Nr.593 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 302 Bezugsprets: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Gaar- und Memelgebiet. Defterreich), Litauen, Suremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! vro Monat Der., Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit..Gieb. lung und Rieingarten fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die et nipaltige Ronpareille Geile 0.70 Goldmark. Reflamegeile 4.- Goldmart...Aleine Anzeigen" bas fettgedruckte Bort 0,20 Gold. mart( auläffig zwei fettgedruckte Borte), icdes 0.10 Goldmart. erfte Wort 0,10 weitere Wort weitere Wort Stellengesuche das Goldmark fedes 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmark. Gine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 42 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin GW 68. Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Donboni 2506-2507 Mittwoch, den 17. Dezember 1924 Soll Stresemann es probieren? Eine Auftragserteilung heute mittag? Der Reichspräsident hatte gestern, wie schon gemeldet,| Sch parzer im Tag", in dem ein Rechtsblod als ein die Parteiführer zu sich geladen und mit ihnen über die Lösung Kampfblod" gefordert wird, der an allen Stellen, beder Regierungsfrise beraten. Von den Deutschnatio fonders auch in der Pressestelle der Reichsregie nalen wurde vormittags der Parteivorsitzende Winckler rung rüdsichtslos aufräumen müsse. Die ,, Germania" sagt empfangen. Am Nachmittag erschien dann auch noch, dem Tag", daß sich die Deutschnationalen blauen Dunst wie die deutschnationale Pressestelle mitteilt, der Abgeordnete vormachten, wenn sie von einem solchen Rechtsblod redeten. Schiele als Vertreter der deutschnationalen Reichstags- Ohne Zentrum sei das nicht zu machen, und das Zentrum mache fraktion beim Reichspräsidenten. Die Unterredung trug, wie eben nicht mit. Die Germania" schließt: die mit Herrn Windler, rein informatorischen Charakter". In ihrer gestrigen Sitzung hat die deutschnationale Fraktion eine Kommission von Unterhändlern gewählt. Der Vertreter des Zentrums, Herr Fehrenbach, hat laut ,, Soz. Preffedienst" erklärt, noch nichts Positives sagen zu Pönnen, da die Zentrumsfraktion erst am Mittwoch tage. Herr Koch dagegen fonnte einen Beschluß der Demokraten mitbringen, der sich für die große Roalition ausspricht. Heute wird der Reichspräsident mit dem Vorsitzenden der Boltsi artei, Herrn Scholz, und mit Herrn Strese manr verhandeln, der mittags erscheinen soll. Das WTB. meldet, daß ,, por morgen( d. h. heute) mittag eine Auftragserteilung zur Regierungsbildung nicht zu erwarten" fei. Daraus wird geschlossen, daß der Auftrag Herrn Strese mann erteilt werden soll, der dann sehen mag, wie er an Stelle, der von ihm gestürzten Regierung eine andere zustande brinat. = In der Preffe war vielfach der Abgeordnete der Bayerischen Boltspartei. Graf Lerchenfeld, der frühere banerische Ministerpräsident, als Kanzlerkandidat der Deut; fchen Volkspartei genannt worden. Dazu wird, wie uns aus München drahtlich gemeldet wird, in Kreisen der Bayerischen Bollspartei folgendes erklärt: Die Bayerische Boltspartei muß es ablehnen, bei diesem durch: fichtigen Spiel des Herrn Stresemann einen Lückenbüßer zu ftellen. Es tann auch nicht früh gemg von der Parteileitung und aus den Kreisen der Partei dieser Meinung Ausdrud verliehen werden. Daß Herr Etresemann den Grafen Lerchenfeld nur als feiren Playhalter benutzen möchte, ist selbstverständlich. Dazu gibt fich weder Graf Lerchenfeld noch die Bayerische Boltspartei her. Freundlich wird man diese Antwort gerade nicht nennen fönnen. Und so wird wohl Herrn Stresemann der Versuch nicht erspart bleiben, das auszueffen, was er eingebrockt hat. Das Schicksal eines Bürgerblocks unter Stresemann als Reichskanzler hängt vom 3 enfrum ab, übrigens auch von der Bayerischen Bolkspartei, die bisher zu den sicheren Aftiven einer Rechtsregierung gerechnet wurde. Nun beschäftigt sich das Berliner Zentrumsblatt mit einem Artifel des Herrn Auslandspreffe und Regierungsfrage. Frankreich. Paris, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Kommentare der französischen Blätter zum Rücktritt des Kabinetts Marg geben der Heffnung Ausdruck, daß man sich in Berlin von der Unmöglich= Peit der in Aussicht genommenen Erweiterung des Kabinetts nach rechts überzeugen und zur Großen Koalition zurüdfinden werde. Sie unterstreichen mit dem größten Nachdrud, daß eine Bürgerblodregierung in Deutschland außenpolitisch die verhängnisvollsten Rüdwirtungen haben müsse. So erklärt am Dienstag åbend der„ Temps", das Ausland habe zwar feinerlei Befugnis, sich in eine rein innerdeutsche Angelegenheit einzumischen, aber es sei wichtig, wenn der Präsident des Deutschen Reiches wisse, daß die Bildung einer Regierung, in der die monarchistisch- nationalistischen Tendenzen ausschlaggebend sein würden, das Vertrauen in die deutsche Erfüllungspolitik unhaltbar untergraben müſſe. Victor Basch, der in der„ Cre Nouvelle" die demokratischen Parteien in Deutschland in letzter Stunde vor dem nicht wieder gutzumachenden Fehler warnt, den er und mit ihm die gesamte Linke in Frankreich in dem Uebergang der deutschen Regierung an die Rechte sieht, erMärt, daß, wenn Deutschland wirklich Männern wie Stresemann die Leitung seiner politischen Geschicke anvertrauen würde, in Frankreich die Axhänger der Politik einer deutsch- französischen Berständigung selbst von Herriot fordern würden, der neuen deutschen Regierung nicht nur teine Konzeffionen zu machen, sondern alles zu tun, um die bedrohte Sicherheit Frankreichs zu schüßen. Italien. Rom, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.)" Nuovo Base" nimmt in einem Leitartikel zu der Demission der Regierung Mary Stellung und erklärt, daß die Krise zu vermeiden gewesen wäre, wenn die Boltspartei nicht ausschließlich parteitaktische Zicie erstrebe. Sie habe sich mit gutem Recht den Namen Krisen macher für alle Zukunft erworben. Schließlich stimmt das Blatt " Einen Kampfblod" in der inneren Verwaltung soll die neue Regierung darstellen. Meint man wirklich, das Zentrum würde fich dazu hergeben, in der inneren Verwaltung, wie Herr Schwarzer will, gegen sich selbst die Knappendienste zu leisten. Man ist also bereit, die äußere Politik unangefochten" zu lassen, erkennt also ruhig an, daß man der selbstlosen Arbeit, die hier das Zentrum geleistet hat, nichts anhaben fann. Aber die Ausübung der politischen Macht, die Hoheitsgewalt muß dem Zentrum entriffen werden. Was müssen wir doch in deufschnationalen Augen für dumme Schafe sein, daß man uns folches zu bieten wagt! Es bleibt also der Bolkspartei das historische Verdienst, alle Möglichkeiten einer Regierungsbildung zerschlagen und teine neue geschaffen zu haben. Das heißt bei der Boltspartei das Vaterland über die Partei stellen". Für andere heißt es: ftaats zerstörende Arbeit. Einberufung des Landtags. Erfte Sigung am 5. Januar. Amtlich wird mitgeteilt: Das Breußische Staatsministerium nahm in feiner Sigung am Dienstag Stellung zu der Frage, an welchem Termin der neue Breußische Landtag zusammentrefen solle. Nach der Berfassung würde der Landtag spätestens am 30. Tage nach Beginn der Wahlperiode zusammenzutreten haben, und es würde mithin die es würde mithin die erste Sigung spätestens am 6. Januar stattfinden. Da jedoch im alten Jahr an eine Parlamentstagung wegen der Feiertage und aus parlamentarisch- technischen Gründen nicht mehr zu denken ist, andererseits aber der 6. Januar, der von parlamentarischer Seite in Aussicht genommen war, ein fatholischer Feiertag ist, so beschloß das Staatsministerium, von seinem verfassungsmäßigen Rechte der früheren Einberufung des Landtags als zum 30. Tage nach Beginn der Wahlperiode Gebrauch zu machen und die erste Sigung auf Montag, den 5. Januar, anzusehen. Die Umbildung oder Neubildung der preußischen Regierung bzw. die Wahl des Ministerpräsidenten durch) den Landtag hat in der fraglichen Rabinettssitzung nicht zur Debatte gestanden. Die Meldung, daß Dr. Don Richter und Dr. Boeliz als Minister der Volkspartei einen Borstoß gegen die Regierung Braun unternommen haben, ist infolgedessen falsch. dem Artikel der Germania" bei, in bem gesagt wurde, daß mit den Deutschmationalen unmöglich eine vernünftige auswärtige Bolitik zu betreiben ist, und begrüßt die Absicht der Sozialdemo. traten, ein Rabinett zu unterstützen, das die Fortsetzung einer auswärtigen Vernunfts politik garantiert. Die französische Amnestie. Paris, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Stammer hat den Artikel II des Amnestievorschlages mit 347 gegen 196 Stimmen angenommen. Dieser Artikel enthält auch die Begnadigung von Caillaug und Malvy. In der Debatte wurde der frühere Innenminister Malon durch einen neuen Borstoß der Nationalisten zu einer sensationellen Ent hüllung über die Borgeschichte feines Prozesses veranlaßt. Die feinerzeit gegen ihn vor dem Staatsgerichtshof erhobene Anklage war völlig in sich zusammengebrochen und seine Berurteilung ledig lich auf Grund der Tatsache erfolgt, daß er dem während des Krieges von Almereida gegründeten Bonnet Rouge", dessen Redaktion später des Einvernehmens mit dem Feinde" verdächtigt worden war, eine" Subvention von 20 000 Franten verschafft haben soll. Malon teilte dazu heute mit, daß diese Subvention vom Gesamtministerium damals in einem Kabinettsrat beschloffen worden ist, und daß sie nicht von ihm, sondern zur Hälfte auf Anweisung des damaligen Kriegsministers Mille. rand und zur anderen Hälfte auf Anweisung des damaligen ausdrücklich hinzu, er habe aus Gründen der Staatsraison sich bis Außenministers Delcassé ausgezahlt worden ist! Maloy fügte auch vor dem Staatsgerichtshof darüber gefchwiegen. Die her zu dieser Mitteilung nicht für befugt gehalten und deshalb Verleumdungs fampagne feiner Gegner aber 3 minge ihn nunmehr, das bisher gehütete Geheimnis zu zerreißen. Die Mehr heit der Kammer bereitete Malon eine stürmische Dvation Gelbst auf ben Bänken der Mitte flatschte man demonstrativ Beifall, als 2bg. 5 effe feststellte, es fei eine Schmach für Boincaré, daß er sich erst nach Jahren aufgerafft habe, Maloy, über deffen unschuld er nicht den geringsten Zweifel haben konnte, zu rehabilitieren. Dorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Bosticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devontenfasse Lindenstraße 3 Der Landesverrat der anderen. Sie förderten die englische Hungerblockade. Wir haben fürzlich hier aus Anlaß des Magdeburger Berleumdungsprozesses ein Dokument des ,, Landesverrats der anderen" abgedruckt, jenen schon ziemlich vergessenen Brief, in dem der alldeutsche General Freiherr v. Gebsattel dem Reichskanzler Bethmann Hollweg mit der Revolution drohte, falls sich die Regierung weigere- Belgien zu annektieren! Dies war jedoch nicht der einzige Landesverrat, der von rechtsstehender Seite verübt wurde. Einen anderen, noch viel schwerer liegenden Fall hat Genosse Stampfer am 22. Juni 1922 im Reichstag vorgebracht. Wir lassen die diesbezügliche Stelle seiner Rede folgen: Meine Freunde und ich sind nicht geneigt, die Gefahr der 2o5. lösung des Rheinlands als übertrieben groß zu betrachten. Wir halten es aber dennoch für notwendig, sorgfältig allen Anzeichen nachzugehen, die sich von dem Bestehen einer solchen Gefahr bemerk bar machen. Nach zuverlässigen Nachrichten, die mir zugegangen find, gibt es Leute im Rheinland, die eine gewisse Neigung zeigen, sich hinter die hohe Kommission zu stecken, für den Fall, daß die Entscheidung des Deutschen Reichstages in bezug auf die Getreideumlage anders ausfallen sollte, als sie es selber wünfchen. Wenn so etwas in einem Lande geschieht, das unter frember Bejagung steht und in dem fremde Behörden einen gemiffen, leider nicht unbeträchtlichen Einfluß haben, muß man die Augen offen halten. Ich will durchaus nicht annehmen, daß die Mehrzahl der rheinischen Landwirte geneigt wäre, solchen verbrecherischen Lockun gen zu folgen. Leider beweisen aber die Tatsachen, daß es Schur fen gibt Schurfen gibt es in jedem Berufsstande Wahrung ihrer egoistischen Berufsinteressen vor direktem Landesverrat nicht zurüdschreden.( Sehr richtig! bei den Soz.) Ein Dokument, das Ihnen beweist, daß meine Behaup tung nicht auf den Sand gebaut ist, habe ich hier. Halten Sie es für möglich, daß ein Ihnen allen, besonders Ihnen da drüben( nach Die in rechts) sehr wohl bekannter Mann am 12. April 1915 unter dem furchtbarsten Druck der englischen Blockade an einen preußischen Minister einen Brief geschrieben hat, dessen Hauptstelle ich mir zu verlesen erlaube: Liebste Exzellenz Fritz! Jm Begriff, nach Polen auf meinen Bosten zurückzukehren, danke ich Gott, die Schererei mit den Gütern und der Zivilverwal tung los zu fein. Es ist auf dem Lande jetzt tatsächlich unerträg lich mit den täglich wechselnden Berordnungen. 3 bestelle 500 Morgen überhaupt nicht, und so machen es viele.( hört, hört bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Dolch. ffo ß! Abg. Stampfer: Das ist der Dolch sto B, gewiß!) Weil die Unsicherheit der Ernte und der Bestimmungen zu groß ist. Die Sache mit den Kartoffeln ist jetzt einigermaßen vernünftig, von den Schweinen wird die Hälfte in der Pökeltonne verfaulen. Die Erbitterung auf dem Lande ist sehr groß und wird sich nach dem dem Kriege entladen. Dazu tommt, daß das Vertrauen zu der Obersten Heeresleitung in allen Kreisen immer mehr schwindet. Daß das Vertrauen zu der Obersten Zivilleitung längst fehlt, weißt Du. Nun aber Schwamm drüber. An. men war dieser Brief gerichtet? An den Herrn Minister des Innern, Herrn v. 2oebell Ich weiß leider nicht, was er darauf veranlaßt hat. Vielleicht kann man an anderer Stelle danah fragen. Unterschrieben ist dieser Brief von Ihrem Freund Herrn v. Oldenburg- Januschau, Herr Mumm.( Abg. Mumm:„ Der ist nicht deutschnational!" Leb hafte Zurufe links. Wels:„ Das war der Dolchstoß!") Der Herr ist nicht deutschnational? Ich danke für die AufNärung. Herr von Oldenburg, den ich hier einen Landes. verräter nenne, war der engere Kollege jenes Herrn Röside, ber vor einigen Tagen hier für Sie gesprochen hat.( Sehr richtig! links.) Herr v. Oldenburg ist der Mann, der einmal vor Jahren an derfelben Stelle stand, an der ich hier stehe, und den berühmten Satz fogte: 3ehn Soldaten, vom Kaiser geschickt, müßten genügen, um diesen Reichstag auseinander zu jagen."( Zuruf von den Deutsch nationalen: Haben Sie das gehört?) Jawohl, ich habe es gehört. Und warten Sie weiter ab. Dieser Herr von Oldenburg ist derselbe Herr, den Sie dieser Tage in den illustrierten Zeitungen sehen tonnten, geschmückt mit der alten Uniform, geschmüďt mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, das er wahrscheinlich dafür bekommen hat( sehr wahr! finfs), wie er treuherzig und bieder dem Feldmarschall v. Hindenburg die Hand schüttelt. Ich frage Sie, welchen Bert diese alte Uniform noch haben kann, renn solche Männer sie tragen dürfen! Ich frage Sie, wel. chen Wert das Eiserne Kreuz 1. Klasse noch haben kann, wenn Leute es tragen dürfen, die solche Briefe wie diesen schreiben! durch besonders berühmt wurde, daß ihr tags darauf die ErAm 23. Juni hielt dann Helfferich jene Rede, die das mordung Rathenaus folgte. Helfferich forrigierte seinen Freund Mumm dahin, daß er Herrn v. Oldenburg ausdrücklich als Mitglied der deutschnationalen Partei bezeichnete. Das Geständnis Oldenburgs, in Gemeinschaft mit seinen oftpreußischen Klaffengenossen durch vor fähliche Nichtbestellung der Aecker die Aushungerung des deutschen Boltes betrieben zu haben, unterstellte Helfferich einfach als unrichtig. Oldenburg habe sich nur zu einer ,, unbedachten Aeußerung des Unmutes hinreißen“ lassen. Ebert hat einen Munitionsstreit, der wegen Lebensmittelnot ausbrach, durch Verhandlungen zu einem raschen Ende bringen wollen, er ist ein ,, Landesverräter". Oldenburg hat im Krieg einen Lebensmittelstreit inszeniert, er ist und bleibt ein Patriot. Aber am Tage nach der Rede Helfferichs fiel der Landesverräter" Rathenau! Bom Gebsattel Brief sagt jetzt die Deutsche Beitung", er sei ,, ein Notschrei eines vaterländischen Führers, deffen beschwörende Worte noch jetzt nach Jahren ans Herz greifen". Ja ja! Hezzen und verleumden, bis das Opfer liegt, jedes eigene Berbrechen aber mit eiserner Stirn leugnen das ist die. Art dieser Sorte! Die Unverschämten. Sie feiern Jagow noch als Helden! Die deutschnationale Pommersche Tags poft" ver fentlicht an der Spize ihrer Dienstagmorgen- Nummer folgende Kundgebung des begnadigten Rapp- Berbrechers Traugott v. Ja go m: Den ungezählten aufrechten Bommern, die mir durch Bid, Wort, Handschlag Gesinnungsgemeinschaft befundeten, beim Abschied von Gollnow Dant und Deutschen Gruß. land. Bir bleiben verbunden im Dienst am Bater Jagow. Gollnow, 13. Dezember 1924." = Dann greift das Organ des Herrn Schlange Schöningen felbst in die Saiten, um den befreiten Helden folgendermaßen zu besingen: + Was das Leben dieses Mannes tennzeichnete, ist das Gradlinige seines Wirtens. Genau so, wie er vor dem Kriege für eine vernünftige Sozialpolitik eingetreten war, trat er als Rufer in den Streit gegen die gesamte übrige, durch die Inflation irregeleitete Wissenschaft auf, als der Rampf um den Achtstundentag in den Jahren um 1920 die unsachlichsten Einwände gegen jede Sozialpolitikgemacht und sogar von Professoren erhoben wurden. Ebenso wie in den Fragen der Sozialpolitik, hat Brentano in der Wirtschaftspolitik den einmal durch seine Forschung vorgezeichneten Kurs innegehalten. Er war einer der leidenschaftlichsten Vorfämpfer des Freiheitsgedankens und ist es trotz aller trüben Erfahrungen im Kriege und später geblieben. So hat er auch die törichte Sch uzzollvorlage der Reichsregierung mit aller Schärfe bet ämpft und wohl als erster das Unsinnige der Schutzzollbestrebungen bei der heutigen Wirtschaftslage nachgewiesen. Die Entscheidung des Ausschusses des Kammergerichts| den Preis der Arbeitsleistung zu erhöhen brauchen. über den Abbau von Wahlbeamten steht in schroffem Wider- Brentano gehörte zu den Mitbegründern des Vereins für spruch nicht nur zu dem Wortlaut der Personalabbauver Sozialpolitik, der in der Sozialreform ein Mittel zur ordnung, sondern auch zu der Absicht des ständigen Aus- Linderung der Klassengegensäge und zur Besserstellung der schusses des Landtages, mit dessen Zustimmung die Verord- Arbeiterschaft fah. Lebhaft verfocht Brentano den Gedanken, nung erlassen worden ist. Nach der Entscheidung des Kammer- daß die Gewerkschaften von den Unternehmern anerkannt gerichtsausschusses hat§ 21 der Verordnung, wonach die Aus- werden müßten, und er war es, der vom Katheder herab wahl der abzubauenden Personen weder durch politische oder gegen die sogenannte zuchthausvorlage zum Schutz tonfessionelle Betätigung oder durch die Betätigung in Be- der Arbeitswilligen anfämpfte. rufsvereinen noch durch die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder zu einem politischen oder tonfessionellen Berufsverein beeinflußt werden darf, für Wahlbeamte keine Gültig teit. Wahlbeamte wären also pöllig vogelfrei. Sie entbehrten selbst des geringen Schußes gegen Willtür, dessen sich alle übrigen Beamten und Angestellten erfreuen. Hätte der Gesetzgeber das gewollt, fo hätte er es flar aussprechen müssen. Das hat er nicht getan und er wollte und fonnte es nicht tun, weil er gerade die entgegengefeßte Absicht gehabt hat. In feinem Stadium der langwierigen Verhandlungen des ständigen Ausschusses war auch nur andeutungsweise die Rede davon, daß der allgemein eingeführte Rechtsschutz den Wahlbeamten vorenthalten werden sollte; die Debatte brehte fich lediglich um die Frage, ob der Abbau der Wahlbeamten durch den Magistrat( in Berlin durch die Bezirksämter) oder durch die Stadtverordneten bzw. die Bezirksversammlungen erfolgen solle. Die Mehrheit des Ausschusses entschied sich dafür, daß es einzig und allein Sache derjenigen Körperschaft, die die Beamten gewählt hat, sein dürfe, über ihren Abbau Beschluß zu fassen. Einig aber war man sich darüber, daß bei dieser Beschlußfassung politische Erwägungen unbedingt auszuscheiden haben. Ja, von einer Seite wurde sogar aus auszuscheiden haben. Ja, von einer Seite wurde sogar aus drücklich darauf hingewiesen, daß in der Praris der Abbau Don Wahlbeamten illusorisch sei, da bei der politischen Rusammensetzung der Gemeindevertretungen jeder abgebaute Wahlbeamte sich auf den§ 21 berufen fönne. Also gerade das Gegenteil von dem, was der Kammergerichtsausschuß aus der Berordnung herauslieft, ist zutreffend. Jagows Worte werden in Pommern ein freudiges Echo finden, um fo mehr, als aus dem Schreiben hervorgeht, daß der glühende Patriot night baran benft, müde zu fein, im Gegenteil, fich weiterhin mit voller Kraft dem ... Dienst am Vaterland" widmen wird. Es mag heute nicht unter- Würde es sich nicht um eine Verordnung mit Gefeßesfucht werden, ob es sich bei jenem Reichsgerichtsurteil um ein for traft, sondern um ein auf dem regelmäßigen Wege zustande males Fchiurteil gehandelt hat. Unter allen Umständen war das gekommenes Gefeß handeln, so würden die Motive des Geverhängte Urteil brafonisch; denn kein anderes Motiv tam für einen fetzgebers aus dem Entwurf selbst und aus den wortgetreuen Jagow in Betracht, als nur eben das ber heißen Liebe zu Berichten des Parlaments deutlich hervorgehen. Der Ber seinem Bolf und Baterland. Wir sehen in diesem ordnung der Regierung dagegen ist feine Begründung beiGradenakt allerdings nur eine Selbstverständlichkeit, gegeben, auch über die Verhandlungen liegen wortgetreue Bedie schon längst hätte erfolgen müssen. richte nicht vor, und so ist es naturgemäß für den AußenGleich darunter steht ein Artikel: Fort mit Sevestehenden schwer, sich in den Gedankengang des Gesetzgebers ring!" Wer soll sein Nachfolger werden? Herr v. Jagow hineinzuversehen. Aber unter dieser Formalttät dürfen die selbst, der Innenminister Rapps? Sicher doch ein Parteifreund Wahlbeamten nicht leiden. Es bleibt gar nichts anderes von ihm, denn die Nationalpost" hat ja bereits angekündigt, übrig, als daß sofort ein zur lleberwachung der Durchführung daß die Deutschnationale Partei auf das preußische Innen- der Verordnung gebildeter Ausschuß des Landtages ministerium auf keinen Fall verzichten werde. zusammentritt und die Entscheidung des richterlichen Ausschusses einer Korrektur unterwirft. Pflicht des Landtages aber ist es, fofort nach seinem Zusammentritt die ganze Personalabbauverordnung aufzuheben, damit dem Unfug mit dem Abbau politisch mißliebiger Beamter, der nachgerade zum Skandal ausgeartet ist, sofort ein Ende bereitet wird. Die Deutschnationale Partei hat neulich den HitlerButschiften Böhner in ihre Reihen aufgenommen, heute Schließt sie den Kapp- Buischiften I a go w in ihre Arme. Wie der Hitler Butsch hat auch der Kapp- Butsch das deutsche Bater land in Zeiten äußerer Bedrängnis in die schwerste Gefahr gebracht, er hat, zahlreiche Menschenleben geloftet und der Wirtschaft die schwersten Wunden geschlagen. Wenn sich nun Herr v. Jagow, wie Herr Böhner, inter dem Schutz und unter begeisterten Lobgefängen der Deutschnationalen Bartei weiterhin mit voller Kraft dem Dienst am Vaterland widmen will", so kann sich das Bater'ard auf allerhand gefaßt machen.... Und so fieht die Partet aus, die Herrn Stresemann an die Regierung bringen will! Eine unhaltbare Entscheidung. Der Abbauskandal. Bom Genossen Paul Hirsch, Mitglied des ständigen Ausschusses des Landtages, erhalten wir folgende Buschrift: Staatsoper:, Die Rose vom Liebesgarten' 25 Jahre nach ihrer Entstehung blüht in Berlin Pfigners „ Rose von Liebesgarten". Lieft man die Namen Stegnot, Minne leide, Schwarzhilde, Rotelse, so weiß man, in welcher Welt wir dimen. Man spürt es stärker, wenn die Musik erflingt. Eine edle, reine, an Motiven reiche, mit Pathos und Ehrfurcht geschriebene Partitur feierlicher Klänge. Ihre Instrumente, die der romantischen Gefühlsart, find Geigen, Hörner, Harfe. Das Leitmotiv schmückt sich mit Blumen, es duftet nach wundersamen, die Realistit der Licht und Sumpfnaturen flug pointierenden Instrumentaleinfällen. Wie freut sich hier Pfigner noch über Sequenzen, über mäßige Klänge, Sprünge in die Septime. Im zweiten Aft wird Gefang, großer, Schöner, hingegoffener Gesang unser Besiz, dazu ein nedischer Chor umb endlich, endlich einmal wird dramatische Bewegung frei. Denn, um es furz zu sagen: bis dahin, in der Doppelszene des liturgifchen Borspiels und im ganzen ersten Att frieren wir vor der Glanzlofig feit und Müdigkeit einer schwer geschleppten Dichtung. Wir hören Mufit eines anderen, ohne bessen erotischen Schwung und dramati fchen Trieb, Richard Wagner ist der Urvater dieses märchenhaften Spiels, diefer ganzen Mufit. Er ist so start, daß unwillkürlich, und nach je 50 Taften, eine Szene des Rings", ber„ Meistersinger". des Lohengrin" vor uns auftauchen, daß Nornen und Rheintöchter, Mime und Siegfried fich ein Stelldichein zu geben scheinen. Bor 25 Jahren ja, da war Wagner Trumpf, ohne daß man ihn ganz fannte. Heute fennt man ihn, und er überragt turmhoch alle Nach folger. Auch Pfigner, den Begabteften. Der Text von James Brun ift nicht zu retten, nicht weil er symbolisiert, sondern weil er lang. weilt. Da hilft feine Verteidigung Bfigners, deffen alleinselig machende germanische Welt in einem Märchen nicht mehr Lebens. fraft hat als in der platten Wirklichkeit. Die Rose" öffnet dem Berufenen, Schuldlosen die Tore des Paradieses. Unwürdige müssen die Qual der Welt durchfosten. Siegnots Geliebte Minneleide gehört noch nicht zu den Würdigen, sie wagt den Schritt ins Paradies erft, als der Tod Siegnots fie innerlich reif gemacht hat. Die Rose", Belchen der Liebe von Siegnots Hand, öffnet ihr die Tore. Mutig trägt sie die Leiche zum Liebesgarten, mutig empfängt fie den Todesstreich. Unter dem Kuß der Sternenjungfrau atmen beide Belebten wieder paradiesische Luft. Dies ist das Gerüst des Märchens, dem tiefere Bedeutung nicht abgeht. Ein Theaterstüd wird es auch durch die fühle, aber vom zwelten Aft an durchbringende musikalische Phantasie Pfigners nicht, deffen lyrische Aber ja gleichfalls dem Drama widerstrebt. Er gibt fichy naturhaft, also unerotisch, gläubig im Kniefall vor Wagner, unoriginal; ehrlich und fönnerisch aber wie wenig neuerer, die fich im Erperiment. gefallen. Wir haben diefen Streiter auch lieb, mo wir nicht an feiner längst vergangenen Welt Freude haben, mir verehren ihn auch dann, wenn er zänferisch, jeden Einspruch gegen jeine Rimft ofs übelwollend und intellektuelle Minderwertigkeit" anspricht. T Lujo Brentanos 80. Geburtstag. er der marristischen Lehre entgegen, und manchesmal hat er Dabei war Brentano alles andere als Sozialist. Oft trat mit scharfer Dialektik die Klinge im wissenschaftlichen Kampf mit Bertretern des Sozialismus gefreuzt. Das kann ihn, der als Profeffor immer seine bürgerliche Lehrauffassung vertreten hat, aber bis in die letzten Jahre hinein mit jugendlicher Frische jede dogmatische Festlegung vermieden hat, der dabei so oft mit den Ergebnissen seiner Forschung die Sache der Arbeiterschaft zu der seinen machen fonnte, in unseren Augen nicht herabfeßen. Ben er jetzt auf seinem Münchener Lehrstuhl, den er feit 33 Jahren ununterbrochen inne hat, feinen achtzigsten Geburtstag begeht, so werden die guten Wünsche vieler Arbeiter, die sein Werf tennen, und mancher feiner akademischen Schüler, die heute zum Sozialismus stehen, mit ihm sein. Anläßlich des achtzigsten Geburtstages Prof Lujo Brentanos erscheint im Verlag von R. L. Prager ein kleines Wert von Dr. Reißer und Palyi über das Leben und die wissenschaftliche Leistung dieses Gelehrten. Der Revalputsch Moskaumache? Estland will es beweisen. Reval, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der neue eftnische Außenminister Busta erklärte Breffevertretern die Sowjetregierung habe die Revolutionäre in Reval mit Waffen, Munition und 10 Millionen estnischen Mart versorgt. Die estnisce Regierung werbe dem Wölferbund eine Reihe von Doku menten vorlegen, welche den Anteil Sowjetrußlands am letzten Butich erweisen. Waffenschiebung Deutschland- Litauen. Condon, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Staatssekretär für das Kriegswesen teilte im Unterhaus mit, daß die interelliierte Kontrollkommission bei der deutschen Regierung Vorstei ich um die Berigiebung von deutschen Waffen nach Litauen. Das Schöffengericht Charlottenburg habe Buder freigesprochen, weil es darin feine strafbare Handlung gefunden habe. Er gehört zu denjenigen bürgerlichen Bertretern der national- tungen wegen des Falles 3uder erhoben hat. Es handelt Lujo Brentano feiert heute feinen 80. Geburtstag. zu danken hat. Ein aufrechter Demokrat, hat er schon seine ökonomischen Wissenschaft, denen auch die Arbei'erschaft viel frühesten Studien der Arbeiter- und Gewerkschaftsentwicklung in England und Deutschland gewidmet und eine Reihe von fozialpolitischen Arbeiten veröffentlicht, die noch heute ihre große Bedeutung für die Erfenninis der sozialen Probleme haben. In seiner Abhandlung über Das Verhältnis von Arbeiter und Arbeitszeit zur Arbeitsleistung" hat Brentano vor vielen anderen den Gedanken verireten, daß vielfach Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverfürzungen feineswegs Die Szene war herrlich bunt und liebevoll gestellt. Unvergeßlich das Muttergottesbild auf freiem Feld mit Dorothea Albus leiden leuchtendem Blid. Szell dirigierte mit der Dämpfung feines Temperaments, die der Stil des Wertes verlangt. Die großen Arien und Aussprachen zwischen Sood und Bioletta de Strozzi wurden zur freundlichen Labung des Ohres, auch wo die Sinne ihre Zustimmung versagten. Auch Scheidel, Braun, Hente, Helgers, die Gufzalewicz und Bieber taten ihre Schuldigkeit. Alles war aufgeboten, um die Blume duftig zu machen. Ist es Treibhausluft gewesen, war es Frühling, wird die Rose herbstlich entblättern? bange Fragen. Rurt Singer. Der Bühnenvolfsbund auf dem Kriegspfad. Derchriftlich- deutsche Bühnenvoltsbund fendet auf vier großen, engbedrudben Seiten Mitteilungen an die Presse" hinaus, die voller giftiger Ausfälle gegen die Linkspresse", die Bühnengenossenschaft und den Berband der deutschen Bolfsbühnenvereine find. Große Berliner Blätter, darunter auch der Borwärts" werden als literarische Schmeißfliegen" bezeichnet. Besonders charakteristisch ist, wie in diesen Auslaffungen der antisemitische Charakter des christlichen Bühnenwolfsbundes stort brvortrit. für die Breffe" fachlich zu sagen? An der Spike steht eine endlose Was hat der Bühnenvolfsbund nun in seinen Mitteilungen Darlegung seines Generalsekretärs, des Herrn B. C. Gerst, worin er die Ursachen für den Zusammenbruch des Dramatischen Theaters in Berlin darzulegen und den Bühnenvoltsbund, der bekanntlich an diefem Busammenhang nicht unbeteiligt war, reinz maschen sucht. Wie jesuitisch diese Darstellung ist, kennzeichnet wohl besonders folgender Saz: Anfang Juni 1924 trat als Vermittler ein Ministerial beamter an den Bühnenvoltsbund heran, berichtete im Auftrage unbefangene Leser muß natürlich den Eindrud gewinnen, daß hier Dieterles von der Gründung des Dramatischen Theaters," ufw. Der gewissern aßen amflich der Bühnenvoltsbund aufgefordert worden fel, fich am Dramatischen Theater zu beteiligen. Wie sieht es aber in Wirklichkeit aus? Der Mann, der damals Herrn Gerft für das Dramatische Theater zu intereffieren suchte, war fein anderer als der Berliner Borsigende oder Vertrauensmann des Bühnenvoltsbundes, der zufällig Oberregierungsrat in einem Ministerium ist. Wenn der Bühnenvolfsbund dann mit dem Dramatischen Theater fo üble Erfahrungen machte, fo trifft die Schuld daran nach Herrn Gerst lediglich ein jüdisches Banthaus", den Direktor Dieterle und felbstverständlich! das Treiben der Linkspresse". Nun mag es durchaus zutreffen, daß das Theater, als der Bühnenpolfsbund fich daran beteiligte, bereits auf äußerst schwachen Füßen stand. Wie aber tonnte dann Herr Gerst sein gutes chriftliches Geld" so unbesonnen hergeben? Wie war es möglich, daß er die ihm gemachten falschen Angaben fo einfach hinnahm und fich fogar immer mehr mit ihm einließ? Hier ist der munde Bunft im Berhalten des Bühnenvolfsbundes: Obgleich er trot angestrengtester Werbearbeit in Berlin faum 4000 oder 5000 Mitglieder gewonnen hatte, mußte faft frankhaften Ehrgeiz heraus, Einfluß im Theaterleben auszuüben, er fich ,, natürlich" in Berlin ein eigenes Theater sichern. Aus einem mußte Herr Gerst, allen Geboten der Klugheit zum Troß seine Hand Labour Party gegen Kommunisten. London, 16. Dezember.( WTB.) Eine Versammlung der Ar beiterpartei, in der Wacdonald den Vorsiz führte, lehnte die Zulaffung des Rommunisten Satlatvala als Mitglied der Arbeiterpartei ab. auf das Dramatische Theater legen und sich damit mit verantwortlich machen am 3Zusammenbruch. An anderer Stelle seiner Mitteilungen" beschuldigt Herr Gerst ben Generalsekretär der Berliner Volksbühne und mit ihm die gefamte jüdische Preffe" der Unwahrheit wegen der Behauptung, Kommandantenstraße und am Stegliter Schloßparf- Theater ſchon der Bühnenvolfsbund habe durch Beteiligung am Theater in der früher versucht, sich ein Berliner Theater zu sichern. Dabei kann Herr Gerst selbst nicht leugnen, daß seine Organisation seinerzeit dem Direktor des Schloßpart- Theaters neben der Vermittlung einer Bethilfe ein Darlehen aus eigenen Mitteln gegeben habe. Sollte das wirklich ganz felbstlos gezahlt worden sein?. Wenn im Fall des Theaters in der Kommandantenstraße der Bühnenvolfsburb tatsächlich nur Bächter von Plägen war, so hat er jedenfalls selbst die Schuld daran, daß der Eindruck einer engeren Berbindung erweckt werden mußte. Wurde doch, als jenes Theater Burtes Ratte" herausbrachte, vom Bühnenvoltsbund ein großer Kreis von Gästen eingeladen, auf deren Einladungskarten neben dem Namen der Bühne in Klammern zu lesen stand: Theater des Bühnenvolfsbundes. Der Ton, den der Bühnenvolfsbund angeschlagen hat, richtet ihn selbst. Die hier gemachten Ausführungen zeigen nur zu deutlich, daß diefer Bühnenvolksbund längst aus einer Organisation christ. licher Thea erbesucher zum Somme punti aller mölichen rectos nären Clemente geworden ist, die nicht so sehr ein.chriftliches" das Theater aus einer Pflegestä.te freier Runft zu einem Instrument Theater wollen, als vielmehr den Wunsch und die Absicht haben, ihrer fortschrittfeindlichen Tendenzen zu machen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Rabioindustrie. Die Furit ausstellung die soeben im Berliner Funtausstellungspalast geschlossen wurde, zeigte der Welt zum ersten Male ein geschlossenes Bild der deutschen Radioindu rie, denn die kleinen Ausstellungen in Leipzig, Berlin, Stut.gart und Hamburg zu Beginn dieses Jahres fonnten nur schlecht beschickt waren. das nicht tun, weil sie infolge der rasch niedergehenden Konjunktur Depression dieses Sommers überwunden ist, zeigen, daß in diefer Es wird sich, nachdem die schwere neuen Industrie redyt ach bare wirtschaftliche Kräfte steden und bedeutende Rapitalien investiert find Noch stehen wir am Anfang der Entwicklung, aber wohin die Reise geht, zeigt das Beispiel Ameritas. Dort besteht eine Radioindustrie etwa feit fünf Jahren. Für die ersten Jahre ist man hinsichtlich ihres Umfahes auf private Angaben angewiesen. Danach betrug der Wert der gesamten Er. zeugung im Jahre 1920 e.wa 9½ Millionen Dollar. Im Johre 1923 dagegen hatte der Umfah bereits die Riesenziffer von 250 Millionen Dollar erreicht und für dieses Jahr bewegen sich die Schätzungen auf einer Bofis von mintestens 350 Millionen Dollar, ja, sie übersteigen bei vorsichtigen und fachkundigen Schäßern sogar die Bahl 400. Da mit hat sich die Radioindustrie den großen amerikanischen Hauptindustrien angereiht; legt man die Statistiken des Jahres 1921 zugrunde( spätere hat das Handelsamt noch nicht veröffentlicht), fo steht sie ungefähr an dreißigster Stelle, noch vor einer so bedeutenden Industrie wie die der Eisenbahnwaggons. Ja, die gesamte elektrotechnische Industrie ohne Radio erreicht nur einen Umfah, der etwa Bertouf betrug bisher 2 bis 3 Millionen Säße von vollständigen dreimal so hoch ist, nämlich etwas über 1200 Millionen Dollar. Der Apparaten, während mon die Aufnahmefähigkeit des Marktes auf Der Zeugenaufmarsch in Magdeburg. F. Kl. Magdeburg, 16. Dezember.( Eig. Drahtbericht.) Die Verteidigung des angeklagten völkischen Stahlhelmmannes hat tatastrophales Bech. Am ersten Berhandlungstage hatte die Aussage des Tischlers Syrig Aufsehen erregt, wonach der Reichspräsident bei der Versammlung in Treptow zur Nichtbefolgung von Gestellungsbefehlen aufgefordert haben sollte unter der Parole:„ Streit pertürzt den Krieg!" Diese Aussage des vom deutschnationalen Pastor Koch geworbenen Zeugen wirfte zunächst so sensationell, daß man beschloß, ihn und die ganze Prozeßleitung einschließlich des Staatsanwaltes und der Rechtsanwälte nach Berlin zu schicken und ihn dem Reichspräsidenten in dessen Wohnung gegenüber zustellen. Heute stellt sich nun heraus, daß man einen Menfchen sehr zweifelhaften Charafters ins Haus des Reichspräsidenten geschleppt hat, einen Menschen, von dem einer feiner Mitarbeiter, den er selbst zur Bestätigung seiner Ausfagen dem Gericht genannt hat, versicherte, daß er bei seinen Arbeitskollegen als ein Mann gelte, bei dem jedes dritte Wort erlogen" sei. Der Topf wurde vollständig zerschlagen, als sich der 72jährige Onkel dieses Mannes beim Gericht meldete, weil er es nicht mitansehen könne, daß der Sohn feiner Schwester vor dem Gericht Aussagen mache, die, falls fie Glauben fänden, furchtbares Unheil hervorrufen tönnten. Deshalb berichtete der Onfel des Syrig, ein früherer Restaurateur Sonnenfeld, freiwillig, daß Syrig eine durchaus unglaubwürdige Person sei, dessen Frau ständig in Sorgen lebe davor, daß dieser Mann sie durch seine Neigung zur Ün wahrhaftigkeit ins Elend bringe. Schließlich aber deckte der Onkel die interessante Tatsache auf, daß der deutschnationale Kronzeuge dauernd die Reichsbahn, bei der er beschäftigt ist, zu best ehlen pflege, daß er Polsterlager aus den Eisenbahn abteilen und Gepäcneze abschnitt, um sie nach Hause zu schleppen und zu verwenden. Der Kronzeuge des Pastors Koch und der ganzen deutschnationale Presse, die ihn nicht genug loben fonnte, mußte die Diebstähle zugeben, indem er von seinem Rechte Gebrauch machte, feine Aussage über den figlichen Bunft zu verweigern. Eine schöne Hoffnung fiel flirrend zu Boden. Von diesem Zeugen und seinen johannistriebartigen Erinnerungen an eine Versammlung vor sieben Jahren hatte sich der Verteidigungsapparat so vieles versprochen, und nun steht der Mann am Branger und die Berteidigung mit ihm. Es mag schmerzlich gewesen sein, aber es verdient festgehalten zu wer den, daß der von Syrig felbft genannte Zeuge Orgel ihn vor Gericht mehrfach einen Schwindler nannte und hinzufügte, Syrig habe ihm auf seine Frage, wie er in einen solchen Prozeß geraten, versichert, es stede ein Pastor dahinter und im übrigen fei für seine Familie gesorgt, wenn ihm etwas zustoße. Man merkt die Hände, die hinter den Kulissen das Glüd forrigieren wollen und min in die Linte gegriffen haben. Die Verleumder in der Klemme. 3eugen immermehr auf Buchstabenspalterei zurüd. Ein Zwischenfall: Der Bertreter des Rebentlägers, Rechtsanwalt Landsberg, mußte den Vorsitzenden darauf aufmerk sam machen, daß seine Objektivität sich nicht immer gleichmäßig nach allen Seiten auswirke. Zmar bestritt der Vorsitzende das, aber nach langen Beratungen des Gerichts war es zum Schluß ein wenig beffer. Und das gibt gute Hoffnung für den morgigen, legten Tag der Beweisaufnahme. ( Schluß des Berichts aus der 2. Betfage.) Richard Müller. Dann erfolgte die fehr ausführliche und langwierige Bernehmung des früheren Metallarbeiters und jetzigen Schriftstellers Richard müller. Bors: Sie sind der Leiter des Streits 1918 gemefen daß ich mich als 3euge für Ebert angeboten babe, als un richtig zurückweisen. R.- A.: Heine: Haben Sie mich nicht angerufen? Beuge: Jawohl. R.-A. Heine: Haben Sie mir nicht gesagt, Sie fönnten mir wichtiges Material für den Herrn Reichspräsidenten bringen? Reuge: Das ist unwahr. R.-A. Dr. Landsberg: In Ihrem Buch befonen Sie, daß zu einer größeren Gegenwehr gegen den Streif die Beit bis zum 28. Januar 1918 nicht ausreichte. Es ist hier mehrfach gefagt wor den, daß die Gewerkschaften und die SPD. gegen den Streit hätten einschreiten fönnten. Glauben Sie, daß ein Flugblatt der SPD. in letzter Stunde an dem Streit etwas geändert hätte? Ausbruch des Streits gar nichts geändert. 3euge: Nein. Ein Eingreifen der SPD. hätte an dem R.-A. Landsberg: Weiter sprechen Sie in Ihrem Buch davon, daß man im Attionskomitee den drei Sozialdemokraten nicht traute. Wiffen Sie von den Verhandlungen zwischen Robert Schmidt und Braun mit dem Reichskanzler und daß Scheidemann, Ebert und Bauer den Versuch machten, die Streit leitung auf diese Verhandlungsbasis zu bringen? und in der Streifleitung faß auch Herr Ebert, der an 5 Sigungen teilgenommen haben soll. Können Sie uns bas näher schildern? Beuge Richard Müller: Anfang 1918 wuchs dann die revolutio fchaft zurückhalten, weil wir nur eine geschlossene Aktion für richtig näre Stimmung und wir mußten einzelne Schichten der Arbeiterhielten. Wir revolutionären Dbleute setten den Termin zum Ausbruch des Streits auf den 28. Januar feft. Am 27. Januar habe ich in Berlin die wichtige Gruppe der Metalldreher zufammengerufen und ihr gesant: Morgen wird gestreift!" Tatsächlich haben dann am 28. Januar in Berlin 300 000 bis 400 000 Arbeiter die Betriebe verlaffen. Ich wünschte den Eintritt der Sozialdemokraten in die Streifleitung deshalb, weil 1916 die SPD. gegen den Streit Stellung genommen hatte und sich damals fogar auf die Strafbeftimmum baß es uns nur recht fein tönne, wenn die SozialdemoFlugblattes am 30. Januar abends beteiligt? gen berufen hatte, um vor der Bewegung zu warnen. Ich sagte mir, fraten jeht das mitmachten, was fie por mei Jahren als Landesverrat betämpft hatten. Am Abend des 28. fand dann die erste Sikung der Streiffeitung statt etwa 2mischen 6 und 7 Uhr, an der die Abgeordneten der SPD. und der USPD. teilnahmen. In dieser Sigung, die ich leitete, wünschte Ebert, daß die Streitleitung paritätisch zusammengefeht würde, jedoch lehnten wir diesen Antrag ab. Ebert meinte, bingt notwendig, da sie nicht bas enthielten, was die SPD. er halte eine Besprechung der Forderungen für unbe. als notwendig empfinde. Dann sprachen mir organisatorische Fragen, bezüglich des Streifs, durch. In diesem Augenblick fam die Meldung, baß die Sache mulmig würde, denn die Polizei fäme. Da find die Herren Sozialdemokraten ausgerüdt. Wir hatten vor. her noch ganz furz über die Mönlichkeit einer Berhandlung mit der Regierung gesprochen und Scheidemann wollte diefe Berhandlung in die Wege leiten." 3euge: Das war am 31. Januar, als in Berlin Unruhen 3 uschlagen drohte. Es ist richtig, daß sich die drei Sozial ausbrachen und als der Streit in einen Aufruhr uma demokraten in diesem Sinne bemühten. Wir lehnten es a b, genau fo wie den Verfuch der Spartafisten, einen Aufruhr zu entfachen. Man muk unterscheiden. zwischen der Haltung der brei Sozialdemo fraten während der ersten drei Streiftage und nach diesen brei Tagen. Nachher waren sie ernst haft bestrebt, den Streit mölich ft beizulegen. R.-A. Bindewald: War Herr Ebert an der Abfassung des sehr zurüdhaltend. Beuge: Nein, Ebert war in den Sikungen überhaupt Borf.: In welchem Sinne?" Beuge Müller:„ Das wurde noch nicht ausgeführt. Gewerkschaftshaus wieder zusammengetreten. Am 29. Januar morgens find wir dann zwischen 10 und 11 Uhr im Scheidemann mar in diefer Sigung. Db Ebert baran teilnahm, weiß ich heute nicht mehr. Scheidemann berichtete, bak Staatsfefretär allraf erflärt habe, er lehne es ab, Bertreter der streifenden Arbeiter zu empfangen. Darauf sind Scheidemann umb Haase als Ab. geordnete, Scholz und ich als Vertreter der Streifenden a Wallraf Mit ihren Hauptzeugen hat die Verteidigung Pech. Nach gefahren, der uns jedoch nicht vorließ. Wir hatten beKloth versagte riesberg, und auch der Polizei Henfchloffen, dok die boeordneten nicht allein zu Wollraf eben sollten, ninger, Jagowschen Gedentens, fonnte trotz seiner Befehls- denn den SBD- Couten trauten wir nicht und wir wollten auch die haber gar nichts anderes vortragen als Polizeitheorien, die USD- Abgeordneten beobachten. Scheidemann versuchte dann zweivon seinem Berufsgenossen und Namensvetter ohne er" Henning schließlich zum guten Teil glatt widerlegt wurden. teribirettor Dammann ertätte ims fehr beſtimmt Herr Wallraf Blieben endlich die Richard Müller, Malhahn und Edart, die lang und breit die Ereignisse vom Januar 1918 erzählten und natürlich schließlich zugestehen mußten, daß sie don den Bertretern der Sozialdemokratie im Streitfomitee ichts anderes erwartet hätten, als daß sie den Streif bald. möglichst zu Ende bringen wollten. Die Genossen Brolat, Reintnecht und zum Schluß Genosse Wels stellten den wirklichen Sinn ihrer Beteiligung überzeugend dar. Die Berteidigung tommt angesichts des Zusammenbruchs ihrer 25 Millionen fchäßt. Wir werden bei unserer fleineren Boltszahl und geringeren Rauftraft natürlich solche Zahlen nie erreichen, in beffen zeigen sie, daß die neue Industrie größte wirtschaftliche Be deutung in Anspruch nehmen darf. Ein Feind der blauen Brillen. Unter dieser Ueberschrift läßt fich der„ Berl. Lokal- Anzeiger" aus München telegraphieren: Ein Feind blauer Brillen ist in München in der Person eines Tagelöhners verhaftet worden. Er hat in den Morgenstunden zwischen 4 und 5 Uhr furz hintereinander zur Arbeit gehende Frauen, die blaue Brillen trugen, überfallen und niedergeschlagen, aber nicht beraubt. Bei seiner Bernehmung erflärte er, er be. tomme, menn er Frauen mit einer blauen Brille sehe, stets einen Butanfall und müsse sie aus innerem Drange heraus niederschlagen." Erich Lindström- 2udendorff hat Glück gehabt, daß er auf seiner Reise nach Schweden nicht diesem Menschen beregnete! Ein Sardinal gegen den Karneval. Der Kardinal- Erzbischof von Röln. Dr. Schulte, mendet sich in einem Aufruf gegen die Wiedereinführung des Karnevals. Er Setont, daß der Karneval eine Karitatur von abstoßenden Häßlichkeiten geworden sei. Heute bedeute der Karneval einen Appell an den Leichtsinn und die Leichtlevigkeit. ber einen Sohn auf die notleidende rheinische Bevölkerung darstelle. Als besonders abstoßende Berirrung aber müsse es bezeichnet wer ben, wenn die Wiedereinführung mit dem Hinweis auf die Ueberschüsse für Wohltätigkeit begründet werde. Eine Verbindung von Karneval und Wohltätigkeit müffe als Heuchelei gebrandmarkt werden. 2 • Das Weihnachtsprogramm der Staatsoper. Als Beihnachtsvorstellungen werden im Opernhause bzw. in der Stroll Dper gegeben am 25.: Lann bäufer und Pobème", am 26: Rofer favalier" und Hänsel und( Bretel" und Puppenfee", am 27.: Gänsel und Gretel", Buppenfee und Bauber flöte als Silvestervorstellung ist in beiden Häusern die Fledermaus" angelegt. Cra Biebig a's Opernlibreffiffin. Clara Biebig bat ibren Roman Absolvente" zu einem Oberniegt umgearbeitet. Die Musik der neuen Oper, die den Titel Die Möra" tragen soll, tomboniert der Sohn Clara Viebi 8, Ernst- Biebig. Das Wert ist von der Düsseldorfer Oper bereits zur Uraufführung angenommen worden. Das Mufit. Das letzte Drgeltonaert von Walter Fischer im Dom findet Donnerstag, den 18. Dezember, 8 Ubr. ftatt. Beihnachtsmufit. Brogramm berechtigt zum Eintritt. Der Dom ift ständig geheist. Berliner Sinfonie Dre ft er veranstaltet am Freitag 7, Uhr im Faalbau Friedrichshain einen volkstümlichen Wagner- Abend. Eintritt 75 Bjennig. Deutschland in Grenoble. Die Parifer Blätter melden am Dienstag, dak die Reichsregierung bie an fie ergangene Einladung, fich an der im nächsten Jahr in Grenoble geplanten internationalen lettrizitäts. ausstellung au beteiligen, angenommen bat. Weiter erklärt die franzöfif e Breffe, daß der schlechte Einbrud, ber burch die Ablehnung einer Beteiligung an der Ausstellung für angewandte Stunft entstand, im mesen lichen behoben worden ist.( Die deutsche Regierung hat triftige Gründe dafür angegeben.) Drah loje Fingerabdrüde Bei den Versuchen, die brahtlose Telegraphie für die kriminalistit auszunuzen, ist es dem Newyorker Bolizeibureau ge lungen, nicht nur Bilder an die Londoner Polizei zu übermitteln, die voll tommen flar und erkenntlich waren, sondern auch Fingerabbrüde so einwandfrei herüber zu geben, daß danach die Identifizierung einer Bezsönlichteit mit boller Sicherheit vorgenommen werben lann. werde nur mit den Abgeordneten verhandeln. Borf: Rennen Sie die Beweggrunde, weshalb ich die fozial demokratischen Abreordneten in die Streitleitung wählen ließen? Reuge: Nein. Borf.: Welcher Ansicht waren Sie darüber? 3eune( achfelzudend): Die SPD. hat im Kriege eine schman lende. Politit aetrieben. Borf.: Das wurde hier von den Herren beftritten. Sie behaupten, fie hätten eine elotte Linie eingehalten. reaung unter der Arbeiterimaft fehr groß, 3euge: Oho!( Fortfahrend:) Im Januar 1918 war die Er der Einfluß der SPD. und der Gemerffchaften sehr gering. Nichts lag also näher für diese Herren, als in die Streiffeitung einzutreten, um das Vertrauen der Arbeiterschaft wiederzu geminnen. Ich bin aber auch der Meirmung, daß, wenn damals die Sache anders gekommen wäre, diefe Herren genau so gehandelt hätten, wie sie es fnäter netan haben. Auf jeden Fall entsprach die Saltuma der drei Sozialdemokraten in den ersten Sihungen der Streifleitung vollkommen der Haltung, die der Borwärts" damals eingenommen hat. Beuge: Gegen den Streit als solchen hat Ebert nicht Stellung genommen. Er hat lediglich in der ersten Sigung die Forderungen der Streifender bemängelt. Syrig der Dieb. Das Gericht vernahm dann den Beugen Zeppenfeld- Berlin, den Onfel des Zeugen Syrig, über den Leumund feines Neffen. Der 3euge erklärte, daß Syrig ein Mensch fei, der es mit der Wahrheit Frau des Syrig wiederholt zu ihrem Manne gefagt hat: Du wirst absolut nicht genau nehme. Er habe selbst gehört. wie die es noch fo lange machen, bis du reinfällst. Der Beuge hat darn auch gesehen, daß Sprig von Pfarrer Koch eine poftfarte erhalten habe, durch die er zu dem deutschnationalen Abgeordneten bestell wurde. Als ich den Zeitungsausschnitt sah, sagte ich mir gleich: Es ist ja himmelschreiend, daß einem solchen Menschen, wie Sprig, Glauben geschenkt wird. Bor: Sie wissen ja gar nicht, ob wir dem Zeugen glauben. Lügt er denn fo piel? 3euge: Ach, da ist das Ende von weg. Sprig bestiehlt die Eisenbahn andauernd. Er bringt Lederriemen und Gepäcnege nach Hause, die er dann für sich verwendet Seine Frau fagt ihm alle Tage: Menich, fchwindle doc nicht fo Borf: Na Snrig, was fagen Sie dazu? Wie ist bas mit den Diebstählen? Sie brauchen atlerdings auf Fragen, durch deren Beantwortung. Sie fich strafbar machen, nicht zu antworten. Der Zeuge Syrig erzählt darauf eine lange Geschichte, daß er mit seinem Ontel zerfallen fei, weil dieser vor einigen Jahren ein unanständiges Restaurant besessen habe. Auf die Frage, ob er die Diebstähle begangen habe, verweigert er jedoch die Antwort. Es folgt dann die Bernehmung des Mechanikers Heinrich Malzahn- Berlin, der früher dem Bollzugsrat der Arbeiterräte und vordem dem Ationsaus'chuß der Streifenden angehörte. Er To woht wie ber folgende Beuge, mechaniter Baul Edardt, bestätige. im mefentlichen nur die Auslagen Richard Müllers, ohie etwas neues zu bringen. Der leßte Zeuge fagt mit Bestimmtheit aus, daß auch Scheidemann als Rebner für die Bersammlung im Kleinen Tiergarten bestimmt gewesen sei und den Auftrag hatte, fich dort. hin zu begeben. Das Gericht hat info'gedessen die Zeugen Müller, Malzahn und Edardt für Mittwoch noch einmal zu laben, um sie dem Zeugen Scheidemann gegenüberzu stellen. Dann wurde noch ganz kurz der Spediteur Franz Reintnecht vernommen, der befundet, daß Anfang 1918 die SPD. fast teinen Einfluß auf die Arbeiterschaft mehr gehabt habe und daß die ganze Organisation infolge der Spaltung der Partei faft nur noch aus einem Verein der Borwärts" leser bestanden habe. Zum Schluß der Sigung wurde dann noch der Vorsitzende der Srzialdemokratischen Partei Deu schlands, Otto Wels, vernommen, der die drei Sigungen des Streiffomitees, an denen er teilgenom men hat, schildert. Die erste Sigung, an der ich teilnahm, so er färte der Zeuge, fand am 30. Januar im Bahnhof Friedrichstraße Vorf: Der Herr Nebentläger hat gefagt, daß fein Eintritt statt. Ich war allein bort, weil an diesem Vormittag der Partei. in die Strei fleitung so zu erklären fei, daß er den Streit in ausschuß tagte, in dem Ebert ein Referat über den Streit hielt. geordnete Bahnen lenten, oder im Intereffe der Landes- Ich nahm dann noch an einer zweiten Sigung in der Lothringer berteidigung beilenen wollte. Ist diese feine Absicht durch irgend Straße teil, in Gegenwart von Ebert und Scheidemann. Wir eine Handlung oder Aeußerung autoge getreten? Hat er sich irgendwollten eigentlich nicht mehr in die Gigungen des Streiffomitees wie für die Beendigung des Streites eingefekt? gchen, aber wir hatten Nachricht erhalten, daß gewisse Kreise eine Verschärfung des Streits durchsehen wollten Wir glaubten zmar nicht daran, aber wir wollten auf jeden Fall derartige Dinge verhindern. In der Sißung vom 2. Februar wurde noch auf mich ein. geredet, verschärfte Maßnahmen zu ergreifen, was wir Bertreter der SPD. jedoch ablehnten. Wir haben uns mit dem Streit nur befaßt, um die Landesverteidigung zu sichern. Wir bedauerten, daß die Regierung nicht auf Verhandlungen einging, denn wir wußten, doß, wenn auch der Streit innerlich zusammenbruch, doch ein Rest onn Erbitterung in der Arbeiterfchaft zurübleiben mußte. Unsere Stellung zum Streit während des Krieges war nicht aus dem Augenblid her. aus geboren, sondern traditionell. Auf eine Frage von R.-A. Dr. Landsberg, warum Wels die Zeitschrift Die Fadel" her ausgegeben habe, erklärte der Zeuge, daß die Partei ein Sprach rohr haben wollte, nachdem ihr das offizielle Organ. der„ Bor. wärts" durch die unabhängige Redaktion verschlossen gewesen sei. Das Gericht beschloß dann auf weitere 3eugen zu ver zichten und vertagte die Sigung auf den heutigen Mittwoch 9½ Uhr. Borf. Er hatte doch einen Antrag auf Abänderung diefer Forderungen gestellt und ist damit durchgefallen. Reuge: Ja, er wollte eine Diskussion über die Forderungen und das wurde abgelehnt. Amischen Richard Müller und den Zeugen Dittmann und Wufchit tommt es dann noch zu längeren Auseinander. fegungen. über unwefentliche Einzelheiten der Müllersch n Schilderung. R.-A. Dr. Landsberg: Ich bitte, die Frage an den Zeugen zuzulaffen, inwiefern die Politik der SBD. im Kriege i chwankend war, und ich bitte um einen Gerichtsbeschluß. Nach längerer Beratima lehnte das Gericht die Frage in dieser Allgemeinheit ab. In diesem Brozek handle es sich um die Frage, ob der Nebenfläner Landes errat getrieben babe. Das Gericht laffe die Frage aber in der Hinsicht zu, ob die SPD. in der Frage der Landesverteidigung eine schwan. fende Bolitik getrieben habe. Das Gericht habe sich auf den Standpunkt gerellt, daß der Angeklagte den Borwurf des Landesverrats ganz allgemein erhoben habe. Infolgedessen sei der Wahr heitsbeweis nicht befchränkt auf die Handlungen des Nebenfläners in bezug auf den Munitionsarbeiterstreif im Jahre 1918. Der Anaeflagte fönne den Beweis auch durch andere Handlungen des Nebenflägers führen, nicht nur wegen der Anemeinheit des Bor. wurfs, sondern auch deshalb, weil der Angeflaate auf demfelben Standpunkt stehe mie Dr. Ganker. Aus den Arten des Falles Banker gehe aber hervor, daß diefe Vorwürfe fich nicht auf ben Munitionsarbeiterftreit beschränkt haben, sondern daß er auch andere Handlungen des Nebenklägers als Beweis zu dessen Bandesverrat herangezogen habe R.-A. Dr. Landsbera: Dann beschränke ich mich auf diese Frane, ob die Politit der SBD. in der Frage der Landes. verteidiauna ichmantend war. Beune Richard Müller: Jn bezug auf die Landesverteidigung find bei der SPD. wohl faum Schwankungen in ihrer Haltung festinflen. Von Anfang an hat fie das Durchhalten und die Berfeldigung des Candes gepredigt. Wenn ich das beweisen sollte, dann müste ich zahlofe Artifel und Resolutionen hier zur Stelle schaffen, aber, wie gesagt, in dieser Frage verhält sich die Sozialdemokratie, und zwar natürlich ihr rechter Flügel, ziemlich einheitlich. Im übri- en möchte ich die Behauptung des Herrn Rechtsanwalts Heine, Am heutigen Mittwoch soll nach Möglichkeit die Be weis aufnahme zu Ende geführt werden, so daß eventuell am Donnerstag die Plädoyers beginnen fönnen, die voraus. fichtlich zwei Tage in Anspruch nehmen werden. Ob in dieser Woche noch das Urteil gefällt werden wird, erscheint bei dem Umfang des bei der Urteilsfindung zu beurteilenden Materials außer ordentlich fraglich. Die Geldpolitik der Reichsbank. Auf einem Festabend des Zentralverbandes des deutschen Reichsbantpräsident Dr. Schacht eine groß angelegte Rede, in der Bant- und Banfiergewerbes, der am Montag stattfand, bielt der er die Ziele der Geldpolitif der Reichebant darlegte. Er er lärte, daß sich eine Reichsbantleitung mehr finden würde, die nicht entschloffen ist, die Gold parität der neuen Währung aufrecht zu erhalten. Der Gold- und Devisenbestand der Reichsbant beträgt zurzeit über zwei Milliarden Mart, das ist ein Betrag, der ausreicht, um gegen einen plöglichen Abruf der großen, nach Deutschland gelegten Auslandskredite die notwendige Vorkehrung zu treffen. Wenn die Banten daran mitwirken würden, einen Privatdiskontmarkt wieder aufzurichten, würde es fich auch zeigen, ob die Frage einer Distontherab. fegung altuell ist. Betriebsrätekonferenz der Textilarbeiter Gewerkschaftsbewegung Der Deutsche Tertilarbeiterverband hielt am 14. und 15. De zember in Görlig die zweite Reichstonferenz feiner Betriebsräte ab. Der Besuch ließ erkennen, wie start das Bedürfnis der Betriebsräte ist, sich für ihre Tätigkeit Wissen und Anregung zu verschaffen. Es fanden sich 405 Teilnehmer ein, darunter 362 männ liche und 43 weibliche. Zunächst sprach Regierungsrat Boldt über Die technische Organisation fertilindustrieller Großbetriebe". Woldt führte aus: Die gegenwärtige Situation in Hinsicht auf den Kampf um die Wirtschaftsdemo= Pratie wird dadurch gekennzeichnet, daß sich die Arbeiterbewegung in einer Verteidigungsste II ung befindet, die nur unter den größten Anstrengungen zu halten sein wird. Sachliche Schwierig feiten liegen für die Betriebsräte darin, daß sie nicht über die wirtschafts- und betriebswissenschaftliche Schulung des Arbeitgebertums verfügen. Indes muß die Machtposition im Betrieb gefestigt werden, sonst sinkt die Arbeiterschaft in ihr altes Hörigkeitsverhältnis zurüd. Das Kernproblem aller Betriebsrätearbeit ist die Gestaltung Der Produktionsfontrolle im Betrieb. Die Bermehrung der Produktion ist aus reparationspolitischen Gründen unvermeidlich. jedoch muß diese Vermehrung der Produktion zuerst durch Vervolltommnung der sachlichen Produktionsfaktoren erreicht werden, entgegen den betrieblichen die Produktion durch Arbeitszeitverlänge rung und Lohnverkürzung zu steigern. Dabei wird es nicht ohne ein Kompromiß abgehen. In einer verfeinerten Wirtschaft müssen die Menschen, die wichtigsten Produktionsfaktoren, gesichert werden. Die Textilindustrie ist ein fomplizierter wirtschaftlicher Bezirk. Hier herrscht eine verwirrende Vielgestaltigkeit der Betriebsformen, der Betriebsgrößen, der Art und des Verlaufs des Arbeitsprozesses, der Berschiedenheit der Arbeitsprodukte. Beim Kampf um Caffen- und Leistungsverteilung fehnt der Unternehmer die Arbeiterforderungen häufig mit der Begründung ab, ein Entgegenkommen mache den Betrieb konkurrenz unfähig. So münden die Auseinandersetzungen über Preis und Lohn in das altulationsproblem ein. Der Betriebsrat muß sich in der Kaltulationsfrage austennen. Preisbildungsfaftoren find außer dem Lohn die Materialkosten, die in der Regel übertrieben aufgerechnet werden. Der Unternehmer arbeitet mit einer ouffchlußreichen Betriebsstatistit. Es ist eine große gewerk chaftliche Aufgabe, gleichfalls eine wirtschaftsstatistit zu führen. Der Deutsche Tertilarbeiterverband ging mit feinen Konjunkturberichten schon vor dem Kriege mit gutem Vorbilde voran. Die Betriebsräte müssen für die zentrale gewerkschaftliche Beob achtungsstelle das Material herbeischleppen. Die Betriebsräte müssen sich als Wächter, als Kontrolleure fühlen. Nur so kann die Arbeiterschaft bei der Lösung des Rationalisierungsproblems attiv mitarbeiten. Die Betriebsräte müssen sehen, wie es um die Betriebsmittel( Maschinen, Arbeitereinrichtung), die Betriebsorganisation Abfallwirt fchaft, Energiewirtschaft und so weiter bestellt ist. Dann vermögen fie bei allen Fortschritten in der Verfcinerung der Produktion die Sicherungen anzubringen, deren es zugunsten der Arbeiterschaft bedarf. Immer freilich muß sich die Arbeiterschaft ihre Macht in Den Organisationen erhalten und durch Arbeiterbildung, die offerdings nicht geistige Weltreisen unternehmen soll, eine hochstehende Menfchenqualität heranziehen. Als zweiter Referent sprach Betriebsdirektor Sonntag über: Die faufmännische Führung tertilindustrieller Großbetriebe". Er behandelte die laufmännische Geschäftsführung und Organisation vom laufmännischen Führerstandpunkt aus. Der Reihe nach ging er die verschiedenen Seiten dieses Problems durch: die Berfonalfrage( Eigenschaften der leitenden Männer), die Finanz- und Wirtschaftsfragen, die Frage der Einkaufsorganisation ( Rohstaffe) und Verkaufsorganisation( Fertigfabrikate), die Stellung der Geschäftsleitung im wirtschaftlichen Verwaltungsapparat. Berwaltung und Buchführungsfragen, das Problem der Selbstkostenberechnung. Die Aufrollung diefer Frogen gab einen lehrreichen Ueberblick über dos breite, umfassende Gebiet, dessen Beherrschung nötig ist, um der Führung von Großbetrieben gewachsen zu sein. Ein außerordentliches Intereffe fand das Referat des DiplomHandelslehrers und Abteilungsleiters Roste über das Thema: Der Betriebsrat als Mitglied im Aufsichtsrat. Idee und System der Betriebsdemokratie, so führte er aus, er+ fordern die Vertretung der Arbeitnehmerschaft in allen Organen der Betriebstritung. Die besonderen Aufgaben der Aufsichtsratsmitglieder aus den Reihen der Betriebsräte ergeben sich aus§ 70 des Betriebsrätegesetzes und§ 3 des Gesetzes über die Entfendung von Betriebsratsmitgliedern in den Aufsichtsrat". Es handels sich hierbei um betriebswirtschaftliche und soziale Aufgaben. Die Lohnverhandlungen in der Metallindustrie. Der im Vorwärts" bereits gestern abend furz mitgeteilte Schiedsspruch für die Transportarbeiter in der Metallindu ftrie tommt den berechtigten Ansprüchen dieser Arbeitergruppe nach einer ausreichenden Entlohnung nur sehr unvollkommen nach. In der Lohnvereinbarung vom 24. Oftober waren die festgesetzten Löhne Don 45 und 48 Pf. in den Klassen 5 und 4 als Mindestlohne bezeichnet worden, auf die sich die eigentlichen Löhne aufbauen sollten. Es ist aber in den weitaus meisten Fällen bei den Mindest löhnen geblieben; der BBMI. hat den Aufbau der Löhne bei einer Ueberschreitung der Mindestlöhne um meist nur einen Bfg. Der Spruch des Schlichtungsausfchon eingestellt. Der Spruch des Schlichtungsaushusses steht nun lediglich eine Erhöhung dieser minde ft ohne um je 5 Pfg. vor, ohne direkt zu bestimmen, ob alle Löhne, die darüber hinaus gezahlt werden, um denselben Betrag erhöht werden müssen. Sollte der Spruch Rechtskraft erlangen, so werden die Arbeiter in den Betrieben mit aller Kraft dafür zu forgen haben, daß jedem Arbeiter eine Lohnerhöhung zuteil wird. Ber den Verhandlungen beigewohnt hat, wird erkannt haben, daß dem BBMJ. nur durch Kampf etwas abzuringen ist; diesen Kampf müssen aber die Arbeiter in den Betrieben führen. Dazu ift Zeit genug bis zum Ablauf des Schiedsspruches Ende März nächsten Jahres. Wenn dann die Metall- Tranportarbeiter teine Unorganisierten mehr haben, wird auch am Verhandlungstisch etwas anderes herauskommen. ** Zu den Berhandlungen beim Schlichtungsausschuß erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die Unternehmer ließen sich mit feinem Bort darüber aus, ob sie eine Lohnzulage geben wollen oder nicht. Sie wunderten sich nur darüber, daß bereits jetzt wieder Lohnerhöhungen verlangt werden; die Lohnregelung vom 24. Oftober hätte sich noch gar nicht ausgewirkt und sie müßte von ihrer Seite als noch nicht beendet bezeichnet werden. Der BBMI. hat also in den acht Wochen noch nicht endgültig festgestellt, was dem einzelnen Arbeiter zukommt. Bielleicht hat er allerlei Weihnachtsüberraschungen in Borbereitung gehabt, die nun durch die„ poreilige" Lohnbewegung zunichte gemacht sind. Um bemerkenswertesten waren die Ausführungen von Herrn Regierungsbaumeister a. D. Dr. Bo13, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung des Siemens- Konzerns. Dieser Herr stellte in Abrede, daß sich das Wocheneinkommen der Trans portarbeiter nur aus 48 mal Stundenlohn ergebe; er nannte Wochenlöhne von 28 bis hinauf zu 37,50 Mt. bei den Lohnfähen des Abkommens. Es sollte damit gefagt sein, daß die Arbeiter länger arbeiten sollen, menn fie mehr verdienen wollen. Der gute Mann verwandelte also die Lohnfrage furzerhand in eine Arbeitszeitfrage. Der Bevollmächtigtae Ulrich vom Metallfariell nahm diesen Unternehmervertreter mehr von der humoristischen Seite indem er ihn als Zahlenjongleur bezeichnete, der fich auf dem Rummelplatz für Geld sehen lassen tönne. Bezeichnend ist, daß Herr Dr. Bolz, der sich schon verschiedentlich in ähnlicher Weise bemerkbar gemacht hat, auch heute noch mit solchen Argumenten gegen Lohnforderungen fämpft. Es wäre außerordentlich lehrreich für manchen Arbeiter, wenn er diefe Herren und ihre Methoden einmal bei Verhandlungen persönlich kennen lernen könnte. Um den Urlaub der Mühlenarbeiter. Nachdem der Tarifvertrag für die Berliner Mühlenindustrie Ende April abgelaufen und ein neuer Bertrag nicht zustande gekomnien war, glaubten die Unternehmer, an die Bestimmungen des alten Tarifs über den Urlaub nicht mehr gebunden zu sein. Zwar wurde den Arbeitern Urlaub gewährt, aber erheblich weniger, als sie nach dem Tarif zu beanspruchen hatten. Die Unternehmer beriefen fich in dieser Hinsicht auf einen während der Tarifverhandlungen gemachten Bergleichsvorschlag des Schlichters, der aber von den Arbeitern abgelehnt, also nicht in Kraft getreten ist. Die Arbeiterorganisation vertrat den Standpunkt, daß die Urlaubsbestim= mungen des abgelaufenen Bertrages auf den im mer 192 Sommer 1924 zu gewährenden Urlaub noch anzuwenden feten, weil ja das Recht auf den Urlaub vor dem Ablauf des Bertrages, der den 1. April als Stichtag für die Berechnung der Urlaubsdauer feftjetzte, erworben sei. Diese Rechtsauffassung der Arbeiter wurde bestätigt durch ei am 23. September ergangenes Urteil des Gewerbegerichts in einer Klage gegen die Bittoriamühle. Obgleich die Urlaubsfrage durch dies Urteil vollkommen geklärt ist, hatte sich die Berliner Dampfmühlen Attiengesellschaft nicht bereitgefunden, den Urlaub ihrer Arbeiter nach den Bestimmungen des Tarifs und dem Urteil des Gewerbegerichts festzusetzen. Die Arbeiter der Dampfmühlen- 2.- G. erteilen deshalb einem Bertreter des Lebensmittel- und Klage vor dem Gewerbegericht durchzuführen. Als Vertreter der Getränkearbeiterverbandes Prozeßvollmacht, um eine Dampfmühlen-.- G. erschien deren Direktor Freudenheim, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Mühlenindustrie iſt, ber Arbeiter unter der Brozeßpollmacht. Seine und bezweifelte die Richtigteit der Unterschriften Arbeiter sagte der Direktor- feien mit dem Urlaub, den er ihnen gewährt habe, zufrieden, es handle sich hier um ein Borgehen des Lebensmittel und Getränfearbeiterverbandes gegen ihn. Das Gericht ordnete nunmehr an, daß jeder Unterzeichner der Prozeßvollmacht seine Unterschrift durch die Bolizei beglaubiget lassen solle. Ein Teil der Unterzeichner mochte sich dieser Bedingung nicht unterziehen, denn sie fürchteten, entlassen zu werden, und sie hatten auch Grund zu dieser Befürchtung, denn Direktor Freuden. heim hatte im Gewerbegerichtstermin erklärt, wer ihn ver. lage, tönne nicht bei ihm arbeiten. Die betriebswirtschaftlichen Aufgaben ergeben sich daraus, daß der Betriebsrat Kontrollorgan der Unternehmung ist bei Ueberwachung der Verwaltung, bei Entgegennahme des Betriebsberichtes des Vorstandes, bei Einsichtnahme in die Bücher und den Schriftwechsel der Unternehmung, bei Bestandaufnahme und Bewertung von Geldern, Wertpapieren, Waren und anderen Betriebsgegenständen, bei Prüfung der Bilanz und der Verlust- und Gewinn rechnung und bei Prüfung der Vorschläge über Gewinnverteilung In diesem Zusammenhang machte Diplomhandelslehrer Koste auf die llebung der Einbehaltung von Löhnen aufmertjom, durch die das Unternehmertum sich nicht nur billigen Betriebskredit, fondern auch Zinsengewinne auf Kosten der Arbeiterschaft verschafft. Der Betriebsrat ist aber auch geschäftsführendes Organ. Er kann sich im Aufsichtsrat zur Geltung bringen u. a. bei Bebellung von Brokuristen, Einberufung der Generalversammlung und Erstattung des Geschäftsberichts. Zu den sozialen Aufgaben gehört die Mitwirkung bei Festsehung von Löhnen und Gehältern gelegentlich der Erstattung von Betriebsberichten, Berwaltung der Wohlfahrtseinrichtungen. Antragstellung auf Zuwendung zum Wohlfahrtsfonds gelegentlich der Prüfung der Vorschläge über Gewinnbeteiliguma. Koste betonte im Hinblick auf die Gefahr der Zivil- Erfolg gehabt. Nachdem das Gericht in Uebereinstimmung mit und Strafgeschhaftung den Aufsichtsratsmitgliedern die Einrichtung einer Rechtsschusstelle für Betriebsratsmitglieder, die am besten dem ADGB. angegliedert werden soll. Bemerkenswert war noch feine Anregung, Anträge auf Aufwertung des Wohl. fahrtsfonds im Aufsichtsrat zu stellen. Dann sprach das Hauptvorstandsmitglied Schulze über:„ Die Tätigkeit der Betriebsräte in der Lertilindustrie Der Redner gab verschiedene lehrreiche Beispiele für fruchtbare Betriebsrätearbeit. Immer muß der Betriebsrat seine Rechte wahren, er muß sein Augenmert auch auf die Regelung der Arbeitszeit, die Verwaltung von Pensionsfaffen, Werkswohnungen und Betriebswohlfahrtseinrichtungen und auf die Verhinderung von Betriebs. franfenfaffen richten, ebenso auf die Bekämpfung der Unfall- und Gefundheitsgefahren. Bei solcher Tätigkeit kann gehofft werden, daß die Organisation der demokratischen Fabrit Fortschritte macht. Einen gewiffen Höhepunkt stellte das Referat des Leipziger Betriebsrats. Dorfihenden Richter dar. Der Redner hatte nicht nur den Mut, den Dingen ins Gesicht zu sehen; er fand für sie auch herzerfrischend deutliche Worte. Er marnie davor, die Macht der Betriebsräte zu überschätzen und begründete die Notwendigkeit engster 3u [ ammenarbeit mit den Gewerkschaften. Die Arbeiter feien oft Feinde des Fortschritts; es gebe Badeeinrichtungen, die nicht immer benutzt werden. Da habe der Betriebsrat erziehliche Wirfungen auszuüben. Die Arbeiterratssigungen müßten Wirtschaftsfachverständigen fonferenzen werden. Richter gab anschauliche Winke für die Arbeitsteilung des Betriebsrats. Die Ausbildung von verantwortungsbewußten Belegschaften in der 3ufammenarbeit von Gewerkschaften und Betriebsrat muß durchgeführt werden. LIKOR = nicht gescheut hatte. hat jetzt vor dem Gewerbegericht einen vollen Der andere Teil der Arbeiter, der die polizeiliche Beglaubigung feinem Urteil vom 23. September zu erkennen gegeben hatte, daß bie Kläger ein wohlerworbenes Recht vertreten, was ihnen wicht verkürzt werden darf. Angesichts dieser Sachlage ließ es Direktor Freudenheim nicht erst zu einem Urteil fommen, sondern schloß einen Bergleich mit den Klägern, wonach er ihnen den geforderten Urlaub oder eine entsprechende Lohnentschädigung gewähren wird. ,, Gewerkschaftliche Erziehungsarbeit!" Man schreibt uns: Unter diesem Titel brachte die„ Rote Fahne" am 16. Dezember einen Bericht aus der Genossenschaftsbäderei in der Gerichtstraße. Ein aus diesem Betrieb entlaffener Bäcker berichtet, daß dort seit seiner Entlassung die Verordnung des Nachtbackverbots nicht innegehalten wird. Es wird dann behauptet, daß die Inhaber dieser Genossenschaftsbäckerei alte Mitglieder des Verbandes der Bäder find und die Frage aufgeworfen, ob die Organisation diese Schädlinge weiter in ihren Reihen dulden will oder ob nur Kommunisten ausgefchloffen werden. In Berbindung mit der Annahme des Berichterstatters der Roten Fahne", daß die Inhaber dieser Genossenschaft Mitglieder des Bäckerverbandes sind, ist auch die Ueberschrift gewählt, um den Nachweis zu führen, daß auch lange Zugehörigkeit zur Organisation nicht zur Solidarität erziche und Unorganisierte und Zeitorganisierte beffere Menschen und in Bersammlungen die berufenen Bertreter" der Arbeiterschaft seien. Der Roten Fahne" irgendwelche Berichtigung zu fchiden, ist zmedios, ba fie eine Berichtigung auch dann nicht bringt, wenn fle ihre eigenen Genossen einsenden. So hat z. B. der Vorsitzende des Betriebsrats der Firma Wittler verschiedentlich Berichtigungen eingesandt und dies in Betriebsversammlungen erflärt, aber gelesen habe ich bis heute nichts in der Fahne". Es muß deswegen schon die Flucht in den Vorwärts" angetreten werden, um richtigzustellen, da aus dem Schweigen von dem Leser die Zustimmung abgeleitet wird. 27 Die Genossenschaft in der Gerichtstraße ist allerdings von orgas nisierten Arbeitern gegründet worden. Bon den jezigen Inhabern ist aber niemand Mitglied des Bäderverbandes und auch wohl nie gewesen, da die Mitbegründer, soweit sie Bäcker waren, schon lange aus der Genossenschaft wie auch aus der Organisation ausgeschieden oder verstorben sind. Wenn demzufolge die Frage der Roten Fahne", ob die Organisation derartige Schädlinge noch länger in ihren Reihen dulden will, sich auf die Arbeiterratsmitglieder_beziehen soll, von denen allerdings zwei Drittel Kommunisten sind, würden demnach tatsächlich wieder Kommunisten ausgeschlossen werden, wenn dem Antrag der„ Roten Fahne" gefolgt würde. Aus schlüsse erfolgen aber nur durch eine Kommiffion nach Prüfung der Sache, und bisher ist hier von der Mißachtung der Berordnung in diesem Betrieb nichts befannt, da auch die tommunistischen Mitglieder des Betriebsrats feine Meldung an den Vers band gelangen ließen. Da nun aber die Fahne" angibt, ihren Be richt von einem Entlassenen zu haben, fommt nur das dort beschäftigt gewesene Mitglied der KA PD. in Frage. Es ist also unwahr, daß Mitglieder des Bäckerverbandes Inhaber der Genossenschaft sind. Demzufolge unterstehen sie auch nicht der Erziehung des Verbandes. ,, Erziehungsarbeit" und" Agitation" für die Organisation wurde aber vor der Fahne" auch schon in dem Versammlungsbericht am 11. Dezember geleistet, indem in diesem Bersammlungsbericht von der Brotestversammlung gegen die Nachtarbeit und den 5- Uhr- Anfang der Wahrheit zuwider berichtet wurde, daß eine Entschließung nicht angenommen fei, da die Versammlung sich schon in voller Auf lösung befand durch das Schlußwort des Referenten. Wahrheit ist, daß die Versammlung der vom Referenten vorgelegten Entschließung einmütig zustimmte und die Versammlung erst nach Bekanntgabe verschiedener Angelegenheiten geschlossen auseinander ging. = Wenn trotzdem bei der Berhandlung vor dem Oberregierungsrat Wetzel im Bolizeipräsidium dieser dem 5 Uhr Anfang nicht zugestimmt hat, so ist dies gewiß nicht das Berdienst der Roton Fahne", die durch diesen unwahren Bericht Material" geli fert hatte, els hätten die Bädergesellen an der Beibehaltung des 6- Uhr Anfangs fein Intereffe. Die Rote Fahne" und ihre Gewährsmänner mögen den Verband mit ihrer Raterteilung und Agitation" in Ruhe lassen. Der Verband wird die Interessen seiner Mitglieder gehörig vertreten, und die Organisation wird auch an Stärke gewinnen, trog der schäbigen Agitationsmethode, wie sie die„ Rote Fahne" auch gegen den Zentralverband der Bäcker betreibt. Amtliche Kreisblattpolitik. fürzlich folgendes Schreiben mit dem nötigen Kommentar: Das sozialdemokratische Göttinger Boltsblatt" veröffentlichte Einbec Fernsprecher 34. Landhaus Borntal, den 14. 10. 1924. Herrn G. Tich..... Hannover. Zu den vor Ihnen gu'el'ten Forderungen fann ich Sie nicht gebrauchen. Ein Gärtner, wie ich ihn suche und der es mit einem Berufe ernst meint, fennt nichts von dem Achtstundentag! Mit dieser faulen Revolutionsfrucht habe ich nichts zu schaffen, und fennen meine Leute sowas nicht. Der Gärtner und der Landmann arbeiten folange es hell ist, im Winter gibt's faule Tage genug. Der höchste Lohn würde zu nächst bei freier Station 10 Mark pro Woche sein abzüglich der ges. Abzüge Ich nehme an, daß Ihnen meine Bedingungen nicht zufagen und gebe Ihnen Ihre Zeugnisse anbei zurück. Hochachtungsvoll gez. Siegfr. Sochfenröder. Der Empfänger dieses Schreibens, ein gewertschaftlich organis fierter Gärtner, hatte dem Herrn Landhausbefizer zu verstehen gegeben, daß er nur zu ordentlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen arbeiten will. Der durch die Veröffentlichung seines Schreibens getennzeichnete Herr Siegfried Sachsenröder in Einbed ersuchte das „ Einbeder Tageblatt", seine Handlungsweise zu bemänteln und zu rechtfertigen. Dieses Blättchen, das sich als Amtliches Organ des Magistrats, des Amtsgerichts, des Finanzamts" und als„ Amt. liches Kreisblatt" bezeichnet, polemijierte denn auch gegen das Göttinger Volksblatt" und beliebte dabei folgende Einleitung: 27 " Da das„ Volksblatt" von Partei megen verpflichtet ist, die durch die Weimarer Berfaffung fonzeffionierte und privilegierte Faulheit in Schuh zu nehmen... Das glaubt sich ein Amtliches Kreisblatt gegen die hausbefizer und dessen deutschna.ionalen Freunden gefällig zu Weimarer Verfassung herausnehmen zu können, um sich einem Land. erweisen. sich beschwerdeführend gegen diese Amtliche- Kreisblatt- Niederträchtig Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Ortsgruppe Einbed, hat feit gewandt. Mit Recht, denn es ist ein Unding, daß eine solche Dreckschleuder gegen die Reichsverfassung tonzefficiert und privi. legiert ist. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten. ( FPS.) Während die Geschäftslage in den Bereinigten Staaten fich allmählich gebessert, die Arbeitslosigkeit in den letzten vier Monaten langfam abgenommen hat und die Löhne der Arbeiter steigen, so muß doch auf Grund einer von der Russell- Sage. Stiftung in New York unternommenen fünfjährigen Beobachtung, die sich auf 31 Städte in den Bereinigten Staaten und Kanada erstrecte, feftgestellt werden, daß durchschnittlich 10 bts 12 Proz aller Arbeiter dauernd arbeitslos find. Das be deutet eine ständige Arbeitslosigkeit von mehreren Millioren Menschen mit all ihren schwerwiegenden wirtschaftlichen, sozialen, psychologischen und moralischen Nebenerscheinungen, unter denen die Ausbeutung Taufender durch private Stellenvermittlungsbureaus eine erhebliche Rolle gespielt. Deshalb stellt die Stiftung u. a. auch die Forderung nach Schaffung ausreichender staatlicher Arbeitsnach weise auf. Achtung! Former und Berufsgenossen! Quang nach Gevels. berg, Firma Häuften u. Co. ist wegen Streit fernzuhalten. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Vaul Singer u Co. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl" mit Filzring. JACOBINER % Nr. 593+ 41. Jahrgang ARNO 1. Beilage des Vorwärts Arbeiter und Buch Warsuurs Der ozialismus 2 for in der Karikatur 632 Fridrih Wende Das letzte Jahr hat auf dem Gebiete der Bücherproduktion eine| Bandlung gebracht, die namentlich im Hinblick auf die gesteigerte Nachfrage nach Büchern vor Weihnachten von Interesse ist. Die Herausgabe neuer Bücher, die während der Inflationsperiode fast BALUSCHEK Cart Grollewi Unser Bald O.K. Genoffen erst jene geistige Reife und Festigkeit, die für den Fort schritt der Bewegung erforderlich waren. Der Krieg unterbrach leider diese Entwicklung, und erst allmählich können die Lüden ausgefüllt werden, die der Wahnsinn des imperialistisch- nationalisti. schen Zeitalters im geistigen und fulturellen Leben gerissen hat. den Erschütterungen des letzten Jahrzehnts sich nach innerer Sammlung, nach geistiger und seelischer Bertiefung sehnt. Er greift wieder zu dem Buche, als dem besten und vertrautesten Freunde, der ihm Wegweiser und Lehrer zugleich sein soll. Gewiß, Mittwoch, 17. Dezember 1924 eigen zu nennen. Wenn viele Broleben ihr überflüssiges Geld in Arohoi oder sonst was anderem anlegen, faufe ich mir dann und wann ein gutes Buch." Wir wollen hier gemiß nicht verallgemeinern. Es ist nicht nur der Alkohol, der den kulturellen Aufstieg der Arbeiterschaft hemmt. Es ist auch die verstärkte Ausbeutung im Betrieb, die Wohnungsnot und vor allem die niedrige Entlohnung, die auch manche der Besten in der Arbeiterschaft daran hindert, sich ein gutes Buch zu taufen oder sich an fulturellen Bestrebungen Ber Arbeiterschaft zu beteiligen. Aber wo ein Wille ist, findet sich schließlich auch ein Weg. Und der Wille der Arbeiterleser follie fich, im Intereffe des einzelnen wie der Allgemeinheit, mehr d mehr darauf richten, das Buch vor allem das fozialistische Bud) als eines der wichtigsten Werkzeuge in Befreiungskampje der Arbeiterklasse anzusehen und diesen Gedanken vor allem der jungen, heranwachsenden Generation einzuprägen. か Zur Förderung dieser Entwicklung haben die Arbeiterorganisa tionen stets, insbesondere vor Weihnachten, lebhafte Propaganda für den Anfauf guter Bücher in den Arbeiterkreisen betrieben. Auch in diesem Jahre wird durch Bücherausstellungen und die Berbreitung von entsprechenden Bücherverzeichnissen diese Propaganda betrieben. Im Gewertschaftshause finden die Intereffenten eine reichhaltige Ausstellung von Büchern. Ebenso hat bie Buchhandlung Dieß und die Arbeiter Jugend große und schöne Bücherausstellungen geschaffen. Ein Gang durch die Buchhandlung Dieß( ehemals Borwärts"-Buchhandlung) in der Lindenstraße 2 zeigt den erstaunlichen Fortschritt, den die Bücherprobuftion in diesem Jahre gemacht hat. Neben schön ausgestatteten Kinderbüchern und Jugendschriften findet man hier alte und neue sozialistische Literatur, die wichtigsten Neuerscheinungen auf allen Gebieten des Biffens und eine reichhaltige Auswahl literarischer un ausstellung der Arbeiter Jugend, die sich in der Lindenstraße 3, II. Hof 3 Tr. befindet und täglich von 4 bis 7 Uhr geöffnet ist, zeigt, mit welch lebhaftem Intereffe fich unsere Jugend der Propaganda für die Verbreitung guter Literatur widmet. Wir möchten nur wünschen, daß diese Bemühungen in den breitestenKreifen Anklang finden. Döllig unmöglich gemacht wurde, ist im letzten Jahre in außer Alle Beobachtungen stimmen darin überein, daß der Arbeiter nach fünstlerischer Werke. Auch ein Besuch in der Weihnachts ordentlichem Maße gestiegen. Obwohl die Buchverlage auá jezt mit großen Abfahschwierigkeiten fämpfen, haben sie dennoch im legten Jahre versucht, einen Teil der Lüden auszufüllen, die auf dem Gebiete der Bücherproduktion bestanden. Neben vielen übe: flüssigen sind in der letzten Zeit auch zahlreiche gute und wertvolle Schriften erschienen, die sowohl nach ihrem Inhalt mie nach ihrer Ausstattung eine Bereicherung des Büchermarktes darstellen. Die sozialistischen Verlage. -Für das proletarische Butlitum wir denken hier keineswegs nur an Arbeiter, sondern auch m die breiten Schichten der Beamten, Angestellten usm. fommen neben den wirklich guten populär wiffenfchaftlichen und literarischen Schriften natürlich in erster Linie die Ausgaben der sozialistischen Berlage in Betracht. Auch hier hat die eingetretene Stabilisierung einen er freulichen Aufschwung der Produktion mit sich gebracht. In verfchiedenen Städten des Reiches hat eine Anzahl von Parteinerlagen eine rührige Tätigteit entfaltet und neben einer Reihe missenschaftlicher Berte feinere politische und literarische Schriften heraus. gebracht. Am umfassendsten ist naturgemäß die Tätigkeit unseres zentralen Buchverlages J. H. W. Die Nach f.. Berlin, der aus ber Berschmelzung des früheren Diez- Berlages in Etuttgart mit dem Borwärts- Berlag entstanden ist. Insbesondere hat der Verlag Diez durch völlige Umstellung des technischen Betriebes und durch Einführung von Neuerungen auf dem Gebiete der Buchherstellung ( Drud, Einband, Illustration usw.) die Möglichkeit erlangt, Bücher von höchfter technischer Qualität herauszubringen. Hervorragende Buchtünstler sind bestrebt, der äußeren Austattung eines jeden Buches eine individuelle Note zu verleihen. Neben politischen und fozialwissenschaftlichen Schriften hat der Verlag im letzten Jahre eine Anzahl wertvoller literarischer Novitäten, so die große ArnoHolz- Ausgabe hervorgebracht. Insgesamt sind im Berlag Dietz im leg en Jahre 33 neue Bücher in einer Gesamtauflage von ca. 195 000 Exemplaren erschienen. Grundlagen einer Kulturbewegung. Die Steigerung der Bücherproduktion rollt naturgemäß wieder die Frage des Verhältniffes zwischen Buch und Arbeiter auf. Es war seit jeher der Stolz der deutschen Arbeiterbewegung, daß sie neben der energifchen und zielbewußten Vertretung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterfasse die Grundlage für eine wirkliche Kulturbewegung in den breiten Massen der merttätigen Bevölkerung schuf. Die reichhaltige sozialistische Literotur, die in den Jahrzehnten vor dem Kriege geschaffen wurde, gab den in der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung tätigen 52] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Die Wirtin, ein hübsches Frauchen mit schmalem Geficht und lustigen schwarzen Augen, redete ihn mit„ mon capitaine an und deckte eine Serviette auf den Tisch. Sie war während des ganzen Krieges in St. Bol gewesen. Er fannte doch St. Bol? Dann mußte er auch die englischen Offiziere dort gekannt haben. Sie hatte ein très bon souvenir an die englische Armee. Ihr Mann wurde ganz eifersüchtig, wenn sie die englischen Offiziere lobte. Ganz ohne Grund?" lächelte Bertram. Die Frau lachte und ihre Augen tanzten. Im Kriege gibt's viele Versuchungen. Sie nedte ihren unglaublich dicken Gemahl, aber der sah verdrießlich drein und brummte: Taistoi, Yvonne!" Sie schnitt ihm hinter seinem Rücken ein Geficht, und als Bertram nach dem Essen in sein Schlafzimmer ging, leuchtete sie ihm, denn Gas gab es nicht in dem Hause. Merci, et bonne nuit, madame," sagte Bertram höflich, nahm ihr die Kerze aus der Hand und setzte sie auf den Holzstuhl, der neben dem Bette stand. Sie schaute mit einem wehmütigen, rätselhaften Bächeln zu ihm auf und sagte in gebrochenem Englisch: In Kriegszeiten ich nicht verheiratet. Sie versteh? Englisch Offiziers mir Leben sehr. Rehm meine Hand, wollen geben Ruß, wie fegen Sie doch, flirt. Mein groß did Mann nicht wollen hören von diese Zeit. Aber ich lieb sehr. Wollen Sie geben mir English Kuß für alte 3eit?" Sie hob ihr Gesicht zu ihm, nachdem sie zuvor einen Blid auf die nur halb geschlossene Tür gewerfen hatte. Bertram füßte sie. Warum auch nicht? Es war gut, jemanden zu finden, der sich der britischen Armee mit Vergnügen und Liebe erinner'e. Sie füßte ihn sechsmal hintereinonder, und mit einem Finger auf den Lippen schlüpfte sie davon als eine mächtige Stimme rief:" Yvonne! Qu'est- ce que tu fais, toi?" In dieser Nacht träumte Bertram, daß Joyce ihn füßte. 40. Der Gedanke an Paris zog so mächtig an Bertram, daß er, nach Amiens zurückgekommen, den Zug nach der Gare du Nord nahm. Er hatte mehrere Artikel, Gesehenes und Gehörtes an die„ Neue Welt" abgesandt, und Bernhard Hall hatte ihm geschrieben:„ Ihre Sachen sind großartig und werden viel zitiert. I.H.W.DIETZ NACH 0.1. es gibt auch solche, die im Buche eine Abientung von der traurigen Wirklichkeit suchen. Aber die wirklich Tätigen, die Kernigen, rie Suchenden greifen nach dem Buche, um mit seiner bilfe die Eren nerben Broblene der Gegenwart besser lösen zu fönnen. Uns er scheint in dieser Beziehung der Brief eines in der Berliner Parteibewegung tätigen Genossen charakteristisch. Er schreibt uns u. a.: Ich bin ein armer Arbeiter, nebenbei ein sehr großer Büderfreund, darf mich rühmen, eine kleine Bibliothet von über 350 Bänden mein Es war endloser Stoff in dem Wiederaufbau der Picardie und Artois. Bertram brauchte sich nur an den Tisch irgend eines kleinen Estaminet zu sehen, das hier in diesem Lande der Gespenster zwischen einer Gruppe von Hütten stand, um in der zufälligen Unterhaltung von Bauern und auch Priestern die Nachwehen des Krieges als eine ungeheure Tragödie auch für das Siegerland zu erkennen. Uber trotz der großen Ausbeute für seinen 3med riß er sich los, weil es ihn übermächtig nach Paris zog, in dem unwiderstehlichen, fast frankhaften Begehren, Joyce wiederzusehen. Während seiner Einsamkeit, denn auch bei diesen zu fälligen Unterhaltungen mit den Leuten fühlte er sich allein, verließ ihn allmählich seine innere Gereiztheit. Er sah die Dinge jegt in flarerem Lichte. Die Berührung mit den Berwüstungen des Krieges, die scharfen Realitäten der ungeheuren Hinterlassenschaft von dem Jammer, welcher diesen mörderischen Jahren gefolgt war, seine 3miegespräche mit den Geistern seiner Jugend schienen das Bohren seiner eigenen egoistischen Triebe zum Schweigen gebracht zu haben und machten ihm seine Selbstfucht verächtlich. Was lag denn an seinem verfehlten Leben? Was wog es in der Bagschale der Geschichte und dem Geschicke der Völker? Er hatte fein Recht auf das Leben überhaupt, nur ein unverhofftes Glüd, eine Gnade von Gott hatte ihn verschont, wo fo viele feiner in Jugendpracht gefallenen Freunde in diesem Beden moderten. Daß er noch lebte, daß er die Lerchen singen hörte, die Sonnenstrahlen in wohligem Behagen empfand, war so viel des Guten, daß er für diesen Dienst nur durch treuen Dienst an das Leben danken fonnte. Er fonnte doch vielleicht durch irgendein Samenforn der Wahrheit, durch gesprochene oder geschriebene Worte, durch die Kraft seines heißen Willens dazu beitragen, das Werk des Friedens zu fördern, damit diefe Felder nie wieder mit den Leichnamen blühender Jugend be deckt würden. Das zu versuchen, war seine Bestimmung, das allein war sein fünftiger Lebenszwed. Nach den furchtbaren Schlägen der letzten Monate schien er an Verständnis und Erfahrung um zwanzig Jahre gereift zu sein. Auch durch Jane Welfords Hilfe hatte er sich über die Schwäche des Mitleids mit sich selbst erhoben, dieser elenden unheilbaren Krankheit. Das ganze Zerwürfnis mit Joyce war töricht und fleinlich gewesen. Sie war ja auch jetzt noch taum mehr als ein Kind, und er hatte die festgeklärten Ansichten und die feststehende Philosophie eines gereiften Weibes von ihr verlangt. Das Auto in der deutschen Wirtschaft. Besprechungen der preußischen Verkehrsdezernenten. Die Bedeutung und die Zukunft des Automobils in der deutschen Wirtschaft hat den preußischen Minister für Hande und Gewerbe, Genossen Siering, Beranlassung gegeben, ben Berkehrsdezernenten bei den preußischen Regierungsstellen in einer Reihe von Borträgen Anregungen und Belehrungen zu geben. 6 Die Besprechungen, die in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche im Landtagsgebäude stattfanden, verfolgten gleichzeitig den 3rred, die Möglichkeiten der llebernahme und der Errichtung von Kraftfahrlinien und alles was damit in Berbindung steht, durch den Staat zu erörtern. Nach einer Eröffnungsansprache des Ministers wurden in zwei Vorträgen wichtige Fragen bes Automobilrechts behandelt, denen fich dienstliche Beratungen conschlossen. Am Nachmittag fanden dann auf der Autorennstrede im Grunewald Geschwindigkeitsermittlungen durch Stopper. suhe statt, wobei sich allerdings herausstellte, daß unter den Vorcusfehungen, wie diese Bersuche auf der Arus durch Bolizeibeamte cusgeführt wurden, eine einwandfreie Geschwindigkeitsmejjung bei fahrenden Autos nicht möglich ist Sajachlich haben ja auch die Gerichte in legter Zeit die Berurteilung von Strafimagenführern ab. gelehnt, wenn lediglich die Angaben, der Polizisten vorlagen. Der nachste Zag brachte zunächst ein turzes Referat von Diplomingenieur Schumann über die allgemeinen Grundsäge des Automobilbaues in technischer Beziehung. Der Rebner erwähnte besonders die Verwendung eines neuen Leichtmetalls in der Autoindustrie, des Elettrons, dessen hervorragende Leichtigkeit und leichte und bequeme Berarbeitungsmöglichkeit die Berdrängung des Aluminiums nur noch als eine Frage der Zeit erscheinen läßt. Regierungsdirektor Mosle vom Bolizeipräsidium sprach dann über die Neuzeitliche Verkehrsregelung in Amerika". Die Angaben des Redners wurden durch Lichtbilder wirkungsvoll unterstüßt; fie ließen unsere Berkehrsverhältnisse in Großstädten wie Berlin geradezu altertiimsich erscheinen. Der„ Borwärts" hat an lößlich der Rückkehr von Regierungsdirektor Moste aus Amerika eingehend über seine dort gesammelten Eindrücke und Erfahrungen berichtet. Nur eines sei noch befonders hervorgehoben: Der AmeriIn seinen Pilgerfahrten durch die Kriegszone kam das Bild von Jonce, so wie er sie zuerst gesehen und hier in Frankreich von ihr geträumt hatte, vor sein geistiges Auge zurück. Er sah sie wieder in ihrer blumenzarten Schönheit, ihrer Anmut, ihrer Eleganz, ihrem Mute und ihrer Lebenskraft. Er strich ihren ganzen Streit aus seinem Gedächtnisse weg und glaubte, daß nach der langen Trennung und dem Wandel in, seinem eigenen Charakter eine. Wiederbegegnung zwischen ihnen beiden in Versöhnung und gegenseitigem Berständnis enden müsse. Jezt taten ihm seine trockenen humorlosen Antworten auf ihre Briefe leid. Er hatte ihre politischen Ansichten viel zu ernst genommen. Jetzt wollte er zu ihr einfach fagen:„ Geliebte, ich muß deine Liebe wieder haben. Mein Leben gehört der Liebe und dem Frieden. Ich bin dein treuer Freund und Helfer, nur zu deinem Dienst bereit. Was braucht dann noch zwischen unserem Glück zu stehen?" Wenn er nachts auf seinem Felbbett lag, sehnte er sich nach Joyce mit dem Heimweh eines Verbannten. Er atmete den Duft ihres Haares, er fühlte ihr seidenes Blondhaar. Im Träumen und Wachen sprach er ihren Namen und sah sie mit nadten Füßen über die grünen Felder auf sich zuwandeln. Sogar feine Eifersucht auf Kenneth erlosch. Keneth war ihr Spielfamerad gewesen und stand über jedem Verdacht, das fah er jetzt ein. In solch weicher Stimmung stieg Bertram aus seinem Zug und verließ den Gare du Nord, um in einem flapprigen Auto die öde lange Rue Laffayette bis zum Hotel Meurice zu fahren, wo Joyce wohnte. In der Hotelhalle ging er flopfenden Herzens durch eine Gruppe von Amerikanern. Plötzlich stürzte er zu einer Tür, denn da stand die geliebte schlanke Gestalt, und das goldene Haar leuchtete. Als sie sich aber umwandte, da war es ein fremdes Gesicht. Dann erkundigte er sich beim Hotelbeamten nach Ladn Joyce Bollard und der Gräfin Ottern. Der Mann musterie ihn mißtrauisch, denn Bertrams äußere Erscheinung stach von der Eleganz seiner Umgebung auffallend ab, und teilte ihm dann mit, daß beide Damen Paris gestern verlassen hätten. Wohin find fie gefahren?" Er war aus allen Himmeln gestürzt und verwünschte seine Nachläs greit, sein Kommen nicht angezeigt zu haben. Läch nd zuckte der Mann die Achseln. Wie kann ich das wissen, Monsieur? Paris ist das Tor zu ganz Europa. ( Fortjeßung folgt.) 87 faner, besonders der New Yorker Bürger, sieht in dem Boliziften den Repräsentanten des Staates, der für jedermcem zugänglich ist und deshalb auch dementsprechend durch kleidung, Auftreten und Irtelligenz in die Erscheinung treten muß. Jede jeiner Anordnun gen wird gewissenhaft befolgt, er ist nicht dazu da, Leute zur Anzeige zu bringen, sondern den Berfehr wirklich zu regeln. Das Verhältnis zwischen Publikum und Automobilisten eingeschlossen und dem Bolizisten ist ausnahmslos gut; er ist der gute Engel der Kinder und der Bertrauensmann der Erwachsenen. Uebertretungen der Straßenordnung kommen dort drüben so gut wie gar nicht vor, werden aber auch, falls fie paffieren, äußerst streng geahnbet. Ein Bortrag von Regierungsrat Süßdorf aus dem Reichsverkehrsministerium zeigte die Organisation und die Ziele der deutschen Kraftverkehrsgesellschaften. Die ftaatlichen Kraftfahr linien bringen gegenüber den von privater Geite betriebenen Linien große Borteile für die Benutzer, da sie stets im Großbetrieb mit eigenen Fahrschulen und eigenen Reparaturwerfftätten bettleben werden. Die Organisation baut fidy so auf. das neben einer fauf männischen Direktion eine technische Betriebsleitung vorhanden ist, der wieder Betriebsabteilungen in den einzelnen Städten unterstehen. Alle Kraftverkehrsgesellschaften werden in der Kraftverkehr Deutschland G. in. b.", Siz Dresden, zusammengefaßt. Die Einführung ber Linien ist sehr einfach, desgleichen ihre Umleitung. Berlegung cder Außerbetriebfejung. Die Bermietung ber Bagen ober auch tur eines bestimmten Platzes geschieht an fielne Fabriken, Gewerbetreibende, die ihre Erzeugnisse ohne fostspielige und zeitraubende Umledung, ohne teure Berpadung, in nahe gelegene Orie transportiert haben wollen, und bietet im allgemeinen unbegrenzte Mögfichkeiten. In der Mart Brankenburg befo gi den Dienft becraft verkehr in den Marken", der in Berlin auch Passagierjahrten unterninimt, Dem Vortrag schloß sich eine furze Aussprache an, in der beregierungsrat Teubner auf den Wechselverfehr zwischen Eifenbaba und Kraftwagen ganz beforters hinwies. In Berlin ist bei. rahe der gesamte Umhlagnerfehr von einem Bahnhof zum anderen, nen ben Ringbahngüterzügen genommen und den Lastkraftwagen übertragen worden. Die dadurch erzielte Entlastung der Ringbahn ist sehr groß. Der Rebner forderte ein inniges Zusammenarbeiten von Eisenbahn. Kleinbahn, Binnenschaffahrt und Loftauto. Am letzten Beratungstage Sprach zunächst minifteriafrat Dr. Behle aus dem Reichsfinanzministerium über die Kraftfahr zeugsteuer im Zusammenhang mit der Wagen unter haftung". Die Beratungen, denen Genofje Siering teilweise persönlich beiwohnte, zeigten, daß das Ministerium für Handel und Gewerbe die Bedeutung des Automobils für unser gefamtes Wirtschaftsleben frühzeitig erkannt hat. Mit der technischen Entwicklung des Automobilbaues wird dieses Berkehrsmittel zu einer Bedeutung gelangen, die der der Eisenbahn faum nachsteht. 0 Der Staakener Meineidprozeß. Ein intereffantes Zeugenverhör. | furrenzarzt hingebracht hatte. Im Gegenteil, die Schwester habe 1 gegen ihn eine Hetze betrieben, und er habe aus idealem Grunde um feine Ehre gefämpft. Als Dr. Kornfeld von den Verteidigern in ein chorfes Kreuzperhör genommen wird, wird der Zeuge recht unsicher und erklärt, daß ihn die Berteidiger verwirren. Die Angeflagte häit dem Zeugen vor, daß sie ihn einmal zur Rede gestellt habe, weil er zu Frau Baermann behauptet habe, er habe sie wegen eines Abortus" behandelt. Dr. Kornfeld habe das bestritten und gefagt: Rufen Sie mir diese verlogene und hysterische Perfon." Als sie bann eine Beleidigungsklage angestrengt hatte, habe fich Dr. Kornfeld mit Frau Baermann verbündet. Zeuge Kornfeld: Es ist richtig, die Schwester sprach einmal von den Gerüchten und auch über Rebereien. Ich war überrascht, daß ich damit in Berbindung gebracht wurde. Daß ich von einer hysterischen Person gesprochen habe, kann ich mich nicht entfinnen. R.-A. Dr. Pindar: Frau Baermann war doch rechtsfräftig fret gefprodjen, was ging Sie nun im Sommer dennoch der Prozeß gegen Stadtrat Eggert an, daß Sie Zeugen warben? Dr. Kornfeld: Ledilich um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Sie machen mich mitfolchen Fragen verrüdt. Jeugin Fran 2ou bidh: Als ich ablehnte, in den Schmuß einer Ehe scheidung hineingezogen zu werden, fagte Dr. Kornfeld: Ich werde Ihnen mal Frau Baermmmm hinschiden, vielleicht fann die Sie überreben." Dr. Kornfeld: Ich kann mich nicht er. Innern, Frau Laubich. Auf weiteres Drängen der Berteidiger gibt der Zeuge zu, daß er mit Altenburg gesprochen habe. Dieser habe geäußert: Frau Baer mann darf nicht ins Gefängnis. Ich werde mich als Beuge angeben, und es werden auch noch andere Zeugen auftreten. Die Verhandlung wurde schließlich auf Donnerstag früh 9½ Uhr vertagt. Die Frauenmorde in der Schleiermacherstraße. Der frühere Polizeibeamte Gerth vor Gericht. Eines der grauenhaftesten Sexualverbrechen, die die Kriminals gefchichte fennt, gelangte gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts II zur Verhandlung. Unter der Anklage der Tötung der Witwe Else boffmann und der Ermordung der Witwe Emma Trautmann wurde gestern früh aus der Untersuchungshaft der bisherige Polizeimachtmeister Bruno Gerth den Geschworenen vorgeführt. Der Angeklagte ist 27 Jahre alt, in Zivil und sehr eigen gefleidet. Er ist ein schmächtiger junger Mann mit ftraffer Haltung. Seine Aussage macht der Angeklagte ruhig und gleichmütig. Schon in der Morgenfrühe war der Eingang zum Schwur gerichtsjaal in der Turmstraße von dichten Scharen umlagert. Als die Tür zur Treppe geöffnet wurde, fand eine förmliche Schlacht um den Eingang statt. ie rasend gebärdete sich das Bublifum. Die Mühe war jedoch umsonst; denn auf Antrag des Bei den Versuchen auf der Avus wurde von einer Betriebs- Antiagevertreters befchloß das Gericht, die Deffentlichkeit wegen gesellschaft eine neue Straßen Benzinzapfftelle nor- Gefährdung der Sütlichkeit auszuschließen. Der Gerichtshof geführt. Unter ber Grdoberfläche ist ein größerer Tant eingebaut; fonn nicht erst abwarten, ob diefer oder jener sich gefährdet fühle, durch eine Apparatur, die etwa die Form eines Feuermelders hat, sondern er habe zu entscheiden, ob objeftin eine Gefährdung der ist dem Automobilisten die Möglichkeit gegeben, innerhalb fürzester Sittlichkeit zu befürchten sei. Die Bresse wird wieder zugelassen, Beit durch einfache Emftellung einer Stala die gewünschte Menge ebenso Aerzte, Schriftsteller oder sonstige Persönlichkeiten, die ein Betriebsstoff zu entnehmen. Die Gesellschaft will mit diesen Tant- wissenschaftliches Interesse befunden. Das Bublifum mußte darauf aringen besonders der Feuersgefahr entgegenwirten, die sich aus der die Tribüne räumen. Der Borsigende ging mit dem Angeflagien effenen Aufbewahrung des Benzins in Garagen und Verkaufsstellen dessen Werdegang bis zur Tat durch. Der Angeflagte behauptet, ergibt. Die Straßenzapistellen find ohne sprigenden Gase durchaus baß sein wirklicher Vater der Schuhmacher Edyramm sei, den eine fener sicher eingerichtet. Ein Bersuch in dieser Hinsicht fiel zur vollen Mutter noch dem Tode des Schlächtermeisters Gerih in zweiter Che Sufriedenheit aus. geheiratet habe. Das habe er erft während der Untersuchung in Erfahrung gebradyt. Er fann aber dafür feine Erklärung abgeben, Bors: Die Sachverständigen gehen teilweise davon aus, es ist das wesentlich für die Abstammung, aber Beweise liegen für diese Baterfchaft nicht vor, R.-A. Dr. Fren: Dann werde ich Beweise antreten. Borf.: Die Bererbungstheorie lasse ich nicht gelten; wenn Die Sachverständigen aber anderer Ansicht find, tamet werde ich Ihren Anträgen stattgeben. Aus den weiteren Erklärungen des Angeffagten über feine Verfaffung ging hervor, daß sein geschlechtliches Empfinden sich nicht in ganz normalen Bohnen bewegt habe. So dann kam bei der Bernehmung des Angeflagten, die bis in die späten Nachmittagsstunden sich erstrecte, die eigentliche Tat zur Sprache. Der Angeklagte schilderte, wie er die Frauen ermordet hatte. Wie er zur Tat gekommen sei, wisse er nicht, Phantasie porstellungen wären in ihm lebendig geworden. Auf Befrogen von R.-A. Dr. Frey gibt der Angeflagte zu, daß er furz vorher in der Kaserne das bekannte Wolffsche Buch„ Der Gegualver. breder" gelesen habe. Es wurde die interessante Feststeilung gemacht, daß die Leiche der Frau Hoffmann genau fo gelegen bat, mie eine Abbildung in dem Buche, und Landgerichtsdirektor Marquardt macht die Bemerkung: Wenn nicht Unterschiede zwischen der Originalphotographie und der Buchreproduktion vorhanden wären, würde fein Unterschied nor= banden jein. Zum Schluß wurde noch eine Zeugin vernommen, an der der Angeklagte in gleicher Weise einen unblutig verlaufenen Barallelfall verfucht hat. Durch Baffanten wurde er gestört. Zum Schluß der Gizung machte Bondgerichtsdirektor Marquardt den Angeflagten darauf aufmerkjam, daß möglicherweise auch bei dem ersten Fall der Lötung der Frau Hoffmann Mord vom Gericht angenommen werden fönnte. Die Berhandlung wurde darauf ouf Mittwoch früh vertagt. Die Beweisaufnahme in dem Meineidsprozeß gegen die Füre forgefchwester Mathilde Metger spiste fich immer mehr zu einem Kampf der Angeklagten und ihrer Berteidigung gegen die Glaubwürdigkeit ber Hauptbelastungszeugin Frau Baermann zu, und es fan in der gestrigen Gigung mehr. fach zu sehr erregten und dramailschen Szenen. Die Verteidiguerg Der Angeklagten verfolgt dabei nebenber gleichzeitig eine Wieder aufnahme des Prozesses gegen den Stadtrat Stadtrat Eggert. 9 Die Gemeindevertreterin Frau Baubich sagte unter ihrem Eid aus, daß Dr. Kornfeld der Drahtzieher der heie gegen bas angeklagte Boar sei. Zu einem dramatischen zwischen fall tam es, als R... Dr. Pindar Frau Baermann nochmals aufrufen ließ und an sie die Frage zichtete: Wie find Sie zu den Zeugen Altenburg und Gläsemann gefomanen? Weshalb haben Sie diefe Zeugen nicht gleich bekannt?" Frau Baermann beginnt ihre Antwort mit den Worten: Frau Gläsemann sagte mir, wir fönnen nicht mitanjehen, daß Sie reinfallen sollen die Zeugins unterbricht fich dann und, fagt ich bin so aufgeregt durch das viele Fragen geftern und heute, daß ich jeht nicht antworten kann. Bors: Das it menschlich verständlich. Wir wollen noch warten, bis die anderen Seugen bernommen find..-. Dr. Pindar: Mir liegt daran, daß diese Seugin zuerst gefragt wird und daß ihr dann die übrigen Zeugen gegenübergestellt werden. R.-A. Dr. Johannn: Sie braucht ja nur die Wahrheit zu sagen, das ist sehr einfach. R.-A. Dr. Bindar: Ich mache der Zeugin Baermann den Vorwurf, daß fie einen meineid geleistet hat. Ihre Aussage steht im striften Gegensatz zu der eiblichen Ausfage des Bürgermeisters Fedyner. Sie ist schuld daran, daß Stadt ra: Eggert zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt ist. Dieses Urteil ist gerade auf ihr Zeugnis erfolgt. Ebenfo un richtig ist ihre Aussage gegen die Angeflagie Megger. Bors: Ich entziehe Ihnen das Wort und stelle feft, daß die Berurteilung Eggerts nicht allein auf das Zeugnis der Frau Baermann hin erfolgt ist. Wir müssen erst die Beweisaufnahme abwarten, und wenn sich diese anders gestalten sollte, derm fann erst Beschluß gefaßt werden. Bet fiper Landgerichtsrat Vorm bau: Ich habe den Eindruck, daß die Seugin gufammenfällt und habe ein Interesse daran, sie zu schonen, um den Brozeß bis zu Ende zu führen. t... Dr. Pindar: Dann mup Bertagung eintreten. Die Brüfung der Aussage dieser Zeugin ist erheblich für das Schicksal der Angeklagten. Ich habe ein Inter eise daran, die zeugin Baermann so zu befragen, daß fie nicht Gelegenheit hat, mit den Zeugen Alten. burg und Glaesemann die Aussage wteber zu ver abreben. Gestern ist festgestellt, daß sie unter ihrem Eide etwas ausgesagt hat, was faild; ift. Bar: Objeftio falsch. Bert: Das genügt für die Angeklagte. R.-A. Dr. Johanny: Es murde ge fagt, daß das Irteil gegen Eggert nicht auf die Aussage der Frau Boermann erfolgt sei. Die anderen Zeugen sind aber erst auf ihr Betreiben dazu gekommen. Wir fönnen nicht dafür einstehen, Frau Baermann jetzt festzulegen. R.-A. Dr. Bindar: Benn Bertagung cintreten muß, bam beantrage ich Haftentlassung der Angeklagten. Nah ber Mussage von Dr. Fechner hat Frau Baermann die Unwahrheit geschworen. Alles andere ist nur ein Anhang zu der Aussage ter Frau Baermarn. Es wäre nie ein Verfahren in Fluß gekommen, wenn sie nicht die unwahrheit behauptet hätte. Wir fönnen nicht miffen, wann Frau Baermann sich von ihrer schweren ysterie erholt hat. Es muß. daher eine Bertagung eintreten. Staatsanwaltschaftsrat Ramiau beantragt, die Anträge der Berteidigung abzulehnert. Man stehe hier vor einem Stampfe um die Wiederaufnahme des Eggert- Brozesses. Es fet falfch, deß auf der Aussage der Frau Baermann die Antlage stehe und falle. Es sei nicht erwiesen, daß es sich um die Zeit vom 15, zum 16. Fe bruar handle, sondern es fann auch der 15. März gewesen sein, daß Fechner oben wer. Nach längerer Beratung lehnte das Gericht die Anträge der Verteidigung ab und fuhr in der Beweisaufnahme fort. Als nächster Zeuge wurde der praftische Arzt Dr. Korne feld aus Staaten aufgerufen. Er bezeichnete es als ein öffentliches Geheimnis in Staaten, daß Beziehungen zwischen Eggert und der Angeklagten bestanden haben. Weiter bestreitet er, daß er eine Hete gegen die Krankenschwester inszeniert habe, weil sie einen Ron9 Kriminalpolizei enifarot und festgenommen. Der 48 Jahre alte Ein gefährlicher Wasting wurde gestern von der Neuköllner Friseur Franz Schulz aus der Mahlower Straße 27/28 loďte fchon seit Jahren mit Schokolade, die er in seinem Laden auch verlaufte, Mädchen von 13 bis 16 Johren an sich und verging fich an ihnen. Er wußte feine Opfer so stark zu beeinflussen, daß feines wagte, auch nur das geringste über die Vorkommnisse zu äußern. So blieben sie lange verborgen, bis sie endlich durch einen Zufall ans Licht famen. Der Verhaftete ist zum Teil geständig. Mordprozeß Haarmann. Er Eine Sensation wer weiß, ob das die letzte sein wird steht noch bevor: die Vernehmung des Kriminalkommissars Müller und einiger Zeugen hinsichtlich des Detektivausweißes Haarmanns. Es ist von der hannoverschen fommunistischen Leitung die Behaup tung aufgestellt worden, daß Haarmann doch einen Ausweis mit dem Stempel des Polizeipräsidiums gehabt haben soll, und daß Kriminalfommiffar Müller einen Meineid geleistet hätte. Man darf gespannt sein. Verhandlungsbericht. Hannover, 16. Dezember.( Drahtbericht.) In dem zweiten Teil der Vormittagssigung war die Berichterstattung des Professors Leffing, Privatdozent an der Hochschule in Hannover, wiederum Gegenstand zu längeren Auseinandersetzungen. Professor Lessing hat u. a. im„ Tagebuch" berichtet:„ Obwohl die Polizei und Aerzte wußten, daß Haarmann Kinder umbrachte, hat man haarmann frei umherlaufen lassen." Profeffor Beffing wurde wegen dieser fortgesezten unrichtigen Berichterstattung von der weiteren Tätigkeit im Berichtsfaal ausgefchloffen. Dann tam der Fall Martin, der Lehrling in Chemniß war, zur Verhand lung. Als Zeugin befundet die Mutter, daß ihr Sohn ein höflicher und anständiger Junge war, der zu Hause sehr streng gehalten wurde. Diese Behauptungen werden auch von anderen Zeugen befundet. Der Ermordete hatte mehrere Male geäußert, er wolle auf das Schiff und habe zu diesem Zweck eine Reise nach Bremen angetreten. Wahrscheinlich ist er auf dieser Reise in Hannover hängen geblieben und Haarmann in die Hände gefallen. Im übrigen gibt Haarmann die Lötung in diesem Falle zu. Hierauf trat die Mittagspause ein. Nachmittags fommt der Fall Fritz Bittig zur Ber handlung, zu dem Haarmann behauptet, daß ihm das Opfer durch Grans zugeführt worden sei, weil Wittig jo gute Kleider trug, die Grans begehrte. Haarmanns Wirtin, Frau Engel bestätigt. daß Grans verschiedentlich Wittig in Haarmanns Wohnung gebracht habe. Haarmann habe Wittig aber nicht leiden können. Haarmann gibt weiter an, daß er schließlich dem Einfluß von Grans nachgegeben habe und Wittig bei sich behielt. Eines, Morgens sei dieser tot gewefen. Grans foll die Leiche, die unter Haarmanns Bett ge legen hat, gefehen haben. Was Grans zur Last gelegt wird, bestreitet Dann fommt das Verbrechen an einem Kinde zur Verhandlung. Es handelt sich um den er. 13% jährigen Friedrich Abeling, der von feinem Schulgang nach einer halben Stunde wieder zurüd einen Ausflug zu machen. Die Eltern erfuhren aber von seinem am und die Schulbücher abgab, um, wie er fagte, mit seinem Lehrer Schulfreunde, daß er überhaupt nicht in der Schule gewesen sei. Sie fuchten darauf Tag und Nacht nach ihrem Kinde, aber ohne Erfolg. Das Gericht verfündet darauf, daß eine Bereidigung der Eheleute Engel, alfo Saarmanns Wirtsleute, fomie Theodor Hartmann, des Stiefsohns der Eheleute Engel, Witttowstis und der Frau Wegehenfel abgelehnt wird, wegen Bei. hilfe und Sehievei bei den zur Verhandlung stehenden Ver. brechen. Die Beweisaufnahme ist damit beendet worden. Am heutigen Mittwoch werden die Sachverständigen ihre Guts achten abgeben und nachmittags der Staatsanwalt und der Verteidider Haarmanns, Justizrat Benfen, plädieren. Der Donnerstag Vormittag ist für das Plädoner des Staatsanwalts und des Verteidigers im Falle Grans und der Nachmittag und Abend für das Urteil vorgesehen. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Es sind von diversen Abteilungen noch ver fchiedene Abrechnungen vorzunehmen. Die Abteilungen Friedenau, Neuichtenberg. Rosenthal, Genefelder- Biertel. Treptow und Friedrichshain werden hierdurch lektmalig aufgefordert, die Lofe abzurechnen. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute Beitragsmartenabrechnung von 5 bis 7 Uhr im Jugendheim, Lindenstr. 3. Ausgabe der Arbeiter- Jugend" und Jugend voran", Heute, Mittwoch, den 17. Dezember, abends 7% Uhr: Webbing- Nord: Schule, Anton, Ede Ruheplasstraße, Bortrag: Gaube und Vernunft." Quisenstadt: Schule, Stallschreiberftr. 54, Diskussion: ,, Bursche Südosten R.- B.: Reichenberger und Mädel in der Jugendbewegung. Str. 66, Vortrag: Feste im Leben der Menschen." Bankwig: Soule, Schulstraße: Schiller- Abend." Tempelhof: Lyzeum, Germaniaftr. 4/6, Vortrag: Körperbildung." Wannsee: Schule, Charlottenstraße, Bortrag: Wie fit Niederschöneweide: Schule, Berliner Str. 81, das Weihnachtsfeit entstanden?" Bortrag: Lebensreform." Friebrichsfelbe: Jugendheim, Berliner Str. 45, Diskussion: Unfer Statut." Men- Lichtenberg: Jugendheim. Marktstr. 10/12, Bortrag: Das Leben der Natur im Winter." Weißensee: Jugendheim, Rölele, Ede Charlottenburger Straße, Bortrag: Rörperfuftur und Lebens Werbebezirk Neukölln. reform" im Jugendheim, Werbebezirksfunktionärßigung Cannerstraße, abends 8 Uhr. Sammellisten abrechnen. Werbebegir? Oberspree. Morgen. Donnerstag, abends 7 Uhr, im Jugendheim, Köpenid, Grünauer Straße 5, Werbebezirks- Funktionär Konferenz. Borttag: Unsere Aufgaben nach den Wahlen." Südliche Werbebezirke. Die Feier der Winterfonnenwende findet am Sonn taa, ben 21. b. M., in Niederlehme( Rönigswusterhausen- Wildau) statt. Treff. punkt nachmittags 5 Uhr im Gesellschaftshaus zu Niederlchine. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37/38.$ of 2 Tr. Kameradschaft Lichtenberg. Mittwoch, den 17. Dezember, abends 7% Uhr, Antreten in der Turnhalle des Pestalozzi- Lyzeums, Brinz Vollzähliges Erscheinen Pflicht. Kamerabschaft Rentälin. arbert- Straße. mittwoch, den 17. Dezember, abends 74 Uhr. Jungmannschafts Monatsver fammlung in der Idealpaffage, Weichselstr. 8. Bortrag über Innen- und Außenpolitit und das Ergebnis der Reichstagswahl, anschließend Mitgliederversamm Tung. Kameradschaft Bankom. Donnerstag, ben 18. Dezember, abends 8 Uhr, und Sonntag, den 21. Dezember, vormittags 10 Uhr, Jugendheim, Breite Straße, Ueben der Spielleute, Ramerabschaft Tempelhof. Donnerstag, den 18. Dezember, abends 7% Uhr. Mitgliederversammlung in Tempelhof, Dorfstraße 51, Genossenschaftswirtshaus. Untertaffierer milffen abrechnen. Kamerabschaft Steglig. Donnerstag abend 8 Uhr bei Lasch Borstandsfigung. Erscheinen Pflicht. Bereinigung der Freunde von Religion und Böllerfrieden. Genosse Pfarrer Bieter spricht am Donnerstag, den 18. Dezember, abends 7 Uhr, im Rahmen einer Weihnachtsfeier über das Thema: Bie follen wir eih nachten feiern?" Die Veranstaltung findet in der Fürstin- BismardGdule, Charlottenburg, Sybelite, 2/4, flatt. Musikalische Umrahmung. EinSonntag, den 21, Dezember, und 2. Feiertag, trittspreis nach Belieben. aberds 6 Uhr, spricht Pfarrer Bleier in der Trinitatistiche, Carlottenburg, Karl- Auguft- Biag Dez Arbeiter- Abstinenten- Bund veranstaltet unter Mitwirkung der Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, der Arbeiteringend und des Bezirksjugend amtes Prenzlauer Berg am 16., 17. und 18. Dezember in der Danziger Str. 62, Barade 3, eine alt obolgegnerische Austellung. 360 öffnet namiliags von 5 bis 7 Uhr. Gruppe Rorben. Mittwoch, den 17. Des sember, Th Uhr, Heimabend im Stadtbab, Gerichtstr. 67. Band freier Menschen. Heute abend 8 Uhr in Niederfchöneweide, BerTiner Str. 31( Schule), öffentlicher Vortrag: Durch Körperbildung aur gebensreform. Referent: Rutt 2ude. Eintritt frei! Abteilung Weißenste der Arbeiter- Eamazitez- Rolonne Berlin veranstaltet cine Weihnachtsbefcherung für arme Kinder und bittet batech Haarmann ist heute in seiner gewöhnlichen Verfassung. spielt sich zum geftrengen Sittenrichter der jungen Leute und ihrer Eltern auf. Er schielt lauernd zu den Müttern hinüber, wenn sie in ihrem Schmerz wühlend, sich Erleichterung schaffen. Er verfällt in fein zynisch- höhnisches Lächeln, sobald ihm eine Aussage nicht in den Kram paßt. Grans dagegen steht heute unter dem Eindruck der Tragif des Biebererkennens der Sachen durch die Eltern. Der Fall Bizel leuchtet in das ganze Haarmanniche Mord problemt mit ganz besonderer Schärfe hinein. Hier tritt die Schuld ber Kriminalpolizei und die der Freunde des Ermorbeten noch frasser als in den übrigen Fällen hervor. Der Borwurf, den man der Kriminalpolizei im allgemeinen machen muß. erhält hier seine entschiedenste Unterstützung: der Bater Wikel formte noch so oft zur Polizei laufen und darum bitten, daß man den Freund feines vermißten Jungen befragte, es half nichts; er fennte diese Bitte selbst nach dem Wiedererkennen des Schädels feines Sohnes wiederholen, es half doch nichts feiner von den genannten Zeugen wurde zitiert. Im Lichte dieses Falles ist auch die Bearbeitung der übrigen Vermiktenfachen zu beurteilen. Bizel fonnte mit Recht sagen, daß es nicht zulegt die Schuid der Polizei war, daß nach dem Wiedererkennen des Schädels noch fünf weitere Morde geschehen konnten. Haarmann wird seines Urteils nicht entgehen, dieses System des Vermißtenfuchens ist bereits gerichtet. Und die nächsten Freunde, wie die Geschwister der Ermordeten aus Ana it por Strafe, vor sittlicher Berurteiluna perheimlichen sie ihre Wissenschaft über die Bekanntschaft der Ermordeten. Es ist wahrlich schwer, die Ruhe zu bewahren. Trotzdem hat die Berichts erstattung fich einer Sachlichkeit, die sie allein schon dem Ernst des Falles schuldet, zu befleißigen. Dies scheint jedoch nicht immer der Fall zu sein, Gefühlsüberschwang hat zu manchen Entgleisungen verleitet und hat heute zum Ausschluß des Berichterstat ters Dr. Leffing geführt. Ob dieser Ausschluß wirklich geholmer Str. 12, Ede Malmöer Givaße, nachmittags um 5 Uhr flatt. Näheres I rechtfertigt war. Er hätte unterbleiben sollen, Spenden leder Art mitzuhelfen, armen Rindern eine Weihnachtsfreude au be reiten. Auf Anruf Weißenfee erfolat Abholung auch werden Spenden enta gegengenommen bei Schmulewis, Weißenfee, Friefideftr. 48, R. Libowsti, Beißensee, Bilhelmsftr. 26. Nerlich. Beißensee, Charlottenburger Str. 38, Rieger. Weißenfee. Lehderstr. 71. Männerchor Friedritshain. Donnerstag, den 18. Dezember, fingt der Chor aur Weihnachtsfeier ber 38. Abteilung in den Residens- Feft fälen. Landsberger Str. 31, abends 7 Uhr. Treffpunkt 6 Uhr Petersburger Plak. Freitan Gangesftunde in hen Comenius- Sälen. Sonnabend, 20. Dezember, Mitwirkung bei der Weihnachtsfeier im Reichskasino. Neue Röniaftr. 26. abends 7 Uhr. Die akademische Bereinigung der Völlerbundsfreund Berlin veranstaltet heute Mittwoch, abends 84 Uhr, im Sörsaal 2 der Hochschule für Politit( Gdinfeinlag) eine Mitgliederversammlung in der Herr Oberreaierungs dat a. D. Dr. Simons das Referat über Bölkerbundsfragen halten wird. Gäfte wiltommen. Arbeitersport. Touristen- Berein„ Die Naturfreunde", Abt. Bankow. Die Beihnachtsfeier der Abteilung findet am Sonntag, den 21. Dezember, im Lofal Santpel. Borne beim Abteilungsleiter. Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrik find Berlin. 68. Lindenstraße 3. 14. Areis Renkölln, Bildungsausschuß! Sigung im Rathaus, 8immer 278 für Groß- Berlin Deutscher Metallarbeiter- Verband flets an das Bestrisfekretariat Achtung! Verwaltungsmitglieder! 2. Sof, 2 Trep. rechts. au richten Die mittlere Verwaltungsfizung finbet am Freitag, den 19. Dezember, Seute, Mittwoch, abends 7 Uhr, tatt Liquidationen müffen bis Donners tag, den 18 Dezember. mittage 12 Uhr 17. Kreis Bichtenberg. Der Bildungsausfchuß veranstaltet in den Räumen beim Raffterer eingereicht sein, da am det Bibliothek, Beichfelftr. 28, eine gut zufammengestellte reichhaltige Freitag, den 19. Dezember, die Bezahlung Weihnachtsausstellung. Geöffnet allabendlich von 6-9 Uhr. berselben eriolgt Bezirks- bzw Branchen 4. Kreis Brenzlauer Berg. Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh! Kurze ommiffionsmitglieder müffen ihre Liquiwichtige Sigung am Donnerstag, den 18. Dezember, 6 Uhr, bei Burg, bation bis Mittwoch abend bet threm Brenzlauer Allee 189. Jebe Abteilung muk vertreten fein. Bezirks bzw Branchenleiter abgeben. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin! Der Beginn unferer Weihnachtsfeier am 24. Dezember in der Boltsbühne mußte mit Rüd- Achtung! Kolleginnen an. Kollegen ficht auf die Schauspieler auf 2 Uhr nachmittags verlegt werden. Ale Gruppen milffen pünktlich sein. Heute, Mittwoch, den 17. Dezember: 10. Abt. Bis Freitag, ben 19. Dezember, Melbung aller Rinder der Partei. genossen zur Weihnachtsfeier bei Genoffin Mathias, Kirchstr. 5. Gleich zeitig bis dahin Gammellisten der Funktionäre abrechnen. 19. 6, 820. Bezirk: Rahlabend an bekannter Stelle. 21. AB. 7% Uhr Rahlabend in den bekannten Lokalen. 24. Abt. Rarten für die Boffet- Berlin im Staatstheater und der Oper Der Weihnachtsfeiertage wegen bleiben unsere Bureaus am 25., 26. und 27. Deember gefchloffen. Am Neujahrstag bleibt das Bureau ebenfalls geichlossen am Mittwoch, den 81. Dezember, find ble Am Mittwoch, den 24. Dezember, und Bureaus nur bis 12 Uhr mittags geöffnet Achtung! Arbeitslose und Kranfe! Die toten Augen" im Deir fchen Opernhaus zum 25. Dezember beim Genoffen Morana, Danziger Str. 46. Desgleichen für die Proletarischen 27. Dezember fälligen Unterfügung erfolgt Die Auszahlung der am 25., 26. und Feierstunden am 26. Dezember im Großen Schauspielhaus. Charlottenburg. 52. bl. Die Wbteilungsversammlung fällt in biefem Monat im Mittwoch, den 24. Dezember, ist nur der Reihe nach am 22, 23. u. 24 Dezember aus. Den Bertrieb der Dick- Bilder hat der Genoffe Peterscheck. Mindener bis 12 Uhr geöffnet Straße 25. 58. st. 7 Uhr Rantefir. 4 im Sigungsfaal Mitglieder werden daher gebeten, schon um 9 Uhr Die Mitglieder verfammlung. Thema: Die politische Lage nach den Bahlen." Referent: aur Abfertigung au erscheinen. Gen. Sans v. Buttkamer. 84. bt. Zantoih. 8 Uhr Funktionärßigung bei Runze, Biethenste, 24. Begen Quartalsichluß bleibt bie Erwerbs 85. bt. Tempelhof. 7 Uhr Frauenabend bei Buse, Raiser- Wilhelm., Ede lofen und Krantenabteilung am Freitag, Berberstraße. Borttag der Genoffin Tobenhagen:„ Die Aufgaben ber den 2. Januar, gefchloffen. Arbeiterwohlfahrt." 88. Abt. Sidstentabe. 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Roonfraße. Wichtige Tagesordnung. 100. st. Rubow. Der Dezember- Rahlabend findet nicht am Mittwood), ben 17. Dezember, fondern Montag, den 22. Dezember, 8 Uhr, Lotal Balm, Röpenider Str. 81, ftatt. 3. Abt. Morgen, Donnerstag, den 18. Dezember: Die Auszahlung der Unterftligung fülr die Wochen vom 26. Dezember bis 1. Ja nnar und vom 27 Dezember bis 2. Januar erfolgt am Sonnabend. den 3. Januar. Arante und Arbeitslofe geben bei Abholung ber legten Unterstügung vor dem 31. Dezember das Mitgliedsbuch zweds Die Ortsverwaltung. 500 000 8 Uhr bei Sebler. Georgenkirchstr. 36, Gihung der Weihnachts- Berrechnung am Schalter ad. Commiffion und Abrechnung der verausgabten Cammelliften. Sonntag, den 21, Dezember, 4 Uhr. im Reichstafino, Neue Rönigstr. 26, Weihnachtsfeier mit Rinderbescherung. Abends von 6 Uhr an Bannerweihe. Festrebe und gemütliches Beifammensein unter Mitwirkung des Gefang. vereins Einigkeit Berlin- Mitte. 38. Abt. Weihnachtsfeier abends 7 Uhr( Gaaleröffnung 6 Uhr) in den Resibens- festfälen. Landsberger Str. 31. Bei der Befcherung werben alle von den Bezirksführern angemeldeten Rinder, ferner alle alten, tranten und erwerbslosen Parteigenossen und Genoffinnen berüidfichtigt. Der Abenb gilt in erster Linie den Kindern, doch sind alle finderlofen Barteigenoffer eingelaben. # 3. Abt. Reukölln. 7% Uhr bet Korn. Bergberaftr. 22, Cigung des Borstandes und der Funktionäre. Die funktionäre müssen erscheinen. 105. Abt. Ahlershof. 8 Uhr Mitgliederversammlung Gebanfte. 3. Bortrag: Der Wahlausfall und unsere nächsten Aufaaben." Güfte willlommen. 115. Abt. Lichtenberg. Die Raffierer werden gebeten, um 7 Uhr beim Genoffen Alüfener, Gürtelftr. 12, abzurechnen. Sämtliche unverkauften Marten fowie die Gammellisten find mitzubringen. Die Revisoren haben Au erfdeinen. Röntgental- Repernid. 7 Uhr Rahlabend im Reßaurant Bafenez. Erscheinen aller Barteimitglieder Bflicht. Geschäftliche Mitteilungen. Taschinen und Drudereipersonal benukt iekt zur Reinigung des Körpers und auch zur Säuberung von Gegenständen den neuen Rotona- Reiniger, eine Notizblocks und Stenogrammhefte gut schreibfähiges Papier 1- Rilo- Päckchen gemischt 1 Mk. 5- Kilo- Postpaket gemischt 3 Mk. porto rei bei Voreins d Betrages Bel Nachnahme Spesenaufschlap. Größen 8X12 cm( Kellnerblocks) 12X16 cm, 16x24 cm, je 50 Blatt Stenogrammnefte 16x24 cm K. 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Sie beanbelangt, so fügte es der Zufall sehr günstig, daß die Kündigung schäftigten Mitte 1923 annähernb 100 000( ohne die Cafella 3. m. b. 5.). Daraus läßt sich ein Schluß auf den materiel len Substanzzuwachs des Anilinkonzerns ziehen, der ous ben Beröffentlichungen des Konzerns nicht ohne weiteres entnommen werden kann. Was die alten und sehr hohen Obligationsschulden der Obligationen in das scharffte Inflationsjahr 1923 fiel. Der Anilintonzern versuchte, den geprellten Obligationären die bittere Pille ihres Millionenverlustes zwar etwas schmachafter zu machen, indem er pro 500 oder 1000 m. Nemmert einen beständigen" Dollar zahlte. für den Anilintonzern aber stand hinter dieſem wohltätigen Akt das glänzende Geschäft von ca. 60 Goldmillionen Inflationsgewinn allein aus den Obligations Schulbeu. .wert. Der Anilintonzern hatte natürlich auch Kriegsverlufte. Die Höchster Farbmrie verloren ihre Fabrikanlagen und Niederlagen in Mostou, Manchester und Baris, bie. G. für Anilin fabriken in Berlin- Treptow gleiche Anlagen in Mostau, Libau und Lyon. Dazu tam 1921 die mächtige Explosion in Oppau. Daß der Konzern aber in seiner Angriffs, Berteidigungs- und Schädenverteilungsstrategie fo glänzend organisiert ist, vor allent feine ungelure Kapi.alstärke und Monopolstellung auf dem Markt, hat diese Verluste nach außen faum in Erscheinung treten laffen. Den Kriegsverlusten steht ein stattlicher Kriegsgewinn im Beuna mer? gegenüber, das bekanntlich mit staatlicher Hilfe erbaut Aus der jüngsten Zeit verlautete von zwei neuen Trans. ten Ludwigshafen. Einmal von dem Erwerb eigener Kohlen gruben in Rheinland- Westfalen zur Versorgung von Ludwigshafen Oppau, sodann vom Erwerb von Wasserfällen in Schweben zur Krafterzeugung und Stidstoffabrikation. Ueber lettere soll noch verhandelt werden. Nicht unerwartet, aber doch überraschend hoch, ist der Geld. tapitalzumachs des Konzerns. Mehr wie bei anderen Schmerfonzernen muß man allerdings beim Anilintonzern bei der Bergleichung der Goldbilanzziffern mit den 3iffern von 1913 darauf achten daß starte Kapitalerhöhungen zwischen 1914 und 1917 liegen, also in einer Zeit, wo von Inflation noch keine Rede war und die Zufuhr von Rapital noch vollen Goldwert hatte. Die Badischen Annlinfabriken, die Höchfter Farbwerte und die Elberfelter Farbenfabriken haben von 1914 bis 1917 ihr Rapital je um 54 Millionen erhöht. Bei einem Kapital von je 36 Millionen 1913 macht das für jedes der drei Werte 1917 bereits 90 Millionen Mart, Nichtsdestoweniger ist die Festlegung des Goldfapitals fehr hoch. Sie beträgt für die genannten drei Werte je 177,2 Millionen Gold mart, weiterhin für die A.-G. für Anilinfabrikation Berlin- Treptow 57,7( 14 Millionen 1913), für Griesheim Elektron 44,3( 16 Millionen), für die Chemische Fabrik Weiler ter Meer 12,1( 6,0) Mil- aftionen der Badischen Anilin. und Sodafabri. Honen Goldmor? Mit zusammen 645,7 Millionen Goldmart gegen über 144 Millionen 1913 und ca. 330 Millionen 1917 ist das Alien tapital 1924 mehr als vervierfach gegenüber 1913 und faft verdoppelt gegenüber 1917. Der Schluß von bürgerlichen Blättern, Saß sich nicht ersehen laffe, ob die Geld Papitalsvermehrung nur aus der Ausschöpfung früherer stiller Re seven oder tatsächlich aus der Substanzenreicherung stamme, it offenbar fehr zaahaft. Ueber die gewaltige Subftanzanreicherung, auch schon mit Rücksicht auf die Verzweieinhalbfachung des Arbeiter Standes feit 1913, dürfte nicht der mindeste Zweifel fein. Eigenfap tal und Obligationen des Anilinkonzerns. Sapital Referven Obligationen 1924 1913 1924 1913 1924 1913 Bad. Anilin- u. Soda fabr. Ludwigshafen. Söaster Farbw. Meister Lucius AG. Elberfelder Farb. Fabr. Fr. Bayeru Co.Levert. UG. für Amimfabritat. Berlin- Treptow Griesheim Elettron Frankfurt a. M. Chem. Fabr.vorm. Weiler ter Meer, Uerdingen 177,2 36,0 58,1 67,5 4,3 21,7 177,2 36,0 27,7 49,7 1,8 7,0 177,2 86,0 28,1 81,7 1,3 25,0 57,7 14,0 11,6 11,6 12,8 12,8 0,7 8,8 44,3 16,0 8,4 14,1 0,8 5,1 121 6,0 1.8 1.9 0.3 2,8 645,7 144,0 145,1 166,8 9,2 70,4 449° b. 1918= 87% b. 1913-13% b. 1913 Die offenen Reserven allerdings erscheinen in Den Goldbilanzen der Konzernmerte gegenüber 1913 nicht nur relatio, sondern auch abfolut niedriger. Nur bei der Badischen Anilin find fie um 14 Millionen Goldmar? höher als 1913. Für die sechs Berke zufammen betragen fie 1924 145,1 Millionen( gegen 166,3 Millionen 1913) oder 87 Broz. Der Anilintonzern scheint mit Recht zu er warten, daß ihm mie im Krieg und in der Inflation die Gunft der Ronjunttur auch in der Zukunft erhalten bleiben wird. Tatsächlich haben hohe Einzelreserven, auf die feine Dividende fich ausbreitet, für den Anilinfonzern mit feinen zwar nidyt verwaltungsmäßig, aber fattisch gemeinsamen Banttonten und Rüdhaften auf dem Rapitalmarkt, auch feinen Sinn. Die starte Bermehrung der Geldkapitalfubftanz fommt natürlich auch in den Aftinen Ser Goldbilanzen zum Ausdrud. Die lau. fenden Bosten find dabei nicht von besonderem Interesse; sie geigen gegenüber 1913 mehr oder weniger die zu erwartende Stei gerung der Ziffern, auch eimas die gebrüdte Geschäftssituation, wie fie am 1. Januar 1924 bestand. Anders die ertanlagen und die Beteiligungen der Konzernwerfe Die Bewertung der Fabritanlagen und Beteiligungen. . Anlagen 1924 1913 Badische Anilin. Höchster Farbwerte. Elberfelder Farb.- Fabr. Unilin Berlin Griesheim Elektron Seiler ter Meer.. 9 1913 Beteiligungen 1924 1913% Bon 1913 127,8 54,1 237 48,5 11,8 422 58,7 29,3 200 74,1 7,0 1058 64,3 49,5 130 64,6 13,0 497 32,5 14,8 220 8,0 0,7 1148 28,6 15,8 113 4,0 0,4 1000 5.4 7,6 71 0,7 0.4 175 317,8 180,6 175 199,9 83,0 606 Bei den fünf ersten Werken schwankt die Höherbewertung der Bertanlagen gegenüber 1913 zwischen 137 mb 13 Prog. Das fleine Wert Weiler ter Meer bewertet feine Anlagen 1924 um 2,2 Millionen Mark tiefer als 1913. Die sechs Werte zusammen ( ohne Casella G. m. b. 5.) werfen die Anlagen mit 317,3 gegen 180,6 Millionen 1913 aus, das find 175 Prog. von 1913. Die stärkste Veränderung gegenüber 1913 und den stärksten Zuwachs unter den Aftiven bringen die Beteiligungen. Der Löwenanteil der Steigerung trifft auf die vier Riesen des Anilin fonzerns, die Badische Anilin die hauptsächlich das Leunawerf be: Merseburg mit wertvollem Beteiligungsbefis an Sein- und Braun fohlengruben und anderen Werfen fontrolliert die Höchster Farb. werke, die die Intereffengemeinschaft der sechs Werte bei der bane. Der von 1906 her batierende Intereffengemeinschafts pertrag zwischen den sechs Werfen, dessen Kündigung von einer Bierfünftelmajori: ät bei den einzelnen Werken abhängig gemacht ist, wurde 1920 bis 1999 verlängert. Bon dem gemeinsamen Gewinn des Konzerns erhalten nach diesem Vertrag die Badische Anilin, Höchst und Elberfelder Farbenfabriten je 25 Broz, die Berliner Anilin 8,14 Proz., die Griesheim Elektron 6, die Weiler ter meer 1,65 und die Casella G. m. b. 5. 9,81 Proz K-. Die Depression in der englischen Textilindustriz. In Lancashire, dem englischen Lertifindustriebezirt, ift die Sorge fchon seit Jahren zu Gaste. Die Bevölterungszahl mill fich nicht vermehren, viele Baumwollstädte haben heute meniger Einwohner als vor zehn Jahren, an den Arbeitsbörsen find rund 60 000 Arbeitslofe eingetragen. Es herricht in einigen Branchen eine ausgefprochene Depression. Die Qualitätserzeugung wird von ihr weniger berührt, insbesondere haben die von den englischen Spinnern hergestellten feinen Garne so gut wie teine Ronfurrenz. Dagegen bestehen vor allem für die billige Stüd ware Abfaßschwierigkeiten. 3mei der bedeutendsten Märkte für britische Baumwollwaren zeigen eine besorgniserregende Ver. ringerung ihrer Aufnahmefähigkeit. Es find das ber ferne Often, Indien, Japan und China, und der nahe Often, ein afien, Aegypten und der Ballan. Der ferne Often hat 1913 noch 60 Broz der englischen Ausfuhr in baumwollener Stüdware auf genommen, etwa 4200 Millionen Dards. Im vorigen Jahre war die Ausfuhr dahin auf weniger als 2000 Millionen Vards gefunten. Indien allein hat 1700 Millionen Yards weniger abgenommen. Nach dem nahen Often gingen 1923 10 Broz der englischen Stüd erzeugung oder 700 Millionen Yards, 1923 waren es nur noch 400 Millionen Dards. Die erste Ursache für diese Erscheinung ist in ber Berarmung der Bevölkerung zu suchen. Während die Preise für Tertilmaren feit der Borfriegszeit um mehr als das Doppelte ge stiegen sind, ging der Berdienst der Bewohner der östlichen Länder nur um 3 Broz in die Höhe. Lancashire wurde für Ostasien zu teuer und das verstärkte die zweite Ursache des Epportrüdgangs dahin. Seit 1913 strömen britische Tertilmalainen nach Indien, Japan und China, die von einheimischen Arbeits. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 17. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Spindeln im fernen Dsten 1913 1924 7928 000 Indien China Japan. 6 500 000 0 O 0 1 000 000 2414 000 8 380 000 4851 000 Mindest Mittel. Höchst. ° 9 0 11 s 8 d 17 s Od In diesen drei Ländern arbeiten jeßt 10 Proz. der Spindeln der ganzen Welt oder ein Viertel der Spindeln Großbritanniens. Die Arbeitsintensität ist hier zwar wesentlich geringer als in England, aber die Entlohnung der Arbeiter ist so schlecht, daß Waren geringerer Qualität billiger hergestellt werden können als in Bancashire. Die Bombay Babour Gazette", das Organ des amtihrer Ausgabe vom lichen Arbeitsamts in Bomban, machte in September dieses Jahres folgende Angaben über die Durchschnittslöhne von Arbeitern in indischen Spinnereien: Bochenlöhne, in engl. Währung berechnet, 1 Shilling( s)= 1 M. 1 Benny( d)= 81, Pf. Bombay Ahmadabad Sholapur 785d 7 s 5 d 5 s 10 d 10 s 8 d 9s 7 d 14 s 10 d 18 s 4 d Su der niedrigen Entlohnung tommt die außerordentlich lange Arbeitszeit, verbunden mit der stärkeren Ausnüßmng der Maschinen. In China arbeiten die Spindeln in Schichten 120 Stunden die Woche, gegenüber 48 Normalsbunden in England und 26% Stunden in den Vereinigten Staaten. In Berücksichtigung ist ferner zu ziehen, daß die Baumwolle, mit Ausnahme von Japan, in der Nähe der Arbeitsstelle wächst, während die Spinner von Lancashire beim Bezug des Rohstoffs mit erheblichen Transs portfosten und Zwischengewinnen zu rechnen haben. Schließlich hat noch das einheimische Probuft weder die teure Fracht, noch Eingangszölle zu tragen, mit denen das englische Erzeugnis belastet ist, wenn es in Ostasien eintrifft. Da die Industrialisierung der öft'ichen Länder fortschreitet, so ist nicht zu erwarten, daß Lancashire den früheren Umsatz auf diesen Märkten wieder erreichen wird. Die Depression fann aber überwunden werden, wenn die britische Textilindustrie wesentliche fabriftechnische Umstellungen vornimmt und an Stelle der billigeren Waren mehr Qualitätserzeugnisse herstellt. Vorläufig ober sträuben sich die Unternehmer zum großen Teil dagegen weil ihre Fabrifen in den Jahren guten Geschäftsgangs übertapitalisiert wurden und man sich jetzt lieber durch Druck auf die Löhne und durch Stillegungen an den Arbeitern fchadlos zu halten fucht, als die Kosten für technische Veränderungen zu bewilligen. Ein internationaler Filmfruft. Ueber die Interessengemeinschaft zwischen dem zum Stinnes- Konzern gehörigen Westi Film Konzern und dem französischen Filmkonzern Bathé werden jetzt Einzelheiten bekannt. Die Intereffengemeinschaft wird zusammen gefaßt durch eine gemeinsame Dachgesellschaft Pathé- Besti, die in erster Linie die monopolartige Belieferung der von den beiden Stonzernen beherrschten Theatergesellschaften zum Gegenstand hat. Das Pathé Konsortium- Cinéma kontrolliert in Frankreich über 800 Theater und liefert außerdem nach andern Ländern. Ihr steht auf deutscher Seite gegenüber die Wefti- Film- A. G., die Ver= triebsgesellschaft des Besti- Konzerns. Der legiere verfügt über ein großes Produktionsunternehmen in der Aktiengesellschaft Ciné- France- Film, während das Bathé- Konsortium in der Ciné- Romans Die Film: größte französische herstellerfirma befigt. So find amei große Produttions, und mei große Betriebsfirmen der internationalen Filmbranche zu einer einheitlichen Gesellschaft truftartig zusammengeschweist. Filmschau. 300 werfen, gegebenenfalls auch die Sensation gebrauchen tönnen, aber ein so # Moderne Ehen"( u. Rurfürstendam m) hätten bestimmt dent Stoff zu einem guten Film abgeben fönnen, zumal die verwerteten No vellen inhaltreich find. Der Regisseur hätte im Film das psychologische Problem streifen, Schlaglichter auf die bürgerliche Gesellschaftsordnung formloses Durcheinander hätte er nicht schaffen dürfen. Den Inhalt gestaltet er wie folgt: Sie schrieb ein Buch unter dem Namen ihres Mannes, eines berühmten Wissenschaftlers. Er lieft es und erfährt so, daß er seine Frau vernachlässigt hat. Stredenweise war ber Film inter effant, das heißt, wenn die schöne Dagny Serba es in einem ebenso schönen Mantel die unverstandene Frau eines Gelehrten spielt. Im großen und ganzen jedoch fann der Regisseur Hans Otto nur wenig aus ben Darstellern herausholen. Er hätte doch sehen müssen, dak Elen Reith in ihrer Rolle nicht wirken fonnte. Auch an bas Reit- und Fahrturnier, das doch belebend wirken tönnte, ging der Regisseur mit einer Raivität beran, bie nahezu beluftigenb wirfte. Von der Qucdrille bringt er die bildlich ganz belanglofen Anfangstouren; warum denn nicht die Höhepunkte, die Mühle usw.? Beim Sprung zu vieren über die Sürde stand der Apparat falsch, der Sprung wurde so uninteressant wie nur möglich aufgenommen. Das Publikum, das an einen amerikanischen Film teinerlei Ansprüche stellt, legt an einen deutschen doch einen ganz anderen Maßstab. Darum hielt es mit Mißfallensäußerungen durchaus nicht zurüd. 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Weihnachtsmärchen aus dem schlesischen Gebirge. 1. Christbescherung im Walde, A. Friedrich Krause. 2. Freund Rübezahl, Else Hofmann. ( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik Berl. Funkkapelle). 6.40-7.50 Uhr abends: HansBredow- Schule: Handelskurse. 6.40 Uhr abends:( Abt. Bildungs kurse). Dr. jur. Magnus:" Was muß man von den Steuern wissen?" 7 Uhr abends:( Abteilung Hochschulkurse). Geh. Med- Rat Dr. med. Hildebrand, ordentlicher Professor an der Universität Berlin: Wundinfektion und Wundbehandlung". 7.30 Uhr abends: Dr. med. Adrion: Pflege des Mundes". 8 Uhr abends: Vortrag Dr. Streubel: Schmuck und Mode". 8.30 Uhr abends: Josef- Plaut- Abend. 1. Ouvertüre zu der Operette Fledermaus, J. Strauß( Berliner Funkkapelle), 2. a) Kapuzinerpredigt aus Schillers, Wallenstein", b) Der Pilger mit dem schleppenden Hinterbein( Josef Plaut). 3. Fantasie aus der Operette Funkkapelle). 4. a) Arie des Basilio aus der Oper Figaros HochMamsell Angot", Lecocq( Berliner zeit, Mozart, b) Ariette des Franz aus Hoffmanns Erzählungen", Offenbach( Josef Plaut). 5. Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen. Offenbach( Berliner Funkkapelle). 6. a) Antrittslied des Adam aus der Operette„ Der Vogelhändler", Zeller. b) Couplet des Zupan aus der Operette Der Zigeunerbaron", J. Strauß( Josef Plaut). 7. Schatzwalzer aus der Operette Der Zigeunerbaron". J. Stranß ( Berliner Funkkapelle). 8. Heite. es Plant- Potpourri( Josef Plaut). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnach- Bahnen. Interessant wird der Film durch Milton Si113 hervorragende richten. Theaterdienst. LIEBER RAUCHER Alle Reklame bat nur den Sinn 6 Desgleichen ist. Der Mann mit den zwei Gefichtern"( an entien Bala ft) ein vorzüglicher Filmstoff. Sam Weller, ein tapferer Soldat im Weltfriege, findet sich im Frieden nicht zu der Arbeit zurüd. Das ift ein Problem, aber die Amerikaner find stets halb Kitsch und halb Sensation. So gerät bewußter Sam Weller durch schlechte Gesellschaft ins Zuchthaus, entflieht, indem er auf einen fahrenden Erpreßzug springt und von dessen Dach aus sich an die Strickleiter eines Flugzeuges hängt. Dieses aber überfliegt Bäume und streift ihn ab. Mit zerschmettertem Geficht bleibt er liegen. Ein Arzt, der aus Paffion Kriegsverletzte zurechtslicht, findet ihn. Auch Sam Weller, der aus dem Kriege verschändet beimtehrie, bekommt ein neues Geficht. Es bleibt nicht eine Narbe zurüd: ja, man hat eben tüchtige Aerzte in Amerifa. Sam Weller war natürlich unschuldig verurteilt, und da ein soldres Vorkommnis in Amerila immer forrigiert wird, heiratet er zum Schluß seine wirklich schöne Pflegerin. Thomas von Inces Regie geht geschäftlich bewährte Mastenkunft. 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Als dann von den Rechtsbeiständen des Reichspräsidenten mit geteilt wird, daß diese noch einige meitere Zeugen felbft geladen haben, darunter den früheren Reichspoftminister Giesberts, fowie einen Zeugen, der bekunden soll, daß der 3euge Syrig unglaubwürdig sei, erklärte der Generalstaatsanwalt: Die Bahl der Zeugen fann hier beliebig vermehrt werden, wenn so eine genügende Klärung der Angelegenheit herbeigeführt wird. Sind die Zeugen jedoch hier, so bitte ich, sie zu vernehmen. R.-A. Heine teilte dann noch mit, daß er einen Brief des Reichswirtschaftsministers a. D. Schlide erhalten habe, der sich gegen die Erklärung des Generals v. Wriesberg wendet und mitteilt, daß Schlice seinerzeit mit Wissen seiner Vorgesetzten nach Stuttgart gereist sei, um dort bei der Zentralleitung des Deutfchen Metallarbeiterverbandes einer Ausbreitung des Streits entgegenzutreten. Als nächster Zeuge wurde dann Regierungsrat Henniger vernommen, der bis zur Revolution Chef der politischen Polizei in Berlin war. Er betont, daß die Atten über den Munitionsarbeiter. ftreit feinerzeit verbrannt worden seien. Er habe nunmehr fein Gedächtnis aus der einschlägigen Literatur geschärft für den Fall daß die historische Rolle des 9. November noch einmal erörtert werde. Bors: Es handelt sich nicht hier um die Novemberrevolution, fondern um den Januarstreit. 3euge: Dieser Streit war von langer Hand vorbereitet. Ich felbst tam domals von der Front zurüd, als ich hörte, daß der Streit in Berlin drohe. Es erschienen damals Flugblätter ber Spartatiften, der Unabhängigen und der So= zialdemokratie, die in einem Buch„ Die unterirdische Literatur im revolutionären Deutschland" obgebrudt sind. In einem der Flugblätter der Spartafiften wurde der Beginn des Streifs für den 28. Januar angegeben. Bors: In diesem Flugblatt ist auch scharf gegen die Regierungsfozialisten Etellung genommen worden. 3euge: Ich erflärte von vornherein, daß diefer Streif nicht von langer Dauer fein würde, und daß die Polizei damit allein fertig werden würde. Diese Ansicht teilte auch der Minister des Innern Drews, der dem Am Bolizeipräsidenten v. Oppen energi'ch Anweisung gab. 28. Januar brach dann der Streit tatsächlich aus. Für uns war von Interesse, wie sich die beiden sozialistischen Parteien dazu verhalten würden. Machten die Spartofiften den Streif allein, dann blieb er ohne Bedeutung, trat die USB. ihm bei, dann fonnte es ein mittlerer Streif werden. Bon Bedeutung wurde er erst, wenn die SPD. hinzutrat. Als dann im Vorwärts" die Mitteilung erschien. daß eine Streifleitung mit Mitaliedern der SVD. gebildet war, war das ausschlaggebend für den Streit. Daraufhin hat dann der Oberbefehlshaber die Streiffeitung verboten, ebenso wurde das Erscheinen des Vorwärts" untersagt Wir wollten vor allen Dingen die Heher und Führer bekommen und die Massen führerlos machen. Denn wir hielten jeden Streif für Landesverrat. Ich sagte von vornherein:„ Caffen wir uns nicht bluffen. balfen wir durch und nerhandeln wir nicht; dann ist der Streif bald zu Ende." Daraufhin hat dann Erzellenz o. Keffet fich wiederholt on Walltaf gewandt mit der Streiffeifung nicht zu verhandeln. Als dann am 30. Jaruar nachmittags vom Bolizeipräfidium die Nachricht fam, daß die Streifleitung im Gemert. fchaftshaus verfammelt sei, gab das Oberkommando Anweisung, Am Donnerstag, bas Gewertschaftshaus zu räumen. den 31. Januar, war es flar, daß dieser Tag, da er vor dem Zah'tag lag unruhig werden müßte. Auf der Treptower Wiese bildete sich eine große Ber'ammlung, für die Beuge: Ich nehme an, am 28. Januar, denn am 29. erschien die Mitteilung im Vorwärts". R.-U. Martin: Und wann erschienen die ersten Streifgeftellungsbefehle? Beuge: Sehr casch, denn wir hatten die Ciste schon fertig, feit 1917 die Militarisierung der Betriebe beschloffen wurde. R.-A. Martin: Erhielt die Streitbewegung nach Eintritt der SPD. Zuwachs? Beuge: Jawohl. Im ganzen mögen etwa 500000 Mann gestreift haben, von denen wir 10 Brez. einzogen. Borf: Der Zeuge Wallraf hat die Ziffern für Berlin auf höchstens 180000 geschätzt. Mittwoch, 17. Dezember 1924 sammlung beaufsichtigten, habe er gehört, baß sie das meifte, was die Redner sagten, nicht verstehen fonnten, weil sie zu weit entfernt standen. Wäre eine Aufforderung zur Nichtbefolgung der Gefellungsbefehle ergangen, dann märe die Behörde mit einem Landesverratsverfahren sofort eingeschritten. Unter den Streifenden fei dann tatsächlich die Parole von Mund zu Mund gegangen, ohne daß festgestellt werden fonnte, woher sie fam. Jedenfalls sei diese Bas role auch befolgt worden, denn täglich feien Beute festgenommen worden, die sich ihrer Gestellung entzogen. Während des Krieges sind von unserer Abteilung auch Stimmungsbilder über die Bage hergestellt worden. Das Stimmungsbild, das wir furz vor dem Streit den zuständigen Stellen weitergaben, lautete dahin, daß nach R.-A. Heine: Wieviel Anhänger hatte denn die unseren Erforschungen die Bewegung nicht verursacht jei burch SPD. überhaupt in Berlin? Die Organisation war doch Ernährungsschwierigkeiten oder durch Sehnsucht größtenteils in die Hände der USB. geraten. nach Frieden, auch nicht durch die Wahlrechtsporlage, 3euge: Jawohl, wir wußten schon seit langem, daß der sondern durch geheime Bestrebungen der Unabhängigen SoDeutsche Metallarbeiterverband der SPD. aus den Händen gezialdemokratischen Partei festgestellt feien, die sich beglitten war. mühte, den Beschluß der Bimmerwalder und der KopenR.-A. Dr. Landsberg: Dann ist es aber doch ein Wider. hagener Konferenz zu verwirklichen. Der Streif war unserer Ansicht nach lediglich ein parteipolitischer und parteitat tischer. Zum Magdeburger Prozeß. Grey willen Nur immer her mit Dred und Kof! Bewerfen wir ihn fefte weiter! Und dauert's auch noch lang: uns droht Sein Streit der Munitionsarbeiter! 0.. spruch, wenn Sie behaupten, daß gerade der Eintritt der SPD. von größter Bedeutung war. Beuge: Es gab ja noch andere Arbeiter, die überzeugte Sozialdemokraten waren und dann aus Solidarität mitmachten. Wir im Oberkommando wollen übrigens wiederholt den Herrn Nebenkläger zum Heere einziehen, weil wir ihn von Berlin weg haben wollten. Wir wurden aber von der Regierung daran gehindert, und zwar im staatspolitischen Interesse. R.-A. Heine: Wann glauben Sie, daß der Einfluß der SPD. im Schwinden war? Beuge: Schon Ende September 1914, denn damals wurden wir ja flehentlich gebeten, den verbotenen Vorwärts" wieder erscheinen zu lassen, damit die Organisation der SPD. nicht ganz von der USPD. zerschlagen würde. R.-A. Heine: Ihre Aussage beweist, daß Sie trotz Ihrer Stellung als Chef der Politischen Polizei absolut einseitig und falsch informiert waren. R.- 2. Dr. Landsberg: Rann uns der Zeuge den Höhe. punft des Streifes bezeichnen? Beuge: Der Höhepunkt war die Treptower Bersammlung am Donnerstag, den 31. Januar, von der Polizei und vom Landrat des Krcises Teltow ein Aufsichtsdienst organisiert wurde. Dabei wurde einer der Sprecher, der Reichstagsabgeordnete Dittmann, gefaßt. Daß wir gegen Reichstagsabgeordnete, die in flagranti ergriffen wurden. vornehen fonnten, hatt das Reichsgericht ausdrücklich bestätiat. Ich selbst hatte seiners zeit die Verhaftung Liebknechts auf dem Botsdamer Platz veranlaßt. In mischen wurde der verschärfte Belagerungszustand verhängt und Kriegsgerichte eingefekt. Da es sich um glatten Landesverrat handelte, wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleiden tet. Dann brach der Streit zusammen, und ich ließ nunmehr die revolutionären Obleute, darunter Herrn Richard Müller, zum Heer einziehen. Der Bericht im Polizeipräsidium fiber olle diese Vorgänge ging zum erstenmal direkt an das Ministerium des Innern. Wir im Oberkommando erhielten nur eine Abschrift. Wäre in diesem Bericht auch erwähnt worden, daß Herr Ebert als zweiter Reichstagsabgeordneter gesprochen hatte, dann wäre noch ein meiteres Landesverratsverfahren eingeleitet worden. Vori: Daraus folgt, daß in dem Bericht der Name Eberts nicht genannt mar. Reuae: Sehr richtig. Ein Beisiger: War in dem ersten Bericht erwähnt, daß der Redner zur Nichtbefolgung der Gestellunasbefehle aufgefordert habe? 3euge: Das war vielleicht ein Gerede und ein klafidh unter den unteren Beamten, aber im Bericht war das nicht erwähnt, Hätten die Beamten so etwas gehört, dann hätten sie einfchreiten malffen. Borf: Vielleicht sind die Beamten erst angekommen, als schon Herr Dittmann sprach. Reuge: Wahrscheinlich. R.-A. Dr. Landsberg: Der Zeuge Mufchit bezeichnet als Höhepunkt den 29. Januar. Zeuge: Bielleicht nach der Zahl der Streifenden, denn an diesem Tage mußte der klassenbewußte Arbeiter aus dem„ Borwärts" entnehmen, daß die SPD. hinter dem Streit stand. Es wird immer darauf hingewiesen, daß die SPD. für die Landesverteidigung eingetreten ist. Sie hat doch aber auf dem Genfer ( Die weiteren Sozialistentongreß eine Erklärung abgegeben Aeußerungen des Zeugen gehen verloren, denn er wird hierbei von den beiben Anwälten des Nebenflägers stürmisch unterbrochen.) R.-A. Dr. Landsberg: Das ist einfach eine unwahrheit. R.-A. Heine: Ich bitte den Zeugen, sich auf Angabe von zu halten. Tatsachen zu beschränken und fein Plädoyer gegen den Nebentläger Bors: Ich habe feine Fragen mehr an den Zeugen. Der nächste Zeuge ist Polizeirat Henning Don der Abteilung IA des Berliner Bolizeipräsidiums, der damals zuständiger Dezernent für die Treptower Bersammlung war. er befundet, daß die diesbezüglichen Atten furz vor der Revo Iution verbrannt worden find. Einige Aften feien zwar R.-A. Martin: Wann ist die SPD. in die Streitleitung einverstedt worden, doch hätten sich die Dokumente über den Munitions arbeiterstreit nicht mehr gefunden. Bon den Beamten, die die Ver. getreten? R.-A. Binbewald: Wer hat den Auftrag gegeben, die Aftenftücke im Polizeipräsidium zu verbrennen? 3euge: Eine höhere Dienststelle. Ich habe dann meiner Abteilung die entsprechenden Anweisungen gegeben. Rechnungsrat Bedow aus meiner Abteilung hat jedoch die Aften nicht verbrannt, sondern zum Te verstedt. R.-A. Heine: Was ist nach Ihrer Ansicht für die Ause breitung bes Streifs wirksam gewesen? 3euge: Einmal die Tatsache, daß von Betrieb zu Betrieb die Nachricht über den Streif verbreitet wurde, dann auch der mensch liche Nachahmungstrieb, der erfahrungsgemäß in allen Streits festzustellen ist. Schließlich sind auch durch fieine entschlossene Gruppen große Betriebe lahmgelegt worden. R.A. Dr. Martin: Ist durch den Eintritt der Sozialbemofratie die Zahl der Streifenden vergrößert worden? Zeuge: Wohl faum. Der Eintritt der SẞD. war ein fat. fifches Manöver; sie fürchtete, sonst von der USP. an die Wand gea drückt zu werden. Der größte Teil der Arbeiter gehörte ja ber USPD. an. Die beiden folgenben Zeugen Oberpolizeirat Röber Berlin und Kriminalfefretär Schwarz, die von der Berteidigung geladen worden waren, erklärten, daß fie von den Borgängen im Treptower. Park überhaupt nichts wüßten. Der Beuge Polizeibeamter a. D. Ernst Heiles, der für die Felbzeugmeisteret Adlershof die Treptower Versammlung überwacht hat, sagt aus, daß er sich an nichts mehr erinnern fönne. Er wisse nur noch, daß der jegige Reichspräsident damals gesprochen habe, und daß während der Rede Eberts Oppositionsrufe late geworden seien. R.-A. Dr. Landsberg: 3ft Herrn Ebert nicht zugerufen worden: Streitbreder!" oder Berräter!" Beuge: Das weiß ich nicht mehr. Der jetzige Leiter der Berliner Brennstoff A.-G., Frizz Brolat, der früher zweiter Borsitzender des Bollzugsrats gewesen ist, schil berte, daß er während des Streits Domann in einer Weißenseer Firma war, die Waffen baute. Er habe, als der Stretf am 28. Jamuar ausbrad), nachmittags mit Ebert und Scheidemann über die Lage verhandelt und sie, gleich anderen Bertretern von anderen Großfirmen, ersucht, in die Streilleitung hineinzugehen, um Unglüd zu verhüten. Die mehrheitssozialistischen Arbeiter feien von den Unabhängigen und den Spartatusleuten nicht über die Borbereitungen des Streifs informiert worden, well, wie die Spartakusanhänger später fagten, sie befürchteten, von den SPD.- Arbeitern bei den Militärbehörden denunziert zu werden. In der Sigung des Bartelausschusses der SPD. habe man auch über die Gestellungsfrage gesprochen, und Ebert habe erklärt, daß die Leute, die den Streit inszeniert hätten, auch wissen mußten, daß Strafmaßnahmen tommen werden. Selbstverständlich müßte max den Gestellungsbefehlen unbedingt Folge feisten. Die Abgeordneten würden allerdings versuchen, die Strafmaßnahmen rüdgängig zu machen. Ebert oder Scheidemann haben ferner erflärt: Eo geradlinig unfere Bolttit bisher war, muß sie auch in diesem Streit fein; niemand darf von uns jagen, daß wir das BaterNach dem land in diesem Augenblid im Stich gelaffen haben." Streit hätten die mehrheitssozialistischen Arbeiter von den Spartatusbeuten die furchtbarsten Vorwürfe bekommen, daß sie den Strelt verraten hätten. " Der nächste Zeuge, Tischler Frig Kindler, Berlin, ber 1918 bei den Agomerten arbeitete, gab über die Treptower Versammlung folgende Schilderung: Wir zogen vom Betrieb aus auf die Spielwiefe und fanden dort Ebert, der sprechen sollte. Bom Streit t er faft gar nichts gesagt, sondern er sprach über die allgemeine Lage und führte uns den Ernst vor Augen. Ich habe nicht beobachtet, obwohl ich dicht bei ihm stand, daß er einen Bettel er halten hat. Ich hätte das unbedingt sehen müssen. Borf: Hat denn Ebert über Gestellungsbefehle ge sprochen? 8euge: Er hat gefagt, daß, wenn Zwangseinberufungen fämen, wir ihnen vorderhand Folge leiften müßten. Er werde dafür sorgen, daß diese dann rüdgängig gemacht werden würden. Bori. Hat er das gefagt, als er den Zettel erhalten hatte? Beuge: Nein, er fam darauf zu sprechen, als ein Suruf ihn auf das Thema brachte. Bors: Der Zeuge Enrig fagt das Gegenteil aus. Er behauptet, Herr Ebert habe gesagt, die Arbeiter sollten sich nicht stellen. Im neuen goldnen Gewande 25 FRITZI MASSARY FRITZI MASSARY Fritzi Massary DIE UNVERGLEICHLICHE DIE UNVERGLEICHLICHE ZIGARETTE 38 | Zeuge: Das ist falfch. Ebert betonte ausdrüdlich, daß wir der Anwesenheit so vieler Raditaler in der Versammlung persönlich alle unter militärgemalt ständen, und daß jeder nicht sicher sei. Mein Eindruck war: Was ist bloß aus Ebert fich strafbar mache, der ihr nicht Folge leiste. geworden? Bors: Hatte Herr Ebert Beifall? Zeuge: Im Gegenteil, er mußte fich viel an den Kopf werfen laffen. Ausdrücke wie Streita bwürger" und Arbeiter. Derräter" Bors.: Ja, hat er denn vom Streit überhaupt gesprochen? Beuge: Nein, deshalb wurde ihm ja auch zugerufen, er folle endlich doch zur Sache tommen. Man war nach Eberts Rebe eigentlich nicht schlauer als vorher. Er redete von Bebens. mitteltnappheit" und wollte uns im allgemeinen be schwichtigen. Beisitzer Landgerichtsrat dh uiz: Waren Ihnen die Forbe. rungen der Streifenben bekannt? Beuge: Nein. Beisitzer: Ja, weshalb haben Sie denn eigentlich geftreitt, mußten Sie denn, worum es ging? 3euge: Nein, aber ich war doch organisiert, und da mußte ich eben mitmachen. Borf: Ist denn in Ihrem Betrieb nicht verher über den Streif abgestimmt worden? 3euge: Nein. Es ist irgendwo eine Bersammlung in einem Gartenlofal gewesen, der ich auch beiwohnte, und da ist abgestimmt worden. Aber warum und worüber abgestimmt wurde, weiß ich nicht. Bors: Na, das verstehe ich aber wirklich nicht. 8euge: Ja, Sie müssen sich die Sache eben so vorstellen: Es war ein solcher Stanbal in der Versammlung, daß man gar nicht hörte, was eigentlich los war. Als dann alle den Arm erhoben, habe ich es auch getan. R.-A. Bindewald: Haben Sie sich selbst zur Aussage gemeldet? 3euge: Jawohl, nachdem ich die Aussage von Syrig gelesen hatte. R.-A. Bindewald: Sie waren doch mit Sgrig in einem Betrieb, und Sie find doch auch zusammen mit ihm eingezogen worden? Haben Sie dann später mit ihm noch über Eberts Rede gesprochen? Zeuge: Nein. R.-A. Heine: Wie war denn Sprig, der doch Unteroffizier war, gegenüber seinen Untergebenen? Zeuge: Im allgemeinen fann ich nicht flagen, aber junge Leute hat er gern, angefahren. " Es Die Aussage des Tageblatt"-Redakteurs. Hierauf folgte die fehr ausführliche Bernehmung des Redalteurs Franz Lenhoff- Berlin, der feinerzeit als Redakteur des Berliner Tageblatts" der Versammlung im Treptower Bart von Anfang bis Ende beigewohnt hat. Der Zeuge schildert die Vorgänge folgendermaßen:„ Ich hatte gehört, daß in Treptow trop des Berbots bes Oberkommandos in den Marken eine Versammlung der Streifenden stattfinden sollte, und ich begab mich dorthin. herrschte dichter Nebel, so daß ich zunächst die Bersammlung faum finden fonnte. Als ich hinfam, begann Ebert, den ich aus zahllofen Bersammlungen fannte, gerade zu sprechen. Ich hatte, da ich sonst Eberts frische und energiiche Sprechweise fannte, von Anfang an den Eindruck, daß der Redner sehr bedrückt war und feine Ausführungen waren auch durchaus farblos. Der Gedankengang der Rede mar der, daß Ebert die furchtbare Bage der arbeitenden Massen schilderte. Er erflärte, es sei die Pflicht Der Arbeiter daheim, ihre Brüder und Bäfer an der Front zu flüßen und ihnen das Beste an Waffen zu liefern, was es gäbe. Die Arbeiter Frankreichs und Englands verfören auch nicht eine Arbeitsstunde, um ihren Brüdern an der Front zu helfen. Man müsse alles unternehmen, um einen Frieden herbeizuführen, aus dem heraus Deutschland leben könne. Dieser Teil der Ausführungen Eberis jand sehr starten Widerspruch. Das befremdete mich, weil ich glaubte, dah nach den Friedensverhandlungen in Brest- Litowit auch von der Arbeiterschaft angesichts der bevorstehenden Offensive im Besten alles getan merden würde, um Deutschland den Sieg zu sichern. Viele Frauen haben diesem Teil der Rede Eberts beigestimmt, während die Männer murrten, besonders an der Stelle, als der Redner von den Arbeitsbrüdern im Felde fprach. Ebert hat sich dann sehr zögernd über den Streif verbreitet; er hatte wohl selbst das Gefühl, daß zwifchen ihm und der Verfanimlung fein Kontaft bestand. So faqte er u. a.:,,Eure Forde rungen find gerecht. Es muß alles getan merden, um den Krieg zu beenden: aber hütet euch vor Zusammenstöken mit der Bolizei oder dem Militär, die zu blutigen Borkommnissen führen fönnten. Haltet fuhig aus, eure Arbeitsbrüder in diefen ober fenen Städten fehen fest zu euch." Borf.: Was hat Herr Ebert denn Ihrer Ansicht nach mit diesen Worten gemeint? Bollte er damit zu einem Berharren im Streif aufforbern? Zeuge: Offenbar meinte Ebert die ganze Bewegung. Ich hatte den Eindrud, daß der Reichspräsident den Streit meinte, cbwohl er das Wort selbst nie brauchte. Borf.: Wie weit standen Sie denn von dem Redner entfernt? 3euge: Etwa dreißig Meter. Bors: Haben Sie die Ausführungen Eberts aufnotiert? 3euge: Nein, da die Zenfur ja alle Berichte über die Lage verbot. Ich habe dann bei den letzten Worten Eberts beobachtet, wie aus dem Nebel heraus die Polizei anrüde. Die Beamten famen nur sehr langsam vorwärts. Ich sah auch, daß jemand, ein Mann oder eine Frau, einen Zettel nach der Böschung heraufgab, der dann Ebert überreicht wurde. Ebert nahm den Zettel, los ihn jedoch nicht. Offenbar wurde er aufmerksam gemacht, daß Polizei herannahe. Ebert hatte mit feiner Rede in der Versamm. lun feinen Beifall. Es war ein Mißerfolg, weil er den Leuten, wie fie offen fanten, nicht scharf genug war. Ich selbst hatte das Gefühl, dak Ebert, der sonst stets sehr konsequent und straff sprach, diesmal nicht mit dem Herzen dabei war. Einer der Arbeiter sagte auch: Ja, ja, Bapa Ebert versteht seine Kinder eben nicht mehr." Mir fiel es auf, daß Ebert an sich auch nicht ein einziges revolutionäres Wort brauchte. Bori: Haben Sie etwas gehört, daß er son Stellungs. befehlen Sprach? Beuge: Aus der Bersammlung gab es mehrere Burufe: Und die Gestellungsbefehle?" Darauf hat Ebert erwidert:„ Wenn folche Befehle erfolgen, so werden wir dafür sorgen, daß sie auch wieder zurückgezogen werden." Ich kenne die Aussage des Zeugen Syrig über diesen Bunft und ich kann nur sagen, daß die angeb liche Bemerkung, die Arbeiter sollten fich nicht ftellen, durchaus nicht im Sinne oder im Rahmen der Ebertschen Rede überhaupt lag. Dr. Landsberg: Was verstanden Sie unter den Worten Eberts: Eure Arbeitsbrüder in diesen oder jenen Städten stehen zu euch? Zeuge: Ich hatte den Eindrud, daß Ebert nun ausführlich über den Streit fprechen würde, aber das war nicht der Fall. Ueberhaupt erweckte der zweite Teil feiner Rede den Eindrud, als ob hier ein Barteitaftifer sprach, der nur die Finger in der Sache behalten wollte. Borf.: Das ist schließlich ein Werturtei! Ihrerseits. R.-A. Bindewald: Sprach Herr Ebert über die Geftellungen, als er den Rettel erhalten hatte? 3euge: Nein, diefe Bemerkung ist auf 3urufe hi gefallen. Der Zettel, den der Redner erhielt, hatte damit gar nichts zu tun. Bielmehr erhielt Ebert den Zettel, als die Polizeibeamten näher herantamen. Es wundert mich, daß Dittmann nach Ebert noch sprach, da die Beamten doch schon dem Standort der Redner sehr nahe waren und Dittmann jede Sefunde mit feiner Verhaftung rechnen fonnte. Dittmann beobachtete die Beamten auch dauernd Als die Polizei auftauchte, verschwanden viele Bersammlunasteilnehmer, die ihre Berhaftung befürchteten. R.-A. Martin: Diese Ihre Aussage steht aber im Widerspruch mit den Befundungen des Herrn Dittmann, der behauptete, er habe überhaupt die Polizeibeamten nicht gesehen. S Borf.: Ich kann hierin feinen Widerspruch erblicken, denn der Zeuge tann natürlich nicht wisien, was Herr Dittmann gesehen der Zeuge kann natürlich nicht wisien, was Herr Dittmann gefehen oder nicht gefehen hat. R.-A. Heine: Haben Sie den 3ettel gelesen, der Herra Ebert zugereicht wurde? 3euge: Nein. Aber der Inhalt war feicht zu erflären. Ich meinte zu meinem Nachbar, man müsse, da doch die Polizei fomme, Herrn Ebert warnen. Mein Nebenmann aber fagte mir: Sie sehen ja, das ist schen geschehen. Daraus schloß ich, daß der Bettel eine Warnung an Ebert enthielt. Im weiteren Verlauf der Bormittagsvernehmung teilte der Borsigende mit, daß sich bei ihm ein Zeuge gemeldet habe, der feinerzeit das amtliche Stenogramm des Berner So zialistentongresses aufgenommen habe und es auch heute noch befize Zeugen für die Treptower Versammlung. Dann wurde eine ganze Reihe von Zeugen vernommen, die feinerzeit bei der Bersammlung im Treptower part in unmittelbarer Nähe des damaligen Abgeordneten Ebert gestanden haffen. Der Lisaer Richard Eitner aus Berlin befundet, daß Ebert darauf hingewiesen habe, daß die französischen und englischen Ar. beiter feine Stunde Arbeit verloren, um munition herzustellen. Eine Bemerkung habe dem Redner den Zuruf: ,, Streifabmürger" und" Boltsverräter eingetragen. Auf einen späteren Zwischenruf, der auf die Gestellungsbefehle hinwies, habe Ebert geantwortet, daß die Partei dafür eintreten werde, daß die Strafgestellungsbefehle geimildert oder aufgehoben wurden. Borf.: at Bufchid mit Ihnen gesprochen? Seuge: Nein, Buschid ist mein ärgster Feind. ( Heiterfeit.) Ein Beisiger: Welche Aeußerung Eberts gab denn zu dem Zwischenruf Streifabmürger" Anlaß? Betge: Er hatte doch auf die englischen und franzö. fischen Munitionsarbeiter hingewiesen. Ein Beisiger: Dazwischen besteht doch aber fein Zu fammenhang. R.-A. Dr. Landsberg: Dieser Zusammenhang ist doch mit den Händen zu greifen. Generalstaatsanwalt: Das finde ich auch. 3euge: Ebert wollte ja auch, daß die deutschen Arbeiter ebenfalls feine Stunde versäumten. R.-A. Dr. Martin: Sagte Ebert, eure Forderungen find gerecht? in Beuge: Ja, so etwas Aehnliches hat er gesagt. R.-A. Dr. Martin: Betonte er auch: Eure Arbeitsbrüder anderen Städten stehen zu euch? Haltet ruhig aus? 3euge: Nein, das hat er nicht gefagt. Der Berwaltungsbeamte Corenz vom Magiftrat Berlin will fich noch genau entsinnen, daß Ebert nicht zum Streit aufgefordert habe. Auf den Zuruf, hinsichtlich der Bestellungsbefehle, fei er zunächst nicht eingegangen und habe erst zum Schluß er flärt, die Fraktion werde dazu Stellung nehmen. Die Befundun gen des Zeugen Syrig hält diefer Zeuge für unmöglich. Der Zeuge Budde, deffen Aufgabe es nach seiner Aussage war, die Treptower Versammlung gegen einen Ueberfall durch die Kri: mina'polizei zu schützen, bestätigt die Darstellung der vorhergehen. den Zeugen und bestreitet entschieden, vor feiner Bernehmang mit Buschid gesprochen zu haben: Was jetzt dem Herrn Reichspräsidenten nachgesagt wird, das haben wir von Ebert Herrn Reichspräsidenten nachgesagt wird, das haben wir von Ebert nie erwartet. Der Borsigende hält ihm darauf die Ausiage Syrigs vor, worauf der Zeuge erklärt: Nein, nein, das hat Herr Ebert nicht gefagt, das wäre mir unweigerlich aufgefallen. Wir haben das ja auch gar nicht von ihm erwartet, denn wir wollten doch die Rechtsfozialisten in dieser Bewegung gar nicht drin haben. Der nächste Zeuge, Redakteur Fechner, äußerte sich in ähnlichem Sinne und zwar erklärte er, daß er und seine Berwandten, die ebenfalls an der Berfammlung im Treptower Bort teilgenommen hatten, geradezu enttäuscht gewefen feien, weil Ebert nicht präzise gesagt habe, wie sich die Arbeiterschaft gegenüber den Gestellungsbefehlen verhalten follte. Im übrigen bezeichnet dieser Zeuoe die Ausare Syrigs als unmöglich und will sogar bestreiten, daß dem Abgeord meten Ebert während seiner Rede ein Zettel hinaufgereicht worden war. Syrig des Meineids beschuldigt. Dann kam es zu einer nochmaligen Bernehmung des Güterbodenarbeiters Ortel, der nunmehr erklärt, daß er entgegen seiner bisherigen Aussage überhaupt nicht in der Treptower Versammlung gewesen sei. Alles, was er darüber wiffe, habe er von Syrig erfahren. Borf.: Was hat Ihnen denn Syrig gefegt?" Zeuge:„ Ich habe 1918 mit Syrig auf dem Ago- Werk in Zohannisthal zusammengearbeitet, wo er als Vertrauersmann selbst für den Streit agifiert hat, während ich mich gar nicht dafür interSprig hat dann auch später einen Stellungs. effiert habe. befehl erhalten und mußte ins Feld. Alles was über Eber: gelegt worden ist, daß er zum Streit aufgefordert haben soll usw.. habe ich selber gar nicht gehört, denn ich war nicht in der Berfammlung. Nach dem Kriege ging ich dann zusammen mit Syrig zur Eisenbahn und zwar zum Güterboden Anhalter Bahnhof in Berlin. Als dann der Eisenbahnerstreit 1920 fam, hat sich Sprig Der Streit verlief ungünstig für uns und da nicht beteiligt. wurden dann Syrig Borhaltungen von den Kollegen gemacht. Er verteidigte sich damit, daß derselbe Ebert, der jegt den Eisen bahnerstreif verboten babe, feinerzeit im Trep. to mer Bart zum Streit aufgefordert hätte. Und ich habe, um Syrig zu stügen, zu den Kollegen immer ja ja" gefagt. Aber, ich will doch gleich verreden, wenn ich selbst das von Ebert gehört habe. Das weiß ich alles nur von Syrig.( Bewegung.) Bor men gen Wochen ist dann Snrig mit dem Drehbühnenleiter Haase zu mir gekommen. Für den Hrafe habe ich sowieso teine Sympathie.( Syriterfeit.) Und da hat mir Enrig mieder drei Frogen vorgelegt, ob ich das von Ebert im Trentomer Park achört habe und da hab ich wieder dre mal Jc gefagt. Darauf erf'ärte Syrig: ..Es handelt sich hier um einen Zengenapparat, Zeuge: Ebert hatte mohl auch das Gefühl, daß er angesichts worauf ich ihm erwiderte. nach sechs Jahren tönnte ich überhaupt 9 nichts mehr wiffen."( Biederum fehr erregt):„ Der Syrig war überhaupt so ein Held, der erst für den Streif propagiert und dann dagegen ist. Jetzt gehört er einer anderen politischen Richtung an." Borf.: Syrig, tommen Sie mal her. War Orhel in der Berfammlung? Zeuge Syrig: Jawohl, er war in der Bersammlung im Treptower Part. Zeuge Orgel( fich erregt an Syrig wendend, der neben ihm fteht): Nein, das ist ein Schwindel von Dir, ich beforge mir ja Zeugen, die wiffen, daß ich nicht da war und Dir( mit der Faust drohend) werde ich wegen Meineids helfen. Ich bin mit Absicht nicht hingegangen, weil alle, die an der Versammlung teilnahmen, eingezogen wurden; aber Orgel war der Schlaueste, der hat sich nicht daran beteiligt.( Heiterkeit.) Zeuge Syrig: Er war doch da. Zeuge Orgel( wütend auf den Tisch schlagend): Mensch, schwindle nicht, die Kollegen vom Anhalter Güterbahnhof werden Dir fagen, was Du für ein Schwi dler bist. Zeuge Syrig: Orzel hat ja seinerzeit selbst erklärt, Eberi war damals für den Streif und jetzt verbietet er ihn. Zeuge Orgel: Ja, das habe ich von Dir gehört. Zeuge Sprig: Er war aber doch da. Beuge Orgel: Da soll sich doch gleich der Himmel öffnen. Berreden will ich, wenn das wahr ist. Ich schwindele noch nicht. Borf.: Seien Sie jezt mal ruhig. Beuge Syrig: Als der Streit bei Ago ausbrach, da ist Orgel mit aus dem Betrieb gegangen und mit in der Kolonne zur Versammlung marschiert. nicht. Borf.: Er muß doch aber wiffen, ob er da gewesen ist oder Zeuge Syrig: Orhel hat mir am ersten Tage hier erklärt, er wolle hier aussagen, daß er von gar nichts mehr wiffe. " Zeuge Orgel( wütend zu Syrig hinüberdrohend): Das ist eine Lüge von Dir. Mensch, ich bringe zwei Maschinenmeister, die früher be: Ago waren, als Zeugen, daß ich überhaupt nicht rausIch fann ja beweisen, daß ich gegangen bin aus dem Betrieb. weitergearbeitet habe. Weshalb haben sie mich denn hinterher Streitbrecher geschimpft.( Sehr erregt):: Ich habe hier geBeichtvater stehe.( Bewegung.) Als ich Syrig vorgehalten habe, wie schworen und das ist für mich gerade so, als ob ich vor meinem und auf meine Frage, durch wen er dazu gekommen fei, fagte er, er zu diesem Prozeß tomme, da fagte er, er hätte das längst bedauert durch Pfarrer Hoch. Darauf meinte idy: Meine Frau weint schon Tag und Nacht, weil ich in diesen Prozeß gefommen bin, worauf er fagte: Meine nicht. Warum foll sie weinen, für mich wird gejorgt."( Große Bewegung.) Zeuge Syrig: Was Orgel hier vorbringt, beruht nicht auf Wahrheit. Ich habe niemand hinter und niemand voe mir. Ich stehe allein. Bors: Haben Sie gefagt, daß, wenn Sie die Arbeit wegen dieses Prozesses verlieren, jemand für Sie forgen würde? Zeuge Syrig: Ich brauche das nicht zu befürchten, weshalb sollte ich denn die Arbeit verlieren? Bors.: Es ist schon einmal so etwas vorgekommen. Generalstaatsanwalt: Bei der Vernehmung des Herrn Reichspräsidenten hat Syrig gefagt, er habe vor dem Prozeß nie wieder mit Ortzel über diese Angelegenheit gesprochen. Das scheint nun nicht aber ganz zu stimmen. Zeuge Syrig: Ich habe wenigstens vermieden, mit ihm darüber zu sprechen. Borf.: In dem Protokoll der Bernehmung des Herrn Reichspräsidenten ist diese Bemerkung auch nicht enthalten. R.-A. Dr. Landsberg: Sie ist aber bestimmt damals ge fallen. Staatsanwalt: Jawohl, und zwar hat Sprig auf Borhalt des Herrn Borfizenden erklärt, er habe es abfichtlich ver. mieden, mit Orgel über den Prozeß zu sprechen. Orgel: Auf dem ganzen Güterboden Anhalter Bahnhof ist Sprig als ein großer Politiker bekannt, bei dem jedes dritte Wort gelogen ist. Das können alle Kollenen bezeugen. Ein Beisiger: Haben Sie denn Beweise dafür, daß er lügt? Zeuge Orgel: Na, hier habe ich doch den Beweis. Er be hauptet, ich fei in der Versammlung gewesen, dabei weiß ich noch nicht mal, wie die Treptower Wiese aussieht.( Große Bewegung.) Darauf trat eine zweistündige Pause ein. Zu Beginn der Nachmittagssitzung wurde dann der Geschäftsführer des Deutschen Bauernbundes, Dr. Böhme, vernommen, der erklärt. daß die Sozialdemokraten immer bestrebt waren, den Krieg zum glücklichen Ende zu führen und ihre Leute bei der Stange zu halten. Ich muß sagen, daß ich niemals ben geringsten Zweifel an der loyalen haltung der Sozialdemo fratie hatte, und ich bin anderen Ansichten später in Versamm lumgen ufi. ftets entgegengetreten. Auch Henninger versagt. Hierauf wurde auf Verlangen RA. Heines Regierungsrat Henniger nochmals furz vernommen. R.-A. Heine: Es ist behauptet worden, daß der sozialdemo fratische Parteivorstand die Berhaftung von Rosa Luremburg beantragt hätte. Wissen Sie aus amtlicher Kenntnis etwas darüber? Borf.: Was hat denn das mit diesem Prozeß zu tun? R.-A. Heine: Es ist wichtig, daß diese Ding: flargestellt werden, weil heute in Magdeburg aus diesem Grunde heraus Protestver: fammlungen der Kommunisten stattfinden. Zeuge Regierungsrat Henniger: Ich habe auf Beranlassung des Oberkommandos Rosa Luxemburg in Schutzhaft genommen well Frau Lugemburg mit dem fpäeren Boltsbeauftragten Emil Barth in Metallarbeiterversammlungen umherzeg und ihn als„ Schüller aus dem Schützengraben produzierte. Sch fonnte feststellen, daß Barth gar keine Kriegsverlegungen erlitten hatte, sondern daß er an einer ungewöhnlichen Krankheit litt. Ich überlegte mir damals, ob ich das Strafregister dieses Mannes veröffentlichen sollte zur Warnung für die Arbeiterschaft. Später habe ich dann die Strafen Barths, so wie ich sie zusammengestellt habe, im„ Borwärts" abge. bruckt gefunden. R.-A. Heine: Glauben Sie, daß Herr Ebert im Treptower Barl aufgefordert hat, sich den Gestellungsbefehlen nicht zu fügen? 3euge: Das halte ich für gänzlich ausgeschlossen. ( Schluß des Berichts im Hauptblatt.) Vertrauensvoller We hnachtseinkauf Kunde Geben Sie mir 10 Tuken Kalikloral Verkäufer. Was wollen Se denn mit so viel Zahnpasta? Kunde: Diese sdenke ich meiner Frau. Die hat doch so viel Haare auf den Zähnen! Görner's Geschenkpackungen Zigarren in 10, 26, 60 und 100- Stück- Kistchen von 100 M, bie 700M. 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Auf Grund dieser Anweisung erhält man an den Kassen des Lessing- Theaters, Kleinen Theaters, Theater des Westens zu allen folgend angezeigten Kindervorstellungen, trotz der kleinen Nachmittagspreise, für jede Vorstellung 1-6 Billetts zum halben Kassenpreis, bereits von 30 Pfg. an. Nur vorzeigen, nicht abgeben! Kleines Theater Theater des Westens Nachm. 4 Uhr Jeden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Schneewittchen Nachm. 4 Uhr Jeden Dienstag, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag Lessing- Theater Nachm. 4 Uhr Jeden Mittwoch, Sonnabend. Sonntag Aschen rödel Jed. Donnerst.. Freitag Dornröschen Jed Donnerst. Freitag Rotkäppchen Hänsel und Gretel Die Originalkarten werden gegen Vorzeigen dieser Anweisung am Vorstellungstage ab 3 Uhr an den Theaterkassen ausgegeben. Gültig ab heute bis 31. Dezember auch an Sonn- und Feiertagen Ausschneiden! Trianon- Th. Komische Oper Täglich 8 Uhr: Kammerspiele Sie lässt sich Die tote Tante nicht verkaufen 8 Uhr: und andere Begebenheiten Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 8 Unr Der eingebildete Kranke Komödie v. Ad Paul OlgaLimburg, Georg Alexander, Kaiserfitz, Jul.Falkenstein Gr. Kinder- Vorst. im Trianon- Th. Mittw. 4 U. Pr. zb 60 Pf Im Reiche der Theater 1. d. Königgrätzer Str. Weihnachtsfee 8 U.: Der Tokaler u. Die Zauberbrille Komödienhaus Jedes Kind erhält ein 8 Uhr: Die Cousine a.Warschau Th. a. Nollendorfpl. 7.30: Die Geliebte Sr. Hoheit Berliner Theater 7.30 Uhr: Cloclo SCALA 8 Uhr: Varieté Revue Geschenk gratis! Deutsch. Künstlertheat. Tägl. 8 U.: Zaza Lustspielhaus Täglich 73 Uhr Doktor Stieglitz Neues Operettenhaus Tägl 8 Uhr: Der Tanz um die Liebe Wallner Theat. Tägf. 8 Uhr: David u. Goliath Rose- Theater 73 Uhr: Th.l.Admiralspalast D.Rathchen von Hejlbronn 18. Woche Allabendl. 84 Uhr. 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ManegeSchaustück Direktion: James Klein 8 Uhr Allabendlicn 8 Uhr die größte Revue der Welt , Das hat die Welt noch nicht geseh'n' Eine Verein gung d. berühmtesten räfte fast aller Länder Ueber 250 Mitwirkende Apollo- Theater 8 SU REVUE- POSSE 8U. Das lachende Berlin! Deber 150 Mitwirkende Preise 2 bis 10 M. Reichshalien- Theater Steffiner Sänger Weihnachts- Programm An 8 U, Stg. 1 cnm 3 Uhi halbe Pr., voil. Abendprog Dönhoff- Brett'l- Varieté Das grandiose Dezember- Programm! Theater am Kottbusser Tor Taglich 8 Uhr und Sonntag nachmittag 3 Uhr Elite- Sängere Fabelhaftes weihnachts- Pogramm. Volkstümliche Preise Empfehlenswerte Th.i.d.Gem.- Turnhalle Weißensee, Pistoriasst.23 Sonntag 7 Uhr Aufkleben! VINTBRIEN Der große Jubiläums Vorstellung Dezember- Spielplan Mister Globetrotter Preise 80 Pt. b. 2 M ******* Sonntags 32 Uhr halbe Pr.! Rauchen gestattet. 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