fir. 553 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 281 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3.- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litenen, Luremburg 4,50 Goldmark, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat Der., Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten" fomie dez Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin' Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpicnnig Anzeigenpreife: Die eini paltige Nonpareille seile 0.70 Goldmart Reflameacile 4. Goldmart. Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 0.20 Gold. mart( zuläffia amei fettaedruckte Worte). iedes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erite Wort 0.10 Goldmar? iedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 41 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden. ftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Donhoff 292–295 Berlag: Tönboff 2306--2507 Sonntag, den 23. November 1924 Ultimatum an Aegypten. Die Attentäter verhaftet. London, 22. November.( Eigener Drahtbericht.) Cord Allenby, der englische Kommissar für Aegypten, hat am Sonnabend in feierlichem Aufzug de igyptischen Regierung, die britische Note wegen der Ermordung des Generals Stad überbracht. Auf dem Wege zur Regierung wurde er von einem ganzen Regiment& avallerie estortiert. Die Note verlangt angemessene Entschuldigung, Zahlung einer Entschädigung von einer halben Million Pfund Sterling, Berbot politischer Demonstrationen und die Entfernung der ägyptischen Offiziere, aus den ägyptischen Truppenverbänden, die im Sudan stehen, ferner Beibehaltung der juristischen und finanziellen Ratgeber in Aegypten. Die Antwort wird von der ägypfifchen Regierung binnen 24 Stunden verlangt. Der verhaftete Führer des Kraftwagens, in welchem die Mörder des Sirdars geflüchtet find, hat die Attentäter, die den Anschlag verübt haben, wiedererkannt Sie wurden verhaftet. Ju Kairo ftreiten die Schulen In Alexandrien gab es Demonfcationen gegen England. Britische Rüstungen. Baris, 22. November.( Eca.) Eine größere englische Flotte hat sich nach einer Meldung des Intransigeant" vor Maga brien versammelt. Diese Flotte umfaffe außer dem bereits ver Alleganorien anternden Dreadnought ,, Baliant" noch sechs Dreadncughts, fünf Schlachtfreuzer, eine größere Angcht Torpedoboot zerstörer und zwei Flugzeugmutterschiffe. In Malta und bei Gibral tar befänden fich die Truppen in Alarmbereitfchaft. Baldwin- Chamberlains Außenpolitik. Unbehagen in Frankreich. Paris, 22. November.( Eigener Drahtbericht.) Das von Tag zu Tog deutlicher werdende Abweichen der Lonfervativen Regierung von der Außenpolitik ihrer Borgängerin wird in Frankreich nicht ohne Besorgnis verfolgt. Insbesondere ist es die Stellung nahme gegen das Genfer Protokoll, die hier sbart beunruhigt. weit dadurch das Problem der Sicherheit berührt wird. Der Matin brachte am Sonnabend morgen einen Artikel Henri de Jouvenels, eines der Delegierten Frankreichs auf der Genfer Konferenz, in dem der Regierung der Rat ertei't wird, unbekümmert um das, was England run werde, an dem vom Bölkerbund aufgestellten Garantie- und Schiedsgerichtsvertrag festzuhalten; das Schicksal Europas dürfe unier feinen Umständen von der EntPreußen und die„ Versackungspolitik". Eine notwendige Feststellung. Dere Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: In der Zeit" mird gesagt:„ Der Mann, der das Rheinland wirklich preisgeben und nichts mehr für es tun wollte, der also am entschiedensten für die fogenannte Berfadungspolitik eintrat, saß in der Preußischen Regierung. Es war Herr Otto Braun, damals und heute noch Breußischer Ministerpräsident." Hierzu ist festzustellen: Ministerpräsident Braun ist während der ganzen Zeit, in der sich die Dinge im Rheinland fritisch zu entwickeln drohten, ununterbrochen und mit aller Energie für die berechtigten rheinischen Intereffen eingetreten. Er hat sich gegen die sogenannte Versadungs politik, die er als verhängnisvolle Katastrophenpolitit einschätzte, innerhalb der Regierung und vor der Deffentlichkeit des Landtages mit der denkbar größten Schärfe gewandt. Er hat sich daher auch niemals und darum handelt es sich in den fritischsten Tagen ja ganz besonders für die Einstellung der an die Erwerbslosen in den besetzten Gebieten gezahlten Unterstützungen gewandt, sondern ist in den entscheidenden Besprechungen mit dem Reichstabinett lediglich dafür eingetreten, daß diese Erwerbslosen= unterstützungen von ihrer egzeptionellen Höhe auf das im ganzen Reiche zur Anwendung kommende Taß mit Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches zurückgeführt würden, und daß vor allem nur die wirklich objektiv Berechtigten diese Unterstüßung erhielten. Und das erst, nachdem sich 1. herausgestellt hatte, daß jehr viele ErwerbsIcsenunterstügungsempfänger fich in den besetzten Gebieten zu un recht aufhielten und daß so sehr erhebliche Summen vom Reiche auf diese Weise unnüz verausgabt wurden, und 2. nachdem die beiden aufeinanderfolgenden Reichsfinanzminister übereinstimmend erflärt hatten, daß sie überhaupt die Mittel zur Weiterzahlung auch der eingeschränkten Erwerbslosenunterstützung nicht mehr besäßen! Im übrigen täte die Beit" fehr gut daran, ehe sie Minister präsident Braun der Bersackungspolitik beschuldigt, einmal das Bro fotoll der Landtagssigung vom 5. Dezember 1923 nachzulesen, in der Ministerpräsident Braun im Rahmen eines ftarten Treubetenntniffes zu den Rheinlanden für die gleichmäßige Behandlung der Bevölkerung im befeßten und unbesezten Gebiet in finansieler und wirtschaftlicher Beziehung eintret und vor allem: erilärte, taß die Breußische Staatsregierung jede Faatsrechtliche Wenderung in bezug auf die Rheinlande, jede territoriale Aenderung I scheidung der britischen Dominions abhängig gemacht werden. Die allgemeine Tendenz des Artikels von Jouvenel geht dahin, daß Frankreich eine europäische Politif gegebenenfalls ohne England ins Auge faffen müsse. Dieser Auffassung tritt der" Temps" am Sonnabendabend entgegen. Er warnt davor, in dem englischen Antrag, die Abrüstungskonferenz ats Bunft auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Völkerbundes in Rom zu ſehen, etwas anderes fehen zu wollen als einen Antrag auf Bertagung, der da durch ausreichend begründet fei, daß das neue englische Kabinett bisher nicht 3eit gefunden habe, diese Frage ausreichend zu prüfen. Aus den Erklärungen der neuen Männer in London gehe hervor, daß Frankreich bei ihnen für die Lösung der Scherheitsfrage auf die nachdrücklichste Unterstützung rechnen fönnte, felöst wenn das Genfer Protokoll von England nicht unterzeichnet werden sollte, und deshalb würde Frankreich einen schweren Fehler begehen, wenn es die neuen Männer in England vor den Kopf stieße. Die russisch- französischen Beziehungen. Paris, 22. November.( Eigener Drahibericht.) Der neue ruffische Botschafter in Paris wird am Dienstag in Begleitung von etwa 20 Personen hier eintreffen. In seiner Begleitung befinden fich auch die Sachverständigen, die die bevorstehenden franzöfifch russischen Verhandlungen führen sollen. Gerechtigkeit für Nathufius! Eine Erklärung des republikanischen Richterbundes. Der Republikanische Richterbund tritt mit folgender Erklärung gt die Deffentlichkeit: Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 6s, Lindenstr. 3 Ponticheckkonto: Berlin 375 36. Bankkonto: Direktion der Diskonto.Geicllichaft. Devontentane Lindenstraße 3 Pantheon. Jean Jaurès zum Gedächtnis. Heute werden die sterblichen Refte Jean Jaurès feierlich im Pantheon beigesetzt. Die verspätete Ehrung eines großen Toten ist ein Zeugnis für den Wandel der Zeiten. Albi hatte vor einigen Monaten der französischen Regierung Die Gemeindeverwaltung des südfranzösischen Städtchens den Antrag unterbreitet, das dortige Gymnasium nach Jean Jaurès zu benennen, der in dieser Anstalt nacheinander studiert und gelehrt hatte, bevor er die politische Laufbahn betrat. Die damalige Regierung Poincaré ließ durch den Unterrichtsminister Léon Bérard diese Bitte abschlägig beant morten, und zwar mit der Begründung, daß Jaurès eine noch zu umstrittene Persönlichkeit" sei. Diese Ablehnung einer bescheidenen und selbstverständlichen Ehrung geschah lediglich aus Angst vor dem Stirnrunzeln der Nationalisten, die damals die französische Politi? im Innern und nach außen beftimmten. Um heutigen Sonntag wird diese kleine Infamie der Regierung Poincaré durch die Regierung Herriot nicht nur wieder gutgemacht, sondern es wird sogar dem toten Jaurès die höchste Ehre erwiesen, die Frankreich den ganz Großent unter feinen Söhnen zuteil werden läßt. Der Sarg von nach Paris übergeführt, in der vergangenen Nacht in der Jaurès ist am gestrigen Tage aus dem heimatlichen Friedhof Wandelhalle der Deputiertenfammer aufgebahrt worden und heute werden Hunderttausende von Parisern vor dem Wagen ihr Haupt entblößen, der die Leiche nach dem monumentalen Bau des Pantheons bringen wird, auf dessen Frontseite in Riefenlettern die Inschrift prangt:" Den großen Männern das dankbare Baterland." Dort wird in Gegenwart det höchsten Vertreter der Republik der große Führer des franzöfifchen Sozialismus, der unerschrodene Kampfer für die deutsch französische Ber ständigung, der Märtyrer der Friedensidee Jean Jaurès neben anderen großen Männern beigesetzt werden, um die ein jedes Kulturvolt Frankreich beneiden tann: der Dichter Victor Hugo, der Bakteriologe Pasteur, der Revolutionär Lazare Carnot, der als Berbannter der monarchistischen Restauration 1832 in Magdeburg starb, der Romanschriftsteller und Wahrheitskämpfer Emile Zola, der Chemifer Marcellin Berthelot und einige andere. * M „ Als Deutsche, die in ihrer Heimat dagegen fämpfen, daß Un recht unter der Maste des Rechts einherschreitet, ruft uns das Rechtsgewissen auch im Fall des Generals v. Nathusius. Um der Gerechtigteit. millen fühlen mir uns gedrungen, Sem unerhörten Urteil des Kriegsgerichts in Lille zu widersprechen. Schon ein Zweifel on der Schuld mußte dem Angeklagten zugutekommen, und hier ist vielmehr nach den übereinstimmenden Berhandlungs. berichten Sie nichtschuld emes Mannes voll innerer Ehre er= wiesen. Wir haben für den unschuldig Berhafteten und Verurteilten pollkommenes Mitgefühl. Wir wünschen, daß der Kaffationshof und Welch eine Revanche nicht nur für Jaurès, sondern auch neue Tatrichter in Frankreich ihre Schuldigkeit tun mögen, Wir stellen uns in dieser Gerechtigkeitsfrage hinter die Reichs. Arbeiterklasse! Wie wurde Jaurès zeitlebens beschimpft und für seine Ideen und sein Wert, für seine Partei und für die regierung und erhoffen von der Anrufung der erprobten Rechtsverleumdet, wie wurde gegen ihn von der Pariser reaktionärent und Friedenslicke der gegenwärtigen französischen Regies Presse gehegt! Die französischen Ge nnungsgenossen des rung durchgreifenden Erfolg." Lokal- Anzeigers" und der Deutschen Zeitung" haben nicht umsonst den Haß gegen ihn gefät: am Vorabend des Kriegsausbruchs fand sich ein geistig minderwertiger, der die graufame, aber logische Konsequenz aus dieser Heze zog und die Prophezeiung erfüllte, die Jaurès selbst mit seiner geradezu übermenschlichen Sehergabe über das eigene Schicksal erlassen hatte: preußischen Gebietes und jede Beeinträchtigung preußischer Hoheits rechte mit allem Nachdrud ablehne und mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen werde. Reventlow will Juden rösten. Eine schauerliche Geschichte veröffentlicht der Reichswart" des Grafen Ernst Reventlow, früheren Redakteurs der„ Deutschen Tageszeitung". zuletzt Fraft onsgenosse Lindströms und des Ritualmord- Fritsch. Die Geschichte trägt den harmlosen Titel„ Die Juden in Berlin" und erzählt von einem Ritualmordprozeß, der im schönsten 1510 in Berlin gegen eine große Zahl Juden ges führt wurde und mit ihrer Verurteilung zum Flammentode endete. Man genieße diese Schilderung des Chronisten Angelus, den Reventlow wohlgefällig zitiert: Mittelalter „ Es hat aber zuvor der Scharfrichter mit seinen Heffern, deren aus eigener Bewegniß unaufgefordert viel dazu fommen, einen wunderlichen Bau iu ihrer Straff hinter dem Rabenstein zugerichtet, dergestalt und also: Paul Frohm hat er allein an eine Säule mt Halseifen und Banden angebunden, und die Säule mit gutem Holz und Reiß und Pech umleget, den Juden aber hat er ein hoch Tabernakel, dreier Mann hoch. als ffarte Röften übereinander gebaurt, und deren iegliche mit vielem Holze, Stroh und Pech umleget, und auf jede Rösten in die Länge und Breite starke Bäume gezogen, daran er die Juden, ein Teil auf die unterste, die ander auf die mittelste. und also förder die übrigen auf die dritte Röften, alle bey den Hälsen mit eisernen Banden auf- und angeschmiedet, also daß einer hat in de Höhe und der andere vor sich nieder sehen müssen" Wie femitennüſtern weiten und wie sie im Vorgefühl zukünftiger Freuden Man spürt förmlich, wie beim Lesen dieser Greuel sich die Antischon den Brandgeruch gerösteten Judenfleisches einatmen. schön wäre es doch, wenn man viele solcher Röste" aufrichten und im ganzen Lande alle Juden schmoren könnte! Freilich follte man in unseren Zeitläuften, d'e sich auf Bildung ebenso wie auf Besiz etwas zugute tun, erwarten daß die mittelalterlichen Judenprozesse, die ein Schandmal für die Zeit des abfoluten Hohenzollerntums bleiben, nur mit Abscheu erwähnen. foluten Schenzollerntums bleiben, nur mt 2bscheu erwähnen. Im Re chswart" wird die Judenröstung mit einem teilnehmenden und billigen Ernst Behandelt, der deutlich die Sehnsucht nach gleichen Orgien des Ant semitismus verrât. Bir entziehen diese Roheit dem Dunfel bes gräjien eichsmart" und stellen feins hele Sieht der Defentschleit. Mogen die Böllischen am Schandpsahl stehen und, wenn sie noch fönnen, sich schämen lernen! In Ihren Blättern," sagte er, zu der Rechten gewandt, in einer Rede am 4. Juli 1913,„ bei denen, die Sie unterstützen, wird unausgesetzt zum Meuchelmerd gegen uns gehest. Jüngst mar es die„ Liberté, die in aller Gemütlichkeit schrieb, daß, als ich den Tod von 60 französischen Soldaten in Marokko hier mitteilte, ich darüber zweifellos helle Freude empfinden müßte, da dies 60 Fran30sen weniger wären, die man dem deutschen Heere entgegensetzen tönnte. So tief find Sie gefunken' Nach vielen Spolten Verleumdungen heißt es mit Bezug auf mich und meine Freunde: Am Tage der Mobilmachung wird diese eine Hinrichtung auch gründlich ergänzt werden müssen. Und jüngst schrieb einer der Ihrigen, daß alle diejenigen, die die dreijährige Miltärdienstpflicht beschimpfen, im Einverständnis mit dem Feinde handein, und daß sie am ersten Tage der Kriegserklärung vom gerechten Zorn des Volkes niedergeschlagen werden würden, weil fie sich zu Komplicen des Feindes machen.( Jawohl! rechts.) Ich will nicht einmal behaupten, daß mir solche Worte zur Ehre ge= re'chen; aber wenn ich zuweilen der Versuchung unterläge. meinen eigenen Wert und die Dienste, die ich in einem Leben der Hingabe und des Kampfes meiner Partei und der Republik leisten durfte, an dem gewalttätigen Haß zu messen, den ich der Reaktion einflöße, dann würde ich wohl die Sünde des hochmütigen Stolzes begehen. ( Stürmischer Beifall auf der gesamten Linken.) ,, Am Tage der Mobilmachung" machte die Reaktion ihre Drohungen wahr. Und einer der edelsten und flügsten Geister aller Zeiten war auf dem Gipfel feiner Kraft jäh erloschen. Das erste Opfer des Weltkrieges, zugleich vielleicht das un ersetzlichste. * Wenn mun heute die französische Nation am toten Jaurès das. wieder gutzumachen versucht, was am lebenden Ränipfer für Frieden, Recht und Wahrheit gesündigt wurde, fo gilt diese Sühne nicht nur dem Manne, sondern auch der dec. Der heutige Tag ist ein Ruhmestag nicht nur für den gemerchelten Führer des franzöfifchen Sozialismus, er ist auch ein Ehrentag für die sozialistische Bewe= gung Frantreichs und aller Länder, vor allem auch Deutschlands. Für den deutsch französischen Frieden hat Jaurès geftritten, für ihn ist er gefallen. Er starb nicht nur für sein Bolt, sondern für alle Völfer. nicht zuletzt für das deutsche. Mit der französischen Arbeiterklasse gedenkt am heutigen Tage das deutsche Proletariat in Ehrfurcht und Dankbarkeit des Mannes, der sein Leben dafür lassen mußte, daß er das Leben von Millionen seiner Mitmenschen retten wollte. Und hier werfen wir noch einmal die Frage auf, die wir vor acht Tagen nach dem Tode von E. D. Morel und Ludo Hartmann stellten: Wo sind die Männer im Auslande, von denen die reaktionären Parteien mit dem gleichen Stolze sagen könnten: Er war unser Kampfgenosse! Die Reaktion hat in anderen Ländern nur Gesinnungs= genossen: die Poincaré und Churchill find Fleisch vom Fleische unserer Nationalisten aber sie sind zugleich oder vielmehr gerade deshalb die ärgsten Feinde Deutschlands. Der Name Jaurès allein ist die beste und schönste Rechtfertigung des internationalen Gedan tens gegenüber allen verständnislosen und schmutzigen Anwürfen der Nationalisten Bon Jaurès stammen die Worte: Die Nationen sind das Schahfäftlein des menschlichen Gedankens" und: ,, Ein wenig Baterlandsliebe entfernt vom Internationalismus, viel Baterlandsliebe führt zum Inter nationalismus zurück." Vaterland und Internationale sind eben feine Gegenfäße, sondern zwei Begriffe, die sich gegen feitig ergänzen, ja ergänzen müssen, wenn die Mensch heit etwas mehr sein soll als eine zoologische Bezeichnung. Gegen diese Erkenntnis sträubt sich der Unverstand der Reaftionäre aller Länder. In deren Augen sind die Bölker dazu da, sich von Zeit zu Zeit wie wilde Tiere gegeneinander zu stürzen und zu zerfleischen. Kriege wird es immer geben!", das ist die höchste Weisheit der Leserschaft des„ Echo de Paris", des Lokal- Anzeigers" und der Daily Mail". Und wenn Männer dafür fämpfen, daß diefer blutige Aberglaube zerstört werde, wird gegen sie in allen Sprachen genau mit den felben Beschimpfungen operiert: Knechte des Auslandes", Berräter", Söldlinge des Feindes". Und der Erfolg heißt: Jaurès, oder Eisner, oder Rathenau, oder Matteotti. * Aber solche Erfolge" der Reaktion sind nur vorübergehend. Die Idee der Menschheit, die Idee des Friedens, die Idee der Internationale marschiert. Ihre Träger fönnen ermordert werden, Rückschläge fönnen eintreten, aber der Drang der Menschen nach Ueberwindung jahrhundertalter Vorurteile, nach höheren Formen der Kultur, nach besseren Lebensmöglichkeiten und ederem Lebensinhalt ist unaufhaltsam. Wieviele Krankheitserreger find im Laufe der lezten Jahrzehnte niedergerungen worden, der Bazillus der Tollwut, der Bocken. des Typhus, der Syphilis, der Diphiherie auch der Bazillus des Krieges wird be. fiegt werden. Er heißt: die menschliche Dummheit. Und das Heilmittel heißt: der internationale Sozia lisus. Die Internationale ist es, die heute von der französischen Republik, von unseren Genossen bewußt, von ben regierenden Bertretern der bürgerlichen Demokratie vielleicht unbewußt, in der Person von Jean Jaurès geehrt wird. Schon regt sich ein fran- ösischer Ludendorff, der nationalistische Abgeordnete General St. Just bei dem Gedanken auf, daß die Truppen der Bariser Carnison Ehrenbe eugungen einem Sarge erweisen müssen, der sowohl in Trifoloren wie auch in roten Fahnen umhüllt sein wird. Er fragt die Regierung Herriot, was sie zu tun gedente, um der Armee diese Er niedrigung“ zu ersparen. Dieser General St. Juft verdiente zum Ehrenmitglied des deutschen Bürgerblods ernannt zu werden. Aber vom Standpunkt des internationalen Militarismus hat dieser General vollkommen recht: Was sollte bloß aus den Generälen werden, wenn der Friedensgebante weiter fortschreitet, wenn die Friedensfaat, die Jaures und Bebel, Adler und Keir Hardie und so viele andere ausgestreut haben, Das Sterben der Steine. Eine Bifion auf den Friedhöfen von Konstantinopel, Bon Armin T. Begner. Ich ging durch die Gassen von Stutari, es war gegen Morgen. Wir hatten die Nacht in den Schulen gearbeitet, ich war müde, und meine Hände schmerzten. Al'es Gemäuer rage, schwarz überschattet, ich ging zu den Friedhöfen hinaus. Grau stieg die schmale Pyra. mide der Wasserleitung, auf deren Spize das Wasser der Stadt seinen Atem holte, ehe es von neuem hinunterstieg in den Hof und die Stuben der Häu'er. Scharen pi'gernder 3npressen zogen über die Hügel, unter deren Wurzein die Gräber hinabwanderten in das Meer. In ihrer Mitte erhob, von fiberstämmigen Platanen bekränzt, ein Minaret: feine schallende Siin me. Rief es die Toten zum Gebet? Graue Pilze bedeckten die Grabsteine, den zerfallenen Boden, ein Wald verwitterter Turbane rauschte herauf. Marmorne Schwellen blidten moosüberzogen aus der grünenden Erde, über der das Vieh weidete, sich von den Disteln nährend, die aus den Gräbern find?) Geborstene Zäune, zerbrochene Grabkapellen lagen durchein. der Toten wuchsen.( Wie komm: es, daß eure Herzen so stachlig andergestürzt, und zwischen jungem Gras, dessen schmale Fahnen hell in der Sonne wehten, barbie die unfruchtbare Saat der Trümmer, endlos über Wege und Hügel gestreut. Lagen hier Menschen begraben? War dieses nicht eine Grabsta't der Etcine? In ungeheurem Ringe umftarrten sie die Stadt. Mit dem Glanz bunter Rachein belegt und geziert mit Arabesfen, versanten sie in der hohlen Erde, schiante Schiffe. led gewerben auf dem bewegten Meer diefer Knochen, das sie tausende Jahre getragen hatte. Die schlanken Tafeln, die wie zwei milchweiße Kundschafter zu Häupten und Füßen der Leiche gesetzt waren, ihre gulen und bösen Ta'en zu befragen, lagen entwurzelt, das Gesicht zur Erde gedreht, und steinerne Turbane, wie das Haus einer Schnecke gewunden, die er, habenen Zeichen der Ehre und des Standes, bedeckten, von der marmornen Platte gebrochen, gleich abgeschlagenen Köpfen den Grund. Entblätterte Säulen mit goldenen Buchstaben bemalt. die zierlich wie der Rand einer Frauenlippe geschweift waren, neigten sich schief über den Rasen. Regen hatte die gemeißelte Rosenknospe, den Kranz aus Muscheln an ihren Füßen verwischt, das Becken zer. brochen, aus dessen wassergefüllter Schale bunte Bögel ihren Durst stillten, hatte die flammende Schrift des Koran gelöscht, die auf filbernem Grunde fünfhundert Jahre lang in den hellen Morgen gerufen:„ Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen: Er ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht gleicht einer Lampe in einer Nische, einer Lampe von grünem Glas." Bom Winde relockert, fielen die Worte auseinander wie die Zähne aus einem alternden Mund. Die schmalen Glieder durchbrochener Tempel, deren bleiche Glätte einft weiß und geädert gewesen, wie junge Menschenhaut, lagen grau und zusammengefunken, Fleisch, das in aufgeht, und wenn in allen Ländern das Millionenheer derer, wächst und wächst, die nie wieder. Krieg sehen wollen? Der heutige Tag ist ein Siegestag des Friedens, ein Ehrentag der internationalen Arbeiter klasse. Ueber die Grenzen hinweg grüßen im Geifte die deutschen Sozialisten die Ueberreste von Jean Jaurès auf deren Cang nach der Ruhmes- und Ruhestätte der größten Söhne Frankreichs: Habe Dank für Dein mutiges Wirken und Ringen in Deinem Geifte werden wir weiterfämpfen und siegen! Paris, 22. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Sarg mit den Ueberresten von Jean Jaurès, der am Freitag durch einen Bug von über 30 000 Arbeitern in seiner Heimat Afbi zur Bahn gebracht worden war, ist am Sonnabendabend um 211 Uhr im Sonderzug in Paris eingetroffen. Der Sarg war begleitet von einer Abordnung von Kammer und Senat, von Vertretern der öffentlichen Körperschaften in Albi, der sozialistischen Bartei und der Gewertschaften. Eine Abordnung, bestehend aus dem Kammerpräsidenten Painlevé, dem Unterrichtsminister Albert und den Quästoren der Rammer, nahm die Leiche am Bahnhof in Paris in Empfang und geleitete sie durch eine ungeheure Menschenmenge nach der Deputiertenfammer. Hier wurde der Sarg über Nacht in einem zur Trauerkapelle umgewandelten Saal aufgeftellt. Die Ehrenwache wird von Mitgliedern der Familie Jaurès, seinen persönlichen Freunden und von Abordnungen der sozialistischen und republikanischen Organisationen, des Bergarbeiterverbandes seines Heimatdepartements Tarn und der sozialistischen Rammerfraktion gehalten. Nieder mit Marx! Die„ Pommersche Tagespoft" als Mary- Töter. Die Bommersche Tagespost", das Organ der Deutschnationalen, ist unter die Marr- Töter gegangen. Sie schimpft wie ein Rohrsperling auf Marg, auf Wilhelm Marg natürlich. Aus ihren Ausführungen gegen den Reichsfanzler spricht ein Haß, der bei der Persönlichkeit des Reichskanzlers nicht erklärlich ist. Es ist die maßlose Enttäuschung über die entgangenen Ministerportefeuilles, die die Gemeinheiten des deutsch nationalen Organs erzeugt hat. Die Pommersche Tagespost" schreibt: „ Er ist als Rheinländer von Natur aus leichtfinnig und er ist sogar so leichtsinni. daß er, trobem er nichts po Bolitit versteht, die Geschide des deutschen Volkes fich zu teiten vermißt. Wenn ein folder Mann das Vertrauen des Aus. landes, fogar Frankreichs genießt, tann hat das deutsche Bolt aller Grund. ihm zu mißtrauen. Geradezu köstlich aber ist die Be: mertung, daß ihn noch teine deutsche Zeitung angegriffen habe. Tas mag stimmen. Die deutsche Presse li- bt es immer noch nur bedeutende Berfenen anzugreifen. Marg aber wird über schattet von zwei Personen, a) dem Präsidenten Ebert, dessen Bolitit er mit seinem Namen deckt, und b) vom Reichsaußenminster Dr. Stresemann. Morr felbft ist ein hilfloser Mann. der deswegen so lange auf der b rfläche femimmt. weil ein foder ' o'cher Reidstangler am willfährigsten in den Händen des Reichs. präften ift." " Aus Wut über die enigangenen Ministerportefeuilles bedenkt die Bommersche Tages oft" nicht, was sie schreibt. Daß sie Gefühl für die Schmutigkeit ihrer Angriffe haben sollte, ist von ihr nicht zu verlangen die Deutschnationa'en haben feit ihrer Prostitution vom 29. August den legten Reft pon Scham verloren. Aber sie ohrfeigt sich selbst: wollten die Deutschnationalen nicht in die Regierung desselben leichtsinnigen Marg" eintreten, der nichts von Politik versteht"? Gibt die ,, Tagespost" in ihrer haßerfüllten Sucht, Marg zu be schimpfen, nicht zu, daß der Reichspräsident, den die Deutschnationalen nicht minder haßerfüllt angreifen, eine bedeutende Persönlichkeit ist? Eine deutschnationale Schamlosigkeit mehr mit Achzelzuden darüber hinweggehen. " man wird Deutsche Männer und Frauen! Ein Heldenlied von deutschnationaler Trene. Einer der Gründer der völkischen Bewegung ist Alfred Roth. Er galt lange Zeit als der Vater aller Völkischen und spielte die erste Geige. Als Hitler die große Mode wurde und Gottfried Feder der Karl Marg aller Hakenkreuzanbeter, ge= riet er schnell in Bergessenheit. Nur einmal noch tauchte er auf, als er mit den Nationalsozialisten einen programmatischen Krakeel über Geburtshelferdienste beim völkischen Wiegenfest anfing. Aber auch das wurde bald vergessen. Hajten blieb nur eins, daß Alfred Roth inzwischen in die Arme der Deutch nationalen Par tei geflüchtet war und daß diese ihin in Anerkenntnis feiner guten Dienste bei der Bekämpfung der völkischen Bewegung crnen Sitz im Reichstag verschafft hatte. Auch darum ist es jetzt geschehen. Im Inferatenteil der Deutscher Zeitung" findet man neben der Anzeige einer großen Kindervorstellung fol= gendes Inserat: Deutsche Männer und Frauen!!! Alfred Roth hat den mutigen Entschluß gefaßt, nicht mehr zu fandidieren, um sich voll und ganz der völkischen Bewegung, die heute in den lehien Zügen liegt, zu widmen. Alfred Roth steht vorerst mittellos da famt seiner Familie. Wir rufen alle guten deutschen Männer und Frauen auf, Herrn Roth durch sofortige Bestellung feiner Wochenzeitung „ Die Reichssturmfahne" zu unterstützen. Bestellung fan nur durch die Bost erfolgen. Man bestelle bei dem Briefträger! Monatlich 1 Goldmart. Dieses Opfer ist nicht groß und doch trägt das Opfer große Früchte. Wer es verman, der bringe es und trage damit dazu bei, Alfred Roths Schaffenstraft zu fördern. Deutsche Männer und Frauen! Es gilt. Lassen Sie die Bitte nicht vergeblich sein. Deutscher! Beige Opfermut! Um des Vaterlandes willen! Freunde und Gönner von Alfred Rofh. Gestern noch deutschnationaler Reichstagsabgeordneter und heute auf den Bettet seiner Gönner angewiefen! Gerade noch, daß ihm die Deutschnationalen im Anzeigenteil ihrer Bätter den Raum gegen Barzahlung zur Verfügung stellen. Der Mohr hat seine liegt in den legten Bügen, folglich ist auch Herr Alfred Roth für Schuldigkeit getan, der Mohr fann gehen. Die völkische Bewegung liegt in den letzten Zügen, folglich ist auch Herr Alfred Roth für die Deutschnationelen erledigt. „ Opfermut, deutsche Männer und Frauen!" fagt Herr Roth. Opfermut zum Wohle der deutschen Sache!" jagen feine Gönner tölkischen und deutschnctionalen Schwarz- Weiß- roten hören. Die völund Freunde. Dasfelbe kann man tausendmal am Tage von den tölkischen und deutschnctiona en Schwarz- Weiß- roten hören. Die völ fifchen und deut'chnationelen Führer haben für ihre Mitkämpfer nur cinen Fußtritt übrig, wenn fie ihre Sache gemacht haben. Das Opfern überlassen sie den deutschen Männern und Frauen". den Deutsch- atio alen! 3 de inme für dhwarz Weiß Reti" Und so wird es auch am 7. Dezember fein. Jede St'mme fommentieren fie. Aber nach dem 7. Dezember fragen sie den den Deutschration alen! de Simme für Schwarz Weiß Rti" Teufel was nach den deutschen Männern und Frauen". Dann wün'dher sie herr im Hause zu sein vad das„ Bolt" hat zu „ Volk“ füfchen. Das ist der Sinn ihres Kampfes für Schwarz- Weiß- Rot. Ledebour für APD. Georg Bebebour veröffentlicht einen Aufruf, in dem er feine Anhänger auffordert, für die Kommunisten zu stimmen, da die( von ihm begründete) Rest- USP. die Rettung vom Ententeimperialismus erwartet habe und bis zur Begünstigung des Separatismus hinabgefunten fei. Die Abstimmung der LedebourLeute für die Kommunisten soll als Protest gegen den Ju izterror" wirken. Sie tönnte höchftens als Begünstigung putschistischer Torheiten wirken, ohne der Klassenjustiz irgendetwos anzuhaben, die ernstlich nur von der Sozialdemokratie befämpft werden tann. Aber die Zahl der Ledebour- Leute ist so gering, daß fie praktisch überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Blide auf meinem Haupe:" Siehe, das hast du ge'an!" der Sonne verweste. Müde geworden, den schönen Namen einer| dem offenen Grabe fah. Schmerzhaft fühlte ich ihre anklagenden Frau wie einen geschminkten Mund zu tragen, fremd flingende Sprüche, rund und golden in die grelle Stille hinauszusingen, als bliefen sie aus einer Schalmei, löften sie sich in Staub auf und jagten in dunkler Wolfe über das Meer. Sie drängten sich zwischen die alternden Mauern der Stadt; man grub fie, die in der Erde verfunten lagen, aus der Tiefe, um aus ihren blassen Leichnamen die Wände neuer Häuser zu bauen. Sie zeigten ihr greises Gesicht mitten in die lebendigen Räume des Lebens, fanken faulend in das Wasser jahrhundertealter Sisternen, die sich unbekannt un er dem Pfafter der mäch igen Stadt dehnten, und der Atem ihrer Berwesung erfüllte die Luft. Verachtet rollten sie auf die Schuttfelder verbrannter Häuser, und man warf sie, die einst heiliger Haß auf die Gräber gepflanzt hatte, auf die von den Wagen durchlöcherte Straße. So starben sie unter den Füßen der Menschen. Mit verhaltenen Schritten ging ich durch ihre Mitte wie durch eine in Schweigen erfarrte Bersammlung. Ferne Gestalten folgten mir durch das Gitter der Bäume, zögernd traten sie mit ihren staubSchultern tragend, über denen, en einer Stange gehalten, der graue bedeckten Pantoffeln auf die geweihte Erde, hölzerne Särge auf den Fez des Soldeten schwankte. Frisch geworfene Erde bedeckte in Streifen das Gras. Zwischen die alternden Gräber hatte man die jungen Soldaten gelegt, die von Wunden verf eischten Leiber rüftiger Männer, deren Hügel mit den Zeichen toter Geschlechter geschmückt, fich nainenios in dem Ader der Steine verloren. Ein schmaler Spalt tat sich un'er mir auf. Sie öffneten die Gärge, in denen die Toten, in weiße Grabtücher gefnüpft, lagen. Als sie die bloßen Leichname in die Erde versenkten, das schlafende Gesicht nach Mekka gewandt, öffnete sich das Lafen des einen, aus dem, von Fliegen bedeckt, der grüne Stumpf eines abgeschnittenen Beines herverstach. Sie hielten inne und saben mich an. Ich schlug die Augen zu Boden. Ihre Blide, ihre Hände wie'en auf diefen grauenvollen Rcft eines mensch lichen Leibes, von dem schwarzer Eiter auf das Linnen tropfte, als wäre ich es gewefen, der ihn nächtlich in den Beten der Lazarette gemordet hatte. Im Kreise hockten sie um die offene Grube, und einer aus ihrer Mitte begann zu fingen; facend hob sich die Stimme in den hellen Morgen, mit ausgebreiteten Flügeln über der dunklen Gaffe des Todes schwebend:„ O Gott laß sterben im Glauben die jenigen unter uns, denen du Tod und Leben gegeben haft. Gib uns Barmherzigkeit und Frieden!" Und ich Aermster, der ich in dieses Land gekommen war, um Liebe zu schenken, zu schwach, um ihre Wunden zu heilen fühlte mich schuldig. Müde ging ich zurück durch den steilen Garten der 3ppressen, die zitternd über der demütig gebeugten Erde mit tausend schlanken Händen zum Himmei emporwuchsen. Der Wind teilte ihre grünen Finger, durch die unendliche Bläue herabsah.. Hermann Heifermans. Der holländsche Dichter Sermann Seijermans ist Gonn abend vormittag in Zandvoort bei Amsterdam plöklich verschieden. Der Berstorbene hätte in einigen Tagen das 60. Lebensjahr erreicht. Kurz vor Bollendung feines 60. Geburtsjahres ist Hermann Heijermans geftorben. Seine holländischen Freunde hatten ihm für feinen Geburtstag am 3. Dezember eine feierliche Ehrung zugedacht. Man wollte ein cational- holländisches Kunstfest begehen, um den Mann, der als der fruchtbarste und weit über die Grenzen seines Bandes hinaus bekannteste Schriftsteller gait, auszuzeichnen. Er follte diesen Tag nicht mehr erleben. gandist jenes Naturalismus gewesen, der von Frankreich nach Mitlei Heijermans ist in Holland der fruchtbarste und eifrigfte Bropagandist jenes Naturalismus gewesen, der von Frankreich nach Mitteleuropa hinübergewirkt hatte. Als er zu Beginn des neuen Jahr= bunderts mit feiner erschütternden Seemannstragödie„ Die hoffnung auf Segen" nach Berlin tam, hatte man eben die sezielen Schauspiele Gerhart Hauptmanns und seiner Geistesgenossen aufaeführt. Otto Brahms nahm sich des holländischen Dichters an, dessen Formen und Gedanken sich in pleichem Stile bewegten. Der naturalistische Wee sterregisseur erschuf denn auch mit gröster Bollendung das Milieu der holländischen Seeleute, die durch Not gezwungen werden, sich einem See'enverkäufer und schwimmenden Sarge anwurde ein Ruf erst fest begründet Borher hatte mort ihn schon in zuvertrauen. Durch den Erfolg, den Heijermans in Berlin errang, Amsterdam außerordent ich geschäkt. Er war der fleißiaste Wanderer durch die Tiefen der holländischen Hauptstadt gewesen. A wöchentlich pflegte er jene Efi zen zu veröffentlichen, die er mit dem Namen Falkland zeichnete und die faarf hineinleuchteten in das soziale Glend der unteren Volksschichten. Gewiß, er entstammte bürgerlichen Kreisen, schon ein Vater war in Amsterdam ein geachteter Zeitungsmann, aber ihn zog eine große Liebe und ein großes era immer zu dem fleren Mann. Er fah die Dinge des Volkes nicht nur tragisch, sondern auch komisch, und fo fom es, dok er auch manche Komödie chrieb, in denen er die Schwächen des Menschen fehr früh ich entlarvte. Die Gedrungenheit der Hoffnung auf Ich mandte mich um. Ich fühlte. wie ihre Blide mir folgten. Eegen" haben feine folgenden Stüde, etwa das Familienschaulniel Blöglich fiel hin er mir ein Stein zu Boten der moriche Reft einer Rettenglieder nicht mehr erreicht. Immerhin hielt er fich Grabp'atte, die vielleicht einft auf grünem Grunde gemelt den schönen auf beträchtlichem Niveau Der holländische Schriftsteller wurde gern Spruch einer Sure getragen hatte, und, von Haß und Verwünschung in Deutschland, in Frankreich und auch in Ruklard gelesen. Sein blinder Hände geschleudert, unter meinen Füßen zu Staub zerrann. fozialdemokratischen Presse gedruckt. Als Heijermans furze 3rit vor Arbeiterreman Diamantstadt" wurde vielfach in der deu chen Schreck faßte mich an der Kehle. Wieder sah ich. von schwarzer dem Weltkrieg Berlin verließ, wo er mehrere Jahre gelebt und auch Fäulnis entftellt, jenen grauenvell zerfeilchten Schenkel por mir, in teutscher Sprache aefchrieben hatte, trua er die nachhaltigsten Einder von zwicfachem Tode umgeben wie ein verbranntes Holz aus der von zwicfachem Tode umgeben wie ein verbranntes Holz ausdrücke von jener fultivierten Theaterkunst heim, deren Begründer Eine schamlose Fälschung. Deutschnationale Eudeleien gegen die Reichsfarben. Bor uns liegt ein Flugblatt, das als Druckfirma die von Hempelu Co. G. m. b. H., Berlin S. 68, trägt und das eine nichtswürdige deutschnationale Fälschung enthäit. Es beginnt mit den Worten:„ Genossen, Kameraden!" und brudt dann einen Zettel ab, der angeblich in den letzten Kriegsjahren millionenfach von französischen Flugzeugen über der Westfront abgeworfen worden sein soll. Richtig ist, daß solche Flugblätter abgeworfen worden sind und fingierte Unterschriften wie„ Eure republikanischen Kameraden" getragen haben mögen. Die verbrecherische Fälschung, deren die Herausgeber des bei Hempel als Nr. 201 gedruckten Flugblatts sich schuldig machen, besteht in der Schamlosigkeit, daß sie den Text des von der französischen Kriegspropaganda verbreiteten Aufrufs in fchwarzrotgoldener Umrahmung abdrucken und dadurch den Anschein zu erwecken suchen, als wären die heutigen Reichsfarben, die damals noch gar nicht im Voltsbewußtsein heimisch waren, tatsächlich von den Franzosen verwandt worden. Der Empfänger des Wahlflugblatts soll natürlich weiter schlußfolgern: Also ist das Schwarzrotgold eine französische Erfindung! Damit tein Zweeifel über den Charakter des Blattes aufkommen kann, werden die Reichsfarben als die Farben dieser Deserteure" beschimpft und diesmal in schwarzweißroter Umrahmung!- hinzugefügt:„ Wählt deutschnational!" = lichen Interessengruppen nicht den allein ausschlag| munistische Zentralmitglieder beiwohnten und zu der von gebenden Einfluß erhalten daß vielmehr auch der staatliche Einfluß dabei hinreichend zur Geltung fommt. Dies ist um fo mehr geboten, als teilweise die landwirtschaftlichen Interessengruppen überwiegend politisch eingestellt sind. Kennzeichnend ist, daß fich z. B. in einem in der Provinz verbreiteten Programm des Landbundes folgende Sage finden: „ Die zufünftige wirtschaftliche Betätigung des Landbundes hat ausschließlich unter dem Gesichtswinkel einer unbedingten Machtpolitit des Londbundes zu erfolgen. Es ist mit allen Mitteln anzustreben, daß der Landbund mit Hilfe feiner wirtschaftlichen Einrichtungen binnen furzer Zeit einen ausschlaggebenden Einfluß auf Erfassung und Berwertung der g.jamten landwirtschaftlichen Produktion, desgleichen auf die Berfornung der Landwirtschaft mit allen Bedarfsartikeln gewinnt Dieses 3 el ist jedoch nur zu erreichen wenn gleichzeitig der gefamte Geldausgleich der Landwirtschaft dem Einfluß des Land bundes mölichst restlos unterstellt wird. Entwickelt sich eine Landbundwarengenossenschaft nicht im Sinne der Organisation. so ist sie, nachdem ihr eine angemessene Bewährungsfrist zugestanden ist durch eine Filiale der Reichs landbund- Ein- und Verkaufsaktiengesellschaft zu ersetzen, da der große Gedanke der Erfassung der landwirtschaftlichen Produktion undd ie Durchführung der Machtpolitit nicht durch Rücksichtnahme ouf örtliche und persönliche Verhältnisse gefährdet werden darf." Es muß unbedingt Borsorge getroffen werden, daß die Rentenbanffreditanstalt solchen Bestrebungen nicht dienstbar gemacht wird. Weiter besteht Preußen darauf, daß die Rentenbankkreditaftalt den alten bewährten londwirtschaftlichen Krebit inftituten feine Ronkurrenz bereitet. Deutsche Rentenbank der Landwirtschaft auch jetzt schon zugänglich machen kann, so trifft ihn und nicht die Länder die Ver. antwortung für die daraus entsteheriden Nachteile. Die schwerindustrielle Telegraphen- Union" will wissen, daß der Oberreichsanwalt das von der Berliner Polizei vorläufig beschlagnahmte deutschnationale Plakat, das die Reichsfarben in den Schmuk Wenn sich der Aufsichtsrat der Deutschen Rentenbank diesen be. finken und die Fahne der Monarchie dafür steigen läßt, freige rechtigten Forderungen verschließt und außerdem der Landwirtgeben habe. Der Oberreichsanwalt ist gegenwärtig im Freischaft die jetzt schon verfügbaren Mittel vorenthält, die die burger Prozeß beschäftigt. Vielleicht hat der Reichsanwalt Niet hammer, der aus dem OC.- Prozeß rühmlichst bekannte, für ihn die Freigabe verfügt?! Da würde es uns nicht wunder nehmen, wenn er auch über die neueste Schamlosigkeit der Deutschnationalen milde hinwegsähe. Wird auf dem Plakat die Reichsfahne als die der Internationalen" straflos beschimpft, so wird man sich auch n'cht wundern dürfen, wenn die Reichsfarben als die Farben der Deserteure" besudelt werden, ohne daß die Oberreichsanwaltschaft darin einen Verstoß gegen das Gesez zum Schuße der Republik erblickt. " Freilich, den besten Schutz gegen die traurigen Gefellen, die die Farben der Nation in den Schmutz ihrer Gesinnung ziehen, schaffen die Wähler selbst, wenn sie am 7. Dezember die Feinde der Republit zu Paaren treiben! Preußen gegen die Landbundbank. Der Landbund am Pranger. In der Tagespresse wird eine Entschließung des Aufsichtsrots der Deutschen Rentenbank veröffentlicht, in der die schleunige Er richtung der Rentenbanktredit anstalt gefordert wird, die nicht an dem Widerstand der Länder scheitern dürfe. Wenn die Länder nicht unverzüglich der schleunigen Errichtung zustimmten, so falle die Bevantwortung für die daraus der Landwirtschaft er wachsenden Nohteile auf fie. Demgegenüber ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt, festzustellen, daß die Beußische Regierung ebenio wie die and ren Länder der Errichtung der Rentenbanktrebitan al: gruntfärlich zustimmt. Sie verwahrt ih aber dagegen, daß Sie Errichtung ohne die verfassungsmäßige Mitwirtung des Reichsrats urb des Reichstags im Wege der Not verordnung auf Grund des Artif Is 48 der Reichsverfassung vorgenommen wird, zumal sie die sofortige Errichtung nicht als notwendig ansieht. Auch über die Ausgestaltung der Rentenbanttoeditanstelt besteht bei den Beteiligten weitgehende Uebereinstimmung. Preußen verlangt hier nur die Gewähr, taz in der Anstalt, die in wenigen Jahren über ein Grundkapital pon einer halben Milliarde Mart verfügen wird, die landwirtschaft. Otto Brahms gewesen war. Er schuf in Amsterdam selbst ein Theater, das er auf eine genossenschaftliche Basis stellte. Er bekämpfte das Starwesen, das sich seit Jahrzehnten der holländischen Bühne bemächtigt hatte, und arbeitete darauf hin, die holländischen Komötionten fehbait zu machen und ein mohtdiszipliniertes Ensemble zu bilden. Hejermans hat als Theaterleiter, d. h. eigentlich als Reformator des Theaters nach deufchem Muster, viel Rümmernisse und Enttäuschungen erlebt. So sehr nahm ihn diese organisatorische Tätigkeit in Anspruch, daß er in den lehren Jahren fast gar nidis mehr schrieb. Jetzt, da er nicht mehr ist, erinnert man sich gern diefes fbarten, fozial empfindenden Schriftstellers, der in seinem Lande und auch in Deutschland zu den besten Trägern der modernen Literatur gehörte. Zum Vorwärts" hat Heijermans in einem besonders imigen Berhältnis gestanden. Bon seinen fleinen Stizzen, die die Meisterschaft feiner Beobachtung fündeten, ist manche im Unterhaltungsblatt erschienen. Heijermans war Sozialist, war aber ge zmungen ohne je Hehl aus seiner Gesinnung zu machen, für die bürgerliche Preise zu schreiben Die lekten Jahre vor dem Kricne. die er in Berlin weilte, hat er hier unter dem Namen Heinz Sperber- erst jetzt wird sein Pseudonym ge'üftet aufsehenerregende urd eine lebhafte Distu sien entfesselnde Beiträge veröffentlicht. Die leidenschaftliche Berne, mit der er dem Aeußeren nach ein breiter holländischer Phlegmatiter feine Thesen über Sozialismus und Kunst hier verfocht, brachte feine literarischen Gegner auf den Gedanken, es wäre ein junger Heißfporn. Aber er sprach nur aus dem Innersten feiner Ueberzeugung als Dichter und Schriftsteller, der das Tragische und Traqitomische feiner Rolle in der bürgerlichen Gefellschaft bitter empfand. Wir hofften feine Stimme hier noch oft zu vernehmen, aber das Theater fraß ihn ganz, denn er wollte seine Mittämpfer nicht im Stiche lassen. 2 Cie Falschmeldung über den Smpliciffimus". Aus dem Münchener Digan der Bayerischen Bo fepartei, dem Bayerischen Kurier", ift eine inawischen von diesem Blatt felbft richtiggestellte Meldung von finanziellen Ed wierigkeiten und einer Pfändung beim Simpliciffimus in andere Flätter übergegangen. Richtig ist nur, dak negen einen mit dem Sim pie filmus in gemeinsamen Räumen befindlichen alpinen Berlan eine Bandung vorgenommen wurde, bei der der Gerichtsvollzieber aun Möbel ſtüde des Simpliciffimus" mit Beschlag belegte. Gegen diese ungerecht ferti te Pia dung ist sofort Einsprun erhoben worden. Irgendeine Klage oder Pfändung gegen den Simpliciffimus" eritiert überhaupt nicht. " Bei der Gelegenheit fei auch richtig gestellt, daß die demokratische ,, Münchener Allgemeine Beitung" nichts mit dem in diesem Zusammenhange in Nr. 647 erwähnten Dr. Lange zu tun hat. Es scheint. daß die antidemokratische Münchener Preffe, auf die diese Gerüchte zurüdoeben, allerlei erfunden hat, um ihren Gegnern eins auszuwischen. Edener über seine Ameritafahrt. Dr. Edener, der Führer des 3. R. III, wird in einer Veranstaltung des Reichsverbandes der deutfchen Presse am Freitag, den 28., abends 8 Uhr, im Marmorsaal bes Roo zum erstenmal in Deutschland über die Fahrt berichten. Kartenverkauf ab Montag an den Konzertkassen von Wertheim und Bote u. Bod. Der Vormittag im Theater am Kurfürstendamm ist am 23. November, % 12 Uhr, den gefallenen Dichtern Deutschlands und Frankreichs geweiht Das Konzert der Typographia wird Sonntag im großen Saal der ,, Neuen Welt" unter Leitung Alexander Weinbaums wiederholt Junge Dichter vor die Front!" Montaa: Landeshaus, Matthäifirdstraße 20/22. 2. Abend: Siegfried von Begesac. Sprecher: Else Beyer und Franz Konrad Hoefert. Die Exportabaabe. Dr. Luther an Gilbert. Reichsfinanzminifter Dr. Luther hat auf den Brief des Generalagenten für Reparationszahlungen, Gilbert, vom 14. November neralagenten für Reparationszahlungen, Gilbert, vom 14. November eine Antwort erteilt. Hierin pflichtet er der Auffassung des Generalagenten in grundsätzlicher Beziehung bei, betont aber, daß diese Auffassung in ihrer praktischen Durchführung, solange die Ab gabenerhebung nach dem reparation recovery act überhaupt noch stattfinden sollte, nicht dazu führen dürfe, den deute schen Exporthandel empfindlich zu schädigen. Der deutsche Exporteur müffe wissen, wie hoch die Abzüge sein werden, die von den Warenrechnungen gemacht werden und ferner, daß er für seine Erportware den vollen Preis erhält, sei es, daß die ihm im Wege der Abgabenerhebung gemachten Abzüge aus den von dem Generalagenten zur Verfügung gestellten Mitteln gezahlt werden oder, falls das nach Ansicht des Transferkomitees nicht möglich sei, die gemachten Abzüge von dem erhebenden Lande zurüd. erstattet werden. Im übrigen hat die Regierung ihren Stand punkt in der runtfäßlichen Frone der Erhebuna der 26prozentigen Aboabe dem Generalagenten bereits vor einiger Zeit eingehend dargelegt. Severing im Wahlkampf. der Berliner Zentrale Jatob Walcher delegiert war, wurde eindeutig gefagt, daß der Einmarsch der Reichswehr in Sachsen das Signal zum Cosfchlagen für das ganze Reich fein sollte. Den Bar teifunktionären der KPD. mußte deshalb nach dieser Konferenz aus den Berichten der Delegierten befannt werden, daß die faschistische Gefahr lediglich einen willkommenen Dec mantel für die Um sturzpläne der KPD. darstelle. Von den jegt Angeklagten wurde in Stuttgart nur der Name des Landtagsabgeordneten Bod genannt, der in Lörrach gebremst habe, weil die dortigen Unryhen eine verfrühte Telaktion gewesen seien. Unter den weiteren jagen Röberles war die vom Bestehen einer fogenannten Terrorgruppe bemerkenswert. Sie hatte die Aufgabe, bei der Uebernahme der macht durch die KPD. die politischen Gegner zu beseitigen. Die Verbefung des Tagebuchs des Angeklagten, in dem sich Köberle auch cor sich selbst als Kommunist gibt, veranlaßte den Vorsitzenden zur Frage, ob er sich denn nicht jetzt als politischen Spizzel hinstelle, vor seiner Berhaftung aber doch überzeugter Kommunist gewesen sei. Röberle: Ich mußte, ohne mich selbst zu verraten, mich in die kommunistische Psyche einleben. Meine Briefe und Tagebuchnotizen dienten nur diesem Zwecke Allerdings bilden fie daneben auch das Spiegelbild meiner geistigen Sturm- und Drangperiode. Auch Goethe wurde in seiner Jugend für verrückt erklärt. Darauf wurde ein Beamter der württembergischen politischen Polizei vernommen, dem Köberle sein Nachrichtenmaterial übermittelte. Der Beamte, der von seiner Behörde nur begrenzte Ausfaqeerlaubnis erhalten hot, betundete zunächst, daß der auf vaterländischem Boden stehende" Köberle der politischen Polizei Württembergs feine Spikeldienste gegen unwesentliche Bezahlung geleistet habe. Man habe jedoch von ihm allmählich den Eindruck eines Phantasten erhalten, der von Ehrgeiz geleitet wurde, „ die Rolle eines zweiten Trokfi zu spielen". Die politische Polizei nahm, als im Oktober 1923 die Nachrichten Röberles spärlicher einliefen, darum an, daß er ein Doppelspiel treibe. Seiner Verhaftung im November 1923 wurde deshalb auch nichts mehr in den Weg gelegt. Röberle fam damals gerade a's Kurier nach Lörrach, wo er dem Abg. Bod 180 Dollar und ein Patet mit ausgefüllten Fragebogen von Stuttgart überbringen follte. Der dann auf Antrag der Verteidigung vernommene medizi nische Sachverständige erflärte, Röberle fei zwar ein erblich be= lasteter Pinchopath mit ftart überste gertem Tätigkeitsdrang und Gelbftgefühl, jedoch fei fein Gedächtnisfinn normal entwideft. Geistige Minderwertigkeit sei nur im Sinne geringerer Zurechnungsfähigtett anzuerkennen. Schließlich befundete eine auf Antrag der Reichsanwaltschaft vernommene Zeugin unter Eid, den Angeklagten Hermann Herbster in Lörrach mit einem Gewehr auf der Straße gesehen zu haben. Diese Belastungszeugin hat allerdings einen Selbstmordverfuch hinter sich. Als deshalb die Berteidigung den Wert ihrer Ausfoge zu entfräften fuchte, meinte die Beugin im schönsten Alemannisch:„ Das geht Sie gar nichts an, ich fann machen, was ich will." Kurz darauf idyloß der Borftkende die Beweisaufnahme, die durch die Aussagen eines Menschen erbrachte, den die Angeklagten perabe am lepten Tage für die Angeflaaten eine schwere Belaftung für einen der ihren hielten und der sich 1cht nach Jahr und Taq. wie fo viele im fommunistischen Leger als Spinel entpurvie. Die Verhandlungen nehmen am Montag mit den Plädoyers ihren Fortgang. Estnische Henkerjustiz. Wegen Beleidigung des Gerichts erfchoffen. Bei dem gegenwärtig in Reval stattfindenden großen Kommunistenprozeß spielte sich vor einigen Tagen ein Vorgang ab, der taum glaublich erscheint, wenn er nicht durch die Berichte der Presse bestätigt würde. In der Sigung des Gerichts vom 13. November erflärte einer der Angeklagten, der frühere Abgeordnete Tomp, er bekenne sich vor dem er daraufhin aus dem Saal geführt wurde, rief er: ,, Es lebe die Arbeiter- und Bauernregierung!" In der folgenden Sigung des Gerichts vom 15. November verlas der Sekretär des Gerichts ein Schreiben des Kommandanten, in dem von der Uebergabe des Angeklagten Tomp an das Feldgericht wegen Aufrufs zum Aufruhr, seiner Berurteilung zum Tode und der Vollstreckung des Urteils Mitteilung gemacht wurde. Hamburg, 22. November.( Cigener Drahtbericht.) Dér preußische Innenminister Severing fprah am Freitag abend in einer von über 5000 Personen besuchten Bersammlung in Altona. Der Andrang war so groß, daß eine in einem benachbarten großen Enele veranstaltete Parallelversammlung ebenfalls wegen Ueber- Klassengericht der bürgerlichen Gauner" nicht schuldig. Als füllung gesperrt werden mußte. Trotz der Drohungen der fommunistischen Hamburger Boltszeitung", die Arbeiterschaft Altonas werde diesen Bluthund nicht reden lassen, fam es zu feineriei Etörungen, da es die Kommunisten angesichts des gewaltigen Auf marches der Altonaer Sozialdemokratie vorzog, selbst 3wischenrufe zu unterlassen. Nach Schluß der ersten Bersammlung hielt Severing in der Parallelversammlung, in der der Altonaer Oberbürgermeister, Genosse Brauer, gesprochen hatte, noch eine Ansprache. Bei Jeiner Abfahrt war Severing auf der Straße Gegenstand begeisterter Kurdgebungen. Bayerisches Recht. Dies der nackte Tatsachenbestand, den wir dem bürgerlichen ,, Revaler Boten" entnehmen. Es ergibt sich daraus, daß die estländische Regierung es gewagt hat, während einer Gerichtsverhandlung einen der Angeklagten wegen seiner Haltung vor Gericht aus der Reihe der übrigen Angeklagten Bewährungsfrist für Landfriedensbrecher. herauszugreifen, ihn vor ein Feldgericht zu stellen und füfiMünchen, 22. November.( Eigener Drahtbericht.) In dem Prozeß lieren zu lassen. Alles das spielte sich hinter dem Rücken des gegen die völkischen Landfriedensbreder in Neuburg a. D., Gerichts ab, und dem Gericht selbst wird nur die lakonische die am 16. September 1928 bei einem Deutschen Tag sich gegen fried- Mitteilung von der Verurteilung und der Bollstreckung des liche Einwohner geradezu viehisch benommen haben, wurde am Sonn- Urteils gemacht Dies alles bedeutet eine so unglaubliche abend das Urteil gefällt. Es lautet gegen die beiden Schloffer Berhöhnung des Rechtes, eine folche Schändung Ströhlein und äßler, beide aus Augsburg, und gegen den jedes ordentlichen Gerichtsverfahrens, daß man in der schärfprotestieren muß. Nürnberger Studenten Kagerer auf je drei Monate Gesten Weise gegen diesen Borgang Wenn das estnische Volt Wert darauf legt, zum Kreis der fängnis und Auferlegung der Kosten. Die übrigen acht Angeklagten, darunter der Stadtamtmann Dr. Frant aus Kulturvölker gerechnet zu werden, muß es dafür Sorge tragen, Augsburg, wurden freigesprochen. Dieier, der eigentliche daß eine derartige Schand just tz aus seinem Lande verFührer der Bande, batte es verstanden, sich rechtzeitig in den Hinter schwindet. grund zu drüden. Die drei Verurteilten erhielten Bewährungsfrist bis zum 1. September 1928. Der Freiburger Prozeß. Schluß der Beweisaufnahme.- Aussagen eines Spikels. Freiburg, 22. November.( Figener Drahtbericht.) Der letzte ( 9.) Tag der Beweisaufnahme im großen oberbadischen Kommu nistenprozeß vor dem Staatsgerichtshof zum Schuge der Republik stand für alle Angeflagben außer einem unter einem sehr ungünftigen Stern. Im Verlauf der Samstagverhandlung ergab sich die ferderbare Prozeßlage, daß gerade diefer eine Angeflagte zum Hauptbelastungszeugen wurde. Der Angeklagte frühere Lehrer Köberle trat schon im Jahre 1919 im Alter von 18 Jah ren, aufgefordert von einem Führer der Einwohnerwehr, in die ließ. ein. Bei der Gründung der KPD. trat er in diese über und brachte es hier schließlich so weit, daß man ihn im Jahre 1923 für den Kurierdienst Berlin Mostau vorgesehen hatte. Während diefer Zeit war Köberie als Spiel für die politische Bolizei Württembergs tätig gewesen, ohne daß irgendwelcher Berdacht gegen ihn geschöpft wurde. Röberle ging bei dieser Epikeltätigkeit ziemlich tiug zu Werke. Als er nach einem fleinere: Ort als Lehrer verfekt wurde, gründete er hier eine Ortsgruppe der KPD., entwarf Aufmarschpläne für den DD.( Ordnungsdienst), sprach vor der fommunistischen Jugend, liek sich sogar einmal von der politifden Polizei in Haft nehmen, um das Vertrauen der kommunistischen Zentrale zu gewinnen. Auf Grund des so gewonnenen Vertrauens wurde Köberle dann am 14. Oftober 1923 zu einer politischen Konferenz der süddeutschen Kommunistenzentrale in Stuttgart zugelaffen. Ueber diese Konferenz machte er vor dem Gericht folgende Angaben: Auf der Konferenz, der u. a. auch tom ** Die Auslandsvertretung der russischen Sozialdemo= fratie hat bei der Sozialistischen Arbeiterinternationale in London einen Protest an die estnische Regierung angeregt. Die Sanierungsknechtschaft. Proteft der Postangestellten. Wien, 22. November.( WTB.) Der Zentralansicus sämtlicher Bostangestellten Deutschösterreiche nahm eine Enticliefurg an, in der gegen die Entfendung von zwei belai chen Beaut achtern in die Post- und Telegraphenverwaltung auf Einladung des Generalfemmiffars protestiert wird. Der Zentralanesang sebe in der Entfendung um so mehr einen Verstoß gegen die Soli darität innerhalb des Weltpoftvereins, als bereits zwei aueländische Post- und Telegraphenverwaltungen aus Solidaritätsgefühl diese Begutachtung abgelehnt hätten. Masaryks Memoiren. Prag. 22 November.( WTB.) Staatspräsident Mafaryt bat die endgültige Redation seiner Kriegserinnerungen beenter. Cie werden unter dem Titel Die Weltrevolution während des Krieges und in dem Krieg 1914/1918" Mitte Februar nächsten Jahres in Gleichzeitig wird auch eine tschechischer Sprache erscheinen. deutsche, englische und französische Ueberlegung ausgegeben werden. Die Abrüffung zur See. Auf Grund der Washingtoner Abrüftungskonferenz haben die Vereinigten Staaten Kriegsfchiffe im Gesamtwert von 152 Millionen Dollar in den Grund ge= bohrt. Gewerkschaftsbewegung fe 2 M. monatlich für die Beamten der Besoldungsgrupen I bis VI Um die Beamtengehälter. Erklärung der Beamtenverbände. 1 Die Beamten- Spikenorganisationen, die die Neuregelung der Beamtenbesoldung, wie fie vom Finanzminifterium zugestanden wurde, als durchaus unzulänglich anfeher, beabsichtigten, am Sonnabend mit dem Reichskanzler über, die Be foldungsfrage zu verhanden. Leider hatte der Reichs fanzler feine neue Wahlreise bereits angetreten, DON der er erst am 2. Dezember zurüdtehren wird. Es wurde daher eine nochmalige Aussprache zwischen den Organisationen und dem Reichsfinanzminister Dr. Luther angefeßt. Das Ergebnis der Beratung war auch diesmal nicht befriedigend. Der Reichs finanzminister machte nur das magere Bugeſtändnis, daß die Besoldungserhöhung nicht ab 1. Dezember, sondern bereits ab 16. November gezahlt werden soll. Dies sei die äußerste Belastung, die vom Reiche und den Ländern wie auch von der Reichsbahngesellschaft, der durch llebernahme der Regiebahnen große Mehrkosten entstanden feien, übernommen werden fönne. Die Vertreter der Beamtenorganisationen gaben daraufhin folgende Erklärung ab: 55 Die vom Reichsfinanzministerium beabsichtigten Zulagen find insbesondere für die Beamten der unteren Besoldungs gruppen völlig unzureichend. Mit Recht hat der Teil der Beamtenschaft, der durch die Besoldungsverordnung vom 1. Juni in feinem Einkommen im Vergleich zu anderen Gruppen start zurüdgeblieben ist, von der jezigen Neuregelung ein Ergebnis erwartet, das ihn endlich aus seiner wirtschaftlichen Not befreit. Trog der günstig gewordenen Finanzlage des Reiches find diese Erwartungen getäuscht worden. Wir fühlen uns daher als die Bertreter der Beamtenschaft verpflichtet, allen Ernstes auf die ein getretene Erbitterung und Berzweiflung hinzuweifen. In Erkenntnis der in diefem Zustande liegenden Gefahren erfuchen wir Sie, Herr Minifter, bringend, noch vor der entscheidenden Reichsrätssigung eine Verbesserung der Vorlage in der von den Organisationen für notwendig gehaltenen Richtung vorzunehmen." Der bisherige Berlauf der Verhandlungen über die Neuregelung der Beamtenbescldung wird nur zur Folge haben, daß im ganzen Reiche tiefe Unzufriedenheit fich der Beamtenfchaft bemächtigt. Schon laufen bei den Beamtenzentralen in Berlin von überall her Mitteilungen über die wachsende Protestbewegung innerhalb der Beamtenschaft ein. Die Landesausschüsse werden jetzt bei den Regierungen der Länder vorstellig werden müssen, damit diese ihrerseits den Versuch machen, das Unrecht in der Beamtenbesoldung zu mildern. Die Organisationsvertreter find übereingekommen, nach der für Montag vormittag vorgesehenen Entscheidung des Reichsrates zur Beratung der etwa weiter zu unternehmenden Schritte erneut zusammenzutreten. Rückwirkende Erhöhung der Beamtengehälter. WTB. meldet: Die Reidsregierung bat beschlossen, die ur, sprünglich allgemein mit Wirkung vom 1. Dezember 1924 in Aus. ficht genommene Erhöhung der Grundgehälter der Besoldung gruppen I bis VI um 12. Proz. und der übrigen Befolduugs4 Goal- Game das neue Weltspiel kommt jetzt nach Deutschland gruppen um 10 Broz. und die Erhöhung der Sozialzufchläge um bereits mit Wirkung vom 16. November ab in Kraft zu setzen. Lohnverhandlungen mit der Deutschen Reichspost. Gestern sind die Lohnverhandlungen im Reichspostministerium zwischen den Bertretern der Deutschen Reichspoft und dem Deutschen Berkehrsbund zum Abschluß gekommen. Es tritt eine allgemeine Erhöhung der Grundlöhne um 9 bis 12 Proz. ein. Die neu vereinbarten Lohne treten für die Lohnempfänger der Deutschen Reichs post nicht am 1. Dezember, sondern rückwirkend ab 16. November in Kraft. Die Lohnerhöhung der Eisenbahner ab 16. November. Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes mit den Bezirks: Wie uns berichtet wird, tagie am 21. und 22. November der leitungen und den Kreisfunktionären des Verbandes. Obgleich diese Konferenz nicht der Lohn- und Gehaltsfrage gewidmet war, machte fich doch im Laufe der Diskussion bemerkbar, daß die Stimmung unter den Eisenbahnern über das Ergebnis der Lohnverhandlungen fehr ungünstig sei. Auf Grund der Erregung im Lande fah sich der Borstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes veranlaßt, erneut einen Vorstoß zu machen. Er trat sofort an die übrigen Tariftontrahenten heran und gemeinsam wurde nunmehr die Reichshahn Hauptstelle ersucht, erneut in Verhandlungen einzutreten. Diese Verhandlungen fanden im Laufe des. Sonnabends statt und haben folgendes Ergebnis gezeitigt: Die bereits vereinbarte Lohn= erhöhung tritt nicht, wie bisher festgelegt war, am 1. Dezember, sondern schon am 16. November in Kraft. Die Erwerbslosenunterstützung foll erhöht werden. Im Zusammenhang mit der Erhöhung der Beamtenbesoldung fordern die Gewerkschaften von der Reichsregierung, daß schnell wie möglich auch die Säge der Erwerbslosen unterstügung erhöht werden. Wie der Soz. Preffedienst" aus dem Reichsarbeitsministerium erfährt, ist diese Frage bereits von den beteiligten Ministerien durchbesprochen worden. Man hat dabei in Aussicht genommen, die Erwerbslosenunterstützung im Ausmaß der Beamtenbesoldungserhöhung zu verbessern. Die Entscheidung wird im Laufe der nächsten Woche fallen, wenn auch die Reichsarbeitsverwaltung dazu Stellung geR nommen hat. Entwurf zur Arbeitslosenversicherung. Ueber den neuen. Entwurf eines Arbeitslosenversicherungsgesehes find dieser Tage, in verschiedenen Blättern einige Andeutungen gemacht worden. Es war die Rede davon, daß für Notzeiten die Pflichtarbeit als Aequivalent für die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit vorgesehen sei, daß in den guten Zeiten ein Arbeitslofennotstod angesammelt werden solle, daß die Beiträge nicht mehr nach Gefchrenklaffen. sondern nach der Höhe des Loh nes und nach den Bedürfnissen der engeren Bezirke abgestuft werden usw. Wie wir dazu aus dem Reichsarbeitsministerium erfahren, geben diefe truchtückweise gemachten Mitteilungen fein wirkliches Bild von dem Inhalt des Entwurfes. Im übrigen handle es fich auch nur um einen Borentwurf, der den Ländern und den Reichsbehörden zugegangen sei. Die Reichsregierung habe sich noch stehen blaben und was in ihn neu hineingearbeitet werden soll. in feiner Weise darüber schlüssig gemacht, was von dem Entwurf Gerade zu den grundfäßlichen Fragen, wie z. B. die Größe des Kreifes der Bersicherten, die Frage der Pflichtarbeit, der Kosten usm. habe die Reichsregierung noch feine Stellung genommen. Das Reichsarbeitsministerium würde gut tun, wenn es nun mehr, nachdem unter Vertrauensbruch Mi.teilungen über den Entwurf in die Oeffentlichkeit gegangen find, in einem Auszug den wirf lichen Inhalt des Gesezentwurfs mitteilen würde, damit nicht irreführende Kombinationen entstehen. Die Aussperrung im Dynamowerk beigelegt. Bei den géftrigen Verhandlungen zur Beilegung der Aus Sperrung im Dynamowert des Siemenstonzerns gestand die Firma zu, daß durch die Umstellung in der Atfordkalkulation feine Herabfeßung in den Durchschnittsverdienst erfolgen darf. Die Betriebsleitug verpflichtete sich ferner, etwaige Kaltulationsfehler abzustellen. Sie ist bereit, diesbezügliche Anregungen zweds lleberprüfung entgegenzunehmen. Die Wiedereinstellung der Streifenden sowohl wie der ausgesperrten Arbeiter soll nach den bekannten„ wirtschaftlichen Notwendigkeiten" vorgenommen werden, jedoch darf innerhalb der ersten 14 Tage fein Betriebsfremder eingestellt werden. Die streifenden Dreher haben dieses Angebot gegen eine sehr Die Wiedereröffnung des Bestarke Minderheit angenommen. iriebes erfolgt wahrscheinlich morgen Montag. Betriebsrätevollversammlung der Eisenbahner. In Nr. 163 der" Roten Fahne" wird Stellung genommen zu der Betriebsrätevollversammlung der Eisenbahner vom Reichsbahn. Direktionsbezirk Berlin vom 20. November. U. a. wird Sie Bes hauptung aufgestellt. daß ein Vertreter des DEB. nicht an den fommend n Abbau glaubt. Diese Behauptung ist erlogen ,, Der betreffende Debatteredner hat nicht nur einmal, sondern mehre der Ortsverwaltung spricht( fonnte er auch gar nich.), sondern als mals erflärt, daß er nicht als Vertreter des DE B. oder Betriebsrat und Mitglied des DEV. Also warum immer wieder die erlogenen Berichte? Auf die andere unwahre Bericht. erstattung einzugehen, wollen wir uns für eine andere Zeit vor. behalten. Festnageln wollen wir aber im Interesse der Objekt.pität, daß der Einbringer der Bandwurmresolution, der Betriebsrat Braune, Pankow, erklärte, evt. den„ Kampf" ohne Gewerkschaften Joergs nichts. Solange es Leute in dieser Richtung gibt, die ihre und Parteirichtung führen zu wollen. Daran änderte die Berdrehung anters orientierten Kollegen als. Qumpen bezeichnen, in ciner Betriebsrätevollversammlung, fann selbstverständlich von einem eins heitlichen Kampfwillen nicht geredet werden. Die polaische Industrie gegen den Achtstundentag. Warschau, 21, November.( Eigener Drahtbericht.) Der Zentrals rerband der polnischen Industrie veröffentlicht einen Aufruf, in dem die Arbeitszeit in Bolen cls ungenügend bezeichnet wird. Belen, müsse jährlich 2448 Arbeitsstunden haben, welche Zahl auch in England und Frankreich eingehalten werde. Die Arbeitszeit müsse auf Grund eines befonderen Gesetzes geregelt werden. Solange Deutschland nicht an dem Achtstundentage festhalte, müsse au ch Polen, um tonturrenzfähig zu bleiben, länger arbeiten. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Achtung, Luruspapierbranche! Der Betrieb Cellu u. Aero, Köpenicker Straße ist wegen Differenzen gesperrt. Die Branchenleitung. Die Aufzugsmonteure und Helfer der Fa. C. Flohr, Berlin, Chauffeestr. 35, befinden sich im Ausstand. Die Streifleitung. Streit der Telegraphenarbeiter in Leipzig. Am Sonnabend haben die Leipziger Telegraahenarbeiter und Handwerker die Arbeit niedergelegt, weil die feit dem 28. Oftober geführten Lobnverband lungen noch zu feinem Ergebnis gerührt haben. Tie Telegraphens arbeiter fordern außer einer allgemeinen Lohnerhöhung auch die Erhöhung der Drisklassenzulage und den Ausgleich zwischen Tene rung und Lohn. Jm oftoberschlesischen Cohnkonflikt hat der Schlichtungsausschus Danach ist den unteren Arbeiters einen Schiedsspruch gefällt. fategorien eine Lohnerhöhung von 5 bis 10 Proz. zuerkannt worden. Diese Neuregelung, die sich im Bergbau auf etwa 50 Proz in den anderen Industriezweigen auf etwa 20 Pioz der Arbeiter31. Januar 1925 gelten. ichait erstreckt, soll für die Zeit vom 20. November bis zum ( Gewerkschaftliches siehe auch 3. Beilage.) Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shikowsti; Ccfales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin... Berlag: Borwärts- Verlag G. m b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Singer Co. Berfin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 5 Beilagen und die Wählerin". Vorteilhafte Damenkleidung 4.90 Kasak aus bedrucktem Samtflanell. Kleid aus reinwollen. 22.50 Trikotstoff mit Krimmerbesatz... Mantel aus reinwollenem Velours mit großem 39.00 Pelzkragen.. Jackenkleid aus vorzüglichem Velours de laine, 69.00 Kragen mit Pelzbesatz Morgenrock Flauschstoff mit einfarb. Blende 7.75 Kleiderstoffe Sportflanell für Hemden und Blusen, vorzüglicher Woll- Ersatz. Mar.1.10 Reinwoll. Cheviot marine, schwarz, braun Mtr.1.90 Schottenstoffe vorzügl.Winterqualität Mtr. 1.95 Gabardine mit aparten Mtr. Streifen 105 cm.... 3.90 Kammgarntwill Reinwolle 130 cm. Mtr. 4.50 Korsette Brusthalter Wäschestoff 0.90 Brusthalter aus Gummistoff 1.75 Hüfthalter ben 2.75 Korsett guter, weißer Drell mit 1 Paar Haltern 4.50 Damenwäsche Taghemd Trägerform mit Stickerei- Ansatz... 1.45 Taghemd Achselform mit breit. Stick.- Ansatz 2.90 Nachthemd mit Stickerei- Ansatz 3.90 Nachtjacke viereck. Ausschn. m. Stick.- Ans. 3.60 Beinkleid mit Stickerei Ansatz... 2.75 Untertaille m.Stick.u. Spitzen reich garniert 3.00 Seidenstoffe Duchesse glänzende Kunstseide in modernen Farben, ca. 100 cm... Mtr. 6.50 Crêpe marocain Halbseide, buntfarbig bedruckt, ca. 100 cm Mtr. 6.90 Damast Halbseide für Mantelfutter, ca. 85 cm Mtr. 4.40 Sealplüsch sealbraun 19.50 ca. 125 em Hutsamt Silkina, schwarz .... Mtr. oder farbig, 42 cm breit...... Mtr. 3.30 Unterröcke Halbtuch mit plissiert. 3.50 Trikot Baumwolle mit Volant buntem Satin- Ansatz schwarz Panama, Gummi, mit 1 P. Haltern Taschentücher weiß Batist m. Hohlsaum 3 Stück 0.80 36 cm .5.50 mit Garnierung 6.90 Reinwoll. Velours 10.50 mit Volant... Echtes Lavendelwasser Großs Flasche 1.10 Böhm- Offenbach வெறய் Wischtuch Reinleinen. wels- rot karlert, 60X75 cm Teedecke mercerisiertes 0.95 Illa, 126 × 128 cm Damastgewebe, blau, gold, 4.60 Oberhemd gestrelit u. Klappmanschetten.... Perkal mit Kragen 3.90 Hausjoppe aus welchem Flauschstoff für Herren 18.Smel BERLIN C KÖNIGSTR. SPANDAUERSTRASSE FAKINO? Angebote Hauswäsche Staubtücher vorzügl. 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Halbvorhang Etamine mit han' gearbeiteten 5.90 Motiven. Etamine- Garnitur mit Tüll- Zwischensatz 7.00 Etamine- Garnitur buntfarbig ****** Beleuchtungskörper Nachttischlampeg.30 Zugkrone m. Seidenmit Seidenschirm. Tischlampe Rohrgeflecht, mit Seide gefüttert 12.50 Elektrisches Plätteisen mit Zuleitung 4.85 7.80 schirm, 60 cm, mit 50.Chenile- Fransen Standlampe mit Seidenschirm, 70 cm 55.Detektor- Apparat mit Drehkondensator u. Doppelkopfhörer24. Nr. 553 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 23. November 1924 Frauen schicksall テイバ Umfrage an unsere Leserinnen. Ueber den Beruf der Frau hat bürgerliche Anschauung Licht der Poesie gegossen: Beruf der Frau heißt: Mutter, Hausfrau, Wiegenfängerin, Märchendichterin sein, und als Frauenarbeit läßt man vielleicht noch den Erfolg der Künstlerin und die Pflege der Krankenschwester gelten. Wie ganz anders die Wirklichkeit, unsere Wirklichkeit! Wieviel 3er störung aller Poesie, welch unsagbare Nüchternheit, welche Häufung von Anklagen! Es ist an dieser Stelle oft genug daran erinnert worden, welch Verdienst den Frauen zukommt, die in den Tagen der Not so ungeheuer viel zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Existenz beigetragen haben. Für viele ist das eine alte Sache, eine Selbstverständlichkeit, an die zu denken sich nicht lohnt. Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß innerhalb der Familie in den letzten Jahren so völlige Verschiebungen der Ernährungsbedingungen stattgefunden haben, daß der Frau gegen früher ein weit größerer Raum als Träger und Stütze des Familienganzen zugesprochen werden muß. Aus Unverstand, Torheit und oft auch aus gekränktem Selbstbewußtsein( des Mannes) wird diese Tatsache furzerhand übergangen und die Frau im Nimbus des guten aber zweitklassigen Arbeitstieres belassen. Wohl gemerkt, es geschieht dieses oft aus Unverstand, die wenigen Fälle, in denen es aus Bosheit geschieht, sollen hier außer acht gelassen werden, sie fallen mehr in das psychisch- kriminelle als das foziale Gebiet. Welche Unsummen von Arbeitslast und Mühe, von beengender Sorgen und erschütternder Seelen qual die Frau tagaus, tagein auf schwachen Schultern mit sich trägt, das in flaren Feststellungen zu erhärten ist die Aufgabe, die wir unseren erwerbstätigen Leserinnen und unseren Genossinnen stellen wollen. Das soziale Bild dieser erschütterten Zeit wird dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben. Wir werden die Beiträge, soweit fie Wichtiges aus dem zweiseitig häuslich- gewerblichen Leben enthalten, zum Abdruck bringen und sie den Einsendern auch bezahlen. Warum Frauenarbeit? Der Wochenlohn eines gelernten Arbeiters beträgt durchschnittlich elwa 35 bis 40 m., der ungelernte Arbeiter erhält 20 bis 25. M. Daß ein Familienvater mit mehreren Kindern bei dieser Bezahlung und bei den Preisen für die notwendigsten Bedarfs- und Lebensmittel nicht imftande ist, allein für seine Familie das Notwendigste zu beschaffen, ist eine Behauptung, die, weiß Gott, nicht weiter bewiesen zu werden braucht. Da heißt es: Frauen an die Front, Frauen, Ihr müßt mithelfen, mitfchaffen und mitschuften! Gewiß ist das Batet Arbeit, das nielen bürgerlichen Frauen aufgebürdet ist, deren Männer Ein Gehalt beziehen, das zwar auch nur flein, aber immerhin doch zur Not ausfömmlich ist, ebenfalls sehr groß. Laufcade haben den ganzen Tag lang in ihrer Wirtschaft zu tun, mit der Reinigung der Wohnung, der Wäsche, mit der Pflege der Kinder, mit Schneider arbeiten, Flicken und Stopfen. Um wieviel beklagenswerter ist das Schid al jener proletari'chen Frauen, die Haus und Kinder, Wirtschaft und das Notwendigste vernachlässigen und im Stich lassen müssen, um außerhalb des Hauses durch Arbeiten aller Art das Fehlende zuverdienen zu dem Einkommen des Mannes. Am frühen Morgen schon müssen diese Frauen ihre Wohnungen verlassen, um auf die verfchiedenste Art und Weise und durch die mannigfachsten Arbeiten Geld zu verdienen. Das Angebot an Arbeit ist groß, die Nachfrage nach Arbeiterinnen klein, und jede Arbeit, die geboten wird, muß daher dankbar angenommen werden. Da ist die Möglichkeit gegeben, in die Fabrik zu aehen, als Waschfrau Geld zu verdienen oder als Reinemachfrau. Man ist froh, menn man für Tage Arbeiten betommt, die Fenster zu reinigen, andere wieder sind erfreut darüber, wenn sie auf den Wochenmärkten bei den Inhabern der Verkaufs= stände allerlei Hilfsarbeiten verrichten dürfen. Dann wieder kommen, und namentlich jetzt in der Weihnachtszeit, die großen Geschäfte und Kaufhäuser, die neben dem ständigen Personal Berfäuferinnen zur Aushilfe und zur Bemättigung des Weihnachtsverkehrs einstellen. Endlich ist darauf hinzuweisen, daß auch die Zahl jener verheirateten Frauen groß ist, die als Stenotypistinnen oder Buchhalterinnen oder in sonst irgendeiner Stellung in den einzelnen Großbetrieben beschäftigt sind. Versäumnis der Hausarbeit. Wie cher gestaltet sich das häusliche Leben dieser erwerbstätigen Frauen? In den allermeisten Fällen müssen sie am frühen Morgen die Wohnung verlassen. Kaum ist Zeit dazu geblieben, das Notwendigste an Hausarbeiten zu verrichten, den Ofen zu heizen und die Betten zu machen. Denn es ist ja selbstverständlich, daß die Frau, die einen ganzen langen und schwaren Arbeitstag vor sich hat, sich nicht, bevor sie an die Arbeit geht, in ihrer Wirtschaft müde arbeiten fann und darf. Sie muß gehen schweren Herzens, weil sie nicht weiß, rie es den Kindern am Tage gehen wird, und namentlich in den Fällen, in denen die Kinder noch klein sind, in den Fällen, wo die etwerbstätige Frau auf das Entgegenkommen, die Liebenswürdigkeit der Nachbarn angewiesen ist, wird die erwerbstätige Frau besonders bekümmert und in besonders graßer Sorge die Wohnung verlassen. Eine Möglichkeit, die notwendigen Einfäufe zu erledigen, bevor sie d Haus verläßt, besteht meist nicht. Am späten Abend fommt fie müde und abgehegt nach Hause zurück. In der Wohnung ist nichts aufgeräumt, der Mann ist nach Hause gekommen, ebenfalls müde und abgehetzt, und will sein Essen haben. Die Kinder sind nicht in der Weise gewartet und gepflegt, wie es notwendig gewesen wäre, denn auch die Nachbarin hat ihre Arbeit. Jetzt heißt es für die müde Frau fich regen und die Bedürfnisse vieler befriedigen. Kaum hat sie alle Wünsche erfüllt, kaum hat sie Zeit gehabt, für sich und ihren Hunger zu sorgen, muß sie schnell aus der Wohnung, um noch furz vor Ladenschiuß Einkäufe für den nächsten Tag zu besorgen. Daß solche Frauen nach beendeter Mahlzeit, wenn sie müde bis zum Umsinken find, wenn Augen und Hände den Dienst versagen, nicht noch stundenlang fizen fönnen, um die Löcher in den Strümpfen bei den Kindern und beim Mann zu stopfen, um an der eigenen Kleidung Schäden auszubessern, liegt auf der Hand. Ebenso erklärlich ist es, daß die Familie unter folchen Umständen schließlich einen ungeordneten äußeren Eindrud machen muß. Um nicht die Wohnung und die ganze Wirtschaft vollständig verwahrlofen zu lassen, muß die erwerbstätige Frau den Sonntag und Feiertag dazu benutzen, um aufzuräumen, zu waschen, zu stopfen, zu fliden, um alles wenigstens zur Not in Ordnung zu bringen. Denn zu Neuanschaffungen reicht das Geld nicht. Flicken wird auf Flicken gesetzt. Für diese Proletarierin gibt wöhnen, neidlos zuzusehen, wenn an schönen Sommersonntagen die es feinen Sonntag und feinen Feiertag, und sie muß sich daran geBevölkerung um sie herum ins Freie strebt. Wie es mit der Gesund heit einer solchen Frau nach mehreren Jahren aussieht, wie schnell sie verbraucht ist und der Tuberkulose zum Opfer fällt, darüber braucht wahrlich kein Wort weiter verloren zu werden. Die allein verdienende Frau. Schicksal noch schlimmer und noch beklagenswerter ist als das jener Aber nun gibt es eine Kategorie arbeitender Frauen, deren Frauen, von denen im Vorhergehenden gesprochen morden ist. Taufende von Männern sind ohne Arbeit, und die Arbeitslosenunterbalancieren. Die Frauen dieser Männer müssen gewassermaßen mit ftüßung fann nicht im geringsten aushelfen, den Haushalt zu verdoppelten Kräften dem Verdienst nachgehen, nein nachjagen. Die Fälle sind nicht vereinzelt, in denen solche Frauen zunächst morgens Zeitungen austragen, dann schnell auf eine Wasch- oder Reiremache ftelle hetzen, abends wieder Zeitungen austragen und für die Stunde oder zwei bis zum Schlafengehen noch häusliche Arbeiten erledigen, d. h. natürlich häusliche Arbeiten für andere, denen sie Wäsche flicken oder Kleider und Strümpfe in Ordnung bringen. Wenn in diesen Fällen auch der Mann in der Wohnung bleibt und auf die Kinder aufpassen kann, so ist doch alles dieses nur ein Notbehelf, und die Bortierstelle haben. Sie sind gewiß froh, daß sie wenigstens Mutter fehlt an allen Enden. Es gibt Fälle, wo Arbeitslose eine freie Wohnung und manchmal auch noch freies Licht und freie Beheizung haben. Doch das Monatsgehalt als Bortier ist lächerlich gering. Sier muß nun die arbeitende Frau auch noch das Haus besorgen, die Treppen reinigen( eine Arbeit, die ja in den meisten Fällen der Mann nicht zur Zufriedenheit des Hauswirts und der Mieter ausführen tann) und dann nach dieser Arbeit, die gewiß schwer ist und über die Knochen und Kräfte hergeht, muß sie schwere Hausarbeit in anderen Familien leisten. Der Krieg hat die Frau in Fronarbeit gezwungen nur schein bar ist sie davon losgekommen. Nachkriegselend, soziales Unverständ nis zwingt die Frau noch tiefer in die Kette der Fronarbeit. Je ebender die Lohnverhältnisse wurden, je mehr Abbau mütete, desto anstrengender mußte die Suche der Frau nach Mithilfe an der Rettung der Familie werden, und wir haben heute Frauenarbeit, die wirtschaftlich wenig lohnend, aber so sehr gesteigert ist, daß man ihrer Ergründung um so lebhafter nachgehen soll, je mehr sie dem Anblick und der Verständnis der Allgemeinheit fremd ist. Häusliche Arbeitskraft, der Familie entzogen, um der Fa= milie Nahrung zu schaffen auf diese Formel etwa ließe sich ein neues, nicht zu überschauendes Gebiet der Frauenarbeit bringen. Man wird bei näherer Beschäftigung mit dieser Frage sehr überrascht sein, so stark hat sich die neue Sklaverei in Frauenkreisen eingefressen und so dringend notwendig ist es für die Frauen selbst, fich ihrer Rechte bewußt zu werden, zu erkennen: nur die politische und wirtschaftliche Befreiung des ganzen werftätigen Volfes fann daran etwas ändern. * Für die Schilderung, um die wir unsere Leserinnen bitten, fönnen folgende Hauptfragen als Richtschnur dienen? Welches Einkommen hat Dein Mann? Wieviel verdienst Du dazu? Was arbeitest Du? Wie lange arbeiteft Du fäglich? Wieviel Kinder hast Du? In welchem Alter stehen sie? Haben die Schulentlassenen icon Einfommen? | Blumen für die Toten. Heute ist der große Wallfahristag zu den Toten. Selten wohl gibt es einen, der nicht Verwandte hat, die auf irgendeinem der vielen Berliner Friedhöfe den letzten Schlaf schlafen. Und wer auch wäh= rend des ganzen Jahres nicht Zeit gehabt hat, der Toten zu gedenken und an ihren Gräbern in nachdenklicher Trairer zu stehen, hcute findet er den Weg zu der stillen Stadt der Irten. Urb niemand kommt mit leeren Händen. Die Blumengeschäfte Berlins haben lange vor dem Totensonntag in ihren Schaufenstern und vor ihren Läden eine Blumen- und Kranzpracht ausgebreitet, mit der die Gräber geschmüdt werden sollen. Ein schnell vergänglicher Schmuck allerdings, dem die Kälte bald ein Ende bereitet. Die zarten auf den tannengrünen Kreuzen) verwelten, und das grüne Reisig Blumen( viel Rosen sieht man in diesem Jahr in den Kränzen und wird grau und unansehnlich. Ein Gräberschmuck aber auch, der für viele unerschwmglich ist. Doch die Liebe findet schnell einen Ausweg, und das verehrende Gedenken, das man den Toten zollt, gipfelt ja nidyt in Pracht, Prunk und Prozentum der Kränze. Der fleine Mann mit dem schmalen Geldbeutel geht in den Wald, sammelt die grünen Zweige, die der Novemberwind von den Bäumen geschüttelt hat, und flicht sie auf einen Reifen zum Kranz. Ein paar billige Blumen, die der Herbst. in dem fahlen Garten und vor der jetzt unwirtlichen Laube noch hat stehen lassen, geben auch diesem einfachen Kranz genügend Schmuck und ein freundlichliebevolles Aussehen. Ueberhaupt sind es die Blumen, die lebendigen Blumen, die die Gräber am wirkungsvollsten und anmutigsten schmücken. In andern Ländern, vor allem in Frankreich, sieht man in den Kränzen auf den Gräbern nur künstliche Blumen, Blumen aus Wachs. Blumen aus Papier, Perlen und anderen Schmuck. Für uns und unsere Anschauungen muten diese Kränze kahl, steif und kalt an. Wir sehen, und gewiß mit Recht, das Reizvolle des Gräberschmuds gerade in den frischen Blumen, die sich eigenartig genug ausnehmen inmitten einer winterlichen Natur. Deutsche Kirchhöfe seher am Totenfest wie festlich geschmückt aus. Es ist so, als wenn neues Leben zu den Toten gekommen ist. Man hat wohl ben Satz ge= prägt: Laßt Blumen sprechen! Dieses Wort erhält besondere Bedeutung und Berechtigung vor den mit Blumen geschmückten Gräbern. Andere Länder, andere Sitten! Wenn die fatholische Bevölke= rung am Allerseelentag der Toten gedenkt, schmückt sie die Gräber mit kleinen Lichtern, wie man sie bei uns auf die Zweige des Weihnachtsbaums feßt. Es ist gewiß ein eigenartiger und man möchte fast sagen, rührender Anblick, wenn man am Abend auf ein solches Gräberfeld blidt, auf dem unendlich viele Lichter entzündet sind, die im Wind wie ängstlich flackern. Wir aber sehen besseren Sinn und schlichte, grüne Kränze geflochten sind. schöneres Symbol in dem Schmuck der Gräber mit Blumen, die in Ein Schandfleck Berlins. Zu einem öffentlichen Standal artet allmählich das Aussehen des Geländes der ehemaligen Pépinière am Bahnhof Friedrichstraße aus. Das Terrain umfaßt die Grundstücke Friedrichstraße 137 bis 141 und gehört z. 3t. der Turmhaus- 2.- G. am Bahnhof Friedrichstraße", die den Komplex vor einigen Jahren vom Fistus erworben hat. Ein fleiner Teil des Geländes gehörte bis vor kurzem noch der Stadt Berlin. Die Turmhaus- 2.3. hat 1. 3t. einen Wettbewerb für Turmbau Entwürfe veranstaltet und diese Pläne im Berliner Rathause ausgestellt. Dann hörte man noch von Verhandlungen mit der Baupolizei, und nun ist seit längerer Zeit von Turmhausprojefien alles still gemor= den. Inzwischen wuchert das Unkraut auf dem Gelände meterhoch, allerlei Gerümpel liegt umher, und Schutt bedeckt den Boden. Um die Kosten eines neuen Baunes aufzubringen, hat die Turmhausbau- Gesellschaft in der Friedrichstraße Reflamemalereien Don umstrittenem Aussehen angebracht. Nach ihren eigenen Angaben hat sie bisher mit Verlust gearbeitet. Nach der letzten Einfragung im Berliner Handelsregister nom 23. Mai 1923 betrug das Aktienkapital der Gesellschaft zulegt 20 Millionen Papiermark, die selbstverständlich Leute gleich Null sind. Bon einer Auswertung in Gold ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Alleinige Aktionäre waren damals zu gleichen Teilen der Bankier Louis Hagen, Inhaber der Bantfirma Hagen u. Co., und eine im letzten Telephonbuch nicht mehr verzeichnete Widag". Wiederaufbau- Aktiengesellschaft für die Errichtung von Hochbauten. Die Deffentlichkeit hat berechtigtes Intereffe, endliche Beseis tigung des wüsten Schutt- und Trümmerhaufen s in der Friedrichstraße zu verlangen. Wie wir vernehmen, hat sich der Fiskus bei dem Verkauf des Geländes gewisse Borbehalte gewahrt. Er wäre angezeigt, daß näheres über diese Vorbehalte bekanntgegeben wird, damit gegebenenfalls eine Wiederüberführung des wertvollen Geländes in den Staatsbefig eingeleitet werden fönnte. Vorsicht vor Garderobenschwindlern. Eine Plage der Theater und Konzertfäle find immer noch Schwindler, die mit gefälschten Garderobemarten ar< beiten. Erst fürzlich wurden ihrer zwei festgenommen, ein gewisser Chaim Abramowiz aus Lodz und seine deutsche Helferin Emmi Krüger. Die beiden hatten in sechs Fällen wert Doll Pelze erbeutet. Abramowitz wollte davon freilich nichts wissen, behauptete auch, daß er foeben erst nach Berlin gekommen sei und die Krüger gar nicht fenne. Die Kriminalpolizei ermittelte jedoch, daß er schon 14 Tage in einem Quartier in der Feiferstraße gewohnt hatte. Hier fand man zwar nicht mehr die Pelze, die der Schwindler jedenfalls gleich über die Brenze geschafft hot, wohl aber Taschentücher, fleine Schmudfacher und dergleichen, die die Geschädigten in den Taschen gehabt hatten. So fonnte man ihn in allen Fällen überführen Neuerdings hat sich wieder eine Bande gebildet. Sie ist so fleißig, daß bei der Kriminalpolizei täglich brei bis vier Anzeigen einlaufen. Die Schwindler ,, arbeiten" wieder zu zweien, entweder zwei Männer zusammen oder ein Mann mit einer Dame". Sie erscheinen frühzeitig, geben ihre Ueberkleidung ab und passen nun auf, wer einen foftbaren Belz oder Wie wirti Deine Erwerbstätigkeit auf Hauswirtschaft und Fa- sonst ein wertvolles Kleidungsstück abgibt. lefen die Nummer al, milienleben? Welche Möglichkeit anderer Juteressen bleibt Dir? radieren die Nummer ihrer eigenen Warfe weg, ersehen sie durch die fremde, verlassen turz vor Schluß der Veranstaltung Theater oder Konzertsaal und erhalten unangefochten auf die gefälschte Marte die fremden Sachen Erst wenn die rechtmäßigen Eigentümer tommen, sieht man sich die vorher abgegebenen Marken genauer an und erkennt die Fälschung. Mitteilungen, die geeignet sind, die Bande unschädlich zu machen, nimmt die Dienſtſtelle B. II. la im Bolizeipräsidium entgegen. Die Garderobenfrauen und die Besucher werden gut tun, den Schwindlern feine Gelegenheit zu geben, fich fremde Nummern zu merken. Beschwerden sind unerwünscht! 50 Goldmark Gebühren für eine Auskunft. Eine außerordentlich peinliche und kostspielige Erfahrung mußte der Berliner Fabrikdirektor Sch. mit einer Beschwerde machen, die er an eine Reichsbehörde gerichtet und auf die er einen Bescheid erbeten hatte. Gegen die Chauffeure Sch.'s waren in drei Fällen Straf. befehl erlassen worden, gegen die richterliche Entscheidung beantragt war. Dazu war der Fabrifdirektor als Zeuge geladen worden. Obwohl schon in dem ersten Termin eine Freisprechung erfolgte, was später auch in den anderen Verhandlungen der Fall war, da der Sachverhalt jedesmal gleich lag, mußte der Fabrit direktor immer wieder vor Gericht erscheinen und stundenlang auf seinen Beugenaufruf warten. Der Amtsanwal hatte es abgelehnt, alle drei Sachen zugleich zu behandeln. Im berechtigten Unmut über diese Handhabung hatte Sch. eine Be. schwerde an den Reichsjustizminister gerichtet und ihn gefragt, ob dieses Verfahren der Amtsanwaltschaft in Einklang mit den Abbau- und Sparmaßnahmen der Reichsbehörden stehe. Die Antwort, die er bekam, war eine überraschende. Zunächst erhielt er von der Gerichtstasse Tempelhof die Aufforde rung, vorweg 50 M. Verwaltungsgebühren zu zahlen für die Aushändigung des Bescheides des Reichsjustizminifters auf feine Beschwerde. Gleichzeitig war ihm angedroht worden, daß eine Zwangsvollstreckung erfolgen würde, wenn er den Betrag nicht binnen einer Woche bezahlt haben würde. Nun richtete der empöre Direktor ein geharnischtes Schreiben an die Gerichtstasse, in dem er ausführte, daß ein Staatsbürger eine fostenlose Antwort auf eine Beschwerde erwarten dürfte. Weiter redete er von Nepp und Unverschämtheit und drohte für den Fall der Zwangsvollstreckung die Sache an die Deffentlichkeit zu bringen. Dieses Schreiben zog Sch. eine Anflage wegen versuchter Erpressung und Be amtenbeleidigung zu, die vor dem Amtsgericht Mitte zur Berhandlung stand. Der Verteidiger vertrat den Standpunkt, daß das jetzt eingeschlagene Verhalten der Behörden, für Antworten auf Beschwerden noch eine Gebühr zu erheben, es jedem Staatsbürger verleiden müsse, Mißstände zu rügen. Zwar sollte die Gebühr nur gezahlt werden, wenn die Beschwerde mehr im privaten Interesse erfolge. Der Angeklagte habe aber bei seiner Beschwerde 3 mei fellos im öffentlichen Interesse gehandelt. Amtsgerichtsrat Dr. Unger ließ in dem Urteil die Frage offen, ob die Berwaltungsgebühren hätten eingefordert werden können. Das sei mindestens sehr zweifelhaft. Jedenfalls sei Sch. der Auffassung gewesen, daß die Forderung der Gerichtskasse nicht zu Recht be= standen hätte, daher sei er wegen der versuchten Erpressung frei zusprechen. Dagegen fah das Gericht in dem Schreiben an die Gerichtstaffe eine Beamtennötigung und Beleidigung Dem Angeklagten sei seine Erregung zugute zu halten, und es sei ihm weitestgehende Milde zuzubilligen. Deshalb laute das Urteil nur auf eine Geldstrafe von 500 m. Nachspiel zu den Fürstenwalder Kommunistenkrawallen. = Die Berhandlungen erregen durch die vielen Zusammenstöße fortgesetzte Aufmerksamkeit. Doran beteiligen fich auch die zahlreichen im Zuhörerraum anwesenden Kommunisten, so daß cinmal Rechtsanwalt Bahn ärgerlich ausrief: Hier ist doch teite Kneipe!" und den Vorsitzenden bat, wenn die Zwischenrufe nicht aufhörten, den Zuhörerreum räumen zu lassen. Landgerichtsrat Siebert drohte schärffte Maßnahmen an. Bei der Frage der Bereidigung der Zeugen beantragte Rechtsanwalt Liebrecht, als Vertreter der Nebenfiäger, sämtliche Schupoteamten, insbesondere den Polizeimajor van Gnalpen wegen Berdachtes der Teilnahme nicht zu vereidigen. Die Rechtsanwälte Wolfgang Heine und Bahn wider Sprachen dem Antrage. Von Mittäterschaft und Beihilfe könne feine Rede sein, denn das von den Nebentlägern beigebrachte 3 eugen material fei äußerst fragwürdig. 3wei Zeugen feien sogar schon mit Zuchthaus, viele andere mit Gefängnis vorbestroft und es sei der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß die Aussage vielfach von Parteiinteresse becinflußt sei. Das Gericht tam zu dem Beschluß, sämtliche Beugen zu vereidigen. Bor der Bereidigung jebes Belastungszeugen madyten die Rechtsanwälte Heine und Bahn diesen noch energische Vorhaltungen. Nachdem die Bereidigung erfolgt war, wurde die Verhandlung auf Montag vertagt. Das Urteil ist Montag abend zu erwarten. 32] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. " Hast du heute nachmittag etwas vor, Joyce?" fragte Bertram am Ende des für ihn so schweigsamen Mahles. Ich habe mit Alban geschäftliche Sachen zu besprechen," antwortete sie so entschieden, als hätte sie damit auch Alban ein Ultimatum ausgesprochen. So faßte ihr Bruder es auch auf und murmelte:„ Aber natürlich, liebes Kind, wenn ich auch solche Besprechungen hasse, wie du weißt." Oeffentl. Wählerversammlungen außerordentlich großer Zahl in den Berliner Bolkschulen noch verMontag, den 24. November, abends 7/2 Uhr: Prenzlauer Berg: 30. Abt.: Ledigenheim, Pappel- Allee 15. Schöneberg- Friedenau: Bürgersaal Rathaus Friedenau, am Lauterplay. Neukölln: 92. Abt.: Hayn, Richardstraße 35. Pankow: Linder, Breite Straße 34. Redner: Falkenberg, Haß, Kuttner, Dr. Löwenstein, Adele Schreiber. Dienstag, den 25. November, abends 71 Uhr: Berlin- Mitte: Mufiterfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Prenzlauer Berg: 26. und 28. Abt.: Büttner, Schwedter Straße 23. Mariendorf: Realgymnasium, Kaiserstraße. Lichtenberg: Aula Cäzilien- Lyzeum, Rathausstraße. Weißensee: Realgymnasium Woeldpromenade. Pantow- Heinersdorf: Lude in Heinersdorf, Kaiser- WilhelmStraße 67. Buchholz: Rossac, Hauptstraße 71. Reinidendorf- Off: Ramlow, Kastanienwäldchen, Schönholz 14. Tagesordnung: Wähler, entscheidet Euch! Redner: Crispien, Ad. Hoffmann, Künstler, Klodt, Lüdemann, Litke, Dr. Löwenstein, Reuter. * Oeffentl. Frauenkundgebungen Montag, den 24. November, abends 71/2 Uhr: Tiergarten: Artushof, Perleberger Straße. Friedrichshain: Schulaula Litauer Straße 18. Spandau:" Bur Markthalle", Pichelsdorfer Straße. Johannisthal: Botha, Parkstraße. Brith: Becker, Chauffeestraße 97. Köpenid: Aula Dorotheenschule Freiheit". Reinidendorf- Oft: Aula Gemeindeschule, Hausotterplag. Tegel: Jugendheim Bahnhofstraße 15. Borfigwalde: Borsigwalder Festfäle. Redner: Clara Bohm- Schuch, Anna Gener, Erna Kresse, Marie Runert, Liesbeth Riedger, Rich. Rosin, Minna Toden= hagen, Clara Weŋl, Hedwig Wachenheim. Dienstag, den 25. November, abends 71/2 Uhr: Prenzlauer Berg: Schulaula Schönfließer Straße 7. Kreuzberg: 40. und 41. Abt.: Bodbrauerei, Fidicinstraße 2/3. -42. und 43. Abt.: Rabes Festfäle, Fichtestraße 29. Rosenthal: Mühlbrodt, Kronprinzenstraße. Redner: Clara Bohm- Schuch, Gertrud Hanna, Anna Gener, Clara Weyl. Geyer, Clara Weyl. Tagesordnung: Frauen und Mädchen, denkt an Eure Zukunft! Dezembermiete unverändert. Der amtliche preußische Pressedienst teilt mit: In der Be. rechnung der gefeßlichen Miete für den Monat Dezember tritt gegenüber dem Vormonat eine Renderung ein. Es bleibt bei dem Novemberſay in Höhe von 66 beatv. 62 Broz. Ein Feldherr. Man schreibt uns: Draußen im Berliner Often, in der Schule Markusstr. 49, haben die Kinder gerade Baufe. Sie freuen sich, daß sie dem Schulbetrieb auf einige Minuten entronnen sind, spielen Einfriegezed und geben ihrer Letensfreude, wie bei Kindern nicht anders üblich, durch Geschrei Ausdrud. Damit die Kinder sich nicht zu sehr freuen und ja nicht vergessen, daß sie sich auf dem Hofe einer Anstalt zur Erziehung von guten Staatsbürgern befinden, geht gemessenen Schrittes ein Pädagoge", manche Leute behaupten, es sei ein Erziehungsbeamter", zwischen den spielenden Kindern auf und ab. Zur Erhöhung seiner Würde und um noch außen hin zu zeigen, über welche Hilfsmittel die„ moderne" Pädagogit verfügt, ist er mit einem Rohrstock bewaffnet. Die Kleinen scheinen be. fonderen Respekt vor diesem Erziehungsinstrument nicht zu haben. Sie sind wohl schon zu sehr an ihm gewöhnt. Böse Menschen be " 25. Es war unmöglich, vor dem Diner mit Joyce ein Wort zu wechseln, denn als Bertram zurückkehrte, fuchte er überall vergebens nach ihr, bis er sie endlich in Albans fleinem 3immer fand. Herein!" rief Alban scharf auf Bertrams Klopfen und fah ihn freundlich an, als Bertram nähertrat, Joyce zulächelte und fragte: 3ft vielleicht für einen bloßen Gatten ein Stuhl zu haben?" Joyces Gesicht glühte. Sie faß mit ihrem Bruder an dem mit Papieren bedeckten Tische. Beide sahen sich auffallend ähnlich, bei beiden war die Stirn- und Nafenlinie so auf ihren Bruder ein, ohne Bertram zu beachten. haupten, daß diese Art Feldherren mit solchem Feldherrnstab in treten sind, wir können aber so ohne weiteres nicht daran glauben. Auf Befehl des„ dunklen Herrn. Taschendiebstahl in der Hypnose. Unter hypnotischem Zwange will eine Taschendiebin„ gearbeitet" haben, die vor einigen Tagen in einem Weinlokal einen Gast um seine goldene Uhr mit Chatelaine bestahl. Das junge Mädchen war von einem Bjerrn in das Weinlokal mitgenommen worden. Plötzlich erhob es sich und ging eiligst hinaus. Der Herr war erstaunt, merfte den Diebstahl und nahm die Verfolgung auf. Es glückte ihm, die Diebin an der nächsten Straßenede unter einer Laterne einzuholen. Er nahm sie fest und übergab sie der Polizei. Vor der Kriminalpolizei gibt nun die Ertappte, die bisher nicht bestraft ist, eine sehr merkwürdige Erklärung für ihre Tat. Sie will eines Tages einen„ dunklen Herrn" fennengelernt haben, der sie mit seinem stechenden Blid so gebannt habe, daß sie alles tun mußte, was er wollte. Er habe ihr befohlen, auf die Straße zu gehen, Männer anzusprechen und ihnen die Schmuck und Wertsachen zu stehlen. Dem unwiderstehlichen Befehle gehorchend, ging sie durch mehrere Straßen im Norden der Stadt aber hier ließ sich niemand mit ihr ein. Auf Geheiß ihres Beherrschers begab sie sich deshalb mit ihm nach dem Westen. Hier machte sie sich an einen Herrn heran, der sie dann auch einlud, eine Wirtschaft in der Nähe zu besuchen. Unterwegs flagte fie, daß sie an den Händen friere, knöpfte ihm den Belz auf und barg ein Weilchen die Hände darunter, um sie zu wärmen. Im Lokal setzte man sich zu Tisch, und der Herr bestellte Abendbrot. Noch bevor das fam, sprang feine Begleiterin auf und lief hinaus. Wie sie sagte, erschien in dem Lokal plötzlich wieder der dumtle Mann" und befahl ihr, durch seinen Blick, der Herrn zu bestehlen und zu fliehen. Das tat sie denn auch. Uhr und Rette aber wurden nicht mehr bei ihr gefunden. Die Beamten des Sonderdezernats für Taschendiebstähle haben nun festgestellt, daß tatsächlich in dem Lokal ein dunkler Monn erschien, dem Mädchen einen Wint gab und dann wieder wegging. Der Wirt hat diesen Mann und feinen Wint auch gesehen. Die Kriminalpolizei aber will trotzdem von einem Diebstahl unter hypnotischem Zwang nichts wissen und neigt eher der Ansicht zu, daß es sich um ein schlau eingefädeltes Spiel eines Betrügerpaares handelt Mitteilungen, besonders über die Persönlichkeit des dunklen Herrn", nimmt Kriminalfommissor Dr. Riemann im Polizeipräsidium entgegen. Terror der deutschen Aerzteschaft. Folgende Zeilen des Leipziger Berbandes der Aerzte Deutschlands find an Genossen Dr. Wenl gerichtet worden; sie beweisen, aus welch ideellen" Gründen die deutsche Aerzteschaft ihren Kampf gegen die Krankenkassen und die Aerzte des Berliner Kaffenvereins führt. „ Unter dem 18. September 1924 haben Sie durch Ausfüllen unferer Zählfarte Ihre Aufnahme in unseren Bund beantragt. Der Borstand, der nach der Sagung über die Aufnahme zu entscheiden hat, lehnte in seiner gestrigen Sitzung Ihre Aufnahme ab. Er ist der Ansicht, daß Ihre Stellung und Ihr Auftreten innerhalb der deutschen Aerzteschaft mit den Zweden und Zielen des Hartmann- Bundes( Verband der Aerzte Deutschlands) unvereinbar ist. Hochachtungsvoll Die Hauptgeschäftsstelle, gez. Dr. Sonnenburg. Mit diesen Prattifen suchen diefe Hüter der ärztlichen Moral andersbenkende Aerzte brotlos zu machen, denn zur Behandlung der Mitglieder der Tariffaffen ist die Zugehörigkeit zum Leipziger Ver band erforderlich. Das Ganze nennt sich freie Arztwahl für die Raffenmitglieder". Eine andere Leistung erlaubte sich die unpoli tische" Berliner Aerztetammer, eine staatliche Einrichtung, indem fie einem Arzt, der feit 1914 in Berlin mohnt und bei den Raffenambulatorien tätig ist, eine Bescheinigung für das Wohnungsamt verweigerte, die für Aerzte, die in die Dringlichkeitsliste eingetragen werden wollen, für diese Behörde von der Aerztekammer ausgestellt werden muß. Verhaftung des Kaffendefraudanten Huster. Nach einem bei der Staatsanwaltschaft Berlin I eingegangenen Telegramm ist es gelungen, den steckbrieflich gesuchten Obersekretär Huster, der bei der Kasse des Amtsgerichts Mitte in der Grunerstraße Unterschlagungen in Höhe von 360 000 Mart gemacht hat, in Breslau zu verhaften. Die Beruntreuungen waren entdedt worden nachdem Huster einen ihm bewilligten Burzen Urlaub angetreten hatte. Er wurde auf der Straße in Breslau nach der Personalbeschreibung erfannt und war bei der Berhaftung fo verblüfft, daß er ohne weiteres augab, der Gesuchte zu sein. Obwohl nach den Ermittlungen der Worte ihn tiefer verletzten, die er sich noch eben in heißer Liebe zurückgewinnen wollte, fonnte er nicht böse sein, denn er begriff, wie sehr der Berlust des alten Befizes sie schmerzte, aber das Jawohl!" seines Schwagers wollte er nicht schweigend hinnehmen. 4 Mir scheint, ich habe meine Pflicht im Kriege so ziemlich gefan," sagte er ruhig ,,, und, wenn das Baterland mich wieder aber er unterbrach sich; wozu nüßte das Argubraucht. mentieren? Wenn sie feine Vaterlandsliebe nach allem noch anzweifelten, so wäre er ein Idiot, wollte er sie durch Worte überzeugen. Ach, laß doch all das Zeug!" rief Joyce ungeduldig und Also sie hatte mit Alban geschäftlich" zu sprechen. Da fein geschnitten wie eine griechische Kamee. Joyce sprach eifrig ariff sofort ihren Bruder wieder an. Alban, mit Worten ist burfte Bertram sich natürlich nicht aufdrängen, obgleich Jonce zufällig feine eigene Frau war. Na, da würde er eben ins Dorf hinunter schlendern. Das Schloß war heute für Outsiders wie er nicht sehr gesellig gestimmt. Als er etwas später das eifrige Kricketspiel der Dorfjugend beobachtete, fand er feinen Humor wieder und mußte bei dem lauten und ärgerlichen Geschrei der Jungens sogar hell auflachen. Die Jugend war weiter jung, allen Umwälzungen, Streifs und Kriegsopfern zum Troß. Das lachte und tobte und ereiferte fich, als hätte es nie weinende Mütter und gefallene Bäter gegeben. Ob diese Jungens auch aufwachsen würden, um in einem Kriege elend zu verbluten wie ihre Bäter? Nicht, wenn er auch nur das geringste dagegen fun fonnte, nicht, wenn sein Buch auch nur den kleinsten Erfolg haben würde! Bertram fehrte schließlich nach Holme Ottern zurück und ertappte fich dabei, daß er viel weniger an den Streit als an seine Frau denken mußte. Dieser liebliche Frühlingshauch hier draußen, diefer Flieder- und Blütenduft hatte auch seine Sinne erregt. Wie Tebhaft erinnerte er sich an seinen eigenen Liebesfrühling vor einem furzen Jahre, an Jonces holde Jugend, an feine tiefe Leidenschaft. London hatte sie beide nervös gemacht. Hier draußen würde es beffer werden. Alles fonnte noch wieder gut werden, an Leib und Seele mußten sie sich einander wiederfinden. Ja, er wollte aufs neue um die Liebe seiner Frau werben und sie sich zurückgewinnen. Wie wunderschön lag das alte Schloß in der stillen Aprildämmerung da! Im Westflügel blißten traulich erleuchtete Fenster, und in diesen Räumen bewegte sich Joyce mit ihrem parten Körper und den sonnenhellen Haaren, mit all der Schönheit der Frauen von Bellairs, mit all ihrem Stolz und ihrer Bornehmheit. Schade, daß dieser alte Sitz verfauft werden sollte! Aber Joyce war seine Frau, und ihre Schönheit gehörte ihm allein, ,, Also tommt es doch darauf hinaus, daß du Bater vier tausend Pfund jährlich abzapfen willst und Holme Ottern an irgendeinen Schieber fallen muß." hier nichts getan! Wenn noch irgendeine Aussicht ist, Holme Ottern zu retten, so". Aber nun ging auch Albans Gereizt heit mit ihm durch, er unterbrach seine Schwester rauh.„ Habe ,, Das stimmt so ziemlich bis auf das Wort„ abzapfen"," ant. ich dir nicht gesagt, es gibt auch nicht den Schatten einer Auswortete Alban gereizi.„ Siehst du es denn nicht selber? Dericht mehr? Wozu spielst du mit Unwirklichkeiten? Tatsachen alte Herr bezahlt die Steuern vom Kapital, borgt sich das Geld find Tatsachen, und Zahlen sind Zahlen!" zur Erhaltung des Schlosses; für Löhne und Zinsen von überall und nimmt schließlich deinen und meinen fleinen Zuschuß wieder vom Kapital. Und wenn er sich einmal ganz empfiehlt, so verschlingt noch die Erbschaftssteuer das meiste von dem, was übrig bleibt." Es ist schändlich!" flammte Joyce auf, schleuderte die Bapiere auf den Tisch und ging zum Fenster, wo sie in die Dunkelheit hinausstarrte. Alban lachte ärgerlich und trommelte auf die Tischplatte. Ja, das tommt davon, wenn man eine demokratische Regierung hat, die den Arbeitern schmeichelt und Handel und Kapital durch übertriebene Steuern vernichtet." Irgend jemand muß für den Krieg bezahlen," sagte Bertram ruhig. geruhte. ,, Die ,, Aber nicht auf diese Weise," antwortete Alban übelgelaunt, der erst jetzt seinen Schwager zu bemerken geruhte. Die Deutschen sollten zahlen!" Bertram mußte lachen.„ Die Deutschen? Sogar die fönnen nicht für den Ruin der ganzen Welt aufkommen, nach ihren eigenen Verlusten noch dazu. ,, Um Gottes willen, Bertram, werde nur nicht pro- deutsch, nachdem du pro- irisch, pro- bolschewistisch und antipatriotisch und anti- englisch gewesen bift," fuhr Joyce von ihrem Fenster fiz auf ihn los. Jawohl!" stimmte Alban würdevoll ein. Bertram fühlte, wie ihm das Blut heiß zu Kopfe schoß Auf Joyce, deren Ja, und deine Biertausend gehören auch zu den Tatfachen und Zahlen", schrie Joyce wütend zurüd. Wenn du bein Spielen und Wetten ließeft, fönntest du das" Familienschiff wieder flott machen." Alban starrte seine Schwester mit einem harten, böfen Blid an und antwortete nach kurzem Zögern mit ruhigem Ton:" Bitte, feine Diskussionen und feine persönlichen Bemerfungen! Biertausend ist für meine Bosition nicht zu viel. Ich bin außerordentlich sparsam. Darf ich dich daran erinnern, daß Bater bir felber zweitausend jährlich festgesetzt hat? Und was ist's damit?" Joyce sprach mit leifer Stimme: Jeden Pfennig davon würde ich ihm lassen, wenn man Holme Ottery damit retten fönnte." Jetzt lachte Alban liebenswürdig: Gott, wie heroisch! Aber abfolut nuglos, Schwesterlein! Und außerdem, was wird aus deinem Haushalt? Bertram erwirbt, doch kein Bermögen augenblicklich, wie?"„ Er wird eben arbeiten müssen," sagte Joyce hart. Also jetzt follie Bertram für die Notwendigkeit, den Bea fig zu verkaufen, verantwortlich gemacht werden. Ich möchte doch in den Familienftreit nicht hineingezerrt werden," sagte er aufstehend mit möglichster Selbstbeherr= fchung. Es ist Zeit, sich zu Tische umzuziehen. Kommst du mit, Joyce?" Gleich," fagte Joyce, ohne sich zu rühren. Er wartete nicht auf fie und verließ das Zimmer. ( Fortfeßung folgt.) Staatsanwaltschaft Huster bei der Abreise noch 300 000 Mart bei fich hatte, fand man bei ihm teinen Pfennig Geld. Es wird noch aufzuflären sein, ob Huster das Geld in der kurzen Zeit durchgebracht hat, was höchst unwahrscheinlich erscheint, oder ob es ihm gelungen ist, das Geld in einem Bersted unterzubringen. Offenbar hat Huster die Absicht gehabt, über die oberschlesische Grenze zu flüchten. Durch die schnelle Entdeckung der Unterfchlagung scheint ihm dieser Plan nicht gelungen zu sein. Die Staatsanwaltschaft hat die Anordnung getroffen, daß Huster sofort mit Eammeltransport nach Berlin übergeführt wird. Die Frühjahrs- Jugendweihen 1925. Unsere Frühjahrsjugendweihen( für Groß- Berlin im Großen Schauspielhaus) finden am Sonntag, den 8., 15. und 22. März statt. Die Anmeldegebühr beträgt 50 Pfennige und ist in nachstehenden Verkaufsstellen zu entrichten: Jugendsekretariat Groß- Berlin, Lindenstr. 3, 2. Sof 2 r.( 3immer 11, geöffnet von 9 bis 4 Uhr, Mittwochs und Freitags von 9 bis 7 Uhr); S. Joseph, W. 21, Wilhelmshavener Str. 48( Baden); A. Hönisch, N. 65, Müller-, Ede 1ltrechter Str.( Laden); Fischer, N. Bastianftr. 7( Laden); 5. Mäde, N. 65, Barfusstr. 13; Hoffmann, N. 58, Lychener Str. 8( Reſtaurant): Rüdiger, R. 58, Lychener Str. 127; A. Lorenz, N. 58, Gleimftr. 56; R. Anderson, N. 31, Stral funder Str. 19; B. Kroll, R. 65, Utrechter Str. 21; B. Dölz, NO. 55, Immanuelfirchstr. 24( Laden); M. Wartmann, D. 34, Königsberger Str. 37( La Furger Blaz 4( Spedition); W. Güde, NO. 38, Landsberger Allee 45 I; 3. Bette, SD. 36, Glogauer Str. 30, b. IV; V. Lier, D. 26, Naunynstr. 9 ( Restaurant); H. Obst, N. 39, Aderfir. 174( Baden). Die Anmeldeftellen fiir die anderen Fugenweihen find nachstehende: Charlottenburg: 3. Sinrichsen. Bayreuther Str. 25a; F. Schmidt, Rosinenstr. 4( Laben); Dslar Horstig, Gidingenftr. 58; Karl Kahlfeld, Haefelerstr. 10 E; G. Rabenstein, Niebuhrstr. 61; Vorwärts- Spedition, Kaiserdamm 102, Gth. 1 Tr. Treptow- Baumschulenden); 2. Winfchus, O. 34, Petersburger Str. 5; Karl Melle, O., Peters: weg: W. Gallas, Baumschulenweg, Schraberstr. 16 III; V. Waß, GO. 36, Sarzerstr. 117, b. 3 Tr.; Keßler, Treptow, Kiefholzstr. 18 b( ab 1. november: Gracßstr. 50). Lantwis, Lichterfelbe und Steglis: G. Felgentreu, Bankwit, Charlottenstr. 34; H. Krüger, Steglit, Siemensstr. 76; Frau Ungerer, Wilmersdorf, Hanauer Str. 43, Siedlung. Schöneberg und Friedenau: Frau Klawitter, Schöneberg, Apoftel- Baulus- Str. 7; A. Betrie, Schöneberg, Ebers ſiraße 70; A. Joachimi, Schöneberg Belziger Str. 27; G. Schaubt, Friedenau, Bacheftr. 9. Bankow und 19. Kreis: 5. Klüß, Bantow, Lindenpromenade 56; in den Kenfumberkaufsstellen Bankowo, Bollantstr. 102, Niederschönhausen, Kaiser- Wilhelm- Str. 79 und Kaiserweg 60. Geheimnisvolle Waldbrände. 3wed, die Vorgänge zu erklären. Es geht nämlich sehr böse zu in dem Rom des Nero. Die armen Chriften merden verfolgt und wissen als einzige Abwehr in Demut und Ergebung fromme Lieder zu fingen, was den römischen Soldaten nicht sonderlich imponiert zu haben schien. Am besten find die feftlichen Aufzüge und die Tänze, die, wenn auch nicht römisch, so doch berlinisch anmuten, und die eine Fülle beweglicher Damen in Bewegung sehen. Zum Schluß sollen die armen Christen von den 50 2öwen des Rapitäns Schneider- Rom zum Bergnügen Neros jämmerlich verschlungen werden. Es würde das auch wirklich geschehen sein, wenn man nicht die 50 lebendigen Löwen mit Puppen getäuscht hätte, an die sie sich nicht zu wagen schienen. Man mußte fie tüchtig mit Fleisch füttern, um ihre Wildheit anzuregen. Der Darsteller Neros, Adolf Steinmann, gleichzeitig Berfasser des Schauftücs, bot als einziger in dem großen Zirfus eine psychologisch interessante Leistung.- Vorher läuft ein gutes zirfenfisches Programm. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veronstaltet am Dienstag, den 25. November, abends 8 Uhr in sämtlichen Räumen der Neuen Welt seine größte Rundgebung unter dem Losungswort der 48 er Freiheitskämpfer: Einheit, Freiheit, Baterland! Die Rundgebung wird durch Konzert des Reichsbannerorchesters eröffnet und begleitet. Unter den Klängen des Reichstannerliedes werden die Fahmen einmarschieren. Zu dem Thema der Veranstaltung wird Redakteur Schweriner das Wort ergreifen Außerdem werden eine große 3ohl Rebner der drei großen republitanischen Parteien sprechen. Bisher haben zugefagt: Ministerpräsident a. D. Stelling, Senatspräsident Großmann, Studienrat Lammerich, Reichstagsabgeordneter Aufhäuser, Lehrer Niffta, Reichstagsabgeordneter Dr. Haas. Der Berliner Sängerchor wird zwischen den einzelnen Reden Bolfslieder zum Vortrag bringen. Schauspieler Wolfgang vom Deutschen Theater wird Rezitationen vertragen. Diese Kundgebung wird ten Auftakt zu der vom 1. bis 7. Dezember stattfindenden Reichsbannerwoche bilden. Sie soll ein wuchtiges Bekenntnis aller Republikaner, ganz gleich welcher parteipolitischen Richtung, für den Auftau der Deutschen Republik und für die Zusammensetzung der bisherigen republikanischen Politik sein. Verloren hat ein stellungsloser Raufmann am Dennerstag, den 20. November, in der Oranienburger Straße in der Beit von 11% bis 12% Uhr mittags seine Brieftasche und gefamte Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 23. November. Barschaft von 160 m., ferner Militärpaß und andere Papiere. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche unter Zurüdbehaltung des Finderlohnes an die Redaktion des Vorwärts", Lindenstr. 3, einzusenden. Eine Abendfeier für die Leserinnen und Freunde der FrauenTeeuen Welt, Hasenheide, statt. Das ausführliche Programm ist in welt" findet am Mittwoch, den 26. November, abends 7 Uhr, in ber der der heutigen Nummer beiliegenden Wählerin" enthalten. " In der Philharmonie findet heute ein Konzert ftatt, ausgeführt von Solisten bes Philharmonischen Orchesters unter gefälliger Mitwirkung von Julius Dahlke( Klavier) und Prof. Fischer( Orgel). Die städtische Kunstdeputation veranstaltet am 28. November, abends 8 Uhr, als erstes der Rathaustonzerte ber Stadt Berlin mit dem Philharmonischen Orchester ein Orchesterkonzert mit Werken Berliner Tonseper. Der Magistrat hat an den Herrn Reichspräsidenten sowie an Mitglieder der Reichs- und Staatsregierung, an die städtischen Behörden sowie an eine Reihe von Repräsentanten des BerTiner Musiklebens Einladungen ergehen lassen. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute nachmittag, pünktlich 3% Uhr, im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße: Französische Kammermusit". Professor Rößler, das Havemann- Quartett, Frl. Hildegard Hennede( Sopran). Eintrittskarten zum Gm. find noch am Eingang des Saales zu haben. Sonntag, ben 30. November, nachmittags 3 Uhr, im Theater des Westen3: bes. Theaters zu haben. „ Wozzeck". Karten zum Preise von 90 Pf. find noch im Vorraum 2% Uhr nachmittags, im Staatstheater Charlottenburg: Dr. Klaus". Sonntag, den 30. November, pünktlich Proletarische Feierstunde am Donnerstag, den 26. Dezember( 2. Weihnachtsfeiertag), vormittags 11 Uhr. Versuch einer frohen Feierstunde. Großstadtfrühling, Chorwert von Rothenfelder, Tanzgruppe Terpis vom Staatstheater. Preis der Einzelfarte 1 Gm. bortellungen am 26. und 29. November, 3. und 6. Dezember, Tande". Karten zum ermäßigten Preise von 60, 40 und 30 Bf. Karten nachmittags 3½ Uhr, im Theater des Westens: Lotte im Weihnachtsfür alle Veranstaltungen sind an den bekannten Stellen zu haben. Dor Dr. Eckeners Landung in Bremerhaven. Weiterflug nach Berlin? MärchenIm Frühjahr und Sommer dieses Jahres ereigneten fich in den großen Waldungen bei Storfow, bie ein beliebtes Ziel des Berliner Ausflugverkehrs bilden, zahlreiche Waldbrände. Obwohl das Berliner Polizeipräsidium mehrere Kriminalbeamte wochenlang zur Ermittlung nach Stortom gefandt hatte, fonnten die Täter nicht gefaßt werden. Innerhalb von drei Monaten ereigneten fich nicht weniger als 60 Waldbrände. Borwiegend wurden dort wertvolle Schonungen heimgesucht. Schließlich richtete fich der Verdacht gegen den bei der Forstverwaltung tätigen Hau meister Schrobbach. Diefer lieferte für die Strombauverwaltung in Fürstenwalde Faschinen zur Uferbefestigung und es wurde nun angenommen, daß er durch die Anlegung von Bränden sich billig fein Holz beschaffen wollte, da die Forstverwaltung die beschädigten Waldteile zum Abholzen freigab. Gegen den gegen Schrobbach erhobenen Haftbefehl tämpfte R.-A. Dr. Schwindt erfolgreich an, indem er sich auf zahlreiche Leumundszeugen berief und es als völlig unwahrscheinlich bezeichnete, daß ein Forstteamter die Pflanzungen. die er selbst angelegt hat, aus schnöder Gewinnsucht vernichten werde. b) Der Kreuzzug( Leistner) Schubert, c) Litanei( J. G. Jacoby) augenblicklich sehr ungünstige Wetterlage erlaubt. Sollte Dr. Edener Schrobbach ist, nachdem er mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, diefer Tage ohne Raution auf freien Fuß gefeßt worden. Das Ermittelungsverfahren nimmt jedoch weiter feinen Fortgang. Die Tragödie in der Woldenberger Straße, über die wir berich feten, hätte nachträglich beinahe doch noch ein Opfer gefordert, und zwar in dem Schlächtermeister Richard Beronfti felbft. Die drei Kinder, die unter der Einwirkung des Gafes schon gelitten hatten, wurden Freitag abend nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Sonnabend vormittag hatten fie fich fchon erholt, so daß sie nach Haufe entlassen werden konnter. As fie hier entamen, fanden sie die Wohnung verschlossen. Kriminalbeamte, die mit der Aufklärung der Tragödie beschäftigt sind, stiegen durch ein Fenster ein und fanden Senoffi in der mit Gas angefüllten Rüche besinnungslos daliegen. Nachdem er gesehen hatte, wohin sein Verhalten gegen seine Familie führte, hatte er die Gashähne geöffnet, um seinem Leben ein Ende zu machen. Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. Der Raubüberfall im Tiergarten, bei dem am 7. d. M. zur Nachtzeit ein Kaufmann aus Köln 50 000 Goldmark in 500- Rentenmartscheinen ein büßte, ist immer noch nicht auf geklärt. Die Kriminalpolizei hegt 3weifel, daß fich der Borfall so zugetragen habe, wie er von dem Kaufmann gefchildert worden ist. Sehr erwünscht wäre es, daß sich ein Kaufmann Leopold Raffierer, Der aus Prag stammen soll, bei dem Raubdezernat der Kriminalpolizei meldet. Die Ermittlungen nach diesem wichtigen Zeugen, Die bie teschechoslowakische Polizeibehörde anstellte, haben bisher feinen Erfolg gehabt. Großfeuer fam Sonnabend früh um 4% Uhr in dem modernen Wohnhaus Gneisenaustraße 53 am Kaiser- Friedrichs- Platz aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde und die 3. Kompagnie an der Brandstelle erschien, war das Feuer längst über feinen Herd hinaus. Die Flammen schlugen schon mächtig aus dem Dachstuhl empor. Sie hatten reiche Nahrung gefunden und gefährdeten sowohl die Wohnungen im vierten Stod als auch die angrenzenden Gebäude. Oberbranddirektor Gausche ließ von allen Seiten angreifen. Dadurch gelang es, die Flammen auf den Dachstuhl des Borderhauses, der nicht mehr zu retten war, zu beschränken. Die Wehr hatte stundenlang zu löschen. Der Schaden ist ganz bedeutend. Die oberen Geschosse haben durch eingedrungenes Waffer sehr gelitten. Personen find nicht zu Schaben gekommen. „ Quo vadis." Nach dem Film, diesmal ein Manegeschaustüd. Beide zehren von dem bekannten Roman Sienkiewicz', der den Niedergang des alten Roms und die Christenverfolgungen schildert. Das Manegeschauftück im Zirkus Busch tonzentriert sich natür lich ausschließlich auf das Aeußerliche jener sagenhaften Borgänge. Zuweilen gibt es hübsche Stadt- und Straßenszenen, aber schlimm wird die Sache, wenn sich die Darsteller mit allen Lungenfräften abmühen müssen, das Rund der Zirtushalle mit ihrer Stimme zu erfüllen. Das gesprochene Wort dient auch wohl lediglich dem 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 2.45 Uhr nachm. Freigeistige Gedächtnisfeier. 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Märchenphilosophie von Manfred Kyper, a) Das andere Ufer, b) Das Tagwerk vor Sonnenaufgang, o) Der Tod und die kleinen Mädchen.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30 Uhr nachm.: des Herrn Gartenbaudirektor Ludwig Lesser: Friedhofkultur". Nachmittagsmusik( Berliner Funkkapelle). 7 Uhr abends: Vortrag 8.30 Uhr abends: Totensonntagskonzert. a) Die Ehre Gottes in der Natur, Beethoven, b) Harre meine Seele, Cäsar Malon( GottschalkPosaunenquartett: Richard Gottschalk. Alwin Müller. Fritz Töger und Artur Mohneke). 2. a) Geistliche Ariel aus der Krönungskantate. Konstanz Bernecker( Nach Worten der. Heiligen Schrift), b) Kolnidrei, Bruch, c) Adagio religioso, J. van Boom( Fritz Schubert( Herta Dehmlow, Alt). 3. a) Ave verum, Mozart, Wenneis auf dem Schiedmayer- Meisterharmonium). 4. a) Auf dem Kirchhof( Liliencron) Brahms, b) O du, vor dem die Stürme schweigen, Theodor Kahle( Herta Dehmlow, Alt). 5. a) Die Träne, Witt, b) Weihe des Gesanges, Mozart( Gottschalk- Posaunenquartett). 6. Arie aus dem Oratorium Elias": Sei stille dem Herrn". Mendelssohn- Bartholdy( Text nach der Bibel)( Herta Dehmlow, Alt). 7. a) Ave Maria, Schubert, b) Stabat Mater, Rossini, c) Largo aus dem Quartett op. 76, Haydn( Fritz Wenneis auf dem b) Ueber den Sternen, Abt( Gottschalk- Posaunenquartett). Am Schiedmayer- Meisterharmonium). 8. a) Grabesklänge, Gottschalk, Schwechten- Flügel: Dr. R. E. Lapini. Königswusterhausen, Sonntag, den 23. November. Konzert der Hauptfunkstelle, Mitwirkende: Gertrud Hirschfelder- Langer, Konzert- und Oratoriensängerin; Otto Hutschenreuter, Violoncello; Hans Matthies. Organist, am Ibach- Flügel und Simon- Harmonium. 10 40-11.40 Uhr vorm.:( Welle 2450). 1. Maurische Trauermusik für Klavier, W. A. Mozart. 2. Arie aus dem Oratorium Elias" Höre Israel"( für Sopran) F. Mendelssohn. 3. Largo, für Violoncello, Haydn. 4. Ave Maria( für Sopran, Violoncello und Klavier) L. Cherubini. 5. Fantasie für Klavier, H. Matthies. 6. Zwei Lieder für Sopran: a) Sei still, J. Raff, b) Ein Ton, P. Cornelius. 7. Zwei Soli für Violoncello: a) Litanei, F. Schubert, b) Reigen seliger Geister, Gluck. Vater unser( für Sopran, Violoncello und Harmonium) O. Hutschenreuter. 11.50 bis 12.50 Uhr nachm.:( Welle 2800). 1. Prélude, für Klavier, J. Rachmaninoff. 2. Arie a. d. Oratorium Die Schöpfung Auf starkem Fittige", J. Haydn. 3. Larghetto, für Violoncello, WA. Mozart. 4. Arie aus der Kantate Nr. 98 Hört, ihr Augen, auf zu weinen", J. S. Bach ( für Sopran, Violoncello, Harmonium). 5. Sata IV( Finale) aus der Sinfonie pathétique( für Klavier) Tschaikowsky. 6. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir( für Sopran) H. Matthies. 7. Adagio, für Violoncello, Bargiel. 8. Sei getreu bis in den Tod, F. Mendelssohn ( für Sopran, Violoncello, Harmonium). Montag, den 24. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: kapelle). 6.20 Uhr abends:„ Ratschläge fürs Haus". 6.30 Uhr abends: 4.30-6.15 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner FunkZehn Minuten für die Hausfrau. 6.40 Uhr abends: Vortrag des Herrn Regierungsrats Dr. Hagemann:„ Der innere Aufbau der Kriminalpolizei". 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch.. 7.30 Uhr abends: Vortragsreihe 2. Vortrag. Herr Baurat Hammer, von der Berliner Feuerwehr: Theaterfunk( Theodor Kappstein). 8.30 Uhr abends: Zeitgenössische Tondichter. 1. Abend: Prof. Emil Nikolaus von Reznicek unter persönlicher Mitwirkung des Komponisten. 1. Vier Bet- und Bußgesänge( Anna Reichner- Feiten, Alt) 2. Adagio aus dem Violinkonzert( Wladislaw Waghalter). 3. a) Denk es, a Seele( Möricke). b) Auf dem See( Karl Henckell), c) Gedankenstille( Aus des Knaben Wunderhorn)( Anna Reichner- Feiten, Alt). 4. Quartett Nr. 2 in D- Moll, a) Moderato, b) Adagio, c) Molto moderato quasi Andante, d) Allegro( Waghalter- Quartett: W. Waghalter, E. Kornsand, Th. Kolb und H. Kraus). Am Schwechten- Flügel: Professor E. N. v. Reznicek. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( Herr Nebermann). Verhaltungsmaßregeln bei Bränden", Feuer in Werkstätten und industriellen Betrieben". 8 Uhr abends: Bremerhaven, 22. November. Die Ankunft des Lloyd- Dampfers ,, Columbus" mit Dr. Edener an Bord wird in Bremerhaven für Sonntag abend zwischen 9 und 10 Uhr erwartet. Wie bereits gemeldet, werden sich, die ersten Empfangsfeierlichkeiten noch auf See abspielen, da die Vertreter der Reichsbehörden dem ,, Columbus" entgegenfahren. Am Sonntag abend findet an Bord des Schiffes ein Festessen statt, zu dem der Norddeutsche Lloyd die zur Begrüßung Dr. Edeners versammelten offiziellen Bertreter ei1geladen hat. Dr. Eckener selbst wird erst am Montag früh das Schiff verlassen, wobei sich dann die weiteren Empfangsfeierlichfeiten abspielen werden. Bereits jetzt sind in Bremerhaven zahl= 3. R. 3 in der Heimat beiwohnen wollen. In den Schulen Bremerlofe Schauluftige eingetroffen, die der Begrüßung des Führers des havens wird an diesem Tage der Unterricht ausfallen. Ob Dr. Edener fofort nach Berlin fommen wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall wird der Deutsche Aero- Lloyd ein Dornier- Flugzeug nach Bremerhaven zur Verfügung Dr. Edeners entfenden, wenn es die von dem Anerbieten einer Weiterreise nach Berlin mit dem Flugzeug Gebrauch machen, dann wäre mit seinem Eintreffen im Flughafen Staaten bereits für die ersten Nachmit= tagsstunden des morgigen Montags zu rechnen. Jugenoveranstaltungen. Zur heutigen Theatervorstellung, nachmittags 3 Uhr, im Theater des Westens Kantstraße 033ed" von Georg Büchner, find noch Rarten im Theater zu haben. Abonnementsmarten werben gleichfalls noch ausgegeben. Die Plagverlofung muß um 43 Uhr beendet sein. *** Heute, Sonntag, den 23, November: Lichtenberg- Nord: Jugendheim Barlaue 10, 7 Uhr, Jaurès- Gebentfeier. Schöneberg 1: Jugendheim Rubens, Ede Hauptstr., abends Uhr, Licht= bildervortrag: Deutsche Landschaftsbilder. Südoft G.- B.: Besuch des Museums für Bau- und Verkehrswesen. Treffpunkt 9 Uhr Schleftfches Zor ( Normaluhr). Zur Wintersonnenwende findet die Vorbesprechung heute vormittag 10 Uhr in Schöneberg, Rubens, Ede Hauptstr., statt. Ane intereffierten Abteilungen find eingeladen. Morgen, Montag, den 24. November, abends 7½ Uhr: Friedenau. Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Vortrag: Was ist und was will der Sozialismus?" Hermsdorf. Jugendheim Roonstr. Vortrag: Arbeitsdienstpflicht." Karlshorst. Schule Augusta- Bittoria- Str. 35. BorRadtfultur". trag: Sport. Schluß im Reit- und Fahrturiner. ein im Sportpalast zum Austrag. Es waren sechs Hindernisse, Am Freitag nachmittag tam der Preis der Nationen 1,40 bis 1,60 Meter hoch, zu nehmen. Je drei Pferde ritten Hochenau für Deutschland, Rittmeister Czeh für Ungarn und Hauptmann Herrsche für die Schweiz. Die stärksten Nerven siegten, und Hauptmann Herrsche errang der Schweiz den Preis. Die Geschichte der sieghaften drei Pferde ist wie folgt. Der alte Wallach Ramuntscho ist in England geboren, er wurde in Deutschland gearbeitet und an den Schweizer E. R. Miville verkauft. Derselbe Besizer faufte Siegfried in Deutschland, während Hauptmann Herrsches fehlerfrei springender siebenjähriger Wallach Esperance" Schweizer Pferd ift. Deutschland belegte in der Konturrenz den weiten Plag. Am Sonnabend fand die lezte Nachmittags= veranstaltung im Sportpalast statt, bei der im Jagdspringen für Damenpferde Frau Riotte auf Treue 2 siegte, während im Herrensattel Frau T. Emers auf Harras den Sieg an sich brachte. In der Schulpferde dressurprüfung erschien als einziger Teilnehmer der alle Banther in der Bahn, der der Kavallerieschule in Hannover gehört. Das Pferd ging vorzüglich, obwohl es in den Borderbeinen schon verbraucht ist. Die ostpreußischen Hengste entfeffelten wieder wahre Beifallsstürme. Als das Deutschlandlieb erflang, gruppierte man Rappen, Schimmel, Fuchs, um auf diese Weise Schwarz- Weiß- Rot zu demonstrieren. Etwas anderes hätte man den Herrschaften ohnedies nicht zugetraut. MASSARY Delft Edel wie der Name Roa BLECH, EXTRA GROSSES FORMAT, 6-8 Roal Eine Zigarette von Rang MASSARY NEU, EXTRA GROSSES FORMAT, 5-8 thrud 290 MANTEL SOBALD NICHT WIEDERKEHRT! Diese drei Tage heißt's wahrnehment Das Höchste an Auswahl, das Niedrigste an Preisen charakterisiert diese einzigartige Veranstaltung Der Andrang wird gewaltig sein kommen Sie, wenn irgend möglich, in den Vormittagsstunden. am 24.25.26.Nov. EINE GELEGENHEIT DIE WinterMantel eus guler VeloursWare, mitschönem groß. 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( Uhland) Anläßlich der bevorstehenden Reichstagswahl ist es nicht uninteressant, einmal festzustellen, wie sich die wissenschaftlichen Rapazitäten der Deutschnationalen selbst über die Schutzzollpolitik der Deutschnationalen äußern. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß die wissen= schaftlichen Arbeiten Helfferichs selbst den deutschnationelen Führern anscheinend unbekannt geblieben sind und daß selbst Graf Westarp Helfferichs Buch über Handelspolitik und speziell das 9. Kapitel über die landwirtschaftlichen Zölle noch nicht einmal gelesen hat. Nachfolgend einige Auszüge C: 15 dem vorerwähnten Kapitel, das den Deutschnationalen, und zwar nicht nur den Führern, sondern ganz besonders auch den Wählern zur genauen Durchsicht bestens empfohlen werden muß: ,, Der Wert eines Grundstüdes muß sich nach seinem Ertrag 1ichten, nicht umgekehrt der Ertrag nach einem übertriebenen hohen Bodenwert." ,, Kann man dem Staat ernstlich zumuten, daß er durch seine Zollpolitik eine hinreichende Verzinsung dieses übertriebenen hohen Bedenwertes gewährleiste?" „ Das Mißverhältnis zwischen Bodenwert und Bodenertrag ist der Kern der Notlage der Landwirtschaft." Bon allen Zollerhöhungen, welche die Agrarier verlangen, stehen oben an die Getreidezölle." ... " Für die Industrie aber, namentlich soweit sie mit dem Auslande fonfurriert, kommt neben der absoluten Höhe der Ge. tre depreise sehr wesentlich das Verhältnis der Inlandspreise zu den Auslandspreisen in Betracht." " Zunächst ist an den Getreidezöllen nur ein Teil der sämtlichen Landwirte interessiert, namentlich diejenigen, die mehr Getreide produzieren, als fie in ihrer eigenen Wirtschaft verbrauchen." „ Man kann also sagen, daß drei Viertel aller landwirtschaftlichen Betriebe nicht an den Getreidezöllen intereffiert find." " Den Hauptvorteil von den Getreidezöllen haben die 25 000 Grundbesiger mit mehr als 100 ettar, aber auch ein Teil der durch Getreidezölle unmittelbar nicht berührten oder nur wenig betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe wird indirekt durch die Getreidezölle geschädigt, nämlich diejenigen Betriebe, deren Schwerpunkt in der Biehzucht liegt. Die große Masse der Bevölkerung ist in Einkommensverhältnissen, bei denen jede starke Erhöhung der Getreide- und Brotpreise den Ver. brauch von entbehrlicheren und teuereren Dingen einschränken muß. Je billiger das Brot, desto mehr kann die breite Masse der Bevölkerung vor allem an Fleischnahrung verbrauchen. Je höher de Brotpreise, desto mehr wird der inländische Fleischverbrauch ein geschränkt werden müssen, mit desto niedrigeren Fleischpreisen werden fich die Viehzüchter zufrieden geben müssen. In dieser Beziehung ist derjenige Teil der landwirtschaftlichen Betriebe, der vorwiegend Viehzucht treibt, geradezu an niedrigen Getreide preifen interessiert, doppelt interessiert an billigen Preisen für Futtermittel, die zugunsten des vorwiegend aderbautreibenden Teiles der Landwirte gleichfalls mit hohen Zöllen belastet werden sollen. Nun ist die Viehhaltung, wie die folgende Uebersicht zeigt, relativ am stärksten gerade bei den kleinen und mittleren Betrieben. Hier zeigt sich noch deutlicher als vorher, daß im allgemeinen nur die großen Besizer ein mehr scheinbares Interesse an einer Erhöhung der Getreidezölle haben." „ Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, muß der Gedante eines umfassenden, allen Broduktionsintereffen in gleicher Weise Rechnung tragenden 3011schautes als eine Illusion, um nicht zu fagen eine Täuschung erscheinen: und diese Wahrheit hat... ihre Bedeutung nicht nur fü: das Verhältnis von Landwirtschaft, Industrie und Handel, sondern auch für die einzelnen 3 weige der Landwirtschaft selbst." „ Nur der große Grundbesitz mit seiner Massenprobuftion von Getreide hätte erheblichen Vorteil von einem folchen System, der mittlere und kleinere Besiz, der die Geschäfte des Großbefizes besorgt, würde sich heute in der agrarischen Bewegung vielfach noch um die erhofften Borteile betrogen fehen." " ,, Nach den Erfahrungen, daß der Verkehrswert des Bodens stets der Erhöhung feines Reinertrages noch vorausgeeilt ist, muß man mit Sicherheit erwarten, daß die durch den gesteigerten 3011 schutz zu bewirkende Erhöhung der Reinerträge sich abermals äußern würde mindestens in einer entsprechenden, vielleicht in einer mehr als verhältnismäßigen Steigerung der Bodenpreise." Kurz, der Zoll würde zwar eine Art kapitalschenkung für die gegenwärtigen Befiher bedeuten, aber er würde die Lage der deutschen Landwirtschaft gerade durch die weitere Erhöhung der Bodenpreise nicht nur nicht verbessern, sondern direkt verschlechtern." „ Nun ist es eine feststehende Tatsache, daß im allgemeinen in den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung, in denen mehr an Fleisch, an Zucker usw. verbraucht wird, der Brotverbrauch geringer ift, als in den unteren Schichten, die mehr auf überwiegende Brot nahrung angewiefen sind. Ein 3oll auf Getreide trifft deshalb die ärmeren klassen nicht nur relatio starter, fondern auch mit einem absolut höheren Betrag als die günstiger gestellten Klaffen." " Damit ist vom fozialpolitischen Standpunkt aus das Urteil über die Wirkung der Getreidezölle gesprochen. Wir haben gesehen, daß die größten Grundbesiger den Hauptvorteil von den Getreidezöllen haben, und jetzt fehen wir, daß gerade die ärmsten lassen am meisten durch die Getreidezölle getroffen werden." " Daß die Grundbesitzer an Kauffraft ebensoviel gewinnen würden, wie die übrige Bevölkerung, wie wir jetzt festgestellt haben, hauptsächlich die Arbeiterbevölkerung, an Kauftraft einbüßt infolge der höheren Getreidepreise. In Wirklichkeit aber würde die Kauffraft des inneren Marktes nicht nur nicht steigen, sondern fogar eine ausgesprochene Abnahme erfahren müffen." Die Nahrung des industriellen Arbeiters ge. hörf mit zu den Produktionstosten der Industrie. Je höher die Preise der Nahrungsmittel, desto höher die industriellen Produktionstoften." Es ist eine befannie Tatsache, die durch einen vergleichenden BI'd auf die verschiedenen Länder bestätigt wird... Ein gewiffes Verhältnis besteht zwischen der Lohnhöhe und der Leistungsfähigkeit des Arbeiters, daß die Länder mit den höchsten Arbeitslöhnen auch die leistungsfähigsten Arbeiter haben und ein englischer Eisenbahnunternehmer, der in allen Weltfeilen Bahnen gebaut hat, hat dabei die Erfahrung gemacht, daß infolge dieses Verhältniffes der effettive 0 MANA E.L. OKOESTER „ Der dritte Mann im zweiten Glied der Kerl hat falschen Tritt." Preis der Arbeitsleistung eigentlich dort am niedrig-| der sittlichen und körperlichen Gesundheit großer ften war, wo er die höchsten Arbeitslöhne hat zahlen Voltsteile durch eben diese Entwidlung bedroht..., fehen, wie vielfach an Stelle der zähen Arbeit schlaffes Wohl. müffen." ,, Nach den Herren vom Bund der Landwirte hat Deutschland ja leben, an Stelle der strengen Sparsamkeit sinnlose Bereinen Zollfrieg mit Rußland, Desterreich- Ungarn, Amerika, England fchwendung und herausfordernder Luxus, an Stelle und einigen anderen Ländern durchaus nicht zu fürchten. Wer diese der Opferbereitschaft und Pflichterfüllung Begehrlichkeit und mutige Zuversicht nicht teilt, der wird als ein antinationaler Genußsucht." Gefelle und als ein Feigling, der sich vor dem Ausland fürchtet, gebrandmarkt. Es handelt sich hier aber nicht um Mut oder Furcht, sondern um die objektive Erwägung der Eventuali täten, zu denen eine Erhöhung der Getreidezölle führen kann und der Mut, mit dem man nicht feine eigene Haut, sondern eine fremde zu Markte trägt, der Mut, mit dem die Agrarier die Interessen und Existenzgrundlagen der Industrie und des Handels aufs Spiel setzen dieser Mutist eine billige Tugend, vor der der Himmel diejenigen bewahren möge, denen er die Leitung der Geschicke eines großen Staales anvertraut hat." großen massen, eine Zunahme der Auswanderung, eine leidensvolle Zurüddämmung der Bevölkerungs3 unahme, Eine Herabfeßung der Lebenshaltung " der das ist die Perspektive, die uns die Erfüllung der agrarischen Forderungen eröffnet. mit ihrer Behauptung, daß die deutsche Landwirtschaft bei aus: vielleicht möchten dann die Agrarier am letzten Ende recht behalten reichend hohen Preisen imstande sei, den deutschen Nahrungsbedarf ausschließlich zu versorgen; aber nicht weil dann die deutsche Landwirtschaft entsprechend mehr produziert, sondern weil die deutsche Bevölkerung weniger fonfumiert, weil sie in ihrer Zahl herabgedrückt und auf schmale Rationen gesetzt wird." Bergleicht man diese wissenschaftlich begründeten Ausführungen des späteren Führers der Deutschhnationalen, Helfferich, mit der Schutzzollforderung der Deutschnationalen Boltspartei, so sieht man, daß diese Forderungen nicht im Interesse des Volkes liegen, daß ferner die Schutzzollforderung eine nationale Gefahr bedeutet und zu einem Ruin des Industriestaates Deutschland führen muß und somit die Deutschnationale Volkspartei weder deutsch, noch national, noch eine Bolkspartei ist. Helfferich würde heute von seinen Parteifreunden, wie die ehemalige wissenschaftliche Stüße der Konservativen, die alte Exzellenz Adolf Wagner, unweigerlich ausgepfiffen werden, da für die Deutschnationalen bzw. die Konservativen nicht die wissenschaftliche Begründung, sondern das taktische Verhalten ihrer Führer maßgebend ist. Dieses Schicksal hat Helfferich vor vielen Jahren geahnt, indem er, wie bereits oben erwähnt, fagt: Wer den Bund der Landwirte nicht unterſtüßt, sondern ihn wissenschaftlich und fachlich zu widerlegen versucht, wird ols ein antinationaler Geselle geschmäht und als ein Feigling gesellschaftlich geächtet. Diese Kampfesweise der Deutschnationalen, die der Profeffor Helfferich seinerzeit bekämpft hat, ist unverändert geblieben, und es ist dem deutschnationalen Führer Helfferich nicht gelungen, die Moral der Kampfesweise seiner Parteifreunde auf eine höhere Stufe zu heben. Die Leitung der Deutschnationalen Volkspartei ist fonservativ und lediglich eine Interessenvertretung des Bundes der Landwirte bzw. der Großgrundbesizer. Nicht das Wohl der deutschen Nation und nicht das deutsche Volt, sondern die Stärkung des eigenen Geldbeutels ist das einzigste Biel diefer Partei, die nach Helfferich die Reichen reicher und die Armen ärmer macht. In Erkenntnis dieser Tatsache hat Helfferich im Jahre 1913 zum Jubiläum Kaiser Wilhelms II. warnend seine Stimme erhoben. In einem Beitrag zu dem Jubiläumswerte„ Soziale Kultur und Volkswohlfahrt während der ersten 25 Regierungsjahre Kaiser Wilhelms II." schreibt Helffe rich in seinem Schlußwort: Die Masse der Wähler der Deutschnationalen Volkspartei, - Beamten, Offi die sich größtenteils aus dem Mittelstande ziere und dergleichen- rekrutieren und in den letzten Jahren in rapider Weise ihr sauer erspartes Vermögen dahinschwinden sahen und ohne Zweifel guten Willens find, an dem Wiederaufbau Deutschlands ernstlich mitzuarbeiten, haben noch immer nicht erkannt, daß sie lediglich das Werkzeug derer find, die sie an den Rand des Elends geführt haben und sie restlos in die Verelendung stoßen. Hunger Unterernährung, schlechte Kleidung und ungesunde Wohnungsverhältnisse, Tuberkulose und Epidemien find die absoluten Folgen der Schutzzollpolitik, die nur wenigen Großagrariern die Möglichkeit gibt, in großen Schlössern zu wohnen und zu schwelgen, sich erotische Fürsten einzuladen und auf Jagden sich zu ergötzen, während gleichzeitig ernährung verstorbenen Kinder steht. die Masse der deutschnationalen Wähler an den Gräbernihrer an Tuberkulose und UnterWirths Kampfruf für die Republik. Aus der Reichsbanner- Zeitung". Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold läßt soeben die erste Summer einer„ Illustrierten Reichsbaanner- Zeitung" erscheinen. Das ungemein reichhaltige und vortrefflich illustrierte Wochenblatt bringt u. a. folgenden Leitspruch des früheren Reichskanzlers Dr. Wir th: Die letzten Wochen und Monate führten mich ins deutsc Land. Der deutsche Volksstaat, die Republit ist in den Herzen unseres Boltes verandert. Mein mutiges Bekenntnis:„ Ich bin Republikaner" löfte immer tiefste Zustim= mung aus. Das Bolt will ein flares Bekenntnis und eine bestimmte Richtung des Fühlens und Denfens über den Volksstaat. Er soll ein Staat und eine Staatsform fein, die soziale Gerechtigkeit und politische Freiheit allen Gewalten zum Trog verwirklichen wollen. Widerstände sind da! Mit Mut und Ausdauer und aufrichtiger, durch nichts beirrbarer Ueberzeugnua tommen wir vorwärts! So spricht ein Mana! Anders ein Stresemann! Meister der Phrase. Für wielange gilt bei Stresemann die Republik? In der Hilfe" lesen wir folgende bezeichnende Geschichte: erklärt, er sei der Meinung, daß die Deutsche Volkspartei für vorläufig unabsehbare Zeit auf dem Boden der Republik Herr Stresemann hat in Dessau am 6. November 1924 stehen würde. Diese Aeußerung hat eine amüsante Borgeschichte. Als Herr Stresemann im vorigen Jahr zur Regierungsbildung zusammen mit den Sozialdemokraten berufen wurde, wollte er in der Regierungserklärung angeben, daß die Republik für abseh. bare 3eit die einzig mögliche Staatsform fei. Das genügte den Sozialdemokraten nicht, und so erflärte er sich statt dessen mit einer leichten Handbewegung damit einverstanden, die Republik für un absehbare 3eit als die einzig mögliche Staatsform zu be zeichnen. Heute, unter dem Zeichen der Rechtsschwentung gibt es eine dritte neue Nüance; denn heute erklärt er sich für„ vorläufig" un absehbare Zeit als Republikaner. In der Tat, Herr Strefe man würde in einer Rechtsregierung ein fester Schützer der Republik gegen deutschnationale Attentate sein." Während unsere Nation als Ganzes in wirtschaftlicher Krafts Herr Stresemann ist ein Meister der Phrase. Eure Rede sei entfaltung das höchste leistet, sehen wir die Grundlagen ja, ja, nein, nein, mas barüber if, it pom- Siresemann. Die Republik ist in der größten Gefahr! Die Deutschnationalen im Wahlkampf. Wie ihr Rüstzeug" aussieht. Unter der Sammelüberschrift Deutschnationales Rüstzeug" vers breitet die Deutschnationale Partei eine Reihe von Schriften, die vertraulich sind und den deutschnationalen Agitationsrednern ais Material dienen sollen. Eine dieser Schriften behandelt die wichtig. sten Fragen, mit denen es die Deutschnationalen im Wahlkampf zu tum haben: Die Abstimmung vom 29. August, den Führerwechsel bei den Deutschnationalen, das Verhältnis der Deutschnationalen zu anderen Parteien. Zu den beiden ersten Punkten enthält die Schrift die üblichen parteioffiziellen Beschönigungen des schändlichen Stimm handels der Deutschnationalen am 29. August durch die deutschnationale Breffe. Die Ja- Sager haben recht gehabt, die Nein- Sager haben recht gehabt, die Ja- Sager haben zum Heile des Baterlandes gehandelt und die Rein- Sager auch. Es ist also 50prozentig alles in Ord: nung. Nur merden die deutschnationalen Agitatoren mit dieser Methode in ihren Versammlungen wenig Erfolg haben nicht cinmal bei gefinnungstüchtigen deutschnationalen Mitgliedern. Die Schmach der Deutschynationalen vom 29. August löscht feine Beschönigungsbroschüre aus. Etwas intereffanter find schon die taftischen Richtlinien, die den deutschnationalen Agitatoren gegenüber den anderen Parteien für den Wahlkampf gegeben werden. Da heißt es: „ Schärffter Kampf nach links, einschließlich Ebert; 3entrum und Demokraten find als Mitläufer der Sozialdemokraten zu bezeichnen und zu behandeln. nicht grundsäßlich das gesamte Zentrum befämpfen, sondern Angriff gegen Birth flügel richten, der das Erbe Erg bergers angetreten hat. Reizen Kampf gegen die Deutsche Wolfspartei, versuchen mit ihr Burgfrieden zu halten, ohne aber leise zu treten. Wo Entgleisungen seitens der Bolfspartei vorkommen, oder Angriffe gegen uns erfolgen( zum Beispiel Kritik Stresemanns in der Rede vom 26. Oftober 1924 in Mühlhausen) haben mir selbstverständlich die Pflicht, uns zur Wehr ze setzen, ohne aber den Grundpedanten biefes Wahlkampfes aufer acht zu lasten, unter allen Umständen eine schwarzweißrote Mehrheit zu erreichen und hierzu gehören die Deutsche Volkspartei und der rechte Flügel des Zentrums." Der Kampf der Deutschnationalen geht also um die Parole Bürgerblod oder Sozialdemokratie. Sie hofften in diefem Wahlkampf einen Reil in die Mittelparteien treiben zu können wae fich Teile diefer Parteien ebenso dienstbar zu machen wie die willfährige Deutsche Bolkspartei. Diese tattischen Richtlinien haben den Deutschnationalen freilich wenig genug genutzt. Für fie haben den Deutsónationalen freilich wenig genug genugt. Für sie ist im Wohlkampf nicht die Frage brennend: wem und mie greifen mir am besten an, sondern die Frage: wie verteidigen wir uns fo gut und so schlecht es noch möglich ist, da die deutschnationale Niederlage doch unvermeidlich ist. Schwarzweißrote Kommunisten. Die„ Driesener Zeitung" vom 5. November 1924 bringt aus der Feder ihres deutschnationalen Berichterstatters einen langen Bericht über eine„ Deutschrationale Wählerversammlung", in der der Peutschnationale Reichstagsabgeordnete Schulze- Frankfurt a. b. D. ferte. In dem Bericht heißt es: bils wenn es den Meuchelmördern von rechts nebst ihren Verbündeten, den Kommunisten, gelingen sollte, wieder eine große Stimmenzahl auf ihre Randidaten zu vereinigen. Schwere Kämpfe toben deshalb in allen Kreisen und Bezirken, um zu verhindern, daß die Wähler erneut belogen und betrogen werden. Diese Kämpfe können von uns nur wirksam geführt werden, wenn wir die gehörige finanzielle Unterstützung finden. Freiwillige Beiträge für den Wahlfonds sende man deshalb an Postscheck. fonto 48743 Alex Pagels, Berlin SW, Lindenstraße 3 Aber bitte, das ist denn doch ein förmlicher Kladderadatsch an Logit! Die politischen Betteln findet der Kladderadatsch" in seiner Nähe. Wenn er nicht Bescheid weiß, dann mag er sich doch bei den Bölkischen darüber informieren lassen, wo die Käuflichen und die Getaufen figen, die ihre Gesinnung wie ein Hemd wechseln, denen die heiligste Ueberzeugung für Geld feil ist. Wenn der„ Kladderadatsch nicht weiß, wo die dredigen Hände sind, dann mag er fich doch einmal bei Herrn v. Remniß, dem deutschen Reichs togsabgeordneten, erfundigen, der am 28. Auguft in einem Anfall von Mut furz vor dem Umfall schrieb, er werde den neuer Paft von London verwerfen. Ich will reine Hände behalten, ich will nicht mitschuldig werden an dem Zusammenbruch unseres Vaterlandes." So deklamierte er in der Frankfurter„ Oder- Zeitung" am 28. August und tags darauf stimmte er mit„ Ja“. Es gibt keine Partei mit reineren Händen" als die Deutsch nationalen, die Partei des„ Kladderadatsch". Die Reichstagswahlen werden ihm zeigen, wie sehr sich die deutschen Wähler beeilen, der Partei mit den reinen Händen" die Hand zu geben. Wie die Kommunisten lügen. # ,, Nur die Kommunisten hörten unsere Wünsche an!" In der Roten Fahne" vom 15, November wurde eine Notiz veröffentlicht, nach der eine Deputation des 3entralverban des der Invaliden, Ortsgruppe Chemniz, im Reichstage bei den einzelnen Fraktionen vorsprad), um ihre Wünsche vorzutragen. Der Vorsitzende des Verbandes, 31 cho ch, habe in einer Rentnernerfammlung über das Ergebnis der Berhandlungen berichtet und tabei betont, daß Genosse Löbe thnen erklärt habe, er habe keine 3eit, fie möchten ihre Wünsche schriftlich einreichen. Bertreter der tommunistischen Frattion hätten aber mit der Deputation verhandelt. Der Hauptvorstand des Zentralverbandes der Invaliden sandle der Roten Fahne" folgende Berichtigung: 1. Einen Ortsgruppenvorsitzenden des Zentralverbandes in Chemniz gibt es nicht. Bielmehr handelt es sich in diesem Falle um den Borsigenden Zichoch der lofalen Sozialrentner- Bereinigung Chemniz. 2. Alle Verhandlungen des Zentralverbandes im Reichstage und bei Reichs- und Landesbehörden werden durch den Hauptvorstand des Zentralverbandes der Invaliden und Witwen geführt. Die„ Rote Fahne" lehnt es bis heute ab, diese Berichtigung zu bringen. Solche wahrheitsgemäßen Angaben kann die„ Rote Fahme" nicht gebrauchen, weil durch die Veröffentlichung solcher Berichtigungen der 3wed vereitelt wird, der Sozialdemokratie eins auszu wifchen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat bei allen fozialpolitischen Beratungen Vertreter des Hauptvorstandes des Invalidenverbandes zu Rate gezogen. Das wird fie auch ferner hin tun im Gegensatz zur tommunistischen Reichstagsfraktion, die nie das Bedürfnis gehabt hat, mit den Interessentenorganisationen " In der Aussprache meldete sich ein aus Berlin verschriebener Rommunistenführer, der so nationale Töne anschlug, daß man ihn für einen verfappten Deutsch nationalen halten fonnte. Auch der zweite Diskussionsredner, eine Frau aus Driesen, die sich als Rommunist in bekannte und sich als Mutter gegen die Jugenderziehung wandte, schlug in die gleiche Rerbe wie ihr Berliner Genoiſe. Der britte Rebner, Simon- Friedeberg, wies auf die Gegenfäße in den Ausführungen der Borrebner und die Betätigung im Reichs- und Landtage hin und sat um die Anschriften beider, um ihnen einen Aufnahmeschein in der zu verhandeln. Deutsch nationalen offspartei zusenden zu können, denn hier gehörten beide nach ihren Ausführungen hin." So sieht die Kommunistische Partei aus. Eie hilft den Deutschnationalen nicht nur im Parlament, sondern auch im Wahlkampf. Betrogene Sparer, wehrt Euch! So redet der Hypothefengläubiger- und Sparerschutzverband den Inflationsopfern zu. Dann empfiehlt er ihnen deutschna tional zu wählen. Wer hat die Sparer betrogen: Die Inflation. Wer hat die Inflation bewußt gewollt und gefördert? Der, der Interesse daran hatte, das war die Großindustrie. Sie hat an der Inflation verdient. Wer waren ihre politischen Vorfämpfer? Helfferich und Stinnes, Deutsch nationale und Deutsche Boltspartei! Wer hat die Sparer betrogen? Deutschnationale, Deutsche Bolkspartei. Betrogene Sparer, wehrt Euch, schickt diese Parteien, die Rußnießer der Inflation, am 7. Dezember zum Teufel. " Arbeiter, laß dich nicht verführen!" Die Partei der reinen Hände. Der„ Kladderadatsch", das berüchtigte geift- und wißlose nationalistische Bigblatt, bringt ein Bild, wo ein Arbeiter frühmorgens auf dem Wege zur Fabrit an einer„ Roten Laterne" vorübertommt, in deren Haustür eine Bettel steht, die ihn hereinzulocken nerfucht. Unterschrift des Bildes: Arbeiter, laß dich nicht verführen!" " Kommunist für das Reichsbanner. Vor einigen Tagen sprach in einer sozialdemokratischen Wählerversammlung in Teltow ein fommunistischer Diskussionsredner. Als dieser sich eine besonders grobe Tatsachenentstellung leistete, rebellierten die meisten Anwesenden durch laute Zwischenrufe. Da schrie der Kommunist:„ Ich möchte doch das Reichsbanner dringend bitten, für Ruhe und Ordnung zu sorgen!" Daß sogar Kommunisten die Dienste des Reichsbanners Nollet" dieses infame Wort wurde bekanntlich zuerst von der„ Roten Fahne" geprägt und von der Rechtspresse übernommen in Anspruch nehmen, wenn sie sich in der Diskussion Gehör verschaffen wollen, zeugt nur von der hohen Achtung, die unsere republikanische Schukorganisation auch ihren einflößt. Die einige große Rechte. Nationalsozialisten über Deutschnationale. Wulle am 10. November 1924:„ Die Partei des täglichsten Wahlbetruges. Für versprochene Ministersize haben sie das Land verraten." Dr. von Bremer am 11. November 1924: Deutschnationale und Juben find gleich schlimm." Bulle am 13. November 1924:„ Die Deutschynationalen find pflaumenweich." Stöhr am 14. November 1924:„ Sie stecken mit der jüdischen Hochfinanz unter einer Dede." Deutschnationale für Kommunisten. In einem Dorfe des Kreises Osthavelland, dort, wo bie Raubritter feligen Angedentens noch ihre Burgen haben, fand am Sonntag eine Versammlung der Deutschnationalen statt. Der Redner des Abends, Major a, D. Anfer, hatte seine Rede beendet, der Diskussionsredner unserer Partei die Anwürfe gegen die SPD. zurückgewiesen, da trat ein Kommunist in die Arena. Kein Wort fiel gegen die Deutschnationalen. Um so schärfer wandte er sich gegen die SPD., die schuld am Kriege und an Deutschlands Elend fei. Schmunzelnd hörten die Bauern die Botschaft und der Herr Major fagte in seinem Schlußwort wörtlich: ,, Meine Damen und Herren! Mit Freude fann ich feststellen, daß wir von der Deutschnationalen Volkspartei und die Kommu nistische Partei vollständig einig sind. Ich möchte Ihnen des. halb den Rat geben, am 7. Dezember entweder deutschnational ober fommunistisch zu wählen, und ich glaube zum fommunistischen Redner gewandt, Herr Ph., wir werden uns beide noch in einer Partei treffen." Auch wir glauben das; denn erst auf unsere Frage an die Kommunisten, ob sie sich nicht schämten, so von den Deutschnationalen gelobt zu werden, wagte es der kommunistische Redner, dagegen zu protestieren. Schwarzweißrote Studentenpolitik. Parteien Wahlhilfe zu leisten. Ihre Wahlparolen sind von rührender Die deutschnationalen Studenten bemühen sich, den reaffionären Naivität: " Fort mit dem ungetrönten König von Preußen, dem absolutistischen Tyrannen Severing! Fort mit dem Terror derer um Wirth! Bereitet den Weg für einen völtisch nationalen Reichspräsidenten!" Severing Rönig von Preußen, absolutistischer Tyrann? Sollte nicht eine kleine Verwechslung mit dem verstorbenen Herrn von Hendebrand vorliegen? Terror derer um Wirth das von den Kreisen, in denen die Mordluft gegen republitanische Staatsmänner umgeht? Zum Schluß: Ludendorff als Reichspräsident? Oder etwa Herr Don Tirpit? Ist es nicht zu schade um die Balten des deutschen Bauses? Bodenreform, Reichs- und Landtagswahl. Der Bund Deutscher Bodenreformer ist parteipolitisch selbst neutral. Er hat auch be schloffen, von der Aufstellung eigener Kandidaten für die bevorstehenden Reichs- und Landtagswahlen abzusehen, jedoch seinen Mitgliedern nahezulegen, nur solchen Kandidaten ihre Stimme zu geben, die für eine fonfequente Boden reform, insbesondere aber dafür einzutreten gewillt sind, daß das vom Ständigen Beirat für Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsministerium entworfene Bodenreformgefet bal digst vom Reichstage ongenommen werde. Aus der Partei. Genoffe Dr. Heinrich Braun begeht heute feinen 70. Geburts tag. In Jugendzeiten unserer Bewegung, als diese unter den stärksten Verfolgungen litt, war er einer der ersten Intellektuellen, die sich ihr anschlossen. Unter dem Sozialistengesetz war er Delegierter auf dem Parteitag von St. Gallen in der Schweiz im Jahre 1888. Als Rebatteur verschiedener sozialpolitischer Zeitschriften, die gierter auf dem Parteitag von St. Gallen in der Schweiz im Jahre dem Fortschritt der Arbeiterschutzgesetzgebung tatkräftig dienten und die besten wissenschaftlichen Kräfte der Sache dienstbar machten, hat Jahre 1903 als Vertreter von Frankfurt a. b. D. dem Reichstag an. Doch mehr noch als durch Hervortreten in der breifen Deffentlichkeit hat Genoffe Dr. Braun im stillen gewirkt. Er stand, in enger verwandtschaftlicher Beziehung, inmitten eines Kreises, der ein geistiges Energiezentrum der Partei darstellte. Viktor Adler war sein Schwager, Lily Braun feine Gattin, Adolf Braun ist sein Bruder. Sein Sohn, der glänzend begabte Otto Braun, gehörte zu den stärksten Hoffnungen, die der Krieg vorzeitig vernichtet hat. Inmitten dieses Kreises, und weit über ihn hinaus, wirkte Genosse Dr. Braun als Anreger und Förderer. Geistige Kräfte der Parteizu gewinnen, sie zu erhalten und anzuspornen war ihm stets die liebste Aufgabe. Bon der politischen Tätigkeit zurückgezogen, nimmt er doch an den Schicksalen der Partei, der er von früher Jugend an gedient hat, lebhaften Anteil. Und so wird ihm der Sieg, den wir am 7. Dezember zu erringen hoffen, ein etwas verspätetes, aber desto willkommeneres Geburtstagsgeschenk sein Martin Schulz gestorben. Wie uns aus Baris geschrieben wird, ist dort am 18. November Genosse Martin Schulz im Alter von 66 Jahren gestorben. Schulz ist in jungen Jahren nach Frankreich ausgewandert, wo er bis zum Dornehmlich im Kriegsausbruch Deutschen Sozial. Demokratischen Leseklub tätig gewesen ist und auch wäh rend des Krieges ein getreuer Sachwalker des Vermögens des Klubs blieb, dessen Eigentum auf seinen Namen eingetragen war. Schulz, ein geboreier Medlent urger, war ein zuverlässiger und bescheidener Genosse, der der Partei besonders während des Sozialistengesetzes wertvolle Dienste geleistet hat Alle Genossen, die für fürzere oder längere Zeit sich in Paris aufgehalten haben, werden sich mit Dant barfeit feiner erinnern. K LINON KALODONT urch Kalodont wurde vor 38 Jahren die rationelle Zahnpflege begründet Filmschau. Die Filme der Woche. ein Panorama von Sensationen Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. aufmerksam gemacht und ersucht, sich rege zu beteiligen. Die Kreisleiterinnen werden dringend ersucht, die Billetts von der Beranstaltung am 20. November abzurechnen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin: Die Teilnehmer des Helferfurfus treffen fich Montag, den 24. November, zur Besichtigung der Mädchen- Fürsorge- Erziehungsanstalt in Zeltom, pünktlich 34 Uhr an der Endstation der Straßenbahnlinie 177, Lichterfelde- Süd. Interessierte Genossen sind eingeladen. Post- Abonnenten Ist der Spielfilm bloß ein Bilderbogen grobschlächtiger Vorgänge, ober vermag er auch Seelenmalerei Sonntag, den 30. November, findet allgemeine Flugblattverbrei zu treiben? Die sechs Afte nach des Russen Dymow ganz aufs Psychische gestellten Dramas Nju( Uraufführung gleichzeitig in der AI- fung statt. Alle Genoffinnen und Genossen werden schon jetzt darauf hambra und in den O 3 wald- Lichtspielen) geben wenn es beren noch bedürfte die Antwort darauf. Die äußeren Vorgänge sind bürftig, die seelische Entwicklung ist alles. Das scheinbare Glück einer jungen Ghe wird plößlich erschüttert. Die zarte, feinfühlige Frau, innerlich schon längst erfaltet, in dem Zusammenleben mit dem derben, gutmütigen Geschäftsmann, hat plötzlich ihr entscheidendes Liebeserlebnis. Der Dichter fasziniert sie, und unaufhaltsam stürzt sie in ihr Schicksal, obwohl der Mann abwechselnd Gewalt und Güte aufwendet, um sie zu halten, obwohl der ihre Leidenschaft auslösende Mann seinen Egoismus( des an allem Vorübergehenden) nicht verheimlicht. Der Bruch erfolgt, aber ebenso rasch die große Enttäuschung. Sie suchte die große Liebe und war für den Eroberer und Seelenabenteurer nur eine Episode. So muß sie mit dem Leben zahlen Der Regisseur Paul Ezinner hat nichts getan, um die Borgänge zu vergröbern oder durch Zutaten zu erweitern. Alles ist auf das Spiel der drei Menschen gestellt. Der joviale, vollsaftige, findlich verliebte, aber ganz undifferenzierte Ehemann ist Jannings, ber seiner Filmgalerie eine neue Brachtfigur einverleibt. Eine Augenweide, diesen Kerl zu sehen, diesen Bär, der eine Eidechfe liebt. Elisabeth Bergner, als Schauspielerin bereits der Gipfel, ist im Film noch Neuling. Es hieße übertreiben, sie schon eine große Filmbarstellerin zu nennen. Aber eine Seelenfünstlerin war sie auch im Film. Das Gebrechliche, Lebensfremde, aber auch die große Sehnsucht nach dem Lebenerfüllenden und das hilflose Versinken in das Nichts bas gab sie wie durch einen Schleier. Eine hochgezüchtete Blüte, die dem ersten Windstoß erliegt. ,, Er" war Conrad Veidt, falt, überlegen und doch nicht blendend, mußte er die Zuschauer enttäuschen, weil er ja in Wirklichkeit nur eine Vision, nur ein Auslöser für die unverstandene Frau ist, die immer unverstanden bleiben wird. Welch ein weiter Weg von diesem Nervenfilm zu der Robustheit und Trivialität des neuen Rin- Tin- Tin- Filmes( fa- Palast am 300). Aber gemach, dieser Hund hat auch Seele. Er ist der treueste, wachsamste und flügste Kamerad feines Herrn, den er im Schüßengraben bas Leben gerettet hat und in diesen Abenteuern bes amerikanischen wilden Westens aus allen Gefährnissen befreit. Die Handlung ist viel zu ausgedehnt, und die Menschen sind ziemlich gleichgültig. Nur der Hund interessiert, selbst wenn er kein deutscher Hund sein sollte.( Es wird aber überflüssigerweise betont, er wäre ein deutscher Schäferhund). Interessant war es übrigens zu sehen, wie schlecht auch das freie Amerika seine Kriegsteilnehmer belohnt. d. Jadies Konkurrenz. Was für uns Kitsch ist, bebentet den Amerikanern Erlebnis. Darum ist es bemerkenswert, wenn ein für unsere Be griffe einigermaßen angängiger Film zu uns kommt. ,, My Darling" ( Primus Palast) ist ansprechend, weil Baby Peggy die HauptTolle spielt. Der Inhalt ist genau so gestaltet, wie all die Jadie- Großfilme und mehrere Peggy- Einafter die von den rührseligen Erlebnissen cines verstoßenen Kindes erzählen, dem es zum Schluß gut geht. Baby Peggy ist wirklich nicht schön, aber die Kleine hat bant ihres Stumpfnäschens, ihrer pechschwarzen Haare und ihrer großen, Teuchtenden Augen ein ganz vorzügliches Filmgesicht. Dieses amerikanische Wunderkind hat dem Aussehen nach einen japanischen Anstrich. Gerade das Fremdländische hat aber einen eigenartigen Reiz, und wenn Baby lacht, sich wunbert, weint oder traurig ist, dann ist groß und flein entzückt. Dem Regisseur King Bagott gebührt Lob, denn während des ganzen Filmes durfte Peggy Kind sein. In Windstärke 9"( Tauenhien- Pala ft) führt Reinhold Schünzel die Regie, und niemand ist unzufriedener mit dem Film als Reinhold Schünzel. Er beflagt sich bitter darüber, daß eine fleißige Scherenarbeit bem Film alle Feinheiten genommen habe. Grob ist der Film, ohne Zweifel, in einigen Prügeleiszenen sogar unappetitlich. Die reiche Erbin soll einen ungeliebten Mann heiraten, der, um das Mitleid der Zuschauer für sie zu weden, auch noch ein Schuft ist. Dennoch bekommt sie den Auserwählten ihres Herzens. Um das zu ermög lichen, find freilich allerlei inhaltliche, filmtechnische und tertliche Wunder nötig. Alvin Neuß, Albert Bennefeld und Maria Kamrabet spielen bie Hauptrollen. Der letteren wird es schtver fallen, ein Filmstar zu wer den. Die Photographen leisteten eine anerkennenswerte Arbeit. Auge wird durch prächtige Aufnahmen aus dem Süden nahezu verwöhnt, auch an gufen See-, Schiffs- und Nachtaufnahmen hat es sein Entzücken. Alles in allem ist der Film aber nur eine Sensation für Naive. e. b. Das Oliver Twist im Film. Noch bei keinem Jadie- Coogan- Film hat mich das beklemmende Gefühl verlassen, daß nur ein so hochkapitalistisches Land wie die Vereinigten Staaten mit seiner tiefen Abneigung gegen foziale Maßnahmen den habgierigen Eltern dieses erstaunlichen Kinbes erlaubt, ihm vor der Zeit die Harmlosigkeit der Jugend und die Ausfichten eines reifen Künstlerdaseins zu rauben. In dem Oliver- TwistFilm findet dieser Schrei nach dem Künstlerkinderschutz seinen geradezu vollkommenen Ausbrud, wenn auch sicherlich von den Urhebern des Films nicht gewollt. Wenn der reizende fleine Mann mit seinen ausdrucksvollen dunklen Augen, die so ergreifend lachen und weinen fönnen, aus bem Armenhaus in die Leichenbitterstube, von da in die Schlupfwinkel ber büfterften Verbrecherwelt gestoßen wird, dann muß jeder denkende Zuschauer mit sozialem Verantwortungsgefühl ben beißen Wunsch haben, daß ein Kind, das man so jung durch alle Höllen der Seele mutwillig jagt, einen Mr. Brownlow finden möge, der es schließlich gütig wie dieser von seinen Peinigern befreit und ihm die Freiheit einer glüdlichen Der Film selbst ist düfter wie der Roman von Jugendzeit erobert. Dickens und stellt an die Nerven des Zuschauers starte Anforderungen; aber er ist straff und wirkungsvoll burchkomponiert und zeigt deutlich die foziale Tendenz des Dichters. Der Vorzug dieses Filmwerts besteht nicht nur darin, daß der Wille des Publikums zur Bekämpfung falscher Armen- und Jugendfürsorge gestärkt wird, sondern auch in der Erkenntnis, daß die Darstellung von Schmuß und Verbrechen statt als Anreiz Wenn nur der fleine ouch zur Abschredung verwendet werden fann. Jadie mit seinem unvergeßlichen Leichenbitterzylinder zum Dank für die schönen Stunden, die er uns verschafft hat, etwas Muße und Sonne in feine Kindheit beläme. Mit großen Tebbys und Bällen kann man die Schäden so anstrengender Filmarbeit in diesem Lebensalter nicht ausf. h. c. bessern. Durch Güte Preiswürdigke feit Jahren bekarne Winter Paletot. und Ulsterstoffe, Neuheiten. von 8.50 M. an Velours de laine( Affenhaut), schwere Qual., Damenmäntel v. 7.20 M. an Mef Stoffe . Tuchhaus ME- Freitag Molkenmarkt 14 Molkenstraße. IF Bitte genau auf Eingang Nr. 14 zu achten! STÜCK LIKŐRE Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1923: 13000 Badegaste. D amit die regelmäßige Zustellung des „ Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebfame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. 5. Kreis Friedrichshain: Montag, den 24. November, 7% Uhr, bei Rofin, Gubener Str. 19, Streisvorstandssigung mit dem Abteilungsleiter. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung pünktliches Erscheinen. 7. Kreis Charlottenburg: Montag, abends pünktlich 7½ Uhr, wichtige Sigung der Fraktion im Sizungszimmer 1. 14. Kreis Neukölln: Freie Schulgemeinde. Dienstag, den 25. Rovember, 7½Uhr, im Kaifer- Friedrich- Realgymnafium, Kaiser- Friedrich-. 210. Versammlung. Referent: Gen. Dr. Karsen Das Erziehungswesen in England". Freunde und Gönner willkommen. 15. Kreis. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltet beute nachmittag 2 Uhr auf dem Friedhof in Baumschulenweg eine Kriegsgefallenen Gedenkfeier. Ansprache hält Pfarrer Bleier. Die Genoffen und Genoffinnen werden ersucht bollzählig zu erscheinen. 17. Kreis Lichtenberg. Montag, den 24. November. 7½ Ubr, Vortrag der ,, Freien Schulgemeinde" in der Aula der Mittelschule, Marktstr. Vortrag des Gen. Dr. Strefelmeier: Seguelle Aufklärung in der Schule oder nicht". Gäste willkommen. 19. Kreis Pantow. Montag, den 24. November, abends 6% Uhr, Fraktionsfizung mit den Bürgerdeputierten im Rathaus. 20. Areis Reinickendorf. Die Abteilungsleiter werden gebeten Lindenstr. 3 Flugblätter und Plakate abzuholen( 3 Tr., Jugendheim, 2. Sof). Dienstag, den 25. November, 7½ Uhr, Lokal Ramlow, Reinidendorf- Oft, Schönholz, öffentliche Wählerversammlung. Referent: Gen. Dr. Löwenstein. Heute, Sonntag, den 23. November: 24. Abt. Wegen der Vorstandsfizung mit den Gruppenführern und der Erfrankung des Genossen Drews findet der Bahlabend der 2. Gruppe sväter statt. 77. Abt. Schöneberg. Schreibgewandte Genoffen treffen fich früh 8 Uhr und an den Wochentagen von 4 Uhr ab im, Neuen Rathaus, Zimmer 139, zum Abschreiben der Wählerlisten.. Morgen, Montag, den 24. november: 5. Abt. Die Genossen treffen fich Montag, abends 10 Uhr. bei Mathai, Linienstr., Lokal. 8. Abt. 6 Uhr Handzettelverbreitung bon Ridert, Steinmeßftr. 86a, aus, 9. Abt. 7 Uhr bei Hübner, Wilsnader Str. 34, Funktionärsizung. 10. Abt. 7 Uhr Funktionärsizung bei Trümver, Flensburger Str. 3. 11. Abt. 7% Uhr Funktionärtonferens bei Berger, Levehow, Ede Jagowofit. Tagesordnung: Wahlarbeit. 22. Abt. 7% Sigung der Bezirksführer und Betriebsvertrauensleute bei Rabzab, Brüsseler, Ede Antwerpener Str. 38. Abt. Sigung der Weihnachtskommission 8 Uhr bei Döring. Landsberger Allee 157-158. 42. Abt. 7 Uhr bei Wiersdorf, Urbanftr. 6. Funktionärfonferent. 70. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr, Neftaurant Kroib, Holsteinische Str. 60. Erweiterte Borstandssizung. 1. Besprechung der Wahlarbeiten. Besonders die Wahlhelfer müssen erscheinen. 85. Abt. Tempelhof. 8 1hr engere Borstandsfizung mit der Agitationstommission in der Linde", Friedrich- Karl, Ede Werderstr. 97. Abt. Neukölln. 7 Uhr beim Genossen Rohr, Siegfriedstr. 28-29, wichtige Funktionärigung. 102. Abt. Baumschulenweg. Montag, den 24. November, abends 7% thr. Außerordentlich wichtige Funktionärkonferenz in Lofal von Sab, NaumSchulenstr. 72. Die Funktionäre laden ihre Mitglieder zur Mitarbeit ein. 119. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr bei Siele, mouendorfstr. 43. Versammlung der Funktionäre fowie der Wahlhelfer zweds Einteilung der Wahlarbeit. Die Artciterjugend ist eingeladen. Bernau. 7 Uhr im Elhfium. Tagesordnung: Gegen Monarchie und Schak zölle." Referent: Genoffin Juchacz, M. d. R. Frauenveranstaltungen am Montag, den 24. november: 57. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bei Arndt, Kantstr. 51. Bortrag der Genossin Rausch: Warum muß die Frau sosialdemokratisch wählen?" 121. Abt. Karlshorst. 8 Uhr im Restaurant Sur Rennbahn". Heiterer Frauenabend. Ansprache Genoffin Luise Rähler. 139. Abt. Tegel. Der Frauenabend fällt aus; die Frauen befuchen die Frauen. bersammlung in Borsigwalde. 140. Abt. Borsigwalde. 7% Uhr bei Heider, Räusch-, Ede Ernststr. ,, Frauen und Wahlen." Uebermorgen, Dienstag, den 25. November: 13. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferens bei Liebsch, Birken, Ecke Wilhelmshabener Str. 108. Abt. Abt. Göpenid. 7% Uhr Vorstandsfibung, Grünauer Str. 5 3immer 1. 128, 130. Abt. Pankow. Die 1., 2. und 3. Gruppe treffen fich 7 Uhr bei Meeß, Lindenpromenade, Ede Berliner Str. zum Besuch der Heinersdorfer Bers fammlung. Frauenversammlungen am Dienstag, den 25. November: 23. Abt. 7% Uhr bei Traube, Müllerstr. 62a. Vortrag: Das Dawes- Gutachten und Deutschlands Volkswirtschaft." 141. Abt. Rosenthal, 7% Uhr Lokal Milbrodt, Walderfeestr. 5. DEUTSCHER WEINBRAND Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 15. Abt. Genosse Karl Müller, Swinemünder Str. 34, ist berstorben. Einäscherung Mittwoch, den 26. November, bormittags 11% Uhr, Krematorium Gerichtstr. Hugo Thrams, Neutoan, Weifeftr. 18. Einäfcherung Dienstag, nachmittags 5 Uhr, Strematorium Baumschulentweg. 94. Abt. Neukölln. Am Donnerstag, den 20. November, verstarb Genosse 125. Abt. Weißenfee. Genoffe Emil Salt ist am 19. b. m. verstorben. Einäscherung Montag, den 24. November, 8 Uhr, Krematorium Gerichtstr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft Prenzlauer Berg. Am Dienstag, den 25. November, Abteilungen 24, 25, 26 und 28 Gaalfchuß bei Biltiner, Schwedter Straße. Abteilungen 27, 29, 30 und 31 Saalschuß Schönfließer Straße 7. Am Mittwoch, den 26. November, abends 7 Uhr, Prenzlauer Tor, Treffpunkt der gesamten. Rameradschaft zum Abendspaziergang ohne DienstKleidung. Kameradschaft Wedding. Am Dienstag, den 25. November, freffen fich sämtliche Kameraden abends 7 Uhr im Garten der ,, Neuen Welt". Rameradschaft Tempelhof. Am Dienstag, den 25. November, abends 7 Uhr, Treffen zur Kundgebung in der Neuen Welt". Ramerabschaft Kreuzberg. Montag, den 24. November, abends 7 Uhr, Treffen der gesamten Rameraden Fontanepromenade ohne Bannerkleidung. Kamerabschaft Wilmersdorf. Am Montag, den 24. November, abends 7% Uhr, Rameradschaftsversammlung im Johann- Georg- Haus, weißer Gaal, Salenfee, Johann- Georg- Str. 19. Da fehr wichtige Tagesordnung, Erscheinen aller Kameraden Pflicht. Republikaner als Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft der freigeistigen Berbände der Deutschen Republit, Drts. gruppe Berlin. Montag, den 24. November, abends 7% Uhr im Gaalbau Friedrichshain, 16. Vorführung des naturwissenschaftlichen Großfilms( 6 Afte) Die natürliche Schöpfungsgeschichte" durch Dr. D. Hauser. Rarten zu 30 Pf. an der Abendkasse.. Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, Gruppe Berlin. Montag, den 24. November, abends 7 Uhr, im Bürgersaal des Berliner Rathauses ,. Thema: Rönigstraße, überparteiliche öffentliche Frauenversammlung Was erwarten die Frauen vom neuen Reichstag?" Rednerinnen: Auguste Kirchhoff Bremen, Dr. Margarete Rotbarth Berlin. Gäste will. tommen. Ortsgruppe Berlin des Reichs undes jüdischer Frontsoldaten, Bezirk Rorb. Montag, 24. November, 8 Uhr abends, Bezirksversammlung in den SophienGülen, Sophienstraße. i Referent: Rechtsianwalt Dr. Alfred Klee. Thema: ,, Die Reichstagswahlen und wir." Verein jüb. Handwerksgehilfen Groß- Berlin. Dienstag, 25. November, abends 8 Uhr, im Gemeindehaufe, Rosenstraße 2/4. Vortrag des Schriftstellers W. Abter über ,, Was der jüdische Handwerker vom Wahlkampf wissen muß." Gäste willkommen. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Schöneberg. Nächste Vollversammlung Dienstag, den 25. November, abends 8 Uhr, Neue Rathausfäle ( Colibri), Schöneberg, Martin- Luther- Str. und Meininger Str. Ede. Referent: Kamerad Albert Baumeister vom Internationalen Arbeitsamt in Genf. Die Jüdische Gemeinschaft veranstaltet am Donnerstag, den 27. November, abends 8 Uhr, in den Residenz- Festfälen, Landsberger Str. 31, eine BersammJung mit Damen, in der Rechtsanwalt Fablowicz über das Thema: Der innerjüdische Krieg" referieren wird. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Der Verein hat vorläufig folgende Mittelabgabestellen eingerichtet: Alwin Schulze, Mariannenstraße 2, rechter Seitenflügel, 1 Tr., Montag von 6-8 Uhr; Paul Prentte, Neukölln, Steinmegftr. 63, Sof 1 Tr., Denstags und Donnerstags von 6-8 Uhr; Friedrichs, Czarnikauer Str. 7, 2. Aufg., v. 4 Tr., Montag und Mittwoch von 6-8 Uhr: Pfarrer, Schererstraße 6, v. 1 Tr., täglich 6-8 Uhr; Steffen, Am Falfplak 2, Montag und Donnerstag von 6-8 Uhr; Mar Fehtifch, Berlin- Bohnsdorf, Waltersdorfer Str. 1, Montags und Donnerstags Don 1-4 Uhr. In den Verteilungsstellen nähere Auskunft, sowie Aufnahme neuer Mitglieder und Beitragszahlung, ebenfalls durch den 1. Vorsitzenden Mar Fehtisch., Berlin- Bohnsdorf, Waltersdorfer Str. 1. Deutscher Guttempler- Drden( DOGE.). Montag, den 24. november abends 8 1hr, spricht im großen Saale des Lehrerbereinhauses. am Alexanderplatz( Alexanderstr. 41) der dänische Landtagsabgeordnete und Chefredakteur des Afholdsdagbladet" Larsen Ledet( Arhus, Dänemark) über das Thema Das deuffche Bolt und die Weltlag c"( Die Alloholfrage als Weltproblem und ihre Lösung). Arbeitsdienstpflicht Jugendbewegung Reichstagswahlen. lleber dieses Thema spricht am Dienstag, den 25. November, abends 7% Uhr, in der Werffreude, Magdeburger Str. 7, Wolfgang Bardach. In der darauf folgenden Aussprache werden Vertreter aller sozialistischen Jugendorganisationen forechen. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions- Apotheke Homöopathische Zentral- Officin Berlin N. 31, Anklamer Straße 39/40, an der Ecke Brunnenstr., 5 Min. v. Rosenthal, Tor. Tel. Amt Humboldt 1022. Adler- Apotheke ( Paul und W. Sadée), Berlin- Friedenau, Rheinstr. 16. Tel.: Rheingau 2029, Friedrich WilhelmApotheke. Apotheker Georg Seelenbinder, Charlottenburg 2. Leibnizstraße 106. Telephon 121. Schweizer- Apotheke. Apotheker Max Riedel, Berlin W 8, Friedrichstr.173. Heege's Apotheke. Berlin O, Gubener Str. 53, Ecke Warschauer Str. Das große Pfarrer Heumann- Buch ( 320 Seiten, 200 Abbildungen) erhält jeder Leser, der seine Adresse einschickt, von der Firma Ludwig Heumann& Co., Nürnberg M. 45 gratis und franko zugesandt. Postkarte genügt, Stoffe für Herren und Damen- Bekleidung Beste Fabrikate, große Auswahi! Paletot- u. Ulster- Stoffe Flausch, Velours, glatt u. in engl. Art gemust, 15.-, 20.-, 25.- 10.Breite 140/50 cm. Gabardine, Rips, Ondelé für Kleider und Kostüme, Breite 130/40 cm... Mr. 8., 12., 16.6.Seiden- Seal, Persianer, Astrachan, 10.Fohlen imit., Br. 130 cm Mtr. 15.-, 20.-, 25.Koch& Seeland Gertraudtenstraße 20/21 gegenüber ber Goldstück Wildunger Helenenquelle bleibt Betrifirche. 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Aber gerade deshalb wird mit diesem Ausdruck feviel Unfug getrieben; man bezeichnet mit ihm Dinge, die ihm inhaltlich gar nicht entsprechen. Die Aufdeckung der wirklichen Bedeutung dieses Wortes und des wahren Wesens dieses Begriffes erscheint allein schon aus diesem Grunde erwünscht. Entstehung und Tätigkeitsumfang der Tscheka. Die Tſcheka ist aus den Konsonanten„ Tich" und" gebildet: es find das Anfangsbuchstaben der Wörter Tfchreswytschainaja"= außerordentliche und„ fomisfija" Rommiffion. Die Tjheta bedeutet alfo„ Außerordentliche Kommission". Sie wurde sofort nach der fieg und glorreichen Ottoberrevolution zur Bekämpfung der Konterrevolution, der Spekulation und der Amtsvergehen" ins Leben gerufen. Zu Beginn 1918 siedelte die allrussische Ticheta gemeinsam mit den übrigen Volkskommissariaten nach Moskau. über, bezog anfangs ein Haus auf der Lubjanta, um später dort einen Kompler pon Gebäuden in Anspruch zu nehmen. Die Ironie des Schidfals wollte es, daß diese Institution, dant deren Eristenz in Rußland niemand mehr feines Lebens sicher ist, gerade die Häufer bewohnte, die früher die größten Lebensversicherungsgefellfchaften inne hatten. Neben der allrussischen Tscheka, ihr untergeordnet, existierten in jeder Gouvernementsstadt die Gouvernementstichetas; in den fleinen Bezirksstädten die Bezirkstschekas; in den großen Städten gab es auch Rayonstschekas. Ferner betätigten sich Eisenbahntscheias, Mililtärtschefas usw. usw. Alle diese revolutionären Organe" hat en tatsächlich das Recht, voll und ganz über das Leben der Bürger zu verfügen, Geifeln zu nehmen, Requifitionen und Kontributionen zu verhängen. Späterhin erst wurde ihre Tätigkeit mehr oder weniger zentralisiert. Die Oktoberrevclution hatte eine völlige Auflösung der äußeren und der Kriminalpolizei, der Gerichts- und Untersuchungsbehörden mit fich gebracht. Die gemeinen Verbrecher mehrten sich aber von Tag zu Lag. Hinzu kamen geringfügige Vergehen gegen die revo lutionäre Ordnung. Die Tschefa übernahm nun zum Teil die Funftionen der Kriminalpclizei, der Untersuchungsrichter, ja felbft der rechtsprechenden Richter. Es gab fein Vergelen mehr, fein Berbrechen, das nicht der Kompetenz der Tscheka unterstanden hätte. Di: allumfassende Formel war, und ist noch heute: ton errevolutionär! Als Verbrecher gegen die Revolution galten Mörder, Räuber, rücfällige kleine Diebe, auch Gelegenheitsdiebe, Falschmünzer und Menschen, die selbst Opfer von Falschmünzern, einige Papierrubel eingewechselt hatten, geringfügige Spefu'anten, Schnapsbrenner usw. Gerade mit den Konterrevolutionären, d. h. mit Leuten, welche den Bolschewifen an den Kragen wollten, hatte die Tschefa anfangs nur wenig zu schaffen. Die Oftoberrevclutionäre waren ihrer selbst noch nicht sicher. Erst allmählich merkten sie, daß die außen- und innenpolitische Situation für sie war und num begann der Kampf gegen alle Andersdenkenden, der blutige politif he Terror. In der mehr als fechsjährigen Geschichte der Tscheta gab es dann verschiedene Phasen es fehlte nicht an Versuchen, ihre Allmacht zu brechen, ihr das Recht zu nehmen auf administrativem Wege Urteile zu fällen, zeitweilig gelang diefes auch wenigstens zum Teile. Im Augenblick aber hat sie ein Teil ihrer alten Allgewalt wieder erhalten. Sie hat in mancher Beziehung selbst ihre Tätigkeit ausgebaut. Zu erwähnen ist noch, daß ihr ein besonderes Militärtorps zur Verfügung steht. st echlichkeit ohne gleichen. Der Tschefist von gestern, der selbst Todesurteile unterschrieb, wurde morgen wieder Opfer des Henfers. So endete zum Beispie! der Leiter einer Abteilung der allrussif hen Tschefa, Rosenthal, der durch seine Lockspizzel Brillanten verkaufen ließ und einen Teil davon für sich zurückbehielt: er wurde auch der Vizepräses der Kontrollkommission der Tscheka. Gerichtsgemeinsam mit den Opfern seiner Tätigkeit hingerichtet; fo endete verhandlungen der Tribunale, die die gemeinsten Berbrechen ganzer Tshekaorgane: Vergewaltigung von Frauen, Erpressungen usw. zum Gegenstand haben, sind auch heute noch auf der Tagesordnung. Die Tschefas wurden so zum Tummelplatz der schlimmsten Elemente unter den sogenannten Kommunisten, zum Betätigungsfeld für Psychopaten und Rohlinge. Alles dieses, was jeden ehrlichen Rom munisten in Rußland denn auch folche gibt es dort stets mit einem gewissen Abscheu erfüllte, muß man im Auge behalten. will man sich die Tätigkeit der Tscheta von heute, die jetzt GPU. Staat iche politische Polizei heißt. verstehen. Auch jezt noch hat heißt. verstehen. Auch jezt noch hat die Ticheka- GPU. die Untersuchung in großen Trust- Prozessen zu führen. Sie hat auch das Recht, wegen Raub und Falschmünzerei zu erschießen. Das Hauptgebiet ihrer Tätigkeit ist aber im Augenblick der Kampf gegen Andersdenkende. Und hier entfaltet sich das Lockspiteltum zur höchsten Blüte. Die Tätigkeit der Tscheka beschränkt sich aber nicht allein auf Rußland. Die russische Tscheka im Auslande. " " Sonntag, 23. November 1924 Etwas anderes find aber die terroristischen Gruppen der KPD., die zweifelsohne existiert haben. Ihnen lag nur eine Hilfsaufgabe ob: die Zentralregierung durch Dynamitattentate einzuschütern, höch stens noch Fememorde zu vollbringen. Es ist deshalb äußerst irre. führend, wenn die offiziellen Polizeiberichte und die Parlaments redner immer wieder von fommunistischen Tshetaorganisationen sprechen. Ob nicht wirklich solche Tschefaorganisationen geplant fud, ob nicht Listen von mißlicbigen Personen vorhanden sind, weiß man nicht. Wir wollen es nicht hoffen. Allerdings geben Redensarb und Drohungen Anlaß zur Vermutung, daß ein siegreicher stich belschewistische Tschelamethoden zur Folge haben würde. deutsche politische Polizei. Ihre Tätigkeit in der Thormann- GrandelDie KPD. ergeht sich in gröbste Anschuldigungen gegen die Handelsvertretung gibt zu denken. Das Lockspiteltum ist unter allen Affäre, der Mißgriff bei der Haussuchung in den Räumen der Umständen stets aufs schärffte zu verwerfen. Die politische Polizer muß durch scharfe Beobachtung und durch ihre Gewährsmänner über hochverräterische Organisationen informiert werden. Komisch wirkt es aber, wenn die kommunistische Presse, die ja sonst auf sowjetiftische Methoden schwört, sich des langen und breiten über das Lockspizeltum aufregt. Man hat nie ein Sterbensmörtchen darüber gehört, daß sie auch ähnliche Meth: den bei, ihren Sowjetheiligen als verpönt erklärt hätten. Die sind dort von der Zarenregierung übernommen und ausgebaut worden. Gelangten die Bolschewiſten in Deutschland zur Macht, fo täten sie auch nicht anders. Deshalb sollten sie jetzt nicht die Naiven spielen. Gewerkschaftsbewegung ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Wie die Preußische Forstverwaltung arbeitet. Sommer in der Provinz Brandenburg, Pommern und in den öst Bekanntlich sind durch das Auftreten der Forleule im testen. lichen Gebieten große Waldbestände vollständig zet= stört worden. Viele tausende Heftar Wald müssen abgehoizt werden. Die Staatsforstverwaltung hat diese Arbeit zum allergrößten Teil an einen Privatunternehmer vergeben. Der Forsteffeffor a. D. Busolt ist der Glückliche, der mit der Staatsforstverwaltung einen glänzenden Vertrag abgeschlossen hat. Im Regierungsbezitt Frankfurt und auch in Pommern hat er sehr weite Strecken zur Abholzung übertragen bekommen. Angeblich soll dieser Herr für seine Lätigkeit 25 Bro3. der ausgezahlton Arbeits. löhne erhalten; also ein Bombengeschäft mit sehr wenig Risiko. Wir fragen: warum übergibt die Staatsforstverwaltung diese Arbeiten einem Privatunternehmer? Welches Inter esse hat die Staatsforstverwaltung daran, daß der Forstassessor a. D. in furzer Zeit ein Millionär sein wird? Warum werden diese Arbeiten nicht ebenso wie die übrigen Holzeinschläge mit den eigenen Arbeitsfräften ausgeführt? Seitdem sich im Auslande eine große russische Emigration gebildet hat, war es selbstverständlich, daß auch die Tschetaorgane dort ihre Filialen errichteten. Diese befinden sich in allen großen Zentren und sind der politischen Vertretung der Sowjetrepublik angegliedert. In Riga und Reval, in Kowno und Warschau die Randstaaten sind bei den Tschetisten besonders beliebt in Berlin und Prag, in Paris und London überall hat die Tsheka ihre Leute, ihre Augen und Ohren. Vor nicht allzu langer Zeit wurden alle Auslandorganisationen der Tscheta aufgelöst und neu reformiert. Die Auslandabteilung der allrussischen Tscheka, es ist dieselbe Abteilung die feinerzeit in Moskau die leberwachung der Genossen Sander velde, Wouters, Rosenfeld und Liebknecht und vor kurzem die Ueberwachung des englischen Vertreters Johnson, die sich Macdonald verbeten hat, innehatten verfandte vor nicht allzu langer Zeit ein Zirkular an alle ihre ausländischen Emissäre, in dem sie neue Richt linien und neue Gehälter festlegte. Die lekteren beliefen sich auf etwa das Zehnfache des Einkommens eines Arbeiters und die erste. ren gingen darauf hinaus, unter allen Berufen und Bevölkerungsschichten der im Ausland lebenden Russen, unter Ausnutung ihrer materiellen Not so stand es wörtlich geschrieben, insbesondere unter den Frauen, Agenten zu werben. Es follten nicht Wir haben in Preußen über 600 Oberförstereien, zu denen über allein alle fonterrevolutionären Organisationen überwacht, sondern 3500 Förstereien gehören. Es wäre nach unserer Ansicht möglich geauch, falls erforderlich, solche ins Leben gerufen werden. Es gelang wesen, den Bedarf an Arbeitskräfton, feien es Beamte oder beiter, auch ohne weiteres in allen intellektuellen und sonstigen Verbänden aus dem Bestand der Oberförstereien zu deden. Dies wärm so und Emigrantenorganisationen Gewähremänner unterzubringen. Es cher möglich gewefen, weil der Holzeinschlag in den nicht liegen hierfür auch Beweise vor. So mußte ein Angestellter der befallenen Gebieten in diesem Jahre mit Rücksicht auf den ruffischen Zeitung Golos Roffij" an die Luft gesetzt werden; so wurde heren Holzanfall in den Fraßgebieten bedeutend einge ein Angestellter der Zeitung Dni" dabei ertappt, als er Dotumented; ränkt werden mußte. Durch diese Einschränkung werden Tausich aneignen wollte hinterher gab diefer Herr namens Termos fende von Arbeitskräften in der jetzigen Ho'zfällugsperiode arbeits. lajeff der Petersburger Zeitung ein Interview über feine Tätigkeit los zu Hause liegen oder nur eine furze Zeit beschäftigt werden in der Redaktion der" Dni" Die Tichefiften hatten auch bei dem kennen. Bei richtiger Einstellunta hate men diele Arbeitsloten, Dokumentenraub in der Wohming des monarchistischen Obersten die sich aus fiändigen und regelmäßte behäftigten HolzFreiberg ihre Hände im Spiele; ebenfalls bei dem Raub der Doku- fällern zuſammensetzen, in diesen Fraßgebietin unterbringen mente des sogenannten administrativen Zentrums in Paris, die im lönnen. Hierbei hätte man den Vorteil gehabt, daß die Arbeit Prozeß der Sozialrevolutionäre eine so bedeutende Rolle spielten. Dorfchriftsmäßig und verhältnismäßig schnell ausgeführt Besonders scharf werden die Sozialrevolutionäre in Prag befpißelt. würde. Statt dessen holt der Forstaffeffor aus allen Landes. Interessant ist es, daß der Leiter der sowjetrussischen politischen teilen ungeübte Arbeitskräfte heran. Not und Eard Polizei in Belgrad der berüchtigte frühere Gendarmeriegeneral hoben sich in den Familien der Arbeiter noch vermehrt, die bei Rommiffaroff war. Die Berbachtungen der Tscheta beschränken sich Busolt in Arbeit traten. Man fann von einer fleinen Völkeriedoch nicht allein auf die Emigranten. Auch alle Sowjetbürger, wanderung reden, wenn man sieht, wie groß der Wechsel an ArDie die Erlaubnis erhalten, sich ins Ausland zu begeben, werden beitsfräften z. B. im Stettiner Bezirk in der lekten Zeit ges hier streng beobachtet; felbft die Musiker und Schauspieleres follwesen ist. Aus Oberschlesien, Bayern, Ostpreußen ihnen nicht gestattet sein, in weißgardistischen Sälen" ihre Kunst wurden underte von Arbeitern herangehoft, die nach ganz besonders scharf sind die Angestellten der fur er 3eit sich an ihre Verbände wandten, um das Reisegeld zur Dieser Schaden Sowjetinftitutionen ins Auge gefakt. Sie fürchten sich unter Um Rückfahrt nach ihrer Heimat zu bekommen. ständen direkt, Beziehungen zu ihren Bekannten zu unterhalten, wäre den Arbeitern nicht zugefügt worden, wenn die Staatsihre Telephongespräche werden belauscht. Die Perlustration der nachforstverwaltung ihren Bequemlichkeitsstandpunkt aufgegeben Rukland gehender Briefe blüht. Am amüsantesten und, troß Ben hätte und ihre Arbeiten von dem eigenen Bersonal hätte ausführen Atiba, noch nicht dagewesen ist es, daß Bricje, die aus einem laffen. Hierbei hätte der Staat ganz bestimmt noch ein glän ausländigen Strat in einen anderen Staat adreffiert werden, zendes Geschäft gemacht, das zuletzt noch den Steuerab und zu den Umweg über Rußland machen. Daß dieses kein zahlern zugute gefemmen wäre. Bei den Beratungen des. Ferst Bufal ist, sondern bestellte Arbeit, beweist der Umstand, dak die chats im Landtag haben die Sozialdemokraten auf die en MizBriefe noch ihrem Inhalt so auch die Persönlichkeit des Briefschreibers ftand bereits hingewiesen. Aufgabe der Wähler muß es sein, a m und des Adressaten der politischen Polizei durchaus nicht gleichgültig Wahltage dafür zu sorgen, daß die Sozialdemokraten in ver So hat der befannte Sezialrevolutionär Sensinoff, stärkter Zahl in den Landtag einziehen, damit solche die Allgemein sein konnten. der in Berlin lebt. auf dem Ummeg über Mestou einen Brief vom heit schädigenden Handlungen in Zukunft unterbleiben. Sekretariat des„ New Yorker" Komitees der Sozialrevolutionäre erhalten. Eine russische illustrierte Wochenschrift Nasch Mir" veröffentlichte am 26. September einen Brief cus Griechenland. der auf dem Weg nach Berlin Moskau paffierte. Und die Zei'ung„ Dnt" veröffentlicht einen Fall, wo ein Brief aus dem polnischen Grenzort( Olnk) über Moskau an den Adressaten, einen Engländer in London gelangte. Alle diese Briefe trugen zum Ueberfluk noch den Stem el Moskau. der eine sogar mit dem Datum, dem 25. Auguft. Tshefisten sind übrigens auch zmeifellos die Angestellten, die die Portiers in den Handels- und politischen Vertretungen der Sowjetrepubliken im Auslande spielen. Das merkt man allein fhon an ihrer Kl- idung. Sie erinnern an die Ausstaffierung der Tchekisten- machunga angeschlagen wurden, als auch gegen die wohl des Gein Moskau. Daß die Tsheka sich auch duts her Beffchewisten bedient. fiegt auf der Hand. Eine geheime Liste fotcher deutschen Kom munisten ist ferar veröffentlicht worden. Ebenso felbstverstördlich iſt es, daß die Tschefiſten auch eine bedeutende Rolle bei den Bors bereitungen der rerschiedenen Putiche neſpielt haben. Es iſt kein Bufall, daß man hier hervorragende Tschekisten gerade zu der Zeit traf, als fommimistische Unruhen erwartet wurden. zu produzieren " Die Tschekisten und ihre Arbeitsmethoden. Unter den die Untersuchung führenden Tshekisten ihnen war jede Berüh gab es nur wenig frühere Revolutionäre rung mit der Tschela oft verpönt. Mehr neugebackene Kommunisten gab es unter den ausführenden Organen der Tscheka nicht selten waren es unwissende und verführte Arbeiter, gescheiterte Eristenzen, nicht selten auch frühere zaristische Polizeibeamte, verschiedene dunkle Elemente und dergleichen mehr. Das moralische Niveau dieser Menschen war an und für sich niedrig, die durch nichts eingeschränkte Billtür mirtte noch demoralisierender, die Metho den, die im Kampf gegen gemeine wie politische Verbrechen angewandt wurden, gaben den Rest. Die gewöhnlichen Mittel wollten nicht rasch gemug zum Ziele führen- Spigeltum und Lodipigel tum wurden deshalb Trumpf. Um der sogenannten Banditen habhaft zu werden, schenkte man einzelnen Raubmördern das Leben, veranlaßte fie, alle ihre früheren Spießgefellen herbeizuholen und behielt sie dann im Sold; das gleiche tat man mit Taschendieben, felbst mit Halbwüchslingen. Um die Spetulanten herauszufinden, vollzog man fiftive Käufe durch eigene Agenten, versorgte sie mit Brillanten, Baluta eder Gold, die dann bei verschiedenen in Betracht tommenden Personen abgesetzt wurden. Um die„ Konterrevolutionäre" zu fangen, schuf man unter Umständen selbst Organisationen in einzelnen Städten und ganzen Bezirken, beschi fte Kongresse und dergleichen mehr diese Kampfmethoden blühen im Augenblid mehr denn je, das beweisen die Entlarvung des Lockspizzels Selgetzky und die Enthüllungen der ehemaligen Tschekisten Bespalon. Das Prinzip war, unter allen Umständen die Mitarbeit der Verhafteten zu erwirken, indem man ihnen Leben und Freiheit versprach; die Frauen mußten überdies ihr Leben durch andere Dienste erkaufen. Da aber die Verhaftungen immer in großen Massen vorgenommen wurden und die Angst erschossen zu werden mehr als eine eingebildete war, so wurde die Zahl der Mitarbeiter so groß und so mannigfaltig, daß die verschiedensten Berufe- Rechtsanwälte, Aerzte, Ingenieure, Pfarrer, Schauspieler, Fabrikanten, Kaufleute, Diebe, 31hälter, Prostituierte und besonders Damen aus der Halbwelt vertreten waren. Selbst Kinder fehlten nicht. Man fonnte feinem besten Freunde nicht mehr trauen. Seitdem ist dieses System noch weiter ausgebaut worden: die Tscheka hat ihre Gewährsmänner Irrig ist es aber, von kommunistischen Tschetas in Deutschland in jeder Scwjetinstitution, selbst in der kleinsten, in den Hochulen zu reden. Das führt zu Täuschungen. Als Tschefas fönnten nur und höreren Schulen, in jeder Fabrik, in jedem Hause, in Restau- außerordentliche Kommiffionen zur Bekämpfung der Konterrevolution rants und Kaffees. Ein jeder Kommunist, ein jedes Mitglied der nach einer ev. Machtergreifung des Proletariats oder außerordentliche tommunistischen Jugend ist verpflichtet, der Tscheka Dienste zu leisten. Kommiffionen, die von der Konterrevolution, nach einer siegreichen Diese Arbeitsmeth- den, insbesondere das Lodspigeltum, das Dikta ur eingelegt werden bezeichnet werden. So wurde von derExistenz Zusammenarbeiten mit Kriminellen, das Renégatentum, hatte eine einer rechten Ticheta in München gesprochen, sie soll zur Aufgabe geaußerste Demoralisation zur Folge, eine korruption und Behabt haben, nach fiegreichem Butſch die linken Politiker zu beseitigen, Die deutsche„ Tscheka". Um den Betriebsrat bei der Firma Alchinger. Eigenartige Entscheidung des Gewerbegeridhis. Man schreibt uns: Nach den Erfahrungen, die die Arbeitnehmer bei der Firma Aschinger mit dem bisherigen gemeinsamen Betricbsrat gemacht haben, sind nunmehr in den Einzelbetrie ben der Firma Betriebsräte gewählt, aus denen im Oktober dieses Jahres ein Gesamtbetriebsrat herontoina. Rasen die Wahl der Einzelbetriebsräte, die in ordnungsgemäßen Wahlbekannt famibetriebsrats ist kein Einspruch von der Firma Aschinger nach § 19 der Wahlordnung zum BRG. innerhalb der vorgeschriebenen Frist von 14 Tagen erhoben worden. Nach etwa 5 Wochen hat sich die Firma die Sache überlegt und einen Antrag beim Gewerbegericht gestellt, daß bei der Firma Aschinger nur ein Betriebsrat zu bilden fei. Ter gestellte Antrag richtete fich gegen den ehemaligen Wahlvorstand für die Wahl eines Einzelbetriebsrats in der ' chinger- Zentrale, Saarbrücker Straße. Treydem die Artragsgegner schrift ich den Einwand erhoben, daß sie für die Klage gar nicht zuständig feien, da inzwiffen Einzelbetriebsräte und ein Gesamtbetriebsrat ins Leben getreten fei, hat das Gewerbegericht unter Borsiz des Herrn Dr. Riese es fertiggebracht. eine Ente fcheidung gegen einen nicht mehr bestehenden Wahlvor stand zu fallen, die dahin geht, daß ein einziger Betriebsrat bei der Firma Achinger zu bilden ist. Zu dieser Entscheidung lag um so weniger Veranlassung vor, a's fie im Augenblic ohne jede rechtliche Bedeutung ist, da nach der Anficht aller Kommentatoren des BNG. die und gefochten bestehenden Egon Braun Auslese DER DEUTSCHE WEINBRAND Betriebsräte trotz dieser Entscheibung bis zum Ablauf ihrer Wahlperiode zu Recht bestehen. Die Firma hat sich aber noch ein weiteres Meisterstück geleistet, einen Wahlvorstand zu be= nennen und die Wahl eines Betriebsrats auszuschrei. ben. Zur Benennung eines folchen Wahlvorstandes hatte sie gar fein Recht, da ein solcher nur dann vom Arbeitgeber zu benennen ist, wenn erstens Betriebsräte nicht mehr bestehen oder die Betriebsräte each§ 23 des BRG. ihrer Pflicht zur Benennung eines Wahl vorstandes nicht nachkommen. Borsichtshalber hat der bestehende Gesamtbetriebsrat dafür gesorgt, daß auch für diese Wahl eine Vorschlagsliste aufgestellt wurde, auf der sämte liche Mitglieder des jezigen Gesamtbetriebsrats verzeichnet sind. Und nun ereignet sich das Schauspiel, daß nur eine Liste für die Wahl von Aschingers Gnaden rechtzeitig eingegangen: ist, so daß die Mite glieder des Gesamtbetriebsrats doppelt gewählt sind. Mit diesen Vorgängen beschäftigten sich zwei Versammlungen der Aschinger- Arbeitnehmer am Donnerstag bzw. in der Nacht zum Freitag diefer Woche. Die Versammlungen nahmen einstimmig eine Resolution an, in der Prolest gegen die Wahl dieses ungefehlichen Betriebsrats erhoben wird. Es wird ferner zum Ausdruck gebracht, daß die Anerkennung der bisher gewählten Betriebsräte verlangt und die Organisation beauftragt wird, über die Anerkennung mit der Firma eventuell zu verhandeln. Und das alles deswegen, weil die Arbeitnehmerschaft verhin dert hat, daß die Firma Aschinger aus Profitintereffe eine tonnte. Der Firma Betriebstrantentasse gründen Aichinger geht es auch außerordentlich schlecht, das beweist insbeson= dere die Tatsache, daß es ihr gelungen ist, die Mehrheit der Aktien der Kaiserhof 2.-G. zu erwerben und daß sie ihre Kellner neuettings wunderbar schön uniformiert hat und sie mit blauen ynd grünen Kragen mit Sternen ausrüstete. Der Dank vom Hause Scherl. Nach 22 Dienffjahren hinausgeworfen. Gin Hilfsarbeiter. der 22 Jahre in der Scherlschen Druderei beschäftigt war, murde fristlos entlassen, weil er sich geweigert hatte, eine Beibesvisitation durch den Port er vornehmen zu lassen. Vor dem Gewerbegericht focht er seine Entlassung als unbillige Härte an und begründete seinen Standpunkt folgendermaßen: An fich bestreite er der Firma nicht das Recht, sich durch Kontrolle der Arbeiter, eventuell auch durch Leibesvisitation vor Diebstählen zu schützen. Aber darüber, wie und durch wen die Bisitationen vorzunehmen seien, müsse eine Ber einbarung zwischen dem Arbe terrat und der Firma abgeschlossen werden. Das sei aber nicht geschehen. Vorschriften über die Kontrolle der Arbeitszeit mittels Etechuhren feien mit dem Arbeiterrat pereinbart und würden auch durchgeführt. Ueber de Vornahme von Leibesvifitationen fei zwar verhandelt worden. es fei aber feine Bereinbarung zustande gekommen. Der Arbe terrat habe gefordert, die Bisitationen sollten n möglichst distreter Form durch vertrauenswürdige Angestellte der Firma, aber nicht durch die Portiers erfolgen, da diese nicht das Bertrauen der Arbeiter gen eßen. Solange teine Bereinbarung über die Visitation bestehe, fei fein Arbeiter verpflichtet, fich einer Bisitat on zu unterziehen. Uebrigens se es für den Kläger, ber fich in seiner 22jährigen Tätigkeit nichts habe zuschulden kommen lassen, sehr verlegend gewesen, baß der Portier eine Bisitation an ihm vornehmen wollte. als vernommene Benbebes | Bisitationen bis jetzt zustande gekommen sei, daß aber Berhandlungen darüber schweben Hieraus zog der Vertreter der Firma den Schluß, daß bis zum Abschluß der Verhandlungen der bisherige 3u stand, nämlich die Bisitation durch den Portier, zu Recht bestehe. = Das Gericht entschied: Ein aus dem Arbeitsrecht herzuleitendes formales Recht des Arbeitgebers, Leibesvisita tionen an Arbeitern vornehmen zu lassen, bestehi nicht. Aber auf Grund der mit dem Arbeiterrat geführten Berhandlungen fonnten Bisitat onen bis zum Abschluß einer Vereinbarung Die Weigerung des durch den Portier vorgenommen werden. Klägers, sich durch den Portier visit eren zu lassen, set tein Grund zur fristlosen Entlassung, wohl aber zur Kündigung, die in diesem Falle nicht als unbillige Härte anzusehen ist. Kläger ist deshalb die Kündigungsfrist von einer Woche zu bezahlen. Schiedsspruch für das Kraftwerk Lauta. Aus Senftenberg wird uns berichtet: Dem In der Lohnstreitigkeit für die Belegschaft des Kraftwerks Lauta, vertreten durch den Zentralverband der Maschinisten und Heizer, wurde am 17. November im Reichsarbeitsministerium folgender Schiedsspruch gefällt: " In Ergänzung der Vereinbarung vom 26. Mai 1924 werden vom Beginn der am 3. November 1924 anfangenden Lobnwode an zu den bisherigen Leistungszuschlägen folgende Sonder- Leistungszuschläge als feste Zulagen gewährt: Den Arbeitern der Klassen A und B 5 Bf., der Klasse C 4,5 Pf. und der Klasse D 4 Bf. je Stunde. Eine Belegschaftsversammlung am 19. November im Arbeitertafino Lautawert stimmte nach eingehender Diskussion dem Schiedsspruch einstimmig zu. Bolschewistische Lohnpolitik. Dem RSD. wurde aus Petersburg berichtet: Deser Tage fand in der großen Gummifabrik Treu golnit", in der einige tausend Arbeiter beschäftigt sind, eine Be= triebsversammlung statt, in der das Mitglied des fommunistischen Zentralfom tees, Jewbokimow, als Berichterstatter auftrat. Er versuchte den Arbeitern den Gedanken einzuhämmern, daß es gegenwärtig schädlich sei, für eine Erhöhung des Arbeitslohnes zu fämpfen. Ihm trat ein im Betrieb bes schäftiger Ingenieur, der feiner Partei angehört, mit dem Nachweis entgegen, daß nur eine Erhöhung des Arbeits. lohnes die Produktivität des Betriebes steigern tönne. Schäumenden Mundes antwortete Jewbokimow auf die Ausführungen des Ingenieurs, indem er die Arbeiter bat, seinen Ausführungen zuzustimmen, da er aus ihren Kreisen stamme und Fleisch von ihrem Flesche sei. Aber auch diese Demagogie fruchtete nicht. Die Arbe ter stimmten den Ausführungen des Ingenieurs zu, während sie dem„ blutsverwandten" Kommunisten fortgesetzt herunter von der Tribünel" entgegenriefen und ihn schließlich am Weitersprechen verhinderten. Diese Szene in einem der größten Petersburger Betriebe ist ungemein charakteristisch für die neueste Politik des russischen Kommunismus: die tommunistischen. Führer treten gegen de Auf befferung der Arbeitsbedingungen auf, während parteilofe Fachleute, im Interesse des Betriebes wie auch der Arbeiter, den Kommunisten rechter Hand, linter Hand alles vertauscht! Deutscher Verkehrsbund, Bezirk Groß- Berlin. Morgen, Montag, abend 7 Uhr, im Saal 4, Gewerkschaftshaus, EngelMitgliedsbuch resp. Mitgliedskarte und ufer 24/25, Generalversammlung. feinen Beiträgen über 4 Wochen im Rüdstand ist, hat teinen Zutritt. Delegierten- egitimationskarte sind am Scaleingang vorzulegen. Wer mit Die Bezirksverwaltung. 3. A. Ortmann. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Morgen, Montag, abend 6% Uhr im Sikungssaal des Verbandshauses, Johannisstr. 14/15. Brandje: Stadtentwässerung, Hoch- und Tiefbau, Kanalisation. Branchenvollversammlung. Reichstagsauflösung und Gewerkschaften." Referent: Crifpien, Mitglied des Reichstages. Bericht von der lezten Lohnverhandlung. Die Branchenleitung. J. A. Bänsch. Zentralverband der Schuhmacher. Morgen Montag, nachmittag 5½ Ubr. Branchenversammlung der Ballschuhmacher, im Saal 3 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25. Graphisches Gewerbe. Dienstag, den 25. November, ab 5 Uhr nachmittags, im Restaurant Senning, Alexandrinenstr. 44, Abholung von Werbematerial. Wir bitten unsere Funktionäre, dafür zu sorgen, daß für jeden Betrieb Abs. holung erfolgt. Der graphische Werbeausschuß. 5. A.: Otto Fiedler. Atung, Bergmann- Werke, Berlin! Am Montag, den 24. November, nachm. 5 Uhr, bei Kroll, Utrechter Straße, Ede Hennigsdorfer Str., Versammlung aller SPD.- Genossen: Die bevorstehenden Wahlen Das Unsere Aufgaben." Referent: Gen. A. Holz. Verschiedenes. Erscheinen aller unbedingt erforderlich. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Zimmerer! Mittwoch, den 26. November, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal I, Engelufer 24/25, Bersammlung fämtlicher auf dem Boden der Amsterdamer Internationale ftehenden Mitglieder der Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Rimmerer Deutschlands. Weltwirtschaft und deutsche Arbeiterbewegung." Refe rent: Genosse Kurt Heinig. Recht zahlreiche Beteiligung unbedingt notwendig. Der Fraktionsvorstand. AfA- Funktionäre der Metallindustrie. Freitag, den 28. November, abends 7 Uhr, Mufferfäle, Raiser- Wilhelm Straße 31, allgemeine Funktionärversammlung: Stellungnahme zum Ange bot des VBM3. zum neuen Rahmen-( Leistungs-) Tarifvertrag." Die Mitglieder des Af- Metall- Kartells treffen fich bereits abends 6 Uhe im Speisesaal der Musikerfäle zu einer Borbesprechuna. Bei der Wichtigkeit Der zu fassenden Beschlüsse darf fein f- Funktionär fehlen. Die für den Mo nat Dezember vorgesehenen Bezirks- AF- Konferenzen fallen infolge der ver änderten Situation ans. Nähere Mitteilung in der Bersammlung. ATA- Metallfartell. Günther, Lange, Rothe. Angestellte des Elektrogroßhandels. Rur Regelung der Gehälter für die Monate Oftober bis Dezember ift mit dem Arbeitgeberverband vor dem Schlichter für den Bezirk Groß- Berlin am 18. November ein Bergleich geAusführliche Gehaltstabellen find wie üblich im fchloffen worden, der im wesentlichen die Gähe des Schiedsspruchs vom 5. No. Rentralverband der Angestellten Belle- Alliance- Str. 7/10, zu haben. vember aufrecht erhält. Angestellte der Brauereien und des Butter. und Samengroßhandels. In obigen Branchen ist ein neues Gehaltsabfommen abgefchloffen worden. Die errechneten Gehaltssäße sind im Verbandsbureau des Zentralverbandes der Angestellten, Belle- Alliance- Str. 7-10, erhältlich. Bustentropfen Leucolit Sustentee. Don Husfen und von Heiserfeit sofort Dich colit befreit! Fabr Curt Leutheuser& Co Berlin- Wilmersdorf In allen Apotheken erhältlich. rat Der als Zeuge vernommene Borfißende des Arbeiter entgegentreten und dabei de Massen der Arbeiter hinter sich haben. Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. bestätigte, daß teine bindende Abmachung über die In der Tat Wähle Norden 9296. Säle frei! Voxhaus! Dann urteile! Eine Qualitäts- Zigarette für zwei Pfennige Abschrift! Geschäftsnummer: 5 B 29-24 11 Im Namen des Boltes! In der Privattlagefache des Reichstagsabgeordneten und Borsigenden des Ber bandes der Fabritarbeiter Deutschlands August Brey in Hannover. Nitolaiftr. 7, Privattlägers. Prozeßbevollmächtigte: Rechtsanwälte Juftira Dr H. Hein mann II, Dr. Kaz und Fulle in Hannover gegen den Gewerkschaftsbeamten Emil Dyrrlich in Reutölln, Weifeftr. 12, Angeflagten, wegen Beleidigung hat das Amtsgericht in Minden in der Gigung vom 30 Ottober 1924, an welcher teilgenommen haben: Amtsgerid tsrat Schroeter als Borsigender Justizanwärter Rener als Gerichtsschreiber. für Recht erkannt: Der Angeklagte ist der öffentlichen Beleidigung des Brivat lägers in zwei Fällen schuldig und wird zu einer Geldstrafe von 150 einhundertfünfzig- Goldmart, im Rechtbeitreibungsfalle zu fünfzehn Tagen Saft, fowie in die Roften des Berfahrens verurte It Dem Privattläger wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angetlagten auf deffen Roften innerhalb eines Monats nach Buftellung des rechtsfräftigen Urteils in der Berliner Zeitung Norwärts" und in der Min ener Zeitung Beferwarte" bekannt zu machen. Grünbe: pp. gez Schroeter pp. Ausgefertigt: Minden 11. November 1924 L.S gea. Schmidt. Juftiz- Ransleiaffiftent als Gerichtsschreiber des Amtsgerichte. Die Rechtstraft und die Boulte dba teit des vorstehenden Urteils wird beicheinigt. Minden, den 11. November 1924. LS. gez Unterschrift Gerichtsschreiber des Amtsgerichts. ( iarantiesch. f. gesetzt Goldinh. DE THOMPSON'S SCHUTZ- MARKE SEIFEN- PULVER Wenn Husten, Heiserkeit Dich plagt, So nimm ,, Bronchiol", das nie versagt. 99 Deutschlands führendes Hustenpräparat Bronchiol flüssig, Bronchiol Tabletten ist ärztlicherseits anerkannt: bei Erkrankung der Atmungsorgane, wie Kehlkopf, Luftröhren, Bron chial- Katarrh u. Ausbruch der beginnenden Lungenschwindsucht. Erhältlich in Apotheken. unentbehrlich für Touristen, Raucher, Sänger, Turner. Berhütet Verschleimung, linbert die Atemnot. Erhältl. I. Apothek. u. Drogerien. Vertreter: Paul Grundmann, Friedrichstr. 208, Ztr. 11166. Grosso- Niederlagen: Th. Teichgraeber, Akt.- Ges., F. Reichelt, Akt.- Ges. 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Die Bewertung bei der Inventuraufnahme soll unabhängig sein von der Inflationsbuchhaltung und den Inflationsbilanzen; denn die sind falsch. Wie sagte F. von Siemens in der Generalversammlung der Siemens u. Halste A.-G.? In der diesjährigen Bilanz sind sie( die Bilanzzahlen nämlich) so grotest geworden, daß man sich späterer Jahre halber schämen muß, fie in einem Bericht veröffentlicht haben zu müssen, der für ernsthafte Zwede bestimmt ist und der Erhaltung des Vertrauens dienen soll." Es follte und mußte der wirkliche Stand der Privatwirtschaft festgestellt werden, nicht nur der Aktionäre wegen, sondern vor allem auch aus wichtigen Gründen der Reparations- und Wiederaufbaupolitik. Geheimrat Schlegelberger vom Reichsjustizministerium hat sie genannt: ,, Die Zuspihung des Reparationsproblems, dessen Kern die Frage nach der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist, die Notwendigkeit, die Grenzen dieses Könnens freizulegen, um die Möglichkeiten des Wiederaufbaues zu überblicken, und die Erkennt nis, daß eine Gesundung des Reiches nicht möglich sei..." Das sind sehr ernsthafte Gründe. Wie sind nun die sogenannten Goldbilanzen geworden? Was sind sie wert? 19 Abschlußbilanzen der nächsten Jahre herausstellen. Denn eine Rentabilitätsrechnung gibt es ja noch nicht. Aber auch das Wenige, das die Goldbilanzen bieten wollen, taugt nicht viel. Denn die Zahlen sind mit Rücksicht auf die Vermögenssteuer und das Industriebelastungsgesetz natürlich frisiert. was sie bieten könnten, bieten sie nicht aus den dargelegten Gründen. Das, was fie nach Schlegelberger aber leisten follen, leisten sie nicht im entferntesten. Golddividenden im Rückforth- Konzern. K ― r. Von vier Brauereien Ostpreußens, die dem bekannten Sprit fichtsratssitzungen für die Goldumstellung vor. fonzern Rüdforth angehören, liegen die Vorschläge der Aufergibt sich, daß die vier Brauereien für das abgelaufene Jahr an Dividende verteilen können: Aus den Berichten " Ponarth- Brauerei A.G., Königsberg. 10 Proz. auf 2 000 000 GM. Aktienbrauerei Schönbusch, Königsbg. 10 Rastenburg. Brauer. A.G, Rastenburg 6 Tilsiter Aktienbrauerei, Tilsit 10 2 500 000 P " " " 700 000 600 000 19 " " Von drei ebenfalls dem Rückforth- Konzern angehörenden Brauereien heißt es, daß sie ebenfalls günstigste" Berichte in Aussicht stellen. Bei den meisten der bisher bekannt geworden Goldumstellungen ist von der Verteilung einer Dividende Abstand genommen worden. Daß gerade die Brauereien, die dem Massenkonsum sehr viel näher stehen als die Fertig- und Schwerindustrien, die Inflation noch weit besser überstehen würden als diese, war klar. Ueberraschend aber sind diese Dividenden unmittelbar nach der Inflation trotzdem Sie sind um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, wie die Industrie seit der Währungsstabilisierung gegen die zu hohe Steuerbelastung Sturm gelaufen iſt, angeblich, weil diefe jede Rentabilität in der Wirtschaft erdrosseln müsse. Der Berliner Arbeitsmarkt. Sonntag, 23. November 1924 Zollpolitik und Außenhandel. Der Vorstand des Deutschen Außenhandelsver bandes hat zu den Fragen der deutschen 3ollpolitit eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: " Immer lauter und allgemeiner wird der Ruf nach einem lückenlosen" 3olltarif sowohl von agrarischer, wie auch von industrieller Seite, d. h. nach einem allseitigen Schutz der nationalen Arbeit", an dem Landwirtschaft und Industrie in gleichem Maße beteiligt sein sollen. Eine Forderung, die die gleichmäßige Schußbedürftigkeit aller Produktionszweige voraussetzt und die des Zollschutzes, den der noch in Kraft befindliche Bülow- Tarif von Lebensnotwendigkeiten unseres Exports hintansett. Der Umfang 1902 gewährt, soll also noch erheblich erweitert werden. sobald 2 grarzöll wieder eingeführt werden, wie es die dem Eine Entwicklung zur Hochschutzollpolitik ist unvermeidlich, Reichstag unterbreitete Zollvorlage vorsieht. Darin wird der Regie. rung bekanntlich die Ermächtigung erteilt, mit Zustimmung des Reichsrats und eines Ausschusses des Reichstags die früheren Agrar. zölle wieder einzuführen und auch die Industriezölle im Berordnungswege zu ändern. Agrarzölle in Vorkriegshöhe können feinen Anspruch mehr auf die Bezeichnung„ mäßigen" Schutz erheben und noch weniger die Ausgleichszölle, zu denen sie führen. Notwendigerweise würde als Kompensation und Ausgleich für Agrarzölle die Erhöhung aller schon bestehenden Industriezölle und die Neueinführung weiterer würde eine für unsere Ausfuhr unerträgliche Verteuerung der wichIndustriezölle verlangt und auch durchgesetzt werden. Damit Erhöhung der Löhne der Arbeiter sowie der Gehälter aller Angefigsten Produktionskosten eintreten, im Zusammenhang damit eine stellten und Beamien. Das bedeutet wiederum neue Steuern. Alle Preisabbaumaßnahmen der Regierung wären noch mehr als bisher zur Erfolglosigkeit verurteilt. Eine unerhörte Steigerung aller Breise würde Deutschland zum teuerst produzierenden Land der Welt machen. alle Getreidearten schon über die Borkriegswerte hinausgeht, ist es Angesichts der Preisentwicklung für agrarische Produkte, die für unerläßlich, daß die Regierung die dem Reichstag unterbreitete Zollvorlage zurüdzieht. Das läßt sich sehr einfach aussprechen: Was sie sagen, ist wertIos, und was sie wertvolles bringen fönnten, das sagen sie nicht Es mag zum Teil an der Goldbilanzierungsverordnung selbst liegen, daß das so ist. Denn die Goldbilanzierungsverordnung und ihre sechs Verordnungen mit Ausführungsbestimmungen fümmern sich zum geringsten Teil um die Golderöffnungsbilanz selbst. Vielmehr sind sie zu 10/20 ausgefüllt mit den Bestimmungen über die Goldumstellung der Aftien, Geschäftsanteile usw. Wenn Schlegelberger, der Vater der Goldbilanzierungsverordnung, so weitgehende Zwecke mit ihr verfolgte( er sagte:„ Die Verordnung über Goldbilanzen ist das neue Grundgeseh der Wirtschaft"), dann hätte er nicht durch den Mangel jeder Bestimmung über die Gliede rung und Spezialisierung der Posten einer geradezu programmatischen Unklarheit der Goldbilanzen Tür und Tor öffnen dürfen. Es ist doch so, daß Eröffnungsbilanzen auch darüber bestimmen werden, wie die Schluß bilanzen aussehen werden. Wenn aber getragen gegen 75 120 in der Vorwoche. Darunter befanden sich Pensationen für Agrarzölle enthielte? die Jahresschlußbilanzen der Kapitalgesellschaften so werden wie diese Eröffnungsbilanzen, dann ist es mit der Deffentlichkeit der Rapitalgesellschaften vorbei, sowohl für die Attionäre und die Börse, als auch für den Staat und die öffentliche Meinung. Darüber hinaus aber ist eine Goldbilanz, auch wenn sie reichlicher spezialisiert wäre, unter den heutigen Verhältnissen in Deutsch land wertlos, wenn nicht gesagt wird, wie eigentlich das eigene Rapital bestimmt worden ist. Geschieht das über den in den nächsten Jahren erwarteten Gewinn, dann ist nämlich von porn herein bestimmt, was man von den Wertziffern der Fabrikanlagen, Maschinen usw. zu halten hat. Denn diese werden dann überhaupt nicht mehr besonders bewertet". Geschieht die Bewertung aber nach einer sorgfältigen Abschätzung des Anlagenwertes, dann weiß man, daß die Festsetzung des Geldkapitals im wesentlichen eine willkürliche ist. Erfolgt schließlich die Bewerbung über den Dollarinder des Einzahlungstages für das Kapital, dann ist die Festsetzung des Eigenkapitals eine rein rechnerische und bedeutet weder für die zu erwartende Dividende, noch für den wirklichen Wert der Anlagen etwas. Das wenigstens hätte in allen Fällen gesagt werden müssen Wäre das geschehen, so könnte man sich bei den Goldbilanzen wenigstens etwas denken. wesentliche Veränderung eingetreten. Die leichte Besserung In der Arbeitsmarktlage ist gegenüber der Vorwoche feine in den meisten Industrien hat angehalten, dagegen sind im Baugewerbe, in der Landwirtschaft und bei den Außenarbeiten die Beschäftigungsmöglichkeiten zum Teil erheblich zurück gegangen. In diesen Berufen ist demgemäß eine Steigerung der Arbeitslosenziffern zu verzeichnen, jedoch ist im allgemeinen eine Besserung mit einer relativen Abnahme der Arbeitslosigkeit vorherrschend geblieben. Es waren 74 683 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein49 072( 49 063) männliche und 25 611( 26 057) weibliche Personen. unterstützung bezogen 22 748( 23 109) männliche und 5168( 5192) weibliche, insgesamt 27 916( 28 301) Personen. Die Zahl der zu gemeinnütigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 978 gegen 1041 der Borwoche. Landwirtschaft und Gärtnereien hatten nur geringen Bedarf an Arbeitskräften. In der Industrie der Steine und Erden hat sich der Bedarf an Marmorsteinmeßen und schleifern gegen die Vorwoche erhöht. In der Metallindustrie war weiterhin eine gute Vermittlungstätigkeit an weiblichen Personen und männlichen Spezialarbeitskräften gegeben. Im Rohrlegergewerbe ist der Bedarf an Arbeitskräften zurückgegangen. Im Spinnstoffgewerbe ist der Geschäftsgang gut geblieben. Es fehlt an geBellstoff- und Papierherstellung und verarbei= 0 übten Stridern, Striderinnen, Kürschmern und Sacknäherinnen. Die ung bot männlichen und weiblichen Personen gute Beschäftigungsmöglichkeiten. In der Lederindustrie und Industrie leder artiger Stoffe blieben mit Ausnahme der Ledermöbelbranche, in der ein größerer Bedarf an Polsterern vorhanden ist, die Anforde: rungen von Arbeitskräften nur gering. Die Aufwärtsentwicklung im Holz und Schnigstoffgewerbe hält in allen Branchen an. Das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe zeigt im an geübten Wickelmacherinnen und Deckblattsoriiererinnen. allgemeinen gute Aufnahmefähigkeit. In der Labakbranche fehit es Im Bekleidungsgewerbe blieb die Herrenmaß- und Konfektionsbranche noch gut beschäftigt. Stepper, Taschen- und Futtermacher blieben gesucht. Für die Damenmaß- und Konfektionsbranche hat der Beschäftigungsgrad nachgelassen. Anzeichen einer Besserung machen sich in der Wäschebranche bemerkbar. Die AufEs ist ja doch so, daß die Unternehmer von dem eigentlichen Wert der Anlagen oder der berechtigten Höhe des Eigenkapitals gar nichts wissen können. Da helfen heute nur Bermutungen über die zukünftige Konjunktur und den aus dem Umsatz wahrscheinlichen Gewinn. Die einzigen feststehenden Poften sind die laufen- nahmefähigkeit der Schuh- und Schäfteindustrie blieb nur gering. den Forderungen und Schulden, die Kassenbestände und einiger maßen noch der Wert der Effekten, Waren und Materiallager. Was die Goldbilanzen wert sind, das fann sich überhaupt erst in den Im Baugewerbe haben sich die Beschäftigungsmöglichkeiten vermindert. Das Vervielfältigungsgewerbe entfaltete lebhafte Nachfrage nach Sehern und Druckern. Langsamer war die Belebung im Handelsgewerbe und in technischen Berufen. Sehr gefährlich find weiter die in Aussicht genommenen Ero höhungen der Zölle auf Halbfabritate resp. die Beseitigung verlage", die gegenwärtig dem Reichswirtschaftsrat vorliegt und die der bisherigen Zollfreiheit. Schon die sogenannte„ kleine Zolltarif ziehung schwer gesündigt; man darf hoffen, daß solche Ausals vorläufige Verhandlungsgrundlage dienen soll, hat in dieser Be müchse vom Reichswirtschaftsrat und Reichstag wieder beseitigt werden. Auch sonst finden sich in dieser Vorlage Zollerhöhungen auf das 10 bis 15fache! Und darin soll nur eine Anpassung an die gestiegenen Weltmarktpreise zum Ausdrud kommen! Wie würde erst eine Zollvorlage aussehen, die die erforderlichen industriellen Komlöndische Zollmauern durch Handelsverträge Bresche zu schlagen, Verhandlungs3ölle, die dazu verwandt werden, in aus find gerechtfertigt und notwendig. Aber es besteht die Gefahr, daß darüber weit hinausgegangen wird und daß sich Schuzzollinteressen dahinter verstecken, die einem pertragsmäßigen Abbau der Verhandlungszölle" entgegenarbeiten. Verhandlungszölien mit großer Vorsicht vorgegangen werden, So ist es schon früher gewesen. Daher sollte bei Aufstellung van damit wir nicht darauf fitzen bleiben, wie es bei früheren Vertragsverhandlungen der Fall gewesen ist. Tritt das gleichwohl wieder in größerem Umfange ein, so wäre eine Revision des neuen Zoiltarifs das fleinere Uebel. Nur dann können wir unsere immer mehr schwindende Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt wiedergewinnen und steigern, wenn wir unsere Produktionskosten so niedrig als möglim halten, und nur dann werden wir mit Erfolg auf einen internationalen Abbau der Zolifranken hinwirken können, wenn wir selbst mittun. wirtschaftlichen Kampf aller Staaten gegeneinander führen muß, darf Das schlechte Beispiel des hochschußzöllnerischen Auslandes, das zum nicht maßgebend sein für Deutschland. Dieses sollte, als das Herz Europas, ein gutes Beispiel geben und auch auf handelspolitischem Gebiet der Borfämpfer fein für Völkerverföhnung und Völkerverständigung. Das liegt im wahren Interesse Deutschlands und ganz Europas. hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Togal Rheuma, Herven- und Jschias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Klinisch erprobt. In allen Apotheken erhältlich. 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Der Berein nimmt damit den Angehörigen die schwierigen Wege und alle Roften, die eine pietätvolle Feuerbeftatiung verursacht, ab. Für Mitglieder, welche dem Berein noch kein Jahr an gehören, übernimmt der Verein die Bermittlung und stellt den Pfarrer oder freien Redner. Die anderen Roften tragen die Hinterbliebenen. Mitglieder anderer Feuerbestattungsvereine haben beim Uebertritt teine Aufnahmegebühr zu zahlen und find sofort, also ohne jebe Wartezeit vollberechtigt. Hinterbliebenen- Beihilfe-Versicherung. Gegen Zahlung eines mäßigen Bujagbeitrages fann sich das Mitglied auf 100, 200 und 400 Goldmart verfichern. Die versicherte Summe wird nach Vollberechtigung im Falle bes Ablebens bet Anmeldung des Sterbefalles fofort ausgezahlt. Man verl. tostenfe Prospekt. Bertreter, auch im Nebenamt, gegen Provision ge, ucht Zu Ehren unserer verstorbenen Mitglieder wird heute, Sonntag, den 23. November in ben nachstehend aufgeführten Lokalen eine Gedächtnis- feier N verbunden mit Mufit- und Gefangs Aufführungen veranstaltet: Aula des Friedrich- Bilhelm- Realgymnasiums, Mittenwalder Straße 36/37, abends 8 Uhr. Gedächtnisrede: Herr Pfarrer Frante. Krematorium Gerichtstraße, nachm. 3 Uhr. Gedächtnisrebe: Herr B. Klüfener. Alhambra- Lichtspiele, Geestraße, Gde Müllerstraße, mittags 12 Uhr. Gebächtnisrede: Herr B. Klüfener. Concordia- Festfäle, Andreasstr. 64, nachmittags 5 Uhr. Schulaula Dresdener Str. 114, nachm. 4 Uhr Gebächtnisrede: Hr. Stimming. Aula bes Staatl. Kaiferin- Augusta- Gymnafinms, Charlottenburg, Cauerftrage 36/37, abends 8 Uhr Gedächtnisrede: Herr Pfarrer Bleier. Auta ber Hindenburg- Oberrealschule, Wilmersdorf, Sindenburgftr 36( am Seepart), abends 8 Uhr. Gedächtnisrede: Herr Pfarver Dr Piechowsti. Orpheum( großer Saal), Hafenheide, Eingang Graefeftraße, abends 7 Uhr. Gedächtnisrede: Herr G. Luz. Arematorium Banmschulenweg, nachmittags 2 Uhr. Mula ber Körner- Schule in Ropenid, abends 7 Cäcilien- Lyzeum, Lichtenberg, Rathausſtraße, abends 7½ Uhr. Uhr. Einlaßtarten für alle Veranstaltungen, auch für Richtmitglieder, find in allen Bahlstellen des Vereins sowie an der Abendtaffe erhältlich Der Borstand. gez. Millbahn. Um Sie Reellität von der unserer Pelzwaren zu überzeugen, verkaufen wir mit Garantieschein: Sealelektric, Biberett, Skunkskanin Murmel, Nutria- Mäntel u.-Jacken Große Auswahl in Geh- und Sportpelzen Elegante Pelzhüte Eigene Werkstätten SCHLÖTCKE& MANNEL, Konfektion feiner Pelzwaren Berlin, Große Frankfurter Straße 106, 2. Etage( am Strausberger Platz). Nach schwerem. mit großer Geduld ertragenem Leiden verschied am Freitag mein inniggeliebter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Bruder, der Fabrikbesitzer Hermann Josias im 55. Jahre seines arbeitsreichen Lebens. Im Namen der Hinterbliebenen Rose Josias geb. Aronsohn Ada Stein geb. Josias Siegfried Josias Erwin Stein Kondolenzbesuche dankend abgelehnt. 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Beilage des Vorwärts Ein Speisewagengespräch von Adolf Hoffmann. Nächste Woche erscheint in A. Soffmanns Verlag eine Abrechnung mit dem Antisemitismus... der Jude wird verbrannt" in Form von Reifeerlebnissen( mit Zeichnungen von Frig Wolff), in der Adolf Soffmann seine wigig- launige Art caf wirksamite spielen läßt. Wir entnehmen dem Büchlein folgende Schilderung: Wieder size ich im Eisenbahnzuge auf der Fahrt noch Danzig. Der Zug ist überfüllt. Nicht nur die Abteile, sondern die Seitengänge der Wagen sind als vierte Klasse mit Preisen für dritte Klasse gestopft voll. Ich habe Glück gehabt und zu einer Tasse Kaffee den Platz am Fenster des Speisewagens erwischt. Bis Schneidemühl bin ich geborgen. Dann wird der Speisewagen zur Mittagstafel geräumt Am gleichen Tische sitzt mir gegenüber ein forpulenter Herr, bem man den ostpreußischen Vollblutjunter auf fünfzig Schritte Entfernung ansieht, neben ihm ein langaufgeschossener Herr Mitte der Dreißiger, der noch immer so schlecht in die Zivilkleidung hinein paßt, doß man ihm auf gleiche Entfernung den ehemaligen Offizier anmerkt. Neben mir hat ein mit einer kompletten Juwelierschau fensterauslage behaftetes Wenigweibliches" Platz genommen. Der Junter aß Beefsteak und trant Rotwein. Der vermeintliche Offizier suchte, nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, einen als blinden Passagier von der letzten Nacht mitgenommenen Kater durch Sauerbrunnen zu beruhigen. Die Juwelierauslage, die nach der Haartheorie sicher teine Jüdin war- sie hatte helles, rotblondes, genehmigte eine Schotolade und war entrüstet, daß es nicht einmal Schlagsahne im Speisewagen gäbe. Dieser Entrüftung gab sie mit der Worten Ausbrud: Das sind die Herrlichkeiten der Republik." Ja. wenn nicht jüdische Planscher die Finger dazwischen gehabt hätten," war die Antwort des Dicken. ,, Erlauben Sie," sagte ich, auf die Weinkarte zeigend, hier steht: Direkt bezogen aus der Weinkellerei. Mein Gegenüber biß sich auf die Lippen. Schmeichelhaft war für mich die Antwort sicher nicht, die er verbiß. " Der Pensionierte" meinte, bei der jetzt eingeführten eigenen Regie sei man vor jüdischem Einfluß nirgends mehr sicher. Tischgenoffin. Vielleicht ist es ein besonders nasser Jahrgang," flötete unsere verständigenurteil gemacht haben, denn ihre Augen warfen mir den Ich muß recht erstaunte Augen über dieses verblüffende SachTitel eines bekannten Kartenspiels an den Kopf. Die Wienerin rief getränft nach dem Zahlkellner, und als er nicht gleich fam, erklärte sie pitiert: Jawohl, mein Gatte fagt immer, das Wetter, die Sozialdemokraten und die Juden verwässern einem allen Genuß und jedes Geschäft." Der Junter räusperte sich.„ Das Wetter müssen wir ertragen, auch wenn dadurch Früchte zugrunde gehen. Dann steigen die Preise. Mit den Sozis werden wir fertig, wenn altpreußisch zugefaßt wird. Nur die Judenpest ist eine Seuche, die mit Bech und Schwefel ausgebrannt werden muß. " " Zuerst die Judenregierung," sekundierte der Ehemalige. " Von der Sie, wenn ich nicht sehr irre, Ihre Pension beziehen," plagte ich heraus. Der 3wangszivilift" fuhr empor. Mit zusammengezogenen Augenbrauen stieß er drohend hervor: Was wollen Sie damit fagen?" Mich gewaltsam zur Ruhe zwingend, war meine Entgegnung: Daß ich von einer solchen Regierung feinen Pfennig annehmen „ Das ist meine Sache," stieß der sich getroffen Fühlende gereizt Donnerwetter! Ich war perplex. Ich hatte schon manches heraus. gehört, woran die Republik schuld sein sollte, aber„ Schlagsahne", Richyig, aber dann müssen Sie auch gestatten, daß andere ihre das war sicher ein neuer Gesichtswinkel. Ich kam aber nicht redyt zur Besinnung, denn als ob der„ Ehe- Schlüsse daraus ziehen," gab ich sehr ruhig zurüd. Der Agrarier unterbrach die Fortsetzung unseres Zusammenmalige" nur auf das Stichwort gewartet hätte, schnappte er ein: stoßes mit den scharf betonten Worten: Billigen Sie denn die Alles glorreiche Errungenschaften der Judenregierung, Judenregierung?" meine Gnädige." Nein," war meine Antwort. Gesicht und speciger Nacken der Gnädigen wurden dunkelrot. Sie wischte sich mit dem Handrücken die Schokolade von der süßen Schnute und orafelte:" San's versichert, Herr Baron, das ist bei uns wie in Deutschland." ,, Aha", dachte ich, machen Sie sich nir draus, bei uns nennt man jeden Lumpen Baron.: Also eine Wienerin. " Der Bollblutjunker legte Messer und Gabel zusammen und sagte ziemlich grob zur Gnädigen":„ Na, ohne Schlagsahne fann man leben. Aber daß sie einem Sohlenleder als Beefsteak vorsetzen und gefärbtes Effigwasser als Rotwein, das ist nur bei solcher Judenregierung möglich. Für die Hälfte hätte man früher im Speise. wagen einen sehr trintbaren Burgunder erhalten." " 11 Aha," dachte ich! Ein guter Deutscher kann zwar feinen Franzmann leiden, doch seine Weine trinkt er gern. Na, warum denn nicht. Effen doch die Monarchisten mitsamt den höchsten, richtiger nächsten Herrschaften heute noch russischen Raviar, obwohl er doch mindestens nach dem Tode der Barenfamilie einen bolschewistischen Beigefchmad für sie haben müßte;- aber über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Ich sage also zu meinem Gegenüber, seine leere Halbe betrach bend:„ Der Tropfen ist aus einer renommierten deutschen Weinfellerei." würde." ,, Na also," gab mein Gegenüber zurück. " " " 1 Weil ich eine solche noch nicht fennengelernt habe." Nanu hört's auf!" " Das ist die Höhe!" " Wo ein ehemaliger Sattler und Budiker Präsident dieser Judennepublik ist," stießen meine drei Tischgenossen in höchster Ent rüftung über meine Unwissenheit fast gleichzeitig heraus. ,, Meine Dame," wandte ich mich an meine Tischnachbarin. Als der ehemalige Sattlergehilfe wegen seiner freiheitlichen Anschauungen gemaßregelt war, eröffnete er, um aus der Stadt feiner Maßregelung nicht zu weichen, einen Restaurationsbetrieb, mit dem er sich redlich nährte, ohne sich Reichtümer dabei zu erwerben, die er nachher in der Welt fpazieren tragen mußte. Glücksritter und Glücksspieler hatten in seiner„ Budike" kein Heim." " Wenn Sie mich kennen," tam es aus dem Munde der Gekränkten. dann wissen Sie, daß mein Mann freigesprochen ist." „ Ich habe nur das Vergnügen, Sie vom heutigen Ansehen zu tennen, aber das zusammen mit Ihrem letzten Ausspruch genügt meinen Ansprüchen vollkommen." „ Ein Frechdachs", schlüpfte es meinem Gegenüber durch die Zähne. Sonntag, 23. November 1924 Ich tat als hätte ich nichts gehört und wandte mich an meine Freundschaft von vorhin. Ihnen, mein Herr, will ich in aller Freundlichkeit sagen, daß es, allerdings die Höhe ist, wenn man über Dinge spricht, bei dem das Urteil von feinerlei Sachkenntnis getrübt ist," und, eine scharfe Entgegnung, die der Angeredete auf den Lippen hatte, abschneidend, sagte ich zu meinem Gegenüber:„ Auch ich dachte, als Sie von der Judenregierung" sprachen: Nanu hört's auf, denn es steht diese Behauptung mit der Wahrheit so im Widerspruch, daß ich zu Ihren Gunsten annehmen will, Sie sind belogen worden." ,, Erlauben Sie," fuhr der Dicke auf. Ja, bitte. Erlauben Sie, daß ich Ihnen die amtlichen Zahlen gebe. " Das amtlich" hatte Eindruck gemacht. Drei Baar prüfende Augen richteten sich, meine ganze Person musternd, auf mich. Ich entnahm mit großer Ruhe meiner Mappe ein Aftenstüd und fuhr fort:„ Wir haben in der Republik bis jetzt zehn Regierungen, d. h. Kabinette gehabt. Nun hören Sie, wieviele Juden in diesen Regierungen waren. Im Kabinett Scheidemann waren unter 15 Ministern zwei jüdischer Abstammung, der Demokrat Dr. Preuß und der Sozialist Landsberg. Im Ministerium Bauer unter 14 Ministern feiner jüdischer Abstammung. Im Ministerium Müller unter 14 Ministern feiner jüdischer Abstammung. Im Ministerium Fehrenbach unter 15 Ministern feiner jüdischer Abstammung. Im Ministerium Wirth unter 14 Ministern zwei jüdischer Abstammung, der Sozialist Dr. Gradnauer und der Demotrat Rathenau. Im zweiten Ministerium Wirth unter 13 Ministern ein Jude, der Demofrat Rathenau. Nach seiner Ermordung feiner. Im Ministerium Cuno unter 14 Ministern tein Jude. Im ersten Kabinett Stresemann unter 12 Ministern ein Jude, der Sozialist Dr. Hilferding. Im zweiten Kabinett Stresemann unter 12 Ministern kein Jude. Im Kabinett Marr unter 12 Ministern kein Jude." ,, Erlauben Sie," fuhr meine funkelnde Nachbarin dazwischen, während die beiden Herren ganz perplex dajaßen, Marr ist doch als englischer Jude durch sein großes Kapital weltbekannt." Schallendes Gelächter auch an den Nachbartischen war die Antwort, die ich, während sie nun wirklich bezahlte, durch die ironischen Worte ergänzte: Meine Gnädige, Ihre Regierungs- und Weinfenntnisse halten so gleichen Schritt, daß ich vollständig entwaff met bin." " Herren- u. Damen- Stoffe Größte Auswahl! : Bekannt billige Preise! 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