds Revision des Verfahrens gegen Fechenbach Fedyenbad) wurde seinerzeit vom Münchener Boltsgericht zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Sozial demokratische Partei hat sich im Reichstag wiederholt für eine Wiedergutmachung des an Fechenbach begangenen Justizver brechens eingesetzt. Da es aber eine Revision eines von bayerischen Belksgerichten gefällten Urteils nicht gibt, kann die Wiedergutmachung nur auf dem Wege der Begnadigung oder auf gefehmäßigem Wege geschehen. In dem einen Fall ist die bayerische Regierung, im anderen der Reichstag zuständig. Wie wir erfahren, ist der Reichskanzler aus diesen Gründen nicht in der Lage, im Fall Fechenbach einen Schritt zu unternehmen, der Aussicht auf Erfog hätte. Die Nachricht des Abendblattes entspricht Wir müssen gestehen, daß wir es außerordentlich bedauerlich finden, wenn die Reichsregierung nicht imftande ist, in dieser Angelegenheit ihren Einfluß auf die bayerische Regierung geltend zu machen. Es ist nicht anzunehmen, daß es der Reichsregierung an cutem Willen fehlt. Aber wenn das der Fall ist, dann sollte man aanehmen, daß es der Reichsregierung bei dem so oft betonten guten Einvernehmen mit Bayern nicht schwer fällt, die bayerische Regierung zu bewegen, ein Gebot bes Anstands zu erfüllen. Unter der Bucht des Materials, das die sozialdemokratische Frattion beibrachte, hat sich feinerzeit der Reichstag fast einmütig für die Freisprechung Fechenbachs eingesetzt. Der bayerische Gesandte, Herr v. Preger, gab tamals eine Er. flärung cb, die pan. allen Bartelen fo aufgefaßt wurde, daß die bayerische Regierung bereit fei, das Unrecht an Fechenbach zu fühnen. Nur unter dem Einbrud dieser Er tärung unterließ der Reichstag eine entscheidende Aktion. Bayern Pärung unterließ der Reichstag eine entscheidende Aktion. Bayern hat das von Herrn Prezer gegebene Bersprechen nicht gehalten, hat das von Herrn Prezer gegebene Bersprechen nicht gehalten, und als auch der legte große Begnodigungsaft der bayerischen Regierung sich nur auf rechts difale Streise bezog, fonnte es feinem 3weifel unterliegen daß die Erklärung Pregers lediglich ein hinterhältiger Schachzug der bayerischen Re. gierung war, um eine Aftion zugunsten Fechenbachs zu verhindera. Immerhin. feltdem hat sich in Bayern allerhand verändert und an die Etelle des Ministeriums Knilling ist das Ministerium fret d getreten. Herr Held weifte erft fürzlich in Berlin, um dem Reichstanzler einen der berühm: en bayerischen Wunschzettel zu über. reichen Keine Landesregierung tritt so häufig an das Reich mit Bünschen heran als die bayerische. Und das Reich sieht sich außer stande, feinerseits mit Wünschen an die banerische Landesregierung heranzutreten? Eit neftes Einvernehmen, das sich darauf beschränkt, Bayern Konzeffionen zu machen, ohne es dazu bewegen zu fönnen, den Willen des Reiches und die primitivsten Gebote der Mensch lifeit zu erfüllen. Hat das Reich überhaupt noch einen Willen, wenn es sich um Bayern handelt? Auch das muß anders werben nach den Wahlen! Dentt an Fechenbach am 7. Dezember! 21 Deutsches Volkslied. Bon Klabund. Es brauft ein Ruf wie Donnerhall, Daß ich fo traurig bin. Und Friede, Friede überall. Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Raifer Rotbart im Kyffhäuser faß An der Wand entlang, an der Wand. Wer nie sein Brot mit Tränen aẞ. Bist du, mein Bayernland. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Ich rate dir gut, mein Sohn! Urahne, Großmutter, Mutter und Kind Bom Roßbach- Bataillon. D felig, o felig, ein Kind noch zu sein Bon der Wiege bis zur Bahr'! Mariechen faß auf einem Stein, Sie tämmte ihr goldnes Haar. Sie fämmt's mit goldnem Ramme Wie Biethen aus dem Busch. Sonne, bu flagende Kamme: Husch! Husch! Der liebe Gott geht durch den Wald Bon der Etsch bis an den Belt, Das lufta es zum Himmel Ichallt: Fahr wohl, du schöne Welt! Der schnellste Reiter ist der Tod Mit Junnheidi un Junrheida. Stolz weht die Flagge fchwarzme krpt. Hurra, Germania! Am IV. Ronzert der Boltsbühne am beutigen Sonntag, mittags % 12 Uhr, im Theater am Bülow plat gelangt burch die Kapelle der Staatsoper unter Beitung von Kapelline ter Georg Szel! Schuberts Ouvertüre zur Zauberharse"( Rosamunde) und Tichaitowffys Sinfonie Nr. 5 zur Aufführung. Konzertmeister Josei Wolfsthal spielt Mendelssohns Violinkonzert. Karten an der Mittagstaffe Staatsoper. Auf behördliche Anordnung muß die für den Bus tag tm Opernhaus ursprünglich vorgesehene Tannhäuser"-Aufführung unter bleiben. Es finden am 19. d. M. fotohl im Opernhaus wie in der Oper am Königsplay Sonzerte fiatt. Michael Bohnen fingt am Dienstag, ben 18. b. M. fi der Oper am Röntaaplah be Rezal in ber Verlauften Braut". As Butterfly with am 21. b. M die japanische Sängerin Teito ita erfimalig in Berlin auftreten. Der polnische Nobelpreisträger ertranft. Der Dichter en stort, ber ben. Nobelpreis für Literatur erhalten hat, ist.io.frant has alle Glückwunschfundgebungen bisher unterbleiben mußten. Siegfrieds Angst vor dem fremden Gaul. 3 Wilhelm II. als Selbstmordfandidat. Der Chefredakteur des„ Berliner Tageblatts", Theodor in Tanger eingefegt"? Eindringlich erinnerte er den Reichskanzl wolff, vereffentlicht dieler age im Ber ag für Kultur- an diese Begebenheit und an die Gefahren, von denen in politit" ein Buch:" Das Bor piel", in dem er die schnelle Tanger sein Leben bedroh:(?) gewesen sei:„ Ich bin Ihnen zuEntwicklung der wilhelminischen Alera von der byzantinischen liebe, weil es das Baterland erheischte, gelandet, auf ein fremdes Scheingröße zum völligen Zusammenbruch schildert und be- Pferd(!! Red. d. B.") troß meiner durch den verfrüpp: Iten fin. gründet. Wie uns mitgeteilt wird, stützt sich dieses Wert, fen Arm behinderten Reftfähigkeit gestiegen, und das Pferd hätte das im Gegensatz zu den Bollendeten Tatsachen" teine mich um ein Gaat ums Leben gebracht was Ihr Einfah war! Ich Wiedergabe früherer T. W.- Artikel, sondern eine völlig neue ritt mitten zwischen den spanischen Anarchisten durch, politisch- geschichtliche Arbeit darstellt, auf eine ganze Anzahl weil Sie es wollten und Ihre Politit davon profitieren sollte, und bisher unveröffentlichter Dokumente, insbesondere Kaiser jest wollen Sie mich, wo ich tas alles und, wie ich zuversichtlich und Bülow Briefe. glaubte, noch weit mehr für Sie getan, einfach fahren lassen, weil meine Situation Ihnen zu ernst erscheint!! Aber Bülow, das habe ich nicht um Sie verdient! Nein, mein Freund, Sie bleiben im Amt und bei mir und werden mit mir gemeinschaftlich weiter arbeiten ad majorem Germaniae gloriam( 3um größeren Ruhm Teutschlan s." Red.). Fie sind mir hurch meine diesjährige Berwendung ja geradezu verpflichtet. Sie können und dürfen mir nicht versagen, damit wäre Ihre ganze eigene diesjährige Bol fit von Ihnen selbst desavouiert und ich auf ewig blam ert! Was ich( in dem Br'efe unterstrichen) nicht überleben tann." Ein Poststriptum besagte:„ Der Morgen nach dem Eintreffen Ihres Abschiedsgefuches würde den kalfer nicht mehr am Leben treffen," und die verzweifelte Mahnung:„ Denten Sie an meine arme Frau und die verzweifelte Mahnung:„ Denten Sie au meine arme Frau und meine Kinder!" bildete den melodramatischen Schluß. Aus dieser Neuerscheinung fei hier ein Abschnitt wieder gegeben, der schon deshalb von hohem Interesse ist, weil er das Bild des Ung ücsmenschen vervollständigt, der zum Leidwesen seiner Zeitgenossen auf Deutschlands Thron jaß. Hier tritt Wilhelm II. in einer ganz neuen Rolle auf, nämlich als Selbstmordkandidat! Die Dinge spielen in der Zeit nach der Rusammenfunft Wilhelms II. mit dem 3aren in Björtö. Dort hatten die beiden Monarchen ein Defensivbündnis vereinbart, dessen Entwurf vom Reichstanzler Fürsten Bülow ausgearbeitet worden war. Doch hatte der Kaiser auf eigene Foust zwei Worte eingeschaltet, die den ganzen Sinn des Bertrages auf den Kopf ftellten und ihn für Deutschland völlig wertlos machten. Das Bündnis sollte nämlich nur für Europa" gelten, wodurch Es wäre vielleicht ad majorem Germaniae gloriam im Falle eines englischen Angriffes auf Rußland Deutsch beffer gewesen, menn Bülow sein Abschiedsgesuch doch einfand sich mit seiner ganzen Macht Rußland zur Verfügung gereicht, zugleich aber alleruntertänigst S. M. in eine An= stellen sollte, während im Falle eines englischen Angrifies a ufit alt hätte bringen lassen, ähnlich wie manche seiner fönigDeutschland die Bündnisverpflichtungen Rußlands nur lichen banerischen Better. Aber auch dann wäre feineswegs platonischen Charakter gehabt hätten: denn ein ruffisch- ficher gewesen, daß Deutschland vor weiterem Schaden bewahrt englischer Strieg konnte abgesehen vielleicht von einigen belang geblieben wäre, denn der Thronfolger hatte amar gefündere dern nur in Asien, in den russisch- indischen Grenzgebieten, wasser. Diese Erwägung mag Bülow veranlaßt haben, sein lofen Operationen an der Murmantüste, nicht in Europa, fon- Nerven, aber schwamm damals völlig im aldeutschen Fahr wirksam geführt werden. Aber der wilhelminische Dilettantis. Entfalfunasaefuch nicht einzureichen. land praktische Nugen des Bündniffes ausgeschaltet wurde. mus hatte es glücklich erreicht, daß diefer einzige für Deutschdie diplomatischen Eigenmächtigkeiten feines taiferlichen Herrn Der Reichskanzler lehnte es ab, die Verantwortung für zu übernehmen und reichte, wie erst viel später befannt wurde, fein Entlassungsgesuch ein. Dazu schreibt Theodor Wolff: Tanger zu landen, daß er von seiner Umgebung förmlich dazu Daß Wilhelm II. sich nur äußerst schwer dazu entschloß, in innerungsbücher( Hamann, Riderlen- Waechter) bereits bekannt. gezwungen werden mußte, ist richtig und durch frühere Er Nun dachte man bisher, daß sein Widerstand gegen den *** Tanger- Besuch auf wichtige politische Gesichtspunkte zurückzuführen war, vielleicht auf die Erkenntnis der diplo matischen Berwicklungen, die dieser Streich unvermeidlich nach fich ziehen würde. Wahrscheinlich ruht in verschloffenen Archiven und feft verwahr ten Hoffruhen fein ährliches Schriftstück wie der Brief, in dem Wilhelm II. am 11. Auguft 1905 den wohl nicht unbedingt amtsmüden Fürsten Bülow anflehte, neben dem Throne auszuharren. Der Brief wurde in Wilhelmshöhe geschrieben und feine Existenz blieb natürlich, wie das Demiffionsgefuch Bülows und bie ganzen Vorgänge in und um Björkö, dem Volfe verborgen, Auswärtigen Amtes fond. bis man ihn, gut aufbewahrt, zwischen den anderen Papieren des " Reichsfangler, nur vorzuarbeiten und zu helfen versucht. Wilhelm II. fagte in dem Schreiben. er habe ihm, dem gesch dt. Bom besten, intimsten Freunde, den ich habe, fo behan Da habe der Fürst ihm ein paar tühle Zeilen" und feine Entlaffurg deli zu werden, ohne Angabe eines stichhaltigen Grundes, das hot mir einen solchen fürchterlichen Stoß gegeben, daß ich voll tommen zusammengebrochen bin und befürchten muß, einer schweren Nerventrantheit anheimzufallen." Er be fchwor den Freund, ihm das nicht anzutun: Ihre Betfon ist für mich und unser Baterland 100000 mal mehr wert als alle Verträge der Welt..." Ich habe sofort beim Sta ser ( von Rußland) Schrtite getan, die biefe beiden Worte abschwächen oder eliminieren sollen." Habe ihn nicht Bülow gegen seinen Willen Unsere Kandidaten. Hannover. Hannover, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Nom Be girtsparteitag der SPD. Hannover- Braunschweig wurden entsprechend einem Borschiage des Berliner Parteivorstandes mit einigen Ausnahmen die alten Kanditaten vom Reichstage wieder aufgestellt. Der Wahlvorschlag für die Reichstagswahlen in Hannover- Süd lautet. wie folgt: 1. Brey Hannover, 2. JunteBraunschweig, 3. Frau Bartelt Hildesheim, 4. Karsten, 5. Schiffer Göttingen, 6. Schaffner Hannover, 7. Grote. wohl hannover, 8. Lau Harover, 9. Sŋems, 10. BüchteHannover, 11. Bröhl- Hannover. 12. Men Hannover. Stade. = M 3 Der Vorschlag für die Reichstagswahlen Hannover Oft 1. Beine, 2. Nowad Harburg, 3. Frau Reese Hannover, 4. Thienst, 5. Röhler, 6. Rascheid Uelzen, 7. TeBloff. Der Borschlag für die Landtagswahlen in HannoverSüb: 1. Hartleib Hannover, 2. Telfer Hameln, 3. Frau Stephan Hildesheim, 4. Heinrich Müller Hannover, 5. Siari Müller- Hannover, Müller Hameln, 6. Schröder Osterode am Harz, 7. Böden Hildesheim usw. Borschlagsliste Hannover Ost: 1. Gehrmann, 2. Bran des, 3. Kröger, Wilhelm, 4. Teßloff. 5. Hempel, 6. Onten Uelzen. Ferner wurde folgender Antrag mit großer Mehrheit ange. nommen: Der Bezirksparteitag empfiehlt dem Parteivorstand und der Kommission für die Aufstellung der Landtagstifte den Genossen Beinert, den Vorsteher des Landians in Preußen, an aus. sichtsreicher Stelle auf die Landesliste zu sehen.' Obgleich die Genossen der Stadt Hannover Bedenken gegen diefen Antrag hegten, nahmen sie im teresse der Partei und eines guten Auftattes für den Wahlkampf von einer Aussprache Abstand und begnügten sich mit folgender Erklärung: Die Vertreter des Ortsvereis Hannover auf dem außerordentlichen Bezirksparteitag erklären zu dem Antrag des Bezirks vorstandes, den Genossen Leinert für die Landesliste zu empfehlen, daß sie diesem nicht zustimmen fönnen. Sie gehen damit fonform mit den Instanzen des Ortsvereins und müssen es ab.ehnen, fid; mit diesen in. Widerspruch zu legen. Sie erheben bagegen Protest und ersuchen den Bezirksparteitag, den Antrag abzuhnen." Trotzdem werden sie nach Annahme des Antrages sich mit voller Kraft dafür einsehen, daß die Einheit und Geschlossenheit der Partei gepahrt wird. Da der Ausfall der Wahlen eine Schicksalsfrage für das deutsche Profetariat ist und daher die Einfeßung aller Kräfte für einen erfolgreichen Wahiausgang unbedingtes Erfordernis ist. Aber nein! Jetzt erfährt man es von ihm selbst: es war die brei de Angst vor dem fremben Gaul und vor breiche fagenhaften spanischen Anarchisten( in Tanger!!), die den Heldenkaiser beherrschte. Im übrigen: Wer glaubt, daß Wilhelm wirklich jemals Selbstmord verübt hätte? Zum Selbstmord gehört immerhin etwas Mut. Und daß er einmal ein fremdes Pferd geriiten hat, der wird schon mer noch monatelang bei dem bloßen Gedanken bibbert, fördern. Wenn je Wilhelm einen Anlaß gehabt hätte, Selbstnicht die Entschlußtrast aufbringen, sich ins Jenseits zu be mord zu begehen oder wenigftens den Tod u fuchen, so doch in den Novembertagen von 1918. Aber selbst damals zog er es vor, den Weg nach Holland zu nehmen. zweiflungsstimmung, die heranwachfende Kinder in den Ru Diese Selbstmorddrohung trägt alle Merkmale jener Verbertätsjahren bei oft nichtigen Anlässen durchmachen. Sie ist ein neuer Beweis für die bereits ons Dubenden von Zeugniffen befannte Tatsache, daß Deutschland 30 Jahre lang von einem schweren Psychopaten regiert worden ist. völlig unhaltbar und die jetzt hinzugetretene weitere Berteuerung der Lebenshaltung erfordere eine sofortige Erhöhung der Renten. Weiter wird verlangt, daß die Unfallrenten erhöht werden, noch bevor der Reichstag zusammentrit. Die Erhöhung der gänzlich unzureichenden Scz'afrenten ist eine dringende Notwendigkeit. Wenn irgendwo für den Staat die moralische Pflicht der Aufwertung besteht, so gegenüber den Sezial rentrern, den hilflofen Opfern der Inflation. Nationalsozialistische Banditen. Nädelsführer der Stadtamtmann von Augsburg. der Hochblüte der Hitlerei in Bayern am 15. und 16. September 1923 München, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Auf dem in veranstalteten Deutschen Tag" in dem schwäbischen Städtchen Neuburg an der Donau verübten die Böllischen eine große Zahl von Gewalttaten gegen die Bevölkerung. Sie brangen in erster Linie schwerbewaffnet in Arbeiterhäusern ein, deren Bewohner ihnen als Sezialdemokraten derung ert worden den öffentlichen Demonstrationen gab es mehrere Schwerverießte. waren und mißhandelten die Insassen auf das schwerste. Auch bei nunmehr hatten sich vor dem Schöffengericht in Neuburg Statamtmann von Augsburg, Dr. Alois Frant. Sämt zwölf dieser Banditen zu verantworten, unter ihnen der liche Angeklagten schoben die Hauptschuld auf den mitangeklagten Raufmann Gieglitz aus Heilbronn, der vor einiger Zeit aus dem Gefängnis in Innsbrud, mo er megen eines Betruges eingesperrt war, ausbrach, aber gefaßt wurde. Die Verhandlung nahm zwei Tage in Anspruch. Das Urteil wird am 20. November verfündet. Weitere sporadische" Gewalttaten. Mailand, 15. November.( Eca.) Eine Gruppe von Zeitungs. jungen, die in Rom einen Protest der Invaliden verteilten. wurde von Faschisten überfallen. Es tam zu einem Zusam menstoß zwischen den Faschisten und den Führern der Invaliden, welche die Verteilung überwachten. Die Invaliden wurden gemalt. sam ins Parteilokal der Faschisten geschleppt und dort beschimpft und geprügelt. In Verona wurde ein Eisenbahner, der mit Frau und Tochter die Straße passierte, von Faschisten überfallen und geprügelt. Die Faschisten veranstalteten eine Demonstration vor dem Volkshaus, wobei sie gegen Eisenbahner und Invaliden, die ihnen begegneten, gewalttätig wurden. Ein Zwischenfall. Rom, 15. November.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend mittag ereignete sich ein 3 wifchenfall, als der russische Die unzureichenden Sozialrenten. Botschafter in Rom Mussolini einen Besuch abstattete. Ein Der Zentralverberib ber Arbeitsinvaliden fordert in einer Ein junger Faschist riß bei der Einfahrt des Au'omobils des Botgone an tas Reichsarbeitsministerium ehte fofortige Erfchafters in den Balazzo Chighi die fleine ruffische Flagge her. hung der Invalidenrenten um 100 Proz. Die im unter. Jun Seldstoffene Erhöhung von 13 aut 14 Mart fei auf die Dauer Der Täter wurde festgenommen. Mussolint Sprach dem Botschafter beim Empfang sein Be dauern aus. Gewerkschaftsbewegung Es bleibt bei dem, was wir jüngst schrieben: Das Gesetz| ber qualifizierteste Arbeiter und Handwerker einen Wochenverdienst über den Achtstundentag, wie die gesamte Sozialpolitit, wird von 39,36 M. Da es sich bei den Arbeitern der Elektrizitätswerke so ausfallen, wie die Wahlen ausfallen werden. Nur ein zum übergroßen Teil um Arbeiter handelt, die seit vielen Jahren im Sieg, ein glänzender Sieg der Sozialdemokratie, nur Betriebe beschäftigt find, ergibt sich daraus die außerordentliche Worte und Taten des Reichsarbeitsministers ein gänzliches Aufräumen mit allen Saboteuren. Um den Achtstundentag in den Bäckereien. ob sie nun rechts oder scheinbar ganz links stehen, nur eine Bom Zentralverband der Bäcker und Konditoren wird breite und geschloffene Front der Arbeiterschaft unter dem Banner des Sozialismus wird auch dem Achtstundentag zum uns geschrieben: Siege verhelfen. Diesen Sieg vorzubereiten, haben wir noch drei Wochen. Nugen wir fie! Das Sonderschutzgesetz für die Beschäftigten in den Bäckereien und Konditoreien bestimmt als tägliche Arbeitszeit 8 Stunden und verbietet die Arbeit an Sonn- und gefeglichen Feiertagen sowie in den Nachtstunden von abends 10 bis morgens 6 Uhr. Nach§ 14 der neuen Arbeitszeitverordnung blieb es bei diesen Bestimmungen: Für die Bäckereien und Konditoreien und die ihnen gleichgestellten Anlagen bewendet es bei der Verordnung über die Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien vom 23. November 1918." ( ,, Reichsgefehblatt" G. 1329.) Sehr verärgert darüber war das allzeit reaktionäre Unternehmertum in der Brotindustrie. Es bestürmte fortgefeßt die Reichsregierung und besonders den Reichsarbeitsminister, doch endlich auch die in der allgemeinen Arbeitszeit verordnung festgelegten Ausnahmen für die Bäckereien und Konditoreien zuzulaffen. Bei der Begründung ihrer rückschrittlichen Anträge waren die Herrschaften nicht wählerisch. Sie legten der Regierung dar, daß bei der Einführung der 48- Stundenwoche und der Streckung der täglichen Arbeitszeit bis 10 Stunden eine Senkung des Brotpreises ein treten würde, die in Anbetracht der wirtschaftlichen Notlage der Bevölkerung sicher von allen freudigst begrüßt wird. Das Reichsarbeitsministerium ließ sich durch die fortwährenden Anstürme erweichen und verordnete, daß ,, in den Bäckereien nach den Bestimmungen der neuen Arbeitszeitverordnung die 48- Stundenwoche zugelassen werde und durch tarifliche Vereinbarungen eine längere als die tägliche achtstündige Arbeitszeit festgelegt werden kann. Wo jedoch solche Vereinbarungen nicht zustande tommen, fann von den obersten Landesbehörden die verlängerte Arbeitszeit festgelegt werden." Nach dieser Verordnung finden also die Bestimmungen der§§ 1 und 5 der neuen Arbeitszeitverordnung auch für die Beschäftigten in den Bäckereien und Konditoreien Anwendung. Diese Anordnung der Berlängerung der Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien ist ungeseglich, denn nach der Verfassung ist kein Minister berechtigt, ein Gesetz auf dem Verordnungswege abzuändern oder gesetzliche Bestimmungen außer Kraft zu setzen. Zu dieser rechtlichen Frage tritt noch die wirtschaftliche Seite hinzu. Ausgerechnet in einer Zeit fühlt sich der Reichsarbeitsminister verpflichtet, eine Verschlechterung des Päckerschutzgesetzes durch Verlängerung der Arbeitszeit anzuordnen, in der nach der amtlichen Statistik über die Frequenz an den Arbeitsnachweisen ermittelt wurde, daß über 12000 Bäder und Konditorengehilfen arbeitslos sind. Die Unternehmer machen sich bereits die ministerielle Anordnung zu Nutzen und fündigen überall die mit der freien Gewerkschaft vereinbarten Tarifverträge, um die Möglichkeit einer Arbeitszeitverlängerung zu erreichen. Die gewerkschaftliche Organisation der Bäcker und Konditoren rechnet in allen Fällen auf die tatkräftige Unterstützung der organisierten Arbeiterschaft zur Abwehr des Brot wuchers und den Raub auf den Achtstundenta g. ** Hier ist wieder einmal mit handgreiflicher Deutlichkeit zu erfennen, was von den schönen Versprechungen vor den Wahlen des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns zu halten ist. So sieht die Rückkehr zu dem Don Dr. Brauns abgebauten Achtstundentag aus! Neuer Import echter Perser Teppiche und Brücken Vorzügliche Qualitäten vorteilhaften freisen 21 srael Um die Beamtengehälter. Bei den Spikenorganisationen der Beamten ist jetzt die amtliche Mitteilung eingegangen, daß das Reichsfinanzministerium am Donnerstag, den 20. November, die Verhandlungen mit den Ber tretern der Beamtenverbände über die Besoldungserhöhung aufnehmen will. Gerüchtweise verlautet, daß an eine Aufbesserung der unteren Beamten um 10 Proz. gedacht sei. Es handelt sich hierbei lediglich um Kombinationen, die in Anlehnung an die durchschnittliche Aufbesserung der Eisenbahner um 9 Proz. entstanden sind. Die Verhandlungen über Erhöhung der Löhne bei der deutschen Reichspoft mußten abgebrochen werden, da bisher eine Verständigung nicht zu erreichen war. Die Zugeständnisse der Verwaltung wurden von den Bertretern der Arbeitnehmerorganisationen als unzureichend und als nicht genügender Ausgleich für die eingetretene Teuerung bezeichnet. Berwaltung und Arbeitnehmervertreter vereinbarten schließlich eine Vertagung der weiteren Verhandlungen auf Freitag, den 21. November. Der Reichspoftminister Dr. Hoefle wird dann wieder in Berlin sein. Die Lohnempfänger bei der Reichspoft find im wesentlichen die Telegraphenarbeiter. Lohnbewegung der Elektrizitätsarbeiter. Drohender Streit in den Elektrizitätswerken. Eine überfüllte Versammlung der Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerte A. G. nahm am Donnerstag Stellung zu dem Lohnverhandlungsergebnis mit der Direktion. Auf Beschluß der Funktionäre ist das bisherige Lohnabkommen zum 7. November ge kündigt worden. Neue Anträge, die an der Sp ze einen Stundenlohn von 90 Pf., in Gruppe 5 65 Pf. forderten, sind der Direktion überreicht worden. Am 13. November fanden die Verhandlungen statt. Die Direktion lehnte jede Lohnerhöhung ab. Sie verzichtete darauf, als Ablehnungsgrund die finanzielle Lage des Unternehmens ins Feld zu führen.( Die finanzielle Situation ist eine glänzende; die Löhne spielen im Etat der Elektr zitätswerte eine untergeordnete Rolle.) Die Ablehnung wurde hauptsächlich damit begründet, daß das Unternehmen Rücksichten" zu nehmen habe. Des weiteren, daß in der letzten Zeit die amtliche Meßzahl keine Veränderung erfahren habe. Den Bericht in der Versammlung gaben Scharf, vom Verband der Maschinisten und Heizer, und Polenske, vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Die augenblicklichen Löhne bewegen sich zwischen 55 und 76 Pf. an der Spike. Hierzu kommt eine Familienbeihilfe von 2 bzw. 4 Bf. pro Familienmitglied. An Hand von Lohntabellen der Berliner Industrie tonnte nachgewiesen werden, daß diese Löhne von einem großen Teil der Berliner Industrie und vom Handel erheblich überholt sind. Besonders interessant waren die Gegenüberstellungen der Löhne mit den Gehältern der unteren Beamten und Angestellten( von den Gehältern der oberen Beamten gar nicht zu reden). Bis vor einem Jahr bewegte sich das Einkommen der Arbeiter etwa in gleicher Höhe wie das der Angestellten und Beamten der Besoldungsgruppe 1 bis 5. Zurzeit liegen die Verhältnisse so, daß der Angestellte der Gruppe 2 einen Anfangs. John von etwa 30 M., einen Endlohn von etwa 41 m. erhält. Demgegenüber beträgt der Lohn des ungelernten Arbeiters 33,12 M. Der Angestellte der Gruppe 3 hat im Anfang 35 M., im Endlohn 43,40 m., der angelernte Arbeiter 35 M. Die Angestellten der Gruppe 4 beziehen ein Anfangswocheneinkommen von rund 38 M. und einen Endlohn von etwa 51 M. Der ihm gleichzustellende Arbeginnt mit 45,18 M. und endet mit 55,65 M. Demgegenüber erhält Burücfeßung des Handarbeiters gegenüber dem Kopfarbeiter, wobei durchaus anerkannt wird, daß die Gehaltsgruppe 1 bis 5 in ihren Bezügen durchweg unter den Lebensnotwendigkeiten bleiben. In der überaus lebhaften Diskussion, die sich an den Bericht an schloß, wurde das Verhalten der Direktion auf das schärfste verurteilt. Die Versammlung beschloß, im Augenblick von der Anrufung der Schiedsstelle Abstand zu nehmen und übertrug die Weiterführung der Lohnbewegung dem Funktionärtörper. Mehrere aus dem Betriebe vorliegenden Resolu tionen, die die ablehnende Haltung der Direktion auf das entschiedenste verurteilen und es den Organisationen zur Pflicht machen, mit allen, evtl. auch mit den äußersten gewerkschaftlichen Mitteln, die Lohnbewegung weiter zu führen, wurden einstimmig angenommen. Gleichzeitig beschloß die Verfammlung eine Sympathiefundgebung für die streikenden Hochbahner. Auch in den Privat- Elektrizitätswerken kriselts. Am Freitag tagte eine Konferenz der Funktionäre der Groß Berliner Elektrizitätsmerte, die dem Arbeitgeberverband der Eleltrizitäts-, Gas- und Wasserwerte der Provinz angeschlossen sind, in der Reinefeld vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer über den Stand der Lohnbewegung berichtete. Die Konferenz nahm einen sehr stürmischen Verlauf, und zwar, weil eine schriftliche Einladung zur Berhandlung zum Freitag an demselben Tage tele= phonisch abgesagt wurde, mit der Begründung, daß einzelne Herren der Werte verhindert seien und die übrigen erflären müßten, abschließende Vollmachten nicht zu haben. Einstimmig wurde das Verhalten des Arbeitgeberverbandes verurteilt, der die Lohnverhandlung von Woche zu Woche hinzog, so daß es bis zum heutigen Tage noch nicht zu einer Verhandlung gekommen ist. Die Arbeiter empfinden dies als eine Brüsfierung und forderten die Bertreter der Gewerkschaften auf, turzerhand in den Kampf au treten. In später Abendstunde gelang es den Vertretern der Gemertschaften, einen Antrag gegen eine starke Minderheit zur Annahme zu bringen, der besagt, daß der Zentralverband der Maschinisten und Heizer beauftragt wird, auf fofortige Verhandlung zu drängen, und daß es einer sofort einzuberufenden Vollversammlung überlassen bleiben foll, zu beschließen, ob überhaupt die tariflichen Schlichtungsinstanzen anzurufen sind. Einmütig fam zum Ausdruck, daß die Art, wie man den gerechten Wünschen der Arbeiter in der letzten Zeit Rechnung getragen hat, auf die Dauer un erträglich ist. Besonders die Tätigkeit der unparteiischen Vorfizenden wurde einer scharfen Kritif unterzogen. Man habe es fatt, deren„ Unparteilichkeit" weiter über sich ergehen zu lassen. Wir glauben, daß die Einwohnerschaft Groß- Berlins ein großes Interesse an der ruhigen Fortführung der gesamten Elektrizitätswerte Berlins hat. Soll dieses geschehen, ist sowohl der Arbeitgeberverband, wie auch die Direktion der Berliner städtischen Elektrizitätswerte verpflichtet, den in diesen wichtigen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmern eine Lebenseristenz zu ge währen, die den wirklichen Teuerungsverhältnissen entspricht. Der Abwehrstreit der Lackierer in der NAG. ist mit Erfolg 6è endet. Die Arbeitsaufnahme erfolgt Montag früb. Berband der Maler. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politif: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski: Lofales und Sonstiges: Friz Karstädt: Anzeigen: Th. Glode. sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Vaul Ginger u Co. Berlin SW 68 Linden fraße 3. 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Kaffeegedeck weiß m. farbigen Kanten, 125 160 cm mit 6 Servietten..... 6.85 Wäschestoffe für Leib- und Bettwäsche Madapolam ca. 80.55 80cm M 0.65 Hemdentuch starkfädig Köperbarchent 0.85 Linon kräftige Qualität 80 cm Mtr. 80 cm cm 0.85 130 1.50 Haustuch für Laken 1.65 140 cm Mtr. Kleinmöbel Arbeitsständer welẞ lackiert, mit Stofbeutel 3.75 Blumenkrippe weiß lackiert, mit 10.50 Wäschepuff weiß Wäschepuff weiß grünem Einsatz... lackiert m. buntem Stoffbezug 11.50 Hutschrank welß lacklert mit buntem Stofbezug 29.50 Besuchstasche braun Leder, krokodilnarbig, 22 cm lang. 3.60 GEGRÜNDET 1815 BERLINC SPANDAUERSTRASSE KÖNIGSTRASSE # • Nr. 542+ 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Im Angesicht des Volkes. Politik verdirbt den Charakter" sagt ein altes Bort. müssen das danach doch für schlechte Menschen sein. die sich stets nut ihr beschäftigen! Ob man nun diesem Wort eine gewisse Berech tigung zuerkennen will oder nicht, wahr ist jedenfalls, daß sich in der Erregung ein Charakter am schnellsten und stärksten offenbart, einer olo, der eine gewisse Erfüllung in der Politik findet, somit zur Zeit Gibt es doch kaum etwas, was Herr und Hirn des Menschen deutlicher zeigt als die Methode, die er zur Verfechtung eigener Interessen und Ideen wählt. Im Ziel sind wir uns ja alle einig" hört man häufig aussprechen, der Verantwortungsbewußte wird aber sagen: Anthren Wegen sollt ihr steertennen! der Wahlen Bei uns! Ohne Eigenlob fann man wohl feststellen. daß unsere Berfamm. tungen im großen und ganzen in mustergülfiger Ordnung verlaufen, Meistens bedarf es feinerlei 3wanges, um die manchmal recht harl nädigen Störungsversuche extrempolitischer Gegner zu unterbinden. Der Wille zur Gewaltlosigkeit, den un'ere Parteigenossen hier an der Tag egen, weil sie wissen, daß zum Sozialismus auch ein fonse quenter Pazifismus gehört, ist eben auch ein wirksamer Machtfaftor. Eine gute Sache seht sich auch ohne Brutalität durch, in erster Linie fommt es fiets auf den Wert der Idee an, praktisch dann auf ihre Bugkräftigkeit und auf die Möglichkeit, fie nötigenfalls zugträftig zu formulieren und auf den ernsten, einheitskräftigen Willen sie durchzusetzen. Die Ideen, für die wir in den Wohlkampf ziehen, das sind der Sozialismus und die Republik; ohne die Republit haben wit www. Fo RAC feinen äußeren Frieden, ohne Frieden hinwiederum feine fozia listischen Möglichkeiten, feine solchen Möglichkeiten aber auch ohne jene demokrati chen. Kriegführen toftet Geld, auch die Führung der Wahlfriege! Uns fehlen die reichlichen Zuwendungen, wie fie befenders den schwerindustriellen Rechtsparteien zuflichen mögen, aber riesengroß sind die finanziellen Aufwordungen, die im Wahlkampf 27] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Nach jedem Vorlesen hatte er sie ängstlich um ihre Mei nung befragt. Taugte sein Buch etwas? Bar die leiseste Aussicht da, daß es einschlagen würde? Sie sollte ganz offen mit ihm sein. Sie necie ihn ein bißchen. Ich behalte mir das Urteil vor," oder:„ Ich habe schon schlechteres Zeug gelelen," und wenn dann der Zweifel ihn quälte, lachte fie schallend auf und empfahl ihm, sich nur nichts darauf einzubilden, daß fie soviel Zeit an ihn verschwendete. Christy würde eifersüchtig werden, wenn er es erführe. Christy eifersüchtig?" Er sah sie forschend an, fonnte aber den eigentümlichen Er sah sie forschend an, konnte aber den eigentümlichen Ausdruck in ihren Augen und das plötzliche Erglühen ihrer Ausdruck in ihren Augen und das plötzliche Erglühen ihrer Wangen nach ihren achtlos hingesprochenen Worten nicht deuten Als das letzte Kapitel gelesen war, bestürmte er sie wieder mit den alten Fragen: Was glaubte sie nun eigentlich? War mit den alten Fragen: Was glaubte sie nun eigentlich? war es gut? Oder hatte er Mühe, Zeit und Hoffnung verschwendet? Eine Weile antwortete fie gar nichts. Blöglich ergriff sie seine beiden Hände.„ Es ist gut! Roch nicht die ganze Wahrheit, aber alles darin ist wahr. Ein gutes Buch. Ele Soldatenmann, fast ein großes Buch! Gott sei Dant, daß Sie es geschrieben haben!" Diese Worte erwärmten feine Seele. Eine ungeheure Dankbarkeit erfüllte ihn. Eine Belle tiefer Rührung übererteilt von dieser Frau, die ihn verstand, einen Vohn für sein flutete ihn bei diesem Lobe, das, so einfach und großmütig Schaffen bedeutete. Er hob ihre Hände an feine Lippen und füßte sie. ,, Was auch aus dem Buche wird," sagte er, Ihre Sympathie und Ihre Hilfe sind unschäzbar für mich gewesen. Wie fann ich Ihnen das jemals vergelten?" Sie ließ ihm ihre Hände, nicht absichtlich, sondern ganz achtlos. Sie lachte über sein Wort vergelten" und nannte ihn mit dem Beinamen, den sie für ihn erfunden hatte. Keine Bergeltung, Sie treuer Ritter! Ich bin ganz zu friedengestellt für alle Dienste, wenn Sie aus Ihrer Halbheit heraus und zu uns, zum ,, Linken Flügel", herüberkommen." Wohl faum," erwiderte Bertram. Ich wandere weiter ouf der Mittelstraße." 21. Machdem das Buch zu Ende gelesen war, hatte Bertram eigentlich feinen Grund mehr, Janet so oft aufzusuchen. Und an die Parteien gestellt werden. Der Umfang unferer Aufklärungs. arbeit und somit auch der praktische Enderfolg der Reichstagswahlen hängt mit ab von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Partet. Einen großen Teil der Kesten der Wahlkämpfe müffen wit dahet aufbringen durch die Sammlungen für den Wah fonds. Die Organisation der Ver ammlungen muß aber aus diesem Grunde natürlich auch möglichst einfach und zweckentsprechend sein. In der Beranm lung se'sst stehen als Besucher die Frauen durchaus ihren Mann", wenn man so sagen darf, denn nicht gleich ist das Interesse, das sie der gemeinsamen Sache entgegenbringen. Die Verteilungsquote zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen ist um so anerkennenswerter, wenn man bebenft, daß die meisten Proletarier frauen stets aufreibende Doppe'arbeit, nämlich im Betrieb und dann noch zu Hause, leisten, und wenn man fernerhin in Rechnung steilt, daß das Interesse der Frau an der Politik an sich im allgemeinen nicht so rege ist wie das des Mannes, weil ja jahrhundertelang has weitliche Geschlecht bewußt unpolitisch erzogen worden ist. Was aber die überschlaue Kalkulation einer teils bewußt und teils un bewußt im Dienste der fapitalistischen Gesellschaftsordnung stehenden Pädagogit nicht zu erreichen vermochte, bewirkte die nackte materielle und feeli'che Not: Kopf an Kopf drängen sich in unseren Berfammlungen Männer und Frauen des werftätigen Bolts, Hungernde und Frierende, die, die nur eine fleine licht- und luftarme Wohnung haben und die, denen überhaupt jedes Obdad) fehlt, die in tägi- her Maschinenfron Ausgebeuteten und die Abgebauten" alle fonunen fie, und wenn auch nicht in der Hoffnung, daß ihnen der Weg gewiesen werde ins Land, darinnen Milch und Honig fließt, so doch in der Erwartung, endlich einmal eine Besserung der sozialen Lage der breiten Massen mit herbeiführen zu föm en, indem diesmal diejenigen Männer in den Reichstag geschickt werden, die nicht mehr verspredjen, als sie zu halten in der Lage sind, Männer aber auch, die durch pratti che Arbeit und nicht durch den lächerlichen Lärm von Pull deckeln und Kindertrompeten das Erreichbare zu verwirklichen versuchen. Vom Redner hängt letzten Endes alles ab. Leicht ist es gewiß nicht, eine Menge zu paden, und schon gar nicht, wenn durch die Anwesenheit zah reicher Gegner oder absolut Neutraler das Vor: urteil gegen den zunächst einzig Attiven im Saal groß ist. Der Redner muß im Gefühl haben, wenn er feine Hörer padt. Bis dahin teilnahmslose Gefichter werden plößlich interessiert, und wenn der Redner gefchickt ist, wird es ihm vielleicht gelingen, den elektrischen Funken seiner eigenen Intensität zur Flamme der Ueberzeugung und womöglich der Begeisterung bei den anderen werden zu lassen. Wovon spricht heute der Redner der SPD.? Diese Frage ist heute leicht zu beantworten, denn der durch eine endlich zu verdrängende Reaktion in der deutsche Republik verschuldeten Standale gibt es genug. Cb von der wirtschaft ichen oder fulturellen Not der Begen. wart die Rede ist, was ihr zu tun möglich war, was die Sozialdemokratie, die ja fast überall in der Minderheit war, getan, und unsere Referenten brauchen daher die Bedenken der Gegner ebenso wenig zu fürchten wie ihre offentundigen Lügen. Die Cügen im Wahlfampf Augen auf!" war mit vollem Recht neulich das Thema einer unserer überfüllten Wahlversammlungen. Wenn es es geschah doch. Die Wahrheit war, wie er sich eingestand, daß er sich nach dem Lachen, dem kühnen Gedankenflug und der freien Kameradschaft sehnte, welche er bei Janet und ihrem Kreise fand, nie aber in seinem eigenen Heim. Befonders in den Wochen nicht, welche auf Lady Otterns Bortrag und Jonces Weigerung, sich für sein Schaffen zu intereffieren, folgten. Sogar Edith, das Stubenmädchen, zeigte durch manche fleine gutgemeinte, aber schrecklich lästige Sympathiebeweise, daß sie Joyces Lieblosigkeit bemerkt hatte. ,, Gehen Sie heute nicht mit Mylady aus, Herr?" Oder: Schade, daß Sie nicht Karten spielen mögen. Mylady spielt Bridge jo gern!" Absichtlich hüllte sich Jonce in eine ganze Reihe von Kartenabenden ein, welche Bertrams Ansprüche an ihre Gefellschaft unbeachtet ließen. Jedesmal war Kenneth Murleß oder General Bellasis dabei, und fast immer fanden die Spiel partien im Haufe der Gräfin Lndia statt. Jetzt, da sein Buch vollendet war und in Christys Obhut lag, der seine fachmänni fühlte Bertram, wie die erfältende Einsamkeit wieder über schen Ratschläge zweds Veröffentlichung des Werks abgab, ihn kam. Manchmal dachte er, Joyce wollte seine Eifersucht reizen, denn sie sprach in Ausdrücken wärmster Kameradschaft von Kenneth und blickte dann zu Bertram hinüber, ob sie ihn auch damit verlegt hätte. Bertram verbarg seine Gefühle zwar nicht, aber er hielt die Ausbrüche seiner Heftigkeit streng zurüd. Etwas Schlimmeres als feine aufbraufende Wut war in ihm lebendig ge. des vollständigen und schrecklichen Nichtverstehens zwischen worden. Eine Kälte troch langsam in sein Herz, ein Gefühl ihn und seiner Frau, wogegen alle kleinlichen Zwiftigteiten verschwander. In ihm lebte jetzt die Furcht, daß etwas in seinem eigent lichen Charakter dem verwöhnten und zarten Gemüt feiner jungen Frau fremd, widerwärtig und unleiblich sei. Bielleicht war er tatsäch ich aus gröterem Stoffe als fie. Vielleicht hatte der Krieg in mehr verroht, als er wußte. Er hatte gewiß greulich fluchen gelernt, und seine Nerven waren so gereizt. daß er sich in Jorces Gegenwart nicht immer Zwang auferlegte Aber der Abneigung lag Tieferes zugrunde. Joyce schien ihn für einen Plebejer, einen gewöhnlichen Menschen zu halten Es gab Zeiten, wo ihre Augen das aussprachen. Bei Janet fühlte er das alles nicht. Sie nannte ihn ,, Ritter Treu" und huldigte ihm als einem echten und gerechten Ritter", wie sie ihn ihren Freundinnen vorstellte. Diese Mädchen waren ganz merkwürdig frei, faft zu gewagt in | Sonntag, 16. November 1924 gelingt, recht vielen verhckten Klaffengenossen die Augen zu faen, wenn es gelingt, wenigftens einen Teil der Fanatiker nicht einmal durch Blutvergießen zu realisierender Ideen vernünftig denken zu lehten, wenn es gelingt die, die fich fo gern" unpolitisch" nennen, aufzutlären über die Notwendigkeit des Heute, wenn es möglich ist, die Lauen und Müden wachzurütteln dann haben unsere Wchiversammlungen ihren 3wed erfüllt, denn ihnen ist es auch mit zuzuschreiben, wenn wir am 7. Dezember einen vollen Sieg in der Geschichte des Sozialismus und der ach so ruḥmecarmen deutjagen Republik buchen dürfen. Bei den Anderen! Der Besuch einer völfischen Bersammlung mit allen humoristischen Begleitumständen, die von einer solchen Veranstaltung untrennbar find, wird in folgendem authen.isch geschildert: Wulle sprach zu feinen Jüngern. Dort saßen sie, die neuen„ reinen" Deutschen. Der eine hatte sich die Aufwertung feines Sparguthabens zum Ziel gesetzt und schrie Bravo, wenn sein Stichwort fiel. Dem anderen genügte feine Offizierspension nicht, der dritte fand Ausstände an der Nase feines Bureauvorstehers und so fort. Eine Reihe von Jünglingen wolle überhaupt nichts, als bloß mit viel Abzeichen behangen und einem Gummifnüppel bewaffnet fpazieren gehen. Alle zeichneten 11m sich durch runde Baden und eifriges Zigarettenrauchen aus. 8 Uhr fellte es losgehen. Das Bergnügen fostete zwanzig Pfennig. Einige Jahrmart schreier wurden mit Mühe passiert. Man tonnie bort feinen Bedarf an Hafentreuzen, Fahnen, Totenköpfen( jeder anftändige Nationalist hat seinen Totenkopf im Knopfloch), Postfar en von Hitler, Ludendorff und Genossen eindecken. Ich kaufte mir eine Karte vom alten Friz, die Uniform aus„ echtem" Militärtuch, fie bildet jeßt das hervorragendste Süd meiner Kitschpoftfartenfammlung. Herr Wulle schien feine Zugkraft gering einzuschätzen. Der Saal war sehr flein und lag am Kurfürstendamm, wo die Wulle- Leute wahrscheinlich noch einige Anhänger haben. Pünktlich eine halbe Sunde zu spät erschien Bulle. Händeklatschen, es ging los. Einige Minuten dauerte es, ehe man sich an den knarrenden, schnoddrigen Leutnants'on gewöhnt hatte. Thema: Die deutsche Judenrepublit, alle Zeitungen Judenpreffe, Judenjungenangit; aber mozu noch weiter aufzählen: man nehme sein Wörterbuch, jeze vor jedes Wort die von den Bölkischen geprägte Borfilbe„ juden" und ist dann in der Lage, den völfischen Jargon zu beherrschen. Herr Bulle fam dann auf das Haup thema des Abends: Meine deutschen Freunde! In dieser sogenannten Reichshauptstadt Berlin ( wenn„ Er" zu sagen hat, wird die Haup stadt ins völkische Paradies an die Beene verlegt).. Die völkische Bewegung hat einen organi satorischen Aufschwung genommen wie noch nie. Die Opferwilligkeit reicher Freunde ist groß wie nie zuvor!" Ich dachte dabei an die Bettelbriefe, die der Berwärts" veröffen licht hat, und siehe da, am Schluß der Versammlung wurde es anders, da bat der Borsigende um eine Gabe:" Denn wir sind eine arme Partei und brauchen Geld " ihren Reden, sie gebärdeten sich als Vorhut der sozialen Revolution und warfen alle anderen Traditionen über den Haufen. Manchmal faß er bei ihren wilden Reben als stummer Zuhörer dabei. Diese hübschen Bolschewiftinnen erschreckten ihn mit ihren revolutionären Idealen. Die Mädchen sprachen von Lenin als dem Herrschergeist" und hatten eine sentimentale Zuneigung für Troßfi, den neuen Napoleon", und mollten fein Wort von den Creueltaten glauben, die, wie sie behaupteten, von der Propaganda der weißen Armee" erfunden worden waren. Uebrigens waren alle diese übertriebenen und bolschewistischen Aeußerungen nicht so ernst zu nehmen, wie Jarets Leben und das ihrer Freundin Katharine Wild bewies, welche Janet noch an extremen Reden zu überbieten suchte. Denn Janet widmete sich mit der größten Selbstlofigkeit den Erblindeten, und Katharine Wild hatte ihre ganze Kraft in den Dienst jener Hilfsattion gestellt, welche in den ausgehungerten Ländern Volksspeisungen organisierte. Sie hatte in den Suppenküchen Wiens gearbeitet und kannte die Leiden Desterreichs besser als sonst ein Engländer. auch in diesem isolierten Lande das große Hilfswerk zu begrößter Wunsch war, auch nach Rußland vorzubringen, um ginnen. Ihr ,, Bevor ich die russische Grenze nicht überschritten habe, kenne ich die Tiefen des menschlichen Elends noch immer nicht." Beriram. Wollen Sie denn bis in die Tiefen schauen?" fragte ,, Bis in die tiefsten Tiefen. Bis dahin fenne ich das Leben noch immer nicht. Sie müssen auch hin, Mr. Pollard." Auf Bertrams verwunderte Frage, weshalb sie das glaube, teilte sie ihm mit, daß Janet ihr von seinem Buche gesprochen habe. Aber das letzte Kapitel fönnte doch erst geschrieben werden, nachdem er Rußland gesehen habe. Da tonnte er die Folgen des Krieges in all ihrer Schrecklichkeit schauen. Nach dem Kriege die Hungersnot, und nach der Hungersnot die Best. Die vier apokalyptischen Reiter waren durch Rußand gesprengt, und der Hall ihrer Hufe tönte im westlichen Europa wieder deutlich und immer deutlicher. In Rußland Ponnte Europa die feurige Schrift an der Wend lesen. ,, Rußland ist der Schlüssel zur neuen Welt," fagte fie; durch Rußsich lands Geschid, und wie die übrige Belt fidh bozu stellt, werden wir unser eigenes Schicksal erschauen." Merkwürdig, wie er diefen Gesprächen über Rußland nicht entgehen fonnte. Jonces Freunde sprachen beständig von Greueltaten der Roten Armee und den Leiden der Monarchisten, und hier hörte er von der Grausamkeiten der Weißen Armee und den ( Fortjeßung folgt.) Leiden der Bauern. zum Wahlkampf." Sonst wurde der Abend ausgefüllt mit Redereien über die Dawes- Gefeße, die untragbar seien. Was freilich geschehen wäre, wenn die Gefeße nicht angenommen worden wären, bas beschwerte die Helden nicht sonderlich. Ueber den deutschen Großgrundbesiz breitete Wulle mit Ekstase seine schirmende Hand: Wir wollen den deu schen Großgrundbesitz unabhängig machen von Sem internationalen Judenkapital, daß er auf eigener Scholle eine Stütze des Deutschtums bleib:!" Also her mit den Schutzöllen! ( Verständnislose Stille in der Versammlung.) Aber als er dann mit Bathos und Theodor- Körner- Pose den Bürgerkrieg propagierte: Wir wollen unsere herrlichen deutschen Jungen nicht in einen aus. fichtslosen Kampf gegen das militaristische Frankreich schiden, fondern erst im Innern reinen Tisch machen", wurde er von frene tischem Beifallsgeheul unterbrochen. Die Augen der Jünglinge verfuchten mordfüftig zu blizen. ihre Zigaretten glühten begeistert. Den Abschluß des Abends vollendete Bulle mit Schwung: Das alte Breußen tommt wieder. Auf nach Potsdam, Baterland, Freiheit usw. usw. In schwarzweißroter Umrahmung fündigte ein Platat an der schmächtigen Anschlagsäule des westlich- feudalen Bororts eine Wähler. versammlung der Deutschnationalen„ Bolfs" partei an. Das Berfammlungslokal ist eine jener Gymnasiums- Aulen, zu denen die Ver ordnungen eines halbrepublikanischen Unterrichtsministeriums noch nicht hingelangt sind. An den Wänden thronen noch die Büsten dreier Hohenzollerngeschlechter, der Gegend entsprechend nicht aus Gips gegoffen, fondern in marmorner Siegesalleeausführung. Ein an die Wand gemalter schwebender Engel ist noch im Begriff. dem alten Kaiser" die Kaifertrone aufs Haupt zu sehen. Auf den Behnsizebänken ist die Vollsmosse" schon versammelt: Pensionierte Staatsbeamte mit republikanischen Ruhegehältern, abgehalfterte Offiziere mit ihren Dam' n( die doch eigentlich ins Haus gehören!), einige Lotalanzeiger" Abonnenten und dann noch gewissermaßen als Gaalschutz die Bereinigung ehemaliger Schüler des Gymnafiums". Sie alle haben eine fochende Volksfeele" mitgebracht, und bie Referentin des Abends, ein Fräulein Dr. phil., heizt ihnen noch tüchtig ein. Bon dem wortbrüchigen Reichskanzler und dem Und nur allein die schwankenden Außenminister schimpfte fie. Deutschnationalen hätten den Berstlavungspaft abgelehnt. Hier ließ das Gedächtnis der Rednerin etwas nach. Es funktionierte aber fofort wieder, als in wohlgesetzten Worten, aber in vorsichtiger Form, der konfequenten Kommunisten" gedacht wurde, die allein noch den Mut zur Ablehnung gehabt hätten. Dem tonservativen Tischlermeister in der mit leren Bankreihe machte es Schwierigkeiten, die Nutzanwendung aus der Rede zu finden. Er hatte was von Ja- und Neinfagern gelesen und hier lobte man sogar die Kommu niften. In Ermangelung eines eigenen Entschlusses beschloß er, die Parole des Lotalblattes abzuwarten. Die Aktien der Sängerin. Auch ein Fall aus der Not der Opernhäuser. Mit einem sowohl wegen seiner Aktualität wie aus prinzipiellen Gründen interessanten Rechtsstreit hatte sich das Bühnenschiedsgericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Herz zu beschäftigen. Die bis vor kurzem am Deutschen Opernhaus in Char: lettenburg tätige Sängerin Frau Marturell flagte gegen die Deutsche Opernhaus 2.-G. auf Rückgängigmachung ihrer plötzlichen Entlassung, die die Direktion wegen des Verkaufes des der Sängerin gehörigen Aktienpakets an die Große Volksoper ausgesprochen hatte. $ Der Bertreter des Deutschen Opernhauses beleuchtete zunächst die künstlerische Karriere der Känerin, die in der Hauptsache auf die Protektion des früheren Inhabers der Aktienmajorität und Aufsichtsratsvorfikenden Littma in zurückzuführen sei. Unter dem Einfluß diefes Großotionärs habe die Direktion Frau Marturell Gaoen zuaeftehen müssen, die mit ihrer fünstlerischen Begabung in fie fei ursprünglich nur für fleinere Rollen engagiert worden feiner Beziehung ständen. Dieses Engagement habe letzten Endes auch der Rücktritt des Generalmufifdirettors Blech und des Direks tors Guntram zur Folge gehabt. Im Sommer dieses Jahres, als dann die Herrlichkeiten Littmanns zufammengebrochen feien, habe diefer, um sich den Folgen seiner Mißwirtschaft zu entziehen, die Atienmehrheit an Frau Marturell verkauft, die fie aber nicht behalten, sondern an die Konfurrenz des Deutschen Opernhauses, an die Große Vorfsoper, weiter veräußert habe. Die Aktionmehrheit eines Theaters in den Händen eines Echauspielers würde zu geradezu grotesken Konfequenzen führen, denn auf diese Weise fönnte der Betreffende jederzeit die Theater: leitung absetzen oder sonstine Maßnahmen durchführen lassen, wie fie ihm qut dünften. Man fönne es dem Deutschen Opernhaus nicht verdenken. daß es unter diesen Umständen die sofortige Entlassung der Sängerin ausaesprochen habe. Der Anwalt der Klägerin be zeichnete die Anoaben über die angebliche Protektion, die die Künstlerin genoffen habe, als boshafte Märchen und legte eine Reihe von Gutachten über ihre hohe fünstlerische Qualifikation vor. Der der Frau Marturell, indem es die Entlassung als zu Recht erfolgt um das Deutsche Opernhaus überhaupt noch zu retten. Das Schiedsgericht tam nach kurzer Beratung zur Abweisung der Klage der Frau Martuell. indem es die Rnt'assung als zu Recht erfolat bezeichnete. An und für sich fönne auf Grund der vorhandene 1 Be stimmungen ein Bühnenmitglied nicht an dem Erwerb von Aftien des Unternehmens, an dem es beschäftigt sei. gehindert werden, obgleich es wünschenswert wäre, wenn diese Frage gefeßlich geregelt würde. In dem Weiterverkauf dieser Aktien, und noch dazu der Aftienmehrheit on ein Konkurrenzunternehmen liege aber zweifellos ein Verstoß der Sängerin vor, und es fonte dem Deutschen Onernhaus deshalb nicht zugemutet merden, Frau Marturell nach diesem Berhalten noch weiter zu beschäftigen. Im Anschluß hieran beschäftigte sich das Bühnengericht wieder einmal mit Direttor James Klein von der Komischen Oper, der diesmal von tem Tanzmeister Mr. Jadson aus London auf lung von 48 000 m. verklagt wurde, weil Jackson unmittelbar rach der Premiere in der Komischen Oper von Klein entlaffen worden war Es drehte sich dabei um die Frage, ob Jackson, wie von Direktor Klein behauptet wurde. pflichtwidrig mehrere Proben nicht abgehalten habe, und es wurden hierüber mehrere Zeugen, in der Hauptfache Tanzgirls, vernommen. Das Gericht gab schließ lich der Klage statt und verurteilte James Klein zur Zahlung der 48 000 m. Tragisches Ende einer Autofahrt. Der Untergrundbahnstreik und die Fremden. wobei die Ehefrau und eine Schwägerin hinausgeschleudert wurden. Von einem für das Berliner Fremdenverkehrswesen tätigen Lefer unseres Blattes wird uns geschrieben: Man ist in der Tat erstaunt darüber, daß es in Berlin heute noch möglich ist, daß sich ein Streit in einem der wichtigsten lokalen Verkehrsinstitute so lange hinziehen kann, ohne daß nicht sofort von irgendeiner Seite vermittelnd eingegirffen wird. Man fann fich des Eindruces nicht erwehren, daß hier die Stadt Berlin, die doch an dem Hoch- und Untergrundbahnunternehmen beteiligt ist, genauer der Berliner Magistrat, wieder einmal ver fagt hat. Es ist bekannt genug, daß man sich in den hohen und höchsten Berwaltungsstellen mit Feuereifer darum bemüht, Berlin auch für den Fremden reizvoll zu machen. Glaubt man nun, dem Fremden Berlin interessant zu machen, indem man ihm die Hochbahn zeigt, wie sie nicht fährt, dazu die Straßenbahn, wie sie in formvollendeten Zusammenstößen immer größere Uebung erreicht, und außerdem die Auto buffe, die noch in Auftrag gegeben werden sollen und deshalb leider noch nicht zu sehen und zu benußen sind? Was verlangen denn die Hoch bahner Unerhörtes? Eine Erhöhung des niedrigsten monatlichen Ginkommens um etwa 10 M. Das macht für den Tag etwa 35 Bf., für die Stunde bei 12ftündiger Arbeitszeit und Arbeitsbereit schaft noch nicht 3 Pf. Und wegen diefer 3 Bf. läßt man ausgerechnet beim Eintreten der falten Jahres. zeit den Berliner Berkehr perladen! Mögen die Berantwortlichen in der Direktion oder in der Deutschen Bank oder wo immer igen, man muß sagen, es sind feine Leute, die so etwas fertig bekommen und einer 4- Millionenbevölkerung so etwas zu bieten wagen. Die Deffentlichkeit hätte wirklich ein Interesse daran zu erfahren, wo diese Herren sind und über welche Einkommen denn fie verfügen. Sie müssen sehr hoch sein diese Einkommen, jedenfalls zu hoch, denn sonst hätten die Herren gewiß fein Interesse daran, Die Einkommen der Angestellten zu niedrig zu halten. Die Berliner aber, die in die Provinz oder ins Ausland schreiben, tun out, niemanden zum Besuch Berlins aufzufordern, so lange man sich nicht in den maßgebenden Stellen darüber flar ist, welche Pflichten man den eigenen erwerbstätigen Bürgern und thren Gästen gegenüber hat. Welche großen und auch erfolgreichen Anstrengungen andere deutsche Städte, wie Leipzig, Dresden, Hamburg, Köln, Nürnberg, Stuttgart usw., machen, um die Fremden anzuziehen, das scheint man in Berlin noch nicht erkannt zu haben. An einem Sonntag im April dieses Jahres hatte der Kaufmann Otto Matthes mit feiner Frau und mehreren Verwandten eine Autofahrt von Spandau über Tegel nach Berlin unternommen. Kurz vor Tegel fonnte Matthes eine scharfe Kurve nicht innehalten und geriet mit seinem Wagen in einen Graben, Die letztere fam mit Arm- und Beinbrüchen davon, während Frau Matthes mit zertrümmertem Echädel tot liegen blieb. Der unglückselige Autolenker hatte sich nun wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. In der Beweisaufnahme vor der Berufungsstraftammer des Landgerichts III ergab sich, daß die Augen zeugen über die Geschwindigkeit verschiedene Angaben machten. Ein Radfahrer sprach von dem schleuderhaften Temps. Der gerichtliche Sachverständige Diplomingenieur Büding erklärte, daß an der Hand so unbestimmter Aussagen eine übermäßige Ges schwindigkeit sich nicht feststellen lasse. Einem Wagenführer könne man bei dem Nehmen von Kurven feine Vorschriften machen, da es Gefühlssache sei und die Erfahrung eine ausschlaggebende Rolle spiele. Es tönne vorkommen, daß ein Fahrer mit großer Geschwindigkeit an jeder Kurve vorbeikomme, während andererseits ein ungefchickter Fahrer auch mit geringerer Geschwindigkeit ein Unglüd haben könne. Trotz des günstigen Gutachtens des Sach verständigen tam das Berufungsgericht in Uebereinstimmung mit dem Schöffengericht Wedding, entgegen den Ausführungen von Rechtsanwalt Dr. Puppe, zu einer erneuten Berurteilung des Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis, indem es an nahm, daß der Angeklagte nicht vorsichtig genug in die Kurve der Tegeler Chauffee hineingefahren sei. Bei der Strafabmessung war Dom Gericht ohnehin als strafmildernd berücksichtigt worden, daß der Angeklagte durch den Tod seiner Ehefrau schon vom Schicksal schwer getroffen worden sei. Ein mißzglückter Raubüberfall. Ein Raubüberfall wurde in der Lindenstraße verübt, der Täter festgenommen. Eine Angestellte Irmgard D. erhielt von ihrer Firma den Auftrag, für Lohnzahlungen bei Stunden Forderungen einzuziehen und dann auf dem Postschecamt auch noch einen größeren Betrag abzuheben. Zuletzt ging fie vom Amt nach der Lindenstr. 4, um hier im 4. Etod eine Zahlung zu leisten. Sie hatte taum das Stockwert erreicht, als ihr ein junger Mann, der ihr nachgeeilt war, eine Handvoll Pfeffer ins Gesicht warf und ihr die Geldtasche entriß. Die Ueberfallene rief um Hilfe, wischte sich den Pfeffer aus den Augen und eilte dann dem Räuber nach. Ein Bierbrauer hielt den jungen Mann, der aus dem Hause herausgestürzt tam, an, weil er die Hilferufe gehört hatte. Der Räuber versuchte sich herauszureden. Plöglich aber ließ er die Tasche im Stich und lief dovon. Von dem Mädchen über den Borfall aufgeklärt, schwang sich der Brauer auf sein Rad, verfolgte ihn, holte ihn in der Behren. straße ein, nahm ihn fest und übergab ihn der Polizei. Die Krimirolpolizei erkannte in ihm einen 21 Jahre alten früheren Bandangeftellten Georg Scheider, der seit Oktober ohne Beschäftigung und wohnungslos ist.. Er gehört wahrscheinlich zu denen, die am Postscheck. amt auf Gelegenheiten zu Räubereien auf der Lauer liegen und hat das Mädchen vermutlich schon von dort aus verfolgt, Ein Arzt zu Zuchthaus verurteilt. Im Gerichtssaal verhaftet. In zehnstündiger Berhandlung beschäftigte sich das Große Schöf fengericht mitte mit einem Strafverfahren gegen den praktischen Arzt Dr. Grohmann, einem älteren Manne. Dr. G. war beschuldigt des Verbrechens der Abtreibung gegen Entgelt nach§ 219 und der fahrlässigen Tötung. In die Sprechstunde des Arztes in der Friedrich- Ecke Mittelstraße war am 6. Juli 1923 ein junges Mädchen Helene F. gekommen, an der Dr. G. auf ihr Vers langen einen unerlaubten Eingriff vornahm. Bald nach der Ope ratiion stellte sich eine Entzündung ein. Als die Patientin den Arzt wieder aufsuchte, deutete er ihr an, es sei nicht nötig, daß sie Sen weiten Weg zu ihm mache, fie sulle sich bei ihrem Rossenarzt weiter behandeln lassen Der Kassenarzt stellte sofort einen hoffnungslosen Fall von Bauchfellentzündung fest und das junge Mädchen ist auch alsbald verstorben Durch einen besonderen Zufall gelangte Sie Angelegenheit zur Strafverfolgung gegen den Arzt. Der Kaffer arzt hate zwar als Todesursache Bauchfellentzündung bescheinigt, die Verstorbene gehörte jedoch einem Feuerbestattungsverein an und es mar daher noch ein freisärztliches Attest für die Freigabe der Leiche notwendig. Med. Prof. Dr. Fräntel erfannte sofort, was sich ereignet hatte und ließ die Leiche beschlagnahmen. Nach Anhörung zahlreicher Sachverständiger fam das Schöffengericht zu einer Berurteilung des Dr. Grohmann im Sinne der Anklage und erBannte auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus. Dr. Grohmann wurde auch sofort in Haft genommen. Die Reaktion in Pankow. Im 19. Bezirk Pantom feiert die Abbauwut der Bürgerlichen einen neuen Triumph. In geheimer Sizung wurde der Abbau eines weiteren sozialistischen Magistratsmitgliedes, des Genossen Gütig, zum 1. Januar 1925 beschlossen. In der öffentlichen Sizung wurde zunächst ein Antrag der Demokraten einstimmig angenommen, der forderte, daß der Abbau von 30 bis 40 Kommunal beamten unterbleiben solle. Die Abhaltung der geheimen Sigung wurde alsdann gegen die Stimmen unserer Genossen beschlossen. In dieser stellte unsere Fraktion den Antrag, die ganze Angelegenheit von der Tagesordnung abzusetzen, da der Antrag den Be fei. Die stockreaktionäre bürgerliche Mehrheit einschließlich ſtimmungen des Magistrats nicht entspräche und ungefeßlich der Demokraten( 1) beschloß trotz dieser Einwände den Abbau des Genoffen Gütig. Bemerkenswert ist, daß sie sich hierbei auf das Rechtsgutachten" des zweiten Bürgermeisters, Dr. Meißner, dann aber sagte, daß bedeutende Verwaltungsjuristen stüßten, der zuerst erklärt hatte, daß dieser Antrag ungefeßlich fet, diesen Abbau doch für zulässig hielten. Es wird einleuchten, daß die Ansicht„ bedeutender" Verwaltungsjuristen um so mehr AnerMehrheit entgegenkommen. Und ganz selbstverständlich ist es auch, fennung findet, wenn sie den Plänen einer reaktionär gesonnenen baß ein bedeutender Jurist vor solchen Größen zusammenfnickt und die Logit seiner eigenen Denfart bezweifelt. Seit langem sind die Bezirksversammlungen durch das Verhalten der Reaktionäre zu allem anderen geeignet, als zu sachlicher Arbeit. Die Engstirnigkeit einiger Wortführer der Bürgerlichen, die sich unter dem Beifall ihres Anhanges betätigen, hat in Bantow schon mehr als einmal wahre Triumphe gefeiert. Bon fachlicher Arbeit, die diese Herren so oft fordern, ist bei ihnen im 19. Bezirf wenig zu merten gewefen. Die Intrigen, die vor der Schaffung Groß- Berlins von den Rechtsparteien gegen den früheren nichtsozialistischen Bürgermeister in der fleinlichsten und gehäßigsten Weise gesponnen wurden, sind von der jezigen fachlichen" bürgerlichen Mehrheit unter anderer Führung mit größerem Erfolge gegen unsere Genossen fortgesetzt worden. Jeden anständigen Menschen muß ob dieses Verhaltens der Efel packen. Möge die Arbeiterschaft auch aus diesem Verhalten ihrer Feinde im fleinen erkennen, wie wichtig der Zusammenschluß und die intensivste Arbeit innerhalb der Sozialdemokratischen Partei ist. Tödlicher Unfall an der Drehbant. Am Sonnabend kam der Modelltechler Robert 3oste aus der Dresdener Straße 125 in feiner in der Dresdener Straße 8 gelegenen Werkstatt durch einen Unfall an feiner Drehbank ums Leben. Zoste war damit bechäftigt, ein Modell in Form eines Schwungrades Herzustellen. Dieses Modell zerbrach und flog ibm an den Kopf. Hier durch wurde sein Rasenbein zertrümmert. Der Tod ist wahrscheinlich durch Schädelbruch eingetreten. Die Leiche wurde beiblaanabmt. Reiche Seefischfänge. Bekanntlich ist der Bustag ftets ein befonderer Fiichtag, da er als Wochenfeiertag die Kosten für den teuren Sonntagsbraten nicht verträgt. Rechtzeitig werden für diese Woche reichhaltige Ostieefänge gemelbet. Wie der Bere; n der Fischbändler von Groß- Berlin E. V. mitteilt, fommen am Montag und Dienstag frisch eintreffende Fische zum Verkauf, und foften Ditfee- Dorsche und Ditfee- Flundern pro Pfund nur 30 Pf. Die Verkaufsstellen sind durch Plafate erkenntlich gemacht. Sozialisten, Republifauer an der Technischen Hochschule. Mitte oder Ende Dezember finden die Kammermablen statt Die jezige Zusammensetzung ist derart, daß 23 Völfiichen neben 5 Vertretern der Jugendbeweguna, die aber in allen großen Enricheidungen standpunttelos find, nur 2 Republikaner gegenüber steben. 80 Proz. der studentischen Gemter befinden sich in den Händen von forpos rierten Studenten. Dieie Mehrheit gilt es, bei der fommenden Wahl zu brechen. Dazu ist zusammenschluß notwendig. Alle republikanisch gesonnenen Studenten werden gebeten, fofort oder ipätestens bis Ende nächster Woche ihre Adreffe beim Pförtner Poier am Ofteingang unter der Aufichrift. Paul Krüger 84047 abzugeben. Führung im Museum für Meerestunde, Georgenstraße 34, Dienstag, 18., 11., 1 Uhr, Prof. Stahlberg: Secfabel und Signalwesen. Oeffentlicher Vortrag im Museum für Meerestunde. Dienstag, den 18. November, abends 8 Uhr, Prof. Dr. Thoms: Bilder von der Reise cines Naturforschers nach Java( mit Lichtbildern). KON LINON 1 1-8 fäglich kostet KALODONT die Zahnpflege mit der unerreichten Zahncreme Kalodont Heute früh ab 9 Uhr Flugblattverbreitung 69 Fleischermeister vor Gericht. Als es um die Wurst ging. Einen Sensationsprozeß eigener Art gab es in Ludwigshafen. Zwischen den Innungen und der Stadtverwaltung bestanden seit langem scharfe Gegenfäße. Zum offenen Kampf tam es im Juli wegen der Schweineflet chpreise. Die Preisprüfungsstelle hielt einen Preis von 1,16 Mart für das Schweinefleisch für angemessen, die Fleischer bestanden aber auf einem Preis von 1,20 Mart und für Koteletts von 1,40 Mart. Das war dem Preisprüfungsamt zu viel und die Folge war eine Anflage gegen 69 Megger. meister megen Preiswuchers. Das erweiterte Schöffer gericht tam in einige Berlegenheit, wie es dieses Heer von Angeklagten unterbringen foll'e, aber die Stadt half da gerne aus und sie stellte den großen Sigungsfaal des S.adthauses zur Verfügung. Auf den Seffein der Stadträte nahmen die Metzgermeister an hufeifenförmig aufgestellten langen Tischen als Angeklagte Play, während der Bersihende auf dem geschnigten Sessel des Stadtrberhauptes throne. Stundenlang wurde darüber ge ftritten, wie die Schweinefleischpreise zu faltulieren feien. Dazu war es nö ig, festzustellen, wie viel Roteletts ein Schwein gibt. Man einigte sich schließlich auf rund 100 Stüd. Dann fuchte man sich darüber zu einigen, ob die Füße Zugabe zum Braten. fleisch oder besser zu Wurst verarbeitet werden. Ueber diese und ähnliche Fragen schien man sich einigermaßen verständigen zu können, aber völlig hoffnungslos wurde der Streit, als man versuchte festzustellen, wieviel Pfund Burst ein Schwein ergibt und zu welchem Preise diese Burst verkauft werden darf. Obermeister Wahl aus Köln tam dabei vielleicht der Wahrheit am nächsten, als er die folgende tiefe Weisheit zum Besten gab: Jede Wurst gleicht der anderen darin, daß fie oben und unten zugebunden ist, aber in dem, was drin ist, gleichen sich die Würste feineswegs." Staatsanwalt Jung fand, daß es ein Bluff sei, daß die Angeklagten sich die Sachverständigen aus den teuersten Städten geholt hätten. Für Ludwigshafen feien die Fleischpreife viel zu hoch. Er beantragte daher, gegen jeden der 69 Angeflagten 400 Mart Geldstrafe und Bublifa ion des Urteils in den Pfälzis fchen 3 itungen. R.- 21. Beaufort verwies auf die wirtschaftlichen Verhältnisse. R.-A. Dr. Alsberg suchte mit vielen Reichsgerichtsentscheidungen zu beweisen, daß nach der reichsgerichtlichen Gestehungsfoftentheorie die Preife noch viel zu billig feien. Die Preistreiberei verordnung liege hoffnungs'os im Sterben und selbst die Ludwigs. hafener Schweinefetelets fönnten ihr Leben nicht verlängern. Das Schöffengericht tam nach furzer Beratung zu einer Frei. sprechung der Angeklagten, da ihnen meder objektiv noch subjektiv eine wucherische Preisforderung nachzuweisen set. Zweifelhafte Gesellen. Ein in 3widau in Haft befindlicher Strafgefangener machte dort die Angaben, daß vor fünf Jahren in der Nähe des Kyffhäusers bei Halberstadt ein Pferde händler unbefann' en Namens bei der Heimkehr vom Pferdemorft erschoffen, feiner Barschaft beraubt und die Leiche beiseite geschafft sei. Als Tä'er werden jetzt zwei in Gesellschaft des Pferdehändlers gemejene Berionen unbekannten Aufenthalts verdächtigt. Nachrichten darüber, wo in der Gegend des Harzes in den leg en fünf bis sechs Jahren ein Pferdes oder Biehbänder als vermißt gemeldet wurde, nimmt die Oberstaatsanwalt schaf Halberstadt und auch das Berliner Polizeipräsidium, Dienststelle B I, 14, entgegen Ein Unbekannter. der sich Bazylius Snfora nannte, wurde in Reichenberg deshalb festgenommen, meil er sich rühmte, mehrere preußische Polizeibeamte er. mordet zu haben. Der Berhaftete murde jedoch wieder auf freien Fuß gesetz, bevor die Ermittefungen der preußischen Bolizei abgesch'offen waren. Die Kriminalpolizei Dresden ist im Besize des Lichtbildes und der Fingerabdrücke des angeblichen Täters, jedoch ift sein Aufenthalt zurzeit unbekannt. Der helländische Rapitän Cornelius de memer verkauft in Berlin chinefische Biegen. felle als echte Alasta Fuchsfelle. Es besteht ber dringende Verdacht, daß er auch in anderen Städten eine Gastrolle geneben hat. Die Dift elle B 11 1a der Berliner Kriminalpolizei nimmt Nachrich'en über den sauberen Händler entregen. In Gmunden hielt sich vorübergehend ein angeblicher Dr. Otto Pa.. laget auf, der sich bald als argentinischer Arzt, bald als Generalfoniul der Republit Argentinien vorgestellt hat. Dann war er plöglich in Benleitung eines einfachen deutsche österreichischen Mädchens, nemens Frida Fuchs, verfchwunden. Da ein argentini'cher Art bereits in einer Entführungsaffäre in Braq im Jahre 1922 eine Rolle spiel'e. und da ferner auch in dem Straf prozek menen hen Kriminoffommissar Dr. Jiente eine Entführung burch einen folchen vorlag. ift anzunehmen. daß es sich immer um di f- lbe Person handelt. Er ist eine mittelgroße fräf ine Berfon von jüdischem Typus, spricht fließend spanisch und fran öfifch und ist sehr gewandt im Sport und Lassowerfen. Der Täter wird von der Wiener Polizeidirektion gesucht, auch ist seine Festnahme auf Grund des internationalen Abkommens von 1904 in anderen Staaten möglich. Verurteilte Fallchgeldhersteller. Das große Edöffengericht in Karlsruhe verbandelte geçen 7 Angellogte, die beschuldigt waren, Au Beginn des Jabres etwa 1000 tid 1- illionen martideinefowie mehrere 10- Billionen Marticheine der Teutschen Reichsbabn gefälscht und in den Städten Karlerube, Dürlac, Pforzheim, Heidelbera, Mannheim und Stuttgart in Umlauf geiegt zu haben. Das Urteil lautete gegen den 24 jährigen Grabeur Eduard Beder sowie deifen Bruder, den Eisenbahnielretär Rarl Beder und gegen den Übr macher Artur Träger auf je 8 Jabre Gefängnis, ferner gegen die beiden Brüder des legteren, Aarl und Wilhelm Träger, auf 11 Jabre bzw. 2 Jabre Gefängnis, gegen den früberen Kellner Frana Reinhardt auf 2%, abre Gefängnis und gegen die Ehefrau des Karl Beder auf 1 Jahr Gefängnis. Mit Ausnahme von Frau Beder wurden fämtlichen Angeklagten auch die bürgerlichen Ehrenrecht aberfannt. Persisch- russische Luftpoft! Reuter meldet aus Teheran, daß die periiiche Regierung mit der rufiffen ein Ablommen iraf gweds Einrichtung eines Luftpostdienstes. Wetter für Berlin und Umgegend. Heiter bis wolftg. Temperaturen nicht wesentlich geändert. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, nachmittags 24 Uhr, im Deutschen Opernhaus Rigoletto". Heute, nachmittags 3 Uhr, im Theater des Westens Wozzec" von Georg Büchner. Karten sind noch im Vorraum des Theaters zu haben. Am 22., 26., 29. November, 3. und 6 Dezember, nachmittags 3½ Uhr Märchenvorstellung im Theater des. Westens. Zur Aufführung tommt Lotte im Weihnachtslande", Märchenfpiel mit Mufit, Gefang und Tanz. Karten zum ermäßigten Preise von 30, 40, 60 f. Karten für alle Veranstaltungen sind zu haben in den bekannten Verkaufstellen. Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefchäftsfeie: Berlin G 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tr. Achtung, Berliner Ramerabfchaftsführer! Es haben noch nicht alle Rameraben die bereits bestellten Wahlplakate abgeholt. Ab Montag. ben 17. b... ftehen Flugblätter zur Berfüanna, die sofort abzu holen find. Jede Kamerabschaft muß mindestens drei Kameraben fenden. Der Gauvorstand. Ramerabschaft Friedrichshain: Montag, den 17. d. M., abends 7% Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a, Mitaliederversammlung. Bollzähliges Erfchein ift Pflicht. Kamerabschaft Banlow und sämtliche Untergruppen: Montaa. den 17. b. M., abends 8 Uhr. Turnen und Jiu- Jitfu in der Turnhalle Bollantstr. 131. Erscheinen Pflicht. Kamerabschaft Neukölln- Brik: Montag, den 17. 6. M., 1. Rua: 7 Uhr bei Mosler, Weichselstr. 8; 2. Rug: 7 Uhr bei Ghittler. Weichfel, Ede Donaustraße: 3. Rua: 7% Uhr bei Aukli, Sermannftr. 75: 4. Rug: 7% Uhr an bekannter Stelle. Rugperfammlungen. Erscheinen Pflicht. Dienstag, den 18. d. M.. abends 6 Uhr. 1., 2., 3. Rug und Jungmannschaft Antreten zum Verfammlungsschuh in Brig. 3. Rug: Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 16. November. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Trio B- Dur, Satz 2 Larghetto. Mozart( Triovereinigung Friedhelm- Wilksch). 2. Vortrag des Herrn Beethoven, Andante cantabile con Variazione( Triovereinigung Pfarrer Dr. Hoppe, Nowawes. 3. Trio op. 1 Nr. 3, C- Moll Satz 2. Friedhelm Wilksch). Hans- Bredow- Schule, Abt. Hochschulkurse der Funkstunde. 10-10.20 Uhr vorm. Geh. Reg.- Rat Professor Dr. Miethe, ordentl. Professor an der Technischen Hochschule Berlin: Die Bedeutung der Photographie. 2. Vortrag: Objektiv und Augenblicksverschluß. 10 30-10.50 Uhr vorm.: Professor Dr. phil. Dessoir, ordentl. Prof an der Universität Berlin: Einführung in die Philosophie. 2. Vortrag: Philosophie und Leben". 11 bis 11.20 Uhr vorm.: Geh. Reg.- Rat Professor Dr. Ing. J. Brix. o. Prof. an der Techn. Hochschule Berlin: Die Stadt. 2. Vortrag: Die Stadt als Gebilde". 11.30-11.50 Uhr vorm.: Prof. Dr. phil. Bock, ordentl Prof. an der Techn. Hochschule Berlin:„ Deutsche Kunsterziehung"( 2. Vortrag). 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Lustige Tiermärchen. 1. Silberfisch und Goldfisch, D. Weysar. 2. Frau Amsels eigenartiges Ei, D. Weysar. 3. Fritze Grün. der Laubfrosch, D. Weysar( Die Funkprinzessin: Adele Proesler) 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus". 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Geh. Legationsrats Dr. Simon: Die Entwicklungslinien der Reparationsfrage". 8.30 Uhr abends: Konzert des Russi schen Balalaika- Orchesters aus Petersburg. Leitung: L. Leonidoff 1. Sehnsucht nach der Heimat, Marsch, A. Dagmaroff. 2. Potpourri: a) Die Wolga entlang. russisches Volkslied, Gurileff, b) Korobatschka, russisches Volkslied, c) Gritzo, ukrain. Volkslied. d) Rassposchol, russische Románze, Wa lamoff. 3. a) Ein Eichenbaum steht. russisches Volkslied, b) Am Kamin, Romanze, Batorin. 4. Der fidele Kaufmann. Variation über ein russisches Volkslied, Leonidoff. 5. Verblühte Chrysanthemen, russische Romanze, N. Harito. 6. Anjuschka, russ. Foxtrot. 7. Warum denn leiden, warum denn lieben, russische Walzerromanze, Jewsejeff. 8. a) Weiße Akazien. russische Romanze, Steinberg, b) Buben, russisches Volkslied mit Variationen. 9 Sonja, russische allade. Partos. 10. Kasbek, kaukasisches Volkslied. 11. a) Kutscher, jag nicht die Rappen, russische Romanze, b) Tiefes Leid. Zigeunerlied ( Solosängerin Orlowa). 12. In der Kirche, Tschaikowsky. 13. a Vergessen sind die zarten Küsse russ. Romanze, Andrejeff, b) Troika, russisches Lied, Bachmeteff. 14. a) Uhnem! russ. Burlakenlied, Leonidoff, bi Im Garten. russisches Volkslied. Variationen, Leonidoff. 15. Potpourri: a) Schnell wie die Wellen. russ. Studentenlied, b) Des Nachbars weiße Hütte, ukrain.. Volkslied, e) Liebste Mutter. tadle mich nicht, Zigeuner.ied. Dübüque. d) Gopak. ukrainische Tanzweise. 16. Romanze, Feldmann. 17. a) Stenka Rasin( Wolgalied) russisches Volkslied, b) Mondscheinliedchen, russ. Volkslied mit Variationen. Andrejeff. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 16. November. Am 19. b. M. fällt der Turnabend aus. Monatsversammlung der Jungmannschaft Montag, den 17. November, abends 8 Uhr, im Lotal Müller, Thüringer Str. 4. Wahlarbeit. Kamerabschaft Söneberg- Friedenan: Montag, den 17. b. M., abends 7 Uhr. versammeln fich fämtliche Kameraden in den Spichern- Sälen, Spichernftr 3. zum Rathaus im Restaurant Rosenthal. Bahnhof Ebersstraße. Kamerabschaft Wedding: Dienstag den 18. D. M., abends 7 Uhr, in Ballschmieders eftsälen, Badstraße. pünktliches Antreten zur Verfammlungsüberwachung. Kameradschaft Köpenick: Montag, den 17. Rovember, öffentliche Rentrumsverfammlung. Saalfchuk trifft sich abends 7% Uhr vor der Dorotheen- Schule. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen: Montag, den 17., und Dienstag, den 18. November, abends 7 Uhr, Antreten aum Saalfchuk in der Knabenmittelschule Marktstr. 11. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Rameradschaft Nenenhacen- Soppegarten- Birkenstein: Am Montag, den 17. November abends 7½ Uhr. Treffen am Bahnhof Hoppe. garten zum Saalfchuß der SPD.- Verfammlung bei Großwendt in Dahlwik. Bollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Kamerabschaft Schlendorf: Montag. ben 17., und Dienstag, den 18. November, abends. Versammlungsschut für STD. und DDP. Cammeln 7 Uhr bei Schnorre. Kamerabschaft Kreuzberg: Dienstag den 18 November, abends 62 Uhr, Antreten zum Gaalfchuß bei Kliems. Safenheide. Kameradfdaft Erscheinen Pflicht. Wilmersdorf: Sonntag, den 16. November, vormittags 11 Uhr, Teilnahme an der republikanischen Rundgebung der Deutsch- Demokratischen Parici im Bartrestaurant Güldende am Bahnhof Güdende. Montaa, den 17. November, Beteiligung an ber großen Maffenkundgebung der Deutsch- Demokratischen Partei in den Spichern- Sälen. Spichernftr. 3, am Nürnberger Plak. Verfammeln 7% Uhr abends im Vorraum des Großen Gaales. Erscheinen Bflicht. Niemand darf fehlen. Dienstaa. den 18. November, abends 7% Uhr, Beteiligung von fünf Gruppen der Jugendabteilung an der Kundgebung des Demokratischen Vereins Walded in den Spichern- Sälen. Dienstag, den 18. November, abends 8 Uhr. Borstandssikung mit den Rug- und Gruppenführern bei Ahlefeld, Uhland, Ede Günkelstraße in Wilmersdorf. Kamerarschaft Berlin Mitte: Montag den 17. November, abends 7 Uhr, in den Residenz Sälen, Landsberger Str. 34, Gaalschuk. Dienstaa. den 18. November, abends 7 Uhr. in Saverlands Festfälen, Neue Friedrichstraße. Arbeiter Rabio- Klub. Montag, den 17. b. M., erweiterte Borstandsfikung in der Gefchäftsstelle. Alle Funktionäre haben zu erfcheinen. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird in der lekten Woche des Bahlfampfes mit zwei großen Beranstaltungen in die Oeffentlichkeit treten. Am Montaa. den 1. Dezember. abends 7% Uhr. werden im großen Gaal des Lehrervereinshauses Redakteur Dr. Morik Goldstein und Reichstagsabgeordneter Dr. Julius Mofes über das Thema Gind wir Juden rechtIos?" sprechen. Am Mittwoch, den 3. Dezember, abends 7% Uhr, findet in den Spichern- Sälen. Spichernftr. 3. ein Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Bruno Weil über das Thema Die iüdische Internationale" ftatt. Der Reichsbund der Kricasbeschädigten, Rricosteilnehmer und Krieger. Hinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, Geschäftsstelle Donauftr. 128, ver anstaltet am Sonnabend, den 29. November, in Erbes Festfälen. Berlin S., Sasenheide 13, fein 7. Stiftungsfeft. Es wirken erftklassige Kräfte mit. Der Ueberschuk dient zur Unterstüßung bedürftiger Rameradinnen und Kameraden. Arbeitersport. Die Freie Turnerfchaft Schöneberg veranstaltet am Bußtag, nachmittags 5 Uhr, in der Turnhalle ber Mittelschule Rätherstraße einen Werbeabend, bestehend aus turnerischen und sportlichen Vorführungen. Alle Freunde der Arbeiter Turn- und Sportbewegung, insbesondere die weibliche und männliche Jugend, find eingeladen. Sport. Reit- und Fahrturnier. Das abwechslungsreiche Brogramm brachte am Sonnabend. nachmittag als Nr 1 im Sportpalast ein Junioreniagd. pringen. Es war offen für alle Pferde, die noch nicht fünimal im Ja divringen gefiegt hatten. Bu reiten war es von Mädchen oder Knaben im Alter von 8-15 Jabren. Die Hindernisse dünften bis 80 cm boch sein. Sieger blieb Woligang Gottschalt auf Reis ting. Jm Santt- Hubertus- Preis, der in zwei Abteilungen geriten wurde. fah man jedesmal einen Jagdgolopp hinter einem Winster. Es war ein buntbelebtes, äußerst anziehendes Bild. Bei dem En spännerfahren, das für Pferde im Hockney- Typ reserviert war, waren in beiden Abteilungen Damen Sieger. Geschäftliche Mitteilungen. Die febem Raucher bekannte Rigarrenfirma Dscar Görner, Unter ben Linden 3, Ede Wilhelmstraße, ftellt jest wieder ihre alte Fehlfarbenzigarre Nr. 8, auch unter dem Namen Bunt aber qut" eingeführte Spezial marte, zum Verkauf. Trok der enormen Tabatpreise stellt sich der Preis für diese rein überfeeische Bigarre auf nur 8 Pfennig. Es ist dadurch auch dem minderbemittelten Raucher möglich. fich den Genuß einer quten Rigarre au leiften. Frau Müller ist stets auf der Sut, fauft billia ein und trkdem gut. Drum Der trinkt in ihrem Saus von ie man nur Kathreiners Malzfaffee". Gehalt macht's! geberflühle unb Alubfeffel werden schon nach verhältnismäßig furzer Reit unanfehnlich, wenn man es an der richtigen Pflege der Lederbezüge fehlen fäßt. Gie erfcheinen abgewekt, die Farbe schwindet. Sie werden aber wie neu und bleiben fchön, wenn das Leder regelmäßig mit Erdal in Dosen mit dem roten Frosch. weiß oder farbia. gepflegt wird. Die Pasta braucht nur hauchdünn aufgetragen, dann gebürstet und mit weichem Tuch nach poliert zu werden. Das Leber behält feine Farbe, es bleibt weich und schön, Flecken verschwinden und es bekommt seinen ursprünglichen Glanz. Konzert der Hauptfunkstelle. Mitwirkende: Frl. Hildegard Nickel, Alt; Dr. Liebeck. Baß; Friedrich Ellersieck; am IbachFlügel: Frau Dr. Liebeck. Sulonkapelle Jenö Feska. Berlin: 1. Violine Jeno Fesca; 2. Violine: Otto Teubner; Cello: Rudolf Üschmann; am Ibach- Flügel: Heinrich Salomon. 10 40-11.40 Uhr vorm.( Welle 680). 1. Moon River, Vaise, Lee David. 2. Fantasie aus Tosca", Puccini. 3. Vortrag: Die Bedeutung der Welthilfssprache Esperanto für den Rundfunk" von Telegraphe..direktor werben, daß man die Urfache der Schmerzen, nämlich die Senkuna des FußArn. Behrendt. 4. Liebeslieder, Joh. Strauß. 5. Adoration, Filipucci. 11.50-12 50 Uhr nachm.:( Welle 2800). 1. Cavalleria rusticana. Mascagni. 2. Drei Lieder in Esperanto: a) La Tagigo( Tagesanbruch) Baranski( Frl. Nickel), b) Kanto de Weyla( Weylas Gesang) Hugo Wolf( Dr. Liebeck, Baß), c) Knab' rezetos vidis li ( Sah ein Knab' ein Röslein steh'n) Deutsches Volkslied, Goethe ( Duett: Hildegard Nickel und Friedrich Ellersieck). 3. Murmelndes Lüftchen, Jensen- Popper. 4 Czardas aus Gräfin Mariza", Kalman. 5. Wenn du meine Tante siehst", Rud. Nelson. Montag, den 17. November. n 9 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.20 Uhr abends: Ratschläge fürs Haus*. 6.30 Uhr abends: Zehn Minuten für die Hausfrau. 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.45 Uhr abends: Vortrag des Herrn Oberregierungsrats Bogusat vom Reichsgesundheitsamt: Volksmedizin und Aberglaube. 830 Uhr abends: Solistenkonzert unter Mitwirkung von Ottilie Metzger- Lattermann, Alt; Theodor Lattermann, Baß- Bariton; Konzertmeister Gottfried Zeelander, Cello, 1. Arie des Mephistopheles aus der Oper Mefistofele", Boito( Theodor Lattermann). 2. Arie der Dalila O Liebe! Meinem Haß steh' zur Seite, aus der Oper Samson und Dalila, Saint- Saëns( Ottilie Metzger- Lattermann). 3. a) Weylas Gesang, Hugo Wolf, b Zueignung, Richard Strauß. c) Wanderlied, Schumenn, d) Der Wagen rollt( Theodor Lattermann). 4. Sinfonische Variationen, Boellmann( Gottfried Zeelander). 5. a) Der Lindenbaum, Schubert, b) Der Tod und das Mädchen, Schubert, o) Der Erlkönig, Schubert, d) Seligkeit, Schubert ( Ottilie Metzger- Lattermann). 6. a) Herbstlied, Tschaikowsky, b) Allegro appassionata, Saint- Saëns( Gottfried Zeelander) 7. a) Credo aus der Oper Othello", Verdi, b) Maria Mari. Neapotitanisches Volkslied, di Capua( Theodor Lattermann). 8. a) Volkslied, Weber, b) Die Mutter an der Wiege. Loewe, c) Sapphische Ode, Brahms ( Ottilie Metzger- Lattermann). Am Schwechten- Flügel: Kapellmeister: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( Herr Nebermann). 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Warenversand von M. 20.- an, portefret Braut- Ausstattungen In jeder Preisloge, von der einfachsten bis zur reichs'en Ausf hrung Nr. 542 41. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Deutschnationale Séance. Sonntag, 16. November 1924 Wie wir hören, wurde fürzlich in einem deutschnationalen Zirkel eine spiritistische Séance veranstaltet. Zunächst verfachte man, den Geift Immanuel Kants zu zitieren. Nach fundenlangen vergeblichen Anstrengungen erschien schließlich feine Perüde. Bom Geist selbft feine Spur. Köpfe. Graf Westarp, deutschnationaler Spizenkandidat für Potsdam. Nur Menschen, die sich der Wahrheit absichtlich verfließen, lönnen leugnen, daß die Duodezfürsten, die unser Baterland bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts in ganzen Rudein beglückten, Berdienste aufzuweifen haben. Mancher von ihnen hat Samenförner gepflanzt, die herrlich aufgegangen find. Eines dieser Samenförner wurde der Begründer des Geschlechtes der Grafen von Weftarp, der im 19. Jahrhundert aus der linken Linie eines Gereniffimus hervorgegangen ist. So jung das Haus Westarp auch ist, fein Glanz hat doch schon mit femitischem Gold aufgefrischt werden müssen. Zwar hat die von der deutschnationalen Reichstagsfraktion angestellte Blutprobe mit Sicherheit ergeben. Daß Herr Bulle ein preuBifches bürgerliches Fräulein, bas jüngst der Ehre teilhaftig geworden ist, die Gattin eines Grafen Westarp zu werden, zu Unrecht jüdischer Herkunft geziehen hat Aber von Hamburg her ist in der erlauchten Famille eine Dame importiert wor den, die bis zu ihrer Bermählung den allerdings ins Franzö fische übertragenen Namen eines der Erzpäter getragen hat. Go ist ein feglicher in Deinem ganzen Land auf ein', auf anb're Art mit Ifrael verwandt." Der Spizenkandidat der deutschnationalen Bartel im Bezirk Potsdam, Graf Westarp, hat sich durch die Rücksicht auf die Empfindlichkeit eines Mitgliedes seiner Familie nicht davon abhalten laffen, in der Universitätszeit Mitglied des stramm antisemitischen Bereins Deutscher Studenten zu werden. Die rohe und blobe Art, in der dieser Beren die Judenfresserei be treibt, hat alle besseren Stöpfe und Dornehmeren Naturen unter jeinen Mitgliedern in dem Maße angewidert, daß sie zur bürgerlichen oder zur sozialistischen Demokratie übergegangen find. Genanni felen mur Naumann, Gerlach, Göhre, Wolfgang Heine. Graf Westarp ist über ble Studentenzeit hinaus Der Sache des Vereins treu geblieben. Er schloß sich der deutschkonservativen Partei an, die sich bekanntlich im Jahre 1892 unter Hochrufen auf Ahlwardt das antisemitische Livoli Programm' gegeben hat. Seine Gesinnungstüchtigkeit wurde mit dem Landratspoften des Kreifes Bomst in der damaligen Broving Bofen belohnt. Dem fauren Ausdruck feines Gesichts nach zu schließen, hat er es in diesem Birtungsfreise für seine Berufspflicht gehalten, den Bomster Wein, der unter den deutschen Edelgewählen unmittelbar hinter dem Grünberger rangiert, zu feinem Tafelgetränt zu machen. Später fam er nach Pommern, dann als Hiffsarbeiter in das Ministerium des Innern, wurde demnächst Polizeipräsident in Schöneberg und schließlich Oberrerwaltungsgerichtsrat Seine HIERSTEHE ICH, ICH KANN NICHT ZANDERS! ༢༢ ་ ་ ༧ Hierauf beschloß man, den Geist Martin Luthers zu beschwören. Der Reformator bat jedoch durch drahtloses Telegramm aus dem Jenseits, sein Fernbleiben zu entschuldigen, und beauftragte Erz. Hergt mit seiner Vertretung. Leider war dieser infolge eines inzwischen erlittenen Unfalls nicht mehr in der Lage, den ehrenvollen Auftrag anzunehmen. Im Jahre 1908 ftellten ihn die Ronfervativen des Wahlfreises Meseriz- Bomft als Reichstagstandidaten auf. Wahl hing davon ab, ob ihn die jüdischen Wähler des Kreises, einige Hundert an der Bahl, unterstuzten oder nicht. Einer von ihnen erfundigte sich bei dem Kandidaten, welche Stellung er zum Judentum einnehme Graf Westarp antwortete in einem Briefe, den er als Wahlflugblatt verbreiten ließ. Darin hieß es: Benn ich( in meinen Wahlreden) auf die sogenannte Judenfrage eingegangen wäre, fo mürbe ich etwa folgendes haben fager fönnen: Der religiöse Unterschied, der mich als Evangelischen von bem Judentum trennt, fann für mich ebenso wie derjenige zur Batholischen Konfeffion niemals ein Anlaß sein, die jüdische Bevölle rung zu befämpfen oder zu ihr in Gegensatz zu treten. Die ver faffungsmäßige Gleichberechtigung der Juden erkenne ich vollkommen an und beabsichtige nicht, zu einer gesetzlichen oder sonstigen Einschränkung derfelben meine Hand zu bieten. Im übrigen weiß ich und ertenne gern an, daß die Juden des Wahlkreises trop mancher HR Westarp. Ich bin ein deutscher Mann von echtem Schrof und Korn und imponier mir selber ganz enorm, den Juden und Franzosen schwör ich Zorn und Tod und ohne Schulzzoll kriegt das deutsche Bolt kein Brof. Amen. O.KOESTER Zuletzt wandte man sich an den Geist Barbarossas. Wie Se. Majestät jedoch durch Funkspruch aus dem Kyffhäuser mitteilen ließ, waren Höchstdieselben leider unabkömmlich, da hochdero Bart durch den Tisch gewachsen sei. gefchäftlicher Schwierigkeiten, die ihnen das einträgt, in verdienst voller Weise sich zur deutschen Sache gehalten haben und an der Selbstverwaltungspflicht getreu teilnehmen." Und weiter: Die von mir ausgesprochenen Grundfäße religiöjer Toleranz fub mir fo in Fleisch und Blut übergegangen, daß ich es eigentlich für überflüffig gehalten habe, so ausführlich darüber zu reben." Graf Westarp wurde mit den Stimmen der jüdi schen Wähler Abgeordneter. Damit hörte seine religiöse Toleranz auf. Er war nicht zu vornehm, eines Tages im Reichstag gegen Karl Liebknecht einen antisemitischen Anwurf zu richten, womit er allerdings hereinfiel, denn zu den Vorfahren Liebknechts gehörte zwar Martin Luther, aber fein Jude. Der Senat des Oberverwaltungsgerichts, dem Graf Westarp angehörte, galt als der beste dieses hohen preußischen Tribunals. Seine Urteile waren als vorzüglich bekannt. Un diesem Renommee halte Graf Westarp den Hauptanteil. Er war nämlich unter seinen Kollegen dafür bekannt, daß er den Nagel stets auf das Gegenteil des Stopfes traf. Sie entschieden deshalb grundfäßlich umgekehrt wie er wollte und entschieden auf diese Weise stets richtig. Der Strieg fand den Herrn Grafen selbstverständlich im Lager der eifrigsten Annegionisten. Besonnenheit zeigte er nur darin, baß er tein Berlangen danach trug, selbst zur Eroberung fremden Landes das Schwert zu ziehen. Er legte awar von 1914 bis 1918 die Offiziersuniform nicht ab, blieb aber im Lande und übte zur Abwechslung wieder einmal religiöse Toleranz. Zur Erledigung der ihm übertragenen Geschäfte des Roten Kreuzes verwendete er nämlich einen jüdischen Privatsekretär, der so porzüglich arbeitete, daß sein Arbeitgeber feine gesamte Zeit in den Dienst hochpolitischer Tätigkeit feellen konnte. Von welcher Art diese war, davon mag eine Tatsache Zeugnis ablegen. Im Jahre 1917 gab der Herr Graf im Hauptausschuß des Reichstages seiner Sehnsucht Ausdruck, daß Oesterreich mit der Entente einen Sonderfrieden schließen möge, damit Deutschland von der ewigen Rücksichtnahme auf den Bundesgenossen befreit merde. Daß Oesterreich zu einem Sonderfrieden nur unter Bedingungen gelangen fonnie, die sein Gebiet fortan zum Aufmarschgelände für feindliche Heere machen mußten, daß mithin menige Tage nach dem Ausscheiden Desterreichs aus der Front der Einbruch des Feindes in Sachsen und Bayern und sehr bald danach die Trennung des deutschen Südens vom Norden mit ihren todbringenden Folgen folgen müßte, hatte der bedeutende Politiker nicht erkannt. Am Tage des BZusammenbruches schlüpfte Graf Westarp aus der Uniform. Wenige Tage später erschien er, der bis dahin jeben fozialdemokratischen Abgeordneten als minderwertigen Menschen betrachtet und durchy völlige Nichtbeachtung geehrt hatte, bei einem der Boltsbeauftragten, um ihn zu fragen, ob der Rat der Boltsbeauftragten fein Leben sichern tönne. Auf die verneinende Antwort. die damit begründet wurde, daß die Volksbeauftragten ihr eigenes Dasein nicht zu schüßen vermöchten, fragte der Graf meiter, ob gegen seine Abreise nach Westpreußen etwas einzuwenden sei. Wieder lautete die Antwort verneinend. Und nun hatte der Herr Graf nur noch einen Wunsch, nämlich den, daß ihm der Volksbeauftragte zum Schutze gegen Arbeiterund Soldatenräte, die ihn etwa unterwegs aufhalten könnten, einen Geleit brief mitgebe. Er erhielt die Urkunde und ver schwand aus Berlin. Der Boltsbeauftragte, an den er sich gewandt hat, war der jegige Reichspräsidenti Herr Graf Westarp fann sicher sein, daß er ihm, was auch, femmen möge, feinen Besuch niemals erwidern wird. Den in der Zurückgezogenheit lebenden deutschkonser valiven Führer fonnten die Angebote der Deutschnationalen zweie: Wahlkreise, ihn bei der Wahl zur Nationalversammlung an die Spige ihrer Kandidatenliste zu stellen, nicht verloden. Er lehnte jede Kandidatur ab. Erst als er sich überzeugt hatte, daß er der Sozialdemokratie zu Unrecht die blutdürftigen Gesinnungen seiner eigenen Parteifreunde zugetraut hatte, und als er sah, daß die junge Republik nicht mit der Guillotine arbeitete, fam er zurüd und nahm für Potsdam eine Kandidatur zum Reichstag an. Er mußte aber auf der Liste norerst hinter Herrn Bulle Plaz nehmen. Dies wird ihm um fo weniger weh getan haben, als beide Herren vor trefflich zueinander passen. Man fann fie, da sie beide während des Krieges im Lande geblieben sind und vom sicheren Port aus für die Fortsehung des Krieges bis zum letzten Mann vor ihnen beiden eintraten, sozusagen als Kriegskameraden bezeichnen. Jetzt ist Graf Westarp wieder ganz der alte. Bon religiöser Toleranz ist er frei, tönnte sie ihm do) in Potsdam nur schäd lich sein. Als in der Inflationszeit die deutsche Landwirtschaft um höheren Profits willen ihr Getreide zurüchielt und verzweifelte Massen die Bäckerläden in den Städten stürmten, prägte der Herr Graf im Reichstag fein berühmtes Wort: Das Bolf hungert bei vollen Scheunen." Ein Mann, der die innersten Falten der schönen Seele des Herrn Grafen so genau fennt, wie fein Möchte gern- Blodbruder Stresemann, deutete diefe zynische Aeußerung als eine Billi gung der wucherischen agrarischen Brattifen. Und Graf Westarp widersprach dieser Auslegung nicht. Seht die Wählerlisten ein! Sichert Euer Wahlrecht! Wer nicht in der Stimmlifte steht, hat tein Wahlrecht. Seht an den Säule nanjchlägen nach, wo die Stimmliften ausliegen. Bersichert Euch, daß Ihr in den Stimmlisten eingetragen seid! An die Frauen! Frauen, wir rufen Euch! Was ist zu tun in dieser Zeit völliger gere riffenheit? Machen wir Frauen unseren ganzen Einfluß geltend, daß die Borbereitungen zu den Wahlen und die Wahlen felbft sich im Formen vollziehen, die eines gebildeten, politisch reifen Boltes würdig sind. im Wortkampf auch mit dem schärfsten Gegner. Werfen wir Frauen bei den bevorstehenden Wahlen unsere ganze Rraft in diesem Sinne in die Wagschale. Was fordern wir Frauen von den Kandidaten? Wir forder 1: daß den deutschen Frauen die ihnen ver fassungsgemäß zustehenden Rechte gewährt und wiederhergestellt Nicht rohe Gewalt; nicht verleumben. lärmen, schimpfen, toben, hat? War es nicht das schwarzweißrote Junfertum in Zivil und Uniform, das immer nur mit tiefster Berachtung von Defterreich fluchen, prügeln, schießen sind die Ausdrucksweise politisch retfer im allgemeinen und von den österreichischen Kriegsgefährten im und gebildeter Wähler; geistige Kraft und sicheres Urteil äußern im allgemeinen und von den österreichischen Kriegsgefährten im besonderen gesprochen hat? Ist es aber nicht die deutsche Re- fich durch ruhiges Anhören, durch gefittetes, fachliches Widerlegen publik gewesen, die bei der Wahl der Nationalversammlung im Januar 1919 den Deutschösterreichern das Wahlrecht gab und die dem Vertreter Deutschösterreichs in Berlin, unferem Genoffen Professor Ludo Hartmann, zu den Vorbereitungen der zu den Vorbereitungen der Professor Ludo Hartmann, Weimarer Verfassung, die nach dem Willen der deutschen Republik auch für Deutschösterreich gelten sollte, hinzuzog, an denen er aud in umfangreichster und verdienstvollster Weise teilgenommen hat? Baren es nicht unfere österreichischen Genossen, die die vorläufige Verfassung der Republik Deutschösterreichs mit dem Sag einleiteten: Deutschösterreich ist ein Glied der deutschen Republik"? Erst als die Entente durch die schwersten Drohungen DeutschWir fordern: daß endlich im gesamten Staatsleben auf österreich zwang, feinen freigewählten Namen abzulegen, und den geräumt wird mit der Anwendung brutaler Gewalt. Jede Gewalt Einleitungsfat feiner vorläufigen Verfassung zu streichen, und ruft neue Gewalt hervor, Gemalt allein ist die Urheberin allen UnDeutschland auf die gleiche Weise gezwungen wurde, jede Verheits das in den letzten Jahren über die Bölfer fam. wirklichung des Vereinigungswunsches zu unterlassen und die Nur Umfehr auf ganzer Linie schafft Rettung! Deutschösterreicher a's Ausländer zu behandeln erst unter die'em Wir fordern: Ausschaltung jeder Gewalt in Erziehung, übermächtigen Zwang mußten fich die beiden deutschen Re- Rechtsprechung, Etrafvollzug usw. Fort vor allem mit der Todes. 17 publiten beugen... Ein anderes Mal erwiderte der Herr Graf im Reichstag Wie wenig gerade die Bekenner der Weimarer Verfassung den gegenüber einer Anspielung Scheidemanns auf die Massen Bereinigungsgedanken ausgegeben haben, das zeigte erst legzthin die desertion der Konservativen, die die Begleiterscheinung des Zuede des Reichstanzlers Marg auf dem Zentrumsparteitag fammenbruchs war, folche Anwürfe seien zu niedrig, um ihn in Berlin. Die freie Organisation aber, die den Vereinigungsund seine Freunde zu erreichen. Er ist bei diesen Worten nicht gedanten wachzuhalten und seine friedliche Berwirklichung vor. errötet. Ein Beweis dafür, daß er das unter gewiffen Um zubereiten bestrebt ist, der Oesterreichisch Deutsche Voitsständen wohltuende Gefühl der Scham nicht fennt. Mit Vor- bund mit seiner Zentrale in Berlin und feinen vielen Ortsgruppen liebe fämpft er für den Ausschluß der Sozialdemokratie aus im Reich, steht unter dem Vorsitz unseres Genossen Paul Löve, allen Aemtern, was immerhin für eine gewisse Selbstlosigkeit und so wenig dieser Volksbund eine Parteirichtung hat- die des Herrn Grafen spricht. Denn wer wird ihm bei nochmaligem Schwarzweißroten und insbesondere die Deutsch natioEintritt schlechter Zeiten einen die Stelle des Amuletts vernalen fann man dort mit der Laterne suchen. tretenden Schußbrief ausstellen, wenn es feine sozialdemofratischen Minister gibt? Die Heldenrolle, die der Herr Graf in den Monaten nach dem 9. November 1918 gespielt hat, hält seine Freunde davon ab, ihn zum Parteivorsitzenden zu machen. Man sieht den Grund dieser Zurüdsetzung nicht recht ein, da die anderen sich damals genau so gefürchtet haben wie er. Den Befähigungsnachweis zur Führung der hoch achtbaren deutschnationalen Bartei hat er jedenfalls in den letzten Augusttagen des Jahres erbracht. Denn an der Seite des Herrn Hergt hat er jene Berhandlungen mit Herrn Stresemann geführt, in denen die Deutschnationalen fich für die Lieferung der zur Annahme des Eisenbahngefeges nötigen Stimmen vier Ministerposten aus bebangen. Nachdem unter der Mitwirfung des Grafen Weftarp die Bedingungen des sauberen Handels festgelegt waren, stimmte der Herr Graf selbst gegen das Eisenbahngesetz, weil es seines Ja" zur Annahme nicht bedurfte. Es ist schmer zu sagen, wann er fich heldenhafter benommen hat, ob Mitte November 1918 oder Ende August 1924. Aus der Oberverwaltungsgericht ist Graf Westarp aus geschieden. Er nennt sich seitdem fönigl. Oberverwaltungsgerichtsrat a. D.", läßt sich aber dazu herab, von der Republik eine Pension anzunehmen. Seine freie Zeit permendet er zu Bis jetzt fonnten die Freunde des Vereinigungsgebantens darauf hinweisen, daß in dieser Beziehung fein Meinungsunterschied im Deutschen Reich bestehe. Es ist dem deutschnational. Döttischen Blatt vorbehalten geblieben, den Parteizank durch eine gewissen- und schamlose Berdächtigung auch hier hineinzutragen. Dafür werden die Freunde des Bereinigungegedankens am 7. De ember quittieren. Stimmen für die Halb- und- Halb- Partei wird man damit nicht gewinnen- die älteren Desterreicher in Deutschland erinnern sich noch sehr wohl jenes Volksliedes, das einst auf den Deutschen Nationalverband im österreichischen Abgcordnetenhaus gedichtet wurde und das nun so trefflich auf die Deutschnationale Bolkspartei im verflossenen Inflationsreichstag paßt: Der Eine saß, der Andere stand, Der Dritte fehlte micder.. Das ist der Nationalverband, Stimmt an das Lieder der Lieder! 80 Der Desterreichisch- Deutsche Boltsbund hat die politischen Barteien ersucht, in der Wahlbewegung die Anschlußfrage den Minderheitenschuh und die Forderung nach Gleichberechtigung der Desterreichisch- Deutschen mit den Reichsdeutschen besonders zu betonen. Da in Deutschland eine fast ½ Million zählende Kolonie ehemaliger Desterreicher lebt, außerdem fajt die gleiche Zahl schon für die Intereffe. Der Volksbund hat zur öffentlichen Erörterung eine Bersammlung für den 20. November im ehemaligen herrenhaus einberufen, zu der Kandidaten aller Parteien zur Stellungnahme aufgefordert sind. cifriger Mitarbeit an der Kreuzzeitung" und der National eingebürgert ist, haben diese Fragen die gleiche Zahl schon post". Die Artikel, die er in beiden Blättern veröffentlicht, werden von seinen Parteifreunden viel gelesen. Daher rührt die Müdigkeit im deutschnationalen Parteilager, die den Parteivorstand mit trüben Ahnungen für den Ausgang der Reichstagswahl vom 7. Dezember erfüllt. Die Schöneberger haben eine ihrer Straßen auf den Namen des Herrn Grafen Westarp getauft. In richtiger Würdigung des eigenartigen Führertalentes des Mannes haben jie dazu eine Sadgafje gewählt. Kampf um Großdeutschland. Wen wählen die Oesterreicher? Die Auf zur Wahlarbeit! Werbt für die Sozialdemokratie! Die Bürgerblodfront ist erschüttert. Jett gilt es, den Bürgerblcd vollends zu zerschlagen. Deutschland muß von dem Gespenst des Rechtsblocks, der Reaktion, der Diktatur des Großfapitals befreit werden. Der Gegner weicht. Drängt ihm nach! Werbt unermüdlich für die Sozialdemokratie, alle Mann! Werbt überall: Keiner, der von der letzten Wahl enttäuscht ist, darf ins Lager der Nichtwähler gehen. Ihr müßt jeden gewinnen, für uns gewinnen. Weg mit aller Gleichgültigkeit! Jeder einzelne wirft mit an der Gestaltung unseres Gefchids in der Zukunft. Zeigt, daß ihr polifisch reif feid. Seid tätig- dann zerschellt an Eurem Willen jeder Dersuch der Reaktion, zur Herrschaft zu gelangen. Unter dieser Ueberschrift macht die Deutsche Zeitung" den Versuch, die in Deutschland eingebürgerten und daher wahlberech tigten ehemaligen Angehörigen Desterreichs für die schwarzweißroten Parteien einzufangen. Bei der von Grund auf demokratischen Gesinnung der meisten Desterreicher hat dieses Beginnen von vorn. herein wenig Aussicht auf Erfolg. Unb es verliert die letzte Gewinn dance, wenn es mit glatten Lügen verfochten wird. Deutsche Zeitung" behauptet, daß die deutsche Republik die Bereinigung mit Deutschösterreich aufgegeben habe, daß die Weimarer Berfassung Klein deutschland bedeute und nur die Schmarz weißroten für Großdeutschland eintreten. War es nicht der schwarzweißrote Seros Bismard, der Großdeutschland zerschlagen und die deutschen Desterreicher aus dem Reich herausgedrängt die Sozialdemokratie! Warme Jeder Betrieb, jede Straßenbahn, jede Straßenede, jeder Laden, jedes Bureau eine fozialdemokratische Wählerversammlung! Fort mit dem Bürgerblod, fort mit Unternehmerwilltür, Justizschande, Brofwucherplänen! Macht Deutschland und Deutschlands Arbeit im Inneren frei, macht die Bahn frei für eine Außenpolifit, die zur äußeren Freiheit führt. Nieder mit dem Bürgerblod, für Gleiches Recht für Mann und Frau auf allen Gebieten. strafe! Wir fordern: Im inneren wie im äußeren Leben der Bölfer Berständnis an Stelle von Gewalt. Fert mit allen Kriegen und allen Waffen! Wir wollen weder Bürgerkrieg, noch Völker frieg. Wir wollen feine bewaffneten Horden, weder rechte noch linke. Gine Generation ohne jede Gewalt, zu Gerechtigkeit, Güte und Berstehen erzegen, würde jenen Zustand der Menschlichkeit schaffen, nach dem die Völker der Erde sich sehnen. Wir fordern: eine Politif bewußter Friedensbereitschaft, die Deutschlands badmöglichsten Eintritt in den Bölkerbund herbelführt. Wir verlangen, daß unsere Kandidaten auf dem Boden der deutschen Republik fichen und fich für ihre Aufrechterhaltung und ihren Ausbau mit ganzer Kraft einsehen. Wir verlangen, daß der Verfassungsbruch aufgehoben werde, der den Achtstundentag beseitigt hat. Es ist nötig für die Gefundheit und für die Bildung der Arbeitenden, daß sie Erholungsstunden haben und daß nicht Mustein, Nerven und Hirn bis zur menschenunwürdigen Abstumpfung angespannt werden. Wir verlangen, daß das Gespenst der Kornzölle und alle anderen Schutzzölle verschwinden. Wir fordern Freihandel. Es ist nicht wahr, daß Schutzölle die Volkswirtschaft fördern. Eie verteuern die allgemeine Lebenshaltung, sie die ten dem ungerechtfertigten Profit der weniger Bevorzugten, fie schaffen intero nationale Konfliktsstoffe und führen zu Kriegen. Frauen, gebt Eure Stimme am 7. Dezember nur einer Liste, deren Kandidaten diesen Forderungen gerecht zu werden be müht find. Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit. Deutscher Zweig. staitong si Nicht deutsch, nicht national!* Das Charakterbild der Deutschnationalen. E Die Deutschynationalen find charatterios, denn sie haben am 29. Auguft das Gegenteil pon dem getan, was ihr Führer hergt am 28. Auguft arifündigte. Sie sind feig denn sie haben aus Angst vor der Reichstagsauflösung ihre Grundsätze verraten. Sie find fäuflich; denn sie haben ihre Gesinnung gegen Minister. fize verhandelt. Sie sind antinational; denn sie handelten am 29. August nicht aus vaterländischen Erwägungen, fondern aus parteitaktischen Schiebererwägungen. Sie sind ehrlos und schmachbebedt: ihr Führer Schlange versicherte am 19. August: " Benn eine deutschnationale Fraktion fich bereit finden würde, diefes Sachverständigengutadyten, das unsere Brüder am Rhein und Ruhr preisgibt, anzunehmen, dann hat sie damit einen Tropfen Schmach in ihr Blut bekommen, dann hat sie an ihrer Ehre gelitten und tann nicht über das Ver. frauen verfügen, das wir haberi müffen, um so zu regieren, mie es verlangt werden muß." Charakterlos, feige, fäuflich, chrlos, treulos, vertogen, anti national ist das deutsch, ist das national? Nicht deutsch, nicht nationaldas ist deutschnational! Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst millen tun. Deutschnational fein heißt, jedwede Sache tum, wenn fie bezahlt wird! 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Wir wir bereits in unserem gestrigen Abenblatt mitteilen| Zumuntung zu erwidern, gaß es ihnen unmöglich ist, auf Grund fonnten, hatte sich im Laufe des Freitags der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses, Gewerberat Körner, an die Organifationen der ftreifenden Hochbahner mit einem Vermittlungs, vorschlag gewandt. Nach dem Vorschlag Körners follte das Schiedsgericht, das seinerzeit den Schiedsspruch gefällt hat, um den Der Kampf geht, erneut zusammentreten und noch durch je zwei Beisiger der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer verstärkt werden, so daß ein Kollegium von 15 Personen zusammengekommen wäre. Die Gewerffchaften fonnten sich nicht entschließen, die Sache der Hochbahner einem Schiedsgericht anzuvertrauen, deffen Bor figender wiederum Gewerberat Körner sein sollte. Man war auch in Gewerkschaftskreisen der Ansicht, daß ein Schiedsgericht von 15 Bersonen einen viel zu großen Apparat dar stellt, in dem die immerhin fomplizierten Fragen der Gehälter und der Arbeitsbedingungen für die Hochbahner nicht mit der gebotenen Sachlichkeit zur Verhandlung fommen fönnten. In der Hauptsache scheiterte die Bermittlungsaktion aber an der Forderung, daß vor Beginn der Berhandlungen zunächst der Betrieb bei der Hochbahn wieder aufgenommen werden sollte! In einer Streifversammlung, die gestern mittag in der Bod. brauerei stattfand, wurde von Stephan von der Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner Bericht erstattet. Nachdem auch Knobel vom Deutschen Verkehrsbund den ablehnenden Standpunkt seiner Organisation begründet hatte, hieß die Versammlung das Vorgehen ber Organisationen einstimmig gut. Während die Versammlung noch weifer diskutierte, tam ein telephonischer Anruf des Direktors Erler vom Arbeitgeberverband Deutscher Kleinbahnen, der die Gewerkschaftsvertreter und einige Mitglieder der Streifleitung zu Berhandlungen zu sich bat. Diesem Wunsche kamen die Gewerkschaftsvertreter bereitwilligst nach. Statt des mit Recht erwartenden Entgegenkommens, befanden sich jedoch die Vertreter der Arbeitnehmer folgenden unglaublichen Bedingungen gegenüber: 1. Ueber den Schiedsspruch hinaus werden teine Zugeständnisse gemacht. 2. Die Arbeit soll sofort aufgenommen werden. Das Personal wird wieder neu eingestellt. Nicht eingestellt wird der Betriebsrat und die Kommission. Die Frage ob und wie Neueinstellung des Betriebsrats und der Kommission vorgenommen werden soll, wird einer Schiedsstelle überwiesen. Den Arbeitnehmern blieb nichts anderes übrig, ais auf diese Erwerbslose bei großen Notstandsarbeiten. Nach Biffer 15 der Ausführungsbestimmungen des Reichsarbeitsministers über öffentliche Motstandsarbeiten vom 17. November v. 3. dürfen bei großen Notstandsarbeiten nur Erwerbslose beschäftigt werden, die von einer Gemeinde unterstützt worden sind, in der u. a. die höchsten zulässigen Beiträge zur Erwerbslofenfürsorge gezahlt werden. Wie der Amliche Wie der Amliche Breußische Bressedienst einem Erlaß des Preußischen Ministers für Bolkswohlfahrt entnimmt, hält der Reichsarbeitsminister, nachdem nunmehr in der überwiegenden Zahl der Länder für die Erhebung und Verwendung der Beiträge die Gefahrengemein schaften gebildet worden sind, die genannte Bestimmung nicht mehr für anwendbar. Nicht die Ausdehnung, die völlige Beseitigung dieser Zwangsarbeit zu ganz unzureidenden Hungerlöhnen ist notwendig. Statt diefer Forderung ber Gewerkschaften zu entsprechen, hält es der Reichsarbeitsminister für angebracht, den bestehenden Mißstand noch zu verschärfen. Zur Aussperrung in der AEG.- Turbine. Am Sonnabend, den 15. November, fand eine Betriebsver fammlung der ausgesperrten Arbeiter der AEG.- Turbinenfabrik statt. In dieser Versammlung wurde ein Bericht gegeben von dem bisherigen Verhandlungsergebnis megen des Dreherkonfliktes. Es murde beschlossen, wenn keine Verständigung mit den Drehern erzielt würde, die übrigen Arbeiter aus dem Wert zu ziehen. + Im Anschluß an diese Bersammlung fand eine Versammlung der streifenden Dreher statt. In dieser Versammlung wurde das Angebot, welches die Direktion den Drehern gemacht hatte. besprochen. Danach sollten die Affordbasen auf 55 und 60 Pfg. cr= höht werden. Die Organisation verlangte, da eine Veränderung der Situation eingetreten fci, eine geheime Abstimmung vorzunehmen. Die Bersammlung stimmte dem Vorschlag der Organisation nach längerer Diskussion zu und hat in geheimer Abstimmung mit übergroßer Mehrheit das Angebot der Direktion abgelehnt. Bum Streit in der Turbine noch furz folgendes: Der Standpunkt der A.E.G.- Direktion gegenüber den Drehern ist nicht zu verstehen. Warum fann die A.E.G. ihren Arbeitern nicht denselben Lohm zahlen, den die übrigen Firmen zahlen? Es ist eine Tatsache, daß die Arbeitgeber in der Zeit des tariflojen Zustandes in ihren einzelnen Gruppen Beschlüsse über die Höhe der zu zah= lenden Löhne faßten. So hat z. B. doch die Gruppe der Mechamit beschlossen, einen Lohn für die Arbeiter der Klasse I von 85, für die Klaffe II 75, die Klasse III 65, die Klaffe IV 52 und die Klaffe V 49 Pfg. als Lohn pro Stunde zu zahlen. Dabei foll die frühere Altersklasse von 18-21 Jahren in Wegfall kommen. An der Arbeiterschaft beider Konzerne liegt es, die Diktatur der Elfes, Köttgen und Borsig zu brechen. Schließt euch zusammen im Deutschen Metallarbeiterverband. Dann wird der Unternehmer feinen Herrn- im- Haufe- Standpunkt aufgeben. Er wird, wenn er weiß, daß ihr geschlossen in einer Organisation zusammensteht, euch nicht mehr so brutal aufs Pflaster werfen und dem Elend preisgeben. Darum rüstet beizeiten, Arbeitskollegen! Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1923: 13000 Badegäste. ICH HAB'S Das sind die Vermittler und das ist der Unparteiische, die die langmütigen Hochbahner geradezu gewaltfam in den Streit hineingetrieben haben! Man stelle sich vor, wie es mit der Hochbahndirektion selbst bestellt ist, wenn Unparteiischer und Vermittler sich erlauben, im Jahre 1924 in Berlin diesen frühkapitalistischen Scharfmacherstandpunkt zu vertreten. Darf man sich da wundern, wenn die Elektrizitätsarbeiter sich weigern, ihr Schicksal diesem Schlichter, der ein Unparteiischer sein soll, anzuvertrauen? Ist es aber zulässig, daß man mit den Interessen der Stadt weder die Arbeitgeber, die da als Vermittler auftraten, noch der Berlin noch länger Schindiuder treibt? Es ist zweifellos, daß Gewerberat Körner als Unparteiischer es gewagt haben würden, den Streifenden solche Bedingungen anzubieten, wenn die Hochbahner geschleifen einer freigewerkschaftlichen Organisation angehörten. Über lichen Gewerkschaften unter der Maste einer Vermittlungsattion darf man selbst Unorganisierten, darf man Mitgliedern der christ. Bedingungen anbieten, von denen man weiß, daß sie nicht in Berlin eine lebenswichtige Verkehrsader unterbinden? Darf dies die Berliner Bevölkerung dulden? Darf der Magistrat als Sachwalter der Bevölkerung Berlins noch länger mit verschränkten Armen zusehen, wie ein hemmungsoses deutschnational- voltsparteiliches Herrentum den Hochbahnern und den Berlinern ein faudinisajes Joch errichtet? angenommen. werden fönner? Darf man bamit Wir beschränken uns für heute auf diese Fragen. Wir erwarten, daß alle, die es angeht und die hier eine Verantwortung tragen und darunter schließen wir den Reichsarbeitsminister ein, endlich die Initiative ergreifen! Lohnstreitigkeiten in Oft- Oberschlesien. Warschau, 14. November.( DE.) Die ostoberfchlesischen Bergs arbeiter haben den Tarifvertrag gekündigt und eine 2ohn. erhöhung von 20 Broz verlangt. In Warichau haben Berhandlungen der Arbeitgeber mit dem Arbeitsministerium stattgefunden, wobei die Vertreter der Regierung in Uebereinstimmung mit den Industriellen erklärt haben, daß an eine 20prozentige ohnerhöhung angesichts der fawierigen Ervortlage der oftoberichlesischen Koblenindustrie nicht zu denken sei. Es wird erwartet. daß der Lohnstreit vor den Schlichtungsausschus gebracht werden wird. Der Arbeitgeberverband für den Duisburg- Ruhrorter Hafenspruch über die Lobnregelung der Hafenarbeiter, Kranführer und betrieb hat beichlossen, den gegen feine Stimmen gefällten: Schiede Maichinisten im Duisburg Rubrorter Safen anzunehmen. Daraufhin hat der Verkehrsbund den für Montag beschlossenen Streit rüdgängig gemacht. Graphisches Gewerbe. Montan, ben 17. November. ab 5 Uhr nachmittags, im Restaurant Senning, Alerandrinenstr. 44. Abholung von Werbematerial. Wir bitten unfere Hunttionäre, dafür au forgen, dek für ichen Betrich Abholung erfolgt. Der graphische Werbeausschuh. 3. A.: Otto Fiedler. Achiung, Konsumgenoffenfataft Berlin und Umgegend! Dienstag abend 72 Uhr im Gemerisafishaus, Encclufer 24-25, Bersammlung aller Angehörigen der SPD. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Wahlen. Unsere Aufgaben. Referent Genoffe Aufhäuser. W. b. R. 2. Aussprache. Gorgt für Wassenbefuch! Der Fraktionsvorstand. tung. Deram. Gidingenft cke! Dienstag nachmittag 3 hr bei Brettschneider, Beuffelstr. 37, wichtige Berfammlung aller SRD.. Genoffen und Snmpathifierenden. Tagesordnung: 1. Die bevorstehen den Wahlen. Unsere Aufaaben. Referent Genojie Selbig. 2. Aus fprace. Corat für quten Befuch! Dee Fraktionsvorstand. Achtung, Schwarklopff. Scheringstrake! Dienstag nachmiting 3% Uhr bei Krüger, Suffiten-, Ede Gerincftraße. Bersammlung aller SRD.Genoffen. Tagesordnung: 1. Die tommenden Wohlen. Unsere Auf gaben. Referentin Genoffin Wachenheim. 2. Aussprache. Ericheinen aller unbedingt notwendig. Der Fraktionsborstand. Achtuna, Rimmerer! Dienstaa abend 7 Uhr in Haverlands Festfälen. Neue Friedrichstr. 85, Eingana Rochftrake, Bertrauensmännet- und Betriebsräteversammlung für das Soch, Beton- und Tiefbaugewerbe. Berbandskameraden, die wichtigkeit der Tagesordnung macht es notwendig. bak hr dafür forat, daß Eure Vertreter auf der Arbeitsfielle reflos in dieser BersammTung erscheinen. Berlanat an anderen Sage Bericht von ihnen, denn nur fo fit es möglich, das alle Kameraben über die gegenwärtigen Verhältnife im Beruf informiert find. Rentralverband der Rimmeret. Sahtelle Berlin und Umgegend Mobelltischler ber Brivalbetriebe. Die filr Dienstag vorgefchene Branchenverfammlung der Kollegen aus den Privatbetrieben findet nicht statt. Der Bericht von den Lohnverhandlungen am Montes wird in der Branchenverfammlung am Donnerstag im Rofenthaler Sof. Rosenthaler Str. 14, дедебек. Die Orisverwaltung. Zentralverband der Säuhmaker. Morgen, Montag, nachmittags 5% Uhr, Branchenversammlung der Ballschuhmacher im Gaal 5 des Gewerkschaftshauses, meine Funktionärversammlung im Saal 3 des Gewerkschaftshauses. EngelEngelufer 25. Dienstag, den 18. November, nachmittags 5% Uhr, algeufer 25. Mitgliedsausweis und Funktionärtarte legitimiert. Branchenversammlung der Zwider und widevinnen nachmittags 5 Uhr bei Von, Weberstr. 6. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Berlin SB. 68. Liabenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts. su ridten Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Montag, den 17. November. Befuch der Gemeinschaftsschule Neukölln. Rütliftcake. durch den Sozialpädagogifchen Selferturfus. Treffpunkt 5 Uhr vor der Schule. Sntereffierte Genoffen find eingeladen. 3. Kreis Wedding. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Die Gruppe Sumboldthain ladet die Parteiaenoffen mit Kindern zu dem heute nach. mittag 5 Uhr in der 140. Knabenschule( Aula), Prinzenallee 8, fattfindenden Mariorettentheater ein. 5. Kreis Friedri shain. Arbeiterwohlfahrts-, Kinderschutz und Kozmunale Rommiffion: Dienstag, den 18. November, 7% Uhr. Gizuma bet Rofin, Gubener Str. 19. 6. Kreis Kreuzberg. Die Mitglieder des Bildungsausschuffles trofen fich Dienstag abend um 7 Uhr zur Abrechnung bei Alicm. Safenheite. Dienstag, den 18 November, abends 6½ Uhr, der gesamte Gaalsus au Aliems. Hasenheide. 14. Kreis Reutan. Sämtliche Ordner, bis auf die ber 98 Abt., am Dienstag abend 6 Uhr bei Kliem Safenheide, Berfammiungsschuh. Die Ordner der 98. Abt. in Bris Bersammlungsschus. Heute, Sonntag, den 16. November: 16. Ft. Bormittags 8 Uhr Flugblattverbreitung. 22. Abt. Vormittags 9 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Bokalen aus: Reuter, Föhrer Str. 13; Radzay, Brüffeler Str. 43; Genkel, Utrechter Straße 10. 31. bt. 9 Uhr Flugblattverbreitung vom Lokal Goldschmidt, Stolpische Straße 36. aus. 33. grbt. 9 Uhr Flugblattnerbreituna non folgenben gofalen aus: Lojad, Benmeftr. 8: Wagner, Stralauer Amee 31: Soffmann. Stralquer once, Ede Markgrafendamm; jenseits der Bahn von Rienin, Simon- Dad Gtraße 36. aus. 69. Wt. Wilmersdorf 9 Uhr Flugblattverbreitung von Andreas, Bfalzburger Str. 55, aus. Morgen, Montag, den 17. november: 3. bt. Rommunale Sommiffion: Die Sigung fällt aus. Bot4. bt. 7% Uhr bei Rosenzweia Landsberner Str. 89, Werbeverfammlung. Thema: Was mill die Sozialdemokratie?" Referent Dr. Freund. märtsiefer und Freunde find eingeladen. 21. St. Rommunale Rommiffion: 7% Uhr Sikung im Lokal Möller, Adolffraße 12. Referent Gerne Stabtret Echneider. 23. 95. 7% Uhr Funktionärsikuna bei Grunwald. 47. 96. Die Sommellisten zu unferer bissiährigen Beihnachtsheferung bedürftiger Kinder find im Umlauf. Weitere Liften find beim Abteilungsleiter erhältlich, bei dem ebenfalls Spenden entgegengenommen merden. 58. t. Charlottenbura. Entaecennahme des Materials zur FlugblattverBreitung von 5-7 Uhr Bayreuther Str. 31. parterre. 77. bt. Schönrhero. Die Vorstandsfikuna findet nicht Montag, fondern Diens tha, den 18. November. bei dem Genoffen Klawitier, Apostel- PaulusStraße 7 ftatt. 100. t. ubor. 7 Uhr im Lokal Palm, Röpenider Str. 81, auker orhenflie Mithlichernerfammlung. 108. 6. Süvenid. 18 Uhr Vorstandssikuna im Jugendheim Grünauer Straße 5. Rimmer 1. Junatozielinen. Webeitsgemeinschaft Ennelhardt: 8 Uhr im 25. Rimmer 60, Belle- Alliance- Str. 7-10. Thema:„ Die geistigen Strömungen der Gegenwart". Frauenveranstaltungen am Montag, den 17. November: 12. t. 7 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 17, Frauenabend und gemütliches Beifammensein. Gäfte willkommen. 25. At. Deffentliche Frauen erfammlung im Enzeum Greifswalder Straße. Näheres fiebe öffentliche Mählerversammlung. 39. 95t. 7 1hr in der Juristischen Sprechfiunde, Lindenstr. 3, Vortrag der Genoffin Gener. 44./45. h. 71 Uhr bei Manel. Manteuffelftr. 47. Bortree des Genoffen Dr. Mar Bric: Der fitltliche Gedanke in der fozialistischen Geschichts auffaffing". 46. Abt. 7 Uhr hei Reister, Cuornfte. 11, Unterhaltungsabend. Dieder ar dute und Restationen. 48. 9TH. 7 hr bei Röhle. Citriner Str. 87a. oemi'fiches Beifammenfein. 82. tt. Stenlik. 71 Uhr bei Thirl. brettr. 87. Ede Dinoftraße. Frauenabend, verbunden mit aemiilidem Reiformenfein. Bortren der Genoffin Erna Kreffe: Wie verftchen mir Sosialisten die Gemeiniaft". 104. 96t. Sicherianemeibe. 7 1hr in der Schule( Reichenfaat). Berliner Straße 31. Borirag des fenofen Ruttkommer. 128./13. bt. Benkow. 71 Uhr bei Mees, Lindenpromenade, Ede Berliner Straße. Bortrag des Genoffen Theck. Uebermorgen, Dienstag, den 18. November: 3. st. 7% Uht Rahlobend bei Edula. Streiberffr. 9. und rüger, Engelufer 23. Referenten Geneffen Auguft Gemahl und C. Gribel. 6. bt. 7% Uhr Funktionärfonferena: außerdem 7 Uhr Rahlghende: Bezirke 486, 87, 503 bei Püttner, Schwebter Str. 23; Bezirk 504 bel Barbeleben. Rheinsberger Str. 46, 8. 9. 7 1hr Sunftionariikuna bei Meher, Bükorftr. 7. 20. 51 7 1hr Gibuna der Funktionäre bei Fritsch. 24. nb 25. gibt. Oeffentliche Wählerversammlung. Referent Genoffe Ctiivien. 81. bt. Friebena. Goairliftisches Seminar: 8 Uhr bei Robe Soapieryftraße 60 61. Vorfran hes Geneffen Dr. von Ungern- Sternberg: Degani. fatorische Weiterentwicklung der Großbetriebe" 104. Wot. Nicherf neweibe. 7 Uhr Flugblattverteilung vom Lokal Thicle, Berliner Straße. aus. 136. 6. Reinienborf- Of: 8 Uhr im Frondheim Geehad. Residenzftr. 49, Borher, um 7 Uhr, ebenda Sihung des engeren Funktionärfrnal Abteilungsvorstandes. Frauenveranstaltungen am Dienstaa, den 18. November: 20. gr6t. 7% Uhr bei Linbe. Rolonieftr. 34. Frauenabend. 83. 91bt. 73 Uhr in der Echule Hohenlohestr. 10. Vortrag der Genoffin Todenhagen. Jugendveranstaltungen. Rue Theatervorstellung am Sonntaa. den 23. d. M., nachmittags 3 Uhr, im heater des Westens. Koniir: 3. werhen noch Cinttitisfacten zum Preife non 90 Bf. im Jugendfeiretariat, Lindenste. 3, 2. Sof, 2 Tr., verkauft. Rur Aufführung gelangt Wessed" von Büchner. Für unser 1. Ronsert( heitere Munt) em Sonntaa. den 30. d... nachmiitags 3 Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Gir. 22-23, find ebenfalls noch Eintrittstarten zum Preise von 73 Pf. im Jugendsekretariat erhältlich. Die Arbeitsacmeinast bcs Genofen Abrahem her. Die der verfassung" beginnt Monian. den 17., abends 7% Uhr, in der Schule Koc ftraße 13. Teilnehmer werden nod angenommen. Heute, Sonntag, den 15. November: Rofenthaler Vorstadt: Wanderung nach Strausbera. Treffpunkt 18 Uhr Börie. Stealin 1: Mufcumsbefuch. Treffpunkt 10 hr Bhf. Gusende. Sütoft( Reidenberger Bieriel): Befud) des Museums für Naturkunde. Treffpunkt 11 Uhr Rotibufer Tag FEST Abteilung Zehlendorf: Elternabenb um 7 Uhr im Gefangfaat der Südfchule mit befonterem Brogramm. Berbebeairt Ofbahn: Führerausfprade im Jugendheim Parkaus 10. Borträge und Disfuffion über: 1. Jugendbewegungen. 2. Kulturfragen. 3. Binchologie der Jugend. Beginn vormittags 9 Uhr. Morgen, Montag, den 17. November, abends 7% Uhr: Wilhelm- Busch- Abend. Karlshorft: Schule Augufte- Bittoria- Str. 35. Often( Wetersburger Biertel): Schule Eberinftr. 12. Diskussion:..Lehrverhält. niffe". Dhen( Stralauer Biertel): Schule Naglerstr. 3. Bortrag: ,, Gegenfeitige Silfe". Achtung. Mitglieder der got. Südwest! Dienstag Turnen in der Sajule Ite Jafobfit. 127. Unfer Seimabend am Donnerstag fällt aus. 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Die Reichsregierung hat zwar wiederholt und eindeutig erklären lassen, daß sie nicht daran dente, mit einer Aufwertung die Spefulationsgewinne der Börsenfünstler zu privilegeren. Das macht alles nichts. Planmäßig wird die Rentenhausse durchgeführt. Tagt der Aufwertungsausschuß, so soll er an den Kursschwankungen schuld sein. Tagt er nicht, so wird die Kurstreiberei mit der Kolportage aller möglichen Gerüchte gemacht. Schuld hat natürlich immer wieder die Regierung. So will es eine nationalgefärbte Börsenpresse. Man könnte über diese Martenschaften lachen, wenn sich nicht eine blutig ernste Sache dahinder verbürge. Es ist das der Versuch, die Zeichner von Rentenpapieren und die sozialbedürftigen Besizer solcher Werte um die geringen Hoffnungen zu betrügen, die ihnen bei einer gerechten Aufwertung bleiben. Wie ist der Tatbestand? Deutschland ist auf Jahre hinaus zu Kriegstributen verpflichtet. Vorläufig hat es eine gewisse Ellenbogenfreiheit in feiner Finanzgebarung. Aber was bedeutet es schon, wenn im Reichshaushalt emige Ueberschüsse vorhanden find? Doch nichts anderes, als daß zu viel Steuern gezahlt werden müssen, daß die Steuern zu hoch, zu verschachtelt, zu produktionsfeindlich sind. So kann man es täglich in der Presse des Kapitals lesen. Aber auch die Arbeiterschaft weiß ein Lied davo zu singen. Die Lohnsteuer ist dringend reformbedürftig, die Umfaz Steuer, ein Edpfeiler des gegenwärtigen Reichshaushalts, beloftet derartig den Verbrauch, daß sie lieber heute als morgen abgeschafft werden sollte, andere Steuern, wie die angebliche Einkommens" freuervorauszahlung in Handel und Gewerbe werden rücksichtslos durch Preisaufschläge abgewälzt. Wir brauchen eine Bereini. gung unseres Steuerwesens und seine Verein f a c úng. " Die Reichsregierung hat aus dieser Sachlage die Konsequenz gezogen, die Steuern herabzusehen. Sie hat dabei den Be. fiz reicher bedacht als Arbeitskraft und Verbrauch. Der Steuerabbau wird fortgesetzt werden müssen. Dann schrumpfen aber die öffentlichen Mittel, die zur Aufwertung zur Verfügung stehen. zufammen. Es fennzeichnet die Demagogie der Rechtsreaktionäre, daß Sie diesen Steuerabbau fordern, gleichzeitig aber ihren Wählern goldene Berge bei einer Aufwertung versprechen. Woher das Geld dafür kommen foll, wenn feine Ueberschüsse bei Reich, Ländern und Gerneinden vorhanden sind, das geht sie nichts an. Trotzdem fordern sie die Aufwertung fämtlicher Schuldtitel, und das teilweise in einem geradezu phantastischen Ausmaß. Daß diese Forderung ein Betrug an den Anleihez eich nern ist, soll ein Beispiel zeigen. Man fann annehmen, daß mindestens die Hälfte der öffentlichen Schuldverschreibungen während der Inflation oder später ihren Be fiber gewechselt haben. Spekulant 1 hatte nun Kriegsanle he für 1000 m. gekauft zu einem Kurse, der 100 Milliarden Proz. betrug. Das war bis zur Mitte dieses Jahres durchaus möglich. Spekulant 2 hat sie zu 1 Billion Prozent gekauft. Der Betrag, den nun diese beiden Spekulanten bei einer Aufwertung auf 5 Broz. und bei einer Zinszahlung von ½ Proz. verdienen, sei einmai gegenübergestellt der Summen, die ein Selbstzeichner oder jemand, der die Kriegsanleihe vor der Inflation zu vollem Kurse erworben hat, von einer derartigen Aufwertung erwarten fann. Es haben dann für die gleichen 1000 Goldmart: Spetulant 1 Spefulant 2 Selbstzeidner Anleihe M. nom. 1 000 000 100 000 1000 Binfen M. 2 5 000 500 5 Die Roften des Erwerbs betrugen nun in jedem Falle 1000 m. Atso verzinst sich dieser Betrag bei . • mit Der Kapitalmert ist mach der Aufwertung. 50 000 m. Spekulant 1 Spekulant 2 Selbstzeichner 500 Proj. 50 Proz. ½ Proz. 50 m. 5000 M. In Proz. des zum Er. merb aufgewendeten Betrages • 5000 Pro3. 500 Proj. 5 Proj. Man versteht nun das Interesse der Spekulation an der deutschnationalen Aufwertungspropaganda. Dem Selbstzeichner follen im vorliegenden Falle 90 Bro3. feiner Berzinsung und 95 Proz. feines Kapitals genommen werden. damit die Spekulation auf ihre Rechnung kommt. Schaltet man dagegen die Spekulation bei jeder Aufwertung aus, so steht für die Selbstzeichner der doppelte Betrag zur Berfügung von dem, was sie bei einer Berichtigung der Spefu lation bekommen würden. Das ist immer noch nicht viel, aber immerhin dopre fopiel, wie die Reaktion den ehrlichen Ermerbern der Anleihen zubilligt, die durch den Krieg und durch Helfferichsche Finanzpolitit ihren legten Groschen verloren haben. Musikaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musiker- Verbandes. Annahmestellen: Rosenthaler Str. 14( Norden 4719), Bernburger Str. 30( Nollend. 647). Das Beispiel ist willkürlich gewählt. Je höher man aber den Aufwertungsfag annimmt, desto mehr wächst der Gewinn der Spekulation, desto größer sind die Summen, die den ehrlichen Kriegsanleiheerwerbern entzogen werden. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn es wahr sein sollte, daß auch das Ausland sich die schönen von den Deutschnationelen gebotenen Chancen zunuze ziehen will und neuerdings in deuschen Anleihewerten arbeitet. Die Partei der Spekulanten und Schiever ist fest gesonnen, den Schutz der nationalen Arbeit" solcher Art durchzuführen. Dann soll ihr aber wenigstens die Maste herunter. gerissen werden. Ausbau der Gemeinwirtschaft. hat nach eingehenden Vorumtersuchungen einer Entschließung 31Die fächsische Landesstelle für Gemeinwirtschaft" gestimmt, die von allgemeiner Bedeutung ist. In ihr heißt es falkraft entwidelt, die eine jede Seite unseres Kulturlebens, die Ge1. Die Elektrizität hat sich zu einer Zentral- und Universtaltung unseres wirtschaftlichen, sozialen, geistigen und politischen Lebens beeinflußt. Das Volt billig und gut mit elettriLebens beeinflußt. Das Bolt billig und gut mit elettrtfcher Energie zu versorgen, ist eine wirtschaftliche, soziale, hygienische, ist eine kulturelle Aufgabe von großer Bedentung geworden und muß heute auch als eine der wichtigsten Vorbedingungen eines gedeihlichen Wirtschaftslebens und vor allem als das wesentliche Mittel gelten, das wirtschaftliche Gesamtniveau zu heben. 2. Die allgemeine und umfassende Verwendung der Elektrizität ( zur Beleuchtung, als Betriebsstoff und unter gewissen Vorausfetzungen auch zum Heizen und Kochen) ist nur noch eine Frage der Berbilligung des Stromes, die durch die höchste Ron zentration der Energieerzeugung und eine planmäßige Verteilung zentration der Energieerzeugung und eine planmäßige Verteilung chluß jeweder privater Einzelintereffen erreicht ber Energie nach sozialen Gesichtspuntten unter Aus werden kann. gemeinwirtschaftliche Organisation bilden, kann nur Die Elektrizitätsversorgung muß deshalb eine als Gemeinwirtschaft das ihr gesteckte Ziel erreichen. 3 3. Seitdem die fächsische Regierung im Jahre 1916 in einer Denfsdyrist erklärt hat, daß die Versorgung des Volkes mit Elektrizi tät eine Aufgabe des Staates geworden ist, der sich die Regierung nicht mehr entziehen könne, ist die staatliche Elektrizitätsversorgung in allen Ländern Europas und darüber hinaus als eine Lebensnotwendigkeit der Völker erkannt und in die Wege geleitet worden. 4. Dieser wesentliche Teil der Gemeinwirtschaft hat somit die allergrößte Bedeutung für das Wirtschaftsleben gewonnen und ve darf der Aufmerksamkeit und Pflege durch Gesetzgebung und staatlichen Einfluß. Sonntag, 16. November 1924 Berhältnis zu der Bewerberzahl stehen. Die Abnahme der Arbeitslosigkeit vollzieht sich in mäßigen Grenzen. tragen, gegen 75 679 der Vorwoche. Darunter befanden sich 49 063 Es waren 75 120 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingestützung bezogen 23 109( 23 937) männliche und 5192( 5362) weib( 49 536) männliche und 26 057( 26 143) weibliche Personen. Unterliche, insgesamt 28 301( 29 299) Personen. Die Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten lleberwiesenen betrug 1041 gegen 965 der Borwoche. Für die Landwirtschaft blieb der Bedarf an Arbeitsfräften gering. In der Industrie der Steine und Erden kann der Arbeitsmarkt für die Glasindustrie im allgemeinen als gut bezeichnet werden. An Glasschleifern macht sich bereits ein leichter Mangel bemerkbar, dagegen sind Glasbläser weniger gut beschäftigt. Für Steinmetzen hat die Vermittlungstätigkeit nachgelassen. Die Metallindustrie hat eine weitere Besserung erfahren. Besonders start war der Bedarf an weiblichen Arbeitskräften, der wegen Mangel an geeigneten Spezialarbeitskräften wie Elektronicht in allen Fällen gedeckt werden konnte. Ebenfalls blieben monteure, Stahlstichgraveure und Kühlerflempner teilweise offene Der gute Beschäftigungsgrad im Spinnstoffgewerbe ha an Stellen unerledigt. Für Rehrleger hat sich die Lage verschlechert. gehalten. Strider und Striderinnen blieben fernerhin gesucht. Auch für Kürschner boten sich gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Befferung der Lage in der 3ellstoff- und Papierherstellung und verarbeitung schrei et fort. In der Lederindustrie und Industrie lederartiger Stoffe macht sich ein Nach. laffen des Beschäftigungsgrades bemerkbar. Im Holz- und Schnitstoffgewerbe bestand ge steigerte Nachfrage nach Fachkräften aller Art. Die Zahl der Arbeit suchenden ist im allgemeinen jedoch noch recht erheblich. Das Nahrungs- und Genußmitrel gewerbe bot in fast allen Gruppen gute Beschäftigungsmöglichkei'en. Es mangelt an geübten Zigarettenpaderinnen und Zigarettenarbeiterinnen. Die günftigen Beschäftigungsverhältnisse im Bekleidungsgewerbe haben Stepperinnen für die Herrenkonfektion, die nicht in allen Fällen angehalten. Nach wie vor besteht rege Nachfrage nach Steppern und gedeckt werden konnte. Die Schuh- und Schäfteindustrie ist weniger gut beschäftigt. schlechterte sich der Arbeitsmartt. Ungünstig ist die BeschäftigungsIm Baugewerbe und im Gastwirtsgewerbe ver. lage noch immer für Bureauangestellte. Eine neue Konzentration im Maschinenbau. Die Motorenfabrit Deug in Köln- Deutz und die Maschinenbauanstalt b) umboldt in Köln- Kalt haben vorbehaltlich der Zustimmung der Generalversamm lung den Abschluß einer Interessengemeinschaft auf 50 Jahre beschlossen. Die Gewinne sollen zusammengelegt und an jedes Werk zur Hälfte verteilt werden. Die Deuzer Gesellschaft steht bereits in einem Interessengemeinschaftsverhältnis zur Motorenfabrik Oberurfel. Zur Durchführung der neuen Interessengemeinschaft soll Generaldirektor Langen in den Vorstand des Humboldt und Generalgemeinsamer Arbeitsausschuß aus 5 Aufsichsratsmitgliedern beider direktor Ed in den Berstond von Deutz eintreten. Außerdem soll ein Gesellschaften gebildet werden. Die Organe der Interessengemein. fefizulegen, die Fabritation auf die Werke der Gesellschaft zu verteilen, den gemeinsamen Einkauf von Materialien für sämtliche Berke und den gemeinsamen Vertrieb und die Propaganda für sämtliche Produfte der beiden Gesellschaften zu organisieren. den acht Jahren ihres Bestehens trotz der durch den Krieg und die 5. In Sachsen hat die staatliche Elektrizitätsversorgung in Nachkriegszeit verursachten Schwierigkeiten eine vielversprechende Entwicklung genommen. Die Sächsischen Werte" stellen ( auch in ihrer heutigen Form als Attiengesellschaft) eine gemeinschaft haben die Aufgabe, die Bauprogramme beider Gesellschaften wirtschaftliche Organisation mit Selbstverwaltung dar, deren Aus bau in höchster Vollendung unser gesamtes Birtschaftsleben auf eine höhere Stufe zu heben vermag. " ganz besonders in der Weise vollziehen, daß alle Energiequellen, 6. Der weitere Ausbau der Sächsischen Werte" muß sich Wasserkräfte wie Rohlengewinnung, in die gemeinwirts fchaftliche Organisation einbezogen werden und die Energieverteilung einheitlich und rationell vorgenommen wird. Die Geldmittel, die hierfür aufgewendet werden müssen, find produktive Ausgaben von höchfter Ergiebigfeit und verbessern auch dadurch die Finanzen des Staates, daß fie die größte Verbilligung der Energie, die höchste Steigerung der Produktivität und damit des Wohlstandes bewirken. " 7. Zu den wichtigsten Aufgaben der Sächsischen Werke", die mit größtmöglichster Beschleunigung durchgeführt werden möchten und dem gesamten fächsischen Volke großen Nutzen versprechen, ge hören: a) die möglichste Ausschaltung des heute noch bestehenden Rettenhandels in der Elektrizitätsversorgung. Es sind mit den zurzeit noch bestehenden Zwischengliedern Bereinbarungen zu treffen, die deren berechtigte Belange berücksichtigen und so die Erfüllung der eingangs erwähnten Forderungen ermöglichen. b) die Anwendung der Elektrizität für Koch- und Heiz. 3 we de, namentlich auch in sogenannten Wärmefpeicheranlagen nach Möglichkeit zu fördern und dafür zu sorgen, daß die elektrische Arbeit für diese Zwecke zu Preisen erhältlich ist, die die allgemeine Verwendung wirtschaftlich rechtfertigen. c) Die führende Beteiligung an der Ferngasver= forgung und deren Regelung nach dem von der Landesstelle im Jahre 1923 aufgestellten Plane zu dem Zwecke, für die gesamte Wärmewirtschaft eine einheitliche und rationelle gemeinwirtschaftliche Organisation zu schaffen, die das Gegen einanderarbeiten ausschließt. d) Die Ermöglichung der direkten Hausbrandver forgung, evtl. in Verbindung mit den Gemeinden und Genoffenschaften. 8. Die Landesstelle für Gemeinwirtschaft" sieht in der Lösung diefer Aufgaben eine fonfequente wie notwendige Weiterbildung der Aufgabe des Staates, die die fächsische Regierung im Jahre 1916 in ihrer Dentfchrift anerkannt und in Angriff genommen hat, aber Lage des Bolles durch gemeinwirtschaftliche Einrichtungen zu heben, auch die Verpflichtung des Staates, die wirtschaftliche die feine doktrinäre Spekulation, fondern erprobte Realitäten sind. Der Berliner Arbeitsmarkt. Der Berliner Arbeitsmarkt zeigte sich auch in der letzten Woche wieder gut aufnahmefähig. Neben der gesteigerten Nachfrage nach einzelnen Fadjarbeitern ist auch ein größerer Bedarf an ungelernten Arbeitsträften zu verzeichnen. Weiblichen Personen bot besonders die Metallindustrie, das Buchdruckgewerbe, die Bellstoff- und Papierherstellung und verarbeitung und die Tabakindustrie gute Beschäftigungsmöglichkei en. Dagegen werden für Hauspersonal verhältnismäßig wenig Stellen gemeldet, die in keinem DE THOMPSON'S Schwan Ist ausgiebig im Gebrauch, spart Zeit und Mühe. Durch die Angleichung der Betriebsordnung und der Vertriebsorgane beider Werte erwartet die Interessengemeinschaft nicht unerhebliche Ersparnisse. Die Zusammenfassung der Hilfsbetriebe zur Blieferung des Serienbaues mit Roh- und Halbzeugen wird durch die Interessengemnieschaft wirksam gefördert werden. Beide Unterneh mungen befinden sich im Besitz des Klödner- Konzerns. Großer Umsatz fleiner Nutzen. Das rücksichtslose Strebe, möglichst hohe Preise zu erzielen, hat dieses Geschäftsprinzip der Borkriegszeit in weiten Unternehmertreifen aus der Mode gebracht. Daß es trotzdem richtig ist, daß es sich in den heutigen Zeiten mehr als je bewährt, beweist der Bericht einer befannien Kleider firma, die u. a. mitteilt: Obwohl drei Filialgeschäfte abgestoßen worden sind, hat sich der Umfah in dem jetzt nur noch allein betriebenen Geschäft im Laufe dieses Jahres um ein Viel foches gegenüber der Vortriegszeit erhöht. Die Befchäftigung ist zurzeit gut und der Absatz in allen Abteilungen weiter im Steigen begriffen. Die Firma hat auch in den schwierig sten Inflationszeiten versucht, ihre Preise der gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung anzupassen. Es ist daher um so bezeichnender, daß das Unternehmen ein Vielfaches des Vorfriegsumfoges budjen tann, während der übrige Textilhandel feines. wogs gute Zeiten hinter sich hat und erst in den letzten Monaten infolge des Winterbedarfs einen besseren Geschäftsgang erlebt. Der Berliner kleinhandelsinder des Statistischen Stadtamts hat sich in der Woche vom 5. bis zum 12. November d. 3. um 1,3 Proz. vermindert und betrug am letztgenannten Stichteg 141,4 ( 1913 gleidy 100 gefeßt). Der Inder der Lebensmittel allein ging um 1,5 Proz. auf 146 zurück Für die einzelnen Gruppen von Lebensmitteln betrug noch den Berliner Wirtschaftsberichten" der Kleinhandelsider am 12. d. M.: Fleisch- und Wurstwaren 135,4, Fische 192,4, Milch und Milcherzeugnisse 164, Brot, Mehl und Nähr mittel 115.9, Hülsenfrüchte 126, Gemüse 156,9, sonstige Lebensmittel 147,3. Herren- u. Damen- Stoffe Größte Auswahl! :: Bekannt billige Preise! Velour de laine, schwere Ware 105 850 Gabardine, feine Qualität. 650 550 Seal- Plüsch, Biberette, Krimmer 130 breit 1650 1250 850 Crepe de Chine, Eolienne, mod. Farben 6: 0 550 Herren- Paletotstoffe, schwarz, marengo 1150 750 1. Geschäft: Warschauer Straße 79 Paul Karie 2 Geschäft: Frankfurter Allee 49 D! THOMPSON'S S SCHUTZ- MARKE SCHUTZ- MARKE SEIFEN- PULVER SEIFENPULVER Dr. Thompsons Seifenpuiver( Marke Schwan) das Paket 30 Pfg. Filmschau. Die Filme der Woche. Minderzucht, die Holzgewinnung u.a.) wird uns in anregenden Bildern vorgejugrt. Der Phantasiefilm im Stile des Dr. Caligari sucht immer noch feine Nacjolger. Das Wunder ist des Filmes liebstes Sind, aber nur felten wird es gebannt. Paul Leni, der Phantasie und Bildkraft auf anderen Gebieten bewiesen hat, war mit seinem Wachsfigurentabinett" ( UL. Kurfürstendamm) auf dem rechien Wege. Er wollte das Rätselhafte, Grufeinmachende, Spulhajte, Phantastische beschwören und gab als Eintleidung einen angehenden Dichter der für einen schrulligen Verfertiger von Wachsfiguren Begleitgefdichten dazu schreiben soll und nun, bald schreibend, bald traumerlebend Zwan den Schrecklichen und Jack den Aufschliter und als burlestes Gegenstück ein Abenteuer Harun al Ra Schios gestaltet. Des Dichters Phantasie spinnt fein eigenes Ich und Das seiner Geliebten, ber Tochier des Wachsfigurenfünfilers ins Gewebe der Handlung und läßt sie sich in deren Verjolg finden. Galcers Manufttpt ist zu literarisch und Lenis Phantasie bei allen schönen Ansägen nicht schöpferisch genug. Der expressionthische Raum ist da und manchmal sind auch die Vorgänge ganz ins Bisionare, Traumhafte gesteigert. So der( glücklicherweise) puthat in einem Angsttraum geisternde Jack und die Verfolgungsszene im Nafchidabenteuer. Aber der Rest ist zu pedantisch, naturalistisch. Immerhin ist solch ein Versuch vielmals spannender und unterhaltender als die übliche Filmkolportage. Konrad Beidt gab dem Baren die Züge des Pathologischen, Werner Strauß war unheimlich irreal in dem Nachtiput des Jack und Emil Jannings ( als Harun, halb Schlagoodsi, halb Hagnepampel), Wilhelm Dieterle und Olga Belajeff( als Bastetenbäckerchepaar) schusen eine gar lustige Dreiedsgeschichte. Was der Film fein fann, wenn das rechte Sujet gewählt wird, seun ernste sünnier unter der Leitung eis.es zielflaren Regiheurs daran rbeiten der ganze große Apparat, dessen der Film bedarf, im Dienst der Sache fucht, das hat uns erfreulicherweise der Bavariafilm: Muiter und sind" betvicjen, mit dem die hobus Lichtipiele frliner Marmorgaus) eröijnet wurden. Nach einem Heboelschen Motiv ft diese handlung entworfen, Hebbels Ernst und Tiefe spürt man darin. Energisch arbeitet alles auf den Höhepunkt hin, wo der Umschlag. einest. can weiß nicht, wird det konflitt tragisch entschieden oder glückich gelöst. Dann ein großes befcelenbes Musalmen. Die reiche Hanjeaienamille, Sie ihr einziges Kind verloren hat und fein neues mehr ervarten tann, will ein Kind zum Erben adoptieren. Nachdem andere Bersuche mißlungen, beschließen sie, ihrem Kutscher und ihrem Mäbchen, jeides tüchtige, ihnen ergebene Menschen, zu einem Landgüchen zu ver jesen und als Dant das erste Rind sich auszubedingen. Die Landarbeit an bergigen Thüringen, die Freuden und Leiden des Ghelebens( kon trastbeispiel: der überreiche Kinderfegen der armen Schusterfamilie) werden in Bildern vorgeführt, die von Naturfrische ftrogen und wundersolle Toumalerei der Photographie find. Das erfie kind tommt und samit die Sorge, es hergeben zu müssen. Mutter und Kind leben sich in einander ein. Sie will nicht darauf verzichten und geht, als es ernst damit wird, nächtens auf die Flucht, jetzt ihr und des Kindes Beben auf einer gefährlichen Blobfahrt ein. Rettung. Der Mann steht fest zu feinem Weibe und will den Befis flatt des Kindes opfern. Eintreffen der Senatorenfamilie. Verzicht der anderen Mutter, die selber erfagten, was es heißt, ein Kind verlieren. Das Kind bleibt und das Gütchen auch. Henny Borten durfte die Mutter fein. Sie war es mit einer Hingebung an ihre Rolle, die bem Ganzen Abel und Innerlichtalt verlich. Der Liebreiz der jungen Mutter, die Kraft, sich für ihr Liebstes einzufezen, ftanden ihr in gleichem Maße zu Gebote. Die andere, die vornehme Wutter, bie sich nach dem Kinde der andern sehnt, war Erna Morena, blas, im feingeschnittenen Geficht die Züge des Leidens. Der Senator: Friedrich tablet, ernst, gehalten. 2ilhelm Die- einige Szenen farbenprächtig in Natura daneben vorgeführt( vom Zimmerterle, ber junge Bater, im reifften Zusammenspiel mit der Porten. Als den findergefegneten Edufter fah man den eben verstorbenen Arnold Ried; er verdient in dieser Figur, in der er volta tümliche Komik und echten Sumor verband, weiterzuleben. Der Stegiffeuer, dem wir diesen Meiflerfilm gediegener Charalierifierung und brachioller Natur und Menschenerfassung verdanken, ist Carl röhlich. Was ber Regiffeur und die Tragkraft des Stoffes bedeutet, erwies flar der Film Die Betrügerin"( Mozartjaal). Pola Negri ist eine internationale Filmgröße. Aber ihre Schönheit, ihre Toiletten, alle Senfationen dieses amerikanischen High- life- Films, der in Parts und New York spielt, mit dem gesellschaftlichen Luxus, den üppigen Festen, der Erotit eines indischen Verführers, lassen talt. Auch die große Szene, da die Betrügerin" vor Gericht ihren Wann rettet, der für thre Tat den Schuß auf den Inder. eintritt, in der sie ihre Schultern entblößt und das Brandmal des Verführers enthüllt, ist nur Theater im Sille Sardous. Sachlich, belebend und unterhaltend war ber begleitende Brafilienfilm.Die Wunder dcs Amazonenstromes". Diefer unvorstellbar mächtige Strom, der fast die ganze Breite Südamerlas durchfließt und auf Zausende von Stilometern hin große Dampfer trägt, die Schlagader des ganzen Landes, erschließt fi uns mit seinen Urwäldern, seinem Eierleben, felmet Romantit. Das Leben der Eingeborenen, die wirt schaftliche Bedeutung des Landes:( Kautschut, Zucker, Paranüsse, die Allya Freu den und Be annen die Betriebskrankenkasse der Stadt Ber.in traurige Nachricht, daß teie liebe Frau, un ere gute Mutter, Schwiegerund Großmutter Emilie Fritfch geb, Helmich 3155 am 12 November infolge Schlagan alls ploz ich verschieben tit Die trauernden Hinterbliebenen: Maz Frisch Albert Fritsch und Frau Elsbeth Fritsch. En el Ctnäfch: Dienstag, 18 d. M nachm Uhr, int remat. Baumfchutenwe Mit 14. Novbr entschtier anit nach turzem, aber Ichwerem Leiden meine nig geliebte Frau un ere gute Putter Groß- und Schwiegermutter, Schwester und Schwägerin, Frau Marie Stoebe geb. Hoppe im Alter von 72 Jahren. Um stilles Beileib bittet. Hermann Stoebe nebt Rindern und Entel indern. Cinäf: Dienstag, 18 d. M. nach mutags 6 Uhr, im Kremat. Baumfhulenweg. Rietholaftr. 221. 821b Rranzipenden höflicht verbeten Der 21. Nachtrag der Gayung, betreffend Aenderung der$$ 5, 22, 64 und 68 fow e bie Aenderung der Wahlordnung(§§ 3. 5. 9) find vom Oberverfiherungsamt Berlin am 6 November 1924 genehmigt worden Desgleichen ist die Aenderung der Kran en ordnung am 22 Of ober 1924 nom Ber fich rungsamt der Stadt Berlin genehmigt worben Driftliche der Sagungsänderung werden im Raffenlofal in ungerähr achi Tagen ausgegeben 107,10 Berlin den 13 November 1924 Der Vorstand der Betriebsfrankentaffe der Slab: Berlin Bom 10. November ab findet inerite Sprechstunde zu folgenden Beiten ftatt Bom. 8-9, nadm. 6-7, Sonn bend nachm 3-5, Sonntag 9-10 Dr. Kurt Kirschmann Arzt ED; Wiener Str. 68, Telephon: Mpl. 6956 Damentaschen- Fabrik Ber aut einzelner Damenteiden. Bejustajchen, Attenmappen. Reisetaf n und Koffer F Sehr billig! Lederwarenfabrik Metzel, Brinzen" tr. 89, zw lorikpl. u Ritterstraße Danksagung. Allen lieben Freunden und Bekannten sage ich für die bei der Einäscherung meines lieben Mannes Heinrich Wurr bezeugte innige Anteilnahme meinen herzlichsten Dank. Insbesondere danke ich den Genossen Fritz Ebert, Wilh. Hänlein und Herrn Pfarrer Bleier für die trostreichen Worte. Des weiteren gilt mein Dank dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold. der 29. Abteilung der SPD, dem Bezirksamt Prenzlauer Berg und den Sängern vom Bezirk Prenzlauer Berg. Berlin, den 16. November 1924. Reinseidene Crêpe de Chine- Wäsche hocheleg Ausführung Die Fiimoperette ist tros aller technischen Fortschritte tein Film und teine Operette, und wenn man gar noch einige Hauptfaenen außerdem in Birklichkeit aufführt und zu guterlegt ie Mitwirkenden Theater mitten im Bublifum spielen fäßt, dann ist die Mischung volllommen. ,, Die Mädel von Montecuculi"( ut. Friedrichfiraße), ist wie die meisten anderen Operetten des Noio- Films von Hans Ailbout fomponiert. Dank dem sichtbaren Notenband ist der Kontalt zwischen Mufit und Film hergestellt. Aber es bleibt doch ein störender Rest, wenn man zu den unwirklichen Filmsilbern bebende Stimmen hört. Werben wie hier mann- Ballett), so fiult der Film danach ab. Im übrigen bot der Film hübsche Bilder aus dem Operettenreiche der einen Residenz, entwickelte reichlich Berwicklungen und fomische Szenen, legte reizende Friluftballetta und wirksame Bühnenbilder ein. Die Musit hatte einen parodistischen Höhepunkt, als der Schauspieler, der sich für den Fürsten ausgegeben hat, um sein Mädel zu erobern, scheinbar zum Tode geführt wird. Bortreff lich ist Willy Kayser in der Doppelrolle als Fürst und Schauspieler, im Spiel und Tanz gleich gewandt Ada bebin als Mädel von Pontecuculi. d.. Ata Nielsen in der Schmetterlingsschlacht". Die Sehnsucht sich schauspielerisch begabt bünlender Menschen galt früher den Brettern, die die Welt bedeuten. Tiefe Sehnsucht it iegt zuin guten Teil abgelöst von dem Berlangen, auf dem Filmband zur Geltung zu tommen. Selbst berühmte Theatergrößen werben von dieser Sucht gepadt und doch haben wir nur herzlich wenig Filmschauspieler. Die Behauptung muß man wieder aufstellen, seitdem man Asta Nielsen als Nost im„ Die Schmetter lingssal a ch t"( Alhambra) gesehen hat. Was diese Frau sich herausnehmen darf! Was diese Frau fann! Dieses Röschen ist nicht Subermanns finblider, rübrend- naiver Bodstich, es ist mehr eine ben furzen Kleibern entwachsené Range. Afla Nielsen trägt hirzes Haar und eine große Brille mit Horneinfassung. Man bewundert ihre Gestaltungstraft, die den Beweis erbringt, daß man auch von einem Film ettwas mit nach Hause nehmen kann. Der Regisseur Dr. Franz Edstein stimmt alles auf den echten Komödienton, ohne ein Schlaglicht der Tragit. Man weicht von Sudermann ab, denn Laura heiratet einen Hausbesitzer, nachdem fich der sie umwerbende Graf als Varietéagent entpuppt hat Der Sohn Mag ist etwas zu gebrüdt und Winkelmann gar zu freundlich geraten. Alles in allem aber ein hohes Niveau der Darstellung. Reinhold Schünzel, Hans Brausewetter, Adelé Sanbrod, Lori 2eug. Ein Russenfilm. Die Filmwelt hat thre berechtigte Sensation. Nicht die Sensation, sondern die nalezu ängstlich liebevolle Ausmalung ihrer großen Schriftsteller lieben die Stuffen. Das gewahrte man wieder in Frühlingssluten"( Richard- Oswald- Bichtspiele), einem Film, der nach einem Wert von Zurgenjeff geschaffen ist. Er handelt von einem Mann, der von einer herzlosen Kofolte verfährt wird, aber den Weg zu seiner wahren Liebe zurüdjindet, Russische und deutsche Auffassungen vermischen fich, wir sehen Ossip unitsch, Diana Karenne und Lia Eibenschütz. Alle Bilder sind voller Geschmad, alle Szenen voller Schönheit und über allem schwebt die russische Edwermut. Die Treue der Russen gegen das Urmanusfript geht mitunter so weit, daß sie zum Verstoß. gegen das Filmgebot der Beweglichkeit wird. Das große Filmpublifum hat für diefes Filmgenre faum mehr Verständnis. Das ist der Fluch der zu viel gespielten Amerikaner, die ein Filmpublikum, das an den Inhalt Anspruch stellt, schon längst aus den Lichtspielen herausgegrauit haben. ,, Lieben, lieben, lachen"( Tauenpienpalasi) ist ganz auf technische Mög fichletten eingeftellt. Ein armer Dichter lieft einer armen Tänzerin eine Novelle vor, in der es der Tänzerin gut und dem Dichter schlecht geht, aber dann ist die Novelle zu Ende und sie füssen sich. Auf diese Art und Weise bekommt der Regisseur( Ccorg Pearson) als Arbeitsfeld die Welt des Varietés und die Großstadt. So hat man die ganze Gliberpracht fabelhafter Stostüme und die Stimmung der verregneten Milltonenstadt und ihrer Lichtreflame. Die Zuschauer, optisch ganz und gar gefesselt, erleben alle diese photographisch so getreu und reizvoll erfaßten Wilder, und das auf so raffinierte Art und Weise zum Aufflingen e, b. gebrachte Gefühl verhilft dem Film zum Publikumserfolg. Stoffe für Herrens und Damen- Bekleidung Beste Fabrikate, drege Auswah! Paletot- u Ulster- Stoffe Flausch, Velours. glatt u. in engl. Art semust- 15.-, 20.-, 25.- 10.Breite 140/50 cm Mr. Gabardine, Rips, Ondelé für Kleider und Kostüme, 6.Breite 30/40 cm. Mir 8.-, 12.-, 16.Seiden- Seal, Persianer, Astrachan, Fohlen finfr. Br. 130 cm Mtr. 15.- 20.95.- 10.Koch& Seeland Gertraudtenstraße 20 21 segenter ter Betrifirge Gelegenheitskauf eine alten Schuhe Nr. 19 echt Elche Um Sie von der 5000 Sprechmaschinen 50% herabgesetzt! Export- u Restpost weit unt. 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Sind unsere Lohn- und Arbeitsbedingungen zeitgemäß 2 Disiuifion und Verschiedenes. Atung Gmaillierer Achtung! Olenstag den 18. Movember, abends 62hr, importerrejo al deserbaubsHaules. Cinienftt. 83 88: Branchenversammlung Tagess nung bas Dawre Gutachten die lenten Lohnverhandlungen Borttag über Bericht übre Ohne Mitgliedsbuch ein Putritt. Wir er uden die Kollegen, pünktlich und zahlreich zu der Betiam miungu ericheinen. Die Ortsverwaltung Aligemeine Oriskrankenkasse für den Verwalt gsvezik Ki der Start Servin ( Schoneberg- Friedenau). Am Sonnerstag, den 27, Stovember 1934, abends 7 Uhr, finbet im Staffentotal Berlin- Schöneber, Grunewaldstr. 30 pt. eine ordentliche Ausschußfizung ftatt mit folgender Tagesordnung: 1 Be richt fiber die Gefchäfts age und Haushalts anichlag für 1925 2 Wahl der Prüfer ber Jah esiechnung 1924. 3 Gagungsänbe rungen 4 Aenderung der Dienstordnung. 187.11 5 Senangelegenhetien. Berlin- Schöneberg, 15 November 1924 Der Bostand: A. Schuld, Bari. Fritz S ss. 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Eigene Sargfabrik Eigene Näherei für Sterbewäsche Eigene Sägewerke Fefte Gefchäftsstellen in Gotha, Cosmarftr. 21 Leipzig, Berliner Str. 13* Stuttgart, Senefelderftr. 72b Königsberg, Vorderer Roßgarten 61/62, Zimmer 1a. Magdeburg, Hohepforteftr. 41 Breslau, Margarethenftraße 17, Zimmer 132* Guben, Langestr. 4 ( Buchhandlung Volksftimme)* Hagen i. W., Grabenstraße 3 Dresden, Jagdweg 1 000000000000000000000000 Der Verein belſteht ſeit 20 Jahren, baut lich auf rein proletarischer Grundlage mit fozialiſtiſchen Tendenzen auf. Uebertritt aus anderen Feuerbestattungsvereinen ohne Abfolvierung einer Karenzzeit jederzeit möglich. Klaffenbewußte Arbeiter gehören in unfere Reihen Monatsbeitrag Gmk. 0.40, Jugendliche bis zu 16 Jahren Gmk. 0.20, für Perfonen von 50 bis 65 Jahren Gmk. 1.-, für Perfonen von 65 bis 70 Jahren Gmk. 2.-, über 70 Jahre Vollzahlung Gmk. 120.-, auch in Raten à Gmk. 10.Für den Eintritt in den Verein ist der Kirchenaustritt Bedingung Echat Spitze 209 Tischläufer. 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Beilage des Vorwärts ,, Klara, tomm hier her! Rubi, so wird es bir ergehen, wenn du nicht arbeiten willft! Ob der Kerl uns nichts antun wird, Männe?" So sprudeln die Worte aus dem Munde einer behäbigen Dame, die sich mit ihrer Familie am Waldrand von den Anstrengungen des Sonntagsausfluges erholt. Und wem gelten diese besorgniserregen. den Ausrufe? Auf der Landstraße tommt langsam ein Stromer einhergeschlendert, ganz der Typ seiner Zunft. Barfuß, die Stiefel an den Strippen über die Schulter baumelnd, die schmierigen Kleider mit den widersprechendsten Flecken geflict, pendelt er langsam seinen furz in allem. Zurüd zur Einfachheit in jeder Beziehung. Sie werden sich wohler fühlen und der Volkskörper und noch mehr die Bollsseele wird gefunden. Entfegt hörte das Ehepaar dem Stromer zu:„ Die Verwirt lichung Ihrer Ideen gäbe aber eine Umwälzung unserer ganzen Kultur, unferer ganzen Technif, unferes ganzen Lebens!" versuchte der Herr den Landstreicher zu befehren. ,, Das soll es auch, die Gesundung des Bolfsganzen ist schon eine Revolution wert. Aber das ist gar nicht nötig Die Rückkehr zur Einfachheit wird nicht von oben gemacht", fie dringt allmählich in die Masse. Versuche es nur ein jeder, das in seinem Leben fortzu. Sonntag, 16. November 1924 rhythmisch geordneten Linien und Farben. Je nachdem der erste oder der zweite Faftor im Kunstwert vorherrscht, spricht man von naturalistischem oder erpressionistischem Stil im Impreffionismus unserer Tage gipfelte. Dann feßte der Um Die jüngste Vergangenheit hatte einen naturalistischen Stil, der schwung ein und es gelangte ein expreffionistischer Stil zur Herrschaft, der gleich radikal zum äußersten Extrem, zur absoluten, gegenstands lofen Kunst führte, zu jenen Gemälden, die nur noch aus rhythmis geordneten Linien und Farben, und jenen Plastiken, die nur aus rhnthm ich geordneten Formen beftchen. Diele Werte foalter has Naturbild aus und geben nur die rein malerische oder plastische Vision. Daneben aber grb es auch im Rahmen des ernr ffionit. then Stils immer noch eine gegenständliche Kunst, die auf die Mitwirkunig des äußeren Naturbildes nicht verzichtete, diefes aber als unteracordneten Faktor behandelte, dr sich er rhythmich n Liniers und Erfordernissen der Komposition unter Umständen sehr radikal umgestaltet wurden. Weg- und welch' ein Graus, der Plaß scheint ihm auch zu gefallen, Oeffentl. Wählerversammlungen Farbenvision anzupaffen hatte, beffen Formen und Farben nach den ausgerechnet gegenüber der Familie sucht er sich einen Siz auf dem Rafen, um auch ein wenig zu verschnaufen. Er nimmt ein Stüd Brot aus seinem Ranzel, streckt sich lang aus und beginnt langsam zu futtern. Der Ehemann, der auf die ängstlichen Worte feiner besseren Hälfte hin bereits seinen Etod fester gefaßt hatte, atmet ob dieser friedlichen Betätigung des Stromers erleichtert auf.„ Sieh' einmal, Frauchen, das scheint doch ein guter Mensch zu sein, wie ruhig er sein Brot ißt." Auch in ihr regt sich das Mitleid: Ja, und trodenes dazu. Ob ich ihm ein paar belegte Schrippen gebe; wir haben genugt mit."-Ja, und eine Sonntags. zigarre wird er mir auch nicht abschlagen." Gesagt, getan. Die Kinder werden als Parlamentäre mit einigen Schrippen hinübergefchidt, die der Stromer erstaunt mit einem ,, Bergelts Gott!" quittiert. Die Dame will ihr Liebeswert noch voll. enden und ruft ihm zu: Junger Mann, ich gebe Ihnen noch etwas zum Trinken dazu." • Der Frembling tommt über die Straße, zieht einen arg mit genommenen Becher aus dem Ränzel und nimmt mit höflichem Dant ben erfrischenden Trant entgegen. Jetzt benutzt der durch das anständige Benehmen des Landstreichers längst neugierig gewordene Herr die günstige Gelegenheit, ein Gespräch mit ihm anzufnüpfen, ist aber höchst erstaunt, als er nach einigen Worten: Sie scheinen aus besserer Familie zu stammen von dem Landstreicher unterbrochen wird, der in demselben Ton fortfährt: Wäre es da nicht besser, Sie ergriffen einen festen Beruf, der Sie ernährt, so daß Sie nicht auf Almosen angewiesen sind? Entschuldigen Sie, mein Herr, daß ich Sie unterbrochen habe, aber so wollten Sie doch gewiß fortfahren?" Als er dies erstaunt zugibt, fährt der Land. streicher fort: Sehen Sie, mein Herr, ich tannte Ihre Ansicht, weil fie die Ansicht aller in bürgerlichen Verhältnissen Leben den ist. Und diese Ansicht trennt uns fahrendes Bolt von dem feßhaften Bürger. Jeder Mensch hat das Bestreben, so viel zu verdienen, daß er und seine Angehörigen gut leben tönnen. Und " hier fegt bie Trennung ein. Was heißt„ gut leben"? Der eine hält dazu Auto und Billa für unentbehrlich, Sie verlangen so viel, daß Sie gut essen und wohnen, sich anständig fleiden und schließlich noch einige Ersparnisse für das Alter und die Erziehung der Kinder machen können. Das ist wohl das Ziel der meisten Menschen, auch das meinige, aber ich habe mir die Grenzen enger gesteckt. Mit der Erfüllung der Wünsche wachsen diese bekanntlich bis ins Un endliche und führen so zu der Hab- und Raffgier, die unser Zeitalter beherrschen. Da sagte ich mir, es muß auch hierin eine Grenze geben, und ich fand und setzte sie mir. Wozu soll ich dreihundert Tage im Jahr arbeiten, wenn ich schon in hundert Tagen so viel verdiene, daß ich leben tann? Und ich brauche nicht einmal fo viel, da ith allein stehe. Ich habe keine Ausgaben für Wohnung, wenig für Kleidung. nur für Verpflegung muß ich ganz aufkommen, denn gebettelt habe ich noch nie in meinem Leben. Hoch stelle ich meine Unsprüche an das tägliche Brot auch nicht und fann ruhig einige Tage hungern, wenn ich nicht Arbeit bekomme. Das ist alles Ge. wöhnung. Wenn ich Gelegenheit habe, arbeite ich auf dem Lande. dort erhalte ich für die Dauer der Arbeit freie Verpflegung und außerdem so viel, daß ich wieder einige Zeit walzen tann. Wenn ich baren Gelbes zu Kleidung, Wäsche oder sonstigen Ausgaben bedarf, wird eben etwas länger gearbeitet, viel brauche ich ja nicht. So tomme ich auf meine Art sehr gut durch das Leben." Hier unterbrach das Ehepaar, das die Kinder schon bei Beginn der Unterhaltung fortgefchidt hatte, da derartige Reben doch zu aufrührerisch waren, gleichzeitig den Landstreicher: Aber wo fämen wir hin, wenn jeder so dächte und handelte, wie Sie?" Der Stromer zog ruhig an der Zigarre, die der Herr ihm mäh. rend der Unterhaltung angeboten hatte, und antwortete: ,, Das perlangt auch niemand. Ich wollte Ihnen nur zeigen, daß auch meine Lesart des Lebens zu rechtfertigen ist. Nach alter Väter Sitte in Horden durch die Lande ziehen können wir heute nicht mehr gut; auch paẞt meine Auffassung nur für Alleinstehende. Aber hören Sie weiter: Geben Sie jedermann, der es haben will, ein Stüd Land, gerade so groß, daß es gärtnerisch ausgenutzt, für die Bedürf. nisse einer Familie ausreicht. Ich wäre dann trotz aller Wander. lust der erste, der zugreifen würde. Dann wird das Land bestellt, einige Stunden täglich im Beruf, sei es als Arbeiter, Handwerker oder Beamter, gearbeitet und der Rest des Tages zur Verschönerung des Heims sowie zur Instandhaltung der Wirtschaft gebraucht. Denn basteln muß jeder, nur die unumgänglichsten Arbeiten dürfen durch andere ausgeführt werden. Der Barlohn der wenigen Berufsstunden dient zur Beschaffung der Lebensmittel und sonstiger Bedürfnisse, die man nicht selbst erzeugen fann Diese sind natürlich in den engsten Grenzen zu halten. Dadurch wird dann gleichzeitig der Ausgleich geschaffen für die im Gegensatz zur heutigen Wirtschaft weniger geleisteten Arbeitsstunden. Sehen Sie sich unsere Industrien an. Wieviele dienen wirklich zur Schaffung von Lebensnotwendig. feiten? Wieviel Millionen Arbeitskräfte find damit beschäftigt, nuß lose Werte zu schaffen? Nehmen Sie nur die Genußmittel-, die Bekleidungsindustrien. Fort mit diesem überflüssigen Kram und hinaus aufs Land! Wenn Deutschland nicht ausreicht, die Welt ist groß genug. ,, Aber man fann doch nicht ohne Kleidung umherlaufen." „ Das sollen Sie auch nicht, nur allen Firlefang, wie ihn die Mobe", fage Fabrikanten, vorschreibt, sei es in Kleidung, Wäsche, Möbeln, STÜCK LIKŐRE " Sonntag, den 16. November, vormittags 10 Uhr: Lantwith: Lehmanns Festfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 29. Redner: Eduard Bernstein. Montag, den 17. November, abends 71/2 Uhr: Redner: Baumschulenweg: Lyzeum Baumschulenstraße. Erna Kresse und Falkenberg. Dienstag, den 18. November, abends 7½½ Uhr: Prenzlauer Berg( 24. und 25. Abt.): Oberrealschule, Pasteurstraße 44. Kreuzberg: Erbe( vorm. Kliem), Hasenheide 13. Marienfelde: Haseloff, Berliner Straße 114. Neukölln: Erbe( vorm. Kliem). Hasenheide 13. Britz: Beckers Gesellschaftshaus, Chauffeestraße 97. Treptow: Nitschke. Am Treptower Part 26. Alt- Glienice: Franz Bohn, Grünauer Straße 55. Oberschöneweide: Aula Gemeindeschule, Frischenstraße. Friedrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Lichtenberg: Aula Mittelschule, Marktstraße. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Tagesordnung: Deufidhnationale oder sozialdemokratische Polifit?- Kriegs- oder Friedensreichstag? Redner: Crispien. Kuttner, Dr. Löwenstein, Karl Leid, Müller- Franken, Siering, Ernst Reuter, Heinrich Schulz, Dr. Weŋl, Wermuth. Dieser gegenständliche Expreffionismus hat in den letzten Jahren die abfolute Kunst mehr und mehr zurückgedrängt. Und diese Tatfache gab denen, die für den neuen Stil noch kein Verständnis gewonnen hatten, zu dem Irrtun Beranlassung, es sei wieder eine naturalistische Epoche heraufgekommen. Man betrachte einmal von dem soeben angedeuteten Gesichtspunkt aus die Arbeiten auf der Juryfreien Kunstschau. Etwa das Triptychon Passion" von Karl Casper( Saal 2, Nr. 179). Sind es die dargestellten Figuren, die hier die Grundlage des Gemäldes bilden, oder ist es nicht vielmehr der Organismus aus rhythmisch aufgebauten Linien, in deffen Gerüst sich die Fizuren usw. eirfügen? Oder man nrüfe die Bilder von Reinhold Ewald ( Saal 1, Nr. 276-279), bei denen ganz offensichtlich der Farbenrhnthmus das Erite, das Naturbild des Rweite ist Od r die ben Arbeiten von H. A. Heimann im Zimmer 26( Nr. 472 und 473), die die Naturbi der aus deutlich in die rhythmisch lineare und fach ge Aufteilung der Bildfläche hineinfomponiert und dieser untergeordnet haben. Noch deutlicher fast treten die wahren Grundlagen des ânfcheinend anturalistischen Stils zutage in den Zeichnungen und Graphifen der Akademie Ausstellung. Man vertiefe sich in irgend eines der Blätter, und man wird fast bei jedem fonstatieren fönnen: der Ausgangspunkt ist nicht das Gegenständliche, sondern das rhnthmilche inien- und Forheng mebe in des das Naturbild ne wissermaßen hineingeflochten ist. Ob man die Lithos und Zeichmumgen von Karl Hofer( 3immer 8, Nr. 199-201), das ergreifende Holzschmittblatt der Käthe Kollwit( Saal 2, Nr. 308, Frau mit Kindern in den Tod gehend"), die troß ihres fleinen Formats Gaal 2, Nr. 370 und 372) ober Bechsteins Aquarelle( 3immer 9, monumental wirkenden Radierungen von Defterle( besonders Nr. 398-402), von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet überall wird das Resultat das gleiche sein. Und ebenso verhält es sich mit den Plastiten. Als befonders charakteristische Beispiele nenne ich milly Reneé Gintenis( 3immer 6, Nr. 591-594), bie niende" von Heinrich Salze( Bimmer 9, Nr. 573). Oeffentl. Frauenkundgebungen Stegers„ Weibliche Figur“( Zimmer 6, Nr. 597), die Bronzen ber Montag, den 17. November, abends 7 Uhr: m Prenzlauer Berg: Lyzeum Greifswalder Str. 25.- Redner: Ausstellungen der Berliner Gezeffion und des Vereins Berliner Mathilde Burm. Charlottenburg: Schellbach. Königin- Elisabeth- Str. 6. Redner: Pfarrer Franke. Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Str. 8. Runert. Redner: Marie Dienstag, den 18. November, abends 7'/ 2 Uhr: Wilmersdorf: Oberrealschule am Seepart.- Ansprache. Rezitation, Gesangsvorträge. Redner: Pfarrer August Bleier. laffen, mas entbehrlich ist; ein jeder auf seine Art, wenn auch nur wie ich als Tippelbruder. L Während der Stromer sprach, hatten sich die Kinder unbemerkt wieder hinzugefellt und mischten sich in die Unterhaltung. ,, Gelt, Bater, das muß dann aber ein schönes Leben sein!" ,, Nun wird's mir aber zu bunt, auch die unschuldigen Kinder mit Ihren Reden anzustecken! Ich habe mich leider in Ihnen geirrt, ich habe Sie nach Ihrem Aeußeren für einen anständigen Menschen gehalten. Komm, wir müssen gehen. Guten Tag!" Und von fern hörte der Landstreicher noch die Entrüstung: ,, Der reinste Bolschewist! So ein Reinfall! Das hat man davon!" Auch er schnallte sein Ränzel um und zog seine Richtung fort, ein Lied auf den Lippen:„ Ich wünsch' mir ein Häuschen am fernen Rhein!" Woher und wohin? Bon John Schitowsti. In den bildenden Künsten sind in letzter Zeit äußerlich Beränderungen vor sich gegangen, die man irrtümlich auf eine innere Neveinsella 21 ridfubrt. Leute die die neue Kanic a una noch nicht lebendig in sich aufgenommen hatten, triumphieren jetzt und behaunt n die vermeintliche Mode bebe bereits abgespielt uno man jei wieder beim guten Alten angelangt. Man folgert dies aus der Tatsache, daß die sogenannte abfolute Malerei und Plastik, die ausschließlich durch das reine Kunstmittel ( bort Linie und Farbe, hier Form) wirkt, zurückgegangen ist und die gegenständliche Kunst, in deren Werten äußere Erscheinungsformen der Natur sichtbar werden, Raum gewonnen hat. Man sieht auf den Ausstellungen die gegenwärtige Jurnfreie am Lehrter Bahnhof, die Akademie Ausstellung am Pariser Plazz, die Jahresaus ellung der Berliner Sezeffion und die Herbstausstellung des Vereins Berliner Künstler bieten lehrreiche Beispiele- nur noch wenige Blder. die ledi lich aus rhnthirich geordneten Linien und Farben bestehen, während mieber Menschen und Tiere, Bäume, Blumen und Häuser usw. auf der Leinwand fichtbar werden. In jedem Gemälde sind die Linien und Farben des darin er. fcheirenden Naturbildes nach rhythmichen Gefehen zu einem schloffenen Organismus gestaltet. Das Naturbild, der Mensch, das Tier, die Landschaft ufm., wird nicht so wiedergegeben, wie es fich dem Auge des Malers in der Wirklichkeit darstellt, fondern es wird umgeformt und umgefärbt nach dem idealen Gebilde aus Linien und Farben, das dem Künstler beim Schaffen als Bision vorschwebt. Diefes Umgestalten des Naturbildes ist das, was man Romonieren" des Gemäldes nennt. Bei der Entstehung eines Gemäldes wirten also zwei Fattoren mit: das Naturbild und die Bision aus DEUTSCHER WEINBRAND Die gleichen Eindrüde gewinnen wir beim Durchschreiten der Künstler. Als Beispiele erwähne ich aus der Sezession die norwegische Landschaft( 48) von edendorf, bei der der Ruliffenaufbau der Inseln das eigentliche Motiv bildet. Ferner die portreffliche Kollektion Schweizer Künstler( 160-186), die alle zum deutlichen beherrschenden Flächenrhythmus streben, und zwar nicht nur die, die ausdrücklich Entwürfe zu Wandbildern geben wollen, wie Albert Müller( Nr. 177) oder Otto Staiger( Nr. 184), sondern auch solche, bei denen das Gegenständliche zu dominieren scheint( Stoed lin Neuhaus ,, Matrosenfiraße" Nr. 185; Bergbauern" Nr. 178).-Aus der Ausstellung der Berliner Künstler hebe ich Stübners Russisches Ballett" hervor, einen rhnthmisch flutenden Farbenstrom, der das Naturbild kaum noch erfennen läßt; die Kühe im Wald" von Feyerabend, einen Busammenflang von Grün und Braunrot mit dem flaren tompositionellen Linientontrast der breiten Horizontalen des Borderund der schlanken Senkrechten des Hintergrundes. Gewiß gibt es auf allen diesen Ausstellungen auch Gegenbeispiele: die ältere Generation, die von den neuen Kunstanschauunaen unberührt geblieben ist, schafft heute wie früher im Geist des Naturalismus. Aber die Jungen, die Träger der Zukunft, die, auf die es antommt, schreiten samt und fonders auf neuen Bahnen vorwärts. Auf die Frage: woher fommt diese Kunst? lautet die Antwort: aus der Anschauung, die sich im Laufe der jüngsten eineinhalb Jahrzehnte in allen Kulturländern der Welt herausgebildet hat und die man erpressionistisch" nennt. Mit dem Naturalismus hat der in ihr herrschende Geist nichts mehr zu tun, so viel äußerliche Aehnlichkeiten fich auch finden mögen. Die Grundstimmung ist eine andere geworden. Und wohin führt diese Kunst? Sie führt leßten Endes zu dem groken Gesamtkunstwerk, in dem alle bildenden Künste, Architektur, Plastik und Malerei, sich zu einheitlicher Wirkung zu fammenschließen, zu dem umfassenden monumentalen Stil, den der Naturalismus verloren hatte und vergebens ersehnte. Es ist kein Zufall, daß Baufünftler heutzutage zu Leitern der staatlichen Kunstakademien gewählt werden. Denn die Baukunst, die wirklichkeitsfernste der bildenden Künste, ist zur Trägerin des neuen werdenden Stils berufen. Der rhythmischen Raumoliederung der Architektur ordnen sich die Plastiken und Malereien zwenalos ein, die im Grunde nichts anders als rhythmische Formen und Flächengliederung bedeuten. Die materiellen Schwierigkeiten, die die Ent faltung der Baufunst heute namentlich in Deutschland hemmen, lassen die Entwicklung nicht so rasch vorwärts schreiten, als es unter normalen Umständen der Fall wäre. Troßdem bleibt das Ziel deutlich erkennbar und trotzdem dürfen wir hoffen, daß die heute heranwachsende Generation noch das erleben wird, was ihre Bäter und Großväter vergebens ersehnten: den einheitlichen, alle bildenden Künste umfassenden Stil und als notwendiges Ergebnis eine das ganze Bolt durchdringende ä ft hetische e nheitliche, Kultur! Togal bervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Rheuma, Nerven- und Jschias, Kopfschmerzen. 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