. Abendausgabe Nr. 55441.Jahrgang Ausgabe Nr. 277 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennic Montag 24. November 192 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 253-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Jaurès- Tag von Paris. Ein freies Volk ehrt sich in seinen großen Toten. Paris, 24. November.( Eigener Drahibericht.) Der Apostel des Friedens und der Völlerverföhnung, Jean Jaurès, der große Vorfämpfer des Sozialismus, der Volfstribun des neuen Frankreichs, ruht feit Sonntag im Pantheon, dem Nationalheiligtum, das das französische Bolt seinen großen Toten errichtet hat. Die Regierung, die diese Ueberführung vorgeschlagen, das Parlament, das sie beschlossen und das Bolt, das diesen Beschluß als Unterpfand einer wahrhaft demokratischen Entwicklung mit fürmischem Enthusiasmus begrüßt und am Sonntag zu Hunderttausenden an der Ueberführung teilgenommen hat, sie alle haben mit dieser Ehrung, die sie dem Andenken des großen Führers der Arbeiterschaft bereiteten, sich selbst und die Demokratie in einer Apotheose von imposanter Wucht und Eindringlichkeit geehrt. Drei Stunden lang, während der Sarg mit der Asche Jaurès' auf einem fünstlerisch ausgestatteten katafalt, von schwarzen Draperien umflort und von lodernden Opferflammen flantiert, auf der großen Freifreppe des Palais Bourbon aufgebahrt lag, defilierten das Bolf von Paris und die zahllosen Abordnungen aus dem ganzen Lande in unabsehbarem Zuge vorbei, dem Toten die letzte Huldigung darbringend. Punkt 1 Uhr jetzte sich der imposante Trauerzug in Bewegung, an der Spizze 200 Bergleute von Albi im Arbeitskostüm mit Spitzhaue und brennendem Grubenlicht, dahinter der gewaltige, auf fahrbarem Gestell ruhende katafalt, filbergrau und schwarz ausgeschlagen und mit einer riesigen Trifolore bededt, von 80 Bergleuten in Arbeitstracht vorwärtsbewegt. Ihm folgten die Verwandten und Freunde Jaurès', das gesamte Kabinett mit Herriot an der Spitze und dem Kriegsminister Nollet in Generalsuniform. Dahinter Hammer und Senat, die Vertreter anderer öffentlichen Körperschaften, die Delegationen des Auslandes, darunter, von Breitscheid geführt, auch eine deutsche, die Abordnungen der politischen und gewertschaftlichen Organisationen der Departments, der Freimaurerlogen, der Liga für Menschenrechte, und endlich, in unabsehbarer Menge, mit wehenden roten Fahnen, die Arbeiter. schaft von Paris und ihre Delegationen aus der Provinz, die Deputationen der republikanischen Verbände usw. An beiden Seiten der den Trauerzug passierenden Straßen bildeten Truppen der Pariser Garnison Spalier, und dahinter stand Kopf an Kopf die Bevölkerung von Paris, die mit der Huldigung für Jaurès eine pontane Ovation für Herriot verband, der auf dem ganzen Wege ftürmisch begrüßt wurde. Die eigentliche Trauerfeier fand im Pantheon selbst statt, dessen Säulenreihen rote Draperien verbanden. Herriot hielt die Trauerrede, schlicht und ergreifend und von fizfer Verehrung und Huldigung für den großen Toten.„ Einer der Gründe, warum wir alle Jaurès so überaus lieben," führte er aus, ist, daß er, der die höchsten Gipfel menschlichen Dentens ertlommen hatte, der mit den Größten des Geistes, mit Plato und Hegel, verwandt war, niemals fich von feinen Ursprüngen entfernt, nie sich seinem Volk entfremdet hat. Was er an Wissenschaft und Geist empfangen hat, das suchte er zu verbreiten, um es zum Allgemeingut zu machen. Dichter, Philosoph und Erzieher, stand Jaurès hoch über der politik des Tages. Er hat die engen Grenzen, in denen die Betätigung in der Deffentlichfeit sich abzuspielen pflegt, durchbrochen. Sein Denken durchbrach den Egoismus und die Vorurteile, und wo er in einer Berjammlung auftrat, da war sie von seinem Geiste beherrscht." Herriof schilderte dann in leuchtenden Farben das öffentliche Wirken Jaurès', die Meisterschaft, mit der er selbst die sprödesten Fragen beherrschle und fie in seinen Schrifien und Reden fünstlerisch zu gestalten verffand, fein glühends Bekenntnis zur Demokratie und zur Republik, zum Frieden und zu seinem Vaterland, seinen Idealismus und fein unermüdliches Wirken für die Masse der Unterdrüdten, deren Wohlfahrt sein Lebenswert gewidmet war. Unter den klängen des Icauermarsches aus Beethovens„ Eroica" wurde der Sartophag sedann in die Krypta des Pantheon geleitet. Am Vormittag war in der Rue Montmartre an der Faffade des Restaurants le Croissant, in dem Jaurès ermordet worden war, die von der Liga der Republik geftiftete Gedenktafel enthülli worden. Paris, 24. November.( WTB.) Im Trocadero fand gestern abend eine Erinnerungsfeier für Jean Jaurès statt. Der Führer der Sozialistischen Partei, Léon Blum, hielt die Gedächtnisrede. Er sagte, die gestrige Feier sei ein Glaubensbekennt nis des arbeitenden Bolkes von Frankreich gewesen. Im Namen der Liga für Menschenrechte sprach ihr Vorsitzender Buisson, namens der belgischen Arbeiterpartei van der Velde und im Namen der französischen Gewerkschaften Jouhaux. Gedenkworte Macdonalds und Caillaux'! Paris, 23. November.( Eca.) Macdonald hat in einem Telegramm on Longuet mitgeteilt, daß er zu einem Bedauern der Einladung an der Jaurès- Feier nicht hat Folge leisten können, da er sie zu pät erhalten habe. Macdonald fügte hinzu, daß er glücklich wesen wäre, ort der Ehrung seines ehemaligen Freundes teilzu nehmen. Macdonald erinnert ferner an die Kämpfe, die er während vieler Jahre Seite an Seite mit Jaurès ausgefochten hat für bie Böllerpersöhnung und den Frieden. • Jofeph Caillaug veröffentlicht, im„ Ere Nouvelle" anläßlich der Chrung Jaures einen Brief, in dem unter anderem heißt: Es ist bitterlich, von einem lieben Freund zu sprechen, den man jetzt | zum Menschen macht. Alle diese sind entweder von den Eryntien verfolgt, oder sie drohen in dem Meer des Bergessens zu verfinfen Er bleibt. Man glaubt ihn befielt zu haben Er ist aber der große Sieger. erst schätzen lernt, da er nicht mehr ist. Ich stelle mir Jaurès wie einen dieser großen gallischen Eichen vor, deren Größe wir bewundern und unter deren Zweigen wir Schutz suchen. Aber wir fi id zu flein, um die Gipfelhöhe zu ermessen. Seine wahre Größe wird erst durch das Unglück klar, denn sein Sturz hat den ganzen Forst verwüstet. Alle diejenigen, die ihn ver- Der schwedische Ministerpräsident Branting hat Herriot anleumbet und beleidigt haben, sind diejenigen, die erleichtert dar- fäßlich der Ueberführung der Leiche Jaurès ins Phanteon ein Teleüber waren, daß er aus der Zahl der Lebenden entwicken ist. Es gramm gesandt, worin er seiner lebhaf en Sympathie für das frenfind alle diejenigen, die entfremdet all dessen, was den Menschen zösische Volk und seiner Bewunderung für Jaurès Ausdruck gibt. Marx gegen den Bürgerblock. Reichskanzlerrede in Köln. Deutschlands. Der Kern diefer Arbeitsgemeinschaft wird und muß die Mitte alten Reichstag erprobte Zusammenarbeit wird sich, das hoffe id) bleiben: Zentrum, Deutsche Beltspartei und Demokraten, ihre im bestimmt, auch im neuen bewähren. Die Führung muß in der Mitte bleiben und die Parole muß heißen: Durch Arbeit zu: Freiheit! Wer diese Politik ehrlich unterstützen will, der ist uns willkommen, einerlei, ob er rechts oder links von uns steht. Wer es aber zur Regierung drängt, um diese Bolitik der Erfüllung im Rahmen des Möglichen, diese Bolitik der Verständigung zu sabotieren, und fie ins Gegenteil zu verfehren, bom rufen wir heute schon zu daß wir mit ihm feine Gemeinschaft machen. Köln, 23. November.( MTB.) In der überfüllten Messehallebeit am politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau, Sprach heute vormittag 11 1hr der Reichskanzler Marg. Unter den Erschienenen befanden sich u. a. auch der Oberpräsidant der Rheinprovinz Dr. Fuchs, der Regierungspräsident von Köln, Graf delmann und der Kölner Weihbischof Hammel s. Gleichzeitig fand im Ehrenhof der Messe eine Parallelversammlung statt, der die Ausführungen des Kanziers mittels Lautsprecher zugänglich gemacht wurden. Der Reichskanzler wies im ersten Teil seiner Rebe auf den Erfolg der Erfüllungspolitik hin und wies im einzelnen nach. welchen segensreichen Einfluß der Abschluß der Condener Verhandlungen auf das besetzte Gebiet und ganz Deutschland ausgeübt habe. Der Kanzler gab wetter seinem Bedauern über das Fehlurteil von Lille Ausdruck und erklärte, die Reidsregierung werde alles tun, um den zu Unrecht verurteilten General Nathusius zu befreten. Der Kanzler kam dann auf die Reichstagsauflösung zu sprechen, die sich nicht permeiden ließ. Dieser Reichstag mar nicht nur nicht arbeitsfähig, er war nicht einmal arbeitswillig. Die Flügelparteien rechts und links, Deutschvölkische und Kommunisten, fchieden für die positive Arbeit von vornherein aus. Deutschnationale und Sozialdemokraten flanden, ohne an der Verantwortung für die Regierungsgeschäfte beteiligt zu sein, in abwartender Haltung; die Sozialdemokraten mit dem Bestreben, wenigstens in der Außenpolitif die Regierung zu unterstützen. die Deutsch nationalen mehr mit dem Hang zu der seit Jahren geübten Opposition, die fie gern mit dem Schlagwort, national" 311 rechtfertigen suchen. Lediglich die Minderheit von Zentrum, Deut scher Volkspartei und Demokraten stand als verläßliche Gefolgschaft hinter der Regierung. Ich habe mir nach der Annahme der Dawesdemokraten zur Teilnahme an der Regierung zu veranlassen. Der Gesetze ehrliche Mühe gegeben, Deutschnationale sowohl wie SozialAustlang dieser Verhandlungen bestand darin, daß von der Deutsch nationalen Volkspartei„ Meinjager" als Minister präsentiert werden follten und daß die Demokraten erMinister präsentiert werden follten und daß die Demofraten er flärten, unter feinen Umständen ihre Vertreter in einem einseitig nach rechts erweiterten Kabinett zu belassen. Das aber fonnte unmöglich das Ziel der Regierungsumbildung fein, einer Partei, die positio an dem Zustandekommen der Dawes- Gefeße mitgewirkt hatte, den Laufpaß zu geben und eine andere in die Regierung einzubeziehen, die vom April bis zum Tage vor der entscheidenden Abstimmung am 29. August schärfste Opposition gegen die Außenpolitit der Regierung getrieben und fich in dieser Zeit zum mindesten den Anschein gegeben hatte, als versuche sie, das Abkommen auf Grund der Expertenvorschläge zu fabotieren. Es wäre wider alle Regeln der politischen Logit gewesen, das Kabinett nach Ausscheiden der Demokraten aus den Reihen der Reinfager zu erweitern und so eine Gefährdung der bisher verseigten und oft genug mühsam durchgeführten Politik der Verständigung herbeizuführen. Das fonnte und wollte ich nicht mitmachen, das hätte weder das Ausland noch unfer Bot verstanden, das eine klare und zielbewußte Politik verlangt und von seiner Regierung. aber auch Taten übereinstimmen mit ihren Worten, und das in feiner übercon den Regierungsparteien mit Fug und Recht erwartet, daß ihre wiegenden Mehrheit zum Glück zu unterscheiden weiß zwischen hochtönenden Phrafen, zwischen leeren Wahlversprechungen und einer Dernünftigen Bolitik, die immer noch die Kunst des Möglichen bleibt auch dann, wenn die sogenannte„ nationale Opposition" sich einmal entschließen könnte, statt der Opposition die Berantwortung zu über nehmen. Mit Protesten allein fommt man in der Bolitit nicht weiter. Hätte ich es verantworten fönnen, lediglich um einen Protest anzubringen, die Londoner Konferenz zu sprengen und mit leeren Händen aus Lenden zurüczukommen? Ein solches Va banque- Spiel fonnte ich nicht verantworten. Zur Frage des Bürgerblods erklärte der Kanzler: Mit einem Bürgerblod, wie er in dem aufgelösten Reichstag theoretisch zu errechnen war, wäre eine fonfequente Fortführung unserer Außenvolitik nicht mehr möglich gewesen. Eine Regierung, die beim Grafen Westarp anfängt und beim Zentrum aufhört, hätte nicht nur cuf sehr schmaler parlamentarischer Basis gestanden, sondern auch mangsläufig nach der völkischen Seite hin tendiert. Einen folden Bürgerblock in dem wir nur den Steinbügelhalter für den völkischen Block abgeben, in dem die Führung der Außen politik an den völlischen Block übergeht. Jehne ich unter alien Imständen ab, weil er aufempcich mändigen Bruch mit unserer bisherigen Bolinnen Sämpfen führt, die wir injh nicht ert för auch nach der 7. Dezember hat jete rroftische Belitit zur Borusu daß wir aue arbeits. willigen Kräfte des Parlaments aujammenfassen, zur positiven Neulich ist die Enfdedung gemacht worden, daß zwischen der Außenpolitik der fehlen Jahre und der Außenpolitik von heute und zwischen der Außenpolitit einer Regierungspartei und der Außenpolift wie sie von den anderen Parteien, die die jehige Regierung geflüßt haben, geführt und verstanden worden ist, ein wesentlicher Unterschied bestände Aus außen und innenpolitischen Gründen fann ich mich nur freuen, daß diese Entdeckung erst jetzt gemacht worden ist. Noch mehr freue ich mich darüber, daß man bisher nie etwas von diesem Unterschied gemerft hat. Aus diesem Grunde glaube ich auch, daß sich weitere Ausführungen darüber erübrigen. Man sollte doch in so ernsten und schwierigen Zeiten, wie den gegenwärtigen, an allen Stellen sich bewußt bleiben, daß es in erster Linie auf das Wohl der Allgemeinheit anfommt, und daß davor alle Rücksichten, auch solche der Parteien, zurückzutreten haben. Lassen wir auch endlich einmal ab von den Schlagworien in der ernsten politischen D'stuffion, denn sie sind nur dazu greignet, Deshalb fort mit Parolen wie Bürgerblock oder Linksblock, d'e das die politischen Begriffe breiter Massen zu verwirren. Bolk in zwei Hälften teilen und in unüberbrüdbarem Gegenjaz zu dem Gedanken der Volksgemeinschaft stehen, die doch unser aller Zel fein muß. Mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft verträgt fid) auch nicht die Hetze, die unter dem Schlagwort gegen Juda und Rom" neuerdings wieder gegen Juden und Ratholiten einfegt. Und rorauf will man hinaus, wenn man im deutschnationalen Lager den Kampf gegen Internationalismus und Pazifismus" als Parole ausgibt? Besser wäre es, man ftedie fich positive 3iele, schon um die mannigfachen Mißdeutungen auszuschließen, die bei solchen Parolen unmöglich ausbleiben fönnen Auch im deutschvölkischen Lager find diese Schlagworte beliebt. und was man dort darunter versteht, ist nicht mehr zweifelhaft. Wenn Sie unter einem Pazifisten einen Kämpfer für die Erhaltung des Friedens verstehen, nun denn dann erkläre ich Ihnen, ein solcher Kämpfer zu sein. Da hörte ich weiter das Schlagwort: Wir führen den Wahitampf unter der Parole Schwarz- Weiß- Rot. Ja, wenn mit der Wiedereinführung der schwarzwe kroten Fahne, die unser aller Stolz war und ist, die schwierigen politischen, finanziellen, mirtschaftlichen und sozialen Probleme gelöst wären wer wollte da nicht freudig seine Zustimmung geben? Wir haben die schwarz rot- goldene Fahne zu einer Zeit gehißt, als das großdeutsche Ideal noch in rreichbarer Nähe schien. Darin lag teine Geringschäzung des schwarz- weiß- rot, es war das Symbol für ein neues größeres Deutschland. Wer schwarz- weiß- rot in Ehren hält, braucht deshalb schwarz- rot- gold nicht zu fchmähen, denn es ist die Fahne des neuen Deutschland, das wir aus den Trümmern des Weltfr eges und der Revolution gerettet haben, und die Fahne eines Deutschland, das noch Millionen deutscher Brüder in fich aufnehmen will. Wer den Borrang der Außenpolitik anerkennt, der wird sich ver allem davor hüten, in einer Zeit, welche die Zusammenfassung aller Volkskräfte zur positiven Arbeit, zu Höchstleistungen auf allen Gebieten erfordert, die Frege einer Kenderung der Staatsform aufzuwerfen. Die Staatsform ist für Deutschland in der Weimarer Verfassung festgelegt, und diese Staatsform ist die Republik. Wenn wir unsere fräfte nicht in unfruchtbaren inneren Sämpfen vergeuden wollen müssen wir uns damit abfinden, daß der Wiederaufbau Deutschland durch die deutsche Republik erfolgt. Das heißt nicht, daß nun alle, die noch in ihren Herzen der alten Staatsformen anhängen, heu'e ihre alten Ideale abschwören follen. Das verlangt leiner von ihnen: Tas heißt aber, daß alle ohne Ausnahme, sich endlich auf den Boden dieser durch die Ver faffung gegebenen Tatsachen stellen müssen und dem neuen Deutsc land gegenüber nicht eine Haltung einnahmen dürfen, welche in dem alter Drilon für einen Republiener undenkbar gewesen wäre. Die Weimarer Brinisung ist fein Produkt der Revelution, sie ist heites Ret, fie hat dem chaotischen Zustand, Schwarz- Rot- Gold. Reichsbannertag Brandenburg- Berlin. ohnegleichen aber ist es, daß die Mehrheit der Richter noch immer gegen die Republik eingestellt ist. Was ist das für eine Justiz, die eine Schmähung und Beleidigung des Reichspräsidenten mit 100 M. Geldstrafe und die eines Kommerzienrats mit Gefängnis ahnde!? ( Empörte zurufe.) Nur wenn die Republik sich restlos durchsetzt, wird die Aufgabe des Reichsbanners erfüllt sein. Möge der 7. Deber monatelang in Deutschland herrschte, ein Ende gesezt, und wir müssen verlangen, daß sie von allen respektiert wird. Eine Regierung, die dunklen Machenschaften gegen die verfassungsmäßigen Zustände in Deutschland untätig zusähe, würde sich selbst zum MitIm Plenarscal des alten Herrenhauses in der Leipziger Straße schuldigen an dem hochverräterischen Treiben machen. Wir haben, hielt der Gau Berlin- Brandenburg des„ Reichsbanners weiß Gott, die Freiheit der politischen Betätigung im neuen Deutsch Schwarz- Rot- Gold" am gestrigen Sonntag eine Heerschau ab land nicht unterbunden, mir müssen aber, um unseres Volkes und über alle Kameradschaften der Provinz Brandenburg und Groß- 3ember ein voller Sieg der Republik sein! Die von glänzenden Erunseres Landes willen dafür sorgen, daß mit dieser Freiheit Berlins Zahlreich waren die Vertreter dem Ruf gefolgt, steht doch folgen gekrönte Arbeit des Reichsbanners gibt die Gewähr, daß es zu diesem Siege kommt.( Stürmischer Beifall.) tein Mißbrauch getrieben wird. Die Ausführungen des Kanzlers fanden stürmischen, minutenlangen Beifall. Nach dem Kanzler sprach Üniversitätsprofessor Dr. auscher über kulturpolitische Fragen. Tirpitz als Aktendieb. ..Ein großer öffentlicher Skandal." Der bekannte Historifer Dr Friedrich Thimme erhebt Berliner Tageblatt" die heftigsten, aber wohlbegründeten Anklagen gegen Herrn Tirpiz. Er beschäftigt sich mit dem neuesten Buch von Tirpiz Politische Dokumente", in dem amtliche Artenstücke veröffentlicht werden. Thimme wirft Die Frage auf, wie Tirpik in den Besitz dieser Dokumente jetommen sei. Er stellt fest: " n Brandenburg und in Berlin eine Organisation von nicht weniger als 234 großen Ortsgruppen zum Reichsbanner, und es war interessant, in den Anwesenheitslisten die Namen außer den GroßBerliner Ortsgruppen zu lesen: Landsberg a. d. W., Sorau, Forst in der Lausitz. Triebel, Prizwalf, Schneidemühl, Finsterwalde, Fürstenwalde, Betschau, Buckow, Brandenburg a. d. H., Jüterbog, Frankfurt a. d. D., Züllichau, Eberswalde, Kalau, Schwedt, Stordow, Bttenberge, Rottbus, Templin, Havelberg, Kyriß. Freienwalde, Lübbenau, Luckenwalde, Brenzlau, Meseriz und Sommerfeld. Selbst Schwerin a. W., Beliz, Lübben, Schönlante, Behden.dk, Bich, in kleinen Dörfern des Havellandes wie Regür und Krielow hat das Reichsbanner festen Fuß gefaßt und es erregte nicht wenig Be fall, als einer der Redner aus der Provinz erklärte daß in den politisch dunkelsten Winkeln, wo feine verfassungstreue Partei bisher babe Fuß fassen können, erst das Reichsbanner es gewesen se, das sich eingenistet und damit die erste Grundlage zum Verständnis für den modernen Staatsgedanten gelegt habe. Die Ausschmückung des Saales war in vorbildlich geschmackvoller Weise erfolgt. „ Er hat sich einen großen Teil des Materials, das ihm in einer amtlichen Eigenschaft als Staatssekretär des Reichsmarineamts in die Hände gelangte, persönlich angeeignet, sei es in den Originale 1, sei es in Abschriften, und er hat diese Mate rafften schwarzrotgoldenen Fahnen der Reichsadler hervor. Darunter Ueber dem Präsidentensi trat machtvoll und bedeutend aus geralien, die er im Vorwort seines Buches ausdrücklich feine Pas ein bre tes Spruchband:„ Einigkeit und Recht und Frei piere" nennt, obwohl sie nicht sein, sondern staatliches heit." Fahnen hingen außerdem von den Galerien. Fahnen in Eigentum waren und sind, auf eigene Faust, ohne die Erden Händen von Ne dysbannerleuten flankierten rechts und links laubnis der zuständigen Behörden einzuholen, Präsidentensiz und Rednertribüne. veröffentlicht!" ,, Es tann auch gar tei ie Frage sein, daß Tirpiß, wenn er feine Beröffentlichungen zu Zeiten des alten Regimes gebracht hätte, von diesem aufs schwerste zur Rechenschaft gezogen worden wäre. Höchste Würdenträger des alten Regimes, mit denen ich den Fall Tirpitz besprochen habe, haben unter Ausdrüden der stärksten Entrüstung betcnt, daß ganz selbstverständlich neben dem disziplinarischen Verfahren auf Einziehung der gesetzlichen Ben sion auch ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet worden wäre." Nichts aber fann mich abhalten, vor aller Deffentlichkeit feftzustellen, daß die Publizierung des amtlichen Materials durch Herrn v. Tirpitz gerade vom Standpunkte des alten kaiserlichen Regimes ein großer öffentlicher Standal ist. wie ihn Deutschland überhaupt noch nicht gesehen hat." Dr. Thimme geht weiter auf das Motiv von Tirpitz ei dieser Publitation ein. Er wirft ihm vor, er habe die gestohlenen Dokumente publiziert, um einer Bloßstellung seiner Flottenpolitik durch die große amtliche Aftenpublikation zuvor utommen. Der Tatbestand ist also der, daß Herr Tirpitz amtliche Aften unterschlagen hat, um sie zu privaten 3wecken zu veröffentlichen. Seine eigene werte Person steht ihm vor den Anforderungen des Saates, vor der Innehaltung einer recht lichen und moralischen Verpflichtung und dem politischen Interesse Deutschlands im Vordergrund. Ein echter Schädling aus dem alten Regime! Wir halten es für selbstverständlich, daß gegen Herrn Tirpig eingeschriten wird. Immer wieder hat die reaktionäre Breffe wegen angeblicher Attendiebstähle gegen republikanische Minister und Beamte nach dem Staatsanwalt gerufen, und reaktionäre Staatsanwälte haben ihr willfahrt. Wir erinnern an die für die Staatsanwaltschaft so schmählich verlaufenen Fälle Hermann und Loeb in Thüringen. Hier liegt ein offenfundiger Aftendiebstahl vcr. Was wird darauf geschehen? Herr Tirpitz ist der große Mann der Deutschnationalen. Sie haben ihn als Reichskanzler präsentiert. Ein Aftendieb, dessen hinterliftiger Charakter, dessen antinacionale egoistische Gesinnung in dieser Affäre hell beleuchtet wird, als deutscher Reichskanzler! Der große Mann" Tirpitz der Deutschnatiotalen charakterisiert ihre Partei. Buß- und Totentag. ernste Musik in allen Sälen der Stadt. Und endlich einmal ißt man sich um Blake, als gelte es eine, Sensation. Will man Buße tun, andächtig fein, vergangener Güter, verblichener Schönheit, verstorbener Menschheit nachtrauern? Die großen Werte großer Meister flingen auf, zugfräftig auch bei den strengst Modernen. Elias( bei Ebe), Requiem von Brahms( bei Burchardt), Missa solemnis( bei Och s). Er hat den Weg zur Philharmonie wieder gefunden, und das große Bekenntnis des freien, religiösen, doch religionslosen Urmufifers flingt hier dopelt großartig. Fühlt doch religionslosen Urmufifers flingt hier dopelt großartig. Fühlt einer, hört einer noch, welche immenſen Schwierigkeiten diese Messe birgt? Ein jeder aber weiß, ein jeder ist durchdrungen davon, daß hier höchste Leidenschaft gebannt ist in stilvollstem Ausdrud, und daß der Meister, der dort den Tattstock schwingt, das Wert von innen her leuchten läßt, wie feiner zuvor. Bereichert durch außergewöhn Auch in fleinem Kreis herrscht andächtige Stimmung. Was in der Cecilien- Schule gesungen und gespielt wird, ist zwar erst halb vollendet. Doch Inbrunst und Können helfen dem Un fertigen auf. Hans Schroeter zeigt respektable Fähigkeit zum Orgelspiel, selbst auf schlechtem, perstimmten Instrument, Franz Allers zieht beseelten Ton aus millig gehorchender Geige( Folies d'Espagne); in einem Duett von Leonardo Leo treffen sich zwei von Hause aus schöne Stimmen, der noch nicht ganz lodere, doch ergiebig chöne Sopran von Jeanne Sénard und der volle, warme At er musikalischen Baula Lindberg zu ausdrucksvollem ZwieJefang. ches Erlebnis fehrt man heim. | Im Mittelpunkt der Tagung stand die groß angelegte Rede des Begründers und Beiters des Reichsbanners Oberpräsidenten Hörsing: zunächst brachte der Redner das Bedauern der Bundesleitung dareinen ehrenhaften Soldaten, wie den General v Nathustus gefangen über zum Ausdruck daß es die französische Militärjustiz gewagt habe, zu nehmen und zu verurteilen. Unter dem Beifall der Versammlung versicherte Hörfing den General v. Nathu ius der aufrichtigen Teilnahme des gesamten Reichsbanners. Sodann ging der Redner auf die Tagesfragen ein: Die ganze Wut der Gegner richtet sich in erster Linie gegen das Reichsbanner, und dann erst gegen die verfassungs treuen Parteien. Wie aber sehen unsere Gegner aus? Die Deutfchnationalen fann man furz abtun, denn sie fressen sich felber auf.( Heiterfeit.) Die Völkischen haben sich ihr Programm aus dem sozialdemokratischen und fommunistischen Brogramm zu'ammengeflaubt. Die Kommunisten wird die Geschichte als Bolfsverräter übelfter Sorte brandmarken, die die Republik zu Fall bringen wollten. Die Deutsche Volkspartei ist die Partei aller Regierungskrisen, die dem Land ideell und mae riell den größten Schaden zufügt hat. Die jebige Reichstagsauffösung hat nur die Deu sche Bo kspartei verschultet; sie hat sich als entpuppt, das sie in Wirklichkeit ist. Wenn sie jetzt wieder für einen schen hält. Es ist aber auch ein Beweis für die schlotternde Angst, Block der Mit e eintritt, beweift sie nur, für wie dumm sie die Deutdie ihr vor der Abrechnung am 7. Dezember in den Gliedern siz, und es ist ihr Versuch, sich noch beizeiten den Anschluß erneut zu sichern. Wenn die Beltspartei verlange, daß ihm, Hörfing, das Reden verboten werde so sei zu erwidern, daß er bisher wegen einer Arankheit überhaupt gar nicht habe öffentlich reden fönnen. Wehl aber müffe er verlangen und es öffentlich aussprechen, daß alle Be. ha'b des Dienstes mit allen Kräf cn für die Republit eintreten. amten, die auf die Republik vereidigt sind, im Dienst und außer fen, daß sie den poffspar eilichen Betrug aufgebedt, der Demos ( Lebhaft r Beifall.) Der Sozialdemokratie müsse man danfratischen Bartei. daß fie fo entschlossen die Roalition mit den Reaktionären abgelehnt und dem 3entrum, daß es in feiner Mehrheit von der Boltspartei atgerückt sei. Auf diese Weise haben Die Berfoffungspar eien bem Intrigenspiel ein Ende gemacht. Eine eigene Wahlparole hat natürlich das Reichsbanner nicht. Es fämpft und der Verfassung von Weimar. Monarchistische Offiziere, Bolizei gegen Hafenkreuz und Sowjetstern, für den Schuh der Republit beamte und Bolizeioffiziere müffen aus ihren Aemtern entfernt wer den. Es ist unerträglich, daß in Verwaltung und Diplomatie monarchisti che Elemente sogar als Wortführer sizen. Ein Standal das hinterhältig reaffionäre Gebilde Rathaus fonzertierte. Der solide Cellist Luß und eine noch un fertige Geigerin unterbrachen Chöre, die in der Rompofition nicht gerade als Edelgewächse zu bezeichnen sind( z. B. die Stücke von Machanel, Conradi, Beit). Diese Art Literatur bringt( oder brachte) Literatur einmal von Fachleuten sichten lassen. Friz Stempel, den männlichen Gesangverein immer in Mißtredit. Man sollte die der Chormeister, leitet den Ver in ruhig, fachlich, entschieden; auch versucht er sichtlich zu nüancier reif dazu. Die Tenöre halte den richtig angesetzten Ton nicht Doch ist das Material noch nicht sauber durch, unter den Bässen sind ein paar galoppierende und ein paar schleppende, der Gesamtstimmflang ist noch nicht ausbalanciert, und das Strahlende, leppige fehlt. Vielleicht kommen ein paar ganz junge, frische Naturstimmen dazu. Gefühlvolle Phrafen, piano gejungen, gelangen zuweilen überraschend gut. Aber gerade solche Ueberraschungen soll es im Konzert nicht geben. Wo Männer der Arbeit so fleißig und aufmerksam fingen lernen, da muß ein Aufstieg zum Besten möglich sein. Der Horensteinsche Chor ist Beleg dafür. Ueber thn das nächste Mal. R. G. töpfe getragen? Auf diese Frage gibt der englische Acgyptologe Arthur Die ältesten Bubenköpfe. Wann haben die Frauen zuerst BubenBeigall in seinem foeben erschienenen Bert Altägyptische RuftDenkmäler" die Antwort, daß die Schönen am Hofe der Pharaonen schon uns Jahr 1000 v. Chr den Reiz erkannt hatten, den furz geSchnittenes Frauenhaar auf die Männerwelt ausübt. Und zwar waren die alten Aegypterinnen sehr viel moderaer als die alten Römerinnen, die sich mit dem immerhin noch über den Nacken her unterreichenden Titustopf" begnügten. Die Damen des Nillandes trugen den Hinterkopf ganz furz geschoren, wie es heute Mode ift. len Beride verborgen, mit der sie meistens cuf den Bildwerken dar. Bielfach hatten sie freilich diesen Bubentopf unter einer zeremonielgestellt sind. Aber Weigall hat unter den vielen Modedamen, deren Bildnisse uns noch nach 3000 Jahren erhalten sind, eine mit einem ganz ausgesprochenen Bubentopf ent ecft; es ist dies eine Frau Tafushet, die in Bubaftis 945 v. Chr. lebte. Be gall nennt sie eine inpische Schönheit ihrer Tage und führt eine große Anzahl von Beispielen on, in denen die clte Aegypterin sehr ähnlich angezogen eine ausgesprochene Mode für schlanke Frauen. Ihre Gewänder waren geändert. Es war ganz auf diese Figur zugeschnitten; es waren ganz enganliegende Futter de, die ebenfalls mit unserer heutigen Mode übereinstimmen. Mur in einem Punkt darf sich die Modedame von heute die ägyptische Schöne nicht zum Vorbild nehmen; das ist in der Fußbeklet dung. Die Aegypterin legte nicht auf einen fleinen Fuß Wert; thre Ebenmäßigkeit, die die moderne Frau vielfach verm ffen lassen Füße waren groß und ecig, aber sie hatten dafür eine natürliche würde, wenn sie es waren wollte, sich ohne Schuh zu zeigen. Hühneraugen und frumme Zehen waren damals unbekannt. Sodann gab der Bauvorsitzende Frizz Koch eine Uebersicht über die bisher geleistete und noch zu leistende Arbeit im Gau Berlin- Brandenburg. Daraus fann en'nommen werden, wie eifrig und mit welcher Hingabe und Aufopferung in der Provinz sowohi wie in Groß- Berlin danke, die Republik sichtbar und mit Einsetzung seiner Person zu in den letzten Wochen gearbeitet worden ist. Ueberall, wo der Geschüßen, Fuß gefaßt hat, wird in einer Weise gearbeitet, der die deutscher Idealismus. Geleistet wird diese Arbeit von Reaktion nichts ähnliches entgegenzusehen hat. Hier ist praktischer Menschen, die auf dem Land am Wochenende zwei bis drei Mark bares Geld mit nach Hause bringen. Alle Arbei der nächsten beiden Wochen, so führte Rech aus, gelten der Wahl. Für das nächste Jahr aber wird in Berlin eine gewaltige mehrtägige republikanische Heerschau und Rundgebung vorbereitet. Interne Organisationsfragen füllten den Rest seiner Rede aus, an die sich nach einer Mittagspause die Aussprache anschloß. in der die Berliner Vertreter den Vertretern der Provinz das Wort ließen. In allen diefen Neden sprach sich der gesunde und berech beschwerte sich, daß ein Kasernenwärter der Reichswehr, der das ige Optimismus der Vorwärtsschreitenden aus. Schneidemühl Reichsbanner bereits vor Wochen beschimpft habe, trotz sofortiger Anzeige auch heute noch nicht zur Verantwortung gezogen worden fei. Neukölln fonnte nachweisen, daß fich Schupobeamte die Dreiftigkeit erlauben, die Blafate des Reichsbanners herabzureißen. befonders deutlich hervor, wie ungeheuer schwer die Arbeit dort ist Aus den Worten der Vertre'er der kleinen und kleinsten Or'e ging und wie sie dennoch geleistet wird. Dann gab es noch eine leberraschung. Der demokratische General v. Schöna ich betrat den Saal und, einer Bi'te des Vorstandes fo berichtete ter General, aus Westdeutsch and und mußte dort zu folgend die Rednertribüne zu einer kurzen Ansprache. Er tomme, seinem größen Erstaunen, aber euch zu seiner größten Befriedigung feftstellen, wie das Auftreten des Reichsbanners bewirkt habe, daß sich die Völkischen und Nationalisten in den Versammlungen einfach nicht mehr sehen lassen und daß, wo sie sich fehen lassen, sie fich doch nicht hören lassen. Sie sind still geworden und ducken sich. Nach allem, was ich gehört und gesehen habe, muß ich sagen: Das bloße Dasein der Reichsbannerleute genüot, um die Sicherheit der Republik absolut zu gewährleisten. Wir alle müssen nur am 7. Dezember unsere Schuldigkeit tun, dan wird die Republit festgefügt stehen bleiben.( Lebhafter Beifall.) Die Gauversammlung gedachte des kürzlich verstorbenen Ge= fand'en Prof. Dr. Hartmann, der 1919 in Weimar die Wiedereinführung der fchmarz- rot- coldenen Fahne für die Republik durch feinen Rat herbeigeführt hatte und erhob sich zum Zeichen der Trauer für diesen glühenden großdeutschen Republikaner, Es wurde auch be schlußhuldigungen im Rahmen des Reichsbanners zu verschlossen, im Sinne des politischen Testaments Hartmanns An= anstalten. Am sväten Nachmittag wurde die Konferenz mit einem Ef Repub'it beertig. An den Reichspräfiderten Ebert und mort des Borsit n'en Roch und mit einem donnernden Hoch arf the Reichskanzler Dr. Mary murder Begrüßungstelegramme geschit Ein deutsch nationaler Skandal. Wo bleibt die Sühne? Köln. 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Unser Stön Parteiblatt richtet in feine: Sonntagsnummer an die Kölner Steat anwaltschaft die Anfrage, wann endlich, die Anflage gegen einen be kannten Kölner deutschnationalen protestantischen Pfarrer erhoben werbe, gegen den bereits vor Monaten Anzeige bei ber legten Reichstagswahl auf der deutschnationalen Vorschlags. wegen erführung einer Minderjährigen erstattet wurde. Ein deutsch nationaler Superintendent, der lifte fland, habe sich damals bemüht, die Eltern des Kindes von weiteren Schritten abzuhalten. Ein schleswig- Holsteinisches Wörterbuch. Nach zwanzigjähriger Sammeltätigkeit, durch die die gesamte niederbeut dhe lleberlieferung Schleswig- Holsteins seit den ältesten Zeiten festgelegt wurde, beginnt nunmehr das Schleswig- Holsteinische Wörterbuch zu erscheinen. Wie herausgeber, Professor Ctto Mensing, hat sich entschlossen, zunächst dieses ganze ungeheure Material sofort herauszubringen, fondern der im Hamburger" Quidborn" mitgeteilt wird, ist es aber nicht möglich, eine Boltsausgabe zu veransta'ten, in der die Bolkssprache des sprache, also etwa feit 1700, dargestellt wird. Das Hauptgewicht Landes seit dem endgültigen Untergang der niederdeutschen Schriftliegt auf der heute lebenden Sprache feit 1840, die in möglichster Bollständigkeit behandelt wird. Dazu wird die Volkskunde, Sitte und Brauch überall da verarbeitet, wo fie fich an einzelne Wörter an fchließen läßt. Durch die Berücksichtigung der Zeit seit 1700 werden zahlreiche, heute nicht mehr bekannte Wörter und Redensorten sowie hoffen, daß diefes poltstümliche Wörterbuch die Liebe zur angeftamm. ten Sprache und Heimat in weiten Streifen festigt. Das Wörterbuch wird in vierteljährlichen Lieferungen zu mäßigem Breise erscheinen, so daß auch die weniger Bermögenden es sich anschaffen fönnen. und Eine neue Alpenstraße. Defterre'ch wird eine neue Alpenstraße direkten Nordfüdrichtung für Oesterreich selbst die fürzeste Berbinbauen, die das Glocknergebiet durchziehen wird und infolge ihrer dung zwischen Tirol und Steiermark, für den internationalen Kraftmagenverfehr die fürzeste Route zwischen Deutsch land und dem Adriatischen Meere bringen wird. Die Straße wird von Brud am Zeller See( Bahnl'n'e Wörgl- Salzburg) dem Fahrweg im Tal der Fuscher Ache aufwärts folgen b'e Ferleiten am Fuß des Wiesbachhornes, dann über dos Fuscherdie Heiligenblute Tauern( wo der höchste Bunft mit 2500 Mete.n erreicht wird) in das Mölltal nach Heiligenblut hinabführen. Die fünf Monate lang im Jahr für Automobile fahrbor fein. Auch neue Straße wird 27 Kilometer lang werden. Die Straße wid touristisch bedeutet sie sehr viel, ha fie nahe am Dstrand des Glockners gebietes vorbeiführt. Diese Glocknerstraße wird nach der Stilfferjoch. straße die höchste Alpenstraße Europas werben. Mit dem Bru wird im nächsten Frühjahr begonnen werden. Im Sommer 1927 wird sie dem Verkehr übergeben werden. Am Totensonntag sind Mensch und Mensch sich nah, find alle eich. Die Erinnerung an das Sterben verwischt, zerstört nationale Grenzen, verändert auch die Einstellung auf Alt und Neu. Das Experiment hat es hier leicht, zu feffeln. Die Boltsbühne bietet mit dem Havemann Quartett und der Solistin Basisides) ein Trio ven Reger, Hindemitts Junge Magd" und Schönbergs Sex tett. Also leicht Modernes und ganz Modernes. bes Tages fiegt, felbst über die innerlichen Schwächen des Lieder. crscheint, wie die Dame von heute. Das Echönheitsideal hat sich im mittag 3, Uhr) das Märchenspiel Peterchens Mondfahrt" zur Die Stimmung cyklus. Schönbergs Pierrot hat hier Bate gestanden, doch widelt ich das Werk ein wenig monoton ab. Maria von Basilides ingt den schweren Altpart mit voluminöfer Stimme innerlich empunden und auf große Linie hin. Das Reger- Trio wurde von den javemanns mustergültig gespielt( op. 141b). Die Optit des Bartiurbildes, in dem sich der große Formfünstler und Kontrapunktiker Teger ausprägt, ist noch schöner, als der Klang des Werks, dem geabe das Stimmunghafte, Innige, Gemütvolle so oft abgeht. Befriedigte hier die Darbietung abfolut, so mußte man sich bends mit relativen Genüssen begnügen. Das war, als der Männerefangverein„ Biedertafel Berlin West" im Schöneberger % D's Leifing- Theater wird, befreit von der Revue, mit Artur Schniplers Schauspiel Das weite Land Sonnabend wieder eröffnet. " Jm Berliner Theater gelangt Mittwoch, Donnerstag und Freitag( nachHans Reimann, der bekannte sächsische Hof Boet", veranstaltet im Meistersaal zwei Bergnügliche Abende" am 25. und 28., 8 Uhr. Er wird Kabaretts, Radios, sächsische und andere Erlebnisse vortragen. Vorträge und Führungen im Museum für Meeresfunde. Dienstag Uhr: Funtoffizier Größsch: Funkdienst an Bord." Dienstag Elektrisierung der Länder und die Ausnügung der natürlichen KraftUhr mittags: Prof. Brühl:„ Wirtschaftliche Verwertung von MeeresMittwoch 8 Uhr: Dr. O. von Miller, München:„ Die quellen." produkten." monie unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters zum Besten der Vecsen wird am Mittwoch, den 26 Novbr., 7, 1hr, in der PhilharUeberschwemmten ein Konzert veranstalten. Das Friedenswerk des Z. R. 3. am Rede Dr. Eckeners nach seiner Heimkehr. Die Lenker des Amerita- Luftschiffs find soeben mit dem LloydDampfer Columbus" nach Deutschland zurückgekehrt und Sonntagabend an Bord des Dampfers durch ein Fesidiner begrüßt worden. Bei dieser Gelegenheit wurden von Vertretern der Behörden herzliche Ansprachen an Dr. Eckener, den Kommandanten des Reparations- Luftschiffes, gehaltn. Dr. Eckener hielt im Anschluß daran eine Rede, die des politischen Einschlags nicht entbehrte. Er führte u. a. aus: " Als wir seinerzeit den Vertrag mit der amerikanischen Regierung abschlossen, an Stelle einer Geldsumme ein Luftschiff zu bauen und hinauszuliefern, da hat der Luftschiffbau Zeppelin natürlich den Gedanken gehabt, einen technischen Triumph zu erzielen. Was Graf Zeppelin immer behauptet hat, daß mit einem Luftschiff über das weite Meer gefahren werden tönnte, wollten wir mit der Tat beweisen. Unser Wert brauchte außerdem Arbeit, damit nicht sämtliche Ingenieure, Konstruf teure und Technifer allmählich die Räume, in denen nichts mehr zu tun war, verließen, und damit der Luftschiffbau Zeppelin eines stillen, ruhmlofen Todes gestorben wäre. Das Vermächtnis des Grafen Zeppelin, das uns überkommen war, gebot, das Wert fort: zuführen und im Luftschiff ein neues Verkehrsmittel zu schaffen. Man hat vielfach bedauert, daß der Luftschiffbau Zeppelin dieses nationale Wert, begründet aus Boltsmiteln, nach Amerifa zu liefern maret verpflichtet, Amerika eine Reparation zu zahlen. über sich bringen fonnte. Dieses Bedenken habe ich nie geteilt. Wir Ich habe es immer für besser gehalten, dies in einer Form zu tun, mit der man beweisen fonnte, daß man technisch auf der höchsten Stufe der Entwicklung stehe. Wir müssen als befiegtes Bolt viel tun, was uns der Feind auferlegt, und ich glaube, wir müssen es ohne Murren fun. Der Standpunkt: Lieber gehe ich zugrunde, als daß ich dies und das tue, paßt nie und nimmer für ein Bolt. Ein Bolt ist unsterblich; es will sich in eine bessere Zukunft hinüber rettet, an die wir alle glauben. Wider Erwarten ist es uns vergönnt gewesen, nicht nur ein Wert von technischer Vollendung zu zeigen und einen technischen Triumph zu erringen, sondern wir stehen vor der Tatsache, daß wir durch das Werk des Grafen Zeppelin auch politische Triumphe errungen haben. Oft habe ich gedacht, ob nicht mit diesem Luftschiff eine neue, fittlich nationale Bewegung wieder entfacht werden könnte, wie feinerzeit durch die jechs Millionen der Echterdinger Spende. Niema's aber hatte ich gehofft, daß die politische Wirkung eine so große sein wird. Schon die große Probefahrt über Deutschland war eine Fahrt des Triumphes. Wie war so etwas möglich? Nur infolge einer ganz eigentümlichen psychologischen Verfassung des deutschen Beltes! Nach den fruchtlosen Parteifämpfen wartete jeder. mann auf etwas, was ihn erheben konnte. In diesem Augenblick mußte das Luftschiff, wie seinerzeit das erste Luftschiff des Grajen Beppelin, eine faizinierende Wirkung ausüben. Das Sonderbare war, daß das Luftschiff in Amerika die ungeheure Begeisterung der Bevölkerung hervorgerufen hat. Auch dort war es das Luftschiff des pfrchologischen Augenblics. Gewiß war die erste Begeisterung die Freude der angelsächsischen Bevölkerung über unsere Sportleistung. Wir hatten in der Tat das Glück, unter ganz besonderen Umständen der New Yorker Bevölkerung das Luftschiff zeigen zu können. Morgens, bei leichtem Nebel, darüber heller blauer himmel, bei starker Sonne zog das Luftschiff strahlend in der Sonne über die Stadt. Wir hatten uns das Hochsteigen in große Höhe, um Bas abzublasen, für New Yort aufgespart und gingen dann von 300 Meter bis auf 12 000 Fuß herab. Das hat ganz besonders dazu beigetragen, den Eindruck, den das Luftschiff machi. och zu steinern. Es fam noch ein anderes dan! Ich bin durch eine große Anzahl amerikanischer Städte von der Ostküste bis zum mitt feren Besten gefahren, und überall flug mit eine Genuguung über diese deuthe Celftung entgegen, wie ich fie nie für möglich ge han halfe. Ich habe dann in einer großen Versammlung in Chifazo vor der Illionis Association of Commerce vor 1200 Personen direft gefragt: Ist das eine Anerkennung für were persönliche Leistung, oder wollen Sie damit eine Freundschaftsdemon. stration für das deutsche Bolt machen? Ich nehme das taktere an." Darauf hat sich die ganze Bersammlung erhoben und fünf Minuten Beifall geflat cht. Es war mehr als die Anerkennung der Sportleistung! Der Grund ist nicht schwer zu erkennen. Ohne Zweifel war seit Monaten im amerikanischen Bo't eine Regung vorhonden, mit den allen Legenden und Märchen vom deutschen Hunnentum aufzuräumen hat eine solche Idee jahrelang geherrscht, ist es schever von ihr abzukommen. Es bedarf eines starten Anlasses, um zu sagen: Wir schalten um. Und die Beranlassung dazu war das Luftschiff. So haben wir gesehen, daß dieser Anlaß mit Freude benugt wurde, um zu befunden:" Der Krieg ist für uns zu Ende, mir wollen wieder Frieden und Freundschaft mit Deutschland haben!" Dies ist der Eindruck, den ich in der be. stimmtesten Weise aus den Vereinigten Staaten mitgenommen habe. Ich habe hunderte preminenter Persönlichkeiten ge'prochen. mar brei. mal in Washington, überall ist mir das gleiche gefagt worden. Das zeigt sich auch in der sensationellen Ueberzeichnung der deutschen 2inleihe. Zum Schluß möchte ich die Hoffnung ausfprechen, es möchte die Bewegung, die sich drüben jetzt angebahnt hat, weiter und weiter erstarten, so daß wir in absehbarer Zeit wieder zu einem freund schaftlichen Verhältnis mit den Bereinigten Staaten kommen, das vir brauchen." Die Fahrt zu den Gräbern. " * Wit Der gestrige Tag der Totet hatte eine Fülle von Menschen in| Kriegszeit bei vielen Golbaten, wenn sie auf Urlaub nach§, Bewegung gebracht, die die Friedhöfe in der Umgebung Ber- famen, Erbitterung über das Pad daheim", das sie„ verad, lins besuchten, um Kränze oder Kreuze an den Gräbern niederzu- lernten", sich geregt habe. Das Bad" Herr Pastor, waren die Leu legen und sich dabei von dem Zustand des Grabes zu überzeugen die dafür zu sorgen wußten, daß es der eigenen Person an nich und gleichzeitig Borkehrungen zu treffen für den Schutz des Grabes fehlte, was zur Behaglichkeit des Lebens gehört, und die dann w und der Bäume und Blumen um das Grab herum gegen die Un- dieselben Kreise, die heute offen oder versteckt die den Fried so eifriger zur Fortsetzung des Krieges hezten. Das„ Bad" ware bilden des Winters. Regnerisch war der Tag, feucht und ungesund sichernde Republik beschimpfen und nach einer Räd das Wetter, und doch war der Ansturm auf Straßenbahn und Stadt behr der schwarzweißroten Zeit verlangen, nach einer Wiederher bah in den Mittagsstunden bis gegen 3 und 4 Uhr nachmittags ftellung der fäbelraffeinden Monarchie, die uns dar ein gewaltiger. Namentlich die großen Gräberfelder zwischen Neu- Krieg mit feinen grauenpollen Opfern und seiner fölln und Brig, die vielen Kirchhöfe im Stadtteil Westend, die Zen- uns erdrückenden Nachwirkungen gebracht hat. tralfriedhöfe in Stahnsdorf und Ahrensfelde hatten eine selten große ehren unsere Toten nicht durch Gedenkreden, sondern durch die Boll Besucherschar. Die Stadtbahn hatte, um den Verkehr zu bewältigen, ziehung des Bermächtnisses, das die Toten uns ein paar Sonderzüge eingelegt, doch diese Maßnahme genügte feines hinterlassen haben, durch schärfsten Kampf gegen all Kriegsheher. falls und sie war um so weniger genügend, als man auf den einziren Stationen, wo die Besucher der Gräber antamen, nicht für die Einstellung von mehr Bahnsteigschaffnern als sonst gesorgt hatte. So fam es denn, daß sich zuzeiten auf dem Bahnhof Westend z. B. an den Sperren die Menschenmaffen in beängstigender Weise drängs ten. Auch die Straßenbahn hatte ihren Wagenpark verstärkt. Auch Massenverkehr Rücksicht genommen hatte, so daß sich zum Teil recht hier mußte man aber feststellen, daß man nicht genügend auf den unliebsame Szenen abspielten. Reiner der Gräberbefucher war mit leeren Händen gekommen, und die Blumengeschäfte in der Nähe der Kirchhöfe machten am gestrigen Tage noch glänzende Geschäfte. Die Preise für Kränze und Blumen zum Schmucke der Gräber waren sehr hoch. Wer aber nicht vorher Gelegenheit gehabt hatte, einen Krant zu kaufen, erstand ihn vor dem Tore des Kirchhofs, war unwillig über die geforderten Preise und zahlte. Man greift gewiß nicht fehl und gibt feine zu hohe Zahl an, wenn man behauptet, daß gestern für Millionen Kränze und Blumen gekauft und auf die Gräber gelegt wurden. In den ersten Nachmittagsstunden fanden, mie es alljährlich üblich ist, auf den Friedhöfen besondere Andachtsfeiern statt. Alle Berliner Friedhöfe haben ja hallen, in denen bei der Beerdigung die Gedächtnisfeiern stattfinden. Wie groß gestern der Besuch der Friedhöfe war, konnte man am besten auch an der Tatsache erkennen, daß die Hallen auf den Friedhöfen nicht aus. reichten, um alle Menschen aufzunehmen und die Geistlichen infolgedessen in vielen Fällen außerhalb der Halle predigen mußten. Verhältnismäßig am geringsten war der Verkehr nach den Krematorien in Wilmersdorf, in der Gerichtstraße und in Treptow. Das hängt aber wohl damit zusammen, daß diese Stätten, die ja noch nicht fo lange in Benutzung sind, im Vergleich zu den großen Gräber feldern an den anderen Stellen von Groß- Berlin noch nicht so stark belegt find. Ein Vermächtnis unserer Toten. Den Totensonntag haben schwarzweißrote Bereinigungen wieder zum Anlak genommen, Gedenkfeiern für die im Kriege Gefallenen zu veranstalten und dabei sich selber in empfehlende Erinnerung zu bringen. Auch der Boltsbund deutscher Kriegsgräberfürforge", der als parteilos angesehen werden will und um die Gunst aller Kreise der Bevölkerung wirbt, ist in Berlin mit einer solchen Feier an die Deffentlichkeit getreten. Der Toben des Krienes zu gedenken, ist uns allen ein Herzensbedürfnis. aber gerade die rechtsstehenden Parteien fornen dafür, daß auch hier die Gegenfäße aufeinanderstoßen. Das gilt auch von der Gedenkfeier des Boltsbundes deutscher Kriensgräberfürforce". die nicht minder mertlich als der im März dieses Jahres von ihm perfuchte Boltstrauertag" zeigte, moher dort der Wind weht. Die freier wurde in einer Kirche veranstaltet und das Wort hatte ein Divisionspfarrer Schlegel. Der Geistliche erwähnte, daß der Totersonntag bor jekt mehr als hundert Jahren infolge der Frei heitstriene eingerichtet und dann beibehalten worden sei. Er meinte herporheben zu sollen, daß man auch jetzt uns den Tag gelaffen und in der schweren Nachkriegszeit nicht geraubt habe. Er sprach von der Besorgnis, daß unsere Toten ich weiß nicht, ob aus Parteirücksichten oder aus einer Weltanschauung beiseite getan werden könnten." Ach, was soll dieses Gerede! Glaubt jemand, daß mir anderen, die wir nicht die schwarzweißrote Zeit zurüdwünschen, unserer durch den Krieg hinneschlachteten Brüder weni ger gedenken? Divisionspfarrer Schlegel erzählte, daß in der Fünf Jahre Gefängnis für Oerthel- Ealoffstein. Er bezeichnet die Strafe als gerecht. Im Prozeß Egloffftein verfündete das Gericht um 10.30 Uhr folgendes Urteil: Der Angeklagte Derthe! wird unter Bubilligung milbernder Umstände zu einer Gefängnisstrofe von fünf Jahren und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Unter fuchungshaft von zwei Jahren und sieben Monaten wird ihm voli argerechnet. Der Angeflagte Hermes wird zu einer Gefängnis. ftrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteil: unter Anrechnung von 1½ Jahren Untersuchungshaft. Nach Verbüßung weiterer drei Monate ist ihm bei, guter Führung Strafausfegung in Aussicht gestellt. Die Angeklagte Lehmann wurde England annektiert den Sudan. Weil Aegypten an seinen Hoheitsrechten festhält. zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten verurteilt und London, 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Auf Grund wird unter Anrechnung der Berbüßung der Untersuchungshaft frei der Welgerung der ägyptischen Regierung, das englische Ultimatum gelaffen. Die Angeflagte Henschel ist zu einer Geldstrafe vorbehalflos anzunehmen, hat der englische Oberkommissar in Aegyp- on 300 Goldmart verurteilt worden, wobei für je 30 Goldten nach dem Sudan jofort Befehl gegeben, alle ägyptischen Offiziere flärte auf die Frage des Borsigenden, daß er noch nicht fagen förne. mart ein Tag Gefängnis eintritt. Der Angeklagte Derthel erSoldaten und Beamten aus dem Sudanngebiet abzuschieben. ob er das Urteil annehme, doch fügte er hinzu, er wolle zur BeGleichzeitig informierte er den ägyptischen Ministerpräsidenten da ruhigung sagen, daß er das Urteil als gerecht empfinde hin, daß die geforderte und zugefagte Entschädigung von 500 000 Pfund bis Montag abend bezahlt sein muß. Das Kabinett Baldwin hat befchloffen, diesen Betrag nach Entschädigung der Opfer für Wohltätigkeit im Sudan(!) zu verwenden. Es verlautet und wird von Pariser Blättern bereits gemeldet, daß die Regierung sich einem Eingreifen des Bölterbundes in diese Angelegenheit unbedingt midersehen werde! Die Zahlung der Entschädigungssumme von einer halben Million Pfund Sterling durch die ägyptische Regierung ist heute vormittag 12 Uhr erfolgt. Gleichzeitig wurde eine Protestnote überreicht, die sich gegen die Ausweisung der ägyptischen Trupen aus dem Sudangebiet und gegen die Forderung des Aufgebens allen Widerstandes hinsichtlich der Wünsche der englischen Reglerung in der Frage des Schuhes ausländischer Interessen in Aegypten wendet. Diese Forderungen werden als ungerechtfertigt bezeichnet. Da die Forderungen nich fangenommen worden sind, haben die britischen Truppen Befehl erhalten, die Zollgebäude in Alexandria zu bej egen. Begnadigung v. Nathufius' angekündigt. Reveil du Nord" in Lille glaubt zu wiffen, daß eine Begnadigungsaktion zugunften Nathusius' eingeleitet wird. Das Blatt bebt hervor, daß der General nur auf eine einzige ungenaue Bengenaussage hin verurteilt worden sei. General Degoutte, der von seinem Posten als Oberdelegierter der Rheinarmee abgerufen ist, hat am Sonntag das Rheinland verlassen. Sein Nachfolger, General Guillaumat, wird am Dienstag das Oberkommando der Besagungstruppen übernehmen. Rechtsradikale Rowdies. Würdig und die Herzen der Teilnehmer erhebend gestaltete fi Die Totengedächtnisfeier des Reichsbanners der Kameradichaft X auf dem Friedhof in Baumschulen weg. Vor dem Kr matorium, umrahmt von Blätterschmud und den florumhüllter Reichsfahnen nahm das Reichsbanner, umgeben von unzählige Toben in der Heimat und Fremde Für die Freiheit kämpften dis Teilnehmern Aufstellung. Mit dem Liede:„ Unter allen Wipfeln ist Ruh" wurde die Feier eingeleitet Genosse Blener gedachte der Erschlagenen und konnten sie dem eigenen Bolte nicht erkämpfen nicht in völfermordenden Kriegen wird Böllerfreiheit erftritter Mütter, Angehörine hört die Mahnung der Loten:„ Nie wieder Mord in der Welt, nie wieder Kampf der Menschen gegen Menschen." Lief ergriffen lauschte die Menge ihren Augen stiegen wohl all die Schrecken und die Nöte der„ herrder Stätte ber hier in ber heimat gebetteten Bolksgenoffen. Die lichen. eisernen Beit" auf. Schweigend zogen die Teilnehmer nad Kameraden des Reichsbanners und die Menge entblößten die Häupter und schweigend verharrten fie nach der Niederlegung de Kronzes im stummen Gedenten. Kein Stein fein Denkmal ehr besser unsere Toten als solche aus dem Herzen fommende und Herzen gehende Totenfeier Bor den fer für Feuerbestattung versammelten sich am Sonn Tausende andächtiger Mitglieder des Vereins der Frei tag vormittag im fe'erlichen Halbbunkel des Großen Schau= fpielhauses. Sie gedachten anläßlich des Totensonntags hefonders all der bireften und indirekten Opfer der Arbeiterflesse. die en: grausames Wirtschaftsfrftem von ihnen fordert. Gerade diese Opfer verlangen auch weiterhin den schärfsten Kampf. Das war auch der Sinn der erfreulich unfentimentalen Gebenfrede, die zum Ausdrud brachte, daß wir das Andenken unserer Toten nicht durch Psalmenfingen und weibische Klagen würbin ehren, sondern nur durch b'e Tat, die die Summe menschlichen Glüces vermehrt und so die Pale des typisch proletarischen Tobes in der Fabrit o'er auf dem Schlacht feld vermindert und schließtch manz bele tiat. Den hinge fchlachteten Völkern" git Romain Rollands braufenbes manifeft aus dem Jahre 1916 das heute nicht weniger aftell ift als damals. Als Meinhart Meur feinen Bortlaut im Ruhay erschallen liek, da ging so etwas wie das Willensgefühl der Mossen, endlich zur Freiheit und zum Lcht zu gelangen, durch das Hous. und als, gespielt Dom Berliner Sinfonieorchester Ewald Huths Leitung, bie besar bernden Klänge von Ech herts vollend ter Unvollendeter" di Ginne anfenes uminoidhelter und unte: darn den Gift mitriffen, ta fchien es els menn ganz, car feme has bessere Land fichtbar werden würde. für das unfere offen. die Führer und die Namentofen, nicht umsonst gefaffen fein fo Unser Gefühl der Trauer neftathise wie en werdenen Befürnig ver fiftcher Vrhet in In der enten a ta ernm Blumenschm prangenden Rapelle bes schönen Wilmershorfer Krematoriums fano eine Gedächtnisfeier des Bereins für Feuerbestattung e. 2. von 1874 ftatt bei der Pforrer Mithat Stahn eine furge Gedächtnisrede hielt. Der er das Goethewort: Nach ewiren, ebernen. großen Gefehen müssen wir alle unferes Daseins Kreise vollenben!" zugrunde legte. In schlichten Worten erflärte der Redner den Sim des Todes, der uns plöblich dem Ewigen gegenüberstelle und das Leben lehre, jenes den Tod. Mag es das Recht her Toten sein. einmal im Jahr neehrt zu werden, wir haben die licht, stündlich die Lebenden zu lieben! Musikalische Vorträge( Orael, Gesang und Cello) gaben der stillen Feier den würdigsten Rahmen.. mehrere blutig geschlagen wurden. Während hier rechtzeitig eint Ueberfalltommando der Schußpolizei Ordnung schaffte und die Rowdies zur Wahr brachte, fpielten sich an anderen Stellen noch fast eine Stunde lang unwürdine Szenen ab. Der oben erwähnte Trupp Frontbann" machte die Tauentienstraße unsicher, belästigte zahlreiche Bassanten und stürzte sich schließlich an der Lutherstraße auf drei jugendliche Arbeiter, die gleichfalls schwer perlept worden wären, wenn nicht zwei aufällig hinzukommende Reichswehrfoldaten zu ihrem Schuße eingegriffen hätten. Als jetzt endlich auch ein einzelner Schuvomann auf der Bildfläche erschien, fuchten die Hakenkreuzler den Spieß umzudrehen und beschuldigten die Arbeiter, den Streit angefangen zu haben. einige Spaziergänger, die ihrer Empörung über das Treiben der Rechtsrabifalen laut Ausdruck gaben, wurden plöblich als Ruhestöver hingestellt. Die ganze Bande trat dann den Weg zur Polizeiwache an. Nach Feststellung der Personalien wurden die Beteilig ten wieder entlassen. Bu fleineren Zwischenfällen dam es auch noch am 300, wo einige Jungdeutsche" in einem Straßenbahnwagen die Passagiere belästigten. Auch Golb teilt bazu folgendes mit: Am Sonntag nachmittag gegen Die Leitung des Reichsbannerrs Schwarz Rot 5 Uhr überfielen Mitalieder rechtsstehender Organisationen, die von einer Gedächtnisfeier des Nationalverbandes deutscher Offiziere aus Der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche tamen, fechs Reichsbannerleute. die Wahlflugblätter verteilten. Einer der Reichsbannerleute wurde durch den 18 jährigen Schüler Lessing, Charlottenburg. Suarezstraße 46, mit einem Schlagring fchwer verletzt. Außerdem wurde noch mehreren Angehörigen rechtsstehender Organisa. tionen Schlagringe und Stahlruten abgenommen. Einer der Reichsbannerleute liegt jetzt noch bewußtlos im Charlottenburger Krankenhaus; er ist durch einen Messerstich in die Brust lebens. gefährlich verlegt. Es zeigt sich immer wieder, daß diese Helden" mur tapfer fein fönnen, wenn sie in großer Ueberzahl find, und sich immer mehr zu einer Landplage entwickeln. Es wird hohe Zeit, daß gear derartige Feiglinge ganz energisch eingeschritten wird. Zusammenstöße mit Reichsbannerleuten im Westen. Der Mannesmut der Hafenkreuzhelden wurde gestern auf die Probe gestellt. Er entlub sich aber wohlweislich nur, solange die Burschen wußten, daß von ihrer Clique 100 gegen 6 Reichsbanner leute standen. Dann allerdings fam es zu bedeutenden Heldentaten. Von einem Augenzeugen wird uns darüber berichtet: Die teaktionären Brügelhelden tamen nach Beendigung einer Gedächtnisfeier des Nationalverbandes Deutscher Offiziere in ge fchloffenen kolonnen aus der Kaiser- Wilhelm- Gedächtnisfirche Es waren fast durchwegs ganz jugendliche Gestalten, die von einigen etwas älteren uniformierten Führern kommandiert wurden. Neben einer Gruppe des„ Behr wolf" fiel besonders ein Trupp von etwa hundert Mann auf, der sich unter dem Parteinachrichten Stichwort Frontbann" sammelte und beffen Mitglieder blaue Schirmmüßen mit der Aufschrift 23" trugen. Man hat es wohl hier mit dem ersten öffentlichen Auftreten jener in München gegründeten Geheimorganisation zu tun, über deren Verpflanzung nach Berlin jüngst das preußische Innenministerium einen Bericht ausgab. In den Nebenstraßen des Kurfürstendamm stießen bie Rechtsradikalen auf fleinere Gruppen des Reichs. banners Schwarz- Rot- Gold, die aber, ohne sich um die Provokationen und Zurufe zu kümmern, ruhig vorbeimarschierten. Der Heldenmut der Hafenkreuzler entfaltete sich erst in voller Höhe, als sie sich nur noch einigen republikanischen Nachzüglern gegenüber fahen. In der Joachimsthaler Straße fiel eine Horde von mindestens hundert dieser Strolche mit Stöden und Schlagringen über sechs Reichsbannerleute her, von denen Ginfendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat. 2. Hof, 2 Trev. rechts, an richten 7. Kreis Charlottenburg. Dienstag, 25 November. 8 Uhr, Gigung der Abteilungs leiterinnen bei Lange, Spielhagenftr. 16/18. Ausgabe des Materials für die öffentl Frauenversammlung aut 28 November 34. Abt. Die Bezirksführer werden gebeten, Handzettel bei Rofin abzuholen. 40. Abt. Heute, Montag, 7% Uhr, Funktionärversammlung bei Reufner, Hagelberger Straße 20 a 54. Abt. Charlottenburg. Die Genoffen treffen fich Dienstag, abends 7 Uhr, pünt lich im Rathaus zum Abschreiben der Wählerlisten. 74. Abt. Behlendorf. Morgen, Dienstag, abenbs 8 Uhr. bet midley, Potsdamer Straße, wichtige Mitgliederversammlung. Ericheinen aller Gen. ift Ehrenpflicht 83. Abt. Lichterfelde. 7 Uhr bei Quandt, Moltkestr. 31, Funktionärtonferenz. Frauenveranstaltung heute, Montag, 24. November: 42, Abt. 7% Uhr bei Höhlte, Bergmannstr. 60, Vortrag des Genossen Buttkamer. Gewerkschaftsbewegung Die englischen Gewerkschaften und die„ Einheitsfront" Die Pressemitteilung, daß gelegentlich des Kongresses des Allrussischen Gewerkschaftsbundes ein grundsätzliches levercinkommen zwischen den Russen und der englischen Gewerkschaftsdelegation getreffen und ein gemeinsames Komitee eingesetzt wurde, jai vielleicht hier und da Erstaunen erregt, doch soll man dieses Vorkommnis nicht überschäßen. Die englischen Gewerkschaften die seit Jahren unter einer großen Arbeitslosigkeit leiden, versprechen sich viel von einem Absatz nach Rußland. Sie suchen daher Verbindung mit russischen Kreisen. Nur hierauf ist es zurückzuführen, daß einzelne englische Ge mertschaftsvertreter im Gegensatz zu den Vertretern der tontinentalen Gewerkschaften, eifrige Vertreter der Idee der„ Einheitsfront" find, daß sie auf dem Wiener Gewertschaftstongreß für diese Einheitsfront" eingetreten find, daß sie die russischen Gewerkschaften zu ihrem legten Gewerk17 Der böse Geist bei Gebr. Stollwerk. Die Funktionäre werden morgen Dienstag nochmals zu dem Angebot der Arbeitgeber Stellung nehmen müssen und dann die weiteren einzuleitenden Schritte endgültig beschließen. Die fürzlich in einer Gewerbegerichtsverhandlung( über die wir in Nr. 511 des Borwärts" berichteten) zur Sprache gebrachten Verhältnisse in der Schokoladenfabrik von Gebr. Stoliwerk erfuhren eine eingehende Beleuchtung in einer am Sonntag abgehaltenen, vom Die Halberstädter Würstchenmacher streifen. 3entralverband der Bäder und Konditoren einVon Zentralverband der Fleischer wird uns berichtet: Die weltberufenen Betriebsversammlung. An der Hand von berühmten Halberstädter Würstchen werden unter Lohnbedingungen Einzelfällen wurde dargelegt, daß Inspektor Rind, ein ehemaliger Offizier, mit militärischer Schneidigkeit und hergestellt, die in der Fleischwarenindustrie einzig dastehen. Schon Rücksichtslosigkeit im Betriebe herrscht, was für selbstbewußte Arfeit sehr langer Zeit bestehen Lohndifferenzen. De Firma Heine u. Co. bzw ihr Arbeitgeberverband ließen sich stets erst durch beiter und Arbeiterinnen unerträglich ist. Einen besonders beiter und Arbeiterinnen unerträglich ist. Einen besonders Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses zu dürftigen Zugeständ schweren Stand haben die Verbandsmitglieder. Obgleich niffen bewegen. Trotzdem die Arbeiterschaft gut organisiert ft fuchte es ihnen laut tariflicher Vereinbarung gestattet ist, im Betriebe wäh- fie, solange es irgend ging, den Streik zu vermeiden. Nun aber traf rend der Baufen Beiträge zu fassieren, dürfen sie kaum wagen, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Dagegen können die Vertrauens leute einer unter christlicher Flagge segelnden gelben Organi fation ihre Werbetätigkeit sogar während der Arbeitszeit unge 0 Oeffentl. Wählerversammlungen die Firma Maßnahmen, die dem Faß den Boden ausschlugen. Gie ließ durch den Arbeitgeberverband unlängst den Tarifvertrag fündigen, um einen Neuabschluß mit bedeutenden Ber schlechterungen zu erzielen. Berlängerung der Arbeitszeit, unbeschränkte Uberstundenarbeit, unter Ausschaltung der Mitbestimmung des Betriebsrates. Kürzung des Ueberstundenzuschlages, Kürzung der Ferien. Verschlechterung der sonstigen soz alen Bestimmungen, 2 Pf. Stundenlohnzulage für die Spitzenlöhne, dafür aber bedeutende Barlängerung des bestehenden Tarifvertrages und einen Spigenlohn von 70 Pf. pro Stunde. Die Verhandlungen scheiterten. Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, der 58 Pf. pro Stunde vorsieht, wurde von den Beschäftigten einstimmig abgelehnt. Weitere Verhandlungen lehnte die Frma ab, worauf am 22. November der Streit ausbrach. Anstatt einer Vermittlung zur Belegung des Streits, diote man, de standsarbeiten Vorsorge getroffen ist. fchaftstongreß einluden und jest ſelbſt eine Delegation zum Heute, Montag, den 24. November, abends 7 Uhr: fchlechterung der anderen Löhne. Die Beſchäftigten forderten Berrussischen Gemerffchaftstongreß entsandt haben. Die englischen Gewerkschaften waren bisher die ton fervatioften ganz Europas, was auf allen internationalen Konferenzen und Kongressen in die Erscheinung trat. Ihr Interesse für internationale Verbindungen war stets sehr gering und ist auch heute noch weniger entwidelt als in anderen Ländern. Bor allzu großem Radikalismus hatten sie immer eine große Abneigung. Zweifellos ist durch die Folgen des Krieges und der Nachkriegszeit eine erfreuliche Radikalisierung eingetreten; man würde sich aber täuschen, wenn man annähme, daß diese bis zur Anerkennung bolfchemistischer Grundiäze ginge. Durch den Eintritt vieler Gewerkschaftsführer in die Arbeiter regierung sind automatisch Leute in die vorderen Stellen gekommen die tafür nicht vorgesehen und vielfach auch nicht vorbereitet waren. Diese laffen jetzt von sich hören und erwecken den Anschein, als ob die gesamte englische Gewerkschaftsbewegung einen ungeheuren Rud nach links gemacht habe und die Zeit nicht erwarten fönne, daß fie ihte Befehle aus Mostau empfangen. Die englischen Kommunisten sind bisher sehr vor fichtig gewefen und haben die Kreise der Gewerkschaften nicht gestört. Sobald die Engländer einmal Erfahrungen mit den Rommunisten machen, sobaid diese in England dasselbe Zerstörungswert beginnen, das sie in anderen Ländern zum Echaden der Arbeiterschaft versucht haben, werden die englischen Gewerkschaften nicht zögern, dieselbe Haltung einzunehmen wie die Gewerkschaften auf dem Kontinent. Jetzt werden die englischen Gewerkschaften von den kom= munisten umworben und gelobt. Man versucht ganz systematisch, sie gegen die Gewerkschaften anderer Länder aufzuhezen. Bezeichnend find nachstehende Ausführungen, die Ginomjem auf dem Kongreß der ruffischen Gemertschaften gemacht hat: Prenzlauer Berg: 30. Abt.: Zedigenheim, Pappel- Allee 15. Schöneberg- Friedenau: Bürgersaal Rathaus Friedenau, am Lauterplay. Neukölln: 92. 2bt.: Hayn, Richardstraße 35. Pankow: Linder, Breite Straße 34. Redner: Faltenberg, Haß, Kuttner, Dr. Löwenstein, Technische Nothilfe einzusehen, trotzdem für die Verrichtung der NotAdele Schreiber. * Geffent!. Frauenkundgebungen Berichte der Firma' n der Tagespresse mißhandeln die Wahrheit. Die Firma fann den Frieden haben, sie soll nur die Lohn- und Arbeitsbedingungen einräumen, wie es andere Fleischwarenfabr kanton auch tun. Lohnbewegung in Oberschlesien. Heute, Montag, den 24. November, abends 71/2 Uhr: Tiergarten: Artushof, Perleberger Straße. Da die Lohnverhandlungen in der oberschlesischen Berg- und Friedrichshain: Schulaula Litauer Straße 18. Hüttenindustrie zu feiner Einigung geführt haben, ist unmehr OberKreuzberg: 44., 45. und 46. Abt.: Schulaula Forster Straße regierungsrat Dr. Brandes zum Schlichter bestellt worden, der im Ede Reichenberger Straße. Laufe der Woche die Verhandlungen über die Lohnforderungen führen wird. Die Bergarbeiter haben eine Lohnerhöhung von 20 Prozent, die Metallarbeiter eine solche von 25 Prozent gefordert. Die Arbeitgeber erklären jedoch diese Forderungen für untragbar und unerfüllbar. Spandau: 3ur Markthalle", Pichelsdorfer Straße. Johannisthal: Botha, Parkstraße. Brit: Becker, Chauffeestraße 97. Köpenid: Aula Dorotheenschule„ Freiheit". Reinickendorf- Oft: Aula Gemeindeschule, Hausotterplatz. Tegel: Jugendheim Bahnhofstraße 15. Borsigwalde: Borsigwalder Festfäle. Redner: Clara Bohm- Schuch, Anna Gener, Erna Kresse, Marie Kunert, Wilh. Landa, Liesbeth Riedger, Rich. Rofin, Minna Todenhagen, Clara Wenl, Hedwig Wachenheim. hindert ausüben. Daß es dahin fommen fonnte, ist Schuld der kommunisten. Folgende Tatsache beweist das. Bis zum Auguft vorigen Jahres hatte der Zentralverband der Bäcker und Konditoren unumstrittenen Einfluß im Stollwertschen " Das größte Hindernis für die Vereinigung im internatio- Betriebe. Dann kam der von den Kommunisten angezettelte" polinalen Maßstabe bilden gegenwärtig die sozialdemokratische Streit". Es gelang den verblendeten kommunistischen Agitischen Führer der deutschen Gewertschaften, totoren, die Belegschaft der Firma Stollwert auf die Straße zu diese verbissensten gewerkschaftlichen Bureaufraten Deuifdjiands bringen. Als der törichte Streif nach einigen Tagen zusammen= Sie find tas größte Hindernis. Gewiß gibt es nicht wenige untergebrochen war, fonnte die Firma eine gründliche Auslese unier geordnete Hindernisse. So ist Herr Jou haur feineswegs besser den Arbeitnehmern halten. Die Mitglieder des Zentralverbandes, als die deutschen Bureaufraten, aber dennoch bilden diese Führer soweit sie sich irgendwie als solche bemerktar gemacht hatten, wurden der deutschen Gewerkschaften die Hauptgruppe, welche weiß, was nicht wieder eingestellt. An ihre Stelle zogen jene Leute in die Fabrik fie will. welche weiß, zu meichent 3med fie die internationale ein, die heut das Rüdgrat der gelben Organisation bi'den und dem belt, bewußt die Tattif ber Bourgeoisie verfolgt. Wir wenden uns deshalb vor allem an die englischen Arbeiter, damit sie erkennen, daß es die Herren deutichen Sozialdemokraten, die Bureaukraten der deutfchen Gewerkschaftsbewegung, find, die zu allem bereit sind, um die Vereinigung der Arbeiter zu verhindern und den internationalen Zusammenfchluß zu vereiteln." Gewet und welche nicht blindlings han- Unternehmer in der Bekämpfung der freien Gewerkschaft beistehen. Da die englischen Arbeiter im allgemeinen die Loge auf dem Kontinent wenig fennen. weil sie ihr bisher wenig Interesse entgegengebracht haben, ist die Befürchrung nicht ganz von der Hand zu weisen, daß sie sich durch den Einfluß der Russen immer mehr in Gegensah zu den fontinentalen Gewerkschaften stellen. Trotz der großen Bedeutung, die in ollen Gewerkschaftskreisen den Ansichten der englischen Gewerfschaften beigelegt wird, ist es doch ausgeschlossen, daß sich die Gewerkschaften des Kontinents auf Bahnen treiben lassen, die fie für die Gewerkschaftstätigkeit im be. sondern und darüber hinaus für, die Arbeiterschaft im allgemeinen für schädlich halten. Es ist aber auch ausgeschloffen, daß die englischen Gewerkschaften den Anschluß an mos= ka u dem Anschluß an die Gewerkschaften der andern Länder vor ziehen werden, vor allem da dadurch auch automatisch ein Bruch mit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, die bisher den englischen Gewerkschaften sehr nahe stand. eintreten würde. Reichshallen- Theat, Abends 8 U. u. Stg. nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Donhoff- Bretti: Herrlich. Hachm. halbe Pr. b. vell. Abendaregr. Progr.! Anf. 7. Populäre Preise Theater am Honbusser for. Täglich& Ubr u unma Sonnt nachm 3 Ubr. fichere Hilfe durch ElifeReichels echte Afthmatropfen, Schokolade billiger! Falken, Stollwerck, Mauxion und andere bekannte Marken Man kauft sehr billig und 2% Rabatt. Gerson Wechselmann Berlin, Linkstraße 20. Telephon: Nollendorf 878 und 879. Post- und Bahnversand. Die infolge des zusammengebrochenen Streits mutlos gewor denen Arbeiter und Arbeiterinnen hatten nicht mehr Kraft genug, dem Treiben der Gelben, die jetzt sogar Wahlplakate der reaktionärsten deutschvölkischen Richtung im Betriebe verbreiten, Widerstand entgegenzufegen. So hat der fommunistische Generalft reif" dem Unternehmer die willkommene Gelegenheit geboten, den Betrieb von gewerkschaftlich tätigen Arbeitern zu säubern. Auch ein Erfolg" fommunistischer Taftif. " " Wenn auch augenblicklich die Mitgliederzahl des Zentralverbandes im Stollwertschen Betriebe gegen früher geschwächt ist, so lebt der gewerkschaftliche Gedanke doch bei einem großen Teil der Arbeiter. Das hat sich ja bei der fürzlich vom Gewerbegericht für ungültig erklärten Betriebsratswahl gezeigt, wo die freigemerf. fchaftliche Liste eine weit überwiegende Mehrheit gegenüber der Liste der Gelben erhielt. Auch bei der bevorstehenden Neuwahi Knechtseligkeit liegen. des Betriebsrats wird der gewerkschaftliche Gedanke über gelbe Lohnbewegung der Privat- Elektrizitätswerke. In einer start besuchten Versammlung am Freitag wurde das derauf hingewiesen, daß die Gruppe 3( ungelernte Arbeiter), die keine Angebot der Arbeitgeber einstimmig abgelehnt. Hauptsächlich wurde Leistungszulage erhält, mit den augenblicklichen Löhnen plus Angebot der Arbeitgeber nicht eristenzfähig ist. Die Fortführung der Lohnverhandlung wurde der Lohnfommission und den Funktionären übertragen, die mit fämilichen Vollmachten ausgestattet wurden. Verkäufe Sellzahlung Teppiche, 2 × 8, 30.- an. . au verkauft Damenmäntel, Flauschmäntel Damenmäntel, 5.Die Zahl der Arbeiter in Petersburg ist von 380000 am 1. Januar 1917 auf 132000 am 1. Oktober 1924 zurückgegangen. Wirtschaft Lebhafter Geschäftsgang in der Kabelindustrie. Die Rabelindustrie ist zurzeit außerordentlich st art beschäf tigt; die meisten Werke in Rheinland- Westfalen arbeiten mit Tagverkauft. Zurückzuführen ist dieser lebhafte Geschäftsgang, der und Nachtschichten und ihre Produktion ist auf Monate hinaus a 11 5 auch bei der Berliner Kabelindustrie festzustellen ist. haupt fächlich auf den Bedarf der Ueberlandzentralen und Kommunen; die Ueberlandzentralen hatten während der In flation vielfach die begonnenen Ausbauarbeiten einstellen müssen; sie gehen jetzt daran, diese fortzusehen. Die Kommunen haben in den legten Monaten ebenfalls erhebliche Bestellungen erteilt, es handeit sich hier um Licht und Kraftanlagen, sowie um umfongreiche Instandsehungsarbeiten. Auch für Drähte wid Lizen, fowle fonstiges Elettromaterial find große Aufträge an die Werte, aud seitens der Privatwirtschaft, erteilt. Die führenden Firmen der Branche haben in den letzten Monaten ihre Absah organisas tion wieder start ausgebaut, namentlich hat die AEG, vielfach wie Abnehmergenossenschaften zusammengefchloffen. der Konsignationsiäger eingerichtet, und die Installateurfunden zu Gegenüber dieser stellung und erleichterte Zahlungsbedingungen ins Geschäft zu Abfogorganisation bemüht sich die Konkurrenz, durch günstige Preiss kommen. Die Zahlungsweise der Privatkundschaft ist im allgemeinen noch sehr stock end, und besonders in den letzten Wochen macht sich wieder eine erneute auffällige Geldknappheit bemerkbar. Immerhin scheint die Draht- und Kabelindustrie, sowie auch die Elektroindustrie im engeren Sinnen im Gegensah zu manchen mit deren Industriezweigen, sich gegenwärtig in günftiger Geschäftsa entwicklung zu befinden, wozu übrigens auch das ständige Steigen des Kupfer- und Zinnpreises mit beiträgt. In den letzten Monaten Die sind auch nicht unbedeutende Auslandsaufträge an deutsche Kabelindustrie gelangt, und zwar wird namentlich Polen als. Abnehmer genannt. Auch aus den ehemals russischen Randstaaten sind Bestellungen von Genossenschaften und Kommunen sowie Staatlichen Stellen eingegangen, die vom Frühjahr ab zur Auslieferung fommen sollen. Ferner wird von einzelnen Abschiüffen englischer Seekabel-( Telegraphen-) Unternehmungen mit deutschen Werfen berichtet. Berantwortlich für Politik: Ernſt Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstrake 3. Fahrräder Kaufgesuche Fahrräder fauft Linienstraße 19 Prismengläser, Photoapparate fauft Belzwaren gut und billig! Elegante] 8., 13., 19.-, Affenhautmäntel 19.-. Belzmäntel. Belajaden sowie Belzwaren 25.- 35.- Tuchmäntel 9.-, 14.-. aller Art. Prima Qualitäten. Belz- Jekt ist es noch Zeit, wenn Sie ein 21.- Estimomäntel 16.- 25.- 35.- haus Spiker. Rommandantenstraße 27, Motorrad suchen. Da Saisonschluß, Teppich Schrager gegen Damenmäntel- Fabrit, Charlottenftr. 66 II. Laden. verkaufe neue fowie gebrauchte fabelhaft Einzelverkauf. Geschäftszeit ununter Brüden. Diwandeden Bettvorlagen, brochen von 8 bis 7 Uhr. Bitte Lesen. Großes Lager getragener, billig. Außerdem Biertaft- Motoren 125, Läuferstoffe fabelhaft nur erstklassig erhaltener Winterulfter, Motorradrahmen 25. Bitte, besichtigen billigen Damenmäntel, Flauschmäntel Preifen. 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