Abendausgabe Str. 558 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 279 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfenni Mittwoch 26. November 192 Berlag und Angetgenabteilung. Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Stresemanns Amt. Schwanken zwischen ,, Tradition" und ,, Diskrepanz". Bei einem Jubiläumsfesteffen des WIB. am Dienstag abend hielt Dr Stresemann eine Rede, in der er am Schluß auch auf außenpolitische Dinge zu sprechen fam. Da bei fagte er u. a.: Wir haben wechselnde Minister, aber mir haben auch im Aus. wärtigen Amt eine Tradition, die nicht wechselt, sondern aufrecht erhält, was an Kenntniffen und Erfahrungen gesammelt ut. Herr Stresemann ist zwar persönlich ein sehr wandelbarer Bolitiker, er ist aber zugleich ein glühender Anhänger der ,, Tradition". Als Burschenschaftler legte er einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife am Grabe der Märzgefallenen nieder, als Führer der Deutschen Bolkspartei bekennt er sich zu schwarzweißrot. Somit verkörpert er in einer Berson fogar verschiedener Traditionen. Das nennt er dann: eine Brüde bauen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wenn sich die Tradition im Auswärtigen Amt nur auf die Aufrechterhaltung der Kennniffe und Erfahrungen beschränkt, dann könnte man sich damit durchaus einverstanden ertlären. Aber die Tradition im Auswärtigen Amt erstreckt sich leider bei einem großen Teil des diplomatischen Personals auch auf die Gesinnung. Und im Gegensatz zu Herrn Stresemann, der zweifellos auch diese Art von Tradition durchaus billigt und fördert, sind wir der Auffaffung, daß die Verwaltung im auswärtigen Dienst einer geistigen Erneuerung dringend bedarf. Unser Diplomatenpersonal retrutiert sich nach wie vor zum großen Teil aus den feudalften Studentenverbindungen und entstammt traditionsgemäß" vielfach entweder aus dem hocha del oder aus der Groß industrie. diesen beiden Edpfeilern der nationalliberalen Gesellschaftsordnung. Die Deutsche Republik wird aber Bert darauf legen müffen, diese Tradition zu durchbrechen. ebenso wie die Kliquenwirtschaft, die sich in der Wisheim straße allmählich herausgebildet hat und die danach strebt, Die neuen, vereinzelt in den diplomatischen Dienst getommenen Elemente hinaus uefeln, mie das bereits in einigen be tannten Fällen mit Erfolg geschehen ist. Eine andere Stelle der Stresemannschen Ausführungen verdient gleichfalls hervorgehoben zu werden. Er sagte: Es bleibt die Tragit ber deutschen Außenpolitik und damit voraussichtlich für lange Zeit auch noch die Tragik der deutschen | Außenminister, daß stets zwischen der von ihnen verfoigten Bolitit und der Auffaffung des deutschen Bolles eine Diskrepanz bestehen The Rein wird. Das deutsche Volf wird stets erfüllt sein von dem stolzen Bewußtsein, das die große Bergangenheit ihm gibt, und wird felten Verständnis haben für die Außenpolitif, die die Be. grenztheit der Machtmittel und unsere gesamte Stellung jedem Minister aufzwingt. " 7 Herr Stresemann verwechselt da offenbar das deutsche Bolt mit der nationalistischen Wählerschaft. Das deutsche Bolt hat durchaus Verständnis für die reale Lage Deutschlands in der Welt nach dem verlorenen Kriege. aber die rechtsparteilichen Bolitifer sind seit sechs Jahren unablässig bemüht, diese Erkenntnis zu trüben und durch nationalistische Phrasen eine Lage vorzutäuschen, zu der die außenpolitischen Notwendigkeiten allerdings in einer starten Diskrepanz"( Mißverhältnis) stehen. Es ist in Wirf. lichkeit eine Beleidigung des deutschen Volles, wenn man behauptet, es sei nicht fähig, die einfachsten Schlußfolgerungen ous der Tatsache des Kriegsverlustes zu ziehen. Warum fehlt es den Wählermassen, die hinter der Sozialdemokratie, den Demokraten und dem Zentrum stehen, nicht an Verständnis für die bitteren Notwendigkeiten der Erfüllungspolitik? Warum ist dieses so seltene Verständnis" das Privilegium der Bürgerblodparteien? Warum verursacht diese Diskrepanz" gerade dem Außenminister Stresemann so heftige Bauchschmerzen? Die Antwort ist sehr einfach: Wer in den bitteren Jahren nach Kriegsende den Mut hatte, dem Bolk die Wahrheit zu sagen, dem fällt die Rechtfertigung der deutschen Außenzu sagen, dem fällt die Rechtfertigung der deutschen Außenpolitif nicht schwer. Wer aber das Volk mit vaterländischen" Redensarten und Schlagworten jahrelang systematisch auf gepeitscht hat, wer heute noch im Angelicht fremder Diplomaten und Staatsmänner als Außenminister anders handelt als er im Ang ficht seiner Barteifreunde ais Barteiführer rebel, der wird in der Tat die deutsche Außenpolitif befonders tragisch empfinden: aber in diesem Falle hondelt es sich nicht um die Gesamttragödie Deutschlands, sondern um die Einzeltragödie eines schlechten Gewissens. " " Zur leberwindung der von Herrn Stresemann geschilder ten Diskrepanz" benötigt man Mut, Konfequenz, Wahrheitsliebe lauter Eigenschaften. die allerdings nicht zu der nationalliberalen„ Tradition" gehören. Der befreite Nathusius. Oder: Wie lügt man sich heraus? Die Sozialdemokratie hat schon manchen Dolchstoß" in ben Rücken der deutschnationalen Kämpferfront ausgeführi. Aber daß sie die Befreiung des Generals v. Nathusius erreichte, das ist zweifellos die allerschlimmste Gemeinheit, die sie jemals gegen die gute Sache begangen hat. Man denke: Als die Deutschnationalen in der gräßlichsten Berzweiflung waren und vor Angst schon nicht mehr ein und aus wußten, da tat der liebe Gott für sie ein Wunder und bestimmte die französischen Militärrichter, denn General v. Nathusius zu einem Jahr Gefängnis zu verurteilen. Von dieser Tat ihrer französischen Gesinnungsgenossen erhofften die Deutschnationalen ihre Rettung aus allen Wahlnöten. Ob der General saß oder nicht saß, was war für sie gleichgültiger als dies! Hauptsache war doch die WahlDas Parole gegen die Sozialdemokraten. Schmachurteil, das Schandurteil der französischen Bestien" zeigte, was es mit der Völkerverständigung auf sich hatte. Die Schleier waren gefallen, und jeder Mann und jede Frau wußten nun, daß sie deutschnational zu wählen hatten. Inzwischen hatte die Sozialdemokratie thre Aftion für die Befreiung des unschuldig Verurteilten bereits eingeleitet Zunächst durch einen Artikel des Vorwärts". Es wurde hier gleich auf die ersten unvollständigen Berichte hin gesagt, daß der General ,, wahrscheinlich doch unschuldig sei" und daß es unmenschlich wäre, ihn seinen 70. Geburtstag im Gefängnis feiern zu lassen. Es wurde zugegeben, daß in Kriegszeiten die Eigentumsbegriffe schwankend geworden feien, es wurde aber zugleich darauf hingewiefen, wie unfinnig es sei, wegen eines verlorengegangenen Suppentopfes Strafprozesse zu führen Als einziger Weg zur Lösung des Konflikts wurde die Begnadigung empfoh'en. titel her und fanden die Empfehlung zur Begnadigung ,, unBerliner deutschnationale Blätter fielen über diesen Arwürdig". Noch toller trieb es die deutschnationale Provinz presse Die Bommersche Tagespoft" zum Beispiel schrieb einen Cegenarlife! mit der anmutigen Ueberschrift a= naillen", in dem behauptet wurde, bie Sozialdemofratie molle den armen Mathufius noch fester in die Hände seiner häscher bringen und sie beleidige das deutsche Offizierstorps. " Man kann sich vorstellen, wie sich die Deutschnationalen fühlen müssen, nachdem die Befreiung des unschuldig Verurteilten unter hervorragender Beteiligung der deutschen und französischen Sozialisten tatsächlich geglückt ist. Erschossener fann man nicht sein! Und so darf man die Auslassungen der deutschnationalen Bresse über dieses Nationalunglück mit Humor genießen. Die Deutsche Zeitung" ist zwar mit ihrer Berichterstattung etwas hinter der Weltgeschichte zurüd, doch ahnt ihr Die Baldwin- Regierung muß Rede stehen. Die Erklärung der Regierung darüber. Sie hat das Vertrauen fchon Schlimmes. Sie baut vor: Macdonald interpelliert. Condon, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Führer der Arbeiterpartei, Genosse James Ramjay Macdonald, hat eine Interpellation über die auswärtige Politik der Regierung eingebracht. Wenn die Oppofition die sofortige Eröffnung der Debatte beantragt, dürfte Außenminister Chamberlain feine Reise nach Rom aufgeben. Eisenbahnattentate in Indien. Kalfuffa, 26. November.( WTB.) In den letzten drei Wochen find fünf Attentate gegen 3üge der Ost- Bengalischen Eisenbahn verübt worden. Sturm in der Pariser Kammer. Herriots Gegenangriffe. Der Borwärts" hat bereits heute, Mittwoch, früh gemeldet, daß die französische Kammer mit großer Mehrheit ein Vertrauensvotum für die Regierung Herriot angenommen hat. Dem ging votum für die Regierung Herriot angenommen hat. Dem ging folgendes voraus: Im Anschluß an eine von dem Poincaristen Taittinger eingebrachte Interpellation fam es zu ungewöhnlich scharfen Zwischenfällen. Taittinger, eine Hoffnung der jüngst von Millerand gegründeten Lina der flerifalen und nationalistischen Reaktion, hatte die machtvolle Kundgebung, zu der am Sonntag die le berführung Jaurès ins Pantheon Antak gegeben hatte, zum Regenstand einer Interpellation gemacht. Er hatte den traurigen Mut, sie als eine revolutionäre Straßenfundebung zu be zeichnen und der Regierung den Vorwurf au macher, fie habe Baris ben Kommunisten und den Agenten der Gorojets ausreliefert. Da er damit lediglich einen Heiterfeitserfolg erzielte, aing er zu direften Angriffen auf das Rabinett über, das er beschuldigte, das einzelne feiner Mitglieder aus dem Wahlfonds des Senators Billiet Unterstügungen entgegengenommen hätten. Diese Verleumdungen find um so unerhörter, als Billiet den Rampf gegen das Kartell der Linken finanziert hatte. Bon Herriot gedrängt, feine Beschuldigungen näher zu erläutern und Namen zu nennen, mußte Taittinger den Rückzug antreten. zur Regierung, daß fie die republitanischen Einrich tungen und Traditionen wahrt, und stellt weiter feft, daß im Verlauf der Debatte die schwersten Anflagen gegen Mitalieder der Regierung vorgebracht wurden, ohne daß ihr Urheber trok wiederholter Aufforderung den kleinsten Beweis dafür beigebracht habe. Die Kanmmer brandmarkt dieses Mannöver und geht zur Tagesordnung über Hervé als Schutzpatron. Laverrenz flüchtet sich unter seine Fittiche. In„ dem" deutschnationalen Blatt Berlins werden zur Abnech'lung einmal fozialistische Patrioten gefeiert. Natürlich sind es Ausländer und ebenso natürlich Franzosen. Der eine ist Jaurès, von dem behauptet wird, daß Bülow ihn im Reichstag gelobt, die Sozialdemokratie ihn zerrissen" habe. De: andere aber ist Gustav Hervé! Dieser ehemalige Antimilitarist, der auf dem internationalen Rongreß zu Stuttgart die feine besondere antimilitaristische Propaganda deutschen Sozialdemokraten als„ Spießbürger" beschimpfte, weil sie nicht mitmachen und feinen Kriegsstreit nicht beschließen helfen wollte. Man muß im Brotokoll von jenem Kongreß nachlesen, wie die deutschen Sozialdemokraten Bebel und Vollmar mit den Bhantastereien Hervés umgesprungen sind. Erst dann fann man die ganze Größe des Urfinns ermeffen, daß ausgerechnet diefer Antimilitarist und„ Kriegsfireitheßer" zum Schuhpatron der„ National. poſt" des Herrn Laverenz erforen wird. In diesem Blatt wird über ihn gejagt: Hervé wollte tein Baterland anerkennen und trat für bewaffneten Aufruhr im Falle eines Krieges gegen das einene Baterland ein, um den Krieg zu verhindern. Als es zum Ernst fall allerdiros 1914 tam, mar Hervé einer der ersten. der sich trok seiner 62 Jahre freiwillig zum jeeresdienst meldete. Das hat Crispien nicht getan und wird es auch nie fun. Gegenüber den Reaktionären betonte Herriot, daß die Feier vom Sonntag vom Anfang bis zu Ende in eindrucksvoller und einwandfreier Weise verlaufen sei. Die franzöfifche Linke habe am Sonntag ein Werf der Gerechtigkeit vollbracht, indem sie das Verbrechen vom 31. Juli 1914 wieder gutmachte. Herriot wurden begeisterte Rundgebungen der Remmermehrheit beschimpfen pflegt. Allerdings meldete sich Hervé mit 62 Jahren reitet, als er mit der Versicherung ichlok. dak die Regierung fich start genug fühle, um die Ordnung und Freiheit zu sichern. In den späten Abendstunden sprach die Rammer der Regie rung mit 318 gegen 196 Stimmen das Vertrauen aus. Das Ver. frauensvotum lautete:„ Die Kammer billigt bie Maßnahmen der Regierung für die Ueberführung von Jaurès ins Bantheon und Nun weiß zwar jedes politische Kind, daß Hervé sich bald nach 1907 vom Sozialismus abgewandt hat und zu einem der übel sten nationalistischen Hezer Frankreichs entwickelt hatte, der feine früheren Parteigenossen genau so gehässig beschimpfte, wie etwa Emil Koth die deutschen Sozialdemokraten heute zu be freiwillig zum Kriensdierit, aber Emil Kot'h mit 50 Schren biteb daheim! Dafür tarf er fgt in der konservativen National post" Artikel über Patriotismus und nationale" Pflicht schreiben. Uebrigens: 2ub mig Frant, der Sozialdemokrat, ging frei. willig ins Geld und fand den Tod, Graf Westorp und Laverrenz aber blieben uns erhalten. Ene Begnadigung hätte nur eine neue Beleidigung des Generais targestellt: Die Begnadigung bebeutete eine Anerkennunng des Lller Urteils durch das der General megen Diebstahls verurteilt morben ist. Nur die Aufhebung des Urbe is ermöglicht eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Es handelt sich legten End's nicht darum, daß der General auf Grund eines Gnodenaftes" feine Freihit wberg winnt, sondern um eine Frage der Ehre des deutschen Namens, der durch des Diller Urteil von nurm ge brandmarkt werden sollte. " Also, daß man den Herrn v. Naihufius freiläßt, ist eine ,, Beleidigung" für ihn. Er muß fizzen bleiben, bis ein französisches Gericht ihn freispricht. Warum dann nicht auch alle übrigen deutschen Generä e, von Wilhelm II. angefangen, die drüben unter Anflage gestellt und zum Teil in ihrer Abwesenheit verurteilt worden sind, nach Frankreich gehen und für ihre Un schuld fämpfen müssen, das verschweigt die Deutsche Beitung". rung Na hufius' mit der Ueberschrift 3 wangsweise be Die ,, D. A. 3." versieht ihre Nachricht von der Amnestieneral v. Nathusius war vernünftigerweise mit seiner Begnagnadigt!" Das ift. wie unsere Leser wissen, falsch. Der Gedigung einverstanden und hat, um sie zu ermöglichen, sein Revisionsgesuch zurückgezogen. Der Berliner Lofalanzeiger" glaubt den schmerzlichen Fall in folgender Weise bereinigen zu können: Die französische Linkspresse hat jo laut genug auf die„ Gefahren“ hingewiesen, die der Urteilsspruch von Lille für die Linksparteien in Deutschland bedeute, nährend sie feine Spur von Ver ständnis dafür zeigte, daß diefes himmelschreiende Unrecht um feiner felb ft willen aus ber Welt gefchafft werden müßte. Die abgrundtiefe Niedertracht der Gesinnung, die sich in diesem Verhalten der französischen Deffentlichkeit cffenbarte, sie ist der bleibende Faktor, mit dem wir zu rechnen haben, so sehr auch der„ Borwärts" und ähnliche Blätter nun wieder bereit sein werden, das angeblich demokratische Frankreich in ihre Arme zu schließen, nur damit recht schnell wieder das nötige Gras über den fotalen Zwische fall nachfen möge. Sie fönnnen fich darauf verlassen: Das deutsche Bolt wird über den Fall Nathusius nicht zur Tagesordnung übergehen, nicht heute und nicht morgen, zumindest so lange nicht, nic die Listen der sogenannten Kriegsverbrecher in Frankreich noch in Straft bleiben. Diese Quelle des Haffes zwischen den beiden Nationen fann nur von Frankreich geschlossen werden. Herr Herriot ist nich Frankreich. Damit ist das Wort der Situation glücklich heraus: Niedertracht!" Ja, es war eine Niedertracht, jezt gerade vor den Wahlen den Herrn v. Nathusius freizulassen; Die armen Deutschnationalen spüren es in allen Gliedern und ihnen ist speiübel. An was tann man sich überhaupt noch halten, wenn so etwas passieren tann! Der„ Lokal- Anzeiger" hat übrigens mit der Niedertracht gar nicht fo unrecht. Es gibt in Paris zweifellos Blätter, die genau so nationalistisch verhegend, genau so verlogen, genau fo nieberträchtig sind wie er selbst. Aber wir sprechen das aus, auf die Gefahr hin, von neuem der Vaterlandslosigkeit beschuldigt zu werden jene Pariser Blätter sind nicht so dumm wie der„ Lotal- Anzeiger". Darum hat sich der größte Teil der Pariser Nationalistenpresse mit der Begnadigung Nathusius ruhig abgefunden. Welches Geschrei würde der Lokal- Anzeiger" erheben, wenn eine deutsche Linksregierung einem deutschen Offiziersgericht in der Weise zu gunsten eines Franzosen!- in den Arm fallen würde, wie das Herriot einem französischen Kriegsgericht gegenüber zugunsten eines deutschen Generals getan hat. Herriot," schreit der Lokal- Anzeiger" in feiner Verzweiflung, Herriot ist nicht Frankreich!" Herriot hat erst gestern von der französischen Volkspertretung ein mit er brückender Mehrheit beschlossenes Vertrauensvotum erhalten. Aber Herriot ist trotzdem für die Lokalanzeigerlefer nicht Frankreich". Für sie ist Poincaré Frankreich! Für se muß Poincaré Frankreich sein, sonst ist ihnen das ganze Wahlgeschäft verdorben. Das Frankreich Poincarés, das gesinnungsver wandte Land- das ist das Land, das unsere Deutschnationalen mit der Seele suchen. Die Begnadigung notifiziert. Die offizielle Mitteilung von der Begnadigung von Nathufius' ist bei der Reichsregierung telegraphisch eingetroffen. Gleich nach Bekanntwerden des Kontumazurteils von 1921 ist auf Grund des Gefehes vom 18. Dezember 1919 beim Reichsgericht ein Ber fahren gegen Nathusius anhängig gemacht worden, zu Sem bereits eine Reihe von wichtigen Zeugen ermittelt ist. Cirpitz und Baecker. Arm in Arm gegen Deutschland. Herr Baecker müht sich in der Deutschen Tageszeitung" celter mit der Verteidigung von Herrn Tirpitz gegen die vernichtende Bloßstellung durch Dr. Thimme ab. Es ist be= zeichnend, daß keine andere deutschnationale Zeitung Herrn Tirpit deckt. Er ist nicht zu decken, selbst für Deutschnationale nicht. Um so lauter schreit Herr Baeder gegen Herrn Thimme nach der Methode: Haltet den Dieb. Er schreibt neuerdings: „ Es braucht faum gefagt zu werden, daß Publitationen die ein Mann von solcher Unfähigkeit zu der elementariten Objektivität, die ein Mann herausgibt, der nicht einmal richtig lesen fann, menn persönlicher Haß ihn lents, jeben Anspruch auf die Autorität verlieren, auf die nur eine wirklich objektive wissenschaftliche Arbeit Anspruch erheben kann. Ausdrücklich aber muß hinzugefügt werden, daß ein Mitarbeiter von derartigen Eigen schaften das Vertrauen des In- und Auslandes zu der Objektivität der Publikationen des Auswärtigen Amtes ganz allgemein gefährden muß. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Die Publikation des Herrn Dr. Thimme muß auf das forgjamste nach geprüft und einem anderen Herausgeber übertragen werden." Herr Baeder hat gestern versucht, die Publikationen des Auswärtigen Amtes in den Augen des Auslandes zu diskredi tieren. Seine Sorge um das Ansehen der deutschen Aktenpolitifer ist geheuchelt. Er will ablenten von seiner vater landsfeindlichen Haltung, will ablenten von dem ungeheuren Tirpigsfandal. Dabei jetzt er die niederträchtigste Distredi tierung der deutschen Aftenpublikation fort. Arm in Arm mit Tirpit der einzige Baeder gegen Deutschlands Interessen. Soll man ihn mit der objektiven Herausgabe der deutschen Dokumente beauftragen, weil er am 29. August die Schlicht heit, Offenheit und Festigkeit seines Charakters so nobel be: wiesen hat? Oder soll man Herrn Tirpitz zum Hüter und Freund der Wahrheit einsehen, dessen eigenartige Beziehung zur Wahrheit schon zum geflügelten Wort geworden ist? Der Chef. Bon Käte Marcus. Ju der Tür des Direktorzimmers führt eine unsichtbare Treppe. " Jeder Angestellte muß sie oft ersteigen. Vorher schöpft er tief Atem, als ob ein Vorrat von Luft nötig sei. Trotzdem schwillt ein dumpjes Gefühl im Halfe, ein Angstfnoten in der Luftröhre. Noch eine Stufe der peinvollen Treppe. Die Hand, die nach der Türklinke greift, wird eiskalt. Die andere, die den Vorgang" trägt, brennt wie versengt Die Türe geht auf. Viel zu laut, viel zu heftig. Man möchte zurück; aber die Treppe ist plöglich verschwunden. Da steht man nun wie ausgefeht und sieht nur, daß es so hell ist wie in feinem anderen Zimmer des Hauses, fühlt nur, daß die Luft femdlich gegen die Schläfen drückt. Eine Uhr tidt: eilig, sofort! Aber die Stimme fiemmt sich an dem Angstknoten. Endlich quält sie sich vor. Der Chef fist an seinem mächtigen eichenen Schreibtisch. Vor ihm steht das Telephon mit siebenundzwanzig roten und schwarzen Drucktasten. Wenn er auf eine Taste drüdt, so schnellt einer der Menschen auf, die in den siebenundzwanzig Zimmern des Hauses über Kontobüchern, Briefkopien, Aufträgen, Rechnungen gebüct sitzen. Alt elektrischen Drähten hängt neun Stunden des Tages das Hirn dieser Menschen. Abends wollen sie sich losreißen; aber der Draht ist ihnen schon eingewachsen. Sie schleppen ihn mit sich nach Hause. Im Schreibtisch des Chefs ist eine große Lade mit zahllofen Stempeln: Datumsstempel, Eingangsstempel, Firmenstempel, Verfügungsstempel-- Damit regiert er. Die Geste, mit der er frischen Schriftstücken den Stempel ausdrückt, bedeutet Besizergreifung, Herrschaftsatt. Tas Stempeln ist seines Daseins liebste Funktion. Da sieht man doch, was man tut. Weißes wird schwarz oder tot. Ein für allemal! Der Aftenschrank neben dem Schreibtisch ist durch eine hölzerne Rolljalousie verschlossen. Wenn sie aufgeht, sieht man ein Heer farrer Fähnchen, mit Rundschrift bemalt. Soviel Fähnchen- soviel Machtgebiete. Macht über Ware, Geld, Menschen. Um 11 Uhr morgens beginnen die Konferenzen im Hause, um 12 Uhr die Sitzungen in den Verbänden. In den Konferenzen werden Preturisten und Abteilungsvorsteher eingetrommelt. Den ganzen Tag hören sie dann das Trommeln im Ohr:„ Es muß mehr gearbeitet werden. Wir verdienen nichts." In den Sizungen präsidiert der Chef, zigarrenrauchend. Seine Reden find gleichnishaft: Meine Herren, ich sehe einen Kampf aller gegen alle." Oder:„ Unsere Stunde ist gekommen, nußen wir fie!" Die Kollegen- Chefs hören nicht genau hin. Erst wenn Zahlen kommen, blättern sie geschäftig ihre Stetizbücher auf. Nachher fährt man im Auto nach Hause zum Mittagessen. Bor fünf Jahren war der Chef toch Prokurist einer kleinen Wallraf gegen Stresemann. München, 26. November.( BS.) Der katholische Ausschuß der deutschnationalen Volkspartei hatte sich für den gestrigen, Dienstag obend den Reichstagspräsidenten Wallraf als Referenten verschrieben. Die Reichstagsauflösung, so erklärte der Redner, set zu vergleicher mit einem Billardspiel, bei dem Ebert die rote Kugel etwas über Gebühr berücksichtigt habe. Dem Ruf nach der Politik der Mitte gegenüber erklärte Wallraf, daß es eine solche Politik überhaupt gar nicht gäbe. Niemals sei daran zu denken, daß die Mitte die Mehrheit erreiche. Sie müsse sich stets nach links oder rechts anlehnen und dadurch bekomme sie erst ihre Prägung. Die Volksgemeinschaft des Reichskanzlers Mary bedeute in der Praxis nichts anderes, als ein Pferd vor und eins hinter den Wagen 3u spannen in einem Augenblick, wo dieser Wagen vorwärtsgehen müsse. Volksgemeinschaft gibt es nur auf der Grundlage der chrift lichen Kultur. Weiter wandte sich Wallraf gegen Stresemann. Dieser tomme ihm vor, wie ein außerordentlich geschick ter Reiter, der in der Manege mit einem fühnen Sat sich auf ein Pferd schwinge und freundlich nach rechts hinüber winte, um in der nächsten Se kunde sich auf ein anderes Pferd zu schwingen und freundlichst nach links hinüberwinte. Außerdem habe Stresemann für den 7. Dezember auf" BIah" gemettet, neil er nicht weiß, welches Pferd als Sieger durchs Ziel gehen wird. Aber Stresemann wird es noch bedauern, sich nicht auf rechts gesetzt zu haben. schon vor Anfang der Versammlung biefer Saal vollständig überfüllt war, mußte eine Parallelversammlung in einem zweiten ebenfalis großen Saale abgehalten werden, die auch bis auf den letzten Plaz gefüllt war. Auch in dieser Versammlung fam Genosse Hilferding zum Wort. Beide Versammlungen verliefen in allergrößter Ruhe und gestalteten sich zu einem Massenerfolg der Sozialdemokratie. " Bernhard wehrt sich. Halle, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Gestern sollte in Halle der Kandidat des Wahlkreises Halle- Merseburg für die Demokratische Partei, der Redakteur Georg Bernhard von der Bossischen Zeitung", sprechen. Infolge der antisemitischen Heypropagande von den Völkischen bis zur Deutschen Volkspartei war das Bersammlungelofal schon eine Stunde vorher belagert, so daz die Polizei schließen mußte. Georg Bernhard nurde wiederholt unterbrochen, fonnte sich aber durchfeßen. In der Diskussion sprach ein völkischer Landgerichtsrat und ein Stahlhelmhauptmann in der gehässigsten Weise. Als als dritter Diskussionsredner ein ganz junger Mensch, Georg Bernhard gehäffig angriff und ihn einen gong gemeinen Berleumder naminte, stand Bernhard auf und schlug den völkischen Schimpfheiden ins Gesicht. Der völkische Held nahm die Ohrfeige ruhig entgegen und entfernte fich, wie ein begossener Pudel. Die Bersammlung ging donn trotz der Anwesenheit der völkischen Stoßtrupps ruhig weiter und wurde ordnungsmäßig zu Ende geführt. So sieht die Tapferkeit der Völkischen in den Bersammlungen anders Denkender telt der Billigen in aus. Kreisblätter und Wahlpropaganda. Seine Zustimmung zu den Dawes- Gefeßen begründete Wallraf mit folgenden Ausführungen:„ Nachdem einmal das Gesetz vorlag und daran nichts mehr zu ändern war, nachdem die Einführung Der Oberpräsident von Ostpreußen hat den dieser Geseze bevorstand, habe ich mir von vornherein gesagt, anKreisblättern verboten, eine Wahlpropagandagesichts der Lage der deutschen Wirtschaft, die zu vertrocknen drohte, Beilage 3erbrecht die Retten" der Deutschnationalen angesichts der Uebereinstimmung der wirtschaftlichen Mächte der Boltspartei zu verbreiten Gegen diefes Verbot ist von meh Welt in der Wertschäzung des Dames- Gutachtens ist eine glatte Ab- reren deutschnationalen Diganisationen und Abgeordneten Einspruch lehnung nicht zu verantworten." Der Eintritt Deutschlands in den beim Preußischen Innenministerium erhoben worden. Das InnenBölkerbund, so erklärte der Redner weiter, dürfe nur dann erfolgen, minifterium wird, wie wir hören, diefem Einspruch nicht Folge wenn mit ihm feine neue Anerkennung der Schuld geten, da die Wahlbeilage heftige Angriffe gegen die preußische lüge verbunden sei. Auch die Grenzfeftichungen im Osten müssen neu geregelt werden und ebenso müsse Deutschland feine alten Regierung enthält, die nach der Auffassung des Innenministeriums von amtlichen Organen der Kreise nicht verbreitet werden dürfen. Kolonien mindestens als Berwalter einstmals wiedererhalten. Zum Schluß seiner Rede, die in der Hauptsache gegen die Sozialdemokratie abgestimmt war, erklärte Wallraf, daß dem deutschen Bolke Republik und Parlamentarismus nicht auf den Leib zugeschnitten seien. Seine wirkliche Staatsform fei die erbliche monarchie. Falsch sei es auch, wenn man, wie das heute geschehe, Weimar und Potsdam in einen Gegenfaß zueinander bringe. Im Gegenteil: von der Verschmelzung des Geistes von Weimar mit dem Geiste von Potsdam hänge die Zukunft unseres Baterlandes ab. Reichstagswahlen und Reichspräsident. " 7 Durch die Rechtspresse geht die Behauptung, daß der Reichspräsident Ebert zugunsten des jetzigen Reichskanzlers Marz auf seine Wiederausstellung bei der Wahl des Reichspräsidenten im nächsten Jahre verzichtet habe. Diese angebliche Nachricht" wird dann zu Zwecken der Wah'agitation hämisch glossiert. Natürlich handelt es sich um einen aufgelegten Schwindel. Die Frage der Kandidaturen zur Reichspräsidentschaft stand bisher noch in feiner Weise zur Erörterung. Vormarsch in Bremen. Bremen, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Während fich die meisten bürgerlichen Wahlversammlungen in Bremen durch gähnende Leere auszeichneten und es den Bürgerblodparte en nicht einmal gelang, ihre eigenen Anhänger in ihre Versammlungen zu bringen, gestalteten sich die Wahlversammlungen der Sozialdemokratie in Bremen von Woche zu Woche zu immer größeren Erfolgen. War schon eine Massenversammlung, in der Genosse Alfred Henke sprach, und eine solche, in der Genosse Hermann Müller- Franken mit dem Bürgerblod abrechnete, überfüllt, Müller Franken mit dem Bürgerblod abrechnete, überfüllt, so hat gestern unfere Partei mit einer Bersammlung des Genossen Dr. Hilferding im größten Bremer Bersammlunssaal den ge= waltigsten Versammlungserfolg in diesem Wahlkampf errungen. Da Firma. Aber er wußte schon, daß er zu höherem berufen war. Das erzählte er jeden Sonntag seiner Frau, wenn sie nach Tisch zu sammen im Tiergarten spazieren gingen. Als er Direttor wurde, faufte er sich einen Sted mit Nickelgriff, der aussah wie Silber. Nach einem halben Jahre schenkte er ihn dem Hausdiener des Schuhen balancieren. Ihr fetter Hals wird von einer Perlenschnur Bureaus. Seine Frau muß nun ihren massiven Bau auf schmalen leicht eingeferbt. Aber in ailem hämmert die Angst, ob man es auch richtig macht wie in unseren Kreisen". Jeder Rückblick auf Vergangenes entsichert den vorwärtsdrängenden Schritt. Jede Unfreundlichkeit der Kollegen ist ein schmerzhafter Dorn. Nirgends scheint Sicherheit, überall Feindschaft und Neid. Jeben Menschen belauert der Chef, die Stenogramme aufnimmt, meint er zu lesen:„ Bon unten herauf! ob er ihm volle Achtung gewährt. In dem Blick der Sekretärin, Einer wie mir." Er geht zum teuersten Schneider, Friseur, zur Manifure, ins Dampfbad, nimmt sich ein Opernabonnement, fährt im Frühjahr nach Sizilien, im Winter nach St. Moritz. Und doch keine Sicherheit! In den Träumen femes Mittagsschlafes steigt mandjmal wie ein verlorenes Glück die Zeit auf, als er nur einen guten Anzug besaß und morgens um 10 Uhr von seinem Chef die Post zur Erledigung bekam. Bildet der Hund Begriffe? Die Zeit der„ denkenden" und sprechenden" Hunde ist vorbei, aber die Tierpsychologie beschäftigt sich immer weiter mit der telligenz" dieses besonders begabten Tieres, wenn sie auch die weitgehenden Folgerungen einzelner Beobachter ablehnt. Man ne gt heute zu der Ansdauung, daß auch die„ höheren Tiere" nur Gefamtvorstellungen haben, die nicht in einz( ne dinghafte Komplexe psychologischen Forschungen an Hunden unterstützt, die der hollän gegliedert sind. Diefe Theorie wird besonders durch die nevesten dische Forscher H. de Jong ausgeführt hat und über die Friedrich Brod in Reclams Universum" berichtet. Die Hunde wurde: in Bitterfäfige gefeßt, deren eine Wand zu einer Tür umgebaut ist, die sich durch herabdrücken eines federnden Hebels leicht öffnen iäßt. Zum Einseßen des Tieres fann die Decke abgehoben werden. Tem Hund wird dann Futter vor den Käfig gefekt, so daß er feinen unger nur stillen fann, wenn es ihm gelingt, mit der Schnauze in's Freie zu temmen. Die Versuchstiere lernten durch Herumoder Pfote auf den Hebei zu brüden und durch die geöffnete Tür probieren bald den Wusgang finden, aber die Lösung des Problems ist zufällig: der Hund versucht" solange, bis er den Mechanismus richtig trifft Einen Einblick in die ursächlichen Zusammenoärge, durch die das Niederdrücken des Hebels die Deffnung der Tür for vorruft, ist nicht vorhanden. Wenn man den Käfig um 90 Brad Stelle und fanden erst nach längerer Zeit zufällig wieder den Hebel. drehte, so heulten, bellten und fragten die Verfuchstiere an der alten Man fann daraus schließen, daß sich im Vorstellungsleben Des Hundes der ebel nicht als Cinzelbing aus dem Komplex der Eindrücke heraushebi; vielmehr bilden Hebel, Tür, Käfig und vielleicht | Ende des Personalabbaues in Preußen. Das Preußische Rabinett sieht den Personalabbau für beendet an und ist, wie wir erfahren, entschlossen, von der Personalabbauverordnung feinen Gebrauch mehr zu machen. Eine Aufhebung der Breußischen Personalabtauverordnung kann allerdings erst in Frage kommen, wenn die Personalabbauverordnung im Reiche aufgehoben ist. Dann wird die Preußische Regierung sofort dem Beispiel des Reiches folgen. Der Dölkische Kurier" in der Pleite. München, 26. November.( BS.) Das einzige Organ des Bölfischen Blods in Bayern, der Bölkische Kurier", befindet sich schon seit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten, die jetzt zu einer Hilfsaktion durch den Landesverband Bayern der Na tionalsozialistischen Freiheitsbewegung Anlaß gegeben haben. In dem Werbeschreiben heißt es, daß das Eingehen des„ Bölkischen Kuriers" gleichbedeutend sein würde mit dem Berlust eines Hauptstützpunktes der Döltischen Bewegung und daß der moralische Eindrud nach außen sehr bedenklich sein würde. nicht leben, sondern brauche Zuschüffe anderer Art, für die sich die Der Böllische Kurier" fönne von seinen Abonnements und Anzeigen Gesamtheit der Anhänger des völkischen Gedankens einsehen müffe. Blöder Klatsch über Wels. Die fommunistische Presse weiß Fabelhaftes zu erzählen vor Orgien, die bei der Eröffnung der neuen Räume des" Sozialdemokratischen Bressedienstes" gefeiert wurde 1. Infolgedessen habe Genosse Wels em Lage darauf ein Referat aberster verlassen, weil er sich frant fühlte, er war tags barauf voll fagen müssen. Weis hatte den geselligen Abend im Pressedienst a's tommen heifer und bekam eine Grippe mit so schwerem Fieber, daß einige Tage lang das Hinzutreten einer Lungenentzündung befürchtet wurde. " auch Freffen einen ungegliederten, als Ganzes wirkenden Romplex. Erst wenn man den Käfig wiederholt um 90 Grad gedreht hat, springt dem Hunde der Hebel, als ein räumlich feftumgrenztes Eingelding in die Augen, er läuft jetzt jedesmal auf ihn zu und öffnet noch nicht verstanden. Das beweist die nächste Versuchsreihe. Bei mit seiner Hilfe die Tür. Aber auch jetzt hat er den Mechanismus pier muß die Handhabung des Hebels erst wieder durch Probieren dieser steht das Futter im Käfig, der Hund befindet sich davor. Auch gelernt werden, und selbst wenn der Hebel niedergedrückt ist, heulen und fragen die Hunde noch vor der Tür, gehen nicht dura, sie hinein. Die Ursachentette, durch die das Hebelherabdrüden das Türöffnen bewirkt, bleibt also dem Hunde ganz unbekannt. Daraus läßt sich schließen, daß Hunde ein Komplerbewußtsein besigen und nicht in menschlichem Sinne intelligent sind und Begriffe bilden. " Schloßparttheaters, Otto Rirdner, schreibt uns:„ Es war Noch ein Theater in Nöfen. Der Direktor des Stegliger meine Absicht, aus dem Steg iger Schloßparttheater, Kleines Haus, eine literarische Rammerbühne zu machen, und ich glaube, ich darj wohl behaupten, daß meine bisherige breijährige Tätigkeit als Beiter der Boltsbühne Norden mir ein gewisses Vertrauen für ernste ArDie unglaubliche Indolenz von seiten des gebil beten Stegliter Publikums zwong mich von vornherein zu Konzef fionen, was die Auswahl der Stüde anbelangt, die ich mit meinem Innern nur sehr schwer vereinigen fonnte. Ich habe für Steglitz etwa zehn Uraufführungen erworben, deren Durchführung aber zur glatten Unmöglichtet wird. beit gesichert hat. Aber die gemachten Konzeffionen reichten immer noch nicht aus, um den wirtschaftlichen Betrieb günstiger zu gestalten, und so bin ich heute gezwungen, Stüde zu geben in fo rascher Aufein= anderfolge, daß alle künstlerischen Möglichkeiten ausgeschloffen sind. Ich fann es mit meinem Gewissen nicht vereinigen, solche Dinge gutzuheißen. Die nackte Notwendigkeit zwingt mich aber, durchzuhalten." Stresemanns Rütlischwur. Durch die Presse geht eine famose Berultung Stremanns, die einen Dortmunder Hinkepinte zum Berfasser hat: Wir sind ein einig Bolt von schwankenden Gestalten. Wir wollen Deutschlands Gloria verwalten. O, Herr im Himmel, mach uns frei erlös'! Pompfortionös!" Wir wollen frei sein wie zu Willems Zeiten. Wir wollen fiegreich gegen Frankreich streiten. Wir bau'n auf unser Recht und unser Schwert aus Pappe 1nd unfre Rlappe!" Also schwört Stresemann in Heldenpose, Und übermorgen rüllischwört der Lose In Pinne, Panbow oder Kaltenweil Das Gegenteil! Heil! Puccini o eriezt, Der italienische Komponist Buccini hat sich in Brüssel einer leichten alsoperation unterziehen müssen. Sein Zustand ist befriedigend Vor dem Zerfall der K.P.Th. Aus der Tschechoslowakei wird uns geschrieben: Der Parteitag der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei ift zu Ende. Er sollte den Fraktionstämpfen ein Ende machen, in sirklidyteit hat er aber erst recht eine scharfe Linie zwischen rechts und links gezogen. Sinomjer verlangt seine endgültige Abrechnung mit der schwerreichen Diplomatie. Manuilsti aber, der Bertreler der KJ., sah die Situation und war höflich, bescheiden und zurückhaltend. Er deutete nur an, daß solche Verbrechen, wie fie die tschechischen Opportunisten sich zuſchulden kommen ließen, in anderen Ländern zum Ausschluß aus der Partei führten. So nebenbei bemerkte er, daß Schmeral aber um drei Köpfe flüger und geriebener sei als Frossard, Brandler und Höeglund. Wie groß der Haß in der Kommunistischen Partei geworden ist, zeigen selbst die zurechtgeftuzten Berichte über den Parteitag. Eine eigentümliche Rolle spielten auf dem Parteitag die Ber treter der ausländischen Parteien, Herr Iwan Ka aus Deutschland und Treint aus Frankreich. Der Franzose zerschlug alle Hoffnungen der naiven Tschechen, die immer noch auf eine gewisse Selbständigkeit im Rahmen der KJ. rechneten. Treint versicherte, daß in der Dritten Internationale von einer solchen Selbstständigkeit nicht die Rede sein könne. Herr Kaz schilderte in bunten Farben die kommende soziale Revolution in Deutschland und die nächsten Aktionen der KPD., die unbedingt von der APIsch. unterflüht werden müßten. Die PD. stehe feljenjeft und siegesbewußt da. Von einer Parteifcise sei feine Rede. Es waren zwar einige Leute, die der Partei gewiffe Schwierigkeiten machten, aber die find heute still waren es doch nur einige abgefägte Offiziere und Klara Zetkin, die heute in Deutschland bei niemand mehr Bertrauen genießt". Kreibich ist mit den deutschen Opportunisten und mit der Troztischen Opposition gegen die KJ. zufammengegangen. Die Linie führt von Brandler über Radek zu Kreibich und Schmeral. Begreiflicherweise hat die Rechte auf diese Angriffe nicht geschwiegen. Sie bezeichnet die Beschlüsse des fünften Weltkongresses als ein Unglück für die Kommunistische Partei, denn sie nehmen feine Rücksicht auf die verschiedenartigen Berhältnisse einzelner Länder. Wir kommen, sagte der Generalsekretär Zapotocy, in Berater für die Jugend. Es geht mehr im Seelenleben der Jugendlichen vor, als wir Eltern und Lehrer uns träumen lassen. Der Knabe, das Mädchen müssen ihre Stellung zu den Eltern, zu den Geschwistern, zu den Mitmenschen, zu der ganzen Welt sich erwerben. Es bestehen im Seelenleben und unbewußt zwei einander entgegengesetzte Gefühlsrichtungen und Strebungen, eine übermäßige Betonung, eine allzu starte geistige, nicht selten auch finnliche Färbung der Liebe zu den Eltern und Geschwistern, eine übertriebene Anhänglichkeit und häusliche Festlegung, häufig aber auch an Stelle davon, oder folgend und abwechselnd eine ebenso stürmisch ins Gegenteil zielende Loslösung von der Liebe zu Eltern und Geschwistern mit hartnäckiger Troßeinstellung, ja leider nicht so seltener Haßerfüllung. Beschäftigen, aufgefordert werden, den Unterricht, der imme Sonnabends von 4 Uhr bis 4 Uhr 25 Minuten der Funkstunde veranstaltet wird, nicht zu versäumen. Kommunistische Weisheit. Straße sprach aniäßlich einer Wählerversammlung bes In den überfüllten Muster- Festsälen in der Kaiser- M. zirks Berlin- Mitte Gen. Reimann über die politische und w schaftliche Lage Deutschlands. Der verhängnisvollen und heud rischen Rechtspolitik stellte er die moralische der Sozialdemokra gegenüber. Die Sozialdemokratie sei mindestens ebenso deutsch, ebe fo national wie die sogenannten Deutschnationalen, mit denen partei sowie mit den Kommunisten rechnete der Referent unter der allerdings nichts gemein haben will. Auch mit der Deutschen Boli Beifall der Versammelten ab. Fortschritt gebe es nur mit der Dem fratie, und alle Wähler und Wählerinnen sollten am 7. Dezemb in ihrem eigensten Interesse sozialistisch wählen. Die sehr beweg Diskussion benutzten zwei junge Führer der KPD., mit den übliche Bhrafen ihre lächerlich wirkenden Theorien der einige Abwehr zeiger den Versammlung zu entwickeln. Man behauptete fühn, Deutschlan müsse Rußland ergänzen, und erklärte unter tofendem Gelächter, i in Deutschland seien sie schlecht. Gen. Reimann erledigi Rußland seien die Zustände zwar nicht besser, abe diese kommunistischen Theoretiker mit Tatsachen und rückte ihre scham die Sozialdemokratie fand begeisterte Aufnahme und bewies di lose und verräterische Politik in das rechte Licht. Das Hoch av Stimmung des Proletariats für fie. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die Kommuniste fam es in einer großen öffentlichen Versammlung der 86. Abteilun in Mariendorf. Die Aula des Realgymnasiums in der Kaiser straße war bis auf den leßten Platz gefüllt. Der Referent Ge Crispien verstand es, bei seinen Ausführungen über die Tätigke: der einzelnen Parteien in den Parlamenten die Zuhörer zu feffeir Bis zum Schluß seiner 1½stündigen Ausführungen herrschte lautlos Die Gefühle zu den Eltern, die Liebe wie der Haß, tönnen auch von ihrem ursprünglichen Gegenstande abgedrängt und auf Lehrer sowie Lehrerinnen übertragen werden. Zwischen den so Die Linke griff Schmeral heftig an: Schmeral ist ein Bescharf entgegengesetzten Gefühlsströmungen und dadurch bedingten trüger, er hintergeht die Anordnungen Moskaus, führt die Willensrichtungen gilt es, die Mittellinie zu finden und einzuhalten, Arbeiterschaft auf Irrwege, ist unaufrichtig und verdien: schon desin die richtige Entfernung zu Eltern, Haus und Umwelt zu fommen, wegen aus der Partei hinausgeworfen zu werden, weil er in die die Grenze zwischen Eigenliebe und Nächstenliebe richtig zu ziehen. KJ. überhaupt erst gedrängt werden mußte und sich dann später Schon im Seelenleben der Jugendlichen werden in abgekürzter auf die Seite der Trozlischen Opposition gestellt hat. Schmerals Weise Strömungen und Strebungen durchgemacht, welche der VerBereitwilligkeit, die Beschlüsse der KJ. durchzuführen, ist lediglich eine gangenheit der Menschheit angehören und einer bereits allgemein gezwungene, und niemand glaubt im Ernste, daß er zu seinen Worten überwundenen Stufe der sittlichen Entwicklung zufommen. Instinkte, stehen wird. Triebe, Gefühle, die ursprünglich sich ausgelebt haben, schlummern in uns allen und können sich wie unterirdische Vulkankräfte erschütternd von Zeit zu Zeit geltend machen. Angriffstriebe, welche einst nach außen gerichtet waren, fehren nach innen gewendet wieder und fuchen sich im eigenen Geebenleben ihres Trägers einen neuen Kampfplak. In allen diesen Seelenzuständen, die vielfach mit Gemütsverstimmungen, Angst- und Beklemmungsgefühlen, Mutlosig: sowie Aufmerksamkeit und inneren Sammlung verbunden find, finden wir eine wichtige Quelle für die Neigung der Jugendlichen zum Selbstmorde, für ihre bald einer oft verständnislosen Umgebung geäußerten, bald ihr verheimlichten Selbstvorwürfe und Minderwertigkeitsgefühle, die gern auch an die von denen Erwachfenen vielfacht völlig falsch beurteilte und geradezu verhängnisvoll bewertete Onanie anknüpfen. Ferner spielen die mannigfachen bewertete Onanie anknüpfen. Ferner spielen die mannigfachen feruellen und psychosexuellen Variationen eine große Rolle im Seelenleben der Jugendlichen, nicht zu wenig die Homosexualität, welche zumeist ohne jeden Zweifel angeborenen Ursprung, aber vielfach nur als ein Durchgangsstadium der Jugendlichen anzusehen ist. Gerade hier gilt es, den Jugendlichen Verständnis und Teil❘nahme entgegenzubringen. Untiare, unbewußte Triebe erschüttern nicht selten das jugendliche Gemütsleben. In all dieser Not bedarf der Jugendliche eines verständnisvollen Beraters und Führers. Es ist eine Tatsache, daß der Jugendliche bei aller Liebe zu seinen Eltern sich freier und umumwundener zu einem anderen Erwachseünstler über das Thema: Der 7. Dezember ein Schicksalsta nen ausspricht, dem er sich auch leichter eröffnen kann, weil hierbei Betracht kommt. Erzieher, Lehrer, Schulärzte müssen die wichtigsten eine andere Gefühlseinstellung als zu den Eltern und umgekehrt in Ergebnisse der Psychologie und Psychiatrie, die Tatsachen der unterbewußten Seelenvorgänge, die hohe Bedeutung der Psychosexualität, die durch Hypnose, Suggestion, Psychoanalyse gemachten wesentlichen Erfahrungen und Feststellungen, menigstens in den Grundzügen gründlich fenen. In den Elternbeiräten sollten alle diese wichtigen Fragen eingehend besprochen werden, damit in weiten Kreisen endlich Verständnis auch für die Hygiene des Seelenlebens erwache; euch hier ist die für die Gesundheit vorbeugende Tätigkeit der Behandlung wertvollere Teil. eine Periode, in der wir feine Erfolge erzielen fönnen, um fo mehr als unsere Verhältniffe feine objefflv revolutionären find. Die Linke ist arbeitsunfähig. Jugendorganisationen, die am meisten Lärm machen, haben lächerlich wenig Mitglieder und sind in den Arbeiterbezirfen am schwächsten. Ihre revolutionäre Tätigkeit besteht hauptsächlich darin, daß ein paar Burschen Sinom je w zum Ehrenpräsidenten wählten. Schließlich warf man der Linten vor, daß sie unnühes und schädliches Blutvergießen in der Slowakei und auch in Karpathorußland verursacht haben. Ihr fehle jede moralische Fähigkeit. Den Kampf fints- rechts charakteri fiert am besten folgende Erklärung eines Rechtshäuptlings: Von der Linken unterscheiden wir uns nicht so sehr in ideeller Hinsicht, uns trennen vielmehr die Charaktereigenschaften. Nach stürmischer Tagung fam es endlich zur Wahl. Die Rechte rückte mit eigener Kandidatenliste raus, auf der auch der Name Streibichs stand. In dem sah aber der Vertreter Mostaus eine Provotation der RJ., so wurde diese Kandidatenliste zurückgezogen, und derweil es im Saale zu argen Zusammenstößen fam, ließ der Vorfigende die vorbereitete Rompromißtandidatenliste zur Abstimmung gelangen. Einige, die eben noch der Tagung beiwohnten und an der Rauferei nicht teilnahmen, stimmten dem Antrage zu, und so überrasche das Präsidium die endlich beruhigten Delegierten mit der Erklärung, daß in das neue Eretutivkomitee 18 linte und 14 rechte Bolfchewisten gewählt wurden. Jakobi und Genossen. Auch der letzte Schnvindler verhaftet. Stille, die durch keinen Zwischenruf unterbrochen wurde, trohden insbesondere die Kindereien der Kommunisten geißelt Kaum den Kinderschuhen eniwachsene Kommunisten erlaubten fich it ben Barlamenten, die Sozialdemokratie in wüstester Weise zu be schimpen und ihre Jauchekübel über Männer auszugießen, die jahre lang für die Intereffen der arbeitenden Bevölkerung eingetreten fin und nicht nur gefämpft, sondern auch gelitten haben, ohne nach führungen ließ erkennen, daß der Redner den Zuhörern aus den Amnestie zuschreien. Der reiche Beifall am Schluß der Aus Herzen gesprochen hatte. In der Diskussion versuchten einige Kom nationalen, dem Gen. Crispien entgegenzutreten. Sie löften dabei aber nur bei den Bersammlungsteilnehmern das höchste Mißfaller aus. In seinem Schlußwort fonnte Gen Crisplen nach dem Verban der Versammlung und dem Beifall, der seinen Worten folgte, fest stellen, daß die Kommunisten im 13. Berwaltungsbezirk abgewirt schaftet haben. munisten, unter dem Schutz eines ihrer Freunde von den Deutſch. In der vollbefekten Aula des Realgymnasiums an der Woeld promenade in Weikensee sprach gestern abend Genoff der deutschen Arbeiterschaft." Der Dawesplan, so führte Künstle aus, hat wie auch der Friedensvertrag tapitalistischen Charakter Das hat die Sozialdemokratie von Anfang an betont. Es war fü Deutschland nach dem unglücklichen Krieg zwangsläufin die Frag fo gestellt: Ist die Berständigung dem Zustand der Ganttioner und Repressalien vorzuziehen, oder soll aus Gründen eines natio nalistischen Wortradikalismus die Berständigung unterbleiben uni werden?" So war die Frage im ersten Halbjahr 1924 für Deutsch der Militarismus zum Willensvollstrecker des Imperialismus land gestellt. Die Sezialdemokratie mußte die Berständigung wählen gerade im Intereffe des schaffenden Bolles. Unter stürmi schem Beifall der Versammlung fertigte der Rebner bie unqualifi zierten tommunistischen Swischenrufer ab, indem er erfläcte: Und wenn die unter Zwangsverhältnissen erfolgte Berständigung noch fr teuer erfauft ist, sie ist bedeutend billiger, als wenn der Militaris mus zum Gerichtsvollzieher der Kapitalisten wird." Mit einen Appell, am 7. Dezember geschlossen für die Sozialdemoftratie ein zutreten, wurde die Versammlung geschlossen. Der gute Verlauf der Bersammlung in Weikensee ist deshalb hervorzuheben, weil in diesen Ort bis zuleht die Kommunisten durch besonders rüpelhaftes s tragen sich auszeichneten. Freiherr von Zühow verhaftet. Der Leiter des Landeserziehungsheims in 3ossen, Dr. Freih von 2ügom, gegen den schon seit längerer Zeit ein Berfahre: wegen wiederholter Bergehen an seinen Schülern schwebte, ist gestern Zeit aus verschiedenen Gegenden Deutschlands Mitteilungen zu, die verhaftet worden. Der Kriminalpolizei gingen in der letzten Freiherr von Lügow belasteten. Es handelt sich hier um Vorgänge, seine Verhaftung zu verfügen. geleiteten Bandeserziehungsheim zutragen. Während der Freiherr die sich bereits in dem früher von dem Beschuldigten in Buckow glaubte, daß das Berfahren zu seinen Gunsten erledigt fei, sah sich die Staatsanwaltschaft veranlaßt, auf Grund des neuen Materials feine Berhaftung zu verfügen. Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Ebel, begab sich gestern nachmittag persönlich mit einem Kriminalkommissar nach Bossen. Lühow wurde in seiner Wohnung angetroffen, verhaftet, mit dem 8- lhr- Buge nach Berlin und glei in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Die Teilnehmer an dem großen Attienschwindel des Herrn von Blumenthal und der Gebrüder Jakobi, über den wir wiederholt ausführlich berichteten, find jetzt sämtlid) verhaftet. Von Blumenthal und die beiden Brüder Jatobi wurden bereits seit längerer Zeit verhaftet. Der Kaufmann Behr in Dresden und Direktor Boed wurden in London festgenommen. Dazu fam noch eine Frau Käthe Klein, die bei der Rückkehr von einer Reise in Berlin ermittelt und feftgenommen wurde. Seitdem war nur noch deren Geliebter, der 34 Jahre alte Raufmann Heinz Wehrfriz, flüchtig. Er hatte ständig an den Konferenzen bei ven Blumenthal in der Nassauischen Straße teilgenommen. Er besorgte auch in Erfurt eine Druckerei, da er dort gut Bescheid wußte. Er übernahm es auch, die gefäfchten Aktien von der Druckerei nach der Rathauswirtschaft zu schaffen, von wo sie dann unauffällig mit dem Auto nach Berlin gebracht wurden. Nach Aufdeckung des Schwindels entfloh Wehrfriz mit seiner Geliebten zunächst nach Dresden. Bergeblich versuchte dann das Baar, bei Bodenbach über die Grenze zu fommen. Es fehrte über Ammendorf und 3it'au nach Köt chenbroda und von dort nach Bossen zurück und fuhr von hier aus mit der Vorortbahn nach Berlin. Frau Klein machte sich eine Zeitlang durch allerlei Ber 3u dem gewaltjamen Tode des Polizeioberwachtmeisters Fisdjet Westen der Stadt ermittelt und festgenommen. Von Wehrfriz wollte wird mitgeteilt: Die Polizei hat noch eine ganze Reihe von Zeugen fie nichts mehr wissen. Dieser hatte sich von Mit' eldeutschland aus ermittelt und diese vernommen. Es wurde festgestellt, daß der zunach dem Westen gewandt. So tauchte er in Krefeld auf und vernächst in Gewahrfam genommene Schriftfeher Dupree den tödsuchte dort von Berlin Geld zu bekommen, weil er die Flucht ohne große Mittel angetreten und fast alles Geld ausgegeben hatte. Seinlichen Schuß nicht abgegeben hat. Wer der Schüße ist, fonnte nicht festgestellt werden. Nach Anzeichen an der aufgefundenen Hülfe hat Bersuch, über die holländische Grenze zu fommen, mißiang, meil alle Behörden von Berlin aus benachrichtigt waren. Ganz mi bellos fam die Pistole eine Hemmung gehabt. Das Geschoß ist aus dem Körper ehrfriz endlich wieder nach Berlin und trieb sich hier planios um. des Toten herausgenommen worden Man hofft, an Hand des her und versuchte von guten Freunden Geld zu erhalten. Die Nächte Geschosses und der Hülse den Täter zu ermitteln. brachte er in den Wartelälen, besonders in Halenfee, zu. Endlich wurde er von der Kriminalpolizei verhaftet und nach dem Bolizeipräsidium gebracht. Behrfriß ist geständig und wird ebenso wie die anderen dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Schmeral erflärte in seinem Schlußwort, daß er die Berantwortung für die weitere Entwicklung ausschließlich der ein ten überlassen müsse. Dennoch glaubte man, daß Schmeral, der die Mitgliedschaft in der Parteileitung weiter behielt, imftande sein würde, die Führung der Par'ei wieder an sich zu reißen. In diesem Glauben fuhren die Kongreßteilnehmer nach Hause, denen versichert wurde, daß es von nun an feine Linke und feine Rechte mehr gebe. Nicht wenig überrascht waren sie aber, als sie in ihren Parteiblättern lefen mußten, daß auf Anordnung Mostaus die eigentliche Leitung der Partei zwei neuen Organen, dem fogenannten Politbureau und Orbureau übertragen sei, die Gus reinen" Bolschewisten zusammengesetzt sind. Auch das Bentleidungen untenntlich, wurde aber endlich in einem Hotel im tralorgan befam eine neue 3 uverlässig linke" Leitung. Gegen diese Entwicklung wächst der Widerstand in den Organi fationen. Bei den Gemeindewahlen gehen die Opponenten felbständig gegen offizielle Bar'eitandidaten vor und erringen auf eigenen Listen Mandate. Infolgedessen verliert die Kommunistische Partei in der Tschechoslowakei den legten Rest ihres Einflusses auf die Arbeiterschaft. Am flarsten zeigt sich das bei den icht durchgeführten Gemeindewahlen in mährisch Ostrau. Dort erhielten die tfchechischen, polnischen und deutschen Kommunisten zusammen nicht ein Drittel der abgegebenen Gimmen und nur fünf Mandate, während die tschechische Soziabemofratie allein 16 Mandate erhielt. Die gleichen Aussichten Stehen der tschechischen fommunistischen Bartei auch für die kommen. den allgemeinen Parlaments mahlen bevor. Wenn die Barei, nach dem Bericht ihres Generalsekretärs, während der letzten breimonatigen Distuffionen 40000 Mitglieder verloren bat, dann fann man sich leicht vorstellen, wie lange fie bei der jegigen Entwicklung den Rest wird an sich fesseln fönnen. Der Prager Kongreß ist für die KPLsch. jezt schon zu einer Totenfeier geworden. Spanien sucht Frieden. 3 Baris, 26. November.( Gigener Drahtbericht.) Spanien fuche die unglücklich verlaufene Operation in Nordafrika durch einen Friedensschluß mit Abd- el- Kerim zu beenden. Echevarista, ein ehemaliger Abgeordneter, follte die Friedensbedingungen des Führers Der Eingeborenen erfahren. Nach langen Berhandlungen wurden ihm folgende Bedingungen geftelt: 1. Anerkennung der Unabhängigkeit des Rifs. 2. Räumung der gesamten spanischen Zone mit Ausnahme von Melilla und Ceuta und 3. Zahlung einer Entschädigung von 20 Millionen Befetas. Außerdem wird die Lieferung eines gewiffen Quantums von Kriegsmaterial verlangt. Sam Gompers wurde vom Kongreß der amerikanischen Arbeiterpartei in El Bolo in Legas zum Präsidenten für 1925 mlebergemähit. Er ist nunmehr feit 1881 ununterbrochen Präsident des Arbeiter Bundes. Der Rongreß erflärte fich aufs neue gegen die Aufnahme ton Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland. „ Der Graf." Die Polizeibehörden des nordamerikanischen Staates Connec ticut haben die Berliner Kriminalpolizei um Mitfahrdung nach einem der gefährlichsten amerikanischen Verbrecher ersucht Es han delt sich um einen 35 Jahre alten Gerald Chapman, der gebürtiger Amerikaner ist In feinen Kreisen war er unter dem Namen der Graf" befannt. Sein letztes Berbrechen verübte er am 12. Oktober b. 3. Er schoß zwei Detettive nieder, die ihn beim Geldschranfeinbruch in einem großen Bankgebäude über. raschten, raubte große Summen Geldes und entfloh. Borher mor er aus einem Zuchthause entwichen, wo er 25 Jahre verbüßen sollte, weil er in einem nördlichen Staate mit einer Bande einen Postwagen überfallen und beraubt hatte. Die amerikanische Kriminalpolizei glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß Chapman sich nach Deutschland gewandt hat. Der Staat Connecticut hat auf seine Ergreifung eine Belohnung von 3000 Dollar ausgesetzt. Eine Zeitung hat diesen Betrag um 500 Dollar erhöht. Der Gefängnisdirektor, dem er schon das zweitemal entwischt ist, hat ebenfalls noch eine größere Dollarfumme für Chapmans Ergreifung ausgesetzt. Chapman ist 1.72 Meter groß. Er hat fajtanienbraunes, faft schwarzes Haar, eine fliehende Stirn, hohe Badenknochen. Mit-. teilungen, die dazu dienen fönnen, seiner Habhaft zu werden, nimmt Rrimina oberwachtmeister Brumme, Streife B. I. im Bolizeipräfibrum entgegen. Esperanto im Rundfunt. Aus Arbeiter- Esperanto- Kreisen er. halten wir eine Zuschrift, worin alle, die sich mit Esperanto| Die Stadtverordnetenverfammlung hat ihre nächste Sizung am Donnerstag um 45 Uhr. Von den neun Anfragen, die am porigen Donnerstag auf der Tagesordnung standen, sind sieben als Reste übernommen worden. Auch zehn Anträge, davon neun aus früheren Sihungen übernommene, harren der Erledigung. Dazu tommt eine Reihe Vorlagen, so daß es mieber eine arbeitsrein Sigung geben könnte. Die Taufe des 3. N. 3. Geftern erfolgte die Taufe des 3. R. 3. Das Luftschiff he ernste Schwierigteiten bei seiner Landung i Bollingfield. Während der Präsident und andere hohe amtiche Persönlichkeiten über eine Chunde wartelen, um der Lauffeierlichkeit beizuwohnen, versuchte 3. R. 3 wiederholt ohne Erfolg, auf bem fleinen Flugplatz zu landen. Endlich en schlossen sich die Offi ziere des Luftschiffes, einen Teil der Heliumfüllung ausströmen zu lassen, um die Landung zu ermöglichen. Um 4 Ühr 30 Minuten fonnte schließlich 3. S. 3 landen, 1% Stunden nach dem für die Landung festgesetzten Zeitounft. Unmittelbar nach der Bandung wurde das Luftschiff von Frau Coolidge Los Angelos" getauft. Frau Coolidge ließ bei dieser Gelegenheit Brieftauben als Sinnbilder des Friedens fliegen. Das Luftschiff T um 5 Uhr zum Rüdflug nach Lakehurst aufgestiegen und der um 7 Uhr 30 Minuten eingetroffen. Parteinachrichten Ginsendungen fe dieje Rubrik sind Berlin W. 68, Lindenstraße&, 12. Mot. für Groß- Berlin fets an ons Bezirksfefretaria:. 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richte: Die Mitgliederversammlung heute abend findet nicht bei Schmidt jondern bei Rletite, Wiclefftr. 20, statt. Gewerkschaftsbewegung Zum kommunistischen Einheitsschwindel. Die Moskauer boifchemistischen Halbgötter haben deutlich genug lärt, wie sie die Einheitsfront" der Gewerkschaften auffaffen, elchem 3wede sie die Gewerkschaftsbewegung dienstbar rachen wollen. Wer diefe Gefellschaft der Sinowjews und ihre Methoden fennt, der weiß, was er von ihrer hinterhältigen Einheitsfrontmache zu helten hat. Es sind nur werige europäische Länder, in denen die Bolschewisten noch feine Welt revolutionsprobeputsche machen fonnten, darunter England in erster Linie. Dort hatten sie noch keine Gelegenheit, ihr wahres Geficht zu zeigen, fonnten noch nicht in Attion treten und können hier schließlich auch die übelsten Experimente vermeiden, die sie bei uns erprobt haben. Ihre ganze Einheitsfrontspekulation feßen sie auf Fimmen und Purcell. Der Allrussische Gewerkschaftstongreß am 18. November erteilte dem Alrussischen Zentralverband der Gewerkschaften, der Stütze der Roben Gewertschaftsinternationale, feierlichst die Vollmadyt, die er felbstverständlich auch ohnedem besaß, ..nach entsprechenden Berhandlungen mit dem Generalrat der enge lischen Gewerkschaften gemeinsam einen anglo- russischen Ausifuß zu bilden. dessen Aufcabe die Koordinierung des Vorgehens der Gemerffchaftsbewegung beder Länder in ihrem Kampf um die internationale Eirheit ter Gewerkschaftsbewegung zu fein hat.. In einer folden Koordinierung des Vorgehens zur Verwirt. lichung der Einheit der englischen und ruffischen( Union der SEN.) Bewertschaften erblickt der Konroeß die sichere Gewähr für den Erfolg der interrationalen Einigung der Gewerfftaftsbewegung. Den Einheitsfrontmachern müßte nun ganz besonders erwünscht feln, wenn es ihnen in Wirklichkeit um die ehrliche Absicht einer Einigung auf dem Wege genenfcitiger Berständigung zu tun wäre, daß mun auch die amerikanischen Gewertschaften sich dem Internationalen Gewerkschaftsbund wieder anschließen wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Genosse Graßmann, der als Vertreter des ADGB. auf dem amerikanischen Gewerkschaftstongreß für die Wiederherstellung der Einheitsfront zwischen den europäischen und den amerikanischen Gewert Ichaften erfolgreich gewirkt hat, wird deshalb von der Belschero stenpresse in der bei ihr üblichen niederträchtigen Weise heruntergeriffen. Die Mostauer„ Eirheitsfront"-Macher fürchten diese Einheitsfront, die ihnen das ganze Konzept zu verderben droht. Sie beschimpfen die in der American Federation of Labour vereinigten Gewerkschaften als gelbe Gewert schaften. einem Zeitpunft, wo man bei den Reichsbetriebsarbei. tern, bei der Post und den Gemeindearbeitern aus dem BerhandTungswege 26 Pro3. Ortslohnzulage vereinbart hat. Die jezige Handlungsweise der Reichsbahngesellschaft fann deshalb nur als eine direkte Herausforderung des Personals betrachtet werden. Die Berliner Eisenbahner haben wie ihre Arbeitsbrüder im ganzen Reich in musterhafter Disziplin und Ruhe ihren Kampf durchgeführt, ohne daß es zu Störungen des Betriebes fam. Es scheint aber, als ob das der Reichsbahngesellschaft nicht angenehm war, und daß man jeht absichtlich Störungen heraufbeschwören will. Zu welchen 3wed ist ja sonnentlar. Die erstartte gewerkschaftliche Macht wird der Verwaltung unangenehm, fie will sie wieder schwächen. Aber die Reichsbahngesellschaft hat sich getäuscht. Die Zeit der Bersplitterung ist vorbei, es ist auch vorbei mit dem tommunisti. fen Sput, dem willkommenen Helfershelfer. Die Eisenbahner haben nach bitteren Lehren ihre gewerkschaft fiche Macht erkannt, und wir warnen deshalb die Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft, fich völlig als Vorspann für die Intercffen der Schwerindustriellen gebrauchen zu lassen. Sicher find dem Verband der Berliner Metallindustriellen die Eisenbahnerlöhne ein Dorn im Auge, denn bei ihrem Bestehen fällt es diesen Herren fchwer, ihre Handwerker mit Schundlöhnen von 50 bis 60 Pfennig pro Stunde abzuspeisen. Aber auch die Deffentlichtfeit muß auf diese Provokation cufmerksam gemacht werden. Es könnte leicht eintreten, wenn solche herausfordernden Handlungen nicht beizeiten unterbunden werden, daß es zu Betriebsstörungen fommt, die feineswegs im Interesse des wirtschaftlichen Aufbaues liegen. Darum, Hauptverwaltung: Hände weg von der Kürzung der Ortslohnzulage, ehe es zu spät ist. Nachklang vom Hochbahnerftreik. Als der Hochbahnerstreit zusammengebrochen war, flagte das Bolichemistentlott, daß auch dieser Streit beendet, in seiner Sprache abgewingt" werden soll. Bei dieser Gelegenheit wurde das Kraft werk in der Trebbiner Straße und insbesondere der sozialdemokratische, Betriebsrat und Obmann Kutti" angegriffen. Genoffe A bemerft dazu: Ich bin weder im Kraftwerk beschäf. tigt noch habe icy Leute ausgebildet. Von Starfstrom fonn über haupt keine Rede sein da ein Beschluß des technischen Personals vorlag, der tefogte: Streitarbeit wird abgelehnt. Dar unter war zu verstehen, wenn der Betrich mit fremdem Personal cder der„ Leno" aufgenommen werden sollte, wird die Arbeit ein gestellt. Diefer Beschluß ist ein immig, also mit Einschluß der KPD.- Funktionäre gefaßt worden. Auf ein paar Lügen mehr oder weniger kommt es aber der„ Roten Fahre" nicht an, zumal dann nicht, wenn es sich um einen Sozialdemokraten handelt, der zum„ Berräter" gestempelt werden muß. Denn wer fann dieses Blatt noch ernst nehmen? Heimarbeit". In Nr. 525 des Borwärts" brachten wir die kloge einer Heimarbeiterin in Thür.ngen, die für die Firma Otto Brendel in Camburg( Saale) arbi.et und dabei einen Wochenverdienst von drei Mark und 68 Pfennigen erzielte. Damit der armen Frau nicht auch noch dieser Berdienst entgeht, fonnten wir auf die EinzelFrau heraus efunden und ihr feine Arbeit mehr gegeben hä: be. heiten nicht eingehen, weil vonn der Unternehmer die betreffende Unterm 22. November droht uns nun Herr Brendel in Camburg, Brüdenstr. 4, Magbar gegen uns vorzugehen, wenn nicht eine entsprechende Berichtigung brächten. Wir bringen biefe Berichtigung", meil fie die Angaben der Heimarbeiterin in der Hauptfache bestätigt. ,, Gompers will die verzweifelte Lane des rechten Flügels von Amsterdam retten." Nun, wenn die Lage des bol'chewistischen Flügels der staatlichen ruffischen Gewerkschaften nicht verzweifriter wäre, als die des rechten Flügels von Amsterdam, tönnten wir der Rosen Gemerfichaftsinternationale gratulieren. Könnte die internationale Gewerkschaftsbewegung einen Sinowjew und feinen Losowski ertragen, dann sicherlich auch Gompere. Mon mag zu Gompers stehen wie man will, jedenfalls ist er in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung groß geworden und ihr erwäller Führer, im Gegensatz zu den von der russischen Regierung ernannten Gewir merffchaftsführern. Die amerikanischen Gewerkschaften leisten allerdings reformistische" Gewerkschaftsarbeit, während de Moskauer Drahtzieher die Gewerfideften lediglich als Werkzeua für thre Weltrevolutionspläne nebrauchen wollen. Daher die Abneigung, um nicht zu fagen Wut, der Einheitsfront"-Märtyrer gegen die Ginheitsfront mit den amerikanischen Gewert fchaften, deren Wiederherstellung wir selbstverfändlid be. grüßen. Was ein Bucharin oder sonstwer in der„ Prawda" über ,, bas Rontremanöver Gompers" fhreibt, fpicit feine Rolle Es zeigt nur erneut, wie bie bolichemistische Einheitsfontmache zu be merten ist. Neue Provokation der Berliner Eisenbahner. Kaum hat der erbitterte Kampf des Eisenbahnpersonals um öhere Bezüge einen, wenn auch nicht befriedigenden Absch uß ge= funden. unternimmt die Reichsbahngesellschaft einen neuen Borstoß gegen ihre Arbeitnehmer. Ein in sich nicht gerechtfertigter Abbau, der dem Arbeitsanfall und den Dienstverhältnissen feineswegs Rech. nung trägt und selbst den Dienststellenfeitern einfach unverständlich ist, hat in den lekten Tagen große Erregung hervorgerufen. Und das ist verständlich. Die betroffenen Dienststellen leiden an einem aus esprochenen Arbeitermangel und selbst die Reichs. behndirektion. die im Sommer und Herbst mit Taufenden von nichtständigen Arbeitern sich behelfen mußte, weiß nicht wo abbauen. Aber da es sich um Anordnungen der Hauptverwaltung, also der übergeordneten Stelle handelt, muß der Tradition gemäß gepfiffen werden. Und wenn es dann hapert, na, dann wird eben etwas länger oder mit Bertretung gearbeitet. Nun folgt dieser Abbauaktion nach der eben abgesch of senen Lohnbewegung aber noch eine indirette Lohntürzung für Berlin. Die Drislohnzulage, die bisher für Berlin 20 Prozent betrug, ab 1. November auf 26 Brozent erhöht wurde foll nach der allgemeinen Lohnerhöhung eine Herabfegung au 19 Prozent erfahren, d. h., daß für die Berliner Eisen. bahner nicht das Verhandlungsergebnis von durchschnittlich 9 Prozent, sondern nur von 8 Prozent in Frage fommt. Diese Reduzierung der Drts! ohnzulage für die Eisenbahner erfolgt nun zu KrauseKorbmöbel! Sonderangebot! Pianos Au Private zu. Engrospreisen. Eigens Fabrikate i.gedieg. Ausführung. kauf. Sie in großer Auswahl and billig bei Wilh. Schulze Mo..Sijoupl. 12 Hef parterre. MaheHackesch. Mkt. Zahlungserleicht. 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Es egiflieren bei mir einige Kleider, welche mit 1% Stunde Arbeitslohn terechnet werden. Da ich die Stunde mit 25 Pf. cafeze, so ergeben sich daraus 37% Pf. Arbeitslohn für ein Kleid. Dieses find die einfachyten Macharten, die ich herstelle, und die Arbeitszeit ist reichlich hierfür berechnet. Die mit 1% Stunde angefesten Kleider sind von meinen Atelierarbeiterinnen bereits in verschic denen Zeiträumen von 55-60 Minuten gearbeitet worden. Wenn eine Heimarbeiterin ständig ein und denselben Artikel macht, so schafft sie ganz entschieden noch mehr, als wann das Kleid einmal einzeln gearbeitet wird. Da ich die Stunde mit 25 Pf., wie schon erwähnt, falfuliere, so verbient eine Arbeiterin, menn fie flott arbeitet, die Stunde bis zu 30 f.( Mantel arbeiterinen bis zu 5 Bf. mehr). Daß dieses tatsächlich verdient wird, beweist der Umstand, daß es Heimarbeiterinnen bei mir gibt, die bis zu 15 m ausbezahlt befommen, obwohl die meisten noch in der Wirtschaft mitarbeiten. Wenn natürlich eine Arbeiterin nur nebenbei einige Blusen oder Kleider arbeitet( folche Arbeiterinnen habe ich auch, die diefes als Nebenbeschäftis gung treiben), so tann diefes natürlich nicht als Wochenlohn bezeichnet werden." Es handelte fich allerdings um eine Heimarbeiterin, die neben der Arbeit ihre Wirtschaft zu beforgen hatte. Sagen wir also an fbait Wochenlohn, einen Wochenverdienst von 3,68 m., den die Frau bei der Firma Otto Brendel in Camburg erreicht hat. Kampf in der mitteldeutschen Metallindustrie. Halle, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Berband Mit eldeutscher Metallindustrieller hat den Schieds. spruch für die Tarifgebiete Anhalt, Halle, Magdeburg ab. gelehnt. Die organisierten Metallarbeiter haben nur mit großen Bedenken und Zögern den unzureichenden Schiedsspruch angenommen. Befonders starte Opposition machte sich in Anhalter und Magdeburger Tarifgebiet geltend, während in halle von der kommunistischen Ortsverwaltung die Annahme glatt empfohlen wurde.(!!!) Nur dem starfen Einfluß der Leitung ist es zu verdanten. daß der Schiedsspruch im Gesam'gebiet nicht abgelehnt wurde. Ob Mit eldeutschland von einem Metallarbeiterstreit verschont bleibt, ist als fraglich zu bezeichnen. Bei der eigenartigen Haltung des Schlichters ist damit zu rechnen, daß er den Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt, fo daß den Metallarbeitern nichts anderes übrig bleiben wird, als geschlossen den Kampf aufzunehmen. Der Deu sche Metallarbeiterverband drängi auf baldige Entscheidung des Schlich ers. Die mitteldeutschen Metallarbeiter bereiten sich auf den Kampf vor. Die Cohnbewegung in den Berliner Elektri itätswerten ist auf dem Wege der Verhandlungen mit dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband beendet. Die einzelnen Lohnfäge sind bei den Funktionären des Verbandes zu erfahren. Wirtschaft Internationale Steuerdrückebergerei. Bas in Deutschlant als Margismus" oder gar als Berbrechen gegen das heilige Eigentum bekämpft wird, haben die gewiß von dem Verdacht sozialistischer Politif freien Bereinigten Staa. ten getan: fie haben die Einkommensteuerlisten offenge'egt. Natürlich ergab sich dabei, daß die Dollar- Millionäre jenseits des großen Wassers eine viel geringere Einfommen= Steuer zahlen, als sie nach Maßgabe ihrer Steuerkraft und der gefeßlichen Bestimmungen zu zahlen gehabt hätten. Die Internationale des Rapitals ist eben zugleich die Internationale der Steuerbrüdeberger. Bergleicht man nun die Steuerzahlungen der großen Trusts, Era jezt nicht mehr überraschenden fo fommit man zu dem gebnis, daß auch in Amerika die Schwerindustrie besonders fteuerfeindlich ist. Begen feines riesenhaften Ausmaßes ist freilich der große Stahltrust, die United States Steel Corpo. ration, immer noch der größte Steuerzahler. Er zahlte im Jahre 1923 an Einfommensteuern 15 930 901 Dollar. Das Intereffanteste daren ist, daß man auf diese Weise zum erstenmal einen Vergleich zwischen den beiden größten amerikanischen Industriefenzernen, dem Stahlverband und der Ford Motor Com pany, anstellen kann, die mit 14 449 673 Dollar ant zweiter Stelle steht. Während die Steel Corporation mit einem kapital von einer Milliarde Dollar anfing, die sich jetzt auf 175 479 Aktionäre verteilt, wurde Henry Fords Automobilgesellschaft, die heute noch nur zwei Personen, Henry Ford und seinem Sohn Edsel gehört, mit einem Kapital von 100000 Dollar gegründet, wovon nur 28 000 Dollar in bar beschafft werden konnten. Die Gewinne der Ford Company waren der Allgemeinheit immer verborgen und fclbst die bestunterrichteten Finanzleute von Wall Street verm chien Soweit man eine solche fie auch nicht annähernd zu schätzen. Schäßung jetzt mit Hilfe der bekannt gewordenen Einkommensteuer vornehmen tann, scheint es, daß die Ford Company gleich hinter der Steel Corporation fommt Die zur Berfügung stehen. den Zahlen bei der Ford Company find es sehr wenig zeigen den folgenden Gegensatz zwischen der Größe, der Kapitalisierung und den Gewinnen der beiden gewaltigsten Industrietor zerne Amerikas: die Steel Corporation wies in ihrem Bericht für 1923 ausstehendes Kapital in Höhe von 868 583 600 Dollar auf, Die Ford Co nur 17 264 500 Dollar; die Steel Corporation hatte piele Millionen in Obligationen ausstehen, die Automobi'gesellschaft Die gesamten Aktiva der Steel Corporation überhaupt teine beliefen sich auf 2 420 882 704 Dollar, die der Ford Compann auf 568 101-639 Dollar. Das arbeitende Kapital der Steel Corporation das sich als Differenz aus der Summe der lauf ben betrug Attiva und der Summe der laufenden Passiva ergibt 451 192 447 Dollar, das der Ford Co. 257 295 916 Dollar. Die Be triebsanlagen der ersteren sehen sich zusammen aus 147 Stabl werfen, 123 Hochöfen, 331 offenen Herd- und elektrischen Defen und 157 Walzwerfen, ganz zu schweigen von den Eisenbahnen und den Millionenwerten anderen Zubehörs. Die Ford Motor Company umfaßt nur 34 Anlagen, von denen das eine Hauptwerf in Michigan steht und die anderen über die garge Welt verstreut fird. Die United States Eteel Corporation berichtete für 1923 eine Bruttoeinnahme von 1571 414 483 Dollar und eine Reinein. nahme von 108 707 064 Dollar, wohingegen die Ford- Company den Schleier der Verschwiegenheit über ihre Einnahme breitete. Nun aber wird aus den veröffentlichten Steuerlisten bekannt, daß einschließlich der von der Ford Motor Company gezahlten Einfemmenfieuer im Betrag von 14 449 673 Dollar die von der Familie Ford insgesamt gezahlte Einkommensteuer 18 902 981 Dollar beträgt, das find fogar 2 972 080 Dollar mehr als der von der Steel Corpo ration entrichtete Betrag. Daraus fann man wohl schließen, daß in Amerika die Schwerindustrie bei ihren riefigen Anlegen es beffer verstanden hat. fich von der Steuer zu drücken a's die Verarbeitungsindustrie. Auch in Deuischland betralen es die Schwerindustriellen als ihr besonderes Recht, das Steuerzahlen anderen zu überlassen. Die Geldbewegung bei der Reichshauptfaffe. Nach dem Ausweis der Reichshauptkaffe betrugen die Einnahmen in der Zeit vom 11. bis 20. November 185,1 Millionen und die Ausgaben 178,4 Millionen. Es ergibt sich also ein Ueberschuß von 6,7 millionen. Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Gilowski: totales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag 6. m b. S.. Berlin. Drud: Borwäris- Budbruderei und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin 623 68. Sinbenſtrake S. Stefan Esders ( vormals Weltmann) Berlin C 2 Kaiser- Wilhelm- Straße 55 Ecke Spandauer Straße 35 aus reinw. Flanseh- a.Diagonalstoffen in mod. Farb Herren- Ulster 105-108-35-90-85-30-65-50Knaben- u. Jünglings- Ulster M. 75- 65Knaben- Pyjacks aus best. Plausch- a Diagonalstoffen, modern gemu- tert 55- 50- 45- 38- 35 33-29aus reinwollenen Cheviote M. 34- 28- 25-22aus vorzügl. reinwell Cheviots, blau Herren- Paletols 45- 135- 120-103- 95-90-75-65M. 135-120Geb- Rock- Paletots ans I a Cheriet and Eekime auf Seide M aus rein woll. Cheviots Kammg., blau a farbig 160Herren- Anzüge 135-125-115-103-95-95-75-35-55 45Jünglings- Anzüge aus besten Cheviots. blaw and farbie 55- 45L Kinder Anzüge. 4665aus haltbaren Cheviote 30- 30- 2540-3520-16Big. 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