Nr.573 41.Jahrgang Ausgabe A r. 291 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Gaar- und Memelgebiet Defterreich, Litauen, Luremburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat Der..Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit mit..Gied. lung und Aleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille zeile 0.70 Goldmart, Reflamezeile 1.- Goldmart.., Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 0,20 Gold. mart( auläffig awei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengefuche das erite Wort 0,10 Goldmark iedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart- ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 5. Dezember 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Devontenfasse Lindenstraße 3 Beamte und Reichstagswahlen. Ein Ruf in letter Stunde von Albert Falkenberg. Die politische Aufgabe der Beamten mit den alten Mitteln läßt sie fich wirklich nicht lösen. Das muß jeder begreifen, der die politische Aufgabe der Beamten im Obrigkeitsstaat oder im Bolfsstaat gegenüberstellt. Im obrigkeitlichen Staat galt der Beamte als das einer bestimmten Herrschaftsschicht dienstbare Organ. Die Grenzen feiner Lebensauffassung und seiner Lebenshaltung waren in weitestem Maße durch die Denfarbeit seines Arbeitgebers beStimmt worden. Darüber hinaus war überall dieselbe Warnungstafel angebracht mit dem Befehl: Nicht denken! Kann es wunder nehmen, daß diese Methode insofern lähmend auf die Denttätigkeit der Beamten wirfte. als fie felbst fich allmählich in einer besonderen Welt ihre politische Aufgabe formten, ohne zu bedenken, daß gerade ihre Mission, dem Bolke zu dienen, ohne Befruchtung durch die Tendenzen fortschreitender Entwicklung unerfüllbar bleiben mußte? Die Beamten gerieten durch den Druck des obrigkeitlichen Systems in einen Zustand der Reaktion im Unterbewußtsein, aus dem fie sich mittels eigener Kraft niemals hätten freimachen fönnen. Ihre Befreiung danken sie ganz allein der politischen Umwälzung von 1918. Daß dieser Lösung fünstlicher Fesseln bisher nicht die innere Selbst befreiung gefolgt ist, liegt in den verfchiedensten Umständen auch Fehlern, die von den nach revolutionären Regierungen auf dem Gebiete der Beamtenpolitik begangen wurden begründet. Menn nicht die vorstehend gekennzeichnete, aus dem alten System geborene Geistesverfassung der Beamten bei ihrer Beurteilung politischer Zusammenhänge eine aus schlaggebende Rolle spielen würde, wäre es undertbar, daß weite Kreise der Beamten auch heute immer noch die aus der Revolution" von 1918 gewordenen Zustände für die Verschlechterung ihrer Gesamtlage verantwortlich machen fönnten. Sie übersehen eben, daß die Rolle ihres politisch einseitig orientierten Arbeitgebers in dem Maße ausgespielt ift, wie sie selber es wollen. Die Lösung der politischen Aufgabe der Beamten im Volksstaat verlangt, daß fie aus immer mieder versuchter rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Fessejung selber den Weg ins Freie finden, um ihrer 3wedbetimmung, Diener am Volfe zu sein, gerecht werden zu fönnen. Für das Gelingen dieses Planes gibt es nur den Weg über das Parlament. Darum ist seine Zusammensetzung gerade für die Beamten von so überragender Bedeutung. Es fann feine reaktionäre Regierung geben, wenn die GrundTage der Parlamente sich nach links verschiebt. Alle Linksparteien müssen sich auf Hülfeleistung für das politische Befreiungsmerk der Beamten einstellen, wenn sie nicht auf die Berwirklichung ihrer Programme verzichten wollen. Bon den Parteien zu verlangen, daß sie die Befreiung der Beamten ohne deren ausschlaggebende Beteiligung be= werkstelligen möchten, heißt nicht nur die Stellung der Parteien im Staate verkennen, sondern soweit diese Forderung von den Beamten vertreten wird sich selber des Einfluffes begeben, der eben erst auf Grund einer freiheitlichen Berfassung erworben wurde. Im Obrigkeitsstaat war es dank der rechtlichen und wirtschaftlichen Knebelung der Beamten dahin gekommen, daß sie selber längst jeden Anspruch auf die Erfüllung einer politischen Aufgabe preisgegeben hatten. Das größte Lob Derdiente der Beamte, der. ohne zu wissen, was politisch links oder rechts vorging, den Blick unverrückbar auf des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr gerichtet hielt. Im Fortgang der Jahre, den diese Uhr anzeigte, trat Beförderung und Gehaltserhöhung ein, wurde von Auszeichnungen Aktenvermerk genommen und reifte langsam aber sicher die Stunde heran, in der für die Reise nach Pensionopolis gerüstet wurde. Was dieser Normalverlauf des Beamtendaseins an politischen Werten barg, war durchweg gleich Null. So war es den Parteien, die den Absolutismus im Staate ebenso schäßten wie das Herrentum im Betriebe, gerade recht. So wollen fie es auch heute noch, denn sie sind ja, weiß Gott, innerlich die felben geblieben, die sie unter anderer Firma im alten Staate waren. Und die Beamten? Wollen sie immer noch nicht begreifen, daß sich auch für sie nichts ändern kann, wenn sie sich freiwilig dem Diktat derjenigen Parteien fügen, die gar nicht anders fönnen, als ihren allgemeinpolitischen Programmen entsprechend Beamtenpolitit zu machen? und Schlichtungsausschüsse stemmte. Auch die Hilfeleistung der Demokraten zugunsten einer freiheitlichen Gestaltung des Beamtenvertretungsgeseges hat nicht ausgereicht, den Beamten den ersten Schritt auf dem Wege zu ihrer Befreiung zu ermöglichen. Wenn die Beamten den bürgerlichen Parteien weiter nichts auf das Schuldkonto zu sehen hätten als diese Verriegelung des Weges zur De mofratifierung der Verwaltung, dann wäre das Grund genug, für die Beamten am 7. Dezember weil abzurüden von jenen politischen Bauernfängern, die noch stets bemüht waren, durch schleimige Reden an der Wahrheit vorbeizugleiten. Aber ist denn nicht das Schuldkonto der bürgerlichen Parteien ohnehin in der Beamtenpolitik überbelastet? Wer hat denn gehindert, daß der sozialdemokratische Antrag auf Entziehung der am 11. Februar 1924 der Regierung erteilten Ermächtigung zur selbständigen Regelung der Grundgehälter und Ortszuschläge fiel? Wäre dieser Antrag angenommen worden, dann hätte der Reichstag die Entscheidung über die Frage der Beseitigung des Besoldungsrechtes vom Juni 1924 gehabt und nicht mehr die Regierung. Auch die in der Frage der Arbeitszeit der Beamten von der SPD. Fraktion des Reichstages gestellten Anträge wurden, soweit in ihnen die grundlegende Anerkennung des 2chtst un dentages gefordert wurde, von den bürger lichen Parteien abgelehnt. Ist das zu verwundern? Wenn sie den Beamten den Achtstundentag zugestanden hätten, wären sie als Verteidiger des Profitwirtschaftssystems gegenüber den Arbeitern in der Privatindustrie in Bedrängnis geraten. Von ihnen ist nichts zu erwarten, was gegen ihre politischen Grundsätze verstößt. Fragt sich nur, inwieweit diese in Einklang zu bringen find mit der von den Beamten im Interesse der Volksgesamtheit zu erfüllenden politischen Aufgabe. -aber für Deutschland gesprochen nicht hindert, daß nicht menige Glieder gerade der höheren Beamtenfategorien sich oft einer politischen Tätigkeit widmen, bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte", die durchaus nicht immer erkennen läßt, daß der Zweck des Staates vorangestellt worden ist, und daß die Beamten des Staates wegen da sind, dem sie durch ihren Eid auf die Verfassung Treue geschworen hatten. Wir reichischen Finanzministers flingt ein Teil jener Melodie herNein, aus den väterlich mahnenden Worten des österaus, für die in Deutschland einmal das Kennwort:„ Treudeutsch und pensionsberechtigt" geprägt worden ist. breite Schichten der deutschen Beamtenschaft erkannt haben, wollen dieses Motto nicht wieder in Geltung bringen, nachdem daß ihnen neben ihren amtlichen Aufgaben eine politische Aufgabe von stärkstem Ausmaß zugefallen ist. Ohne die Beamten fann feine Regierung freiheitliche, geschweige denn republikanische Politik treiben. Der politisch denkende Beamte muß sich aber darüber Klarheit verschaffen, daß mindestens auf absehbare Zeit jeder andere politische Kurs als der mit republikanischer Zielrichtung erneute soziale und wirtschaftliche Reaktion nach sich ziehen muß, die unmittelbare Auswirkungen auch auf die Stellung des Beamten haben wird. Wollen sich also die Beamten im eigensten wie im Intereffe des Volksganzen die Steigerung ihres Einflusses in der Verwaltung und in den Betrieben sichern, dann müssen sie am 7. Dezember republikanisch wählen. find Arbeitnehmer. Wem sollen sie in dieser EigenAber diese Erwägungen reichen nicht aus. Die Beamten schaft ihre Stimme geben? Niemals einer Partei, die nicht durch ihre Taten den Beweis geliefert hat, daß sie auch nach den Wahlen bereit ist, die gewerkschaftlichen Forderungen der Beamten zu vertreten. Die Reichstagsberichte der letzten vier Monate geben hinreichend Aufschluß über die Einstellung der politischen Parteien zu den wirtschaftlichen Forderungen der Arbeitnehmer, nicht nur der Beamten, sondern auch der Arfönnen den Ausschlag für die Entscheidung am 7. Dezember beiter und Angestellten. Nicht einzelne Freundschaftsdienste geben. Die Beamten zählen es ist nicht ihre Schuld geben. Die Beamten zählen sie vergeblich über den Berlust ihres Berufsbeamtentums. Nicht zu den Besiglosen. Wenn sie sich nicht mehren, flagen politische Flickarbeit kann den Beamten helfen, hier muß grundsägliche Entscheidung fallen, die Entscheidung über die Ausbeutung oder Sozialismus, Krieg oder Fragen: Demokratie oder Diktatur, wirtschaftliche Frieden? In Deutschösterreich hat anläßlich des jüngsten Regierungswechsels der scheidende Finanzminister den Beamten feines Refforts Worte gewidmet, die weder von Tiefgründig keit in der Erfassung des Beamtenproblems noch von der auch in Deutschland so oft gehörten Erfenninisreife der Verwaltungsbureaukratie Beugnis ablegt.„ Ich stehe," sagte der Finanzminister,„ bei Behandlung des Beamtenproblems auf den muß; denn die Beamten sind des Staates wegen da." dem Standpunkt, daß der Zweck des Staates vorangestellt merNicht die Häufung der Rechte ist das Entscheidende, wohl aber der Aufbau der Ordnung in einer Art, wie sie sich der im besten Sinne altösterreichische Beamte denkt: ein Aufsteigen in der Karriere, der man, wenn man sich zu ihr entschlossen hat, nach Absolvierung der Studien, die ganze Kraft seines lauten: Lebens bis zur Erschöpfung der Kräfte weihen will." Was " Für den Beamten kann die Parole zum 7. Dezember nur Für Freiheit, Brot und Frieden! Der Entscheidung entgegen! Die Sozialdemokratie im Wahlkampf. In Bayern. München, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Wenn die letzten beiden Tage des Wahlkampfes feine grundsätzliche Aenderung in der Aufmarschtaktik der Parteien bringen, so muß man den Rampf in Bayern für die Entscheidung am 7. Dezember ganz allgemein als zurückhaltend, teilweise sogar als sehr flau bezeichnen. Als Gegner traten unseren Referenten in erster Linie die kommunistischen Wanderagitatoren entgegen. Wo sie glauben, die nötige Zahl von Mitschreiern hinter sich zu haben, versuchen sie die Versammlungen zu sprengen. Ihre Versuche scheiterten aber überall an der Wachsamkeit unserer Genossen und der disziplinierten Energie der Reichsbannerleute. Eigene Bersammlungen hielten die Kommunisten nur ganz wenige ab. Den Böl fischen beider Richtungen scheint ebenfalls der Atem ausgegangen zu sein. Den Rest ihrer Anstrengungen vergeuden sie auf dem Lande, nachdem sie sich offenbar überzeugt haben, daß das Bolt in den großen Städten von ihren Tiraden nichts mehr wissen will. Eine schwache Agitation entfaltet in den Städten auch die Baye rische Volkspartei. Mit ihrer ganzen Wut, genau so wie die Moskauer Trabanten, stürzen sich die Deutsch nationalen auf die Sozialdemokratie und auf Schwarz- Rot- Gold. Bezeichnend ist aber, daß sie das in Es ist doch nicht Zufall, daß ausgerechnet die bürger- München und in den anderen Städten in der Regel nur hinter liche Rechte die Beratung des Regierungsentwurfs cines perfchlossenen Türen und vor geladenen Gästen tun. Durch diese Beamtenrätegefeges im 23. Ausschuß des Reichstags feige Flucht entzieht sich der Kriegspropagandist Tirpig der Gefabotierte und sich mit der von jener Seite gewohnten poli- fahr, daß feinen Geschichtsklitterungen ein wahres und offenes Wort tischen Robustheit gegen Mitbestimmungsrecht entgegengesetzt wird. Dieses klägliche Verhalten unserer Hauptgegner hat die Stim mung der Parteigenossen und der nicht eingeschriebenen Anhänger schaft überall außerordentlich gehoben. Jedermann, der bisher treu zur Partei stand, ist überzeugt von der bevorstehenden erheblichen und entscheidenden Stärkung unserer parlamentarischen Plattform. Dieser zuversichtliche Glaube hat und das ist das wichtigste weite Kreise der übrigen Bevölkerung ergriffen. Auch die Gegner, wenn sie unter sich sind, sprechen offen von ihrer großen Sorge ob des Siegesbanners Schwarz- Rot- Gold. Im Rheinland. Köln, 4 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Wahlkampf im befetzten Gebiet unterscheidet sich von seinen Vorgängern vor allem durch seinen ruhigeren und sachlicheren Verlauf. Die Kommunisten, die bei den Maiwahlen im Kölner Bezirk ihre ganze Taftik ausschließlich auf den Versammlungsterror aufbauten und fast gar feine eigenen Wahlversammlungen veranstaltete, sind heute wieder gezwungen, eigene Versammlungen zu machen, weil ihre Mitglieder sich nicht mehr zum Versammlungssprengen mißbrauchen laffen wollen. Inzwischen zeigt jeder Tag des gegenwärtigen Wahltampfes aufs neue, wie sehr die Stimmung zugunsten der Sozialdemokratie umgeschlagen ist. Alle Versammlungen in den beiden Wahlkreisen waren massenhaft besucht und von glän zender Zuversicht getragen, während die Kommunisten und teilweise die bürgerlichen Wahlversammlungen fast durchweg sehr schlechten Besuch aufwiesen. Im Mittelpunkt der Wahi agitation stand im altbejezten Gebiet natürlich das Dawes Gutachten mit feinen Auswirkungen. Es ist klar, daß bei der 1 und, soweit Voraussagen überhaupt gemacht werden können, darf Behandlung dieser Fragen die tommunistischen Neinjager man wohl hoffen, daß der Erfolg am 7. Dezember nicht ausbleiben und die deutsch nationale Mampepartei feine besonders wird. Größer sind die Hoffnungen der sozialdemokratischen Argute Position hatten. Viele Tausende, vor allem Eisenbahner, die beiter auf die in den letzten Tagen mit Hochdruck eingesetzte Be am 4. Mai noch im unbesetzten Deutschland im Egil lebten, find triebsagitation. Während der letzten Wahl hinderte der inzwischen ins besetzte Gebiet zurückgekehrt. In vielen Versamm fommunistische Terror diese Agitation. Heute ist sie im vollen fungen tamen solche Heimkehrer zu Wort und übten schärffte Gange, ohne daß irgendein kommunistischer Widerstand sich beKritik an den Gegnern des Londoner Abkommens. Das besette mertbar macht. Es trifft eben die Vermutung Hilferdings zu, der Gebiet fordert das zeigt dieser Wahlkampf erneut eine in mehreren überfüllten Versammlungen seine Ruhreindrücke mit unzweideutige Politik der Erfüllung. den Worten zusammenfaßte, daß der 7. Dezember die Kom munisten in voller Flucht sehen würde. Die 3entrumspartei, die den Wahlkampf, wie anerkannt merden muß, in den beiden Wahlkreisen im wesentlichen sachlicher führte, richtet diesmal ihren Hauptstoß gegen rechts, während Demokraten und Volksparteiler sich in ihren Wahlversammlun gen darüber streiten, wer bei den Separatistenunruhen im vorigen Jahre am meisten Rückgrat gezeigt hat. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß die Sozialdemokratie im niederrheinischen Bezirk am 7. Dezember einen mächtigen Schritt vorwärts machen wird. Im Ruhrgebiet. Bochum, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der 4. Mai war für das Ruhrgebiet der Tag des Ausbruchs der Berzweiflung imd des blinden Protestes. Aber Berzweiflungswahlen find noch stets ein falscher Gradmesser für die wirkliche politische Gesinrung eines Bolles gewesen, und wie sehr die Maiwahlen über die wahre Stimmung des Ruhrgebietes trogen, dafür wird der 7. De zember zeugen. Die Zeiten wie einst im Mai" find jetzt vorüber. Die Befin nung ist sehr schnell zurückgekehrt; die Mühe der Rechts- und Linksextremisten, die besezten Gebiete zum sicheren Aufmarschgelände für die Rechts- und Linksreaktion zu machen, ist vergeblich. Den Anfang machte bie Boltspartei, die ihren Parteitag nach Dortmund verlegte und dabei Herrn Stresemann eine seiner schwankenden Reden halten ließ. Es ist merkwürdig, wie wenig diese Tagung in der hiesigen Presse gewürdigt wurde. Sie hatte im Ruhrgebiet längst nicht das Echo, das sie im umbesetzten Gebiet befaß. Schließlich hat auch Herr Jarres dafür gesorgt, daß am 7. Dezember die Stresemannschen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die volksparteiliche Agitation in den befepten Gebieten ließ die Deutsch nationalen nicht ruhen. Auch sie veranstalteten ihren Nationalen Tag in Dortmund, und die Führer der Mampepartei rafen im Lande umher, um die Getreuen zu sammeln. Uebrigens muß der Appell des Herrn von Borsig an den Geldbeutel der Unternehmer nicht vergeblich gemesen sein, denn die Propaganda der schwerindustriellen Parteien läßt nichts zu wünschen übrig. Ihre Verleumdungen, Lügen und Beleidigungen sind so zahlreich, daß ein Heer non Staatsanwäiten jahrelang beschäftigt werden fönnte. Da, wo die Rechte zu verlieren droht, meldet sich natürlich der Bölkische Blod. Als schlechter Schlachtenlenter glaubt Ludendorff anfchei nend, hier mit„ nationalen" Redensarten das gewinnen zu fönnen, was er im unbesetzten Gebiet verliert. Aber das Hakenkreuz hat im Ruhrgebiet feine Zukunft, nachdem es bisher weder Vergangenheit noch Gegenwart besaß. Freilich schlimmer als allen dreien zusammen geht es den Kommunisten. Mit fast bewundernswerter Unbeholfenheit torfelt biefe„ Siegerpartei" in die Wahlschlacht. Die KPD. weiß wenigstens selbst, daß ihre Hoch fonjunttur vorbei ist und der Abstieg beginnt. Es ist z. B. durchaus teine Seltenheit, Daß in sozialdemokratischen Bersammlungen tommunistische 3ahler auftreten und ihr fchärftes Urteil über die Der doppelten Moral überführt. Deutschnationale nehmen Freigeleit von Herriot. Der französische Ministerpräsident Herriot hat dem Spizenkandidaten der Deutschnationalen Bolts partei des Wahlkreises Koblenz- Trier, dem Fürsten Sayn- Wittgenstein, welcher auf der Liste der sogenannten„ Kriegsbeschuldigten" unter der Nummer 90 steht, auf Antrag seiner Partei für die Dauer des Wahltampfes innerhalb des besezten Gebietes freies Geleit gesichert. Die Begnadigung des Generals von Nathusius durch Herriot wurde von den Deutschnationalen als Beschimpfung des deutschen Volkes bezeichnet. Bon Herriot wollen sie feine Gnade! Die deutschnationale Partei hat sich trotzdem an Herriot gewandt. Sie hat um Freigeleit für einen ihrer Parteiangehörigen gebeten. Das ist keine Schande und nicht ehrenrührig aber es fann auch in den Augen der Deutschnationalen feine Schande sein. Ist es in ihren Augen feine Schande- dann war ihre Entrüstung" über die Begnadigung des Generals von Nathusius erbärmlichste Heuchelei und ge= meiner Wahlschwindel Waren sie aber in ihrer Entrüstung ehrlich dann haben sie fich im Falle SaynWittgenstein selbst ins Gesicht geschlagen. Oder wollen sie etwa fagen, fie hätten bei Herriot nur um Freigeleit gebeten, um eine ablehnende Antwort und das mit Agitationsmaterial zu erhalten? Wir sind gespannt, ob wir nun hören, daß die Gewährung von Freigeleit eine neue Gemeinheit der Demokratie gegen die Deutschynationalen ist. Haarmann und Angerstein. Verbrecher- Propaganda. mörder Haarmann vor Gericht. In Siegen hat der DiIn Hannover steht der dreißigfache Luft- und Raubrektor Angerst ein gestanden, daß der achtfache Mord in feiner Billa in Haiger von ihm selbst begangen worden ist. Verbrechen solcher Art stehen mit der Politif nur in lofem Zusammenhang. Wenn es trotzdem notwendig ist, von ihnen an dieser Stelle zu sprechen, so ist es nicht unsere Schuld. Es ist die kommunistisch- deutschnationale Propaganda, die nicht davor zurückschreckt, selbst die Leichen von Hannover und Haiger für ihre 3wede parteipolitisch auszuschlachten. In Hannover maren es die Kommunisten, die den Fall Haarmann in den Mittelpunkt ihrer Agitation stellten. Haar mann hatte, bevor seine Verbrechen entdeckt wurden, in un politischen Fällen der Polizei Konfidentendienste geleistet. Also entdeckten die Kommunisten einen„ Bolizeifumpf“, für den selbstverständlich nur die„ Ebert- Republit" verantwortlich war. B.D. aussprechen. Angesichts der Vorgänge, die durch die KPD. in Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen in fzenfert werden, braucht man sich nicht darüber zu wundern, daß Der Kampf der Ruhrarbeiter sich in erster Linie Als die Schreckensnachricht aus Haiger fam, daß in einer gegen die Kommunisten richtet. Die grenzenlose Ent Billa acht Personen ermordet aufgefunden worden feien, gab täuschung der kommunistischen Wähler vom 4. Mai hat freilich eine die deutsch nationale Bresse fofort für ihre Wahlpropa töfe Seite. Es besteht die Gefahr, daß erhebliche Teile der Arganda die Parole aus, so etwas fei eben nur im neuen beiterschaft der Wahl fernbleiben, und sich indifferent vom poli Deutschland" möglich. Wir sind daher genötigt, ein Eigentischen Leben zurüdziehen. Diefer Gefahr suchten unsere Funktio- telegramm aus Siegen wiederzugeben, in dem uns folgendes näre: durch eine gesteigerte hausagitation vorzubeugen gemeldet wird: Gesellschaftsspiel. Bon Hans Bauer. Wir wissen noch, wie es um 1916 mar. Da tobte die furchtbare Schlacht um Verdun. Da war der Höhepunkt des Krieges, rafender Kanonenafford. Bor Thiaumont, Baur, Douaumont, den Banzerfesten, fant Deutschlands Blüte in die Erde. Und überall murde Haß gelehrt:„ Haß des Herzens und Haß der Stirn. In Dutzenden von Manifesten von ganz oben wurde das Kriegserlebnis als blutig ernste Austragung nationalen Lebenstampfes geschildert, in dem der geschlossenen Masse der Deutschen die anderen gegenüberständen. Schüßengrabenfreundschaften wurden als unfitt. lich hingestellt. Die physischen Internationalen der ältesten Geschäftsperbindungen und der Gewerkschaften hatte schon der erste Tag des Krieges zerschlagen: aber auch die seelischen Internationalen der Kunst und der Wissenschaft waren zerbrochen worden. Die Ueber nationalität, die Außerzeitlichkeit der Molière, Shakespeare, Tolstoi wurde in den Zwinger des aktuellen Tageshaders gepfercht. Nachträglich stellt sich nun doch heraus, daß alles nicht gar so schlimm war, daß die blaue Blume der internationalen Freundschaft auch im graufigsten Schlachtenelend geblüht hat. Man möchte, wie man das so hört, zuerst meinen, daß also doch wohl hinter dem Rücken der Regierung ein besonders internationaler Arbeiterführer mit einem französischen Gesinnungsfreund in Gedankenaustausch ge= standen hat, oder daß ein großer Mann der Kunst, zu weltfern, um geheimste Regungen immer vom Granatengetöse überbröhnen zu laffen, mit einem Großen jenseits der Grenze fich im Geifte be. rührt hat. Nein, so nicht. Aber der liebe Mann im weißen Weihnachtsbart, der gute Admiral Tirpis, war es, der auch im schrecklichsten Kriegsfrühjahr zu einem Engländer herzliche Beziehungen unterhielt. Zu einem, der im Herzen ein Deutschenfreund war und nur durch Zu fall in England lebte? Nicht doch: Tirpiz' Freundschaft galt dem Großadmiral Fisher. den Sieg. Aber sie haben eigentlich gar nichts gegen fich. Ihr Groll fit in den Beinen, nicht im Herzen. Er währt anderthalb Stunden, nicht ein Leben lang. Unten raufen sich die Heere, stechen sich Eisen in die Augen, zersprengen sich die Brüste. Die beiden Admiräle sind über dies hinaus. Sie haben das leise Lächeln, die joviale Gebärde. Jenes muß sein, und ein Donnerwetter sollte dreinschlagen, wenn die an der Strippe nicht parieren: aber sie beide miffen, daß alles Spiel ist. Sie fennen das Räderwert, die Mechanerie. Sie sind doch nicht von gestern. Sie sind doch erst einmal die guten Kollegen, die Kameraden aus der gleichen Branche, ehe fie Ronkurrenten, Feinde find. Ihr, auf dem Boden des Stagerrat, in den dunklen Gruben von Verdun, ihr hättet die Sache nicht so höllisch ernst nehmen sollen, liebe Brüder! Wer macht denn das auch, wer läßt denn dem Temperament auch gar so die Zügel schießen! Es war ja alles nur ein harmleses Gesellschaftsspiel zwischen dem lieben alten Tirps und seinem Freund, dem Fisherchen. " Spötter, große Tiere" und Offendowski. Um Ferdinand Ossendomsti, den Berfasser des fenfationellen Buches Götter, Menschen und Tiere", in dem er seltsame Erlebnisse und Beobachtungen in jezt so, daß er selbst nicht mehr ganz sicher ist, ob er in der MonInnerasien, besonders in Tibet, behandelt, steht es nicht gut. Es ist golei, in Tibet und in den anderen dunklen Asienländern die ,, Götter, Menschen und Tiere" gesehen hat. Sven Hedin hat ihn bekanntlich einen Schwindler genannt, was die, die zu Ossendomsti beten, mit dem Hiebe parierten, daß Sven Hedin aus Konkurrenzneid den Ruhm des Polen verkleinern wolle. Aber da ist nun dem schwedischen Forscher in dem Laufarmer Arzt Dr. George Montandon, der Libet 34 fennen scheint wie seinen Handschuh, ein streitbarer Helfer im standen. Ossendowski, der soeben erst von einem Ausflug nach Innerwissenschaftlichen Kampfe gegen den polnischen Münchhausen" erafrita zurüdgefehrt ist, hatte sich bereit erflärt, mit Sven Hedin in Berlin die Mongolische Frage in öffentlichem Palaver durchzunehmen. In Paris hat dieser Tage aber bereits die erste Offenbowsti- Prüfung stattgefunden. Als Eraminator fungierte bejagter Dr. Montandon und es wohnten der fraßigen Angelegenheit als Zuhörer die großen Tiere" der französischen Wissenschaft( Duhamel, Offendowski nicht, aber es wurde in einem Brotokoll festgestellt, daß Offendowskis Buch feinen wissenschaftlichen Anspruch erhebe, sondern Erlebtes, Geschautes, Gehörtes und Zusammengelejenes verarbeite. Dr. Montandor bleib auch am Schlusse diefes Kampfes dabei, daß Offendowski nie in Tibet gewesen sein könne. Wie dem aber auch fein mag: sicher ist, daß seit der Tagen, da der Dr. Martin Luther gegen jenen Maier, der sich Johann Ed nannte, vom Leber zog, eine so frisch- fröhliche Disputation noch nicht dagewesen ist. Wobei jedoch nicht verschwiegen werden darf, daß Ferdinand Offendowski Diese Freundschaft muß überaus innig gewesen sein. Es ist jetzt ein Brief befannt geworden, Tirpitz felbst hat ihn veröffent- Benoit u. a.) bei Canz durchgefallen ist ja der fchmergeprüfte lidyt den der englische Admiral am 29. März 1916 an den lieben alten Tirps" schrieb. Alter Knabe" wird der Admiral darin genankt und„ Kollege", und ein Kopf hoch" wird ihm,„ dem alten Jungen", zugerufen und ihm geschmeichelt, daß er der einzige deutsche Seemann sei, der sich auf den Krieg verstehe". " Der englische Admiral übertreibt da gewiß, aber was fagt man nicht alles einem, den man leiden fann und von dem man gelitten wird. Wohlan denn, der Ihrige" schließt der Brief, und man merkt es, wie die beiden sich in die Augen guden: als Feinde selbstverständlich, aber ich nur als solche, wie es zwei Fußballspieler auch sind. Die fämpfen miteinander und nußen die Chancen aus und suchen Der Direktor Angerstein aus Hatger, der Mörder seiner Fa milie, ist Jungdo- Mitglied und nach seinen eigenen Erklä rungen deutsch national. Wir erklären, daß es uns vollkommen fern liegt, aus dieser Tatsache irgendwelche politische Schlüsse zu ziehen. Keine Partei ist dagegen gesichert, daß sich in ihre Reihen ein Ber brecher einschleicht oder daß ein Parteimitglied, das sich bis dahin tadellos geführt hat, eines Tages ein ungeheuerliches Verbrechen begeht. Hätten wir für unseren Kampf gegen die Deutschnationalen fein besseres Material als diesen politisch wertlosen Fall Angerstein"- wahrhaftig, wir würden uns selbst bedauern. Aber eine Frage sei erlaubt! Wenn sich nun etwa herausgestellt hätte, daß dieser Angerstein nicht ein frommer Protestant, nicht ein Jungdo- Mann, nicht ein Deutschnationaler, sondern ein Sozialdemokrat gewesen wäre würde wohl die deutschnationale Propaganda aus diesem Fall Angerstein gemacht haben! Münzdiebstähle in Thüringen. was Weimar, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Seit längerer 3eit werden aus dem Münzkabinett in Weimar und Rudolstadt wertvolle Münzen vermißt, die jetzt plötzlich im Privathandel erscheinen. Den Ermittlungen der Erfurter Kriminalpolizei gelang es, den Dieb in der Person des Verwalters der Staatlichen Münzensammlung in Rudolstadt, eines deutsch nationalen Rittmeisters a. D. Bethe, zu verhaften. Bethe hat Münzbiebstähle begangen, deren Wert in die Hunderttausende geht. Die Diebstähle erftreden sich über einige Jahre. Der Rittmeister und Verwalter des Rudolstädter Münzkabinetts hat bereits in der Untersuchungshaft ein Geständnis abgelegt.( Auch für diesen Fall gilt das oben für den Fall Angerstein Gesagte. Red. d.„ V".) Deutschnationaler Wahlschwindel. Die Kandelaberrede. Gen. Frizz Ebert jun. schreibt uns: Den Deutschnationalen muß es augenblicklich schlecht gehen, denn sonst hätten sie es nicht notwendig, in der bisher geübten verlogenen Weise ihre Wahlpropaganda zu üben. Bei der Rückkehr von einer Agitationsreise finde ich die gesamte Rechtspresse in großer Aufregung über eine angeblich von mir gehaltene Mordrede". Danach soll ich bald in Rroffen a. d. Oder, bald in Striegau, bald in Bobersberg am 24. v. M. erklärt haben: 17 ,, Sie von der Rechten sind ja nur durch die von uns geübte Toleranz in der Lage, so aufzutreten. Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, es gibt noch Kandelaber." Soviel Worte, soviel Lügen! Der Sachverhalt ist folgenanderer Argumente die Boltsbeauftragten ziemlich heftig an der: Ein deutschnationaler Diskussionsredner griff in meiner Bersammlung am 24. v. M. in Bobersberg in Ermangelung und knüpfte daran die Frage, wer denn diese Boltsbeauftragten gewählt habe, woher sie das Recht nähmen, sich Bolks= Die Boltsbeauftragten feien von denen gewählt worden, die beauftragte zu nennen. Darauf erwiderte ich im Schlußwort: sich nicht wie die Deutschynationalen im November 1918feige ins Mauseloch verkrochen, sondern den Mut aufbrachten, Deutschland wieder zu normalen Verhältnissen zurückzuführen. fich der hereinbrechenden Katastrophe entgegenzustellen und Wenn Sie heute wieder so auftreten tönnen, wie Sie es tun, dann verbanken Sie das nur unferer Loyalität. Denn Randelaber gab es genug und die Macht hatten wir auch. Aber unsere Dulbfamkeit gegenüber dem politischen Gegner iſt eben größer als die Ihrige." Aus diesen Worten macht die deutschnationale Lügenpresse nun eine Mordrede", und die deutschnationale Partei gibt Aber auch dieser neue Wahlschwindel wird die deutschynationale aus diesem Anlaß sogar ein illustriertes Flugblatt heraus. Partei nicht vor ihrer Niederlage am 7. Dezember bewahren fönnen. Die deutsch- italienischen Handelsvertragsverhandlungen wurden am Donnerstag in Rom mit den üblichen Reden feierlich eröffnet. Nationalsozialistische Versammlung. Von Nicodemus Nintepinte. Am 23. Neteluing 1924, menn die echte Stunde bammelt, Ist die Nationalsozialistische Arbeiterpartei zum Wahlspeech verAuf das Podium hat sich ein Kandidat gesetzt, [ fammelt Der ist zu hundert Prozent geiſtia verleßt. Nachdem der Versammlungsleiter Wotans Segen erfleht, Prophezeit er in längerem Stoßgebet Und dabei schwingt er die Präsesglocke Teutonisch flattert die blonde Locke Daß die Partet fest wie Sülze steht Und daß es so mit Deutschland nicht weitergeht. Darauf beginnt ein Referat à la italienischer Salat, Bon Dawes- Plan und Dobstoßlügen, Und daß nur der Nationalsozialismus aus dem Schlamaffel führt, Bis ein Zwischenrufer fonstatiert, Daß sich bereits die Balten biegen. Und dann hört man von Pflichtbewußtsein und Treue reden Dabei erinnert einer an Lindström, den Schweden. Hierauf erfolgt ein großes Gelächter. Und jetzt beginnt er als Judenschlächter. Allein die Juden hätten die Macht, Von den Juden würde das schlechte Wetter gemacht, Und im Sommer die vielen Fliegen, Das müßte auch an den Juden liegen, Und daß man ihm den Verstand genommen, Das sei auch von den Juden gekommen; Die machten lauter solche Sachen. Endlich biegt sich der Saal vor Lachen. Darauf hebt er zum Hitlerschwur die Hände, Und dann ist der Sermon zu Ende. Nachdem man fünf Minuten gepauſt, Wird in der Diskussion der ganze Schwindel zerzauft. Lügen und Berleumdungen werden ihnen amtlich bescheinigt, Wovon sie kein Wotan, kein Hitler reinigt. Kurz, feit des alten Methusalems Zeiten War das die größte aller Pleiten. Und alles schied mit dem Bewußtsein von diesen Knaben, Für 20 Pfennig noch in feinem Zirkus jo gelacht zu haben. Bert Brechts Marlowe- Bearbeitung im Staatstheater. Nach dem Bert Brecht, der revolutionäre Dramatter, das moderne Theater tüchtig zertrommelt hat, zieht er sich auf das Altenteil zurüd und bearbeitet den ehrwürdigen Christian Marlowe, des erlauchten Shakespeares Borgänger, Inspirator und Kneippenoffen. Brecht mählte Marlowes Eduard II., die großartige Bäderaftentragödie. Was von ihm und dem literarischen Großvater ist, muß noch untersucht werden. Doch heute sei schon festgestellt, daß am Staatstheater Sven Hedin hat nach dem Ausfall dieser Disputation weitere mächtige Rollen durchzuführen waren. Und die Schauspieler freuten für überflüssig erklärt. fich offenbar, daß sie soviel Arbeit hatten. M. H. auch sehr beachtliche Jünger hat, die an ihn glauben. Jm Geist der Versöhnung! Eine Erklärung der Rheinlandkommission. Köln, 4. Dezember.( Eca.) In einer soeben veröffentlichten Erklärung der Rheinlandkommission heißt es: Die Interalliierte Rheinlandtonmission hat beschlossen, im Geiste der Berföhnungspolitit und unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände eine bestimmte Anzahl von Verordnungen ihrer Ordonnanzen aufzuheben oder abzuändern. Sie hat besonders folgende Maßnahmen getroffen: 1. Deutsche Gefeße und Vorschriften werden in Zukunft in fast allen Fällen gleichzeitig in den besetzten Gebieten wie im übrigen Deutschland in Kraft treten. 2. Personen, gegen welche Ausweisungsbefehle vor fiegen, werden in Zukunft über den Grund der Maßnahme informiert und sollen gehört werden. 3. Das Einspruchsrecht der Kommission aus Gründen der Sicherheit der alliierten Armeen gegen die Anstellung deutscher Beamter wird nur dann ausgeübt. wenn die betr. Beamten über die Gründe des Einspruches informiert sind und ihnen Gelegenheit gegeben worden ist, ihre Berteidigung zu unterbreiten. Dasselbe Recht wird auf Entlassungen zugestanden. 4. Irteitssprüche auf Gefängnisstrafen werden in 3ufunft außerhalb Deutschlands nur dann vollstrect, wenn ein beson derer Beschiuß vorliegt. 5. Eine Verordnung über Borgehen gegen Raufleute wegen Wucher ist aufgehoben worden. 6. Die Kommission hat bestimmte Berordnungen betr. Eingreifen in Angelegenheiten der Versicherungsgesell. schaften als nicht mehr nötig aufgehoben. 7. Dasselbe gilt für eine Verordnung betr. private postalische Unternehmungen. 8. Bestimmte Gerichtsberichte werden nicht mehr von den deutschen Behörden verlangt werden. 9. Die Kommiffion hat ebenfalls ihre Lofalvertreter beauftragt, Eingaben megen Aushängens von Fahnen, besonders bei religiösen, nationalen, vereinssportlichen und anderen Festlichkeiten in möglichst entgegenkommender Weise zu berücksichtigen. Die Rheinlandkommission fündigt weiter an, daß sie außerdem gemisse weitere mildernde Maßnahmen mit Rüdsicht auf die Presse und den Schuh der Persönlichkeit in Erwägung zieht. Nathusius und die Deutschnationalen. Notwendige Feststellungen. Amtlich wird gemeldet: In verschiedenen Zeitungen, u. a. in der Niederdeutschen 3eitung" und in der Magdeburger Tageszeitung" ( Nr. 275 vom 30. November 1924), wurde eine Notiz verbreitet, nach der das Telegramm, das Reichsaußenminister Dr. Strese mann an die Gattin des Generals v. Nathufius nach seiner Freiloffung gerichtet hat, von der Famille des Generals als eine Be= leidigung empfunden worden sei. Demgegenüber muß feft gestellt werden, daß Frau v. Nathusius sich nach Empfang des Telegramms in herzlicher Weise bei dem Reichsaußenminister bedankt hat. Nachdem Frau v. Nathusius jetzt von den erwähnten Pressenotizen erfahren hat, hat sie folgendes Schreiben an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichtet: " Zu meinem größten Erstaunen lese ich in Nr 275 der„ Magdeburger Tageszeitung" vom 30. November 1924, daß Guer Etzellenz Telegramm an mich als Beleidigung von meiner Familie und meinem Mann empfunden worden ist. Da meine Familie nur aus meinem Mann und meiner verheirateten Lochter in Lübed besteht und wir uns beide und auch mein Mann sehr freuten, daß er wieder zu Haufe war. möchte ich gern diese unwahrheit berich figen Erzellenz und bedanke mich heute nochmals dafür. Eurer Erzellenz sehr ergebene gez. May v. Nathusius." Hebe mißbraucht hatte, genötigt sieht, eine Erklärung des Generals| dieses unfauberen Kampfmittels gegen die Sozialdemokratie zu beabzudrucken. in der gesagt wird, daß nicht nur Gesund= heitsrücksichten" für sein Fernbleiben ausschlaggebend waren. Es genügt, diese Tatsachen festzustellen, um zu zeigen, mit welchen Mitteln im schwarzweißroten Lager gearbeitet wird. Der Fall Loeb als Wahlmache. Die Objektivität der thüringischen Regierung. Weimar, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In der letzten Eigung des Untersuchungsausschusses gegen den Finanzminister v. Klüchner wegen der Entlassung des Staatsbantpräsidenten Loeb glaubte die Rechte neues Material zur Belastung des Genossen Loeb und zur Entlastung des Ministers v. Klüchhner beibringen zu können durch die Berlesung dreier Schreiben des ehemaligen Finanzministers Genossen Hart mann an die Staatsbant, in denen Borhaltungen über die Geschäftsführung gemacht werden. Das Vorgehen der Rechten im Untersuchungsausschuß muß als Wahlmache bezeichnet werden. Der deutschnationale Borsigende des Ausschusses unterließ es, das we sentlichste Schreiben, das die Staatsbant entlastet, zu verlesen. Dadurch wurde in der bürgerlichen Presse ein ganz falsches Bild von den tatsächlichen Verhältnissen gegeben. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Ausschusses verlangt Genoffe Loe b, endlich vor den Ausschuß geladen zu werden, um den jeßt aufgetretenen falschen Behauptungen entgegentreten zu können. Er wendet sich in diesem Schreiben gegen die Art und Weise, wie aus dem Schriftverkehr einzelne Briefe herausgegriffen werden. Das, Schriftstück des Finanzministeriums, in dem ausdrücklich bestätigt wird, daß das Finanzministerium der Staatsbant feinen Vorwurf machen wolle, hatte der Berichterstatter im Ausschuß mit Absicht nicht vorgetragen. Den bürgerlichen Parteien, die noch in legter Stunde durch die Angelegenheit Loeb zu einer Wahlparole tommen wollten, dürfte durch die Entgegnung des Genossen Loeb ein Strich durch die Rechnung gemacht worden sein. Milde Justiz gegen rechts. Deutschnationale dürfen sich erregen. Vor dem großen Schöffengericht hatte sich am Donnerstag der verantwortliche Redakteur der Kreuz- Zeitung", Fernandes, wegen Beleidgung und übler Nachrede zu verantworten. Im Anschluß an eine stürmische Landtagsfizung im Juli d. 3. hatte der Angeflagte einen Schimpfartikel gegen den Landtagsabgeordneten Genossen Ruttner geschrieben, der deswegen Strafantrag stellte und als Nebenfläger der Verhandlung beiwohnte. Vor Gericht verzichtete Herr Fernandes von vorn herein auf die Führung eines Wahrheitsbeweises für feine ehrabschneiderischen Behaupungen, dagegen zitierte er in langer Folge Bruchstücke aus dem Borwärts", der Glocke" und anderen sozialistischen Blättern, die zwar vom Nebenkläger nicht verfaßt waren, durch die aber Herr Fernandes zu seinen Angriffen gereizt worden sein will. dienen. Es ist ganz selbstverständlich. daß ein Großunternehmer, der nicht mit der deutschnationalen oder volfsparteilichen Industriellen- Clique durch Dick und Dünn geht, sondern mit So.. zialdemokraten verfehrt und mit der Arbeiterbewegung tätig sympatisiert, mit allen Mitteln bekämpft werden muß. Und die Moral von der Geschicht wenn man von Moral bei diesem kommunistisch- deutschnationalen Dred überhaupt noch reden fann: die Gegner der Sozialdemokratie pfeifen auf dem legben Loch, und es ist ihnen kein Schwindel, den fie gemeinsam aufziehen können, plump genug, um nicht damit in letter Stunde noch zu versuchen, ein paar naive Gemüter mit der altbewährten Taftit des Tintenfifches zu betören. Es wird ihnen aber doch nichts nützen! Sozialistischer Wahlgruß aus Frankreich. folgendes Telegramm aus Paris ein: Am Donnerstag tnaf beim Parteivorstand der SPD. An den Sozialdemokratischen Barteivorstand, Berlin, Lindenstraße 3. Am Vorabend der deutschen Reichstagswahlen fendet die Sozialistische Partei Frankreichts der Deutschen Sozialdemokratie ihre aufrichtigsten Siegeswünsche. den Ihr nach einem harten Kampfe erringen werdet. Bir sehnen, Der Weltfrieden hängt. in hohem Maße von dem Erfolg ab, Euren Erfolg aus ganzem Herzen herbei und senden Cuch unsere brüderlichen Grüße. Generalsekretariat der Sozialistischen Partei Frankreichs. Hitler- Putsch und die Schweiz. Eine Erklärung der Schweizer Regierung. Genf, 4. Dezember, Mitternacht.(( Eigener Drahtbericht.) triebe reichsdeutscher Hafentnenzler in der Schweiz haben großes Die hierher übermittelten Meldungen des„ Vorwärts" über die UmAufsehen hervorgerufen und werden in der ganzen Presse besprochen. Un der amilichen Darstellung des Bundesrats( wir laffen sie weiler unten folgen. Red. d.„ Borw.") fällt besonders auf, daß sie sich über alle anderen Puntte als über den in die Angelegenheit verwidelten nachmittag, wird im Nationalrat eine Jnterpellation über dieje Sache höheren Schweizer Offizier volldommen ausschweigt. Morgen, Freitag eingebracht werden. des Soz. Preffedienstes über die Beziehungen fchweizerischer Die Schweizerische Depeschenagentur erflärt zu den Mitteilungen Offiziere zum Hitler Butsch: Bor einigen Monaten sind dem Bundesrat Berichte zuges gangen, in denen behauptet wurde, Hiller hätte sich in der Schweiz aufgehalten. sei während längerer Zeit bei einer be fannten Persönlichkeit zu Gast gewesen und habe von beträchtlicher Höhe erhalten. Ferner wurde gejagt, daß mit diefer zur Unterstützung feines Unternehmens Geldbeträge in bewaffneten Aufstandes in jenem Gebiet verhandelt wor ciner Abordnung aus Tirol über die Vorbereitung eines den sei. Nach dem Befund der Bundesanwaltschaft fommt ein straf. Der Nebenkläger wies darauf hin, daß der Angeflagte felber rechtlich verfoigbarer Tatbestand nicht in Betracht. Mit zu glauben scheine, daß man die Justiz durch politische Beein Rücksicht auf die Tatsache, daß eine der angeblich beteiligten Persönflussung mittelst tendenziöser 3itate aus der Bahn lichkeiten ein Kommando in der Armee befieidet, hat des Rechts ablenten tönne. Jedenfalls hatte der Angeklagte mit der Bundesrat das Mulitärdepartement beauftragt, den betreffenden seiner Methode Erfolg, denn das Schöffengericht verurteilte Offizier über den Sachverhalt zu vernehmen. Bei seiner Einverihn wegen Beleidigung in zwei Fällen und übler Nachrede innahme hat dieser Offizier die Richtigkeit der Tatsachen, die ihm weiteren zwei Fällen zu lediglich 20 Mart Geldstrafe, weil der An- felber verlangt, daß durch eine Untersuchung feine Aussagen nachzur Last gelegt worden find, in allen Teilen bestritten und geflagte in politischer Erregung gehandelt habe. geprüft werden. Diese Untersuchung ist vom Militärdeparte. ment durchgeführt worden und hat ergeben, daß die Darstellung Des genannten Offiziers vollständig richtig ist. Es wurde festgestellt, daß die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unbegründet sind und fein dort beanstanderes Verhalten einwandfrei war und zu feinen Ausfcgungen Veranlassung geben tönnte. Hoffentlich findet sich nun auch einmal ein Gericht, das einem sozialdemokratischen Redakteur politische Erregung zugute hält. Einstweilen scheint nur die Rechte ein Recht auf politische Erregung zu haben. Ich freue mich sehr über das Telegramm von Eurer Soweit die amtliche Feststellung. Dem tann noch hinzugefügt werden, daß sich die Scherl- Bresse, die bekanntlich eine Ruhrerfrankung des Generals als Grund für sein Fernbleiben von der deutschnationalen Versammlung angegeben und diese angebliche Tatsache zu einer widerüchen antirepublikanischen und chauvinistischen Ein Mittelmeerfilm. Der Film als Reporter und Popularifator wird, weil die sogenannten Stulturfilme fein sehr gutes Geschäft find, leider nicht genug gepflegt und doch ist es zumeist ein ungetrübter Genuß, den der rein referierende Film gewährt. Der neue Mittelmeerfilm Lava", der in den Ufa- Kammerlichtspielen vorgeführt wurde, hat außerdem den Borzug, einige der landschaftlich und tulturhistorisch gesegnetsten Teile der Erde zu behandeln. Das Lavagebiet um den Vesuv und den Aetna nimmt er als Ausgangspunkt, um uns die Tätigkeit der Bulkane, die stets in diesen Gebieten lauernden Gefahren des schwarzen, alles vernichtenden Todes por Augen zu führen. Mancher Befurbesteiger hat nicht den zehnten Teil von dem zu sehen bekommen, was dieser Film bietet: den fließenden Lavastrom und den Dampfwolfen ausstoßenden neuen( fleinen) Kraterlegel. Aber erfreulicherweise beschränkt sich der Film nicht auf die unheilvollen Mächte. Er zeigt uns den Menschen im zähen Kampf gegen fein Schicksal, immer aufs neue den von der Lava überdeckten Boden wieder der Kultur zu gewinnen. Den Bildern von dem Leben der Besunbewohner schließen sich andere aus dem Bolfsleben Neapels an, das in seiner ganzen südlichen Lebendigkeit, Doll seiner Kontraste, vor uns ersteht. Ein Besuch in der toten Stadt ( Bompeji), ein Ausflug nach dem mit allen Landschaftswundern ausgestatteten Capri folgen. Und dann Sizilien als Fruchtoarten und Träger großer Kulturvergangenheit( Palermo), als Wüste und Ruinenſtätte( Selinurt, Syrakus). Der Aetna wird bestiegen und die erschütternde Tranödie Meffinas erlebt! Taormina, die herrliche, ſteigt auf. Zum Schluß werden wir Zeugen eines großen Thunfischfanges, ber diese großen, blinkenden Delphine als willkommene Beute des mörderischen Menschen zeigt. Der an herrlichen Bildern und interessanten Aufnahmen reiche Film könnte durch Einfügung inftruttiver Karten und einiger wissen schaftlicher Ergebnisse der Besuvforschung noch gewinnen. Und warum fehlt Ischia? d. Der Männerchor Fichte- Georginia 1879 gibt am 7., nachm. 3, Uhr, in der bilbarmonie ein Stonzert unter Mitwirkung des Blüthner. Drchefters und der Solistin Hella b. Schmidt- Schwerin. Karten( 1,25, 2,50 u. 3,50 M.) an der Stasse und bei A. Wertheim erhältlich. Elve deutiche Schule in Mostau. In Moskau ist eine deutsche Schule mit deutscher Unterrichtssprache ins Leben gerufen worden. Sie zählt zur. zeit 121 Schüler. Die Schule soll zu einer neunklassigen Unterrichtsanstalt ausgebaut werden. Mit ihr hat das Deutschtum in Nußland, das noch immer 2 Millionen Seelen beträgt, eine wichtige Förderung seiner Kulturs intereffen erhalten. Puccinis Beilegung. Im Mailänder Dom zelebrierte Erzbischof Loft die Zeichenfeier für Buccini in Gegenwart der Behörden und einer un ermeßlichen Zuschauermenge. Ein eindrucksvolles Gefolge, darunter die Spizen der Behörden und die Abordnungen der Schulen, begleitete die Leiche durch die Straßen, die auf Halbmaft beflaggt waren, zum Friedhof. Die Regierung war durch den Unterrichtsminister Casati vertreten; ibm folgten die Bürgermeister von Mailand und von Lucca, sowie eine Anzahl anderer hervorragender Persönlichkeiten. Die sterblichen Reſte Buccinis wurden unter militärischen Ehren vorläufig in der Gruft der Familie Toscanini beigelegt. 3n 64 Sturden durch die Sahara. Während man früher mit dem Schiff der Büfte", dem Stamel, drei Monate brauchte, um die Sabara zu burchtreuzen, ist es jetzt einer Gesellschaft gelungen, in zwei gewöhnlichen Straftwagen von Colomb- Bechar nach Gao, alfo quer durch die Sahara, in 64 Stunden zu gelangen. Der Barmat- Rummel. Der Bundesrat hat von dem Ergebnis dieser Untersuchung in zustimmen dem Sinne Kenntnis genommen und das Militärdepartement angewiesen, dies sowohl dem in Frage kommenden Offizier als auch feiner vorgesetzten Kommandostelle zur Kenntnis zu bringen.4 Das alles gilt nur von einem befchuldigten Offizier. Bon den sonst genannten Personen sagt die Schweizerische Depeschenagentur nichts! Was man den kommunistischen Lesern alles zumuten darf. Daß es um die Sache der Kommunisten sehr schlecht steht, das lehrt das Ergebnis aller Ginzelwahlen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, zur Genüge. Deshalb braucht man sich nicht darüber zu wundern, daß die KPD. in ihrer Hilflosigkeit und Verzweiflung zu den blödesten Waffen greift, um der Sozialdemokratie in letzter Stunde noch Abbruch zu tun. Der kommunistischdeutschnationale Bermat Rummel ist ein Musterbeispiel dieser topflofen Versuche, das Verhängnis aufzuhalten, das am 7. Dezember französische Hauptmann Sadoul wurde am Donnerstag vormittag, über die Kommunistische Partei hereinbrechen wird. Ciegt irgend etwas Ehrenrühriges gegen Barmat vor? Wir warten darauf, daß die kommunistische und die mit ihr verbündete deutschnationale Bresse irgend etwas Derartiges nachweisen oder auch nur behaupten wird. Würde eine einigermaßen begründete Behauptung dieser Art aufgestellt werden, so könnte man sich damit sachlich auseinandersehen. Aber auch dann würde damit noch immer nichts gegen die Sozialdemokratie als Partei und auch nicht einmal gegen diejenigen unserer Parteigenossen, die mit diesem holländischen In dustriellen und Bankier befannt sind, bewiesen sein. Aber bisher ist nicht einmal der Versuch unternommen worden, eine solche Anschuldigung gegen Barmat zu erheben. Die„ Rote Fahne" macht es sich aber sehr leicht. Im Zusammen hang mit der vom sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Nichter angeordneten Festnahme des Regierungsrats Bartels find gegen mehr oder minder einwandfreie Geschäftsleute russischer Herkunft Holzmann, Kutister und von Stein Dinge aufgedeckt worden, die auch für die deutschnationale Leitung der Preußischen Staatsbant belastend sind. Die Staatsbant hat ihnen Krebite ohne die nötige Dedung und für zweifelhafte Spekulationsgeschäfte erteilt, und hat dabei, wie es scheint, auch Verluste erlitten. Nun haben auch einzelne Industrieunternehmungen, bevor sie dem Barmat- Konzern angegliedert wurden, Kredite von der Preußischen Staatsbant erhalten.( Uebrigens, felbst wenn diese Kredite für große Unternehmungen mit mehreren Tausend Arbeitern nach deren Uebernahme durch den Barmat- Konzern erteilt worden wären, so wäre auch nichts dabei, denn dazu ist doch die Staatsbant da.) Die kommunistische Methode fennen wir: der Massenmörder Haarmann lebt in Hannover, der Oberpräsident Noste lebt auch in Hannover folglich schreibt man: System HaarmannMoste. Oder: der Regierungsrat Bartels war im Polizei präsidium tätig, der Polizeipräsident ist ein Sozialdemokrat, der Minister des Innern ist ebenfalls ein Sozialdemokrat folglich schreibt man: System Richter Bartels- Severing. Oder endlich: Holzmann machte mit Kutister zweifelhafte Geschäfte, Rudister erhielt ungenügend gedeckte Kredite von der Staatsbant, einzelne Werte des Barmat- Konzern hatten auch Kredite von der Staatsbant erhalten folglich schreibt man: Rutister. Rutister Barmat, obwohl die belden nicht das entfernteste jemals mit einander zu tun hatten. It also der fommunistische Anti- Barmat- Rummel für denkende Meniden absolut sinnlos, so ist es aber durchaus verständlich, wenn die deutschnationale Presse den Feldzug der Roten Fahne", wie immer, mit Wollust mitführt, um sich ebenfalls in ihrer Berzweiflung über das nahende Verhängnis vom 7. Dezember Sadoul verhaftet. Paris, 4 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige in Paris auf der Straße verhaftet. Er war im Besize. eines falschen Passes. Paris, 4. Dezember.( EP.) Die Klammer hat heute nachmittag mit 545 gegen 29 Stimmen auf Benlangen der Regierung beschloffen, die Diskussion der Interpellation( Komm.) Andre Ber. tons über die Verhaftung Sadouls auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Auf eine Anfrage des genannten Abgeordneten, ob der Hauptmann Sadout provisorisch auf freien Fuß gesetzt werde, erklärte Serriot, daß nur das Kriegsgericht, das Saboul: verurteilt habe, eine Maßnahme dieser Art beschließen tönnte. Die Regierung wünsche nicht, irgendeine Erklärung abzugeben, die als eine Intervention der Regierung in einer Justizangelegen.. heit ausgelegt werden könnte. Kraffin in Paris eingetroffen. Paris, 4. Dezember.( Eigener Drahbericht.) Der neu ernannte russische Botschafter in Paris,& raffin, ist am Donnerstag, vormittag in der französischen Hauptstadt eingetroffen. Seine Untunft wurde von den kommunisten zu einer undgebung be.. nutzt, an der etwa 1000 Personen teilnahmen. Wann wird Köln geräumt? Das hängt vom Militärkontrollbericht ab. Condon, 4. Dezember.( WTB.) Zur Frage der Räumung der Kölner Zone erfährt Reuter von gutuntenicheter Seite, daß die britische Regierung noch feine Entscheidung über die Räumung, die nach den Bedingungen des Versailler Bertrages am 10. Januar 1925 stattfinden müsse, habe herbeiführen fönnen. Die ganze Angelegenheit schwebe noch der Luft, da sie eine internationale Frage darstelle und nur durch Be ratungen zwischen Großbritannien und seinen Wierten endgültig geregelt werden könne. Auch fönne eine endgütige Entscheidung nicht getroffen werden. bevor die Interalliierte Kontrollfommission, die gegenwärtig den Stand der deutschen Rüstungen prüfe, ihren Bericht vorgelegt hatte. Das genoue Datum der Räumung hänge von Deutschlands gutem Millen in der Reparationsfrage und in der Entwaffnungsfrage ab. Was den ersten Puntt anbetreffe, so habe ihm Deutschland durch die Ausführung des Dames- Places genügt. Zum zweiten Bunft sei zu bemerken, daß die Inspektion durch die alliierten Behörden während eines beträchlichen Zettabschnitts, nämlich während der Ruhrbesetzung unmöglich gewesen sei. Die turze Zeit, die feit Wiederaufnahme der Inspektion vergangen sei, ge gestatte noch nicht, einen ausführlichen und Blaren Bericht über die Frage der deutschen Entwaffnung vorzulegen. Die Rückkehr zum Achtstundentag. Durch den Kampf der Gewerkschaften. Die Arbeitgeber wenden sich in immer neuen Rundgebungen| famtergebnis der fieben Berufe ist, daß von fast 2½ Millionen gegen den Achtstundentag. Sie verlangen, daß mindestens die Ar- Arbeitnehmern jetzt nur noch etwas über 1 Million über 48 Stun beitszeit der Vortriegszeit wiederhergestilt wird. Daher Abden arbeiten. Dabei sei bemerkt, daß alle furzarbeitenden lehnung jeder internationalen Bindung, feine Anerkennung des Betriebe bei der Zählung ausgeschieden wurden. Washingtoner Abkommens durch Deutschland. Dem deutschen Spießer Die Novemberſtatistik des ADGB. zeigt, daß die Gewerkschaften wird bange gemacht. Das Drängen der Gewerkschaften nach Siches imftande gewesen sind, rung des Achtstundentages muß dadurch vereitelt werden, daß der Einfluß der Sozialdemokratie im kommenden Reichstag nicht zu start wird. Auch die Kommunisten greifen im Wahlkampf besonders heftig die freien Gewerkschaften an. Diese hätten den Arbeiter„ verraten", den Achtstundentag preisgegeben und tun nichts, um hinsichtlich der Arbeitszeit die physischen und fulturellen Interessen der Arbeiter zu sichern. Helfen könne nur der Kommunismus und feine„ direkte Aktion", von der freilich kein Kommunist zu fagen weiß, was er sich darunter vorstellt. Gegenüber solchen Angriffen von rechts und lints läßt man am besten trockene Zahlen reden. Der ADGB. ließ im Mai dieses Der ADGB. ließ im Mai dieses Jahres durch die Orisausschüsse im ganzen Reiche eingehende Erhebungen über die Dauer der Arbeitszeit durchführen Diese Erhebungen, die sich auf sieben der größten und wichtigsten Industrien erstreckten, haben die Ortsausschüsse En be November wiederholt. Das erste Ergebnis dieser statistischen Umfrage liegt soeben vor. Da sich der Ortsfreis der beiden Erhebungen im wesentlichen dedt, sind wichtige Bergleichszahlen gewonnen, die anzeigen, mas die Gewerkschaften Teisteten. Die Novemberſtatistit ergibt folgendes Bild: Int Prozenten der Beschäftigten Bergleichszahl mit großem Erfolg den Kampf gegen die Verlängerung der Arbeitszeit zu führen. Als die Gewerkschaften durch den entjeglichen Währungsverfall im Vorjahre finanziell im höchsten Maße geschwächt wurden und die Gewerkschaftsmitglieder durch die Leiden in der Inflationszeit völlig erschöpft waren, glaubte das Unternehmertum die vorübergehend erlahmte Stoßkraft der Gewerkschaften zu einem groß angelegten wort: Begen den schematischen Achtstudentag" steuerte man auf Streich gegen die Arbeitszeit nutzen zu können. Unter dem Stich den Zehnstundentag los. Die Erhebung des ADGB. im Mai trotz der Schwächung durch den Währungszusammenbruch einen zeigte, daß diese Absicht nicht gelang. Die Gewerkschaften bildeten mirtfamen Wall. Die jeßige Erhebung zeigt, daß es den Gewerkschaften im steten Kampf gelang, die Arbeitszeit wieder herabzudrücken, trohdem die riesenhafte Arbeits losigkeit diesen Kampf start hemmie. So sieht der„ Berrat", das Preisgeben". der Gewerkschaften in der Praxis aus. Aber die Gewerkschaften kämpften " gegen drei Fronten, # Gegen die Arbeitgeber, die um jeden Preis den Achtstundentag beseitigen wollten, gegen die Arbeitslosigkeit, die das Streben der Arbeitgeber start stüßte, und zugleich gegen die Ge wertschaftsspaltung der Kommunist en. Es muß an. gesichts der Erfolge der Gewerkschaften, die unter so schweren Borbedingungen errungen wurden, die Frage gestellt werden: Was wäne möglich gewesen, wenn nicht die Parolen von Moskau die Einheit und den Zusammenhalt der Mitglieder gestört hätten. Was wäre mögder Beschäftigten fich gewesen, wenn die Millionenmasse der deutschen Gewerkschafter nur das eine Ziel im Auge gehabt hätte: Unrecht und unerträgliches vom deutschen Arbeiter fernzuhalten? der Erhebung Anfang Mai 24: über 48 Stunden wöchentl. arbei teten in Bro. Zahl der efaßten Beschäftigten Davon arbeiten über 48 Stunden möchentlich Baugewerbe. 240 207 25152 10,5 11,0 Buch rudgewerbe. 59447 15 775 26,5 49,4 Chemische Industrie 150 669 58 469 38,8 44,0 Holzgewerbe 161 780 22 373 13,8 21,4 Metallindustrie 1 324 846 703 849 58,1 Schuhindustrie 61 124 4.962 Zertilindustrie 361 543 238 644 8,1 66,0 45,3 63,5 14,5 82.4 54,7 Insgesamt 2 359 616 1069 224 Die neue Statistik zeigt auch, daß das Berlangen der Arbeitgeber nach Verlängerung der Arbeitszeit unberechtigt ist. Die Unter nehmer erklären in ihrer Wahlpropaganda für die Rechtsparteien, daß die deutsche Wirtschaft auf lange Zeit hinaus a bhängig fei Don langer Arbeitszeit und niedrigen Löhnen Die Gewerkschaften haben bewiesen, daß der Aufbau mit der Durchführung des Achtstundentages sehr wohi möglich ist. Es ist also die Zahl der mehr als 48 Stunden wöchentlich Arbeitenden erheblich gesunken. Dies trifft für alle fieben Berufsgruppen zu. Besonders start im Buchdrudgewerbe, wo im Mai noch fast die Hälfte der Beschäftigten über 48 Stunden arbeiten mußte, jetzt nur noch ein Viertel. In der Metallinduftrie ist die Zahl um mehr als 10 Pros gesunken. Die Textilindustrie, in der die Arbeitszeit besonders häufig 48 Stunden überschritt, zeigt einen Rückgang von 82,4 auf 66 Proz Gewirtlichen Klassenfampf unmöglich machen. Die Wähler werden am 7. Dezember die Konfequen. zen zu ziehen haben. Für den Achtstundentag, für die Zustimmung zum Washingtoner Abkommen, das den Achtstundentag auf internationaler Grundlage sichert, gegen die Gegner der Sozialpolitif. aber auch gegen die kommunistischen Elemente, deren Phantasiereien und Barolen den Die Kosten der Erwerbslosenversicherung. Die Arbeitgeber wehren sich gegen die Umwandlung der Erwerbslofen für sorge in eine Erwerbslosen versicherung wegen der hohen Kosten, die sich daraus ergeben würden, da die Boraussetzung der Bedürftigkeit in Wegfall fäme und jeder Versicherte auch ein Recht auf Unterstützung hätte. Zu dieser Frage nimmt Dr. Gustav Böhm, Regierungsrat im Bayerischen Staatsministerium für Sozialfürsorge, in Nr. 27 des Reichsarbeitsblattes" ministerium für Sozialfürsorge, in Nr. 27 des„ Reichsarbeitsblattes Etellung. Den eingehenden Darlegungen entnehmen wir folgende Ausführungen: , Das Bayerische Landesamt für Arbeitsvermittlung hat einer Reihe von nach Größe und wirtschaftlicher Struktur ihrer Bezirke typischen Arbeitsämtern und Fürsorgestellen die Frage vorgelegt, um wieviel sich der Aufwand der Erwerbslosenfürsorge durch den Wegfall der Bedürftigkeit als Voraussetzung der Unterstügung vermehren würde. Die Antworten find folgende: Vier großstädtische Arbeitsämter schätzen den Mehraufwand auf 4,5-5 D 5, 7-8 v. 5., 6,8 v. 5). und 5-8 v. 5. Drei Arbeitsämter von mittleren Städte 1 geben 1,10 und 25 v. H. als voraussicht ichen Mehraufwand a1, während von zwei Arbeitsämtern in ausgesprochenen ländlichen Bezirken das eine 5, das andere 50 v. 5. Mehraufwand annimmt; dabei sind aber gerade die Angaben des letzten Arbeitsamtes mit Vorsicht zu verwerten. Es wird hier Unterstützungsbewerbern aus landwirtschaftlichen Kreise gegenüber mit besonderer Schärfe vorgegangen, die aber auch nach Wegfall der Bedürftigkeitsprüfung durch eine strenge Auslegung der übrigen Vorausfegungen in vielen Fällen wird festgehalten werden können. Der Schwerpunkt dürfte bei etwa 7,5 v. H. liegen. Aber selbst wenn man diese Schäzung vorsichtshalber verdoppeln würde, bleibt zu beachten, daß sich der VerwaltungsPostenaufwand durch den Wegfall der Bedürftigkeitsprüfung ficher um die Hälfte vermindern würde. Nimmt man einen durchschnitt lichen Verwaltungsfostenaufwand von nur 10 v. 5. an, so dürfte fich die Nettomehrbelastung durch den Wegfall der Bedürftigkeitsprüfung auf höchstens 10, vielleicht auf nicht mehr als 5 v. H. stellen. Wird somit auf der einen Seite der Mehraufwand der Arbeitslofenversicherung im folle des Wegfalls der Bedürftigkeit als Bor ausfegung der Unterstigung gewaltig überschäßt, so wird auf der andere 1 Seite unerflährlicherweise völlig übersehen, daß eine Reihe von anderen Bestimmungen des Versicherungsgefeßes gegenüber den entsprechenden Bestingnungen der Erwerbslosenfürsorgeverordnung eine beträchtliche Minderung des Aufwandes zur notwendigen Folge haben. Die Grenzen gegenüber der Wohlfahrtspflege sind in der Erwerbslosenfürsorge naturgemäß noch nicht so scharf ge3ogen wie sie in einer Versicherung gezogen werden müssen, und die Gemeinden, die bei ihrem Einfluß auf den öffentlichen Arbeitsnachmeis noch heute tatsächlich als Vollzugsorgane der Erwerbs: lofenfürsorge angesprochen werden können, haben es in langjähriger Brapis teilweise ogrzüglich gelernt, die Erwerbslosenfürsorge soweit als möglich zur Entlastung der Wohlfahrtspflege, deren Kosten sie ganz zu tragen haben, heranzuziehen. Unter diesem Gesichtspunkt ist vor allem die Dauer der Unterstüßung zu betrachten. ... Nach den Bestimmungen des Versicherungsgesehentwurfs ist der Anspruch auf Arbeitslosenunterstügung erschöpft, wenn innerhalb der letzten 24 Monate Unterstüßung für insgesamt 26 Wochen gewährt ist. Ist der Anspruch erschöpft, so wird die Arbeitslosen. un'erftügung erst dann wieder gewährt, wenn der Arbeitslose in 24 Monaten vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit neuerdings mindestens 26 Wochen lang in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden hat. Zwar fann auch hier der Reichsarbeitsminister bei besonders ungünstigem Arbeitsmarkt die Höchstdauer der Unterftügung verlängern, allein schon die regelmäßige Höchstdauer beträgt nur die Hälfte derjenigen Zeitspanne, die sie jetzt umfaßt. Nach der legter Statistit sind ein Sechstel der in Bayern unterstützten Erwerbs ofen fogenannte langfristige, d. h. über sechs Monate Unterstüßte. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß der größte Teil dieser Personen in einer Versicherung nicht mehr unterftüßt werden könnte. Schon daraus ergibt sich eine entsprechende Minderbelastung. Eine nod) größere Rolle als die Verkürzung der Unterstüßungsdauer an sich wird aber die Verschärfung der Vorausfegung für den erneuten Bezug der Unterstützung durch AusgeSteuerte spielen." Der Verfasser weist mit seinen Ausführungen auf den Ent. wurf des Versicherungsgefeges hin. Wie dieses schließlich gestaltet wird, hängt wesentlich von der 3usammen fegung des neuen Reichstags ab. Es wird vor allem davon abhängen, daß gewiffe Härten vermieden werden gegenüber denen, die unverschuldet länger arbeitslos als bezugsberechtigt find. Darüber zu wachen, wird Aufgabe der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion sein, von deren Stärke auch ihr Einfluß abhängt. Die Lohnbewegung der Töpfer beendet. Eine neuartige Ferienregelung. letzte Lohnvereinbarung am 31. Oftober ablief, neue Forderungen Die Ofensetzer Berlins hatten, wie bereits berichtet, als ihre gestellt. Die geforderten Lohn- und Akkordfähe entsprechen dem Friedenslohn mit einem Aufschlag von ungefähr 30 bis 35 Proz Diese Forderung wurde von den Unternehmern glat abgelehnt. Der angerufene Schlichtungsausschuß für Groß- Berlin sprach den Töpfern 1,20 m. Stundenlohn bzw. 110 Broz. bei Affordarbeiten zu. Daneben follte eine Handwertszeugentschädigung von 2½ Proz des Tariflohnes gezahlt werden. Dieser Schiedsspruch wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Die Verbindlichkeitserklärung, die vom Baugewertsbund beantragt worden ist, wurde von dem Schlich vom Baugewerksbund beantragt worden ist, wurde von dem Schlichter Groß- Berlins abgelehnt. Es trat num ein tarifloser Zustand ein. In den Versammlungen machte sich eine starke Streifftimmung bemerkbar; doch als befannt wurde, daß die Sonder organisation der Syndikalisten gegen den Streit war, fonnte die nach dem Statut notwendige Zweibrittel- Mehrheit bei der Abstimmung nicht erreicht werden. Schließlich wurde der Fachgruppenleitung erneute Bollmacht gegeben, zu verhandeln und en. abzuschließen, da schließ lich we die Meinung der Versammlung war ein immerhin etwas niedrigerer Lohn dem tariflosen Zustand vorzuziehen sei. In einer Berhandlung am 3. d. M. fam nach langen Schwierigleiten endlich folgende Bereinbarung zustande: " Der Minimalstundenlohn wird auf 1,15 M. festgesetzt. Bei Affordarbeiten werden 105 Broz des am 1. September abge schloffenen Affordtarifes gezahlt. Außerdem erhält jeder Oferfetzer New! WENESTI 3 P da. R Jackett- Anzüge 30, Ulster 28, Damenmäntel 25 M. pro Woche 1,50 m. als Handwertszeugentschädigung. Diese Ber einbarung tritt am 5. Dezember in Kraft und hat Gültigkeit bis zum 31. März 1925. Diejenigen Firmen, die in der Zeit vom 1. November bis 4. Dezember höhere Löhne und Afford- Prozentfätze gezahlt haben, dürfen für diese Zeit die mehr gezahlten Gum men nicht in Abzug bringen." Da Weiter fann berichtet werden, daß ab 1. Januar 1925 ein Ferienvertrag in Kraft tritt, welder für ganz Deutschland abgeschlossen wurde. Im wesentlichen sind die Bestimmungen so, daß nach 40 Wochen Arbeit Ferien gewährt werden. der Wechsel der Ofenseher bei den einzelnen Firmen ein prozentual fehr hoher ist, hat man sich geeinigt, daß jeder Arbeitgeber in eme Ferienkarte Marken in Höhe von 2% Proz. des verdienien Lohnes pro Woche einflebt. Sobald die Ferienfarte voll geklebt ist ( nach 40 Wochen), erhält der betreffende Ofenfeger die Summe ausgezahlt. Die Zahl der Tage der Ferien wird errechnet nach; ber ausgezahlten Gesamtsumme geteilt durch acht Stundenlöhne. Bei Ofenfetzer find angewiesen, sich sobald wie möglich um Bureau des 40 Wochen erhält der Arbeiter also genau sieben Tage Lohn. Die Baugewerkbundes zu melden, damit ihnen schon vor dem 1. Januar die Ferienkarte ausgehändigt werden kann. Die Lüge von der schlechten Arbeitsleistung. Fast jede Lohnforderung der Arbeiterschaft wird von den Unternehmern mit der Behauptung befämpft, die Arbeitsleistung sei zu wir auf die Widersinnigkeit der Behauptung hingewiesen und dargering, um die erhöhten Löhne tragen zu können. Oft genug haben gelegt, daß niedrige Reallöhne für die Wirtschaft schon deshalb feinen Vorteil bringen förmen, weil sie damit den Absah der Industrie und zugleich die Beschäftigung der Unternehmungen untergraben. Die Unternehmer untereinander scheinen allerdings zuweilen anderer Meinung zu fein, als es die Sindizi ihrer Verbände und die dicken Denkschriften über die Arbeitszeitfrage wahr haben wollen. Unbestreitbar ist, daß ganz allgemein in den letzten Jahren die Leistung der Arbeiterschaft wesentlich gestiegen ist. Bon besonderem Interesse ist es daher, wenn der jetzige Leiter des Stinnes- MontanRonzerns, Edmund Stinnes, in der Generalversammlung der Hugo Stinnes- Riebed- Montan- und Deliverfe A.-G. ausführte: „ Jedoch hier möchte ich betonen, daß die Verwaltung der Hugo- Stirnes Riebed- Montanwerfe mit ihren Arbeitern und Angeftellten bezüglich ihrer Arbeitsleistung durch auszufrieden fein tann und daher auch Lohn- und Gehaltserhöhungen vor wenigen Tagen gut bewilligt werden fonnten." Hier ist also einmal offen zugestanden, daß von minderer Arbeitsleistung nicht die Rede sein kann. Damit ist auch die Fabel, daß allgemein der Wirkungsgrcd der Industrie heute geringer ſei ols in anderen Zeiten, erledigt. Es wird in Wirklichkeit feinen ehrlichen Unternehmer geben, der die steigende Leistung bestreiten vird Es ist immerhin wertvoll, daß heute selbst führende Unternehmer an diesen Tatbestand nicht mehr vorbei tönnen. Für die Arbeiterfchaft ergibt sich daraus die zwingende Pflicht, in starken Organifationen sich zusammenzuschließen und durch die Stärkung ihrer politischen Macht weiter um ihre Besserstellung zu kämpfen, unbeirrt um das Gerede mancher Unternehmer, die für den geringeren Leistungsgrad ihrer Werte die Arbeiterschaft anstatt die unzulängliche Organisation der Betriebe verantwortlich machen wollen. Kleinliche Schikane gegen den Angestelltenrat. Die fattfam befannte Metallfirma Julius Pintsch AG. erschien als Beklagte ver dem Gewerbegericht in einer Angelegenheit, die ihr kleinliches Verhalten gegenüber der Betriebsvertretung in greller Beleuchtung zeigt. Der Angestelltenrat hatte die Firma ersucht, ihm einen Raum zu überlassen zur Abhaltung einer Betriebsversammlung, in der das Thema besprochen werden sollte: Was bedeutet die Kündigung des Manteltarifs für die Angestellten der BBMI.- Betriebe." Die Firma erklärte fich zur Hergabe eines Raumes bereit unter der Bedingung, daß kein Vertreter einer Gewerkschaft an der Versammlung teilnehme. Der Angestelltenrat weigerte sich, tiele Bedingung zu erfüllen, weil sie dem Betriebsrätegesetz widerspricht. Er hielt die Versammlung außerhalb des Betriebes ab und forderte von der Firma die Bezahlung der Saalmiete im Betrage von 15 M. Da die Firma die Zahlung verweigerte, flagte der Angeſtelltenrat beim Gewerbegericht. Die Firma bestritt die Zuständig. feit des Gewerbegerichts und behauptete, für diese Streitfrage sei der Gewerberat und in zweiter Instanz der Polizeipräsident zu ständig. Damit fam die Firma aber nicht durch. Das Gewerbegericht erklärte sich für zuständig. Zur Sache machte dann die Firma den Einwand, sie habe schon vor der Versammlung erfahren, daß in der Versammlung Angelegenheiten erörtert werden sollten, die feine Betriebsangelegenheiten feien und nicht zu den Aufgeben des Angestelltenrates gehören. Bewe fen fönne fie das allerdings nicht, weil sie ihren Gewährsmann nicht als Zeugen angeben wolle. leidyt auch den Arbeiterrat Das bedeutet alfo: Die Firma läßt den Angestelltenrat viel bespigeln und will ihren Spizzel nicht preisgeben. Wie nicht anders zu erwarten war, tam das Gericht zu dem Beschluß: Die Auslagen des Angestelltenrats für den Versamm lungsraum find berechtigt. Die Firma muß also zahlen und hat mit ihrer fleinlichen Schifane gegen den Angestelltenrat eine Blamage erlebt. Graphisches Gewerbe. Seute ab 5 Uhr nachmittags im Restaurant Senning, Alexandrinenstr. 44, Abholung von Werbematerial. 23bitten unsere Funktionäre, dafür zu sorgen, daß für jeden Betrieb Abholung erfolgt. Besondere Einladung erfolgt nicht mehr. Der graphische Werbeausschuß. J. A.: Otto Fiedler. SPD.- Buchdruder des 8. Bezirks( Neukölln). Sonnabend abend 7 Uhr Bezirksfraktionsverfammlung bei Rusli, Hermannstraße, Ede Leinestraße. Wichtige Tagesordnung, niemand darf fehlen. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Bolitik: Ernft Renter; Wirtschaft: Artur Gaternns; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu zwei Beilagen und Die Wählerin". San.- Rat Dr. Strahls Hauspillen, seit dem Jahre 1851 Ein milde und sicher wirkendes Abführmitte: sind bewährt. Von Aerzten u. Patienten glänzend begutachtet. In Origina'schachteln weltbekannt. Auch bei Hämorrhoidal-, Leber- und Gallensteinleiden vorzüglich à Mk. 1.- u. 2.- zu haben in den Apotheken, wo nicht. franko Nachnahme durch Elefanten- Apotheke. Berlin SW., Leipziger Straße 74, am Dönhoffplatz. Musikaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musiker- Verbande. Annahmestellen: Rosenthaler Str. 14( Norden 4719), Bernburger Str. 30( Nollend. 647). SCHERIF 145 Extra- Angebote in Pelzwaren: Kreuzfüchse 10. gebl., Ziegen 15, Sportpelz: 85, Gebpelze 125, Pelzmäntel, Pelzjacken, ferner Teppiche, Wäsche, Gardinen. Schuhe usw. enorm billig= im Lombardware. Leihhaus Moritzplatz 58a Lomba Nr. 573 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 5. Dezember 1924 Diener des Publikums. Zur Psychologie des weihnachtlichen Ladentisches. -OGO Lauter TagStille Nacht". Selbst wenn die Spezies der„ Mederer" nicht eriftierte, führen die Verkaufsangestellten fein beneidenswertes Dasein, jezt aber vor Weihnachten tatsächlich ein bedauernswertes. Der gewiß romantisch schöne Gedanke, wie wundervoll es doch ist, Bermittler freude stiftender Ueberraschungen zu sein, fann gar nicht zur Entfaltung Das Zeitalter des Hochtapitalismus hat für den größten Teil| den wenigen Bedürfnissen, deren Befriedigung fie sich zur Aufgabe| direkte und indirekte Beschwerden, Zusammenstöße und Tränen, und unferer Zeitgenossen recht unfitliche Sitten zur Folge. Das ge- cemadt haben, auch volifommen gerecht werden zu tönnen. Solche es ist nur allzu verständlich, wenn dem Verkäufer jeder ber medert", Steigerte Lurusbedürfnis der Menschen zog eine ungeheure Steigerung Spezialgeschäfte sind beispielsweise Buchhandlungen, Handarbeits- wie es fachmännisch heißt, zunächst einmal unsympathisch ist. der Produktion nach sich und die daraus refultierende Notwendigkeit erweitern den Kreis der von ihnen geführten Warengattunger, be läden, Schuh- und Schirmgeschäfte ufw Die Bedarfsartikelgeschäfte schnellster Verbreitung der Waren schuf ein Verkaufssystem, das rein schänken sich aber dafür in der Auswahl. Sie genügen damit einer organisatorisch an sich bewundernswert, im Hinblick aber auf die ganzen Reihe von Bedürfnissen, die meistens in einem gewissen trotzdem herrschende Not der Massen grotest erscheinen muß. Diener inneren Zusammenhang stehen. Die erweiterte Form des Bedarfs: am Werk im Edelfinn des Wortes find nur wenige, die meisten sind artikelgeschäfts ist das Warenhaus. Nimm ein Warenhaus im Westen nur Bediener ihrer Wertherren. Troß Gewinnbeteiligung" und Berlins, im Zentrum, im Norden überall bietet fich dir im anderer illufionärer Werte wird dieser Zwiespalt, der hier noch wesentlichen dasselbe Bild. Schon beim Eintritt schlägt dem Bedeutlicher als überall in Erscheinung tritt, erst mit dem Sozialismus fucher ein betäubender Dunst von noch Rohem, bereits Berarbeitetem, von Unschönem und Edlem entgegen, eine Fülle von Eindrücken, die auf ihn einstürmen, tann er in seinem Gehirn nur mühfelig ordnen, und ein Meer von Licht blendet seine Augen. Schmer fällt es ihm in Zeiten regen Geschäftsbetriebs in den schier endlosen Gängen vorwärtszufommen, und wenn er das Haus verläßt, brummt ihm der Kopf, und er wundert sich, daß er denen, die ihr Beruf den ganzen Tag in den bunten Stapelbau zwängt, nichts maschinenmäßig dröhnt. überwunden werden können. Die„ wissenschaftliche Seite". Der Berfäufer muß genau so ein Meister in seinem Fach sein, wie der Hersteller der Ware selbst. Diese theoretische Forderung ist praktisch nur selten erfüllt, denn wir wissen, daß die Berufswahl junger Menschen aus proletarischen Kreisen, und diele stellen hier vor allen Dingen das Hauptfontingent, nicht nur von der Frage der Eignung und der Liebe zur Tätigkeit, sondern auch von materiellen and anderen Erwägungen aus entschieden wird. Gewiß hat gerade in der Frage zielficherer Schulausbildung die Sozialdemokratie eine ganze Menge erreicht, aber niemand wird sich in der Illusion wiegen, daß das Bildungsmonopol der besigenden Klaffen bereits gebrochen wäre. Benn frühmorgens Tausende und aber Tausende sich in der Untergrund- und Stadtbahn drängen, wenn ebensoviele Lemmerh den Mut befizen, mit der Straßenbahn zu fahren, dann befinden sich in diesem Heer der Arbeit auch unendlich viel junge Leute", die ihre Tagesarbeit in den zahlreichen Spezial- und Bedarfsartikelgeschäften zu erledigen haben. Die Spezialgeschäfte führen nur wenige Warengattungen, halten diese aber in der reichsten Auswahl vorrätig, um 42] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Ueber O'Briens Schuld bestand fein Zweifel. Bertram fannte ja die Einzelheiten. Natürlich vom gewissen Stand punkt aus war er fein gemeiner Mörder, und wenn die Iren verlangten, daß solche Gefangene wie Kriegsgefangene behandelt werden müßten, so fönnte er, Lavington, als Soldat ihnen eigentlich nicht unrecht geben, das Ganze war ein schmutziges Geschäft. Scheußlich! Schlimmer als Krieg. Er würde selbst den Vorsitzenden des Gerichtshofes anflingeln. Bertram hörte auf die abgebrochenen Telephonantworten wie auf das Schicksal. Dort der Vorsitzende? Hier Oberst Lavington. Wegen des O'Brien, im muntjoy- Gefängnis, der morgen gehängt werden soll. Sein Schwager, Major Pollard, ist auch hier. Sie wissen schon. Telegramme von London? Spezialbericht? Also glauben Sie nicht? Muß stattfinden? Aufschub unmöglich? O, bedaure, Sie gestört zu haben. Um 6 Uhr morgen früh? Ja, Ihre Teilnahme? Danke, Herr. Schluß. " ,, Reine Hoffnung?" " Nein, das haben Sie wohl leider schon aus meinen Antworten verstanden. Die Gerechtigkeit muß ihren Lauf nehmen und so weiter. Es tut mir Ihretwegen und Ihrer Schwester wegen schrecklich leid." Er war voll wunderbarer Höflichkeit und Teilnahme, aber das fonnte D'Brien nichts nügen. Die Hinrichtung findet um 6 Uhr statt? Im MuntjoyBefängnis? Ja. Es würden starke Wachen aufgestellt sein. Bertram dankte dem Oberst, gab ihm die Hand und ging. Sein Kommen war vergebens gewesen. Wo seine Schwester wohnte, ahnte er nicht. Und vielleicht war es besser so. Was konnte er ihr sagen? Wie sollte er fie trösten? 32. In jener Nacht schlief er ein bißchen auf dem Stuhle feines Hotelzimmers. Zu Bette ging er nicht. Um 4 Uhr morgens wachte er steif und fröstelnd auf. Etwas trieb ihn dazu, nach dem Muntjon- Gefängnis zu fahren. Die Szenen, die an solchen Hinrichtungstagen um das Gefängnis vor sich gehen, sind haarsträubend," hatte Oberst Lavington gesagt. Was für Szenen? Er wollte sich überzeugen. Acht Stunden stehen. Sie haben es wirklich nicht leicht, die„ Ladentischler", wenn man fie so nennen darf, ach: Stunden, wenn nicht länger, müffen sie ihre seit im wesentlichen stehend, laufend, fletternd und fich buckend ver. bringen, unber fteter, häufig übertrieben mißtrauischer Kontrolle, mit fnapp bemeffener Mittagspause und sehr schlecht entlohnt. Wirkliche Berufsfreude ist deshalb gerade hier nur selten zu finden, aber es ist anzunehmen daß sie bereits dann in stärkerem Maße vorhanden wäre, wenn auf die fachliche Ausbildung des Verkaufspersonals, das übrigens in den großen Warenhäusern ungefähr zu vier Fünfteln aus Damen und nur zu einem Fünftel aus Herren besteht, mehr Wert gelegt werden würde. Die Unternehmer betrachten ihr Personal gewissermaßen als eine Maschinerie; fie ölen sie nur unzuläffig und wundern sich dann, wenn sie schnell genug läuft. herrscht Mangel an guten Verkaufskräften," flagte einer der Personal chefs, mit denen ich sprach, er sollte sich öfters mit denen, die er noch hat, unterhalten, dann würden ihm die Gründe flar werden. Gerade aus der persönlichen Unterhaltung gewinnt man hier den Eindruck großer Resigniertheit und fernerhin die Ueberzeugung, daß auch da, wo bei der Postenbelegung nach dem Grundsatz Freie Bahn- dem Tüchtigen!" oorgegangen wird, die freie Bahn eine sehr schmale Bahn ist, auf der sich nur sehr wenig Tüchtige vorwärts bewegen fönnen. Scheel angesehen von den Kollegen wird mit Recht der, der sich„ beim Alten" lieb Kind" macht, indem er andere„ verpeßt", um einmal im Jargon zu reden das ist die Verkäuferwelt von der Kehrseite. 4 Verkäufer und Publikum. -200 " Es Verkäufer und Publikum das ist überhaupt ein Kapitel für fich, mandymal heiter, manchmal ernst, oft auch beides, immer jedoch lebenerfüllt, so daß es auch oft in Romanform erweiterte Ausgestaltung durch befannte Schriftsteller erfuhr. Bublifum heißt zu deutsch Deffentlichkeit, und der öffentliche Mensch", ein Typus, der im Gegensatz zur Persönlichkeit in erfahredendem Maße fich vermehrt, ist ebenso nervös wie diese felbst. Erst in den Wänden seiner Wohnung wird der öffentliche Mensch genießbar, tritt er in Schwärmen auf, fich dabei in ein Stüd Bublifum verwandelnd, so find seine Opfer zu bedauern. Hilflos ist der Berkäufer gegebenenfalls ihm preisgegeben, und der Ladentisch schützt vor Strafe nicht, falls der Schuh zu eng ist, das Kleid nicht pakt ober der Kaffee nichts taugt. Rommen da drei Jungens in die Abteilung Zuderwaren. 3d möcht' n Biertel Sahnbonbons." Die Bertäuferin flettert nach dem obersten Regal und macht das Berlangte fertig. Der zweite: " Id möchte ooch' n Biertel Sahnbonbons."" Du dasselbe?" fragt die Verkäuferin den dritten, indem sie den zweiten bedient. Nee, id nich," antwortet der dritte und fügt, nachdem alles erledigt ist, hinzu: Id möcht' n halbes Viertel Sahnbonbons." Uebrigens: Kinder als Käufer tut felten gut weder den Kindern, die für das Geld", falls fie es nicht unterwegs verloren haben, mit Borliebe das Vertehrte perlangen, noch dem Berkäufer, der dann bekanntlichsbets schuld" ist, noch den meist elterlichen Auftraggebern. Dann gibt es Er fand einen rumpelnden Wagen und gab dem Kutscher die Weisung, ihn zum Muntjon- Gefängnis zu fahren. Heut' hängen sie Dennis O'Brien," sagte der Mann. ,, Gottes Fluch über sie!" Um das ganze Gefängnis waren starte Truppen gezogen. Banzerwagen standen aufgefahren und ein Scheinwerfer war auf die dichte Menge von Wartenden gerichtet, welche die ganze Nacht dort ausgeharrt hatten. Es waren meistens Frauen und Mädchen mit Tüchern um den Kopf. Sie waren gekommen, von jeder Klaffe, jedem Alter, und zwischen ihnen bewegten sich Priester, welche die Litanei des Rosenkranzes anstimmten. Wieder und wieder in endloser Wiederholung murmelte die auf den Steinen knieende Menge: ,, Heil, Dir, Maria voller Gnaden, Der Herr ist mit Dir. Heilige Maria, Mutter Gottes, Bitt' für uns arme Sünder Jezt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen." Der unheimlichste, schrecklichste Laut aus Menschenmi nd, den Und zwischen jedem Laut erhob sich ein anderer Laut. Bertram je gehört hatte. Es war das Klagen der Frauen. Wie der Schrei der Banshee, des irischen Gespenstes, das er in seiner Kindheit so gefürchtet hatte, tlang es. Der Schrei schwoll an und fant in rhythmischem Stöhnen von all diesen Frauen, die zum Himmel Häupter und Hände hoben, wie ein griechischer Chor. Der Scheinwerfer suchte die Reihen der lichen Seelen erforschen. Zwischen den Bersen der Litanei und emporgewandten Gefichter ab, als wollte er ihre leidenschaftder Klage der Frauen erhoben sich einzelne Stimmen in furzen Ausrufen und Gebeten: „ Heilige Mutter Gottes! Süßer Jefus, erbarme dich feiner! Chriftus, stehe ihm bei in der Todesstunde! heiliger Joseph, tröste ihn! Gott helfe ihm!" da. Ab und zu stieß einer jemanden aus der Menge scharf, Die Soldaten in Feldausrüstung standen bewegungslos aber ohne Brutalität mit dem Kolben zurüd. Bertram war in eine Gruppe von Frauen eingeteilt. Als sie niederknieten, fühlte er sich als einziger aufrechtstehender Mann zwischen ihnen so auffallend, daß er gleichfalls niederfniete. Er beugte den Kopf, als die Gebete wieder anstiegen für eine arme Seele, die in furzem von dem Stricke des Henters in die Emigteit geschleudert werden sollte. Schrecklicher Gedanke! Dennis O'Brien war sein Kriegskamerad gewesen, und noch 390 tommen bei der Haft, in der gerade in dieser Zeit naturgemäß ge arbeitet werden muß. Romantit tann leicht nur der aufbringen, der sorgenfiei ist, der im Dienst des Kapitals ftehende Proletarier ift es indes felten. Eine Dame tauft für ihr fleines Töchterchen Puppen und andere Spielsachen in Hülle und Fülle, die Berkäuferin fragt fich dabei vielleicht forgend, ob fie für das Kind, das heute noch hie unterm Herzen trägt, wird die nötigste Wäsche kaufen tönnen. Keine Beit, feine Beit! Weiter, der Nächste! Sie münschen bitte?- Große Runden, fleine Runden, fie fragen, fie suchen, fie taufen, fie tauschen, Betrieb von morgens bis abends. Zwischendurch sollen auch noch hin und wieder die Bestände geordnet und neuantommende Wor verstaut werden, die Berkaufsgegenstände müssen mit Breifen au gezeichnet und die Fenster dekoriert werden, Sonderwünsche äußert der Chef, und wer sie nicht respektiert, der fliegt"- nach Neujahr. " Gerade zu Weihnachten wird es ja ganz besonders deutlich, daß der Beruf des Verkäufers nicht nur proletarisch ist in seinen matevor ein paar furzen Wochen hatte er mit Susan in Bertrams Zimmer in Holland Street gesessen. ,, Heilige Maria, Mutter Gottes, Bitt' für uns arme Sünder Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens! Amen." Bum tausendsten Male stiegen diese Worte von der nieenden Menge auf. Eine Frau dicht neben Bertram fiel ohnmächtig auf die falten Steine. Andere beugten sich über sie, um ihr beizustehen. Ein Mädchen weinte laut, ein Junge, fast ein Kind noch, beendete sein Gebet mit dem Fluch:„ Zur Hölle mit England!" Hier in der Menge war vielleicht auch Susan und weinte und etete für ihren Mann. Als der Scheinwerfer wieder aufleuchtete, suchte Bertram schnell in den Gesichtern, aber ihres war nicht darunter. Ueber den Gefängnismauern froch das Dämmerlicht in den Himmel. Plöglich durchbrach ein filberner Streif die schwarzen Wolfen. Die Menge fah es, und je näher die Stunde der Hinrichtung rückte, desto lauter und verzweifelter erhob sich die Klage der Frauen. ,, Christus, habe Erbarmen mit ihm! Herr erbarme dich seiner!" Eine Glocke begann zu läuten. Ein Priester stellte sich auf irgendeine Erhöhung und sprach einige Worte zur Menge. Bertram aber konnte sie nicht verstehen. Irgendwo schrie eine Frau laut auf. Alle Köpfe waren gebeugt und eine tiefe hernieder, bevor das Murmeln der Gebete sich wieder erhob. Stille sentte sich, wie es Bertram dünkte, lange auf die Menge Die Dämmerung froch weiter, der Himmel war grau, und es begann zu regnen. schnitten. Er war schwach vor Hunger und fühlte sich elend, Bertram fühlte, wie die scharfen Steine in seine Knie falter Schweiß brach ihm auf der Stirn aus, er begann zu Susans Mann! zittern, feine Gedanken verwirrten sich. Dennis O'Brien, Welches Jahr schrieb man denn? 1921? Nach dem großen Kriege! Zivilisation! Friede! Die Selbstbestimmung der Nationen! Freiheit! Was wohl Joyce jetzt tat? Was war dies ganze Trauerspiel, das Leben? Wo war Gott? Wo war Susan hier in der Menge? O Jesus! Der filberne Streif nahm zu und die Spizen der Gefängnismauern hoben sich scharf gegen den Himmel ab. ( Fortsetzung folgt.) riellen Bedingungen, sondern auch in feiner Befensart an fich. 3u vertaufen, ohne zu besigen, ist ebenso tragisch, wie zu produzieren, ohne zu befigen. Wann stehen die Ladentüren offen alle, die arbeiten? Wann ist die Beschäftigung hinter'm Ladentisch" Dienst vorhandenen Abnehmer müssen unter allen Umständen den dann am freien Menschen? Auf dem Flettner- Schiff. Eine Probefahrt in der Kieler Bucht. " Anton Flettner, der Erfinder des Windkraftschiffes, über deffen aufbau seinerzeit im Vorwärts" berichtet wurde, hatte zu einer Borführung des Rotorschiffes in Kiel eingeladen. Aus allen Teilen Deutschlands waren Vertreter der Presse, Fachleute usw. erschienen, um das neueste Wunder der Technik zu sehen. Die Vorführung stand unter feinem guten Stern. Nebel hüllte den Kieler Hafen weit und breit ein und der Regen trug mit dazu bei, den trüben Gindrud zu verstärken. Gefahren murde aber trobem. Weit traußen, auf der Kieler Förde schwamm das Rotorschiff, " 17 -O lange bevor die geladenen Gäste- es waren ihrer nur zu viele sich an der Landungsbrücke in der Nähe des Bahnhofes verfammelten. Alle, die gekommen waren es sollen über 800 gewesen sein wurden auf dem Bubenden" untergebracht, jenem Dampfer, der längere Zeit den Dienst zwischen Swinemünde und Billau verfah. Dann ging es in langfemer Fahrt hinaus aus dem Kieler Hafen, vorbei an der Germania- Werft und der Deutschen Werft bis dorthin, wo die Ufer der Kieler Bucht den Blicken gänz lich entschwinden, dort wo das Feuerschiff Riel" feine Nebelsignale drohend ertönen läßt. Dort entdeckte man endlich nach gespanntem Asquc die unbestimmten Formen des Flettner- Rrtorschiffes. Die ,, Bubenden" stoppte. Die ganze Zuschauerschar strömte nach Backbord, um den ersten Manövern des geheimnisvollen Flettner- Schiffes folnen zu fönnen. Während die Buberon" eine lichte Schlorite befam, näherte sich die Buckau", das Windkraftschiff, dessen Entstehung den ganzen Aufwand. verursacht hatte. So ungünstig wie das Wetter an sich war, so unaünftin mar och der Wind. Er hatte fnapp zwei Sefundenmeter. Alte Secbüren behaupteten, daß damit ein. Dreimastschooner von der Größe des Rotorschiffs, Buckau" sich faum von der Stelle bewegen würde, ein anderer behauptete natürlich das Gegenteil. Es ist bedauerlich, daß zum Vergleich nicht ein Segelschiff von der Größe der Buchau" zur felben Zeit vorgeführt wurde. Immerhin fuhr die Buckau" am Binde mit etwa 3 bis 4 Knoten Geschwindinkeit. Dann machte sie eine Wende, und später eine Halfe, die durch Stillegen eines Turmes bzw. entgegengefeßtes Drehen der Türme bewerkstelligt wurden. Nachdem die Budou" die, Bubenden" umfahren bet'e. sinn fie in clatter, Fahrt dem Binnenhafen zu. Hierbei jedoch wurde die Hilfsmaschine, die schon vor dem Umbau im Schiffe war, in Betrieb gesetzt. Fletter felbst bedauerte. taß die geringe Windstärke feinen besseren Eindruck der Vorführung vermitteln konnte. Die Meinung der Fachleute war geteilt. Während die einen begeistert von der neuen Sache Sprachen, verhielten sich andere abwartend. Insbesondere Rapitän König, der Führer des früheren Handels- U- Bootes Deutschland", sprach sich in sehr anerkennenden Worten über die Verwendungsmöglichkeiten der Buckau" aus. Auch die Besahung der ,, Budkau" ist mit dem Schiff zufrieden. Flettner selbst brennt darauf, mit der„ Buckau" Sturmfahrten zu machen, um so die Ueberlegenheit des neuen Trps schlagend zu beweisen. Immerhin, wenn man an= nehmen wollte, daß ein Segelschiff alten Schlages von der Größe des Flettner- Schiffes mit derfelben Geschwindi feit gefahren wäre, wie bei der Verführung am 3. Dezember, so wäre damit schon die leberlegenheit des neuen Tros darnetan. Denn es sind bei dem Flettner- Schiff zahlreiche Gefahrquellen ausgeschaltet, zum anderen benötigt es eine wesentlich geringere Befahung. Nachdem die ,, Buckau" und die Bubenten" am Kai festgemacht hatten, fand eine Besichtigung des Rotorschiffes statt. " Wie sie lügen! Propagandafahrten am Wahltag. " Einige rechtsstehende B'ätter veröffentlichen eine förmliche An frage an den preußischen Minister des Innern, Severing, ob es wahr fei, daß der Bo izeipräsident von Berlin sämtlichen Kameradschaften des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" am Wahltage gefchloffene Umzüge mit Musik und Fahnen gestattet habe, während anderen Organisationen Veranstaltungen und Umzüge verboten werden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst hierzu erfährt, ist diese Nachricht falsch. Der Berliner Polizeipräsident hat vielmehr allen Barteien, die einen entsprechenden Antrag gestellt haben, am Wahl ag sogenannte Propagandafahrten auf Laftautos oder Wagen mit Blafaten, Musik und Fahnen gestattet, unter der Bedingung, daß bei dieser Gelegenheit feine Ansprachen gehalten werden Anklagen gegen die Charlottenburger Wasserwerke. Man schreibt uns aus Siedlerfreijen: Früher war es den Wasserwerken sehr lieb, wenn sich recht viele Abnehmer meldeten, und an Entgegenkommen fehlte es nicht. Fast alles wurde dem Verbraucher an Anlagen zur Wasserentnahme bis zum Grundstück umsonst geliefert. Heute rechnet man anders. Heute darf der Wasserabnehmer nur zahlen. Für Zuleitungsröhren berechnet man bei Neuanlagen dem Siedler 9300 Mt." 3uschuß für 1 Kilometer. Dabei behauptet die Direktion, das sei der ge= ringere Teil der Unkosten, der größte Teil(?) werde von den Werten getragen. Dazu kommt nun noch der Anschluß zum Grundstück. Hierfür werden augenblicklich gefordert: für 14 Meter 240 mt., für 12 Meter 210 Mt., für 4 Meter 104 Mt., d. h. in letzterem Fall für einen laufenden Meter 26 Mart. Ist der Gartenbefizer beträgt affo mehr als 100 roz. bes Mindestwasserpreises pro Quartal. Konkurrenz ist nicht da, also nicht zu fürchten. Sollten der hohen Kosten wegen Hunderte oder gar Taufende nicht mehr Wasser abnehmen, so schadet das dem Werke nichts, denn die noch errechneten Preis zahlen. Angeblich wollen die Werte fich nicht eher umstellen, ehe nicht der Achtstundentag und die nach ihren Bes rechnungen um 200 Proz.(?) über Friedenstarif liegenden Löhne abgebaut sind. Es wäre ganz interessant, wenn sich die Charlottenburger Wasserwerke zu diesen Antlagen äußern würden. Der Untergang der Welt! Schweres Unglüd bei einer Filmaufnahme. Das schwere Explosionsunglüd auf dem Filmgelände der Decla Bioskop- Gesellschaft in Neubabelsberg war Gegenstand einer Berhandlung vor dem erweiterten Potsdamer Schöffengericht. Angeklagt waren der Elektrotechniker Arthur Horning- Potsdam, der Byrotechniker Emil Schmidt- Berlin, Filmregisseur Johannes Meyer Berlin, Obermeister Ernst Peitsch. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, durch Berufsfahr= lässigkeit den Tod des Arbeiters Bohme aus Berlin und durch Berufsfahrlässigkeit die Körperverlegung des Arbeiters Ernst Märtens aus Nomawes verurs sacht zu haben. Am 25. Juli d. J., abends gegen 8 Uhr, sollte in Nowawes auf dem Belände der Dec'a- Bioskop von der Ufa- Kulturabteilung eine Filmaufnahme gemacht werden, die den Unterca ng der Welt darstellte. Bei Berührung der Erde mul einem Kometen follte sich ein Berg plöglich spaiten und Feuer und Rauch aus ihm hervorbringen. Für die Aufnahme wurde ein großer Berg aus Pappe und Holz hergestellt. In deffen Inneren wurden in einem besonderen Gang vier große Büchsen Schwarzpulver eingebettet. Die Filmerplosion sollte nicht etwa den Berg zerstören, fordern nur Lichteffekte hervorrufen. Cine jebe dieser Büchsen führte je eine elektrische Starkstromieitung, die von einer Schalttafel aus turzgeschlossen werden konnte. Die Schalttafel fonnte in einem besonderen Dynamo, der in einem Lichtragen auf dem Platz stand, mit Strom gespeist werden. Als die Arbeiter Böhme und Märtens noch im Innern des Berges mit dem Einbau der vierten Sprengkapsel befchäftigt waren, erplodierte plöglich die bereits eingebaule dritte Sprogfapfel. Dabei erlitten die beiden Arbeiter schwere Brandwunden, an denen Bohme im Oberlin- Krankenhaus verft orben ist. Nach der Anklage ist der Leiter der ganzen Aufnahme der Regisseur Meyer. Mit der Einrichtung und Ausführung der Explosion waren die Angeklagten Schmidt, Peitch und Horning beauftragt. Als die Berarbeiten zu der Aufnahme beendet schienen, schritt man, ohne daß zuvor festgestellt wurde, ob noch Arbeiter mit dem Einbringen der Sprengladungen beschäftigt waren, zur Prüfung der Schalttafel zu diesem Zred lief der Ange: flagte Peitsch zu dem Dynamolichtwagen und rief zu der Schalttafel hinüber:„ Alles raus!"( d. h. die zu den Sprengbüchsen führenden Leitungen sollten vor der Schalttafel abgenommen werden) und ließ, ohne sich von der Ausführung des Befehls zu überzeugen, sofort die Maschinen laufen. Nun soll der an der Schalttafel be= schäftigte Angeschuldigte Horning die Leitung Nr. 3 in die Steckfentatte der Schalttafel gesteckt haben. Da er außerdem den HebelSchalter zur Prüfung einge'cha'tet hatte. erfolgte nach Anlaufen der Mashinen anscheinend dadurch die Zündung der Sprengladung Mashinen anscheinend dadurch die Zündung der Sprenglebung Nr. 3 und deren Explosion. Der für das ganze Sprengunternehmen verantwortliche und zu dessen Ueberidachung besonders hinzugezogene Pyrotechnifer Schmidt hat nach der Anflage die mit besonderer Vorficht vorzunehmende Prüfung icht genügend überwacht. Außerdem überwachen mußte, überhaupt darauf hingewiefen haben, daß eine foll weder er noch der angeklagte Regisseur, der die ganze Aufnahme berartig gefährliche Sprengung vorgenommen werden sollte. Die Angefagten bestreiten entschieden, sich schuldig gemacht zu haben. Die Gutachten der Sachverständigen über die Ursache der zu frühen Zündung gingen weit auseinander. Bisher ausgeführt. Erst in letzter Zeit hat man begonnen, mit Starfsfrom wurden derartige Filmaufnahmen stets mit sogenannter Zündschnur zu arbeiten. Nach dem Antrage des Anklagevertreters wurde die Sache zwecks Einholung eines Obergutachtens vertagt und die Aften der Technischen Hochschule überwiefen. Zu dem Termin waren viele Sachverständige auf dem Gebiet der Pyrotechnik geladen. Der Zuhörerraum war dicht von Fi'mleuten besetzt. Die Bluttat der Gertrud Nägler. Die Ermordung des Kaufmanns Wolffner beschäftigte gestern zum fünftenmal die Berliner Gerich.e. Von den Teilnehmern an der Bluttat ift nur noch Gertrud Mägler zur Aburteilung übrig geblieben. Die Bluttat war von den Geschwistern Ernst und Gertrud Nägler und ihrem Better, dem Drogisten August Bock ausgeführt worden, indem sie ihr Opfer mit einer Aethermaste be. täubten. Wolffner wurde dann von Bock getötet. Man hatte es darauf abgesehen, Wolffner einen wertvollen Brillantring zu rauben, wobei das Mördertrio als Käufer auftrat. Schon vor drei Jahren fand die erste Verhandlung statt Das Schwurgericht verurteilte August Bock und Ernst Nägler zu 15 Jahren Zuchthaus Auf die eingelegte Revision hob das Reichsgericht dieses Urteil auf. In einer erneuten Berhandlung fam Ernst Nägler mit 15 Jahren Zuchthaus davon. Gegen Gertrud mußte das Verfahren abgetrennt werden, da sie in der Berhandlung einen Anfall bekam und verhandlungsunfähig erschien. August Bod ist inzwischen im Zuchtheus gestorben. Ernst Nägler, gegen den die Strafe Ernst Nägler, gegen den die Strafe inzwischen rechtskräftig geworden ist, wurde als Zeuge vor geführt. Gertrud Nägler, ein 25 Jahre altes, schlankes und hübsches Mädchen, sieht jetzt sehr wohl aus. Sie zeigt eine ganz gleich gültige Miene und läßt die Augen im Saal herumschweifen, so, als ob die Sache sie nichts anginge. Mit dünner Stimme erklärt sie auf die Frage, ob sie sich zu der Tat bekenne, daß sie teine Auskunft Es wird darauf von einer weiteren Vernehmung geben fönne. der Angeklagten zur Tat Abstand genommen und in die Beweis aufnahme eingetreten, die nur die längst bekannten und in mehrDas Rundfunkprogramm. Freitag, den 5. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: gezwungen, seinen Wassermesser im Winter abnehmen zu lassen, so berechnet man ihm augenblicklich 7 Mt. dafür. Dazu kommt noch eine Gebühr bis zur Wiederanstellung von 5 Rubikmeter gleich 1,80 mt. pro Monat. Es werden, wie es scheint, bei allen Arbeiten die höchst montagelöhne von 2,10 mt. für die Stunde in Ansah gebracht; nur daß die Arbeiter sie nicht erhalten. Sie betommen auch für Arbeiten in den Außenbezirken nur ihren gewöhnlichen Stundenlohn, der nach den Angaben der Direftion 200 Broz.(?) über Vorfriegzeit liegt. Alles Folgen, wie die Direktion behauptet, des Achtstundentages und des vierwöchigen(?) Uriaubs der Arbeiter. Sonderbarerweise fonnte man im Frühjahr mit 4,50 Mr. auskommen. Sind die Löhne seit April 1924 um über 55 Proz. gestiegen(?), daß eine solche Erhöhung eintreten mußte? Andererseits: der Wasserpreis wurde troz Abbau der Kohlenpreise Don 21 auf 36 Pf. pro Rubikmeter, also um rund 70 Broz. erhöht. In Friedenszeiten und auch noch in der Kriegszeit wurde der tat= sächliche monatliche Wasserverbrauch bezahlt plus Meffer miete. Erst später wurde ein Mindest quantum von 30 Rubikmeter pro Quartal festgesetzt. Dieses Mindestquantum trifft besonders start den Gartenbesiger im Winter, da ist er nur Zahler, aber nicht Verbraucher. Zwar ist das Mindestquantum auf 12 Rubikmeter herabgefekt, die Meffermiete aufgehoben worden. Dafür zahlt man aber dauernd eine Berwaltungsgebühr von 14 Rubikmeter gleich 5,04 mf., d. h. man verbraucht 12 Rubikmeter und zahlt dafür 26 Rubikmeter, Die Verwaltungsgebühr dienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. fachen Prozeßberichten geschilderten Vorgänge bestätigt. Die Sach verständigen, Sanitätsrat Dr. Juliusbuoger, Oberarzt Dr. See lich und Professor Dr. Strauch bezeichnen die Angeklagte Ger trud Nägler übereinstimmend als eine zwar starf degenerierte Person, die aber nicht geistest rank sei. Die Beweisaufnahme beschränkte sich auf die Vernehmung des Vaters der Angeklagten und deren Bruder Ernst Nägler, der aus dem Zuchthaus in Luckau vorgeführt wurde. Ernst Nägler schob die ganze Schuld an dem Tode Wolffners auf seinen verstorbenen Vetter Bod. Eine Tötung sei nicht beabsichtigt gewesen, sondern nur die Betäubung des Opfers. Nur durch die Ungeschicklichkeit Bods, der mit Aether nicht umzugehen verstand und den Knebel zu tief in den Hals gestopft hatte, sei die Erstickung Wolffners erfolgt. Staatsanwaltschaftsrat Schwandtte hielt die Angeklagte Gertrud Nägler für überführt, an dem Roube mit tödlichem Ausgange beteiligt gewesen zu sein. Der Blan sei von allen drei Teilnehmern vorher genau festgelegt worden. Er beantragte unter Einbeziehung der vom Landgericht Braunschweig gegen Gertrud Nägler wegen Dietstohls erkannten Gefängnisstrafe von einem Jahr eine Gesamtstrafe von zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ghrverlust, bei der Strafe aber 1½ Jahre Untersuchungshaft in Abrechnung zu bringen. Rechtsanwalt Dn. Als bera hielt nur für erwiesen, daß Gertrud Näqler einen Diebstahl ausführen wollte. Nach längerer Beratung tam das Gericht zu der Berurteilung der Angeklagten Gertrud Nöqler wegen gemeinschaftlichen Raubes mit Todeserfolg zu zwölf Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Der Stellenvermittlerprozeß. Vereinsgründungen und Vermittlergeschäfte. In dem Stellenbermittler prozeß gegen Lienemann, Gabriel, Rowad usw. wurde gestern, am vierten Verhandlungstag, der Geschäftsbetrieb des Angeklagten Gabriel weiter erörtert. Einige Zeugen berichteten über Enttäuschungen, die ihnen im Geschäftsverfehr mit Gabriel befchieden gewesen sind. Ein stellungsuchender Borschnitter hatte Ende August 1923 von der Provinz aus bei Gabriel in Berlin brieflich wegen einer Stelle angefraat und die Antwort erhalen, er möge nur nach Berlin kommen, eine Stelle sei für ihn zu haben, aber er folle einen Sad Kartoffeln mitbringen und auch ein paar Pfund Erbfen, Bohnen, schönes Weizenmeht, dazu Butter und Sped. Kommen Sie nicht mit leeren Händen!", schloß Gabriel mahnend seinen Brief, und der Borschnitter beherzigte das. Aber die mitgebrachten Lebensmittel, die er sich als Vorschuß auf die Vermitt fungskosten dachte, verhalfen ihm nicht zu der gehofften Stelle. Ein anderer Vorschnitter, der in einer durch Gabriels Vermittlung beschafften Stelle war, sich aber zu verändern wünschte, schickte an Gabriel eine Gans und etwas Schinken. Dieser Stellungfuchende erhielt von Gabriel ein Telerramm, er solle sofort tommen. zahlen, den Gabriel vor Gericht als eine durch ihn selber einEr tam, aber er sollte den Betrag von 200 Mart zufa sierende„ Raution" erklärte. Infolge Zahlungsweigerung erhielt dann der Vorschnitter die Stelle nicht Gabriel wird auch der Untreue gegen den Berband der Vorschnitter" beschuldigt, den er gegründet halte, um den Mitgliedern Stellen zu vermitteln. Das Gericht bemühte sich, die Verwendung der Verbandseinnahmen aufzuklären. Die in den Büchern stehenden Beträge von Zahlungen an die Rechtsanwälte Gotthusen und Schauer, denen der Verband seine Rech'sange egenheiten übertrug, schienen dem Staatsanwalt ungewöhnlich hoch. Rechtsanwalt Grotthusen erflärte als Zeuge, fo hohe Einnahmen seien ihnen aus ihrer Tätigkeit für den Verbond nicht zugeffossen. Es ergab sich dann, daß es sich bei diesen Beträgen um Rückzahlungen von Raten cues Darlehns handelt, das sie an Gabriel gegeben hatten, weil er Geld zur Eröffnung seines Stellenvermittlungsgeschäftes brauchte. Ga briel hat das Darlehen nicht in die Bücher eingetragen. Die Rechtsanmä te tann'en Gabriel von früher her, und bei der Gründung des Vorschnitterverbandes durch Gabriel wirfte Rechtsanwalt Schauer mit. Gobrief verpflichtete fid), den Darlehnsgebern sämtliche Proeffe zu überweisen. Auch Lienemanns gegen Gabriel gerichtete Gründung, der sich als„ national" empfehlende„ Reichsbund deutscher Aufseher und Vorschnitter", wurde noch durch einige Ausfagen beleuchtet. Die Sozialbeamtin Frau Gröber vom Landesarbeitsamt schilderte diese Organisation als eine gewerbs. mäßige Stellenbermittelung. Die Mitglieder seien ziemfidy wahllos aufgenommen worden, selbst Ausländer habe der Bund zu Mitgliedern gehabt. Zur Sprache tam, daß Lienemann sich auch Lindemann nannte. Er erklärte dazu:„ Das tat ich aus politischen Gründen, weil ich unter dem Namen Lienemann verfolat murbe, zusammen mit Hauptmann Pfeffer. der sich ebenfalls einen anderen Namen beilegte. Der Prozeß wird noch mehrere Tage dauern. Verurteilung eines Pofträubers. Ganze Wagenladungen von Warengütern, die aus beraubten Bostpaketsendungen stammten, wurden in der Wohnung des Postschaffners Julius Wolf gefunden. In ihm hatte man endlich den Bosträuber gefunden, der seit langem auf dem Paketamt sein Unwesen getrieben hatte. Zunächst hatte man am wenigsten den Täter feit über zwanzig Jahren im Bofdienst betätigte. Man fand in der in Wolf vermutet, da es sich um einen Beamten handelte, der sich Wohnung Waren aller Art, wie Stoffballen, Stiefel, Rasierpinsel, Farben, Tabat, Zigaretten, Spirituosen, Meffer und Gabeln und pieles andere mehr. Das aufgespürte Diebeslager war so umfangreich, daß ein großer Bostwagen zur Fortschaffung nötig war. Man fonnte das Belastungsmaterial auch nicht bei der Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht Mitte vorführen, weil dazu ein besonderer Saal notwendig gewesen wäre. Wolf war geständig, in etwa 30 Fällen Postpatete weggeschafft und die Begleitadressen vernichtet zu haben. In zahllosen anderen Fällen hatte er die Pakete geöffnet und eines Teils ihres Inhalts beraubt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Wolf 2½ Jahre 3uchthau.s. In Uebereinstimmung mit Rechtsanwalt Dr. Schwindt verneinte das Gericht jedoch das Vorliegen einer Urfundenvernichtung, weil er die Begleitadressen vernichtet habe, nicht um dadurch in den Besitz der Pakete zu gelangen, sondern um eine Entdeckung seiner Straftat zu verhindern. Wolf kam deshalb mit einer Strafe non 1½ Jahren Gefängnis wegen Amtsunterschlagung davon. 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). „ Das Kälchen von Heilbronn" ist in der deutschen Literatur, 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule. Abteilung Bildungskurse der Funkstunde. Handelskurse: Stadtrat Dr. jur. Gordan: Rechtseine Frauengestalt, die es vermocht hat, sich die Volksgunst zu er= fragen des Alltags". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Weibchen ringen. Das Rose Theater nahm aus der romantischen Ge= und Mode". 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule." Abteilung schichte Kleists das Märchenhafte heraus. Es kalkulierte ganz richtig, Bildungskurse der Funkstunde. Medizinische Vorträge: Hygiene ein Ritterstück liegt jenseits des Geschmacks unserer Zeit, weil wir des Hauses Dr. Paul Meißner: Hygiene des Schlafzimmers" Menschen von heute fein Interesse mehr an den Liebeslieder girrenDirigent: Otto Urack. 830 Uhr abends: Beethoven- Abend. den Raufbolden haben können. Das Märchenhafte hingegen ist ein 1. Sinfonie Nr. 5 in C- Moll. a) Allegro con brio; b) Andante con unschäzbares Gut, von dem wir noch jest zehren. Es ist underSchwarz). 3. Ouvertüre zu Goethes Egmont. moto; c) Allegro; d) Allegro. 2. Violinkonzert in D- Dur( Boris Das Orchester begänglich, aus ihm spricht der echte Kleist. So schuf man in zehn steht aus Mitgliedern der Berliner Staatsoper. Anschließend: Be- Bühnenbildern eine Märchendichtung, die von den in der Vorkanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetter- weihnachtszeit für Märchen besonders empfänglichen Gemütern dankbar aufgenommen wurde. Peter A. Horn sehte das Schauspiel Natürliche Mundreinigung durch Chlorodont- Zahnpaste 91 Die Erfahrung ist der beste Lehrmeister. Millionen, die heute, ChlorodontZahnpaste täglich im Gebrauch haben, haben es selbst ausprobiert, daß ein Mundwasser allein die mechanisch reinigende Zahnpaste nicht ersetzen kann. Der mikroskopisch feine, chemisch reine präzipitierte kohlensaure Kalk ist ein seit altersher gekanntes unentbehrliches Putzmittel für die Zähne, das den Schmelz nicht angreift. 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Die Rolle des Grafen vom Strahl übernahm, wegen Erkrankung seines Kollegen, im letzten Augenblick Herr Clasen, wofür man ihm Anerkennung zollen muß. Anna Ahrens gefiel als Kätchen, während Carl M. Jacoby als Rheingraf vom Stein eine vergnüglich stimmende Note hineintrug. Die Geftichte von Schwarz- Rof- Gold nennt sich eine Serie von 12 mehr ftraße 9-13), die in zeitlich geordneter Reihenfolge das rubmbolle Werden der deutschen Freibeitsfahne auf Grund a ter Stiche und Abbildungen eindringlich und überzeugungsstart schildert. Wiederverkäufer seien darauf hin gewiesen, am 7. Dezember diese Starten überall bereitzuhalten. farbig illustrierten Posttarien( Verlag S. u. G. Caulsohn, Berlin, RosenAnfängeriurje, Gartenstr. 107A, Schulgebäude, 8-10 abends. Diens. lags Französisch, Wittwochs Englisch. Stunde: 30 Pf. " Mordprozeß Haarmann. Vernehmung des Angeklagten. Hannover, 4. Dezember. Bei seiner Bernehmung gab haarmann zunächst Aufschlüsse über seine Familienverhält nisse und seine Schulzeit. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er im Militärlazarett im Zusammenhang mit einem Unfall beim Turnen wegen epileptischen Jrreseins behandelt worden sei, sagte Haarmann:„ Ach, das ist ja Unsinn, ich bin ganz vernünftig, der Ropfschmerz tam vom Unfall." Weiter wurde festgestellt, daß Haarmann megen Sittlichkeitsvergehens an Kindern aus der Unteroffizierschule ausgeschlossen worden ist. Auch 1897 wurde Haarmann in Hildesheim wegen eines gleichen Bergehens gerichtlich belangt und auf seinen Geisteszustand untersucht, wobei Geistestrantheit aus angeborenem Schwadfinn festgestellt wurde. Der Angeflagte, der sich später wieder als Soldat gut bewährt hatte, wurde dann wiederholt und zuletzt 1922 auf seinen Geisteszustand unter sucht. Im weiteren Verlauf der Vernehmung schilderte Haarmann fein schlechtes Verhältnis zu seinem Vater und schloß mit folgenden Worten:„ Ich will geföpft werden, dann bin ich die Qual los. Aber das legte Wort wird ein Fluch auf meinen Vater sein." Haarmann gab dann Aufschlüsse über seine Beschäftigung. Nachdem sein Konservengeschäft zugrunde gegangen war, wurde er in einer Bäckerei eingestellt, wo er Diebstähle beging. Charakteristisch ist, daß Haarmann gegen jede Vermutung, seinen Geisteszustand für irgendwelche seiner Taten verantwortlich zu machen, wiederholt energisch protestiert. 1918 war Haarmann megen Unfittlichkeit gegenüber einem 13 jährigen Knaben ins Zuchthaus gekommen. Nach seiner Entlassung befaßte er sich mit Hamsterei. Mit den jungen Leuten, die ihm Lebensmittel brachten, fing er in seiner Wohnung zu, poussieren" an, wenn ihm einer gefiel. Der Angeklagte bestreitet, Menschenfleisch verkauft zu haben, und bleibt dabei, daß er alles Fleisch von dem noch nicht aufgefundenen Schlächter Karl bezogen habe. Jenen Mord( Friedel Rothe) im Jahre 1918 gibt er zu und sagt auch, daß bei der Haussuchung damals dessen Kopf, der hinter dem Ofen eingewickelt verstedt war, nicht gefunden wurde und er dann wieder freigelassen worden fei, weil ihm nichts Strafbares nachgewiesen werden fonnte. Für die weitere Bernehmung über den Fall Rothe wurde die Deffentlichkeit ausgeschlossen. Danach trat eine turze Mittagspause ein. Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Verhandlung erzählte Saarmann, wie er Grans tennengelernt habe. Danach habe Grans fich ihm aufgedrängt und er habe ihn, weil er über Hunger Plagte. in seiner Wohnung aufgenommen. Grans aber, der weiter mit Haarmann zusammenlebte, wußte den letzteren stets für fich auszunüßen. So mußte auch Haarmann betteln, während Grans das Geld perjubelte. Saarmann mußte sogar wegen Bettelei einmal sitzen. Auch Wäschediebstähle führten sie gemeinsam aus. Inzwischen hatte Grans in Haarmanns Wohnung Verkehr mit Mädchen gehabt und zur Beschaffung von Geld die Möbel seines Freundes verkauft. Schließlich habe aber Grans wieder 20 000 Mart gebracht, mit denen er sich wieder neu einrichten konnte. Haarmann gibt 4 bis 5 Morde in dieser Wohnung zu, verneint aber die Frage des Vorsitzenden, ob Grans von den Morden gewußt habe. Grans habe ihm nur junge Leute, besonders in guten Kleidern, zugeführt. Dann erzählte er, wie er von einem Kriminalbeamten aufgefordert worden sei, wegen seiner Beziehungen zur Verbrecherwet der Polizei Winfe zu geben, und wie er dann das Detektivinstitut Lasso gegründet habe. Grans sei nicht homosexuell veran lagt gewesen. Haarmann erklärt weiter, daß er der Polizei wiederholt Nachricht gegeben hat, wo Diebesgut von hannoverschen Verbrechern aufbewahrt sei. Haarmann hat mit mehreren Polizeibeamten in persönlicher Berbindung gestanden. Schließlich will er sich bei verschiedenen Leuten als angeblicher Vertrauter der Polizei Achtung verschafft haben. Haarmann bestreitet, mit Ueberlegung getötet zu haben. In jovialer Gesprächsform meint er:„ Das ist man nicht so einfach, Herr Vorsitzender, so schnell macht man teinen enschen kaputt, wie Sie sich das denken. Das ist eine auf regende Geschichte" usw. Haarmann wird auch darüber befragt, wie er die Leichen zerstüdelte. Die ausführlichen schauervollen Schilderungen des Angeklagten geben ein Bild von äußerst primitivem Denfvermögen und charakterisieren ihn als ein Wesen von niederstem Sexualleben mit groben Manieren. Aus feinen eigenen Aussagungen läßt sich herleiten, daß er impotent ist und die normalen moralischen und seguellen Eigenschaften bei ihm in einem Zustande völliger Verfümmerung sind. Alle natürlichen Hemmungen find auf ein Mindestmaß reduziert. Die Sigung wurde gegen 4% Uhr geschlossen. Berhandlung am Freitag vormittag 9 Uhr. Fortsetzung der Das Geständnis des Massenmörders. Aus Haiger wird noch gemeldet: Nach seinem umfassenden Geständnis hat Angerstein in der Nacht zwischen 4 und 5 Uhr seine Frau ermordet. Er erklärt, er und seine Frau ieien ich wer trant gewesen; er habe deshalb den Entschluß gefaßt, mit seiner Frau aus dem Leben zu scheiden. Er habe befürchtet, wegen der von ihm verübten Unterschlagungen ieine Stelle und ieine Wohnung zu verlieren. Nach der Tötung seiner Frau habe er, um diese Tat zu verdecken, die übrigen Hausbewohner, jeden in einem anderen Zimmer, umgebracht. Er babe, als er nach begangener Tat aus der Stadt zurückgekehrt war und gesehen habe, daß das Haus noch nicht brannte, erneut Feuer angelegt. Oeffentliche Wählerkundgebungen heute, Freitag, den 5. Dezember, abends 7/2 Uhr: Mitte: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. Tiergarten: Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Schulaula Pallasstraße 15. Wedding: Pharusfäle, Müllerstraße 142. Schulaula Grünthaler Straße 4/5 = Ede Prenzlauer Berg: Schulaula Pappel- Allee 40/42.- Schulaula Schönfließer Straße 7. Friedrichshain: Königsbant, Große Frankfurter Straße 117. Kreuzberg: Bockbrauerei, Fidicinstraße 2/3. Spandau: Germaniasäle, Stresomplag. Siemensstadt: Siemensstadt- Festfäle, Schulstraße 4. Wilmersdorf: Viktoria Luise Schule, thlandstraße Gasteiner Straße. Wannsee: Reichsadler, Königstraße 26. Schöneberg: im Lindenhof, Ledigenheim. Cankwitz: Realgymnasium Raulbachstraße. Lichterfelde: Aula Oberrealschule Ringstraße 2. Mariendorf: Realgymnasium Kaiserstraße. Neukölln: Aula Emser Straße 134. Rudow: Lokal Heinze. Treptow: Nitschte, Am Treptower Part 26. Allt- Glienice: Haberecht, Friedrichstraße 2. Adlershof: Wölstein, Bismardstraße 75. Niederschöneweide: Schulaula Berliner Straße 31. Köpenid: Aula Körner- Schule, Lindenstraße 11. Friedrichshagen: Schröders Festfäle, Friedrichstraße 139. Grünau: Jägerhaus, Bahnhofstraße 1. Lichtenberg: Aula Mittelschule, Marktstraße. Kaulsdorf: Turnhalle, Adolfstraße 25, Biesdorf: Schillerfäle, Königstraße 120. Karlshorst: Aula Gymnasium, Trestow- Allee. Mahlsdorf: Anders, Bahnhofstraße. Weißensee: Turnhalle, Schule Pistoriusstraße. Jugendveranstaltungen. | Blankenburg: Klug, Dorfstraße 2. Buch: Göpfert, am Bahnhof. Reinidendorf- Oft: Bürgergarten, Hauptstraße 51. Borsigwalde: Borsigwalder Festfäle. Redner: Aufhäuser, Eduard Bernstein, Rob. Breuer, Criſpien, Dr. Freund, Richard Fischer, Anna Geyer, Heinig, Horlig, Hirsch, Hugo Heimann, Gertrud Hanna, Dr. Herz, Marie Juchacz, Künstler, Kreuziger, Klodt, Luise Kähler, Kuttner, Lüdemann, Dr. Löwenstein, Lempert, Otto Meier, Dr. Moses, Maderholz, v. Puttkamer, Nickisch, Ruben, Karl Schneider, Ella Seger, Heinrich Schulz, Stimming, Schröder, Stein, Wermuth, Dr. Weŋl, Ziska, Zubeil. In letzter Stunde!" Deffentliche Bersammlung der beim Bezirksamt Friedrichshain beschäftigten Personen: Freitag, den 5. Dezember, abends 7% Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstraße 36a. Thema: Bedeutung der Wahlen.- Referent: Landtagstandidat Zachert. Sonnabend, den 6. Dezember, abends 7'/ 2 Uhr: Cladow: Lotal Beinmann. Gatow: Lokal zu den drei Linden". Lichtenrade: Stieler, Dorfstraße. Tempelhof: Realgymnasium, Kaiserin- Augusta- Straße. Bohnsdorf: Bierbach, Bahnhofstraße. Mahlsdorf- Süd: Lokal„ Heidekrug", Röpenider Allee. Buchholz: Lokal Rossad, Hauptstraße 71. Karow: Lotal Sufrow, Dorfstraße. Tegel: Siedlung" Freie Scholle" im Schollenkrug. Redner: Aufhäuser, Breuer, Falkenberg, Göring, Klodt, Erna Kresse, Landa, Münsinger, Ruben. Sport. die ausstehenden Abrechnungen heute unbedingt erledigt werden müssen. Achtung, Abteilungsleiter! Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 4. Dezember. Achtung, Abteilungstaffiezer! Jugend voran" und Arbeiter- Jugend" vom Dezember sind erschienen und müffen heute abgeholt werden. Die Beitragsmarkenabrechnung ist ebenfalls vorzunehmen. Ausgabezeit von 5-7 Uhr. Achtung, Mitglieder des Büchertzeises! November und Desember- Beiträge find unbedingt im Laufe dieses Monats zu zahlen, da sonst die Herausgabe des ersten Buches eine Verzögerung erleidet. Achtung, Mädchen! Am Montag, den 8. Dezember, pünktlich ads 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3, Mädchen Konferenz. Thema: müffen erscheinen. Das deutsche Volkslied" mit Mufit und Gesangsbegleitung. Alle Mädchen Char Abteilungs- Mitgliederversammlungen. Heute 7½ Uhr: Adlershof: Jugendheim, Bismardstr. 12. Baumschulenweg: Jugend. heim, Ernststr. 16. Bortrag: Geschichte der Jugendbewegung. 4. Salensee: Schule, Joachim lottenburg: Jugendheim, Rofinenstr. Friedrich- Straße 35. Moabit 1: Schule, Waldenfer Str. 21. Bortvag: ,, Bolkslied und Bolkstanz. Moabit II: Gemeindeschule am Stephans plak. Neukölln I: Jugendheim, Bergstraße 29. Neukölln II: JugendNiederschönhausen: Gemeindeschule, Blanken burger Straße 69/70. Norden: Echule, Butbufer Str. 3. beim, Nogatstraße, 53. NordDanziger Str. 23. Bortrag: Serual- Frugen Often Str.- B.: Schule, Naglerstr. 3. Brenzlauer Borstadt: Jugendheim, plak, Scharnweberstraße. often 1: Schule, Bökomftr. 40. Nordoßen II: Jugendheim, Danziger Str. 62. Reinidendorf Best: SportRosenthaler Borstadt: Schule, Gipsstr. 23. Vortrag: GJ. und Wahlen." Steglik II: Jugendheim, Holsteinische Str. 3. Tegel: Jugendhein, Bahnhofstr. 15. Webbing: Die Mitgliederversamm Alle älterent lung findet laut Beschluk erst am Freitag, den 12. b. M., statt. Genoffen beteiligen fich an der Bersammlung der SPD. in den Pharus- Sälen. 1 Abt. Lichterfelba Jugendheim, Albrechtstr. 14a, Mitgliederverfammlung. Ab heute jeden Freitag Seimabend. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Bund der finderreichen Familien, Berlin- Webbing III. N. 65, Müllerstr. 134a. Geschäftsstelle Lehrer Kimmelberg. Weihnachtsveranstaltung am Gonnabend, den 20. Dezember, abends 6% Uhr, in den Pharusfälen, Müllerstraße 142. Eintritt mit Rindern frei. Darbietungen mit Borfüh u. a. m. Ausweise find bei den Vertrauensleuten und in der Geschäftsstelle erhältlich. Weihnachtsgaben nimmt die Geschäftsstelle mit Dant entgegen. propagandausschuß der Auslandsdeutschen, Kolonialbentschen und Grenzlanddeutschen für Gewährung einer neuen Entschädigung, Berlin N. 20, Bad ftraße 64. Große öffentliche Rundgebung am Freitag, den 5. Dezember, abends 7% Uhr, in der Stadthalle, Klosterstraße. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 5. Dezember, 8 Uhr, Vortrag des Rektors W. Radz im Reichensaal der Lehrerschaft in der Kenntnis normaler und frankhafter Seelenzustände." 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53 III, über Ausbildung der Briefkasten der Redaktion. G. M. 4. Die Rentenempfängerin tann nur wegen Menderung der Berhältnisse( Berfchlimmerung des Zustandes) eine neue Feststellung der Rente beantragen. Auf eine andere Weise ist eine Erhöhung der Rente nicht zu erreichen. D. A. 10. Berechnen Sie den Unterschied zwischen der Kauftraft der Mart am Fälligkeits- und am Rahlungstage unter Benugung der Inderaiffern. Da es sich um ein Gefälligkeitsdarlehen handelt, finden die gefeßlichen Borschriften über die Aufwertung keine Anwendung. A. B. Wenden Sie sich zunächst an die Städtische Baupolizei. Sollte diese ein Einschreiten ablehnen, fo muß der Klageweg gegen den Hauswirt beschritten werden. E. 3. 3584. Goldmart tönnen Sie nicht verlangen, sondern nur Aufwertung nach bürgerlichem Recht. Darlehnsforderungen verjähren erst nach Ablauf von 30 Jahren. Innerhalb dieses Reitraums tönnen Sie Ihren Anspruch geltend machen. A. A. Melden Sie den Aufwertungsanspruch bei der Aufwertungsstelle( Amtsgericht Cöpenid) an. Ihre Forderung beträgt aufgewertet 3,39 Goldmart. E. 2. 24. Rommen Sie in unsere Juristische Sprechstunde. Beantwortung der Fragen im Briefkasten unmöglich. P. M. 74. 1. Die Ründigung ist verspätet erfolgt. 2. Wenn feine andere Ründi gungsfrist vereinbart worden ist, so kann die Ründigung nur zum Schluß eines Kalendervierteljahres ausgesprochen werden. Betten. Rommen Gie in unsere Juristische Sprechstunde. 1. Rennen. 1. Erbschaft( Jauß jr.), 2. Arche( Lichtenfeld), 3. Waffander( H. Mills). Toto: 45: 10. Plat: 18, 24, 20: 10. Ferner liefen: Bismart, Federnelle, Leichtsinn, Baron Arworthy, Florian, Long Alfa, Fridolin III. 2. Rennett. 1. Sfartvelle( Jauk jr.), 2. 2inscott jr.( Hartlein), 3. Baron Nubaga( 2. Weiß). Toto: 56: 10. Blaz: 19, 15, 45: 10. Ferner liefen: Dichtung, Dunajec, Anita B., Sturgast, Baraldus B., Königsadler, Hippologe, Morgentau, Dolerit, Mora. 3. Rennen. 1. Copal( F. Schmidt), 2. Interessent(. Lemzer), 3. Edinhard( Rosenberg). Toto: 45: 10. Blat: 14, 14, 15: 10. Ferner liefen: Altgold, Johannisfeuer, Irrteufelchen, Barones Lybia, Alfred B., Jdealist. 4. Rennett. 1. Wasserfall( Großmann), 2. Margot 1( Bermann Schleuserer), 3 Gassenmädel( Snopnadel jr.). Soto: 21: 10. Blab: 14, 25, 21: 10. Ferner liefen: Tafna, Alvater, Adelei B.. Manzanares, Schlips, Diana VII tam als zweiter ein, lief aber ohne Wetten. 5. Stennett. 1. Höhensonne( W. Lemzer), 2. Matador I( Trenherz): 3. Falter( Bartnid). Toto: 49: 10. Blab: 18, 50, 60: 10. Ferner liefent, Hartenfels, Allertony, Cleo Watts, Brablbans, Paula Bingen, Heidemann, Amazonia, Dolomit, Zufall, Nebel, Fistus, Handsest, Sturm, Willy I, Fürſt. 6. Rennen. 1. Ritthichor( Ch. Mills), 2. Clematis Blau( H. Grube), 3. Peter I( B. Hedert). Toto: 37: 10. Plab: 18, 17, 48: 10. Ferner liefen: Edeltochter, Que vine, Dankwart Huga, Conrad, Silverius, Marcel, Lady Forbes, Johannes, Wilasta, Teufelsbirt, Monarchist, Ottomar 7. Rennen. 1. Stapellauf( Hr. F. Brandt), 2. Odessa( Körting). 3. Greif II( Eybecher). Toto: 29: 10. Blat: 12, 17, 12:10. Ferner liefen: Novelle I, Daniel, Hannover, Brilon Prinz, Mars II, Quera, Haubige, Friedrich I, Baron Tregantle, Ballast. 8. Rennen. 1. Blaumeise( G. Lautenberger), 2. Dombiaff I ( J. Mills), 3. Prinzessin Etawah( H. Grube). Toto: 87 10. Blaz: 31, 26, 17: 10. Ferner liefen: Torrero, Mac Gregor I, nge I, Zigeuner baron, Baron Watts jr., Minz, Musical Girl. Regter Mobikaner, Heidefee, Mac Gregor, Abdulah Silver, Wainsca, Maitönigin I, Sirene I. Für das Eröffnungsrennen auf der Berliner Winterbahn im Sportpalast ist die Einteilung für die einzelnen Wettbewerbe nunmehr wie folgt getroffen: Das Hauptrennen, ein 20.0 Runden Punttefabren, wird von 15 Fahrern bestritten und zwar Hoffmann, äußler, Gottiied, Ostermeier, Münzner, Dstar Siet. Tennede, Schwab, Golle, Rudel, Techmer, Jenssen, Troll, Stolz und Behrendt. Diese 15 Fahrer bestreiten auch das FliegerHauptfahren, zu dem außerdem noch Albert Meyer, Passenheim, Strabner, Strefeld, Otto Tiek, Müller und Eryleben zugelassen sind. Für das Ein. Stunden- Wannschaftsfahren, das von 12 Fahrern bestritten wird, sind folgende Zusammenstellungen vorgenommen: Schmidt- Passen heim, Krabner- Reinas, Echulz- Schönborn, Bawle- Teblaff. Rebmann- Ruter, Grrleben- Seel, Zimmermann- B. Meyer, A. Meyer- Jensie, Müller- Naujokat, Linsener- Krüger, Schrefeld- Otto Tiez. Beginn der Rennen abends 7, Uhr. Geschäftliche Mitteilungen. Dem Bolts- Feuerbestattungsverein Groß- Berlin C. B. a. 6. muß auf Grund feiner unerntildlichen Bestrebungen das Berdienst eingeräumt werden, die volkstümliche Berbreitung der Feuerbestattungsidee außerordentlich gefördert zu haben. Der Verein ist gemeinnüßiges Unternehmen, alle Gewinne tommen nur den Mitgliedern zugute. Ab 16. November 1924, ist die Wartezeit für Neueintretende von einem Jahr auf einen Monat herabgefekt. Mitglieder enderer Feuerbestattungsvereine treten ohne Eintrittsgeld sofort in den Genuß der fostenlosen Bestattung. geBiele Hausfrauen wiffen es noch nicht, daß die Mondamin- Gesellschaft neben dem seit Jahren bewährten und in jedem Haushalt unenth wordenen Mondamin neuerdings auch Mondamin- Badpulver und MondaminBuddingpulver herstellt. Beides find Qualitätsprodukte, die in nichts dem Urerzeugnis nachstehen. Die Vorzüge des Mondamin- Backpulvers find unbedingt zuverlässiges Treiben des Teiges unter Vermeidung jedes Beigeschmades. gritzi Massary veranschaulicht in dem neuen goldnen Gewande eindrucksvoll den inneren Gehalt, sie ist und bleibt Zigarette 3.8 Die Unvergleichliche Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, an richten. 3. Aris Webbing. Jebe Abteilung fäßt am Freitag abend die zu bes teilenden Fähnchen von Gillwald. Butbufer Str. 24, abholen. 6. Kreis Kreuzberg. Ordner! Freitag( heute), 7 Uhr, Bodbrauerei, Fibicinftraße 2/3. Die 30., 46. unb 47. Abt. heute, Freitag, morgen Alebe streifen und Handzettel für öffentliche Rundgebung im Sekretariat ab holen und verbreiten. 20. Kreis Reinidendorf. Die Genoffen und Genoffinnen, insbesondere die Beamten, beteiligen sich an der am Sonnabend, den 6. Dezember, abends 7½ Uhr, im Lotal Schollentcug, Tegel, Kolonie Freie Scholle", fiatt. findenden öffentlichen Wählerperfammlung. 14. veis Neulifu. Gonnabend, den 6. Dezember, 4% Uhr, treffen fich alle Genossen mit Fahrrädern im Lotal Weichselstr. 8. Heute, Freitag, den 5. Dezember: 34. Abt. Genoffinnen und arbeitslose Genoffen um 7 Uhr bei Rofist. 38. Abt. 6 Uhr bei Bartusch, Friedenftr. 88, Wählerin" abholen. Beste wichtige Materialausgabe. Jeber Bezirk muß vertreten fein. Erwerbs Tafe Genossen müssen erscheinen. Sonnabend um 8 Uhr Bezirk 160 bei Lobotta. Richthofenstr. 1; 161. Bezirk bei Rofe, Große Frankfurter Str. 17; 1892. Bezirk bei Rofenberg. Langenbed, Ede Elbinger Straße. 42. Abt. Am Freitag nach der Versammlung abends im Berkehrslokal. Die Frauen sind besonders eingeladen. 67. t. Grunewald. 8 Uhr Abteilungsversammlung in der Subertusbader Straße 8. 128/130. bt. Bantom. Die Wählerin" ist noch heute von Rigmann ab antholen. Sonnabend abends 7 Uhr Wahrhelferversammlung bei Meier, Türkisches Reli", Breite Straße. Morgen, Sonnabend, den 6. Dezember: 4. t. Nachm. 3½ Uhr treffen sich alle Genoffen zur Wahlarbeit bei 23t. fchert, Neue Friedrichstr. 108. 5. 6t. 7 Uhr Bezirksführersigung Georgenfirchstr. 36. Conntag früh 8 Uhr treffen sich alle Wahlhelfer Linienffraße 29 bei Mathia. 7. Abt. Nachm. 5 Uhr Zusammenkunft der Funktionäre und Wahlhelfer bei Dahms, Schlegelfir. 9. 21. und 23. Abt. Die Genoffen der 21. und 23. Abt. treffen sich nachm. 4 Uhr zur Wahlpropaganda beim Gen. Rroll, Utrechter Str. 21. 25. bt. 6 Uhr bei Gott, Aniprodestr. 6, lassen sich die Barteigenossen zur Wahlhilfe eintragen. 27. t. 7 Uhr Sigung der Funktionäre bei Behmann, Korförer Str. 1. Materialausgabe. 34. bt. 7 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, wichtige Funktionär befprechung 41. Abt. Nadm. 5 Uhr Treffpunkt der Funktionäre bei Luke, Bergmannftraße 93. 44. Abt. Die Mitglieder aller Stadtbezirke treffen fich zur Sandzettelver. teilung von 4-6 Uhr bei Eiffert, Oranienste. 196.-7 Uhr Materialausgabe. 47. Abt. 7 Uhr legte Rufammenkunft aller Bezirksführer und Wahlhelfer im Rentrallokal der Abteilung bei Giedentopf. Mustauer Str. 35. 55. Abt. Charlottenburg. Alle Genoffen beteiligen sich an der Wahlarbeit. Einteilung Sonnabend abends 5 Uhr. Am Sonntag treffen fich bie Genoffen in den Rahlabendlotalen morgens um 8½ Uhr: 8. Gruppe bei Eckert. Wallstr. 90; 9. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21; 10. Gruppe bei Bohne, Schloßftr. 45. 69. Abt. Wilmersdorf. 6 Uhr Treffpunkt der Genossen, die noch nicht eingeteilt sind, zur Wahlarbeit im Wahlbureau, Jhlenfeldt, Uhlandstr. 74. 74. Abt. Rehlendorf. Da der Raffierer Frizz König wieder zurildgefehrt ist, werden alle Bezirkstaffierer erfucht, umgehend abzurechnen. Sonn abend, den 6. Dezentber, abends 8 Uhr. Zusammenkunft sämtlicher Funktionäre und freiwilligen Mitarbeiter zur Vorbereitung der Wahlarbeit am Sonntag. ve 85. Abt. Tempelhof. Borm. 10 The Flugblaffverbreitung vom Genoffen Bielschowsky aus. Nachm. 24 Uhr in der Linde" Treffpunkt zum Wahlspaziergang. Abends 8 Uhr Realgymnasium. 86. Abt. Mariendorf. Erweiterte Funktionärversammlung bei Niendorf, Chauffeeftraße. Sonntag frith 8 Uhr treffen sich alle Wahlhelfer bei Niendorf. Arbeiterjugend und Jungsozialisten sind eingeladen. Sonn abend, den 6. Dezember, vorm. 10 Uhr, holen die Frauen das Material bei Niendorf, Chauffeestraße, ab. Dasselbe ist im Anschluß daran vor den Gemeindeschulen zur Berteilung zu bringen. 97. Abt. Reukölln. Treffpunkt der Funktionäre 7 Uhr beim Genoffen Roht, Siegfriedftr. 28/29, zur Empfangnahme des Wahlmaterials und der legten Instruktionen. 101. bt. Treptow. Die Borwärtsspedition und Buchhandlung, GPD.- 8ahlftelle der Freidenker, befindet sich von Montag, den 8. Dezember, an Grägstr. 50. 119. Abt. Lichtenberg. 7½ Uhr bei Siede, Möllendorfftr. 43, furze Beforechung fämtlicher Parteimitglieder wegen der Wahlarbeitseinteilung. * 3. Abt. Sonntag vormittag 8 Uhr treffen sich alle Funktionäre und Mit glieder, welche sich an den Wahlarbeiten beteiligen, im Lokal von Emil Krüger, Engelufer 23. Fernsprecher: Amt Morigplag 11 768. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 97. Abt. Reukölln. Genosse Wilhelm Mener ist am Dienstag plöglich verstorben. Einäscherung Sonnabend Dormittag 11½ Uhr Krematorium Baumschulenweg. Weiter für Berlin und Umgegend. Kühl, größtenteils bewölkt, teine ers heblichen Niederschläge. Frische Südwinde. Für Deutschland. 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Der Weltkrieg hatte die Einheitsschule notwendig gemacht; die Sozialdemokratie wollte sie schaffen. Die Partei fonte es zwar nicht, da sie in der Deutschen Nationalversammlung allein nicht die Mehrheit hatte. Aber sie setzte den Artikel 146 der Reichsverfassung durch, nach dem eine für alle Kinder gemeinsame Grundschule errichtet werden sollte und für die Aufnahme in die fich darauf aufbauenden mittleren und höheren Schulen ausschließlich die Neigung und die Begabung der Kinder maßgebend sein sollten, nicht aber die wirt schaftliche und gesellschaftliche Stellung der Eltern. Demgemäß ist fie, solange die Unentgeltlichkeit des Unterrichts auch in den mittleren und höheren Schulen infolge der durch die Kriegspolitik der Annegionsparteien verschuldeten schlechten Finanzlage noch nicht durchführbar ist, für die Staffelung des Schulgeldes nach dem Einkommen der Eltern und der Zahlihrer Kinder eingetreten. Diese Forderung hat foviel Antlang gefunden, daß fie in verschiedenen Städten verwirtlicht worden ist und sogar der volksparteiliche preußische Minister feine Zustimmung nicht hat versagen fönnen. Die Sozialdemokratie verlangt aber, daß hierbei die Leistungen der Kinder nicht berüdsichtigt werden. Denn wenn diese auch nur zeitweise nachlassen, würden arme Eltern gezwungen sein, aus Mangel an Mitteln ihre Kinder von der Schule herunterzunehmen; das Kind wohlhabender Bäter und Mütter würde aber nach den preußischen Versetzungsbestimmungen nur dann die höhere Schule verlassen müssen, wenn es zwei Jahre in derselben Klaffe und nach dem einstimmigen Beschluß seiner Behrer sein weiteres Berbleiben zwecklos wäre. Die Sozialdemokratie will auch, daß die Lernmittel allen Schülern unentgeltlich geliefert werden, gemäß Artikel 145 der Reichsverfassung zunächst in den Volksschulen und den Fortbildungsschulen.. Verhindert worden ist die Durchführung dieser Verfassungsbestimmung von den Parteien, die von Finanznot nichts wissen wollen, wenn es sich darum handelt, den Hohenzollern ungezählte Goldmillionen und Duzende von Schlössern und Gütern auszuliefern. Die Sozialdemokratie als Vorfämpferin der Einheitsschule fordert die Einrichtung von Aufbauschulen, in denen Legabte Rinder nach sechs bis siebenjährigem Besuch der Volksschule noch in drei Jahren die Reife für Obersekunda und in sechs Jahren die Universitätsreife erlangen können. Der preußische Unterrichtsminister Boelig verwandelt die Lehrerseminare in solche Aufbauschulen. Die Schulreaktion fucht aber die Umwandlung neunjähriger höherer Schulen in Aufbauschulen zu hintertreiben, besonders in den großen und mittleren Städten, weil sie mit Recht fürchtet, zu viel begabte Proletarierkinder würden die Kinder der Wohlhabenden überflügeln und die billigen Aufbauschulen würden die anderen höheren Schulen allmählich verdrängen. Bäter und Mütter! Sind etwa Eure Kinder, wenn sie in größeren Orten aufwachsen, dümmer als die auf dem Lande geborenen? Bäter und Mütter! Daß wir Sozialdemokraten feinen Utopien nachjagen, daß wir für unsere schulreformerischen Forderungen nicht aus politischen, sondern nur aus pädagogischen und sozialen Gründen eintreten, beweist das Beispiel Nordamerikas. Dort besuchen alle Kinder 7 bis 8 Jahre lang dieselbe Grundschule. Auf sie ist eine vier- bis fünfjährige Oberschule( High School) aufgefeßt; auf dieser können die Schüler selbst nach ihrer Neigung und ihrer Anlage die Fächer wählen. Dort ist auch die Unentgeltlichkeit des Unters richts und der Lehrmittel in vollem Umfange durchgeführt. Bäter und Mütter! Wollt Ihr, daß die deutschen Schulen ebenso eingerichtet werden, gebt am 7. Dezember Eure Stimmzettel der Sozialdemokratie. 2. Die Sozialdemokratie und die Reichsschulpolitik. Eine Reichsschulpolitit, für die die Sozialdemokratie jahrelang gekämpft hat, wurde durch Annahme von Artikel 142-149 der Reichsverfassung von der Deutschen Nationalversammlung beschlossen, der Widerstand der Länder dagegen infolge des Einflusses der Sozialdemokratie in ihnen gebrochen; sogar die reaktionären Barteien gaben ihren Widerstand auf. Wo sind aber die Reichsschulgeseße, die auf Grund der Verfassung zu verabschieden maren? Wo ist das Gesez, in dem nach Artikel 146 die Bekenntnisschulen, die jetzt noch in den meisten Ländern die Regel bilden, in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln sind? Wo ist das Gesetz, in dem nach Artikel 143 die Lehrerbildung für das Reich einheitlich zu regeln ist? In Preußen will der Unterrichtsminister sogar, ohne die Verabschiedung des Reichsgesetzes abzuwarten, unter Berlegung des Artikels 143, nach dem die Lehrerausbildung nach den für die höhere Bildung allgemein geltenden Grundsätzen zu regeln. ist, nach denen also auch die Volksschullehrer die Universitäten befuchen müssen, tonfeffionelle pädagogische Akademien errichten. Die Sozialdemokratie ist in dem ersten Deutschen Reichstag unermüdlich für die Gefehe eingetreten, aber die Deutschnationale Bolkspartei, die Deutsche Boltspartei und das Zentrum, deren deutsches Herz im Jahre 1919 für eine Reichsschulpolitik schlug, haben die Verabschiedung verhindert. Sogar das Reichsschulgesetz. das die Nationalversammlung zustande gebracht hat, nämlich das über die vierjährige Grundschule, sucht man in Preußen zu zerstören, indem man auf Grund eines Ministerialerlasses vom Jahre 1839(!!!) die fonzessionierten Familienschulen als Privatschulen bezeichnet und von den sie besuchenden Kindern nicht die Vorlegung eines ärztlichen Zeugniffes über die Notwendigkeit der Befreiung vom Besuch der Grundschule verlangt. Das Ermächtigungsgesetz hat die bürgerliche Regierung mißbraucht, um die auf Grund des Schul- und Bildungswesens den Ländern zu selbständiger Regelung und Erfüllung zu überweisen.( Dritte Steuernotverordnung Artikel 42.) Bäter und Mütter! Wollt Ihr, daß die von der Deutschen Nationalversammlung getriebene Reichsschulpolitit fortgesetzt wird, wollt Ihr, daß Eure Kinder nicht zu Preußen, zu Bayern, zu Sachsen und Württembergern erzogen werden, fondern zu Deutschen, natürlich nicht zu Deutschen im Sinne der Alldeutschen, sondern zu Deutschen hm Sinne Schillers und Goethes, Herders und Kants, so gebt Eure Stimme am 7. Dezember der Sozialdemokratie. 3. Die Sozialdemokratie und die deutsche Lehrerschaft. find noch nicht Sozialdemokraten. Aber auf dem Gebiete, auf Deutsche Bäter und Mütter! Die meisten Lehrer Eurer Kinder dem sie täglich Beobachtungen und Erfahrungen machen, erkennen fie viele Forderungen der Sozialdemokratie als berechtigt an. mehr als 100 000 Mitglieder starke Deutsche Lehrerverein, Der dem der größte Teil der deutschen Lehrer angehört, fordert ebenfalls die Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lernmittel Er fordert Schulen sowie die Aufnahme der Kinder in diese lediglich nach ihren eine Verlängerung der Grundschule und eine Verkürzung der höheren Fähigkeiten und ihren Neigungen. Er fordert die Fortsetzung der Reichsschulpolitif. Insbesondere fordert er die in Artfel 143 der Reichsverfassung vorgeschriebene einheitliche Regelung der Lehrerbildung durch ein Reichsgesetz nach den für die höhere Bildung allgemein geitenden Grundsätzen. Daher lehnt er die von dem preußischen Unterrichtsminister geplanten fonfeffionellen pädagogischen Akademien als unwissenschaftlich und verfassungswidrig ab. Diese Hoffnung der Behrer auf die Sozialdemokratie ist in einem Artikel ihres offiziellen Zeitungsdienstes zum Ausdrud gekommen. Darin heißt es( Nummer vom 8. Mai 1924): 2m wichtigsten ist uns heute die Stellung der Sozialdemokratie zur Schulfrage."" Wir halten es nicht für möglich, daß eine geringe Mehrheit in Boltsschulfragen, die zum überwiegenden Teil doch Fragen des arbeitenden Volkes sind, über die Wünsche dieser Partei hinweggehen fann." Die Volksschullehrer sind sich bewußt, daß viele von ihnen aus der werftätigen Bevölkerung hervorgegangen sind und daß Kant, der bedeutendste Lehrer und Deutschlands größter Philosoph, dessen 200jährigen Geburtstag in diesem Jahre die ganze Kulturmenschheit gefeiert hat, der Sohn eines Sattlers war. Von den Lehrern der höheren Schulen sind noch perhältnismäßig wenige Sozialdemokraten. Aber. in der Forderung der Fortjehung der Reichsschulpolitik unterstützen auch sie die Sozialdemokratie. Die Neuordnung des preußischen höheren Schulwesens durch den Minister Boelitz haben sie energisch befämpft, da sie ohne verherige Fühlungnahme mit den Regierungen der anderen Länder vorgenommen worden ist. In einer Entschließung haben sie erklärt: „ Statt durch ein einheitliches geistiges Band den Reichsgedanken Dadurch, daß jetzt fast jedes deutsche Land einem anderen Bildungsin den Herzen der deutschen Jugend fest zu verankern, erhält er ziel zustrebt, einen gefährlichen Riß und schafft infolgedessen für unser deutsches Volk unerträgliche Zustände. Deutsche Väter und Mütter! Würden sich die Lehrer mit der Geschichte und der Politik der Sozialdemokratie so eingehend beSchäftigen wie mit der Erziehung, so würden sie zum größten Teil Sozialdemokraten werden. Deutsche Bäter und Mütter! Faßt daher Bertrauen zu der Schulpolitik der SPD. und gebt am 7. Dezember Eure Stimme der Sozial. demokratie! 4. Die Sozialdemokratie und der Unterricht im Geiste der Völkerversöhnung. Das deutsche Volt bekannte sich in Weimar durch seine Vertreter zu einer pazifistischen Weltanschauung und Politik und for berte, daß auch die Jugend im Geiste der Völker versöhnung" erzogen werde.( Artikel 148.) Was ist aber zur Verwirklichung dieser Bestimmung in Preußen geschehen? In Braunschweig sind AusführungsbestimDer Bürgerblocksberg. ( Deutschnationaler Walpurgisnachtstraum.) 100000 Pl Seht die ganze haute- volée Boller Brunft fchon toben! Wählt am Sonntag SPD. Und alles ist zerstoben! Freitag, 5. Dezember 1924 mungen erlassen worden. In Preußen aber fast nichts. Der sozialdemokratische Minister Haenisch legte zu Anfang des Jahres 1921 dem Staatsministerium einen Entwurf vor, der ähnliche Ausführungsbestimmungen enthielt. Dasselbe wurde indes durch seine Verabschiedung verhindert, den Entwurf anzunehmen. Die beiden Nachfolger Haenischs haben sich nicht entschließen können, solche Ausführungsbestinimungen zu erlassen oder zu beantragen. Auch Boe= liß nicht, obwohl er von fozialdemokratischen Abgeordneten im Landtag wiederholt dazu aufgefordert worden ist. Manche Schulpolitiker fordern sogar, im Gegensatz zu der Bec, vanchetrieg. So hat der Tübinger Professor Pohl, ein Mitfassung, eine Erziehung der Jugend zu einem Re. verfassung und Bölferversöhnung" verlangt, wir sollten den Zorn glied der Deutschen Bolkspartei, fürzlich in seiner Schrift„ Reichsüber unsere Erniedrigung als brennendes Feuer denen vererben, die für die Erhabenheit, die darin liegt, wenn ein so geknechtetes Volk nach uns fommen. Wir wollen in ihnen ein starkes Gefühl wecken in heroischem Aufschwung die Fesseln bricht, sobald seine Grunde g kommen." Eine solche Forderung ist allerdings kein Wunder, wenn nifterium auch die Schulsachen zu bearbeiten hat, der deutschen Jus man bedenkt, daß Profeffor Pohls Parteifreund Jarres, dessen Migend in Hildesheim zugerufen hat, fie folle auf alle Eventualitäte vorbereitet sein; denn es könnte der Augenblid tommen, wo auch das zerbrochene Schwert wieder zusammengeschweißt werden müſſe. Professor Pohls Parteifreund Boelig hat sogar in einer Bestim mung über die Lesebücher, in die er verschiedene Wendungen des Artikels 148 aufgenommen hat, das Wort Völferversöhnung durch Humanität ersetzt; weiß er den nicht, daß das etwas ganz anderes bedeutet, und daß im Namen der Humanität ein General den grausamsten Krieg für den besten erflärt hat? Deutsche Bäter und Mütter! Denkt daran am 7. Dezember! Denkt daran, daß jetzt schon Giftbomben hergestellt werden, die in einem Umkreis von einem Quadratkilometer alles menschliche Leben vernichten fönne Hunderttausenden oder zu Millionen hingemordet werden, gebt Eure Wollt Ihr, daß Eure Kinder nicht wieder zu Stimme der Partei, die seit ihrem Bestehen die imperialistische Pos litik bekämpft hat und für die Schlichtung aller Völkerstreitigkeiten durch Schiedsgerichte eingetreten ist. Sie wird ihre Forderung er. neuern, daß Eure Kinder der Verfassung gemäß im Geiste der Bölferversöhnung" erzogen werden. Wählt am 7. Dezember die Sozialdemokratie. Studienrat Dr. Erich Witte. Reaktionäre Bundesbrüder! Der Arbeiterverrat der Kommunisten. In einer Wählerversammlung in Selchow bei Groß- Ziethen, Kommunistischen Partei mit Namen Schend in der Diskussion die am Sonntag, den 30. November, stattfand, hat der Vertreter der erklärt: „ Wenn Ihr( zu den Wählern gewendet) schon nicht tommunistisch wählen könnt, dann wählt wenigstens deutschnational." In Ostpreußen rufen die Deutschnationalen: Wählt kommu. nistisch! Hier rufen kommunisten: wählt deutschnatio. all kommuniffen und Deutschnationale find die Parteien der Reaffion. EX Alle Mann zur Wah!! Keine Stimme darf fehlen! Eine Prüfung der Wählerliste des 109. Bezirks Berlin W. PallasStraße ergibt so außerordentlich interessante Aufschlüsse, daß man wünschen möchte, daß auch in anderen Abteilungen ähnliche Untersuchungen angestellt werden. gegebenen Stimmen, davon etwa je 100 SPD. und Deutschnationale, Der Wahlbezirt bietet mit 477 abs 30 Demofraten, 30 Böllischen und 45 Kommunisten ein ungefähres Bild des Reichsdurchschnittes. Bon den 650 Wahlberechtigten haben 173 nicht gewählt. Auch diese Zahl der Nichtwähler entspricht annähernd dem Reichsdurchschnitt. Eine Prüfung der Nichtwähler nach ihrer beruflichen Gliederung ergibt das verblüffende Resultat, daß 120 Arbeiter und Angestellte nicht gewählt haben, während das Bürgertum nur mit 14, die freien Berufe mit 10 und Unbestimmte mit 27 nicht gewählt haben. Unter den Unbestimmten( z. B.„ Ehefrau" ohne nähere Angaben) darf man weitere proletarische Wähler vermuten. Das umgekehrte Bild ergibt sich, wenn man auch die Wähler nach ihrer beruflichen Stellung gliedert. Unternehmer Höbere Beamte Freie Berufe Unbestimmte Untere Beamte Angestellte.. Arbeiter 75 Wähler, 14 Nichtwähler 22 22 29 28 91 160 43727 一 2897 Diese Zahlen zeigen die unerhörten Reserven der Sozialdemokratie. Der letzte Munn muß zur Wahl gehen. Jede fehlende Arbeiterstimme bedeutet eine Stärkung der Reaktion! Die kommunistische Niederlage. Schonende Borbereitung auf den Schrecken. Die Niederlage der Kommunisten ist unvermeidlich. Die„ fiegreiche" linke Führung der KPD. sieht die Riederlage voraus. Sie ist eifrig bemüht, auch diese Niederlage zu einem Sieg" der bewährten linfen Führung zu machen. Nach bewährter Methode bereitet fie die Mitglieder der KPD. auf eine große Niederlage ver, größer als sie selbst erwartet, um dann sagen zu können: seht ihr, es war gar nicht so schlimm, und daß es nicht so schlimm war, das ist unfer Verdienst." So schreibt Herr Iwan Ka 3 in einem Artike! in der Inpreforr.: ,, Wenn es der deutschen Partei gelingen würde, am 7. Des zember ihren Berlust auf 50 Proz. ihres Maierfolgs zu beschränken, das heißt trotz aller fünftlichen Fernhaltung von den Betriebsmassen noch 2 Millionen Stimmen zu erhalten, so wäre das schon ein Erfolg. Wenn es ihr aber gelingt, 60 oder gar 70 Proz. der damaligen Stimmen zah! zu erobern, wäre das ein Sieg, auf den nicht nur die deutsche Partei, sondern die ganze Internationale stolz sein tönnte, denn die 2½ Millionen, die dann sich troß alledem zur Kommuniftischen Partei bekennen würden, wären die sichere Gewähr dafür, daß die Kaders für die kommunistische Revolution in Deutschland Dorhanden und fampfbereit find." Alfo: 50 Proz. Verlust ein Sieg; 30 Proz. Verlust- großer Sieg der linken Führung. Zwei Siege der linken Führung der KPD., und es ist überhaupt nichts mehr da von der Kommunistischen Parteit Um die Zukunft geht der Kampf. Bon Clara Bohm- Schuch. Hoch gehen die Bogen des Wahlkampfes in diefer letzten Woche vor der Entscheidung. Soviel ist wohl von den Gegnern rechts und links noch vor teiner Wahl über uns ergossen worden. Warum? Weil alle diese Parteien: die Deutiche Boltspartei, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutschoölfische Freiheitspartei( die auf der Wahl lifte Nationalsoziale Freiheitsbewegung heißt) und die Kommunisten. nichts an pofitiven Leistungen unserer verantwort lichen Arbeit entgegenstellen tönnen. So verleumden fie, schimpfen, appellieren an niedrigste Instinkte und werden immer roher und unanständiger, je näher die gefürchtete Entscheidung rückt. Um die Frauen geht es besonders. Keine der nationa listischen Parteien wollte das politische Recht der Frauen, Hohn und Spott, niedrige Beschimpfung nur hatten fie noch während des Krieges für die leidenben, hungernben, rechtlosen Frauen, die gerade gut genug waren, das Wirtschaftsleben mit ihrer Arbeit aufrecht zu erhalten. So war es noch im Oftober 1918, als bie Frauen das Stimmrecht forderten. Aber als die Frauen durch die Sozialdemokratie zu gleichberechtigten Staatsbürgern geworden waren, als sie durch ihr Wahlrecht eine Stimme" geworden waren, ging ein Werben der reaktionären Parteien um diefe Frauenstimmen an, das in seinen Mitteln geradezu widerlich ist. Die Ausübung unseres Wahlrechts legt uns aber die Mitverantwortung auf für die Gestaltung unferes Schidsats, unferer Kinder und unseres Boltes Zukunft. Darum muß jede Frau ihre Stimme nach ihrer geflärten unb ruhigen Ueberzeugung abgeben; sie darf nicht einfach einer Augenblidsstimmung folgen; es geht um zuviel. Auch mir wollen, daß das politische Denken von dem lebendigen Strom des Gefühls durchpulft wird; aber wir wollen nicht, daß Einseitigkeit und Fanatismus den Blick für die praktischen Möglichkeiten und für die zukünftige Entwicklung trüben. Die Deutsch nationale Boltspartei stellt sich in ihren Wahlversammlungen und Flugblättern als besondere Ber. treterin der Kirche und der christlichen Erziehung Dor.( Nebenbei: wie fann eine Partei, die in sich so zerfallen ist, die soviel Verleumbungen über ihre Gegner verbreitet, die den Staat, in dessen Gemeinschaft fie lebt, mit allen Mitteln bekämpft, überhaupt von christlichen oder sittlichen Grundsätzen sprechen.) Sie behauptet, daß die Sozialdemokratie dem Bolte die Religion, daß sie den Frauen ihren Gott nehmen wolle. Das ist ganz falsch! Wir haben nie die Religion an sich, nie den Gott, zu dem der Gläubige beten will, bekämpft. Bekämpft haben wir nur den Staats zwang für das religiöse Gefühl Bekämpft haben wir, wie sich die Kirche zur Dienerin des tapitalistischen Staates erniedrigt hat und die Schule mit in diesen Dienst 30g. Zu diesem Kampf waren wir nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, wenn wir es ernst emeinen mit der geistigen Einheit und Befreiung unseres Voltes. Und jeber, der es ehrlich meint mit dem Kulturaufstieg des deutschen Boltes, muß mit uns stehen. Die Schule muß frei werden von jedem Drud, wenn sie ihre Aufgabe: bentende, verantwortliche und lebensstarte Menschen heranzubilden, erfüllen foll Das fozaldemokratische Partelprogramm verlangt die Erklärung der Religion zur Privatsache. Und dazu stehen wir. Um ein Gefühl der Religion zur Privatsache. Und dazu stehen wir. Um ein Gefühl ausbrücken zu können, muß man es in Worte fleiben, und so bezeichnen viele Menschen mit den Worten„ Religion" und" Gott" das, was anbere„ Ideale" nennen, nämlich: die tiefste und heiligste Sehnsucht unseres Wesens nach Vollkommenheit. Der Sozialismus, die Religion der Tat, will, daß die Menschen auf Erden glücklich sind. Darum wollen wir, daß der Menschengeist schon im Rinde zur Berantwortlichkeit gegen die menschliche Gesellschaft und gegen fich felbft herangebildet wird, daß er fähig wird, alle Schönheiten und Wahrheiten dieses Lebens in sich aufzunehmen. Aber wir wollen nicht, daß an Stelle heiliger Menschenliebe ein Mitleid herangebildet wird, das die Besitzenden zum Geben von ihrem Ueberfluß veranlassen soll; das gleichzeitig aber die Besitzlofen zum Nehmen demütigt. Wir wollen das Recht jedes einzelnen auf Brot und Leben. Ohne Zwang soll der Glaube sein, und alle gläubigen tathofischen oder evangelischen Chriften, alle gläubigen Juden follen die Möglichkeit haben, ihre Kinder in ihrem Glauben erziehen zu faffen. Aber dasselbe Recht follen alle freigläubigen Eltern genießen. Wie wird gewählt? fönnben Bände geschrieben werden. Für heute nur eine kleine geschichtliche Reminiszenz: 3ur Zeit des nordamerikanischen Freiheitsfrieges verhandelben bekanntlich deutsche Fürsten ihre LandesAm 7. Dezember wird in einem Wahlgong für den Reichs finder an England. In welchem Maßstab dies geschah, zeigen fol tag und den preußischen Landtag gewählt. Der Wähler erhält bei seinem Eintritt ins Wahllokal zwei Stimmzettel gende Zahlen: Der Herzog von Braunschweig Landgraf von Hessen Kaffel " Fürst von Hanau BR Markgraf von Ansbach Stimm" Fürst von Waldeck " Fürst von Anhalt-8erbst einen für die Reichstagswahl, einen für die Breußenwahl. Jeder Wähler vergewissere sich, daß er diese! zettel erhält. In der Wahlzelle ist auf jedem Stimmzettel oie sozialdemokratische Liste anzuzeichnen, also ein Kreuz in den Kreis im ersten Feld für Liste Eins auf beiden Stimmzetteln. Der Wähler erhält gleich, eitig mit den Stimmzetteln ein Kuvert Hat er die Stimmzettel angezeichnet, so stedt er beide Stimmzettel in ein Kuvert. Dann tritt er an den Tisch des Wahlvorstandes, nennt seinen Namen und gibt das Kuvert ab. Wohnungsmeldeschein oder sonstigen Ausweis mitnehmen. Wählt Liste 1! Amnestie! Wie die KPD. dagegen wirkt. Die verschiedenen Parolen" der Kommunisten versagen, wie im allgemeinen, so im besonderen in diefem Wahlkampf mehr und mehr. Es will nichts mehr gelingen. Dies mißgeschick teilen die Kommunisten mit ihren Bundesbrüdern von rechts, den Bölkischen und den Deutschnationalen. In dieser Notlage greifen sie zu einem Mittel, von dem sie sich bei der ihnen befannten Gemütsverfassung der Arbeiter viel versprechen, und appellieren on die Hilfsbereitschaft und Weichherzigkeit ihrer Arbeitskollegen. Wie es in den Barlamenten der Fall gewesen ist, fo ertönt jetzt in allen Bersammlungen der Ruf nach Amnestie, und mit häufig schlecht gespielter Leidenschaft stellen die kommunistischen Disfussionsredner an uns die Frage: Warum schmachten noch immer soundso viele Arbeitsbrüder in den Gefängnissen? Warum habt ihr nichts getan, sie zu befreien? In den Borlamenten freilich ist das wiederholt durch Triller pfeifen und Kindertrompeten verstärkte Gebrüll der Kommunisten nach Amnestie, Amnestie stets wirtungslos verpufft. Man weiß dort allgemein zu gut, daß die bedauernswerten Gefangenen von ben tommunistischen Führern talten Bluts in die Gefängnisse getrieben wurden, und daß die Milderung ihres Loses den Führern nicht am Herzen liegt. Diese Opfer der kommunistischen Bolitit find gerade gut genug, als Agitations. objekte zu dienen. Befreiung und Milderung des Schicksals der einzelnen sind einzig und allein durch Bemühungen von Sozialdemofroten erfolgt. Niemand weiß das besser als die Gefangenen felber, die mit ihren Wünschen und Beschwerden fich nicht an ihre eigenen, fondern stets an sozialdemokratische At geordnete wenden. Daß ein allgemeines Amnestiegesetz bisher troß aller sozialdemokratischen Anstrengungen nicht zustandegekommen ist, lag an dem Widerstand der geschlossenen bürgerlichen Mehrheit. Unsere genau formulierten Amnestieanträge wurden ebenso wie die allgemein gehaltenen der Kommunisten von dieser Mehrheit nieder gestimmt. Unsere Genossen im Reichstag haben lediglich abgelehnt, die Führer der Rappisten und die Hitler- Leute zu begnadigen, solange rifchen Räterepubät im Gefängnis blieben. Die Kommunisten die sozialdemokratischen und kommunistischen Anhänger der bane. aber haben für die völkischen Anträge gestimmt, die bracht hätten, nicht aber den banerischen Räte. zwar den Rappisten und Hitler Leuten die Freiheit gerepublikanern. Das alles ist jedem Mitglied der Parlamente bekannt In den Nicht viel ist auf dem Gebiete der Schulgesetzgebung bisher an Fortschritt erreicht worden in Deutschland. Aber etwas immerhin. Durch das Grundschulgesetz ist zuerst eine vierjährige all- destens gemeine Volksschule geschaffen. Hierauf muß ein Schul. fyftem weitergebaut werden, das allen Kindern des Boltes die Entwicklung der besten geistigen und körperlichen Fähigkeiten garantiert. Die geistige Scheidung nach dem Geldbeutel muß beseitigt werden. In den AufScheidung nach dem Geldbeutel muß beseitigt werden. In den Auf bautlaffen ist der Anfang gemacht; nun liegt es am 7. Dezember bei den Bätern und Müttern, ob es vorwärts gehen soll. Die Kräfte, die bis zur Revolution unser Staatswesen mißleiteten, bie beloftet sind mit dem Blut und Unglüd von Millionen, deren Macht in Staat, Wirtschaft und Erziehung am Zusammenbrechen ist, dürfen nicht neu gestärkt merden durch die Stimmen der Frauen. Auch durch den Einfluß der Kirche darf es nicht gelingen, das Staatsbürgerrecht der Frauen für die realtionären 3mede diefer Barteien dienstbar zu machen. Sind es doch diefelben Parteien, die uns den Bissen Brot durch Zölle verteuern, die die staatliche Fürsorge für Arbeitslose befeitigen, die die Arbeitszeit verlängern und dazu alle Steuerfaften auf die Schultern die nichtbefizenden, schaffenden Massen legen möchten. Und die Kommunisten? Ja, was fümmert den Kommunisten die praktische Arbeit in der Gefeßgebung. Sie wollen im Barlament nicht arbeiten für die Intereffen der werftätigen Bevölkerung, das fagen sie selber, weil das reformistisch" wäre; sie wollen von der Parlaments tribüne Agitation treiben für die Weltrevolution. Jede Frau, die mit ihrer Stimmabgabe die gegenwärtigen Zustände bessern, die für ihre Kinder eine leichtere Zukunft schaffen will, fann nicht tommunistisch wählen, Es gibt nur eine Partei, die in harter Gegenwartsarbeit den Boden für eine bessere Zukunft vorbereitet, die unbeirrar mit einer Bolitif der Berständigung einer neuen Gemeinschaft der Völker zu strebt: die Sozialdemokratie. Nur der Sozialismus tann uns die wirtschaftliche und fittliche Umgestaltung bringen, die eine höherentwidlung bedeutet. Nicht zurüd in die damtle Bergangenheit, fondern vorwärts in die fichte Zukunft! Um Eurer Kinder willen wählt am 7. Dezember die Liste der Sozialdemokratie. Zur Erinnerung an Mündelgelder und Kapp- Puffch. Donnerstag abend sprach der wohlbekannte frühere Rechtsanwalt und argen tinische Emigrant Brederet in Fürstenwalde in einer national fozialistisch- völkischen Bersammlung. Das Thema war:" Worum geht's am 7 Dezember?"- Antwort: Um die Ehrlich feit des deutschen Namens." Bersammlungen hingegen macht der Appell an das Mitleid und das Frage aufgeworfen werden, besigen die Kommunisten ihrerseits Solidaritätsgefühl mitunter Eindruck. Da fann wohl mit Recht die folches Mitleid und Solidaritätsgefühl und wie betätigen sie es fozialdemokratischen Arbeitsbrüdern gegenüber? Die Zustände in destens so verdammenswert sind wie unter der Barenherrschoft, teSowjetrußland, Georgien usw., die, wenn nicht schlimmer, minantworten diese Fragen in einer für die Kommunisten vernichtenden Weise. Mit welch zynischer Frechheit aber auch die deutschen Kom munisten jebe Duldsamkeit Andersdenkenden gegenüber ablehnen, dafür haben Verhandlungen in der Berliner Stadtverordnetenver fammlung wiederholt erschütternde Beweise gebracht. Im März dieses Jahres erklärte dort der kommunistische Führer ohne jede Provokation durch uns unter dem Beifall seiner gesamten Fraktion, es fei bod ganz felbstverständlich, daß man in Sowjetrußfand die Sozialdemokraten nicht frei herumlaufen laffe, fondern so viele wie nur möglich hinter Schloß und Riegel fete, und ebenso sei Dort die ganze fogialdemokratische Preffe mit Fug und Recht verboten, denn man werde doch nicht die russischen Arbeiter dem sozialDemokratischen Gift ausliefern. Diese wohl und vorbedochten Aeuße. rungen fielen bei Galegenheit der Berhandlung eines fommunistischen Antrages, den Magistrat zu erfuchen, auf die Freigate der damals verbotenen Roten Bahne" hinzuwirken, für welchen Antrag die verbotenen„ Roten Bahne" hinzuwirken, für welchen Antrag die sozialdemokratische Faattion sich eingesetzt hatte! Ist eine größere Schamlosigkeit denkbar? Rein Sozialdemokrat wird sich durch solche rohe Gesinnung ab. halten laffen, fommunistischen Gefangenen beizustehen, wo und wie er fann. Aber solche Gesinnung, die ja nicht der angeführte Redner allein hot, sondern die leider Allgemeingut der kommunistischen Partei ist, bei jeder sich bietenden Gelegenheit befanntzugeben, dürfte durch in erster Linie das Los der kommunistischen Gefangenen zu mildern und ihnen baldmöglichst Freiheit zu bringen wünscht, hat daher am 7. Dezember nicht tommuristisch, sondern sozialdemokra tisch zu wählen. Nur eine cusschlaggebende sozialdemofratische Frattion gibt die Gewähr, daß auch die Amnestiefrage befriedigend gelöst wird. aus am Blaze sein. Auch wer durch die kommende Reichstagswahl Aus vergangenen Zeiten. Untertanenherrlichkeit. Die Monarchisten aller Schattierungen suchen dem deutschen Bolte einzureden, feiner Eigenart widerstrebe das republitanifde Prinzip, es fühle sich nur wohl unter den Fittichhen threr, angestaammten Herrscherhäuser". Daß sie damit eine geringschäßige Meinung über ein Bolt, das sich also nicht selbst regieren könne, zum Ausdruck bringen, bebenfen sie wohl nicht, oder sie glauben, diese Beleidigung ihm bieben zu können. Wie die zahllosen angestammten Herrscherhäu. fer" mit ihren Untertanen" umgesprungen sind, darüber = berkaufte 5 723 Mann 16 992 2 422 1 644 1225 1160 Der Von diesen 29 166 Mann gingen 11 853 verloren und für jeden Gefallenen oder Verstümmelben erhielt der Landes, pater" noch eine besondere Entschädigung, so daß ihm an dem Untergang feiner verkauften Landesfinder" nur gelegen sein konnte. Preis pro Mann betrug 100, 120 und 150 Taler. Der Geschichtsfchreiber Franz von Löher( 1818 bis 1892) teilt einen für die Gesinnung der Fürsten charakteristischen Brief des Prizer von Hessen Kassel an den Freiherrn von Hohendorf Oberbefehlshaber der hessischen Truppen in Amerita, aus Eugen Regnaults Dentwürdigteiten" mit. Der Brief ist Dom 8. Februar 1777 datiert. Der Fürst äußert sich darin fehr erfreut über die Nachricht, daß in der Schlacht von Trenton von 1950 seiner Hessen 1650 gefallen feien, und ärgert sich, daß sich auf der vom englischen Minister ihm zugesandben Berluftliste nur 1455 Ge. fallene stehen, wodurch die fürstliche Schazkammer Verluste habe. Am Schlusse schreibt er: , und erinnere Sie daran, daß von den 300 Spartanern, die den Paß von Thermopylä verteidigten, nicht einer zurüdfam. Ich wäre glücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven Hessen fagen fönnte. Sagen Sie dem Herrn Major Mindorff, daß ich außer ordentlich unzufrieden bin mit seinem Benehmen, well er die 300 Mann gereftet habe, welche vor Trenton flohen. Während des ganzen Feldzugs find nicht zehn von feinen Leuten gefallen." So vor 150 Jahren Freilich so könnten die Fürsten es heute Bolte nicht. Habens auch nicht nötig, ihre Reichtümer haben sich nicht mehr treiben selbst mit dem, ach so geduldigen deutschen auch ohne den Verkauf von Untertanen bei einigen bis ins un geheure vermehrt. Und die offenen und verlappten Monarchisten, die vorläu Form fig auf unabsehbare 3eit" be republikanische Staatsform anerkennen, möchten uns baldigst wieder in das Untertanen. verhältnis zurückführen, m einen Zustand, der gewiß in der würde, als das vor 150 Jahren, in der Sadye aber auf das gleiche hinausliefe: Nicht Staatsbürger, fondern Untertan. Das Bolt mur Objektt der Staatsregierung und der Am 7. Dezember hat das Bolt sich zu entschelden. Behörden. Aus der Wahlbewegung. Ein Sozialdemokrat als Referent der Deutschnationalen. Ein föstlicher Wahlscherz ereignete sich am 1. Dezember 1924 in Biddershausen a. d. Werra. Dort war eine öffentliche Volksversammlung der Deutschnationalen Bolksparte einberufen worden, und vollzählig waren diesem Rufe die Bauern und einige Intellektuelle der Partei gefolgt. Als Gegenreferent hatten die Sozialdemokraten unseren Gen. Henkel- Dippach gebeten. Als dieser erschien, kam in liebenswürdiger Weise der deutschnationale Borftand auf ihn zu, und es entwickelte fich folgendes Zwiegespräch: ,, Mein Name ist Haas!" " Ich heiße Henkel!" ,, Sie wollen wohl referieren?" " Ja, ich habe die Absicht!" Sind Sie mit dem Auto gekommen?" Nein, ich bin zu Fuß gegangen." ,, Sie sind wohl nicht aus Hersfeld?" ,, Nein, ich bin gebürtiger Waldeder." " Wollen wir mit der Bersammlung beginnen?" „ Bitte schön!" Der Saal füllt sich mit Deutschnationalen, die stolz die vordersten Bänke besetzen. Im Hintergrund stehen schmunzelnd die Genossen. „ Drüben verteilen die Roten Flugblätter von wegen der Steuer. drückerei." „ Lassen Sie nur, ich gehe hernach darauf ein! Der Herr Vorstand eilt zum Bodium: nalen Boltspartei und erteile Herrn Hentet das Wort." Ich eröffne hiermit die Wählerversammlung der Deutschnatio Der Genosse Henkel redet, redet zwei Stunden über die Sendung des deutschen Bolles. Vor den Zuhörern steigt der erste giga. tische Versuch einer sozialen Umschichtung durch die Bauermevolution 1525 auf. Er mißingt. 1848 steht das Bürgertum auf den Barri faden. Nach 1870 steigt und blüht Deutschland, nicht durch die Kunst seiner Herrscher, sondern durch den sittlichen Pflichtwillen des deutschen Voltes zur Arbeit. Der Krieg zerreißt die Fäben internationaler Weltwirtschaft: Die Sozialdemokratie zwingt alle Barteien zur Ver. ständigung. Die Politit der Zukunft ist die Politit der Sozialdemo= fratie. Im Innern drohen Arbeitern und Kleinbauern neue Lasten durch Industrie und Großlandwirtschaft. Der Schutzzoll ist eine Ge fahr für Bolfskraft und Bolfswohlfahrt! Ohne Widerspruch hört die Versammlung zu. Der Schlußruf: Wer Friede, Freiheit, Volkswohlfahrt will, der wähle am 7. Dezem ber fozialdemokratisch!" läßt die Genossen frei zu stürmifchem Beifall. Die Herren Deutschnotionalen saßen erstarrt. Es war so schön, was ihnen vorerzählt worden war, aber, aber es war einer von den verd... Roten gewesen. Noch heute finnen die Herren Deutschnationalen barüber nach, wie so etwas in ihre Versammlung fam! Und er hatte doch ein hoch. zeitlich Gewand an. Das Wahlgeheimnis auf dem Lande. Jede Kontrolle der geheimen Stimmabgabe unmöglich. Minister des Innern hat under bem Datum des 4. Dezember folgen. Der Amtliche Preußische Preffedienst teilt mit: Der Breußische den Erlaß an die Banbräte in den Provinzen Ostpreußen, Bommern, Grenzmart Bosen- Westpreußen, Bran denburg und Niederschlesien geridert: In manchen Kreisen der ländlichen Bevölkerung ist die Auffaffung verbreitet, daß aus der Lagerung der Umschläge in den Wahlurnen ein Schluß auf die Stimmabgabe der ein. zelnen Wähler gezogen werden könne. Die in der Reichsstimmordhung§ 42, der Landeswahlordnung§ 36 vorgeschriebenen Größen verhältnisse der Wahlurnen innere Höhe mindestens 90 Renti meter, fichte Weite mindestens 35 Zentimeter bieten die Gewähr dafür, daß eine planmäßige Lagerung in den Urnen nicht geschehen tann. Bei Berwendung solcher Urnen ist die Besorgnis, daß das Mahl eheimnis insoweit nicht unbedingt pewahrt jei, völlig unbegründet. Die Herren Landräte ersuche ich. Sorge zu tragen, baß in den Wahllofalen nur Urnen mit den vorgeschriebenen Mindestgrößen vermendet werden. Diese Verfügung ist in einem Abdrud fofort auf fchleunigstem Wege den einzelnen Wahlvorstehern zuzu fertigen, die sie in den Wahlräumen anzuschlagen haben." Wirtschaft Goldbilanzen deutscher Großbanken. nischen Industrie hat sich der Auftragseingang weiter geboben. In normalen Leitungen, an Kabeln für die Postbehörde, fowie in der Schwachstromindustrie find nennenswerte Inlandsaufträge ein Gesundung fprechen. In der Tuchindustrie hat die er gegangen. Trotzdem bleibt die Erscheinung, daß große Aufträge mmr felten eingehen. Doch kann man von einer langsamen höhte Nachfrage infolge Dedung des Winterbedarfs nachgelassen. Der Geschäftsgang ist felt Mitte des Monats außerordentlich fchlep. pend. Nach den Aufragsbeständen ist in fürzester Zeit mit Arbeitsbeschränkungen zu rechnen. Die Beschäftigung in der Konfet. tion mar, ba the Rundfdjaft infolge der felben Witterung zur Dedung des Winberbedarfes fchyretien mußte, im allgemeinen redy befriedigend. Bestellungen in Frühjahrsartikeln sind jedoch nur fchwer hereinzubekommen. hat, sehen wir auch hier. Die grouenhaften Opfer an Glück und| dem Inlande eine starte Nachfrage ein. In be elettrotech. Wohlstand aus dem Volksvermögen und Bolkseintommen seit 1914 und besonders in der Inflationszeit sind umsonst gebracht. Wie bei der deutschen Industrie, hat sich ihr Gegenwert auch bei den Die Commerz und Privatbant A. G. Hamburg tums niedergeschlagen, ohne daß dieser Reichtum für die deutschen Großbanten in einer gewaltigen Vermehrung des Reichund Berlin hat im Krieg ihren Gesamtumfaß mehr als Boltswirtschaft wieder fruchtbar gemacht werden könnte. verdoppelt. 1920 vollzog sie die Fusion mit der Mitteldeutos in der Herabsetzung des Kapitals der Großbanten auf einen schen Privat A.-G., die ein Friedenskapital oon 60 Millionen verhältnismäßig geringen Bruchteil ihres Borfriegstapitals zum verhältnismäßig geringen Bruchteil ihres Borkriegstapitals zum und 8½ Millionen offene Reserven hatte und deren Gesamtfapital Ausbrud gebracht wird, das ist nicht die Armut der Banten seitdem im Besitz der Commerz- und Privatbont ist. 1921 bis 1923 ( sie sind viel zu reich), sondern die Berelendung der arbeitenden erwarb die Commerz und Privattant Lber ein Duhend Privat Massen und die Proletarisierung des gesamten Mittelstandes in und größere Provinzbanten. 1913 hatte sie 7 Bankgebäude, 1924 Deutschland. Es ist die Antwort der ökonomischen Gefeße darauf, hat sie 175 Bankgebäude. Dazu kommen ca. 50 fehr wertvolle daß der furzsichtige Dividenden und Gewinnhorizont der Wirt. Grundstüde und, ebenfalls neu seit 1913, 262 Häufer. Die dauern schaftsführer die voltswirtschaftliche Vernunft seit gehn Jahren m den Beteiligungen bei anderen Bonken und der Aktienbefiz an Füßen treten ließ. industriellen Unterrehmungen sind start erweitert. Die Distonto- Gesellschaft hat von 1914 bis 1918 ( einschließlich der Norddeutschen Bant Hamburg und des Schaaff haufenschen Bankvereins Köln) ebenfalls ihren Umfaz um 100 Proz. gesteigert( von 93 auf 191 Milliarden). Zur Norddeutschen Bant Hamburg, deren gesamtes Gesellschaftsfapital fie fet 1895 und zum Schaaffhaufenschen Bantverein Köln, beren gesamtes Aftienfapital fie feit 1914 besigt, erwarb sie 1915 die Rheinische Bank und die Mittelrheinische Bank hinzu. Bis 1923 erweiterte die Distonto- Gesellschaft ihre Herrschaft über weitere 1% Dußend Privat und größere Provinzbanten. Die von ihr fost restlos durch Attienbesiz beherrschte Handels. Maatschappy A. de Bary in Amsterdam mit 167 Weil lionen Goldmart Attiven blieb ungeschmälerter Besiz im Krisge. Während der Inflation wurden zu geringfügigstem Preis wertvolle Industrie- Aktienpafete neu erworben. Die dauernden Beteiligungen am Ueberseehandels- und Schwerindustriegeschäft Rheinland- West falens wurden stark vermehrt. Die dauernden Beteiligungen on der Brasißanischen und Chilenischen Bant gingen durch den Krieg nicht verloren, sondern blieben erhalten. Die Diskonto- Gesellschaft befißt überdies über 100 Bankgebäude und zahlreiche Liegenschaften, die zum weitaus größten Teile feit 1914 neu errichtet bzw. erworben murden. Soweit die Substanzveränderungen der beiden Großbanten seit 1914. Der neuerworbene Reichtum ist geradezu von erstaunlicher Fülle. Der Gewinn aus der Kriegs- und Gründer tonjunttur von 1870/71, der damals auf ein unverändertes Kapital bei der Distonto- Gesellschaft nur eine Dividendenerhöhung von 9% Proz. in 1869 auf 13,24 und 27 Prog. in den drei folgenden Jahren gestattete, erscheint lächerlich gegenüber den geradezu un geheuerlichen Substanzgewinnen in den zehn Jahren seit 1914. Die volkswirtschaftliche Sachverständigenarbeit der Herren Urbig, Russell, Solomonjohn tesonders in Währungsdingen scheint für die Großbanken und ihre Aktionäre, wenn man die Substan 3 ber Banken ansicht, ein Schlaraffenland eröffnen zu sollen. Die fürchterliche Befizzerstörung an Renten tapital( Obligationen, Hypotheken, Staatspapiere) in der deutschen Boltswirtschaft, bte Ber wüstung des Arbeits- und Renten ein tom mens in Deutschland scheint wenigstens in etwas im Reichtum der Großbanken volts. wirtschaftlich kompensiert zu werden. So lautete doch die Rechnung aller Sachverständigen der Industrie- und Hochfinanz, in deren Hand feit 1914 das Schicksal des deutschen Volkes lag. Dem ist aber feineswegs so. Die Commerz- und Privatban? hatte 1913 ein Aftientopital von 145 Millionen und offene Referven mit 22,4 Millionen Mart. Dieses Kapital wird in der Golderöffnungsbilanz nicht entsprechend der Substanzvermehrung erhöht, wie es in normalen Zeiter die Regel ist, wenn die SubstanzDermehrung nicht mit der Zerstörung des Boltsvermögens und des Boltseinkommens bezahlt wird sondern auf 63 Millionen Goldmark beratgesezt( 42 Millionen Rapital und 21 Millionen Reserven). Die Distontogesellschaft hatte ein Friedenskapital von 300 Millionen und Reserven mit 94 Millionen. In der Gemein schaftseröffnungsbilanz erscheint das Gesamtkapital der Diskonto gesellschaft einschließlich der Norddeutschen Bank in Hamburg und des Schaaffhaufenschen Bankvereins heute mit 100 Millionen Goldmart Rapital, die Gesamtreserven der drei Banten erscheinen mit 45 Millionen Goldmart. Die beiden Großbanten haben also trop ihrer gewaltigen Substanzvermehrung feine Hoffnung, aus den ihnen möglichen Geschäften einen höheren Reingewinn herausholen zu können, als sie für die 8-, vielleicht auch 12% prozentige Dividende für das auf ein Drittel gesenkte Eigenkapital nötig haben, wenn der Kredit der Bent nicht zerstört werden soll. Was sich schon aus den Goldbilanzen der Deutschen Bank, der Darmstädter und Nationalbant und der Dresdener Bant ergeten Was sich aus den Goldbilanzen der beiden Großbanten sonst noch entnehmen läßt, ergibt sich aus dem Gefagten von selbst. Der Stand der Geschäfte, wie er für den 1. Januar 1924 verzeichnet ist, entspricht den damaligen Berhältnissen einer noch fast vollständig zerstörten Kreditwirtschaft und einer faum noch befestigs ten Währungswirtschaft. Bon den beiden Großbanten verlautet heute schon, daß ihre Depositen dem Stand von 1913 schon er heblich nahe gerüdt sind; damit haben auch die flüssigen Aktiven heute einen entsprechenden Stand erreicht und die Zahlen der Gold eröffnungsbilanz haben feinen anderen als historischen Wert. Beide Großbanten, die Distontigesellschaft besonders mit ihrem in der Bilanz überhaupt nicht berüdsichtigten Bollbesitz der Handels. Maatschappy 2. de Bary in Amsterdam, haben auch außerordentlich hohe stille Referven. Sie liegen nicht nur in den eigenen Wertpapieren. Ronfortielbeteiligungen und dauernden Beteiligungen an anderen Instituten, sondern auch und noch mehr in den Bank gebäuden, ben Liegenschaften und dem Häuserbefiz. Um Liquiditätsforgen brauchen sich die beiden Banfriesen natürlich nicht zu fümmern, denn es steht ihnen nicht nur der internationale Kapitalmarkt offen, sondern ein großer Teil ihrer stillen Reserven ist auch heute fofort mobilisierbar. Handel und Gewerbe im November. K- r. Bens hat die Wirtschaftslage im Monat November ihren Tief= Nach den Berichten der Industrie- und Handelsbammern Brentit and weiter überwunden. Neben der Rohienindustrie meist auch die Eifenindustrie eine leichte Befferung im Absaz auf. was neben anderem auf die Bildung des Robstahlverbandes zurüdzuführen ist. Der Beschäftigungsgrad der Werte verbesserte sich. Die Preise zogen weiterhin an. Auch an der Börse zeigte fich eine Aufwärtsbewegung der Kurse. Die Lohnbewegung rahm zu. die Regiebahn wieder in die Hand der Reichsbahngesellschaft über. Die Verkehrstage befferte sich im ganzen Reich, nachdem führt worden ist. Die Einfuhr nahm im Oftober um 232 Millionen Mart( Gegenwartswert) gegenüber September zu, während die Ausfuhr nur um 47 Millionen Mark stieg. Damit hat die Passio. tät unserer Handelsbilanz eine Höhe von 244 Millionen Mart er reicht. Die Belebung der Wirtschaftslage ist ausschließlich auf den Inlandskonsum zurückzuführen. Der Rohlenabiaß im Ruhrbergbau bat außer ordentlich geschwankt. In der Zeit vom 2. bis 15. des Berichts monats find allein wegen 2bfatmangels mehr als 250 000 Feier. schichten eingelegt worden. Seit Mitte des Berichtsmonats hingegen hat sich der Ablak fichtbar a steinert. Die Feierschichten betrugen in der Woche vom 6. bis 22. November 4948, in der Zeit vom 24 bis 27. November 2147. Diele erh bliche Besserung der Abfag. verhältnisse in der letzten Hälfte des Berichtsmonats ist hauptsächlich auf den gesteigerten Bedarf an Hausbrandtohle zurückzuführen. Auch haben die Werke größere Rohleneindecumgen vorgenommen In Oberschlesien ftodbe der Ablak noch im November. Der Jm mitteldeutschen Brauntohlengebiet belebic fich der Abfah in Mohtohle wie in Brifetts. Die Einlegung von Feterschichten war nicht mehr nötig. In geringem Umfange fonnten Neu- bzw. Wiedereinstellungen von Arbeitern erfolgen. Eisenerzbergbau des Siegerlandes wies zum erstenmal feit längerer Zeit eine ficine Besserung auf. In der Kaliindustrie ließ der Inlandsabjah nach, während der Absatz nach dem Auslande stieg. Bepterer macht jetzt 90 v. H. der gesamten Probuftion aus. Nach der Gründung des neuen Eisenfartells, der Roh stahl gemeinschaft, hat sich die Martilage der Schwerindustrie. gebessert. Die Walzeifenpreise find gestiegen, fo Stabeifen von 110 bis 112 M. Anfang auf 120 M. Enbe November. Lokomotiv- und Waggonfcbrifation helt die Stagnation an. Die Maschinenindustrie belebte fich etwas. Nur in der der Kleineisenindustrie des Westens zeigte sich eine erIn hebliche Befferung, doch blieb infolge des starten Wettbewerbes das Breisniveau niebrig. Auch in der Aluminiumindustrie trat in Seftwertanleihen im Monat November. Bresse üter Verhandlungen zwischen deutschen men und deutschen In den letzten acht Wochen gingen zahlreiche Notizen durch die Kommunen einerseits und ameritonischen Banten anderers feits. wegen der Aufnahme von Krediten. Es scheint, daß bisher aus Amerika erhalten haben. Nur einzelne große Städte, wie z. B. mehr private Darlehnsnehmer als öffentliche Körperschaften Geld Berlin, haben Kredite bekommen und defe zunächst auch nur für furze Laufzeit. Der deutsche Sportaffen und Giro verband hatte kürzlich Bertreter nad New Dort entfandt wegen Aufnahme einer größeren fommunalen Gesamtanleihe, an deren Erlös eine Reihe von Städten beteiligt wären. Die Berhandlungen sollen aussichtsreich stehen, jedoch hat man über einen tatsächlichen Abschluß bisher nichts gehört. in Deutschland nach wie vor zur Dedung ihrer Kreditedürfnisse, Unter diesen Umständen bleiben die öffentlichen Körperschaften besonders der langfristigen, auf den inneren Rapitalmartt angewiesen. Dieser aber ist immer noch nicht in der Lage, die die Ausgabe von Anleihen der Kommunen oder der Bänder ermöglichte. Der innerdeutsche Zinsfuß für Kredit mit langer Laufzeit ist immer noch zu hoch. Eine Vorstellung hierüber gibt der Kursstond der fünfprozentigen Die folgende Tabelle zeigt die Notierungen dieser Baptere an der Goldhypotheten Pfandbriefe. Berliner Börse im Monat November. Die Kurse lauten auf Goldmarf für 1 Gramm Feingold.( 1 Gramm Feingold 2,79 Goldmart nach der Definition der Reichsmart.) B Berliner Hypothekenbank. Frankfurter Pfandbriefbank. Leipziger Hypothekenbank Meininger Hypothekenbank. Norddeutsche Grundkreditban! Breußische Bodenkreditbank. Schlesische Bedenkreditbank Westdeutsche Bodentreditbank 8. 11. 11. 11. 21. 11. 28. 11. 1,60 1,60 1,59 1,57 1,58 1,70 1,60 1,59 1,53 1,58 1,54 1,53 1,52 1,52 1,53 1,52 1,51 1,52 1,53 1,51 1,52 1,52 1,53 1,51 1,58 1,52 1,58 1,51 1,51 1,58 Durchschnittlicher Wert der 8 Kurie 1,54 1,56 1,55 1,54 • 1.54 des ganzen Monats November fast unverändert geblieben. Die Notierungen der Goldhypotheken- Pfandbriefe find während Der Kurs Ultimo November mit 1,54 ist fast gleich demjenigen von Vltimo Oktober, wo er auf 1,53 stand. Ein Preis von 1,54 Goldmart für 1 Gramm Feingold bedeutet für den Käufer der Pfandbriefe eine Realverzinsung von 9,01 Broz. Ein solcher Binsfag, der noch über dem der Dames- Anleihe liegt, ift eben für langfristige Anleihen zu hoch. Ein Grund dafür, daß der Kurs Der festverzinslichen Papiere nicht steigi, d. h., daß die Realverzin fung nicht fleiner wird, ist rein börsentechnischer Natur. Er legt barin, daß größere Teile der Anlage suchenden Kapitalisten sich neuerdings wieder mehr den Dividendenwerten zuwenden. Die stärfere Beachtung der Aftien läßt den Schluß zu, daß zahlreiche Kreise auf eine baldige Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft rechnen Auch die Gewährung amerikanischer Kredite an die deutsche Geschäftswelt man schäßt die Gesamtsimme der tisher gegebenen Darlehen auf etwa 200 millionen Dollor bestätigt diese Annahme. Die amerikanischen Benten würden ihre Gelder nicht nach Deutsch land geben, wenn sie nicht an die Lebensfähigkeit und Sicherheit der deutschen Wirtschaft gicubben. Falls die Wahlen am 7. Dezember einen Reichstag ergeben, der eine auswärtige Politit von Stetigkeit und Ruhe gewährleistet, dann wird der Zu strom ausländischen Kapitals nach Deutschland anhalten.. Daraus wirh aber letzten Endes ein Erstatten des inneren deut. fchen Kapitalmarttes sich ergeben. Dann wird für die eigene Anleihen zu erträglichen Bedingungen herauszubringen. deutschen Kommunen und Länder der Moment gefommen fein, Arbeitersport. Dr. M. Baffersportsparte( 6. Beair!) im 1. Areise bes Arbeiter- Turn. unb Sport bundes. Montag, den 8. Desember, abends pünktlich 7% Uhr, in der Idealflause, Neukölln, Mareichstraße 14, Bezirtsvorstandssitung. Das Er. fcheinen aller Borstandsmitglieder fowie der Gruppenleiter 1-5 ist unbedingt erforderlich. Tiefz BILLIGE Lebensmittel Verkauf nur soweit Vorrat 227 Schriftliche Bestellungen werden prompt erledigt. Frisches Fleisch Schweineschinken u.- blatt Ptd. 9 Pt. Schweinebauch ohne Bellage.. Pfund 90Pt. Hammelvorder fleisch.... Piund 65Pt. Hammelrücken... Pfand 70Pt. Kalbskamm ......... Pfund 65P1. Kalbskeute und-brust..Ptand 85Pt. Rindertalg in Büchsen, ca. 6 engl. Pfd., Stück 340 Schweineköpfe leicht gepökelt. Pfund 38Pt. Pa.fett.Suppenfleischgefroren, Pid. 55Pt. Prima Ochsenschmorfleisch gefroren, ohne Knochen.... 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