Nr.607 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 309 Bezugspreis: öchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 3,-Goldmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat Der..Borwärts" mit der Gonntags beilage..Boll und Reit" mit..Gied. lung und Rleingarten fowie der Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin. Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Rondareille geile 0.70 Goldmart. Reflamezeile 1. Goldmart.., Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 0.20 Goldmart( auläfig zwei fettgedruckte Worte). iedes meitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0.10 Goldmart jedes weitere Wort 0.05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart. ein Dollar geteilt durch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden ftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tonhoff 292–295 Verlag: Dönbos 2506-2507 Der Glaube an das Kind. Ethische Grundlagen des Dualismus. Wissen erklärt das Wunder als Naturgeschehen, aber Erleben wandelt das Naturgeschehen zum Wunder. Unabhängig von Zeit und Stand bleibt die Menschwerdung des Menschen größtes Erlebnis, Mutterschaft das höchste Mysterium, Freude am Kinde das reinste Glück. Darum glänzt heute der Weihnachtsbaum auch dort, wohin der Klang der Kirchenglocke nicht mehr tönt. Durch die Welt geht eine starte Sehnsucht nach Verinnerlichung. Neben dem Berstand fordert das Gefühl fein Recht. Die Ereignisse der letzten zehn Jahre haben alle Tiefen der Seele aufgewühlt, alle Schematismen des Dentens gesprengt. Klüfte sind aufgerissen worden zwischen den Völfern und in den Völkern, die Erde füllte sich mit den Leibern der Gefallenen, und noch aus den Gräbern schoß neuer Haß empor. Inmitten all dieses Grauens, dieser Berirrung, dieses leiblichen und seelischen Elends wuchs wie die Blume zwischen Den Schüzengräben, der Menschheit ewiges Wunder: das Kind. Throne stürzten, Reiche zerfielen, aber unberührt von diesem Wandel blieben die alten Mächte des Glaubens, des Gemüts, der tausendjährigen Gebräuche, unberührt blieb das Weihnachtsfest, das Fest des Kindes und der Kinder. Fest der Liebe? Ja! Aber die Liebe hat sich atomisiert, sie verkriecht sich zwischen Wände, die zusammenschließen, doch auch Welten, voneinander scheiden. Gibt es eine Brücke des Berstehens? Jener reiche Mann hat sich ein stattliches Haus gebaut, es mit kostbarem Hausrat eingerichtet. Seine Speisekammern sind reich gefüllt, sein Taniguthaben weist beruhigende Ziffern auf er hat für die Seinen gesorgt und kann in Wohlbehagen und Wohlhaben heit Weihnachten feiern. Was hat er getan? Er ist dem Nest bautrieb gefolgt, der schon dem Tier innewohnt. Er hat- sofern er fofern er nicht zu jenen Sumpfblüten des Nachkriegs gehört, die durch finnlose Verschwendung und tolles Genußleben den Haß der Notleidenden und die Berachtung der Anständigen herausfordern doch nur menschlich gehandelt. Er hat seinen Kindern eine Festung gegen die Not gebaut. Wer hilft ihnen, wenn nicht er ihnen hilft? Der Staat? Die Gefellschaft? Doch wie wenigen ist es gegönnt, dieses Ziel zu erreichen, das jedem erstrebenswert erschien! Die erdrückende Masse der Bäter fämpft mit der Not, um ihren Kindern nichts als den Kampfmut der Not zu hinterlassen. Ein paar Pfennige Lohnerhöhung sind nur ein winziger Schritt auf dem Wege, den der andere mit Siebenmeilenstiefeln zurückgelegt hat. Aber um was es dem anderen geht, darum geht es auch ihnen: um die Kinder! Würde jeder Unternehmer, der mit seinen Arbeitern verhandelt, sich dessen bewußt sein, daß Bäter und Mütter vor ihm stehen, würden die verantwortlichen Lenker des Staates sich ftets vor Augen halten, daß der Kampf um die Berbesserung der sozialen Verhältnisse ein Kampf von Bätern und Müttern für ihre Kinder ist, dann wären wohl noch lange nicht alle sozialen Probleme mit einem Schlage gelöst, aber es wäre damit doch ein Feind der Menschheit geschlagen, der neben der nationalistischen Verhegung das größte Unheil schafft: die soziale Verständnis Iosigkeit. Der mohlhabende Mann gibt seinen Kindern alles mit, was sie für ihren Lebensweg brauchen: Bermögen, Bildung und Erziehung. Was kann der arme Mann ihnen geben? Er bemüht sich, nicht immer mit Erfolg, ihnen eine ausreichende Ernährung zu verschaffen, faum den Kinderschuhen entwachsen, sind sie in das Erwerbsleben hinausgestoßen. Was fann er ihnen also hinterlassen, wenn nicht einen besseren Staat, verbesserte soziale Einrich fungen und Lebensverhältnisse? Donnerstag, den 25. Dezember 1924 dann wird er begreifen, daß der Sozialismus einem idealisti schen Ethos entspringt, das dem eines echten Christentums zunächst liegt. Bo wäre tieferes Verständnis für den Sinn der Weihnachtslegende als dort, wo die alte Mär von dem Kinde, das in Not geboren wurde, immer wieder aufs neue erlebt wird? Not schafft den Sinn zur Gemeinschaft. Nur der vom Glüd Begünstigte tann seine Pflicht am Kinde individuell erfüllen, für die Masse gibt es feinen Weg als den sozialen. und darum kämpfen der Mann und die Frau aus der Masse, die zu sozialistischem Denten erwacht sind, nicht nur für ihre eigenen Kinder, sondern für die Kinder aller, für das Kind schlechthin und damit für das Leben der Nation. Für ihr Leben, nicht für ihre Selbstvernichtung! Kann man noch verstehen, daß vor zehn Jahren in Desterreich ein Redakteur zum Tode verurteilt wurde, weil er eine Uebersehung des schönen englischen Gedichts, das mit den Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellichaft. Depofitenfase Lindenstraße 3 Borten beginnt: Ich habe meinen Sohn nicht geboren, damit er Soldat werde", abgedruckt hatte? Wer erträgt den Gedanken, daß die männliche Generation, die heute aus den Wiegen aufblüht, einst in vergifteten Erblöchern und an den Stacheln der Drahtverhaue ihr Ende finden soll, daß die fleinen Mädchen einst als Frauen all das Unnennbare ertragen sollen, was ihre Mütter ertragen haben? Für die Kinder arbeiten, das heißt vor allem auch für den Frieden arbeiten! Werden wir uns dessen bewußt, daß in diesem Kampf für den Frieden und für eine Regelung der Wirtschaftsverhältnisse, die alle Tragödien des Kinderelends aus der Welt verbannt, die stärksten sittlichen Kräfte unserer Berbündeten sind! Sozialismus ift Glaube an das Kind, Wille zur Erlösung, werftätige Liebe zum kommenden Geschlecht. Und so ist wohlverstandene Arbeit für den Sozialismus auch ein Stück Weihnacht am Werktag! Verzögerte Räumung Kölns. Herriot über deutsche Entwaffnungsverstöße. Paris, 24. Dezember.( WTB.) Nach Beendigung des| fich wahrscheinlich auch deutsche hter finden, um zu be Ministerrats ist der Preffe heute vormittag am Quai d'Orsay folgende Mitteilung gemacht worden: Ministerpräsident Herriot hat im Laufe der Sigung seinen Kollegen von der Note Kenntnis gegeben, die er am 22. Dezember über die Aufrechterhaltung der Befehung der Kölner Zone von der englischen Regierung erhalten hat. Er hat seinen Kollegen den 3nhalt eines memorandums mitgeteilt, in dem die franzöfifche Regierung feststellt, daß die aus Deutschland erhaltenen Nachrichten schon jetzt genügen, um zu beweisen, daß es nach dem Friedens. vertrag von Bersailles unmöglich sei, die Räumung am 10. Januar vorzunehmen. Der Inhalt dieses Memorandums ist von den Ministern gebilligt worden. Uebrigens, so habe Herriot mitgeteilt, könnten die von der interallierten Militärtontrollkommission neu entdeckten verheimlichten Waffenlager nur die Gründe für die von der franzöfifchen Regierung vertretenen These verstärken. Die Berhandlungen der Alliierten über diese Fragen würden im größten Einvernehmen fortgefeht werden. * Eine höchst unerfreuliche Weihnachtsbot= schaft, deren Bitterfeit nur dadurch etwas gemildert wird, daß sie nicht allzu überraschend kommt! Nach allen Meldungen, die in den letzten Wochen aus Paris und vor allem aus London über die Nichträumung der Kölner Zone an dem durch den Versailler Vertrag festgesetzten Termin des 10. Ja nuar 1925 eingetroffen waren, ist ein jeder auf die obige offiziöse französische Ertlärung mehr oder weniger vorbereitet gewesen. Wir haben unsere Auffaffung zu dieser Frage bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht. So sehr Deutschland nach dem Versailler Vertrag berechtigt ist, die Räumung der Kölner Zone am 10. Januar zu verlangen, so wenig war eine ftritte Einhaltung dieses Termins praktisch durchführbar, seitdem auf der Londoner Konferenz einer Besetzung des Ruhrgebiets bis eventl. zum 15. August zugestimmt werden mußte. Eine attive, von deutschnationalen Einflüssen freie auswärtige Politik hätte die Aufgabe gehabt, durch rechtzeitige Ver= handlungen mit den Alliierten eine freiwillige Kompromißlösung herbeizuführen, die zwar für die Kölner 3one ein Opfer, aber für das Ruhrgebiet einen Vorteil bedeutet hätte. Dies ist unterlassen worden und dafür trägt der Außenminister Dr. Stresemann vor dem deutschen Volte die Hauptverantwortung. Er ist es gewesen, der mit unverständlichen außenpolitischen Argumenten gegen die Fest fegung eines früheren Wahltermins opponiert hatte und, anstatt eines vierwöchigen Wahlkampfes, einen siebenwöchigen Wahlkampf verursachte. In diesen sieben Wochen ruhte die deutsche auswärtige Politik vollständig, einmal weil fämtliche Kabinettsmitglieder, allen voran Stresemann, freuz und quer durch Deutschland reisten, um ihre Agitationsreden zu halten, aber vor allem, weil man es nicht magte, durch eine wichtige Dessen sollen sich die anderen bewußt werden, aber auch außenpolitische Aktion der fünftigen deutschen Regierung vor- mit noch größerer Kraft als biher sie selbst! zugreifen. Besonders der deutsche Außenminister, der sich seit Unsere Gegner schelten unsere Lebensauffaffung der Londoner Konferenz den nationalistischen Bürgerblock| materialistisch, wir wissen, wie ungerecht dieser Vor- in den Kopf gesetzt hatte, und zur Erreichung dieses wurf ist. Er ist nichts als eine lebersetzung des alten unmög- Bieles eine Regierungsfrise nach der anderen provozierte lich gewordenen Schlagwortes von der ,, begehrlichen Masse" er ist noch heute und mehr denn je dabei fonnte unmöglich ins Philosophische, ein Sichverstecken der Berleumdung hinter den Mut zu einer Initiative aufbringen, die seine deutschgelehrten Ausdrücken. Ist es nicht geradezu ein Hohn, denen, nationalen Busenfreunde zweifellos zum Vorwand einer wüsten die am Nötigsten Mangel leiden, Ueberschäzung des Hege gegen alle anderen Parteien genommen hätten. Wie Materiellen, der irdischen Glücksgüter vorzuwerfen? start die Begriffsverwirrung dank einer mehrjährigen natioThr ganzer Materialismus" beschränkt sich auf die Erkennt nalistischen Propaganda um sich gegriffen hat, das hat erst nis, daß der Mensch effen muß, um leben zu können, und es neuerdings das Magdeburger Urteil bewiesen: Ein deutscher ist nicht ihre Schuld, daß ihnen diese leidige Erkenntnis allzu- Staatsmann, der den Mut gehabt hätte, eine schnellere Ruhroft peinlich nahegebracht wird! Räumungsfrist für die Kölner Zone zu erkaufen, hätte sich räumung um den Preis einer freiwilligen Verlängerung der zweifellos dem Vorwurf des Landesverrates" in der gesamten deutschnationalen, deutschvölkischen und vielleicht fogar deutsch- volksparteilichen Presse ausgefegt und es würden Und so ist auch der Kampf um den besseren Staat, nicht nur der Kampf um den besseren Lohn, ein Kampf, den Bäter und Mütter für ihre Kinder führen. Möge der Herr Pfarrer, der gegen den Materialismus der Sozialdemokratie eifert, einmal nachlesen, was der Bater Der materialistischen Geschichtsauffassung", Karl Marg, über Die Kinderhölle des englischen Frühfapitalismus schreibt, stätigen, daß er ein, Landesverri ift! Infolge dieser Unterlassungsjunde ist das Problem der Räumung von Köln immer mehr von dem Gebiet der praktischen Verständigungspolitif auf das Gebiet der formal- juristischen Tüfteleien hinübergerutscht. Je mehr Deutschland auf den Termin des 10. Januar pochte, desto mehr schoben die Alliierten die Frage der Entwaffnung Deutschlands und den Schlußbericht der Militärkontrollfommission in den Vordergrund. Der Artikel 429 des Friedensvertrages, der die einzelnen Räumungstermine festsetzt, enthält eine scheußliche, tautschukartige Bestimmung, die einem übelwollenden Gegner den formal- juristischen Vormand liefern kann, die Näumungstermine hinauszuschieben. Es heißt nämlich darin: Werden die Bedingungen des gegenwärtigen Bertrages von Deutschland pünktlich erfüllt, so wird die im Art. 428 vorgesehene Besetzung nach und nach wie folgt eingeschränkt: 1. Nach Ablauf von fünf Jahren werden geräumt: der Brüdentopf von Köln und die Gebiete nördlich einer Linie, die usw." eine Befreiungspolitif ist, mußte in erster Linie sein, Das Ziel der Erfüllungspolitik, die in Wirklichkeit nur die Räumung der einzelnen Zonen zu erlangen und deshalb mußte nicht nur der Friedensvertrag bis zur Grenze des Möglichen erfüllt werden, sondern es mußte überhaupt die ganze deutsche auswärtige Politik auf den Grundsatz der Entspannung und Berständigung eingestellt werden und nicht auf das Prinzip des buchstabenmäßigen Rechts, auf dem mir ja, so wie die Machtverhältnisse nun einmal liegen, fast immer den Kürzeren ziehen müßten. Eine solche Bolitik der Berständigung war seit dem Sturz Poincarés möglich und sie ist es heute noch, obwohl allerdings der Sturz Macdonalds und seine Ersehung durch eine fonservative Regierung den Kontakt zwischen Deutschland und der Entente nicht unwesentlich erschwert hat. Es ist in der Tat in letzter Zeit immer deutlicher geworden, daß die außenpolitische Lage Deutschlands durch den Regierungswechsel in England eine Bera schlechterung erfahren hat, die besonders in der Haltung des britischen Kabinetts zu dieser Frage der Räumung Kölns in Erscheinung tritt. Der Sieg der Konservativen bei den Unterhauswahlen ist von den Deutschnationalen aus innerpolitischen Gründen begrüßt, wenn nicht gar bejubelt worden. Der zweite Kandidat auf der deutschnationalen Reichsliste hat seine Freude über den Wahlsieg Baldwins, Curzons und Churchills offen ausgesprochen und damit begründet, daß man nunmehr nicht länger würde behaupten fönnen, durch Europa gehe ein Zug nach links. Das beweist nur, daß man den Namen Bismard tragen und zugleich ein politischer Analphabet sein kann. In der englischen auswärtigen Politik ist in letzter Zeit, und zwar seit dem Regierungswechsel ein regelrechter Umschmung eingetreten. England braucht freie Hand in Kleinasien und Aegypten, eventuell auch gegen Sowjetrußland und es will sich diese Aktionsfreiheit nicht nur dadurch erkaufen, daß es Frankreich Konzessionen am Rhein macht, sondern sogar dadurch, daß es bis zu einem gewissen Grade Frankreich gegen Deutschland aufreizt. Im Gegenfatz zu Poincaré ist Herriot, der seine ganze Politik auf die Verständigung mit Deutschland aufgebaut hat, auf besondere Ronzessionen am Rhein gar nicht erpicht. Deshalb ist Chamberlain allmählich dazu übergegangen, die Rolle des Scharfmachers, namentlich in der Entwaffnungsfrage, zu spielen und damit wird Herriot schon aus innerpolitischen Gründen und ihm gar nicht liegt. gegen feinen eigenen Willen in eine Stellung gedrängt, die Deutschland so unerfreulichen Wendung der Dinge um die Es ist jedenfalls unbestreitbar, daß in der ganzen für Räumungsfrage England die treibende Rraft ge Desen ist. Von London tamen die ersten offiziösen Pressestimmen, die die Unmöglichkeit der Räumung am 10. Januar betonten; Lord Curzon war es, der als erster offiziell die Nichträumung bestätigte und das Stichwort der deutschen Obstruktion gegenüber der interalliierten Militärkontrolle aus gab; endlich wie man erst jetzt durch die obige Meldung er fährt, ist es eine englische Note an die französische Regierung gewesen, die den Anlaß des gestern in Paris beschlossenen Memorandums geboten hat. Die französische Regierung dagegen sowie die ihr nahestehenden Blätter haben sich bis zuletzt in dieser Frage auffallend zurückgehalten und die gestrige Erklärung Herriots ist die erste offizielle Kundgebung von französischer Seite, aus der die Absicht der Nichträumung am 10. Januar deutlich hervorgeht. Allerdings haben auch die Pariser Blätter, besonders soweit sie der Regierung Herriot feindlich gegenüberstehen, in den letzten Wochen an Alarmnachrichten über deutsche Verstöße gegen die Entwaffnungsbedingungen nicht fehlen lassen. Diese Meldungen stammten vor allem von den Berliner Korrefpondenten dieser Blätter und beruhten offenbar auf direkten Mitteilungen der Interalliierten Militärkontrollkommission. An präzisen Anschuldigungen hat es allerdings bisher gefehlt. Die Erklärung Herriots übernimmt nun offiziell diese Version der deutschen Verfehlungen, enthält sich jedoch gleichfalls, bis auf eine nicht sehr flare Wendung über ,, neuentdeckte geheime Waffenlager" jeglicher fonkreten Angaben. In einem der soeben erwähnten Alarmtelegramme der Bariser Presse hatte der Berliner Berichterstatter des Echo de Paris" erklärt, das deutsche Volt wisse von alledem nichts und werde von seinen Regierenden wie im Weltfriege irregeführt. Wir können nur bestätigen, daß sich das deutsche Bolf in der eigentümlichen Lage befindet, daß gegen eine Regierung resp. gegen offizielle Organe der Regierung, insbefondere gegen die Reichswehr, Beschuldigungen erhoben werden, deren Richtigkeit es nicht nachprüfen kann, weil sie von der Entente nicht spezifiziert werden und weil von deutscher Seite dazu nicht Stellung genommen wird. Und doch hat das deutsche Volf ein gebieterisches Demgegenüber müssen wir Sozialdemokraten, die wir uns stets nicht nur gegen den Irrfinn des Revanchefrieges, sondern auch gegen die ausschließlich inner politischen Zwede aller militaristischen Spielereien gewandt haben, die in dem Bericht der JAMK. an die Botschafterkonferenz offenbar eine Rolle spielen, mit aller Deutlichkeit feststellen: Deutsch land hat im wesentlichen den Abrüstungsbe bingungen entsprochen, es ist auf Jahrzehnte hinaus unfähig einen Krieg zu führen, es bildet für den europäischen Frieden nur noch eine Gefahr eben durch diesen Entwaff nungszustand inmitten waffenflirrender Nachbarn- und es und es wäre daher eine Heuchelei, wollte man die Befehung der Kölner Zone auf Grund dieses Berichtes der JAMK. verlängern. Täte man das, dann würde man lediglich, wie in der Bergangenheit, Wasser auf die Mühlen der Nationalisten lenken und die moralische Abrüstung des deutschen Volkes erschweren. Innerpolitisch aber muß aus der ganzen Entwicklung, die die Frage der Räumung Kölns genommen hat, die Schlußfolgerung gezogen werden, daß eine auch nur indirekt von den Deutschnationalen abhängige auswärtige Politik die Befreiung der besetzten Gebiete erschwert und verzögert, und daß nur die republikanischen Parteien im Kampf gegen die Reaktion dieses Befreiungswert zu vollbringen imftande sind. Herriot berichtet dem Auswärtigen Ausschuß. für auswärtige Angelegenheiten ist heute mittag zu einer Sigung Paris, 24. Dezember.( WTB.) Der Rammerausschuß zufammengetreten, um eine Mitteilung des Ministerpräsidenten Herriot über die Generalinspektion in Deutschland, die die interalliierte Militärkontrollkommission durchgeführt hat, ent gegenzunehmen. Der Generalstabschef des Marschalls Foch, General De ft i der, hat heute dem Kabinett über die Frage der Entwaffnung Deutsch Icnds Bericht erstattet. Sozialisten und Gewerkschaften. Der Bürgerblock in Braunschweig. Die Regierung von Stahlhelms Gnaden. Braunschweig, 24. Dezember.( TU.) Nachden gestern das aus drei Sozialdemokraten und einem Demokraten bestehende Ministerium ( fleine Roalition) zurüdgetreten ist, wurde heute vom Rechtsblock ( Arbeitsgemeinschaft nationaler Parteien und Wirtschaftsgruppe) dem Landtage das neue Fachministerium präsentiert. Die Wahl erfolgte nit allen rechtsbürgerlichen Stimmen gegen die Stimmen der Sozial demokraten, Rommunisten und der Demokraten. Gewählt wurden Oberregierungsrat Marques( gierungsrat von Groone( Finanz) und Regierungsrat teff ( Justiz und Polizei.) $ 922 Erlaß und Stundung. Für Grundvermögens- und Gewerbesteuer. Einer gemeinsamen Verfügung des Preußischen Ministers des Innern und des Finanzministers entnimmt der Amtliche Preußische Breffedienst folgende Mitteilungen: dung und des Erlasses der staatlichen Grundvermögenssteuer auf Es besteht noch vielfach Untlarheit über die Wirkung der Stundie gemeindlichen Zuschläge. Nach der Rechtslage hat nur der Erlaß der staatlichen Grundvermögenssteuer auch den Erlaß der gemeindlichen Zuschläge zur Folge, während die Stundung der staatlichen Grunt vermögenssteuer feine Rückwirkung auf die gemeindlichen Zuschläge hat. Ebensowenig werden diese durch eine bei Aussichtslosigkeit der Einziehung erfol gende Niederschlagung der staatlichen Grundvermögenssteuer berührt. Grundvermögenssteuer trok weitestgehender Berücksichtigung ihrer eigenen Finanzlage in jedem einzelnen Falle genau zu prüfen, ob nicht im Intereffe des Seuerpflichtigen auch ihrerseits ein An. schluß an das staatliche Vorgehen geboten und unter und dann dementsprechend zu verfahren. Zugleich verweisen die Berücksichtigung der eigenen Finanzlage der Gemeinden möglich ist, Minister auf einen demnächst zur Beröffentlichung gelangenden ErEs ist aber Pflicht der Gemeinden, bei Stundung der staatlichen laß über Stundung und Erlaß der Grundvermögenssteuer bei Hochwasserschäden, indem sie hinzufügen, daß die Gemeinben auch gegenüber Anträgen von Gewerbetreibenden, die durch Hochwasser geschädigt sind, auf Stundung, Ermäßigung oder gegenfommen müssen. Eriaß Anrecht, zu wissen, woran es iſt. Wir stellen hiermit öffne lich die Anfrage sowohl an die Reichsregierung wie an die Beratungen der Arbeiter- Internationale. Er der Gewerbesteuer, so weit es ihnen möglich ist, werden entalliierten Renierungen: Was ist eigentlich vorge. fallen? Sind im Laufe der Generalinspektion irgendwelche wesentlichen Zwischenfälle vorgekommen, sind irgendwelche belangreichen Feststellungen von Berstößen gemacht worden? Auch die Reichsregierung muß es ja wissen, denn, wenn bei einem Kontrollbesuch eine unangenehme Entdeckung ge= macht worden ist, dann muß es doch darüber zu Auseinanderfegungen zwischen den Organen der JAMK. und den betreffenden deutschen Stellen gekommen sein. Wozu dann eine Ge heimhaltung auf deutscher Seite? Ist da nicht aus außenund innerpolitischen Gründen eine fofortige und offenherzige Mitteilung des des betreffenden Vorfalls das Richtigste? Würde es nicht für das deutsche Volt das Beste sein, wenn man öffentlich die Sanktionen befanntgäbe, die gegen solche untergeordneten Stellen ergriffen wurden? Oder ist es wieder einmal die Angst vor den Deutschnationalen, die das Auswärtige Amt davon abhält, dem deutschen Bolte flaren Wein einzuschänken? Die totale Begriffsverwirrung, von der mir vorhin Sprachen, hat dazu geführt, daß die Interalliierte Militärfontrollfommission und die Regierungen in London, Paris und Brüssel hundertmal beffer über den deutschen Entwaffnungszustand unterrichtet sind, nicht nur als die breiten Massen des deutschen Bolles, sondern zum Teil sogar als die hohen und höchsten Stellen des Reiches und der Länder. Der grobe Unfug der Landesverratsverfahren hat jede öffentliche Rritit etwaiger Mißstände unterdrückt und ganz naturgemäß das Mißtrauen der Alliierten verschärft, ohne daß übrigens- was bei der moralischen Berkommenheit und Käuf fichteit, die gerade im rechtsradikalen Lager herrschen, unver meidlich war, auch nur eine einzige wesentliche Tatsache der Riffion Nollet verborgen blieb. Der Stern von Bethlehem. In die grauen Straßen der Vorstadt, endlos hingeffredt, 3n verruchte Gaffen, vom Aussatz des Casters befledt, Ueber Spelunken, wo faumelnd das Elend in Branntwein ertrinkt, Ueber Spitäler, aus denen der Tod mit beinernem Finger In alle Schlünde der Armut, des Elends, der Qual Leuchtet mit filbernem Strahl Grüßend ein Stern.- winkt, Brünftig wartet die Erde der Ankunft des guten Herrn. Uralte Sagen fünden: Einft, wenn erfüllet ist die Zeit Und laut aus Blut und Sünden Die Menschheit um Erlösung schreit, Wird fich ein Stern entzünden. Ein Heiland kommt, der trägt das Leid, Und wird ein Reich begründen Des Friedens bis in Ewigkeit. Jst die Stunde erschienen, die uns die Sage verspricht? Siche, fröhliche Botschaft funkelt des Sternes Licht: Menschen, freut euch! In Dunkel und Armut verloren, Ja, er wird euch geboren! Er, von dem die Propheten fagen, Eure Sehnsucht feit uralten Tagen! Jede Mutter da unten, die schmerzgekrönt In den Nöten des Kreißens fich windet und stöhnt, Frauen mit dünnem Scheitel, die Hände zerriffen und hart, Mädchen, vom Sturme der Herzen verführt und genarrt, Alle die armen, gehehten, verachteten Mütter, fie geben Einem Heiland das Leben. Er wächst heran, gefreu der Offenbarung: Not heißt sein Lager, Hunger feine Nahrung, Bieltausendfach gemartert und geschlagen, Muß er die Laft der Weltenfünde tragen. Sich selber opfernd, muß von allem Bösen Er uns erlösen. Dann endlich steigt er fiegend auf den Thron: Der Menschensohn! Ueber den Schlünden der Armut, des Elends, der QualSeht ihr den jubelnden Strahl? Folgt, ihr Menschen alle, dem Weihnachtsffern! Jede Hütte ist Bethlehem. Feiert den neuen Herrn! Paul Mochmann. Die Kommunisten fordern Einberufung des Auswärtigen Ausschuffes. Im Auftrage der kommunistischen Mitglieder des Ausmärtigen Ausschusses hat der Reichstagsabgeordnete Stöder beim Ausschußvorsitzenden Abg. Hermann Müller( S03.) die fofortige Einberufung des Ausschusses verlangt, damit zur Handhabung der Amnestie im befehten Gebiet Stellung genommen werden tönne. Zur Begründung dieses Verlangens wird angeführt, daß der Art. 7 bes Londoner Bertrages eine allgemeine Amnestie im besetzten Gebiet vorfieht, die Justizbehörden jedoch nur die Separatisten freigelassen haben und sich weigern, die allgemeine Amnestie durchzuführen. Durch einen Beschluß des Auswärtigen Ausschusses foll nach dem Willen der Kommunisten diese Praxis der Justizbehörden geändert werden. Amsterdam, 24. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Unmittelbar nach Neujahr finden im Boltshaus zu Brüffel bedeutjame Beratungen der Londoner und der Amsterdamer Internationale ftaft. 2m 2., 3. und 4. Januar tagen zunächst die Bureaus und am 5. und 6. Januar die Sozialistischen Egefutivausschüsse der Arbeiter- Infernationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Neben der Erörterung organisatorischer Fragen sieht die umfangreiche Tagesordnung eine Aussprache über das Verhältnis der Londoner und ordnung eine Aussprache über das Verhältnis der Londoner und der Amsterdamer Internationale zur außereuropäischen Arbeiterder Amsterdamer Internationale zur außereuropäischen Arbeiterbewegung vor, wobei voraussichtlich die Erörterung des faffischen Berhaltens gegenüber der Kommunistischen Jnter. Ein neuer Einspruch gegen die Reichstagswahl. Die Deutschnationale und des russischen Problems überhaupt einen breiten soziale Partei, Landesverband Eachfen, erhebt Einspruch Raum einnehmen wird. Darüber hinaus soll die allgemeine gegen die Wahl der Abgeordneten zum Deutschen Reid tag vom politische Lage und vor allem auch das Problem des Acht- 7. Dezember. Zur Begründung des Einspruchs führt die Bartei diestundentages erörtert werden. Hierbei wird vermutlich be- felben Gründe an, die von der Aufwertungspartei bereits porgefonders Stellung genommen zu den Folgen, die aus der Durch- bracht worden sind. Vor allem protestiert sie dagegen, daß die führung des Dames- planes für die internationale Arbeit. Reichsregierung furz vor der Wahl die Wähler aufgefordert hat, nehmerschaft fich ergeben können, und zu dem Ergebnis der Be- feinen Kandidaten der extremen Parteien“ und der„ Splitterratungen der deutsch- französisch- belgischen Großindustriellen- Ver- parteien" zu wählen. handlungen zur Bildung eines internationalen Eisen- und Stahltrusts. Das Ergebnis dieser Beratungen wird vorausfichtlich in einer Entschließung niedergelegt werden, in der das kon troll- und Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer der in Frage kommenden Länder an den internationalen Industrietruffs dargelegt und gefordert wird. Besprochen sollen ferner werden die Garantieverträge und die Frage der allgemeinen Abrüstung. Schließlich liegt dieser Beratung die Borbereitung für den Internationalen Kongreß ob, der nach den Beschlüssen des Hamburger Kongresses im Jahre 1925 stattfinden wird. Nummer 26. Bon Peter Scher. Das war damals, als ich noch einen geschorenen Schädel hatte und als Sträfling Nummer 26" hieß. Ich beschäftigte mich damit, aus Rohrstreifen 3öpfe zu flechten, die von anderen Sträflingen zu Matten verarbeitet wurden. Dabei ging einem mancherlei durch den Kopf. Wiel Zerstreuungsmöglichkeiten gab es für unsereinen nicht. Bis zum Herbst hatte ich noch meine Fliegen gehabt, die ich abends fing und in den Wandfchrant tat, um sie morgens wieder freizulassen. Die waren nun dahin, aber der zinnerne Spudnapf blieb mir doch. Diesen mit einem Lappen so blank zu reiben, daß er spiegelte und das Wohlgefallen des Inspektors erregte, war schließlich auch ein Zeitvertreib, der be. scheidenen fünstlerischen Ansprüchen genügen fonnte. An Sonntagen durfte ich außerdem in einem Jahrgang der Zeitschrift Quellwasser fürs chriftliche Haus" schöne Romane lefen und so ging es ganz gut. Aber hin und wieder hatte man doch Verlangen nach etwas anderem. Als die Weihnachtszeit heran fam, wurde dieses unbestimmte Berlangen immer rebellischer. Kaum daß ich dem Spudnapf noch eine flüchtige Aufmerksamkeit widmete, und was das Quellwaffer betrifft, so tam es vor, daß ich manchen Sonntag in unchristlicher Hochmut den Band beiseite warf und, statt friedliche Romane zu lesen, mit auf dem Rüden verschränkten Armen in der Zelle auf und ab ging breitaufendmal hin und dreitausendmal zurüd. Es schien mir unmöglich, daß sich zu Weihnachten nichts Besonderes ereignen sollte. Ich grübelte beim Hin- und Herlaufen über ben unwahrscheinlichsten Möglichkeiten. Meine Phantasie erhigte fich. Es schwebte mir vor, ich würde vielleicht eine Brotzulage be tommen, am Ende eine Zigarre oder nein, das ging zu weit eine Flasche Dünnbier. Bielleicht würden am Weihnachtsabend plötz lich die eisernen Riegel zurüdfliegen; der Herr Paftor mit seiner wohlriechenden Knafterpfeife, deren Geruch ihn immer umwob, wenn er fich einmal in der Belle sehen ließ der Herr Pastor würde hereintreten und mir mit einem freundlichen Wort ein Buch überreichen, etwa Goethes Westöstlichen Diwan:„ Na, Nummer 26 weil Chrift erstanden ist! Genießen Sie zur Abwechselung mal ein anderes Quellwasser." Oder da ich von Verwandten und Freunden einen Besuch nicht zu erwarten hatte irgendein Mensch, der wüßte, daß ich hier fize und Böpfe flechte, Monat für Monat irgendein fremder Mensch würde seinen Besuch anmelden. Ich würde in meinem Sträffings tittel mit meinem geschorenen Kopf vom Aufseher hinuntergeführt werden in die Besuchszelle. Der Fremde würde, auf der anderen Seite des bis zur Dede reichenden engmaschigen Drahtgitters stehend, einen dünnen Bleistift hervorziehen, ihn vom diskret megblickenden Auf eher unbemerkt durch eine Masche stecken und mir so auf einem Ummege die Hand reichend, die Stimme eines Menschen an mein Ohr dringen lassen: Nur Geduld! Es nimmt alles ein Ende! Das Leben acht weiter! Solche Sachen phantasierte ich mir zusammen. Und über dem 3öpfeflechten und Spudnapfreiben tam wirklich das Weihnachtsfeft heran. Am heiligen Abend wurden mir ein Eimer voll Wasser und ein Das Verfahren gegen Freytagh- Coringhoven eingestellt. Das Berfahren gegen Profeffor von Frentagh- Loringhoven ist eingestellt worden, da ein Vergehen gegen das Gefez zum Schuße der Republik Freytagh- Loringhoven die ihm zugeschrieber en beleidigenden Aeuße nicht vorliegt. Es hat sich nachträglich herausgestellt, daß Professor rungen gegen den Reichsaußenminister Stresemann nicht gemacht hat. Form der Meldung entgegen, daß Hitler eine Wiederaufnahme Hitler dementiert. Der„ Bölfische Kurier trift in der schärfsten feines Brozesses anstrebe. Das Blatt erklärt, daß sich Hitler nicht in einen neuen Prozeß hineinheßen lassen würde, der sich vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig abspielen würde. Scheuerlappen hereingereicht. Ich scheuerte die Zelle mit großer Behemenz. Den Spudnapf ließ ich erglänzen, daß es den Augen weh tat, ihn zu sehen. Meinen Holzspan, den ich statt einer Zigarre im Mund zu halten mich gewöhnt hatte und den ich sonst versteden mußte, weil Frivolitäten verboten waren, legte ich fühn und offen auf den Tisch. Und dann setzte ich mich auf den Schemel, fah lange die weiße Ralfwand an, auf der im Schein der fleinen Delfunzel der Schatten meines geschorenen Schädels, wenn auch nicht schön, fo doch wohlvertraut, hervortrat, und wartete auf das Wunderbare. Am Abend wurden, wie immer, die Riegel zurückgeschoben, wie immer wunde eine Kelle voll Brotsuppe in meinen Napf geschwappt, wie immer flogen die Riegel wieder vor und drehte sich der Schlüssel. Ich löffelte nachdenklich meine Suppe und dachte: Das Wunderbare tommt wohl morgen. Die Aussicht stimmte mich übermütig. Ich betrachtete eingehend den Spudnapf, fand ihn fünstlerisch vollendet und rauchte aus Zufriedenheit über diese Leistung einige Züge auf meinem Holzspan. Als die Glode den Befehl: Zu Bett! tutete, legte ich mich auf die Britsche, faltete die Hände über der Brust und schlief mit dem Gedanfe: Morgen! glücklich ein. Am ersten Feiertag wurden wir in die Kirche geführt. Jeder Sträfling faß in einem abgeschlossenen hölzernen Raften für sich, so daß feiner den anderen sehen, sondern nur seine Stimme beim Singen hören konnte. Als das Weihnachtslied zu Ende gefungen war, richtete ich in meinem Rasten den Blick neugierig nach vorn. Rechts und links auf der Empore stand je ein Aufseher mit dem Revolver im Gürtel. Zwischen ihnen, auf der Renzel, Priete unser Herr Paftor. Er hielt die Hände um fein Buch und den schönen viereigen Bollbart gefaltet der auf einmal, so zusammengefaßt, einen neuen intereffanden Anblick gewährte. Es war früh am Morgen. Die Kerzen brannten und in ihrem milden Schein blinkten die Aufsehergürtelschnallen, neben denen die Revolver hingen, mit dem messingnen Glanz des Chriftus am Kruzifig um die Wette. Mir wurde warm ums Herz. Mittlerweile öffnete unfer Herr Pastor seine gefalteten Hände, und fein Bollbart breitete sich strahlend wieder aus. Aus der Mitte des Bartes erflang eine etwas fvige Stimme und redete zu uns Sträffingen von unserer großen Verworfenheit und der Gnade des Herrn, deren der wahrhaft Berfnirschte teilhaftig werden fönne. Er redete so eine halbe Stunde lang, und wir hörten andächtig zu. Es leuchtete uns ein, daß wir verworfen waren; aber mir mürben es doch gern gesehen haben, wenn der Herr Pastor an diesem Tage einmal etwas anderes erzählt hätte. Doch das mußte wohl so sein und dagegen ließe sich nichts machen am wenigsten wenn man in einem Roften faß und schweigen mußte. Ich lah nur immer wieder und fühlte daß alle um mich das gleiche taten bald nach den Aufsehern mit den Revolvern, bald nach dem Chriftus am Kreuz, bald nach dem auf und nieder wogenden Bollbart. Und ich dachte ergriffen: Wenn es nachher Rindfleisch mit Klößen gäbe! Da ereignete fich als unfer Herr Pastor allmählich die Absicht erkennen ließ, zum Schluß zu fommen, ein merkwürdiger Vorfall. Aus einem der Kästen, gegen die Mitte des Raumes zu, erflang Die Kundgebung des Kabinetts. Die Deutschnationalen auf dem Jfolierschemel. " Als die sämtlichen in Berlin anwesenden Reichsminister unter Führung des Herrn Jarres beim Reichspräsidenten er fchienen, um, ohne das Magdeburger Urteil zu erwähnen, den schärfsten Protest gegen diese Ausgeburt formalistischer Juristerei einzulegen, da war die deutschnationale Berleumderkumpanei einfach vor den Kopf geschlagen. Ihre Presse nimmt deshalb von dieser Kundgebung, die weittragende politische Bedeutung hat, nur zähnefnirschend Notiz, spricht mit gequältem Wih übereinstimmend von Beileidsbesuchen" und„ Trauerkundgebung" und sucht so die Leferschaft zunächst darüber hinwegzutäuschen, daß in diesem Augenblick die Deutschnationalen mit ihrer Heze gegen Ebert tatsächlich isoliert sind. Sie haben ihrer Freude über den " Sieg" der Buchstabenjuristerei allzu laut und aufdringlich fundgegeben, sie haben damit mehr verraten als ihnen eigentlich lieb ist. Sie geben allzu deutlich zu erkennen, messen Geschäfte durch die Sprig und Gobert, die Wriesberg und Henninger, die Wallraf und Kloth, die Richard Müller und Malzan betrieben werden sollten. Nun, da sie sich selbst entlarvt haben, stehen sie da und schreien, der Schritt des Kabinetts bedeute eine„ Einmischung in ein schwebendes Verfahren". An der Spize der Reichsregierung steht ein sehr betannter und sehr fachkundiger Jurist. Reichsfanzler Marg war, bevor er das Kanzleramt übernahm, lange Jahre Oberlandesgerichtsrat und zuletzt Senats präsident beim Rammergericht in Berlin. Seine juristische Eignung, über das Magdeburger Urteil ein Urteil zu fällen, wird nicht bestritten werden fönnen. Aber auch sonst sind in der Reichsregierung die Juristen nicht unvertreten. Wenn das Kabinett, das ganz sozialistenrein ist, nunmehr sich entschlossen hat, die gewiß ungewöhnliche Rundgebung an den Reichspräsidenten und für ihn zu erlassen, so bedeutet das in erster Linie eine Absage an die niederträchtige und verlogene Hezkampagne, die von den Deutschnationalen ohne Rücksicht auf die Intereffen des Reiches eingeleitet und weitergetrieben worden ist. Es bedeutet auf der anderen Seite aber auch ein vernichtendes Urteil über die Berufsrichter in Magdeburg, die ein„ Erkenntnis" wie das vom Dienstag in die Welt segten. Auch ohne, daß sie in der Erklärung des Kabinetts genannt wurden, haben sie non dem rein bürgerlichen Reichskabinett ihre Unzulänglichkeit attestiert erhalten. In der„ Germania" wird diese Bedeutung der Regierungsfundgebung besonders unterstrichen. Dort heißt es: Diese Rundgebung der Reichsregierung ist ein wichtiges politisches Ereignis. Sie wird von allen aufrichtig begrüßt merden, die Staatsraison und Staatsgesinnung über die Bedürfnisse fleinlicher Parteitaftit ftellen. Der Kampf, der gegen den Reichspräsidenten geführt worden ist, hat das Ansehen Deutsch lands auf das schwerste geschädigt und der Staats autorität Abbruch getan. Der Schritt der Reichsregierung macht diese Schäden nach Möglichkeit wieder gut und forrigiert, ohne das Magdeburger Urteil irgendwie zu berühren, das falsche Bild, das fich der unpolitische Bürger nach der Urteilsbegründung von dem Repräsentanten der Nation machen muß. Hier bescheinigen Männer, die Eberts Wirken unvoreingenommen und aus nächster Nähe beobachten können, dem Reichspräsidenten, daß seine Tätigkeit fets dem Wohle des deutschen Vaterlandes gegolfen hat". Die Minister, die alien bürgerlichen Parteien angehören( Barteifreunde Eberts find bekanntlich nicht daruriber), fonnten im Namen des gefamten vaterländisch gesinnten Deutschlands fprechen. Dieses Deutschland will nicht, daß die Autorität des Staates ge wiffenlos untergraben wird, es will um des Baterlandes willen nicht, daß aus engherzigften parteiegoifiifchen Gründen der Träger diefer Autorität in den Schmutz gezogen und in seiner Ehre beleidigt wird. Die Boss. 3tg." begleitet die Kundgebung des Reichs tabinetts mit diesen Worten: Der Kreis, aus dem hier der Zuruf Mingt, umfaßt im wahrsten Sinne des oft mißbrauchten Worts eine Boltsgemeinschaft. Eine Gemeinschaft, aus der sich der deutschnationale Grafl plöglich ein starker menschlicher Ton von solcher Verworfenheit, daß unser Herr Bastor einen Moment wie erstarrt in seiner Rede stockte und die Aufseher rechts und links von ihm wie auf Kommando mit den Köpfen herumfuhren. Durch alle Käften um mich her ging gleichzeitig ein stilles Rumoren wie von unterbrüdtem Lachen. Unser Herr Pastor brachte seine Rede schnell zum Abschluß. Eine starte Bewegung entstand, Aufseher eilten hin und her, Befehle murden gegeben, und dann mußten wir uns alle aufstellen. Eine große Untersuchung wurde eingeleitet; es gab Aufregungen über Aufregungen aber der Uebeltäter fonnte nicht ermittelt werden. Es war eine Schmach, daß so etwas passieren fonnte. Aber als ich nach dem Vorkommnis allein in Nummer 26 war und als es obendrein feststand, daß es weder Rindfleisch noch Klöße noch sonst etwas zum Feste geben würde, da empfand ich doch ein Gefühl der Freude, wie ich es lange nicht gefannt hatte. Denn wenn es auch am Ende nicht gerade das Wunderbare war wunderbar war es doch, daß unsereiner auch einmal etwas erleben durfte. Thomas Morus. Es find jetzt 400 Jahre, daß ein Buch erschien:„ Bon der wunderbarlichen Insel Utopia genannt, durch den wohlgeborenen hochgelehrten Herrn Thomas Morus Freiherrn und des durch lauchtigsten, großmächtigsten Rönigs von England Schahmeister, erstlich zu Batein gar fürzlich beschrieben und ausgelegt. In der löblichen Stadt Basel gedruckt durch Johannes Bebel. Jm 1524. Jahr." Der Titel dieses Werfes( Utopia wörtlich: Nirgendsheim) ging feitdem in den deutschen Sprachgebrauch über, und insbesondere seit Engels' bedeutender Schrift:" Die Entwidelung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft", bezeichnet man in der sozialistischen Bebantenwelt utopisch" alle politischen Bestrebungen, deren 3wedjehungen und Durchführbarkeit an der ehernen Wirklichkeit wirtschaftlich- fozialer Bedingungen scheitern müssen. Doch wäre es sehr verfehlt, in dem Verfasser der„ Utopia" lediglich den Urheber einer wurzellofen, fünstlerischen Staatsfonstruktion, einen Flüchtling in soziale Wunschträume zu sehen. Kautsky, der über Thomas More und seine Utopia" ein stattliches Buch geschrie ben hat. stellt den Mann, der als Staatsmann und Gelehrter gleich hervorragend war, der die höchste politische Stellung in seinem Vater= land erstieg, dessen Werte die Bewunderung seiner Zeitgenossen erregten, als eine überaus gewaltige Gestalt an die Schwelle des Sozialismus. Mit Recht, denn sei auch die Einkleidung, in der Morus feine Gedanken vorbringt, noch so phantastisch, der wahre Gehalt dieser Schrift ist ein durchaus nüchtern- politischer. Im Rahmen der Erzählung, dessen Held, ein Reisegenoffe Amerigo Vespuccis, auf die Insel Utopia tommt und dort einen kommunistischen Staat fennenlernt, wird eine radikale Kritik der gesellschaftlichen Zustände der Zeit gegeben. Gegen die individuelle Habaier und wirtschaftliche Anarchie, wider die Nichtstuer, unter seinen Landsleuten( er nennt sie furz: Drohnen) und gegen die PfaffenDespotie führt Morus die Waffen des tiefernsten Protestes, ebenso wie die des höhnischen Scherzes, im Namen der menschlichen Bernuft und sozialen Gerechtigkeit. | ausgerechnet in Von Rani fo wenig wie der gewiß nicht linksradikale Vizekanzler| Bürgerblock ein Echo gefunden Jarres ausgeschlossen haben. Alle diese Männer brauchten den Thüringen, dem Lande des„ Ordnungsblocks". Magdeburger Prozeß nicht als Juristen zu beurteilen. Ihnen genügt Jena aus wird folgende Kundgebung verbreitet: das Menschliche. Sie sehen auf die Absicht, die den Abgeordneten ,, Aufs neue feiert der Parteihader in Berlin Triumphe. Man Fritz Ebert im Januar 1918 feine Straße vorwärts geführt hat, auf stürzte ohne Grund das Volf in einen törichten Wahlkampf. die Sterne, an die er glaubte, und nicht auf die Bfüße, um ein machtlüsternen Parteiführern genchmes an der fein Weg vorbeiführte. Sie wissen, daß das Wort Landes Parlament zu schaffen. Nachdem das Volk sich erneut für eine verrat das Unreine bedeutet und daß Eberts Hände rein stabile nationale Regierung entschieden hat, ist man zu sind. Daher mußte der Impuls sie treiben, sich um ihn zu stellen fcig, die Konsequenzen zu ziehen. In einem Augenblick, in dem das als Kameraden seiner Arbeit, nicht vor ihn als Schüßer. Denn der vertragswidrige Verhalten der Entente eine feste Regierung drin mann, der in banger Stunde zu der Versammlung im Treptower gend erheischt, machen uns fleinlichste Parteiintrigen und die völlige Bark sprach, ist derfelbe Mann, der heute ruhig und sicher politische Unfähigkeit ihrer Urheber zum Gespött des Auslandes. auf seinem Bosten steht. Wer ihn aus der Nähe beobachten 3m Maren Bewußtsein des Ernstes der Lage erheben wir auf das darf, weiß, daß er feines Schützers bedarf. Trotzdem berührt diese schärfste gegen jede weitere Hinausschiebung der RegierungsRundgebung der Reichsminister außerordentlich sympathisch. Es ge- bildung Widerspruch. Die Geduld des Volkes ift erschöpft. Gelingt schieht nicht oft in Deutschland, daß man auch dem politischen es nicht, mit den geeigneten Möglichkeiten sofort Abhilfe zu schaffen, Gegner gegenüber als Gentlemen handelt. so steht die Frage zur Entscheidung, ob die Weimarer Ver. faffung geeignet ist, Deutschlands 3utunft sicher zu stellen. Die Regierungskrisis wird dann zur Staatsfrisis, deren Lösung feinerlei Aufschub mehr erduldet." Im Berliner Tageblatt" wird im Anschluß an die Be sprechung der Rundgebung der deutschnationalen Bresse gefagt,„ man müßte das Wort schamlos von allem Rost befreien, den eine zu starke Abnukung darüber gebreitet hat, um das Treiben gebührend zu fennzeichnen, mit dem diese Preffe ohne Rücksicht auf vaterländische Intereffen nach parteipolitischen Vorteilen hascht. Vielleicht wird sie etwas fleinlauter werden, wenn sie sich ihrer vollständigen Isolierung bewußt wird. Aber sie hat sich gänzlich bemastiert. Diese Tatsache, das einzige erfreuliche Moment an dieser miderwärtigen Heze dürfte auf die weitere politische Entwidlung, insbesondere auf die Regierungsbildung, nicht ohne Einfluß bleiben". Preußenregierung für den Reichspräsidenten. Wie der„ Amtliche Breußische Pressedienst" mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident Braun als Sprecher des preußischen Kabinetts am Mittwochnachmittag dem Herrn Reichspräsidenten die folgende Kundgebung der preußischen Regierung überbracht: Sehr verehrter Herr Reichspräsident! Die Preußische Staats. regierung hat das aufrichtige Bedürfnis, sich der Ihnen heute über. mittelten Erklärung der Reichsregierung anzuschließen und Sie ihrer unveränderlichen Hochschähung und ihres Vertrauens zu versichern." Ein Telegramm der Demokraten. folgendes Telegramm gerichtet: Die Demokratische Partei hat an den Reichspräsidenten Prozeß Ihnen zugefügt wurde, erfüllt uns wie alle Angehörigen der Die Unbill, die im Zusammenhang mit dem Magdeburger Deutschen Demokratischen Partei mit schmerzlicher Ent. rüstung. Wer Ihr Wirken verfolgt hat, weiß, daß Ihre vaterländische Gesinnung über alle Angriffe und Verdächti gungen erhaben ist. Die Geschichte wird erweisen, daß Sie zu benen gehören, die in Stunden schwerster Gefahr unter Einsetzung Thres Lebens und Ihres Ansehens dem Baterland die größten Dienste erwiesen haben." Revolution für den Bürgerblock! Professoren und Generäle als Revolutionäre. dem Bürgerblock. Je unsicherer seine Aussichten werden, um Gewiffen Leuten in Deutschland dauert es zu lange mit fo lauter schreien sie nach der Revolution für den Bürgerblod. außerparlamentarischen Boltsgroll der Rechten drohten und Das fing an mit jenen Artikeln im Tag", die erst mit dem dann nach dem großen Bruder von der Reichswehr schrien. Das Wesen der Revolution für den Bürgerblod, von der Spießbürger und Intereffenten träumen, besteht nämlich darin, daß sie andere machen follen. Die Efelei dieses Geschreis nach dem Staatsstreich war so groß, daß Herr Hugenberg fofort in einem anderen Blatt feines Verlages unter einer heftigen Rückzugstanonade von Beschimpfungen gegen die republikanische Preffe davon abrücken ließ. Nun hat das Geschrei nach dem Staatsstreich für den Geld, ohne Armut, Berbrechen und Hinrichtungen; ein Land mit 54 gleichmäßig angelegten Städterepubliken genau beschrieben. Bei fechsstündiger Arbeitszeit wird der Ader bebaut, und alljährlich fehren 20 Acerbauern, die zwei Jahre Acerbau getrieben haben, in die Stadt zurück und werden durch zwanzig andere erfekt. Der Ertrag, den der Landbau und die Viehzucht abwirft, wird in die Stadt gebracht daraus wird der Unterhalt aller bestritten. Das Volk lebt Sachlich ist dazu wenig zu sagen. Die Herrschaften, die diese Kundgebung unterzeichnet haben, fönnen so schlecht rechnen, daß sie nicht einmal gemerkt haben, daß das Wahlergebnis eine Niederlage der Schwarzweißroten war. Daß sie Gegner der Verfassung von Weimar sind und einen Staatsstreich herbeisehnen selbstverständlich von anderen gemacht - ist auch klar. Bleibt die Frage, wer hinter dieser Kundgebung steht. Es find Universitätsprofessoren, Richter, höhere tühringische Be amte, Generäle und die Leitung der Zeiß- Werte. Der Parteirichtung nach Deutschnationale, Bolksparteiler und Leute aus der famosen liberalen Bereinigung der Gerland, Schiffer und Leute vom Mit einem Worte: die Compagnie. banfrotten Ordnungsblod" in Thüringen. Die haben freilich ein berechtigtes Intereffe am Bürgerblock im Reiche; denn der Thüringer„ Ordnungsblock" ist so bankrott, und feine Taten stinten so gen Himmel, daß sein Ende unver meidlich ist. Der große Bürgerblod im Reich soll ihn vom Tode retten das ist der ganze Zweck der Uebung. des Thüringer„ Ordnungsblocks" auf das Reich. Es ist schlimm Wir danken bestens für die llebertragung der Unordnung genug, was feine Parteiwirtschaft in Thüringen an Berwirrung der Verwaltung und Diskreditierung des Rechts angerichtet hat. Wir danken für diese Art Betätigung einer stabilen nationalen Regierung". Die Kundgebung, dieser aktion nicht vor der Abrechnung retten. Hilfefchrei an die Reaktion im Reiche wird die Thüringer Re" Und der Staatsstreich? Damit wird es nicht weit her sein. Mollen die Herren Profefforen und Generäle und die Damen vom Thüringer Ordnungskränzchen höchst persönlich in die Revolution für den Bürgerblock ziehen? Die Opfer der KPD.- Zentrale. Schwere Strafen für kommunistische Putschiften. Bochum, 24. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die fommunistischen Maiunruhen im Ruhrgebiet während des ver= gangen Jahres finden jetzt durch die Gerichte ihre legten strafrechtlichen Folgen. Insgesamt sind mehr als hundert Jahre Be fä ignis und mehr als 40 Jahre 3uchthaus verhängt. Für währungsfrist zugebilligt. Rund 300 Arbeiter standen als mehr als 50 Jahre Gefängnisstrafe wurde allerdings die Bedamaligen Hoffnungen der KPD., es tönnte gelingen, die Besetzung Opfer der Berliner Kommunistischen Zentrale vor Gericht. Die des Ruhrgebiets und die damit verbundene wirtschaftliche und pali. tische Not der Ruhrbenölferung zum Ausgangspunkt eines neuen großen Butsches zu machen, scheiterten an dem gefunden Denten Teile der KPD., die sich damals im Aufschwung befand; wie üblich, der Arbeiterschaft. Immerhin folgter der Putschparole größere verschwanden beim Fehlschlagen des Putsches die Führer, während die in den Kampf geführten Arbeiter ins Gefängnis und Zucht haus wandern. Am Dienstag abend wurde im Zusammenhang mit der vor einigen Tagen erfolgten Verurteilung eines Kommunisten, der während jener Butschtage in Bochum einen bei der Handelstammer beschäftigten Dr. Trainer erschossen hatte, der kommunistische Stadtverordnetenvorsteher von Bochum Ludwig Levermonn verhaftet. Die Slaatsanwaltschaft glaubt, in dem Verhafteten einen Mittelsmann der Kommunistschen Zentrale und den Führer der damaligen Putschbewegung gefunden zu haben. und pflegt Kunst und Wissenschaft, verabscheut dagegen den Krieg Hilfe für Schwangere und Wöchnerinnen. ( Die Utopier fehen im Krieg einen Preis auf den Kopf des feindlichen Fürsten und derer, die ihm zum Krieg geraten.) Religion ist Privat fache. Es werden zahlreiche Gebanten vorweggenommen, welche noch heute Besitz der sozialistischen Bewegung sind. " Es scheinen in der Deffentlichkeit falsche Borstellungen darüber zu herrschen, welche Hilfe nicht versicherten Schwangeren und Wöchnerinnen zuteil wird. Nach den Reichsfürsorgegrundlägen vom 4. Dezember 1924 soll ihnen die Fürsorge im Falle der Bedürftigkeit die Leistungen sicherstellen, die nach der Reichsversicherungsordnung die Familienangehörigen Don Versicherten erhalten. Diese Hilfe hat nicht den Charafter zur Folge. Sie mußte auf den Kreis der Bedürftigen beschränkt der Armenpflege und hat feinerlei Rechtsnachteile bleiben, meil fie eine Leistung der öffentlichen Fürsorge darstellt. Doch wird in den amtlichen Erläuterungen zu den Reichsfürsorgegrundsäzen ausdrücklich betont, daß die Fürsorge bei der Prüfung der Hilfsbedürftigkeit besonders wohlwollend verfahren und daher vielfach auch bei Familien eingreifen müsse, bei denen sonst die Inanspruchnahme öffent. Gewährung der Hilfe an fest bestimmte Cintommenfähe zu binden, mie dies das am 1. April aufgehobene Gefeß über die Wochenfürsorge hältnisse in den einzelnen Teilen des Deutschen Reiches als unzwedtat, erwies sich bei der Verschiedenartigkeit der wirtschaftlichen Vermäßig. Die Einkommensgrenzen lagen außerdem fo niedrig, daß sie vielen Frauen die Hilfe entziehen würden, denen sie jetzt zuteil werden foll. Wo ein Bedürfnis nach derartigen Einkommenfäßen besteht, fönnen sie von der Landesregierung den örtlichen Verhält Jedenfalls ist Thomas Morus, der am 6.(?) Juli 1535 als Opfer des Cromwellschen Regimes am Schaffot starb, einer jener Größen der Vergangenheit, denen in der Geschichte des Sozialismus ein Ehrenplag gebührt. Er war Utopist, doch nicht darin: Was er wollte. Die Ziele, die er der Gesellschaft feßte, find in ihrem wahren Wesen nicht unerreichbar. Das Wie?" fonnte er nicht fehen. Seine Zeit war noch nicht reif zur Erkenntnis der Gefeße der staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Morus mußte noch baran glauben: ein guter Fürst oder ein genialer Staatslenter tönnte feine Ideen verwirklichen. Jezt wiffen wir: das ist eben„ Utopie" Er eilte feiner Zeit voraus, aber seine Ideen waren gespeist aus der unverfiegbaren Urquelle des Gozialismus: Auflehnung gegen gefell- licher Fürsorgemittel nicht in Betracht kommt. Die schaftliche Mißstände, ausbeuterische Unterdrückung, tierische UnverBerwirklichung der Gemeinschaft, ihrer Bestimmung gemäß füreinannunft und aus dem Drang nach Entthronung egoistischer Willtür, zur der lebender Menschen. Und Thomas Morus war einer der ersten, die, auf die Widersprüche des Bestehenden hinweisend, eine Umwälzung der gesamten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen erstrebten. Erich Dach. Die Genoffenfchaft Deutscher Bühnenangehörigen veranstaltet 31., abenb3 9 Uhr, eine große Silvesterfeier in den Gesamt- nissen entsprechend festgesetzt werden. räumen des Hotels Der Kaiserhof" zugunsten ihrer Unterstüßungstaffen. Opernball. Die Generalverwaltung der Staatstheater veranstaltet am 22. ober 23. Januar 1925, abends 9 Uhr, in fämtlichen Näumen des Opernhauses, Unter den Linden, einen Ball, dessen Reinertrag zur Grimdung einer Pensionsanstalt für die Preußischen Staatstheater in Berlin bestimmt ist. Der genaue Termin sowie die Bedingungen für bie Teilnahme werden noch befannigegeben. Hunderttausend Mart- Preisausschreiben für einen Zeitungsroman. Zur Erlangung eines hervorragenden deutschen Zeitungsromanes haben das Hamburger Fremdenblatt" und die Münchener Neuesten Nachrichten" hunderttausend Mart als Preis ausgeworfen. Das Breisrichterfollegium bilden: Hans Friedrich Blund, Albert Brosched. Verleger des Hamburger Fremdenblattes", Gustav Frenssen, Frau Ricarda Huch, Bernhard Kellermann, Dr. Tim Klein, Landgerichtsprästdent Wilhelm Mayer, Max Alessander Meumann, Feuilletonleiter des Hamburger Fremdenblattes", Dr. Trefz, Verlagsdirektor der Münchener Neuesten Nachrichten". Die Einzelheiten werden durch die Tagespresse bekanntgegeben werden. Toller in der Tschechoslowakei. Auf Einladung der Zentralbildungs. flomafifchen Republik las Ernit Toller Mitte Dezember aus eigenen Werken ftete der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tichechovor den deutschen Arbeitern in Prag. Brünn, Karlsbad und Aufig. Die Bevar ftaltungen waren überfüllt, dem Dichter wurden überall begeisterte Dbationen bereitet. Ende Januar gelangt Tollers Drama Der entEs wird ein streng naturalwirtschaftlicher Staat geschildert: ohne| fesselte Botan" am Neuen deutschen Theater in Prag zur Uraufführung. Notverordnung zum Kapitalfluchtgeseh. Bon maßgebender Seite wird mitgeteilt: Das Kapital. fluchtgefeß in der Fassung der Bekanntmachung vom 26. Ja muar 1923( Reichsgesebb att I, 91) tritt am 31. Dezember 1924 außer Kraft. Dem Kapitalfluchtgesetz und in den§§ 10 bis 13 Vorschriften eingefügt, welche die Zulassung von Bantunternehmurigen zum Depot- und Depositenverfehr regeln. Zwed dieser Bestimmungen ist, unlautere Elemente und Bersonen, deren Zuverlässigkeit und Vertrautheit mit den bankgesehlichen Vorschriften nicht belegt ist, von diesem wichtigsten und grundlegenden Zweige des Bonfgeschäftes fernzuhalten, und damit die Bevölkerung vor Schädigungen zu bewahren. Diese Notwendigkeit besteht auch weiterhin. Die Reichsregierung wird deshalb dem Reichstag in fürzester Zeit einen Gefeßentwurf verlegen, der die Materie in einer den veränderten Berhältnissen entsprechender Form regelt. Damit in der Zwischenzeit feine Lücke in der Gesetzgebung en steht, werden rechtzeitig durch eine Notverordnung auf Grund des Airtifels 48 der Reichsverfassung die hicaruf bezüglichen Bestimmungen bis zum infrafttreten des neuen Gesetzes, aber nicht über den 31. März 1925 hinaus, verlängert. Gewerkschaftsbewegung Für die Einheit der Gewerkschaften. Der Internationale Gewerkschaftsfongreß in Wien hat befannt lich den Borstand des JGB. beauftragt, Schritte zu unternehmen, um den Anschluß der russischen Gewerkschaften an die internationale Gewertschaftsbewegung durch ihren Beitritt zum JGB. nach dessen Statuten und Bestimmungen herbeizuführen. Wie haben nun die russischen Kommunisten auf diesen Wunsch der dem Internationalen Gemertschaftsbund angeschlossenen Organisationen geant mortet? Losowski, der Sefretär der sogenannten Roten Gewerf schaftsinternationale, fagte, wie wir der" Prawda" vem 15. Junt entnehmen:„ Wir sind für die Einheit, weil sie uns die Möglichkeit gibt, das Aktionsfeld für den Kommunismus zu er= weitern." Bir zitieren noch folgende Aeußerung Losowskis nach dem„ Trud" vom 13. Juli:„ Wenn die Kommunisten in den refor mistischen Gewerkschaften bleiben, machen sie es zu dem 3wed, diese ganze Organisation auf den Kopf zu ftellen, die Reformisten aus ihr zu vertreiben und die ganze Energie des revolutionären Teiles der Arbeiterklasse auf das Ergreifen der Massen zu richten.... Wir müssen dort( d. h. in den reformistischen Gewerkschaften) das tommunistische Ferment haben, welches die reformistischen Organisationen zersezt und uns die Möglichkeit gibt, immer größere Massen zu erfassen." Sinomiem, der Borsitzende der Kommunistischen Internatio. nale, jagte nach der„ Brawba" rom 24. Juni:„ Für uns ist die Tattit ber Einheitsfront und der Arbeiterregierung lediglich ein Mittel, die Arbeitermassen zu mobilisieren und zu organisieren. Ihnen gefällt dieses Mittel nicht. Gut, ich schlage Ihnen ein„ Kompromiß" vor: Sobald Sie die große Mehrheit der Werktätigen in Ihrem Lande erobert haben, werden wir Sie unverzüglich von der Befolgung der Einheitsfronttaftit befreien." Tomsti, der Vorsitzende des Allrussischen Gewerkschaftsrates, sagte nach der„ Prawda" vom 10. Juli:„ Wir beginnen die Attade auf die reformistische Festung, wir gehen einheitlich und geschlossen vor, um Auge um Auge mit dem Feinde den letzten Kampf zu kämpfen, und werden sehen, wem der Sieg gehören wird, den Reformisten oder dem Flügel der internationalen Arbeiterbewegung, der nicht nur in Worten, sondern in der Tat ein revolutionärer Flügel ist." Der Kongreß der Kommunistischen Internationale im Juni 1924 nahm eine Entschließung an über die Frage der gewerkschaft lichen Einheitsfront, in der es heißt:„ Die Tattit der Einheitsfront ift nur eine Methode der Agitation und der revolutionären Mobilisation der Maffen für eine ganze Periode. Alle Verfuche, die'e Tattit als eine politische Roalition mit der fonterrevolutionären Sozialdemokratie auszulegen, sind ein Opportunismus, der von der KJ. verworfen wird.... Die Einheitsfront war und bleibt die Taftif des revolutionär strategischen Ma. nävers, des von allen Seiten von Feinden umzingelten fommunistischen Vortrupps, im Kampfe in erster Linie gegen die verräterischen Führer der fonterrevolutionären Sozialdemokratie und Peineswegs eine Tattif des Bundes mit diesen Führern." In seinem von uns schon zitierten Artikel vom 4. Dezember fchreibt Losowski: Der Kommunismus und der Reformismus find Todfeinde und die organisatorische Einheit der Gewerkschaftsbewegung bedeutet die Fortsehung und Berschärfung des Kampfes um den Einfluß auf die Maffen." Losowski ist sich auch durchaus flar darüber, haß nicht nur die drei Delegierten, die jüngst in Rußland waren, fich in grundsäglichem Gegensah zu den kommunistischen Zerstörungsplänen befinden, sondern daß die englischen Gewerkschaften überhaupt himmelweit entfernt find von der Taftif, den Zielen und Absichten der Bolschewisten: Er schreibt felbft ganz richtig darüber: 3u groß find noch die Mei mungsverschiedenheiten zwischen dem führenden Kern der englischen Gewerkschaften und den Gewerkschaften der Sowjet- Union. Man darf auch nicht einen Augenblid lang vergessen, daß unsere Gewerfschaften einen organisatorischen Bestandteil des Sowjetsystems bilden, daß an ihrer Spitze Kommunisten stehen, daß aber die englischen Gewerkschaften, die die Regierung der englischen Arbeiterpartei geschaffen haben, diese Regierung nicht nur in ihrer inneren, sondern auch in der auswärtigen Boli. tit unterstützt haben... Die beispiellose Hetze der boliche. mistischen Bresse gegen die Regierung Macdonald ist noch in zu frischer Erinnerung, um über die Tragweite des Gegensatzes zwischen den englischen Gewerkschaften und den Bolschewisten im unflaren fein zu können. Dies sind die einfachen Tatsachen. Die Amsterdamer Gewer? fchaften haben auf ihrem Kongreß in Wien erklärt, daß sie bereit find, die russischen Gewerkschaften auf Grund der Statuten und Be Stimmungen des Internationalen Gewerkschaftsbundes auf8u nehmen. Die maßgebenden Führer der russischen Gemertschaften und die Kommunistische Internationale haben darauf geantwortet, was wir vorstehend auszugsweise zitiert haben. Jetzt wollen die Kommunisten den Kampf der Gewerkschaften um bie Erhöhung der Löhne, um die gesetzliche Berankerung des AchtStundentages, um den Wiederaufbau der Sozialversicherung mit ihrer fchwindelhaften Agitation stören. Es ist deshalb darauf hinzuweisen, daß zwischen dem Borstand des JGB. und den russischen Gewertschaften Verhandlungen gepflogen werden. Bon dem Ausgang dieser Berhandlungen cllein wird es abhängen, ob die russischen Gemertschaften schließlich bereit sein werden, sich dem Internationalen Gewerkschaftsbund anzuschließen. An diese Bereitwilligkeit kann freilich fein verständiger Mensch glauben. Die Gewerkschaftsmitglieder aber haben besseres zu tun, als ihre Arbeit durch einen verlogenen Einigungsrummel stören zu lassen. Organisationspflicht laut Vertrag. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren hatte im Jahre 1920 sechs Bäder des Konfumvereins„ Borwärts" in Dresden aus 1 schäftigung der sechs Bädergefelfen tarifwibrig fei, weil ber| göten. Mögen ihm diefe wenigen Zeilen wärmsten Dantes für im August 1920 abgeschlossene Bezirksrahmentaris besagt, daß von feinen faft vierzigjähriget Dienst an Arbeitervolt den heutigen Tag den am Tarif beteiligten Genossenschaften nur Mitglieder verschönern. der vertragschließenden Gemertschaften beschäftigt werden dürfen. Eine Bersammlung der im Konsumverein Vor wärts" beschäftigten Bäcker bekräftigte durch einstimmigen Beschluß das Verlangen des Zentralverbandes und forderte die Ent Tassung der tarifwidrig organisierten Bäder. Auch der Betriebsrat Schloß fich diesem Berlangen an, das jedoch vom Borstand abge lehnt wurde. Erst nach einem zweistündigen Streit beschloß der Borstand die Kündigung der Unionisten. Nachdem die Entlassenen zweimal erfolglos Beschwerde beim Schlichtungsausschuß eingelegt hatten, erhoben fie 3ivilflage beim Landgericht. Nach dem Klageantrag, der dem Konsumverein„ Borwärts". dem Zentralverband der Bäder und Konditoren und 22 Einzelmitgliedern der Arbeiterschaft des Konsumvereins zugestellt wurde, sollten die Beklagten an jeden der Kläger den entgangenen Wochenlohn zahlen und jeden aus der Entlassung erwachsenden Schaden ersehen. Den vermeintlichen Anspruch gründeten fie auf die§§ 823 und 826 des BGB. in Verbindung mit den Artifel 124 und 129 der Reichsverfassung. Weiter wurde in dem Rageantrag auch noch behauptet, daß die Entlassung gegen die guten Sitten verstoße. Schiedsspruch für die Seeschiffahrt. Hamburg, 24. Dezember.( MTB.) Der vom Reichsarbeits. minister in Hamburg eingefekte Sonderfchlichtungsausschuß fällte gestern einen Spruch, wonach die Heuern der zurzeit in Dienſt be Schiffsoffiziere mit einer bisherigen Tarifheuer unter 150 M. und findlichen Seeleute ab 1. Dezember folgendermaßen erhöht werden: die Schiffsmannschaften einschließlich des im Passagierdampfertarif vorgesehenen Bedienungspersonals erhalten eine um 8 Proz. erhöhte Heuer. Die Schiffsoffiziere mit einer bisherigen Tarifheuer Don 150 M. und mehr erhalten eine um 5 Brog. erhöhte Heuer. Darüber hinaus werden die Heuer der Alleinoffiziere noch besonders erhöht auf 200 m. an Ded und 210 M. in der Maschine. Die Erklärungsfrist der beteiligten Verbände der Reeder und der Seeleute läuft bis zum 30. Dezember. Arbeitsleistung und Arbeitszeit. Deutschlands, veröffentlichte in feiner Nummer 48 eine sehr auffchluß ,, Der Proletarier", das Drgan des Verbandes der Fabrifarbeiter reiche Zusammenstellung über das Berhältnis zwischen Arbeitszeit Er erinnert zunächst und Arbeitsleistung in der Ziegelindustrie. daran, daß am 5. Oftober 1923 von den beteiligten Arbeitgeber. Das Landgericht hat die Klage gegen den Konsumverein ab- und Arbeitnehmerverbänden beschlossen worden ist, paritätische gewiesen, den Zentralverband aber und die 17 im Konsumverein Kommissionen zu bilden, um in bestimmten Werken der In verbliebenen Bäcker verurteilt, an fünf Kläger 13 440 M. zu duſtrie für Steine und Erden Erhebungen anzustellen, inmie. weit die Nachfriegsleistung hinter der der Vorfrienszeit ahlen und ihnen auch sonstige Schäden zu ersetzen. In der Bezrüdgeblieben und auf welche Ursachen dies zurückzurufungsinstanz entschied das Oberlandesgericht Anfang 1923, daß führen ist. Dieser Beschluß ist jedoch niemals zur Durchführung gedas Urteil des Landgerichts dahin abzu ändern sei, daß auch tommen, und zwar deshalb nicht, weil die Unternehmer, die immer Die Klage gegen den Zentralverband und die Einzelbeklagten ab mit der Behauptung frebsen gehen, daß durch die Einführung des 3umeisen sei. Schließlich hatte sich euch das Reichsgericht Achstundentages die Arbeitsleistung zurüdgegangen sei, sich gegen mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Es wies die Revision der diese Erhebung gefträubt haben. Unionisten fostenpflichtig ab. In der Begründung des Urteils wurde gesagt, daß die Beftimmungen des Tarifvertrages, die die Organisationstlaufel enthalten, nicht unfittlich seien. Es fehle auch an dem ursächlichen Zufammenhang zwischender Entlassung der Kläger und dem von ihnen behaupteten Schaden, denn es gäbe in Dresden genug Bäckereien, in denen sie hätten Anstellung firden fönnen. Im übrigen habe nur der Selbsterhaltungstrieb die Beklagten veranlaßt, auf die Ent. laffung der Unionisten hinzuwirken. Nach der Ueberzeugung des Reichsgerichts hat die Allgemeine Arbeiter- Ul- tion die Gewerkschaften auf das schärffte bekämpft und fich deren 3ertrümmerung zur Hauptaufgabe gemacht. Das sei dem Beklagten un so mehr befannt gewesen, als die Unionisten im Betriebe in Wort und Schrift Propaganda für die Union gemacht hätten, wobei sie unverhohlen zum Ausdrud brachten, daß die Gewerkschaftler auf das Pflaster fliegen würden, sobald die Unionisten die Mehrheit erlangt hätten. Es fann daher auch den Beschwerdeführern gegenüber nicht unfittlich gewesen sein, daß die übrigen Bäcker deren Entlassung erzwangen, bevor es den Unionisten gelungen war, im Betriebe die Mehrheit zu erlangen. Die Zentralrerbändler haben nach der Erkenntnis des Gerichts alle Ursache gehabt, zu befürchten, von den Unionisten genau so unsittich" behandelt zu werden, wie sie sich jetzt behandelt fühlen. Trotzdem hat der Berband der Fabrifarbeiter selbständig Erhebungen angestellt. Bereits im Jahre 1923 ist durch Erhebungen in der Ziegelindustrie festgestellt werden, daß, abgesehen von Aus. nahmen, die Arbeitsleistung durch den Achtstundentag nicht gelitten hat. Für 1924 ergab sich ein sehr interessantes Bild. Wo ter Achtstundentag beibehalten wurde, ist die Leistung gegenüber hen Vorjahren vielfoch gesteigert worden und ging über die Borkriegsleistung hinants. In den Betrieben jedoch, wo die Arbeitszeit verlängert wurde, ist die Togesleistung gegenüber dem Vorjahre diefelbe geblieben, teilweise sogar zurüdgegangen. Am auffälligsten ist, daß in allen diesen Fällen die Stundenleistung erheblich nachgelassen hat. Folgende Tabelle gibt. darüber einen interessanten Aufschluß: Rame der Firma Stadtziegelei. Riedel Schulze Stampfe Ziegelei Wobst Zonnewitz. Baugewerbe. Richter. Dammüffer Das Organ des Zentralverbandes der Bäder und Konditoren schreibt zu dem Ausgang dieses interessanten Prozesses:„ Durch die reichsgerichtiche Entscheidung ist Klarheit über unsere mit den Genossenschaf en vereinbarten Vertragsbestim mungen bezüglich der Beschäftigung von Mitgliedern der vertrag Lange schließenden Gewerkschaft geschaffen, Die Konsequenz der ge- Dtto richtlichen Entscheidung ft für alle dem Genossenschafistarif unter stellten Personen die zugehörigkeit zum Zentralver band. Für unionistische oder sonstige Außenseiter bedeutet die nichtzugehörigkeit zur vertragschließenden Gewerkschaft den Berzicht auf die Arbeitsstelle in einer tariftreuen Genoffenschaft." Weihnachtshilfe des ZDA. Die Stellungslosigkeit unter den Angestellten ist noch in feinem Jahr seit 1918 fo groß gewesen wie jest. Die Leitung der Orts gruppe Groß- Berlin des 3d. hielt es darum in dieesm Jahr für ihre ganz besondere Pflicht, an die Mitglieder, die in fefter Ans ftellung find, heranzutreten, um die auch in den Vorjahren durch geführte Weihnachtshilfe in erhöhtem Umfange zu möglichen. er= Der Ruf an die Mitglieder ist nicht vergeblich ergangen. Gelbfpenden in reichem Maße sind in die Kassen der Weihnachtshilfe gefloffen, so daß es möglich war, einen sehr großen Kreis stellungslofer 3021- Mitglieder mit einer Weihnachtsgabe zu bedenken. Neben einem Geldbetrag erhielt jede familie ein Lebensmittel patet, dessen Inhalt u. a. die Herstellung des Weihnachtstuchens ermöglicht. Außerdem waren dem größten Teil der Weihnachtspakete wurde auch Spielzeug gespendet. Bekleidungsgegenstände beigefügt. Für die Kinder Der Dant aller Stellenlosen wird denen gewiß sein, die durch ihre Sammlung zum Gelingen der Weihnachtshilfe beigetragen haben. Ein Siebenzigjähriger. Am 25. Dezember wird Wilhelm Knutter 70 Jahre alt. Er ist einer der wenigen noch heute Rüftigen, die sich ihre Sporen unter dem Sozialistengeset unfeligen Angedenfens ver. dienten. Bereits 1886 trat er der Partei bei und ist mehrere Male nur mit Mühe den Fängen der Polizei entronnen. Auch gemertfchaftlich trat der Jubilar bald in den Vordergrund. Im Jahre Droschfenführer und Redakteur des Fachorgans. Ef 1895 murde er befoldeter Borsigender des Vereins der Jahre später schloß sich der Verein dem Transportarbeiterverband heute Deutscher Verkehrsbund- an. In der Groß- Berliner Bezirksverwaltung dieser Organisation ist Rnütter noch heute als Sekretär der Sozial- und Rechtsschutzabteilung tätig. Genoffe Knutter erfreut sich nicht nur einer ausgezeichneten des vollen Vertrauens seiner Kollegen. Gelbst die stürmischste förperlichen und geistigen Gesundheit, sondern auch der Liebe und förperlichen und geistigen Gesundheit, sondern auch der Liebe und politischen Wandlungen in den Mitgliederkreisen haben daran niecller sprechen, die den Siebzigjährigen fennen, wenn wir dem Genoffen Knütter noch manches Jahr ungeschwächter Arbeitsfrajt Strek Wolf Tretiner Bahndow Ziegelei Müller. 6. m. b. S.. Zimmermann Rothers Kunz. Blechmann Bange.. • Drt Die Stundenleitung an einer Preffe betrug in den Jahren 1914 bie tägl Arbeitsgett Leistung 1000 оза Stunde die tägl. Arbeitszeit 1670 8 00 00 00 1922 Leistung pro Stunde bie tägl 1924 Arbeits geit Leiftung oad Stunde 2090 8 2090 8 9 Dessau II Döbeln Mügeln Großenbain Hirschfelde Eibau Didat Bicheriniz 1250 8 1625 1750 1300 8 1625 8 1750 10 1450 8 1875 8 1875 10 1050 8 1250 8 1500 10 1100 8 1125 1750 10 1400 2000 1928 2614 2827 2500 8125 2875 187591 81625 Köstriz Bichertnig Auhammer Lengersdorf Zwidau 8widau Bornhofen Lauenburg Niederstria Krimmitschau Dbrie Zebdenid Liegniz Thierfeld Wipperfürth Dwoberg 10 2800 10 2000 8888 10 2300 8 2750 10 1000 8 1000 10 1300 81025 88888888 10 2100 8 2150 8 2000 10 2450 868 8 3050 350 8 3280 9 2111 8 4000 9 3838 8 1700 9 1790 10 2400 10 3650 10 1100 10 1200 11 8 1500 91, 1260 10 00 00 00 00 00000000 2000 10 2300 10 2250 8200 8 4000 10 3800 10 1500 8 1500 10 1550 10 800 8 750 10 150 10 1800 8 1750 10 1600 10 2400 8 2560 10 2500 Diese Erhebung zeigt, wie andere ähnlicher Art, daß die Ver. längerung der Arbeitszeit durchaus unwirtschaftlich ist. Wenn die Steigerung der Arbeitsleistung nicht überall erreicht wurde, so liegt das daran, daß viele Betriebe rid ständig und her. die wirtschaftlich einsichtigen Arbeitgeber am Achtstundentag festuntergewirtschaftet sind. Es ist weiter bemerkenswert, daß halten, weil sie die Erfahrung gemacht haben, daß sie mit ihm weit beffer als mit dem Zehnstundentag fahren. Die Zahl der Arbeitslosen in England hat in der Woche bis zum 15. Dezember um 28 688 Mann abgenommen und beträgt noch 1158 500. Butab, Ortsverwaltung Berlin. Die Gefchäftsstelle bleibt am 3. Weihnachtsfeiertag gefchloffen. Erste Sprechstunde nach dem Fest: Montag, 29. De zember. Alle Beitragsrüdstände aus dem Jahre 1924 find in dieser Sprech stunde, der lekten im alten Jahre, abzuführen. Briefkasten der Redaktion. fchiedsgericht ist zuständig. R 100. Surzeit fönnen Sie nichts unternehmen... 5. 50. Das Jnnings. R. R. 53. Der Rüdtritt empfiehlt sich nur, wenn Shre Rechte dadurch keine Schmälerung erfahren. R. B. 8. Sie brauchen vorläufig nichts zu veranlaffen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft i. B.: 3. Steiner; Gewerfichaftsbewegung: Friebz. Eglorn: Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lotales und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. und Sonstiges: Frig Rarftäbt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen. 6 Uhr, läuft Für Lotteriespieler: bt, duft bie Frift iz bie Erneuerung fer Am Freitag, den 2. Januar 1925, abends Zofe zur 4. Alaffe 24/250. der Preußisch- Süddeutichen Klaffenlotterie ab. Berfäumnis der Frift hat, den Brlust des Anrechts auf das Los der 4. Alaffe, der 9000 Gewinne im Gesamtbeträge von 1687 000 Goldmark zur Ausspielung. Hauptlegten Klasse vor der großen Hauptziehung, zur Folge. Die Ziehung 4. Klaffe beginnt am Freitag, den 9. Januar 1925. Es kommen treffer 100 000 Goldmark dem Berbande ausgeschloffen, weil fie der Allgemeinen mals etwas ändern tönnen. Deshalb wiſſen wir daß wir im tamen Sophien- Säle Sophienstraße 17.18 Arbetter- Union" beigetreter maren. Nach dem Ausschluß teiste der Zentralverband dem Borstand des Konjumvereins mit, daß die BeBiomalz Pets naatides a Norden 9296. Säle frei! Gründliche Kräftigung und Auffrischung berschafft das vorzügliche, billige, wohlschmedende Biomal 3. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Befierung des Aussehens ein. Man fübit fi aerabeau wie berjüngt. Mit feinem andern Kräftigungsmittel fann man bessere Erfolge erzielen als as nehmen die Aerzte? Alle Erja priparate und Eisenmittel ezelen nicht die Wirkung, pis pretitanregung und Kräftigung anlangt. mie Biomalz. In meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be jonders zufrieden. Dr. R. in Ch mit Biomalz Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in der Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Rindern zugute fommen. Dr. med. St. Biomalz hat sich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg= lich bewährt. Dr. Frhr. v. 8. Breis ciner Dose Biomal; 1.90 Mart, mit Lecithin 5 Mart, mit Et en( für Blutarme nnd Bleichflichtige) 2.20 Mart, mit Kalt egtra( für Lungenleidende) 2.50 Mart, Soffmanns Biomalz- Schoto labe Tafel 60 Bf. Ausführliche Drucksachen toftenfrei von Gebr. Batermann, Seltom- Berlin 10, fir. 607+41. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 25. Dezember 1924 Len Welten nach Offens Grunewald nach Berlin! Ein Wellmachergang von grements Lichtenberg que durch Die Feststellung ist nicht nur für den Lokalforscher von Wichtig-| keit, ob das Weihnachtsfest, das seinen Zaubermantel in der Weltstadt auch mit etlichen Volants zerrissener Lumpen ziert, die seine Blöße fchlecht verhüllen ob dieses Weihnachtsfest zur Annäherung der Menschen untereinander in irgendeiner Weise beiträgt. Ferner, ob vor dem Rathause, wo der Trubel bereits zu branden be ginnt. Plöglich ist alles hier voll Menschen. Vor dem Rathaus ein mächtiger Wald von Bäumen und in seinem Schuh eine ganze Reihe von Buden und Verkaufsständen. Mittendrin ein richtiges Kurz nach 1 Uhr bricht etwas die Sonne durch, und am Gartenufer| Seitengassen Wellen über Wellen neuer Passanten auf den Plaz an der Charlottenburger Brüde, die wie ein feltsam gestaltetes Mammutgerüst sich ungestüm aus den Mietfasernen auf dem anderen Ufer oufredt, fällt der Blick auf ein zur Winterruhe veranfertes Hausboot. Alle atmet hier noch Frieden, während anderswo der Kampf ums Leben( Weihnachten als Verdienstmöglich, feit) in raschen Zügen sich zu entwickeln beginnt. Vor einem mächtigen Echornstein, schon innerhalb des Tiergartens, an der Promenade gelegen, ein fleines, ziegelgebedtes Haus. Altersgeschwärzte Wände, nur Erdgeschoß und etwas barüber weiße Fensterfreuze, grüne Läden, furz: wie hingestellt und vergessen. Idyll von Borgarten rundum, Gebüsch, alte Bäume zehn Minuten vom Potsdamer Play. Wir find am Stern. 17 Zweite Etappe. Bom Großen Stern zum Aleganderplag. Auch jetzt sind noch die fleinen" Familien auf dem Sonntagsspaziergang zu sehen. Mutter ist in Bater gehängt und die Rindlein halten sich an der Hand. Bleiche, sehnsüchtige Mädchen gehen aneinanderge. schmiegt, in Belzen verkrochen. Die mageren Tiergartentannen freuen sich wie hämische alte Jungfern über einen Wagen prächtiger Gebirgstannen, die als geschlagene Opfer sich nicht wehren können. Kaiserdamm- Bismarckstraße. RK. diefes Weihnachtsfest auf die Gemüter und das Behaben der Staffen einen Einfluß hat, die dem zusammengeballten Körper den Begriff Großstadt verleihen. Ein Gang durch das weihnachtliche Berlin vom Ronde des Grunewalds im Westen über das Zentrum zu den Außen. bezirken im Osten, ein Weg, der mit einigen Unterbrechungen zu Fuß etwa acht Stunden dauert( wobei die Behinderung des Fußgängers in den überfüllten Straßen in Betracht gezogen werden muß), mag Antwort geben. Erste Etappe. Bom Roiserdamm zum Großen Stern. Der graue intermittag füllt eine breite Straße, die dem Repräsentationsbe dürfnis eines einzelnen ihr Entstehen verdankt und läßt sie in ihrer Gleichförmigkeit noch härter erscheinen, als es vielleicht bei blantem Sonnenlicht der Fall ist. Es scheint, daß man es hier mit der Zeit nicht so genau nimmt, daß man sich um 12 Uhr mittags den Sclafous dsn Augen wischt, daß man auch sonst sich nicht gerabe berufen fühlt, diesem Beben durch Tätigkeit Wert zu verschaf fen. Um 12 Uhr schwirren noch Jalousien in die Höhe. um 12 Uhr langt noch ein weißer Arm nach einer Rouleauschnur. Manche mögen noch schlafen, was sich aus noch immer verhängten Fenstern erfennen läßt. Die Straße ist so grau und leer, daß sie fast aus. gestorben erscheinen fann, wenn sich nicht doch hier und da die Leute Lemerkbar machten, die den Aufstehenden und Schlafenden des schwierige Dasein in der Häuslichkeit erleichtern müssen die Hausanges stellen. Denn hier arbeiten viele für einen. Die Läden find auf. Was man hier so Läden nennt. Wenig Dinge für die Bedürfnisse des Lebens gibt es zu faufen. Die Straße muß sehr viel Pralinen essen, sie scheint piel Blumen zu brauchen und vor allem scheint das Automobil hier erste Notwendig. feit zu sein. Aber wir wollen ja Weihnachten entdecken. Die Tannenwälder auf der Mittelpromenade stehen alle aufrecht. Sie liegen nicht do wie erschlagene Riesen in den anderen Stadtteilen. Seber steht auf seinem weißen Kreuz oder bereits auf einem grünen Eisenständer. Wo anders stellen sich die Leute das grüne Wunder zu Hause selbst auf vier Beine. Es wäre zu viel, Dies von den Bes wohnern des Kaiserdamms zu verlangen. Man kauft den Baum fertig, wenn man sich überhaupt mit diesem veralteten Deforationsstüd noch abgibt. Man hat was Feineres gefunden. Das sind die Adventstränze und ihre zahlreichen Bariationen, Iannenarrangements auf Baumfästen, in Rörben, in Moos, fertig geschmüdt, mit Silber und Gold, mit Bändern verziert, glasfugelgespickt und sogar mit den fabelhaften Lichtern besetzt, die aussehen wie Altarferzen. Großartig, so was. Man nimmt es unter den Arm, stellt es auf den Tisch, stedt es an und Weihnachten ist fertig! Weih nachten ist hier eine Angelegenheit, die im Kalender steht und die mon irgendwie zu erledigen hat, etwa wie die Eommerreise oder den Silvesterball über acht Tage. Vor allem feine langweiligen Borbereitungen. In den el ganten Limousinen befördern eifrige Chauffeure bereits den geschmückten Weihnachtsbaum, den die Frau Chauffeurin für die Serrschaft" ausgeputzt hat. Ueber die Wilmersdorfer Straße hinweg auf die Gegend Am Knie zu entdeckt man allmo Tannen von Tannenverkauf in der Wache. RK Nein, aus den Tiergartentannen macht teiner Weihnachtsbäume. ( Berlin müßte schon gerade so tonnenlos fein, wie vor einem Jahr, auch ein Besenstiel genügte.) Sonst ist nichts Beih nachtliches als ein Mann, der fleißig seinen Karren zieht, auf dem er seinen Bücherladen birgt, um dort zu verdienen, spiegeln Nässe, wie auch der Asphalt, der fast eins wird mit dem wo die anderen verdienen. Die halb zugefrorenen Gewäffer graugrünen Rasen und dem braunen, färglichen Baub, was sich alles beginnt. Gott, wie eitel müssen die Leute sein, die hier am Sonntag wieder in die weiche Watte des neu aufsteigenden Rebels zu hüllen Spazieren gehen! Nicht weniger als vier Bhotographen halten die Eden der Siegesallee besetzt. Ein Etüdchen weiter, am Königsplay, nochmals vier. Gibt's denn etwas Schöneres, als fich vor Wilhelms grauweißer Puppenallee photographieren zu lassen? Das ist doch etwas für den Weihnachtstisch! Wir halten furz nach zwei feierlichen Einzug durch das Brandenburger Tor und find nun in der rühmlichst bekannten Brachtstraße dieser Stadt Un ter den Linden, die sich erschütternd weihnachtslos gibt. Gin paar große Blumengeschäfte ersetzen den Weihnachtsbaum durch prächtig blühende Lilien und eben erblühende Marschallnielrosen; bas Tannengrün ist verschwunden. Die Straße erscheint in auffallenftraße faum mehr als ein paar Leute, die eben von den Bahnhöfen dem Maße sonntagsmüde. Selbst an der Kreuzung der Friedrich tommen. Aber ein Stüdden weiter begibt sich ein wirkliches Wun Ecke Frankfurter Allee- Petersburger Straße. Schweizerhaus auf Rädern, das gleichzeitig Verkaufs- und Wohnwagen ist und Licht auf Rästen voll blauer, grüner und roter Röstlichkeiten wirft. Wir geraten mit der fintenden Dämmerung langsam durch in den Strom, der fich nach dem Alexanderplog wälzt und in feiner Mitte gleich schwankenden Schiffen überfüllte Straßenbahnwagen trägt. Es hilft ihnen nichts, fie tommen doch nicht schneller vorwärts als der Strom es will. Und plöglich ist man in einer Rette von Kindern, geht durch eine Gasse von Kindern, die durcheinander reden, die dir anzeigen, was sie verkaufen möchten, die meisten jene filberne Fäden, die Lometta heißen und zum Schmuck der grünen Tannen dienen sollen. Selbst das Uebermaß an Weihnachsbäumen in diesem Jahre dürfte nicht ausreichen, um für diese Lamettahauffe den genügenden Vorwand abzugeben. Dritte Etappe. Bom Alexanderplag nach Lichtenberg Host du die Sorge verförpert gesehen? Sorge mit Not, Gram und Glend gepaart. Sie läßt dich am Alexanderplat unter Weihnachsglanz Spießruten laufen. Gehst zwischen diesen hindurch, die alles ent behren, was dir teuer ist. Die dir tousende lächerliche Dinge ver Baufen wollen, damit du zu Weihnachten Freude hast. Was wird dir herausreckt, wenn du seine Schläfen drückt, diese tanzenden Männ aus mageren Fingern entgegengeboten? Dieser Kopf, der die Zunge lein und Fräulein, diese kuriosen Badelläufer. Merfst du, wie dir genehmste von ihm kennengelernt haben? Welch ein Gefühl be jene das Leben angenehm machen wollen, die selbst nur das Unan schleicht dich, wenn du an diesem mageren Büppchen vorbeigehst, das feine Arme meit aus viel zu kurzen Aermeln reckt und dir einen Hampelmann darbietet mit müder, ach so müder, dünner Stimme: Behn Pfennig nur der Hampelmann, wers nicht glaubt, der zieht mal dron!" Es ist etwas, daß dich umwirft und wärst du der härteste Borer der Erde. Es steckt dir etwas in der Kehle, irgend etwas Dreht sich in dir um. Denn nichts weiter siehst du als dieses grotest.tomische Spielzeug, von Armen gemacht, von Armen feilgeboten und du sollst dich daran freuen. Es ist im Blarz der Straßen, im Licht sich spiegelnder Soiten und glitzernder Kristalle der fürchterlichste Jahrmarktfaal, die Grimasse dieses Festes traße, den der rote Felsen des Polizeipräsidiums begrenzt, wendet Durch den düsteren Engpaß der Alexanderder Liebe. sich der Weg jezt durch die leere Kaiserstraße in die Große Frant furter Straße. Auch hier, wo der große Glanz fehlt, begleitet dich der Markt des Elends zu beiden Seiten unermüdlich eine Stunde hindurch auf Schritt und Tritt. Du fannst ihm nicht entfliehen. Du kannst dir nicht die Ohren verstopfen vor dem klagenden Gesinge der Flöten, die nur 10 Pf. toften, vor der Mundhar monika, die der Mann mit dem einen Arm spielt, vor den Kinderstimmen, die mit hinsterbendem Flüstern dich in eine Wolfe vot allen Tönen der Not hüllen. Und einer, der immerzu gerebet hat - vielleicht redete er schon zwei Stunden, bevor du vorübergingst ruft verzweifelt:„ D, ihr Kleingläubigen von der Frankfurter Straße, labt ihr denn wirklich alle fein Geld mehr?" Nein, sie haben wirklich alle fein Geld mehr, diese schlecht gefleideten Gestalten, die stumpf oder verbissenen Blickes durch diese Allee hindurchgeschoben werden. Warum gehen sie hier? Um Weihnachtsfreude fennen zu lernen oder mit den noch Aermeren das Grauen zu fühlen, das das falte und table Bimmer, der leere Kochtopf in fichere Aussicht stellen? Wer arbeitet für diese Bielen?( Dentt an den KaiserIdyll im Tiergarten. gemacht doch, daß die Menschen sich zu bewegen beginnen. Aber noch immer find viele Fenster verhängt. Der Tiergarten nimmt aber bereits einige„ Erholungsuchende" auf. Einige wandern auf den Begen, einige Kinderwagen werden gefahren und einige„ eine" Familien sind auf dem Spaziergang nach dem Innern der Stadt. Budenzauber vor dem Berliner Rathaus. der. Bor der Wache, gegenüber dem Opernhaus, sammeln sich Leute. Tatsächlich, da stehen sie fauber aufgereiht in zwei Gliedern, nein, in drei und vier und sogar hinter den Säulen fammeln sie sich. Es find Grüne grüne Tannen, die die historische Stätte wilhelminischer Soldatesta so freundlich wie nie erscheinen lassen. Ja, man hat sich wirklich gewandelt! In der Wache werden Tannen verfauft. Wer eine taufen will, fann durch das Gitter gehen und sich eine ausfuchen. Harzer Doppeltannen von 50 Pfennig an!" Billiger ist wohl nie die Besatzung einer Wache erstanden worden. Aber über dem Zeughausbach wächst auch ein riesiger grüner Weihnachtsbaum, flantiert von zwei fleineren. Die Ruppel des Domes in grüner Batina. Benigstens zu dieser Illusion hat's gelangt! Die Möwen an der Puppenbrüde in ungeheuren Scharen versammeln bie Spaziergänger und fressen emporgeworfene Bissen fast aus der Hand. Am Schloßplag wird Bewegung. Vor dem Marstall breiten Händler ihre Waren aus und einer gruppiert, müde, aber mit Sorgfalt, feine Hampelmänner in Gruppen. Wie er jeden ein zelnen aus der Rifte nimmt, den in Unordnung geratenen Bind faden zurechtzieht, ihn streicht und vorsichtig hinlegt das ist schon Freude am fleinen Wert. Ein Bettler setzt sich zurecht, zieht die ofenröhre hoch, damit man sieht, was wohltätig verborgen war. Die Königstraße bricht bereits in das Weihnachtsland, wirft aus Hinter den letzten Häusern. damm, als wir um Mittag bie Wonderung begannen.) Kleine Bäden, fleine Läden. Einer ist hell erleuchtet und angefüllt mit jenen Bett stellen, in denen man unter Garantie sorgenlos schläft mit är. gen. Sich, der Mann weiß, was Weihnachten heißt. Liegt nicht auf jedem ein Buschen Tannengrün, lamettaverziert, der fennt seine Leute, der kennt die Gegend. Der weiß, wo die Weihnachtsfreude| cnhett. Gegensatz. Links ein Rummel, in dem ein hinterpom mersches Dorikarussell zwischen Loseausrufern sich abquält, Mufid zu machen. Hier ist es dunkler als auf der Straße, damit du ja den Ernst der Dinge richtig begreifft, verfündet dir ein Ausrufer im weißen Operationstittel, indem er eine ähnlich gefleidete Person mit weißer Kapuze vor sich herschiebt, es handelte sich hier um die wichtigste sexuelle Aufklärung der Gegenwart. Man verheißt dir, daß an dieser weiß umhüllten Person etwas demonstrieri werden soll, d. h. wenn du einen Groschen opferst, unter dem Titel:„ Die hohe Schule der Gattenliebe" oder„ Was muß ich von der The wissen". Solcher Art ist das geistige Manna, das hier gebo.en wird. Aber weiter, die Frankfurter Allee entlang. Auf der Mittelpromenade die noch immer ein unabsehbarer Wald von Tannen, von Weihnach stannen säumt. Das Dunkle wächst in der Straße, je mehr wir uns der Ringbahn nähern, wird fast förperlich. Die Laternen verbreiten ein sterbendes Licht, das die hohen Hausfronten in ihrer Kahlheit noch grabähnlicher erscheinen läßt.( Eine Erinnerung fliegt zurück. Vor ein paar Stunden gingst du über den Kaiserdamm. Autos flitten mit Weihnachtsbäumen. Ein Auto wurde bemüht, um einen Weihnachtsbaum zu fahren.) Hier ist eine Maschine dabei, hunderte zu befördern, sie hängen an ben Trittbrettern der Straßenbahnwagen, Menschen, die noch weiter hinaus wollen in die noch ärmeren Viertel, wo das Licht ganz verfieft und die Schwärze der Nacht weber still" noch„ heilig", aber graufom hängt. Hinter dem Bahnhof Lichtenberg Fried. richsfelde im Zuge der breiten Straße liegt dieses letzte Dunkel. auf das du harrtest. = Bor dir geht einer mit einer mächtigen Tanne, du siehst ihn schwer und langsam schreiten und es erscheint, als gehe die Tonne mit ihm, als führe sie ihn unter dem Schuß ihrer Aeste. Und plötzlich fteigt es in dir auf: von all den für die Riesenstadt zuviel geschlagenen Weihnachtswäldern wollen Tousende und aber Taufende wieder hinaus zu dem Play. wo sie gestanden, wo sie geboren. Und jeder Baum wird einen der ebenfalls zu vielen mit sich führen, hinaus aus der Stadt, wo die wahre Weihnacht herrscht und Raum und Friede ist.... F. K. Der Aermsten Weihnachtsfeiern. Eine Erinnerung. Bor einigen Jahren war es, da veranstaltete die Gewerkschaftstommiffion am Heiligen Abend" eine Weihnachtsfeier der 5) eimat lofen. Da faßen sie nun, die Brüder der Landstraße, die ewig, rostlos Wandernden. Weihnacht der Heimatlosen- ein Funke in falter Nacht, ein Fest der Gemeinschaft, das Fest der Liebe. Im geschmückten Saal fangen die Arbeiter- Sänger( fie alle hatten die häusliche Feler zurückgestellt, um hier zu helfen). Minuten! Mit Liebe und Freude und Opfergeist bereitet. Und doch Gläserne Augen, voll endlosem Weh... stiere Blide, zurüdtastend in lichtlofe Jugendjahre trotzig verbittert sehnsuchtsvoll. Weihnacht der Heimattojen glitzernde, gleißende Minuten der Zukunft.... Wenn ihr im Kreise eurer Familie seid, schleicht durch öde, klebrig folte Straßen das Heer der Heimatlosen. Ruhe os suchend die Jungen; trotzig, immer noch hoffend. Eitfeesten Leibern gleich die Alten, müde und stumpf, ein Funke Bergangenheit im stieren Auge. Wer kennt ihre Renien, wer kennt ihr Schicksal? Und doch find wir Brüder, heimatlose Brüder, denen die Heimat fehlt, das Land, das Heim, die Arbeit, die uns gehört. Unsere Weihnacht, sie muß erft erfämpft werden. 99 Bewegung, Tauschen die Kinder fedem Wort. Das ist das Bunder barste bei diesem Ergebnis: Während sonst im Theater niemals völlige Ruhe herrscht, die gesamte Zuschauerschar nur selten von dem Schauspiel gefangen ist, benehmen sich diese Kinder, von denen die wenigsten nur ein Theater von innen fahen, wie die idealsten Theaterbesucher. Sie sind naiv und gehen sɔ völlig in dem Stück auf, daß man von seelischer Hingabe sprechen fönnte. Sie empfinden die helfte Freude über die lustigen Bedsprünge des tapferen Schneiderleins, Paul hendels, das der braven, um den erwarteten Verdienst genarrs ten Musfrau( Hilde Mewes) zu entwisten weiß. Sic fämffen mit, als das Schneiderlein die beiden Riesen( August Johann Drescher und A. Schweizer) durch List und Gewand.heit besiegt. Das Spiel wird den Kindern zur Wirklichkeit und Grauen padi fie, als die Here ( Fränze Roloff) ihre Bauberkünfte übt. Hin und wieder pflegen die Schouspieler trauliche Rücksprache mit ihrer Zuhörerschar, und noch felten ist eine Aufführung so wie dieses fimple Märchenspiel fo geadelt worden. Zum Schluß fennt der Jubel teine Grenzen mehr: Blumen, con eifrigen Kinderhänden geschleudert. schwingen fich hinauf zur Bühne. Ein kleiner Bub betritt die Bre ter und überreicht dem tapferen Schneiderlein ein Alpenveilchen. Er bringt den sichtlich er Eine frohe Feierstunde am Freitag, den 26. Dez. am Freitag, den 26. Dez.( 2. Weihnachtsfeiertag), vorm. 11 Uhr, Großes Schauspielhaus, Karlstraße Großstadtfrühling" Chorwert mit Mufit, Gelang und Tanz von Franz Rothenfelder Musit Winterfonnenwende"( Prolog gefprod en von Carl Ebert) Im Chorwert tommen vor: Ein alter Mann, ein Ziehhormonitaspieler, ein Leiermann, ein Bänkelsänger, die Harfenjule, eine Sängerin ein Dichter, ein blinder Mann, ein Kind. Einzelsprecher: Carl Ebert, Alexander Röckert, Sonit Rainer, E.se Wagner, Walter Werner, Heinrich Witte, fämtlich vom Stealstheater, Else Tuschkau vcn der Boltsoper, -O Tänze einstudiert von Erna Tancrè- Rohrmoser. Der Sprechchor für Proletarische Feierstunden.- Musikalische Leitung: Wolfgang 3eller.- Künstlerische Gesamtleitung: Albert Florath Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin SPD. " griffenen Schauspielern Freundschaftsgrüße der Kinderfreunde und: Freundschaft!" hallt es aus tausend Kinderfehlen. Das tapfere Schneiderlein trit hervor, mit Blumen in den Händen, und dankt. Gesang zu befchließen. Stehend fingen die beglüdten Kinder ein Mit fröhlichen Worten fordert es auf, tas Fest mit gemeinsamem zukunftsfrohes Lied. Unter Jubel und Freude leert sich das weite Haus. Jm Asyl für Obdachlose. Auch zu den Aermiten aller Armen dringt flüchtig ein Strahl der großen Weihnachtsfreude. Das große rote Hous in der Froebelstraße, diese Stätte größten Glends, sollte auch von Weihnachtsstimmung widerhallen. Im Familienheim, dessen Saal mit Tannen deferiert war, fand eine schlichte Weihnachtsfeier statt. Die Kinder empfingen bunte Teller. Der Direktion waren Mittel zur Verfügung gestellt worden. bie es ermöglichten, 150 Kinder mit Hemden und Grümpfen zu befchenfen. In den Sälen des nächt lichen Obdachs, wo augenb icklich Schnitterfamilien untergebracht find, wurden ebenfalls bunte Teller( Pfeffernüsse, Nüsse, Aepfel usw.) vertei't. Im Versammlungsfaal wurde am Heiligabend ein großer Tonnenbaum aufgestellt, die Obdachlosen an das ihnachtsfest zu erinnern; jeder von ihnen erhält ei Zigarettenpädchen, die Frauen einen bunten Teller. " In der Schrippenkirche. anstaltet, die den Grundgedanken des Weihnachtsfeftes nahelegen sollte, und bei der die Schwesternschaft ihre Zöginge mit musikalischen Darbietungen erfreute. Die Bescherung auf den einzelnet Stationen war diesmal besonders freundlich, weil auch der kleinste Raum im Christbaumschmud prangie. Aus Haushaltungsmit.eln hatte die Verwaltung des Waisenhauses die Gabenti che mit Spielzug und anderen erfreulichen Dingen geschmückt. Die gespendeten Sachen waren leder meist unbrauchbar, was ein bezeichnendes Licht auf die„ edlen" Spender wirft. Eine Weihnachtsfeier für die Blinden Groß- Berlins veranstaltet am 28. Dezember, vormittags um 11 Uhr, in den Räumen des„ Berliner Konzerthauses", Mauerstraße 82, der im Jahre 1860 begründete Moon'sche Blinden- Verein. Diese älteste und bedeutendste Blindenfürsorgeorganisation der Reichshauptstadt und der Provinz Brandenburg wird über 1300 Erblindeten eene Weihnachtsgabe überreichen. Auch eine Bewirtung der blinden Gäste findet statt, und musikalische Darbietungen werden den Festaft umrahmen. Bar- und Sachspenden aller Art nimmt die Ges schäftsstelle in Charlottenburg, Sesenheimer Str. 6( Fernruf: Steinpcz 2132 und Postscheckkonto Berlin Nr. 111 855) stets dankbar entgegen. Der sehende Blinde. Gefährliche Ueberstunden" am Heiligen Abend. Kriminalbeamte in der letzten Zeit, daß viele Leute, besonders aus Bei den Streifen durch die Bergnügungslokale bemerkten den Bettlerkreisen, unberechtigt im Besik von Blinden. abzeichen waren. Diese Beobachtung veranlaßte die Streif beamtenschaft, fich die blinden Bettler recht genau anzusehen. So der Kreuzung der Leipziger und Friedrichstraße als war auch ein Mann aufgefallen, der sich die vielbegehrte Ede an Standplak ausgesucht hatte. In der Zeit von 5 bis 7 Uhr nachmittags oder zwischen 7 und 9 Uhr abends bezog er, geführt von einem anderen Manne, seinen Posten. Der Führer hielt sich dann in der Umgegend auf und beobachtete seinen Schüßling. Aber auch nach andere hatten Interesse an beiden. Gestern abend tamen zwei Kriminalbeamte von der Streife Mitte des Weges und erkannten in dem„ Blinden" einen Mann, den sie vor einigen Tagen in einem Lofal ohne jede fremde Hilfe hatten Stat spielen fehen. Beim Spiel hatte er seine Augen offen. In seiner Rolle als bes dauernswerter Blinder jedoch hielt er die Lider geschlossen. Außer dem„ Blinden" erkannten die Beamten einen anderen Statspieler, der in der Nähe stehend, scheinbar harmlos eine Zigarette rauchte. Der vermeintliche Blinde wurde von einem der Beamten aufgefordert, mit zur Wache zu kommen. In demselben Augenblick wollte der harmlose Raucher, der fich später als Führer entpuppte, auf eine vorbeifahrende Straßenbahn springen. Er wurde noch rechtzeitig von dem zweiten Beamten erwischt und ebenfalls festgenommen. Inzwischen hatte sich eine erregte Menschenmenge um den Kriminalbeamten und den Blinden" gesammelt, die sich gegen die Beamten wandte. Troh seines Protestes mußte der Blinde" mit zur Wache, wo er notgedrungen sehend wurde. Er wurde als ein 23 Jahre alter Otto Schuhfnecht festgestellt, sein Führer als der 28 Jahre alte Nathan Koppelsti. Vor acht Tagen erst waren die beiden aus Leipzig nach Berlin gekommen. Sie hatten schon Halle, Frankfurt a. M., Nürnberg- Augsburg, München und Erfurt gemacht". Teilweise hatten sie in verschiedenen Städten desselben Vergehens wegen gefeffen". Sobald sie wieder frei waren, verließen sie die ungaftliche Stätte und suchten einen anderen Ort heim. Als tüchtige Geschäftsleute verpaßten sie keine Gelegenheit. So fonnte ihnen nachgewiefen werden, daß sie bereits während der letzten Messe in Leipzig gearbeitet" haben. Die Tageseinnahme betrug bei zweistündiger Arbeitszeit" burchIchnittlich 25 m. Am Tane ihrer Berkaftung fand man bei dem Führer 15 M., bei dem„ Blinden" 17 M Da sie zu Weihnachten dringend Geld brauchten, hatten sie befchloffen, leberstunden" zu machen. Zwei Stunden hatten sie schon Unter den Linden gestanden. Auf dem Wege nach der Ede Friedrich- und Leipziger Straße hatten fie die Einnahme geteilt, als beide verhaftet wurden. Zur Erichießung des Polizeiwachtmeisters Fischer teilt das Polizeipräsidium mit, daß die weiteren Ermittelungen nach dem Täter zur Festnahme des Kontoristen Friz Goslar, genannt Mos. fau, wegen dringenden Tatverdachts geführt haben. Mit den Kinderfreunden" im Märchenland. Das Theater am Bülowplay fah gestern eine feltene und auserwählte Gesellschaft: bis auf den letzten Platz war es gefüllt mit einer zunächst erwartungsvollen, tann anteilnehmenden und endlich froh begeisterten Kinderschar, die von der Bereinigung der Kinderfreunde" und der Arbeiterwohlfahrt" hier rersammelt war, um gleich am als Weihnachtsgeschent in dem schönen Raum des Volksbühnenhouses ein Märchenspiel zu erleben, das ihnen lange unvergessen bleiben wird: Das tapfere Schneiderlein." Puntt 2 Uhr verdunkelt sich der weite Raum und es wird mäuschenstill Helle Kindersämmen fingen ein fröhliches Lied. Dann blizt die Vorbühnenbeleuchtung auf der Vorhang geht feierlich auseinander: Genossin Clara Bohm Schu ch spricht ten. Die ganze Feier, die schon gegen neun Uhr morgens begann, Ein Augenzeuge der Tat hat Goslar, auf den übrigens die Personalzu den Kindern von dem Glouben an die Menschenliebe und dem wahren Einn der Christusmythe. Sie spricht schlicht und mütterlich und bemüht sich, Verstehen für die höchste Idee, die der Sittlichkeit, zu werben. Dann tiefe Gongschläge Da liegt das tapfere Schneider lein im Bett und räkelt sich. Bon diesem Augenblid an herrscht völliger Zusammenhang zwischen Bühne und Zuschauerraum. Aufmerksam und verständnisvoll folgen die zahlreichen Augenpaore jeder 59] Der Mittelweg. Bon Sir Philip Gibbs. = Berlin scheint voll mit reichen Leuten," sagte Bertram, ,, fie trinken und tanzen und lassen sich's wohl sein." Das Mädchen fah sich im Lokal um und machte eine Gebärde des Efels. Meistens Ausländer, die hier verkehren, und " Schieber". Dies ist nicht das wahre Deutschland. Dies ist dieselbe Hölle wie in anderen Weltstädten London, Paris, New York." " Sie fennen London?" " Sehr gut sogar Bor dem Kriege war ich Tänzerin dort. Im Empire. Wie geht's dem lieben, alten Piccadilly?" „ Steht noch am selben Platz," sagte Bertram. Wie erinnerte ihn die Linie ihres Halfes an Joyce. " Ich möchte wohl wieder nach London zurück," plauderte fie weiter. Hier muß man schlecht werden oder verhungern. Ich habe eine Schwester, die wollte nicht schlecht werden. Sie ist Schneiderin und verdient nicht so viel, wenn sie den ganzen Tag arbeitet, daß sie sich mal ein neues Hemd kaufen kann. Wenn sie ihre Sachen wäscht, kann sie den Tag nicht ausgehen. Jetzt hat sie Tuberkulose durch Unterernährung." " Unterernährung? Was ist das?" Denn das Mädchen hatte das letzte Wort deutsch gesagt. Hunger ist der richtige Ausdruck dafür. Hier leiden alle, die anständig bleiben wollten, an Unterernährung. Meine Mutter ist im Kriege dran gestorben, als wir alle, ob anständig oder nicht, nichts zu effen hatten, ihr Engländer habt uns so leiden lassen. Durch eure Blockade." Ja," sagte Bertram. " Es war grausam, wie? Und nach dem Kriege habt ihr die Blockade aufrechterhalten, bis der Friede unterzeichnet war. Ihr habt Krieg ge ührt mit unseren Kindern und Tausende getötet, damit der Hunger uns zur Uebergabe zwingen sollte. Das war nicht, was ihr ehrliches Spiel nennt. „ Es war das Kriegsfpiel ihr hättet uns noch schlimmer behandelt, wärt ihr die Sieger gewesen." „ Das fann sein. Der Krieg ist vielleicht ebenso grausam wie der Friede. Die meisten Männer sind Teufel, und die Frauen Teufelinnen." " Es gibt auch noch anständige, wenn das Glück ihnen das gönnte. Und zwar der Durchschnitt." Sie wenigstens find nicht graufam," antoortete fie. Sie find gut. Sie haben gute Augen und sprechen mit mir, wie Im dunkelsten Berlin, in der Aderstraße, liegt die Schrippenfirche". Da versammellen sich am Sonntag vor Weih nechten siebenhundert arme Männer, meist aus dem Obdachlosenasyl, die hier mit Kaffee und Weihnachtsstollen bewirtet wurden. Der Saal war weihnachtlich geschmückt; zwei hohe Tannenbäume branndeuerte nur eine Stunde. In der Klosterkirche spielte sich das felbe ab. Jm Waisenhaus. Das städtische Weisenhaus in der Alten Jakobstraße er fegt 540 Kindern das Elernhaus, went auch nicht alle Kinder Vollwaisen find. Am Dienstag wurde eine stimmungsvolle Feier vermit einer anständigen Frau. Ich könnt' Sie lieb haben, was meinen Sie dazu?" Ich muß nun gehen," sagte Bertram. Sie hielt ihn beim Arm fest, er aber rief„ Ober!", zahlte für den Wein und stand auf. Sie streckte ihm die Hand hin, und er nahm sie. " Sie sind, weiß Gott, zu gut für diese Welt," sagte sie mit eigentümlichem Lachen. Ich hätte früher sterben sollen," antwortete er ernst, im Kriege. Aber ich hatte kein Glüd." Lernen Sie lachen. Lachen Sie über dies graufame Leben, so wie ich." Sie haben seine Grausamkeit wohl erfahren," fagte er mitleidig. Bis zu dem Grund der Hölle," antwortete sie und lachte ,, Gute Nacht, also." schrill. " Gute Nacht, Liebchen." Sie beugte sich plötzlich nieder und füßte seine Hand, die auf dem Tische lag. Seltsam verstört verließ er das Restaurant. Als sie sich über feine Hand gebeugt hatte, um sie zu füssen war sie ihm wieder wie Joyce erschienen. Und dieses verdorbene" Mädchen war gütiger zu ihm gewesen als Joyce. Das war ein schrecklicher Gedanke. Schließlich war auch Joyce schlecht. Sie war zu Kenneth übergegangen, ohne die schwere Bersuchung, die dieses deutsche Mädchen sich verkaufen ließ, um der Unterernährung, die dasselbe ist wie Verhungern", zu entgehen. 44. Am nächsten Tage fand Bertram seine Schwester zu Hause. Sie hatte ihn schon voll freudiger Aufregung er wartet, und Bertram war ganz überrascht, wie sie vor Glück ftrahlte, als sie ihn begrüßen fonnte. Ste umarmte ihn lachend und weinend vor Freude, hielt ihn von sich ab, um zu sehen. ob er sich sehr verändert hatte, und zog ihn dann wieder mit überströmender Zärtlichkeit an sich. Er verstand nicht. was es für sie bedeutete, wieder jemand von den Ihrigen bei sich zu sehen, nachdem sie den ganzen Krieg in Feindesland gelebt hatte. Sie hatte sich sehr verändert. Trotz ihrer achtundzwanzig Jahre war ihr brauner Knoten hier und da schon grau gefärbt, und ihr schönes Gesicht trug die Spuren vergangener Sorgen. Und irgendwie war sie deutsch geworden. Es war etwas Hausfrauliches an ihr, nicht nur in der Art ihrer Kleidung, sondern in ihrem ganzen Aussehen. beschreibung des Täters zutrifft, wiedererkannt. Goslar bestreitet, will auch an der Rundgebung in der„ Neuen Welt" am 24. November und dem nachfolgenden Demonstrationszug nicht teilgenommen haben. Diejenigen Personen, die sonst noch Gos ar an dem froglichen Abend in der Neuen Welt" oder in der Nähe des Taloris, am Mariannenplag gesehen haben, werden gebeten, sich im Polizeipräsidium im Zimmer 241, 264e oder 2621 zu melden. Alles wollte sie wissen; von den Eltern, von dem armen Digby und Susan, und von ihm selber und Jonce, ihrer schönen Schwägerin, die sie nie gesehen hatte. Bißchen viel auf einmal," scherzte Bertram. Aber es würde länger als einen Monat dauern, sollte ich Dir alles erzählen, und das meiste ist sehr traurig.'" 4 ,, Dann erzähle du nur einen Monat lang. Einst war ich ausgehungert nach Lebensmitteln wir haben die beiden letzten Kriegsjahre beinahe von nichts gelebt, jetzt bin ich ausgehungert nach Nachrichten von daheim. Ich verzehre mich nach jedem fleinsten Bißchen." Aber zu einer vertraulichen Aussprache fam es nicht, da Dorothys Gaite, der Baron von Arenberg eben hereintrat. Es war ein militärisch aussehender Mann um die Dreißig herum, mit gewandten Manieren und einem hübschen, gutmütigen Gesicht, dem die grauen Augen und der kleine blonde Schnurrbart einen hellen freundlichen Ausdruck gaben. Er tauschte mit Bertram einen festen Händedruck und zeigte sich erfreut, Dorothys Bruder zu begrüßen, den ,, fie so liebt". Aus Dorothys Briefen wußte Bertram, daß sein Schwager meistens an der russischen Front gestanden hatte und nur ganz zuletzt nach dem Westen abkommandiert worden war. Er bemerkte, daß seine Frau in galanter Berehrung die Hand füßte und wunderte sich zuerst darüber, bis er später sah, daß es in diesen Kreisen allgemein üblich war. Bei Tische war die Unterhaltung nur oberflächlich, da Bertram alle peinlichen Themen vermied. Auf die Erkundigungen nach Joyce antwortete er, sie wäre zu Besuch bei Bekannten in Frankreich, und über den Zweckt seines Besuches in Deutschland befragt, gab er die Auskunft, daß er etwas journalistisch tätig sei und die Zustände in Deutschland, den Geist des Boltes und dergleichen fennenlernen möchte. Dorothy und ihr Gatte warfen sich einen Blick zu. Sie wären froh, daß endlich jemand von England herüberkam, um die Wahrheit über Deutschland zu schreiben. Denn das falsche Bild, das die englischen Zeitungen darüber gäben, wäre furchtbar. Direkt grotest," sagte von Arenburg. Wieso denn?" fragte Bertram. " In jeder Weise," sagte Dorothy. Drüben behaupten fie, Deutschland würde ungeheuer reich, daß die Leute keine Seuern zahlen brauchten, daß die deutsche Mark absichtlich gedrückt würde, um den Weltmarkt zu erobern, daß die Revolution eine Farce und die vorgebliche Berarmung des Boltes ein Betrug sei." ( Fortsetzung folgt.) Bauunglück in Königswusterhausen. 1 Toter, 4 Schwer- und 5 Leichtverlehte. Kurz bevor in den vielen Arbeitsstätten der Riesenstadt am Borabend des Festes die Werkzeuge beiseite gelegt wurden, zerriß ein schriller Mißton die friedlich heraufziehende Feierabendstimmung. Die schwere Arbeit des Handarbeiters hatte wieder ihre Opfer gefordert. In 10 Arbeiterfamilien ist am Festabend Trauer und Sorge eingefehrt. Beim Bau des Mittelmaftes für die neue Antennenanlage bei der Hauptfunktstelle Königswusterhausen stürzte am Sonnabend mittag 21 Uhr ein bei der Montage benuktes fogenanntes Fahr gestell, auf dem sich 10 Personen befanden, aus noch unaufge flärter Ursache aus 20 Meter Höhe herab. Von den 10 Arbeitern wurden 5 fáaywer verletzt, einer starb nach kurzer Zeit infolge Cungenzerreihung; die anderen vier Schwerverletzten haben Armund Beinbrüche erlitten, doch besteht nach ärztlicher Auskunft feine Lebensgefahr. Die übrigen 5 Abgestürzten tamen mit leichteren Verlehungen davon. Der Fall Kutisker. Ausdehnung der Untersuchung auf das Ausland. Die Verhaftung des Generaldirektors Kutister, Sie am Montag abend erfolgte, ist sicherem Vernehmen nach nicht allein auf die Tatsache zurückzuführen, baz Kutister im Berdocht stnd, sich seinen Verpflichtungen der Preußischen Staatsbant gegenüber entziehen zu wollen, sondern es scheint auch, daß jezt, nachdem diese Angelegen heit einmal ins Rollen gekommen ist, noch eine Anzahl ande rer Anzeigen gegen den Leiter der Steinbant erstattet worden find, deren Prüfung die Untersuchungsbehörde und vor allem die gerichtlichen Sohver, ändigen noch geraume Zeit beschäftigen wird. Rutister war in zahlreiche Klagen verwickelt, die sich aus den Gefäften ergaben, die er mit deutschen, vor allem aber mit ausländischen Firmen getätigt hat. Seit langer Zeit liegt er nun mit ciner sehr bekannten dänischen Firma im Prozeß, die ihm porwirft, auch mit ihr Luftgeschäfte gemacht zu haben, durch die den Dänen noch ihrer Behauptung ein in die Millionen gehender Schaden erwachsen ist. Rutister hat.e vor reichlich zwei Jahren nach seiner Angabe mehrere lettländische Staats- und Militärlager erworben, deren Ausbeutung ihm durch einen Vertrag mit der lettländischen Regierung überlassen sein sollte. Die Kopenhagener Firma wollte nun eincs dieser Lager von ihm faufen und es wurden auch alle Verträge nach dieser Richtung hin perfeft. Aehnlich, wie bei dem Hanauer Lager, ergaben sich jeht jedoch im letzten Augenblid ungeheure Schwierigkeiten, da die Besitzrechte mit einemmal nicht ge flärt weren. Die Verträge mußten rüdgängig gemacht werden und die dänischen Käufer strengten eine Entschädigungsflage an, da sie außer boren nicht unerheblichen Verlusten auch sehr starke Ausfälle dadurch gehabt haben, daß fie ihre Verpflichtungen, die sie bezüglich des Lagers in Lettland bereits eingegangen waren, nicht cinhalten fonnten. Diese Angelegenheit beschäftigt die Berliner Zivilgerichte bereits seit längerer Zeit und die Staatsanwaltfchoft will nunmehr auch diesen Fall, der mit der Hanauer Angelegenheit große Aehnlichkeit befizẞt, nachprüfen, um festzustellen, ob Kutister hier eine strafbare Handlung begangen hat. Im übrigen wird auch jetzt von der Behörde der Fall der Preußischen Staatsbant untersucht werden, besonders nach der Richtung, ob Kutister versucht hat, Personen, die in einem festen Berhältnis zur Staatsbant standen, Geschenke oder Zuwendungen anzubieten. Tag und Nacht Vernehmungen. Eine neue Berhaftung. Die Vernehmungen in Sachen Kutister werden von den beiden Sonderdezernaten, die auf Beranlassung der Staatsanwaltschaft gebildet worden sind, Tag und Nacht fortgesetzt. Kutister erlitt in der letzten Nacht einen seelischen Zusammenbruch und mußte wieder in das Untersuchungsgefängnis gebracht werden hier wurde fein Verbleiben nur dadurch ermöglicht, daß ständig ein Arzt bei ihm mar. Da er bei seinen vielseitigen geschäftlichen Unternehmungen felber nicht mehr flar fielt, scheint er sich jetzt zu, bemühen, über alles restlose Aufklärung zu geben. So wurde gestern nacht nach dem Zusammenbruch Kutisters der Generaldiref= tor Gustav Blau aus der Tiergartenstr. 34 zur Bers nehmung herbeigeholt. Durch verschiedene Umstände schwer belastet, murde auch er sofort verhaftet. Blau, der im 43. Lebensjahr fteht, bewohnt in der Tiergartenstraße eine Iuguriös einge richtete Willa. Er beschäftigte sich zuletzt mit An- und Verkauf von Grundstücken, Häusern und industriellen Unternehmungen und schreckte vor den größten Ankäufen nicht zurück. Selbst während der Feiertage werden zwei Staatsanwälte unablässia für die weitere Aufklärung der Angelegenheit tätig sein. Die Arbeiten werden mit der größtmöglichsten Beschleunigung erledigt. Die Zeugen werden mit Automobilen zu den Bernehmungen geholt, die erforderlichen Durchsuchungen werden an Ort und Stelle und mit peinlichster Genauigkeit vorgenommen. Die Angelegenheit des Michael Ron 3erns steht mit der Sache Kutister in teinerlei Berbin. o ung Der Schrecken der Pensionäre. ristische fast alles nete Ctude. Thre Beute aus dem letzten Diek. stahl vom 18. d. M. schafften die Täter mit einem gelben ledernen Stupeetuite. meg, der en in das Leder gepres eie siebenzadige Krone und darumetr die Buchstaben R. E. trägt. = Zwei Bürgermeister in Tempelhof? tischen Abbau unseres Genossen Bürgermeister Groß von der In der letzten Bezirksverordnetensizung wurde nach dem pofie schwarzweißrotgoldenen bürgerlichen Fraktion der„ Ersatzbürger. „ Taschenbuch der Arbeit." Der Diez Berlag hat in diesem sozialdemokratischen Fraktion verließen mit den Kommunisten den meister" Dr. Bruno Wüste feld proflamiert Die Mitgli der der Jahre den Arbeiter Notiz kalender unter dem Titel Saal, nachdem Genosse Huhn folgende Erklärung zu Protokoll geTaschenbuch der Arbeit" in einer ganz neuen Form ergeben hatte:„ Aus der Entscheidung des Kammergrichts geht flar scheinen lassen. Der Taschentalender ist in g'eichem Maße ein Haus- und eindeutig hervor, daß der Abbau des Bezirksbürgermeisters Groß fale der geworden, sozusagen ein kombiniertes Haus- und Taschen- cus po itischen Gründen erfolgt und deshalb nach der Preußischen büchlein. Interessante Beiträge geben dem kleinen Sammelwerf ein Ber onalabbauverordnung und den dazu erlassenen Verfügungen der bedeutsames Gepräge. Das„ Taschenbuch der Arbeit" präsentiert sich preußischen Ministerien unge eglich ist. Wir betrachten in einem sehr schönen Ganzleinenband Preis 1,50 M. Zu beziehen baut und sprechen der Bezirksversammlung das Recht ab, neben deshalb den Bürgermeister Groß als nicht abge. durch die Buchhandlung J. H. W Dietz Lindenstr. 2. den Bürgermeister Groß noch einen Vorsitzenden des Bezirksamtes zu wählen. Die heute auf der Tagesordnung stehende Wahl müssen wir als ungeseßliche Handlung bezeichnen, an der wir uns wegen der daraus entstehenden Folgen, auch in finanzieller Hinsicht, nicht beteiligen werden. Die Verantwortung für die finanzielle Schädigung der Stadt Berlin müssen wir der bürgerlichen Mehrheit der Bezirksversammlung überlassen." Vor dem Wahlakt vergoß der Vorsteher noch einige Krokodilstränen und sprach dem abge. bauten Bürgermeister den Dank der Bezirksversammlung aus. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 25. Dezember. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Choralfantasie über Vom Himmel hoch, A. Böhme( Dr. Artur Böhme, auf dem Schiedmaver- Meisterharmonium). 2. a) Weihnachtslied. Scharwenka, b) Weihnachtsspruch, Radecke( Karl Burkhardt, Bariton). 4. Aus dem Gesangbuch: Brich an, du schönes Morgenlicht, M. v. Schenkendorf Joh. Schulzke. Bibelsprecher). 4 Hirtenmusik aus dem Weihnachtsoratorium. Joh. Seb. Bach( Alfred Fuchs, Violine). 5. Ansprache des Herrn D. Habicht, Pfarrer an St. Petri. 6. Ein Kind ist uns zum Heil geboren, Joh. Wolfg. Franke( Karl Burkhardt, Bibelsprecher). 8. Wir grüßen den heiligen Morgen. Nolde( Karl Bariton). 7. Neutestamentliches Weihnachtswort( Joh. Schulzke, Burkhardt, Bariton). 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erder zählt: Die Weihnachtsmelodie in fremden Ländern: 1. Weihnacht auf fremdem Meere, E. v. Wildenbruch. 2. Das Santo Bambino in der Campagna, bearbeitet von Stökl. 3. Fritjof Nansens drei Weihnachtsabende im Polareis, bearbeitet von Stökl. 4. Grönländisches Weihnachtsidyll, R. Fuchs.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 8.30 Uhr abends: Mozart- Wagne.- Abend. unter Mitwirkung von Emmy Bettendorf von der Staatsoper Berlin, Sopran, uud Cornelius Bronsgeest von der Staatsoper Berlin, Bariton. Dirigent: Otto Urack. 1. Ouvertüre zu der Oper Die Zauberflöte". 2. Der Vogelfänger bin ich ja, aus der Oper Die Zauberflöte"( Cornelis Bronsgeest). 3. Ach, ich fühl's. aus der Oper Die Zauberflöte" ( Emmy Bettendorf). 4. Ein Mädchen oder Weibchen, aus Oper„ Die Zauberflöte"( Cornelis Brousgeest). 5. a) Bei Männern. welche Liebe fühlen, aus der Oper„ Die Zauberflöte", b) Reich' mir die Hand, mein Leben, aus der Oper Don Juan"( Emmy Bettendorf und Cornelis Bronnsgeest). 6. Ouvertüre zu der Oper Tannhäuser". 7. Gebet der Elisabeth, aus der Oper Tannhäuser" ( Emmy Bettengorf). 8. Lied an den Abendstern( Cornelis Bronsgeest). 9. Vorspiel zum dritten Akt der Oper Die Meistersinger von Nürnberg". 10. Fliedermonolog und Duett Sachs und Evchen, aus der Oper Die Meistersinger von Nürnberg"( Emmy Bettendorf und Cornelis Bronsgeest). Das Orchester besteht aus den Mitgliedern des Berliner Philharmonischen Orchesters. Königswusterhausen, Donnerstag, den 25. Dezember. 11.30-12.50 Ubr nachm.( Welle 2800). Erinnerungskonzert der Hauptfunkstelle unter Verwendung von Schallplatten und einer Phonola mit Flügel. I. Teil: 1. Das ist der Tag des Herrn. 2. Hoch Heidecksburg, Marsch. 3. Ouvertüre zu Die schöne Galathée. 4. Die Nachtwandlerin„ Ach Gedanken nicht vermessen". 5. La Traviata. 6. O kehr' zurück aus, Undine". 7. Adagio von Corelli. 8. Die Uhr, Ballade von Löwe. 9. Gavotte en Rondeau. 10. Die Nachtigall. II. Teil: 11. Alter Jägermarsch. 12. Der letzte Postillon vom Gotthardt. 13. Dreamy Hawai, Hawaiian- Gitarren. 14. E Zuger, Schwyzer Ländler. 15. Das Munotglöcklein. 16. Zentlinger Buab'n. 17. Feuert los, Marsch. Freitag, den 26. Dezember. 9 Uhr vorm. Morgenfeier. Pfarrkirchenchor. S. Matthias, Dirigent, Dr. Wilhelm Schosland singt: 1. Es ist ein Reis entsprungen( vierstimmig), Alte Melodie 1599, Bearbeitung Michael Praetorius. 2. Christkindleins Wiegenlied( vierstin mig). 17. Jahrhundert, Melodie J Seb. Bach, Bearbeitung Robert Fuchs. 3. Weihnachts- Wiegenlied( fünfstimmig) 14. Jahrhundert Bearbeitung Herm. Kretzschmar. 4. Transeamus, einstimmiger Männerchor mit Frauenduett und Klavierbegleitung, Komposition Schnabel. Ansprache: Kaplan Hellmuth Fahsel. Geige: Frau Prof. Gabriele Wietrowetz. 1. Ave verum, Mozart. 2. Violinromanze in F- Dur, Beethoven. 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik. Berliner FunkBronsgeest. V. Veranstaltung. Auf vielfachen Wunsch Wiederkapelle). 7.30 Uhr abends: Sendespielbühne. Leitung: Cornelis holung der Oper„ Der Barbier von Sevilla". Komische Oper in zwei Akten. Text nach Beaumarchais von Cesare Sterbini. Musik von Gioacchino Rossini. Für den Rundfunk bearbeitet von C. Bronsgeest. Dirigent: Otto Urack. Graf Almaviva: Maximilian Willimsky; Doktor Bartolo: Peter Lordmann; Rosine, dessen Mündel: Alexandrine Alexandrowa; asilio, Musikmeister: Leo Schützendorf; Figaro, Barbier: Wilhelm Guttman; Fiorillo: Artur Neudahm; Notar, Offizier, Diener. Soldaten, Musikanten. Orchester von der Großen Volksoper. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Königswusterhausen, Freitag, den 26. Dezember. mann. 11.30-12 50 Uhr nachm.( Welle 2800). Konzert der Hauptfunkstelle. Mitwirkende: Margarete Timner, Gesang; Lotte Tuch am Flügel; Max Korbanek, Violine; Werner Sebaldt, Flöte; Wilhelm Buchmann am Harmonium. 1. Eine Weihnachtsmusik, W. Buch2. a) Mariä Wiegenlied, Reger. b) Ave Maria, Gounod. 3. Adagio, Spohr. 4. a) Andante religioso, Sinding, b) Chanson triste. Tschaikowsky. 5. a) Weihnachtslied, Berger, b) Frühlingslied mit Flötensolo, Mendelssohn, c) Il re pastore( Violinsolo) Mozart. 6. Romanze, Reger. 7. Nachtigallenlied, Händel. 8. a) Lied eines alten Fischers, Halvorsen, a) Chant de Veslemöy, Halvorsen. Sonnabend, den 27. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Von einer Diebesbande, die es besonders auf wertvolle Garderobe abgefehen hat, werden seit einigen Wochen namentlich die Benficcate im Westen der Stadt heimgesucht. Die Spezialisten bringen mit Nachschlüsseln durch die Korridortüren ein und stehlen gewöhnlich auf den nächst gelegenen Zimmern alle erreichbaren Werte. Zum Einpaden der Beute bedienen sie sich meistens der in den Rimmern stehenden Koffer oder dergleichen. Sie arbeiten außerordentlich schnell und getäuschlos, so daß sie nur in den seitenften Fällen gesehen werden. Ihr Verhalten erwedt aber niemals Berdacht und man läßt sie ungehindert gehen. Die Geschädigen nehmen oft an, daß Hausangestellte oder sogar Gäste die Täter sein müssen, weil sie fich gar nicht erklären fönnen, daß ein völlig Fremder mit einer derartigen Sach- und Ortskenntnis vertraut sein foll. Namentlich ist es ihnen unbegreiflich, wie die Täter die meistens irgendwo versteckten Zimmerschlüssel ohne weiteres haben finden fönnen. Die Diebstähle werden in der Regel nach mittags zwischen 2 und 5 Uhr verübt, weil in dieser Zeit der geringite Verkehr herrscht Neuerdings haben die Spezialisten ihr Arbetsfeld noch der Friedrichstadt verlegt zu den Leidtragenden gehört u. a. auch ein Mitglied einer hiesigen Gesandt'chaft, dem fast feine ganze Garderobe entwendet worden ist. Es sind charafte- dienst. 4 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Abt. Bildungskurse). Sprachunterricht. Dir. Jul. Glück: Esperanto". 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Vortrag San.- Rat Dr. Paul Frank, Direktor des Rettungsamtes der Stadt Berlin:„ Einrichtungen für erste Hilfe in Fabrikbetrieben". 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Abteilung Hochschulkurse). Oberpostrat Dr. Harbich, Leiter der Funkabteilung im Telegr.technischen Reichsamt: Einführung in die Funkentelegraphie und-Telephonie". 8 Uhr abends: Vortrag Ober- Regierungsrat Dr. ball. Die" Ballmusik wird von der verstärkten Berliner Funk v. Köbke:„ Der deutsche Einzelhandel. 8.30-12 Uhr abends: Funkkapelle ausgeführt. Ball- Leiter: Alfred Braun und Karl Wessel. In den Pausen; Ballgespräche, Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, TheaterNeukölln als Versuchskaninchen. Die Berliner Städtische Gaswerte A.-G. teilt mit: In den letzten Tagen sind Mitteilungen veröffentlicht worden, nach denen ab 1. Januar 1925 eine Neuerung in der Einziehung der Gas- und Elektrizitätsrechnungen beabsichtigt sein soll Dies trifft mit Ausnahme des Neu. Pöllner Gebietes nicht zu. Nur dort wird vom 1. Januar nächsten Jahres ab ein anderes Einziehungsverfahren, das erhöhte Wirtschaftlichkeit verspricht, erprobt werden. Die Neuköllner Abnehmer sind bereits durch die Tageszeitungen davon benachrichtigt. In allen übrigen Teilen Berlins ist vorläufig eine Aenderung des zurzeit üblichen Einziehungsverfahrens nicht beabsichtigt. Von dem Ausfall des vorerwähnten Versuches wird seine Ausdehnung auf das ganze Versorgungsgebiet abhängen. Rechtzeitige Benachrichtigung der Kunden wird in diesem Falle nicht unterlassen. ,, Natürlich nur Sachlichkeit". Man schreibt uns: Seit Jahresfrist wird um die Anstellung von 43 Gewerbelehrern im fcgenannten Abbauausschuß der Ber liner Stadtverordnetenversammlung gefämpft". Trotzdem der ver storbene Bürgermeister Genosse Ritter und der Stadtschulrat Genosse Paulsen mit aller Energie im Interesse der Stadt und des Fachschul wesens für die Anstellung der 43 Gewerbelehrer eintraten, trotzdem unsere Genossen im Ausschuß, ausnahmsweise unterstützt durch den Kommunisten, stets für die Berlage stimmten, wurde sie von Deutschnationalen und Volksparteilern und einem Teil ihrer meinungslosen Mitläufer abgelehnt. Marristen traten dafür ein Grund genug für echte Bürgerblöckler, nein zu sagen. de= In diesen Tagen wurde die Vorlage nochmals beraten und battelos einstimmig angenommen. Jetzt hatte man auch nicht mehr auf seiten der bürgerlichen Schulförderer gegen den verhaßten Paulsen vorzugehen. Den hatte man inzwischen erledigt. Der volksparteiliche Oberlehrer Stadtrat Benede, zeitweilig im Nebenberuf Fachmann für Wertsangelegenheiten", verteidigte nun den Antrag des Magistrats da gab es keine fachlichen Gegens gründe bei Deutschnationalen und Boltsparteilern. Mit Stresemannhaftigkeit stimmten sie nun defür. Selbstverständlich liest es nur an der überzeugenden Fachtüchtigkeit des Herrn Benede, daß nach eine jähriger gewaltsamer Verzögerung nun endlich den Gewerbelehrern Recht geworden ist, so wird man wenigstens in der Rechtspresse behaupten mit derfelben Sachlichkeit, mit der Kirchner, Caspari und thre Trabanten ihre frühere Haltung jezt revidierten. „ Ja, wenn man alt wird..“ " Ja, wenn man alt wird.. fagte der Einbrecherveteran Gustav Tilte, als er sich bei einem Deckeneinbruch in eine Filiale con Loefer u. Wolf in Weißensee durch einen Kunstfehler verraten hatte. Tilfe ist 65 Jahre alt, davon hat er 25 Jahre einem Helfershelfer, dem 58 Jahre alten Arbeiter Lorenz hatte im Zuchthause, 8 Jahre im Gefängnis zrgebracht. Mit er gemeinsam ten Einbruch ausgeführt. Beide wurden von der Streifmannschaft in ihren Wohnungen verhaftet. Ein großer Teil von den gestohlenen Bigarren und Zigaretten, die sie erbeu.et hatten, wurde dort gefunden. Lorenz sehnt sich wieder nach der Irrenanstalt zurüd, aus der er erst im November d. J. entlassen worden ist. Dort so erzählt er befommt er ein fleines Gärtchen, fann darin bauen, was er will und hat feine Eorgen. So hoffen beide, als Zunftveteranen bis zu ihrem Ende in staatliche Obhut genommen zu werden. Die Milch einen Pfennig billiger. Die Ermäßigung des Großhandelspreises für Butter ermöglicht eine Herabsetzung der Milch preise. Diese betragen vom Sonnabend, den 27. Dezember 1924, ab: Für einen Liter Vollmilch ab Laden des Kleinhändlers 35 Pf., für einen Liter Vollmich ab Berliner Kuhstall 39 Pf. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert auf 10 Pf. je Liter bestehen. Englisch und Französisch. Anfang Sanuar beginnen die neuen AnfängerLurse für Kinder( Rachmittagsunterricht) und für Erwachsene( Abend unterricht). Die Anmeldungen finden statt in der 12. Gemeinde ichule, Winterfeldtstr. 16( nabe Nollendorfplaß), am Montag, den 29. Dezember, und Dienstag, den 30. Dezember, von 4-6 Uhr nachm. für Kinder, und von 7-9 Uhr abends für Erwachsene. Gen. Pfarrer Bleier spricht am 2. Feiertag abends 6 Uhr über„ Weib nachten". Sonntag, den 28. Dezember, vormittags 10 Uhr, über Nach Weihnachten". Sonntag, den 28. Dezember, abends 6 Uhr. Abendmusit. ( Ansprache Pfarrer Kleier). Neujahr vormittags 10 Uhr: Neujahrsfeier. Sämtliche Feierstunden finden in der Trinitatis tirche statt. In der Philharmonie finden an beiden Feiertagen Konzerte bes Philharmonischen Orchesters( Dirig. Prof. Hagel) ftatt. Solistisch wirken mit: Konzertmeister v. d. Berg, Veit( Viol.), Piatigorsky, Schulz( Cello). Eine Belann madhung über die Abgabe von Umfahlteuererklärungen 1924 beröffentlichen die finanzamter des Landesfinanzam sbezirks Berlin im Inset atenteil der vorliegenden Ausgabe. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, 2%, Uhr, im Deutschen Opernhaus„ Die toten Augen". Preis der Karte 1,20 Gm. Kleiders ablage frei. Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Heute, 2, Uhr, MASSARYRI MASSYRITTERY Ju MASSARYRITTER Liver MASTASY RITTER NAME UND BÜRGSCHAFT ZUGLEICH MAS SSARY ASSARRITTER TER im Staatstheater Charlottenburg Boffen aus Mt- Berlin". Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Morgen, Freitag, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhause Frohe Weihnachtsfeier. ftunbe. Großstadtfrühling", Chorwerk mit Mufit, Gesang und Tanz. Breis ber Einzelfarte 1 Gm. Starten find noch im Vorraum des Theaters zu haben Sonnabend, den 10., 17. und 24. Januar, abends 8 Uhr, und Sonntag, den 11. und 18. Januar, nachmittags 3, Uhr, im Schiller. jaal( neben dem Schillertheater) Musikalische Komödie. Preis der Starte 1 Gm. Atleiderablage frei. Starten für alle Beranstaltungen find zu haben im Bureau des Bildungsausschusses, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof II, Buchhandlung Borwärts, Lindenstr. 2, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Verband der graphischen Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5, V. Aufg, in allen Borwärtsspeditionen sowie bei allen bleuten der Kreisund Abteilungsbildungsausschüsse. Ein schlesischer Haarmann? Eine Vorratstammer mit gepöteltem Menschenfleisch. Nach einer Meldung aus Breslau wurde in Münsterberg ein Handwerksbursche, der bei dem unverheirateten Stellenbe figer Karl Dente um eine Gobe gebeten hatte, von Dente erfucht, in sein Haus zu fommen, um ihm einen Brief zu schreiben. Als fich der Handmertsburiche ahnungslos an den Tisch fezte, schlug Dente mit einer Spizhade auf ihn ein und verlegte ihn schwer am Ropf. Nach heftiger Gegenmehr gelang es dem Handwerks. burschen, zu entfliehen. Er meldete den Vorfall der Polizei, die Dente in Schutzhaft nahm und ihn in das Untersuchungsgefängnis einlieferte, wo er sich furz dorauf mit seinem Taschentuch er. hängte. Bei der polizeilichen aussuchung wurden in der Dentefcheen Scheune mehrere Töpfe mit gepöteltem Fleisch gefunden, das von medizinischer Seite als Menschenfleisch fest. gestellt wurde. Auch fand die Polizei zahlreiche Papiere von Hand mertsburschen. Es wird daher angenommen, daß Dente schon früher in zahlreichen Fällen Handwerksburschen in sein Haus gelodt und dann ermordet hat. Flugzeugkatastrophe in England. Der Luftexpreß London- Paris stürzte gestern fura nach seinem Aufstieg in Croydon ab und verbrannte. Der Flug zeugführer und acht Passagiere fanden den Tod. Das Projekt der Ruhr- Rhein- Schnellbahn. In der Schnellbahnfrage werden in der nächsten Zeit Besprechungen zwischen der Industrie und den Städten Köln, Düsseldorf, Duisburg und Essen stattfinden, in denen das endgültige Projekt festgelegt werden soll. Bei diesen Zusammenfünften foll auch über die Finanzierungsfrage Beschluß gefaßt werden. Nach Abschluß der Besprechungen soll das Schnellbahnprojekt der Deffentlichkeit übergeben werden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin GB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin frets an das Bezirkssefretariat, 2. Sof. 2 Tres. rechts, zu richten 2. Kreis Tiergarten. Abteilungstaffierer: Abrechnung der 3 Bros. 2. Quarial beim Kreiskaffierer Bauer, Stephanftr. 22, 11-12 Uhr. Montag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr, Sigung des geschäftsführenden Borstandes bei Krüger, Bulligftr. 10. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr, Gigung bes engeren Kreisvorstandes bei Kroiß, Holsteinische Str. 60. Um 9 Uhr ebenda Besprechung mit den Abteilungstaffierern. Alle Raffierer müssen erscheinen. Karten aur Silvestermufit" und zu ben Musikalischen Romödien" beim Genossen Chaym, Augustafstr. 6, Uhland 6954. JACOBI 1880 Unserm Genossen Eenft Stropp, Seit über 25 Jahren Mitglied dera Partei, au feinem 50. Geburtstage bie besten Glückwünsche. 105. Abteilung( Ablershof). menmamamama Gardinen 2000000000800 Sonderangebote Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn und Bruder, feiner Rinder treu forgender Bater, der Revisor Richard Obst am 22. Dezember cr nach schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die trauernden Eltern u. Geschwister nebst Kindern. Die Einäfcherung findet am Sonn abend, den 27. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulen weg ftatt. 443b Am 20. Dezember verstarb infolge Unfalls unser lieber Freund und Kollege, der Klempner Heinrich Franke. Ehre seinem Andenken! Berlin- Johannisthal, den 23 12. 1924 Seine Kollegen und Freunde. Die Beerdigung findet am Sonnabend, ben 27. Dezember 1924, aur dem Friedhof Johannisthal statt. Am 20. Dezember verschieb unser lieber, treuforgender Vater, Herr Adalbert Wolschke nach furzem, schwerem Krantenlager im 60. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Seine tieftrauernden Kinder Friedenau, Menzelftr. 19. Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Neukölln, Bergstr.67 am Ringbahnho. Neue Haare wachsen schon wieder! Reichel's Haartraft wasser Jufraft" wirtt Bunder nach 3maligem Einreiben. So lauten viele Anerfennungen M. 2,25 und M 3.50. 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Morgen, Freitag, den 26. Dezember: 16. Abt. Nachmittags 5 Uhr bei Krüger, Suffttenftr. 34, Weihnachtsfeier. 101. abt. Treptow. Am Weihnachtsfamilienabend bei Ritschte, Am Treptomer Bart 26, wirten mit: das Ebert- Mans- Quartett, die Jungfozialistische Spielvereinigung. Nachmittags Tanz. Eintritt 60 Bf. Beginn 5 Uhr. Rarten noch an der Raffe. Uebermorgen, Sonnabend, den 27. Dezember: 8. t. 7 Uhr im Nationalhof, Bülowftr. 37, großer Goal, Beihnachts feier. Anschließend Tang. Billetts find abzurechnen am felben Abend. Achtung, Bezirksführer! Laut Barteivorstandsbeschluß muß der Raffieret Gammellisten und Beiträge bis zum 31. Dezember abgerechnet haben. 9. Abt. Nachmittags 5 Uhr im Artushof, Berleberger Str. 29, gemütliches Beisammensein mit den Familien. 11. Abt. Sämtliche Listen und Beitragsmarken wollen die Bezirksführer fo fort beim Abteilungstaffierer abrechnen. 12. bt. Die Beihnachtsfeier für die Rinder findet abends 6 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 17, ftatt. 15. Abt. Nachmittags 5% Uhr bei Goldbach, Binetaplah, 7, Fahnenweihe und Feier der 35jährigen Parteizugehörigkeit des Genoffen Robert Goldbach. 102. Abt. Baumschulenweg. 6 Uhr Weihnachtsfeier ber Partei im gofal Borgmann, Baumschulenstraße, Ede Riefholaftraße. Gefang, Rezitation, Mufit. Die Genoffinnen und Genoffen werden gebeten, recht zahlreich zu er fcheinen. 108. Abt. Röpenid. 6 Uhr Beteiligung an der Weihnachtsfeier der Arbeiter. 120. bt. Friedrichsfelbe. Am 3. Feiertag bei Saberland Unterhaltungsabend jugend in der Dorotheen- Schule( Aula), Freiheit. mit Tanz. Eintrittstarten find beim Genossen Fuhrmann, Walderfee ftraße 42, aut haben. Sonntag, den 28. Dezember: 20. Abt. An Stelle des Frauenabends findet Sonntag abend 7 The ein ge mütliches Beifammenfein bei Bontte, Schulstr. 74, flatt. Sämtliche Ge noffen sowie Gäste willkommen. 51. Abt. Charlottenburg. Nachmittags 4 Uhr Weihnachtsfeier ber Rinder freunde im Wohlfahrtsfaal, Rönigin- Elisabeth- Str. 6. Anschließend gemüt fiches Beifammensein. Die Genoffen mit ihren Familien find heralicht eingeladen. 95. Abt. Reukölln. Billetts zur Weihnachtsfeier find bei den Bezirksführern und beim Raffierer, Genoffen Weidner, Steinmekfir. 16, zu haben. 136. bt. Reinidendorf- Oft Die Bezirtstaffierer werden ersucht, bis spätestens Sonnabend, ben 27. Dezember, mit dem Abteilungstaffierer, Genoffen Sonnenburg, neue Abreffe Wilteftr. 2, 8 Sr., abzurechnen. Jugendveranstaltungen. Weihnachtsfeiern am 2. Feiertag, abends 7 Uhr: Moabit: Schule Waldenferite. 20. Moabit II: Artushof, Berleberger Straße 26. Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenfit. 4. Reinidenborf- Weft: Jugendheim Sportplak Scharnweber. ftraße. Riederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 69-70. Schöneberg 1: Fahrt Nuthetal. Treffpunkt 29 Uhr Bhf. Schöneberg. Sonnabend, den 27. Dezember: Röpenick: Abends 6 Uhr in der Aula ber Dorotheen- Schule, Freiheit, Weihnachtsfeier, Gesang, Mufit, Rezitationen, Bescherung und Jugend fpiel. Mitglieder. Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2. Weihnachtsfeier nur für Sonntag, den 28. Dezember: Gibot Bannfee: Schule Charlottenstraße, abends Weihnachtsfeier. ( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66, abends 7 Uhr Weihnachtsfeier. Stegli I: Jugendheim Albrechtstr. 47, nachmittags 5 Uhr Weihnachtsfeier. Montag, den 29. Dezember, abends 7% Uhr: Hermsdorf: Jugendheim Roonstraße, Glaßbrenner- Abenb. Dienstag, den 30. Dezember, abends 7% Uhr: Norboft I: Jugendheim Bökowite. 40, Bortrag:„ Das Sosialiftengefek. Norboft II: Jugendheim Dansiger Str. 62, Bortrag: Unser Bandern. Brenzlauer Vorstadt: Schule Danziger Str. 23, Busch- Abend. Schönhauser Barftabt: Schule 3bfenftr. 17, Bortrag: Ridblid und Ausblid". Cibst ( Görliger Biertel): Schule Görliger Str. 51, Bottrag: Bursche und Mader Weften: Baugenertiule. Rurfürftenftr. 141, Distuffion: Ridblid unb us Blid. Charlottenburg: Jugendheim Refinenftr. 4, Distuffion: Rüblid und. Ausblid". Stenlik 1: Jugendheim Albrechtite. 47, Bortrag: Die Bec liner Dentmäler tünstlerisch und humoristisch botrachtet. Rentals IV: Solal Rum Bärwinfel". Steinhocftr. 21. Bortrag: Gemeinschaftserziehung Reufalls V: Jugendheim Schierteftr. 40, Distuffion: Richlid und Ausblid. 27 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäfts ftefie: Berlin G 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 Ez. Ramerabschaft Petershagen- rebersdorf: Am 2. Weihnachtsfeiertag, vormittags 9% Uhr, Treffen bei Safe( Förster- Klaufe), Nordkolonie, im Dienstanzug. Es ist Pflicht jedes Kameraden, zu erscheinen. Vorwärts- Inserate verbürgen Erfolg! Pelzmantel aufentaickenden Damassé Futter 250 M Nur gute und beste Qualitäten! Für stärkste Figuren! Nur wenige Tage! Verkauf soweit Vorrat! Plüsch- und Pelz- Mäntel Seal- u. 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Am 25. Dezember( 1. Weihnachtsfeiertag), findet im Reinidendorfer Schülkenhaus. Reinidendorf- Oft, Resibengftr. 1, ein Städte tinglampf ftatt. Beim ersten Rampf in Oranienburg tonnte der Berein " Jugendkraft" einen 4: 3 Gieg davontragen. Der Verein Walhalla" wird in dem Lommenden Rampfabend versuchen, ein anderes Resultat hervorzubringen, da Anfang der er mit verstärktem Rämpfermaterial antritt. Rämpfe um 8 Uhr. Am 1. Sandballspiel Freie Zurnerfdjaft Wilmersborf fpielt am 1. Feiertag, 18 Uhr nachmittags, gegen roh- Frei- Lichterfelbe auf bem Sportplag der FEB., Württembergifche, Ede 8ähringer Straße. Da beide Mannschaften in befannter Aufftellung antreten, ist ein gutes Spiel zu erwarten. feiertag im Bittoriagarten( Wilhelmsaue) Weihnachtsfeier. Das fehr reichbaltige Programm wird von den Mitgliedern des Vereins ausgeführt. Die Beranstaltung beginnt um 7 Uhr. Eintritt 1 M. Alle Genofsinnen und Genoffen find herzlichft eingelaben. Arbeiter- Turn- und Sportverein Frisch- Frei", Niederschöneweide. Sandball( 1. Jugend) sucht spielstarten Gegner auf feinem oder Gegners Plaz zum Gonntag, den 28. Dezember oder 4 Januar 1925. Anschriften an Arthur Winkelmann, Riederfchöneweide, Berliner Git. 42, 3 r. Am 1. Weihnachtsfeiertag Weihnachtsvergnügen in dem gänzlich neurenovierten Gaal des Restau pants Anffhäuser, Berliner Straße. Zur Aufführung tommen turnerische Borführungen. Theater und Tanz. Anfang 7 Uhr. Nachmittags 1 Uhr spielt die 1. Jugendmannschaft gegen Eiche"-Elstal. Um 2 Uhr freten fich die 1. Mannfchaften von Frisch- Frei und Eiche- Elstal gegenüber. Die 2. Mannschaft fpielt vormittags 11% Uhr. Die Fußballspiele finden auf dem Frisch- Frei- Sport plak ftatt. Arbeiter- Radfahrer- Bund„ Solibarität. Ortsgruppe Oberschöneweide: 25. Dezember: Weihnachtsfeier im Bereinslokal Siemensftr. 6, nachmittags 4 Uhr. Aus Anlaß des Bezirkssportleiterkursus, 10. bis 12. Januar, findet am Gonntag, den 11. Januar, im Gewerkschaftshaus, Großer Saal, ein Sportabend fiatt, nachdem gemütliches Beisammenfein. Die Bundesgenossen werden erfudit, fidh rege baran au beteiligen. Saalöffnung 4 Uhr. Eintritt 1 M. Für Räderaufbewahrung ist geforgt. Geschäftliche Mitteilungen. Sm Gaalben Friebrichshain seranstaltet ber Turnverein Fichie" am 1. Beihnachtsfeiertag eine Feftvorstellung. Reben Künstlern von Ramen wer den vom Verein noch turnerifche Vorführungen, lebende Bilder usw. dar. geboten. Am 2. Feiertag findet im Gaalbau Friedrichshain eine reichhaltige Bühnenschau ftatt. Bon Rünstlern find besonders die brühmte Bretti- Diva Siane Beischner, die bekannte fächfische Enpe George Roselli, Fred Walker, der glänzende Bandoniumvirtuos usw. zu nennen. Das Mandolinen- und Bandoniumorchefter Sonate" bringt unter feinem Dirigenten C. Senze ftimmungs volle Stüde zu Gehör. An beiden Tagen forgt Razi Bolfmann aus München mit feinen Oberländlern für Stimmung und Sumor. Ein großer feftball bet fbarfbefektem Orchefter beschließt den Abend. Alles für den Einheitspreis von 1 M. inkl. Tanz und Steuer. Wetter für Berlin und Umgegend. Vielfach bewölft, aber froden, in den Tagesstunden mild, nachts Temperatur bei Null. Schwache Binde aus weftlicher Richtung. Köstlich im Geschmack Sun A sind die neuen Aroma Salem Aleikum und Salem Gold Zigaretten in neuen vollen Formaten Ein Versuch wird Sie überzeugen Rot 4 Pfg.. grün 5 Pfg., Salem Cavalier 6 Pfq Cabinet& Pfg., Exquisit 10 Pfg.d. Stück Nur echt mit Firma: Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze" Jnh. Hugo Zietz, Dresden Bekanntmachung! Auf Grund der Verfassung des Preußi finden am Deutscher Metallarbeiter- Verband fchen Landesverbances jüdiſcher Gemeinden Achtung! Außenmonteure Achtung! Sonntag, ben 1. Februar 1925, die Wahlen zum Berbandstag ftait. Die Wählerliste für den Bezirk ber Jüdi Then Gemeinde zu Berlin( Wahlkreis 2 Groß- Berlin) liegt in br geit vom Die Anßenmonteur- Bersammlung fällt Umstände halber am zweiten Feiertag aus. Berhandlungen über Auslösungsfäge finden Anfang des nächsten Jahres statt. 4. bis 12. Januar 1925 Bericht über das Ergebnis biefer Ber im Berwaltungsgebäude der üblichen handlungen wird in der Metallarbeiter Gemeinde, Berlin N. 21, Oranienburger Seitung" bekanntgemacht. Straße 29 1. Simmer 33, während ber Dienftftunden( Sonntag 8-1 Uhr, Montag bis Donnerstag 8-4 Uhr, Freitag 8 bis 3 Uhr) für die Wahlberechtigten zur Ein fichtnahme aus Emforüche sind bis zum 12. Januar 1925 bei dem Borffand bee Jabifchen Gemeinde Ber in N. 24, Oranienburger Str. 29, fari tlich anzubringen Berlin, den 20. Dezember 1924. Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Berliner Uik- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/75 L Bekleidungshaus „ Kleingold" Weinbergsweg 261Treppe 8. Haus v. Rosenthaler Platz Bequeme Teilzahlung Herren- Paietots Die Ortsverwaltung. Warnung! Von anderer Seite wird sogenannte Sportwolle zum Preise von 6.- Mk. pio Pfd. offeriert Ein Vergleich dieser Wolle mit meiner wirklich guten Qualitätsware, die ich für 6.50 Mark pro Pid. verkaufe, beweist Ihnen sofort, daß ich mit meine reel en Jumper- Jackenwolle In Quali ät und Billigkeit von keiner Konkurrenz geschlagen werden kann. Wollvertrieb Bahnhof Börse An der Spandauer Brücke 7, im Hause von Café Dobrin. Verkauf v. 8-7 ununterbrochen Auf Adresse achten! 00000000012 Genossenschaft Herren- Anzüge Berliner ElektrikerDamen- Mäntel Damen- Kleider Die Waren werden hei Ausweis sofort mitgegeben! Vorzelver des Inserats erhält 8%% Sonderrabatt! ingeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Norden 1198 Herstellung elektr. Lidit-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel.. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit. 0000000 Nr. 607 41. Jahrgang Arbeitskunde. Bon Dr. Otto 2ipmann, Direktor des Instituts für angewandte Psychologie. 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 25. Dezember 1924 Winterfonnwendfeier. Arbeit bedeutet ein Stüd Kultur, eine Aeußerung menschlichen Lebens schlechthin, die als etwas Einheitliches im Bewußtsein zu verarbeiten ist; sie ist wie jede Kulturerscheinung sowohl unter dem Gesichtspunkte des Prozesses wie dem des Produktes zu betrachten. Die Arbeitsforschung ist zwar nicht eigentlich aus Nöten unseres gegenwärtigen Lebens entstanden, aber hierdurch doch wesentlich gefördert worden. Die Arbeits fun de nimmt im Gegensatz zu der mehr teoretisch gerichteten Arbeits wissenschaft direkten Bezug auf die der dringenden Lösung harrenden praktischen Aufgaben der Arbeitsgestaltung. Mit diesen Gedanken leitet Johannes Riedel das Sammelwert ein, das er unter dem Titel Arbeitstunde, Grundlagen, Bedingungen und Ziele der wirtschaftlichen Arbeit" foeben im Verlage von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin( 364 Seiten, 13 M., geb. 15 M.) herausgegeben hat. Das Buch ist von dem Leitgedanken beherrscht, daß die Arbeit als Lebenserscheinung fomplerer Natur ist, d. h. daß nicht einzelne Seiten dieser Erscheinung aus ihrem Zusammenhang herausgerissen, ja daß nicht einmal die Gesamterscheinung Arbeit aus ihrer Einlagerung in das Lebensganze herausgelöst werden darf, sondern daß die Erscheinung in allen wesentlichen Beziehungen erfaßt werden muß. Die Arbeitskunde hat daher zunächst die gegenwärtige Lage unseres Arbeitslebens verständlich zu machen durch Untersuchungen über die Geschichte der Arbeit, über die Wandlungen des Arbeitserlebnisses und über die arbeitshygienischen Wirkungen der Wirtschaftsentwicklung, die in der Darstellung der gesundheitlichen Lage der Gegenwart gipfeln. Einseitige Versuche, die vorhandenen, mehr oder weniger deutlich empfundenen Mißstände zu beheben, sind in neuerer Zeit: Sozialpolitik und Arbeitsrecht, Psychotechnik" und wissenschaftliche Betriebsführung; eine einheitliche Arbeitspolitik, die alle Seiten des Arbeitslebens in sich begreift, ist erst noch zu schaffen. Die Grundlagen der Arbeitskunde sind einmal anatomischphysiologischer, andererseits psychologischer Art. Bei der Behandlung der einzelnen Probleme der Arbeitskunde endlich find an erster Stelle die Wirkungen zu untersuchen, welche die dingliche und die menschliche Umgebung auf die Arbeiter und die Arbeit ausüben. Weitere Probleme der Arbeitskunde sind dann der Arbeitslohn, die Arbeitszeit, die Arbeitsmittel, die Beziehungen zwischen Berufsarbeit und Inhalt, der Freizeit, Berufsberatung, Berufsschulung, Betriebserziehung und der= gleichen mehr. Auf Einzelheiten der Arbeitskunde fann hier nicht einge gangen werden. Ich kann nur einzelne Gedanken des genannten Buches herausgreifen, die mir beim Durchblättern als besonders dankbare Objekte zum Weiterdenten aufge: fallen sind. Staatspräsident hell pach gibt folgende Definition: Arbeit ist jede fortgesetzte, angespannte und geordnete Tätigkeit, die der Erzeugung, Beschaffung, Umwandlung, Verteilung oder Benugung von materiellen oder ideellen Daseins gütern dient." Profeffor Reiter fügt hinzu: Arbeit ist ein notwendiger, das Ganze ursächlich bestimmender Bestand teil des Gesamtlebens und die Borausfegung einer gesunden Lebensharmonie. Für das außerberufliche Leben hat sie eine gewaltige Bedeutung; denn diefes erhält seinen Sinn zum großen Teil durch die Arbeit, und erst in ihm entfaltet sich Wende Dich, Sonne! Bon Urmin T. Wegner. Ihr Menschen in der Einsamkeit der Finsternis, ihr durstenden Brüder des Lichts! Die Zeit ist da, da das Dunkel am längsten bei uns auf der Erde weilt. Hinter Schleiern von Wolken und Schnee steht die Sonne, ein rotes verwundetes Auge. Die Zweige der Bäume fnarren im Frost, das Eis brüllt auf den Seen, durch die kahlen Straßen der Straßen der Städte schlept der Sturm feine fahlen Straßen der Städte schleppt der Sturm seine frostbehangene Schleppe. Gefangene, ruht ihr in der Winternacht. Aber die Stunde des schwächsten Lichtes auf der Erde ist auch die Stunde seiner Wiedergeburt. Haft allen Völkern der Welt ist die Berehrung der Sonne gleich, als der heiligsten Spenderin ihres Lebens. In ihr sah der Mensch den Inbegriff aller Schönheit und Herrlichkeit, eine unendlich erhabene, milde, Glüd und Frieden bringende Gottheit. Naturgemäß aber war der damit verbundene Rultus in den nördlichen Gegenden, die am meisten unter der Entbehrung der Sonne litten, am größten, weshalb sie den gesamten Jahreslauf der Sonne mit Festen begleiteten. Feuer ist das beste bei der Menschen Söhnen; und der Sonne Schein seine Gesundheit, wenn sie der Mensch besitzt und ohne Gebrechen zu leben." In diesen Jahrtausende alten Worten spiegelt sich deutlich die tiefe Sonnenliebe unserer Boreltern. Ihre Sonnenwendfeste waren die feierliche Entzündung eines großen Festbrandes an den vier Hauptstationen des Sonnenlaufes. Aber während sich das Klagefest zur Zeit der verwundeten Sonne" und des absterbenden Naturlebens in den Sonnenwendfeuern der Mittsommernacht des 21. Juni deutlich erhalten hat, ist das Fest der„ neugeborenen Sonne", das Fest der Weihnacht so sehr von christlich- religiösen Bräuchen verdeckt worden, daß sein alter erhabener, tief in dem Naturleben der nördlichen Völker wurzelnder Sinn in dem Bewußtsein der meisten Menschen fast ganz verloren ging. Der Gott des Lichts! Einäugig steht er am Himmel; denn er hat sein anderes Auge in Mimirs Brunnen verborgen, um einen Trunk der Weisheit daraus zu erhalten: es ist das Spiegelbild der Sonne im Wasser. Er hat es hingegeben um der tiefsten geheimnisvollen Weisheit willen, die im dunklen Grunde verborgen ist; denn der Begriff der Weisheit ist untrennbar mit der Sonne verbunden, eine tiefe innere Verwandtschaft, die darin liegt, daß wir unser ganzes Bissen aus der Anschauung schöpfen. Licht und Erkenntnis, Sehen und Wissen. Mit der Nacht", heißt es in der indischen Rigveda, weichen die Sterne wie Diebe vor dem Gott, der alles enthüllt. Mit folchem Lichte wandelst du durch den Himmel und durch die Luft ind scheidest den Tag von der Nacht, schützender Gott. Nach dem Duntel aufschauend, rufen wir zu dir, höchstes Licht. Nimm die Brantheit meines Herzens und die blaße Furcht von mir." Am O KOESTER „ Wer ist denn da draußen?" Ein kleines Kind. Es kommt angeblich aus Bethlehem und sieht auch ziemlich jüdisch aus." Jehört vermutlich auch zu dem Ostjudenjesindel, das der Severing importiert hat!" bei breiten Volksschichten das Eigenleben, allerdings unter der Bedingung, daß durch die Arbeit meder physisch noch pinchisch eine Ueberspannung der Kräfte erfolgt und im übrigen das außerberufliche Leben die Wiederherstellung der für die Arbeit notwendigen Kräfte gewährleistet." Zum Schluß feines Auffages über die Geschichte der Arbeit äußert ell pach einen sehr beachtenswerten Gedanken, dem ich hier die folgende Formulierung gebe: Es liegt weder ein logischer noch ein tatsächlicher Zwang vor, bei Maßnahmen der Arbeitsgestaltung die Schonung der menschlichen Arbeitsfraft im Auge zu behalten; aber ein Außerachtlassen dieses Gesichtspunktes würde vermutlich überhaupt zu einem Ende unserer Zivilisation, nicht aber zu einer fie rettenden Pflicht ethit der Arbeit führen. In demselben Sinne folgert auch Ministerialrat Koelsch aus seiner Betrachtung der arbeitshygienischen Wirkungen der Wirtschaftsentwid.ung, daß die schönsten aber hat gerade für unser nordisches Empfinden der Sonnenmythus sich in der Sage des deutschen Sonnengottes Balder erhalten. Balder ist der zweite Sohn Odins, eine helle Lichtgestalt, der mildeste und gerechteste, der weisefte und wohltätigſte unter den alten Götterriesen, den Asen. Um ihn vor Unheil zu schützen, hatte feine Mutter Frigg allen Dingen und Wesen den Eid abgenommen, daß weder Feuer noch Wasser, weder Stein noch Eisen noch Holz, meder Krankheiten noch Tiere ihn verwunden konnten. Einst vergnügten sich die Asen zum Scherz auf einer Wiese mit ihm, fchoffen und hieben auf Balder und freuten sich, daß nichts ihm schaden fonnte. Aber Lofi, der Gott der Finsternis, durch den alles Unheil in die Welt fam, war eifersüchtig auf Balder, und es gelang ihm, Frigg ihr Geheimnis zu entloden; denn unter allen Dingen hatte sie einem vergessen den Eid abzunehmen, der Mistelstaude. Loki schnigte einen Pfeil daraus, legte ihn heimlich dem blinden Asen Hod auf den Bogen und gab ihm die Richtung an, in der er schießen sollte. Der Pfeil durchbohrte Balder, der tot zur Erde fiel. Da errichteten die weinenden Götter auf dem Deck eines Schiffes einen ungeheueren Holzstoß, auf dem der Leichnam Balders brennend ins Meer trieb. Der Schein dieses Feuers aber ist die Abenbröte der Sonne, die jeden Abend am Himmel erstrahlt, wenn der tote Sonnengott unter der allgemeinen Trauer der Natur in der Glut des Meeres versinkt, denn alles Licht muß in das Dunkel zurück. Das Johannisfeuer der denn alles Licht muß in das Dunkel zurück. Das Johannisfeuer der mittsommernacht, der Holzstoß Balders" ist ein letztes Gleichnis dieser Totenverbrennung. Mit ihm aber auf dem brennenden Schiff finkt auch Nanna ins Meer, die Geliebte und Gattin, die Göttin des Lichtes die verdorrenden Gräfer und Blüten der Sonne nachfolgen. Pflanzenlebens, wie unter dem Strahl des schwächer werdenden Aber Balder wird wiederkommen, Balder kommt wieder. In der Weihnacht erhebt er langsam von neuem das strahlende Haupt und beginnt seinen Siegeslauf über Kälte und Finsternis. Wenn die alten Deutschen von ihren Jagden in den Wäldern durch den Winter abend heimkehrten und über den fahlen Baumkronen in purpurner Glut die Sonne erlöschen sahen, so begrüßten sie niederfniend vor ihr auf den Feldern, in ihren Druiden- und Götterhainen das wieder steigende Gestirn. Mit fugem Geschick hat die christliche Kirche diesen Tag, den Dies natalis invicti, den Geburtstag des Unbesiegten als ein christlich- religiöses Fest umzudeuten verstanden; wie auch die lichterbesteckten Tannen, die jetzt auf unseren Tischen erstrahlen, nichts anderes find als die Bäume, die unsere Vorfahren zu Ehren der das Gedeihen der Pflanzenwelt fördernden Mächte aufzurichten pflegten. Die grüngoldenen Mistelzweige, die man noch heute, namentlich in England, zu Weihnachten an die Decken der Stuben oder über die Zimmertüren heftet, find gleichfalls nur eine fromme Erinnerung an den verhängnis- und geheimnisvollen Mistelzweig, mit dem Balder getötet wurde, ein Symbol der Wiederbelebung der absterbenden Sonnentraft. Balder- Mythe und Chriftus- Mythe, beide sind einander im tiefsten verwandt. Beides find uralte Gleichnisse der Menschen. Industrie sich der Bedeutung einer rationellen Menschenökonomie bewußt bleiben muß. Arbeiten, fabrizieren ist notwendig, heute mehr denn je; Voraussetzung muß immer bleiben, die Arbeitsbedingungen derartig auszugestalten, daß eine gesundheitliche Beeinträchtigung der tätigen Individuen und des Boitstums hingehalten wird; Fortschritte der Technik und der Betriebsführung müssen mit Fortschritten der Gefundheitsfürsorge Hand in hand gehen." In seiner Abhandlung über die hygienische Gestaltung der Arbeit wird dies von Roelfch nochmals betont, daß nämlich ein intensives und enges Zusammenarbeiten aller hier in Betracht kommenden Faktoren, unterstützt durch eine aufgeflärte Arbeiterschaft, recht wohl selbst in gefährlichen Betrieben erträgliche bzw. gesundheitlich einwandfreie Arbeitsbedingungen zu schaffen und somit die Voraussetzung für eine rationelle Arbeitsgestaltung zu er schicksale und Hoffnungen, die sich durch die Jahrtausende erhalten haben. Balder und Christus, in beiden fymbolisiert sich die Gestalt eines Sündenbodes, des reinen und unbefleckten Schlachtopsers, die den alten Sühneriten ihr Gepräge gab. Der Uebertragung aller Menschenübel gerade auf einen reinen schuldlosen und auserlesenen Vertreter der Gemeinde zur Bühne für die Allgemeinheit folgten seine Austreibung cder sein Opfertod stets auf dem Fuße. Bei den alten Saturnalienfesten wurde durch das Los einer der Scaten zum König gewählt, erhielt die Insignien des Königs und wurde für das Heil seiner Mitstreiter dem Saturn als Opfer dargebracht. Auc Balder fiel wie ein Saturnalienfönig. Mit Recht hat man gleichfalls auf die tiefe Uebereinstimmung hingewiesen, die zwischen„ Icfus als Saturnalienfönig" und den Bräuchen besteht, unter denen er zum Opfertode geführt wurde. Doch Opfertod schafft neues Leben. Christus wird auferstehen. Balder wird wiederfchren. Immer wieder verjüngt sich die Welt im hellen Schimmer eines neuen Weltenjahres. Aber nicht nur den Tag und den Sinn des Wintersonnenfestes hat die christliche Kirche in ihren Kultus übernommen; auch das Bildnis der Sonne selbst nahm sie in die Formen ihrer Berehrung cuf. Ein auf Runenstäben eingeschnigtes ad bezeichnete einst den sie verehrt oder mit brei oder vier flammenden Speichen, den vier Weihnachtstag, den Tag der Sonnengeburt. Als volle Scheibe wurde gleichmäßig gebogenen Linien des Hatenkreuzes, jenes heiligen freie Menschen liebenden Zeichens, das der Geist der Finsternis heute für die Zwecke des Hasses und der Feindschaft zu mißdeuten versucht. Radfenster in den Fenstern der Gotteshäuser. Die Kirche, die den Noch heute erstrahlt das Sonnenzeichen, ein Symbol des Göttlichen, als die Kreuzesglorie hinter dem Haupt des Getreuzigten oder als Mythus zur Erleichterung ihres Sieges zu Hilfe rief, hat jedoch durch ihr starres und tyrannisches Dogma aud) den Geist des Mythus getötet. Bir aber, wenn wir heute zurückschauen auf den Weg von Jahrtausenden, wollen hinter dem Fest der Neugeburt des göttlichen Menschensohnes auch an das Fest des wiedergeborenen Lichtes denken und mit ihm das Fest der Weisheit und bes Lebens feiern. Wir ,, die den freien, spielenden Mythus lieben und das Dogma verachten, wie die Erwachsenen liebend zurückschauen auf das Märchen der Kinderzeit und doch demütig vor der Unendlichkeit bes Weltalls, vor dem Bunder des Lebens ihm nicht weniger unbegreifend gegen. überstehen wie die Kinder. Jenen Mythus, in dem die tiefe Ber. geistigung der Natur, liegt, dessen Wesen es ist, ihrer starren und unfühlenden Erscheinung menschliche Empfindung zu leihen. Menschensohn! Menschensonne! Berehren wir in dem einen den neuerstandenen Menschen, jene hohe strobe Lehre der Berg. predigt, die uns Chriftus, der reine, geopferte Mensch geschenkt hat, fo verehren wir in der anderen die Voraussetzung, die Spenderin und die Fülle unferes Seins, das Licht, das Leben und die Weisheit. Ja, mit den Alten spredjen mir:„ Die Sonne sah ich, so schien es mir, aís fähe ich eine herrliche Gottheit; ihr beugte ich mich zum. legten Male in der Menschenwelt." füllen vermag, die eben in der hygienischen Gestaltung der Arbeit, in guten Betriebs- und Wohlfahrtsetnrichtungen, in fortgesetzter Ueberwachung und Belehrung begründet sind. Gerade in unserer Zeit, in der die P r o d u k t i o n s» steigerung im Vordergrund des Interesses steht, darf weder über diesem Ziel alles andere, z. B. die Gesund- heit des Arbeiters, vergessen werden, noch darf man glauben, dieses Ziel nur auf dem direktesten Wege erreichen zu können. Meine Ausführungen zu dem Thema„Praktische Wirtschaftspsychologie" führen zu dem Schluß:„Nur eine ganz laienhafte Auffassung wird als einzige und beste Mög- lichkeit einer Produktionsvermehrung eine additive Vermeh- rung der aufzuwendenden Arbeit, die Verlängerung der Ar- beitszeit betrachten und es übersehen, daß als weiteres und wahrscheinlich besseres Mittel hier in erster Linie eine In- t e n s i t ä t s steigerung in Frage kommt. Eine höhere Ar- beitsintensität aber ist zu erreichen durch Rationalisie- rung der Betriebsmittel(Maschinen, Werkzeuge, Arbeitsmethoden), durch Rationalisierung der Be- triebsorganisation(Dauer und Einteilung des Ar- beitstages und der Arbeitswoche, Pausenordnung usw.), durch Steigerung des Arbeitswillens(durch geeignete Löhnungsmethoden, Gewinnbeteiligung und dergleichen) und durch Rationalisierung der Berufszuordnung." Ausführlicher habe ich diese Stellungnahme in meinem Buche„Das Arbeits- zeitproblem" begründet. In der„Arbeitskanve" wird das Kapitel„Arbeitszeit" von Dr. Hummel behandelt. Auch er kommt zu dem Schluß:„Ehe wirkliche sachliche Regelungen (der Arbeitszeit) Platz greifen können, die auch bei dem gegen- wärtigen Stande der Erkenntnisse schon in ziemlichem Um- fange möglich wären, muß danach gestrebt werden, die poli- tische durch die arbeitskundliche Orientierung zu ersetzen." „Die Entscheidung über das, was an mit der Arbeit zu- fammenhängenden Regelungen möglich und nötig ist, kann nur aus dem Verständnis der besonderen Betriebsauf- gäbe und ihren Lösungsbegebenheiten heraus gefällt werden." Das Mittel der wissenschaftlichen Betriebs- f ü h r u n g, mit dem Dr. Riedel sich näher beschäftigt, hat erstmalig der Rationalisierung der Betriebsmittel Unter- suchungen über die menschlichen Arbeitsleistungen im Betriebe zugrunde gelegt. Aber die verwendeten Methoden sind noch durchaus unvollkommen.„Ihnen mangelt ein ausreichendes wissenschaftliches Fundament, vor allem eine psychologische Grundlegung, ohne die auch das bisher Erreichte in seinem Wert höchst fraglich dasteht." Dieser Satz wird von Dr. S a n- der in dem Abschnitt„Arbeitsbedingungen" näher begründet: „Die technische Entwicklung des letzten Jahrhunderts hat steh in mechanistischer Einseitigkeit allzu oft über die seelischen Notwendigkeiten hinweggesetzt und den arbeitenden Menschen mechanischen Maßstäben unterworfen. Bis zum Unerträg- lichen gesteigerte seelische Spannungen sind die Folge der Ber- Bewältigung gestaltender Triebe in unangemessenen, jede motorische Gestallbildung ausschließenden Arbeitsvorgänge." Nicht die Arbeit und ihre Bedingungen als etwas Gegebenes und Unabänderliches hinzunehmen, sondern sie im Interesse des Arbeiters und der Wirtschaft umzuge st alten, ,st oas Problem, das uns alle heute befchäs- t i g e n sollte. Die Grundlagen aber für solche Umge- staltungen gibt uns das Studium der Arbeitskunde. dem keiner sich entziehen sollte, der es praktisch oder theoretisch mll der Arbell zu tun hat. Das uns vorliegende Buch„Arbeits- künde" stellt, wie der Herausgeber es ausdrückt, eine Samm- lung von Hilfen dar. für den, der intuitiv gestaltend im Ar- beitslsben steht: es kann von Nutzen sein für jeden, der in der Praxis als Unternehmer. Betriebsleiter, Organisator, Wirtschasts- oder Sozialpolitiker, Arbeiter. Betriebsrat, Ge- werkschaftsführer usw. an der Arbeitsgestaltung mitschafft, und der sich bemüht, wissenschaftliche Ergebnisie bei seinen Entschlüssen mit heranzuziehen und für den, der forschend. lehrend oder lernend in die Probleme der Arbeitskunde oder Arbeitsgestaltung einzudringen versucht. das Weihnachtsspiel. Von Anna Rubner-Schaah. Das war das viert« Dorf, in dem man chnen das Spi«l«n ver- weigerte. Welche fromme Gemeinde wird denn zugeben, daß das heilige Fest durch Komödiespielen verunglimpft wird! Sie wollten ja aber ein schönes, heiliges Weihnachtsspiel spielen, mit dem Christkindlein in der Krippe. Das war erst recht gottes- lästerlich, zumal es kein hölzernes oder wächsernes Christkindlein fein sollte, sondern ein lebendiges Komödkmtvnkind, das während Weihnachten bei Mutter Germania. .was fallen wir mit dem Aufbaukasten? wir wollen Maschinengewehre, Handgranaten und Trompeten!" der Verhandlungen, die der Senior der kleinen Truppe führt«, gierig aus der Mutterbrust seinen Hunger stillte. Der Bürgermeister kannte den Bescheid, den der Bürgermeister von hier und dort am selben Tag« den halb oerhungerten Menschen da gegeben halle; denn die Fama war schneller als di« müden Theaterleute, die ihre ganze Hab« in Bündeln mit sich trugen. Nun mochte der Bürgermeister kein schlechterer Christ fein als die anderen Bürgermeister; und da er in Wahrh«ll«in besser«? war, so taten ihm die Leutchen recht von Herzen leid. Aber er war ein ängstlicher Mann, und darum rief er den Pfarrer zu Hilfe. Eine halbe Stunde später waren die Komödianten wieder unter- wegs in den« schneidenden Wind, der in den Nachmittagsstunden den Nebel oerjagte und den Schncebrei auf den Straßen in Glatteis verwandelte und die feuchten Kleider brettsteif frieren ließ. Wende dich, Sonn«! So lautet auch in dieser Nacht unser Gruß. Heb« dich auf von Minute zu Minute, Stunde zu Stunde, Tag zu Tag. WanNe am Himmel, du strahlendes Angesicht und erhelle den Weltraum, daß die Pflanzen von neuem zu blühen beginnen, sich die Erde wieder begrünt. Rolle deine flammende Scheibe von der Höhe der Berge herab und fetze in Brand alle Dunkelheit, alle Kerker und Kirchen der Finsternis. Töte die gewaltigen Eisriesen des Unheils und dar Niedertracht, den verhängnisvollen Geist des Bösen und der Unterwell, der über den darbenden Völkern und unserer Zeit lastet, wie die Eisberg« einst dahinschmotzen vor dem Blicke Balders. Ziehe am Himmel deinen Pfad, leuchte mit deinem Licht, deiner Weisheit, deiner duldsamen Güte und Gerechtigkeit, großes strahlendes Menschenherz. Wir grüßen dich, steigend« Sonn«! vor öer öesiherung. Von Hermann Horn. Sieben Jahre war der kleine Hans und trug dos erste Jahr mit großer Würde seinen seehundfellenen Bücherranzen zur Schule. Heute kam er still und ernst wie gewöhnlich nach Hause. Cr hott« eine Schwester, um ein Jahr älter als er, die hieß Lisbeth. „Hans," sagte die unter der Haustür, wohin sie ihm entgegen. gelaufen war,„ich weih etwas Schönes!" „Du?" Er sah sie etwas verächtlich an. Was sie wohl Schönes wissen konnte? Sie trieb die Lust der Mitteilung. „Soll ich es sagen?" Er zuckte mit den Achseln.„Das kannst du machen, wie du willst." Ihr war durch solch« verächtlich« Teilnahmslosigkeit a'l« Freud- genommen, und das Weinen stand ihr nah«. du," begann sie. „Was hast du denn?" erwidert« er erstaunt. Er verstand sie nicht, sie war doch ein rechtes Mädchen. Doch das Staunen hatte ihrem beweglichen Gemüt wie Teil- nahm« geklungen.„Du," sagte sie,„dos Christkind ist bei der Mama. Man darf nicht ins Wohnzimmer." „Das Christkind?" Seine braunen Augen leuchteten«inen Augenblick auf. Dann fuhr er, fein Gefühl unterdrückend, verächtlich fort:„Dir glaub ich nicht." wandt« sich und schritt di« Stufen der Treppe hinaus. Seine Schwester folgte ihm, schon wieder ärgerlich, und als dos Dienstmädchen an ihnen vorüberging, da rief sie es an:„Gelt, Minna, das Christkind ist bei der Mama?" „Ich weiß nicht," antwortete das Mädchen, das gerade miß- gestimmt war. Hans warf Lisbeth«inen bedeutungsvollen Blick zu und ging ins Kinderzimmer. « Dort traf«r sein« Mama. Sie suchte nach etwas. „Du. Mama," redet««r st« an,„denk mal, was di« Lisbech gesagt hat: Du wärst beim Christkind da drin." Er deutet mit der Hand nach der Tür, di« ins Nebenzimmer führte. „Ja, ja," antwortete di« Gütige, und«in geheimnisvolles, ver- heißungsvolles Lächeln huschte über ihre Züge,„da drin ist es, und ihr dürft nicht hinein." Dadurch schmolz sein Unglaube. Er breitete die Arme aus, umschlang der Mutter Knie voll Inbrunst und sah ihr, das Herz in den Augen, ins Gesicht, und als er sprach, versagte sein« Stimme schier vor Jubel. „Ja, Mama?— Es ist drüben?— Ach, Mama, ich freue mich." Die Mutter hob den kleinen Kerl, den sie so siebt«, in die Höh«, küßt« ihn und erquickt« sich an seinen Augen. „Ja, es ist drüben und bleibt den ganzen Nachmittag bei uns. Deshalb müßt ihr hübsch ruhig und ortig sein und ja nicht ins Wohn- zimmer gehen." Jetzt war er beglückt und befriedigt und begann die absonder- lichsten Fragen zu stellen, denen die Mutter am End« entfloh, da im guten Zimmer Besuch wartet«. * „Na." begann Lisbeth drauf," wer hat recht gehabt, ich oder du?" „Ja, di« Mama hat's auch gesagt." Die Schwester trippelte im Zimmer herum. „Du, da drinnen ist's." „Ja. sei nur artig, damit es nicht fortfliegt." „Glaubst du, daß es so rasch fliegen kann, wie ein« Henne?" „Unsinn, eine Henne kann überhaupt nicht fliegen." „Aber ich habe neullch eine gesehen, die ist über den Zaun geflogen." „Das Christkind fliegt furchtbar schnell, schneller als der Wind, so schnell, daß man es gar nicht sehen kann." „O jeh, woher weißt du denn das?" „Dag ist so," sagt««r bestimmt. Nach einer kleinen Paus« nahm sie das Thema wieder auf. „Du, ich möchte es doch einmal sehen." „Das soll man nicht. Das Ehristtind ist der klein« Herr Jesus, und wenn man unattig ist und es ansieht, dann wird es arg traurig und weint, daß es so unarttge Kinder gibt." Sie rümpfte ein wenig das Naschen über fein« ernsthafte Phantasie. „Aber ich möchte doch einmal sehen," sagte sie nach einer Weil« sinnend„Du, ich glaube, es hat Flügel von Silber.— Nein golden« — oder wart, ich weiß schon— es ist«in großer Diamant, womit es fliegt. Das ist das Schönst«, was es gibt." „Ich hab's Euch ja gesagt— Weihnachten geht's nicht; aber di« Jungen wissen'? immer besser als die Alten." „Was hätten wir denn tun sollen? Hättst ja nicht mitkommen brauchen!" schrie ihm der„Held" durch den Wind zurück. Ja. fteisich, was hätten sie tun sollen? Ihr Direktor lag krank in dem letzten Dorf, das ihnen Obdach gegeben hatte, und sie hatten lang« kein Geld mehr in Händen gehabt. Es war doch immerhin eins Hoffnung gewesen, das mit dem Weihnachtsspiel. Als sie nun wieder«in Dorf auftauchen sahen, blieb die junge Mutter stehen und hielt di« anderen durch ihren Anruf zurück. „Soll ich Dir das Kind tragen," fragte der alt« Calllano. „Nein, ich will Euch nur sagen, weiter kann Ich nicht gehen, wir müssen in diesem Dorf bleiben. Es ist ja auch schon, sinster.— Wir dürfen hier nicht sagen, daß wir spielen wollen; wir müssen nur bitten, daß man uns übernachten läßt." Di« beiden Männer nickten bloß, sie hatten jeder schon dasselbe gedacht. Nur di« Alt«, die stumpf nebenher trottete, sagte: „Vielleicht lasten sie uns dcch spielen." Sie wartete darauf wie auf«in Wunder; denn Perdito sollte den Weihnachtsengel spielen, und sie die Mutter Maria; und sie hatte schon lang« keine so jugendliche Roll« mehr gespielt. Aber es kam nicht dazu, und sie waren froh, als der Gemeinde. diener ihnen«inen Wagenschuppen aufschloß und st« dann bei einer Stallaterne und einem Krug Wasser allein ließ. Der Schuppen war natürlich nicht geheizt, ober er bot doch«in Dach, und durch die breiten Ritzen der«wen Lattenwand drang duftend« Wärm« aus dem benachbarten Pferdestall. Sie schoben «inen Gemüsekarren, der flach imB niedrig wie ein« Bant war, an dies« Wand und kauerten sich nebeneinander hin, fest an di« warmen Bretter gedrückt, dicht aneinandergedrängt. „Was fangen wir nun an?" sagt« di« Perdita still vor sich hin. „Ja---*»r Held. „Ich will sehen, daß ich was zu essen bekomm«, rief Calllano und verschwand auch schon. Di« anderen drei saßen lang« da. ohne«w Wort zu sprechen; bis das Kind leise zu weinen anfing. Di« Perdita nahm es aus seinen dicken Tüchern und hielt das nackt« Körperchen«inen Augen- blick hoch gegen di« Laterne: „Ist sie nicht süß? Ist sie nicht schön? O wie süß bist Du. wie schön bist Du!" Schnell hüllte sie das klein« Geschöpf wieder«in. „Ich möcht's einmal so recht schön warm haben, damit ich sie doch einmal ordentlich sehen könnte!" Da kam Calllano mit einem großen Schwarzbrot. „Wo hast Du dos her?" Aber sie wartcttn seine Antwort nicht ab und fielen über dos Brot her. Wieder war Still« für«in« Weil«; sie aßen; gierig und hastig, als könnt« es ihnen genommen werden. Und auch das Kind mar still geworden, weil es an einer Brotrind« schabte mit den ersten Zähnchen, di« eben hervorgebrochen waren. „So, und seßt— dal" Calllano langt« in seine Tasche. „Ein Wachsstock!" jubelten sie los, und der Held schlug sich auf die Knie. „Nun wird's Weihnachten." „Ich Hab' ihn gefunden!" beteuerte Calliano, ohne ein« Frage abzuwarten.„Nein, wirklich gefunden," bekräftigt««r in die etwas ungläubigen Gesichter, die ihn anlachten. Sie zersckrnitten den Wachsstock und klebten die Stücke auf die zwei hohen Räder eines Hauewagen«, di« ihnen zugekehrt waren, so daß zwei leuchtende Bogen in dem Dunkel des Schuppens standen. „Unser Weihnachtsbaum— Dein erster Weihnachtsbaum," flüstert« Perdita zu dem Kind, das den Lichtern entgegenjauchzte. Und dann kamen di« Erinnerungen. „Dortqes Jahr war ich in Hildesheim engagiert; da hoben wir Sekt getrunken." „Hast ja schön Karriere gemacht." brummt« Calliano. Sie sah auf das Kind und drückt« es fester an sich. „Es kommt ja wieder anders— es kommt jn wieder anders." Und die großen Kinderaugen in dem schmalen Frauengesicht starrten tränenichwer in die Lichter. „Alle großen Künstler waren einmal an der Schmiere," sagte der Held. Die Klein« war in Ekstase geraten, und da sie nicht mehr ruhig stehen bleiben konnte, war sie der Tür« nah« gekommen, und nun blickt« sie keck zum Schlüsselloch hinein. „Lisbeth," rief Hans und kam an ihr« Seit«. Sie wehrt«, das Luge fest gebannt, mit den Händen ob. „Laß mich doch!— O du, ich kann alles sehen!" „Das Thristkind!" „Ach nein!— Di« Puppe, die ich mir gewünscht habe, die mit dem rosa Kleid und oen gelben Haaren. Der Kaufladen vom Speicher ist auch da, und aus dem Stuhl siegt etwas, das ist für dich. Es ist «in Schlitten oder«in Baukasten." Und da st« sich nicht mehr hatten tonnte, drückt« sie di« Ksink«. Die Tür« gab nach, und vor den Augen der Kleinen lagen die Wetp- nochtsherrlichkeiten, wie sie zusanimengetragen worden waren. Lisbeth hüpft« außer sich vor Entzücken von einem Stück zum anderen. Hans blickt« scheu hin und her, um dann seine Schwester am Arme zu fassen.„Ob das Ehristtind wegen uns fort ist?" fragte er sie. Aber die hört« nicht vor lauter Wundern und Freuen. Dem kleinen Hans schnürte es alles zusammen.„Wo ist da» Ehristtind hin?" begann er von neuen:. „Ach laß mich," erwidert« sein« Schwester.„Sieh doch nur, da ist auch ein« Uniform für dich!" Dann kam ihr jedoch, daß sie auf verbotenen Wegen war, und sie zog den Bruder aus dem Zimmer und mochte die Tür« wieder zu. Hans sah eine Weile mit gequälten Augen vor sich hin, dann blickt« er Lisbeth groß on und sagte:„Das war Sünde!" „Ach." erwidert« sie ärgerlich,„du bist ein dummer Kerl!" Gleich darauf eilt« die Mutter, ohne sich aufzuhalten, durchs Zimmer zu den Weihnochtssachen hinein. Scheinheilig schlich sich Lisbeth on di« Tür. „Du, Mama?" „Was ist's denn, Lisbeth?" „Darf ich jetzt herein?" Sie nickte dem Bruder, der aufhorchte, schlau zu. „Aber nein doch, Lisbeth. Ich hob euch ja gesagt, daß das Chrsst- kind bei mir sst." „Ja— war es die ganze Zeit da?— ach. ftag«s noch einmal." Ein« klein« Pause. „Freilich. Es war die ganz« Zeit da. Wartet einmal, da gibt es mir eben etwas für euch, weil ihr artig wart und nicht gelärmt habt." Das kleine Mädchen wandte sich triumphierend mit einem v«r- schmitzten Lächeln um den Mund ihrem Bruder zu. „Siehst bu?" Eine Weile darauf kam di« Mutter und brachte«in Körbchen. worin Aepfsl, Nüsse und Backwerk waren. Lisbeth stürzt? jubelnd darüber her. Als die Frau aber zu Hans kam, sah er sie mtt großen, gequälten Augen, tn denen dicke Tränen standen, on. ohne die Hand auszustrecken. »Oh. Mama," sagt« er klagend,»warum hast du gelogen?" Und dann kamen wieder die Erinnerungen. Und dann die| Lager, aber es war feiner unter ihnen, der nicht auch schon auf dem Pläne. Ganz heiß wurden sie zuletzt. -,, Na, und Du red'st ja gar nichts, Alte!" „ Ich was soll ich denn reden? Ihr habt noch Hoffnungen; Ihr habt Erinnerungen, und wer Erinnerungen hat, kann noch hoffen. Aber ich? Bei mir ist das immer so gewesen seit ich mich erinnern fann, zieh ich so herum. Die ersten Weihnachten, von denen ich weiß da hab' ich Schläge bekommen, als ich in geborgten weißen Atlasschuhen einen Engel spielte; da waren mir, als ich an der Krippe fniete, die Frostbeulen aufgebrochen und ich hatte die Schuhe beschmutzt. Und zur Strafe befam ich keinen Baum aber in Wahrheit hatten sie fein Geld, einen zu kaufen. So ist es mein ganzes Leben gewesen. Was soll jetzt für mich noch tommen?" ,, Ach, es ist immer noch besser, wenn man's nicht anders gekannt hat; fannst wenigstens nicht vergleichen." Da waren sie wieder still und trübe geworden. Mit heißen Augen fah die junge Mutter auf ihr Kind. Die Lichter gingen eines nach dem anderen aus.„ Stille Nacht", fing die Perdita an, und die Männer fangen mit. Als das letzte Flämmchen erloschen war und die Stallaterne wieder brannte, schoben sie den Karren von der Wand weg und machten sich ein Lager zurecht. Stroh war feines da, aber ein paar alte Decken fanden sie; so war es zwar ein hartes Theater Lichtspiele afw. Staats- Theater Opernhaus 6 U.: Tannhäuser 2. Feiertag 6 Uhr: Rosenkavalier Opernhaus am Königsplatz 7 Unr: Madame Butterfly 2. Feiertag 72 Uhr 7 Zauberflöte Schauspielhaus Wallenst. Lager Die Piccolomini 2. Feiertag 71/2 Uhr: Wallensteins Tod Schiller Theater 22 U.: Alt- Berlin 7 Das Konzert 2. Feiertag 21 Uhr: Candida 7: Das Konzert Gr. Volksoper 72 Boris Godunow Freitag 7: Fledermaus Volksbühne 21 Schluck u Jau 72Uhr: Sakuntala Freitag 21: Schneid.Wibbel 72 Schluck u.Jau Deutsch. Theater 1. u 2. Fe ertag 712 Uhr: Die heilige Johanna Nachm 2 Uhr: Rose Bernd Kammerspiele & Unr Die tote Tante und andere Begebenheiten Nachm. 3 Uhr: Frühlings Erwachen Freitag 8 Uhr: ,, 1913" Nachm. 3 Uhr: Frühlings Erwachen Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 1. u. 2. F. iertag 8 Uhr Der eingebildete Kranke Nac m. 3 Uhr: Die Büchse der Pandora Theater 1. d. Königgrätzer Str. An beid. Feiertagen 8 U.: Der Tokaler Komödlenhaus An beid Feieria en 8 Uhr: Die Cousine a.Warschau Th. a. Nollendorfpl. An beid. Fei ragen 7.30: Die Geliebte Sr. Hohelt Berliner Theater An beid Feiertagen 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau SCALA & Unr: VarietéRevue An belden Feiertagen 2 Vorstellungen 3.30 zu halben Preisen das volle Programm! Residenz- Th. Spiel mit d. Tode Heute u mor en 8U.: Gaunerliebchen Silvester 7 Uhr Gisela werbezirk Rosa Altschul in Kammer- 6per Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße ra 1.8U Rokoko Rom Op.v.Preb.- Nodermann Ein Spiel mit dem Teufel Masik. Burl. v. P. Lordmann Wohi zu ruhen, Herr Hachbar! Kom. Op. v. Poise Karten 5, 4, 3, 2 M. inkl. Garderobe and Progr. nackten Fußboden geschlafen hatte. Und müde waren sie. Da schläft man auch auf alten Pferdedecken gut. Sie lagen, wie sie vorhin geseffen hatten, einer am anderen sich wärmend. Der Held, der Calliano, die Perdita, die Alte. Und die beiden Frauen hatten das Kind zwischen sich. Als sie eben anfingen einzuschlafen, fing die Alte plöglich zu schluchzen an. „ Na, was gibt's denn?" brummte der Held. findlichen Stimme, in der Angst und Hoffnung zitterten. „ Ob sie uns morgen spielen lassen?" fragte sie mit einer ganz findlichen Stimme, in der Angst und Hoffnung zitterten. Vielleicht können wir ein Märchen spielen Du spielst die Großmutter, ich den Wolf, die Perdita das Rotkäppchen, Du den Prinzen-" Brinz, was für ein Prinz?" „ Na, Rotkäppchen heiratet zum Schluß einen Prinzen, sonst ift's nichts." ,, Und die Maria?" fragte die Alte. Was für eine Maria?" Meine heilige Maria, unser Weihnachtsspiel-?" ,, Na, das geht doch nicht, hast's ja miterlebt! Und jetzt laß müde Menschen schlafen." Enger drückten sie sich aneinander, die Schnarchtöne des Helden lullten die anderen in den Schlaf. Des Morgens erwachten sie alle auf einmal, da die Türe pol. ternd aufgerissen wurde und mit dem Gemeindediener die talte, graue Dezemberluft hereindrang. Nur die Alte blieb liegen; und sie fonnten sie auch nicht wachrütteln; sie hatte sich mit den Fingernägeln die Pulsader aufgeriffen und lag tot in ihrem Blut, ein wenig abseits von den anderen. Ihren Mantel hatte sie der Perdita übergedeckt, damit fie nicht merken sollte, daß sie nicht mehr neben ihr lag. ,, Du, weggerüdt ist fie, daß sie uns die Kleider nicht blutig macht!" schluchzte die Perdita. Dann tamen fie vor den Bürgermeister. Es gab ein strenges Berhör; der Bürgermeister hätte gern einen mysteriösen Fall" gehabt und da er nicht zu konstruieren war, wurde er vollends mütend auf die Bande und ließ sie zum Dorf hinausjagen. Die Berdita trug über ihren Kleidern noch den Mantel der Alten. Betzt hab' ich zwei Mäntel, aber mich friert mehr als in dem einen." Zusammenschauernd brüdte fie das Kind an sich, daß es zu meinen begann. Und die Weihnachtsgloden dröhnten hinter ihnen her, als wollten fie fie weitertreiben, immer weiter in den bleigrauen Tag hinein, den Weg zurüd, den sie gestern gefommen waren. Mozartsaal An beiden Feiertagen 445, 700 und 915 sonst täglich 700 und 915 Scaramouche WA Regie: Rex Ingram Metro- Goldwyn- Film der Phoebus- Film- A.- G. WEIHNACHTS SPIELPLAN DER UFA- THEATER Ufa Theater KURFURSTENDAMM 26 Wochentag Sonn- u. Feigelang 7.9 5,7.9 Ufa- Theater Mia May la: Die Liebesbriefe der Baronin v. S.. Regia: Henrik Galeen. Pells der Katar als Kinderfräulein. TAUENTZIEN. Das schöne Abenteuer PALAST Touentzlenstraße 19 Wackontags 7.9 Sonn- u. Feiertags 6, 7.9 Uta- Theater NOLLENDORFPLATZ 4 Wechentags 7 und> Sena- u. Feiertags 8, 7.9 Ufn- Theater KAMMERLIGHTSPIELS Am Potsdamer Platz Weckentags 47 and 20 Sonn- u. Feiertags 4,7 u. Ufa- Theater FRIEDRICHSTRASSE 180 Wochentage 17 and 9 Uhr Sonn- u. Folertags ab 4 Uhr Ufa- Theater ALEXANDERPLATZ 46-48 Wochentage ab 7 und O Sonn- u. Feiertags 5, 7, 9 Uta- Theater WEINBERGSWEG 16-18 Wechenlags. und& Sonn- u.Feiertaga 4 Ufa- Theater SCHONEBERG HAUPTSTR. 49 Wochentags 6 und O Sonn- u. Feiertags 4, 7, Apollo8 Uhr Theater 8 Uhr Revue- Posse Das lachende Berlin D amüsanteste Theaterabd. Berlins Ueber 150 Mitwirkende! Ganz k eine Eintrittspreise! Parkett 2,50 M. mit Vime Banky. Georg Alexander. Ernst Relcher, Hans Mierender. Regie: Manfred Mas Wie erziehe ich meine Frau? 6 Alte mit Maria Prewest und Heste Blue Die Junge Stadt Ein Spiel für Jung und Alt Wild und Mensch Ire Gebirgsschnee. Jugendliche haben Zutritt Die Bacchantin Olga Tschechewa, Charl. Ander, Bruze Kastner. Helene Lorbecks Abenteuer Lilly spielt Willy Lustspiel mit Erea Korea Rin- Tin- Tin rettet seinen Herra Reichshalion- Theater Allabendlich 8 Uhr u, an allen 3 Feiertag n, nachm. 3 Uhr Steffiner Sänger Fix und Fat als Kindermädchen, Juger dliche baben Zutritt Weihnachts- Programm Nachmittags halbe Preise bei voll. Abendprogramm Dönhoff- Brett'l: Großes Elite- Fest- Progr.! 31 12 Silvester- Vorstellung. Ronzert bis früh. Die Slavenkönigin mit Maria Corda UFA- PALAST AM ZOO DER GROSSE UFA- FILM DER LETZTE MANN HAUPTDARSTELLER: EMIL JANNINGS REGIE: F. W. MURNAU BEGINN Donnerst., d. 25. Dezemb. Freitag, d. 26. Dezemb. Sonnabd., d. 27. Dezemb. Sonntag, d. 28. Dezemb. 579 UHR VORVERKAUF 11-1 UHR UND EINE STUNDE VOR BEGINN EHREN- UND FREIKARTEN UNGULTIG Theater am Kottbusser Tor Täglich 8 Uhr und Sonntag nachmittag 3 Uhr Elite- Sänger Fabelhaftes Weihnachts- Pogramm. 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Mitglied der Arbeitsgemein_ schaft freigeistiger Verbände Größte Feuerbestattungsorganisation der deutschen Republik 400 000 Mitglieder Der Verein gewährt völlig koſtenloſe Beftattung einfchl. des Transportes der Leiche nach dem nächstgelegenen Krematorium Eigene Leichentransport- Automobile Eigene Sargfabrik Eigene Näherei für Sterbewäsche Eigene Sägewerke $ Fefte Geschäftsítellen in Gotha, Cosmarftr. 21 Leipzig, Berliner Str. 13 Stuttgart, Senefelderftr. 72b Königsberg, Vorderer Roßgarten 61/62, Zimmer 1a. Magdeburg, Hohepforteftr. 41 Breslau, Margarethenftraße 17, Zimmer 132* Guben, Langestr. 4 ( Buchhandlung Volksftimme)* Hagen i. W., Grabenstraße 3* Dresden, Jagdweg 1 Der Verein beſteht leit 20 Jahren, baut fich auf rein proletarischer Grundlage mit fozialiſtiſchen Tendenzen auf. Uebertritt aus anderen Feuerbestattungsvereinen ohne Abfolvierung einer Karenzzeit jederzeit möglich. Klaffenbewußte Arbeiter gehören in unfere Reihen Monatsbeitrag Gmk. 0.40, Jugendliche bis zu 16 Jahren Gmk. 0.20, für Perfonen von 50 bis 65 Jahren Gmk. 1.-, für Perfonen von 65 bis 70 Jahren Gmk. 2.-, über 70 Jahre Vollzahlung Gmk. 120.-, auch in Raten à Gmk. 10.Für den Eintritt in den Verein ist der Kirchenaustritt Bedingung Nr. 607 41. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Goldbilanz der deutschen Währungs- und Kreditwirtschaft 1924. Der Weg zur wirtschaftlichen Gesundung. Man darf den deutschen Unternehmern glauben, daß sie nach| politischen Allgewalt befiehlt, und daß auch die Einstellung des dem Währungs- und Wirtschaftszusammenbruch 1924 den ehrlichen Notendrucks für die Finanzierung des Staatshaushalts zur Stabili. unsch nach stabilen Währungs- und Kapitalmarktverhältnissen sierung der Währung nicht genügen tann, sondern daß eine hatten. Sie hatten mit ihrem einseitigen privatfapitalistischen Profit gesunde Kreditwirtschaft sowohl im Staat als auch in Tatein und mit dem so hochgerühmten„ Sachverständnis der Wirt der Privatwirtschaft die Vorausseßung schlechthin für schaftsführer", zuletzt durch die verbrecherische Ruhrkriegsfinanzierung, die Stabilisierung der Währung eines Landes ist Währung und Wirtschaft in Deutschland ruiniert. Von der Möglichkeit, wieder mit festen Ziffern falfulieren und bilanzieren zu Die zweite Stabilisierungsperiode seit dem 7. April fönnen, aus dem Geschäftsumseh wieder genügend Betriebskapital 30g aus dieser Lehre die Konsequenzen. Die plögliche und nach und aus der in- und ausländischen Kapitalneubildung genügend Anholtige Kreditbroffelung der Reichsbant seit dem iagefapital gewinnen zu können, hing nicht nur die Zukunft der deutschen Privatwirtschaft, sondern der Bestand des fapitalistischen Systems in Deutschland überhaupt ab. Aber über ihren plato nischen Wunsch hinaus vermochte die deutsche Brivatwirt schaft zu den heute wieder start tonsolidierten Währungs- und Kapitalmarktrerhältnissen in Deutschland nichts beizutragen. Im Gegenteil. Die industrielle und landwirtschaftliche Unter nehmerschaft Deutschlands hat das Menschenmögliche seit dem Katastrophenherbst 1923 getan, um die Festigung der Währungs- und Kapitalmarktverhältnisse von Grund auf zu gefährden, und das Urtetí der Geschichte über die Rolle der Unternehmer in dem Stabilisierungs. jahr 1924 wird sehr wenig schmeichelhaft für die Unternehmer sein fören. Es war feiner der privatfapitalistischen Monopolisten des volts. wirtschaftlichen Sachverständnisses, es war der Arbeiterminister Hilferding, 7. April, die gleichzeitige Aufbringung des gesamten Staatsbedarfs aus ordentlichen Steuereinnahmen bedeutete für die Gesundung der innerdeutschen Währungs- und Kapitalmarttverhältnisse einen außer ordentlichen, aber nicht überraschenden Fortschritt. Nach einem furzen Hinaufschnellen der Tageszinssäke, einmal bis 72 Proz. im April, hauptsächlich veranlaßt durch die Liquidierung der höchst verlustreichen Frankenspefulation, näherten sich die Tagesgeldfäßze dem Reichs bantdiskontsatz von 10 Proz. im Mai mit 18 bis 13 Proz. und unterschritten ihn im Juni und Juli mit ihrer Spanne von 15,7 bis 9 Broz. Damit waren Geschäfte cus der Spannung zwischen Reichsbanfsatz und Tagesgeldsatz der Privatbanken schon in die Nähe der Unmöglichkeit gerückt. Gleichzeitig erfolgte der zweite große Stoß zur Gesundung der Kapitalmarktverhältnisse. Die Privatwirtfchaft sah sich für die Aufbringung der Steuern und die Beschaffung des für den Fortgang der Produktion erforderlichen Betriebskapitals auf sich selbst angewiesen und mußte, da die Reichsbank nach Donnerstag, 25. Dezember 1924 wirtschafts- und sozialpolitisch hat die deutsche Unternehmerschaft all. mählich zu lernen angefangen, daß wieder mit Wasser gekocht werden muß, und diese große und weittragende Belehrung ist ihr aufgezwungen worden durch die keineswegs für sie angenehmen Erfahrungen, die sie im Lauf des Stabilisierungsjahres 1924 über die Notwendig teitszusammenhänge zwischen stabiler Währung und gesunder Kapitalmarktwirtschaft machen mußte. Ergebnis. steht heute fest, daß die deutsche Währungs- und Rapitalmarkiwirt Faßt man das Ergebnis unferer Darlegungen zusammen, so schaft am Ende des Jahres 1924 sich zweifellos endgültig im Stadium gründlicher Gesundung und eines nicht leicht mehr zu gefährdenden Arbeiter, Angestellten- und Beamtenschaft von Wiederaufbaus befindet. Das ist auch für die deutsche entscheidender Bedeutung. Denn so lange das kapitalistische System als die Ordnung des gesellschaftlichen Wirtschaftens fortbesteht, so lange ist jede Störung der Funktionen des kapitalistischen Eystems für die Arbeiterklasse ein Nachetil, jede Wiederherstellung gesunder Funktionen ein Vorteil. Die deutsche Arbeitertiasse darf darüber hinaus aber auch stolz darauf sein, daß die deutsche Sozialdemokratie und die freien Gewertschaften durch ihre Initiative im Herbst 1923 und durch ihren scharfen Kampf für die Annahme der Dawes- Gefeße der deutschen Wirtschaft den Weg zur Gesundung gebahnt hat. Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 23. Dezember berechnete Groß. handelsinderziffer des Statistschen Reichsamts ist gegen. über dem Stande vom 17. Dezember( 132,9) mit 132,6) nahezu unverändert. Gesunken sind vor allem die Preise für Roggen, Höher lagen die Preise für Gerste, Schweinefleisch, Milch, ferner für Häute, Leder, Baumwolle, Hanf, Blei, Kupfer, Zinn und Benzin. Bon den Hauptgruppen fanten die Lebensmittel von 129,7 auf 129 oder um 0,3 v. H., während die Industriestoffe von 139 auf 139,3 oder um 0,2 v. 5). anzogen. Umfahfteuerermäßigung - aber feine Preisherabsetzung! der im Herl ft 1923 die Deffentlichkeit Deutschlands und der Welt haltig jeden weiteren Kredit verweigerte und sogar die früher gehofer, für Fette, Heringe, Rindfleisch, ferner für Fach's und Zinf. zum Zeugen des vollständigen Bankerotts der Währungs-, Finanzund Wirtschaftsverhältnisse in Deutschland anrief und der Steuerscheu der deutschen Privatwirtschaft sowohl als der törichten wirtschaftlichen und militärischen Expansionspolitit Poincarés das Memento zurief:" Bis hierher und nicht weiter!" Und es war wiederum der Arbeiterminister Hilferding, der die Zusammenhänge zwischen der Forderung nach einer stabilen Währung einerseits und den Gesetzen der Wirtschaft andererseits durchschaute und als Finanzminister den bürgerlichen Koalitionskollegen im Reichstavinett die Forderung abschlug, den Staatshaushalt, die Industrie und die Landwirtschaft mit fiktiven Rentenmark milliarden zu finanzieren und gleichzeitig die damals allein wirksamen Befigsteuern, die industrielle Rhein und Ruhratgabe und die landwirtschaftliche Betriebsabgabe zugunsten der volkswirtschaftlich selbstmörderischen Umsatzsteuer aufzuheben, weil die einseitige fünftliche Kapitalschöpfung ohne das Gegengewicht starfer Besitzsteuern und ohne die fyftematischen Heraustreibungen des Besitzvermögens aus den Sachwerten, Devisen und ausländischen Rapitalanlagen eine neue Inflation herbeiführen und die Gesundung des Kapitalmarktes auf die Dauer unmöglich machen mußte. Lieber nahm Hilferding seine Demission. Wie entfernt Wunsch und Wirklichkeit im privatfapitalistischen Unternehmerverband von einander sind, und wie richtig die fozialdemokratische These von dem ökonomischen Notwendigkeitszusammenhang zwischen gesunder Währung und gesunder Kreditwirtschaft ist, dafür liefert bas num bald abgelaufene Stabilisierungsjahr 1924 eine Kette flassischer Beweise. Drei Perioden wird die deutsche Wirtschaftsgeschichte für die Stabilisierung der deutschen Währungs- und Kapitalmarktverhältnisse zu unterscheiden haben. Die erste periode vom Herbst 1923 bis zum 7. April 1924; die Periode der Stabiliefierungsillusionen durch eine währung, die auf nichts, als auf dem Willen des Gesetzgebers und der Deffentlichkeit stand, uni jeden Preis eine ftabile Währung haben zu wollen, und durch Strebite an Reich, Industrie und Landwirtschaft; die auf nichts als der Fiftion einer Grundschuld standen, an deren Realisierung fein vernünftiger Mensch denken konnte. Die zweite Beriode des jähen Erwadens aus den Stabilisierungsillusionen vom 7. April bis zum 30. August; die Pericbe der plötzlichen Kreditdresselung durch die Reichsbank, der Flucht aus den Sachwerten, Devisen und auswärtigen Kapitalanlagen und dem von den Verhältnissen erzwungenen, leider bei den Unternehmern nicht aus eigenem freien Entschluß herbeigeführten Bekenntnis zur Vernunft in der Reparationspolitik, die in der Annahme der Dawes- Gesetze am 30. August ihren Ausdruck fand. lind die dritte Periode des Beginns der wirklichen Stabilisierung der Wäh rung seit dem 30. August; die Periode der Goldbilanzierung in der deutschen Wirtschaft, die reinen Tisch machte mit dem Mißver hältnis der toten Substanzanreicherung aus der Inflationszeit und der Rentabilität, die in dem um ein gutes Drittel gesenkten deutschen Belfseinkommen heute noch möglich ist, die Periode wieder. beginnender innerer Kapital neu bildung und des Zustroms ausländischer Kapitalien, neuer Handelsverträge und Zollbebatten, deren Kosten und Schwierigkeiten aus den Hirnen der deutschen Unternehmerschaft auch die Exportsteigerungsillusionen durch soziales Dumping zu vertreiben beginnen. In der ersten Periode sprang der Bechfelbestand der Reichsbant, in dem sich die fiftive Kreditgewährung an Industrie und Landwirtschaft ausbrüdte, vom auf 1867 Mill Goldmark hinauf. Daneben erschöpfte das Reich 7. Dezember 1923 bis zum 7. April 1924 von 394 Mill. Goldmart Jeinen 1200 mill. Rentenmarktredit fast vollständig und pumpte au diese Weise fast 1200 Mill. Goldmart an zufäßlicher Rauftraft( Löhne, Gehälter, Bezahlung von Staatslieferungen, Micumlaftenentschädi gung) in die Volkswirtschaft und von da in den flüssigen Kapitalmarkt hinein. Für tre mit der Wertbeständigkeitsklausel versehenen( vali fierte) Kredite verlangte sie 10 Broz., während die von der Reichs bant beim Wechseldistret stets Seporzugten, weil sicheren" Banten das von der Reichsbank erhaltene Geld im Februar zu durchschnitt fich 27 Proz., im März zu durchschnittlich 36 Proz. als fog.„ Tages, geld" auslichen und enorme Zinsgewinne machten. Die aus der Zeit der Wiedereinführung des Handelswechsels 1922 befannte zerftörerische Kombination von Rauftraft- und Kapitalmartlaufblähung und gleichzeitiger Bereicherung aus der Zinsdifferenz zwischen Reichsbant- und Tagesgeldsatz der Privatbanken wurde mit denselben Wirkungen mie 1922 mieberholt: plögliches Aufblühen einer Scheintenjunktur, starte Devisenspekulation( besonders gefördert durch die französische Frankenbaiffe; und schließlich die schwerste Gefährdung der neuen Rentenmartwährung auf allen ausländischen Tevisenmärkten. Es zeigte sich die erste große Lehre der Stabili Fierungsperiode: daß nämlich die Stabilisierung der Kreditwirtschaft nicht die einfache Folge des gefeßgeberischen Willens fein Bann, der die Stabilität der Währunag gewissermaßen Kraft seiner währten Kredite cintrieb, ihren Sachwert( Effekten) und Devisen. besitz veräußern und ihre Kapitalguthaben im Ausland schnellstens liquidieren. Das Kursniveau der Industriepapiere an der Börje, durch die Scheinkonjunktur und verhältnismäßige Kapitalfülle der ersten Periode hochgetrieben, stürzte auf die Hälfte, die Devisen strömten in Massen zur Reichsbant, so daß am 3. Juni zum ersten mal die stark gesunkene Devisennachfrage voll befriedigt werden forte. Ein Ueberfluß an täglichem Gelbe trat ein, die Banten sahen sich von der Zinsdifferenz- und Devisenspekulation auf die Pflege des normalen Depofiten- und Ausgleichsgeschäfts zurück. geworfen. Die Privatwirtschaft empfand zum erstenmal und gleich mit aller Deutlichkeit, wo sie der Schuh drückt, daß ihr mit furzfriftigem Rcpital und mit einer Scheinfonjunktur nicht gedient sein fann, daß sie langfristiges Kapital aus dem Aus. land und neben der Steigerung des Inlandab fages normale Handelsvertragsbeziehungen 3um Ausland brauche. Das war die zweite große Behre der Stabilisierungsperiode. Sie bereitete in der deutschen Industrie den Beden vor für die Annahme des Dawes- Gutachtens und die Zuftimmung zu den Dames- Gefeßen, die von sämtlichen bürgerlichen Parteien, nicht ohne das traurige Satirspiel der 48 Deutschnationalen und weil die Verhältnisse sie zur Vernunft zwangen, am 30. August angenommen wurden. Die dritte Periode endlich seit dem 30. Auguft brachte den Beweis, meshalb bie totsächliche Gesundung der Währung nicht anders erfolgen fonnte, als durch die gleichzeitige Gesundung der Verhältnisse in Die Ermäßigung der Umsatzsteuer auf 1 Proz. im nächsten Jahre dient dem Preis abbau, ohne den an eine wirtschaftliche Befundung und eine Hebung der Produktion nicht gedacht werden fann. In Unternehmertreisen jedoch trägt man sich mit der Absicht, unter nichtigen Vorwänden sich um den Preisabbau herumzubrücken und aus der Umsatzsteuerermäßigung einen Sonderprofit in der vollen Höhe der Ermäßigung zu ziehen. Die„ Tegtil 3eitung" vom 21. Dezember teilt mit: ,, Der Berband Deutscher Herrenwäschefabri. tanten hat in feiner Sigung vom 19. Dezember die bereits im Oftober in Aussicht gestellte Revision seiner Verkaufsund Lieferungsbedingungen vorgenommen. Mit Wirfung vom 2. Januar wird das 3ahlungsziel von sechzig Tagen eingeführt. Diese Maßnahme wurde trotz der Fortdauer der Geldknappheit und der( chwierigen Rentabilitätsverhältnisse be schloffen, weil die Umfassteuermäßigung des nachften Jahres einen Zeil des durch die Zielper. läigerung entstandenen Sadens erfegt. Es merben außerdem besondere Einrichtungen getroffen werden, die ausschließlich die Verbandsmitglieder in den Stand feßen, Echwierig feiten in ber finanziellen Gestaltung ihrer Betriebe bis zu einem gemiffen Grade zu überwinden." Danach soll die gesamte Umfagfteuerermäßigung in den Taschet der Kreditwirtschaft und auf dem Kapitalmarkt. Und was die zweite der Fabrikanten verschwinden und die Berbraucher haben das NachPeriode zur Gesundung der deutschen Kreditwirtschaft noch nicht geleistet hatte, das leistete die dritte. Die Goldbilanzen der deutschen Industrie, die heute zum größten Teil vorliegen, zeigen cine außerordentlich starke Bereicherung der gesamten Privaiwirt schaft mit Anlagenfubftanz und zur gleichen Zeit, die Privatwirtschaft als Einheit betrachtet, eine Senfung des Gelbtapital. wertes dieser Substanz, die fast ebenso groß ist, als die Anreicherung mit neuen Fabrikanlagen. Während die vorhandenen Anlagen der Industrie, des Handels und der Banken um fast 50 Broz. gegenüber 1913 stiegen, wurde der Rentabilitätswert dieser um 50 Proz. rermehrten Anlagen gegenüber 1913 insgesamt um min. destens 20 Broz. gesenkt.( Bei diesen 20 Brez. ist natürlich die Preissteigerung der Fabrikanlagen feit 1913 um etwa 40 Proz. noch nicht berücksichtigt, so daß die tatsächliche Wertsenkung der Anlagen noch größer ist.) Damit haben die ökonomischen Gesetze, die mit sich meniger spotten lassen als die staatlichen Gesetze die Antwort auf die tolle Zerstörung der Boltseinkommenssubstanz gegeben, die zugunsten der Privatwirtschaft seit 1918 in Deutschland durchgeführt wurde. Es war bewiesen, daß nicht mit furzfristigen, sogenannten Betriebskapitalkrediten zu helfen war, wie die Währungs- und Wirtschafts. " fachleute der ersten Stabilisierungsperiode glaubten, sondern nur mit langen, echten und teuren Sanierungskrediten aus dem Ausland, mit denen über die zukünftigen Löhne, Gehälter, Steuern e rft das intom men wieder erzeugt und über die zufünftigen Einkommen Handelsverträge der Boden wieder bereitet werden muß, aus dem die Privatwirtschaft die Rentabilität für ihre Anlagen erwirtschaften kann. Gleichzeitig begann die Wirksamkeit der Dawes Gesetze und vor allem die durch die gründliche Reinigung des inneren Rapitalmarkts stabil erhaltene Währung das Vertrauen im Ausland auf die deutsche Wirtschaft und auf die Anständigkeit des deutschen Kaufmanns wieder zu befestigen. Die Auflegung der deutschen Erfolg, und der deutsche Kapitalmarkt begann sich durch die Auf Reparations- und Währungsanleihe hatte einen unerwartet großen nahme zunehmend starter ausländischer, besonders amerikanischer Kredite in den Mechanismus des internationalen Kapitalmarkts wieder einzuspielen. Auch das Vertrauen, der Sparer im Inland fehrte zurüd, und während vom Ausland heute bereits annähernd 2 Milliarden Goldmark in Deutschland angelegt worden sind, sind die Bank- und Sparkasseneinlagen in Deutschland nach Reichsbank präfident Echacht wieder über 6 Milliarden gestiegen. Gleichzeitig fündigte Dr. Schacht die wahrscheinliche Herabsetzung des Reichsbarkdiskontfakes für den Monat Januar 1925 an. Aber nicht nur dies. In der deutschen Privatunternehmerschaft ist es auch etwas stiller geworden mit der Behauptung, daß nur niedriger Löhne und längere Arbeitszeit die deutsche Wirts fchaft retten fönnen. Edmund Stinnes. der Sohn des Hugo Etinnes mti en zwei Stunden Gratismehrarbeit", hat in der Generalversammlung der Stinnes- Riebed Montan und Delwerke A. G. anforg Dezember ausgeführt, daß diese mit thren Arbeitern und Angestellten bezüglich ihrer Arbeitsleistung durchaus zufrieden sein kann, und daher auch die Lohn- und Gehaltserhöhungen vor einigen Tagen gut bewilligt werden konnten". Es ist auch stiller geworden mit der utopischen Hoffnung, aus der Berelendung der deutschen Arbeiterklasse bie Welt mit deutschen Waren überschwemmen zu tönnen. Innen- und außenpolitisch, sehen. Der„ fiedelungsfreundliche" Hugenberg. Die letzte Generalversammlung der Roggenrentenbont mußte bekanntlich vertagt werden, weil, was felten vorkommt, eine Minorität des Aufsichtsrats unter Führung des Herrn Hugenberg mit den Umstellungsvorschlägen der übrigen Verwaltung nicht einumfassenden Betrag gegen die Berwaltungsvorschläge Einspruch erverstanden war und mit einem mehr als 10 Broz. des Aktienkapitals hob. Die Bilanz gibt nach dem Borbringen des Bertreters von Hugenberg in der Generalversammlung nicht das wirfliche Vermögen der Bank wieder, dieses sei piel höher, als es in der Golderöffnungsbilanz ausgewiesen wird. Die Bant gibt auf eine bestimmte Menge Roggen laufende Pfandbriefe aus, die sie zu 5 Broz. verzinst. Die daraus eingehenden Geder hat sie als hypothefen zu 6½ Proz. ausgegeben, und zwar stellen diese 1% Prez. u. a. auch die Verwaltungsfoften dar. Rechtsanwalt Donner wünscht nun, daß der Betrag der Jahresanuitäten vol in die Bilanz eingefegt werde, ein Berlustrisiko sei bei diesen Annuitäten deswegen nicht vorhanden, weil die Hypothefen an sicherer Stelle eingetragen feien. Der§ 25 des Hypothekenbanfgefeßes, der die Ginfegung dieser Annuitäten in die Bilanz von Hypothekenbanken unterfagt, treffe für den Fall der Goldmarferöffnungsbilanz nicht zu. Tiefe Bestimmungen beziehen sich nur auf Abschlußbilanzen. Die Verwaltung brachte benigegenüber als durchschlagendes Argument marferöffnungsbilanz fie bei den Abschlußbianzen als Berluft aus bor, daß für den Fall der Einsetzung der Arruuitäten in die Goldgewiesen werden müßte, so daß eine Rentabilität damit ausge fchloffen erscheine. Herr Donner, der ja natürlich infolge der Stimmenverteilung mit seinen Ansichten nicht durchdrang, wies dann noch darauf hin, daß er schon deswegen auf der Einsetzung in die Goldmarferöffnungsbilanz bestehen müsse, weil Gefahr bestehe, daß, menn diese Beträge nicht als Vermögen ausgewiesen werden, sie den Roggenrentenbank Siedlungsgesellschaften erheblich beteiligt felen. zur Unterstügung von Siedlungszweden verwandt werden könnten, ba ja bekanntlich an der unter Staatsaufsicht stehenDie Roggenrentenbank ist eine mit Staatsunterstüßung gegründete Hypothefenbant. Sie steht auch heute noch gleich anderer Hypothefenbanken unter Staatsaufficht. Sie hat effo neben reinen Brivatinteressen auch öffentliche Interessen zu verfolgen, und sie kann, wenn sie will, mit ihren Mitteln ganz erheblich zur Förderung des Sied nicht. Er wünscht, daß die Erträge der Gesellschaft in die Lungswesens beitragen. Herr Hugenberg aber wünscht dies Taschen der Atiionäre fließen. Hier hat sich das private egoistische Intereffe des Herrn Hugenberg in feiner ganzen Größe wieder einmal von neuem gezeigt. So sieht die Siedlungsfreundlichkeit der Herren Deutschnationalen aus. des Danziger Boltstages wurde, wie uns aus Danzig drahtlich be Ermäßigung der Umsatzsteuer in Danzig. In der lezten Sigung richtet wird, ein Antrag genehmigt, der die Serablegung der Umfaßfteuer von 2% auf 1 Pro3. vorfieht. Die vollständige Be feitigung der Umsatzsteuer wurde abgelehnt. Kommunalbant in Bochum. Einen bedeutenden Schritt in der hoben der Stadt- und Landkreis Bochum vorgenommen, indem sie Konfolidierung des fommunalen Geldverkehrs und Kreditwesens die verschiedenen fommunalen Bantinstitute zu einer Kommunal Bant A. G. vereinigten. Das Rapital beträgt 1 Million Gold mart, wovon bie Stabi Bochum die Hälfte übernimmt. Filmschau. Nero im Film. $ irgendwann einmal in seinen Sehnsüchten gestürzten Menschen wird, und läßt uns mit Stolz empfinden, daß hier ein Deutscher als erster Filmschauspieler der Welt um die Erde rollen wird. Georg John, der man meist als Verbrecher oder Aufrührer sieht, zeigt mit seinem mit leidigen Nachtwächter, daß er ein Menschendarsteller hohen Ranges ist, und Emmy. Wyda als flatschende Nachbarin gibt den vollendeten Typus einer Bettel, die bereit und fähig ist, dem lieben Nächsten Glück und Ehre zu nehmen. Das Winzige, was ich an diesem Film auszusehen habe, ift sein Tempo, das mir nicht schnell genug erscheint. Hier können wir noch von den Amerikanern lernen; sonst aber dürfen wir auf dieses Werk stolz und dem Filmdichter Mayer wie dem Regisseur Murnau dankbar sein. Besonders erfreulich erscheint mir, daß in dem Film der reich gewordene Mann aus dem Volfe, stolz auf seine Herkunft, bei seines gleichen bleibt und einen Bettelmann in seinen Wagen zu sich heraushebt, statt triechend in eine fremde Sphäre hineinzustreben. Das Verhalten dieses Portiers soll der heranwachsenden Jugend des Volfes eine Lehre fein; hier wird die Tragikomödie der Uniformseligkeit zum befriedigerden um so wichtiger, als der preiswerten Schauspiel menschlicher Güte Filmkunst hohe künstlerische und fulturelle Verpflichtungen gegenüber dem Bolle zugewiesen sind, an deren Erfüllung Werke wie dieser ,, lette Mann" wirksam mitarbeiten. Fris Harold Cohn. eine Heirat. Aber attelang handelt es fich um einen fußbereiten Film| Portiers, ber in all feiner Citeffett und Kleinheit doch zum Symbol jebes boll tollster Situationsfomit und luftigster Unmöglichkeit. Zudem hat man noch eine intereffante Zeit gewählt, nämlich die, in der die erste Eisenbahn ihre Fahrversuche machte. Und die Zuschauer bekommen Reiseeindrücke und Fahrtbilder, die bei der Erinnerung stets wieder ein Lächeln erzwingen werden. Der Film durchläuft alle Abarten und Moden des Romans wie bes Die Schienen laufen schief, Baumstämme werden bei einem Dramas, nur daß er den Prozeß aufs stärkste beschleunigt. Was bet jenen furchtbaren Durcheinandergeschüttele aller Passagiere überfahren. Esel und Jabizevnte erforderte, erledigte er in Jahren. So ist der historische, anti- Stübe verursachen Zugverspätungen, ein mitlaufender Hund überholt die quarische, auf große Inszenierung und Brunfentialtung gestellte Film schon Eisenbahn und wenn der Zug mal rubig fährt, dann ist er entgleist und veraltet. erledigt, verdrängt und Aber es gibt eine Wiederaufnahme abrt gemütlich neben dem Schienenſtrang einher. Hier bringen die der Mode, in der spiralig verlaufenden Entwickelung wird immer.. mal Amerikaner endlich einmal nicht nur Sensationen, sondern die Verbindung wieder zwar nicht der gleiche, aber ein ähnlicher Bunft erreicht. Einer der einer übermütigen Laune mit guten Einfällen. Buiter Keaton, der großen und größten historiscen Filme ist der nach Eientiewicz' Roman sein eigener Regisseur ist, stelte sich in der Hauptrolle vor. Ihm wurden Beifall verdienen auch Manfred No a( Regie) Quo vadis" bearbeitete und benannte italienische Film, der ries Genre in Beifallsstürme gezolit. der ganzen Welt bekannt machte. Jett tommt derfelbe Stoff in einer und Robert Liebmann( Manuskript) für Das schöne Abenteuer" Wie viel ist schon an Abenteurerfilmen zweiten Bearbeitung heraus( Primuspala st). Sie ift fonzentrierter,( auenzien pala st). ftellt Nero entschlossener in den Mittelpunkt, aber sie bleibt wie die erste berumgedottert worden. In ihnen tummelten fich die gröbite Sensation, im Kulturhistorischen und Stofflichen bängen. Der Verfall Roms wird an die kitschigsten Filmgeschichten, die aufdringlichsten Starmanieren, ohne die der Perion Neros po geführt: alle Laster einer dem Untergang geweihten ofung zu finden. Noa aber fand sie. Mit Geschmack und dem sicheren Welt scheinen in seiner Person vereint. Er ist lächerlich eitel, unmenschlich Berstehen für die Wirkung des Bildsteifens erzählt er recht ultig die egrausam, bösartig, ein Poieur, hinter dem nichts stedt, aber feiner Macht faichte eines feschen Mädels, das ein aufreibendes Abenteuer suchte beraubt, feige und flein wird. Seine Gelage im goldenen Haufe", sein und einen Mann, noch dazu eine Hoheit, fand. Aber Bobby Müller aus Auftreten als Sänger, der Brand Noms, die Christenverfolgungen, Berlin, der das ganze Jahr auf seine' alienreise sparte, alle Denkmäler photodie Marterszenen im Zirkus, der Aufstand der Truppen, Neros graphiert und aus lauter Verwechselungen in jeder Stadt die PolizeiRod und auf der anderen Seite das Leben der römischen wachen fennen lernt, beformt reinewegs aus Verwechselung auch noch eine Christen in Einfachheit und Demut, ihr beroisches Aushari en Frau. Auch er macht eine gute Partie, beiratet er doch den ansehnlichen und die Liebe des vornehmen Römers Binitius zur Christin Sproß einer Händler familie Schweine en gros. Alles rollt so munter ab, Lygia bilden den Inhalt des filmes. Georg Jacoby hat als Regisseur alles macht einen jo aut aelaunten Eindrud, daß man willig folgt. Ueber wegen Abgabe von Umsatzsteuererklärungen für 1924. die Massenszenen gebändigt bei der Orgie und beim Brande und im Zirkus. aus reizvoll find die Landschaftsbilder eingestreut. Georg Alerander, Ernst Aber ist nicht die Orgie ohne Rhythmus zerflattert und ist der Brand nicht Reicher, Hans Unterfircher, Hans Albers, Bilma Banky und Loni Pyrmont zu sehr gestellt? Erit in den Birfusszenen fommt der große Zug in den Film, taten durch Spiel, Toiletten und Masken alles zur Belebung der der mitreißt. Der Regisseur bat, da der Film in alle Lande gehen soll, eine Stimmung. e. b. internationale Belegung besorgt. Sein Hauptciou ist Jannings. Er gibt den Revo als einen halben Bilden, als brutalen Wüstling, der auf alles Appetit bat, zücellos jeder Laune folgt. Er ist ein Ungetüm, fait grotest in seiner Biecherei wie in seiner Feigheit. Eo vermag er uns zu. feffein durch viele Einzelzüge. Geschmeidig, weltmännisch, als Stenner und Berachter jenes taiserlichen Gönners gestaltet A. abay den Patronius. Interessante Charakterlöpfe boten Elena Sangro als Kaferin, R von Riel als Ron mandeur der Leibgarde, Castellani. als mit Riesenfräften begabter Ursus. Ein schöner und entflammter Liebhaber ist A. Fry: Iand, seine Partnerin, MB Davis als Lygia, die die Holdfeligkeit und Glaubenstrene einer blonden Christin verförpern soll, bleibt farblos. Der Film in dem eine ungeheure Arbeit stedt, bietet natürlich landschaftlich, architettonich, im ungeheuren Menschengenioge wie in vielen Enzelizeren biel Schauenswertes. Man fann in ibm römische Sitten bis ins Detail studieren( wie füber bei den Meiningern). man ficht z. B., wie Nero sich eines geschliffenen Stems gegen seine Sturzichtigkeit bedient. Eine ganze Menagerie von 2ömen bevöitert den 3rtus. Bravom ös ist das Wagenrennen, grell phantastisch Neros Resuch bei der Wahriagerin. Aber lobnt der Gesamteindrud den Riesenapparat? Ist der historische Film dieser Art nicht ein 3rweg? d. Weihnachtsfilme. ,, Der letzte Mann." Bekanntmachung Gemäß§ 35 des Umfassteuergefeges haben die Umfassteuerpflichtigen inner halb des Monats Januar 1925 eine Steuererklärung über die Umfäße des Kalenderjahres 1924 abzugeben. Das gilt sowohl für die zur allgemeinen Umfassteuer Pflichtigen, wie für die zur erhöhten Umfassteuer Pflichtigen, fefern der Veranlagungsabschnitt für fie das Kalenderjahr ist. Es gilt auch für diejenigen zur erhöhten Umfaksteuer Pflichtigen, für die der Beranlagungsabschnitt fürzer als ein Ralenderjahr ist, soweit fie filr die Beranlagungsabschnitte des Ralenderjahres 1924 Steuererklärungen noch nicht abgegeben haben und noch nicht veranlagt find. Die Umfahsteuerpflichtigen werden hierdurch aufgefordert, die vorgeschrie benen Erklärungen bis spätestens 31. Januar 1925 bei bem zuständigen Finanz amt schriftlich einzureichen oder die erforderlichen Angaben an Amtsstelle mündlich zu machen.. Zur Erleichterung des Veranlagungsverfahrens wird bestimmt: 1. Die Angehörigen der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenhaues werden bis auf weiteres für die Umfäße aus diesen Betrieben wozu von der Pflicht zur auch die landwirtschaftlichen Rebenbetriebe gehören Abgabe der Steuererklärungen entbunden. 2. Auch die sonstigen Steuerpflichtigen( Gewerbetreibende, Angehörige freier Berufe usw.) brauchen eine Steuererklärung von fich aus nicht abzu geben. wenn sie auf Grund forgfältiger Prüfung nach bestem Wissen und Gewissen die Ueberzeugung erlangen, daß die Summe der Voranmeldungen, die fie über ihre Umjäge bes Kalenderjahres 1924 abcegeben haben, und die Summe der geleisteten Borauszahlungen ihren tatsächlichen steuerpflichtigen Umfägen im Ralenderjahre 1924 entspricht. Bordrucke zur Steuererklärung werden ab 5. Januar 1925 bei allen Finanzämtern Berlins außer Börse und Zentralfinanzamt, welche auch fünftig toftenlos abgegeben. Umfassteuer nicht bearbeiten Alle Steptifer, die mit verächtlichem Lächeln auf den Film herabsehen, sollten gezwungen werden, sich Carl Mayers Union- Film ,, Der fezie Mann", der am Dienstag im Ufa- Palast am 300 seine deutsche Uraufführung erlebte, anzusehen; sie würden sicherlich, soweit sie überhaupt eine Beziehung zu fünstlerischen Dingen haben, befehrt werden. Denn dieser Film ist nicht nur ein schlüssiger Beweis dafür, daß das Filmwert eine Kunstgattung eigener Art mit eigenen Gefeßen ist, sondern er schöpft auch die Möglichkeiten filmfünstlerischer Wirkungen mit filmeigenen Mitteln aus, soweit der Vorwurf des Manuskripts bem Regiffeur, Photographen und den Schauspielern dazu irgend Spielraum fäßt. Das Geschehen des Werks ist denkbar einfach und sinnfällig: der alte Portier eines Riesenhotels, der durch seine prunfvolle, goldsiropenive Uniform zur bewunderten Respeitsperson seines Hinterhauses geworden ist, wird, weil er den Anstrengungen des Empfangsdienstes nicht mher gewachsen ist, zum Toilettenwärter des Hotels zum ,, letten Mann" degradiert, muß den geliebten Libreerod abgeben und verliert damit nicht nur die Adytung und Würde seiner Verwandten und Freunde und des gesamten Hinterhauses, sondern auch die eigene Sicherheit, die ihm die Lebenslüge bes verschnürten Roces verliehen hatte. Weil aber das große Publikum doch nun einmal das verdämmernde Unglück dieses an Anatole Frances ertragen würde, läßt der Autor mit bewußter Fronie den ,, legten Mann" durch die Universalerbschaft eines in seinen Armen gestorbenen Millionärs zum ersten Mann" werden, der nun als Gast die Genüsse des Hotel palastes schlürft, an denen der einzige Tröster in seinem Unglüd, ein alter Nachtwächter, und sein Nachfolger in der Toilettenbetreuung teilnehmen. Wie ist dies alles gestaltet! Ohne die gefürchteten Titel, lediglich durch die Mittel einer grandiosen Photographie, rollt fich das Geschehen ab. Die Poesie ber Großstadt mit ihren Lichtern und ihrem gespenstischen Verkehr, der Mammutbetrieb eines Riefenhotels mit seinen Scharen vo Sellnern und Gästen und seinem unpersönlichen Lurus wechselt mit der zu Herzen, gebenden Armut und Traurigkeit der weltstädtischen Hinterhäuser ab. Rot und Stolz; des Hotelportiers gefrieren zu phantastischen Visionen, besonders wirksam, wenn nach einem Hochzeitsmahl der Angst traum ihm die Bilder vergangener Größe aus den Vorkommnissen des Alltags in die unschilderbaren Dimensionen des Traumbämmers projiziert. Und auf welcher Höhe stehen hier die schauspielerischen Leistungen: Sannings erschüttert aufs tiefste durch die Gestaltung dieses gütigen Die Finanzämter des Landesfinanzamtsbezirks Berlin. Nicht stimmungsbolle, aber zwei recht vergnüglich stimmende Filmte famen zu Weihnachten ouf den Spielplan. Bei mir Magara" in wirkungs.urvergeßlichen Grainquebille" erinnernden armen Menschenschidsals nicht vollster Innen- und Außendeforation des Theaters und mit fabelhaftester Lichteffelten im Marmorhaus. Das Motip der Blut ache. liegt der Filmhandlung zu Grunde. Wie die Alten jungen, so groitsdjern auch die Jungen", oder fie möchten es wenigstens geine, doch schließlich reiben die Familien sich nicht gegenseitig auf, sondern gehen ineinander auf durch Spröde u.rote Haut Aufspringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und un reinen Teint Leokrem pflegemittel erhalten Sie Dieſes bewährte Hautbeseitigt sofort überall, wo Sie die bekannte Chlorodont Zahnpaste laufen. W.H.WITTIGVerkäufe Gelegenheiten in Teppichen, auf Wunsch Teilzahlung. Laden. zu ENVERBEY Kanarienhähne, guchiweibchen billigst. Auswahl. Kramer, Löwestraße 20.[ 442b VALUTA FABRIK ZIGARETTEN ENVER BEY BERLIN Gardinen. Für größere Betriebe, insbesondere solche, bei denen Abzüge aus fteuerfreien Umfäßen(§§ 2, 7 des Gefeßes) in Frage kommen, bzw. die ftatt nach den Raffeneingängen nach Lieferungen( nach dem Goll) versteuern, ist ein ausführlicher Bordrud bestimmt, der Angaben bis ins einzelne erfordert; für fleinere Betriebe tann ein abgekürztes Muster verwendet werden, Bis fpätestens 31. Januar 1925 ist zugleich der Restbetrag ber sich aus der Steuererklärung ergebenden Umfaß-( Lurus-) ffeufer für 1924, welcher durch die Borauszahlungen nicht gedeckt ist, an die Finanskaffe einzuzahlen. Nach Ablauf des Monats Januar tann denjenigen Umfassteuerpflichtigen, bie eine Steuererklärung nicht abocacben haben, nach dem Ermessen des Finanzamts ein Bordrud zur Umfassteuererklärung zur Ausfüllung binnen 2 Wochen überfandt werden. Die Einreichung der Erklärung kann durch erforderlichenfalls zu wiederholende Geldstrafen bis zu je 3000 R.-M. erzwungen werden; Umwandlung in Saft ist zulässia. Das Gefeß bedroht denjenigen, der über den Betrag der Entgelte wissentlich unrichtige Angaben macht oder sonst vorfählich die Umfassteuer hinterzicht oder einen ihm nicht gebührenden Steuervorteil erschleicht, mit Geld und Freiheitsstrafen; der Bersuch ist strafbar. Bei verspäteter Einreichung einer vom Finanzamt angeforderten Umfassteuererklärung ist das Finanzamt berechtigt, einen Zuschlag bis zu 10 v. S. ber endgültig festgefetten Sterer aufauerlegen. Berlin, ben 19. Dezember 1924. ENVER BEY VALUTA EINE HOCHSTLEISTUNG UNTER DEN 2 ZIGARETTEN! Großer Weihnachtsver- Radikaler Totalausverkauf. Wegen Teilzahlung. Ritchen 83.-, 102.- Einjährigkurse. Urbanstraße 176. Wichtig! für jedermann. Täglich wer18. Beftſtellen, komplett, 16, Metall. Auflegematragen Ge- bettstellen ben verkauft: Aleiderschränke, Bertilos Verschiedenes 22 mit fvinden, Schreibtische 38, Trumeaus 29. 5 Autobau, Parteisekretär gesucht Elektromonteur für Licht- und Star fauf zu Schleuderpreisen. 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