Abendausgabe Nr. 586 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 293 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin SW Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Goldpfennig Freitag 12. Dezember 1924 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Ein deutschnationales Ultimatum. Sie fordern Entlassung der republikanischen Beamten. Das Zentrum lehnt ab. Die Nationalpost", das offizielle Organ der Deutschnationalen Partei, gibt in einem Leitartikel, Die Preußenfrage" betitelt, folgende bestimmte Erklärungen ab: Für den Fall, daß die Parteien der Mitte zu entsprechenden Entschlüssen tommen sollten, müssen Sie sich darüber klar sein, daß bie Deut' chnationale Partei unter allen Umständen an der Forderung festhalten wird, in Preußen das Ministerium des Innern zu befehen, weil sie zu tief von der Notwendigkeit durchdrungen ist, daß gerade in biefem, feit der Revolution mit furzer Unterbrechung der Sozialbemo tratie ausgelieferten Ministerium grundlegender Wandel geschaffen werden muß. Die Reinigung der preußischen Verwaltung von ungeeigneten Personen ist für uns eine Grundvoraussetzung für die Gesundung unseres gesamten staatlichen und nationalen Lebens. Ueber weitere Einzelheiten einer solchen Kabinettsbildung in diesem Augenb id zu reden, wäre vollkommen sinnlos, da die Boraus fegungen in Gestalt der Bereitwilligkeit der Mittelparteien bisher nicht erfüllt sind. Wohl aber ist dies einer unserer sehr wesentlichen fachlichen Programmpunkte, deren Aufstellung die Germania" von uns erheicht, und zwar einer der unerläßlichen. Wir betonen das mit um so größeren Ernst, als wir im übrigen nicht die Absicht haben, die gonze Frage der tünftigen Koo litionsbildung durch voreilige Ansprüche und Forderungen zu ver. wideln. Weiter fordert die Nationalpost", daß auch das Amt des preußischen Landtagspräsidenten wegen des damit verbundenen politischen Einflusses unbedingt der Sozialdemokratie, obwohl sie im Landtag stärkste Partei sei, entzogen werden müsse. Auf diese ,, flare Antwortformel" der Deutschnationalen darf man gespannt sein. Die deutschnationale Parteileitung schweigt, die ihr nahestehende Presse deutet taftend die Ablehnung der bisherigen Außenpolitik an. Einstweilen schreibt die Deutsche Zeitung": „ Eine ebenso unmögliche und zudem auch mehr als unge. wöhnliche Forderung stellt es dar, wenn gewisse Blätter wie beispielspeise die ,, Germania", aber auch, menn auch höflicher, die Beit" Don ben Deutschnationalen verlangen, fie sollten erst in bindender und bestimmter Form mitteilen, welche Politiffie betreiben, d. h. ob sie sich zur Fortführung" der bisherigen Bolitit" verpflichten wollen, bevor man geruhen könne, mit ihnen eine Koalition einzugehen. Die Abgabe einer solchen Bravheitserklärung hat befanntlich auch Mary während der Oftoberperhandlungen den Deutschnationalen zugemutet. Nun ist die Deutsche Zeitung" alles andere als ein ausgesprochenes deutschnationales Parteiorgan, indessen deckt sich ihre ausgesprochene Ablehnung einer flaren Antwort mit der praktischen Haltung der deutschnationalen Parteileitung. Der augenblickliche Stand ist also der: das Zentrum will eine Erklärung über die deutschnationale Politik, die Deutschnationalen wollen ohne Erklärung in die Regierung. ,, Kölnische Bolkszeitung" gegen Volkspartei. Boltszeitung, die sich in ten legten Tagen schon wiederholt Köln, 12. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Kölnische entschieden die Krisenpolitik der Deutschen Volkspartei scharf cusgesprochen hat, wendet sich am heutigen Freitagmorgen erneut ge Diese deutschnationalen Forderungen find so ungegen die Versuche. die Bürgerblodkoalition zu schaffen. heuerlich, daß selbst in den Kreisen der Bolks. partei, besonders der preußischen, starres Staunen herrscht. Es ist gar fein Zweifel daran, daß ihr Sinn dahin geht, Die preußische Berwaltung wieder zu einer Do mäne der der tönigstreuen Konservativen onservativen zu machen und jeden anderen Einfluß aus ihr auszuschalten. Das bedeutet geradezu einen Anschlag auf das Leben der Republit. Die bürgerlichen Mittelparteien sind nunmehr flipp und flar vor die Frage gestellt, ob sie die republifanischen Beamten dem deutschnational- konservativen Rachefeldzug preisgeben wollen, ob sie die preußische Polizeige walt in die Hände einer Partei legen wollen, die eine fana. tische Gegnerin der bestehenden Staatsordnung ist, die die Farben der Nation beschimpit und mit den Rechtsputschisten und politischen Meuchelmördern auch heute noch offen lieb äugelt. Wir faffen die folgende Nachricht bereits als eine erste Antwort auf diese Frage auf. Zentrum gegen Bürgerblock. Der„ Sozialdemokratische Pressedienst" meldet: Der Reichstanzler empfing heute vormittag um 11 Uhr die Führer der Koalitionsparteien, und zwar neben dem Abgeordnelen Spahn den Demokraten Dr.& och und den Volksparteiler Dr. Scholz. Der Reichsaußenminister Dr. Strejemann wohnte den Verhandlungen bei. Der Reichstanzler gab einleitend einen Bericht über die lehten Verhandlungen im kabinett und erflärte nochmals, daß er unter feinen Umständen die Bildung eines Bürgerblods übernehme. Gleichzeitig gab er zu erfennen, daß die Beteiligung des Zentrums an einer folchen Regierung mehr als 3 weifelhaft sei. Der Vorstand der preußischen Zentrumsfraktion, der heute Der Vorstand der preußischen Zentrumsfraktion, der heute vormittag im Preußischen Landtag zufammengetreten ist, lehnt, wie wir erfahren, jeden Versuch, die Preußentoali. tion zu fprengen, ab. Für den Fall, daß die Velkspartel jedoch den Versuch unternimmt, wird sich die preußische Zentrumsfraktion an der Erweiterug einer Regierung nach rechts unter feinen Umständen befeiligen. Die Bedingungen des Zentrums. Die Germania" hebt die große Bedeutung der Erflärungen des Reichskanzlers für die Haltung der Zentrumsfraktion des Reichstags hervor. Sie unterstreicht die Bes bingungen des Zentrums, die in diefen Erklärungen enthalten find: " Es steht in seinen Worten fein unbedingtes Rein für die Zentrumspartei gegenüber einer Rechtsregierung, aber wenn man darin ein bedingtes Ja fehen will, so find seine Be. dingungen jedenfalls für die Rechtsparicien von außer ordentlich schwerwiegender Natur Darin wird die gesamte Frattion des Zentrums mit dem Reichstanzler übereinstimmen, daß es für sie ausgeschlossen ist, eine Rechtsregierung zu unterstügen oder überhaupt zu ertragen, die von dem alten bewährten Kurse der Mitte abweicht. Wir haben gestern an die Deutschnationalen die sehr deutliche Frage ge richtet, wie sie in einer von ihnen geführten Regierurg politisch arbeiten würden. Wir haben sie nach dem 23ie ihrer Bolitit gefragt. Es dünft uns heute, nach diesen Erflärungen bes Reichstanzlers, daß die Regierungsverhandlungen wieder recht tangwierig werden müssen, wenn die Deutschnationale Boltspartei fich nicht sehr balb auf eine flare Antwortformel einigen Birb." Die Partei Dr. Stresemanns- so schreibt das Sentrumsblatt- müsse das Ddium auf sich nehmen, die Regierungstoalition gefprengt zu haben. Mit dem Beschluß, für die Bürgerblodbildung fich wieder einzusehen, hat die Deutsche Bolts partei alle anderen Rombinationen felbft gegen das flare Wahlergebnis ausgeschaltet. Die Einstellung der Deuts ben Bolkspartei fei ja schließlich ihre eigene Sache, aber Befremden müjie es immerhin erregen, wenn eine Partei, die so lange in Koalitionsgemeinschaft mit anderen Parteien geftanden hat, es nicht für nötig hält, fich mit feinen Koalitionsfreunden vor derart wichtigen Entfcheidungen zu besprechen. Auch bereits vor den Wahlen habe die Deutsche Boltspartei nach dieser Richtung hin nicht forrett gehandelt. Man habe beispielsweise damals, als es sich um die Verhandlungen über den Bürgerblod hardelte, unterlassen, den übrigen Koalitions parteien Kenninis von der Eristenz und dem Inhalt des Briefes an die Deutschnationcle Partei zu geben. Wenn der Bürger blodgedanke Gestalt annehme, dann würde es sich dabei um ein Gebiide handeln, dem nur die Parteien von den Deutsch nationalen bis zum Zentrum unter Einfluß der Bayerischen Boltspartei angehören dürften. Das Jentrum habe noch nicht gesprochen. Darum feien auch alle Vermutungen verfrüht, die man in Berliner Blättern vorfindet, und die schon jezt einige Namen für die Kanzlerfandidatur nennen. Sicher fei nur das eine, daß Reichskanzler Marr als Führer eines Bürgerblods night in Frage fomme. Ob das Zentrum überhaupt in einer Kombination, in der die Deutschynationalen und Deutsche Boits partei die überwiegende Mehrheit hatten, die führende Steilung einnehmen könnte, scheine nicht nur zweifelhaft, sondern undenkbar. Der Bericht der Kontrollkommission. Ein Manöver der französischen Nationalisten. Paris, 12. Dezember.( Eca.) Die französische Presse stellt heute teten Angaben über den angeblichen Zericht der Militärkontroll früh einmütig fest, daß die gestern von der„ Daily Mail" verbrei tommission zum größten Teil auf Kombinationen beruhen und durchaus übertrieben find. Sopar der Berliner Korres fpondent des„ Echo de Paris" muß zugeben, daß ein solcher Be richt vorläufig überhaupt noch nicht verfaßt ist und daß lediglich in den üblichen Meldungen der Kontrollfommission an tie alliierten Regierungen Angaben über den Befund der deutschen Rüstungen gemacht worden sind. Obwohl nach Ansicht der nationa listischen Blätter Deutschland nicht alle Bestimmungen des Versailler Vertrages, insbesondere was die Truppenbestände und andere Einzelfragen angeht, bis aufs Tüpfelchen befolgt hat, muß fogar ein Blatt wie der" Matin" in einem Interview mit einem hochstehenden Militär feststellen, daß ein Anleß zu Befürchtungen und zu Beunruhigungen in feiner Weise vorliegt und daß an die Möglichkeit irge idwelcher feindse'igen Handlungen Deusch lands aus materiellen Gründen feinesfalls zu denken sei. Die ganzen Veröffentlichungen der„ Daily Mail", die übrigens heute fortgesetzt werden, find offensichtlich, wie schen ihre Herkunft erfennen läßt, ein politisches Manover im Sinne der franzöfifchen nationalistischen Parteien, das einerseits de monstrieren will, daß die versöhnliche Politik des Kabinetts Herriot an dem schlechten Willen Deutschlands gefcheiert sei und daß an dererseits auf die Rabinettsbildung in Deutschland einzuwirken sucht. Es soll nemich in Teutschland der Eindruck er medt werden, els ob errste Nepreffalien der Entente bevorstürden und die Räumung der Kölner Zone sowie die Webernahme der Konholle durch den 23 ferbund ins Unendliche h.naus negrert werden fofte. Das dem Linkstled nch stehende Deurre" bezetchart in feinem heutigen Leitartikel ausdrücklich die von der Daily Mail" und ihren Bundesgeroffen in der franzöfifchen Rechtspresse ausge. prochenen Behauptu igen als Brunnenvergiftung". 1 England und die Reichstagswahlen E. W. London, 10. Dezember. in Deutschland im allgemeinen fühl bis ans Herz gegenüber. England steht, als Ganzes genommen, den Borgängen Selbst die deutschen Wahlen machen feine wesentliche Ausnahme, und die Vorstellung, daß sie etwa ein Zehntel jenes Interesses beanspruchen könnten, das die Uniformen der Leibgarde bei dem Auszug des Königs zum Hause der Lords beanspruchen, würde hier nur auf mitleidiges Achselzucken stoßen. Was England an dieser Wahl überhaupt intereffiert, das find neben dem Bild der Wahlbewegung selbst, den Aeußer lichkeiten und Gewohnheiten des deutschen Boltes am Wahltag- zwei Fragen, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Meinungsäußerungen hindurchziehen: die Frage, ob das alte milhelminisch- militaristische Deutsch= land oder das neue demokratisch republika. nische Fortschritte gemacht hat, und als zweite Frage, ob das Wahlergebnis Stabilität bedeutet, im Gegensatz zur Dauerkrije der jüngsten Monate, die, so zwangsläufig fie aus der parlamentarischen Situation in Deutschland auch gewesen sein mag, doch nach außen äußerst peinlich und für Deutschland schädlich gewirkt hat. Diese beiden Fragen ergeben sich mit innerer Notwendigkeit aus der Gesamteinstellung, die England dem Kontinent im allgemeinen und Deutschland im besonderen gegenüber einnimmt. England braucht, um die nötige Ruhe für die Lösung seiner eigenen innerpolitischen, insbesondere aber feiner folonialpolitischen Probleme zu haben, einen stabilen Kontinent, d. h. ein Europa, dessen Kräfte der natürlichen wirtschaftlich- geographischen Stärkeverhältniffe gegeneinander ausgeglichen sind, und zwar nicht auf der Bajis der. Borherrschaft einer einzelnen Macht, sondern auf Grund Bolitit, sei sie in den Händen der Labour Party oder der der Staaten. Das heißt aber, daß die offizielle englische Konservativen, sei es dem einzelnen Engländer fympathisch oder nicht, ein startes stabiles Deutschland wünschen muß. Aber beileibe nicht ein starkes Deutschland um jeden Preis. So fehr von außen gesehen der bisherige Zustand der zweis Deutigen Majorität für die Erfllungspolitik bedauerlich war, eine Stabilität auf der Erundlage einer nationalistisch- reaktio. nären Mehrheit täme einer Katastrophe gleich; sie hätte bas gesamte Bolf vom linken Flüge der Arbeiter, partei bis zu den Dichards in gefchloffener Front gegen sich. mögen tausendmal hier die Konservativen regieren, ihnen ist, ebenso wie einer Arbeiterregierung, nur eine Stabilität unverdächtig, die sich auf den demokratischen Grundlagen Des neuen republikanischen Deutschland aufbaut. Selbst mon archistisch, aber zugleich auch demokratisch, wissen die Kons fervativen nur zu gut, daß in außenpolitischer Hinsicht zwar eine Berständigung mit dem deutschen Republikaner möglich ist, daß der deutsche Reaktionär aber einer verfuntenen Epoche angehört, zu dem feinerlei geistige oder seelische Brücke für den führt, der an die Weltfendung der Demokratie glaubt. Einem starken Deutschland auf demokratisch- republikanischer Basis fann die Welt trauen und wird die Welt trauen, ein reaktionäres hat eine Entente der gesamten Welt gegen sich Von diesem Gesichtswinkel aus die deutschen Wahlen be trachtend, hat die englische Deffentlichkeit die ersten Wahl. ergebnisse aufs freund ichste begrüßt, schienen sie doch die Aus ficht darauf zu eröffnen, daß diese demokratische Majorität in Deutschland Wirklichkeit würde. Die weiteren Meldungen haben ernüchternd gewirkt Wohl stellt man, mit der einzigen Ausnahme der„ Daily Mail", mit Befriedigung die in den Wahlresultaten zum Ausdrud fommende Selbstbesinnung feft. Wohl würdigt man die Tatsache und unterstreicht sie, daß die Politik der Konzilianz in der Aera Herriot- Macdonald seine Früchte zu tragen beginnt, wohl sieht man im Bu Schwächung der Kommunisten einen Ausdruck der Zugehörig fammenbruch der äußersten Rechten, in der bedeutenden feit des neuen Deutschland zur westlichen Rivilisation und Demokratie aber man hat mit wachsendem Erstaunen die neuen Ziffern gesehen, hat sich von den Berliner Berichterstattern vorrechnen lassen, daß die erhoffte sichere Ma iorität der gemäßigten republikanischen Linten ein schöner Traum ist, hat von der inneren Unsicherheit des 3entrums sowohl als der Deutschen Bolfspartei hören müssen, die beide troh der Linksschwenkung nach rechts lieber als nach links Anlehnung suchten. Schließlich hörte man von der Gefahr, die fich für die große Koalition in Preußen aus dem Wahlresultat auch für das Reich ergibt. So stellt man fest, daß zwar die erste Frage nach der Entscheidung für die Republik oder die Monarchie im Sinne der Republik beantwortet ist. daß aber trotzdem bei der inneren Verschiedenheit der gemäßigten verfaffungstreuen Barteien, bei der Unsicherheit der Deutschen Volkspartei die er hoffte Stabilisierung der Republik auch diesmal nicht eingetreten ist. Refigniert hört man nach dem bekannten Sprich mort, daß, je mehr sich ändere, desto mehr alles beim alten bleibe und daß man, wie bisher, wachsam die Politik einer Republik wird Feobachten müffen, in der das labile Gleichgemicht der fortschrittlichen und reaktionären Kräfte auch in dieser neren Kraftrrohe noch nicht eindeutig zugunsten der ersteren überwunden ist. In manchen politischen Quartieren hat man hierfür das deutsche Wahlrecht verantwortlich gemacht Ein dem eng lilchen Mahimob angenäheries Recht, fagt man, hätte den Republikanern jene Mehrheit in den Schoß geworfen, die sie zu einer sicheren Majorität so dringend benötigen. Darin mag ein Rörnchen Wahrheit steden, wenn auch nur ein Körn grnd ans Herz legen, ja im Interesse der Berliner politischen Pressemoral dringend fordern, daß dieser Herr aus Gera fünftig an amtlichen Stellen nicht mehr vorge lassen wird." Halt, verehrte Herren von der Beit", noch haben wir nicht den Bürgerblod, und noch fommandieren Sie nicht dar über, welche Zeitung amtliche Informationen erhält und welche nicht. Es ist immerhin löblich, daß Sie Ihre Absichten jezt schon zeigen. Sie werden sich irren, wenn Sie meinen, daß cus Furcht vor der Ungnade Ihres Herrn Stresemann die Presse der Linken sich einen pflaumenweichen Charakter nach Stresemannschem Borbild zulegen wird. fällig war, erst in einiger Zeit, vielleicht in fünf oder sechs Wochen erstattet werden sollte. Die Gründe dieses Aufschubs seien nicht tlar. Es sei nicht deutlich, ob er auf die deutschen Be hörden, die alliierten Kommissare oder auf einige der letzteren zurückzuführen sei. Es werde gemutmaßt, daß die Inspektionen noch nicht beendigt seien. Es sei bemerkenswert, daß der Hauptdelegierte Großbritanniens in der Kontrollkommission sich gegenwärtig in London befinde. chen. Das englische Wahlrecht verstärkt, verdeutlicht die Ten-| drückt. Wir möchten jedenfalls den amtlichen Stellen brin-| interalliierten Militärfontrollkommission, der am vorigen Montag denz der einer Wahl innewohnenden Kräfte. Aber es um kleidet diese Tatsache in eine Lüge, indem es Majoritäten schafft, die den wirklichen Kräfteverhältnissen nicht entsprechen und so unabsehbare Gefahren heraufbeschwört. Man möchte Deutschland, von außen gesehen, zwar nicht das Wahlrecht des britischen Wolfes, wohl aber eine stärkere Besinnung auf die der Wahlinnewohnende Tendenz wünschen, man möchte wünschen, daß der Aufstieg des Gedankens der Republik in den schwankenden Mittelparteien eine Stärtung des linken Flügels mit sich bringt und damit die psychologische Unmöglichkeit der Anlehnung nach rechts. Von außen gesehen und ohne in die legten Geheimnisse der höheren parlamentarischen Rechenkunst einzudringen, möchte man glauben, daß dann, aus der inneren Dynamit dieser Wahl heraus es doch auf die eine oder andere Art und Weise, mit oder ohne direkte Beteiligung der Sozialdemokratie am Ministerium gelingen müßte, eine Regierung zustande zu bringen, die wenig stens außenpolitisch vertrauenswürdig ist und etwas weniger von der Stresemannschen Seiltänzerei aufzuweifen hat. Sie mag zwar vom Standpunkt der politischen Zirkuskunst bewundernswert sein, vom Standpunkt der deutschen Würde und des deutschen Ansehens im Ausland war sie es feineswegs. Nervosität. Die Zeit" ist aus den Fugen. Man fann aus dem Aussehen der 3 eit" von heute morgen den Schluß ziehen, daß es den Herren um Strefe mann vor ihren eigenen Plänen zu grauen beginnt. Sie haben Fassung und Haltung verloren, so daß in der Beit" alles drunter und drüber geht. Bunächst stellt sie die Behauptung auf, daß Außenpolitik der großen Roalition gleich Außenpolitik des Bürger blocks sei. Da sind die Herren aber schlecht über die Deutsch nationalen informiert! Dann fragt fie: „ Aber es wird doch eine Frage gestattet sein: Warum folt benn der bisherige Reichsfangler Marg außer Stande sein, diese Verhandlungen über die Bildung einer solchen Mehrheit zu führen? Das demokratische Drgan beruft sich bei dieser Behauptung auf die„ Germania", die in ihrer geftrigen Morgenausgabe be hauptet, es sei nicht gut möglich, daß ein Rabinett mit Deutschnatio. nel- volksparteilicher Mehrheit unter 8entrumsführung stehen könne. Warum foll denn das unmöglich sein?" Das alles auf der ersten Seite der Zeit" von heute morgen. Es ist etwas viel für das inoffizielle Organ eines Außenministers und offenbart eine merkwürdige Nervosität. Warum so nervös? Geht der Bürgerblockhandel nicht nach Wunsch? Fühlt man sich schon an die Wand gedrückt, so daß man die Nerven verliert? Oder steht wieder ein Wechsel in der Leitung des Blattes bevor? er steht w Ordnungsblod in der Minderheit. Die thüringische Sozialdemokratie verlangt Voltsentscheid Unser Jenaer Parteiorgan„ Das Bolt" stellt fest, daß bei den Reichstagswahlen der Thüringer Ordnungsblod eine schwere Niederlage erlitten hat. Auf die Porteien des Ordnungsbundes und der Bölkischen entfielen in Thüringen 367 708 Gimmen, auf die Parteien der Oppofition 398 090 Stimmen, also ein Mehr von über 30000 Stimmen. Die thüringische Sozialdemokratie zieht aus diesem Wahlergebnis den Schluß, daß die Ordnungsbund regierung in Thüringen zurüdzutreten habe. Die thüringische Band tagsfraktion wird zweifellos die Befragung des thüringischen Boites auf dem Wege des Bolts entscheids verlangen. Es ist teine Frage, daß die Sozialdemokratie nach dem vorliegenden Wahl ergebnis start genug ist, die Auflösung des thüringischen Landtages und damit die Beseitigung der thüringischen Ordnungsblodregierung zu erzwingen. Neuwahlen in Lippe- Detmold. Landtages, dessen vierjährige Legislaturperiode sich ihrem Ende zu Detmold, 11. Dezember.( TU.) Die Neuwahlen des lippischen neigt, wurden vom Landespräsidium auf Sonntag, den 18. Ja Aber es wird doch eine Frage gestattet sein: Warum hat nuar 1925, festgesetzt. Um gleichen Tage finden auch die NeuHerr Stresemann denn Herrn Marg geftürzt? Und wahlen zu den Gemeindevertretungen statt. Der bisherige Land. noch eine Frage: hat man denn in der Beit die Erflätag fett fich zufammen aus fünf Deutschnationalen, vier Boltspar rungen des Reichstanzlers verschlafen, in denen teilern, zwei Demokraten, acht Sozialdemokraten sowie je er sehr deutlich den Bürgerblod aus außenpolitischen Gründen einem Berreter des Gewerkschaftsbundes und der Kommunistischen als nicht er t und nicht tragbar bezeichnete und persön- Partei. lich scharf t rantwortung für die Bildung einer solchen Mehrheit ab el nie? Wir finden in der Zeit", dem Organ des Außenminifters Stresemann, von diesen außen. Die französischen Nationalisten für eine Rechtsregierung politisch wie innenpolitisch bedeutsamen Erklärungen des Reichstanzlers tein Bort. Dafür finden wir ein Bild des zum Botschafter in Washington bestimmten Freiherrn von Malgan. Das Bild stellt jedermann sonst dar, nur nicht den Freiherrn von Malkan. Die Unterschrift zeigt, daß man in der Beit seinen Namen ebensoschlecht tennt wie ihn selbst er ist falsch geer ist falsch geschrieben. Schließlich macht man ihn in der Beit" statt zum Botschafter zum Geschäftsträger. Allerhand für das in offizielle Organ des Außenministers. pus Schließlich fällt die Beit" wütend über Herrn Dom bromsti vom Berliner Tageblatt" her, weil er Herrn Stresemann seinen politisch schwankenden Charakter vorgeworfen hat. Sie schreibt: ,, Es erübrigt sich, zu diesem miberlich schmutzigen Ge. Jchreibsel des aus Gera importierten Journa listen", der bisher noch aus jebem journalistischen Gasthof negativ Freundlich heraustomplimentiert worden ist, auch nur ein Wort der Eitgegnung zu verlieren; aber man darf wohl Herrn Theodor Wolff fragen, wie lange er es sich gefallen lassen wird, daß dieser Jüngling feinen bisher so vornehmen Leitartikelton an die Wand Nach der Wahl. Von Friz Müller, Chemnitz. Gleiche Brüder, gleiche Kappen. in Deutschland. Der Berichterstatter führte weiter aus, daß irgend ein länge. rer Aufschub, besonders ein solcher über den 10. Januar hin aus, erhebliche Schwierigteiten verursachen würde, da die Frage, ob die britische Armee Köln zu diesem Datum räumen folle oder nicht, nur auf Grund juristische Erwägungen im Lichte des Berichts der Kommission entschieden werden könne. Ein Ausweg würde sein, wenn die Alliierten mit Deutschland über ein besonderes Protokoll außerhalb des Friedensvertrages verhardeln würden, worin Deutschland eine Verlängerung der Be. fegung Kölns gegen eine frühere Räumung des Ruhrgebiets zugestehen würde. Wenn aber bis zum 10. Ja nuar feine Entscheidung getroffen werde, so würde die jur stische Stellung der Alliierten in der ersten 3one leicht schwierig werden. Man sei der Meinung, daß feine inforrette Maßnahme im Zu fummenhang mit der ersten Zone unternommen werden sollte, die die Rechte aller Signatarmächte des Versailler Vertrages im Zufammenhang mit der zweiten und dritten Zone präjudizieren würden. die Stellung der demokratischen Elemente im neuen deutschen Barman sei ferner der Ansicht, daß nichts getan werden sollte, was lament und Kabinett schwächen könnte. Helphand- Parvus gestorben. deutschen und in der russischen Arbeiterbewegung eine bedeutsame Genoffe Dr. Helphand, der unter dem Namen Parvus in der Rolle spielte, ift, 57jährig, den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. mit ihm ist eine außerordentlich interessante, eigenartige und heiß umstrittene Persönlichkeit aus den Reihen der Lebenden verschwunden. Helphand war in Rußland geboren, aber früh nach Deutschland gefommen und hatte in der deutschen Parteipreffe als Redakteur der Dresdener Arbeiterzeitung" und einer Rorrespondenz herver. Rußland als gefährlicher Revolutionär stedbrieflich verfolgt, fehrte ragend gewirkt. Er stand damals auf dem linken Flügel der Partei und war besonders mit Rosa Luxemburg eng befreundet. In er doch unter falschem Namen dorthin zurück und machte mit dem = verstorbenen Genossen Dr. Lehmann München gemeinsam eine Forschungsreise, über die er in einem Aufsehen erregenden Buch berichtete. Als im Jahre 1905 die Revolution in Rußland ausbrach, eilte er nach Petersburg. Nach Troykis Verhof ung war er Führer im Petersburger Arbeiterrat. Auch er wurde später verhaftet, doch gelang es ihm, zu entfliehen. Helphand fehrte nach Deutschland zurück und nahm seine journalistische Tätigkeit wieder auf. Dann aber übersiedelte er nach Ronftantinopel, und man hörte lange Zeit wenig von ihm. Nach Ause bruch des Krieges fam er wieder nach Deut'chland, und man erfuhr Paris, 12. Dezember.( Eca.) Der nationa'istische„ Eclair" fegt zur allgemeinen Ueberraschung, daß sich dieser Literat, in dem men fich in seinem heutigen Leitartikel für die deutschen Rechtsteine gefchäftlichen Talente vermutete, mit großer Energie und mit parteien ein. Die deutsche Demokratie, erklärt das Blatt des großem Erfo'ge auf die kaufmännische Tätigkeit gewerfen Bloc national, fet die gefährlichste Form des Alldeutschtums. Der hatte. Die phantastischen Gerüchte über seinen Reichtum waren tonservative deutsche Nationalismus, den man bisher in Frankreich allerdings start übertrieben. immer gefürchtet habe, fönne nur unter gewissen materiellen Vorauslegungen gefährlich werden, die heute angesichts der Tatsache, boß Teutschland sich fein gut ausgerüstetes Heer halten fönne, nicht fich auf moralische Forderungen, das Recht der Bölfer usw. Auch das rorhanden mären. Las demokratische Alldeutschtum hingegen ftige Deutschlandlied" Deutschland, Deutschland über alles" stamme aus dem demokratischen Lager, fogar aus dem Jahre 1848 her. Die Räumung der Kölner Zone. Englischer Vorschlag an Deutschland. Condon, 12. Dezember.( WTB.) Der diplomatische Bericht erstatter des„ Daily Telegraph" schreibt, in britischen Kreisen sei gestern beträchtliche Ueberraschung und Verwunderung befundet worden über eine Information, die besagt, daß der Bericht der Bürgerbl...- zum Rudud Im Krieg fegte sich Helphand mit dem ganzen Ungestüm scines Temperaments für Deutschland ein. Bon einem Sieg tro russischen Barismus befürchtete er die Knechtung Europas under andere der entscheidende Gesichtspuntt. europäischen Arbeiterbewegung. Das war für ihn wie für viele Er begründete den Berlag für Sozialwissenschaften" und die Wochenschrift„ Die Glode" und verfaßte nach dem Krieg verschiebene wirtschafts- und finanzpolitische Schriften, besonders über die Rep. rationsfrage. Auf diese Dinge richtete sich jetzt sein Hauptinteresse. Bon der eigentlichen politischen Tätigkeit zog er sich mehr und mehr zurüd, fein Urteil als das eines ungewöhnlich fenntnisreichen, im Barteileben aufgewachsenen Mannes blieb im engeren Parteitreise geschäßt. Nun hat der Tod seinem stürmischen und inhaltreichen Bebe 1 unerwarteterweise ein Ende tereitet. Große Koalition alte Roalition Der Knopf ist doch abgerissen! Herr Biedermeier: Nun fann ich wenigstens wieder meine Zeitung lesen, ohne jeden Augenblid auf eine Wahlanzeige Bir zu stoßen! Neuer Gruß: Wünsche wohl gewählt zu haben! Der Sozialdemotrat: An die Arbeit, daß die nächste ohne zu ziehen, und soll sie auch niemals länger, a's unbedingt nötig, Alle Parteien: Die gerechte Sache hat gestegt! haben die Wahlschlacht gewonnen! Das Bolt hat sich für uns entschieden! Ludendorff: Noch ein solcher Wahlfieg; und mir find Wahl für uns noch besser ausfällt! verloren! Die Kommunisten: Nun müssen wir 45 für 62 Mann Radau machen. Für uns ist das tein Kunststück! Aber unsere Freunde von der äußersten Rechte haben bedeutend eingebüßt. Die werden uns sehr fehlen! Die deutschnationale Bartei leitung: Daß mir mehr Size erhalten würden, hätten wir nicht gedacht! Es gibt doch noch viele in Deutschland, die nicht alle werden! Ein Teilnehmer an einem Preisausschreiben: Hätte ich vorn statt der 9 eine 7 geschrieben, dann statt der 345 eine 788 und hinten statt der 3 eine Null, dann hätte ich die Stimmenzahl richtig geraten und den Preis von 1000 m bekommen! Ein Durchgefallener: Hiermit widerrufe ich meine Bestellung vom 1. Dezember d. 3. beir. 500 Bisitenkarten mit dem Bufaz M. d. R.". Auch ein Staatsbürger: Am vorigen Sonntag war Wahl? Ich denke, wir hatten dieses Jahr schon welche? Kann man da nicht noch nachträglich wählen? Ein deutschnationaler Reinjager: Wenn wir uns wieder einmal spalten, will ich auch einmal Ja fagen! Der Spezialist für holstrantheiten: Benn's nach mir ginge, fönnte jeden Monat eine Wahl sein! Die Aufwertungsparteten: Ein Blüd, daß wir durch gefallen find. Nun können wir wenigstens über alles schimpfen, was die anderen in der Aufwertungsfrage tun! Der zerstreute Professor hat seinen Füllfeberhalter in der Wahlzelle liegen gelaffen und dofür den amtlichen Bleistift stummel mit nach Hause gebracht. Der Klosettpapierhändler: Da sich das deutsche Bolt für das nächste Bierteljahr mit Wahlaufrufen eingedeckt hat, muß ich mich auf einen anderen Gegenstand des täglichen Bedarfs legen! Ein Ralauer: Warum war am Wahltag so schlechtes Wetter?( Weil die Bürgerlichen und Kommunisten das Blaue vom Himmel heruntergeschwindelt haben.) Der Schuhmann: Jebe Bartei müßte ihre Flugblätter, die auf der Straße liegen, felber zusammenlesen und Sie an die Mauern, Planten usw. geflebten Zettelchen wieder abfragen! Ein Leitartikler: Was soll ich nun prophezeihen? Ich werde an den Knöpfen abzählen: alte Roalition- Bürgerblod Amerika im Licht. Alfred Kerr, der gefürchtete Kritiker, will von der jungen Dichtung nicht mehr viel wissen. Der eine, auf den er schwört, ist ist längst tot, der andere murde im bayerischen Rerfer feiner Urfraft geht halt so lange zum Bronnen, bis ihr brecht; er felbft beraubt. Uns, die wir hier etwas gläubiger sind, ruft er zu: da Tat ein fabelhaftes Talent: er fann nicht nur verreißen, er fann wird zum beneidenswerten Globetrotter. Hierzu hat Kerr in der auch verreisen, er fann nicht nur warm loben, er fann auch heiß lieben. Wenn er dann rachmalend schreibt, schwelgt er in ver schnörkelter, aber doch meist sehr schöner Wortmusif, und felbft die Objektivität geht dabei flöten. Das ist bis zu einem gewissen Grad Vorrecht des Dichters, restlos besicht er nur bei völlig neutralem Stoff. Blüthnerlaat sprach, sieht er nur mit den Augen des 3m Amerita, über das Kerr gestern abend im überfüllten preffionisten: er trant dort in brei Reisenden dargebotenen Kelch der Herrlichkeit zur Neige wundervoll hat es ihm ge schmedt. aber er vergißt, sich nach der Zusammensetzung des Getränts bei denen zu erfundigen, die es mischten, er befragt nur die, die es ihm reichten. Und daher fiets Welt im Licht"! " Aber der Dichter bleibt! Beweis der Ehrlichkeit der Methode wie die Hadsprache des Feuilletons auch am Bortragspult durchbricht. Beweis der Echtheit des Empfindens, plöhlicher Wandel ber Blauberei in gebeinahes Gespräch. Dieses Land, nach dem ich Sehnsucht habe Der Sehnsucht Grund ist ein Land voll Naturfraft und Kraftnatur, deffen Ethos im Willen zur Arbeit dessen Religion im tiaren Berhältnis zur Gegenwart, dessen Kultur mit im Höchstmaß von Zivilisation liegt der müde Europäer glaubt und geht mit. Skeptisch werden wir auf Grund zahlreicher fachbelogter Gegenäußerungen bei der Negation fast allen fog'alen Ciends, bei der Feststellung einer fröhlichen Armut, bei der Behauptung. daß der Schmerz drüben nicht sehr heimisch" sei. So fchön ist sie nicht d'e Welft von der Kerrfeite. Dentt auch an die Fleischfabriken Chicagos und finclärt Eurora auf! Durch Kenntnis zur Erkenntnis, erst dann erstarkt der' lle, diese verfehrte Welt der Ausbeutung in eire perferrte Welt der Sinngemein fchaft umzumandeln- aber der Dichter soll auch heute mitmarschie ren und bleiben, wie er ist. ergo. landes wird auch in Aachen eine große Ausstellung veranstaltet werden, Eine hifforische Ausstellung in Aachen. Zur Nahrtausendfeier des Rheindie in der Hauptsach historischen Charakter tragen fol. Zigarrenrauchen ist eine Kunst. Nur wenige Raucher verstehen fich darauf, einer Zigarre höchsten Genuß abzugewinnen. Las Rouchen einer Zigarre ist nämlich eine Kunst, die erlernt fein will. Das sicherste Mittel, sich um den Genuß des feinsten Aromas zu bringen, besteht wohl darin, die Zigarre in Brand zu sehen, ohne gleichzeitig zu ziehen. Man soll niemals eine Bigarre anzünden, dem Feuer aus'egen, denn ein. zu reichlich angebrannte Zigarre gibt einen unzulänglichen Rauchgenuß. Auch die Art, wie man beim Rauchen mit der Zigarre umgeht, ist von großer Wichtigkeit. Man soll sie nicht in den Fingem quetschen und drücken, weil man fie dadurch beschädigt und lediglich erreicht, daß sie ungleichmäßig brennt. Auch das Abschneiden der Zigorre ist von großer Bedeutung. Reinesfalls soll man die Spitze mit den Zähnen abbeißen. da dadurch die Dede verlegt und der Wickler beschädigt wird. hat man feinen Spiße ein scharfes Federmesser benutzen. Man soll eine Zigarre auch Bigarrenabschneider zur Hand, so möge man zum Abschneiden der nicht rasch, sondern langlam aufrauchen. Dadurch wird der Rauch fühl erhalten und gewährt den Geschmadsnerven erhöhten Genuß. Wenn die Zigarre in Brand gefegt ist, fo foll man sie zunächst ein paar Sekunden abfühlen lassen. Sie behält dadurch bis zum Ende ihren feinen, fühlen Geschmack. Eine ausgegangene Zigarre verliert beim Wiederanzünden die Feinheit des ursprünglichen Aromas. Bis zu einem gewiffen Grad fann man diesen Fehler dadurch ausg'eichen, daß man die Bigarre, bevor man sie wieder in Brand steckt, scharf und Reuchteilen, die dadurch abgebla on werden. Ein Zigaretten durchbläst. Man wird überrascht sein über die Menge von Staub raucher, der gelegentlich einmal zu einer Bigarre greift, foll sich hüten, in die Gewohnheit des Zigarettenrauchers 3 verfallen, die Ashe beständig abzufnipfen. Die Asche einer guten Bigarre fällt zurz it canz von selbst ab. Je länger sie die Afche hält, desto besser ist ihre Qualität. Wembley in zweiter, verbesserter Auflage. Die englische Regierung hat die Frage ob die Ausstellung von Wen blen auch im n dysten Jahre aufrecht erhalten werden soll, in bejahendem Sinne entschieden. Dem Unterhaus soll ein Ge'ezentwurf vorgelegt werden, der die vom Staat gewährte Garantiefumme von 600 000 auf 1 Million Pfo. Sters ling erhöht. um den Dominions und Kolonien, die nicht in der Lage feien, die Kosten einer abermaligen Beschichung der Ausstellung zu tragen, die notwendige Unterstügung angedeihen zu lassen. Im Sep. tember hatte die damalige Regierung die Erneuerung der staat iden Garantiesumme für 1925 abgelehnt. Auch war die öffentliche Metnung angesichts des finanziellen Mißerfolges einer Wiedereröffnung nicht günstig gesinnt. Um so überraschender wirkt jetzt die Nachricht, daß es der fonfervativen Regierung gelungen zu sein scheint, das Wert der Reichsausftellung offenbar aus Prestigegründen in das nächste Jahr hinüberzuretten. B Die Berfasserin der Berliner Range", Ernst Georgh mit ihrem richtigen Namen Margarete Michaelson, ist im 52. Lebensjahre gestorben. Eine Film- Mafinee unter Vorführung zahlreicher Filmausschnitte ver anfaltet die Humboldt- Hochschule Sonntag, 11 Uhr vormittags, in der Alhambra", Kurfürstendamm 68. Klara Zetkins Ende. Sie deckt die Henter in Georgien! " Der telegraphisch angekündigte bei uns aber nicht eingegangene Bericht Klara Bettins über Georgien ist gestern in der„ Roten Fahne" erschienen. In einem ellenlangen Artikel, der drei Spalten des Blattes füllt, bemüht sich Frau Bettin, die Auffassung zu widerlegen, daß sie angesichts der Greuel in Georgien ein menschliches Rühren verspürte. Wir hatten auf Grund einer uns aus Tiflis zugegangenen Korrespondenz, die am 18. November im Vorwärts" erschien, diese Auffassung geteilt. Wir glaubten, Frau Zetkin würde es nie und nimmer als eine Beleidigung empfinden, daß man ihr nachsagte, sie sei durch die Berichte der Witwen erschossener georgischer Arbeiter vom Grauen gepackt worden. Wir haben uns leider getäuscht. Frau Bettin hält es für ihre kommunistische Pflicht, auch gegenüber den Greueln in Georgien jede mensch liche Regung zu verleugnen und sich vor aller Welt mit den bluttriefenden Henfern zu solidarisieren, die selbst öffentlich eingestanden, daß sie Dußende von gefangenen Sozialisten er mordet und Hunderte von georgischen Arbeitern und Bauern erschossen haben. Die Tatsachen, die in unserem Tifliser Bericht gemeldet wurden, bestreitet Frau Bettin im großen und ganzen nicht. Es sind in der Tat drei Georgierinnen bei ihr gewesen, die ihr die furchtbaren Verhältnisse in Georgien schilderten und ihr ein Schreiben übergaben, in dem eine eingehende Darstellung der Ereignisse während des Aufstandes enthalten ist. Zwei von den Besucherinnen, die Frauen erschossener Arbeiter, fanden auch Gnade vor den Augen der Frau Zetkin. Auf die dritte jedoch gießt sie die Schale ihres Zornes aus, weil sie welch ein Verbrechen! fich als politisch geschulte, ziels bewußte Menschewistin ermies. Sie ist empört, daß diese Frau im Namen der übrigen an sie appellierte, fie möge ihren Namen in der internationalen Arbeiterbewegung bemugen, um für die unterdrückten georgischen Arbeiterinnen ein zutreten. Welch eine Zumutung und welch ein Verbrechen! 15 weitere Zeugen geladen. Proteft gegen Protest gegen deutschnationale Berichterstattung. Kloth mit dem Notizbuch. Sozialisten muß ganz entstellt wiedergegeben worden sein. Beuge: Diefe meine Rede gegen die französischen ich habe damals furz den Streit 1918 erwähnt. Ueber diese internationale Tagung ist übrigens nicht ein sozialistischer Bericht cre F. KI Magdeburg, 12. Dezember.( Eig. Drahtbericht.)| leider nicht das Ende des Krieges hervorgerufen habe, obwohl das leumder das Interesse ganz Deutschlands wachruft, ist begreif Daß der Prozeß des Reichspräsidenten gegen seine Ber- bezwed war. lich. Wohl in feinem modernen Staatswesen außerhalb der Grenzen der deutschen Republik!- wäre es denkbar, daß vor einem Schöffengericht ein„ Beweisverfahren" zugelassen würde, der erwählte oder geborene Repräsentant des Staates habe sich des Landesverrats schuldig gemacht. Be stände ein solcher Berdacht, so gibt es überall politische Gerichte mutetes Berbrechen am Staate abzuurteilen hätten. - Staatsgerichtshöfe, die über ein solches ver nd als In Deutschland ist es anders. Hier tann irgendein zweifelhafter Bursche ohne Verantwortung und politischen Sinn eine unsinnige Behauptung über den erwä Bräsidenten des Reiches in die Welt jegen, tann ihn abn Trottel, als Trinter oder Verbrecher bezeichnen- enn es dann nur der Deutschnationalen Partei gefällt, ihm den nötigen Beugen und Berteidigungsapparat zu stellen, so muß sich ber erste Beamte des Reiches wochenlang die gerichtliche Unter fuchung seiner Kleiderfalten gefallen laffen und die ganze deutschnationale Bresse breitet den Unsinn über das Land aus zu höherem Ruhm des Baterlandes! Bom staatspolitischen Gesichtspunkt ist dieser Prozeß vor dem Magdeburger Schöffengericht ein Trauerspiel, Dom Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei und ihres früheren Borsigenden freilich fann er nur dazu beitragen, auch erkenntnismäßig festzulegen, was ohnehin befannt ist: daß es nichts Perfideres gibt als die Be hauptung, die Sozialdemokratie oder ihr früherer Borsigender habe das Land der raten. chienen. Es ist über diese Sizung auch kein Protokoll in Druck gegeben r- orden. Berichtes auf dem Parteitag der SPD. in Weimar über Auf eine Frage, ob der Zeuge die bekannte Stellungnahme des ben Januarstreit 1918 tenne, erklärte Müller, daß er bei der Abfaffung dieses Berichts nicht mitgearbeitet habe. R.-A. Martin: Sind Sie nicht der Ansicht, daß der große Gefichtspunkt, daß das zutreten der SBD. gerade bem Streit seine Bedeutung gegeben habe. tatsächlich der Auffassung der führenden Sozialdemokraten entsprach? fprechungen des Parteivorstandes während des Streifs teilgenommen Beuge: Dafür fehlen Unterlagen. Ich habe ja an den Beund wir waren alle der Ansicht, daß der Streit unmöglich den Krieg abkürzen fönnte und schnellstens erledigt werden müsse. Borf.: Hat die Frage der Bestellungsbefehle damals eine Rolle gespielt? Zeuge: Was die Bestellungsbefehle anbetraf, fo war mitgeteilt worden, daß die Arbeiter, die gestreift hatten, Gestellungsbefehle er. halten hatten. Wenn an uns die Frage herantrat, ob man sich stellen müsse, so lautete die Antwort: „ Selbstverständlich müßt Ihr Euch stellen." für den richtigen Weg, den Streit abzutürzen? Wäre R.-A. Dr. Bindewald: Hielten Sie den Eintritt in die Streiffeitung eine Barnung nicht angebrachter gewesen?" Beuge: Für eine Warnung war es zu fpät, es tam darauf an, im Interesse des Landes die Hände im Spiel und den Einfluß auf die Arbeiter zu behalten. R.-A. Dr. Bindewald: Sie meinten also, die Leute sonst nicht in Zeuge: Es wäre anders nicht möglich gewesen, die Arbeiter aus bem Streit herauszuzichen. Herr Ebert zur Arbeitsaufnahme aufgefordert hälle, fo würde man die Arbeit wieder ausgenommen haben. Also war doch die EinR.-A. Dr Martin: Der 3euge Syrib jagte hier aus, wenn ftellung der Arbeiter eine andere als die des Parteivorstandes. Zeuge: Ich bin auch heute überzeugt, daß wir richtig gehandelt tereffe der Landesverteidigung. haben, und zwar nicht nur im Interesse der Partei, sondern im InZeigt schon diese Einstellung, auf welchem moralischen Niveau Frau Betfin unter dem Einfluß ihrer bolfchemistischen Was irgendein phantastischer Zeuge nach dem Broder Hand behalten zu können? Freunde angelangt ist, so erbringt sie andererseits durch die in totoll des Pastors Koch aussagt, fann selbst beim ber hand behalten zu können? ihrem Bericht enthaltenen Arg:: mente den Beweis dafür, daß natosten Gemüt nicht die Tatsache erschüttern, daß die Gofie jede ihr von den herrschenden Tschekisten unterbreitete Bezialdemokratie und ihr Borsigender Ebert während des ganzen hauptung kritiklos übernimmt und offensichtliche Krieges die Berteidigung des Landes zum Leitstern ihres Lügen und Verleumdungen mit ihrem Namen deckt. Einige Handelns gemacht haben, und daß deshalb der Wille, durch Beispiele mögen das erhärten: Frau Bettin behauptet, die einen Munitionsarbeiterstreit und durch Aufforderung zum Männer zweier ihrer Besucherinnen feien nicht„ völlig un- Ungehorsam gegen Gestellungsbefehle, das Land zu schädigen, politische Arbeiter", sondern sehr attive Menfchemisten" ge gar nicht bei ihnen aufkommen fonnte. wesen, die im Mai verhaftet, wegen militärischer Spionage" abgeurteilt und gemäß dem gerichtlichen Urteil erschossen wurden. So hat es die bolschewistische Tscheka der Frau Bettin mitgeteilt. Und fühl gibt die„ kommunistische Vorfämpferin" das tschekistische Evangelium mieder, obwohl ihr selbst aus den Publikationen der Sowjetpreffe befannt sein mußte, daß die am Tage nach dem Aufstande erschossenen 34 georgischen Gegen diefe Beeinflussung der Deffentlichkeit und des Sozialisten, zu denen offensichtlich auch die beiden er- Gerichts erhob in der heutigen Bormittagssitung die Ber= wähnten Arbeiter gehörten, nicht auf Grund von Geteidigung des Nebent ägers feierlich Einspruch. richtsbeschlüssen und nicht wegen irgendwelcher nach Besonders das Magdeburger Lofalblatt der Deutschnationalen gewiesener Verbrechen, sondern auf Befehl der tom leistet sich dabei die fräftigsten Berdrehungen. Das wichmunistischen 3entrale hingerichtet wurden, um die tigfte Ergebnis des heutigen Vormittags ist die Ladung cufständischen Arbeiter und Bauern durch diesen Massenmord on 15 weiteren 3eugen, die Dienstag nächster einzuschüchtern. Boche vernommen werden sollen. Frau Bettin scheut sich nicht, die tschetistische Verleumdung über die angebliche, militärische Spionage" der hingemordeten fozialistischen Führer wiederzugeben, für die tein Schatten eines Beweises vorliegt und die nur dazu dienen soll, die bestialische Ermordung von Gefangenen zu rechtfertigen, die nicht nur in feinerlei Beziehung zu dem Aufstand standen, fon dern die noch vom Gefängnis aus ihre Anhänger entschieden vor dem Aufstand warnten. Frau Bettin geht aber noch weiter. Sie afzeptiert auch die bolfchemistische Lüge, daß Poincaré im Jahre 1922 der aus Georgien vertriebenen sozialistischen Regierung fünf Millionen Franken zur Verfügung gestellt und daß der Menschemist Kandelethi im Februar 1924 aus Paris Gelder zur Organisation des Aufftar es nach Georgien gefandt habe. Wie fritillos Frau Betfin bei ihren Lügens meldungen verfährt, geht schon daraus hervor, daß fie mit ernster Miene verfichert, die von Randelethi nach Georgien ges fandten 2500 türkische Pfund und 1500 Dollar feien zur Dr ganisation des Aufstandes bestimmt gewefen. Möge sich doch Frau Zetkin bei Sinomjem und ihren anderen Freunden in der Moskauer Erefutive erkundigen, wieviel diese zur Organi sation der fommunistischen Butsche in Georgien, Estland, Mitteldeutschland, Hamburg usw. ausgegeben haben. Sie würde dann erfahren, daß Aufstände wenn fie wirklich von außen herinszeniert und finan ziert werden ganz andere Summen erfordern, als die paar tausend Pfund und Dollar, die die georgischen Sozia listen aus Paris zur Unterstübung ihrer gefange nen Genossen nach Georgien sandten. Alles in allem bleibt von der ellenlangen Erwiderung der Frau Zetkin nur der Eindru übrig, daß diese einst so an gefehene Frau mit heroftratischem Eifer bemüht ist, ihren Namen und ihr Ansehen selbst so herabzuwürdigen, daß niemand sie von den bolschewistischen Banditen und Schwind lern unterscheiden soll. Zurückhaltung der Börse. Schwaches Geschäft. Die vorouszufetzenden Schwierigkeiten bei der Bildung des neuen Kabinetts sowie die ungeklärte Lage in der Frage der haverhandlungen im Bergbau, nachdem wie derum die Arbeitgeber den neuen Schiedsspruch ablehnen dürften, legen der Börse große Burüdhaltung auf, zumal das Wochenende, wie die bevorstehenden Feiertage nicht dazu geeignet sind, größere 27 Soweit, so gut! Aber die deutschnationale Bresse, die Wahrerin der Staatsautorität", gießt inzwischen in alle Bäche ihre Berleumdungsgewässer, und bevor das Gericht eine Entscheidung hat fällen können, wird im ganzen Lande der Ruhm des Phantasten verbreitet. R.-A. Dr. Martin: Sie waren Zenfor beim Vorwäris"? Beuge: Jamchl, ich hatte zu verhindern daß durch gewisse A- tifel neue Vorwärts" verbote herausfamen. R.-A. Dr. Martin: Also hatte der Parteivorstand doch einen Einfluß auf die Rebaftion? Baricivorstandes nahmen Vertreter der Rebatt on erit feit 1919 Beuge: Aber nur in dieser Richtung. An den Sigungen des wieb r kil. tion die Möglichleit, die Etellungnahme der Partei in großen politschen Grogen tennen zu lernen. R- 2. Dr. Martin: Auf diese Weise hatte in Berfin die RetakBenge: Die großen poli ilchen Grogen wurden in der Fraktion enti teden. R.. Dr. Martin: Befiehen alt auch beute noch Gegende mijn der totalen ratten Deganjation und der Partelettung fi in Borwärts" wiederspiegeln?" sich im tritt, follte sich darüber äußern, ob er in Bern auf einer interHermann Müller, der foeben an den Zeugentisch nationalen Konferenz danon gesprochen habe, daß leider der Streit vorzeitig abgebrochen werden mußte". Müller hält diese Aeußerung für absolut unmöglich. Er und die Partei hätten den Streit niemals gebilligt, sondern man habe sich der Leitung nur angeschloffen, um im Interesse der Landesverteidis tung des Vorwärts" am 29. Januar in der Stre ffrage ein. gung nicht den Einfluß auf die Arbeiter zu verlieren. des Parteivorstandes über den Vorwärts" lang Wieder einmal wird das Aufsichtsrecht des und breit erörtert, ohne daß die Berteidigung auch nur einen Schimmer von Verständnis für die redaktionstechnischen Vorgänge verrät. Beuge: Gewiß, obwohl die Gegenfäße ausgeglichener find als im Frieben, R.42. Binbewab: Bar per Parteinorstand mit der Hale verfiarden? " der Streifforderungen nicht einverstanden waren. Zeuge: Es war fein Zweifel, daß wir mit der Formulierung Borstand wiederholt eber veröffentlicht, daß er mit der Redaktion R.-A. Dr. Mertin: Während des Krieges hat der Bartoi nicht fonform gehe. Ih erinnere an die Erflärung der Sechs. holt Stellung genommen. Beuge: Gewiß haben wir gegen die Rebaffion Däumig mi derSchließlich tritt Emil Kloth als 3euge auf, eine der traurigften Gestalten, die jemals in der Arbeiterbewegung fich tummeln durften. Er tommt mit Notiz chen, die er in vertraulichen Sigungen der Gemertschaftsnahme der Rebatteure 1905 und die allerdings etwas eigenartige R. 2. Heime: Die Erflärung der Sechs mar die Stellungvorstände sich gemacht hat und die jetzt nach fieben Jahren Gegenerflärung des Parteivorstandes. Beweistraft haben sollen.... BS. Magdeburg, 12. Dezember. Landsberg folgende Erflärung ab:„ Die Bresse hot bisher Nach Eröffnung der heutigen Sigung gab Rechtsanwalt Dr. nur objektiv berichtet, nicht durch Artifel in ein schwebendes Ber fahren eingegriffen. Wir habei nichts gefagt, als ein Berliner Batt schrieb, Dittmann habe den Reichspräsidenten davor bewahre wollen, wieder ins 3uchthaus zu tommen. Die Magdeburger Tageszeitung" fagte heute in einem Ariife! Eine Die Magde Bendung", daß Snrib bei feiner Aussage geblieben ift." Weiter wird gefagt: In dem Brief Richard Müllers follen schwerbelastende Aussagen stehen. So geht es nicht weiter. Das ist nicht Aufgabe der Preffe und ich würde es begrüßen, wenn eine Stelle, die autoritativer ist, das betonen würde." auf das Gericht ei uirft. Es fommt der Augenblid, wo man mit R.-A. Heine: Ich möchte hoffen, daß dieje Bergiftung nicht Berachtung gegen diese Art Breffe nicht mehr auskommt und das öffentlich betonen muß. R- 2. Dr. Martin: Bir protestieren gegen den Artifel der Boffischen Zeitung", die der Berteidigung eine Fabrikation von Zeugen vorwirft. daß Der Borfikende erklärt, daß auch das Gericht eine der= vollfommen unangebracht halte Sie verstoße nicht nur gegen den Anstand und den guten Ton, sondern sei auch dumm bisher Gitte gewefen, das Ergebnis eines Brozesses abzuwarten Es fei und sich erst dann mit dem Urteil auseinanderzufeßen. Die Vertreter des Nebenklägers stellte dann den Antrag, den Engagements einzugehen. Immerhin ist festzustellen, daß das Abgeordneten Dr. Böbmre, den Direktor der Berliner Brennstoffherauskommende Material heute wesentlich besser war, als gestern gesellschaft Brolat, Mar Fechner und Prof. Dr. Weber und entsprechend nimmt auch die Abschwächung der Kurse ein gefühlung mit dem Reichspräsidenten hatte und weiter befunden soll, Heidelberg zu laden, der befunden foll, daß er im Generalftreit ringeres Ausmaß an, zumal hier und dort das Material Aufnahme an der Rebentiäger jahon damals den Streit ein Unglüd find: t. Im allgemeinen ist das Geschäft fomit wesentlich ein bezeichnet habe, dem bald möglichst ein Ende gemacht werden geschrumpft. Dies gilt für alle Märkte. Auch am Renten müsse. mart hat das Geschäft mangels neuer Anregung nachgelaffen und Gewinn- Realisationen haben auf den Kurs gedrückt, so daß heute bei Beginn nicht unwesentliche Kursabfchläge zu verzeichnen waren. Kriegsonleihe handelte man gegen Mittag mit 0,845. In Zwangs anveihe ist des Geschäft völlig eingeschlafen. Im übrigen stehen einzelne Spezialpapiere nach wie vor im Bordergrund des Intereffes, doch haben auch hier die Umfäge wesentlich nachgelassen. Am Geld. markt ist die Lage unverändert gleich. Tägliches Geld wird mit % pro Mille und darunter reichlich angeboten. Am internationalen Devisenmarkt hat die Abschwächung der europäischen Standard. devisen weitere Fortschritte gemacht, namentlich liegt der fran. zöfifche Frant recht schwach; er notierte in London 88,15. die amtliche Genehmigung zur Aussage verschiedener Zeugen einholte, Nach fast 1½stiindiger Beratung, in der das Gericht zum Teil befchloß das Gericht als 3eugen zu laden: Arbeiter Orgel, Richard Müller, Malhahn, Caard, Prof. Alfred Weber, Kri minalbeamten Heiles, Affeffor Henninger, Bolizeirat Röber, ferner die Herren Bolat, Dr. Böhme und Kindier. Weiter sollen die amt lichen Berichte, die der Zeuge Helles der Fliegertruppe über die Treptower Bersammlung erstattet hat. eingefordert werden. Hermann Müller als Zeuge, Müller. Borf.: Sie sollen auf einer internationalen Konferenz im Dann vernahm das Gericht als folgenden Zeugen Hermann Jahre 1919 in Bern erklärt haben, daß der politische Maffenstreit Gewerkschaften und Metallarbeiterstreik. Eine Zuſchrift zum Magdeburger Proze. Wir erhalten zum Magdeburger Prozeß folgende Zuschrift: Im Abend- ,, Bormärts" vom 10. d. M. befindet sich ein Bericht tommt die Bemerkung des Herrn Rechtsanwalts Bindewald über den sogenannten Magdeburger Prozeß. In diesem Bericht vor, daß ich erklärt hätte, nach dem Eingreifen des fozial. demokratischen Parteivorstandes in den Streit 1918 wäre die Zahl der Streifenden von 60000 auf 200000 er. Mir ist der Herr Rechtsanwalt Bindewald nicht bekannt, mir ist im Augenblick auch nicht befannt, wann und wo ich die Aeußerung getan haben soll. machen können, denn es war ein wilder Streik, und da fehlt Bor Gericht als Zeuge würde ich eine solche Bemerfung nicht mir jede Möglichkeit, 3chlenangaben über Streils zu machen und diese dann auf meinen Zeugeneid zu nehmen. Standpunkt als Gewerkschaftler gesehen sehr danebengehend, Gewerkschaften vor dem Streit gewarnt hätten. Das ist belanglos fo z. B. die Aeußerung, daß die chriftlichen und Hirsch- Dunderschen angesichts der Stärke, die diese beiden Organisationen damals in der Berliner Metallindustrie hatten. Der Christliche Metall. arbeiterverband zählte zu der Zeit in Groß- Berlin in der deutet angesichts der Tatsache, daß zirka 300 000 Metallarbeiter Her Metallindustrie noch nicht 500 Mitglieder. Was das be. Metalfarbeiterinnen beschäftigt waren, kann jeber Gewerkschaftler ermessen. Auch was sonst in dem Bericht vorkommt, ist von meinem und Im übrigen hat der Prozeß für mich sehr wenig Bedeutung, denn der Reichspräsident Ebert braucht sich gegen Borwürfe, die ihm aus Anlaß des Streifs 1918 gemacht werden, nicht zu wehren. Wer ihn fennt, weiß, daß er einer unehrenhaften Handlung besonders, wie es ihm von seinen politischen Gegnern angehängt wird, nicht fähig ist. Adolf Cohen. Berantwortlich für Politif: Cru Reuter; Birtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Botwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchbruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Preiswerte Weihnachts Strümpfe 38 PL. Damenstrümpfe schwarze Baumw., 68, 48, Damenstrümpfe Seidenimit., schwarz u.farb. 95 PL. 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Ueber Nacht haben sich überall winzige Buden aufgetan, voll von Pfefferkuchen oder Spielzeug.... Wollt ihr einmal wieder Kind sein? Dann kommt mit ins Märchenland! Es hat hier freilich den irchen Namen„ Germaticsäle" und liegt in Charlottenburg. Aber seid erst einmal in dem Saal, der versteckt in einem armseligen Großstadthof liegt.... Da ist wahrhaftig ein Rosenhimmel über cuch ge pannt. Nun dürft ihr träumen. Klingling! Die geheimnis volle Gardine teilt sich, und men erebt dos Puppenspiel vom Brü derchen und Schwesterchen. Wie sie die böse Stiefmutter, die eine richtige Zauberi ist, heimlich verlassen und mit dem lustigen Ra perle in den großen Wald gehen, wie das arme Brüderchen in ein Rch verwandelt und das Sávesterchen die Gemahlin des föniglichen Jagdherrn wird, wie die garstige Here ihren Spuf treibt und des in cine allerliebste Maus verzauberte Kasper e alles entdeckt und verrät. Die Stiefmutter muß auf dem Scheiterhaufen elendiglich verbrennen, während das entzauberte Brüderchen mit dem ver gnügten Kasperle bei dem g'üdlichen Königspaar bleiben darf.... Aber der neue Epuf geht noch weiter. Jett kommt der Weihnachtsmann und trägt einer Riesenfad auf dem frummen Rüden. Geſchenke für die artigen Kinder. Furchtlos geben sie dem bärtigen Alten die Patschhand und fagen mutig thre Gedichte auf. Es ist cine, herzliche Angelegenheit, und man muß Mester Kawe, dem beneidenswerten Puppenspieler, ehr ich danfen, daß er groß und flein mit feiner rührend einfachen Kunst soviel Freude macht. Die Kinder stürzen aufgeregt und mit heißen Wangen nach Hause, das Unerhörte, Schöne zu erzählen, und auch die großen haben ein Lächeln feliger Erwartung um den Mund, wenn sie den Märchenfaal verlaffen.... Die rote Nelke an der Aftentasche. feldes bewegt sich ein fleiner Ball, wie der Ball auf dem Fußballplay, der von den Kugeln, die gegen ihn geschossen werden, hin und her getrieben wird, und zwar von jeder Partei gegen das feindliche Tor. Wie beim Fußball hat diejenige Partei gesiegt, die in der vorher vereinbarten Spielzeit die meisten Tore gefchoffen hat. Einer der Herren Hotelbefizer schreibt, daß das Spiel in seinem Hotel bis morgens um 7 Uhr ausgeübt wird und sich der größten Beliebtheit seiner Gäste erfreut. Son, Liebchen, was willst Du noch mehr? Berlin hat im Herbst das Mah- Jongg- Spiel bekommen und jegt, furz vor Weihnachten, das Goal- Game. Berlin ist eine reftios glüdliche Stadt. Wieder eine Zigeunerschlacht. Gegen die Polizei hallen fie aber zusammen. こ Freitag, 12. Dezember 1924 Außerordentlig intereffant geftelteten sich die Bernehmungen zum Fall 5. zur Ermordung des Arbeibers Hans Sonnenfeld. Haarmann hat bisher diesen Mord bestritten und behauptete, daß er die Sachen, die bei ihm von dem Jungen gefunden worden sind, gekauft habe, da sich der Jurge viel herumgetrieben habe. übrigen hat Saarmann den Verdacht, daß er den Mantel des Ermor eten getragen hat, immer damit zu entkräften versucht, daß er einen ganz ähnlichen Mantel hejeffen Fitte. Die vorhandenen Sachen werden von den Eltern wieder erfannt. Ueber den Mantel der bisher nicht gefunden werden fonnte und von dem nur eine Stoffprote aus dem Befiz der Eltern vorgelegt worden ift, fommt es zu lebhaften Erörterungen mit den verschiedenen Zeugen. Ein Tischler Rothe befundet, daß er Haarmann mit diesem Mantel auf den Bahnhof gesehen hätte, und als er ihm dort vorhielt, daß dieser Mantel doch von Sonnenfeld stamme, hätte Haarmann erflärt, Sonnenfeld hätte ihm den Mantel verfauft. Die Zeugin Frau Engel befundet, doß Haarmann einen solchen Mantel, solange er bei ihr gewohnt habe, getragen habe, und der Angefagte Grans bestätigt dies mit der Bemerkung, daß er den Mantel später für Haarmann habe verkaufen müssen. Er beschrieb diesen Mantel auch noch in allen Einzelheiten, so daß die Eheleute Sonnenfeld, die Eltern des Ermordeten, bestätigen mußten, Eine blutige Zigeunerschlacht wurde am Donnerstagnachmittag auf einem Bauplatz in der Grünauer Straße 2-3 zu Berlin Brig geschlagen. Hier bezeg vor drei Wochen ein Stamm von 30 bis 40 Personen mit ungefähr zehn Wagen sein Winterquartier. Bisher lebten die Leute in Ruhe und Frieden. Ein Teil des Stammes blieb auf dem Play, andere Mitglieder waren auf Reisen. Becherei.. Was fie veranlaßte, weiß man nicht. Das Ende aber daß der Mantel ihres Sohnes genau so ausgesehen habe, wie Grans Gestern gab es in einem der großen Wagen eine ausgedehnte war eine fürchterliche Prügelei Wie später festgestellt wurde, hatten die Recher außer anderen Getränken nicht weniger lautes Geschimpfe und Geschrei. Man schlug mit Knüppeln, Zaun als zehn Flaschen Kognat verzehrt. Plöglich erhob sich pfählen, leeren Bier- und Regnafflaschen aufeinander ein und bald bluteten nicht nur Männer, sondern auch Frauen, die hatten schlichten wollen, während die Kinder jammernd durcheinander liejen. Der Borsteher des 218. Reviers, der mit mehreren Beamten anrüdte, fand auf dem Kampfvlake und zum Teil in den Wagen acht Perfonen, die erheblich verlegt waren, abgesehen von anderen. denen es etwas glimpflicher ergangen war. Während fie fich aber bis dahin wie die erbitteriften Feinde gegenüber gestanden hatten, waren die Parteien sofort wieder einig und geschlossen, sobald die Polizei fam. Ihr gegenüber hielt der Stamm fest zusamunen. Ihr häuptling Bierla verweigerte jede liche Hilfe ab. Alles, was ein Arzt hätte tun können, besorgte eine Aussage und lehnte mit Zustimmung aller Verletzten jede ärztalte Zigeunerin ganz allein. Ueber die Beranlassung zu dem Streit war nichts festzustellen. Nur soviel war herauszuhören, daß der Häuptlingssohn, der 21 Jahre alte Michael Bierla, der Urheber Bolizeiamt Neukölln gebracht. Schußwaffen und scharfe Hiebwaffen fein soll. Dieser wurde vorläufig festgenommen und nach dem wurden bei einer Durchsuchung der Wagen nicht gefunden, der heutigen Postauflage bei. ,, Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt Ein Heiratsschwindler, der sich bessern will. Neun Bräute eines Heiratsshwindlers, des Kaufmanns Mar 3. gaben fich ein Stelldichein vor der Berufungsstraftammer des Landgerichts II, da 3. gegen das Urteil von 9 Monaten Gefängnis, das das Schöffengericht Schöneberg gegen ihn gefällt hat, Berufung eingelegt hat. Die„ Bräute" nahmen vor Gericht gegen den Schwindler, ber sie betört und ihnen Geld abgenommen hatte, eine sehr drohende Haltung ein. Die Wege der Erregung legte sich erst einigermaßen als R.-A. Dr. Harry Pincus einer der gefchädigten jungen Damen den Betrag, um den fie geprellt war, im Auftrage des geffagten zurückerstattete und auch den anderen die Versicherung gab, daß der Angeklagte jetzt ein ordent'iches Leben führen wolle und die Absicht habe, allen zugefügten Schaden wieder grizumachen. 3. war schon zweimal verheiratet. Seine erste Frau war von ihm geschieden. Da es ihm nicht besonders gut ging, fuchie er fich auf dem Wege des Heiratsschwindels einen einftatt Sonnabend, den 13. Dezember, nachmittags von 4-8 Uhr, träglichen Nebenverdienst. Im Gegensah zu sonstigen Heiratsschwindlern, die ihre Opfer vorwiegend unter älteren Frauen ausuchen, legte er einen besonders guten Geichmad an den Tag, denn es waren ausnahmslos hübsche junge Mädchen, denen er sich näherte Der Treffpunkt war der Potsdamer Platz, das Er Pennungszeichen eine rote Nelke an der Atten tasche. Ileber seinen Namen und feine Stellung wußte er sich -in ein geheimnisvolles Dunkel zu hüllen. Er deutete nur an, daß er„ Bejizer einer großen Fabrit" fei, de feine zu fünftige ein glänzendes Leben führen, ihr eigenes Auto haben und eine Billa im Grunewald bewehnen werde. Tat'ächlich aber war er bellin mittellos. Seine Wohnung bestand aus einem fast leeren 3mmer, in dem er auch ncch zwei Kinder aus erster Che hatte. Geiren Bräuten" zeigte er die Sterbeinfunde fciner ersten Frau " I vor, verschmieg aber, daß er zum zweitenmal verheiratet sei und mit dieser Frau in Scheidung lebe. Nun hatte er aber das Bech, daß feine vorletzte Braut" auf die Idee tam, nach dem früheren Treffpunkt, dem Potsdamer Plah, zu gehen und ihn zu fuchen. Und richtig, hier trcf sie ihn mieder, aber am Arm einer anderen Schönen. Zuerst stürzten sich die beiden Meben buhlerinnen aufeinander und es gab einen richtigen Auflauf ouf dem verfehrsreichen Play. Dann aber erfannien die beiden Frauen, daß sie gemeinsam Opfer eines Schwindiers geworden waren und übten nun an diefem felbst Lynch justiz. Nachdem er von den beiden Frauen recht übel zugerichtet worden war, wurde er der Polizei übergeben, die ihm das Handwerk legte. Nur dem Unstand, daß er Reue bezeugte und die Absicht, alles wieder gut zu machen, bewahrte ihn davor, daß die Berufungsstraf. fommer dem Antrag des Staatsanwalts auf Erhöhung der Strafe Rechnung trug. Das Gericht beließ es bei den erfannten neun Monaten Gefängnis und rechnete dem Angeklagten noch drei Monate auf die Untersuchungshaft an. Verfehlungen und Selbststellung eines Stadtsekretärs. Bon Gewissensbiffen geplagt erschien bei der Kriminalpolizei ber 45 Jahre alte Stadtfekretär 2. mit der Selbstbeschuldigung, feit Anfang dieses Jahres fortdauernd Unterschlagungen im Gesamtbetrage von 7000 m, begangen zu haben. Der Mann war ganz verstört, zitterte am ganzen Leibe, so daß er sich taum aufrecht erhalten fonnte und war nur mit Mühe imstande, feine Berfehlungen im einzelnen darzustellen. Er hat, wie er in Bruchstiden vorbrachte, Beträge von 50 M. aufwärts, je nachdem er gerade Geld brauchte, aus den Eingängen, die er a's Raffen verwalter des Arbeitshauses Rummelsburg in die Hände betam für sich behalten. Alles, was er fo umerschlun, brachte er, obwohl er verheiratet ist, mit leichtsinnigen Mädchen durch. Obwohl er ziemlich sicher seint fonnte, daß die Unterschlagungen toum entdeckt werden fomnien, weil sie nur durch genaues Nach prüfen aller Belege festzustellen gewesen wären, ließ ihm dech end lich des Gewissen teine Rahe mehr. Auf Nachfrage bei der Leitung des Arbeitshcufes erfuhr man, doß& morgens auch dort schon seine Berfehlungen eingeftanden hatte und das sich sein Geständnis bei einer Rachorüfung feiner Angaben als richtig erwiesen hatte. Nach dieser Bestätigung seiner Selbstbeschuldigung wurde 2. verhaftet. Fußball auf dem Tisch. Die Zohl der Moccifchen, die nicht wiffen, wie sie die Zeit tots schlagen sollen, und die sich vor Langerweile reineweg nicht laffen fönnen, wird in Deutschland von Tag zu Tag größer. Rein Wunder schließlich, da es in Deutschland jedem Menschen gut geht und Sorgen feiner fennt. Der armen Opfer der Langeweile müßte fich eigentlich der Staat annehmen, aber der Republik fehlt leider vollständig das Verständnis dafür. Das wird erit anders und besser werden, wenn der Bürgerblod regiert. Zum Glück gibt es Privatpersonen und Privatgesellschaften, welche diese Lüde ausfüllen, und zu den Wohltätern dieser Art gehört auch die Goal- Game- Gesellschaft. Sie hat das Fußballspiel auf dem Tisch erfunden. Das neue Spiel tommt aus Desterreich und darum heißt es Goal Game. Jezt foll Berlin mit der neuen Erfindung bekannt gemacht und beglückt werden. Das Spielfeld bildet ein rechtediger Tisch, ungefähr von der Größe eines Billards. Vor jedem Spieler befindet sich, in den Tis eingebaut, eine kleine maffive effiganone, die nach Art eines Schiffsnefchüzes so drehbar ist, daß sie das ganze Kampffeld bestreicht. Diese Geschüße werden mit leinen blanden Kugeln geladen, die durch die Schleudertraft einer Feder in jeder Richtung über das Feld getrieben werden fönnen. In der Mitte des Spiel Achtung, Moabit! Konfumgenossenschaft Berlin und Umgegend! Große Warenausstellung mit Gegenüberstellung von Stonturenzwaren in Breifen und Qualität. Die Ausstellung findet in Schmidts Gefellimaftshaus, Wiclefstr. 24. Eintrittspreis für die Ausstellung 20 Pf. Freunde und Gönner der Bewegung sind eingeladen. Rach 8 Ubr Verlosung von Ausstellungswaren. Anschließend gemütliches Beisammenfein. Die nächite Potsdamer Stadtverordnetenjitzung am Freitag 7 Uhr im Stadtschloß zu Potsdam wird eine der interessantesten werden, die je in Potsdam abgehalten wurde. In dieser Sigung werden der Magistrat als auch die Stadtverordneten Stellung nehmen zu dem Erlaß des preußischen Innenministers vom 31. Dr. tober 1924, der die Maßregelung des Oberbürger. meisters Rauscher enthielt. Auch steht die Umgestaltung der städtischen Wer? farife, das Danaergeschenk des PotsDamer Magistrats an die Einwohner, auf der Tagesordnung. Kleidungsstücken, Wäsche usw. fehlt. Weihnachten steht vor der Gedenket der Obdachlofen, denen es an den notwendigsten irl Spenden nimmt der Verwaltungsdirektor des Städtischen Obdachs. Berlin NO 55. Fröbelftr. 15, entgegen. Die Jugendschriften-, Badiahmud und Spielwaren- Ausstellung in Oberschöneweide, frischenstraße( 4. Gemeindeschule), vom Bezirks- ugendamt Treptow in die Wege geleitet, ist bereits am Mittwoch dieser Woche eröffnet worden. Zur Auslage gelangen u. a. auch sämtliche Jugendschriften des berertireude. Ab Montag, 15. Dez., fommen die BublbcideBorwärts. Berlages sowie die bekannten Beschäftigungstpiele Bolfaparfpläne ebenda zur Ausstellung. Freitag, 19. Dez., abends 7 Ubr: Erläuternder Vortrag des Gartendirektors Serrich über Das neue ( Gewand der Wuhlheide". Eintritt frei. Bertauf der ausgelegten Gegenstände in den Ausstellungsstunden. Täglich geöffnet von 4-8, Sonntags 11-7 Uhr, bis einschl. 21. Dez. Sonntag, 14. Dez., nachm. 5 Uhr: Gesangsdarbietungen einer Oberschöneweider Gemeindeschule. Mordprozeß Haarmann. Hannover, 12. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der heutige achte Verhandlungstag beginnt mit einer nochmaligen achte Verhandlungstag beginnt mit einer nochmaligen Ber nehmung der Eltern bes ermorbeten Struß, denen der blaue Manchesteranzug vorgelegt wird, der gestern bei dem Freund des Arbeiters Schellhauer gefunden wurde. Die Mutter des Etruß ertennt den Anzug ihres Sohnes an einer geachselzuckend, daß er sich des Anzuges nicht mehr erinnern stopften Stelle am Knie. Haarmann selbst erklärt zu diesem Fall fönne. Als nächster Zeuge, wird der Kaufmann Mar de Bries, der Vater des legen Opfers Hacrmanns, des Bädergesellen Erich de Vries, vernommen. Er erfennt den ihm vorgelegten Anzug, Brille und Taschentuch seines Sohnes wieder. Seine Frau erfennt auch die Strümpfe ihres Sohnes und befundet u. a., daß ihr Sohn, der Pfingsten dieses Jahres auf Urlaub aus Celle tam, die erste Nacht nicht zu Hause, sondern mit einem Freunde in der Alstadt verbrecht habe. Weiter habe er feiner Mutter erzählt, er habe sich mit einem Freunde verabredet, der auch Bäckergeselle sei. Bum Fall 26, der Ermordung des Lehrlings Friedrich Koch, werden zunächst deffen Freunde, einige junge Leute, vernommen, mit denen er sich am Lage seines Verschwindens auf dem Wege zur Kunstgewerbeschule befand. Unterwegs, so bekunden die Zeugen, wurde Koch von einem Mann angehalten, der ihn mit einem mich nicht mehr?" Mit diesem Mann Spazierstock ans Bein flopfte und ihm fragte:„ Na, kennst du es handelt sich auch hier um haarmann- ging Koch dann mit und wurde feitdem nie wieder gesehen. Der Vater des Getöteten, der Malers meister Koch. der wegen Erkrankung im Auto zum Gericht gefchafft wurde, ist als er vor den Gerichtstisch, auf dem die Sachen feines Sohnes lagen, geführt wurde, so erschüttert, daß er vor Schluczen taum die Eidesformel nachsprechen tonn. Er erkennt die Sachen feines Sohnes wieder und richtet zum Schluß seiner Bernehmung an das Gericht die Bitte, die mit Blut befudelte Aftentafche des Ermordeten ihm nicht zurückzugeben, sondern zu vernichten. Zu lauten Schmerzensausbrüchen kam es dann bei der Bernehmung 31m Fall 8, dem Mord an dem Lehrling Baul Bronischewsti. Die Mutter des Ermordeten, eine Frau Richter aus Bochum, bricht fortwährend in frompfhaftes Schluchzen aus, als ihr die Sachen ihres Sohnes dorunter ein Militärtornister, vorgelegt werden. Auch die Tante des Ermordeten fann ror Beinen faum ihre Auslage machen. Zu diesem Fall wurden euch nochmals die Eheleute Engel, die Wirisleute Harr manns. vernommen, die mehrere Kleidungsstücke des Bronischewski von baarmann getauft hatten. es angat. Zu der Tatsache, daß eine Deutschamerifanerin, und zwar Mrs. Richard Graf, der aus erster Ehe stammte, unter den Opfern Willicm. Drandorf, jezt erfahren hat, daß sich auch ihr Sohn Haarmanns befindet, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Frau Drandorf war vor etwa zwei Jahren von ihrem ersten Mann, einem gewissen Emi Graf geschieden und ließ ihre fünf Kinder, Drei Söhne und zwei Löcher in Hannover zurüd, mit der Absicht, fie nach Amerito, wohen sie sich an einen Deutschamerifaner verheiratet hatte, nachkommen zu laffen Sie hatte bereits in diefem Jahre die Ueberfahrtstarten für drei Kinder geschickt. Diese Kinder fonnten die Reise jedoch wegen Auswanderungsschwierigteiten nicht antreten. Richard Gräf, der zweite Sohn, hatte die Bekanntschaft eines Mannes auf dem Bahnhof gemacht, der ihm Arbeit geben wollte. Dieser Mann war natürlich fein anderer als haar. mann. Seit jener Zeit ist Richard Gräf verschwunden. Die Mutter des Getöteten in Amerita hat erst jegt die Gewißheit befommen, daß ihr Sohn aus erster Che sich unter den Opfern befinde. Erdbeben in Süddeutschland. Donnerstag und Freitag deutlich spürbare Erschütterungen. In ganz Süddeutschland wurde ein leichtes Erdbeben verspürt, das sich durch ein etwa 10. Sekunden dauerndes Rollen und durch leichtes Krachen und Knistern der Wände und Fensterscheiben fenntlich mache. Nennenswerter Schaden scheint nirgends entstanden zu sein. Die Erschütterung war, wie von der Erdbebenwarte in Hohenstein gemeldet wird, nur leichter Natur und auf der Schwäbischen Alp, wo sich der Herd des Erdbebens befand, im Schwarzwald und im Nedartal vera nehmbar. Auch in der Schweiz wurde das Erdbeben verspürt. Der gleiche Vorgang wiederholte sich heute Freitag früh 8,21 Uhr und bauerte etmo sechs Sekunden. Auch diesmal zitterten die Wände und das Gebält der Häufer. Die Erderschütterung machte den Eindurd einer rollenden Erdbewegung, die mit einem starten Stoß endete. In breiten Schichten der Bevölkerung herrscht große E regung, die wohl durch die Erinnerung an das Erdbeben in Japan hervorgerufen wurde. Das Seismographische Institut der Erdbebenmarte auf dem Königsstuhl in Heidelberg teilt zu den Beben fol gendes mit: Gegen abend registrierte der Seismograph en nahes Beben mit einer Herdentfernung von ungefähr 125 Rilometer. Der erste Stoß erfolote um 5,33 Uhr und endete um 5 Uhr 42 Minuten 30 Gefunden, dauerte also ungefähr 9 Minuten. Der Erdstoß war in Heidelberg nur schwach zu verspüren. Am Freitag morgen um 4 Uhr 29 Minuten 47 Sefunden registrierte der Apparat einer zweiten Erdstoß mit einer etwas größeren Gerdentfernung. Beten endete um 4 Uhr 45 Minuten, hatte also eine Dauer von ungefähr 16 Minuten. In Heidelberg felbft wurde nich's verspürt. Der dritte Erbstoß erfolgte heute früh um 8 Uhr 21 Minuten 2 Sebunden und endete um 8 Uhr 30 Minuten, hatte alfo eine Dauer von ungefähr 9 Minuten. Die Herdentfernung betrug zirfa 125 Kilometer. Das Beben machte sich auch in Heidelberg, wenn auch nur schwach, bemerkbar. Das Wir verzeichnen noch die vorliegenden Einzelmeldungen: Freiburg i. B., 12. Dezember. Aus Lahr wird berichtet: In der Lahrer Gegend sind zu gleicher Zeit mehrere ziemlich starte Erdstöße verspürt worden, die das Beben vom gestrigen Abend übertrafen. Frankfurt a. M., 12. Dezember. Nach einer Meldung der Franke furter Zeitung" aus Reutlingen wurden bei dem gestrigen Erdbeben in Süddeutschland besonders starte Erdstöße in der Gegend der Schwäbischen Alb wahrgenommen. In Pliezhausen, Ebingen und Mittelstadt wurden zahlreiche Häufer start beschädigt. Zürich, 12 Dezember. Gestern Donnerstag, abends 5 Uhr 33% minuten wurde in einem großen Teil der Ostschweiz vom Vierwaldstätter See bis zum Bodensee ein ziemlich starts der Erdstoß, der von ziemlicher Heftigkeit war, in der Richtung Ost registriert wurde. Nach weiteren Meldungen aus Frauenfeld ging Erdbeben verspürt, welches auch von der Erdbebenwarte Zürich West. Der zweite Stoß par träftiger als der erste. London weiter im Nebel. Der dichte Nebel, her seit einigen Tagen über England und dent Aermelkanal ligt, dauert weiter an Es sind zahlreiche Unglüdsfälle zu verzeichnen die teilweise auch Menschenleben gefährdeten. Auf allen Eifenba inien wird der Dienst nur in beschränktem Maße durchgeführt. Im Aermettanal erlit fast der gesamte Schiffsverkehr eine Unterbrechung. Alle Schiffe, die zwischen Southamp ton und der franzöfifchen Küfte verfehren, waren genötigt, in den Hafen zurückzukehren oder auf hoher See still liegen zu bl: iben, Die Pferderennen in der Umgegend von London wurden abgefagt. 448 Kilometer in einer Stunde. Nach einer Havasmeldung hat der französische Flieger Bonnet heute im Fliegerlager Istres einen neuen Wetschnelligkeitsreford mit einer Stundengeschwindig feit von 448 Kilometer aufgestellt. Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin Rets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. 6. Reis Atreuzberg. Kreisbildungsausschus. Die Sigung heute abend um 148 bei Reim, Urbanstr. 29, ist nur für die Kreisbildungsausschußmitglieder bestimmt. Unbedingtes Erscheinen aller Mitglieder und Ab rechnung aller Rüdstände ist Pflicht. Geschäftliche Mitteilungen Kaufhaus Gebrüber Zenfer, Wiener Str. 64, am Görliger Bahnhof, Hoch bahustation Oranienstraße, gibt heute im Inferatenteil einen fleinen Auszug aus den umfangreichen Abteilungen, um den Einlauf und die Wahl für den Weihnachtsbedarf zu erleichtern. Aleiderstoffe und Geide find ganz besonders reichhaltig. Die Abteilung Damentoniettion biefet für den Weihnachtsbedack in Blufen, leidern. Spfilmen, Mänteln etwas Servorragendes. Wie immer ist das Geschäft dem freien Verkehr geöffnet Conntag, den 14. und 21. De. sember, von 2 bis 6 Uhr. Gewerkschaftsbewegung Rus den Maffai- Schwarzkopff- Werken in Wildau. Wie leitende technische Angestellte behandelt werden. Wie uns vom Bund der technischen Angestellten und Beamten mitgeteilt wird, mehren sich in letzter Zeit die Fälle, in denen bei der genannten Firma leitende technische Angestellte unter den nichtigsten Borwänd en trop abgeschlossener langfristiger Dienstverträge einfach aufs Pflaster gelegt werden. über hinaus werden innerhalb des Werkes Versehungen leitender Betriebsangestellter vorgenommen, die als sy stemlos bezeich= net werden müssen, weil die Eignung der verseßten technischen Angestellten für den neuen Bosben so gut wie gar feine Berücksich tigung findet. Bei diesen Versehungen scheint es sich auch wenige: darum zu handeln, eine zweckmäßige Umstellung des Betriebes durchzuführen, als vielmehr darum, den Berfekten Fußangeln zu legen, um sie demnächst wegen„ fortdauernden mangelhaften Dienstleistungen" entlassen zu tönnen und durch billigere Kräfte zu ersehen. Ein seit dem 1. Oktober 1924 bei den Maffai- Schwarz topff- Werten beschäftigter Herr Direttor 5) elm scheint auf Grund feiner besonderen Eignung mit der Durchführung dieser mertmür. bigen Betriebs- Reorganisation beauftragt zu sein. In welch rüd sichtsloser Weise hierbei vorgegangen wird, geht am besten aus nachstehendem Schreiben hervor, das ein leitender Angestellter, der einen Dienstvertrag bis Oftober 1925 abgefchloffen hat, am 5. Dezember von der Werfsleitung erhielt: Wir bestätigen die gestern mit Ihnen gehabte Unterredung, im Berlauf welcher wir Ihnen durch unseren Direktor, Herrn Helm, mittelten, daß wir uns in Anbetracht Ihrer fortdauernd mangel haften Dienstleistungen zu unserem Bebauern zu einer fofor figen Lösung des mit Ihnen bestehenden Dienstverhältniffes gezwungen sehen, und auf Ihre ferneren Dienste bereits Don heute ab verzichten. Wir machen Ihnen 3 mei 21ternativ Borschläge und gewähren Ihnen auf Wunsch zu Ihrer Entscheidung eine Frist von brei Tagen, also bis zum Montag, den 8. d. M., vormittags fpä testens bei uns eingehend. Den ersten Borschlag präzisieren wir dahin: Wir gewähren Ihnen für den Monat Dezember 1924 Ihr volles Gehalt, auszahlbar ultimo Dezember cr. Je am Letzten der Monate Januar, Februar und März 1925 erhalten Sie einen Betrag von 450 m. ausgezahlt, während Sie uns schriftlich bestätigen, daß mit Annahme dieses Borschlages irgendwelche Ansprüche an uns nicht mehr bestehen. Im Falle Sie zu einem frühe ren Zeitpunkt, als eben angegeben, eine Stellung annehmen, mürde für uns die Verpflichtung der entsprechenden Monatszahlung fortfallen. Sie haben sich ferner zu verpflichten, sich schnellstens um eine anderweitige Wohnung urzusehen und bis Ende März n. 3. die Ihnen zur Verfügung gestellte Werkswohnung nach Möglichkeit zu räumen. Bei Nichtannahme diefes Borschlages sprechen wir Ihnen hier. mit die fristlose Entlassung aus und fallen für uns außer der Gehaltszahlung für den Monat Dezember jede weiteren Ber. pflichtungen Ihnen gegenüber fort. Wir bitten Sie, uns Ihre Entscheidung bis spätestens den 8. d. M. vormittags befannt zu geben." worden. Die zur Erringung befferer Löhne geführte November bewegung bilde ein Ruh mesblatt in der Geschichte der deutschen Buchdruckerbewegung. Es war leider noch nicht möglich, die Unterstügungseinrichtungen dem Borfriegsstande wieder anzupassen. Die Organisation muß ihr Bestreben darauf richten, jeden Buchdrucker dem Berbande zuzuführen, um wieder tampffähig zu werden. Bei den Mitgliedern muß wieder in alt gewohnter Weise Vertrauen zur Organisation einfehren. nur durch einmütiges 3usammenstehen wird es möglich sein, den bevorstehenden Kämpfen mit dem Unternehmertum erfolgreich entgegenzutreten. Nach kurzer Debatte über die Ausführungen Brauns erfolgte die Wiederwahl des bisherigen Gauvorstandes Schleffler berichtete über die Vorschläge des Gauvorstandes inbezug auf notwendige Bewilligung von Geldmitteln. Die Vorschläge Danach werden die Lehrbestrebungen der Maschinenmeister unterdes Gauvorstandes wurden schließlich fast einstimmig angenommen. massini wird ein schlichter Gedenkstein gesezt. Die Unterstüßt. Für den langjährigen verdienstvollen Gauvorsitzenden ftüßungsfäße für Erwerbslose, Invalide und Kranke werden ber doppelten Bezüge gewährt. Durch diese Maßnahmen macht fich erhöht. Ferner wird eine Weihnachtsbeihilfe in Höhe eine Erhöhung des Verbondsbeitrages um insgesamt 20 Bf. not. wendig. Alles in allem ist der Gauverein der deutschen Buchdrucker auf dem besten Wege zu neuer Blüte. Löhne in der Fleischwarenindustrie. 13 Gehälter und Löhne in Sowjetrußland. ( RSD.) In der fommunistischen Bresse wird fortgefeht darauf hingewiesen, daß die westeuropäischen Arbeiter ihre russischen Kolle gen wegen ihrer angeblich besseren materielien Lage bereiden dürfen. Wie verlogen diese Deflamationen find, geht beispielsweise aus folgendem Beschluß des Rates der Boltsfommissare hervor, der die Manteltarife für einige Kategorien der geistigen Arbeiter für das Jahr 1924/25 regelt. Diese Lurisfäge, die je nach einzelnen Gebieten schwanken, betragen pro ( 1 Rubel 2,16 M.) 20-30 Rube! Monat: Bolksschullehrer Gymnasiallehrer Aerzte Krankenschwestern Agronomen . Heilgehilfen und Hebammen. 30-40 40-50 17-24 40-45 20-30 Zur Beurteilung dieser Gehaltssäte muß allerdings in Betracht gezogen werden, daß die Lebensmittelpreise in Rußteurer. So toften ein paar Stiefel in Moskau 25 Rubel, ein land. Dagegen sind alle fonftigen Betarfsartikel drei bis viermal land gegenwärtig im allgemeinen niedriger sind als in Deutsch Herrenanzug 125 Rubel usw. Die vorstehende Verfügung des Rats der Boltstommiffare ist in der„ Istwestija" vom 18. November peröffentlicht. In der Nummer desselben Blattes vom 15. November ist ein nicht weniger intereffantes Defret des Boltskommissars für Arbeit wiedergegeben, in dem die Löhne für ungelernte jugendliche Arbei. trinnen für den Monat November festgefeßt werden. Je nach der Ortschaft sch manten die Löhne zwischen 4,50 Rubel und 6,50 Rubel, d. h. zwischen 9,72 und 12,96 M. im Monat. Man glaube aber nicht, daß die Gomjetregierung nicht bestrebt fei die Lage der Arbeitenden, wen aftens geistig, zu erleichtern. Um den russischen Arbeitern das Leben angenehmer zu gestalten, schildert die amtliche Sowjetpreffe ihren Lesern, wie schwer es die Arbeiter in den anderen Ländern haben. So bringt die 3ftweftija" vom 27. November einen großen Artikel ihres Berliner Korrespondenten J. Steinborn, in dem es u. a. heißt: " In Berlin erhalten sogar die gelernten Arbeiter in der Woche durchschnittlich, zusammen mit allen Familienzuschlägen, nur in feltenen Fällen mehr als 10 Mart, in der Regel jedoch erhalten sie weniger. f., 2b 29. November bis 30. Januar 1925 betragen die Löhne in den Biehagenturen: Rolonnenführer pro Woche 43,90 M., Treiber 43,30 M., Aushilfen pro Tag 11 M. In den Groß fchlächtereien: Gesellen über 20 Jahre 41,65 M., unter 20 Jahre 38,55 m., Kutcher 40,60 M., Aushilfen ganzen Tag 11 M., Alushalfen halben Tag 5,50 M. In den Häuteverwertungen: Arbeiter 40,35 M., Aushilfen pro Tag 10,38 M. In den Darm. betrieben: Qualifizierte Arbeiter 40,40 M., Ungelernte nach 1 Jahr 38,95 M., über 20 Jahre 36,15 M., Jugendliche von 16 bis 18 Jahren 27,30 M., über 15 Jahr 23,15 M., bis 15 Jahr 19,10 M., Aushilfen pro Tag 10,65 M. In den Wurst fabriten: Gefellen mit Berantwortung pro Stunde 97 Pf., ohne Verantwortung 84 Bf., Mafchiniften und Heizer( Hochdrud) 97 Pf.,( Niederbrud) 84 Bf. Handwerfer aller Art 84 Bf., Chauffeure 97 Pf., Kutscher 84 Pi Arbeiter, Hofarbeiter, Stalleute, Fahrstuhlführer 82 Pf., Wächter und Bortiers 82 Pf., Frauen 72 f.. Mitfahrer 18 bis 20 Jahre pro Woche 25,30 M., Jugendliche unter 18 Jahren 24,05 m. Dieses Lohnablommen ist mit achtiägiger Frist zum Ende der Lohnwoche fündbar, jedoch nicht vor dem 24. Januar 1925 " Bezahlung jüdischer Feiertage. Eine Kamm und Haarschmuckfabrit, deren Inhaber jüdischen Glaubens ist, hatte ihren Betrieb an zwei jüdischen Feiertagen, dem Neujahrsfest und dem Bersöhnungsfest, gegen den willen der Arbeiter geschlossen und für diese beiden Lage teinen Lohn gezahlt. Durch Klage beim Gewerbegericht forderten die Arbeiter ihren Lohn. Der Firmeninhaber bestritt seine Zahlungs pflicht mit der Begründung, die erwähnten jüdischen Feiertage feien zwar teine gefeßlichen Feiertage, aber es fei ortsüblich, daß Diefem Schreiben braucht taum etwas hinzugefügt zu werden, jüdische Geschäftsinhaber an diesen Tagen schließen, die bei jüdischen meil durch den Inhalt das rigorose Vorgehen der Wertsleitung zur Unternehmern beschäftigten Arbeiter fönnten also feinen Lohn für Genüge gefennzeichnet wird. Der Bund der technischen die Feiertage beanspruchen. Dagegen machte der Vertreter der Angestellten und Beamten wird diese Fälle auf dem Kläger geltend, wenn der Beklagte die Feiertage nicht be. Brozeßwege zu erledigen versuchen. Darüber hinaus scheint es gezahlen wolle, dann müffe er arbeiten laffen, was ja boten, allen Betriebstechnifern zu empfehlen, sich vor Antritt einer auch in anderen Betrieben, deren Inhaber Juden find, geschehe, Stellung bei den Maffai- Schwarkopff- Werfen und vor Abschluß ohne daß diefe ihre religiösen Pflichten zu vernachläffigen brauchen. eines Vertrages mit dem Bunde in Verbindung zu fehen. Das Gericht tam wie der Borsigende bemerfbe-einftimmig zu dem Urteil, daß, da die Arbeiter es abge. lehnt haben, auf ihre Rosten zu feiern, der Beflagie die von ihm angeordnete Feierzeit zu bezahlen hat. Das Urteil ut fich auf 8 615 BGB., welcher fagt:„ Kommt der Dienstberech tigle mit der Annahme der Dienste in Berzug, fo tann der Berpflichtete für die infolge des Verzuges nicht geleisteten Dienste die vereinbarie Bergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu fein." 百 Wiederaufstieg bei den Buchdruckern, " Ruhr- Schiedsspruch und Zechenverband. Die gestrige Generalnerfammlung der Berliner Buchdruder Lonnie als Fazit des Jahres einen erfreulichen Aufstieg ber Organisatipn buchen. Der Gauvorstgende Braun verlas zu nächst ein Schreiben des Berbandes nationaler Buchdruder" an ausgeschloffeee Mitglieder des freigemerschaftlichen Berbandes. In biefem Schreiben, das einige Heiterfeit erregte, wird den Betreffen ben nahegelegt, dem Verband nationaler Buchdruder beizutreten, da ihr Berhalten bei der legten Lohnbewegung, aus welchem Grunde der Ausschuß erfolgte, mit den Tendenzen diefes im Ber. Die Berliner Börsen- Zeitung" berichtete, daß die Bechen borgenen Mühenden Verbandes übereinstimme. Sodann gab der Redner einen Rüd blid auf das verfloffene Geschäfts jahr. Diesem Bericht ist folgendes zu entnehmen: Gegenüber 1923 brachte das Jahr 1924 einen allmählichen Aufstieg. In den ersten Quartalen hatte der Borstand schmer zu tämpfen. Die Arbeit mar unter den gegebenen Verhältnissen für den Borstand ein wahres Martyrium. Die Kritik derjenigen, die sie nur um der Kritik millen treiben, ließ sehr oft Maß und Ziel vermissen. Aber auch der von einer gewiffen Seite in die eigenen Reihen hineingetragene 3mift hat die festgefügte Organisation nicht zu erschüttern vermocht. wirtschaftlicher Verhältnisse wieder tätige Verbandsmitglieder ge befizer den neuen Schiedsspruch in der Rohnfrage ab. lehnen unter besonderem Hinweis darauf, daß keine Möglichkeit zu einer entsprechenden Erhöhung der Kohlenpreise Dorhanden ist, um die durch eine Lohnsteigerung eintretende Steigerung der Selbstkosten in irgendeiner Weise auszugleichen. " beiter die sich in rasenden Schmerzen windenden" Da ist es freilich fein Wunder, wenn die armen russischen Ar deutschen Arbeiter bemitleiden. Es ist da's offizielle Organ der Mostauer Regierung, das folche Lügen fyftematisch verbreitet, um das russi che Bolt über seine schmere wirtschaftliche Bage hinwegzutauschen. Ueber die Lügen der" Roben Fahne" darf man sich da wirklich nicht mehr wundern. Sollen wir erst Weltrevolution" machen, um unter der Diktatur über das Proletariat zu solchen russischen Löhnun hältern zu kommen, deren Verbesserung den Gewerkschaften in Rußland als reformistisch" verboten ist? Samuel Gompers ist nicht tot! Aus New York berichtet WIB.: Die Nachricht vom Tode des Gewerkschaftsführers Gompers ist unrichtig. Compers ift allerdings schwer erfranti. Bei dem ziemlich hohen Alter Samuel Gompers und feinem Zustande war die verfrühte Tobesnachricht. bei der es nach amerika. nischer Methode mehr auf die Firigkeit als auf die Richtigkeit antam, glaubhaft. Da Gompers jetzt auf den Vorteil des vorzeitig Totgesagten Anspruch hat, münschen wir ihm, daß er noch lange lebtJahre lebt. 6. Italienischer Gewerschaftskongreß. Der 6. Gewerkschaftsfongres bat am Mittwoch feine Arbeiten aufgenommen. An ihm nehmen teil die Vertreter der italienifden Arbeiterorganisationen und mehrerer auswärtiger Berbände, darunter afien 5a& für den holländischen Gewerffchafisbund, Mertens für den belgischen, Schmidt für den deutfchen, Dürr für den schweizerischen und Lenoir für den franzöfifchen Gewerlichafte bund. Der Abgeordnete Reina begrüßte zunächst die auswärtigen Rongreßteilnehmer und hielt dann eine Rede, in der er erklärte, daß der Gedanke den Sieg über jegliche Gewalttat babontragen über die Arbeiten des Gewerkschaftsbundes auf sämtlichen in Temerde. Am Nachmittage erstattete Daragona einen Bericht tract fommenden Gebieten. Die Ill. beeilt fich, hierzu eine Erflärung von maßgebender Billiger Weihnachts- Verkant Yabrizierter Herren- u. Knabenkleidung Seite zu verbreiten, wonach diese Nachricht unrichtig oder zum mindesten verfrüht sei. Der Bechenverband werde sich erst heute mit dem Schiedsspruch befaffen. findet bei der für streng reell allgemein bekannten Firma Biele vordem verärgerte Kollegen find mit dem Einfeßen befferer dann die Herren Rechenbesitzer den für sie unanmehmbaren S. Hoffmann, Charlottenburg, Lehnen die Bergarbeiter den Schiedsspruch ab, warum follten Schiedsspruch nicht annehmen?- Tattit! Wilmersdorfer Str. 12 statt. Nützliche Weihnachtsgeschenke Hausjoppen/ Schlafröcke Haus- Joppen warmer Flausch, mit 3 seid. 1900 Agraffen, in grün, braun, mode,.... M. 27.- 24.Haus- Joppen in Flausch, Velours a Tuch, 36⁰⁰ in eleganter Ausfübrang ... M. 62 48.Haus- Anzüge Cheviot- Flausch, in grau 3600 und weinrot mit seidenen Agraffen.... 85. 56.Schlafröcke Flausch und Velours, in verschiedenen Farben. .. M. 65-48.36⁰⁰ Winter Lodenjoppe 1700 warm gefüttert. M. 34.- 26.Knab.. u. Jüngl.- Kleidung Knaben- Ulster u. Schlüpfer für 8 Jahre.. 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