Nr.599 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 305 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldprennig, monatlich 8- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch and Danzig, Saar und Memelgebiet. Defterreich), Zitauen, Suremburg 450 Goldmart, für das übrige Ausland 3,50 Goldmar! pro Monat Der Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und geit mit Gied. Lung und Aleingarten fomie dez Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenfiimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm.breffe: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille geile 0.70 Goldmart Reflamezeile L. Goldmart...Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 0,20 Gold mart( auläffa awet fettaedritate Borte). tebes weitere Bort 0.10 Goldmart. Stellengefuche das etite Bort 0.10 Goldmar! tedes weitere Bort 0.05 Goldmatt brte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Golbmast Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4.20. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin G 68. Linden fraße 3 abgegeben werden. Geöffnet son 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: GW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: edation: Conhoff 292-295 Verlag: Donbon 2306 2507 Sonnabend, den 20. Dezember 1924 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3. Bottschecktonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Distonto- Geiellichaft. Devontenkane Lindenstraße Fechenbach, Mühsam und Hitler frei. Die bayerische Austausch- Amnestie. Muchen, 19. Dezember( Eigener Drahtbericht.) Amtlich wird folgende Meldung verbreitet: Das Oberfte Landesgericht hat die Beschwerde der Staatsanwalt. fchaft vom 29. September gegen den Beschluß des Landgerichts München I, durch den Hitler und kriebel Bewährungsfrist bewilligt worden ist, verworfen. Es erhalten also Hitler und Stiebel für den Rest der Strafe Bewährungsfrist. Dagegen wurde vom Oberffen Landesgericht der Beschwerde des Staatsanmalis gegen die Bewilligung einer Bewährungsfrist für Dr. Weber stattgegeben. Das Oberfte Landesgericht ist nach der Begründung des Beschlusses der Auficht, daß über die Frage der Bewilligung einer Bewährungsfrist für Dr. Weber erst dann entschieden verden fann wenn nach Abschluß der Boruntersuchung wegen Fortführung des Buntes Oberland das Landesgericht Beschluß darüber gefaßt hat, ob gegen Dr. Weber das Hauptverfahren zu eröffnen ist oder ob er außer Berfolgung zu setzen ist. Bom Staatsministerium der Juffiz wurde am Freitag unter Minderung der Strafe die Strafvollziehung gegen mühjam, Sauber, Karpf und Olschewsky unterbrochen und ihnen für den Rest der Strafe Bewährungsfrist bewilligt. Es sind das bie tehten Festungsgefangenen der Räterepublit, die feit 1918 fich ununterbrochen in Feftungshaft befinden. Ferner Fechenbach, Gargas und Lembke Bewährungsfeit für den Reft ihrer gleichzeitig geminderten Strafe bewilligt werden. Bei dieser Begnadigung ging das Justizminifterium von dem Standpunkt aus, daß die Schuld der drei B- rurteilten nach dem Guiachten des Obersten Landesgerichts einwandfrei feststeht, daß es aber angezeigt jei, die Strafen den vom Reichsgericht in ähnlichen Fällen angewandten Strafmaßen anzupassen. Die Befreiung Fechenbachs aus dem Zuchthaus ist ein Sieg des Rechts. Die Freude an diefem Sieg fann nur wenig dadurch verfümmert werden, daß die bayerische Regierung an der Fittion festhält, fie gewähre einem Schuldigen Gnade. Die Frage nach der Schuld. oder Unschuld Fechenbachs ist längst dem Rahmen eines strafprozessualen Berfahrens entrüdt. Die öffentliche Meinung Deutschlands und der ganzen Welt hat fich mit ihr beschäftigt und hat ihr Urteil gesprochen. Die bayerische Regierung flammert sich mit formaler Korrektheit an das Gutachten des Obersten Landesgerichts, das an ber der Schuld. Fechenbachs festhält. festhält. Diesem Gutachten stehen die Gutachten der berühmtesten Rechtsge lehrten Deutschlands und steht das Urteil des Ausmärtigen Ausschusses des Reichstags gegenüber, der die Geschichte von der Schädigung auswärtiger Reichsinteressen durch Fechenbach in das Reich der Fabel verwies. Bom Standpunkt des reinen Rechts aus hat Fechenbach eiren Anspruch auf Freispruch und Entschädigung für die unschuldig erlittene Strafe. Es steht bei ihm, ob er diesen harten und weiten Weg beschreiten will. Notwendig ist das vom Standpunkt der Politif aus nicht. Der Fall Fechenbach war von uns in dem Augenblic, als das unerhörte Urteil fiel, mit der französischen Affäre Dreyfus verglichen worden. In beiden Fällen war es zu ungeheuerlichen Fehlsprüchen gekommen, weil an Stelle ber Unparteilichkeit, die allein Anspruch auf den Siz des Richters hat, blinder politischer Fanatismus gegen politische Gegner zu Gericht faß. Zwischen diefen beiden Fällen besteht aber ein großer Unterschied insoweit, als es sich im Fall Dreyfus um einen ftrittigen Tat bestand, im Fall Fechenbach über die ftrittige Beurtei lung des Tatbestandes handelte. Im Fall Dreyfus ging es um die Frage, ob der Angeklagte wirklich gegen Frankreich der deutschen Regierung Spionendienste getan hatte. War diese Behauptung richtig sie war aber falsch dann war Dreyfus schuldig. Fechenbach hat nie bestritten, dem Schweizer Journalisten Baŋot das Ritter Telegramm übergeben, und einem Nachrichtenbureau Notizen über rechtsputschistische Borbereitungen geliefert zu haben daß man aus diesem zugestandenen Latbestand einen Landesperrat tonftruierte, den man mit 11 Jahren Zuchthaus ahn dete, das war die Ungeheuerlichkeit des Urteils. Fechenbach braucht also fein Bieberaufnahmeverfahren anzustreben, um zu beweisen, daß man ihn einer Tat beschulbigte, die er nicht begangen hat. Die Frage ist: War das, was Fechenbach getan hat, Landesverrat? Diese Frage ist für die zukünftige Rechtsprechung von sehr großer Bedeutung, von ihrer Beantwortung hängt das Schicksal zahlreicher Bersonen ab, nach denen der Landesverratsvara graph seine fautschufartig verlängerten Arme ausstrectfür Fechenbach persönlich bedeutet sie nicht mehr viel, da nor or Deffentlichkeit längst rehabilitiert ist. Im Fall der Münchener Räterepublikaner handelt es fich um die Milderung von Strafen, deren Härte in feinem Berhältnis steht zu der Behandlung, die bayerische und andere deutsche Rechtsputschisten vor Gericht erfahren haben. Gerade hier drängt sich der Vergleich mit Hitler- Kriebel auf, die im ganzen wenig über ein Jahr eines fehr bequemen Festungsaufenthalts hinter sich haben, während die Müh am und Genossen über fünf Jahre lang in einem Gefängnis gehalten wurden, das man schönfärberisch als Festung bezeichnete. Man kann daher den Beschluß des bayerischen Staatsminifteriums feineswegs einen Aft ausgleichender Gerechtigkeit nennen. Fechenbach hat über zwei Jahre im Zuchthaus gefeffen, man entläßt ihn und attestiert ihm dabei noch feine Schuld. Die Linksputschisten mußten fünfmal so lang figen wie die Rechtsputschisten. Dabei wird man das Ge fühl nicht los, daß es der bayerischen Regierung mehr darauf anfam, Hitler freizulassen, als in den Fällen Fechenbach und Mühsam dem Recht Genüge zu tun. höriger gewesen, der für seine Tätigkeit 12 Jahre Zuchthaus erhielt. Nach Fechenbach hatte ein Journalist Lembke die Münchener Be richterstattung für Gargas übernommen, er erhielt dafür 10 Jahre Zuchthaus. Das fogenannte Ritter- Telegramm, dessen Auslieferung an Payot Fechenbach mit 10 Jahren Zuchthaus angerechnet wurde, war ein Bericht des bayerischen Gesandten beim Vatikan, Kittar, aus der Zeit vor dem Kriegsausbruch und hatte folgenden Wortlaut: Rom, den 24. Juni 1914. Ministerium des Aeußern, München. Bapst billigt scharfes Vorgehen Defterreis gegen Sere bien und fäßt im Kriegsfall mit Rußland russische und französische Armee nicht hoch ein. Kardinalstaatssekretär hofft ebenfalls, daß Desterreich diesmal durchbält, und wüßte nicht, wann es sonst noch Krieg führen wollte, wenn es nicht eins mal eine ausländische Agitation, die zum Mord des Thronfolgers geführt hat und außerdem bei jeziger Konstellation Desterreichs Eriffenz gefährdet, entschloffen ist, mit den Waffen zurückzuweisen Daraus spricht auch die große Angst der Kurie vor dem PanRanismus. gea Ritter. Wenn aber Bayern, das den Mörder Eisners, den Das Boltsgericht, das unter dem Borsiz des LandgerichtsdirekGrafen Arco, ohne Kompensationen begnadigt hat, diesmaltors as togte, nahm an, daß durch die Veröffentlichung dieses iin Fall Hitler um Rompensationen nicht herumtam, so ift Telegramms eine Intervention des Papstes zugunsten das eine Folge der Aufrüttelung der öffentlichen Deutschlands bei den Friedensverhandlungen ver Meinung zugunsten Fechenbachs und der Gefangenen von Hindert werden sollte und tatsächlich verhindert worden set. Niederschönenfeld. Es gibt immerhin Dinge, die zu fraß find, als daß irgendeine Regierung sie noch wagen könnte. zu diesen Dingen hätte es gehört, wenn die bayerische Regierung Hitler entlassen, Fechenbach und Mühsam aber noch länger im Rerter gelassen hätte. Adolf Hitler hat für das, was er angerichtet hat, eine lächerlich geringe Strafe erlitten. Aber politisch ist seine Freilassung nicht zu bedauern, denn politisch ist Adolf hitler feine Gefahr. Die von ihm geleitete Bewegung ist zusammengebrochen, der 7. Dezember hat mit ihr aufges räumt. Soweit es noch eine rechtsputschistische Gefahr gibt, hat sie ihren Sig viel weniger in der von Hitler gegründeten Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung" als im radi. talen Flügel der Deutsch nationalen und den ihm angeschlossenen rechtsradikalen Berbänden. Und was befonders Bayern betrifft, so ist das schwarzweißrote Dachfeuer gründlich gelöscht, aber der weißblaue Deckenbrand schwelt weiter.. Doch ganz abgesehen davon, ob Hitler eine Gefahr ist oder nicht jedenfalls ist das Gerede von seiner angeblich geplanten Ausweisung Unfug. Hitler ist als Deutscher einige Kilometer hinter der reichsdeutschen Grenze geboren, er ist Angehöriger eines deutschen Volksstammes, dessen Anschluß an das Deutsche Reich erstrebt wird, er hat im deutfchen Heer gedient- ihn aus dem Lande zu schaffen, weil seine Papiere nicht in Ordnung sind, wäre ein Polizeipartifularismus übelster Art. gegen 3 Jagows und Hitlers Entlaffung sind eine Mahnung, auf dem Weg der Amnestie nicht stehen zu bleiben. Die Amneftie für verurteilte kommunistische Linksputschiften, die wir fordern, ist ein Art der Gerechtigkeit, denn die Strafen, die über sie verhängt wurden, sind um ein Vielfaches härter als die die wenigen Rechtsputschiften, die dem Arm der Gerechtigkeit nicht entwischten. Die Amnestie ist aber auch ein Art der politischen Klugheit. Die Rom munisten find von ihrem Gewaltfieg ebensoweit entfernt wie die Nationalsozialisten" Hitlerscher Prägung. Eine Gefahr sind sie wohl für die Arbeiterbewegung, an deren Berftörung fie arbeiten, eine Gefahr sind sie als der parlamentarische Stoßtrupp zur Förderung der Bürgerblockbestrebun gen, aber eine Gefahr für den Bestand des Staates find fie nicht! Die Republik wird nicht schwächer, sondern stärker werden, wenn sie das Licht der Gerechtigkeit gleichmäßig über alle scheinen läßt und wenn sie milde übt, wo sie keinen Anlaß mehr sieht, sich durch Härte zu schützen. Der Fall Fechenbach. Am 20. Oftober 1922 murde Fechenbach vom Münchener Boltsgericht megen angeblichen Landesverrats zu 11 Jahren Zucht haus verurteilt. Seinen Landesverrat sollte Gechenbach dadurch begangen haben, daß er, der Eefretär bes ermordeten nifterpräfidenten Eisner, im Frühjahr 1919 dem Schweizer Journalisten René Bayot ein diplomatiches Schriftftüd übergeben und ferter für ein englisches Nachrichtenbureau, Transatlantic News Transmission Agency", Rachrichten über rechtsputschstische Borbereitungen ge liefert hatte. Berliner Bertreter jenes Bureaus war der frühere Biener Rechtsammelt Dr. Bargas, ein polnischer Staatsange Diese geradezu unsinnige Annahme ist durch folgendes Gut achten des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags zerstört worden: 1. Daß die Veröffentlichung des sogenannten Ritter- Tele gramms auf die Lage des Deutschen Reiches bei den Friedens. verhandlungen Einfluß ausgeübt hat, ist nicht tlargestellt; weber die Friedensdelegation in Versailles noch das Auswärtige Amt in Berlin haben dieser Beröffentlichung Beachtung gefchenft. 2. Durch einen im Frühjahr 1915 abgeschlossenen Vertrag zwischen J.alien, England, Frankreich und Rußland war die Kurie von jeder Beteiligung an den Friedens. verhandlungen ausgeschlossen. Diese Tatsache wird in der Urteilsverfündung nicht erwähnt. Damit war dem Urteil, soweit es sich auf das Ritter- Telegramm bezog, die Grundlage entzogen Im Fall der Nachrichtenvermittlung über rechtsputiiftische Vorbereitungen nahm das Gericht Epionage zugunsten Englands an, obwohl es sich um Fachrichte handelte, die zum größten Teil schon veröffentlicht waren, und um Vorgänge, die fich den Augen feines Beobachters entzogen. Tie englische Regierung erklärte, sie habe mit dem Burean des Dr. Gorgas nichts zu tun. Außerdem aber muß man bedenten, daß in der damaligen Zeit Frankreich den Separatismus, der sich hinter den bayerischen Bürgerwehren verbarg, begünstigte, England dagegen ihn bekämpfte. Die Berichterstattung über die rechtsputschistischen Vorbereitungen war eine Leilaktion im Kampf für die Reichseinheit, sie führte nach der Lage der Dinge ebenso noch der englischen Seite mie der bayerische Partitularismus nach der französischen. Die Bewegung gegen das Fechenbach- Urteil hatte sofort eingefeßt, als es gefällt worden war. Den Sozialdemokraten im Reihstag gelang es, das schon zitierte Gutachten des Aus wärtigen Ausschusses zu erzielen und den Fall auch im Reichstag zur Sprache zu bringen. Am 2. Juli v. 3. hielt Genoffe Dittmann im Reichstag eine Aufsehen erregende Rede für Fechenbach. Der bayerische Regierungsvertreter v. Breger erklärte, falls Fechenbach ein Begnadigungsgesuch einbringe, werde die banerische Regierung ein Gutachten des Obersten Landesgerichts einfordern. In der folgenden Debatte standen Emminger und der Deutschnationale Strathmann als Berteidiger des Urteils allein. Die Borgänge im Reichstag gaben der Bewegung für Fechenbach reuen Antrieb. Es erschienen zahlreiche Schriften und Gutachten berühmter Rechtslehrer, die sich für die Unschuld Fechenbachs, einfetten. Trotzdem schien es, als ob die bayerische Regierung all diefen Stimmen das Dhr verschließe, als ob alles vergeblich wäre! Es war nicht vergeblich! Fechenbach ist frei! Die Niederschönenfelder. Der finnlose Räteputsch von München hat micht nur für Bayeun die unheilpofften politischen Folgen gezeitigt, er hat auch Taufende von an ihm Beteiligten zu Opfern einer unbarmherzigen Juftiz gemacht. Wegen Hochperrat und Beihilfe zum Hochverrat wurden 1919 über zmeitausend Teilnehmer an der Räterepublik zu Gefängnis, etmo fünfzig zu Zuchthaus und über vierhundent zu Feftung verurteilt, ins efamt zu fünftausendfünfhundert Jahren! Bon den Reichsamneftien 1920 und 1922 wurder die tanerischen Räterepublikaner ausgeschlossen. Ende 1924 befanden sich noch fechs Gefangene in dr Festim Niederschönenfeld, darunter ihsam mit 15 Jahren, Rarof mit 12 Aabren. Sauber mit Die Aufforderung zum Hochverrat. 12 Jahren und Difchewitt mit 7 Jahren. Mühsam murbe zur Höchststrafe verurteilt, obwohl er vor der zweiten Räterepublit bereits berhaftet war und an der kommunistischen Räterepublik überhaupt feinen Anteil hatte. Sauber hatte weber an der ersten, noch an der zweiten Räterepublik Anteil und erhielt feine 12 Jahre lediglich, weil er vor der Proffamierung der Räterepublik in Unterfranken ais 2gitoior tätig war. Olschewski war in Augsburg, wie sämtlichen Beteiligten an der räterepublikanischen Bewegung in Augsburg, von dem Führer der Regierungstruppen Straffreiheit zugesagt. Karpf war ein junger, affiver Offizier, der vierzehn Tage Adjutantendienste im Kriegsministerium der Räterepublik gemacht hat. Die Angehörigen von Olschewski sind seit Jahren in allerschwerster Not. Mühsam ist, wie bekannt, durch die Haft an seiner Gesundheit erheblich gefährdet. Im Zuchthaus befinden sich heute noch die Münchener Geisel mörder. Die Ermordung von Münchener Geisein gehört zweifellos zu den schlimmsten Scheußlichkeiten des Bürgerfrieges. Sie er folgte im Affeft, nachdem befannt geworden war, daß die Gegner in Berlach 12 für unschuldig gehaltene Familienväter und in Starm berg 45 gefangene Rotgardisten erschossen hatten. Niemand wird Taten, wie den Münchener Geiseimord entschuldigen. Es muß aber ben, die in den ersten Wochen der Revolution emporgetragen wurden Waffen in der Hand die verfassungsmäßige Regierung für abgesetzt baran erinnert werden, daß auf der anderen Seite gleichfalls die Schlimmsten Ausschreitungen vorgekommen sind, die keine oder doch rue milde Richter gefunden haber. Hitler und die völkische Bewegung. Die Wurzeln des Hitlerputsches. Die Boge trägt, fie läßt sich nicht regieren! Sie hat den Architekturzeichner, der die soziale Verworrenheit der Zustände der birgerlichen Gesellschaft fühlte, ohne sie in ihren Ursachen erkennen 3" können, hochegiragen. Sie hat ihn zum Führer einer Bewegung gemacht, die emporbrandete, gipfelte, jäh verebbte, und ihn zurückließ, allein mit den gescheiterten Hoffnungen, den zerfetzten Illusionen, und vielleicht auch mit dem Zorn, der über Berrat dort schreit. ro er nicht vermag, die tieferen Triebfräfte zu erkennen, die ihn ebenso in den Abgrund grenzenloser Enttäuschung warfen, wie sie ihn emportrugen. Die Bewegung hat Hitler geführt, nicht er fie. Er wurde ihr Exponent. Er hat den unbestimmten Allgemeingefühlen, die sie trugen, ebenso unbestimmte Worte verlichen, hat eine Symbolik geschaffen, an die das Heer aller derer sich flammerte, in denen ein unbestimmter Trieb nach anderen Verhältnissen aís den Leiden der Nachkriegszeit nicht zu flarer Erfenntnis der wirfliden Lege Deutschlands und seiner politischen Möglichkeiten murbe. Deutschland war niedergeworfen, der Machttraum, ben das alte System geschaffen, war zerbrochen. Hitler gab den Enttäuschten, die der Wahrheit nicht ins Geficht fehen fomnien und wollten, zwar richt Macht, aber eine Uniform. Ein Symbol, mit dem früher ber Begriff der Macht untrennbar verbunden war. Er gab nicht Ideen, igte nicht Auswegz. Er konnte es nicht.; denn die Bewegung, die ihn trug, ruble auf geistigen Unterströmungen, bie, wenn sie zur Klarheit durchdrangen, in längst beschrittene Bahnen einmünden mußien. Es war ein fehler, daß die großen Steatsparteien diese Unterströmungen allein ließen, daß sie es nicht verfanden, ihre Burzein aufzufpüren und sie in zielfeste Bahnen zu leiten zum Mugen der deutschen Entwicklung. So floffen sie zusammen in einer ungeordneten, innerlich unflaren, durch Schlagwort und äußere Symbolt zusammenschaltenen Bewegung. Der Machtverlust Deutschlands, die fadisitschen Beschuldungsmethoden des Poincarisms. Tradition aus den Tagen des Kaifertums, der Verlust an geicuschaftlicher Stellung, den die Intelligenz, weite Schichten des itcffantes, die Militärs des alten Systems erlitten, die Ber ftändnislosigkeit gegenüber dem wirtschaftlichen Geschehen der In flations eit, die Blonderheit der bayerifden Mentalität nach dem Räteputsch in München hier find die Wurzeln dieser scheinbar fo einheitlichen und doch so verworrenen Bewegung. Dicfe Bewegung hatte die größte Aehnlichkeit mit der bunt gemischten Maffe, die sich spontan in ten Straßen zusammendrängt urb nach Handlung, nur nach Handlung drängt. Die einzige politische Perspektive dieser Bewegung war die Gewalt. Wie für die Massen auf der Straße gab es nichts anderes für sie: fame Aftion um der Aftien millen. Hitler war der Trommler dieser Bewegung. Er gab ihr mili, bat Kahr, den General v. Lossom und Oberst v. Seißer in ein tärisches Gepräge. Das hielt sie zusammen, die Uniform, das Macht- Nebanzimmer. Nach der Rückkehr in den Saal erklärte Hitler die symbol. Aber das militärische Gepräge riß fie auch vorwärts. Reichsregierung für abgefeßt und setzte felbft eine Hitler mußte trommeln, um die Bewegung zusammenzuhalten. Er deutsche Nationalregierung ein. Der General Ludentrommelte sich in die Sachgasse, an deren Ende nichts blieb, als der dorff, der inzwischen erschienen war, übernahm die Bildung und Füh Putsch. rung einer Nationalarmee. Die Haltung von Kahr, Lossow und Seißer war vollständig zweifelhaft. Hitler hielt den Staatsstreich für gelungen. Am Morgen des 9. November marschierte er, mit Ludendorff an der Spitze seiner bewaffneten Kampftruppen, in die Stadt München ein. An der Residenz stellte sich ihm die Landespolizei entgegen und schoß auf die Anmarschierenden. Ludendorff und Hitler warfen sich zu Boden, einige ihrer Anhänger fielen, die übrigen stoben auseinander. Der Butsch war zu Ende. Hitler wurde menige Tage später auf dem Lande verhaftet: Es wurde ihm der Prozeß wegen Hochperrats gemacht. Der Fall lag vollständig klar. Hitler hatte seit langem zum Sturze der Verfassung und der verfassungsmäßigen Regierung aufgefordert. Er hatte eine bewaffnete macht gebildet, um die Verfassung zu stürzen. Er hatte mit den lamiert. Hitler war des Hochverrats schuldig. Der erklärt und eine Regierung des Staatsstreiches proProzeß gegen ihn und seine Mitschuldigen dauerte vier Wochen. In diesem Brozeß unternahm Hitler den Bersuch, durch sein Auftreten im Prozeß und die Art der Prozeßführung die vom Zusammenbruch bedrohte Bewegung zusammenzuhalten, um so über die durch den verunglückten Ausgang des Butsches entstandene Krise seiner Bewegung hinwegzukommen. Das Münchener Boltsgericht ahndete am 1. April 1924 den offenfundigen Hochperrat Hitlers mit fünf Jahren Feftungshaft. Fünf Jahre Festungshaft für die Vorbereitung und Führung eines bewaffneten Unternehmens gegen die Verfassung der Republik, das blutige Opfer gefordert hat! Wer war Hitler? Eine Borgeschichte, die nichts unge wöhnliches hat. Architekturzeichner, geboren in Linz in Oberöster reich, in München an feiner Ausbildung gearbeitet, im Krieg in einem bayerischen Regiment an der Westfront gedient, schwer verwundet. Seit 1920 in München eine Agitation die mit alten antisemitischen Mitteln, mit sehr schlecht verstandenen Argumenten des populären Sozialismus, und mit den Requisiten des Spießbürgers und Bierbankpolitikers gegen die neue Republik arbeitete. Er oder ein anderer der Untergrund für solche Agitation war gegeben. Seine Person ist an sich nicht interessant. Wer kennt die namen lofen Führer, die im Kriege auf die radikale Arbeiterschaft einwirt Führer, sie waren Getragene der Bewegung. So ist es mit Hitler. Sie waren nicht Sein Zusammentreffen mit den bewußten Putschisten um Ludendorff, die Einwirkungen des Kapp- Beiftes richteten die Bewegung. Sie wurde zur Gefahr für den neuen Staat. Ihre Werbe versammlungen, die Deutschen Tage", die Paraden, die Aufmärsche, wurden zu lebungen einer putschistischen Armee. Die machtlüfter nen, mit dem Gedanken einer nationalen Diktatur spielenden Kreise fchen in dieser Bewegung das geeignete Machtinstrument, das sie emportragen follte. Die Bewegung wuchs, ihre vermeintlichen Führer wurden immer mehr Geführte. Das innere Gefeß dieser Bewegung zwang Hitler, mit Ernst an die Aktion zu denken. Er hatte der Masse ein Machtsymbol gegeben. Nun wollte sie Machtauwendung sehen. Machtanwendung nach außen war eine schöne Illusion. Der Drang nach Aktion richtete sich gegen die Republik, gegen die Reichsregierung, gegen die unbewaffneten Maffen des eigenen Bolles. Die Reden Hitlers seit dem Jahre 1922 zeigen, wie er folgerichtig in den Putsch hineingezogen wurde. Rathenaumord! Hitler sprach: und namenlos wieder ins Nichts zurückkehrten. Bir Nationalsozialisten, die wir nun drei Jahre lang nichts getan haben, als nur gepredigt beschimpft und befudelt von allen, von den einen verspottet und verhöhnt, von den anderen verlästert und verleumbet wir fönnen nicht zurüd! Für uns gibt es nur den einzigen geraden Weg." Ruhrkampf! Hitler stürmt gegen die Republik: „ Es wird der Tag einer anderen Einheitsfront tommen. Doch vorher tie Stunde der Abrechnung mit denen, die uns 4½ Jahre lang ihre verbrecherischen Wege geführt haben! Dem äußeren Kampf muß der innere Kampf vorausgehen! Die endgültige Entscheidung zwischen denen, die da sagen: wir sind Deutsche und find storlz darauf, und den anderen, die nicht deutsch sein wollen oder überhaupt nicht deutsch sind. Unsere Bewegung mird bekämpft mit dem Ruf:„ Die Republik ist in Gefahr!" Eure Novemberrepublit nämlich? Jawohl! Die November repubiit ift in Gefahr!" In den Wochen vor dem Novemberputsch: " Der Sieg muß unfer fein! Daß die Zuversicht gewaltig ist, bewies Euch der Deutsche Tag" in Nürnberg. Was sich heute anbahnt, wird größer sein als der Weltkrieg! Es wird ausgefochten nerden auf deutschem Boden für die ganze Welt! Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Wir werden Opferlamm oder Sieger!" Hitler mußte den Worten Taten folgen lassen. Er fonnte nicht länger die Boge auf dem Gipfelpunti halten, ohne daß sie in sich selbst zurückgefallen wäre. Am 8. November machte er, unter der Assistenz von Ludendorff, feinen Staatsstreich. Das Kindliche, Komödienhafte dieses Staatsstreichs ist bekannt. Den großen Worten folgte eine Beine Tat. Das Verbrechen vom S. November. Die Reben Hitlers waren offene Aufforderung zum Hochverrat und zum Bürgerkrieg. Die bayerische Regierung wagte nicht gegen ihn einzuschreiten. Am 8. November abends drang Hitler mit be die gewalt- waffneter Macht in eine Versammlung ein, die Herr v. Kahr im Bürgerbräufeller abhielt Er ließ den Saal militärisch befehen und Psychoanalyse und Dichtung. Bon Paul Gutmann. Die Seelenforschung war in früheren Zeiten das Privileg der Didyter. Eine epatie Binchologie gibt es eigentlich erst seit dem vorigen Jahrhundert. Wie im Altertum vier„ Glemente" befonnt waren: Feuer, Waffer, Luft und Erde, so begnügte sich eine spätere primitive Zeit mit den vier sogenannten Temperamenten des Men seen. An das Seguelle zu rühren galt als sträfliche Bermessenheit. Ebenso ist es noch nicht allzu lange her, daß man Irrsinnige in eigens tezu fonstruierten Trommein so lange herumdrehte, bis ihre Erregungszustände beschrichtigt woren, oder daß man sie, wie im Orient, für heilig hielt. Die Dichter wußten über den Wahnsinn riel besser Bescheid ofs die Aerzte. Lear und Ophelia sind Offen. barungen, die dem denkenden Psychiater noch heute Bewunderung abnötigen. Mit dem Neurotifer Hamlet nimmt Shakespeare die Forschung von Jahrhunderten porweg. Kleift, der seinerzeit um vieles noraus mar, gibt in der„ Penthefilea" die überraschende Darstellung eines fadistisch masochistischen Mannweibs. Da ja die Selbstbenbachtung die Ache des bichterischen Schaffens ist, so fönnen uns Hölderlin, Novalis, Benau, Leopardie wertvollere Seelenauffchlüffe geben, als die Wissenschaftler ihrer Zeit. . In den legten Dezennies hat diefes Verhältnis sich gewandelt. Die Binchoanalyse, jenes für das Publikum interessanteste und von Aerzten am meisten umstrittene Gebiet der neueren Medizin, bietet dem Dichter eine Methode, die seinem eigenen Schaffen die frucht borsten Anregungen zu geben vermag. Wie im Altertum die Priester sich mit der Deutung von Träumen befaßten, so unter nimmt es jetzt der Arzt, der Psychoanalytiker, aus Träumen oder aus dem traumhaft unbewußten Handeln des Menschen Schlüffe euf deffen Seelenleben zu ziehen. Bekanntlich unterliegen wir alle bem 3mang, den Gitte und soziale Gemeinschaft auf uns ausüben; nur im Traum oder in triebhaften Zwangshandlungen, die fich schon im bloßen Versprechen äußern fönnen, stoßen unfere unterdrückten Wünsche bisweilen an die Oberfläche. Diese Wunschregungen, die naturgemäß häufig geschlechtlicher Natur find, weil hier der äußere 3wang am stärtfien mirft, deutet die Psychoanalyse nach der von Professor Freud o genannten und von ihm zuerst missenschaftlich ausgebildeten Methode. Aber nicht nur das Leben. auch sein 2bbild, die Dichtung wird hiernoch in oftmals überraschender Weise enträtselt. 3mar die Dichter der älteren Generation schienen fich noch gegen diesen vermeintlichen Eingriff in ihre geheiligten Bezirke wehren zu wollen. So farieb Wilhelm Jensen eine ärgerlich ablehnende Antwort an Brofessor Siegmund Freud, als ihm dieser eine Studie: „ Der Wahn und die Träume" in W. Jensens„ Gradiva" zugesandt hate. In der betreffenden Studie, die intereffanter ist, als das ihr zugrunde llegende Phantasieproduft, analysiert Freud in genialer Das Ende der Bewegung. Während Hitler in der Festung Landsberg feine Festungshaft verbüßte, wurde der Versuch unternommen, die Bewegung, die groß geworden war unter den Symbolen der Gewalt in der Hoffnung auf gewaltsame Aktion, zu einer politisch- parlamentarischen Partei umzugestalten. Im Mai 1924 wirften die Ursachen, die diese Bewe gung hatten groß werden lassen, noch nach. Die völkische Bewegung crrang einen unbestreitbaren Wahlerfolg. Sie hatte jedoch ihren Gipfelpunkt am 9. November 1923 bereits überschritten. Eine in militärische Formen gepreßte Bewegung, die nur durch die Symbole der Macht und die Hoffnung auf gewaltsame Aftion zusammengehalten wird, erhält den Todesstoß, wenn in der Aktion die vermeintliche Macht sich als Illusion herausstellt. Die Dezemberwahlen haben gezeigt, daß die völkische Bewegung nicht nur aufgehört hat, eine Gefahr für die Republik zu sein, daß sie vielmehr auch aufgehört hat, eine nennenswerte politische Rolle in Deutschland zu spielen. Und Hitler? Die Strafe, die ihm von dem Münchener Boltsgericht für sein Verbrechen gegen den Staat auferlegt wurde, war milde genug. Er hat von dieser Strafe einen sehr fleinen Teil unter Bedingungen verbüßt, die alles andere denn hart waren. Ernst Toller mußte fünf Jahre in Niederschönenfeld unter den quälendsten und unwürdigsten Bedingungen bis zum letzten Tag seiner Festungsstrafe aushorren, Hitler war nur wenige Monate in Landsberg. Er findet seine Bewegung nur noch als Trümmerhaufen. Die Welle, die ihn emportnug, ist in sich zusammengefallen. Er wird die Wendung der Bewegung nicht verstehen. Er wird darin Verrat, Niedertracht, persönliech Schub anderer fehen, er wird vielleicht die felbft beschuldigen, die ihm einst zugejubelt haben. Ein solcher Mann ist feine Gefahr für die Republit mehr. Münchens Bürgermeisterwahl. München, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der am 7. Dezember neu gewählte Münchener Stadtrat nahm in feiner heutigen außerordentlichen Gigung die mit Spannung erwartete Wahl des ersten Bürgermeisters vor. Mit sämtlichen bürgerlichen Stimmen wurde der von der nationalen Wahlgemeinschaft präsentierte Stadtrat und Bäckermeister charnag, der Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Bayer schen Vollspartei, ge auch sie ein Atemzug, auch fie ein Symbol, und daß auch Mord und Blut und Scheußlichkeit nicht Dinge sind, welche wahrhaft existieren, fondern nur Wertungen unserer eigenen selbstquälerischen Seele. Weise das Werk Jensens als einen Wunschtraum aufschlußreichster| zählte, daß auch Wagners Tat ein Weg zur Erlösung gewesen war, Art. Gottfried Reller in feinem biographischen Roman„ Der grüne Heinrich" und viele andere Dichter, die von der PsychoanaInse noch nichts wußten, haben sich eine oftmals überraschende Deus tung gefallen lassen müssen. Daß die Wissenschaft im Uebereifer ihrer neuen Erfolge vielfach zu weit gegangen ist, vielfach bis an die Grenze des Lächerlichen, mag zugestanden werden. Die gegenfeitige Befruchtung von Wissenschaft und Dichtung ist seither jeben falls sehr groß. Was Freud, was der Wiener Dr. Alfred Adler, was die Züricher Schule auf psychoanalytischem Gebiet geleistet hat, fann der moderne Dichter nicht gleichgültig übersehen. Allei 1 von Adlers Wert Ueber den nervofen Charafter" mit seiner Feststellung des männlichen Proteftes als Ausbrud feelischer Schwäche fällt ein Licht auf psychische Vorgänge, das viele Bersonen der Geschichte, der Kriminalistik und des täglichen Umgangs in ganz neuer Charateristik zeigt. " Wer denkt bei der dichterischen Erörterung derartiger Probleme nicht an manches ebenso grauenhafte wie unverständliche Vorkomm nis der letzten Zeit? Freilich sollten diese dunklen Seelengebiete nur von der ernstesten Wisse tschaft und dem echten Dichter betreten werden. Die Gefahr liegt nahe, daß Unbefugte sich dieses moderne Forschungsgebiet zunuze machen, in der Annahme, daß der intereffante Stoff den Mangel an Schöpferkraft übersehen ließe, ebenso wie es genug belanglose Leute gibt, die durch Beschäftigung mit Aftrologie, Spiritismus und ähnlichen Dingen sich ein Ansehen zu geben hoffen. In der Kunst ist der Stoff nicht das Maßgebende. Aber aus diesem vertiefter Wissen werden zukünftige Dichter noch ungeahnte Anregungen zu schöpfen wissen. Staatliche Manufakturen an den Kunstgewerbeschulen... Ein ftoatlichen Kunstgewerbeschulen mit bent gewerblichen Schaffen zu verbinden, wird von Brof.& Ehmde von der Münchener Kunst H gewerbeschule in dem Sonderheft für typographische Erziehungsweile gemiesen, das jetzt das Archiv für Budgewerbe und Gebrauchsgraphit herausgibt. In den letzten Jahren ist es zu einer felbstverständlichen Borauslegung für eine gute Kunstgewerbeschule gevorden, ihrer graphischen Abteilung eine eigene Drudwerfstätte als Unterbau zu geben. Das erftrebenswerte Ziel wäre es allerdings, wenn man nodj einen Schritt weiter ginge und aus dieser Werkstätte eine Staatsmanufattur machte, in der nur Aufgaben der Bragis zur Ausführung tämen und in der der Schüler wie ein Lehrling an Arbeiten der Wirk lichkeit beschäftigt würde Auf diese Weise tönnte auch der Staat wieder zu einwandfreien Lösungen für all die vielen Dinge feines graphischen Bedarfs tommen und damit Musterbeispiele für die All gemeinheit aufstellen, während heute das Gegenteil der Fall ist, weil die staatlichen Geschmadsäußerungen höchft angreifbar find und nur aus der privaten und Geschäftswelt Anregungen und Höchstleistungen kommen. Auch der Entwicklung und Züchtung einer Schulbureaukratie müzde Einhalt geboten, wenn es fich nicht mehr um die Echulmeisterei mit mit festgelegten Brogrammen und Stundenplänen handelte, fondern um die Bewältigung täglich mechselnder Aufgaben, wie sie das Leben draußen auch bietet, für das boch lekthin feber Schüler erzogen werden soll. Ueberblickt man daraufhin die neueste Literatur, so erkennt man, wie tiefgehend bereits der Erafluß der Psychoantyfe auf die dichte- pratiifcher Weg, um die Arbeit der neuerdings so oft angegriffenen rische Produktion ist. In Stefan Zweigs Amor" heißt es in dem rhythmischen Vorwort:„ Tu auf dich, Unterwelt der Leiden fchaften", und jebe der fünf Erzählungen ist eine aus der Psychoanalyse hervorgegangene Synthese. In der Novelle Phantastische Nacht" wird geschildert, wie der untadelige Aristokrat und Aesthet Baron v. R. durch zufällige Erlebnisse am Rande des Kriminellen in einer Nacht, die ihn mit dem Auswurf der Großstadt in Be. zichung gebracht, eine Befreiung erfährt, welche tiefste Geheimnisse ber Schöpfung ihm erhellt." Alles empfand ich, als este es nur für mich allein und mich wieder mit allem strömend verbunden. Alles gehörte mir mit einem Male, seit ich die Rinde um meine Brust zerstoßen, und Freude des Hingebens, des Verschwendens fchwellte mich allem zu. Die Quellen geheimster Grofit brechen aus dem von der Ronvention befreiten 2ffettleben fegenspendend hervor. Ein anderes Buch eines modernen Erzählers, lingfors letter Sommer" von Hermann Heffe enthält eine Erzählung, die in die tiefsten Tiefen der Menschenseele führt: Klein und Wagner". Ein unbedeutender Beamter, namens Klein, erfährt von dem Massenmörder Wagner, der irgendwo in Süddeutschland seine ganze Familie umgebracht und dana Hand an sich selbst gelegt hat. Diefer Wagner, zur firen Idee gen orden, reißt verborgene e gründe in Kleins verfümmerter Alltagsfeele auf und treibt ihn aur Flucht vor den Seinen. Stand er nicht schon lange zu Wagner in mystischer Beziehung? War es ein Zufall, daß diefer Irrfinnige ebenso hieß wie fein Lieblingskomponist? Und nun dient eine belanglose Unterschlagung dazu, den ganzen Komplex feines Chelebens umzuwälzen, iha über die Grenze und fcheinbar in die Freiheit zu führen. Wie diefer Kein an feiner Gewissensangst zugrunde geht, ist ein Meisterstück der von der Psychoanalyse beeinflußten Dichtung. Der Mörder Wagner, deffen Schatten so breit über Kleins Leben gefallen war, lächelte ihm ernst ins Gesicht, und fein Lächeln er Cine fegensreide elhnachismarte. Der dänische Bostmeister Holböll hat vor einer schönen Reihe von Jahren seine Idee, eine poft marte mit weihnachtlichem Charafler für humanitäre Zwede zu verkaufen, verwirklicht. Nicht nur in Dicemart ist aus dem Erlös der Marte viel Gutes geschaffen worden, sondern auch in Amerika, wo die Weihnachtsmarfe feit 1907 gegen 30 Millionen Dollar eins gebracht hat. Ein amerikanischer Verein verwaltet die Einfünfte 12 000 Krantenpfleger ausgebildet, und man führt den Rückgang der aus dem Verkauf der Marte. Er hat 700 Canatorien errichtet und Sterblichkeit in den Vereinigten Staaten nicht zuletzt auf die Lätigfeit jenes Bereins zurüd, der mit ben aus dem Bertauf der Weihnachismarte herrührenden Mitteln arbetet. wählt. Er erhielt 32 von 51 Stimmen, während der bisherige erste Bürgermeister, Genosse R. Schmidt, lediglich die 13 sozialdemokratischen Stimmen und die weitere Stimme des berufs mäßigen zweiten Bürgermeisters erhielt. Ein kommunistischer Kandidat erhielt fünf Stimmen. Vorher wurde der Antrag der nationalen Wahlgemeinschaft, die aus Bayerischer Volkspartei, Deutschnationalen und Deutscher Volkspartei besteht, zur Wahl eines berufsmäßigen ersten Bürgermeisters mit 26 gegen 24 Stimmen abgelehnt, ebenso die Wahl eines weiteren dritten Bürgerweisters. Landtagsvertagung in Sachsen. Dresden, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Sächsische Landtag verabschiedete am Freitag die Steuerermäßigungsgefeße, wobei es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der fozialdmokratischen Minderheit, den Kommunisten und den Deutschaationalen einerseits und den fächsischen großen Koalitionsparteien andererseits kam. Besonders die Sprecher der Deutschen Volkspartei wandten fich in schärfster Weise gegen die Deutschnationalen, deren Anträge fie als reine Agitationsanträge bezeichneten. Die Regierungsvorlage, die eine Aufhebung der Mietzinssteuer für die von der Reichseinkommensteuer befreiten Mieter und eine Herabsetzung der Gewerbesteuer und der Arbeitgeberabgabe für eine Steuerquartal um ein Drittel bzw. die Hälfte vorsah, wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Minderheit und der Kommunisten angenommen. Bei der Abstimmung über die deutschnationalen Anträge stimmte auch die Deutsche Bolkspartei bemerkenswerterweise gegen die Besteuerung der Konsumvereine.- Berschiedene Anfragen und Anträge der Kommunisten und Deutschnationalen, die Polizei betreffend, löften eine lange Polizeidebatte aus, in welcher von seiten der Antragsteller teilmeise scharfe Anschuldigungen und Angriffe gegen die Polizei erhoben wurden. Die Regierung war in der Lage, die Angriffe an Hand des vorliegenden Tatsachenmaterials zurüdzuweisen und ins besondere die Behauptungen über das Berhalten der Bolizei gegen die Kommunisten als unwahr abzutun. Für die durch die Regen periode im Auguft und September d. I. schwer geschädigten Teile der fächsischen Landwirtschaft stellte der Landtag der Regierung für die Beschaffung von Saatgetreide und Düngemittel einen Kredit von 1 400 000 Goldmark zur Verfügung. Der Landtag vertagte sich dann bis zum 14. Januar 1925. Der beanstandete Stadtverordnetenbeschluß Die Potsdamer auf dem Kriegspfad. Bekanntlich hat der Minister des Innern durch den Reglerungspräsidenten den Beschluß der Potsdamer Stadtverordnetenversamm lung am 12. Dezember, in dem dem Oberbürgermeister das Bertrauen ausgesprochen wurde, gleichzeitig aber die Begründung eine 3u rechtweisung des Ministers bedeutete, beanstanden lassen. Diese Beanstandung mußte der Oberbürgermeister, deffentwegen die ganze Kundgebung unternommen wurde, aussprechen und er hat es mit dem Erfolg getan, daß nunmehr die Potsdamer Stadtverordneten zum 23. Dezember zu einer außerordentlichen und nichtöffentlichen Sigung einberufen sind, in der einzig und allein eine Beschlußfaffung zur Beanstandung des Beschlusses vom 12. Dezember erfolgen soll. Die Richtöffentlichkeit dieser Sigung ist immerhin bemertenswert und es scheint, als ob die Bois Damer Stadtväter nun doch einsehen wollen, daß sie bei diesem Vorstoß gegen den Minister ihrerseits ihre Befugnisse überschritten haben und den fürzeren ziehen. Abberufung Tirards? Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht. Der Cri de Paris" will wissen, daß die Ubberufung Tirards von dem Posten als französischer Oberkommiffar für das Rheinland von der Regierung im Prinzip beschloffen fel und wahrscheinlich unmittelbar nach Neujahr erfolgen werde. Das Land ohne Schwiegermüffer. Welches junge Liebespaar hätte nicht schon die Gegenwart besorgter Mütter und Tanten von Herzen verwünscht und davon geträumt, fie auf eine Infel wegschiden zu fönnen, felbst aber in ungetrübter Freude auf einer Insel der Seligen zu verweilen. Es gibt in der Tat ein Land, in dem diefer Traum Wirklichkeit geworden ist. Zur Bosanquet- Gruppe in der Süd'ee gehören die fleinen Sim- Sim- Inseln. Auf der größeren von ifeen befinden sich die malerischen Ruinen eines eingestürzten Buffans und herrliche Wälder, bie feinere ist flach und jeder Naturfchönheit bar. Auf dieser werden, wie Beatrice Grimshaw in ihren Recifeerinnerungen erzählt, alle älteren Leute vom Stamme der Cim- Sim untergebracht, während auf der benachbarten Paradies insel das junge Bolt fein Heim aufschlägt, bis es felbst wieder zur gefekteren Generation gehört und der nachfolgenden den Platz räumen muß. Adamskostüm für die Tropen? Die Kleidung oder vielmehr Das Ende der Hehe. Die Rede Landsbergs. F. K. Magdeburg, 19. Dezember.( Eig. Drahtber.) seinem Ende. Soll es ein günstiges Vorzeichen sein, daß heute Endlich nähert sich der politische Berleumderprozeß niemand mehr ernsthaft von den ehrenhaften deutschnationalen Zeugen Syrig und Gobert zu sprechen wagt? Daß sogar die Berteidiger erklären, fie legten auf das Zeugnis dieser beiden Ehrenmänner fein Gewicht? So hat es denn bisher bei dem Eventualantrag des Staatsanwalts sein Bewenden, der die Strafaften des Gobert für den Fall borgelegt haben will, daß das Gericht ernsthaft auf das Zeugnis des Gobert Wert legen sollte. Der Freitag war ganz den Plädoyers gewidmet, die sich in diesem auf politische Vorgänge gegründeten Prozeß natür lich bald zur politischen Rede ausweiteten. Als erster sprach der Generalstaatsanwalt Storp aus Celle, der erst sehr spät an Stelle feines angeblich erfrankten Kollegen vom Naumburger Oberlandesgericht die Bertretung in der Anflage übernommen hat. Der Anklagevertreter sprach nicht sehr wirksam, in der Form aber doch mit guter Einfühlung in die ihm fremden politischen Zusammenhänge. Sein Strafantrag ist sehr milde, wenn man ihn vergleicht mit den Strafen, die früher gegen sozialdemokratische Redakteure wegen Beleidigung eines Nachtwächters verhängt wurden. Aber der Staatsanwalt ist der Auffassung, daß der Angeklagte, der bei Kriegsausbruch 15 und bei Kriegsende 19 Jahre alt war, nicht in der Lage sei, die Dinge richtig zu beurteilen, die dem Prozeß zugrunde liegen. Er hält den Angeflagten für ein Werkzeug anderer, aber zur Abschreckung müsse er doch Gefängnisstrafe beantragen. In einer padenden, scharf pointierten und sprachlich form vollendeten Rede schilderte dann Rechtsanwalt Landsberg, der als Boltsbeauftragter und Reichsjustizminister dem Reichspräsidenten jahrelang nahegestanden, das wirken Eberts und der Sozialdemokratie während des Krieges und nach dem Zu fammenbruch. Unter völligem Berzicht auf billige Hilfsmittel eines forensischen Routiniers gestaltete Landsberg sein Blädyer zu einer rhetorischen Höchstleistung, die während zweier Stunden das Gericht und das Parkett von Zuhörern offensichtlich in Spannung hielt. Aber diese Rede schloß mit einer schweren Anklage gegen das Treiben jener Deutscher", hätte es nach dem Kriegserleben nicht für möglich gehalten, die jetzt die Berleumdungskampagne inszeniert haben. Man daß die Scheidung in national" und antinational, in vater ländisch und vaterlandslos wieder aufleben könnte und zum Gegenstand eines erbärmlichen Parteikampfes gemacht aufgebot sei nur ein Ausschnitt aus einer Serie von würde. Aber dieser Prozeß mit seinem riesigen Beugen Unternehmungen, die von denen, die sich für besondere Pa trioten halten, gegen den verfassungsmäßigen Repräsentanten des Reiches veranstaltet werden. Das Schöffengericht, fagte Landsberg, hat die Aufgabe, sich als Straffenat des Reichsgerichts zu etablieren und als solcher Feststellungen darüber zu treffen, ob der frühere Abgeordnete Ebert Landesver rat" begangen habe. Eine ungewöhnliche und ungewöhnlich schwere Aufgabe, die an den Willen und die Fähigkeit zur Objektivität der Richter harte Anforderungen stelle. Die Verteidiger fielen nach dieser rednerischen Leistung in juristischer. Man fann ein guter Jurist sein, ohne die Bor volffommen ab. Nicht nur in rhetorischer Hinsicht, auch teile der Rednergabe zu befigen. Und man fann doch mirten, wenn man eine gute Sache zu vertreten hat. Aber daran hapert es hier. Jeder der beiden Verteidiger verlas feine umfangreiche Niederschrift, die in ewigem Kreislauf immer diefelben Zitate abwandelte, ein Ragout aus Kloth, Briesberg, Forfiner und Richard Müller darstellte und schließlich in dem Sak gipfelte, der Reichspräsident sei doch ein Landes perräter und deshalb müsse der kleine Redakteur aus Staßfurt freigesprochen werden. Staatsanwaltschaftsrat Doßmann erwiderte in knapper, aber wirkungsvoller Darlegung auf diese Verzerrung des Gefamtbildes. Er machte darauf aufmerksam, daß der Wahrheitsbeweis nur als erbracht angesehen werden dürfe, wenn dem Reichspräsidenten nachgewiesen würde, er habe vorfäßlich der Kriegsmacht des Reiches Nachteile zugefügt. Bei der unbeirrten Haltung der Sozialdemokratie und ihres Borsitzenden Ebert während des ganzen Krieges sei es absurd, anzunehmen, daß derselbe Ebert plötzlich beim Munitionsstreit vorsäglich die Kriegsmacht habe benachteiligen wollen. Deshalb fei der Wahrheitsbeweis für diese Behauptung nicht geführt und nicht zu führen. Das müsse durch Urteil festgestellt werden. Um 7% Uhr abends wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Sonnabend vertagt. Dann wird Rechtsanwalt eine für den Nebenkläger auf die Rede der Berteidiger antworten. Im Spiegel des Auslandes. ,, Verächtliche Elemente". Das Kompromiß um die Räumung Kölns. Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Bon den alliierten Regierungen wird in offiziösen und halbamtlichen Erklärunfallen sei. Das mag formal richtig fein, tatsächlich fann aber heute gen immer wieder versichert, daß in der Frage der Räumnung der Kölner Zone zum 10. Januar 1925 eine Entscheidung nicht gefallen fei. Das mag formal richtig fein, tatsächlich fann aber heute fein zweifel mehr darüber bestehen, daß die Kölner Zone zu dem im Friedensvertrag festgesetzten Termin nicht geräumt wer den wird. Die Gründe dafür sind ausschließlich militärischer Natur. Die französischen Besatzungstruppen an der Ruhr würden völlig isoliert und von jeder Berbindung mit der Heimat abgeschnitten sein, sobald das Kölner Gebiet von der britischen Armee geräumt werden wird. Die darüber zwischen Condon und Paris geführten Verhandlungen scheinen sich mehr und mehr dem bereits früher in Aussicht genommenen kompromiß zu nähern, daß England den Aufenthalt feiner Truppen in der Kölner Zone um etwa 3 Monate verlängert und Frankreich die Räumung der Ruhr um ebenfalls 3 Monate vorverlegt, so daß die Räumung beider Zonen gemeinsam Ende April erfolgen könnte. Das wäre ein kompromih, mit dem man sich schließlich auch in Deutschland abfinden könnte, aber die Borausseßung wäre, daß man darüber mit der deutschen Regierung loyal verhandelte und nicht dafür das angeblich unbefriedigende Resultat der interallierten mititärtontrolle vorzuschühen. Räumung der Kölner Zone erfährt Reuter: Die Angelegenheit ist, London, 19. Dezember.( WTB.) zu der Froge des Datums der bekanntlich schon in Rom erörtert worden. Vermutlich wird on dem vom Versailler Vertrag festgesetzten Datum im Januar der deutschen Regierung irgendeine mitteilung gemacht werden müssen. Die Verzögerung des Berichts der Militär kontrolltommission ist anscheinend zum Teil auf die Tatsache zurüdzuführen, daß vom Zeitpunkt der Besetzung des Ruhrgebietes an bis etwa zum September, wo der Dames- Blan zu laufen begann, teine Kontrolle vorhanden war. Sihung des Transferkomitees. Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Agent für die Reparationszahlungen Gilbert, der zu Besprechungen der Reparationsfommission sich mehrere Tage in Paris aufgehalten hat, reist am Freitagabend nach Berlin zurüd. Die Besprechungen Gilberts haben in der Hauptfache der Frage der Verrechnung der abgabe erzielten Einnahme gegolten. Eine Entscheidung von England und Frankreich aus der Erhebung der Erportist darüber nicht gefallen, da die Frage der Zuständigkeit den allierten Regierungen selbst unterliegt. Sie wird voraussichtlich auf die Tagesordnung der am 6. Januar beginnenden interallierten Finanztonferenz gesetzt werden. zahlungen veröffentlicht folgendes Stommuniqué: Das Transfer= Das Berliner Bureau des Generalagenten für Reparationstomitee hielt am 18. Dezember in Baris feine ordentliche Mo natssigung ab. Das Komitee beschäftigte sich mit verschiebenen laufenden Angelegenheiten und ergriff weitere Maßnahmen zur Vervollständigung seiner Organisation. Es wurde fernerhin die Frage des Reparation Recovery Act erörtert und in dieser Angelegenheit ein durchaus zufriedenstellender Fortschritt erzielt. Oeffentliche Präsidentenwahl beschlossen. Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Rammer hat am Freitag mit der Beratung der Gesetzesvorlage über die Einfüh rung des öffentlichen Wahlganges bei der Wahl des Kammerpräsidenten begonnen. Der Kommissionsbericht führt zur Begründung dieser Borlage u. a. an, daß die Deffentlichkeit das wesent. lichste Kennzeichen der Ausübung des Abgeordnetenmandats sei. Daraus erflärt sich", heißt es dann weiter, bas abfolute Prinzip der Deffentlichkeit bei den Sizungen der Parlamente, das den Wählern es erlauben soll, den Inhalt der Beratungen tennen zu lernen. Der Krieg allein fonnte hier zu gewissen Ausnahmebestimmungen Anlaß geben. Auch der öffentliche Wahlgang ist heutzutage allgemein eingeführt, da itur er es den Wählern erlaubt, die Art und Weise zu fontrollieren, in der die 2bgeordneten ihr Mandat ausüben." Nachdem die Opposition versucht hatte, die Angelegenheit zu vertagen, was mit 318 gegen 235 Stimmen abgelehnt wurde, trat die Kammer in die Beratung des Antrages ein, den der ehemalige Unterrichtsminister Léon Bérard fcharf bekämpft, während der radikale Abgeordnete André Hesse ihn unterstützt. Die Wahl des Rammerpräsidenten, fagte er, bedeute für die Parteien ein sichtbares Zeichen ihrer Dottrin. Während der Sprecher des englischen Unterbaufes niemals vom König befragt werde, spiele der Präsident der französischen Kammer bei Regierungsfrisen eine große Rolle. Der Antrag, die Wahl des Kammerpräsidenten in Zukunft in öffentlicher Abstimmung vorzunehmen und die Namen der AbStimmenden durch Anschlag zu veröffentlichen, wurde mit 237 gegen 179 Sfimmen in öffentlicher Abstimmung angenommen. Türkei gegen Moskaumache. Condon, 10. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der türtische Amfterdam, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das A11- Außenminifier hat dem Sowjetgefandten Beweise vorgelegt, daß von gemeen handelsbladet", dessen antisozialistische Tendenzen Rußland aus mit Hilfe der Angestellten der Sowjetgefandt bekannt sind, schreibt im Zusammenhang mit einer Beurteilung beschaft und der Handelsvertretung eine fehr lebhafte revolutio. näre Propaganda in der Türkei und in den Nachbarländern Ebert- Prozesses über den deutschen Reichspräsidenten: betrieben werde. Der Minister hat gedroht, daß er evtl. Den größten Teil des diplomatischen Personals der Sowjetregierung in Konstantinopel aus meifen werde. Auch die Wege der bosschemistischen Propaganda in Aegypten und in Syrien führen über Ronftantinopel, und in den vergangenen Wochen find größere Sendun gen gefälschter Dollar- und Bfundscheine aus Mostau über Konstantinopel nach Syrien, Griechenland und Marseille ge bracht worden. Diese Falschgeldsendungen sind im Gepäd der ruffi. fchen diplomatischen Kuriere nach Sonftantinopel gelangt. Rykow gegen Hughes. Nichtkleidung, die Adam und Eva im Paradies trugen, wird von einem in Indien wirkenden englischen Professor P. F. Fyson allen Beißen dringend anempfohlen, die sich in tropischen Ländern affli matisieren wollen. Wie er in einem Auffah der Nature" ausführt, hängt das Wohlbefinden in heißen Ländern in sehr hohem Maße von der Lebensweise und Kleidung ab. Der Inder, der gewöhnlich nur einen Bendenfchurz anlegt, ist den Nimatischen Bedingungen viel beffer angepakt als der Europäer, felbst wenn er die binnsten weißen Kleidungsstüde anlegt. Frauen leiden noch mehr als Männer in den Tropen. weil sie das Schamgefühl in fiärferem Maße an " Der erste Präsident der deutschen Republit ist ein Mann, vor Entblößung verhindert. Nach der Ansicht Fysons wird der Europäer dem man den hut abziehen tann. Man muß bedenken, nur dann die Tropen wirklich erfolgreich folonisieren fönnen, wenn in welch einem Chaos diefer Mann aus dem Bolle zur Regierung er zu den Anschauungen Adams und Evas zurückkehrt, das Vorurteil gelangte. Bonge Zeit war er seines Lebens nicht sicher. Die Bourabwirft, daß die nadie Haut unanständig fet und ganz so wenig begeoisie versuchte, ihn durch Spott und Hohn unschädlich zu machen. fleitet erscheint, wie es die Gingeborenen in den heißen Ländern sind. Hunderte gemeiner Anekdoten, in denen er und seine Familie als Die Bolksoper im Januar. Aus dem Bureau der Boltsoper Kriegsgewinnler dargestellt wurden, fonnten von einer forrup wird uns geschrieben: Obwohl das Projekt Bringsheim gescheitert ist, merden die Aufführungen nach dem einheitlichen Milieu des gesamten ten Presse über ihn verbreitet werden. Dieser Sozialdemokrat blieb Ber'onals ununterbrochen fortgeführt. Zunächst steht das Theater feiner Pflicht treu, ber vetarlandslose Gefelle", wie der nach den des Westens dafür bis zum 29. Januar 1925 zur Verfügung. Spiel Niederlanden defertierte Erkaiser die deutschen Sozialdemokraten plan und Besetzung werden in gewohnter Art gestaltet; einige Neu- früher bezeichnete, war und ist ein leuchten des Borbild für einstudierungen find im Gange. alle patrioten. Der Ebert- Brozeß ist fennzeichnend für das tüdische Gebaren der nationalistischen Ehrabschneider, ben Reichspräsidenten auf jede Weise unmöglich zu machen. Die Weise, mie gegen Ebert agitiert wurde, ist eine Schmach und Schande für die Rechtskreise. Was hat der Ebert- Prozeß gelehrt: daß Ebert ein befferer Patriot ist als die zehntausende Schreier in den Rechtstreifen, ein befferer Botriot als der nach Holland desertierte Erlaiser, als der Kronprinz und als Ludendorff. Alle anständigen Menschen außer und innerhalb der deutschen Grenzen hat Ebert seit Jahren von seiner Rechtschaffenheit und feiner vorbildlichen Vaterlandsliebe überzeugt Der Ebert- Prozeß hat gezeigt, welch ver. ächtliche Elemente fich unter den Deutschnationalen und den Nationalsozialisten befinden. Und diese Beute glauben, daß das Aus. land ihnen Bertrauen entgegenbringen würde, wenn ihnen die Zügel der von ihnen so sehr gehaßten deutschen Republik übergeben würden? Das ist allerhand!" Das Schidial des Deutschen Opernhauses. Die Vollversammlung des Gefamipersonals des Opernhautes hat von der Konkurseröffnung, die den Betrieb des Theaters bedroht, Stenntnis genommen. Es ist sich bewußt, daß die Weiterführung des Betriebes nur mit Hilfe der Stadt Beilin Gine Stommiffion ist deshalb beauftragt worden, ermöglicht werden kann. fofort bei den maßgebenden Stellen des Magistrats und der Stadtverord netenverfammlung vorstellig zu werden, um sich über die Möglichkeiten des Peiterbetriebes& perfonal sut bilfert.möglichte Rüdichtnahme auf das ohuebin bearängte zu Der Kußurwine", die illustrierte Bildungszeitschrift, die vom Auge. meinen Arbeiter Bildungsiuftitut Leipzig, Branstr. 17, berausgegeben wird, beginnt am 1. Januar ihren 2. Jahrgang. Die eben erichienene, 40 Seiten Dezember- Nummer behandelt das Buch. Neu eingerichtet ist die Abfelina süchermart", in ber wichtige Bücher laufend besprochen werden. Das Abonnement für 1925 foftet 2,40 1. En jorjeiufrainisches Ordenszeichen. Im Rat der Bolfskommissare ber Ukraine finden Beratungen statt über die Form, die dem Orden der Roten Arbeitsfabne in der Ukraine gegeben werden soll. Dieser Drden bildet gewissermaßen die Ziviltlaffe zu dem Orden der Roten Fabne. Ueber das Statut des Drdens und die Abzeichen für die Utraine fallen in nächster Beit Entscheidungen getroffen werden. Wir pfeifen auf Amerikageld, da wirs nicht kriegen. Riga, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Führer ber Sonjetregierung Rytom hat in einer Rede über die Arebitbedürf niffe der Landwirtschaft Rußlands einen scharfen Angriff auf die Politik des amerikanischen Staatssekretärs Hughes gerichtet. Er fagte, daß Amerika die Wiederherstellung des heiligen Eigen. tums in Rußland wünsche. Damit meine es die Rückkehr der Grundbesitzer und der Bantiers. Amerifa habe riefige Geldmittel und könnte Rußland mit Leichtigkeit Krebite geben. Aber die Regierung wolle das nicht, weil sie mit der Sowjetverfaffung nicht einverstanden sei. Die russischen Bauern würden aber lieber auf die amerikanischen Kredite verzichten als ihre lebenswichtigen Rechte heit, daß die russische Bauernschaft auch in Zukunft die Politik der am Grund und Boden aufgeben. Diese Interessen gäben die SicherSowjetregierung unterstützen werde. Herriots Zustand gebeffert. Die Befferung im Befinden Herriots macht befriedigende Fortfchritte. Der Ministerpräst. dent war am Freitagmorgen in der Lage, von seinem Beit aus Das Unterhaus hat sich gestern bis zum 10. Februar vertagt. einem Rabinettsrat zu präfidieren. auf dem Bahnhof begrüßten, Bertreter und Funktionäre der Berträtiert. Ihr Hauptheld und Einpeitscher war ein Jüngling namens Gewerkschaftsbewegung liner Gewerkschaften waren, sonst hätte Purcell die wenigen Worte, Jnnungskaffenmitglieder Achtung! Uns wird geschrieben: Ein Rest des mittelalterlichen Zunfiwesens, der noch in unsere Zeit hineinragt, sind die Innungstrantentassen. Ais der Gesetzgeber vor 1914 an die Reform der Sozialversicherung heranging, war wohl die Erkenntnis da, daß nur Versicherungsträger, die alle Berufe umfassen, wirklich leistungsfähig sind und dém Grundfah der Solidarität aller Werftätigen Rechnung tragen. Der Widerstand reaktionärer Kreise hat aber in der Krankenverficherung die Durchführung dieses Grundsatzes verhindert. die er sprach, nicht in erster Linie an die German Trade Unionists" adressiert. Die Engländer sind einer Täuschung zum Opfer gefallen. Was sich vor ihnen abspielte, war eine rein politische Aktion der Berliner Kommunisten, mit der die Gemertschaften nicht das geringste zu tun haben. Die Gewerkschaften lehnen es natürlich auch ab, sich für den Verkehr mit den englischen Gewerkschaften der Roben Fahne" als Briefträger zu bedienen. tion über die Berhältnisse in Rußland informiert baben, werden Nachdem sich die englischen Gewerkschaften durch ihre Delega. Ausstellung im Gewertschaftshaus Täglich von 2 bis 8 lthr Die Erfenntnis, daß die Krankenkassen für die Berficher, ten da sind, scheint sich bei den Handwerksmeister noch nicht durch gerungen zu haben. Auf der diesjährigen Hauptversammlung des Innungstaffenverbandes murde beschlossen, daß die Mittel, die bei den Innungstranfenfaffen zeitmeilig verfügbar find, den sie nicht umhin tönnen, sich auch einmal über die Berhältnisse in kreditbedürftigen Handwerfern zugeführt wer Deutschland zu informieren; bei den deutschen Gemertden, angeblich, weil die Mittel auch aus diesen Kreisen geflossenhaften, um nicht weiterhin dem Irrtum zu verfallen, als habe die Kommunistische Partei die deutschen Gewerkschaften bereits seien. Keine Rede davon, daß die Bersicherten zu zwei Dritteln, also zum größeren Teile, die Rassenmitte! aufbringen, fein Wort darüber, mie man die Leistungen an die Berficherten verbessern fönnte. Nun ist die Sache night so erobert". oder ohne Stenniniffe und Erfahrungen, der bereits in Halle die Geschäfte der Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes durcheinandergebracht hatte. In Thale brachten nun die Kommunisten bei der Generalversammlung trotz ihres Wutgebrülls nur ein Sechstel der Gefamiftimmen auf. Die Metallarbeiter und die Arbeiter überhaupt sollten sich an diesen Ergebnissen ein Beispiel nehmen und dafür sorgen, daß bei den tommenden schweren Kämpfen Leute an der Spike stehen, die ein befizen. Solche zuverlässige Führer werden die Arbeiter bei den Herz für die Arbeiter, aber auch einen flaren Kopf und Erfahrungen Rommunisten nie finden. Meimar, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Wahlen zu den Ortsverwaltungen des Deut chen Metallarbeiter verbandes erlitten die Kommunisten erhebliche Niederlagen. In Arnstadt gelang es ihnen trop verzweifelter Anstrengungen nicht, die Mehrheit zu erzingen. Sie erhielten nur 106 Stimmen, die Liste der Amsterdamer Richtung dagegen 145 Stimmen. Während sie in der alten Ortsverwaltung von 7 Sigen 6 innehatten, gehen fie in der neuen Ortsverwaltung leer aus. In Jena verloren die Rommunisten sämtliche bisherigen Site. Kaum ein Biertel der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Kommunisten. Lediglich in Stimmen, die Drisverwaltung wieber zu besetzen. Weimar gelang es ihnen mit einer Mehrheit von nur wenigen ganz einfach; denn die Mittel der Krankenkassen find mündel Algemeinen Berbandes der Deutschen Bantangestellten, den schlichtungsverhandlung fand für tas Gießereigewerbe und für die ficher anzulegen. Aber der Innungstassenverband weiß Rat. In einem ftreng vertraulichen Rundschreiben an seine Raffen vom 17. November d. 3. heißt es: " Es ist also entweder ein Bantinstitut zu schaffen, oder mit einem felchen eine Vereinbarung zu treffen, in welcher Weise die eingehenden Mittel verwaltet, ausgeliehen und wieder zurückgezahlt werden oder je nach Anweisung des Eigentümers zu verwenden sind. Die Staffung einer eigenen Bant erscheint zunächst ols ausgeschlossen, weil dazu ein ausreichendes Garantiekapital vorhanden sein muß. Es bleibt also nur der Weg der Zusammens arbeit mit irgandeer ficheren, gut fundierten Bank. Häufiger haben die Krankenkassen selbst den Bersuch gemacht, ihre verfüg, baren Betriebsmittel anders als in früherer Zeit anzulegen, indem fie direkt an, die Arbeitgeber Geld ausgeliehen hoben, entweder gegen Verpfändung von Waren, Hergabe von Bechfeln und auf andere fichere Unterlagen. Derartige Geldhäfte find den Krantentassen aber untersagt, während die Bant, bei welcher die Krantenfasse thr Geid angelegt hat, in der Aus leihung von Darlehen nicht gehindert ist. Bevor wir der Berwirklichung des Bedantens ernstlich nähertreten, ist es für uns notwendig, zu wiffen, im welchem Umfange ungefähr Geldmittel für diesen Zweck zur Verfügung stehen werden. Wir bitten daher die angeschlossenen Kassen, uns mit einer selbstverständlich unver bindlichen Erklärung darüber versehen zu wollen, ob sie geneigt find, diejenigen Betriebsmittel, welche sie gewohnt sind, vorüber. gehend bei irgendeiner Bant oder Sparkasse einzuzahlen, der von uns für den gedachten 3wed gemonnenen Bank zu überweisen und in welcher höhe eine solche Anlage zurzeit erfolgen fönnte, wenn wir den Fall annehmen, daß die Einrichtung in für efter Frift ins Leben treten würde." Das ist beileibe feine Gesezesumgebung, wenigstens richt nach Meinung des Innungskassenverbandes. Und der 3med er llebung? Da heißt es an anderer Stelle in dem Rundschreiben: Während für die Krantentassen nur die einzige Aenderung eintreten würde, daß sie statt der bisherigen eine andere Bant für die Verwaltung ihrer Geder in Anspruch nehmen, 3 würden auf der anderen Seite für diejenigen, welche die Beträge aufgebracht haben und die zur Belebung ihres Geschäftsbetriebes einiger Mittel bedürfen, außerordentlich segensreiche Wirkungen erzielt und ferner dem Gedanken der weiteren Ausdehnung der Innungsfranfenfajien eine nicht zu unterschätzende Anregung gegeben werden." Also nicht nur, daß mir diese mittelalterlichen Bunftrefte in der Sozialversicherung mit uns weiter herumschleppen, sondern man möchte sie noch vermehren, zur höheren Ehre des Handwerks und des Innungskaffenverbandes. Das Interesse der Versicherten fommt offenbar erst hinterher. Sie dürfen nen diesen Plänen auch nichts erfahren; denn sonst würden sie dem Sput schnellstens ein Ende machen. Das weiß auch der Innungskassenverband fehr genau; denn am Schluß des Rundschreibens bemerfi er: Zum Schluß möchten wir noch die Bitte ausfprechen, in der Deffentlichkeit zunächst nichts über diesen Pan verlaufen zu laffen, da bereits infolge des durch die Bresse gegan genen Beschlusses der 2übeder Tagung in der gegnerischen Bresse recht schäffige und die Bersicherten aufreizende Be. mertungen hierzu gemacht worden find." Bersicherte, seit auf der Hut! Cure Krantenfaffenbeiträge sind icht dazu da, notleidenden Handwerfern zu helfen, sondern sie follen Euch und Eurer Familie über die schlimmste Not in Rrent heitsfillen hinweghelfen. An der Einheitsfront vorbei. In der gestrigen Abenbausgabe schilderten mir bereits die Durch reise der englischen Gemertschaftsdelegation für Rußland durch Berlin die die Kommunisten für ihre 3wede ausnügen fonnten. Weber der Borstand des ADGB. noch die Berliner Gewerkschaften maren davon unterrichtet, wann die Delegation der englischen Ge= mertschaften in Berlin ankommen und weiterreisen würde. Bon Mostau aus mar dies lediglich der KPD.- Zentrale gemeldet morden, so daß diese ihre Borbereitungen treffen und durch ihren Verbrüderungsfordon jede irgendwie mögliche Berührung zwischen den eng fischen und den deutschen Gewerkschaftern verhindern fonnte. Die Engländer müssen geglaubt haben, daß die Leute, die die Delegation Großer Weihnachtsverkauf in Sportwolle, per B d. nur 6,00; teichliche Farbenauswahl, vorzüglich zum arbeiten von Westen, Jaden, Jumper sowie für Kiffen. Strickmoden- und Wollvertrieb ,, Minero" Alte Jakobste. 92, Hof. Stein Laden. Bertauf von 10-7 Uhr.. Bankfeiertag oder Arbeitstag am 27. Dezember? Der Reichsverband der Bankleitungen hat die Forderung des 27. Dezember als Banffeiertag zu erklären, ab gelehnt. Der Reichsverband hat, wie wir erfahren, seine Stellung nahme damit begründet, daß Handel und Industrie gegen die Bant feiertage überhaupt scharf protestiert hätten. Demgegenüber weist der Verband der Bantangestellten darauf hin, die Protestler schlössen ihre Betriebe am 27. Dezember. In den Ladengeschäften werde erst nach Geschäftsschluß Kaffe gemacht, so daß am 27. eine Einzahlung bei den Banken nicht mehr in Frage fomme. Die staatlichen Behörden behandeln den 27. Dezember als Sonntag und das gleiche tum Teile des Großhandels und der Industrie. Der Verband der Bankangestellten hat deshalb feinen Antrag, den 27. Dezember zum Bankfeiertag zu erflären, erneuert Hoffentlich läßt sich der Reichsverband der Bankleitungen eines Besseren belehren. Unternehmerwillkür. Es geht shue Arbeitgebervereinigung. Dortmund, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Eine Riefente Induſtrie in Belbert statt. Dort hat sich der Arbeitgeberverband aufgelöst. Infolgedessen mußten auf Antrag der Gewerkschaften die einzelnen Arbeitgeber geladen werden. Insgesamt famen über 130 Firmen in Frage, die sämtlich zur Verhandlung unter dent Borsiz des Reichs- und Staatstommiffars Mehlich erschienen waren. Troß dieser Versammlung fonnte das Schlichtungsverfahren glait durchgeführt werden. Die Parteien verzichteten auf eine Aussprache in der Versammlung und setzten eine Schlichterkammer zusammen, die einstimmig zu zwei Schiedssprüchen fom, wonach der Spigen lohn der Former und Kichelschmelzer von 65 auf 72 Pf., der Spikenlobyn der Facharbeiter nach dreijähriger Behrzeit in der Schloßinduftrie auf 54 bis 60 Pf. fefigefekt wurde. Außerdem wurde sowohl für die Gießereibetriebe als auch für die Schloßindustrie ein Arbeitszeitabkommen abgeschlossen, welches lautet: Wenn aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen länger als 48 Stunden in der Woche gearbeitet werden muß, so fann nach Artörung der gefeßlichen Betriebsvertretung von der Betriebsfeiting eine Verlängerung der reinen Arbeitszeit bis zur öd) fi dauer von wöchentlich 56 Stunden angeordnet werden. Für die über 48 Stunden hinaus geleisteten Arbeitsstunden wird Buschlag richt gezahlt. 46 ohne die Organisation der Arbeitgeber zustand gekommen und Charakteristisch an diesem Ablommen ist nicht allein, daß es durchschnittlich eine elfprozentige Lohnerhöhung bringt, sondern daß es den Achtstundentag grundfäßlich wiederherstellt, mit der Möglichkeit einer Ueberarbeitszeit von wöchentlich höchstens acht Stunden. Ist dieses Abkommen auch noch unbefrica digend, so ist es doch ein großer Fortschritt gegenüber der Kampfftellung der Vereinigung der Deutsden Arbeitgeberverbände. Der Firma Siemens- Schudert wurde auf ihr erfordern beim Arbeitsnachweis ein Schlosser zugewiesen. Derfelbe begab sich sogleich noch der Fabrit, verhandelte mit dem Meister über den Lohn, erhielt einen Zettel mit dem Stempel definitio cincin gestellt, und der Meister sagte ihm, er folle am folgenden Lage anjongen. Als der Schloffer am Morgen des nächsten Tages arbetis bereit erschien, befam er den Bescheid, er könne nicht eingestellt werden. Die Frage des Schloffers, warum er heut zurüdgewieser werde, nachdem er gestern eingestellt worden sei, wurde mit Achelzucken beantwortet. Weder der Meister noch andere Betriebsbeamte fonnten den Grund der Abweisung angeben. Es müsse doch irgend etwas gegen ihn vorliegen, hieß es. So stand also der Mann, der am vorhergehenden Lage definitiv eingestellt" war, wieder auf der Straße. Er hatte durch die Schuld von Siemens- Schudert einen Tag verloren, den er mit 6 m. bezahlt verlangte. Aber die Weltfirma weigerte fich, zu zahlen. Sie ließ es wegen der Bappalie von 6 M. auf eine Klage beim Gewerbegericht ankommen. Obgleich das Gericht die Forderung des Klägers als berech= tigt anerkannte, lehnte der Bertreter der Firma einen Vergleich aus Prinzip ab. Er berief sich darauf, daß die Firma, auch wenn der Kläger eingestellt worden fein follte, faut Arbeitsord. mung das Recht habe, ihn jeberzeit zu entlassen. Das Gericht hielt diesen Einwand nicht für stichhaltig und verurteilte die Firma, dem Kläger 6 M. zu zahlen und die Prozeßtoften zu tragen: Unscheinend handelt es sich hier um die bei den Großbetrieben der Metallindustrie herrschende Gepf'ngenheit, sich bei dem Maß regelungsbureau ihres Berbandes über jeden einzustellenden Arbeiter zu erkundigen. Die Rüdsichtslosigkeit, einem Arbeitslosen erst Arbeit zuzusichern und ihn dann wegen einer ungünstigen Auskunft, von der er gar nichts erfährt, wieder auf die Straße zu weisen, ist mit 6 M. viel zu gering bezahlt. ,, Berhältniswahl". = Die Neuwahlen zu den Ortsverwaltungen der Gewerkschaften stelyen vor der Lür. Die Kommunisten, die deutlich voraussehen, daß bei diesen Wahlen ihre Radaumehrheiten zusammenschmelzen wie der Schnee in der Märzfonne, haben deshalb plötzlich entdeat, wie warm ihr Herz für die proletarische Demokratie schlägt. Die Terroristen, müppelhelden und Anbeter der Dittatur rufen nach der Berhältnismahl und verlangen Berücksichtigung ihrer Listen. Dieser Schrei nach der Verhältniswahl wurde von der Scholem- Zentrale befohlen, um wenigstens noch etwas Einfluß zu retten, damit auch fünftig in den Ortsverwaltungen herumgeständert werden fann. Umsonst das Blättchen hat sich gewandt. Aus einer ganzen Anzahl von Verbänden wird jetzt befannt, daß unter den Gewerfschaftsmitgliedern gegenüber dem Gebaren der Kommunisten, die nur die pofitive Gemertschaftsarbeit stören und überall, wo immer sie auch zuc Macht famen, gezeigt haben, daß auch sie nur mit Waffer, ja nicht einmal mit Waffer fochen fönnen, eine erhebliche Ernichte rung eingetreten ist. So bringen die Kommunisten beim Buchdruckerverband in Halle, der bisher von den Moskauern rücksichtslos terrorisiert worden war, heute nur noch einen Bruchteil der Gemerfschafts tellegen auf ihre Seite. Die letzte Bersammlung des Verbandes lehnte die Verhältniswahlanträge der Kommunisten trotz ihres Ahund Wehgeschreies ab. Die Kommunisten vereinigten nur wenige Stimmen auf ihre Liften. Ihre Rolle im Buchdruckerverband ist ausgefpielt In der Metallarbeiterorganisation wird es ihnen ebenso ergehen. Da haben sie z. B. im Industrieort Thale( Harz) ein ganzes Jahr long den Berband, getreu den Befehlen der Mostowiier, malAnschluß der amerikanischen Schuhmacher. ( JGB) Den gemeinsamen Anftrengungen des Internationalen Sekretariats der Schuhs und Lederarbeiter und des Vorsitzenden der englischen Schuhmacherorganisation, Ceneffen Poulton, ist es gelungen, den Verband der Schuhmacher Amerikas zum Anfchluß an die Internationale zu bewegen. Die Boot and Shoe Worters Union" hat ihren Sig in Boston. William Groen, Gompers Nachfolger. nachmitta wurde zum Nachfolger des verstorbenen GewerkschaftsNew York, 19 Dezember.( Eigener Drahtbericht) Am Freitags führers Gompers der Sagmeister der Vereinigten Berg arbeiterverbände William Groen gewählt. " Deutscher Solzarbeiterverband, Knopfarbeiter! Bertrauensmännervez fammlung am Montag, den 22. Dezember, nadmittags 5 Uhr. in Sigungs foal des Betbandshauses, Rungestr. 30. Stellungnahme zu den Berhand lungen vor dem Schlichtungsausiauß. Jeder Betrieb muß vertreten fein... Branche der Ramatadjer: Montag, den 22. Dezember, abends 7 Ubr, im Berbandshaus Rungestraße 80, außerordentliche Bertrauensmännerpersamm Tung. Bericht über die Lohnbewegung. Die Ortsverwaltung. Bezband der Bebensmittel- und Getränke- Arbeiter, Ortsverein Berlin, Ge mäß Beschluß der erweiterten Ortsverwaltung wird in diesem Jahre an at beitslose und invalide Mitglieder eine Weihnachtsipende gewährt, und amar: 1. nach einer Beitrarsleistung und Mitgliedschaft von 13 bis einschließ-. Itch 52 Wochen im Betrage von 10., von 53 bis 156 Wochen von 13 M. und über 156 Boden von 20 M. 2. Die Beihnachtsunterstügung erhalten Mit glieder, welche in der Reit vont 1. Dezember bis c 1924 nachweislich 12 Arbeitstage arbeitslos moren. 3. Die Unterstügung wird grundfüglich nur an folche abettsinje italiebez gezahlt, die den Nachweis bringen, daß fie in einem lebeitsnachweis eingetragen fab. 4. Jnoclide mitglieber erhalten 20 M. Weihnachtsunterällkung. 3. Die Unterstügung wird. nur gezahlt, wenn das Verbandsouch in Dibuung ist. Die Auszahlung beginnt am 22. Dezember in fee, Muladftr.. 10. Die Ortsnerwaltung. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerifchaftsbewegung: Fricbr. Eslora: Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lotales und Gonftiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode, fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Bering 6. m b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. B Hierzu 3 Beilagen. RONCHIOL Wenn Husten, Heiserkeit Dich plagt, So nimm ,, Bronchio.", das nie versagt! Deutschlands führendes Hustenpräparat Erhältlich In allen Apotheken und besseren Drocerien. ALLE DEUTSCHEN IM BALTIKUM rauchen seit 37 Jahren MOKKA.... 3 und MOKKA- EXTRA.... 5.3 DIE BALTIKUMDEUTSCHEN SIND VERWÖHNTE RAUCHER! Dieselben Zigaretten der F. MAIKAPAR werden in gleicher Qualität in Berlin hergestellt und sind in jedem besseren Zigarrengeschäft erhältlich. 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Wir haben an dieser Stelle wiederholt während der vers flossenen Jahre und befonders auch alliährlich zu dieser Zeit, auf die Not jener Mitmenschen hingewiesen, denen der freudelose Alltag auch das freudelose Weihnachten gewärtig ift. Auch jetzt wollen wir das Ergebnis einer sozialen Streife wiedergeben, die wir mit einer Bezirksfürsorgerin im ärmsten Teil der Millionenstadt, dem Be 3irt Wedding unternommen haben. Jm Keller. Antonstraße. Kahle Hausmauern, duntie Höfe mit schmuhigen, tibelt edenden Winkeln. Wir steigen in einen Keller hinab. Infolge der Dunkelheit muß man sich mit den Händen an der Wand entlang tasten bis mir das„ heim“ entdeckt haben. Ein Kellerloch, zwei Meier breit und vier Meter lang. Das ist die ganze Wohnung für Mann, Frau und ein fünf Monate altes Kind. Das Bett, die einzige Schlafgelegenheit für die drei Berfonen, nimmt bald die Hälfte des Raumes ein. Ein Küchentisch und zwei Stühle beschließen das Mobiliar. Kein Holz, sondern Zementfußboden, der jetzt mit Brer tern belegt ist. An der rechten Band zieht sich ein Abortabflußrohr entlang, das undicht ist und einige Tropfen auf das Bett fallen läßt. Im übrigen ist der ganze Raum fo feucht daß die kleide: stod n. Der Mann, Hausbiener bei einer Restaurationsgesellschaft, erzählt einiges: Benn der Schornsteinfeger ins Haus tommt, ist die Boh rung ganz in Aschenrebel gehüllt." Die Familie muß dann immer den Raum verlassen. Trogdem der Mann nur 18 M. in der Woche perb'ent, hat er den Mut nicht verloren und hofft, daß er bald ein mirtliches Heim bekommt. Die 18 m. reiden knapp zum Leben und so muß die Frau, die ziemlich elend ist, durch Ausbessern von Klei bungsstücken dazu verdienen Erstaunt fragt man, wo sie denn Der Keller als Wohnung. eigentlich ihre Arbeit erledige. Doch nicht etwa in diesem dunklen Rellerloch? Traurig lächelnd, bejaht sie die Frage. Bei einer Betroleumlampe wird der färgliche Nebenverdienst erschuftet. Als 55] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Diese Worte beunruhigten Bertram aufs tiefste. Er ging mit Kenneth bis zur Gesandtschaft. Kenneth plauderte gewandt und fließend, aber Bertram unterbrach ihn unver= mittelt: ,, Haben Sie Joyce in der letzten Zeit oft gefehen?" Eine halbe Sefunde zögerte Kenneth mit der Antwort. " Jawohl Longchamps, im Bois, in der Oper usw. Schönes Wetter, diese lehten Tage, wie?" Aber Bertram interessierte sich nicht fürs Better. ,, Ste missen, daß Joyce und ich fürzlich Meinungsver schiedenheiten hatten? Hat sie's Ihnen nicht gesagt?" Wieder zögerte Kenneth mit der Antwort:„ Ich wußte wohl von einem Mißverständnis... Aber gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen, ich diskutiere niemals die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Finden Sie nicht, daß es eine gute Regel ist?" Er sprach auf die freundlichste. Weise, aber seine Zurecht weisung ließ Bertram tief erröten. „ Ich hatte auch nicht die Absicht, meine Beziehungen zu Jonce mit Ihnen zu besprechen. Ich wünschte nur, Ihnen dafür zu danken, daß Sie ihr in meiner Abwesenheit ein guter Freund gewesen sind." Kenneth lachte eigentümlich gezwungen. Aber mein Lieber! Nichts zu danken... Ich versuchte nur, nach allen Regeln ehrliches Spiel zu spielen." Er hob die Hand, fast wie zum Salutieren, und verschwand in der englischen Gesandtschaft, während Bertram fich in unbehaglicher Stimmung nach Passy begab. 41. Ein M. Mahony, Dennis' Onkel, bei dem Sufan fich aufhielt, wohnte im bescheidenen Teile der Rue de la Pompe. ungeheuer dicker Portier sagte Bertram brummig. Bescheid, pierter Stod links; der Herr würde die Tür schon finden, es märe stets Besuch da, der fürchterlichen Lärm" machte. Bertram ging die vier Treppen hinauf. Es roch ab fcheulich nach Zwiebeln und schlechter Kanalisation. Als Bertram die Glocke an der Tür des vierten Stods zog, hörte er das Murmeln verschiedener Stimmen, aber nichts von einem ,, fürchterlichen Lärm". Susan selbst öffnete ihm. Sie war blaß, die irischen Rosen blühten nicht mehr auf ihren Bangen, die er zärtlich füßte. Sonnabend, 20. Dezember 1924 das Wort„ Weihnachten" fällt, schaut die Frau uns stumm an, als nung schwer zu underbrüden find. Aber wo die Wohnung feucht mollte sie sagen: hier in der Unterwelt fennen wir das nicht. Zu ebener Erdz. Wohnung zu ebener Erde. Als die Tür sich öffnet, weht uns ein Sparrstraße. Wir überqueren einen Hof Diesmal liegt die salimuffiger Luftzug entgegen. Die Küche mutet öde an. trobem fie, wenn auch einfach, eingerichtet ist, In der fleinen Stube fiegt Tekniser Nicht Wohnhaus, sondern Wohnstall. im Bett die franfe Mutter. Gin fungentrantes Rind meilt zur Erholung in Beelig. Bald wird auch der ebenfalls lungentrante, arbeitslose Balet dorthin seinen Weg nehmen. Zwei fleine Kinder liegen, wohdem es schon mittagszeit ist, noch im Bett. Warme aleldung fehlt und so ist es schon beffer, wenn sie das Bett nicht verlaffen. Troß der bitteren Notlage, troß der franken Mutter herrscht Gauberfeit im Raume. Der Mann, der bis 1917 Schreiber war und wegen feiner Krankheit dieses Handwerk an den Ragel hängen mußte, erzählt, wie er und feine Familie ihr Leben fristen. Die wöchentliche Arbeitslosenunterstühung beträgt 12,50 m. Und das soll für vier Berfonen ausreichen. Anzug, Kleiderschrant und Uhr haben schon lange den Weg zum Leihhaus gefunden. Jetzt ist die Uhr verfallen. Drei Marf foftet das Verlängern Woher nehmen? Er fchhüttelt den Kopf. Mein Antrag auf Unterstüßung, den ich beim Roten Kreuz eingereicht habe, ist überhaupt nicht beantwortet worden. Wir brauchen fein Weihnachtsfeft." Tegeler Straße. Auch diese Wohnung liegt zu ebener Erde. Einfache weiße Gardinen laffen nidyt vermuten, daß hinter diesen Fenstern Not und Sorge fiändige Gäste find. Drinnen, in der Wohnung, sieht es entfeßlich aus, wenn auch Sauberkeit und Ord ,, Also bist du doch gekommen," sagte sie ruhig, aber bei dem Ruffe ihres Bruders, der ihr einst so lieb gewesen war, schmolz ihre Räfte. Sie legte ihren Kopf an seine Brust und meinte still. ,, Was ist denn, Schwester Susie?" fragte er liebevoll. ,, Ach, alles!" Sie trocknete sich die Tränen. ,, Kannst du nicht mit mir in ein fleines Café tommen, wo wir uns aussprechen tönnen? Mir ist heute abend nicht nach Gesellschaft zumute." Aber sie antwortete, erst müsse er Dennis' Ontel und ihre Bekannten fennen lernen, und sie führte ihn in ein fleines, ärmlich möbliertes, schlecht beleuchtetes Zimmer, wo Bertram Betty O'Brien erkannte. Sie tam ihm entgegen und gab ihm die Hand. Haar und sehr blauen Augen, dies ist Sufans Bruder. ,, Ontel," sagte sie zu einem alten Herrn mit weißem Mr. Mahony erhob sich und reichte ihm die Hand. ,, Susans Bruder! Also Irlands Freurd." ,, Ein halber Jre, und ein guter Freund," sagte Bertram. wesenden, auch der freundliche alte Herr, zeigten in der leb Aber er hatte auch hier einen schweren Stand. Alle Anhaft weitergeführten Unterhaltung, wie leidenschaftlich ihr Haß gegen England war. redung. Alle diese Diskussionen sind sicher sehr interessant, Bertram bat seine Schwester um eine private Unteraber nichts für mich. Ich möchte wiffen, wie es dir geht, und was du zu tun gedenkst. Und dann möchte ich dir auch meine eigenen Schwierigkeiten erzählen." Sie gingen in ein nahes Café und setzten sich in eine Ede, weit weg von einer Gruppe trinkender Männer und ge schminkter Weiber. Susan zog fröstelnd ihren Mantel fefter um sich, trotzdem es draußen warm war und im Café eine schwüle, drückende Luft herrschte. ,, Du siehst nicht gut aus," sagte Bertram besorgt. ,, ft etwas nicht in Ordnung?" Ich zahle den Preis des Frauentums. Ich werde ein Rind bekommen. Das Kind eines Mannes, den die Engländer aufgehängt haben, weil er Irland liebte. Drollig, nicht?" Er legte seine Hand auf die ihre. ,, Du armes Kind! Du liebe, fleine Schwester!" Aber Susan sprach falt und ruhig, und das war schlimmer, als wenn sie gemeint und geschlucht hätte. Ich werde ihn Dennis nennen, wenn's ein Junge ist. Und ein Ire soll er werden an Leib und Seele, wie sein Bater 27 ist, so daß die Matratzen buchstäblich wegfaulen, hilft selbst die größte Reinlichkeit nichts. Bettbezüge fehlen gänzlich. Schon frühmorgens werden die Seilfissen, Decken usw. aus den Betten genommen und zum Isodnem ans Fenster gelegt Das geschieht jeden Morgen. tragen dorhin mandern, wo der Naturforscher" mit einem langen 2ber es hilft nur sehr wenig. Bald werden auch die letzten MoSaken seine Produkte" herausfucht. Perfonen, Mann und Frau, einem fünf Jahre alten Mädel und einem Die Familie. die aus vier 14 Jahre alten Sohn besteht fürchtet sich jeden Tag vor dem bend, wenn die Zeit zum Schlafengehen herangerüdt ist. Der Mann, der infoloe einer Kriegsverlekung schwer nervenleiden ist. ft arbeitsunfähig und leidet unter Lobsuchtsanfällen. In der Küche sieht es fürchterlich kahl aus. Die ganze Einrichtung besteht aus einein Tisch und zwei Stühlen. Die Dede weist flaffende Löcher auf.„ Das find meine Engel!" sagt der Mann mit irrem Lächeln, indem er auf die Löcher deutet. Trok diefer großen Not befigt die Frau einen Mut, der bemundernswert ist. Rüstiq meiß fie ihre Hände zu ge brauchen. Armeniente, ein'ge Mart für Aufwartestellen, müssen zum Lebensunterhalt ausreichen. Stallgebäude, zwei Treppen. Cindower Straße. Es geht über einem mit Ropffteinpflaster be legten Hof eine schmale Stiege ron außen hinauf. Der Eingang führt gleich in die Küche" hinein, die ungefähr 3 Schritt lang und eineinhalb bis 2 Schritte breit ist. Auch hier wieder peinliche Sauberteit! Die " Stube" ist etwas größer. Eine Holzbettstelle, eine Feldbettstelle, ein Kleiderschrant, der wohl einstmals beffere Tage gefchen hot und ein Stuhl bilden die Einrichtung. Ein Fenster hatte diefe Stube überhaupt nicht, so daß die Bewohner furzerhand einfach ein 40 3enfimeter hohes Coch in die Wand schlugen, um Luft und Licht hineinzubekommen. Auf unsere Frage, wer hier alles schläft, antwortet ums ein altes Mütterchen:„ Hier in der Holzbettstelle schlafe ich. Auf der Feldbettstelle schläft eine junge Frau, die ich als„ Untermieter"(!) babe, mit ihrem neun Jahre alten Töchterchen zusammen. Huffitenstraße. Im Hinterhause besuchen wir eine Familie. Eine 17jährige öffnet. In der Küche herrscht wirres Durcheinander. Mittendrin ein Holzfloh, während am Fenster Holzbündel aufaeftapelt fiegen. Die Notlage der Familie zwingt dazu, daß der Bater jeden Morgen in den Wald fährt, dort Stubben ausgräbt und das Holz nach Hause bringt. Hier spaltet die Tochter des Holz und die Mutter bündelt es. 3wei fleinere Geschwister verkaufen dann die Bündel in den Häusern. Bier Betten find vorhanden und dienen zum Schlafen von acht Berfonen. An den Wänden hängen Kriegsbilder, die die schadhaften Tapetenftellen verdecken sollen. * 81 Soweit die Schilderungen, die feiner Erläuterung bedürfen. Ber hilft mit, diefen Aermsten der Armen zum Fest der Liebe" etwas Licht in das immerwährend dunkle Dasein zu bringen? 21 Die Wie Stahlhelmleute die Polizei behandeln. Das erste gerichtliche Nachspiel, welches der Basch- Bortrag in Botsdam gezeitigt hat, ist gestern vor dem Potsdamer Amtsgericht zum Austrag aefommen. Der frühere Oberleutnant, iebige Student v. 2 st a aus Potsdam, war angeflagt gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 25. April 1924 verstoßen zu haben. Am Abend des Basch- Bortrags hatte die Deutschnationale Boltspartei eine Proteftversammlung gegen den franzöfifchen Rebner einberufen und nach Schluß der Bersammlung gingen die Teilnehmer. hauptsächlich Stahlheimleute, im geschlossenen Bug durch die Branden burger Straße. woselbst der Zug auf eine Polizeifette stieß. Beamten töften den Zug auf. Im selben Moment erhob n. Asta. der sich unter den Teilnehmern befunden, die Hand hoch und rief: 3u Bieren, rechts heran!" Schon wollten sich die Stahlhelmer wieder gruppieren, als der Angeflagte verhaftet wurde. Nach Aussagen von drei Polizeibeamten, die als Zeugen geladen waren, haben die Teilnehmer bei der Berhaftung gerufen:„ Befreit 2sta! Schlagt doch die Grünen trt!" Weiter befunden die Polizeibeamten unter Eid, daß die Menge fie noch vor der Polizeiwache bedroht habe. Die Berhandlung ergab nicht, daß der Angeklagte eine leitende Rolle iu dem Zug eingenommen hatte. Er wurde nur wegen Uebertretung verurteilt, und zwar zu 30 Mart Geldstrafe oder für je 10 Marf ein Tag Haft. war. Und ich werde ihn lehren, England zu hassen, wie ich 44 es haffe." Bertram wollte ihre Hand ergreifen, aber sie entzog sie ihm nervös. Wozu den Haß verewigen? Ich glaube an Frieden und Liebe!" Kindermärchen!" sagte Susan höhnisch. Deine weiche Sentimentalität betrügt dich ebenso, wie Jonce dich betrogen hat. Darf ich fragen, ob du ihr noch treu bist?" Ich will es sein," antwortete er ernst. " 1 Sie lachte laut und spöttisch. Einseitige Treue, mein Lieber. Joyce hat dich mit Kenneth Murleß betrogen. Wenn sie nicht feine Maitreffe ist, so tut ihr Ruf ihr Unrecht. Jeder in Paris denkt so." Bertram lief ein Schauder über den Leib, und er starrte Susan mit entsetzten Augen an ,,, Susan, um Gottes willen! Was meinst du damit?" Es wäre ja nicht ihre Sache, meinte sie, aber ihre Befannten hielten es für ausgemacht, daß sie mit Kenneth ,, durchgegangen" wäre. Man sah sie überall zusammen, im Bois, in der Oper, in Longchamps, und Abend für Abend im Restau,, Was sollen die Leute denn sonst denten, wenn eine Frau ihren Mann verläßt und mit einem Menschen wie Bertram, und was deine Bekannten sagen, ist eine verdammte Kenneth nach Paris tommi?" ,, Sie ist aber mit Lady Ottery hergekommen," antwortete Büge. Wenn sie mir das sagen, zerschlage ich sie zu Brei." Susan lachte wieder. Aha? Da zeigte sich der primitive Mensch. Wenn es dich so nahe geht, dann ist's aus mit Frieden und Liebe? Wo ist deine Logit, Bertram?" Er starrte schweigend auf den Tisch. Susan hatte recht; menn er diese Geschichte glaubte, würde er hingehen und Kenneth niederschießen wie einen Hund. Aber es war ja Blödsinn, zum Lachen! Und er lachte schrill. ,, Merkwürdig, wie tief der Geist der Rache in manchen Frauen lebt," sagte er. Warum hasfest du denn Jonec so sehr, daß du ihren guten Namen töten möchtest?" " Susan erhob sich. Komm," sagte sie. Ja, es ist wahr, ich hasse Jonce. Ich habe den Abend mit dem Telephon nicht vergessen, als sie drohte, meinen Mann der Polizei zu verraten. Aber jetzt hasse ich sie, weil sie dich verrät. Mit ihrem Gefühl sicherlich, wenn schon nicht mit ihrem Körper." Bertram begieitete seine Schmefter wortlos nach Hause, wo er sich mit einem finsteren Gruße von ihr trennte. ( Fortsetzung foigt.) 4 Ein anständiger Mensch. Hut ab vor solchem Gegner! Ueber den Reichspräsidenten Ebert sich in unflätigen Ausdrücken zu äußern, ist heute ein billiges Vergnügen für feige Bichte. Sie dürfen das sogar vor aller Deffentlichkeit tun, ohne daß fie allzu große Unanehmlichkeiten zu fürchten hätten. Selten findet sich jemand, der Entschlossenheit genug hat, einen solchen Burfchen sofort beim Kragen zu nehmen und dem, nächsten Schupobeamten zu übergeben. Geschieht das aber doch einmal, so ist noch Die Frage, wie hoch oder gering das Gericht die Schmähung des Reichspräsidenten bewerten wird. Daß auch Leute, die nicht Freunde des Reichspräsidenten Ebert find, sich von diesen Unflätigkeiten angemidert fühlen, lehrt in erfreulicher Weise ein uns zugegangener Brief. Der Verfasser schildert, mie cuf dem Untergrundbahnhof Hohenzollerndamm ein paar gutgefleidete Männer an den abfahrenden Zug herantraten und einer von ihnen in Schimpfereien über den Reichspräsi. benten sich gütlich tat. Er sprach dabei so laut, daß in der Nähe Siehende es hören fonnten. Ebert ist," sagte er, der größte Lump; der Hund muß aufgehängt werden." Während der Fahrt hörte man dann von dem Herrn über den Reichspräsidenten noch Worte, wie„ Strolch! Echwein! Schweinigel! Der Verfaffer des Briefes fährt in feiner Schilderung fort: ,, Auf der Station Fehrbelliner Plah stellte ich dann den Herrn zur Rede, da mir diese wiederholten Pöbeleien doch ins Blut gingen, obwohl mir politisch Herr Ebert teilweise recht frem ist und ich als ehemaliger Baltikumer und Ehrhardtmann menig Veranlassung habe, Herrn Ebert mit meiner Berfon zu schützen. Ich hatte aber am gleichen Toge gelesen, daß Herr Ebert zwei Söhne dem Vaterland geopfert hat, und ich bin mir außerdem bewußt, daß ich mich selbst beschimpfe, wenn ich den ersten Mann meines Voltes schmähe oder die Schmähung dulde. Zwei anwesende Japaner ließen mich zudem diesen Schimpf doppelt fühlen. Der Herr und seine Begleiter fingen nun an, mich mist zu beschimpfen, mir tätlich zu drohen, mich, der ich alles andere cls Jude bin, wie das so üblich geworden ist, einen Judenlümmel" zu heißen usw. Tätlichkeiten riskierten sie bei meiner Figur mun ja nicht und ich meinerseits konnte doch auch nicht gleich mit den hier ganz angebrachten Dhrfeigen die Diskussion beleben." Er schildert dann weiter seine vergeblichen Bemühungen, einen Untergrundbeamten gegen den Schimpfenden in Bewegung zu sehen. Schließlich faßte er selber den Burschen, führte ihn zu dem Beamten und verlangte die Feststellung, indem er laut erklärte, daß dieser Mensch in wüstester Weise den Reichspräsidenten beschimpft habe. Der Beamte ontwortete:„ Das sind politische Sachen, die mich nichts angehen." Auch eine erneute Aufforderung wurde mit einer Weigerung beantwortet. Inzwischen war auf Bahnhof Fehrbelliner Plaz der Zug in Richtung Dahlem eingelaufen und die Herren stiegen ein. Der Untergrundbahnbeamte wußte offenbar nicht daß er auf dem Bahnhof Polizeibeamter ist und bei jeder Ordnungsstörung oder Gesetzesübertretung das Recht hat, zu seiner Unterſtügung einen Schupobeamten herbeizurufen, der dann alles Nötige besorgt. Unser Gewährsmann verzichtete nach diesen mißlungenen Versuchen auf weitere Berfolgung. Er ging durch die falte Nacht nach Hause, mißmutig und ärgerlich darüber, daß er( fo Schreibt er uns)„ nicht dem frechen und feigen Ehrabschneider ein paar echtdeutsche Moulschellen mit auf den Weg gegeben hatte." Er hätte, meint er, zu dieser Selbsthilfe greifen sollen, um zu erzwingen, daß der Mensch ihn feststellen ließ und dabei auch den eigenen Namen angeben mußte. Dieser Brief verdient Beachtung. So denkt und spricht ein Mann und Staatsbfinger, der bei seiner ihn in einen Gegensatz zum Reichspräsidenten bringenden Anschauung und leberzeugung ein an tändiger Mensch zu bleiben vermocht hot. ut ab vor folchem Gegner! Der Milchpreis steigt. ,, Heißt ein Geschäft" für die Landwirte! Das Nachrichtenamt des Berliner Magistrats meldet: Bon der Ausgleichstaffe der Berliner Milchpersorgung G. m. b. 5. wurden in den letzten sechs Wochen über 150 000 m. zur Verbilligung der Milch herausgegeben. Durch diese starte Beanspruchung ist die Ausgleichstaffe erschöpft. Aus diesem Grunde und wegen einer erheblichen Steigerung des Buttergroßhandelspreises ist eine Erhöhung der Milchpreise nicht zu umgehen. Die noch bestehende Berechnung des Milchpreises nach dem Butterpreis bewirkt, daß der Erzeuger heute für die Milch fast drei Pfennige mehr erhält, als die Milch in Borfriegszeiten im Berliner Kleinhandel kostete. Die Milchpreise betragen vom Sonnabend, den 20. Dezember, ab: 1 Liter Vollmilch ab. Laden des Kleinhändlers 36 Pf., 1 Liter Vollmilch ab Berliner Kuhstall 40 Pf. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert auf 10 Pf. pro Liter bestehen. Die Auspowerung der Großstadtbevölkerung durch die Landwirte geht also weiter. Damit überhaupt Milch nach Berlin kommt, muß den Landwirten ein so hoher Milchpreis bewilligt werden, daß sie nicht der Versuchung erliegen, die gesamte Milch zur rentableren herstellung von But. fer zu verwenden. Nicht der Butterpreis richtet sich nach dem Milchpreis, sondern der Milchpreis muß sich nach dem Butterpreis richten, weil fonst die Landwirte teine Milch liefern. Ob in den Großstädten dem Nachwuchs infolge der Milchper teuerung die Ernährung mit Milch entzogen wird, danach fragt die Profitgier nicht. Monarchistische Republikaner". Man schreibt uns: Daß die republikanischen" Beamten leider zu einem großen Teil alles andere eher als republikanisch gesinnt sind, ist eine Tasfache, an der man nicht ohne weiteres vorübergehen follte. Sofern der Beamte, der im Dienste der Republik steht und den Eid auf ihre Verfassung abgelegt hat, sich dem Wohle des Boltsstaates entgegenstemmt, müßte dieser Staat endlich auch die Konsequenzen daraus ziehe. Ein besonders frasses Beispiel lieferte in einer Schuldeputationsfigung der Vertreter der Deutschnationalen, der als Studienrat an einer höheren Lehranstalt im Solde der Republik steht. Er sprach gegen den Antrag der Schulverwaltung, der versprach, daß endlich sämtliche Berliner Schulen mit republitanischen Fahnen beliefert werden sollten. Seine Gründe waren so findisch, daß man diesem Herrn eigentlich zuviel Ehre antut, wenn man darauf eingeht. Da sie aber fennzeichnend sind für die oben erwähnten republikanischen" Beamten und es außerdem immer noch kritiklofe Leute gibt, die sich durch den Schein täuschen lassen, seien sie hier furz angeführt: 1. Die verlangte Summe ist direkt zum Fenster hinausgeworfen; denn die Schulen hätten fast alle noch Fahnen, die fie hinaushängen tönnten!( Schwarzweißrote!) 2. Es gäbe fein Fest, zu dem die Schulen flaggen könnten. ( Zuruf: Verfassungstag!) Der Verfassungstag fällt in die Ferien, außerdem für ein Fest solche Ausgabe!! 3. Die Schüler frügen innerhalb der Schule fchwarz weißrote Farben, dann würden sie es als eine Provotation(!) auffaffen, daß draußen am Hause die schwarzrotgoldene Flagge hängt. rebete den Herren von rechts warm gu, boch jeht nicht diese Sachen| fichen Leerungspause im Kasten stegen und erst nach etwa 20 Stunden aufzurühren. Er hätte auch gewünscht, die republikanische Farbe wäre schwarzweißrot geblieben, aber nachdem es einmal so befchloffen ist, sollte man es doch so lassen. Sollte ein neuer Reichstag anders befchließen, so wäre es ihm auch recht!( Adolf Hoffmann nannte diesen Typ einmal ,, tgl. preuß. Republikaner"!) Vertagung des Staakener Meineidsprozesses. Die Folgen eines Schreibens aus Buenos Aires. Der Prozeß gegen die Fürsorgeschwester Mathilde Metzger, der das Schwurgericht III bereits eine ganze Woche beschäftigt hat, nahm gestern ein vorzeitiges Ende, da er überraschenderweise der Bertagung verfiel. Bevor der frühere Stadtrat Eggert vorgeführt wurde, um ebenfalls als Beuge vernommen zu werden, brachte Landgerichtsdirektor Dransfeld ein Schreiben zur Verlesung, das aus Buenos Aires von dem dorthin ausgewanderten früheren Amtsvorfte her aus Staaten, Julius Rottmann, beim Gericht eingegangen ist. In diesem Schreiben versichert der Zeuge unter Eides. statt, daß er am 15. Februar zusammen mit Dr. Fechner die Krankenschwester vom Bahnhof zu ihrer Wohnung begleitet hat. Die Einladung, noch eine Tasse Kaffee mit ihr zu trinken, habe er abgelehnt und sich vor dem Hause getrennt, während Dr. Fechner mit zu der Schwester hinaufging. Rottmann versicherte weiter, daß Stadtrat Eggert in der fraglichen Zeit wiederholt bei ihm zum Besuch gewesen und erst nach Mitternacht fortgegangen sei. Da Eggert damls in Charlottenburg wohnte, mußte sein Weg zum Bahnhof ihn an dem Hause des Säuglingsheims vorbeiführen, so daß es möglich sei, daß er von Zeugen auf dem Wege gesehen worden ist. Außerdem habe sich Stadtrat Eggert wiederholt offen über die Gerüchte und Beschuldigungen ausgesprochen und ihm versichert, daß, menn etwas daran wäre, er es ihm als seinem intimsten Freunde doch sagen würde. R.- 2. Dr. Baecker fragt, ob das Gericht diesen Brief als wahr unterstellen wolle. Der Vorsitzende erklärt jezt, daß er feine Frage, sondern nur Anträge entgegennähme. R.-A. Dr. Baeder:" Dann stelle ich den Antrag, Rottmann auf diplomatischem Wege durch das Konsulat als Zeugen eidlich vernehmen zu lassen. Nach kurzer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Dransfeld folgenden Gerichtsbeschluß:„ Die Sache wird auf unbe stimmte Zeit vertagt. Zu dem neuen Termin find sämtliche Beugen wieder zu laden. Inzwischen soll auf diplomatischem Wene in Buenos Aires durch das Konfulat der Zeuge Rottmann vernom men werden." R.-A. Dr. Johanny begründete darauf eingehend einen Antrag auf Haftentlassung der Angeklagten Megger. Die bis ins Kleinste geführte bisherige Beweisaufnahme habe den drohenden Tatverdacht schon start erschüttert. Außerdem sei bei dieser Frau, die schwer leidend ist und bisher ruhig in ihrer Heimat in Württemberg bei ihren Eltern und in einem Sanatorium gelebt habe, ein Fluchtverdacht nicht vorhanden. Das Gericht wies jedoch die Haftentlassung ab. Man darf sich wohl der berechtigten Hoffnung hingeben, daß die Bernehmung des Herrn Rottmann in Buenos Aires mit der größten Beschleunigung betrieben wird, damit der Prozeß und damit die Nerventortur der Beteiligten endlich sein Ende findet. Eispalast am Wannsee. Einstmals hatte Berlin zwei Eispaläfte. Einer war nicht genug. Jetzt hat es gar feinen, und nunmehr hat es auch an feinem genug. Berlin ist nun mal so. Da nun aber die schönste Eisbahn die Natureisbahn ist, so fiegt die Folgerung nahe, daß der Natureispalast gleichfalls der schönste ist. Nämlich jener, der sich in himmelblauer Kristallklarheit über der Eisbal wölbt. Ein solcher Palast baut sich schön Wetter immer vorausgesetzt am Wannsee auf. Da hat unfer Genosse Klajus dafür gesorgt, daß auf dem Strandgelände neben dem städtischen Wannseefreibad eine prachtvolle Spiegelbahn entstand, 200 Meter lang. Das ist ganz besonders etwas für Lehrer mit ihren Böglingen, die auch im Winter den vorgeschriebenen Ausflug machen wollen. Man findet sie so leicht nicht wieder so. Dazu dos unübertrefflich schöne Wara: feediorama: die Kolonie, Pfauen insel und Schwanenwerder. Am Wannsee aber gibt es winters noch mehr. Zwei Rodelbahnen sind hergerichtet und warten auf Schnee. Und wer draußen Ozon genug geschnappt, der hat auch ein Anrecht auf Erwärmung in dem vorhandenen netten Restaurant. Garde robenhalle und Aufben ahrung für Schlittschuhe und Rodelschlitten find gleichfalls vorzüglich hergerichtet. Und wenn nur erst einmal der rechte Antrieb da ist, hinauszufahren, dann wird auch bald der rechte Betrieb da sein. Denn ohne dem macht's der Berliner nicht. Aber das muß er selber besorgen. Eintritt wochentags 30 Pf., Kinder 10 Pf, Sonntags 50 Pf., Kinder 20 Pf. Briefbestellung in den Berliner Vororten. beförderung von und nach den Berliner Verorten Einschränkungen Durch den letzten großen Beamienabbau haben in der Brief verschiedener Art vorgenommen werden müssen. Infolgedeffen werden Tempelhof, Friedenau und Pankow zurzeit nur drei in vielen größeren Vororten, so in Lichterfelde, Halenseee, Briefbestellungen ausgeführt, die zwischen 7% und 10 Uhr vormittags, zwischen 11% und 1% Uhr mittags und zwischen 6% und 8 Uhr abends liegen. In Wilmersdorf, Shöneberg und Char lottenburg kommt hierzu noch eine vierte Bestellung am Nachmittag. Kleinere Bororte, wie Oberschöneweide und Tegel, müssen sich mit einem zweimaligen Austragen am Vormittag und am Nach am Vormittag und am Nach niittag- begnügen. 2bgelegenere Vororte, z. B. Rahnsdorf, hoben eine einmalige Bestellung, also genau so wie ein ent. Heinersdorf, Blantenfelde, Cladow und Gatow, legenes oftpreußisches Dörflein. Für die eigentlichen Berliner Stadtteile, die Postbezirke 2 bis 113, bestehen zurzeit täglich vier Briefbestellungen, und zwar von 7% bis 10 Uhr, von 10% bis 12% Uhr, con 1 bis 3 Uhr und von 6 bis 8 Uhr. In einzelnen Bezirken wird die Abendbestellung schon früher vorgenommen, um die Geschäftswelt noch vor Bureauschluß in den Besitz der Abendpost gelegen zu lassen. Klage wird vie fah. besonders in den Vororten, über den zu späten Beginn und den zu frühen Schluß der Briefkasten leerung geführt. Hier müßte unbedingt Remedur geschaffen werden. Es geht nicht an, daß Briefe 12 bis 13 Stunden während der nächtDas Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 20. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm:: Hans- Bredow- Schule. Sprachunterricht.( Abt. Bildungskurse). Dir. Jul. Glück: Esperanto". 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: HansBredow- Schule:( Abteilung Hochschulkurse). Oberpostrat Dr. Harbich, Leiter der Funkabteilung im Telegr.- techn. Reichsamt: „ Einführung in die Funkentelegraphie und-Telephonie". 8.30 Uhr abends: Populärer Abend. 1. a) Blümlein auf der Heide. Franz Abt. b) Der Schweizer. Fr. Silcher, c) Beim Holderstrauch, Herm. Kirchner, d) Abendständchen, Karl Schiebold( Doppelquartett des Charlottenburger Lehrergesangvereins, Direktor Karl Kiesche). 2. a) Andante, Joachim Albrecht, b) Der einsame Schwan, E. Meyer- Helmund, c) La Cinquantaine. Gabriel Marie( Otto Urack, Cello). 3. a) Capriccio, Oberthür, b) Pattuglia Spagnola, Tedeschi, c) Spieldose, Poenitz( Anna Hopf- Geidel, Harfe). 4. a) Sonntag ist's, L. Breu, b) Der Tauber und die Täubin, Adolf Kirchl, c) Der Käfer und die Blume, W. H. Veit, d) Jütländisches Tanzlied, W. Moldenhauer, e) Flämisches Tanzlied, W. Moldenhauer( Doppelquartett des Charlottenburger Lehrergesangvereins). 5. a) Meditation, Bach- Gounod, b) Der Schwan, Saint Saëns, c) Wiegenlied, Godard( Otto Urack, Cello; Anna Hopf- Geidel, Harfe). 6. a) Patrouille. Hasselmanns, b) Piratenmarsch, Parish- Alvas, c) Feentanz, ParishrishAlvas( Anna Hopf- Geidel, Harfe). 7. a) Das Herz, Pr. Silcher, b) Gretula, Robert Schwalm, c) Der sakrische Baß, Th. Toschat, quartett des Charlottenburger Lehrergesangvéreins). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30-11.30 Uhr abends: Tanzmusik. 4. Auch die Eltern dächten so, das hätten die Elternbeiratswahlen bewiesen.( Etwa durch den Sieg der un politischend) Weihnachtslied( Salzburgisches Volkslied) E. Kremser( DoppelListe?) Und was hatte zu diesen Ausführungen eines„ Republikaners" der Vertreder der Demokraten zu sagen? Ke'n flammerder Proteft. fein Wort der Hochachtung für die 48er Farben! Im Gegenteil. Er innerhalb Groß- Berlins in die Hände der Empfänger gelangen. Die Wiederkehr der früheren zehnmaligen Brieffastenleerung verlangt jetzt niemand. Es müßte aber unbedingt durch eine andere Diensteinteilung dafür Sorge getragen werden, daß morgens gegen 6 Uhr und nicht mie jetzt - erst zwischen 8 und 9 Uhr die erste Leerung erfolgt. Größere Schwierigkeiten für die Briefbeförderung erwachsen in Berlin durch den früheren Abgang der Abendzüge und durch die hierdurch nötige Beschleunigung des Sortierge'chäfts. Dies mag der Grund für die frühere Abendleerung der Vorortbrief. fästen sein, nicht aber für die verspätete Leerung am Morgen. Die Briefteförderung zwischen Berin und den Vororten erfolgt durch Kraftwagen, die vom Hauptbriefpostamt um 4%, 6, 9 und 11 ühr 40 Min. vormittags sowie um 2 Uhr 10 Min. und 4½ Uhr noch mittags abgehen und die auf der Heimfahrt Rückfracht" aus den Vororten und den unterwegs angelaufenen" Bostämtern der Vorstädte mitnehmen. Neben diesem festen Kraftwagenliniennez haben eine Anzahl Vororte, die an der Bahn liegen, eine Beförderung ihrer Briefsäcke durch die Eisenbahn oder Straßenbahn eingerichtet. Es hat sich herausgestellt, daß die durch den Beamtenabbau notwendig gewordenen Einschränkungen für Berlin nicht mehr am Plage sind. Der Pestverkehr hat wieder einen gewaltigen Umfang angenommen und verlangt in erster Reihe für die Vororte eine größere Wiedereinstellung von Bostbeamten. Es fehlten ihm nur zwei Mark! Das Ende eines einträglichen Schwindels. Hundertzehn Schwindeleien verübte in Berlin allein ein Mann, der jetzt endlich unschädlich gemacht werden konnte. Er hat es ver. standen, sich auf verhälinismäßig einfache Art und Weise seinen Lebensunterhalt zu erschwindeln. Bei Geschäftsleuten, bald in diesem, bald in jenem Stadtviertel, erschien von Mitte September d. I. an ein Mann ohne Mantel und Kopfbedeckung, faufte eine Kleinigkeit, ein Stück Seife oder dergleichen, und bat dann, ihm gegen 20 Einmarfscheine einen 3wanzigmartschein zu geben, weil er diesen Betrag in einem Briefe absenden müsse. Zu seiner Ueberraschung stellte er fest, daß er jedesmal 2 Marf zu wenig bei sich hatte, Um sie zu holen, wollte er rasch nach Hause laufen, ganz in der Nachbarschaft". Den 3manzigmarkschein hatte er bereits in einem Briefumschlag mit Anschrift hineingestedt. Zur Sicherheit ließ er angeblich diesen Brief zurück, in Wirklichkeit aber einen anderen mit der gleichen Aufschrift, der nur Papierschnitzel enthielt. So erbeutete er jedesmal 18 mart. Nachdem die hiesigen Zeitungen vor dem Schwindler gewarnt hatten, verschwand er aus Berlin, und trat seitdem in Dresden, Leipzig, Halle, Dessau, Chemniz, in der Stettiner Gegend, in Breslau, in Regensburg und München auf. In München ereilte ihn jedoch sein Schicksal. Hier fiel einer Geschäftsfrou auf, daß vor dem Laden ein Mann einem Mantel und Hut in der Hand auf der Straße stand, während der Nachbar" bei ihr im Laden weilte und um den Zwanzigmartschein bat. Sie schöpfte Verdacht und ließ diesen Mann festnehmen. Unterdessen verschwand der Kunde. Der Festgenommene, der erst dei Harmlo en spielen wollte, wurde als der Helfershelfer des Wechelfallenschwindlers entlarvt. Er legte sich den Namen eines angesehenen Kaufmanns aus der Choriner Straße in Berlin bei. Die Mün chener Kriminalpolizei wandte sich an die hiesige. Als die Beamten in der Choriner Straße erschienen, fanden sie den Kaufmann behag. lich an der Mittagtafel fizen. Er hatte vot feinem Doppelgänger feine Ahnung. Dieser legte jetzt seinen falschen Namen ab und befannte, ein 25 Jahre alter Kurt Walter aus Berlin zu sein, der Bruder des 34 Jahre alten Kaufmanns Erich Walter, des Nachbarn" mit der Kuvertfalle. Dieser selbst verfuchte seinen Trick noch einmal in Regensburлa, sah aber ein, daß er allein damit nicht recht zustande tam. Bisher hatte ihm der jüngere Bruder rasch Mantel und Hut überreicht, sobald er den Laden verließ, so daß niemand ihn wiedererkannte, wenn ein Geschäftsmann den Schwindel zu früh gemerkt hatte. Erich Walter fehre vorgestern enttäuscht nach Berlin zurück und wurde hier heute früh in einer Kellerwohnung in der Vergstraße entdeckt. Erentfloh im Hemd, und erregte in diefem leichten Kostüm gleich einen Auflauf. Als er fah, daß er nicht weit tommen würde, ver= suchte er, sich in einem Hause zu verstecken, wurde aber von den Beamten bald wiedergefunden und festgenommen. Wilhelm in Butter. Ja traute meinen Augen nicht, als ich neulich auf dem Nachhausewege, an einer Butterhandlung vorbeigebend, im Ecaufenster die Büste Wilhelm& II. feligen Angedentens in Butter fab. Es handelt sich um eine ehemalige„ ofbutterband. Iung"( ja, jo herrlich weit hatten wir es icon gebracht), deren es sich nur darum, daß Wilhelm schnell auf die Stulle gefchmiert Inhaber, wie es scheint, schon alles in Butter" siebt. Nun bandelt wird, bevor die Butter ranzig wird, was selbst den Reaktionären und ihrem alles schluckenden Anhang den Appetit verderben dürfte. Kopfüber vom Autobusdeck. Am Donnerstagabend gegen 103 Uhr geriet vor dem Hause Potsdamer Straße 64 infolge des schlüpfrigen Pflasters ein Autobus der Linie 5 ins Schleudern und prallte mit den Hinterrädern gegen die linke Bordichwelle. Durch den Stoß wurde der 35 Jahre Dberbed alte Architekt Ernst Haß von dem des und a t Omnibuswagens herabgeschleudert Elisabeth- Krankenhause, wo der Berunglückte die ersten Verbände Kopfe erheblich verlegt. Man schaffte ihn nach dem erhielt. Eine Frau Gertrud Mewes erlitt blutende Wunden am Stopfe. Zugverkehr am Heiligabend und Silvester. Nach einer Bekanntmachung der Reichsbahndirektion in Berlin verkehren die Züge des Berliner Vorortverkehrs am Heiligen Abend," Mittwoch, 21. Dezember, nach dem für die Sonnabende bei früherem Schluß der Betriebe vo gefehenen Fabrplan. Am Silvester dagegen wird der gewöhnliche Wochentags fahrplan durchgeführt. leber etwaige Zugvermehrungen am Sil bester ist noch nichts bekannt. Sonntagsdienst am Sonnabend, den 27. Dezember. Das Polizeipräsidium teilt mit: Zur Ersparnis von Heizstoffen ist von dem zu ständigen Ministerium der Dienst bei den staatlichen Behörden am Sonnabend, den 27. Dezember wie an Sonntagen geregelt worden. Bei sämtlichen Dienststellen des Polizeipräsidiums findet daher an diesem Tage nur Sonntagsdienst statt. Der Ueberfall auf den Kassenbeamten der Stationstasse des Bahnhofs Hermsdorf ist bisher noch nicht aufgeklärt worden. Die Reichsbahndirektion Berlin hat deshalb eine Beohnung von 1000 Marf für denjenigen ausgesetzt, der einwandfrei den Täter nachzuweisen imftande ist. Gegen den Polizeiwachtmeister Schreiber, den das Schöffengericht Mitte megen Körperverlegung im Amte zu 6 Monaten Gefängnis verurteilte, ist das erforderliche Disziplinarverfahren eingeleitet wor den. Die Ausübung der Amtsverrichtungen wurde Schreiber bereits im Dezember vorigen Jahres untersagt. Eine Volkshochschule für Rundfunk in Ceipzig. In allen Räumen der Mitteldeutschen Rundfunk- Gesellschaft in Leipzig fand in Anwesenheit zahlreicher Gäste die Eröffnung der Volkshochschule für Rundfunk statt. Die Schule wird nach dem Organisator des deut schen Rundfunfwefens, Staatsfefretär Bredow, den Namen Hans. Bredow Schule führen. bom Bezittsjugendamt Wedding am 17. und 18. Dezember in der Al Märchenvorstellung am Wedding. Unter diesem Beichen standen die bambra", Seestraße, Ede Müllerstraße, veranstalteten Märchenabende. Ge geben wurde der gefticicite Stater, dessen Heldentaten allgemein bejubelt wurden. Es ist den Darstellern gelungen, Freude, Lust und Lachen her. vorzurufen und das wat ja auch der Zwed der Veranstaltung. Gegen willkürliche Preisforderungen in Hotels und Fremdenpenfionen. Der Polizeipräsident hat für den Ortspolizeibezirt Berlin mit Zustimmung des Magistrats eine neue Polizeiperordnung herausgegeben, die sich mit den Zimmertogen in Räumen beschäftigt, die der gewerblichen Fremdenbeherbergung dienen. Die Polizeiverordnung tritt am 15. Januar 1925 in Kraft. For wanderung. Lie Arbeitsgemeinichaft für Forst= fuz und Naturkunde e, B. veranstaltet am Sonntag, 21. d. M., bormittags 11 Uhr, ihre erste Forstwanderung. Die Teilnehmer treffen sich um 11 Uhr am Bahnhof Rahnsdorf. Die Wanderung wird geführt von Oberförster Mudra, Dr. Stachowis und aller Boranssicht nach einem berufenen Vogelkundigen. Der Weg wird diesmal in die Wilhelmshagener Forsten und auf dem Rüdweg, wenn es die Zeit zulassen sollte, auch an den Müggelsee führen. Zum Urteil im Haarmann- Prozeß. Eine furze juristische Würdigung. Das Gericht ist dem Gutachten der Sachverständigen gefolgt und hat Haarmann, als zurechnungsfähigen Menschen, verurteilt. Das Urteil lautete auf Todesstrafe, weil die Tötungshandlungen mit Ueberlegung begangen sein sollen, also Mord vorlag. Diesem Urteil wird zum mindesten in den Kreisen der Kriminalpsychologen mit gemifchten Gefühlen begegnet werden. Die Anhänger der TodesStrafe werden ihm Beifall zollen. Aber auch unter diesen werden vielleicht so manche im tiefsten Innern sich des Gefühls nicht erwehren fönnen: War dieser Mensch wirklich gefund? Eins ist flar: Hätte das Gericht nicht auf Todesstrafe erkannt, es hätte sich viel größeren Anfeindungen auszusehen gehabt. Dem Gericht wird darin beigepflichtet werden müssen, daß Haarmann nicht immer im Geschlechtsrausche getötet hat: er wird in vielen Fällen gewußt haben, daß er morden würde. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob er imftande war, die normale Ueberlegung aufzubringen, ob bei ihm das Abwägen von Motiven und Gegen motiven stattfinden konnte, das laut Gesez für den Tatbestand des Mordes erforderlich ist. Und da stößt man wieder auf die psychische Gesamtpersönlichkeit Haarmanns. Nimmt man an, daß Haarmanns Ueberlegungsfähigkeit die eines gefunden Menschen war, so wird er, abgesehen von den Fällen, mo er wirklich im Geschlechtsrausche getötet hat, mit Ueberlegung gehandelt, also gemordet, haben. Aber das ist es eben: Haarmann ist fein gesunder Mensch, sonst hätte er nicht diese unseligen Morde begehen fönnen; das Abwägen von Motiven und Gegenmotivon fonnte einfach bei ihm nicht statthaben, weil Gegenmotive bei ihm überhaupt nicht auffamen. Juristisch viel strittiger ist das Urteil gegen Brans. Das Gericht hat im Falle Hannapel auf Grund des einzigen, sehr zweifelhaften Zeugen, der ihn beloftete, des Friseurs Seidel, Sen Grans selbst dem Untersuchungsricher benannt hatte, wegen Beihilfe zum Morde auf 12 Jahre Zuch haus erfannt. Grans ist im Falle Wittig. Den er immer wieder dem Hearmann gegen dessen Willen zugeführt hat, wegen Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt worden. Grans hat von verschiedenen Morden Haarmanns zweifelsohne Kenntnis gehabt. Er hat diese Morde nicht angezeigt das fonnte man von ihm, wie er nun einmal zu Haarmann steht, auch nicht verlangen. Er hatte aber durch seine Kenntnis haarmann in der Hand und nügte ihn aus. Im Falle Wittig ist es durch die Aussage der Zeugin Engel fast einwandsfrei festgestellt morden, daß Grans den jungen Menschen immer wieder zu Haar mann zu dem 3mcde geschickt hat, damit letzterer für das den Wittig norgestreckte Fahrgeld dessen Anzua befäme. Haarmann hat aber den Wittig ermordet. Es will fast scheinen, daß Grans das Opfer eines Justizirrtums geworden ist und daß das Urteil, das auf Tod lautete, mehr der Gesamtpersönlichkeit Grans galt, cls dem juristischen Tatbestand seiner Handlungen. Es handelt sich hier nicht um menschliches Mitgefühl für Haarmann und Grans, sondern allein darum, daß in einem Falle ein franter Mensch zum Tode verurteilt worden ist und im anderen Falle eine Verurteilung für ein nicht begangenes Verbrechen stattgefunden hot. Im übrigen läßt das Schicksal der beiden kalt.. Post- Abonnenten D amit die regelmäßige Zustellung des Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts= Verlag 6. m. b. H. Jugendveranstaltungen. Silvester- Mufil, Mittwoch, den 31. Dezember, abends 10 Uhr, in ber Stadthalle, Eingang Klosterstraße. Künstlerische Leitung: Prof. Carl Thiel, Direktor der staatlichen Akademie für Kirchen- und Schul musit, unter Mitwirkung erster Golisten und der Madrigal- Bereinigung. Saaleinlaß 9% Uhr. Eintrittspreis 60 Pf. Rarten find zu haben im Jugendsekretariat, SB., Lindenstr. 3, und bei den Abteilungsleitern. Jugendgenossen und genoffinnen, beteiligt euch zahlreich. Theater. abonnenten haben freien Eintritt. che Werbebezirk Reukölln. Seute, Sonnabend, abends 28 Uhr, Juden heim Canner Straße. Brobe zur Liebknecht- Feier". Jede Gruppe stellt zehn Mann. Werbebezirk ,, Prenzlauer Berg." Sonnenwen feier am Kleinen gefch- See, vom Sonnabend, den 20. Dezember, zum Sonntag, den 21. Dezember. Achtung! Alle Gruppen fahren aus technischen Gründen*** 8.28 vom Botsdamer Ringbahnhof. 0 Treffen spätestens 8.00, benn fonft ift der Fahrschein gefährdet. Gesamtuntoften pro Mann 1.35 M. Trinkgefäße nicht vergessen. wehr), findet vom 20. bis 24. Dezember von 6 bis 9 Uhr abends, eine große Werbebezitt Kreuzberg. Jm Jugendheim Reichenberger Str. 66( FeuerBücher und Waren- Ausstellung statt. Wir bitten um regen Besuch. Gesundbrunnen. Die Sonnenwendfeier findet in Bernau( Uegdorf) statt. Die Genoffen treffen sich am Sonnabend, 7 Uhr abends, Bahnhof Gefundbrunnen. Nachzügler 8½ Uhr abends. Morgen, Sonntag, den 21. Dezember: Sübliche Werbebezirke. Die Winterfonnenwende findet heute, Sonntag, den 21. Dezember, in Niederlehme( Königsmußerhausen- Wildau) statt. Treffpunkt nachmittags 5 Uhr im Gesellschaftshaus Rieberlehme. Werbebezirk Neukölln. Treffpunkt zur Winterfonnenmende heute, Sonnbag, 7 Uhr früh und 2 Uhr nachmittags Bhf. Neukölln. Südost R.-B. Beteiligung an der Sonnenwendfeier Treffpunkt 9 Uhr vorm. Görlizer Bhf. in Niederlehme. Fackeln daselbst erhältlich. Weihnachtsausstellune von Keramiken Sportartikeln. Snftrumenten, Spielen, Bildern usw. im Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Sof 3 Treppen. Sonntag nachmittag von 2 bis 7 Uhr. Montag und Dienstag von 4 bis 7 Uhr geöffnet. Seiligabend bleibt geschlossen. Der Werbebezirk Reukölln hat seine gleiche Ausstellung nur noch Sonnabend( ab 6 Uhr abends im Jugendheim, Bergstr. 29, Hof, Baracken) und morgen Sonntag non 3 bis 6 Uhr, im Jugendheim, Nogatstr. 53, geöffitet. Jugend- und Barteigenoffen, besucht unsere Ausstellungen, macht Freunde und Bekant darauf aufmerksam. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 99 Geschäftsstelie: Berlin G. 14. Gebastianstr. 37/38, Hof 2 St. Zur Fahnenweihe der Kameradschaft Brenzlauer Berg am Sonn abend, den 20. Dezember, im Saalbau Friedrichshain, werden die Sameradschaften gebeten, mit ihren Fahnen zu erscheinen. Kamera chaft Bernau bei Berlin. Sonnabend, den 20. Dezember. abends pünktlich& Uhr. bei Modisch Mitgliederversammlung. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Reichsvereinigung chem. Kriegsgefangener E. V. Am Sonntag, den 21. Dezember, nachmittags 5 Uhr, findet in den Andreas eft. fälen", Andreasstr. 21, die Weihnachtsfeier mit Bescherung der Kinder der Reichsvereinigung ehem. Ariegsgefangener, Gruppe Berlin MD., statt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, vorm. 11 Uhr, Pappelallee 15 ,, Bortrog des Herrn Dr. M. Brie: Religiöse Mufit. Choral Kantate Oratorium ( mit Erläuterungen am Flügel). Gäste millkommen. Arbeitersport. Fußballspiele am Sonntag. Norben: Sertha- Pantow 08 in Steinfurth bei Eberswalde; Nordiska Belten auf dem Ererzierplaz Schönhauser Allee: Alemannia- Teutonia. Ber einsplay Kristianiastraße; Minerva- Vorwärts in Borsigmalde: Briz- Bo ruffia in Brig bei Elfthal; Sansa- Union. in Hohenneuendorf; Heegermühle Bader 20 in Heegermühle; MTB. Pantow- Fichte- Ges. Andreas- Sofer- Plat in Bankom; Staaten- Arminia in Staten; Helvetia- Sportverein 22 auf dem Egerzierplag Schönhauser Allee; ASB. 24--Siemensadt Bereinplak Kristianiastraße; Fichte- Nord- Wittenau Gemeindeplag Reinidendor- West: Mathenow Spandau in Rathenom; Nauen- AGB. Nord in Nauen. Often: JBC. Alt- Glienice, in Johannisthal; Sparta- A Komet, Wagnerplas, Lichtenberg; Adlershof Germania, Bismarckstraße, Ablersbof; Brandenburg 02 Luisenstadt, Eitelstraße, Friedrichsfelde; Ketschendorf Lichtenberg II, in Retschendorf; BSB. 22 Tasdorf; Frisch- Frei BEB. 16, Niederschöneweide, Berliner Straße; Fichte- SO. Tasmania, Fichteplats. Baumschulenweg: Konkordia Lustig- Fidel, Blänterwald; Britannia Lichtenberg I; BfB. Oberspree, Spindlersfeld, am Friedhof: Stralau Friedrichshagen, Goßlerstraße, Stralau; Lichtenberg III IBE., Trestower Allee, Friedrichsfelde; Weißensee Astania, Rennbahn Weißenfee. Südwesten: Teltow Herta, in Teltom: Britannia Brandenburg a. b. Fabel, Tempelhofer Feld( Hasenheide); Steglit Lankwis, Gemeindesports blap in Steglis, Ringstraße; Neuföun Bilmersdorf, Bereinsplaz Damm meg( Kölnische Heide); Stern Nowawes, Marienfelde, Dorfstraße: Rüftig. Vorwärts Luckenwalde I, GrenzaDee, Neukölln; Vittoria Frisch- Auf, int Tempelhof, Verlängerte Kaiferin- Augusta- Straße; Qudenmalbe Il Fußball ring, in 2ndenwalde; Fortuna Woltersdorf, in Lichterfelde; Trebbin Kreuzberg, in Trebbin. Die Spiele beginnen 2 Uhr. Borber treffen sich die unteren Mann schaften, und vormittags die Schüler und Jugendmannschaften. Arbeiter- Radfahrer- Bund ,, Solidarität“, Ortsgruppe Berlin. Touren für Sonntag, den 21. Dezember. 3. Abt.: Sternwarte Treptow. Treff 2 Uhr Laufiger Plaz. 5. Abt.: Neu- Buch- Saatwinkel. Start 1 Uhe Coloniestr. 147. Ortsgruppe Neukölln: Jeden Sonntag Start für beide Abteilungen 1 Ühr Herzbergplak. Ortsgruppe Spandau: Sämtliche Zuschriften find zu richten an Alfred Ludwig, Spandou, Neuendorfer Str. 45, 3 Tr. Die nächste Rentralfahrwartfihung findet am Donnerstag, den 29. Januar 1925, Rungeftr. 17, abends 7 Uhr, ftatt. Sämtliche Fahrwarte mitssen erscheinen. Touren für Weihnachten, 25. und 26. Dezember. 1. Abt.: 25. Dezember Weihnachtsfeier im großen Saal der Luthersäle. 2. Abt.: Weihnachtsfeier im großen Saal, Lutherstr. 31/32. 26. Dezember: Hirschgarten- Wilhelmshof. Start 2 Uhr Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: 26. Dezember Weihnachtsfeier in Treptowm, Philipp Sans, 4 Uhr. 7. Abt.: 26. Dezember Weihnachtsfeier in Treptowo, Philipp Sans. Start 2 Uhr Colonieftr. 147. 10. Abt.: Weihnachtsfeier im Vereinslokal 5 Uhr. Ortsgruppe Neufö II n. Mitglieder, die Lose entnommen haben, müssen fofort Gewinnliste einsehen beim Borsigenden. Wetter für Berlin und Umgegend. Größtenteils bewölft und nebelig, nur vorübergehend etwas auiflarend, Temperaturen am Tage etwas über Null. Für Deutschland: Ueberall hewölft, aber nirgends nennenswerte Niederschläge. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister Herren Knaben Kleidung Kalbuser Tor Mollige Ulster M. 49, 55, 65, 75, 85, 95 Straßen- Anzüge 31. 36. 40. 45. 5465. 75.- 80. 90.- 98.Sportpelze Gebpelze Nun m fehlt noch Ruficol nützliche Geschenk freuen. JOE LOE die Weihnachts- Geschenk- Packung. Dann kannst Du losgehen, guter Weihnachtsmann, um die Gabentische zu decken. Allen kannst Du sie schenken, und jeder wird sich über dieses Mancher wird erst durch diese Weihnachts- Packung die Annehmlichkeiten und den wohltuenden Einfluß der mit den Kukirol- Präparaten gepflegten Füße auf den ganzen Körper kennenlernen. Habe keine Angst, daß Deine in diesem Jahre etwas beschränkten Mittel nicht ausreichen, wenn Du jeden damit beglücken willst. Die komplette Geschenkpackung enthält 5 Packungen 3 verschiedener, der Fußpflege dienenden Kukirol- Präparate und kostet nur 3 Reichsmark. Wenn die Weihnachts- Packungen, die ich Dir eingepackt habe, alle sind, dann kaufe noch recht schnell eine Anzahl bei dem nächsten rührigen Apotheker oder Drogisten, der diese Packung in seinem Schaufenster sicher ausgestellt haben wird, um Dir zu zeigen, daß er tüchtig ist und diese von Zehntausenden gekaufte Geschenk- Packung führt. Sollte sein Vorrat schon ausverkauft sein, dann wird er sofort telegraphisch nachbestellen, damit er Deinen Wünschen trotzdem noch gerecht werden kann. Du mußt Dich aber mit dem Einkauf beeilen und nicht bis zum letzten Tage warten, denn diese Packung wird überall sehr stark gekauft und deshalb überall sehr knapp werden. Heute weiß jeder die Wichtigkeit der Kukirol- Fußpflege zu schätzen, und darum gibt es jetzt auch mehr gesunde Füße, als vor etwa 5 Jahren. 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Ich könnte wohl sagen, daß diejenigen, die die Reformen während des Krieges verhinderten, das Land verraten haben, Dr. Landsberg aber ich tue das nicht. arbeiterstreit selbst: Auch wenn wir täglich 24 Stunden. ge= Und nun zu dem Munitionsarbeitet hätten, so wäre es doch nicht möglich gewesen, das Miß verhältnis in der wirtschaftlichen Leistung zwischen Deutschland und ein Streit in wichtigen Betrieben während des Krieges einen der ganzen Welt auszugleichen. Selbstverständlich gebe ich zu, daß Schaden für das Land bedeutet, wie ich auch keineswegs. Herrn Forstner zustimme, der sehr viel weitergehende Folgerungen aus diesem Ausstand bezogen hat. Der Munitionsarbeiterstreik. 5. 6. das Wort zu feinem Plädoyer. Dr. Landsberg betonte zunächst, baß die Anflage egen lich nur aus§ 185( formale Beleibi gung) hätte erhoben werden dürfen, weil der infriminierte Ar ifel mur die subjettive Meinung des Angeklagten, daß Ebert cin Landesverräter fet, enthalte. ohne daß dazu bestimmte Lat lachen behauptet wurden. Für diesen Fall wäre es dann außer ordenlich zweifelhaft gewefen, ob der Wahrheitsbeweis zugelassen werden dürfte. Feder Staatsbürger habe die Pficht, sich die Beweiserhebungen über irgendein begrenztes Thema gefallen zu laffen, nicht aber, daß die Allgemeinheit einer Behauptung Anlaß dazu gabe, daß das ganze Leben eines Menschen durchsucht und burchschnüffeit würde. Dazu kommt die Tatsache, daß die politischen Dinge, um die es sich hier handele, sich nicht eindeutig mit Augen Rüdsichtslos. wurde es verurteilt, daß unsere ind Chren feststellen ließen, sondern daß vielmehr der Richter in Brüder an der Front etwa durch den Streit der Munitionsarbeiter bie unangenehme Lage verfeht würde, Debuftionen zu treffen, und dem Trimmelfeuer des Gegners wehrlos preisgegeben waren. dabei feine eigene politische Einstellung mitsprechen zu laffen, wäh Auch 1917 noch hat der Parteivorstand zusammen mit der Gemertrend er auf der anderen Seite zur höchsten Objektivität verfchaftskommission einen drohenden Rüstungsarbeiterstreif verhindern pflichtet sei. Wenn in auswärtigen Zeitungen darüber Gloffen ges macht worden seien, daß das Magdeburger Schöffengericht sich anmaße, Weltgefchichte zu machen, so sei in diesen Blättern die Aufgabe des Ger chis wohl falsch betrachtet worden. Trotzdem der Wahrheitsbeweis hier eigentlich nicht zulässig war, so erklärte der Anwalt, bin ich doch froh, daß er zugelassen worden ist. Wir haben gegen teine Bernehmung eines von der Gegenfeite. benannten Zeugen, gegen teine Vorbringung eines erheblichen Beweismittels des Ringeklagten protestiert. Ein solcher Prozeß war vor zehn bis elf Jahren in Deutschland unmöolich. Es hat sich doch etwas in Deutschland geändert und des bin ich froh. Wir wollen hier allein die schichtschen Tatsachen sprechen lassen. Meines Erachtens wäre des Bild hier noch flarer geworden, wenn zunächst das Material über die Einstellung der Sozialdemokratischen Bariet und des Nebenflägers erörtert und dann erst über den Januarstreit verhandelt worden wäre. As am 4. August 1914 der Krieg ausbrach, gaben die Sozialdemokraten im Rechstar die Ertlärung ab:„ Wir faffen in der Stunde der Gefahr das Baterland nicht im Stich." Damals fonnte man hoffen. daß die Scheidung der Parteien in Nationale und Anfinationale, in Re'chsfreunde und Reichsfeinde für alle Zeiten vorüber sei, daß niema's mehr ein Deutscher an der ehrlichen vaterlandsliebenden Gesinnung eines anderen Deutschen Zweifel erheben würde. Es ist anders gekommen, aber wohl ohne Schuld der Partet des Herrn Nebenflägers, die ihre Bflicht gegenüber dem Baterland während des ganzen furchtbaren Krieges nie vergessen hat. Ein Mann in der Partei, der diese Ziele durchkreuzen wollte, und der einen für die Partei chrwürdigen Namen trug, ist trok dieses Namens ausgeschlossen worden. Es hat innere Kämpfe in der Partei gegeben, die Reichstagsfraktion, die Organifa ion zerfiel, aber trotzdem hat Ebert als Führer der Partei, obgleid) er mit der Möglichkeit rechnen mußte, tak gewaltige Saaren von Anhörnern zu der radikalen Richtung aedwentien, nicht einen Augenblic in seiner Stellungnahme gefchwantt, daß fein Blah im Lager Deutschlands fei, und daß seine Partei sich für einen ehrenvollen Frieden Lehman Führen Sie uns bitte nur die allerschwersten Jungen vor, Herr Jnipeftor. Wir brauchen noch 3eugen." Sonnabend, 20. Dezember 1924 rascht. Wie sollten sie es wissen, wenn selbst der Polizeiminiffer Drews am 26. Januar noch nicht an den Streif glaubte, obwohl ihm alle Hilfsmittel des Nachrichtendienstes zur Verfügung standen. Ebert lehnte es, wie alle Zeugen hier glaubhaft ausgesagt haben, ab, die Suppe auszulöffeln, die andere sich eingebrockt hatten. Oder glauben Ste wirklich, daß die sozialdemokratischen Führer sich ften Gegner waren, die die Sozialdemokratie verunglimpften, gern in Gemeinschaft mit Leuten begeben haben, die ihre fchärf wenn nicht die eigenen Barteigenossen die Führer dazu gedrängt leitung sich darüber vollkommen fiar, daß man es bei dem Eintritt hätten? Und man war auch auf dem radikalen Flügel der StreifDon Ebert, Scheidemann und Bauer feineswegs mit. Bundes groffen zu tun hatte, fodern mit Leuten, die nur das Bestreben hatfen, den Sonflift schnellstens beizulegen. Man fann doch wohl nicht von Landesverrat reden, menn. Männer, die die ungeheure Gefahr der Lage, für die Heimat erkannt hatten, nun in die Nähe der Leute sich begaben, die bereit waren, jederzeit den Funten ins Buiserfaß zu werfen. Man muß nicht Cozialdemokrat sein, um die zweckmäßig. teit diefer Faltung der Parteileiiung zu ertennen, wie es z. B. ein bayerischer Minister tat, der im Bayerischen Landtag den Sozialdemokraten öffentlich seinen Dant aussprach für ihre Bemühungen um schnellste Brilegung des Streifs. Dr. Landsberg schilderte dann ausführlich die Rolle der Sozialdemokratischen Führer in der Streiflettung felbst: Nach Richard Müllers Willen follte der Streif in eine Revolution ausmünden. Man stellte neben anderen Forderungen vor allem die nach Amm ftierung für alle politischen Bergehen auf, um der Regierung die Pistole auf die Brust zu sehen und um jede Verhandlung von Dornherein unmöglich und aussichtslos zu machen. Die Sialdemokratie hat sofort eine Abänderung der bekannten fieben Forderungen der rodifa'en Streifleitung verlangt. es murde ihr aber abgelehnt. Herr Wallraf hätte beffer getan, die Abordnung der streifenden Arbeiter zu empfangen, um die sich ein so er fahrer ofter Gewerkschaftsführer wie Herr Giesberts vergeblich bemüht hat. Hätte er die Arbeiter empfangen, fo würde er sicher auf die Müller und Konjorten feinen Eindrud gemacht haben, aber er häfte den Männern geholfen, die in der Streitleitung mit allen Kräften bemüht waren, den so notwendigen Wirtschaftsfrieden wiederherzustellen. Er lehnte es ob, und so war der Karren reftios festgefahren. Der Eintritt der Sozialdemokratischen Parteileitung in die Streif leitung war nötig, denn man mußte in dieser Gesellschaft unüberlenter Menschen aufpasser und bremsen, um das Schlimmste zu vers hüten. Aber die Männer, die sich dieser undankbaren Aufgabe unterzogen, verdienen nicht, daß man ihnen heute aus ihrer boltung einen Strid zu drehen versucht. Nun wirft man Scheidemann vor, er habe im Reichstag fein Einverständnis mit dem„ Bor wärts- Artikel über den Streit öffentlich erklärt und darauf fonftruiert man auch einen. Vorwurf indirett auch gegen Ebert. Portei, sich vor den Chefredakteur des Blattes zu stellen, gegen den damals eine Anflane wegen des Artifels schwebte Männer, die sich auf ihre nationale Gesinnung besonders viel einbilden und die glauben, daß in feiner anderen Partei die richtige nationale. Gefimmung herriche, haben sie sich dazu hergegeben, eine Beleidigungskampagne gegen der Reichspräsidenten einzuleiten und mitzumachen. Ich bin überzeugt, daß es fönnen. Man muß sich die Lage im Jahre 1918 vergegenwärtigen; Diefe Haltung Eber's war jedoch nichts als ein nobile officium der man muß bedenken, daß e die Arbeit sofort wieder aufgenommen, als die Regierung erflärte, daß sie zu Friedensverhandlungen bereit ſei. So fonnte Ebert im Interesse ies Friedenschlusses sehr wohl im Hauptausschuß erklären, daß die Sozialdemokratie diesem Borgehen der österreichischen Arbeiter sympathisch gegenüber stehe. Ebert hat belundet, er sei mit dem festen Willen in die Streifeitung eingetreten, die Bewegung schnellstens zu beenden. Die Attion war, wie feststeht, von den revolutionären Obleuten in aller wurden von nichts vorher unterrichtet; denn die Ziele dieser Drahtzieher gingen ja bahin, an die Stelle der Gewerkschaften die revolutionären Oblente zu setzen. Das ist der letzte und eigentliche Grund des Streifs gewesen. die Urbeiter damals 12 bis 13 Stunden arbeiteten, daß fie dabei hungerten und jahen, wie das ehrfame Schiebertum fchwelgie. Mußte das nicht die Massen zur Berzweiflung treiben? Nun endlich einsetze. Eberi blieb der Turm des Fitgels der Sozialdemokrata, und sie wurde na ime Revolution als Gottesgefchent nach Ansicht der Arbeiterschaft von leitenden deut tischen Partei, der sich zur Landesverteidigung befamt hat. Ichen Staatsmännern nicht ausgenutzt zur Herbeiführung eines Di se Frage war für ihn der Angelpunkt der Auseinandersetzungen schnellen, gerechten Friedens. In Desterreich haben die Munitionsmit der anderen sozialistischen Partei. Unter seiner Führung h- ben arbeiter deswegen gestreift, aber sie haben die Sozialdemokraten für das Silfsdienstgefeh im Interesse Der Landesverteidigung gestimmt. Die Charaterisierung, die Gene ralfeldmarschall v. Hindenburg dem Abgeordneten Ebert hat zuteil werden laffen, ist völlig berechtigt. Ebert hat sich im Kriege als der deutsche Mann erwiesen, als den ihn Hindenburg gezeichnet hat und dieser Brief chrt den, Schreiber, wie den Empfänger. Als später Prinz Mar von Baden den Eintritt der Sozial benefraten in das Kabinett verlangte, war es wieder Ebert, der in Parteivorstand troh vorheriger Ablehnung der übrigen Führer Diesen Eintritt durchgelegt hat. Es geht jetzt der geheimlichkeit vorbereitet. Die sozialdemokratischen Arbeiter schmodvolle Spruch des öfteren durch die Presse. daß die Sozial Demofraten sich bei Webernahme eines Amtes an die Futter Prippe gefeßt hätten. Das ist bei Ebert nicht der Fall. Er fonrte in das Robinett des Brinzen Mar von Baden eintreten, aber er tat es nicht. Er hat sich mit feiner Haltung fein besonDeres Verdienst erworben, er hat nur seine Pflicht als Deut der erfüllt und deshalb ist für ihn der Vorwurf daß er pflichtwidrig, unvaterländisch gehandelt habe, eine sehr schwere Beleidigung. Nicht aus taftischen Erwägungen, wie dies hier ein Zeuge behaupten wollte. hat Ebert im Kriege feine Pflicht getan, so wenig wie Ludwig Frant sich aus tattischen Erwägungen freiwillig zur Front gemeldet hat, von der er nicht zurückkehren sollte. Allerdings hat sich Ebert während des ganzen Krieges nie einer Täuschung über die Gefahr hingegeben, in der sich Deutschland trotz aller Erfolge befand. Ebert hat während des ganzen Krieges die An= ficht vertreten, daß fein Land den Einfah deutschen Blues lohne, wenn nicht Deutschland seibit. Jeder Soldat sollte die Ueberzeugung haben, daß er keinen Augenblick länger leiden müsse, als es unbetinat nötig war, die Heimat zu schützen. Eberts Wille war, daß der Uebergang vom Obrigkeitsstaat zum Volfsstaat noch während des Krieges vollzogen werde, und jeder Soldat follte das Empfinden haben: Du bist ein Stück des Staates selbst, für den du Blut und Leben einseht. Jeder sollte es inner ich fühlen: wenn du nach Hause kommst, bist Du ein freier Mann. Es scheint, als wenn die Verteidigung die Absicht hat, den Kampf der Sozialdemokratischen Partei um die -O Ich bin durchaus überzeugt, daß die Müller, Malhahn und Konsorten Deutschland durch den Streif nicht mehrlos machen nollten. Aber in ihren Köpfen darin sind sie miferable PinchoIrgen malten sich die Dinge so aus, daß durch das Vorbild Deutsch lands die Weltrevolution entfesselt werden könnte, und diese Leute, die die Stimmung der Massen ganz genau fannten, waren sich dar über vollkommen klar, daß die verzweifelten hungernden Massen die Streifparole begeistert aufnehmen würden. Die Müller, Molzahn usw. wollten mit Bewußtsein die Massen auf die Straßen bringen, weil sie ebenso genau wußten, daß streifende Arbeiter stets das Bestreben haben auf die Straße zu gehen. Wenn es nun zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei fam, in denen die Staatsmacht unterlag, fo lag das durchaus in der Absicht der Müller und Genossen. Dann konnten sie ihre letzten Ziele sofort verwirklichen. Unterlagen jedoch die Arbeiter, fo blieben die Massen zu weiteren Aftionen stets bereit Die Gefahr für den Staat lag damals nicht in dem Streit felter, sondern in der Berwirklichung der eventuellen Gedanken der revolutionären Obleute So ist damals die revolutionäre Saot cufgeschossen. Mit Recht sagte hier der Kapitän Miersmann, daß die paar Tage Arbeitsausfall während des Krieges nicht das schlimmste gewesen seien, sondern daß der Funke unter der sche weiterglimmte, daß die Arbeitsluft der Arbeiter vernichtet war. Die sozialdemokratischen Führer wurden von dem Streifausbruch überin dieser Partei auch viele Männer gibt, die den Feldzug mißbilligen und die es ableimen, in so bubenha fer Weise gegen den Repräsentanten dis deutschen Volfes vorzugehen. Aber ich habe es bisher nicht erlebt, daß der Vorstand der Deutschnationalen Partei von den Berleumdern öffentlich abrückt. Die Versammlung im Treptower part. Run zu der Versammlung im Treptower Part: Die Würde des Zeugen Ebert verkietet mir zu untersuchen, ob er glaubwürdiger ist als ein Syrig oder Gobert. Es ist geradezu ein Wahnsinn, wollte man behaupten oder annehmen, daß Ebert, der zwei Söhne an der Front verloren hat, vor Zehntousender öffentlich aufgefordert habe, den Stellungsbefehlen teine Folge zu Leisten. Der beste Berteidiger des Reichspräsidenten ist der Zeuge Lenhoff, der einzige, der in ausführlicher Weise die Rede Eberts wiederzugeben imstande war. Ebert hat damals seine ganze Autorität eingei yt, um den Streifenden flarzumachen, wie gefährlich und verwerflich für die Front und für die Heimat ein Streit fei. Diese Rede ist eine Tat im wahrsten Sinne des Wortes gewesen. Sie zeigt eine Charafterstärte, auf die der Mann, den zu verteidigen ich die Ehre habe, stolz sein tann. Er suchte nicht nur dem Munitionsarbeiterstreit, sondern der Streiftewegung überhaupt während des Krieges den Boden zu entziehen. Aber Ebert hätte für alle Zeiten ausgespielt, wenn er nidh: nady der Lot, den Streif zu missilligen, etwas gejagt hätte, was den Arbeitern angenehm flang. Ich habe die Ehre gehabt, in schwersten Zeiten der deutschen Geschichte an der Seite des Mannes zu stehen, der heute vor Gericht um seine Ehre fämpfen muß, des Mannes, den damals feine Bersicherungsgesellschaft aufgenommen hätte, dessent Leben täglich und stündlich auf das schwerste bedroht war. Wenn dieser Mann, der sich heute gegen den Vorwurf des Landesverrats, des schwersten Vorwurfes, der einen Deutschen treffen fann, zuswehren hat, ein Candesverräter gewesen ist, so wünsche ich, wir hätten in Deutch and einige Zehntausende folcher Landesverräter. 3m alten Athen fchidie man Männer, die sich um das Baterland verdient. gemacht halten, in die Ver. bannung. Ich hoffe, daß in Deutschland fein Plah ist für den Ostra ismus. Fritzi Massary 25 FRITZI MASSARY FRITZE MASSARY Im neuen goldnen Gewande 3.8 DIE UNVERGLEICHLICHE ZIGARETTE Nach der Mittagspause ergriff der erste Verteidiger des An-| Im übrigen werde sich das, was sich in der Treptower Berjammgetlagten Rothard Rechtsanwalt Bindewald- Magdeburg das Wort. Der Verteidiger ging zunächst auf die Frage der for malen Beleidigung ein, die er verneinte. Die Bezeichnung " Frize Ebert" und die Bemerkung mit der Badehose sei zwar, wie zugegeben werden müffe ungehörig und unpassend, aber keine strafbare Aeußerung. Es handele sich auch nur um die Frage, ob eine Beleidigung nach§ 186( üble Nachrede) vorliege. Die Verteidigung würde sich damit abfinden, wenn das Gericht in dem Artikel des Angeklagten tatsächlich einen Vorwurf des Landesverrats erblice. Der Verteidiger verbreitet sich dann des längeren über den Be griff des Landesverrats, um dann auf den Munitionsarbeiterstreit selbst einzugehen, der, wie er betonte, der deutschen Kriegsmacht unmittelbaren Nachteil zugefügt habe. Wer einen foichen Streit anstifte, der begehe Landesverrat, das gleiche gelte Don dem, der irgend etwas tue, was zur Stärtung dieses Streits dienen könne. Dr. Bindewald ging dann näher auf die Borgeschichte und Entwicklung des Munitionsarbeiterstreits ein und verlas einige Flugblätter und Beschlüsse der Streifleitung, wobei er darauf hinmies, daß Ebert mitverantwortlich fei für das Flugblatt des Aktionsausschusses, das nach Ablehnung Don Berhandlungen durch die Regierung zum Weiterausharren im Streit aufforderte. Ebert selbst habe sich, wie aus Beugenaussagen hervorgehe, niemals gegen den Streit ausgesprochen und der Sozialdemokratische Parteitag in Weimar im Jahre 1919(!) habe ausdrücklich festgestellt, daß der Eintritt der Sozialdemokrate in die Streifbewegung eine Stärkung des Streifs und eine Ermutigung der Streifenden bedeutet habe. Daß der Reichspräsident, wie er als Zeuge befundet habe, in Treptow zur Ruhe und Besonnenheit gemahnt habe, sei nicht • festgestellt.(!) Gelbstverständlich sei es jehr schwer, zu ermitteln, was in Treptow damals alles gesprochen worden sei. In der Frage des Berhaltens gegenüber Gestellungsbefehlen hätten sich aber zwei voneinander völlig unabhängige Zeugen, Syrig und Gobert, gemeldet, deren Aussagen sich vollkommen decken und aus denen hervorgehe, daß es sich bei dem Abgeordneten Ebert damals tatsächlich um die Begehung eines Landesverrats gehandelt habe. Es sei das Bestreben der Sozialdemokratie gewesen, sich wieder Geltung zu verschaffen, und man sei auch vor dem Mittel des Streits nicht zurückgescheut. Trotz des umgeheuren Schadens für die Kriegsmacht habe die Sozialdemokratie gemeinsame Sache mit den Radikalen gemacht und erst durch das Eintreten der Sozialdemokratie habe der Streit überhaupt eine Bedeutung befommen. Der Streit sollte ein vernichtender Schlag für die Regierung sein, wie Ebert in feinem Abschiedsbrief an Scheidemann geschrieben hat. Man ließ, da man die Zeit für gekommen hielt(!), die Unabhängigen vorongehen und folgte ihnen dann im Streit nach. Ich bin der Ansicht, fo schloß der Verteidiger, daß das Gericht nicht der Meinung fein form, die von dem Angeklagten behaupteten Tatsachen seien nicht erwiesen und bitte deshalb um Freisprechung. Rechtsanwalt Dr. Martin erklärte, der Angeklagte müsse freigesprochen werden, denn die Wahrheit dessen, was er gegenüber dem Nebenkläger be hauptete, sei voll erbracht. " Wenn dieser Fall, so erklärte R.-A. Dr. Martin, vor dem Reichs. gericht verhandelt worden wäre, so hätte der Untersuchungsrichter alle staatlichen Mittel gehabt, um die Wahrheit an den Tag zu brin gen. Der Berteidiger schilderte dann nochmals ausführlich die polis fifche und wirtschaftliche Lage im Januar 1918, und er fam zu dem Schluß, daß die Kunde von dem Rüstungsarbeiterstreif lähmend auf die deutsche Front und ungeheuer anstachelnd für die Gegner Deutsch Tands gewirkt haben müsse. Angesichts gerade dieser Tatsache ist bie Rede des Rebentlägers Ebert im Hauptausschuß des Reichstages, in der er den streifenden österreichischen Munitionsarbeitern seine volle Sympathie ausdrückt, vollkommen unverständlich, denn diese Erklärung mußte die Landesverteidigung Deutschlands und Defter. reichs schwer schädigen, selbst wenn man annehmen wollte, daß die Sizungen des Hauptausschusses vertraulich waren; aber der Borwärts" hat trotzdem diese Erklärungen des Herrn Ebert veröffentlicht, und Herr Scheidemann hat sogar im Hauptausschuß erklärt, daß die Lage in Deutschland dieselbe wie in Desterreich sei. Er hat erklärt, man möge das Vorwärts"-Ber bot aufheben und nicht erst die Arbeiterschaft zwingen, durch andere Mittel dieses Unrecht wieder gutzumachen. Das sei feine Warnung an die Regierung gewesen, sondern eine unver hüllte Drohung. Man fann darüber nur erstaunt sein, daß hier in diesem Prozeß erklärt worden ist, die Sozialdemokratie sei durch den Streit überrascht worden. Denn das Beispiel Dester. reichs war die erste Warnung, und dann deuteten die inzu ischen erschienenen Flugblätter der radita en Obleute unverhüllt an, mas unmittelbar bevorstand. Der Parteivorstand der SPD. tönne also nicht überrascht gewesen sein. Belanglos ist der Eintritt der Sozialdemokratie in den Streif sicher nicht gewesen, denn bis zum Jahre 1919 hat die Partei den Namen Mehrheitssozialdemokratie doch nicht zu Unrecht geführt." R.-A. Dr. Martin fam dann ebenfalls ausführlich auf die Tätigkeit des Reichspräsidenten in der Streifleitung zu sprechen. Wenn auch in dem Aktionsfomitee der Streifenden durch das Eingreifen der Mehrheitssozialisten zwei wichtige Buntte der sieben Forderungen ausge. fchieden worden feien, sei doch der Reft noch ungeheuerlich gewesen und könnte nicht verteidigt werden. Der Zeuge Müller hat hier gesagt, ihm sei es sehr recht gewesen, daß die Sozialdemokraten 1918 das mitmachten, was sie 1916 als Landesverrat ablehnten. Auch das Flugblatt der Streifleitung, das zu Massenmeetings auf den Straßen aufforderte und das im höchsten Grade aufreizend mar, hat der Nebentläger mit unterzeichnet und hat es gebilligt. Ich verstehe nicht, wie man angesichts diefer Tatsache behaupten , diefes Berhalten des Nebenflägers fei nicht Hochverrat gewefen. lung zugetragen habe, heute nur noch schwer, feststellen lassen. Un Parteinachrichten der subjektiven Richtigkeit der Aussagen Syrigs und Goberts hinsichtlich der Frage der Gestellungsbefehle sei wohl nicht zu zwei- Ginsendungen für diese Rubrik find feln(!), ob fie auch objektiv wahr seien, müsse der Entscheidung des Gerichts überlassen bleiben. Auf diese Frage tomme es aber überhaupt nicht so sehr an, da ohne diesen Punkt die anderen Feststellungen für den Nachweis des Landesverrats bereits genügten. Als dann der Verteidiger sich eingehend mit der Aussage des als Zeugen vernommenen Redakteurs Lenhoff beschäftigte und darauf hinwies, daß diefer ein Freund des Sohnes des Reichspräsidenten sei, unterbrach R.- A.Heine diese Ausführungen mit der Bemerkung, daß davon bisher mit feinem Wort in der Verhandlung die Rede gewesen sei. Die Aussage des Zeugen Lenhoff führte der Verteidiger dafür an, daß der Abgeord nete Ebert damals tatsächlich der Versammlung zugerufen habe: ,, haltet ruhig aus, eure Arbeitsbrüder in den anderen Städten stehen fest zu euch!" mit solchen Worten könne ein Mensch nicht operieren, der einen Streit abmürgen wolle. Außerdem sei von dem Zeugen Lenhoff auch die Ueberreichung des Zettels, an die der Nebenfläger sich nicht mehr erinnern fönne, einwandfrei bestätigt. Zum zweiten Male wurde der Verteidiger dann unterbrochen, diesmal vom Vorsitzenden, als er englische Zeitungsausschnitte aus dem Jahre Anfang 1918 verlesen wollte, aus denen der Jubel der Entente über den deutschen Munitionsarbeiterstreit hervorgehen soll. Der Vorsitzende bezeichnete eine Berlesung als un= zulässig, da diese englischen Zeitungsartikel nicht Gegen it and der Verhandlung gewesen seien. R.-A. Dn. Martin( fortfahrend): Ich stelle fest, daß die Sozialdemokratische Partei in anderen Fällen sich wohl gegen Streits im Kriege erflärt hat, daß das hier 1918 aber leider nicht der Fall gewesen ist. Zum ersten Male wurde im Januar 1918 dem Auslande flar gemacht, daß die SPD. nicht mehr gewillt sei, den Gebanken an Deutschlands Sieg allen anderen Ideen voranzustellen. Diese Einstellung der SPD. entspricht dem Margismus.... Borf.( unterbrechend): Herr Rechtsanwalt, ich glaube, bas geht zu weit. R.-A. Dr. Martin: Ich bin schon fertig. Was die SPD. gemeint hat, das geht aus den Grundfäßen des Marxismus hervor, aber auch aus den Worten Scheidemanns am 9. November:„ Das Bolt hat auf der ganzen Linie gefiegt." Es war ein Sieg über die Ordnung im Innern, dem auf der anderen Seite der Siegesjubel der Feinde über den Zusammenbruch Deutschlands gegenüberstand. Im Anschluß an diese Ausführungen des Verteidigers stellte der Bcrfigende fest, daß das Gericht auch unter Umständen bei dem Angeflagten nicht nur eine einheitliche Handlung, sondern& mei selb ständige Handlungen annehmen könne. Nach einer furzen Bause ergriff dann Staatsanwaltschaftsvat Dr. Doğmann das Wort zur Replit. Er betonte nochmalig, daß entgegen den Ausführungen der Verteidigung zweifellos eine for. male Beleidigung vorliege und daß auch das Bergehen des Angeflagten ols eine einheitliche Handlung aufzufaffen fei. Auch er gab der Meinung Ausdrud, daß die objektive Wahrheit über den Verlauf der Treptower Versammlung nach sieben Jahren sich schmer. lich ermitteln lassen werde. Diefe Versammlung scheide nach seiner Ansicht überhaupt für die Frage der Führbarkeit des Wahrheitsbeweises aus. Der Angeflagte habe zu beweisen, daß der damalige Abgeordnete Ebert der deutschen Kriegsmacht vorsät lich Nachteile zugefügt habe. Daß der Munitionsarbeiterstreit der Kriegsmacht Nachteile gebracht habe, fönne nicht in 3weisel gezogen werden. Aber die Beurteilung der Handlungsweise Eberts müffe von seinem Standpunkt aus erfolgen, da es sich ja darum handele, ob er den Borjah gehabt habe. Bom Standpunkt des deutschen Reichspräsidenten aber war der Eintritt der Sozialdemokratischen Partei in die Bewegung, unt ffe zum Stillstand zu bringen, zu betrachten. als Landesreffung, nicht als Landesverrat Gegen 8 Uhr abends wurde dann die Berhandlung auf Sonnabend 9% Uhr vertagt. Es wird dann zunächst noch der zweite Rechtsbeistand des Reichspräsidenten, R.- 2. Heine, zu Worte kommen, worauf dann die beiden Berteidiger des Angeklagten sprechen werden. Das Urteil ist aber, wie bereits gefagt, auf keinen Fall vor Anfang der tommenden Woche zu erwarten, wahr. scheinlich erst am Dienstag, da bei dem Umfang der Materie das Gericht geraume Zeit zur Beratung brauchen wird. Aus der Partei. Berlin S. 68, Lindenstraße 3, 福 für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 18. Kreis Weißensee. Sonntag, den 21. Dezember, vorm., Besichtigung der Bumpitation Sohenschönhausen. Fraktionsmitglieder und Genossen, die Intereffe dafür haben, sind hiermit eingeladen. Treffpunkt vormittags 10 Uhr Pumpstation Pistoriusstraße. Heute, Sonnabend, den 20. Dezember: 20. Abt. Der gesellige Abend findet nicht Sontag, sondern heute, Sonnabend, 7 Uhr, bei Wende, Rolonieftr. 147, statt. Gäste willkommen. 24. Abt. 3. Gruppe: 6 Uhr Flugblattverbreitung vom Schweizerhäuschen, Greifswalder Str. 80b, aus. 39. Abt. Flugblätter find beim Genossen Lucht abzuholenä 216 45. Abt. Die Gruppenführer holen heute Flugblätter bei Bertsch ab. 5 Uhr Flugblattverbreitung bei Minnig, Studenberg, Sebestreit und Sommer. Um 25 Uhr rechnen die Bezirksführer die Weihnachtslisten beim Genossen Rauan ab. 46. Abt. Die Flugblattverbreitung findet nach dem zu den Wahlen aufge ftellten Verteilungsplan statt. Die Genoffen bolen die für ihre Häuser in Betracht kommenden Flugblätter am Sonnabend von 6 Uhr ab oder Sonntag von 9 Uhr an bei Eichholz, Cuvryſtr. 23. 71. Abt. Wilmersdorf. Heute von 6 bis 7 Uhr Flugblätter bei Jonas abholen. Die Bezirksführer übernehmen die Verteilung in ihren Bezirken. 85. Abt. Tempelhof. Die angekündigte Weihnachtsfeier muß leider fortfallen, fomit auch die Bücherausstellung. 93. Abt. Neukölln. Ab 5 Uhr Flugblätter abholen bei Förster, Serkberg-. ftraße 12. 57. Bezirk: Flugblattverbreitung Sonntag 10 Uhr von Belger, Treptower Str. 23. 84, Bezirk: Bormittags 10 Uhr von Rigmann, Böhmische Str. 7. 104. Abt. Niederschöneweide. Abends 6 Uhr vom Botal Thiele, Berliner Straße 38, aus Flugblattverbreitung. Sonntag, den 21. Dezember, nachmittags 5 Uhr, Weihnachtsfeier, verbunden mit Befcherung der Rinder unter 14 Jahren, im Restaurant Schmidt, Berliner, Ede Rubower Straße. 128,/ 130. 6. Pankow. Die Gruppenführer müssen das Flugblattmaterial nachmittags von 5-6 Uhr in der Vorwärts- Spedition Rißmann, Mühlenstraße, in Empfang nehmen. Sonntag Flugblattverbreitung um 9 Uhr von den bekannten Lokalen aus. Sonntag, den 21. Dezember: Flugblattverbreitung in Groß- Berlin. 2. Abt. Borm. 9 Uhr bei Ohngemach, Kommandantenstraße 88. 3. Abt. Pünktlich 9 Uhr Flugblattverbreitung von Krüger, Engelufer 28, aus. 4. Abt. Borm. 9 Uhr bei Lötschert Neue Friedrichstraße 108. 5. bt. Nachmittags 4 Uhr im Reichstafino, Neue Königstr. 26, Weihnachtsfeier mit Rinderbescherung. Um 6 Uhr Bannerweihe. Festrede und gemütliches Beiſammensein unter Mitwirkung des Gesangvereins Einigfeit" Berlin Mitte. Die Genossen anderer Abteilungen des 1. Kreises find eingeladen. Bormittags 9 Uhr bei Mathia, Linienjir. 29, Flugblattverbreitung. . 7. Abt. Vormittags 9 Uhr Treffpunkt fämtlicher Genoffen in ihren 8ahlabenblokalen. 8. Abt. 9 Uhr Flugblattverbreitung. 8a. Abt.: Ridert, Steinmehstr. 36a; 8b. Abt.: Mener, Lligowfit. 7. 9. Abt. Treffpunkt zur Flugblattverbreitung vormittags 9 Uhr bei Hübner, Wilsnader Str. 34. 11. Abt. Weihnachtsfeier bei Berger, Levehow, Ede Jagowstraße. Die Genoffinnen werden gebeten, bie Rinder um 5 Uhr zur Feier au faiden. Die äälteren Genoffen sind at 6 Uhr eingeladen. 12. Abt. Bormittags 9 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 17. 13. Abt. Flugblattverbreitung vormittags 9 Uhr von der Borwärts- Spedition Wilhelmshavener Straße. Ausgabe ber Flugblätter heute. 10. bt. 8% Uhr bet Krüger, Hussitenftr. 34. 19. bt. 820. Begirl. Flugblattperbreitung von der Wohnung des Genossen Bowig, Soldiner Str. 26, 2 St. 23. bt. 9% Uhr Flugblattverbreitung von der Bahlabendlokalen Taube und Lewandowski. 25. 5 9 Uhr bei Gott, Antprodeftr. 6, Flugblattverbreitung. Bestrte Bauer bis Güde vormittags 9 Uhr bet Cramer, Cotheniusste. 8. 27. Abt. 7 Uhr Weihnachstfeier in den Mila- Festfälen, Milastraße. 32. b. 9 Uhr Flugblattverbreitung von Krampbhardt, Grüner Weg 49, unb Valentin, Krautftt. 86, aus. 33.bt. Flugblattverbrelatung 9 Uhr von folgenden Lokalen aus: 2ojed, Benmestr. 8; Wegner, Stralauer Allee 31; Soffmann, Stralauer Allee, Ede Markgrafendamm. Jenseits der Bahn vpn Rienig. Simon- Dach- Str. 24. 34. Abt. 9 Uhr bei Rosin, Gubener Str. 19, und Müde, Warschauer Str. 17. Die Genoffen werden gebeten, Kinderland" und den Abreißkalender vom Genossen Rofin abzuholen, 36. Abt. Die Kinder, die bei der Weihnachtsfeier mitwirken, treffen fich Sonntag, den 21. Dezember, vorm. 11 Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaits, Fruchtstraße 38. Abt. Alle Genoffen und Genofsinnen treffen fich um 19 Uhr pünktlich im Begiristobal aur Flugblattverbreitung. Die Bezirksführer holen am Sonnabend abend hos Material an den befannten Stellen ab. 41. Abt. 149 Uhr allgemeine Flugblattverbreitung von folgenden Lokažen aus: Simon, Belleallianceft. 30, Schuster, Chamiffoplag 4, Suge, Berg mannstraße 93. Mende, Gneisenaustr. 6. 43. Abt. Flugblattverbreitung von den bekannten Zobalen aus. Die Bezirkse führer werden gebeten, Gonnabend( heute) zwischen 5 und 6 1hr das Material bei Bolf, Gräfeftraße, abzuholen. 47. Abt. Nachm. 5 Uhr Weihnachtsbefcherung unter Mitwirkung der Arbeifer jugend, Anschließend gemütliches Beifammenfein der unnsmitaliener. Charlottenburg. 51. Abt. Borm. 9 Uhr Treffpunkt zur Flugblattperbreiting in den Gruppenlofalen. 52. st. 9 Uhr bei Bade, Raiferin- AuguftaAllee 52. 55. Abt. 8. und 9. Gruppe 9 Uhr bei bei Reimer, Wilmers dorfer Straße 21; 10. Gruppe bei Bahne, Schloßstr. 45. 57. Abt. Flugblattausgabe von 9 Uhr ab bei Arndt, Rantstr. 51. 78. Abt. Schöneberg. 9 Uhr von folgenden Lokalen Flugblattverbreitung: Wandite, Bahnstr. 25; Killmapnn, Hauptstr. 8; König, Feurig., Ede Prinz- Georg- Straße: Rofentahal, Eberstr. 66. 81. Abt. Friedenau. Treffpunkt für die Funktionäre und Selfer zur Flug flattverbreitung vormittags 10 Uhr bei Rubbed, Odenwaldstr. 26, urfgang 1, 2 Tr. 83. Abt. Bichterfelde. 9 Uhr von den bekannten Lokalen aus in Oft und West Flugblattverbreitung. 84. Abt. Lankwik. 9 Uhr Flugblattverbreitung, bei Lehmann, Raiser- WilhelmStraße. Die Bezirksführer müff en erscheinen. 94. Abt. Neukölln. 9 Uhr Flugblattverbreitung von ben bekannten Lokalen. Die Bezirksführer holen die Flugblätter von Günther, Schillerpromenade 11, vormittags 8 Uhr, ab. 101. Abt. Treptow. Ab 9 Uhr vorm. Flugblattverbreitung von den BezirksTotalen aus: 1. Bezirk bei Stephan, Gräfte. 1; 2. Bezirk bei Gollies. Riefholaftr. 19; 3. Beairt bei Dettinger, Riefholaftr. 33/34; 4. Bezirk bei Schmidt, Elsenstr. 110; 5. Bezgirt bei Krugmann Am Treptower Part 67. Die Bezirksführer holen Material am Sonnabend, nahm. 5 Uhr, non der Spedition Gräßstraße 50 ab. Die österreichische Sozialdemokratie und die Agrarfrage. Der Parteivorstand der österreichischen Sozialdemokratie hat ge mäß dem auf dem Salzburger Parteitag gefaßten Beschluß eine agrarpolitische Kommission eingefeht. Diese Kommission 111. bt. Bohnsdorf. Die Mitglieder treffen sich vormittags 49 Uhr bei Seihat sich am 13. Dezember fonstituiert und zu ihrem Obmann Genoffen Otto Bauer gewählt. Die Kommission hat beschlossen: 1. Siebzehn Referate über die wichtigsten Einzelfragen der Agrarpolitik durch fachkundige Personen ausarbeiten zu lassen. Diefe Referate sollen die Ansichten innerhalb der Partei über die einzelnen Probleme der Agrarpolitik flären, die in der Landagitation tätigen Genossen mit den notwendigen geistigen Waffen ausrüsten und die Ausarbeitung eines Agrarprogramms vorbereiten; 2. die Referate, soweit sie dazu geeignet sein werden, im Rahmen einer agrarfozialistischen Bücherei in Drud legen zu laffen und herauszugeben; 3. ein literarisches Komitee einzusetzen, das diese Arbeiten zu leiten hat; 4. die Ausarbeitung eines Agrarprogramms zu vertagen, bis durch die Veröffentlichung der Referate die notwendigen Vorarbeiten dafür geleistet sein werden. mann, Waltersdorfer Straße, zur Flugblattverbreitung. Lichtenberg. 114. bt. 9 Uhr bei Schwarzer, Gabriel- Mag- Str. 17, Flugblatt. verbreitung. 117. Abt. Vormittags 9 Uhr bei Krüger, Türrschmidtstr. 33, und Alofe, Eitel, Ede Rupprechtstraße. blattverbreitung. 135. Abt. Starow. 9 Uhr bei Mig, Bantgrafenstraße. Treffpunkt zur Alug141. Abt. Rosenthal. 10 Uhr Lokal Frische, Rieberstr. 5. Flugblattverbreitung. Geschäftliche Mitteilungen. Das neue Saus für Herren- und Knaben- Kleidung Dswin Koukko, Oranienftraße 166, am Oranienplah, bringt während der ersten Saison feines Bestehens zur Einführung fabelhaft billige Angebote in Serren- Wintermänteln, HerrenAnzügen, Jünglings- und Anaben- Kleidung heraus. Weitgehende Ausnugung dieser günftigen Raufgelegenheit empfiehlt sich baher unbedingt Weihnachtssorgen und Weihnachtsfreuden. Ru ben Weihnachtssorgen gehört die Frage, wie man bei den teuren Butterpreisen Ruchen und Weihnachtsgebäd herftellen foll. Es bietet sich hier aber ein vorallglicher Ausweg durch Berwendung der neuen Feinfoftmargarine Schwan im Blauband", welche fich gerade für Badzwede befonders eignet. Ruchen und sonstige Weihnachtsbädereien geraten mit ihr ebenso gut mie mit Butter. Kaiser's Fest- Kaffee zu 3,60, 4,00, 4,40, 4,80 das Pfund. 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Wir geben die Entwicklung durch folgende Aufstellung mieder, in der wir die Einnahmen im Monat November 1924 den tatsächlichen Einnahmen in der Zeit vom 1. April bis 30. November 1924 und dem Voranschlag im Entwurf des Reichshaushaltsplans für das Rechnungsjahr 1924 gegenüberstellen. Danach betrogen die Einnahmen: 1. April bis Boranschlag für Gesamteinnahmen davon: Fortdauernde Steuern Einmalige Steuern Berpfändete gölle 0 ° ˚ Novbr. 1924 30. Novemb. d.Rechnungsjahr 1924 1924 ( in tausend Reichsmart) 672 056 4 657 981 5 243 747 und Verbrauchssteuern. 129 695 Andere Zölle und Verbrauchsstenen. 12 171 Auf die fortdauernden Steuern 521 090 8745 3 677 851 57517 844 213 Einkommensteuer 9 • · Störverfchaftssteuer. 194 256 31 438 164 811 • 12 354 20 616 71 926 entfallen: 1411 586 202.746 1287 560 108 515 219 274 Umiazsteuer Karitalbertebrsteuer Beförderungssteuer.. 9 4 108 000 86 000 1017 000 82 700 1844 000 144 000 1440 000 198 000 230 000 Bei den verpfändeten, also bei denjenigen Zöllen und Verbrauchssteuern, die speziell den Reparationszahlungen als Gicherung zur Verfügung stehen, erbrachten in tausend Reichsmart die • Zölle. Tabatsteuer Biersteuer Budersteuer Branniweinmonopol 30 195 193 975 43 325 316 134 14 821 133 834 22 834 18 517 130 549 69 701 160 000 360 000 126 000 231000 140 000 Aus der Aufstellung ergibt sich, daß die tatsächlichen Einnahmen in den ersten acht Monaten des laufenden Steuerjahres an. nähernd den Voranschlag erreicht haben. Die günstige Entwicklung bietet die Möglichkeit, S.euererleichterungen eintreten zu lassen. Betanntlich ist eine Reform im Finanzministerium bereits in Borbereitung. Dabei muß reiflich überlegt werden, welche Steuern in erster Linie in Frage kommen. Das Finanzministerium dürfe sich eigentlich nur von dem Grundjag leiten lassen, daß eine M i lderung nur für solche Steuern angebracht ist, die tat= sächlich überspannt sind und die Hemmungen für die Produftion bedeuten. In erstre Linie interessiert die Einkommensteuer. Sie gliedert sich wie folgt: Lobnabzug. Steuerabzug vom Kapital ertrag Andere Eintommensteuer. Nopbr 1924 1. April bis 80. Novemb. 1924 Boranschlag für d Rechnungsjahr 1974 ( in tausend Reichsmart) 119 751 827 074 38 , 74 467 7 398 577 069 1411 536 Insgesami: 194 206 1 344 000 1 344 000 Wir sehen, daß in att Moralen an Einkommensteuern mehr aufgebracht worden ist, als der Entwurf für 12 Monate veranschlagt hat. Biber gibt der Loranfchlaa nicht an, wie hoch fie LohnabzugSteuer allein in Boton'chlag bemess in wird. Sie ist es aber gerade, die das günstige Eir fommensteuerergebnis gezeitigt hat. Da sie sicher über pannt ist und den Konsum der breiten Massen bedeu tend einschränft, ist hier unter allen Umständen eine ganz raditale Herabsehung geboten, besonders auch deshalb, weil die Erleichte. rungen der letzten Steuerreform unzureidend waren. Ebenso verhält es sich bei der Umfagsteuer. Sie gliedert fich wie folgt: 1 Avril ris Boranschlag füte 30. Novemb. b Rechnungsjahr 1924 1924 Allgemeine Umfassteuer. Luguèsteuer Rovbr. 1924 ( in tausend Reichsmart) 1213 508 153 154 11.657 Insgelamu: 164 811 74-057 1287 560 1260 000 180.000 1440 000 Die tatsächlichen Einnahmen tommen dem Bora fchlag ziemlich nahe. Sie stühen die Auffassung breiter Kreise der Wirtschaft, die auch im Reichsfinanzministertum Echo gefunden hat, möglichst schnell eine weitere fi ef einschneidenbe herabjegung der Um Die Reform des Lohnabzugs und fazsteuer vorzunchmen. ber Umfassteuer follte vom Finanzministerium ohne besondere Be dingungen und Boraussetzungen eingeleitet werden, da sie durch das Eteueraufkommen durchaus gerechtfertigt sind. Reichsverband landwirtschaftlicher Kleinbetriebe. Am 16. und 17. Dezember hielt der Reichsverband lanb. wirtschaftlicher Kleinbetriebe in Berlin eine Ver= tretertagung ab. An den Beratungen nahmen mehrere Reichsuns Lan togsabgeordnete teil, um sich über die Forderungen zu informieren, mit denen der Reichsverband landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in dieser entscheidenden Zeit an die Parlamente herantret: n wird. Bon den zur Verhandlung stehenten Gegenständen: Siedlungs. wesen. Bachtschuh, Sch zollfragen, S.euerfragen, Kreditbeschaffung Dar von entscheidender Bedeutung die zukünftige Gestaltung des Pochtrechts, die eine der ersten Arbeiten des Reichstages Jein wird. Im Gegensatz zu den Bestrebungen des Landbundes und der Berpächterverbände vertritt der Reichsverband den Standpuntt, baß zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Eicherung derjenigen Er stanzen, die ganz oder zum Teil auf Bachtland angewiesen sind, ein im Gesez fest peranterter dauern. der Schuß gegen wucherische Pachtpreise und willtürliche Entziehung des Landes geschaffen werden muß. Bei den Beratungen über die 3ollfrage ergab sich, daß fämtliche Vertreter einmütig die Schutzzollvorlage der ReichsSCHUTZMARKE verbürgt Echthelf SEIT 1869 JUHL regierung ablehnten, weil sie einen starren Dauerschußzoll vorsieht, der nach verhältnismäßig turzer Zeit durch Steigerung des Bodenpreises seine Wirkung verliert. Anerkannt wurde jedoch die Notwendigkeit, der Regierung die Vollmacht zu geben, nach gefeßlich in großen Zügen festgelegten Grundsägen jederzeit dies jenigen Maßnahmen treffen zu fönnen, die zur Sicherung der Bolts ernährung und zum Schutze der einheimischen landwirtschaftlichen Produktion notwendig sind. Entschiedene Ablehnung erfuhr auch der Gesezentwurf über die Umwandlung er Rentenbant. Insbesondere wurde auf das schärfste verurteilt, daß die Generalversammlung und der Verwaltungsrat der zukünftigen Rentenbank kreditanstalt sich nur cus Vertretern der alten landwirtschaftlichen Organisationen und Genossenschaftsverbände zusammenfehen soll, während die Organi. fationen, die in erster Linie klein. und mittelbäuerliche Interessen wahren, ausgeschlossen bleiben. Desgleichen wurde Kri.if geübt an der Geschäftsordnung der zukünftigen Rentenbantfred tanstalt die durch die Art der Kreditverteilung sämtliche landwirtschaftlichen Genossenschaften unter den Einfluß der Preußentasse tringen will. Gerode die klein- und mittelbäuerliche Landwirtschaft legt allergrößten Wert darauf, daß auch die Girozentrale bei der Verteilung landwirtschaftlicher Kredite in entsprechendem Maße berücksichtigt wird, damit von ihr aus nicht nur die mit ihr zusammenarbeitenden landwirtschaftlichen Genossenschaften, sondern auch die Sparkassen versorgt werden können.( In dem Plan der Kreditverteilung durch die gegründete Treuhandstelle ist vorgesehen, daß wesentliche Kredite auch durch die Girozentrale weiter geleitet werden sollen. D. Red.) Durch die plonmäßige und erfolgreiche Arbeit für die klein- und mittelbäuerlichen Schichten hat sich der Reichsverband das Vertrauen der ländlichen Bevölkerung in folchem Make erworben, daß auch in Bufunft ein stetes 2nwachsen der Mitgliederzahl, die heute schon weit über 100000 beträgt, mit Bestimmtheit zu erwarten ist. Banken- Generalversammlungen. Interessant waren bei den Generalversammlungen der beiden Großbanten die Ausführungen, die von der Verwaltung über die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahre gemacht wurden. Sowohl Direttor Wassermann von der Deutschen Bant als auch Dr. Salomonsohn von der Diskonto- Gesellschaft erklärten, daß sich die Wirtschaft in einem Stadium der Besserung befindet und daß sich dieses in einem vergrößerten Umfag bei den Banken auswirte. Direttor Wassermann wies darauf hin, daß die Bankbedingungen immer noch eine sehr erhebliche Belastung für die Wirtfchaft darstellen, daß der bisher erfolgte Umbau noch nicht weit genug ginge. bok aber bei dem vollständigen Darniederliegen des Effektenund Emissionsgeschäftes die Erträge der Banken aus dem Konto torrentgeschäft herausgehol werden müßten. Diref or Salomonsohn erklärte, daß die Depositen mehr als das Doppelte von dem betragen als am 1. Januar 1924. daß ihre Zusammenschung aber eine erheblich andere sei als vor dem Kriege. Vor dem Kriege waren es in der Hauptsache langfristige Depositensparge der, die zur Bant gebracht wurden, heute handelt es sich um Gelder der Kommunen und öffentlichen Anstalten, die jederzeit wieder abgehoben werden tönnen. Aus den Ausführungen von Direktor Wassermann ist dann noch hervorzuheben, daß sich bei der Deutschen Bant die Kredito. ren verdoppelt hätten; die Hälfte bestände aber aus fremder Baluta, ein Zeichen, daß wir vorerst noch bei der Inbetriebsetzung unserer Wirtschaft auf ausländische Kredite angewiesen sind und daß in weiteren Kreisen des deutschen Boltes die Ueberzeugung von der Stabilisierung noch nicht festen Fuß gefaßt hat. Beide Direttoren sind allerdings der Ansicht, daß dieses Mißtrauen gegen die Stabi ität unserer Währung vollkommen unberechtigt sei. Man tönne jetzt wieder ohne Befürchtung der Entwertung sparen. Diese leberzeugung von der Stabilität unserer Währung ist nach Ausführungen des Direttors Salomonschn- durch die neueste Bant- and Währungsgesehgebung gegeben, die einen Mißbrauch des Noteninstitutes durch den Staat, wie er während des Krieges und in der Inflation erfolgte, ausschließt. Auch die Aussicht der Entente verhindert, daß das Noteninstitut übermäßig für die Zwecke des Staates in Anspruch genommen wird. Beide Redner Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Sonnabend, 20. Dezember 1924 betrachten die Kontingentierung des Krebits bei der Reichsbant als der fortschreitenden Wirtschaftsentwicklung sehr hinderlich. Die Deutsche Bank z. B. hat heute nur 54 Millionen Mark Bantakzepte, während sie, um die an sie herantretenden Bedürfnisse befriedigen zu können, 100 bis 150 Millionen Mart Bantakzeptfredit benötigt. Herr Direktor Salomonsohn hält allerdings trok der ungünstigen Wirkungen der Kontingentierung auf die Wirtschaft diese Kontingentierung für sehr heilsam. Notwendig zur Erzielung einer Rentabilität ist nach Ansicht beider Redner der Abbauder Untoften. Bei der Deutschen Bant hat er sehr erhebliche Fortschritte gemacht, doch ist augenblicklich die äußerste Grenze erreicht es sei denn, daß durch eine Reform der Steuergesetzgebung und nach Beendigung der Geldumstellungen viele Beamte, die grade mit diesen unproduttiven Direttor Arbeiten beschäftigt waren, in Fortfall kommen fönnen. Salomonsohn glaubte zu dieser Frage noch darauf hinweisen zu müssen, daß an den augenblicklich bestehenden Arbeitszeitver. hältnissen auf feinen Fall gerüttelt werden dürfe. Es müsse mehr gearbeitet und mehr produziert werden. Bei der Deutschen Bank wurde die Fusion mit der Württembergischen Vereinsbant beschlossen. Bei beiden Banten wurde die vorgeschlagene Umstellung ( bei der Deutschen Bant 10: 1, bei der Diskonto- Gesellschaft 6: 1) genehmigt. Großhandelspreise. Die auf den Stichtag des 17. Dezember be rechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 10. Dezember( 129,6) um 25 v. 5. auf 132,9 gestiegen. Höher lagen vor allem die Preise für Getreide, Fleisch, Butter, Schmalz, ferner für Ochsenhäute, Kalbfelle, Baumwolle, Baumwollgarne, für die meisten Nichteisenmetalle und ihre Halbwaren sowie für Gas und Maschinenöl Gefunden sind die Preise für 3uder und Jute. Bon den Hauptgruppen stiegen die Lebensmittel von 124,9 auf 129,7 oder um 3,8 v. 5, die Industrie stoffe von 138,3 auf 139,0 oder um 0,5 v.§. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungskosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, den 17. Dezember, hat sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts gegenüber der Borwoche um 0,2 p. 5). auf 122,6 erhöht. 2.- 6. für Zellstoff- und Papierfabrikation, Aschaffenburg. Die Aschaffenburger Bellstoff- und Papierfabrik schneidet mit ihrer Goldbilanz gut, aber nicht so gut ab, wie sie es nach ihrer immerhin beträchtlichen Substanzvermehrung sicher erwartet hat. Auch im Börsenkurs ihrer Aktien kommt das zum Ausdruck; nach 38 Goldprozent im Herbst notieren sie heute 24 Proz. Immerhin kommen fie nach der Zusammenlegung des 48 Millionen Papiermarttap als auf 12 Millionen Goldmark annähernd auf den Paristand. Der Aschaffenburger Bellstoff- und Bapierkonzern umfaßt heute durch Boll- oder Majoritätsbesik fünf 3ellstoffabriken in Aschaffenburg, Stockstadt, Walsum, Redenfelden und Memel und vier Papierfabriken in Aschaffenburg, Düren, Redenfelden und Miesbach. Die Werke beschäftigen 3000 Angestellte und Arbeiter. Seit dem Kriege wurden die Werke technisch starf vervollkommnet und dem erweiteren Werks- und Beteiligunasbesi 400 Heftar Wald hinzugefügt. Für 1923 üttet die Gesellschaft an Dividende noch 5 Rentenmart auf 1000 M. Papierfapital, das sind 20 G. auf 1000 GM., oder 2 Broz. cus. Ab 1. Juli 1923 find auch, und zwar rückwirkend, die Aufsichtsratstantiemen von 500 GM. jährlich auf 1250 GM. viertel jährlich erhöht worden. Das geschah in der Zeit des Ruhrfriegs, in der nach dem Geschäftsbericht von 1923 die Unternehmung wegen der Stillequng ihrer beiden Rheinlandwerke in Walsum und Düren schwere Sorgen hatte. Anlaß zu Klagen hat der Aschaffenburger Bellstofftonzern um so weniger, als er im Kriege und in der Inflation und Stabilisierungsperiode immer auf die gute Seite der Konjunktur fiel und auch in der Zukunft um eine Dividende nicht besorgt zu fein braucht. In den Rohstoffen und Betriebsmaterialien, besonders in den Beteiligungen steden farte stille Reserven. An feinen Obligationen hat der Romern mehr als eine Gold. million rein verbient. Chemische Fabrit von E. Schering, Berlin. Das Schering Unternehmen hat im Krieg feine Tochtergesellschaften in Rußland und England verloren, in die es vielle Millionen gestedt hatte. Wie die ganze chemische Industrie, steht aber auch die Schering A.-G. glänzender als je da Das alte Berliner Werf ist ausgebaut, so viel nur das beschränkte Grundstück hergeben fonnte, das Charlottenburger Wert ist start erweitert, das Wert in Eberswalde vollständig neu errichtet, ebenso die Fabrikationsniederlassung in Hamburg und die Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Filiale in Wien. Die Arbeiter und Angestelltenzahl ist Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haierflocken. lose Hafergrütze, lose Ro genmehl 0/1 Weizengrieb Hartgrieß 7% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speisee bsen, Viktoria Spe.seerbsen, kleine Bohnen, weiße, arl Langbonnen. handverles. Linsen kleine Linsen, mittel Linsen, große Kartoffe mehl Makkaroni, Hartgrießwr. Eiernudein Mehinudeln Bruchreis Rangoon Reis Getr Planmen 90/100 Zentner frei Haus Berlin. 19,25-22,50 18,50-24,5 Kakao. fettarm 18,50-18,75 Kakao, leicht entölt 20,00- 21,50 Tee, Souchon, gepackt 21,50-22,50 Tee, indischer, gepackt 17,00-19,00 Inlandszucker basis mei. Inlandszucker Raffinade Zucker Würfel Kunsthonig Zuckersirup hell in Eim Speisesirup dunk. in Eim Marmelade Eintr. Erdb Marmelade Vierfrucht Pflaumenmus in Eimern 18,00-25,50 Steinsalz, in Säcken 31,10-42,00 70,00-96,00 100,00-120,00 320,00-400,00 40,00-470,00 2), 0- 31, 0 31,50- 35,50 36,5-39,0 36, 0-37,00 40,00gegen die Borfriegszeit fast verdoppelt. Eine starte Beteiligung an der Rheinischen Kampferfabrik G. m. b. 5. ist feit 1921, die Hälfte der Rich. Jahr A.-G., Dresden( Trodenplatten) feit 1923 in ihrem Der Grundstücks- und Immobilienbesig, darunter WohnBesizz häuser und günstig gelegenes unbebautes Industriegelände, ist um rund 100 Hektar auf 107 Heftar erweitert. 1923 hat sich Schering mit dem noch stärker bereicherten Oberfotstonzern in der Form einer vorläufig 30jährigen Interessengemeinfchaft fufioniert. Bei der starken vertialen Durchgliederung des Oberfotstonzerns be= deutet diese Fusion eine außerordentlich günstige Ausdehnungschance für die Scheringwerte. In der fast nur auf Stichworte beschränk ten Goldbilang kommt die Entwicklung der Scheringwerte faum zum Ausbruck. Das Aftienkapital ist von 8 Millionen 1914 auf insgesamt 15,7 Millionen erhöht( 11,5 Millionen aftien- und 4,2 Millionen 43.25 55, 0 Bratenschmalz in Tierces 93.00- 93,50 dividendenberechtigte Genußfcheine). Die Hypothefen auf dem Häuser. 24,50-21, 17,2519 50 19,75 26,5 13,00 23,25 15,00-16,00 22.00- 23,00 28.00- 33,0 44,00-56,5) Siedesalz in Säcken... 19,00-22,00 28,00 30,00 90,00- 93,00 40,00 45,00- 55,00 3,103,60 3,70-4,20 4.40- 5,0 5,20- 5.80 94, 0-94,55 91,00-91,25 92,00-9,50 65,00-66,00 60,00-63,00 47,01-73,50 Bratenschmalz in Kübeln 23, 0-26 7 Purelard in Tierces 10,75-17,75 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung Tafelreis, glasiert, Patna 24,5 32,00 Speisetale in Küpeln Tafelreis, lava 32,75-42,00 Margarine, Handelsm. 1 66,00 86,00-95,00 desgl II. Ringäpfel, amerik. 48,00-50, 0 Margarine, Spezialm. I. 80,00-84,00 74,00- 79, 0 desgl. If 69,00-71,00 65,00-68,00 Molkereibutter la i. Fäss. 228,00-233,00 i. Pack. 2 8,00-239,00 Rosinen in Kisten, Candia 60,00- 73, 0 Molkereibutter 75,00 95,00 Molkereibutter lla i. Fäss. 190,00-216,00 58,00 74,00 Molkereibutter i. Pack. 195,00-220,00 185,00-210, 0 Auslandbutter in Fässern 238,00-242,0 190.00-210.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 39,00- 40,00 100.00-120,00 Aust. Speck, geräuchert 108,00-120,00 53,50-60,00 Quadratkäse Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Sultaninen Caraburnu. Korinthen, choice Mandeln, süße Bari Mandeln, bittere Bari Zimt( Cassia) Kümmel, holländischer Schwarzer Pfeffer singap. Weißer Pfeffer S 45,00-$ 5,00 Rohkaffee Brasil Rohkaffee Zentralamerika2 15,00-310,00 Röstkaffee Brasil 110,00-1 0,0 Tilsiter Käse, vollfett 155,00-173,0 Ehter Emmenthaler 210,00-230,00 Echter Edamer 40%. 2000 270.00-310,00 Ausl. ungezuck.Condens330,00-400,00 milch 48/16, 20,00-22,5 20.00-22.00 Inl gez. Condensm. 48/14 24,50 120,00-130.00 170,00-175,00 .. 120,00-125,00 88,00-90,00 östkaffee Zentralam. Röstzetreide. lose befig betragen nur noch 135 000 m. In den Aktivposten Fabrit anlagen, Borräte, Beteiligungen und Effetten stecken große stilla Reserven. 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