Abendausgabe Nr. 60641. Jahrgang Ausgabe B Nr. 303 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegebe Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Jahnaainon abidinummol Berliner Dolksblatt 5 Goldpfenag Mittwoch 24. Dezember 1924 Berlag und Angetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin SW. 68. Cindenfitaße 3 Fernfprecher: Donhoff 2506-250? Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Kundgebung für den Reichspräsidenten Zölle und Produktionskraft. Einmütiger Beschluß der Reichsregierung In der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts, an der nnter dem Borsiz des Vizekanzlers und Reichsministers des Innern, Dr. Jarres, sämtliche Mitglieder des Reichsłabinetts teilnahmen, wurde einstimmig eine Rundgebung für den Reichspräsidenten beschlossen. Um dieser Entschließung besonderen Ausdruck zu verleihen, begaben sich heute vormittag sämtliche in Berlin anwesenden Reichsminister zu dem Reichspräsidenten, wobei Bizelanzler Dr. Jarres die Entschließung des Rabinetts übermittelte. Die Kundgebung lautet: insig nonsam Sehr verehrter Herr Reichspräsident! Das Reichskabinett hat in feiner geftrigen Sihung einffimmig beschloffen, Ihnen, Herr Reichspräsident, die Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, die uns angesichts des Schneten bewegen, das Sie in diefen Tagen zu ertragen haben. Wer an der Spiße des Deuifchen Reiches ficht, hat des Baterlandes Wohl zu fördern und zu wahren. Wir haben, zum Teil in jahrlanger Jujainmenarbeit mit Ihnen, Ihr wirken kennen und ihre persönlichkeit politisch und menschlich ſchäßen gelernt. Auf Grund diefer Erlenninis wünschen wir Ihnen zu sagen, daß wir einmütig, ohne Unterschied der Parteistellung, die Ueberzeugung haben, daß Ihre Tätigkeit flets dem Wohle des deutfdjen Baterlandes grgolfen hat. Caffen Sie uns Ihnen in diesem Sinne unfere besten Wünsche für Ihre weiter: Tädigkeit in Threm hohen verantwortungsvollen Amte aussprechen." Der von Berlin abwesende Reichstanzler Marg hat, wie Bizetangler Dr. Jarres hinzu ügte, ihn beauftragt, dem Reichspräsidenten zum Ausdruck zu bringen, daß er die Empfindungen und Wünsche des Kabinetts aufrichtig teilt. Nachklänge. Die Meinung der Volkspartei. Die Zeit", das Organ Stresemanns, hat während der Berhandlungen in Magdeburg ebenso törichte wie unpassende Bemertungen über den im Brennpunkt deutschnationaler Angriffe stehenden Reichspräsidenten gemacht. Jetzt, nach der urteilsfällung, find dem Blatte andere Gedanken gekommen. Es urleit jezt über das Magdeburger Erfenninis wesentlich politischer: In diesem Streit um die Person Eberts muß man aber grundfäßlich verschiedene Maßstäbe anlegen für das, was den 2 rbeiter führer Ebert im Jahre 1918 bestimmt hat und für das, was er seitdem politisch bewiesen hat. Man darf nicht die absoluten Maßstäbe der juristischen Norm anwenden in einem Fall, der eigen.lich nur relativisch- politisch zu werten ist. Es gibt in der Polifie durchaus äg'ichkeiten, mo man unter Umständen eine Zeitlang mit den Wölfen heulen muß, um ihnen das Bewußtsein zu nehmen, daß man in Wirklichkeit innerlich eine ganz andere Sprache fpricht. Die er Fall lag hier zweifellos vor. Hätte Ebert 1918 nicht mit den Wölfen geheult, so wäre die ganze Bewegung in ein wildes, bolfchemistisches Chaos ausgeartet. Man würde zu dieser rückschauend entschuldigenden Anschauung nicht tommen, wenn sich nicht Ebert in feiner Eigenschaft als deutsches Reichspräsident als ein. Mann ermielen hätte, der die nationalen Notwendigkeiten seiner Stellung durchaus von seinem politischen Herkommen zu frennen weiß. Ebert hat sich was allerdings erst späterer Aufklärung vorbehalten bleiben fann, mehr als einmal als ein national durchaus zuverlässiger Mann erwiesen, feit er an der Spitze des Reiches steht.... Wir haben wahrhaftig feine Veranlassung, für den Sozialdemokraten Ebert eine Banze zu brechen, aber wir haben den Mut der an tändigen Gesinnung, zu sagen, daß ein Mann, der zwei Söhne im Felde verloren und trotz der Aufforderung des Kaisers feinen dritten Sohn nicht von der Front zurückgehalten hat, und der in den fechs Nachfricgsjahren mit großem Taft und poli tischer Klugheit immer das nationale vor das parteipolitische Mment gestellt hat. Schießlich nicht gleichzustellen ist mit Ver. brecher, die um persönlicher Bortede willen ihr Volf und Vaterland Derraten heben. Das dürfte auch der Standpunkt des Reichskabinetts fein. Die Kölnische Zeitung", das führende volksparteiliche Blatt des Rheinlandes, äußert sich sehr scharf über das politische Werturteil, das in der Magdeburger Begründung zu finden ist. Die ganze politische Vergangenheit des jezigen Reichspräsidenten bürgt für feine nationale Gesinnung. Daß fich die deutsche Sozialdemokratie während des Weltkrieges im großen und ganzen freu und tapfer für ihr Baterland eingesetzt hat, ift nicht zum wenigsten fein Berdienst. Er hat auch dafür gesorgt, baß der gesegloje Zustand, den die Revolution geschaffen hatte, fo schnell wie möglich durch Einberufung der Nationalversammlung wieder in die normalen Bahnen des Rechtes und der Verfassung geleitet werde. Während der Dauer seiner Präsidentschaft hat er sich hinter den Kulissen und ohne Anspruch auf öffentliches 2ob stets für die nationalen Interessen eingefezt.... In dem Munitionsstreif des Januar 1918 hat Ebert micht cls einzeln fiehende Persönlichkeit, sondern als Bertreter ber Sozialdemokratie gehandelt. Er trägt infolgedessen auch feine Individualperantwortung, sondern eine Rollettimerant mortung." Um Schluffe jagt das Blatt: Das Magdeburger Urteil feht den Relayspräfiter la fu der allgemeinen Achtung herab. G- gen bieles Capitis deminutio( Berminderung ber Rechtsfähigkeit) bes Maidys nolla tisane präsidenten durch ein Schöffengerichtsurteil werden alle ruhig denkenden Deutschen Ein pruch erheven. Wenn man ehrlich und bewußt an dem Wiederaufbau Deutschlands zu arbeiten entschlossen ist, so muß endlich ein Strich unter die Vergangenheit gezogen merden. Man muß auf dem Boden der Verfassung mit allen Bersönlichkeiten zusammenwirken, die dem gleichen Ziele zustreben und von dem Bertrauen größer Boltsteile getragen find." Dann spricht das Blatt die hoffnung aus, daß das Berufungsgericht politische Dinge weniger formaljuristisch auffassen wird, als das Schöffengericht. " 1 Bon einigem Intereffe ist auch die Meinung der volksparteiiichen Magdeburgischen Zeitung", die om Drte des Gerichts erscheint. Das Blatt sagt, es fönne nicht Aufgabe eines Gerichts sein, die Haltung der Sozialdemokratie im Jahre 1918 nachzuprüfen, denn es müsse sich immer nur auf Einzelausschnitte der Geschehnisse beschränken: Die verantworlichen Ratgeber des Reichspräsidenten müßten doch auch juristisch genügend bewandert sein, um zu wissen, zu wel cher Ausweitung und Ausbeutung vergangener Gescheh nisse ein Wahrheitsbeweis, wie diefer von der Berteidigung angebotene, führen mußte. Und sie hätten Herrn Ebert ferner fazen müssen, daß feine tadellofe Haliung in nationalen Fragen in der Meinung weiter Boltstreise zu fest steht, als daß sie durch eine Meute kleiner Kläffer erschüttert werden fönnte.... Auch die„ Germania", das Berliner Zentrumsblatt, fommt noch einmal auf den Prozeß zurüd und sagt: Bägt man das Für und Wider ohne die Brille der Borcingenommenheit ruhig ab, dann muß man feststellen, daß troß der fehr merkwürdigen Begründung des Urteils Herr Ebert als Ehrenmann und Patriot aus diesem Prozeß hervorgegangen ist. Gerade mas das Gericht für unerheblich ansieht, nämlich die Beurteilung der Handiungsweise Eberts vom politischen und peits das historischen Standpunkt aus, ist für die Bewertung die és Bra desses das Wesentliche. Denn uns interessiert in erster Linie die politische Seite diefer Angelegenheit. Und von diesem Standpunft aus gefehen steht Ebert vollständig gerechtfertigt da. Man muß doch die Vorgänge aus den Verhältnissen von 19.18 betrachten und darf sie nicht aus unseren heutigen Empfinbungen heraus beurteilen Ebert sprach in Treplom zu halb veeEbert sprach in Treplow zu halb veehungerten, verbitterten und von radikalen Elementen verhehlen Arbeitern. Da fonnte er nicht reben wie vor einer Bersammlung gut fituierter Bürger. Er mußte sich dem Milieu anpaffen, mit den Stimmungen feiner Zuhörer rechnen, wenn er Einfluß auf den Streit gewinnen wollie. Das muß man doch ein wenig im Auge behalten, wenn man die damalige Handlungsweise Eberts begreifen will. Es fann gar feinem 3meifel unterliegen, daß er die Absicht hatte, den Streit möglichst rasch zu beendigen. Das entsprach durch aus der patriotischen Haltung, die er nach einwandfreiem Zeugnis, wie dem des Abgeordneten Fehrenbach, eingenommen hat. Der Der Staatsanwalt traf das Richtige, als er die Handlungsweise Eberts Landesrettung, nicht Landesverrat nannte. Aber partcipolitische Verblendung läßt in weiten Kreisen teine objektive Beurteilung der damaligen Vorgänge mehr zu. Zum Schluß sagt die Germania": Auch wir mnen, daß aus diesem Prozeß unbedingt Folgerungen und Lehren gezogen werden müssen, nämlich die, daß es not wendig ist, besseren Schuh gegen Berleumder und Ehrabschneider zu schaffen. Die politischen Folgen, die die Rechtspreffe andeutet, das heißt der Rücktritt des Reichspräsidenten, wäre nicht zu ziehen. Dazu liegt nicht der mindeste Anlaß Dor. Weichselzugang für Ostpreußen. Beftimmungen der Botschafterkonferenz. Probleme der deutschen Handelspolitik.pm Wir stehen vor einer neuen Periode der deute schen Handelspolitit, und das deutsche Bolt hat ein Recht auf Klarheit darüber, wie diese Zollpolitik geführt werden soll. Wir stehen vor der entscheidenden Frage, ab noch einmal dem unerreichbaren Ziel der Selbstgenügsamteit nachgejagt werden soll oder ob nicht unser Streben darauf 100 eingestellt sein muß, uns organisch mit unserer ganzen Broduktionskraft in die Weltwirtschaft hineinzustellen, Arbeitstraft und Kapital nur an den Buntien des zu erwartenden höchsten Nußertrages einzusetzen und zu diesem Zwecke die Eigenart der deutschen Arbeitskraft, die auf dem Gebiete der hochwertigen Erzeugnisse der verarbeitenden Industrien ihr größtes und am meisten fruchtbringendes Betätigungsfeld findet, voll zu entwickeln." sid Mit diesem Morte ist das Ziel umrissen, das die deutsche Handelspolitik in der nächsten Zeit zu verfolgen hat. Die deutsche Wirtschaft muß gefunden und die Folgen des Krieges und der Inflationszeit überwinden, wenn das deutsche Volk neue Auffticgsmöglichkeiten haben soll. Am 10. Januar gewinnt Deutschland die handelspolitische Freiheit zurüd, die es durch den Vertrag von Versailles verloren hatte. Es ist nicht mehr gebunden durch die Bestimmung des Versailler Bertrages, die automatisch allen Unterzeichnern des Vertrages Deutschland gegenüber die Meistbegünstigung gewährt. Aus freier Entschließung fann das deutsche Bolk an die Neuorientierung feiner Handelspolitik herangehen. Wenn int wird, so muß im Bolt volles Verständnis für die Probleme Parlament über die Fragen der Handelspolitik entschieden tiefung des allgemeinen Verständnisses für Fragen der Zollder Handelspolitit vorhanden sein. Der Erm cung und Verund handelspolitik dient eine Abhandlung von Artur Gaternus über 3ölle und Produktions fraft), der mir das Motto entnommen haben. Es ist die Absicht dieser Schrift, die Probleme der Zolfund Handelspolitit unter dem größeren Gefichtspunkt der allgemeinen Wirtschaftspolitit, der Arbeit an der Hebung der deutschen Produktionskraft zu behandeln. Unter diesem Gefichtspunkt ergeben sich die Werturteile des Berfoffers über die bisherige Handelspolitik, und über den in der nächsten Zukunft einzuschlagenden Kurs. Er geht aus von einer Unterfuchung der wirtschaftlichen Zustände in Deutschland nach dent Kriege und der Inflation. Deutschland ist aus diesen Kataftrophen nicht ohne alle Boraussetzungen für eine fünftige wirtschaftliche Gesundung hervorgegangen. Die deutsche Industrie verfügt über einen erweiterten Bestand von Produktionsmitteln. Die Boraussetzungen für eine organisatorische Verbesserung der Produktionsmethoden fnd gegeben, Demgegenüber steht die Schwächung der Arbeitskraft durch das Inflationselend, die Einengung des inneren Marktes durch die verminderte Kauffraft der Massen der arbeitenden Be völkerung und die Schwierigkeiten des Exportes. Das 3ie1 einer unter großen Gesichtspunkten geführten Wirtschaftspolitik muß demnach sein: Erweiterung des inneren Marftes, hebung der Kauftraft der Massen, Schutz und Hebung der Arbeitsfraft, in deren. Wiederherstellung und rationellen Berwendung ein entscheidender Faktor der Hebung der deutschen Produktion gesehen werden muß, Biedereingliederung Deutschlands in die Weltwirtschaft. Von dem cbersten Gesichtspunit der Hebung der Produktion ausgehend, sieht der Berfasser zunächst die Sozialpolitik als Mittel der Wirtschaftspolitik. Er stellt fest, daß die sozialpolitischen Forderungen der Arbeiterhaft parallel gehen mit den Anforderungen, die im Interesse der Wirtschaftsgesundung und der Hebung der deutschen Probuftion an die Sozialpolitik gestellt werden müssen. Die fünftige handelspolitit ist eines der pornehmsten Mittel, um zu diesen wirtschaftspolitischen Zielfegungen zu gelangen. Der Verfasser gibt zunächst einen turzen Ueberblick über die Gestaltung der deutschen Handelsbar, die die Bollpolitik als ein Teil der Handelspolitik in der politif nach dem Krieg. Ausführlich legt er dann die Rolle allgemeinen Wirtschaftspolitik spielt. Er stellt scharf die volksgehende Zollpolitik der historischen deutschen 3ollpolitik gegenüber, die im Grunde genommen nur Machtpolitik im Intereffe Oberschicht war, und gibt dann einen informatorischen Ueberblid über Wesen und Arten der Zölle, über das Wesen der bisherigen deutschen Handelspolitik, über die Handelsverträge Deutschlands vor dem Kriege und über die neuen Anfäße zur Herausbildung eines neuen Handelsvertragssystems. Auf Grund des Versailler Artikels hat die Botschafterkonferenz in Paris an Stelle der vorläufigen Bestimmungen über den Zugang der Bevölkerung Ditpreußens zur Weichsel numnehr endgü'tige Bewirtschaftlich begründete, von fachlichen Gefichtspunkten ausstimmungen erfassen, die am 1. Februar 1925 at Rraft treten folien. Diefe Regelung weist verschiedene Berbesserungen gegenüber der vorläufigen Regelung auf: läßt aber immerhin eine Reihe von deutschen Wünschen unberücksichtigt. Die deutsche Regierung hat in einer Note an die Botschafterfonferenz auf die für Deutschland in wesentlicher. Punkten unbefriedigende Regelung hingewiesen und hat sich für den Fall, daß durch die praktische Durchführung der neuen Bestimmungen die Rechte der Bevölkerung noch mehr vers fümmert werden sollten, Anträge auf Aenderung der Regelung vorbehalten. Die albanischen Aufständischen haben nach mehrtägigen Kämpfen Stutari und Alessio genommen. Blutige Kämpfe finden in der Gegend von Elbasan statt. Eine Abteilung von Aufständischen, die aus Balona hervorbrach und in den Engraß von Riafa eindrang. griff 15 Alometer nördlich der Hauptstadt Tirana die Regierungstruppen an. Der frühere Bräfekt von Stutari Banro und 6 Ma'chinenaewehre. Achmed Zogu, der an der Spitze der witsch, wurde getötet, und die Aufständischen erbeuteten 4 Gilize Operationen zur Einschließung von Tirana steht, befand sich gestern 25 Kilometer von der Hauptstat entfernt. in der Nationalversammlung hat die republitanifde Bolts. Die republikanischen Türten. Bon 18 freigewordenen Sigen partei bei Nachwahlen bisher neun gewonnen, u. a. fiegte fie au montantinopel sid and Bon diefer Grundlage aus werden dann die aktuellen, zur Debatte stehenden zoll und handelspolitischen Probleme untersucht, wobei der Frage des Getreideschußzolles eingehende Darlegungen gewidmet werden. Die Resultate, zu denen diese Untersuchungen gelangen, sind im wesentlichen die folgenden: Das Ideal eines sich selbst versorgenden geschlossenen Handelsstaates, wie es Fichte aufstellte, ist für Deutschland in feiner heutigen Situation unmöglich. Will des deutsche Bolt kommen, so muß es nicht nur den Binnenmarkt stärken, es leben und seinen außenpolitischen Berpflichtungen nachmuß vielmehr seinen Erport noch über die lebensnotwendige Einfuhr aus anderen Ländern hinaus steigern. Es muß das Bollfree als Broblem ber Brobuftionspolitit nach der MariArtur Saternus. Jolle unb Brobuftionsfraft" D'e stabilisierung. Thüringer Berlagsanstalt uab Druderei. Jena �ufrufsphrasen. Das Einzige, was die Kommunisten können. Die erste Seite der„R o t e n � a h n e" wird mal wieder von einem ellenlangen Aufruf geschmückt. Irgendwie muß sich die Aktivität der Berufsrevolutionäre doch zeigen. Wenn man auch sonst grundsätzlich jede politische Arbeit ab- lehnt und die Proletarier auf den kommenden Tag des großen Kladderadatsches vertröstet, so muß man doch ab und zu so tun, als ob man auch zur Gegenwart etwas zu sagen hätte. Natürlich ist nach Meinung der Kommunisten Zukunft und Gegenwart der deutschen Arbeiterklasse in finsteres Dunkel gehüllt. Verlängerung der Arbeitszeit, Massenentlassungen, Kürzung der Löhne, Steuern, Schutzzölle und völlige poli» tische Entrechtung der Arbeiterschaft steht, wie die Kommu- nisten sagen, uns bevor. Wahrscheinlich denken sie daran, daß der Bürgerblock einen Teil dieses kommunistischen Pro- gramms verwirklichen könnte, und weil sie gegen diese Ge» fahren energisch ankämpfen wollen, deswegen geben sich offen» bar die Kommunisten alle Mühe, den Bürgerblock in den Sattel zu helfen. Wer mit solcher Energie auf kommende Gefahren hin» weist, sollte auch den Mut haben, offen zu gestehen, daß er eine Regierung des Lürgerblocks absichtlich herbei- führen will, weil er einen solchen Kurs gegen die Arbeiter- fchaft für„erzieherisch� und politisch nützlich hält. Wenn die Kommunisten ernsthaft gegen diese Dinge ankämpfen wollen, weswegen helfen sie dann dem Bürgerblock in den Sattel, weswegen u n t e r st ü tz e n sie durch ihr Verhalten die Machtansprüche der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei? Darauf gibt der Phrasenschwall des Aufrufs keine Antwort. Es wird aber dafür gesorgt werden, daß diese Frage den kommunistischen Arbeitern überall vorgelegt wird. In den stärksten Tönen beschwört der Aufruf die Ge- fahren eines neuen Krieges gegen Sowjetrußland, als ob das die einzige Sorge der Kapitalisten wäre und kategorisch wird verlangt: .Kampf gegen jeden versuch, das deutsche Proletariat tu eiaen lmperlalistischeu Krieg zu stürzen." Als die Zentrale der KPD. diese Forderung ausstellte, dachte sie wahrscheinlich an die kommunistische„Rote F a h n e", die am Sonntag eine Sympathiekundgebung von Offizieren für den Kampf gegen den Dawes-Plan veroffent- lichte. Diese Kundgebung lautete wörtlich: „Seit Wcchm verfctgt«In größerer kreis ehemaliger Aront. offiziirre mit wachsendem Interesse den Kampf der.Roten Fahne" gegen den Dawes»P!cm. Erfüllt von tiefer Besorgnis um das Schicksal unsere» Volkes sehen wir endererset.s� wie eine sogenannt«„nationale Bewegung" von ihrer ursprüngliche Aufgabe als Trägerin des Freiheitsgedankens immer mehr herabgeglitten und zum Gendarmen des Verfktavungsplaoes, zum Schergen.ine, morschen Stoats- gedankcns wurde. Di« nationale Bewegung hat sich auf den Kopf gestellt. Statt „Freiheil" ist ihr« Parole„Ruhe und Ordnung zum Schuh der Sklaverei". Junge, nach Freiheit ringende Herzen sollen ihr energiestrotzen. des Iugendtmn in oerkalkt«, blutleere Gehirne umwandeln zum Ge- wlun und zur Ehre de» Seueoalqgouteu der SepaeaOouotommlfilin und feiner deutsch» Helfer. Das heißt Jugend und Energie töten und somit den Sesteiungs» kämpf abwürgen! Darum begrüßen wir mit wärmster Sympathie die Brand» nrarkung einer solchen.nationalen" Bewegung, die auf Heuchelei, Gewinnsucht oder mangelnder Intelligenz bericht. Der Kampf de» Proletariats gegen den Kapitalismus muß auf« Freiheitskampf fein gegen den Ealente-llmperiallsmas. gez. von Eicken. Oberlt. a. D." Diese nationalistischen Phantasien revanche» lüsterner Offiziere hat der Aufruf der KPD. vielleicht im Auge, wenn er sich gegen imperialistische Kriegstendenzen wendet! Im Ernst: es gibt nichts Verlogeneres ol; diese Aufrufe der Kommunisten gegen den Imperialism.. s und für den wirtschafllichen Fortschritt der Arbeiterschaft. Die Kommunisten wünschen den imverialistischen Z u- s a m m e n st o ß, und ihnen ist nichts so unangenehm, als wirkliche wirtschaftliche Erfolge der Arbeiterschaft. Der wirt- schaftliche Ausstieg entzieht ihrer verlogenen Hetze den Boden unter den Füßen, der Kampf gegen imperialistische Zu- sammenstöße, wenn er mit Erfolg geführt wird, raubt ihnen fast jede Zukunftsperspektive. Bon diesen Aufrufen der KPD. wird kein Arbeiter satt werden. Ihre Phrasen werden immer weniger Eindruck machen, je mehr die wirk- liche Entwicklung entgegen ihren Prophezeiungen den Weg aufwärts und vorwärts führt. � Der kommunistische flmnestieschwinöel. ' Auf unsere gestrig« Fessstellung, daß gerade die Kommu» nisten die Niederschönenfelder politischen Gefangenen in der letzten Amnestiedeballe im Reichstag verraten haben, ant- wortet die„Rote Fahne" heute mit einem langen Geschwafel über allerlei, woraus es nicht ankommt. Entscheidend ist doch nur, ob die Kommunisten im Reichstag schließlich für eine Amnestie gestimmt haben, von der die bayerischen politi- schen Gefangenen von 1919 ausgeschlossen waren. Das wagt selbst die„Rote Fahne" nicht zu bestreiten. Es ist eben dieser Verrat der Kommunisten selbst von der„Roten Fahne" nicht zu leugnen. Bei dieser Gelegenheit sei noch auf folgende sehr eigentüm- liche Tatsache hingewiesen: Im Reichstag bringen die Kommu- nisten jetzt in der Amnestiestage eine Interpellation ein. im preußischen Landtag aber einen Gesetzentwurf. Also gerade im Reichstag, wo eine Amnestie am durchgreifendsten gestaltet werden kann, verzichten sie auf einen Gesetzentwurf, da lassen sie es bei einer Interpellation, d. h. bei der R e d« r e i bewenden! Und dann wollen die Kommunisten noch jemanden glauben machen, daß sie allein die Vorkämpfer der politischen Gefangenen seien! Es wird Zeit, auch diesem Schwindel ein für allemal ein Ende zu machen. Diktaturgelüste ües Stahlhelm. Stahlhelmminister, Stahlhelmbeamte, Stahlhelm« gesetzgebnng. Die Rechtsparteien in Braunschweig haben die Wahlhilfe des Stahlhelm mit Abmachungen erkauft, die glatt gegen die Verfassung oesstoßen. Der Stahlhelm legt nach den Wahlen, die eine knappe Rechtsmehrheit im Landtag brachten. die Rechnung vor. Er fordert Einfluß auf R« g i e r u n g, Gesetzgebung und Verwaltung. Er fordest brüsk und droht unverhohlen: „Die politischen Parteien, für die der Stahlhelm mit seinem RanKn gebürgt hat, werden vor die Frage gestellt rverben müssen, inwieweit sie ihm diesen Einfluß gewähren wollen, und wir hoffen und vertrauen darauf, daß sie dies i n vollstem Maße tun nxrdem Tun sie es n i ch t, verweigern sie dem Stahlhelm jede Einflußnahme auf die Gestaltung der Dinge, dann müssen sie sich bewußt fein, daß sie sich im Stahlhelm eine Opposition schaffen, d'e die Kraft und die Macht hat, wie sie die rote Hersschast gestürzt hat. ouchsiezu stürzen. An den Parteien ist es. die Antwort auf die Frage zu geben. Der Stahl- Helm wartet darauf." So zu lesen in der Braunschweiger Stahlhelmzeitung. Der Stahlhelm will also Stahlhelmminister. Stshchelmbeamte. Stahlhelmrecht vor Landtagsrecht, jkurzum, er wA die demokratisch-parlamentarifche Verfassung ersetzen durch «in« Stahlhelmdiktatur. Wenn die Rechtsparteien diesen Fo» derungen in Braunschweig nachgeben, würden sie einen glwien Vesstoß nicht nur gegen die Landesverfassung, sondern auch gegen die Reichsverfassung begehen. Der Stahlhelm aber behauptet nach wie vor, er sei«ine politisch neutrale Organisation. Bestreben der deutschen Handelspolitik fein, am Abbau des hochschutzzöllnerifchen Absperrungssystems zu arbeiten, das die Folge des Krieges und der Währungswirren ist und den freien Warenaustausch unter den Völkern verhindest. Ein neues System von Handelsverträgen, das dem Ideal des Freihandels nahekommt, muß den freien Güteraustausch fördern und eine sichere Grundlage für die Hebung der deut- ichen Produktiokraft und für möglichste Stetigkeit der deutschen wistschafllichen Entwicklung abgeben. Die Neuregelung des deutschen Zolltarifes muß unter dem Gesichtspunkte essolgen, daß die von Deutschland selbständig festgesetzten Zölle nur als Mittel für die Bildung eines in der Haupttendenz frechänd- lerisch genchteten Haichelsvertraassystems zu dienen haben. Die Zollpolitik muß vollständig den größeren Gesichtspunkten der allgemeinen Handelspolitik, der Hebung der deutschen Produktionskraft untergeordnet werden. Unter diesen Gesichtspunkten ergibt sich eine scharfe Ablehnung neuer L e b e n s m i t t e l h o ch s ch u tz» zölle und neuer Industriehochschutzzölle, sowie des Versuches, ein neues hochschutz.zöllnerisches Solidaritäts- fystem zwischen Landwirtschast und Industrie herzustellen. Gegenüber den Forderungen nach hohen Getreidezöllen stellt der Verfasser folgende Gesichtspunkte fest: Erhöhung der Getreidezölle bedeutet Schwächung der Kaufkraft der Bevölke- rung und damit Einengung des inneren Marktes. An Stelle der Steigerung der deutschen Produktion wird durch den Ge- treidezoll eine neue Einengung der Produktion eintreten. Die ohnehin schon knappe Kapitalsdecke der deutschen Industrie wird durch den Getrcidezoll noch mehr der Landwirtschaft hin- übergerissen. Abnehmende Beschäftigungsmöglichkeit, Zwang Sr Ueberfremdung der Industrie sind die Folgen. Die soziale irkung auf die Arbeiterschaft, die Verschlechterung der Er- nähriingsoerbältnisse muß sich als Rückgang der Intensität der Arbeit und der Produktion auswirken. Für die Landwirt- fchaft selbst hat der Getreidezoll keine produktionsfördernde Wirkung. Er bewirkt lediglich eine Erhöhung der Lodenpreise und der Bodenrenten Wiedereinführung agrarischer Hochschutzzöll« wird mit Notwendigkeit industrielle Hochschutzzölle nach sich ziehen. Wird aber die deutsche Handelspolissk unter den Ge- fichtspunkten einer ausgesprochenen Hochschutzzollpolitik ge- fiihrt, so stellen sich der Wiedereingliederung Deutschlands in die Weltwirsschaft, der Ueberwindung der Kriegssolgen in den wirtschaftlichen Beziehungen der Völker unüberwindliche Hindernisse entgegen. Dann wird das System der gegen- stitigen Absperrung auf unabsehbare Zeit binaus verlängert, Deutschland hat keine Möglichkeit, seinen Export zu steigern und den Weltmarkt in großem Umfange wieder zu gewinnen, es wich ausgeschlossen vom Bezüge billiger Rohstoffe, auf die seine Fertigwaren und Vesseinerungsindustrie angewiesen ist. Die Wirtschaftskrise in Deutschland wird verlängert, die Um- stellung auf rationelle Produktion verbindert. Die deutsche Wirtschaft wird weiterhin im Zeichen oer hohen Preise, Im Zeichen des Geistes des raubtierischen Monopolismus, der Arbeitslosigkeit, des sozialen Elendes stehen. Die Darleg"ngen dieser Schrift werden durch zahlreiche illustrierende Beispiele sowie durch eine Anzahl statistischer Nzchweisungen belegt. Für den Kampf gegen die wirtschafts- politischen TenhöN'ön, die von den Intersssentenoerbänden aus- gehen, und die Interessen einzelner wirtschaftlicher Mächte- g nippen über die Sesamtinteressen des Volles stellen, bietet ciesq Schrift wertvolles und instruktives Material. Sie ist ein wertvoller Ansatz zur Füllung einer Lücke in der sozialdemo- kratischen Literatur, die gerade in der Zeit der großen Handels- politischen Entscheidungen sich sehr empfindlich bemerkbar mochte. P-sschllnimsrung im Befinden Lrankings? Lrantings Sehnen- «nizünbung am linken Bein hat sich ausgebreitet. Dies wirkt ungünstig auf das Allgemeinbefinden. Zum Schiedsrichter für die Dawes Zudustrieobllgaliooen ernannt wurde von der Revoralionskommifsion im Einverständnis mit Deutschland der fchrveorschs Bankdirektor Marcus Wallender g. �pelleas und Melisanöe" von Maeterlinck (W a l l n e r- T h« o t« r.) Vernunft ist besser als Haß. Jahrelang hat Maeterlinck gegen Deutschland gescholten. Er hat den Irrtum begangen, die deutsche Kunst mit den großdeutschen Kriegsmatadoren zu verwechseln. Don ollen, die drüben gegen uns gefletscht haben, P Maeterlinck der bissigst« gewesen. Sein großer Landsmann Derhaeren hat während de» Krieges auch furchtbare Bannflüche geg-n Deutschland geschleudert, aber schließlich drang doch das Wort der Vernunft und sogar der Lieb« immer wieder m seine Schrift«in, wenn er sich in Schmerz:« über das Leid feines belgischen Vaterlandes wand. Run. L er haaren ist dahingegangen, Maeterlinck ist geblieben. Lange haben wir ihn in Deutschland nicht mehr gespielt, nun wollen wir Kränkung und Beleidigung vergessen, wir führen ihn wieder auf. Das Wallner-Thsater spielt am Borabend der Weihnacht„Pelleas und Melisande". Auch diese Ausführung ist ein« Friedensbotschaft. 2&:t dürfen reicht weitcr hassen, auch Maeterlinck wird gern einen breiten Strich durch die übrigen» künstlerisch ganz mißlungenen Auswürfe seines Hasses machen. Pelleas und Melisande— Mondsüchtigkeit und Liebe». schwärmerei, gemischt aus Shakespeare und dunkleren Mystikern. Maeterlinck hat einstmals den Dichter der deutschen Hymnen an die Rocht, den unsterblichen Novalis, in«ine schwingend» andacht- beschwert« Sprache übersetzt. Er ist immer diesem dunklen Deutschen verwandt geblieben, er hat ihn immer wieder gesucht, dann selbst. wenn er irgendein« mythologisch fern liegend« Zeit mit seinem okkulten Instinkt« durchleuchtet Bruderliebe um die gleiche Frau, im äußeren Geschick nicht» anderes. Und der jüngere Bruder wird «rschlagsn. weil Melisande, die Gattin des älteren Bruder», bclm Anblick Tränen der Freude vergießen muß und Tränen des Wehs. Täuschen wir uns nicht: Maeterlinck wußte sehr gut. wo» di« Bühne braucht. Wüßt« er da» nicht, er würde nicht so zündend wirken. Aber darüber hinaus reden ii, ihm die großen Stimmen. Er kommt ganz nahe an das Herz heran. Musik, Mystik, ein« Uebcrsinnlich- keit, die noch weiter zurückliegt, alz ein frommer Verstand es be- greisen mag, das sind feine Neigungen, das sind fein« Nachahmungen. Dl« Aufführung im Wallner-Theater leitet« Emil Lind, dessen Ohr für solche Orgeltöne wohl geübt ist. Nun spielt am Wallner. Theater Grete Iacobsen die Melisande. Sie ist ein« jung« Frau, die durch ihr« Natur schon zu Marienschicksolen geschassen wurde. Sie vermag das Wort derartig auf der Zunge festzuhalten, daß man die Zusammengehörigkeit zwischen dem Gefühl und dem Worte sehr stark fühlt. Sie kommt nicht in den Verdacht, ein« routiniert« Künstlerin zu sein. Die Empfindungstraft scheint vorläufig ihr« best« Eizenschaft. Ernst Deutsch war der jüng«re Bruder. Theodor Loo» der massive älter«. Der Mord des Lelteren ist verständlich. wenn der Jünger«, der noch ein halber Knabe fem soll, fast zusammen- sinkt unter der Last seines poetischen Temperaments. Mondsüchtig- keit und Liebe, zwei Eigenschaften, die kund werden müssen. Nun, erstaunlich, daß Ernst Deutsch gor nichts von der Süßigkeit dieses armen Pelleas ahnen läßt. Ernst Deutsch war«her Intrigant und Tragöde, er war kein Liedersänger, er war kein Schwärmer, er war kaum ein Jüngling. Wogegen Theodor Loos manche Talent« be- fltzt, die ihn für die Rolle des eifersüchtigen Gatten bestimmen. Das Wurmige, das Grabend«, das Grübelnde, alles das gelingt ihm. Aber er lebt nicht mit, wenn sich der große Schmerz austobt. Do find Lücken zwischen dem gegebenen Text und dem wiederschenkenden Künstler._ MaxHochdorf. Parademarsch im»Berliner Theakrr".(„Anneliese von Dessau".) Emmy Sturm war so heiser, daß felbst die es merkten, di« ihr« unbändige Freude hatten, wenn ein paar Soldaten ausmarschierten. Und wie tobten sie erst als der Dessauer Morsch gespieit wurde! Stresemann nickte von seiner Log« aus freundlich mit dem Kopf«, ein zweiter illustrer Gast war wegen der jüdischen Feiertage nicht anwesend, Rabbi Atiba. Er hätte etwa gesagt:„Historien auf der Bühne— dos war schon da. Di« Parademärsche in der Opere.te — welche Tautologiej Parademarsch ist schon selbst ei« Stück Operette. Gesang an den Kuckuck, an ine Schivaibe— das ist Süßho'z für Backfisch«. Di« drei sogenannten Schlager— oll« Kamellen. Wir fügen hinzu: das ist gar keine Operette, fondern«in« Zusam» menstellung von kleinen Liedern, abgeklungenen Eouplets, lebenden Bildern. Man kennt das nun alles zum Ueberdruß. Jeder Be- sucher kann sich nach zwei Takten die ganze Meiodi« zusammen- klauen. Nur ein« Parodie auf den„Trompeter von Säckingen" im letzten Alt atmete dank Eugen Rex(nicht Fridericu» Rex) wirk- liche Lustigkeit. Im ersten Akt geht'« tränenreich zu. Im zweiten sentimeniol, im dritten dank der Fwschheit Wuard Lichten- stein? sauarob. Im übrigen ereignet sich was an Baterlieb«, Mutterliebe, Treue, Festigkeit. Brust raus, Ehrpusscligkeit, abgeston. dener Operetten-Apothekerwor« aller Art. Emmy Sturm hat kein« Rolle; sie muß immerfort meiancholisch stin und seufzen und zittern, Ganz apart spielt di« klein« Iofefinc Klein. Und auch der rode» brecherede Marquis Hermann Böttchers bringt in die Steißbeine ein bissel Humor daher. Wäre zündend« Musik(etwa Robert Winterberq) aus diesem wäss-rigen historischen Boden gezau- bert worden. Schmidt- Gentner, der Dirigent, hätte sie zu einem Riesenerfolg gebrocht. Meine Bekanntschaft mit ihm war der einzige Gewinn de» Abends, denn den Dessauer-Marsch harten wir schrei gekannt, und Emmy Sturm war krank. Z»« Claque und di« Militarist«» erzwangen einen äußeren Erfolg. Alles schon da- gewesen. K. S. ZNamzell Nilouche. Es ist doch gut. daß der Bühnenverein di« Franzosen wieder zugelassen hat, sonst hätten die Besucher de, Theaters am Kurfürstendamm nicht diese hübsche Weih- nachtsüberraschung bekommen. Di« Literatur scheint diesem koketten Theaterchen nicht zu bekommen, e, flüchtet zum älteren vaudeoill«, dem lickiigen, frechen, witzig«», satirischen(je nachdem) Stück, das di« Musik als Umrahmung, als Couplet und Ensemble hat. uns aber nicht darin ertränkte und daneben dem gesprochenen Wort Raum läßt. Zwar haben di« guten Deutschen auch sehr nette musikalische Sächelchen der Art gemacht(sogar musikalisch noch besser«), ober doch nicht so pariserisch, wie sie der Kurfürstendamw verlangen kenn. H« r v e(nicht zu oerwechseln mit dem Kriegs- fanatiker HerS mit dem doppelten Vorzeichen) ist durch Offenbach oerdrängt worden, aber sein„Fräulein Scheinheilig"(1883 entstmi» den) ist noch quicklebendig, und was ihr an aktuellen Reizen ab- geht, hat der Bearbeiter Karl Rösler reichlich durch Archiielungen und Witz« ersetzt. So wird den dieses graziös«, kecke, spigbübische. aber im Grund« unverdorben« Frauenzimmerchen, zugleich braves Stiftsfräulein und ausgelassene Soubrette, die im Daudeville ihres Lehrer» einspringt und die Hauptrolle singt, die Berliner entzücken. Zumal sie in Erika von T hell mann«in« ideal« Verkörperung findet. Sie ist in Figur, Spiel und Gesang wie geschaffen dafür und erfüllt mit ihrer lustgen Schelmerei das ganze Haus. L d a l- bert macht den Organisten, etwas trocken und unergiebig(für Adalbert). Zuviel des Guten tut Paul Morgan als Theater« direktor: er spielt(in der Maske Offenbachs) eine ganz« Berliner Theaterrevu«, die von Witz und Bosheit smikelt. Winterst«in ist ein Bombenbramarbos von Theoterdirektor, Illa G rün in g«in« höchst würdige Oberin(mit dem gelegentlichen Ausblick zum Irdi- schen), reizend Charlotte Döcklin als Corinn«, reizend der ganz« Chor der Schauspielerinnen. Han, May ist Herne« Partitur«in trouer Pfleger, die Zartheiten kommen anmutig und di« Militärmusit schneidig heraus. Ja, das Militärische gefiel besonders: kann man es nicht deutsch haben, so tut es auch die französische Blechmusik, d, Die erste allgemeine deutsche Kunstausstellung in Moskau hat jetzt stattgefunden. Don zwei Künstlern. Otto Nagel und Eric Io« hanson von der„Internationalen Arbeiterhilfe" veranstaltet, hat die Ausstellung noch einem Moskauer Bericht Paul Ettingers im„Ei- cerone stark enttäuscht. Die besten Nomen der jüngeren deut'chen Kunst waren nicht zulänglich vertreten. Nicht das Richtig« für Mos« kau war die schonungslos« Verhöhnung des unsterblichen Bourgeois. die dorr ins Leere verhallte, und die allzu laute Betonung des Ero» tischen. Da» Hauptinteresse konzentrierte stch m«f eine in Rußland bisher ganz unbekannte Holzschnittfolge von Käthe Kollwitz. Don Barloch, von dem üeider jedes Bildwerk fefstte, bewunderte man wenigstens die Graphiken. Für«in« zweite Ausstellung deutscher Kunst in vollkommenerer Gestalt ist vorderhand in Moskau nicht viel Aussicht, und das:st sehr bedauerlich, da di« deutsche Kunst dort so gut wie völlig unbekannt ist. Cabnrig starbt gibt in der berliner Sezelfion, Kurfürttendanmi 2S% abend« 8 Uhr, 8 Abende. Zweiten Feiertag: Heiterer Abend. Sonnabend, den 27.: Novellen Tboma« Mann. Knut Hansun, Her» mann Bang, Wrdelind, Neue« von Kaffa und Nllenberg. Sonntag, den 28.: ghinefilche, japanische, persische Lyrik, Bekenntnisse von Qckermonn, Börne. Arnim. Strindberg, Zola, Wilde, Grotesken von Scheerbartz, Morgenstern und Mynona. vie Suasthandluna Biebici-chesellsgast. Boyersschestr. 6(am Olip.ier Bläh), veranstaltet eine Ausstellung von Originalbandielchnungen der stan,ösilchen Schul« vom XVX dl» XIX. Iahrbundert. Tie Ausstellung ist dt» End« Januar täglich von 10 bis 2 und von t bis S Uhr geöjfuet. Eine Anfrage an die Rentenbank. Wer ist kreditwürdig? In feiner Sonntagnummer vom 21. d. M. schrieb der Borwärts":„ Unter den fleineren Kreditinstituten, melche non der Treuha: idstelle Kredit erhalten, hat der Verwaltungsrat der Rentenbank eine Auswahl getroffen. Wir hoffen, daß die Treuhandstelle ein Nachprüfungsrecht diefer Institute sich vorbehält." Im Handelsblatt der„ Bossischen Zeitung" vom 22. d. M. ist zu lesen: „ Bantfirmen bedenklichen Charakters. Dem Zentralverband des Deutschen Bant- und Banfiergewerbes liegen bezüglich der Deutschen Landwirtschaftsbant A.-G., Berlin. 8, und der Deutschen Goldfreditbank, Berlin NM. 7, Mitteilungen vor, die eine Geschäftsverbindung mit den genannten Firmen nicht empfehlenswert erscheinen laffen." g Unter den Banten, welche mit Rentenbankkrediten be vorzugt werden sollen, befindet sich auch die Deutsche Landwirtschaftsbant 2. G. Bankverbindungen, welche die zuständige Stelle des Bankiergewerbes nicht für empfehlenswert hält, erachtet die Rentenbank für befon ders würdig. Die„ heilige" Nacht der Anderen. Sterne strahlen an allen Weihnachtsbäumen, große und fleine, silberne und goldene funkeln im Glanz der fladernden Lichter. Hellauf flammt das elektrische Licht oder die Gaslampe in den Zimmern mit der weihnachtlichen Stimmung. Es ist das alles wie ein großer und allgemeiner Feierabend der ganzen Menschheit, und auch den Armen und Obdachlosen leuch ten Lichter am grünen Baum, hat Liebe und Wohltätigkeit eine menn auch nur bescheidene Gabe unter den Beum gelegt. Der heilige" Abend wird zur heiligen" Nacht, und selbst die vielen Mühseligen und Sorgenbeladenen setzen in dieser Stunde ihren Kummer beiseite, und Sorgenbeladenen setzen in dieser Stunde ihren Kummer beiseite, und in den Augen mit bangen Blicken, bang vor der Zukunft, blinki es freundlich und friedlich. Der Abglanz der Kerzen. Die wenigften denken aber in ihrem Weihnachtsglüd an die Tausende, die auch in der heiligen" Nacht die Arme nicht ruhen lassen dürfen, wie alle Lage und andere Nächte auch, am Wert sein müssen, damit die Menschen Weihnachtsglanz und Weihnachtsglüd genießen können. Das ist die heilige" Nacht der anderen, der Arbeiter in den Fabritent, deren Räder nicht stillstehen dürfen, damit in der heiligen" Nacht das Licht in den Wohnungen erstrahlen kann. In den Elektrizi. tätswerten und Gasanstalten raffeln die Maschinen, es ftinkt nach Del und Fetten, Kohlenstaub schwirrt durch die Säle, Wir fragen: Ist die Deutsche Rentenbant auch jetzt noch und die Heizer an den Maschinen, schweißbedeckt und rußgeschwärzt, der Ansicht, daß die Deutsche Landwirtschaftsbank A.-G. Kredite von ihr erhält? Wir fragen ferner: Wie kam die Deutsche Schaufeln und schütten in die großen und unerfättlichen Feuerungs. Rentenbank dazu, gerade die Deutsche Landwirtschaftsbant löcher unter den Kessein. Das Geläute der Glocken bringt nicht in A.-G. in die Reihe der auserwählten Bankinstitute aufzubiese Räume, und hier hat man teine Gedanken an Festesfreude und A.-G. in die Reihe der auserwählten Bantinstitute aufzu Festesglanz. In den hohen, großen Sälen der Bostämter sind auch Diesmal erwarten wir eine flare Antwort in Inter Arbeit, um die Flut der Patete, die immer noch nicht abebbt, in rich Diesmal erwarten wir eine flare Antwort in Inter. am heiligen Abend hunderte von Händen unermüdlich an der effe der Landwirtschaft und der Allgemein Arbeit, um die Flut der Pakete, die immer noch nicht abebbt, in richheit. Sollte diese Antwort ausbleiben, dann wären wir tige und geordnete Bahnen zu lenten, damit fie am nächsten Tag felbst gezwungen, eine solche zu erteilen. zu den Abressaien gelangen. In den Bureaus der großen Eisenbahnstationen und in den Blodbuden haben die Beamten alle Auf mertfamfeit gerichtet auf die durch die Nacht huschenden Züge, und auf dem Führerstand der Maschine steht neben dem rußgeschwärzten Heizer der Maschinenführer und späht durch die Nacht nach den Lichtern der Signale. nehmen? Weihnachtsamnestie in Sachsen. Dresden, 24. Dezember.( TU.) Zum Weihnachtsfeft find im Geschäftsbereich des sächsischen Justizministeriums 182 Straf gefangene, darunter auch politische Gefangene, in Frei heit gesetzt worden. Vertagung der Räumungsfrage. Um einige Wochen. Paris, 24. Dezember.( TU.) Nach den Morgenblättern wurden in ben gestrigen Besprechungen am Quai d'Orsay, an denen der Direftor der politischen Abteilung, Laroche, General Destider als Ber treter des Marschalls Foch, und der juristische Eadyverständige For. mageot teilnahmen, die Umrisse einer Note festgelegt, die die Bots schafterkonferenz Ende der Woche an Deutschland absenden soll. Die brei Benannten wurden am Abend von Herriot( deffen Befinden fich so gebeffert hat, daß ärztliche Berichte nicht mehr veröffentlicht werden) empfangen, der sich den Text der Note vorlegen ließ. Betit Journal" glaubt über den Inhalt der Note folgendes mitteilen zu fönnen: Die verbündeten Regierungen werden Deutschland mitteilen, daß der vorläuzige Bericht der interalliierten Militärkontroll tommiffion nicht befriedigt Beiter werde darauf hingewiesen werden, daß die Rontrollfommiffion ihre Arbeiten, d. h. ihren Schlußbericht erst einige Wochen nach dem 10. Januar 1925 werde beendigen fönnen. Die Berbündeten werden erst dann ben Zeitpunkt ter Räumung Kölns anzugeben in der Lage sein. Bis bahin merde die Räumung ohne Angabe eines bestimmten Datums perzögert. Sonntag Bo Sonntag Botschafterkonferenz. Baris, 23. Dezember( Eta.) Der englische Botschafter, Lord Creme, hat ter Boschafter fonferenz mitgeteilt, daß er am Freitag er am Freitag anderweitig in Anspruch genommen fei und daher nicht an ber für Freitag anberaumten Sigung der Botschafterfonferenz teil nehmen könne. Die Sigung wurde daraufhin endgültig auf den nächsten Sonntag festgesetzt. か England sagt: Nicht drängeln! London, 24. Dezember.( WTB.) Der diplomatische Bericht erstatter bes Daily Telegraph meldet, er erfahre, baß, wenn die deutsche Regierung auf der ftriften Beobachtung des Buch stabens des Versailler Vertrages verharre und eine endgültige Entscheidung zu dem für die Räumung Stöins festgelegten Datum verlongen follte, die Alliterten vielleicht genötigt fein würden, thre Entscheidung auf vorläufige Berichte zu gründen, die dann vielleicht weniger günstig für Deutschland fein würde als eine Entscheidung, bie fich auf den ausführlichen Kontrollbericht gründen würde. Der Berichterstatter glaubt, daß die alliierten Re: gierungen, fobalb fie im Besitz des vollen Berichts sein würden, wahr, fcheinlich eine periode von einigen Monaten festlegen würden, während deren die deutschen Behörden die bezeichneten Berfäum. destoweniger bedauernswert und werde von den britischen Behörden im Rheinland beklagt, daß diefe hinhaltende Methode statt einer Bolitit angewandt worden sei, die fich entweder auf reine Swedmäßigteitserwägungen oder auf die buchstäbliche Beobachtung des Versailler Vertrags gegründet hätte. Ersterer liefere den Deutschen einen scheinbaren Beschwerdegrund und beeinträchtige bas gute Berhältnis. das bisher zwischen der britischen Besagung und der örtlichen deutschen Bevölkerung geherrscht habe. Zum Schluß fagt der Berichterstatter, militärische Kreise hofften, daß die britischen Truppen, wenn die Zeit für die Räumung Köins gekommen fei, nicht noch Trier, sondern nach Koblenz oder Wiesbaden berlegt werden. Die heilige Nacht der anderen, die heilige Nacht der Arbeit! Und ist es nicht die wirkliche heilige Nacht?! Der neue Milchwucher. Ein Protest der Gewerkschaften. Die Spikenorganisationen der Gemertschaften haben der Reichsregierung folgenden Protest übermittelt: Neben der unausgefeßten Preissteigerung der für die Volks. ernährung unentbehrlichen Nahrungsmittel und aller sonstigen Bee darfsgegenstände hat sich die Breisfest feßung für mich zu einem öffentlichen Standal entwickelt. So ist für Ber in der Breis für Bollmila) für die laufende Woche auf 86 refp. 40 Bf. je Liter festgesetzt worden, b. h nahezu 100 Broz über Bortriegspreis Begründet wird diese Breiserhöhung, mie auch alle anderen vorangegangenen, mit dem Steigen der Butterpreise. Da auf dem deutschen Buttermarkt die frühere starte ausländische Buttere infuhr noch immer fehlt und die Milcherzeugung erfahrungsgemäß im Laufe des Winters Burüdgebt, fo ist zu befürchten, daß die Milchpreise noch eine Preisfestlegung bie gleichen bleiben. Aber auch ohnedes ist weitere Steigerung erfahren, wenn die Grundlagen für die ber jezige Breis als Bucherpreis zu bezeichnen und nur da durch zu erklären, daß die deutschen Milcherzeuger und Händler die burch ben Krieg gefchaffene Mariage rüd fightslos in ihrem privatmirtfchaftlichen Satereffe aus nuzen, un befümmert barum, baß bamit bem heranmadsenden Ge. ilegt, ben merbenben und stillenben Müttern, ben alten und Schwachen eines ber notwendigsten Rahimgsmittel ent zogen und damit die ohnehin start geschwächte Boltsgesundheit dem prinatmirifchaftlichen Intereffe zum Opfer gebracht und wetterhin privatmirifchaftlichen Intereffe zum Opfer gebracht und weiterhin untergraben wird. Reichs- und Gaatsbehörden, die übereinstim mand den Bertretern der Gewerkschaften gegenüber stets und ständig die Gefahr einer neuen Inflation betonen, wenn den volkswirtschaft. lich berechtigten Forderungen der Arbeitnehmerschaft fbatbgegeben würde und ihren Forderungen dadurch zu begegnen fuchen, baß fie ständig bemüht feien, den Preisabbau energisch zu fördern, haben bisher nichts getan, um diesem Bucher mit einem der notwendigsten Nahrungsmittel entgegenzutreten. Die Gewerkschaften protestieren energisch gegen die bisherige Untätigkeit der Reichs- und Staatsbehörden und verlangen von ihnen umgehend ein energisches Eingreifen gegen diesen die Volksgefundheit unter grabenden Bucher." Die Untersuchung im Fall Rutister. taticnen und mufifalische Darbietungen umrahmten die Einweihungs feier. Die Aufführung des Hans- Gachs- Spieles„ Der tote Mann" burch die Weißenfeer Arbeiterjugend fand einen lebhaften Beifall. Vorsteherwahl im Rathaus. fod Die B. 3. am Mittag" schreibt über die bevorstehende Neuwahl des Berliner Stadtverordnetenvorstehers: Die erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird am 8 Januar stattfinden. 8 Januar stattfinden. Ueber die vorzunehmende Wahl eines Borstehers haben die Fraktionen zwar noch keine Beschlüsse gefaßt, aber aus den bisherigen Erörterungen ist zu folgern, daß Stadtverordnetenvorsteher as wiedergewählt wird. Sowohl die dem o fratische als auch die Fraktion des 3entrums wird für ihn fammlungsleiter vorhanden, der höchstwahrscheinlich auch noch die stimmen. Damit ist schon eine Mehrheit für den bisherigen VerStimmen der Wirtschaftspartei erhalten wird. Offizielle Berhandlungen sind allerdings zwischen den Bar. teien noch nicht geführt worden. Es mill aber auch uns im hochsten Grabe unwahrscheinlich erscheinen, daß die Demofraten und das Zentrum in diesem Jahre fich wieder für einen Bürgerblod Borsteher entschließen sollten. Jm Kinderwagen erffidt. Eine entschliche Entdeckung modyte heute früh eine Pfegemutter, Frau Ebel, Breite Str. 21 in Bots bam. Sie hatte gestern abend um 9 Uhr ein Pflegefind, den acht Woden alten Heinz Schwanz, in den Kinderwagen gelegt und zugebeckt. Heute früh lag das Rind erftidt als Leiche im Magen. Hauptstraße 78 fuhr abends ein Berfonenfraftwagen Eine Aufojago gab es gestern in Schöneberg. Bor dem Hause der Stutscher Baul Hermel, aus der Moltkestr. 31 zu Lichterfelde, fam Hauptstraße 78 fuhr abends ein Berfonenfraftwagen ein Pferdefuhrwert an. Das Pferd wurde leicht verlebt, mit dem Schrecken davon. Der Führer des Kraftwagens ergriff mit feinem Auto die Flucht Drei andere Kraftwagen ver. folgten ihn unb ftellten ihn nach% ftündiger Fahrt. Jetzt ergab sich, daß dieser Führer, ein 27 Jahre alter Erwin Röber aus ber Gleditschytr. 51, feinen Führerschein besaß. Er hatte nur falsche 3ulaffungsbescheinigungen bei fich. lleber Me Herkunft feines Bagens IA 7081 blieb er eine befriedigende Der Wagen wurde deshalb beschlagAeußerung schuldig. nahmt und Röber der Kriminalpolizei übergeben. Ein fehlgegangener Schuß. Geftern gegen 10% Uhr nachts wurde der 54jährige Bensionär Ferdinand Uterhardt in ber Wilhelmshavener Straße von den beiden Hunden des Kaufmanns Otto Bathe, Wilhelmshavener Straße 62 wohnhaft, angefallen. Um sich die Tiere vom Beibe zu halten, zog 11. eine Biftole. Dabei löfte fich ein Schuß und die Kugel verlegte den Raufmann Hans Bathe aus der Fischerstraße 32 am linten Unterarm. Der Berlegte mußte fich in ärztliche Behandlung bee geben. Der Täter wurde festgestellt. Nur einfarbige Laternen für Radfahrer. Es wird nachbrüdlich darauf hingewiefen, daß zur Beleuchtung der Fahrräder nur Laternen mit farblofen Gläsern, die den Lichtschein nach vorn auf die Jahr. bahn werfen, verwendet werden dürfen. Eine Ausstattung ber Laternen mit zotem oder grünem Seitenlicht ist nicht zulässig, Der Botanische Garten in Dahlem bleibt am ei fien Feiertag fotoie ant 4 Uhr dem allgemeinen Besuch geöffnet. Neujahrstage gefchloffen, bagegen am zweiten Feiertag von 10 bis Mit Dynamit gegen Republikaner. Major a. D. Czermat zu 3 Monaten Gefängis verurteilt. lleber eine wirtlich einzigartige nationale Straft verfügte bisher der Bayerische Automobil- lub in der Berfon feines Bräsidenten, des Majors a. D. Czermat. Dieser Biebermant scheint die Re publitaner turzerhand mit Sprengstoffen eusrotien zu wollen. Wir erhalten barüber aus München folgenden Drahtbericht: rung in Seebrud ein Sprengstoffattentat verübt, wobei die Bor Jahresfrist murhe gegen die Billa des Rimftmalers BehHausmeister verlegt wurden. Schon vorher war die Familie Bel rung wiederholt einer Reihe von Schikanen ausgefeßt, die, wie allrung wiederholt einer Reihe von Schitanen ausgefeßt, die, wie allunstmalers, ein Republitaner qu fein, zurüdzugemein befannt war, auf bas offere Befenninis bes führen waren. Eine gerichtliche Untersuchung führte zu einem Bere fahren gegen den Major a. D. und Bräsidenten des Bayerischen Automobil Klubs Cermat in Jfing am Chiemsee, in deffen Schloß auch Sprengstoffe gefunden wurden. Die vom Staats gebens gegen das Sprengstoffgefeh führte zur Freisprechung Czermats. anwalt beim Landgericht Traunstein erhobene Anflage meget BerDer Staatsanwalt legte jedoch Berufung ein mit dem Erfola, daß das Oberste Landgericht die Sache an das Bandgericht zurücvermies, und dieses verurteilte nunmehr Czermat zu drei Monaten Gefängnis. Raubmord im Eisenbahnzug. 3mischen Deuh und Söln. ain, 24. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In het as niffe zu beseitigen in der Lage sein würden. Es fei nichts. Bei den vielen Bernehmungen in der Sache Kutister durch den Dienstag aband 11 Uhr 1 minute in Röln eintreffenden Personeit Radau im höchsten Gericht. Keine Auswertung in Deutschösterreich. Wien, 24. Dezember.( TU.) Der Verfaffungsgerichtshof bat die Beschwerde gegen die Gültigkeit der Berordnung des ehemaligen Finanzministers Schumpeter, der erklärt hatte, Krone ift Arone, zurüdgewiefen. In der Begründung wird erklärt, daß das Ermächtigungsgesetz vom Jahre 1917 nicht nur für die Dauer des Krieges, fondern auch für die Dauer der außerordentlichen wirtschaftlichen Verhältnisse festgesetzt worden fei, alio auch für 1919, in welchem Jahr Schumpeters Vollzugs. anweisung erlassen wurde. Die Verleiung des Erfenntnisses des Berfaffungsgerichtshofes wurde von den zahlreichen anwesenden Rleinhändlern mit großer Entrüftung aufgenommen und es tam zu lebhaften Szenen. Einzelne der Anwesenden riefen, die Regierung beftebe aus Swerverbrechern, nicht einmal in Albanien wäre folche Kulturidande denkbar. Bräfident Bitorelli forderte die Zwischenrufer in der energischsten Weise auf, die Rube zu wahren. Trogdem hörten bie erregten Zwischenrufe nicht auf, so daß einige Namensfest ftellungen vorgenommen werden mußten. Die Aufwertung kann, ebenso wie in Deutschland, nur durch eine besondere Gesetzgebung erfolgen. Auf Betreiben des Musterlandes der Parlamente, Englands, at die ägyptische Boltsvertretung vom Röntg aufgelöst worden. Die Wah männerwahlen werden am 20. Januar und die der Deputierten am 20. Februar stattfinden. Das vom Parlament auf Empfehlung Don Zaglul angenommene Gefet betreffend Einführung des biretien Wahlrechts wird also nicht in Kraft gefeßt. zur vollständigen Klärung der Angelegenheit Kutister See handlung ist die Staatsanwaltschaft mit großem Eifer tätig. Nach einem gewissen Absch uß der Ermittlungen hat der Sonderbegernent Staatsanwalt ußmann gestern, mie wir schon mitteilten, Ku fisßer nach Moabit in das Untersuchungsgefängnis bringen laffen. Staatsanwalt haben sich nun auch gemiffe Berdachtsmo mente gegen den Michael- Konzern ergeben. Zur Brüfung der Beschuldigungen, nach benen Zusammenhänge auch dieses Ronzerns mit der Kutister- Sache behauptet werden, ist jest eben falls von der Staatsanwaltschaft ein Sonderdezernat gebildet mor ben, bas von Staatsanwalt Dr. Caspari geleitet wird nach dieser Richtung wurde Genera direktor Jakob Michael bereits vor einigen Tagen lediglich als Jeuge rernommen. Weitere Beugen vernehmungen nahm Staatsanwalt Dr. Cafpari gestern bis in die Nachtftunden hinein vor. Umtausch der Angestelltenversicherungsfarten. Die meisten der im Januar 1923 ausgeftellten grünen Ber ficherungstarten find Ende dieses Jahres ausgefüllt und müffen umgetauscht werden. Umtauschstellen sind in GroßBerlin die Polizeireviere und die Ausgabestellen des Magistrats Berlin, Klosterstr. 65/67. Ferner tauschen die Krankenkassen die Karten um, aber nur insoweit, als sie von dem Rechte, die Karten für ihre Mitglieder auszustellen, Gebrauch machen. Um Stodungen in der Umtauscharbeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, mit dem Um touch schon jetzt zu beginnen und fich möglichst an die nächfliegende Ausgabestelle zu wenden. Großen Firmen, deren Abfertigung nicht fofort möglich ist, wird empfohlen, der Ausgabestelle die Starten mit einem Nachweis über ihre Anzahl abzugeben, damit bei der Abholung Irrtümer vermieden werden. Ein nenes Jugendheim in Weißenfee. Am Sonntag nachmittag murde im Haufe der Charlottenburger Str. 112 bas neue Weißenfeer Jugendheim eingeweiht. Den Bemühungen bes zuständigen Dezernenten, unferes Genossen Stadtrat Taubmann, ist es gelungen, für die Weißenfeer Jugendorganisationen hauptsächlich kommen die Sozialistische Arbeiter Jugend und der Touristenverein" Die Natur freunde" neben einem Duhend anderer Bereine in Frage einen Tagungsort zu schaffen, ber als einer der schönsten Jugendheime Groß- Berlins bezeichnet werden kann. Drei geräumige und gemütliche Rimmer stehen der Jugend zur Verfügung. Zur Eröff nungsfeier waren mehr als 100 Jugendliche erschienen. An der Feier nahmen prominente Persönlichkeiten aus dem Bezirksamt 18 teil. Auch die GPD.- Fraktion war fart vertreten. Im Auftrage des Bezirksamtes begrüßte Genoffe Stadtrat Taubmann alle An wesenden. Er richtete besonders an die Jugend mahnende, aber auch begeisternde Worte, die beifällig aufgenommen wurden. Rezizug von Deug wurde ein Major a D. Rörner in einem Abteil 2. Rlaffe erfilagen aufgefunden. Die Schädeldede des Loien war eingeschlagen. Der Mord muß auf ber turzen Strede zwischen Deus und Röfn ausgeführt worden sein. da ber Tote vom Zugführer in Deus noch gesehen wurde. Dis Mordkommission wurde verständigt und hat die Untersuchung eine geleitet. Die befchlagnahmte Leiche wurde zum Friedhof Köln- Morh überführt. Die Uhr des Toten fehlte, so daß mit Raubmorb gerechnet wird. Es ist aber auch die Möglichkeit eines Racheaftes ober eines politischen Morbes gegeben, da bei der Deiche noch ein Barbetrag von 340 m. aufgefunden wurbe. Die Ausnutzung der Wasserkräfte. Salzburg, 22. Dezember.( BIB.) Borgeftern vormittag fanb in Faistenau bei Salzburg in Anwesenheit des österreichifchen Bundespräsidenten Dr. Hainisch und des Bundeskanzlers Dr. Ramet sowie zahlreicher anderer Feftgäfte die feierliche Eröffnung bes von der württembergischen Elektrizitäts-- 6. als Bächterin der Salzburger Elektrizitätswerte erbauten Strub Flamm- Elettrizitätsmertes ftatt. Bei dem abends ve anstalteten Feftmahl gab Bundeskanzler Dr. Ramet feiner Genugtuung darüber Ausdrud, daß die gemeinsame deutsche und öfterreichische Arbeit zu einem so schönen Erfolg geführt habe, und sprach ben deutschen unb ben öfterreichischen Mitarbeitern feinen Dant unb Jeine Anerkennung aus. Legationsrat Breiter überbrachte die Grüße und Glückwünsche des am Erscheinen verhinderten deutschen Gesandten. 3slands Tribut an das Meer. Renjavit, 23. Dezember. ( TB.) Islandst Telegraphenbüro teilt mit: Zwei Motorboote find in der Nähe der westlichen Fjorde untergangen, wahrscheinlich während des Orfans am 16. Dezember. Die beiden Boote hatten eine Bejagung von 11 und 12 Mann, bie fämtlich ertrunken find. Im Laufe des Jahres 1924 find insgesamt 78 istanbische Seeleute ertrunten, im Laufe der lezten drei Jahre insgefamt 220. St. Ratharinenstraße, brach ein Feuer aus, das vier Waren. Großfeuer in Montreal. Im Besten Don Montreal, in ber haufer beilweise vernichtete. Der Schaden wird auf 200 000 Dollar gefchäßt. Die olympischen Spiele follen im Jahre 1928 in Amsterdam ebgehalten werden. Gewerkschaftsbewegung bie orbentiche Sündigung unter Einhaltung einer Rünbigungs 1 beren Zusammenlegung feiber ber Berwaltung bas eber. frift von zwei Monaten zum Schluß des Kalanderpieteljahrs gewicht einräumt. Die Schiedsstelle besteht aus einem Borsigenden zulässig. Nur die Beamten Don Gruppe X an aufwärts und zwei Beifizern. Der Vorsitzende und erste Beisiger merden vor einer Belliger durch den Bezirksbeamtenrat bestimmt werden fann. Die Bestimmungen der Personalordnung treten am 1. Januar 1925 in Kraft. In der Einigkeit liegt die Kraft! Der Berbandsvorstand des Verbandes der Buchdrucker hat beschlossen, in den Monaten Januar und Februar 1925 für den Beitritt zum Verband erleichterte Aufnahmebestimmungen einzuführen: Alle Neu- und Wiedereintretenden sind von der Aufnahmegebühr befrett Den Mitgliedern anderer Organisationen wird in der Anrechnung bisher geleisteter Organisationsbeiträge größt mögliches Entgegenkommen gezeigt. lich angestellt Daraus ergeben sich auch starte Auswirkungen in bezug auf bas erworbene Bensionsredt. 10 Jahren die Benfionsberechtigung ermirbt, beibehalten Ist cuch die bisherige Bestimmung, nach der ein Beamter mit worden, so hat hat dieses erworbene Recht für den vor. zeitig zu entlassenden Beamten jedoch sehr wenig Bedeutung; denn bie erbienie Pension wird nur dann gezahlt, wenn der entlaffende Beamte das 65. Lebensjahr erreicht. Wird der entlajfere Beamte in einem Brivatbetriebe erwerbsunfähig, so fann ihm ben, die aber nicht unbedingt die Höhe der erdienten Benficu zu er zwar eine jederzeit widerrufliche laufende Unterstützung gezahlt werreichen braucht. Für alle in den vergangenen unsicheren Wirtschaftsjahren aus der Organisation ousgeschiedenen Mitglieder fommen erleichterte Wiederaufnahmebestimmungen insofern in Betracht, als je nach den gegebenen Verhältnissen die frühere Mitglieds.natsenfemmens bewilligt werden. zeit ganz oder teilweise angerechnet wird. Mit diesem Beschlusse verbindet der Verbandsvorstand den Appell an alle dem Berbande noch fernstehenden Gehilfen, im Interesse einer starten und geschlossenen Gehilfen schaft zur Erreichung verbesserter Lohn und Arbeitsbedingungen den Anschluß an den Verband zu vollziehen. In der Einigkeit, in der Geschloffenheit liegt bie Kraft der Arbeiterschart. Möchte dies allgemein beherzigt und danach gehandelt merden." " Die Nummer 108 des Rorrespondent", die diese Befenntmachung des Berbandsvorstandes on der Spize bringt, veröffentlicht zugleich die neuen Beitrags- und Unter stübungsfäße und erweist sich in Verbindung mit dem Auffaz: Schließt die Reihen!" und der Würdigung des maderen Berfämpfers Stephan Born anläßlich der 100jährigen Wieder fehr feines Geburtstages am 28. Dezember 1824, als eine vortreffliche Werbenummer. Der DBMJ. zu Weihnachten. Der Deutsche Berkehrsbund teilt uns foeben mit, daß der Berband Berliner Metallindustrieller den Spruch des Schlich tungsausschusses über die Transportarbeiterlohne abgelehnt hat. Eine Obleutekonferenz aus den Betrieben der Metallindustrie hatte den Spruch bereits in der vergangenen Woche trog feiner Dürftigkeit angenommen. Der Berkehrsbund hat beim Schlichter von Groß- Berlin die Bertindlichkeitsertlärung beantragt; Termin ist auf den 30. d. M. angesetzt worden. Zohnregelung in der Berlin- Nowaweser Textilindustrie. Bor dem Schlichter für Groß- Berlin wurde zwischen den Vertragsparteien eine 7 prozentige 2ohnerhöhung vereinbart mit der Wirkung von der laufenden Lohnwoche des 11. Dezember 1824 bis zur letzten Lohnwoche im Februar 1925. Diefe Lohnregelung hat auch Geltung für die von der fommunistischen Oppofition verratene und in der„ RD ten Fahne" verleumdete Arbeiterschaft der Teppichfabrik M. Progen in Stralau. Die neue Personalordnung der Reichsbahn. Trozdem zwischen Berwaltung und den Eisenbahnerorganisatiomen eine Einigung auch über den 6. Entwurf der Personalerdnung nicht erzielt werden konnte, wurde diese in der VollSigung des Berwaltungsrats am 24. November 1924 verabschiedet und ist jest in endgültiger Faffung als Teil 1 der Personalordnung erschienen. Damit ist ein bisher in Deutschland noth nicht vorhandener Beamtentyp befonderen Rechts ge schaffen, der eigentümlicherweise sowohl der Reichsverfassung als auch der privaten Reichsbahngesellschaft Treue schmoren muß. Leider sind die Rechte dieses neuen Beamten. tnps gegenüber denen der übrigen Reichsbeamten start be. fchmitten. Die Stellung des Reichsbahnbeamten ist in Zukunft ziemlich unsicher; das geht schon daraus hervor, daß die Bestimmungen der Personalabbauverordnung in bezug auf die Kündigung und Entlassung von Beamten in der Personalordnung ihre fefte Beranterung gefunden haben. In der Kündigungsflausel ist gegen den früheren Zustand ebenfalls eine Ber. fchlechterung eingetreten. Erhielten die Beamten der Gruppen I bis X nad den früheren Länder bestimmungen und auch nach den Beftimmunger des Reichsbeamtengeleges nach einer Rarenzzeit von 5 bis 10 Jahren die lebenslängliche Anstellung verliehen, so ist dieses bisherige Recht in der neuen Berfonalordnung voll. tändig befeitigt worden. Für die Beamten des unieren Dienstes gilt die vier möchentliche Ründigung zum Monatsschluß und gegen die Beamten des mittleren Dienstes ift Silvesterscherze Karneval- und Vereinsartikel Tombola- Gewinne, -Lose und-Nieten Pohl& Weber Nachflg. Spittelmarkt 4/5 Verlangen Sie Preisliste Nr. 5 Flügel, Bienss, 275, an. Raben. fein Münaftraße 10. Ferner fann den zur Entlaffung fommenden Beamten nach§ 25 der erfonalordnung eine Abfindungsium me je nach dem Umfang der Dienstjahre bis zum fünffachen Betrage des letzten MoNach§ 20 tönnen die Beamten in den einstweiligen triebes es erfordert. Praktisch wirkt sich dieses Recht in der HauptRuhestand verseht werden, wenn die Wirtschaftlichkeit des Befache auf die Beamten von Gruppe X an aufwärts aus, da ja die Beamten der Gruppen I bis X in Zukunft haupt fachlich kündigungsbeamte find. Man wird also bei einem Verkehrsrudgang diefe Beamten nicht auf Wartegeld setzen, sondern einfach zur Entlaffung bringen. Damit ist der Bersonalabbau verewigt und die Reichsbahn zum Konjunkturbetrieb gestempelt. Auf die Besoldung der Reichsbahnbeamten werden die reichsrechtlichen Bestimmungen und Besoldungsfähe vorläufig weiter angewendet; jedoch foll für alle Beamten eine neue Besoldungsordnung aufgestellt werden. Damit ist auch das außerplanmäßige Beamtenverhältnis bei der Reichsbahn beseitigt Es gibt also bei der Reichsbahngesellschaft we der außer planmäßige noch planmäßige Beamte, sondern nur Beamte Weiter heißt es in der Personalordnung, daß nach§ 26 2bf 3 des Reichstahngesetzes der Generaldirektor die Richtlinien für die Gewährung besonderer Dienst prämien feftfegt. Diefe find be reits erschienen, und es sind namhafte Beträge, noch vor Weihnachten, hauptsächlich an leitende Beamte, zur Auszahlung gelangt. Recht fautschukartig ist der§ 14 gefaßt, nach dem bei Rrant. heit der Beamten von der Kündigung abgesehen werden foll, wenn nach 26wöchiger Krankheitsdauer damit zu rechnen ist, daß der erfranfte Beamte in absehbarer Zeit den Dienst wieder aufnehmen wird. Betreffs der Arbeitszeit sind die bisherigen Beftim mungen vorläufig bis zum 31. Dezember 1925 übernommen. Die Arbeitszeit beträgt wöchentlich mindestens 54 Stun den, wobei zu berücksichtigen ist, daß die auf Grund der Dienst. dauervorschriften errechnete Dienst bereitschaft oder Dienst reise nur bis zu einem gewissen Prozentsaz in die reine Arbeitszeit eingerechnet wird. In diesem Falle ist die Arbeitszeit entsprechend zu erhöhen Für das Betriebs- und Berkehrspersona! wird die Arbeitszeit durch befondere Dienstdaueroor fchriften geregelt. Für die nicht im Betriebs- und Verkehrsdienst tätigen Arbeiter wird die Arbeitszeit durch der Lohntarii: vertrag geregelt. Die Arbeitszeit der Angestellten richlet sich nach der der Beamten und wird durch Tarifvertrag festgelegt Für die Gewährung von Reisefosten, Umzugsfosten, Trennungsentschädigungen und sonstige Rebenbezüge werden die reichsrechtlichen Bestimmungen zunächst weiter angewendet. Die Beamten erhalten weiter nach§ 13 der Bersona ordnung alljährlich einen Erholungsurlaub, deffen Dauer der Ge neraldirektor festlegt Für die Gewährung Don Dienst- und Schuhfleidung werden die bisherigen Bestimmungen zum Teil beibehalten. Den Kreis der zum Tragen von Dienstkleidung verpflichteten und berech, tigten Bediensteten sowie die Form der Dienstlleidung wird durch eine Dienftkleidungsvorschrift geregelt, die mit der Kleider tigten Bediensteten sowie die Form der Dienstkleidung wird durch eine foffenvorschrift und den Anordnungen für das Schußkleidungswesen rom Generaldirektor erlassen werden. Der§ 19 behrendelt die Dienstvergehen und Dienststrafen. Im allgemeinen find die Bestimmungen der Reichsstraf ordnung übernommen worden; jedoch darf nach den neuen Bestim. mungen der Persona ordnung bereits die Normaldienststelle eine Geldstrafe verhängen Im übrigen ist in der Höhe der zu verhängenden Geldstrafen eine Berfchärfung eingetreten. Nach§ 21 fann die Gesellschaft Beamte auf Dienstposten von geringerer Bewertung verlegen, wenn das dienstiche Bedürfnis es erfordert. Die Dienstoezüge dürfen jedoch auch bei mehrmaliger Verlegung nicht unter zwei Drittel und nicht unter den Betrag finfen, den der Beamte als Ruhegehalt in der verlaffenen oder zuerst verlaffenen Stelle jeweils erdient hätte. Neu ist die Einführung von sogenannten Schiedsstellen. Glaubt ein Beamter zu Unrecht gekündigt oder in den einstweiligen Ruhestand oder in den dauernden Ruhestand verfekt zu sein, so fann er unter Einhaltung festgelegter Friften eine Schiedsstelle anrufen, Nagelpflege- Garnituren Kopp& Joseph Berliner ElektrikerBERLIN in vornehmer Ausstattung. 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In einer Rundgebung der Kölner schaftsvorsitzende Burtscheid u. a. aus: Die Hoffnung, daß sich und wirtschaftlichen Fragen der Gegenwart galt, führte der Gewer meinschaft anbahnen würde, hat sich namentlich in legter Zeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Art ArbeitsgeKreifen unserer Schwerindustrie geht ein antifozialer immer mehr als trügerisch erwiesen. Besonders von den 3 ug durch die Deffentlichkeit. Der tiefste Quell solcher antifozialen Strömungen sei allgemein in dem materialistischen Zeitgeist zu fuchen. In den wichtigsten Fragen, die der Arbeitszeit und der Lohnfrage, mache man die angeblich hohen Löhne haftbar bisher feststellen müssen, daß die Preissteigerung der Lohnerhöhung für die immer noch unhaltbaren hohen Preise. Dabei haben wir vorausgeeilt ist. Höhere Löhne tönnten aber umgekehrt mit bazu beitragen, die Wirtschaft zu beleben, indem man die allge Zustand auf die Dauer unhaltbar, wobei auch das soziale Elend meine Rauftraft hebe. Abgefehen davon, sei der augenblicklide und die wirtschaftliche Not im Ruhrgebiet zu berüdfichtigen fei. Teilstreit bei Krupp. Aus Essen melbet Mtb.: Ein wider Streit ist am Maschinen. bau 22 der Friedrich Krupp A.-G. ausgebrochen. De Arbeiter gabe an, daß die durch das neue Arbeitsverfahren eingerichtetet forblöhne zum Teil nicht auskömmlich seien. Die Bes triebsleitung fagte eine fofortige Ueberprüfung der ftrittigen Fragen zu, sobald die Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen würden. Die Sprecher as Vertreter des Arbeiter rates fegten sich ebenfalls für die Wiederauf. nahme der Arbeit ein. Trotzdem blieben die Arbei er bet ihrer Beigerung. Als nach wiederholter Aufforderung, die Arbeit wieder aufzunehmen, die Arbeiter bei der Arbeitsverweigerung be harrien, wurden die Entlassungen ausgesprochen. Es handelt sich um ungefähr 125 von 550 Ma ut. Kongres des schwedischen Eisenbahner- Verbandes. ( ITF.) Der außerordentliche Kongreß des schwedischen Eisen. bahnerverbandes beschäftige sich hauptsächlich mit den nach dem Tode des Verbandstassier.rs bekannt geworbenen Unterschlagungen und der Neuordnung der Verbandsfinanzen und deren Verwaltung. Daß durch die Borfommnisse das Vertrauen in die Verbandskitung felbst nicht gestört worden ist, zeigt die erfolgt wiederwahl des Borstandes. Hinsichtlich der Berantwortlichkeit für die Verbandsfinanzen wurde eine Wenderung insofern vorgenommen, als nicht mehr wie bisher der Berbandsfaffierer allein ver antwortlich ist, sondern die Verantwortung auf den gam zen Borstand ausgedehnt wurde. Der Kassenführer.lbst ist zur täglichen Abrechnung mit dem Vorstand verpflichtet. Außerdem wurde ein Kontrolleur bestellt, der mindestens dreimal monatlich und ohne dies vorher anzuzeigen die Raffengeschäfte fontrollieren muß. Der französisch- belgische Arbeitsvertrag. unterzeichnet, und zwar auf fronzöfifcher Seit durch Arbeitsminister Heute wird in Brüssel der französisch- belgische Arbeitsvertrag Godard und den französischen Botschafter in Brüffel, Bette, und auf belgischer Seite durch Außenminister Hymans und den Industries und Arbeitsminister Tschoffen. Der Bertrag regelt in der Hauptfache die Arbeitsbedingungen der französischen Arreich. bei er in Belgien und der belgischen Arbeiter in Frant. Achtstundentag bei den französischen Eisenbahnen. Paris, 24. Dezember.( Eigener Drahtberich.) Der Oberste Eisenbahnrat versammelte sich am Dienstag, um über einen Ent. wurf zu beraten, durch den die Einführung des Achtstundentages bei den französischen Eisenbahnen geregelt werden foll Der von einem Sonderausschuß ausgearbeitete Entwurf wurde angenommen. Die Bergarbeiter im Saargebiet haben das Tarifab. om men mit der Regierungskommission zum 15. Januar ge fündigt. Deutscher Werkmeister.Bertand. Die Geschäftsftelle des Bezirks X bleibt ber Beihnachtsfeiertage wegen bis zum Montag, den 29. Dez. vorm. 8%, Uhr gesch'offen. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: 3. Steinez: Gewerffchaftsbewegung: Friedr. Egforn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68, Sindenstrake S. Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret Weit billiger als im Laden Trauringe direkt ab Fabrik an Private. Massiv gold. Ring 900 gestempelt 5.00 M. 585 gestemp. Ring. 33 3.75 2.00 " SCHNEIDER& SOHN Französische Straße 15, II, an der Friedrichstraße Sonntags geöffnet! Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem billig! Parteisekretär gesucht Beim Sozialdemokratijchen Ditsverein Hannover ist die Stelle eines 2. Selretars für Organisation und Agitation jofort zu belegen. 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Aljenstr. 6. Rotteftr 175, v. I. Wilbau- Soherlenme: Rub. Bettom. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Schulze. Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 31. Wilmersdorf I: Buhle Lubwig- Rirm- Blak 9. Gift. IV. Wilmersdorf: Schubert Wilhelmsaue 27. Sof I. Rewawes: Raci zohnbera etfenbahnstr. 16. Oranienburg: Sei nr. 2oenhardt. Stralsunder Str. 6 Weißensee Rentne Oberschöneweibe: Robert Baul Mathildenftr. 8. Baslow: Rikmann Sahlenfte. 70. Rahnsbert: Teichert. Forftstr. 7. Reinidenbert- Oh Schönbola: albert Bable Araks 5 Pahen' Reinidenbart Best: Bendt. Scharnweberftr. 114. Bolts. Wilmersdorf II: 8 immer. Auguftaftr. 34. Sof part haus Rosenthe Rar Dehmel Schillerstr. 13. Raben: Otto Raifer Waltersdorfer Chauffee. Rübersbort, Ralfberge. Tasdorf: bolt Goette Salfberge. Rhedenftrakt 15. Sabona, Raulsdorf- Sub, Maßlsborf- Gab: Raulsdorf- Güb. Balbftr. 66. Breite Str. suchtenberg i, Stummelsburg, stroke Sigtenberg. Ser. Samargenbor] 11: Sanusi, bagavez Sta, 2 Goneberg: Belgiger Str. 27. Sexfte. 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