Abendausgabe Nr. 560 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 280 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Cindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Moreffe: Sozialdemotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Donnerstag 27. November 1924 Berlag und Anzetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Gegen Anmaßung und Heuchelei. Gewerkschaftsantwort an Unternehmerverbände. Die Spizenorganisationen der Arbeitgeber versuchen seit der Reichstagsauflösung dem deutschen Bolt zu beweisen, daß de heut ge wirtschaftliche Lage die Abkehr von der seit Jahren in Deutschland eingeschlagenen sozialen Richtung bedingt. In einer gemeinsamen Kundgebung suchen der Reichs verband der deutschen Industrie und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände eine Preis- und Lohnpolitik zu recht fertigen, die notwendigerwe se die schwersten Wirtschaftskämpfe nach sich ziehen muß. Ausgehend von der Schilderung der durch den Krieg und die Nachkriegszeit verursachten Notlage unferes Bolles wendet sich die Kundgebung gegen die bisher ge Steuers, Berkehrs- und Sozialpolitik des Reiches und gegen jed: internationale Bindung auf dem Gebiete der Arbeitszeit. Man fordert durchgreifende Erleichterung der Die Unternehmungen unmittelbar treffenden Steuern und Verkehrstar fe, die restlose Wiederherstellung der Vorfr'egsarbeitszeit und Verhinderung jeder Lohnsteigerung Die Erfüllung dieser Forderungen machen die Arbeitgeber zur Voraussetzung für ihre Mitwirkung beim Preisabbau. = Die Spitzenorgan fationen der Arbeitnehmer erheben gegen das Vorgehen der deutschen Arbeitgeber entschiedenen Protest. Industrie und Handel sind durch Wiederaufrichtung unferer Bollhoheit im Westen von erheblichen ausländischen Kon furrenzschwierigteiten in Fortfall gekommen und die Reparationsleistungen werden im laufenden Jahre durch die Mittel der Anleihe gedeckt. sah dazu die Arbeitnehmer mit weiterer Verschlechterung ihrer Lage durch Verlängerung der Arbeitszeit und durch vermehrten Lohndrud. Mit Nachdruck wenden sich die Gewerkschaften gegen die Behauptung der Industrie, daß eine schematische Verkürzung der Arbeitszeit und ein hinauftreiben der Löhne an der Berteuerung der Produktion schuld seien. Das Gegenteil davon ist erwiesen. Die Arbeitszeit ist seit Jahresfrist schematisch verlängert worden, ohne jedes wirkliche Bedürfnis der Wirtschaft. Die Löhne find weit unter Friedensstand herabgeseht, ohne daß eine merkliche Senfung des Preisniveaus eingetreten wäre. Die Gewerkschaften verlangen eine Arbeitszeit, die ohne dauernden Nachteil der Gesundheit geleistet werden kann und Raum läßt für die Mitarbeit aller Arbeitsfähigen, und einen Lohn, der den deutschen Arbeiter nicht tief unter den Stand aller Breduktionsländer herabdrückt, sondern ausreichend ist für die Erneuerung der, förperlichen, geistigen und gesellschaft lichen Lebensbedingungen. Insbesondere ist die Aufrechterhaltung der 3 wölfftunden schichten in der Schwerindustrie, in denen die Arbeiter unter hohen Temperaturen, Dünften, Dämpfen oder chemischen Einflüssen leiden, un verträglich mit den Vorbedingungen einer gefunden Wirtschaft, die nich zuletzt auf einer gefunden und arbeitsfreudigen die Micum Berträge find freit, die Belastungen durch Arbeiterschaft beruhen. # Alles dies ze gt, daß die deutsche Industrie jeht unter erheblich günstigeren Verhältnissen arbeiten fann als vor Schaffung dieser Erleichterungen. Daß fie fich trot dem zu diefer Rundgebung verstanden hat, beweist. in welchem geringen Umfange bei ihr Verständnis für die gerechte Forderung der Arbeitnehmer auf gleichmäßige Berteilung der zu tragenden Lasten vorhanden ist. Die Gewerkschaften steffen feft, daß alle bisherige steuerfiche Erleichterung, auch die Anfang Oktober vorgenommene her a b fegung der Umfassteuer von 2½ auf 2 Proz. und die Er mäßigung der Frachtfäße fich bisher in feiner Weise preisfentend ausgewirkt haben. Die hierdurch gewonnenen Beträge sind allein den deutschen Unternehmern zugute gekommen. Die deutschen Arbeitgeber haben sich während der Inflation, indem sie die Steuern in völlig entwertetem Gelde zahlten, der Steuerleistung entzogen. Den größten Teil der Steuern trugen die Arbeitnehmer infolge der einseitig belastenden Lohnsteuer. Die Arbeitgeber verstanden auch bei der Sanierung der Währung fich frühzeitig fchadlos zu halten, indem sie durch hohe Goldpreise den Konsum in der ungeheuerlichsten Weise belasteten, durch Maffenentlaffungen die Arbeiter und Angestellen der Arbeitslosigkeit überlieferten, die Arbeitszeit verlängerten und die Löhne herabsehen. Dieses System muß zu schweren Wirtschaftsstörungen führen, da die Arbeiter dieser Betriebe fich nicht dauernd zu solcher mörde. rischen Arbeitsweise verftlaven lassen. Die fofortige Einführung des Dreifchichtenbetrie. bes in diesen Industrien halten die Gewerkschaften auf das dringendste geboten. Im übrigen haben die deutschen Arbeiter ein gefeßliches Recht auf den Achtstundentag. Auch das Washingtoner Abkommen hat der Arbeiterschaft dieses Recht zuerkannt. Die deutschen Gewerkschaften verlangen baher, daß die Reichsregierung ihre wiederholt angefündigte Absicht, diefes Abkommen zu ra'ifizieren, ausführt. Die Gewerkschaften find sich völlig einig, Deutschland wirtschaft. lich stark zu machen und so bald als möglich von den ihm auferlegten Lasten zu befreien. Der Weg zu diesem Ziel ist aber ein anderer cls der der Arbeitgeberschaft, die im Bougefühl ihrer wirtschaftlichen Macht die Arbeitnehmer durch ein Dittat zur alleinigen Tragung der Lasten zwingen will. Die Gewerkschaf'en müssen verlangen, daß die Arbeitgeber ihren Teil der Lasten auf die eigene Schulter nehmen, und daß das Höchstmaß an persönlicher Leistung, das von jedem erwartet werden muß durch eine nicht auf Raubbau eingestellte Arbeitszeit- und Lohnpoli'it gesichert wird. Die Arbeiter und Angestellten werden sich meder durch Versprechungen noch Drohungen in der Vertretung ihrer gewerkschaftlichen Grundfäße und Errungenschaften beirren Lassen Sie wissen, daß starte Gewerkschaften den besten Schutzwall bilden gegen die wahrlich nicht auf papiernen Rundgebungen be 9llgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Alle Lasten der Deflation wurden auf die Arbeitnehmer abgeschränkten arbeiterfeindlichen Absichten des Unternehmertums. wälzt, ohne daß dadurch eine Senfung des Pre sniveaus eintrat. Die Kaufkraft der Löhne und Gehälter hat sich beständig verringert. Während sich für die deutschen Arbeitgeber die Lage durch die Festigung der Mart geklärt und durch Seuererleichterungen gebeffert hat, fordern sie jetzt neue Vergünstigungen und bedrohen im GegenDiskrepanz! Begriffsverwirrung im Lager des Bürgerblod. MTB. meldet aus Kassel: Der Gattin des Generals vont Nathusius ist vom Reichsminister Stresemann folgendes Schreiben zugegangen: Wie nunmehr feststeht, hat sich die franzöfifche Regierung entfchloffen, dem General die Freiheit wiederzugeben und damit das ihm angetane Unrecht wieder gut zu machen. Wenn auch das Gerichtsverfahren auf die Ehre des Generals feinen Schatten geworfen hat, ist es doch eine Genugtuung für uns alle, daß so rasch eine förmliche Rehabilitierung gefidert werden konnte. Ich hoffe, daß die Erinnerung an die forgenvollen Stunden, die Sie haben durchleben müssen, die Freude des bevor stehenden Wiedersehens nicht beeinträchtigen wird. is Der Kyffhäuser- Bund nennt in einer Eingabe an die Reichsregierung die Begnadigung eine weitere Infamie". Der Außenminister Dr. Stresemann nennt sie eine förm liche Rehabilitierung". Damit solidarisiert sich der Außenminister des Deutschen Reiches mit einer Infamie. Dr. Stresemann ist also felbft in den Augen der Kriegervereinslerein infamer Geselle! Soweit haben wir es in Deutschland gebracht, dank der ,, vaterländischen" Hegmethoden. Die Begriffsverwirrung ist im Lager der Rechtsparteien soweit fortgeschritten, daß die einen für infam halten, was die anderen begrüßen. Diese Distrepanz"- um für das gute deutsche Wort Mißverhältnis das Lieblingsfremdwort des Herrn Stresemann zu gebrauchen ift besonders start im Lager der Deutfchen Bolkspartei. Ihr Führer und„ bester Kopf" erblickt in der Frei Iaffung Naihusius-und mit Recht eine iedergut machung des angetanen Unrechtes" und eine förmliche Rehabilitierung", während ihr Zentralorgan, die Zeit", Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände. Vergeßt Preußen nicht! Bor Konrad Haenisch. Die alles andere überschattende Bedeutung der Rei tagswahlen, von deren Ausgang die Geschicke Deutschlands nicht nur für die nächsten vier Jahre, sondern vielleicht für Menschenalter abhängen und damit zugleich ein gutes Stüc der Zukunft Europas, hat das Interesse für die gleichzeitig stattfindenden Wahlen zum preußischen Landtag naturgemäß start in den Hintergrund gedrängt. Und doch hängt beides aufs engste zusammen. Wie einst die alten Konservativen auf dem Umwege über Preußen das Reich beherrschten, so wissen ihre Nachfahren von heute, die Deutschnationalen, sehr wohl, daß selbst ein durchschlagender Sieg im Reiche für sie nur ein halber Sieg wäre, wenn es ihnen nicht gleichzeitig gelänge, auch in der preußischen Regierung maßgebenden Einfluß au gewinnen. Weit wichtiger a's das Reichsminifterium des Innern, das heute schon in der Person des Herrn Jarres, ein Mann wenn nicht ihrer Bartei, so doch ihres Geiftes, inne hat, ist ihnen das preußische Ministerium des Innern. Durch dessen Befiz hoffen sie sich die Verfügung über den ganzen preußischen Verwaltungsapparat und über die preußische Bolizei wieder in die Hände zu spielen- das heißt die entscheidende Gewalt über Preußen und das Reich. Und so ist es nur folgerichtig, wenn in den Wahlreden und Flugschriften der Rechten der Kampf gegen das verhaßte System Severing" einen besonders breiten Raum einnimmt. Damit ist aber auch für die entschieden republikanischen Parteien, insbesondere für die Sozialdemokratie, die Bedeutung des preußischen Wahlkampfes flar umrissen. Je wütender die Rechte gegen die Bastion Severing anrennt, um so mehr müssen wir unsererseits das Letzte an Kraft aufbieten, um diese Bastion für die Republit zu erhalten. Das System Severing! Was die Rechte einen schamlosen Mißbrauch des Innenministeriums für parteipolitische Zwede zu nennen beliebt, ist in Wahrheit nichts anderes a's der immer noch in seinen ersten Anfängen steckende Verfuch Seve rings, den schamlofen Mißbrauch, den das alte Regime viele Jahrzehnte hindurch für die parteipolitischen 3mede der Rechten mit der inneren Berwaltung Breußens getrieben hat, endlich wieder gutzumachen. Ift es denn wirklich schon vergeffen, daß im alten Breußen schlechterdings alle leitenden Beamtenposten den Männern der Rechten vorbehalten waren? Einmal ist( fieht man von den verzweifelten Experimenten im letzten Kriegsjahre ab, a's alles schon verloren war) unter Bilhelm II. ein dem äußersten rechten Flügel der Nationalliberalen angehörender Herr, der schwerindustrielle lange Möller, kurze Zeit Handelsminister gewesen. einmal hat es im alten Preußen einen nationalliberalen Oberpräsidenten gegeben Bennigsen und im letzten Kriegsjahre murde auch einmal ein Nationalliberaler Regierungspräsident; das war der heutige vollsparteiliche Landtagsabgeordnete v. Campe und seine Berufung an die Spike des Regierungsbezirts Minden erregte als ganz ungewöhnliche, Kon effion drei Ausnahmen abgesehen, die sich zudem über vier Jahran die Linke" damals allgemeines Aufsehen. Bon diesen zehnte verteilen, war in der preußischen Berwaltung schlechterdings alles fonservativ vom Minister angefangen bis zum letzten Landrat. Ein Blick in die lepie Borkriegsstatistik zeigt, daß von den zwölf preußischen Obernräsidenten neun und von den sechsunddreißig Regierungspräsidenten sechsundzwanzig adlig, alle achiundvierzig Herren aber streng konservativ waren. Bei den Landräten war es nicht anders gab Regierungsbezirke, in denen diese Herren samtlich es gestern noch die Ueberschrift verwendete:" Richterwünschte nicht nur konservativ, sondern auch adlig waren. Ein forts Gnade". Diskrepanz! Diskrepanz! Gegen die Versackungspolitik. Trier, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Der zweite Borfißende der Ausgewiesenen von Rhein und Ruhr, Johann ma 3, schr ibt unferem Trierer Parteiorgan: schrittlicher oder forialdemokratischer Landrat, Regierungspräsident, Oberpräsident oder gar Minister wäre im alten Preußen ganz undenkbar gewesen. Hat nun Severing dieses System etwa um gefehrt, worüber sich die Herren von der Rechten doch am allerwenigsten beklagen dürften? Keineswegs! Bon den preuBischen Oberpräsidenten sind heute vier, von den Regierungs3ur Zeit, als es den Ausgewiesenen und Berdrängten von präsidenten sind sechs, von den Landräten achiundfünfzig MitRhein und Ruhr während ihres Aufenthaltes im Gafiland finanziell glieder der Sozialdemokratischen Bartei, wozu in ganz Preußen am schlechtesten ging, wurde der Gedanke der Berfadungs noch elf sozialistische Polizeipräsidenten kommen. Das ist politit in die Debatte geworfen Im Auftrage des Reid, sver etwa mit Bayern verglichen- gewiß ein sehr erfreulicher Anbandes der Ausgewiesenen von Rhein und Ruhr hatte ich mit dem fang, den die Republik der Tatkraft des Genossen Severing dritten Borlizenden des Reichsverbandes gerade in diesen Tagen verdankt, aber es ist eben doch nur ein Anfang. wenn man eine Besprechung mit dem Preußischen Ministerpräsidenten, Herrn sich vergegenwärtigt, daß z. B. von den siebenunddreißig vorBraun, in der der Ministerpräsident mit aller Deutitchkeit mehr- handenen Landratsämtern in Ostpreußen sich nicht weniger mals die Unzertrennlich feit der Rheinlande von als zwanzig auch heute noch in den Händen ehemals., fönigPreußen betonte und den Ausgewiesenen für ihre Opfer zur Erlicher" Beamten befinden, denen nur vier sozialdemokratische Es gibt Regierungsbezirke, die haltung der Rheinlande bei Breußen besonders den Dank der preu. Landräte gegenüberstehen hifchen Regierung aussprach. Es ist nichts anderes, als eine ab auch heute noch feinen einzigen oder doch höchstens einen fichtliche Täuschung der deutschen Wähler, das Gegenteil zu be- fozialdemokratischen Landrat aufweisen, und zwar nicht nur im Often, sondern auch im industriereichen Westen und Südhaupten." westen Preußens. Ebenso fönnten manche Oberpräsidien und Bezirksregierungen genannt werden, unter deren sechs bis acht Dugend höheren Beamten sich auch heute noch kein einziger Sozialdemokrat und nur ganz vereinzelt einmal ein befindet, während alles Demokrat oder Rentrumsmann andere sich mehr oder weniger offen zur Rechten. oft zur äußersten Rechten, bekennt. Und in manchen Ministerien ift es nicht anders... Verhaftungen in Aegypten. Kairo, 27. November.( Reuter.) Die brifischen Militärbehörden verhafteten den früheren Unterstaatssekretär des Innern Abdel Rahman bei Fahmi, der im Jahre 1921 in Verbindung mit einer verschwörungsaffäre gefangen gefeht worden war und später, als Zeglul Pascha zur Macht gelangte, wieder freigelassen worden war. Verhaftet wurde ferner Matran Ebed, ein hervorragendes Mitglied der kopfischen Bewegung, der 3aglul Pascha fürzlich auf seiner Reise nach London begleitet hatte. Die Verhafteten wurden in ihren Betten überrascht. Wohin siz gebracht wurden, ist nicht bekannt, So sieht das von der Rechten so angefeindete System Severing in Wirklichkeit aus! Aber selbst das Wenige, was Karl Severing in der zähen und aufreibenden Arbeit von vier Jahren an Durchsegung der preußischen Verwaltung mit Republikanern hat schaffen fönnen daß es nur wenig, daß es viel zu wenig ist, haben felbst demokratische Redner bei der jüngsten Beratung des Innenetats flagend festgestellt selbst dieses Wenige ist der Reaktion schon viel zu viel. Kommt sie am 7. Dezember in Breußen zur Macht, so wird sie mit allen überzeugten Republikanern in der Verwaltung genau so erbarmungslos aufräumen, wie die Deutschnationalen das in Thüringen und in Mecklenburg getan haben. Sollten die Spuren des dort Erlebten die preußischen Wähler nicht schreden, sollten diese Spuren sie nicht anspornen, das Aeußerste daran zu sehen, um das preußische Innenministerium unter allen Umständen für die Republik und für deren entschlossenste Berteidigerin, die Sozialdemokratie, zu retten? Siegt die Rechte, so macht sie, daran darf niemand zweifeln, auch in Preußen ganze Arbeit. Und hat sie mit der inneren Verwaltung und der Bolizei Preußens einmal die entscheidende Macht auch im Reiche in der Hand, so gibt sie sie freiwillig nicht wieder her. Politische Machtpofitionen sind leicht verloren, aber nur sehr schwer wiederzugewinnen. Denti an die Geschichte Bayerns seit dem 13. März 1920! So ist der Kampf um Breußen für die Rechte das Hauptftüd im Kampfe um das Reich, in dem sie durch Preußen hre Macht wieder so fest zu begründen hofft wie einst im Mai der Kaiserherrlichkeit. Die Schlußfolgerungen, die wir raus zu ziehen haben, ergeben sich von selbst. Die Flut der Verleumdungen. Bleibt kritisch! Jer gegenwärtige Wahlkampf wird von unseren Gegnern einem Maß, wie es bisher faum noch erlebt worden ist, mit cer Waffe der persönlichen Berleumdung geführt. Die vielfach recht zweifelhaften Existenzen, die heutzutage die Redaktionen der gegnerischen Preffe bevölkern, fennen feine moralischen Bedenten. Im Gebrauch geistiger Waffen fehlt ihnen jegliche Uebung, eine zugkräftige Wahlparole gegen die Sozialdemokratie ist nicht vorhanden, die Angst vor einem großen sozialdemokratischen Wahlsieg beherrscht alles. In dieser Situation denken unsere Gegner:" Helfe, was helfen mag!" Der Sozialdemokratie im ganzen fann man nichts anhaben, also verfährt man nach dem Wort:" Du kannst im Großen nichts verrichten, so fängst du es im Kleinen an." Jeden Tag werden neue Geschichten über einzelne Mitglieder unserer Partei ausgehect, um bei gläubigen Lesern den Einbruck zu erwecken, als bestände die Partei aus moralisch minderwertigen Subjekten. " Der Vorwärts", der noch andere Dinge zu tun hat, versucht in furzen Notizen diesen Berleumderdred wegzuräumen. Es fönnen aber nicht alle Revolverblätter bei uns gelesen werden, man kann auch nicht allen die Ehre erweisen, fie zu erwähnen. Leider kommt es noch immer vor, daß nach dem Erscheinen solcher Presseerzeugnisse aus Parteikreisen Anfragen gerichtet werden, wie es sich mit der oder jener Sache verhielte, denn es tönne„ doch nicht alles gelogen sein" usw. Die Leute, die meinen, es fönne, doch nicht alles ge= logen lein", find Kindergemüter. Es wird in diesem Wahltampf bon unseren Gegnern alles gelogen und noch einiges dazu. Man soll ihnen soviel Glauben schenken, wie sie ver hienen, nämlich 0,0 Völkische Wahlkampfmanieren. Beschimpfungen Eberts. sola, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Bölkisch Soziale Block hatte für Mittmochabend in einem der größten Kölner Säle eine Wählerversammlung einberufen, in der der befannte pölfisaje Reichsführer Straffer aus München redete. Die Bersaumlung war zum größten Teil von nicht völkischen besucht. Besonders Vertreler der Linksparteien waren in großer Zahl erschienen. Gleich nach Beginn des Referats tam es schon zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten, als Straffer in düster- demagoDie Nächtlichen" in der Staatsoper. Egon Bellecz unternahm das Wagnis, den künstlerischen Bühnenzanz in ungewohnte, neue Bahnen zu lenten. Und das plötz fich, mit unerhörber Reibung des Neuen am Alten, mit Zerbrechen aller Gelenke, die Tanz von gestern mit Tanz von morgen noch verbinden könnten. Die Musik zu den„ Nächtlichen“ wurde geschaffen in dem Wunsch, dem Tänzer und der Tanzgruppe Bewegung, Bersinten, Hochfliegen, Rauern, Schreiten und Jagen gefühlsmäßig, wohl auch rythmisch verzuzeichnen. Schon die musikalische Form gibt ein Recht, dem Tanz zu gebieten, no er laufende Bewegung, wo halt bedeuten soll. Und es ist nicht ganz richtig, daß etwa in einer Fuge das Sich Atstoßen und Fliehen, das Zueinander- Kommen und das SichUmarmen der Motive tänzerisch ausgedeutet werden kann. Was nun da an Spannungen, Bertrampfungen, Wilbheiten im Attonalen moderner Musik wuchert, das konnte zu einem Tanz der Leidenschaften, der Erotik und des Ueberschwangs ausgenugt, fonnte durch die szenische Berbindung extremer Stimmungen wirksam gemacht werden. Musik, die so sehr nach Echrei, Efstase, Willtür und Explosion giert, konnte im Bild der Szene widerhall finden, konnte in Gruppen geradezu motorisch verdeutlicht werden. Diesem Experiment ist Berechtigung nicht abzusprechen. Eine Bühnen- Tanzfunft ist damit nicht geschaffen. Was Wellecz theoretisiert, fommt in den verkrampften, in besten Momenten ruffisch inspirierten Klängen, fommt in der rythmischen Etoffelung von Schlag- und Blasinstrumennt, faum Original und faum anfeuernd, zur praktischen Lösung. Ein einfaches, pathetisches Bewegen heltischer Figuren, zu düsterem Gong, ein Strawinstysches Intermezzo ohne Szene, ein heroischer Menschenzug mit Fahnen und Fanfaren das ist alles, was in guter Erinnerung bleibt. Die Phantasie des Musikers bleibt da stecken, no die des Malers Birchan und des Beleuchtungsmeisters immer neue Schnörkel, Färbungen, Einfälle zeigt. Die Szene herrscht, nicht die Musit, auch nicht die bewegte Gruppe. Ein einziges Mal, als der genialische Kreuzberg Angst im Zuden feines Körpers malte, und als die Musik diefen Affekt auffi g, spaltete, fammelte, heraushämmerte, da ging etwas wie Morgenrot vom düstern Spiel aus. Das Wert gefiel, aber nas gefährlicher ist-es fiel auch nicht durch. Die Müdigkeit tötete sie Lust zur Entscheidung ab. Die Annahme dieser sogenannten Tongsymphonie, der eine un verständliche Idee von Terpis zugrunde liegt( unverständlich, weil sie nicht plaftisch wird) geht mohl auf Kleiber zurüd. Wohlweislich, aber nicht sehr mutig, ließ er die Kastanien von Meyrowiz aus dem Feuer holen. Er selbst wärmte sich bequem an der stillen Herd glut des Bufomischen Arlecchino, dessen Pifanterie, Ironie, Scherz und tiefe Bedeutung wieder außerordentlichen Eindrud macht. Henke und Achaz waren die illustren Wegbereiter diefer föst ' ichen Mufitkomödie, R. S. | gischer Weise auf den Sauftal! von 1918 schimpfte. Die Erregung wuchs zum Sturm an, als er sich dann gegen die Person des Reichspräsidenten folgende unerhörte Beleidigung leistete:" Der Sozialisierungsbruder Ebert hat die deutschen Eisenbahnen an die westlichen Juden verschachert." Die empörte Versammlung ließ Straffer nicht mehr reden. Es tam zu lärmenden Rundgebungen, in deren Berlauf die Bölkischen sich als Schutzgarde die Polizei des Saustalls von 1918 herbei holten ihre eigene Hitler- Garde, meist 13-14jährige Gymnafiaftet, hatten nicht den Mut, gegen die über die Frechheit des Herrn Straffer empörten Versammlungsbefucher vorzugehen. Die herbeigeholte Schutzpolizei, unter der sich anscheinend eine Reihe Partcigänger des Herrn Straffer befanden, waltete bei der Wieder herstellung der Ordnung leider nicht unparteiisch ihres Amtes. Es tam zu lebhaftem Handgemenge, in deffem Verlauf die Polizei in brutaler Weise verschiedene Besucher aus dem Saal entfernte. Troß dieser offenen Parteinahme der Kölner Polizei für den Beschimpfer der deutschen Republit tonnte die Bersammlung Sie hat dem Böllisch nicht zu Ende geführt werden. Sozialer Blod", der ohnehin in Köln bisher nur sehr geringen Anhang hat, eine empfindliche Niederlage bereitet, gleichzeitig aber auch das ohnehin nicht starke Vertrauen, das die Kölner staatliche Polizei in der Bevölkerung genießt, noch weiter herabgemindert. Wie wir hören, ist von Versammlungsbesuchern gegen Herrn Straffer wegen seiner frechen Beleidigung des Reichspräfi denten Anzeige bei der Köiner Staatsanwaltschaft erstattet worden. Es bleibt abzuwarten, ob der Herr Staatsanwalt in Köln, der in letzter Zeit so schnell bei der Hand war, wenn es galt, gegen angebliche Beleidigungen des Herrn Reichs außenministers Etresemann vorzugehen, nun auch ebenso schnell bereit sein wird, den obersten Beamten der deutschen Republit gegen die unftätige Bemerkung eines deutschvölkischen Flegels in Schutz zu nehmen. Der volksparteiliche Bundesbruder. Dresden, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Der in Dit fachsen wiederum als volksparteilicher Spißenfandidat aufgestellte frühere Reichsjuftizminifter Dr. Heinze machte am Mittwoch in Dresden in einer Versammlung aus seiner schwarzweißroten Gefinnung fein Hehl und trat mit aller Entschiedenheit für eine Erweiterung der Regierungsbasis durch die Heranziehung der Deutschnationalen ein. Er behauptete, die Deutschnatio nalen hätten durch ihr Verhalten am 29. Auguft die Boraus. fetzung für außenpolitische Zusammenarbeit mit ihnen gegeben. Die Sozialdemokratie, so sagte Herr Dr. Heinze, komme für eine " Positive" Innen- und Wirtschaftspolitik so wie er fie auf faßt: Abbau der Republit, Schutzölle usw. so wenig in Frage, wie die Deutschnationalen vor dem 29. Auguft für eine vernünftige Außenpolitik. Im übrigen war Dr. Heinze der Ansicht, daß der Reichskanzler diesmal von den Mitteln der Parlamentsauflösung ohne zwingenden Grund Gebrauch gemacht habe und es daDaß Herr Dr. Heinze dabei unterließ, festzustellen, daß der Beher unterlassen habe, eine flare Wahiparole herauszugeben. schluß des Reichsiabinetts, dem Reichspräsidenten die Auflösung des Reichstages zu empfehlen, durchaus einstimmig, also mit Zuftimmung der volksparteilichen Minderheit gefaßt worden war, beweist, daß auch Dr. Heinze von jener Gedächtnisschwäche befallen ist, die er Herrn Stresemann und Dr. Jarres vorgehalten hat. Kommunistenkrakeel in Hamburg. Ausschluß eines kommunistischen Bürgerschaftsmitgliedes. Hamburg, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) In der Hamburger Bürgerfájaft tam es am Mittwoch zu stürmischen Aus einandersetzungen und Standalszenen. Bei der Beratung des Se natsantrages auf Herabjegung der Luftbarkeitssteuer und der Gewerbesteuer beantragten nach der ersten Garnitur die Sozialdemokraten und Demokraten Schluß der Beratung. Diefer Anirag wurde von den Rechtsparteien im Verein mit den Kommunisien niedergestimmt, weil der Redner der vier vöitischen Abgeordneten, der sich nach der zweiten Redegarnitur hatte eintragen lassen, noch nicht zu Wort gefommen war. Nun tam es zu „ Kaltes Licht." toüften Wahlreden der Rechtsparteien, die die Abstimmung über den übrigens einstimmig angenommenen Antrag der Sozialdemokratie bis nach 11 Uhr hinauszögerten. Zwischendurch versuchten die Rommunisten mehrfach einen Antrag auf Haftentlassung der beim Oktoberputsch verurteilten kommunistischen Abgeordneten zur Beratung zu bringen. Als dies mißlang, fam es zu ft fir mischen Auftritten, die zur Unterbrechung der Sitzung führten. Ein von der Sigung ausge= RPD.- Abgeordneter wurde fchloffen und als er sich nicht entfernte, auf einen Monat von den Arbeiten der Bürgerschaft ausgeschlossen. Er mußte von Beamien aus dem Gebäude entfernt werden. In später Nachtſtunde kam dann der kommunistische Antrag zur Verhandlung. Die Be gründung des Antrages durch den Abgeordneten v. Borstel war eine einzige wüste Schimpferei auf die Sozialdemetratie und eine Berherrlichung des Oftoberputsches. Unter lärmenden Rundgebungen der Bolschewisten wurde der Antrag um 1 Uhr nachts abgelehnt. Die sozialdemokratische Fraktion brachte zu Beginn der Sigung einen Antrag ein auf Bewilligung von 300 000 m. für eine besondere Zuwendung an die Unterstützungsempfänger im Dezember. -Dienstenthebung eines kommunistischen Abgeordneten. Dresden, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Der tommunistische Landtagsabgeordnete Schneller, von Beruf Volksfchullehrer, ist auf Veranlaffung des fächsischen Unterrichtsministe riums von seinem Posten als Lehrer enthoben worden, nachdem der Landtag feine 3 u ftimmung zur Strafverfolgung erteilt hatte. Gegen Schneller hat der Oberreichsanwalt beim Staatsgerichtshof zum Schutze der Republit ein Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet. Wahlerfolg in Oldenburg. Sozialdemokratischer Stimmengewinn 50 Prozent. In der Stadt Oldenburg fanden foeben die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Dabei ergaben sich folgende Zahlen: Sozialdemokraten. Komniunisten Demokraten. • • • 4. Mai Mandate( 1920) jegt 3673 . • 2455 8( 8) 991 2050 2( 2) 3258 3609 7( 8) 3078 5006 7( 2) Deutsche Volkspartei. 5336 • 4779 18( 17) Zentrum. 779 . 1049 1( 2) 729 1646 1( 0) • Deutichnationale Nationalsozialisten Außerdem wurden zwei Bauernvertreter in den vor kurzem eingemeindeten Stadtteilen gewählt. Das Wahlresultat zeigt also im Vergleich zur letzten Reichstagsnahl für die Sozialdemokratie einen Gewinn von annähernd 50 Proz., während die Kommunisten mehr als die Hälfte verforen, noch mehr die Bölkischen. Aber auch die Deutschnationalen büßten rund zwei Fünftel ihrer Stimmen ein. erlebten gegenüber den 4. Mai emen sehr heftigen Rüdschlag. Gie Im Vergleich zu den Stadtratswahlen von 1920 freilich haben die Deutschnationalen noch immer, gewonnen", während die Volks partei vier Mandate einbüßte. Die Sozialdemokratie aber hat ihren Besitzstand von damals behauptet, sie hat durch ihren Stimmengewinn trotz der allgemein schlechten Wahlbeteiligung gezeigt, daß ihr Weg vorwärts führt! Die letzten Gefangenen enflaffen. Auf Grund des Londoner Abkommens wurden am 21. November die legten acht poli. tischen Gefangenen aus dem französischen Gefängnis in Haumannsdorf entlaffen. Kreisblätter als deutschnationale Wahlhelfer. In den feligen Gefilden Pommerns, ungefähr da, wo nach deutschvölkische Heilslehre das Baradies gelegen hat, betreiben die Deutschnationalen ihre Wahlagitation auf sehr einfache Weise. Sie legen ihre Deutschnationale Wehlzeitung ganz einfach den Kreisblättern in Bommern die deutschynationale Beisheit an ihre Leser. Bo als Beilage bei. So verbreitet z. B. die Kreiszeitung in Grimunen soviel Erleuchtung durch amtliche Blätter der Republik vermittelt wird, fann der Erfolg am 7. Dezember nicht ausbleiben. Froge an die Regierung: Berbreiten die Kreisbätter Wahlbeilagen aller Parteien oder nur der deutschnationalen? Ein hübscher Erfolg der Gläßner. Das Kleine Theater" hat sich mit dem französischen Lustspiel" Papa" von Robert de Flers und Caillavet einen hübschen Erfolg erspielt, der dem harmloses Konservationsstück mit bürgerlich- spiebigem Einschlag, das, Theaterkassierer einige Wochen Freude machen wird. Bapa" ist ein bescheiden und ohne Ehrgeiz, auf literarische Wertung oder Originali tät verzichtet. Der Papa, ein verwegener Lebemann und Graf, erfennt an der Schwelle des Alterns feinen 20jährigen unehelichen Sohn an. Die väterliche Fürsorge beginnt er damit, seinem Jungen die Heirat mit Georgine, der Tochter eines verkrachten Glücksritters, zu verbieten. Der verschlungene Knoten löft fich auf, als sich der alte Bapa und die fnusprig- junge Georgine unrelibar ineinander verlieben. Da das leichtlebige Frauchen viel beffer zu dem alten Lebensschnell ein folides Provinzmädel ergattert, macht die Umstellung der Pünstler paßt als zu seinem ernſten Sohn, und da der Junge noch heiratenden Paare feine Schwierigkeiten. Diese durch Wahrscheinlichkeit nicht allzu beschwerte Handlung hatten die Darsteller mit dem Schimmer der Glaubhaftigkeit zu versehen. Das gelang Eugen Burg, Julius Falkenstein und Erita Gläßner, die sich durch spielerische Eleganz, tändelnde Leichtigkeit und anheimelnbe Grazie ſelbſt übertrafen. Die Bläßner mar als Georgine ein entzückendes Gefchöpfchen aus Unmut, Jugendfrische und Quedfilbrigkeit. Ein forg fchaffen. Ein Weibchen ohne Ansprüche auf Geistigkeit, aber mit erloses Plappermäulchen, zum Rosen und Schmollen wie feine geheblichen Ansprüchen auf Kleider, Schmuck und Tand. Glücklich, oberflächlich, felbstbewußt, halb ein Backfisch, halb eine Dirne. Reizend, zum Anbeißen. Eugen Burg ist der liebenswürdigste, eleganteste, fympathischfte Lebemann, den man sich denten fann, und Julius Falkenstein ein trottelhafter, griesgrämiger Dummrian, der ohne zu übertreiben, mit seiner originellen Komit die Blide auf sich zieht. ,, Kaltes Licht." Der Physiker Professor Riesler hat im wissenschaftlichen Kreisen geschrieben wird, bemerkenswerte Versuche physikalischen Laboratorium der Sorbonne zu Paris, wie uns aus mit der Erzeugung von„ Baltem Licht" gemacht, die für die En wicklung der Beleuchtung von großer Bedeutung werden können. Die Röhren, die Professor Riesler zu diesem Zwecke gebaut hat, befinden sich augenblicklich zur wissenschaftlichen Untersuchung in London. Wir wiffen, daß es eine große Anzahl von Strahlen aller Art gibt, wie 8. B. die Licht und Wärmeftrahlen, die Röntgenstrahlen, die Kathodenstrahlen und so weiter. Für die Beleuchtung fommen hauptfächlich die hellen Strahlen in Betracht, die eine gewisse Wärme herden Beleuchtungseffekt auf Rosten der Wärmeerzeugung möglichst zu vorbringen. Das Bestreben der Wissenschaft ging naturgemäß dahin, steigern. Hier setzt das Bestreben des Professor Riesler ein, der bereits beträchtliche Erfolge zu verzeichnen haben soll. Er ging bei feinen Bersuchen von der Leuchttätigkeit des Glühwürmchens aus, das Licht ohne meßbare Hike abgibt. Es tam ihm darauf an, diese Art des Leuchtens zu steigern, wodurch dann ein Licht erzeugt worden wäre, das möglichst wenig Wärme mit möglichst starter Lichytintfi tät vereinigt. Alle phosphoreszierenden Stoffe geben ein derartiges struiert, bei denen dieses Lichtprinzip zur Durchführung gelangt ist. Licht ab. Professor Riester hat nun mehrere elektrische Röhren fonEr hat die Röhren mit atmosphärischer Luft von niedrigem Druck gefüllt, und zur Verstärkung des Lichtes gebraucht er phosphorefzierende Bestandteile und Wärmestoffe, die in den Röhren oder an den Glaswänden angebracht werden. Nun fand er eine bestimmte Beziehung zwischen dem Luftdruck in dem Glase und der Eigenschaft des ausgesandten Lichtes. Diese Beziehungen nuzte er für seine Zwecke aus und verstand es durch richtige Regulierung des Druckes, Strahlen zu erzeugen, die teinerlei Grün oder Rot enthalten, dagegen mischen dem Rot und Violett des Spektrums liegen. So gelang es zu erzielen. Es wird berichtet, daß er ein Licht von 12 000 Kerzen ihm, hochterzige Strahlen mit ganz geringen Elektrizitätseinheiten mit Roften von 2% Elektrizitätseinheiten hervorbrachte. Die in London zu Verfuchszweden ausgestellten Röhren sind dagegen nur ganz flein. Sie haben 8 Millimeter im Durchmesser und erfordernisenschaftlich humanitären Komité( In den Belten 10) referiert Donnerstag einen Strom Don Milliampere. Alle diese Mitteilungen sind noch sehr unflar und lassen noch nicht das Wesentliche dieser Erfindung erkennen, zumal Riester Versuche gemacht haben will, die Röhren zum Glühen zu bringen, nachdem der Strom ausgeschaltet war. In der Hauptsache sollen die Röhren als Zeichen oder Buchstaben für Reflamezwede bienen. Es soll sich aber auch eine große Ersparnis bei der Beleuchtung von Räumen ufw. erzielen laffen. Unsere Metallfädenlampen sind ja gegenüber den früheren Rohlefädenlampen eine fiarte Berbefferung, da mit ge ringeren Stromstärfen größere Lichtenergien erzielt werden. Die Lichtes durch Fäden aller Art offenbar ab und will die LichtwiriunErfindung des Brofeffor Riester dagegen sieht von der Leitung des gen durch Farbstoffe oder phosphoreszierende Stoffe erzielen. Ludwig hardt spricht Sonnabend und Sonntag in der Berliner Sezeffion, 8 Uhr abends, heitere Dichtungen, dazu 10 Porträts Berliner Schauspieler. Ernst Bringolf fonnte aus seiner ernsten Rolle des Sohnes, die er ein wenig zu schwer auffaßte, nicht viel machen. Die Regie des Eugen Burg war flott. Dgr. Vorträge. Jm Lessing Museum spricht Donnerstag, 8 Uhr. Prof. Hans Friedenthal über: Charakter und Umwelt". Im Seriminaltommissar Strewe aus Serual kriminalistischer Praxis. Für die Gesellschaft für Geflechtskunde" spricht Freitag, 8 1hr, Georgenstr. 31, Dr. Magnus Hirschfeld über:„ Der Eintritt 75 Pf. ieguelle Aberglaube". Dr. Mar Deri spricht Freitag, abends 8 Uhr, im ehemaligen Herrenbaussaale, auf BerDie drei anlaffung der Deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur über: Wurzeln der Ethit". Ein unveröffentlichtes Werk von Anatole France. Eine endgültige Ausgabe der sämtlichen Werke des eben verstorbenen Dichters wird jept in Paris angefündigt. Sie soll in 20 illustrierten Bänden auch eine An zahl der an verschiebenen Stellen, besonders in selten geworbenen. Beit fchriften, verftreuten Borreben und Effahs enthalten, vor allem aber ein fchrieben ist. bisher unveröffentlichtes Werk über Rabelais, bas etwa 1908 geEine Bortragsreise Carfens in Deutschland. Für eine Vortragsreise, die Professor Karl Larfen nach Deutschland unternehmen will, um über den Märchendichter Andersen zu brechen, sind nach einer Ropenhagener Meldung 5000 tronen bewilligt worden. Jmmer diefelben. Herr Stresemann und seine Leute. Im Verlag der Frankfurter Sozietäts- Druckerei erscheint joeben ein Buch:" Schlaglichter, Reichstagsbriefe und Aufzeichnungen von Conrad Haußmann. Herausgegeben von Dr. Ullrich Zeller.". Dort liest man auf Seite 125 unter dem Datum des 13. Juli 1917 folgendes: Zimmermann erzählt mir mit lebhaftem Händedrud die amerikanische Sache und sagt dann:„ Die Wilhelmstraße war gegen den U- Bootkrieg und hat sich schließlich ungern dazu drängen lassen von denen, die sie jezt angreifen." Hält Ihre Partei mein Ausscheiden für nötig?" ,, Alle Parteien. Die Nationalliberalen greifen jezt auch den Reichstanzier wegen Amerita an." Der Reichsfangber ist nicht mehr haltbar." ,, Dann ist aber Ihr Rücktritt unvermeidlich." Meinen Gie?" „ Sicher." Wiffen Sie, diefer Stresemann, ich will fein Wort gebrauchen, es ist unerhört. Er greift jetzt an und hat im Dezember gejubelt über eine Torpedierung, weil sie den amerikanischen Krieg unvermeidlich mache." Ja, das Widerspruchsvollste, was denibar, leiffet Stresemann und die Nationalliberalen. Ich habe loyal mit Ihnen gesprochen-" Ja. Wenn nun Stresemann in seiner nächsten Wahlrede von fich und seinen Freunden sagen sollte:„ Wir sind immer die jelben geblieben!", so wird ihm niemand widersprechen können. Sie sind ja immer schon so gewesen! Um Scheidemanns Abbau. Eine Entscheidung des Bezirksausschusses. Saffel, 27. November.( BTB.) Die Verhandlung vor dem Bezirksausschuß über den Abbau des Oberbürgermeisters S'cheidemann endete nach längeren Ausführungen des Vertreters der Stadtverordneten und eingehender Beratung mit folgenDem Beschluß: Der Klage der Stadtverordnetenversammlung wird fiatbgegeben. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß die Gründe des Magistrats in der Beanstandungsverfügung nicht ftichhaltig feien. Ob der Beschluß des Magistrats an und für fich ordnungsmäßig zustande gekommen fei, darüber zu entscheiben sei nicht Sache des Gerichts. Dieser Spruch des Bezirksausschusses hat zunächst nur formelle juristische Bedeutung. Die Klage wird nunmehr vor das Oberverwaltungsgericht getragen werden. Erst wenn dort ein Spruch gefällt ist, ist das Verwaltungsstre i'tperfahren endgültig entschieden. Der Abbaubeschluß der Stadtverordnetenversammlung gegen Scheidemann ruht solange, bis das Berwaltungsftreitverfahren erledigt ist. Wenn das Überverwal Erste Weihnachtsbäume. reits damit anfangen, ihren Bedarf zu decken. Die ersten Ladungen Die Engroshändler auf dem Weihnachtsbaummarft können beWeihnachtsbäume sind in Berlin eingetroffen und auf dem Tempelhofer Feld zur Ansicht und Auswahl für die Händler niedergelegt worden. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden in diesem Jahr die Familien frühzeitig ihren Weihnachtsbaum einkaufen, eingebent der Verhältnisse auf dem Weihnachtsbaummarft im verflossenen Jahre. Das Angebot von Weihnachtsbäumen war damals gering genug. Mitten in der schlimmsten Inflationszeit, im Juli und August, mußten die Bäume im Wald gekauft und geschlagen werden. Die Transportfosten waren ungemein hohe, und die Engroshändler fürchteten nicht ohne Grund, daß dem größten Teil des Berliner Publikums die Preise für die Bäume unerschwinglich hoch fein würden. Die Engroshändler beschränkten sich daher beim Einkauf, und die Folge war, daß Berlin zu wenig Weihnachtsbäume hatte und viele Familien ferien Baum, zur tiefen Trauer der Kinder, cuftreiben fonnten., Am sogenannten Heiligen Abend fonnte man allenthalben auf den Straßen die seltsamsten Szenen erblicken. Eltern barmten und bettelten geradezu um ein, wenn auch noch fo feines Bäumchen, die„ Hemmungslosen" gingen in der Wald, um sich selbst einen Baum zu holen, und Konflikte mit den Förstern, die scharf auf diese Invasion aus der Stadt aufpaßten, waren an der Tagesordnung. In vielen Häufern wieder halfen sich Nachbarn dadurch aus der Verlegenheit, daß sie sich gegenseitig den Weihnachtsbaum, den die eine Familie noch hatte auftreiben tönnen, liehen. Erst leuchteten die Lichter in der einen Wohnung, und dann wurde der Baum unter Hallo über den Flur in die Wohnung des Nach barn getragen. Es war einmal... Viel Hartes und Häßliches war damals auch nach dem 21. November und nach Einführung der Rentenmart auszufoften. Manches ist beffer geworden, aber vieles liegt noch im argen. Im verflossenen Jahr paßten noch Landespolizeiamt und Wucherbehörden auf die Preise auf und setzten auch die Preise für die Weihnachtsbäume feft. Die Preisnotierungen find in diesem Jahr fortgefallen. Hoffentlich macht sich der Handel nicht die Ge legenheit zunuze und wuchert mit den Preisen für die Weihnachtsbäume. Die befte und schärffte Kontrolle übt das Publikum aus, wenn es zu hohe Breise energisch zurückweift. Es darf nicht gefchehen, daß der Weihnachtsbaum Lurusgegenstand und nur dem Reichen zugänglich ist. Auch der Weihnachtsbaum gehört zu den Gegenständen des täglichen Bedarfs, und auf ihn hat auch der Arme und Unbemittelte einen Anspruch. Eine teure Marlift- Ausgabe. Das Bezirksamt köpenid um 82 000 Mark betrogen. Röpenid um den Betrag von 82 000 Goldmart gekommen, wofür es Auf eine feltfame und geheimnisvolle We se ist das Bezirksamt - allerdings ein recht fostspieliger Tausch nur eine Der Raubmord an der Witwe Bod. Bon der Täterin im Zustand der Schwangerschaft verübt. Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Schimmad, die 38jährige Fran Wegen Raubmordes hat sich vor dem Schwurgericht I, unte Borfiz von Landgerichtsdirektor Dr. Schimmad, die 38jährige Fran ista Chmielowka, die aus 14monatiger Untersuchungshaft den Geschworenen vorgeführt wird, zu verantworten. Die Sache hat bereits schon einmal das Schwurgericht beschäf tigt, mußte aber vor der Urteilsfällung vertagt werden, weil die Ber Die Händlerin Bod hatte in der Fürstenstraße ein Bor teidiger die Rurechnungsfähigkeit der Angeklagten in Zweifel stellten zellangeschäft und schlief in einem Nebenraum, während das Hinter zimmer vermietet mar. Hier wohnte die Angeklagte mit ihrem 10 Jahre jüngeren Liebhaber, dem Schlächter Sobeyri. Am 26. August 1923, einem Sonntag, wurde Frau Bock von ihrer Mieterin im Laden überfallen und ermürgt. Dann raffte die Angeflagte die Schmucksachen und Gelder zusammen, verstedte fte Ermordeten in einen Rudjad, die sie auf dem Hängeboden im Hemd und parte Kleidungsstüde und Wäsche der unterbrachte. In ihrer Bernehmung erklärte fie, daß sie von ihrem Gelieb. ten, nachdem er eine andere Liebschaft eingegangen fei, schwer mißhandelt worden fei. Sie habe ihr erstes uneheliches Kind ins Waisenhaus geben müssen, meil auch diefes Kind von Sadetti schwer gezüchtigt wurde. Frau Bod habe das neue Verhältnis Sadekkis sehr begünstigt. Sie, die Angeklagte, habe sowohl die neue Braut, als auch Frau Bod gebeten, doch zwischen Sadehfi und ihr feinen Unfrieben zu stiften. Am Tage der Tat, einem Sonntag, erschien Gadetti mit feiner neuen Braut in der Wohnung und begab sich dann 3 Frau Bod in die vordere Wohnung. Frau Bock fei der Anami eine für Frau Bod ungünstige Aussage gemacht habe. An dem geklagten feindlich gesinnt gewesen, weil diese auf dem Wohnungsverhängnisvollen Sonntag habe Frau Bod fie ins Geficht geschlagen. Darauf habe sie Frau Bod an der Rehle gepadt. Sie will nicht wissen, was weiter geschah. Sie erflärt, daß fie in ihrem damaligen Zustand der Schwangerschaft teine flare Besinnung gehabt habe. Sie habe Tag und Nacht über die Tat nachgedacht, mären. Bon Sadekti sei fie schwanger gewefen und habe nicht ohne daß die Borkommnisse ihr ins Gedächtnis zurüdgefomment sitzen bleiben" wollen. Tatsächlich hat die Angeklagte im Gefängnis einem Rinde das Leben geschenkt, das jebech gleich nach der gestorben ist. zu " tim den Abbau Panijene. Gegen den Abbaubefchluß der Berliner Stadtverordneten sammlung hat sowohl Stadtfschuivat Baulsen wie die Sozialdems.. fratische Frattion Einspruch erhoben. Der Einspruch begründer sich u. a. darauf, daß die Stadtverordnetenversammlung es verfäum hat, entsprechend den Vorschriften der Personalabbauverordnung ben Abzubauenden Gelegenheit zur Aeußerung zu geben. Der Oberpräsident hat jetzt dem juristischen Beistand des Genossen Paulsen, Rechtsanwalt Dr. Weinberg, mitgebeist, daß eine Entscheidung über die Einsprüche noch aussteht, da der Oberpräsident zunächst eine Aeußerung des Magistrats über den Tatbestand eingefordert hat. Die Aeußerung des Magistrats ist jetzt an den Oberpräsidenten abgegangen, so daß man vielleidyt bamit rechnen tann, daß der Herr Oberpräsident in absehbarer Zeit Gelegenheit nehmen tungsgericht der Klage der Stadtverordneten stattgeben sollte, bleib: gabe der Werte ber feligen Marfitt eingetauscht hat. Der mert. wird, eine Entscheidung fiber den Einspruch zu fällen. Oberbürgermeister Scheidemann noch der durch die Personalabbau würdige Borfall hat sich in folgender Beise abgespielt: verordnung vorgeschriebene Beschwerdeweg. Eine endgültige Endscheidung wird dann von dem Provinzialausschuß in Frant furt a. M. gefällt werden. Aus der völkischen Ehrengalerie. Kapitänleutuant v. Mücke als Spizenkandidat. Dresden, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Böltischen treten in Ossachsen mit einer einheitlichen Liste in den Wahl fampf, an deren Spize der frühere Kapitänleutnant pon müde fteht. Diese Spitzenkandidatur war erst möglich nach langwierigen öglich nach langwierigen Berhandlungen, in denen der Streit zwischen dem Kapitänleutnant Mücke und den übrigen Böltischen burch ein notdürftiges Kompromiß aus der Welt geschafft worden ist. Bekanntlich hatte der Berleger der Völkischen Zeitung, Hegenbarth, an Müde finanzielle Forde rungen, die diefer nicht befriedigte. Daraufhin beschuldigte Hegen barth in einem Schreiben ben nun wiederum als Spitzenkandidaten aufgestellten Mücke der ehrlosen Gesinnung, des Bort. bruchs, der Täuschung und ehrloser Handlungs. weise. Trotzdem hat Müde bis heute nichts gegen Hegenbarth unternommen, was auf eine Rehabilitierung in der Deffentlichkeit herausfäme. Die Dresdner Boltszeitung" bemerkt dazu: Daß Müde troßdem jetzt als oftfächsischer Spizenkandidat der Bölti fchen wiederum auf der Bildfläche erscheint, beweist nur, wie wenig folche Ghrenangelegenheiten bei den Bölfischen bedeuten. An Herrn Müde wird im Laufe des Wahlkampfes die Frage gerichtet werden, meffen er fich denn eigentlich schuldig gemacht hat, daß er sich ehr lose Gesinnung und ehrlose Handlungsweise vorwerfen lassen muß, ohne dagegen jene Schritte zu unternehmen, die für öffentlich mirtenbe Personen die gegebenen wären." " „ Nieder das Vaterland!" Die neuefte Provokation der Bürgerblöckler. Durch die gesamte deutschnationale Bresse tursiert eine durch bie Nationalliberale Korrespondenz" lancierte Schauergeschichte, die auf die Dummen großen Eindrud madjen foll: Eine volfsparteiliche Bersammlung in Gera sollte mit einem hoch" auf das Baterland geschlossen werden, aber die zahlreich anwesenden Reichsbannerleute riefen:„ Nieder!" und stimmten die Internationale an. In der fraglichen Bersammlung in der Heinrichsbrücke" zu Gera am Montag, ben 24. November, zeichnete ber volksparteiliche Redner Dr. Pfeffer- Gotha das neue deutsche Baterland" und ließ gar feinen Zweifel, daß er sich unter diesem Baterland die Monarchie vorstellte. Als er diefes monarchistische Bater. land am Schluffe der Versammlung hoch leben ließ, beantworteten die anwesenden Reichsbannerleute diese Ueberrumpelung mit Niederrufen und hochrufen auf die Republit. Die anwesenden Sozialisten stimmten außerdem auf Provokationen von rechts die Internationale" an. Das ist der wahre Sachverhalt. Die deutsch- französischen Verhandlungen. ihrer Finanzangelegenheiten größere Beträge von der StadthauptGegen Monatsschluß pflegen die Bezirk.ämter zur Regelung taffe abholen zu laffen. So entfanbte gestern auch das Bezirks. amt Röpenid zwei Kaffenboten, die derartige Aufträge schon öfter ausgeführt haben, nach Berlin. Die be den erhoben mittags auf der Stadthaupttaffe 250 000 Goldmart. 82 000 Goldmark wurden den Boten in einem fest verschnürten Batet übergeben, das mit den Buchstaben B. A. G.( Berliner Anschaffungsgesellschaft) ge zeichnet war. Die Boten beftiegen mit den Taschen und dem Babet ben Anhänger Str. 1340 der Linie 87, die um 1 Uhr 20 m Fröhlich, der ebenso wie der andere die Attentasche in der Hand be nuten vom Spittelmarit nach Köpenid abfährt. Der Kaffenbote hielt stellte auf dem dichtbefeßten Wagen auf der hinteren Plattform das Batet mit den 82 000 m. auf den Boden amischen seine Beine. An der Haltestelle am Schlefifchen Tor in der Nähe der Pioniertaferne fah er zu seiner leberraschung, daß das Batet auf einmal eine andere Form hatte. Zu seinem Schreden stellte er fest, daß es überhaupt nicht mehr fein Batet, fondern ein anderes war, das dem seinen allerdings ähnlich fab. Die Boben schlugen Lärm, meldeten auch dem Schaffner die Verwandlung, aber niemand wußte, wer die Bafete verwechselt hatte. Das Raubdezernat der Kriminalpolizei wurde benachrichtigt und nahm fofort die Ermittlungen auf. Das untergeschobene Batet enthielt Bücher, die zum Teil gebunden und zum Teil broschürt und noch nicht aufgeschnitten sind, darunter eine vollständige Martitt Ausgabe, einzelne Bände der Marlitt und andere Sachen von Franz Graf und anderen Berfaffern, Sachen, wie sie auch vom Wagen bertauft zu werden pflegen. Auf die Ergre fung des Täters hat ber schaffung 5 Proz. der herbe geschafften Summe ausgefeßt. Mit Magistrat eine Belohnung von 1000 Goldmark, auf die Wiederbeteilungen zur Aufklärung besonders von Fahrgästen, die den um 1 Uhr 20 gestern nadymittag vom Spittelmartt abgegangenen Bug der Linie 87 nach Röpen'd benutzt haben, nimmt Kriminalfommissar Werneburg im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Ein kriegerischer Studienrat. Die Agitation zu den Reichstagswahlen wirft anfeuernd auch auf jene Bädagogen, die nicht der Versuchung widerstehen können, in der Schule ihre politischen Weisheiten vor ihren Schülern aus| zuframen. Es mehren sich die Nachrichten, daß Lehrer bei der Schuljugend, im stillen oder öffentlich, für Anschauungen der rechtsstehenben Barteien werben. Auf den Bergeltungstrieg, den diefe Bar telen predigen, wurde bet einer Totenfeier hingewiesen, die von der Bantomer Oberrealschule zur Erinnerung an bie im Striege Gefallenen veranstaltet wurde. Der Leiter diefer Anstalt, Oberstudiendirektor Dr. Gonell, gehört einer der rechts stehenden Parteien an, und dasselbe gilt von dem Studienrat Dr. Lindemann, der bet der Totenfeier die Gedenfrede hielt. Die zeichnet durch eine Mahnung, die er an die Jugend richtete. Er Tendenz der Ausführungen von Dr. Lindemann wird gefenn rief: Wenn das deutsche Bolt die ihm von den Feinden bereitete Schmach nicht mit den 2affen des Geistes tilgen kann, so muß die deutsche Jugend fie mit den Waffen der Gewalt tilgen. Alfo: wenn der Geist nicht ausreicht, dann Rachetrieg und neue Blutopfer! Es fiel auf, daß bei der Rede des triegerischen Studienrats mehrere feiner Rollegen die Aufa verließen. Ein finniger Zufall wollte, daß draußen an einem der Fenster eine Taube erschien, die im Gegensatz zu der Rachemahnung des Redners wie ein Symbol des Friedens und der Bölterperföhnung. wirfte. Praktische Politik oder Phrafen? Gewertschaftshauses am Engelufer legte Genoffe Crifpien In einer Wählerversammlung im dichtgefüllten großen Gaal bes Die fortgefeht proftische Politik der Sozialdemokratie Har, die wahrhaft revolutionär zu nennen sei, weil sie in jeder Beziehung ständig an ber Hebung der Massen praktisch arbeite; außerdem fördere sie den Frieden und betämpfe den internationalen Kapitalismus. Goldene Berge verspreche fie auts Gewissenhaftigkeit nie, mürde aber ftets auf ihrem Bosten sein und ihre Pflicht bis zum äußersten tun. Demgegenüber ftellte er bie falsche Politit der Reaktion, jener Großfapitalisten und Agrarier, her religionsristen oder besser Bolschewisten. Diese erfahrungslosen Bhrasen. Befliffenen Diener der Monardie. Ebenso schlimm seien die Kommy helden, zur Klasse der politischen Biraten gehörig, die das Lumpen proletariat gegen den modernen Arbeiter ausspielen. Die sozial bemokratische Politik rechtfertigte Gencffe Crifpien an Hand der Ereignisse und erörterte ausführlich die großen Tagesfragen. Zu einem erregten Zwischenfall fam es während der Diskussion, als ein Kommunist behauptete, die SPD. hätte die Ermordung Liebknechts verschuldet Hatten seine dunklen Reden schon vorher Lüge den Erfolg, daß man den Berleumder vom Rednerpult holie den Unwillen der Versammlung hervorgerufen, so hotte diefe freche und an die frische Luft setzte. Genoffe Dr. Moses bezeichnete diesen Borfall als typisches Beispiel für die fyftematiche Hehe der Kommunisten und gab zugleich seiner Freude Ausdruck, daß die Versammlung gefchloffen für die Sozialdemokratie eingetreten fei. In emer Wählerversammlung in der Schulaulo Hohen. lohestraße sprach Robert Breuer. Er fonnte gute Nach Sie sich in erster Linie gegen die Deutschnationalen und in za eiter richten über die Stimmung im Lande bringen. Seine Ausführungen, genommen. Die gut verlaufene Bersammlung wurde mit einem be Linie gegen die Kommunisten richteten, wurden sehr beifällig aufgeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie geschloſſen. Es muß betont werden, daß eine solche Versammlung schon seit langem nicht im Stralauer Biertel stattgefunden hat. In den Florasälen in halen fee fand gestern abend eine Wählerversammlung statt, die außerordentlich gui besucht war, obgleich im selben Hause die Demokraten ebenfalls eine Versammlung abhielten. Der Referent, Genosse anda, wies in einer einstündigen Rede auf die Bedeutung des 7. Dezember und stellte mit eindruds. vollen Worten die Monarayie ber Republit gegenüber. Er betonte, wohin es führen würde, wenn der begonnene wirtschaftliche Auftau feit der Stabilität der Währung durch ein Dazwischentreten der Deutschnctionalen wieder zerstört würde. In der Diskussion Sprach bemofratie wandte. Ein Demotrat ließ dem Auslandsdeutschen eine als Erster ein Auslandsdeutscher, der sich gegen die SozialDemokratie wandte. Ein Demokrat ließ dem Auslandsdeutschen eine gehörige 20bfuhr zuteil werden und eine Bertreterin der Deutschen Liga für Menschenrechte, die gleichfalls den Ausführungen des AusJean Jaurès zitierte. In seinem Schlußwort führte Genosse Banda landsdeutschen lebhaft entgegentrat, betonte, daß der wahre Notionalismus durch den Internationalismus hindurchführe, indem sie den Borwurf, den man der deutschen Sozialdemokratie im Auslande zu den Darlegungen des Auslandsdeutschen etwa folgendes aus: Der mache, besteht wohl hauptsächlich darin, daß wir nach dem 9. November zu glimpflich und zu zaghaft mit den Rreisen der Rechtsparteien, für die fich der Borredner fo fehr ins Zeug legte, umgegangen sind. Der Bortrag des Genoffen Landa übte auf die überfüllte Versammlung begeisternde Wirkung aus. Die Gemäldeausstellung der Arbeitsgemeinschaft für Forftschutz und Naturkunde in Friedrichshagen, Hotel Bellevue, über die wir am Dienstag berichteten. ist bis zum Sonntag, den 30. b. Mts. geöffnet, und zwar durch Diudfehler enistellier Namen jet mitgeteilt, bab 11. a. p. is hel Wochentags von 2-6, Sonntags von 11-8 Uhr. Zur Berichtigung einiger ( nicht Michel) und Degebrodt( nicht Deijebrodt) dort ausgestellt haben. Die Unterrichtsturse für Arbeller veranstalten demnächst neue Surse für Nechnen und Deutsch. Anmeldeabende: Neukölln 27. November, Lichtenberg 28. November, Gipsftr. 1. Dezember, Charlottenburg 2. Dezember. bühr 2,00 m. Paris, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Sachver ständigen der deutschen Schwerindustrie, deren unbegründetes Aus bleiben am Dienstag eine neue Unterbredung der Handelsvertrags. verhandlungen zur Folge hatte, find am Mittwoch abend in Paris i marzweißrote Abzeichen und auch einige Hafenfreuze. Bei der Feier sah man an der Kleidung mancher Schüller eingetroffen, so daß die für Dienstag anberaumt gewesene Sigung Solche Abzeichen in der Schule zu tragen, ist den Schüler feit am Donnerstag nachmittag stattfinden kann. Man glaubt, daß zwei langem durch Anordnung des Ministeriums( unter haenisch, nicht Tage genügen werden, um auf dem Gebiete der Schwerindustrie zu unter Boeliz) verboten, und vor einiger Zeit ist ihnen das wieder einer Einigung zu gelangen, und daß man am Samstag mit den durch eine Berfügung eingeschärft worden. Mitglieder des ReichsBerhandlungen über die Maschinen- und Kleinzeugindustrie be. banners Schwarz- Rot- Gold richten sich danach und zeigen sich in der ginnen kann. In einer Aussprache, die am Mittwoch im fleinen Schule nicht mit ihren schwarzrotgoldenen Abzeichen. Auf die Streife zwischen den Sachverständigen der beiden Delegationen ftatt- schwarzweißrete Jugend aber machen folche Anordnungen einer gefunden hat, wurden die allgemeinen Linien der fünftigen 3oll- Ministers der preußifchen Republit wenig Eindrud. Muß den gefebgebung in beiben Ländern besprochen. Von franzöfifcher Seite Jungen nicht bei bem, was sie von manchem ihrer Lehrer fehen und Parteinachrichten hören, bas Selbstbewußtsein schmelien? Republitanische ist dabei versucht worden, bestimmte Zusicherungen über die Geitern, sorgt am 7. Dezember dafür, daß im Reich und staltung der fünftigen deutschen Tariffäße und über die Aufhebung im Staat ter urs nach lints gedreht wird! Dann wird der allgemeinen und örtlichen Ausfuhrverbote und Kontingentie- oud) in der Schule ben schwarzweißroten Lehrern das Handwerk rungen zu erhalten. dr gelegt werden. Stufenbungen für diese Nubrir fimb Berlin G. 68, Zinbenitzeße 3. für Groß- Berlin Rets an bas Bezirkssetzetariat, 2. Sof, 2 Tres. rechts, au richten. 7. Rreis Charlottenburg. Montag, 2. Dezember, pinttlich 1/8 Uhr, Funktionär tonjeren in der Schulaula des Schiller- Stealgyninafiums, Schillerstr. 25-27. beste sude bad told 249 Bewerkschaftsbewegung Die soziale Belastung der Wirtschaft. Bir entnehmen dem Reichsarbeitsblatt" folgende Erwiderung: Die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat Anlaß nommen, in der Bresse auf die Darstellung der sozialen Belastung r deutschen Wirtschaft, die in Nr. 24 des Reichsarbei.sbla tes" egeben worden war, zu erwidern. Danach sollen die Ziffern der Darstellung zu niedrig und unvollständig sein, meil die Angaben über die knappschaftliche Pensionsversicherung die Krankenfürsorge für Seeleute und die vom Reich aus Mitteln der Steuerzahler gegebenen Zuschüsse für die Invalidenversicherung nicht mit angegeben feien. In der Darstellung war in einem besonderen Absatz ausdrücklich hervorgehoben, daß die knappschaftliche Pensionsversicherung ausgeschaltet und Gegenstand einer besonderen Darstellung sein soll. Die Krantenfürsorge für die 20-30 000 deutschen Sceleute fostet im Jahre noch nicht eine Million Mart, fäll also für die foziale Gefam.last nicht ins Gewicht. 1. Reichszuschuß für die Invalidenversicherung, der nicht von der Wirt chaft als solcher getragen wird, sondern aus allgemeinen Reichs einnahmen, war in der Darstellung erwähnt, tann aber, da er in der steuerlichen Belastung der Wirtschaft bereits enthalten ist, in der besonderen sozialpolitischen Belastung der Wirtschaft nicht noch einmal mi gezählt werden. Wenn weiter bemängelt wird, daß früher von amtlicher Stelle die Soziallaft mit 1.35 flatt wie jezt in der Darstellung mit 1.29 Milliarden Mark beziffert worden sei, so erklärt sich das daraus, daß die ältere Ziffer auf einer zu Anfang des Haushal sjahres an geftellien Schäßung beruhe, während der jegt im achten Monat des Haushaltsjahres verfaßten Darstellung bereits rechnungsmäßige Ergebnisse zugrunde liegen. llebrigens find auch die in der Dars Stellung veröffentlid ten Lafben der Sozialversicherung nach den Grundfäßen möglichster Vorsicht e her zu hoch als zu niedrig angefcht worden. So errechnen z. B. in der Unfallversicherung die gewerblichen Berufsgenossenschaften eine Gesamtrenten aft Sonderzulagen von nur 61,2 Millionen Marf( gegen 107 Millioran Mart im Jahre 1913). Da die landwirtschaftliche Bersicherung nur cinen Bruchteil des Betrags der gewerblichen ausmacht, wird eine Laft von 100 Millionen, mie sie die Darstellung für die Unfallversicherung vorsichtshalber einrechnet, tatsächlich gar nicht er= reicht werden. ohne In der Erwerbslosenfürsorge tann man nicht wie dies die Bereinigung der Arbeitgeberverbände tut von dem Durch Ichnittsaufwand für den einzelnen Erwerbslosen in irgend einem Monat ausgehen und dann diesen Aufwand mit der Zahl der Erwerbslosen in irgendeinem adneren Monat multiplizieren. Dieses Verfahren ist schon deshalb abweig, weil der Durchschnittsaufwans Für den einzelnen Arbei slosen sich von Monat zu Monat ändert, je nach der Zusammensetzung der Erwerbslofen aus Jugendlichen Erwachsenen, Ledigen, Verheirateten mit und ohne Angehörige um. Man muß vielmehr von den tatsächlich aufgewendeten Gesamtsummen ausgehen. Im Reichsarbeitsblatt ist dabei der Aufwand im Monat September als Durchschnitt zugrunde gelegt, der mit 588 000 unterstüßten Erwerbslosen besonders ungünstig war und wefen fich über dem bisherigen Durchschnitt des Haushaltsjahres liegt. Die dem September vorangehenden Monate wiesen hierin irrt die Vereinigung Deutscher Arbeitgeber. verbände wesentlich niedrigere Erwerbslosenzahlen auf ebenso wie feit dem September die Zahl der unterftützten Erwerbslofen ganz erheblich nämlich auf 435 000 gefallen ist. Die Rechnung im Reichsarbeltsblatt war affo fehr vorsichtig und eher zu ungünstig, renn fie für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der Erwerbslofenfürsorge eine Belastung von höch ftens 220 Millionen Reichsmart erwarte'. Die in der Darstellung für die Soziallast ohne fnappschaftliche Bersicherung gegebene Gesamtziffer von 1510 Millionen Reichsmart besteht also zu Recht. Die von der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände genannten 2 Milliarden treffen nicht zu Wenn die Bereinigung schließlich noch den Versuch macht den Prozentsatz der fozia en Laft zum Volkseinkommen vor und nach dem Kriege einander gegenüber zu stellen, so fann ihr auch hierin nicht gefolgt werden, weil erstens genaue Ziffern über das gegenwärtige Bolfseinkommen nicht vorliegen, und weil es zwei'ens nicht angeht, die sozialen Laften mechanisch im Verhältnis des verringerten Boltseinfommens zu werten, so wenig wie dies bei Preisen, Löhnen und Unternehmergewinnen praktisch möglich ist. Arbeiterschus in Preußen. Die Arbeit des Breußischen Handelsministeriums golt in den letzten Jahren ganz besonders dem Ausbau der Gewerbeaufsicht. Die Gorge um die Gesunderhaltung auch der fommenden Arbeitergenerationem nötigte dazu, die Ausführung dller Echutbestimmungen für Arbeiterinnen und Jugendl che streng zu überwachen. Insbesondere wurde der Fürsorge für schwangere Arbeiterinnen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Eine aus den Kreisen der Gewerbepflegerinnen stammende Frau wurde als Regierungsrätin in das Handelsministerium berufen; Anordnungen mur den getroffen zur genaueren Beachtung des Verbots der Nachtund Sonntagsarbeit in Bädereien und zur Durchführung des Hausarbeitsgefeges. Die Arbeitsverhältnisse in Betrieben mit besonders gesundheitsgefährlichen Arbeiten wurden untersucht. Zwecks einheitlicher Handhabung der Ausnahmebestimmungen über den 2 cht stundentag wurden fämtliche von den Regierungspräsidenten und den Gewerbeaufsichtsbeamten auf diesem Gebiete erteilten Ausnahmeemilli. gungen im Ministerium einer Nach prüfung unterzogen. Als ein besonderer Erfolg für die Gewerbeaufsicht kann die Berufung von Arbeitern und Angestellten zu Hilfs. beamten der Gewerbeaufficht gebucht werden. Es hat sich bestätigt, daß ihre prattischen Erfahrungen aus dem Berufsleben die Arbeit der technisch vorgebildeten Beamten wirkungsvoll ergänzen. J Neben der auch für die Dampffeffelbetriebe zuständigen staat fichen. Gewerbeaufsicht sind in Breußen mit den besonderen sicher heitspolizeilich- technischen Ueberwachungen der Dampfkessel die von Dampfteffelb fizern gebildeten Dampfteffelüberwachungss vereine betraut. Den mehrfach gestellten Anträgen der bei Refsel= explosionen in erster Linie gefährdeten Heizer, ihnen eine Mitwirtung bei der Tampffeffelüberwachung zu gewähren, gab das Hand Isministerium trok heftigen Widerstandes der Dampfkessel befizer in maßvollen Grenzen statt. Es werden nunmehr in Uebereinstimmung mit dem Landtage Arbeitsausschülle für Dampfsesselüberwachung zurächst bei den arößeren Vereinen gebildet werden, in denen alle Beteiligten die für die Dampf. teffelüberwachung wichtigen Fragen gemeinfom beraten und fördern follen. Außerdem werden bei den Vereiner Betriebsfontrol leure aus dem Heizerstande annestellt werden, welche die leberwachungsingenieure unbersiühm und die Heizer beraten und unterweisen follen. Diese Gemeinschaftsarbeit wird bei allfeitigem guten Willen zur Beseitigung von Mißverständnis n und Reibungen zwischen den Kesselbesitzern und den Heizern beitragen und die Reffelüberwachung durch fachliche Arbeit fördern. Außerdem hat das Handelsministerium zur Festigung der Stellung der Uebermachungsingenieure genüber den Vereinen eine wesentliche Berbefferung ihrer Arstellungsbedingungen herbeigeführt. Eine besonders fegensreiche Tätigkeit im Intereffe der Gefahrenund Unfallverhütung im Bergbau übt das beim Preußischen Handelsministerium im März 1922 nebildete Grubenficher beitsamt aus dem eine Grubenficherheitsfommission als beratendes Crean zur Seite steht. Es hat das Sprengstoffwefen und die Schiekarbeit neu geregelt. Für die Förderung und die Seilfahrt hat es michtine Neuerungen angeordnet und zur Bermeidung der schrecklichen Schlagwettererplosionen ist im westfälischen Spinformbergbau die Einführung der elektr schen tra abaren Grubenlampe in Unariff genommen worden. Ein Wet homerb auf einen Schlaw theranniar ist ausgefdrieben und zur Bekämpfung des Kohlen aubes das Gefteirftaubverfchren eingeführt worden. Durch die Einführung von Grubenwehren und Grubenrettunosstellen wird das Rettungsmefen ausbut. und die Unfallo rhütung foll durch foezielle Ausbildung der Bernarbeiter und durch die ständige Heranziehung der Betriebsver. tretung zur Infalo rhütung vervoltommnet werden. Durch diese urd zahlreiche andere noch beabsichtigte Maßnahmen hofft das Grubensicherheitsamt die furchtbaren Gefahren des Bergarbeiterberufes soweit als irgend möglich zu verringern. Der Konflikt im Töpfergewerbe. Eine Töpferversammlung. die gestern abend in den ResidenzFestfälen togte, befaßte sich erneut mit dem Vermittlungsangebot der Unternehmer des einen Lohn von 1.15 M. und eine Affordberechnung von 105 Broz. vorsah; die Werkzeugenfchädigung sollte mit 2 Broz. des Tariflchres bemessen werden. Kemnih vom Baugewerksbund teilte mit, das der Schlichter die Verbindlichkeitserflärung inzwischen abgelehnt hatte. Nach' anger Aussprache fam die Bersammlung schließlich zu dem Ergebnis, an tariflich geregelten Löhren festzuhalten; mit dem Angebot der Unternehmer fonnten sich die Anwesenden nicht einverstanden erfiären, vielmehr wurde die Lohnkommission beauftragt, neue Verhandlungen bei den Unternehmern nachzusuchen. Lohnregelung in der Lederwarenindustrie. Für die in der Lederwarenindustrie beschäftigten Arbeitnehmer tst ein reues Lohnatkommen geschlossen worden. Ein Schiedspruch, der den Stundenlohn in der Spike von 65 P. auf 75 Bf. erhöhte, mar von den Arbeitern angenommen worden, während ihn die Unternehmer ablehnten. In nochmoligen Verhandlungen stimmten sch'ießlich die Arbeitgeber doch zu. Der Spruh gilt mit der Maßgabe, daß Arbeiter, die bereits über 75 Pf. Zohn haben, nur eine Erhöhung des Lohns und der Akkordsäge von 5 Broz. erhalten. Das Abkommen gilt vom 14. November bis zum Ablauf der ersten GEGA.1954 PAUL SCHENCK REICHENBERGER STR. 39 HOCHBAHN KOTTBUSER TOR 70.komplett m, 80 cm Seidenschirm f, elektrisch 70,- M. für Gas& 5.9.50 8.Aus unserer Reklame- Kollektion Größte Musterausstellung in Berlin. Garantiesch. f. gesetzi Golaini. Woche im Januar 1925. Eine Versammlung der Branchenange horigen nahm nach einem Bericht von Blume das Ergebnis an. Sie schwindeln aus Prinzip. Man schreibt unis: Dieser Losung folgt die„ Rote Fahne" in dem Bericht ihrer Berliner Kanal fationsarbeiter. Darin wird gesagt, Nr. 166 vom 26. November 1924 von der Branchenversammlung der daß in der Diskussion kein einziger Redner von der qui besuchten Bersammlung sich für die EBD eingesetzt hat. In Wirklichkeit haben eine ganze Reihe von SPD.- Genossen hren Standpunkt unter stärkster Zustimmung der Versammlung dargelegt. Alle Atwesenden haben dem Genossen Schulze vom ADGB. bei seinem Referat die Worte förmlich vom Munde abgesogen. Obwohl nur 15 Minuten Redezeit zum Schlußwort gegeben ft mmung der Versammlung, daß Schulze darüber hinaus seine Auswurden, verlangte ein Kollege, der Kommunist ist, unter Zus führungen zu Ende bringen fönne. Menz von der KPD.- Zentrale hat die Versammlung dadurch interessant gestaltet, daß er darauf hin wies, daß die Kommunisten, ob 300 Mann oder nur 2 Mann als Abgeordnete der KPD. im Reichstag als Vertreter der Arbeiterinteressen vorhanden sind, niemals positive Arbeit leisten wollen und werden. Eie sind nur im Reichstag, um das Parlament zu zerstören. Die Wahl selbst sei nur HeerSchau der KPD. Die städtischen Arbeiter werden bei dieser Heerschau am 7. Des gember als wähler der Sozialdemokratie zeigen, daß sie nichts mit Zerstörern gemein haben wollen. Schiedsspruch im oberbayerischen Bergbau. München, 26. November.( Eigener Drabibericht.) Die feit Wochen unter Mithilfe des Ministeriums für soziale Rütiorge peführten Vohnverhandlungen im oberbayerischen Koblenbeigbou endeten am Mittwoch mit einem Echiedsspruch des Lan ess ichlid ters, in dem der Epißenlohn für den Schichtarbeiter ron 3,75 M. auf 4.05 W. festgelegt worden ist. Das bedeutet eine Ers höhung des augenblicklichen Echichtlobnes um 8 Proz. Die Stellungnahme der Parteien zum Echiede spruch steht noch aus. Aus Mussolinien. Rom, 27. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Tagung der faschistischen Gewerkschaften ging am Mittwoch zu Ende. Man vers langte eine„ Syndikalisierung" des gesamten Scates im faschistischen Sinne, versteht darunter allerdings nur die Zusammenfassung der Beiräte der verschiedenen Wirtschaftsgruppen zu einem faschi. ftischen Großrat % Die den sozialistischen Gewertschaften angehörigen Arbeiter Mailands erklärten einen achtstündigen Protest streit gegen den Abschluß eines Uebereinkommens der Arbeitgeber mit den faschistischen Gewerkschaften. Die Arbeiter der Fabrit Bologna in Mailand wurden ausgesperrt, weil 250 Mann am Montag wegen Nichtauszahlung einer versprochenen Lohnerhöhung passiven Widerstand geleistet hatten. Die Rinoarbeiter, die bisher nur den foschistischen Gewerkschaften angehörten, gründeten eine eigene neue Organisation unter Anschluß an die sozialistischen Gewerkschaften. Jugendveranstaltungen. Jungsozialistengruppe Friedrichshain Seute um 18 Uhr im Jugendheim Tilfiter Str. 4 IV: Bortrag Der politische Wille der Jugend". Berantwortlich für Politit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Cofales und Sonstiges: Frik Karstäbt: Anzeigen: Th. Glode. sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S.. Berlin. Drud; Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindenftrake 3. Sensationell Preisliste sind meine konkur renzlos billigen Preise Trauringe trotz Prämienverteilung bis Ende Dezember, bestehend aus: gratis! Speise- a. Schlafzimmer, Küchen usw Die Gegenstände sind ausgestellt bei der Firma Fechner& Preidel. Neue Schönhauser Straße 2. Ferner 50 Barpreise à Mk 10-. Kein Preisaufschlag, Bedingungen unverbindlich im Laden 900 gest, Rne: 7 Gr. schwer M. 27.Ringe aufwärts Berlin N., Artillerie str. 30 H. Wiese, Juwelier Berlin W. 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