fr. 597 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 304 Bezugspreis: Bächentlich 70 Goldpfennig, monatit 3,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat Der., Bormärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Sied lung und Kleingarten" sowie der Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart. Reflamezeile 1.- Goldmart.., Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 0.20 Golba mart( zulässig awei fettaedruckte Borte), ledes weitere Bort 0.10 Goldmart. Stellengeiuche das erfte Wort 0.10 Goldmart jedes weitere Bort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Zindenstraße 3 Fernsprecher: erlag: Douboff 2506-2507 Redaktion: Donhoff 292–295 Freitag, den 19. Dezember 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Tevoitentajie Lindenstraße 3 Die Sozialdemokratie zur Regierungsfrage Für die Koalition von Weimar. Die neue sozialdemokratische Reichstagsfraktion, die Frattion der 131, trat gestern nachmittag im Reichstag zusammen. Nach einem Bericht Hermann Müllers und turzer Debatte faßte sie folgenden Beschluß: Die sozialdemokratische Fraffion ist der Auffassung, daß aus Gründen der äußeren und der inneren Poliüt eine Regierung des Bürgerblocks verhindert werden muß. In Rüdsicht auf die Haltung der Deutschen Bolkspartei sieht sie in der Bildung der Weimarer koalition die gegebene Lösung. Dieser Beschluß zieht die Folgerung aus den vorausge gangenen Beschlüssen der anderen Fraktionen. Da die Volkspartei die große Koalition, das Zentrum den Bürgerblod ablehnt, gibt es in diesem Reichstag feine feste Mehrheit. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß eine Regierung gebildet wird, die sich, wie die bisherige Regierung Marg, nur auf eine Minderheit stüßt und daß dann diese Regierung den Reichstag fragt, ob er sie stürzen will. Das Nächstliegende war, die bisherige Minderheitsregierung der Mitte fortzusehen. Die Sozialdemokratie wäre damit einverstanden gewefen. Aber die bisherige Minder heitsregierung ist von innen heraus durch die Volkspartei gesprengt worden, und die Volkspartei meigert sich, fie mieber herzustellen. Mit der Volkspartei hätte sich die Regierung der Mitte unmittelbar auf 152 Abgeordnete stüßen können( 69 Zentrumsleute, 32 Demokraten. 51 Boltsparteiler). Sie hätte die Unterstügung der 131 Sozialdemokraten haben können, wenn fie Die bisherige Außenpolitik fortsetzte und in der inneren Politik einen republikanischen und sozialen Kurs einhielt. Aber es hat feinen Zweck mehr, von der Regierung der Mitte zu reden, wenn sich die Volkspartei weigert, sie mitzumachen. Es bliebe dann allenfalls die Möglichkeit einer Rechtsregierung ohne feste Mehrheit zu erörtern. Allerdings hat die Rechte selbst bisher nicht den Wunsch zu erkennen gegeben, als Minderheit allein regieren zu dürfen; sie hat sich vielmehr bemüht, das Zentrum zu sich hinüberzuziehen, das aber entschieden abgelehnt hat. Wie wär's nun mit einer Minderheitsregierung der Rechten? Die Deutschnationalen und die Bolkspartei ver ügen zusammen über 162 Size, ziemlich genau ein Drittel des Hauses. Dazu kommen allenfalls 19 Bayern, 17 Wirtschaftsparteiler, 14 Nationalsozialisten und 4 Welfen. Das find sechs Fraktionen, Gruppen und Grüppchen mit insgefamt 216 Abgeordneten, 31 weniger als die Mehrheit. Eine Regierung, die sich auf Ludendorff stüßen muß und selbst dann noch teine Mehrheit hat, ist eine politische Un möglichkeit. Außerdem aber wäre es ein lebensgefährliches Erperiment, um nicht zu sagen direkter Selbstmord, wenn sich die Republik von einer Minderheit von Monarchisten, darunter rabiaten Rechtsputschisten, auch nur einen Tag lang regieren lassen wollte. Würde eine Minderheitsregierung der Rechten, wenn sie vom Reichstag ein Mißtrauensvotum erhielte, daraus die verfassungsmäßige Schlußfolgerung ziehen? Wer würde dafür die Garantie übernehmen? Eine Minderheitsregierung der Rechten wäre nach außen wie nach innen das Chao 5. Ist aber die Minderheitsregierung der bürgerlichen Mitte durch die Haltung der Volkspartei unmöglich geworden, und ist die Minderheitsregierung der Rechten von vornherein un= möglich, dann bleibt eben nur ein Bersuch zur Bildung und parlamentarischen Erhaltung einer Minderheitsrregierung, die fich auf 3entrum, Demokraten und Sozialdemofraten stützt. Das ist die Koalition von Weimar. Die Parteien rechts dieser Koalition zählen insgesamt( mit Bauernbündlern, Welfen, Nationalsozialisten usw.) 216 Mann, sie selbst zählt 232 Mann( 131 Sozialdemokraten, 69 3entrum, 32 Demokraten), ist also der gesamten Rechten zahlen= mäßig überlegen. Diese drei Parteien, die schon in der Kaiserzeit oft in der Opposition zusammenstanden und die nach dem Krieg fast drei Jahre lang in der Regierung zusammengearbeitet haben, sind mit ihren 232 Mann stärker und innerlich konsolidierter als sechs Parteien, Gruppen und Grüppchen mit 216 Mann. Diese drei Parteien stehen auf dem Boden der Republit. Sie haben die Verfassung von Weimar gefchaffen. Sie haben, als das Reich durch die Schuld des kaiserlichen Regimes und die Wahnsinnspolitik der Rechten in eine furcht bare Ratastrophe geraten war, feine innere Einheit gerettet. Sie haben die Ordnung des Reiches gegen Rechtsputschisten und Linksputschiften geschützt und haben in der Zeit der politischen Meuchelmorde gemeinsame Blutopfer getragen. Ihre Politik hat schließlich die Entspannung der auswärtigen Lage herbeigeführt, das besetzte Gebiet von unerhörten Qualen befreit und die Aussicht auf eine baldige vollständige Befreiung eröffnet. Diese drei Parteien stellen zusammen die zahlenmäßig stärkste Kombination dar, die nach dem Scheitern des Bürgerblocks auf der einen Seite, der großen Koalition auf der anderen noch möglich ist, und sie haben auch das stärkste moralische Recht, mit einer von ihnen gebildeten Regierung vor den Reichstag zu treten und abzumarten, ob er ihr will oder nicht. die verfassungsmäßige Möglichkeit des Regierens gewähren höchstenfalls 216 Mann der Rechten. Auseigener Kraft Mit 232 Mann stände die Weimarer Koalition gegen die fönnte die Rechte eine solche Regierung nicht türzen, sie fonnte das nur mit Hilfe der 45 Rommunisten! der Rechten bereit wären, die siebente von ganz links zu Hilfe Es fäme also auf den Versuch an, ob die sechs Gruppen zu nehmen, um die Regierung zu stürzen und eine neue Krije zu eröffnen. Da der Koalition von Weimar zur Mehrheit nur 15 Stimmen fehlen, so wäre es notwendig, daß Nationalisten, Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Kommunist en fast bis auf den Wirtschaftspartei, Belfen, Bayerische, legten Mann zusammenstünden, um den Sturz der Regierung herbeizuführen. der Weimarer Koalition die erste deutsche Reichsregierung, die Räme es wirklich so weit, so wäre die neue Regierung in offener parlamentarischer Feldschlacht fiele. Bisher sind nämlich alle Krisen außerhalb der öffent lichen Reichstagsfizungen entstanden. Es ist wahrlich fein leichter Entschluß, angesichts der schwierigen Lage des Reichs, angesichts der Schäden und Gefahren, die jede Krise im Gefelge hat, eine Regierung in offener Sizung zu stürzen und tlar und deutlich für jedermann die Verantwortung für die Folgen zu übernehmen. Die Sozialdemokratie ist bisher dreimal in die Regierung gegangen: nach der militärischen Niederlage im Oktober 1918, nach dem Londoner Ultimatum 1921 und nach dem Zusammenbruch des Ruhrkriegs im August 1923. Sie hat sich nie in die Regierung gedrängt, sie hat nie ihre Hilfe versagt, wenn die Gefahr am größten war. Eine schwere Gefahr ist jetzt für das Reich durch die userlose Krise entstanden, die die Bolkspartei heraufbeschworen leiten, daß die Republik eine Regierung haben hat. Die Sozialdemokratie läßt sich von dem Grundgedanken muß und des sie keine monarchistische Minderheitsregierung haben darf. Plus diesem Grundgedanken ist ihr Beschluß hervorgegangen. Er weist einen Weg, der mit Aussicht auf Er gierung stehenden Parteien vor die Entscheidung, ob sie Arm, folg beschritten werden kann. Er stellt die außerhalb der Re in Arm mit den Kommunisten das Reich ins Chaos führen wollen. Durch diese ihre Haltung erscheint die Sozialdemokratie, partei der Republik. Sie erklärt sich bereit, den Staat die deutsche Arbeiterpartei, als die eigentliche Staatsnach Kräften vor neuen äußeren Bedrängnisfen zu bewahren und vor inneren Erschütterungen zu schützen. Sie hat damit Mögen sie einen besseren Rat geben, wenn sie ihn wissen, einen das Ihre getan, und das andere bleibt den anderen überlassen. besseren Weg zeigen wenn fie ihn fennen, die Sozialdemo fratie wird ihn prüfen! Die Sozialdemokratie will feine Krisen und sie will aus der Krise, die von anderen gemacht ist, heraus. Eine Bürgerblockregierung oder gar eine monarchistischDie Kölner Räumungsfrage. Erklärungen Lord Curzons im Oberhaus. Condon, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Auf eine Anfrage des Führers der Liberalen im Oberhaus gab Cord Cut30n im Namen der Regierung Erklärungen über die Räumung der Kölner Zone durch die britischen Truppen ab. Er äußerte u. a., daß die Bindungen für die Räumung des Rheinlandes durch den Versailler Vertrag festgelegt feien. Die Räumungsfrage könne nicht dern müßte mit den übrigen Alliierten besprochen werden. Die allein und unabhängig durch die britische Regierung behandelt, jonRäumung hänge davon ab, inwieweit Deutschland die Bestimmungen des Bersailler Bertrages erfüllt habe. Hinsichtlich der Reparationsfrage dürfe angenommen werden, daß nach der Annahme der Dawes Pläne die Frage etwaiger deutscher Berfehlungen nicht mehr erhoben werde. Ucber die Erfüllung der militärischen Bedingungen beständen noch Differenzen, aber es dürfe wohl angenommen werden, daß Deutschland diese Bedingungen ausreichend ausgeführt habe. Die Alliierten erwarteten vorläufig noch den Bericht der militärischen Kontrollfommiffion über die letzte Infpeffion in Deutschland. Es sei unmöglich, daß dieser Bericht vor dem 10. Januar erstattet werde. Die Verzögerungen seien darauf zurüdzuführen, daß der Kommiffion von deutscher Seite Schwierig. teiten gemacht worden sind. Nach Eingang des Berichts würden die Allierten feststellen, in welchem Umfang Deutschland die Vertragsbedingungen erfüllt hat und ob der erste Teil der Räumung ausgeführt werden könne. Curzon fügte hinzu, daß die englische Regierung nicht den leisesten Wunsch habe, die Befehung im Rheinland hinauszu zögern. Je früher die Räumung erfolgen könne, desto besser wäre es für ganz Europa. In einem Londoner WTB.- Bericht über Curzons Erklärung ist sogar von der„ beständigen und andauernden Obstruktion von seiten Deutschlands" die Rede. Dazu bemerkt WTB.: Die Behauptung Lord Curzons, daß die verspätete Borlegung des Berichts der JMKK. auf beständige und andauernde Obstruktion Deutschlands in den letzten zwei Jahren zurückjuführen sei, ist durchaus unverständlich. Allerdings sind die Kontrollbe= fu che während der Dauer der rechtswidrigen Besetzung des Ruhr fuche gebiets durch die dadurch geschaffene Lage eingestellt morden. Aber sowohl vor der Ruhrbefeßung wie nach Aufgabe des paffiven Widerstandes sind der Kontrolltätigkeit der Allierten in Deutsch land feitens der deutschen amtlichen Stellen feinerlei Hinder nisse in den Weg gelegt worden. Als Beweis dafür fann angeführt werden, daß die JMAR. seit Beginn der Generalinspektion über 1; 7; 0; 0 ontrollbesuche, abgesehen von einem belanglofen 3wischenfall, reibungslos hat durchführen können. Deutschlands durchgeführt ist. Wenn belanglofe Kleinigkeiten Es tann fein Zweifel darüber bestehen, daß die Abrüstung zum Vorwand genommen werden würden, um eine Hinausfchiebung der Räumung der Kölner Zone zu begründen, so wäre das ein Beweis dafür, daß auf alliierter Seite Kräfte vorhanden sind, die die Militärkontrolle zu politischen Zielen mißbrauchen wollen. Die Militärkontrolle. Bis jetzt nur ein Teilbericht Generals Walch fertig. Paris, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Von einigen in Paris erscheinenden erscheinenden englisch- amerikanischen Sensationsblättern werden seit einiger Zeit systematische Falschmeldungen über den angeblich von der Interalliierten Militärtommiffion in Berlin über die feit Ende September im Gange befindliche Schlußinfpettion verbreitet. So hat am Donnerstagmorgen wieder die " Chicago Tribune" die Meldung verbreitet, die Botschafter. fonferenz sei auf Grund der Mitteilungen der Kontrollkommis fion zur Ueberzeugung gelangt, daß sie die ihr obliegenden Ver. pflichtungen nicht erfüllt habe und infolgedessen von der Näumung der Kölner Zone bis zum 10. Januar feine Rede sein könne. Diese Darstellung ist von Anfang bis zu Ende er= funden, und die Botschafterkonferenz selbst stellt am Donnerstag in einm offiziösen kommuniqué feft, daß sie zwar während der letzten Monate wie üblich alle 14 Tage einen Bericht über die von der Kontrollkommission durchgeführten Einzeloperationen erhalten habe, aber bisher nicht im Besiz irgendeines zufammenfassenden Gutachtens sei und infolgedessen verläufig weder zu einem Urteil über den Stand der deutschen Ab. rüstung noch zu einem Beschluß über die Räumung der Kölner Zone Gelegenheit gehabt habe. Die Verkürzung der Militärdienstzeit. Paris, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Gelegentlich der Beratung des Heeresetats war von dem Kriegsminister Nollet die Erklärung abgegeben morden, daß die geplante Verkürzung der Militärdienstzeit auf ein Jahr erst nach Bollendung der von ihm in Angriff genommenen Heeresreform erfolgen tönre. Um die Regierung darauf festzulegen. beschloß am Donnerstag die fozia. liftische Sammerfraktion, die Stredite für die Einberufung der Jahresklasse 1925 nur für die Dauer eines Jahres zu bewilligen. Die Fraktion nahm weiterhin einen Bericht des Genoffen Zeres telli über die Lage in Georgien entgegen, nationalistisch- putschistische Minderheitsregierung führt nicht aus der Krife heraus, sondern nur noch tiefer in sie hinein und über sie zur Katastrophe. * Die Besprechungen des Reichskanzlers Marx. Reichskanzler Mary hat im Laufe des geftrigen Tages mit den Parteiführern die fich bietenden Möglichkeiten einer Regierungsbildung befprochen. Die Berhandlungen haben zu feinem positiven Ergebnis geführt, da sämtliche Fraktionen auf den von ihnen gefaßten Beschlüssen bestanden haben. Der Reichskanzler wird hem Reichspräsidenten über das Ergebnis feiner Bemühungen heute vormittag Bericht erstatten. Im Verlauf her gestrigen Besprechungen erklärten auch die Demokraten, daß nach der Weigerung der Boltspartei, die Koalition der Mitte fortzusetzen, nur noch die Roalition von Weimar möglich sei. Der Reichstagspräsident. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschloß eintimmig, als stärkste Frattion Anspruch auf den Reichstagspräsidenten zu erheben und dafür wieder den Genossen Löbe in Vorschlag zu bringen. beauftragt. Der bisherige Fraktionsvorstand, wurde bis zur Neuwahl, die im Januar erfolgen foll, mit der Fortführung der Geschäfte Zu Beginn der Sigung sprach der Fraktionsvorsitzende, Genosse Müller, dem Genossen Bod zu seinem 40jährigen Jubiläum als Abgeordneter die herzlichsten Glückwünsche der Fraktion aus. Fraktionsbeschlüsse und Kombinationen. Die Stellung der kleinen Fraktionen. Die kleinen Fraktionen, denen die Eigenart der parlamentarischen Konstellation eine über ihre zahlenmäßige Stärke hinausgehende Bedeutung gegeben hat, geben ihre Stellung zur Regierungsfrage befannt. Die Bayerische Boltspartei faßte in ihrer Fraktionssigung einstimmig folgenden Beschluß: Nach diesen Beschlüffen hält die Deutsche Allge. meine Zeitung" den Versuch der Bildung einer Regie rung der Linken für das wahrscheinlichste: Warum soll also Herr Marg nicht eine Kabinettsbil. dung nach links ohne die Deutsche Volkspartei versuchen? Sollte aber auch diese Möglichkeit, die sich aus der Entschließung des Zentrums ergibt, scheitern, so wird wohl der Reichspräsident die Sozialdemokratie als die stärtste Partei mit der Regierungsbildung zu beauftragen haben." Sie gibt die Hoffnungen, daß das Zentrum noch für den Bürgerblock zu gewinnen wäre, auf: „ Der Beschluß des Zentrums verbaut den Weg nach rechts auf absehbare Zeit fast vollkommen, er fabotiert jede Möglid, teit einer staatsbürgerlichen Regierung im Sinne des Wahlergebnisses." Anders der, a g". Er hält bis zuletzt an der Hoffnung feft, daß das Zentrum doch noch umfallen fönne: Man hält es in parlamentarischen Kreisen nicht für ausge schlossen, daß zum mindesten die Mitglieder des Bor. ftandes der 3entrumsfrattion, trog des geftrigen ab. lehnenden Beschlusses, in Verhandlung über die Bil ung einer Rechtstoalition eintreten, um zunächst Deutschen Volkspartei fennenzulernen." einmal den Standpunkt der Deutschnationalen Boltspartei und der Die Germania" indessen lehnt es mit aller Entschiedenheit ab, um der Interessen der Schwerindustrie willen den Bürgerblod zu bilden. Sie wirft der eit vor, daß fie nach der Methode altet den Die b" argumentiere, wenn sie dem Zentrum die Schuld an der Krise zuschiebe, und schreibt weiter: NO Es find weniger Gründe fachlich- politischer, sondern durch aus folche intereffen politischer Art, welche die Beit und ihre Gesinnungsfreunde die Rechtstoalition als das non plus ultra an sehen lassen. Wenn die Deutsche Boltspartei fidh befehren follte, würde sie sich zu einer fachlichen und nationalen, die Bolks gemeinschaft fordernden Realpolitit zurückfinden, die Zen. trumspartei aber tann nicht anders handeln, wenn fie nicht ihrem innersten Lebensgefeß zuwiderhandeln will. Wir sind mit der Wiederherstellung der bisherigen Roa. lition einverstanden und zweifeln nicht an ihrer Lebens fähigkeit, wenn die Deutsche Volkspartei es fürderhin ablehnt, sich von den Deutschnationalen und einseitigen, falsch ver. ftandenen Wirtschaftsinteressen ihre innenpolitischen Bicle porschreiben zu lassen." 1. Aus innen und außenpolitischen Gründen erachtet die Reichstagsfraktion der Bayerischen Bolkspartei die umgehende Bil bung einer arbeitsfähigen Reichsregierung für brin- Die Kombinationen des Tag" find bei solcher Schärfe gend geboten. Jede Verzögerung der Regierungsbildung schädigt der Ablehnung nicht anders zu werten denn als ein Versuch, die Interessen des deutschen Boites. 2. Getreu ihrer bisherigen in die Zentrumsfraktion Verwirrung hineinzutragen. Haltung und im Hinblid auf das Ergebnis der jüngsten Wahlen erachtet die Frattion die Bilbung einer bürgerlichen Mehrheitsregierung für das einzig Begebene und wird eine solche Regierung unterstützen." Der Beschluß läßt die Frage offen, ob die Bayerische Boltspartei im Reichstag eine andere Regierung, etwa eine Minderheitsregierung der Mitte, zu Fall bringen würde.. Die Wirtschaftspartei beschloß: Die Wirtschaftspartel wird eine Regierung, in der die So. statbemokratie bertreten ist, grundsäßlich nicht unterstüßen. Sie wird eine bürgerliche Regierung unterstügen. nenn die Stimmen der Wirtschaftspartei dazu notwendig sind. Im übrigen wird die Partei ihre Stellungnahme einer bürgerlichen Regierung gegenüber von deren Berhalben zu den Forderungen des Mittelstandes abhängig machen." In einer Besprechung des Abgeordneten Bredt mit dem Reichskanzler erläuterte der Abgeordnete Bredt diesen Beschluß. Die Möglichkeit der Unterstützung einer Minderheits regierung der Mitte durch die Wirtschaftspartei ist damit gegeben. Die Boltspartei läßt durch die Telegraphen- Union eine wahrscheinlich von Stresemann ausgehende Erflärung verbreiten, daß die Deutsche Volkspartei weder an der großen Koalition, noch an einer Minderheits regierung teilnehmen werde. Talmi- Heilkunde. Der Unsinn der„ Augendiagnose". Der Zorn der Rechtspresse. Trommelfeuer auf das Zentrum. Es geht den Deutschnationalen mit den heiß ersehnten Ministersesseln, wie es unser Hauszeichner am vergangenen Sonntag treffend und wißig im Bilde festgehalten hat: heute noch feine Verteilung von Bortefeuilles- wiedernischt." Darob großer Zorn der Enttäuschten. Ihr Groll richtet sich jegt gegen das Zentrum. Die Rechtspresse überschlägt fich geradezu in ihren Angriffen und Beschimpfungen gegen die Bartei, die es gewagt hat, ihnen nicht als Fußschemel zur Erklimmung der Höhe zu dienen, wo die Ministerfeffel stehen. Boran die Kreuz 3eitung". In ihren Ausführun gen hagelt es von moralischer Entrüstung über die Unbelehrbarkeit“ und„ Unaufrichtigkeit" des Zentrums. Jezt, wo die Felle davonschwimmen, will sie gar nichts von einer Rechtstoalition gesagt haben: Bon einer Rechtstoalition ist zwar auch in den letzten Tagen die Rede gewesen, aber nicht in erster Linie, denn das Zentrum wird doch nicht behauten wollen, daß die staats. bürgerliche Regierung, die gebildet werden follte, und zu der sogar die Demofraten zugezogen werden soll. ten, eine Rechtstoalition gewesen wäre." erfrontungen mit Sicherheit auf ganz bestimmte Organerkrankungen im Rörper zu schließen. Alles um Minifterfige! Sogar mit den Demofraten will die Kreuz- Zeitung" zusammengehen mit denselben Demokraten, die sie eben erst beschimpft hat wie feine andere Partei von ihr beschimpft wurde. Wenn es um Ministersize geht, ist ihnen im letzten Augenblid alles feil sogar der ganze Antisemitismus. Ueber den aufgelegten Schwindel, den reaktionären Bürgerblod mit der verlogenen Flagge der ftaatsbürgerlichen Regierung" drapieren zu wollen, ist fein Wort zu verlieren. " Die Taktik der Rechtspresse ist, dem Zentrum mit Uneinigkeit im eigenen Lager zu drohen. Die KreuzBeitung" versucht eine Differenz zwischen der jetzigen Haltung des Zentrums und seiner tonfeffionellen Grundlage zu tonftruieren: „ Die Anhänger des Zentrums glauben auch immer noch, daß der Hauptzmed der Politik der Partei auf tulturpolitischem Gebiete fiegt und betrachten die Wandlung, die sich zu Erzberger und Wirth vollzogen hat, lediglich unter dem Gesichtspunkt einer verönderten Taftit unter veränderten politischen Verhältnissen, ohne babei zu merfen, wie fulturpolitische Interessen um machtpolitischer Augenblickserfolge willen mehr und mehr preisgegeben werden.... Die Anschauungsgegensätze zur Sozialdemokratie und die Anschauungsgemeinſamfeiten zumal zur Deutschnationalen Boltspartei werden verschwiegen, um ja maht den Gedanken aufkommen zu laffen, daß das Zentrum feit Erzberger einen Weg gegangen iſt, der es von sich selbst abgeführt und der atheistischen Revo. lution, um uns der Ausdrucksweise, die in diesem Falle allein bennzeichnend ist, zu bedienen, in die Arme getrieben hat." Die Absicht ist zu deutlich! Die Deutsche Tageszeitung" droht dem Zentrum mit den ihm naheftehenden Bauernvereinen des Westens, die mit allem Nachdruck eine deutschnationale Bertretung in der Regierung verlangten. Den Gipfel der Unanständigkeit in dieser Kampagne gegen das Zentrum erklimmt der Lokal- Anzeiger": „ Es zeigt sich, daß durch das Zusammenspiel mit diesmal anders verteilten Rollen zwischen dem Reichspräsidenten bert und dem bisherigen Reichstanzler und lintseingestellten Sentrumsführer Marg durchaus das erreicht worden ist. wenigstens vorläufig, mas sich Frankreich einstimmig von den deutschen Reichstagswahlen gewünscht hat: Die Verteilung einer Regierung, von der eine energischere Bertretung der nationalen Belonge Deutschlands zu besorgen wäre." Die Gorge des Zentrums um die Erhaltung des bisherigen außenpolitischen Kurses verdächtigt er furzerhand als erheuchelt: „ Die Außenpolitik ist lediglich die Kulisse, hinter der die Zentrumsnöte und Zentrumsformen versteckt werden sollen. Diefe Ruliffe ist schlecht, weil sie durchsichtig ist." Das ist die alte schmutzige Methode, die die nationale Gesinnung eines jeden verdächtigt, der unter, nationaler Ge= finnung" nicht reaktionäre Gesinnung und konservativen Rastengeist versteht. Und doch wird die Schmuhigkeit dieser Kampfweise noch übertrumpft vom Tag". Der läßt alle Masken fallen und droht offen mit dem Staatsstreich, wenn das Zentrum den Deutschnationalen nicht doch noch zu Willen ist: " Was aber nicht zu ertragen wäre, das wäre ein derartig plötzlicher Banterott atfer politijden Moral in deutschen Landen. Die einfache Foge müßte fein, daß sich die Volts ftimmung auf außerparlamentarischem Wege macht fanäle fucht, die das Strombett der bis herigen politischen Organisation in Deutschlan fofort zerschneiden würden. Es tame eine ap tische Uebergangszeit, die einen Bürgerfriegs Charakter tragen würde. Für alle derartigen Folgen müßte jetzt nach Ausfdjaftung der Demofraten das Zentrum verant wortlich gemacht werden." Das ist deutlich! Her mit den Ministerfiken oder Bürgerfrieg, Neuauflage des Kapp- Butsches. Das ist aber auch entscheidend. Der Tag" war zu offenherzig. Eine Partei, die mit dem Staatsstreich droht, wenn Bon diesem Treiben hinter den Kulissen der Weihnachtsbühne plaudert der erfahrene Fachmann Prof. Adolf Winds in der Leipsiger Illustrierten Zeitung": Da wird die Kinderschar einererziert, die als Zwerge, Elfen und Hampelmänner die Bühne beschreiten. Es bedarf dabei großer Geduld, da das kleine Volf übermütig ist und schwer im Baum gehalten werden kann, wenn es auch von der Wichtigkeit seiner Aufgabe durchbrungen ist. Mädels find anftelliger als Buben; aber ob Mädel oder Bub: ist nur der kleine Schau: spieler erst im Fahrwasser, so stellt er, je nachdem, feinen Mann oder Hampelmann. Der Weihnachtsmann fann sich auf ihn of besser verlassen, als auf seine großen Schauspieler, braucht aber für feine Arbeit viele Gehilfen. Da studiert ein Kapellmeister die Ge In ihrem Element aber ist die Frau Ballettmeisterin inmitten ihrer Ratten. Das sind die Ballettelevinnen, die frühzeitig, noch im Rindesalter, für den Beruf ausgebildet werden. Hoch oben auf der Leiter fizzt der Maler und streicht den Vollmond an, der Theater. meister zimmert das Häuschen der Knusperhere. Am angenehmsten ist den Kindern der Kostümschneider, der die kleinen Schauspieler in die bunten Gewänder stedt mit besonderer Freude läßt man fich Tierföpfe aufftülpen oder sich in eine Katzenhaut einnähen, dann geht es, hopsassal, auf allen Vieren. Die Kunst des Friseurs hat freilich nichts dabei zu tun, laffen sich doch die Kleinen so gera schminken, eine Wonne, die sich noch steigert, friegt man einen mächtinen Bart ins Gesicht geklebt! Arg geplaat ist der Regisseur, der Weihnachtsmann in Berson, der seinen fleinen Schauspielern Gang und Haltung beibringt, im Schweiße seines Kulissenstaubes ihnen die Rolle Satz für Sah, Silbe für Silbe immer wieder vorspricht. Nur die Souffleuse im Kasten macht ein vergnügtes Gesicht. Sie weiß, den Kleinen da oben braucht sie nicht zu helfen. Sie bleiben nicht stecken, auch extemporieren sie nicht wie ihre großen Kollegen, die das besonders gern im Weihnachtsmärchen tun. Auch tritifieren die kleinen Schauspieler nicht das Stück und schimpfen nicht über ihre Rollen. Bielmehr sind sie glücklich über jedes G lein, das sie zu sprechen haben... Nun weiß schon jeder Baie, daß es von angeborenen, meist erb- fänge ein; manch fleinem Lümmel ist der Taft schwer beizubringen. lichen Eigenschaften abhängt, ob sich wenig oder viel Bigment bildet; haben die Eltern und Großeltern blaue Augen, so wird sie meistens das Kind auch bekommen. Das geht gewöhnlich hand in hand mit der Pigmentbildung in den Haaren und in der Haut. Ein flachs haariges Kind wird nur selten dunkelbraune Augen haben. Das Bigment in der Iris ift nicht regelmäßig zerstreut, an dem Bupillen rond liegt meist mehr, als in der Peripherie, und oft bildet das Pigment Flede und ecige, strahlige Figuren: das hängt ab von dem Verlauf der Blutgefäße, zwischen deren Verlauf es die Felder ausfüllt. Alles dies ist genau erforscht und festgestellt. Die Iris sieht, wenn man genau beobachtet, bei jedem Menschen anders aus. Man könnte sie zum Erkennungsdienst, dem BertillotDa geistige Aufstieg der Menschheit vollzieht sich nicht auf einer fchen System, verwenden, menn sich die Zeichnung leicht darstellen, stetig ansteigenden Linie. Der Fortschritt ist vielmehr durch Perioden abdrücken oder photographieren ließe. Dies liegt zunächst an einem yon Höhen und Niederungen gekennzeichnet. Auf Zeiten des Fort- unendlich feinen, nur mit dem Mitroftop erkennbaren und fast im schritts folgen folche des Niederganges. Die Gegenwart, die einem Gewebe abgelagerten braunen Bigmentstoub. Ist dieses Bigment reichen Kapital wissenschaftlicher Entdeckungen noch manche wertvolle i fpärlich, so schimmert das Gemete mehr oder weniger durch, die Iris Erkenntnis hinzufügt, ist zugleich eine Blütezeit der Unwissenschaft.| erscheint blau; ist das Pigment reichlich, so ist die Iris braun; das lichkeit. Aftrologen, Theosophen, Oftultisten und Geheimnisträmer, wischen gibt es alle denkbaren Uebergänge. preisen auf allen Gebieten ihre zweifelhaften Künste an, und es ge lingt ihnen nur zu leicht, immer wieder eine gläubige Gemeinde um sich zu versammeln. Auch auf dem Gebiet der Heilkunde macht sich diefes Unwesen breit und verfucht, die eratte ärztliche Wissenschaft durch ein Surrogat von Halbbildung und sogenann.er Roturertennt nis zu verbrängen. So will die sogenannte Augendiagnose in ver. blüffend einfachem Verfahren, angesichts dessen mcn fich eigentlich fragen muß, wozu dann ein medizinisches Studium überhaupt noch nötig sein soll, von der Beschaffenheit der Iris den Zustand des Körpers ablesen und die Diagnose für alle möglichen Krankheiten stellen. Mit dieser Lehre", die bereits in einer ziemlich fta.tlichen Literatur" niedergelegt ist, beschäftigt sich in danfenswerter Schärfe Brofessor Dr. Greeff, der bekannte Berliner Augenarzt, in der letzten Nummer der Deutschen Optischen Wochenschrift", indem er das Truggebilde der Augendiagnose unter Hinweis auf die von der Wissen fchaft gemachten Erfahrungen gründlich zerstört. " Solange es eine wissenschaftliche Augenheilkunde gibt," so fchreibt Prof. Dr. Greeff, hat man die Beobachtung gemacht, daß Augenleiden vielfach nut Erscheinungen von allgemeinen Körperleiden find, die fich frühzeitig am Auge zeigen. Das ist schon an den außen fich baren Teilen des Auges der Fall, auch an der Regenbogenhaut, ber Iris. Die Entzündung der Iris ift fast immer abhängig von Erfrantungen am Körper, die auf dem Weg der Blutbahn dem Auge zugeleitet werden, so der Syphilis, der Tuberkulose, des Gelent. rheumatismus usw. Genauer haben wir aber den Zusammenhang vom Auge mit Allgemein leiden kennengelernt, nachdem uns Heim. holz gelehrt hat, in das Innere des Auges zu schauen. Hier ist die einzige Stelle im Körper, wo man direft die Blutmasse und die Blutgefäße sehen und ihre frühesten Veränderungen erkennen kann, und hier ist auch die einzige Stelle, on der man die lebenden Nerven fasern beobachtet, die mit Gehirn und Rüdenmart zusammenhängen. Den Beweis aber, daß man aus den Augen so oft auf Erkrankungen anderer Teile des Körpers schließen tann, brachte neben den ver * gleichenden flinischen Untersuchungen des inneren Mediziners und des Nervenarztes vor allem die pathologische Anatomie; die Er forschung der Organe nach dem Tode. In mühseliger Arbeit, nach Millionen von Fällen, haben alle kultivierten Nationen dazu bei getragen, daß man heute ein System hat, daß erlaubt, aus Augen Ferner ist die Oberfläche der Iris nicht glatt, sondern es finden sich zahllose, vorspringende Leisten, zwischen denen tiefe Einziehungen, Krypten. oder Löcher liegen. Diese führen in ein Lymphgefäßfyftem der Iris hinein. Das Irisgewebe ist wie ein Schwamm, der sich bei den immerfort erfolgenden Bewegungen der Iris bald aufsaugt, bald cuspreßt. Auch diese angeborenen Vertiefungen( das" Relief") find tei jedem Menschen anders. Wollte man durch Waschschwämme feine Durchschnitte machen, so würde auch bei jedem Schwamm das Lochsystem ein anderes Bild geben. Die Lehre, die sich heute„ Augen diagnose" nennt, sieht sich nun diese Pigmentbildungen, Einziehun gen und Erhabenheiten der Iris an, und will daraus alle Erfron fungen des Körpers ohne weitere Untersuchung erfennen fönnen. Die Frage, ob denn nun wirklich gar nichts an der sogenannten Augendiagnose" dran sei, ist mit einem glatten Ja zu beantworten. Es ist nicht ein Körnchen von Wahrheit darin, nicht ein Fünfchen von richtiger Beobachtung. Die Augendiagnose ist reiner Unfinn, geübt von Personen, die weder von Augen noch von Rörperleiden eine Ahnung haben. Hinter den Kulissen der Weihnachtsbühne. Die Weihnachtsaufführungen bilden eine besondere Freude der Jugend in diesen dem Kinderglück geweihten Tagen. Und wenn sie da fizzen und mit glühenden Augen und roten Baden die Bilder der bekannten Märchen so lebendig an sich vorüberziehen fehen, dann glauben sie, daß das Wunder Wirklichkeit wird. Sie ahnen aber nicht, wie schwer es ist, dies Märchenwunder auf der Bühne zu verwirklichen und welche Arbeit der Regisseur vorher zu ver. richten hat. Ameisen mit Bärten. Die Ameisen sind neben den Bienen wohl diejenigen Insekten, die die Aufmerksamkeit der Menschheit am meisten gefeffelt haben. Zahllose Gelehrte haben sich mit diesen fleißigen Lierchen, ihren Staaten und ihrer eigenartigen Gesellschaftsordnung beschäftigt und flassische Werke verfaßt, ohne den Stoff zu erschöpfen. Die Dichter haben in Fabel und Märchen die Ameisen bald lehr. haft, bald phantastisch als Muster und Ideal aufgestellt. Nun kommt ein Schriftsteller, der diesen ebenso fesselnden wie unübersehbaren Stoff neu zu gestalten sucht. In seinem Wert Ameisen", das foeben bei Georg Miller in München erscheint, offenbart sich hans heing Ewers als Naturforscher und Gesellschaftsfritifer, indem er die weite Welt dieser wundersamen Insektenfamilie fenntnisreich durchstreift und in allerlei ironisch erzählten Zwischenspielen" dan Menschen aus der Ameisenperspektive betrachtet. Unter den vielen Merkwürdigkeiten, die die Welt der Ameisen darbietet, macht er auch auf Ameisen mit Bärten, auf die sogenannten Bartjungfrauen, auf. merffam. Es ist auffallend," schreibt er, daß den jüdischen, christlichen, arabischen Propheten ein äußerliches Merkmal entging, das für die am Rande der Wüste haufenden Ameisen ebenso bezeichnend ist, wie für diese Propheten selber. Beim Barte des Propheten" fie teine Ministersize erhält, ist unmöglich bündnis 1 fähig für eine verfassungstreue Partei. Diese Aeußerung des, a g" zeigt flarer als alles andere, warum die Deutschnationalen den Bürgerblod wollen. Bürgerblock ist der Butsch auf trodenem Wege. Gelingt er nicht, so droht man mit dem Staatsstreich. Der Zorn der Rechtspresse richtet sich gegen sie selber. Ihre schmutzige, von niedriger Gesinnung zeugende Kampfesweise, ihre offenen Drohungen mit dem Staatsstreich sind die besten Argumente gegen den Bürgerblock. Ein Schuhwall der Kronzeugen. Die Lüge über alles! Das Urteil im Leipziger Prozeß. Zuchthausstrafen für die Mecklenburger Kommunisten Leipzig, 18 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Staats. gerichtshef zum Schuße der Republik fällte am Donnerstag abend in dem Prozeß gegen die Angehörigen der fommunistischen Putschorganisation in Mecklenburg auf Grund des§7 des Republitschutzgesetzes und der§§ 6 und 7 des Sprengstoffgesthes folgendes Urteil: Böhme 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und 100 m. Geldstrafe( 1 Jahr und 100 m. werden auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet). Schimmel 3 Jahre Zuchthaus rand 100 M. Geldstrafe( 5 Monate und 100 M. werden angerechnet), und 100 m. werden angerechnet), Jank 2 Jahre Zuchthaus und 100 M. Geldstrafe( 8 Monate und die Geldstrafe werden angerechnet), Bethke regen Beihilfe zum Hochperrat 1 Jahr 6 Mo nate Gefängnis und 50 M. Geldstrafe( 9 Monate und 50 M. werden angerechnet) und Jäger 1 Jahr 6 Monate 3uchthaus und 100 m. Geldstrafe( 3 Monate und die Geldstrafe werden ange. rechnet). Endgültiges Ergebnis der Reichstagswahl. laffe. Uebrigens fagten die Vorstrafen nichts gegen die Glaub- Mundt 3 Jahre Zuchthaus und 100 m. Geldstrafe( 8 Mowate Keine wesentliche Verschiebung. Das endgültige amtliche Ergebnis der Reichstagswahl steht nunmehr fest. Es haben erhalten: Broz. d. Gesamtstimmen 26 20,5 Sozialdemokratische Partei Deutschnationale Boltspartei Zentrum Deutsche Volkspartei Kommunistische Partei Deutschdemokratische Partei B Stimmen 7 880 058 · 6 205 331 4 118 190 • 13,6 3 048 138 10,1 0 2 708 176 1917 485 Bayerische Volkspartei 1 132 063 3,7 Wirtschaftspartei 1 005 746 Nationalsozialistische Fretheitspartei. 908 087 Landbund 498 934 1,7 Deutsch- Hannoveraner 262 820 0,9 Deutschsoziale Partei und Reichsbund für Aufwertung 159 120 99 126 116 036 223 678 0,5 0,3 0,4 0,7 Unabhängige Sozialdemokr. Partei. Aufwertungsparteien Zersplittert: 653328 3335 Insgesamt wurden 30 682 984 Stimmen abgegeben, davon waren 30 282 997 gültig. An der Verteilung der Man date auf die Frattionen ändert sich nichts gegenüber dem vorläufigen Ergebnis. Endgültige Zusammensetzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Nach der endgültigen Feststellung des Wahlergebnisses ist eine fleine Berschiebung in der Zusammensetzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eingetreten. Durch Reſtſtimmen aus den Wahlkreifen Südhannover Braunschweig und Hannover- Ost entfällt ein Mandat auf den Wahlkreis Weser- Ems. Dies Mandat fällt auf den Genossen helling Osnabrüd. Wie zu erwarten stand, sind unsere ersten Mitteilungen über die moralischen Qualitäten des Kronzeugen Gobert der Rechtspresse arg auf die Nerven gefallen. Da wir im Morgenblatt nur von den Vorstrafen des sauberen Burschen berichteten, die Einzelheiten über seine Betrügereien aber erst im Abendblatt geben konnten, so spielt die deutschnationale Presse Entrüstung. Sie versichert uns, daß die Sozialdemotratie doch sonst immer gegen die Verlesung von Vorstrafen gewesen sei und daß sie diesmal ihre eigene Tradition verwürdigkeit Goberts, da auch zahlreiche der in Amt und Würden befindlichen Sozialdemokraten das Gefängnis geziert" haben, wie die Deutsche Tageszeitung" sich ausEs gehört schon die ganze Berbohrtheit deutschnationaler Berleumdungssucht dazu, die politischen Gefängnisstrafen, die wilhelminische Gerichte sozialdemokratischen Redakteuren als Ehrenzeichen anhefteten, auch nur einen Augenblick lang auf die gleiche moralische Stufe zu stellen wie die gegen einen notorischen Betrüger, Hehler und Dieb! Wir find nicht einmal in der Lage, zu vermuten, daß man in der ,, Deutschen Tageszeitung" oder im Lokal- Anzeiger" wegen des Versuchs solcher Gleichstellung nachträglich Scham empfindet, nachdem dort das wirkliche Charakterbild Goberts befanntgeworden ist. drückt. * Leipzig, 18 Dezember.( Eca.) Das Verfahren gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Beigner wegen Landesverrats ist vom Reichsgericht eingestellt worden. Deutschland und der Völkerbund. Die Reichsregierung verlangt we tere Aufschlüsse. Das Festhalten der Rechtspresse selbst an den unmög lichsten Zeugen beweist eindringlicher als alles andere, wie WIB. meldet: Die im Völkerbundrat vertretenen Regierungen, sehr der Verleumdungsfeldzug gegen den Reichs- denen seinerzeit das deutsche Memorandum über den Eintritt präsidenten zur deutschnationalen Parteisache geworden Deutschlands in den Bölferbund mitgeteilt worden war, haben ist. Wäre das nicht der Fall, und fäme es nur auf die objek darauf nunmehr amtlich geantwortet. Da diese Antworten für tive Feststellung politischer Tatsachen an, welchen Grund einen der wichtigsten Punkte des Memorandums, nämlich für die hätte die deutschnationale Bresse, sich mit solchem Eifer für Frage der Beteiligung Deutschlands an triegerischen Leute einzusetzen, die im besten Falle nur patho- 3wangsmaßnahmen des Völferbundes, noch keinerlei logische Lügner sein könnten, höchstwahrscheinlich aber klärung brachten, hat die Reichsregierung weitere AufLügner im Vollbefiz ihres Willens find, auf jeden Fall sich als schlüsse über diesen Punft verlangt. Zu diesem Zwed bat fie Lügner erwiesen? das Problem in einer Note an den Völkerbund klarge egt, die zugleich den Regierungen der Ratsmächte mitgeteilt wird. Das Memorandum und die Note werden demnächst veröffentlicht werden. Es gibt eine fonservative Tradition die heute von den Deutschnationalen weifer fultiviert wird nämlich vor feinem Fälscherftüd zurüdzuschreden, menn es nur den engsten Parteiinteressen dient. Bismard hat darüber grimme Morte gesprochen, als die Kreuz- Zeitungs"-Partei ihn am Kragen hatte. Es lohnt sich, zu erinnern an das Musterbeispiel dieser deutschnational- fonservativen FälscherDer Faschismus ohne Maske. Der Maffenmord fein Programm. Rom, 18. Dezember.( Eca.) Das Exekutivlomitee des fafchitradition, als die Kreuz- Zeitung" mit gefälschten frischen Direktoriums hat an alle seine Organisationen einen PropaBriefen im Jahre 1849 gegen den fortschrittlichen DemoBriefen im Jahre 1849 gegen den fortschrittlichen Demofraten Walded operiert hatte, um ihn als„ Hochverräter" gandaplan verschickt, der folgende Punkte umfaßt: Disziplinie. ins Zuchthaus zu bringen. Der Kreuz- Zeitungs"-Redakteur rung und Ueberwachung eller Organisationen und Institute, die Ferner ergeben die Reststimmen aus Breslau und Liegnitz ein Gödsche bediente sich eines obskuren Handlungsgehilfen" Disziplinierung und Steigerung der produktion; ein internationales oder humanitäres(!) 3iel verfolgen; fozialdemokratisches Mandat für Oberschlesien, dort ist Gen. Ohm, der ihm die notwendigen Schriftstücke besorgen mußte, notwendigkeit, die Abgeordnetentammer als einzige Quelle und ließ gleichzeitig durch den Polizeigewaltigen Hinfelden, einen Vorgänger des Herrn Henninger, dem Ohm zusichern, daß ihm nichts passieren würde! Als dann in dem Hochverratsprozeß gegen Waldeck der ganze Schwindel 75 Fahren!- der Staatsanwalt die historisch gewordenen Stelling, Mitglied des Parteivorstandes, gewählt. Diese Reſtſtimmen werden von der Reichsliste abgesetzt. Es entfallen daher die beiden letzten Kandidaten, die bisher als auf der Reichsliste gewählt bez ichnet wurden, die Genossen Scheffel und Lohmann. An ihrer Stelle treten Helling und Stelling in den Reichstag ein. Mehr Mandate für Potsdam I. Durch die Verbindung der Wahlkreisvorschläge find im Wahl freife 4 Potsdam I für den Reichstag den Demokraten( Oberorchy prat Dr. Bergsträßer) und der Wirtschaftspartei des Mittelfandes( Obermeister Frarz Holzommer) ein Mandat zugefallen. Die Kommunisten( Dreher Baul Schlech.- Baumschulenweg) erhielten hier ein zweites Mandat. Für den Landtag fiel den Sozialdemokraten hierdurch ein fiebentes Mandat( Gewerkschaftssetretär Szillat Rothe now) und der Deutschen Volkspartei ein zweites Mandat( Echriftsteller Dr. Wilhelm Spieternagel- Nikolassee) zu. schwören heute noch die frommen Muselmanen wenn die Ernte. ame fen die Gewohnheit des Schwörens hätten möchten sie wohl dies felbe Formel gebrauchen. Denn sie haben- richtige Bärte. Dem Mann ist der Bart vielleicht eine schöne Zierde von irgendeinem Nuken ist er ihm sicherlich nicht. Anders bei den Wüstentöchtern vom Ameisenstamme: ihr Borstenbart ist ihnen von ganz entschiedenem Borteil. Von ihren Erntezügen heimkehrend, find die Arbeiterinnen bedeckt mit Sand und Staub; ihre Sorge ist also fich selbst und die Gefährtinnen zu reinigen. Sie tun das mit der Bürste, die sie an den Borderbeinen haben; aber nun läßt es sich nicht vermaiden, daß schließlich die Bürste selbst sich voll Schmutz und Staub setzt und ihrerseits einer Reinigung bedarf. Sie ziehen diese dann ganz ähnlich wie wir unsere Kämme reinigen durch den Bart. Damit ist aber die Nüglichkeit dieses borstigen Bartes nicht erschöpft. Die Städte der Ernteameifen find in Sand gebaut, jedes einzelne Körnchen Sandes muß also aus der Erde herausgeschafft werden. Mit dem Munde fönnten sie nur weige Körnchen tragen- ein Sad, in den sie gleich eine Menge Sandes werfen fönnten, würde ihnen also treffliche Dienste leisten. Nun, zu solchem Sad dienen die Borsten ihres Bartes." Der Siegeszug des Esperanto. Die Esperanto- Weltsprache macht in der jüngsten Vergangenheit Fortschritte und gewinnt immer mehr Anhänger. In Paris kann man jetzt fogar in katholischen Gotteshäusern Predigten und Kirchengefänge in Esperanto hören. Dieser Tage hat der Pfarrer von Saint Jean de Montmartre in seiner Pfarrkirche einen Esperanto- Gottesdienst abgehalten. Im Chor war eine große grüne Fahne, das Symbol der katholischen esperan fiftifchen Liga, aufgerichtet worden, und mehrere hundert Esperantoanhänger aus den verschiedensten Ländern waren herbeigeeilt, um der Predigt zu lauschen. Die Gebete und Gefänge wurden ebenfalls in der flangvollen Weltsprache des Dr. Zamenhof gesprochen und gefungen. Die Stadt Sèvres verbietet das Bogen. Dem Beispiel Rußlands, das die öffentlichen Bottämpfe als degradierend" verboten hat, ist, nunmehr auch der Gemeinderat der französischen Stadt Sèvres gea folgt. In einem Erlaß betont der Magiftrat, daß die Bortämpfe der Brutalität Borschub leisteten und daß sie den Grundfäßen der Moral und der Hygiene zuwiberliefen. Deshalb fei auf dem Gebiet der Gemeinde jeder Borkampf zu verbieten. 23er diese Verordnung über. tritt, feht sich strafrechtlicher Verfolgung aus. Zur Einführung in die deutsche Einheit sturzschrift veranstaltet das 8entalinftitut für Erziehung und Unterricht a vet weitere Sturse. Ms Teil nehmer tommen Lehrkräfte Berlins und der näheren Umgebung in Be tracht, die bereits eines Sturzichriftiystems matig find. Rurfus II be ginnt Dienstag, den 6. Januar, Kurfus III sonnerstag, den 8. Januar 1925, nachmittags 5%, Uhr. Eine Teilnehmer, ebühr wird nicht erhoben. Meldungen und Anfragen find an das Zentralin itut Potsdamer Str. 120 zu richten. Die Ursache der Hafftrankheit. Nach einer Miilung des Königsberger Magistrats in der Stadtverordnetenversammlung in der Bericht von Geheimrat Lenke über die Ursache der Hafffrankheit als ivate Arbeit anzusehen. Amtlich ist noch nichts festgestellt worden, vor aller nicht, daß Arsen die Hafftrantheit. verschuldet hat. Das Flugreug als Säemaschine. In der Gegend von Miami( Florida) wurden 640 Acres Rasenfläche von einem Flugze, aus besät. Diese Arbeit, die sonst zwei Leute während 30 Tagen beidha, igt hätte( 3), wurde mit Hilfe des Aeroplanes in 20 Minuten verrichtet. aufgedeckt wurde, sprach am 3. Dezember 1849- vor genau Morte: „ Es ist jetzt vollständig nachgewiesen, daß die bei Ohn gefundenen Briefe mit dem Geheimrat Waldeck in keiner Beziehung stehen, daß sie ein Bubenstüd sind erfunden, um einen Mann zu verderben. Wir stehen nicht an, unfere jetzige Ueberzeugung so wie die frühere, offen zu bekennen. Sie werden über den Angeflagten Geheimen Obertribunalrat Walded das Nichtschuldig aus. sprechen." Beitungs"-Redakteur Gödsche: Der Staatsanwalt sprach dann von dem Kreuz„ Sie haben hier das Zeugnis Gödsches vernommen. Meine Herren, wenn Sie dieses Zeugnis gehört haben, so werden Sie überzeugt sein müffen, daß aus folchem Munde keine Wahrheit fommt." Der Staatsanwalt stellte weiter feft, daß der Redakteur Gödsche aus einigen Worten, die er vernommen, Romane gesponnen habe, die dann die Kreuz- Beitung" ihrem Publikum aufzutischen pflegte. Dieser Staatsanwalt Meier von 1849 hat seine Pappenheimer gefannt. Aber ob er vorausgeahnt hat, daß die heimer gefannt. Aber ob er vorausgeahnt hat, daß die Braris der Gödsche- Ohm auch im Jahre 1924 von den Konfervativ- Deutschnationalen noch weiter gepflegt werden würde, wagen wir zu bezweifein. Gobert erst Syndikalist, dann deutschnational. Aus Dortmund wird uns geschrieben: Gobert tam turze Zeit nach dem Abzug der Befagung in das Bureau der Syindikalisten in Dortmund in der Unionstraße 26 und gab sich für einen Iints stehenden Arbeiter aus, der wegen des Rapp- Butsches verfolgt sei. Er wollte fünf Jahre Buchthaus bekommen haben. Da die Syndikalisten ihm keine Mittel zur Unterstützung geben tonnten, wurde für den angeblich Berfolgten gesammelt. Später stellte sich heraus, daß die damaligen Angaben Goberts falsch gewesen sind. Er ist überhaupt bei den Syndikalisten nicht organisiert gewesen. Bei der Wahl am 7. Dezember hat Gobert mit einem Wahlplatat für die Deutsch nationalen gestanden. Er hat auch in einer Wahl versammlung im Kölnischen Hof" für die Deutschnatio. nalen gesprochen. Er wurde aber, wie uns mitgeteilt wird, als der frühere Syndikalisten- ,, freund" erkannt und zurechtgewiesen. Jhr 7. Dezember. Ein Ausflug in die Tschechoslowakei. der Gefeßgebung und der staatlichen Autorität auszuschalten. Wochenschrift„ Audacia"( Kühnheit), daß Mussolini nicht der Mann Der faschistische Abg. Gran colli- Verona beklagt in der fei, um eine zweite Bartholomäusnacht zu enf'effeln. Es sei notwendig, daß Mussolini seine Macht mit einem Manne felle, uch der größere friegerifde Eigenschaften befih. Die Faschiflen feien entfchloffen, Ihre Haut durch beffere Mittel als bloß ein Farinacci sei bloß ein polififer, während man einen Mann benötige, Brehrejeh oder eine Aenderung der Beaffung u oridig der ohne viel Worte mit einem einzigen Säbelhieb die Opposition zum Schweigen bringe. Die Opposilon müsse sich einem Mann gegenübersehen, der sie an die Entschlossenheit der Septembermörder der franzöfifchen Revolution erinnere, und fie dürfe nicht vergeffen, daß der Terror auch in Frankreich nach 1790 ausbrach. Der Faschismus befäße einen folten Mann in den Kolonien, den man jedoch leicht zurückrufen fömme. In diesem Zusammenhang ist die Meidung der Agenzia natioDevechi, im Januar nach Rom zurüdfehren foll und den Entschluß nale" bemerkenswert, daß der Gouverneur des Somalilandes, gefaßt hat, wieder in die attive Politik einzutreten. Die Empörung wächst. Rom, 18. Dezember.( EB.) Heute morgen hat sich der Rammerausschuß der Oppofitionsparteien im Beisein Dr. Donattis als dem Urheber der Anflage gegen General de Bono versammelt, und beschlossen, alles Material für den moralischen und gerichtlichen Kampf gegen die faschistische Partei und gegen die Regierung zu sammeln und demnächst ein Faffimile des Memoran= dums Fillippes, des ehemaligen Direktors des„ Corriere d'Italia" zu veröffentlichen. Das gestern von der Faschist nmehrheit abgelehnte Gesuch des Staatsanwaltes von Mailand an die Deputiertentammer um Auslieferung des Vizepräsidenten Giunta wird damit begründet, daß die Verprügelung zweier abtrünniger Faschisten im Mailänder Bahnhof durch die Faschisten Dumini, Volpi und Konsorten im Auffrage des Pressechefs Roffi auf Grund einer Vereinbarung mit den Parteiführern Giunta und Marinelli erfolgt fei. Bei der Zeugenvernehmung sagte Roffi aus, er habe Giunta auf Grund einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten deffen Wunsch mitgeteilt, die Ausdehnung der Sezeffionsbewegung unter den Faschisten zu verhindern, worauf Giunta Rossi nach Mailand gefchickt habe, um Forni, den Führer der Abtrünnigen, bei erster Gelegenheit verprügeln zu laffen. In der Kammer find die Kommissionsberichte über zwei Ausfieferungsgesuche gegen die Abg. Farinacci und Barbilini verteilt worden. Der Faschistenführer Farinacci wird des Preßvergehens beschuldigt und Barbilini der Anstiftung zur Ber. wüstung der Wohnung des kommunistischen Abgeordneten Buffeni in Mailand. Die Gruppe der Linksliberalen Orlando, die Kriegsteilnehmer und die Giolittianer haben beschlossen, in der Kammer nicht zu erscheinen, bis die Stellungnahme der Faschisten zum Falle stische Mehrheit veranlassen, entgegen der ursprünglichen Absicht und Giunta entschieden und geflärt ist. Sie wollen damit die faschistimmen. Aus Solidarität mit Boeri hat sich bereits eine 3 meite entgegen dem gestrigen Botum der Auslieferung Giuntas zuzuOppositionspartei aus den Giolittianern, den Linksliberalen Orlandos und verschiedenen Kriegsteilnehmern gebildet. Das Zentralorgan der tschechischen Sozialdemokratie, Pravo libu", weiß zu berichten, daß am reichsdeutschen Wahltage, dem 7. Dezember, eine Anzahl KPD.- Oberbonzen, darunter Bernerische Scholem, Stölzel und Ruth Fischer, mit falschen Bässen nach Prag gekommen waren. Dort wurden sie von ihren Gesinnungsgenossen empfangen und ließen es sich wohl ergehen. Am Montag, zum Teil auch erst am Dienstag, Behrten sie nach Deutschland zurüd„ Pravo lidu meint, als sich herausstellte, daß in Deutschland nichts passiert war. Diese Deutung erscheint uns irrtümlich. Von einem Rechtsputsch ihrer Verbündeten werden doch die Linksputschprediger nichts für fie am& Dezember ohne Mandat und also ohne Immunität dasich befürchten; aber sie mögen wohl damit gerechnet haben, daß stehen und verhaftet werden könnten. Wahrlich, ebenso groß wie der stehen und verhaftet werden könnten. Wahrlich, ebenso groß wie der Heldenmut dieser Leute, die Tausende ihrer Anhänger in aussichtslofe Gewaltaftionen hineingehetzt und schließlich in die Zuchthäuser gebracht haben, war ihre Wahlzuversicht, da sie sogar mit dem Durchfall ihrer Spitzenkandidaten rechneten. Heute reißen sie dafür das Maul um so weiter auf! Die Die Fahne lügt weiter. Ernst Mener behauptet, die Chemnitzer Boltsstimme" habe ihn und Rola Luxemburg im Sahre 1916 öffentlich denunziert". In Wirklichkeit hat sich die Volksstimme" erlaubt, gegen Druckschriften, die von Rosa Luxemburg und Meyer herausgegeben wurden, zu polemisieren, was ihr gutes Recht war. " Fahne" stellt weiter in der beliebten Form einer Frage die Behauptung auf, Gen. Heilmann hätte während des Krieges von der faiferlichen Regierung Subventionen bezogen. Diese Behauptung ist, wie selbstverständlich, und wie uns zum Ueberfluß von Heilmann bestätigt wird, erlogen. Herbette zum Botschafter in Moskau ernannt. Journal Officiel" veröffentlicht heute früh die Ernennung Herbettes zum Botschafter der französischen Republit in Mostau. Gewerkschaftsbewegung Der russische Einigungsschwindel. Es ist zwar für jeden einfichtigen Gewerkschaftler längst far, mos die Boschewisten mit ihrem Einigungsrummel wollen. Da aber jetzt von Moskau mit Hochdrud gearbeitet wird, um wieder an die Massen heranzukommen, ist es notwendig, die Tatsachen immer wieder herauszustellen. Genoffe Gilec 60 Jahre. P " Seute feiert der Redakteur der Lederarbeiter-Beitung", Genoffe Friz Giled, feinen 60. Geburtstag. In den Jahren 1901 bis 1909 war er Redakteur des Handschuhmacher". Infolge der Verschmelzung des Handschuhmacherverbandes mit dem Reberarbeiterverband übernahm Genosse Giled die Retaltion der Lederarbeiter- Beitung", die er seit nunmehr 15 Jahren mit Fleiß und Geschid redigiert, so daß er dem vordem nebenamtlich geleiteten Verbandsorgan des Lederarbeiterverbandes eine geachtete Wir erinnern also zu tächst an den Beschluß des Inter- Stellung unter den deutschen Gewertichaftsblättern verschaffte. nationalen Gewerkschaftstongresses in Wien, der auch für den Vorwärts" war Giled einige Zeit als Gewerkschaftsdem Bureau des IGB. empfahl, zu ,, infoweit es möglich sein wird, ohne die Würde des JGB. verlegen, seine Bemühungen fortzusetzen, um die Einver leibung ber russischen Gemertschaften auf Grund der Statutet und Bestimmungen des JGB. in die internationale Gemertschaftsbewegung herbeizu führen." In der Antwort des allrussischen Gewerkschaftsrates vom 26. Juli wird die Bereitwilligkeit ausgesprochen, zu einer Sigung mit dem Vorstand des JG B. zu kommen. Dar ouf erwiderte der Vorstand des JGB., gez. Purcell, daß man zunächst schriftliche Unterlagen haben müssen, Sie erkennen lassen, welche übereinstimmende Linie und welche Tattit möglich ist". Der allrussische Gewerkschaftsrat antwortete, daß man mit der Einberufung eines gemeinsamen, allgemeinen Rongreffes, eines Beltarbeiterfongreffes", beginnen nüffe. berichterstatter tätig. Indem wir dem Jubilar unsere besten Glüdwünsche zur Vollendung seines 60. Lebensjahres darbringen, wünschen wir ihm, daß er feine Kräfte und Fähigkeiten noch recht lange im Interesse seiner Berufsgenossen betätigen tann. Aus der Internationalen Artiſtenloge. Bie uns die dem Afa- Bund angeschloffene Internationale Artiſtenloge mitteilt, feiert ihr Präsident Genofie May Berol. Stonorah heute fein 20jähriges Präsidentenjubi läum. Bir boffen gleich feiner Organisation, ihn noch recht lange an deren Spize zu sehen. Ausstellung im Gewerkschaftshaus Täglich von 2 bis 8 1hr Auf den Wunsch des Internationalen Gewerffchaftstongresses, die russischen Gewerkschaften in die Gewerkschaftsinternationale einArbeitsnachweis der Berliner Musiker. zureihen, antworten die Russen, man müsse einen Weltar. Das Bezirksamt Mitte teilt mit: Dem Deutschen Musiker beitertongre" emberufen. Auf einem solchen Beltarbeiterverband ist vom Landesarbeitsamt Berlin die Genehmigung fongreß würden sich die Vertreter der Gemertschaftsinternationale zur Wiedereröffnung seines nicht gewerbsmäßigen Arbeitsnachweises zur Freude der internationalen Reaktion eine Woche lang herum erteilt worden. Da dem Verband gleichzeitig die Kontrolle zufchlagen haben mit den alten, längst abgetne bollchemistischen der Erwerbslofenunterstützung beziehenden bat. be Schwindeleien und den üblichen Beschimpfungen. Dann würde man antragenden Personen übertragen worden ist, so ist der öffentmieder heimfahren, um festzustellen, daß eine Einigung nicht mögliche Nachweis für Muſiler beim Bezirksamt mitte am 7. Dezember cr. gefchlofien worden. Die Erwerbsloienin dessen Geschäftsräumen, Bernburger Str. 30, Hof 3 Tr., vorunterſtügung beantragenden Personen müssen sich beim Verband mittags von 10 bis 12 Uhr anmelden. lich ist. Es ist sehr wohl möglich, mit den russischen Gewerkschaf ten zu einer Berständigung zu kommen, wenn diese in ihren Entfchließungen frei wären und nicht vollständig abhängig wären von der russischen Regierung und der bolschewistischen Internationale". Sie sind aber nicht frei. Losowski schreibt selbst in einem vom Moskau datierten Artikel, der die Rote Fahne" vom 18. Dezember veröffentlichte: Man darf auch nicht einen Augenblid lang vergessen, daß unsere Gewerkschaften einen organisatorischen Bestandteil des Sowjetsystems bilden...." Die Vermittlung erfolgt durch den Verband in ber Roienthaler Straße 14( Rofenthaler Garten). Fernsprech anschluß Norden 4719. Vermittlungszeit an den Werktagen von 11 bis 4 Uhr und an den Sonntagen bon 11 bis 1 Uhr mittags. Der Schiedsspruch für den Ruhrbergbau verbindlich. WTB. berichtet: In der Lahnstreitigkeit im rheinisch- westfälifchen Steinfohlenbergbau ist der Schiedsspruch vom 10. Dezember Da die Kommunisten gegenwärtig mit dem englisch ruj1924, der auf den Vorschlag des vom Reichsarbeitsminister für fifchen Einheitstomitee haufieren gehen, wollen wir, geftüßt auf den Artikel con Losowski, feststellen, welche Bewandtnis es mit diesem Einheitskomitee hat. Losowsti reibt: Wiederherstellung der Internatio diesen Streitfall bestellten Sdlichters fällt worden ist, gemäß Art. I,§ 6 der Schlichtungsverordnung vom 30. Oftober 1923 und Art. 1,§ 6 der Schlichtungsverordnung vom 30. Oftober 1923 und § 23 Ablaß 2 der zweiten Ausführungst: rordnung zur Schlichtungsverordnung vom 29. Dezember 1923 von amtswegen für verbindlich) erflärt worden. Rach den bis jezt vorhandenen Dokumenten zu schließen, stellen sich die englischen Gewerkschaftsführer die Einhneit in der Form des„ Eintretens" der russischen Gewerkschafte 1 in die Amfterdamer Internationale vor. Bereits am 25. November war ein Schiedsspruch gefällt werden, daß, wenn men die Frage so stellt, dies heißt, die auf 6,10 M. erhöht und alle übrigen Schichtlöhne dieser Erhöhung Es muß entschieden gefagt worden. wonach der Höchstschichilohn der Reraraturhauer von 5,60 naien Dewerti majts Bewegung hinausichieben: nifi 8.9 Proz, Die, vier Bergarbeiterverbände atip; angepasst werden sollten. Die fich daraus ergebende, Lohnerhöhung benn es handelt sich nicht um den Eintritt der Gewerkschaften beschlossen, den Schiedsfpruch anzunehmen. Gleicheines Landes in diensterdamer Internationale, fonder i um zeitig befchloffen fie die Kündigung des Ueberzeitarbeitsabkommens Die Berschmelzung der den Internationalen auf dem Wege am 30. November zum 31. Januar 1925. Die Bechenbesiger lehnten den Schiedsspruch a b. eines internationalen Einheitsfongreffes.... Damit niemand im Zweift! ein fann, wie sich die Bolschewisten diese viel gerühmte Ginigtei vorstellen, zitieren wir weiter, wos Losowski schreibt: Rein einziger Kommunist, fein einziger revolutionärer Arbeiter tann vom Rampfe gegen den Reformismus ab stehen; dies wäre ein Lossagen von seinen eigenen Grundsägen. Der Kommunismus und der Reformismus find Todfeinde, und die organisatorische Einheit der Gewerkschaftsbewegung bedeutet die Fortjehung und Verschärfung des Kampfes um den Einfluß auf die Maffen." tommen fönnten Daraufhin beantragten die Bergarbeiterorganisationen, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. Der Reichsarbeitsminister erklärte sich dazu außer stande. weil gewisse südliche Ronbrechen dadurch rlöklich zum Feliceen wie die Unternehmer drohten die dadurch existenzlos werdenden Arbeiter gesorgt werden könne. ohne daß für Eirigungsverhandlungen fcheiterten, worauf der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung Dr. Syrup zum Schlichter bestellt wurde, der am 10. Dezember einen neuen, den jetzt für verbindlich erklärten Schiedsspruch fällte. Dieser 3 wangsschiedsspruch befant. daß sich die Wir können uns sehr wohl vorstellen, daß die Reaktion, daß Löhne ab 1 Dezember wie folgt erhöhen: für Zimmer Das Unternehmertum eine ungetrübte Freude über eine solche hauer pon 5,60 auf 6,10 m., für angelernte Arbeiter von 520 auf „ Einigkeit“ empfinden würden, wo der Kampf gegen das ka. 5,65 M., für ungelernte Arbeiter von 4,50 auf 5.15 m. Für die pital ersetzt würde durch den Kampf der Arbeiter gegen füdlichen Randze chen, die die bisherigen Löhne um 5 bw. einander. Für eine solche„ Einigkeit" danken wir bestens. Da- Proz. kürzen durften, wurde bestimmt, daß sie die neuen Löhne um 6 bzw. 9 Broz. unterschreiten dürfen. zu hat der Internationale Gewerkschaftstongreß in Wien feinen Auftrag erteilt. Wenn die russischen Gewerkschaften dem JGB. beitreten wollen unter Beobachtung der Beschlüsse und Statuten des IGB., dann find fie uns willkommen. Die Arbeilerschaft hat aber ihre Organisationen nicht dazu aufgebaut, damit die Queru Lenten und Stipendiaten von Moskau sie als Experimentierfeld ihrer imperialistischen Butschpläne mißbrauchen. Die Kündigung des Ueberzeitablommens wurde von den Bergarbeitern zurüdgenommen, um zu verhü'en, daß die Längerarbeit durch den Zwangsschiedsspruch bis 31. März festgelegt werden konnte. Zu der Verbindlichkeitserklärung haben die Bergarbeiter bereits im voraus erklärt, daß damit zwar äußerlich die Lohnbewegung beendet würde, jedoch keineswegs eine er trägliche Lösung der Lohnfrage gegeben sei. Der Bechenverband hatte sich gegen die Verbindlichkeitserklärung gemandt. Einigungsvorschlag für das Bankgewerbe. Die Kündigung der neuen Lohnordnung ist erstmalig Ende Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Banfangestellten Februar zulässig. Wenn die Bergarbeider sich mit dem vermitteilt. fanden gestern im Reichsarbeitsministerium unter dem bindlich erklärten Schiedsspruch bis dahin abfinden, so darf doch Vorsiz des Herrn Oberregierungsrates Dr. Kuttig Ginigungs. fein Zweifel darüber aufkommen, daß sie sich mit ihren Arbeitsverhandlungen über den allerieits abgelehnten Schiedsipruch des bedingungen nicht dauernd unter Drud halten laffen fönnen. Das Ministers a. D. Schiffer statt. Nach längeren Beratungen formus Risiko des Betriebes der südlichen Randzechen kann nicht einfach lierte der unparteiiiche Vorsitzende folgenden Einigungsvorauf die Schultern der Bergarbeiter abgewälzt werden. flag, zu dem sich die Parteien bie Montag mittag äußern sollen: Bom 1. Dezember d. J. ab foll in den ersten beiden Berufs- Haffingen, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Cine Ron jahren leine Erhöhung, in den weiteren drei Jahren eine vier ferenz der Vertrauensleute und Betriebsräte des Verbandes prozentige, vom 6. bis 10. Berufsjahre eine fechsprozentige und der Bergarbeiter Deutschlands befaßte sich am Donnerstag vom 11. bis 15. Berufsjahr eine zehnprozentige Gehaltserhöhung mit dem Ergebnis der Verhandlungen und mit den Schiedssprüchen eintreten. Diefe Regelung foll bis zum 31. März 1925 Geltung baben. in der Lohn- und leberarbeitszeitfrage. Nachstehende Entschlie Die Zentralverwaltung des Allgemeinen Verbandes der dent Bung wurde angenommen:„ Die Vertrauensleute und Betriebsräte schen Bantangeftelten" hat bereits zu der neuen Tarifsituation des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands nehmen zu dem ErStellung genommen. Es scheint soviel als sicher, daß der Einigungs. gebnis der Berhandlungen in der Lohn- und Arbeitszeitfrage borschlag laum die Zustimmung der Zentralverwaltung findet. Die Stellung und stellen mit Entrüftung fest, daß weder die Unterlange Bindung der Neuregelung erschwert besonders die Annehmer noch der Reichsarbeitsminister Brauns nahme des Schiedsspruchs. Ebenso macht die Ablehnung der über den Umfang der Notlage innerhalb der Bergarbeiterschaft unterWeihnachtsgratifattion in Söge von einem Monats. richtet sein können. Sonst würden sie nicht als einziges Mittel, gebalt den Banfangestellten ein Entgegenkommen unmöglia. die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, eine Niedrighaltung WRWITTIG ENVERBEY VALUTA ZIGARETTEN FABRIK ENVER BEY BERLIN ** der Böhne ansehen. Wir fönnen die durch Schiedsspruch festgefekte Lohnerhöhung in feiner Weise als Ausgleich für die in den legten Monaten eingetretenen Preissteigerungen betrachten. Ganz besonders protestieren wir gegen die Bergrößerung der Spanne zwischen den Löhnen im nördlichen und südlichen Ruhrgebiet. Die Bes riebsräte und Vertrauensleute erkennen die Gründe an, die die Zurückziehung der Kündigung des Ueberarbeitszeitabkommens not wendig machten und erwarten, daß dasselbe am 31. Dezember 1924 wieder erneut gefündigt wird. Im Namen der organisierten Bergarbeiter fordern die Vertrauens! eute und Betriebsräte 1. ausfömmlichen Lohn und 2. Wiedereinführung der achtstündigen Arbeitszeit über Lage und der siebenstündigen Arbeitszeit unter Lage. Korrektur der Beamtengehälter in Baden. Die vor einigen Wochen erfolgte völlig unzulängliche Beamten. besoldung hat die Badische Regierung veranlaßt, von sich aus die Bezüge der Beamten von Gruppe I bis IV um 20 Prozent ( nicht um 12% Prozent, wie im Reich vorgesehen) zu erhöhen. Der Haushaltsausschuß des badischen Landtags billigte den Entschuß der Regierung. Auch die preußische Regierung soll der Auffassung sein, daß die Besoldung der unteren Beamten dringend der Erhöhung bedarf. Wiederholt haben deshalb in der letzten Zeit innerhalb der preußischen Regierung Beratungen stattgefunden, um eine Besol dungsregelung herbeizuführen, ähnlich der, die Baden erstrebt. Da aber der preußische Finanzminister erst am Freitag cach Berlin zurückkehrt, fann eine Entscheidung Preußens höchstens gegen Ende der Woche erfolgen. Die Frage ist nun, ob sich der Reichsfinanzminister hinter dem Besoldungssperrgefe verschanzen wird. Der badische Finanzminister ist der Auffassung, daß das Sperrgesek dies. mal feine Rolle spielt, da die letzte Besoldungsregelung der gefeglichen Grundlage entbehre. Tatsächlich hat das Reichsfinanzministerium die Novemberregelung aus Die Era eigener Machinolitommenheit vorgenommen. mächtigung des Reichsfinanzminiſters zur ſelbſtändigen Feſtekung der Bezüge war am 1. November abgelaufen. Wohl hat das Ministerium im legten Augenblid. die Zustimmung des Reichsrats gefunden, aber nicht die des Ueberwachungsausschusses des Reichstags. Nicht nur Preußen und Baden, sondern sicher die meisten Länder find für eine Aufbefferung der unteren Beamten. Vielleicht am besten ist, wenn das Notwendige frühzeitig oetan wird. erfennt man auch im Reichsfinanzministerium, daß es schließlich doch Die Beamtengehälter in Frankreich. Der Finanzausschuß der Kammer bat am Sonnabend über die Erhöhung der Beamtengehälter Beschluß gefaßt und als ge ringi ftes Gehalt die Summe von 5600 und als Marimal gebalt 40000& ranten festgesetzt. Die Aufenthalts. entschädigung und die Kinderzulagen sind jedoch um die Hälfte erhöht worden. haltsaufbefferung erfordert 1387 Mill. Franken, reduziert sich aber, Die Durchführung dieser Ge was die budgetären Mehrausgaben betrifft, auf 888 Mill. Franken. Vom Achtstundentag in Frankreich. fäßlich der Beratung über das Budget des Arbeitsministeriums Sie In der französischen Kammerfizung am Mittwoch richteten anna heftige Anttagen gegen die Unternehmer, Dor fozialistischen Abgeordneten Lefèvre und Taques ollem in der Eisen- und Stahlindustrie, die den Acht. stundentag nicht einhalten und durch die Ausbeutung ihrer Arbeiter ungeheure Gewinne erzielen. Der ArbeitsFälle der Durchbrechung des Achtstundentages anzugeben, damit eine minister Godart forderte die Abgeordneten auf, die einzelnen untersuchung eingeleitet werden könne. Die Arbeitslosigkeit in Wien. gegenwärtig in Wien 57118 unteritüste Erwerbsloje In der industriellen Bezirks tommiifion wurde festgestellt, daß find gegen 52 689 vor 14 Tagen. Der Gesamtbestand der Arbeitss lofen gegenüber dem Vorjahre ist um 12078 gestiegen. Nach Weihnachten wird ein weiteres Steigen der Arbeitslosigkeit befürchtet. Infolge der ungünstigen Wirtschaftslage find gegen wärtig fast 70000 Personen in der Fürsorge der Gemeinde. Organisationsgeist in England. Aus London wird berichtet: Die Arbeiterschaft der Elet. trizitätswerte in Brompton bat beichloſſen, am nächsten Dienstag die Arbeit niederzulegen, da die Werle Arbeiter befäftigen, die geweificaftlich nicht organisiert sind. Der Streit würde während der Weihnachtszeit die Lichtverforgung einer Reihe der westlichen Bezirke Londons latmiegen. Die Gewerkschaften drohen, daß der Streit auf andere Bezirke ausgedehnt werden würde, wenn die Arbeitgeber in Brompton nicht nachgäben. Auch in Deutschland war diefer Organisationsgeist noc allgemeiner folange man noch teine Kommunisten fannte, die sich mit der Einheitsfront der Gewerkschaften zu schaffen machten. Ja der Solinger Jadustrie ist zwischen dem Arbeitgeberverband und der Gewerlichait eine Einigung über eine Loherhöhung für die Fabritarbeiter in der Metallindustrie erzielt worden. Die Löhne werden durchschnittlich um 10 Broz. erhöht. Die Post- und Telegraphenangestellten in Defferreich haben beschloften, mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage des Staates ihre Forderungen bis Mitte Februar zurückzustellen. Angestellte der Waren- und Möbelkredithäuser. Unsere Berhandlungen mit dem Arbeitgeberverband führten zum Abschluß eines Gehaltscōkommens, das eine Erhöhung der bestehenden Gehaltsfäße ab 1. Dezember erbringt. Die Gehaltstabellen sind im Orisbureau des 2da. erhältlich. Angestellte des Berliner Kohlengteßhandels. Unsere Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des Kohlengroßhandels führten zu einer Berein. barung. Diese erbringt eine Erhöhung der Gehälter mit Wirkung vom 1. Dezember d. J. Gehaltstabellen find im Ortsbureau des 8dA. erhältlich. Berantwortlich für Bolitik: Eraft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Gglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Gonftiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen.. Wegen anderweiter Abgrenzung der Finanzamtsbezirke von Alt- Berlin und der hiermit zusammenhängenden Berlegung mehrerer Dienststellen bleiben folgende Finanzamter für den Ferkehr mit den Steuerpflichtigen geschloffen: a) am 19 und 20 Dezember: Umfaßfteuer Weit, Friedrichstraße 218; b) am 22. und 3 Dezember: Mitte( 1), Friedrichstraße 129, Dort( 1), Belle- Alliance- Straße 6, Luisenstadt( VI), Ber! Sebemannstraße 12, Rosen haler Tor( X), Friedrichstraße 107, Müh enberg( XI), Schönhauser Allee 10/11 und Schwedter Straße 263, Sumb 15thain( XII), Friedrich traße 107, Sumboldthafen( XIII), Heiligegeiſtſtraße, Ede Kleine Poſtſtraße Geſund. hrunnen( XV), Friedrichstraße 129, Tiergarten( XVII, Potsdamer Straße 122 b, umfaßftener Innenftabt, Jüdenstraße 58 60. ENVER BEY VALUTA EINE HOCHSTLEISTUNG UNTER DEN 2 伐 ZIGARETTEN! Nr. 597 41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Um die Straßenbahn G. m. b. H. Scharfe Angriffe in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordnetenversammlung erledigte gestern in einer Dauersizung einen großen Teil des ihr vorgelegten reich lichen Arbeitspensums. Sic arbeitete floit, um nicht zuviel Reste in das nächste Jahr hinübernehmen zu müssen. Unter anderem gab es ein paar lange Debatten über das Verkehrswesen und die ihm dienenden Einrichtungen. Scharfe Angriffe wurden gegen die Straßenbahn- G. m. b. H. gerichtet. Anlaß dazu gab ein deutschnationaler Antrag wegen der Behandlung der Fest angestellten und Beamten. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Genosse Flatau. Er geißelte rüdhaltlos die gefamte Personalpolitie der Straßenbahn- G. m. b. 5., wari der Leitung kapitalistische Grundsäße vor und forderte aufs entschiedenste eine Abkehr von diesem System. Sein Protest galt der Behandlung des gesamten Personals, der Beamten, Festangestellten und Arbeiter. Ein Antrag, der die Wiedet einstellung der Leute forderte, die wegen Richtunterzeichnung eines sie rechtlos machenden Reverses entlassen worden sind, wurde angenommen, ebenso ein von der sozialdemokratischen Fraktion gestellter Antrag, der Aufklärung über die Neueinstellungen und über die Ausbildung forderte. Bei einer Anfrage wegen der Verkehrsregelung forderte Genosse Klose, daß man nicht mit Bolizei maßnahmen und mit harter Bestrafung des im Berkehrsgewerbe tätigen Personals, sondern mit besserer Ausbildung in einer einzurichtenden Fahrschule ben Mißständen abzuhelfen Juchen foll. Bei dem Widerspruch gegen die Verkehrsregelung der Polizei habe man auf bürgerlicher Seite allerdings nicht an die Interessen des Personals, sondern nur an die der großen Geschäfte gedacht. * | Bedeutsamkeit nicht scheitern; die Limitierung auf 5 Millionen wäre lediglich eine Verschleierung der Ablehnung; die Freunde dieses Antrags wollen eben verhindern, daß ein so großer Grundbesig in die Hand der Stadt kommt. Welche ungeheuren Opfer würde Berlin zu bringen haben, wenn nach 10 oder 20 Jahren dieses Terrain nicht erschlossen würde? In der weiteren Aussprache behaupptete Fedler von ihr, sondern von der privaten Bodenspekulation der Bebauung ( Dnat.), daß Berlin einen solchen enormen Bissen Bauland auch in 80 Jahren nicht verbauen könnte; die Eumme sei wahnsinnig hoch, die Vorlage abzulehnen. Herr v. Eynern( DVB.) verwarf die Vorlage wegen der übermäßigen Preisforderung und Dr. Michaelis( Dem.) sowie Schmidt( 3.) hielten einen Marimalpreis non 5 Millionen für genind. Bom Magiftrat verwendete sich Stadt wurde der Antrag der Demokraten und des Zentrums abgelehnt, rat Busch für die Annahme des Magistratsvorschlags. Schließlich darauf die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 106 gegen 76 Stimmen angenommen Zum Antrage der Dnat. betreffend Wahrung der Rechte der Fest angestellten usw. der Straßenbahn- BetriebsG. m. b. b. hat der Ausschuß empfohlen, den Magistrat zu er suchen, dahin zu wirken daß diejenigen Festangestellten wieder ein aus ellen sind, die entlassen worden sind, weil sie den Revers nicht unterschreiben wollten. Gen. Flatau befürwortete einen An trag, der den Straßenbahnern in viel weitgehenderem Maße gerecht wird und übte bei der Gelegenheit scharfe Krifit an der Straßenbahn- Betriebs- G. m. b. H. und Men hätte nicht glauben sollen, daß die Leiter der G. m. b. H. fich ihren Praffiten. so schnell in die fapitalistischen Gedankengänge hineinfinden würden. Es müsse ein ganz anderes Verfahren in der geschäftlichen Leitung eingeschlagen werden; man werde eventuell sogar zu erwägen haben, In der gestrigen Sigung der Stadtverordneten machte der Bor- ob es nicht besser sei, die ganze G. m. b. S. aufzulösen.steher Gen. Ha B zunächst die offizielle Mitteilung, daß der vom Der Kämmerer hielt hiernach für geboten, die Berdienste der Stadtschulrat Paulsen gegen seine unfreiwillige Verfegung in den G. m. b. 5. in ihrer einjährigen Tätigkeit auf das stärkste hervor einstweiligen Ruhestand erhobene Einspruch von dem zuständigen zuheben und ihren leitenden Männern den Dont der ganzen Stadt Kammergerich sausschuß zurückgewiesen worden ist. Ohne Aussprache zu votieren. Der beanstandete ursprüngliche Revers, der übrigens überwies die Versammlung eine große Anzahl von den auf der nicht mehr bestehe, sei auch dem Magistrat nicht glücklich erschienen. Tagesordnung stehenden 43 Gegenständen der Ausschußberatung, so Lange( 3.) erklärte es für die Pflicht der Stadt, den Angestellten u. a. die Vorlage betreffend lebernahme einer Bürgschaft für die ihre in 10- oder 20jähriger Tätigkeit erworbenen Rechte zu erfüllen. evangelische Gemeinde Deutschstämmiger au s Die Wiedereinstellung der 48 Reversverweigerer dürfe nur die erste Rußland( in Verbindung mit der Anfrage der Kommunisten Etappe auf dem Wege der Rehabilitierung der Betroffenen fein; wegen der Uebernahme einer städtischen Bürgschaft für die es handle fich um ihrer 200. Goethe- Bühne), bie Vorlage wegen Umänderung der Lehrlegenheit, sich am Gan Flatau zu reiben. Müller- Franken( Wirtsch. Wolf( Komm.) benutzte die Geverfassung der 16 Realschulen Alt- Berlins, die Partei) fand das Loblied auf die Straßenbahn sehr deplaciert; wenn Frage der Verstärkung der Haushaltsmittet auf dem jemond Dank verdiene, sei es das Bublikum, das die Mißhandlungen Gebiete des allgemeinen Unterstübungswesens, die An- und Rücksichtslosigkeiten, die die G. m. b. 5. fich andauernd zuschulden träge verschiedener Barteien megen Errichtung von Ronrettor. stellen an Mittelschulen. Das vorläufige Ergebnis des Ab schußantrag wu: be angenommen. Auch mit dem Anirage tommen lasse, mit unglaublicher Lammesgebuld ertrage. Der Aus schlusses der Stadthaupttaffe für 1923 mit den nom Magiftrat vor Flotau, der von Magistrat die Aufstellung einer ifte verlangt, geschlagenen Rüdstellungen in Höhe von 4,3 millionen welche Straßenbahner seit dem 8. September 1923 meu eingestellt Mark für Wohlfahrts wede wurde genehmigt. Zu einer sind und welche technische Ausbildung fie genoffen haben, war die lebhaften Auseinanderseßung tam es erst bei der wiederholten Be Versammlung einverstanden. ratung über den Anfauf des Rittergutes Brig, Nach 9 Uhr trat die Versammlung noch in die Besprechung der die am letzten Donnerstag in den Ausschuß zurüdverwiesen worden war. Die Familie Brede will das 2400 Morgen große Gut für 58 Millionen verlaufen; in Wirklichkeit kommt für die Stadt einschließlich der Steuern und Gebühren ein Betrag von 6,4 millionen heraus. Von Demokraten und Zentrum ist ein Höchstangebot von 5 Millionen als äußerstes Entgegenkommen vorgeschlagen. Gen. Dr. Lohmann begrüßte das Borgehen des Magistrcts, der nunmehr nach langer Stagnation endlich eine großzügige Wohnungspolitif einleite, wie sie Berlin fo bitter not fei. Mit diesem Grundstück in der Hand werde Berlin auf Jahrzehnte hinaus den Baumartt preisregulie. rend beeinflussen tönnen. Im Ausschusse, deffen Mehrheit abermals für die Bewilligung der 5,8 Millionen sich ousgesprochen, habe sich eine seltsame Gegnerschaft erhoben, indem die beiden Rech sparteien aus ganz entgegengefeßten Motiven zur Ab. Tehnung gelangt feien, die DBP., weil das Grundstück zu groß, die Dnat., weil der Preis zu hoch sei. Erfreulicherweise fei noch in letzter Stunde eine Ermäßigung des Preifes auf 5,65 Millionen zu gestanden worden. An der Geldfrage dürfe ein Projekt von dieser 54] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Kenneths andere Gäste waren der Vicomte St. Pierre de Baur und seine Frau, eine elegante häßliche Schönheit", die ihren Mann mit anbetenden Augen anblickte. Der Bicomte war ein Krüppel, der den linken Arm und das rechte Bein im Kriege verloren hatte, was feine angeborene Fröhlichkeit, wie es schien, nicht hatte zerstören können. Kenneth war ein ausgezeichneter Wirt, der die Konversation in perfektem Französisch so leicht und anmutig führte, wie daheim in einem englischen Salon. Ein- oder zweimal fing Bertram wieder diesen bestürzten, verlegenen Blick auf, wenn er unvermutet zu Kenneth hinübersah, aber er glaubte, sich getäuscht zu haben, denn dieser Ausdruck glitt vorüber wie ein Schatten. Der Tisch war für sechs Personen gedeckt, und die Gäste faßen so, daß die beiden Ehepaare möglichst voneinander entfernte Pläge hatten. Zuerst drehte sich die Unterhaltung um die Teuerung der Lebensmittel, welche man hauptsächlich den Zwischenhändlern zuschrieb. Dann wandte sich Madame de Montauban zu Bertram und beglückwünschte ihn zu dem Besitz einer so schönen Frau, die sie mehrere Male getroffen hatte. Als Bertram sich erfundigte, wo dies der Fall gewesen wäre, blickte sie eine Sefunde erstaunt zu Kenneth hinüber und sagte dann mit ihrem reizenden Lächeln: Ueberall in Paris. Sie hat sich durch ihre Sympathie für Frankreich überall bei uns Freunde erworben." „ Ach!" sagte Armand de Baux, Monsieur ist der Gatte der reizenden Mnlady Jonce? Sie ist entzückend! Eine englische Rose! Monsieur muß mir schon verzeihen, daß ich sterblich in sie verliebt bin." Kenneth leicht. " Ihr diesen Tribut zu zollen, ist unvermeidlich," sagte Bertram Bollard weiß, daß alle seine Freunde Sklaven ihrer Schönheit sind, nicht wahr?" " Er sprach französisch. und seine Worte flangen ritterlich und romantisch, aber sein Lächeln war wieder etwas spättisch, als er zu Bertram hinübersah. Neuregelung des Berliner Straßenverkehrs an der Hand einer Anfrage der Deutschnationa'en ein. Bürgermeister Scholt teilte mit, daß die Verkehrsdeputation den polizeilichen Verordnungsentwurf abgelehnt und eine Reihe von Aenderungen in Vorschlag gebracht hat. Klose( Soz.) erblickte in der Anfrage ein deutschnationales Wahlmanöver. In der Sache selbst fieht er auch in der revidierten Verkehrsordnung eine empfindliche Schädigung der Arbeiterschaft, zumal auch in den verschärften StrafSchädigung der Arbeiterschaft, zumal auch in den verschärften Straf bestimmungen. Fach- und Fahrschulen müßten eingerichtet werden. Ein Redner der Deutschnationalen regte sich über die Charakterifierung ihrer Anfrage durch Gen. Klose gewaltig auf. Alle Redner wendeten sich übereinstimmend gegendas halte und Wende perbot Eine sehr verschiedenartige Beurteilung fand auch der jezt endlich in Funktion gesetzte Verkehrsturm auf dem Potsdamer Plag. Aus der Beantwortung einer Anfrage des Zentrums betr. die Berwendung der Hauszinssteuer durch Stadtrat Wuhin ging hervor, daß die Stadt Berlin in diesem Rechnungsjahre mit der Armand de Baur wandte sich zu ihm. Sie haben auch hier in Frankreich gekämpft?" An der Somme, in Flandern, und bei Cambrai." ,, Und haben noch beide Beine! Das ist ein Wunder. Sie fehen, ich habe zwei meiner Glieder im Kriege verloren und dafür die Medaille Militaire und das Croix de Guerre eingetauscht. Es war schwer genug, die Bunden zu bekommen. Ich war wie gefeit im größten Kugelregen. Endlich, in der Sommeschlacht, kam die Kugel geflogen, die mir meine Wunden und die langersehnten Ehrenzeichen eintrug." Und er lachte so heiter, daß Bertram einstimmte. Diefer fleine französische Aristokrat prahlte nicht und pofierte nicht. Er liebte den Krieg, wie alle seine Vorfahren und schreckte vor seinem Grauen nicht zurüd. " Dann stimmen Sie nicht mit Barbuffe überein, der in seinem Feuer" die Denkungsweise des Poilu wiedergibt?" fragte Bertram. Daraufhin explodierte Armand de Baug wie eine Granate: Dies Buch war ein Berrat und eine Beschimpfung, der Tapfer feit des franzöfifchen Soldaten angetan. Bertram schwieg, da er an diesem Tische in feine Dis fuffion eingehen wollte, aber Madame de Montauban sagte: Ich hatte einen Neffen im Felde, der hat mir gesagt, daß Barbusse ein getreues Bild der Stimmung in den Schüßen gräben um 1915 gezeichnet hat. Die Leute wurden nicht ab gelöst. Sie lebten, aßen, fchliefen und starben im Schlamm und Schmuz, bis sie wahnsinnig wurden oder freiwillig den Tod fuchten. Nein, Vicomte, der Krieg ist fein spannendes Abenteuer, er ist das schreckliche Trauerspiel. Er hat unser Baterland beinahe vernichtet. Noch einmal Krieg, und wir fterben!" Wir haben nur eine Ansicht und einen Wunsch," sagte Montauban, und das ist unsere Sicherheit nach unseren sicherheit? Wir sind nicht start genug, um dereinst allein Opfern und unserem Siege. Wo aber liegt für uns diese gegen die Boches zu kämpfen." ,, Wir haben ja Bolen als ritterlichen Bundesgenossen." wie ein Rohr. Wenn Eng'ond nicht treu zu uns hält, werden " Bolen wird zwischen Deutschland und Rußland zerbrechen mir allein stehen."„ Aber England wird zu uns holten," sagte Madame de Montoubon und legte ihre Hand begütigend auf Bertrams Arm. Noch soviel gemeinsamen Leiden und Opfern Freitag, 19. Dezember 1924 Erstellung von 10 000 neuen Wohnungen rechnen darf. Auch über die von fommunistischer Seite in einer Anfrage verlangte Beseitigung von Mißständen bei der Straßenbahn( Wiedereinführung des Achtstundentages, Stundenlohn von mindestens 1 M. usw.) unterhielt man sich; es bieb aber bei der Begründung und der Antwort des Stadtbaurats Adler; eine Besprechung tonnte mangels ausreichender Unterstützung nicht flattfinden. Das Recht des Mitredens der Versammlung bei Gründung einer Gesellschaft zur Versorgung der Tankstellen mit Benzo1 usw. nahm auch Gen. Reuter mit den kommunistischen Antragstellern in Anspruch. Nach Erledigung weiterer meniger bedeutender Gegenstände schloß die Sizung um 10 Uhr. Nächste Sigung erst nach Neujahr. Um die Verkehrsordnung. Abgelehnte Befchränkung des Personenverkehrs. Der Verkehrsausschuß zur Vorberatung der Polizeiverordnung betreffend Neuregelung des Berliner Straßenverkehrs beschloß gestern, dem alteverbot fowie der Beschränkung des stimmen, und zwar für die Stunden von 5-7 Uhr. Der Ausaftverkehrs in den Verkehrsstraßen erster Ordnung zuzuschuß stimmte ferner für die Verkehrsstraßen erster Ordnung dem Wendeverbot zu sowie der Vorschrift, daß in die Verkehrsstraßen zweiter Ordnung langsam einzubiegen sei. Mit dem Verbot des 3weirad und Motorzweiradverkehrs in den Verkehrsstraßen erster Ordnung erklärte sich der Ausschuß ebenfalls einverstanden. Die Beschränkung des Personenver fehrs wurde jedoch in jeder Form abgelehnt, insbesondere die Einrichtung ausschließlich zu benutzender Straßenübergangs ft ellen. Die Bestimmung, daß bei Blägen, Straßenkreuzungen und Brüden in der Fahrt befindliche Kraftfahrzeuge mit Einschluß der Weinkrafträder einander nicht überholen dürfen, wurde ange haben, auch nicht zu passieren haben. Den mit Pferden bespannten nommen. Es wurde auch der Bestimmung beigepflichtet, daß in den Berfehrsstraßen erster Ordnung Lastwagen, die dort nicht zu halten Raftwagen und Handwagen soll außerdem das Halten zum Ent oder Beladen wie das Befahren dieser Straßen in der Längsrichtung von 3-7 Uhr nachmittags verboten fein. Die Vermehrung der die Deputation als erwünscht und beschloß außerdem, dem PolizeiParkpläge und Haltepläge in stärkerem Maße bezeichnete präsidenten dringend zu empfehlen, daß von der Veröffentlichung bis zum Infrafttreten einer solchen Polizeiverordnung mindestens ein Monat Frist gegeben werde. um allen beteiligten Stellen die Möglichkeit zu geben, sich in die vielen neuen Bestimmungen einzuleben. Außerdem soll das Polizeipräsidium ersucht werden, Beftrafungen grundsätzlich in möglichst niedrigen Grenzen zu halten, fo daß nicht sofort Höchftstrafen eintreten, vielmehr wurde die Aufstellung bestimmter Richtlinien als geboten bezeichnet, mäßig verfahren fönne. damit die Erefutive bei den Strafenfestlegungen möglichst gleichOrdnung wurden als besonders verkehrsreich nachstehende Straßen Als Verkehrsstraßen erster festgestellt: Budapester Straße von der Lennéstraße bis Potsdamer Play, Charlottenstraße von der Behrenstraße bis Unter den Linden, Gertraudienstraße, Mühlendamm einschließlich Moltenmarkt, HizigFriedrichstraße von der Weidendammbrüde bis Krausenstraße, straße, Joachimsthaler Straße vom Kurfürstendamm bis Bahnhof 3oologischer Garten, Königgräger Straße vom Potsdamer Plaz bis Röthener Straße, Königstraße, Leipziger Straße einschließlich LeipBotsdamer Plag einschließlich, Spandauer Straße von Molkenmarkt ziger Plaz und Spittelmarkt, Botsdamer Straße von Karlsbad bis bis Königstraße, Tiergartenstraße von der Hizigstraße bis Kemper= plaz einschließlich. Ein grundsählicher Gegner der Arbeit. Hausdiener, die auf dem Rostamt SW. 19 in der Bergmannstraße die Sendungen ihrer Geschäfte aufgaben, wurden seit einiger Zeit fortgesezt um Pakete bestohlen. Am Schluß der Auflieferung mertten fie jedesmal, daß das eine oder das andere Baket der ganzen Sammlung fehlte. Endlich wurde jetzt der Dieb beobachtet und von dem Pförtner des Amtes festgenommen. Er hatte wieder ein Patet erwischt und die Beute, wie sich jetzt ergab, wie immer in ein blaues Leinentuch gesteckt, das er unter dem Rock um den Leib geschlagen hatte. Der Ertappte wurde der Kriminalpolizei übergeben, und diese erkannte in ihm einen 46 Jahre alten aus Beeskow gebürs tigen Albert Hohlfeld, der sich arbeits- und wohnungslos in Berlin umhertrieb. Hohlfeld ist nicht weniger als 24mal bestraft. Er hat viele deutsche Gefängnisse und Zuchthäuser kennen gelernt. Wie er fagt, mußte er, der Sohn eines Landarbeiters, | umherwandere, habe ich nur den französischen Standpunkt gehört. Ich stimme ihm in vielem bei, denn ich liebe Frankreich, aber es gibt auch noch einen anderen Standpunkt." Ja?" fragte Montauban höflich, aber mit einem Unterton von Sarkasmus. Ja! Den englischen. Den des gemeinen Mannes, des Tommy, der in Frankreich fämpfte." Ja?" fragte Montauban wieder. ,, und den fenne ich ziemlich gut. Wollen Sie ihn hören?". " Ja, bitte," sagte Madame de Montauban. Nun also. Er hält nichts davon, dem am Boden Liegenden, auch wenn er ein Deutscher ist, noch Fußstöße zu versetzen. Und er glaubt, daß, wenn Frankreich einen allzu harten Drud auf Deutschland ausübt, ein neuer Krieg folgen muß. Und das will er nicht, denn er hat schon zwei Millionen Arbeitslose unter seinen Kameraden als Folge des Krieges, und der Handel Englands liegt darnieder. Er will Frieden, und er glaubt, der Weg dazu ist die Vereinigung der Völker Europas, das Berlöschen des Haffes, feine Schuß- und Trutzbündnisse, sondern der Völkerbund. An den glaubt er." " Dann glaubt er an ein ungeheures Trugbild," sagte Montauban sehr falt. ,, Wenn ich als Soldat sprechen darf," sogte Armand de Baur, ich sehe die Sicherheit für Frankreich und England einzig und allein in der Macht ihrer Geschüße. Und ich vertausche sogar dieses sehr angenehme Diner mit dem Schmutz der Schüßengräben, wenn ich die Boches dadurch in die Luft sprengen fönnte." ,, Du bist ein blutdürftiges Ungeheuer," sagte seine Frau. ,, Sie sind ein Berächter meines armen fleinen Bantiers," Scherzte Kenneth, bestellte frischen Champagner und spielte die Unterhaltung sehr geschickt auf die Eigenheiten der Jazzmufit hinüber. Die Anderen hatten noch eine andere Einladung für den Um zehn Uhr mußte er wieder in der Gesandtschaft sein. Abend. Als Bertram der schönen Madame de Montauban den Freundschaft die Hand. Mantel um die Schultern legte, gab sie ihm m reizender Ich verstehe Ihren englischen Standpunkt," sagte sie, finde ihn aber etwas gefährlich." Dann beugte sie sich zu ihm, lächelte und sagte leise: Das ist wichtiger für Sie als ,, Es freut mich, daß Jonce so allgemein bewundert wird Ihlägt das englische Herz treu für uns, nicht wahr, mein Herr?" Bofifit, wenn Sie Ihre Schönheit lieben." fagte dieser ruhig. ,, So ist es," sagte Bertram leidenschaftlich ,,, und ich danke Ihnen für diese Worte, Motame. Seit ich in Frankreich Ein Rauschen ihres Kleides, ein graziöles Lächeln, und sie war verschwunden. ( Fortjehung folgt.) schon als Kind viel arbeiten. Dadurch wurde er ein ez. flärter Gegner jeder Arbeit, entlief mit 14 Jahren feinen Eltern nach Berlin und rührte seitdem grundfählich nichts mehr an, außer was er fehlen konnte. Auch fünftig, erklärte er, will er es ebenso halten. Zu einer regelrechten Arbeit werbe ihn niemand mehr bringen. Der Staakener Meineidsprozeß. Zusammenstöße zwischen Verteidigung und Vorsitz. Als weiterer Zeuge wird darauf der zweite Bürger meister von Spandau, Dr. Sherz, vernommen, der befundete, daß die allgemeine Meinung in Spandau von fints sis rechts dahin ging, daß Eggert außerstande fel, unter feinem Eide etwas faifces auszusagen. Es fei belannt, daß die Metzger Berkehr gehabt habe, aber nicht mit Eggert. Eggert hat auch gewußt, daß Dr. Fechner bei ihr gewesen sei, er habe das aber nicht sagen wollen mit Rüdsicht darauf, daß Dr. Fechner jung verheiratet war. Ein Hauptbelastungszeuge ist der Technifer Walter Altenburg, der in dem Rebenhause wohnte, und mit Frau Baermann befannt war. Er gehörte dem Aufsichtsrat der Gartenstadt an und fam, wie er befundete, von Moi bis Oftober 1921 mehrmals nachts aus uffichtsratsfihungen. Dabei hat er brei bis viermal Eggert angetroffen, als diefer aus dem Haufe des Fürforgeheims heraus fam. Ein Orrium sei ausgeschloffen. Borf: Wie sind Sie in diese Straffache als Zeuge hineingekommen? Sie find doch erst in der zweitens Berujungsverhandlung vor der Straffammer in ben Beleidigungsprozeß gegen Frau Baermann vernommen worden. Zeuge: 3h habe es aus Menschenfreundlichkeit getan, als gegen Frau Baermann Strafe beantragt war. Da habe ich mich bei ihr genzelbet, damit nicht ein Mensch unschuldig leidet. Ein Geschwores ner findet es eigentümlich, daß ber Zeuge immer gerade den Stadt, rat Eggert an berfelben Stelle getroffen habe, wenn er das Haus verließ. 3euge: Ich habe tamals fein Intereffe gehabt, sonst hätte ich mir alles haarflein notiert. Auf Befragen von R.-A. Baeder gibt der Zeuge zu, daß er mit Frau Baermann mäher be tannt fet, und daß sie bei ihm auch Sachen untergestellt hat, und daß seine Frau mit ihr zufammen zu der Berhandlung beim Schöf. fengericht in Spandau hingefahren sei. R.-A. Dr. Johanny: Bei diesen guten bekanntschaftlichen Beziehungen muß man sich doch wundern, daß Sie erst ein Jahr später mit Ihren ungeheuerlichen Wahrnehmungen hervorgetreten sind. Jeuge!= tenburg: 3 habe mich gemeldet aus menschlichem Interesse. Gelegentlich der Bernehmung eines 3eugen Stenger, eines Freundes don Stabtrat Eggert, der in seinen Augen unschuldig ist, und der überall hingegangen ist, um eine Wiederaufnahme zu bes treiben, tommt es, als er auf ungünstige Dinge über Frau Baermann, die zwar Jahre zurückliegen, cingehen will, zu einem( charfen zusammenstoß des Borlihenden mit der Berteidigung. Der Vorsitzende mill diefe Grärie rungen abscheiden. N.-A. Dr. Bindar erklärt dazu, daß er in aller Form gegen diese Prozeßführung des Vorsitzenden Profeft einlege, weil derfelbe immer, menm günstige Aussagen über Frau Baermann gemacht wurden, die Befragung abschneidet. Land. gerichtsbirettor Dransfeld erwidert darauf, daß er allein die Brozeßführung in der Hand habe und von Zeit zu Zeit einzugreifen genötigt fei. Ein anderer Zeuge mill Eggert in der Morgenstunde in der Nähe des Haufes gefehen haben und Eggert habe, um nicht erkannt zu werden, den Hut tief ins Geficht gebrüdi gehabt. Das Gericht beschließt, diesen Zeugen zu laden. Ein pon Der Staatsanwaltschaft geladener Dreher Albrecht madyt einige Angaben, die die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen Dr. Fech ner erschüttern follen. Als nächster Zeuge wird der Bauarbeiter Glaefemann vernommen, der schon im früheren Prozeß behauptet hat, daß er im Spätfrühjahr 1921 morgens zwischen 4 und 5 Uhr, als er mit seiner Frau zum Holzhofer fuhr, Eggert auf der Treppe des Hauses nefehen habe. Er habe zu feiner Frau gewendet gefagt: Siehft Du, to ist es doch wahr." Ein Zweifel, daß es der Stadtrat Egggri war, fei ausgeschlossen. Als sich dann die Notwendigkeit ergibt. einige Personen aus Staaten, die im Zuhörerraum anwesend find, als Zeugen zu vernehmen, und diese hinausgeschickt werden, mill fich auch gleichzeitig der vernommene Zeuge Stenzer hinausbegeben. Der Borsigende hält ihn an und fragt, weshelb er hinausgehe. Run melbet jich der Zeuge Glaesemann und sagt: Es ist eine regelrechter Dienst zwischen dem Juhörerraum und den Jeugen. Borf.: Ein Geschworener hat das auch schon beobachtet, das dient aber nicht ber Ermittlung der Wahrheit, fondern der Verschleierung. Duntle ächte find hier am Werte. R.-A. Dr. Pindar: Der Herr Borsigende hat von dunklen Mächten gesprochen. Ich möchte missen, in welcher Beziehung das gemeint ist. Bon der Verteidigung ift in feiner Weise mit den Zeugen gearbeitet worden. Bezeichnend ift, daß Glasfemann von der Gegenpartei spricht. Die Aeußerung über die dunklen Mächte verstehen wir um fo weniger, als die Beweisaufnahme ergeben hat, daß gerade auf der anderen Geite Dr. Kornfeld Geld gesammelt hat und noch vor dieser Berhandlung 3eugen zu bereden versucht hat. Warum foricht man bei diefem nicht von dunklen Mächten. Diese Art von Prozeßführung darf nicht weitergehen. Frau Glaesemann bestätigt die Angaben ihres Mannes, fie fann aber der Verteidigung feine Erklärung dafür geben, weshalb fie troh ihrer Freundschaft mit Frau Baermann dieser nichts von der Beobachtung gesagt hat, ob wohl sie zweimal in Spandau zu der Schöffengerichtsverhandlung gegen Frau Baermann als Zuhörerin gewesen ist. Im Berlauf der Berhandlung fommt es hier zu einem Zusammenstoß zwischen dem Berteidiger Dr. Bindar und dem Borsigenden Dransfeld, in deren Frige der Berteidiger seine Atten packt und den Saal verläßt. Eine neue Jeugin, Frau Souls aus Staaten, betunbet, bas fie am 29. April 1921 mit ihrer Tochter mit dem ersten Früh auge um 4 Uhr in Staaten angekommen fei. In der Bahnhofstraße fet aus dem Torbogen vor dem Säuglingsheim Stadtrat Eggert herausgetreten und die Tochter hatte gefragt: o tommt der fest um diese Zeit her?" R... Dr. Johanny stellt unter Beweis, daß die Angeklagte Mekger vom 5. mär3 bis 1. Mai 1921 gar nigt in Staaten, fondern in einem Sanatorium ges wesen ist. Mehrere Zeugen meiden sich aus dem Zuhörerraum, um zu befunden, daß in dem Haufe die Treppenbeleuchtung an jener Zeit faft nie funktioniert hat, so daß man sich als und Beine in dem Durchgang bredjen tonnte. Schließlich wurden noch als neue Beugen ein Ehepaar Eichentopf aus Staaten vernommen. Ehemann befundete, daß er im Frühjahr 1921 gegen 2 Uhr nachts in dem Torweg Eggert gefehen hat. Em Irrtum fei ausgefchloffen. Engert habe seinen Belatragen bodygeschlagen gehabt. R.- 21. Dr. Jobanny: Wir stellen unter Beweis, daß Eagert nie einen Belztragen befeffen hat. R.- 2. Dr. Johanny: Weshalb haben Sie sich nicht früher memeldet? Seuge: Beil tch feine Ber onfaffung dazu hatte. Berteidiger: Warum tun Sie es jetzt? Beuge: Weil jezt in Staaten gewühlt wird, um die attive Bahre heit hinters Licht zu führen. Es würden sich noch viel mehr Beure melden, aber sie haben nicht den Mut, wenn sie fehen, wie brei Berteidiger den Zeugen dumm tommen und sie bis auf die Fußlappen ausziehen. R.-A. Baeder erhebt enerische Merwahrung dagegen, daß derartige ungehörige Ausfälle gegen die Berteidigung ungerügt bleiben. Landgerichts direktor Dransfeld verbittet sich energisch e'ne Kritit feiner Beth nd lungsführung. Nach einigen weiteren feststellungen wurden die Verhandlungen auf Freitag früh 9 Uhr vertagt. Der Wegen Berlegung in neue Räume bleiben mehrere Dienst. stellen einiger finanzamter vom 19., 20., 22. und 23. Dezember gefchloffen. Näheres im Anzeigenteil. Haarmanns Schlußwort. Ich gehe mit Frenden zum Schafott." R. Hannover, 18. Dezember. 3mm fehten Augenblid war es wieder Haarmann, der Mensch. der hinter Haarmann dem Mörder hervorlugte. Triebhaftes Schicksal war es, daß über Haarmann waltete. Die Klauen des Unbewußten hatten fich feft in ihn eingefrallt, hatten fich vampirhaft in ihn eingesogen. Das Tragische ist vielleicht, daß er diese Tragit faum ahnt: Er lagt feinen Vater an und seinen Freund Grans, er findet aber feine Borte der Antlage gegen die Gesellschaft, die ihn zum Massenmörder werden fieß und jetzt den franten Menschen als Sühneopfer für fich felbft zum Schafott führt. Biel Kindisches, viel Selbstge fälliges, viel Eitelkeit stedte in feinen letzten Worten, aber ebenso viel von ihm felbit faum gefühlte Wahrheit. Und die grauenhafteste von allen diesen Wahrheiten war: Würde ich in Freiheit gesetzt werden, ich würde wieder morden. Weshalb ich tötete, ist mir ein Rätsel." Er wünscht den Tod, wie es scheint, ehrlich, selbst menn er in schwachen Stunden auch ihn fürchten sollte, als Befreiung vor sich selbst. Und follte man ihm wirklich nicht diefen Wunsch, nicht schon aus purer enschlichkeit gewähren? Und trotzdem ist ein gräßlicher Gebanke qu wiffen, daß neun Richter feinen Tod beschließen sollen und ein Henter ihn hinrichten wird im Namen der Gerechtigkeit. Es bleibt doch immer Leben für Leben. Haarmann hat noch im letzten Augenblic Grans schwer belastet. Er hat dem Gericht neue Rätsel aufgegeben. Und er hat die Wahrheit gefagt. Grans hat Leichen gesehen. Er hat die Morde nicht angezeigt, er hat aber nicht von allen seinen Morden gewußt. Er hat nicht um der Anzüge willen die jungen Menschen dem Tode zugeführt. Es will aber doch fast scheinen, als erwarte beide Freunde das gleiche Schicksal. Für Haarmarms Bewußtsein wäre ein Todesurteil gegen Grans eine schmere innere Belastung. Verhandlungsbericht. Hannover, 18. Dezember.( Drahtbericht.) Nach der Mittagspause ergriff der Berteidiger des Angeklagten Grans, Rechtsanwalt Boze, das Wort zu feinem Plädoyer. Einleitend betonte er, daß es eine Ehrenpflicht des Berteidigers sei, Hannover und Deutschland gegen gewisse Angriffe in Schuß zu nehmen. Es sei ebenso gefchmadprozeß, wie der Haarmann- Prozeß, nur in Deutschland möglich fei. los wie töricht, sich darüber luftig zu machen, daß ein solcher MordBon Gilles de Ran über Landro, Loeb und Leopold führe eine lange Kette bis zu Haarmann. Beiter wandte sich der Verteidiger gegen die vielfach falsche Einstellung der Deffentlichkeit zur Berteidigung Saarmann der Stärkere, der Geriffene, der fich meisterhaft verteidige, im Haarmann- Brozeß und zum Brozeß selbst. In Wirklichkeit jei ber aber nicht glaubwürdig fei. Mer fo glänzend, wie Haarmann, auf alles reagiert, ber hole fich auch seine Opfer selbst. Auf jeden Fall fafie fich auf Grund des minderwertigen Belaftungsmaterials fein Todesurteil gegen Grans fällen. Der Verteidiger bat um Freis fprechung feines Mandanten von der Anflage der Mordanstiftung. anwalts Dr. Bilde. Zur allgemeinen leberraschung richtete dann wie auch der Hehlerei. Hieran schloß sich die Replik des Oberstaatsder Borsigende nach der Replif des Oberstaatsanwalts an haar. fprünglich war das Schlußwort erst für Freitag beabsichtigt mann die Frage, ob er noch etwas zu erklären habe. Saarmann nichte zustimmend und erklärte darauf folgendes: urbelastet. Jó habe vom ersten Tage meiner Berhaftung an geSie, meine Herren, ich stehe hier vor Ihnen und bin schwer leugnet, weil ich fein Berirauen zur Polizei und überhaupt zur Dann tam ich zur Unteroffizierschule, wo ich beim Turnen einen Menschheit hatte. Bon Jugend an hatte ich nur meine Mutter. Unfall hatte." Haarmann schildert dann noch einmal, wie zu Beginn der Verhandlung, feine Jugendzeit wobei er wiederum heftige Bor würfe gegen seinen verstorbenen Vater erhob, der nach dem Tode der Mutter feine Geliebte ins Haus gebracht hatte. Borf.( unterbrechend): Haarmann, wollen Sie denn num das alles wieder erzählen. Sie haben uns das doch schon geschildert?" Haarmann: Die Menschheit soll nicht von mir denken, daß ich so schlecht bin. Es handelt sich hier nicht darum, daß ich feige bin. Ich gehe mit Freuden zum Schajoft, benn es ist eine Erlösung für mich; aber die Menschheit soll auch Klarheit über mich haben. Es handelt sich doch hier nicht um einen einfachen Diebstahl. Ich will Gerechtigkeit, will aber auch ein gerechtes Urteil über Grans. Hier foll fein Unschuldiger feinen Kopf verlieren. Ich will ihn nicht fdyonen, ich will ihn aber auch nicht anflagen. Er foll sein Gewissen felbst sprechen lassen. Ob Sie mir nun glauben, oder nicht, ich stehe ja bald vor Gottes Angesicht, und vor meiner Mutter. Da hilft mir ja doch kein Beugnen mehr, und wenn Grans schuldig ist, dann soll er es auch vor Gott, dem Herrn, betennen und auf den Knien liegen, so wie ich schon jahrelang auf Anien vor ihm gelegen habe." Als Haarmann darauf auf Einzelheiten eingehen will, deren Wiedergabe sich nicht eignete, unterbricht ihn der Vorsitzende abermals, a armann fortRaubüberfall auf dem Bahnhof Hermsdorf. Ein Eisenbahnafsistent schwer verletzt. Der fahrend:„ Ich will mich hier nicht bloß als gerissen und abgefeimt hinstellen lassen. Ich will in teine Irrenanstalt, lieber will ich nicht leben. Grans ist kein Engel, ich will ihn aber nicht belasten. Was bis jetzt rausgekommen ist, das ist durch ihn selbst und durch seine Zeugen rausgekommen. Warum hat er nicht aud zugegeben, daß er mich so furchtbar ausgenutzt hat. Ich war in feiner Hand so weich wie Wachs und er fonnte mich formen. Aber ich mußte ihn haben, denn ich war ja allein auf der Welt. Ich habe erst jede Tat geleugnet, wie jedes Kind zuerst leugnet und von der Beit an, wollte ich jemand um mich haben. Grans ist Egoist und hat mich ausgenußt. Aber über die Mordtaten, das will ich befennen, hat er sich hier ehrlich geäußert. Er hat wohl die Opfer gesehen und sich dabei gedacht, er lönnte seine Vorteile haben. Wie ich in diesen Zustand geraten bin, weiß ich nicht. Ich stehe selber vor einem Rätsel. Ich sah mur immer, daß ich morgens eine Leiche bei mir hatte; aber nicht bet allen, aber von 100 bis 101 find ungefähr 98 wieder freigetommen. Ich verschweige hier vieles, denn wozu sollte ich noch andere mit reinreißen. Aber ich glaube nicht, das Grans so schuldig ist, wie der Staatsanwalt ihn hinstellt." Borf.:" Wollen Sie denn nun ihre Aussage über Grans aufrechterhalten?" Haarmann:„ Jawohl, meine Aussage halte ich aufrecht. Grans soll das mit sich selber abmachen. Es kommt vielleicht auch mal feine Stumde, in der er sagen wird: Ich habe an Haarmann als Lump gehandelt." Aber ich will nicht, daß sein junges Leben vernichtet wird. Haben Sie Erbarmen mit ihm! Ich bin ein Mensch, der frankhaft veranlagt ist. Wenn ich wieder in Freiheit fäme, dann würde ja das Grauenhafte wieder passieren. Ich bitte Sie, laffen Sie mich nicht so lange sihen. Machen Sie es furz, dann ist die Qual nicht so lang. Ich habe nicht mit Borsaz gehandelt, es war immer das frankhafte Gefühl dabei. Ich stehe bei meinen Mordtaten einem Rätsel gegenüber, denn es ist mir unerklärlich, weshalb sich die Leute nicht gewehrt haben. Inwiefern Grans hier. bei in Mitleidenschaft gezogen wird, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er mir nie gesagt, wir wollen sie töten, oder wir wollen sie wegen ihres Zeuges umbringen, nie hat er ein Wort davon gesagt. Aber er hat meinen Zustand ausgenugt bis auf das äußersie. Bom erften Augenblick an habe ich gebeten, man folle mich vor Zuchthaus und Irrenanstalt bewahren und mein Beben nehmen. Ich möchte ein gerechtes Urteil haben. Erlösen Sie mich von aller Qual, für mich ist es ja nur eine Operation, die in einem Augenblick erledigt ist. Ich werde tein Gnadengesuch und feine Revision einreichen. Ich mache es Ihnen so leicht, machen Sie mir es auch leicht. Aber machen Sie es milde mit Grans, feine Strafe tommt noch. Aber die Todesstrafe hat er nicht verdient. Er ist nicht direkter Anstifter. Das tönnen Sie ihm nicht beweisen, nie hat er mit mir darüber gesprochen. Bon den hunderten oder zweihunderten, die er mir gebracht hat, ist nur ein Opfer auf der Strede geblieben, die übrigen sind entkommen, Ob er sie mir in der Absicht gebracht hat, daß fie umgebracht werden, das weiß ich nicht. Das muß hier geprüft werden." Borf.( unterbrechend):„ Das müssen Sie dem Gericht überlassen." Haarmann: Jawohl. Dann möchte ich auch noch sagen, daß die Polizei voll und ganz ihr mög beben ihr möglichstes getan, um alles rauszufriegen. Heute bin ich lichstes getan hat, um alles gegen mich aufzuklären. Ich habe wont zuerst geleugnet, weil man mich grob angefaßt hat. Aber die Herren flar. Ich danke Ihnen, meine Herren."( Seßt sich und schlucht vor sich hin. Große Erregung im ganzen Saal.) Dann richtet der Borfihende auch an Grans die Frage, ob er noch etwas zu erklären habe, worauf Grans fich nach einer furgen Rüdsprache mit seinem Berteidiger dazu entschließt, und stodend sein Schlußwort fpricht: Haarmanns Aussagen sind mit Wahrheit und Dich. tung vermischt. Kein Mensch fann feststellen, wo die Wahrheit aufhört, und wo die Dichtung anfängt. Aber Haarmann, der Mensch. der mein Freund war, beschuldigt mich jeßt aufs schwerste."( Haarmann wird dabei von heftigem Weinen geschüttelt.) Haarmann hat mir immer erzählt, die Sachen sind von durchreisenden Burschen getauft worden und ich habe ihm immer geglaubt. Ich habe nie prüfen können, daß diese Sachen auf andere Weise erworben wurden. Ich habe damit nie gehandelt, wie Haarmann sagt, sondern ich habe fie immer für mich gebraucht. Hätte ich die leifefte Ahnung gehabt, daß die Sachen auf diese Weise in Haarmanns Besiz gekommen sind, dann hätte ich sie bestimmt nicht genommen. Haarmann erzählt, er bat mich ernährt und gekleidet. Das ist nicht wahr. Ich habe meinen Lebensunterhalt verdient mit Geschäften, wie sie von Hunderten in Hannover gemacht wurden. Ich habe niema's Haarmann junge Leute zugeführt und ich habe auch niemals einen Menschen getötet!" Hierauf wurde die Berhandlung auf den heutigen Freitag, 10 Uhr, vertagt. Das Urteil wird im Laufe des heutigen Tages gefällt werden. bagegen wie gewöhnlich statt. Die Brieffästen werden im wesent fichen unverändert geleert, die abendliche Briefzustellung fällt jedoch aus. Das Urteil im Prozeß Schreiber. Ein schwerer Raut überfall ereignete sich Donnerstag nachmittag auf dem Bahnhof Hermsdorf bei Berlin. Gegen 3% Uhr fam ein Mann auf der Nordseite des Bahnhofs durch den Gepäc raum in den Kaffenraum. Hier traf er den Bor der Straffammer des Schöffengerichts Berlin- Mitte hatte Eisenbahns sich gestern der Polizeiwachtmeister Schreiber zu ver asistenten Baul Bäzold, der allein anwesend war. antworten, der beschuldigt war, bei den bekannten Borgängen am Unbekannte fragte Bägold, wo der Bahnhofsvorsteher sei. Als ihm 5. Rovember vorigen Jahres in der Linienstraße sich gegen wehrlose geantwortet wurde, daß diefer zu Tisch gegangen sei, fiel er fofort Angehörige des Bundes jüdischer Frontsoldaten vergangen zu haben. liber Bäzold her und schlug ihn zu Boden. Dann raubte der Nach kurzer Beratung verkündete der Borsitzende folgendes Urteil: unbefannte aus der Stationstoffe 600 M. und der Durch die Beweisaufnahme konnte troß des fortgesetzten Leugnens schwand. Der Ueberfallene tourde nach einiger Zeit von einem des Angeklagten einwandfrei festgestellt werden, daß dieser sich der anderen Beamten am Boden liegend aufgefunden; er hat schwere fortgesetten törperlichen mishandlung an mehr. Kopfunden dooongetragen und wurde sofort ins Krankenhaus gestosen Festgenommenen schuldig gemacht hat. Er bracht, wo er so schwer daniederliegt, daß eine zusammenhängende Schilderung des Ueberfalls von ihm noch nicht zu erhalten ist. Mi: teilungen, die dazu dienen fönnen, den Ueberfall aufzuflären, nimmt Kriminalkommissar Werneburg, Zimmer 80, im Polizeipräsidium Berlin, entgegen. Auf die Ergreifung des Täters wird noch im Laufe des Tages eine Belohnung ausgefeßt werden. Berliner Postverkehr zu Weihnachten und Neujahr. Am 21. imb 28. Dezember( Sonntags) sowie an den beiden Weihnachtsfeiertagen und am Neujahrstage sind die Bostschalter wie sonst an Sonntagen offen, jedoch fönnen am 21. Don 9-12 Dormittags bei sämtlichen Pafetannahmestellen gewöhnliche Batete( einschließlich der un versiegelten Wert- und Einschreib. patete) aufgeliefert werden, versiegelte Wertpafete indeffen nur bei den Bahnhofspostämtern N 4( Stettiner Bahnhof) W. 9 ( Botsdamer Bahnhof), SB. 11( Anhalter Bahnhof). D. 17( Schlefiher Bahnhof), ED. 36( Görliger Bahnhof) und n. 40( Lehrter Bahnhof). Um 25. fönnen in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags bei allen Batet a usgabe ämtern Bakete ab. geholt werden. Am 21. und 25. werden auch nach Landorten Batete zugestellt, am 26. 28. und am Neujahrstage ind ffen nicht. Am 2. Weihnachtsfeiertage ruht auch die Zustellung von Brief fendungen und Zeitungen, die an den sonst genannten Sonn- und Feiertagen nach ben gewöhnlichen Borschriften für den Sonntags bienst erfolgt, nur ift am Neujahrstag eine Geldzustellung vorgesehen. Am 24. Heiligabend werden alle Post annahmestellen um 4 Uhr nachmittags geschlossen; die Annahme von Telegrammen und Ferngesprächen sowie die Zustellung von Geldern und Paketen findet wird daher mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Außerdem wird dem Angeklagten die Fähigkeit zur Ausübung öffentlicher Aemter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt und die gesamten Rosten des Strafverfahrens auferlegt. Wieder ein Todesurteil! Späte Sühne fand jetzt ein Mord, den der landwirtschaftliche Arbeiter Bela Berbely an dem 72 Jahre alten of besiger Georg Baschte in Hoppegarten am 15. Oftober 1922 be. ging. Baschte besaß dort ein fleines Anwesen, auf dem Berbely seit einiger Zeit als Knecht beschäftigt war. Der Hofbefizer wurde am 16. Oftober morgens gegen 5 Uhr von einem Berwandten, der durch das Brülen des Biehs aufmerffam gemacht worden war, im Futtergange des Kuhstalls liegend tot aufgefunden. Der Schädel des Toten zeigte eine drei Zentimeter lange flaffende Bunde. In der Nähe lag ein Holzpantoffel, mit deffen Kante der Schlag geführt war. Als Täter tam unzweifelhaft der Knecht Berbely in Frage, der verschwunden war. Nach der Tat war der Mörder in das Wohnzimmer anangen, hotte hier Geld, eine Uhr und andere Wertsachen an fich genommen und war damit geffet. Im März d. 3. wurde Berbeln in Würzburg ermittelt und fest genommen. Er bestritt entschieden, mit dem Berbeln personenaleich zu sein und legte sich einen faliden Namen bei. Bon sieben Bauerngutsbesigern aus Hoppegarten wurde der Berhaftete aber wiedererkannt als der gesuchte Berbely. In der Hauptverhandlung des Schwuraerichts in Frankfurt a. d. O. wurde der Mörder zum Lode verurteilt. Aufwertung von Sparkassenguthaben. Aus einer Berfügung des Preußischen Ministers des Innern wird mitgeteilt: Durch Runderlaß vom 9. April d. 3. ift angeordnet worden, daß von Vereinbarungen und Beschlüssen über Aufwertung Don Sarfaffenguthaben so lange abzusehen ist, bis die Durchführungsbestimmungen zu§ 7 der dritten Steuernotverordnung vom. 14. februar d. 3. er. laffen fein werden. Berschiedene Wahrnehmungen geben Beranlassung, diese Verfügung in Erinnerung zu rufen. Beschlüsse Don Spartoffenverbänden oder fommunalen Rörperschaften, die in irgendwelcher Form über das aufgewertete Bermögen von Sparfaffen zu verfügen bestimmt sind, würden schon deshalb der Rechtsgültig feit ermangeln, weil gemäß§ 7 der dritten Steuernotverordnung die Verteilung der Tellungsmasse unter die Sparfaffengläubiger dem Treuhänder vorbehalten ist, beffen Teilungsplan der behördlichen Genehmigung bedarf. Die Bestimmungen fiber Ernennung des Treubhänders fowie über die Bildung und Berteilung der Teilungsmasse werden ergehen, sobold Gewißheit über Die endgültige Gestaltung der allgemeinen Aufwertungsgrundsätze geschaffen ist. Desgleichen ist von Beschliffen der Gemeinde-( Gemeinde Derbands-) Körperschaften über Leistung von Beiträgen zum Sparfaffenaufwertungsstod Abstand zu nehmen, da die Bestimmung hierüber ebenfalls der Landesregierung vorbehalten ist. Ebenso muß zurzeit angesichts der Bestimmungen der dritten Steuernotverordnung eine Beschlußfcffung einzelner Gemeinden usw. über die Aufwertung von Gemeinde- und Gemeindeverbandsanleihen sowie über die etwaige Aufnahme der Berzinsung solcher Anleihen zweckmäßig unterbleiben. Noch immer kein volles Geftändnis Angersteins. Jugendveranstaltungen. Kinng, Abteilungsleiter! Wir weisen darauf hin, daß von vielen Ab 1. Ferner haben viele Abteilungen noch verfchiebene Abrechnungen vore zunehmen. Desember, Internationale" muk bezogen werden. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute von 5 bis 7 Uhr Abrechnung ber Beitragsmarten, Ausgabe von Jugend vovan" und der Arbeiter- Jugend". Zu der Bluttat Angersteins wird befannt, daß der Untersuchungsrichter den Eindruck hat, die bisherigen Ausjagen Angereins feien unrichtig. Die Behörden verfolgen verschiedene muk. Spuren, die zur Klarstellung der tatsächlichen Beweg gründe der Mordtat führen fönnen. Angerstein macht den Einbrud eines raffinierten Menschen. Irgendwelche geistigen Störungen fonnten nicht festgestellt werden. Der Mörder, deffen Ge fundheitszustand sich mit jedem Tage beffert, hat den Richtern noch fein flares Bild über feine Beweggründe gegeben. Es ist gelungen, festzustellen, au welche Weise Angerstein fein legtes Opfer tötete. Der Mörder rief den Gärtner Darr ins Haus, gab ihm ein Kreide. ftück in die Hand und forderte ihm auf, auf dem Fußboden eine Stizze von der neugep'anten Gartenanlage zu machen. Hierauf schlug Angerstein den auf dem Boden Knienden nieder. Folgenschwere Explosion Im Cüneburger Eisenwert Jm Büneburger Erienwert führten die infolge einer Verstopfung im Schmelsofen angeiammelten Gafe eine Explosion herbei. Bier Arbeiter wurden schwer verlegt, von denen zwei im Laufe der Nachi fiarben. Parteinachrichten einfendungen für diese Subri? find Berlin 68. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sef, 2 Tzes. rechts, au richten Shung am Sonnabenb, ben 20. Dezember 1924, abends 7 Uhr, in ber Juristischen Sprechstunde, Lindenste. 3. Tagesordnung: 1. Unsere Aufgaben im tommenben Sandtag und Reimstag. Referent: Gen, 8achert, M. b. 2. 2. Distuffion. 3. Gefchäftliches. Alle parteigenöffischen Beamten, aud Right Funktionäre, find zum Erscheinen verpflichtet 3. A.: Ruben, Warnung vor einem Schwindler. In den Arbeitergegenden Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten und Lehrer. tritt ein Mann auf, der sich als Bertreter der Allge meinen Dristrantentasie der Stadt Berlin" aus. gibt und verfucht, Mitglieder für diese Staffe gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes von 4 M. au werben. Die Allgemeine Ortsfranten faffe der Stadt Berlin sat feine enten, nimmt auch nur ver sicherungspflichtige Perionen auf und hat niemals Bertreter angestellt. Der Mann hat es nur auf die Eintrittsgelder ab. nefehen. Es wird ersucht, wenn er wieder zum Eintritt in diese Staffe auffordert, ihn polizeilich feststellen au laffen. Die Aufführungen Romeo und Julla", die der Bezirts. bildungsausschuß am Sonntag, den 21. und 28. Dezember veranstaltet, finden nicht im Theater des Westens, sondern in der Goethe Bühne, Klosterstraße 43, unmittelbar am Unter. grundbahnhof Klosterstraße, nachmittags 4 Uhr statt. Die Weihnachtsausstellung der sozialistijden Arbeiterjugend im Jugendheim Lindenstraße 3, II. Hof links 2 Treppen, ist, soweit die literarische Seite in Betracht kommt. bereits von uns in einem Artikel Arbeiter und Buch" gewürtigt worden. Nun noch cin paar Worte über die Ausstellung von Bander und Sportartifeln aller Art. Eine große Auswahl herricht in gediegenen Manchesteranzügen, die im Durchschnitt init 27 Mart ausgepreift find. Wandertutten, die immer mehr getauft werden, find in ansprechenden Farben am Bager. Musikinstrumente, Bauten, Gitarren und Mandolinen, ferner Aluminiumfocher, Hordentöpfe, Lodenmän, Sandalen und Reform. fchuhe furzum alles, was zur luftigen Wandarei gehört, ist hier zu finden. Die besuchenswerte Ausstellung ist werttäglich von 4 bis 7 Uhr und am legten Sonntag vor Weihnachten von 2 bis 7 Uhr geöffnet. Das Rose- Theater hat durch Anzengrubers Bobsftud 5eim. gefunden" seinen Spielplan bereichert. Die einer guten Beob. achtungsgabe entsproffenen Typen verfehlten ihre Wirkung nicht, zumal Anzengruber felbst in den Rühren noch wahr bleibt, in benen andere Schriftsteller seines Genres schon längst in Sentimen talität eririnten. Unter Karl M. Jacobys Spielleitung befam diese Wiener Weihnachtstomödie sechs recht nette Bühnenbilder, unter denen der Weihnachtsmarkt und die Winternacht besonders auffieien. Hier war wirklich Stimmung festgehalten, hier wurde tatsächlich den Zuschauern gerz weihnachtlich zumute. Bon den Darstellern fönnen Florian Stieng!( Thomas), Margarete Albrecht( die alie Hammer), Margarete Adolphi( Frau Hand), Georg Mendel( Fähn fein) und Martin Knapfel Schrauber) den Hauptanieil des sehr heiz. lichen Beifalls für sich in Anspruch nehmen. Helft den Sarkauer Fischern! Der Berband der Ostpreußischen Preffe erläßt fol. genden Hilferuf: In den ersten Dezembertagen durchlief die deutsche Presse eine trourige Kunde, welche den Ernst und die Schwere des Seemanns loses erneut beleuchtete: In dem ostpreußischen Fischerdörschen Sartau, bas am Eingang der Kurischen Nehrung liegt, find 13 brape Fischer in Ausübung ihres Berufes ein Opfer der winterlichen See geworden. Die anftürmen ben Wellenberge haben 13 Geeleute, darunter 9 Familienväter, unter fich begraben. Um fie trauern, der bittersten Not preisgegeben, mehr als 26 interbliebene. Diefe Tragödie des Alltags gewinnt dadurch noch erhöhte Bedeu tung, daß es für die Frauen, die ihres Ernährers beraubt sind, feine Berdienstmöglichkeiten gibt, der die Bewohner der Kurischen Nehrung find lediglich auf den Fischfang angewiesen. Da die„ ostpreußische Sahara" fein Boben für landwirtschaftliche Pflege ist, gibt es für die Witwen feinen Weg zu einer neuen Eristenzaufrichtung. Naturgemäß haben behörbliche und private Fürsorge sofort helfend eingegriffen, um die von Schick fat so hart Betroffenen vor der größten augenblicklichen Not zu hryzen. Allein es ist begreiflich, daß diese Hilfstätigkeit auf weitere Cicht im Hinblick auf die herrschente wirtschaftliche Not des Bater landes wie des einzelnen nur begrenzt sein kann. Nur noch eine furze Spanne Zeit trennt uns vom Weihnachtsfeft. In den deutschen Heim stätten wird der Weihnachtsbaum entzündet werden, Kinderstimmen werden jubeln und jauchzen. In Sartau, das in echt oftpreußischer Gestfreiheit trop feiner Armut noch in diesem Som mer eine Schar pon Ruhrfindern Wochen hindurch aufgenommen hatte, hielt der Tod reiche Ernte, und tiefe Trauer griff Raum in den feinen Hütten zwischen Haff und See. Mögen die Frauen der so jäh aus dem Leben geriffenen Garfauer Fischer durch reich zufließende Gaben dan Trost schöpfen, daß helfende Hände und gebefreudige Herzen ihnen nicht nur mit Worten, fordern durch die Tat die Teilnahme der nächstenliebe zu befunden bereit sind. Spenden bitten wir zu überweifen an das Postiched tento der Deutschen Nothilfe Königsberg Nr. 18 690 unter dem Kenn. mort„ Sarfau". 6. Kreis Kreuzberg. Aytung! Sinweis des Bezirksbildungsausschusses im ,, Spiegel" betreffend Theatervorstellung am 21. Dezember beachten. 18. Kreis Weißenfee. Einlaßkarten für Romea und Sulla" am Sonntag, ben 21. Dezember, im Theater bes Westens, ferner für die Barteiner anftaltungen am 1. und 2. Feiertag im Deutschen Opernhaus, Schiller Theater und Großen Schauspielhaus sind beim Genoffen Seini, Gabler ftraße 7, zu haben. Heute, Freitag, den 19. Dezember: a. Abt. Abrechnung fämtlicher Listen der Bezirksführer beim Genoffen Berrichen, Bilsnader Str. 40. 43. Abt. Die Genoffen und Genoffinnen, die fich bereit erklärt haben, etwas zur Weihnachtsfeier für unfere Rinder und Alten beizutragen, werben gebeten, ihre Liebesgabenpalete bis fpätestens Sonntag, ben 21. Dezember, beim Genoffen Blantenburg, Camphaufensivake, abzugeben. 46. 6.& Uhr bei Eichhola, Cuvenſtr. 23. Sigung der Weihnachtskommiffion und der Bezirksführer. Ferner müften alle im Umlauf stehenden Sammel. listen in biefer Sizung unbedingt abgerechnet werden. gangsszialisten, Gruppe Rotben. 7% Uhr im Jugendheim Drthstraße Refe, und Borttagsabend. Briefe von Rosa Luxemburg unb Sarl Liebknecht. Referent: Genoffe Serlinger. Jugendgenoffen finb eingeladen. Gruppe 2antwig. 8 Uhr Reftaurant Spottede politische Aussprache. Morgen, Sonnabend, den 20. Dezember: 11. st. Rur flugblattverbreitung treffen fich die Genoffen am Gonnabend um 6 Uhr und Sonntag frith 8 Uhr bei Berger, 27. t. 6 1hr Flugblattverbreitung von ben bekannten Lokalen aus. 30. bt. Die Bezirksführer müffen das Material aur Flugblattverbreitung nachm. 5 Uhr bei Mahntopf. Carmen- Sylva- Str. 123, in Empfang nehmen. 41. bt. Nadym. 4 Uhr bei Echult, Marlendorfer Str. 5, holen alle Gruppen die Borwärts"-Extraausgabe ab. 44. st. Abholung der flugblätter ab 4 hr bei Eiffert, Oranienftz, 196. 48. Abt. Die Bezirksfilhrer werben erfucht, machm. non 4 Uhr ab bie glug blätter abzuholen. 103, bt. Oberfönemeibe. Abenbs 6 Uhr bei Smberg Material abholen sur Flugblattperbreitung. 106. Abt. Johannisthal. Die Gruppen treffen fid 7% heat withtiger Parteiarbeit beim Genoffen Gobin, Roonffr. 2. 119. bt. Zichtenberg. Sonnabend, abends 5 Uhr, unb Gonnon, frith the, Flugblattverbreitung. Sonnabenb abenbs 7 Uhr, bei Siede, allen 123. bt. Raulsberf. Sonnabenb. ben 20. Desember, 8 Uhr, Funktionär borfffraße 48, furge michtiae bteilungsvorstandsfitung. 124. Abt. Mablsborf. 7% Uhr Cinfinben ber Genoffen se bholung ber fisung in Sibners Restaurant. Flugblätter bei Anders, Bahnhofstraße. 27. Dezentber 9. QUE Boranzeiget Gemütliches Deisammenfein ( 8. Feiertag), mit Familien im Artushof", Berleberger Str. 29. Beginn 5 Uhr. 120. Abt. Friedrichsfelde. Sonnabend, den 27. Dezember( 3. Felerbag), bei Saberland Unterhaltungsabend mit Tanz. Eintrittstarten find beim Ge. noffen Fuhrmann, Balberfeefte, 42, 3 r., zu haben. Jeber Benoffe hat fich am Rartenverlauf au beteiligen. Jungfozialisten! Die gemeinfame Weihnachtsfeier findet Gonntag, den 21. Dezember, nachm. 6 Uhr, in Rahnsdorf. Barabiesgarten, ftatt. Alle Gruppen beteiligen fich daran. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 48. Abt. Die Trauerfeier für unferen in Sirschberg eingeäfcherten Ge. noffen Emit Bethke, Giffchiner Straße, findet am Sonnabend, den 20. Deember, nachm. 4 Uhr. im Krematorium Baumfäulenweg statt. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 19. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.80-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule: Handelskurse.( Abteilung Bildungskurse). Stadtrat Dr. jur. Gordan:.Rechtsfragen des Alltags. 3. Vortrag: „ Vom Schaden und seinem Er satz: 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Drachen und Riesenvögel der Vorzeit. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule: Medizinische Vorträge.( Abt. Bildungskurse), 8. Vortrag. Dr. Paul Meißner; Hygiene des Kinderzimmers". 8 Uhr abends: Vortragsreihe: Der Naturschutz und seine Ausübung". 4. Vortrag. Dr. Hermann Helfer: Vogelschutz". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Lustspielouvertüre, Keler- Bela. b) An der schönen blauen Donau, Johann Strauß( Fritz Wenneis am Schiedmayer- Meisterarmonium). 2. a) Adams erste Frau, b) Die Rache des Künstlers ( Ernst Benzinger von den Robert- Bühnen, Rezitation). 3. a) Hans und Liese, b) Die Lore vorm Tore, o) Der Schlossergesell, Volkslieder( Hermann Boettcher, Lieder zur Laute). 4. a) Für dich allein, Secht, b) Weserlied, Pressel, c) Winterlied, H. v. Kos ( Georg Hartmann, Tenor, fr. Staatstheater Hannover). 5. a) Morphium, Spoliansky, b) Rosenkavalierwalzer. Rich. Strauß Fritz Wenneis um Schiedmayer- Meisterharmonium). 6. a) Friedrich der Große und sein Page, b) Berliner Auflauf, o) Das Lachen( Ernst Benzinger, Rezitation). 7. a) Entstehung des ersten Kusses, Kranert, b) Hobellied aus dem Verschwender". Raimund, c) Die BauernLieder zur Laute). hochzeit, Binder( Hermann Boettcher, 8. a) Mädchen mit dem roten Mündchen, Gall, b) Dein gedenk ich. Margarete, Meyer- Helmund, c) Abendfrieden, Kürsch( Georg Hartmann Tenor). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. Theaterdienst. " Heute, Freitag, den 19. Dezember, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Balbenfer Str. 21, Bortrag: Ferdinand Baffalle." Webbing: Jugendheim Schönftebtftr. 1. Bortrag; Die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Rorbesten I: Jugendheim Bökomstt, 40, Discussion: Die Luthrrelle Bebeutung bes Stundfunks. Rorbosten: Jugendheim Danziger Straße 62, Bortpag: Jugendbewegung und pflege." Often, StrB.: Schule Raglerftr. 3, Bortrag: Bom Sandwerk zum heutigen Bro buktionsproze. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenfte, 4, Bortrag: Barum feiern wir Weihnachten?" Steglig 11: Jugendheim Solsteinische Straße 3, Bortrag: Seguelle Not in unferem Alter", 2. Zeil. Tegel: Sugendheim Bahnhofftr. 15, Rabio- Bortrag. Lichterfelbe: Die Seimabende finden iekt jeden Freitag von 8-10 br im Jugendheim Lichterfelde, Albrechtstraße 14s, Rimmer 7, statt, Musikinstrumente find mitzubringen. Freitag, den 2. Januar. Mitgliederversammlung. J Berbebegir? Brenalaner Berg". Sonnenmendfeier am Kleinen Resch See, von Sonnabend den 20. Dezember, zum Sonntag, den 21. De. zember. Achtung! We Gruppen fahren ans technischen Grünben nur 8.28 vom Botsdamer Ringbahnhof. Treffen spätestens 8.00, denn sonst ist der Fahrschein gefährdet. Ge famtuntoften pro Mann 1.85 M. Trintgefäße nicht vergeffen. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefa& ftsteise Berlin G 14 Sebaftianftr. 37/38 Sof 2 Tr. 8n ber Fahnenweihe ber Kamerabschaft Brenzlauer Berg am Sonnabenb, ben 20. Dezember, im Gaalben Friedrichshain werden ble Rameraben gebeten, mit ihren Fahnen zu erscheinen, Rameradschaft Bernau, Sonnabend, ben 20. Dezember, abends piinitlich 8 Uhr, bei so Mitgliederversammlung. Bünktliches Erscheinen Pflicht. Bunb freier Menschen. Freitag, ben 19. Dezember, abends 8 Uhr, Bffentliche Bersammlung im Saedelsaal, Beethovenstraße. Dr. Magnus Sirschfeld: Geschlechtliche Schäden durch Altohol, Ritotin und Rauschgifte. Sport. Eine neue Winterbahn in Berlin. Ant 4. Januar 1925 wird in den Avus.Palästen am Raiserbamm eine Radrennbahn errichtet werden, wie fie in ihren Ausmaßen, in ihrer Stonstruktion und in ihrer Zuschaueranlage ihresgleichen in Europa nicht zu finden ist. Die Länge der Bahn wird 200 Meter be tragen. Die Bahn felbst wird von emem bekannten Spezialisten tonitruiert. Die Rennfahrer werter das beste finden, was sie sich wünschen fönnen. Rund 10 000 Besucher finden Sitgelegenheit. Das erfte Rennen soll am 4. Januar stattfinden. Weitere Abendrennen folgen am 8. und am 11. Januar. Den Höhepunkt der rabfportlichen Berantaltungen wird das 13. Berliner Sechstagerennen bilden, das am 13. Ja. nuar beginnt und eine Belegung bringen foll, die alle Nachkriegse rennen in den Schatten stellt. Geschäftliche Mitteilungen. Die Belennte Rigarren firma Dscar Görner, Unter ben Sinben 3. Ede Mihelmstraße, bringt auch in biefem Jahre eine riesige Auswahl in Geschen padungen aller Art in Bigarren, Sigaretten und Zabalen zu den billigsten Breifen. Schoh für 1 m. find Gefchenfpadungen in hübscher Aufmachung am Sager. Eine Besichtigung der Fensterauslagen tann nur empfohlen werben. Briefkasten der Redaktion. 23. 2. 100. 1. Anmeldung ber Aufwertung tommt nicht in Frage, ba bie Aufwertungsvorschriften fich auf derartige Ansprüche nicht beziehen. 2. bis 4. Die Ihnen vom Amtsgericht gewordene Auskunft ist zutreffend. Der Rins fuß beträgt zunächst 2%. 5. Wenn feine Abtömmlinge vorhanden und die Eltern bereits verstorben find. Maas, Greifenhagen. Die Einwilligung des Baters ift erforderlich. falls fie nicht zu erlangen ift, fann die Che nicht gefchloffen werben. 2. R. Rr. 4444. Cine Serausgabepflicht befteht nur bann, wenn 3hr Berlobter mit Grunb Dom Berlöbnis zurüidgetreten ist. 8. R. Nur auf Shrem Grundstid. Eine Berpflichtung zur Errichtung des Raunes besteht unferes Erachtens nicht. Wetter für Berlin und Umgegend. Etwas fühler, troden. 8eitweise heiter, bet schwachen füdwestlichen Winden. Niedrige Preise Garderobe In guten Qualitäten auf Teilzahlung Herren- DamenAnzüge Paletots Mäntel/ Kleider Cutaways/ gestr.Hosen Kostüme/ Jacken Ersatz für Maßarbeit Herren- und Damen- Peize Weihnachts- Sonderangebot! 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Dezember 1924. 108/6 Der Kaffenvorstand: Mag Knappe. ReichsbannerBollmilch- Schokolade vorzügliche Qualität alleiniger Bertrieb für das gan e Reich Eiſen& Diamant Berlin Raiferstraße 4/ Andreasstraße 13 Kleine Frankfurter Straße 89 as schenke ich zu eihnachten? eine Weihnachten? Parfüms in verschiedenen Gerüchen v. 1,25 M. an illigste Preise. Großes Lager Seifen 3 Stück im Karton 0,50 Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Rasierapparate..1,00 Keine Schaufenster Nagelpflegegarnit.5,00 Reklame, dafür wesentl.billigerePreise Stottern Kopp& Joseph Berlin, Potsdamer Straße 122 Fadhellang Guter Schlaf ist das beste Fachheilung! Dauererfolg! Heilmittel. Ganz neues Snitem! Metallbetten für Groß und Klein, mit oder Profp. frei G. Rädel ohne Zubehör, S'ah matratz., an Private Wilmersdorf, Bran. Bequeme Bedingungen Katalog 30A frei denburatiche Str. 18. Nerven leiden, Schlaflong teit, nervöse Serz- u. Magenbeschwerden Baldrament" die natür ichfte MeDizin zur Nerven beruhigung und Stärtung. 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Beilage des Vorwärts Bücher für den Weihnachtstisch. Arbeiterdichtung. Zumeist find es frühere Arbeiter, die dem jezt breit dahinfließenden Strome der Arbeiterdichtung" ihr Hirn und Herzblut gaben. Doch das schließt nicht aus, daß auch Dichter aus bürgerlichem Lager, wie der hymnisch beseelte, von startem revolutionären Gefühl durch brungene Johannes R. Becher, in ihn einmünden. Die hier be prochenen Bücher aber stammen, bis auf das Jürgen Brands, von Arbeiterdichtern" in dem engeren Sinne, daß die Dichter Arbiter waren oder noch sind. Sie alle haben am eigenen Leib das Düfter der proletarischen Kindheit und die Mühsal der Fabritfron erfahren. Sie alle haben mehr oder weniger eigene dichteri'ch Form gefunden, in die sie Sehnsucht und hoffen, Qual und Freude, fämpferischen Trotz und zartes Erleben für sich und ihre Klaffe und über sie hinaus für die Menschheit goffen. Mögen bie folgenden Büchlein sich viele nachdenkliche Freunde erwerben. Otto Krille: Die rote Palette. Ein bankensmeries Büch lein, das der rührige Berlag von Ostar Wöhrle, Konstang, heraus brachte. Auf seiner Palette will uns der Dichter, der namentlich ber arbeitenden Jugend der Borfriegszeit durch seine Gedichtbände ein lieber Freund war, Gedanken und Stizzen bringen. Krille stammt cus ärmsten proletarischen Berhältnissen, feine empfindsame Seele hat den Drud in einer der Unteroffiziersschulen über sich ergehen laffen müssen, in der ein tötender Militarismus die jugendlichen Menfchen niederhielt und mechanisierte. Den betern dieses Systems fei feine Geschichte einer Jugend Unter dem Joch" zum Nachdenken empfohlen. Es war seit dem Krieg ziemlich still um den Dichter, mit um fo größerer Freude begegnet men ihm wieber. Er ist ausgereifter, abgeklärter geworden, manchmal faft zu abgeflärt. Er ist ein Sinnierer geworden mit einer feisen Müdigkeit und bringt uns neben manchmal etwas schulmeisterlich Belehrendem auch tiefe Gedanken. Bon seinen Skizzen ist George und Jeanette ein fleines Meisterwerf. In das Büchlein eingestreut find Gedichte, die sein Kriegs- und Revo lutionserleben wiedergeben. Am tiefften wirken das Kriegsgedicht Im Parte von Chateau de la Phalecque" und" Revolutionsbegräb nis". Ein tiefes Erfülltsein und mitzitterndes Erleben. So sei dem Dichter selbst zum Schluß das Wort gegeben für einige Zeilen aus feinem Revolutionsbegräbnis: Marsch und Marich! wo ist Beginn und Halt? Hunderttausend hände hoben über Gewalt, lieber Mord und menschgefchaffne Qual Bittend und suchend der Welterlösung Graf. Leuchtend von fingenden Fahnen Sprüht das heilige Rot. Heller aus Asche und Grab ficghaft das Leben loht Christoph Wieprecht: Erde. Im Echo- Berlag, Duisburg, er fchten das Gedichtbändchen in 2. Auflage. Wie der Herausgeber in feinem Borwort mitteilt, geht der Dichter als Arbeiter schon über 30 Jahre tagaus tagein den gleichen Arbeitsweg. In den Gedichten Dieses Arbeiters lebt eine starte rhythmische Kraft und eine tiefe Gottessehnsucht. Fabrikschornsteine. Gruben. Laboratorien, Krieg. Bisionäres Schanen. Bucht und wieder zarteftes Fühlen. Ein tathofischer Mystizismus, der aus Rauch und Qualm, aus Hammerschlag und Wertfreude, aus Sehnsucht und Troß rußiger Maffen feine Kraft leht und sich im All verströmen möchte. Wieder ragen die dumpfen Mauern Wie stumme Beter empor; Wieder beginnt das Traueru Hinter dem eisernen Tor. begimt dumpf fein Gefang, um immer heißer anzuschwellen: Wir haben nichts ererbt als die Straft, Als den Stolz und die glühende Leidenschaft, Schöpfer zu sein. Wir trinken das Leben wie bitteren Wein Und sind berauscht von flammender Lust, Wenn ein Fluch sich ringt aus der teuchenden Brust. Diefer heiße Atem fiegt über feinem 3yfius Werte und Ge. ftalter", während fein zweiter 8nflus Mensch" sich dem Eros au mendet. Nicht entfernt soviel Eigenes wie in Werte und Gestalten", doch offenbart sich in mehr als einem diefer Inrischen Gedichte Formenschönheit und tiefes Erleben. OP " Ludwig Ceffen: Mir wollen werben, mir wollen weden. Dieses Gedichtbüchlein ist ebenso wie die drei folgenden im Arbeiterjugend.Berlag, Berlin, erschienen, in hübscher handlicher Form, fauberem Drud und zu wohlfeilem Breife, broschiert 35 Pf., gebunden 70 Bf., herausgebracht worden Es ist eine Freude, das Geleitwort zu lefen, das Leisen seinen Gedichten mit auf dem Weg gibt. Er fah vielen Ueberschwang, wie er ja immer der Jugend eigen ist und auch eigen sein muß. Aber er fah auch viel Verheißung und mancherlei fonnige Erfüllung. Und das stärkte feinen Blauben an die werbende Generation. Etwas Neues war mit hr geboren Mar die ältere Generation nur bestrebt gewesen, fich von den Fesseln überlieferter Borcingenommenheit zu befreien, so wollte tie werdende an die Stelle der alten neue Ideale setzen." Ludweg Lessen ist auch über sein fünftes Jahrzehnt hinaus jung mit der Jugend geblieben, er, der immer ein neidloser Förderer junger Talente war. Seine Gedichte find zum großen Teil volksliedhaft, frisch, von Herzen tomment, zu Herzen gehend. Steine gefünftelte Empfindung und fein falsches Bathos. Die überfeine Reizbarkeit der Modernen ist ihm fremd. Weniger ein Gefangenfein vom rasenben und fiebrigen Rhythmus der großen Stadt, als männlich- ftarkes Betrachten und Mitempfinden. Ein starkes Naturgefühl schwingt in ihm. Diese Gedichte find wohl fast alle in der Vorfriegszeit entstanden aus seinem Gedich: Die Häufer im Arbeiterviertel" fei die letzte Strophe, die so recht die Art seines Schaffens zeigt, wieder gegeben: Aus den öden Mietsfasernen fehnen wir uns nach den Fernen blauer Bälder, stil und rein. Und wir rütteln an den Toren, haben wir uns doch geschworen: fchön soll unfre Heimat sein. " Balladen.form. Fabel. Freitag, 19. Dezember 1924 Jürgen Brand: Wir sind jung. Der Dichter ist all denen, Jahre besonders erfreuliche Gaben verdankten, legt uns„ Die Erdie in der Bewegung der Arbeiterjugend standen oder noch stehen, zählung von der Weihnachtstrippe" vor, wieder in fein Fremder. Dem ter Willelm II. gemiaßregelten Lehrer einer Ausstattung, die jedes Lob verdient. Bilma mondeberg Scharrelmann, unserem Jürgen Brand, verdankt die Jugend eine hat aus alten Rippenspielen und anderen Quellen den Legendenton Reihe ihrer schönsten Schriften, wie„ Das Islandbuch" und" Uhlen- gefchöpft, fe ena Bietor die fäftlichen Bilder geschaffen, die broot". Biele seiner Lieber sind gesungenes Gemeingut der arbeiten- in fiebenfarbigem Offsetdruck eine wahre Augenweide an Farbe und den Jugend geworden, es sei nur erinnert an das vielgesungene Stimmung ergeben. Deutscher Heimatsduft ist glücklich mit echtem Wanderlied" mit dem frohen Refrain: Wanderlied" mit dem frohen Refrain: Wir sind jung, und das ist Märchenton percint. Bon wetteren Büchern find angekündigt, aber Generation, nicht gertlüftet und zerriffen wie die meisten jüngeren und" Der Heuschreck und die Blumen". Ernst Kreidoli, der schön!" Wie Ludwig Leffen ist auch er ein Dichter der vorigen uns noch nicht zugekommen: Bom Mäuschen und Mettwürstchen" Dichter, aber auch ohne den hinreißenden Schwung des in Fleisch eigenartigste Naturbefceler und Phantasieschöpfer in Bereich des und Blut übergegangenen Großftadierlebens. Am schönsten sind seine Bilderbuches, fügt seinem reichen Wert ein neues bei: lie Bieber für die Jugend und ein Teil der Naturgedichte. Die Stampfenderreime"( bei Hermann Schaffstein, Stöin). Seine Naturgedichte sind bis auf Fort" und" Weihnachtsgloden" weniger start, fimmungen und Deforationen, Zier- und Pflanzenspiele sind so body bas legtgenannte Gedicht dafür um so eindringlicher in seiner reizvoll, daß sie auch den Erwachsenen reine Freude gewähren. Bilderbücher für die einen und Beschäftigungsmittel sind die Be sonderheit des Berlags J. F. Schreiber in Eßlingen. Er bringt auch dieses Jahr manche neue Sachen heraus, für die feine Welt sind. die Bilderbücher mit Bersen: Was Hänschen alles tann"( die fräftigen Farbflede großflächig verteilt) und Die bunten Läben"( die etwas detailüberladenen Bilder und Berse von Irma Gleitsmann) bestimmt. Hübsche Scherenschnitte von Elis. Bogt weisen die Kinder am Rhein auf, Erinnerungen an eine rheinische Jugendzeit mit erklärenden Werfen. Eine besondere Note hata mpelmanns Reise"( Legt und Bilder von Alice Stidel). Bübchen träumt diese Abenteuer seines Hampelmanns, und Die Künstlerin hat ihnen einen zum Teil start phantastischen, auch in Der Farbenwirkung besonderen Charakter gegeben. Dem Streben der Kinder nach eigener Betätigung tommen eine Reihe neuer Ma lbücher entgegen. Der luftige Tiergarten" von Jes. Mauder hat mir am besten gefallen, well es nicht die ausgetretenen Wege geht. Ausdrucksvolle Vorlagen geben die von Th. Böhl herausgegebenen Anleitungen zum Vorzeichnen", die Eltern und Lehrern zeigen wollen, wie man die dem Rinde gemäße einfache und übertriebene Form finden kann. An den Vorlagen für Mädchenhandarbeiten" von Käthe Schuppe ist die Freude an der starten Farbigkeit erfreulich. Für die vielseitige Entwidlung der Einne, für die lebung von Hand und Auge stellt der Bering mancherlei Ausschneid, Aufstell- und Baubogen her. Auch hier fällt die von Jos. Meucher entworfene„ Stadtmauer" besonders ins Auge. Ein Dorf aus der Mart Brandenburg" şei erwähnt. Die Dolfs- und heimatländlichen Bauhefte" bringen eine deutsche Burg. Eine andere Serie bringt Figuren und Anleitung zum Bau einer Arche Noah oder Krippenfiguren, die zum Aufbau um vnd neben dem Tannenbaum Verwen Bung finden. Lilmartin Meine Herren, nur ein Raubflerblod wird die Belange der Tierwelt mit genügender Energie gegenüber den Menschen verfreten fönnen!" Die Menschen befigen aber Feuerwaffen Pah, dafür haben wir die größeren Schnauzen. Und was will beispielsweise ein Ludendorff gegenüber unserer allverehrten Brillenschlange bedeuten, die ihre blaue Brille bereits mit auf die Welt gebracht bat Karl Bröger: Der blühende hammer. Der weithin befannte Dichter ist der Verkünder der Republik. wie er während des Krieges die stärkste dichterische Kraft für die Landesverteidigung durch bas Profetariat gewefen. Der sich aufbäumende revolutionäre Trog liegt ihm meilenfern. Sein„ Befenninis", das sich auch in diesem Büchlein findet, gibt dafür beredten Ausdrud. Seine Entwidlung ist folgerichtig und ehrlich. Eine wundervolle bildhafte Sprache, die Uebertreibungen vermeidet und ihrer Architektur flare Linien per leiht. In diesem Bändchen hat er aus dem reichen Schatze feiner Dichtungen ein fleines Büchlein gegeben, das seinem Schaffen niele neue Freunde werben wird. Das erste Gebicht darin," Der blühende Hammer", legendenhaft gehalten, gab dem Büchlein den Namen. Jetzt blüht der Hammer in unsrer Hand! Frei herrscht die Arbeit in freiem Land. Die sozialen, mehr lyrisch gefärbten Gedichte und die Legenden erscheinen mir als die schönsten. Seine Republikanische Hymne" ist ihm vorbeigeraten, fie hat nicht den tausendsten Teil des Sarunges feines Bekenntnis". Wundervoll in ihrer Stimmung find seine Franziskuslegende: Legende von den Säcken" und die des Hyronimus: Die Schmetterlingslegende". Mar Barthel: Ueberfluß des Herzens. Auch dieses Doppelbändchen gibt eine Auswahl aus den Büchern des Dichters. Oft ein hinreißender Schmung, eine starke rhythmische Kraft, die fich freilich manchmal dem Rhythmus anderer Dichtmerke anjchmiegt, fo ber Suchthausballade von Wilde. Es ist schade, daß sein revolutionäres Gedicht Petrograd" nicht mit in der Sammlung ist, wenn es auch aus einer anderen Gefühlswelt heraus gefchrieben ist. Das Scheffen des Dichters ist weniger geradlinig als das von Bröger, denn er ist starten Schmankungen des Gefühls und der Meinung unterworfen. Die Gedichte, die er dem Band Arbeiterfecie" entnommen hat, wirten immer wieder durch ihre Beichwingtheit und ihr inneres Erleben. In manchem seiner leisten Gedichte gelingt es ihm Inneres Erleben. In manchem seiner legten Gedichte gelingt es ihm in einigen Werfen, den Bolksliedton fo zu treffen, daß er eins mit ihm wird. In seinen philosophischen Gedichten erscheint seine Sprede zu überladen und zu wenig durchdacht. Das ändert aber nichts daran, daß Mag Barthel eine der stärksten Erscheinungen der Arbeiterdichtung ist. Bruno Schönlant. Geschenkbücher für Kinder. Bilderbücher und Beschäftigungsmittel. An guten Bilderbüchern für die Kleinen ist tein Mangel. Bam guien alten Struwelpeter bis zur modernen Farbenfreudigkeit sind alle Sorten gut vertreten. Deshalb ist es zu ertragen, daß diesmal wenig Neues vorliegt und daß diefes Neue sich in bekannten Bahnen bemegt. Eine tleine Ueberraschung ist eine Veröffentlichung aus dem Nachlaß des Strumelpeter- Hoffmann: Besuch bei Frau Sonne, die feine Enfel bei Rütten u. Loening in Frankfurt a. M. berausgeben. Der Inhalt: Inftige Geschichten und drollige Reime stammen wesentlich aus Bilderbüchern, die der alte Herr für seine Entel zeichnete. Sie find also aus der Praxis entsteiben, in dem felben übertreibenden und vereinfachenden Stil, der den Struwel peter bei den Kindern beliebt machte. Der Nürnberger Bilder. tücher- Verlag Gerhard Stalling in Oldenburg, dem wir die letzten Für die größeren Kinder eignet sich das Puppenspiel Im Stall zu Bethlehem" mit einer Anleitung zum Bühnenaufbau. Die Figurentafeln find hervorragend gut in der Farbe geraten. Die Wandbilder für die Kinderstube", die nach Originalen aus Buntpapier hergestellt sind und jo auf großzügige Wirkung ausgehen, tönnen nicht mur als Schmuck dienen, sondern auch An regung aur eigenen Anfertigung folcher Schnitt und Klebebilder geben. M.henbücher. Friedr. n. der Lenen, ein guter Kermer und Erforscher der Märchenwelt, hat für Rich. Bong bie schönsten Märchenber Meltliter atur in mei Bänden gesammelt, die sich wie alle Bände von Bangs Jugendbücherei sehr hübsch ausnehmen, vortreff lich gedruckt und von 5. Elarbina reichhaltig bebildert find. Aus vielen Bölfern sind hier besonders charakteristische Märchen vereinigt. Daß auch längere Märchen aufgenommen find, ist begrüßensmert. Aber Mufäus Mabezahl ist doch für eine Auswahl zu lang, er füllt beinahe ein Drittel des Bandes. Für die Kleinen( swifchen 7 und 9 Jahren) erzählt Sophie ilmanns allerlei Don Surr unb Geburr und anderem tleinen Bo!!"( R. Thienemann, Stuttgart). Fliegen, Rahen und Kinder, Gloden und alte Uhren fürzen die Autäglichkeit des Kindes, werben als Molive nermenbet. Die Phantasie der Verfasserin aber weiß ihnen den Flug ins Märchenlend zu geben. Was der 3mergentummel" Schnippchiwipp für Streiche beging und für Abenteuer erlebte, erzählt Vittoria oer( f. A. Berthes, Gotha) und nennt ihr Büchlein mit Recht ein Waldmärchen. Cin buntes Märchenallerlei besselben Berlages, bas mit zahlreichen farbigen und schwarzweißen Bildern ausgestaltet ist, trägt den Namen Holterdipolter"; Bitto: ia Roer ist die Verfasserin, die nicht nur die Phantasie des Kindes geschicht zu meistern weiß, sondern auch dichterische und stilistische Qualitäten aufweist, die anzuerkennen find. Märchenbücher find auch unter den billigen, fleinen Gesam= büchern, die im Gesamverlag in Wien herauskommen. Freilich geht das Ziel diefer Sammlung viel weiter, sie will eine Weltliteratur für die Jugend geben, tnappe Auswahlen aus dem gefamten Schrifttum. Sie lehnt jede besondere Stinbertümlichkeit" und Zweliteratur ab und mill aus dem Befihstand aller Nationen schöpfen und in die Hütten der Aermiften die Kulturschähe tragen. Wer den Zauber der Haufffchen Fabulier. and Erzählungsfunft fennt, wird dem Berlag Franz Schneider in Berlin dankbar feln, daß er auffs märchen" in einer so würbigen umb genußreichen Ausgabe herausbringt. Es ist eine Lust, in einem folchen Buche wieder einmal Die Geschichte vom Kalif Storchy", Der Zwerg Nafe" oder„ Das talte Herz zu lesen und sich der ebenbürtigen farbigen, in der Wiedergabe meisterlich gelungenen Bilder Alfred Hagels zu erfreuen, zu beren Bhantafie und Hu mor, orientalischer Farbenfine und fröhliche Laune Bathe gestan den haben. Freilich sind diese Kunstmärchen der reiseren Jugend und den Ermadienen zugedacht. Die Welt der Kleinen", eine Kinderbeilage der Bjäl zifchen Breffe", ist vom Bildungsausschuß der Pfalz als Weihnachts gabe im Sonberarud herausgegeben worden( Buchhandlung Gerisch u. Co., Ludwigshafen a. Rh.). Das große, 100 Seiten starte Buch, das nur 1,20 m. toftet, enthält eine Fülle wertvoller Beiträge( Erzählungen, Märchen, Gedichte, Rätsel usw.). Die Kinder felbst commen darin in der Rubrik Kindelarbeiten" vielfach zu Worte. R. H. Döscher. Fritzi Massary 25 FRITZI MASSARY FRITZI MASSARY Im neuen goldnen Gewande. DIE UNVERGLEICHLICHE ZIGARETTE 38 Wirtschaft Dawes- Gesetze und Industriebelastung. Das Industrie b el a ftungsgesetz vom 30. August 1924 legt der deutschen Industrie mit Einschluß des Bergbaus, der Schiffahrt, der Privat-, Klein- und Straßenbahnen( nicht den Bant, Bersicherungs-, Gast-, Schant., Beherbergungs- und Handelsunternehmungen) eine Reparationslast von fünf Milliarden auf. Die belasteten Unternehmungen haben zu dem sie treffenden Teile Einzelschuldverschreibungen auszustellen und diese der ,, Bank für deutsche Industrieobligationen" einzureichen, die ihrerfeits für die Reparationsgläubiger auf Grund der Schuldverschreibun gen der Industrie die sog. Industriebonds" ausgibt. Bom 1. September 1925 sind auf die 5 Milliarden 2½ Proz. Zinsen zu zahlen. Ab 1. September 1926 5 Bros., ab 1. September 1927 5 Broz Zinsen und außerdem 1 Broz. Tilgung, bis die Gesamtschuld getilgt ist. Dazu kommen die Reparationslaften aus dem Staatshaushalt und aus der Belastung der Reichsbahnen, die die Industrie mittragen foll. Aber man darf nicht vergessen, daß die Industrie die Reparationslasten nur dann wirklich aus ihrem Bruttogewinn zahlen wird, wenn die Arbeiterschaft fie dazu zwingt und fich nicht durch den einfachen Hinweis auf die 17.1 Broz. Bermögens belaftung ins Bockshorn jagen lassen wird. Die Arbeiterschaft wird also gut daran tun, sich die höchstens 12 Proz. tatsächliche, auf 20 Jahre verteilte Industriebelastung und die jähr lichen 0,3, 0,6 und höchstens 0,72 Bins- und Tilgungszahlung für den Kompf um die Verteilung der Reparationslaften zu merfen. R- T. Stand der Geschäftsaufsichten. Nach den fortlaufenden Feststellungen des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels ist die Zahl der im Monat November im Reichsanzeiger" neu befannt gemachten Geschäftsaufficbten 219 geweien( gegenüber 265 im Morat Oftober). Im November find als aufgeboben befannt gemacht worden 396( gegenüber 418 im Oftober). Die tägliche Zunahme war im November etwa 9( gegen Am 28. Oftober find nun die ersten Durchführungsüber etwa 10 im Oktober). während die täglichen Aufhebungen im bestimmungen zum Industriebelastungsgefeß ergangen. Am 4. to Rovember etwa 15( gegenüber etwa 16 im Dftober) betragen haben, vember hat ein Runderlaß des Reichsfinanzministers die Landes- Jm übrigen ergibt die Statistit des Zentralverbandes des finanzamter angewiesen, die Berechnung der Einzelbelastungen und Deutschen Großhandels über die Geschäftsaufsichten folgendes Bild: die Zustellung der Belastungsbescheide an die einzelnen Unter1. Eröffnete Geschäftsaufsichten: nehmer der belasteten Industrien bis zum 21. Januar 1925 durch Rov. zuführen und für die Ausstellung der Einzelobligationen bis zum 219 14. Februar 1925 zu sorgen. Das Reichsfabinett hot am 15. Dezember nun den Satz bestimmt, mit welchem das Betriebsvermögen der belasteten Unternehmungen zur Reparationsschuld herangezogen wird. Dieser Satz beträgt 17,1 Prozent. Die belafteten Unternehmungen haben also über 17,1 Broz. ihres Betriebsvermögens eine Obligation auszustellen und diese der„ Bank für deutsche Industrieobligationen Senzureichen. Das Gesamt tapital der belasteten Industriezweige ergibt sich danach aus einem einfachen Dreisah. Es beträgt 100 X 5: 17,1 29,24 Milliarden. Es wäre nun eine falsche Annahme, wenn man in den 17,1 Broz ben Belastungsjah der deutschen Industrie fehen würde und in den 29 Milliarden das Gesamt betriebsvermögen der deutschen Industrie. Ne 29 Mirian find vielmehr nur der Teil des Induftrievermögens, der genenüber den Alliierten haftet, und bie 17,1 Broz. sind nur derjenige Belastungsfag, der nach außen zur Feststellung der Industrieobligationen und zur Ausstellung der Industriebonds durch die Bank für deutsche Industrieobligationen" gilt. " Nach innen, das heißt für die tatsächliche Aufbringung der fünf Milliarden, gilt nämlich nicht das Industries belastungsgefeh, sondern das Aufbringungsgesetz vom 30. August, das ein Steuergesetz ist und allgemein für die deutsche Industrie gilt( nicht für die Landwirtschaft, die sowohl von der Belastung, als auch von der Aufbringung freibleibt). Nach diesem Aufbringungsgefek hat ein viel weiterer Streis die fünf Milliarden und ihre Berzinsung zu tragen, als die mit Obliga: tionen belasteten Unternehmungen. Erstens fommen aus den mit den Obligationen belasteten Industrien alle Unternehmungen hinzu, die unter der Freigrenze von 50 000 m. Betriebs. vermögen liegen, soweit ihr Betriebsvermögen 20 000 m. übersteigt. Zweitens kommt das gesamte Betriebsvermögen des Bank-, Ben ficherungs-, Gast-, Schants, Beherbergumos. und Handelsgewerbes hinzu, soweit es 20 000. übersteigt. Das aufbringungs. pflichtige Betriebsvermögen der deutschen Industrie ist also viel größer als jene 29 Milliarden, die das geschätzte Betriebsvermögen der mit Obligationen belasteten Industrieteile darstellen. Damit ermäßigt sich auch der Brosentfak ganz beträchtlich, der auf die die fünf Milliarden tatsächlich aufbringenden und verzinjenden Unternehmertreife entfällt, und man dürfte taum fehle gehen, wenn man die allgemeine Belastung der deutschen Industrie aus den fünf Milliarden auf höchstens 12 Broz. ver anschlagt. schaft find, in dem Konto Beteiligungen nicht zum poffen Wert eingesetzt sind, hält die Gesellschaft für selbstverständlich, Wir verstehen es vollkommen, wenn die Verwaltung in der Widerlegung von Bemängelungen eines Attionärs, daß verschiedene Konten der Attivseite, Bergwerksbesiz, Bestände, Beteiligungen, zu niedrig gesetzt feien, sich eine gewisse Reserve auferlegte, damit die Kon kurrenz ihr nicht allzu sehr in die Karten gude. Aber nichts hätte dem im Wege gestanden, daß die Verwaltung an der Hand von praktischen Beispielen( eine Anzahl von Beteiligungen sind ja öffentlich bekannt) ihre Bewertungsgrundfäße flargelegt hätte. Der Aktionär hatte Recht, als er erklärte, der Prüfungsbericht sei nichtssagend und beschränke sich auf allgemeine Redensarten. Er bieb aber mit seinem kleinen Aktienbesig allein auf weiter Flur und fonnte nur Protest einlegen, was er tat. Herr v. Kardorff und ein Vertreter der englischen Gläubiger wurden neu in den Aufsichtsrat gewählt. 3 Der Güterverkehr der Reichsbahn im November ließ eine weis tere leichte Aufwärtsbewegung der allgemeinen wirtschaftslage erfennen. Gemessen an der Gesamtzahl der bei der Deutschen Eisenbahn- Gesellschaft zur Beladung gestellten Wagen weist der November im ganzen allerdings nur eine geringfügige Steigerung auf, die werftägliche Mehrleistung in der Magengestellung gegenüber dem Bormonot beträgt indessen fast 20 Proz.. weil der November nur 24 Arbeitstage, der Oftober das gegen 27 hatte. Auch auf den Wafierstraßen entwickelte fich zum Teil recht lebhafter Berfehr. Bom Zeitpunkte der Rückgabe der Regieftreden ab entfielen die hohen Regiefrachten nach dem te besetzten Gebiet, die Wettbewerbsfähigteit der Ruhrtohle nach dem Osten gegenüber der englischen und schl: sischen stieg auf diese Weise. Da auch auf Grund des Reparations programms noch große Lieferungen für November auszuführen waren, feßte fprunghaft ein erhöhter Wagenbedarf nach den Ruht zechen ein. Trotz der allgemeinen Verkehrssteigerung war es mög lich, schon anfangs November alle Wegenmangelsmaßnahmen wieder 396 aufzuheben. Die für den Eisenbahnverfehr erforderlichen Wagen fonnten fast ausnahmslos rechtzeitig gestellt werden. Ihre Beförde rung vollzog sich ohne Schwierigkeiten. Auch im Westen konnte der nach dem 16. November start angestiegene Berkehr infolge der rechts zeitig getroffenen Maßnahmen glait bewältigt werden. Juli Aua. Sept. Dkt. insgesamt 978 484 301 265 täglicher Durchschnitt ca. 36 19 12 10 9 Gesamtzabl der eröffneten Gefchäftsaufsichten Ende d. M. 2 615 3 099 3 400 3685 3 884 2. Aufgehobene Geschäftsauffichten: ca. 414 15 460 527 418 18 20 16 insgesamt täglicher Durdinitt Gesamtzabl der aufgehobenen Geschäftsaufsicht. Ende d. M. 15 874 1401 1819 2215 seit Juli im Rüdgang, die Zahl der aufgehobenen ist gleichfalls, Die Zahl der neueröffneten Gefdäfte auffichten ist somit aber langsamer zurüdgegangen. Erfolgreiche Bohrung im deutschen Erdölgebiet. Das Erdölgebiet in Nienhagen bei Celle wurde von einer Anzahl von Sachverständigen und Fachleuten besucht, darunter auch Prof. Stoller als Vertreter der Berliner Geologischen Landesanstalt. Die Bohrung 41 der Gewerkschaft Eldorath, die bereits vor zwei Jahren pringende Delquellen östlich von den bekannten Bohrungen erschloß, hatten am 13. Dezember wieder eine neue Deleruption gehabt. Bom Reichsverband der Deutschen Industrie zum Stidstoff- konzern. Geheimrat Bücher, bisheriges geschäftsführendes Bräsidialmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie, hat nach freundfchaftlicher Verständigung mit dem Reichstverband feine Stellung niedergelegt, um einen leitenden Posten im Stidstoff- Kon= zern zu übernehmen. Ronzentration in der Mühlenindustrie. Der Konzern Rampff. meyer, au dem die Dampfmühle F. W. Schütt gehört, hat in Berlin nabezu das gesamte 50 Millionen Papie: mart betragende Aftiene tapital der Rhein Mühlenwerte A.-G., Mannheim, er worben. Tendenziöse Konjunkturberichterstattung. Die französische Industrie hat es verstanden, in leßter Zeit den Eindruck auftommen zu lassen, daß fie unter einem starten Geschäftsrüdgang infolge der Arbeitslosigkeit leidet. Der franzöſiſche Arbeitsministee hat sich infolgedessen, wie uns ein Drahtbericht meldet, veranlaßt gefeben, aus dem Lande genaue Informationen über den Geschäf.s gang der einzelnen Industrien anzufordern. Er erklärt jezt auf Grund dieser Informationen, daß der Beschäftigungsgrad der Industrie insgesamt gut jei trib nur 3 bis 4 Proz. Arbeitss Berlin als alleiniger Gesellschafter dieses Unternehmens genehmigte Neuköllner Großhandelsgesellschaft m. b. H. Der Magiftrat Der Magistrat die vom Aufsichtsrat und Borstand vorgelegte Goldmart- Eröffnungsbianz pro 1. Januar 1924 und beschloß aus den leber fchüssen der Goldmarkbilanz das bisherige Stammtapital Don 50 000 Papiermart auf 250 000 Goldmart zu erhöhen. Aus diefer Umstellung ergibt sich die interessante Tatsache, daß die Gesellschaft nicht, wie alle anderen, ihre Anteile zusammenlose festzustellen sind. Das letztere gilt insbesondere für die Autozulegen braucht, sondern daß aus eigenem Vermögen ein bisheriger Anteil von 1000 Papiermart auf 5000 Goldmart aufgewertet werden fonnte. Daneben wurde ein Waren- Ausgleichsfonds don 186 000 Goldmart gebildet. Die Gesellschaft ist im September 1919 gegründet und betreibt in Berlin und Umgegend 42 Kolonialwarengeschäfte, 21 Fleischverlaufsstellen, Mehl und Zuder en gros, das Feinkosthaus Epittelmarft, eine Eisfabrit, umfangreiche Kühl- und Gefrierhallen Syachthofanlagen, Schlächterei und Wurstfabrit, sowie Speichereibetriebe mit Bahn- und Wasseranschluß und den da zu gehörigen umfangreichen Fuhrpart. Löhne und Förderungsergebnisse im Bergbau. Angesichts der erfolgten Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für den thei= erfolgten Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für den rhei nisch- westfälischen Bergbau interessieren die neuesten Produktionsdiffern über den rheinisch- westfälischen Kohlenmarkt. Der Absatz hat sich bedeutend gebessert. Die Gesamtförderung betrug im November 8 Millionen Tonnen gegenüber 9,2 Millionen Tonnen im Oktober. Die Abnahme erklärt sich dadurch, daß der Novem ber nur 23 Arbeitstage hat gegenüber 27 Arbeitstagen im Monat Oftober. Im Dezember ist ganz bestimmt mit einer erheblichen Steigerung der Produktion zu rechnen. Während des Monats November betrug die arbeitstechnische Leiftung 360 000 Tonnen. Die Wagenstellung schwankte zwischen 25 500 und 27 500 täglich. Diesen beiden Ziffern fommt besondere Wichtigkeit zu, weil sie nur ganz minimal hinter den Friedensziffern zurückbleiben. Auch dieser Prozentjah ist noch reichlich hoch gegriffen, wenn man bedenkt, daß er nur das für die Bermögens fteuer beflaration vom 31. Dezember 1924 festgestellte Betriebsvermögen betrifft. Bewertungen für Steuerbefiarationen erfolgen bekanntlich mit großer Borsicht. Darüber hinaus aber ist in den meisten Goldbilanzen die fommende Belastung aus dem Aufbringungsgesetz bei der Bewertung der Aktiven und der Rentabili tät vorweggenommen worden, und zwar wurde vielfach eine Belastung von 20 bis 25 Broz. des Betriebsvermögens in Ansag gebracht und das Unternehmungsvermögen um so viel tiefer angefeht. Die Aufbringung der Lasten trifft also auch noch auf nicht unerhebliche Kapitalreserven, so daß sich die tatsächliche Belastung der deutschen Industrie noch unter 12 Broz bewegen wird, deren Aufbringung sich auf etwa 20 Jahre verteilen wird. hält man sich nun an eine Belastung von 12 Broz. für die deutsche Industrie, so treffen auf 1925/26, wo 2% Prog. Zinsen auf Oberschlesische Kofswerke und Chemische Fabriten fünf Milliarden 125 Millionen zu zahlen find, 0,3 Broz, auf fchaft, Berlin. In der Generalversammlung dieses Unternehmens 1926/27 mit 5 Proz: 250 Milliarden 0,6 Proz., auf 1927/28 mit wurde von der Berwaltung bestätigt, daß die Gesellschaft einen erheb5 Broz. 1 Proz. Tilgung 300 Millionen 0,72 Broz. des Berfidhen englischen Kredit erhalten hat. Die Bedingungen des mögens der deutschen Industrie. Kredits wurden als die günstigsten bezeichnet, zu denen bisher engDiese Lasten find zweifellos beträchtlich. Eine Unternehmung mit 10 Millionen Mart Betriebsvermögen hat 1925/26 30 000 fiche Kredite nach Deutschland gelegt wurden. Berwertungs. 1926/27 60 000 m. und ab 1927/28 jährlich 72 000 m. zu zahlen. Musikaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musiker- Verbandes. Annahmestellen: Rosenthaler Str. 14( Norden 4719), Bernburger Str. 30( Nollend. 647). mobilfabritation, die heute an einer Ueberproduktion leidet. Eine gewisse Einschränkung hat gleichfalls die Ter.il, Schuh- und Brauereiindustrie gefunden, weil die Preise für die Rohstoffe in den letzten Monaten start gestiegen sind. Der Beschäftigungsrückgang im Baugewerbe wird von dem Arbeitsminifter auf Grund der Winterzeit nur als ein vorübergehender Zustand betrachtet. A Die neuen Berwaltungsstellen nach Maßgabe des ondoner Protokolls und der Sachverständigengesetze. Unter diesem Titel ist im Verlag von Reimar Hobbing- Berlin eine von Deutschen Industries und Handelstag herausgegebene Zusammenstellung aller Dienststellen und ihrer Adressen erschienen. die auf Grund des Londoner Vertrages errichtet werden mußten. Der Preis der Schrift, die für viele Wirtschaftspraftiter unentbehrlich sein wird, beträgt 90 Pf. Ford muß feine Werke in Antwerpen schließen. Dem Ein dringen Fords in Europa werden Hindernisse in den Weg gestellt. So müssen die Ford- Werke in Antwerpen, in welchen die von Amerika gelieferten Ford- Autobestandteile zusammengesetzt und Karosserien hergestellt werden, geschlossen werden. Mehrere tausend Arbeiter wurden dadurch beschäftigungslos. Der Grund dafür sind die riesigen 3011fäße Belgiens, welche auch die Einfuhr der Autobestandteile betreffen. Das früher fast freihändlerische Belgien belegt jetzt die Einfuhr mit hohen Zöllen, wobei nicht nur die Wünsche der Unternehmer, sondern auch staatsfinanzielle Be Attien- Gesell- sichtspunt te beteiligt sind. Da man die Steuern nicht erhöhen will, wählt der Staat zur Beschaffung der nötigen Mehreinnahmen den bequemen Weg der Zollerhöhung. attien hat die Gesellschaft nicht als Unterlagen für diese Kredite gegeben. Von den Verwertungsattien sind ein Teil zum Umtausch in Schering- Aftien, weitere zum Umtausch in Fahlberg. ist Aktien verwandt worden. Der Rest befindet sich in den Händen des Unternehmens, das, entgegen anderslautenden Meldungen, nichts von diesen Attien abgegeben hat, noch abzugeben beabsichtigt. Daß die 28 Millionen Verwertungsaktien, die noch im Besiz der GesellSpröde u.rote Haut Auffpringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und un reinen Teint pflegemittel erhalten Sie Aberall wo Sie die bekannte Tblorodont Zahnpaste laufen. beseitigt fofort Leokrem Dieles bewährte Saut B Praktische Weihnachts- Geschenke 6421 Herren- Uister grau und braun gemustert.Stoffe mit Gurt und Raglan- Form 2750 Damen- Mäntel hoeche, Jugendliche Form, braun kar. 675 Flausch. Damen- Mäntel Flauschstoffe mit 850 2,25, 1,25 Jacke gerüttert. Gr. ... von an Damen- Blusen bws 95 Pig Knaben- Anzüge karierte Stoffe, 250 Flanell Sport- Rock mit reicher Knopfgar 325 Damen- Röcke Velour de laine 1500 nierung. Damen- Halbschuhe Rob Chevreau 500 aus farb. 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