Nr. 565 41.Jahrgang Ausgabe A nr. 287 Bezugsvreis: öchentlich 70 Goldprennig, monatlich 8- Goldmart.poraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch and Danzig Gaar- und Memelgebiet Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5.50 Goldmar! pro Monat Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mu Sied. lung und Kleingarten fowie der Unterhaltungsbeilage..Seimwelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin' Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenvreise: Die et nipaltige Nonpareille. seile 0.70 Goldmart Reflamezetle L. Goldmart...Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 0.20 Gold. mart( auläffia awei fettgedruckte Borte) redes 0.10 Goldmart. erite Wort 0.10 weitere Bort weitere Bort Stellengesuche bas Goldmart tedes 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4.20. Anzeigen für die näch fte Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft Berlin EW 68 Linden.. ftrake 3 abaegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion. Donnoff 292-295 Bertag: Tönbon 2306 2507 Sonntag, den 30. November 1924. Der letzte Sonntag vor der Wahl. Die Woche des Entscheidungskampfes. Eine Woche trennt uns noch vom Wahltag. In sieben Tagen fällt die Entscheidung, eine der größten politischen Entscheidungen der neueren deutschen Geschichte. Mit fieberhafter Spannung sieht das ganze deutsche Volk, sehen die Völker des Auslands dieser Entscheidung entgegen. Wird das deutsche Bolt seine Freiheit hehaupten und den Staat, den es auf den Trümmern des alten in harter Arbeit sich selbst, geschaffen hat, erhalten? Wird es beweisen, daß es ein freies Bolt ist, das seine Freiheit als höchstes Gut ehrt? Oder wird es sich ausliefern an die Kräfte der Reaktion? Wird es sich beugen unter das Joch der großen Kon 3erne und wird es mit seiner politischen Freiheit seine wirtschaftliche und kulturelle Zukunft dahingeben? Heute beginnt die entscheidende Woche! Vom ersten bis zum letzten Tag muß sie erfüllt fein vom Kampf um die Freiheit und Zukunft des deutschen Bolkes. Vom ersten bis zum legten Tage des Wahlkampfes war und bleibt es flar, worum es geht: Bürgerblod oder Sozialdemokratie, Sieg der Reaktion, des Unrechts der Unfreiheit, der Untultur, oder Sieg der Ber nunft und des Rechts! Bürgerblod oder Sozialdemokratie! Gegen uns richtet sich der Ansturm und die Wut der Reaktion. Gegen uns schaffen die Großunternehmer ihren Kampffonds. Gegen uns schleudern die Agenten der Reaktion ihre Beschimpfungen und Verleumdungen. Graen, uns heult die Meute der großkapitalistischen Bresse. Kein Bort hat die Reaktion zum Rampfe gegen die Kommunisten gefunden. Sie sind nicht die Gegner, die sich der Reaktion ent gegenwerfen. Sie sind nicht die Schüßer der Freiheit und Kultur des deutschen Volkes. Sie sind die Bundesgenossen der Reaktion, geschont und geschützt von der großkapitalisti. schen Presse, von jenem fozialreaktionären Unternehmertum, das den schärfsten Kampf gegen die Sozialdemokratie führt. Unfähig, uns fachliche Argumente entgegenzuhalten, fämpfen Deutschnationale und Kommunisten gegen uns mit denselben Berleumdungen, denselben Wahlschwindel monövern der legten Stunde, deren Material sie aus einer gemeinsamen Kloake beziehen. Aber, je toller der Sturm der Reaktion gegen uns anbrandet, um so mehr wächst unsere Kraft. Um so deutlicher ertennt jeder Mann und jede Frau, daß wir die Schützer der Bernunft und des Rechts, des deutschen Volksstaates und der Freiheit sind. Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3. Boitschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Geiellichaft. Devontenfase Lindenstraße An die Jugend. Ein Ruf zur Besinnung und zum Kampf. Bon Otto Landsberg Der Gegensaz zwischen dem Obrigkeits- und dem Voltsstaat tritt in der Einstellung gegenüber dem Drange der Jugend nach politischer Betätigung besonders deutlich hervor. Das faiserliche Deutschland verbot den Jugendlichen unter 18 Jahren bei gerichtlicher Strafe die Mitgliedschaft in einem Berein und die Teilnahme an politischen Versammlungen. Das Ziel der Beherrschung der Massen wäre gefährdet er schienen, wenn man der Jugend nicht das beste Mittel, politisch denfen zu lernen, entzog. Im Gegensatz dazu hat die zur grenze für beide Gefchlechter auf das 20. Lebensjahr herabMacht gelangte Sozialdemokratie die Wahlrechtsgefetzt. Noch eine Woche Wahltampf: Heute schon fühlen die Deutschnationalen, die Borkämpfer der Reaktion, Bahl müdigkeit Heute schon, noch eine Woche von der Entſchaft zu leisten, die unerfüllbaren Zielen nachstreben oder doch scheidung entfernt, fürchten sie die Wah'müdigkeit ihrer Wähler. Laßt sie wahlmüde werden, mögen sie ihre Fahne finfen lassen! Wir haben keine Zeit, wahlmüde zu fein! Unsere Pflicht in dieser Woche heißt: Rampf, Kampf und abermals Kampf! Jeder Tag und jede Stunde dieser Woche ist wertvoll. Jede Minute, die nicht ausgefüllt ist vom Kampf gegen die Reaktion, vom Werben für die Sache der Sozialdemokratie ist versäumt. Jm harten Kampf wachsen die Kräfte ins Riefenhafte. Jegt sind wir in der Entscheidungsschlacht! Noch fieben Tage! Jetzt gilt es die äußerste Anstrengung aller Kräfte. Die Partei erwartet, daß jeder Sozialdemokrat, jede Sozialdemokratin ihre Pflicht tun. fieben Tage muß um diese Entscheidung mit dem Einsatz der Bürgerblod oder Sozialdemokratie! Noch fieben Tage muß um diese Entscheidung mit dem Einsatz der größten Energie gerungen werden! Auf zur Entscheidungsschlacht! Kampf der Reaktion! Auf für die Sache der Bernunft und des Rechts, für die Sozialdemokratie! Vertrauen nur zur deutschen Republik. aller blumenreichen Berschleierungsverfuche mit der deutih nationalen Schielpolitit zu Ende geht. Die Deutschnatio Erklärung des Präses des amerikanischen Außenausschusses nalen haben es nicht fertig gebracht, einheitlich zu den Wchien auf Genf, 29. November.( Eigener Drehtbericht.) Der Genser zumarschieren. Aber eine solche Schautelpolitit Korrespondent des„ Borwärts" hatte in diesen Tagen eine Unterredung ra cht sich immer. Die Deutfcnationalen haben als Partei des mit dem Chef der amerikanischen Delegation auf der Opium- on- halb fo- halb fo feit Wochen zu lavieren versucht. Es scheint, ferenz, Porter, der Vorfihender des Ausschusses für auswärtige daß fie vor den Wahlen nun doch noch auseinanderfallen. Das Angelegenheiten im Repräsentantenhaus ist. Porter fpielt im polisi wäre das verbiente Schidial einer Partei, die den fchen Leben Ameritas überhaupt eine bedeutende Rolle, so daß seinen Entschluß zu einer einheitlichen und ehrlichen Politit nicht zu finden Uus ührungen besonderer Wert beizumeffen ist. Er führte nor u. a. aus: Die Teilnahme Deutschlands an der Konferenz werde in den Vereinigten Staaten als Beweis dafür aufgefaßt, daß die deutsche Republik loyal an den großen internationalen Aufgaben mitarbeiten wolle. Ameri'a sei davon überzeugt, daß die Republit für Deutschland die einzig mögliche Staatsform fei, weil sie den Frieden in Europa und einen wirklichen wiederaufbau garantiere. Das amerikanische Bolt verfolge mit Achtung und Sympathie diese Arbeit der Republik und werde ihr g: rn jede mögliche Unterffühung gewähren. Das Vertrauen zu der Stabilisierung der Verhältnisse in Deutschland beweise wohl am besten der Erfolg der Anleihe. Jede andere Staatsform als die Republit bedeute für das amerikanische Urteil Anarchie oder neuen krieg und werde natürlich niemals auf irgendeine Anerkennung, gefchweige denn Hilfe Ameritas rechnen können. Oskar, nicht schaukeln! Brüderlicher Rat vom hohen Schaukelpferd. n Das„ donnernde Nein und das fräftige Ja" der Deutsch nationalen hat es der Deutschen Volkspartei" angetan. Hier ist doch noch etwas zu lernen! Andrerseits ist das wieder eine schöne Gelegenheit, etwas neben den Burgfrieden zu gehen und den schwarzweißroten Sündern von der anderen Fakultät eins auszuwischen. Mit erhobener Fingern mahnt deshalb die Zeit" die Deutschnationalen, nicht zu schielen und nicht zu schaufeln: " Diefe Wirklichkeit ist eben die, daß die schwarzweißroben Brüder nicht dasselbe wollen, sondern sich gegensethe in den Hraren liegen, weil der eine linte, der ander techts will. Wir wollen nur feststellen, daß es offenbar doch trog Dermag. 4 Ustar und Gustav saßen auf dem Schaukelpferd und schaufelten um die Wette. Da sprach Gustav zu Ostar: Dstar, nicht schauteln, das bekommt Dir nicht gut!" Da machte das Gustavsche Pferd einen großen Schwung, und Oskar freute sich: Gustav schautelt!" Harmloses Ber gnügen großer Männer"! Wallraf windet sich. Halb und Halb für die Reichsfarben. Köln, 29. November.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsch nationole Reichstegspräfident Wallraf sprach am Freitag abend ir einer Wchtversammlung der Kölner Deutschnationalen Bolts partei über„ Schwarz- Weiß- Rot" oder„ Schwarz- Rot- Gelb". Troß. bem Genoffe Solimann- Rön in civem offenen Brief Herrn Wallraf erfuch: hatte, sich doch zu äußern, wie er sich zu diesem, die Reichs farben verung impfenden Thema stelle, fand es Herr Wallraf nicht für notwendig, in seinem Referat auf diese Dinge einzugehen. Erst als ein Sozialdemokrat die Verhandlungsleitung nach dem Referat ersuchte, auf den offenen Brief Sollmanns, der in der Kölner Deffent lichtet: allgemeines Aufsehen erregt hatte, Wallraf zu einer Aeußerung zu veranlassen, bequemte fich der Herr Reichstagspräsident dazu, von feinen deutschnationalen Freunden in deutlicher Form abzurüden, indem er erflärte, er erfenne Schwarz- Rot Gold als die Farben bes gegenwärtigen Deutschlands on, obwohl er diese Anerkennung nicht mit einer Wertschätzung verbunden wolle". Walltaf scheint doch noch eine schwach Hoffnung auf Wiederwahl zum Präsidenten zu hegen, daher anerkennt" er die Reichsfarben, aber nur halb und halb, denn als Deutfcnationaler verfogt er ihnen gleich darauf die Ehre. | Nicht das Parteiinteresse hat sie bestimmt, der Jugend die politische Betätigung zu ermöglichen. Sie hat gewußt, daß der den Jugendlichen in hohem Maße eigene Drang zu Uebertreibung und Einseitigkeit sie leicht verführt, Parteien Gefolg einem Schlage eine Welt des Glüdes zu erobern, und denen nachzustreben vorgeben, die sich die Fähigkeit zuschreiben, mit die mühsame, aber doch so nützliche politische Arbeit des Tages verächtlich erscheint. Benn die Sozialdemokratie der Jugend die Wahllofale geöffnet hat, so war für sie bestimmend die Anschauung, daß es Pflicht und höchste Tugend des Bürgers ist, auf die Geschicke seines Landes einzuwirken, und die Ueberzeugung, daß im Interesse Deutschlands diese Pflicht fchon der Jugend zum Bewußtsein gebracht werden muß. Daß ein nicht unerheblicher Teil der Jugend von dem Rechte zu wählen einen uns unerwünschten Gebrauch macht, kann die Sozialdemokratie um so weniger beunruhigen, als fie genau meiß, daß die Einsichtigen unter den jungen Leuten, die heute dem Safenfreuz oder dem Sowjetstern folgen, sehr bald von ihren politischen Irra tümern genesen werden. Die anderen überläßt sie ihren Gegnern. Die rechts eingestellte Jugend macht die Sozialdemo fratie verantwortlich für den tiefen Fall unseres Landes, der in Wirklichkeit der wahnwizigen Politik des alten Regimes zuzuschreiben ist. Diese jungen Menschen erfennen nicht, daß Deutschland infolge des Rusammenbruchs auf dem Schlachtfelde in Stücke zerfallen wäre, wenn nicht die Sozialdemokratie das Ganze zusammengehalten hätte. Sie erwarten das Heil von der Wiederherstellung des deutschen Kaisertums und von der raffischen Veredelung des deutschen Boltes. Daß schwärmerische Jünglinge in Berehrung den Blick auf eine gewaltige Führergestalt richten, an deren Beruf zur Pfadfindung sie glauben, ist zu begreifen. Welcher unter den deutschen Fürsten, die der Novembersturm von 1918 hinweggefegt hat, befißt aber ein Format, das gestattet, in ihm den Messias zu erbliden? Am allerwenigsten hat der Mann Führereigenschaften, den die Niederwerfung seines Bolles und der Verlust seines Thrones nicht zu einer heroischen Geſte veranlaffen fonnte und der von den unter schwerer Not leidenden Massen des preußischen Boltes eine ungeheure Abfindung zu erlangen bemüht ist. Die Sozialdemokratie ruft dem deutschen Bolt und besonders der deutschen Jugend zu:„ Erwartet das Heil nicht von anderen, erwartet es nur von euch selbst. Bauet selbst auf, was durch die Schuld eurer gestürzetn Machthaber zusammengebrochen ist. Es ist eines freien Mannes unwürdig, des Glüdes auf anderem Wege als durch die eigene Tat feilhaftig werden zu wollen." Die wertvollen Elemente der Jugend, die heute den deutschnationalen und völkischen Predigern der Rassenheze folgen, werden auch in ihrem für die deutsche Nation beleidi genden Irrtum nicht verharren, daß eine verschwindende Minderheit, die sogenannte jüdische Rasse, das deutsche 60- Millionenvolt forrumpiert hat oder doch zu verderben droht. Alle die Fehler, die den Juden von jener Seite vorgeworfen werden, Feigheit, Habsucht, Unbescheidenheit, Sinnlichkeit, Ausbeutungssucht, find bei überzeugten Deutschnationafen und Völkischen ebenso häufig zu finden, wie sie bei Juden fehlen. Dem Juden Ludwig Frant, der für Deutschland fein Leben geopfert hat, vermögen die konservativen Fraktionen des Kriegsreichstages nicht ein einziges ihrer Mitglieder zur Seite zu stellen, das Deutschland zu Liebe in den od gegangen wäre. Menschen von vornehmer Gesinnung lehnen das Häßliche ab und lieben das Schöne und Gute; fie verabscheuen die Borstellung, daß Tugend und Laster durch Raffe oder Glaubensbekenntnis bedingt find. Die edelgesinnte Jugend wird die Krankheit des Rassenhaffes sehr bald überwinden, soweit sie ihr verfallen ist, und wird den falschen Gößen, die durch ihr Hepp Hepp" den Blick von ihren Sünden ablenten wollen, den Rüden fehren. 3ft doch auch " Jeder in seiner Abteilung! Heute alle Mann zur„ Flugblattverbreitung!" aus manchem Stöder- Berehrer der 80er und 90er Jahre ein guter Sozialdemokrat geworden. Wir vermögen auch nicht zu glauben, daß derjenige Teil der Jugend, der heute im kommunistischen Lager steht, sich dauernd an den Idealen des Bolschewismus berauschen wird. Der Sieg des Kommunismus hat in demselben Maße wie die Herrschaft von Junkern oder Kapitalisten die bewußte Unterdrückung aller Andersdenkender zur notwendigen Folge. Alle diese Feinde der Sozialdemokratie fürchten Den Kampf der Geister, für den sie sich nicht gewappnet fühlen, und ziehen es vor, den Gegner unschädlich zu machen, ftatt fich mit ihm zu messen. Für die begeisterungsfähige Jugend ist aber der Kampf Lebenselement und deshalb wird fie jedes System, das auf seine Ausschaltung hinausläuft, verwerfen. Die Sozialdemokratie ist davon durchbrungen, daß, wie die flaren Gebirgsflüsse aus den Tiefen der Erde hervorschießen, alles Große im Leben der Völker aus den unteren Schichten des Boltes tommt. Sie dient der Gesamtheit, indem fie jeden einzelnen gegen Not, Ausbeutung und Krankheit schützt und die förverlichen Kräfte zu vermehren trachtet. Sie will jede im einzelnen wie im Bolte schlummernde Begabung entfalten, sie will die durch lange dauernde Unterdrückung ent standenen Laster ausrotten, sie will den Massen den Weg zu den Schäßen der Kultur weifen, damit sie nicht fänger ein Monopol der befizenden Klasse bleiben. Sie ringt um die Seele jedes Menschen, sie will sie mit einem stolzen Staatsbewußtsein erfüllen, mit der Ueberzeugung, daß jedes Einzeldasein mit dem im demokratischen Staat organisierten Wolf unlöslich verbunden ist. Den deutschen Partifularismus, der ihr auf diesem Wege entgegentritt, will sie vernichten durch Die Schaffung des deutschen Einheitsstaates, dessen Bürger ohne Unterschied des Stammes alle Deutschen werden sollen, Die in ihm leben wollen. So will sie die Schmach der separatistischen Bestrebungen rächen, die eine Frucht des Partikularismus find. Die Sozialdemokratie bekämpft den Haß unter den Nationen wie in der Nation. Sie will zusammenfassen, nicht zerreißen. Bei aller Hingebung an die Gedantenwelt der Demokratie betrachtet die Sozialdemokratie die Schaffung und Feftigung demokratischer Staatsgrundlagen nicht als ihr legtes Ziel. Ueber die Demokratie hinaus und durch die Demokratie strebt fie dem Sozialismus zu: denen, die sich damit begnügen wollen, die politische Gleichberechtigung zu verwirklichen, hält sie das beißende Wort von Anatole France entgegen, das die Notwendigkeit der Ergänzung der Demokratie durch den So zialismus schlagend erweist: Das Gesetz in feiner majeftätischen Cleichheit verbietet den Reichen wie den Armen, zu Die Reichs. und Landeslisten der Deutfch. nationalen sind, man muß das offen zugeben, etwas spät veröffenlicht worden. Leider haben sie die Befürchtung, die der erweiterte Vorstand der Deutschkonservativen Parici ausgesprochen hatte, bestätigt. Denn in der Tat wird der ton fervativen Richtung nur wenig Rechnung ge tragen, was um so bedauerlicher ist, als die Bewegung in den nationalen Kreifen für jeden aufmerksamen Beobachter fraglos eine start tonservative Tendenz aufweist, die sich neben den grundfäß lichen Fragen der Weltanschauung vor allem in dem Wunsche nach einer gradlinigen, zielbewußten, vom Opportunismus freien Politit offenbart. Freilich kann dieser hie und da hervortretende Mangel bei der Kandidatenaufstellung feinen Nationalgefonnenen in die gefährliche Partei der Nichtwähler treiben, wenn es, wie es am 7. Dezember der Fall ist, fich barum handelt, in erster Linie die Cozialdemokratie und ihre Schleppenträger zu schlagen. Wir be dauern daher den Aufruf des Herrn Maurenbrecher im„ Deutschen Tageblatt", wo er auf Grund der Zusammensetzung der Reichsliste sich von den Deutsdynationalen ganz abfehrt und zur Stimmabgabe für die Nationalsozialisten auffordert. Auf diese Weise fann nur die Zersplitterung gefördert werden, obwohl wir zugeben müssen, daß das Aussehen der Reichsliste folche Bestrebungen ermöglichen fonnte." Es hat alle Deutschnationale verdrossen, daß sie im Boltsmunde nur noch die Partei„ Mampe halb und halb" heißen. Jezt haben sie endlich das rechte Mittel gefunden, um sich davon zu befreien; fie zertlopfen sich in so viele Splitter, das von halb und halb teine Rede mehr sein kann. Aber vielleicht wird doch mancher Deutschnationale fagen: wozu haben wir eigentlich unseren Windler? Deutsch nationale Musterkollektion. Wohin man blickt, Lügen. Die Rommunist en bestreiten Ihr Agitationsmaterial aus einem unerschöpflichen Born von Lügen. Die Schwarzweiß roten haben auch in dieser Hinsicht mit den Kommunisten eine roten haben auch in dieser Hinsicht mit den Kommunisten eine Arbeitsgemeinschaft. Es verlohnt sich nicht, auf alles Lügengerede einzugehen, mitunter ist es aber ganz nüglich, zu zeigen, was alles bei diesen Balentpatrioten mit den strengchriftlichen Grundfäßen an einem Tage zusammengelogen wird. Hier ist eine kleine Mustertollektion, die bei weitem nicht vollständig ist: Das„ Deutsche Tageblatt" bringt in feiner geftrigen nummer eine phantastische Erzählung des Inhalts, daß der Reichs. präsident im Hause des wegen Spritsteuerunterschlagung verhafteten Spritfabrikanten Beber verkehre und mit diesem Beber befreundet jei. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist an der ganzen Geschichte fein wahres Wort. Der Reichs Die schwarzweißrote Provingpreffe parablert mit der Nachricht, der Minister des Innern habe infolge der Berjaftung des Chefs der Fremdenpolizei die generelle Nachprüfung der Aufenthaltserlaubnisse der Ausländer im preußischen Staatsgebiet angeordnet. Um die Nachricht schmackhafter zu machen, wir die hetzerische Bemerkung hinzugefügt, daß in Berlin allein die Anzahl der zugelassenen Sowjetruffen vom 1. Oftober 1923 bis 1. November 1924 von 820 auf 8300( 1) gestiegen fei. Auch das ist von A bis 3 erlogen. Weder sind aus diesem Grunde Nachprüfungen vom Stapel gelassen worden, noch entspricht die angegebene Zahl der zugelaffenen Sowjetruffen auch nur annähernd den Tatsachen, fie beläuft sich auf höchstens einige Hundert. Weiter geht durch die Rechtspresse die Nachricht, die Schutzpolizei leiste dem Reichsbanner Wahlterrorunterstügung. Anlaß? Im Berlauf einer Bersammlung der Boltspartei in Berlin waren die Personalien eines deutsch nationalen Diskussionsredners durch herbeigeholte Schutzpolizeibeamte festgestellt worden, weil einige Versammlungsteilnehmer in den Ausführungen des Redners eine Beleidigung der republika nischen Farben ertlidten. Wenn Schutzpolizeibeamte alfo ihren Dienstvorschriften genügen, so ist das in deutschnationalen Augen Wahlterror. Helfe, was helfen tonn! Es hieße den schwarzweißroten Brüdern zuviel Ehre antun, wenn man sich über ihre fauftdicken Lügen aufregen wollte Sie tragen ihre Fehden unter sich mit denselben Waffen aus. Sie können gar nicht anders und so mag man ihnen denn ihr Gewerbe laffen. Am 7. Dezember aber wird man ihnen die richtige Antwort geben: Fort mit den schwarzweißroten Geiferern, freie Bahn ber Republik! Eine Kreiszeitung verboten. Königsberg, 29. Nov.( WTB.) Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen hat gemäß§ 8 8iff. 2 und 21 des Gesetzes zum Echuze der Republik die Zeitungen Breußisch Ehlauer reiszeitung" in Preußisch- Eylau und Weblauer Tageblatt" in Weblau für die Zeit vom 29. 11. bis 8. 12. berboten, und zwar auf Grund von Artifeln, welche Beschimpfungen der Reichsfarben enthielten. " Jarres geht. „ Sobald das neue Reichskabinett gebildet ist." Der Oberstkommandierende der belgischen Befagungsarmee bat dem Reichsminister Dr. Jarres nunmehr amtlich mitgeteilt, daß er die Amtsgeschäfte als Oberbürgermeister von Duisburg von dem Augenblick an wieder übernehmen lönne, in dem tannt, feit Monaten entfchloffen ist, in fein altes Amt zurüidzu er sein Amt als Reichsminister aufgabe. Da Dr. Jarres, wie besobald das neue Reichstabinett gebildet ist. betteln, Brot zu stehlen und unter den Brückenbögen zu präsident fennt einen Spritfabrikanten Weber überhaupt nicht, lebren wird er seine Tätigkeit in Duisburg wieder aufnehmen, nächtigen widlung aller feiner Fähigkeiten gelangte Bolt soll und wird nach dem Willen und der lleberzeugung der Sozialdemokratie der Klassenherrschaft ein Ende machen und eine Gefell fchaft ohne Ausbeutung, ohne Elend, ohne inwissenheit errichten, deren Bild jeder Sozialist im Herzen trägt Ihr jungen Leute, die Ihr mich hört, gesteht, daß die Sozialdemokratie 3icle aufstellt, für die es sich lohnt zu fämpfen und zu leben. Kommt zu uns, stellt Euch in unsere Reihen, damit Ihr einst sagen fönnt, daß Ihr bei der Befreiung der Menschheit mitgewirkt habt! ય Die Flucht vor Halb und Halb. Die Deutschnationalen werden schon vor der Schlacht ge schlagen. Eben erst hat ihnen Herr Maurenbrecher ben Dolch in den Rüden gestoßen, da nährt schon wieder die Kreuzzeitung", das Organ der Deutschkonservativen, den Geift des Mißbehagens, der Parteiverdroffenheit und der Spaltung. Sie ist zwar nicht für Maurenbrecher, sie ist aber auch nicht für die deutschnationale Parteileitung: Delikatessen. Bon Maria Opielta. In der schmalen Straße, die wie eine Brüde breite Paradeftraßen mit dem Kreuzungspunkt sämtlicher Verkehrsmittel der Großstadt ver bindet, die Paläste der Ruhenden, Genießenden, mit dem Triebrad der raftlos Schaffenden da wo täglich Taufende vorübergehen, haften, lustwandeln, da liegt es, das Schaufenster der Delikatessen. Es ist fein gewöhnliches Schaufenster. O nein, es ist etwas ganz Besonderes, geschaffen von der Kunst des Deforateurs, die in gleicher Höhe steht mit der eines Theaterregiffeurs. Der Straßenpaffant steht vor der Spiegelscheibe still und sicht: Inermeßliche Schäße quellen aus dem Erdreich empor, häufen fich, drängen nach allen Seiten, als möchten sie die Spiegelscheiben auseinanderfprengen. Born, tief, faft zu Füßen des Beschauers, lehnen aufrecht die milchweißen fetten Gänse, die zarten Enten, Mastputen und Brüsseler Boularden. Wie die Bedientenschar vor der Anrichte eines Schlemmers stehen sie bereit aufzutragen. Aber sie wollen nicht. Sie halten ihre Watschelhände und Köpfe hinter dem Rüden verfbeckt, als ob fie sich ihrer Nadtheit schämten. Und hinter ihnen, aus einem Chaos von Büchsen, Gläsern, Flaschen, Körbchen und Kiftchen heraus, halben unsichtbare Hände mächtige Schüsseln, Platten und Körbe mit faftigen Braten, belitaten Beckerbissen und köstlichen Früchten in die Höhe. Wenn das Auge des Schauenden sich fatt an Gebratenem, Gefottenem, Geräuchertem und Gefülztem gefehen hat, fann es gebührend die Kunstfertigkeit bewundern, mit der gefchickte Hände appetitliche, zierliche Rosen girlanden, Körbchen und aparte Kristallmofaits aus Hummermajo. näfe und italienischem Salat auf den feisten Rüden des Rheinlachfes garnierten. Und dann tann der alfa Gelabte ouch das Dessert ausgiebig mit den Bliden toften. Tafeläpfel und Pfirsiche, auserlesene Weintrauben, eingelegtes Obst, Ananas und fandierte Früchte. Rann in Bedanten( pedigen Harzer und echten Camembert auf Butterbrot Streichen und zuletzt den Inhalt der Flaschen, die hoch oben im Hinter grond wie Schildwachen den föftlichen Schatz bewachen, ob ihrer Auf schrift nach dem Preis abschäzen Und alltäglich strömen Tausende vorbei. Sie tommen eilends, bleiben stehen, schauen und-haften weiter. Sie haben feine Zeit und bleiben doch stehen. Bom frühen Morgen an zieht der Schwarm der Schaffenden vorbei. Die, welche zur Arbeit gehen, und von ihr tommen. Die, welche ihre raftlos arbeitende Maschine, im Kopf überall mit fich herumtragen. Auf der Straße, in der Bahn, ja felbft in die Räume des Amusements. Erst mittags, wenn die Sonne mild wärmend die Baradestraße fiberflutet, über die Brüde spärliche Strahlen fenbet, schreiten auch andere vorüber. Gemächlich, in vornehmer Ruhe wandeln sie dahin. Die Herren sind seltener. Sie sind nicht ganz so gierig darauf, ihre neuesten Ulfter, die Einfasstiefel und den hellen Belour spazieren zu geschweige denn, daß er jemals in seinem Haus verkehrt hat. Die Deutsche Tageszeitung" bemüht sich, den Innenminister Severing für den Fall Bartels verantwortlich zu machen, indem sie schreibt: Wahlparole Fichtmann. Die„ Rote Fahne" hat berichtet, daß ein armer Arbeitsloser in einer fozialdemokratischen Bersammlung im Gewerkschaftshaus von Reichsbannerleuten fürchterlich verhauen worden sei. Wir hatten die Sache bereits richtig gestellt: 1. handelte es sich um den bei den Rommunisten beffer als bei uns befannten Herrn Fichtmann, 2. hat er gar feine Brügel bekommen. Was aber die Kommunisten den Sozialdemokraten anhängen wollten, das ist ihnen selbst passiert. Am Freitag hielten fie in der Rönigsbant" eine Bersammlung ab, in der wiederum Fichtmann erschienen war. Sein Versuch, zu seinen tommunistischen Freunden zu reden, murde verhindert. Fichtmonn er. Der Fall Bartels ift eigentlich ein Fall Severing, weil der preußische Herr Minister des Innern höchst felbft diefen früheren Bergaffeffor und feineswegs ,, alten Berwaltungsbeamten" auf den verantwortungsvollen Besten des Leiters der Fremdenpolizei gesetzt und ihm aus seinem persönlichen Ber trauen heraus zeitweise sogar die Leitung der politischen Ab. teilung des Berliner Polizeipräsidiums anvertraut hat. Stimmt nicht Regierungsrat Bartels war bereits unter dem alten Regime zunächst in der preußischen Berg. perwaltung, dann im Ronfulardienst des Reiches an der. antwortlicher Stelle verwendet worden, wurde dann unter dem neuen Regime beim Staatskommissariat für öffentliche Sicherhielt erft jämmerlich Prügel, dann wurde er an heit beschäftigt und schließlich nach dessen Auflösung vom inzwischen verstorbenen Staatssekretär Freund wegen feiner vielseitigen Auslands. und Sprachkenntnisse mit der Leitung des Fremdenamtes beauftragt. Genoile Severing it niemals in person. Liche Berührung mit Herrn Bartels getreten und hat auch auf diese rein verwaltungsmäßige Stellenbelegung keinerlei Einfluß genommen. Aber natürlich: Severing ist schuld! tragen, wie die Damen ihre breiten Belze, engen Röde und neuesten Winterhüte. Und sie schreiten und trippeln und lassen ihre Blicke forglos heiter die Straße hinauf- und hinabwandern. Nach dem Fenster schauen sie nicht. Bozu auch? Wenn sie sich des Mittags gelabt und gesättigt von ihrer Tafel erheben, wiffen sie ganz genau, wie Gans und Bute, wie Hummer und Lachs, wie Ananas und tandierte Früchte schmeden, nicht nur wie sie aussehen. Und dann, wenn die Sonne sich hinter den fpigen Türmen der Kirche vertrochen, als nähme sie dort Zuflucht vor all dem eitlen Tand, den sie schauen mußte und die Lichterflut über den Delikatessen auffiammt, dann schiebt sich eine Menschenfette an dem Schaufenster entlang. Nur minuteníang liegt die Helle auf abge. schabter fadenfcheiniger Männerkleidung, auf verblaßten, schlechtgefärblen Rostümen. Eine Reihe trauriger Augen spähen aus blaffen, müden Gefichtern nach den Herrlichkeiten, wenden sich ab und die Rette schiebt sich weiter. Verschämte Arme, die zu stolz find, um zu betteln, und zu feig, um zu fämpfen. Manchmal bleibt ein Glied der Ketten stehen. In Haltung, in Bewegung die prozige Gelassenheit des Besitzenden. Wie einge. meißelt in den feisten Zügen: und wenn Tausende auch Hungers fterben, ich werde noch immer fatt. Wie der fleischgewordene Geldfad steht er breit und maffig ba, und läßt die Rette hinter seinem Rüden weiter wandern. Und später dann, da schwere Eisengitter vor die Schlemmertafel rollen, da die Straße leerer wird vom Schwarm der Arbeitsbienen, Auto um Auto über die Brüde raft, die Zeitungsverfäufer ihre Nachtausgabe in den Hupenlärm brüllen und märchenhafte Lichtreflege an den Häuserfronten der Baradestraßen aufflammen bann wandern noch andere die Brücke entlang. Sie haben die Hände fröfteind in die Taschen versenkt. Sie haben am Tage Beit und fchleichen doch erft, abends durch die Straßen. Es find die Arbeitsfofen, denen man ftatt Arbeit Brofamen gibt. Nicht, daß fie fatt werden davon, nein, damit sie nicht sagen fönnen, man gäbe ihnen nichts. Und sie gehen am Bordstein entlang und schauen nicht nach rechts und links. Sie schauen auch nicht nach den Delikatessen. Nur manchmal flirrt ein Blick unter der Stien hinüber, wie ein Funke aus der Afche ftiebt und im Fallen verlöscht. Und im Weiterschreiten bewegen sidy die Lippen, formen Laute, die teine Worte find. Wie das Gludfen des Waffers flingt es, das der einfame Wanderer hört, der nächtlich über eine Brüde schreitet und nach den dunklen Futen späht. Törichtes, zmedlofes Spiel düntt es das Schlagen der leichten Wellen gegen das schwere Fundament der Brückenpfeiler. Torichtes, awedlefes Spiel und höhlt doch den härtesten Stein im Laufe So wogt und flutet es täglich vorüber an dem Schaufenster der Delikatessen. So eilen, haften und lustwandeln die Menschen vorüber, fo fprüht's und leuchtet es von morgens bis abends das Feuer werf der begehrlichen, gleichgültigen, der traurigen und der im Haß lodernden Blide. der Beiten. die Luft befördert. Mit der Wahlparole Fichtmann ist es also nichts. Man erinnert sich dabei eines bekannten Bortes: Ber anderen eine Grube gräbt... Trotti hat nach dem Amt des Kriegsministers auch feine anderen höheren Aemter niederlegen müssen. Gr bemüht sich jegt um einen biplomatischen Boften im Ausland. Puccini. Der italienische Romponist Giacomo Puccini, ber feit Tängerer Zeit an einem Seraleiben erfrandt war, ift gestern nach mittag 12% Uhr in Brüffel gestorben. Der Tob, der in all feinen. Ahnungen, Schrecniffen, Unerlöft heiten, ein Hauptteil seiner veristischen Werke war, hat nun Buccini abgerufen. Die Leier, die eben gerade anfing, Ser luftigen Weltlaune den Tanz zu schlagen, die den intimen Reiz bürgerlichen Milieus einfing, ist in dem letzten Meister erregender und feffelnder Bühnenmufit aus der Hand geschlagen. " Buccini ist mehr als ein Operntomponist mit Serienerfolgen, mehr als ein Mufiter, der den Beifall und die Begeisterung der halben Welt für seine Mufit erleben durfte. Er ist der Ahne alles deffen, was als naturalistisches Drama heute und morgen in Opernbäufern erlebt und erledigt wird, ist Italiens ureigener Sproß nm Fühlen und Herzvibrieren, ist als fünft erische Botenz der einzige nach Berbi. 1891 fiegte noch die„ Cavalleria" und auch der Taumet an den glitzernden Richtigkeiten der Bojazzi" war noch nicht aus 1896 geftorben, als die Boheme" Buccinis Namen der Welt bekannt machte. Schon seine„ Manon" fchlug in ihrer eleganten und graziöfen, leicht wagnerisierenden Singfreude die literarisch hübscher gestaltete Manon" Massenets. Aber erst Mimi richtet den Throt für den neuen Mann gegen eine Welt von liebendem Borurteil zugunsten des schmalzenden Mascagni, des Zufallbegabten Leoncavallo. Die Boheme" blieb das Meisterwert des Mufifers, der fein Genie war, aber mit neuen Orchestereffekten, mit Quer ständen, Quintenfolgen und Gertengängen eine fo einpräglam italienisch durchglühte, franzöfifch fanft bemäntelte Melodie schuf, die berufen sein sollte, Schule zu machen Er hatte Ge ft im schnelle Zeichnen eines Milieus, Einfälle für die Luft und Luft des Café. lebens, zartes Fühlen für die Weihe und Weichheit der Liebe, auch genug Sentimentalität, um fie an Frauenleid, en rührendes Serben zu verschwenden. Wer das aufschwebende Motiv der Mimi, den Balzer der Lufette, das Lied Colins an den Rod schrieb, wer die Rhythmit und die traurige Ausgelaffenheit dieses erften Aftes in Reten bannte, der war ein ganzer Keri, trok aller äußeren Effekte, gegen alle bramatischen Schwächen des Stüdes. Tosta" murde 1900 die brünftige inlettung von einem im Hauch der Stimmung schönsten Wert zu raffiniert aufgeblafenem Rinostud. Qual, Mord, fehlt die Wahrheit einer einzigen Tosta- Ezene. Aber sie hat Rollen, Folter, Lügen, Gemeinheit felbft unserem fürchterlichen Beben und die halten das fürchterliche Wert Jahrzehnte. Wie Buccini Singparteien zu schreiben versteht über einen ganzen Abend hin, felbst bei wenig ergiebigem Motivmaterial, bas zeigte polle ids die Butterfly" Par itur. Aus der Stimme, aus dem Melos einer egetisch veranferten Musifatmosphäre, aus dem Sauber einer, menn auch immer unmöglichen Situation heraus, lebt, geftaltet, bailt Buccini gefungene, in den Instrumente und im weichen Sehn'uchtston der geliebt- verstoße ten Frau auffeufzende, tlingende, finnlich schöne Pointen. Künstlerische Unterhal ung graziöfefter Art, an mutigfte Beherung der Sinne, Umschwärmung des Dhrs mit föſtlchfter Santilene. Da habt ihr den ganzen Buccini, den modernen Gesellschaftsmenschen, den geistreichen Gillisten des Orchesters, den an Drama und Lnrit Borbeimusiz erenden, neuartig fingenden und jubilierenden Uritaliener. Ein ganzer Kert. Mit der fiebernden Um Nathufius. Neue Blamage der Blamierten. Wir veröffentlichten in unserer geftrigen Abendausgabe die Nachricht unseres Kaffeler Parteiorgans, daß sich General Mathusius, um Mißverständnissen vorzubeugen, entschlossen habe, auf der deutschnationalen Wählerversammlung nicht zu sprechen. Das war ein neuer Schlag für die Deutschnationalen in dieser für sie an Blamagen so reichen Angelegenheit, und man durfte neugierig sein, wie sie sich aus der Affäre ziehen würden. Der Scherliche Lotal- Anzeiger" tut es in der Form, indem er unter der Ueberschrift: Nathusius schwer erfranti" mitteilt, es sei zweifelhaft, ob der General fein Bersprechen halten fönnen werde, da er in Nachwirtung feiner auf nervöser Grundlage beruhenden Unterernährung während seiner Gefangenschaft an einem schweren Ruhr anfall ertranft und bettlägerig" fei. Das nennt man, fich diplomatisch aus der Affäre ziehen. Das genügt dem Sensations- und Hezbedürfnis des in demselben Berlag erscheinenden Tag" aber nicht. Er alar miert die„ nationale" Leserschaft mit der fetten, zweizeiligen Ueberschrift:„ Nathusius durch die Kerferheft ertrantt. Erst Hunger, dann„ Gnade"." und verschweigt, daß die Unterernährung auf nervöser Grundlage beruhte, also nicht durch die Kost verursacht worden war, um dann desto beffer drauflos hetzen zu können: Denn der Gnadenaft der République française hat ihm zu arg zugesetzt. Ueber ihn hat sich der Gnadenstrahl des Herrn Herriol ergossen, aber man hatte leider in den französischen Gefängniffen vergeffen, dem Herrn General zu effen zu geben. Er ist also trog der demokratisch sozialistischen Sonne, mit der ihn die liebenswürdige Marianne bestrahlen ließ, unterernährt. Demokraten und Sozialisten halten jo etwas für Nebenfache. Thyre fogenannte Realpolitit besteht darin, daß man sich von internationalistischen Phrasen ernähren soll. Die haben allerdings noch nie manden fettgemacht und Herrn von Nathusius noch nicht mal zum physiologischen Existenzminimum verholfen. Wenn der von den Franzosen wider Recht und Treu und Glauben ins Gefängnis geworfene General nicht in der deutschnationafen Wahlversammlung spredjen tann, so werden sich die Demofraten heimfich freuen. Aber fie werden öffentlich sagen, Nathufius ist unfer Mann und Herriot hat ihn edelmütig behandelt! Das Effen ift Bagatelle. Bel schwarz rolgelber Realpolifif" fann man verhungern! Man wird es dem General überlaffen dürfen, die Behauptungen richtigzustellen, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß er dieser Ehrenpflicht nachkommen wird. Sehr zu wünschen wäre es aber, daß die deutschnationale Sudelei dem General wörtlich zu Gesicht tommt, um ihm vor Augen zu führen, was für eine Lumpenhaftigteit man heute im deutschnationalen Lager für„ national" anzusehen beliebt. Rann ein anständiger Mensch sich mit derartigen Zeilen einverstanden erklären? Gibt es überhaupt einen Menschen, dem nicht das heulende Elend anfommt, wenn er fieht, daß so etwas unter gefitteten Menschen möglich ist? In der Boltspartei scheint man zu denken, wo die Deutschnotionalen sich blamieren, darf die Bolkspartei nicht fehlen. Die Ortsgruppe der Deutschen Boltspartei in Jena Generals richtete? Wie feststeht, hat sich die französische Regierung entschloffen, dem General die Freiheit wiederzugeben und damit das Unrecht wieder gut zu machen." Diskrepanz! Und das in den Reihen der nationalen Real polititer! Danksagung der Reichsregierung. Paris, 29. November.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Botschafter v. Hoesch, der am Sonnabend nachmittag von Herriot empfangen worden ist, hat diesem die Mitteilung gemacht, daß die deutsche Regierung unter ausdrücklicher Wahrung ihres Standpunktes hinsichtlich der Verhaftung und der Berurteilung des Gene rals Nathufius die große Genugtuung von dessen Begnadi gung zur Kenntnis genommen habe und beabsichtige, demnächst aus freier Entschließung einen Gnaden att zugunsten eines in Deutschland verhafteten franzöfifchen Staatsangehöri gen anzuordnen. Paris, 29. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Hetze, die von der deutschnationalen Presse mit dem Fall Nathufius auch nad) der Entlassung des deutschen Generals getrieben wird, nüßt die Opposition in Frankreich sehr geschickt gegen das Ministerium Herriot aus, dem man zum Borwurf macht, einen deutschen Offizier der gegen ihn durch ein franzöfifdes Kriegsgericht ver hängten Strafe entzogen, ohne den beabsichtigten Zwed, die Be. ruhigung der öffentlichen Meinung, erreicht zu haben Es zeigt sich alfo auch an diesem Beispiel wieder einmal, wie die Nationalisten hüben und drüben sich gegenseitig in die Hände arbeiten. Gegenüber der Darstellung der deutschen Rechtspresse muß noch einmal darauf hingewiesen werden, daß Herr v. Nathustus nach der französischen Strafprozeßordnung überhaupt nicht begnadigt werden fonnte, wenn er nicht den von ihm ursprünglich gestellten Antrag auf Revision des Liller Urteils zurüdgezogen hätte. Da das aber tatsächlich geschehen ist, liegt es auf der Hand, daß die Behauptung von ber dem General Nathufius wider seinen Willen auf. gezwungenen Begnadigung glatt aus der Luft gegriffen ist. Stinkbomben für Wahlzwecke. Herriots Memorandum" dem Sinowjew- Brief kläglich nachempfunden. Die deutschen Nationalisten find selbst in ihren Erfinbungen jämmerlich geistlos. In dem Bestreben, der Frattion Mampe noch in legter Stunde auf die Beine zu helfen, sind sie auf die Kateridee gekommen, eine Wahlbombe nach Art des von den englischen Konservativen im Wahlkampf nicht ohne Erfolg verwandten Sino wiew Briefes zu fabri zieren. Diese Absicht ist allerdings schon vorzeitig befannt geworden und deshalb vor dem Produkt deutschnationaler Giftmifcherei schon gewarnt worden. Die nationalistische Einfalt in der antisemitisch- deutsch nationalen Berliner Börsenzeitung" bringt es trotzdem fertig, Alliierten Frankreichs für echt auszugeben, trotzdem eine angebliche Denkschrift Herriots an die sie in ihrem Inhalt und in ihrem Stil schon meilenweit nach Fälschung riecht! Um einen Begriff von der ftupenden Dummheit unserer Kriegstreiber zu geben, sei diese deutsch nationale Wahlbombe in ihrem ganzen Umfang den Lefern vorgestellt. Herriot foll also folgendes geschrieben haben: mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften und gefeßlichen Zu den Aufgaben der Regierung Frankreichs gehört, mitteln die Stärtung ber bemotratifchen Stromun gen und Ideen in Deutschland zu fördern, um auf dieser Bafis eine gemeinfame fruchtbringende Arbeit zur Wiederherstellung Europas zu schaffen. Die franzöfifche Regierung weiß, daß diefe hohen 3deen eine bedeutende Anzahl von Anhängern in Deutschland unter denen haben, die bestrebt find, freundschaftilche Beziehungen zu Frankreich zu schaffen und bereit find, der eftfehung vorragende Bertreter dieser unserer Freunde, die über einen ge. demokratischer Brinzipien in ihrem Lande förderlich zu sein. Her waltigen Einfluß in Deutschland verfügen, haben wiederholt persönlich in Berlin wie in Paris den Bertretern der französischen Regierung erflärt, daß die nationalistischen Elemente in Deutsch and, deren Bewegung fich gegenwärtig in einem Stadium des Rüdganges befindet, fich an die Organisation des fation vernichten und gleichzeitig die Stampffähigkeit der Reichswehr für die Biele erhalten, die durch den Bersailler Bertrag vorgesehen find. Diese Reform des deutschen Militärressorts wird auf die demokratischen Kreise Deutschlands den allerbesten Eindrud machen. Regierungen eine derartige Note der deutschen Regierung Die französische Regierung ist der Ansicht, daß die alliierten zu überreichen haben, entweder nach offizieller Beendigung ber Generafinspektion der Kontrolle oder im Lert einer allgemeinen Note über die Frage der Entwaffnung Deutschlands oder was noch mehr erwünscht wäre, und zwar aus politischen Erwägungen, müßte eine derartige Note vor den Reichstagswahlen abgesandt werden. Diefe Maßnahme tann am besten die hohen Jbeen einer Beruhigung ber Böller fördern und verlegt gleichzeitin in feiner Belje die Bolitik Frankreichs und Frankreichs Bestrebungen, eine freundschaftliche Rufammenarbeit mit dem deutschen Bolte zur Heilung der Wunden des Weltfrieges zu erreichen. in Damit die Fälscher dieses Dokuments sich nicht auf Deffentlichkeit feststellen, daß der erste in Berlin be. guten Glauben berufen tönnen, wollen wir hier vor aller fannte Wortlaut des angeblichen Memorandums" Helmuth von Gerlach hat bereits in der letzten Welt am Montag" mitgeteilt, daß es einer Berliner Redaktion und dem Vertreter eines amerikanischen Blattes vorlag ruffifcher Sprache abgefaßt war. Die nicht deutschnationalen Journalisten, benen das Schriftstück zunächst in die Hand gespielt wurde, haben sich bald davon überzeugt, daß es sich um eine plumpe Erfindung handle. Die antifemitisch- deutschnationale Berliner Börsenzeitung" hat diesen Scharffinn nicht aufgebracht. Die Frage bleibt nur, warum die Fälscher das Schriftstud zunächst einem republikanischen Blatt zustellten. Oder vielmehr: das ist gar keine Frage. Man Spekulierte diesmal allerdings vergeblich auf den Leicht" hat am 29 November folgende Entschließung dem Reichskanaler gruppieren, wobei fie fich faltijd auf General von Geedt finn der anderen, um nach der Veröffentlichung in einem unterbreitet: Die von der DBB. In Jena einberufene, von Männern und Frauen aller Stände befudyte Bersammlung verurteilt aufs schärfte die heuchlerische Begnadigung des Generals von Nathufius und fordert von der deutschen Regierung energifche Maßnahmen, um einen angemessenen Freispruch und somit die Wib rherstellung feiner gefchätigten Ehre zu erlangen." Es ist zu befürchten, daß es ein langes Geficht geben wirb, wenn der Reichskanzler diese Entschließung dem Reichs außenminister unterbreiten wird. Wie hieß es doch in der Dankadresse, die Herr Stresemann an die Gattin des Schwungtraft feines mufitgeladenen Herzens hat er die Matadore des reine Effeftes und der gefchraubten Mache aus unserem Ohr verdrängt. Seine Erben find Legion. Aber noch fam fein Erneuerer feines Geiftes, fein Nachfolger feines wundervollen Blaubertalents. Die internationale Bühne ist um eine Roftbarkeit ärmer. Rurt Ginger. ftüßen. Dieser Umstand hält nicht nur die Verwirklichung der Blane auf, die sich die allierten Regierungen und die demokratischen Kreise Deutschlands geftedt haben, sondern verhindert auch, baß bie Arbei ten zur Wiederherstellung des Friebens pofitive Ergebniffe zeitigen. Die Atmosphäre bes preußischen Militarismus befieht bant den gegenwärtigen Formen der beutschen militärischen Organi fation, Formen, die feinen Aufgaben, wie sie im Tert des Versailler Bertrages bargelegt sind und wie sie von den deutschen Demotrafen verftanben werden, widersprechen. Die franzöfifche Regierung und die Regierungen der alfiierten Länder miffen, welche Rolle Seedi und fein Amt im politischen Leben Deutschlands spielt. Diefer Um ftand brudt auf die Entwicklung der Demokratie in Deutschland. Seedt verfügt über einen Apparat und nimmt einen Plaß ein, der es ihm ermöglicht, in einem beliebigen Moment dié Ditiatur in Deutschland herbeizuführen unb allmählich die mosphäre und die Bedingungen zu schaffen, ble zu den Schrecken des Jahres 1914 führen mürben. Die nationalistischen und überhaupt die rechtsftehenden Streife Deutschlands begreifen, baß nur eine Beteiligung Seedts ihnen ben Sieg geben fann. Seedt ift teine Sphing, wie dies die Rationalisten schreiben, sondern nach unserer Meinung und der der demokratischen Kreise Deutschlands ein Vertreter jener Kreise, die die Stename has preußischen Militarismus vorbereiten. Seedt drüdt auf den bemorra. tischen Gedanken Deutschlands und gibt den preußischen Chauvinisten Kräfte. Bereits in ihrem Rapport bom 1. Ottober d. 3. hat die Interallierte Kontrolltommiffion in Berlin republikanischen Blatt mit noch größerer sittlicher Entrüstung den Schwindel ausnutzen zu fönnen! Es genügt den Kriegstreibern nicht, daß die Agentur Havas, der französische Wolff, diese Erfindung schon nach ihren erften Anzeichen als folche gekennzeichnet hat. Sie haben den unwiderstehlichen Drang jich zu blamieren und diejenigen unter den Wählern, die nie alle werden, politisch einzuseisen. 3ft es schon ein Unfug, wenn man den franzöfifchen Amtsftellen unterschiebt, fie fprächen in amtlichen Kundgebungen von einem deutschen Kriegsministerium", das es in Wirtlichteit gar nicht mehr gibt, so geht die Absicht der Fäl. fo schung ganz flar und eindeutig aus dem Saße hervor, daß bie angebliche alliierte Note an die deutsche Regierung nod borden Reichstagswahlen" überreicht werden müsse, damit sie auf die deutschen Demokraten günstig wirte! Dümmer fönnte es wirklich niemand anfangen, als hier die deutschnationalen Stintbombenfabrikanten. Ihre Absicht liegt fo effen zu Tage, daß sogar ein Lofal- Anzeiger Lefer fie begreifen muß. Weshalb auch diese Bombe wirkungslos verpuffen dürfte. Weftarp deckt ben Schwindel! Graf Bestarp Bomst hat mur auf das Werfen der Wahlbombe gewartet, um fofort feine, ach fo ehrliche, Entrüftung abzuladen. In einer Berliner Wählerversammlung am Sonnabenbabend hat er bas Memorandum" feiner geistreichen. Behandlung unterworfen und dabei„ verlangt, daß die deutsche Regierung nicht nur den Sachverhalt tlarstelle, fondern baß sie duc, unmeideutig au dem Gedanten diefer Zumutung Stel. ung nehme. Diefes Memorandum fei ein Beweis dafür, was tas deutsche Bolt, folange es wehrlos ift, von dem französischen Haß und dem Vernichtungswillen zu gewärtigen habe. ber Belt lächerlich machen würde, wenn fie fachlich zu einem Bestarp weiß fehr genau, daß die deutsche Regierung sich vor Abenstüd Stellung nähme, daß von Deutschnationalen zu 3meden des Wahlschwinbeis erfunden worden ist. Das welte Cand. Das neue Leffingtheater, das Bef fingtheater der Rotters, eröffnet die Saison und feine Aera mit Arthur Schniplers Weitem Land". Diefe Tragi tomödie" ist nicht nur nicht mehr neu, sondern fogar schon sehr alt. Biel älter, als die Rotterdirektion glaubt. Biel älter, als vielleicht Der Autor felbst ahnt. Fünf Afte lang erleben wir Familienangele. thre Regierungen auf bie Anomalten gegenüber bem Berfailler genheiten fremder Menschen, denen es so gut geht, daß fie nidyt Bertrage hingewiefen und folglich auf die Gefahr, die für uns mehr Fleisch von unserem Fleische sind. Es find die begüterfen in dem Bestehen der Aemter eines Chefs der Heeresleitungen und Menschen der Wiener Billenviertel, deren Schmerzen, deren Freu der Gruppenkommandos bestehen. Eine derartige Organisation hat Menschen der Wiener Billenviertel, beren Schmerzen, deren Freuden ben, beren Trauer, beren Erschütterungen ben Zuschauer nur zu den Zwed, das zu erfüllen, was ihr durch den Versailler Bertrag zu dem einzigen Ausruf veranlassen, der ba lautet: Bon denen die gewiesen ist. Die gegenwärtige deu' che Reichswehr ist bank hrer Sorgen möcht ich haben!" Nein! Wir haben leider ganz andere Organisation in der Lage, andere Zwecke durchzuführen. General Gorgen, als die bes alternden Fabrikanten, der aus Furcht vor dem fie verwirklichen Die franzöfifche Regierung hat ihrem General Seedt tann infolge Jeines Amtes und feiner persönlichen Eigenschaften eigenen A ter und der fremden Jugend den Fähnrich im Duell tot, warm ftab porgeschrieben, die Organisation der deutschen ReichsSchießt! Wir haben gar nichts mehr gemein mit diefem Wachswehr zu prüfen unter dem Gefichtspuntt, daß aus ihr ein figurentabinett der„ beſſeren Geſellſchaftstreife", mit diesen Ober. leutnants, Tennisspielern, betrogenen Ehefrauen, mit diefen Geift reich gleiten, die fo fingen, wie aus vergilbten Jahrgängen der Muskete", die ein Wiener Wigblatt ift. Und eine Regie( Ostar Ran eh), die dem schleppenden Tempo Raneh, diefes Stüdes nachgibt, ftatt es zu befeuern, die jede Zwischenzeilen. stimmung dehnt, flatt fie wegzulaffen, bie ein primitives pen glühen" anzündet und die Effette eines Laubentoloniefestes her. zaubert diese Regie hat uns noch weniger zu fagen als dieses Milieustüd. Es bleiben leiber ein poor gute Schauspieler in der Dienst einer verlorenen Sache gestellt, die elegante Arnold Korff, tie Frau Irene Triesch, die ein paar wahre Töne findet, das alte Burgtheater, vertreten durch Adele Sanbrod; eine felige Reminiszenz! Apparat geschaffen wird, ber nur für die Ziele braudbar ist, die im Bersailler Bertrag dargelegt find, wobei all bas zu vernichten ift, was bie Reichswehr zu einer Gefahr für den Frieben in Europa macht. Nicht der zahlenmäßige Bestand der Reichswehr, fondern ihre Organisation ist für uns gefährlich. Der franzöfifche Befehlshaber hat es für möglich befunden, von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, die deutsche Reichswehr zu reorganifieren, und es gleichzeitig für notwendig befunden, in ihr die Aemter bes Chefs der Heeresleitung und der Gruppentommandos I und II zu vernichten. In Paris wird der Schwindel aufgedeckt. Paris, 29. november.( Elgener Drahtbericht.) Das von der .Berliner Börsenzeitung" veröffentlichte angebliche Memorandum" Herriots über die Reorganisation der Reichswehr wird von der hiefigen zuständigen Stelle als eine glatte Jälschung bezeichnet, Von einer unmittelbaren Umgebung des Ministerpräsidenten Herriot angehörenden Persönlichkeit wird dem Pariser Vertreter des Borwärts" erklärt, daß Herriot bereits unmittelbar nach der AnBir tönnen nicht die Entlassung Seedts forbern, und fündigung des apokryphen Dokuments durch die zustände Stelle des außerdem würde, felbst wenn wir biefe Forderung aufstellen würden. Qual d'Orfan hat feststellen laffen, daß die ganze Geschichte fie nur dazu führen, daß auf diesen Boften jemand vom erfien bis zum lehten Buchstaben erfunden ist anderes ernannt wird, der diefelben Jbeen hat und möglicherweise und dieses Machwert weder von Herriot noch von irgend ein noch energifcherer General ist. Sich stüßend auf das Gutachten einem anderen Mitglied des französischen abistätigt worden ist als des höchsten Militärexperten der Republit, man hat hier den Eindruck, daß die Rechte in Deutschland damit das ihres Generalstabes, eines Gutachtens, bas von General Foch beneffs oder einem Beamten der Regierung stammt. fchlägt die franzöfifche Regierung den Regierungen der manover wiederholen wollte, deffen sich die englischen Konalliierten Bänder vor, von der deutschen Regierung die Bernichtung der Aemier des Chefs der Heeresleitung und der Kommandeute der Gruppenfommandos I und II zu fordern und ohne eine Sentralisierung der Behrtreistommandos durchzu. führen, fie bem riegsminister zu unterstellen. Hierbet find Heeresleitung und Heeresverwaltung in technische Berwaltungen um zuformen, die unmittelbar dem Kriegsminister unterftellt werden Für den Nachmittagstee der Genossenschaft Dentfcher Bühnen- und von Stabsoffizieren mit den Rechten eines Stabschefs ber angehörigen hat der Reichstag fämtliche Säume zur Verfügung gestellt. Division, nicht höher als im Oberften- Rang, zu leiten find. Die Infolgebeffen ist es möglich, noch eine Anzahl von Eintrittskarten zum Einzelheiten Serartigen Reorganisation fönnten Berlauf zu bringen. Diefelben find an der Kaffe des Reichstages Portal V der Interalfilerten Rontrollfommiffion in Berlin und II eine halbe Stunde vor Beginn des Tees, alfo 3% Uhr, au haben. fammengestellt werden, gestükt auf die kompetenten Gutachten der Rudolf Jeho lieft am 5. Dezember tm Meiflerfaat Die Ber- alliierten Generalftäbe. Eine derartige Reorganisation des deutschen wandlungen der Benus" bon Richard Dehmel Militärapparates wird das Gefährliche feiner gegenwärtigen Organi anders! th. Das Fazit ift die noch einmal ertannbe Wahrheit, daß gewiffe Generatione fich sehr schnell überleben! Und daß mir, die men fchen nach dem Kriege und vor der Revolution anders find, ganz Der Direktor der Goethe- Bühne, Otto Beterion, ift von der Leitung des verfrachten Instituts zurüdgetreten. Die Gläubiger fadyen nun nach einem Nachfolger und erklären, daß sie den mit gicdern ber Goethe- Bühne die Dezembergegen auszahlen wollen, ohne daß der neue Direfior verpflichtet wäre, diefe Mitglieder in fein Ensemble aufzunehmen. DON einer fervativen bedient haben, als fle Herriot die Absicht zuschrieben, er habe mit der Anerkennung der Sowjetreglerung zugunsten der habe mit der Anerkennung der Sowjetregierung zugunsten der Arbeiterpartel in den englischen Wahltampf eingreifen wollen. Wenn man in den hiesigen politischen Kreifen in dem deutschnationalen Manöver ein erfreuliches Zeichen dafür steht, wie schlecht es um die Wahlaussichten der Rechten in Deutschland bestellt sein muß, to ift man andererseits an der zuständigen Stelle doch darüber erstaunt, daß man sich zu diesem Zwede ausgeredet der französischen Reg'erung zu bedienen verfudy. Ein offisielles nenes Dementi des apofeyphen Machwerts wird erfolgen, fobald Herriot von der Reile, die er am Sonnabendnachmittag angetreten hat, zur idgetehrt fein wird. Gewerkschaftsbewegung die freien Gewerkschaften. Derselbe Freiherr v. Stumm, der Was auf dem Spiele steht. Die Unternehmer sind bei dieser Wahl etwas aus fich herausgegangen. Ihre beiden Spizenorganisationen, der Reichsverband der Deutschen Industrie und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, haben eine Rundgebung erlassen, in der sie zu den Wahlen hauptsächlich mit den Forde rungen auf Beseitigung des Achtstundentages, Niedrighaltung der Löhne, Steuererleiterungen für die Reichen und 3ollschuh Stellung genommen haben. Daß sie, wie wir mitzuteilen in der Lage waren, einen Korruptionsfonds fammeln, zu dem jeder Unternehmer mindestens 2 M. pro Kopf der beschäftigten Arbeiter zahlen soll, wird nicht weiter überraschen. Wenn nun der deutschnationale Flügel der Unternehmerorganisation unter Führung des Vorsitzenden der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und es ist durchaus bezeichnend, daß die Spitenorganisation der Unternehmerverbände einen Deutschnationalen zum Vorsitzenden hat einen befonderen Wahlaufruf herausgegeben hat, dann ist das be jondere dieses Wahlaufrufs die Feigheit, mit der diese Leute ihre eigentlichen 3iele hinter vieldeutenden und nichtssagenden Kedensarten zu verbergen bemüht. sind. Wer die Borsig, Hugenberg, Thyssen und Konsorten nicht von heute und gestern fennt, der weiß, was die deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten, gleichpiel welcher Parteirichtung fie angehören mogen, zu erwarten haben, wenn es den Unter nehmern gelingt, im Reichstag, der in einer Woche zu wählen ist, bestimmenden Einfluß zu erlangen. Vor uns liegt eine Schrift Kämpfe und werden der Hüttenarbeiter Organisationen an der Saar", ven Karl Alfred Gabel, die in der Saarbrücker Druck- und Verlags- A.- G. erschienen ist. Der Verfasser hat mit gro em Fleiß ein Material zusammengestellt, das Auf fyluß gibt über die Kämpfe der Unternehmer gegen die Be ftrebungen der Arbeiterschaft, ihre foziale Lage zu verbessern. Die Schrift beschränkt sich zwar auf die Zustände im Saar gebiet, zeigt aber zugleich an der Hand von 3i aten aus Reden und Schriften des Führers der Saarindustriellen, der zugleich cin Führer der Unternehmer in Deutschland war, des Frei herrn v. Stumm, wes Geisles Kind die Unternehmer sind und was sich hinter der Maske der Boltsgemein fchaft" verbirgt So war es z. B. den Angestellten und Arbeitern der Neunkirchener Eisenwerke laut Arbeitsordnung vom Jahre 1890 verboten, sich zu verheiraten, ohne dazu die Erlaubnis der Direktion zu haben. Freiherr v. Stumm brachte im Jahre 1894 im Deutschen Reichstag einen Antrag zum§ 153 der Gewerbeordnung ein, der folgen den Wortlaut hatte: 1. Beruf: vereine dürfen bei Arbeitsausständen feinen Arbeitsnachweis errichten und ihre Mitglieder unterstützen. in Saarabien" einen ebenso unerbittlichen Kampf wie gegen ein fogenannter Freifonservativer war, brachte im Jahre 1895 im Reichstag einen Antrag ein, der folgenden Wortlaut hatte: § 1. Den So ialdemokraten, einschließlich den Anarchisten, wird das aktive und passive Wahlrecht. entzogen. " § 2. Die Agitatoren werden ausgewiesen oder interniert. Das nähere beflimmen die Ausführungsbestimmungen." Aber nicht nue gegen die Sozialdemokraten trat der das mals unbestrittene Führer der Unternehmer auf. Zur Be gründung seines Gefeßesvorschlages führte v. Stumm u. a. aus: -OG „ Noch viel gefährlicher als diese Auüren gewisser Professo. ren auf den Universitäten und ich muß das zu meinem großen Schmerz betonen, da ich von jeher ein treuer Sohn meiner Kirche gewefen bin und bis ans Lebensende bleiben werde ist die Agitation. die neuerdings von einer Anzahl evangelischer Beistlichen ausgeht Ich nenne hier nur das B'att, das ich vor mir hebe. die„ ilfe des Pfarrers Naumann in Frankfurt am Main als Beispiel Dieses Blatt tokettiert nicht bloß mit der Sozialdemokratie, es toopiert ganz dirett mit derfelben." Wir fönnten feitenlang zitieren. Die wenigen Proben dürften jedoch genügen, um auch den Jungen unter uns, die die heroischen Kämpfe der Alten nicht mitgemacht haben, tlar zu machen, welches die eigentlichen Ziele der deutschnationalen und der volksparteilichen Unternehmer sind. | zember ab evtl. rüdwirtend erfolgen müffe. Betämpft wurde noch die große Differenzierung zwischen den drei Wirtschaftsgebieten, ins besondere wurde eine größere Annäherung, am besten völlige Gleich ftellung der Gebiete I und II verlangt. Es ist zu erwarten, daß die neuen Unterſtügungssäge in der ersten Dezemberwoche veröffentlicht werden. Die Entscheidung liegt beim Reichsrat, dessen Zustimmung nach der Berordnung erst erfolgen muß. Hoffentlich läßt sich der Reichsrat von der unabweisbaren Nots wendigkeit, die Unterstützungsfäße stärker zu erhöhen, als bisher vors gefehen ist, überzeugen. Wenn es in Deutschland einen vernünftigen Ausgleich in der Erwerbslosenfür'crge gäbe, und wenn alle Bezirke und Berufe in gleichem Maße zu den Kosten herangezogen würden, dann brauchte selbst bei einer wesent ich stärkeren Erhöhung der Unterstützung keine Erhöhung der Beiträge erfolgen. Die Zechenbesitzer wollen den Kampf! Elfen, 29 November.( TU.) Der Zechenverband hat beSchloffen, den in der Cohnfrage gefällten Schiedsspruch abzu'ehnen. ( Diefer Schiedsspruch brechte den Bergarbeitern die ganz unzureider de Cohnerhöhung von 8-9 Proz Die Zech abefizer wollen gar nichts geben; sie wollen also den kampf.) Verbindliche Tariflöhne der bayerischen Landwirtschaft. München, 29. November.( Eigener Drahtbericht.) Das Minifterium für soziale Fürsorge hat den Schiedsspruch des Landesshli h ters für die bayerische Landwirtschaft verbindlierflärt. Danach erhöhen sich die Barlöhne der landwirtschaftli hen Arbeiter und Arbeiterinnen um 10 Proz. mit Wirkung ab 15. NoDie Herren sind heute vorsichtiger geworden und geben vember. Nach dieser Regelung beträgt der Wochenlohn an der fich möglichst harmlos. Heute ist die Sozialdemokratie, find Spize für den männlichen Arbeiter bei 48stündiger Arbeitszeit 11 M., die freien Gewerkschaften eine gewaltige Macht, vor deren das ist um 1 Mark mehr, und für die Arbeiterin 8,60 M., das ist um Einfluß sich auch die Unternehmer fnirschend beugen müssen. rund 80 Pfg. mehr als bisher. Dazu kommen die fogenannten De putate, das heißt die aus Getreide, Milh, Kartoffeln usw. bestehenden Heute wellen fie" nur" den Achtſtundentag beseitigen, den Naturalien, die zurzeit an der Spike einen Wert von 57 Pfg. pro Behn- und Zwölfftundentag einführen. die Löhne und Ge- Tag barstellen, ferner freie Wohnung auf dem Gut. Die Löhne sind hälter niedrig halten und durch Schutzölle und andere Berfeit April dieses Jahres unverändert gewesen, günstigungen die Lebenshaltung des Boltes verteuern, selbst aber Riesengewinne einheimſen. Um diese vorläufigen Ziele zu erreichen, haben sie einen Korruptionsfonds gesammelt, unterstützen fie finanziell alle reaktionären Parteien, haben sie sich in den Besitz des weitaus größten Teiles der bürger fichen Presse und der Nachrichtenbureaus gefeßt. Mit diesem ungeheuren Apparat hoffen sie die Masse der Arbeiter, Angestellten, Beamten, Kleinbürger und Kleinbauern so einzuwickeln, daß diese ihren direkten Feinden, den Deutschnationalen und Volksparteilern und ihren Steigbügelhaltern von rechts und links am 7. Dezember zur politischen Macht verhelfen. Diese Gefahr gilt es abzuwehren. Darum heißt es jetzt geschlossen, Mann und Frau, alles daranzusehen, damit die Reaktion und ihre Steigbügelhalter am nächsten Sonntag eine vernichtende Niederlage erleiden und die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg davon trägt. Erhöhung der Erwerbslosenunterstühung. 2. Berufsvereine dürfen über alle mit den Berufsinteressen zuAm Freitag nahm der Verwaltungsrat der Reichsarbeitsver: fammenhängenden Fragen wohl eine Diskussion, aber feine Beschluß- waltung zur Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung Stellung. Die Berhandlungen zwischen den beteiligten Reichsrefforts find, wie wir faffung zulaffen." erfahren, noch nicht abgefchloffen. Borgeschlagen ist eine Erhöhung von rund 15 Proz. der gegenwärtig geltenden Säße. Die Arbeitnehmervertreter im Berwaltungsrat traten für eine startere Erhöhung der Unterstügungsfäße ein, wobei besonders Gewicht darauf gelegt wurde, daß die Erhöhung bereits vom 1. De Unter Berufsvereine waren die katholischen Arbeiter vereine, die Hirsch Dunderschen Gewertvereine ebenso gemeint, wie die freien Gemertshaften. Gegen die Hirsch- Dunderschen und die christlichen Organisationen führten die Unternehmer Jm Sowjetparadies. Die Vorkriegslöhne der russischer Arbei er waren mehr als bes scheiden. Die Lebenshaltung dementsprechend. Man fann sich danach vorstellen, wie die Arbeiter des heutigen Rußland leben, wo nach offiziellen Angaben die Löhne etwa 70 Proz. der Borkriegs löhne betragen. Dabei sind diese Löhne in der letzten Zeit geftiegen. Num foll aber nach einem Funtspruch der Sowjetregierung einem weiteren Steigen der Löhne Einhalt geboten werden, weil sie nicht im Verhältnis zur Produktivität der Arbeit ständen. Diese müsse oefte.rert werden. Das fo en form Regenten, die den deutschen Arbeitern als Vorbild hingestellt werden, offenbar aber bei den deutschen Unternehmern in die Schule gegangen find. je Gewiß müssen die Kosten der Arbeit in einem richtigen Ber hältnis zur Produktivität der Arbeit stehen. Aber was würden die Kommunisten sagen, wenn von deutschen Sozialdemokra noh den Darstellungen von Resenden auf den Wahnhöf'n in ten ein solcher Grundfaz vertreten würde. In Rußland kann man bratenes Huhn für 1,20 Mart haben. Die Hühner sind da, auch der billige Preis. Nur fönnen sich die Arbeiter Rußla ds Diese gebratenen Hühner troß des billigen Breifes nicht leisten. Die deutschen Kommunisten warten aber immer noch auf die gebratenen Tauben, die ihnen aus Rußland in den Mund fliegen sollen. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Beilage.) Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternrs; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski: Cotales und Sonstiges: Friz Karfiäbt: Anzeigen: h Glode. fämtlich in Berlin Berlag: Borwärts- Berlag Gm b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet unb Berianiftalt Baul Ginaet u Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Siezzu 5 Beilagen. Vorteilhafte Weihnachts- Angebote Diwandecke Gobelingewebe mit Fransen, 150X300 om... 21.50 Perser- Teppiche u.- Brücken Auger In großer Auswahl Rauchtisch gebeizt mit Metallplatte, Elche, 60 om Durchmesser..19.50 srael BERLIN C KÖNIGSTR. SPANDAUERSTRASSE Damenkleidung Jumper- Bluse mit 2 Seitentäschchen 3.75 Kasak reinwoll. aus Trikot mit Stickerei 24.00 und Pelzbesatz Mantel reinw. Côtelé- Velours, Kragen u. 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November 1924 Frauenschicksald Was unsere Leserinn idge 油田 院 der Unternehmer Maschine, Heizung, Licht usw.- Arbeitszeit und Verdienst sind natürlich verschieden, oft arbeite ich bis 10 Stunden am Tage bis spät abends und der Verdienst ist dann bei voller Beschäftigung, wenn's gut geht, 12 bis 14 m. pro Woche. Das letztere genug vor, daß ich in der Woche mehrere Male nach dem Geschäft ist aber noch als günstiger Fall zu bezeichnen, denn es kommt oft gehen muß und immer nur 3 bis 4 Stüd Arbeit mitbekomme, dann fieht es am Wochenende so aus, daß ich 5 bis 8 M. oder gar noch darunter verdiene. Und nun kommt das Bitterste: Bei allem Fleiß bleibt nicht soviel übrig, daß wir uns schon längst notwendige neue Wintermäntel, einen Anzug für meinen Mann und neue Bett- und Leibwäsche anschaffen können. Das muß alles immer wieder zurück Durch Alleinstehende Mütter. Die Umfrage an unsere Leserinnen über das Thema Frauenarbeit im Beruf und zu Hause" hat uns bereits in den ersten Tagen der vergangenen Woche eine ganze Reihe wertvoller Zuschriften eingetragen. Es sind zum größten Teil erschütternde Zustandsschilderungen, die einen tiefen Einblick in Familienverhältnisse gestatten, von deren stiller Tragif faum dumpfe Ahnungen in die Kreise der schaft. Ich muß den Sonntag dabei zu Hilfe nehmen. Mein Mann mußte also Tag und Nacht arbeiten, um meine Kinder einigermaßen anderen, der kleinen und großen Ausbeuter und Menschenverbraucher dringen. Man hat nach dem Kriege lange genug gezögert, von diesen Schrecken der Entbehrung, die oft den Keim zur Katastrophe in sich tragen, zu sprechen. Die Frauen, an die wir unsere Fragen richten, sind nun froh, daß sie sich etwas das Herz erleichtern fönnen. Denn überall steht sie, die Frau, im Mittelpunkt der düsteren Bilder, ist Träger fast übermenschlichen, schwersten Schicksals. Aber die Frauenbriefe, deren Veröffentlichung wir in den nächsten Wochen fortsetzen werden, sollen für sich selber sprechen. Berufstätige verheiratete Mütter. = Ich freue mich, daß dieses Thema einmal erörtert wird und möchte einiges dazu beitragen. Mein Mann ist Straßenbahn. fchaffner. Das monatliche Gehalt beträgt nach Abzug der Steuern, Krankentasse, Familienbeitrag, für Kleidung usw. mit Ueberstunden 115 M. Davon zahlen wir monatlich 21,38 M. Miete. Es bleiben also ungefähr 90 m. für Wirtschaftsausgaben, Gas, Jeuerung, Kleidung und Lebensmittel. Da es nicht möglich ist, mit dem Gehalt meines Mannes auszufommen, bin ich gezwungen, mitzu arbeiten In der Woche verdiene ich durchschnittlich nach Abzug der Krankenkasse 10 m. bei täglich zwölfftündiger Arbeitszeit. Ich mähe Herrenmonteur- und Sportjacken. Auch Jacken ganz auf warmes Futter, das wir selbst zuschneiden müssen. Für die ersten Jacken bekomme ich pro Stück 27% Pf., starte blaue Barchendjaden 32½ Pf., Jaden auf Futter 95 Pf. aus erster Hand. Mit zwölfstündiger Arbeitszeit ist nur das Maschinenähen berechnet. Dazu tommt die Zeit für Knöpfe und Etiquettsannähen, welches von meinen Kindern gemacht wird. Die Zeit, die mir außerdem zwischen 6 Uhr morgens und 10 Uhr abends zur Verfügung steht, ist der Wirtschaft gewidmet. Eins jagt immer das andere. Da Freitags Liefertag ist, kommt es oft vor, daß ich Mittwochs und Donnerstags bis 12 Uhr nachts nähe und morgens um 5 Uhr wieder aufstehe, um pünktlich liefern zu fönnen. Sonntag vormittag wird reinegemadyt und nachmittags soviel es geht für den Haushalt genäht und aus gebessert. Den Sonntag als Ruhetag fenne ich nicht mehr. Ich habe zwei Mädchen, 16 und 13 Jahre alt. Da wir bei dem geringen Einkommen meines Mannes fein Schulgeld zahlen brauchen, besuchen beide das Lyzeum. Die Welteste kommt Ostern aus der Schule. Beide find bleichfüchtig und hätten gute Pflege nötig. Ihre Gesundheit hat darunter gelitten, daß mein Mann im vorigen Jahr um diese Zeit 5 Monate arbeitslos war, und auch ich feine Arbeit finden fonnte. Sie müssen soviel wie möglich in der Wirtschaft helfen, um diese einigermaßen aufrechtzuerhalten. Erholungsstunden bleiben ihnen selten. Oft komme ich tagelang nicht auf die Straße. Meine einzige Erholung ist beim Frühstück und Abendbrot den„ Borwärts" zu lesen. Durch die viele Arbeit entsteht im Haus oft Unfrieden. Mandjes böfe, harte Wort würde nicht fallen, tönnte ich mich nur der Wirtschaft widmen. Auch die Körperpflege leidet darunter, weil es immer an Zeit fehlt. Große Wäsche muß auch Sonntags ge= waschen werden. Ein Trost ist es mir, daß mein Mann solide und mit allem zufrieden ist. Mich erhält nur die eine Hoffnung, es muß doch einmal besser werden." F. W. gets „ Ich gehöre zu den Arbeiterfrauen, denen es nach häufigen Auslassungen mancher Unternehmer nahezu glänzend gehen müßte, bezieht doch mein Mann, der Handwerker ist, einen Cohn von rund 40 M. pro Woche und ist bisher noch von Arbeitslosigkeit verschont geblieben. Der Abzug für Steuern, Krankenkasse, Invalidenversicherung usw. beträgt zirka 5 M., so daß, wenn Verbandsbeitrag und Fahrgeld abgerechnet wird, noch ein Reinverdienst von 32 M. zur Bestreitung unserer Lebenshaltungskosten übrig bleibt. An Kost: Betrag für Effen und Trinken brauche ich wöchentlich 20 M., was natürlich nie recht hin und her langt. Für Miete sind pro Woche 6,50 Mt. zurückzulegen, für Gas, Kohlen. Holz, Zeitung, Versicherung, Parteibeitrag, Feuerbestattungsbeitrag ist eine Mindest fumme von 4 m. pro Woche in Rechnung zu stellen. Mein Mann, M. der als Parteimitalied und Gewerffchaftsfunktionär oft zu Verfammfurcen gehen muß, braucht ja schieß ich auch ein paar Groschen Taschengeld in der Woche, so daß nach allen diesen Ausgaben tatsächlich nichts bleibt, um notwendige Neuanschaffungen machen zu föuren. Erschwerend kommt noch hinzu, daß unsere zwei Jungen, im Alter von 10 und 13 Jahren nie fatt zu kriegen sind und, immer abwechselnd, dafür sorgen, daß Schuhfabrikanten. Flick chuhmacher und Schneider nicht ohne Arbeit bleiben. Aus allebem ergibt sich als bittere aber logische Folge daß ich, obwohl ich lungenleidend bin, schon feit langer Zeit feit mit ufoffen und mitverdienen muk, um nur die allerbringendsten Bedürfnisse der Familie zu befriedigen. Ich fann richt, wie vie'e Frauen ohne Kinder, aus dem Hause gehen und arbeiten, sondern bin gezwungen, mir Heimarbeit in der Konfeffion zu suchen. Da habe ich nun schon sehr trübe Erfahrungen gemacht, denn die Ausbeutung der Konfektionäre und auch vieler 3wischenmeister ist sehr groß: jeder will an denen, die wirtschaftlich so schon am schlechtesten dastehen, noch verdienen. Im Frühjahr dieses Jahres ging es noch mit den Breifen, aber jetzt spottet es jeder Beschreibung. Ich nähe Mäntel. Kleider oder Blusen. wie es fommt. Für Mäntel und Kleider im Mittelgenre erhalte ich 0.50 bis 0.75 m. pro Stüd, fir und fertig machen mit allen Handarbeiten, für Blusen werden meist nur 0,20 bis 0,35 M. pro Stüd gezahlt und dabei spart und auch mein 13jähriger Junge hilft dabei mit, um wenigstens noch andere Interessen wahrzunehmen, bleibt wenig. Ich lese gern einigermaßen alles in Ordnung zu halten.. Zeit und Geld, um auch ein gutes Buch, muß aber froh sein, wenn ich nur dazu komme, einen Blid in den Vorwärts" zu werfen. Das Wenige, was wir uns noch Boltsbühne", deren Mitglieder wir find; es fällt uns aber oft genug an geistigen Genüssen leisten, ist allmonatlich ein Besuch der Freien schmer, das Geld dafür abzustoßen." " M. B. .. Mein Mann verdient 30 m. in der Woche, ich als heimArbeitszeit dauert, das ist schwer zu sagen. Sehr häufig muß ich arbeiterin 20 bis 25 m. Ich arbeite Knabenblufen. Wie lange meine die Nacht mit zur Hilje nehmen, weil ich das Notwendigste in der Häuslichkeit mitbesorgen muß und die Arbeit muß auch regelmäßig geliefert werden. Ich habe drei Kinder( 2 Jungen und 1 Mädel). Der Welteste ist 17 Jahre alt und Banklehrling im zweiten Jahre. Der bringt also noch monatlich 45,15 M. nach Hause. Der Zweite ist 14 Jahre und die Jüngste 10 Jahre alt und beide besuchen höhere Schulen. Meine Arbeitszeit beginnt um 4 Uhr morgens, da nähe ich bis 6½ Uhr. Dann muß der Kaffee und das Brot für meinen Mann und den Aeltesten besorgt werden. Dann müssen die beiden anderen Kinder zur Schule besorgt werden. Dann werden schnell die Betten gemacht, die Stuben ausgefegt. Alles llebrige muß bieiben, denn sonst bleibt ja teine Zeit zum Geldverdienen. Dann tommt aber noch schnell das Einholen zum Mittagessen. Ueberall haften und jagen. Nur nicht aufhalten, denn der Tag ist bald zu Ende und es bleiben mir nur noch ein paar Stunden zur Näherei. Dann kommen die Kinder aus der Schule. Die Ruhe bei der Näharbeit ist vorbei. Um 6 Uhr kommen mein Mann und der Aeltefte nach Hause und es wird Mittag gegessen. Ich muß abwaschen und die Küche soweit in Ordnung bringen, daß man auch einen Menschen hineingehen lassen fann. Wenn alle zur Ruhe gegangen find, muß ich meistens noch bis 12 Uhr nähen. Dann schnell zu Bett, damit ich um 4 Uhr wieder frisch bin. So geht es vom Montag bis Freitag. Sonnabends wird meistens nicht genäht, da ist der Lieferlag. Da wird die fertige Arbeit geliefert und das verdiente Geld in Empfang genommen. lim 12 Uhr mittags bin ich wieder zu Hause. Dann wird schnell noch alles aufgewischt und sauber gemacht und eingeholt, damit es wenigstens etwas nach Sonntag in der Wohnung aussieht. Nun der Sonntag! Was wartet da alles auf den Sonntag? Weil es eben Sonntag ist, fann ich bis 5 Uhr schlafen. Auch dann fangen die Sorgen an. Was mach ich nun zuerst? Für wen bessere ich zuerst aus? Die Wäsche wird meistens auch noch Sonntags gewaschen oder Montags, dann muß ich aber wieder dafür mal eine Nacht ganz durch nähen. Man kann sich nicht einmal den Kindern am Sonntag widmen, sondern die Kinder müssen den Sonntag allein zu verbringen suchen. Die Kinder fommen so oft mit der Klage:„ Frau und Herr soundso gehen mit ihren Kindern da oder dort hin und du haft nie Zeit." Eine Möglichkeit für andere Interessen bleibt mir nicht. Das einzige, was ich mir leiste, ist, daß ich des Morgens während des Kaffeetrinkens den Vorwärts" lese. Wenn wirklich mal ein paar Stunden da sind, wo nicht so viel zu tun ist, bin ich so müde und abgespannt, daß ich nichts hören noch sehen mag " 21. . Mein Mann ist bei der Wach- und Schließgesellschaft beschäftigt und hat einen Monatslohn von 118 m. Davon gehen ab 21 M. Miete, 4,50 M. für Vorwärts",„ Lachen links" und Frauenwelt", 3,50 m. Verband, 1,85 m. Feuerbestattung, 7 M. Bolksversicherung und 40 Pf. für Arbeiterjugend, zusammen 38,25 M. Da der Rest nicht reicht, so bin ich gezwungen, mitzuarbeiten. Ich selbst verdienc 15 m. pro Woche. Ich arbeite in einer Galvanischen Anft alt, einem der ungesündesten Berufe. Meine Arbeitszeit beträgt täglich 8 Stunden außer dem Hause, soll ich aber die Frage der Arbeitszeit wahrheitsgemäß beantworten, so sind es 14 Stunden und mehr. Ich habe drei Kinder im Alter von 15 bis 21 Jahren. Die beiden Aelteften verdienen und steuern je 10 M. zum Lebensunterhalt bei. Der 15jährige ist infolge von Unterernährung und meiner Tätigkeit außer dem Hause schwer asthmaleibend und in absehbarer Zeit gar nicht daran zu denken, daß er verdienen fann. Im Gegen teil müssen mir jeden Pfennig, der übrig ist, zu seiner Pflege verwenden, leider ist dies herzlich wenig. Den Rar der Aerzte, ihn nach der Schweiz zu schicken, weil da vielleicht Hi fe wäre, fönnen wir nicht befolgen, weil uns die Mittel dazu fehlen. Daß die Wirtschaft durch meine Tätigkeit außer dem Hause sehr leidet, brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Ich habe gewiß noch sehr viel Selbſterhaltungstrieb, aber wenn man täglich von morgens Uhr bis abends 11 Uhr und länger auf den Beinen ist und dann von der Arbeit( ich habe mit scharfen Säuren zu tun) frante Finger bekommt, die manchmal unerträg ich schmerzen, mit diesen Händen waschen, flicken, stopfen muß da wird sich wohl niemand wundern, wenn ich gleichmütig werde. Noch schlimmer sieht es mit dem Familienleben aus. Sonntags ist mein freier Tag", ist die Waschküche bestellt, so gehl's um 7 2hr früh nach oben und bis abends wird gewaschen. Mein Tochter muß dann zu Hause bleiben, Essen kochen und die Wirtschaft machen. Wird nicht gewaschen, so wird gründlich sauber gemacht. Nachmittags gehen die beiden Aeltesten weg und nun bin ich recht froh, daß etwas Ruhe um mich ist. Früher waren wir Mitglied der Boltsbühne, mußten es aber fallen lassen, weil die Mittel nicht reichen. Wollte ich alles schreiben, wie unser Familienleben" ausjieht, so würde wohl doch manch einem von den Herrschaften, die da predigen, wie gut es die Arbeiter haben, ein Licht aufgehen. " 11. „ Ich lebe schon über 10 Jahre von meinem Mann getrennt, er in der Schneiderei war ein Trinker und hat das, was wir gemeinsam verdienten zum größten Teil durchgebracht. Meine beiden Kinder maren bei meiner Trennung 7 und 8 Jahre alt. Um sie einigermaßen beaufsichtigen zu können, machte ich Heimarbeit. Das ist sehr bitter, da ja Heimarbeit immer schlechter bezahlt wird. Ich satt zu machen und zu fleiden. Daneben hatte ich noch gegen meinen Mann einen Prozeß. wegen des Unterhalles für die Kinder, angestrengt. Das hatte jedoch wenig Erfolg, da der Mann felten arbeitete und hin und wieder 40 M. monatlich schickte. Auf meine Beschwerde wurde mir von Rechtsanwälten und im Jugendamt geantwortet: ,, Der Vater sorgt ja und wir wollen ihn nicht ganz verärgern." lim die Not zu lindern, ging ich, als meine Kinder 11 und 12 Jahre aft waren,„ auf Werkstatt arbeiten", man fommt dort eher mit organisierten Kollegen zusammen, um vereint für bessere Löhne zu kämpfen. Doch auch nun war's nicht richtig. Als ich einen Tag nach Hause tam, mußte ich erfahren, daß mein Mann mir mein damals 11jähriges Mädchen weggeholt hatte. Der Junge war verschickt worden. Nach neum Monaten bekam ich mein Kind frank wieder. Leider zog der Mann später auch noch den Jungen nach sich, der jegt in die Fußtapfen des Vaters tritt. Ich hatte bis Juli dieses Jahres Männer lohn pro Woche 37 M. Dann brach ein Streit bei der Firma aus und nachdem wurde mir die Arbeit von unserem tommunistischen Werkstattleiter verweigert. Ich hatte über zwei Jahre dort gearbeitet und wegen meiner politischen und gewerkschaftlichen Einstellung nichts zu lachen gehabt. Im legten Vierteljahr hatte ich einen Durch schnittsverdienst von wöchentlich 25 2.; ich gehörte aber zu den Höchst verdienern. Es gab dort Frauen, die bei angeftrengter schwerer Arbeit nur 10 M. möchentlich verdienten. Ich habe bort aufgehört und vorige Woche fiel der Verdienst aus. Jezt fange ich auf einer neuen Stelle an, hoffentlich habe ich Glück. Mein Mädchen ist 17% Jahre alt, hat aber feinen Verdienst. Sie ist Kontorijtin, hat zwei Jahre die Wahlschule besucht, und läuft nun schon seit Ostern eine Stellung zu suchen. Damit sie nicht alles verlernt, lasse ich sie weiter die Schule besuchen, was mir aber sehr schwer fällt. Die Hausarbeit wird gemacht, wie's die Zeit erlaubt. Essen wird abends gefocht. Kleidung wird Sonntags und Feiertags angefertigt, alles andere so nebenbei. Zur Ruhe. fommt man nicht, ist aber zufrieden, wenn's einigermaßen flappt. Ich bin Funktionärin in der Partei, bin rege für die Gewerkschaft tätig, außerdem im vierten Jahre kommissarische Jugendhelferin und Mitglied der Armeniommiffion. Dies alles fällt mir oftmals sehr schwer, trotzdem fue ich es gern, denn ich glaube an die Menschen. Aber nur durch die geistige und sittliche Höherbildung der Frau wird der Sozialismus fiegen können." J. R. „ Ich gehöre auch zu den arbeitenden Frauen, nur bin ich allein= stehend, 41 Jahre alt und habe ein Kind von 11 Jahren zu ernähren. Unseren Lebensunterhalt, für mich und mein Kind, verdiene ich durch äharbell. Aber wie schlecht wird gerade Heimarbeit bezahlt? Für ein trikotseidenes Kleid 80 und 50 13f. Um soviel zu verbienen, daß ich mit meinem Kinde leben kann, muß ich bis in die Nacht arbeiten. Wie ein abgelegtes Tier, alle Freude am Leben wird einem genommen. Ich kann meinem Kinde nichts sein, denn durch die Sorge ums tägliche Brot bin ich gegen alles abgeftumpft. Warum sind die Lohnverhältnisse so entschlich schlecht? Einst hatten wir Hoffnung auf beffere Zeiten, aber wann kommen die für uns? Die Sozialdemokratie hat sich für das deutsche Volf ganz eingesetzt und hat Berbesserungen geschaffen, aber gerade für die erwerbende Frau soll die Bartei eintreten und beffere Berhältnisse uns schaffen helfen! Mein Vater war auch ein Anhänger Bebels und hot als Sozialdemokrat vor 30 Jahren böse Erfahrungen gemacht, daß wir Rinder oft darunter zu leiden hatten. Leider konnte er den Aufstieg der Sozialdemokratie nicht mehr erleben, denn er starb schon 1892. Aber in seinen Gedanken habe ich weitergelebt und treu zu seiner Fahne geha'ten. Darum, lieber Borwärts", hilf auch uns allein2. T. stehenden Frauen im Kampf ums Leben!" Die Rentenerhöhung für Kriegsbeschädigte. In Anlehnung an die Veränderung der Grundgehälter der Reichsbeamten tritt, wie der Reichsbund der Kriegsbefchädigten mitteilt, mit Wirkung vom 16. November auch bei den Renten nach dem Reichsversorgungsgeschäft eine 2nderung ein. Der für die Erhöhung der Versorgungsgebührnisse maßgebende Prozentsatz ist deshalb nicht der gleiche wie bei der Besoldungsgruppe I der Reichsbeamten, weil dort nur die Grundgehälter erhöht wurden, während aus Gründen der erleichterten Berechnung bei den Versorgungsgebührnissen eine prozentuale Erhöhung auf die nach dem Stande vom 1. August 1924 zustehenden Gefonitrenden geschlagen wird. An Stelle der mit Wirkung vom 1. November eingetretenen Rentenerhöhung von 4 Proz. und Erhöhung der Ortszulage von 25 auf 30 Proz. für Berlin tritt mit Wirkung vom 16. November eine allgemeine Erhöhung um 11 Broz auf 15 Broz. ein. Berlin erhält außerdem einen Aufschlag von 4 Pro3. als Sonderzuschlag. Infolge der Kürze der Zeit fann bei der DezemberZahlung ausgangs November die Erhöhung nicht mehr berücksichtigt werden. Bei der Januar- Zahlung sind daher zu gewähren: 1. Grundbetrag für Januar nach dem Stande vom 1. Auguſt. 2 15 Prez. Erhöhung für Januar. 3. 11 Proz. Nachzahlung für Dezember. 4. 6 Proz. Nachzahlung für November. Insgesamt also: Grundbetrag und 32 Broz. einmaliger Aufschlag( Nachzahlung und Januar- Zahlung). Beim Reichsarbeitsministerium hat der Reichsbund beantragt, die Versorgungsgebührnisse für Januar einschließli der Nachzahlung schon vor dem Weihnachtsfefte auszuzahlen. Volksparteilicher Rummel. Wahlversammlung der Deutschen Volkspartei. Szene: Großes Schauspielhaus. Zeif: Sonnabend nachmittag 3 Uhr. Der brave Bürger, der nicht weiß, was gespielt wird, fragt sich: Was? Die Partei der paar Männeden und Bersammlung im Großen Schauspielhaus? Gott, die Sache ist doch sehr einfach. Die Deutsche Volkspartei ist ja die Partei der Industriebarone. Industriebetriebe gibt es in Berlin eine große Menge. Am Sonnabend aber schließen fie um 2 Uhr nachmittags, da wird den Angestellten von den Herren Borgefeßten eine Rarte zum Besuch der Bersammlung im Großen Schauspielhaus in die Hand gegeben und gesagt: Geht hin. Daher der Besuch des Großen Schauspielhauses bei einer deutschvolksparteilichen Versammlung. Kein deutscher Mann und keine deutsche Frau dürfen fehlen, hieß es auf der Einladung. so rin in den Kummel. Housfung eine Dru@ preffe, Hettographen 51ätter, Klischees und andere Fälschungswertzeuge gefunden worden, und die Anflage nahm an, daß Dümmler die falschen Urkunden selbst angefertigt hatte, um damit seine Betrügereien zu begehen. Dümmler behauptete, diese Papiere von dem richtigen Freiherrn v. K. erhalten zu haben. Dieser sei als Kunstschüße in Barietés aufgetreten und durch einen unglüdlichen Zufall auf offener Bühne von seinem Partner erschossen worden. Daß er das Abzahlungsgeschäft habe prellen wollen, gab der Angeklagte zu. Der Staatsanwalt hatte gegen den falschen Freiherrn drei Jahre Zuchthaus beantragt. Rechtsanwalt Dr. Mendel hielt den Beweis nicht für erbracht, daß der Angeklagte die Fälschungen selbst verübt hätte. Das Gericht verurteilte Dümmler auch nur wegen Rückfallbetrugs und Verwendung falscher Urkunden und ertannte gegen ihn auf 1½ Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte war mit dem Urteil so zufrieden, daß er die Strafe sofort antrat. Alles um Liebe. Der Prozeß eines Heiratsschwindlers. Mit Und ein Rummel war es weiß Gott. Wunderschön und abwechslungsreich. Ein großer Teil der Besucher, denn auch von denen Ein früherer Polizeibeamter S). war vom Schöffengericht Wedding gibt es ja in Berlin bekanntlich eine große Anzahl, wird sich zu wegen zahlreicher Heiratsschwindeleien zu 3½ Jahren Gefängnis diesem Besuch der Versammlung haben verloden lassen, weil, ohne und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Als besonders strafdaß Eintrittsgeld erhoben wurde, allerhand und noch was zu sehen erschwerend wurde der Fall einer Arztfrau betrachtet, in war. Und was wurde nicht alles geboten! Zuerst jener Film „ Liste 5 ist Trumpf", jenes Sammelsurium, das an dieser dem allerdings ein Betrug nicht vorlag. Nachdem der Angeklagte Stelle vor kurzem gebührend gefennzeichnet worden ist. Dann schon viele Frauen unglücklich gemacht hatte, hatte er unter der Musike. Es spielte das Deutsche Toukünstler- Orchester, dessen Maste eines Landgerichsrates Dr. Krämer" die Frau Dirigent ja als nationaler Mann befannt ist, so national, daß er in seine Neze gezogen und mit ihr ein Liebesverhältnis angefnüpft während des Musikerstreits mit seinem Orchester den Streifenden und die Frau veranlaßt, ihren Mann, vier Kinder und überall in den Rücken gefallen ist. Gestern hatte er sich zu allem gesicherte Berhältniffe im Stich zu laffen und ihm zu folgen. noch eine Husarenjade angezogen, und das sah besonders schön und Der Angeklagte hatte feine Opfer unter älteren unverheirateten wirtungsvoll aus, weil er dazu eine graue Zivilhose trug. Auch einzelne feiner Mufiter hatten Uniformröde an, von der Infanterie wobei er ihnen aber verschmieg, daß er längst nicht mehr BolizeiFrauen oder Witwen gesucht, indem er ihnen die Heirat verspray, und von der Kavallerie und von der Artillerie. Es war ein wahres fommissar war. Im Bertrauen auf seine Beamtenstellung hatten Uniformpotpourri Aber auch der Staatshoboist eines Reichswehr die Frauen ihrem Zufünftigen zur besseren Anlage ihrer Schmud regiments spielte eine Rolle, indem er dem Mann mit der Husaren fachen, Wertpapiere und Sparkassenbücher ausgehändigt. Der Anjade allerhond Anweisungen gab. Dann gab es Orgelmufit geflagte hatte dann sofort alles zu Geld gemacht und war verund Vortrag von vereinigten Männerchören, und alles spielte schwunden. Gegen das Urteil des Schöffengerichts hatte sein Verund fang und orgelte patriotische Lieder. Justizrat Hallens. leben( der Mann, der sich seine Unterschrift mit 350 000 m. be- teidiger Berufung eingelegt, so daß sich die Straffammer des Landzahlen läßt) trat zuerst auf, um zu erklären, was doch jedes Kind gerichts III nochmals mit dem Fall beschäftigen mußte. Es fam bei der Bernehmung der zahlreichen Frauen, die durch den Anschon weiß, daß die Deutsche Boltspartei die Partei der feinen Leute geflagten schnöde um das erhoffte Eheglück und um ihre Ersparnisse ist. Dann ertönte der Fridericus- Reg- Marsch, und unter seinen Klängen erfolgte der Einzug der Fahnen. Selbstverständlich drohenden Fäusten überschütteten die Betrogenen den Angeklagten, gebracht worden waren, zu sehr erregten Szenen drohenden Fäusten überschütteten die Betrogenen den Angeklagten, lauter schwarzweißrote Fahnen, wie auch Podium und Bühne einen 34jährigen schlanken, stattlichen Mann, mit den schwersten schwarzweißrot dekoriert waren. Ja einer der jungen Leute trug Ja einer der jungen Leute trug Vorwürfen. Der Angeklagte wandte sich besonders gegen die Vorfogar eine Standarte, wie sie Wilhelm zu benutzen pflegte, als er würfe, daß er sich gegenüber der Arztfrau gemein benommen habe noch nicht Holzhacker in Doorn war. Die Fahnen sentten sich und und behauptet, daß diese sich ihm geradezu an den Hals gedann kam die Kanone aller Kanonen, Herr Dr. Stresemann. worfen habe; zum Beweise dafür verlas der Verteidiger die Er sprach eine Stunde, er sprach zwei Stunden, er sprach noch Liebesforrespondenz mit dieser Frau. Im Gegensatz zu länger, und vielleicht redet er immer noch. Zunächst bewies er, daß den anderen Zeugen hält diese auch heute noch zu dem Angeflaglen. Friedrich der Große nur ein ziemlich fümmerlicher politischer Geist In einem Brief. den sie ihm ins Gefängnis geschickt hat, ertiärt fie, gewesen sei und daß Herr Stresemann, der berühmteste aller Dipio daß sie den Angeklagten, wenn er feine langjährige Gefängnisstrafe maten. Dann ritt er eine scharfe Attade gegen die DeutschDeutschbaß nationalen. Zwischenrufe famen: Es lebe das demokratische verbüßt haben werde, mit effenen Armen empfangen werde. Verheißungsvoll schließt sie ihre Liebesgrüße: Warte, Deutschland.( Der Zwischenrufer wurde von den volksparteilichen warte nur ein Weilchen, bald fommt auch das Glüd Mannen prompt entfernt.) Andere wieder riefen Kapp und sagten zu Dir!" Sie teilt ihm auch beglückt mit, daß sie von ihm ein ihm noch andere deutschnationale Schmeicheleien. Doch Herr Strese Liebespfand unter dem Herzen trage. Das Hauptverteidigungsmittel mann redete immer erregter und ließ sich nicht beirren. Dann schlug des Angeklagten ftüßt sich auf den„ Jagdschein. Er behauptet, daß er das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold tot und schließlich schüttete er aus dem Polizeidienst entlassen worden fei, als er megen er, o Gott, o Gott, allen Hohn auf den„ Borwärts" aus, der ihn einen Charakterlosen genannt hat, weil er einft für Schwarz- Rot- Gold trant erklärt und in einem Prozeß wegen feines militärischen einer militärischen Bermundung für geistes als Burschenschafter eingetreten sei. Der Vorwärts" hat ja teine Bergehens auch deshalb freigesprochen worben war. Dem Gericht Ahnung, jo fagt Herr Dr. Stresemann, von der wahren Natur der Farken Schwarz- Rot- Gold, Nun wiffen wir es. So hüpfte er hin und blieb nichts anderes übrig, als dem Antrag des Berteidigers statt. zugeben und die Sache zu vertagen, um die Aften über die angeb her, pon einem Bunft zum anderen, und vielleicht wird ihn später der fiche Geiftestrantheit des Angeklagten nachfordern und den An Direktor des nahen Wintergartens als Meisterjongleur engagieren. Ach, um wie viel wohler wäre es Deutschland, wenn Herr Dr. Strefe getlagten inzwischen von einem Gerichtsarzt begutachten zu laffen. mann im Wintergarten aufträte. Zum Schluß gab es das Deutschland- Lied mit Musike und Chor und Orgel Es war wirklich wunder-, wunderschön. Schade nur, daß nachher nicht noch getanzt wurde. Ein vielseitiger Urkundenfälscher. Unter der Maste eines Freiherrn v. R. trat der Rumftzeichner Ludwig Dümmler auf, der bereits zahlreiche Borstrafen hatte und zuletzt eine vierjährige Zuchthausstrafe verbüßt hatte. Unter dem. hochtönenden Namen erschien er in einem Abzahlungsgeschäft und faufte einen eleganten Ulster, für den er eine kleine Anzahlung leistete. Mit der Restzahlung blieb er aus. Als er sich wegen Betrugs vor dem Schöffengericht Schöneberg verantworten mußte, lagen auf dem Gerichtstisch ganze Stöße von ge= fälschten Geburtsurfunden, Abelsbriefen, polizeilichen Anmeldungen, Zeugnissen von Hochschulen, Universitäten und Kunstgewerbeanstalten. In der Wohnung des Angeklagten waren bei einer 38] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. So hatte er die ganze Nacht hindurch an sie geschrieben, So hatte er die ganze Nacht hindurch an sie geschrieben, dazwischen auch wohl einmal den Kopf durch die Arme sinken laffen und geweint wie ein schwachmütiger Knabe. Sein Brief war nie beantwortet worden. Seine Mutter strebte, in sein Geheimnis einzubringen, endlich brach sein Widerstand, und er sagte ihr alles. Das aber brachte ihn in die abfurde Lage, Joyce verteidigen zu müssen, denn die kleine Mutter war ehrlich entrüstet darüber, daß sich eine Frau überhaupt so zu ihrem Manne betragen fönnte. Die Mädchen von heutzutage waren hohlköpfige, vergnügungsfüchtige Geschöpfe. Pflichtgefühl kannten sie nicht mehr. Kurze Haare und furze Röcke, so waren sie alle, so war auch Jonce. Seine Mutter milder zu stimmen, war aussichtslos. Gerade weil sie ihren Sohn, den einzigen, den sie jetzt wieder betreuen fonnte, so abgöttisch liebte, tannte sie teine Milde seiner Frau gegenüber. Und Bertram fonnte nicht ungeduldig mit ihr werden, wenn sie so glückselig über seine Anwesenheit sich mit tausend fleinen Dingen beschäftigte, um ihm den Aufenthalt behaglich zu gestalten. Ich weiß wohl, es ist langweilig hier so allein mit mir," sagte sie, aber du kannst dir kaum denten, wie mich das tröstet, dich wieder hier zu wissen, da all meine anderen Bögel das Nest verlassen haben." " Es ist nie langweilig bei dir, Mütterchen," sagte er und beugte sich zu ihr nieder, um sie zu küssen.„ Aber ich muß doch ab und zu meine Freunde aufsuchen. Ich bin wieder hier, bevor du zu Bett gehst." Aber er blieb dann lange bei Janet Welford. Seine Mutter hörte seinen wohlbekannten Schritt an ihrer Tür vor überkommen und rief ihm zu:„ Gute Nacht, mein Junge!" 29. Janet Welford, die bekannte Schriftstellerin, war zu dieser Zeit eine Quelle des Trostes für Bertram. Sie besaß einen so frischen Mut dem Leben gegenüber, eine so ungezwungene Heiterkeit des Temperaments, daß ihre Gesellschaft ihn aus feinem-frankhaften Bruten aufrüttelfe. Vielleicht war es ihr täglicher Dienst für die Erblindeten, welcher ihre Seele dazu fähig erhielt, das alte Wort ,, durch halten" zu befolgen, das die Massen während des Krieges zu allen Leiden begeistert hatte. Wenigstens war das ihre Erflärung. Nochmals der Meineidsprozeß Eggert. " Der Fall des wegen Meineides verurteilten Spandauer Stadt rats Eggert wird am 15. Dezember nochmals das Landgericht III beschäftigen, da an diesem Tage gegen die Mitangeklagte Mathilde Megger Berhandlungstermin angefekt worden ist. Die Angeklagte Megger war, wie erinnerlich, Schwester eines Säuglingsheims in Staaten und soll mit Eggert intime Beziehungen unterhalten haben. Daraus, daß Eggert und die Schwester diese Beziehungen abgeftritten hatten, war das Meineidsverfahren entstanden, das bereits für Eggert einen so unglücklichen Ausgang genommen hat. Die Mit angeflagte Megger war zu dem letzten Termin ausgeblieben und hatte aus ihrer Heimatstadt in Württemberg ein Rrantheits. attest eingeschickt, nach welchem sie infolge eines Leidens nicht reisefähig sei. Auf Veranlassung des Berliner Gerichts ist Schwester Mathilde von dem Oberamtsarzt ihres Heimatortes untersucht worden. Dieser hat sie für untersuchungs und reisefähig S ,, Meine Blinden erhalten mich gesund und tapfer und voller Lebenskraft," sagte sie lächelnd, wie soll ich mir melancholische Anwandlungen erlauben, mein Weh bejammern und über unerwiderte Liebe schluchzen, während diese armen Sungen heiter und fidel erhalten werden müssen, um sie vor Tod und Verzweiflung zu retten? Sie schlagen meinen eigenen Egoismus mit Keulen tot." ,, Das ist großartig von Ihnen," sagte Bertram. Aber davon wollte Janet nichts wissen. Pah, das ist nur eine andere Form des Egoismus. Sie sind eine Kur für meine Seele, und das erzähle ich ihnen auch. Natürlich halten sie das für einen guten Wig, und so lachen wir wieder." Nein, Janet war nicht zusammengebrochen, obgleich Pater Und sie fürchtete und Bruder im Kriege gefallen waren. Solange wir nichts, weder Bolschewismus, noch Armut. leben, wollen wir kämpfen und tun, was das Notwendigste ist," war ihr GrundsatzBon intimerem und brennendem Inferesse war für Bertram Janets freies Reden über sein privates Unglüd feine verfehlte Ehe. Sie stellte ihm merkwürdig direkte Fragen über seine Beziehungen mit Joyce, ganz verblüffend indiskret und furchtlos, und nachdem er sie zuerst abgewehrt hatte, erzählte er schließlich doch die Wahrheit, allerdings in dem Sinne, als hätte er selbst die größte Schuld an dem unfeligen Verhältnis durch seinen Mangel an Geduld und an Berständnis. Sehr interessant," bemerkte fie sachlich, während er berichtete ,,, der unvermeidliche Zusammenstoß gänzlich verschiedener Temperamente." ,, Sie sind wahrlich nicht sehr teilnahmsvoll," beklagte sich Bertram ,,, und auch nicht sehr hilfsbereit. Wie tomme ich aus diesem Wirrwarr wieder heraus?" weiter, als hätte es nie existiert. Sie werden dann finden, ,, Bergessen Sie es!" war die Antwort. Leben Sie daß sich alles wieder glatt zieht." Und dann ließ sie ihm großmütig ihre Diagnose zuteil werden. Auf Ihrer Seite liegt eine feruelle Unterdrückung vor, auf der Seite Ihrer Frau eine Angstkomplitation. Ihr eigener Fall ist sehr einfach und absolut alltäglich. Nichts Beunruhigendes! Komplizierter liegt die Sache bei Ihrer Frau." Und fie führte ihre Erklärungen weiter aus. Bertrams Frau, behauptete sie, sei das Opfer ihrer frühesten Umgebung. Immer, feit der zartesten Kindheit, war sie vor jeder Berührung mit Den Realitäten des Lebens geschützt worden und hatte nie mit | erfart. Nunmehr die Angeklagte Megger auf Berana laffung des Schwurgerichts verhaftet worden und wird nach Berlin überführt werden. Zu der Verhandlung vor dem Schwurgericht, die von Landgerichtsdirektor Dransfeld geleitet wird, wird auch Eggert als Zeuge vorgeführt. Die Pflicht des 7. Dezember. Unsere Partei hatte für die Rommunalbeamten eine Wählerversammlung nach dem Bürgersaal des Rathauses einberufen. Der Referent, Bürgermeister Genosse Leid, erklärte, daß die Sozialdemokratie die Besoldungsverhältnisse der Kommunalbeamten in sozialer Hinsicht stets als ungerecht angesehen hätte. Die Gemeinden haben aber auf die Besoldung teinen Einfluß gehabt; die Auswirkungen des Londoner Abkommens werden jedoch auch die Gemeinden finanziell wieder selbständiger machen. Durch neue Amtsbezeichnungen, die oft nicht einmal das richtige getroffen haben, hat man viele Beamte davon abgehalten, ihre soziale Lage zu erkennerShnen genügte es, wenn ihre Titelsucht befriedigt wurde. Ge nosse Leid ging in längeren Ausführungen auf die Personalabbauverordnung ein. Er bewies, wie gerade durch die Politik der bürgerlichen Regierung Cuno die härtesten Maßnahmen nötig wurden, um den Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn die Sozialdemokratie auch der Abbauverordnung zugestimmt hat, so ist sie doch nicht für den Abbau gerade der republikanischen Beamten verantwortlich zu machen. Wir ferdern Sparjamteit durch organisatorische Berbefferungen in der Verwaltung; dazu gehört auch eine Beseitigung des kostspieligen und völlig überflüffigen Staatsrates und schließlich auch der vielen Länderparlamente. Wir sind auch der Ansicht, daß das gesamte Bermögen der Hohenzollern den Staatsnotwendigkeiten dienstbar gemacht werden fann. Es ist ein wahltechnisches Manöver, wenn jetzt die Regierung den Personalabbau einstellen will; sie folgt damit nur der Initiative start behindert worden ist. So wichtig all diese Fragen für die Beder Sozialdemokraten, die aber gerade von der Deutschen Boltspartei amten find, dürfen diese darüber aber nicht ihre allgemeine Lage vergessen. Sie ist davon abhängig, ob den Zollschuhwünschen der Landwirtschaft und der Industrie nachgegeben wird. Die Bevölke der Sozialdemokratie im neuen Reichstag. rung vor dieser neuen Ausplünderung zu schüßen, ist die Aufgabe Deshalb tann die Auswahl des richtigen Stimmzettels am 7. Dezember nicht schwer sein: Er muß der Sozialdemokratie gehören. Jm Biftoriagarten in Wilmersdorf sprach Genosse Stampfer vor einer Zuhörerschar, die den Gaal bis zum letzten Platz füllte. aus, wenn die Deutschnationalen zur Regierung fommen, zeigt der Was für eine Außenpolitif wir zu erwarten haben, so führte er u. a. Fall Nathusius. Nathusius ist persönlich unschuldig, man foll aber nicht vergessen, daß der Krieg Dinge mit fich bringt, die nicht zu billigen find, Den französischen Militärrichtern tam es darauf an, den Haß lebendig zu halten, wir wollen ihn aber vergessen und basselbe wollte Herriot, als er Nathufius begnadigte. Ihn deswegen beutschnationalen Borschlag verfahren und hätte man Repreffalien zu beschimpfen, ist eine Unanständigkeit. Wäre man nach dem ergriffen, fo hätte mon aufs neue über das belette Gebiet die Schreden des Ruhrkrieges heraufbeschworen. Eine deutsche und eine französische Linksregierung aber fönnten gemeinsam Ruh mes. taten des Friedens vollbringen. In der Diskussion stellte sich u. a. auch ein ,, deutschnationaler Ara worden, weil ihm ein deutschnationaler Abgeordneter Arbeit ver beiber" namens Kirbis vor, der erflärte, er sei deutschnational ges schafft habe. Ein ehemaliger Unabhängiger, der den Weg zur Partei noch nicht zurückgefunden hat, predigte Ginigung mit der KPD. Stampfer erwiderte, wir seien gern bereit, uns mit Kommu niften, soweit fie moralisch einwandfrei seien, zu einigen, falls sie auf ihre verblendete Gewaltlehre verzichteten und Sozialdemo traten würden. Eine andere Einigung gäbe es aber nicht. Die. Bersammlung schloß mit einem dreifachen donnernden Hoch auf die Sozialdemokratie. Im Türkischen Zelt", Berliner Straße, sprach Genoffin Adele Schreiber Rrieger zu den Frauen des Charlottenburger Bezirks. In großen Zügen streifte die Referentin die politischen Erlebnisse der letzten Jahre hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Frau. Den Kampf um die Gleichberechtigung erwähnte sie, den allein die Sozialdemokratie unterstützte, während die anderer Parteien über bloße Versprechungen und sonstige Manöver nicht hinaustamen. Die Weimarer Verfassung sagte den Frauen Wahrung ihrer Interessen zu, ohne daß ein Reichstag dieser Zusage bisher gerecht geworden wäre. Auch hier machten sich die Schäden der Reaktion fühlbar, die die notwendige Entwicklung aller sozialen Kräfte verhindert. Rapitalistisches Intereffe wird hinter fügenhafte Moral verstedt. Die Religion der Sozialdemokratie, fagte die Rednerin, ist die Wahrheit; sie will die im Frauenleben immer noch herrschenden Mißstände( Wohnungselend,§ 218, uneheliche Mutterschaft, Prostitution usw.) endgültig beseitigen. Das Justizmesen müsse in dieser Beziehung ebenfalls reformiert werden, a B. Ehegesetz und Ehescheidung, Kindesrecht. Wenn die deutschen gewöhnlichen" Leuten wie ein Mensch zum anderen gesprochen. Schon wenn sie in ihrem Kinderwagen vorbei gefahren wurde, hatten sie vor ihr die Mützen abgezogen, und so war sie in dem Glauben aufgewachsen, den anderen Leuten überlegen zu fein und nur solche klasse wie ihre eigene, die auch in Schlössern, wie Holme Ditery, lebten, als ihresgleichen anzuerfennen. So unberührt, so geschüßt, so unverändert, wie die in Atlas und Spigen gemandeten Ahnenbilder im Schlosse, war ihr ihre eigene Welt und ihre Familie auch stets erschienen. Dann kam der Krieg, und nichts schien zuerst verändert. Ihr Vater und ihr Bruder hatten hohe Aemter und besaßen noch größere Autorität als vorher. Erst die Zeit, die nach dem Kriege gefommen war, hatte ihr Furcht eingeflößt. Sie mußte sehen, wie Holme Ottery und alles, was damit zusammenhängt, bedroht wurde, wie die ungeheure Besteuerung die alte Lebenshaltung ihrer Kaste tötete, ihr Sicherheitsgefühl, ihre Macht, ihre reiche Behaglichkeit zerstörte. Dazu kamen andere Gefahren: das Schreckgespenst des Bolschewismus, eine neue Frechheit im Benehmen der aus dem Kriege zurüdgelehrten Leute, die nicht mehr so befliffen die Mügen zogen, wenn die junge Gräfin vorüberfam, sondern bitter ihre Rechte", ihren Anspruch auf Arbeit und menschenwürdige Löhne betonfen. Joyce Bellairs fürchtete die brutalen Gewalten, die alles bedrohten, was sie seit ihrer Kindheit geliebt und verehrt hatte. Daraus erklärte sich auch ihr Benehmen gegen Beriram, es war ein Angstkompler. Sie liebte ihn, aber gerade die Stärke ihrer Liebe machte sie brutal gegen ihn, wenn auch er sich mit den Mächten zu vereinen schien, die so von ihr gefürchtet waren. ,, Das flingt ja alles sehr einleuchtend," sagte Bertram gar nicht, was Furcht ist, sie hat mehr als Männermut." etwas ungeduldig ,,, und ist doch alles verkehrt. Joyce weiß Physischen Mut, ja. Aber geistigen Mut nicht." 17 " ,, und außerdem," sagte Bertram, löst doch das alles mein Rätsel nicht. Wie soll ich denn ein einsames Leben führen, getrennt von Joyce, die noch meine Frau ist? Wie fann ich sie überzeugen, das Wort„ Berräter" zurückzunehmen?"" Geben Sie ihr Zeit und machen Sie sich das Leben nicht schwer," war Janets Antwort. Eine fieine Trennung wird euch gut tun. Gott im Himmel! Dies bea ständige Zusammensein in der Ehe könnte jogar zwei Erza engel nervös machen. Ich könnts nicht aushalten." ( Fortjeßung folgt.) Frauen ihre und ihrer Kinder Gesundheit woffen, müffen fle am 7. Dezember sozialdemokratisch wählen. Ein hoch auf die Partei schloß die Versammlung. In sehr stark besuchter Versammlung im Swinemünder„ Gefellschaftshaus" hielt Genosse Künstler scharfe Abrechnung mit Nationalisten und Kommunisten. Deutschnationale, Böltische und Kommunisten hatten am 4. Mai einen Wahlerfolg. Mit diesem mußten genannte Parteien jedoch im Interesse des arbeitenden, notleidenden Volkes nichts anzufangen. Ihre Fraftionen erstritten im aufgelösten Reichs.ag den gemeinsamen Ruhm, das Parlament arbeitsunfähig gemacht zu haben. Mit Kindertrompetenkonzert wollen fich aber die Wähler nicht zufrieden geben. Die Arbeiter werden em 7. Dezember den Deutschnationalen, Bölkischen und Rommunisten, diesen Dreibund zur Bekämpfung der Republik und Arbeiterschaft, die wohlverdienten Schläge versetzen. Wenn es eines Beweises bedurft hätte über die gemeinsame Front der Nationalisten und Komuriften gegen Republik und Arbeiterschaft, so ift es der, deß sie gemeinsam unter der Parole Fort mit Severing" den Wahlkampf führen. Die Parole des Proletariats aber heißt:" Fort mit der völkischen und tommunistischen Harle. fins". In der Diskussion versuchten zwei Rommunisten ihre schon vor Jahren gehaltenen Reden erneut vorzutragen. Die Arbeiter lehnten aber danfend ab. Mit einem begeistert ausgenom menen Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Sänger und Dachbewohner. Gefang erfreut des Menschen Herz, diese Worte haben in den wildbewegtsten Zeiten ihre Wertbeständigkeit behalten. Darum hat sich auch die deutsche Kanarienvogelzucht, trog der vielen und schweren Einbußen, die sie während der Kriegs- und Inflationszeit erfitt, be hauptet. Vor dem Kriege nahmen die von Hamburg oder Bremer haven abfahrenden Weihnachtsdampfer, fo nennt man die Schiffe, die kurz vor dem Fest in Amerifa eintreffen, immer eine ganze Gesellschaft Harzer Roller als Passagiere mit. Die Ausfuhr Teht jetzt wieder auf. Die Deutschamerikaner nennen den guten Sänger nach wie vor den Harzer Roller, obwohl gegenwärtig überall in Deutschland Gefangstanarien gezogen werden. So veranstaltet der Berein„ Canaria", der älteste Berein für Liebhaber und Züchter des Kanarienvogels in Berlin e. V., eine sehr ansprechende Ausstellung im Hofbräu", Leipzigerstraße Nr. 85. Das Auge kommt nicht auf seine Roften, dafür das Dhr aber desto mehr. Die Bögel werden nämlich in Rollektionen zu bieren, in perduntelten Bauern gehalten, damit weder sie noch die Beschauer abgelenkt werden und alles sich auf den Gefang fonzentriert. In der allgemeinen Klaffe findet man zwei- bis dreijährige Tiere, in der Selbstzuchtklasse hinge gen Jungtiere. Renner fagen, daß die Zucht aus diesem Jahre in Bezug auf Gestalt zufriedenstellend ausfiel und daß sie in gefanglicher Hinsicht hervorragend ist. Alle Ausgestellten sind auf gesangliche Leistungen bewertet. Der Farbe nach, verdrängen die Brünien die Gelben, weil man behauptet, die Grünen feien beffere Sänger. Durch Futterbeigaben fann man auf die Farbe einwirten. Das Tier ist jedoch nur fähig die Farbe anzunehmen, vererben fann es fie nicht. Die Edelfänger laffen alle Touren aus, die das Ohr irgendwie beleidigen. Sie dürfen nicht schreien, fie dürfen nicht jappen, fie dürfen nicht piepen wie eine Nähmaschine. Die Liebhaber haben ganz streng ausgeprägte Gesangsrichtungen. Im Berein Ca naria" äßt man zum Beispiel die Nachtigallenschlager nicht gelten. Bu gleicher Beit sind die Tauben von den Dächern geholt, um im Rosenthaler Garten, Rosenthaler Straße Nr. 14, zu einer Schau vereinigt zu werden. Man sieht dort 270 gute Tiere. Die Taubenfreunde haben unbedingt ihre Freude, die Sportler find enzückt über manches hochgezogene Tier und die Anfänger lernen, ob fie für den Rochtopf oder die Zucht ziehen. Die Mitglieder des Bereins Arfona" bevorzugen Berliner Raffen, boch sind auch Farbentauben vertreten. Ebenso ist eine Rolleftion Brieftauben vor handen. Sie geben in Körper und Farbe viel her, fie werden stets aufmerksam betrachtet, denn für den Laien ist die Brieftaube nun mal eben mit einem ganz besonderen Nimbus umgeben. 11 Moabit zwei Stunden im Dunkeln. Gestern abend um 6 Uhr entstand in der unter dem Bürgersteig liegenden elektrischen Leiturg vor dem Haufe Turmstr. 27 Kurzschluß. Dabei wurde der Steindedel des Einsteigschbachtes in die Höhe geileu dert und der 56 Jahre alte Rohrleger Auguft om verlegt. Da der Schaden erst gegen 8 Uhr abends beseitigt werden konnte, fetzte die elektrische Beleuchtung während dieser zwei Stunden in Moabit aus. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, 3 Uhr nachmittags, tm Theater des Westens: ,, Wozzeck". Kazten zum Preise von 90 Bf., Garderobe und Theaterzettel frei, find noch im Vorraum bes Theaters zu haben. Heute, 2½ Uhr nachmittags, im Staatstheater CharIottenburg( Schillertheater) ,,, Dr. Clauz". Starten find noch im Vorraum des Theaters zu haben. Preis 1 Gm. Garderobe und Theaterzettel frei. Sonntag, den 7. Dezember, 3 Uhr nachmittags, im Theater bes Westena ,, Romeo und Julia". Preis pro Karte 0,90 m. Freitag, den 26. Dezember( 2. Weihnachtsfeiertag), Proletarische Feierstunde im Großen Schauspielhaus. Preis pro Karte 1 Gm. Zur Aufführung fommt ,, Großstadtfrühling", Chorwert mit Musit, Gesang und Zanz, unter Mitwirkung der Tanzgruppe Terpis vom Staatstheater. 3. und 6. Dezember, Märchenvorstellung im Theater des Westens, nachmittags 3% Uhr ,,, Lotte im Weihnachtslande". Karten zum ermäßigten Preise von 60, 40 und 30 Pig. Karten für alle Veranstaltungen find an ben befannten Stellen zu haben. Die Kreise werben ersucht, die Opern farten für Dezember abzuholen. ohlfeile inter oche Ausserdem grösste Auswahl in BallUeberziehstiefeln, pelzgefütt. Stiefeln und Stiefeln mit Korkzwischensohlen Reichsbanner heraus! Der Gauvorstand Berlin- Brandenburg bes Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold erläßt an alle Angehörigen des Reichsbanners folgenden Aufruf: Kameraben! In den letzten Wochen des Wahltampfes haben wir von Euch schwerste Arbeit verlangen müssen. Jede Aufgabe habt Ihr in mustergültiger Weise erfüllt. Dant Eurer Opferfreudigkeit und Eurem Willen zum Siege hat die Wahlschlacht eine so merkliche Wendung zugunsten der Republik genommen, daß niemand mehr an ihrem Siege zu zweifeln wagt. Unsere Gegner versuchen mit den gemeinsten Mitteln das " Reichsbanner" in den Schmutz zu treten. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Rügenpresse der Rechtsparteien eine neue Infamie über unfere anisation in die Welt fegt. Wir sind erhaben über diese Daterläni ichen Gemeinheiten. Je höher die Schlammfluten steigen, um so höher werden wir unser Banner halten, damit es auch nicht durch einen einzigen Dredspriger aus dem„ nationalen" Sumpf be schmutzt wird. Gebt den Leuten, die es wagen, uns Frontfämpfer als Vaterlandsverräter zu bezeichnen, gebt diesen Bolts- und Republiffeinden die richtige Antwort! Haltet noch acht Tage aus! Steigert, wenn das überhaupt noch möglich ist, Gure Rampffraft in der Reichsbannerwoche" bis zum Aeußersten! Die für die letzte Woche vom Gauvor ftand im Einvernehmen mit den einzelnen Kamerabschaften angeordneten Aftionen müffen von jedem Kameraben unterstützt werden. Jeder hat in dieser Woche die Farben der Republit zu tragen und in Uniform auf der Straße zu erscheinen. Bom 30. November bis zum 7. Dezember muß Deutschland im Zeichen des Reichsbanners", im Zeichen der Republik und ihrer schwarzrotgoldenen Fahnen stehen. Kameraben! Laßt Euch bei dieser Arbeit durch keine noch fo große Provokation der Hafenfreugler zu unbesonnenheiten hinreißen. Eisernste Disziplin ist auch in der Wahlschlacht die Vorausfegung für den Sieg. " Tut noch einmal, wie schon so oft in diesem lehten halben Jahre Gure Pflicht, Kameraden! Spannt noch einmal alle Gure Kräfte an! Wenn dann am Abend des 7. Dezember das schwarzrotdoldene Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 30. November. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. Ansprache des Herrn Professor Beschnidt, Triovereinigung Friedhelm Wilksch. 11.30-12.50 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule. Abteilung Hochschulkurse der Funkstunde. 11.30 Uhr vorm.: Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Miethe, ordentl. Prof. an der Technischen Hochschule Berlin: Die Bedeutung der Photographie". 4. Vortrag: Luftperspektive und farben empfindliche Platte". 12 Uhr mittags: Professor Dr. phil. Dessoir, ordentl. Professor an der Universität Berlin:" Einführung in die Philosophie. 4. Vortrag:" Philosophie und Kunst". 12.30 Uhr nachm.: Geh. Reg.- Rat Prof. Dr.- Ing. Brix, ordentl. Professor an der Techn. Hochschule Berlin: Die Stadt". 4. Vortrag: Die Stadtplanung" 1.30 Uhr nachm.: Reklamevortrag von Herrn Paul Morgan. 3.30 Uhr vorm.: Die Funkprinzessin erzählt: Orientalische Märchen. 1. Die Geschichte von Gülnar, der Meerfrau, aus Tausend und eine Nacht". 2. Der Meister und sein Schüler, eine indische Fabel, bearbeitet von Klara Höppner.( Die Fankprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Eröffnung der Bildungskurse der Hans- Bredow- Schule. Ansprache des Herrn Professor Franz Pahl: „ Wie hört man belehrende Funkvorträge? 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Paul Rohrbach: Das Deutschtum in der Welt". 8.30 Uhr abends: Löwe- Balladen- Abend. Mitwirkende: Kammerher. 1. Einleitender Vortrag über Johann Karl Gottfried sängerin Charlotte Kuhn- Brunner, Kammersänger Professor Albert we: Prof. Max Chop. 9. Mutter an der Wiege. 3. a) Tom der Reimer, b) Archibald Douglas. 4. Süßes Begräbnis. 5. a) Odins Meeresritt, b) Der Nöck. 6. Spirito Santo. 7. a) Prinz Eugen. b) Fridericus Rex. 8. Die Uhr. Am Schwechten- Flügel: Otto Urack. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Montag, den 1. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 19 Stegesbanner über Deutschland auffteigt, dann aber feine Minute früher wird an Euch der Befehl eroehen: Das Ganze halt! Auf Kameraden, zum letzten Gefecht! Auf zum Kampf! Auf zum Sieg! Es lebe unser Deutsches Vaterland! Es lebe die Deutsche Republik! Es lebe das Deutsche Freiheitsbanner Schwarz- Rot- Gold! Das staatliche Leihamt nimmt am 8. Dezember eine größere Bersteigerung vor. Näheres im Inseratenteil der heutigen Nummer. Zeppelin- Flug nach dem Nordpool? Die normegische Geographische Gesellschaft in Kristiania hat sich ausgiebig mit dem Plan beschäftigt, die unerforschten Gebiete des Nordpols mit einem Luftschiff, und zwar mit einem Zeppelin zu erreichen. Für dieses Projekt hat sich nicht nur der deutsche Luftfahrer Bruhns, sondern vor allen Dingen Dr. Frithjof Nansen, der berühmte Nordpolforscher, sehr warm eingesetzt. Die Bestrebungen, den Nordpol mit einem Luftfahrzeug zu erreichen, sind nicht neu. Bekanntlich hat bereits der Luftfahrer André versucht, mit einem Freiballon von Spizbergen aus den Nordpol zu erreichen, doch hat der unglüdliche Forscher im Badeis den Tod gefunden, da der von Wind und Luftströmungen abhängige Freiballon nicht die Rückfahrt anzutreten vermochte. Weiter hat der Amerikaner Wollmann einmal den Verfuch angefündigt, mit einem von ihm konstruierten Lenkluftschiff das er= fehnte Biel zu erreichen, doch wurde das Projekt, das wohl niemals sehr ernstlich gemeint war, vorzeitig aufaegeben. Dag get hat der verstorbene Graf Zeppelin bereits allen Ernftes daran gedacht, nicht nur den Nordpol, sondern auch andere bisher wenig befannte Gebiete mit seinen Luftschiffen zu erforschen Es sei daran erinnert, daß im Jahre 1907 die ersten Borbesprechungen zwischen dem Grafen Beppelin und Geheimrat Hergesell stattgefunden haben und daß fchließlich eine Erpedition zustande tam, die auf Spikbergen monatelang die klimatischen und meteorologischen Verhältnisse studierte. Uebereinstimmend war mon der Anficht. dok von Spigbergen aus die Erreichung der unbekannten arktischen Gebiete durchaus möglich sei, und es wurden auch mit großem Erfolg Versuche gemacht, Gisanfer zu fonstruieren, mit deren Hilfe es möglich sein würde, Landungen auf dem Paceis vorzunehmen. Die Eraebnisse der damaligen Expedition werden zweifelsohne den jetzigen B'änen, den Nordpol auf dem Luftwege zu erreichen, ef te wertvolle Grundloge geben. Der arktische Sommer bietet besonders für lange Fahrten eines Luftschiffs die dentbar günstigsten Bedinrungen, weil mährend des 24stündigen Tages in diesen hohen Breiten zu dieser Jahreszeit eine nahezu aleichmäßige Temperatur und Bestrahlung zu verzeichnen ist, was für die Fahrtdauer eines Luftschiffes von wesentlicher Bedeutung ist. Von Lokalwinden in der Nähe der Küste und Inseln abgesehen, herrschen in den ark'i'chen Regionen während der warmen Jahreszeit nur geringe WindStärten, ferner sind dort die Niederschläge nur mäßig und von kurzer Dauer. Vor allem fehlt es aber in diefen Gegenden während des Sommers gänzlich an den gefährlichsten Feinden der Luftschiffahrt, näm'ich an gewitterartigen und böigen Wettererscheinungen, deren vertikale Strömungen das Luftschiff leicht zu großen Höhen führen oder auf den Boden drücken föinen. Sollte es Amundsen, der mit Eifer alle Vorbereitungen für die Erreichung des Nordpols mit einem Dornier Flugzeug betreibt, im tommenden Jahr tatsächlich gelingen, dieses Unternehmen durchzuführen, dann dürfte er allerdings, wenigstens was die tatsächliche Erreichung des Nordpols anlangt, dem Zeppelinlift. fchiff insoweit den Rang ablaufe 1. Dagegen dürfte eine gründliche wissenschaftliche Erforschung der polorischen Regionen nur mit Hilfe bes über einen weit größeren Attionsradius verfügenden Riefen luftschiffes möglich sein, so daß schon aus diesem Grunde der Bermendung eines Reppelins für den Nordpolflug mit größtem Intereffe entgegengeschen werden wird. Eisenbahnunglück bei Mannheim. Mannheim, 29. November. Gestern abend 10% Uhr ist ber Personenzug Karlsruhe- Mannheim auf einen an der Blod. ftelle Forlenschlag( zwischen Friedrichstal und Graben) infolge Maschinendefettes haltenden Güterzug aufgefahren, wobei von dem Personenzug, der unmittelbar hinter der Lokomotive laufende Bostwagen, der unbesetzt war, und von dem Güterzug einige Güterwagen zertrümmert wurden. Beide Gleise waren gesperrt. Die Reisenden des Personenzugs 759 wurden nach Graben geleitet und von da mittels Sonderzuges nach Mannheim weiterbefördert. Der Durchgangsverkehr wird über Bruchsal geleitet. Die Frühpersonenzüge erlitten infolge des Unfalles geringe Verspätungen. Von den Reisenden und dem Bahnpersonal ist nie. mand ernstlicher verlegt werden. 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe: Im Kampf gegen das Verbrechertum. 3. Vortrag. Herr Kriminalkommissar Salaw: Verbrecherfahndung". 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch.. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. Abteilung Bildungskurse der Funkstunde. Medizinische Vorträge: Hygiene des Kindesalters. Prof. Dr. Ludwig F. Meyer:„ Ernährung im Säuglingsalter". 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Robert Schlosser: Wesen und Bedeutung der Genossenschaftsbewegung". 8.30 Uhr abends: Konzert. Uebertragung von der Leipziger Sendestelle. Historischer Abend des Verlages Breitkopf& Härtel. Mitwirkende: Kapellmeister Alfred Szendrey; Eugenie Wilms, Sopran; Martha Adam, Alt; Jakob Bernstein, Solocellist des Leipziger Sinfonieorchesters; Alfred Simon, Pianist. 1. Vortrag des Herrn Dr. Hitzig, Archivar bei Breitkopf& Härtel. 2. Arie aus der Oper„ Die Jagd", J. A. Hiller( Eugenie Wilms). 8. Cellokonzert( mit Streichorchester und Cembalo) Ph. E. Bach( Jakob Bernstein). 4. Solokantate( mit Streichorchester und Combalo), Ach, daß ich Wassers genug bätte", Joh. Christoph Bach( Martha Adam). 5. Sonate für zwei Personen an einem Klavier"( die erste vierhändige Sonate) E. W. Wolf( Alfred Szendrei und Alfred Simon). 6. Aus den GoetheEin dänischer Dampfer gefunfen. Der Dampfer Baltit ift Liedern, J. Fr. Reichardt, a) Rastlose Liebe, b) Ganymed, c) Der König von Thule. d) Das Veilchen( Eugenie Wilms). Am Flügel: auf der Fahrt von Kopenhagen nach Danzig bei einem BuAlfred Simon. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tages- iammenstoß mit dem schwedischen Dampfer Frost im Kattegat nachrichten, Zeitansage Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- gefunten. Der erste Steuermann und ein Reisender ertranfen. dienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( Herr Nebermann.) Der Dampfer Froit erlitt feine Beschädigungen. Ueberfall auf ein Konsumgeschäft. Am Freitag abend gegen. 7 Uhr sind drei unbekannte Männer mit vorgehaltenen Revolvern in die Verkaufsstelle des Allgemeinen Ronium vereins in der Tuckermannstraße in Braunschweig eingedrun gen, haben die Angestellten bedroht und die Ladentasie beraubt. Den Räubern sind etwa 120 bis 150 Mart in die Hände gefallen. Weit und breit kennt man die Leiser Leistungsfähigkeit Hime dans Buuenib: Damen- Hochschaftstiefel Oesen- u. Agraffenstiefel Filzschnallenstiefel warm geaus prima Boxcalf, ausgezeichneter Strapazierstiefel.......... 890 Damen Schnürschuhe aus la Boxcalf, bequeme halbrunde Form, englischer Absatz, auf echtem Rand genäht 890 Damen- Lack- Spangenschuhe elegante spitze Form, moderner Absatz.. wieAbbildung 125º kräftige Lederausführung, wetterfester Strapazierstiefel, Gr. 31-35 5,50 do. 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Nur die ,, Rote Fahne" tut so, als ob sie es nicht wüßte, wenngleich gelegentliche Bemerkungen der maßgebenden kommunistischen Führer deutlich zeigen, daß auch sie begriffen haben, wie sehr die ganze wirtschaftliche Entwicklung sich gegen fie und ihre Hoffnungen ge= wandt hat. Die Rote Fahne" liebt es ganz besonders, mit Arbeiterstimmen zu paradieren. Wir haben berechtigten Zweifel, ob sie wirklich alle Briefe veröffentlicht, die ihr zu= gehen. Wir wollen ihr deshalb die Arbeit etwas erleichtern und teilen daher einen Brief mit, der der Roten Fahne" von einem Arbeiter und bisherigen Rom munisten zugegangen ist. Er lautet wörtlich: Werte Genossen! Nachdem ich wiederholt eure Aufforderung gelesen habe, die Bründe anzugeben, weshalb man nicht wählen will, so habe ich mich entschlossen, eurer Aufforderung nachzukommen und euch die Gründe bekanntzugeben, die mich und meine Kollegen abhalten, den Fehler noch einmal zu machen, einem Kommuni. sten die Stimme zu geben. Zunächst müßte eure Frage erweitert werden und folgendermaßen lauten: 97 Warum wollt Ihr am 7. Dezember feinen Kommunisten oder überhaupt nicht wählen?" Bei folcher Fragestellung würdet ihr soviel zuschriften bekom. men, daß ihr für diesen Winter bestimmt feine Kohlen zur Heizung benötigen würdet. Und nun zu den Gründen: Die Tätigkeit unserer Abgeordneten im Reichstag war alles andere, als die Interessen. veriretung der Arbeiterschaft. Für mich, als langjährig politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, war es besonders schmerzlich, tonftadieren zu müssen, daß die Wirkung der Tätigkeit unserer Abgeordneten nicht nur indirett, sondern oft dirett und unge. niert der Reaktion zugute tam. Dann dürften die von unferen Abgeordneten inszenierten Rabau und Prügel, fzenen an folchem Ort, und überhaupt, meines Erachtens nach fehr ungeeignete Mittel sein, Arbeiterinteressen zu vertreten. Dann hat unsere Partei im verflossenen Reichstag bewiefen daß sie höchst ungeschicht gearbeitet hat bei Stellung von Anträgen, so daß sie sich gern die Hilfe der SPD. Verräter gefallen ließ. Bei Verhandlungen über ihre eigenen Anträge fam es fogar vor, daß feiner unserer Abgeordneten zugegen war. Bei Abstimmungen stimmten unfere Abgeordne ten in den meisten Fällen mit den Völkischen und Deutschnationalen, sie bewiesen hierdurch wiederum, daß fie gor nicht daran dachten, Arbeiterinteressen zu vertreten, sondern sie glaubten sich und uns Genüge getan zu haben, wenn sie aus fana. tischem Haß die SPD. bekämpften, nahmen aber sehr oft und gern die Hilfe der verräterischen SPD. in Anspruch. W Dieses Verhalten dürfte doch mandhem denkenden Arbeiter die Augen geöffnet haben. Aber nicht mur im Reichstag war die Tätigkeit imferer Vertreter unferen Interessen zuwiderlaufend, Landtag, Stadtverordneten verfammlungen, öffentliche und gewerkschaftliche Versammlungen endeten sehr oft durch unsere Leute mit Radau, Klamaut und Prügelei, furz gefagt Affentheater. Die Behauptungen der Roten Fahne" find sehr oft als Lüge und Schwindel nach. gewiesen worden. Die Einheitsfrontparole wird nur als Mittel zum Zwed benutzt um die Gewerkschaften zu sprengen, wirkt also reaktionär, ich wächt die Arbeitertlasse in ihrer Gesamtheit und tommt nur den Arbeitgebern zugute. Die auf solche niederträchtige Art geschwächten Gewerkschaften werden dann, wider befferes Bissen, für die verlorenen Streits verantwortlich gemacht. Beweis, der letzte Hochbahnerstreit, bei dem nur 10 Prozent ber Sireifenden freigewerkschaftlich organisiert waren. Dies alles und noch vieles andere, was ich hier gar nicht alles aufzählen kann, hat mir bewiesen, daß ich meine eigenen Interessen mit Füßen getreten habe, als ich im guten Glauben an den ernsten willen der KPD. dieser bei den Maiwahlen meine Stimme gab. Ueber die Verwilderung der Sitten wäre auch noch einiges zu fagen. Wann und wo wäre es früher möglich gewesen, daß sich Arbeiter in ihren Versammlungen gegenseitig schlagen. Die Anstifter und Kroteeler sind immer unsere Leute, die durch die ge meinen Ausdrücke unserer Presse verheizt sind und nun glauben, wunder was Revolutionäres getan zu haben. Ich halte es mit unferen alten Methoden: Mit Ruhe, Sachlichteit, guten Beispielen und wahren Tatsachen und Berechnungen wollen wir unsere Arbeitsbrüder und Klassengenossen von der Richtigkeit unserer Anschauungen und Ideen zu überzeugen verfuchen, sollte dies aber nicht nach Wunsch gelingen, so dürfen wir trotzdem nicht zum Rnüppel greifen, denn durch Roheit und Brutalität gewinnen wir unsere Arbeitsbrüder schon lange nicht. Die gemeinen Amvürfe gegen das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold muß ich als pure Heuchelei bezeichnen, eingedet dessen, daß den republikanischen Barteien, vornehmlich unseren Klassengenossen von der SPD. zum Schuh ihrer eigenen Versammlungen gar nichts anderes übrig blieb, als sich einen derartigen Schutz, zu schaffen. Weiter müßten wir endlich aufhören, jeden Streit zu einem weiteren Schriff auf dem Wege zur Weltrevolution aufzubauschen oder zu erweitern versuchen, denn das wirkt mit der Zeit lächerlich und Lächerlichkeit tötet; außerdem ist dies inconfequent, denn die Arbeiter und Angestellten, die zum Streif greifen, wollen nur ihre wirtschaftliche Lage vers bessern, sobald ihnen dies gelungen, tämen fie cls Wel.rcpou tionsfaftor nicht mehr in Frage. Offen herausgefagt ist euch doch verdammt wenig an der materiellen Berbesserung der wirtschaftlichen Lage der arbeitenden Schichten gelegen, denn mit denen, die durch Bewilligung ihrer wirtschaftlichen Forderungen zufriedeng stellt find, tönnt ihr doch keine Revolution machen. Deshalb heißt doch euere Parole: Alles ruinieren und hierdurch das Volk verelenden, dann wird es für euch reif und hört auf eure Rattenfängermelodie, möge auch in der Folge das von euch betörte und betrogene Bolt zu neun Zehntel dabei zugrunde gehen; euer Weizen würde blühen und gedeihen. In dem Grade, wie sich die wirtschaftliche Lage bessert, dürfte fich cure Stimmen- und Abgeordnetenzahl verringern, und sobald unfer armes Baterland wirtschaftlich auf der Höhe fein sollte, was pielleicht in zwei bis drei Jahren der Fall sein kann, dürfte es ( Nieder mit der S.P.D. Nie- i Sonntag, 30. November 1924 Der bolschewisierte Kommunismus oder: Sichtbare Folgen der Deflation. den letzten kommunistischen Schwindler zum Teufel jagen. Nach der Stimmung zu urteilen, die in unserem Großbetrieb herrscht, glaube ich nicht, daß im neuen Reichstag mehr als 20 kommunisten sigen werden, und das wäre die verbiente Quittung für die Umwahrhaftigkeit, die mit dem Namen Kommunismus getrieben wurde. Dies ist meine Antwort auf eure Frage und eine Abschrift davon werde ich dem Borwärts" zustellen und bei der Wahl am 7. Dezember werde ich wieder sozialdemokratisch wählen, wie ich es getan habe, feitdem ich wahlmündig bin. Ich hege begründete Hoffnung, daß viele Klaffengenossen euren Betrug erkannt haben und so wie ich handeln werden. Mit Parteigruß Mar Müller, Lichtenberg, Lüdstraße 65. Die Stimme dieses Arbeiters ist nur ein Symptom für Auffassungen, zu denen sich Hunderttausende von Arbeitern befehri haben, die am 4. Mai Kommunisten in den Reichstag schickten, weil sie glaubten, neue Besen würden beffer tehren. Die Kommunisten haben Gelegenheit gehabt zu zeigen, ob sie wirklich für die Arbeiter etwas leisten können. Das Urteil wird am 7. Dezember gefällt werden. Es wird lauten: Gewogen und zu leicht befunden! Wer hilft den Gefangenen? Und wer bringt sie ins Gefängnis? Nieder rr -2. Sollte bie jeßige föniglich bayerische Staatsregierung fich hierzu nicht bereit erflären tönnen, so würde ihr ein weiteres Berbleiben im Amte unmöglich gemacht werben und die maßgebenden Persönlichkeiten durch eine neu einzusehende Boltsregierung zur Verantwortung gezogen werben; denn es wäre unverzeihlich, daß nadydem ohnehin ein großer Teil von Bayeris Männern und Söhnen nuglos verblutet und verstümmelt sind, auch noch unsere Gaue verheert und Frauen und Kinder geschändet würden. Es ist am Plage auch daran wieder einmal zu erinnern. Die Gache paßt ausgezeichnet zum Dolchftoß von hinten, den die Sozial bemofratie geführt haben soll. Es wird wohl nicht einmal Tirpik, der Baltenbieger, imftande find, zu behaupten, das Flugblatt stamme aus Kreisen der Sozialisten. Für soziale Gesetzgebung. Die Sozials und Unfallrentner und die Reichstagswahlen Wenn eine Bevölkerungsschicht ein besonderes Interesse an einem millionen Hilfsbedürftigen, die mit Recht von der sozialpolitischen zialpolitisch eingestellten Reichstag hat, dann sind es die vier Arbeit des letzten Spettafel- Reichstags enttäuscht sind. Diese Hülfs bedürftigen, ob mit oder ohne gesetzlichem Bersicherungsanspruch, find bedlirftigen, ob mit oder ohne gesetzlichem Versicherungsanspruch, find wirtschaftlich abhängig von Barlamentsbeschlüssen und müssen aus diesem Grunde allen Wahlen die größte Aufmerksamkeit schenken. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit wirft sich nach zwei Richtungen aus, einmal nach der zollpolitischen, weiter aber nach der soziaípolitischen Seite Die beutschnationalen und völkischen Kreise glaubten, daß schon im alten Reichstag ihre Stunde gekommen fet, und ihr Trängen auf Wiedereinführung von Schutzöllen für Getreide und Bieh fand bei der Reichsregierung und im Reichstag selbst ein starkes Echo. Unerhörte Verteuerung aller Lebensmittel. die noch verstärkt wäre durch entsprechende Industriezölle, wäre bie In einer Kölner Wählerversammlung sprach vor einigen Tagen Genosse Cobe. Er brührte auch kurz die Frage:& ommuniffen und politische Gefangene und führte dabel folgen- Folge einer berartigen Zollpolitit gewesen, unter der in erster Linie des aus: " An der Spitze der kommunistischen Reichsliste steht der am schwersten bestrafte Kommunist mag Hölz( Bravo! bei den kommuniffen). Hier habe ich einen Brief von mag Hölz- und in meiner Mappe find noch zwanzig weitere- in dem er fagt: Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre freundliche Mitteilung vom 13. d. m. Die Tatsache, daß Sie es tro der in der bewegten Zeit an Sie herantretenden erhöhten Anforderungen noch ermöglichen, sich um mein Schicksal zu befümmern, fann ich mit ein paar Worten des Dantes nicht abtun. die wirtschaftlich Schwachen, d. h. die Sozial- und Unfallrenter sowie alle Hilfsbedürftigen gelitten hätten. Gewiß ist durch die Obstruktion Der Sozialdemokratie diese zollpolitische Gesetzgebung zunächst ver. hindert worden. Ob die geplante Zollvorlage im neuen Reichstage aur Annahme gelangt, hängt ganz von dem Ausgang der Wahlen am 7. Dezember ab, und diesen Ausgang entsprechend zu beeinflussen, muß Aufgabe der Millionen Sozialhilfsbedürftigen sein. Sie haben aber noch ein weiteres zu tun und müssen dafür forgen, baß ein neuer Reichstag gewählt wird, der eine NeuUnterschrieben ist der Brief:„ Mit hochachtungsvollem orientierung der sozialen Gesezgebung durchführt, Gruß- 3hr dankbarer mag Hölz. Diesen Mag Hölz benn auf diesem Gebiete hat der alte Reichstag vollkommen versagt. habe ich ununterbrochen im Gefängnis betreut. Aber in Es darf nur an das Verhalten der Mehrheit des alten Reichstages meiner Tajche findet sich außerdem auch ein Brief des Kommunisten- erinnert werden anläßlich der Beratungen betr. Erhöhung der führers Plettner aus dem Mitteldeutschen Aufstand, der zu zehn Invaliden- und Unfallrenten. Die Anträge der Organisation der Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Er redet mich an mit Wer. Arbeitsinvaliden auf Erhöhung der Invaliden- und Unfall. ter Genosse Löbe" und fleht mich an, für eine Milderung feiner ter Genosse Löbe" und fleht mich an, für eine milderung feiner renten um 100 Broz. wurde nachdrücklichst seitens der sozialdemo. Strafe einzutreten. 600 kommunisten sind durch die Vermitt- tratischen Fraftion innerhalb des fozialpolitischen Ausschusses des lung von Ebert und Radbruch aus den Gefängnissen her- Reichstages vertreten. Die Mehrheit des Ausschusses lehnte leider ausgetommen, aber ihr( zu den kommunisten) bringt diese berechtigte Forderung ab und bewilligte den Opfern der Arbeit so viele hinein, daß wir Sozialdemokraten gat ganze eine Mart pro Monat. nicht imftande find, alle wieder herauszuholen. ( Stürmischer, langanhaltender Beifall. Die Kommunisten schweigen betreten.) Lediglich für die Unfallrentner, foweit sie 66 Proz. erwerbsbeschädigt find, wurde eine Erhöhung der Renten um 15 bzw. 10 M. pro Monat erreicht, während im übrigen der größte Teil der Unfallrentner leer ausging. Bei diesen Verhandlungen spielte die Das Land, von dem die Rettung kommt. Mehrheit des Ausschusses mit dem Gedanken, auch für die Unfallrentner die Bedürftigkeitsfrage einzuführen. Es bedurfte des ent Die„ Tägl. Rundschau" vom 1. November- 1918 berichtete: Ein Flugblatt von unerhörter und unverantwortlicher schiebenen Eintretens der sozialdemokratischen Mitglieder des Aus verwerflichster Maulwurfsarbeit wird zurzeit in schuffes, um diesen Anschlag gegen das VersicherungsBayern verbreitet. Das Flugblatt verlangt einen Sonderprinzip und damit gegen die gesamte fozialpolitische Gesetzgebung frieden für Bayern und besagt: 1. Die föniglich bayerische Staatsregierung hat unter den gegebenen Verhältnissen, vielleicht im Einvernehmen mit den übrigen bungen von Bulgarien, ber Türkei und Desterreich- Ungarn fofort innerhalb dreier Tage den Ententestaaten ein Gonderfriedensangebot zu übermitteln. abzuwehren. Dieselbe Mehrheit hat es weiterhin abgelehnt, an ber fürforgeverordnung etwas zu ändern, die einen vollkommenen Abbau der Reichsfürsorge gebracht hat und zu Trägern der Fürsorge die Gemeinde machte. Diese Verordnung, die von der Sozialdemo tratifchen Frattion befämpft und deren Aufhebung die Frattion am höheren Preifen Landwirte werden und bei den nächsten ungünftigen 28. Mat farderie, muß mit ihren entwürdigenden Bestimmungen Oeffentl. Wählerversammlungen allgemeinen Verhältniffen ficher in Nottage kommen. der Arbeitspflicht, Rückerstattungspflicht und Bedürftigkeitsprüfung beseitigt werden. Sie muß beseitigt werden für alle diejenigen, die jahrelang am Aufbau der Wirtschaft tätig waren, deren Schweiß und Blut die Industrie verbrauchte und die man jetzt im Alter oder im förperlich zerrütteten Zustande mit Bettelpfennigen abfpeift. Den Hilfsbedürftigen fann nur eine Partei helfen, die schon jahrelang die Sozialpolitik als eines der wichtigsten Aufgabengebiete ihrer Tätigteit ansah! Nur die Sozialdemokratische Bar. tei hat bis jetzt ernstlich für einen Ausbau der sozialen Gefeßgebung gewirkt. Diefe jahrzehntelange Arbeit der Sozialdemokratischen Bartei, die jeden fleinen Fortschritt auf sozialem Gebiet häufig erfi nach langen Rämpfen erreichte, wird sich selbstverständlich in dem felben Maße bemerkbar machen, wie die Hilfsbedürftigen von ihrem Staatsbürgerrecht Gebrauch machen. Mit anderen Worten: Eine starke Sozialdemokratische Partei im Reichstage gibt die Möglichkeit einer gefunden sozialen Gesetzgebung. Wer hat die Spargroschen des Volkes? Die Schuld an der Inflation. Wer ist schuld an der Geldentwertung? Wer ist fchuld am Verluste unserer Spargroschen? Das ist die Frage, die bei dieser Wahl das ganze Bolk stellt, mit Ausnahme der ganz wenigen, die an der Geldentwertung verdient haben. Wer ist schuld? Die Antwort ist einfach. Die Schuld liegt bei jenen, in deren Taschen die Spargrofchen des Volites gefloifea find. Die Schuld liegt bei jeneu, die fich bereichert haben, während das Bolf Hunger und Elend erfitt. Die Schuld liegt bei denen, die tie Gewinner und Sieger der Inflation waren. Wer ist das? Die Deutschnationalen behaupten in ihren Flugblättern, das wären die Arbeiter. Die finnlosen Cohnsteigerungen", die die Arbeiter erzwungen hätten, feien schuld an der Geldentwertung. Eine dümmere Cüge ist nie in die Welt gesetzt worden. Sind nicht Immer die Löhne hinter der Geldentwertung zurüd. geblieben, so fehr, daß schließlich ein Wochenlohn nicht mehr zu ein paar Pfund Brot reichte? Befihen die Arbeiter die Spargroschen des Boltes? Sind die Milliarden in ihre Taschen gefloffen. Sind sie die Inflationsgewinner, die durch die Geldentwertung velchgeworden sind? Ein Hohn! achen der Arbeiter antwortet auf diese fredje deutschnationale Unterstellung. Wer hat die Spargroschen des Boltes? Das sind die Hintermänner der Deutschnationalen, die Leute von der Schwerindustrie und die großen Landwirte. Sie find die Sieger der Inflation. Sie haben die Geldenimertung gewollt. Sie haben ihre Befämpfung zur rechten Zeit verhindert. Sie haben mit Hilfe der Geldentwertung das Bolf um feine Spargroschen beraubt. Das sind die Schuldigen an der 3nflation! Wahlsplitter. Immer feste druff! Die Deutschnationalen müssen am 7. Dezember so aufs Haupt geschlagen werden, daß ihnen schwarzroigold vor Augen wird. Die Unzertrennlichen. Sonntag, 30. November: Marzahn: Schule, nachmittags 3 Uhr. „ Darin behält der Freihändler recht, daß in einer fret, händlerisch eingerichteten Welt der Schuß3011 fich nicht lange halten kann, weil alle Freihändler auch diesen Vorteil möglichst Faltenberg b. Weißensee: Karl Meyer, Dorfstraße, nachmittags bald durch Verkauf zu estontieren bestrebt sind." 2 Uhr. Blankenfelde: bei Stab, nachmittags 3 Uhr. Redner: Lempert, Litke, Maderholz. Montag, den 1. Dezember, abends: 71/2 Uhr: Charlottenburg: 54. Abt.: Schulaula Haller Straße 3/4. Oberschöneweide: Aula Gemeindeschule, Frischenstraße. Lichtenberg: 115. 2bt: Schulaula Kronprinzenstraße. 117. Abf.: Turnhalle Lückstraße 63. Redner: Rob. Breuer, Göring, Leid, Otto Meier. Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr: Mitte: 6. Abf.: Büttner, Schwedter Straße 23. Tiergarten: 8. Abt.: Nationalhof, Bülowstraße 37. Prenzlauer Berg: 24. und 25. Abt.: Oberrealschule PasteurStraße 44/45. Friedrichshain: 34. Abt.: Comeniusfäle, Memeler Straße 67. Kreuzberg: 46. Abt.: Schulaula Görlizer Ufer 2. Charlottenburg: 52. und 53. Abt.: Gemeindeschule Wiebestraße, Eingang Neues Ufer. Spandau: Paradiesgarten, Seegefelder Straße. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Rosenthal: Schneider, Hauptstraße. Wittenau: Frit Schulz, Oranienburger Straße 88. Tagesordnung: Wähler, entscheidet Euch! Redner: Clara Bohm- Schuch, Bartels, Dr. Freund, Hirsch, Ad. Hoffmann, Lempert, Lüdemann, Otto Meier, Wermuth, Hedwig Wachenheim. Oeffentl. Frauenkundgebungen Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr: Neutölln: Aula Kaiser- Friedrich- Straße 208. Lichtenberg: Aula Mittelschule, Marktstraße 10. Tagesordnung: Wählerinnen, entscheidet Euch! Redner: Marie Juchacz, Wilh. Landa. * Beamten- Versammlungen Uhr: Montag, den 1. Dezember, abends 7 Artushof: Perleberger Straße. Thema: Die Beamten und die Wahl. Referent: Ministerialrat a. D. Genosse Falkenberg. Thema: Referent: LandKarlshorst: Aula des Lyzeums, Treskow- Allee, Eingang Römerring. Thema: Was fordern die Beamten vom neuen Reichstag?- Referent: Genosse Kozur. Eisenbahner! Café Gärtner( Bahnhof Bellevue), Holsteinisches Ufer 27/ 28.- Thema: Die Eisenbahner und der 7. Dezember 1924. Referent: Landgerichtsrat Genosse Ruben. Bestarp bekämpft Dawes erbittert und doch sind beide nicht von Schupobeamte! Brunnensäle, Brunnenstraße 15. einander zu trennen, wie man hier sehen fann: Die Polizei und der 7. Dezember 1924. tagstandidat Polizeicberwachtmeister Klenz. Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr: Tempelhof: Schulaula Werder Straße, Ede Friedrich- WilhelmStraße.- Thema: Beamtenschaft und Republit. Referenten: Landgerichtsrat Genosse Ruben, Polizeisekretär Genosse Hildebrandt. Dates Wes tarp Reichslandbund gegen Agrarzölle! Die im Vorwärts" vom 23. Movember 1924 veröffentlichten wissenschaftlichen Bekenntnisse des deutschynationalen Parteiheiligen Dr. Helfferid gegen agrarische Schutzölle haben dem Reichslandbund und seinen Agitatoren schwere Kopfschmerzen verursacht. Wie mun erst, wenn wir jetzt den Reichslandbund gegen sich selbst zum Schwurzeugen anrufen? Vor uns liegt eine vom Reichslandbund im Jahre 1923 herausgegebene, vom Geh. Regierungsrat Gerstenhauer verfaßte fleine Schrift, betitelt Anerbenrecht und Bodenrechtsreform", mit. dem Unterlitel Bortrag auf der Tagung des Sied hungsausschusses des Reichslandbundes am 12. April 1923". Der Schrift ist ein Vorwort des Siedlungsbetrates des Reichslandbundes, Geh. Regierungsrat Dr. Bonfid, beigegeben. Gerstenhauer zitiert mancherlei wichtige Zahlen aus amtlichen Statistiken sowie Auslassungen von Professor Sering, von Ottomar Beta, Prof. Dr. Ruh land, weiland Finanzminister Dr. Miquel und andere, deren Urteile und Belenntnisse fich Gerstenhauer zu eigen macht und für die er auch den Reichslandbund mithaften läßt. Wir lesen da zum Beispiel folgendes: „ Die Bodenverschuldung in Deutschland wurde um das Jahr 1900 von einigen auf 66, von anderen auf 80 Milliarden Gold mart geschätzt; Beta war der Meinung, daß sie sich jährlich um 1 Milliarde erhöhe( demnach also bei Kriegsausbrud 79 bis 93 Mil liarden betragen hat. D. Red.). In Preußen betrug die 3u nahme der Badenverschuldung von 1886 bis 1913 rund 11 Milliarden Mark. Die preußische Landwirtschaft hatte also am Schluffe diefes Zeitraumes rund 400 Millionen Goldmark jährlich mehr Zinsen zu zahlen als im Jahre 1886. Für Bayern ist nachgewiesen wordet, daß in den 12 Jahren von 1898 bis 1910 durch den Güterhandel der bayerischen Landwirtschaft 90 Millionen Marf entzogen worden sind und daß dadurch eine Verteuerung des Bodens u durchschnittlich 300 m. für das Hettar oder, alle Spesen eingerechnet, um 450 m. eingetreten ist( was eine jährliche Höherverzinsung von etwa 20 m., gleich 2% Roggenzentnerwert je Heftar, ausmacht. D. Red.). In ganz Preußen haben von den Betrieben über 20 bis 100 Settar( also großbäuerliche Betriebe) in den 19 Jahren, von 1896 bis 1914, faft die Hälfte( 48,6 Proz.) den Befiber gewechselt, ungerechnet die Uebertragungen um regelmäßigen Erbgang. Der Befihwechsel erfaßt eine gewaltige Fläche, denn die Gesamtfläche der Großbauerngüter in Deutschland ist 9,32 Millionen Hektar. Der Großgrundbesitz hat in denselben 19 Jahren einen Besizwechsel von 100 Proz. gehabt!" „ Jeder Besitzwechsel ist mit einer Zunahme der Verschuldung verbunden." „ Jede Schuhmaßnahme, wie z. B. der Getreidezoll, bewirkt bei Jeder Handveränderung im Grundbelib( also auch beim Erbgang) einen höheren Grundpreis für die neuen Erwerber bei höherer Verschuldung derselben und führt auf diese Weise zu Ge schenken an jene, die gar nicht mehr ausübende Landwirte find. Diese Geschenke aber werden von jenen geleistet, welche zu diejen Der Reichslandbund läßt also den schlüssigen Beweis führen und mit Worten bekräftigen, daß jeder Schußzoll notges drungen in der Bodenrente persinft und verfinfen muß, weil er neue und größere Verschuldungen bewirkt. Allerdings, als die in Frage kommende Schrift herausgegeben wurde, da war noch das landwirtschaftliche Hilfswerk"-Produktionsprogramm vom Winter 1921/22 Parole, an dessen Aufstellung der Reichslandbund mitgewirft hatte. Jenes Programm, das durch Intensivierung der Landwirtschaft eine Produktionssteigerung um mindestens 20 Prog. über die Borkriegsproduktion verspricht und dessen Durchführung eine gründliche und dauernde Hilfe auch den fleinsten Landwirten leisten würde. Heute schweigt sich der Reichslandbund über dieses Produktionsprogramm völlig aus; bestenfalls erklärt ein Agitator, wenn er darauf festgenagelt wird, das Programm lasse sich erst dann durchführen, wenn zuvor der Schutzoll tomme. Nein! Schutzzoll ist eitel Betrug für alle Klein- und Mittelbauern und ein nur zeitliches Geschenk an wenige Große. Er schafft aber auch in den Kreiſen der letzteren wohl„ reiche Bäter", jedoch arme Söhne". Gegen den Splitterwahnsinn. Der Reichsbund Deutscher Mieter gegen die Sonderlisten. Zur Reichstagswahl und zur Preußischen Landtagswahl find u. a. zwei Mieterlisten zugelassen worden, eine Mieterpartei Deutsch lands und eine Bartei für Volkswohlfahrt( Mieterschuß und Bodens recht). Mit beiden Liſten hat der Reichsound Deutscher Mieter nichts zu tun. Der Bundesausschuß des Reichsbundes hat bei Anwesenheit fämtlicher Mitglieder einstimmig beschlossen, zu erklären, daß der Reichsbund Deutscher Mieter mit der Partei für Volkswohlfahrt nichts zu tun hat, und daß er die durch einzelne Personen erfolgte Gründung dieser Partei aufs schärffte verurteilt. Der Reichsbund Deutscher Mieter empfiehlt seinen Mitgliedern, diejenigen großen politischen Parteien bei der Wahl zu unterstützen, die sich bisher als mieterfreundlich erwiesen haben. Aus der Wahlbewegung. Zweite Niederlage der Hakenkreuzler in Prenzlan. Am 25, Rovember reranstaltete die Nationalsozialistische Freis heitspartei ihre zweite Bersammlung in Prenzlau. Nach den schlechten Erfahrungen, die sie mit der ersten gemacht hatten( diese wor bekanntlich überwiegend von Republikanern besucht und endete mit einem dreifachen Hoch auf die Republik), wurde im Inserat angefündigt: Für ordnungsmäßigen und ruhigen Ber lauf der Bersammlung ist gesorgt. Doch die Führung der Völkischen hielt nicht, was sie versprach. Man verschrieb sich ( offenbar, weil man sich in Brenzlau, wo Stahlhelm und Wehrwolf doch zeitweise sehr anmoßend auftraten, nicht start genug fühlte) Saalfchuß aus Eberswalde, Angermünde und anderen Orten, dar unter auch das berüch.igte Frontbanner mit Hakenkreuzbinden em Arm. Die Rede des fattfam betomten Stahlhelm pastors Schulze aus Stolpe wurde, otwohl sie für die wiederum zahlreich anwesenden Republikaner eine starte Zumutung bedeutete, ruhig angehört. Vorbei war es mit der Ruhe, als das Frontbanner während des Vortrags mit entrollter Hafenkreuzfahne in den Saal 30g und diese stolz auf der Bühne aufpflanzte. Ein Sturm der Entrüstung beantwortete diese Herausforderung( daß es auf Provokation abgesehen war, gab fogar einer der völkischen Führer in Prenzlau zu), und auf Verlangen der republikanischen Versamm lungsbesucher rollte der diensttuende Polizeikommissor die Fahne felt st ein.„ Der Mann kann stehen, wenn das Banner auch fällt," dachter zwei mannhafte Hakenkreuzler und postierten sich zum Schuße des Vorstandstisches auf der Bühne. Während der Borfigende unseres fozialdemokratischen Ortsvereins ruhig und fachlich ( es waren die einzigen fachlichen Ausführungen an diesem Abend) den scharfen Gegensah herausarbeitete, in dem die Sozialdemokratie zur völkischen Bewegung steht, legte es ein angeblich von den Fran 30fcn vertriebener Flüchtling, der offerber von völkischer Seite vorgeschickt war, auf Hege an. vorgeschict war, auf hege an. Er leistete sich die tollsten Sachen, 3. B. die B: hauptung, Frankreich wolle nicht nur alle jungen Männer, sondern auch alle Mädchen über 20 Jahre zum Heeresdienst eitberufen. Da die Zuhörer stürmisch verlangten, daß mit diesem auf Schwindel und Provokation abzielenden Unsinn Schluß gemacht werde, forderte der Versammlungsleiter den Polizeikommissar auf, einige laute Rufer aus dem Saale zu entfernen. Und dies alles troß Saalschuh". Man beobachtete schon vorher, daß einige der völkischen Heldenjünglinge mit Revolvern bewaffnet waren; einer von ihnen wurde von der Polizei abgeschoben. Da die Versammlungsleitung des allgemeinen Tumults nicht mehr Herr werden konnte und die Erregung auf beiden Seiten in Tätlichkeiten auszuarten drohte, löfte der Kommissar turz entschlossen die Versammlung auf; Herr Pastor Schulze tam so um das Schlußwort. Wie wir hören, hoben die Nationalsozialisten als dritten Redner für Brenzlau ihren Oberprovokateur Herrn Ahlemann in Aussicht genommen. Ob sie sich mit ihrer„ bewährte" Führung zum dritten male blamieren wollen? Zwei bemerkenswerte Neuheiten sind geschaffen! Den Freundeskreis unserer Weltmarken Rara Avis klein und gross erweitern wir durch Einführung der nachstehend abgebildeten beiden Sorten: Rara Avis minor Rara Avis major LOSSER@WOLFF Weihnachts- Geschenkkistchen in reichlicher Auswahl in allen Preislagen Stück 203 Zigaretten und Rauchtabake erstklassiger Firmen Havana- Importen diesjähriger Ernte Stock 25 LOESER& WOLFF Erhältlich in unseren sämtlichen Verkaufsstellen, sowie in vielen Spezialgeschäften, die unsere Waren führen. 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Kante St. 60, 45 Herren- Taschen/ ücher 50 Marder und Blaufuchs, Ziegen 2750 rot, blau, gelb. braun, and, ses 1259 Electric 1950 in Fuchsform Stück 45, 38 28 P. Nr. 565 41. Jahrgang Wirtschaft Rückwärts? 3. Beilage des Vorwärts Nur ein fleiner Ausschnitt aus den zahllosen Goldbilanzen, die im Laufe der letzten Monate das Licht der Deffentlichkeit erreichten, tomate bisher ben breiten Boltsmassen zugänglich gemacht werden. Das Bild, das die Bilanzen ergeben, ist fast überall das gleiche: Eine starte Ber mehrung der Produktionsmittel, die um fie dm Auge des Steuergesetzgebers zu entziehen und aus Gründen der Dividendenpolitit meist sehr niedrig angegeben werden, aber nicht wegzuleugnen find! Die riesigen Inflationsgewinne der Industrie sind zu gewaltigen Anlagen geworden, so großen und um fassenden Anlagen, daß man nicht weiß, woher man die Beschäftigung für sie hernehmen, Absatz für die zu produzierende Ware finden soll. Denn die Rauffraft der Bevölkerung ist gering; auf dem Wege des Preisabbaues aber den Absatz zu steigern, verbietet gottgewollte Unternehmervernunft. Borüber die Goldbilanzen und die Geschäftsberichte jedoch keine oder nur äußerst unzulängliche Auskunft geben, daß ist die Aenderung ber Qualität der Probuftion seit Kriegsbeginn und in der Inflation. 2 Vor dem Kriege nahm die Produktion der Rohstoffe und Halbfabritate in Deutschland einen verhältnismäßig großen Raum ein. Wir führten z. B. erhebliche Mengen an Rohle und Eisen aus; die Montanindustrie fünstlich gefördert durch die großen Kriegsrüstungen, verstand es, sich den Borrang vor den übrigen Produktionsgruppen zu sichern. Heute haben wir große Rohstoffgebiete verloren; Mammuttonzerne und große Atiengesellschaften, die früher ben Rüstungen auf den kommenden Krieg ihre Eriftenzberechtigung ver. dankten sind zur Fabrikation für den Friedensbedarf übergegangen. Rohstoffmangel und Ausfall der Rüstungen haben also zur Folge ge habt, daß die deutsche Industrie sich in steigenbem Maße der Hers ftellung von Gebrauchswaren zuwandte. Eine starte Beleuchtung erfährt diefe Tatsache durch den Bericht des Rheinischen Arbeitsamtes, das in Uebereinstimmung mit anderen Meldun gen folgendes feststellt: Es fehlt im Rheinland an vorgebildeten Spezialarbeitern, gleichzeitig aber sind un- und angelernte Arbeitsträfte in solchem Ueberfluß vorhanden, daß im Bereich des Arbeitsmarktes noch 105 000 Bollerwerbslose Unterstüßung be8 ehen müssen. Die rege Nachfrage nach Spezialarbeitern dürfte, fo schreibt das Amt wörtlich, auf die Berfeinerung der rheinischen Industrie" zurückzuführen fein. Jeder Gang durch eine Messe oder durch eine industrielle Ausfbellung bestätigt das Bild. Firmen, denen ihr alter Ruf in der Waffenherstellung noch heute erhalten geblieben ist, arbeiten feit Jahren Maschinen, Geräte, Apparate, Möbel. Ehemalige Pulverfebrifen sind zu den größten Fabrikanten von Kunstseide geworden. Die schwerintuftriellen Konzerne fchen ein, daß die Fabrikation von Roh und Halbstoffen allein feine Garantie für gereg: lten Absatz iſt. Eie nugten die Macht, die ihnen die Kriegs- und Inflationsgewinne geben, dazu aus, sich verarbeitende Werte anzugliedern fo dem Massentonfum näherzukommen, den Weg vom Erzeuger zum Berbraucher zu verkürzen. 91 Wenn die deutsche Arbeiterschaft von dieser Entwidlung noch nicht den Vorbeil gehabt hat der aus ber stärkeren Einstellung auf den Konsum hervorgehen mußte, so ist auch das wohlbegründet. Die Inflation wirft noch heute in der Preisbildung nach. Noch immer fchen die Unternehmer ihre Tätigkeit als eigene Domäne an, in die, fich teiner einmischen darf. Sie betreiben die Wirtschaft um der Wirtschaft willen, nicht um dem Berbrauch zu dienen. Der Profit geht ihnen vor dem Dienst ber Allgemeinheit. Das ist der tapital stischen Wirtschaft wefenseigen. Aber auch innerhalb der tapitalistischen Wirtschaftstechnit ist noch manche, durch vollkom menere Betriebsweise und vernünftige Lohn- und Preispolitit be dingte Besserung der Warenversorgung der breiten Maffen möglich; sie ist bei dem heutigen Stande der Produktion auch durchführbar, eben, weil die fapitalist sche Betriebstechnit in der Kriegs- und Inflationszeit eine große Fortbildung erfahren hat. Das Unternehmertum aber sperrt sich gegen die notwendigen Konsequenzen der Entwicklung zur Fabr fatindustrie. Dicse fann doch nur ablegen, wenn genug Rauffraft ba ist: also höhere Löhne, niedrige Preise. Sie fann fermer nur geweihen, wenn durch eine ver. nünftige Sozialreform in den großen Boltsmaffen das Bedürfnis zum Erwerb hochwertiger Qualitätsmaren gewedt und erhalten wird. Heute hungern große Boltsmassen nach Ware. Sie können sie bei dem hohen Preis. und dem niedrigen Lohnniveau nicht erschwingen. Weil sie aber nicht laufen fönnen, find Hunderttausende anderer Bolfsgenossen beschäftigungslos. Welchen Ausweg sucht nun die Industrie? Die Leute, deren politischer Einfluß das heutige wirtschaftliche Elend herbeigeführt bat, fehen wie ihre zahlreichen Aufrufe beweisen nur das nur das Gestern, nicht bos Heute und Morgen. Se verlangen Schutzölle. Schußzzollpolitik bedeutet fünft liche Bevorzugung der Rohstoffindustrien, fünstliche Hochhaltung der Breise. Schutzzölle sind das Mittel, durch das ein hochentwideltes Bolt veranlaßt wird, seine Rohstoffe überhaftet aufzu brauchen, eine große Zahl keiner Angehörigen in die Schächte der Bergwerke, in die Glut der Hochofenanlagen, in den schwefligen Dunst der Zinfhütten zu stecken. Keine noch so vollkommene Organi sation der Wirtschaft kann diese Arbeit ganz vermeiden. Wenn wir aber Roh- und Halbstoffe in höheren Mengen herstellen, als sie zur Fertigfabrikation gebraucht werden, wenn sogar Roh- und Halbstoffe ins Ausland exportiert werden sollen, so heißt das die MASSARY Delft OTTENS PRISON 獎 In Frankreich wird der deutsche General Nathufius, der unschuldig verurteilt war, freigelassen! ZUCHTHAUS Und Fechenbach? + OTTENS. Ronfurrenzfähigkeit des Auslandes gegenüber der deutschen Ber. arbeitungsindustrie steigern. Mit dem Schleuderexport deutschen Eisens gedieh der englische Schiffbau zu einer Zeit, wo die deutschen Werfter fein Arbeit fanden. Deutsche Boltsgenoffen leisteten die Ruliarbeit die Weiterverarbeitung zum hoch wertigen Fabritat erfolgte im Ausland. Zur Kuliarbeit aber braucht man Kulis als Arbeits. Präfte. Kann man sich nun darüber wundern, daß Industrielle, die den alten Idealen nachhängen, alles tun, um den deutschen Arbeiter durch Sentung des Reallohnes, durch Abbürdung der Steuerlasten, durch die Befämpfung der sozialen Gin. richtungen zu einem Lebensstandard degradieren wollen, der weit unter demjenigen aller übrigen zivil fierten Bölter hegt? Rann man fich darüber wundern, daß diese Leute in der Erkenntnis, fie tömmen dieses Ziel bei den gegenwärtigen. Machtverhältnissen nicht erreichen, auf die 3erschlagung der Gewerkschaften hinarbeiten, um die Sozialdemokratie von jeder Mitwirtung an den Staatsgeschäften ausschalten wollen. Die Herren der Industrie wollen rüdwärts, zum alten Staat, zur Wirtschaft von vorgestern, zur Entrechtung der Arbeiter fchaft, zur monopolistischen Beherrschung der Roh stoffmärtte Sonntag, 30. November 1924 vernünftige, freihändlerische Außenhandelspolitik, durch Niedrighaltung der Rohstoffpreise. Wer diesen Aufstieg der Wirtschaft und der Arbeiterklasse will, der wählt in einer Woche sozialdemokratisch. Stagnation am Berliner Arbeitsmarkt. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt machen sich verschiedentlich Anzeichen einer Verschlechterung bemerkbar, während andererseits in gut befchäftigten Berufszweigen die Besserung weiter um fich greift. Im allgemeinen ist eine gewisse Stagnation eingetreten. Ein Nach affen des Beschäftigungsgrades verzeichnet die Metallindustrie, Landwirt chaft und Gärtnereien, das Baugewerbe fowie die Gruppe ungelernte Arbeit. Im Zeichen des bevorstehenden Weihnachtsfestes belebt sich der Bedarf an branchetundigem Bertaufspersonal. Im Bervielfältigungsgewerbe dürfte der gute Geschäftsgang in der Hauptsache auf die Festreflame und auf erhöhte Druckaufträge für die Wahlpropaganda zurückzuführen sein. Die Senfung der Arbeitslcfiafeif bewegt sich nur in mäßigen Grenzen. Es waren 72 367 Perfonen bei den Arbeitsnachweisen einge tragen, gegen 74 683 der Vormode. Darunter befinden sich 48 992 ( 49 072) männlt und 23 375( 25 611) meibliche Personen. Unters ftügung bezpge 22.536( 22.748) männliche und 5043( 5168) weib liche, insgesamt 27 579( 27 916). Personen. Die Zahl der zu gemein. nügigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 799 gegen 978 der Borwoche. Bing- Konzern. Der im Lauf non dreißig Jahren zu felner heutigen Weltbedeutung entwidelte Bing- Konzern nimmt unter den modernen Ronzernen eine einzigartige Stellung ein. Der Struktur nach ein Ronzern wie ieder andere, Beherrschung von über dreißig Tochters gesellschaften durch das Nürnberger Stammhaus, rohstoff. bis abfaßvertikaler Aufbau und Verkaufsnieder! offungen in allen Staaten der Welt, liegt das Gefchäftsgebiet des Bing Kon zerns im Gegenfaz zu den meister übrigen Konzernen unmittel bar in der Berbrauchssphäre des Maffenhaus. balts. Die Eigentümlichkeit und Bedeutung dieses Konzernstandorts besteht darin, daß ein von der Konjunktur im wesentlichen nicht nur völlig unabhängiger. sondern mit der Bevölkerungsvermehrung gleichen Schritt haltender und zugleich verhältnismäßig gleichartiger Bedarf der organisatorischen Unternehmerleistung eine verhältnis. mäßig leichte Aufgabe stellt, die zu ihrer Lösung nur wachsender Ka pitalien bedar. Diese Rapitalien wachsen aber einer im Massenhaushaltsbedarf wurzelnden Großunternehmung um fo mehr und ficherer zu, je absoluter die Marktpofition der Großunternehmung durch vertikale Produktionspereinigung und horizontale Konzentration wird und je unentbehrlicher der Bedarf ift, den die Großunternehmung zu befriedigen hai Daraus erklärt sich die organische und zugleich äußerst( ufra. tive Entwicklung, die das Stammhaus des Bing- Konzerns schon feit seiner Begründung zu verzeichnen hatte. An Dividenden hat die Gebr. Bing 2.-G. von 1895 nie unter 10 Broz. ausgeschüttet. der Jahresumsag steigerte fich von 1900-1910 in fast absoluter Gleichmäßigkeit von 4,2 auf 10,5 Millionen Mart, und in den Jahren unmittelbar vor dem Kriege bewegte sich der jährliche Rein gewinn zwischen 20 und 25 Broz. des Attienkapitals. Die zur Aus dehnung erforderlichen Kapitalien ergaben sich also im wesentlichen: aus den sehr erheblichen Rüdstellungen, die jeder Jahresgewinnu erlaubte. Der 1895 noch auf die Erzeugung von Haus- und Küchen geräten aus Metall und Holz und auf Spielwaren aller Art begrenzte Unternehmungszwed wurde so auf die Erzeugung von Zinn, Alpata, Glas, Steingut, Belluloid-, Porzellan, Aluminium und Hartpapierwaren und von Schmud und Galanteriemaren ausgedehnt und unter allmählicher Eingliederung der betreffenden Rohstoffindustrien und Abfagorganisationen integriert. Im Kriege wurde die Entwicklung der Bing- Werte, da starte Heeresaufträge den eingeschränkten Auslandsaojaß mehr als fom. penfierten, außerordentlich gefördert, so daß die Umstellung auf die Friedenswirtschaft und die Biebereroberung der im Weltmartt großenteils verlorenen Bofitionen mit großer Kapital- und Konfurrenzfraft aufgenommen werden tonnte. Dem diente auch die organisatorische Zusammenfassung der durch Interessengemeinschaft und Beteiligungen längst eng verbundenen Berke des Bingschen Intereffenfompleres zum fogenannten Bing- Konzern im Jahre 1919. Während der Inflationsjahre hätte die Lage des Bing- Konzerns, eben weil er im wesentlichen an den stark gedroffelten Maffenhaushalt der Welt gebunden ist, leicht schwieriger werden Lönnen, wenn die Werte nicht wie die gesamte übrige Privatwirtfchaft von der Steuer. Kredit- und Währungsmißwirtschaft des Staates start profitiert hätten. Go fonnte der Bing- Konzern nicht nur neue Beteiligungen erwerben und alte erweitern, sondern auch die feinem bisherigen Intereffenkreis ferner liegende Produktion von Schreib- und Additionsmaschinen sowie von Filmen aufnehmen. Aber auch mit diesen Fabritationszweigen ist der Bina- Konzern in dem Bereich gleichartigen Massenbedarfs geblieben. Seine Ver. triebsorganisationen hat der Bing- Konzern in der Con. centra A.-G. Nürnberg zusammengefaßt, die das Stammhaus mit 100 Broz. des Attienkapitals beherrscht. Elemente auf, die sich aus dem volkswirtschaftlichen Standort und Die Golderöffnungsbilanz weist naturgemäß alle der Entwicklung des Bing- Konzerns ergeben. Mit größter Borsicht", sagt der Prüfungsbericht des Aufsichtsrats, ist die Bewertung der Gebäude, Grundstücke und Maschinen auf 8½ Millionen Goldmart erfolgt. Mobilien, Fuhrpark und Batente find mit je einer Mart, bilanziert". Die Rohmaterialien und Waren find sowohl unter den tatsächlichen Anschaffungstoften, als auch unter den Preisen vom 31. Dezem= ber 1923 angefeßt. Obwohl das Stammhaus von den 33 Tochter Borwärts aber führt der Weg über eine Besserstelber lung der Arbeiterschaft. Hohe Löhne erzwingen ben lleber. gang zu hochwertiger Produktionsweise, zur vollkommenen Ausgesellschaften 20 mit 100 Broz. und 8 mit durchschnittlich 75 Broz. muzung von Maschinen. Vorwärts geht der Weg über die planmäßige Förderung der Berarbeitungsindustrie durch eine Edel wie der Name Roal beherrscht, erscheinen die Beteiligungen nur mit 60 Broz. des Goldtapitals aller Tochtergesellschaften. Das Aktienkapital und die Reserven sind auf zusammen 15,9 Goldmillionen festgestellt. Die mob MASSARY BLECH EXTRA GROSSES FORMAT, 69 Eine Zigarette von Rang NEU, EXTRA GROSSES FORMAT, 5 8 Die Großindustrie hat einen korruptionsfonds geschaffen! Obligationen und Hypotheken, die über 4 Millionen fast reiner Goldwert waren, erscheinen mit rund 600 000 Goldmart, so daß der Konzern 3,4 Millionen Reingewinn aus dem Wäh. rungszufammenbruch unterzubringen hatte. Da die Liquidität auch der reichsten Konzerne heute nicht von ihrer Kapitalstärke, fondern der Flüssigkeit ihrer Kundschaft und des Geldmarktes abhängt, zeigt die Eröffnungsbilanz auch die gewohnte Anfpannung der laufenden Boften, aus der aber dem Bing- Konzern bei seinen reichen Reserven und Bankverbindungen feine Schwierig feiten erwachsen dürften. Dürftig, äußerst dürftig, aber nicht über. raschend bei dem noch nie durch Arbeiterfreundlichkeit aufgefallenen Stammhaus des Bing- Konzerns sind die Bosten Arbeiter und Beamten- Bensions. und Unterstüßungstaffen für die 16 000 Arbeiter und Angestellten dotiert, die nach den BorSchriften der 3. Steuernotverordnung" aufgewertet worden sind. Man tann ein tiefes Bedauern nicht unterbrüden, wenn man fieht, wie ein so ungeheuer ausgedehnter und lukrativer Maffen haushaltsbedarf wie ber vom Bing- Ronzern ausgebeutete in rüd. fichtslos ihre Monopolftellung ausmüßenden Unternehmerhänden liegt, statt in umfassenden genossenschaftlichen Produk tionsbetrieben der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Bielleicht denken die Millionen Lohn und Gehaltsempfänger in der ganzen fapitalistischen Welt daran, wenn sie zu Weihnachten ihren fargen Haushalts- und Spielzeugbedarf in den Bingschen Arsenalen der Warenhäuser decken werden. Auch die Arbeiterbanten Europas fönnten ihr Augenmerk allmählich etwas mehr darauf richten als bisher. Zaftenverteilung und Goldbilanzen. K-. Gleich nach der Festlegung auf die Erfüllungspolitik durch den Londoner Bertrag beginnt der Kampf um die Berteilung der Baften. Abgesehen von denjenigen, die brutal und offen alles abwälzen wollen, wie sie immer abgewätzt haben, und deren Gefährlichseit leidyt von jebem erkannt wird, treten andere auf, die eine gleiche Berteilung auf alle Schichten fordern, auch wenn sie sonst nicht gerate für solche Gerechtigkeit" waren. Diese sind bedeutend gefährlicher, denn dem Unbefangenen erscheint diese Forderung als elementares Recht und immer wieder fann man von bedeutenden Stellen hören, daß neue, schwere Opfer von allen" gebracht werden müssen. Wie müssen wir uns dazu stellen! Die Reparationsforderungen folgen aus dem verlorenen Striege, einem Unternehmen, das der Maffe des Volkes auch bei anderem Ausgang nichts eingebracht hätte( siehe England und Frankreich), weil das Kräfteverhältnis der kapitalistischen Gesellschaft eine gerechte Berteilung unmöglich macht. Das natür liche Rechtsempfinden wehrt sich dagegen, daß aus einem Unter nehmen jemandem Schaden erwachsen fann, der feinen bestim. menden Einfluß darauf hat. In der tapitalistischen Wirt fchaftsform gilt das jedoch als Recht, wie die Kriegsfolgen auf der ganzen Welt beweisen. hält man sich nun vor, daß wir auch noch eine Inflation über uns haben hergehen lassen, dann wird das Unsinnige an der Forderung nech deut icher. Ist doch diese Inflation teine Folge des Krieges an fich fondern folgt fie doch nur aus Fehlern, die die Leiter des Kriegsunternehmens begangen haben und für die die breite Masse mie immer einstehen soll. Durch die Bucht ihres Ablaufs ist die Juflotion dem nüchternen Denten vieler ihner Opfer einfach entrüdt morder, vielen erscheint fie mit mystischem Schleier verhüllt, wie ein Staturereignis. Es ist jest doppelt nötig, fie flar ins Auge zu faffen, meil burch fie bie Umgestaltung der wirtschaftlichen Berhältnisfe in einem nie geahnien Maße erfolgt ist. Bei der Inflation wird das Rolfsvermögen boch nicht durch die Luft ent führt, es verschwindet boch nicht einfach; die Inflotion ift in Wahrheit nur eine neue Berteilung der vorhandenen Gütermenge im Besitz seiner Güter blieb, blieb in der gleichen Vermögenslage, mer Güter erwarb, vermehrie fein Bermögen, wer Geld für Ware empfing, wurde infolge der fortlaufenden Entwertung des Geld zeichens enteignet. Besiz oder Erwerb refp. Berluft von Gütern ift also ausschlaggebend für die Beurteilung der Folgen der Inflation für ben einzelnen Befizer. Ber Es ist nun unnötig, in unserem Bande ein Jahr nach der In flation von ihrer Wirkung auf diejenigen zu fprechen, die Lohn empfänger waren, alfo Ware gegen Geld eintcuschen müssen. Es ist aber nötig zu beweisen, wo die Gütermenge hingewechselt ist, die ben betroffenen Schichten verloren gegangen ist. Prüft man die Eröffnungsgoldmartbilanzen der Attiengesellschaften, in benen der Stand der Unternehmungen nach Ende der Inflation aufgewiefen werden soll und vergleicht fie mit einer Friedensbilang, fo fommt man immerhin zu einigen Ergebnissen in dieser Richtung. Aus der Fülle der Zahlen seien einige hier herausgegriffen. Bei ber Elettrizitätslieferungs.. G. hat sich gegen die Borkriegszeit die Schuldenlaft um 76 Broz. verringert, eine Folge der Inflation. Alle Anlagewerte find mit 46 Broz. Wertverminde rung eingefeßt. Während die Veränderung der Schuldfumme einwandfrei feststeht, fann in der Angabe betreffend das Anlagefapital noch eine erhebliche Reserve fleden. Die Gegenüberstellung der beiben Zahlen ergibt jedoch schon die Wertsteigerung auf der Jeber Unternehmer hat pro Kopf seiner Arbeiter" zwei bis vier Mart an ihn zu zahlen. Hohe Schutzölle und lange Arbeitszeit sollen durch diese Mittel zum Schaden ber arbeitenden Bevölkerung erreicht werden. Nur eine starke Sozialdemokratie im Reichstag bietet Schuh gegen solche voltsfeindliche Bestrebungen. Stärkt deshalb unseren Wahlfonds durch Einsendung freiwilliger Beiträge an das Postfcheckfouts 48743 Aler Pagels, Berlin SW, Lindenstr. 3 Sachwertseite, zumal auch das Attienkapital um 33 Broz. vermindert worden ist. Bei der Sinner Brauerei A.-G. find aus der Eröffnungs. bilanz alle Obligationenschulden und Hypothefarbelastungen verschwunden und die Sachwerte, die um 38 Broz. vermindert angegeben worden sind, sind dadurch mindestens erhalten geblieben. Alles, was als Reserve in der Bewertung der Sachwerte stedt, märe alfo Bermehrung der Anlage. Kraß liegt der Fall bei den Rasquin Farbwerfen A.-G. Hier ist das Rapital gegen den Vorfriegsstand um 92 Broz. vermehrt, die Sachwerte dagegen um 151 Broz. Bei der Rhein. Möbelstoffweberei A.-G. find die Schulden ganz abgegolten, das Anlagefapital um 15 Pro3. vermindert angegeben. Auch hier findet ein Ausgleich statt, wobei eventuelle Reserven unberücksichtigt bleiben müssen. Bem die Inflation genügt hat, haben alle Zeitgenossen täglich vor Augen gehabt; wie sie mit Hilfe von Papiermarkkrediten vom Unternehmer ausgenügt worden ist, beweisen die Zahlen, die leicht vermehrt werden könnten und die noch mehr beweisen würden, wenn sie genau stimmten und nicht nur aus willkürlich aufgestellten Eröffnungsbilanzen stammten. Zwei Folgerungen drängen sich nun auf. Einmal die Unmöglichteit, gleiche Lasten für alle umzulegen, denn die weitesten Kreise des Boltes, die zugleich die schwächst en sind, sind durch die Inflation um den Rest der Güter gebracht worden, die sie bis dahin noch bewahrt hatten. Diejenigen, die aus der Umwertung Ruben gehabt haben, sind verpflichtet, in demselben Maße die Lasten zu tragen, wie sie allen Nutzen eingeheimft haben. Ohne politischen Einfluß find die Massen ben wirtschaftlichen Machthabern ausgeliefert, find sie ohne Einfluß auf die Entwicklung der Wirtschaft. Politische macht ist nötig, wenn die Maffen nicht Objekt bleiben sollen, sondern die Wirtschaft auf vernünftige und gerechte Weise beeinflussen sollen. Daran muß jeder Arbeiter am 7. Dezember denken. H. K. Wo stecken die Siedlungsfeinde? Der Borstand der Landwirtschaftskammer für die Broving Schleswig- Holstein hat in seiner Sigung am 15. und 16. Oftober 1924 zur landwir fchaftlichen Siedlungsfrage Stel lung genommen und einen Beschluß gefaßt, in dem es heißt: 3wangsweife Inanspruchnahme von Band für Siedlungszwede unter Gefährdung von für die Botsernährung wichtigen Betrieben oder Umwandlung von Bachiftellen in Renten ftellen auch gegen den Willen der Bächter, nur um ein zahlen mäßiges Siedlungsergebnis zu erzielen, find zu vermeiden. Es wird bean.ragt, den Sieblungszwang einstweilen aus. zusehen und das Tempo der Siedlung den wirtschaftlichen Ber. hältnissen anzupassen. betrifft, so haben die hierfür zuständigen Stellen davon zumeist Was die zwangsweise Inanspruchnahme von Siedlungsland an fchon felbft Abstand genommen, weil die jeweils eingeleiteten Ent eignungsverfahren fich gewöhnlich auf unabsehbare Zeiten verfchleppen, und dann auch felten zu den erstrebten Ergeb niffer führet. Die erforderliche Siedlungsfreudigkeit ist nämlich bei der Entscheidungsstellen nicht oft vorhanden. So berichtet neuerdings in der Zeitschrift für Selbstverwaltung" vom 15. November 1924 Landrat Rothert Bersenbrüd über Erfahrungen im Kreise Bersenbrüd, die sich auf die Ananspruchnahme von Dedland be ziehen. Rothert erklärt: „ Die Schwierigkeiten, die der Siedlung entgegenstehen, find heute größer den je. Bor allem gilt das von der Siedlung auf Debland. Für eine größere Lehmheide von 300 Heftar, das fogenannte Steinfeld, find bereits vor drei Jahren die er forderlichen Anträge gestellt worden. Im Frühjahr dieses Jahres st Sann schließlich lektinstanzlich zwar die Enteignung für 3 u fäffig erflärt worden, aber bis heute fonnte trotz allem Drän gen mit der Aufteilung noch nicht begonnen werden, weil die Entschädigung für die bisherigen Eigentümer immer noch nicht festgesetzt ist. Dabei handelt es sich um Boden, der mit Heide bestanden und bislang nur zur Streugewinnung genutzt wurde, deffen Togierung mithin feine besonderen Schwierigkeiten machen fann.... Der Kreis der Siedlungsunternehmer hat angesichts der langen Dauer des Enteignungsverfahrens und der Erbitte= rung, die dieser gerade wegen der Langsamkeit unter der Betroffenen hervorruft, darauf verzichtet, weiterhin von der Ents eignung Gebrauch zu machen." Daß gegen die Umwandlung von bäuerlichen Bachtstellen in Rentenstellen, also in Stellen, die dem bisherigen Pächter das Eigens tumsrecht sichern, von Bã ch tern Widerstand erhoben wird, ist eine ganz neue Lesart, die anscheinend die Landwirtschaftskammer Schleswig- Holstein erfunden hat. Den fonft hat man immer nur gehört, daß gerade die schleswig- Holsteinischen Bachtbauern( es gibt noch ganze Dörfer mit solchen Bauern) und ebenso diejenigen in den Provinzen Hannover und Westfalen allefamt darauf abzielen, Eigentümer des Landes zu werden, das einzelnen Fideikommißbesitzern oder sonstigen Großgrundeigentümern gehört, die davon dauernd ihr arbeitsloses Renteneinkommen in Form hoher Bachtzinfen beziehen. Ach nein, alles, was Bertreter des Großgrundeigen tums gegen die Siedlung ins Feld führen, sind Scheingründe. Der Hauptbeweggrund ist: Bodenherren bleiben wollen, um über die Grundrente unbeschränkt verfügen zu tönnen und zu G. herrschen. J. D. Riedel A.-G., Berlin. Das schon im 18. Jahrhundert entstandene, 1905 zur Rapita gesellschaft umgewandelte und mit der Fabrik in Geelze 4000 Arbeiter und Angestellte beschäf.igende Werf hat seinen bebauten und unbebauten Grundbesig feit der Bor. friegszeit berffünffacht, seine Arlagen start ausgebaut und neben der Tetralin 8. m. b. H., Berlin, die Behring, Werte A. G., Marburg, fich angegliedert. Der Krieg brachte Verluste in den tapitaleigenen Betrieben in Rußland und England, doch ist dieser Verlust im Ausland vom Inlardsabsatz und durch fartellmäßige Preis- und Abfahregulierungen in Deutschland und mit amerikanischen Firmen ersetzt. Als hoc; organisiertes und start Wert mit einem ständig steigenden Absatz chemischer, medizinischer mit wissenschaftlichen Kräften und Betriebsmethoden arbeite des und photographischer Präparate machte die Riedel A.-G. ftets er Hebliche Gewinne. Die Inflation brachte aus Obligationen und Hypo thefen einen Sondergewinn von ca. 1% Goldmillionen. Die Golderöffnungsbilanz weist zwar nur etwa eine Berdoppelung von Rapital und Reserven gegenüber 1914, auch die hundertprozentige Aufwertung der Riedelschen Werkſtiftungen mit 500 00 Goldmart nach, aber die Aktiven bergen doch sehr starte Reserven. Der als vor dem Kriege( 1,4 mill. M.) Die fehr umfangreichen und Grundbesitz ist trop Berfünffachung noch niedriger angefegi( 1) modernen Hafen, Gleis- und Fuhrpartwerte erscheinen mit einer Mart. Die Beteiligungen find nach der zu erwartenden Rene tabilität der angegliederten und Tochterwerfe bewertet. Dieſe Refervenbildung erscheint mehr als vorsichtig und scheint mehr fünftiger Ausdehnung als der Aktionärdioidende dienen zu sollen. Köln- Rottweil.- G., Berlin. Die alte Bulver A.-G., die vor dem Krieg durch ihre mehrfach geschachtelte Kartellverbindung mit dem Nobel Dynamit Trust regelmäßig 15-20 Prog. Dividende ausschüttete und diese während des Krieges auf 20 bis 35 Pro3. steigern tonnte, hat infolge der Entwaffnungs. bestimmungen des Friedensvertrages den größen Teil ihrer in ganz Deutschland verbreiteten Werte auf neue Bro duftionszweige umstellen müffen. Nur in 5 Fabrifen wird noch Sprengfloff und Bagdpulver hergestellt, und nur diese profitieren noch von den( bis 1999! laufenden) Kartellvereinbarungen mit dem Nobel Dynamit- Truft. Die übrigen fabrizieren heute Bullan fiber, Tisch und Bodenbelag, Kunstseide und die dazu nötigen Schwefellohen- und Sellstoffe. So fann der heutige Wert ber Die Bobbilang macht aber offenbar, wie start die Köln- Rottweil Berke nicht mehr mit dem der Borfriegszeit verglichen werden. 2- G. aus ihrer Monopolstellung als Rüstungs- und Kriegsbetrieb für die Umstellung in der Nachkriegszeit profitiert hat. Der Gold wert der Kapitalserhöhungen seit 1914 wird auf 11 Millionen gee schäßt. Das Friedenskapital und die Reserven betrugen zufammen etwa 24 Millionen Goldmart. Ein beträchtlicher Teil der fabri Cationsanlagen ist ftillgelegt und erfaeint in der Bilanz nur mit dem vorsichtig geschäßten Grundstüdswert. In der Inflations. eit fonnten die Zellstoffabrit Bell in Wiensenthal und weitere Be teiligungen erworben werden. Dazu kamen die fehr hohen Kosten der fast völligen Umstellung. Ueber den Bosten Effeften und Be teiligungen sagt der Bericht, daß die Bewertung erheblich hinter den Anschaffungspreisen" zurückbleibt. Demnach fonnte das eigene Kapitol mit 5 Millionen Reserven auf 34,3 millionen Goldmart festgestellt werden. Von Liquiditätsforgen wird die Köln- Rottweil A.-G. bei ihrer starten Refervenſtellung faum berührt werden. XCO Sie werfen Jhr teures Geld unnüz weg, wenn Sie eitt x- beliebiges Shampoon laufen. In der Gewohnheit liegt feine Wirkung, das sehen Sie ja selbst. Was aber Millionen erprobt baben und übereinstimmend loben, ist Walfisch Shampoon. 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Die Unternehmer wollen angeblich die Mögüchkeit haben mit Hilfe des Leistungstarifs leistungsfähigere Angestellte über die Gehaltssäge des Tarifs hinaus bezahlen zu können. Im Zarif sollen für jede Gruppe nur Min. destgehälter festgelegt werden, die etwa den jetzt geltenden geringsten Gehältern entsprechen; den Arbeitgebern soll es überlassen bleiben, Angestellte mit höheren Leistungen besser zu bezahlen. Wie diese Fürsorge" des BBMI. für seine Angestellten in der Bragis aussehen würde, erläuterte Günther an Beispielen aus der Provinz, wo soiche Leistungstarife teilweise schon bestehen. Es hat sich dort gezeigt, daß die große Mehrzahl der Angestellten lediglich die Mindestgehälter erhalten oder doch nur so geringe Leistungszuschläge( 6 bis 10 Proz. von einem Mindestgehalt von 150 bis 180 M.), daß von einer Bewertung höherer Leistungen nichts zu merten ist. Man hat den Angestellten sogar verboten, über ihre Zuschläge gegenüber den Kollegen zu sprechen; die Gewährung von Leistungszuschlägen geschieht also in jeder Hinsicht unter Aus schluß der Deffentlichkeit. Der Vertreter der Firma Siemens erflärte bei Verhandlungen in Kottbus, daß seine Firma einen Ges familchnaufwand von 30 Prez. über die Summe der Anfangsgehälter für durdaus genügend erachte. Die Besorgnis des BBM3. um die Befferstellung seiner leistungsfähigeren Angestellten wird durch Borgarage bei der Firma Orenstein u. Koppel heffend illustriert. Dort hat man erst fürzlich qualifizierte Angestellte mit relativ höheren Gehältern gekündigt und ihnen anheimgestellt, zu wesentlich gekürzten Behältern weiter zu arbeiten. Der Redner fam unter lebhafter Zustimmung der Versammlung zu dem Ergebnis, daß es dem BBMI. mit seinem„ Leistungstarif" nicht auf eine höherbewertung befferer Leistungen, sondern auf eine Sentung des allgemeinen 2ohnniveaus antomme. Die Urlaubsfrage soll in ähnlicher Weise geregelt werden. Nach dem Entwurf der Unternehmer wird der Urlaub um etwa die Hälfte getürzt. Ein Angestellter der unteren Gehaltsgruppan, der bei entsprechendem Alter und genügend langer Dienst zeit jest einen Urlaub von 27 Tagen erhalten würde, müßte sich nach dem Leistungstarif mit 9 Tagen begnügen. Auch hier also ein Abbau. Man tann nicht behaupten, daß die Stundenlohnfäße, die eine Erhöhung von durchschnittlich 5-8 Pf. gegenüber dem jetzigen Lohn bringen, als ausreichend bezeichnet werden können. Der Schlichtungs. Parteinachrichten ausschuß hat sich bei Fällung des Schiedsspruches starf an die gegenwärtig in den preußischen Berwaltungen geltenden Löhne gehalten. Die Lariftommiffion, die nach Fällung des Schiedsspruches sich mit ihm sofort zu befassen hatte, hat ihm, angesichts der großen Notlage, in der sich die städtische Arbeiterschaft durch die ungeheure Teuerung und durch die ungenügende bisherige Bezahlung befindet, zugestimmt. Es muß der Erwartung Ausdrud gegeben werden, daß der Magistrat der mäßigen Erhöhung der bisherigen Stundenlöhne umgehend seine Zustimmung erteilt. Das Lohnabkommen der Glaser. Die Glaser hatten ihr Lohnabfommen gefündigt und forderten eine Erhöhung des Stundenlohnes. Die Unternehmer lehnten in den Berhandlungen jede Lohnerhöhung ab und brachten zum Ausdruck, daß es ihnen nur bei dem geltenden Lohn von 1,10 M. möglich sei, die Arbeiter den Winter über zu beschäftigen. Sie flagten auch darüber, daß es ihnen schwer falle, bei den hohen Löhnen Aufträge zu erhalten. Wie in einer Versammlung der Glafer festgestellt wurde, liegt das aber hauptsächlich an den hohen Zuschlägen, die die Unternehmer auf die Gefellenlöhne legen. Härte fich damit einverstanden, daß das alte Lohnab= Die Versammlung ertommen weiterläuft. Einsendungen für diese Rubrit find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, Sonntag, 30. November 1924 für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, an richten 7. Kreis Charlottenburg. Die für Montagabend um 28 Uhr festgesette Funttionärkonferenz in der Schulaula des Schiller- Realgymnasiums, SchillerStraße 26, findet umständehalber erst am Dienstagabend um die gleiche Rei statt. Das Material mit dem Verzeichnis der Wahllokale ist beim Genossen Wil, Schillerstr. 40, jederzeit in Empfang zu nehmen. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, den 1. Dezember, abends 9 Uhr, Gipung des Wahlausschusses bei Kroiß, Holsteinische Str. 60. Plakate und Handgettel für die Rundgebung am 3. Dezember sind ebenda abzuholen. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Montag, den 1. Desember, 7% Uhr, mich tige Funktionärsigung im Rathaus Martendorf, Zimmer 26. 14. Streis Neukölln. Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den Abteihungsleitern Montag, den 1. Dezember, 7 Uhr, im Parteibureau, NedarStraße. Die Abteilungsleiterinnen haben dafür zu sorgen, daß die Sandzettel zu der am Dienstag, den 2. Dezember, stattfindenden Frauenverfammlung zwedentsprechend verteilt werden. 17. Kreis Lichtenberg. Abteilungen 114-119: Die Abteilunggsleiter holen das Wahlmaterial zur Versammlung am 5. Dezember von der Borwärtsspedition Wartenbergstraße ab. 117. Abt. von Rosenkranz. Mittwoch, den 3. Dezember, 7 Uhr, in der Bibliothek, Weichselstr. 28, Kreisvor standssigung. Jede Abteilung muß vertreten fein. 18. Kreis Weißenfee. Montag den 1. Dezember, 7% Uhr, im Rathaus, Zimmer 21, Fraktionssigung. 20. Kreis Reinidendorf. Die Mitglieder der Abteilungen Tegel, Borsigwalde, Reinidendorf- West und Wittenau beteiligen sich an der öffentlichen Wählerversammlung am Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr, im Lotal Frit Schulz, Wittenau, Oranienburger Str. 88; die Mitglieder der Abfeilungen Reinickendorf- Ost. Rosenthal, Waidmannsluft und Sermsdorf an der öffentlichen Wählerversammlung am Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr, im Lokal Schneider, Rosenthal, Sauptstraße. Arbeitsnachweis der Glaser die ArbeitslosentonDer Fachgruppenleiter Burfürft teilte noch mit, daß dem trollstempel entzogen seien, weil sich der Leiter des Nach Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Weihnachtsfeier in der reises geweigert hat Arbeitslose zur Pflichtarbeit zu Stempelstellen der Bezittsarbeitsämter zweds Kontrolle vermitteln. Die erwerbslosen Glaser müssen jetzt die zuständigen aufsuchen. Lohnbewegung der Eisenkonstruktionsarbeiter. während der tariflosen Zeit in der Metallindustrie beim SchlichtungsDie Arbeiter der Eisenkonstruktionsbetriebe hatten im Sommer ousschuß den Abschluß eines Tarifs beantragt. Die Unternehmer, die dem BBMI. angeschlossen sind. hatten einen Branchentarif abgelehnt, sich aber bereit erklärt, die Akkordpreise so zu regeln, daß ein leberverdienst von 25 bis 30 Broz. über die Afford basen erzielt werden kann. Wie sich später herausstellte, legten die Unternehmer ihren Berechnungen aber niedrigere Akkord. im Höchstfalle nur etwa 63 Pf. verdienen. Eine fürzlich abgehaltene basen zugrunde; die Arbeiter fonnten statt der erwarteten 73 Pf. Branchenversammlung war sich darin einig, daß eine Lohn- und Attordzulage dringend notwendig ist, um o mehr, als in allen anderen Berufen wesentlich höhere Löhne gezahlt werden. Es wurde beschlossen, daß in allen Betrieben Lohnforderungen zu stellen sind, nach denen Berdienste von 70 bis 93 Pf. erzielt werden können. Von dem Ausgang der Lohnbewegung werden Sie weiteren Schritte abhängen, die die Eisentonstruktionsarbeiter ergreifen werden. Die Anrufung des Echli.htungsausschusses ist von der Versammlung abgelehnt worden. In der nächsten Zeit wird mit dem BBMI, über seine Borschläge und die Forderungen des Metallfartells, die sich auf die Beibehaltung des alten Stoffeltarifs unter einer gleichzeitigen Erhöhung der Gerungs- und Lichtverhältnisse ist es unbedingte Pflicht eines jeden hälter um 20 Broz., die Beibehaltung der jegigen Urlaubsregelung ind die Wiedereinführung der 48- Stunden- Woche beziehen, ver. handelt werden. Günther richtete die dringende Mahnung an die Funktionäre, durch rege Agitation die Angestellten auf einen Rampf mit den Unternehmern vorzubereiten. Eine im Sinne Der Ausführungen des Referenten vorgeschlagene Entschließung wurde einstimmig angenommen. Schiedsspruch für das Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bantangestellten mit. fit, wurde am gestrigen Sonnabend unter dem Borsiz des früheren Reichsministers Schiffer vor einem im Reichsarbeitsministerium zufammengetretenen Schiedsgericht über eine Neuregelung der Bankbeamtengehälter verhandelt. Gegen die Stimmen der Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeifizer fällte schließlich der Unparteiische felbst, wie das nach einer neuen Verordnung zulässig ist, einen Schieds spruch, der dahin geht, daß den Banfangestellten bis zum 25. Lebensjahr feine Gehaltserhöhung, den Bantangestellten bis zum 30. Lebensjahr 4 Proz., den älteren Banfangestellten 6 Broz. Ge haltserhöhung ab 1. Dezember zuteil werden soll. Diese Regelung follte bis zum 28. Februar 1925 Geltung haben. Nach der Stellungnahme der Beisitzer ist jedoch anzunehmen, daß zumindesten die Arbeitnehmerverbände diefen Schiedsspruch ablehnen werden. Lohnbewegung der Kämmereiarbeiter Berlins. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hat am 22. November beim Magistrat Berlin eine neue Lohn. regelung für die Kämmerei und Anstaltsarbeiter Berlins beantragt. Es wurde gefordert eine Erhöhung der gegenwärtigen Stundenlohnfäße für die ungelernten und angelernten Arbeiter um 12 Pf., für die angelernten mit besonderer Tätigkeit und Handwerker um 10 Pf. Ferner wurde gefordert die Erhöhung der Familienbeihilfe um 1 Bf. pro Stunde, außerdem die Gleichstellung der Gedingelohnbafis mit dem jeweiligen Stundenlohn und Festlegung des Lebensalters der Bollarbeiter auf 21 Jahre, statt wie bisher 24 Jahre. Der Tarifausschuß der Stadtverordneten hat die Anträge ab gelehnt und beschlossen, den über 24 Jahre alten Arbeitern eine Stundenlohnzulage von 4 Bf. zu gewähren. In Rücksicht auf die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse muß die Maßnahme des Tarifausschuffes als sehr fonderbar bezeichnet werden. Der Maristrat hat den Standpunkt vertreten, überhaupt teine Zulagen zu gewähren. Der durch den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter angerufene Schlichtungsausschuß hat in feiner Sigung am Sonnabend entgegen der Auffassung des Magistrats folgenden Schiedsspruch gefällt. Es erhalten ungelernte Arbeiter über 24 Jahre einen Stundenloh von 53-58 Pf., angelernte Arbeiter von 57-62 Bf., angelernte Arbeiter mit besonderer Tätigkeit von 66-70 Bf., Handmerter von 72-76 Pf. Die Lohnfähe der übrigen männlichen Arbeiter, der weiblichen sowie jugendliche staffeln sich in dem bisherigen Berhältnis ab. Die Gedingeloh bafis liegt 3 Pf. unter dem Stundenlohn. Der Antrag auf Herabsetzung des Lebensalters der Bollarbeiter auf 21 Jahre wurde abgelehnt. Die Löhne haben Geltung ab 23. November 1924. Achtung, 3immerer! Mit Rüdsicht auf die eingetretenen Mitte Bimmerers, dafür einzutreten, daß die bisher bestandene Winterarbeitszeit eingehalten wird. Mit Beginn der neuen Lohnwoche am Mittwoch, den 3. Dezember, tritt die 7stündige Arbeitszeit in Kraft, und zwar Anfang 8 Uhr, Frühſtüd 9-9% Uhr, Mittag 12-12% Uhr und Feierabend 4 Uhr. Kameraden! Mit Rüdficht auf die erhöhte Unfallgefahr des Morgens, wo es noch sehr dunkel und auch durch Reif, Frost usw. sehr alatt ist, aber auch mit Rücksicht auf die Arbeitslofen in unferem Beruf muß unbedingt an der perkürzten Arbeitszeit festgehalten werden. Die Bezirtstaffierer werden gebeten, umgehend den Fragebogen einzuZentralverband der Zimmerer, Zahlstelle Berlin und Umgegend. fenden. AEG.- Turbinenfabrit. Die streitenden Dreher müffen am Montogfrüh 9 Uhr im Lokal von Lange, Rostocker Str. 27, anwesend fein, um sich dort nach ihrem Versammlungslokal zu erfundigen. Die Ausstandsbewegung in der Textilindustrie Kongreß- Polens hat weiter um sich gegriffen. In Lodz allein streifen gegenwärtig 85 000 Arbeiter. Man befürchtet eine Ausbreitung des Sireits auf Bialystok. Die Gesamtzahl der streikenden Arbeiter wird auf 120 000 geschätzt. Graphisches Gewerbe. Montag, den 1. Dezember, ab 5 Uhr nachmittags, im Restaurant Senning, Megandrinenstr. 44, Abholung von Werbematerial Wir bitten unsere Funktionäre, dafür zu sorgen, daß für jeben Betrieb Abholung erfolgt. Besondere Einladung erfolgt nicht mehr. Der graphische Werbeausschuß. J. A.: Otto Fiedler. SPD.- Eisenbahnbeamte und-arbeiter. Deffentliche Eisenbahnerund Beamtenversammlung am Montag, den 1. Dezember, abends 7½ Uhr, im Café Gärtner( Bahnhof Bellevue), Holsteinisches Ufer 27/28. ,, Die Eisenbahner und der 7. Dezember 1924. Referent Genoffe Landgerichtsrat Ruben. Eisenbahner, erscheint in Maffen! Der Werbeausschuh. Achtung, SPD.- Schuhmacher! Montag nadmittag von 5-6 Uhr im Lotal von Blawert, Weberstr. 24a, Ausgabe von Wahlmaterial. Jeder Betrieb muß einen Genoffen entsenden. Parteiausweis mit bringen. Deutscher Bekleibungsarbeiterverband, Filiale Berlin, Gebaftianstr. 37-38. Herrenkonfektion: Morgen, Montag, abends 7 Uhr, im Rosenthaler Sof. Rosenthaler Str. 11-12, Mitgliederversammlung. Gummikonfektion: Mittwoch, den 3. Dezember, nachmittags 5% Uhr, in den Versammlungsräumen des sammlung. Tagesordnung in beiden Bersammlungen: Bericht von den Ber Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes, Sebastianftr. 37-38, Sof part., Ver handlungen vor dem Reichsarbeitsministerium. Branchenangelegenheiten. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen aller Befchäftigten notwendig! Mitgliedsbuch oder-tarte legitimiert. Neuaufnahmen am Gaaleingang. Die Filialleitung. Zentralverband der Schuhmacher. Montag abend 7 Uhr BezirksversammTingen in den bekannten Lokalen. Bericht über die legten LohnverhandIungen mit den Innungen. Dienstag abend 6 Uhr Branchenversammlung der Schäftemacher im Saal 2 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Nach mittag 54 Uhr allgemeine Funktionärverfammlung im Gaal 1 des Gewert fchaftshauses. Bortrag des Genoffen Dittmar, Bericht über die Lohnverhand. lungen des R. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Gettion Straßenreinigung und Stadtfuhrpart. Dienstag, ben 2. Dezember, abends 6 Uhr, im Gizungs faal des Verbandshauses. Johannisftr. 14-15, 1. Sof, 1 Tr., Bersammlung fämtlicher Funktionäre der Straßenreinigung und des Fuhrparts. Deutscher Solzarbeiterverband. In den Vertrauensmännerversammlungen am Mittwoch wird die Beitragsfrage besprodjen. Es nehmen an den Berfammlungen teil: die Bertrauensleute, Betriebsräte und auch aus den tleinften Betrieben je ein Vertreter. Afa- Mitgliederversammlung, Feinmechanik und Optit, am Mittwoch, den 3. Dezember, abends 7 Uhr. im Restaurant Alter Astanier", Anhaltstr. 11. Boltsbühne am Bülowplak am 24. Dezember, nachmittags 3 Uhr. Bis Mittwoch, den 3. Dezember, müssen die Bezirke anmelden, wieviel Selfer und Kinder sie zur Feier schicken wollen. Spätere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Heute, Sonntag, den 30. November: 16. pt. Früh 9 Uhr Flugblattverbreitung von Krüger, Suffitenstr. 34, aus. 34. Abt. Ab 9 Uhr früh Flugblattverbreitung von Rosin und Mücke aus. 38. Abt. 154. und 156. Bezirk: 9 Uhr Fürstenwalder Str. 12, Besprechung. Montag abend 8 Uhr für alle Bezirksführer wichtige Materialausgabe bei Bartusch, Friedenstr. 88. 47. Abt. 9 Uhr Flugblattverbreitung von Siebentopf, Mustauer Str. 35, aus. 69. Abt. Wilmersdorf. 9 Uhr früh Flugblattverbreitung bei Andreas, Pfalz, burger Str. 55. 71. Abt. Wilmersdorf. Der Film Schmiede" wird nicht, wie in unserer Sonnabendnummer fälschlich angegeben, bis zum 5., fondern nur bis Montag, den 1. Dezember, in den Eva- Lichtspielen, Augustastraße, gegeben. Seute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, Extravorstellung zu er mäßigten Preisen. 85. Abt. Tempelhof. Bormitbags 8 Uhr Flugblattverbreitung von den Be girtsführern aus. Nachmittags 2 Uhr treffen sich alle Genoffen in der Linde" zum Wahlspaziergang. Montag, 7½ Uhr, Sigung der Rommunalen Rommiffion im Rathaus Mariendorf, Rinrmer 26. 127. Abt. Hohenschönhausen. Nachmittags 2 Uhr öffentliche Verfammlung in Sungjozialisten. Gruppe Süben: 6 Uhr Heimabend Botsdamer Str. 27, Gartenhaus rechts, 4 Tr. beteiligen Morgen, Montag, den 1. Dezember: 21. bt. 7 Uhr Funktionärversammlung bei Fuchs, Weddingftr. 5. 23. bt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Grunwald. 24. Abt. 3. Gruppe: 8 Uhr öffentliche Elternverjammlung in der Schulaula Mandelftr. 2. Thema: Das neue Geschlecht". Referent Genosse Dr. Graaz. 27. 38. Abt. " bt. 7 Uhr Funktionärßigung bei Lenser, Kopenhagener Str. 37. 28. Abt. 7 Uhr Funktionärversammlung bei Büttner, Schwedter Str. 23. Die Betriebsvertrauensleute müssen erscheinen. Bildungskommiffion: 7½ Uhr bei Bartusch, Friedenstr. 88. 43. bt. 123., 124. und 130. Bez.: 7 Uhr bei Reim, Urbanstr. 29, Sahl. abend. Die übrigen Bezirke am Dienstag, den 2. Dezember, in den bekannten Lokalen. 44. Abt. 7 Uhr bei Nagel, Manteuffelstr. 45, wichtige Gigung fämtlicher Funktionäre. Wahlhelfer und Jugendgenossen sind eingeladen. 47. Abt. 7% Uhr Funktionärfonferenz bei Kurt Linde, Waldemarstr. 65. 58. Abt. Charlottenburg. Flugblattverbreitung und Materialausgabe von 4 Uht ab Bayreuther Str. 31, porn part. This 71. Abt. Wilmersdorf. In den Eva- Lichtspielen wird nur noch heute under morgen, abends 7 Uhr, der Film Schmiede" gegeben. Die Genoffen werden ersucht, denselben zu besuchen. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr bei Julius Werner, Köpenider Str. 108b, Mitgliederversammlung. 125. Abt. Weißenfee. 7 Uhr bei Stärke, Charlottenburger Str. 3, Borftandssitung. Für die Versammlung am Sonntag in Malchow( heute) treffen sich die Genossen um 2½ Uhr im Gritnen Baum". 128./130. Abt. Bantow. 7% Uhr Ertrazahlabende in folgenden Lokalen: 1. Gruppe bei Majerowitsch. Berliner, Ede Kaiser- Friedrich- Straße; 2. Gruppe bei Mees, Berliner Str., Ede Lindenpromenade; 3. Gruppe bei Dreyer, Kissingenstr. 4; 4. Gruppe bei Neumann, Mendelstr. 17. 5. Gruppe bei Albrecht, Mühlenstr. 21; 6. Gruppe bei Neumann, Mendelstr. 17; 7. Gruppe bei Koritkowski, Flovastr. 73; 8. und 9. Gruppe bei Dohnke, Mollantstr. 31. 131. Abt. Niederschönhausen. Kinderfreunde: Jeden Montag und Donnerstag von 6-8 Uhr in der Gemeinschaftsschule, Bismardstraße, Busammenkunft. Jungfozialisten. Alle Gruppen beteiligen fich am Jungwählerappell im chemaligen Herrenhaus um 7 Uhr. Eintrittskarten sind noch am Eingang au haben. Frauenveranstaltungen am Montag, den 1. Dezember: 27. und 30. Abt. 7% Uhr bei Bohft, Stargarder Str. 19, Ede Lnchener Straße, Frauenabend mit Frauenwelt"-Beserinnen. Bortrag der Genossin Toden hagen: Das Wesen der Parteien was will der Sozialismus?" 42. Abt. 7 Uhr bei Söhlte, Bergmannstr. 69. Vortrag des Genossen Bandrichter Hirschberg. Vortrag des Genossen Litke: Warum muß die Frau sozialdemokratisch wählen?" Gäste willkommen. Vor. 81. Abt. Friebenan. Pünktlich 8 Uhr bei Alab, Sandjernstr. 60-61. trag der Genoffin Tichauer. 43. bt. 7 Uhr bei Wolf, Gräfeftr. 26. Uebermorgen, Dienstag, den 2. Dezember: 70. Abt. Wilmersdorf: 8 Uhr im Restaurant Kroiß. Holsteinnische Str. 60, Mitgliederversammlung. Bortvag des Genossen Dr. Foth: Die Reaktion in der Verwaltung". 2. Wahlangelegenheiten. 73. Abt. Schmargendorf. Rahlabend in der Gemeindeschule Friedrichshaller Straße. Da überaus wichtige Tagesordnung, muß das Erscheinen eines jeden Mitgliedes verlangt werden. Frauenveranstaltung am Dienstag, den 2. Dezember: 123. Abt. Raulsdorf: 7% Uhr, Schule Adolfftr. 26. Vortrag: Wie wählen die Frauen am 7. Dezember." hervorragend bewährt bei: Gicht, Grippe, Togal Rheuma, Nerven und Ischias, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnfäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken erhältlich. Best. 74,3% Acid acet salic.. 0,46% Chinin. 12,6% Lithium ad 100 Amylum Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Säle frei! Norden 9296. Wähle Voxhaus! Dann urteile! Eine Qualitäts- Zigarette für zwei Pfennige Jugendveranstaltungen. Achtung, Mitglieber! Das heutige Nachmittagskonzert in der Bhilharmonie beginnt nicht um 3 Uhr, sondern erst um 4 Uhr. Einlag 3 Uhr. Heute, Sonntag, den 30. November: Buchbols: Fußmanderung nach Tegel. Treffpunkt 8 Uhr Jugendheim. Lichtenberg- Rorb: Fahrt ins Blaue. Treffpunkt 7 Uhr Stralau- Rummels burg.- Steglik 1: Treffpunkt zum Ronzert 2 Uhr Bahnhof Gildende. Steg lig II: Treffpunkt 1½ Uhr Steglit au Ronzert. Südost( Reichenberger Viertel): Das Jugendheim Reichenberger Str. 66 ift ab 5 Uhr geöffnet. Webbing I: Fahrt Belten- Krämer- Fintentrug. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Wedding. Wedding- Norb: Die Fahrt fällt aus. Dafür Treffpunkt 9 Uhr Gee, Ede Müllerstraße. Erscheinen fämtlicher Mitglieder ist Bflicht. Beften: Fahrt Wannsee- Teltowlanal. Treffpunkt 6 Uhr Bhf. Bülowstraße. Werbebezirk Neukölln: Alle Genoffen treffen fich aur Landagitation vormittags 11 Uhr Bhf. Sermannstraße. Morgen, Montag, den 1. Dezember, abends 7% Uhr: Often( Petersburger Biertel): Jugendheim Eberinfte. 2, Mitgliederverfammlung. Bantwik: Soulstraße, Funktionärsigung. Baumschulenweg: Jugendheim Ernststr. 16, Mitgliederversammlung. Hermsdorf: Jugendheim Roonstraße, Mitgliederversammlung. Sport. Das Eröffnungsrenn n im Sportpalast. Auf der Berliner Winterradrennbahn im Sportpalast ist das Eröffnungsrennen am Sonnabend, den 6. Dezember, bazu ausersehen, einen genauen Ueberbiid über das Kraftverhältnis der Fahrer untereinander zu erhalten. Von diesem Gefichy.spurift aus ist auch die Zusammenstellung des Programms erfolgt Neben dem Eröffnungsfahren über die furze Strede darf wohl das 200- Runden Bunftfahren mit mehreren Wertungen für 15 Fahrer nach Wahl das meiste Interesse in Anspruch nehmen. Man darf hier gespannt fein, ob sich nicht aus der Fülle der ersttlaffigen Fahrer ein Spezialist für Winterbahnen herausschält, der selbst den Vertretern der Extratlasse gefährlich werden kann. Nachwuchs hat der Radrennsport dringe id nötig. Dem Geschmack des großen Publikums ist in einem Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1923: 13000 Badegäste. Mef* Statle # Berein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Jugendsekretariat Lindenstraße 3 Erstes Konzert am Sonntag, den 30. November 1924, nachmittags 3 Uhr, in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23 Heitere Mufik Saaleinlaß 3 Uhr- Karten à 75 Pf. an der kaffe.- Theaterabonnenten haben freien Eintritt. der ersten beliebten Mannschaftsfahren Rechnung getragen. Auch die Amateure fommen zu Bort. Der Meldeschluß läuft am 2. Dezember ab. Geschäftliche Mitteilungen. Die altbekannte Firma Wollvertrieb, nur Direffenftr. 45, Sof, gibt der Geldknappheit wegen jebes gewünschte Quantum ihrer guten Bollqualitäten an jedermann ab. Bettauf nur Dirdienstt. 45, Sof, tein Saben. Siehe Inserat. 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Die Firma Teppich- Bursch, Berlin 6. 2, Spandaner Straße 32, bietet hierzu eine ganz befondere Gelegenheit. Es empfiehlt sich, das heutige Inferat mit Gorgfalt zu lesen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsftelse: Berlin S. 14, Gebaftianstr. 37/38. Sof 2 Tr. Ramerabschaft Charlottenburg: Sonntag, den 30. November, vormittags 8% Uhr, treffen sich die Kameraden im Bereinslotal, Restau Dant Wilhelmshof, Eingang Spreeftraße. Bon Montag, den 1., bis Gonnabend, ben 6. Desember, von 6 Uhr abends ab, treffen fich die Rameraden im Vereinslokal. Erscheinen sämtlicher Ramevaden Pflicht. Ramerabschaft Wedding, Jugend: Montag, den 1. Dezember, abends 7 Uhr, Schule Gothenburger Straße. Ramerabschaft Lichtenberg: Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr, in der Aula ber Knabenmittelschule Marktstr. 11, Gaalschuh. Ramerabschaft Rehlendorf: Dienstag, den 2. Dezember, abends 8 Uhr, Gaalfchuk für DDP.- Bersammlung im Lindenpart. Sammeln der Kameraden um 7% Uhr bei Schnorte. Arbeiter Radio- Klub, Gruppe Besten. Dienstag, den 2. Dezember, 7% Uhr, bei Rofenthal, Schöneberg, Ebersstr. 66, Bastelabend. Erscheinen aller Mitglieber ift Pflicht. Gäste willkommen. Schugverein der Hunde- und Zierfreunde. Dienstag, den 2. Dezember, abends 8 Uhr, im Gesellschaftshaus des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 31, öffentliche Berfammlung. Vortrag des Herrn Dr. Duda us. Aussprachen über Fragen des Tierschutes. Jeder Tierfreund ist herzlich willkommen. Eintritt frei. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung am Montag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, im Lotal Sochheim, Pantstr. 82. Mieterverband Deutschlands. Deffentliche Mieterverfammlung des 6. Berwaltungsbezirts am Dienstag, den 2. Dezember, abends 7 Uhr, in Dörings Festfälen, Naunynftr. 27. Thema: Was hat die Mieterschaft vom neuen Reichs- und Landtag zu fordern?" Wetter für Berlin und Umgegend. 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Hypotheken: banbes gewandt mit ber Bitte, burd Deutsches Geschäft Sammlungen Gelder aufzubringen, bie Aus ands Geschält unferen arbeitslofen Mitgliedern zu Weib Wertpapiere nachten als eine Ertraunterftigung ge- Darlehen an Versicherte, geben werben follen. Forderungen und Guthaben bel Banken usw an rückständigen Prämien an Teilprämien, fällig 1924 an Zinsen und Mieten are Kasse Sonstiges Passiva Grundkapital Diefer Appell an bie Solidarität unserer Mitglieder hat leider nicht ben gewünschten Erfolg gezeitigt, fo baß wir nicht in ber Bage find, unferen arbeitslosen Mitgliedern zum Weihnachtsfeft auch nur annähernd eine Summe auszuzahlen, die als eine Unterfügung angesprochen werden kann. Da nun die Auszahlung bereits in sitta 3 Bochen erfolgen foll, fo möchten wir auf Gesetzlicher Reservefonds diefem Bege nochmals bringend ersuchen. Prämienreserven und Ueberfür einen regen Abfag der ausgegebenen träge Beihnachtsmarfen zu sorgen, damit unsere Schadenreserven arbeitelofen Rolleginnen unb Rollegen Jewinnreserven um Weihnachtsfeft die Empfindung haben, Guthaben von Banken usw. Sonstige Reserven daß ble in Arbeit stehenden Rollegen ihrer Aufwertungsreserve gebacht haben. Sonstiges Wir erwarten, daß dieser Appell an die Opferfreudigkeit nicht ungehört bleibt und erwarten Einzahlungen größerer Beträge in ben nächsten Tagen. Die Ortsverwaltung. Allgemeine Ortsfranfenfaffe Berlin- Lichtenberg. Einladung Gold nark 15 527 00 68 313 03 17 230 428 7 030 257 5 351 106 17 348 2 F 1742 225 1794273 731246 34 101 23 52 Molkenmarkt 14 Achten Sie genau auf den richtigen Eingang N. 14. 20-30000 Weihnachtsbäume 2.20-4,50 m, nächstens abzugeben. Bahuh. Tem elhoi waggonw. gegen Kaffe. Angebote bei Anfragen: Dr.Dickow, Mommsenstr.59 Telephon. Bismard 3097 ( zwifchen 9-11 Uhr vormittags) Fort mit dem Ring! 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Gagungsänderung( 8 22, 834). 13. 5. Raffenangelegenheiten. billig direkt ab Fabrik verkaufen wir Pelze aller Art, wie Sealelectrik, Bibrette, Murmel, Nutria, Fohlen, Persianer usw. Gr Auswahi in Geh- und Sportpelzen. elegante Pelzhüte. Eigene Werkstätten. Schlötcke& Männel Große Frankfurter Straße 106 ( Strausberger Platz), II. Etage pezialbehandl Nur für Köpenicker schware Fälle beseitigt worden. Ischias Kein LodenHüft., Gesäß und Bein, wenn ärztl. festgestellt, In 15 Tagen sind Unantastbare Heilerfolge. Endler, Straße 98 sestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Stadtbahn Jannowitzbrücke Untergrund- validenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonatai 10-12 Jacoby. Beschwerden und Anfragen, zu denen bahn Inselbrücke. Aufarbeitungen al er die Einsichtnahme in die Bilcher notwendig Decken. ift, find der Berwaltung brei Tage vorher fchriftlich bekannt zu geben. 107/16 D. Geitel, Borf. D. 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Die Behandlung Ohne Operation Müßßen die Frauen so furchtbar leiben? 3ebe Frau ihr eigener Arzt! Das Geschlechtsleben des Weibes und seine Gefahren. Inhalt: Warum werden viele Ehen so bald unglücklich? Barum verblühen und welten die Frauen in vielen Ehen? Warum verlieren die Männer in der Che io oft die Lebensenergie? Warum entstehen bie Frauenleiben" erst in der Che? Boher tommt die Nervosität, die Neurafthenie und die häufige Arbeitsunfähigkeit der Ehemänner? Bodurch werben viele Familien wirtschantlich ruiniert?. Was ist in der Che fittlich, was unfittlich? Welches sind die Menschenrechte der Frauen und des Boltes? Die Verjüngung der Frau durch natürliche Rörper. Schönheits- und Haarpflege. Die Vortragende demouftrieci und lebet ausführlich: Wie befettigt man Falten und Runzeln und sonstige Schönheitsfehler? Muß die Frau o alt aussehen we fie ift? Beseitigung, ber Rervulens, Erzielung einer idealen Büfte? 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November 1924 Nr. 565 ♦ 41. Fahrgang das kinö an Oer Ecke. Von Erich Gottgetreu. Es ist nun schon wieder einige Wochen her, wovon ich berichten will; aber das kleine Geschehen ist mir noch so in allen Einzelheiten lebendig, als wenn es mir heute begegnet wäre. Kann man denn das Ueberalltäglich« so schnell vergessen? An einer Straßenecke begegnete es mir, an einer Straßeneck« typischer Großstadtprägung, die— Gott, ste sind sich ja sämtlich gleich Für mich haben sie alle etwas Melancholisches an sich. Nicht wie die Stroßenzüge, die weisen alle irgendwie ins Freie, ins Endlos«— vielleicht auch ins Ungewiße: immerhin, es ist eine Wegrichtung da. Aber jedesmal, wenn man an eine Ecke kommt, könnt« man sich fürchten. Man befindet sich dann in den Krallen des gieren Molochs Stadt und weiß nicht, wie man sich dem grauligen Gesänge am ge- schicktesten entwinden soll. Vielleicht schreibt einmal jemand eine Philosophie der Straßenecke; ich würde jedenfalls über dem Thema wohnsinnig werden. Qualvolle Ding« kommen hinzu. Wenn es Visionen wären, die man schließlich oerscheuchen könnte! Aber es sind Realitäten, an deren Vorhandensein wir all« mitschuldig sind. Der Krüppel auf dem Pflaster, zwei Holzbein«, ein Leierkasten, ein verquetschtes Ge- sicht, kein Antlitz mehr wie Gott es wollte Ewig heiser die Zeitungs- frau. Packen Zeitungen unterm Arm, Lügen stehen drin, täglich giftet sich die Lüge neu im Leben: bist du fern aller Schuld? Auch eine Dirne wartet immer an derselben Stell«, immer an derselben Stelle, sie wußte wohl nie, was Liebe ist. Aber an jener besonderen Ecke, die stets mich bannt, an„meiner" Ecke, steht neulich ein junger Mensch, vier-, fünfundzwanzig Jahre alt, und verkaust automatische Tiere— oder wie man die Dinger nennt. Affen, Hunde, Pferde, die die seltsam« Fähigkeit haben, im Kreise über den Fahrdamm oder über den Fußweg zu laufen, zieht er von morgens bis abends auf, erzählt dem Publikum mancherlei von dem „reizendsten Spielzeug der Gegenwart" und oerkauft wohl quch bis- weilen ein Stück davon. Das glaubt man kaum, wie diese lächerlich bunten Blechsachen das bestialisch quälende Bild an der Eck«»er- ändern können. Fahren nicht die Autos langsamer, läuten nicht die Straßenbahnen wi« Domglocken?— es scheint mir wohl bloß so. Aber das sah ich: der Krüppel, die Zeitungsfrau, die Dirne, sie lächelten, sie freuten sich, sie dachten wohl auch an ihre Jugend zurück. Sicher haben sie sich das Ende ganz, ganz anders vorgestellt. Aber ich sah noch mehr— es war mir wie ein Traum, vielleicht war es dos Wunder. Ein schöner Knabe, vier Jahre alt etwa, kam mit seiner Mutter zur Eck«. Die Mutter blieb lang« am Schaufenster eines Konfektionsgeschäfts stehen, der Junge bei dem Mann« mit den Tieren. Ihr hättet ihn sehen müsien, den Buben, denn was von Gott kommt, das kann man nicht beschreiben. So schön und heilig ist ein Mensch nur, wenn er vom Bitterwasser des Lebens noch nichts gekostet hat. Solch silbergoldnes Haar sah sonst ich nirgends. Und die anblicksfrohen tiefschwarzen Augen strahlten die Jubelmusik einer übervollen Kindesseele. Mit der ganzen Hingabe seiner noch so vollkommen auf die Schau eingestellten Sinne sah der Junge dem lustig-geschäftlgen und doch ernst geschäftlichen Treiben des Ver- käufers zu, die winzigen Hände in den Hosentaschen eines frischroten Anzugs oerkramt. Dieser einfache Wollanzug, der weiße Kragen, der zierlichfeine Kopf— das war ja so selten, so schön, so sonnen- täglich, daß nicht nur ich, nein, daß all« Leute stehen blieben in, in-- es paßt wohl wirklich nur das höchste Wort: Verzückung Der Krüppel vergaß den Mörder Krieg, die Zeitungsfrau mildert« beim Ausruf die Lügenüberschriften ihres Blattes, die Dirne bändigt« die Frivolität aufgepfropfter Unnatur. Und Leute kamen und gingen, immer mehr Leute, alte und jung«, gute und schlecht«, ste alle blieben stehen, bildeten in Ehrfurcht einen Kreis um das Kind, um das Wunder. Der Schieber stoppte in der Konstruktion neuer Pläne unreeller Geschäfte, der Privatdetektiv hielt ein m der eklen Verfolgung irgendeiner gleichgültigen Privatperson, der Schüler kam ab vom Gedanken niedriger Rache wegen der nun ein- Montag, öen 1. Dezember, abenös 7 Uhr, im gr. Saal öes ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3 Appell an öie jungen Wähler Referenten: Gen. Otto Bauer, Wien/ Clara Lohm-Schuch Ohne Karlen kein Zutritt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- BerNn Zungsozialistische Vereinigung Groh-Serlin Sozialdemokratische Sludentenvereinigung. mal naturechten Brutalität eines Kameraden, zwei Freundinnen, die sich stritten, versöhnten sich, der Taschendieb selbst vergaß im dichten Gedräng« seinen Erwerb. Bewölkt war der Himmel, düster, fast schwarz, aber«in Lichtmeer wogte am Eck. So hätte es sein können, so hätte es doch wohl sein müssen. So aber war es: der junge Mann führt« sein« Tiere vor, das Kind sah zu. Das beobachtete ich selbst. Aber ich beobachtet« auch, wi« der Mann dos arme Wurm barsch anwies weiterzugehen, denn es versperr« den anderen Zuschauern den Blick; ich stellte fest, wie der Krüppel, die Zeitungsfrau, die Dirne das Kind gar nicht be- achteten. Ich beobachtete serner, daß weder der Schieber stehen blieb, noch der Mann, den ich für«inen Detektiv hielt. Die zwei Freundinnen zankten sich weiter, nachdem ihre Neugier Beftiedigung gefunden hatte, und der Taschendieb, ich merkte es später an mir selbst, übersah durchaus nicht die günstige Gelegenheit. Und weiter: Ich hatte noch nicht lange gewartet, da kam ein Polizist und verlangte von dem Verkäufer«inen„Gewerbeschein" Ich verstehe nichts von diesen Dingen; aber ich glaube, das muß wohl so sein. Nun, der Mann mit den Tieren hatte keinen solchen Aus- weis, er mußte fort, und vielleicht hat er auch noch Straf« zu zahlen. Der klein« Bub im roten Anzug kam wieder nach einer Welle, dies- mal ohne seine Mutter; als er das Paradies verschwunden sah, war er sehr traurig, auch das habe ich deullich gesehen. Weint« er? Und auch sonst blieb alles wi« erst: Der Krüppel auf dem Pflaster, die ewig heiser« Zeitungsfrau, die Dirne. Kein Lichtmeer der Liebe wogte am Eck, an den Steinmauern abstumpfen die Seelen der Menschen, am Straßeneck zerschneiden sie sich— imm«» bleibt das so in unseren wüsten Städten. Ich aber und du, Bruder, wir all« suchen stets von neuem dos Kind an der Ecke. Das Kind, das Wunder, oft steht es da und wartet, aber selten kommt jemand, der es sieht. Zilmsihau. Drei Amerikaner. -.Fließendes Gold"(Mozart- Saal) führt In ziemlich unerschlossene Gefilde, die der amerikanisch« Film freilich schon des öfteren benutzt hat. Man sollte meinen, die Freiheit und das ungebundene Leben lockten die Menschen in diese Gegenden, es ist aber nur der Hunger nach Geld, der sie dazu antreibt, die Eben« mit Bohrtürmen zu übersäen. Das Oel ist dort die Allmacht, es ist das fließende Gold, es läßt zwei Paare glücklich werden und tut dem Regisseur außerdem noch den Gefallen,(ich recht behaglich zu einer Sensation ausbeuten zu lassen. Ter Blitz schlägt nämlich in einen Bohrturm. Der junge Mann össnet im brennenden Turm das Ventil, damit das Oel nicht explodiert. Er wird von einem Balldn nahezu erschlagen, das junge Mädchen schleppt den Verletzten in eine Hütt«, diese wird vom Wasser weggeschwemmt, in das Wasser fließt brennendes Oel, das Liebespaar ist von Feuer umgeben, es rettet sich aber durch eine» Sprung ans Ufer. Das ergibt natürlich«in« fabelhafte Sensation, die zwar daran krankt, viel zu lang und viel zu absichllich zu sein. Auch werden die amerikanischen Schauspieler ans die Dauer langweilig, sie haben alle ein glattrasiertes Gesicht und dasselbe Mienenspiel, bei dem Augen- zwinkern ein bedeutsames Argument ist. Das Marmorhaus spielt ebenfalls einen Amerlkancr, und zwar die Scnsationskomödie„Ter Held der Lüste". Ein Schriftsteller, der dir tollsten Luftabenteuer schildert, ist ein Angsthase sondergleichen, der nicht stiegen kann und keinen Ausstieg wagt. Um aber eine Sensation zuwege Zu bringen, niuß der Zagherzig« ein Konkurrenzsliegen mit einem be- rühmten Flieger unternehmen. Der Tapfere und der Frige sind nämlich Konkurrenten in der Liebe. Der Nichtflieger siegt natürlich, und im Film wird das Unmöglichste möglich. Dazu gebraucht man echt« Aufnahmen. Tricks und viel Kulissenhcrrlichkeit. Sobald die Amerikaner die Groteske verlassen, sind sie vollkommen hilflos. Sie tresfen weder Lustspiel- noch Komödienton. Ihre Kunst in Bildern zu sehen, verläßt sie, sie versteiseu sich aus unwirksame Bühnenregie. In zwei Grotesken sieht man Harald Lloyd, diesen vorzüglichen Akrobaten mit den tollen Regiceinsällen. „Verleumdet"i. Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie: 1924, bis abend, 6 Uhr, muß die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse 24.(250 Lolteri« bei drm zuständigen Lotterteeinnehmer ersolqen Andernfalls verliert der Spiele« sein Anrecki auf da« Lo» 3. 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