Nr.589 41. Jahrgang Ausgabe Nr. 300 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland Danzig Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmart pro Monat Der..Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten fowie der Unterhaltungsbeilage Heimmelt und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart Reflamezeile - Goldmart...Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Bort 0.20 Goldmari( zuläffia amei fettaedrudte Worte), iebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das erste Wort 0,10 Goldmark iedes weitere Wort 0,05 Goldmark. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden ftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292–295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Sonntag, den 14. Dezember 1924 Baldwins Räumungsplan für Köln. Im Juni wenn die Entwaffnungsklauseln bis dahin erfüllt sind. London, 13. Dezentber.( Eigener Drahtbericht.) In dem Wochenblatt der Arbeiterpartei, dem New Leader", macht H. N. Brailsford die sensationelle Mitteilung, daß nach seinen Informationen die Regierung Baldwin ursprünglich entschlossen war, die Lauffrist für die Besetzung erst mit der Annahme des Dawes Berichts durch Deutschland beginnen zu lassen und auf der Basis einer solchen Auffassung einer weiteren annähernd fünfjährigen Besetzung der Kölner Zone zuzustimmen. Diese gefährliche Auffassung sei in den allerletzten Tagen verworfen worden, an ihre Stelle aber eine andere Auffassung getreten, die nur um ein geringes beffer zu nennen sei. Danach will man die Frage der Besetzung Kölns nicht mit der Frage der Gea samt erfüllung des Friedensvertrags, sondern mit der Frage: „ Erfüllung der Entwaffnungs flaufeln oder nicht?" verfnüpfen. Bon dieser Fragestellung ausgehend, sei die Regierung zu folgender Auffassung gelangt: Deutschland hätte sich zwar im großen und ganzen an die Entwaffnungsvorschriften des Vertrages ge= halten, die Entwaffnungs flauseln jedoch ungenügend ausgeführt. England würde deshalb in Köln bleiben, bis die Entwaff= mung völlig durchgeführt sei. Das dürfte nach der englischen Aufs fassung etwa im Juni der Fall sein. Dann sollen Köln und das Ruhrgebiet gleichzeitig freigegeben werden. Brailsford fügt hinzu:„ Das mag eine erträgliche Perspektive für die Kölner und die Ruhrbevölkerung sein, aber es hätte zur Folge, daß es von den Franzosen als eine Zustimmung zu ihrer Auffassung aufgefaßt würde und zu einer Verlängerung der Besetzungsfristen in den non Franzosen besetzten Gebieten führen könnte. Der Effekt auf die öffentliche Meinung in Deutschland aber müßte fatastrophal sein. Von allen Uebeln, die der Versailler Vertrag mit sich gebracht hat, ist das Besatzungs übel das schlimmst e. Wenn die Hoffnung auf eine baldige Befreiung der besetzten Gebiete entschwindet und die Besetzung mit englischer Zustimmung verlängert wird, so wird voraussichtlich die Wendung zum Bessern, die im Gefolge des Dawes- Berichts eingetreten ist, wieder hinfällig. Es besteht eine neue Gefahr, daß sich die Maffen der zentraleuropäischen Bevölkerung neuerdings revolutionären oder reattionären Gedankengängen zuwenden. Außenwirkung des Bürgerblocks. v. Hoesch als Gutachter nach Berlin berufen. Paris, 13. Dezember.( Eigener Drahibericht.) Der deutsche Botschafter v. Hoesch ist für mehrere Tage nach Berlin abgereift. Sein Aufenthalt dort dürfte im Zusammenhang stehen mit der Frage der Kabinettsbildung. Es scheint, daß man Herrn Die Internationale der Kriegsgewinnler. Krupp erhebt Ansprüche an die englische Munitionsfabrikation im Weltkrieg. Es ist bekannt, daß vor dem Kriege Waffen wie jede andere Ware Gegenstand des internationalen Handels waren. Es ist daher eine selbstverständliche Folge, daß viele Tausende von den Millionen Toten, die Deutschland im Weltkriege gelaffen hat, mit Waffen und Munition niedergestreckt wurden, die von deutschen Fabrikanten geliefert waren. Trugen doch z. B. die russischen Militärgewehre den Stempel einer bekannten deutschen Waffenfabrik, das feindliche Ausland hatte von deutschen Werften Unterseeboote bezogen, und die Geschüße, die in fremden Armeen standen, aber von deutschen Fabrikanten hergestellt waren, dürften auch nicht gerade spärlich an Zahl gewesen sein. Diese Waffenlieferungen waren internationaler Brauch, und es fiel feinem Menschen ein, des wegen ein Landesverratsverfahren zu eröffnen, obwohl hier die Stärkung der feindlichen Heeresmacht durch deutsche Kapitalisten ganz offenfundig war. Die eine Ents schuldigung hatte der internationale Kapitalismus, der aus dem Blut der eigenen Landsleute ein Geschäft für sich machte, nämlich die, daß eben Waffen als Ware angesehen wurden, wie jede andere Ware auch. Ans Unglaubliche aber grenzt es, wenn man jetzt hört, daß eine deutsche Firma mehrere Jahre nach dem Kriege eine Klage gegen einen englischen Konzern erhebt, um auf Grund eines alten Vertrages an den Kriegsgewinnen der englischen Munitionsfabritation teilzunehmen. Hier ist die Meldung: „ Daily Mail" meldet, daß im nächsten Jahre vor einem deutsch- englischen Gerichtshof ein Prozeß zur Berhandlung tommen wird, in welchem die Firma Krupp gegen die englische Firma Viders Klage erhoben hat wegen Zahlung einer Tanfieme auf Granatenzünder, die die Firma Vickers während des Krieges für die britische Armee hergestellt hat. Der Fall ist bereits im September verhandelt und vertagt worden. Grupp reklamiert eine Tantieme von 1 Schilling 6 Bence für jeden Zünder sowie 5 Proz. 3infen, im ganzen einen sehr ansehnlichen Betrag. Die Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Bevoitenfaise Lindenstraße 3 Die Gammeltrompete. Bürgerblockpolitik im Wandel der Zeiten. Die Trompete ruft zum Bürgerblock. Alles, was vaterländisch, national, staatserhaltend und christlich gesinnt ist, muß sich zusammenschließen gegen die D. Hoesch über die außenpolitischen Rüdwirtungen einer Bürger- pa terlandslose, staatszerstörende Soziala blodregierung befragen will. demokratie! Englisch- sozialistische Beurteilung. Condon, 13. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Brails ford schreibt im ,, New Leader" zur Regierungsbildung in Deutschland: Weber die Linke noch die Rechte hat eine flare Mehrheit. Es wird endlose Verhandlungen und Debatten geben, bevor irgendeine stabile Gruppierung herauskommt, und die Sozialdemokraten merden wieder einmal vor die ständig wiederkehrende Wahl gestellt werden, ob es ratsam ist, einer verhältnismäßig liberal eingefärbten Koalition beizutreten oder eine solche Koalition zu unter: beide Lösungen nicht sehr begeistert sein, aber es wäre ein großes stützen, ohne selbst in die Regierung einzutreten. Sie werden für Unglüd, wenn ein Block der Rechten unter Einschluß aller Nationalisten gegen die Sozialdemokratie gebildet würde. Das würde schärffte Reaktion im Innern bedeuten und würde nach außen eine billige Entschuldigung für die Rückkehr Frankreichs zur Politik des Argwohns und der Brutalität der Poincaréschen Periode bilden. Die Pariser Ausstellung. Notifizierung der Nichtbeteiligung. Paris, 13. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Botschafter Don Hösch hat heute, Sonnabend, dem politischen Direktor des Quai d'Orsay, Laroche, den Dank der Reichsregierung für die Einladung zur Weltausstellung für angewandte Kunst aus deutsche Regierung aus finanziellen und technischen Grüngesprochen und dem Bedauern darüber Ausdrud gegeben, daß die den nicht in der Lage sei, dieser Einladung Folge zu geben, die sic um so höher einschäße, als sie darin' den Wunsch zu erkennen geglaubt habe, auch auf dem Gebiete der fulfurellen Zusammenarbeit die seit dem Kriege abgerissenen Fäden wieder anzuknüpfen. Die Krankheit Herriots. Herriots wird ein Bericht veröffentlicht, nach dem der Ministerpräsident Paris, 13. Dezember.( WTB.) Ueber den Gesundheitszustand irfolge eines vernachlässigten Influenza anfalles und eberanstrengung an einer schmerzhaften Anschwels lung am Bein leidet. Der Schmerz, der sewohl von einer Sehnenscheidenentzündung als auch von einer Entzündung der Lymphgefäße herrührt, scheint sich jetzt in der Wadengege id zu lokalisieren. Das Fieber ist im Abnehmen begriffen, der Patient agt jedoch noch über große Schmerzen. Nach dem Besuch der zündung am Bein scheint sich auf eine bestimmte Stelle zu fonAerzte ist heute folgender Bericht ausgegeben worden: Die Entzentrieren. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend und das Fieber ist im Abnehmen begriffen. Klage gründet sich auf ein Abkommen, das zwischen den Firmen dem die Firma Bickers fich bereit erklärte, auf jeden Zünder eine Krupp und Vickers im Jahre 1902 abgeschlossen wurde und nach Tantieme zu zahlen, der nach den Plänen der Firma Krupp hergestellt würde. Bei Ausbruch des Krieges hörte die Firma hergestellt würde. Bei Ausbruch des Krieges hörte die Firma Vickers mit den Zahlungen auf. Sie stützt sich dabei auf die Artikel 299 und 306 des Friedensvertrages, wonach fämtliche Berträge zwischen im Kriege feindlichen Mächten durch den Ausbruch des Krieges aufgehoben worden seien. Mit englischen Granaten wurden in den großen Kämpfen an der Somme in Nordfrankreich, an der Marne 1918 und bei den Rückzugskämpfen Hunderttausende von deutschen Soldaten hingemäht. Es wäre zumindest eine Sache des Geschmads, ob man an dem Verdienst, den die englische Rüstungsindustrie aus diesem Geschäft 30g, teilnehmen will. Die hochpatriotische Firma Krupp dagegen läßt sich für jeden Schuß, der auf die deutsche Front gerichtet war, eine Tantieme zahlen. Und wenn sie sie nicht erhält, so ist das nicht ihre Schuld, sondern diejenige des Gerichts, das den Rechtsanspruch zu prüfen hat. Es muß ein erhebendes Gefühl für die deutschen Mütter sein, zu wissen, daß die schwerindustriellen deutschen Firmen fich heute noch an den Gewinnen des„ Feindbundes" bereichern wollen, auf die sie Anspruch erheben, weil diese am Mord der eigenen Kameraden mitgewirkt haben. Deutsch und national sind diese Kreise, die der artige Geschäfte machen. Bergeblich wird man in der deutschnationalen Preffe eine Spur der Entrüstung suchen über diese Leute, die den Profit vor das Baterland stellen. Branting ernstlich Frank. Stodholm, 12. Dezember, abends 10 Uhr.( Eigener Drahts bericht.) Ministerpräsident Genosse Hjalmar Branting der im 63. Lebensjahre stekt leitet seit Jahren an Ruderkrankheit. In der letzten Zeit find Anzeichen voo Gefäßverfaltung fo start aufgetreten, daß Branting unbedingt volle Ruhe haben muß. Eine unmittelbare Lebensgefahr besteht richt, wenn nicht Verschlimmerungen eintreter Bermaledeit, wer sich diesem Ruf des Vaterlandes entzieht! Er ist so schlimm wie ein Sozialdemokrat, ja noch schlimmer! Bürdelos und verächtlich, verräterisch und gemein kriecht er durch das kaudinische Joch der roten Genoffen. Er ist gekauft und beftochen, entartet und verjudet, er schließt sich selbst aus den Reihen der Gutgesinnten aus. Gegen die Sozialdemokraten und ihre Schleppenträger geht nun der fröhliche Kampf der gesammelten nationalen Kräfte. Ist der Marrismus erledigt, dann wird es wieder genesen. aufwärts gehen. Dann wird am deutschen Wesen die Welt Das ist das Neueste. Aber auch das Aelteste. Wir dürfen, den Dichter leise variierend, sagen: Dies alles, meine Lieben, Ist uns schon öfter passiert. * In der guten alten Zeit gab es im Reichstag Konser. vative und Freitonservative nebst einigen antise mitischen Splittern, Nationalliberale, 3entrum, Freifinnige, Sozialdemokraten, Polen, Dänen, Elsässer. Die Bildung fester Mehrheiten war damals zur Regierungsbildung freilich nicht erforderlich, die wurde von Majestät besorgt. Aber für die Regierungen und für den Lauf der Dinge war es doch nicht gleichgültig, wie sich die Parteien bei den Abstimmungen und besonders bei den Wahlen gruppierten. vative, Freifonservative und Nationalliberale zu einem Blod Bei den Reichstagswahlen von 1887 fanden sich Konser, zusammen, zum sogenannten„ Kartell". Die Kartell parteien führten ihren Wahlkampf mit der Angst parole so daß sie 19 Stimmen über die absolute Mehrheit besaßer Des unmittelbar bevorstehenden Krieges mit Frankreich, unt es gelang ihnen, ihre Size von 153 auf 218 zu vermehren Dann verhalfen sie dem vielumfämpften Septennat de fiebenjährigen Bindung des Militäretats, derentwegen des frühere Reichstag aufgelöst worden war, zur Annahme. Dre Jahre später, ereilte sie ihr Schicksal. Sie verloren bei der Neuwahlen 82 Size und hatten nun noch 23 weniger als beim Abschluß des Kartells. demokratischen Stimmen von 550 000 auf 763 000 geftiegen. Bei den Kartellmahlen von 1887 war die Zahl der sozialBei den Wahlen von 1890, nachdem das Kartell drei Jahre gewirtschaftet hatte, stieg die sozialdemokratische Stimmenzahl auf 1 427 000. Sie hatte sich also in diesen drei gesegneten Jahren annähernd verdoppelt. Niederwerfung des Hereroaufstandes wiederum zu Im Jahre 1906 führte der Kampf um die Kredite zur einer Reichstagsauflösung. Diesmal hatten sich die Freisinni. gen zu den ehemaligen Kartellparteien geschlagen: aus der alten Oppositionsfront ,, Windthorst- Grillenberger- Richter" war also die Partei Richter ausgesprungen. also die Partei Richter ausgesprungen. Die beiden konservativen Parteien, die Nationalliberalen totten blod", auch Bülow Blod benannt. und die Freisinnigen bildeten nun den sogenannten ,, otten Der ganze Wahldruck richtete sich gegen Zentrum und Sozialdemokratie, besonders gegen die lettere. nachrichten des Hottentottenblocs eingelaufen waren, zog eine In der Nacht nach der Wahl, als von überall die Siegespatriotisch begeisterte Menge vor das Schloß. Der Kaiser erschien am Fenster und hielt eien Ansprache. Wir haben sie niedergeritten!( So etwas follte einmal Eberi Seil dir im Siegerfranz" flang die Antwort. machen was würden dann die Schwarz- Weiß- Roten fagen?) daß die Sozialdemokratie zwar haufenweise Mandate ver Einige Tage nach diesem erhebenden Fest fand man, loren, aber immer noch ihre Stimmenzahl von 3010 000 auf 3 258 000 gesteigert hatte. hatten von ihm Fortschritte in der Richtung zum BarlamenNun war der Bülow Block da! Die Freisinnigen tarismus und zur preußischen Wahlreform erhofft. Daraus wurde aber nichts. In ihren Reihen gab es Zersplitterung und Verwirrung, es fam die Rebellion Theodor Barths, und der mizige Albert Traeger prägte das Wort von der Paarung des Kaninchens mit dem Karpfen. reform zusammen Die Konservativen stellten sich schüßend Bald darauf brach das junge Blockglück an einer Steuervor das Portemonnaie der Besitzenden" und verweigerten dem Staat die Erhöhung der Erbschaftssteuer. Sie fanden dabei die Unterstügung des Zentrums, das darauf ausging, den Bülow- Block zu sprengen. Die Erbschaftssteuer fiel, mit ihr Bülow und der Bülow- Block. An seine Stelle trat die Kom bination Konservative— Zentrum, von den Sozialdemokraten der„s ch w a r z b l a u e B l o ck" oder auch der»Schnaps- b l o d" benannt, weil er den Branntiveinbrennsrn bei der neuen Steuergesetzgebung eine sog.»Liebesgabe" von 2V M. pro Hektoliter zugeschanzt hatte. Auch der schwarzblaue Block, der Schnapsblock hielt nicht lange. * Im Jahre 1912 gab es wieder Wahlen, die letzten vor dem Krieg. DieSozialdemokratiegewannaber» mals 600 000 Stimmen und zog mit 110 Man» d a t e n. statt mit S3,«i den Reichstag ein. Die gewaltige Erhöhung der Mandatziffer war die Folge eines Stichwahlabkommens, das die Sozialdemo- traten mit den Freisinnigen geschlosien hatten. Angesichts der großen Stimmenzunahme der»Umsturz- parte!" hatten die Konservativen wiederum zur„S a m m- lung gegendieSozialdemokratie" geblasen. Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hatte zwischen Hauptwahl und Stichwahlen die Führer aller bürgerlichen Parteien in einen Sitzungssaal des Preußischen Landtags ein- geladen, um mit ihnen über gemeinsame Maßnahmen zur Ein- dämmung der roten Flut zu beraten. Er war sehr erstaunt, daß nur die Konservativen und einige Zentrumsabgeordnete erschienen. Während man sich, auf die Fehlenden wartend, Schwielen saß, öffnete der nationalllberale Führer Fried- b e r g die Tür, steckte den Kopf hinein, zog ihn aber schnell wieder zurück. Die Sitzung blieb wegen mangelnder Beteiligung ohne Ergebnis. Die Herrschaften waren später im höchsten Grade sittlich entrüstet, als sie erfuhren, daß Sozialdemokraten und Freisimtige ein generelles Abkommen behufs gegenseittger Unterstützung abgeschlossen und daß sie die National» liberalen mit zwei, drei Mandaten auch ein wenig daran beteiligt hatten. * Im allgemeinen war in der kaisersichen Zeit die Sammelparole gegen die Sozialdemokratie die Regel, die Kooperation bürgerlicher Parteien mit der Sozialdemokratie seltene und allerhöchsten Ortes schwer ver» femte Ausnahme. Dennoch hat es an solchen Ausnahmen niemals ganz gefehlt. Nicht nur waren zeitweilig Zentrum, Sozialdemokratie und Freisinn in eine gemein- same Opposition gedrängt, die schon genannte Front»Windt- horst-Grillenberger-Richter", auch in den Einzelstaaten spielte sich manches ab, was wahrhast ftaatserhaltende Herzen mit Grauen erfüllt. In Bayern— Wandel der Zeiten!— hatten»Schwarze und Rote" das berühmt-berüchtigte Bündnis im Dom zu Speyer geschlossen zwecks Er» kämpfung eines freieren Wahlrechts. In Baden wirkten um- gekehrt Sozialdemokraten und Nationallibe» r a l e zusammen, um ein Ueberhandnehmen des Klerikalismus zu verhindern. Ist also die Gemeinschaft mtt den»vaterlandslosen Ge- stllen" eine Sünde, so ist schon in der Kaiserzest keine bür- gerliche Partei links der Konservattven von dieser Sünde ganz freigeblieben. Sie alle lagen freilich viel öfter rechts als links. aber keine blieb ohne Schwanken. Bon eiserner Konsequenz waren nur die Konservativen, die Borläufer der Heu- tigen Deutschnationalen. Bei jeder Gelegenheit schmetterten s'« ihre Sammelparole in die blaue Luft, und jedesmal hatten sie starken, obrigkeitlicherseits begünsttgten Zulauf. Aber alle Koalitionen gejjen die Sozialdemokratie zerfielen wieder, und die sozialdemokratischen Stimmen- zahlen stiegen von Wahl zu Wahl. *• Bethmann sagte einmal in einer seiner Kriegsreden: „Nach so ungeheuren Ereignissen kennt die Weltgeschichte kein Zurück." Was die Weltgeschichte nicht kennt und kann, das kennen und können die Deutschnationalen um so bester. Sie blasen die alte konservative Sammeltrompete, als ob es über- Haupt niemals eine Weltgeschichte gegeben hätte. Allein die Wettgeschichte lehrt uns doch mancherlei, was den Nachläufern der deurschnattonalen Sammelparole aus der bürgerlichen Mitte zu denken geben sollte. Zunächst, daß die Sozialdemokratie an Stimmenzahl desto mehr ge- wann, je mehr die konservative Sammelparole in der bürger- lichen Mitte oerfing. Die Stimmenzahl war aber die Quelle ihrer Kraftz nur ihr gewaltiger Druck vermochte die bürger- lichen Parteien zu gelegentlichen Bündnissen zu bewegen, die auch ihrer Stärke im Parlament zugute kamen. Heule, unter dem Verhältniswahlrecht, ist ein künstliches Zurückschrauben der sozialdemokratischen Fraktionsstärke durch Stichwahlbündnisse gegen sie nicht mehr möglich. Der Zu- wachs an Stimmen setzt sich unmittelbar in einen Zuwachs von Mandaten um. In dem Augenblick, in dem der Bürgerblock zu einem festen, dauernden Gebilde würde, wären wir in den Augen der Wähler beim Zweiparteiensystem angelangt. In koinmenden Wahlen würde zwischen Bürgerblock und Sozial- deinotratie entschieden. Aber dann wäre der Zeitpunkt mit Sicherheit vorauszusehen, an dem die Sozialdemokra- tie für sich allein. die Mehrheit erlangt, vor- ausgeletzt, daß mittlerweile nichts an der Verfassung geändert wird. Der Bürgerblock wäre also bald an dem Punkt angelangt, wo er den Ruf ausstoßen müßte:„Die Gesetzlichkeit tötet uns!" Die Gesetzlichkeit der Republik, des parlamentarischen Systems, des gleichen Wahlrechts für alle ist für die reaktionären Sammelpolitiker ein Element, in dem sie aus die Dauer nicht leben können. Da war es in der guten alten Zeit des Halb- absolutismus, der konservativen Parteiherrschaft im Obrig- keitsktaat und des preußischen rDeiklastenwahlrechts doch bester. Es heißt nicht:„Bürgerblock und Republik", sondern „Lürgerblock oder Republik". Einer von diesen beiden muh sterben, wenn der andere leben soll. Sürgerblock bleibt Slirgerblock. Der Name sagt es. Die Deutschnationalen und die ihnen nahestehenden Schwerindustriellen aus der Rüstungsindustrie empfinden, daß der Name„Bürgerblock" in weiten Volkskreisen für den von ihnen erstrebten Rechtsblock gleichzeitig politische und mora- tische Brandmarküng und Verurteilung einschließt. Sie ver- suchen, den Namen umzudeuten und longsam umzutaufen. Die„K r e u z z e i t u n g" spricht vom„Staatsbürger- b l o ck". Wer ist ein besterer Staatsbürger: der sozialdemokra- tische Arbeiter, der bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit seine Steuern gezahlt hat, während der Inflation und nach der Inflation, der fest an der Staatsverfassung hält, oder der deutschnaiionale Großunternehmer, der in der Inflationszeit das Volt ausplünderte und dem Staate nichts gab, und oben- drein grundsätzlicher Gegner der Staatsverfassung ist? Staats- bürgerblock, gebildet von den Gegnern des Staates— das ist nicht nur ein« Beschimpfung aller sozialdemokratischen Wähler es läßt auch auf die Absicht schließen, die staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiterschaft und der im Bürgerblock zusammen- geschlostene.r Klastcn.zu differenzieren. Der Rechtsblock, den die Deutschnationalen erstreben, heißt „Bürgerblock" nicht, weil er die Staatsbürger umfasten soll im Gegensatz zu Nichtstaatsangehörigen. Er heißt„Bürger- block", weil er nach der Absicht der Deutschnationalen die Bürger als Klassengegner und Ausbeuter des Arbeiters um- fasten soll.„Bürger" heißt hier Bourgeois in der schlimmsten Bedeutung des Wortes. D a s ist die Absicht der Deutschnatio- nalen und der Großunternehmer, die in der Deutschen Volks- Partei den Ton angeben. Der Besitzer von Produktionsmitteln soll regieren über den, der von der Verfügung über Produk- ttonsmittel ausgeschlossen ist. Diese Absicht erweckt die Empörung der Arbeiterschaft, die dadurch als sozial und politisch zweitklassig gebrandmarkt werden soll. Diese Absicht des Bürgerblocks empfindet sie als unmoralisch— als ebenso unmoralisch, wie sie das Treiben der Kriegssgewinnler während des Krieges, der Großindustrie in der Inflationszeit empfunden hat. Es ist die Absicht, das Unglück des ganzen Volkes dem arbeitenden Teil des Volkes aufzuwälzen, sich selbst aber von dem gemeinsamen Unglück auszuschließen. Der Bürgerblock ist das Instrument des Klastenkampfes des Großkapitals gegen die Masten des Voltes. Er ist die Zu- sammensassung des Besitzegoismus der Großbesitzer gegen die Nation. Er ist der vollkommene Gegensnatz zum staatsbürger- lichen Idealismus. Der Bürgerblock der Deutschnationalen ist der Block der Bourgeois gegen die Arbeiter. Mit diesem Inhalt und diesem Namen ist er gebrand- markt._ Zwischenspiel. Stresemann und die deutschnationale Außenpolitik. Die Entscheidung über die Regierungsbildung liegt bei den Reichstagsfrakttonen der Parteien. Wenn die Fraktionen mit ihren Verhandlungen beginnen, wird die Lage sich keines- wegs rasch klären. Immerhin steht in großen Zügen fest, was die Deutschnationalen wollen. Die Deutsche V o l k s p a r t e i hat sich ebenfalls schon festgelegt, und das Zentrum läßt deutlich erkennen, wo die Grenzen liegen, ü er die es nicht hinausgehen will. Die deutschnationale Presse benutzt die Zwischenzeit, um die Volkspartei zu schärfen und bei der Bürgerblockstange zu halten— Herr Stresemann aber scheint zu fürchten, daß man von ihm die Uebernahme der Verantwortung fordern könne und hat sich auf acht Tage wegen Grippe in ein Sanatorium zurückgezogen. Die Hugenbergpresse jedoch will ihn nicht entrinnen lasten und möchte ihm noch vor der Entscheidung der Fraktionen die Verantwortung zugeschoben wissen. Der„Lokalanzeiger" schreibt: »Heb« die Persönlichkeit, die vom Reichspräsidenten mit der Bildung d« neuen Regierung beauftragt lverden fall, ist noch nichts Näheres bekannt, doch wird allgemein als feststehend an- genommen, daß diejenige Partei, die die Anregung zur Bildung eines Boltsblocks gegeben habe, nunmehr vom Reichspräsidenten mit der Bildung der Regierung beauftragt werden wird. Für diesen Fall würde also die Neubildung der Regie- rung zunächst dem Borsitzenden der Deutschen Bolkspartei, Dr. Stresemann, angetragen wer- den. Auch w Regierungstreisen ist man jetzt der Ansicht, daß die Neubildung nichter st oondemBeschlußderFrattionen abhängig gemacht werden könne, da sich deren Sitzungen voraussichtlich bis nächst« Woche erstrecken werden." Die„DeutscheTageszeitung" peitscht die„Volks- partei", um sie m fester Stimmung für den Bürgerblock und gegen die bisherige Koalitton zu erhalten. Die»K r e u z ze i t u n g" dagegen spendet Herrn Strese- mann und den Seinen Anerkennung, gibt ihm aber auch zu oerstehen, daß er über die Stellung der Deutschnationalen zur Frage der außenpolitischen Kursbestimmung schlecht infor- miert ist: „Di« Zeit", das volksparteikiche Organ, hat mm wiederHoll behauptet, die Deutschnationalen hätten bei den letzten Bersuchen ein« Regierungsbildung sich mit der bisherigen auswär- tigen Politik einverstanden erklärt. Diese Austastung ist nicht richtig. In den Richtlinien, die damals aufgestellt wurden, wurde nur die selbstverständliche Zusage gemacht, daß die Deutschnatt analen das Dawes-Gutachlen als vorhandene Un» terlag« an«kennen. weil es tatsächlich pratttsch nicht wegzu- schaffen ist. und im übrigen haben Verhandlungen über den Völker. bund geschwebt, die heut« wohl durch die weitere Entwicklung dies« Frag« mehr im Sinn« der deutschnationalen Auf- f a s s u n g auch bei den anderen beiden bürgerllchen Partelen ent- schieden sein dürfte. Aber abgesehen davon, ist entschieden davon abzuraten, die äußer« Politik auf eine bestimmte Formel festzulegen. Leider sind wir in der unglücklichen Dank an Chlumeckp. von Friedrich Stampfer. Es wird hoffentlich nicht als Mißbrauch dies«. Blatte, aufgefaßt werden, wenn ich seinen Raum heute einmal mit ein« persönlichen Angelegenheit belaste. In Wien starb dieser Tage d« Sl jährige Johann Chlumecky, in kaiserlicher Zeit Minister, Freiherr und Exzellenz. Dieser Mann hat mir einmal in schwer« Zeit beigestanden. Und da, war so. Als mir an den deutschen Gymnasien Brünn, wegen mein« „sozialisttschen Umtriebe" d« Boden zu heiß geworden war, ging ich in ein deustchböhmische, Landftödtchen, um dort mein Abi- turientenexamen abzulegen. Ich war indessen so unvorsichttg gewesen. in ein« Zeitschrift einen Aufsatz üb« die friedenssördernde Macht der Sozialdemokratie mit meinem Namen zu»«öffentlichen, und ein Wiener lintodemokrattsch«, Blatt hatte diesen Artikel zum L Mai abgedruckt. Mein Prüfer in deutsch« Sprache hatte ad« etmnal einen Artikel für die Prag«„Bohemia" geschrieben und war deshalb in jenem Lcmdstädtchen ein berühmt« Mann und al« solcher völlig konkurrenzlos. Aus d« Straß« sah man ihm respektvoll nach, und die Backfische erschauerten bei seinem Erscheinen. Und nun kam ein Gymnasiast, ein Prüfling, von dem auch schon «in Artikel gedruckt warl Und sogar nicht in Prag, sondern in Wien, was noch viel fem« war. Ein Heiligenschein fiel klirrend zu Boden. Doch die Rache folgt« auf dem Fuße. Beim Examen bekam ich ein kajftrpatriotstches Thema vorgesetzt, das ich keineswegs Vorschrift». mäßcg behandelte. Ergebnis: durchgefallen in deutscher Sprache, und als Sozialdemokret von jeder Wiederholung d« Prüfung ausgefchlosten. Die Nachricht von meinem Abenteu« mochte in Brünn einiges Aufiehen. Auch der deutschliberal« Abgeordnete der Swdt, Minister Freiherr v. Chlumecky hörte davon und ließ mich zu sich kommen. Ich sehe noch die rotpiüschenen Möbel des Salon» vor mir, als ob es gestern gewesen wäre. „Sie interessieren sich früh für Politik, sung« Freund, das gefällt mir. Aber, bedenken Siel Ihr Marx bezeichnet England als das Studierland des Kapitalismus. Richtig! Aber wir in Oesterreich sind weit zurück, und mrfer« Arbeiterbeweguna fit dos- selbe, was die Chartistcnbewegung vor SO Iahren war. Auch sie wird in ein ruhigeres Fahrwasser kommen." „Exzellenz übersehen, daß seit damals SO Jahre der Entwick- lung vergangen sind. Di« englische Arbeiterbewegung wird sich rasch rodit ali|ter«n. Die immanenten Gefetze d« kapitalistifchen Gesell- schaftsordnung treiben zum Sozialismus." „Ra ja. Sie sind noch jung, und Sie werden sehen, so einfach Ist das nicht, und so schnell geht da« nicht. Ab« Ihnen ist Unrecht geschehen, und was ich tun kann, es wieder gutzumachen, will ich tunl" Händedruck. Verbeugung. Draußen. Nach ein paar Monaten durfte ich die Prüfung machen, und es öffneten sich mir die Pforten d« Univ«sität. Später war ich genötigt, als Journalist die Politik Chlumeckys, nicht ihn persönlich, zu bekämpfen. Ich weiß au» Gesprächen, die mir wi«d«erzähll wurden, daß ihn da, geschm«zt hat. Selb« g«. sehen Hab« ich ihn nicht wied«, denn bald daraus lenkte ich mein« Schritte in, Reich. Jetzt drängt es mich, ihm dieses Blatt späten Danke» auf da, Grob zu legen. Sein« Politik hat die große Prüfung d« Welt- geschichte nicht destanden. Alles, wofür er eintrat, ist dahin. An mir ab« hat dies« sehr gemäßigte Altliberal« noch dem schönen Wort Giadstones gehandelt:.Liberal sein, heißt gegen das Unrecht kämpfen, da» andere erleS>enl" vas Monokel als politisches Thermometer. Früh«, das heißt, als wir noch weit oom Krieg und der großen Zeit entfernt waren und gut und glücklich unter der patriarchalischen Herrschaft d« Hohenzollern lebten, trug jed«, d« ein bißchen was war, ein Monokel. D« Leutnant und der Astest«, der Korpsstudent und der Kommis, wenn er am Sonntag mft Fräulein Braut ausging. Da, Monokel gehörte eben zur konftrvattv-kasterlichen Welt- anfchauung, war Geist vom wilhelminischen Geist. Es gab freilich damals schon Nörgl«, die sich üb« die Träger d« Glasscherbe im Auge lustig mochten. Denen ab« wurde auseinandergesetzt, daß Monotetttagen ein« hygienische Notwendigkeit fei für die Menschen. deren Sehkraft nur auf einem Auge geschwächt war. Dies« ErNärung«rscbien jedoch nicht ganz hiebfest, denn als die Revolution kam, verschwanden plötzlich dt« Monokel aus den treu»deutschen Augen. Sie wurden zusammen mit dem Mannesmut in die Tasche ge- steckt, und man konnte feststellen, daß die Treudeutschen ohne Mo- nokel viel besier sahen oder aber daß ein« Brill« oder ein Kneifer für ihre schwachen Augen bedeutend best« paßt«. Ja, es muß be- zweifelt werden, ob sie mit dem Monokel so schnell und leicht das Mauseloch gesunden hätten, in das sie sich»«krochen, als die Revo- lutton kam. Das Monokel»«schwand. Rur hin und wied« sah man eins auf der Straße, und fein Träger macht« immer so ein bißchen den Unsicheren und Unbeholfenen, als fühlte er selbst, daß er mit seinem Paradeblick nicht recht in die Zeit paßte. Ab« tot war das Monokel nicht, und ausgestorben waren auch die Monokelmänn« nicht. Wenn sie unter sich waren, sich« vor unliebsamen Ueberroschungen und Zeugen, und es kam die Rede aus die verdammte Republik, dann klemmten sie impulsiv die Glasscherbe w das Aug« und funkelten die verflucht« Republik zu Boden. Jetzt winkt d« Bürgerblock. Mit Siebenmeilenstiefeln geht es luftig in die weit« WeU des Dalles und der polittfchen Dummheit. Und mit einem Schlag hat sich das Bild auf den Straßen geändert. Biel« treu-deutsche Männer— und schließlich kennt man sie ja, wenigstens die aus d« Gegend, in der man selbst wohnt—, die dem„Frieden nicht trauten" und Brillen pder Kneifer trugen, wandeln wied« stolz und selbstbewußt mit dem Einglas. Das Monokel als polittsches Thermomet«! W« es noch nicht gewußt hat. daß nach dem 7. Dezemb« wied« Geist vom alten wilhelminischen Geist in den Sattel gehoben werden soll, der kann es leicht an den vielen Monokeln erkennen, die von treu-deutfchem Mannesmut auf den Straßen getragen werden. Glück- liches nationalistisches Deutschland, du machst dich zwar mtt dein« Politik lächerlich auf d« ganzen West, ab« du hast das Monokel wieder gewonnen. Und das ist auch was wert. Karl Fi s ch e r. »wenn ich ein König wär...." sCharlollenburger Opernhavs). Em« komische Op«, so alt, daß sie einen Adam zum Komponisten hat. Run, der„Posttllon" bläst entschieden kräfttqer, resolut«, mann- lich« ins Horn. In der Geschichte oom Perlenfischer, d« für einen Tag König wird(siehe Shakespeare), steckt viel mehr Sentimentalität, Lyrik, Schmalz. Grell hinein platzen Motiv« und Szenen, die durch- aus dem guten Genre d« Op«ett« zugehören. Die Arien und Chöre laufen fchematisch ab, doch olles mit ein« freigiebigen Erfinderloun« des Komponisten und guffitzenden Theaterpointen. Besonders der zweit« Akt schlug, nach der etwas süßen Expositton des ersten, dank sein« lustigen Situottonen und Osfenbachiaden ein. Hi« ist die köstliche Musik, die angenehm unt«hält und kein« Sekunde langweilt. Da Böcke! improvisierend sehr für Ga1«i« und Parkett spielte, ohne die Leichthett des Spiels zu üb«tt«iben, so war ein Erfolg zu konstatteren, d« weit über all« Operettenersolge des Jahres geht. P a u l y, der Regisseur, dirigiert«. Für«inen Regisseur sehr gut, ab« auch sonst, absolut geschickt und zusammenhaltend. Man nahm ihn jedenfalls ernst, zumal« für überanstrengt« Kollegen am Pult einsprang. D« Operettenkönig M i f h sprang ftoh herum und lieh mit sich h«umspringen. Auch d« Intrigant H e y« r machte böse Laune zum guten Spiel. Frau Fahl- Waller st«in hat Figur und Koloratur. Spielerisch noch etwas steif. Weihnachtsstimmung und Lachen dabei. Gehet hin. K. S. „Sakvntala" in der Volksbühne.„Sakuntvla", Juwel der Welt- lit«< 110 cm.. 1.45 Parfümerien Geschenk- Karton Bergmann- Waldheim 0.90 3 Stück Seife...für BergmannGeschenk- KartonWaldheim 1 Stück Seife 1 Flascho Parfüm} 1.90 48 cm, Buchstabe 22 cm hoch,.3 Stück 1.90 Herrentuch Reinleinen, handgestickt. 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In diesem Jahr ist eine große Anzahl von Tannen nach Berlin gereift, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird zu diesem Fest kein Mangel an Weihnachtsbäumen fein. Das eine freilich muß vorausgefchickt werden. Die Bäume find nicht billig, und ob der hohe Preis in Einklang zu bringen ist mit den Gestehungskosten", das steht auf einem anderen Blatt. Wie kommen die Bäume nach Berlin? Die Weihnachtsbäume, die auf dem Tempelhofer Feld in großen Haufen lagern, find aus Thüringen, aus dem Harz, aus Oberbayern, aus dem Riefengebirge und aus den Karpathen gelommen. Aus den Karpathen find nur zwei Waggons Bäume nach Berlin geschickt worden Die Bäume felbft sind zwar an Ort und Stelle in den Karpathen billiger erstanden worden, als die Bäume etwa in Bayern und in Thüringen, aber die Transportspesen find so hoch, daß diese Bäume in Wahrheit höher bezahlt werden müssen als Bäume aus Deutschland. Im allgemeinen haben die Engroshändler ihren Einkauf in der Zeit vom 10. bis 12. November getätigt. Bon den Engroshändlern ist ein nicht fleiner Teil aus allen Gegenden Deutschlands nach Berlin gekommen, z. B. aus Oberbayern, voen mo auch viele Bäume stammen. Der Engroshändler macht seine Einfäufe entweder beim Bauern oder beim Besizer, der über Wald verfügt, cder bei einer Försterei. Bei der Festlegung des Preises wird gleichzeitig ausbebungen, wie viel die Arbeiter für das Schlagen der Bäume erhalten, was das Binden der Bäume toftet( um den Transport beffer zu überbauern und um die Aeste zu schonen, müssen die Bäume mit Strohsetlen umwunden werden) und wie hoch sich der Fuhrlohn für den Transport der Bäume von Bald bis zur nächsten Bahnstation beläuft. Die Preise nun, die in diesem Jahr der Engroshändler bezahlt hat, sind sehr verschieden, je nach der Größe und nach dem Aussehen der Bäume. Für bayerische Edeltannen wurde z. B. der Waggon mit 3000 m. bezahlt. Dazu kommt eine fehr hohe Fracht, in diesen Fällen für etwa 800 Bäume 400 m. Aber auch sonst ist das Risito, das der Engroshändler übernimmt, ein ganz gewaltiges. Man darf nicht vergessen, daß der Handel mit Weihnachtsbäumen das ausgesprochenste Saisongeschäft ist. Diese Ware bann er nur einmal im Jahre absetzen. Was er an 50] weiter. Der Mittelweg. Von Sir Philip Gibbs. Sie beugte sich wieder über ihr Buch und addierte Denselben Abend traf Bertram noch eine andere Frau, die er in Kriegszeiten hier gefannt hatte. Es war das Zimmermädchen, und sie erinnerte sich. Sind Sie nicht derfelbe junge Offizier, der hier im Kriege gewohnt hat?" Er schüttelte ihr die Hand und sagte: Ja, und Sie haben mir damals die Strümpfe gestopft. Wissen Sie noch, wie Sie mir von Ihrem Bräutigam Jean erzählt haben? Er fiel bei Berdun." Ja, die wußte noch alles. Ach! Wie nett! Sie war froh, daß er noch lebte. Eine ältliche Person, häßlich, und hatte die jungen Offiziere wahrita) nicht in Berfuchung geführt. Trozdem hatten manche, die monatelang nichts Weibliches gesehen hatten, ihr Anerbieten gemacht, die fie in ihrer derben Arf mit lautem Gelächter zurückgewiesen hatte. Sie hatte die jungen Offiziere in gutmütiger Weise bemuttert und sie vor den Dirnen gewarnt, die mit ihren Laschenlaternen in den dunklen Straßen herumschlichen und fich an sie heranmachten. Ja, ihr Bräutigam Jean war bei Verdun gefallen. Sie hatte damals ein bißchen gemeint, dann aber wieder gelacht und gemeint, die Männer wären dazu geschaffen, getötet zu werden, ebenso wie die Hammel zum Schlachten. So ist das Leben! Und Krieg würde es so lange geben, wie die Deutschen noch Mitglieder des Menschengeschlechts wären. Jetzt stand sie da, auf ihren Besen gelehnt, und erzählte Bertram von allem. Die Preise waren sehr hoch und das Leben sehr schwer für arme Leute. Freilich, die Bourgeoisie verdiente viel Geld. Die Deutschen drückten sich doch vom Bahlen, wenigstens täme fein deutsches Gold an die Leute, die ihre Häuschen in den zerstörten Gebieten wiederaufbauen wollten. Sie hätte eine Kufine in Lens, eine Mutter von sechs Kindern. Da hätten sie jetzt, drei Jahre nach dem Kriege, noch fein Gas, feine Wasserleitung, teine Bausteine, fein Geld zum Wiederaufbau. Der Sieg hätte Frankreich fein Glück und keine Ruhe gebracht. Die Boches würden ficher wiederkommen, alles fing wieder von vorn an. Hätten die Engländer und Franzosen die Boches damals nicht lieber alle töten sollen, als die Gelegenheit da war? Jezt haßten die Engländer die Franzosen und liebten die Deutschen. Bäumen übrig behält, ist nur noch als Brennmaterial zu verwenden. Lediglich die Händler mit Silbertanmen haben die Möglichkeit, Die einzelnen Aeste jener Bäume, die sie nicht verkauft haben, als Dekorationsmaterial für Geschäfte, Säle, öffentliche Lokale und wohl auch Wohnungen zu verwenden. Der Engroshändler von außerhalb, der in Berlin seine Weihnachtsbäume zum Berkauf anbietet, hat auch sonst noch eine Menge Untoften. Er muß für sich und mindestens einen Begleiter während der Zeit des Bertaufs, die im Durchschnitt drei Wochen beträgt, das Logis be zahlen, und er muß dabei mit einer täglichen Ausgabe von 8 M. rechnen. Ferner hat er limfagsteuer zu bezahlen, die pro Waggon 30 M. beträgt und sofort zu entrichten ist. Endlich muß er noch Stand geld bezahlen. Das ist nun eine etwas eigenartige Angelegenheit. Das Standgeld wird von den Engroshändlern cämlich nicht an den Magistrat von Berlin entrichtet, sondern an eine Firma Gebrüder Lade, die gleichfalls Weihnachtsbäume zum Berkauf feilhällt und die vom Magistrat für die Zeit des Engrosmarkts das Terrain auf dem Tempelhofer Feld gepachtet hat. Die Firma der Gebrüder Lade macht bei dem Weihnachtsmarkt entschieden das beste Geschäft. Sie läßt sich nämlich für jeden Waggon Bäume ein Standgeld von 30 m. bezahlen, dabei ist es ganz gleich gültig, wo sich der Stand des betreffenden Engroshändlers befindet, und auffindbar seine Bare aufgestapelt hat, oder weiter hinten auf ob er unmittelbar am Rand der Straße, für jeden leicht sichtbar dem Feld, an einem Ort, zu dem nicht alle den Weg finden. Die Engroshändler mit Weihnachtsbäumen haben in diesem Jahr zu der Art der Erhebung des Standgeldes und seiner wirklich eminenten Höhe Stellung genommen und wollen, wie es heißt, gegen diese Ungerechtigkeit beim Magiftrat von Berlin Protest erheben. Auf dem Engrosmarkt. Sonntag, 14. Dezember 1924 Berlin gefommen sind, höchstens 2 Waggons gebracht. Der Engros händler berechnet sich, worauf bereits hingewiesen wurde, sein Risiko und erklärt, daß der Kleinhändler mit einem Verdienst von 2 M. pro Baum zufrieden sein könne und zufrieden sein müsse. Man fann sich der Richtigkeit dieser Kaltulation nicht verschließen. Es gibt aber eine nicht geringe Anzahl von Kleinhändlern, die mit diesem Berdienst nicht zufrieden sind und die verlangen, daß jeder Baum einen Reinverdienst von 2,50 bis 3 M. abwirft. Alle diese Diege zusammengenommen, fommt man zu dem wenig erfreulichen Resultat, daß der Weihnachtsbaum 3 bis 4 m. im Detailhandel tosten wird. Das ist natürlich ein entschieden zu hoher Preis, den wieder mur Bemittelte werden zahlen fönnen. Preisfestsetzungen durch Bucherbehörden gibt es ja in diesem Jahr nicht mehr. Aber eine Kontrolle der Preise durch die Abteilung W des Polizeipräsidiums wäre durchaus notwendig. Bunt ist das Bild auf dem Engrosmarkt auf dem Tempelhofer Feld, fräftige Wize, derbe Worie fliegen herüber und hinüber, und durch das Gemirr von Großhändlern, von Käufern aus dem Publikum( einzelne Engroshändler verkaufen auch an Verbraucher direkt), zieht der große Restaurationswagen, der warme Getränke aller Art sowie warme Würstchen feilhält und um Zuspruch nicht verlegen ist. * Also billig ist der Weihnachtsbaum auch in diesem Jahre nicht. Ein Glüd nur, daß der Christbaumsch mud verhältnismäßig billig und zu Friedenspreisen zu erhalten ist. Alle diejenigen, die entweder zum erstenmal einen Baum schmücken, oder deren Christbaumschmuck der Erneuerung im großen Umfang bedürftig ist, können in diesem Jahr für ein paar Mart ihre Wünsche befriedigen. Bunte Rugeln sind für 10 und 20 Pf. das Stück, blante Ketten für 50 Pf. bis 1 M. zu haben. Auch die Preise für die Baumlichter fmd niedrig. Man erhält Lichter schon für 1 Pf. das Stüd, während für die besseren und dickeren Lichter 5 bis 6 Pf. pro Stück verlangt werden. Hoffen wir, daß die Preise für die die Händler sehen, daß das Publikum mit dem Einkauf zurückhält Weihnachtsbäume noch fallen werden. Und das tun sie sicher, wenn und eine abwartende Haltung einnimmt. Der„ Revolutionskuli". Die Engstirnigkeit, Beschränktheit und Nachäfferei bei gutem Willen, die Verbiffenheit und Schamlosigkeit mit bewußter Absicht Wie bereits erwähnt, bietet sich dem Beschauer, der jenen Teil sind bei ben Nationalen und Bollnationalen" nachgerabe gedes Tempelhofer Felds, auf dem die Weihnachtsbäume lagern, benügend bekannt, ja sprichwörtlich geworden, so daß der„ Borwärts" tritt, das Bild einer Fülle von Weihnachtsbäumen. Die Dreibund- fich diesen Auffaz sparen mürbe, zeichnete bas entworfene Bild nicht ftraße in ihrer ganzen Ausdehnung sowie jene vier oder fünf namen= lofen Etraßen, die vom Feld auf die Dreibundstraße führen, Straßen, genau diejenigen Kreise, die durch alle nur möglichen Kräfte des die schon lange asphaltiert und mit Straßenbahngleisen, ja jogar Lehrberufes zu voller Stupidität mit großem Erfolge herangebildet mit Trägermasten für die Drähte nerfehen sind, find über und über worden sind und leider weiter angestellt werden. Eine junge mit hohen Stapeln von Weihnachtsbäumen befeht. Und meiter: ein Frau besucht ein junges, verlobtes Mädchen, um sich ein geborgtes großer Teil der Kolonnenstraße in der Nähe des Militärbahn Buch wieder abzuholen. Die Eltern des Mädchens• biedere ältere hofes, sowie die General- pape- Straße, die sich zu den ehemaligen Berfonen- find zugegen. Zu diesen vier gesellt sich der Bräutigam, Bezirkskommandogebäuden hinzieht, ist belegt und bestellt mit Weih- ein Mann von etwa 30 Jahren. nachtsbäumen. Dan sieht Bäume in allen Größen, man hat ganz fleine und bescheidene Bäumchen und daneben Tannen von 8 bis 10 Meter Höhe, Bäume, die natürlich nur zur Dekoroticn in den großen Warenhäusern, für Hotels und Säle geeignet find. Nach oberflächlicher Berechnung fann man annehmen, daß bis zum 10. Dezember 400 Waggons Weihnachtsbäume nach Berlin gekommen sind. Jeder Waggon enthält etwa 900 bis 1200 Bäume. Dazu kommt, daß auf dem Nordbahnhof ebenfalls eine große Anzahl non Waggons angekommen und abgeladen worden sind. Um den teuren Fuhrlohn zu sparen, merden diese Bäume nicht erst zum Engroshandel nach dem Tempelhofer Feld gebracht, sondern vom Bahnhof direkt an die Kleinhändler, die in dem meiten Norden Berlins ihren Stand haben, verfauft. Die Kleinhändler fommen in der Hauptfadje vom 9. oder 10. Dezember an nach dem Tempel hofer Feld, um ihre Einfäufe zu besorgen. Sie fommen mit Handwagen oder mit Pferd und Wagen, um die Ware abzuholen. Auch fie tragen ein nicht fleines Risiko. Sie kaufen vom Engroshändler 50 oder 100 oder mehr Bäume, wobei aber an ein Aussuchen der Bäume nicht zu denken ist. Sie müssen die Bäume so nehmen, wie sie ihnen der Engroshändler nom Stapel auf den Wagen wirft. was foftet nun aber der Weihnachtsbaum für den Verbraucher? Da das Geld heute knapp und teuer ist, haben Engroshändler, die Da das Geld heute fnapp und teuer ist, haben Engroshändler, die in den früheren Jahren vor dem Krieg mit 10 und 12 Waggons nach Wie tommen Sie denn darauf?" fragte Bertram. Aber wahr ist es doch, nicht wahr?" meinte fie ganz einfach. Als er ihr flarmachte, daß sie sich gründlich irrte, daß die Engländer Frankreich noch ebenso liebten und ihm helfen möchten, war fie überrascht und ungläubig. Was bringt Sie denn auf die Idee, daß England euch haẞt?" Sie las eben den Matin", sagte sie. Da stand's drin. Und ebenso im Journal d'Amiens". Dapon sprach jedoch jeder, besonders die Kellner, die redeten immer von Bolitit. Berstehen fonnte fie's ja nicht immer, aber sie hörte es ja von den anderen. Es war die allgemeine Ansicht. Und gegen die öffentliche Meinung fam niemand an. Schrecklich, diese öffentliche Meinung! 38. Mehrere Wochen fang streifte Bertram in den alten Plätzen umher, zu Fuß oder auf Bauernwagen, manchmal nahm er auch einen Zug, der von Arras nach Lens und von Bapaume nach Peronne troch. Unterwegs sprach er mit Bauern und ihren Weibern, jungen Bächtern, die Boilus gewesen waren, Geschäftsreifenden von Paris und Lille, mit Maires, deren Städte vom Erdboden verschwunden waren, und die jetzt den Wiederauf bau beaufsichtigen sollten, der aber nicht vor sich ging. Die Nächte verbrachte er in hölzernen Schenken, auf Streden, wo einst die englische Jugend Jahr für Jahr dahin gerafft worden war. Die Schüßengräben waren eingefunten. Er grub mit seinem Stod, ob er vielleicht auf eine Erinnerung stoße, denn er tannte hier jeden Zoll des Grund und Bodens, jede Falte. Er fand nur einen einzigen Unterstand wieder, bei den Ruinen von Havrincourt Chateau. Auch dort war der Gra ben wieder zugeschüttet, er aber borgte sich von einem jungen Pächter einen Spaten, machte die hölzernen Stuten frei, grub den Eingang aus und ging hinein. Der junge Bauer gab ihm ein Endchen Kerze und wollte ihn begleiten. Bertram aber sagte:„ Warten Sie lieber ein paar Minuten hier. Ich möchte allein sein." Und er verstand. Für Bertram war dies hier ein Sputzimmer voll tragischer Erinnerungen, er grub die tote Bergangenheit wieder aus. Bei dem dünnen Kerzenlicht fand er einen hölzernen Tisch und zwei Kisten als Stühle daneben. Auf dem Tisch waren noch Sachen, die ihm einst gehört hatten: eine leere Tabaksschachtel, ein gesprungener Becher und da- Joyces Während der allgemeinen Unterhaltung nimmt der Bräutigam eine Banknote aus der Brieftasche, reicht sie seiner zufünftigen Schwiegernutter und sagt: hast du schon die neuen Banknoten gefehen?"" nein", lautet die Antwort,- sie gefallen mir gut, wessen Bifonis stellt der Kopf vor?"„ Na, mer wird es jein", antwortet der gebildete Herr, irgend ein Revolutionstuli." Dieser Herr war vor dem Kriege wenig, wurde mährend des Krieges Beutnant und ist jetzt Versicherungsbeamter. Er meiß sich vor ,, nationaler Gesinnung taum zu retten und hat die ganze Ber mandtschaft, bie vor der Wichtigtuerei des Herrn Beutnant einen großen Respett hat, bereits start beeinflußt. Die junge Frau die anderer Gesinnung huldigt, hört die Erklärung des Bildes auf der Bantnote, jagt dazu aber fein Wort. Anderen Tags bringt das junge Mädchen bas nicht zur Stelle gewesene Buch und sagt: Wir haben wohl gemerkt, daß Sie ganz still schwiegen, nachdem mein Bräutigam vom Revolutionskuli gesprochen hatte; er wollte sie nicht beleidigen." Darauf antwortete die junge Frau, die inzwischen mit ihrem Manne barüber gesprochen hatte: Beleidigen? Ihr Bräutigam hat mich doch nicht beleidigt. Aber mein Mann läßt ihm sagen: Wenn Ihr Herr Bräutigam, der Handschrift! Ein alter Briefumschlag an seine Adresse: Major Bertram Pollard, Maschinengewehrabteilung B. E. F. Großer Gott! Mußte er das hier finden, feucht, schmutzig, faft verschimmelf. Wie heiß hatte er diesen Fezzen damals gefüßt, ehe er den Brief öffnete. Und nun war Joyce, seine Frau, irgendwo in Paris, und er war allein. Er faß eine Weile ganz still auf einer der Kisten, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, wie damals so oft. Gleich würde Christy die Stufen herunterstolpern und von draußen berichten. Friz" hatte wieder einmal ein Sperrfeuer eröffnet. Der Bourlon- Wald war voller giftiger Dämpfe, die Leute sollten sofort ihre Gasmasken bereit haben." Wie lebte Bertrams Seele wieder in jener Zeit! Der Geruch des Unterstandes, die dünne Kerze, die tropfnassen Wände, diefer Tisch es war die tote Bergangenheit, die da vor ihm erftand. Sie war wieder lebendig geworden, und die Gegenwart war vergangen. Es floß eins in ihm in das andere über. Alles, was er im Kriege erlebt hatte, der Tod so vieler Braven, die Todesqualen der Verwundeten, der Gestank des Todes, die Kameradschaft der jungen Offiziere, Chriftys Tränen, als seine Nerven zusammenbrachen, seine eigene Angst vor der Angst, den Heroismus der einfachen Soldaten, das endlose Schlachten, die Verwüstung von Leben und Jugend- alles, alles stand wieder lebendig vor ihm. Sollte das alles wiederkommen? Bernhard Hall, der hochgebildete, Jeanne, das Stubenmädchen, dachten es. Fast alle diese Franzosen, mit denen er gesprochen hatte, glaubten, daß nach höchstens fünfundzwanzig Jahren die Boches fommen würden, um ihre Revanche zu nehmen. Als das Licht flackerte und bald zu verlöschen drohte, hörte Bertram aus dem Dunkel ganz deutlich eine Stimme zu seiner Seele sprechen, wie schon einmal vorher: ,, Bertram, arbeite für den Frieden! Bersprich es mir!" Hatte nur seine Einbildung diese Worte eben gehört, oder waren sie gesprochen worden? Ganz klar und deutlich hatten sie doch an sein Ohr getönt! Ja, er wollte für den Frieden arbeiten, damit die Kinder, die heute Knaben waren, nicht wieder in solchen Löchern leben mußten, bis sie durch das Gas erstickten, von Granaten zerrissen oder lebendig verschüttet wurden. Er wollte für den Frieden arbeiten, so gut er es ver mochte, so gut er Worte des Barnens, der Versöhnung und des gefunden Menschenverstandes zu schreiben fähig war. ( Fortsetzung folgt.) Herr Leutnant, nicht weiß, wen das Bild auf der Banknote bezeichnet, so solle er doch gefälligst nachlesen oder sich besser, unterrichten lassen. Das Bild stellt eines Mannes Kopf dar, dessen Verdiensten auch Ihr Bräutigam es mit zu verdanken hat, daß wir heute die alte Postkutsche bereits fast ganz entbehren können Es handelt sich um den Generalpostmeister Stephan aus faiserlicher Zeit, den Ihr Bräutigam mit irgendein Revolutionstuli" so fein bezeichnet hat" Nur die Frage dürfte im Anschluß hieran noch berechtigt fein: Genieren sich denn diese ,, Nationalen" gar nicht, solche Revolutionsfuli"-Banknoten als Gehalt und Pension anzunehmen? Die Verbesserung des Berliner Verkehrs. Der Aufsichtsrat der Berliner Straßenbahn hatte eine fleine Kommission nach London zum Studium der dortigen Berithrsverhältnisse entsandt. Ueber die Eindrücke dieser Reise und die für die Berliner Verkehrszuflärde daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen somie über das Berliner Verkehrsproblem und die Möglichkeiten seiner Lösung überhaupt hielt Professor Giese gestern vor den Vertretern der B hörden, der Verkehrsgesellschaften und der Presse im Berliner Stadtverordneten- Sigungs aal einen durch zahlreiche Lichtbilder unterstützten Vortrag. Giese schilderte zunächst den gewaltigen Umfang des Londoner Verkehrs und die zu feiner Bedienung vorhandenen Verkehrsmittel, Omnibusfe, Etraße 1bahnen, Untergrundbahnen und Röhrenbahnen. Trog des riesigen Umfanges wickelt sich der Londoner Verkehr dan? dir Geschicklichkeit der Fahrer, die strenge Disziplin üben, und der außerordentlichen Gewardtheit und Sicherheit der Bertehrspolizisten, von denen dauernd etwa 7000 im Dienst find, ohne behörtliche Vorschriften, Signaltürme oder ähn tides auffallend geräuschlos ob Das Fohlen der Straßen Das fehlende Volksauto. Zur Automobilausstellung am Kaiserdamm. Don In der Autoausstellung am Kaiserdamm wimmelt es Kraftwagen jeder Art Prächtige Autos, in denen eine ungeheure Menge menschlichen Fleißes stedt. Jede Ferm, jeder Lurus, jede technische Neuerung vom Gußteil bis zur Lackierung ist vertreten. Eines aber fehlt in dieser sinnverwirrenden Ansammlung: das Bolksauto, jener Wagen, der sowohl hinsichtlich seines Aufbaues als auch seines Preises geeignet ist, in weiten Kreisen seines Volkes feine Abnehmer zu finden. Kleinautos. In der Ausstellung ist was hier schon erwähnt wurde nicht ein einziger Wagen, der den Ehrenziter eines Volksautos führen fönnte. Unter den ausgestellten Kleinfraftwagen gibt es effiche, die so tun, als seien sie schon das Ideal, das noch erstrebt werden soll. Einige von diesen sind nichts weiter als verfapple Motorräder, Brautomobile", wie sie der Bolksmund so nett getauft hat, denen man eine Rarofferie aufgesetzt hat. Andere wiederum find mehr oder minder geschickte Kopien großer Wagen, bei denen man alles überflüssig Erscheinende fortgelassen hat, so daß ein auf die einfachste Form gebrachtes Kleinauto für höchstens ein bis zwei Personen ents standen ist. Von den Zweisigern, die Anspruch darauf machen tönnen, ernsthaft genommen zu werden, mögen Hanomag- Wagen, der von der weltberühmten Maschinenfabrik in Hannover herausgebracht wurde, und der Diabolo erwähnt werden. Der Hanomag macht, von der Seite gesehen, emen sehr hübschen, repräsentativen Eindruck, jedoch steht die Breise, die für das Fahrzeug sehr vorbeilhaft sein mag, in keinem rechten BerHA Deatsheelandil ciel hier der bohnen in der Innenstadt het eire außerordentliche Ents micklung des Autoomnibusvertebrs zur Folge gehabt; es fotren 4400 Wagen gegenüber 160 Wogen in Berlin Dennoch spielt der Straßenbahnverfehr eine große Rolle. Der Wagenpart der beiden wichtigsten Straßenbahnunternehmen umf Bt etwa 2500 Wogen a gen 2800 Wagen bei der Berliner Straßenbahn. Ein mefentlicher Unterschied besteht darin, daß fast alle Londoner Wagen zweistöckig sind, offo on foffungsraum einem Berliner Straßenbahnzug( Triebwagen mit 1 Beimagen) gleichkommen Das Londoner Schnellbahnnet ist, da die einzelnen Linien ohne einen einheitlichen Plan im gegenseitigen Wettbewerb der Gesellfchaften gebaut worden sind, recht unübersich lich. Die Strecken hrben verschiedene Profile und Betriebsmittel. Ein Durchgang der Züge zwischen den einzelnen Streden ist ausgeschlossen. Das Tariffystem in London ist wesentlich verwickelter und unüberfichtlicher als in Berlin. Im Durchschnitt fährt man in London teurer als bei uns. Als Nuzanwendung für die Verbesserung der Berliner Verkehrseinrichtungen stellte der Redner die folgenden Forderungen auf: Vermehrung und bessere Ausbildung der Berkehrspolizeibeamten; Verbesserung des Omnibustŋps durch Cinrichtung besonderer Ein- und Ausgänge. Einführung von Omnibussen mit größerem Fassungsraum, geringerer Höhe und niedrigem Bodest; Einführung zwei stödi. ger Straßenbahnwagen und Vervollkommnung des Bahnkörpers; allmähliche Erweiterung des Straßenbahnnetzes durch den Bau von Schnellstraßenbahnen in Außengebieten. Zu der Frage des Ersakes der Straßenbahn durch den Omnibus nchm Professor Giese dahin Stellung, daß beide Verkehrsmittel ihre Tafeinsberechtigung haben und bei einer richtigen Verfehrspolitik fich unter Vermeidung von Wettbewerbs. Linien gegenseitig ergänzen müssen. Für Berlin wird aber bis auf weiteres die Straßerbahn das Rückgrat des Berliner Nahorhältnis zur Länge. Die tiefgelegten Site des Wagens, der mit Lehrs bilden. Tas soll natürlich nicht ausschließen, daß dem Kraftomnibus, zumal bei weiterer Vervollkommnung, vorwiegend in der Inrenfabt und ihrer näheren Umgebung in nächster Zeit größere Bedeutung zukommt. Eine wirksame Entlastung der start überlasteten Straßen der Innenstadt ist nur dann zu erreichen, wenn man sich entschließt, die größten Fehler im Berliner Be. bauungsplan, tie zu einer Zusammenpreffurg des Berfehrs an wenigen Puntten, wie Potsdamer Plaz und Alexanderplatz. ge= führt haben, zu beseitigen und dem Verkehr neue Wege durch Straßendurchbrüche zu eröffnen. Der eine sollte nördlich, der andere füdlich der Leipziger Straße durchgeführt werden. Für Die füdliche Entloftungsstraße liegt befanntlich bereits ein Vorschlag des früheren Berliner Stadtbaurats Krause vor, der eine Berbindung der Kurfürsten- und der Schöneberger Straße durch einen Zunnel unter dem Potsdamer Außenbahnhof vorfieht. Für die nördliche Parallelstraße, der die größere Bedeutung zufommt, hält der Vortragende einen Durchbruch der Französischenstraße zur Tiergartenstaße für notwendig, wodurch eine Umgebung des Potsdamer Plages ermöglicht würde. Zur Entlastung der Kön gstraße wäre die Grunerstraße zu öffnen, mit einem Durchbruch zur Elisabeth Straße bin. Sehr energisch trat Giese für den von ihm in einer ausführ ficheren Denf'chrift entwickelten Plan der Schaffung eines Zentralamts der Berliner Verkehrsunternehmungen ein. Der Gedanke, daß die Berliner Verkehrsunternehmungen in einer Hand zujammengefokt werden müssen, ist nun allerdings fein Original gedanke Gieses, er ist namentlich von der Soz aldemokratie feit Jahrzehnten schon vor der Schaffung des Zweckverbandes proponiert werden. Die Einzelheiten der Gieseschen Vorschläge halten sich aber fast ausschließ ich an die formale Seite der Sache und berühren die entscheidende Frage, wem bei einer solchen Zusammenfeffung der ausschlaggebende wirtschaftliche Einfluß zuzusprechen ft. Die Zusammenfassung ist zu einem guten Tei! ouch eine Mach frege und wird ihrer Lösung um so näher kommen, je mehr die Gemeinde Groß- Berlin sich auch zum wirtschaftlichen Träger des Berliner Verkehrs entwidelt. Oberbürgermeister Böß hatte nicht unrecht, als er in seinem Schlußwort im Genen az zu dieser mehr formalen Beband ung auf der Kern der Sache hinwies, näm lich auf die Finanzfrage. Nur die Gemeinde wird imftande sein, die Verkehrsprobleme zu lösen und auch ihre Leistungen werden von den finanziellen Möglichkeiten abhängen. Erfreulicher meise kann aber damit gerechnet werden, daß außer der im nächsten Jahr berorstehenden Fertirstellung der Nord'üdbahn bereits in den nächsten Wochen der Stad verordneteлver'cmm'ung eine Vorlane über den Beginn der Bauarbeiten an der AEG.- Bahn zugehen wird. Domit wird Berlin sein Verkehrsproblem ein ganz gewaltiges Etüd fördern Bom Schaffen des Kindes. Dem schaffenden Kind ist die Ausstellung gewidmet, die von der Lichtenberger weltlichen Gemeindeschule 34( an der Scharnweberstraße) gestern eröffnet wurde. Das schaffende Kind selber ist der eigentliche Aussteller, denn die Ausstellung bringt Arbeiten der Kinder dieser Schule Die Zeichnungen und farbigen Bilder zeigen uns mit welchem Erfolge die Schule sich bemüht hat, den Formen- und Farbenfinn in den Kindern zu pflegen. Darunter find eigene Entwürfe, in denen die Persönlichkeit manches Kindes sich auf besondere Art ausdrückt An den hübschen Spielzeugen, den aus Pavier geklebten Häuschen, den aus Holz geschnitten Tieren. den Puppenstuben mit vollständigen Einrichtungen haben die Bastelfünstler ihren Schaffensdrang betätigen fönnen. Die Ausstellung bietet nicht etwa nur die besten Leistungen, sondern auch minder gelungene. Die Schule will Einblick in ihre Arbeit geben, darum lehnt sie es ab, mit Gipfelleistungen zu prunten. Lehrreich ist die Berwendung von Abfällen aller Art von Zigarrenfisten brettern, Streichholz'chachteln, Cornrollen, aus denen manches hübsche Spielzeug und auch marcher ganz ansehnliche Gebrauchs gegenstand hernestellt wurde. Die Mädchen haben gute Handarbeiten ausgestellt, Kleidung, Wäsche, Stickereien ufw. Die gestern eröffnete Ausf'ellung bleibt leider nur noch am heutigen Sonntag von 12-6 Uhr geöffnet. i | Gomer Die neue Autoha'le am Kaiserdamm. wassergekühltem Einzylindermotor ausgerüstet ist, und elektrische Beleuchtung aufweist, und die Stromlinienform der Karosserie geben ihm ein zum mindesten ungewohntes Aussehen. Er soll im Gebrauch nur etwa die Kosten einer Bahnfahrt vierter Klasse verursachen. Der Preis dieses Wagens ist natürlich mit 2300 m. noch viel zu hoch, als daß er bei den geschilderten Eigenschaften schon das Volksauto wäre. Das Leichtautomobil, ein kleiner schnittiger Wagen, dem alle möglichen guten Eigenschaften zugesprochen werden, ist je nach Ausführung schon für 1200 m. zu haben. Die besseren Kleinautos, die nach ihrem Aufbau wirklich die Type eines Boltsautos darstellten, Der Schuß in der Nacht. Das Abenteuer des Falschgeldfabrikanten von Zernsdorf. Einer der Hauptteilnehmer an der erst Anfang der Woche ausgehobenen" Falschgeldfabrik mit elektrischem Betrieb", die in der Billa Goldener Friede" am Trüpelsee in 3ernsdorf, die falsche Rentenzehnmartscheine herstellte, der Buchdruckereibefizer Otto Kanser, hatte ich schon gestern vor dem Schwurgericht des nichts I wegen versuchter Gefangenen befreiung und ver ages zu verantworten. Ueber die Borgi lla am Trüpelfee. deren Besitzerin zwei Jahrzehnten ve. eine Frau Romeil dene Frau des Direttes der vor weichende Angaben. ernbant, machte er we fehr ausgte hat seit dem 1. Gaber eine eigene fleine Dru are in der Gotenstraße in Schönet erg. Seine beiden Maschinen hatte er für die Folscheldfabrik geliefert und fie wurden auf einem nächtlichen Transport hinausgebracht. Ueber die auffällige Art dieses Transportes wollte der Angeklagte feine näheren Angaben machen; er behauntete nur, daß er die Maschinen einem Bekannten ous Asien, dem Filmverleiher Ratow zur Ser ftellung von Filmplakaten geliehen habe. Bei einer Besichtigung habe er allerdings wahrgenommen, daß Falsch geld her gestellt werde. er habe aber feine Anzeige gemacht weil ihm versprochen worden sei, daß es nicht weiter gefchehen werde. Durch feine Berhaftung fonnte Kanser jeßt dem Schwurgericht aus der Untersuchungshaft vorgeführt werden, um sich in der gegenwärtigen Anklagefache zu verartworten. Am 29. Juni hatte eine Polizeistreife nachts zwei Männer, die lärmten, angehalten. Da die Ausweise nicht in Ordnung waren sollten die Beiden zur Bache gebracht werden, sträubten sich aber und der eine warf sich in der Waldstraße zu Boden. Ein hinzufommender Reichsmehrfcat kistete den Beamten Hilfe. Es hatte sich aber schnell ein Auflauf gebi det und einzelne Berfonen nahmen Partei für die Festgenomme nen. Blöglich fiel aus der Menge ein Schuß und es soll von verschiedenen Zeugen, auch von den Beamten. aesehen worden sein, daß der Angeklagte den Schuß in der Richtung auf einen der Bolizeiwachtmeister abgegeben habe. Man fand in seiner Teiche auch einen Revolver, aus dem frisch ein Schuh abgegeben war. Der Angefiarte beftritt. jedoch mit Ert'chiedenheit daß er der Schüße sei. Verschiedene Zeugen mechten für den Annefonten sehr belastende Angaben. Einer der Polireibeamten habe den Revolver in der Hand des Angeflanten gefehen, ein anderer Zeuge, der Reichswehrsoldat, hat sich g'eich nach dem Schuß umgedreht und in die Tasche des Angeklagten gefaßt. der die Hand um den Revolver gespannt hatte. Nach eingeherder Beweisoufnahme fam das Schwurnericht I zu dem Ergebnis, daß nicht erwiesen fei, daß der Angeklagte bei der Aboabe des Schusses vorfäß ich einen Beamten habe töten wollen. Das Gericht nubil aber ein Bergeren nach§ 357 Abjak c an( Gebrauch einer Schukwaffe bei einem Auflouf). Die Strafe müßte aber nach Anficht des Gerichts dennoch eine sehr schwere fein da in letzter Beit häufig die Berliner Bevölkerung in fritiflofer Weise bei Siftierungen. ohne den Fachverhalt zu kennen. genen die Bes amten eine drohende haltung eingenommen hat und da den Beamten ein enericher Schuk gecen derartige Uebergriffe gewährt werden müsse. Der Gebrauch der Feuerwaffe fef eine gemeincefährliche Handlungsweise, weil leicht jemand durch Schüsse auf der Straße verletzt werden kann. Das Gericht verurteilte Kanser zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. wie z. B. der Aga- Wagen, der Wagen der Ego- Werke, der Remag und etliche andere, sind viel zu teuer, als daß sie von größeren Kreifen getauft werden könnten. Zukunftsaufgaben. Von einem Volfsauto muß gefordert werden, daß es mindestens als Bierfiger ausgebildet ist, daß der Motor( möglichst vier 3rlinder) Wasserkühlung besitzt, daß Räder und Felgen abnehmbar sind. Elettrische Beleuch ung und Anlasser sollten selbstverständlich sein. Endlich müßte der Verkaufspreis dieses Wagens so billig als nur irg nd denkbar werden heute ist das Auto immer noch im Bewußtfein weiter Volksschichten ein Luxusgerät, das nur für weme Auserwählte da ift. Unseren Technikern und Kaufleuten erblühte ein weites Arbeitsfeld, wenn sie es fertig brächten, die Ferdsche Organi fation aus Amerita finngemäß nach Deutschland zu übertragen. massenherst lung bei Verwendung bester Materialien, vorzügliche Organisation des Berkaufes und der Erfahteilbeschaffung sind de Aufgeben. die zu lösen mären. Darüber hinaus müßten natür ich auch die Möafhkeiten der Benzinbeschaffung, die Instandhaltung und nicht zulez der Unterbringung im Lande selbst wesentlich vermehrt werden. In Berlin macht sich so etwas wie eine Garagenbaumut bemerkbar. Wenn mit dicfen Garagen, die in allen Stadtvierteln zu finden sein müßten, Reparaturwerkstätten mit Ersatzlager für gem'sse weitverbreitete Bolkswagen verbunden wären, und wenn darüber hinaus hier gegen irgendeine Gebühr für die Instandhaltung der Wagen gesorgt würde, so wäre damit die Organisation eines volkstümlichen Autoverkehrs in ihren Anfängen geschaffen. Dabei brauchten die Kosten, die dem einzelnen für den Betrieb seines Wagens entstehen, gar nicht einmal so hoch zu werden, wenn das Ganze richtig aufgezogen wird. Es ist eigentlich überflüssig zu sagen, daß diese Wagen den Anspruch darauf erheben, Volksauto zu sein, in ihrer Behandlung außerordentlich einfach sein müssen, so daß die Fahrterlaubn's leicht erte lt werden kann. Diese Zukunftsaussichten, die bei der jetzigen wirtschaftlichen Not des deutschen Volkes zu malen fast tühn erscheint, werden eines Tages verwirklicht sein. Der Haß gegen das Auto beruht ja im allgemeinen darauf, daß es für die meisten etwas Unerreichbares ist. Es ist nicht einzusehen, warum der Arbeiter, dessen Geschickt chkeit all die Pracht am Kaiserdamm mit entstehen ließ, nicht eines Tages in die Lage tommen sollte, selbst das auszunuzen, was er tagtäglich in emfiger Arbeit schafft. Die schlechten wirtschaftlichen Berhältnisse Deutschlands werden sich bessern und damit wird auch einer Entwicklung der Weg gocbnet, wie er uns in Amerika hinsichtlich des Autos vorgezeichnet ist. In der Urania" wurde von der Bundes- Film- 2.- G. anläßlich der Automobilausstellung ein Film gezeigt, der den schwungvollen Namen„ Der stählerne Renner" trägt. Der erste Teil, der schon in früheren Zeiten zu sehen war, zeigt die Entstehung des Automobils in allen ihren Phasen. Wir sehen, welch fomplizierte Gußformen nötig sind, um die Zylinder und Kurbelgehäuse entstehen zu lassen, wir durchwandern die mechanischen Werkstätten, betrachten das Arbeiten der mehrspindligen Bohrmaschinen, schauen dem Zu sammenbau der Wagen in der Montone zu und erleben zuletzt das Einfahren nach der Fertigstellung. Daß Fords Borbild auch in Deutschland praftische Beachtung gefunden hat, zeigte die Berführung des Motorradbaues der Deutschen Werke in Spandau. Haselhorst, in denen die Montage ebenfalls auf Transportbändern erfolgt, auf denen das Rad, von Etappe zu Etappe laufend, allmählich fertig montiert wird, so daß es am Schluß des Transport bandes fahrtbereit die Fabrik verlassen kann. Sehr hübsch ist die bildliche schematische Darstellung der Luftdruckbremse von Knorr bei Autos. Außerordentlich spannende Szenen aus dem Automobilrennen auf Sizilien zeigten, welche ungeheure Nervenfraft notwendig ist, auf turrenreichen Straßen den stählernen Renner zum Siese zu führen. Diefer Film zeichnet sich auch durch gute Landschaftsbilder aus und ist vom ersten bis zum legten Bild von ungeheurer Spannung durchpulſt. Ein Weihnachtsmarkt in Berlin W. Was der Mensch brauch muß er haben, das war halt immer so. Der eine braucht zu Weih. nachten ein paar derbe und warme Strümpfe, der andere das neueste Barfüm. r die, welche zu der letzteren Kategorie achören, ist der Weihnachtsmarkt aufgebaut, der sein Heim im Brüdervereins haus, Kurfürstenstr. 115, hat. Bei der Eröffnung sprach man von Wohltätigkeit, die dabei und damit geübt werden soll, von der Notlage der Kunstgewerblerinnen und Spizenklöpplerinnen, denen der ist alles sehr fein und stimmungsvoll inszeniert. Fast 100 Firmen Weihnachtsmarkt ein wenig auf die Beine helfen soll. Im übrigen haben ausgestellt, und alle möglichen Beranstaltungen: Moderne Tänze, Lieder zur Baute, Kasperletheater, Modefchan, Märchenerzählungen und noch mehr sollen für Abwedfung ereb Poderhe'tung sorgen. Die ganz Bequemen übrigens tönnen auf diesem Weih nachtsmarkt den Weihnachtsbaum im Schmud laufen und zu Hause aufstellen, ohne daß sie einen Finger frumm zu machen brauchen. Wieder eine Briefmarkenausstellung. Um den Handel zu be leben, de Absatzmöglichkeit an Sammler zu vergrößern, veranstalten die Groß- Berliner Briefmarkenhändler augenblick.ch im Café König ( vormals Biella) cine inter ffante Meffe, an der sich auch auswärtige Händler betailint haben. Im Margaretenfoal find über vierzig Verkaufsstände errichtet worden, die Briefmarken mit flenen Abstempelungen, Markenpakete in allen Größen und Wohlfahrts. morfen zu Postpreisen seilbieten. Die erste Briefmarke der Welt, eine engl sche netürlich, ist in sechzig Exemplaren ver'reten. Bracht ück der Ausstellung, die unen geltlich besichtigt werden fanund sogar über eine eigene Miessezeitung verfügt, ist eine Epezialsammlung von Marken der früheren Donaumonarchie auf handgemalten Blättern, die dem Künstler fünf Jahre Arbeit gekostet haben. Jeder Käufer erhält ein hübsches Einst: ckbuch und jedem hundertsten Besucher stiftet die Messeleitung ein Weihnachtsgeschent. Das Die Eisbahn„ Einsame Pappel" an der Schönhauser Allee wird, wie das Bezirksamt Prenzlauer Berg mitteilt, beim Anhalten des Frostes Sonntag, den 14. d. M., eröffnet. Die Eintrittspreise e tragen: Für Schüler und Lehrlinge m't Ermäßigungsfarten 5 Pf., für geschlossene Klaffen unter Führung eines Lehrers 5 Pf für Schüler und Lehrlinge ohne Ermäßigungskarten 10 Pf., für Erwachsene 30 Bf., an Sonn- und Musiktagen für Schüler und Lehrlinge 20 Pf., für Erwachsene 50 Pf. pro Person. Bezirksbildungsausschuß Groß Berlin. Sonntag. ben 21. und 28. Dezember, nachmittags pünktlich 3 Uhr, im Theater bes Westend " Romeo und Julia". Preis pro Karte 90 Bf. Garderobe und Theater zettel frei. Donnerstag, den 25. Dezember( 1. Weihnachtsfeiertag). pünktlich 2 Uhr nachmittags, im Deutschen Opernhaus., Die toten Augen". Preis pro Karte 1,20 M. Garderobe frei.- Am aleichen Tage, ebenfalls 24 Uhr nachmittags. im Staatstheater Char. Garderobe und Theatergettel kei." lottenburg Boffen aus Alt Berlin". Preis pro Karte 1 Mr. Freitag, den 26. Dezember( 2. WeihWeihnachtsfeierfunde. Großstadtfrühling". Chorwerk mit Musfit, Gefang nachtsfeiertag), vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus und Tanz. Preis der Einzelfarte 1 M. Sonntag, den 4. Jannar, nadmittags 24 Uhr. im Deutschen Opernhaus„ Der Freischüs". Preis der Karte 1.20 M. Garderobe frei. Sarten für alle Veranstaltungen sind zu haben in Bureau des Bezirksbildungsausschusses. Lindenstr. 3, 2. Hof II. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 2. Verband geschäft Sorich, Engelufer 24 25( Gewertschaftshaus), in den Vorwärts der Graphischen Hilfsarbeiter. Alte Jakobstr. 5, 5. Aufa. II. Bigarrenspeditionen und bei allen Obleuten der Kreis- und Abteilungsbildungsausschiffe. Mordprozeß Haarmannn. Hannover, 13. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Nach der Mittagspause wurde in die Beweisaufnahme des Falles henne jes eingetreten, wobei es sich bekanntlich um die Ermordung des 19jährigen Arbeiters Adolf Hennjes im Dezember 1923 handelte. Haarmann, der diesen Mord stets energisch bestritten und als die Tüter Grans und Wittkowski bezeichnet hat, erklärte auch heute auf die Frage des Borsigenden: Den habe ich nicht umgebracht. Auseinandersetzung mit einem vor hätten, die sie nicht auf der Straße vornehmen könnten. Ich sollte nicht in der Wohnung bleiben und bin tatsächlich auch erst am anderen Morgen wieder in mein Zimmer gekommen. Als ich dort eintraf, lag einer im Bett. Vors.: War das nua Hennjes? Haarmann: Las weiß ich doch nicht. Es sind ja so viele durch meine ä de gegan en. Ais ich ns Zimmer trat, lachten Grans und Witkowski mich an der Witts tomsti hat über aupt so ein höhnisches Lachen: Friz. der lag doch chon im Bett als wir tamen, das bist Du gewefen." Ich sagte: Ihr feib wohl verrückt, mein Zimmer war sauber. Wo die Sachen des Jungen waren, weiß ich nicht. Nur dieser Mantel hier, der damals aber andere Knöpfe hatte blieb da und ich habe den Mantel dann zu Frau Engel runtergebracht. " Die Mutter des Ermordeten Hennjes, die Witwe Henn jes, erkennt weinend den auf dem Gerichtstisch liegenden Mantel als n ihres Sohnes wieder, der zur Zeit fines Verschwindens sehr gut gefleidet gewesen sei. Im übrigen wird festgestellt, daß Hennjes fich wiederholt cuf dem Behnhof aufgehalten und dort auch Ge= schäfte abgeschlossen hat. Lann fem die mit Spannung erwartete Bernehmung des von Hearmann des Merdes an Hennjes beschuldigten Hugo Wittkowski, der aus der Haft vorgeführt wurde. Bor seiner Vorführung mußte er seinen blauen Jackettanzug ausziehen und Strüf.innskleidung anlegen da der Verdacht bestand, daß es sich dabei um den noch immer vermißten bauen Anzug des Hennjes handelt. Die Mutter des Hennjes bekundet je och, daß der Anzug Wittkowskis von dem ihres Sol nes sich wesentlich unterscheide, ebenso der Anzug des Angeflagten Grans. Bors.( legt dem Zeugen das Bild Hennies vor): Kennen Sie diesen jungen Mcun? Wittfowsfi: Den fenne ich nicht. Vors.: Haben Sie junce Leute mit in haarmanns Woh nung genommen und haben Sie sich mal das Zimmer von Haarmann geliehen? 3euge: Nein. Seit zwei Jahren bin ich nachts in der Wohnung Haarmanns nicht gewesen und das Haus Rote Reihe 2 habe ich überhaupt nicht betreten. Bors.: Haben Sie mal jemand cusgeplündert ud umgebracht? 3eune( fehr entschieden): Nein. Bor: Kennen Sie diesen Mantel hier? 3euge: Jawohl, den fenne ich, den hat Grans bis zu seiner Brhaftung getragen. Bors: Haarmann behauptet, Gie und Grans hätten sich sein Zimmer geliehen und am anderen Morgen hätte eine Leiche im Bett gelegen. 3euge: Ich habe mir niema's Hearmanns Zimmer geliehen. ich bin zu jener Zeit überhaupt mit Grens böse gemesen und Tabe richt mit ihm gesprochen. Borf.( zu Haarmann): War WittPowsti an jenem Morgen auch im Zimmer gewesen? Haarmann: Ja ich glaube ja. Bors: Haarmann wenn Sie die beiden hier zu Unrecht belasten würden, so wäre das von Ihnen. mann( ihm ins Wort fallend) gemein, das weiß ich. Aber ich fane auch daß Wittfrwski zeimal in meiner Wohnung in der Roten Reihe gewesen ist. Fragen Sie Frau Linderer oder Frau Fobbe. Sie. fönnen mir glauben oder nicht. ich bin jedenfalls bei. Hennjes nicht der Täter gewefen. Witttowski: Ich weiß von einer Leiche par nichts. Ich habe auch nie etwas davon gehört, daß Haarmonn Menschen getötet hat. Borf: Haben Sie mit Morphium gehandelt? 3e uge( fehr entschieden): Nie in meinem Leben. Ich habe überhaupt fein Gift beseffen. Haarmann: An irnem Morren haben die Beiden mir gefaat: Das bist Du doch gemesen." A. Loze: Mo mar denn Harmann in der freichen Necht? Haarmann: Auf dem Bahnbef Grens: Das ist ja alles Lüre von Haarmenn, er will fich nur an Wittfometi rächen und es so einrichten, daß diefer nicht den Beugeneid leisten tarn. Bors: Saarmann, weshalb haben Sie denn den Beiden das Zimmer ge= geben? Haarmann( ochfelsud nd): Na, mas sollte ich denn mochen? R. A. Loze zu Wittkowski: Sind Sie verhaftet worden? Zeuge: Nein. Ich habe mich freiwillig geficit. Haar Ich habe ja auch Geld genug gehabt daß ich hätte flüchten fönnen. Laufendmal bin ich' chon an der tschechof'omatischen Grenze in Ge fiften gewesen. Ich hätte ja ron Anfong an, als haarmann verhoftet wurde, flüchten und längst über alle Berne fein fönnen, wenn ich ein schlechtes Gewiff n hätte. Hätte ich wirklich etwas begangen, dann würde ich mich auf Haarmann nie verlassen, daß er den Mund hält. Aber er hat mich um 30 000 m. betrogen. Des ist die canze Gschichte. Damit ist die Brnehmung Wittkowskis beendet. Nech dem Haarmann zu Beginn der Nachmi'tansfiguna angeneben hatte. bok er sein Pferdeft ifch außer von dem bekannten nicht auffindbaren „ Schlächterkarl" noch von vier anderen Pferdefch chtern aus seiner Gegend bezogen habe, wurden die betreffenden Schlächtermeister dann als Zeugen vernommen. Mit Ausnahme des einen Schy'ächters tannten fe fämtlich Hearmenn überhaupt nicht. 2lle behoben aber, nichts buvos am mifen, daß haarmann bei Ihnen erdh getauft habe. um Schluß der Nachmittagsfitung ben die Remelsohnahme mit den beiden Morden an dem 181hom Schloffer Erm pleder( Fall 15) und an dem Mrbeiter Setrich Roth( all 1 gt. Beide Mordteten gibt Hoarmarn munden. The Sorgenner zu diesen beiden Fällen ergibt nichts Wesentliches. Gegen 3 Uhr nachmittags wurde dann die Berhandlung auf den morgigen Montag früh vertogt Typographia. Die entscheidende Bettyxg ber unsere Ronzertreise sindet diefen Uebunea. stunde statt. Es ist Pflicht jedes Sangers, punta) zur Stelle zu sein. Arbeller! Besucht die Ausstellung der Berfiner Gewerkschaftstommission im Gemertidjojtshaus. Täglich geöffnet von 2 bis 8 Uhr Weihnachtsausstellung von Schülerarbeiten. Auch in der 37. Le bensgemeinschaftsschule zu Lichtenberg, Marft straße 12, fell den Gern und Kindern der Schule in einer Ausstellung am 15. und 16. Dezember, nachmittags 4 bis 9 Uhr, aczeigt werden, was Fleiß und Liebe unserer Kinder geschaffen haben. Die Werkfreude" wird sich ebenfalls beteiligen. Bermißt wird seit dem 11. Dezember abends die 41 Jahre alte Frau Joh. Bahr Mitt'ere Figur, blond, Keiduna dunkel, Mantei zeichnet. Zweckdienliche Angaben nehmen alle Polizeirevicre und W. Vahr, NO 55, Naugarder Straße 14, entgegen. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 11. Dezember. ge= 9 Uhr vorm. Morgenfeier. 1. Vortrag des Herrn Pfarrers Lic. Wendland: Ueber das Erwachen des religiösen Lebens in Berlin im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts". 2. Aria, Joh. Seb. Bach. 3. Abendlied. Reinberger. für Violine bearbeitet von Vogel. Mitwirkende: Alfred Fuchs( Violine). Dr. Artur Böhme( Harmonium). 11 30-12 50 Uhr nachm: Hans- Bredow- Schule( Abt. Hochschulkurse). 11.30 Uhr vorm.: Geh. Reg- Rat Prof Dr. Miethe. o. Prof. a. d. Techn. Hochschule Berlin: Die Bedeutung der Photographie". 5. Vortrag: Farbenphotograph e". 12 Uhr mittags: Professor Dr. phil. Dessoir, ordentlicher Professor an der Universität Berlin: Einführung in die Philosophie". 6. Vortrag: Was ist Wahrheit?" 12.30 Uhr nachm.: Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Ing. Brix. ordentlicher Prof. an der Technischen Hochschule Berlin: Die Stadt". 6 Vortrag: Die Entwässerung der Städte". 3-3 20 Uhr nachm.: HansBredow- Schule( Abt. Bildungskurse). Landwirtschaft und Gartenbau. Abt. Landwirtschaft. 1. Vortrag. Prof. Dr. Kurt Opitz, o. Prof. a. d. landwirtschaftl. Hochschule Berlin:„ Einfluß der odenbearbeitung auf das Pflanzenwachstum". 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Irische Märchenpha tasien. 1. Das stille Volk. 2. Prinzessin Springwasser. 3. Die Reise nach dem Mond. 4. Das Elfenkönigsstück. aufgestöbert von E. Stemman.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler) 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.30-7.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule Literatur und Kunst. 6 30 Uhr abends: Abt. Bildungskurse). Dir. Rosenhain: .Neue deutsche Dichter". 1. Vortrag Deutsche und außerdeutsche Einflüsse auf die Gestaltung der neuen Literatur". 7 Uhr abends:( Abtoilung Hochschulkurse). Prof. Dr phil. Bock: Deutsche Kunsterziehung" 7.30 Uhr abends: Vortrag des Herrn Oberstudiendirektors Rohrberg: Wie liest man die Weihnachtszensur?" 8 Uhr abends: Vortrag des Geh. Reg.- Rat Prof. Dr Hans Delbrück: Der Kampf um die Schuldfrage": 8.30 Uhr abends: Veranstaltung der Jugendarbeitskreise, Hilfe". 1. Rosenarie aus der Oper Die Hochzeit des Figaro", Mozart( Genia Guszalewicz von der Berl. Staatsoper). 2. a) An Alle, Walt Whitman, b) Wiegenlied, bei Mondschein zu singen, Matth. Claudius( Gertrud Eysoldt. Rezitat.) 3. a) Romanze in F- Dur, Beethoven, b) Menuett in G- Dur. Beethoven( Alfred Wittenberg, Violine. 4. Ansprache eines Mitgliedes der Jugendarbeitskreise„ Hilfe". 5. a) Morgen, Strauß, b) Ein Spielmann, Schillings. c) Mutter an der Wiege. Loewe ( Genia Guszalewicz). 6. a) Das Maß der Dinge. Franz Wertel, b) Zwei Stücke aus Grashalmen. Walt Whitman( Gertrud Eysoldt). 7. a) Andantino von Padre Martini, Kreisler, b) Am Springbrunnen, Schumann( Alfred Wittenberg. Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 14. Dezember. ― 11.30-12.50 Uhr nachm( Welle 2800.) Konzert der Hauptfunkstelle. Mitwirkende: Ruth Berglund, Alt( Volksoper); Hedwig Soldan Eschelmann. Sopran( Nationaltheater Mannheim), Koos Bronsgeest. Bariton( Nationaloper Haag); Magda Schmidt, Violine. Am Flügel: Kapellmeister Kurt Soldan. 1. Largo, Händel( Rut Berglund, Magda Schmidt, Kapellmeister Kurt Soldan). 2. Gott sei mir gnädig aus Paulus". Mendelssohn( Koos Bronsgeest). a) Canzonetta, Dambrosie, b) Wiegenlied, Reger( Magda Schmidt). 4. a) Ave Maria. Schubert, b) Von ewiger Liebe. Brahms( Ru h Berglund. 5. Ungarischer Tanz, Brahms( Magda Schmidt 6. a Gesang Weylas, Hugo Wolf, b) Liebesfeter, Weingartner( Ruth Berglund). 7. Alt Wiener Lied. Kreisler( Magda Schmidt). 8. a Zuneigung. Strauß, b) Traum durch die Dämmerung, Strauß, c) Heimliche Aufforderung. Strauß( Koos Bronsgeest). 9. Menuett, Czerwonky( Magda Schmidt). 10. Duette: a) Die Meere, Brahms, b) Weg der Liebe, Biahms. c) Die Boten der Liebe, Brahms( Hedwig Soldan- Eschelmann und Ruth Berglund). Montag, den 15. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik Berl. Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe: Im Kampf gegen das Verbrechertum. 7. Vortrag Kriminalkommissar Dr. Riemann:„ Internationale Taschendiebe und ihre Arbeit. 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.50 Uhr abends: Har s- Bredow- Schule( Abteilung Bildungskurse). Medizinische Vorträge. 3. Vortrag. Prof. Dr. Ludwig F. Meyer: Aerzliche Winke bei der Erziehung des Klein kindes". 8.30 Uhr abends: Sonderveranstaltung der Funkstunde. 1. Gedichte von Goethe: a Der getreue Eckart, b) Harfenspieler, c) Der König von Thule d) Kophtisches Ined, e Künstlers Recht( Friedrich hayßler, Rezitation). 2. a) Mein Aufenthalt. nolds, Alt). 3. a) Rondo, W. A. Mozait, b) Menuett, N. Po pora Schubert, b) Fischerweise. Schubert( Eleanor Schloßhauer- Rey( Hans Bassermann( Violine). 4. Chinesische Lyiik: a) Der Abschied des Freundes. Wang- Wei. b) Die jungen Mädchen von Geist. Wang- Tschang- Ling. c) Der Verbannte, Thu- Fu, d) Der Kaiser, Thu- Fu. e) Das weiße Blatt Papier, Tschang- Tsi, f) Mond und Menschen, Tschang- Yo- Su, g) Hofdamen, Thu- Sin- Vu. g) Die droi Prinzessinnen, La- Kju- Feng, i) In der Fremde, Li- Tai Po, k) Die ewigen Lettein. Li- Tai- Po. 1) Trinklied vom Jammer der Erde, Li- Tai- Po)( Friedrich Kayßler( Rezitation). 5. a) Sapphische Ode, Brahms, b) Immer leiser wird der Schlummer, Brahms, c) Verschwiegene Liebe. H. Wolf( Eleanor SchloßhauerReynolds, Alti. 6. a) Nocturne, H. W. Ernst, b) Romanze Andalus, P. de Sara- ate, c) Valse Caprice, H. Wieniawski( Hans Bassermann, Violine). 7. Fabeln und Märchen: a) Löwe und Hase, Lessing, b) Die Sperlinge, Lessing, c) Der Dornbusch, Lessing. d) Schäfer and Nachtigall, Lessing, e) Die Furien, Lessing( Fabeln), f) Der Wassertropfen. Andersen. g) Es ist ganz gewiß, Andersen( Märchen) ( Friedrich Kayẞler. Rezitation), Andersen. Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10 30 Uhr abends Schachfunk Herr Nebermann. ( Ranarien- Ausfledung. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Berliner Kanattenzüchter Verein Edelroller bom 18. bis 15. Dezember im Sugenoneim, thenower Straße 8, Ede Ceydligitiaße, eine große Sanarien- Ausstellung. Ausgestellt sind in der Selbstzucht AQ. gemeine und Verkaufsklasse. Um das Interesse für den Kanarienvogel zu jo: bern, ist jedem Besucher der Ausstellung die Möglichteit geboten, einen guten Stanattenvogel gratis zu erwerben. Eine japanische Dampferkatastrophe. " Bei stürmischem Wetter ist der Dampfer Kwanto maru ieiner Bejagung von 150 Mann untergegangen. auf der Höhe von Tiuraga nach einer Meldung aus Tokio mit einem Kriegesdunft gerettet. 40 Mann sollen gelandet iein. Das Echicial der übrigen ist unbekannt; acht Leichen wurden an Land gespült. 99 Vorträge. Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefchäftsfte e Berlin G 14 Gebastianftr. 37/38 Sof 2 z Die Fahnenweihe der Kameradschaft Prenzlauer Berg des Reichs. bannets ,, Schwaz- Rot- Gold" findet am Sonnabend, den 20. b. M.. abends 7 Uhr im Saalbau Friedrichshain am Königstor statt. Ihre Mit. wirkung haben Mitglieder der beiden Staatstheater zugesagt. Orgeltonzert und Männergefana werden die Feier verschönen helfen. Die Jugendgruppe wird an diesem Abend zum erstenmal zeigen, was das Reichsbanner bisher auf sportlichem Gebiet geleistet hat. Damit auch die Jugend auf ihre RechDer Eintrittspreis beträgt 75 Pf. nung fommt, ist nach Beendigung der offiziellen Feier ein Ball vorgesehen. Kameradschaft Friedrichshain: Montag. den 15. d. M., abends 7% Uhr, Mitgliederversammlung. Fruchtstr. 36a. Tages. ordnung: Borstandswahl. Kameradschaft Köpenick und Untergruppen: Montag, ben 15. d M.. abends ½ Uhr, im Jugendheim Köpenick. Grünauer Straße 5, wichtige Vorstandssigung. Augführer und sämtliche Unterkassierer müssen bestimmt erscheinen. Kameradschaft Kreuzberg, Jugendgruppe 1: Montag den 15. b. M., abends 7% Uhr, Bersammlung im Restaurantur Schneekoppe", Arndt-, Ecke Rostiastraße. Same: adschaft Bankow: Montag, den 15. d. M., abends 8 Uhr, Uebungsabend in der Turnhalle Wollant. ftraße 131. Kamerabschaft Weißensee: Montag, den 15. d. M., abends 7% Uhr, im ,, Grünen Baum", Berliner Alice 204. Uebungsstunde der Jugendbameraden. Erscheinen aller älteren Rameraden erwünscht. Kamerab. fchaft Prenzlauer Berg: Alle Kameraden, die an der Fahrt nach Wartenberg teilgenommen haben, müssen Montag abend 8 Uhr in der Turnhalle sein. Mitgliebstarten müssen mitgebracht werden. Der Gängerchor Bohnsdorf( M. b. A.-G.-B.), Männerchor und ge mischter Chor", wird unter seinem Chormeister Herrn Franz Sühring am Sonntag, den 14. Dezember, nadm. 4 Uhr, in der Aula der Ge meindeschule in Bohnsdrof ein Wohltätigtei stongert veranstalten. Als So. listen wirken die Serren Reicher( Geige) und 8fchirnt( Klavier) mit. Der Erlös foll restlos den Invaliden, Witwen, Waisen und Armen des Ortes zugute kommen. Der Berliner A beiter- Schach lub eröffnet am Sonntag, den 14. Dee ember, in Ewalds Vereinshaus Staliger Str. 126, Nähe Rottbuser Tor, ein neues Edad heim. Das Seim ist Sonntags von vormittags 10 Uhr bis abends 11 Uhr geöffnet. Jedermann hat dort Gelegenheit, Schach zu spielen und zu erlernen. Am Sonntag, den 14. Dezember, abends 7 Uhr. wird Meister Gaffarizik( Jena) fimultan fpielen. Teilnahme und Eintritt für Jedermann frei. Stadspieler. Der Berliner Arbeiter- Schadflub eröffnet in Neukölln, Warthe ft r. 48, bei Selmte, eine neue Abteilung. Spieltag Dienstags. Unterricht wird an Jedermann unentgeltlich erteilt. 7 Arb.- Nadf.- Bund Solidarität". Ortsgr. Neukölln. Sonntag, ben 14. De zember, nachmittags pünktlich 1 Uhr, im Etablissement Karlsgarten, großer Saal, Jahreshauptversammlung. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. 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Dann wurde in der Beweisaufnahme fortgefahren und zunächst der Reichstagspräsident und Staatssekretär a. D. Wallraf vernommen, der darüber aussagen soll, ob durch den Eintritt der SPD. der Streit verschärft worden sei. 3euge: Dem Streifende gingen zwei Sigungen des Hauptausschusses voran, die damit zu= sammenhingen. Am 22. tam Herr Kühlmann aus Brest- Litowit, der über die Verhandlungen berichtete. Angeblich war wegen dieser Berhandlungen der Streit der österreichischen Munitionsarbeiter ausgebrochen. Bors.: Damals hielt Herr Ebert die Rede, die wir vers Tefen wollen. Es handelt sich um die bekannte Rede des damaligen Abgeordneten Ebert. der erklärte, daß das Auftreten des Generals Hoffmann in Brest- Litowst zum Streif der österreichischen Arbeiter geführt habe, der in Budapest und Wien blutige Kämpfe im Gefolge gehabt habe. In Prag soll die Revolution ausgerufen worden sein. Der Redner wandte sich scharf gegen die deutsche Zensur, die alle Nachrichten über diese Dinge unterdrückt habe, so daß die wildesten Gerüchte umherliefen. Der Vorwärts" sei gestürmt worden um Nachrichten, und habe sowohl, wie andere Zeitungen, die Rede Cernins gebracht, als auch Mitteilungen Ablers in Wien. Es sei unerhört, daß man die deutsche Presse so tnebele und es fei ein Fauftschlag gegen die öffentliche Meinung. daß man den Borwärts verboten habe. Die Sozialdemokratische Partei begrüße das Vorgehen der österreichischen Arbeiter, erkläre sich solidarisch mit ihnen und werde alles einsehen, um einen Frieden des Rechts zu erzwingen. Beige Wallraf: Scheidemann erklärte dazu, daß die Situation in Deutschland der in Desterreich sei und schloß mit den Worten: „ Wir drohen nicht, aber wir warnen Sie. Am 26. Januar tagte der Hauptausschuß wieder und der Abge. ordnete Naumann berichtete von Flugblättern, die zum Massenstreit aufriefen. Ich begab mich zum preußischen Ich begab mich zum preußischen Minister des Innern, um zu hören, ob Dr. Drews glaubte, daß der Streif fommen werde. Er glaubte das nicht, aber am 28. fam der Streif. Dann wünschten die Herren Ebert und Scheidemann als Vertreter des Affionskomitees des Arbeiterrats, mich zu sprechen. Am 29. mar Ministerrat unter dem Grafen Hertling. Ich hörte, dak Herr Scheidemann mich mit streifenden Arbeitern sprechen wollte. Scheidemann bat mich ans Telephon und sagte, er tomme um 12 Uhr ins Reichsamt des Innern. Ich sagte: Erlaffen Sie mir die peinliche Aufgabe, die Streifenden hinausweisen zu laffen. Trotzdem tamen die Herren und ich ließ ihnen durch Ministerialdirektor Lamman sagen, ich möchte Scheidemann allein sprechen. Scheidemann antmortete, er tönne sich von den Streifenden nicht trennen. Am 2. Februar fand dann der Streit sein Ende auch wohl durch das scharfe Borgehen des Oberbefehls. habersinden Marken. Ich möchte hinzufügen, daß Ledebour in feinem Buch fagt, daß diefer Streit Sie erste ernsthafte revolutionäre Bewegung gewesen sei, die aber nicht zum Ziel führte, weil die Regierung zu start war. Herr Ebert ist nach Außen hin beim Streit nicht hervorgetreten, aber er befand sich in der Streifleitung entsprechend seiner Stellung in der Partei. Borf.: Wurde durch Eintritt der Sozialdemokratie der Streif verkürzt? 3euge: Im Plenum des Reichstages ift am 26. Februar 1918 verhandelt worden. Scheidemann griff mich scharf an und ich hielt ihm entgegen, daß die Zahl der Streifenden 180 000 bis 200 000 Letragen habe. Der Vorwärts" hat die Zahl der Streifenden auf 300 000 angegeben. " R.-A. Dr. Landsberg: Der bonerische Minister des Innern soll der Sezialdemokratie seinen Dank ausgesprochen haben, daß sie in die Streifleitung eingetreten ist. 3euge: Das hat mir Scheidemann ja auch entgegengehalten. Das war aber nicht meine Auffassung. Die Enttäuschten. Sonntag, 14. Dezember 1924 Bitte, die Nerven besser im Zügel zu halten. R.-A. Bindewald: Es haben sich die Christlichen und| Lebens bedeuten. Er richtete schließlich an die Sozialdemokraten die Hirsch- Dunderschen Gewerkschaften gegen den Streif erflärt. Glauben Sie, daß der Streit eingedämmt worden wäre, wenn die Sozialdemokratie sich dagegen erflärt hätte? 3euge: Ich bin der festen Ueberzeugung, daß dann der Streif start eingedämmt, wenn nicht gar verhindert worden märe. Vors Herr Scheidemann fagte aus, daß Herr Abg. Giesberts versucht hat, Sie zu bewegen, Herrn Scheidemann zu empfangen. 3euge: Das fonnte meine Entschlüsse nicht ändern. R.-A. Bindewald: Ist die Regierung Streit überrascht worden? 3euge: Doch nicht so ganz. Denn die aufreizenden FlugBlätter waren uns ja bekannt. von dem Ein Beisiger: Bar Herr Ebert noch im Hauptausschuß, als die Flugblätter verlesen wurden? Beuge: Herr Echeidemann war nach der Anwesenheitsliste da. Ob Herr Ebert da war, weiß ich nicht, aber ich muß sagen, daß nach den Erklärungen des Herrn Scheidemann im Hauptausschuß die Sozialdemokratie von dem Streit doch nicht überrascht sein tonnte. R- A. Dr. Landsberg: Können Sie uns fagen, daß die Neutralität der Gewertschaftstommiffion für den Streit bedeutete, daß die Streifenden feine Unterstützung befamen? Reuge: Wenn die Neutralität gehalten wurde, jawohl geschränkt worden sein, wenn die Sozialdemokrafie noch am 29. JaGeneralstaatsanwalt: Würde der Streit auch einnuar gewarnt hätte? nach 3euge: Die Antwort ist nicht ganz leicht. Meiner Meinung R.-A. Heine: Wir haben nichts dagegen, wenn Sie objektiv bleiben. Das gilt auch für die von Ihnen benannten Zeugen Borf: Es ist ja foum möglich für die Zeugen, objektiv zu sein. R.-A. Dr. Landsberg: Sind nicht im Kohlrübenwinter 1917 schon Flugblätter verbreitet worden, die zum Streif aufriefen? 3euge: Aber nicht zum Massenstreit. die fich gegen die„ Durchhalter“ und„ Scheidemänner" richteten? R. A. Heine: Doch! Kennen Sie die Spartatusbriefe, Weshalb wurden wir denn angegriffen? 3euge: Das werden Sie doch besser wissen. R.-A. Heine: Wir wollen es aber von Ihnen hören. 3euge: Ich weiß, daß gegen Sie Vorwürfe erhoben wurden. R.-A. Heine: Und welche? 3euge: Das weiß ich nicht. R.-A. Heine: Wissen Sie nicht, daß wir wegen der Baterlandsverteidigung und nationalen Einstellung angegriffen wurden? 3euge: Ich fenne die Briefe nicht allzu genau, ich weiß aber, daß die Sozialdemokratie wegen ihrer Zustimmung zu dem Kriegstredit angegriffen wurde. R.-A. Heine: Sie sind nicht fo informiert, wie ich glaube. Das Gericht verlas dann eine Rede Wallrafs im Reichstag im März 1918, in der er ausführliche Mitteilungen über die bolfchemistische Propaganda in Deutschland machte, die zu Streif in allen Betrieben aufgefordert hat, um den Krieg zu be= enden. Wallraf erklärte damals, daß die Streifs sowohl in Berlin als im Reiche gleichzeitig eingelegt haben, und daß eine ausgedehnte Organisation bestanden haben müffe, angefacht von der bol. chemistischen Welle, die über Desterreich nach Deutschland gekommen sei. Der Redner gab damals im Reichstag eine eingehende Schilderung der gescheiterten Berhandlungsversuche mit den Abgeordneten der Sozialdemokratischen und der Unabhängigen Bartei. Er legte die Gründe dar, die es der Reichsregierung unmöglich machten, mit streitenden Arbeitern über politische Fragen zu ver. handeln, die nur vor das Forum des Reichstages gehörten. Ein folcher Schritt würde letzten Endes die Atomisierung des politischen REICHS KANZLE Noch immer nicht!" Heute noch keine Verteilung Von Portefeuilles! Agenten über die Hintertreppe O.KOESTER R.-A. Dr. Martin: Welche Wirkungen hatte der Streit auf das Ausland? 3euge: Der Streit ist für uns ein sehr schwerer Schlag ge wesen. R.-A. Dr. Landsberg: Englische Zeitungen warnten die Arbeiter, nicht in die Falle zu gehen, die Herr Wallraf zusammen mit Kessel und den Mehrheitssozialisten den englischen Arbeitern stellte, ihrem Beispiel zu folgen. 3euge: Das Ausland mußte unter dem Eindrud stehen, daß der Rüstungsstreit den Zusammenbruch des Krieges bedeutete. Unfere gangen politischen Dispositionen wurden gestört. R.-A. Heine: 3ch möchte nochmals feststellen, daß Here Ebert auch erklärt hat, daß er den Streit für ein großes Unglüd hält. Ist dem Zeugen bekannt, daß das Flugblatt, das zu dem Massenstreit aufforderte und von Spartatus stammt, heftige Angriffe gegen die Sozialdemokratie enthielt? Zeuge: Ich habe ja damals im Reichstage gesagt, daß meiner Anficht nach das Ausland den Streit inszeniert hat, und daß es sehr wenig Bedeutung gehabt hätte, wenn die Sozialdemokratie nicht für ihn eingetreten wäre. R.-A. Dr. Martin: Ist Herrn Ebert von Ihnen nahegelegt worden, nicht ewig auf Erfüllung der zugefagten innerpolitischen Reformen zu drängen, da das uns dem Ausland gegenüber schädige? 3euge: Herrn Ebert gegenüber wohl nicht. R.-A. Dr. Landsberg: Ist nach Ihrer Ablehnung eines Empfangs der Arbeiter nicht erklärt morben, man wolle die poli. tischen Forderungen fallen lassen und nur über Ernährungsfragen verhandeln? 3euge: Das ist so wohl nie der Fall gewesen. Denn mir fam es ja mur darauf an, die hochpolitischen Forderungen auszufchatten. Beis. Landgerichtsrat Schulz: In seinem Buch fagt Herr Scheidemann, daß er Ihnen habe fagen lassen, man wolle alle Fragen ausschalten, bis auf die Frage des Versammlungsverbotes. 3euge: Das fann unmöglich stimmen. General v. Stein als Zeuge. Darauf wurde General der Artillerie D. Stein, ber ehemalige Kriegsminister vernommen. Vorf.: Die Verteidigung be hauptet, daß die SPD. Seit 1916 zielbewußt die Maßnahmea der Landesverteidigung durchkreuzt habe. Zeuge: Darüber kann ich nichts sagen, da die Partele leitung der SPD. mich zu ihren Sigungen nicht erlud. Schwierigfeiten gab es genug. Wenn Zeitungsverbote tamen, richtete man heftige Angriffe gegen uns. Als eines Tages eine Metallarbeiter. verfammlung stattfinden sollte, fam ein Beauftragter der Sozial demokratie und bat uns, die Versammlung zu verbieten, da ihr rechter sozialistischer Fügel von der Radikalen an die Wand ge drückt werden sollte. Ich verbot die Versammlung und wurde dar auf von Scheidemann im Reichstag scharf angegriffen. Das ver. stand ich nicht. Die Sozialdemokratie erhob auch scharfe Angriffe gegen uns wegen der Frage des Baterländischen Unterrichts. Bors.: Wissen Sie, ob durch Eintritt der Sozial. demokratie die Streiflage verschärft wurde? Beuge: Das war das Reffort des Generals Gröner. Ich fennte natürlich am besten entscheiden, was ein Munitionsstreit für die Armee bedeute. Mir ist es oft passiert, daß an der Somme die Leute einen baten:„ Exzellenz, lassen Sie die Artillerie schießen. Da frampfte sich einem das Herz zufammen, denn wir mußten mit der Munition haushalten. Dr. Londsberg: Wurde der Baterländische Unter. richt nicht angegriffen, weil annegicrist sche Forde. rungen dabei eingeflochten wurden? 3euge: Nein. Er wurde im ganzen angegriffen. Dr. Landsberg: Ich habe selbst eine Interpellation eint gebracht und nichts gefordert, als daß die Spaltung der Armee durch annexionistische Forderungen verhindert werde. 3euge: Wenn Sie es fagen, glaube ich es. R.-A. Heine: Wir haben off miteinander gesprochen, fanden Sie nicht auch, daß ich fiets auf dem Boden der Baierlandsverteidigung stand? 3euge: Ich muß aber betonen, daß unsere Weltanschauungen fehr weit auseinandergingen. Es handelte sich um einen Artikel Marimilian Hardens, den man verstehen fonnte, wenn ein Franzole ihn geschrieben hatte. Sie meinten dumals, es merde im Ausland einen guten Eindrud machen, wenn man sehe, daß es bei uns noch Meinungsfreiheit gebe. R.-A. Bindewald: Ist durch den Januarftreit der Plan der Offensive gegen Amiens verzögert worden? 3euge: Das ist eine Entscheidung, die die Oberste Heeresleitung treffen tonnte. Ein Vertreter des Kriegsdepartements als Zeuge. Hierauf wurde Generalmajor a. D. v. Wriesberg vernommen, Der 1918 das allgemeine Kriegsdepartement im Kriegsministerium leitebe. Auf die Frage des Borf., eb der Reichspräsident die Landesverteidigung geschädigt habe, erklärt der 3euge: Jeder Tag Arbeitsausfall in der Rüstungsindustrie war nie mehr aufzuholen. Der Krieg war nur noch eine Munitionsfrage geworden. Man stelle sich vor, was das bedeutete, wenn die Mu nition ausging. Der Streit in Deutschland mußte bei der Entente Zuversicht auslösen, Welchen Einbrud mußte das auf die Soldaten machen, wenn sie erfuhren: Die Heimat läßt uns im Stich. Schieß hich tam noch die Gefahr hinzu, daß durch den Streit die Ar. beiter weiter radikalisiert wurden. Die Presse der SPD, hat sich während des Krieges jedes Verfuches enthalten, die Stimmung zu heben. Dann die Angriffe im Parlament: Man dente fich, daß sozialistische Abgeordnete, wie Herr David, in der Uniform des Feldwebels gegen den Kriegsminister anging. Das mußte die Disziplin erschüttern. Bors: Das war doch aber wohl faum von Herrn David beabsichtigt. Zeuge: Der Kriegsminister mußte erfahren, was für schlechte Rerle seine Offiziere waren. Generalstaatsanwalt: as hat das mit Herrn Ebert zu tun? Zeuge: Ich erinnere an Herrn Ströbel, der erklärte, daß ein Sieg des deutschen Heeres nicht dem Intereffe der Sozialdemo fratie diene. Dr. Landsberg: Wenn Sie damit kommen, vergessen Sie nicht den Feldzug der Rechten gegen Herrn n. Bethmann Hollweg. Borf.: Das hat doch mit dem Brozeß alles nichts zu tun. 3euge: Die Sozialdemokratie hat bis 1915 oder 1916 ab gelehnt, fich an der militärischen Jugendausbildung zu beteiligen. R.-A. Heine: Wissen Sir, daß die sozialistische Jugend gleich zeitig aufgefordert worden ist, sich in den Arbeiterturnvereinen zu ertüchtigen? Zeuge: Nein, das weiß ich nicht! Ueber die Vorgänge im Kriegsministerium während des Munitionsarbeiterstreits vermochte der Zeuge nichts anzugeben. R.-A. Landsberg: Wenn die Munition in Deutschland so Inapp war, wie war es dann möglich, daß Stahl nach der Schweiz ausgeführt wurde, den wir auf den Schlachtfeldern als franzöfifche Munition wiedertrafen? Vors.: Wir haben wohl Lebensmittel dafür erhalten. Generalstaatsanwalt: Das gehört auch nicht hierher. 3euge: Ich muß das überhaupt bestreiten, denn die Ausfuhr hätte durch meine Hände gehen müssen. " R.-A. Heine: Ich muß Ihnen vorhalten, daß ich über das Thema Durchhalten im Vorwärts" geschrieben, daß andere bekannte Sozialdemokraten im gleichen Sinne in anderen Parteis blä tern schrieben und daß Herr Ebert darüber öfter im Reichstag gesprochen hat. Zeuge Wriesberg: Ich habe die sozialistischen Blätter gar nicht gelesen und weiß das nur aus Berichten. R.- 2. Martin: Ist Ihnen bebant, daß Herr Schlicke, der Berbindungsmann der SPD., aus dem Kriegsamt verschwand, ats der Streif ausbrach und erst zurückkam, als der Streit vorbei war? 3euge: Das ist richtig, und es sind ihm heftige Vorhaltungen deswegen auch gemacht worden. General v. Wriesberg ging dann noch auf eine Rede des Reichspräsidenten im Hauptausschuß aus dem Juli 1917 ein, in der sich der Reichspräsident im wesentlichen mit den schlechten Ernäh rungsverhältnissen und mit dem Mißerfolge des U- Boot Krieges beschäftigte. Er zog aus dieser Rede die Folgerung, daß der Reichspräsident da mit dem Lande geschadet habe. Staatsanwalt Doßmann: Wenn Sie behaupten, daß diese Rede Deutschland geschadet habe, so ist es doch notwendig gewesen, daß fie auch öffentlich bekanntgeworden ist. Ist denn das der Fall gewesen? 3euge: Nein, das allerdings nicht. Ich möchte aber noch folgendes betonen: Eines Tages ist ein Beauftragter der Sozialdemofratischen Partei zu uns gefommen und hat um die Festnahme der Rosa Luxemburg oder einer anderen Frau ersucht. Wir haben die Verhaftung vorgenommen. Ich war um so erstaunter, als es gerade Herr Ebert war, der dann im Reichstag uns deswegen scharf angriff und den Fall zur Sprache brachte, mit der Einleitung: Noch ein Wort zum militärischen Terror." R.-A. Landsberg: Wer war denn dieser angebliche Beauftragte der Sozialdemokratie? Beuge: Das weiß ich nicht! R.-A. Dr. Landsberg: An dieser Geschichte dürfte objettio fein wahres Wort sein. Reichskanzler a. D. Fehrenbach als Zeuge. Dann erfolgte die Zeugenvernehmung des ehemaligen Reichsfanzlers Fehrenbach, der während des Krieges von Mitte 1917 bis zum Juli 1918 Borfizender des Hauptausschusses gewesen ist. Der Zeuge erklärt jedoch, daß er sich ohne Unterlagen an die damaligen Borgänge nicht mehr erinnern könne. R.-A. Heine: Erinnern Sie sich vielleicht noch der Situation nach der Rede Eberts im Juli 1917? Zeuge Fehrenbach: Die Gesamtfituation ist mir selbstverständlich noch klar. Jm Januar wurde der uneingeschränkte U- BootKrieg gegen den Willen Bethmanns und Helfferichs beschlossen. Herr v. Capelle war ja tamals der Ansicht, daß der uneingeschränkte U- Boot- Krieg in sechs Monaten unsere Gegner auf die Knie zwingen werde und daß Amerita niemals in der Lage sein werde, Truppen nach Europa zu schaffen. Nach Ablauf der sechs Monate zeigte es fich freilich, obwohl unsere U- Boote wahre Wunder von Tapferteit verrichteten. daß die Entscheidung, wie sie Capelle erhofft hatte, nicht eingetreten sei. So ist dann die Friedens: resolution zustandegekommen, um beretmillen ich mit meinem Frattionsfollegen Erzberger in Differenzen fam. R- A. Heine: 3ft Ihnen bekannt, daß die Politik der Sozialdemokratischen Partei der Landesverteidigung abträglich gewefen ift? 3euge: Ich fann nur fagen, daß die Sozialdemokratie in ihrer großen Mehrheit ich sehe von der Absplitterung abfo vaterländisch gesinnt gewefen ist, wie nur irgendeine andere Partei. Ich bin auch der Meinung, daß die ganze revolutionäre Stimmung im November 1918 nicht getragen war von der Mehrheitssozialdemokrasie. Ebert hat mir selbst auch einmal erzählt, daß er mit Gewerkschaftsführern in dieser Zeit bis in die tiefe Nacht verhandelt hat, um den Generalftreit oder eine revolutionäre Bewegung zu verhindern. R.-A. Dr. Martin: Herr Zeuge, man behauptet, daß die Streitbewegung eine Lamine gewesen fei, der man sich nicht habe entgegenstellen tönnen. Ist Ihnen bekannt, daß Ihr Fraktionsgenosse Herr Stegerwald in Wilhelmshaven durch sein Eintreten einen Streit verhindern fonnte? 3euge: Das ist mir unbekannt. Gröner über die Sozialdemokratie. Darauf wurde Reichsminister a. D. Gröner vernemmen, der folgendes ausfagte: Mir ist nicht bekannt, daß die Sozialdemokratie irgendwie die Landesverteidigung geschädigt hat. Im Gegenteil, ich habe stets für Landesverteidigung bei Herrn Ebert das vollste Verständnis gefunden. R.-A. Heine: Wissen Sie etwas über die Tätigkeit Herrn Eberts für den Zusammenhalt des Heeres nach dem Zusammenbruch? Beuge: Jawohl. Der jezige Reichspräsident Ebert hat alles getan, um die Forderungen der Obersten Heeres. leitung durchzuführen. Herr Ebert hat demals im engsten Einvernehmen mit uns täglich die Lage durchgesprochen und sich bemüht, alles durchzusehen, was wir anregten und empfahlen. TYPOGRAPHIA. Achtung Sänger! Am Dienstag, den 16 12. nach der Uebungsstunde Entscheidende Besprechung über unsere Konzertreise Alle arbeitsfreien Gänger haben un bedingt zu erscheinen. Der Borstand. URANIA Tauben str. 48/49 > onntag, den 14. Dez r.. 5 Uhr: Dr. Helene Fernau: ..Bei Deutschen und Indianera in Chile". Sonntag, den 14 Dez. 64 Ur Erich von Salzmann: China u. Japan im Wettbew. um d.Macht im Still. Ozean n. eie deutsch. Interessen Am 14 und 16 Dezbr. 8½ Uh. Emma Kortmann: ,, Durchs Böhmerland". Ab 15 Dez m. er täglich Uraufführung: ,, Die Gefahren der Großstadt"( Film) Am 15. Dez.. 8 Uhr anläßlich des 1. Filmabends der De sc en Turnerschaft: v 120 Goldmark an Ständiges Lager von über 150 Standuhren in allen Holz- und Stilarten Schriftl. Garantie Büro- u.Ladenuhren Wand- u Küchenuhr. Stopp- u. Autouhren Glash. Lange- Uhren 14 Karat Gold- Armband- Uhren sowie Herren- Uhren Gold. Trauringe Juwelen. 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Mir ist ein Brief bekannt, in dem Exzellenz Hindenburg an Herrn Ebert schrieb, auch er sei genau so, wie Herr Ebert gern bereit, gewisse Empfindun gen und Wünsche zurückzustellen zum Wohle des Vaterlandes und mit ihm zusammen zu arbeiten. Ein Brief Hindenburgs an Ebert. R.-A. Landsberg: Können Sie bestätigen, daß der Brief Hindenburgs vom 8. Dezember 1918 in seinem Anfang folgenden Wortlaut hat: Sehr geehrter Herr Ebert! Wenn ich mich in nachstehenden Zeilen an Sie wende, so fue ich dies, weil mir berichtet wird, daß auch Sie als treuer deutscher Mann Ihr Vaterland über alles lieben unter Hintanstellung persönlicher Meinungen und Wünsche, wie auch ich es habe tun müssen, um der Not des Vaterlandes gerecht zu werden. In diesem Sinne habe ich mich mit Ihnen verbündet zur Rettung unseres Volkes vor dem drohenden Zusammenbruch. Ich möchte Sie erinnern an Ihren Aufruf vom 9. November, in dem es heißt: „ Die neue Reichsregierung fann ihre Aufgabe nur erfüllen, wenn alle Behörden und Beamten in Stadt und Land ihre hilfreiche Hand bieten. Ich weiß, daß es vielen schwer werden wird, mit den neuen Männern zu arbeiten, die das Reich zu leiten übernommen haben, aber ich appelliere an Ihre Liebe zu unserem Bolte. Ein Versagen der Organisation in dieser schweren Stunde würde Deutschland der Anarchie und dem schredlichsten Elend ausliefern. Helft also mit mir dem durch furchtlofe und unverdroffene Weiterarbeit, eine jeder auf seinem Posten, bis die Stunde der Ablösung gekommen ist." Hierfolgen mehrere Punkte, die sich auf die Disziplin im Heer und die Notwendigkeit einer baldigen Berufung der Nationalverfammlung beziehen. Dann heißt es weiter In Ihre Hände ist das Schicksal des deutschen Boltes gelegt. Don Ihrem Enfschluß wird es abhängen, ob das Deutsche Reich) noch einmal zu neuem Aufschwung gelangen wird. Ich bin bereit, und mit mir das ganze Heer, Sie hierbei rückhaltlos zu unterstützen. Wir alle wissen, daß mit diesem bedauerlichen Ausgang des Krieges der Neuaufbau des Reiches nur auf neuen Grundlagen und mit neuen Formen erfolgen tann. Was wir wollen, ist, die Gesundung des Staates nicht dadurch auf Menschenalter hinauszuschieben, daß zunächst in Verblendung und Torheit jede Stütze unferes wirtschaftlichen und sozialen Lebens vollkommen zerstört wird.... gez. Hindenburg. 3euge: Ich kann die Richtigkeit dieses Briefes vollkommen bestätigen. Die Aussage des Genossen David. Der folgende Zeuge, Reichsvertreter und Reichsminister a. D. Dr. David, wurde dann zu den Behauptungen des Zeu= gen Kloth über eine 2 enderung der Politit der Go zialdemokratie während des Krieges gehört. Der Zeuge erklärbe, eine solche Behauptung, entspricht teineswegs den Tatsachen. Die sozialdemokratische Reichstagfrattion hat auch nach Ausbruch der russischen Revolution noch wie vor an der Landesverteidigung und Bewilligung der Kriegskredite festgehalten. Herr Ebert hat das damals in der Deffentlichteit selbst vertreten mit der Begründung, daß wir weiter bewilligen müßten, da auf der anderen Seite der Friedenswille fehlte. Herr Ebert ist auch, stets den Peilimisten entgegengetreten und er hat klar und deutlich gesagt. daß ein Friede um jeden Breis gar nicht in Betracht fammen fönne. Er hat nie die Hoffnung aufgegeben, daß die Situation, auch die militärische fich noch einmal festigen tömme. Als dann der Zusammenbruch in Cefterreich und der Türkei fam, als das Bersagen der Obersten Heeresleitung eintrat, war die Mehrheit der Fraktion dafür, feine Kredite mehr zu bewilligen, oder in die Regierung einzutreten. Herr Ebert hat sich froh allem dafür eingefeht, daß die Partei dem Lande auch dieses Opfer brachte. Das genügt wohl, um darzutun, daß die Behauptung, wir hätten unsere Politik umgestellt, falsch fei. R.-A. Martin legte dann dem Zeugen David die Frage vor, ob er es gewesen sei, der in Köln vor dem Munitionsarbeiterstreit in einer Versammlung der Kriegsbeschädigten gesagt habe, die Sozialdemokratie habe genug an den Menschenopfern und werde eine neue Offensive verhindern. Genosse Dr. David bestreitet das auf das energischste. Er sei zu jener Zeit drei Wochen in Wiesbaden zur Kur gewesen. Wenn er aber wirklich, was er nicht glaute, damals irgendwo in einer Versammlung gesprochen hätte, so sicher nicht den Unsinn, der ihm in den Mund gelegt werde. Denn seine Stellung zur Landesverteidiggna fei so befannt, daß er sich mit folchen Bemerkungen selbst ins Gesicht gefchlagen haben würde. R.-A. Dr. Landsberg erklärt, daß es sich hier offenbar um eine Berwechslung mit dem früheren sozialdemofro. tischen Reichstagsabgeordneten Georg Davidsohn handele. Unger und Franke als Zeugen Es wurde dann noch der frühere Borwärts"-Berichterstatter Unger vernommen, der erklärte, daß der Parteivorstand auch auf die ,, Borwärts"-Redaktion in den Zeiten des Munitionsarbeiterfire fs unbedingt großen Einfluß gehabt habe. Unter der Aegide Däumigs und Hilferdings habe wohl die„ Borwärts"-Redaktion eine gewisse ******* ********* ****** **** Als Weihnachtsgeschenke eignen sich Abreißkalender 1925 Der in Tiefdruck hergestellte Kalender sollte in feiner Familie und in feinem Büro fehlen! Preis 2 Mark Ferner: das Buch für Mädels und Buben Kinderland 1925 Preis 1,25 Mark Beide Neuerscheinungen sind zu haben in der Buchhandlung 3. H. W. Di 3 und in der Borwartsbuchdruckerei, Linden raße 3, ferner n allen Varteisp dition n.Bezirks ührer und Rasierer nehmen ebenfalls Bestellungen gern entgegen **** **** Gretel usw Au erdem Kakao, Bonbons, Metallbetten Kognakbolinen, Stangen usw. 2% Rabatt Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. " Auch der Zeuge Arno Fronte schildert ohne allerdings felbft der Vorwäris"-Redaktion angehört zu haben, daß der„ Vorwärts" durchaus unter dem Einfluß des Parteivorstandes stehe. Zum Schluß der Sigung verlas dann noch Rech.sanwalt eine einen Brief, den der Reichspräsident an feinen ge= fallenen Sohn geschrieben hat und der aus dem Felde zurücktom, da der Adressat gefallen war. In diesem Brief spricht sich der Reichspräsident über den Streit 1917 aus und schreibt Sarin beispielsweise: Unsere Truppen haben sich die unauslöschliche Dankbarkeit des Volkes erworben. In den letzten Tagen sind hier einige finnlofe Streits während der Herabsehung der Brotration gewesen. Solche Narrenstreiche dienen dem Frieden nicht, sondern stärken nur die Kampfluft des Gegners." Darauf wurde die Sigung auf Dienstag morgen 9½ Uhr vertagt. Parteinachrichten infendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Die Sammelliste zur Reichstagswahl Nr. 68 ist in der 4. AbteiSollte versucht werden, darauf noch zu lung verloren gegangen. sammeln, dann ist die Liste sofort anzuhalten und an das Bureau J. A.: Alex Pagels. einzusenden. Stadtverordnetenfraffion! Wichtige Fraktionsfihung Dienstag, den 16. Dezember, pünktlich 6 Uhr, Zimmer 109, Rathaus. 7. Kreis Charlottenburg. Morgen( Montag) abend pünktlich 7 Uhr Sigung der Fraktion mit den Bürgerdeputierten im Sigungszimmer 1 des Rathauses. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 16. Dezember, abends 8 Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung bei Kroik. Holsteinische Str. 60. 14. Kreis Neukölln. Montag, den 15. Dezember, 7 Uhr, Fraktionsfigung im Rathaus Neukölln, Gaal 1. Die Arbeiterjugend Neukölln veranstaltet om 14. bis 21. Dezember eine Weihnachtsausstellung und Verkauf von Kleidung, Büchern, Wanderartikeln und Revamiken. Geöffnet Sonntags von 3 bis 6 Uhr Jugendheim Nogatstr. 53. Wochentags von 6 Uhr ab BergStraße 29, Sof, Baracken, 8immer 17. Dienstag, den 16. Dezember, 7½ Uhr, erweiterte Kreisvorstandssigung an bekannter Stelle. Die Vertreterinnen der Frauen aus den Abteilungen müffen bestimmt erscheinen. 17. Kreis Lichtenberg. Am 14. Dezember, von 12 bis 7 Uhr, veranstaltet die Weltliche Schule, Scharnweberstr. 19( Turnhalle), eine Ausstellung von Schillerarbeiten. Die Genoffen werden gebeten, diese Ausstellung, die ein Ansporn für unfere Kinder fein foll, zu besuchen. 19. Kreis Pantow. Montag, den 15. Dezember, abends 6 Uhr, im Rathaus, Zimmer 17, Fraktionssisung mit den Bürgerbeputierten. Der erweiterte Bezirksvorstand nimmt an dieser Sigung feil. 20. Kreis Reinidendorf. Die Gigung des erweiterten Kreisvorstandes findet am Montag nicht statt. Die Abteilungsleiter werden aber dringend gebeten, in der am Montag, den 15. Dezember, abends 6% Uhr, im Kleinen Sigungsfaal des Rathauses Bittenau stattfindenden Fraktionssigung anwefend zu sein. Heute, Sonntag, den 14. Dezember: 28. Abt. Familienabend in den Schönhauser Festfälen, Schönhaufer Allee 129. Anfang 5% Uhr. Gäste willkommen. Morgen, Montag, den 15. Dezember: 1. Abt. 7% Uhr Funktionärtigung bei schiefing. Aderftr. 1. 4. Abt. 7% Uhr Funktionärsigung bei Gchwarz, Blantenfelder Str. 10. 17. Abt. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Dofe, Nordhafen 6. 19. bt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Schrepel, Grünthaler Str. 13. Sammelliften für die Reichstagswahlen abrechnen. 20. t. 7 Uhr Sigung der Funktionäre bei Riegler. 21. bt. 7% Uhr Funktionärsgung bei Möller, Adolffte. 12. Sammellisten mitbringen. 41. bt. 7 Uhr bei Schult, Mariendorfer Str. 5. Funktionärligung. 42. Abt. Jm Berkehrslokal liegt Material fitr die Bezirksführer. Aleister gefäße und Binfel, die der Abteilung gehören, sind umgehend bei Wiersdorf abzugeben. 43. Abt. 7 Uhr bei Mendler, Dieffenbachstr. 4, Bezirksführersizungs. Die Rinderliften find fofort abzurechnen. 56. bt. Charlottenburg. 7½ Uhr Funktionärverfammlung bei Liersch, Kant ſtraße. 77. bt. Concbberg. 7 Uhr Vorstandsßigung beim Genossen Klawitter, Apoftel- Paulus- Str. 7. 85, Abt. Tempelhof. 8 Uhr erweiterte Borstandslikung im Botal... Sur Linde", Friedrich- Karl-, Ede Werderstraße. Bis dahin sind die Wahllisten beim Genossen Wille abzurechnen. 125. bt. Weißenfee. 7% Uhr bei Gallas, Borstandssigung. fikung. 136. t. 7½ Uhr im Jugendheim Reinickendorf. Residenzstr. 49, Funktionär141. Abt. Rosenthal. 7 Uhr im Lokal Frische, Niederfte. 5, Funktionärſikungg. Frauenveranstaltungen am Montag, den 15. Dezember: 2. Kreis Tiergarten. 7% Uhr wichtige Funktionärinnenfibung bei Trümper, Flensburger Str. 3. Bertretung der 8. Abteilung erforderlich. 38. bt. Der Frauenabend fällt in diesem Monat aus. 48. bt. 7 Uhr bei Emil Röhler Nachf., Gitschiner Str. 87a, Bortrag der Genoffin Sanna, M. d. L.: Die Kulturidee im Sozialismus". 57. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr im Lokal Arndt, Rantstr. 51, Vortrag des Genossen Dr. Bernstein: Attuelle Tagesfragen". lebermorgen, Dienstag, den 16. Dezember: 79. Abt. Schöneberg. Pünktlich 8 Uhr im Lokal Rettlig, Sedanstr. 60, Bor standssigung. Alle Bezirksführer müssen erscheinen. * 79. Abt. Schöneberg. Mittwoch, den 17. Dezember, 7% Uhr, Frauenabend bei Groß. Sedanstr. 17. Vortrag der Genossin Kähler, M. d. L.:,,Weihnachtliche Gedanken"". 81. Abt. Friedenau. Die Weihnachtsfeier unter Mitwirkung der Jugend und der Kinderfreunde findet am Montag, den 22. Dezember, 7 Uhr, im Bürgersaal des Rothauses Lauterplag ſtatt. Reichhaltiges Programm. Eintrittskartei zu 50 Pf.( Rinder frei) bei den Bezirksführern und bei Rudbeck, Odenwaldstr. 26, Aufg. 1, 2 Tr. Ihr Mund wird entstellt durch häßlich verfärbte Zähne. übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide übel werd. sofort i. poll tommen unschädl. Weije beseitigt d. die bewährte Zahnpaste Chlorodont, wirksam unterstützt durch Chlorodont- Mundwasser. 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Dezember tagte zu Karlsbad fein zweiter ordentlicher Kongreß. Nach dem Geschäftsbericht umfaßte er am Jahresschluß 1923 in Böhmen, Mähren und Schlesien 25 Verbände mit 217 149 Mitgliedern Dem Bunde sind angeschlossen alle Angestellten- und Beamtenverbände. Er ist verhältnismäßig ebenso start wie der Tschechoslowakische Gewerkschaftsbund. Zwischen beiden Bünden besteht. freundschaftliches Einvernehmen, das jedoch wegen der Sprachenunterschiede die Tschechen verstehen menig deutsch, die Deutschen noch weniger tschechisch bis jetzt zu feiner formalen Vereinigung führen fonnte. Der Kongreß befaßte sich mit dem allgemeinen Geschäftsbericht, der Wirtschaftstage in der Tschechoslowakei, dem gewerkschaftlichen Bildungswesen, der Arbeitslosenunterstützung und Arbeitsvermittlung. der Sozialpolitik, dem Arbeiter- und Angestelltenrecht. In den vier Jahren von 1920 bis 1923, über die sich der Geschäftsbericht erstreckte, haben 491 Streits mit 111 024 Beteiligten, 68 Aussperrungen mit 70 248 Beteiligten und 4392 Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung stattgefunden. Im Jahre 1923 wurden 663 Tarifverträge abgeschlossen, die sich auf 238 688 Arbeitnehmer erstreckten. Der Tarife vertrag hat sich gegen den Widerstand des Unternehmertums allge nain durchgesetzt. Die Fachblätter der dem Bund angeschlossenen Verbände, 25 an der Zahl, hatten am Jahresschluß 1923 eine Gesamtauflage von 229 317. Das Bundesorjan, die Gewerkschaftliche Rundschau", hat zurzeit eine Auflage von 4200; sie ist vorwiegend nur für die Vertrauensleute bestimmt. " Die Wirtschaftslage der tschechoslowakischen Republik ist ungünstig. Die Eisenerzeugung ist von 1919 bis 1923 von 12 Millioner auf 8 Millionen Meterzentner gesunken. Die Kohlen erzeugung ging von 370 auf 280 Millionen Meterzentner zu rüd. Statt 400 Glasöfen im Jahre 1919 waren im Jahre 1923 mur 230 Glasöfen in Betrieb. Die Legtilindustrie ist auf 67 Proz. ihres Umfanges der Borkriegszeit zusammengeschrumpft. Jetzt werden Hochöfen stillgelegt; der Rofsberg in Ostrau mird größer und größer, die Kohlenverräte auf den Halden wachsen in beängstigender Weise an. Der Kongreß forderte in einer längeren Entschließung, daß mit allen Staaten unverzüglich Handelsverträge, die den Bedürfnissen der Wirtschaft des eigenen Landes entsprechen, abgeschlossen und alle staatlichen Maßnahmen, getroffen werden, um : die ungehinderte und zollfreie Einfuhr von Lebensmitteln und notwendigen Bedarfsartikeln sicherzustel len, die Warenausfuhr zu erleichtern." angewendeten Methoden im Kampfe um die Geschlossenheit der ge-| auf Freitag, den 5. Dezember, von der KPD. einberufene öffent. werkschaftlichen Verbände und stimmte rückhaltlos den Abwehrliche Bantangestelltenversammlung ganze 20 Besucher maßnahmen zu, die rechtzeitig und mit der nötigen Entschiedenheit aufwies. gegen die bolichemistischen Eingriffe in das Eigenleben der freien Gewerkschaften unternommen wurden. Der Tarifftreit im Bankgewerbe. Erklärungsfrist durch alle Tarifparteien abgelehnt worden ist. hat Nachdem der Schiedsspruch vom 29. November nach Ablauf der der Allgemeine Verband der Deutschen Bantangestellten beim Reichsarbeitsministerium einen eingehend begründeten Antrag auf beschleunigte Anberaumung neuer Gehaltsverhandlungen bzw. auf Einsegung eines neuen Schlichtungsausschusses gefiellt. Unter anderem hat der Verband zur Auffüllung des völlig unzureichenden Existenzminimums erhöht worden die Forderung auf ungefäumte Auszah seit Juli d. I. sind die Bezüge der Banfangestellten nicht mehr lung einer Weihnachtsbeihilfe in Höhe eines Monats gehaltes erhoben. Durch eine Kommission des Zentralvorstandes, die am Sonnabend mit dem zuständigen Dezernenten im Arbeitsministerium verhandelt hat, ist dem Arbeitsministerium der Ernst der Lage im Bankgewerbe und die Notwendigkeit schleunigsten Eingreifens des Herrn Reichsarbeitsministers mit allem Nachdrud vor Augen geführt worden. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bantangestellten erwartet, daß noch im Laufe dieser Woche das Arbeitsministerium die Tarifparteien zur Bereinigung der un. haltbaren Tarifverhältnisse zusammenberufen wird. An den Reichsverband der Banfleitungen, den Verein für die Interessen der Berliner Fondsbörse, die Reichsbank und den Berliner Kassenverein hat der Allgemeine Verband das Ersuchen gerichtet, Sonnabend, den 27. Dezember, als Banffeiertag zu erflären, damit den Bankangestellten eine angemessene Arbeitspause gesichert wird. Bankangestellte und KPD. Bom Allgemeinen Verband der Banfangestellten wird uns geschrieben: Unsere Notiz Abfuhr der KPD. bei den Bantangestellten" in der Morgenausgabe des Borwärts" vom 11. Dezember gibt der Roten Fahne" Veranlassung, gegen die beiden Verbandsgeschäftsführer, Marg und Emonts, in einer 74 Zeilen langen Notiz Gift und Galle zu speien. Mit besonderer Wut wendet sie sich gegen Emonts, in dem sie den Verfasser der im Vorwärts" erschienenen Notiz bermutet. Die Rote Fahne" hat aber das Unglück, daß ihr Spürsinn sich auf der gleichen Höhe befindet wie ihre Wahrheitsliebe. Denn Emonts ist abwefend( er befindet sich auf einer Agitations. reise), tommt also als Verfasser der der Roten Fahne" so start in die Glieder gefahrenen Notiz nicht in Betracht Wir haben feine Luft, dem kommunistischen Blatt eine spaltenlange Grwiderung angedeihen zu lassen. Erstens well es infolge der Unbelehrbarkeit dieses Blattes zmedlos wäre, zweitens weil die Lügenhaftigkeit und Verdrehungsstrategie diefes Blattes in fret gewerkschaftlichen Kreisen genugsam befannt ist. Wir begnügen uns daher mit folgenden tatsächlichen Feststellungen: 1. Es ist richtig, daß Emonts aus der KPD. ausgeschlossen worden ist. Der Grund dieses Ausschlusses ehrt ihn: Es war seine Bekämpfung der befannten 21 Punkte und seine Auseinandersetzung mit der Roten Fahne" im Vorwärts" und in der Freiheit", nach dem die Rote Fahne" es ablehnte, trotzdem sie Emonts angegriffen hatte, ihn in ihren Spalten zu Worte fommen zu lassen. " " 2. Die Behauptung, Emonts habe wiederholt um die Wiederaufnahme in die KPD. gebettelt, ist glatter Schwindel. Wahr ist dagegen, daß wiederholt in- und ausländische KPD.- Genossen die persönliche Hilfe von Emonts erbeten und erhalten haben, zu deren Leistung die Berliner Wächter des Moskauer Grals unfähig Die Arbeitslosenfürsorge erfolgt nach einem am 1 April 1925 in Kraft tretenden Gesez in Form des Genter Systems, d. h., der Staat zahlt an die Gewerkschaften Zuschüsse zum Zweck der Arbeitslosenunterstützung. Der Kongreß stellte sich grimdfäßlich nach wie vor auf den Standpunkt, daß eine zwed entsprechende Arbeitslosenfürsorge nur auf der staatlichen Pflichtversicherung aufgebaut sein fann". Do aber im tschechoslowakischen Barlament das erwähnte Gesetz zur Annahme gelangte, stellte der Kongreß eine Reihe Forderungen an die Regie rung, um den Arbeitslosen wenigstens das Leben zu ermöglichen. Den gewerkschaftlichen Bildungsfragen widmete der Rengreß einen verhältnismäßig breiten Zeitraum. Nicht über des Grundfäßliche, wohl aber über die Art der Aufbringung der 3. Die fortgefekten Angriffe gegen Emonts gehen von Personen Mittet für Bildungszwecke waren Meinungsverschiedenheiten voraus, deren Großfprechereien in Berfemmlungen um so grotesterhanden; fie wurden ausgeglichen. wirken, wenn man weiß, daß die gleichen Leute im Betriebe dem Der Kongreß war durch den Drud des Unternehmertums und Unternehmer gegenüber die größten Kriecher waren, die fich nach den jahrelangen Rämpfen gegen die Zerstörungsversuche der fogar zum Teil unter tariflich bezahlen fießen, so daß erst die mußte. waren. Damit schließen wir die Diskussion mit der Roten Fahne", nicht ohne ihr zu sagen, daß wir auch in Zukunft ihren Jüngern scharf auf die Finger sehen und ihnen nötigenfalls Gelegenheit geben werden, ihr verbandsschädigendes Treiben von draußen fortzusetzen. Zur Lohnbewegung der Metall- Transporter. fartell und dem Verband Berliner Metallindustrieller wegen des Wie wir erfahren, sind die Berhandlungen zwischen dem MetallAbschlusses eines neuen Lohnabkommens gescheitert Die Transportarbeiter in den Betrieben des VBMI. hatten das Lohnabkommen zum 15. d. M. gefündigt und die Lohnkommission beauftragt, wegen der Erhöhung der Löhne zu verhandeln. Der VBMI. stellte sich auch diesmal wieder auf den bei ihm zur Gewohnheit geTransportarbeiter„ nicht tragen fönne", da eben diese Arbeitergruppe wordenen Standpunkt, daß die Industrie höhere Löhne für die immer noch als unproduktiv" angesehen werden müsse. Man fann darauf gespannt sein, auf welchen Standpunkt sich nunmehr der Schlichtungsausschuß stellen wird, der zur Entscheidung angerufen ist. Risher war von einem Entgegenkommen nichts zu bemerken. Der Verlangen der Unternehmer burchaus Rechnung getragen und hat Schlichtungsausschuß hat im Gegenteil in wiederholten Fällen bem die Löhne während der tariflosen Zeit nur so unvollkommen erhöht, daß von einer Bezahlung, die den verteuerten Lebensverhältnissen Rechnung trägt, feine Rede sein kann. Die Schlichtungsbehörden dürfen keinesfalls weiter ihre Hand dazu bieten, daß die Löhne der Transportarbeiter in der Metallindustrie auch weiterhin unmögliche Hungerlöhne bleiben, weit unter dem allgemeinen Lebensniveau. Im vorliegenden Falle ist ganz besonders zu beachten, daß durch die Beseitigung der Familienzulage für viele Arbeiter ein Lohnausfall statt einer Lohnerhöhung eingetreten ist. Die Unternehmer haben ihr Versprechen, Härten wohlwollend zu vermeiden", nur in fehr geringem Umfang eingelöst. Der Schlichtungsausschuß muß nicht nur das berücksichtigen, sondern darüber hinaus ange= messene 3ulagen gewähren. Man kann sich nicht recht vor. stellen, wie Arbeiter mit Familie bei einem Wochenlohn von 18 bis 20 M. Weihnachten feiern follen. Bom italienischen Gewerkschaftskongres. EP. berichtet: Bei der Abstimmung im Kongreß des italienischen Gewerkschaftsbundes in Mailand hat die mit den Einheitssozialisten sympathisierende gemäßigte Richtung eine erbrückende Mehrheit erzielt und zwar von über 60 000 Simmen. Der Gewerkschaftsbund zählt insgesamt 410 000 Mit glieder, gegenüber 50 000 vor dem Kriege. Vertreten waren auf dem Kongreß 269 754 Mitglieder. Die Kommunisten und die Magimalisten hatten der Tagesordnung der Gewerkschaftsleitung eigene Anträge gegenübergestellt. Diejenigen der Gewerf Schaftsleitung erzielten 153 316 Stimmen, die der Kommunisten 32 569 und die der Marimalisten 54 792 Stimmen. In der an genommenen Tagesordnung wird der Gewerkschaftsleitung die Befriedigung ausgesprochen für die troß mannigfacher Schwierigkeiten in den letzten Jahren entfaltete Tätigkeit, um dem Verband die Unabhängigkeit zu bewahren und um der Zersegungsarbeit der Gegner einen zähen und umsichtigen Widerstand entgegenzusehen. Die Tagesordnung enthält einen Protest gegen das Gewalt regime, das zur Zerstörung eines großen Teiles der Arbeitstammen und zur Unterdrückung der öffentlichen Sicherheit geführt habe. Es werde feine Wohlfahrt geben, bis die verfassungs mäßige Freiheit wieder hergestellt sei und die Partei. diktatur aufgehört habe, die sich der Regierung mit Waffengewalt bemächtigt habe. SPD. Holzarbetter! Die Delegterten zur Generalversammlung miffen Dienstag abend an der Generalversammlung bestimmt teilnehmen. Kommuniſten vom Geiſte der Eintracht und Geſchloſſenheit beſeeil. Organisation, als sie dieſe Latfachen erfuhr, dagegen einschreiten SCHEUER- PULVER Die Beschlüsse murten einstimmig gefaßt. Eine tom munistische Belle in den deutschen Gewerkschaften der Tschechoslowakei gibt es nicht mehr. In einer allgemeinen, einftimmig ongenommenen Entschließung erflärte der Kongres feine Dollste Uebereinstimmung mit dem Bundesvorstand. Er billigte die Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. Säle frei! Norden 9296. B RONCHIOL Wenn Husten, Helserkelt Dich plagt, So nimm ,, Bronchio", das nie versagt! Deutschlands führendes Hustenpräparat Erhältlich In allen Apotheken und besseren Drogerien. für Fabrikanten und Großverbraucher, lose und gepackt, liefern aus eigenen Mahlwerken konkurrenztos billig 4. Emonts hat wiederholt durch die Tat bewiesen, daß er überall seinen Wann steht im Gegensatz zu den Drahtziehern der Roten Fahne", die erst lange Zeit nach der Revolution den Weg zur Organisation fanden und deren Methode es stets war und ist, andere für sich ins Feuer zu schicken, dafür aber aus dem sicheren HORTAXIN- WERKE, BERLIN Hinterhalt ihre vergifteten Pfeile zu schleudern. 5. Die Wahlen der Delegierten zum Verbandstage haben nicht im Frühjahr dieses Jahres, sondern im Herb st stattgefunden. Aber selbst wenn die Wahlen jetzt vorgenommen werden würden, würden die Kommunisten nicht besser abschneiden als vorher, d. h. sie würden angefichts der Stimmung der Betriebsbelegschaften, die mir fennen, auch diesmal tein Mandat erhalten.. 6. Die Bedeutungslosigkeit des KPD.- Grüppchens illustriert treffend der Bericht der Bezirksleitung Berlin- Brandenburg der KPD. der vor kurzem im Vorwärts" veröffentlicht worden ist und in dem zu lesen stand, daß die KPD. selbst ihre Mitglieder unter den Bankangestellten mit 60 angibt, sowie die weitere Tatsache, daß eine Mef Stoffe 12 Durch Güte Preiswürdigkeit leit Jahren bekannt für den Weihnachtstisch Winter Paletot. u. Ulsterstoffe, Neuheiten, reine Wolle, von 8.50 M. an Anzug- Stoffe, reine Wolle, gute Qualitäten, Velours de laine, schwere Mantelware, 130 breit Gabardine und Ripse, beste Fabrikate, 130 breit von 5.50 M. an von 7.20 M. an von 5.50 M. an Tuchhaus ME- Freitag Molkenmarkt 14 Bitte auf den richt gen Einghn Nr. 14 zu achten! An belden Sonntagen vor Weihnachten von 2-6 Uhr geöffnet! Track säglif tragen. fuißs tagtäglich sagen: Ex Der gute Comsad TACK SCHUH sitzt noin angegossen! Gutscheine zum Weihnachtsfest! 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Konsulin blickte forschend von einem Gesicht zum anderen und sah überall die selbstverständliche Zustimmung fultivierter Menschen, die das Wohl ihrer Mitmenschen eifrig studiert haben und zu einem unfehlbaren Resultat gelangt sind. Ihr Blick verweilte jedoch etwas länger bei der Frau des Gerbers. Die Zustimmung war hier nicht augenscheinlich genug. Es war auch noch nicht lange her, seit aus Sigga Joa der Gerbersfrau eine„ Gnädige" geworden war. „ Er hat doch nur etwas zum Weihnachtsfest schießen wollen," sagte fie hat doch nur etwas zum Weihnachtsfest schießen wollen," sagte sie und bat durch ein verlegenes Lächeln um Entschuldigung. Weihnachten," ja aber du lieber Gott, konnte er denn nicht arbeiten, um auf diese Weise das nötige für das Fest zu bekommen? Ich finde übrigens, daß sie sich ohne Schneehühner hätten helfen können," erklärte die Konsulin mit spöttischer Miene. Die Gerbersfrau halte eigentlich Lust zu schweigen, aber seitdem sie gnädige Frou" ge= worden war, hatte sich das Wort„ Diskussion" in ihren Wortvorrat verirrt und da sie es nur halb verstand, hatte sie ihm darin ei ien Ehrenplatz gegeben. Die Konsulin sah sie herausfordernd an.„ Es ist jetzt die schlechteste Jahreszeit, um Arbeit zu finden." Des Lächeln wurde noch entschuldigender. " Zu ,, Wer arbeiten will, fann immer Arbeit bekommen, mein Mann hätte ihm zweifellos etwas Arbeit gegeben, wenn Jon nur gewollt hätte, wenn er nicht zu faul gewesen wäre! Es wäre ja auch nicht schlecht, wenn er an seine Schulden denken würde, oder glauben Sie vielleicht, daß er mit den Schneehühnern etwas bezahlen wollte? Nein, nur effen! Diese Leute wollen leben wie die Grafen, obgleich fie nicht arbeiten mögen." Die Konsulin nickte energisch mit dem Kopf, als ob sie die Unterhaltung zu beenden wünschte und die übrigen Damen nichten sämtlich ihre Zustimmung. Die Gerbersfrau war in der Diskussion geschlagen und fühlte sich in der Vornehmheit um einen Grad gesunten. Die paffive Hauptperson der Kränzchenunterhaltung war Jon in der Scheune. Er war ein ganz Armer", der am Tage vorher auf Der Schneehühnerjagd hingefallen war und dabei einen Schuß ins Bein bekommen hatte. Jetzt lag er schwer verletzt zu Hause in größter Armut und Hilflosigkeit bei einer zerarbeiteten Frau und acht weinenden Kindern, und es war ein Tag vor Weihnachten. Wahr haftig, er hatte die Hilfe Gottes und guter Menschen, von der die Konsulin erzählt hatte, sehr nötig. „ Gehe selbst und nimm Helga mit, sie kann das Patet tragen," sagte der Konsul und lächelte über die Berlegenheit seiner Frau. „ Ich denke nicht daran," sagte sofort die Konsulin. Aber das war doch ein guter Rat, nicht etwa, meil sie Helga brauchte, um das Batet zu tragen, sondern weil die Frau des Arztes es gewiß nicht so machen würde. Man muß eben ein bißchen originell sein. Es ist nicht genug, daß die Absicht gut ist, wenn die Form ungeschickt er scheint. Harmonie muß de sein, kultivierte Harmonie. Die Konsulin erhob sich, so schnell es ihre Fülle zuließ und eilte mit dem Gefühl der Zufriedenheit, die ein gefaßter Entschluß großen und guten Seelen gibt, fort. * duld, als die Konsulin nebst Dienstmädchen Helga erschien, um In der Scheune herrschte Leid und Nerger, Schmerzen und Unzu helfen und Troft zu spenden. Sie famen gerade recht, um den Schluß einer Strafpredigt für das zweitälteste Kind, das zuviel seige abgeschlossen worden, wenn nicht gerade die Konsulin gekommen Lärm machte, zu hören. Vielleicht wäre die Rede mit einer Ohr wäre. Die Scheune war nicht geteilt, sondern alles zusammen, Rüche, Stube und Schlafkammer. Ein dider Dunst, schlechter Geruch schlug der Konsulin entgegen und überfiel rauh den zarten Parfüm duft ihrer Kleider. Ganz wie der Böbel die reicheren und besseren Mitglieder der Gesellschaft. Die Konsulin seufzte. Ein leichtes Rot bedeckte Kristins Wangen, als sie die Konsulin sah, und ihr Gesicht zeigte soviel Erstaunen und Verschämtheit, als es diesen müden und verarbeiteten Zügen möglich war. Sie fegte einige Lumpen von einem Stuhl, damit die Dame sich hinsehen konnte, jagte die älteren Kinder nach draußen, die anderen nach dem Bett des Baters, strid sich die Haare aus der Stirn und wartete auf die Anrede der Konsulin. Mach schnell das Fenster auf, Stina," sagte diese, ich erstice in diefer Luft!" Stina blickte verlegen zum Fenster, ging dann zur Tür und öffnete diese halb. Der Dunst drang schwer durch die Deffnung ins Freie. Das ist ja unerträglich, in einem solchen Loch nicht einmal das Fenster öffnen zu können. Und all die Unsauberkeit! Das geht nicht. Du hättest doch wenigstens bei mir lernen können, alles fauber zu halten. Das kann man trog der Armut. Wenn Jon wieder aufsteht, muß er sofort das Fenster machen und Du mußt so sauber sein wie ich es ich darf es wohl fagen Dich und jedem anderen Mädchen, das bei mir gewefen ist, gelehrt habe. Ich dulde feinen Schmutz!.... Bei diesem Punkt der Rede mußte die Zuhörerin meggehen, um die Kinder, die bei dem, Beite des Kranken in eine Schlägerei geraten waren, auseinander zu bringen. Als sie zurüdtam, begann sie sich zu entschuldigen, daß sie allein mit den acht Kindern sei und so furchtbor viel zu tun habe. Ihr Gesicht hatte schon wieder den alten mißmutigen Ausdrud angenommen. Nun befahl die Konsulin dem Dienstmädchen, das Paket zu öffnen. Büchsen mit Bürsten, Fleisch, Marmelade, und auch allerhand Leckereien schmückten den Küchentisch und erweckten die Habgier der kleinen Scheunenbewohner. Weder der zurechtweisende Blick der Konsulin, noch die Püffe der Mutter fonnten sie zurücktreiben. Sie stürmten den Tisch, nahmen alles in die Hände, stießen einander, lachten und waren ebenso aufdringim Zimmer. Die Konsulin erhob sich. Sonntag, 14. Dezember 1924 trempelte die Aermel hoch.„ Hast du heißes Waffer? Gunnar, geh und hole Sand vom Strande Aber sofort," fügte sie hinzu, als Gunnar versuchen wollte diesen Auftrag feinem Bruder zuzuschieben.„ Du bist groß und flug genug, daß du versuchen soll. test, deiner Mutter zu helfen, wenn sie so ihre Not hat." ,, Gestern hattest du vornehmen Besuch, das muß ich sagen," wandte sich Groa wieder zu Kristin, während sie auf den Sand wartete. Wie freundlich die Damen waren und Geschenke haben sie auch gebracht, habe ich gehört, nun fehlt dir wohl nichts mehr fürs Fest? Sich mal an, sogar Lichter und Spielfarten." Sie besah sich die Sachen, die noch auf dem Tisch lagen.„ Das ist von der Doktorin, die hat es den Kindern geschenft."" Natürlich, das fann ich mir denten und ihr Mann hat wohl auch fagen lassen, daß er nichts für die Behandlung nimmt?"" Nein, aber die Frauen vereinigung will die Kosten bezahlen. Eigentlich bin ich ja gar nicht so froh, all diese Gaben nehmen zu müssen, aber wenn man arm und noch danken." ist und in diefem verfluchten Loch sist, muß man alles hinnehmen Die alte Groa antwortete nicht. Sie war schon bei der Arbeit. Sie lag auf den Knien und scheuerte mit fräftigen Händen. Mon sah an den Bewegungen dieser kräftigen alten Frau, daß sie die Gewohnheit hatte, dem Schmutz mit den Händen und nicht mit Worten zu Leibe zu gehen. ,, Wie kam es eigentlich, daß Jon hinfiel?" fragte Groa und warf eine Hand voll Sand auf den Boden.„ Er war ohne Eis. sporen."„ Aber er hat doch welche. Ich dachte.. ,, Doch, aber er hatte sie dem Konfulssohn geliehen. Der wollte auch auf die Schneehühnerjagd gehen und mußte absolut welche haben." Die alte Groa rieb den Boden auffallend scharf.„ Hat Jon teine Schneehühner geschossen?" fragte fie nach einer Weile.„ Fünfzehn Stück. Ich tauschte sie im Laden des Konfuls gegen Kaffee und Zucker ein, so wie es mir die Konsulin geraten hatte. Ich wünschte auch, daß Jon aufhörte zu schießen. Es würde uns wohl mehr Glüc bringen, wenn er arbeitete."„ Unsinn, im Winter, menn es feine Arbeit gibt, muß man froh sein, wenn man auf irgendeine Weise für die Familie forgen fann." Stina wußte nicht, für welche Ansicht fie sich entscheiden sollte. Sie fand, daß Groa eigentlich recht hätte, aber das war dann doch eine Art Angriff auf die Konsulin, und eine erge Entschuldigung dafür, daß Jon dem Glück nachfogte" statt in Geduld zu arbeiten. Sie fürchtete, daß Gott auf der Seite der Konsulin stehe. Es war ihr, als ob diese Scheune so weit vom Wege Gottes abläge, daß diejenigen, die ihn gehen wollten, einen großen Ummeg machen mußten. Als der Fußboden fertig war, tranfen die Frauen Kaffee und Groa ging nach Hause. Baid tam sie jedoch wieder und brachte eine Flasche Milch und eine geräucherte Schaffeule mit. Sie hatte lange mit ihrem Mann, dem alten Loki, der ein Geizkragen war, ftreiten müssen, ehe sie das Fleisch mitnehmen durfte. In den Augen der Alten leuchtete es vergnügt als sie eintrat. Sie haff Grina das Abendbrot bereiten und die Kinder waschen. Donn awang sie die erschöpfte Frau, die sich kaum mehr aufrecht erhalten fonnte, ins Bett, zündete die Kerze an und ließ die Kinder noch ein bißchen spielen. ehe fie fie schlafen legte. Die Uhr ging auf Die Konsulin seufzte.... Sie fam eben von dem Damenkaffee nach Hause und traf ihren Mann in dem Salon. Sie machte es sich in einem Lehnstuhl bequem und sah ihren Monn an, der sich gelang Eie hatte den Faden ihrer Trostrede ganz verloren und das Gottes zwölf, als sie mit allem fertig war. weilt die Nägel feilte. Sör mal, ich finde, daß wir den armen Leuten in der Scheune etwas helfen müssen. Es muß da ein furchtbarer Zustand herrschen, gerade zu Weihnachten und weil die arme Stina einmal Dienstmädchen bei mir gewesen ist, finde ich, daß man es ihr vergelten kann, daß sie damals tüchtig mar. llebrigens will die Frauenvereinigung helfen, aber das wird nur die Dottor fosten beden und ich möchte ihr persönlich etwas geben."" Wieviel brauchst du?" Der Konsul stellte seine Tätigkeit ein und griff nach der Brieftasche.„ Ach, was fällt dir ein? Was würde es nügen, solchen Leuten Geld zu geben? Sowas versteht ihr Männer nicht. Die Leute würden gewiß nur unnötiges faufen, wer weiß was, vielleicht ganz unvernünftiges Zeug. Nein, ich nehme etwas aus der Speisekammer und etwas aus dem Laden, wenn ich etwas haben Mit Bergnügen," gähnte der Konsul. Aber ich überlege, ob ich selbst gehen soll oder ob ich Helga schicke." " Die Konsulin spielte in tiefen Gedanken mit der dicken Halskette, Hier war eine schwere Wahl, am einfachsten wäre es, das Dienstmädchen Helga mit dem Paket zu schicken, aber es zeigte doch mehr Opferwilligkeit und Fürsorge für die Armen, selbst zu gehen. Was wohl Sie Doktorin...? Diese hatte die Neuigkeit in der Kaffeegefellschaft erzählt und dazu aufgefordert, die Frauenvereinigung möge helfen. Sie selbst wollte auch geben. Ob sie wohl selbst gehen würde? Wenn die Konsulin das wissen könnte, denn ihr Ehrgeiz verlangte danach, der Doktorin auch im guten Ton voraus zu sein. wort. das sie schon in Bereitschaft gehabt hatte, war mit dem üblen Geruch durch die geöffnete Zür hinausgezogen. Ihr stien es, als würden ihre Gaben nicht genügend gewürdigt und ohne die rechte Dankbarkeit hingenommen. Sie begnügte sich, ein wenig über das Unglüd, das durch den Leichtsinn geschehen fei, zu reflettieren und Kristin daran zu erinnern, daß geschrieben steht: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot effen! Es bringe immer mehr Glüd, sich durch ehrenhafte Arbeit zu ernähren und genügsam zu sein, als auf andere Weise nach Gütern zu streben. Gott helfe jedem, der sich selbst hilft. Dann ermahnte sie Kristin nochmals zur Sauberfeit, verabschiedete sich und segelte davon. Die Freude über den Besuch, die Rede und die Geschenke waren für den franken Jen verloren gegangen, denn er war halb ohnmächtig. Als die Konsulin bei der Kirche war, begegnete ihr die Doktorin. Sie ging allein. ... Am nächsten Tage, am Tag des heiligen Abends, bekam Stina in der Scheune nochmals Besuch. Es war die alte Groa aus der Vorstadt. Diesmal bestand das mitgebrachte aus einem Bascheimer und Scheuertuch. ,, Wie geht es Jon?" fragte Groa und machte es sich auf dem Stuhl bequem, an dem am Tage vorher die Konsulin gethront hatte. Es geht ihm schlechter," antwortete Stina und stocherte im Feuer. Ich will dir den Boden aufwaschen," sagte Groa und Praktische WeihnachtsGeschenker Bettwäsche Hemdentuoh- Bezüge Damenwäsche Taghemd a. gutem Hem195 Oberbett zum Knöpfen 5.75 Kissen, 80X80, passend. 1.65 3⁹0 Jegt ist es Zeit, auch an Lofi zu denken," murmelte sie und hüllte sich in ihr Tuch. Jon stöhnte laut und warf sich hin und her. Seine Schmerzen hatten zugenommen und das Fieber stieg. Jetzt richtete er sich auf und phantafierte.„ Das geht nicht." Die albe Frau hielt ein leises Selbstgespräch.„ Stina bekommt die ganze Macht teine Ruhe mit Jon. Loti dagegen fann sich selbst helfen. Wahrscheinlich schläft er schon, der Alte." Sie nahm ihr Tuch wieder ab und fing an, sich für die Nachtwache einzurichten. Sie setzte sich an Jons Bett und machte sich's bequem, um nicht zu fallen, wenn auch fie ein bißchen einniden würde. Vom Konfulshaus her tönten die Hausglocken. Man ging dort zur Christmesse... Togal hervorragend Tabletten bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen Togal still: die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. 3n allen Apothefen erhältlich. Best. 126% Lith, 0,45% Chinin. 74,3%, Acid acet. salic., ad 100 Amylum Daunendecken Weisse Möbel Metallbettsteilen Bämtl. mit la weißen Daunen gefüllt, gut. Dounensatta in divers. Farben 00 8500 bunt, hübsche Muster 9200 Steppdecken in foiner Lackierung Ankleideschrank mit Hutboden und Stange Frisiertoilette m. oval. 5590 3900 Spiegel u. 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Beilage des Vorwärts In der Industrie ist allgemein ein Streben nach Vereinfachung In der Industrie ist allgemein ein Streben nach Vereinfachung und Vereinheitlichung festzustellen. Diese Bestrebungen sind unter dem Kennwort Normung" in weitesten Kreisen bekannt ge worden.„ Normung" bedeutet die Anerkennung des Zweckmäßigen, das Ausschalten unnötigen, die Volkswirtschaft schwer belastenden Ballastes, bedeutet nicht zuletzt Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, um so den Daseinskampf in der Weltwirtschaft bestehen zu können. Der Normenausschuß der deutschen Industrie ( NDI.) hielt am Sonnabend im Ingenieurhause zu Berlin seine diesjährige Hauptversammlung ab. Als ein äußeres Zeichen dafür, daß sich die Beziehungen der einzelnen Nationen zueinander allmählich zu bessern beginnen, sei festgestellt, daß an dieser Tagung Vertreter Englands, Hollands, Desterreichs und der Schweiz anwesend waren, die in furzen Ansprachen den Wert der Normungsarbeit fennzeichneten. Die Vernunft läßt sich eben nicht auf die Dauer unterdrücken. Der Borsigende des Normenausschusses, Baurat Dr.- Ing. F. Neuba us, betonte in seinem Jahresbericht die Hauptgesichtspunkte der deutschen Normungsarbeit und hob hervor, daß sich die vom Normenausschuß geschaffene Bereinheitlichung in der Industrie immer mehr durchzusehen beginne. Wer seinen Betrieb nicht rechtzeitig auf die Normen einstellt, bereitet seinen Unter gana vor. Auf die Gesetzgebung haben die Arbeiten des Normenausschusses wesentlichen Einfluß gehabt. So wurde in diesem Jahre in einem Reichsqesez die Celsius- Stala für sämtliche Messungen offiziell eingeführt. Der Vortragende gab eine furze Uebersicht über die bisher geleistete Normungsarbeit, abgesehen von den Grund lagen für den Austauschbau, die sich längst die Braris erobert haben, hat der Normenausschuß bei der legten Zeit insbesondere wesentliche Vereinheit lichungen im Rohrleitungs.| und Armaturenbau erreicht. Die Normung der Papierformate, die auch dem Laien, der sonst von der Technik menig versteht, die hier geleistete Arbeit nahebringt, wird ebenfalls ständig gefördert. Der Geschäftsbriefbogen, der nicht das Maß 210x297 oder die hiervon abgeleiteten Maße hat, wird heute bereits in der Braris als störend empfunden. Ein sehr hübsches Beispiel für die Wichtigkeit der Normen führt Dr. Neuhaus an, als er darauf hinwies, daß im Feuerlöschwesen, das nach einer Vereinheitlichung geradezu schreit, noch vieles im argen liegt, da die Behörden hier scheinbar noch nicht die Wichtigkeit der Normung erfaßt haben. Es ist geradezu ein Bergehen, wenn bei einem großen Brand in einer füddeutschen Stadt nicht geholfen werden kann, weil auf der einen Seite die württembergische, auf der anderen Seite die bayerische SchlauchfuppeI ung herrscht. Nach den Ausführungen von Dr. Neuhaus tun die Behörden und die Feuerversicherungsgesellschaften hier nicht ihre Bilicht. Und überall dort, wo die Normung auf Widerstand stößt, ist die Annahme zulässig, daß der betreffende Industrie- oder Verwaltungszweig rückständig ist. Ministerialdirektor Hammer, der Präsident des EisenbahnZentralamtes, behandelte sehr eingehend das Thema Gemein fames in Staats- und Privatwirtschaft". Er forderte, daß auch in den Staatsbetrieben wirtschaftliches Denten sich durchsetzen möge. Wir müssen, so sagte er, von der Staats= perwaltung zur Staatswirtschaft gelangen. Das sei der gemeinsame Boden, auf dem sich die Staatswirtschaft und Privatmirtschaft treffen tönnten. An zahireichen Lichtbildern zeigte er, wie weit beim Lokomotivbau bereits heute schon dem Gedanken der Normung Rechnung getragen ist. Er wies auf die künftige Verein heitlichung bei der Schaffung neuer Lokomotiven hin, die allmählich die jetzt im Betrieb befindlichen, noch recht verschiedenartig geftalte en Lokomotiven ablösen werden. Sonntag, 14. Dezember 1924 duftrie bei ihrer Beurteilung ausländischer Zoll, ermäßigungen" in derartig zustandegekommenen Tarifverträgen oft genug gemacht haben. es sich jedoch in der Hauptsache nur um furzfristige Beschäftigungen, die durch das Weihnachtsgeschäft hervorgerufen werden. In der Metall- und Lederindustrie, im Nahrungs- und Genußmittel gewerbe, sowie im Vervielfältigungs- und Handelsgewerbe und bei den technischen Berufen fehlt es an geeigneten Spezial fangen wir mit den zu Kompenfationszwecken aufgestellten hohen Dazu fällt ein weiterer Gesichtspunkt schwer ins Gewicht: Was arbeitsträften. Durch überall einsetzende rationellere Betriebsführung werden in bezug auf die Spezialkenntnisse, nament- 3ollfägen an, wenn und soweit sie in den Verhandlungen nicht lich der kaufmämischen Angestellten, erhöhte Anforderungen gestellt. gegen Zugeständnisse des Auslandes wieder zur Ermäßigung Bei Einstellungen im Handelsgewerbe werden allgemein für den tommen? Es unterliegt wohl taun einem Zweifel, daß, wenn schon Berkauf solche Kräfte bevorzugt, die in erstklassigen Spezialgeschäffen Schutzölle an sich ein notwendiges llebel darstellen, solche Zölle, die ausgebildet sind. Bemerkenswert ist noch, daß jezt wieder die das ausreichende Maß" überschreiten, nur nachteilig auf Reklame in den Vordergrund der Erscheinung tritt. So werden die deutsche Produktion einwirken können( wennschon sie einer beunter anderem mit Vorliebe solche Reklamefachleute gewählt, die grenzten Gruppe von Produzenten das Portemonnaie füllen, weil schon mit Erfolg im Ausland tätig waren. Auch die Anforderungen sie die Preise über Gebühr hochtreiben). Ober sollen wir uns damit von Provisionsreisenden, welche in größerem ilmfange eingehen, lächerlich machen, daß wir dann nach Abschluß der Verhandlungen deuten auf erhöhte Werbetätigkeit hin. Die Arbeitslosigkeit hat alle die Zölle, auf die das Ausland nicht angebissen hat, ohne eine weitere nicht unwesentliche Abnahme erfahren. Es waren 61 789 Personen bei den Arbeitsnachweisen einge- Gegenleistung und aus eigener Initiative wieder her absezen? tragen, gegen 69 396 der Borwoche. Darunter befanden sich 43 303( Daß dies nicht geschieht, dafür sorgt in der Regel dann schon das ( 47 544) männliche und 18 486( 21 852) weibliche Personen. Unter- private Interesse der nächstbeteiligten engeren Interessentenfreise; stügung bezogen 22 050( 22 380) männliche und 5192( 5199) weib- tatsächlich ist es noch in feinem Falle bisher dazu gekommen, so vielliche, insgesamt 27 242( 27 579) Personen. Die Zahl der zu gemeinfach auch schon eine Regierung mit unabgesetzter Zollware auf der nüßigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 797 gegen 886 der Verhandlungsmesse sitzen geblieben ist.) Vorwoche. Kompenfationszölle. Das Herannahen des fritischen 10. Januar 1925, an welchem die uns im Versailler Frieden aufgezwungene einseitige Meistbegünfiigungsklausel außer Kraft tritt, brachte die Einleitung von Handelsvertragsverhandlungen mit unseren früheren Gegnern mit sich, und andere Vertragsverhandlungen werden ihnen folgen. Ais Duvertüre dazu sind denn auch bereits die Vorarbeiten für die Aufstellung eines neuen 301ltarifes in Angriff genom. men worden. Nach alter guter Gewohnheit werden denn auch schon wieder erhebliche Erhöhungen der bisherigen Zolisätze in Angriff genommen, damit man für die Verhandlungen eir brauchbares Tarifvertragspolitik alles darauf hinausliefe, sich gegenseitig mögBollinstrument in Händen habe. Die naive Auffassung, daß bei der lichst viel abzuhandeln", und daß man beshalb von vornherein möglichst viel aufschlagen" müsse, erscheint bei oberflächlicher Betrachtung so plausibel, daß sich selbst ausgesprochen wirtschaftspolitisch lints gerichtete Kreise damit abfinden. So hat der Außenhandelsverband( Handelsvertragsverein) in einer vom Vorstand dieser Tage ausgegebenen programmatischen Erklärung zur neuen Zollpolitik unumwunden erflärt: Verhandlungszölle, die dazu verwandt werden, in ausländische Zollmauern durch Handelsverträge Bresche zu schlagen, sind gerechtfertigt und notwendig. Aber es besteht Gefahr, daß daß darüber weit hinausgegan gen wird, und daß sich Schuzzollinteressen dahinter verstecken, die einem vertragsmäßigen Abbau der Berhandlungszölle entgegenarbeiten." Und selbst der Freihandelsbund" hat in seinen foeben veröffentlichten Leitfäßen für die deutsche Handelspolitik" erklärt:„ Mit Rücksicht auf die schutzöllnerischen Neigungen des Auslandes müssen der deutschen Regierung Handels. objette in Form von 3ollpofitionen zur Ber. fügung gestellt werden." diese ganze Auffassung von der Notwendigkeit hoher Zollfäge, die Da lohnt es sich wohl, einmal die Frage aufzuwerfen, ob nicht nur zum Herabhandelnlassen geschaffen sind, eine grundsäglich verkehrte ist. Käme es nur auf das her a b handeln an, dann tarifes. weder eine geschulte Regierung noch wirtschaftliche Sachver hätten wir, scheint mir, für die Aufstellung eines neuen Generalständige nötig, sondern brauchten nur einfach die Zollfäße für alle Positionen des Tarifes je nach Art der Ware auf 1000, 10 000 oder zum Abhandeln und wir müßten daraufhin ausgezeichnete Handels100 000 m. einzusetzen. Dann hätte das Ausland etwas Tüchtiges verträge bekommen. Aber in Wirklichkeit liegen die Dinge doch erheblich anders. ausreichenden Schutz gegen die ausländische Konkurrenz" ansehen, Das, was die inländischen Interessenten als einen ist ein 3ollfag, der eine rentable Konkurrenz der ausländischen Industrie in Deutschland ausschließt oder wenigstens liegenden Verhältnissen gestattet. Um derartige Bollfäge zu erlangen, nur in engem Umfang und unter besonders für das Ausland günstig werden aber die ausländischen Regierungen schwerlich bereit sein, ernstliche, dem deutschen Export müßliche Zugeständnisse zu machen, sondern sie erstreben eben eine Ermäßigung unter dieses Niveau des vollen Schutzes hinunter. Und nun schließlich: Bis zum leberdruß ist bei allen Handels. vertragserörterungen immer wieder erörtert worden, daß- eine annehmbare Höhe der Zollfäße einmal vorausgesetzt das für die ausländischen Interessenten wichtigste gar nicht die Frage ist, ob der 3oll nun noch ein kleines bißchen höher oder tiefer festgelegt wird, sondern vor allem ihre Festlegung auf eine lange Frist von Jahren zur Sicherung der geschäftlichen Stetigkeit. Dem entspricht es denn auch, daß in den bisherigen Tarifverträgen in der Regel die bloßen Bindungen von Zollfäßen zahlenmäßig rund das Doppelte der durch die Verhandlungen erst ermäßigten Gäße ausmachen. Für den Vertragsgegner ist daher die bloße Bindung eines Zolls, d. h. der Schutz gegen unvorhergesehene plötzliche Erhöhungen, die mit einem Male alle Kalkulation über den Haufen wie eine Zollherabsetzung, vorausgesetzt, daß der gebundene Zollfatz werfen, eine im Prinzip ebenso wertvolle Errungerschaft, eine ihm die Konkurrenz ermöglichende Höhe hat, entsprechend der, die er andernfalls erst durch Herabsetzung erreichen wird. Angesichts dieser sattsam bekannten Tatsachen erhebt sich die Frage: Wie wäre es denn, wenn man einmal das ganze Verfahren umfehrte, d. h. an das Ausland ruhig mit dem bestehenden Zolltarif heranträte, aber erflärte:„ Gine wesentliche Neugestaltung unferes Tarifes wird sich auf die Dauer nicht umgehen lassen und dabei wird es in erheblichem Umfang zu Zollerhöhungen fommen. Aus der Presse und hier aus all diesen Eingaben seht ihr bereits, wie weitgehende Forderungen von diesen und jenen Interessentengruppen gestellt werden. Also sorgt dafür, daß ihr euch eine möglichst große Zahl solcher Zollpositionen, die eudy interessieren, jegt, noch ehe die Tarifrevision bei uns in Fluß fommt, in der euch annehmbaren Höhe bindet. Gegen ent sprechendes Entgegenkommen eurerseits sind wir dazu Ich möchte glauben, daß die Aussicht auf eine über furz oder lang sicher bevorstehende allgemeine deutsche Tarifrevision mit im samerer Anreiz zu entsprechenden Zugeständnissen sein wird. braus ganz unabsehbaren Zolländerungen sogar ein wirk. Denn es liegt in der menschlichen Natur, daß man ein Unheil, das erst in ungewisser und unbestimmter Form im Herannahen ist, meist fich flar gegenüber sieht. Und wir bleiben dabei bewahrt davor, uns weit stärker fürchtet, als eine tonkrete abschäzbare Gefahr, der man in den unerquicklichen Strudel von inneren Zollkämpfen stürzen zu Bölle geführt werden, unvergleichlich umfangreicher und komplizierter müssen, die, wenn sie unter dem Gesichtspunkt der Verhandlungswerden, als wenn es sich nachträglich nur um die Ergänzung des Tarifs bzw. einiger wirklich triftigen Erneuerungsbedürfnisse handelt. Dr. W. Borgius, Die obige Darstellung zur Frage der Kompensationszölle ge winnt an Bedeutung durch die Tatsache, daß die bisherigen Vers herigen 3ollsäge sehr weit gedeihen konnten. Tatsächlich verhandlungen mit Auslandsstaaten bereits auf Grund der biss birgt sich hinter dem Schlagwort„ Kompenfationszölle" oft der Bunsch nach Schutz zöllen. Darauf wird man bei den jetzt beginnenden Vorbereitungen zu einem neuen Zolltarif besonders zu achten haben. Der Beschäftigungsgrad der deutschen Industrie. Nach dem Bericht des Reichsarbeitsblattes" hat sich die schwache Besserung des Inlands absages, die sich in einzelnen Ingenieur 3 ollinger, der Chef des Schweizerischen Normenbureau's behandelte die Voraussehungen für internationale Normungsarbeit. Die Borausfehungen für diese internationale Zusammenarbeit liegen in dem gemeinsamen Willen, der alle, die etwas Neues schaffen wollen, befeligen muß. Biel Geduld, psychologisch richtige Einstellung, unbeugfames gegen seitiges Bertrauen und Sachlichkeit müssen vorhanden sein, wenn internationale Normungsarbeit den erstrebfen Erfolg zeitigen soll. Er kennzeichnete die großen Schwierigkeiten, die bei der Vielheit der hier zu beachtenden Einzelheiten zu überwinden find, Schwierigkeiten, Deren Grund in der wirtschaftlichen Tradition der einzelnen Länder liegen. Immerhin sind schon eine ganze Menge Vereinbarungen erzielt worden, so daß für die Zukunft noch das beste zu erwarten ist. Diese geistige 3usammenarbeit der Nationen untereinander wird den Zusammenschluß der geistigen Kräfte, der Ingenieure und Technifer, im weitesten Maße fördern. Er wird ein Eckpfeiler für gesundes Wirtschaftsleben und für wahren Frieben und somit für die Wiedergenesung Europas abgeben. Den Beschluß der Tagung bildete ein Referent des Diplom- absolute Höhe eines Zollfazes. Tarifverträge abschließen, 10, Industrien in den letzten Monaten erkennen ließ, im November auf ingenieurs Renner- Hamburg, der über„ die Bedeutung der Normung für den Export" sprach. Export ist notwendig, weil die Substanz, d. h. Fabrikanlagen in Deutsch land an Umfang gewonnen haben, der Inlandsmarkt aber nicht aufnahmefähig ist und Riesenbetriebe nach Riefenaufträgen schreien. Aufträge im Ausland können nur dann hereingebracht werden, wenn Lieferfristen pünktlich eingehalten, wenn die Ersatzteile schnell geliefert werden können, wenn die gelieferten Maschinen in Austausch arbeit hergestellt, niemals bei Störungen längere Zeit ungenutzt bleiben, also als totes Rapital zu werten find. Der Vortragende empfahl schließlich, die Normung der Angebotsverfahren und der Propaganda. Fremdsprachige Propaganda und auch im Stabelwesen tönnen durch fachgemäße Normung wesentliche Ersparniffe erzielt werden. Die ganze Tagung zeigte, daß die Techniker hier im Begriff find, etwas wirklich Revolutionäres zu schaffen. Bielgestaltigkeit im alten Sinne ist Unfug, Bielgestaltigkeit, die auf der durch die Normtung geschaffenen Einheitlichkeit beruht, aber bringt volkswirtschaftlichen Nuzen und eröffnet weite Zukunftsaussichten. M. M. • Besserung am Berliner Arbeitsmarkt. Der Berliner Arbeitsmarkt zeigt in der Berichtswoche weitere Besserungserscheinungen. Die Beschäftigungsmöglichkeiten haben sich in verschiedenen Berufszweigen erhöht, in einigen handelt Worauf es bei den Vertragsverhandlungen ankommt, ist also feineswegs der Grad, um den man die ad hoc geschaffenen„ Verhandlungszölle" her a b handelt, sondern lediglich die durch geringere oder größere vertragsmäßige Herabjegungen erreichte daß keinerlei Benachteiligung deutscher Produzenteninteressen dadurch eintritt, nämlich eine teilweise Deffnung des deutschen Marktes für ausländische Konkurrenz ist, heißt die Republik mit dem Großherzog an der Spike" erstreben, wie es 1848 jener brave Badenfer wollte. Wollen wir unserem Export Wege ins Ausland er öffnen, so müssen wir auch gewisse Schußintereffen unserer Produktion preisgeben. Das sind ja doch Binsenwahrheiten. Erkennt man dies an, dann muß man aber auch einsehen, daß die Aufstellung eines zum Verhandeln bestimmten Generaltarifes mit hohen, lediglich zum Abhandeln bestimmten Zollfäßen feinen Sinn und Verstand hat. Eine allgemeine Erhöhung unseres Generaltarifes über das tat: fächlich unerläßliche Schuhmaß hinaus würde lediglich das Ergebnis haben, daß wir( zur Erzielung gleicher Gegenzugeftändnisse) formell entsprechend größere Zollherabsetzungen bewilligen müßten, als wenn die Generalzollfäße von vornherein in vernünftiger Höhe blieben. Dies um so mehr, als erfahrungsgemäß solche für die Berhandlungen geschaffenen, nicht bereits seit geraumer Zeit praktisch in Geltung gewesenen und bewährten Zollsätze vom Ausland doch nicht ernst genommen werden, sondern mehr oder weniger nur auf dem Papier stehen. Ihre Wiederherabsetzung auf das bisherige Maß wird vom Ausland nicht als errungene neue Vergünstigung, sondern lediglich als Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes empfunden. Das ist eine Erfahrung, die wir auch in unserer Inindustrie ausgedehnt. Es handelt sich aber wieder nur um elit den Steinkohlenbergbau und vor allem auf die Eisen- und Metall geringes Anziehen. In der Metallindustrie ist die Belebung zudem von kurzer Dauer gewesen; bereits in der zweiten Hälfte des Berichtsmonates schwächte sich wieder die Zahl der Geschäftsabschlüsse ab. Im übrigen war die Absazbelebung im November in erster Linie darauf zurückzuführen, daß sich der Großhandel infolge der vielfach anziehenden Preise auf dem Weth Weihnachtsgeschäft und in geringem Maße das Hereinkommen von martt zu Einbeckungen vor dem Einsehen oder Auswirken von Berteuerungen veranlaßt sah. Ferner wirften das bevorstehende Berbandsbildung in der Metallindustrie, die Anfang November sich Auslandskrediten günstig auf die Geschäftslage ein. Die durchzusetzen began, war von wesentlichem Einfluß auf die lebhafte umfaßgestaltung auf dem deutschen Eisenmarkte, namentlich in der ersten Hälfte des November. 2810 typische industrielle Betriebe mit 1,23 Millionen Be schäftigten haben an das„ Reichsarbeitsblatt" über ihren Beschäftigungsgrad im November im Vergleich zum Bormonat berichtet. Der Anteil der Betriebe mit schlechtem Geschäftsgang ver. minderte sich von 45 v. H. im Oktober auf 36 v. 5. im November, während die gut beschäftigten Betriebe ihren Anteil von 17 für Arbeitsvermittlung laffen eine weitere Besserung der Lage des auf 24 v. 5. erhöhten. Auch die Berichte der Landesämter Arbeitsmarktes erkennen, zeigen aber gleichzeitig, daß einzelne Gee werbezweige noch immer mit Rückschlägen zu kämpfen haben. ritzi assary die gehaltvolle 3 Zigarette entzückt nun in neuer vornehmer Ausstattung auch den in äußeren Dingen verwöhnten Raucher, sie erfreut sich aller Gunst! Nach kurzem, schwerem Leiden ist am Freitag, den 12. Dezember 1924, mein geliebter Mann Dr. Alexander Helphand im Alter von siebenundfünfzig Jahren verschieden. Wer diesen wahrhaft großen und immer hilfsbereiten Menschen kannte, wird meinen Schmerz verstehen. Berlin, den 13. Dezember 1924. Im Namen der Hinterbliebenen Else Helphand geb. Gerstmeier und Kinder Vom tiefem Schmerz getroffen wurden wir durch das unerwartete Ableben unseres allbeliebten Chefs, Herrn Richard Kudell Wir verlieren an ihm einen Vorgesetzten, dessen Gerechtigkeit und Fürsorge unser aller Herzen gewonnen hat. Ein treues Andenken wird ihm bewahrt bleiben. Technische Angestellte und Arbeiter der D.K.F. AUGUSTE MUNZER Weihnachtsverkauf Strickkostume, Morgenröcke Sportröcke Strickkleider, Westen, Jumper, mollige Kodel- und Sportgarnituren hervorragend billig Tri otkleider Kunstseide, reich bestickt. kleid same Neuheiten. Kasaks Marocain a. andere Stoffarten 16.75 Flauschqual. schone Farben 14.50 1675 12.50 Samt- n. Duvetinehüte, schwarz und farbig 2.95 6.50, 4.50 Velour975 reins Wolle, weiß s. farbig. schöne Strei fen- a. Karomaster... Kleider tar Nachmittag a. Strasse, vVOTnehme Neuheit. 48.Mäntel Velour de laine mit Pelzkragen a. 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Januar 1924 mußte Herr Thiele infolge feiner Krankheit und feines hohen Alters in den Ruhetanb treten. Während feiner 25 jährigen Dienstzeit hat sich Herr Thiele ftets als pflichttreuer, eifriger Mitarbeiter bewiesen. Gein gerader Sinn und ehrlicher Charakter werden thm ein dauerndes Andenken nicht nur beim Borstand, fondern auch bei den Angeftellten sichern. Berlin, den 12. Dezember 1924. Der Vorstand und die Angestellten der Ortskr nkenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Die Einäscherung findet Dienstag, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Als Sangesbruder hat unfer Robert Thiele lange und etfrig für bte Sypographia" gewirkt 2 Ihm die legte Ehre zu erweisen, ift Pflicht aller Gänger. Auen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, baß unfere herzensgute, unvergeßliche Wutter, die Gaftwirtin Henny Kimmel nach langem Rrantenlager am Don nerstag unferem lieben Bater nach einem Jahr in den Tob gefolgt ist. Cinäfcherung Montag, nachmittags 5 Uhr, in Baumschulenweg. tepp deden preiswert, direkt Fabrik Bernhard Strohmandel, Bar Wallst.72 Fil.Spittelmarkt. E.Senbelft. u. Nikolsburg.Pl. 2 Alte Steppbed. werb. aufgearb. ge666666# 999999 17. Kreis Lichtenberg Herzliche Glückwünsche unserem lieben Genossen Leopold Jünemann und Frau Martha zum Feft der Silber- Hochzeit Lichtenberg, 14. Dezember 1924. Der Kreisvorstand: Thurm Es fteigt bas Lied vom Gabul 999106666666 Translation( Uebersetzung). Nach einem Dekret des Obergerichts des Staates Viktoria, erlassen am 28. November 1921, betreffend die letztwillige verfügung des verstorbenen Arztes Johannis August Emil Gutheil in Sturt Street Ballarat im Staate von Viktoria wohnhaft gewesen und nach einer gerichtlichen Vorladung Nr. 616 vom 1921 betreffend einerseits The Ballarat Trustees Executors and Agency Company Limited und Thomas Ryan Jones( Testamentsvollstrecker und Bevollmächtigte unter dem Testamente des genannten Johannis August Emil Gutheil) Kläger und andererseits Margaret Edith Lyell Guthell und The Public Trustee"( Oeffentlicher Nachlaßverwalter) als Beklagre. Der Erste Schreiber ,,, Chief Clerk", des genannten Gerichts ist beauftragt worden, die nächsten Blutsverwandten des Erblassers zu ermitteln, welche am Todestage des Erblassers noch am Leben waren. Arthur Emil Gutheil, der Sohn des Erblassers, und Henriette Dorothea Elizabeth Gutheil und Ida Dart Green haben sfch bereits als die nächsten Blutsverwandten gemeldet und zwar des genannten Johannis August Emil Gutheil, welcher am 17. April 1917 gestorben ist. Hiermit fordere ich etwa solche weitere Blutsverwandien auf, am oder vor dem 2. März 1925 durch ihre Rechtsvertreter vor mir in meinem Amtszimmer in dem Gerichtsgebäude zu Melbourne zu erscheinen, anderenfalls werden sie ein für allemal von den Vergünsti gungen des genannten Dekrets ausgeschlossen. Montag, der 16. März 1925, elf Uhr vormittags, ist als Termin für die Prüfung und Erledigung der eingehenden Ansprüche an den Nachlaß festgesetzt worden. Datiert am 10. Oktober 1926, gez. M. M. Phillip Chief Clerk. Stamp cancelled 5/ 10 the October, 1924. Das große Geheimnis eines gut geratenen, selbst gebackenen Kuchens liegt in der Verwendung des Mondamin- Backpulvers begründet. Es hat die genügende Treibkraft, um den Kuchen loder zu machen, es schmeckt nicht vor, sondern stört durch nichts den reinen Kuchengeschmack. Die Hausfrau ist erfreut, wenn Sie vor den Feiertagen in threr Speisekammer die guten Mondamin- Festtagskuchen aufstellen tann. 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Dezember 1924 dem ist noch eine Rechtsbeschwerde beim Verwaltungsgerichts-| ordneter sein, jedoch ist Vorsorge getroffen, daß ein von der hof zulässig. Diese Kommunalfammer war von den über Stadtverordnetenversammlung gemähltes Ratsmitglied wieder ängstlichen Bürgermeistern des Freistaates Braunschweig ge- in die Stadtverordnetenversammlung eintreten fann, falls es fordert, und die Regierung hat dem Drängen der Bürger- vom Amt eines Ratsmitgliedes zurücktritt. Diese Möglichkeit meister in diesem Falle nachgegeben und die Kommunal- besteht z. B. in Preußen zurzeit nicht. fammer geschaffen. Braunschweig ist der einzige Staat im Deutschen Reiche, ber noch immer mit turzen Unterbrechungen seit 1918 eine sehen ist, so ist auch für die neue braunschweigische Städte Mie in der Reichsverfassung ein Boltsentscheid vorges fozialistisch demokratische Mehrheit im Landtage hat und dessen Regierung allein von der Sozialdemo- ordnung ein Gemeinde entscheid vorgesehen, der aber fratie und der Demokratischen Partei gestellt wird. Aus diesem Grunde war es auch möglich, gegen den Widerstand der Rechtsparteien eine großzügige Reform der Ge= meindegese ge vorzunehmen. In monatelanger Tätigfeit hat die braunschweigische Regierung den Entwurf einer Städte-, Kreis- und Landgemeindeordnung ausarbeiten lassen und ihn in den letzten Wochen dem Landtage vorgelegt. Gegen die Stimmen der Rechtsparteien wurden diese Reformgesetze in den legten Sigungen des braunschweigischen Landtags, dessen Auflösung auch zum 6. Dezember beschlossen ist. angenommen. Die alten Gemeindegefehe von 1892, die durch die verschiedensten Abänderungsgeseze sehr unübersichtlich geworden waren( sie enthielten z. B. noch die Festlegung des Dreiflaffenwahlrechts) sind jetzt außer Kraft gesetzt worden. Nach der bisher geltenden Städteordnung fonnte auch ein Beschluß nur durch die Uebereinstimmung der Stadtverordnetenversammlung mit dem Rai der Stadt zustande kommen. Es geschah sehr häufig, daß die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluß faßte, dem sich der Rat der Stadt widersetzte. So wurde in der Stadt Braunschweig fürzlich beschlossen, den Sozialrentnern eine Zulage von 18 M. monatlich zu gewähren. Der Rat der Stadt widersetzte sich diesem Beschluß, so daß die Stadtverordnetenversammlung sich nochmals mit der Angelegenheit beschäftigen mußte. Erst nach längeren Berhandlungen gelang es dann, nachdem dem Rat der Stadt neue Steuerquellen gezeigt worden waren, dem Beschluß Geltung zu verschaffen. DALEP K.P.O ||| K.P.D Kampfgenossen. D.MP Rote Fah OMP 1234 In der neuen Städteordnung ist das Einfammersystem festgelegt worden. Infolgedessen ist in Zukunft der Wille der Stadtverordnetenversammlung allein maßgebend. Der Rat der Stadt ist lediglich noch Berwaltungs- und Bollzugsorgan der Stadtverordnetenversammlung. Er steht nicht mehr gleichberechtigt neben ihr. Aus diesem einen Grunde ergibt sich auch als notwendige Folgerung für alle politischen Parteien, daß sie in Zukunft noch mehr als bisher den größten Wert auf die Auswahl der Stadtver= ordneten legen. Jeder sich etwa unheilvoll auswirkende Beschluß der Stadtverordnetenversammlung wird in Zukunft selbstverständlich auch allein der Mehrheit der Stadtver ordnetenversammlung zur Last gelegt werden müssen. Aber auch jede Unterlassungssünde in wirtschaftlicher Beziehung, jede verpaßte Gelegenheit des Ausbaues der gemeinwirtschaftlichen Betriebe, die man bisher mit gutem Recht dem Rat der Stadt aufbürden konnte, wird in Zukunft die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung zu tragen haben. Da gerade in Braunschweig wie auch in anderen Städten die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen sicherlich die Mehrheit gewinnen wird, kommen diese letzten Ausfüh- in Finanz-, Budget- und Besoldungsfragen und bei Steuern rungen für fie ganz besonders in Frage. Es bestand aber kein Grund, das Zweitammersystem bei zubehalten, da die ausschlaggebenden Stimmen darüber, nach welchen Grundsätzen die Berwaltung der Stadt geführt werden soll, in einem demokratischen Staate nur bei den Gemeindeangehörigen liegen fönnen und nicht einem Rat der Stadt übertragen sein dürfen, dessen besoldete Mitglieder viel leicht auf Jahrzehnte oder gar auf Lebenszeit gewählt worden sind. Sicherungen gegen ,, unüberlegte" Stadtverordneten beschlüsse auf finanziellem Gebiete sind aber auch in der neuen braunschweigischen Städteordnung enthalten. Das Gesetz sieht vor, daß Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung, die das bestehende Recht verlegen, vom Rat und von der Aufsichtsbehörde mit aufschiebender Wirkung beanstandet werden können. Beschlüsse, die nicht rechtswidrig sind, aber doch zu Bedenten Anlaß geben, fann der Rat mit auf schiebender Wirkung beanstanden und der jetzt gegründeten neuen Kommunalkammer zur Entscheidung vorlegen. AußerKinder Hausschuhe prima tarbig Melton, mit Kiageneinfass und Poupon und fester Sohle, schöner Geschenkartikel.... 81/85 1,35, 27/30 15 Kinder- Schnallenstiefel D.NIP K.P. DMP DN.V.P K.P.D. Glory wilkę Das war ein gemeinsamer drediger Kampf, lieber Freund, hoffentlich können wir uns jetzt ein paar Jahre ausruhen!" nicht verlangt werden tann. Die Stadtverordneten z a hl ist in fleinen Städten auf 15( bisher 18) festgesetzt worden. Die Zahl der Stadtverordneten muß ungerade fein. Sie fann durch Ortsgesetz noch weiter herabgesetzt werden, darf aber nicht unter 9 finten. Die Stadt Braunschweig hat zukünftig 35( bisher 36) Stadtverordnete. Die Bürgermeister und die befoldeten Stadträte sollen von der Mehrheit der Stadt verordnetenversammlung gewählt werden. Die Rechtsparteien versuchten hier ein Monopol für Juristen und Volkswirtschaftler zu schaffen, indem sie forderten, daß für Städte mit über 15 000 Einwohnern nur Männer mit abgeschlossener juristischer oder volkswirtschaftlicher Borbildung Bürgermeister werden könnten. Sie wollten hier wieder einmal dem Tüchtigen die freie Bahn verbauen und es dem Kaufmann, dem Techniker, dem Arzt usw. unmöglich machen, die Verwaltung einer Stadt zu leiten. Die Sozialdemokraten lehnten aber mit Hilfe der Demokraten den Antrag der Rechtsparteien ab. Die Stadtverordneten werden auf drei Jahre gewählt. 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Februar 1917 angewachsen auf 2017 173, war dann bis zum 28. August 1920 1542 874. An eine Neubautätigkeit war aber nicht zu denken. auf 1027 330 gefallen, und betrug am 15. März 1923 Die Gemeinden tonnten aus Mangel an Mitteln nicht daran denken, Wohnungen zu bauen. Außerdem tam die Baustoffindustrie infolge der allgemeinen Wirtschaftslage fast nöllig Wichtige Flugblattverbreitung ( Extraausgabe des ,, Vorwärts") Sonntag, 14. Dezember 1924 dürfnisse der Gemeinden oder Staatsbehörden ungeeigneten Häuser an Bereinigungen oder Privatpersonen überlassen follten. Das bedeutete eine teilweise Entkommunalisierung der Häufer. So follten in Mostau und Petersburg Häuser mit höchstens 5 Wohnungen ihrem ehemaligen Besizer zurückeines Jahres wiederherstellten gegeben werden unter der Bedingung, daß sie diese im Laufe nalisierten Häusern wurde zum Teil auf die unmittelbare BerUnd auch bei den kommu waltung durch die Gemeinde verzichtet und eine Verpachtung an Privatpersonen zugelaffen. Endlich wurden Mietergenossenschaften gegründet, welche der Gemeinde gehörige Häuser pachten, verwalten und unterhalten sollten. Ihre Tätigkeit ist aber aus Mangel an Mitteln sehr gering ge blieben. Außerdem ist durch das Edikt vom 30. April 1922 die Mietzahlungspflicht grundsäglich für alle Mieter wieder eingeführt. Nur bestimmte Bevölkerungsklassen werden wurde die früher willkürlich betriebene Ausweisung der Mieter aus den Wohnungen und die Einengung" durch Zuweisung Voraussetzungen geknüpft. von Untermietern erheblich eingeschränkt und an bestimmte 17 europäischen Staaten behandelt, ist auch den Verhältnissen am Sonntag, den 21. Dezember 1924 burch Mietmachlaß begünstigt. Im Zusammenhang damit in allen Abteilungen und Bezirken Genoffinnen und Genoffen befeiligen fich vollständig zum Erliegen. Infolgedessen konnten selbst die notwendigsten Reparaturen in den vorhandenen Häufern nicht ausgeführt werden. in Rußland ein besonderer Abschnitt gewidmet. Die Wohnungspolitik der Bolschewisten richtete sich zunächst sireng nach kommunistischen Rezepten. Nachdem die Bolschewisten die Alle politische Macht errungen hatten, gingen fie alsbald daran, die Wohnungspolitik durch eine Reihe von Gesetzen zu regeln. Zunächst wurde jedes private Eigentum an Wohnungsgrund stücken aufgehoben. An die Stelle des privaten Eigentums trat das öffentliche Eigentum. Die städtischen Grundstücke, Gebäude und Wohnungen wurden ,, munizipalisiert"( kommunalisiert), in städtisches Eigentum übergeführt. Damit war die Gemeinde der einzige Grundeigentümer und der einzige Vermieter. Man ging aber noch viel weiter. Nicht nur das Besitzrecht an Grundstücken wurde beseitigt, man schaffte auch das private Eigentum an beweglichem Gut ab. So wurde insbesondere der private Besitz von Möbeln verboten. In den Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern wurde das Recht zu bauen ausschließlich den Ortsbehörden vorbehalten. Die Städte machten von ihrem Eigentum an den Wohngrundstücken und dem damit verbundenen Verfügungsrecht alsbald einen sehr weitgehenden Gebrauch. Die Bevölkerung wurde zwangsweise umquartiert. Man ging dabei non dem Grundsage aus, daß der Arbeiterklasse als der Trägerin des neuen Staatswesens die besten Wohnungen gehörten, welche bislang von der Bourgeoisie und der Intelligenz bewohnt worden waren. Daher wurden die Arbeiter in die Wohnungen der besseren Viertel eingemietet, wobei sie häufig auch die Möbel dieser Wohnungen mit übernahmen. Die bisherigen Bewohner mußten sich entweder mit einem fleinen Teil ihrer Räume begnügen sie wurden eingeengt" oder fie wurden völlig ausquartiert und mußten in die Arbeiterviertel ziehen, deren Einwohner in die größeren Wohnungen über geführt worden waren. Man ging aber noch einen Schritt weiter. Der Staat follte jedem einzelnen das garantieren, was zum Leben notwendig fei. Zu diesem Notwendigsten gehörten natürlich auch die Wohnungen. Es wurde daher als eine Pflicht des Staates angesehen, den einzelnen Familien eine Wohnung fostenlos zu verschaffen. Die unter dem früheren privatrechtlichen System begründete Pflicht zur Mietzahlung wurde infolgedessen aufgehoben. Die Mieter erhielten ihre Wohnungen, ohne daß sie einen Rubel Miete zu bezahlen brauchten. Auch die verschiedenen Nebenleistungen übernahm die Gesamtheit. Bon einer Pflicht der Mieter zur Unterhal tung von Wohnungen war nicht die Rede. Hierfür sollte die Gemeinde als Eigentümerin aufkommen. Die erste Folge dieser Politik war eine völlige Bermahrlosung der Wohnungen. Die Mieter gingen mit dem Eigentum der Gesamtheit in der schonungslosesten Weise um. Die Städte waren gar nicht in der Lage, die notwendigsten Reparaturen auszuführen. Infolgedessen verfielen die besseren Wohnungen in allerfürzester Zeit. Auch den sozialisierten" Möbel- und Ausrüstungsstücken erging es nicht besser. Die Schwierigkeiten wurden dadurch verschärft, daß nach dem erheblichen Rückgang der Bevölkerung in den großen *) Die Wohnungsprobleme Europas nach dem Kriege. Studien und Berichte des Internationalen Arbeitsamts, Reihe I( Wohnungsund Wohlfahrtswesen), Nr. 1. Genf. 1924. zunächst Mieterausschüssen übertragen. Die Verwaltung der munizipalisierten Grundstücke war eines Hauses sollten die Generalversammlung bilden. Diese Sämtliche Mieter hatte ein Komitee zu ernennen, das dem Wohnungsausschuß des Drtssowjet für seine Tätigkeit verantwortlich war. Diese Einrichtung wurde jedoch für einige Großstädte im Jahre 1919 abgeändert. Man überwies den gewerblichen Betrieben zur Unterbringung ihrer Angestellten und Arbeiter die in der Nähe der Betriebe liegenden Häufer. Die Verwaltung dieser. Gebäude ging von den Mieterausschüssen auf die betreffenden Betriebe über. Gleichzeitig wurden die Städte in Bezirte eingeteilt und die Funktionen der Mieterausschüsse an Bezirksverwalter übertragen. sich nach der Darstellung des Internationalen Arbeitsamtes Nachdem diese Politit 2% Jahre fortgesetzt war, ergab folgendes Resultat: Einerseits der völlige oder teilweise Berfall der Häuser und Wohnungen und andererseits der völlige Stillstand der Bauindustrie, der jegliche Instandhaltung, die Ausführungen von Reparaturen, oder den Wiederaufbau der vorhandenen Wohnungen unmöglich machte. Die bereits früher schwierigen Wohnungsverhältnisse verschlimmerten fich nunmehr bis zur Unerträglichkeit. Selbst das Organ der Gemeindeverwaltung von Moskau mußte anerkennen, daß der völlige Ruin der vorhandenen Wohnungen eingetreten war. Im Jahre 1921 waren in Mostau 8400 Häuser abgeriffen oder verfallen und 4400 Häuser unbewohnbar geworden. Diefe repräsentierten zusammen einen Wert von 103,5 Millionen Goldrubel Im ganzen waren 60 971 Wohnungen unbenen Goldrubel Im ganzen waren 60 971 Wohnungen unbewohnbar geworden, das waren 37,2 Proz. der Gesamtzahl. Im Zusammenhang mit der Einführung der NEP., der neuen ökonomischen Politif, wurde angesichts des völligen Zu= sammenbruchs auf dem Wohnungsmarkte im Jahre 1921 auch ein Wandel in der Wohnungspolitik vorgenommen. Zunächst wurden die Behörden beauftragt, die notwendigen Repara= turen vorzunehmen. Sie waren aber dazu nicht imstande. Infolgedessen wurden die Mieter zur Vornahme von Reparaturen ermächtigt. Als Vergünstigung wurde ihnen die Wohnung für 3 Jahre zugesichert, falls fie fie weiter gut, im Stand hielten. Und wenn Mietergruppen ein unbrauchbar gewordenes Haus völlig wieder herstellten, wurde ihnen unter bestimmten Borausfegungen die Benutzung des Hauses auf Lebenszeit garantiert, ohne daß sie zur Aufnahme weiterer Mieter gezwungen werden könnten. Um die Bautätigkeit wieder in Gang zu setzen, wurde außerdem Privatpersonen wie Baugenossenschaften das Recht zum Bau von Wohnungen auf nationalisierten oder kommu: nalisierten Grundstücken gegeben und ihnen das Recht eingeräumt, diefe Gebäude für längere Zeit in eigenem Besitz zu behalten. Man mußte aber bald noch einen Schritt weiter gehen. Durch ein Edikt vom 8. August 1921 wurde vorgesehen, daß die Gemeinden die fleineren sowie die für die BeDie Zustände auf dem Wohnungsmarkt waren aber be1923 feinerlei Besserung zu bemerken war. Im Gegenteil: reits so hoffnungslos geworden, daß auch im Jahre 1922 und Die Krisis hat sich ständig verschärft. Die Arbeiter sind längst in ihre ehemals verlassenen Wohnungen zurückgekehrt, da die Mieten in den besseren Vierteln für sie unerwird ständig darüber geflagt, daß die arbeitende Bevölkerung schwinglich geworden sind. In der Gewerkschaftspresse darauf angewiefen ist, in Spelunfen zu leben; dabei sind selbst die feuchten riffigen Keller, die kaum den Namen einer Wohnung verdienen, von den Arbeitern heiß begehrt. Die Darstellung des Internationalen Arbeitsamtes fällt am Schluß folgendes Urteil: ungelöst. Die schon vor 1914 bestehenden ungenügenden Woh Die Bohm... gsfrage in Sowjet- Rußland ist noch gänzlich nungsverhältnisse. haben sich infolge des Krieges und der Revolution noch bedeutend verschlechtert. Die fommunistische Wohnungspolitik hat eine fast unerbwirrbare Lage geschaffen; es ist der neuen Wirt fchaftspolitit nicht gelungen, Abhilfe zu bringen. die heutigen Wohnungsverhältnisse in Deutschland als Vorbild Die Sozialdemokratie ist die allerlegte Partei, die etwa hinstellen möchte. Wir wissen genau, wie die heutige Wohnungsnot die weitesten Schichten der Arbeiterbevölkerung be drückt. Ein Blid nach Rußland zeigt aber, daß auch die Kommunisten trog all ihrer bombastischen Bersicherungen nicht imftande sein würden, auch nur eine Wohnung mehr zu bauen. Im Gegenteil: wie auf allen anderen Gebieten, so hat auch auf dem Gebiete des Wohnungswesens der Kommunismus feine Kunst nur in finnlosen Zerstörungen gezeigt. Die deut fchen Arbeiter fönnen froh sein, daß ihnen in Deutschland diese Probe aufs Erempel erspart geblieben ist. Sie werden auch ficher am 7. Dezember das Ihrige tun, um zu verhüten, daß jemals derartige Experimente in Deutschland gemacht werden fönnen. Herren- u. Damen- Stoffe Größte Auswahl! Bekannt billige Preise! .... 105 850 650 550 1650 1250 850 Futterseiden, gemust. u. einfarb. 85 br., 495 450 350 Herren- Palefotstoffe, schwarz, marengo 1150 750 1. 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