Nr.605+ 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 308 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Zitauen, Zuremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar? pro Monat. Der..Borwärts mit der Gonntags beilage..Boll und Reit" mit..Gieb. lung und Kleingarten" fowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart Reflamegeile - Goldmark. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 0,20 Goldmart( auläffia awei fettgebrustte Worte), lebes 0.10 Goldmart. erste Bort 0.10 weitere Wort weitere Wort Stellengefuche das Goldmart jedts 0.05 Oopmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen flir Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. 103 Anzeigen für bie nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgefchäft. Berlin GW 68. Linden ftrake 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Ubr früb bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönboi 2506-2507 Mittwoch, den 24. Dezember 1924 Marx über die Räumung Kölns. Eine Unterredung mit der ,, Kölnischen Volkszeitung". Reichskanzler Dr. Marg äußerte sich am Dienstag gegenüber einem Vertreter der Kölnischen Volkszeitung" über die jetzt im Bordergi und stehende Frage der Räumung des Kölner Gebicles. Dr. Marg erklärte u. a.: Die alliierten Regierungen scheinen bereits entschlossen zu sein, den im Versailler Vertrag feſtgeſehten Räumungstermin, ben 10. Januar, nicht innezuhalten und als Grund dafür die Frage der beutschen Entwaffnung zu benutzen. Dabei wollen fie fich einstweilen anscheinend mit der Behauptung begnügen, daß ihnen der Bericht der Kontrollkommission über das Ergebnis der Gereral: inspektion des deutschen Rüstungsstandes noch nicht zugegangen und ihnen deshalb eine definitive Entscheidung noch nicht möglich sei. Die Sachlage muß ich nach allen vorliegen den Nachrichten zu meinem Bedauern dahin kennzeichnen, daß die Alliierten schon jetzt, also schon vor Ferligstellung des Berichts dér Kontrollkommiffion, willens find, die Kölner Zone am 10. Januar nicht zu räumen. Wenn es wirklich bei dieser Absicht der Alliierten verbleibt, so fürchte ich sehr, daß das Folgen haben fönnte, die mir nicht nur bom deutschen Etandpuntt, Montern auch vom Sic dpunkt der europäischen Gesamtpolitik äußerst beflagenswert erscheinen. Des jetzt zu Ende gehende Jahr schien nach all dem fruchtlofen Streit der Nachkriegsjahre endlich eine Wendung zum Besseren bringen zu sollen. Wir haben gehofft, daß mit der Condoner Konferenz eine neue Epoche eingeleitet sei. Eine Epoche, in der die großen internationalen Brobleme nicht mehr durch einseitige ultimative Entscheidungen wb nicht mehr durch Mittel der Macht politit. fondern auf dem Wege des frieblichen Ausgleichs der Interessen gelöft werden würden. In der verheißungsvollen Entwicklung, die sich an die Londoner Konferenz fnüpfte, und die auch auf der Seite der Alliierten zunächst manche 2nzeichen des Willens zur Versöhnung und Berständigung brachte, foll nun anscheinend wieder ein Rüdschlag eintreten Wenn die Politik, die Deutschland und die alliierten Mächte zu den Londoner Bereinbarungen geführt hat, von beiden Seiten Icya! weiter verfolgt würde, so müßte ihr nächstes Ergebnis die Räumung der ersten Rheinlandzone am 10 Januar fein. Erfolgt die Räumung an diesem Lage nicht, so drohen alle Erfolge jener Politik hinfällig zu werden. In Deutschland würde das Bertrauen auf die loyale Bertragserfüllung der Alfizerten eine schwere Erschütterung erfahren und der Befürchtung Blak machen, daß der große Preis. den wir mit der llebernahme der Lasten aus dem Dames- Gutachten gezahlt haben, vergeblich gezahlt worden sei, daß also der Berstärdigungswille, der die Außenpolitik der Reichsregierung geleitet hat nicht zum Erfolg führe. Namentlich würden die besetzten Gebiete selbst, deren Wünsche für die An= nahme der Londoner Vereinbarungen einen so wichtigen Faftor bildeten, den Glauben an ihre Befreiung verlieren, wenn sie sehen, daß die klare Vertragsbestimmung, die einem Teil von ihnen die Beendigung der militärischen Offupation für den 10. Januar verspricht, von den Alliierten umgangen wird. Diesen folgenschweren Schritt denken die allierten Regierungen mit deutschen Bersäumnissen in der Entwaffnungsfrage begründen zu können. Ich will vom augenblicklichen Stand der Entwaffnungs frage zunächst einmal ganz absehen und nur darauf hinweisen, was biele ganze Art der Begründung schon an und für sich bedeutet. Ste bedeutet ganz einfach die Rückkehr zu der Sanktionspolitik, der doch die Londoner Konferenz endgültig das Uricil gesprochen zu haben schien. Was ist es denn anderes als eine Ganttion in dem verhängnisvollen Sinn der Politif der Nachkriegsjahre, wenn die Aulierten die militärische Belekung eines großen deutschen Gebietes aufrechterhalten, weil sie einseitig, und zwar auf Grund der Berichte ihre Kontrollorgane feststellen, daß Deutschland, ihrer Ansicht nat, ben gestellten Entwaffnungsforderungen noch nicht restlos nachgefommen fei? Zie öffentliche Meinung fast der ge. famten Welt hat sich zur Zeit der Londoner Konferenz entfchieben gegen jede Politit mit derartigen Mitte ausgesprochen und diese Stellungnahme ist auf den Berlauf der Konferenz nicht ohne Einfluß geblieben. Es kann schon deshalb nicht ohne Rüdwirtung bleiben. wenn die alliierten Regierungen jetzt wieder in die Methoden jener Bolitik zurüdfallen. Die Generalinspektion felbst hat Anfang September begonnen und seitdem zu mehr als 1700 Kontrollbesuchen geführt. Ueber die Modalitäten der Durch führung der Inspektion sind lediglich in einigen untergeord. neten Einzelfragen gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen den deutschen Behörden und den Kontrollorganen zutage getreten. Die Kontrollkommission selbst wird aber, wie ich glaube, nicht sagen wollen, daß ihr die Erreichung des mit der Inspektion erstrebten 3 meds, die feststellung des gegenwärtigen Rüstungsstandes, von deutscher Seite unmöglich gemacht worden wäre. Auch die Verhandlungen über die fünf Bunfte haben in manchen Teilen unter erheblichen Zugeständnissen Deutschlands an die allierten Forderungen schon zu einer Einigung geführt. Im übrigen geht es doch nicht an, ohne weiteres von deutschen Berfehlungen und Bertragsverlegungen zu sprechen. wenn die deutschen Stellen in gewissen Punkten anderer Meinung als die alliierten Kontrollorgane sind. Es ist doch leicht erklärlich, daß bei einer so weitreichenden Aftion schließlich gewiffe Differenz puntie übrig bleiben, die mangels einer autoritativen 3- stanz für die Auslegung des Bertrages nur im Wege gegenfeitiner Ber tändigung erledigt werden fönnen. Selbst wenn man aber einmal mit den Alliierten annehmen wollte, daß der Verlauf der Generalinspektion hier und da nicht ihren Forderungen entsprochen habe, und die Meinungsverschiedenheiten über die fünf Punkte noch nicht befriedigend geregelt fcien, so fönnte man damit doch un möglich eine so schwermicgende Maßnahme wie die weitere Be fegung deutschen Gebietes rechtfertigen. Wie man die einzelnen noch offenen Bunfte auch beurteilen mag, so handelt es sich doch auf alle alle lediglich um Reſt punkte, deren im Vergleich mit der ganzen bisher durchgeführten Entwaffnungsaktion nur eine verschwindend geringe Bedeutung zukommt. Ich kann hierbei cuf die gestern veröffentlichte deutsche Note an den Völkerbund verweisen, die in ganz anderem Zusammenhange und aus ganz anderen Gründen den gegenwärtigen deutschen Rüstungszustand darlegt. Die Note zeigt durch unwiderlegliche Zahlen und Tatsachen, daß sich Deutschland in völliger militärischer Ohnmacht inmitten eines start gerüsteten Europa befindet. Kein Mensch in der Welt kann bestreiten, daß Deutschland alle irgendwie wesentlichen Abrüstungsforderungen erfüllt hat, daß es in einem Maße entwaffnet ist, wie dies wohl noch niemals in der Geschichte ein großes Volk über sich hat ergehen lassen müssen, und daß von irgendwelchen deutschen Angriffs möglich. feiten auch nicht im entferntesten die Rede sein kann. Darauf tommt es hier aber allein an. Die Besetzung der Rheinlande ist doch, nachdem die Reparationsfrage in London ihre Regelung gefunden hat, vom Versailler Bertrag als Sicherung der Wesfmächte gegen deutsche Angriffsabsichten gedacht. Da derartige Absichten völlig außer dem Bereich der Möglichkeit liegen, fann aus jenen wering ügigen Restpunkten bei Tonaler Vertragsauslegung fein Recht hergeleitet werden, die Besetzung zu Sicherungszweden über die vertraglichen Fristen hinaus zu verlängern. Es ist daher ganz unvermeidlich, daß man in Deutschland in einer derartigen Begründung der Nichträumung einen bloßen Vor wand für die Umtehung des Versciller Vertrags fehen wird. Man hört vielfach, daß der eigentliche Grund für die Verzöge rung der Räumung vielleicht weniger in der Entwaffnungsfrage als barin liege, daß nach der Räumung der ersten Rheinlandzone die militärische Besetzung des Ruhrgebiets nicht mehr länger auf rechterhalten werden könne. Wenn dieser Grund in den Erwägungen der alliierten Regierungen mirklich eine Rolle spielen sollte, fo fann ihn die deutsche Regierung ebenso wenia anerkennen wie die Beufung auf die Entwaffnungsfrage Die Reichsregierung hat sich mit der Aufrechterhaltung der Befehung des Ruhrgebiets bis zum August 1925 doch nur als dem spätesten Termin abgefunden, hat aber in Uebereinstimmung mit der britischen Regie. aber in lle bereinstimmung mit der britischen Regie. rung von vornherein ihrer Auffassung Ausrud gegeben, daß die Räumung beschleunigt und vor jenem Endtermin durchgeführt werden müsse. Wenn also durch die Räumung der Kölner Zone für die weitere Befehung des Ruhrgebiets technische Schwierigkeiten entstehen, so fönnten diese nicht anders befeitint werden, als daß mit der Räumung der Kölner Zone auch der Abbau der Ruhr belegung eingeleitet wird, sonst würde die Folne eintreten. daß zur Aufrechterhaltung eines rechtswidrigen Ruffandes, wie ihn die Ruhrbesekung darstellt, eine weitere rechtswidrige Handlung be gangen wird. = Die Reichsregierung hat es, fobald ihr die drohende Entwicklung der Räumungsfrage erkennbar wurde, für ihre Pflicht gehalten, ihre Auffaffung den beteilinten alliierten Regierungen in aller Offenheit darzulegen. Ueber das Ergebnis dieses Schrittes läßt sich im Augenblid noch nichts sagen. Ich möchte einstweilen nicht die Hoffnung aufceben, daß in den wenigen Wochen, die uns noch von dem vertroosmäßigen Räumungstermin trennen, doch noch ein Weg gefunden wird, auf dem unserem Standpunkt Redmung getragen und jenen Gefahren vorgebeuat wird, die eine Wiederaufnahme der Sanktionspolitik heraufbeschwören würden. Es ist nicht abzusehen, was geichehen würde, wenn an die St lle fachlicher und vertrauensvoller Zefammenarbeit, die ich ffefs als das Ziel meiner ganzen Poliit angesehen habe, jetzt wieder ein frisenhafter Konfliktsstoff treten würde. Ich kann mir nicht denken, daß die allierten Regierungen dafür die Verantwortung übernehmen wollen. Lord Curzon hat lekthier gefagt, daß die verlängerte Anwesenheit frember Truppen auf deutschem Gebiet nicht geegnet fei. zu einer allgemeinen Befriedung Mitteleuropas und zu der Wiederherstellung feiner in Unordnung geratenen wirtschaftlichen Lame beizutranen. Ich fann dem nur mit vollster Ueberzeuning zustimmen. Wenn sich die alliierten Regierungen über diese Seite der Angelegenheit aber mirtlich flar sind, so werden sie sich auch der Erkenntnis nicht verschließen fönnen, daß für eine Hinausschiebung der Räumuna fein Grund norfient, der den von Lord Curzon angedeuteten Gefahren für die Befriedung und den Wiederaufbau Europas die Wage halten fönnte. Die Entwaffnung Deutschlands bietet einen solchen Grund nicht. Wenn die alliierten Regierungen in Deutschland nicht das Bertrauen zerstören, den feine bisherige auf Verständigung abgestellte Außenpolitit nicht vergeblich ist, sondern auf der Gegenfeite hem oleichen Verständigunnsmillen begegnet. so ist damit auch die Grundlage gegeben, auf der sich die noch offenen Fragen der Militärkontrolle unfchwer bereinigen lassen werden. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postfcheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Geiellichaft, Devontentasie Lindenstraße 3 Der Magdeburger Prozeß. Bon Otto Landsberg. Als Themistokles mit der griechischen Flotte vor Salamis lag, ließ er dem Berserkönige, der eine Schlacht ver meiden wollte, durch einen Boten raten, loszuschlagen, da die Griechen sich ihm aus Furcht vor einer Niederlage durch einen Rückzug entziehen wollten. Der griechische Staatsmann war fich bewußt, daß sein Land im Falle eines Sieges der Perser verloren war, und ebenso fannte er die Unberechenbarkeit des Kriegsglückes. Trogdem führte er den Entscheidungskampf, der ohne seine Botschaft wahrscheinlich vermieden worden wäre, herbei, weil er ihn fiegreich bestehen zu können hoffte. Die Geschichte preist ihn dafür. Das erweiterte Schöffen gericht Magdeburg würde ihn des Landesverrats für überführt erachtet haben. Als Napoleon im Jahre 1912 sich aus Rußland fluchtartig zurückziehen mußte, fiel der General ord, der Führer des preußischen Hilfskorps im französischen Heere, von ihm ab und ging zu den Russen über. Es war ihm klar, daß sein fühnes Handeln zur Vernichtung Preußens führen könne. Er wagte den Schritt, weil er die Stunde der Befreiung gefommen glaubte. Besäßen wir das Pathos der Römer, so würden wir Yord pater patriae( den Vater des Vaterlandes) nennen. Das erweiterte Schöffengericht Magde= burg aber würde ihn des Landesverrats für überführt erachtet haben. Im Jahre 1918 brach in Berlin ein gewaltiger Streif aus, an dem etwa 200 000 Arbeiter teilnahmen. Führer und Organijatoren der Bewegung waren die sogenannten revolutio= nären Dbmänner, erklärte Feinde der Sozialdemokratie. In dem Flugblatt, das die Aufforderung zum Maffenstreif enthielt, riefen sie den Arbeitern zu, sie sollten feinesfalls die ,, Berräter an der Arbeiterklasse", die ,, Regierungsfozialisten" in die Streifieitung wählen und gaben die Parole aus: Fort mit diesen Burschen!" Sozialdemokratische Arbeiter, die wider ihren Willen zur Arbeitsniederlegung genötigt worden waren, beschworen den sozialdemokratischen Barteivorstand, er möge sich, um das Schlimmste zu verhüten, bereit erklären, einige feiner Mitglieder in die Streifleitung zu entfenden; sie würden sich, wenn er feine Zustimmung gäbe, bemühen, die Delegiertenversammlung der Streikenden zu deren Zulassung zu bewegen. Der Parteivorstand lehnte das Ersuchen zunächst ab. Sein Borsigender, Ebert, begründete die Weigerung daauch auslöffeln müßten; die Partei dürfe sich von der mit, daß diejenigen, die sich die Suppe eingebrodt hätten, fie Plaren Linie der Landesverteidigung nicht entfernen, die sie bisher eingehalten habe. widerten ihm, gerade im Interesse der Landesverteidigung sei Die Arbeiter, deren Wortführer Buschit war, eres nötig, daß Männer, denen sie am Herzen liege, in die Streifleitung einträten. Dieses Argument überzeugte den Parteivorstand von der Zweckmäßigkeit seiner Beteiligung. Die Delegierten der Streifenden lehnten unter dem Einfluß der revolutionären Dimänner den Antrag auf Aufnahme mit erdrückender Mehrheit ab, nahmen ihn aber schließlich an. fozialdemokratischer Führer in den Streifausschuß zunächst Einer der revolutionären Obmänner, Ledebour, war hierüber so ergrimmt, daß er dem sozialdemokratischen Antragsteller zurief, jetzt haben Sie den Streit abgewürgt, denn Ihre Leute wollen und werden seine Abwürgung herbeiführen". Die Kommunisten Richard Müller, Malgan und Eckardt, die die hervorragendsten Führer der Streifenden waren und Die sich aus den bekannten Sympathien unserer Bolschewisten für die erireme Rechte dem Magdeburger Gericht als Zeugen gegen Ebert zur Verfügung gestellt hatten, befundeten in der Schöffengerichtsverhandlung rückhaltlos über die Absichten, die sie mit dem Streit verfolgt hatten. An einer Betlegung der Bewegung durch Berhandlungen und Zugeständnisse sei ihnen nichts gelegen gewesen; fie hätten den Kampf mit voller Bucht führen, die Massen mit revolutionärem Geift erfüllen, fie auf die Straße treiben wollen. Eine Niederlage wollten sie in dem Bewußtsein gern in Raufnehmen, daß der Zündstoff, den sie zurücklassen mußte, sehr bald zu einer stärkeren Explosion und zum endgültigen Siege der Revolution führen werde. Malzan und Eckardt bekundeten weiter, sie feien sich völlig darüber flar gewesen, daß die sozialdemo fratischen Vertreter zu dem 3wed in die Streifleitung eingetreten seien, ihren Einfluß auf die Streifenden zu vermehren und den Streik abzuwürgen". Ebert erkannte die Gefahr des Streifs für die Verteidigung des Landes in ihrer ganzen Größe. Sein und seiner Freunde Ziel war, 3 ugeständnisse für die hungernden und von Ueberarbeit schwer ermüdeten Arbeiter zu erzielen. Er und seine Freunde wollten dadurch für die Zukunft die Wiederkehr eines Ausbruches der Arbeitsunluft und Berzweiflung verhindern. Zu diesem Zwecke beantragte Ebert schon in der ersten Sigung des Aftionsausschusses, daß der sozia demokratischen Partei ebensoviele Vertreter im Ausschuß Kontrollzugestanden würden wie den radikalen Richtungen. Um Berhandlungen mit der Regierung zu erleichtern, verlangte er weiter sofort eine Aenderung der Streifforderungen, um Botschafterfonferenz am zweiten Feiertan? Paris, 23. Desember.( Eca.) Die Sigung der Botschafterkonferenz, die morgen stattfinden sollte. um über den Bericht der temmiffion zu entscheiden, wurde auf Freitag vertagi. ( Siehe auch 3. Seite.) einige von ihnen, deren Aufstellung der Regierung eine Berhandlung erschweren mußte, auszumerzen. Beide Anträge wurden mit 14 Stimmen der revolutionären Obmänner und der Unabhängigen gegen die der drei Sozialdemokraten ab-gelehnt. Ebert und seine Freunde verlangten weiter die sofortige Einleitung von Verhandlungen mit der Regie rung. Die revolutionären Obmänner hatten zwar an solchen Berhandlungen fein Interesse, widersprachen aber nicht. Sie ahnten offenbar, was fommen sollte, und versprachen sich davon eine Förderung ihrer politischen Bestrebungen. Die Verhandlungen scheiterten daran, daß der Staatsfefretär im Reichsamt des Innern, Herr Wallraf, erklärte, er wolle fich zwar mit den zum Aktionsausschuß gehörenden Abgeordneten, nicht aber mit streifenden Arbeitern über die Streifforderungen auseinandersehen. Die drei Sozialdemokraten suchten im Aktionsausschuß eine Mehrheit dafür zu gewinnen, daß die Abgeordneten die Ermächtigung erhielten, allein mit Wallraf zu verhandeln. Sie scheiterten damit ebenso wie mit ihrem ferneren Vorschlag, daß die Abgeordneten und außerdem Mit glieder der Generalfommission der Gewerkschaften mit dem Reichskanzler über die Beilegung der Ausstandsbewegung in Berhandlungen eintreten sollten. Der Reichstanzler hatte fich zu Unterredungen mit einem folchen Gremium bereit erklärt. Am 30. Januar beschloß der Aktionsausschuß die Her ausgabe eines Flugblattes, das über die Lage des Ausstandes berichtete und die Streifenden zum Aushalten aufforderte. Ein Widerspruch der Sozialdemokraten würde den Beschluß bei der hoffnungslosen Minderheit, in der sie sich befanden, nicht haben verhindern können; er unterblieb deshalb. Am 31. Januar sprach Ebert auf Beschluß des Streitausschuffes in einer Versammlung in Treptom. Er führte nach der Bekundung eines nichtsozialdemokratischen Zeugen aus: Die Lage des deutschen Boltes ist furchtbar. Hunger und allge. meine Not herrschten. Es sei Pflicht der deutschen Arbeiter, ihre Brüder im Felde mit der ganzen Arbeitskraft zu stügen, ihnen das Beste an Waffen zu liefern. Die Engländer und Franzesen verloren nicht eine Stunde, die deutschen Arbeiter müßten ihr Beispiel nach ahmen. Der Sieg fei der Wunsch jedes Deutschen. Der Krieg habe fich in die Länge gezogen, es fet Not ausgebrochen. Deshalb müsse alles getan werden, um zum Frieden zu gelangen. " Diese Ausführungen Eberts fanden starken Widerspruch. Man rief ihm Worte zu wie Verräter", Streifabmürger". Er fuhr, wie der erwähnte nichtsozialdemokratische Zeuge fich ausdrückte ,,, als Parteitaftifer, der den Finger darin behalten wollte," fort: Eure Forderungen sind berechtigt, es muß alles geschehen, um den Krieg zu beenden, vermeidet zu sammenstöße mit der Polizei, haltet Ruhe und Ordnung. Haltet ruhig aus, eure Arbeitsbrüder in anderen Städten stehen zu euch." Von Streif sprach er nicht. Der Zeuge hat die Aufforderung zum Aushalten auf die Bewegung bezogen. Der Zweck, den diefe Rede verfolgte, ist flar. Ebert wollte Iden Streifenden das Unsinnige und Gefährliche von MassenStreifs während des Krieges flar machen und fügte seinen Ausführungen nur deshalb einige begütigende Worte hinzu, um den Einfluß auf sie nicht zu verlieren, den er behalten wollte, um ihn im Interesse Deutschlands zu verwenden. Man stelle sich vor, ein Sozialdemokrat hätte vor dem Kriege den Kaiser einen Landesverräter genannt und dabei behauptet, Wilhelm II. hätte die intimften Staatsgeheimmiffe entweder den Berwandten in Condon oder denen in Petersburg preisgegeben. Kann man sich vorstellen, daß unter der Borausseßung, ein folcher Prozeß würde überhaupt stattfinden- der Angeklagte mit ein paar Monaten Gefängnis davontommen würde, daß der Kaiser genötigt wäre, die Staatsanwaltschaft um ein Verfahren zu bitten, daß das Gericht oder die Verteidigung sich unterstehen würden, die Debatte etwa bis in die prinzliche Bergangenheit auszudehnen? Die Vorstellung wirkt grotest. und eine Schädigung des Landes zu verhüten. I stefft fest, daß der Wahrheitsbewels" in Magdeburg vollständig Gleichwohl hat es Eberts Tun als landesverräterisch erklärt baneben ging, und fährt dann fort: mit der Begründung, die Frage des Wahrheitsbeweises sei nur vom strafrechtlichen Gesichtspunkte zu entscheiden, nicht vom historischen oder politischen. Eine Handlung, die politisch oder moralisch geradezu geboten sei, tönne gleichwohl im strafrechtlichen Sinne Landesverrat fein. Die attive Beteili gung an der Streifleitung, die Mitwirkung bei der Fassung bedeutungsvoller Beschlüsse, das Reden in einer Streitversammlung sei in juristischem Sinne Landesverrat. Der Beweggrund Eberts, durch seine Tätigkeit dem Lande zu dienen, fönne daran nichts ändern, denn er würde nur dann erheblich sein, wenn Eberts Handeln vom politischen, historischen oder moralischen Standpunkte aus zu prüfen wäre. In vollem Widerspruch mit diesen Ausführungen hat das Schöffengericht indessen den Angeklagten, der Ebert als Landesverräter bezeichnet hatte, deshalb zu Gefängnis verurteilt, weil Ebert mit dem Eintritt in die Streitleitung vater. ländische Zwecke verfolgt habe! Es lohnt nicht, ein Urteil, das in gleichem Maße gegen das Recht wie gegen den gesunden Menschenverstand verstößt, weitläufig zu kritisieren. Das Verbrechen des Landesverrats begeht der, der während eines Krieges sein Land bewußt schädigt. Ein Mann, der, wie das Gericht anerkennt, von dem Bestreben geleitet wird, sein Vaterland aus einer großen Ge= fahr zu befreien, in die es in Kriegszeiten geraten war, ein Mann, der, um verzweifelnde Massen nicht in den Händen gewiffenloser Phantasten zu lassen, sich in die denkbar schwie rigfte und peinlichste Lage begibt, um diesen nach Kräften den Einfluß zu nehmen, den sie sich zu verschaffen gewußt hatten, verdient, daß man seinem Mut und seinem Patriotismus die höchste Anerkennung zollt. Es ist ein unerhörter Schimpf, wenn ein solcher Mann von einer Stelle, die sich der ihr verliehenen Autorität durch Einsicht und Objektivität würdig zu zeigen verpflichtet ist, mit dem denkbar schlimmsten Vorwurf gebrandmarkt wird. Das Urteil des erweiterten Schöffengerichts zu Magdeburg gereicht der Rechtsprechung nicht zur Ehre und dem, den es herabseht, nicht zur Schande. Das Urteil über das Urteil. Jubel der Deutschnationalen. Landgerichtsdirektor Bewersdorf, der das Urteil im Magdeburger Prozeß zu verantworten hat. fprach im Gerichtsfaat eines Tages das große Wort: Die Breffe ist nicht dazu da, das Recht finden zu helfen. Sie mag das Urteil abwarten und sich damit abzufinden suchen." Die deutschnationale Breffe hat das Urteil nicht abgewartet, sondern schon während der Verhandlungen ihren Jubel über die Aussagen der absonderlichsten Zeugen zum Ausdruck gebracht. Die Partei der Ohm und Gödsche, der Hammerstein und Pfarrer Koch war ja die Treiberin und Geldgeberin dieses Prozesses. Kein Wun der, daß fie mit den Auslaffungen des Magdeburger Richters in hobem Mahe zufrieden ist. Wenigstens foweit der Reichspräsident darin behandelt wird. Die Deutsche Zeitung" hält Ebert" poli. tisch für alle Zeiten erledigt", und der„ Lokal- Anzeiger", der treu und brav hinter dem Hanswurst hertrottet, fragt mit arijden Zweifeln, ob aber nicht schon jetzt.. bestimmte Die sämtlichen von mir berichteten Tatsachen find in der politische Folgerungen gezogen werden müssen Die Hauptverhandlung erwiesen worden. Die Versuche der Ber- Deutsche Tageszeitung" tann sich einstweilen vor Freude gar nicht teidigung, nachzuweisen, daß Ebert in der Treptower Rede faffen und versichert nur daß das Urteil gegen den völlischen Veraufgefordert habe, militärischen Gestellungsleumder„ hart, unerfindlich hart" fei. Gott, mas haben die Leute befehlen teine Folge zu leisten, sind dagegen fläglich zu boch zarte Nerven! Man merkt so felten etwas davon besonders jammengebrochen. Bon ben beiden Zeugen, die sie für dieſe wenn Arbeiter auf viele Jahre ins Gefängnis oder gar Zuchthaus Behauptung benannt hatten, ist der eine als Dieb, der andere gehen müssen. Und im übrigen find sie durch die republikanische als gewerbsmäßiger Betrüger entlarot worden. Justiz wirklich verwöhnt worden. Am 1. Februar brach der Streit zusammen. Das erweiterte Schöffengericht zu Magdeburg hat für erwiesen erachtet, daß Ebert und seine Freunde in die Streitleitung eingetreten sind, um den Streit zum schnellsten Abschluß zu bringen Die erste Nacht im Zuchthaus. Bon Felig Fechenbach. Gegen neun Uhr abends war der Lokalzug von Bamberg pfauchend und pruftend in den fleinen Ebracher Bahnhof einge. laufen. Rafte, feuchte Ottoberluft bläst mich beim Aussteigen un freundlich an und macht mich frösbeln. Zwischen zwet Transporteuren geht's von der Station weg eine mattbeleuchete Straße entlang. Mein rechtes Handgelent ist mit der Schließzange gefeffelt. Ich fühle das falte Metall, aber es wandelt sich in meinem Bewußtsein in brennende Glut. Nach wenigen Minuten stehen wir vor einem großen Gebäude. Es ist nicht hell genug, als daß ich Einzelheiten erfenner tönnte. Nur einen mächigen Bortalbau und viele Fenster sehe ich. Auf ein Glockenzeichen wird die schwere Pforte geöffnet. Wir gehen hinein. Dumpf fällt die Türe ins Schloß. Ich bin im Zuchthaus. Rechts neben dem Eingang ist die Larmadhe. Hier treten wir Es ist angenehm burchgeheizt. De ut gut nach der Fahrt ein. im falten Gefangenenabteil. Die Uebernahmeformalitäten find bald erledigt. Die Trans porteure laffen sich ein Gasthaus zum Uebernachten empfehlen und verabschieben sich. Der Transportschein liegt auf dem Tisch. Am oberen Rand lefe ich:„ Borsicht!" Das Wort ist mit Rotstift start unterstrichen. Der Anstal sdirektor wird durch die Wache verständigt, daß ein " Bugang" eingetroffen. Gleich darauf werde ich abgeführt. fo Soweit die Presse nicht aus Parteibindungen an der verlogenen Hehe gegen den Repräsentanten des neuen Reiches beteiligt und intereffiert ist, tommt nur unverholene Berwunderung über das Urteil von Magdeburg zum Ausdrud. Die„ Germania" 3. B Da soli ich hinein?" frage ich, noch immer ungläubig. Der Beamte bejaht Dabei breht er feinen martialischen, schwarzen Schnurrbart. 27 Das ist ja der reinfte Tigertäfig!" Jeht find's halt im Zuchthaus," fam's latonisch zurüd. ,, Aber ich bin doch fein Raubtier." fei Die„ Bossische Zeitung" sagt, die deutschnationale Hetzkampagne vollständig gescheitert: Ihr Zusammenbruch ist so bobenlos, mie ihre Leichtfertigkeit. Nach einem Trommelfeuer von Berleumdungen und Beleidigungen von unerhörter Heftigkeit, nach einer Flut von Berdächtigungen und Schmähungen sind Charatter und Persönlichkeit des Angegriffenen aufs reinste hervorgetreben. Das„ Berliner Tageblatt" endlich stellt u. a. feſt: Der deutschnationale Borstoß ist gescheitert. Die Draht zieher und ihre Bresse sind blamiert. Politisch ist der Sachverhalt, ist die Reinheit der Absichten, die Eberts Haltung im Januarstreit bestimmt haben, nunmehr hoffent lich auch für die deutschnationale Presse endgültig geflärt." Deutschnationalen wollen ja gar nicht die Reinheit der Absichten Das„ Berliner Tageblatt" irrt sich in seiner Hoffnung. Die Eberts erfennen. Sie wollen den Mann, den Nationalver. ammlung und Reichstag der letztere sogar mit Einschluß und auf Betreiben der Boltspartei benten wählten, obschon beiden Parlamenten die Tätigkeit zum ReichspräsiEberts im Jahre 1918 befannt war, durch ihre Berleumdungsfampagne politisch unmöglich machen. Ein Beginnen, das sie sich fehr viel kosten lassen, das aber doch vergeblich bleiben wird. 2000 Me. Geldstrafe wegen übler Nachrede. Bandgericht München wurde am Dienstag gegen den Redakteur München, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem des Miesbacher Anzeigers", den Bater Stempfle, in der Berufungsinstanz berhandelt. Stempfle, der über den Kommeraientat 8en als den Drganifator der BürgerbräuVersammlung vom 8. November 1923 geschrieben hatte, daß er Rabr in eine alle gelodt babe, wurde am 6. November d. J. vom Amtsgericht. München wegen übler Nachrede zu 2000 Mari Geldstrafe verurteilt. Dieses empfindliche Urteil ist nunmehr vom Landgericht bestätigt und die Berufung auf Roften des Angeklagten zurüdgewiefen. Regierungsneuwahl in Braunschweig. Braunschweig, 23. Dezember.( WTB.) Der neugewählte Landtag trat beute nachmittag zu feiner ersten Sigung zufammen. Bum Bräsidenten wurde gewählt Abg. Weffel( Deutsche Volkspartei), zum 1. Vizepräsidenten Abg. We femeier( So.), Aum 2. Vizepräsidenten Abg. Roloff( Deuticnat.). Es folgten dann die Wahlen zum Hauptausschuß usw. Minister Dr. Jasper begrüßte den neuen Landtag mit dem Wunsche, daß seine Arbeiten dem Lande zum Wohle gereichen möchten. Die jetzige Bufammenießung des Landtages bringe auch eine andere guiammen. fegung der Regierung mit sich Das jezige Ministerium Lege, daber fein Amt nieder. Die nächste Sigung wurde auf morgen vormittag 10 Uhr feftge est mit der Tagesordnung: Feſtüc Dung der Zahl der Mitglieder der Regierung und deren Wahl Das Reichsfabinett trat gestern nachmittag unter den Vorsiz des Vizetanglers Dr. Jarres zu einer Sigung zusammen, in der Staatsfelretär Dr. Trendelenburg über den Stand der Bericht erstattete. deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen wie die Allgemeine Parlamentarische Korreipondenz" böri, ist Kaffierung des Staats efretär- Postens im Reichsfinanzminifterium. zunächst beabsichtigt, die Stelle des aus dem Reichsfinanzministerium ausgeschiedenen Staatsfefretärs Bapf, der nach München berufen worden ist, nicht zu befeßen ist. und dehnen sich zu Ewigkeiten. Eine schlaflose Nacht scheint endlos, be fonders in solcher Lage. Ich habe immer nur den einen Gedanken, aus dem Eisenkäfig herauszutommen. Bis Montag hat mich der Beamte vertröstet. Dann soll ich in eine ordentliche Belle tommen. Also einen ganzen Tag und noch eine volle Nacht hier zubringen! Ich nehme mir vor, Der Beamte lächelt überlegen unb raffelt dabei mit feinem gleich am nächsten Morgen den Versuch zu machen, in einen anderen großen Schlüsselbund. " Raum zu kommen. Wenn man mich aber abweist? Wenn's ema a settlang ba sind, na wern's scho einsehen, daß beim Käfig. hier Leut' gibt, für die me sowas braucht." Es war nicht zu ändern, ich mußte hinter die roten Eisengitter. Jeßt schien mir nichts mehr unmöglich, selbst nicht die Unge heuerlichkeit, längere Zeit in diesem Raum bleiben zu müssen. Ich frage mechanisch danach. Meine Sorge wird nur zum Teil behoben. Morgen is Sonntag. Bis Montag müssen's also Geduld hab'n. Es ist jo a nit so schlimm, wie's ausschaut." Mir war's schlimm genug. Ich werde allein gelassen. Der Beamte geht, um Matraße und Schlafbeden zu holen. Ich schaue mir den Käfig näher an. bequem mit der Hand erreichen. Die Rüd- und die linke Seitenwand Er ist zwei Meter hoch. Die oberen Querstangen fann ich werden von der Bellenmauer gebildet. Ganz unten, fast am Fußboden, ist ein eiserner Ring in der Mauer befestigt, eine Borrichtung für Fußfeffelung. Der einzige Einrichtungsgegenstand steht in der Ede: ein Holzkübel mit Dedel ohne Handgriff, bie obligate Opferschale. Ich gehe auf und ab. Mit drei Schritten habe ich den Beinen Raum durchmessen und muß dann immer wieder Kehrt machen. unwillkürlich denke ich an Raubtierfäfige in Menagerien, in benen gefangene Tiere rubelos am Gitter hin und herstreichen. Ein Beamter der Torwache und ein Nachtwächter begleiten mich. Die großen Gittertüren, der geräumige hof mit seinen mäch tigen Arkadenbögen, die hohen gewölbten Gänge, durch die wir Da geht die Zellentür wieder auf. Matraße, Kopfteil, zwei fommen, das alles sieht so düster aus und wirkt in der Beleuch- Schlafdecken und ein Leintuch werden gebracht und auf dem Boden tung der mitgeführten Handlaterne fast gespenstisch und wirklich. des Käfigs zum Schlafen gerichtet, Ich muß mich nadt ausziehen. Und doch ist's nur zu bittere Wirklichkeit. Der Nachtwächter ist mit Bor Kälte zittere ich. Karabiner und Pistole ausgerüstet. Neben ihm geht ein großer Polizeihund, der mich mißtrauisch antnurrt. * Leibesvisitation! Dann bleibt's Go Preisen meine Gebanten unaufhörlich um den einen Punkt. Der Nachtwächter kommt wiederholt, tnipst das Licht an und schaut durch den fleinen Spion in der Tür. Er will sich vergewissern, daß alles in Dronung ist. Auch in der längsten Nacht rinnt eine Stunde nach der anderen ab und die letzte dämmert dem Tag entgegen. Es schlägt sechs Uhr. Ich stehe auf, will mich anfleiben, um bann auf und ab zu gehen. Aber ich finde meine Kleider nicht. Da fällt mir ein, daß ich sie ja am Abend hatte abgeben müssen. Im Hemde spazieren gehen, wäre doch etwas ungemütlich; es ist auch zu kalt dazu. Es bleibt also nichts übrig, als mich wieder auf die Matratze zu legen. Bis halb acht Uhr bleibe ich unter den Schlafdecken verkrochen, dann wird's lebendig im Haus. Ich höre Schritte, Stimmen, Schlüffeltlirren, Türen auf- und zugehen. Die Zellentür wird geöffnet. Ein Wachtmeister bringt mir meine Meiber und Wasser zum Waschen. Bald darauf fommt die Morgentoft, eine Blechschüssel voll Brennsuppe und ein Stüd Brot. Ich habe Hunger und lasse nicht den fleinsten Rest übrig. Nach acht Uhr geht die Türe wieder auf. Ein älterer Oberwachtmeister tritt ein. Er will wissen, wann ich gekommen sei, ob ich die Morgentoft schon bekommen hätte, und fragt auch sonst noch manches. Er hat etwas freundlich Teilnehmendes und Ruhiges im Ton und in feinem ganzen Wesen, trotz des feldwebelhaften Schnauz bartes, der ihm buschig über die Mundwinkel hängt. Nur wer eine Nacht in solcher Räfigzelle im Zuchthaus zu Kein Winkel, teine Deffnung des Körpers bleibt undurchforscht. Dem Beamten ist das schon zum alltäglichen Handwerk geworden. Wir stehen in einen hohen Kreuzbogengang vor einer Bellen. Er fühlt nicht mehr; welch tiefe Demütigung der ganze Borgang gebracht hat, weiß, wie gut dann ein paar freundliche Worte tun. tür. Sie wird geöffnet. Wie der Beamte Licht macht, pralle ich für den Gefangenen bedeutete. entfekt zurüd. Mein Hemb bekomme ich wieder. Alles übrige an Wäsche und Ich hatte mir unter dem Begriff„ Zuchthaus" allerhand Un. Kleidung wird mir abgenommen. Käfig und Zellentür werden verorgenehmes gedacht. Was ich aber in dieser Belle zu sehen beschlossen und verriegelt. Gleich darauf löscht das Licht aus. fam, überstieg meine schlimmsten Borstellungen. In die Zelle ist ein großer Räfig aus maffiven, rotladierten Eisenstangen eingebaut. Mich überläuft ein falter Schauder. Die Käfigtür wird geöffnet und mir bedeutet, daß ich eintreten soll. Ich halte das zuerst für einen rohen Scherz, den man fich mit mir machen will. Aber es ist brutalfter Ernst. Es ist dunkel und talt. Ich bin müde von der langen Bahnfahrt, aber die neuen Eindrücke beschäftigen mich, und der Gebante an den schauberhaften Eisentäfig, worin ich liege, läßt mich teine Ruhe finden. Ich kann nicht schlafen. Die nahe Turmuhr zeigt jede Biertelstunde die Zeit an. Ungeduldig zähle ich die Glockenschläge. Träge schleichen die Stunden Sie sind wie Balsam auf offene Wunden. Das um so mehr, je weniger man Freundlichkeit erwartet hat. Ich sage dem Beamten, wie sehr mich der Raubtierfäfig bedrückt. Er versteht das. Ja, das glaub ich gern. Sowas schredt ab. Das wirft wie ein falter Strahl." Mir scheint die Gelegenheit günstig, meinen Wunsch nach Unterbringung in einen anderen Raum vorzubringen. Er zudt bedauernd die Achseln. ,, Heut ist Sonntag. Da wird's schmer gehen. Aber ich will schauen, vielleicht läßt sich's doch machen." Der Angriff auf Preußen. Aber von hinten herum! Die Beit", das Organ des Herrn Stresemann, sieht sich genötigt, die absonderliche Behauptung, daß der Ministerpräsident Braun durch die Verfassung zum Rüdiritt genötigt sei, näher zu erplizieren. Der Ministerpräsident werde nach der Verfassung vom Landtag gewählt, daher habe der neugewählte Landtag das verfassungsmäßige. Recht, diese Wahl auszuüben. Gegen das„ Berliner Tageblatt" gewendet führt die Zeit" aus: Auch rein parlamentarisch wird Herrn Braun gar nichts anderes übrig bleiben. Das„ Berliner Tageblatt" behauptet, das Kabinett der großen Koalition sei mit einer starken Mehrheit aus dem Wahltampf hervorgegangen, deshalb habe der preußische Ministerpräsident feinen Anlaß zum freiwilligen Rücktritt. Auch diese Argumentation geht fehl. Herr Braun ist auf jeden Fall verpflichtet, festzustellen, ob die große Roalition für den Landtag noch besteht. Er wird dabei untrüglich Gewißheit für das Gegenteil erlangen und daraus die unvermeidlichen Folgerungen ziehen müssen. Es ist vollkommen richtig, daß der neue Landtag das verfaffungsmäßige Recht besitzt, einen neuen Ministerpräsidenten zu wählen. Er muß dazu nur eine fleine Formalität er füllen und den bisherigen Ministerpräsidenten stürzen. Wir hoffen, daß der preußische Ministerpräsident den parlamentarisch richtigen Weg gehen, das heißt blei ben wird, bis er in offener parlamentarischer Entscheidung fiegt oder fällt. Die Bolkspartei hat im Reich sechs Krisen gemacht, aber sie hat noch nie eine Regierung in öffentlicher Sigung gestürzt. Sie hat vielmehr stets durch Borstöße, Rückzüge, Verhandlungen mit den Gegnern der Regierung hinter den Rulissen eine solche Verwirrung angerichtet, daß sich die Regierung zum Rüdtritt gezwungen jah oder gezwungen glaubte. Wir hoffen zuversichtlich, daß es der Beit" und hren Hintermännern nicht gelingen wird, nun auch in Preußen dasselbe Spiel aufzuführen. Will die Bolkspartei bie bis herige preußische Regierung stürzen, so mag sie das so tun, daß jedermann dabei zusehen fann. Nur so wird der Sinn der Verfassung erfüllt, daß die Regierung ihre Verantwortung vor dem Parlament trägt, das Parlament aber vor dem Volk Die seine! Auf derselben Seite, auf der die Zeit" den Rücktritt des preußischen Ministerpräsidenten aus vorgeschobenen Deraffungsmäßigen Gründen fordert, schreibt sie unter der Ueberschrift Irrfahrten der Kritit": schäftigte, mußte heute eine außerordentliche Sigung und wohl auch noch lange deutsch bleiben werde. Die Bevöl einberufen werden, die hinter verschlossenen Türen stattfand. Der ferung, und nicht zuletzt die Arbeiter, legten großes Gewicht einzige 8wed war die Beschlußfassung zur Beanstandung. Die darauf, daß ihre deutsche Muttersprache die gebührende Rücksicht Stadtverordnetenversammlung beschloß in Abwesenheit des Ma- nahme erfahre und als dritte gleichberechtigte Nationalgistrats unter dem Stimmenübergewicht der Rechtsparteien, die in prace neben der französischen und der flämischen verkannt werde. Die Abgeordneten veriraten die Auffassung, daß der Gesezentwurf unverhältnismäßig größerer Stärke im Stadtparlament vertreten über die staatsrechtliche Stellung der Belgien angegliederten deutschen sind, als nach dem 7. Dezember ihnen Mandate zukommen, Gebietsteile, der dem belgischen Parlament vorliege, eine Mehrheit die Beanstandung des Ministers durch eine Klage im Ver erlangen wird. Die Bestrebungen der Einwohner Eupen- Malmedys, waltungsstreitverfahren anzufechten. ihre deutsche Muttersprache zu erhalten, hätten bei den Flamen starfe Sympathien und Unterstüßung gefunden. England und die Räumung. Der 10. Januar nicht mehr diskutabel. London, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Besprechung zwischen Chamberlain und dem deutschen Botschafter hinfichtlich der Räumung der Kölner Zone liegt jegt folgende offiziöfe Mitteilung der englischen Regierung vor: Die Situation hat sich nicht geändert. Die Meinung der britischen Regierung über die Räumung der Kölner Zone ist in der letzten Woche von Lord Curzon im Oberhause dargelegt worden. Die Bedingungen, unter welchen die Räumung erfolgen soll, find im Versailler Vertrag festgelegt, und dieser sieht vor, daß seine Bestimmungen ehrlich erfüllt werden. Nach britischer Ansicht ist das hinfichtlich der Reparationsfrage der Fall. Aber hinsichtlich der Abrüftung liegen die Dinge anders. Nahezu zwei Jahre lang ist durch Obstruktion von deutscher Seite die Arbeit der Militär- und Rontrollfommission verzögert worden, und nunmehr kann der Schlußbericht nicht vor der dritten Januarwoche erwartet werden. Die Räumung am 10. Januar ist nicht mehr diskutabel. Die vorläufigen Berichte der Militärtommiffion find für Deutschland nicht günstig, weil sie deutsche Verfehlungen gegen die Abrüftungsbestimmungen des Versailler Vertrages festgestellt haben. Die endgültige Entscheidung wird mit Rücksicht auf ihre große Bedeutung erst nach Prüfung des endgültigen Schlußberichtes fallen. Sobald der Bericht vorliegt, werden die Alliierten gemeinsam feststellen, in welchem Ausmaße die Bestimmungen des Versailler Bertrages erfüllt find und wann die erste Zone geräumt werden kann. Die britische Regierung hegt nicht den Wunsch, die Besetzung fortzufeßen und ist forgfam darauf bedacht, die normale Lage in Zentraleuropa so bald als möglich wieder herzustellen. Aber das ist im gegen wärtigen Augenblid noch nicht möglich. Der vorläufige Kontrollbericht bei Foch. Condon, 23. Dezember.( Reuter.) Der Botschafterrat wird morgen in Paris zusammentreten und sich wahrscheinlich mit dem vor läufigen Bericht der Interalfiierten Militärtontroll tommission befassen, der dem militärischen Komitee Die hebe gegen den Außenminister gefällt sich in in Versailles, dessen Vorsitzender Marschall Foch ist, soeben zu Exzessen die man nur noch auf Geistesabwesenheit zurückführen gegangen ist. Möglicherweise wird der Botschafterrat die Entfann. Bekanntlich ist der Reichskanzler Mary freiwillig zurüd. fendung einer Mitteilung an Deutschland über die Kölner Zone in getreten(!), um dann bei dem Bersuch einer Regierungsbildung auf Erwägung ziehen. In diesem Zusammenhang wird in hiesigen amt. ein totes leis zu fommen, was ihn veranlaßte, die ganzen lichen Kreifen darauf hingewiesen, daß die britische Regierung nicht Berhandlungen bis ins neue Jahr zu vertagen. Das hindert die demo- den Wunsch hegt, die Besetzung der Kölner Zone über das vom tralische Presse aber nicht, zu behaupten, daß Stresemann den Kanzler Versailler Vertrag festgesetzte Datum zu verlängern, daß aber geflürzt und den gegenwärtigen Zustand geschaff n habe. die Berzögerung in der Fertigstellung des endgültigen Berichts der Das ist die treuherzige Methode, mit der die Zeit" und militärischen Kontrollkommission ausschließlich auf die Tatsache zu ihre Hintermänner auch Preußen erledigen wollen. Die rückzuführen ist, daß seit der Befeßung des Ruhrgebiets Bolkspartei hat die Regierung Braun gestürzt? Sie hat an teine angemessene Ueberwachung möglich war. möglich war. die Stelle der Stetigkeit und Ordnung, die sich über drei Jahre Bielleicht erweist es sich als möglich, bereits auf Grund des vorläufi ang bewährte und das Reich aufrechterhielt, ein Chaos gegen Berichts eine Entscheidung zu treffen. Doch ist man hier der teht! Du lieber Himmel, welche nerfeumderische Hetzel Der Meinung, daß eine Entscheidung von fo vitaler Wichtigteit nur nach Ministerpräsident Braun ist doch genau wie Margreiflicher Prüfung des vollständigen endgültigen Be reiwillig zurüdgetreten und hat dadurch den richts gefällt werden fann. gegenwärtigen Zustand geschaffen". Nochmals, das wird er hoffentlich nicht tun! Menigstens in Breußen soll man flar sehen, werden gegenwärtigen zu stand geschaffen hat"! Eupen- Malmedy. Die Arbeiter sind die Vorfämpfer des Deutschtums. Köln, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Brüffeler Bertreter der Kölnischen Boltszeitung" hatte eine Unterredung mit Potsdam, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Infolge der belgischen Abgeordneten ber katholischen Bartei über das Schicksal Beanstandung des legten Stadtberordnetenbeschlusses der Streife Eupen und Malmedy. Die Abgeordneten gaben dom 12. Dezember, der sich unzulässigerweise mit der Maßnahme zu, daß die Bevölkerung in diesem Belgien angegliederten ehe des Ministers Severing gegen den Oberbürgermeister bemaligen deutschen Landesteil immer deutsch geblieben fei Ich atme befreit auf. In den schauderhaften Eisentäfig, ben ich als barbarisch empfand, brauche ich nicht mehr zurüd. Aber die Erinnerung an diese erste Nacht im Zuchthause bin ich nicht wieber losgeworden. Evangelium auf Speck. Damit geht er, um eine Biertelstunde später wiederzufommen.| und eindrücklich. Das Anfangstempo von Schuberts Sanctus" er Mein Käfig wird aufgeschlossen und ich werde zum Direktor geführt, schien mir reichlich vergriffen und ging dann auch nach und nach in frog des Sonntags. bas doppelte Beitmaß des Schlusses über. Merkwürdig, wie leicht sich beim volksliedfremden Moll immer gleich Unreinigkeiten in der Intonation ergeben. Die letzte Nummer des Abends litt bezüglich biefer, nicht des Vortrages darunter. Vielleicht entschließt sich der Dirigent auch einmal, allzu fade Sachen, Liedertafeteien und Schmarren im Schweizer und Kärntner Stil, aus dem sonst musi falisch recht wertvollem Programm auszuschalten und folch Ünechtes zu meiden. Anna Hopf Geibel spielte zwei schlimme Salon stücke für die Harfe. Sie hätte fich doch fagen sollen, daß fie in einem solchen Konzert ein Stüd mufitalischer Boltsbildung zu leisten hat. Fürs Volt aber ist nur das Beste unserer Großen gut genug. Gertrud Wolf fang zur Harfe drei Lieder von Robert Schumann, am Klavier( Dr. Ernst Jof) fünf Möride- Hugo- WolfLieber. Ihr sind die episch gerichteten Kompositionen Wolfs mehr wesenseins als die reine Lyrik Schumanns, die zudem ihre im Ber gleich zur Mittellage und Höhe nicht so schöne Tieflage start beanspruchte. Ihre Vortragskunst feierte bei Hugo Wolf Triumphe. Dem Verein ist fürs nächſtemal mit vollem Recht eine zahlreichere Buhörerschaft zu wünschen. Mein Schlächtermeister ist ein patenter Rert. Grwurzelt in der Zeit".( Bitte sehr, alle bedeutenden Männer wurzeln!). Er hat jüngst den ersten Inmungspreis erhalten. Aber das gehört nicht hierher. Mein Schlächtermeister weiß, daß Weihnachten vor der Tür steht. Als Geschäftsmann hat er davon Notiz zu nehmen. Aber wie? Soll er's machen, wie der Bruchband, Binden- und Bandagen verfäufer von vis- a- vis, der ein Schild ins Fenster gehängt hat: Baffende Weihnachtspräsente"? Bitte, das geht doch nicht Obwohl eine Wurst zweifellos lieber unter dem Christbaum gesehen wird als ein Bruchband oder eine Eisblase. Aber, wie gesagt, mein Schlächtermeister erwacht in der Zeit. Er ist originell, er erfindet neue Effette. i Und so hat er als einzige Weihnachtsdekoration zwei monu mentale rechteckige. Specffe ten ins Schaufenster gestellt. Beide hat er mit talggegossenen Inschriften geziert, so daß sie ragen wie die Gefegestafeln Mofis. Die linte Gefegestafel, pardon Spedfeite, verfünbet:„ Ehre sei Got in der Höhe! Die rechte fährt fort:" Und Friebe auf Erben!" ( Wirklich, das fehlende Wohlgefallen" ergibt sich hier von allein.) Die Menschen hasten vorüber und bemerken nichts. Nur ich bleibe stehen und bemerke, daß hier eine unerreichte Kombination gefunden ist: Ewige Worte grüßen von nahrhaftem Material. Man baue dies Berfahren aus. Man träufte alle Weisheit der Welt mittels Talg auf Speckseiten und bringe fie unters Bolt. Sie wird willig genoffen werden. Mir schwant die Herausgabe einer Zeitschrift:„ Der Weisheitsspruch". Aber da bin ich im Phantasieren. Eigentlich genügt die fachliche Feststellung, daß mein Schlächtermeister als erster die Heilsbotschaft in glaubhafte Form gegossen hat Mich. von Lindenheden. Der Männerchor Harmonie"-Charlottenburg( Chormeister Mar Schaarschmidt) mußte in seinem 1. Winterfonzert in Der Hochschule für Musik auch spüren, daß die Zeit vorläufig vorüber ist, da man sich gern ein Stelldichein im Ronzertsaal gibt, daß Ge danken und Streben schon zuviel auf Weihnachten, zumenig noch auf musikalische Beranstaltungen gerichtet sind. Das war in mancher Hinsicht zu bedauern. Denn der Chor hat ein schönes, prägungsfähiges Stimmenmaterial, über das fein Chormeister gefchickt disponiert, und das er zu einer einheitlichen Klangmaffe zu fammengeschweißt hat. So geriet denn in dem vorwiegend aus fchlichten Bollsweisen geformten Programm, Weifen in funstreicher und auch wieder in anspruchslofer faffung, vieles recht abgerundet G. 6. Der Konkurs über das Vermögen der Deutschen Opernhaus betriebs- Gesellschaft ist wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt- nunmehr eröffnet worden. Zum Konkursvermalier murde der bereits für die Große Boltsoper bestellte und daselbst bewährte Ronfursverwalter Borchardt bestellt. Er wird alles daran segen, um den Betrieb des Opernhauses in der bisherigen Weise fortzufeßen, so daß die Vorstellungen wie bisher stattfinden werden. Das Deutsche Opernhaus ist Eigentum der Stadt Berlin. Die Kunstbeputation des Magistrats hat über die Zukunft des Opernhaus. betriebes beraten und zunächst das Bezirksamt ermächtigt, den burch) Bermittlung des Konkursverwalters einzuleitenden vorläufigen Be trieb zu unterstützen. Ein Ausschuß der Kunstdeputation wird in den nächsten Tagen Vorschläge über die endgültige Neuregelung ausarbeiten. Zum 100. Geburtstag des Dichtermufifers Peter Cornelius veranstaltet ber Berliner Vollschor( Mitglied des D. A.-S.) am Sonntag, den 28., abends 7 Uhr, eine Gedenkfeier( Bortrag, Lieder, Ensemblestüde, Chöre) in der Aula des Andreas- Realgymnasiums, Stoppenstraße. Eintritt für Mit glieder fret, Gäste zahlen 50 Pi. Besuchszelten des Museums für Meeresfunde. Von 11-8: Sonntags( frei). Bon 10-3: Montags( 30 f.), Mittwochs( fret), Sonnabends( 30 Pf.). Schulflaffen haben nur Zutritt Dienstags 9-12( frei), Montags u. Sonn abends 10-8( 10 Bf. ie Schüler oder Schülerin). Während der Feier tage ist das Museum geschlossen am Heiligen Abend, 1. Feiertag und am Neujahrstag, am 2. Feiertag ist es von 11-3 geöffnet( fret). Weihnachtskonzerte des Berliner Sinfonie- Orchesters finden am 1. umb 2. Feiertag im Blüthner- Saal abends 8 Uhr unter Leitung von Dr. Julius topic tatt. Am 1. Feiertag findet ein Dpernabend unter Mitwirkung von Gertrud Wolf( Belang) und am 2. Feiertag ein Wagner- Abend unter Mitwirkung von Kammerfänger Werner Engel statt. Eintritt 1 Mr. Die Musikgeschichtliche Kommiffion des Preußischen Kultusministeriums Monumentalwertes Denkmäler deutscher Tontunst" bereinbart. Es werden zunächst 20 weitere Bände erscheinen. Leiter der Beröffentlichung ist Hermann Abert, Berlin. hat mit dem Berlage Breitkopf& Härtel in Leipzig die Fortsetzung des " Deutschlands Entwaffnungszustand. In der am Dienstag veröffentlichten deutschen Note an den Völkerbund wird der Zustand der Entwaffnung und Wehrlosigkeit, in dem sich das Deutsche Reich befindet, an der Hand einiger statistischer Angaben nachgewiesen. Von unterrichteter Seite wird jetzt gegen den Vorwurf der Entente, mit dem die Berlängerung der Kölner Befegung begründet wird und wonach Deutschland den Abrüstungsbestimmungen des Friedensvertrages ungenügend nachgekommen sei, entschieden Stellung genommen. Auch in dieser Zuschrift wird der Entwaffnungszustand Deutschlands statistisch begründet, wobei besonders die nachfolgenden Tabellen eine deutliche Sprache reden: Heeresstärke. Frank reich Polen Ticheco flowakei Belgien Zu Deutschiammen land 80 936 c.1,3mu 100 000 4 000 785 924 276 375 150 000 DavonDffiziere 35 845 18 900 10 629 5 410 Dienstzeit 2 J. 13. 1 J. 17.- 55. 20.- 50. 21.- 45. Wehrpflichtig Für den Krieg verfügbar Leichte M. G. Kleine M. G. Leichte Geschütze. Schwere Geschüße... Kampfwagen Flugzeuge... 1½ J. v. 21.bie 48. J. 123. 9 8500 000 2000 000 1000 000 28 556 6 500 550 000 rd.7 mu 100 000 2 500 4 400 rb, 42000 1134 10 500 1.560 1 500 2 100 16000 792 " 1.912 1 288 828 408 4500 288 " 1 404 396 456 72 2300 5 806 150 60 150 6200 " 1 370 220 500 257 2400 Die offiziöse Buschrift bemerkt dazu: Jeder Kommentar zu dieser Uebersicht ist überflüssig." Das ist richtig, soweit die Alliierten in Frage tommen: von einer Bedrohung irgendeiner Macht durch Deutschland kann angesichts dieses Mißverhältnisses gutgläubig nicht die Rede sein, und deshalb ist es nur ein übler Vorwand, wenn in London und in Paris die Nichträumung der Kölner Zone mit einer„ deutschen Gefahr" begründet wird. Dagegen erscheinen Kommentare durchaus am Blaze, wenn es gilt, innerpolitische Schlußfolgerungen aus dem deutschen Entwaffnungszustand zu ziehen. Die obigen, von unterrichteter Seite stammenden Tabellen beweisen, wie verantwortungslos diejenigen Parteien und Blätter handeln, die so tun, als ob Deutschland überhaupt in der Lage wäre, eine Politik des attinen Widerstandes und der Rache gegen die übermächtigen Sieger zu treiben. Die ganze deutschnationale Agitation beruht doch letzten Endes auf der mehr oder minder deutlich ausgesprochenen Drohung mit dem Revanchefrieg. In der Zeit der Ruhrbesehung ging die Politik der Deutschnationalen darauf hinaus, den passiven Widerstand durch ein attives Vorgehen, d. h. durch einen Krieg in irgendeiner Form zu ersehen. Wer sich damals gegen die irrsinnigen Bestrebungen nach dieser Richtung hin wandte, wurde nicht nur als„ Landesverräter" beschimpft, fondern er lief sogar Gefahr, daß die hohen und höchsten Justizbehörden des Reiches auf Grund der Landesverratsparagraphen gegen ihn einschritten. Die neuen amtlichen und halbamtlichen Dokumente über den Entwaffnungszustand Deutschlands beweisen, daß die wahren Landesverräter alle diejenigen sind, die den Massen die wirkliche Sachlage verschweigen und ihnen durch ihre Redensarten oder gar durch ihre Spielereien Möglichkeiten vorgaufeln, die jeder nüchterne Mensch als absolut undenkbar verneinen müßte. Mazedonisches Attentat in Mailand. Ein Komitatschi durch einen Bulgaren getötet. Rom, 23. Dezember.( WTB.) In Mailand hat heute nachmittag ein Buigare, namens Dimitrief, 24 Jahre alt, den in einer Bar sizenden mazedonischen Revolutionsführer Schaut eff andere nennen ihn schauteff, ohne ein Wort zu sagen, durch Fünf Revolverschüsse getötet. Der Täter versuchte dann Selbstmord zu verüben. Er erklärte bei seiner Verhaftung, daß er von einem mazedonischen Komitee beauftragt und ausgerüstet morden sei, um Schauteff zu töten, der gemeinsam mit Rabitsch die föderalistische Bewegung für die Bereinigung aller Ballanvölker betrieben hätte und auf einem Kongreß dieser Bewegung zum obersten Führer derselben gewählt worden sei. Der Täter bekannte fich zur bulgarischen Nationalistenpartei und sagte, er betrachte Schauteff als Berräter. Er habe ihn in verschiedenen Städten Italiens, auch in Rom, gesucht und in Mailand erfahren, daß er sich nach Wien begeben wolle. Am Sonnabend habe er ihn in Mailand auf dem Domplat getroffen, ihn aber gefchont, um nicht Passanten zu verlegen. Er habe mit seiner Tat Mazedonien von einem seiner schlimmsten Feinde befreit. Macdonalds Weihnachtsbotschaft. London, 23. Dezember.( WTB.) Macdonald richtete an die unabhängige Arbeiterpartei eine Weihnachts- und Neujahrsbotschaft, in der er vorausfagt, daß ruhige und ehrliche Arbeit für den Sozialismus zum Erfolge führen und einen Um schwung der öffentlichen Meinung sowie einen beträchtlichen Fortfchritt in der Richtung auf ein sozialistisches Staatswesen zur Folge haben werden, das auch das Ziel der Partei sei. Zivillord und Bergarbeiter. London, 22. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Frank Hodges, der Zivillord der Admiralität im Kabinett Macdonald, der bei der letzten Wahl sein Abgeordnetenmandat verloren hat, fehrt als Bergarbeiter in die Grube zurück. Er war vor seinem Eintritt in die Regierung Gewerkschaftssekretär. Dieses Amt ist inzwischen aber neu besetzt worden. Die Angebote anderer Gewerffchaften, ein leitendes Amt anzunehmen, hat er abgeschlagen. 64 Amerikanischer Flottenbesuch bantend abgelehnt. Der japanische Premierminister Rato erklärte, daß die japanische Regierung nach eingehender Beratung das frühere Angebot der amerikanischen Regierung, die amerikanische Flotte nach Yokohama zum Besuch zu entsenden, bankend abgelehnt hätte. Gewerkschaftsbewegung Die Steigbügelhalter. Bom Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter wird ums geschrieben: Das Zentralorgan ber fommunistischen Partei, die Rote Fahne", bringt in ihrer Sonnabend- Nummer vom 20. Dezember folgende Mitteilung: „ Sofortiger Rüdtritt ber preußischen Regierung. Antrag der fommunistischen Landtagsfraktion. Das Breußische Staatsministerium hat während feiner bisbisherigen Amtsdauer bewiefen, daß es nicht gemillt ist, die Intere effen der werttätigen Bevölkerung zur Richtschmur seiner Politit zu machen. Es hat sich nicht nur dem Raub des Achtstunden. tages durch die Ausbeuterklasse nicht widerlegt, fordern ift sogar in den Staats- und Gemeindebetrieben mit der Arbeitszeitverlängerung vorangegangen. Es hat nichts getan, um die Löhne der Arbeiter und die Gehälter der Angestellten und der unteren Bamten den gestiegenen Lebenshaltungskosten und Bedürfnissen diefer anzupassen. Außer diesen beiden allgemeinen Anklagen sind noch sieben Buntie angeführt, über die wir uns als Gewerkschaftler nicht des näheren verbreiten wollen, weil es ureigenste Angelegenheit der Partei sein muß, ob sie derartige Hanswurfiaden beantworten will oder nicht. Mit der preußischen Staatsregierung im Vertragsver hältnis stehend möchten wir jedoch den wahren Tatsachen ent sprechend zu dem Lügengebilde der kommunistischen Landtagsfraktion bas folgende fagen: Es ist buchstäblich aus den Fingern gefogen, menn behauptet wird, Breußen hätte sich dem Raub am Achtsturdentag nicht widersetzt". Wahr ist, daß die preußische Regierung im Gegensatz zur Reichsregierung für alle Beamten, Angestellten und Arbeiter am Achtstundentag festgehalten und auch erneut durch tarifliche Vereinbarungen ver anfert hat. Fest steht ferner, daß es dem Reiche gegenüber in dieser Frage eine ganz entschiedene Haltung im Interesse der merttätigen Bevölkerung eingenommen hat. Die preußische Staatsregierung hat auch, obwohl fie in der Lohn- und Gehaltsfrage an das Reich gebunden ist, versucht, den Arbeitern einen Mehrverbien ft gegenüber den Reichsarbeitern zuzuführen, indem sie neben den Löhnen Dienstalters zulagen gewährte, die vom Reiche bisher ftritte abgelehnt wurden. Im übrigen müßte auch eine kommunistische Landtagsfraktion wissen, daß Preußen ohne eigene Steuerhoheit gar nicht in der Bage war, über die Besoldungsfäße des Reiches hinauszugehen. Aber was tommt es dieser Gesellschaft darauf an, deren einzigsten Ideale in Berlogenheit und Massenbetrug zu suchen sind. Diese Feststellungen des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes find sehr nühlich. Die KPD. hat ihren Antrag nur gestellt, um ihre Baffenbrüb fchaft mit der Reaftion, den Agrariern und Schwerindustrin, au mastieren. Diefe wollen befanntlich die Regierung stürz weil die Sozialdemokraten Braun und Severing als Minifier hent bzw. Minister des Innern ihnen längst ein Dorn im Auge fine wollen die preußische Regierung vor allem deshalb stürzen, were damit die Berwaltung Breukens und den Einfluß ßens auf das Reich in ihre Hände bekommen würden. Ohne die attive Unterstützung der Remmunisten wäre ein solcher Versuch ehr ganz aussichtslos. Deshalb mastieren die tommunistischen Stegbügelhalter der Real tion ihre arbeiterfeindliche Politit mit den vorstehend gekennzeich neten Lügen. Vom Namen. entspreche. Der Name war aber so eingebürgert und genoß solchen, Weltruf, daß es längerer Zeit bedurfte, ehe der neue Name fich neben dem alten behaupten konnte. Man hätte damals am besten, wenn man schon den Namen ändern wollte, ganz einfach„ Gewerf. schaftsbund Deutschlands" fagen sollen. Im Sprachgebrauch hätte man dann natürlich Gewerkschaftsbund gefagt, wie man früher einfach Generalfommission sagte. Es ist überhaupt überflüssig, daß unsere Organisationen ihren eigentlichen Titel das Wort Deutscher" voranstellen. Man foll nicht Dinge, die fich von selbst verstehen, ausdrücklich in einem Titel fagen wollen und vor allem nicht voranstellen. Eine Organisation, die ihren Siz in Deutschland hat, braucht also nicht Deutscher Metallarbeiterverband heißen. Das führt zu überflüssigen Namensverlängerungen, die dann zu jenen unverständlichen Abfürzungen führen, daß z. B. der DMB. mit dem VBMJ. nicht einig wurde und beim RAM. vorstellig werden muß. Wenn man zu solchen Akürzungen greifen muß, verlieren die Namen jeden Ginn. Arbeiterlieferanten als Scharfmacher. Der Zentralverband der Angestellten teilt mit: Eine Firma, die zwar indirekt von Arbeiterlöhnen eriftiert, fich felbft jedoch bisher um tarifliche Gehälter zu brüden verfuchte, ist das Kaufhaus Rathan Sternfeld in Neukölln Erst dem Eingreifen des Zentralverbandes der AnPostabonnenten welche die Erneuerung des Abonnements für Januar noch nicht vorgenommen haben, müssen sofort das Versäumte nachholen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll Vorwärts- Verlag G. m. b. H, H. gestellten war es zu verbanken, daß die Angestellten die tariflichen Gehälter und die ihnen bis dahin vorenthaltenen Lohnfummen er hielten. Ein Betriebsrat be eht in diesem Musterbetrieb jedoch bis heute noch nicht, und so mar es der Firma möglich, drei Angestellte zu tündigen, ohne daß diese ein Einspruchsrecht geltend machen fönnen. Und der Grund der Kündigungen: Jene drei weiblichen Angestellten standen im Verdacht, sich um die Organisierung ihrer Kollegen bemüht zu haben Das genügte der Firma vollauf als Grund zur Maßregeluma! Bur Unterbezahlung und Gesetzesumgehung tommt also noch die Mißachtung und Bekämpfung der freien Ge merffchaften. Es wird gegen diese Firma das letzte Bort noch nicht gesprochen sein. Die dort tätigen Angestellten fönnen jedoch heute schon der Solidarität ihrer freigemerffchaftlichen Kollegen sicher fein. langt, daß alle Industrien mit 50 bis 70 Broz natio. nalem kapital arbeiten. Da sich die Liberalen mit der Nation identifizieren, muß es natürlich auch 50- bis 70proz. liberales Kapital [ ein. Die zweite Vorlage betr. die Kommerzialisierung" hat ause Schließlich den 3wed, die staatlichen Betriebe den Libe. ralen auszuliefern. In diesen Betrieben liegen die Verhält nisse äußerst ungünstig. So wird in 496 staatlichen Goldgruben überhaupt nicht gearbeitet. In den anderen Gruben werden die Arbeiter entlassen, während das unproduttive Personal weiterhin die Gehälter bezieht. Natürlich arbeiten diese Minen mit großem Defiz t, und dies wird als Grund betrachtet, diese Betriebe zu fommerzialisieren" resp. au liberalisieren". " Liberalen Geld aufzunehmen, find gezwungen, bei anderen RapitaDiejenigen Industrien, die sich weigern, bei den Banken der listen Bucherzinsen zu bezahlen. Infolge der Deflationspolitik der Regierung fann man heute nur Rapital für 40 bis 60 Proz. monatfiche Zinsen erhalten. Die Industrien müssen ihre Betriebe einschrän= fen und die Arbeiter werden entlassen. Die Arbeitslosigkeit hat einen noch nie dagewesenen Umfang angenommen. Zu allem Ueberfluß hat der Finanzminister Bratianu auch noch an die Arbeitnehmer einen Aufruf gerichtet, in dem er sie auffordert, sich mit niedrigeren Löhnen zu begnügen. Ciner Deputation von Arbeitnehmern, die dem Finanzminister ein Memo randum überbrachte und staatlichen Beistand verlangte, antwortete Bratianu mit folgenden Worten:„ Die Banten, Gewerbetreibenden und Kaufleute betlagen sich zu Unrecht über die schlechte Lage. Es fehlt lediglich am richtigen wirtschaftlichen Geist. Die Privatunternehmer zahlen ihren Angestellten fürstliche" Löhne, und anstatt die nötigen Entlassungen vorzunehmen, werden diese Säge weiter beibehalten." Dromului, der Direttor der Nationalbant, äußerte sich wie folgt:„ Infolge der Deflationspolitik werden v'el neue, auf schlechter Grundlage aufgebaute Unternehmen verschwinden müffen. Es werden zahlreiche Arbeitskräfte über. flüssig und deshalb müssen die Löhne sinken." Die Arbeitgeber haben natürlich diese Richtlinien mit Freude zur Kenntnis genommen und den Beschluß gefaßt, bei Ablauf der Rolleftioverträge Lohnherabjegungen Don mindestens 30 Pro 3. eintreten zu lassen. Um den Unternehmern den Rüden zu stärken, hat die Regierung dem Parlament ein Ausnahmegesez unterbreitet, das unter anderen Knebe lungen der Arbeiterschaft auch die Schaffung von Internie= rungslagern gestattet. Das Gefeß, des ziemlich sicher ange nommen werden wird, sieht für Leiter von Organisationen, die für eine neue Gesellschaftsordnung eintreten und in Bort oder Schrift gegen das jetzige Regime agitieren, 10 bis 20 Jahre Kerter, Internierung usw. Dor. Die Arbeiter Rumäniens stehen vor schweren Kämpfen und ihre Stellung ist be= fonders ungünstig, weil es feine Arbeitslosenversicherung gibt und bie Berbände finanziell sehr geschmächt sind. Straßenbahnerftreiks in Japan. ( ITF) Im Verlauf dieies Sommers baben in Japan wieder. holt größere Bewegungen der Straßenbabner stattgefunden, deren bedeutendste wohl der achttägige Streit des Berfonals der ståttifchen Straßenbahnen von Diata bildet. Am 27. Juni batten die Arbeiter dieses Betriebes folgende Forderungen erhoben: Einführung des Achtstundentages, jährliche Gratifitation in Höbe ven zwei Monat gehältern sowie eine Driszulage. Da die Stadtverwaltung diefe Forderungen ablehnte und am 3. Juli einige Gewerlichaftsführer verhaftet wurden, traten 3000 Arbeiter zum Protest in den Ausstand. Nur ein Drittel des Betriebes fonnte aufrechterhalten werden. Eist am 10. Juli wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Zwar konnten die erhobenen Forderungen nicht durchgesetzt werden, aber diefer Kampf hatte gleid wohl ein er. freuliches Ergebnis: er führte zur Errichiura einer Gewert Algemeinen Japanischen Gewerkschaftsbund anschließen wird. Der Spruch des Schiedsgerichts im Lodzer Streik. Lodz, 28. Dezember.( Eigener Trabibericht.) Nocdem die Arbeit in den Lodzer Betrieben wieder aufgenommen worden ist, werden nunmehr die Bedingungen bekannt, die das auferortent liche Schiedsgericht festgelegt hat. 1. Eämtliche Textilarbeiter follen eine 10prozentige 2ohnerhöhung erhalten. 2. Diefer Zuschlag tritt mit Wirkung vom 9. Dezember d. Je. in Kraft. 3. Der Beschluß ist verpflichtend bis zum 31. März 1925 und bleibt in Gültigkeit bis zur Kündigung durch die Parteien. Die Gefahr des internationalen Eisenkartells. Bochum, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das Organichaft der städtischen Straßenbabner von Diała, die sich dem des Deutschen Bergarbeiterverbandes, die Bergarbeiterzeitung", nimmt in ihrer neuesten Nummer zu den Berhandlungen zwischen den franzöfifchen und deutschen Stahlindustriellen zwed's Bildung eines internationalen Kartells der Eisen- und Stahl industrie Stellung. Nach eingehender Besprechung der Berhandumgen fommt das Blatt zu folgendem Schluß:„ Ein so gewaltiger Eisen, Stahl- und Kohlentrust würde nicht ohne Rüdmir= fung auf die soziale Lage der Arbeiterschaft bleiben. In den sozialen Kämpfen könnte die Bare der Arbeiterschaft durch Auftragsübertragung an das Ausland in höchft umheil voller Weise zu ungunsten der Arbeitnehmer beeinflußt werden. Als Ende 1923 die Unternehmer des Ruhrgebiets eine halbe Mil. lion Menfchen auf die Straße warfen, um ihre Ziele: Lohnbürzung und Arbeitszeitverlängerung, zu erreichen, hatte fein Hütten und Eisenwert des westfälischen Industriegebiets Mangel an Auftragen; auf einmal waren diese Aufträge verschwunden. Man hatte fie ins Ausland gegeben, so u. a. an die Witko wig- erte in der Tschechoslowakei. Schon diese Beispiele zeigen, Arbeiterschaft werden können." Das Organ der Bergarbeiter fordert wie gefährlich internationale Truftbildungen für die Kämpfe der die Arbeitnehmer schließlich auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen: Gefundung begriffen. Helfen mir, jeder an feinem Teile, unablässig an der Stärkung der Organisation, denn aller Boraussicht nach haben wir Zeiten schwerer fozialer Rämpfe vor uns." Wie der„ Vorwärts" in seiner letzten Sonntagsnummer mitteilen konnte, wird der Zentralverband der Bäder und Konditoren ab 1. Januar„ Deutscher Nahrungs- und Genußmittelarbeiter- Berband"( Denag) heißen. Daneben gibt es noch den Verband der Lebensmittel- und Geträntearbeiter, der früher Berband der Brauerei und Mühlenarbeiter hieß. Die Namen beider Organisa- Finanziell find unsere deutschen Gewerkschaftsorganisationen in der fionen laffen zunächst vermuten, daß es sich um Organisationen hanbelt, die sämtliche Berufe der Lebensmittelarbeiter umfassen. Beide Organisationen haben sich wohl sehr lange Namen ausgesucht, sind aber damit nicht dem eigentlichen Zwed eines Namens näher ge= tommen: den Inhalt mit Deutlichkeit anzugeben. Es ist überhaupt etwas eigenes mit den Namen unserer Organifationen und nicht nur unserer Gewerkschaftsorganisationen, sondern vielfach auch der von Privatunternehmungen und Behörden. Es mer ben oft in ganz überflüffiger Weise mahre Bandmürmer von Namen ausgehect, die weber historisch berechtigt sind, noch den Richt eingeweihten genauen Aufschluß als ein fürzerer Name geben. Man greift dann zu dem sehr zweifelhaften Hilfsmittel, das aus England zu uns gekommen ist, die Anfangsbuchstaben allein zu gebrauchen. So hat auch der Zentralverband der Bäder und Konditoren feinem neuen Ramen gleich den Untertitel„ Denag" beigegeben. Für die Leute vom Bau mag das eine Bereinfachung fein. Sie brauchen nicht den atemraubenden Namen„ Deutscher Nahrungs und Genußmittelarbeiter- Berband" auszusprechen, sondern werden furz Denag sagen. Aber für diese Leute, die nicht vom Bau sind und bie nicht im täglichen Leben sich mit bestimmten Organisationsfragen zu befaffen haben und diese Leute sind noch die große Mehrheit wird es schließlich unverständlich, wenn man ihnen erflärt", baß der„ Denag" dem ADGB., der 3d2. dem AfA- Bund und die DPG. dem ADGB. angeschloffen find. Oder wenn man ihnen mit teilt, daß der ADGB. und der ADB. im RBM. vorstellig geworden find, um die Forderungen des DEB. unterstützen. Es wäre nicht nur aus Gründen der Einfachheit, sondern auch im Interesse bes allgemeinen Berständnisses sehr wünschensmert, wenn man bei Namensänderungen das geschichtlich Gewordene mehr berüdsichtigt als es bisher geschehen ist. Als man z. B. den Namen der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands umwandelte in Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund", hatte man vielleicht das Empfinden, daß der Name, der tatsächlich bei der Gründung der Generalfommission zutreffend war, nicht mehr den Tatsachen Musikaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musiker- Verbandes. Annahmestellen: Rosenthaler Str. 14( Norden 4719), Bernburger Str. 30( Nollend. 647). Der Schiedsspruch für den sächsischen Bergbau abgelehnt. Dresden, 23. Dezember( TII.) Der Berabauliche Verein zu gwidau teilt mit: Der vom fächsischen Schlichter gefällte chiede fpruch, der eine allgemeine Lobnerhöhung von drei Prozent unter wie über Tage vorfiebt, ist von beiden Seiten abgelehnt worden. Der Bergbauliche Verein hat ein Nachverfahren beim Reidsarbeitsministerium beantragt, und man bofft, daß die Angelegenheit trotzdem noch vor Weihnachten endgültig geregelt wird. Lohnabkommen in der Solinger Metallindustrie. In der Solinger Metallindustrie wurde ein Lohnabkommen getroffen, wonach die Löbne um 10-19 Proz. für die ver fchiedenen Gruppen erhöht werden. Der Spigen Iohn in der Solinger Metallindustrie beträgt danach 67 Pf. in der Stunde. Kündigung des Tariss im Saarfohlenbergban. Saarbrüden, 23. Dezember.( Mib). Wie wir erfahren, hat ber Bergarbeiterverband befchloffen, den Tarif auf den französischen im Saarbergbau lommen wird, hängt von dem Ergebnis der beSaargruben am 15. Januar zu fündigen. Ob es zu dem Kampf antragten Berhandlungen der Bergwerksdirektion ab. Vor schweren Kämpfen in Rumänien. ( IGB.) Die große wirtschaftliche Krise, die hauptsächlich auf die Finanzpolitik der gegenwärtigen reaktionären Regierung zurüd zuführen ist, hat ihren Höhepunft erreicht. Die Deflationspoliit der Regierung hat die Lage auf dem Geldmarkt so verschlechtert. daß die unabhängigen industriellen Betriebe feine finanziellen Mittel mehr auftreiben tönnen. Dies hat die Entlassung zahlreicher Arbeiter im Gefolge. In Alt- Rumänien hat die liberale Bartei fezusagen sämtliche Industriezweige monopol fiert. In diesen BeBantwel: unterstützt. Da es dieser Partei bis jetzt nicht gelungen ist, strebungen wurde sie von der Nationalbant und der ganzen übrigen nun durch die Aufstellung von zwei Gesezen erreicht werden. Das ihre Boliti? in den neuerworbenen Gebieten durchzusehen, soll dies eine biejer Geseze betr. die Nationalisierung der Wirtschaft" verJackett- Anzüge 30, Ulster 35, Damenmäntel 25 M. Achtung, Mollenträger und Fahrstuhlarbeiter! Für alle Mollenträger und Fahrstublarbener ist der Bau der Firma Elbe u. udwig, Teltowfanalstraße, gesperrt. Wir ersuchen unsere Bauarbeiter, dort Arbeit nicht anzunehmen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Aus der Partei. Anton David geftorben. Einer der bekanntesten Wiener Parteigenossen it in Anton David hingeschieden. In jungen Jatien war er aus Böhmen nach Wien gekommen und dort hat er sich so eifrig und unverzagt, trop aller Verfolgungen, in der jungen Bewegung betätigt, daß er bald zu den führenden Genossen zählte. Verwalter des von Franz Schuhmeier und Karl Höger Als Kaffierer der niederösterreichischen Landesorganisation und als rebigierten Wochenblattes Voltetribüne", bas als Parteisteuerquittung gegeben wurde und so eine sehr hohe Auflage erreichte, stand David im Mittelpunkt des Draanisationslebens. 1911 fam Republik angehört. Er ist über 70 Jahre alt geworden. er auch ins Barlament und hat bis qulegt dem Nationalrat der Jugendveranstaltungen. Weihnachtsausstellung und Jugendfekretariat find heute, Mittwoch, ge Südost( Neichenberger Biertel): Der Gruppenabend fällt heute, Mittwoch, aus. fchloffen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen Der Männergesangverein Ramentos" gibt am 2. Feiertag, nachmittags, im Strafgefängnis in Tegel ein Konzert. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bofen, Groß- Berlin. Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 4½ Uhr, Neukölln, Rindl- Brauerei, Hermannstr. 214/219, Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Herrn Dr. A. Rosenberg: Was nügt uns die Philosophie?" Gäste willkommen. Weihnachtsfeier. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft 1. B.: 3. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Frieb:. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Shilowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu eine Beilage und Frauenstimme". Hühneraug auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich„ Lebewohl" mit Filzring. 24 Extra- Angebote in Pelzwaren: Kreuzfüchse 10. gebt., Ziegen 15. Sportpelz: 85, Gebpelze 125, Pelzmäntel, Pelzjacken, ferner Teppiche, Wäscue, Gardinen. Schube usw. enorm billig= in Leihhaus Moritzplatz 58a Lar Keine all Lombardware. Nr. 605 41. Jahrgang Beilage des Vorwärts Was heute Kinder wünschen. Es sind bunteste Gefühle, die heute abend die Herzen aller Kinder bewegen werden, Liebe, Dankbarkeit und meist auch Enitäuschung. Kinder sind ja so leicht zu beglüden, wenn man sie versteht, aber häufig genug feht es gerade heute an der Erfüllung der Vorausfegungen rein materieller Art. Dabei sind selbst die Wünsche des jüngsten, des unverständigsten Arbeiterfindes herzlich bescheiden, mie das Ergebnis wiederholter Interviews" beweist. Studium der Wunschzettei" ist gewiß meistens sehr amüsant und psychologisch reizvoll, aber der Verdacht der Zurückhaltung aus Eitelkeit oder womöglich einer Scham wird bei ihm stets bestehen. Unterhält man fich mit einem Kind, weiß man es wirklich zu nehmen, dann verrät es einem alles. Nun, dieses Alles ist, was Weihnachtswünsche be= trifft, ja meistens nicht sehr viel. Aepfel und Nüsse sind seit emigen Zeiten bereits weihnachtsmännliche Tradition. Weh dem, der es wagen würde, die Bormachtstellung Knecht Ruprechts, der von dem Nimbus seiner Herrschaft von Kindes Gnaden noch nicht viel eingebüßt hat, zu bestreiten! Im übrigen ist die findliche Sehnsucht nach Spielzeug genau so lebhaft wie vor zehn, vor dreißig und vor fünfzig Jahren, und das Berlangen der proletarischen Kinder nach nötigster Kleidung leier noch genau so intensiv wie früher. Das Kind, das sich nur ein Paar Schuhe wünscht, ist keine Seltenheit, und oft ist auch die Aeußerung zu hören:„ Ach. ich friege ja doch nichts." Der„ Kindermund" vom Wedding ist schon ein anderer als der am Kurfürstendamm hört man ihn dort? 11 Ein fleines Mädchen erzählt:„ Ich befomme eine Puppe und eiren Federtasten." Ein volles Jahr älter ist die Freundin; fie läßt es spüren:„ Det weeste ja gar nich, det bestimmt doch der Weihnachtsmann!" Frage an die Kleine nach dem Alter:„ Bier!"" Vier Jahre!" verbessert die Große". Sie weiß schon, was sich gehört. Und donn plappert fie:„ Wir haben sogar schon einen Weihnachtsbaum. Mein großer Bruder darf den anpuken, und dann bricht er dabei immer die Kugeln favut. Mein großer Bruder geht schon auf Arbeit!" So einen großen Bruder" auszufragen ist faum mög'ich. Sagt er: Mensch. mach's M- ul zu, sonst erfältste Dir'n Magen", dann vergeht einem begreiflicherwei'e die Lust dazu. Eine Siebenjährige:„ Ich wünsch mir eine Puppenstube. Aber ob ich sie befommen werde, das is ne Frage." Ein 6 Jahre alter Junge, fehr ärmlich gefleidet, blaßmangig. steht an einer Haltestelle in der Großen Frontfurter Straße:„ Ich warte hier auf meine Mutter, die fommt mit der Drei. Mein Vater liegt näm'ich im Kranten aus, und den besucht sie denn Sonntags immer. Aber zu Weihnachten befomme ich nichts... Strahlend nimmt er die angebotere Schokolade. Strahlend ftedt er fie in seine Hesentofche. Die schenf ich meiner Schwester!" Und erft ein zweites Stüd wird egeffen. Defters auch foll die Schofolade für die Mutter aufgehoben werden glückliche Mutter! Ein 8 Jahre altes mädel plaudert: Ich wünsche mir ein blaues Kleid. Den Stoff dazu hat meine Mutter schon. Spiel fchen will ich nicht haben. Ich habe ja auch schon eine Puppe gehabt. Der hat cber mein Bruder immer mitm Hammer uffen Ropp rumgeschlagen." Die mleichaltrige Freundin:„ Ich werde wohl nicht viel frieren. Meire Mutter Fat gefant, es gibt noch viel ärmere Kinder. Aber wir hohen in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum. der hängt schon aus's Fnfter."" Wir haben auch einen Baum, wir haben feinen" ein vielftimmiges Geschrei tönt ous der großen Kinderschar, die fich mittlerwei'e um einen anresammelt hat. Alles wegen ter Schokoladenp'äßchen! Rommt ein neues Wurm, rufen die anderen: „ Etsch, du kommst zu spät! Du friegst nichts mehr!" " * Und so erfährt man noch mancherlei. Der eine wünscht sich eine Rechenmaschine, der andere eine Schulmappe, von Büchern erfreut sich der„ Struwelpeter" immer noch besonderer Beliebtheit. Mir bringt der Weihnachtsmann immer Aeppel" äußert sich latonisch ein Junge am Christbaumstand, sein frches Bachen bei die'er Auskunft beweist seine Zufriedenheit. Wirklich, Kinder sind leicht zu befriedigen, wenn man sich ein klein wenig Mühe mit ihnen gibt. Es tommt ja nicht darauf an, daß viel und daß teures geschenkt wird, es kommt nur darauf an, wie geschenkt wird. 58] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. Er wußte selber, wie hoffnungslos er war und wartete die Antwort nicht mehr in Paris ab. Es tam nie eine Ant. mort. Sie hatte in ihrem turzen Eheleben sicher unbewußt gefühlt, was sie jetzt wußte: Ihre Liebe gehörte Kenneth. Die beiden verstanden einander und waren für einanger geschaffen. All diese Gedanken famen thm, als er im Zuge saß, der ihn nach Berlin führen sollte. Bald wunderte er sich über feine Ruhe, bald schüttelte ihm wieder Wut und Verzweiflung. Was war ihm das Leben jetzt noch? Mit seinen faum fechsundzwanzig Jahren hatte er für sich selber jede Hoffnung begraben. Aber eins blieb ihm noch: der Dienst an anderen, die jünger waren, als er selber, deren Leben er vor einem fünftigen Morden retten konnte. Dafür lohnte es sich, weiter zu leben. Aber erst mußte er den inneren Frieden wieder finden. Er durfte nicht mehr an sein Elend denken, nicht immerfort das Schwert in der eigenen Bunde umkehren, sonst drohte ihm der Wahnsinn. Die einzige Rettung war, diese Nachkriegswelt zu durchforschen, und das wollte er. Berlin müßte interessant sein. Er würde auch seine Schwester Dorothy mit ihrem deutschen Gatten dort finden. Er würde Neues sehen und hören. Wie seltsam würde es sein, mitten zwischen den Feinden umherzuwandern und nicht vom Tode bedroht zu sein. In den Hotels fonnte Bertram fein Unterkommen finden. Es war gerade Kellnerstreit, und alle Hotels geschloffen, mit Ausnahme des Adlon, das sich aber vor Gästen kaum zu lassen wußte. Endlich gab ihm der Portier eine Privatadresse, we er Unterkunft und Bension erhalten sollte. Sein Wirt war ein hochgewachsener Mann von mittleren Jahren, der Feldwebel gewesen war. Da er früher in England gelebt hatte, sprach er fließend englisch. Er war sehr besorgt für Bertrams Bequemlichkeit und brachte ihm selbst sein Abendessen, ein gut zubereitetes Steak, herein. " Sie waren Offizier im englischen Heer?" fragte er. Haben Sie auch in Frankreich gestanden?" Bertram nickte. h auch," sagte der Mann, während des ganzen Krieges." Manchmal waren wir den Engländern so nahe, daß wir fie in den Schüßengräben sprechen hörten. Ich rief sie oft an und bekam auch Antwort. Wie tief steckt ihr im Dred, Tommy?" Bis an die verdammten Knie," rief einer zurüd | Vermeidet den Kitsch, denn er erzieht zur Geschmad- und Urteilslosigkeit, legt Liebe in euer Tun und eure Kinder gehören euch mit ihrem ganzen Herzen. Durch Güte zum Frieden das sei des Proletariers Weihnachtsbotschaft. Saray Weihnachtsbilanz. Mittwoch, 24. Dezember 1924 in wahnsinniger Schnelligkeit dreht für fünfzig Pfennig die Hühnerfamilie, die ihr Futter aufpidt und deren Holzfiguren die Gewißheit geben, daß sie nicht sogleich das Irdische segnen. Aber die beweglicher Puppen haben schon höhere Preise: wie drollig und wie einfach die fußhohen Kerle, denen man die Arme aufwindet, und die, nachher losgelassen, die schönsten Bodsprünge vollführen. lnd dort ein besonderer Clou: der Amerika- Zeppelin, der, an zwei Stellen aufgezogen, die fühnsten Flugbahnen behreibt... Uff, meine Tasche ist schon voll, man fan diese zar en Gebilde der Spielwarentechnik ja nicht so eng wie Heringe zusammenpressen. Aber guter Rat ist bald geschaffen: hier steht ein Bertäufer echter Seehundsfellkoffer zu einem Preise, der, wenn es eben nicht Weihnachten wäre, zu mißtrauischen Ermägungen Beranlassung gäbe. Aber jetzt ist man nicht fritisch, auch die andere Hand ist bereif, fich mit einem Gepäckstück zu belasten. Und se wandelt man schießlich mit zwei Behältern weiter, von dem Rausche des Weihnachtseinkaufes gepackt und begierig, die letzten Neuheiten einzuheimfen. Und nun heim mit den gefüllten GepäckStücken und mit dem leergewordenen Geldbeutel. Am Abend unter dem brennenden Baum sehen wir uns wieder, und es wird ein frohes Wiedersehen sein! Heiligabend. Die titschigsten Stizzen schreibt meist das Leben selbst. So auch diese: An einer Kanalbrüde stehen Weihnachtsbäume. Die Händler stapfen, die Füße in Filzlatschen, auf und ab. Ab und zu kommt ein Kunde, prüft, fühlt in die Aeste, mißt, dreht fritisch und kauft oder geht. Da strolcht schon seit Minuten( es soll heimlich sein, fällt aber gerade dadurch auf!) ein Bengel etma acht Jahre um die Bäume. Drei Käufer nähern sich; der Händler leiert wieder sein Loblied herunter, schleppt neue Bäume an, streicht sie heraus; einer fauft auch, will zahlen, da im gleichen Moment hat der Bengel ein Bäumchen gepackt und springt mit großen Säßen ins Uferdunkel fort. Dech der Händler läßt den Käufer fiehen, rast hinterher und richtig. hat ihn schon:„ Na, Junge, die Haue triejste zuerst un' denn hol' wir die Polizei, vafstehste! Laufelümmel, du, Spißbub!" Der Junge steht ba, blaß, abgemagert, im zerrissenen Rod, feitswärts geduct vor der Fauft, die ausholt, als der im Kauf Gestörte den Händler zurückhält. Der Junge blidt schau auf; der Herr fragt ihn; da tropft es armselig, trocken, tonlos heraus: Mutta hat jesacht, wir könnten dieset Jahr foen Boom tricjen, se hätt leen Jeld un' Jescente jäb't ooch nich und da ha da ha' id een Boom jenomnien." Der Junge blieb still; tein Wort war mehr herauszubekommen. Der Händler wollte wieder losfahren:„ So'n Schwindel, so'n", als seine Frau ihm das verwies und der Herr frug, was denn das Bäumchen koste. ., Eene Mart!" Bitte!", zahlte der Herr, gab dem Jungen das Bäumchen. Stimmi's? Schreibt das Leben nicht kitschige Skizzen Ober meint nun einer, fie fei gar nicht wahr-? Dann wäre sie nicht geschrieben worden, weil sie so furchtbar sentimental ist! Oder glaubt einer, der Junge hätte doch geschwindelt-? " " Bescherung von Schauspielerkindern und alten Schauspielernt. -? Berlin tanzt vielleicht auf dem Vulkan des Bürger: b'ods, um ein aus der Zeit des Wiener Kongresses stammendes Wort zu rar.ieren. Berlin banzt, und wohin man sieht, erblickt man die Figuren, bcd in der beliebten Alpler- Trach, bed in mehr bürgerlicher Aufmachung, die an fast unsichtbaren Fäden fich unvermeidlich im Kreise drehen, die drolli sten Kapriolen volls da aus Meinl tein Zeichen der Ermüdung führen und zeigen. Und was nicht tanzt, steht Kopf, oder fchlägt Purzelbäume, oder läuft, t'ettert, springt und stößt, wenn besonders fidel, menfchenähnliche Töne aus, wenn nicht der Verkäufer es vorzieht, durch Grammophonmuit noch ein besonderes Mittel zur Anziehung der Kauflustigen in Szene zu sehen. Unser Ohr wird in der Lat ebenso in Nahrung gesezt wie unser Auge; Hunde bellen, Handharmonifas ertönen, sinnreich fonstruierie Klatschen" ahmen den Bei schentnall nach( find sie außer Dienst, fo fann man sie im nächsten Sommer noch verwenden, um Fliegen totzuschlagen) nur der alte ehrliche Brummteufe: aus der Zeit, da Berlin noch einen wirklichen Weihnachtsmarkt hatte, und die damals ebenso be'iebten Knarren fehen. Man ist heute eben fortgeschritten und bringt stat jener naiven Geräusche solche hervor, die in dem Progromm einer futurist schen Mufit mit Ehren bestehen können.... Aber nun Bilanz! Eine Handtasche hatte ich mitgenommen, von jener Größe, die Wäsche und Hausschuhe für einen mehrtä igen Ausflug aufzunehmen imstande war, und getreu jener Offenbach- ti ches mie Reidungs- und Wäscheſtücke, Suhzeug, aber auch schen Weisung, stürz' mich in den Strudel' nein", war in los. gezogen, um die Leinen" Einfäufe an den Ueberflüssigkeiten des Robes prior allem die Kinder erfreuen, zu besorgen. Selläugig und hellhörig durchwandet man die Budenrcihen: dort, wo die meisten Menschen stehen, ist es am interessantesten. Und man tauft, es ist ja alles so erstaunlich billin: her für zwanzig Pfennig eine Klatche, für dreißig Pfennig die Weltfugel, die sich wie ein Kreisei " Das ist gar nichts," sagte ich, wir stecken bis zum verdammten Gürtel drin." Geschieht euch verdammt recht," war die Antwort. Er lachte noch bei der Erinnerung, dann aber seufzte er tief auf. Der Krieg war doch ein langer Graus. Jezt werden Sie hier nicht mehr den großen Haß gegen England finden. Ihr glaubt doch an ehrliches Spicl; die Franzosen nicht." Bertram wäre gern allein gewesen, und der Mann trug Die Teller fort, mit gutmütigem Lachen fragend:„ Nicht wahr, das Fleisch war gut? Besser als im Schüßengraben!" Noch am selben Abend machte fich Bertram auf, seine Schwester Dorothy, jetzt Frau von Arenburg, zu besuchen. Sie wohnte in der Dorotheenstraße, nahe der Wilhelmstraße. Er verirrte sich und fand sich in der Leipziger Straße. In gebrochenem Deutsch erfundigte er sich bei einem Vorübergehenden nach dem Wege. Es war ein großer junger Mann, der ihn sehr geduldig anhörte und dann in ausgezeichnetem Englisch antwortete. Bitte tommen Sie mit mir, ich führe Sie gerne hin." " Sehr freundlich von Ihnen," dankte Bertram. In der Art, wie der Deutsche ging und sich hielt, war er leicht als ehemaliger Offizier zu erkennen. Sie sind in Berlin fremd, mein Herr?" " Heute erst angefommen." So? Sie werden die Leute hier freundlich gesinnt gegen England finden. Sie Engländer haben den Sportsgeist, auch gegen Feinde. Im Kriege tannten Ihre Soldaten, nach der Schlacht, feine Rachsucht. Ich war 1917 bei Cambrai eng lischer Gefangener. Ihre Tommys gaben mir Zigaretten, und ich wurde gut behandelt " Unsere Gefangenen wurden aber in Deutschland nicht gut behandelt," sagte Bertram. ,, Vielleicht tam das ab und zu vor. Wir hatten nicht viel Lebensmittel übrig damals. Wir selber waren alle auf halbe Ration gesetzt." Er blieb stehen. Hier sind Sie in der Dorotheenstraße Nr. 20. Gute Nacht und viel Glück." Er salutierte, aber Bertram streckte ihm seine Hand entgegen, als er sich bedankte. Der junge Mann ergriff sie freudig." Wir hörten es nicht gern, daß die Engländer uns Hunnen nennen. Das sind wir nicht." ,, Das war ein Kriegsname. Nun ist Friede zwischen uns." Der Offizier jalutierte noch einmal, machte Kehrt und schritt mit langen Schritten die Straße hinunter. Bertram erhielt auf sein Läuten die Antwort, daß Herr Unter all den Weihnachtsfeiern, die für alte Leute und arme Kinder veranstaltet werden, ist wohl die schönste und rührendste, zu der alljährlich von der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen eingeladen wird. Auch diesmal wurden alte Schauspieler, in deren Haus der Weihnachtsbaum nicht mehr brennen fenn, zur Bescherung gebeten, und viele von den fleinen Schauspielerfindern, die zu Hause nicht viel Lichtfreude und Freigebigfeit fenmen dürften, famen mit den Erwachsenen. Es war ein rührendes Fest, das die Bühnengenossenschaft zusammen mit dem Berliner Bühnenklub ausgerichtet hatte. Sänger und Schauspieler haiten reichlich von dem, was sie selbst erübrigen fonnten, gespendet, Prai Heiteres und Süßes, Bilderbücher und viele Ledereien. Dazu kunftbarbietungen vor den brennenden Weihnachtsferzen. Ein Chor von Opernsängern trug die heiligen Lieder vor. Herr Brandt, der Obmann der Berliner Schauspieler, machte den Weihnachtsmann und er stampie leudend und beladen mit seinem Gaberfad in den Scal hinein. Zunächst erschrafen ie Kinder über diesen mächtigen weißbärtigen Meister der Gaben. Dann, als er curpadie von Arenberg und die gnädige Frau aufs Land gefahren seien und erst morgen zurück erwartet würden. Das war eine Enttäuschung. Bertram fühlte seine Einsamkeit in der fremden Stadt doppelt schwer 2lber Salt die Ohren steif, mein Junge!" rief er sich selber mit den Worten seines Baters zu, wenn dies trostlose Gefühl ihn wieder überwältigen wollte. Er zwang sich, feine Aufmerksamkeit seiner Umgebung zuzuwenden. Hier sdh man nicht so viele Krüppel und Arbeitslose wie in London in demselben Jahre 1921. Nur ein Blinder in abgetragener Uniform stand an der Ecke und ver faufte Streichhölzer. Er hielt den Kopf gesenkt und hatte ein biasses, trauriges Gesicht. Wenn die Leute eine Münze in feine Schale warfen, sagte er:„ Danke schön." Bertram trat in ein Lokal ein, wo Musik spielte. Er fonnte unmöglich die ganze Zeit auf der Straße bleiben. Das Lofal schien teils Trinks, teils Tanzjaal zu sein. Um den Raum, der zum Tanzen frei blieb, waren kleine Tische gestellt, an welchen das Publikum, meistens Paare, Wein tranf. Dann und wann standen die Leute von ihren Tischen auf und mischten sich unter die Tanzenden. Auch Bertram nahm an einem Tische Blaz und bestellte Wein. Er sah mechanisch den Tanzenden zu. Manche der Mädchen waren auffallend hübsch, blond mit blauen Augen. Eine darunter erinnerte ihn so sehr an Joyce, daß er wie unter einem Stich zusammenzuate. Da war dasselbe flimmernde Goldhaar und die schlanke Gestalt, aber das Gesicht war geschminkt und die Augen hefteten sich herausfordernd auf die Männer. Sie setzte sich, stützte die Arme auf den Tisch und zündete eine Zigarette an. Auch viele Ausländer faßen hier. Die Weiber warfen ihnen Blicke zu, tranten mit ihnen, und das schien den Fremden zu gefallen. Das Mädchen, das Joyce so unheimlich und abstoßend ähnlich sah, fam an Berirams Tisch und setzte sich, als müßte es so sein, auf den leeren Stuhl ihm gegenüber. Engländer?" fragte sie. „ Ia. „ Sie trinken ja nicht. Soll ich Ihnen helfen?" " Wenn Sie wollen." Sie schenkte sich ein Glas Niersteiner ein und stieß, bevor fie trant, leicht an Bertrams Glas. Prot! Warum sind Sie traurig?" so „ Ist diese Welt denn lustig?" Sie zuckte die entblößten Schultern. Für euch Engländer doch gewiß. Ihr habt ja den Krieg gewonnen." ( Fortsetzung folgt.) verraten, welche schwerindustriellen Kreise dies Geschäft finanzieren, um dann aus einem frisch- fröhlichen Kriege die angelegten Kapitalien hundertfach wieder herauszuschlagen. and jedes Kleine streichelte und mit Geschenken überschüttete, wurde| An den Deutschen Willen" wäre das Ersuchen zu richten, doch zu alles zutraulich. Die ältesten der deutschen Bühnenkünstler und die hüngsten, die einftmals vielleicht dem Theater dienen wollen, waren oor Begeisterung in allen Himmeln. Schließlich sprach Bräsident Ridelt, um in feiner freundlichen, gewinnenden Art alle Be bürftigen, die im Schuße der deutschen Schauspielergewerkschaft stehen, ans Herz zu nehmen. Auch nach Weimar, wo die Deutsche Bühnengenossenschaft in ihrem Altersheim die Beteranen der Theater. tunft beherbergt und nach Rothenburg o. d. Tauber, wo Schauspieler finder für ein nüßliches und bürgerliches Leben auf Kosten der Bühnengenossenschaft erzogen werden, wurden Kisten und Kasten, voll beladen mit Weihnachtsgaben, geschickt. Der Fall Kutisker. Gibt die Staatsbant noch immer Kredite? Nach der Verhaftung des Generaldirektors Kutister sind nunmehr die von der Staatsanwaltschaft hierfür bestimmten Spezialdezernenten, Staatsanwalt Dr. Hölz und Assessor Kußmann, damit beschäftigt, die Transaktionen Kutisters und insbesondere sein Ges schäftsgebaren gegenüber der Preußischen Staatsbant einer eingehenden Brüfung zu unterziehen. Gegenstand der Untersuchung wird in erster Linie die Frage sein, auf welcher Grundlage die ver schiedenen Kredite an Stutister zustandegekommen und welche Sicher heiten refp. welche tatsächlichen Werte dafür geboten werden sind. Unter anderem wird gerade zur Frage der Bewertung der ver. schiedenen Unternehmungen Kutisters behauptet, daß dieser für jeine Treibriemenfabrit einen Kredit Don 6 Millionen Mark erhalten habe, während sich der tatsächliche Bert des Unternehmens auf höchstens 200000 bis 250000 Mart belaufe. Rody bevor das Ergebnis dieser Untersuchung be. fannt wird, wäre es allerdings für die Deffentlichkeit von Intereffe zu erfahren, ob eine aus sehr zuverlässiger Quelle stammende Melbung zutrifft, wonach die Preußische Staatsbank dem Generaldirektor Kutister noch vor 14 Tagen, also zu einer Zeit, als die gange Affäre schon längst ins Rollen gefommen mar, einen Kredit oon 40000 bis 50000 Goldmart angeblich zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes gewährt hat. Weiterbin wirb zu prüfen fein, wie es sich mit den Angaben verhält, die Rutister über die Gründe seiner beabsichtigten Reise nach Litauen gemacht hat. Er behauptete, daß es sich um einen Auftrag der fitauischen Regierung auf große Mengen von Zement handelte, der für die Neuanlage litauischer Festungen Verwendung finden follte. Bon unterrichteter Seite wird zunächst bezweifelt, daß die litauische Regierung felbft derartige Lieferungsverträge abzuschließen pflegt. Ferner wird darauf hingewiesen, daß 3ement in Deutschland. jyndiziert ist, also in so großen Mengen, mie Kutister es behauptet bat, von einer einzelnen deutschen Firma gar nicht geliefert werden Fönnte. Benn im Zusammenhang mit Kursters Berhaftung auch bie Bernehmung bos Finanzmannes Michael megen einer Anzeige wegen Beamtenbestechung unb 3ins muchers viel erörtert wird, so ist dabei zu berücksichtigen, daß es sich hierbei um eine von Kutister erstattete Anzeige gegen Michael handelt, die noch aus den Streitigkeiten zwischen den beiden anläßlich der Uebernahme der Scharlach- Bant durch Kutister herrührt. Das Geständnis des Banderolendiebes. Der große Einbruch in das Zollamt Norden ist jetzt ganz aufgeklärt. Der verhaftete Bollinipettor Jordan hat nunmehr ein um faffendes Geständnis abgelegt. Er gibt zu, den Einbruch angeregt und den ganzen Plan ausgearbeitet zu haben. Der Rest der Banderolen, für 120 000 m., wurde bei einem Geschäftsmann in der Calvinstraße, wo Jordan ihn untergestellt hatte, beschlagnahmt. So ist die ganze Beute, zum größten Teil in Banderolen selbst und Zank in der völkischen Kinderstube. Linbling Lehnert. Zur Flucht des Millionenschiebers Weber. 50 000 Reichsmark Belohnung. Es Die Flucht des Generaldirettors Hermann Weber, über die wir berichteten, hat begreifliches Aufsehen erregt. Zur Klarstellung der Borgänge wurde getan, was möglich war. Die Beamten, die Weber beaufsichtigten, und auch das Personalseiner Billa in Schlachtenfee wurden eingehend vernommen. fonnte jedoch nur festgestellt werden, daß Weber sich in ein Zimmer begeben hat, in dem seine Frau, ihrer Niederkunft harrend, im Bette lag. Dieses Zimmer muß er durch eine andere Tür verlassen haben. Wie er aber aus der Billa herausgekommen ist, das will niemand wissen, weder die Beamten, noch irgendeiner der Angestellten. Auf die Wiederergreifung des Flüchtigen, bei dessen Spritschiebungen es sich um Millionen handelt, hat das Reichsmonopolamt eine Belohnung von 50000 Reichsmart ausgefeßt. Der Flüchtige fell nach Angaben aus dem Publikum noch in Berlin gesehen worden sein. Ob das zutrifft oder ob eine Personenverwechselung vorliegt, steht allerdings noch dahin. Möglich ist es schon, daß sich Weber noch in Berlin aufhält. Er wird vielleicht auch versuchen, mit Angestellten in Verbindung zu fommen. Jedenfalls sind sowohl hier als auch auswärts alle Maßnahmen getroffen, seiner wieder habhaft zu werden. Alle Grenzämter, Fluga häfen usw. sind benachrichtigt. In der Villa wurde auch ein Lichtbild des Flüchtigen gefunden. Bervielfältigungen werben in großer Bahl angefertigt. Beber ist am 19. Februar 1894 zu Bödingheim in Baden geboren und 1,70 Meter groß. Er hat nach hinten übergefämmtes haar. Mitteilungen über fein Auftauchen nimmt Polizeioberinfpefter Bormerf im Polizeidienstgebäude Magazinstr. 3-5, Hausanruf 227, entgegen. Edel sei der Mensch Die deutschynationalen Herrschaften triefen befanntlich nur von Edelmut und vornehmer Gesinnung.( Ihre Zeitungen find ein fprechendes Beispiel.) Man braucht sich nur ir politisches Programm anzusehen und weiß fofort, daß es der Edelmut in der höm ften Potenz ist. Wie weit deutschnationaler Edelmut gehen und welche schönen Blüten er treiben fann, dafür wird uns ein geradezu klassi= scher Beweis geliefert. Zwei jüngere Mitglieder des Reichs. banners Schwarz Rot Gold in Windjacke und Müze trafen in der Hauptstraße in Schöneberg an der Ede der Eisenacher Straße einen gut gefleideten, sinnlos betrunkenen Mann, der die Paffanten lallend bat. ihn nach Hause zu begleiten, da er so furchtbar betrunken sei. Die Passanten aber, was man ihnen, weis Anüppel- Kunze: Erich ist schuld!" Ludendorff! Nein, Nüppel- Tunze hat den Topf' putt Gott, nicht vertenten kann, hatten weber Zeit noch Luft, die Bier demacht!" zu einem fleinen Teil in Wertsachen, wieder herbeigeschafft Bei Jorban und bei dem Hehler Adolf Schulz wurden ein größerer Bosten Edelsteine, goldene Armbänder und andere Schmuckfachen beschlagnahmt, die wahrscheinlich mit dem Erlös aus früheren Ginbrüchen im Zollamt Norden und Zollamt Bankow gekauft worden sind. Jordan, der früher Referveoffizier in einem Königsberger Regi ment war, tat bis vor zwei Jahren Dienst auf dem Zollamt in Bantow. Dann wurde er nach der Weinbrandabteilung des Zollamtes Norden in der Luisenstraße verlegt. Er führte ein vornehmes" Leben. Das fiel aber nicht auf, weil man ihn, aud auf dem Finanzamt, für einen vermögenden Mann hielt, für den er fich felbst auch ausgab. Im Dienste lernte er Adolf Schulze femmen, der bis zum Weltkriege Farmer in Afrifa mar, fich jest in der Friedrichstraße, wo er auch wohnte, als Zahntechnifer betätigte unb daneben noch in der Bernauer Straße eine Bigarren und Zigarettenfabrit betrieb. Als Inhaber diefer Fabrit hatte er der Banderolen wegen oft auf dem Zollamt zu tun und fam fo mit Jordan zusammen. Dieser vereinbarte mit ihm den großen Ginbruch und lieferte einen vollständig ausgearbeiteten Plan. Nach dem Gelingen des Streiches tappte die Kriminal: polizei zunächst vollständig im Dunkeln. Die erste Spur führte auf Leistmann. Dieser wurde auch festgenommen, mußte aber wegen Mangels an Beweisen wieder entlassen werden. Leistmann glaubte nun, seine Unschuld nachgewiesen zu haben, und fühlte sich sicher. Im Gefühl der Sicherheit fuchte der Beobachtete, der nichts merkte, bald diefen, bald jenen der Mittäter und Hehler auf, um den bak und die Abrechnung zu regulieren. Er wurde beobachtet und so stellte man nach und nach alle Beteiligten fest umb verhaftete Zur Volksverdummung für spätere Kriege. Man schreibt ums: Der Deutsche Wille", Berlin W. 57. Bülowstraße 100, versendet an die preußischen Schulräte Batete ..Unter flatternden Fahnen- deutsche Soldatengeschich. ten" mit der Bitte, biele Bände den Schülerbüchereien zuzuweifen, um zu erreichen, daß foldatischer und friegerischer Gift in unseren Schulen nicht ausstirbt. Der ..Deutsche Bille" versteht sich auf den Gimpelfang, deswegen läßt er Goethe( ihn zwar nur auf einer einainen Seite, denn was hätte diefer Menschenfreund wohl mit dem Morden zu tun) und Detlev v. Liliencron aufmarschieren. Dafür triest dann aber der Inhalt von Blut. Man lese nur Erich Wentscher Der alte Hauptmann" und Der Erste" und Karl Bleibtreu Mödern" und Friedrich Fretsa ,, Der Gefreite". Wenn unsere Jurigen danach nicht den Blutrausch bekommen, so müssen sie Nerven von Stahl haben. Solange diefe blutrünstige Soft unseren Kindern vorgesetzt wird, sind alle unsere Bestrebungen für Bölkerbund und Bölferversöhnung der gebens. Hoffentlich verbietet der Minister für Bolfsbildung diese Mordgeschichten den Jugendbüchereien einzuverleiben, da dies im Gegensatz steht zu Artikel 148 der Reichsverfassung: In allen Schulen ist sittliche Bildung im Geiste der Völkerversöhnung zu erstreben". I sie endlich aus Lokalen und ihren Wohnungen heraus. Peter Cornelius( 1824-1924). Bon Kurt Singer. Am Weihnachtsabend sind es 100 Jahre, daß Peter Cornelius, einer der größten Musiker Deutschlands, in Mainz geboren wurde. Nur einmal noch hat das Rheinland mit feiner Sangesfreude und lichten Seiterfeit einen genialen Dufifer zur Welt gebracht, und gleich den größten, Beethoven. Frühreif ift Cornelius nicht gewesen. Bis zu feinem Opus 1, das er etwa mit 30 Jahren schrieb, flafft biographisch und musikwissenschaftlich eine große Lücke, die die Nach tommen von Cornelius und Mar Hasse zu schließen unternehmen. Außer Mainz waren Berlin, Welmar, Wien und München die Hauptstätten ber Tätigkeit von Cornelius. Nach einerl angen und ernsten Behrzeit tritt er als ein ganz Fertiger mit dem ersten 3yklus von Biebern vor die Welt. Er fühlt sich so sehr als Dichter, auch als Lyriker in der Mufit, daß er lange Jahre nicht von diesem geraden und alleinigen Weg der Komposition abweicht. Es fehlt ihm der Sinn, vielleicht auch die Begabung für das Instrumentale, für Rammermusik und Sinfonie. Es reihen sich in ununterbrochener Folge die Lieber für Einzelstimmen, zum Teil auf eigene Texte, zum Teil auf Tegte von Hebbel, Droste- Hülshoff, Hölty, Eichendorff, Hense, Chamisso, aneinander. Der Romantiter sucht sich das Wort, das ihn zum Gingen anregt, in der romantischen Literatur, Zu den Berlen dieser Gefänge des frommen, weibevollen und liebesfehnsüchtigen Ausdrucks gehören die Weihnachtslieder, die Brautlieber und die Duette. Dagegen treben die größeren chorischen Werke an Innerlich eit und Geschlossenheit etwas zurück. Der Schwerpunkt des Gesamt fdjaffens liegt in dieser jubilierenden oder trauernden Lyrik, die einen wimbervollen Niederschlag der menschlichen Artung Cornelius' bar. stellt. Die Echtheit und innere Wärme dieses intimen Musizierens ist nicht überbietbar, weder in der bejahenden Lebensluft und im Ton des Frohsinns, noch in der träumerischen, finnierenden Melancholie. Die Mittel find ganz fleine, die Begleitung oft geradezu primitiv. Doch idhon im Opus 3, Trauer und Troft", wagt sich ein neufchöpferischer Harmoniler heraus. Es ist etwas tief Bollstümliches in feinen Ge fängen und eine 3nnigkeit des Erlebens, bie bei aller Runftfertigteit den natürlichsten Ausdruck zu suchen und zu finden scheint. Dafür sind die Weihnachtslieder",„ Das Beilchen" ein Genieftüd wie Komm, mir wandeln zusammen im Mondenschein" herrlichste Belege. Zus nächst ist ein Mendelssohnscher Einschlag unverkennbar; balb aber wird die Tiefe des mufitantischen Erlebens ausschlaggebend, und fie ist vollendet in den Gefängen und im Requiem auf Hebbelschen Tert. Auch die Männerchöre Opus 2 dürfen zu den Großtaten der Gefanges. Iratur überhaupt gerechnet werden, und eine erfüllte und erfühlte Polyphonie drängt aus den Chorliedern Opus 11. " Das Lied des Peter Cornelius steht als inbrünstiges Bekenntnis eines deutschen Sängers dicht neben dem Lied Schuberts, und erst Hugo Wolf fonnte in anderer Art sein Wert zurückdrängen. Gütig leutselig, schlicht und gemütsticf wie der Mensch war seine Kunst. Das Schema und das Dogma galben ihm nichts. Als er einmal( 1849) in schlimmster wirtschaftlicher Situation eine Stellung in Münster erhalten sollte, unter der Bedingung, daß er sich als hyperorthodor und hyperkonfervotiv" erklären sollte, lehnte er, freigeistig und ehrlich wie er mar, den Bosten as. Entscheidend hat Cornelius feine Begegnung mit dem Wert und der Persönlichkeit Richard Wagners beeinflußt. Der junge Beber er. fchien dem großen Richard so begabt, daß der Bayreuther Meister tatsächlich einmal fich für einen komponierenden Kollegen mit aller Tatfraft einfette. 1852 30g es Cornelius nach Weimar, wo er durch Liszt die Musit Berlioz' fennen lernte, deffen Lieder er ins Deutsche überfeste. Hier begann auch seine Laufbahn als Opernkomponist. leber das Schicksal feines Barbier von Bagdad" ist viel ge schrieben worden. Cornelius felbst hat an dem Wert, deffen Inhalt aus 1001 Nacht" stammt, viel geändert. Um den Erfolg zu sichern, wurde Instrumentierung im Wagnerschen Stil vorgenommen, die das Werk belastete, anstatt freier zu machen. Hört man es in der Originals faffung, so fann man nur sagen, daß es neben den„ Lustigen eibern" von Nicolai und nach den„ Meistersingern" die beste fomische Oper ist, die je ein deutscher Mufiber geschrieben hat. Nach historischen Quellen schrieb Cornelius feine zweite große Oper, den„ Cid", der leider durch einen imdramatischen dritten Aft bisher seine Bühnen tüchtigkeit nicht erwiesen hat. Auch Retuschen durch Hermann Beon fonnten an diesem Schicksal bisher nichts ändern. Richard Wagner zog den jungen Mufifer 1864 nach München. Hier entstand( 1869 bis 1879), start beeinflußt Don Bayreuth, der Günlöd". Auch dieses Werf hat sich auf der Bühne nicht erhalten. " Cornelius wußte eine feine Feber zu führen; nicht nur als Ueber feber, fondern auch als originaler Schriftsteller von aufbauendem Format gehört Cornellus der Literaturgeschichte an. Und wenn auch feine eigene lyrische Dichtung nicht mehr der Dichtung unserer Zeit entgegentommt, fo werden sich empfindsame Gemüter immer wieder an der Schönheit seiner Verse ergögen fönnen. Ein großer Meister, noch lange nicht nach Gebühr anerkannt und gelieb, steht Cornelius Dor unserem geistigen Auge. Eine Bewegung, um sein reines Leben A erfóließen und bis in die letzten Queen feines musikalischen Wefens zu gelangen, hat eingefekt. Der 100. Geburtstag ift Anlaß genug, fich diefes wundervollen Sängers der Liebe und der Sehnsucht, aber auch des humorvollen Musikdramatikers zu erinnern. Vasco da Gama. deders, der vor vierhundert Jahren sein tatenreiches Leben be. Der Heilige Abend bringt die Todesstunde eines großen Ent. fchloß, Basco da Gamas. Als Christoph Columbus im Auftrage der spanischen Krone seine berühmte Fahrt machte, die zur Entdeckung der Neuen Welt führte, glaubte er, im öftlichen Asien gelandet zu sein, und hoffte von dort aus zur See nach Indien zu gelangen. Der große Ruhm und die nemetine Macht, die Snomien tamit errano. errente die Eifersucht der Portugiesen, und sie fuchten ihnen durch ähnliche Toten Kon Anspruch auf die entdeckten Länder. Der Boost, den die Epanier das furrenz zu machen, erhoben auch auf Grund after päpstlicher Bullen gegen anriefen, teilte das Gebiet zwischen beiden Mächten durch eine vom Nordpol zum Südpol führende Demarfationslinie, die freilich so ungefchidt gelegt war, daß fie zu neuen Zwiftigfeiten Anlaß gab. Die Portugiesen, denen die östlichen Gewässer zufielen, richteten den Blid nach Indien, das ihnen gewaltige Schäge und Reichtümer versprach. und planten, einen neuen Seeweg dorthin durch Umschiffung der Südspite Afrikas zu finden. Der junge König Emanuel, der 1495 ben Thron bestieg und hochgradig von Ehrgeiz und Ländergier bei feelt war, nahm den Gedanken mit Leidenschaft auf. So wurden 1497 27 leiche" nach Hause zu bringen. Die jungen Reichsbannerleute jedoch, die ihren Goethe gut im Kopfe hatten, nahmen den vornehmen' Herrn in ihre Mitte, um ihn nach Hause zu bugsieren. Unterwegs wurde der Betrunkene redselig, er erfannte, mie durch einen Nebel allerdings wohl nur, die Windiaden seiner Begleiter, glaubte fich in ebler Gesellschaft von Jungdo- Leuten zu befinden und schimpfte auf die roten hunde", die am 7. Dezember den Deutsch nationalen bas Konzept verborben hätten. Die jungen Leute biffen die Zähne zusammen und übten trok der wüsten Schimpfereien ihre Nächstenliebe weiter aus. Bor der Haustür wollten sie sich entfernen und meinten, nun werde der Betrunkene der Truntene das schwarzrotgoldene Band an den den Weg in feine Wohnung wohl allein finden. Jekt erkannte mühen feiner Begleiter und meinte: hr seid ja Demokraten und habt mich nach Haufe gebracht! Als ihm einer der jungen Leute Bartei stehe, da fauchte der edle Deutschnationale:" Menschlichkeit! in ruh gem Ton erflärte, daß ihnen die Menschlichkeit über ber 3hr Strolche, ihr wolltet mid ja nur überfallen und ausrauben!" Jegt allerdings zudte es tem älteren Reichsbannermann im Arm und er war drauf und bran, diese Unver schämtheit mit ein paar Backpfeifen zu„ belohnen". Der andere aber fel ihm in den Arm und sagte:„ Lan das, hier ist echt deutschnationale Art! Wenn du zugeschlagen hättest, ständen morgen in den reaftionären Zeitungen Schauerberichte von einem Ueberfall des Reichsbanners auf wehrlose Deutschnationale." So en fernten fich dann beide. während der Betrunkene ihnen nachrief:„ Rote Hunde! Lumpenbande!" tar lautet zu dem Goetheschen„ Edel fei der Mensch, hilfreich und Nun wußten fie ganz genau, wie der deutschnationale Kommen gut... Die Juristische Sprechstunde fällt am Mittwoch, den 24., und am Sonnabend, den 27. d. M., aus. drei große Schiffe und ein Laftschiff mit hundertfiebzig Mann Be faßung ausgerüstet und mit Bedürfnissen für drei Jahre versorgt. Zum Befehlshaber berief der König Basco da Gama, einen Mann aus angesehener Familie, von dessen Borleben wir wenig wissen, der aber zweifellos im Seewesen gründliche Erfahrungen befaß. Als das kleine Geschwader am 8. Juli in Lissabon die Anker lichtete, floffen viele Thränen, mußte man doch auf Not und Gefahr gründlich gefaßt sein. Das zeigte sich bann auch während der Fahrt in reichem Maße, denn die Seefahrer hatten dauernd mit widrigen Binden, Seenebel, Stürmen und Krankheiten, namentlich Storbut, zu fämpfen, stießen auch häufig auf feindliche Gesinnung seitens der Eingeborenen der Länder, die sie berührten. Man erreichte aber doch glücklich das Kap der Guten Hoffnung, fuhr in östlicher und nordöstlicher Richtung weiter und fand gaftliche Aufnahme am Kupferflusse, kam dann in immer fremdere Gegenden, welche viel Stoff zu wissenschaftlichen Beobachtungen boten. Viel Feindseligkeit erfuhren fie durch die Mauren, die nicht mit Unrecht befürchteten, das Gelingen der Expedition würde ihnen empfindliche Handels. fonfurrenz feitens her Bortuglefen bringen, dazu auch als Mohamme daner religiösen Fanatismus gegen die Chriften befundeten. J Mozambique, dessen Schönheit Bewunderung errente, hatten die Seefahrer eine böse Berwicklung durch das verräterische Verhalten des Scheils und fehen fich nenötint. von den Feuerwaffen Gebrauch zu machen. Im Mai 1498 erreichte Basco da Gama Calicut an der Malabarischen Küfte, womit tatsächlich der Seeweg nach Indien zurückgelegt war, und fam hier zum Reiche eines mächtigen Herrschers, der den Titel„ Samorin" führte, wurde von ihm in feierlicher Audienz empfangen und überreichte ihm das Schreiben feines Königs an die Souveräne der fernen Länder, machte aber auch hier bald fchlechte Erfahrungen, da Araber gründlich gegen ihn intrigierten und die Portugiesen als Seeräuber verdächtigten. So fah er sich bald zur Umfehr genötigt und hatte unterwegs noch viel Böses zu er. leiden, auch schmolz seine Mannschaft bis auf vierundfünfzig Röpje zufammen. In Lissabon hielt er feinen festlichen Einzug und wurde vom König zum Admiral der Indchen Meere ernannt, in denen die wieder dorthin entfandt und hatte diesmal im Reiche des Gemerin Portugiesen fortan gründliche Fortschritte machten. Bald wurde er ernstliche Rämpfe zu bestehen. An der bekannten Hinterlift unb Grausamkeit der spanischen und portugiesischen Conquistadoren ließ er es übrigens durchaus nicht immer fehlen. Im Ganzen hatte er diesmal viel Erfolg. fa durch Anlegung zahlreicher attoreien, fonnte auch reiche Beute nach Europa bringen und erfreute fich hier dauernder Ehrungen Als 1524 die port tefische Herrschaft in hien erfish nefähret mar, entrants in Fennel en an Seehelden als zefönig nech Goa im Mertrauen, ba er am molton der Fachlane moden mor Go chosen be a pot has and fein's Ruhmes mieher, erfrente aber gleich nach der Upfunft in Retschin und starb am 24. Dezember. Seine Leiche wurde noch Bortuaal übergeführt und in dem zu Ehren seiner Entdeckungsfahrt gegründeten Hieronymuskloster in Seemannswaisenhaus dient, ist noch immer das Ziel zahlreicher Belem bei Lissabon beigesetzt. Dieser berühmte Bau, der jetzt als Reisender. In einer Gruft im unteren Raume sieht man die schönen Marmolarfophage, welche die Reste von König Emanuel, dem Dichter Camoens und Vasco da Gama bergen. Mar Schütte Polizeibeamten- Ausbildung. Die Polizeischule für Leibesübungen in Spandau. In Spandau fand in Gegenwart von Vertretern des preußischen Ministeriums des Innern und anderer Behörden sowie der Presse eine Abschlußbesichtigung der Polizeischule für Leibesübungen statt, teren Lehrgang 22 Polizeioffiziere und 51 Polizeiwachtmeister als llebungsleiter bzw. als Riegenführer um faßte. An dem Lehrgang nahmen nicht nur preußische Bolizeibeamte teil, sondern es hatten auch die Länder Sachfen, Thüringen, Hessen und der Reichswasserschuß Beamte entfandi, da in den anderen BänAngerstein, der Massenmörder von Haiger, ist in der Gießener Alinit fo weit wiederhergestellt, daß nunmehr an seinen Abtransport nach Limburg gedacht werden fann. Oberitaatsanwalt Dr. Soffmann wird sich vorau fichtlich persönlich von Limburg nach Gießen begeben, um den Abtransport des Mañenmörders in die Wege Au leiten. Bei den Vernehmungen im Krankenhause zeigt fich Angerstein im allgemeinen als recht berst odt und verschlossen. eine gleichartige Einrichtung nicht besteht. Bon den zahlreichen Parteinachrichten £. tungen, die sich auf alle Gebete der sportlichen und förperlichen Ausbildung erstreckten, fcien besonders die gymnastischen Uebungen: Begen, Geräteturnen, Schwimmen und Wasserspiel genannt. Bon befonderem Intereffe war die Borführung von Polizei, griffen, durch die man einen Einblic in die praktische Tätigkeit des Schußpolizeibeamten gewann, wie er sie häufig im Kampfe mit dem Verbrecher anzuwenden gezwungen ist. Diefe llebungen dienen gleich zeitig dem 3mede, dem einzelnen Beamten ein besonderes Gefühl der Sicherheit zu geben und ihn im Falle eines unerwarteten Angriffs fcfort abwehrfähig zu machen. Der Gesichtspuntt. unter dem die Ausbildung an der Bolizeis schule für Lebesübungen vornehmlich steht, ist die Erkenntnis, daß eine neuzeitliche Polizei zur Erfüllung ihrer außers ordentlich vielseitigen und schwierigen Aufgaben einer nachhaltigen Ausbildung und Erziehung auf vielen Gebieten bedarf, die ihm der theoretische Unterricht allein nicht vermitteln fann. Auf der Polizeischule für Leibesübungen in Spandau werden fortlaufend in zwei bis dreimonatigen Kursen Polizeioffiziere und Polizeiwachtmeister ausgebildet, als deren Lehrer besonders geeignete und vorgebildete Schußpolizeibeamte tätig sind. Das Ziel der Aus bildung ist nicht darauf gerichtet, Reforbleistungen des einzelnen, fondern gleichmäßig hochwertige Lei. stungen zu erreichen, an denen die Gesamtheit der auszubildenden Beamten einheitlich beteiligt ist. Die Besichtigung in Spandau er meckte durchaus den Eindruck, daß dieses Ziel in vollem Umfange erreicht ist, nicht zuletzt durch die restlose Hingabe der Lehrer wie der Schüler. Selbsthilfe der Körperbehinderten. Sinfendungen für diese Nabrit find Berlin B. 68, Sindenftraße 3. Wirtschaft Dänische Viehseuche und deutsche Fleischeinfuhr. Der preußische Landwirtschaftsminister hat unter Berufung auf die in Dänemark wütende Maul- und Klauenseuche die dänische Bicheinfuhr nach Deutschland gesperrt. In diesem Zusammenhang interessiert die Tatsache, daß die Seuche schon seit langem in Dänemart mütet, ohne daß von amtlicher Seite ein Finger ge; für Groß- Berlin rührt wurde. Erft als die beutschen Agrarier die Propaganda flets an das Bezirkssekretariat. 2. Soi, 2 Trep. rechts. an richten 1. bis 20. Streis. Bezirksausschng für Arbeiterwohlfahrt: Die Firma Rart Jungermann, R. 37, Schwebter Str. 13, überraschte uns gestern mit einer Bigarettenfpenbe. Abteilungen, bie Weihnachtsfeiern veranstalten, tönnen gegen ausweis abholen am Mittwoch, ben 24. Dezember( heute), mittags 12 Uhr. Dann erst wieber von Montag ch. 12.bt. Die Weihnachtsfeier für die Rinder ber Abteilung findet am 3. Feler. tag bei Schmidt, Bielefftz. 17, abends 6 Uhr, ftatt. Die Genoffen werden erfucht, bie Rinder au fahiden. 13. st. Die Raffierer werben ersucht, am 27. Desember die Abrechnung beim Genoffen Drenez, Wilhelmshavener Straße, vormittags au vollziehen. 17. bt. Die Bezirksführer werden ersucht, die Beitragsmarten, Sammel. liften fowle fonstige Außenstände beim Raffierez Söhne bis Sonntag, ben 28. Dezember, abzurechnen. numit Arbeitersport. 94 19h ples holungshaufe Spindlersfelb bie Weihnachtsfeier, bestehend in turnerischen Bor Turn and Sportserein Eiche, Räpenid. Am 2. feiertag finbet im er führungen. Theater und Sans. statt. Beginn nachmittags 5 Uhr. Cinlag 4 Uhr. Eintritt 1 M. infl. Steuer, Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Der 1. Bestrt( Rummels. bura peranstaltet am 26. Dezember( 2. Feiertag) in Schonerts Restaurant, Annaftstraße, am Bahnhof Stralau- Hummelsburg, ein Beihnachtsvergnügen, bestehend in Ronsert, turnerischen Aufführungen und Tanz. Anfang 6 Uhr. Eintritt in. Steuer 1 M. Sport. trommel rührben, ist das Berbot erfolgt. Es ist bekannt, daß die deutschen Agrarier gern die Maul- und Klauenjeuche benutzen um erhöhte Fleischpreise durch= zusehen. Wir verweisen nur auf die seit Monaten übliche Belästi gung des holländischen Biehimports, die auch mit Biehseuchen begründet wird. Wenn der preußische Landwirtschaftsminister nun einmal das Bieheinfuhrverbot durch die Seuche begründet hat, so muß unbedingt verlangt werden, daß er Erleichterungen für. die Fleisch einfuhr, die ja mit Maul- und Klauenseuche nichts zu tun hat, schafft, da ja gerade die Einfuhr von dänischem Flesch für die Versorgung der deutschen Bevölkerung von größter Wichtigkeit ist. Wir erwarten, daß diese Erleichterungen in Kürze eintreten. Die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Fleisch gestaltet sich von Tag zu Tag tritischer. Das geht schon daraus hervor, daß im Weihnachtsgeschäft, wie die Organe der Ficifchermeister betonen, die Roß schlächter das beste Geschäft machen! Diese Tatsache gibt zu denken. Deutschlands Außenhandel mit den einzelnen Staaten Deutschland führt zurzeit Handelsvertragsverhandlungen mit einer großen Anzahl von S.aaten. Der Grund für diese Häufung liegt bekanntlich darin, daß am 10. Januar 1925 die Vorteile forts fallen, die den früheren Kriegsgegnern bisher der Bersailler Vertrag sdurch die einseitige meistbegünstigung gewährt hat und Istres daß man noch möglichst vorher zu einem neuen vertrags= mäßigen Bust and tommen möchte. Der Deutiche Rennfahrer Verband schidt uns eine Buschrift, der wir folgendes entnehmen: Um die Bedeutung der Hondelsverträge beurteilen zu fönnen, ist es notwendig, fich ein Bild davon zu machen, wie sich der Handel mit den einzelnen Ländern in der Nachfriegszeit gestaltet hat. Die nachstehende Labelle, die der neuesten Veröffentlichung( Der deutsche Außenhandel im Jahre 1923 und im 1. Halbjahr 1924 mit Großbritannien, Belgien, Luxemburg Frankreich, Cijaß- Bo.hringen, Saar gebiet, Spanien, Italien, Schweiz, Desterreich, Tschechoslowakei, Bolen, Danzig, Rußland, Japan, 386 S., Berlag Reimar Hobbing, Berlin) des Statistischen Reichsamts entnommen sind, zeigt, welchen An. teil die wichtigsten Stacten, mit denen zurzeit Berhandlungen In einer gemeinsamen Borstandsfizung mit dem Berufs. Straßenfahrer- Verband hat der DRV. und der 8518. Stellung genommen zu der Frage des lebertritis ausgefchloffener Amateure in das Berufsfahrerlager. Beide Verbände treten unbedingt dafür ein, den Amateuren den Eintritt zum Berufsfabrerlager nach Möglichkeit au erleichtern, da fie der Ansicht sind, daß der ihnen genehme Anchwuchs nur aus den Reihen der Amateure fommen fonn. Beide Verbände find daher gewilt, alle sich bis auchweben, an der deutschen Gesamtein- und Ausfuhr 1. April 1925 freiwillig meldende Amateure auf unebmen, wobei fie aber ausdrücklich darauf hinweisen, daß die von ihrem Verbande ausgefchloffenen Amateure durch ihre Sandlungen unlauteren Wettbewerb getrieben, alio gegen die Berufsfabrerintereffen verstoßen baben ferner, daß fie feinesfalle gewillt sind, nach dem festgelegten Termin ausgeschloffene Amateure aufzunehmen, und daß fie feine Deffentlichbleit fchenen werden, um diejenigen Amateure feftaunageln, die feine mehr sind. Der Selbsthilfe bund der Rörperbehindertennis Pseudo- Amateure im Radsport? ( Otto Ber! Bund) E. B. veranstaltete am Mittwoch, den 17. Dezember, im Breußischen Ministerium für Volkswohlfahrt, Leip siger Straße 3 einen Empfangsabend anläßlich der gegenwärtig bort stattfindenden Ausstellung der Selbsthilfeorganisationen Deutschlands. Das Reichsarbeitsministerium, das Reichsministerium des Innern, das Preußische Ministerium für Volkswohlfahrt, hatten dazu ihre Bertreter en fondt, ebenso war der Magistrat der Stadt Berlin, die Berliner Bohlfahrtsvereinigung und sonst eine Reihe der auf fozialem Gebiete taligen Bereine verireten. In einer furzen Ansprache be. grüßte der feibst schner behinderte 1. Borsitzende des Selbsthilfebun. bes Dr. phil. Georg Heerde die behördlichen Beriretungen und Gäste und gab in großen Bügen ein Bild von den fozialen Bestrebungen des Bundes für die im jugendlichen Aller Berfrüppeiten. Dann ( proch der Direktor des Berliner Jugendamts, Obermagiftratsrat Rnaut, in warmen Worten von den Aufgaben der Krüppelfür. forge. Dabei wies er eindringlich auf die Wichtigkeit der Zusammen. arbeit von Fürfcrge und Selbsthilfe hin und hob auch den erziehlichen Einfluß hervor, den der Bund auf die ihm angeschlossenen Schicksals. gefährten ausübt. Er wünschte dem Bunde eine glüdliche Forent. midlung feiner erfprießlichen Tätigkeit. Der Geschäftsführer des Bundes Malifomsti legte bor, mie bie Arbeitsbeschat. fung für die Bertrüppelten vom Bumde gehandhabt wird. Gerade den Schwerstbehinderten, die oft jahrelang ihr Zimmer oder fogar ihr Bett nicht verlassen fönnen, will der Bund Arbeit ver. fchaffen, die ihnen Berdienst und auch feelische Befriedigung gibt. Man fronte Arbeiten des Kunstgewerbes von der einfachsten Technit bis zur feinsten und eleganteilen Ausführung fehen. Außerdem waren geschmackvoll stimmungsvolle Scherenschnitte, Radierungen und Delgemä de von schwerbehinderten Künstlern, deren Namen zum großen Teil in der Kunstwelt gut befannt sind, ausgestellt. Selbstmord eines Siebzehnjährigen aus Liebesgram. Ein erst 17 Jahre alter junger Mensch namens Walter Ruppert, der bei seiner Mutter in der Bodestraße 19 au Neuföln wohnte, hat sich in seinem Bett liegend erstoffen. Der Jüng. ling unterhielt ein Liebesverhältnis, das die Eltern des jungen Mädchens nicht länger dulden wollten. Geitern abend legte er sich zu Bett, während die Mutter noch in der Stüche zu tun hatte. Blözlich börte die Frau einen Echuß fallen und fand ihren Sohn schwerverlegt daliegen. Er hatte sich aus einem Revolver, den er verborgen gehalten hatte, eine sugel in den Kopf gefchoffen Frau Kuppert ließ ihn mit einem Rettungswagen nach dem Stranfens haus in Budom bringen. Dort starb er aber gleich nach der Aufnahme. Zu dem Ceichenfund an der Königin- Augusta- Brüde wird mit. geteilt, daß der Tote als ein am 27. März 1903 in Berlin geBorener Arbeiter Rudolf Klaumer erkannt worden ist, der bis zum 5. November d. J. bei seiner Matter wohnte. An diesem Zage ging er von der Mutter weg mit dem Femerlen, daß er fic das Leben nehmen werde. Seitdem ließ er nichts mehr von sich hören. Weil er feine regelmäßige Arbeit und jest auch tein Unterfommen mehr hatte, ist angu nehmen, daß er eine Zeitlang im Aiyl nenächtigt bat, bis er ins Wasser ging. Nach dem Ergebnis der Obduktion hat er etwa drei Wochen im Kanal gelegen Die Bereinigung von Beamten und Angestellten des Reichstags hat am Montagabend zum eritenmal nav dem Striea thre Mitglieder wieder zu einer Weihnachtsbeicherung in der Wandel balle des Reichstags verfammelt. Auch Vertreter der Reichstags frattionen nahmen an der Feier teit. Der Vorsitzende Friedrich Großbennig dankte für die reichen Spenden der Fraktionen. Mit der Vorführung von Märchen uim. durch nobilder und dem Konzert der Mufitfapelle Shra( Schöneberg) schloß die finnige Feier. Folgende sozialistische Pfarrer con Groß- Berlin sprechen an den Beibna stagen in der Stirche: Pfarrer rande Weihnachtsabend 5 Uhr und 2. Weihnachstag 10 116r Gellig Kreuz- Kirche, Blücherplat( Hallesches Tor). Pfarrer Schmidt 1. Beihnachtstag 10 Uhr Thomastirche, Mariannenufer. Bfarrer Bilhom sty 2. Weihnachtsrag 10 11br Bhilipp- Melanchthon- Kirche. Neukölln. Pfarrer Bleier 2. Weihnachtstag 6 Uhr Trinitatisfirche, Charlottenburg, Karl- August- Blah. Beide Berbände erklären Beihnachtsrennen im Sporipalaf. Die feine Berliner Winterbahn im Sportsalat wird nach dem gelungenen Renntage am Sonntag mun mebr an beiben Beibnachtsfeiertagen mit einem ganz erlesenen Bro gramm aufwarten. Es ift der Direktion gelungen, die noch in der Schwebe befindlichen Verträge mit einer Reibe namhafter Fahrer des Fue und Auslandes zum Abschlug zu bringen, so daß die nächsten Rennen alles an den Start bringen werden, was wenigstens von deutschen Fahrern Anspruch aui Namen bat. Das gekbidt zusammengestellte Biogramm wird allen Befchmadsrichtungen weitgebendst Rechnung tragen, denn neben den Freunden der fo beliebten langen Mannschaftsrennen lommen auch die Anhänger der furgen Strede zu Wort. Wetter für Berfin und Umgebun: Troden und An der Nordseeküste mäßigen fübweltlichen Binden. Etwas Erwärmung. etwas Regent, fonit troden. allenthalben über Null, nachts leichter Froit. vielfach helter bel Für Deutschland: Tagestemperatur Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 24. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nacim.: Die Funkprinzessin erzählt: Was ihr der Tannenbaum verriet. 1. Vom Tannenbaum, der so gern ein Weihnachtsbaum sein wollte, M. Kyber. 2. Die Legende vom Tannenbaum, M. Möller. 3. Das silberne Weihnachtsbäumchen. Böhmer, und anderes.( Die Fankprinzessin Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik Berliner Funkkapelle). 7.30 Uhr abends: Weihnachtsfeier Marie Flocke- Hagemann, Sopran; Hermann Schey, Bariton; Johannes Schulzke, Bibelsprecher: Dr. Artur Böhme. Schiedmayer- Meisterharmonium. 1. Tochter Zion, freue dich aus dem Oratorium Judas Maccabaus) Händel( Harmonium). 2. Es ist ein Ros entsprungen( Gesang). 3. Uns ist ein Kind geboren( Jes. 9)( Bibelrezitation). 4. Festhymnus von Kraus ( Harmonium) 5. O du fröhliche( Gesang). 6. Geburt Jesu Christi ( Luc. 2)( Bibelrezitation). 7. Stille Nacht( Gesang). 8. Die Weisen aus dem Morgenland( Matth. 2)( Bibelrezitation. 9. Weihnachtsfantasie( Harmonium). 8.30 Uhr abends: Peter- Cornelius- Abend ( zur Feier seines 100. Geburtstages). 1. Weihnachtslieder, 1. Teil: a) Die Hirten. b) Christus, der Kinderfreund, c) Christkind( Marie Flocke- Hagemann, Sopran). 2. Weihnachtslieder, 2 Teil: a) Christbaum. b) Simeon, c) Die Könige( Hermann Schey, Bariton). 3. a) Der deutsche Schwur, b) Der Engel mit dem Flammenschwert, c) Als ich mit scheuem Schritte( Johanna Meyer, Rezitation). 4. Biautlieder. 1. Teil: a) Ein Myrtenreis, b) Der Liebe Lohn, c) Vorabend( Marie Flocke- Hagemann. Sopran). b. Drei Lieder: b) Untreu, b) Nachts, c) Komin, wir wandeln( Hermann Schey, Bariton). 6. Brautlieder. 2. Teil: a) Erwachen, b) Aus dem Hohen Liede, c) Erfüllung( Marie Flocke- Hagemann, Sopran). 7. Das Vaterunser( Johanna Meyer, Rezitation). 8. Drei Lieder: a) Ein Ton, b) Angedenken, c) Zum Ossa( llermann Schey, Bariton). 9. Drei Duette: a) Auf den Bergen. b) Stornennacht, c) Des Nachts wir uns küßten( Marie Flocko- Hagemann, Sopran; Hermann Schey, Bariton). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. haten, Herkunfts- und Bestimmungsland Deutsche Einfuhr aus Deutsche Ausfuhr nach 1. albjahr 1924 Min. G.-M. v. 5. Mill. G.-M. v. H. Deutiche Gesamtein und Ausfuhr 4448,6 Davon aus ob. nach Großbritannien. 100 2820,5 100 486,1 9,8 229.8 8,1 Belgien 65,8 1,5 40,7 1,4 Luxemburg 14,8 0,3 8,5 0,1 Frankreich. 89,5 2,0 39,8 1,4 Eliah- Lothringen. 244,8 5.5 5,2 0,2 Saargebiet 34.8 0,8 27,1 1,0 169,9 3,8 103,1 8,7 52,6 1,2 40,3 1,4 141.3 3,2 158.6 5,4 Deiterreich 67,9 1.4 150 7 5,8 Tschechoslowakei. 209,9 4,7 167,1 5.9 Bolen 1970 4,4 134,8 4,8 Danzig 40.5 0,9 42,4 1,5 Nußland 64 3 1,4 36,2 1,8 Japan 6,5 0,1 73,2 2,6 Italien Spanien Schweiz Bei Beurteilung dieser Zahlen darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Berwaltungsverhältniffe im besetzten Gebiet der Stat ftit empfindlich gestört haben. Dies gilt insbesondere für diejenigen Stooten, mit denen der Berkehr sich im wesentlichen über die Beftgrenze abwidelt. Bon Bedeutung ist auch, wie fich der Handelsverkehr der genannten Bänder mit Deutschland nach ihrer eigenen Statistik stellt. Wuch hierüber en hält die erwähnte Beröffe.utichung Angaben, soweit die Ergebnisse schon vorliegen. E H Geiamts außenbandel Anteil Deutschlands 2änder Einfuhr, A Ausfuhr Großbritannien obne Jr. E land A Belgien einschl. Bugem. E burg Frantreich einschi. Glfaß- E4820,0 Lothringen A 1. albjahr 1924 in Mill. Goldmart in Broz. 10 890,9 262,1 2,4 8416,0 748,8 8,8 1 598,5 147,5 9,3 A 1 252,6 133,8 10,7 214,0 4,9 4.635,1 465,4 10,0 E 1 744.1 184,8 7,7 A 282,5 148,0 11,6 E # 934,7 136,7 14,6 • 482,7 66,8 13.8 E 899,6 311 34,6 970,9 186,9 19.3 E 181,2 824,9 48.4 62,0 26,7 19.1 Italien. Desterreich Tschechoslowakei Rußland APARA Bei diesen Zahlen muß man sich allerdings vergegenwärtigen, daß vielfach Waren als Einfuhr von oder Ausfuhr nach Deutschland erscheinen, für die Deutschland nur Durchgangsland ist, und daß umgefehrt zum Teil Waren fehlen, die bei demjenigen Bande erfcheinen, über das der Verkehr mit Deutschland geht. Für Verhandlungszwecke ist daher die deutsche Statiftit troß ihrer Lüden haftigkeit infolge bes Ruhreinbruchs vielleidyt obgesehen von den Beststaaten im allgemeinen eine bessere Unterlage als die aus. ländische Statistik MASSARY Delft Edel wie der Name Roal Cine Zigarette von Rang BLECH EXTRA GROSSES FORMAT, 6-8 MASSARY NEU, EXTRA GROSSES FORMAT, 5-8 Deutsche Geschäfte mit Rußland. Die Tätigkeit der„ Rußgertorg". Mostau, 23. Dezember.( DE.) Ueber die Tätigkeit der Rußger. torg"( Deutsch- Russische Handels- AG.) in den ersten elf Monaten dieses Jahres werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Es wurden in dem genannten Zeitraum nach Rußland Waren für 900 000 Pfund Sterling importiert gegenüber 260 000 Pfund im gleichen Beitraum 1923 und für 300 000 Pfund Sterling exportiert. Der Ge samiumfat betrug also rund 1,2 Mill. Pfund gleich etwa 24 Mile lionen Goldmart. Befonders lebhaft war das Geschäft im Oktober and November( durchschnittlich für 150 000 Pfund Importoperotionen pro Monat). Unter den nach Rußland import erten Waren nehmen Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte einen wichtigen Plak ein( 375 000 Pfund). Erzeugnisse der elektrotechnischen Industrie wurden für 120 000 Bfund importiert. Ferner wurden auch Chemikalien( 33 000 Pfund), Wolle( 13 000), Vermessungsinftru mente( 11 000), ararh sche Maschinen. Werkzeuge nach Ruß and eingeführt. Aus Rußland ausgeführt wurden vom" Rußgertorg" überwiegend landwirtschaftliche Produkte( Delfuchen usw.), Holz. Belze, tierische Produkte( Borsten. Roßhaar, Därme usw.) und Lumpen, was in Deutschland guten Absatz fand. Auch der Export von eingemachten Früchten ist eingeleitet worden. Geflügel wird gleichfalls nach Deutschland exportiert, und die ersten Sendungen treffen bereits ein. Für das nächste Jahr ist Holzerport in großem Umfange vorgesehen, und es sind bereits Abschlüsse darauf gemacht. Ein Vertrag Krupps mit„ Rußgertorg". Die„ Rußgertorg"( Deutsch- Russische Handels- AG.) hat vor furzem mit der Firma Krupp einen Vertrag abgeschlossen, wonach im Lauf von zwei Jahren 10000 landwirtschaftliche Ma= schinen für 500 000 Dollar nach Rußland zu liefern find. Der Bertrag ist auf Kreditbasis gefdloffen. wobei die Garantie und Kreditbank für den Osten, Berlin, die Bürgschaft übernommen hat. Die Lieferung hat bereits begonnen. Auf Grund des großen Ronfignationsvertrages der Rußgertorg" mit dem deutschen chemi schen Konzern gerußto" beläuft sich der Umjah bereits auf etwa 120 000 Pfund. Russische Erzausfuhr nach Deutschland. Der Südrussische Erztruft hat einen Vertrag mit einer großen deutschen Frma in Berlin abgeschlossen, wonach 1924/25 15 millionen Bud Eisenherz und 6 Millionen Bud Manganerz für insgefamt 5 Millionen Rubel nach Deutschland zu liefern find. fifche Handelstompagnie in Kopenhagen hat ihre Liquidation| Bank erheblich beteiligt find, zugute tommen. So sieht deutsche angemeldet. Die Gesellschaft hoffte rach der Anerkennung Rußlands nationale Siedlungsfreundlichkeit aus! durch Dänemart ihre Geschäfte in Rußland aufnehmen zu können. Aber die russischen Behörden zeigten nur Interesse für russischen Erport nach Dänemark und nicht für die danisde Einfuhr nach Rußland. Die Firma hot für 30% Millionen Kronen Gut haben in Rußland, die infolge der Nich anerkennung ausländifcher Forderungen durch die Sowjets gegenwärtig einen Wert von Null haben. Sie veranlassen die nun eingetretene Liquidation. Das Aktienkapital von 5 Millionen Kronen ist verloren. Die Wechsel- und Schedzinjen. 110 Getreide für Brennzwede? Rürzlich hat der Ernährungsminister dem Verein der Kornbrenner mitgeteilt, daß er Getreide zu Brennzweden nur auf begründeten Antrag ausnahmsweiie freigeben werde. Nun berichtet Das Gasthaus bom 13. Dezember, daß die Freigabe von Getreide zu Brennzweden jest erfolgt fei! Fit das richtig? Goll tatsächlich gutes, für die Voltsernährung brauchbares Getreide fdrantenlos in Brannt wein umgewandelt werden dürfen haben wir so viel Brots forn übrig? Sollten die reife für Mehl und Brot noch böser flettern? Der Ernährungsminister wird nicht umhin fönnen, unfere dringenden Fragen fofort zu beantworten. Der Finanzpolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirt schaftsrates behandelte in seiner Dienstagsigung den nom Reichs Frankreichs Kohlenförderung. Bei der Festsetzung der deutschen justizministerium zur Begutachtung vorgelegten Entwurf eines Ge- Rohlenlieferungen an Frankreich spielte die Tatsache eine große fetes über die Wechsel- und Schedzinsen sowie den Ent- Rolle, daß die französische Kohlenförderung unmittelbar nach dem wurf einer auf Grund dieses Gefeßes zu erlassenden Berordnung. Kriege, zum Teil infolge der Kriegszerstörungen wesentlich hinter Der Entwurf sieht vor, daß die Reichsregierung ermächtigt werden dem normalen Stand zurüdblieb. Nach Mitteilung des französischen foll, jeweils entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen die Höhe Ministers flir öffentliche Arbeiten ftrebt man jezt in der fron dieser Berzugszinsen durch Verordnung zu bestimmen. Demgegen zösischen Kohlengrubenindustrie dahin, wieder die Vorkriegsförde über wurde nach eingehender Aussprache nachstehende Ent- rung zu erreichen. Bon 25 Millionen Tonnen im Jahre 1920 sei schließung einstimmig angenommen:„ Der Ausschuß erachtet es die Förderung gestiegen auf 29 Millionen im Jahre 1921, für notwendig, daß der Zinsfag bei Wechseln und Schecks jeweils auf 32 Millionen im Jahre 1922 und auf 39 Millionen im ohne weiteres dem Reichsbankdisfont angepaßt und auf das Jahre 1923. Die Förderung von 37 Millionen Tonnen in den Eineinhalbfache des Reichsbankdiskonts bemessen wird." Ferner Ferner ersten zehn Monaten des laufenden Jahres lasse eine Gesamtersuchte der Ausschuß das Reichsjustizministerium um beschleunigte jahresförderung von 45 millionen Tonnen für Prüfung der Frage, ob die bestehenden Strafbestimmungen 1924 erhoffen. Die Wiederinstandsegung der Gruben ausreichen, um dem Mißbrauch mit ungebedten Scheds in der ehemaligen Kamp zone, die nahezu vollständig sei und mit Erfolg entgegenzutreten. die vermehrte Förderung der anderen Gruben laffen für 1925 eine Steigerung der Förderung auf 49 Millionen Tonnen vorgesehen, was ungefähr der Förderung von 1913 gleichkomm. Andererseits leisteten die Gruben des Saargebiets eine gegenüber der Borkriegszeit vermehrte Produktion. Sie belaufe 1925 15 Millionen Lonnen betragen werde. Von dieser Förderung fich auf 14 Millionen Tonnen für 1924 und man erwarte, daß sie blieben 40 Broz. im Soargebiet, 40 Proz. gingen nach Frankreich und 20 Proz. nach anderen Ländern. Der Börsenvorstand hat beschlossen, vom 1. Januar 1925 ab an Sonnabenden von 11 bis 12% Uhr Effettenbörse statt. finden zu lassen. Neue Goldfendung für Deutschland. Eine neue Goldfendung von fünfhunderttausend Dollar ist vom Rew Yorfer Bankhaus Morgan nach Deutschland abgegangen. Die Generalversammlung der Roggenrentenbank war vertagt worden, weil der deutic nationale ugenberg, der über ein Behntel des Altienkapitals befizt, Einspruch erhoben hat. Auch in ber Generalversammlung am Dienstag gab er einen Brotest au Protokoll. Hugenberg, dessen Partei fich gar nicht genug der Siedlungsfreundlichkeit rühmen lann, will, daß ein höherer Gold marttapitalbetrag in die Bilanz eingelegt werden foll, weil er be fürchtet, daß die Beträge, die nicht in der GoldmarferöffnungsKopenhagen, 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Ruf- bilanz erscheinen( stille Referben) den Siedlern, die an der Kein dänisches Geschäft mit Rußland. BODO JUGAKAK DO Theater, Lichtspiele usw. no xxx Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Geschlossen Opernhaus am Königsplatz Geschlossen Schauspielhaus Geschlossen Schiller Theater Geschlossen Th. im Admiralspalast Heute ge chio sen. An 19. Woche: beid. Feiertagen 34 u. 8 Uhr in erster Besetzung Die größte Heute eschlossen Revue der Welt: Rasse de ranzen Tag gebffset 1. W ihnachtstag 8 Uhr Premiere Noch und Noch 66 D. Widerspenstigen Central- Theater An beid. Feiertagen Zähmong 31 Uhr: MORAL 71% Die vers. Glocke Kleines Th. Deats Opernhaus Heute geschlossen Morgen 7 Uhr: Gr. Volksoper den ganzen Tag geöffnet Wenn ich König wär'! G. schlossen We hnachten u fol- Freitag 7 Aida gende Tage 8 Uhr, Volksbühne Eine Frau ohne Metropol- Theater Bedeutung Heute ges hlossen. Geschlossen Deutsch. Theater von Oskar Wilde Gesch os en Kammerspiele Geschlossen Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 Geschlossen Theater 1. d. Röniggrätzer Str. Heu e geschlossen Komödienhaus Ab morren Tägl. 7, Uhr: Trianon- Th. Gräfin Mariza Heute eschlossen Rasse den ganzen Tag geöffnet Weihnachten u. tol- Neues Th. am Zoo gende Tage 8 Uhr: Heute geschlossen, Papa Morg 7 U. z. 1. Ma e und Freitag 7 Uhr: Wild- West- Mädel Erika Glässner Falkenstein, Kaiser- Titz Gr. Kinder- Vorst. An allen 3 Feierim Trianon- Th. tagen 3% U r: Heute esch ossen Am 1. u 2. Feiertag Schneewittchen Th. a. Nollendorfpl. nchm. 4 U. Pr. ab 60 Pf. Th. f. Kommand. Str. Heute geschlossen Im Reiche der Berliner Theater Heute gesch ossen SCALA 8 Unr VarietéRevue Heiligabend geschlossen An beiden Gesch ossen. Weihnachtsfee An allen 3 Feiert 8 u. Die Zauberbrille Wenn man ver Jedes Kind erbält ein 1. u 2 Feiertag 31/ Geschenk gratis! Raub d.Sabinerinnen Deutsch. Künstlertheat. Heute geschloss. Lustspielhaus Heute esch oss. Neues Operettenhaus am Schiffbauerdamm liebt ist. 3 Feiertag 3: Fridolins Weihnachtsfest Residenz- Th. Heute geschlossen. Heute geschloss.! Beide Weihn.- Tage Wallner- Theat. 8 U.: GaunerHeute geschloss! liebchen 32: Uraufführung Feiertagen Rose- Theater Spiel mit d. Tode 2 Vorstellungen 3.30 za halben Preisen das volle Programm Casino- Theater Lothringer Str. 37 Gesch ossen Am 1.Weihn.- Feiert. zum ersten Maie: Graf Koks Po se in 3 Au zügen and das große Festprogramm Circus BUSCH An allen Feiertagen 2 Fest- Vorstellg. 2 25. 26. 27. 28. achm. 3. abends 71/2 Uhr WeihnachtsCircusSpielplan! ManegeSchaustück Quo vadis? Die berühmten Quo50 adis Löwen die jeder sehen muß! Volkstüml. Preise!! Inferate im Vorwärts fichern Erfolg! Geschlossen Komische Oper Uhr Direktion: James Klein Uhr Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht gesehn mit über 250 Mitwirkenden m.d.Pariser urig.- Ausstatt. m.span. Grig.- Tanztruppen mit Fern Andra u. K.Prenze mit einer Auslese de berühmtest. Bünenkünstler des In- und Auslandes gi t auf der ganzen Welt als Unvergleichliche Sehenswürdigkeit 1 Kind frei! Zum ersten Male wird am 1. u. 2. 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WINTO BRIEN deut( 24 De.) geschlossen Am 28 26 2N 2vorstellungen2 mit dem glänzenden Jezember- Spielplan Nachm. 3, Uhr Halbe Kassenpr! Rauchen gestartet Stottern Fachhellung! Dauererfolgt Ganz nenes Syftem! Prosp. frei G. Näckel Wilmersdorf, Bran denburgische Str. 18 Apollo8 Uhr Theater 8 Uhr Revue- Posse Elektrizität: bewirtschaftung in England. Die Morning Post" teilt mit, daß die engliche Regierung mit einem Kapital von 10 Millionen Pfund Sterling die Elektrizitätsversorgung für alle Teile Englands schnellstens auszubauen plant. Der Plan gebt dabin, die staatlichen, fommunalen und privaten Elektrizitätswerte zu einer Art gemischtwirtschaftlichem Generalunternehmen zusammen aufaffen und dadurch die Elektrizität nicht nur in abgelegene Crtfchaften, sondern auch zu einem billigeren Preise als gegenwärtig au liefern. Walter. *** berpreifen. Wir bringen Metallbetten, Chaifelonques. Gardinen. Großer Beihnachtsver- Batentmatzaken. Aufleaematraken. Unferem lieben Genoffen Otto Nickel u. 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