119 Abendausgabe fir. 580 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 290 5 Goldpfennig Dienstag 9. Dezember 1924 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr. Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Ferusprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der Schrei nach dem Bürgerblock. In Preußen und im Reich. Die deutschnationale Nationalpo ft" besteht darauf,| peten gründen wollten. Ist es aber nicht so gemeint, fo ist daß der Bürgerblod fommen muß, weil die Sozialdemokratie zu bedenken, daß Schärfe"," lngestüm“ und„ Sturm" Dinge stärker geworden ist. Sie schreibt: find, die auch den Sozialdemokraten im Kampf gegen eine Bürgerblodregierung zu Gebote stehen.ht Die volksparteiliche Beit" erklärt sich gegen eine große Koalition. Sie schreibt: In der Tat liegt der Schlüssel der Lage bei der Deut schen Volkspartei. Wenn ihre führenden Männer wirklich die Große Koalition im Reiche weit von sich weisen, wie ein Spätabendblatt behauptet, dann bleibt nur die Wahl zwischen der Weiterführung der bisherigen Politif des Fortwurftelns, oder die Bildung einer Rechtsregierung. Die erste Möglichkeit dürfte nach den Erklärungen der Regierung ausgeschlossen sein. Denn menn sie nicht nur das deutsche Bolt in einen neuen Wahlkampf geführt hat, um den Sozialdemokraten 30 neue Mandate zuzuschanzen, dann wäre dieser Aufwand sinnlos gewesen, wenn alles beim alten bleiben follte. Es bleibt also nach vernünftigen Gesichtspunkten nur die Bildung einer Rechts regierung übrig.. Gleichfalls an die Volkspartei wendet sich die Deutsche Tageszeitung" mit folgenden Darlegungen: Bekanntlich hat die Deutsche Boltspartei ihr Verbleiben in der Großen Koalition( in Preußen. Red. d. B.) immer damit zu entschuldigen versucht, daß es ohne ihr Zusammengehen mit der Sozialdemokratie in Preußen zu einer ausgesprochenen Links regierung, nämlich einer Koalition von Sozialdemokratie, Demokratie und Zentrum gekommen wäre. Wenn auch schon die Tat sache des Ministeriums Stegerwald gegen diese Begründung für die Haltung der Deutschen Volkspartei sprach, so trifft es freilich zu, daß die genannten drei Parteien, die alte Koalition von Weimar, im Breußischen Landtag über eine an sich tragfähige Mehrheit, nämlich über 241 von 422 Abgeordneten, verfügten. Im neuen Landtage liegen die Dinge umgekehrt: in ihm zählen die drei alten Koalitionsparteien nur 219 von 446 Abgeordneten, während andererseits Deut'dhnationale, Deutsche Voitspartei und Zentrum bereits ohne die Demokraten und die feinen bürgerlichen Gruppen über eine tragfähige Mehrheit von 232 Abgeordneten verfügen. δας Kabinett Braun Dom Wir haben schon betont, daß man sich die große Roalition unmöglich als das Ergebnis dieses Wah'tampfes vorstellen fan. Man fann nicht den ganzen Wahlkampf auf den Linfsblod einstellen und dann, men diese Karte nicht geftochen hat, erflären, man werde sich allenfalls auch auf ein anderes Spiel einlaffen. Das geht erst recht nicht, wenn man, wie der Bor märts", auch dann noch das Recht zu haben glaubt, anderen Parteien Bedingungen zu stellen. Es wird wohl kein 3 weifel darüber bestehen, daß die große Roali tion aus der Reihe der Regierungsmöglichfeiten von vornherein auszuscheiden hat Für das Zentrum erflärt die Germanic": Die wichtigste Frage, unter der wir glauben, daß das Wahlrefultat jetzt betrachtet werden muß, ist die: hat das deutsche Bolf den bisherigen Regierungsturs gutge heißen, und wünschtes, daß er weitergeführt wird? Wir glauben, daß diese Frage unbedingt bejaht werden muß. Diese fach iche Notwendigkeit. scheint uns denn auch die Anleitung dafür abgeben zu müssen, wie zmedmäßig bei der kommenden Regierungsbildung verfahren werden müßte, wenn Reichskanzler Marg mit seinem Kabinett demnächst demissionieren sollte. Das Verfahren scheint uns dasselbe bleiben zu müssen, wie nach der Demiffion des Kabinetts Marg beim Zusammentritt des letzten Reichstags. Wir würden es begrüßen, wenn Reichskanzler Marg auch das kommende Kabinett zu bilden hätte und ihm die volle Freiheit gegeben würde, sich die Mehrheit für feine bewährte Politik da zu suchen, wo erfie findet, Mit diesem Vorschlag dürften die Deutschnationalen marr vor, daß er durch seine Quertreibereien" den taum einverstanden fein. Denn sie werfen gerade Herrn Bürgerblod verhindert habe. . . Dagegen sieht die Kreuzzeitung" die Gefahr, daß in Preußen eine Mehrheit aus Sozialdemokratie, Demokratie, Zentrum und Wirtschaftspartet gebildet werden fönnte und erklärt dorum schon jetzt auf olle Fölle, es werde ,, die Opposition gegen ersten Tage an nicht nur mit Ungestüm einsetzen". Es merde dann ein Das Reichskabinett tritt heute, nachmittag 5 Uhr, ,, Sturm erheben, der sehr schnell mit dem mit dem rosa- zur Besprechung des Wahlausfalls und der daraus zu ziehenden roten Mischmasch fertig merden wird." Das sieht fast so Folgerungen zusammen. mit Schärfe, sondern Beratung des Reichskabinetts. ous, als ob die Deutschnationalen mit den Kommunisten eine Diese Meldung muß befremden, da der ReichsBetriebsmittel gemeinschaft in Kindertrom-- tangler erst am Mittwoch wieder in Berlin eintrifft. Das endgültige Wahlergebnis. 131 Sozialdemokraten! Nach den weiteren Berechnungen des Statistischen Reichsamtes dürfte sich der zufünftige Reidstag aus 493 Abgeordneten zusammensehen. Davon find: Sozialdemokraten Deutschnationale Zenfrum Kommunisten Nationalsozialisten Deutsche Bollspartei Demofraten Banerische Bolkspartei Wirtschaftspartei Candbündler Deutschhannoveraner. Das Resultat in Preußen. 114 Sozialdemokraten. Hoffnungslos verrannt! Die Kommunisten nach der Wahl. Die Kommunistische Partei hat im Wahlkampf eine haßerfüllte Propaganda gegen die Sozialdemokratie geführt. Sie hat der Sozialdemokratie die Schuld an allen Dingen und Ereignissen gegeben, angefangen von der Verfolgung der KPD. bis zu den letzten individuellen Verbrechen, die von Geistestranfen begangen worden sind. Die Sozialdempfratie ist an allem schuld- das mar die stereotype Formel der Kommunisten. Es hat nur noch gefehlt, daß man uns für das Wetter und die Fliegen an der Wand verantwortlich gemacht hätte. hatte den 3med, die Kommunisten von der Frage abzuziehen, Diese wider besseres Wissen aufgebaute Haßpropaganda was nach der Wahl werden soll. Die erste Frage, die jeder politisch denkende Mensch an eine Partet richtet, ift: was wollt ihr, und wie wollt ihr es erreichen. Diese einfache Frage ist die unbequemste Frage, die an die Kommunistische Bartei gerichtet werden fann. Immer, wenn sie im Wahlfampf gestellt wurde, verrieten die Kommunisten in große Berlegenheit. Eine Antwort, flipp und flar, war niemals zu erhalten. Jezt handelt es sich nicht mehr um Wahlkampf, sondern um Politik. Jezt steht auch vor den kommunistischen Arbeitern die Frage: was fann geschehen, was wird geschehen, was muß geschehen? Die kommunistische Zentrale ist entschlossen, mit ihren alten Formeln zu arbeiten. Sie weiß zwar noch nicht, wie die kommende Regierung aussehen wird, aber sie gibt schon die Parole aus, daß sie gestürzt werden muß. Sie hat zwar noch feine Ahnung, wie die Stellung der Sozialdemokratie zu der Zusammensetzung und den Taten der kommenden Reichsregierung sein wird, aber sie weiß schon, daß die Sozialdemokratie an allem schuld sein wird. Die fommunistische Zentrale fündigt in einem Aufruf an, daß die Abgeordneten der KPD. die unwürdigen Szenen aus dem Reichstag vom 4. Mai wiederholen werden. Die sachlichen Ziele der Arbeiterbewegung spielen flir die fommunistische Zentrale nur eine untergeordnete Rolle. Das Ringen um eine vernünftige Außenpolitif, die Sorge um die Befreiung der besetzten Gebiete, um die soziale Stellung fämpfe und beschimpfe ich am besten die Sozialdemokratie. der Arbeiterschaft tritt zurück hinter der Frage: wie be Hat die Arbeiterschaft ein Interesse an der Räumung der besetzten Gebiete? Hat die Arbeiterschaft ein Interesse an stabiler Währung? hat die Arbeiterschaft ein Interesse an gerechter Verteilung der Lasten aus dem Dawes- Gutachten? Räumung der besetzten Gebiete bedeutet finanzielle Entlastung, bedeutet wirtschaftliche Erleichterung, bedeutet vor allen Dingen Bewegungsfreiheit für die Arbeiterschaft. Stabile Währung gibt der Arbeiterschaft eine feste Grundlage für ihre Lohnbewegungen, macht dem Unternehmertum den Lohnbetrug durch Geldeniwertung unmöglich. Gerechte Verteilung der Lasten aus dem Dawes- Gufachten bedeutet nicht nur gerechte Berteilung der Steuer lasten, es bedeutet zugleich Schutz der Arbeiterschaft durch amf- chiftundentag und Wiederausbau der Sozialpolitik. Nach dem jetzt genauer festgestellten vorläufigen lichen Wahlergebnis sind bei der preußischen Landtagswahl abgegeben worden 18 326 061 gültige Stimmen, so daß 450 Abgeordnete gewählt sind. Davon erhielten: Sozialdemokraten 131 103 69 Siimmen 4557429 45 Deutschnationale. 51 Zentrum 4 345 996 3 223 593 14 Kommuniffen 1 762 467 32 Deutsche Boltspartei 1 790 846 Nationalsozialisten 453 717 Mandate 114 109 81 44 45 11 17 Demokraten 1 078 557 27 Wirtschaftspartei. 452 539 11 Deutichhanroveraner 259 370 6 Nationale Minderheiten 88 203 2 2151.. 67 206 0 37 459 0 113 607 0 13 320 0 41 248 19844 Diefes Ergebn's fann als das endgültige vorläufige Ergebnis der Berechnungen angesehen werden. Nach den bis 11 Uhr miftaas beim Reichswahleifer eingegangenen Meldungen der Kreiswahlleiter wurden an Stimmen für die einzelnen Parteien abgegeben: SPD. 7 859 433, Zentrum 4 117 481, Deutschnationale Boltspartei 6 180 281, Kommunisten 2 698 956, Deutsche Volfspartel 3 046 493, Nationalsozialistische Freiheitsbewegung 901 601, Demokraten 1915 187, Bayrische Volfspartei 1 120 752, Wirtschaftspartei und Bayer. Bauernbund 999 703, Landbund 498 003, Deutsch- Hannoveranische Partei 262 569, Haenfjerbund 10 168, Sp. 98 533, Startbund 193, Deutsche Aufwertung- und Aufbaupartei 92 556, Freiwirtschaftsbund 39 162, Deutschsoziale Partei 157 835, Christlich- soziale Boltsgem infchaft 41 373, Nationale Minderheiten Deutschlands 92 565, Deutschvölkische Reichspartei 3383, Aufwertungs- und Wiederaufbaupartei 22 281, Mieterpartei Deutschlands 283, Bartel für Bolfswohlfahrt 32 236, Deutschchriftliche Volfspartei 4342. Summe der abgegebenen gültigen Stimmen 30 195 369, Christlich- Soziale Volksgemeinschaft Deutschsoziale Freiwirtschaftsbund Aufwertung und Aufbau 0 Einige fausend weitere Stimmen entfielen noch auf die übrigen Splittergruppen, Die tommunistische Zentrale leugnet das Interesse der Arbeiter an diesen Forderungen. In einem Artikel der Roten Fahne" schreibt sie: In Bezirken mit einer langjährig gefahulten lassenbewußten Arbeiterschaft, wie in Berlin, fonnte die SPD. allerdings fast nur aus dem Kleinbürgertum neuen Anhang finden. Hingegen hat sie in einzelnen Bezirfen, wie im Ruhrgebiet, zweifellos auch eine beträchliche Zahl von Arbeiterstimmen gewonnen( allerdings bort unterstüßt durch die Illusion, die Räumung bestimmter Gebiete bedeute eine Besserstellung der Arbeiter). Wie ist das zu erklären, und welche Folgerung ist daraus zu ziehen? Gegenüber der entseglichen Not der Inflationszeit bedeutet die gegenwärtige Scheinstabilisierung für große Teile der Arbeiterschaft, besonders im befeßten Gebiete, vor übergehend eine Erleichterung. Wo unsere Agi ation die Masser in den Betrieben und in ben Gewerkschaften noch nicht ge. mügend erfaßt hat, dort glauben die Arbeiter, daß diese vorübergehende Erleichterung der Beginn einer dauernden, auf dem Wege der demokratischen Positif, im Rahmen des Kapitalismus durch die Erfüllung des Dawes- Pans zu erreichende Berbesse. rung ist. Es ist klar, daß wir als Kommunisten an diese von den Reformisten verbreiteten Illusion nicht anzufnüpfen" haben, etwa durch Propagierung der gerechten Lastenverteilung im Rahmen der Erfüllung des Dawes Planes, sondern daß wir unseren Kampf zur Zerstörung dieser Illusion verschärfen Berlin, 8. Dezember. Herzliche Glückwünsche zum glänzenden müssen. Wir müssen den Arbeitern nicht nur theoretisch ausWahlsieg. Hoch die deutsche Sozialdemokratie! Die Auslandsvereinandersetzen, daß der Dawes- Plan keine Verbesserung, sondern eine tretung der Sozialdemokratischen Partei Rußlands. Glückwünsche zu den Reichstagswahlen. Beim Parteivorstand trafen noch folgende Glückwünsche zu den Wahlen ein: gez. R. Abramowitsch. Th. Dan. Graz, 8. Dezember. Der Landesparteitag der Sozialdemokratischen Partei der Steiermark entbietet der deutschen Bruderpartei zu ihrem großartigen Wahlerfolg die herzlichsten Gückwünsche und Grüße. gez. Pongrah, Vorsitzender. Prag, 8. Dezember. Mit leidenschaftlichem Interesse haben wir Euren schweren Wahlkampf verfolgt. Wir freuen uns mit euch des herrlichen Sieges, den ihr am 7. Dezember errungen habt. Im Auftrage des Parteiporstandes und der Parlamentarischen Bertretung der deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschecho. flowakei beglümünschen wir euch auf das herzlichste gez. Czech = " fatastrophale Verschlechterung der Lebenshaltung des Pro'etariats bedeutet und es ihnen durch die Erfahrungen ihrer eigenen Kämpje bewei'en. Die Arbeiter, die der KPD. den Rücken gekehrt und wieder Anschluß an die Massenpartei der deutschen Arbeiterschaft gefunden haben, haben die Lehren aus ihren Erfahrungen gezogen. Die Arbeiteriche im besetzten Gebiet weiß, was Tatsachen und was Illusionen sind. Es ist aber das Bestreben der Rommunisten, die Tatsachen wieder zu Illufionen zu machen. Die Stabilität der Währung, die wirtschaftliche Erleichterung infolge der Annahme und Durchführung des Dames- Butagtens find Tatsachen. Ob sie der Beginn einer dauernden Berbefferung sind, darüber entscheidet die Politik der nächsten Zeit. Die Sozialdemokratie will, daß eine dauernde Verbesserung der Lage eintritt. Das ist das Ziel ihrer Politik. Sie wird daran arbeiten im Parlament, und sie weiß, daß die Gewerkschaften ihre ganze Kraft daran sehen werden, die Löhne der Arbeiter zu halten und zu heben, und den Einfluß der Sozialdemokratie in den Fragen der Sozialpolitik durch gewerkschaftlichen Einfluß zu unterstützen. Aber was will die kommunistische Zentrale? Sie will den Kampf um die gerechte Berteilung der Lasten nicht. Sie will, daß eine Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft zu einer Illusion werde. Sie will den Kampf um die dauernde Verbesserung der Lage der Ar beiterschaft betämpfen. Sie weiß schon, daß die Arbeiterschaft und ihre Vertretungen im Kampf um eine dauernde Verbesserung der Lage der Arbeiter den fürzeren ziehen werden. Sie erblickt ihre Aufgabe in der Beweisführung, daß die Arbeiter den fürzeren ziehen werden. Das ist das Ziel der Kämpfe und Massenattionen, in die sie die Arbeiterschaft führen will. Daraus ergibt sich ihre Tattif im Parlament und in der Gewerkschaftsbewegung. Im Parlament wird um die gefeßliche Regelung und Festlegung des Achtstundentages, um die Steuerfragen, um die Fragen der Sozialpolitik schwer gerungen werden. Die Sozialdemokratie wird mit aller Energie für die Interessen der Arbeiterschaft eintreten. Aber sie hat nicht die Mehrheit. Ihr Einfluß ist nicht allein be= stimmend, um so mehr, als die tommunistischen Parlamen tarier ihre Aufgabe nicht im Kampf um sachliche Ziele für die Arbeiterschaft, sondern im Kampf gegen die Sozialdemo fratie erbliden sollen. Im Parlament ist das Ziel der Kommunisten: nachhelfen, damit nichts für die Arbeiterschaft erreicht wird, damit der Beweis geführt wird, daß die Bemühungen der Arbeiterpartei umsonst sind. In der Gewerkschaftsbewegung wollen die Kommunisten in verstärktem Maße Zellen bauen. Gestützt auf diese Zellen, wollen sie die Massen in kommunistische Aktionen führen nicht um den Achtstundentag zu sichern, nicht um höhere Löhne zu erfämpfen, nicht um die Lage der Arbeiterschaft zu verbeffern, sondern im Gegenteil: sie wollen durch wilde, im Grunde gegen die Gewerkschaften selbst geführte Kämpfe, die zum Mißerfolg verurteilt sind und deren Miserfolg von den Kommunisten felbft in Rechnung gestellt wird, in den Massen den Glauben erwecken. daß auch die gewerkschaftliche Arbeit umsonst ist. Es darf den deutschen Arbeitern nicht besser gehen. Es darf nicht eine Beriode des Aufstiegs der deutschen Arbeiterschaft und der deutschen Arbeiterbewegung beginnen, denn der praktische Erfolg ist der Tod der fommunistischen Illusions politik. Deshalb das Streben, die Erfolge der Räumung, der Stabilität, der Teilerfolge im Kampf um den Achtstundentag und im allgemeinen Lohnfampf wieder zu zerstören. So geht es nicht! Eine Partei, die vom Haß gegen den praktischen Erfolg geleitet wird, fann niemals der Arbeiterschaft helfen. Wer große Ziele für die Arbeiterschaft erreichen will, der muß durch das stetige und zähe Ringen im Parlament und Gewerkschaft um etappenmeise Erfolge auch die Grundlage dafür schaffen. Gewählte Sozialdemokraten in Preußen. 114 Mandate. Ostpreußen: Dito Braun, Mertins, Frau Wohlgemuth, Jäder, Neumann( Allenstein). Berlin: Paul Hirsch. Beid, Frau Hanna, Meier, Lüdemann, Dr. 28ent, Kuttner, Eabath, 3achert. Potstam II: Bartels, Klaußner, Frau Kähler, Klodt, Drügemüller, Harnisch. Potsdam I: Stering, Haenisch, Krüger, Richter, Frau Ryned, Bende, Szillat. Frankfurt( Oder): Fober, Baekel, Heilmann, Brückner, Schadow. Dommern: Herbert, Hartwig, König, Decker, Frau Höfs. Der Rebell. Bon Peter Hamacher. Autobiographie ist mehr oder weniger der Verfuch, das ene Werden und Sein bewußt nach einer Idee hin zu ordnen nd festzulegen. Sie ist Borwegnahme der Legendenbildung. Wie ich gesehen werden möchte, tönnte über einer jeden stehen. Goathe teht sein Leben unter dem Schicksalsbegriff des Dämonischen, das Zeit und Stunde schafft und unter dem Seelenbegriff des erfassen den Bildungsstrebens, und er nennt sein Wert„ Dichtung und Wahi heit". Biographische Details, falendarische Genauigkeiten merden wiwichtig vor der angeschauten Wahrheit des Bildes. Autobiographie ist somit nicht historischer Bericht, sondern gestaltete Selbftandauung eines Daseins, das sich irgendwie symbolisch wichtig, reprãSentativ ericheint. Breslau; Löbe. Winzer, Thiele, Erowig, Hamburger, Lang, Rösler. Liegnih: Eberle, Fritsch, Frau Dr. Wegscheider, Gaudlik, Simon. Oppeln: Franz. Magleburg: Frau Bollmann, Roch, Brandenburg, Fere, Wittmoad, Kaster, Stollberg. Merseburg: Baentig, Christange, Drescher. Erfurt: Kleinspehn. Gewählte Sozialdemokraten: Giering, Haenish, Krüger, Richter, Frau Ryned, Wende, Szillat Wahlfreis 5, Frankfurt a. d. D. SPD. 231 267. Dt. Nat. 317 240. 3tr. 52 342. Komm. 36 441. Dt. Bp. 89 986. Natioz. 26 038. Dem. 39 079. Wirischpt. 18 231. USPD. 2696. Poln. P. 5 652. Difoz. P. 10 292. Wahlkreis 7, Breslau. Schleswig- Holstein: Brecour, Frau Jensen, Sievert, Jürgensen, Dt. p. 73 327. Natio3 13 491. Dem. 44 351. Wirtschpt. 13 830. Peters. Wejer- Ems: Bubert, Frau Wellmann. Oft- Hannover: Gehrmann, Brandes, Frau Kröger. Süd- Hannover: Harleibs, Frau Helfers, Stephan, Heinz Müller, Rorl Müller, Schröder. Westfalen- Nord: Severing Michel, Meyer, Schlüter. Westfalen- Süd: Klupsch, Otter, Frau Oventrop, Osterroth, Bräucer, Sahl, Fries. Bründing. SPD. 303 730. Dt.- Nat. 275 894. 3tr. 183 737. Rom. 29 260. Matsoz. Poln. P. 1442. Difoz. P. 17 060. Lehrreiche Zahlen. Frauen und Männerftimmmen in Köln. Köln, 9. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In Köln wird schon seit den Wahlen zur Nationalversammlung nach Ge. Heffen- Nassau: Martwald, Gresinsti, Haese, Frau Ege, Traudt, schlechtern getrennt gewählt, so daß hier ohne weiteres VerWittich, Wied, Roehle, Kraft. Köln Aachen: Hoas, Frau Kirschmann, Fries. Koblenz- Trier: Kleinmener. Düsseldorf- Ost: Haberland, Frau Christmann, Meyer, Berben. Düffeldorf- Weft: Schluchtmann, Bewerenz. Landesliste( 6): Hörfing, Dr. Rosenfeld, Leinert, Frau Kunert, Dr. Badt, Dr. Silberstein. Die preußische Landtagswahl. Borläufige Ergebnisse. Die Resultate aus den Reichstags- und preußischen Landtagswahlen sind nicht immer und überall die gleichen, weil fich oft schon innerhalb des einzelnen Stimmbezirts die Stim men leicht verschieben, vor allem aber weil nicht alle preußischen Wahlkreise mit den Reichstagswahlkreisen übereinstimmen. Wir geben deshalb hier die Wahlkreisergebnisse von GroßBerlin zum Vergleich wieder: Wahlkreis 2( Berlin). Sozialdemokraten Zentru: n Demokraten Deutsche Volkspartei Birthaftspartet Deutschmaticale Nationalsozialisten Deutschfoziale Unabhängige Kommunisten . Gewählte Sozialdemokraten: Hirsch, Leid, Meier, Lüdemann, Weyl, Kuttner, 3achert. Wahlkreis 3( Potsdam II). Sozialdemokratische Partei Zentrum Deutsche Demokratische Partei Deutschnationale Deutsche Bolkspartei Nationalsozialistische Freiheitspartei Kommunisten Wirtschaftspartei. 360 804 45 396 112 476 54 333 35 713 243 125 17470 13 484 3 077 214 633 Frau Hanna, Sabath und 239 190 31 197 112 482 249 578 76 737 25582 108 916 31 679 gleichsmöglichkeiten gegeben sind. In der Stadt Köln erhielten die Sozialdemokraten 13 000 Frauenstimmen weniger als Männerstimmen, die Komunisten 12 000, Deutsche Volkspartei und Demokraten je 3000 weniger. Bei den fleine 1 Barteien halten sich die Stimmen der Männer und Frauen ziemlich die Wage, während dagegen bei der Zentrumspartei die Frauenstimmen die Männerstimmen um 17 000 übertreffen. Hier offenbart sich der überragend starte Einfluß der Klerifalen auf die Einstellung der Frauen. Erfreulich ist allerdings, daß bei den Sozialdemofralen, gemessen an früheren Wahlen, der Anteil der Frauen im Wachsen begriffen ist. Der Reichspräsident als Kläger. Abwehr gegen einen Verleumdungsfeldzug. BS. Magdeburg, 9. Dezember. Vor dem erweiterten Schöffengericht des Magde burger Amtsgerichts begann heute morgen der Prozeß gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Mitteldeutschen Zeitung" in Staßfurt, Rothard, wegen Beleidigung des Reichspräfi. denten. Der Beklagte hatte einen offenen Brief" des natio nalsozialistischen Echriftstellers Dr. Gansfer, in dem der letztere den Reichspräsidenten aufforderte, fich vor Gericht von dem Borwurf des Landesverrats " zu reinigen, mit einem für den Reichspräsidenten beleidigenden Kommentar versehen Die Verhandlung, die sich im großen Schwurgerichtssaal abspielt, wird von Landgerichtsdirektor Bewisdorff geleitet, während die Anklage von Staatsanwalt Rasmus vertreten wird. Für den Reichs präsidenten, der nach der Novelle zur Strafproceßordnung nicht mehr an Gerichtsstelle zu erscheinen braucht, sind die Rechtsanwälte Wolfgang Heine und Otto Landsberg zur Stelle, der Angeklagte Rothard wird von den Rechtsanwälten Martin und Bindewald aus Magdeburg verteidigt. Im Gerichtssaal ift zur persönlichen Information des Reichspräsidenten Ministeriairat Dr. Doehle anwesend. Der Angeklagte Erwin Rothard ist jetzt, nachbem er aus der Schrift'eitung ausgeschieden, Prokurist des Berlages Mittelbeutsche Zeitung". Der Angetlagte ist wegen unerlaubten Handels Gewählte Sozialdemokraten: Bartels, Riaußner, Luise mit Wolle zweimal vorbestraft. Zur Antlage bemerkt Rolhard: Rähler, Klobt, Drügemüller, Harnisch Zentrum 4 Wahlkreis 4( Potsdam I). Sozialdemokratische Partei 271 941 22 679 Deutche Demokratische Partei Deutsche Boltspartei 55 899 70 442 Wirtschaftspartei 42 796 Bolen 719 Deutschnationale 280 975 Nationalsozialisten 25 413 11 356 5376 108 614 2156 Deutschfcgiaie u. Reichsbund für Aufwertung Unabhängige Sozialdemokratische Partei Kommunisten. Deutsche Auswertungspartei Ein stofflich interessantes, heiß bewegtes Buch ist diese Le bensgeschichte", sowohl vom persönlichen Erleben des Autors wie von den Erlebnissen der Zeit her, der beiden letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunder's, da das große Feuer“ überall in den Herzen der Jugend aufzubrechen schien. Das Feuer ist bald erst.dt. Aber in Holitschers Wert lobert fein Widerschein lebendig. Das Bert vollste an dem Buche aber ist, wie es die geistigen Fäden zusammen zieht, wie es die Bilanz aufstellt. Hierin liegt feine überzeitliche Bedeutung. Dr. Gansfer hatte den Reichspräsidenten Landesverrat vorgeworfen, und das Verfahren gegen Gansfer wurde vom Reichspräsidenten zurüdgezogen. Das war eigenartig, und ich empfand tas auch so wie viele andere. Dr. Gansfer veröffentlichte einen„ offaten Brief". in dem er bedauerbe, daß der Reichspräsident das Verfahren zurüc gezogen habe, und ich habe den offenen Brief" Gauffers abgedruct mit der Ueberschrift Eine bittere Pille für Frige Ebert". Der Vorsitzende verlas hierauf den Artikel der Mitteldeutschen Zeitung", der die Unterlage für die Anklage bildet. Er hat folgenden Wortlaut: .Eine bittere Pille für Frige Ebert. Durch das Belfische Telegraphenbureau laffen Sie die Nachricht verbreiten, Ruhm des Künstlers hat nichts mit der Berehrung der Menge zu tun. Dante ist heute so berühmt, daß jeder feinen Namen Bennt, aber seine Werte verstehen und lesen werden stets nur die wenigen. Der Buccini von vor 70 Jahren war Meyerbeer. Er war ebenso gefeiert; die Erstaufführung eines feiner Werte war ein europäisches Ereignis; alle tannten feine Melodien. Damals waren Richard Wagner und Berlioz noch Geachtete im Reich der Musik Bor hundert Jahren war Roffini im Zenith feines Ruhmes, und Schubert verhungerte faft. Heute ist von ten zahlreichen Opern Roffinis nur wenig übrig geblieben, und der Glanz Spontinis ift vollkommen verblaßt. Schubert aber ist eingereiht unter die großen Genien der Musif, und feine Werte feuchten heller und frischer denn je. Buccini war ein Komponist von hoher Benabung, der aber leicht ins Triviale ficl, und das ist die Mischung, die den Ruhm von heute macht und nicht den von morgen." Ein neuer Detektor zugleich ein Sender. Empfang und fangen ohne jede Verwendung von Röhren ist ein Wunsch, der nicht Senden mit demselben Kristalldetektor ist ein beal, das schon lange den Radioamateuren vorschwebt, und Verstärten, Senden und Empso leicht erfüllbar schien. Um so überaschender ist es, daß es dem ruffischen Forscher Lossev in Nischni- Nowgorod schon jetzt gelungen ist, ein Schaltungssystem und einen neuen Detektor zu finden, welche diefe Wünsche erfüllen! Mit dem neuen Apparat gelang der Empfang fremder Stationen auf Entfernungen, die bisher nur durch sehr teure und fomplizierte Mehrröhrenapparate überbrüdt werden fonnten. Und mit demselben Kristalldetektor fonnte auch gesandt werden, zunächst allerdings nur auf geringe Entfernung. Doch ist dieser Anfang schon sehr ermutigend. Leben in der Schule ist beständiger Kampf. In den Logen von Tisza- Etlar, da der ungarische Nationalismus sich in antisemitischen Ausfällen zu träftigen suchte, erfährt er das Furchtbare des Rassenbaffes. Mehrere Jahre im Bankbetrieb, eingeordnet, eine Nummer betriebes und die Ausbeutung der Menschenkräfte. an irgendeinem Tisch, empört er sich über die Gemeinheit des Geld betriebes und die Ausbeutung der Menschenkräfte. Das Klaffenunrecht ist ihm schon im elterlichen Haufe, im Loos der Dienstboten, als Gefühl deutlich geworden. Der Jüngling beschäftigt fich bereits mit sozialistischer Literatur. Aber zunächst hat er um feine eigene Befreiung zu kämpfen, und der individualistische Anarchismus steht ihm näher als der disziplinierende, den Einzelnen eingruppierende Klassenkampf des Proletariats. Dann fommt die Befreiung: Paris! Licht ist über diese Zeit gebreitet. Erste literarische Versuche. Begegnungen: Verlaine, Ricus, Wedekind. Später München: die moderne Literaturbewegung; die Gründung des„ Simpliziffimus". Un er diesem Gesichtswinkel ist wohl auch Arthur Hound neue Verbindungen bringen, und wieder neues fich Boßreißen und immer wieder Wanderungen und Reisen, die neue Ausblide itschers Lebensgeschichte eines Rebellen" des raftlosen Blutes, das fein Ziel nicht zu finden weiß. ( S. Fischer, Berlin) zu betrachten. Alle Details find bewußt gruppiert und in den überpersönlichen Zusammenhang gestellt. Für den Autor find die Tatsachen seines Lebens mur bedeutsam, soweit sie finnbild iche, versinnbildlichende Geltung haben. Sein Leben aber ist ihm, fern von Selbstüberschägung der individuellen Bedeutung, nur wichtig, soweit es Leben in der Zeit ist, soweit die Kräftebeme gung der Zeit in ihm sichtbar wird und sich formend in ihm aus wirkt. Holitscher sieht sich im Bilde des Rebellen, der die Neubil dungstendenzen der Zeit, die unterirdisch grollenden, als Wille zur Auflehnung und zum Umsturz in sich trägt, bereit, den Willen zur Tat werden zu lassen. Alles zielt auf diesen Punkt hin, erst als Der Ruhm von heute und morgen. Der verstorbene Buccini ist Instinkt des Aufbegehrens und der Löslösung, als bindungsflüchtige, vielfach als der„ berühmteste Komponist der Gegenwart" gefeiert weltburch chweisende Unraft; dann, als in Krieg und Zusammen- worden, und manche Metrologe haben von diesem Gegenwartsruhm bruch, im„ Brand des Tempels" das Alte stürzt, mit dem Bewußt auf ein langes Forileben in der Nachwelt geschlossen. 3st nun aber sein des verpflichteten Müffens. die Beliebtheit bei den Zeitgenossen ein Beweis für die Unsterbliche Holitscher war ein mittlerer Schriftsteller von Qualität, den man feit? Diese Frage dürfte man eher verneinen als bejahen, tenn ben symbolischen Aestheten oder weiß ich welcher Gruppe beizählte gerade die größten, die bahnbrechenden Meister find in ihrer Seit Eine besondere Persönlichkeit konnte man ihn nicht nennen. Er nicht anerkannt worden, weil sie mit ihrer Kunst dem Verstärdnis stand im Ring. Gegen Ende des Krieges erschien dann sein„ Bruder des Bubl kums vorauseilten. Das ist auch besonders bei Musikern Wurm", dieses schöne Büchlein vom ewigen Frieden und der großen der Fall, und interessant ist, was darüber ein englischer Schrift jteller Richard Capell zujammenstellt. Wer ist heute in den Auger Menschenliebe. Dann war er unter den Erften, die nach Rußland ber mufitatischen Welt der größte Komponist?" fchreibt er. gingen, um die Sowjetrepublit tennenzulernen, und er hat ein be Antwort ist leicht: Johann Sebastian Bach. Bach war während echtenswertes Buch über seinen Aufenthalt geschrieben. Diese Dinge feines Lebens en wenig bekannter Kantor, deffen Name über die streift er nur in feinem Buche; denn sie sind ihm jezt das Lebendige, engeren Grenzen seiner Heimat, jebenfalls über Deutschland faum ech Undarstellbare. Aber nun er im Gefühl der Gemeinschaft den hinausdrang. Er war dann mehr als ein halbes Jahrhundert vollicheren Boden gefunden hat, ist ihm von diesem Standpunkt her tommen vergessen; er hat niemals eine Beliebtheit beseffen, die fich bas Borherliegende sichtbar, beutbar in Sinn und Zusammenhang 2ber fein Ruhm wird fo lange leben, wie es musikalische Menschen Berlin über Norwegische fiorbe.( Mit Lichtbildern.) Dienstag mit der Puccinis in den letzten zwanzig Jahren vergleichen ließe Im Museum für Meerestunde spricht Dienstag 8 Uhr Prof. BrühlDer Rebell"! Holitscher stammt aus einer Budapester jü gibt. Ein anderer großer Mufiter, Händel, war auch schon bei Leb- 1 Uhr Führung: Konteradmiral a. D. Borey: Schiffsartillerie. dischen Familie. Seine erste Auflehnung ist die gegen das unge- zeiten berühmt. Aber wie weit steht er heute hinter Bach zurüd. woch 8 Uhr spricht Prof. Dr. E. Azter über Probleme ber Are fchriebene, aber ftarre und unnachgiebige Gesez der Sippe. Sein den er in der Schäßung der Zeitgenossen so sehr überragie! Der beitspbyfiologie. Loffer arbeitet mit einem Detektor, der aus einem Zinkitkristall und einer Stahlspige besteht. Seine Schaltung unterscheidet fich von den bisher üblichen hauptsächlich durch die Benutzung von zwei Batterien von vier und acht Bolt, die vorher nur ganz ausnahms. weise und ohne besondere Erfolge angewandt worden waren. idealster Weise stellt der junge Gelehrte all feine Forschungsergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung. Die Beschaffungs- und die Wartungskosten für den sogenannten Crystodyne- Empfänger und Crystodyne- Berstärker sind ganz wesentlich niedriger als für die jetzt gebrauchten Röhrenapparate. Wenn der neue Empfänger tatsächlich auch nur annähernd das hält, was er im Laboratorium versprochen hat, dürfte für den normalen Rundfunkverkehr das Ende des Audicnenempfängers gekommen sein. Erst dann tönnte aber auch der Rundfunk wirklich allgemeines Bolfsgut werden. Laver Schat wento, der Berliner Pianist und Mitbegründer des Klind Wortt- Scharwenta Ronse vatoriums, ist im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Blinddarmopera: ion gestorben. Im Großen Schauspielhaus finden Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 3½ Uhr, Sondervorstellungen für die Jugend mit ausge wählten Bildern aus der großen Schau ftatt. Mitt baß Sie den Strafantrag gegen mich zurüdgezogen haben, obwohl| denen Kesten und Aufregungen. Auch die beteiligten Behörden ich Sie des Landesverrats belduldigt habe. Im Iniereffe der geschichtlichen Wahrheit stelle ich fest, laß ich diese Beschuidi gurgen in dein gegen mich eingeleiteten Strafverfahren bis zu deffen Ende aufrecht hielt und den Wahrheitsbeweis dafür antrat, deffen vollkommene und erfolgreiche Durchführung durch die Zurüdnahme des Strafantrages von Ihnen, Herr Reichspräsident, vereitelt wurde. werden entlastet, Staut und Gemeinde würden nicht unerhebliche Ausgaben sparen tönnen. Ihrer ganzen Bergangenheit nach müssen Sie ein Freund der republikantigen Staatsform fein; unter Ihrer Mitwirkung ist das Gefeh zum Schuke der Republit beschlossen gegenüber Feinden. Wilma schwindelt. Mordprozeß Haarmann. Sie ist natürlich deutschnational. Während der Wahl hatte auch Genosse Bauer Bien in Neufölln in einer unserer Wählerversammlungen gesprochen. Er hatte bei dieser Gelegenheit auch auf die Verdienste der österreichischen worden. Die Republik muß alfe geschützt werden, und zwar auch Sozialdemokratie um den Wohnungsbau in Desterreich hingewiefen. Dernommen, der in der Celler Straße 27 feinerzeit neben dem Infolge sozialistischen Einf.usses fet es in Defterreich möglich ge= Tie Tatsache, daß ein Gesetz zum Schuße der Republik gewesen, daß in diesem Jahre 10000 neue Wohnungen und im tom: schaffen werden mußte, beweist schon für sich allein, daß diese menden Jahre vielleicht noch mehr vollendet würben. Ueber diefe Republik im Inlande zahlreiche Gegner hat, daß diefelbe Republie Behauptung finden wir in einem Neuköllner Lotalblätichen under im Auslande fich feines allzu hohen Ansehens erfreut, beweist das„ Deffentliche Minung". für die die Schriftleitung natürlich feine Auftreten Poincarés beinahe täglich. Unter diesen Umständen ist es für den Bestand der Republik, Berantwortung übernimmt, die Aeußerung einer Wilma Stie low( die ein Druckfehler dort als Stilat bezeichnet), in der dem der Ihno, Herr Reichspräsident, doch wohl am Herzen liegen muß, eine gefährliche Belastungsprobe, wenn ein Mann an ihrer Spike Genossen Bauer wegen dieser Behauptung der Vorwurf der Lüge bleibt, der dem Vorwurf des Landesverrats einerlei gemacht wird. Am Schlusse der betreffenden Ausführungen leistet aus welchen Gründen auf sich fizzen fäßt. sich diese ehemalige Wiener Dome folgende Unverfrorenheit, indem Ich richte daher die Froge an Sie, Herr Reichspräsident: fie schreibt:„ Gerade die bürgerlichen Parteien woren es, die 100 Wohnungen bauen wollten( bei uns in Neukölln) und nur durch gez. Dr. Emil Gansfer." die Ablehnung der Sozialdemokratie in der Bezirksversammlung Wie der Angeklagte angibt und wie das Blatt 33 der Afic scheiterte dies(!) Projekt." bemeift hat er diefen Artikel aus einer, vermutlich bayerischen Zei tung übernommen. Auf den Abdruck dieses Artikels folgt dann im Blatte des Beschuldigten folgender Zuiak: Wann treten Sie zurüc? -O Db Ebert die Pille verschludt oder ob er es doch mit feiner Person als Reichspräsident vereinbart und vor dem Gericht in München erscheint? Beweisen Sie boh, Herr Ebert, daß Sie fein Landesperräter sind. Wegen der rofen Badehose, bie man zu ihrem Empfang in München benugt, brauchen Sie feine Bange zu haben." Angell( nach sehr langer Bause): Ich habe mich mit dem Material eingehend befchäftigt. Ich wollte Herrn Ebert nur veran offen. im Interesse der Allgemeinheit die Angelegenheit zu klären, die Dr. Gansfer in Fuß gebracht hatte. Ich habe mir den Borwurf des Landesverrats nicht zu eigen machen wollen. Ich wollte Herrn Ebert mur auffordern, den wahrheitsbeweis Dr. Gansfers nicht zu verhindern! Ich bin aber heute der Ansicht, daß Dr. Gansfers Borwurf gegen Ebert berechtigt war. Keine volle Klärung in Deutschland. Kommentare der Pariser Morgenpresse. Paris, 9. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommentare der Pariser Morgenblätter find zum größten Teil beherrscht von der Ueberlegung, daß trotz des entschiedenen Sieges der demokratifchen Parteien die Lage in Deutschland noch nicht die klärung erfahren hat, die erforderlich gewesen wäre, um eine ausgesprochene Lintsmehrheit zu schaffen, sondern daß nach wie vor die Möglichkeit für die Bildung eines Bürgerblods besteht. Die allgemeine Auffaffung in Paris geht dahin, daß das Ergebnis der deutschen Wahlen die Beibehaltung der gegenwärtigen Regierung zur Folge haben wird, wobei in den Blättern der Linten vor allem die Erwartung zum Ausdrud tommt, daß die Sozialdemokratie, von deren Unterstützung die Existenz eines deutschen Kabinetts nach wie vor bebingt ist, ihren politischen Machtzuwachs dazu benußen wird, einen stärkeren Einfluß auf dessen Zusammensetzung, d. h. auf die Anzahl der leitenden politischen Persönlichkeiten auszuüben. Exmissionen. Su ber fteigenben 8ahl ber Grmiffir ten with uns nom Wohnungsamt Reulon folgendes grundsäglich wichtiges mit. geteilt: Die Räumungsflagen haben sich in letzter Zeit berart gehäuft, daß beim Amtsgericht Reutölin bereits eine zweite Kammer zur Bewältigung der großen Arbeit gebildet werden mußte. Die Beobachtung zahlreicher Fälle läßt die Vermutung aufkommen, daß die Mieterschaft sich über die zurzeit geltenden Mieterschutzbestimmungen volltommen im untlaren befindet. Sehr viele Leute stehen noch auf dem Standpunkt, fie fönnten überhaupt nicht ermittiert werden. Bittere Enttäuschungen erleben dann dieje Mieter, wenn schon im ersten Termin Dor dem Amtsgericht ein Räumungsurteil gegen fie ergeht. Man hört dann oft die völlig Bestürzten fogen: Ja, das ist ja gar nicht möglich, man fann uns doch nicht bei diefer Wohnungsnot einfach auf die S.roße feh- n." Und dennoch ist es so; tross aller Mieterschußbestimmungen. Die nachfolgenden Zeilen sollen deshalb dazu beitragen, die bestehenden Irrtümer zu beseitigen. Der Bahlausfall in Neukölln hat bewiesen, daß der unverschämte Schwindel der Einfenderin nicht den von ihr gewünschten Erfolg hatte. Immerhin wollen wir zur Steuerung der Wahrheit den Sachverhalt der Deffentlichkeit mitteilen. Die Bezirksversammlung hatte sich schon einmal mit dem Plan. Wohnungen zu bauen, befaßt und befchloffen, die hierauf bezügliche Borlage dem zuständiger Ausschuß zur nochmaligen Nachprüfung zu überweisen. Dieser Ausschuß hat gefagt und der Bezirksversammlung wurde durch den Berichterstatter unferem Genossen Fiebler, folgender Borshlag als Ergebnis feiner Beratungen unterbreitet:„ Der Ausschuß schlägt der Versammlung Die Annahme der Vorlage mit der Maßgabe vor, daß an die Stelle der vorgeschriebenen Pfandbriefhrpothef ein aus Kämmereimitteln der Stadtgemeinde Berlin zu gewährendes Dorlehn zu erträglichem Zinsfuß zu treten hat." Die Bezirksversammlung erhob diesen Vorschlag einstimmig zum Beschluß. Gerade der Sezialdemokratie ist das Zustandekommen der Entscheidung in diefer Form zu verdanken, da sie die nochmalige Durchberatung im Ausschuß beantragt hatte. Welchen Vorteil die neue Fassung brachte, fann man daraus erfennen, daß nach der ersten Vorlage die Pfand. briefe zu pari ausgegeben werden follten, als diese nur auf 85 Broz. standen. Frou Wilma St. ift Bezirksverordnete. Eie hat an der Sigung, in der Siefer Beschluß gefaßt wurde, teilgenommen. Ihr Gingesandt in dem Neuköllner Lotalblat erscheint nur verständlich, wenn man erfährt, daß sie den Deutschnationalen angehört. Sie handelt eben auch nach dem Grundlot:„ Lügen, daß sich die Balken biegen, wenn wir nur unsere Wähler kriegen." Die Autos der Rechtsparteien. # Hannover, 9. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der ge fünfte Berhandlungstag des Haarmann- Prozesses brachte die Fo fegung der Beweisaufnahme und zwar befinden sich unter den fi heute geladenen Zeugen u. a. der frühere Grenzpolizeikommissa Olfermann, mit dem Haarmann zusammen ein Detektionſtitu gegründet hatte, ferner die Frau Engel, die viele Kleidungsstücke von ihm gekauft hat und die mehrfach genannte Frau Dora Muzef. Zunächst wurde der Kaufmann Friedrich Niemeyer Laden Haarmanns gewohnt hat. Er befundet, daß er öfters 13 bis 14jährige junge Leute vor dem Haarmannschen Laden gesehen habe barunter auch einen mit einer roten Schülermühe, wahrscheinlich be später ermordete Friedel Rothe. Die Jungen hätten immer erfär.. fie wollten zu haarmann. Vorf: Waren es denr. immer andere oder waren es ein und dieselben?"" Beuge:„ Ger wöhrlich waren es immer diefelben. Haarmann fab ich imuner nur abends um 7 Uhr nach Hause tommen. Was er in seinem Als ich einmal einen jungen Mann Baben trieb, weiß ich nicht. ausforschen wollte und zum Schein erflärte, ich wollte auch zu hoarmann, ftellte mich Haarmann später zur Rede und erklärte „ Sehen Sie sich vor." Ich habe dann über das, was mir verbächtig erschien, einmal bei der Bolizeiwache und später bei der Kriminalpolizei Anzeige gemacht und es erschien dann auch ein Kriminalbeamter in der Haarmannschen Wohnung fand aber feinen Bohnung ein Knirschen des Finlaß. In derfelben Nacht hörbe ich in der Haarmannschen Klopfen und Gehen im Simmer. Es war immer ein Bettes und bann bumpfes Klopfen. Haarmann ging dann morgens um 5 Uhr allein fort und es fah to aus, als ob er unter seiner Pelerine ein großes Batet trug. Einen Jungen habe ich mal gewarnt, er folle nicht zu haarmann geben, wenn ihm sein Leben lieb sei" Bors: Wie tamen Sie denn darauf?" Reuge: Mir war immer fo grufelig zumute, wegen der Geräusche in der Wohnung Haarmanns." Haarmann felbst bezeichnet die meisten Angaben des Beugen cls unridig. Als dann der Der nächste Zeuge, der Hausdiener Alwin Röhler, wirb zunächst unvere digt vernommen. Röhler befundet, daß er das Zimmer vor Haarmann in der Neuenstrak 8 als Lazerraum befaß. Er habe Haarmann, Grans und auch Wittkowski öfters gesehen, wiffe aber nicht, wovon sie lebten. Er schildert Haarmann selbst als gutmütig, Grans danegen als herrisch und rch. Beuge weiter u. a. angibt, Haarmann habe einmal ein hypnotisches Experiment mit ihm gemacht, fpringt haarmann, über das ganze Geficht lachend, auf und fagt: Na, wir wollen mal alles tlar legen. Wir kennen uns beide. Er ist ein guter Kerl, er will mich nicht belasten und ich will ihn nicht belasten. Er fennt Wittkowski und Wittkowski hat ihn genau so betrogen, mie Grans mich beDer Beuge madyt se ne Ausführungen die mit seinen trogen hat." früheren nicht ganz übereinstimmen, sehr stockend, so daß der Ober. ftaatsanwalt erklärte:„ Vielleicht fürchtet sich der Zeuge vor Grans, dann müßten wir Grans eben hinausführen lassen. Die Vereidigung des Zeugen wurde bis zur Bernehmung des Zeugen Wittkowski zurückgestellt. Der nächste 3: uge ist der Kaufmann Bittor Mayer, von dem Grans, wie der Zeuge befundet, Jahre lang feine Bijouter en getauft hat und zwar Ringe, Ketten und Uhren. Oberstaatsanwalt Dr. Bilde:„ Konnte Grans damit täglich 420 m. verdienen?" 3euge:" O ja." Haarmann: „ Die gangen Nepper von Hannover faufen bei Bittor Mayer. Sie holen fich ta Ringe für 30 bis 40 Pf., und verkaufen sie als Gold und dann rühmen sie sich bak die Polizei ihnen nichts anhaben fönnte, denn sie lassen sich als Reifende bei Mayer anstellen. Bei Mayer ist es auch gewesen, wo sich die Verkäuferin Brüne immer die Sachen vorn in die Bluse steckte, und sie dann Wittfomfti und Grans heimlich gebracht het. Dafür haben sie dann mit ihr poussiert und sind mit ihr ausgegangen." Staatsanwalt Wa= genfchiefer: Frl. Brüne muß fofort ho rhergefá afft werden." Einige Kriminalbeamte erhalten den Auftrag, die Berfäuferin fofort zur Stelle zu schaffen. Bielen republikanischen Berlinern ist es am Sonntag auf gefallen, daß es den Deutschnationalen und den Böllischen möglich mar, so viele Laftkraftführer zu finden, die ihnen ihre Propaganda autos gefahren haben. Besonders bei unseren Parteigenoffen ist die Frage aufgetaucht, warum es dem Deutschen Verkehrs. bund nicht gelungen ist, auf seine Mitglieder unter den Chauffeuren in dem Sinne einzuwirken, daß sie jede Beihilfe den Rechtsparteien verweigert hätten. Wie wir von informierter Seite dozu erfahren, d die Führer der Lastwagen durchaus nicht alle Mitglieder des Berkehrsbundes gewesen. Die Verhältnisse im Verkehrsgewerbe liegen so daß die Fahrer der großen Verkehrsunternehmungen, wie„ Kraftverkehr in den Marken" usw., zu jeder Dienst leistung terpflichtet sind und nicht danach fragen dürfen, für wen und was fie fahren. Den Fall gefeht, diese Männer hätten die Arbeit abgelehnt, so hätten sich genug Erfahträfte aus den Kreisen der fleinen selbständigen Autobroschtenbefizer gefunden, die bie Arbeit willig übernommen hätten, weil die frein Organisationen feinen Einfluß auf sie haben. Zu dem kommt noch, daß auch vie'e Befiber von Loftkraftwagen felbft fahren können, daß auch viele Parteinachrichten Angehörige der Rechtsparteien im Besitz von Führerscheinen find, fo daß also für Erfah in jedem Falle gesorgt gewesen wäre. Die Führer der Reklamewegen für unsere Bartei und für das Reichs. banter haben aus Sympathie für die Sozialdemokratte und Schwarz- Rot- Bol zum großen Teil auf eine Bezahlung verzichtet. Auch in diesem Fall ist also unsere Wahlarbeit von ehrenamtlich tätigen Anhängern unserer Bewegung geleistet worden. Urteil im Stellenvermittler- Prozeß. In dem Stellenvermittlerprozeß gegen Bienemann, Gabriel, Nowaf und mehrere Mittäter wurde heute das Urteil gesprochen. Es lautete genen Lienemann auf zehn Monate Gefängnis, gegen Gabriel auf ein Jahr, einen Monat zwei Tage Gefängnis, gegen Now at auf ein Jahr brei Monate Gefängnis, gegen die übrigen UnJahr drei Monate Gefängnis, gegen die übrigen Angeflagten auf geringere Gefängnisstrafen. Lienemann, Engel und Hoffmann erhelt Bewährungsfrist augebilligt. Nował wurde fofort in Haft genommen. Gemeinsam in den Tod. Zunächst findet eine Mitwirkung des Mieleinigungsamtes im Ründigungs- und Räumungsverfahren vor dem Erlaß des amtsgerichtlicher Urteils feit dem Infrafttreten des Mieterschuhgefeßes Dom 1. Juni 1923 1. Ottober 1923 nicht mehr statt. Hier durch ist demnach eine wesentliche Abkürzung der Douer des Berfahrers ereicht worden. Fine Sündigung des Mietvertrages zuin 3mede der Auflösung Ses Mietverhältnisses gibt es nicht mehr. Gestern nachmittag wurden von Spaziergängern im Jozen 13 Glaubt der Bermitter, das Mietverhältnis mit dem betreffenden Mieter nicht mehr fortfehen zu fönnen, meil er begründe en Anlaß des Grunewaldes ein Mann und eine Frau erfchoffen auf: zur Aufhebung desselben hat, to muß er sich mit einem diesbezüg gefunden. Die Ermittelungen der Kriminalbeamten des 154. Retidyen Klageantrage an das Amtsgericht wenden. Solche geviers ergaben, daß das Paar im Restaurant Baulsborn zu Mi.tag feglich begribeten Anlässe liegen in nachbenannten Fällen vor: gegeffen und dann wie harmlofe Spaziergänger in den Wald hinein 1. Erhebliche Belästigung des Vermieters oder eines Hausbewohners gegangen war. Der Mann ist wahrscheinlich ein Ingenieur Billy durch den Mieler oder eine zu seinem Heusstande oder Geschäfts. Birtholz aus der Winsstraße, ein junger Mann von 26 Jahren, betriebe gehörenbe Person unangemeffener Gebrauch des Miet feine Beg'eiterin eine geschiedene Frau Charlotte Helmuth raumes Bernachlaffigung der gebotenen Sorgfalt unbefugte aus der Landsberger Straße, die zehn Jahre älter war. Die Ueberlassung an einen Dritten.(§ 2 bes Mieterschutzgesetzes.) tote Frau hielt noch die Selbstlade pistole in der Hand. 2. Nichtzahlung der Miete bei monatlicher Mie zahlung min. Beide hatten Schußverlegungen an der rechten Schläfe. Hiernach destens zwei Monatsraten(§ 3 Ses Mieterschutzgesetzes). 3. Drin fcheint es, daß die Frou zuerst den Mann und dann gender Eigenbedarf des Bermieters(§ 4). 4. Bedarf für den Nach. ich selbst erschossen hat. Es ist aber anzunehmen, daß das folger in einem Dienst oder Arbeitsverhältnis(§ 2 M.-S.-G.). mit seinem Einverständnis geschah. Das geht auch aus einem Briefe Die Fälle 1, 2 und 4 sind die häufigsten. Für sie ist aber auch der hervor, den man in der Lesche des Mannes sand. Er schreibt darin, die Welt folle nicht glouben, daß es sich um eine Liebestragödie gefeßliche Mieterschutz geringer als im Dritten Falle. Gelingt es dem Vermieter, für sein Klagevortringen den Wahrheitsbeweis zu füh handele. Veranlassung zu der Tat feien lediglich wirtschaftliche Berren und tommt eine vom Amtsgericht angestrebte Einigung der hältniffe und das Benehmen eines Mannes. Was hiermit gemeint Barteien nicht zustande, so wird der Wieler in jedem Falle mit ist, darüber gibt der Brief teine Auskunft. Die Leichen wurden einem für ihn ungünstigen Ausgang des Brogeffes zu redynen beschlagnahmt und nach dem Charlottenburger Schauhause gebracht. haben; den vor dem Amtsgericht als Mietschöffengericht gilt, wie allgemein für Prozeßgerichte, das Barteiprinzip( Verhandlungs. Mogime), danach ist für das Urteil allein dasjenige bestimmend, was die Parteien vorbringen. Hierin zeigt sich die unglückliche formelle Bindung des Amtsgerichts gegenüber dem Mieteinigungsamt als bisherigem Kündigungsgericht, welchem nicht verwehrt gewesen ist, fein„ billiges Ermeffen" über das Verhältnis der streitenden Parteien hinaus auf die wohnungswirtschaftliche Zweckmäßigkeit des Klageantrages zu erftreden. Wenn man bebenft, daß seit Ottober 1923 bis jeßt beim Amtsricht Neukölln rund 2200 Räumungs- bzw. Aufhebungs flagen anhängig gemacht worden find, so erhellt daraus, daß das Wohnungsamt fich wegen der Bestellung von Erfagräumen oder Zuweisung von Wohnungen an Ermetierte vor eine fast unerfüll bare Aufgabe gestellt sicht. Wer unverschuldet in tot gerät und feine Miete nicht pünktlich zahlen tann, mende fich rechtzeitig an bas Wohlfahrtsamt, um eine Beihilfe zur Miete zu erlangen. Ber obige Mechnung beherzigt, erfpart sich das gerichtliche Räumungs- und Bolftredungsverfahre und die hiermit verbun Wohltät gleitskonzert der Typographia". Zum Besten des sehr tedürftigen Lantwiger Säuglingshims veranstaltete der Gesang verein Berliner Buchdruder und Schriftgießer in Gemeinschaft mit der Konzertfängerin Frau Paula Weinboum im Festsaal des Bontwizer Enzeums ein Konzert, geleitet vom Konzertmeister Herrn Alexander Weinbaum. Die Sänger, etwa 120 an der Bahl, und auch die Konzertfängerin boten nur Vorzügliches und alle Darbietungen wurden mit großem Beifall cusgenommen. Um das Säuglingsheim haben sich die Konzertgeber im Einschluß mit ihrem äußerst tücht gen Dirigenten ein Verdienst erworben, auch wem der Besuch des Konzerts unter Berücksich nung feines guten Zwedes nicht den gewünschten Erfolg hatte.- Gütige Spenden für dieses Säuglingsheim find sehr erwünscht und an den leitenden Arzt Dr. Mar Henschel in Bantwig, Kaulbachstr. 56, erbeber Clusendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof. 2 Trep. rechts, au richten. 7. bt. 7 Uhr Rahlabend in den bekannten Lokalen. 18. Abt. Der Rahlabend fällt aus. 28. Abt. 7 Uhr Rahlabend in den bekannten Botalen. 57. bt. Charlottenburg. 1. Gruppe 7½ Uhr Rahlabend bei Arndt, Rant Straße 51. Das Wahlergebnis." 82. bt. Steglig. 8 Uhr Funktionärsizung bei Thiel, Albrechtstr. 87. Die Gemertschaftsfunktionäre müffen erscheinen. Reukölln, 90. Abt. Abends 7½ Uhr Mitgliederversammlungen in folgenden Sobalen: 15. und 26. Bezirk bei Jahn, Fuldaftr. 45, 16. und 25. Bezirk bei Janide, Jansafte. 11. 22., 23. unb 36. Bezirk bei Schittler. Donau ftraße 118, 34. und 48. Bezirk bei Groß. Mindener Str. 58, 35. Bezirk im Ibeallafino, Weichselstr. 8, 18., 17. und 24. Bezirk Donnerstag, ben 11. Dezember, bei Sauer, Pannierstr. 54. 97. bt. 7½ Uhr Zahl abende: 79.. 89., 90. und 91. Beairt bei Aukti, Beineftr. 1, 92., 104., 105. und 106. Bezir bei Rofinsky. Siegfried., Ede Neißestraße. 104. bt. Rieberschöneweibe. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Bakal Schmidt, Berliner, Ede Rudower Straße. Jungjozialisten, Gruppe Lichtenberg. Seute. Dienstag. 7 Uhr, im Jugendheim, Barkave 10, Mitaliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Jungfosialisten, Gruppe Charlottenburg. Wichtige Besprechung im Boltshaus, Rosinenstraße. Gewerkschaftsbewegung Kommunistische Hehe gegen die Gewerkschaften. Die einzige Partet der werftätigen Massen" wie die RPD. fich in ihrer bekannten umgefehrien Bescheidenheit nach dem Wahlfich in ihrer bekannten umgefehrien Bescheidenheit nach dem Wahlergebnis bezeichnet, weil sie die Diktatur über das Proletariat era firebt will jegt ruhig und flar untersuchen, wie es fam, daß nicht nur bet allen unseren Gegnern, sondern auch in unseren eigenen Reihen schon im voraus mit einem Rüdgang unserer S.immenzahl gegen über dem 4. Mai gerechnet wurde und warum die SPD., die gerade feit dem 4. Mai zu ihren alten Verräterelen neuen schamlofen Arbeiterverrat gefügt hat, einen so bedeutenden Stimmenzuwachs erhalten hat." Diese Ankündigung wäre als Einsicht und damit als erster Schritt zur Befferung schon im Interesse der Sauberkeit der Mostauer Kampfesweise zu begrüßen. Allein auch diese Ankündigung ist jo perlogen wie die ganze KPD. Eine nette Partei der werf= tätigen Massen", deren Agitatoren die nicht kommunistischen Wähler zur Wahl von Deutschnationalen auffordern! Ihren Wahl- Mißerfolg führt diese einzige Partei" darauf zurüd, daß der Borstand des ADGB. wie auch die Gewerk fchafts preste für die Sozialdemokratie eingetreten ist. Noch niemals hat es die Gewerkschaftsbureaukratie und Berbandspresse wagen tönnen, bei Wahlen so offen und frech für die SPD einzutreten.... ohne die KPD.- Zentrale darum zu befragen. Wenn die Macher in der 3ntrale wirklich flar und ruhig ihre eigenen Fehler betrachten wollten, dann müßten sie bald dahinter kommen, daß ihr ganzes niederträchtiges Treiben gegen die Gewerkschaf ten, ihre Mißachtung der gewerkschaftlichen Geseze und der gewerk. schaftlichen Tattit, ihre unverschämte Einmischung in alle internen ge. wertschaftlichen Angelegenheiten, die Gewerkschaften ge. 3 mungen hat, sich zur Behr zusehen. Wenn die Stimmen zurüdgegangenen Einfluß in den Gewerkschaften zurückzuführen sind" Eine Meffe für Kleinrentner findet vom 12.- 14. Dezember im Bezirks. amt Brenzlauer Berg, Danziger Strake 64, im feitiaal ftatt. Eröffnung verluste der KPD. zum allergrößten Teil auf den im letzten Jahre Freitag 4 Uhr nahm. Freunde und Gönner find eingeladen. dann müßte eine ruhige Ueberlegung dazu führen, die Ursachen as Heberle des geschwundenen Einflusses zu erkennen und damit die Ursachen der Stimmenverlufte. Daraus ergäbe sich in erster Linie die Anerkennung der Gewerkschaften als selbständige Bewegung, die Anerfennung der Selbständigkeit der Gemertschaften. Die Sozialdemokratische Partei erkennt diese Selbständigkeit an, die Kommunistische Partei bekämpft sie. Sie zieht aus ihrer Wahlniederlage den Entschluß, nun erst recht gegen die die Gewerkschaften loszuziehen. Das ist für die KPD.„ die wichtigste und eindringlichste Lehre des Wahlergebnisses". „ Berzehnfachte Arbeit in den Gewerkschaften!" bedeutet von dieser Seite vermehrte Heze gegen die Gewerkschaften, verstärkte Quertreibereien gegen die Gewerkschaften. Berzehnfachen können die Bolschemisten ihre Schuftereien gegen die Gewerkschaften zwar nicht, allein die Gewerkschaften können und müssen noch entschiedener als bisher sich gegen die kommunistischen Diftaturgelüfte wenden. Wenn die KPD.- Zentrale ihren Trabanten befiehlt: Jeder einzelne Kommunist muß Funktionär posten übernehmen um sie zu mißbrauchen dann müssen die Gewerkschaftmitglieder die Leute vorher genauer ansehen, denen sie Funktionärposten anvertrauen. Troßdem der Schwindel mit dem Gothaer Kampfprogramm" aufgedeckt ist, geht die KPD. auch jetzt noch damit krebsen und ersucht ihre Mitglieder in den Gewerkschaften, weiter damit hausieren zu gehen. 99 Gewerkschaftsgenossen- seid auf dem Poften! Ausschußzigaretten Arbeiterinnenentlassung. In der Zigarettenfabrik Maitapar entstand zeitweise ungewöhnlich niel Ausschuß Man forschte der Ursache dieses Uebels nach, ohne sie zu finden. Die Maschinenführer or beiteten mit der größten Sorgfalt, sie hielten auch die Arbeiterinnen zur äußersten Achtsamkeit an, cber das Fabrifat wollte trotzdem nicht teffer werden. Die Maschinenführer tamen nun zu der Anficht, es müsse irgendein nicht erkennbarer Fehler an dem verarbeiteten Material vorhanden sein. Aber die Betrichsleitung glaubte es besser zu miffen. Nach ihrer Meinung trugen lediglich die an hen Maschinen beschäftigten Arbeiterinnen die Schuld an dem Ausschuß. Die Arbeiterinnen wurden entlassen. Bergebens versuche der Arbeiterrat, die Betriebsleitung von der Schuld Infigkeit der Arbeiterinnen zu überzeugen. Es blieb bei der Entlassung. Allg. Ortsfrankenkasse für Berlin- Steglit. Bekanntmadjung. Die Bertreter der Arbeitgeber und Berficherten im Ausschuß werben hiermit au der am Dienstag, den 16. Dezember 1924. abends 8 Uhr, im Raffenlolal Körnerftr. 55, hier, stattfindenden ordentlichen Ausschußfigung eingeladen. Tagesordnung: 1. Feftlegung des Boranschlages für 1925 Sagungsänderungen. 3 Wahl des Ausschusses flir die Briliung der Rech mungen des laufenden Jahres. 4. BerIchiedenes. Berlin- Steglig, den 9. Dezember 1924. Die Der Borstand. Moedel, Borsigender. schönsten [ 108/1 Strickwesten linden Sie billigst direkt im Fabriklager ca. 700 Stück Strickwaren aller Art, nur Qualitätsware, ständig am Larer! Bleyles Kinderkleidung zu Or cinalpreisen! Fabriklager Bruno Richter& Co. thür Wollwaren Bin.- Pankow, Mulierstr. 1, Ede Breite Str Geschäftszeit 9-1, Nr Einzelverkauf Perfekte Die Entlassenen flagten beim Gemerbegericht. Hier wurde festgestellt, daß der Ausschuß den Arbeiterinnen nicht zur Last gelegt werden kann und daß in der ersten Zeit nach der Entlassung der Klägerinnen erheblich mehr Ausschuß entstanden war als vor der Entlassung. Aus diesen Gründen erkannte das Gericht den Einspruch gegen die Entlassung als berechtigt an und verurteilte die beklagte Firma, die Klägerinnen wieder einzustellen oder ihnen die vom Gericht festgesetzten Entschädigungsbeträge zu zahlen. Pensionsgefehe in Finnland. Angestellten und ihnen gleichgeordnete Arbeiter, die in Auf Grund des neuen finnischen Pensionsgefeges haben alle staatlichen Betrieben beschäftigt sind, Pensionsberechtigung. Die normale Pension beträgt 60 Broz. des Einkommens, darf aber in feinem Falle 40 000 finnische Mart übersteigen. Der Streit auf den eljässischen Kaligruben ist durch die Bermittlung des Arbeitsministers beigelegt worden. Am Montag wurde die Arbeit unter folgenden Bedingungen wieder aufgenommen: 1. Es sollen feine Entlassungen wegen Streitbeteiligung erfolgen; 2. die Unternehmer werden mit den Vertretern der Belegschaft jeder Grube über den Abschluß eines neuen Kollektivvertrages verhandeln; 3. die Gewertschaftsvertreter werden an diesen Berhandlungen teilnehmen Deutscher Berkehrsbund! Betriebsräte! Arbeiterrabe! aus den Branchen: technisches Bühnenpersonal und Wächter aus den Wach und Schließgefell. fchaften. Morgen, Mittwoch, voru. 3% Uhr, Bollversammlung im Rimmer 4, Aufgang B part., Engelufer 24/25. Betriebsräteausweis 1924 legitimiert. Deutscher Werkmeister- Berbaub, Bezirk X. Bersammlung der Berkmeister der Metallindustrie der Betriebe des Begirts Moabit und des angrenzenden Teiles von Charlottenburg morgen, Mittwoch, nadm. 5 Uhr im Moabiter Ge sellschaftshaus, Wiclefftr. 24. Erscheinen aller Kollegen Ehrensache. Geschäftliche Mitteilungen. Einer großen eliebtheit erfreut sich das Bekannte Schuhlolal Behrubt, Münafte. 25, mit feinen Filialen Rottbuser Damm 13 und Frankfurter Allee 54, bei der Groß- Berliner Bevölkerung. Im lezten Jahre zählte dieje Firma über 150 000 Runden, da sie stets Ware zu äußerst billigen Breisen bringt. Es fei noch besonders auf das heutige Inserat der Firma hingewiefen. Berantwortlich ür Bolitik: Ernst Neuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilomsti; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. 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