Nr. 601 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 306 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpjennig, monatlich 3,- Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat Der., Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten sowie bez Unterhaltungsbeilage Heimwelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Goldplennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. eile 0.70 Goldmart. Reflamezeile L- Goldmart.., Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 0.20 Gold. mart( aulässig awei fettgedruckte Worte), tebes weitere Wort 0,10 Goldmart. Stellengesuche das erste Wort 0,10 Goldmark iedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten geile 0.30 Goldmark. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292–295 Verlag: Donboif 2506-2507 Sonntag, den 21. Dezember 1924 Der Streit um die die Abrüstung. Eine deutsche Erklärung. WIB. verbreitet folgende offiziöse Ausführungen: Der Temps" hat im Anschluß an die Wiedergabe der fürzlich von Lord Curzon im Oberhaus gehaltene Rede über die Räumung der Kölner Zone eine Reihe von Behauptungen über den Stand der Entwaffnung Deutschlands aufgestellt, die jeder Begründung entbehren. In der offenfundigen Absicht, das alte Märchen von geheimen deutschen Rüstungen wieder aufleben zu lassen, spricht der„ Temps" die Bermutung aus, der Bericht über das Er= gebnis der Generalinspektion würde insofern nicht den wahren Tatbestand wiedergeben können, als namentlich auf dem rung der deutschen Militärma cht stattgefunden habe. Den Beweis für diese Behauptung bleibt denn auch der„ Temps" schuldig und begnügt sich, um sich den Anschein der Kennerschaft zu geben, mit der dagen Andeutung, daß es sich dabei um Oberkommandos, Cadres und Verwaltungsdienststellen handle. Kabinettsberatung über die Kölner Frage. Das Reichslabinett beriet gestern Sonnabend nach mittag außenpolitische Fragen. Es ist anzunehmen, daß Räumung galten. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devontentasse Lindenstraße 3 Berlin- Köln. Regierungskrise und Räumungsfrage. Der Reichspräsident hat die Krise auf einen vierzehntägigen Erholungsurlaub geschickt. Die Regierung regiert weiter, das Volk läßt sich weiter regieren, und es ist vorläufig beinahe jo, als ob nichts gewesen wäre. Der Lärm der politischen Börse verklingt, und der Zeitungslejer merkt stillsteht als Berichte über Parteiführerbesprechungen ohne Erbeglückt, daß in feinem Blatt nun auch wieder etwas anderes gebnis. blicklichen Zustand niemand mehr freut als jene Masse der Man kann dessen gewiß sein, daß sich über diesen augenunpolitischen Spießer, die am 7. Dezember deutschnational oder volksparteilich gewählt hat. Ihr Ideal ist ja der gut verwaltete Staat, in dem sich der Bürger nicht um Gebiete der Kriegsindustrie eine Kontrolle überhaupt unmöglich die Beratungen in erster Linie der Frage der Kölner Politik zu kümmern braucht, weil das von anderen besorgt fei. Demgegenüber fann nur immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Kontrollkommission nunmehr fast vier Monate hindurch sich auf allen Gebieten davon überzeugen fonnte, daß Deutschland seinen Entwaffnungsverpflichtungen nachgekommen ist. Sie hat von dieser Möglichkeit in reichstem Maße Gebrauch gemacht, denn es sind bei der Reichswehr, Bolizei und Industrie über 1700 Kontrollbesuche vorgenommen worden Dabei sind der Kontrollkommission alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Da die Kontrolle fast ausschließlich von Offizieren vorgenommen worden ist, die seit Jahren mit der Materie aufs eingehendste vertraut sind, so wird fein unbefangener Beurteiler glauben können, daß es der Kontrollkommission wirklich nicht gelungen fein follte, ein umfassendes und erschöpfendes Bild über den deut fchen Rüftungsstand zu gewinnen. Daß es dem Temps" auch nur Darauf ankommt, haltlofe Verdächtigungen auszuftreuen, ergibt sich aus feiner weiteren Behauptung, daß die Reichswehr mit ihren 100 000 Mann nur den festen Rahmen zu der eigentlichen beutschen Armee abgäbe, die im Mobilisierungsfalle auf gestellt werden könne. Der Lemps" weiß ganz genau, daß die Alliierten selbst die Grundlagen zu dem jezigen 100 000- Mann- Heere aufgestellt haben und daß die Organisation dieses Heeres bis ins fleine hinein den von ihnen gegebenen Vorschriften entspricht. Amtlich wird gemeldet: Der Staatsiekretär im Auswärtigen Amt Freiherr v. MaItan ist zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Botfchafter in Washington ernannt worden. Zum Staatsfefretär im Auswärtigen Amt ist der bisherige Leiter der Abteilung 3 ( England, Amerika), Ministerialdirektor v. Schubert, ernannt worden. Herr v. Schubert hat die Geschäfte des Staatssekretärs übernommen. Die Befriedung des Rheinlands. Die Arbeiten der deutschen Abordnung beender. Bereinbarungen, die unter Leitung des Bondeshauptmanns der Die deutsche Abordnung zur Durchführung der Londoner Rheinproving, Dr. Horion in Roblenz und Düsseldorf mit der Rheinlandtommiffion bezw. mit den Bertretern der Besatzungsarmeen verhandelt hatte, ist, wie WTB. meldet, am Ende ihrer Arbeiten angelangt. Die Durchführung der in London feſtgeſetzten Amnestie bestimmungen ist noch nicht völlig beendigt, fo daß diese Berhandlungen fortgeführt werden. Die Aufgabe der deutschen Abordnung bestand insbesondere in den Verhandlungen Was die 5 Punkte betrifft, auf die der" Temps" dann zu Wiedereinsetzung der verdrängten Beamten, über über die Zurüdführung der Ausgewiesenen und die sprechen tommt, so ergibt sich aus dem Notenwechsel zwischen der die Durchführung der Amnestie fowie über die wirtschaftlichen Fra deutschen Regierung und der Botschafterfonferenz, daß die Erledigen, die mit der Beendigung der Pfänderverwaltungen zufammer gung der 5 Punkte nicht im unmittelbaren Zusammenhange mit der hingen und die in dem Koblenzer Abkommen vom 20. Oktober 1924 Generalinspettion gedacht war, sondern das die 5 Bunkte ihren Abschluß fanden. Ferner wurde über die Ordonnanzen einen davon getrennt zu behandelnden Fragenfompler bilden der Rheinlandtommiffion verhandelt. Wichtige Ergebnisse wurden follten. Es haben jedoch auch über die in den Rahmen der fünf auf den verschiedenen Gebieten erzielt. Die noch übrig bleibenden Bunkte fallenden Fragen schon im Laufe der Generalinspektion Punkte bleiben den Verhandlungen von Regierung zu Regierung Besprechungen und Verhandlungen stattgefunden, die zum Teil noch vorbehalten. im vollen Gange sind. Ein nicht geringer Teil der hierher gehörigen Forderungen ist bereits erfüllt. Als völlig aus der Luft gegriffen muß schließlich die Behauptung bezeichnet werden, daß feit 1923 eine Bermeh. Nach der bayerischen Amnestie. Fechenbach kämpft um sein Recht. München, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Hitler und Kriebel sowie die vom Gnadenaft der bayerischen Regierung betroffenen politischen Gefangenen von links wurden bereits im Laufe des Samstags in Freiheit gefeßt. Fechenbach, der sich förperlich und geistig in guter Fassung erhalten fonnte, begab sich sofort zu seinen Eltern nach Würzburg. Auch die übrigen freigelassenen Gefangenen erfreuen sich guter Gesundheit, mit Ausnahme Müh= sams, der schon seit langem von einem schmerzlichen Ohrenleiden heimgesucht ist, und Lembles, der sich geistig und körperlich in einem außerordentlich bedenklichen Zustand befinden soll, so daß sich die Zuchthausverwaltung überlegte, wie ihm von der Begnadigung ohne Gefahr einer Rüdwirkung auf seinen seelischen Zustand mit teilung zu machen war. Der freigelassene Hitler wurde am Samstag vormittag zusammen mit Kriebel von ihren Freunden in Landsberg im Auto abgeholt. Sie trafen in den Nachmittagsstunden in München ein. Jede Empfangsfeierlichkeit hatten sie sich verbeten. Hitler begab sich fofort in die Billa Ludendorffs. Seinen ursprünglichen Plan, in die Schweiz zu reisen, gab er auf, um jeden Verdacht irgendwelcher Zusammenhänge mit Schweizer Kreisen zu vermeiden. Nach Mitteilung des Bölkischen Kurier" wird sich Hitler in der nächsten Zeit von der Politik fernhalten. Die bürgerliche öffentliche Meinung Bayerns erflärt sich im allgemeinen mit dem Gnadenaft der Regierung einverstanden, tritifiert lediglich, daß man ihn zeitlich zusammengelegt hat mit der vom Obersten Landesgericht angeordneten Freilassung Hitlers. Außerordentlich befriedigt zeigt sich die bürgerliche Presse über die mit der Begnadigung verbundene Feststellung, daß die Schuld Fechenbachs, Lembles und Gargas einwandfrei feststehe. Jedem, der den Prozeß seinerzeit mitgemacht oder feinen Gang aufmerksam verfolgt hat, muß die Gleichstellung dieser drei Verurteilten in einem einheitlichen Straffompler als eine Ungeheuerlichkeit erscheinen. In der Begründung des Urteils ist aus drücklich gesagt, daß die schwere Zuchthausstrafe Fechenbachs zurüd zuführen ist auf das bekannte Ritter Telegramm. da er in den Bargas- Prozeß nur unwesentlich verwidelt war. Nach Ansicht des Aus Anlaß der Beendigung der Arbeiten der deutschen Abordnung haben der Reichspräsident und der Reichskanzler an den Leiter der deutschen Berhandlungen, Landeshauptmann Dr. Horion, Danfschreiben gerichtet. Berteidigers Fechenbachs, Rechtsanwalt Dr. Hirschberg, wird die Rechtslage im Falle Fechenbach durch den Begnadigungsatt felbstverständ'ich in keiner Weise berührt. Dr. Hirschberg wird so fort auf eine Wieder aufnahme des Verfahrens drängen, sobald der Reichstag ein Gesetz über die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Verfahrens an den bayerischen Volksgerichten angenommen hat. Vor italienischen Neuwahlen. Aenderung des Wahlgesetes. Rom, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Mussolini hat in folge der wachsenden Opposition im Barlamente einen Gefeßentwurf zur Abänderung des italienischen Wahlrechts vorgelegt. Worin die Abänderungsvorschläge bestehen, ist zurzeit noch nicht bekannt. Mussolini hat angekündigt. daß die Rammer beim Zusammentritt am 3. Januar die Besprechung der Wahlrechtsvorlage beginnen könne. Rom, 20. Dezember.( Stefani.) In den Wandelgängen wird versichert, daß es sich um eine Rückkehr zum System des Einmannwahlkreises handle. Die unerwartete Maßnahme wird als ein Mittel gedeutet, um verfaffungsmäßig aus den Schwierigkeiten der parlamentarischen Lage herauszukommen. Rom, 20. Dezember.( EP.) Der Entschluß Mussolinis zur Vornahme von Neuwahlen ist vorher von allen Ministern gebilligt worden, die sich dem Ministerpräsidenten gegenüber eid11ch verpflichtet haben, nichts davon verlauten zu lassen. Allgemein erwartet man die Neuwahlen für das Frühjahr. Die 3ahl der Abgeordneten wird von 535 auf 560 erhöht. " Lockspizzeltreiben. #T Rom, 20. Dezember.( Eca.) Giornale d'Italia"," Avanti" und Popolo" warnen die Bevölkerung vor den Umtrieben angeb= licher Anarchisten, die auf verschiedene Weise Unruhe zu stiffen versuchten. So versende auch ein anonymes Attionsfomitee für die Freiheit", dessen Siz nicht zu erkunden sei, blutrünftige Aufrufe.„ Giornale d'Italia" erklärt, man wisse nur zu genau, daß diese gingen, die als Agents provocateurs jene tommuni. Unternehmungen van den faschistischen Extremisten ausstische Gefahr fonstruieren sollen, die Mussolini bisher als theo. retische Ausrede benüßt hätte. wird. Ihre Sehnsucht steht nach dem Diktator, der ihnen die Sorge des Mitregierens abnimmt, so etwa, wie es Wilhelm II. mit dem bekannten Erfolg getan hat. stellt, die Autorität hat und haben will, dann werden Wird wieder eine Regierung auf die Beine ge diese Leutchen im Grunde ihres fleinen Spießbürgerherzens zufrieden sein. Sie werden es auch dann sein, wenn die neue Regierung entschieden republikanisch sein und die bisherige Außenpolitit weiter fortsetzen wird. Dringt bei den drei Parteien der Mitte und der Linken, die feinen Bürgerbiod wollen und die zusammen stärker sind als die Rechtsparteien, die Erkenntnis durch, daß eine Regierung tag stellen muß, dann ist ein guter Anfang gemacht, dem auch auf solcher Grundlage gebildet werden und sich dem Reichsein gutes Ende der Krise folgen wird. Krise in Ferien gegangen ist, so ist der gegenwärtige Zustand Mag sich nun auch der Spießer darüber freuen, daß die für den politisch denkenden Staatsbürger feineswegs beruhi gend. Wir haben eine in Demission befindliche, innerlich auseinanderstrebende oder eigentlich schon auseinandergefallene herige von der Sozialdemokratie geftüßte Außenpolitik fort Reichsregierung, wir haben einen Reichskanzler, der die bisführen will, und einen Außenminister dazu, der zwar mit feinem Körper noch in der Regierung der Mitte sitzt, sich im Gefft aber schon der erstrebten Bürgerblodregierung verbunden fühlt. Es ist schwer, sich vorzustellen, daß ein so ge artetes Rabinett überhaupt noch eine flare außenpolitische Linie einzuhalten imitande ist. Dabei drängt die Räu mungsfrage zu Entscheidungen. ** Die Sozialdemokratie steht auf dem grundsätzlichen Standpunkt, daß die militärische Befegung an sich schon eine Gefahr für den Frieden und eine Kulturschande ist. Sie ist aber auch eine Sinnlosigkeit. Als Druckmittel zur Ergime des Dawes- Planes kaum noch in Betracht. Eine milizielung von Reparationszahlungen tommt sie unter dem Res tärische Sicherung für Frankreich könnte sie aber nur dann darstellen, wenn sie verewigt würde, dann wäre fe aber auch eine ewige Kriegsgefahr. Einem fultivierten Bolk ist nicht zuzumuten, daß es eine fremdsprachige und fremdstaatliche, zum Teil sogar aus Angehörigen schwarzer und brauner Raffen bestehende Besagung auf die Dauer erträgt, ohne sich gereizt und in seinen Staatsbürgerrechten gefränft zu fühlen. Dabei bildet die Abgrenzung der Befugnisse zwischen den einheimischen und den Besagungsbehörden einen dauernden Konfliktherd. Jeder Freund des Friedens und der franzö fisch deutschen Verständigung, die kommen muß, wenn Europa nicht zugrundegehen will, sehnt den Tag herbei, an dem der letzte fremde Soldat den deutschen Boden verläßt. Für diese Auffassung und für den Wunsch nach einer möglichst beschleunigten Räumung des ganzen besetzten Gebiets wirkt die Sozialdemokratie seit Friedensschluß überall, wohin ihre Stimme reicht. Sie hat überall bei Sozialisten und aufrichtigen Friedensfreunden Verständnis gefunden. Politik beschränkt, der Weg zur Freiheit dornenreich und weit. Leider aber ist der Einfluß der Sozialisten auf die europäische Käme es in der Politik nur darauf an, Grundsätze zu perireten und auf ihre Verlegung mit Protesten zu reagieren, so stünde es mit der Räumungsfrage ungeheuer einfach. Im Grundsätzlichen geht die Sozialdemokratie weiter als die anderen Parteien, denn wenn diese auf Grund des Friedensvertrages die Räumung der ersten, der Kölner Zone, fordern, fordert die Sozialdemokratie auf Grund demokratischer Rechtsprinzipien die Räumung des ganzen besetzten Gebietes. In der Politik tommt es aber nicht nur darauf an, was man grundsäglich vertritt, sondern auch darauf, was man praktisch erreicht. Räumungsfrage als zweideutig und unaufrichtig erscheint. Es ist richtig, daß die englische Politik in der Tatsächlich will die konservative englische Regierung für Gegenleistungen auf anderem Gebiet der franzöfifchen gefällig I sein und ihr aus einer Berlegenheit heraushelfen. Diese Ber legenheit besteht darin, daß der Termin für die Besetzung des Ruhrgebiets am 15. Auguft, der für die Besetzung der Kölner Bone schon am 10. Januar abläuft, mit der Räumung der Kölner Zone aber auch eine weitere Besegung des Ruhrgebiets unmöglich wird. Um nun die Räumung von Köln hinauszuziehen, der schanzt sich die englische Politik hinter formaljuristische Deduktionen und behauptet, daß Deutschland kein Recht auf, Räumung habe, da die Bedingungen des Friedensvertrages, namentlich in bezug auf die Abrüstung, nicht voll erfüllt seien. Das ist ein sehr gefährliches Zugeständnis nicht an Herriot, sondern an Poincaré und dessen These, daß die Fristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen hätten. Herriot aber tommt in eine schwierige Lage, weil er sich nicht dem Vorwurf ausfeßen fann, er sei um die militärische Sicherheit Frant reichs weniger besorgt als die englische Regierung! Ganz anders stünde die Angelegenheit, wenn es noch gelänge, die englische Regierung auf den Standpunft zu brin gen, daß Deutschland ein Recht auf fristgerechte Räumung der Kölner Zone habe, daß aber aus prattischen Gründen eine Verlängerung der Besetzung um wenige Monate bei gleichzeitiger Abkürzung der Ruhrbesetzung zugestanden werden solle. Ein Ausgleich in diesem Sinne wäre rechverstandene nationale Realpolitik".. Es nüht einem Bolt nichts, wenn seine Regierung recht hat, fie muß auch recht betommen. Daß die Entwaffnung Deutschlands im ganzen durchgeführt ist, daß Deutschland heute verhältnismäßig waffenlos schwer bewaffneten Gegnern gegenübersteht und nicht daran denken tann, Krieg zu führen, das fann niemand leugnen, der es mit der Wahrheit ernst nimmt. Eine andere Frage ist, ob nicht eine überpeinliche Untersuchung, die in allen Einzelheiten herumstochert, irgendwelche ihr wund scheinende Punkte herausfinden tann. Nichts wäre ungefchickter, als den diplomatischen Gegner in eine Stellung hineinzumanövrieren, in der er ein Interesse daran hätte, Deutschland irgendwelche Berfahlungen gegen den Friedensvertrag nachzuweisen. Denn bei der ungeheuren Reichhaltigkeit des Vertrags an schwer oder gar unmöglich zu erfüllenden Bestimmungen man dente zum Beispiel an die Auslieferung der sogenannten Kriegsschuldigen!-wird es jedem gegnerischen Winkeladvokaten und Paragraphenreiter ein leichtes sein, deutsche Berfehlungen" nachzuweisen. " Nimmt man dazu, daß die nationalistische Propaganda in Frankreich hartnäckig den Glauben an die deutsche Rriegsgefahr aufrechterhält und sie dafür von ihren Deutschen Gesinnungsgenossen mit jedem gewünschten Material beliefert wird, so wird man einsehen, daß in der Räumungsfrage Gefahren drohen, die nur durch eine kluge und besonnene, auch außerhalb Deutschlands moralische Bundesgenossen werbende Politik beseitigt werden können. * Bürgerblodpolitif bedeutet Stärtung aller Kräfte auf der anderen Seite, die mit Hinweisen auf die angebliche deutsche Kriegsgefahr, mit Berufung auf das Buchstabenrecht von Bersailles und mit der Behauptung, Deutschland führe die Abrüftung nicht loyal durch, die Räumung des besetzten Gebiets solange wie möglich hinauszögern wollen Macht mittel zur Durchfegung seines Anspruchs auf Räumung befit Deutschland nicht. Es hat feine andere Waffe als die des Rechts, und auch dieses Recht muß in höherem Sinn als in dem der Buchstabengerechtigkeit aufgefaßt werden, im Sinn eines demokratischen Bölferrechts urb im Sinn des Rechtes ganz Europas, endlich einmal mieder zu normalen Friedenszuständen zurückzufehren. Die Bevölkerung des besetzten Gebiets hat durch ihr Urteil Dom 7. Dezember gezeigt, daß sie die bisherige Außenpolitit des Kabinetts Marr billigt, und daß sie feine Sehnsucht hat nach Konflikten, die auf ihrem Rüden ausgetragen werden. Der„ Glaskasten". Bon Albert 8immer. Der Glastoften hat nichts gemein mit einer Filmfabrit, einer Rafeglocke oder einem Aquarium. Er ist eine Errungenschaft moderen Bant- und Bureaubetriebes. Noch vor wenigen Jahren tannten ihn die meisten nicht. Mit der Inflation, die so manches Angenehme oder auch Unangenehme heraufbeschmor, wurde der Glastasten fozu Sagen populär. Heute habe ich ein flares Urteil, denn die so oft ge forberte Distanz zum behandelnden Objekt wird mir kein Mensch abftretten. 3r Sache affo: Stellen Sie sich einen großen Bureauraum vor, in dem Stuhl an Stuhl bis zu sechzig oder humbert Federhalterbewaffnete wie Heringe zusammensitzen. Ununterbrochen flingeln Telephone, schimpfen sich Angestellte, Nappern Schreibmaschinen. Waren Sie einmal in solch einem Bureau tätig, so wiffen Sie, daß da. Schlachten geschlagen werben. Stühle werden umgeworfen, Intrigen ballen sich über den Bulten zusammen und plagen wie Granaten ausein. ander, Bapierfügelchen und andere Dinge faufen durch die Luft, und Debatten politischen oder religiösen Inhalts werden mit der gleichen Heftigkeit ausgefochten wie in den Parlamentsfizungen. Kurz: wenn gute Reben... na, und die unausrottbaren Wihe, das ewige Richern, der Geruch vieler Menschen. Das ging so viele Jahre lang. Bis auf einmal die Frage atut ward: Wie verschaffe ich mir, Borsteher von Angestellten in Rompagnieſtärke, unbedingte Ruhe und Konzentration zum Denten, und mie tann ich dabei meine Leute überwachen, wie feststellen, wer midyts arbeitet oder gar sabotiert? Das war die äußere Formu tierung der brennenden Frage. Unter uns gefagt, man hätte in Deutschland ganz gerne wieder die Einführung der Treffen, Rotar den und des militärischen Grußes. Da das aber nicht anging, fo wollte man eben andere Zeichen äußerer Macht, aber der Wahr der Wahr heit die Ehre es ging um die Konzentration. Das war ein Problem, so wichtig wie die Stabilisierung der deutschen Währung und an diesem Problem zerbrachen sich viele die Röpfe. Die Bevollmächtigten und Kontrollbeamten, die als Planeten der Abteilungsleiter selbstverständlich auch nach Treffen Planeten der Abteilungsleiter selbstverständlich auch nach Tressen und Ronzentration riefen, unterbreiteten unzählige Borschläge. Man bielt geheime Direktionssigungen ab und bekam dabei dice, rote Köpfe. Die Herren Direktoren befürchteten Prestigeverluste, während bie Abteilungsleiter einschließlich der Planeten die Hände reckten Rach einem sichtbaren Forum. Unter den Angestellten zirkulierten Bamphlete. Die eine Bartei erfreute sich ob des ergöglichen Streites zwischen Oben und Nichtganzoben, während die andere es nicht ab. warten fonnte, Wize höherer Gattung endlich laut erzählen zu dürfen. Und ganz schlaue Köpfe fuchten sich bereits Plätze, die Deckung gaben. Bis eines Tages Schreiner, Schlosser und Glaser Maß nahmen, fich leise berieten und wie Kobolde weggingen. Am Montag drauf ! Sie hat Leiden genug getragen und Dpfer genug gebracht, um, verlangen zu dürfen, daß man in Berlin ihre Stimme nicht in den Wind schlage. Die Bevölkerung des besetzten Gebiets hat gar nichts Don einer Politit, die nichts anderes tann, als gegen die Fortdauer der Befeßung protestieren, fie will eine Bolitik, die das Ziel der Befreiung so rasch wie möglich er reicht. Helfe, was helfen mag! Das System der Lüge. Bon einem Leser wird uns geschrieben: Die Deutsche Tageszeitung" brachte in threr Nr. 588 auf Seite 2 den Berhandlungsbericht aus Magdeburg und auf Seite 1 einen eigenen Drahtbericht" des W.- S.- Sonderberichterstatters". Zufällig tam mir die„ Deutsche Tageszeitung" in die Hände und mein Blid fiel zuerst auf folgende Worte mitten im Berhandlungs. bericht: " Darauf wurde der General der Artillerie von Stein, der ehe malige Kriegsminister, vernommen. Vorf: Die Berteidigung behauptet, daß die SPD. feit 1916 zielbewußt die Maßnahmen der Landesverteidigung durchkreuzt habe. Zeuge: Darüber tann ich nichts lagen." Ganz dasselbe hatte ich furz vorher im Borwärts" gelesen. Es schien mir also, als ob in diesem Falle mal die„ Deutsche Tages. zeitung" bei der Wahrheit geblieben wäre. Da sah ich auf Gette 1 ben„ Elgenen Bericht mit dem vielversprechenden Anfang: Was ist geschichtliche Wahrheit, und wie fann geschichtliche Wahrheit durch ein gerichtliches Verfahren erwiesen werden?" Die Frage ließ eine Lügensammlung erwarten, aber 28. 6." übertrifft viele feinesgleichen. Er drahtet. „ Taffachen, an denen sich nicht rütteln läßt, fehen fo feft in unfer aller Erinnerung, daß es niemand im Traume einfiel, an ihnen zu zweifeln; fo diejenigen Ereignisse, die heute als Zeuge der ehemalige Kriegsminister Erz. von Stein unter seinem Gide befundet: daß die fcheidenden Jahre, alle Maßnahmen der Landesverteidigung durchSozialdemokratie während des Krieges, und zwar während der entfreuzt habe." Diefelbe„ Deutsche Tageszeitung" bringt diese fauftdicke Lüge auf Seite 1, obwohl auf ihrer Seite 2 die Wahrheit sieht. In einer späteren Nummer derfelben Deutschen Tageszeitung" leiftet sich ein Romifer einen Wig in Anführungszeichen. Er erzählt: Beim Magdeburger Ebert- Prozeß hörte man von einem Zeu gen den Ausfpruch: Er war als großer Politiker bekannt, bei bem jedes dritte Wort gelogen ist. Der Mann, der dieses gelassen aussprach, war ein Sozialbemotrat, moraus man ersehen kann, was für Ansichten über Politiker aus der Lektüre des Borwärts" großgezogen werden. Auch das ist fauftbid geschwindelt. Der Zeuge Wladislaus Orgel, der hier gemeint ist und der über den fauberen deutschnatio. nalen Zeugen Syrig das Urteil sprach, hat ausdrüdlich befunbet, daß er feiner Partei angehöre, auch bei dem Januarstreit nicht mitmachte und dafür mit Streifbrecher" tituliert wurde. Wladis. laus Orgel, der seinen Gid fo heilig nimmt, als wenn er vor dem Beichtvater stände", wird zur höheren Ehre der Deutschnationalen in Beichtvater stände, wird zur höheren Ehre der Deutschnationalen in einen Sozialdemofraten umgelogen. Er fönnte fich das verbitten, wenn es nicht gerade in der Deutschen Tageszeitung" stünde! Schwarz- Weiß- Rot/ Schwarz- Rot- Gold. Wolfsentscheid beantragt. C Die Reichstagsfraktion der Bolfspartel hot befchloffen, ihren Antrag auf Ersetzung der schwarzrotgoldenen Reichsfarben durch bie fchwarzweißroten wieder einzubringen. Da der Antrag Zwei drittelmehrheit braucht, die natürlich nicht aufzubringen ist fogar bie einfache fehlt ist er eine leere Demonstration, Stresemann wird aber noch übertrumpft durch die Fraktion Halb und Halb, die auch einmal Fraktion Ganz fein will. Sie hat be fchloffen, die Wiedereinführung von Schwarz- Weiß- Rot durch Volksentfcheid zu versuchen, da sie sicher weiß, daß sie im Reidystag teine verfaffungsändernde Mehrheit findet. gab es große Ueberraschung. Siehe da, das Rätsel war gelöst. Der Glastasten war auferstanden! Ein improvisierter fleiner Raum in der Ede des großen Bureauraumes mit vielen dünnen Holz faß der Abteilungsleiter samt Stab, grüßte höflich und grinste bosstäbchen, fleinen Fensterglasscheiben, drei Meter Höhe, und drinnen haft. Ein Bluff für die Unteren denn der Glasfaften, irgendeiner fand die originelle Bezeichnung, hatte fein Dach. Man konnte drinnen hören, was draußen gesprochen wurde und umgefehrt. Das alte Lied also. Ein Schiebefenster wurde auf und zugeflappt, Kommandoftimmen ertönten, und Verweise wegen zu lauten Sprechens gab es nach wie vor. Die auf dem kleinen Forum hatten ihr Preftige und eine angedeutete folierung und fanden ebenso wenig Konzentration wie früher. Der Betrieb ging in alten Gleifen lich. Schade, daß ihn unser Heine nicht befingen tann. Quin weiter. Der Glasfasten behauptete sich aber und wurde volkstüm teffenz: Rompromiß von innen und außen. So ist das Leben. Der billige Jakob" in Nord und Süd. Der Straßenhandel feiert feßt seine Blütezeit, und überall in großen ungeheuren Aufwand von Beredfamkeit das Publikum zum Kaufen und feinen Städten stehen die Händler an den Eden, um mit einem ihrer Herrlichkeiten zu veranlassen. In diesen Anpreisungen lebi noch heute der unverfälschte Boltshumor, und deshalb hat auch Wilhelm Fraenger in feine foeben im Verlag von R Pieper und Co. in München erscheinende Sammlung„ Deutscher Humor" einige Proben dieser Straßenberedsamkeit aufgenommen. In den zwei Bänden erhalten wir einen erschöpfenden Ueberb'id über jene Kraft des Lachens und der Komit, wie sie sich von Hans Sachs und Fischart bis zu Morgenstern und Scheerbart offenbart. Sehr anschaulich tommt der Unterschied des Humors, wie er sich im Norden und Gliden offenbart, in diesen Redeleistungen zum Ausdrud. So hat E. Galli foigende Ansproche eines Berliner Straßenhändlers auf gezeichnet: 3wanzig Fennje die elefante Brieftasche! Jeder Käufer gezeichnet: wanzig Fennje die elefante Brieftasche! Jeder Käufer erhält eine zweite ertra! Zehn Fennie das Portmonnee mit Hed. jrefchen! Fünfundfumßig des mechanische Jelejenheitsforsett mit Rüschenjarnierung: Meine Herrschaften, schlafen Se bei hellichten Rüschenjarnierung: Meine Herrschaften, schlafen Se bei hellichten Doge cder is Ihnen sonst wat in's Doge geflogen, det Se nich die Einsicht haben, sich furz zu entschließen? Na mir kann det ja recht sind, wenn id von die hochfeine Ware wat übrig behalte vor das Hier hochfeine Spazierstöde, schwarz Ebendholz mit Silbertandierung! Bier Mart das Stüd drei Mart na, ich affe fe heite zu eine Mart. Eine bochnoble Bare! Seh'n Se sich die Stöde an! Anjeh'n, meine Herrschaften bloß anfeh'n, wom ich bitten darf nich an't Silber polten! Echtes Silber verträgt das nich. Wie fann man fich man bloß' n Stod, der mir fefber' ne Mart loft, por fumsig Fennje fo lange befeh'n? Sofften jejenwärtige Damen sein, die bei Herrschaft männlicher Kinder ton ditionieren, denn bitte ich meine Ertrafonfeftion in Kinderspaziers stöcken zu befichtijen zehn Fennje das Stück hierher gejeh'n, meine herrschaften! Hier verkauf ich das froße universelle Rüder meffer! Es fchält Kartoffeln, hadt Holz, tißelt Hälfe ab. Ber wechseln Sie meine Ware nich mit die von drüben an die befannte wirklich noble Bublikum Der Bollsentscheid ist zwar ein sehr teueres Unternehmen, aber da die Deutschnationalen ja, wie sich in allen Steuerfragen erweist, nicht genug Geld ausgeben können, so werden sie diefes Opfer sehr gern bringen. Sie sind sich auch klar darüber, daß, wenn das Er. periment für sie mißlingt, eine Wiederholung des Spiels nicht er. folgen darf. Die Folgen kommunistischer Radautaktik. Köln, 20 Dezember.( Gigener Drahtbericht.) Die Kölner Stadtverordneten, die erst vor wenigen Wochen durch die standalösen Auftritte der Kommunisten gezwungen waren, ihre Geschäftsordnung erheblich zu verschärfen, haben dieser Tage erneut zu einer Verschärfung der Geschäftsordnung Stellung genommen, die gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten Annahme fand. Die neuen Bestimmungen, die nach der Auffassung der Verwaltung den Zwed haben sollen, das Plenum arbeitsfähiger zu machen, sehen vor allem eine Be. schränkung der Redezeit auf zehn Minuten vor. Nur bei wichtiger. Borlagen sollen Ausnahmen gemacht werden. Auch förnea namentliche Abstimmungen nicht mehr wie bisher von 15 Mitgliedern des Hauses, sondern nur von einem Drittel der gesamten Stadtverordneten beantragt werden. Endlich sind auch die Bestimmungen über den Ausschluß von Stadtverordneten erheblich verschärft worden. Wie Wilhelm darbt. Nur das Leben einer vornehmen Gutsherrschaft! In der konservativ- deutschnationalen Kreuz- Zeitung" fand sich fürzlich eine Schilderung des Lebens der Familie Wilhelms des Betten in Dorn. Darin heißt es: Wie jeder Unterrichtete weiß, entspricht der Lebenszuschnitt der beiden Majestäten in Haus Doorn der Haushaltung einer vornehmen Gutsherrschaft; das Personal ist auf das äußerste einge schränkt. Die Mittel zur Unterhaltung des Doorner Besitztums und Bestreitung des Haushalts müssen zurzeit vollkommen aus den von der preußischen Regierung feinerzeit überwiesenen Geldern entnommen werden und reichen die Zinjen trop fparfamster Birt fchaft und dauernder Einschränkung nicht annähernd zur Deckung der laufenden Ausgaben aus, da das aus Deutschland herüber. gekommene Geld zu einem sehr beträchtlichen Teil der Inflation verfallen ist, so daß jährlich auf das Kapital zurüdgegriffen werden muß. Wie bekannt, ist das ganze übrige Bermögen des Kaifers und der königlichen Familie noch immer von dem preußischen Staat beschlagnahmt. Das Finanzministerium zahlt aus den Erträgen nur einen monatlichen Pauschbetrag von 50 000 m., der bei der großen Zahl der unterhaltungsberechtigten Mitglieder des Königlichen Haufes( über 40 Personen) nur knapp genügt, um den notwendigsten Aufwendungen für Lebensunterhalt, Wohnung, Perfonal, Verwaltungstoften, Steuern, Gerichtstoften usw. gerecht zu werden. Auch der Besitz der Kaiserin in Deutschland ist nichtjo bedeutend, um unter den jetzt bestehenden Steuerverhältnissen über die Bedürfnisse ihrer fünfköpfigen Fa milie hinaus nennenswerte Erträge abzuwerfen. Diese ganze Schilderung von dem„ färglichen Leben einer vor. nehmen Gutsherrschaft" geschieht nur zu dem Zwecke, um persichern zu können, daß Wilhelm teine Weihnachtsspenden nach Deutschland schicken tann. Sehr gut! Aber sonft ist die Darstellung sehr einfeltig und darum falsch. Denn erftens hat Wilhelm von Preußen die Mittel betommen, um sich die Gutsherrschaft Doorn zu laufen. Zweitens hat der preußische Staat ihm aus beschlagnehmten Beständen über. reichlich die Einrichtung dazu an Möbeln, Silbergeschirr und so weiter geliefert. Drittens erhielt der Extronpring, der mit seinen Kindern doch mohl auch zu ben 40 Personen gehört, die Herrschaft Dets ausgeliefert, die nicht weniger als 14 große Güter mit Verwerten und Förstereien umfaßt. Beiter haben Mitglieder der Familie Hohenzollern auf dem Prozeßwege ganze Herrschaften" sich aus. liefern laffen. Und zu allem zahlt der preußische Staat monat. lich( 1) bie runde Summe von 50 000 m., fo daß auf jeden Zollernfproß jetzt schon ohne die Erträgnisse der Güter mehr als 1000 Mart für den Monat kommen. Etwa zehn Arbeiterfamilien mit rund 50 Personen in Deutschland müssen sich mit monatlich 1000 m. durchschlagen. Die | Schwindelede, wo der Brüllfönig feinen Schund auspofaunt; da wern Se weiter nicht sie beschupft. Früher war ich auch in sonne Befchäfte; aber wo ich mir selbständig jemacht habe, nu fann mir nichts mehr hindern, neine Ware halb zu verschenken. Hier: vierzig Fernje der unverwüstliche Summiträger! Wer'n mir verwüstel letztes Wort, un des bleibt so sicher wie's Amen in de Kirche." wiederbringt, den fef ist noch hundert Mark drauf. Un des is mein Queri befouscht:" Für so einen Hosenttäger Einen bayerischen billigen Jatob" hat einmal Georg fann ma bis Paris hinteri ziahgn für den tat an anderer fünf ( chaugts'n oh: den qucfti- Gummielastie, wo das Patent allas 20 000 m. gekostet hat. Mart verlänga. Dees is der berühmte Patenthofenträger Schefti An dem hat sich in München amal a Bädermeister, der fünfstödiger Hausbefizer war, aufgehängt, und es hat dem Hosenträger nir eil er nia oans hat- fo fare er die Kuah an diesem Schaftiquafti. gmacht. Und wenn a Bauer a Kuah tauft und hat foon Strid bei eahm er fonn dea Ruah doch net am Schneiztüacht hoamführn, Gummielafti Patenthofenträger hoamführn. Nur eine Mart dieser Hosenträger! Raffts, ös Bicheertn, es is nimmer Mode, daß ma d' Hein an an Spagat dhnürl tragt. So a Hofnträger ist besser, als menn oaner fei Hofn an vier guat versilberte Beißganga härea bat! Halt nicht awei Mart, nicht eine Mart, der toftet bloß fufaig Pfennig da schaugt mein Geldbeutel an: der fostet nicht drei Mart, und is ein Schloß dran, das nicht einmal ein Schlosser aufmad en fann, und das Geld drin ist so sicher, daß's nicht einmal ein Böhm weinsleder, nicht aus Rubleder, der ist aus 90jährigem Schw eger. ftehlen tann. Dieser Geldbeutel ist nicht aus Ochinleder, nicht aus mutterleber. In diesem Geldbeutel ist ein Patentzinszahler, der cuer Ged in jeder Woch verdoppelt und verdreifacht. Und alles um cin Fufzgerl!" -WO des Lustspielhauses fonnte ich der neuen Direktion Saltenburg Ein Schwant nach berühmtem Schema. Bei der letzten Bremiere seit Jahren angesammelt hatte, tatkräftig zu entfernen versuchte. das Kompliment machen, daß sie den Staub, der sich auf dieser Bühne heute muß ich die bedauerliche Feststellung machen, daß sie drauf und dran ist, diesen Staub mit vollen Händen wieder hineinzufegen. Den gestern uraufgeführten Schwant, Der wahre Jakob" haben die beiden Herren Franz Arnold und Ernst Bach als Autoren auf dem Gewissen. Man sollte nach der Anzahl ihrer bisher verfaßten Werte meinen, sie hätten inzwischen etwas hinzugelernt. Sonder. barerweise befizen fie aber nur die Fertigkeit, ein einmal festgelegtes Schema in unwesentlichen Bunkten zu variieren. Man sollte es nicht für möglich halten:" Der wahre Jakob" ist tatsächlich der sehr ehren werte Borítand des Sittlichkeitsvereins einer Provinzstadt, der, nach Berlin losgelaffen, im Sündenbabel einmal den verfluchten Kerl fpielen will und dabei fürchterlich hineinfällt. Er beginnt ein Techbel medytel mit einer Varietétänzerin, die aber Gott, melch origineller Zufall die ihm unbekannte Tochter feiner Frau aus erster Ehe ist. Die Bühnenfiguren fallen von einem Erstaunen über die sich häufen. den Berwechslungen ins andere, nur die Zuschauer nicht, die von Anfang an ahnen, welche neuen Zufälle das Schicksal ihnen bestimmt hat. Den wahren Jakob spielte mit Hingabe der Freund der alten Berliner, Guido Thielscher, Beifall umtofte ihn bereiis, als er die Bühne betrat. Thielscher ist der alte geblieben Er trubelt mit erstaunlicher Behendigkeit auf der Bühne umher, zappelf mit Armen Hohenzollern aber, die jeder im Monat soviel an Bargeld bekommen wie zehn fünftöpfige Arbeiterfamilien, daneben aber noch die großen Einkünfte aus den ihnen überwiesenen Liegenschaften, Blagen Stein und Bein, weil sie nur das fümmerliche Leben einer vornehmen Gutsherrschaft führen können. Die preußischen Wahlen. Das endgültige Ergebnis. Die endgültigen Wahlergebnisse verändern zahlenmäßig das bisherige Resultat fast kaum. Es haben in Preußen endgültig bgeordnete erhalten: Sozialdemokratische Partel Deutschlands Deutschnationale Bolkspartei Zentrumspartei Liste der Kommunisten Deutsche Volkspartei Nationalsozialistische Freiheitspartei Deutsche Demokratische Partei. Wirtschaftspartei des Deutschen Mittelstandes Deu sch Hannoversche Bartel # Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands Christlichsoziale Bolts gemeinschaft CR 27 | würden, wenn Ebert nicht gewesen wäre. Der Reichspräsident verlange feinen Dant, aber er wolle festgestellt wiffen, daß der gegen ihn erhobene Vorwurf des Landesverrats unrichtig sei. dagegen wandte, daß die Verteidigung die volle Freisprechung be Nach kurzen Erflärungen des R.-A. Heine, der fich nochmals antragt hatte, und des R.-A. Dr. Martin, der abermals versicherte baß weder Pfarrer Roch noch seine Partei hinter dem Angeklagten ständen, erteilte der Borsitzende dem Angeklagten das Schlußwort. Rothardt erklärte aber lediglich:„ Ich habe nichts auszuführen. Ich schließe mich den Ausführungen meiner Verteidiger an und bitte um meine Fre fprechung." tag vormittag 10 Uhr. Ein bestimmter Termin zur Urteils Der Vorsitzende vertagte hierauf die Verhandlung auf Diensverfündung ist nicht angefeht, doch wird das Urteil wahrscheinlich gleich zu Beginn der Verhandlung am Dienstag verkündet werden. Nach Schluß der heutigen Sigung begann die Beratung des Gerichts. legal bestehende kommunistische Gruppe mit fbart national. utrainischem Einschlag. Die Berhaftungen dürften auch auf diese nationalen Gegensäge zwischen Russentum und Utrainertum in politischen Bolizei Boliti bezeichnet die Verhaftungen im Char, den beiden Parteien zurückzuführen sein. Der Chef der ukrainischen tower russischen Parteiorgan der KPU. Kommunist" als im Inter effe des Kampfes gegen die Gegenrevolution gebotene Maßnehmen. Balizki stellt die UKP. als einen Hort gegenrevolutionärer Elemente hin, die zwar die Flagge des Kommunismus führten, lat. sächlich aber eine schroffe Opposition gegen die Sowiet macht und die KPU. bilden und ihrer Gesinnung in Reden und verhaftete Mitglied der UKP. Nettessa in einer Arbeiter. Bühlereien Ausdruck geben. So habe z. B. das iezt ebenfalls persammlung ganz offen gegen die Errichtung eines Lenin. Dentmals gehegt und dabei gefagt. Die Lenin- Denkmäler würden auch einmal in die Luft fliegen", wie die dem Zaren Nikolai errichteten Monumente. Der Sekretär der UKP. Dragomirest wird beschuldigt, mit dem geflüchteten Führer der sowjetfeindlichen Utrainer Betljura politische Verbindung zu unterhalten. Ganz treten des Mitgliedes Delitsch, der wiederholt Erleichterung des Auslandverkehrs. besonders fei ber Geift der URB. deutlich geworden in dem AufFortfall der steuerlichen Unbedenklichkeitserklärung. Mit Rücksicht darauf, daß die bestehende Steuerfluchtgesetzgebung 44 mit dem 81. Dezember 1924 ihr Ende erreicht, hat sich die Reichs. regierung entschloffen, im Interesse der Verkehrsförderung vom 1. Januar 1925 ab bie bieber für die Ausreise aus dem Reichsgebiet erforderliche ft euerliche Unbebentlichkeits. 11 erflärung der Finanzämter fortfallen au laffen. 6 Damit ist die Möglichkeit geschaffen, für Reichsangehörige den deutschen Sichtvermerisawang nunmehr allgemein zu beseitigen und für Nicht Reichsangehörige mit Wohnsis oder bauerndem Aufenthalte im Inlande den Ausreifefichtbermerlegtvang wesentlich abzuschwächen. Eine entsprechende Bekanntmachung des Reichsministers des Innern ist in Vorbereitung. im Stimmen Wahl treis im auf Wahl der ins Preis Lan ver- bes famt band liste 4 575 645 101 8 5 114 4 355 674 98 1 10 109 3 229 740 73 2 6 81 1 767 932 32 8 4 1 797 589 33 7 5 45 454 886 1 5 5 11 1 083 523 15 5 7 . 454 409 5 259 506 67 871 Deutschlands 37 679 Nationale Minderheiten Deutsch. lands 87 891 1 1 2 Deutschsoziale Partei und Reichs. bund für Aufwertung 111 939 Freiwirtschaftsbund FFF.( Freiland- Freigeld 13 523 Deutsche Aufwertungs- und Auf41 280 bau- Partei Partei für Bollswohlfahrt( Mieter. schutz und Bodenrecht). Sonstige Parteien • • 27-582 13 616 16 I Ueberhaupt 18 380 285 361 41 48 450 Die Zusammensetzung der sozialdemokratischen Landtags. fraktion ändert sich infofern, als in Schleswig- Holstein durch Liftenverbindung im Wahlkreisverein der Lehrer Genosse Richert gewählt ist. Dafür scheidet auf der Landesliste Genosse Dr. Silber stein Neukölln aus. % Der Magdeburger Prozeß. Urteilsverkündung am Dienstag. B. S. Magdeburg, 20. Dezember. Nach Ausführungen der beien Verteidiger R.-A. Bindewaldt und Dr. Martin betonte R- 21. Dr. Landsberg nochmals, daß die Sozialdemokratische Partei teine Schuld an dem Munitionsarbeiterstreit gehabt habe. Auch von den Vorbereitungen zu diesem Streit habe der Abgeordnete Ebert nichts gewußt. Alles fei von Richard Müller und seinen Kumpanen in größter Heimlichkeit vorbereitet worden, wie über. wefen feien, von denen man nur wünschen könnte, daß sie ihr Orgaifationstalent in einer für Deutschland förderlichen Sache betätigt hätten. Weiter wandte sich Dr. Landsberg gegen den Ber fuch der Verteidigung des Angeklagten, die ausfage des Reichspräsidenten in 3weifel zu ziehen. Selbst ber erbittertite Gegner Eberts tonne ihm nicht den Vorwurf machen. daß er unglaubwürdig fei. Zum Schluß beschäftigte er sich mit der Behauptung der Berteidigung, daß hinter dem Angeklagten niemand stände. Er verwies dabei darauf, daß der deutsch nationale Pfarrer Roch wiederholt öffentlich in Bersammlungen nach Zeugen für die Treptower Versammlung gefragt und auch nach Sprigs eigener Befundung mit diesem ein Proto toll aufgefeßt habe. Der Parteihaß habe Stoch die Regel vergessen laffen, die man in solchen Fällen zu beobachten habe. Die Bartei bes Pfarrers Koch stehe hinter dem Angetlagten, das bei fäßen in dieser Partei auch Männer, die heute nicht mehr leben und Beinen und glaubt, daß die Mittel der Komit niemals eine Ber. änderung nötig haben. Das ist ein Irrtum. Die Barietétänzerin spielte die reizende Lotte Klinder, die durch ihre natürliche Anmut entzüdte, und Hans Juntermann gab mit gewohnter Birtuesität und trockenem Humor einen favalierhaften alten Schürzenjäger. Der frenetische Beifall bemies, daß das Berliner Publikum zum erheblichen Teil aus Brovinz besteht. Dgr. Eine Reichskunstwoche in Berlin? Die Berthilfe bil. bender Künstler", die feinerzeit aus der Not ber bildenden Stünſtler heraus entstanden ist und die bis auf den heutigen Tag die hebung der wirtschaftlichen Lage der Künstler sich zur Aufgabe gefeßt, hatte zu gestern nachmittag Vertreter der Presse zu einer Konferenz in das Schöneberger Rathaus gelaben. Hier wurde Mits teilung gemacht von den vielen Widerständen, die sich der Veranstal. tung einer Reichskunstwoche in Berlin entgegenstellen, und man wollte durch diese Flucht in die Deffentlichkeit" Propaganda machen für den Plan der Werthilfe. Es wurden in diesem Zusammenhang Borwürfe erhoben gegen Oberbürgermeister Böß, gegen Reichstunstwart Dr. Rebslob, gegen den Deutschen Wertbund und vor allem gegen das Meffeamt, das sich geweigert hat, die Aus tellungshallen am Kaiferdamm für die Reichskunft moche zur Verfügung zu stellen, geweigert hat, auch dann, als bem Meffamt erklärt worden ist, die Werkhilfe werde das ganze Unter nehmen allein finanzieren und dem Messeamt das Bachtgeld. das für die Hallen gefordert werde, bezahlen. Auf Anfrage erfuhr man dann erft, um was es fich bei der Reichstunstwoche, die im September nächsten Jahres ge plant ist, handelt. Es sollen ausgestellt werden: die beste neue deutsche Kunst( mit Einschluß von Desterreich), Kunstgewerbliches, Keramit. Buchausstatung. Notendrude, es sollen ferner die besten deutschen Stück aufgeführt, die besten deutschen Lieder und Opern non deutschen Staatskapellen gespielt werden. Ein Plan also von agantischem Ausmaß, dessen Berwirtl chung taum möglich erscheint, namentlich wenn man an die Rivalität der einzelnen Künstler und Künstlergruppen untereinander denkt. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß das Zustandekommen einer folchen Reichstunstwoche eine laute und beweisträftige Sprache, sprechen würde von dem re chen fünstlerischen und industriellen Leben Deutschlands, und daß die Beranstaltung gleichzeitig pon weittragendster wirtschaftlicher Bedeutung für Deutschland fein würde. Vielleicht lassen sich noch die bis jegt auseinandergehenden Meinungen einzelner Kunstgruppen ausammenschweißen. In erster nie würde aber auch ein großes Kapital zur Bewältigung des Riefenplanes gehören. Man vernahm gestern, daß man mit einem Fiat von 1½ Millionen auszutommen hoffe. Indeffen, Künstler find bekanntlich Optimisten, und leider läßt sich mit Optimismus allein solch ein Riesenwer! nicht inszenieren. R. F. Kleiber bleibt in Berlin. Zu der Berliner Meldung, wonach Beneral musilmeister Kleiber aus Berlin zum Direktor ber Wiener Staatsoper aus. erfeben sei, wird mitgeteilt, daß Serr Stleiber auf eine Einladung des Direttors Schalt in Wien war und ihm erklärte, er fei vorläufig noch ein Sabr an Berlin gebunden und würde die Leitung der Wiener Staatsoper auch nur als alleiniger Direktor übernehmen. Auguftus John, einer der bedeutendsten Maler Englands, ift der Wrbeiterpartei beigetreten. Deutsch- französischer Baumwollstreit. Zwischenfall in den Pariser Verhandlungen. Paris, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In den deutsch franzöfifchen Handelsvertragsverhandlungen, die am Freitag mit Rücksicht auf die Weihnachtsfeiertage bis zum 30. Dezember vertagt worden sind, soll es am Freitag unmittelbar vor Toresschluß zu Scharfen Busammenstößen zwischen den deutschen und französischen Sachverständigen für Baumwollfragen gekommen fein. Da die deutsche Delegation die deutsche Deffentlichkeit geflissentlich in erkenntnis über Berlauf und bisherige Ergebnisse der Berhandlungen halten zu müssen glaubt und den Vertretern der deutschen Presse fcde Information über die tatsächlichen Borgänge verweigert, sehen wir uns zu unserem Bedauern genötigt, die französische Darstellung des Zwischenfalles geben zu müssen. Danach sollen die Vertreter der französischen Baumwollindustrie so außerordentliche Forderungen erhoben haben, daß der Handelsminister Rai naldy sich selbst zu einer Intervention veranlaßt gesehen und die franzöfifchen Industriellen mit den Worten in die Schranken gewiefen haben soll, der 3med ihrer Berufung sei eine Berständt gung, nicht eine polemische Auseinandersehung mit ben deutschen Delegierten. Die beiden Delegationen hätten sich da noch zurückgezogen, und als nach Wiederaufnahme der Sigung die französischen Sachverständigen ihre ermäßigten Forderungen prä fentiert hätten, wäre von den deutschen Delegierten stürmisch Proteft erhoben und schließlich sei die Sigung demonstrativ verlassen werden. Innerhalb der französischen Regierung sei man über diefen Swischenfall aufs peinlichste überrascht, und insbesondere Herriot habe am Freitag abend feiner Mißbilligung fehr scharfen Ausdrud gegeben. Soweit die französische Darstellung. Aus eigener Kenntnis ber Dinge vermögen wir hier lediglich hinzuzufügen, daß die am Frei tag abend erfolgte Abreise der deutschen Delegation mit diefem 3mischenfall nicht im Zusammenhang fteht, wie dies u. a. von der Liberté" behauptet wird. Die furze Unterbrechung der Verhandfungen ist bereits zu Anfang der Woche vereinbart worden. * Paris, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Verhand tungen der deutschen und französischen Schwerindustriellen über die Bildung eines gemeinsamen Trusts sind am Freitag unterbrochen worden. Die deutschen Vertreter haben bereits ihre Rückreise angetreten. Borher hatte der deutsche Schwerindustrielle Thoffen eine Rücksprache mit dem französischen Ministerialdirektor Sendoug, dem bekannten Wirtschaftsfachverständi gen der französischen Regierung. Anfang Januar merden die deutschen Schwerindustriellen voraussichtlich wieder in Paris eintreffen. Die Delegation der Reichsregierung. deren Aufgabe die Borbereitung eines Handelsvertrages in Frankreich ist, wird am 22. Dezember von Paris abreisen und am 29. wieder bort eintreffen. In den bisherigen Besprechungen der deutschen und französischen Delegation, die sich hauptsächlich mit den Zöllen befaßten. wurden bereits vereinzelt Ergebnisse erzielt Bor Weihnachten find jedoch irgendwelche Entscheidungen nicht mehr zu erwarten. Vlamen- Demonstration in Löwen. mit der Bildung einer vierten Internationale gemeinsam mit der Gruppe des aus der Kommunistischen Internationale ausgeschlossenen Schweden Högilund gedroht hätte. Moskauer Industriearbeiter für Trotki. Russische Grenze, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In einer Versammlung Moskauer Industriearbeiter hat der Troßfift 3tonnitow ausgeführt, daß jenseits der russischen Grenzen sich mächtige Freunde unseres Führers Trokki" befinden, welche zahl. reiche wichtige Dokumente veröffentlichen werden, falls es zu einer Ausschaltung Trottis tommen sollte. Wer den Kampf gegen Trotti führe, fönne damit rechnen, selbst aus dem Zentraltomitee entfernt zu werden. Rettungsmanöver der KPF. Paris, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In der natio. nalistischen Bresse ist viel von der kommunistischen Gefahr die Rede. In der Tat wird in den letzten Wochen ein gewiffes Aufleben der tommunistischen Agitation beobachtet; die Rommunistische Partei fucht aus allen Kräften von sich reden zu machen. Nachdem die Affäre Sadoul den Zmed der Aufputschung der Massen verfehlt hat, organisiert man jetzt eine Propa gandawoche angeblich zur Wiederherstellung der gewerkschaf lichen Einheit, in Wahrheit jedoch die Confederation Générale du Travail Einigung hinstellen zu können. Zur Reklame für ihre Versammals Gegner der nationalen und internationalen gewerkschaftlichen lungen hat die Parteileitung angekündigt, daß im Laufe der Manifestation in Bré Saint Gervais auch der Vorsitzende der Amsterdamer Gewertschafts- Internationale, Burcell und Edo Fim. men, der Gefretär der Internationalen Transportarbeiter- Gemerthaben aber bekanntgegeben, daß sie an diefer Versammlung nicht [ chaft, sprechen würden. Sowohl Purcell als auch Edo Fimmen teilnehmen werden und das auch nie beabsichtigt haben. Genosse Frossard, der vor zwei Jahren die Kommunistische Partei verlassen hat, widmet der sogenannten„ fommunist schen Gefahr einen Artikel im Parifien", in dem es u. a. heißt: In den letzten zwei Jahren hat die französische Kommunistische Sie genießt feinen Einfluß außerhalb Paris und einigen Departe Partei zwei Drittel ihrer Mitgliedschaft verloren. ments, wie im Norden, in Elsaß- Lothringen und im Departement Lot- et- Garonne. Die durchgeführte„ Bolidewisierung" der Partel hat ihr zweifelsohne eine Homogenität und eine 2ftionsfähigkeit gegeben, die die Intensivierung der Bropaganda tätigkeit erlaubt. Jedoch sind die Führer der Bartei, belehrt durch die Er fahrungen in Deutschland, in Bulgarien und Estland, klug genug, um nicht den endgültigen Kampf zu unternehmen, forange feine fommunistische Gefahr", aber die Reattion fucht eine es ihnen nicht gelungen ist, die Massen zu erobern". Es erifliert folche zu fabrizieren, um sie für ihre Parteizwede auszubeuten. Prügelei mit Gesang. Immunitätsdebatten im polnischen Sejm. Warschau, 19. Dezember.( DE.) Die Diskussion im Sejm über die gegen die Winderheitenvertreter teils wegen politischer An. fchuldigungen, tells wegen Klagen privater Natur gerichteten Auslieferungsanträge führte zu ungeheuren Standalszenen. als durch die Stimmen der Links- und Mittelparteien mit Einschluß der christlichen Demokraten( Korfantn) die Auslieferung der deut. fchen Abgeordneten Graebe und Pantra( S03.) abgelehnt wurde, erhob die Rechte einen wilden Lärm. Die Aufhebun der Immunität des Kommunisten Lancuzki hatte ein Brügelei mit Bejang ber Internationale und Trommeln auf den Buiten zur Folge, und die Utrainer und Weißruffen traten für ihre Frattions genossen mit dem lauten Abfingen nationaler Lieber ein, ohne jedoch deren Auslieferung hindern zu können. Die jüdisch- nationalen Abgeordneten haben den Sejm verlassen. Albaniens Ruf an den Völkerbund. Südslawien verdächtigt. Genf, 20. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die albanische Regierung hat den Böllerbund gebeten, auf die südslamische Amfterdam, 20. Dezember.( WTB.) Die Blätter bringen aus. Regierung einzuwirken, um die Beendigung der Kämpfe in Nordinbrliche Berichte ihrer belgischen Korrespondenten über eine bla.albanien zu erreichen. Gleichzeitig hat die albanische Regierung an mische studentische Kundgebung, die am Donnerstag alle Großmächte Noten mit der gleichen Bitte gerichtet. Die füdabend in 2öwen zum Brotest gegen die Unterdrückung der voli slawische Regierung hat erst vor einigen Tagen in Rom versichern tischen Freiheit der blämischen Studenten und gegen die Berlaffen, daß sie dem albanischen Aufstand vollkommen fernstehe. Inweifung von fünf Studenten von der Universität wegen ihrer blämischen Gesinnung stattfand. Die Teilnehmer der Kundgebung. etwa 1000, zogen, bon einem großen Teil der Einwohner. fchaft freudig begrüßt, unter Rufen Soch Oranien, nieder mit Belgien, wir fordern politische Freiheit!" burch die Straßen. Die Demonftration entete mit einer Brotestveriamm lung Die Polizei hat stellenweise mit blanter Waffe eingegriffen. KP.- Saargebiet. Hinauswürfe. 160 Die fozialdemokratische Saarbrüdener Boltsstimme" meldet, daß die kommunistischen Landesratsabgg. Reinhard Bud. weiler und Ulrich Ludweiler, der Geschäftsführer BerndtSaarbrücken, der Sekretär Melzer Neunfirchen sowie mehrere Funktionäre aus der Kommunistischen Partei des Saargebiets ausgeschloffen worden, weil sie sich in Oppofition gegen die Unterbezirksleitung des Saargebiets gegen den vor kurzem erfolgten Ausschluß des Gewerkschaftssekretärs Weiß aus der Partei erklärt hatten, Auf Grund diese Beschlusses hat der Genossenschaftsvorfikende und Geschäftsführer Berndt dem Verlag, der Redektion und dem Sekretariat den Stuhl vor die Tür gefeßt und die Räumung des Geschäftes und des Gebäudes gefor ert. Reinhardt hat mit einer Anzahl von 50 Anhängern das Ver. lagsgebäude der Arbeiterzeitung belegt und weigert sich, es zu verlassen. Berhaftungen in der Ukraine. In der Ukrainischen Kommunistischen Partei( UKP.) hat die politische Polizei( Tschefa) der Utraine eine Reihe führender Persönlichteten verhaftet. Die UKP. ist die neben der Rom munistischen Partei der Ukraine( RBU.) Mostauscher Obfervang dessen belegraphiert der albanische Ministerpräsident an die Agenzia Stefani in Rom, daß bei der Wiederbefegung von Kruma, dem Hauptort der Provinz Kossovo, durch die Regierungstruppen 23 Gefangene gemacht wurden, unter diesen befanden sich drei serbische Soldaten. Hakenkreuzlermut. Zwei Wiener Hafentreugler waren vor einiger Zeit vor den Geschworenen angeklagt, den Eisenbahner Ge noffen Still erschossen zu haben; sie wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen und nur wegen Uebertretung des Waffenpatents geringfügig verurteilt. Ein Wiener Blatt besprach das Urteil fo, daß die beiden es verklagten. Nun aber, so die Sache vor den Ge schworenen, wenn auch nur im Breßprozeß, wieder aufgerollt werden follte, unterließen sie die Einreichung der Anklageschrift, so daß der Prozeß eingestellt werden mußte. Langt der Mut zum Mord, so doch nicht zur Verantwortung! Strafverfolgung eines fudetendeutschen Abgeordneten. Bom tschechischen Barlament wurde der deutschnationale Abgeordnete Schollit dem gerichtlichen Verfahren ausgeliefert, weil er im Jahre 1923 eine Bersammlung aufgefordert haben soll für den Fall einer tschechischen Mobilisierung gegen Deutschland nicht gegen die deutschen Brüder zu kämpfen Maroffofonferenz oder nicht? Die Nachrichten, daß man im Busammenhang mit den jüngsten Ereignifien in Marokko die Einwird vom berufung einer internationalen Konferenz plane, Quai d' Driat bahin dementiert, daß eine Marottotonferenz für die nächste Zukunft nicht beabsichtigt sei. Ein neues Buch von O. Hammann: Deutsche Weltpoli. tit 1890-1912( Berlag Reimar. Hobbing, Berlin). wird Ende dieser Woche im Buchhandel erscheinen. Gewerkschaftsbewegung Der 27. Dezember dienstfrei. Das Reichskabinett hat auf eine Eingabe der Beamtenspitzenorganisationen beschlossen, den dritten Weihnachtsfeier tag, den nächsten Sonnabend, dienst frei zu laffen. Die einzelnen Ressorts werden nach der Lage der Geschäfte und Art des Dienstes nähere Entscheidungen treffen. Die Beamten haben damit vier freie Tage hintereinander. Um so stärker macht sich der Geldmangel zum Monatsschluß bemerkbar, dem durch Vorauszahlung eines Teils der Gehälter gesteuert merden müßte. Die kleinen" Beamten mögen sich immerhin damit trösten, daß ihnen von ihrem Gehalt nichts verloren geht. Weit übler find die Arbeiter daran, denen ein Lohnausfall von drei Arbeitstagen in der Weihnachtswoche entsteht, und von einem Arbeitstage in der Neujahrswoche. Die Durchführung des Achtstundentages muß einmal zu einer Reform der Feiertage führen, die heute für viele Arbeiter und Ar. beiterinnen sich in wirtschaftlicher Hinsicht zu Leidenstagen gestalten. Praktische Solidarität. Einen schönen Beweis ihres Gemeinschaftsgefühls mit ihren er. werbslosen Verbandskollegen zeigten gestern die faufmännischen und gewerblichen Angestellten der Firma Gerson. Für 50 Kinder, deren Väter arbeitslose Mitglieder des ZDA., des Verkehrsbundes, des Tapezierer- und des Bekleidungsarbeiterverbandes find, wurde eine Weihnachtsfeier veranstaltet, deren Kosten das Personal ausschließlich durch Sammlungen im engen Kollegentreise auf gebracht hatte. Unter strahlenden Weihnachtsbäumen wurden die Pleinen Gäste und ihre Eltern bewirtet. Dann erzählte unsere alte Genoffin Fahrenwald den blaffen fleinen Proletarierkindern, daß herzliche Kameradschaftlichkeit der Freunde ihrer Bäter dafür gesorgt hat, daß auch für sie ein Bäumchen brennt und daß auch sie am Weihnachtsfeft allerlei schöne, nützliche Sachen geschenkt erhalten. Die Kinder sollten den lieben Spendern auch recht dankbar sein und menn fie später mal selbst im Beruf stehen, es ebenso machen. Wäh rend der Männerchor Friedrichshain Weihnachtslieder jang, nahmen dann die Kleinen ihre Gabenfartons entgegen; oft mußte Bater. und Mutter tragen helfen, so fleißig war der Weihnachtsmann gewesen. Man fonnte wirklich feststellen, daß laufmännische Tüchtigkeit vereint mit guter Kenntnis des proletarischen Lebens einen Gabenreichtum zufammengetragen hatte, der den Spendern alle Ehre und den Be fchentben große Freude machte. Mehrere Kinder dankten mit ges reimten Weihnachtssprüchen; Mufitvorträge und Märchenvorlesungen hielten alle noch einige Zeit beisammen. Folgen der Organisationszersplitterung. Die Berliner Töpfer befaßten sich fürzlich mit dem Verlauf und dem unbefriedigenden Ergebnis der letzten Lohnbewegung der Ofenfeger. In eingehenden Darlegungen wies Remnih nach, daß der ungünstige Tarifabschluß lediglich eine Folge der Zersplitte rung der Berliner Organisation, sei. Als die Unternehmer erst Weiße Zähne erzielen Sie schon durch 1-2 malig. Pugen mit der herrl. erfrischend schmedend. Bahnpaste Chlorodont. Gegen üblen Mundgeruch wird auch mit Erfolg Chlorodont- Mundwasser verwendet. merkten, daß die früher so ftraffe Organisation in Berfin geschwächt ift, zeigte sie bei den Lohnverhandlungen weit weniger Entgegen tommen. Die Forderung von 1,50 M. Stundenlohn tonnte mur durch Kampf erreicht werden. Die Fühlungnahme mit den un organisierten und fonderorganisierten Berufsgenossen tonte den Mangel einer geschlossenen Organisation um so weniger ausgleichen, als die Syndikalisten sich weigerten, in einen Rampf mit einzutreten. Das war erst recht Waffer auf die Mühle der Unternehmer. Der angerufene Schlichtungsausschuß sprach zwar den beteiligten Ausstellung im Gewerkschaftshaus Täglich von 2 bis 8 Uhr Arbeitern eine Lohnerhöhung von etwa 10 Broz zu, allein die Unternehmer lehnten den Schiedsspruch ab und der Schlichter lehnte es ab, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären. So blieb nach Lage der Dinge nichts weiter übrig, als der Lohnkommission freie Hand zu lassen, um überhaupt wieder zu einem tariflichen Zustand Die Bertragszeit bis zum 1. April müsse dazu benutzt werden, die Lücke in der Organisation durch heranziehung der sonderorgani fierten wie der unorganisierten Berufsgenossen wieder auszufüllen, bamit bei neuen Berhandlungen wieder eine geschlossene Organis fation hinter den Vertretern der Arbeitnehmer steht. zu tommen. Bon einer Besprechung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Träger und Hilfsarbeiter der Töpferbranche mußte bei der sich aus dem mangelhaften Besuch der Hilfsarbeiter ergebenden Untereffen lefigkeit abgesehen werden. Als Beisitzer für die Träger wurde Zechmann in die Fachgrupenleitung gewählt. Entschädigung des Betriebsrats. So hat nun die Firma etwa den dreifachen Betrag bessen zu zahlen, was sie hätte zahlen müssen, wenn sie ihre Verpflichtungen aus dem Betriebsrätegesetz- es handelte sich um einen Betrag von rund fünf Mart Don Dornherein anerkannt hätte. Sollte hier vielleicht das Prinzip", die Tätigkeit des Betriebsrats möglichst zu erschweren, durchgefochten werden? 29 ,, Erregung der Ruhrberglente". " Mit dieser Aufschrift brachten wir in Rr. 595 des Vorwärts* einen Drahtbericht vom 17. Dezember aus Bochum. worin es u. a. bieß, daß in allen Versammlungen und Konferenzen des Berg arbeiterverbandes eine tiefe Erregung und Erbitterung zum Aus brud gekommen sei. Und zwar auch gegen den Reichsarbeits minister Dr. Brauns, der mit Rüdsicht auf die Unternehmer den bom 25. November 1924 vom Schlichter Mehlich gefällten Schiedsspruch für verbindlich erklärte". Da diefer Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt wurde, wäre eine Erregung darüber natürlich unangebracht gewesen. In Wirklichkeit wurde die Erregung und Erbitterung eben deswegen bindlich erklärt wurde. Obwohl also dieser Fehler in der Ueberlaut, weil der Schiedsspruch vom 25. November nicht für vermittlung des Drahtberichts leicht erkennbar war, und in unserer Daritellung in Nr. 597 torrigiert wurde, stellen wir ihn auf besonderen Wunsch hiermit richtig. Für verbindlich erklärt ist erst. der weitere Schiedsspruch vom 10. Dezember. An die Mitglieder des Baugewertsbundes, Baugewerkschaft Berlin. Zwischen den am Vertrag beteiligten Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist vereinbart worden, daß in der Woche vom 22. bis 27. Dezember anstatt der Lohnzahlung am Frei tag fdy on am Mittwoch, 24. Dezember, die Lohnzahlung in höhe von 90 Prozent der Gesamtfumme erfolgt. Soziollaften wie Steuern werden nach den Feiertagen verrechnet. Der Vereinsvorstand. Butab, Ortsverwaltung Berfin. Die Geschäftsstelle bleibt am 3. Weih. nachtsfeiertag gefchloffen. Erfte Sprechstunde nach dem Feft: Montag, 29. Dezember. Alle Beitragsrüldstände aus dem Jahre 1924 find in diefer Sprech ftur de, der legten im alten Jahre, abzuführen. Die Geschäftsstelle bes f- Ortskartells Berlin bleibt vom 24. Dezember, Nach§ 35 des BRG. darf notwendige Berfäumnis der Betriebsräte von Arbeitszeit eine Minderung der Entlohnung nicht zur Folge haben. Gegen diese Gesezesbestimmung hat die Firma mittags 12 Uhr, bis einschließlich 28. Dezember d. 3. gefchloffen Frante G. m. b. H., Fournier- und Sägewert in Spandau, verstoßen. Anläßlich einer Klage, die Arbeiter der Firma auf Grund des BRG. vor dem Gewerbegericht führten, mußte der Vor. ibende des Betriebsrats auf Anordnung des Gerichts im Termin erscheinen. Das war ohne Zweifel eine notwendige Bersäumnis von Arbeitszeit, die nach dem Gesez pom Arbeitgeber bezahlt werden muß. Aber die Firma zog dem Betriebsratsvorsitzenden die versäumte Arbeitszeit vom Lohn ab. Der Betriebsratsvorsigende tlagte den Lohn beim Gewerbegericht ein. Um den Termin in dieser Sache wahrzunehmen( der noch feine Entscheidung brachie), mußte der Kläger natürlich wiederum Arbeitszeit verfäumen, die ihm ebenfalls abgezogen wurde. Jetzt fand der zweite Termin in dieser Sache statt, und der Kläger erhöhte seine Forderung um den Betrag des letzten Lohnabzuges. Der Vertreter der Firma weigerte sich beharrlich, die berechtigte Forderung des Klägers anzuerkennen. Erst als der Verlauf der Verhandlung keinen Zweifel darüber ließ, daß die Firma verurteilt werden würde, fand sich ihr Bertreter zu einem Vergleich bereit, wonach dem Kläger die ( Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage.) Berantwortlich für Bolitik: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Cykorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 5 Beilagen. Togal hervorragend -Tabletten bewährt bei: Gicht, Rheuma, Ischias, Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen Togal stillt die Schmerzen und fcheidet die Harniäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken erhältlich. 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Und er trottet zu einem der vielen Burststände, wo Weihnachten löst ja fast überall eine mehr oder weniger große Ge- Würstchen in ihrem Fett gebraten werden, trotzdem Benzin und Qualm fühlsweichheit aus und die ist wieder Wasser auf die Mühlen der herrschen. Er beugt sich begehrlich über die Würstchen. Da kriegt man ja Kopfschmerzen." fleinen Händler. So erscheinen sie wie ein zu berechnendes Kalender: Dann fängt er seine Litanei wieder von Dorn an, mit langgezogenen Tönen. Seine Mutter ist Schneiderin. Bater gestorben. Noch 3 Geschwister. 12 Jahre alt. Armselig gePleidet. Blaffes Gesich.chen. Die Rahmen hat seine Mutter hergestellt. Die Bildchen sind schlechte bunte Boftfarten. Morgen handelt er wieder mit Bametta. Mit den Bildern ist es nichts. Nun zu den Händlern mit Knarren, Brummieufelchen und Jumbos. Meistens Schulfameraden. Einem geht es verhältnismäßig gut, der macht sich einen halben Sport aus dem Handel. Ein anderer bloß und unter: ernährt. Schlechtes Schuhzeug. 5 Geschwister. Bater Tischter. War Die Kette der kleinen Verdiener. 39 ereignis mit dem Weihnachtsmarkt und verschwinden wieder mit ihm. Es ist fast überall eine tiefe soziale Notlage, die die Kinder zum Handeln treibt, aber auch ein wenig Großstadtromantik, den er. wachsenen Ausrufer" spielen, sich durchzusehen, geschickt den Grünen" auszuweichen, schwingt do und dort als Anreiz mit. Der größte Teil dieser Kinder handelt nur um die Weihnachtszeit. Die abgerichteten fleinen Verkäufer und Berkäuferinnen von Streichhölzern und Blumen, jener entfeßlichen Bettelindustrie, find hier nicht vertreten und so ist auch der moralische Schaden weniger groß oder mird gar mettgemacht durch das Gefühl, für zu Hause" etwas verdient zu haben. Um fo mehr freilich ruft die soziale Not zum Himmel, die Kinder um ein Poor Schuhe oder eine Hose wochenlang in faltem Rebel fich ihre Rehlen mund schreien läßt Der Gefühlszauber der letzten Adventswochen wird nur zu oft eine wahre Grimaffe, mögen die Leierfästen noch so sehr ihr„ O du fröhliche, o du felige Weihnachtszeit" oder„ Stille Nacht" dudeln. Mögen die handelnden Kinder von drei verschiedenen Plätzen selber sprechen. Am Alexanderplat. Lichtreflame treift. Ralter Nebel Marktbuden unter bem Schutz der Berolina, Wuchtig und verschwiegen auf der einen Seite das Polizeipräsidium, ouf der anderen das hellerleuchtete Warenhaus. Donnernde Stadtbahnzüge mit leuch benten Rauchfahnen. Untergrundbahn, Autobusse, Straßenbahnen. Die Hauptschlagader der alten Stadt. Die fleinen Händler haben fich ihre Boften gut gewählt. An den Straßenbahnhaltestellen. An der Stadtbahn. Am Warenhaus. Da fligt einer über den Straßendamm. Lametta! 4 Briefe für 20 Pfennige" Das Wort Groschen scheint der jüngeren Generation durch die Inflation zu entschwinden. Nun, Lametta, der schönste Christbaumschmud." Die Linie 68 tommt. Anhalten! Nach der Idiotenonstalt. 4 Briefe Lametta für 20 Pfennige. Ich komme mit dem Kleinen ins Gespräch. Alter 12 Jahre. Er sieht aus wie ein Zehnjähriger. Vater seit einem Jahr arbeitslos. Noch eine Schwester, die Zeitungen austrägt. Mutter bei Auer. Verdient 11 M. oie Woche. Er will verdienen. Die Mutter hat ihm das Geld für den fleinen Handel gegeben." Ein anderer nett gefleidet, im Gegensatz zu dem Vorigen. Handelt mit Beweglichem Holzspielz ug. Ein Mann friegt seinen Budel von einer hölzernen Frau bearbeitet.„ Aha, Lehmann triegt Keile! Für 50 Pfennig! Aha, Lehmann friegt Keile!" Sein Bater hat Arbeit. Er will sich ein paar Mark verdienen, um sich ein Weihnachtsgeschent zu kaufen. Die Mechanit hat er nach bewährten Mustern gemacht. Ich gude nur hin, da habe ich den Bogen weg." Mehr in der 56] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. . Jonce und Kenneth! Nein! Tausendmal nein! Aber tief im Herzen fraß der Wurm!„ Jeder in Paris denkt das." Um neun Uhr des nächsten Morgens bestieg er den Zug nach Amiens, nahm dort ein Auto und fuhr ins Chateau de Blumoison, wo Joyce sich aufhielt. 42. Wie gut er sich noch an dies alte Schloß in der Picardie erinnerte. Hier hatte Yvonne de Plumoison die englischen Offiziere zum Tee eingeladen, als fie 1917 in der Nähe einquartiert waren. Sie war nicht besonders schön, aber eine elegante fleine Dame, und es war schon Seligkeit genug, in einem Salon sitzen zu dürfen nach dem langen Dienst in dem verlauften Schüßengraben. Langsam trat er in das Parktor ein und ging die lange Allee nach dem weißen Schlosse hinauf. Mit leidenschaftlichen Schlägen hämmerte das Herz in feiner Brust. Wie sehnte er sich nach Joyce, nach der Berührung ihrer Hand, nach ihrer Umarmung. Ein Wort von ihr, ein ehrlicher, freier Bli aus ihren Augen, und der böse Wurm, der da drinnen noch immer bohrte, bohrte und alle wilden Instinkte in ihm aufstachelte, ließ ab und war nicht mehr. Janet Welford hatte recht gehabt, als fie fagte: Jonce ist die Beatrice ihrer Divina Commedia. In der größten Berbitterung, wenn ihre Unfreundlichkeit ihn am meisten gereizt hatte, immer war sie sein hehres Traumbild gewesen, tief eingewurzelt in seinem Herzen. Jeht, wo er zu ihr ging, dachte er an dieses wunderschöne Mädchen, die ihn in Kriegszeifen so verschwenderisch mit ihrer Schönheit beschenkt hatte, mit fieberhaftem Verlangen. Er beschleunigte seine Schritte. Statt aber die lange Allee weiter hinaufzugehen, schlug er einen fleinen Seiten pfad ein, der den Weg abkürzte. Als er eben um eine Ede bog, sah er Jonce nur wenige Schritte vor sich. • Eie faß auf einer Steinbant, die er noch gut fannte. Sie war allein. Ihr Hut lag auf der Bank neben ihr und sie hielt ein Buch in der Hand. Aber sie las nicht. Sie meinte. Wenigstens standen ihre Augen noch voller Tränen, als sie beim Herannahen von Schritten hastig den Kopf wandte. Mit cinem Ruf des Erstaunens sprang fie auf. Er rief fie beim Namen und eilte freudezitternd auf sie zu. So, wie er so oft von ihr geträumt hatte, stand fie nun Tober Weihnachts Werks Vor der Tür der großen Konkurrenz. lange ohne Arbeit. Mutter tranflich. 15 Pfennige, für eine Wurft fpendiert, bittet er behalten zu dürfen, damit ich morgen mehr ein. faufen fann."-Wieder ein anderer fleiner Knirps mit Knarren. Löch rige Filzschuhe mit Zeitungen gestopft. 10 Jahre. Bater arbeitslos. Mutter wäscht. 6 Kinder. Sein großer Bruder, 13 Jahre, handelt mit Lametta. Ein unterernährtes ftrophulöses Mädchen gegenüber dem Bahnhof. Bittriges Stimmchen. Handelt mit Lametta. Vater arbeitslos. Mutter geht reinemachen. Vier Geschwister, eines davon in Ditpreußen bei einem Bauer. Ein großer Teil der Kinder von Bater oder Mutter zum Weihnachtshandel angeregt, um sich Schuhe laufen zu können oder für den Konfirmationsanzug zu sparen. Dies ist ein Beweggrund, der bei den handelnden Kindern am Wedding fast allein vorherrschend ist. Am Leipziger Platz. Ein ganz anderes Publikum. Besser gekleidet. Mehr Weih nachtsstimmung. Rauhreif blizt an den alten, breitfronigen Linden. Lichtrellame über 2.chtreflame. Straßenbahnen, Autos, Omnibusse, Lastwagen, Droschten stehen auf Weiterfahren an. Hier drängt sich zu viel zusammen. Es geht auf 7 Uhr. Geschäftsschluß. Aus dem Warenhaus strömen die Käufer, mit Pädchen und Paketen beladen. vor ihm. Die Sonne, die durch das junge Grün schien, hüllte ihr Haar in einen Glorienschein. Sie trug ein ausgeschnittenes, grünes Kleid und sah aus wie eine Waldfee. Sie duldete es, daß er ihre Hände ergriff und sie leidenschaftlich füßte. Aber er fühlte keine Erwiderung seines freubigen Grußes. Sofort ließ er ab und fah, wie blaß fie in feinen Armen lag. Hier ist eine Bant," sagte sie. Bir wollen uns hierher sehen." Er setzte sich neben sie und ergriff wieder ihre Hand, die eisig talt in der seinen lag. Ich hab' mich so nach dir gesehnt, Joyce," sagte er ,,, Tag und Nacht hab' ich an dich gedacht." Sie sprach von seinen Briefen. Die hätten von solcher Sehnsucht nichts verraten. Auch hätte er sich nicht die Mühe genommen, sie in Paris aufzusuchen, als sie ihn dazu aufgefordert hätte. Er bat sie, das alles auszulöschen. Er war ein Ibiot ge wesen, seine Nerven waren schuld. Jetzt wollte er nur noch eins: fie glücklich machen und ihr dienen. Wie fonnten sie nur durch politische Streitigkeiten damals ihr Glüd zerstören lassen. Unbegreiflich! Kindisch war's gewefen! Für ihn gab's das nicht mehr. Er hatte begriffen, daß Liebe das Einzige war in diesem Leben. ,, Glaubst du das wirklich?" fragte Jonce plötzlich. ,, Glaubst du aufrichtig, daß Liebe alles überwindet?" Alles!" war seine Antwort. Sie warf ihm einen seltsamen Blid zu und lächelte. ,, Gefährliche Philosophie! Führt manchmal zu eigentüm lichen Komplikationen!" Wie meinst du das? Für mich wird das ganze Rätsel des Lebens dadurch gelöst. Die Liebe eines Mannes zu seiner Frau, durch dick und dünn, durch Glüd und Unglüd. Erinnerst du dich an unsere Trauung?" ,, Ja. Ich weiß. Ich war damals ein Kind. So unerfahren wie die beiden Meisen da auf dem Baume." Sie zeigte auf die beiden Bögel hin, die unablässig hin und wieder flogen. ,, Aber, Joyce, wir gingen beide unter dem 3wange des selben Triebes zur Trauung. Auch wir wollten unser Neft bauen" Ja," sagte Joyce. Aber es ist oft schwer, das Spiel nach den Regeln weiter zu spielen. Wenn erst die Pflicht dazu tommt, wird es unangenehm und oft unerträglich. Bertram lachte und zog Joyces Hand an die Lippen. wir reden in Gleichnissen, statt uns unseres Lebens zu freuen. Sonntag, 21. Dezember 1924 und vor dem Ausgang schwirrt und schreit, fnarrt und flappert es, fprüht es von brennenden Magnesiumiunderferzen. Ein Attentat auf die fostbaren Belze, 5 Schachteln für 1 M., belßt nicht und brennt nicht." Ein Mädchen verkauft bunte Weihnachtsteller.„ Mutter schickt mich, Vater hat Arbeit, aber noch nicht lange." Noch drei Geschwister. Drei kleine Kumpane aus der Hochmeisterstraße greifen thre Knarren und Turner am Red an: „ Der Turner am Red, Der Turner ist viel Sped, Sie wissen ebenso, wie die anderen kleinen Händler am Alexander Und dorum hat er den Bogen weg." plat, daß das weibliche Element ihnen am meisten hold ist, wobei Fräulein" ist. Hier scheint eine der besten Einnahmequellen zu sein, es nichts verschlägt, daß von 80 Jahren abwärts alles für sie junges denn der eine Junge berechnete jeinen heutigen Verdienst freudestrahlend auf 2,50 M. Hier hatte sich ein Teil der Jungen das Ged für den Weihnachtshandel gespart. Sie wollen ein Weihnachtsgeschent machen. Betriebsamkeit. Die Freude, mitzuverdienen. Die Bäter hatten bis auf einen Arbeit, wo freilich die Verhältnisse dafür im So trüber waren. Am Wedding. Dumtel liegt die Dankestirche. Um so heller leuchten die Geschäfte der Reinidendorfer Straße. Ein durchdringender Würstchen geruch. Marktbuden. Ein Stüdchen Alt- Berliner Weihnachtsmarkt. Hier fristen noch die Hampelmänner ihr Spielzeugdafein. Hier fann man noch für 10 Pfennig frabbeln", das heißt, fich ein Päckchen auswählen mit der gespannten Erwartung, was wohl drin sein mag. Hier spricht noch unverfälschter Boltsmund. Aber hier ist auch die foziale Not am schärfsten und die Masse, die hier der Straße Be megung gibt, ist zum größten Teil grau, verhärmt und sorgenschwer. In dem hellen Licht, das aus Schaufensterscheiben strömt, sehen manche wie wandelnde Gespenster aus. Feldgrau" spielt immer noch seine Rolle als Anzug. Die Kleider sind schäbig. Dem verriesterten Schuhzeug sieht man es an, wie oft schon der Flickschuster sagte:„ Diesmal geht es ober wirklich nicht mehr!" Hier sind auch die handelnden Kinder um ein trauriges Teil mehr verelendet und schlechter gekleidet, der beißenden Kälte mehr preisgegeben, als die an den beiden anderen Plätzen. Auch ist die Ronkurrenz eine viel größere, denn hier handeln sie fast auf Schritt und Tritt mit selbstaufgeflebten Hampelmännern, mit Knarren, mit pickenden Holzhühnern, mit Gewürztütchen, mit Lametta, mit Klappern und Brummteufeln.- Ein dreizehnjähriger Junge handelt mit Lametta. Start unterernährt. Sein Bruder von 17 Jahren ist bei der Paketfahrt. Der andere ist achtjährig. Mutter schuldlos geschieden. Vater اباد www Der„ Herr" behält die Hand in der Tasche. war Dreher. Warf die Arbeit hin, als es ans Zahlen ging. Jetzt ist er Scherenschleifer und gibt nichts. Ein fleiner Knarrenhändler. Bater war Böttcher in Spantau. Kürzlich entlassen. Will etwas für Mutter zuverdienen. 6 Geschwister. Ein Junge mit Hampelmännern. Die Füße stecken in zerlöcherten, viel zu großen Filz schuhen. Hat fein Hemd an. 9 Geschwister. Vater arbeitslos. Mutter geht reinemachen. Eine Mutter mit ihrem Jungen. Sie handelt | Bist du nicht froh, daß ich wieder da bin? Wollen wir nicht ein neues Leben beginnen? Sag mir ein liebes Wort! Lege deine Arme um mich und sage, was ich so gern hören möchte." Joyce wurde flammend rot und dann blaß. Ich fann nicht! Etwas ist geschehen, das alles zwischen uns zerstört hat, zwischen dir und mir." Et starrte fie an und wußte, daß das Schicksal oder der Zufall oder Gott ihm einen vernichtenden Schlag zugedacht hatte. ,, Um Himmelswillen sag', was du meinst!" ,, Es handelt sich um Kenneth," sagte sie leise. Da war's! Der Stich hatte getroffen! Susan hatte recht. ,, Und was zum Teufel hat der damit zu tun?" fragte er merkwürdig ruhig. Jonce berührte seine Hand wie in stummer Bitte um Geduld und Verständnis. ,, Du wirst zornig werden, ich weiß es. Aber ich kann nichts dafür. So etwas kommt von selbst. Ich habe Kenneth ftets nur als einen Jugendfreund angesehen, einen lieben Jungen. Wir haben uns von flein auf an gekannt, und er versteht mich besser als irgend jemand auf der ganzen Welt. Wir haben dieselbe Denkungsweise, ein Wort genügt, und wir verstehen uns. Als ich heiratete, schien es ihm nicht nahe zu gehen; an unserer Freundschaft hat es nichts geändert. Er ist vollständig ehrlich und gerade. Bis vor ein paar Tagen hatte er keine Ahnung davon, daß seine Freundschaft für mich etwas anderes geworden war. Ganz zufällig ist uns beiden das flar geworden. Wir ruderten zusammen auf dem kleinen See im Bois, lachten und scherzten und machten Unsinn wie gewöhnlich. Blöglich sah er mich an mit einer Art Staunen im Blick, und da schien ein Funke auf uns beide überzuspringen. Ich beugte mich über ihn und füßte ihn, und er sagte ganz erschrocken: Was ist denn plöglich mit uns beiden?" Da= mals haben wir beide erkannt, daß es mit unserer alten Freundschaft aus ist. Und ich, zum erstenmal erkannte ich, was Liebe bedeutet. Nicht die Liebe, die zwischen uns beiden mar, Bertram. Kenneth und ich waren für einander geschaffen von Kindheit an. So ist es nun einmal. Leider, leider haben wir es jetzt eben erst entdeckt. Es tut mir so schrecklich leid, Bertram. Aber so ist es, und nichts auf der Welt kann das ändern." Bis dahin hatte sie das alles ruhig und fachlich vorge bracht, aber jetzt war's mit ihrer Fassung vorbei, sie schlug die Hände vors Geficht und weinte leidenschaftlich. ( Forthegung folgt.)| mit Reißnägeln und Nähzeug. Der Kleine mit Knarren. Der Mann 1 ist gestorben, Der Junge in Holzpantinen. Die Kleidung geflickt, aber peinlich fauber.„ Sage dant schön."„ Ja, noch zwei Kinder. Das Leben ist schwer. Der Junge soll Ostern tonfirmiert werden. Wie foll man bloß den Anzug zusammensparen." Und so geht es fort, wo man auch fragt. Faft überall, wo der Mann arbeitslos, die Hauptlast auf den Schultern der Frauen, die wieder ein wenig ihrer Bürde auf die Kinder verteilen, oder aus deren eigenem Antrieb abgenommen bekommen. Die schönsten Kinderschutzgeseze werden zur Farce, mo Elend und Arbeitslosigkeit herrschen. Den Kindern etwas abzukaufen, damit verstößt man selbst gegen die Schußgefehe, und ihnen nichts abzunehmen, damit raubt mon ihnen ihre letzte Hoffnung auf ein Paar Schuhe, einen Anzug, ein Elückchen Weihnachtsbraten. Die Grünen, die ausführenden Gefcheswächter, drücken ein Auge, ja belde, zu während der Meih nachtsmarktwochen und das entspringt einem schönen menschlichen Gefühl. Die Ursachen für diesen Handel liegen in dem Elend der Arbeitslosigkeit, den schlechten Löhnen und der grauenvollen Teues rung. Ihnen gegenüber versucht der Staat selbst beide Augen zuzudrücken, ebenso wie den Wohnungsgreueln gegenüber, um ja nichts zu sehen, er begnügt sich mit der Mechanit seiner Gesetze. Um die aber zu beseelen und zu durchbluten, dazu bedarf es einer Arbeiter schaft, die in sich selbst den Erlöser sieht und ihre Erlösung erkämpft. Weihnachten im Rucksack. Das Winterwetter hat uns bis jetzt in ungewohnter Weise begünstigt; abgesehen von ein paar Tagen Ostwind, war die Luft mild und oft von Sonnenschein durchflutet. Wenig Näffe- ein Ideales Wetter zum Wandern. Weihnachten sitzt man nun zwar gern zu Hause, aber es gibt gerade in der Großstadt viele Einfame, denen Familienanschluß nicht in dem Maße zu Gebote steht, daß sie sich zum Wethnachtsjeft anjagen" tönnten. Bielleicht nehmen sie den Rucksack von der Wand und gehen ins märkische Land hinaus. Wo die Wälder noch grün sind, die Sonne den nachts hartgefrorenen Boden liebkost und der fräftige Erdgeruch uns begrüßt. Ueberall da, wo unsere Bororibahnen aufhören, fängt ein Waldrevier an, das uns bequeme Wanderziele bietet. Oder wer die Fernbahnen benutzen will, hat die Wahl zwischen den diversen in der Mark sich vorfindenden Schweizen"( Budower, Ruppiner Schweiz usw.) oder Bergfetten, wie der Fläming. Kommt man abends in ein fleines Städtchen, so wird der Empfang gemütlich fein. Die Konkurrenz der Handelsreisenben fällt diesmal weg: fie sind alle nach Hause gefahren. So wird der Frembling gern willkommen geheißen, und hat er im Rudjad ein paar Kleinigkeiten, wie Schokoladentafeln oder das eine oder andere mechanische Spielzeug, mitgebracht, so wird er bald Hahn im Korbe sein und sich nicht vereinsamt fühlen. In fröhlichem Geplander vergehen die Stunden schneller als sonst, und von Heimweh und Melancholie ist feine Spur zu merken. Festtage, die man draußen, fern von dem täglichen Getriebe, verbringt, find erst richtige Ferientage, alle Sinne werden in Anspruch ge nommen, und man sammelt Eindrücke, die so leicht nicht aus dem Gedächtnis schwinden. Also auf zur Weihnachts wanderung, wer einfam in der großen Stadt sitzt! Opfer der Autoraserei. gelernt hatte, eine Bergnügungsfahrt unternommen habe, die bis nach Kohlhasenbrück hinausging. Auf dem Rückwege habe sich nun bas Unglüd ereignet. Der Angeklagte gab dann weiter zu, dak nach dem Vorfall der Verlekte liegen gelassen wurde. Es sei dies aber lediglich auf eine große Kopflosigkeit zurückzuführen, Buchholz behauptete, gegen Morgen dann noch einmal allein an die Unfallstelle gefahren zu sein, um nunmehr den Verunglückten fortzufáaffen; es hätte dies aber leider feinen 3wed mehr gehabt, da er jekt genau feststellen konnte, daß Wechsler tot sei. Darum habe er ihn dann auch liegen lassen, sich aber schließlich doch nach zwei Tagen freiwillig gestellt, weil er Gewissensbisse hatte. In Uebereinstimmung mit den Prozeßbeteiligten wurden dann noch einige Schüler vernommen, die mit dem jungen Wechsler an dem Unglücksabend zu einem Ruderfest im Zehlendorfer Gymnasium zu fammen waren. Nach den Bekundungen der jungen Leute war Wechsler zwar zuerst animiert und auch zu ganz harmlosem Ult aufgelegt. Er fei aber später wieder ganz nüchtern geworden, so daß sie ihn ruhig allein nach Hause gehen lassen fonnten. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Der Berteidiger forderte dagenen die Freisprechung des Angeflaaten, da ja ber technische Sachverständige seine Schuldfofinfeit bestätigt habe. Im übrinen sei wohl ficher. daß der junge Wechsler in den Lichtkreis des Autos geraten und dann in dos Auto hineingelaufen fei. Der Gerichtshof fom nach furzer Beratung zu einer Freifprechung des Angeklagten. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Zuchthaus statt Tod. Der Plazmeister Samuel 2öwinsohn ist, wie damals berichtet worden ist, am 21. Juni wegen Mordes vom Schwurs gericht des Landgerichts I zum Tode berurteilt worden. Es handelte fich damals um eine Auffehen erregende Angelegenheit, da die Motive des Mordes an feiner Brotherrin, der Fran Föriter Löwiniobn bat nach einem Streit mit Frau Förster, die ihm mit der Entlassung drohte, nicht recht geflärt werden konnten. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 21. Dezember. L die Frau mit dem Beil erschlagen und später einen Mordverfuch an dem Dienstmädchen in der Wohnung unternommen. Auf das von seinem Verteidiger R.-A. Dr. Klee an das Preußische Staatsministerium gerichtete Gnadengesuch ist nunmehr die Strafe durch Erlaß des Staatsministeriums im Gnadenwege in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe verwandelt worden. Kindervater Nielsens Abschied. Ein großes und fegensreiches Werk helfender Menschenfiebe an den ärmsten der deutschen Kinder hat nunmehr mit einer Feier, die wieder nur die freundliche Umrahmung eines Aftes praktischer nächstenliebe war, ihr Ende gefunden. Der Name des Kindervaters aus Dänemark, unseres Genossen 3. P. Nielsen aus Kopenhagen, ist manchesmal in diesen Spalten genannt worden, aber doch wohl nicht so oft, daß jeder Leser weiß, was Nielsen an den deutschen Kindern und damit an dem deutschen Volk Gutes getan hat. Bereits 1917, als der Kohlrübenwinter gräßlich unter Deutschlands Jüngsten gewüstet hatte, war das Herz diefes wackeren Mannes in mitfühlender Liebe für die Not der Aermsten entbrannt. Aber als das Kriegsende die Grenzen wieder geöffnet hatte, als mit Beginn des Inflationstreibens die Not in Deutschland immer größer wurde, da fonnte er mit noller Kraft eingreifen. Seit der Zeit datiert das Hilfswerk diefes dänischen Sozialdemokraten und Menschenfreundes für die notleidenden deutschen Kinder, daß unter dem Namen„, dänische Hilfe für deutsche Kinder" befannt geworden, das in einem Umfang und mit Miteln geführt wurde, wie es in der Geschichte des Wohlfchriswefens aller Völker wohl einzig dasteht. 15 Millionen dä nische Kronen sind aufgewendet worden, um 150 000 deutschen Kindern, daven 20 000 aus Deutschösterreich, in den Jahren 1919-1924 zu helfen, fei es, daß sie nach Dänemark zur Erholung gefandt, sei es, daß sie in Deutschland verschickt wurden. Und die nicht weg fonnten, wurden mit nahrhaftem Midtakao erquickt. Der Name Nielsen war in Deutschland in vieler Leute Mund, als die Not am höchsten war, und auch Zeitungen der uns entgegengefehlen po litischen Richtung haben dem uneigennügigen Wirten dieses Mannes Lob und Dank gezollt, wiewohl nicht alle den Mut fanden, ihren Lesern zu sagen, daß es ein dänischer Sozialdemokrat war, der so handelte. Und nun hatte er noch einmal und zum letztenma! 1000 der ärmsten Kinder aus Groß- Berlin zu Kroll gebeten, um sie zu erfreuen und zu beschenken, fein Wert in Deutschland abzuschließen und sich zu verabschieden. Das ganze weite Barfett war mit den fleinen Buben und Mädels gefüllt, die erwartungsvoll der Dinge harrten. Und dann ffand plößlich ein Mann schattenhaft auf der Bühne, fast aufgefogen von den Kindern ringsum. Keine freundliche Regie ließ Licht auf feinen Platz fallen. Er stand, ein Mann aus dem dänischen Bot, der deutschen Sprache gewandt wie fein anderer und doch in tiefster Ergriffenheit diesmal um das Wort fämpfend: I. P. Nielsen, der in fieffter Erfenninis des wahren Wertes des Sozialismus nicht als Familienvater wenigen Rintern, sondern vielen, vielen tausend Kindern ein echter. treuforgender Vater geworden nst. Kindervater Rieffen, so heißt er in Deutschland. Zum letztenmal sprach er zu feinen lieben deutschen Kindern". Hinter ihnen aber, in unsichtbarer Ferne standen die vielen Tausende dänischer Männer und Frauen, die gemeinsam mit Nielsen seinem edlen Wollen zur Tat verholfen haben und denen unser Bolf zu immerwährender Dankbarkeit verbunden bleibt. Nielsen spricht, so muß man sagen, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Er ist froh darüber, daß jegt, wie er meint, sich das deutsche Bolt felber weiterhelfen kann, und er ist betrübt. daß die ihm so lieb gewordene Arbeit nun ein Ende hat. Er wünscht den Kindern ein fröhliches Weihnachtsfest. Jubeind danken die Kleinen und fingen ein Weihnachtslied. Dann geht Bfigners Weihnachtsoper„ Christelflein" über die Bretter. In der Bause gibt es Kuchen und Schokolade. Nach der Vorstellung begrüßt der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Freiherr die geladenen Gäste. Dann spricht er Herrn Nielsen und seinen v. Rotenhan, zuriächst die Gattin des Reichspräsidenten Ebert und dänischen Helfern den Dank des deutschen Boltes für sein jahrelanges treues Arbeiten aus und wendet sich schließ ich auch an die Kinder 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Andante aus dem Violinkonzert E- Moll op. 64, Mendelssohn( Gerda Reichert, Violine; Doris Wilksch. Klavier). 2. Ansprache des Herrn Missionsdirektors Dr. Witte: Eindrücke von meiner Ostasienreise". 3. Geistertrio op. 70 Nr. 1, 1. Satz. Beethoven( Doris Wilksch, Klavier; Gerda Reichert. Violine; Friedhelm Wilksch, Cello). 12 Uhr mittags: HansBredow- Schule( Abteilung Hochschulkurse). Geh. Reg- Rat Prof. Dr. Miethe, ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Berlin: Die Bedeutung der Photographie". 6. Vortrag: Kinematographie" 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Abt. Bildungskurse). Landwirtschaft und Gartenbau. Abteilung Landwirtschaft. 2. Vortrag. Geh. Reg- Rat Prof. Dr. Gustav Fischer. o. Prof. an der landwirtschaftlichen Hochschule Berlin:„ Tiefbearbeitung des Ackers 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Altgermanische Weihnachtsmärchen. 1. Parsifals Christbescherung, bearbeitet von Houston Stewart Chamberlain. 2. Das Zwölf Nächte- Märchen, bearbeitet von Köstlin.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule.( Abteilung Bildungskurse). Literatur und Kunst. Direktor Rosenhain:„ Nene deutsche Dichter". 2. Vortrag. Die Entwicklung der naturalistischen Lyrik". 8.30 Uhr abends: O du fröhliche: 1. a) Weihnachts stimmung( G. P. S. Cabanis) Hugo Kaun. b) O heilige Nacht ( Cappean) Ch. Gounod. c) Wiegenlied( Ebeling) E. Humperdinck ( Carin Edelberg, Sopran). 2. a) Weihnachten( Adelheid Wette) E. Humperdinck, b) Die Weihnachtsnachtigall( Volkslied aus dem 17. Jahrhundert) K. Hallwachs, c) Weihnachtslied( Theodor Storm) Wilhelm Berger( Hildegard Fischer, Alt). 3. a) Knecht Rupprecht. Theodor Storm, b) Das Märchen, Karl Ettlinger( Alfred Braun, Rezitation). 4. a) Christkindleins Geburt( Eva Duncker) Alexis Holländer. b) Weihnachtslied( Julius Sturm) Albert Becker, Schubart) H. Reimann( Carin Edelberg, Sopran; Hildegard b) Wiegenlied der Hirten an der Krippe zu Bethlehem( Chr. D. Fischer, Alt). 5. a) Legende vom Tannenbaum. Marx Möller, b) Kannenpeter. Hans Brennert( Alfred Braun, Rezitation). 6 Bübchens Weihnachtstraum. ein melodramatisches Krippenspiel. Edelberg, Sopran; Hildegard Fischer. Alt: Alfred Braun, Rezi- Frauen zu lernen und selber qut, menschenfreundlich und hilfsbereit tation). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Bekanntgabe zu werden. Ein wahres und gutes Wort, das in einer Zeit der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sport- besonders die Kinder der Wohlhabenden und Reichen hören und nachrichten. Theaterdienst. Tanzmusik. Uebertragungen aus dem beachten sollten. Dann bekommt jedes Kind fein Bafet. Schuhe, Palais de Danse( bis 12 Uhr). Strümpfe und Wäsche sind darin, jedesmal im Werte von 35 Mart. Man fhaute ihnen in die Augen; fie glänzen und brennen in der Königswusterhausen, Sonntag, den 21. Dezember. Erwartung, erst daheim bei Vater und Mutter zu sein. Ein Chauffeur zu 3 Jahren 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei folgenschwere Autounfälle, die seinerzeit großes Aufsehen erregt hatten, da beide Menschenleben gefordert haben, beschäftigten gestern die Gerichsite. Vor dem großen Schöffengericht Berlin- Lichter. felde fand der bedauerliche Autounfall auf der Zehlendorfer Chauffee, Dichtung von Gustav Falke, Musik von E. Humperdinck( Carin felber und mahnt sie, von den guten dänischen Männer und bei dem der Gymnasiaft Wechsler con einem Auto zu Tobe gefahren wurde, sein gerichtliches Nachspiel. Gleichzeitig wurde vor dem großen Schöffengericht Charlottenburg gegen den 22jährigen Kraftwagenführer Otto Müller verhandelt, der wegen fahrlässiger Tötung unter dem erschwerenden Umstande, daß er nach dem Unfall die überfahrene Person in hilfloser Lage zurückließ und sich durch die Flucht seiner Feststellung zu entziehen suchte, verhandelt. Der Angeklagte fuhr mit unbeleuchtetem Wagen. Am 22. September wurde an der Straßenbahnhaltestelle am Hohenzollerndamm bei der Cuno- Fischer- Straße die bei einem Pfarrer bedienstete Hausangestellte Elise Fotenhauer von dem von dem Angeklagten Müller gesteuerten Privatwagen überfahren und mitgefchleift. Ohne sich um den Unfall zu fümmern, ist das Auto in rasender Geschwindigkeit weitergefahren. An dem verhängnisvollen Tage war er mit seinen beiden Chefs und dem Bruder des einen, Franz Jurke, nach der Gartenstraße, Ecke Invalidenstraße, nachmittags um 24 Uhr gefahren. Nachdem er Draußen etwa eine Stunde gewartet hatte, wurde er hineingerufen. Die Gesellschaft kneipte dort und ihm selbst wurden verschiedene Gläfer Bier und Kognal von der Kellnerin ohne Bestellung an seinen Tisch gebracht. Gegen 11 1hr fuhr die Gesellschaft ab. Hinter dem Fehrbelliner Play ging dann das Licht an seinem Wagen aus. Ohne anzuhalten, fuhr Müller jedoch weiter und furz darauf ereignete fich am Hohenzollerndamm der Unfall. Der Angeklagte will nicht gesehen haben, daß eine Straßenbahn in derselben Richtung angefahren tam. Er entschuldigte sich mit lle bermüdung und dem ungewohnten Genuß von Altohol. Das Gericht verurteilte nach furzer Beratung den Angeklagten Otto Müller zu drei Jahren neun Monaten Gefängnis. Drei Monate werden auf die Untersuchungshaft angeredmet. Wenn der Angeflagte im Gefängnis Reue bezeugt, soll nach Verbüßung der ersten Hälfte der Strafe die Frage eines Gnadenbeweifes für die Reststrafe in Erwägung gezogen werden. Das erweiterte Schöffergericht Berlin- Lichterfelde verhandelte 11.30-12.50 Ubr nachm.( Welle 2800.). Konzert der Hauptfankstelle. Mitwirkende: Paula Simon- Herlitz, Kunstharmoniumvirtuosin; Anneliese Fischer. Sopran; Dora Scharfe, Violinvirtuosin Hope Jaquet am Flügel 1. a) Ave Maria, Arcadelt, b) Benedictus, Rost( Paula Simon- Herlitz). 2. n) Variationen über Morgen kommt der Weihnachtsmann", W. A. Mozart, b) Das arme Kind und die Weihnachtsglocken. Arno Kleffel, c) Weihnachtsbanm, Niels W. Gade( Hope Jaquet). 3. a) Larghetto, HändelHabay, b) Grave, Friedemann Bach( Paula Simon Herlitz, Dora Scharfe). 4.„ Ich steh' an deiner Krippe hier"( Anneliese Fischer, Paula Simon- Herlitz). 5. a) Pastorale. Bird, b) Weinachtslied, Adam( Paula Simon- Herlitz). 6. a) Knecht Rupprecht, Robert Schumann, b) Bittendes Kind, Robert Schumann, c) Glücks genug, Robert Schumann, d) Ritter vom Steckenpferd, Robert Schumann, e) Das Kind im Einschlummern, Robert Schumann( Hope Jaquet). 7. a) Vesper, Bortniansky, b) Engelsang, Siegfried Krag- Eler ( Paula Simon- Herlitz). 8. Zwei geistliche Lieder, Max Reger ( Anneliese Fischer, Paula Simon- Herlitz). 9. a) Walzer, KuhlauKurmester, b) Romanze, Wilhelmy( Dora Scharf, Hope Jaquet). 10. Weihnachtsphantasie, Aug. Reinhard( Paula Simon- Herlitz, Dora Scharfe am Flügel). 12 Uhr mittags: Vortrag in Esperanto: Weihnachten. Montag, den 22. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Kindervater Nielsen, du haft für den Frieden und die Verstän digung der Völker mehr getan als die meisten heute ahnen. An folchem Willen und solcher Tatkraft muß eines Tages der Wille zu Krieg und Gewalt ohnmächtig zu Boden sinken. Giftmordverfuch am eigenen Water. Der Altfiger Wilhelm Baul, der bei seinem 45jährigen Sohn gleichen Namens in Riemegt in der Mart im Altenteil lebt, wurde am Donnerstag ohnmächtig auf dem Felde aufgefunden. Bei ihm lag der größte Teil feines nicht verzehrten Frühstücks. Man brachte den alten Mann in die Wohnung feiner Tochter, und der Arat stellte zuerit Grippe fest. Als feine Tochter den nicht verzehrten Nest vom Frühstück am Abend ihrem Sund binwarf, berendete das Tier in einer Viertelstunde. Der Arzt erstattete fofort Anzeige und die Polizei ermittelte, daß der Sohn Wilhelm Pauls drei Tage vorher in einer potheke in Belzig zwei Gramm Strynin gegen Ratten getauft hatte. Zuerst leugnete er. Als ihm der Giftschein vorgelegt wurde, gestand er, daß er seinen Water, mit dem er in Unfrieden lebt, habe gründlich frant machen wollen. Er hatte das Strychnin unter das Speisefals gemischt, mit dem sich der alte Bauer jeden Morgen seine Frühstücksftullen gewürzt hatte. Der Sohn ist sofort ins Amtsgericht Belzig übergeführt und die AngeNeue Hochbahnwagen. ferner den Prozeß megen fahrlässiger Tötung gegen den Chauffeur Reg.- Rat und Mitglied des Reichsgesundheitsamtes: Der Kropt 3eit 102 neue Wagen in den Berfehr, die gegenüber den jetzt Frig Buchholz. Dem Angeklagten wird die Tötung des Gym nasiasten Wechsler zur Last gelegt. Der Vorfall, der sich in der Nacht zum 19. Ottober auf der Zehlendorfer Chauffee ereignete, hat dadurch besonderes Aufsehen erregt, weil der Chauffeur und die Wageninfassen, nachdem der junge Wechsler, de: von einer Schul feier im Zehlendorfer Gymnasium nach Haufe ging, von dem Auto überfahren wurde, ihn an den Chausser and legten, ohne sich weiter um den Berlegten zu kümmern. Wechsler it an den sehr schweren Verlegungen, die allerdings unbedingt tödlich waren, wohl gleich nach dem Unfall gestorben. In der Verhandlung, erklärte der Angeklagte, daß er sich nicht schuldig bekennen fönne. Der junge Wechsler, der offenbar angetrunken war, jei plöße lich auf der Chauffee aufgetaucht, während das Auto teineswegs übermäßig schnell gefahren jei. Er habe ihm ausbiegen wollen, aber wenige Sefunden später fei Wechsler von links geradezu in den Wagen hineingelaufen. Der Angeklagte gab zu, daß er mit mehreren jungen Leuten, die er zum Teil am Abend des 19. Oftober tennen 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe: Im Kampf gegen das Verbrecher tum. 9. Vortrag. Kriminaloberinspektor Krüger: Schwindel". 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.30 Uhr abends: Hans- legenheit der Potsdamer Staatsanwaltschaft übergeben worden. Bredow- Schule( Abteilung Bildungskurse). Medizinische Vorträge. Prof. Dr. Ludwig F. Meyer: Hygiene des Kindesalters". 4, Vortrag: Das nervöse Kind. 8 Uhr abends: Vortrag Dr. Hesse, Oberund seine Bedeutung als Volkskrankheit". 8.30 Uhr abends: XI. Sonderveranstaltung der Funkstunde A.-G. 1. Ozeanarie aus der Oper Oberon", Weber( Gertrud Bindernagel, Sopran, von der Berliner Staatsoper). 2. Rondo capricioso, Saint- Saens( Mauritz van den Berg, Violine, 1. Konzertmeister des Berliner Philharmonischen Orchesters). 3. a) Frühlingsnacht( Eichendorff) Schumann, b) Schatzgräber, Schumann, c) Lust der Sturmnacht( Kerner) Schumann, d) Ich trage meine Minne( K. Heukell) Rich. Strauß ( Ernst Osterkamp. Baß, von der Berliner Staatsoper). 4. a) Morgen ( Mackay) Rich. Strauß, b) Ständchen( v. Schack) Rich. Strauß, o) Heimliche Aufforderung( Mackay) Rich. Strauß, d) Cäcilie( H. Hart) Rich. Strauß( Gertrud Bindernagel, Sopran). 5. a) Gavotte, Gossec, b) Souvenir, Drdla, c) Die Biene, F. Schubert, c) Ungarischer Tanz Nr. 2, Brahms- Joachim( Mauritz van den Berg, Violine). nacht, Grieg, c) Eros, Grieg. d) Der Musikant, Hugo Wolf( Ernst 6. a) Gruppe aus dem Tartarus( Schiller) Schubert, b) JohannisOsterkamp, Baß). Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theaterdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann). Die Direktion der Hochbahngesellschaft bringt in der nächsten laufenden eine Reihe wesentlicher Verbesserungen aufweisen. Der gelbe und rote Anstrich, der die beiden Klassen fennzeichnet, ist bis zum Dach durchg führt. wodurch für das Publikum auf den Bahnhöfen eine schnellere Unterscheidung der Wagenklassen erreicht werden soll. Im Innern der Wagen ist als besonderes Mertmal der Plaz an der Tür vergrößert worden. Die Fahrgäste find troß aller entsprechenden Hinweise nicht zu bewegen gewesen, diesen vielumstrittenen Platz für den ungehinderten Zu- und Abgang freizuhalten. Da die Reifenden nicht gewichen sind, mußte die Wand zwischen Tür und erstem Sitzplatz weichen. Außerdem find die sen lrechten Messinghaltestangen vermehrt worden, die von der Decke des Wageninnern auf die Sizplähe herabgehen. Die neuen Wagen werden durch neufonstruierte gelüftete Wendepol motoren von je 75 Pferdestärken getrieben Die neuen Motoren werden auch in größerer Anzahl an den allen Triebwagen angebracht werden, um die vielen Motorstörungen auf der Etrede zu beheben. In dieses Gebiet fällt auch eine andere Neuerung, die demnächst ein Egon Braun Auslese DER DEUTSCHE WEINBRAND Egon Braun Weinbrennereien Hamburg, Verkaufsbureau Berlin G. m. b. H., SW. 48, Friedrichstr. 218; Telephon Nollendorf 8025 geführt wird. Die Zugbegleiter werden in Zukunft mit tragbaren Telephonapparaten ausgerüstet, die an beliebige Stellen der Strede arzuschließen sind und dem Bersonal bei Betriebsstörungen Gelegen heit geben, der nächsten Station auf dem schnellsten Wege Nachricht zukommen zu lassen. Die Direktion plant weiter einen Ausbau des Lichtfignalwesens und eine Aenderung der Stromversorgung der einzelnen Eiredenabschnitte. Durch die Inbetriebstellung der neuen Wagen in Verbindung mit den anderen Maßnahmen hofft die Hoch bahngesellschaft die Zugfolge in den Hauptverkehrszeitar bis auf 2 Minuten herabsetzen zu fönnen. Das legte Wort darüber, ob die neuen Wagen wirklich eine Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustand bedeuten, wird das Publikum selbst zu sprechen haben. Ein russischer Fürst als Dieb. Um seinem Mädel ein ftandesgemäßes Leben zu sichern. Fürst Alexander Trubektoj hatte sich vor dem Schöffengericht Schöneberg nochmals wegen mehrerer Schlafwagen und Taschen diebstähle zu verantworten. Wie wir vor einiger Zeit berichteten, war der Fürst bereits in einer Reihe von Diebstählen in internationalen D- Zügen zu einer Gesamtstraße von drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Es mußten damals jedoch einige Fälle abgetrennt werden, da der Angeflagte behauptete, daß er das Opfer einer Ber. fonenverwechselung geworden sei. | Springturm, der in Höhe von 1. 3, 6 und 10 Meter Sprungbretter enthält, und einem Schwimmunterrichtsbeden bestehen. Umrahmt we: den die Beden von breiten Rasenflächen, woran sich die Anfteiberäume schließen, die für 1500 Personen vorgesehen sind. Die Kosten der Anlage belaufen sich auf 360 000 bis 400 000 Mart. Der Bauplan ist in allen Einzelheiten fir und fertig. Mit dem Bau fönnte also fofort begonnen werden, es liegt mur an Berlin, die Mittel dazu sofort zu bewilligen. Ein Liebling der Frauen. Auch eine Erinnerung aus der„ Großen Zeit“. Vor etwa 6 Jahren erregte der Fall einer Frau Generalmajor M., einer geborenen Gräfin D. aus einem der ältesten Adelsgeschlechter, Aufsehen, als diese Frau wegen Diebstahls und Urkundenfälschung zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. frau.., im Jahre 1916 eine Achtzimmerwohnung abgemietet. Die damals Berurteilte hatte von einer Generalswitme, Frei Bald darauf erhielt die Vermieterin nach Wiesbaden die Nachricht, daß ihre Wohnung ausgeplündert sei. Bertpolle Perferteppiche Schmud, aftes Familienfilber, Wäsche und Kunstgegenstände waren aus der Wohnung herausgeschafft worden. Die Generalsfrau hatte die Strafe auf sich genommen, ohne mitschuldige zu nennen. Jeht, acht Jahre nach diesem Strafver einen erheblichen Teil ihrer Strafe verbüßt und für den Rest Straf. fahren, wurde die Sache nochmals aufgerührt, nachdem Frau M. machlaß erhalten hatte. Unter der Beschuldigung, der eigentliche Täter zu sein und die inzwischen von ihrem Manne gefchiedene Generalsfrau als fein willenloses Werkzeug benuht zu haben, wurde der Kaufmann Kurt Demmen ich unter Anflage gestellt und auch vom Schöffengericht Charlottennburg fürzlich wegen schweren Diebstahls, schwerer Urfundenfälschung und versuchter Beamtenbes ftechung zu 4 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverluft verurteilt. Gegen diefes Urteil hatten seine Verteidiger Berufung für den Ange flagten eingelegt, so daß sich die Straffammer des Landgerichts IIT nochmals mit dem Streitfall zu beschäftigen hatte. Der 24jährige Angeklagte ist der Sohn eines ruffifchen Marineoffiziers, feine Mutter hatte in zweiter Ehe den ehe maligen russischen Admiral Fürst Wladimir Trubejtoj geheiratet und von diesem war der Angeflagte adoptiert worden. Ursprünglich hatte man angenommen, daß er sich auch diesen Namen fälschlich bei gelegt habe. Es ergab sich jedoch, daß er den Fürstentitel zu Recht führt. Als russischer Flüchtling hatte sich der Angeklagte in Berlin zunächst auf ehrliche Art und Weise zu ernähren versucht, fogar als Kellner und Klavierspieler. Er hatte sich dann mit einer 16jährigen Schofoladenverfäuferin. der Tochter eines Ber liner Eifenarbeiters, verlobt, die er zur Fürstin machen wollte. Um seiner Zufünftigen eine standesgemäße Zukunft zu sichern, war er Der Angeklagte Demmenich, ein eleganter junger Mann von darauf verfallen, sich die Mittel dazu durch Schlafwagendiebstähle zu etwa 28 Jahren, erwies fich als ein regelrechter Frauenverführer, ber, verschaffen. Dabei soll er auch, wie schon in der vorigen Berhand obwohl verheiratet, Beziehungen zu verschiebenen Frauen unterhalten Tung festgestellt wurde, narkotische Betäubungsmittel an- hat. Wie Landgerichtsdirektor Siegert feststellte, befinden sich bei den gewendet haben. Unter den noch in der Nachtragsanflage in Be- Aften ganze Stoße von Frauenbriefen, darunter von tracht tommenden vier Fällen waren einem Bergwerksdirektor 2. Baroninnen und Gräfinnen, die sich alle danach brängen, 500 Goldmark und ein goldenes Zigarettenetui, einem Kaufmann dem Angeklagten einen Berteidiger zu stellen, für ihn Gelbein Berg 500 Rentenmart und 100 Schweizer Front nachts im D- 3uge zahlungen zu machen und ihm versprechen, ihm nach seiner Freigestohlen worden. Der Angeklagte, der sich bei seinen Schlafwagen laffung einen Erholungsaufenthalt in einer Billa oder einem Sana fahrten meist unter falschem Namen eingeschrieben hatte, behauptete, torium zu verschaffen. Demmenich war im Jahre 1916 nad) Berlin daß er das Opfer einer Personenverwechselung mit einem anderen gefommen, nachdem er infolge Kriegsverlegung vom Militär entRuffen sei. Die Zeugen erfannten ihn aber wieder. Auch das bei lassen worden war. Eines Tages begegnete ihm Frau M., deren dem Angeklagten gefundene Zigarettenetui wurde von dem Be- Mann als Regimentsfommandeur im Gelbe war. Sich anlächeln und stohlenen mit Sicherheit refognofziert. Die Braut des Angeklagten die Bekanntschaft machen war eins. Das Verhältnis zu Frau M. trat allerdings mit einer Quittung hervor, nach welcher dieses Bi- wurde bald sehr intim. Sie gab ihm dauernd Geld, bezahlte feine garettenetuis von einem unbekannten Ruffen gekauft worden fei. Anzüge und gab ihm schließlich auch Schmucksachen zum Versetzen. Dem Gericht erschien diese Aussage durchaus unglaubwürdig und Frau M, verfügte über ziemlich reichliche Geldmittel, da sie ihre Staatsanwaltschaftsrat Dr. Orthmann drohte der Zeugin ein Ver. Beziehungen zu Behörden dazu benußte, um recht bebent fahren wegen Urfundenfälschung an. Gegenüber den Taschendiebliche Schiebergeschäfte zu machen. Wie sie eingestand, hat fie stählen erhob der Verteidiger den Einwand, daß diese Art Diebstähle munitionslieferungen vermittelt und fich auch bei nicht zu der„ Spezialität" des Angeflanten gehört. Das Gericht fam militärbefreiungen betätigt. auch in diesen beiden Fällen zu einer Freisprechung, hielt den Ange- dann eine Fabritantentochter geheiratet hatte, fnüpfte er bald auch Nachdem Demmenich flagten aber schuldig der beiden Fälle bes Schlaf. Beziehungen mit der Ehefrau eines ihm befreundeten Rittmeisters, wagendiebstahls. Mit Rücksicht auf das freche Leugnen trotz Baron v. 2., an, und diese Frau war entschloffen, ihren Ehemann erschütternder Ueberführung hielt Landgerichtsdirektor Schneider eine feinetwillen zu verlassen. Bei einer Zusammenkunft zwischen den schwere Strafe für angebracht. Gegen den Angeklagten wurde unter beiden Frauen erhob die eifersüchtige Ehefrau des Angeflagten gegen Einbeziehung der früher erkannten Strafen auf eine Gesamt diefen die Beschuldigung, daß er den Wohnungseinbruch strafe von 4 Jahren 3 Monaten Gefängnis erkannt, verübt habe. So wurde der Fall nach acht Jahren nochmals auf. außerdem erhielt er 5 Jahre Ehrverlust. Von der Untersuchungshaft gerührt. Frau M. erflärte num, daß fie dem Angeklagten, ihrem wurden ihm nur 3 Monate angerechnet. einstigen Liebhaber, versprochen hatte, von seiner Schuld nichts zu fagen. Die Ehefrau des Angeklagten, die nunmehr von ihm auch geschieden ist, widerrief vor Gerich. ihre früheren Beschuldigungen wegen des Diebstahls. Sie führte sie auf einen Ausfluß ihrer Eifer. fucht zurüd. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß sich auf die uslassungen eifersüchtiger Frauen eine Beurteilung nicht aufbauen laffe. Demmenich wurde von der Anflage des Diebstahls freige. sprochen, dagegen der schweren Urfundenfälschung und der versuchten Beamtenbestechung schuldig befunden. Er hatte nämlich versucht, einen Justizwachtmeister zu überreden, feine Strafatten beiseite zu schaffen. Unter Aufhebung des ersten Urteils erfannte das Gericht auf eine Gesamtstraße von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. Langfingers Pech. Smei Taschendiebe, noch recht jugendliche Gesellen, wurden von Beamten des Sonderbezernats beobachtet und nach längerer Ber. folgung festgenommen. Den Beamten fielen zwei gutgefleidete junge Männer auf, die sich vor dem Schaufenster für Abendkleider unter dem Bogen eines Warenhauses in der Leipziger Straße hin und herbewegten. Die jungen Herren mischten sich dann in das Gedränge der Damen, die die Auslegen betrachteten. In einem geeigneten Augenblid öffnete einer von ihnen einer Dome, ohne Saß fie etwas merkte, die Handtasche Bevor er jedoch hineingreifen fonnie, drängte fich eine andere Dame dazwischen und so schlug der Versuch fehl Bald darauf steckte derfelbe junge Mann seine Hand tehutsam einer Dame in den Persianermuff in dem er mit Recht ihr Portemonnaie vermutete. Zu seinem Bech aber fuhr im gleichen Augenblick die Dame von der anderen Seite in den Muff, um ihr Taschentuch herauszuholen. So mußte er rasch zurückziehen und hatte wieder nichts erbeutet. Jetzt gingen beide in das Haus hinein. Die Beamten verloren sie troß des Gedränges nicht aus den Augen und fahen, wie sie noch wiederholt fruchtlose Ber. suche unternahmen. Im Teeraum merkten die Spezialisten, daß fie beobachtet wurden, verschwanden schleunigst aus dem Hause und eilten, von den Beamten immer verfolgt, nach der Untergrundbahn auf dem Leipziger Plah. Schon mit Starten versehen, gingen sie rasch den ganzen Bahnsteig entlang und stiegen om Café Bater land" wieder ans Licht. Jetzt glaubten sie wohl, ihren Verfolgern cnikommen zu fein. Darin täuschten sie sich jedoch. Sie wurden ergriffen und auf der Wache festgestellt als ein 16 Jahre alter Dreher namens Bolsch und ein 17 Jahre alter Kaufmann Fret ter, der von Münster in Westfalen her schon gesucht wurde. Man fand bei ihnen ein Damenportemonnaie mit 20 M., das fic, wie sie zugeben, gestohlen haben. Eine Schwimmanstalt für Schöneberg? Man schreibt uns: Endlich soll auch in Schöneberg eine Bade anstalt gebaut werden, d. h. wenn die Stadt Berlin die Mittel dazu bewilligt. Man will noch nicht so recht, aber man wird müssen, denn der Bezirk Schöneberg hat wohl ein prächtiges Rathaus, aber weber ein Hallenbad, noch ein Freibad. 20 000 Einwohner sind ohne Badegelegenheit, die gesamte Jugend kann eine der wichtigsten Leibesübungen nicht ausüben, 90 Broz. von ihnen können überhaupt nicht schwimmen. Man hat deshalb ein Projekt ausgearbeitet, auf dem Dominicus- Spielplaß eine Swimmanlage herzustellen. Sie soll aus einer Schwimmbahn von 100 Meter Länge und 30 Meter Breite, einem besonderen Sprungbeden mit einem Kinderreiche Familien, minderbemittelt, mit mindestens vier Kindern, die in dürftigen, ihren Verhältnissen nicht entsprechenden Wohnungen leben, werden gebeten, ihre Adresse an die gemeinnügige Bau und Siedlungsgenossenschaft Die finderreiche Familie", Berlin N. 4, Chauffeestraße 1, einzusenden. Es liegt im Intereffe einer jeben fmderreichen Familie, sich dieser gemeinnüßigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft anzu schließen. Verkehrsbeamfe und Ausfunftsbeamte. Um zu verbindern, daß an den Brennpunkten des Verkehrs die Verfehr posten ber Saußvolizei ihrer eigentl chen Aufgabe entzogen werden, find, wie der Polizeipräfident mitteilt, weitere Beamte aufgestellt worden, an die fich das Publikim mit der Bitte um Auskunft und Silfe wenden kann. Um fenntlich zu fein, tragen diefe Beamten um den linken Arm eine weiße Binde mit der Aufschrift „ Auskunft. Im übrigen erteilen nach wie vor alle Posten und Streifen der Schußpolizei Auskunft. Bezirksbildungsausschnß Groß- Berlin. " Die Steffiner Sänger im Reichshallen Theater bringen in ihrem De zember- Spielplan einige recht humorvolle Sachen. Die gut gemimten Berliner Tyben bes Grotes! fomite: 3 Paul Briton sowie die Goleszene von Martin Breuer, Täubchen der Nabiobaliler, lösen stürmischen Beifall aus. Eine Weihnachtsstudie Meister Ehrhardt" von Ferb Meisel appellier! an das Weihnachtsgemüt. Neben einigen Gesangsvorträgen gefielen die Broteste„ Gerinissimus in Nudelburg und die lebenden Bilder Der beutsche Wald, beide von Ferd. Meisel in Szene gesetzt. Heute, pünktlich 4 Uhr nachmittags, in der Goethe- Bühne, Klofterstr. 43 ( direft u tergrundbahnhof offerfiraße): Romeo and Julia. Garderobe und Theaterzettel frei. Donnerstag, 25. Dezember( 1. Weihnachtsfeiertag), nachmittags 2, Uhr im Deutschen Opernhaus:„ Die toten Augen Breis pro Karte 1,20 Goldmart, Garderobe fret. Am gleichen Tage im Staats. theater Charlotenburg, nadm. 2 Uhr: Bossen aus Allt Berlin". Preis der Starte 1( Boldmart, Garderobe and Tbeaterzettel fret. Greitag, dest 28. Dezember( 2. Beihnachtsfeiertag), vormittags 11 1hr, im Großen Schauspielhaus: Frohe Weihnachtsfeierstunde: Großstadtfrühling", ein Chorwer! mit Mufil, Gefang und Tang. Preis der Gingellarte 1 Golde mart. Sonnabend, 10., 17. und 24. Januar, abenb8 8 1hr, und Sonntag. 11. Sannar, nachmittags 3, br: Mujilalische Komödien" im Siller. Gaal( neben dem Eğiller Theater). Preis ber Starte 1.- Goldmart, Riciderabiage frei. Die Streise werden ersucht, die neuen Karten schnell ftens vom Bureau abzuholen. www Haben Sie zum Fest auch nicht vergessen? ACP 9.80 5.90 Damenhalbschuh in guter LederverHerren Schnürstiefel, echt Rindbox, strapaz: er- und wefterfeste Ware arbeitung 8.90 Damen- u. Herrenschnürstiefel, anerkannt solide Ware Prakt. Geschenke sind: Kamelhaar. schuhe, Filzstiefel mit Lederbesatz, warme Pantoffel, Stoffgamaschen und Gummischuhe Wintergarten. Das Weihnachtsprogramm toeift wieder eine forgfältige Zusammenstellung auf. Da ist vor allen Dingen das brillante Rollschuh. läuferpaar Eplendids zu nennen, bas feine erstaunlia en Evolutionen auf einem mäßig großen Sie mit unglaublichem Schwung und spielend be. herrschter Sicherheit ausführt. Da ist der Balanceaft der Ange! Bros von unglaublicher und tolederum sicherster Kühnheit. Die amerikanischen Fayre Mulizieren, sondern auch durch einen feltenen Liebreiz der Erscheinung, Sisters beftemen nicht allein durch die originelle Aufmachung und gutes fie wirten wie vier bolde Früblingsboten. Die Lanze der Royal Express Dancers umb des Russischen Balletts Eloff fonnten diesmal Fabelhaft tit der Sprung Ellis Mortis aus Haushöhe in die Tiefe. weniger befriedigen, aber ber Schlußtanz der Ruffen, nationale Afrobatil, toar ganz erfüllt von jenem wilden, wirbelnden Tempo, das ins Blut geht. Der( die) rätselhafte Barbette ist wiedergelebrt und beimit Erfolg. Die gefchmadlofe Entgleisung einer Piece mit Schwarz- Weiß- Rot, die mir energisch abweisen mußten, ist, wie die Direktion mitteilt, sofort beseitigt worden. Rafur- Erlaufchen. Bon Georg Eugen Kitler. Baldur- Berlag, SO. 36. Märkische Heimatzeitschrift die Mart beraus und ist unermüdlich für die Rigler gebührt das große Verdienst, den Berlinern das Wandern in der Mart nabe gebracht zu haben Seit 20 Jahren gibt er die erste Berline Bandersache mit Wort, Lightbulb und Film tätig gewefen. Das vorliegende Büchlein zeigt ihn als einen naturbefeltgten Menschen und Dichtet, der mit reinem Herzen andächtig die immer neuen Wunder der Natur beschaut und fie uns schildert. Es geht bon feinen Worten viel stille Freude aus, bie mir wieber mehr denn je geb: auchen lönnen. Es ist ein Glüd, daß folche Bücher wieder gefchrieben werden und auch erscheinen. Der Zeichner Wilhelm Reichner hat dem Buch eine große Anzahl hübscher Zeichnungen nach märkischen Motiven beigegeben. Hilfe für Hochwassergeschädigte. Wo bleiben die deutschen Millionäre? zur Sammlung für die Hochwassergebiete sind bisher insgesamt Auf den Aufruf des Reichspräsidenten und der Reichsregierung 340 000 Mart eingegangen, ein an sich zwar recht begrüßenswerter, aber angesichts der großen Not doch noch geringer Betrag. In diesem Betrag sind dazu noch die 50 000 m., die Berlin, 50 000 m., bie Hamburg gegeben haben, fowie weitere Spenden deutscher Städte enthalten. Eine fleine Stadt wie Fürstenwalde an der Spree gab 1000 m. Wo aber, so ist mon berechtigt zu fragen, bleiben die Spenden der deutschen Goldmartmillionäre? Vielleicht hört man bald, was diese Herrschaften zur Steuerung der großen Boltsnot bisher getan haben. Elektrisierung der Wiener Stadtbahn. Die für das Jahr 1924 vorgesehene Elektrisierung der Wiener Stadtbahn hat sich, trotzdem die erforderlichen Mittel bereitgestellt waren, nicht in der geplanten Zeit durchführen lassen. Wie die Reichszentrale für Deutsche Ver fehrswerbung erfährt, follen die Arbeiten nunmehr so gefördert merden, daß die Eröffnung des elektrischen Betriebes mit Sicherheit am 1. Mai 1925 erfolgen fann. Wieder ein Todesurteil. Das Schwurgericht in Dsnabrüd berurteilte den früheren Fürsorgezögling Jansen auf Antrag des Staatsanwalts wegen Rotzucht und Mord zum Tode. Ein guter Tip! Du haft rechtDas wird feine Haupt Uberrachung Werden! Scharlachberg Meisterbrand- Meister- Liqueur Weinbrennerei Stharlachberg 2-0. Bingen Rbels. Filialbureau Berlin: Berlin W. 57, Kurfürstenstraße 28 12.50 Lomas Orig. Good. Welt Herren- u. DamenSchnürstiefel zum Friedenspreis 1914 Schüffabrik& Cie AG lack 19 Verkaufsstellen in Groß- Berlin: SWFriedrichst.240/ 41 O.Frankfurter Allee22 W, Schillstr. 16 SO, Oranienstr 2 a W, Potsdamer Str. 50 SO. 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Im Norden führt der Weg vom Atlantischen Ozean ins Mittel- meer vorbei: gegenüber reckt sich der mächtige Felsen von Gibraltar ins Meer, von dem aus England diese wichtige Straße kontrolliert. Und im Süden und Osten liegt französi- sches Kolonialgebiet, über dessen Bedeutung für Frankreich man kein Wort zu sagen braucht. Außerdem birgt Marokko reiche Eisenlager, die nicht sehr tief und ziemlich nahe am Meer liegen, also verhältnismäßig leicht zu fördern und fortzutrans- Portieren sind. Diese wirtschaftlichen und geographischen Werte haben Marokko bereits zweimal zum Mittelpunkt europäischer Krisen gemacht. Die Küste Marokkos war seit dem spanisch-marokkanischen Kriege von 1860 spanisch, und schon damals war um Tewan wiederHoll gekämpft worden. Im Jahre 1912 schickte sich Spanien an, das ganze Land im Namen Europas in Besitz zu nehmen. Wirklich beseffen hat Spanien Marokko nie. Es gab immer Kämpfe mit den Eingeborenen, das flache Land blieb feindlich, und von einer ernsthaften Zivllisierung oder auch' nur Pazifi- zierung kennte niemals die Rede sein. Die spanischen Soldaten und Beamten saßen in den Städten und herrschten mit Hilfe des Kalifa von Tetuan, soweit ihre Macht eben reichte: das heißt bis an die Tore. Was dahinter lag, konnte nur durch die 5iaids, die Führer der Stämme, beeinflußt werden, die indessen nur sehr selten aufrichtige Freunde Spaniens sind. Während des Krieges ruhten die Kämpfe einigermaßen, weil von deutschen Agenten alles versucht wurde, um die Ein- geborenen des spanischen Gebiets gegen die Franzosen zu mobilisieren, was nicht ganz ohne Erfolg blieb. Als der Krieg jedoch zu Ende war, setzten die Kämpfe der Kabylen gegen ihre Protektoren heftiger als je zuvor ein, besonders nachdem der tatkräftige und eurtipäisch gebildete Abd el Krim die Führung seiner Landsleute— auch in der deutschen Presse nennt man sie oft Rebellen— übernommen hatte. In den spanischen Veröffentlichungen wird dieser Kampf immer als eine Folge der panislamitischen Bewegung hinge- stellt. Daran ist zweifellos viel. Wahres. Die Hartnäckigkeit und Tapferkeit der Marokkaner wird sicher durch ihren reli- giösen Fanatismus genährt, und es mag auch richtig sein, daß in Indien für ihre Kriegskosse gesammelt wird. Aber ich habe vor-zwek Monaten in Tetuan im Gespräch mit dem. Führer einer dort sehr bedeutenden Sekte selbst feststellen können, daß seine Kenntnisse der Vorgänge in Arabien, der Türkei. Aegypten uird Indien doch sehr wenig konkret und eigentlich nur auf ganz vagen Gerüchten beruhten. Die Wahrheit ist eben, daß S p a n i e n das Land schlecht verwaltet hat. Spanien, das selber recht schlecht oerwaltet wird, ist einfach gar nicht in der Lage, zu kolonisieren. Es ist außerdem viel zu arm. um bedeutendes Kapital in Marokko hineinzustecken, seine. Bodenschätze zu heben, seiner Bevölke- rung neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu öffnen. Für die spanische Regierung und sogar für die spanischen Beamten und Osfiztere ist Marokko immer nur ein Ausbeutungsobjekt gewesen, aus dem man möglichst viel herausziehen wollte. Der Krieg, der den Privatleuten— auch wenn sie in amllichen Stellen sitzen— die Möglichkeit, sich in großem Stil zu bereichern, gibt, bringt für den Staat ungeheure Unkosten mit sich. Er kostet ihn jeden Tag nicht weniger als acht Millionen Pesetas, das sind zwei Drittel des gesamten spanischen Etats. Wie ernst die Lage war, erfuhr die spanisch« Oeffentlich- kcit überhaupt erst im Jahre 1921, als die Besatzungsarmee bei Melilla eine furchtbare Niederlage erlitt. Die Vertuschung der Korruption, die bei der von einer Kammerkommission ge- führten Untersuchung damals ans Tageslicht kam und die zu einem Panama für das ganze spanische Offizierskorps und besonders auch den König zu werden drohte, bildete dann den Hauptgrund des Militärausttandes von Barcelona, der zur Errichtung der Diktatur Primo de Riveras führte. Primo de Rioera stimmte denn auch der gesamten öffent- llchen Meinung darin bei, daß Spanien wenigstens im Innern Marokkos nichts zu suchen habe und daß es nur den Küsten- strich halten solle. Es dauerte jedoch mehr als ein Jahr, bis er den Widerstand des Königs und der ihm anhängenden Militärs gebrochen hatte, um mit der Räumungspolitik be- ginnen zu können. Er übernahm persönlich das General- kommissariat für Marokko und begann das, was er seine Polllik nennt, was in Wirklichkeit indessen einer militärischen Niederlage verzweifelt ähnlich sieht. Einen einheitlichen Kriegsschauplatz gibt es überhaupt nicht. Zwischen den drei Sektoxen Larache(an der Westküste), Tetuan(im Norden) und Melilla(im Osten) besteht nur über See eine Verbindung, und der Rückzug des spanischen Heeres tostet ungeheure Menschen- und Materialverluste. Die Zahl von 29 009 Toten und Verwundeten, die allein dt« Aufgabe von Tauen— einem nicht ganz unbedeutenden Ort, in dem viele Spanier wohnten— gekostet haben soll, ist aller Wahr- scheinlichkeit nach nicht übertrieben. Der Rückzug erfolgt nämlich ohne jede Fühlung mit Abd el Krim. Es waren allerdings von spanischen Politikern Verhandlungen mit dem Kabylenchef eingeleitet worden, aber Primo de Rivera hat davon nichts wissen wollen. Er hat es vorgezogen, mit den Führern der einzelnen Stämme zu ver- handeln, die sich in der Regel erst reichlich mit Geld und Mu- mtion versehen lassen, ehe sie dann offen auf die Seite Abd el Krims treten. So machte es nach der Aufgabe Tauens der Tribus der Djebala, und ihm haben sich jetzt auch die Andjcras angeschlossen, die im Norden von Tetuan sitzen. Die Bahn von Tetuan, der Hauptstadt des Gebiets, nach dem klemcn Hafen Ceuta. die einzige Straße von der Stadt, die bisher noch sicher war, ist damit nun auch gefährdet. An eine unmittelbare Gefahr für das befestigte und mit Artillerie ge- svickte Tetuan möchte ich trotzdem noch nicht glauben, aber die Stadt wird vermutlich wieder wie im Oktober von den marokkanischen Schützen belästigt werden. Die sehr zahl- reicken Spanier in Tetuan werden dadurch in ihrer Tätigkeit natürlich sehr behindert werden, und wenn die Bahn nach Eeuta ernsthaft gestört werden sollte, kann dadurch auch ein Druck auf ihre Berteidigungsmöglichkeit ausgeübt werden. Bon Tetuan bis Ceuta sind aber nur 38 Kilometer, und was Einsegnung Üer Kronzeugen. »Umgürtet Euch mit öem Harnisch üer Niedertracht, setzet ans den Helm der Verleumdung, wappnet Euch mtt dem Schild des Meineids, ergreift das Schwert der llüge und ziehet hin gen Magdeburg, zu zeugen wider ihn! Hott will es! Und übrigens wird für Such gesorgt werden." von dem berühmten Küstenstrich, den Primo de Rivera halten will, dann noch übrig bleibt, wird er selber kaum sagen können. Sein Plan, auf eine feste Linie zurückzugehen und dann noch einen Frieden nach seinem Gutdünken zu schließen, muß jedenfalls schon jetzt als gescheitert angesehen werden. Die spanische Linke, insbesondere unsere Genosien, fordern denn auch die völlige Räumuno Marokkos einschließlich der Küstenstädte und die Rückgabe des Pro- tektorats an den Völkerbund. Wozu jedoch auch die politi- schen und militärischen Notwendigkeiten führen werden, die Riffrepublik mit oder ohne Tetuan wird sehr bald eine Tat- fache sein. Damit ist ein neuer, überaus ernsterKonfliktstoff zwischen England und Frankreich gegeben. Eine englische Gesellschaft, die sich für das Eisen des Atlasgebirges inter- essiert, hat bereits vor Monaten Abd el Krim einen Borschuß von 1S9 999 Pfund Sterling gezahlt, um sich den Besitz daran zu sichern. Und daß Frankreich andererseits die Kabylen mit Waffen, Geld und guten Ratschlägen unterstützt, ist ein offe- nes Geheimnis. Bei der Zusammenkunft Herriots und Cham- berlains ist über diese Frage gesprochen worden, und es scheint, daß Frankreich vielleicht für Konzessionen in der Kölner Räumungsfrage dabei die größeren Borteile zugesagt erhalten hat. Der„Suotidien* hat allerdings in einer offiziösen Rottz das Gerücht einer bevorstehenden Intervention Frankreichs dementiert und hinzugefügt, daß, selbst wenn die französische Regierung sie plante, die Kammer niemals ihre Zustimmung dazu geben würde. Wir haben keinen Grund, an dieser Versicherung unserer Freunde zu zweifeln. Aber man darf nicht vergessen, daß die französische Kolonialpolitik notwen- digerweise Tendenzen in sich trägt, die sich schon aus der Lage Marokkos ergeben. Denn ein Riffftaat würde seinen religio- sen Fanatismus vermutlich kaum vor den Grenzen des franzö- fischen Gebiets abstoppen können— selbst wenn er es wollte. Und außerdem wird der neue Staat zu kapitalarm sein, um nicht ausländische Kredite aufnehmen zu müssen. Die Gefahr dunkler Einflüsse ist also sehr groß, und es kann Frankreich niemals gleichgültig sein, wer sich an diesem wichtigen Punkte einnistet. Der„Temps" und andere große Pariser Zeitungen haben auf diese Umstände wiederholt und nachdrücklichst hin- gewiesen. Wenn sich jedoch auch England und Frankreich— mit der gegenseitigen Versicherung einer gemeinsamen Be- kämpfung der panislamitischen Bewegung, die hauptsächllch England interessiert— geeinigt haben sollten, bleibt immer noch die Einmischung der anderen Mittelmeerstaaten, beson- ders Italiens, eine gefährliche Möglichkeit. Man spricht beretts von einer neuen Marokkokonferenz, die dann alle internationalen Probleme zweifellos in den großen Schmor- topf der Verhandlungen werfen würde. Was Deutsch- l a n d anbelangt, so kann es dabei leicht nur ein Kompen- fationsobjekt werden. Um so eher als alle Parlncr sich darüber einig sind, eine deutsche Wirtschaftsexpansion in Ma- rokko zu verbindern. Die Marokkaner, die früher mit Deutsch- lond gute Geschäfte gemacht haben, hätten vielleicht am wenigsten dagegen: aber es ist sehr die Frage, ob sie auf dem Parkett der Verhandlungen ebenso gewandt und erfolgreich sein werden wie in dem rauhen Gelände ihres heimatlichen Kampfgebietes. Wirtschaft Die Zwischsniösung bei üer Rentenbank. Fingerzeige und Bedenken. Eine auffallende Erscheinung! Die sonst so eifrige Rentenbank hat bis zur Stunde kein Wort der Erwiderung zu den Ausfllhrun. gen im„Vorwärts" gefunden, welche auf die dem deutschen Wirtschaftsleben drohenden Gefahren hinwiesen. Man wird aus dieser Totsache des Schweigens den Schluß ziehen müssen, daß die Dar- legungen richtig waren,«in Schluß, der bei den im Reichstag zu erwartenden Auseinandersetzungen nicht aus dem Auge verloren werden darf. Nun ist ja eine Zwischenlösung gefunden worden, die Rentenbank-Treuhandstelle, der auch die Rentenbank zugestimmt hat, allerdings nicht ohne Widerstreben und nach lebhaften Ans- einandcrsetzungen im Derwattungsrat, der die Verhandlungen in einer Sitzung nicht zu Ende führen konnte. Am liebsten hätte man in diesen Kreisen die Erledigung auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfasjung gesehen: dann hätte man sich die unbequemen Erörterungen erspart und es wäre nicht so viel Licht in die Zusammen- hänge gefallen. Die§§ 9 und 16 des Liquidierungsgesetzes sollten di« Handhabe zu dieser beschleunigten Lösung geben. Es ist das Verdienst der preußischen Regierung vor allem, diese Gefahr ab- gewehrt zu haben. Di« Zwischenlösung selbst gibt einige Fingerzeig? für die end- gültige Lbsung. Auf Grund der eben erwähnten Bestimmungen des Liquidierungszesetzes hatte die Rentcnbank bisher di« rund 189 Mll- licnen kurzfristig bei den Großbanken angelegt. Bon da wurden sie weiterbegeben. Wir glauben gut unterrichttt zu fein, wenn wir behaupten, daß auch di« Großindustrie von diesen Krediten erhalten hat, auch solche Unternehmungen, die jetzt nicht ohne Erfolg« sich auf die Geldsuche in die Vereinigten Staaten begeben hoben. Di« Rentenbankgeider sind also tatsächlich nid)t nur der Landwirtschaft zugute gekommen, wobei es gleichgültig ist, ob dies nur dem Druck der Paragraphen zuzuschreiben ist, an die sich die Rentenbarst so krampfhaft klammerte. Denn darüber war sich die Rentenbemk wohl im, klaren, daß die Großbanken sich keine Vorschriften bei der Weiterbeycbung der Kredite machen lassen würden. Ebenio wußte sie, daß gerade di« am meisten kreditbedürftigen Landwirt« nickst Kunden der Großbanken sind, welche aus dem Geschäst einen immerhin nicht ganz unbeträchtlichen Gewinn einheimsen können. Die Tatsachen allein sollen sprechen, und diese beweisen, daß der„Vor- wärts recht hatte, wenn er die Forderung aufstellte, daß dem ganzen Volk« zugute kommen miisse aus den Geschäften, zu denen das ganze Volk beigetragen hat. Daß das möglich ist. hat das Interim gezeigt. Ein Weiteres kommt dazu. Die Treuhandstelle wird gebildet von der Deutschen Rentenbarik, der Preußischen und der Bayerischen Staatsbank, dem Dentsthen Landwirsschastsrat und dem Reichsbank- direktorium. Wir sagen nicht, daß diese Zusammensetzung eine ideale ist. Wir verkennen nicht, daß durch die Stellung des Deutschen Landwirtschaftsrates neben die Rentcnbank der großagrarische Ein- fluß verstärkt wurde. Wir glauben auch.nicht, daß di« Zusammen- setznng der Treuhandstelle.besonders di« kleinen Landwirte schützt. Doch darauf kommt es schon deshalb.weniger an, weil der Ver- teilungsschlüsstl für die Kredite festgelegt ist. Hier handelt es sich darum, daß für die spätere endgültig« Gestaltung des Kreditinstttuis ein Weg gewiesen ist, der sympathischer' ist wie das Gaukelspiel mit den Zahlen, das bei der Zuscmmensetzcmg der künftigen General- versanimlung und des künftigen Verwaltungsrates getrieben wird. Di« Treuhcmdstelle selbst wird sich noch ein Statut schaffen. Unter den kleineren Kreditinstituten, welche von der Trcuhandstell« Kredits erhalten, hat der Verwaltungsrat ein« Auswahl getroffen. Wir hoffen, Boß die Treuhandstelle ein Nachrüfungsrecht befer Institute sich vorbehält. Wenn sich herausstellen sollte, deß ein Institut neben der bantmäßigen Betätigung sich auch mit landwirts schaftlicher Grundstücksvermittlung hauptamtlich beschäftigt, so dürfte feine Veranlassung bestehen diesem Institut eine bevorrechtigte Stellung einzuräumen. Gewisse Borgänge auf diesem Gebiete bedürfen ebenso ernstester Aufmerksamkeit wie gewisse Konzernbestrebungen auf dem Gebiete des speziell landwirtschaftlichen Bankwefens. Die Treuhandstelle will den Grundsatz des neu zu schaffen den Kreditinstituts schon vorher praktizieren, daß den Letzten die Hur beißen. Die Großen" erhalten die Kredite zu niedrigeren Zinsagen wie die Kleinen, die der besonderen Obsorge und Schonung bedürfen. Hier entsteht eine Zinsspanne, welche zu Geschäften Direkt reizen kann. -O Sodann droht eine, wenn auch nur vorübergehende Gefahr, Don der in diesem Zusammenhange geredet werden muß. Die 180 Millionen sind jetzt bei den Großbanken furzfristig angelegt. Sie werden also gefündigt werden müssen, wenn sie den Zwecken der Treuhandstelle dienstbar gemacht werden sollen. Wie verlautet, foll cin gewisser Reservefonds man sprach von 50 Millionen für die Treuhandstelle selbst zunächst zurückgehalten werden. Dann Dann würden immer noch 130 Millionen bleiben, die gekündigt werden n: üssen. Auf einen solchen Blutentzug muß naturgemäß der Bicts fchef.störper reagieren. Es wird also Vorsorge getroffen werden müssen, daß der Abbau der furzfristigen Kredite schrittweise und in dem Tempo erfolgt, in dem die Kredite wieder auf dem Wege über die Landwirtschaft der Wirtschaft zuftrömen. Geschieht das nicht, dann besteht die Gefahr einer vorübergehenden Erschütterung, die auch agitatorisch von einer gewissen Sorte ausgenügt werden könnte. Die Renten ant kontrolliert die Treuhandſtelle. Wir hoffen, daß auch der Deffentlichkeit eine Kontrollmöglichkeit bleibt, denn hier geht es um mehr als etwa um rein bantmäßige Vorgänge. Nach wie vor erheben wir die Forderung, daß sozialer Geist in diefe Frage muß. Das Bolt darf sich nicht hinweg: äuschen lassen über die letzten Ziele, welche hier mit bewunderungswerter Zähigkeit verfolet werden. Mit nech größerer Wachsamkeit werden wir die Ents nicklung verfolgen, in der der Reichstag das letzte Wort zu sprechen haben wird. Eine große Verantwortung, der er sich hoffentlich gewachsen zeigt. Die Machtverteilung innerhalb der Schwerindustrie. Naturg mäß spiegelt sich die Konzentration der Unter nehmungen am deutlichsten in der Schwereisenindustrie wider. Echon bei der Bildung des Stahlwerfsverbandes im Jahre 1904 trot das flar hervor. Die überwältigende Mehrheit der Beteiligungsziffern lag schon damals in den Händen der großen Gesellschaften. Daß in der neugegründeten Rohstahlgemeinschaft die großen Konzerne in erster Linie tonangebend sein würden, war angefich s der Entwicklung der letzten Jahre mit Sicherheit zu erwarten. Da die Beteiligungsziffern der Rohstahlgemeinschaft nunmehr befcant gegeben sind, ist ein leberblick über ihre Beteiligung möglich. Dieser gibt zugleich weitgehenden Aufschluß darüber, wie sich die Macht der Schwerindustrie auf die einzelnen Konzerne verteilt. Die laut§ 7 des Vertrages der Rohstahlgemeinschaft zugebilligten Beteiligungsziffern verteilen sich auf insgesamt 31 Werte. Die Höhe der Grundbeteiligung beziffert sich auf 13 482 911 Tonnen. Nach Konzerngruppen geordnet verteilen sich diese Beteiligungsziffern wie folgt: Gruppe Otto Wolff Phönig Rheinstabl von der Zypen Gruppe Stinnes bzw. Siemens- Rheinetbe- Union Deutsch Luxemburg Bochumer Verein Gelsenkirchener Bergwerks- Gesellschaft Charlottenbütte Friedrich Krupp Aft.- Ges. löckner- Werte Aft Gef. • 580 640 940 800 221 916 1006 640 470 000 104 000 100 260 Konzern Linte- Hofmann- Lauchhammer( AEG.) Linte- Hofmann- Lauchhammer • B 454.5 69.5+7 Bedeutung des deutsch- englischen Handelsvertrages.| Sentrale E. G., Staatsbanken der Länder, Brivatnotenbanken umb Der Borstand des Außenhandelsverbandes hat zu dem deutsch englischen Handelsvertrag einmütig folgende Stellung eingenommen( gekürzt): Der am 2. Dezember in London unterzeichnete und am 5. De. zember veröffentlichte deutsch- englische Handelsvertrag ist mit Genug tuung zu begrüßen. Et fann nicht nur vorbildlich sein für die fünftigen Handelsverträge beider Länder, sondern für die Erreuerung des gesamten internationa'en Handelsvertragssystems, ebenso wie der bereits am 8. September 1923 unterzeichnete, aber noch nicht ratifizierte deutsch- amerikanische Handelsvertrag. Es ist ein Erfolg unserer von den Fesseln des Friedensvertrags befreiten Handelspolitik. Daß er auch in England lebhafte Zustimmung findet, fann nur begrüßt werden. denn nur solche Verträge werden eine gesunde und dauernde Grundlage der gegenseitigen Handels. beziehungen schaffen, die beide Vertragskontrahenten wirklich befriedigen und auf feiner Seite das bittere Gefühl einer üebervor teilung oder Benachteiligung hervorrufen. Sogar gegenüber den Bor: den handelspolitischen friegsverhältnissen bedeutet er einen Fortschritt. Bor dem Weltkriege bestand zwischen beiden Völkern überhaupt kein Handelsvertrag. Die Handelsbeziehungen wurden vielmehr beider= feits auf Grund autonomer Atte der Gesetzgebung geregelt, durch die man sich gegenseitig eine nicht näher präzifiecte Meistbegünstigung zugestand Ce Sicherheit für geordnete Handels. beziehungen bestand nicht. Diese wird jetzt in weitestem Maße zunächst für fünf Jahre gewährleistet. Es handelt sich also erfreulicherweise nicht um ein Propiforium, wie man bei unseren neuen Abkommen mit Desterreich, Griechenland und bei den in Vorbereitung befindlichen Verträgen mit Frankreich, Belgien, Italien usw., sondern um einen endgültigen handelsvertrag. Mit England brauchen wir daher nach Fertigstellung unseres neuen Zolltarifs eicht aufs neue zu verhandeln Ein solcher Handelsvertrag. fonnte nur als allgemeiner vereinbarungen geschlossen werden. In der Gestaltung des Zolltariss Meist begünstigungsvertrag unter Ausschluß von Tarifhaben sich beide Länder mit gewissen im Schlußprotokoll verzeichneten Einschränkungen grundsätzlich freie hand vorbehalten. Daß sich beide Lände die unbedingte Meistbegünstigung zugestanden haben, ist von großer handelspolitischer Tragweite. Dieses Prinzip war vor dem Kriege das Rückgrat der europäischen Handelsverträge. In der Nachkriegszeit haben sich indessen immer mehr Staaten unter dem Einfluß des Hoch- Protefticismus von diesem bewährten Prinzip losgefagt und wollen nur noch eingeschränkte meist begünstigung gewähren( fogen. Reziproziiätsverträge) abichießen. Stimmungen des Bertrages über die Meistbegünstigung als m'u ft er haft bezeichnet; sie seien in dieser Vollständigkeit und Präzision bisher in feinem anderen englischen Handelsvertrag entha'ten. Sie umfassen alle in Betracht kommenden Gebiete: Zölle, Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, Durchfuhr, Handels- und Gewerbebetriebe, Niederlassungen, Handelsreisende, Schiffahrt, Anerkennung der Konfulcte usw. Ausnahmen find nur in einem geringen und abge= sehen von dem Vorbehalt der Zollunion fáum ins Gewicht fallenden Umfange in Artikel 4 vorgesehen( Verträge über Grenzverkehr, Zollunion und Verträge über Ausschluß der Doppelbesteuerung). muster Die Neuordnung der Kontursftatiffit. In feiner Sigung am Donnerstag eitlärte sich der Reichsrat mit einer Berordnung über Neuregeluna der Konkurs und Geschäfte aufiichte it atistit einverstanden. 1743 856 Danach soll zur Beschleunigung die Konkursstatistit nicht mehr vierteljährlich, sondern alle vierzebn Tage herausgegeben werden, damit der Stand des Wirts icbafislebens beiier übersehen werden kann. Für die Geschäftsaufsichtsstatistit bestand bisher gar feine regelmäßige statistische Nachweisung, sondern nur alljährlich hat das Reichsjustisministerium für jeden Oberlandesgerichtsbezirt eine Witteilung über die Rabl der angeordneten und wieder aufgehobenen Geschäftsaufsichten aufnehmen lanen. Jegt wird diese Sache in gleicher Weise geregelt pie die Konkursstatistit. 1 680 900 1 580 640 1 580 640 Für die Verteilung der Rentenmarkkredite hat die Reichsregierung einen Berteilungsplan aufgestellt Nach ihm entfallen 55 bis 65 Proz. der Kredite auf die Breußische Zentralgenossenschaftstasse, 25 bis 35 Proz. auf die Landwirtschaftliche Bank, die LandesbankenPreisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels je Tohisen- Konzern. Rödner- Konzern Geisweider Eisenwerte 787 808 148 616 931 424 Bute Hoffnungshütte( Hantel). 911 892 Oberichlesische Eisenindustrie O Rheinmetall. 362 268 324 324 82 212 768 804 Hoeich Aft.- Gei.. 746 916 Stumm- Konzern Eisenwert Kraft 193 200 Gaßstablwerk Witten 141 360 527 004 Westfälische Eisen- und Traftwerke 64 104 Gerstengraupen, lose Gerstengrütze, lose Haterflocken. lose.... Hafergrütze, lose ** Stablwerk Menden und Schwerte. 67 200 Roggenmehl 0/1.... Norddeutsche Hütte 61 140 Weizengries Ilfeder Hütte. 470 928 Rombacher Hüttenwerfe Rombacher Hüttenwerke. Eisenhütte Holstein 230 208 60 720 290 928 337 980 Mannesmann. Zusammengefaßt ergibt sich folgendes Bild: Die genannten Gruppen verfügen über eine Beteiligung von insgesamt 11 631 322, die 19 übrigen Werte nur über eine solche von insgesamt 1 801 579 Tonnen. Es bedarf keiner langen Erläuterung, daß die Großkonzerne ohne weiteres in der Lage sind, die Rohstahlgemeinschaft zu beherrschen So wird dieses Kartell nur ein Werkzeug in den Händen der großen Vertikalfonzerne. Erleichterung am tolländifchen Geldmarkt. Die Nieder ländische Bant bat den Distonizinsfuß für Wechiel ab 13. Dezember von 5 auf 4 Proz. berabgefeßt. SCHLEIF- PULVER HORTAXIN für alle Industriezweige in eder Körnung. Wirkung übertrifit italienischen Bims ein. Lieferung aus eigenen Mah werken, Lager Berlin HORTAXIN- WERKE, BERLIN NO. 55 Hartgrieß 70% Weizenmehl Weizen- Auszugmehl Speisee bsen. 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Erdb 22,00-23,00 Marme ade Vierfrucht 28.00- 33,0 Pflaumenmus in Eimern 18,00 25,50 Steinsalz, in Säcken 31,60-42,00 44,00-56,50 Siedesalz in Säcken 19,00-22,00 31,50- 35,50 36,59-38,00 36, 0-37,00 40,0028,00- 30,00 90,00-95,00 40.00 45,00- 55,00 3,10-3,60 3,704,20 4.40- 5.40 5,20-5.80 93,00- 93,50 94, 0-94,5 91,00-91,25 92,00-9,50 6,06-66,0 66,00 43,25-55, 0 Bratenschmalz in Tierces 47,03-73,50 Bratenschmalz in Kübeln 23,50-267 Purelard in Tierces 15,75-17,75 Purelard in Kisten 19,00 20,00 Speisetalg in Packung. 24,5 32,00 Speisetale in Kübeln 32,75-42,00 Margarine. Handelsm. I 86,00-95,00 desgl Il 60,00- 63,00 48,00-50, 0 Margarine, Spezialm. I. 80,00 84,00 74,00-79, 0 desgl. II 69,00-71,00 66,00 68,00 Molkereinutter la i. Fäss. 228,00-233,00 60,00- 73, 0 Molkereiputter, i. Pack. 2 8,00-239,00 75,00 95,00 Molkereibutter Ila 1. Fäss. 190,00-216,00 58,00 74,00 Molkereibutter i. Pack. 195,00-220,06 185,00-210, 0 Auslandbutter in Fässern 238,00-242,0 198.00-210.00 Corned beef 12/6 lbs p. K. 39,00 40,00 100.00-120,00 Ausl. Speck, geräuchert 108,00-120.00 53,50-60,00 Quadratkäse 110,00-120,0 Tilsiter Käse, vollfett 15,00-173,0% Ehter Emmenthaler 210,00-230,00 Echter Edamer 40%. 28010 270.00-310,00 Aust. ungezuck.Condens330,00-400,00 milch 48/16. 20.00-22.00 Inl pez Condensm. 48/14 24,50 Rohkaftee Zentralamerika215,00-310,00 Röstkaffee Brasil östkaffee Zentralam. Röstgetreide. lose Praktische WeihnachtsGeschenke Damenwäsche Taghemd mit Besatz Garnitur aus gutem Hemdeninch mit Sticker-Einsatz u. Stoffsaum Taghemd u. Beinkleid Elegante Garnitor mit feiner Spitze handgestlegte Bettwäsche 35 Hemden uch- Bezüge 575 Ferlige Betten 13 Oberseit zum Knöpfen 550 • Kissen 80 x 80 passend Linonbezüge. Oberbott 130 X 200, zum Knöpfen. Kissen 80 x 80 passend 165 granrot Iniett mit grauen 773 . 240 in Makobatist. Taghemd 1150 stoff, ohne Naut 50 Bettlaken aus gutem Wäsche- 395 and Beinkleid. Federn Oberbett Daunen- Oberbett echt türkisch- rotes Inleft 45,00-55,00 120,00-130,00 170,00-175,0 120,00-12,00 88,00-90,00 20,00-22,50 Daunendecken die Deutsche Giro- Zentrale. Die verbleibenden 10 Prog., die als Reserven angesprochen werden, sollen zur Befriedigung des Kredit bedürfnisses nachstehender Institute verwendet werden: Bank für Landwirtschaft A.-G., Landsmannbant A.-G., eine Gruppe von Attienbanken des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, ein Zentra bankinstitut der deutschen Bauernvereine. Hier ist die Einschränkung gemacht, daß eine einzelne der vier genannten Gruppen nicht mehr als 3 Proz. der Gesamtsumme erhalten darf. Damit ist eine Frage in überraschend turzer 3eit gelöst worden, die einst die Herren von der Rentenbank_nicht zu lösen vermeinten. Das besagt genug über die letzten Pläne, die sich hinter dem Projekt eines Agrarbank kreditinstituts verbergen. Krupp erhält eine 40- millionen- Auslandsanleihe. Die FriedrichKrupp- 2.- G. in Effen hat zur vorläufigen Konsolidierung der Berbindlichkeiten, die ihr aus dem Ruhrkampf und der Aufrechterhaltung ihrer Betriebe bei beschränktem Ab'atz und gedrückten Preisen erwachsen sind, eine Anleihe von 10 Millionen Dollar abgeschliffen. Sie hat durch das Bankhaus Simon Hirsch and in Effen an eine Gruppe amerikanischer und englischer Bantiers unter Führung der Herren Goldmann, Sachs u. Co. in London zehn Millionen Dollar fiebenprozentige Obligationen, fünf Jahre laufend, verkauft. Die Anleihe wird in New York in furzer Zeit zur öffent lichen Zeichnung aufgelegt werden. Bergmann- Elektrizitätsmerte, Attiengesellschaft. Die Dars legungen der Verwaltung in der Generalversammlung erbrachten den deutlichen Beweis, daß die Gesellschaft einen weit höheren Substanzmert erhalten hat, a's in der beschlossenen Zusammenlegung 5: 1 zum Ausdruck kommt. Die Verwaltung führte aus, daß sie die Werte deswegen so niedrig eingelegt habe, damit bei einer späteren Kapitalerhöhung, die zwar zurzeit nicht aktuell sei, feine Schwierigkeiten atstünden. Die Maschinen und Gebäude ständen niedriger zu Buch als vor dem Kriege, obwohl in diesem Konto viele Neuanschaffungen vorhanden sind. Man müsse aber be. und daß es infolgedessen häufig notwendig wäre, Maschinen, die noch rücksichtigen, daß die amerikanische Technik ständig Fortschritte mache nicht verbraucht sind, durch neue zu ersetzen. Der Goldwert des Unternehmens war vor dem Kriege größer, allein der Reservefords mit 17 Millionen Mark betrug 40 Proz. des Kapitals. Die Umsäge des Unternehmens haben sich in letzter Beit erfreulich gehoben und haben die Friedensumfäße erreicht. Start zu bemängeln sind die Preise, die vollkommen unzulänglich sind. schaft fimmt zum Ausdruck, daß die Umstellung bei weitem nicht den Affumulatorenfabrik Aktiengesellschaft. Auch bei diefer Gesell wirklichen Wert des Unternehmens wiederspiegelt. Sie erfolgt im versammlung auf Anfrage zugeben, daß es ihr gelungen ist, das Sta Verhältnis von 2: 1. So mußte die Verwaltung in der Generalpital der schwedischen Beteiligung, das in God voll eingezahlt ist, vollkommen zu erhalten und das, obwohl diele Tochtergesellschaft infolge der allgemein schwierigen Lage der Wirtschaft in Schweden nicht befenders gut arbeitete. Bei der deutschen Geſellſchaft hat ſich die Lage in der letzten Zeit erheblich gebessert. Schwarhfopff. Die Generalversammlung der Berliner Maidinenbau- Atuenaefellid ait vorm.. warzkopff beicblog den Anträgen der Verwaltung gemäß die Zusammenlegung der Stamm attien im Verhältnis von 6: 1. Das Aftienfapital beträgt nach der Umstellung 24 Millionen Goldmart. Hierin sind 15 750 000 m. nicht gebundene, alio im freien Verkehr befindliche Etammattien und 8 250 000 M. iolcher Attien, über die die Verwaltung verfügt, die damit die qualifizierte Minorität befißt und es in der hand hat, etwa gegen sie gerichtete Bestrebungen zu durchkreuzen. Vertikale Vertruftungen in Amerika. In der amerikanischen Gummiindustrie ist schon seit langem das Bestreben vorhanden, die einzelnen Fabrikationsstadien sämtlicher von ihr gebrand ter Artifel zu fontrollieren. So baben, wie der Textil Weche" be richtet wird, mebrere Unterretmen ibre eigenen Gummiplan tagen in Asien, und die Goodyear- Gesellschaft befigt aus eigene Nur mehr hat Gooi hear zu Baumwollpflanzungen. sammen mit der Fisk Tyre Co. auch noch eine Boumwollipinnerei und weberet, die Botch- Mill in New- Pedford gekauft.- Auch die Firestone Tyre u. Rubber Co. hat eine erst vor vier Jahren mit einem Aufwande von 4 Millionen Dollar errichtete Paumwoll fabrit, die Sanford- Cotton- Mills in Fall River erworben, wo sie die gesamten, für ihre Gummireifen und Gummischuhe benötigten Baumwollgewebe heraustellen beabsichtigt. Köttliches im Geschmaul Au. Aroma sind die neuen Salem Aleikum und Salem Gold Zigaretten in neuen vollen Formaten Ein Versuch wird Sie überzeugen Rot 4 Pfg., grün 5 Pfg..Salem Cavalier 6 Pfg. Cabinet& Pfg., Exquisit 10 Pfg. d. Stück Nur echt mit Firma: Handtücher Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze" Jnh. Hugo Zietz, Dresden Sämtlich mit la wel en Daunen 6300 Gers enkornbandinoh mit roter Kante. 68 P. fe lerboden. gefällt, rot. creme und blau Guter Daunens.tta in diversen 8500 Kohenbandtach reir Farben Reine Seide, Rückseite atin Leinen 21 mm, Metallbettstellen Bogenbeltstelle m.Zugschwarz u. weiß, 80X131575 1.2095. Kinderbettsteile, 70x140, weiß lackiert, in verschiedenen Farben 35 Starktad. 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Die baugewerblichen Arbeitnehmer haben sich durch ihre Organifation so manche Borschrift, die das Leben und die Gesundheit der Arbeiter gegen Unfallgefahren schützen soll, erfämpft. Eine dieser Borschriften ist die Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten vom 12. September 1922, welche das Ueberdiehandmouern verbietet. Die erwähnte Verordnung fogt u. a.: daß für Berlin bei Gebäuden von mehr als 7 Meter Höhe, das Ueberdiehandmauern verboten ist und die Aufstellung von Standgerüsten erfolgen muß." Gegen diese Verordnung haben die Unternehmer von Anfang an Sturm gelaufen, um sie zu Fall zu bringen. Bor furzer Zeit waren die Herren Unternehmer im Preußischen Wohlfahrts. ministerium beieinander, um den Wohlfahrtsminister scharf zu machen, die Verordnung aufzuheben. Von Arbeitnehmern war nur der ADGB. geladen. Der Regierungsvertreter erflärte einleitend, daß es sich bei dieser Besprechung besonders um die Frage des Ueberdiehandmauerns handelt. Seit dem Infrafttreten dieser Bestimmung seien zahlreiche Proteste aus Arbeitgebertreisen dagegen an das Ministerium gelangt. Die Verordnung ist nach den Aeußerungen des Regierungsvertreters nicht zwingender Natur, da im Verkehrsinteresse Ausnahmen zugelassen wären. Der Vertreter des Polizeipräsidiums fügte ergänzend hinzu, daß in zahlreichen Fällen ouch aus wirtschaftlichen Gründen Ausnahmen zugelassen worden sind. Darauf setzten die Unternehmer ein; nach dem einen wäre wenn die Verordnung durchgeführt werden müsse in ganz Berlin nicht soviel Rüstungsmaterial aufzutreiben.(??) Bom Berband der Berliner Baugeschäfte wurde grundsäglich Einspruch erhoben, weil durch das Berbot des leberdiehandmauerns die Boufoften um etwa 8 Proz. verteuert würden, abgesehen davon, daß bei Häusern ohne Borgärten die Vorschriften überhaupt nicht auszuführen feien Bom Berband der Baugewertsberufs. genossenschaften wurde geltend gemacht, daß die Anbringung von Standgerüsten noch wie vor unzwed mäßig(?!) und feinesfalls geeignet sei, die Unfallgefahr zu verringern. Das Ueberdiehandmauernschließt teine größere Gefährdung der Arbeiter in sich als das Mauern von Stangengerüsten. Die Verordnung sei nur aus politischen Gründen erlassen, sie stelle nur eine politische Geste dar, die man noch der Revolution der Arbeiterschaft glaubte machen zu müssen. Diese Aeußerungen der Baugewaltigen in der Besprechung im Preußischen Wohlfahrtsministe. rium gegen die Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten be" Ludendorff Sonntag, 21. Dezember 1924 Generalprobe zur Reichstagseröffnung. 認 S C# Katz RUTH FISHER Scholem 4.ABEKING 24 Trotz verminderter Stärke hofft unfere bewährte Hauskapelle durch vermehrten Eifer den Ansprüchen auch eines verwöhnten Publikums gerecht werden zu können!" Deutscher Nahrungs- und Genußmittelarbeiter- Verband.| untersucht werden, inwieweit ein Bedürfnis für AusDer Zentralverband der Bäder und Konditoren ändert länderbeschäftigung vorliegt und inwieweit insbesondere deutsche. 2andarbeiter arbeitslos find. am 1. Januar 1925 seinen Namen in Deutscher Nahrungsund Geußmittelarbeiter Verband"( Denag). Die Deutsche Bäder- und Konditoren- Zeitung" stellt mit Ende dieses Deutschen Nahrungs- und Genußmittelarbeiter- Verbandes die wöchentlich erscheinende Einigkeit" mit den Beilagen " Frauenrecht und Für Lehrlinge und Jugend". Außerdem erscheint eine fachtechnische Monatszeitschrift Technit und Wirtschaftswesen" zum Preise von 50 Pf. pro Heft ber 28 Textseiten. 1 züglich des Ueberdiehandmauerns find durch Sachkenntnis juſt nicht Jahres ihr Erscheinen ein. Es tritt an ihre Stelle als Organ des abgehaltenen Kongreß des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes getrübt. Nach längerem Hin- und Herreden wurde von den Unternehmern folgender Abänderungsvorschlag eingereicht: ,, An Stelle der Standgerüste sind Schuhgerüste erstmalig in Höhe des Fußbodens des zweiten Stockwertes herouszustrecken. Beim Fortschreiten des Baues sind sie in Höhe des vierten Stofmertes und des Hauptgefimfes zu wiederholen. Das in Hauptgefimshöhe hergestellte Schutzgerüst fann gleichzeitig als Schuh für die Dacharbeiter dienen. Bei hohen Giebelmauern ist in Höhe Don etwa 7 Metern über dem Dachgeschoßfußboden abermals ein Schuhgerüst erforderlich. Die Auslagehölzer der Schußgerüfte find mit dem Gebäude sorgfältig zu verankern und gut abzu decken." Die Berliner Bauarbeiter, insbesondere die Maurer, Die am erster Stelle der Gefahr des Abstürzens beim Ueberdiehandmauern ausgesetzt sind und die meisten Opfer an Leben und Ge ſundheit dafür haben bringen müssen, erhoben energischen Protest gegen die Verschandelung der Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten vom 12. September 1922. Sie fordern von dem preußischen Herrn Wohlfahrtsminister, daß er die Versuche der Bauunternehmer, das Verbot des Ueberdiehandmauerns aufzuheben, unter allen Umständen zurückweist. Auch der Abänderungsvorschlag der Unternehmer ist zurüd. zuweisen. Denn dadurch wird die Gefahr des Abstürzens beim Deberdiehandmauern nicht einmal gemildert. Auch für die Dach arbeiter Dachdecker, Klempner und Zimmererbietet der Borschlag der Unternehmer teinen geeigneten Schutz. Der Siz des Verbandsvorstandes und der Redaktion ist nach wie vor in Hamburg 1, Besenbinderhof 57. Der Deutsche Nahrungs- und Genußmittelarbeiter- Berband ist nach feinem Statut für alle Arbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge in den Bäckereien, Konditoreien, der Süß-, Bad, Teigwaren, Kunsthonig und Marmeladenindustrie zuständig. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen find in 221 Tarifverträgen für 69 212 Berufsangehörige geregelt. Der Anschluß aller Be rufsangehörigen an ihre wirtschaftliche Interessenvertretung ist ein Gebot der Pflicht! Ausländerbeschäftigung in der Landwirtschaft. Bom Verbandsvorstand des Deutschen Landarbeiter- Berbandes wird uns geschrieben: Die Beschäftigung von Ausländern in der Landwirtschaft ist von der Genehmigung des zuständigen Landesamtes für Arbeitsvermittelung abhängig. Die Genehmigung wird für den Betrieb erteilt, der Ausländer beschäftigt. Zie höchfizahl der durch jedes Landesamt zu genehmigenden ausländischen Arbeiter wird bestimmt durch die Reichsarbeitsverwaltung. Für das Jabr 1925 bat die Reichsarbeitsverwaltung die Höchst zahlen für die Genehmigung ausländischer Landarbeiter wie folgt festgelegt: Ostpreußen Pommern Grenzmark Schlesien. Berlin. Brandenburg Die Berliner baugewerblichen Arbeiter wenden sich mit aller Entschiedenheit dagegen, daß die behördlichen Organe ben Unternehmern aus„ wirtschaftlichen" Gründen Ausnahmen gegen die Polizeiverordnung vom 12. September 1922 zulaffen. Birt schaftliche Gründe! Das heißt nichts anderes als Mehrung des Unternehmergewinnes auf Kosten der Gesundheit und des Lebens berbaugewerblichen Arbeiterschaft! Daher müssen die Behörden die reaktionären Bestrebungen der Unternehmer, den Bauarbeiterschutz zu durchlöchern, gerade aus wirt= fchaftlichen Gründen glatt zurüdweisen. Denn gerade das wirtschaftliche Interesse erfordert die Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft, denn sie ist ein wichtiger Aftipposten in unserem Lande, sie ist unser höchstes Gut! Die menschliche Arbeitskraft ist das wertvollste Gut der Nation! Dieses höchste Gut der baugewerblichen Arbeiterschaft in möglichst weitestgehendem Maße zu schützen dient die Verord Polizeipräsidenten Dom des Berliner 12. September 1922. nung in 1924 überhaupt gegen 1924 mehr bzw. weniger v. 6100+ 800 16800+5600 ++++|+++ Der amerikanische Gewerkschaftsbund und der JGB. ( IGB.) Offiziellen Berichten zufolge hat das auf dem kürzlich ( A. F. of L.) mit der Besprechung der Frage der Beziehungen zum GB. beauftragte Komitee nach Prüfung der mit dem JGB. gepflogenen Korrespondenz sowie der Ursachen, die die A. F. of 2. zum Austritt aus dem JGB. veranlaßten, dem Plenum einen Bericht unterbreitet, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die bis jetzt einem Wiederanfhluß entgegenstehenden Gründe bald in Wegfall tommen werden. Angesichts der mit dem JGB. gepflogenen Korrespondenz glaubt das Komitee, daß der Zeitpunkt eines Wiederanschlusses nicht mehr allzu fern sei. Damit ist eigentlich an der Sachlage, wie sie bis jetzt bestand, nichts geändert. Auch in den diesbezüglichen Resolutionen früherer Kongresse wurde einerseits auf die Forderung auf volle Autonomie hingewiefen und andererseits der Hoffnung Ausdruc gegeben, daß die bestehenden Schwierigkeiten bald schwinden mögen. Bis jetzt ist es leider immer bei solchen Beschlüssen geblieben, und wir fönnen nur wünschen. daß die A. F. of L. bald ent scheidende Schritte unternehmen und auf die bis jeht unbeantwortet gebliebene Beitrittseinladung seitens des JGB. eingehen werde. Mit den oben wiedergegebenen Meldungen sind auch alle ins Gebiet der Fabeln gehörenden Ausführungen beantwortet, die gewisse tommunistische Blätter und Führer machten, be dor überhaupt irgendwelche Nachrichten über die Kongreßverhandlungen vorlagen. Aufbauend und fortschrittlich! Der an Stelle Gompers zum Borsigenden der ameri tanischen Arbeiterföderation gewählte William Green war in den letzten elf Jahren Schahmeister der vereinigten Bergarbeiterverbände. Green gab befannt, daß seine Berwaltung aufbauend und fortschrittlich sein werde. Der Konflikt in der belgischen Metallindustrie ist nunmehr in seine entscheidende Phaje getreten. Eine Versammlung der Arbeit. geber und Arbeitnehmer fand am Freitag im Arbeitsministerium statt. Die Arbeitgeber haben vorgeschlagen, die Löhne bis Ende Mai zu stabilisieren, und die Arbeitnehmer erklärten sich bereit, die Gewerkschaften hierüber zu befragen Die Arbeitgeber beschlossen nur eine einheitliche Regelung für das ganze Land vorzunehmen. Wenn die Arbeitnehmer irgendeines Distriktes fich weigerten, die Regelung anzunehmen, dann würde die Gene ralaussperrung für ganz Belgien am Montag ausgesprochen werden. Der schwedische Arbeitgeberverband fündigt die Aussper rung bon 50 000 Giienindustriearbeitern zum 1. Januar 1925 an. • 6900 22200 700 12200 110 16200 13,1 32,1 500+ 200 13400 1200 40,0 9,0 90+ 2022,2 16000 200 Sachsen- Anhalt 26000 25000 1000 1,3 4,0 Schleswig- Holsteľn 750 720 30 4,2 Hannover Westfalen Rheinland 9200 9200 0,0 1280 1280 0,0 4000 3900+ 100 2,6 Heffen- Nassau Bahern 2300 2000 300 15,0 700 400+ 300 75,0 3700 2300 1400 60,0 350 500 3000 250+ 100+ 40,0 400+ 100+ 25,0 2800+200+7,1 17000 0,0 2700 2100+ 600+286 10 15 5 33.3 10 15 33,3 10 10 0,0 Vervent Knaben Kleidung 50 100 50 50,0 9490 Das Ringen der bougewerblichen Arbeiter geht nicht um die Sachien Verschandelung des Bauarbeiterschutzes, sondern um einen wei- Württemberg teren Ausbau des Schutzes für Leben und Gesundheit der Arbeiter! Baugewerbliche Arbeiter Berlins, und um gegend, die Augen auf! An dem was ihr euch durch jahrzehntelange Kämpfe zum Schutze eurer Gesundheit und eures Lebens errungen habt, darf nicht gerüttelt werden. Gelingt es den reaktionären Bestrebungen der Unternehmer, die Verordnung des Berliner Bolizeipräsidenten bezüglich des lleberdiehand. mouerns zu Fall zu bringen, dann wird das reaktionäre Unternehmertum im ganzen Reiche gegen den Bauarbeiter: fchup Sturm laufen. Die Antwort der baugewerblichen Arbeitnehmer auf die„ Besprechung" der Unternehmer im Preußischen Wohlfahrtsministerium ist: Hände weg von der Berordnung des Berliner Bolizeipräsidenten DOM 12. September 1922. Das soll sich auch das Preußische Wohlfahrtsministerium, schon um feinen Namen zu rechtfertigen, gesagt fein lassen. Baden. Thüringen Medlenburg- Lübed: a) Mecklenburg- Schwerin 17000 b) Mecklenburg- Strelig. c) Lübec Hamburg. Bremen Oldenburg insgesamt: 129 870 120380 +111 +11+ Es ist also in einer Anzahl von Gebieten eine erhebliche Mehrbewilligung von ausländischen Arbeitern aus. gesprochen. Das hindert aber unsere nationalen" Land. wirte nicht, eine weit höhere Zahl von Ausländern von den Landesämtern und der Reichsarbeitsverwaltung zu fordern. Demgegenüber muß von unseren Leuten, die in den Prüfungs. ausichüssen der Arbeitsnqcweife iigen, ſehr genau ( Gewerkschaftliches siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister ser Tor M ollige Ulster M. 49, 55, 65, 75, 85, 95 Straßen- Anzüge 336. 40. 45. 54. Sportpelze 65. 75. 80.- 90.- 98. Gehpelze RONCHIOL Wenn Husten, Heiserkeit Dich plagt, So nimm ,, Bronchio", das nie versagt! Deutschlands führendes Hustenpräparat Erhältlich in allen Apotheken und besseren Orocerien. 就 愛 FRITZY MASSARY DIE UNVERGLEICHLICHE ZIGARETTE die überraschend gehaltvolle 3 Zigarette im goldnen Gewande muß jedes Geschäft führen, denn sie wird von allen Seiten nachdrücklich verlangt! Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik find Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Südost R.-B. Beteiligung an der Sonnenwendfeier n Niederlehme. für Groß- Berlin Treffpunkt 9 Uhr vorm. Görliger Bahnhof. Fadeln dafelbst erhältlich. stets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts. au richten 3. Kreis Wedding. Heute Gonntag, den 21. Dezember, Weihnachtsfeier der Rindergruppe in der Diefterweg- Rcalschule, Lütticher Str. 38( Reppelinplak). Aufführung von Märchenspielen. musikalische Darbietungen, An. sprache, Boltstänze und Lieder. Beginn 6 Uhr. Alle Barteigenossen und Genoffinnen mit ihren Rindern sind eingeladen. 17. Kreis Lidtenberg. Der Bildungsausschuß veranstaltet in den Räumen der Bibliothek. Weichselstr. 28 eine gut zusammengestellte reichhaltige Weihnachtsausstellung. Geöffnet allabendlich von 6-9 Uhr. 11. Kreis Schöneberg. Montag, den 22. Dezember, nachm. 6 Uhr, Weihnachtsfeier mit Bescherung der Rinder in den Räumen der Schloßbrauerei, Hauptstraße, unter Mitwirkung der Kindergruppen der Kinderfreunde. Einlaß 5% Uhr. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Montag, den 22. Dezember, 7 Uhr, in Tempelhof, Lyzeum, Germannstraße. Bezirksversammlung. Tagesord nung: Erfagbürgermeister- Broklamtion. Heute, Sonntag, den 21. Dezember: 1. Abt. Borm. 9 Uhr Flugblattverbreitung von Richiefing, Aderftr. 1, aus. 29, Abt. Vormittags 9 Uhr Flugblätter in Emfang nehmen bei Burg. Außerdem unbedingt sämtliche Sammellisten abrechnen. 42. Abt. wifchen 10 und 11 Uhr Sihung des Abteilungsvorstandes bei Wiersbort. Montag, den 22. Dezember, 7% Uhr, ebenda Funktionärtonferenz. Die Mitgliederversammlung fällt in diesem Monat wie üblich aus. Jungsozialisten. Abends 6 Uhr in Rahnsdorf, Paradiesaarten, Weihnachtsfeier. Alle Gruppen beteiligen fich. Teilnahme Gruppe Lichtenberg an der Weihnachtsfeier der Gesamtvereinigung. Treffpunkt. 5½ Uhr Bahnhof Stralau- Rumelsburg, Eingang Sonntagstraße. Gruppe Süden. Treffpunkt zur Weihnachtsfahrt 10 Uhr Schlesischer Bahnhof, Güdeingang. Morgen, Montag, den 22. Dezember: 31. bt. 6 Uhr furze wichtige Besprechung der Selferinnen für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuß. 38. bt. Die Gammellisten zur Weihnachtsfeier müffen bis Montag abend abgeliefert fein. Montag 8 Uhr Sigung der Weihnachtskommission beim Abteilungsleiter. 1 43. Abt. 6 Uhr Rinderbescherung bei Rabe, Fichteftr. 29. 58. Abt. Charlottenbura. Entgegennahme des Flugblattmaterials von 4 Uhr ab Bayreuther Str. 31 pt. 81. Abt. Friedenau. 7 Uhr Weihnachtsfeier im Bürgerfaal bes Stathauses, Lauterplak. Mitwirkung der Arbeiterjugend und der Rinderfreunde. Eintrittstarten zu 50 Bf. bei Rubbed, Odenwaldstr. 26, Aufgang 1, 2 Tr.; und an der Abendkaffe.. 133. Abt. Buchholz. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde! 7 Uhr, Hauptstraße 61, Weihnachtsbescherung. Uebermorgen, Dienstag, den 23. Dezember: 10. Abt. 7 Uhr Weihnachtsfeier bei der Genoffin Frankenthal, Lesfignftr. 35. Alle Kinder der Parteiaenoffen find eingeladen. 116. Abt. Lichtenberg. 8 Uhr Funktionärsihung im Lobal Mähne, Boghagener Straße 54. Die Unterkassierer haben sämtliche Marken und Sammellisten zur Wahl abzurechnen. * 9. Abt. Am 27. Dezember, 4 Uhr, gemütliches Beisammenfein der Genoffen mit Frauen und Kindern im Artushof", Perleberger Str.( Sor faal). Eintritt 30 Pf. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 138. Abt. Sermsborf. Genoffin Elise Bondid, geb. Heffe, verstarb am 17. Dezember. Beerdigung. Dienstag, den 23. Dezember, nachm. 3 Uhr, Neuer Gemeindefriedhof Hermsdorf. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 21. Dezember: Gübliche Werbebezirke. Die Feier der Winterfonnenwende findet heute, Sonntag, den 21. Pezember, in Niederlehme( Königswusterhausen Bildau) ftatt. Treffpunkt nachmittans 5 Uhr im Gesellschaftshaus Niederlehme. Werbebezirk Neukölln. Treffpunkt zur Winterfonnenwendfeier heute, Sonntag, 7 Uhr früh und 2 Uhr nachmittags Bahnhof. Neukölln. Unserem Abteilungsführer. Beatrfsverordneten Genoff Reinhold Elchberg zum 50. Geburtstage die herzlichsten Gückwünsche. 44. Abteilung SPD. Stett arten. Für die uns anläßlich des Setm aanges unferes lieben Entschlafenen, des Gastwirts 83.20 Heinrich Jeschke erwiesenen Aufmerkſamfetten fagen pir allen Beteiligten insbesondere dem Herrn Barrer Nag für die tro treichen Worte und auch den Kollegen Dom Gastwirtsverein unseren herzlichsten Dant Agnes Lottenburger geb. Jeschke nebst Geschwistern. Deutscher Metallarbeiter- Verband Wagen- u. Karofferiefunttionäre Dienstag, den 23. Dezember. nachmittags 5 Uhr, im Berbandshause. Cinienste. 83 85: Sigung Tagesordnung. 1. Stellungnahme zu dem Schiedsspruch. 2. Diskussion. Verband der graphischen Kilfsarbeiter und-arbeiterinnen Deutschlands( Ortsverwaltung Berlin) Auszahlung ber Weihnachtsausstellung von Keramiken, Sportartikeln, Instrumenten, Spielen, Bildern usw. im Jugendheim, Lindenstr. 3, 2. Sof 3 Treppen. Sonntag nachmittag von 2 bis 7 Uhr, Montag und Dienstag von 4 bis 7 Uhr geöffnet. Seiligabend bleibt aefchloffen. Der Werbebezirk Neukölln hat seine gleiche Ausstellung nur noch 3heute, Sonntag, von 3 bis 6 Uhr, im Jugendheim, Nogatstr. 53, eröffnet. Jugend- und Parteigenossen, besucht unsere Ausstellungen, macht Freunde und Bekannte darauf aufmerksam. Hermsdorf. Jugendheim Roonstraße, abends 62 Uhr, SonnenwendFeier. Karlshorst. Besuch der Treptower Sternwarte. Treffpunkt nachmittags 5 Uhr am Bahnhof. Werbebezirk Wedding. Achtung! Alle Jugendgenoffen werden aufgefordert sich an der Weihnachtsfeier. der Kindergruppe om Sonntag, den 21. Dezember, in der Diesterweg- Realschule, Litticher Str. 38( Reppeli- Tag) zu beteiligen. Aufführung von Märchenspielen, musikalische Darbietungen, AnSprache. Bolkstanz und Lieder. Anfang 6 Uhr. Erscheint alle! Morgen, Montag, den 22. Dezember, abends 7% Uhr: Often, P.-B. Jugendheim Ebertnftr. 12, Weihnachtsfeier. Often Str.-B. Schule Naalerstr. 3, Weihnachtsfeier. * Mitglieder von Südwesten! Gefcenfabnahme Dienstaa, den 23. Dezember 1924, im Jugendheim, Kochstr. 13. Bon da ab nur noch bei Otto Stormacher, Wilhelmstr. 138. Die Weihnachtsfeier findet, wie feftaefekt, am 26. Dezember im Jugendheim, Lindenstr. 3, statt. Eintrittskarten mitbringen. Dorträge. Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefchäftsstelse Berlin G 14 Gebaftianftr. 37/38 Sof 2 Tr. Rameradschaft Kreuzberg, Südost. Montag, den 22. Dezember, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung bei Liehr, Naunynstr. 9. Kamerad. schaft Arenzberg, Jugendgruppe 1. Montag, den 22. Dezember, abends 7½ Uhr, Bersammlung im Restaurant Schneeknoppe, Nostiaftr. 29. Kamerabschaft Neutölln. Montag, den 22. Dezember, abends 7 Uhr, Monatsversammlung bei Bähle Wildenbruch-, Ecke Weserstraße. Kamerabschaft Bankow. Da uns die Turnhalle am Montag, den 22. Dezember, abends nicht zur Verfügung steht, findet an diesem Tage eine außerordentliche Kamerabschaftsversammlung statt, und zwar bei Maier, Breite Str. 14, abends 72 Uhr. Alle Mitglieder, auch die passiven müssen erscheinen. Kameradschaft Schöneberg- Friedenau. Am Montag fällt der Turnabend aus. Kameradschaft Reinickendorf. Montag, den 22. Dezember, abends 7½ Uhr, in der Turnhalle des Realgymnasiums. Reinickendorf- Oft, Berner Straße, Turnabend. Betriebskrankentafe der Stadt Berlin. Dienstag, den 30. b. M.. 5 Uhr, im Stadthaus, Stralauer Straße, Ausschußfizung.( Giche Inserat.). Männerchor Friedrichshain, Dienstag, den 23. Dezember, antliche Uebungsstunde in den Comenius- Sälen.( Generalprobe zur Morgensprache.) Erscheinen aller Gangesbrüder Pflicht. Arbeitersport. Städtekampf im Ringen Kolberg- Berlin. Am 1. Weihnachtsfeiertag findet der Retourkampf zwischen dem Sporttlub Rolberg 09 und der Ber. Itner Sportvereinigung Nord- West" im großen Scale des Moabiter Gesellschaftshauses, Wiclefftr. 24, statt. Beide Vereine senden ihre besten Mannschaften auf die Matte, und zwar wird Rolberg durch folgende Ringer vertreten: R. Tuchtenhagen, A. Frank, S. Tuchtenhagen, Almann, E. Frank und Strelow. Diefer Mannschaft ftellt Berlin folgende entgegen: Brofi, Schinkowski, Aderhold, Winkel, Tiedemann und Razlowski. Da es diesmal um die Entscheidung geht, fann man mit hochinteressanten und scharfen Kämpfen rechnen. Anfang der Rämpfe 5 Uhr abends. Athletik- Sport- Club e. B. Leichtathletit Hocken Rudern. Jeden Sonntag, vorm. 10 Uhr, Waldlauf. Umkleidelokal: Fichteplag, Baumschulen. weg, Eichbusch- Allee. Am Freitag, den 2. Januar 1925, abends 8 Uhr, findet im Lotal von Linsener, Mühlenstr. 58, die Jahres-( General-) versammlung Einladung zur ordentlichen Ausiauß- Sibung der Betri- bstantenfaffe der Stadi Berlin, am Dienstag, den 30. Dezem Croco Volleder 3.7 Iran ripenden edei Ari treert Dretswer Paul Golletz. vormals obert Meyer Mar aunenstr. 3 ber 1924, nadimittags 5 Ubr, im Stadt- Rindled. Saftian 9,00 mt Mortal. 10:30 baus zu Berlin, Stralauer Str., Gin- Auto- Rindlack 10.00 gang Klosterftr, 8, Nr. 245. do.eleg.Einricht.18.00 Tagesordnung: 1. Boranschlag für Besuchstasche do. 14 00 das Jahr 1925. 2. Gayungsänderung 3. Aktentasche Rindl. 4 5t Weihnachts- Unterstü( 110, 22). 8. ahl des Rechnungs- auch einz. zu haben. Richte Geschäfte ein ausschusses für die Prüfung der JahresSchiller, Zebermarenrechnung 1924. 4 Berschiedenes. 1. Alle arbeitslosen Mitglieder, Engros Anfragen oder Beschwerden, zu deren Fabri ate welche mindestens 13 Beitrags- Erledigung Alteneinsicht oder anderweite Export Ritterstr. 83. marten geklebt und von der Feststellungen erforderlich find, müssen mindestens 3 Sa e vorher beim Borsigen. 50. Beitragswoche arbeits- ben des Vorstandes eingereicht werden. los gestempelt haben. Vor der Gigung findet um 3 Uhr in ibliche Borbesprechung unter den Ausfchußmitgliedern statt. 2. Alle Mitglieder, die in der demselben Zimmer des Stadthauses bie Zeit vom 1. Dttober bis 15. Dezember mindestene 7 Wochen arbeitslos ge stempelt haben. 5 Berlin, den 11. Dezember 1924. Der Vorsitzende des Vorstandes der Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin [ 108/9 3. Alle erwerbsunfähige Kranke, gen BKK 24 welche am 20. Dezember länger als 13 Wochen ununterbrochen frank sind. 4. Alle invaliden Mitglieder. Es erhalten oben angeführte Mitglieder nach einer Beitragsleiftung bon 18 bis 52 Wochen 15 M. Alle übrigen Mitglieder 20 W Achtung! Kolleginnen u. Kollegen! Die Auszahlung erfolgt vom 22. Dezember 1924 bis einichließ Der Weihnachtsfeiertage wegen bleiben unfere Bureaus am 25., 26. und 27. De- lich 15. Januar 1925 unter Vorember gefchloffen. Am Neujahrstag legung des Mitgliedsbuches und bleibt das Bureau ebenfalls gerchlossen der Stempelfarte reip. des KrankenAm Mittwoch, den 24. Dezember, und am Mittwoch, den 31. Dezember, find die cheines täglich von 9-1 Uhr. Bureaus nur bis 12 Uhr mittags geöffnet Nach dem 15. Januar 1925 ein laufende Anträge fönnen nicht Achtung! Arbeitslose und Krante! mehr berücksichtigt werden. Die Auszahlung der am 25., 26. und 27. Dezember fälligen Unterstüigung erfolgt Allen Mitgliedern, welche Theaterder Reihe nach am 22, 23. u 24 Dezember. farten zur Aufführung von„ Romeo Dezember, nur Burgund Edel- Cigarette Großiormat bie 12 Uhr geöffnet Die Mitglieder und Julia" am 21. Dezember ent der Genuß des werden daher gebeten, schon um 9 Uhr nommen haben, zur Nachricht, daß gur Abfertigung au erfcheinen. diese Borstellung nicht im Theater Qualitätsrauchers Wegen Quartalsschluß bleibt die Erwerbs- hes Westens, sondern in der Zigarettenfabrik Gebr. Liemanu lofen- und Krantenabteilung am Freitag, Goethe- Bühne, Klofterstr. 43, nach ben 2. Januar, geschlossen. mittage 4 Uhr, stattfindet. Ja 191/17 Die Auszahlung der Unterstügung für die Wochen vom 26. Dezember bis nuar und vom 27 Dezember bis 2. Januar erfolgt am Sonnabend. den 3. Januar. Arante und Arbeitslofe geben bei AbDie Ortsverwaltung. Otto Gloth. Anläßlich meines holung der legten Unterſtühung vor dem Geschäftsjubiläums 31. Dezember das Mitgliedsbuch zwecks Verrechnung am Schalter ab. Die Ortsverwaltung. Pelzwaren Feige Sea pelz- Mäntel unerreichte Formenschönheit Electric, gute Felle, neueste Modelle auf Seide 250 Pelz- Jacken elegante Form, ute Felle.. 75 Sonder- Angebot: Füchse, Skunks, Wölfe, Schals und Garnituren, Besätze a ler Art Feige Brüderstraße 42 am Sch oẞplatz sage ich allen Genoffinnen, Genoffen und Bekannten für die mir dargebrachten Gl dwünsche meinen herzlichsten Dant. Henry Neubert, Müllerstr. 164. Spielwaren und Geschenkartikel taufen Sie am billigsten im Caden Alte Jafobitr. 20/22 gegenüber der Reichsschuldenverwal. tung. Bei Einkauf von 1.-M. an ein Geschent usw. 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J. einschl. der Geschäftsstelle Alfred Behrends, Berlin NW. 87, Rinzendorfstr. 7, mitzuteilen. Am 2. Weihnachtsfeiertag veranstaltet der AGC. im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer, eine Weihnachtsfeier. Beginn 5 Uhr. Wir laden hierzu alle Genoffinnen und Ge noffen herzlichst ein. Schach- Abteilung Norden spielt jest jeden Dienstag, 18 Uhr, bei A. Rath, Tegeler Str. 23. Gäste tönnen dort das Spielen erlernen. Die Mitglieder der 2. Mannschaft pünktlich um 10 Uhr zum Wettkampf am 21. Dezember dort zu erscheinen. Freie Turnerschaft Schöneberg. Seute, Sonntag, veranstaltet die Freie Turnerschaft eine Weihnachtsfeier für die Kinderab. teilungen in der Turnhalle der Mittelschule, Rätherstraße( am Stadt. park). Beginn 4 Uhr. Eintritt frei. Alle Genossen mit ihren Rindern sind eingeladen. Am 1. Feiertag findet die Weihnachtsfeier der Freien Turnerschaft in Rohrs Festsälen, Kaiser- Allee( am Stadtpark), statt. Ein reich haltiges Programm und Tanz forgen für gute Unterhaltung. Eintritt 1 M. Die Turnstunden Beginn 6 Uhr. Um rege Unterstügung wird gebeten. fallen zwischen. Weihnachten und Neujahr aus. Am 23. Dezember Vorstandssigung, am 27. Dezember Mitgliederversammlung bei Lehmann. Geschäftliche Mitteilungen. Muf Die besten Weihnachtsgeschente find gut gearbeitete Steppbeden. diesem Gebiet zeichnet sich die wohlbekannte Wiener Steppdeckenfabrik Bern. hard Strohmandel, Berlin, Fabrik Wallstr. 72, Filialen: Spittelmarkt, Ecke Gendelstraße, und Nikolsburger Plas 2, hervorragend aus. Ein reiches ausgewähltes Lager trägt dem einfachen sowie dem verwöhntesten Geschmack Rechnuna, da die Fabrik bestrebt ist, nur das Beste zu liefern. Die Fabrik übernimmt das Aufarbeiten alter Steppdecken. Siehe heutiges Inferat. Fahrlässig handelt, wer nicht versichert. Ein zeitgemäßes Angebot auf eine Hausrat Feuer- und Einbruchdiebstahlversicherung macht die Feuerfozietät der Provinz Brandenburg in ihrem Prospekt, der der vorliegenden Auflage beigelegt ist. An den Mittelstand und den kleinen Mann vornehmlich will sich bie Feuersozietät mit dieser Ankündigung wenden, da fie fich als amtliche gemeinnügige Versicherungsanftalt zur Unterstützung diefer wirtschaftlich schwaden Kreise besonders berufen fühlt. Das reelle Kredit- System im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert das fich feit Jahrzehnten des beften Rufes und größten Zuspruches aus allen Kreifen der Bevölkerung Berlins und Umgegend erfreuende Unternehmen Möbel- Cohn. Im Often: Große Frankfurter Str. 58, im Norden: Badstraße 47/48. Die Vertaufsabteilungen sind heute, Sonntag, geöffnet. Wir verweisen auf das Inferat in der heutigen Ausgabe. Briefkasten der Redaktion. $. M. 3. Sie sind zur Zahlung verpflichtet, wenn Ihr Sohn unterhaltsbedürftig ist.-F. N. 4. Sie können den Dr. jur. nicht erlangen. Dazu ist ein dreijähriges Studium auf einer Universität erforderlich. U. u. 57. 1. Wenden Sie sich an das Wohnungsamt. 2. Der Hauswirt tann im Falle verspäteter Rahlung der Miete Verzugszinsen fordern. R. G. In der Wohnungsangelegenheit ist das Wohnungsamt zuständig. Beschaffung einer anderen Arbeitsstelle ist nicht möglich. E.$. U. Der Antrag auf Ge. währung einer Witwenrente fann von Ihrer Mutter gestellt werden. Wenn fie als invalide anzusehen ist, erhält fie die Rente. R. G. 384. Da es fich um ein Gefälligkeitsdarlehn handelt, tommen die gefeßlichen Aufwertungsvorschriften nicht in Frage. Ueber das Maß der Aufwertung läßt sich nichts Bestimmtes fagen. Wenn eine gütliche Verständigung nicht möglich, muß das Gericht angerufen werden. und schnell noch von Riethmüller' nen guten Stoff Präsentkarions mit Kinder-, Kostüm-, Anzug- u. Mantel- Sto fen in allen Preislagen, schon von Mark 8.50 an M.Riethmüller Das Haus der Tuche Molkenmarkt 15 Ecke Poststr) Sonntag von 2-6 geöffnet Daunen- Decken Nitolsburger Biaz 2. 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Je nach Temperament und Veranlagung schlägt der eine Epifer mehr nach dieser, der andere mehr nach jener Seite. Von 3olas Richtung braucht nicht mehr ge= sprochen zu werden; er wird hier erwähnt, weil nun die Gesamtausgabe bei Kurt Wolf in neuen lebertragungen fast vollendet ist, der sich die Maupassant- Ausgabe desselben Verlages würdig anschließt. Nennt man die Balzac Ausgabe des Berlages Ernst Rowohlt dazu, so darf man feststellen, daß das Interesse für die französische Literatur, das lange hinter dem für die russische Literatur zurücktreten mußte, wieder stärker geworden ist. = Dieses Hordhen nach dem Besten hat auch die erste Gesamtausgabe des Amerikaners Nathanael Hawthorne bewirkt, die Franz Blei bei Müller u. Co. in Potsdam herausgibt, und die mehrere Bände des alten sozialistischen Kämpfers Galswor thy', die der Verlag Paul Zsolnay, Berlin, herausgebracht hat. Man darf in diesem Zusammenhang auch für die Amerikanerin M. van Vorst aufmerksam machen, aus derem umfangreichen Werk jetzt der für die Kenntnis amerikanischen Lebens und vor allem der amerikanischen Frau sehr bedeutsame Roman Be= Penntnifie einer erfolgreichen Frau"( Erich Reiß, Berlin) deutsch vorliegt, und auf die Bemühungen des Verlages B. I. Mörlins, Berlin hinweisen, die moderne spanische Literatur ein sozialer Kampfroman um vergessene fastilische Winkel, und in Deutschland einzuführen. Es liegen uns zwei Romane vor, Die Sphing der Maragatos" von Concha Espina, Herrenrasse" von Ricardo Léon, ein Buch, das in ein altes spanisches Adelsgeschlecht führt. Beide Romane sind aus der spanischen Atmosphäre geboren und tragen sie mit sich. Wer Spanien von innen her tennen lernen will, soll sie lefen; er wird neben dem ethnographischen auch ein romanisch- fünstlerisches Erlebnis haben. Der Amerikaner John Cournos vereinigt in höchst bemer fenswerter Weise Gentleman und Bolschewit, d. h. Westen und Osten, indem er in seinem kleinen Entwicklungsroman Die Maste"( See- Berlag, Konstanz) einen russischen Juden von Rußland nach Amerika führt. Weit über diesem Beineswegs durchschnitt lichen Buch steht Alerei Remisows Kindheitsroman" In blauem Felde"( S. Fischer, Berlin), in dem die slawische Seele mit einr unerhört verfeinerten impressionistischen Technik am Entwicklungsgang einer russischen Generalstochter zur revolutionären • Studentin dargestellt ist. Eine schier unerschöpfliche Erinnerungsfubstanz wird mit Tausenden von Nuancen ausgeschüttet. Volks hum, gebrochen im zarten Bewußtsein eines Kindes: ein föstliches Buch, fein zifeliert und getragen von der Seele eines Mannes deffen Humor niemals in die Bitterbeit der Satire entgleist. Wie eine Folge von Schreien wirft diesem Buche gegenüber das Werk Gabriele 3apolstas, das jetzt, so weit es episch ist, in neun Bänden gesammelt bei Desterheld u. Co., Berlin herausgekommen ift; zum größten Teil soziale Anklageliteratur von heftigem Ausmaße, in ein paar Romanen aber, wie z. B. der„ ll n berührten Frau", auch zur Höhe absoluter Gültigkeit aufwachsend. Wenden wir uns vom Ausland zu unseren eigenen epifchen Ereignissen, so ist zunächst festzustellen, daß die zwei wichtigsten Erscheinungen Hauptmanns und Thomas Manns hier bereits gewürbigt sind. Sucht man nach Werken, die an dieses Niveau heranwachsen, so ist vor allem Hermann Stehrs neuer Roman Peter Brindeisener"( Friedrich Link Trier) zu nennen. Sprachlich steht dieses Buch völlig einsam da. Ein zäher Stoff, die, man muß schon sagen, seruellen Verwirrungen dieses Peter Brind eisener, werden sprachlich derart vergeistigt, daß nichts nur Stoffliches übrig bleibt. Das Buch ist ein ebenso fühner wie schmerzlicher Bersuch, die menschliche Ehrlichkeit in Bonen vorzutreiben, in denen die wenigsten Menschen ehrlich zu sein vermögen, und ein Kunstwert, das erneut bezeugt, daß Stehr zu den menigen ganz großen ep schen Gestaltern unserer Zeit gehört. 1 Un zweiter Stelle muß dann auf Hans Friedrich Blund hingewiefen werden, der mit dem Buche Stelling Rottinn fohn"( Georg Müller, München) seine große historische Trilogie aus der Geschichte Niedersachsens zum Abschluß gebracht hat. Wer Geschichte wirklich erleben will, greife zu diesen drei Büchern, die wie ein dichterischer Dom aus der Niederung der sogenannten hiftorischen Romane aufragen. Ein wirklich historischer Roman, wenn er auch auf einer filistisch gänzlich anderen Ebene, der des psychologischen Romans, liegt, darf mit Recht angeschlossen werden. Es ist das Buch„ Die Möbel des Herrn Berthelemy"( Eugen Diedrichs, Jena) von Victor Meyer- Edhardt. Der Roman führt in die französische Revolution von 1789 bns 1796 und zeichnet das Schickfal eines feinschmeckerischen Kulturmenschen in Verknüpfung mit den Ereignissen in einer Weise, die man meisterhaft nennen muß, wenn man zu dieser Art des psychologischen Erzählens positiv steht. Es soll bei der Gelegenheit nicht versäumt werden, darauf hinzuweisen, daß von der im vorigen Jahre freinewordenen Luise von François in der Reclamiden Universalbibliothek jetzt auch Die Stufenjahre eines Glücklichen" zugänglich ge= worden sind, jener Roman der größten deutschen Erzählerin, der mit hoher Kunst die Zeit von 1815 bis 1848, die uns heute teurer denn je deworden ist, in das dargestellte Einzelschicksal verflicht. Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions- Apotheke Homöopath. Zentral- Officin Berlin N. 31, Anklamer Straße 39 40, an der Ecke Brunnenstr., 5 Min v. Rosen hal. Tor. Tel Amt Humboldt 1022 Adler- Apotheke ( Paul und W. 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Es ist ein stilles, mit großer Liebe zum seelischen Detail ausgemaltes Entwicklungsbild eines Geschwisterpaares, fast ganz auf Stimmungen gestellt, ein zartes Buch, freilich im reifsten Sinne. Dies gilt auch von dem bewegteren neuesten Buch der 70jährigen Isolde Kurz Der Despot"( Georg Müller, München), das von dem Schickfal eines Dichters erzählt, der an dem tragischen Stoff des Arminius, den er nicht bezwingen tann, tragisch zugrunde geht. " Schlagen schon in dieses Buch die Wellen der Zeit, so ist eine ganze Reihe von Romanen zu nennen, die unserer Gärungsepoche noch unmittelbarer zugewandt sind. Mehr den gesellschaftlichen Zuständen nach geht Otto Flate in seinem neuesten Buch„ Der gute Weg"( S. Fischer, Berlin). Flate hat stärkere Bücher geschrieben, aber auch als Gesellschaftsromancier soll er uns willtommen sein, da uns gerade diese Art des flugen und geschmackvollen Schriftstellers dringend nottut. Auch Ostar Maurus Fon tana wäre in diesem Zusammenhang zu nennen, der in seiner Insel Elephantine"( Günther Langes, München) einer durch einen Nubieraufstand abgeschnittenen Europäergesellschaft die Maste vom verzerrben Gesicht reißt, ohne allerdings diesen Stoff wirklich zu bewältigen. Näher an die eigentlichen Zeitprobleme heran geht Eric Lilienthal in dem Roman Ein Mann geht seinen Weg"( Pyramiden- Verlag, Berlin). Diese Utopie, in der das tommende Deutschland gezeichnet werden soll, ist voll bewältigter Beitsubstanz, aber im Ziel der Utopie unklar. Lilienthal will einfach zu viel und muß darum letzten Endes scheitern. Konzentrierter geht Walter Bloem in seinem Buche„ Das Land unserer Liebe"( Grethlein u. Co., Leipzig) vor. Hamburg ist der Schauplaz nach 1918 bis zur Vollendung der„ Deutschland", deren Bau im Mittelpunkt steht. Die Klassengegenfäße werden aufgedeckt und im Sinne einer Bejahung des neuen republikanischen Deutschland, eines schaffenden Deutschland, überbrückt, was bei Bloem festzustellen nicht ohne Bedeutung ist. Der stärkste Nachkriegsroman aber stammt von Ernst Schmitt, einem deutschen Diplomaten, der bei den Versailler Verhandlungen eine Rolle gespielt hat. Das Buch heißt„ Die Heimkehrer"( Eugen Diedrichs, Jena) und führt nach Oberheffen, der Heimat Schmitts. Wie ein ehemaliger Offizier im oberhessischen Gebirge einer Schar heimfehrender Soldaten Arbeit und Heimat schafft, bis er in einem Aufruhr getötet wird, das ist mit einer ganz ungewöhnlicher Kraft und in einem prachtvollen Deutsch gestaltet und in feinen seelischen wie fozialpolitischen Resultaten bedeutungsvoll. Steht Schmitt mit beiden Beinen fest in einer abfichtsvoll umschränkten Wirklichkeit, um allem Utopischen zu entgehen, so entschwebt Adelheid von Sybe!. Petersen mit ihrem Christophorus( Eugen Diedrichs, Jena). der ein ähnliches Problem sekt. ins Symbolische und schafft ein Buch, das aus der epischen Erzählung heraus in die Höhe der Prosadichtung dringt. " Silhouetten der Kirchen sind aufgefallen. Aber wie wenige sind in die Kirchen gekommen, oder gar in die kleinen Museen. Die wen. dischen Trachten kennen wir alle, aber wer weiß davon, daß schon so manche ausgestorben sind, die uns hier vorgeführt werden. Hand aufs Herz: mer hat einmal im nahen Tempelhof die spätromanische Kirche mit dem sehr beachtenswerten Altar gemälde besichtigt? Zahlreich sind die Adelsfize, die zmar teine großartigen Schöffer, aber oft malerische Parts mit hübschen Rokokofiguren bieten. In manchen Ort, dessen Name der Leser taum fennt, sollte ein Flügelaltar( sp in Nieder- Ullersdorf), eine Dorfkirche( Starzeddel), ein Grabmal ( Lieberose), ein Schloßpart( Alt- Döbern) Loden. Unendlich reicher an Kunstwerfen, reizvoller in der Landschaft, interessanter an geschichtlichen Ueberlieferungen sind natürlich Fränkische Fahrten". Der erste Band setzt sich„ Rothens burg und das Taubertal" zum Ziel. Bon einem der malerischsten alten deutschen Städte, Wertheim an der Taubermündung, aus folgt der Wanderer dem Fluß bis zur Quelle durch die zahllosen altertümlichen Ortschaften mit ihrer Fülle von Sehenswürdigkeiten. Die 190 Bilder sind eine reiche Schazkammer zur Beranschaulichung ber mittelalterlichen deutschen Stadt, die gerade in dieser Gegend sich wundervoll erhalten hat. Rothenburg ist die Perle in dem vollen Kanze, in seiner Geschlossenheit und Reinheit unerreicht. Unverfehrt steht sein Mauerring, stolz ragen die Türme, prunkvoll ist sein Renaissance- Rathaus. Es ist, als ob das Leben jahrhundertelang hier stillgestanden hätte, um uns ganz den Bauber der Vergangenheit zu erholten. Aber der Glanz einer Welt, die schöner war als die unfere, die uns nicht romantisch- wehmütig stimmt, sondern antreibt zu neuen organischen Gestaltungen unseres Lebens, ruht auch auf vielen anderen Orten. Dettwang, Krieglingen( mit seinem berühmten Altar), Tauberbischofsheim, Weitersheim sind einige davon. Ater mo auch fein berühmter Bau, fein Schnizaltar eines Meisters von Rang uns hinzieht, spinnt die Tauber'andschaft ihren Zauber oder macht uns ein Portal, ein Wirtshausschild oder ein Brunnen aufschauen. Gesegnete deutsche Fahrten auch für den, der sie nur im Bild erleben kann. Zum Beobachten, Schauen, Kennenlernen und Genießen anregen imd erziehen will auch eine andere Sammlung„ Deutsche Bolfs= tunst", die der Reichskunstwart Redslob herausgibt.( DelphinVerlag, München.) Jeder deutsche Stamm wird von einem tüchtigen Sachfenner behandelt. Das Programm ist wissenschaftlich. Der Hausbau, die Inneneinrichtung, der Hausrat, die besonderen Hervor. bringungen der Volkskunst, die Trachten, der Schmud werden ausführlich im Tert gewürdigt und durch ein reichhaltiges Bildermaterial veranschaulicht. Auch diese Bände wenden sich an den Wanderer, der sich mit der Eigenart eines bestimmten Stammes vertraut machen will auf seinen Landfahrten und Spaziergängen in den Museen. Das Interesse und die Freude an diesen Dingen, die weder sentimental noch partikularistisch zu sein brauchen, ist überall vorhanden und vor allem bei der Jugend leicht zu erwecken. Der Charakter und der Kunstsinn eines Stammes prägt sich in diesen Schöpfungen für die unmittelbaren Lebensbedürfnisse besonders deutlich aus. Man muß daher hier, als an der Wurzel, beginnen. Den bereits vorangegangenen Bänden, die u a. der„ Mart Brandenburg" und Niedere fachsen" gewidmet waren, find jeht die Rheinlande gefolgt. Mar Creuk beherrscht das große und start gemische Gebiet, hebt das Wesentliche heraus und hebt die Werte des Volkstums. K. H. Döscher. geschmückt. Zu den Zeitromanen fann man auch Adolf Koeisch's Buch „ Der Mann im Mond"( Grethlein u. Co., Beipzig) rechnen, das in recht eigenartiger Form und Sprache von der Flucht eines Staatsanweits in die Natur berichtet und zeigt, daß Roelsch nicht zum Durchschnitt gehört. Es ist überhaupt eine Freude festzustellen. daß solche erzählenden Bücher von Niveau und persönlichem Profil In der Reihe der Heimatbücher deutscher Landdurchaus nicht selten ſind. Aus der Fülle seien noch ein paar geschafte n"( Berlag Friedrich Brandstätter in Leipzig) erschien soeben nannt, die auf den Rezensententisch wehten. Da ist Kurt Küch der 17. Band: Badnerland", bearbeitet von Hans Adalbert Berger, ler, der mit seinem Roman 3 wischen den Dünen"( Greth- mit Federzeichnungen von Wilhelm Müller und einer Kunstbeilage bein u. Co., Leipzig) an die holsteinische Küste führt und den feelischen Rampf eines gescheiterten Kapitäns mit großen Mitteln auf den Hintergrund dieser Meerlandschaft projiziert. Da ist Gustav Schroer, der in der Flucht aus dem Alltag"( Quelle u. Mener, Leipzig) den Lebenslauf eines Schriftstellers erzählt, der Bauer wird und jenseits der ästhetisch- romantischen Einstellung gegenüber Dorf und Landschaft aus der Arbeit heraus eine neue Beziehung zu Bauer und Land bekommt. Da ist August in richs, der in den Hartjes"( Quelle u. Meyer. Leipzig) einen sprachlich bedeutenden Bauernroman auf dem Untergrund Ostfries lands schafft, gleichfalls unromantisch und unsentimental die Dinge und Menschen jenseits der Stadt aussagend, wie sie sind. Und da wäre noch manches Buch zu nennen, das uns nicht zu Gesicht fam und von dem wir leider schweigen müssen, da wir es nicht zu prüfen vermochten. Rückblickend und zusammenfassend darf man ohne Zögern und ohne die Gefahr, allzu optimistisch zu erscheinen, aussprechen, daß viele gute Kräfte am Wert sind, jene neuen Wunschbilder zu schaffen, von denen zu Beginn die Rede war. Wie sie fich mit der Wirks chkeit decken oder schneiden: das mas jeder selbst von seiner Kenntnisnahme aus, je nach seinem Lebensbedürfnis, feststellen. Deutsche Fahrten. Die Liebe zur Heimat, die Freude an der Landschaft, das Intereffe an den Denkmälern der Bergangenheit, das Verständnis für ,, die schöne deutsche Stadt" sind überall in deutschen Landen im Wachsen begriffen. Besonders die Jugend, die ihre Wanderungen bis in die entlegensten Winkel und Zipfel ausdehnt, hat ihre Sinne dafür erschlossen. In den Iohren, da das( oberflächlich gebildete) Reisepublikum meder an die Riviera noch nach Capri konnte, haben sich sogar diese Schichten angewöhnt, sich in Deutschland außerhalb der Bäder und Modeorte umzusehen. Man konnte im D- 3ug Frantfurt a. M.- Berlin immerhin erleben, daß der eine oder andere angesichts Naumburgs sich daran erinnerte, daß im dortigen Dom eine der größten deutschen Kunstschöpfungen sich befindet. Keine Gegend it one lohnende Wanderfreuden. Man muß nur die Augen öffnen und sich von Kundigen beraten lassen. Werner Köhler hat solche„ Deutschen Fahrten" unternommen, mit der Kamera ftimmungsvolle Landschaftsbilder, charakteristische Städteanfichten, merkwürdige Bauten, alte Gehöfe, Trachten, kurzum, alles feſtge. balten, was ihm auffiel. Daraus gestaltet er nun Brandenburgische, Fränkische, Niedersächsische usw. Fahrten. Das Hauptgewicht ist auf die vortrefflich geratenen Bilder ge eat, die teils im anregend, aber ohne tunsthistorische oder andere Prätension geschriebenen Begleit tert, teils auf besonderen Tafela erscheinen.( Berlag Franz Schnei der, Berlin usw.) Die Brandenburgischen Fahrten" umfaffen zwei Bä ide( Südwest und Südost). Es ist erstaunlich, was der Verfasser in der Niederlaufis( Südost) alles entdeckt hat. Auch mer die Gegend einigermaßen zu lennen glaubt, ist überrascht, was alles ihm unter den 130 Abbildungen neu ist Mittenwalde, Cottbus, Sorau, Guben, vielleicht auch Spremberg find gemiß manchem bes DEUTSCHER WEINBRAND Die Sammlung sucht alles festzuhalten, was heimische Dichter, lebende und verstorbene, in charakteristischen Strichen von heimat licher Erde und Art erzählen. In drei Abschnitten: Nedar- Schwarzwaldrauschen und Am Rhein und wo der Bodensee glänzt, wird die fulturelle Eigenart des Badnerlandes in geschichtlicher, geographischer, fultur- und fittengeschichtlicher Beziehung in Poesie und Prosa geschildert. Fast alle deutschen Landschaften wurden in dieser Sammlung behandelt; die Bücher dürften viel dazu beitragen, die Liebe zur Heimat zu wechen. P. Br. Kalender und Almanache. Die größte Freude des Kalendermannes ist alle Jahre der fozialdemokratische Abreißtalender, der vom Bor wärts- Verlag auch für das Jahr 1925 wiederum herausgegeben ist. Er hat sich von Jahr zu Jahr vervollkommnet und kann jetzt, nach dem er jeden Tag eine in Kupfertiefdruck hergestellte Illustration bringt, als der beste, interessanteste und aufschlußreichste aller Abreißkalender bezeichnet werden. Die Illustrationen geben wichtigeparteigeschichtliche Ereignisse, Bilder von Persönlichkeiten der Politit, Kunst und Wissenschaft oder auch Kunstwerke und Landschaften wieder. Die Rückseite bietet wieder eine reichhaltige Samma lung statistischer Angaben und mit vielem Geschmad und Spürsinn ausgesuchte Zitate, Gedichte und Sprüche. Der Preis beträgt 2 Mr. Auf einen anderen Abreißkalender, die von Dr. F. M. Feldhaus herausgegebenen Lage der Technit"( Verlag R. Oldenbourg, München- Berlin), der als technisch- historischer Abreißta'ender einzig in seiner Art ist, wurde schon an anderer Stelle eingegangen. Er sei hier nur noch einmal angeführt. Da das nächste Jahr in Rom als heiliges" begangen werden soll und die katholische Welt ihre Anhänger für die großen Pilgerfahrten dohin mobil macht, war es naheliegend, auch einen Abreißfalender diesem Zweck dienstbar zu machen. Unter dem Namen Roma Aeterna( ewiges Rom) bietet er 65 Abbildungen aus dem unendlich reichen Born der Für den Weihnachtstisch beste Fabrikate, größte Auswahl. Herren- Anzugstoffe reine Wole... Meter 10., 8., 6.U ster- Paletotstoffe Velours de laine prima Qualitäten.. Meter 20.-, 15.-, 10, für Kostüme und Mäntel Meter 12.-, 10.-, 8.Gabardine, Rips 130 cm breit Meter 10-, 8.-, 6.Koch& Seeland Gertraudtenstraße 20/21 gegenüber der Goldstück Petrifirche. STÜCK LIKŐRE römischen Runstschäße. Von der Antite angefangen bis zum Bildnis des jezigen Papstes sind alle Epochen berücksichtigt Auch der Nichtfatholil, der sich ein Jahr lang mit Rom wenigstens im Abreiß falender beschäftigen will, findet hier dankbare Anregungen.( Preis 2 M. Montana- Verlag A- G.. Zürich- Stuttgart.) J # Der Neue Welt Kalender" für 1925( Verlag Auer n. Co., Hamburg) ist im Umfang gegen das Vorjahr erweitert. Er hat auch eine neues Gewand angelegt: auf dem äußeren Titelblatt präsentieren sich im Dreifarbendruck als Symbol: Aehren, Fabrik und die aufgehende Sonne Auch die Monatsbilder sind neu entworfen. Der Inhalt bietet das gewohnte Bild: neben dem Kalendarischen unsere Lotenschau, tnappe und längere Erzählungen( von A. Supper, H. Lehmann, Hertha Pohl), belehrende Auffäße( Erste Hilfe, Bellen. filos, verfälschte Nahrungsmittel, vom Radio), politische und wirt. schaftliche Artikel, Rätsel usw. Besondere Beachtung verdient ein Biomalz Bek Palwar Pall freich illuftrierter Auffah von Brof. G. Baufi, dem Leiter der Ham| nach„ Das Lustrum"( das Jahrfünft) einen Ueberblid über thre burger Kunsthalle, über Mar Liebermann Von Liebermann stammt auch die farbige Runftbeilage" Eva", das Bild eines holländischen Mädchens. Bei den größeren Verlagsanstalten ist der Brauch, Jahres almanache herauszugeben, immer mehr in Uebung gekommen. Diese Almanache sind die anregendste und vornehmste Form einer literarischen Propaganda Sie geben Kostproben aus den in dem betreffenden Verlag erschienenen Werfen, vorzüglich des vergan genen Jahres, bieten Porträts der hauptsächlichsten Autoren und geben llebersicht über das Gesamtwert des Verlagshouses. Es liegen uns vor Almanache des Verlages S. Fischer Berlin, des Herder- Verlages in Freiburg 1, B., ferner ein Diotima. 21 man a dh des Walter Hadides Verlag in Stuttgart( zum erstens mal). Die Frankfurter Verlagsanstalt A.-G. gibi in ihrem Alma Veröffentlichungen der Jahre 1920/24. Dieser Almanach ist beson ders reich mit Bildmaterial ausgestattet, entsprechend dem Charakter. dieses Verlages, der sich besonders mit Kunstliteratur beschäftigt. Das Jahrbuch für die Buben und Mädels des arbeitenden Bolkes, das der Zentralbildungsausschuß der SPD. im Vorwärtsverlag herausgibt, das„ Kinderland" ist erschienen. Das Buch, dessen niedriger Preis feine weiteste Verbreitung ermöglicht, ist auch für das Jahr 1925 1,25 M. für das gebundene Exemplar eine Fundgrube guter Unterhaltung, gediegener Belehrung, fröhlicher Beschäftigung. Reichhaltig ist der Bilderschmuck; neben den Kunstwerke( in Kupfertiefdruck) erfreuen mancherlei Bilder( und Streubildern und den prächtigen ganzseitigen Wiedergaben bekannter Texte), die von der Kinderwelt selbst beigesteuert sind. So ist das ganze hödyst lebendig und abwechslungsreich. R. H. D. Gründliche Kräftigung und Auffrischung berimafft bas vorzügliche, billige, wohlfamedende Biomala. 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Der Erste Schreiber ,,, Chief Clerk", des genannten Gerichts ist beauftragt worden, die nächsten Blutsverwandten des Erblassers zu ermitteln, welche am Todestage des Erblassers noch am Leben wasen. Arthur Emil Gutheil, der Sohn des Erblassers, und Henriette Dorothea Elizabeth Gutheil und Ida Dart Green haben sich bereits als die nächsten Blu sverwandten gemeldet und zwar des genannten Johannis August Emil Gutheil, welcher am 17, April 1917 gestorben ist. Hiermit fordere ich etwa solche weitere Blutsverwandten auf, am oder vor dem 2. März 1925 durch ihre Rechtsvertreter vor mir in meinem Amtszimmer in dem Gerichtsgebäude zu Melbourne zu erscheinen, anderenfalls werden sie ein für allemal von den Vergünstigungen des genannten Dekrets ausgeschlossen. Montag, der 16. März 1925, elf Uhr vormittags, ist als Termin für die Prüfung und Erledigung der eingehenden Ansprüche an den Nachlaß festgesetzt worden. Datiert am 10. Oktober 1924. gez. M. M. Phillip Chlef Clerk. Stamp cancelled 5/ 10 the October, 1924. R. J. Gribble, Lydiard Street, Ballarat in the State of Victoria Solicitor for the Executors. Rose- Theater Groß. Weihnachts3 U.: Max u.Moritz verkauf zu bedeut a.d.Weihnachtsmann herabges. Preisen Helmgefunden Strickjacken, METROPO Sportwesten, 8 Uhr: RiesenSportjacken mit Kragen, bester Schutz gegenGrippe Weihnachts- Jagdwesten Spielplan! Rodelgarnituren Kinderwest. mit u. ohne Kragen Th.i.d.Gem.- Turnballe direkt ab Fabritlager Weißensee, Pisteriasst.23 er Vorzeiger dieses bat: 33%% Feiertags 8 Uhr: hält und Fahrtvergütung Wenn die Weihnachts- auf nachstehende Arglocken läuten... Preise: 80 Pf. b. 2 M. WINTBRIEN 2 Heute Vor- 2 stellungen 3 und& Uhr 312 Uhr halbe Preise!! tifel gewähren wir turze Zeit 10%: Normalhemden und Hosen, Futterhemden und Futterhosen, Reformbosen, Strümpfe. Strickmoden und Wollvertrieb MINERO" 39 Alte Jakobstr. 92 Hof, nahe Seydelstr. 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Ich raffe Hut und meine Mappe, und dann nichts wie rin in die Märchenund Geschichtenwelt des Feuilletonschriftleiters. Auf mein bescheidenes Klopfen folgt ein freundliches Herein, und beim Betreten des Zimmers merte ich sofort, daß hier bereits die Stimmung herrscht: Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind." Das Gesicht des Stimmungsmachers steckt bis zur Nase in einem großen Kasten, auf dem ein Schildchen: Weihnachtsartitel vermerkt ist. Auf dem Schreibtisch, auf den Fensterbänken, auf dem Tisch, auf den Stühlen, überall erblicke ich eng beschriebene Manuskripte, die mir den Geruch von Tannen, Spekulatius, Marzipan, Automobilen, Billen und sonstigen nüß lichen" Weihnachtsgeschenken in die Nase kiheln. O weh, denke ich, hier scheint fein Stoffmangel zu sein, und wehmütig drücke ich an meine Mappe, in der fünf sauber geschriebene, weihnachtliche Stimmungsbilder auf die Bekanntschaft mit der Druckerschwärze warten. " Ich räuspere mich, denn die Nase steckt noch immer in dem Kasten; ein Bündel Manuskripte nach dem anderen fliegt auf den Tisch. Hämm, hämm! mache ich; es nußt nichts. Nun faffe ich mir ein Herz: Guten Morgen, Herr Schriftleiter!"- Aus dem Kasten tommt es dumpf heraus:" Nnmorgen!" Dann hört man wieder nur das Rascheln des hin- und hergeschobenen Papiers. „ Entschuldigen Sie bitte die Störung." Aus dem Kasten tommt die Antwort:„ Nehmen Sie Plah!" Das war wirklich leichter gesagt als getan. Wohin sollte ich mich sehen, da die Stühle mit den Manuskripten belegt waren. Ich bitte nochmals um Verzeihung, wenn ich störe, ich habe.... ich möchte.... ich erlaube mir. Gott sei Dank, die Nase kommt aus dem Kaften, und ich schaue in ein leicht gerötetes, freundliches Gesicht. Ach so, ver,, Ach so, verzeihen Sie." Der freundliche Herr ninimt die Manuskripte von einem Stuhl. Was führt Sie zu mir?" " " 1 Wenn ich doch den verfl... Knoten wieder herunterschlucken fönnte. Noch ein paar anstrengende Schluckbewegungen, dann gelingt es; endlich ist er unten. Ich habe hier in meiner Mappe fünf Weihnachtsstückchen, um deren gefällige Veröffentlichung ich höflich bitte!" Nun war es heraus, mochte fommen was da wollte. Bause von zehn Eefunden. Der Herr Schriftleiter blickte auf all die Manuskripte ringsum, schaute in den Kasten, auf meine Mappe, auf die Uhr, zum Fenster hinaus. Dann fetzte er sich in seinem Sessel zurüd, schlug ein Bein über das andere, dann fam die Antwort: Zweihundertsiebenunddreißig Weihnachtsgeschichten und acht hundertdreiundsechzig Weihnachtsgedichte habe ich schon. Zwei hundertvierzehn Geschichten und achthundertfünfundfünfzig Gedichte find von zarter Damenhand geschrieben. Wenn ich nicht so eine Engelsgeduld hätte, dann schmiß ich den ganzen Kram.. aber, das mußt ja alles nichts, zeigen Sie mal her, was haben Sie denn?" Das war nicht sehr ermutigend, und als ich auspadte, lag mein Mut wieder ganz unten im Souterrain meines weihnachtsdichterischen Gemüts. Ich habe etwas ganz Modernes, Herr Schriftleiter, darf ich turz erklären? Nr. 1. Ein langes Kämpfen, Entsagen, Armut, Reise nach Amerifa, viel Geld verdienen, mit dem früheren 3. R. 3", jest Los Angeles", wieder zurück nach Europa. Ankunft in der Heimat. Plötzliches Wiedersehen am Weihnachtsabend. Tannenbaum, Schluchzen vor Freude. Um- den- Hals- fallen. Kuß. Glüd. Schluß!" Habe ich schon." Waas?" ,, Was haben Sie noch mehr?" Nr. 2. Kalte Winternacht, Schnee, Eis, bleicher Mond. Fernes Glockenläuten aus dem nächsten Dorfe. Einsame Hütte oben auf dem Berge. Krante Frau, weinende Kinder. Plötzliches Bergbeben. Donner und Blizz. Verirrte vornehme Reisegesellschaft, die ein Schloß sucht und in der Hütte Unterkunft findet. Verschenkt alles, was sie hat, der Frau, und feiert glückliche Weihnacht mit ihnen." Holla, träumen Sie?" Sonntag, 21. Dezember 1924 hindurch Zeit, feilen Sie immer aufs neue, und dann kommen Sie nächstes Jahr mit der Geschichte noch einmal wieder. Dann ist die Arbeit bestimmt druckreif!" Ein freundliches Kopfniden, Handslag. Draußen bin ich. Ein Radfahrer fällt vor mir auf die " So was ähnliches habe ich auch bereits, ist natürlich als Erde, ein Auto lenft auf den Bürgersteig. Frauen freischen auf. Märchen wiedergegeben. Was haben Sie sonst noch?" Ein Wachtmeister zieht sein Notizbuch und fordert meinen Namen. Sie, Mann, Sie leben wohl auf dem Mond?"" Entschuldiges Gie, nein, jetzt lebe ich wieder in der Wirklichkeit." Aber erlauben Sie, original eigene Phantasie von mir, einfach undenkbar, daß bereits ein anderer.. " Ist das alles?" ,, Nein, Nr. 3 ist der Schlager der Weihnachtserzählungen der Nachkriegszeit. Geben Sie acht: Junges Mädchen, das seinen Bräutigam in der Inflationszeit im Stich gelassen hat und einem reichen Schieber nachgelaufen ist. Schieber wieder alles verloren. Junges Mädchen mit einem reichen anderen Manne nach Jahresfrist ein Weihnachtswohltätigkeitsfest besuchend. Tanzt gerade aus Wohltätigkeitssinn einen Tannenbaum- Shimmy, Seft, Ausgelassenheit. Erblickt auf dem Gang nach der Toilette hinter dem Schanktisch einen Gläser spülenden Mann, erkennt ihn als früheren Bräutigam. Reue, verächtliches Abweisen seitens des Bräutigams. Ohnmacht im offenen Lotale. Heimfahrt. Berzweiflung und Vergiftung mit Lysol in dem Augenblid, als die Gloden das Weihnachtsfest verfünden. Was fagen Sie dazu?" Märchen?" Filmschau. Die Filme der Woche. ,, Nein, Wirklichkeit, aus dem Füllhorn der heutigen Zeit ge jungen Staliener ihre Antwortbriefe auf seine Liebesbeteuerungen, die schöpft!" Hm, hm, etwas did aufgetragen; für Weihnachten schlecht zu gebrauchen. Zu gefchmadlos für unsere Leser. Bitte erklären Sie Nr. 4!" Wasser quoll in meine Augen. Auf diesen modernen Weihnachtsschlager hatte ich meine ganze Hoffnung gefeßt. Wie man sich doch in Feuilletonschriftleitern mit freundlicher Stimme und warmen Augen täuschen kann. Bollständig mutlos hole ich Mr. 4 aus meiner Mappe. Weihnachtsperfehr. Guter Geschäftsgang, Konturs ver. mieben. Ueberschuß für sommerliche Reise an die See. Gratimieden. Ueberschuß für sommerliche Reise an die See. Gratififation an den armen Buchhalter. Verlobung des Buchhalters mit feiner armen Näherin und der Tochter des Geschäftsinhabers mit dem Sohn des Gläubigers ihres Vaters Lichterglanz und Weihnachtsbowle. Mas, jeßt sind Sie baff?" „ Abgedroschen, habe wenigstens noch 20 Stück solcher Motive auf Lager!" Das Lächeln, das jetzt noch breiter auf dem Gesicht des Schrift leiters lag, entfachte meine Wut. ,, Lieber Herr, bei solcher Kritik pade ich Nr. 5 gar nicht aus, denn das gefällt Ihnen sicher auch nicht; nur ganz furz will ich es Ihnen noch erklären: Stürmische Nacht in der heiligen Nacht. Einsam steht der Leuchtturmwächter auf der Wacht. Plötzlich ein Schuß. Schiff in Not! Der drehbare Schein werfer sucht die See ab. Der Wächter stößt ins Horn und weckt feinen Begleiter. Sämtliche Feuer blinken. Die Schiffsbefagung kommt in Booten bei schwerem Wellengang herüber. Der Wächter erfennt seinen vor Jahren verschollenen Sohn unter der Mannschaft. Fröhliches Wiedersehen und furze Weihnachtsfeier mit der geretteten Besatzung im Leuchtturmfämmerlein bei Hausmannstoft und einem guten, steifen Grog." " Bravo, Mann, das ist etwas für unsere Leser! Trieft nicht von weihnachtlicher Sentimentalität, ist frei von schmachtender Tanneniyrit, fennt feinen Kuß bei der Verlobungsfeier unter dem ftrahlenden Baum und wirkt in seiner Einfachheit erfrischend. Seegeschichten werden immer gern gelesen. Geben Sie das ManuSeegeschichten werden immer gern gelesen. Geben Sie das Manuftript einmal her, das scheint endlich einmal ein Feuilleton zu sein, das man gebrauchen fann: ein richtiges, schönes Weihnachts feuilleton!" Meine Brust atmet freier. Also doch ein Erfolg. Weihnachtsstimmung flettert aus meinem Herzen. In meinem Ohr flingt Glodentlang mit der Devise: Friede allen Menschen auf Erden usw. usw., während der Herr Echriftleiter sich in das Manuftript vertieft. Ich size wie auf den Nadelspitzen eines Tannenbaums und beobachte fein Geficht. Koine Miene verrät etwas. Das letzie Blatt fnistert in seinen Händen. Jetzt muß das endgültige Urteil tommen: Ja, wie gesagt, ein brauchbarer Stoff, nur etwas zu laienhaft und nicht flott durchgearbeitet. Sie haben Begabung, nehmen Sie die Arbeit noch einmal mit, verbessern Sie, feilen Sie, am besten verwenden Sie stille Stunden in der Dämmerung dazu und Ihre freien Sonntage. Sie haben den ganzen Winter und den Sommer Es gibt zwei Welten, eine wirkliche und eine visionäre und da das impublifum am liebsten in der letzten lebt, find Filme wie„ Die LiebesDas Sujet ist der Welt entnommen, die feinen Hunger, aber sehr viel briefe der Baronin S."( UT. Kurfürstendamm) ein gutes Geschäft. Langeweile tennt. Daher ist es auch für die Mutter ein schweres Herzeleid. wenn die Tochter überglücklich dem Manne ihrer Wahl folgt. Ob dieses zu ihrem Manne wird immer gereizter. Doch erblüht der Baronin in Kummers verliert sich die Baronin ganz in Gefühlen, und das Verhältnis Stalien, wohin sie mit einem Öntel gereift ist, ein neuer Frühling. Sie genießt die ihr so mohltuende und für Frauen ihres Schlages unentbehrs liche Anbetung eines jungen Mannes, eines Musilers. Diesen hat sie vom Berhungern gerettet und mit in die große Welt genommen. Sie reist plöglich ab, da ihr Mann Sehnsucht hat. Zum Abschied schenkt sie dent eigentlich nur für ihren Schreibtisch bestimmt waren. Das Baronin- Che nächsten Jahr reist es gemeinsam nach Italien. paar findet inzwischen, daß es doch ganz gut zueinander paßt und im Dort trifft die Baronin ihren heruntergekommenen Berehrer, und es ergeben fich recht eigenartige und wüste Szenen um die Liebesbriefe der Baronin. Aber schlteglich ist als Spielball der fofetten Frau einmal das Leben der großen Welt foften alles wieder in Butter. Man bat fein Wort für den jungen Musiker, der durfte, um dann wieder in das Nichts zurückgestoßen zu werden. Der Film selbst ist eine Augenweide. In einem folch' schönen Bilderbuch blättert man wirftich gerne. Man genießt die Schönheiten der Landschaft und Mia May. Diese Frau trägt nicht nur fabelhafte Toiletten, fie fiebt auch selbst noch immer fabelhaft aus. Der Regisseur Henrik Galeen tat alles, um den Star in das richtige Licht zu setzen und ein anziehendes Bild dem anderen folgen zu lassen, ohne daß man irgendwelchen besonderen fünstlerischen Ehrgeiz verspürte. Prater"( Alhambra). Die eine wird die Gattin eines Grafen, die andere Inwirklich find auch die Erlebnisse zweier Nähmädchen im Film Die Frau eines Heizers. Ein Baron aber, der beiden Schwestern nachstellt ihn zur Rede stellt, bringt alles in die größte Konfusion. Man nimmt und durch einen Unglüdsfall stirbt, als gerade der Bruder der Verfolgten nämlich einen Mord an. Und nun müssen alle beteiligten Personen un glaublich dumm handeln, damit die beiden Ehepaare sich erst veruneinen und nachher wieder vertragen. Den ganzen Brei nennt man dann ein offenbar schon viele Filme gefehen und regietechnisch pufen ihm allerlei Bolksstück nach einer fremben Idee. Der Regisseur P. P. Felner hat fremde deen im Kopfe herum. Den Rummelplak hat der Regisseur, obwohl der Film durch seinen Titel die Ausnugung direkt anbefehlt, übers haupt nicht verstanden, sich dienstbar zu machen. Er ist eine langweilige beobachtet worden und all die luftigen Lichtreflere auf den blant ladierten Spaziergangschilderung vergnügter Leute. Verkäufertypen sind gar nicht Starussellpferden, die Gliterpracht der Schaubudenperlbehänge egiſtieren Bust. Preis und Mr. Greenbaum lieferten eine saubere Arbeit, sie hätten nicht. Der Rummelplay wird nicht zum Bildererlebnis. Die Photogravhen mehr geleistet, wenn es verlangt worden wäre. Viele lieben ja Henny Borten in der Leidensmiene, doch diesmal zwingt ihre Rolle fie zu einem Gehabe und Getue, daß einem bald schlimm wird. e. b. Die Liebe friumphiert( Alba mbra, surfürstendamm) Eine man jogar grundsäglich Stellung nehmen soll. Bei der entsprechenden bon jenen Verfilmungen, die man nicht einfach ablehnen, sondern gegen die Novelle Jwan Turgenjems liegt trop einer sehr bewegten Handlung, bie das Problem des. Liebes- Dreieds rasch eritehen, bunt mirfen und natürlich Manuskript glaubt hierauf verzichten zu fönnen, was an sich nicht unfumis löfen lägt, das Schwergewicht durchaus im Psychologischen; bas Film ift, lägt aber auch die dann allerdings unbedingt notwendige Cogit den realistischen Tatsachen fehlen. So erreichen eine sehr gefchmadvolle Regie to manto in Blid und Beste start an die Bergner erinnert, daß der ( 2. Surjansth) und bedeutende Schauspieler, unter denen Natalie Film in der Ervosition interessiert, im Uebrigen nur in Augenbliden feffelt und zum Schluß enttäuscht. Gemiß: es wurde nach dem Gesetz des Dichters hochtünstlerisch und in technischer Vollkommenheit illustriert, aber es wurde fein Filmwert nach dem teilweise lonträren Gesez der weißen Leinwand geschaffen. Mit ein paar Tuben Kaliklora- Zahnpasta können Sie Jedem eine Weihnachtsfreude machen. Viel Freude für wenig Geld Kinder- Hausschuhe prima farbig Melton mit farbig. Krageneintassung u. Ponpon, mit fester Sohle, passend. Weihnachtsgeschenk 31/35 1.35, 27/30 1.15, 24/26 95 Pf. Kinder- Kamelhaarschuhe m.Filzzwischensohl.n. Ledervorderkpp., extr.stark Ledersohle m.Fleckabsatz. pr. Qual, extra bill, nützl. Weihnachtsgesch. 31/35 3.75.25/ 30 3.25, 21/242 75 Damen- Hausschuhe prima schwarz Filztuch m. farbig. Krag. u.Ponpon, starker aufgenähter Filzsohle, Weihnachtsgeschenk Praktisch. 290 Damen- Kamelhaarschuhe mit Umschlag u. 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