Str. 610 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 311 Bezugspreis: Böchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,- Goldmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Saar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar! pro Monat. Der..Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Kleingarten fowie bet Unterhaltungsbeilage Seimmelt und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Conntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille Beile 0,70 Goldmart. Retlamezeile - Goldmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruďte Wort 0,20 Goldmart( azuläffig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark, jedes weitere Wort 0,05 Goldmart. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Sonntag, den 28. Dezember 1924 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft. Devoitentasie Lindenstraße 3 Keine Räumung am 10. Januar. Einstimmigkeit in der Botschafterkonferenz. Das weitere Verfahren. Zurück zur Verständigung! Oder was sonst? Ist es der geschichtliche Beruf des Jahres 1925, alles wieder zu zerschlagen, was im Jahre 1924 an aufbauender Friedensarbeit geleistet worden ist? Fast möchte man es Frage der Räumung von Köln jetzt an der Jahreswende abspielen. Paris, 27. Dezember.( WTB.) Die Botschafterkonferenz ist sche Regierung muß daher dieser eine besondere Aufmerksamkeit glauben, wenn man die Vorgänge betrachtet, die sich in der heute vormittag unter Borfiß von Jules Cambon zusammen zuwenden. getreten. Der Sigung wohnte auch Marschall Foch bei. Sie fonnte das einstimmige Einverständnis der franzöfifchen englischen, belgischen, italienischen und japanischen Regierung in der Frage der Kölner Zone feststellen Sie hat sich alsdann über das Berfahren geeinigt, das hinsichtlich der Notifizierung an die deutsche Regierung eingeschlagen werden soll. Die Botschaftertonferenz hat den Inhalt der Note besprochen, die die allierten Regierungen noch vor dem 10. Januar an die deutsche Regierung schicken werden. Die Botschafterkonferenz wird am rächsten Mittwoch wieder zusammentreten, um endgültig dieſe Note fertig zu stellen, für die das Sekretariat der Botschafterfonferenz den Text vorbereiten soll. Paris, 27. Dezember.( Eca.) Der deutsche Botschafter von Hoesch hat kurz vor der heutigen Sitzung der Botschafterkonferenz Jules Cambon, der den Vorsitz in der Konferenz führt, einen Besuch abgestattet. Eine Nachricht, wonach Herr v. Hoesch heute vormittag auch Herriot gesprochen haben soll, entspricht nicht den Tatsachen, New York, 27. Dezember.( TU.) Das Staatsdepartement teilt mit, daß der amerikanische Botschafter in Paris, Herrich, nicht beauftragt sei, die amerikanische Regierung offiziell auf der Botschafterkonferenz zu vertreten. Das Staatsdepartement habe jedoch nichts dagegen einzuwenden, wenn der Botschafter der Konferenz als Beobachter beiwohne. Die Stellungnahme Belgiens. " Brüffel, 27. Dezember.( WTB.) Außenminister Hymans hat on die englische und die französische Regierung eine Denkschrift gerichtet, in der er die Stellung der belgischen Regierung zur Frage der Räumung der Kölner Zone seinandersetzt. Wie die Agence belge" hierzu erfährt, ist die belgische Regierung der Meinung, daß die Räumung am 10. Januar nicht wird stattfinden können, da der Bericht der interalliierten Kontrollkommission, dessen Ergebnisse als Grundlage für die Prüfung und die Entscheidung der Alliierten dienen müssen, vor diesem Zeitpunkt nicht fertig gestell: sein wird. Anderseits seien nach den der belgischen Regierung zu gegangenen Nachrichten die auf die Entwaffnung bezüglichen Be. Stimmungen des Bersailler Vertrages bis jetzt noch nicht völlig durchgeführt. Die Entwaffnungsbestimmungen bildeten aber für Belgien die Bürgschaft seiner Sicherheit, und die belgiTodesstrafe für Flugblattverbreitung! Litanische Militärjustiz. Kowno, 27. Dezember.( TU.) Vor dem Kownoer Kriegsgericht maren fünf Kommunisten angeflagt, furz nach dem Revaier Butsch in Kowno fommunistische Literotur verbreitet zu haben, worin zum Sturz der Regierung aufgefordert wurde. Bier Kommunisten wurden zum Tode verurteilt. Die fünfte Angeklagte, cin 18jähriges Mädchen, erhielt mit Rücksicht auf ihre Jugend lebenslängliches Zuchthaus. Selbst wenn der so rasch niedergeworfene, von Anfang an aussichtslose Revaler Butsch die litauischen Nachbarn in noch fo große Angst versetzt haben sollte wie können in einem wie können in einem zivilisierten Staat solche wahnsinnigen Urteile gefällt werden, die einem das Blut in den Adern erstarren lassen! Hoffentlich wird der Vollzug dieser Urteile rechtzeitig gehindert. Die französische Amnestie. Die Kammer gibt dem Senat nach. Paris, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die sozialistische Rammerfrattion nahm heute erneut zu der vom Senat wiederholt abgeänderten Amnestrievorlage Stellung. In der längeren Disfussion machten sich zwei, Auffassungen geltend. Die eine glaubte, die vom Senat vorgenommenen einschränkenden Abänderungen nicht annehmen zu können, die andere aber, darunter insbesondere Leon Blum und Renaudel, trat dafür ein, daß es vorzuziehen sei. die Borlage in der augenblicklichen Fassung sofort zu verab= schieden, statt eine weitere Berzögerung eintreten zu lassen. Mit 15 gegen 8 Stimmen, bei zahlreichen Enthaltungen, schloß sich die Fraktion diefer legten Auffassung an, so daß llebereinstimmung zwischen den einzelnen Gruppen des Lintsfartells herrscht. Die vier Fraktionen der Mehrheit haben beschlossen, den Senatstext ohne Aenderungen anzunehmen und zu gleicher Zeit an die Regierung die Aufforderung zu richten, die restlose Wiedereinstellung der wegen Streifs entlassenen Eisenbahner bei den Eisenbahngefellschaften zu erzwingen. Ausweisung Sadouls? Paris, 27. Dezember.( EP.) Es verlautet, daß die französische Regierung einen Ausweg gefunden hat, um eine Verurteilung Sadouls zu vermeiden, die die Sozialisten und Kommunisten verstimmen würde, und um eine Freisprechung zu umgehen, die bei zahlreichen Bürgerlichen Anstoß erregen würde. Die Regierung hat blatt Paris Soir" will wissen, daß für das Verfahren der Ueber Paris, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das Abendmittlung der Note zwei Formeln vorgeschlagen wurden. Nach der einen soll der Vorsitzende der Botschafterkonferenz der deutschen Regierung eine Mitteilung von der Feststellung der Berfehlungen des Deutschen Reiches machen und zu gleicher Zeit sollen die Regierungen von Frankreich, Großbritannien und Belgien ge= trennt der deutschen Regierung die Hinausschiebung der Räumung gemeinsame Mitteilung der drei erwähnten Regierungen, begleitet der Kölner Zone bekanntgeben. Nach der zweiten Formel soll eine von einem gemeinsamen Schritt der Botschafter in Berlin, erfolgen. Es ist jedoch nicht bekannt geworden, für welche von diesen beiden Formeln die Botschafterkonferenz sich entschieden hat. In der Sizung sei lediglich die Frage erörtert worden, wie die Nichträumung der Kölner Zone zu begründen fei; über den lekten Bericht der Interalliierten Kontrollfommission sei nicht beraten wordteilt, Aus der amtlichen Meldung geht überdies hervor, daß noch weitere Verhandlungen zwischen den alliierten Regie: rungen in dieser Angelegenheit geführt werden. der Regierungen in London und in Paris nur dann zweckEs muß offen ausgesprochen werden, daß die Haltung mäßig war, wenn sie glaubten, über die Meinungen und Empfindungen des ganzen deutschen Volkes gelassen hinwegschreiten zu dürfen. Ist aber, wie wir annehmen wollen, der schreiten zu dürfen. Ist aber, wie wir annehmen wollen, der Wunsch nach einem friedlichen Zusammenarbeiten der Völker in ihrem Munde mehr als eine bloße Redensart, dann werden des deutschen Volkes schwere Fehler begangen haben. sie einsehen müssen, daß sie in der psychologischen Behandlung Von der Frage der Rechtmäßigkeit ihrer jetzt durch die Botschafterfonferenz bestätigten Beschlüsse sei dabei zunächst abgesehen. Aber seit wann ist es üblich, daß man einem Verurteilten erst die Strafe mitteilt, die über ihn verhängt worden ist und ihm dann erst, nach gemessener Bause, mitteilt, wofür er bestraft wurde? Die Fortführung der Befegung der Kölner Zone ist eine Strafe, und das deutsche Volk weiß, daß es diese Strafe erdulden soll warum aber, das weiß es bis zum heutigen Tage nicht. Paris, 27. Dezember.( WTB.) Wie nachträglich mitgeteilt wird, ist es noch nicht bestimmt, daß die Botschafterkonferenz War den fremden Regierungen etwas an der Meinung am kommenden Mittwoch eine Sihung abhalten wird, um den endgültigen Tert der Note festzustellen, die hinsichtlich der des deutschen Volkes gelegen, dann mußten sie den umgeFrage der Kölner Zone an die deutsche Regierung gerichtet fehrten Weg einschlagen. Dann mußten sie die Berwerden soll. Der Beratung der Botschafterkonferenz wohnten nicht fehlungen, die sie Deutschland nachweisen zu können glaubten, nur Marschall Foch, sondern sämtliche militärischen Sach- zunächst öffentlich feststellen. Beigte sich dabei, daß verständigen der in der Botschafterkonferenz vertretenen wirklich in einem erheblichen Maße Verstöße gegen den Mächte bei. Das„ Journal des Débats" betont ausdrücklich, daß Friedensvertrag vorgekommen waren, dann fonnte man erder Borfikende der Interalliierten Kontrollkommission in Berlin, warten, daß ein Teil des deutschen Volfes die gegnerischen General Walch, an den Beratungen nicht teilgenommen hat Maßnahmen wenigstens begriff und nach einer Abund nicht, wie die Morgenpreffe voreilig berichtete, über das Erstellung jener Verstöße drängte, um auch die Gegenmaßgebnis der Generalinspektion vernommen wurde. Die Beratung hat nahmen rückgängig zu machen. Ein solcher Ausgleich sollte um 11 Uhr 15 Minuten begonnen und war bereits um 12 Uhr auch das Ziel der englisch- französischen Politik sein, sofern die 35 Minuten zu Ende. Ausführung des Friedensvertrags und nicht die Verlänge rung der Offupation ins Ungewiffe hinaus der eigentliche Zweck der Uebung ist. Presseverfolgung in Frankreich. Paris, 27. Dezember.( WTB.) Kriegsminister Nollet hat heute Strafantrag gegen den politischen Redakteur des„ Eclair" geftellt wegen Veröffentlichung eines Berichts, den General Nollet als Borfizender der Kontrollkommission über die angebliche mili= tärische Organisation Deutschlands im Monat 2 pril an die Militärfommission in Versailles erstattet hatte. Diese Ber öffentlichung soll die Sicherheit Frankreichs be drohen. Eine Haussuchung in der Redaktion des Eclair" soll wichtige Dokumentenfunde ergeben haben. nämlich festgestellt, daß in der Zeit der französischen Revolution ein noch nicht rückgängig gemachtes Gesetz angenommen worden ist, wonach Franzosen, die ohne besondere Erlaubnis der Regierung bei einer fremden Macht in militärische Dienste treten, ihres französi schen Bürgerrechts verlustig gehen und des Landes verwiesen werden können. Die Regierung soll nunmehr beab fichtigen, dieses Gesetz auf Sadoul anzuwenden, um, darauf geſtüßt, ihn als unerwünschten Ausländer auszuweisen. Zentrale Kommunistenbekämpfung. Paris, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierung widmet trotz der Erflärung Herriots, daß die kommunistische Bewegung in Frankreich keine Gefahr bedeute, der kommunistischen Agitation große Aufmerksamkeit. Es ist ein neues Polizeibepar tement geschaffen worden, dessen ausschließliche Aufgabe ist, den Informationsdienst über die revolutionäre Propaganda zu zentralisieren und die lästigen" Ausländer zu überwachen. Der Wahlsieg in Niederösterreich. Amtlich festgestellt. Wien, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das Endergebnis der Gemeindewahlen in den Landorten Niederösterreichs ist nunmehr festgestellt; es zeigt ein anderes Bild, als die vorläufige amtliche Meldung der christlich- sozialen Landesregierung über den Wahlausgang. Nach der neuen und endgültigen Feststellung haben die Sozialdemokraten nach Abzug aller Verluste nicht, wie ursprünglich gemeldet wurde, 2 Mandate, sondern 190 gewonnen. Die Bürgerlichen haben nicht 122 Mandate gewonnen, sondern 165 verloren. Die Sozialdemokratische Partei ist in 194 Gemeindevertretungen neu eingedrungen, von denen 162 rein länd lich find. Außer den 190 Gemeinderatssitzen, welche die Sozialdemokratische Partei auf rein sozialdemokratischen Listen gewonnen hat, wurden noch 160 Mandate auf einer von fozialdemokra tischen Kleinbauern aufgestellten Kleinbauernliste gewählt. In vielen Gemeinden, gerade mit Kleinbäuerlichem Einschlag, haben sich die Kleinbauern angesichts des scharfen Drucks der Gegner nicht getraut eine rein fozialdemokratische Lifte aufzustellen. Andererseits haten die Sozialdemokraten in dem start industriellen Bezirk Wiener Neustadt, wo die bei den Gemeindewahlen infolge der Abwanderung zahlreicher Betriebe Mandate verloren haben, nur drei Prozent der Stimmen eingebübt, die bürgerlichen Parteien aber fünf Prozent und die om munisten sogar 25 Prozent. Also auch in diesem Bezirt, wo sich die Krise besonders start fühlbar macht, war der Stimmenrüdgang bei den Sozialdemokraten nur gering, bei den Bürgerlichen größer und bei den kommunisten fast fatastrophal. Das Vorgehen der Regierungen in London und Paris gibt aber denen alle Trümpfe in die Hand, die das Mißtrauen zwischen den Völkern schüren. Schon beginnt die nationaliftische Presse jeden als„ Landesverräter" zu bezeichnen, der überhaupt mit der Möglichkeit rechnet, daß tatsächlich in der Abrüstungsfrage Verstöße gegen den Friedensvertrag vorgetommen sein tönnten. Daß diese Verstöße erheblich find, glaubt in Deutschland überhaupt niemand; zu schwer lastet das Gefühl der vollkommenen Wehrlosigkeit auf dem ganzen Volfe, die Gegenüberstellung der Zahlen von hüben und drüben, die den Bestand der Menschen und Material betreffen, wirkt zu schlagend. Selbst wenn man die deutschen 3iffern als unrichtig bezeichnen und einen gewissen Prozentzuschlag auf sie legen wollte, bliebe das Mißverhältnis eklatant. In Deutschland ist man heute allgemein, ohne Unterschied der Partei, darin einig, daß den Abrüstungsvorschriften des Friedensvertrags im großen ganzen Genüge geleistet worden ist und daß auch kleinere Abweichungen, falls sie tatsächlich vorgekommen sind, eine so schwerwiegende Maßnahme wie die Nichteinhaltung der Räumungsfristen nicht rechtfertigen. * Man scheint im Ausland feine zureichende Borstellung davon zu haben, was die Einhaltung der Räumungsfristen für Deutschland bedeutet. Kein Bolt fann zur Ruhe kommen, solange es nicht ein sicher umfriedetes Gebiet besitzt, in dem es allein zu bestimmen hat. Diese Ruhe soll Deutschland fünfzehn Jahre lang versagt bleiben auf Grund des Vertrages von Versailles! Ja, dieser Bertrag läßt sogar zu, daß geräumte Gekönnen! Darum sollte man auch in Deutschland mit dem Wort biete im Falle deutscher Berfehlungen wieder besetzt werden ,, Vertragsbruch" etwas vorsichtiger sein; von Bertragsbruch sprechen, heißt in diesem Falle dem Vertrag von Verfailles zuviel Ehre antun. Worum es sich handelt, das ist, daß dieser Vertrag nicht durch lleberspannung seiner fautschukartigen Bestimmungen von den Mächtigeren mißbraucht wird. Die Sorge um einen solchen Mißbrauch ist ewig wach, denn der französischen Angstvorstellung von den deutschen Vorbereitungen zu einem Revanchekrieg entspricht die deutsche Angstvorstellung von einer dauernden Besehung und schließlichen os trennung des besetzten Gebietes. Daß solche Absichten, wenn sie wirklich vorhanden wären und zur Ausführung ge langten, die tödliche Verfeindung beider Nach barvölker zur Folge haben müßte, liegt auf der Hand. Auf solche Gefahren hinzuweisen, ist heute die Pflicht aller deutschen Friedensfreunde, die der Meinung sind, daß die dauernde und ehrliche Versöhnung der beiden Völker eine Frage auf Tod und Leben für ganz Europa, ist. Hütet euch, im deutschen Bolt den Gedanken zu nähren, daß Verträge nur dazu da sind, dem Mächtigen Vorwände für den Mißbrauch ihrer Macht zu liefern! Hütet euch, den Gedanken aufkommen zu lassen, das Schicksal des Besetzten Gebietes und damit der deutsch- französischen Beziehungen sei bereits entschieden! Seitdem feststeht, daß die Räumung am 10. Januar nicht erfolgen wird, kann es für die deutsche Politit nur eine Frage geben, wannundunter welchen Bedingun= gen geräumt werden soll. Die andere Seite hat es in der Hand, uns diese Bedingungen zu diftieren, wenn sie die ehrliche Verständigung will, wird sie nicht diktieren, sondern verhandeln. Schließt man den Gedanken aus, daß wir unter Berzicht auf die Räumung und unter Gefahr neuer militärischer Besetzungen zum Krieg rüsten könnten, dann bleibt nur übrig, die Bedingungen zu erfüllen, von denen die Gegenseite die Räumung abhängig macht. Wir sehen dabei voraus, daß diese Bedingungen den Rahmen der Abrüstungsvorschriften, wie er im Vertrag von Versailles gegeben ist, nicht überschreiten. Wäre dies doch der Fall, so wäre es Aufgabe der deutschen Regierung, den Verhandlungsweg zu fuchen, um auf ihm die gegnerischen Forderungen auf das dem Bertrag entsprechende Maß herabzubringen. Obwohl jedermann in Deutschland die einseitige Abrüstung für ein Unrecht hält, ist es im Interesse des besetzten Gebietes und damit ganz Deutschlands notwendig, sie in vertragsmäßig gefordertem Maße durchzuführen. Wer für die Fortdauer der Befegung Gründe oder auch nur Vorwände liefert, arbeitet damit für jene Richtung in Frankreich, die Gründe und Vorwände sucht, um die Besehung aufrechtzuerhalten. Wir wissen, daß die gegenwärtige Regierung Frankreichs dieser Richtung nicht angehört, und wir halten es für eine Gefahr, wenn ein gewisser Teil der deutschen Presse den Blick ihrer Leser für die verschiedenen Strömungen im französischen Volke absichtlich trübt. Man sollte sich doch nicht au sehr beeilen, Herriot mit Poincaré in einen Topf zu werfen. Man sollte lieber ernstlich die Frage prüfen, ob nicht auch auf deutscher Seite Fehler vorliegen, die dazu beigetragen haben, die Regierung Herriot von der Linde der deutsch- französischen Berständigung abzudrängen. Diese Linie wiederzugewinnen, muß jetzt die Aufgabe aller Deutschen und aller Franzosen sein, die wirkliche Freunde ihres Volkes, keine bloßen Schein- und Schreipatrioten find. Von hier aus fällt auch ein Licht auf die Frage der deutschen Regierungsbildung. Deutschland braucht eine Regierung, die nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten zer schlägt, sondern vielmehr den einzigen Weg, der zur Befreiung der besetzten Gebiete führt, wieder zu öffnen imftande ift. Wie der Herr Reichsaußenminister Dr. Stresemann Diesen Weg mit Hilfe deutsch nationaler Minister follegen öffnen will, ist bisher sein Geheimnis geblieben. Wir meinen: Will man diejenigen Stimmen in der Welt, die für Deutschlands Recht auf Räumung eintreten, zum Schweigen bringen, will man diejenigen draußen entwaffnen, die einer möglichst raschen Räumung unter möglichst maßvollen Bedingungen das Wort reden, dann muß man jetzt die Partei ans Ruder berufen, die überall in der Welt als die Trägerin der Revancheidee gilt und von der man annimmt, daß sie die geheimen Rüstungen, die der Gegenstand der franzöfifch- englischen Anflage find, begünstigt. Herr Dr. Stresemann hat in feiner Unterhaltung mit einem Bertreter des Hamburger Fremdenblatts" gefagt, die Deutschnationalen würden in der Regierung doch seine Bolitit treiben müssen. Leider weiß man nicht genau, was das für eine Politik ist, weil man nicht genau weiß, mo seine Bolitik anfängt und die des Reichstanzlers Marr aufhörf. Aber auch wenn Herr Dr. Stresemann gemeint haben sollte, die deutschnationalen Minister würden die Außenpolitit der Regierung Marg fortsetzen, so ist das erstens nur Vom kindlichen Paradies. Bon Lola Landau. Jedes Kind ist ein Phantast. Aber seine Phantasie ist unendlich verschieden von der Einbildungskraft, mit der wir aus den Bruch teilen und Splittern der wirklichen Welt uns eine neue zusammen zusehen suchen. Denn während wir in dem immer schmerzhaften Bewußtsein, daß die Wirklichkeit uns mit ihren Gesezen der Schwer Praft zurückhält, nur die festen Begriffe in einem Tauschspiel per ichieben und verändern, ist das Phantasiereich des Kindes gleich zeitig seine Wirklichkeit, ihre Grenzen fallen zusammen. Das Kind spürt feinen festen Boden, über dem es feine schillernden Gebilde in die Luft bläst und ihrem Spiele zufieht; fein Spiel ist Ernst, und es erlebt zum erstenmal die Welt als den sonderbaren wilden Garten, der voll ist von Wundern, einem fliegenden, sich unaufhörlich bewegenden Garten, in dem das Licht auf und ab flattert. Im Gleiten und Schwanken fliegt die Welt immer näher auf das Kind zu. Denn nichts steht ihm still oder ist an einen festen, bestimmten Tlak gebunden. Unbewußt hat es das Geheimnis des raftlofen Lebens, die unaufhörliche Verwandlung aller Dinge erahnt. Blumen merden ihm zu bunten Tieren, und die Tiere haben ebenso wie Bflanzen und tote Gegenstände die Empfindungen und die Sprache der Menschen. Die unendliche Einheit alles Lebendigen ist dem Kinde noch nicht zerspalten. ,, Sieh, die grünen Frösche hüpfen im Waffer," fagt es zu den herabhängenden Laubblättern, die sich spiegelnd im Wasser bewegen. eine Meinung, für die das Verhalten der deutschnationalen| die Pfalz zwar nicht vom Reiche, aber möglichst bald von Bayern Presse keineswegs spricht, und zweitens ist es nicht einmal entscheidend. Denn so schwer es uns Deutschen fallen würde zu glauben, daß eine neue Regierung Poincaré die lonale Absicht zur Räumung habe, so schwer würde es dem Ausland fallen, an die loyale Abrüstungsabsicht einer deutschen Regierung zu glauben, in der die Deutsch nationalen maßgebenden Einfluß hätten. Darauf aber fommt es jetzt an, die Welt von der loyalen Abrüstungsabsicht der deutschen Regierung zu überzeu gen und damit die Befreiung der Kölner Zone und des Ruhrgebiets so rasch wie möglich durchzusehen. Dazu müssen auch bei der Regierungsbildung die geeigneten Mittel er griffen werden. Dazu aber ist die Hereinnahme von Deutsch nationalen in das Reichskabinett das ungeeignetste Mittel. Zentrum und Bayerische Volkspartei. Eine Drohung. Die Korrespondenz der Bayerischen Volkspartei wendet sich in einem Artikel an das Zentrum, in dem das maßen begründet wird: Eintreten für den deutschnationalen Bürgerblod folgender ,, Diese Erkenntnis rührt nicht von einer stillen Liebe" der Bayerischen Bolkspartet zu den Deutschnationalen her, sondern beruht auf der nüchternen realpolitischen Erwägung, daß nach dem Ausgang der Maiwahlen und nach dem Ergebnis der Dezemberwahlen die deutschnationale Rechte ein Recht auf Mitwirtung in der Leitung der Geschicke des Deutschen Reiches hat, und ferner auf der richtigen Einsicht, daß es ein schwerer innerpolitischer Fehler ist, die Deutschnationalen gewaltsam in der Opposition zu halten. Niemand wird es dem Zentrum übelnehmen, wenn es schweren Herzens on eine Berbindung mit den Deutschnationalen herangeht. Aber über den Zentrumsgefühlen und Zentrumsneigungen und, zugestanden, Zentrumsbefürchtungen steht die Notwendigkeit, die dringende notrendigkeit, eine Reichsregierung auf die Beine zu bringen, die sich sehen lassen kann, die ihr Leben nicht Manövrierfunststüden und allerlei Kniffen verdankt, sondern die die wirkliche bürgerliche Mehrheitsregierung." Mehrheit des Reichstags hinter sich hat. Und das ist zurzeit nur eine neu. Sie beruht auf der Vorausseßung, daß sich das Zentrum Die Argumentation der offiziellen Korrespondenz ist nicht dem Diktat der Deutschen Boltspartei zu beugen habe. Interessant wird der Artikel aber durch die Sprache, die er dem Zentrum gegenüber führt. Ist es schon eine starke Bumutung, wenn die Bayerische Volkspartei vom Zentrum verlangt, die wohldurchdachten Gründe, die zu einer einstimmigen Ablehnung des Bürgerblocks führten, außer acht zu lassen, so wird der wahre Sinn dieses Appells an die Gewiffenlosigkeit erkenntlich, wenn der Artikel als die Folge einer tonſequenten Haltung des Zentrums eine neue Vertiefung der Gegensätze zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei bezeichnet. Die Bayerische Bolkspartei hatte bekanntlich dem Bentrum schon vor den Wahlen damit gedroht, ihr Tätigkeitsfeld auf das ganze Reich auszudehnen. Das war die glatte Drohung mit einer Spaltung des Zentrums. Man partei ihre Werbetätigkeit auf Bayern, das Zentrum feine Brofam damals zu der Vereinbarung, daß die Bayerische Bolts paganda auf das übrige Reich beschränken solle. Der Artikel Bruch des Abkommens. Auch das zeigt, wohin der der Korrespondenz enthält eine deutliche Drohung mit einem Bürgerblod führt. Man behandelt die Mittelparteien nur noch mit der Pistole in der Hand. Bayern und das Reich. München, 27. Dezember.( Eigener Drabtbericht.) Der Baheriiche Kurier", der dem bayerischen Kabinett bekanntlich nahe stebt, läuft am Samstag Sturm gegen einen neuen Feind, der sind dem Kinde unbekannt und rauben ihm nicht sein Glüd. Es lebt ohne den scharfen Schnitt der Stunden, ohne die schmerzliche Schneide der Entfernungen, und das, was der indische Weise mit äußerster Anstrengung zu erreichen sucht, das raum und zeitlose Schweben des Geistes, gelingt dem Kinde mühelos, da es im Spiel alle Räume durchfliegt. Daher auch das eigentümliche Ichbewußt sein des Kindes, das sich unwillkürlich dehnen und zusammenziehen fann, feine Verkennung aller wirklichen Masse, so daß dieser phan. tastische und seltsame Größenwahn erscheint, dem das Unmögliche ein Sprung ist. Das Kind ist gerade so groß oder so flein, wie es sich fühlt, so start oder so schwach, wie es will. Ich will die Sonne mit einer Zwede am Himmel festnageln," hörte ich einmal ein Kind sagen. Der holde Irrfinn der ganzen Kindheit liegt in diesem Satz, ein Wahn, den wir paradiesisch nennen und der kurz ist wie alles Knospende, das blind und schön ist zugleich. Aber in dieser Zeit der Mühsal und des schwersten Lebens. fampfes, in der die Betäubungsmittel immer seichter werden, sollten wir uns öfter retten in die süße Narkose der findlichen Phantasie. In dem Zusammensein mit den Kindern, fie belauschend und uns in ihr Wesen vertiefend, sollten wir die erquidende Freude und Stärfung finden, weil ihr Reich zwar ein Narrenreich ist, aber doch oft Don wahrhaftigerem und herzlicherem Leben ftrahlt als die Schein welt unserer heutigen Wirklichkeit. Rotterdam." Die Stadt scheint sich von anderen nicht zu unterscheiden. Die Aber dann biegt man un eine Ede und sieht die Maas. Es riecht nach Fischen und der Salzluft des nahen Meeres. Aus dem Nebel wachsen die Schornsteine der Dompfer Die Barkassen schießen über den Fluß und man sieht, wie die Möven feelenruhig schautelnd auf den Wellen fizen. trennen will". Es handelt sich um angebliche Pläne im Reichsfinanzministerium, durch die die Pfalz steuerlich von Bayern losgelöst und dem Landesfinanzamt Darmstadt unterstellt werden soll. Bisher waren die Finanzamter der Pfalz dem Landesfinanzamt in Würzburg unterstellt. Das Blatt behauptet, daß gewisse Machthaber in Berlin den jezigen Augenblick zur Durchführung dieses Planes für den richtigen halten und man bereits am Werte sei, ihn auszuführen. Die Pläne der bayerischen Monarchisten. München, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Mittelpunkt der monarchistischen Bewegung ist heute der von Dr. Heim gegründete, Bayerische Heimat und Königsbund", dem es in der legten Beit gelungen ist, die fleinen Königsbünde, die ein kaum beachtetes Dasein führten, mit sich zu verschmelzen. Sein nächstes Ziel sieht dieser Heimat- und Königsbund darin, die Bayerische Volkspartei, in der er von Anfang an erheblichen Einfluß hatte, parteiprogrammatisch offiziell auf das Betenntnis zur Monarchie fest= aulegen. Ab 1. Januar gibt der Bund auch ein znnächst zweimal wöchentlich erscheinendes neues Organ herans, " und Bayerischer Herold". Die Leitung des Bundes hofft, daß das Blatt bald zu den führenden Zeitungen Bayerns zählen wird, denn es wird, wie es in der Ankündigung beißt, das einzige völlig unabhängige Organ einer wahrhaft heimat- und königstreuen Staatsauffaffung sein. Das Verfahren gegen Zeigner. Eine Entscheidung noch nicht getroffen. Gegen den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Zeigner Das„ Berl. schwebt bekanntlich von der Emminger- Zeit her noch immer ein Berfahren wegen Landesverrats. Tagebl. veröffentlicht in dieser Angelegenheit folgende Buschrift des Oberreichsanwalts bermayer:„ Das Verfahren schwebt noch in der Voruntersuchung, über den bevorstehenden Abschluß ist dem Oberreichsanwalt nichts fannt. Das Reichsgericht hat weder bisher zu dem Ergebnis der Voruntersuchung Stellung genommen, noch ist es dazu überhaupt nifies der Boruntersuchung seinen Antrag auf Eröffnung des in der Lage, bevor der Oberreichsanwalt auf Grund des Ergeb Hauptverfahrens oder auf Außerberfolgungiegung gestellt hat. Ueber einen solchen Antrag endlich kann der Oberreichsanwalt auch erst nach wiedereingang der alten vom Unterfuchungsrichter Entschließung treffen." Deutschnationaler Antisemitismus. Wer ihn verwirft, der fliegt. mäßigkeitsfrage. Es gab eine Zeit in der die Partei gegen ben Der Antisemitismus ist bei den Deutschnationalen eine Zwed Antisemitismus Stellung nahm. Das war mit einer der Gründe, der Deutschnationalen Bartei ausschieden. Augenblicklich ist der aus denen seinerzeit die Bulle, Henning und Graefe cus er der antisemitischen Barole feine Folge leistet, der fliegt. Das Antisemitismus wieder Trumpf in der Deutschnationalen Bariei. zeigt das Schicksal des thüringischen Heimatdichters Ernst Büschel, Bandesverband Thüringen der Deutschnationalen Bartei ein Ausder bisher zu den Deutschnctionalen gehörte. Gegen ihn hat der schlußverfahren eingeleitet, weil er während des Wahlkampfes in einem schwarzweißrot umränderten Flugblatt den Antisemitismus aus nationalen und christlichen Gründen verworfen hatte. Ueberdies hat mon furz vor Weihnachten sämtliche Fenster. fcheiben seiner Wohnung zertrümmert- eine deut liche Propaganda für den„ chriftlichen" Kurs, wie ihn die Deutschnationalen verstehen! Und der Rotterdamer Hafen ist noch nicht Rotterdam. Es sind die Menschen, die Holländer, die einen begreifen fossen, daß es hier doch anders zugeht als in den Großstädten der anderen Länder. Der Holländer lebt nämlich viel langsamer als der gewöhnliche Mitte!. europäer. Auf jeder Minute seines irdischen Daseins sißt er behaglich feft. Er hat etwas Gemächliches, Solides, Altväterliches. Seine Gewohnheiten sind von ausgesprochenem Konservativismus. Der Durchschnittsholländer hat einen ausgebildeten Sinn für praktische Dinge, dabei ist er von höchfter Anständigkeit und absolut zuverlässig. Das sind ganz refpefiable Eigenschaften. Mit der berühmten Geistigfeit ist es hier allerdings etwas fißlich dem Holländer geht es um Dinge, nicht um Probleme. Er handelt nach seiner Art, das Nachdenken und Spintisieren überläßt er anderen, denen er ihre Ueberlegenheit in ihrem Fache neidlos zugesteht. Er ist ein Kerl aus einem Guß, der Holländer. Hier begreift man erft, daß das Effen eine heilige Handlung ist. In meiner Phantasie hat sich ein Huzarenfalat, ein Wunder aus Fleisch, Fisch und Majonaise, zu einer Art Idol ausgewachsen. Man muß sich nur einen holländischen Magen dazu anschaffen. Derb und träftig sind die Frauen. Die Lurusweiber gehen im Pelz und tanzen Jimmy wie in Paris, aber der eigentliche holländische Typus Frau wird erst gefunden, wenn man auf der sozialen Stufenleiler hinabsteigt. Sie sehen nicht ganz so aus wie auf den Reflamen von van Houtens Rafao, immerhin aber haben sie Hüften, auf denen manche Hand ausruhen tonn, und ihre Wangen leuchten wie die frischen Winteräpfet. Sie arbeiten wie die Männer und sind dazu noch Gattinnen und Mütter, aber sie lachen trotzdem den ganzen Tag mit gutem, breitem Gesicht. In ihrem Mund werden selbst die Art Melodie. Der Baum hat einen Elefantenfuß," ruft es erstaunt im Walde Straßenbahnen, Die Automobile, die Warenhäuser sind wie üteraff. fchärfsten Gutturallaute der merkwürdigen Landessprache zu einer beim Anblick eines seltsam geformten Märchenhafteres und Mystischeres als die Vorstellung des Mammuts baumes, der sich aus der Erde löst, und beginnt, mit seinem einen Fuß durch den Wald zu stampfen?" Der Apfel mit seinem Auge sieht zu, wie ich eſſe," sagt es erstaunt zu dem Apfel auf seinem Teller. Alles hat Augen, hat Hände, hat ein Herz für das Kind. heimnisse aufbewahrt. Ein Hafen ist am Ende ein Hafen, aber es padt einen doch immer wieder neu. Da sind die Hafenarbeiter, die Kulis unserer„ westlichen Zivilisation". Ihre Rücken sind frumm vom Säckeschleppen. Besser geht es ben Echuyleuten, die ihre spaßigen Feuerwehrhelme spazieren führen. Da sind ferner die Mädchen, die schon morgens an den Hauseden stehen und ihren Blick auf das Gemüt der Seeleute gerichtet haben, die von großer Fahrt heimkommen. Abends, wenn der Lichtschein aus den Bullaugen der Schiffe fällt, wird in der Holland ist ein feltfones Land, Rotterdam ist eine feltfame Stadt. Man muß nur erst dahinter fommen und das unzweifelhaft ChaMan muß nur erft dahinter fommen und das unzweifelhaft Charatteristische erleben und begreifen. Auf dem Coolsingel, dem großen Boulevard der Stadt, stehen lange Reihen von Weihnachtsbäumen. Die Straßen sind bereift, es ist falt. Die Händler blasen sich auf die geröteten Hände. Rathausturm ein Glockenspiel ein. Wilhelmus von NassauenIch erinnere mich der Schulzeit, es ist lange her, wir haben es auch gelungen und der Lehrer fagte immer zu mir:„ Hör auf mit deinem Als ich longfam die Etraße herunterbummele, fegt plötzlich vom Alles Lebioje belebt und bewegt sich. Laut spricht das Kind mit den starren Wesen aus Holz und Stein. Das Bett ist sein Freund, der Stuhl sein Pferd, auf dem es reitet, der Schrant ein brauner, guter Mann, der in seinem Leibe viele seltsame Sachen und GeWunderbar ist in Maeterlincs Märchenspiel„ Der blaue Vogel" gerade dieser beseelende Zug des Kindes erraten. Die Dinge des Alltags, der Buder, das Brot, die Milch, fie leben vermenschlich: Welcome- Bar das Xylophon losrcttern und die Heuer, die Frucht verständliches Zeichen Es stellt sich heraus, daß das ein Seemann und körperlich mit den Kindern mit und begleiten sie auf ihrer monatelanger schwerster Arbeit, wird für fragwürdige Genüsse zum ist, der eine goldene Uhr verkaufen will. Er hat sie geschmuggelt oder Wanderschaft als ihre unzertrennlichen Ede des Zimmers, fein Winkelchen, das nicht vom heißesten Leben fummt, und der Tod, dessen Starre leider schon so unendlich vielen Menschen anhängt, die langsam erfalten und versteinern, hat hier feinen Eingang. Zeit und Raum, die Qualen unseres erwachten Bewußtseins, die uns die furchtbaren Grenzen unseres Seins erleben lassen, sie Teufel gehen. Aber das ist nun mal so- Seeleute sind keine christ. lichen jungen Männer. Dr. Richard Hülsen bed, der gegenwärtig als Schiffsarzt eine Reise nach Ostasien macht, wird uns während der nächsten Monate regelmäßige Berichte über seine Erlebnisse und Eindrücke zukommen lassen. Stöhngesang!" Es ist verdammt lange her. gar Jemand tritt von hinten an mich heran und macht mir ein ungestohlen. Ich winke ab. Ich gehe an die melancholischen Grachten, über die die Bäu ne ihre tahlen Zweige hängen. Zwei junge Mädchen auf Fahrrädern fahren fichernd, Hand in Hand an mir vorbei. Es ist fast dunkel. Die Autobusse rattern schaufelnd und hupend Ganz fern hört man noch einmal das Glockenspiel„ Wilhelmus von Nassauen-" Richard Hülsenbed. Regierung der monarchistischen Propaganda läufig unabsehbarer Zeit", wie Herr Stresemann sagen würde, Die Deutschnationalen und die Verfassung. „ Die Deutschnationalen bergen unzweifelhaft auch Kräfte in sich, die für die Regierung des Staates eine Bereiche= rung fein würden. Kein Zweifel, daß auch sie den Weg gehen müssen, den alle Parteien gegangen sind, die an der Verantwortung teilnehmen. Der Deutsche denkt ja gar nicht außenpolitisch. Ihm ist die Hauptfache die Innenpolitit. Da entsteht sofort die Frage, wie kann man diefe Leute in eine republikanische Regierung aufneh men? Man sagt, die Republik sei bedroht. Ich sehe gegen wärtig feine prattische Bedrohung der Re= publit." Diese Worte schrieb Herr Stresemann im Hamburger Fremdenblatt" in seinem Weihnachtsartikel für das deutsche Bolt. Sie enthalten sein ceterum censeo für die fommende Regierungsbildung: im übrigen meine ich, die Deutschnationalen müssen in die Regierung. In die Regierung der Republik. Herr Stresemann ist voll Optimismus und Bertrauen. Er sieht in den Deutschnationalen schon die künftigen Ber nunftrepublikaner, die nicht an eine Bedrohung der Republik denken. Er sieht sie schon den republikanischen Mittelparteien affimiliert. Sein Optimismus gegenüber den Deutschnationalen ist so rosenrot, daß er nicht an die Frage denkt, zu welchem Ende die Deutschnationalen in die Regierung wollen. Die Deutschnationalen predigen nicht von ungefähr, daß die Sterbestunde der Verfassung von Weimar nahe sei, und die Mutmaßung liegt nahe genug, daß sie gerade deshalb in die Regierung wollen, um diese Sterbestunde herbeizuführen. Für Optimisten wie Herrn Stresemann hat Graf Bestarp in der Kreuzzeitung" zum Ueberfluß in einem programmatischen Artikel dargelegt, wie die Frage des Regierungseintritts fich für die Deutschnationalen mit den Verfassungsfragen verknüpft. Er zieht aus dem bisherigen Verlauf der Regierungskrise die Konsequenz: Daraus ergeben sich immer lebhafter hervortretende Zweisei, cb die Herrschaft des Reichstages, wie sie in der Wei marer Berfaffung festgelegt ist, noch lange von Bestand sein wird, Zweifel, die um so berechtigter erscheinen, je flarer man sich darüber wird, in wie großem Maße die eigenen Ehöpfer des Weimarer Werts im verfloffenen Jahre den Reichstag ausgeschaltet haben. Diejer Sachverhaft führt die deutschnationale Boltspartei in einen eigenartigen Widerspruch, der die Quelle mandher innerer und äußerer Schwierigkeiten war und ist. Sie verwirft das herr. schende Regierungssystem und ist überzeugt, daß es auf die Dauer unhaltbar sei, und dennoch will sie ihren Ein Fluß in die Regierung erzwingen, um eine tragfähige Regierungsmehrheit herbeizuführen." Die Antwort Westarps auf diese Problemstellung ist flar und konsequent: die Deutschnationalen wollen in die Regierung, um die Verfassung im fonservativen Sinne wo nicht fofort zu ändern, so doch um ihre Aenderung vorzubereiten. Die Verfassungsfrage weit entfernt, für die Deutschnationalen eine tattische Unbequemlichkeit oder eine spätere, jetzt nicht zeitgemäße Sorge zu sein ist eines der vornehmsten Ziele ihres Regierungseintrittes. Festhalten an der fonservativen Tradition, Kritik und Bekämpfung der Re publik und der parlamentarisch- demokratischen Berfassung sind Fie leitenden Gesichtspunkte der Deutschnationalen. Westarp fnüpft an die konservative Bolitit Heydebrands an: nach wie vor sei die historisch monarchische Ueberlieferung bes alten Preußen ber Hohenzollern die Grundlage des politischen Schaffens feiner Freunde in der Deutschnationalen Partei, nur durch die Wiedererrichtung der Monarchie fönne eine der historischen Entwicklung Preußens und Deutschlands entsprechende Staatsgewalt wiederhergestellt werden. Die Wiedererrichtung der Monarchie nicht in„ vornicht in„ vor Die große Geige. Nimm, mich friert, die große Geige, Himmelsgeige, Erdengeige, Geige auf und geige ab, Stürz' auf uns dein Weh herab! Nimm die Geige an die Brust, Geige, Meister, wie du mußt, Heilig ist das große Müffen, Ceben, fämpfen, sterben, füffen. Geig' ein Scherzo, hoch und hell, Ueberstürzten Sprudelquell, Geig' ein Reh in fanfter Stunde, Spätes Wachgebell der Hunde, Eine fruntne Zecherrunde! Geig den Glanz in unfern Haaren, Geig' die Qual von neunzig Jahren, Geig' ein Grab, im Herbststurm graufend, Geig' ein Märchen unter taufend! Geig den Sklaven und den Wächter, Geige Tränen im Gelächter, Und den Aufstieg, herrisch prahlend, Und den Absturz, schmerzlich strahlend. Geiq' den Lorbeer und die Ziele Und die alten Kinderspiele..! Nimm die Welt an deine Brust, Spiele, Meister, wie du mukt! Dak die Sehnsucht endlich schweige, Meister, spiel die Schidfalsgeige..! Mar Barthel. Ein Gafpiel der Mitglieder des Mostauer Künfffertheaters im Deutschen Künstlertheater beginnt Montag, den 29., 1,8 mit„ Medea" des Euripides. Dienstag, den 80., fommt Die Hochzeit", eine Komödie von Gogol, zur Aufführung. Es wirken mit: Balscheeff. Bachareva, Dneproma Germanova, Gretch, Krischanovskaja, Krasnapols: taja, Maisalitinov, Pawloff Scharoff, Tolarskaja, Bhruboff. Bühnenbild: Andrejeff. Der Spielplan der Staatsoper ändert sich wie folgt: Am 3. Januar ( Staatsoper) statt Ariadne":" Der fliegende Hollander".Am 3. Januar( Oper am Stönigsplatz) statt Holländer": Das Christ clflein". Jda Roland unterbricht bis zur Klärung der Rechtslage ihr Gastspiel in der Goethe- Bühne. Eine Bücherlotterie. Bugunsten der Deutschen Bücherei in Leipzig wird eine Bücher lotterie veranstaltet, die zunächst auf Breußen und Sachsen beschränkt ist. Die Lose kosten 1,50 M. und find nur in den Buchhandlungen Die Wahl der Bücher bleibt dem Gewinner selbst überlassen. zu haben. Die Gewinne find bei der Buchhandlung, in der das Los gekauft ist, in Bücher umzusehen. Abbruch des Wiener Theaterstreifs. Zwischen den Direktoren des Raimund- Theaters, des Deutschen Volkstheaters und des Josephstädtischen Theaters und deren Angestellten ist es in der Frage der Verlängerung des Stollektivvertrages zu einem Ausgleich gekommen. Da sich mithin bereits 11 Theaterbetriebe jür die Verlängerung des Kollektivvertrages ausgesprochen baben, beschloß die Organisation der Angestellten, den Streit abzubrechen und bis Ende Auguft in der Frage des Rollektivvertrages feine Störung der Betriebe zit verursachen. sondern in sehr absehbarer Zeit foll Ziel der deutschnatio- fassung von Weimar festgelegt ist, muß mit pulsierendem, nalen Regierungsbeteiligung sein: fratie. Die junge deutsche Demokrafie, wie sie formal in der Verwahrhaft demokratischem Leben erfüllt werden. Es ist die Auf,, So muß auch vom fonservativen Standpunkt anerkannt wer gabe jeder wahrhaft demokratisch- republikanischen Regierung, den, daß die Deutschnationale Bolkspartei alles zu tun hat, was in als Führerin den Sinn für die Probleme der parlamentarischen ihren Kräften steht mit Entschlossenheit sowohl, wie mit Elafti- Demokratie im Volke zu wecken und die Demokratie zu verzität ihrer Berhandlungen- um ihren Eintritt in die Re. tiefen und fortzubilden. Hier tritt der große Gegensatz zu jeder gierung mit einem ihrer Stärke entsprechenden Einfluß zu er. Bürgerblodregierung unter deutschnationaler Führung her= zwingen. Gerade der fonfervative Staatsgebante Dor. An die Stelle einer der Fortbildung der Demoaber, der ein Grund und Eckstein der Partei ist, macht es erforder= ratie dienenden Regierung tritt im Bürgerblock eine Relich, daß dabei der Widerstand gegen das unhistorische gierung der Propaganda gegen die Demound für Preußen und Deutschland ungeeignete republitanische und parlamentarische System der westlichen Demokratie zweckmäßigkeit der Republik zu erweisen, ist so wenig eine Eine republikanische Regierung, deren Ziel es ist, die Unnicht grundsäglich preisgegeben und nicht zum Errepublikanische Regierung, wie eine Regierung der monarchitahmen gebracht wird. Praktisch wird die Partei im gegen fchen Propaganda eine verfaffungstreue Regierung sein kann. nicht grundsäglich preisgegeben und nicht zum Erwärtigen Reichstag auch als Regierungspartei noch nicht viel Nach dem Regierungseintritt der Deutschnationalen mag die unmittelbare Erfolge auf dem Gebiet der Ber Verfassung von Weimar formal noch in Geltung sein- menn fassungsreform erreichen können. Selbst wenn das Zentrum aber eine Reichsregierung zielbewußt Propaganda für die fich allmählich dazu bereit finden sollte, fehlt noch die Zweidrittel- Monarchie betreibt, so ist tatsächlich die verfassungsmäßige mehrheit, da die marristisch- republikanischen Parteien: Demokratie, Grundlage der Republik erschüttert, und eine Periode der ReSozialdemokratie und Kommunisten über 207 von 493 Stimmen volution der Verfassung beginnt. verfügen. Im so notmenbiger ist es, das Bolt über die Unzulänglichkeit des Systems aufzuklären, ben bundesstaatlich monarchischen Neubau vor. 3 ubereiten, für das Königtum und Kaisertum der Hohenzollern zu werben." die Verfassungsfrage aufwirft, in eine republitanische Kann eine Partei, deren Kerngruppe mit solcher Schärfe Regierung eintreten? Ist eine Regierung der monarchischen Propaganda keine Bedrohung der Republik? gegenwärtig feine Aber Herr Stresemann sieht praktische Bedrohung der Republik". Flucht der Albanienregierung. In Italien eingetroffen. feine Freunde in die Regierung wollen. Als Ziel schwebt ihm Damit hat We starp scharf umrissen, zu welchem Ende por: die scheintonstitutionelle Monarchie nach dem Muster der Bismarcschen Verfassung, die Wiederaufrichtung der Monarchie in den Ländern, die Ersetzung des Verhältnisses von Reich und Ländern nach der Weimarer Verfassung durch das alte Verhältnis von Reich und Bundesstaaten, Leilung der Gewalten, wobei die entscheidende Gewalt dem Parlament ge nommen und der monarchischen Reichsgewalt im Bunde mit den Monarchen der Bundesstaaten übertragen wird. Das ist das Ziel, die Regierungsbeteiligung der Deutschnationalen das Mittel. Propaganda gegen Republik und demokratisch parlamentarische Verfassung, Propaganda für die Monarchie durch die Reichsregierung mit Genf, 27. Dezember.( TU.) Das albanische Pressebureau in Hilfe des Staatsapparates, Borbereitung der Genf veröffentlicht eine Mitteilung, nach der die Nationalarmee vor monarchischen Restauration das ist der Sinn der deutsch- Boden gebildeten Banden Tirana geräumt und sich auf eine bcden überlegenen Streitkräften der Serben und der auf serbischem nationalen Regierungsteilnahme. Sie wollen die Republik von deutsch- Boden innen aushöhlen. festigte Linie Stembing zurückgezogen habe. Zur provisorischen Hauptstadt des Landes sei Balona ausersehen. Ausdehnung des Aufstandes in Albanien und der Einnahme von Rom, 27. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Infolge der Tirana durch die Aufständischen ist der Ministerpräsident Fanoli mit der Regierung des Landes über Durazzo nach dem italienischen Brindisi geflüchtet. banien gegenwärtig in Händen. Die wenigen Regierungstruppen Achmed Zoghu hat die Gewalt über Alin Valona haben die Stadt verlassen. Die Aufständischen stehen nur noch 80 Kilometer von Balona entfernt. Die Frage der Waffenfunde. Gegendarstellung des Reichswehrministers. Zu den Behauptungen über Auffindung verbotener| Indizium, daß geplant mar, aus diefen Rohlingen Militärgewehre Baffenbestände durch die Generalinspektion nahm Reichsmehrminister Dr. Geßler in einer Unterredung mit mehrminister Dr. Geßler in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des Berliner Tageblatts" Stellung. Dr. Geßler führte u. a. aus: " und nicht Jagd- und Sportwaffen zu machen, liegt nicht vor. Die Stäbe waren auch nicht etwa perstedt, sondern lagern seit Türen nicht einmal verschließbar waren, und die deshalb mit einem 1919 oder vielleicht noch länger in alten Holzverschlägen, deren Nagel notdürftig zugeschlagen waren. Rund 10000 von diesen Rohlingen haben ein etwas größeres Format. Um diese Stäbe verwerfen zu können, hat die Firma schon vor längerer Zeit der Jateralliierten Militärkontrollkommission einige Musterstücke davon mit Borschlägen über die Verarbeitung in doppelläufige Jagdflinten gefchict. Auch das spricht nicht gerade für die Heimlichkeit dieses Lagers. Poincaré hatte in London schon die These aufgestellt, daß die im Vertrag von Versailles für die Räumung vorgesehenen Fristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen hätten. Die franzöfifche Politik hat angesichts des Widerstandes der ganzen Welt gegen eine solche Argumentation einen anderen Weg eingeschlagen. man fucht jetzt Stimmung zu machen, daß Deutschland nicht ab. die deutsche Rüstung in die Welt gesezt, die stark an die Kriegs- französischen Presse zugrunde liegt. Nicht orientiert wurde aber die gerüstet hat. Dazu werden Tag für Tag Schauermärchen über Das ist der Tatsachentern, der den Sensationsmeldungen der greuelpropaganda erinnern, und denen gegenüber die jetzt maß- französische Presse darüber, daß eine große 3ahl von llebergebenden Barijer politischen Kreise leider den nötigen Abstand zu raschungsbesuchen nicht eine einzige Waffe zutage verlieren scheinen. Die französische Presse gebärdet sich in den legten gefördert hat, so die Besuche in Fort Hahneberg, in Rüstrin, in ver Wochen, als ob tatsächlich eine Reihe ganz schwerer Verfehlungen schiedenen Potsdamer Kasernen, in Döberiz, Ingolstadt, Taubenhof von der Kommission festgestellt worden sei. Die erste, ganz allge- bei Allenstein usw. Geradezu unerfindlich ist es mir, daß die Melmeine Behauptung war die von der Obstruktion Deutschdungen über das Fortbestehen einer organisierten geheimen Waffenlands gegen die Generalinspektion. Da nun fast 1800 ton fabritation in Deutschland nicht verstummen wollen. Die Inter trollbesuche meistens ohne Reibung durchgeführt sind, alliierte Militärfontrollkommission tennt jede Fabrik Deutschlands, da die Interalliierte Militärfontrollkommission zugeben muß, daß fie ich möchte fagen, sie tennt jede Drehbant und jeden Schraubſto. in jede Raserne, in jedes Gebäude, in jede Fabrit und in jeden Sie würde sich selbst fein glänzendes Befähigungszeugnis ausstellen, Raum Zutritt gefunden hat, läßt sich diese Erfindung wirklich nicht wenn sie behaupten würde, daß nach ihrer fünfjährigen Tätigkeit, aufrechterhalten. die wahrhaftig jede nur denkbare Möglichkeit untersucht hat, eine folche geheime Waffenfabrikation in Deutschland noch möglich wäre. Dann hat man ganz allgemein behauptet, es feien große heim liche Waffenlager aufgefunden worden. Die Wahrheit ist, daß die Kommission feinen Fund von irgendwelcher Bedeutung gemacht hat. Daran ändern auch nichts die allerneuesten Behaup tungen. Die erste große Sensation war die Nachricht von einem großen Geschüßfund auf dem Truppenübungsplaß Rönigsbrüc. Es stellte sich hier heraus, daß die angeblich verheimlichten Geschüße 14 alte Zielgeschütze waren, die seit langen Jahren als Zielscheiben dienten und die auch die Spuren dieses Gebrauches zeigten. Die nächste große Nachricht war der angebliche Fund von Ausrüstungsmaterial für 3 Divisionen. Den Kern dieser Sage bildete der Fund Don 20 alten Sätteln, 43 verrosteten Karabinern und Gewehren, 15 alten Maschinengewehrgestellen ohne Gewehre und einigem Zubehör bei einem Dresdener Reiterregiment. Merkwürdigerweise wurde ein Fund von 277 Seitengewehren und 31 Läufen in Dessau wenig ausgeschlachtet, dagegen reizte es die Phantasie der französischen Berichterstatter, daß in einem alten, man dente zugebauten Gang der Schießstände in Ruhleben ein Fund gemacht wurde. Es handelte sich allerdings nur um verrostete Waffertäffen für Maschinengewehre, die nicht einmal mehr das Einschmelzen lohnten. Daß sich an einem Namen wie Krupp Legenden fnüpfen würden, war zu erwarten. Die französische Bresse hat denn auch in den letzten Tagen berichtet, daß dort 25 000 Gußstüde für Gewehrläufe Sie sind eine Bestellung der Firma Simson in Suhl, die entdeckt worden seien. Diese Gewehrläufe sind tatsächlich bei Krupp. uns als Waffenlieferant von der Kommission selbst vorgeschrieben worden ist und die, ebenfalls nach den Bestimmungen der Kontrollfommission, diese Halbfabritate bei dem Werke Annen der Firma Krupp zu bestellen hatte. Im übrigen ist es eine phantastische Borstellung, daß bei den Kruppschen Werfen im besetzten Gebiet, in denen es von französischen Bosten wimmelt, überhaupt die heimliche Fabrikation von Kriegsmaterial möglich sei. Die Pariser Presse beschäftigt sich ferner mit dem Fund einer größeren Anzahl Stahlflaschen bei Borfig in Tegel Ueber diese Angelegenheit schwebt zurzeit ein Schriftwechsel zwischen der IMKK. und den zuständigen Stellen der Reichsregierung. Die Weihnachtsüberraschung bildete dann ein angeblicher Riesenfund von 40 000 Stahlfäben für die Fabrikation von Gewehren und Maschinengewehren. An diesem Fall ist die Reichswehr überhaupt nicht be teiligt. Ich kann Ihnen aber sagen, um was es sich handelt. Am 23. Dezember hat die Kontrollkommission in den Berlin Karls ruher Industriewerten in Wittenau in einem LagerSchuppen 40-45 000 fogenannte„ Rohlinge" gefunden. Das sind Stahlstäbe, aus denen man Gewehrläufe machen kann. Nun fabriziert die Fabrik aber Jagd und Sportwaffen, irgendein Soweit die Ausführungen des Reichswehrministers. Sie find offenbar veranlaßt durch offiziöse Artikel in Pariser, der französischen Regierung nahestehenden Blättern, die die Befunde in Essen und Mittenau als den Hauptgrund für die Nichträumung der Kölner Zone bezeichneten. Die betreffende Stelle im Quotidien" lautete z. B. ,, Was diese Maßnahme( die Nichträumung der Kölner Zone. Anm. d. Red.) rechtfertigt, was fie notwendig gemacht hat, das ist eine absichtliche Berfehlung gegen die Verpflichtung abzurüsten. Selbstverständlich gibt es auf diesem Gebiete verschiedene Grade des Verstoßes. mir Nach den deutschen Blättern enthalten die Infpizierungsberichte der Interalliierten Kommission feine ernsten Dinge, feine beunruhigenden Berstöße und könnten sie gar nicht enthalten. Aber die deutschen Blätter irren sich, oder sie werden irre. geführt, oder sie fälschen bewußt die Wahrheit. Wir glauben nämlich zu wissen, oder beffer gesagt wissen, daß in demselben Augenblic, in dem die französische Regierung ihre Antwort auf die englische Note bezüglich der Räumung Rölns redigierte, man in Berlin in den sorgfältig famou fiierten Schränken einer Fabrit mehrere Zehntausend Erfahröhren für schwere Maschinengewehre entdeckt hat. Es ist nicht die einzige Entdedung, die gemacht worden ist. Aber sie ist die wichtigste, die am meisten verdächtige, diejenige, bei der sich am Klarsten eine Vorbereitung enthüllt, der im Irteresse des Weltfriedens ein Ende gemacht werden muß. Wer ist für diese Fabrikation verantwortlich? Wer hat fie angeordnet? Mit welchen finanziellen Mitteln ist sie bezahlt worden? Auf welchen Etat ist sie gesetzt worden? Wir sind nicht in der Lage, das zu sagen. Aber zweifellos wird es die französische Regierung bald wissen lassen." Das amtliche Wolfffche Telegraphenbureau hatte in einer auch von uns wiedergegebenen Pariser Meldung einen Auszug aus diesem Artikel gebracht, es aber vermieden, die von uns angeführte entscheidende Stelle auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Das ist um so befremblicher, als die Aeußerungen des Reichswehrministers darauf schließen lassen, daß man in Regierungsfreisen der Ansicht ist, feinen Anlaß zu haben, etwas zu verheimlichen. Berhält sich das aber so, dann ist kein Grund dafür ersichtlich, weshalb das amtliche Telegraphenbureau der Deffentlichkeit zensierte und frisierte Auszüge aus der französischen Presse vorlegt. Gewerkschaftsbewegung Für Gewerkschaftseinheit und Achtstundentag. Der Londoner Korrespondent des" Soz. Preſſedienſt nahm angesichts des lebhaften Interesses, das die Reise der englischen Gewerkschaftskommission nach Rußland und der vorläufige Bericht gefunden haben, Gelegenheit, den Sekretär der Internationale, den früheren englischen Arbeitsminister Genossen Tom Shaw, über feine Meinung zu befragen. Tom Shaw sagte: Aus dem Bericht der Kommission ist 3. B nicht zu ersehen, ob und daß die Kommission weiter gegangen wäre, als es im Rahmen der Amsterdamer Internationale der Gewerkschaften und der Wiener Beschlüsse möglich wäre. Sollten sich aber gewisse, von verschiedener Seite geäußerte Befürchtungen bestätigen, so würde das allerdings zu Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen innerhalb der britischen Gewerkschaften führen. In diesem Fall hätte sich die Gewerkschaftsbewegung dieses Landes allerdings über ihre Stellung zu Moskau zu entscheiden. Die Bewegung als Ganzes wäre auch durch einen Vorschlag der Kommission, der sich für die Zusammenorbeit mit der Moskauer Gewerkschaftsbewegung ausspräche, nicht festgelegt. Auf die Frage des Korrespondenten nach dem Schicksal der Washingtoner Konvention und des Achtstundentaggefeßes unter der konservativen Regierung stellte Genosse Shaw fest: Die Regierung hat feine Eile gezeigt, den vorliegenden Gesetzentwurf fallen zu laffen. Sie hat im Gegenteil erklärt, daß sie die Frage fargfältig studieren werde. Um diese Stelfung der konservativen Regierung zu begreifen, muß man bedenken, daß die gegenwärtige Regierung die Wahlen keineswegs im Kampfe gegen die Sozialpolitik gewonnen hat. In fast allen Wahladressen, insbesondere in der Baldwins selbst, wurde die Notwendig teit der Sozialpolitif betont. Daß das nicht nur leere Worte waren, dafür werden auch die jungen Leute in den Reihen der Konservativen sorgen, die gegen die alten, der Sozialpolitik feindlichen Methoden der Konservativen sind. Die Konservativen wissen sehr wohl, daß sie bei der nächsten Wahl eine böfe Nie derlage erleiden würden, wenn sie sich einer unverhüllten sozialpolitischen Reaktion in die Arme werfen würden. Es besteht vielmehr die Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung einer Anzahl von Gesetzen, die sich mit der Besserung der Arbeitsbedingungen beschäftigen werden, einbringen wird, um zu beweisen, daß sie nicht gegen eine Besserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft ist. Die Kämpfe in der Holzindustrie. Die Holzarbeiter- Zeitung" veröffentlicht in ihrer Nr. 52 einen Rückblick auf die Kämpfe in der Holzindustrie im letzten Jahre. Wie in den meisten anderen Industrien haben sich die Unternehmer der Holzindustrie die Bestimmung der Arbeitszeitverordnung zunuze gemacht, die ihnen gestattete, einen bestehenden Tarifvertrag vor seinem Ablaufen zu fündigen. Der Reichsmanteltarif der Holzindustrie kam dadurch zu Fall, und erbitterte Kämpfe um die Verlängerung der Arbeitszeit mußten geführt werden. Selbst der Arbeitgeberver: band der deutschen Holzindustrie tam in der Folge in schwere Bedrängnis, weil eine Reihe von Unterorganisationen, allen voran die Bereinigten Verbände der Berliner Holzindustrie unter Führung des deutschnationalen Obermeisters Paeth. meuterte. Die schweren Kämpfe, die in Bayern, im östlichen Westfalen, in Thüringen, in Niedersachsen, in Sachsen usw. stattfanden, endeten jedoch überall mit dem Siege des Achtstundentages. Von den 16 309 Betrieben mit 168 611 Beschäftigten, die früher dem Reichsmanteltarif unterstellt waren, arbeiten heute bereits 10 341 Betriebe mit 111 140 Beschäftigten nach Landestarifen, die sämtlich den Achtstundentag fefilegen. Die Holzarbeiter- Zeitung" schreibt zusammenfassend: Jeder dieser Landesverbände hat berufsmäßige, juristisch oder militärisch vorgebildete Geschäftsführer, die nicht schuld daran sind, daß sie aus der Geschichte der Tarifentwicklung in der Holzindustrie nicht die richtigen Nuzanwendungen für die Vertragserneuerungen ziehen konnten. Die Unternehmersyndizi beziehen ihre sozialpolitischen Gebrauchsanweisungen im allgemeinen von der Bereini gung deutscher Arbeitgeberverbände. Darum die wahnsinnige Forderung nach 60 stündiger Arbeitszeit in der Holzindustrie. Wie wenig notwendig eine solche Verlängerung der Arbeitszeit im Holzgewerbe ist, beweist der Umstand, daß von der tarifvertraglich zulässigen Mehrleistung bis zu 51 Stunden die Woche bisher nur in geringem Umfange Gebrauch gemacht wurde. Ferner lehrt die Bertragsentwicklung, daß der Glaube an den Gedanken des Tarifvertrages durch die ununterbrochene Wühlarbeit der Vereinigung deutscher Arbeit. geberverbände im letzten Jahre ganz beträchtlich geschwächt worden ist. Das Ziel des organisierten Unternehmertums ist nicht auf den Ausbau und die Förderung des Tarifvertragsgedankens, fondern auf seine 3erstörung eingestellt, Andernfalls müßte der Tarifvertrag nicht nur ein Instrument zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftsfriedens, sondern ein Werkzeug zur Förderung der Pro duktion geworden sein. Das wäre möglich, wenn beide Teile bestrebt wären, den Geist des Tarifvertrages im Interesse der Produktionsförderung lebendig zu gestalten. Dem ist leider nicht so. Die Theoretiker im Unternehmerlager sind unermüdlich bei der Arbeit, den Tarifpertragsgedanken mit den giftigsten Schlagwörtern zu bekämpfen. Sie behaupten, die Schematisierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge behindere den Aufbau der Wirtschaft. Das hindert die Unternehmer aber in der Braris nicht, überall, wo sie die Macht dazu haben, den Inhalt der Tarifverträge in ganz planloser Weise zu schematisieren. Man denke nur an die llebung der territorialen Vertragspolitik der gemischt- gewerblichen Unternehmerverbände. Sie haben längst den Tarifvertragsgedanken, der in erster Linie der Produktionssteigerung dienen will, ihrem Organisationsprinzip geopfert. Ohne Rüdsicht auf die Eigenari der Berufsgruppen und Industriezweige werden Tarifbestimmungen rein schematisch und einseitig zusammengebaut. Man fragt nicht banach, ob die Tarifbestimmungen zur Förderung der Produktion zweddienlich sind. Die Hauptsache bleibt, daß jeder stellungs. lose Akademiker, der von der wirtschaftlichen Betriebsführung so gut wie nichts versteht, als Geschäftsführer der Unternehmerorganifationen die Tarifbestimmungen handhaben kann. Aehnlich verhält es sich mit der Lohnpolitik der Unternehmerverbände. Auch hier das Bestreben, weit über den Rahmen der beruflichen Möglichfeit hinaus zu schematisieren. Ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der einzelnen Industrien wird der Tariflohn einheitlich und rein schematisch nach der territorialen Grenze der Unternehmerorganifationen abgestedt, gleichgültig, ob damit den wirtschaftlichen Bedürfnisse der einzelnen Berufsgruppen gedient ist oder nicht. In erster Linie kommt es für die Unternehmerorganisationen darauf an, den Vertragslohn schematisch nach unten zu drücken, um auf diese STUCK LIKŐRE Art bie Begehrlichkeit der Urbetter nicht zu reizen. Mit der gleichen Methode wird von den Unternehmern der Kampf gegen die angeb. liche Schematisierung der achtstündigen Arbeitszeit geführt. In Wirt lichkeit haben die Unternehmer ohne Prüfung der wirtschaftlichen Notwendigkeit im Ginzelfalle rein schematisch die Verlänge rung der Arbeitszeit verlangt. Wenn ihnen die Schematisierung der Arbeitszeitverlängerung auf neun oder zehn Stunden nicht gelungen ist, so ist dies sicherlich nicht ihr Verdienst." worden sind. Die angeblichen Rapttäne des Wirtschaftslebens schämen sich also nicht, den Angestellten ein Weihnachtsgeld anzubieten, das geringer ist als die Unterstützungssäge, die die Bankangestelltenorganisation ihren Arbeitslosen zahlt. Es erhebt sich hier die Frage, was größer ist: die Brutalität der deutschen Bankleiter, die nach dem Grundsage leben: Selber essen macht fett, oder ihre geschäftliche Unfähigkeit. Denn daß ein gutgeleitetes Bantunternehmen auch in der Inflationszeit erst recht unter den jetzigen Was hier die ,, Holzarbeiter- Zeitung" sagt, trifft den Nagel auf Verhältnissen mit Gewinn arbeiten fann, ist durch das Beispiel den Kopf. Man kann sich schwerlich etwas Geistloseres denken, als der Arbeiter bant bewiesen. Wenn es also wahr sein sollte, den von der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände geführten daß unsere Großbanken nicht in der Lage find, infolge ihrer großen Rampf gegen den Achtstundentag und gegen hohe Löhne. Nicht ein Substanzverluste die Bankangestellten anständig zu entlohnen, dann Schimmer eines schöpferischen Gedankens steckt in den mit anspruchs- jerigen leitenden Direktoren dringend erforderlich. Scharfmachertum wäre zum Wiederaufbau des Banfgemerbes das Verschwinden der voller Arroganz vorgebrachten Argumenten in den Schriften, Anist ein Beweis geschäftlicher Tüchtigkeit, sondern das Gegenteil weisungen und Erklärungen der Unternehmer. Die ältesten Laden- davon. hüter werden immer wieder hervorgeholt. Unkontrollierbare, offenfichtlich falsche Zahlen werden angeführt, die beweisen sollen, daß der Beschäftigungsgrad der Industrie in dem Maße steigt, in dem die Kaufkraft des deutschen Volkes sinkt und daß dieses die Reparations lasten nur in dem Maße tragen fann, in dem es selbst verelendet ist. Die deutschen Unternehmer Die deutschen Unternehmer das zeigen auch die Rämpfe in der Holzindustrie- müssen zur Einsicht erst gezwungen werden. aus Die sozialpolitischen Regierungsvorlagen. Das Reichsarbeitsministerium hat dem Reichstag eine Anzahl sozialpolitischer Entwürfe vorgelegt, die sämtlich auf den Washingtower Ronventionen beruhen. Erst jetzt soll der Reichstag zu ihrer Ratifikation schreiten, und zwar empfiehlt die Regierung die Ratifizierung eines„ lebereinkommens" sechs in Washington getroffenen, und außerdem von sechs„ Borfechs in Washington getroffenen, und außerdem von sechs„ Borschlägen". Das Uebereinkommen( Konvention), das ratifiziert werden soll, behandelt die Arbeitslosigkeit und macht der Regierung zur Pflicht, dem internationalen Arbeitsamt in möglichst furzen Zeiträumen, mindestens aber alle drei Monate, genaue statistische Angaben über die Arbeitslosigkeit und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung mitzuteilen. Ferner ist ein System öffentlicher Arbeitsnachweis stellen einzurichten, die unentgeltlich arbeiten.( Gegenwärtig werden diese Nachweisstellen zum größten Teil von den Beiträgen der Arbeiter und Arbeitgeber erhalten, indem ihre Kosten aus den Mitteln der Erwerbslosenfür forge gedeckt werden.) Wichtig ist die weitere Bestimmung des lebereinkommens, demzufolge das Arbeitsamt im Einverständnis mit den beteiligten Ländern auf ein planmäßiges Zusammenarbeiten der Arbeitsnachweise der einzelnen Länder hinzuwirken habe. Hier liegt ein Ansatz zur internationalen Regelung vor, der deshalb Beachtung verdient. Von den übrigen fünf Konventionen betrifft die wichtigste die a cht stündige Arbeitszeit. Nach der Zusammenkunft der Arbeitsminister in Bern ist zu erwarten, daß endlich auch dieses Uebereinkommen ratifiziert wird. Damit können auch die drei anderen Uebereinkommen, die mit der Regelung der Arbeitszeit zusammenhängen und die Nachtarbeit der Frauen und der Jugendlichen sowie das Mindeſtalter für die Zulassung der Kinder zur gewerblichen Arbeit betreffen, ebenfalls ratifiziert werden. Das sechste Uebereinkommen bezieht sich auf die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Die Regierung und der Reichsrat haben trotz der Befürwortung des Reichswirtschaftsrates die Ratifizierung dieses Uebereinkommens nicht empfohlen. Die Banfangestellten aber müssen ihre freigemertschaftliche Organisation zu einem solchen Machtfaktor ausbauen, daß sie in der Lage ist, mit der heutigen Bettern- und Proteftionswirtschaft in Bankbetrieben gründlich aufzuräumen. Dann erst kann das Bankgewerbe wirklich gesunden und mit ihm die Bankangestelltenschaft. Zum Lohnstreit in der Karosserieindustrie. Am Sonnabend vergangener Woche hat der Schlichtungsauss schuß für die Arbeitnehmer in den Karosserie- und Wagen. baubetrieben einen Schiedsspruch gefällt, der die Stunden. löhne und die Akkordba'en von der laufenden Lohnwoche ab um 10 resp. 7 Proz. erhöht. Der Lohn würde sich danach für Fachs arbeiter der Gruppe 1 auf 86 Pf., für die Gruppe 2 auf 77 Pf. stellen. Die Akkordbasen betragen 82 und 73 Pf. Die Löhne der anderen Gruppen erhöhen sich im Verhältnis der bisherigen prozentualen Staffelung. Die Geltungsdauer des Lohnastommens ist bis zum 31. März nächsten Jahres festgesetzt worden. Eine Funktionärfenferenz der beteiligten Betriebe beschäftigte fich längere Zeit mit diesem Spruch. Die Diskussionsredner gaben ihrer Unzufriedenheit mit dem mageren Ergebnis der Berhand'ungen Ausdrud, kritisierten aber auch die lange Geltungsdauer. Schließlich wurde das Ergebnis doch gegen eine sehr starke Minderheit an genommen. Drohender Hafenarbeiterstreik in Mannheim. Mannheim, 27. Dezember.( Eca.) Der stellvertretende Schlichter für Mannheim hat den Antrag auf Verbindlichkeite erklärung des Schiedsspruches vom 9. Dezember, der für die Hafenarbeiter eine Rohnerhöhung von 10 Proz. vorschlägt, abgelehnt. Ein Streit der Hafenarbeiter von Mannheim und Ludwigshafen scheint hiernach unvermeidlich geworden zu ſein. Die Forderungen der englischen Eisenbahner. Die englischen Eisenbahner rüsten sich zu einem großen Kampf. Die Großgewerfschaft der Esenbahner( n. u. R.) hat ihre Forderun gen den Eisenbahnen bereits unterbreitet. Sie beziehen sich auf 650 000 Eisenbahner, die sich auf 150 Gruppen verteilen. Der Tarifvertrag der Eisenbahner wurde 1920 vereinbart, ist aber seitdem durch wiederholte Lohnherabsehungen und andere Maßnahmen verschlech= tert worden. Auf der anderen Seite erfolgte seitdem der Zusammenschluß der Eisenbahnen, die sich in England im Privatbesiz befinden, in vier große Gruppen. Diese erhielten vom Staat für ihre Kriegsleistungen Entschädigungssummen. Ihre Finanzkraft ist sehr groß, wofür die ungeheuren Reserven der Gesellschaften zeugen. Die Bewegung der Gewerkschaft verfolgt auch das Ziel, sämtliche Eisenbahner in eine einzige Gewerkschaft hineinzubringen. Die Beamten stehen einmütig hinter den Forderungen der N. 1. R. Lohnerhöhun gen von 19 Schilling bis 1 Pfund in der Woche werden gefordert. Träger beziehen jezt schon einen Mindestlohn von 2 Pfund 7 Sch 1ling pro Woche. Es wird für sie ein Wochenlohn von 3 Pfund Maschinenarbeiter in den Werkstätten sollen ( 60 M.) gefordert. Grundlöhne von 4 Pfund für Gelernte, 3 Pfund 19 Schilling für Angelernte und 3 Pfund für Ungelernte erhalten. Den Eisenbahnbeamten sollen zum Ersatz für die durch die Verschmelzung erfolgten Berluste wesentliche Gehaltserhöhungen zugebilligt werden. Die Veränderung der Lebenshaltungskosten muß durch gleitende Lohnskala berücksichtigt werden. Bessere Entlohnung der Nachtarbeit und der Ueberstunden, Einrechnung der Mahlzeiten in den Achtſtundentag, Ruhegelder für jeden Eisenbahner vom 60. Lebensjahre ab, zwölf Tage bezahlter Urlaub im Jahr, statt der bisherigen sechs Tage befinden sich unter den Forderungen. Mit ihnen wird demnächst das nationale Lohnamt für die Eisenbahner sich beschäftigen. Berantwortlich Fitr Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft i. B.: 3. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Egkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lofales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode, sämtlich in Berlin. Die sechs Entwürfe, die dem Parlament vorgelegt wurden, entsprechen den sechs„ Vorschlägen" der Washingtoner Konferenz. Von ihnen bringen nur drei wesentliche Neuerungen, die Vorschläge über die Arbeitslosigteit, den Schutz der Jugendlichen und der Frauen gegen Bleivergiftung und die Schaffung eines öffentlichen Gesundheitsdienst es. In bezug auf die Arbeitslosig feit wird die Verteilung der öffentlichen Arbeiten möglichst in Zeiten der Arbeitslosigkeit anempfohlen, eine Maßnahme, die in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren mit Erfolg durch geführt wurde. Die gewerbsmäßigen Arbeitsnachweisstellen sollen verboten werden; ein turzer bestimmter Termin für die Schließung dieser schädlichen Institute ist bedauerlicherweise nicht vorgesehen. Anwerbungen von Arbeitergruppen in einem anderen Lande werden einer internationalen Regelung unterworfen. Der Schutz der Jugendlichen und der Frauen soll in der Weise weiter entwickelt werden, daß die Altersgrenze für die Jugendlichen von 16 auf 18 Jahre hinaufzusetzen und daß fünftig die Beschäftigung Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts.Buchbruckerei der Jugendlichen und der Frauen noch bei einer Anzahl weiterer, im einzelnen aufgezählter Arbeitsverrichtungen gesundheitsschädigender Natur zu untersagen ist. Die Schaffung eines öffentlichen Gefundheitsdienstes foll die Aufstellung eines besonderen, mit dem Schutze der Gesundheit der Arbeiter betrauten öffentlichen Dienstes bedeuten, der neben der Gewerbeaufsicht tätig ist. Richtig ausgeführt bedeutet dieser Vorschlag mehr als die Zuteilung einiger Gewerbeärzte an die deutsche Gewerbeaufsicht, was bereits früher erfolgte. Die übrigen drei Vorschläge betreffen die Gegenseitigteit in der Behandlung der ausländischen Arbeiter, die Verhütung des Milzbrandes und das Berbot der Verwendung von meißem Phosphor in der Zündholzindustrie. Der erste Vorschlag in bezug auf die ausländischen Arbeiter bedeutet für die deutsche Praxis feine Neuerung, doch kann die Ratifikation für die deutschen Arbeitaer im Ausland von Vorteil sein. Das Phosphor verbot ist bereits seit längerer Zeit in Gültigkeit. Die Erkrankung an Milzbrand fommt aber in der deutschen Textilindustrie sehr selten vor. Weihnachtsfpende für die Bankangestellten. Aus Anlaß des Weihnachtsfestes hat der Allgemeine Ber. band der deutschen Banfangestellten an seine unterstügungsberech tigten Mitglieder ein Beihnachtsgeld in Höhe einer vollen Monats tate zur Auszahlung gebracht. Die stellungslosen Verbandsmitglieder haben also im Dezember die doppelten unter. stügungsfäge erhalten. Dies ist um so anerkennenswerter, als durch den rigorosen Personalabbau im Bankgewerbe feit Jahresfrist find ca. 200 000 Bantangestellte abgebaut worden worden ganz besonders große Unterstüßungsansprüche an die Stellenlosenkasse des Verbandes gestellt worden sind. Einen um so schlechteren Eindruck muß es demgegenüber machen, daß die Banten, trozdem sie ungefähr drei Viertel der Betriebsbelegschaft abgebaut haben, vor Weihnachten an die im Betriebe befindlichen Angestellten Summen von vier bis 25 Mart zur Auszahlung gebracht haben, trotzdem seit Juli die Gehälter der Bankangestellten nicht mehr erhöht und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen. Eigenschaften Die hervorragendsten Salem Zigaretten sind köstlicher Geschmack würziges Aroma neue volle Ein Versuch wird Sie überzeugen Formate Rot 4 Pfg grün 5. Salem Cavalier 6. Salem Cabinet 8. Exquisit 10 Pfg.d.Stck Nur echtmit Firma: Oriental. Tabak- u. Cigarettenfabrik Yenidze Inh. Hugo Zietz, Dresden 25 Mart zur Auszahlung gebracht haben, troydem feit Suti Sophien- Säle Sophienstraße 17-18. DEUTSCHER WEINBRAND Norden 9296. Goldstück Säle frei! STÜCK LIKŐRE Kr. 610 ♦ 41. �o�rgong 1* Heilage öes vorwärts Sonntag, 28. dezember 102» fim öen Geburtsjahren öer Eisenbahn. Wenn wir heute, anläßlich der Errichtung der neuen Eisenbahn- gesellschafl auf Grund des Dawes-Gutachtens, über die Geburtsjahre unserer, besonders aber der m Berlm einmündenden Eisenbahnen, plaudern wollen, haben wir in erster Linie auf die Schwierigk leiten hinzuroeiscn, überhaupt erst Eisenbahnen bauen zu dürfen und zu können. Di« Geburtswehen waren schwer und nicht zuletzt ein Kampf eines überlebten Kapitalismus und der feit den Napoleoni- scheu Kriegen herrschenden Reaktion gegen einen Fortschritt, der wirtschostlich und polirisch von höchst revolutionierender Bedeutung war. Das für den Vau von Landstraßen aufgewendete, um seine Rentabilität fürchtende Verkehrskapital, Wirte und Hausknechte, Postl>ilter und Pcstillon« kämpften gegen den Dampfwagen. Sie gewonnen die Reaktion an den deutschen Fürstenhöfen für sich, die durch den schnelleren Verkehr eine Verbreitung revolutionärer Äeen besllrchteten: sie gewannen vor allem die Kirche, und Moralprediger und Pfaffen erklärten auf Katheder und Kanzel die Erfindung Stcphuisons für dos Werk des Teufels. Es war eine liebliche Zeit, diese Biedermeierzeit, an die die.Schwäbische Dampfhymne" er- innert, die 1848 m den„Fliegenden Blättern" erschien: Und wia nur die Ei sab oh Gar so dundrifch sausa ka. Freilich sey's im Büchla z' ftnda, Daß der Deufel steck dahinda— Doch dös ficht mir Koiner a. Jsch vom Deufel, wia mar leasa, Jsch toi dummer Deufel geweasa... vle Souveräne und Sie Eisenbahn. Krumm« Wege mußten eingeschlagen werden, um von den Fürsten die Konzessionen zu erlangen. Zu Oesterreich konnten eine Zeitlang nur Bohnen mit Tunnels gebaut werden, auch wenn ste nicht nötig waren: denn der Souverän amüsierte sich an Tunnets als eine Art Spielzeug und konzessioniert« grundsätzlich nur Tun- nels. Andere gekrönte ihäupter wollten nur Eisenbahnen zu ihrem Privatv.rgnügen, z. 58. von der Residenz zum Lustschloß, ober nicht über die Grenze des Läudchens hinaus; außerdem kostete eine solche Konzession immer ein Heidengeld für die stets leere fürstliche Privat- schatulle. Die Konzession für die Bahn Nürnberg— Fürth war von Bayerns ehrgeizigem König schließlich nur zu erlangen, indem man ste Ludwigsbahn taufte. Am besten lagen die Dinge noch in Prcu- ßen, wo eine nach englischem Muster geschuite, lideralisierende Wirt- schaftsbureoukroti« volkswirtschaftlichen Ideen zugänglich war. Aber auch hier gab es Widerstände. Der preußische Generalpostmeister N a g l e r hatte durch Einführung der englischen Schneilpusten d!« Reisedauer von Berln noch Magdeburg von Tagen auf IS Stunden vermindert und glaubt«, die Konkurrnu mit jeder Eisenbahn aufnehmen zu können. Er gewann auch Friedrich Wilhelm IV. für sich, der, als das Projekt der Eisenbahn Berlin— Potsdam erörtert wurde, erklärte, ihm wäre es schließlich gleich. gültig, ob er einige Stunden früher oder Später von Berlin aus in Poisdom eintreffe. Leute fährt man die Strecke im V.Zug in 22 Minuten. Fast gleich« Schwierigkeiten boten der Kapitalmangel und die lechnische Unwissenheit. Di« Geldfrage wurde schließlich ge- löst durch Heranziehung von Auslandkapital durch Gründung von Akt:« geielljchafteil. Die erste Eisenbahnaktienge) llfchast entstand kurz nach 1820 im Wuppertale. Auch technisch lernte man. Die Schienen der Eisenbahn Nürnberg— Fürth waren bereits, was kaum allgemein bekannt fein dürfte, deutsches Produkt und in der Rassel- steiner Hütte bei Neuwied a. Rhein gewalzt. v!e Luüwiysbahn. Machen wir es uns einmal klar(ohne zu lächeln), wie man lcgium exclustvum für 30 Jahr«. Man zählt« täglich alle Menschen, die di« Landstraße Nürnberg— Fürth passierten, um die Rentabilität der künstigen Bahn berechnen zu können Erbauer war der„köniz- lich bayerische" Ingenieur Denis, ein hervorragender� heute ver- gesiener Techniker, der ioeben aus der Lehr« in England und Amerika zurückkam. Leide? haben unsere Schulen noch immer soviel Mark- grasen und König« einzupauken, daß die wahren Pionier« der Kultur vergessen werden. Denis stellte in der Zeit vom Juli 1834 bis 7. Dezember 1833 die Bahn fertig: sie war 20 730 bayerische Fuß— 1,36 Wegstunden= 0,82 geographische Meilen— 6 Kilo- meoer lang und nach dem System der Lwervool— Manchester-Bahn gebaut. Die Kosten der Anlagen und Einrichtung betrugen 213 470 Gulden: sie wurden aufgebracht durch 1777 Aktien ä 100 Gulden (auf Dioidende) und eine Anleihe zu 4 Proz. Befördert wurden nur Personen, und zwar 1836 rund 449 399, was S3 441 Gulden Einnahmen erbrachte. 1844 tonnten aber schon 1607 Stück Vieh befördert werden und auch schon 341 Zentner Frachtgut. Der Rem- Die erste Berliner„Teatelsbabn". gewinn betrug in dielem Jahre 31316 Gulden und die erfreuten Aktionäre erhielten eine Dividende von 15 Proz. Darob großer Jubel und Degiisterutig für da» Teuselsmerk. Di« Reifezeit dauerte 10 Minuten; es gab drei Klassen und das Fahrgeld betrug 1. Klasse 12. 2. Klasse 9 und 3. Klaffe 6 Kreuzer. Gepäck war, soviel man tragen konnte, frei. Run muß man sich die Ludwigsbahn aber auch richtig vorstellen. Sie hatte allerdings aus der Fabrik von Robert Stephenson, wie in der Eröffnungsbilanz, die vor fast 100 Jahren erschien, nachzulesen ist, zroi Lokomotiven gekauft, We franko Rotterdam 1700 Pfund Sterling kosteten. Der Betrieb wurde aber noch gehalten mit? Pferden, die die 12 Personenwagen über die Schienen zogen. Im Anfonp wurden täglich 30 Fahrten gemacht, davon 15 bis 20 Vferdefahrten. So etwas Aehnliches wie die Ludwigs- bahn war bereits da. Schon 1820 bestanden zwischen der Ruhr und der Wupper Elfenbabnstrecken. z. B. die Prinz-Wilhelm-Bahn, die von Kupferdreh an der Ruhr über Neviges nach Vohwinkel (Elberfeld) fuhrt«. Aus bei DerbindlMg dieser alten rheinischen Schienenwege mit Stephenson» Lokomotive ist ia Überhaupt erst die Eisenbahn entstanden. öerlin— Potsdam. Die erste, schon moderne Eisenbahn war die Verlin— Potsdamer Strecke, die am Z0. Oktober 1838 eröffnet wurde. Vorher war schon eine Gesellschaft, die über ein Kapital von 600 000 Reichstalern oer- fügte, verkracht. Anlage und Emrichtungskosten verschlangen bis 1843 rimd 1 417 155 Reichstaler, die durch Aktien aufgebracht wur- den. Di« Bahn begann am Potsdamer Tor, passierte den asten Landwehrgraben und ging an Schönebevg und Steglitz vorüber nach Potsdam. Sie war eingleisig und hatte in Steglitz und Zehlen- dors Ausweichungen. Gebaut wurde sie nach belgischem Muster mit freitragenden Schienen. Pferde wurden nicht mehr verwendet, d«» die Förderung nur durch Dampskrast geschah. Sorge machte, da Kohlen fehlten, da» Brennmaterial; man feuert« also jahrelang, wie heute stellenweis« in Rußland, mit Nadelholz und 1844 verbrauchten die Lokomotiven per Meile, wi« es in den alten Berichten heißt, 17,2 Kubikfuß weiches Holz im Werte von 1 Reichstaler,% Silber» aroschen. An Betriebsmitteln hatte man 13 Lokomotiven. 72 Per- soueu wagen, 28 Güterwagen, 2 Gepäckwagen, die damals 362 313 Reichstaler kosteten— und für den Hof 2 Staatswagen. Cs wurden täglich fünf bis sieben Fahrten gemacht. Di« Fahrpreise be- trugen(Berlin— Potsdam) 1. Klasse 20, 2. Klaffe 15, 3. Klasse 10 Silbergroschen. Es gab auch, ähnlich wie heute beim Omnibus, Obersitze. für die ein Einheitspreis von 10 Silbergroschen galt. Die Fahrt für einen Hund kostete 2!4 Silbergroschen. Damals gab es schon Abonnements, sie kamen nach einem alten Preistarif bei Ab- nahm« von 10 Billetts rund 5 Silbergroschen pro Fahrt billige� Die Fahrldauer belies sich aus 40 Minuten. Die Bahn beförderte 1838 nur 18 243 Personen, 1844 aber schon 433 619 Menschen und 146 993 Zentner Güter. Sie erzielt« damst eine Einnahm« von 187 764 Reichstalern. Die Betriebskosten betrugen in dem genannten Jahr 48% Proz. der Einnahmen und es konnte«in« Dividende von 7% Proz. ausgeschütt.st werden. Technischer Direktor der Bahn war Geheimer Oberbaurat C r e l l e. öerlin— Wittenberg— Döthen. Nicht ganz so reibungslos verlies der Bau der Bahn Verlin— Wittenberg— Cöthen. Es war das erste große Unterneh- men, ausgesührt von den Ingenieuren Petersen und Rosen- bäum. Zunächst war kein« Konzession für den Bau zu bekommen. da sie nicht an Potsdam, wo doch alle Wege hinlaufen sollten, vor» beiführte. Als dies« endlich da war, kamen technische Schwierig- ketten. Die Bahngänge erforderten 618 768 Schachtrufchen 4 144 Kuliffuß Erde. 185 Brücken und Durchlässe und 3092 Fuß Durch- flußöfsnämg, darunter 2 eiserne Drehbrücken im Berliner Bahnhof zum Durchlassen von Schiffen und 2 andere Brüeckn über den Landwehrgraben. die rund 11 000 Reichstaler kosteten. Die Bahn begann in der Nähe des Halleschen Tores und lag außerhalb der Stadtmauer. Wie die Eisenbahn allgemein dos wirtschoftspolitische Bild veränderte, z. B. das Zollunwesen abschaffte, so oerändert« ste auch das Städtebild. Bei dem Bau der Lmie Berlin— Cöthen mußton, um überhaupt eine Verbindung mit dem Bahnhof herzu- stellen, von der Wilhelmstraße Nr. 108— 113 eine neue Straße hergestellt und die alte Stadtmauer durchbrochen werden Es ent- standen zwei neue Torgebäude, die dann dem über die alten Mauern flutenden neuen Leben die modern« Physiognomie gaben. Auch beim Bau der anderen in Berlin einmündenden Bahnen, z. B. der Strecken Berlin— Stettin(erbaut 1845 vom Ober-Wegeinspektor Neuhaus), Berlin— Hamburg und Berlin— Frankfurt a. d. O.(projek- liert vom Jngemeur Z i m p« l, der wie fein Kollege Denis in England und Amerika gelcmt hatte), fiel der mittelalterliche Mauer- bann. Mit der Dampskrast kam die neue Zeit. Bemerkt sei, daß aus der Strecke Berlin— Cöthen zum erstenmal Koks benutzt wurde, und zwar kostete dieser„Coaks", wie man damals schrieb, der Sä)effel 9 Silbergroschen. Di« Lokomotiven verbrauchten, was uns heut« als unerhotte Verschwendung erscheint, 3,8 Scheffel per Nutzmeile. 1844 hatte der moderne Vertehrskapitolismus völlig über den Landstraßenkapitalismus gesiegt. Das deutsche Eisenbahnnetz war in seinen Grundzügen fertig. Wir hatten damals schon 55 944 Weg- stunden— 33 566 deutsche Meilen Eisenbahnen, davon waren 7695 Meilen Staats- und 25 371 Prioatbahnen. Investiert wovon ein Kapital von 167 951 07? rheinischen Gulden(zu 60 Kreuzern)— 95972 044 preußischen Thalern. Di« starke Kapitalentziehung führte m der Wirtschast zu der Krise von 1847/48. 1844 wurden aus diesen Bahnen 10 290 367 Personen befördert und 13 684 078 rheinische Gulden eingenommen. � Das ist eine riesenschnell« Entwicklung, die ihresgleichen sucht. � Maßnahmen für den Silvestervertehr. In der Silvesternacht werden, wie die Reichszentrale für Deutsche Berkehrswerbung erfährt, auf der Berliner Stadt- und Ringbahn und auf den meisten Vorortstrecken in der Betriebspause Sonderzllge fahren. Sie werden auf der Stadtbahn in Abständen von etwa 20 Minuten, aus der Ringbahn in Abständen von etwa 30 Minuten, auf der Wannseebahn und nach Groß-Lichterfelde-Ost in Abständen von etwa 40 Minuken verkehren. Die genauen Fahr- zciten sind aus den Bekanntmachungen der Reichsbahnverwaltung auf den Stationen ersichtlich SOj Der AMkelweg. vou Sir Philip Gibbs. „Und das alles ist nicht wahr?" fragte Bertram. Sie lachte ihr. altes, volles Lachen.„Lügen, Lügen, Lügen!" rief sie. Mit großer Aufgeregtheit und höchst nachdrücklich sprach ste davon, daß der Mittelstand in Deutschland durch den Marksturz so verarmt sei, daß er sich weder Kleidung noch Schuhe und Wäsche kaufen könne. Und weit davon entsemt, steuerfrei zu sein, wllrdeen sie von den Steuern fast erdrückt, sogar die ganz kleinen Einkommen würden nicht verschont. Die Mark fiel, well Deutschland bei der jedesmaligen Be- zahlung der ungeheuren Reparationen sich fremde Devisen beschaffen mußte. � �. Das Canze war ja Heller Wahnsinn. Nach vier und einem halben Kriegsjahren sollte das in Grund und Boden ruinierte Deutschland die Verluste all seiner Feinde nicht nur, sondern auch alle ihre Kriegspensionen und dazu die ganzen Kosten des Besatzungsheeres tragen. Nicht mal die Bereinigten Staaten, die den Geldvorrat der ganzen Welt be- säßen, wären imstande, solche märchenhaften Summen zu be- zahlen.„ „Es ist nur gerecht, daß Deutschland für die Vernichtung. die es verschuldet hat. auch aufkommt," sagte Bertram eigen- sinnig.„Ich war während des Krieges in Frankreich. Ich habe die Zerstörung seiner Städte und Dörfer und Hauern- Höfe und Erntefelder gesehen. Vom Erdboden hinweggefegt." „Aber tv'r sind ja bereit, Frankreich beim Wiederauf- bau zu unterstützen," rief Dorochy, und Bertram zuckte ein wenig bei diesem„wir" aus dem Munde seiner Schwester. „Was wir aber nicht können, das ist, die Pensionen und an- dere lächerliche Ansprüche zu bezahlen." „Deutschland ist zum Bankrott gezwungen, sagte von Arenberg.„Nichts auf der We't kann das verhindern. Wenn es aber dazu kommt, wird ganz Europa mit hineingezogen." „Frankreich möchte Deurfchland in den Schmutz stoßen," sagte Dorothy,„und es wird sich nicht eher zufrieden geben, bis es ins Ruhrgebiet einmarschiert, die Industriestädte mit Beschlag belegt und Deutschlands Lebensbedingungen ver- nichtet." „Wir werden versuchen, uns zu retten, mst Rußlands Hilfe," sagte von Arenberg. „Wenn noch einmal Krieg kommt, bricht die Zivilisation in Europa ganz zusammen," klagte Dorothy.„Großer Gott! Ich kann mir nicht denken, daß England das zugeben wird. Trotz seiner zeitweiligen Grausamkeit." „Grausamkeit?" fragte Bertram. „Ia, Grausamkeit. War denn die Blockade keine? Es war grausam, deutsche Kinder verhungern zu lassen, um den Bertrag von Dersailles zu erzwingen." Aber hatte Bertram das nicht schon einmal gehört? Ach ja, die Dirne gestern, die Joyce so ähnlich sah, hatte dasselbe gesagt. „Aus eigenem Interesse müßte England einen neuen Krieg verhindern, selbst wenn Frankreich wie Shylock auf seinem Pfund Fleisch besteht," fuhr Dorothy fort.„Frank- reich ist jetzt der Feind des Weltfriedens!" „Ich will hier nicht streiten," sagte Bertram, dem schon vorher das Blut ins Gesicht gestiegen war,„aber ich kenne die Opfer, die Frankreich gebracht hat. Ich habe mit angesehen, wie furchtbar es im Kriege gelitten hat, und eben jetzt komme ich von den alten Schlachtfeldern. Alle Menschen dort denken nur immer an das Eine: Das Grauen vor einem neuen Kriege. Sie sind nicht sicher, daß Deutschland nicht doch eines Tages wieder kommt und die roten Kriegsfeuer wieder an- zündet. Sie wollen Sicherheit und sie sehen diese Sicherheit nur darin, wenn sie Deutschland schwach erhalten." „Dann fangen sie es genau verkehrt an, sich diese Sicher- heit zu erringen," gab Dorothy zurück,„statt uns auch nicht eine einzige Drohung, eine kleinliche Herausforderung, einen einzigen Schimpf zu ersparen." „Deutschland ist auch nicht gerade zart mit Frankreich umgegangen, damals, als es noch an den Sieg glaubte," sagte Bertram, ging dann aber zu einem anderen Thema über. um seine Schwester und ihren Mann nicht durch seine Ver- teidigung des französischen Standpunktes zu vorletzen. Nach Tische ließ von Arenberg mit ein paar freundlichen taktvollen Worten Bruder und Schwester allein, damit ste sich aussprechen konnten. Und nun äußerte sich Dorothy ganz frei. „Sieh mal, ich haste ja Frankreich nicht, Bertram. Es hat mir Ggar schr-cklich leid getan, als Deutschlands 5)?cre zuerst durch seine Felder stcmpften. aber ich verabscheue den Krieg. Du hast ihn mit eigenen Augen gesehen, hast ihn durchgemacht und kannst nicht einmal mehr von dem Ent- setzlichen sprechen, aber ich, als Engländerin, die ihr Vater- land llebt, an einen Deutschen verheiratet, mit besten Land sie das tiestte Mitteid hat. habe vielleicht innerllch noch mehr gelitten. Mein Herz wurde zwischen dem alten und dem neuen Vaterlande hin- und hergeristen. Und wenn ich nachts chlaflos dalag, sah ich dich unter deutschem Feuer aus den chrecklichen Schlachtfeldern. Dazu hier das leidende Volk, las trotz der anfänglichen Siege im tiefften Innern fühlte. daß es gegen diese Uebermacht verloren war. Und deshalb begreife ich Frankreich nicht, wie es den Geist des Friedens noch immer verhindern kann." „Weil es nicht sicher ist, daß Deutschland auf Rache sinnt, Bist du denn sicher?" Dorochy seufzte tief. Dann aber sagte sie, daß das deutsche Volk vor und nach dem Waffenstillstand den Frieden wollte und Wilsons Vorschlägen zustimmte. Hätte man es nach der Niederlage großmütig behandelt, so hätte es sich mst ungeheurer überwältigender Kraft zu den neuen Ideen eines Weltfriedens emporgeschwungen. Aber der Vertrag von Ver- sailles hat es in Ketten gelegt und zu ewiger Schuldknecht- schaft gegenüber den Siegerstaaten verdammt. Und Frank- reichs Haltung wurde so schroff und herausfordernd, daß sich die Gemüter in Deutschland allmählich wieder verhärteten und das alte Gift fraß weiter. Das Ideal eines Weltfriedens lag der französischen Politik ferne, welche Deutschland mit feindlichen Staaten einzukreisen suchte, um es unter der Drohung bewaffneter Mächte niederzuhalten. Das mußte den Haß gegen Frankreich in jedem Herzen anfachen. Ich habe Angst, ich habe solche Angst," schloß sie mit Tränen in den Augen. Dann aber lächelte ste ihn an:„Ber- gessen wir das alles heute. Und nun erzähle mir von unse- ren geliebten Lebenden und Toten daheim." Und er erzählte stundenlang. Es schien, als hätte der Krieg jeden getroffen, und als wäre die Welt ihrer Kinder- zeit versunken. Es schien, als wären sie die Ueberlebenden nach einem großen Erdbeben. Dann sprach Bertram von seinem eigenen persönlichen Unglück mit Joyce, und Dorothy war außer sich, wie die heutigen Frauen die alte Tradition von Frauenehre so vergessen tonnten. „Die Seele Englands scheint sich verwandelt zu haben! Was ist geschehen, Bertram? Sind denn alle unter dem Druck des Krieges zusammengebrochen?" „Der Krieg hat die alten Traditionen zerschmettert," ant- wartete ihr Bruder.„Für manche war es gut, aber der Vor- gang selbst ist sehr schmerzvoll und— Vieles von dem Besten, das wir hatten, ist bei dem Zusammenbruch untergegangen." (Fortsetzung folgt.) Der lange Feiertag. darüber, daß sie nun bald mit ihrem Manne, der vor einiger Zeit in Görlig festgenommen wurde, wieder zusammenfäme. Frau Neumann hatte sich bisher allen Verfolgungen dadurch entzogen. daß sie in Laubenkolonien bei Leuten, die nicht wußten, wen sie beherbergten, Unterkommen fand. Die von ihr gestohlenen Sachen hat sie zum Teil an Bekannte vertauft oder ver schenkt, zum Teil auch in Geschäften veräußert. Alle, die gutgläubig irgend welche Gegenstände von ihr erhalten oder ihr abgekauft haben, werden aufgefordert, sich in ihrem eigenen Interesse umgehend bei Kriminalfommiffar Gennat im Zimmer 105 des Polizeipräsidiums zu melden. Schwerer Gerüsteinsturz in Tempelhof. Die Weihnachtstage bedeuten diesmal Weihnachtsferien in des Bortes verwegenſter Bedeutung. Die Beamten haben, soweit sie in Bureaus beschäftigt sind, vier Feiertage gehabt, weil für den Sonnabend nach den Feiertagen aus Sparsamkeitsgründen die Samme! heizung nicht in Betrieb gesetzt werden sollte. Ja, es gibt sicher viele Leute, die mit der Arbeit nicht gerade auf Duzfuß stehen, und die es sich sonst leisten können, die am heiligen" Abend möglichst früh Schluß gemacht haben, und die, da es sich doch nicht mehr lohnt, in diesem Jahr die Arbeit überhaupt nicht wieder aufnehmen. Aber dann gibt es andere, für die bedeutet die ungünstige Lage der Weihnachtstage einen großen Ausfall an Verdienst. Das Ein Arbeiter tödlich, drei schwer verletzt. Heer der Arbeiter, jenen vielen, die arbeiten wollen und arbeiten müssen, um sich und die Ihrigen, wenn auch manchmal fümmerEin folgenschwerer Gerüsteinsturz ereignete sich gestern nachlich genug, zu erhalten, verlieren viel durch das„ Fest der Liebe". mittag auf dem Gelände des Neubaues der Großen Berliner Am sogenannten heiligen Abend, also am Mittwoch, wurde in vie- Straßenbahn Kaiferin- Augusta- Straße in Temlen Betrieben eine, auch zwei Stunden früher als sonst Feierabend pelhof. Hier waren acht Arbeiter mit dem Abriß eines Gegeboten. Dann kamen die beiden Feiertage, und am Sonnabend rüfles beschäftigt, als plöhlich ein Brett brach und sämtliche auf wurde in den meisten Betrieben nicht gearbeitet. Die Arbeiter haben dem Gerüft stehende Arbeiter aus 12 Meter Höhe in die Tiefe also von der ganzen verflossenen Woche nur Lohn von zwei vollen fürzten. Die Tempelhofer Feuerwehr, die nach wenigen Minuten Arbeitstagen erhalten, und wenn sie am Beginn der Woche nicht an zur Stelle war, schaffte die Berunglückten in das Budower Krankendie drei Feiertage gedacht und sich, wie sonst immer, eine Wochenhaus. Hier stellte sich bald heraus, daß durch das Auffallen auf tarte gekauft haben, sind sie lediglich spendabel gegenüber der Eisenträger vier Arbeiter so schwer verletzt wurden, daß ihr Zustand Eisenbahnverwaltung gewesen und haben Geld ausgegeben, ohne schwerverletzten Bauarbeiter sind: Otto Roloff aus Lichtenberg, als besorgniserregend angesehen werden muß. Die Namen der Hans Studing, Marfgrafendamm 31, Richard Henschel, Golzstraße, und Berthold Mint, Borkensteinstraße. Henschel ist feinen Verletzungen bereits erlegen; mint hat schwere Verlekungen der Wirbelsäule und des Kopfes davongetragen. Stüding befindet sich auf dem Wege der Befferung. einen Nuzen davon zu ziehen. Das ist die eine Seite der langen Feiertage, die von den Fleißigen und schwer um die Existenz Ringenden als bitterer Nach geschmack des Festes empfunden wird. Für andere wieder, und zwar in erster Linie für das Fahr- und Verkehrspersonal bei der Eisenbahn. bei der Hoch- und Straßenbahn. bedeutete der lange Feiertag einen langen Arbeitstag mit einer Schwere und Verantwortlichkeit des Dienstes, die eine faum noch zu ertragende Belastungsprobe für die Nerven bedeutet. Das gilt namentlich für das Verkehrspersonal bei der Eisenbahn. BePanntlich ist auch bei dieser Behörde der Abbau ein sehr gründlicher gewesen. Auf der anderen Seite war der Weihnachtsverkehr auf der Eisenbahn. ein besonders großer und reger, waren allerhand Sonderzüge eingelegt, und in der Silvesternacht bleibt die Stadt und Ringbahn die ganze Nacht, wenn auch mit Pausen von etwa ciner Stunde in der Zugfolge dem Publikum geöffnet. Die an sich durch den Abbau mehr als zweckdienlich zusammengeschmolzenen Beamten und Arbeiter haben infolgedessen anstatt weihnachtliche Ruhepausen zu genießen doppelten und dreifachen Dienst machen müssen. Und wie verantwortungsvoll gerade dieser Dienst ist, wie er über Körper und Geistesfräfte geht, wie nervenanstrengend der Dienst in den Blockbuden und Signalstationen ist, darüber braucht man gewiß fein Wort weiter zu verlieren. Wenn trotz Ueberlastung mit Arbeit und bedenklicher Ueberanstrengung der Verkehr auf der Eisenbahn sich reibungslos und chne Unfälle abgewickelt hat, zeugt das in glänzender Weise von der Pflichttreue und hervorragenden Tüchtigkeit der Beamten und Arbeiter. Hoffentlich haben diese Erkenntnis auch die Vorgesetzten und diejenigen Stellen, die für die Festsetzung der Gehälter maßgebend sind. Leider bleiben in diesem Punkt noch immer viele und berechtigte Wünsche unerfüllt. Die gute Wirtschafterin. Sie versieht das Stehlen meisterhaft. Eine bedeutende Spezialistin auf dem Gebiete des Haushaltsdiebstahls ist eine Frau Luise Neumann geb. Nehrenheim. Ihre ersten Gastrollen gab sie unter falschem Namen als Aufwärterin. Hierbei ließ sie sich durch Arbeitsnachweise vermitteln. Dann ver besserte sie ihre Technik und beförderte sich zum Hausmädchen, zur Köchin oder zur Wirtschafterin. Jetzt benutzte sie auch keinen Arbeitsnachweis mehr, sondern suchte ihre Stellen durch Vermie tungsbureaus. Abgesehen von ihrem netten Auftreten wußte sie sich das Berfrauen der Dienstgeber, die eine Hausgehilfin fuchten, von vornherein durch beste 3eugnisse zu verschaffen. Hiernach war sie ftets Jahre lang auf Rittergütern oder in den Haushaltungen von Landgeistlichen beschäftigt gewesen und hatte sich überall musterhaft geführt. Es gab eigentlich keine einzige ideale Gigenschaft einer Hausangestellten, die der Inhaberin in diesen Papieren nicht be scheinigt gewesen wäre. So reiste Frau Neumann längere Zeit auf die Papiere einer längst verstorbenen Freundin. In anderen Fällen stellte sie die Zeugnisse unter Benuzung von verschiedenen Stempeln selbst her. Troz aller Warnungen in den Zeitungen, troß Verbreitung ihres Bildes in den Vermietungsbureaus gelang es ihr immer wieder, vermöge ihres guten Einbruces neue Opfer zu finden. Sie wurde nur insofern etwas vorfichtiger, als fie feine Vermietungsbureaus mehr aufsuchte, sich vielmehr auf Grund von Anzeigen in den Tageszeitungen meldete. Auch hier arbeitete fie mieder mit dem Hilfsmittel des quten Eindruckes". Bon irgendeiner Provinzstadt aus, in der sie gerade einen Diebstahl verübt hatte, fragte sie bei den Inferenten durch den Fernsprecher an, ob die Stellung noch frei sei. So erweckte sie die Ueberzeugung, daß es sich um ein„ unverdorbenes Mädchen vom Lande" handle. Um fo schmerzlicher war dann immer die Ueberraschung, wenn sie unter Mitnahme aller erreichbaren Werte verschwand. Frau Neumann trat außer in Berlin und den westlichen Vororten besonders auch in Hamburg, Leipzig und Dresden auf, vermutlich aber auch noch in vielen anderen Städten, immer in der gleichen Weise. Sie bediente fich zahlloser falscher Namen. Ungeheure Werte fielen der Diebin im Laufe der Zeit in die Hände. Die letzte Gastrolle gab fie vor einigen Tagen in einer Villa in der Kolonie Heerstraße. Hier nahm sie nicht nur erhebliche Werte an Schmuck sachen und Kleidungsstücken, sondern, das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, eine bratfertige Gans und andere Lebensmittel mit. Der Kriminalpolizei, die die Spezialiſtin bereits einmal im Anfang ihrer Laufbahn festgenommen hatte, worauf sie aber vom Gericht wegen angeblicher Krankheit bald wieder entlassen wurde, ist es jetzt gelungen, die langgesuchte Diebin unschädlich zu machen. Durch lange Beobachtungen ihres Anhanges wurde festgestellt, daß sie öfter in der Nähe der Ilsenburger Straße in Charlottenburg gefehen worden war. Die Beamten famen fchließlich dahinter, daß sie in einer Wohnlaube in der Kolonie Klausthal Unterschlupf gefunden hatte. Beim Eintreten der ihr von früher her bekannten Beamten ergab sie sich ohne weiteres in ihr Schicksal, äußerte sogar eine gewisse Befriedigung Biomalz Plates whatides ko einer Lichtanlage im neuen Straßenbahnhof hatte die Baufirma Folgende Einzelheiten werden uns noch befannt: Zum Einbau Schmidt ein Hängegerüst gestellt. Die Lichtanlage war fertig und der Abriß des Gerüftes sollte vor sich gehen. Der die Auf sicht führende Gerüstbauer war zur Zeit des Unfalles nicht zur Stelle, so daß als Augenzeugen nur die Berlegten in Frage kommen. Von der schwer passierbaren Kaiserin- AugustaStraße ragt linter Hand der neue Straßenbahnhof vor. Bauarbeiten verhindern den Zugang zur Unfallstelle. Duzende Schienengleise ragen unbetonniert aus dem Erdboden heraus. Die ganze Unfall stelle macht einen wenig geschützten Eindruck. in erschreckendem Maße gehäuft. Die Leitergerüstbauer, die In letzter Zeit haben sich die Bauunfälle und Gerüsteinstürze ohnehin schweren Berufsgefahren ausgesetzt sind, find durch kein Ge fetz ausreichend gegen Unfälle geschützt. Sie sind zwar nach§ 544 der Reichsversicherungsordnung gegen Unfälle bei den versicherungspflichtigen Betrieben versichert und genießen auf die„ Segnungen" dieser Unfallversicherung, die aber bekanntlich zu den Gefahren des Berufes in keinem Verhältnis stehen. Die Rente besteht in regelmäßigen, gewöhnlich monatlichen, im voraus zu zahlenden Beträgen; ausnahmsweise kann das Reichsversicherungsamt bestimmen, unter welchen Voraussetzungen die Rente in vierteljährlichen Beträgen zu zahlen ist. Die Hähe der Rente richtet sich nach dem Grade der durch den Unfall erlittenen Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit und der Höhe des von dem Verletzten im letzten Jahre vor dem Unfall bezogenen Arbeitsverdienstes. Bei völliger Erwerbsunfähig keit erhält er die Bollrente. Diese beträgt zwei Drittel seines Jahresarbeitsverdienstes. Ist der Verletzte durch den Unfall teilweise ermerbsunfähig, so erhält er den Teil der Bolfrente, der dem Maße der Einbuße seiner Erwerbsfähigkeit entspricht. Außerdem erhalten die jenigen, die eine Rente von zwei Drittel oder die Vollrente beziehen, eine Sonderzulage von monatlich 15 M. Soll der Facharbeiter mangel im Baugewerbe behoben werden, dann muß der Gesetzgeber seine Aufmerksamkeit den gefahrdrohendsten Berufen zuwenden. Der auffeimende Baumarkt fommt in starte Bedrängnis, wenn seine Arbeiter bei Unfällen und ähnlichen Gefahren nicht das Gefühl haben, ihre Familien ausreichend geschützt zu sehen. Nicht auf fahrende Eisenbahnzüge aufspringen! Täglich kann man noch immer beobachten, daß Reisende die schon in Bewegung befindlichen Züge trotz des bestehenden Verbotes und ungeachtet der Warnrufe der Beamten zu besteigen versuchen. Besonders gefährlich ist das Aufspringen auf die nach Bernau laufenden Wagen der elektrischen Züge, die weder Trittbretter noch Handgriffe haben. Ein Versuch, einen solchen Wagen nach der Anfahrt noch zu befteigen, muß stets zu Unfällen führen, weil die aufspringende Person von dem feinen Halt bietenden Wagen abgleiten muß. Vor dem Gefahrvollen eines solchen Beginnens kann daher nicht dringend genug gewarnt werden. Bemerkt sei auch dabei, daß eine derartige Uebertretung nach den gesetzlichen Bestimmungen mit Geldstrafe geahndet wird. Die Untersuchungen im Fall Kutisker. Am gestrigen Tage haben Oberstaatsanwalt Dr. Lindow und Staatsanwalt Dr. Caspari der Preußischen Staatsbank einen Besuch abgestattet, um sich über die geschäftlichen Transattio nen Rutisters zu informieren. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Staatsanwaltschaft in diesem Falle nicht zum erstenmal sich nach dem Geschäftsgebaren des jetzt in Haft befind lichen Generaldirektors bei der Seehandlung erkundigt, sondern daß schon vor langen Wochen der ursprüngliche Bearbeiter des Straffalles, Staatsanwalt Jacoby, von der Seehandlung bestimmte Auskünfte verlangt hat, die ihm seinerzeit auch vom Direktor Rühe erteilt wurden. Schon damals handelte es sich um die Frage, ob eine betrügerische Handlung Kutisters vorgelegen habe, als er für die hohen Kredite, die er fortlaufend erhielt, Wechsel in Bahlung gab, deren Bonität die Staatsanwaltschaft schon damals mit Recht anzweifelte. Allerdings war die Staatsbank seinerzeit wohl über die Kutisterschen Manöver selbst noch nicht vollkommen im Bilde, denn die Auskunft, die der Vertreter der Staatsanwaltschaft seiner zeit erhielt, lautete für Kutister nicht ungünstig. Staatsbank schien damals noch selbst der Ansicht zu sein, daß die Kutisterschen Wechsel, die auf alle möglichen Firmen mit höchst flangvollem Namen lauteten, eine volle Deckung für die ihm zur Verfügung gestellten Kredite bedeuteten. Inzwischen hat sich das Bild gründlich geändert. Augenblicklich dürfte die Frage zu flären sein, ob die Gerüchte auf Wahrheit beruhen, daß Kutister Per fonen, die sich nicht in leitender Stellung bei der Staatsbant befanden, die aber mindestens sein Konto genau fennen mußten, für sich zu gewinnen gewußt hat, ferner ob er diesen Bersonen Gefchente oder 3umenbungen angeboten hat Die Untersuchung wird sich auch mit der Frage beschäftigen, in welcher Weise es Kutister verstanden hat, an den Fälligkeitsterminen der Wechsel eine Prolongierung seiner Berbindlichkeiten zu erzielen. Die Staatsanwaltschaft hat mehrere pereidigte Sachver Finanzgeschäfte des Generaldirektors nachzuprüfen. Ein solches ständige herangezogen, um die zu einem Teil so recht verwickelten Gutachten, das übrigens die Kutistersche Geschäftsführung auf das schwerste belastet, ist bereits vor mehreren Monaten von einem ge richtlichen Sachverständigen erstattet worden, und zwar auf Grund einer Nachprüfung der Belege in der Steinschen Bant. Trotz der angestrengten Arbeit mehrerer Staatsanwälte wird die Untersuchung sich voraussichtlich noch sehr lange hinziehen, denn die Ermittelungen werden jeht natürlich auch auf die Firmen ausgedehnt, die Kutister die Wechsel ausgestellt haben, die mit dem Umfang und der Grunde lage der Geschäftsbetriebe nicht in Uebereinklang zu bringen sind. Bei der Zusammenstellung der Summen, die Kutister der Staatsbank schuldet, dürfte auch die Spesenrechnung zu seinen Lasten geschrieben werden, die Kutister der Staatsbank für seine Pariser Reise ansetzte, die er mit Holzmann und einem Ber treter der Seehandlung machte, als es sich darum handelte, den rumänischen Handelsminister für das Hanauer Lager zu intereffieren. Auch dieses Spesenkonto ist außerordentlich kompliziert und bedarf dringend der Nachprüfung, zumal Holzmann hier Kutisker auf das Allerschwerste belastet. Uebermäßige Abschlagzahlungen. Die Stadt Berlin um 18 000 m. geschädigt. Eine Betrugs- und Bestechungsaffäre, bei der die Stadt Berlin in Mitleidenschaft gezogen wurde, beschäftigte die Abteilung des Großen Schöffengerichts Mitte. Die Anklage richtete sich wegen vollendeten und versuchten Betruges sowie wegen Urtundenfälschung gegen den Stadtoberbauführer Johan. Anstiftung und Bestechung. nes G. und gegen die Kaufleute Heinrich M. und Gustav S. wegen Angeklagten sind, hatte durch Vertrag vom 3. September 1923 die Die Firma Sagen u. Co., deren Inhaber die beiden leztgenannten Ausführung einer Flachklärbeckenanlage und der dazu gehörigen Apfierung von 11,6 Heftar Schlammirodenplätzen übernommen. Die Arbeit wurde sofort begonnen und sollte vertraglich innerhalb etwa 13 Wochen zu Ende geführt werden. Durch die starke Frost periode im vorigen Winter, die von Dezember bis März andauerte, wurde die Arbeitsausführung unterbrochen und Anfang April wieder. aufgenommen. Nach dem Vertrage fonnten der Firma aber auf die geleistete Arbeit Abschlagszahlungen bis zu 95 Pro3. gewährt werden. Abschlagszahlungen, soll nun G. nach der Anklage auf Verlangen der Bei der Feststellung der geleisteten Arbeit, zur Gewährung dieser Firma die Menge der beförderten Erdmassen und den Umfang einiger anderer Arbeitsleistungen wiederholt höher angegeben haben, als es der Wirklichkeit entsprach. Dadurch wurden höhere Abschlagszahlungen, als der Firma zustanden, ge währt.. In der Zeit vom Januar bis April war G. durch Krankheit am Dienst verhindert. Nach seiner Wiederherstellung und Rückfehr in den Dienst im April hat er eine von der Firma eingereichte Tagesabrechnung mit dem Richtigkeitsvermert versehen, obwohl die Zu sammenstellung der geleisteten Tageslohnstumden nicht den Tatsachen entsprach. Nach Behauptung der Angeklagten soll es sich hierbei um Arbeitsstunden handeln, die in vorhergegangenen Monaten wirklich geleistet worden sind und noch nicht bezahlt waren. Die beiden Mitangeklagten bestritten auch, die Stadt durch die höheren Abschlags. zahlungen betrogen zu haben, weil in der Endabrechnung nur die wirklich geleistete Arbeit eingestellt werden sollte. Oberbaurat Schur von der Bauverwaltung befundete, daß durch die Manipula tionen der Angeklagten der Stadtverwaltung ein Schaden non rund 18.000 art entstanden sei. Die angeklagten Firmeninhaber hatten auch seinerzeit diesen Schaden und ihr Verschulden eingestanden und in einer notariellen Erklärung der Stadt dafür Sicherheit geleistet. Der Vorsitzende hielt auch dem Angeklagten G. vor, daß er bei seiner polizeilichen Vernehmung ein umfaffendes Geständnis abgelegt und eingeräumt habe, daß er in größter Geldverlegenheit gewesen sei, als er dem Verlangen der Firma S. u. Co. stattgegeben habe, ihnen mehr Arbeit zu bescheinigen, als ausgeführt jei. Die Angeklagten wiesen demgegenüber darauf hin, daß ein Schaden der Stadt nicht entstanden sei. Es schwebe hierüber ein Zivilprozeß, der noch feineswegs entschieden sei. Die Rechnungen seien täglich von einem Oberbaurat nachgeprüft worden, so daß eine Schädigung der Stadtverwatung nicht hätte in Frage kommen fönnen. Der Staatsanwalt wies diese Einwendungen als haltlose Ausflüchte zurück und verwies auf den Aktenbestand und die Geständnisse, so daß an einer Schuld der Angeklagten nicht zu zweifeln sei. Das Gericht fam auch zu derselben Ueberzeugung und verurteilte sämtliche Angeklagte zu je drei Monaten Gefäng nis und 3000 Goldmark Geldstrafe. Reihenfolge der Einreisevisa nach Amerika. Das amerikanische Generalfonsulat in Berlin gibt befannt, daß diejenigen Personen, die bereits für ein amerikanisches Einreisevisum vorgemerkt sind, voraussichtlich in der nachstehenden Reihenfolge zweds Einreichung ihres formellen Antrages vorgeladen werden: Nr. 1-723 bereits vorgeladen, Nr. 724-1000 im Dezember 1924, Nr. 1001-1350 im Januar 1925, Nr. 1351-1700 im Fes bruar 1925, Nr. 1701-2800 im März, April oder Mai 1925, Nr. 2801-3900 im Juli, August oder September 1925, Nr. 3901 bis 5000 im Oktober, November oder Dezember 1925, Nr. 5001-6100 im Januar, Februar oder März 1926, Nr. 6101-6370 im April 1926, Nr. 6371-7400 im Juli, August oder September 1926. Vorläufig werden keine Voranmeldungen mehr ange nommen. Sobald das Generalkonsulat wieder hierzu in der Lage ist, wird dies öffentlich bekanntgegeben werden. Die gesetzlich bevor zugte Klasse umfaßt: Berufs- Landarbeiter und die Ehegatten(-innen) Don amerikanischen Bürgern, die das 21. Lebensjahr erreicht bzw. überschritten haben, sowie deren Eltern und Kinder unter 21 Jahren. Ehefrauen und Kinder unter 18 Jahren von amerikanischen Bürgern, die ihren ständigen Wohnsiz in den Vereinigten Staaten haben, fallen nicht unter die Quote. Obige Daten gelten nur für Personen, die innerhalb des Konsulatsbezirkes Berlin( Provinz Brandenburg und Grenzbezirk Westpreußen- Bosen) wohnhaft und im Gebiete des jetzigen Deutschland geboren find. In den übrigen Konsularbezirken liegen die Verhältnisse ähnlich. Jm Raubfierhaus des Zoologischen Gartens hat das neu angeschaffte Paar i chwarae Banther bereits ein Junges gebracht, das bei einer Hundeamme fehr gut gedeiht. Die Alte war awar auch eine gute Mutter; aber man zieht die Ammenaufzucht doch vor, weil man so die Mutter schont und die Jungen beffer tüttern und zahm erhalten fann, was wieder ihren Berkaufswert erhöht. Gründliche Kräftigung und Auffrischung verschafft das vorzügliche, billige, wohlschmedende Biomala. Es gibt wohlt tein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Befferung des Aussehens ein. Dian fil bit fic aeradeau wie beriinat. Mit feinem andern Sträftigungsmittel fann man bessere Erfolge erzielen als Bas nehmen die Aerate? Alle Erfahpräparate und Eisenmittel erzielen nicht die Wirkung, mas Appetitanregung und Kräftigung anlangt, wie Biomal. Su meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be sonders zufrieden. Dr. R. in Ch mit Biomalz Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in der 1. Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Rindern zugute tommen Dr. med. 9. Biomalz hat sich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg lich bewährt. Dr. Frhr. v. 8. Breis einer Dofe Biomala 1.90 Mart, mit Lecithin 5 Mart, mit Ei en( für Blutarme mnd Bleichiichtiget 2.20 Mart, mit Ralt egtra( für Lungenleidende) 2.50 Mart, Hoffmanns Bioinalz- Schots. lade Tafel 60 Pf. Ausführliche Drucsachen toftenfrei von Gebr. Batermann, Teltow- Berlin 10. Das Reich und die Einheitskurzfchrift. Umstellung auf das neue System ab 1. Oktober 1925. Der Reichsminister des Innern hat nach Verhandlung mit den Spizenorganisationen folgende Richtlinien für die Verpflichtung der Reichsbeamten zur Erlernung der Einheitsfurzschrift bekanntgegeben: -COO 1. Von den am 1. Oftober 1925 oder später in den Reichsdienst eintretenden Beamten, die ihre Eingangsstellung von Besoldungsgruppe IV an aufwärts haben, ist bei Eintritt in den Vorbereitungsdienst die Kenntnis der Einheitsturzschrift( Nr. 5) zu verlangen. 2. Für die am 1. Oftober 1925 vorhandenen Beamten gilt folgendes: a) Die Beamten, die eine Kurzichrift auf Grund einer bereits be stehenden dienstlichen Verpflichtung beherrschen, haben sich bis zum 1. Oktober 1925 die Kenntnis der Einheitsturzschrift ( Nr. 5) anzueignen. Treten die Beamten nach dem 1. April 1925 in den Reichsdienst ein, so haben sie zur Erlernung eine halbjährige Frist. b) Die Beamten, die zur Beherrschung ciner Kurzschrift bisher dienstlich nicht verpflichtet sind, haben sich, fefern sie am 1. April 1926 das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, bis zu diesem Tage die Kenntnis der Einheitsfurzschrift( Nr. 5) cnzueignen; haben sie am 1. April 1926 das 30. Lebensjahr bereits vollendet, so ist ihnen die Erlernung der Einheitsturzschrift anzuempfehlen. 3. Die Angestellten, insbesondere die Kanzleifräfte, find darauf aufmerksam zu machen, daß vom 1. Oftober 1925 ab im Behördenbetrieb die Einheitsfurzschrift verwendet und ihre Kenntnis( Nr. 5) insbesondere bei den Angestellten des Kanzleidienstes vorausgefegt wird. 4. Die cbersten Reichsbehörden oder die von ihnen ermächtigten nachgeordneten Behörden können Ausnahmen und Erleichterun sen von den Vorschriften zu 1 bis 3 zulassen. Sie fönnen insbefondere Gruppen von Beamten und Angestellten, die nur wenig zu schreiben oder Atten usw. zu lesen haben, von der Erlernung der Einheitsfurzschrift befreien. Auf die Kriegsbeschädigten ist ange= messene Rücksicht zu nehmen. 5. Unter" Kenntnis der Einheitsfurzschrift" ist die Fähigkeit zu verstehen, in der Einheitsfurzschrift cut beferlich zu schreiben und in dieser Handschrift Geschriebenes zu Icfen; eine bestimmte Schreibgeschwindigkeit wird nicht gefordert. 6. Soweit die dienst'ichen Bedürfnisse es erfordern, bleibt es ben obersten Reichsbehörden oder den von ihnen rmächtigten nachgeordneten Behörden unbenommen, weiter gehende Anforderungen in der Kenntnis der Ein beitsfurzschrift an die Beamten und Angestellten ihrer Geschäftsbereiche, insbesondere für Neueinstellungen im Kanzleidienst, zu stellen. 7. Die Behörden haben die Bestrebungen der Beamten und Angestellten, die Einheitsturzschrift zu erlernen, möglichst zu fördern. Die Schöneberger Müllabfuhr. Auch eine„ Existenzfrage". Die letzte Bezirksversammlung des Bezirks SchönebergFriedenau verhandelte über die Verpachtung der Müllverbrennungsanstalt an eine Privatgesellschaft, und zwar der Müag" uuf 30 Jahre. Wohl selten ist ein Vertrag so leichtfertig aufgestellt as wie der zwischen der Müllindustrie A.-G. und dem Bezirksamt Schöneberg, und mit Recht konnte der sozialdemokratische Redner darauf hinweisen, daß nicht einmal die Rechte der jetzt seit vielen Jahren dort beschäftigten Arbeiter und Angestellten gewahrt worden find. Das deutschnationale Bezirksamt hat ganz vergessen, in den Bertrag das hineinzubringen, wovon es so häufig und so gern spricht, die wohlerworbenen Rechte. In der städtischen Müllabfuhr sind eine ganze Anzahl von städtischen Arbeitern beschäftigt, die 10 Jahre und weit darüber bei der Gemeinde angestellt sind und denen auf Grund ihrer Manteltarife Rechte auf Ruhegelder und Witwenversorgung zustehen. Nicht einmal diese wohlerworbenen Rechte jollen den Arbeitern gewahrt bleiben, die Gesellschaft hat nur die Verpflichtung, die Arbeiter und Angestellten zu über nehmen. Eine Sicherung dafür, daß sie sie nicht ohne weiteres entlaffen fann, ist in dem Vertrag nicht vorgesehen. Die Stadt hat nach diesem Vertrage den ganzen Automobilpart sowie alle Gegenstände zur Müllbeseitigung an die" Müag" zu übereignen, und zwar, wie man sagt, zu einem Preise von 230 000 m. Aber die Gesellschaft hat dies nicht einmal zu bezahlen, sondern braucht nur auf den Kaufpreis 25 Proz. anzuzahlen und den Rest mit 6 Broz. jährlich verzinsen, wobei die Stadt doch mindestens 9 bis 10 Proz. Zinsen für ihre benötigten Kredite zahlen muß. Also wird der Gesellschaft von vornherein ein großes Geschenk im Zinssatz gemacht. Außerdem sind auch gar feine Sicherungen in dem Vertrag vorhanden, in welchem Zustande das Wert einmal an die Stadt wieder zurückfällt. Die Gesellschaft kann vollständig abgewirtschaftet die Anstalt der Stadt zurückgeben, so daß nur noch ein Haufen von Trümmern und Alteisen vorhanden ist. Und was wird der Stadt hierfür geboten? Sie soll an dem Reingewinn mit 50 Proz. partizi pieren. Wer die Geschäftstüchtigkeit der privatfapitalistischen Gesellfhaft fennt, weiß, daß sie in der Lage ist, froß glänzender Einnahmen überhaupt feine Reingewinne nachzuweisen, so daß die Stadt wohl auf viele Jahre vollständig leer ausgehen wird. Die drei ges forderten Aufsichtsratsmitglieder werden hieran wenig oder gar nichts ändern können und so scheint sich die Annahme zu bestätigen, daß man dieses städtische Werk nur deshalb einem privaten Unternehmen übereignet, um einem der Deutschnationalen Partei nahe stehenden abgebauten Stadtrat eine sichere Eristenz zu haffen. Nach langer Debatte gelangte der Vertrag gegen die Stimmen unserer Genoffen zur Annahme. Für die Kommunisten bot dieſe Tagesordnung fein besonderes Interesse, sie glänzten mit 2lbwesenheit. Hoffentlich wird die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat sich diesen Vertrag noch einmal gründlich ansehen und ihn dahin beordern, wo er hingehört, in den Papierkorb. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Heute, nachmittags 4 Uhr, in her Goethe- Bühne, Stlofterstr. 43( direkt am Untergrundbahnhof Stloster: itraße): Romeo und Julia". Sonnabend, den 10., 17. und " 24 Januar, abends 8 Uhr, und Sonntag, den 11. und 18. Januar, nach miltags 3, Uhr: Musikalische Komödien", im Schiller- Saal ( neben dem Schiller- Theater). Preis der Karte 1 M., Aleiderablage frei. Sonntag, den 25. Januar, nachmittags 31%, Ubr: 3. Fest tonzert( Internationale Lieder und Chorgelänge) in der Philharmonie, Bernburger Straße. Starten für alle Vorstellungen sind an den bekannten Stellen zu haben. Flugzeugbrand in der Luft. Ein italienisches Militär- Wasserflugzeug, das die Küste bei Porto Clementino überflog, fing plößlich Feuer. Die beiden Insassen konnten sich durch einen Sprung ins Meer retten. SSARYRITTER Der Kannibale von Münsterberg. Mehrere Morde Dentes bereits festgestellt.- Die Vor räte an gepökeltem Menschenfleisch.- Hosenträger aus Menschenhaut. Der Fall des durch Selbstmord geendeten Stellenbesizers Dente in Münsterberg in Schlesien wächst durch den Umfang des zutage geförderten Materials in den natten kannibalis. mus hinein. Es ist festgestellt worden, daß Dente die Morde meist aus Habgier begangen hat, um sich in den Besitz der Habseligfeiten der Ermordeten und vor allem in den ihres Fleisches zu fezen, von dem er monatelang allein gelebt haben muß. Die Er mittlungen der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaft haben bis jetzt folgendes ergeben: Wie im Falle des Hannoverschen Massenmörders muntelte man in dem kleinen Städtchen schon seit langer Zeit, daß es bei Dente, einem Sonderling, nicht immer mit rechten Dingen zugehe. Der Stellenbefizer, ein nicht mehr junger Mann. lebte völlig einsam in seinem Anwesen und verkehrte nur mit wenigen Personen, vermied es aber ängstlich, Nachbarn in sein Haus fommen zu lassen. Das fiel in dem fleinen Ort, wo einer den anderen fennt, natürlich um so mher auf, als man beobachtet hatte, daß Dente sehr häufig zur Nachtzeit und in den frühen Morgenstunden sich auf dem Boden seines Hauses und in einer nach dem Hof zu gelegenen Scheune zu tun machte, wo er bei verschlossenen Türen zu arbeiten pflegte. Jezt melden sich zahlreiche Personen, die aussagen, daß, genau o wie im Falle haarmann, fremde Männer einige Male bei Dente gesehen worden sind, die dann aber stets spurlos perschwanden, ohne daß einer der Nachbarn den Weggang der stets unbekannten Personen beobachtet hätte. Bekanntlich fand man in der Scheune des Stellenbesizers ein großes Faß mit Fleisch, von dem Proben an das Laboratorium der Universität Breslau gefandt wurden. Die dortige Untersuchung hat nun ergeben, daß man es zweifellos mit eingesalzenem Menschenfleisch zu tun habe, das, soweit sich aus der Struktur der Mustelfaserung feststellen lüßt, von drei verschiedenen Personen herstammt. Diese Angabe dürfte vollkommen richtig sein, denn inzwischen haben die Behörden das Grundstück des Dente sorgfältig untersucht, und man hat dabei auf dem Boden des Hauses einen schaurigen Fund ge= macht. In einer großen Tonne und einer Kiste, die von altem Gerümpel bedeckt waren, fand man sehr viele Knochen, die zweifellos, wie der Kreisarzt feststellte, Menschenknochen sind. Der Fall Dente hat mit Haarmann auch insofern große Aehnlichkeit, als fo Münsterberg, genau so wie in Hannover, die Polizei zweifel. los versagt hat. Das geht aus allen Einzelheiten hervor, die Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 28. Dezember. 9 Uhr vorm. Morgenfeier. 1. Air, Joh. Seb. Bach( Heino Siede, Violine, und Dr. Artur Böhme, Meisterharmonium). 2. Der Herr ist mein Hirte... B. Klein( Berliner Solisten- Doppelquartett. Dirigent Dr A. Böhme. Mitwirkende: Margarete Böhme- Heldenreich, Helene Klembt, Sopran, Else Maruette. Eugenie Frank, Alt, Walter Sommer, Otto Zorn, Tenor, Gustav Polzin, Max Spiegel, Baß). 3. Vortrag Dr. Schweitzer: Irdische und himmlische Liebe". 4. a) Quem pastores laudavere, C. Loewe( Weihnachtsresponsorium), b) Sanctus aus der deutschen Messe, Schubert( Berliner Solisten Doppelquartett). 5. Präludium, A. Böhme( Dr. Artur Böhme, Meisterharmonium). 3.30 Uhr nachm. Die Funkprinzessin erzählt: Die Weihnachtsmelodie in fremden Ländern. f. Die Weihnachtshexe( Schottand). 2. Die Lawine in der Christnacht( Schweiz), 3. Das rosenrote Christkindchen( Provence) nach E. Svala be arbeitet von Stökl. Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30 bis 6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik Berliner Funkkapelle). 6.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Abt Bildungskurse). Literatur und Kunst. Direktor Rosenhain: Neue deutsche Dichter" 3. Vortrag: Expressionistische Lyrik, Hermann Sudermann und Max Halbe". 8.30 Uhr abends: Giacomo- Puccini- Abend. Orchesterkonzert unter Mitwirkung von Hermann Bötel vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg. Dirigent: Otto Urack. 1. Fantasie aus der Oper La Bohème" 2. a) Arie aus der Oper Das Mädchen aus dem goldenen Westen"( Lasset sie glauben), b) Arie aus der Oper La Bohème"( Wie eiskalt ist dies Händchen)( Bernhard Bötel). 3. Fantasie aus der Oper Tosca". 4. Zwei Arien aus der Oper „ Tosca": a) Wie sich die Bilder gleichen", b) Es blitzen die Sterne"( Bernhard Bötel). 5. Fantasie aus der Oper, Madame Butterflys. Das Orchester besteht aus Mitgliedern des" Berliner Philharmonischen Orchesters. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 28. Dezember. 11.30-12.50 Uhr nachm.( Welle 2800). Konzert der Hauptfunkstelle. Mitwirkende: Luise Hahn. Gesang; Max Korbanek, Violine; Werner Sebaldt, Flöte; Karl Andresen, Viola; Wilhelm Buchmann. Klavier; Kurt Sammet am Flügel. 1. Kammertrio, Händel( Klavier, Violine, Flöte). 2. a) Ave Maria, Schubert, b) Ständchen. Schubert. 3. Ballade für Flöte, Kempter. 4. Agathien- Arie, Weber. 5. a) Parlawalzer, Arditsi, b) Rosenzeit, Korbanek, c) Unter der Linde, Korbanek. 6. Serenade op. 25, Beethoven( Violine, Viola, Flöte). Montag, den 29. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: I jetzt erst befannt werden. Im Sommer dieses Jahres verschwand in Münsterberg ein Arbeiter namens Ubrich aus Seckendorf, von dem man beobachtet hatte, daß er sich in Denfes Wohnung aufge halten hatte. Einige Tage später lagen in dem Garten einer Familie Wolf, die neben Dente wohnt, mehrere Knochen, die ganz offenbar Menschenknochen waren, sowie eine Leber, die ihrem Aussehen nach nicht von einem Tiere stammen tonnte. Es wurde bei der Polizei Anzeige erstattet, und der Hauswirt des Dente teilte der Behörde mit, daß er auch sonst Dinge beobachtet habe, die auf ein Verbrechen schließen ließen. Trotzdem ging die Polizei den Spuren nicht nach, meil Dente als ein zwar verschlossener, aber harmloser Mensch galt, der in der Kirchengemeinde großes Ansehen genoß und bei Beerdigungen als Kreuzträger fungierte Bei den jetzigen Hausbewohner, die unter Denke wohnten, bekundet, daß sie häufig Vernehmungen durch den Staatsanwalt von Gellhorn haben die in dem Schlafzimmer des Mörders Röcheln und Stöhnen ge hört haben. Wenige Stunden später sei ihnen dann stets aufge fallen, daß Denke mit Beil und Säge hantierte. Häufig habe sich dann auch im ganzen Hause ein scheußlicher Geruch verbreitet, der an verbranntes Menschenfleisch erinnerte. Dente, der wiederholt zur Rede gestellt worden war, erklärte jedoch, daß er leidend sei und seiner Krankheit wegen Hunde schlachte, deren Fett er genieße. Tatsächlich hat man in der Küche des Mörders eine große Schüffel Fett entdeckt, das durch den Kreisarzt als ausgelassenes Menschenfett festgestellt wurde. Bei den Untersuchungen wäh rend der Weihnachtsfeiertage fand die Staatsanwaltschaft auf dem Boden des Hauses in einem Versteck Legitimationspapiere, die auf folgende Namen lauten: Hermann Müller, ohne Beruf, Lischler Heinrich Buchmann aus Schönau, Maschinenbauer Kart Seidel aus Grotttau, Maler Ubrich, geboren 1870 zu Seckendorf, Konditor Adolf Dalich aus Tiltsch in Oberschlesien. Weiter find aber zahlreiche Kleidungsstücke entdeckt worden, die Denfe nicht gehören können, die vielmehr ihrem Aussehen nach Handwerks. burschen gehörten und die auch, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, nicht Eigentum der Männer waren, deren Berjonalien bis jetzt feft. ftchen. Bisher fonnte mit ziemlicher Sicherheit ermittelt werden, daß mindestens sieben Personen das Opfer Dentes geworden sind, doch ist leider anzunehmen, daß sich die Zahl der Getöteten noch erhöhen wird. Schon jetzt scheint festzustehen, daß Dente nicht nur Männer ermordet hat, sondern daß sich unter feinen Opfern auch ein Mädchen befindet, das aus Eichau( Kreis Münsterberg) stammt und seit vier Wochen spurlos verschwunden ist, nachdem man es zuletzt in der Feldstraße in Münsterberg in unmittelbarerer Nähe der Wohnung Denfes gesehen hat. Damit würde sich die Annahme bestätigen, daß der Massenmörder von Münsterberg im Gegensaß zu Haarmann nicht aus feguellen Motiven gemordet hat, sondern daß er lediglich aus Habgier jede günstige Gelegenheit benutzte, um Fremde, die bettelnd oder arbeitsuchend beim ihm vorsprachen, umzubringen und sich in den Besiz ihrer wenn auch noch so armseligen Barschaft und Kleidungsstücke zu sehen, während er das Fleisch seiner Opfer vergehrte oder zu späterem Genuß fonservierte. Der Rharbarber aus dem Garten Denfes war übrigens in der ganzen Stadt als befenders gut bekannt, man wußte allgemein, daß dieser Sonderling die schönste Rharbarberzucht hatte und erst jetzt stellt sich heraus, worauf das Gedeihen dieser Pflanzen zurückzuführen ist: Dente hat nämlich das Blut seiner Opfer zur Düngung der Rharbarberstauden verwandt! Die Nachbarn hatten ihn wohl öfters eine trübe, rötliche Flüssigkeit im Garten ausgießen fehen, hatten aber nie dabei etwas Auffälliges gefunden, um so mehr, als man von Dente auch behauptete, daß er Hunde schlachtete. Hosenträgern verarbeitet. Der Hosenträger, den er bei Die Haut der Ermordeten hat der Unmensch zu Riemen und feiner Verhaftung trug, war geplakt und mit einem Stück Kopfhaut geflickt, an den fich noch Haare befanden. Großfeuer im Riefengebirge. Reichenberg, 27. Dezember.( BTB.) An den Abhängen der Steffelkoppe seitlich der Hofbaude im Riefengebirge wütete gestern ein ungeheurer Brand, der in dem dürren Gras reichlich Nahrung fund. Die haushohen Flammen griffen auch auf die beiden Kessel gruben über und vernichteten den ganzen Knieholz- und Waldbestand auf einer Fläche von 200 Heftar. Sieben Personen von einem Auto überfahren. Ate der Späts wagen der Hagener Etraßenbahn an emer Haltestelle sieben Fehre gäste aufnehmen wollte, fubr ein Berfonenauto io nabe an den Straßenbahnwagen vorbei, daß i ämtlice fieben Berfonen überfahren wurden. Der Chauffeur fuchte zu entkommen, fonnte aber nach kurzer Zeit von der Polizei ermittelt und ber haftet werden. Das Auto wurde beschlagnahmt. Einer der Ueberfahrenen ist bereits gestorben. Gewitter und Hagel in England. Das Weihnachtswetter in Großbritannien war sehr verschieden. Im Westen und Norden gingen Gewitter nieder, die zum Teil mit Sageli lägen verknüpft waren. In England war das Wetter ungewöhnlich mild. Schiffserplosion in einem japanischen Hafen. Bei einer Er. plosion, die sich nach einer Meldung aus Totio an Bord eines Echiffes im Hafen von Staru ereignete, sind mehrere 100 Ber fonen verletzt worden. Infolge der Explosion brach auf dem Schiffe ein großer Brand aus. beraubt worden ist. 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe: Im Kampf gegen das Verbrechertum. 10. Vortrag. Kriminalkommissar Engelbrecht: Die italienische Kriminalpolizei und ihre Tätigkeit". 7 Uhr abends: Tausend Worte Tragisches Ende eines ruffischen Forschungsreifenden Vor Französisch. 7.30 Uhr abends: Vortrag Schriftsteller H. Sachers: Die wirtschaftliche Notwendigkeit von Kolonialbesitz". 8.30 Uhr einigen Monaten erregte das Verschwinden des Petersburger abends: XII. Sondervorstellung der Funkstunde A.-G. unter Mit- Brofeffors fiajero während einer Reise durch die taulawirkung von Walter Kirchhoff. Tenor; Hans Mühlhofer, Rezitation fifchen Länder großes Aufieben. Die lange Zeit erfolgloien und dem Waghalter- Trio. 1. a) Am stillen Herd, R. Wagner, Nachforschungen nach dem Berbleib des Gelehrten haben jezt er b) Walthers Preislied, R. Wagner, aus den Meistersingern"( Walter geben, daß er von räuberischen Gebirgsbewohnern getötet und Kirchhoff). 2. a) Deutsches Neujahr 1909, Wildenbruch. b) Der getreue Eckart, Goethe, c) Die Bürgschaft, Schiller( Hans Mühlhofer). 4. Serenade für Streichtrio op. 8, L. v. Beethoven, Allegro Marcia Adagio MenuettScherzo Adagio Adagio Allegretto Alla polacca Marcia Andante con variazoni ( Waghalter- Trio: Wladislaw Waghalter, Janka Waghalter und Hans Kraus). 4. a) Gralserzählung aus Lohengrin", Richard Wagner, b) Liebeslied aus der Walküre", R. Wagner( Walter Kirchhoff). 5. a) Großmudding, hei is dot, Reuter, b) Der Schnee, Verhaeren, c) Die Brück' am Tay, Fontane( Hans Mühlhofer). Am Flügel: Otto Uraok. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- HORTAXIN- WERKE, BERLIN dienst. 10 30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann). -SCHEUER- PULVER für Fabrikanten und Großverbraucher, lose und gepackt, liefern Mahlwerken aus eigenen konkurrenzlos billig MASSARYRITTER MAS MASSARYRI Liver MASSARY RITTER SSARY ASSAR RITTER TER NAME UND BÜRGSCHAFT ZUGLEICH 00 Für Silvester u. Neujahr Groggläser geprent.... 16 PL Bierbecher Ringelkante..22 pt. Bierseidel Ernst" b. Ltr. 38 b. 48 Pl. Likörgläser auf hohem F 40 Pt. u. grünem Stiel Römer glatt, weiß auf 50 b. 85 pt. grün mosel süß Glaswaren kristallhell.. graviert Bowlen für 3 4 6 8 Ltr. Sektkelche la 85 PL Sektkelche 1 M Sektkelche St. Louis 175 250 optisch 425 525 650 850 Sektbecher St. Louis glatt 75 Pf. Oliven- 625 725 975 1150 geschliffen graviert geschliffen Sektbecher St. Louis Preise für Flasche einschließl. Steuer ohne Glas Wein Frankfurt. Apfelwein 50 Pt. Johannisbeerwein rot 115 1922 Gumbsheimer Fuchsloch u. 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So war es in der bisherigen Welt, so war es vor dem letzten Weltkrieg, der furchtbaren europäischen Tragödie. 21 Bon dem Vorspiel" zu dieser Tragödie berichtet Theodor Wolff, der Chefredakteur des„ Berliner Tageblattes", in einem schmalen, aber inhaltreichen Bande*) Er erzählt und erläutert die politischen Vorgänge, die diplomatische Entwicklung; er beleuchtet die Persönlichkeiten, die dem entsegensvollen, dem verhängnisvollen Weltkrieg wirkende Borbedingungen gewesen sind. Theodor Wolff, der zunächst in Paris und dann in Berlin die Vorgänge aus nächster Nähe beobachten konnte und zum Teil sehr enge Beziehungen mit einzelnen der handelnden Personen gepflegt hat, der mehr erfuhr und mehr sah, als den meisten und auch den Interessenten der Mitlebenden möglich war zu sehen, breitet nunmehr sein Material von hohem politischen und historischen Werte aus. Daß jeder fluge Beitrag zur Erhellung der Vergangenheit historisch wertvoll ist, leuchtet ein; daß er politisch wertvoll ist, steht außer Zweifel bei der engen Verknüpfung, die die jüngste, so ereignisreiche Bergangenheit mit den Geschehnissen jedes einzelnen heutigen Tages noch verbindet. Jene Vergangenheit lebt im Augenblick noch leibhaftig fort als ge= staltende und wirkende Urjache. Man braucht nur daran zu erinnern, daß die Republik, in der wir leben, auf das bitterste und auf das heimtüdischste und beides ist nicht verwunderlich bekämpft wird von den Anhängern des Hohenzollerntums und der Monarchie; und diese Monarchie war unmittelbar vor dem Kriege für uns verkörpert in Wilhelm II. Damit entsteht die Frage, was für eine Persönlichkeit war Wilhelm II., der wieder auf den Thron zurückkehren soll oder der vielleicht auch ersetzt werden könnte durch einen monarchischen Nachfolger, der nicht nur die Fehler feines Borgängers hat, sondern vielleicht auch schlimmere Fehler. In einer ausführlichen, auf historische Tatsachen gestützten, glanzpollen Charakteristik gibt Theodor Wolff ein Bild von Wilhelm II., und zwar nicht als Karikatur wozu der Anlaß so leicht hätte verführen können, sondern mit Gerechtigkeitsgefühl hingezeichnet; man fönnte fast sagen mit Milde; und solche Milde empfiehlt sich gegenüber einer ge stürzten Größe". Auf diesem Untergrund erscheint das Porträt ausdrucksvoll, dem menschlichen Verständnis nahegebracht und bei dieser Milde um so beweiskräftiger gegen das monarchische Prinzip, gegen die Erbmonarchie zeugend und für die republikanische Verfassung. Ich glaube, daß Kaiser Friedrich und die Kaiserin Vittoria in ihrer geistigen Potenz vielfast von freisinnigen Bolitikern überschäzt worden sind; aber bestehen bleibt, daß sie beide politisch modern denkende und modern empfindende Menschen gewesen sind. Sie gaben den späteren Kaiser, ihren Sohn, auf das Gymnasium nach Kassel, damit er, wie jeder andere junge Mensch in Deutschland in Berührung mit Schülern aus allen Ständen sein Abiturienteneramen alsdann mache. Mitschüler des späteren Wilhelm II. schildern ihn als einen liebenswürdigen, bescheidenen, freilich feineswegs begabteren Jüngling. *) Theodor Wolff, Das Vorspiel, Band I, Berlag für Kulturpolitit, München 1924. Siegesflügel. Bon Frik von Unruh. In den nächsten Tagen bringt die Frankfurter SocietätsDruderei G. m. b. S.. Abteilung Buchverlag", Frankfurt a. M., ein neues Brofamerk von Frig von Unruh Flügel der Nike. Buch einer Reise" heraus. Wir sind in der Lage, schon heute einen Abschnitt abzudrucken. Jaques Freunde, Herr Rameau und seine Schwester Helene, sowie ein Herr Gérard erwarten uns in der Rohnung. Vor ihnen liegt ei: Buch: die Aquarelle William Blakes. Auf einem Blatt, " To the Queen", mit geringsten Mitteln, wie ein Hauch folorieri 1nd mit Silber gezeichnet, schwebt eine zarte Frauengestalt als Seele aus dem Leib einer Toten empor, von unendlich inniger Sehnsucht gebogen, pochend wie ein Seufzer an die kaum angedeutete gotische Tür, über der ein kleiner Rosenzweig entblättert. In je einer Hand hält die Vision einen großen Schlüssel... Schön," zerbeißt Herr Rameau, der mir über die Schulter sieht, einen Zwiebad, wirklich schön! Vor hundert Jahren ist dieses Bild des Seelenfriedens gezeichnet worden und heute immer noch rüsten die Ludendorffs." Jaques stellt die Teekanne fort. Wir schweigen. Von der Kletterei im Eiffelturm bin ich müde. Das Schweigen wird peinlich. Fräulein Rameau rückt im Sessel, dann räusper sie sich. Jaques bietet Zigaretten an. Ich sehe trampshaft auf die Aquarelle. Plötzlich erhebt sich Monsieur Gérard unvermittelt. Auf einem Gesicht bemerke ich hektische Flecken. Die Hände ballt er in den Taschen zu Fäusten. Jetzt geht er an das Fenster, wendet sich und ruft mit jäher Kopfbewegung in das durch Rouleaux verdunkelte Zimmer: „ Warum die Ludendorffs noch leben? Weil die Künstler immer mur das Romantische gestaltet haben, das Bisionäre, das Transzen dente, statt Herr zu werden über die Wirklichkeit!" Mit einer verächtlichen Handbewegung deutet er auf das Blakesche Aquarell: Jene zarte, ästhetisch davonschmebende Frauenfigur will nichts anderes befagen als die Flucht der Kunst aus dem Leben der Wirklichkeit. Hinein mit den goldenen Schlüsseln der Poesie in die gotischen Türen des Traums, über dem die blassen Zweige der bitter lacht er auf, ha! ich war- zu mystischen Weide wehen" Lange Poilu im Krieg! Einen Ekel habe ich vor der ganzen Zeit! Als wir heimfamen wie hatten wir uns alles anders gedacht: eine neue Weltordnung meinten wir! Ha! unser Erlebnis würde gestaltet werden, dachten wir! Ha! was ist geschehen?" er wirft feine Zigarette auf das Tablett, glauben Sie, ich form noch eine Zeitung lesen? Lüge, nichts als Lüge! Und ich, der ich im Schlamm der Todesgräben mit meinen Kameraden die Kraft der Empörung ich, was bin ich? Was wurde ich? Was in mir gefühlt habe tue ich? Ich komme hierher zum Tee im gebügelten Anzug, fehe mir mit Ihnen die Heiligen Bisionen' William Blates an- was Solche bürgerliche Grundlage der Erziehung erschien dem Fürsten Bismard als ungeeignet für einen späteren König von Preußen und Kaiser von Deutschland. Auf sein Betreiben und gegen den Willen der Eltern dekre tierte Wilhelm I., daß sein Enkel auf der Bonner Universität einem feudalen Korps beizutreten hätte, und hier fand eine völlige Umformung des jungen Hohenzollern statt. Aus dem bescheidenen Schüler wurde der schneidige Korpsstudent mit | Martin Schiele, der neue Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartel. HR ル A Weil sie so frampshaft schielen Nach den Ministerstühlen, Die Herrn vom Mampe- Stamm, Drum wählten sie den Schiele Jm richtigen Gefühle: Der Name ist Programm! 0.2. feudalen Anschauungen und mit feudalen Vorurteilen. Er wurde für die Rolle des Gottesgnadentums geschult, gedrillt, dressiert und doch nicht so vollkommen, daß nicht auch in seinem späteren Leben hin und wieder moderne Anschauungen, das Erbteil seiner Eltern, bei ihm durchschlugen; und die innere Tragit seines Lebens bestand, wie mir scheint, darin, daß er, dem moderne Gedanken durch seine erste Erziehung nicht fern, lagen, in absolutistische Anwandlungen, in Selbstüberschägung, in Größenwahn, systematisch hineingehegt worden ist, um damit aus ihm ein brauchbares Instrument Bismarckscher fill das Ganze? Hat der Blafe verhüten fönnen, daß man mir ein Gewehr in die hand gedrückt hat und befohlen: schieße auf Deinen Nächsten-?" Jaques fährt aufgeregt aus dem Sessel und blitt mich an: Ja, das ist es!"„ Einen Efel habe ich," schreit jetzt Gérard, im Zimmer auf und ab rennend, ohne sich durch die begütigenden Bersuche Helène Rameaus beruhigen zu lassen,-„ einen Efel vor aller Feigheit der Künstler! Abschrecken sollten wir die Zeit durch das Grausen, das wir erlebt haben! D, nur durch den Schreden fönnen wir den Frieden erringen! Durch Schreden, sage ich Ihnen! Die gefpaftenen Hirnschalen müssen sie sehen, die Spießer! Mergens und abends die zerfleischten Gesichter der armen Boilus zwischen ihr Weißbrot und den Kaffee hingestellt!"„ Wir!" wird Herr Rameau ebenso erregt, warum haben wir keine Kraft? Warum sind wir müde? Warum hat nur das Böse Macht? Antmorten Sie doch!" Alle starren mich an. Aufgewühlt, in mich verschlossen, size ich vor diesen Franzosen nur durch den Teetisch getrennt. Daß sie der Stimme meiner Nächte Worte leihen, ahnen fie nicht. Ich halte die Augen vor Erregung geschlossen.„ Ecoutez," stettert Gérard zitternd, als er bemerkt, daß ich nicht antworten will, ich weiß, man hat mit dem Kinematographenapparat die Schlachten, die Massengräber und unsere Verstümmelungen, den ganzen Jammer hat man abgefurbelt! Wo sind diese Filme? Warum sehe ich sie nirgends? Warum überschwemmten uns immer nur die Sensationsprodukte der Hetz- und Berdummungsmaschine, die immer neu die blöde Masse meiterpeitscht zum Mord? Hätte ich etwas zu fogen, ich wollte dem verfluchten Vergessen im Kino an allen Eden das Gedächtnis auffrischen! Sie und ich. wir wissen es wohl, wir fühlen es! Aber wenn wieder ein Krieg kommt. sollen wir uns dann wieder mit dem geledenen Gewehr, gegenüberstehen? Wer schützt uns davor? Was hilft es uns, daß wir jetzt um den Teefeffet fizen? Recht gut, recht schön. Die Pazifisten? Ha! Aus Zürich und dem Café Zentral ist Europa fein Friede gekommen. Sagen Sie mir, was fönnen wir tun? Ist der Krieg nicht zu verhindern? Warum haben in unserer Welt immer nur die Ludendorffs Gewalt?" Ich sehe ihn ruhig an:„ Sie fragen mich, warum in unserer Welt nur die Ludendorffs Gewalt haben? der Krieg sind!" Denn hätten sie in ihrer Brust auch nur einen friedlichen Zug, ihre Macht wäre vorbei! Ein Schlächter, den das flchende Auge des Kälbchens rührt, kann es nicht schlachten. Er wird im Umkreis von Dorf und Stadt erst dann der gewa'tigste Metzger fein, wenn er von Morgen zu Abend denn ganzen techmischen Apparat des Schlachtens so beherrscht, daß er jeden Winkel feiner Eriſtenz ausfüllt. Daß er nicht anders kann, als, sieht er irgendwo ein Rind, sofort und ohne zu überlegen umgehend denkt: wie würde ich es am vollendetsten schlachten? Und sänge die füßeste Nachtigall, er darf sie nicht hören! hört er fie ist er verloren. Ludendorff wurde in ber gleichen Radettenanstalt ergogen wie Weil sie Sonntag, 28. Dezember 1924 Politif zu machen. Die Absicht gelang so gut, daß Wilhelm II. das bei ihm hochgezüchtete Selbstgefühl dazu benutzte, sein eigener Kanzler zu werden, daß er den Fürsten Bismard in den Sachsenwald jagte; Bismarcks Sohn Herbert aber, an den Rockschößen jeines Vaters hängend. stolperte hinterher und ging in die selbstgewählte Verbannung, der Sohn seines Vaters; sein Abklatsch nur an Rücksichtslosigkeit, und schnell ein völlig ausgewischter Mann nach einem schüchternen Angriffsversuch gegen Caprivi im Reichstag. Wilhelm II. war fühn im Affeft; ein Ergebnis der Bonner Zeit und was auf sie alsbald folgte; aber er blieb unsicher, timide, wie er zur Kasseler Zeit gewesen, in seiner tiefsten Natur; hochfahrend, aggressiv in Worten unter dem Einfluß von Schmeichlern, die ihn als Genie behandelten; ängstlich, schnell verzagt, abbiegend, wenn die Tat dem Worte folgen sollte. Daß für den Monarchen eines großen Reiches Worte die Bedeutung und das Gewicht von Taten haben, hat er niemals flar erkannt. Hier steckten die tiefsten Reime des Zickzackkurses; und sie wurden gestärkt, entwickelt durch die Art Wilhelms II., leidenschaftlich einen Plan in Angriff zu nehmen, um ihn dann bei auftretenden Schwierigkeiten fallen zu lassen. Diese Schäden des Naturells und des Charakters hätten sich herabmindern lassen, wenn in Deutschland ein politisches Gegengewicht vorhanden gewesen wäre. Aber Bismard hatte den Einfluß des Parlaments nie aufkommen lassen, und er hat so das Berderben in seine große Schöpfung selbst hineingetragen; das deutsche Bürgertum aber in seinem übei wiegenden Teile begnügte sich, das Geschenk der Reichsgründung zu genießen, zu fruftifizieren, ohne an die mühevolle und gefährliche Arbeit der Befestigung die Hand ernstlich anzulegen. Die Sozialdemokratie und jede ernste Opposition endlich war stigmatisiert als die„ Reichsfeinde", als die„ vaterlandslosen Gesellen". Bismard hat das Reich geschaffen und die wenig verhüllte Autokratie; und seine Schöpfung, die Autokratie, hat dann seine andere Schöpfung, das Reich, in den Abgrund ge= stürzt. Dieses tragische Verhängnis hat der entlassene Bismard zu spät hellsehend geworden, geahnt... Theodor Wolff schildert Wilhelm II., wie ich glaube, durchaus zutreffend, mit plastischer Kraft und in farbiger Leibhaftigkeit. Ob auch Bülow, die zweite Schicksalsgestalt des modernen Deutschland? Der erste verhängnisvolle Schritt zum internationalen Niedergang Deutschlands geht nach meiner Ansicht in die Zeit des Fürsten Bismard zurüd. Auf eine Anregung von Herbert Bismard defretierte der Fürst, daß russische Staats= papiere nicht ferner von den Staatsinstituten bei uns beliehen werden fonnten. Das geldbedürftige Rußland wurde damit auf den französischen Markt gedrängt, und über dieselbe Brücke, über die von Paris die Millionen und Milliarden nach Petersburg wanderten, wanderten alsdann auch eine weitere Folge die politischen Allianzverträge. Keine Verträge fein Geld; und, da für Rußland das Geld unentbehrlich war, bezahlte das zarische Rußland pränumerando mit einem Allianzvertrage. Diese bedenkliche Lage hatte Capripi durch Anlehnungan England zu verbessern gesucht. Diese bedenkliche Lage lische Allianzanerbieten ablehnte verschlechterte Bülow weiter und weiter, indem er eng= werden auf Granit beißen" erneut ablehnte und wieder sie, die Engländer, ablehnte; er steigerte seinen Gegensatz zu England durch die Marokkopolitik, und der Kaiser und Tirpitz drängten durch ihre Flottenpolitit, die Bülow nicht verhindert weiter England zu unseren internationalen Gegnern hinüber hat. Als dann 1914 Bethmann Hollweg den deutschen Einmarsch in Belgien zuließ, glaubten die Engländer gezwungen zu sein, der feindlichen Koalition endgültig beizutreten, um sich zu sichern gegen eine unruhige, unberechenbare, ich. Auf Etube 78 glaube ich! In Plön, wo ich elf Jahre meines Lebens im Zucht- Haus verbrachte. Daher tenne ich die Quellen feiner Macht. Wir wurden erzogen zum Krieg. Als ich angesichts der sinkenden Sonne einmal als neunjähriger Knabe begeistert zu meinen Mitschülern rief: Wie wunderschön! Da erhielt ich von meinem Militärgouverneur Arrest. Der Tenor der Strafe lautete: munderschön, solche Mädchenpensionatsausdrücke verbitte er sich bet einem angehenden Soldaten." Jaques schlägt auf den Tisch:„ das ist ungeheuerlich!"" Sparta", halte ich seine Faust fest ,,, war das Vorbild, Blutsuppen die Nahrung Der Mann ohne Herz wurde dos Ziel unserer Sehnsucht. Jedes Gefühl abtöten können-mer darin Meister war, dem versprach die Erziehung den Lorbeer des Feldherrn. Prügel und einfache Kost härteten die sich bäumende Seele von Jahr zu Jahr ab, wie die Klosterzelle den Jesuiten, nur ohne den Vorteil katholischer Bildung. Schlicht, fachlich, dumm, preußisch, so muchsen mir auf. Ein preußischer Prinz ließ sich nach der Hochzeit, faum angekommen auf seinem Luftschlößchen, telegraphisch die Uniformtafeln der preußischen Grenadiere, als Tert für die Flitterwochen nachsenden. Wurde dann der erste Sohn geboren, so hieß es stolz: des Königs jüngster Rekrut! des Königs jüngster Refrut! Eine Einrichtung, behaglich, wohnlich wie hier war nicht geduldet. Mein Vater noch lehrte mich: ein preußischer Offizier soll nicht mehr besitzen, als er auf einer Sc; iebfarre fortfahren kann. Leuchtenden Blicks erzählte er gern, wie Kaiser Friedrich in seine Kasernenwohnung fam und ihm die Hand gab: einfacher kann es ein preußischer Offizier nicht haben." Damals war mein Vater Hauptmann nach drei fieareichen Feldzügen. Er besaß ein Cello, ein Eisenbett, eine Bücherkiste, in der Shakespeares und Homers Werte waren, ein Thermometer und auf der Kiste ein blechernes Waschbecken. Herr Gérard sieht auf seine Stiefel. Und was war der Sinn dieses Martyriums?" fahre ich fort, die Menschenliebe, der Frieden? Ganz im Gegenteil: der Krieg! Jeder Augenblick bekennt ein: Si vis pacem, para bellum. Das war auf unseren Säbeln die Devise: Rüste den Krieg! Nun frage ich Sie: Gibt es auf der ganzen Welt einen Menschen, der sich von Kindesbeinen an auf etwas rüstet und dann nicht selig ist. menn endlich die Erfüllungsstunde schlägt? Ein Künstler, der zwanzig Jahre in den Konservatorien und mühsamen Einzelstunden studiert, bebt er nicht dem Rampenlichy entgegen, das endlich sein gedriftes und gemeistertes Talent dor das Auge der Oeffentlichkeit bringt, vor dem er sich dann ausleben darf in allen feinen Dämonien, unter der Maske der Kunst? Und wir follten einen Ludendorff unbegreiflich finden, weil er dem Krieg entgegenkedt, in der er unter der Mask des Beterlands feiren Chriz, feine schranfcnto en Dämonien ausleben darf?"„ Ich will wissen." fährt mich Gerard an, warum er Gewalt hat?"„ Weil," fcge ich nur noch bestimmter, wir alle in uns das Gute nicht bedrohlich ausgreifende deutsche Politik. England zog dann die Vereinigten Staaten hinter sich her, da Herr v. T i r p i tz, der heutige Ehrenvorsitzende der Deutschnationalen Volks- partei, der durch feine Flottenbautcn die Engländer auf das äußerste gereizt hatte, zwar den Bau einer ausreichenden Zahl Unterseeboote unterließ und verhinderte, aber mit den wenigen Unterseebooten zunächst doch so stark die Amerikaner beunruhigte, daß die Regierung in Washington einen ge- nügenden Vorwand für eine Kriegserklärung an Deutschland hatte: in Summa ein Mann, heute wohl geeignet, als Kanzler- kandidat der Deutschnationalen Volkspartei zu fungieren, und wenn es darauf ankommt, das Vertrauen zum republi- konischen Deutschland in der Welt nach Möglichkeit zu z e r- st ö r e n. Das Buch von Theodor Wolfs, das die Vergangenheit be- handelt, bringt erklärlicherweise der Politik des Tages eine Fülle von Anregungen. Und dazu ist es in einem Stil ge- schrieben, voll lebendiger Anschaulichkeit: ein historisches Werk, das gerechte Sachlichkeit zrir Richtschnur erhielt, mit den Reizen eines spannenden literarischen Kunstwerkes: leider die tragische Erzählung der Vorbedingungen unseres Zusammenbruches. Die Teuerung. Ihre Ursachen und ihre Bekämpfung. Was bedeutet die Teuerung, die in der letzten Zeit i n der ganzen Weltwirtschaft und in einzelnen Län- dern in besonders hohem Grade aufgetreten ist? Jeder, der von seiner Hände Arbeit oder Kopfarbeit lebt, empfindet die Teuerung mit Recht als ein großes Uebel, das seine seit dem Kriege ansonst verschlechterte Lebenshaltung mit neuer Gefahr bedroht. Die Teuerung alsWelterfcheinung, und darüber hinaus die Teuerung in einzelnen Ländern, ist eine verwickelte Angelegenheit, deren Gründe sehr mannigfaltig sind, und die daher nur schwer aus der Welt geschafft werden kann. Von der Teuerung, die von der Valutaseite her kommt» und sich in der fortschreitenden Entwertung des Goldes aus- drückt, wollen wir hier nicht reden. Wir wissen wohl, daß die Kaufkraft des Goldes seit dem Kriege viel geringer geworden ist als früher. Für dieselbe Menge Goldes kann man feit dem Kriege weniger kaufen als in der Vorkriegszeit. Auch sind die Folgen der Geldentwertung für die Preisgestaltung bekannt. Bei der Betrachtung der neuen, jüngst hereingebrochenen Teuerungswelle können wir jedoch die Valutasragen füglich ausschalten. Sic kommen heute nur für die Länder in Betracht, welche ihre Stabilisierungskrise— die Befestigung des Geld- wertes— noch nicht ganz überwunden haben, und wo daher • die Anpassung der Preise an die Weltmarktpreise noch nicht ganz erfolgte. In diesen Ländern, wie in Oesterreich, Belgien usw., steigen die Preise auch aus diesem Grunde. Es gibt aber auch Stabilisierungen, wie in Deutschland, Polen und Ungarn, wo gleich beim Anfang der Stabilisierung die Weltmarktpreise erreicht oder überboten wurden. Uns beschäftigt hier nur die Teuerung der Weltmarktpreise selbst oder die über die Weltmarktpreise hinausgehende Steigerung der Waren- preise. Wenn in einem gegebenen Zeitpunkt weniger erzeugt und dadurch das Angebot der Waren vermindert wird, so ist die Teuerung nur ein Ausdruck dafür, daß nicht mehr verbraucht werden kann als erzeugt wird. Diese einfache Wahrheit kommt in der kapitalistischen Wirtschaft durch Teuerung zum Ausdruck, die nicht nur die schlechtere Versorgung der Be- völkerung bedeutet, sondern noch andere Folgen hat. Die Ver- Minderung der Produktion kann natürliche und k ü n st- liche Ursachen haben. Der schlechte Ernteausfall ist eine natürliche Ursache. Die dadurch hervorgerufene Teuerung bewirkt aber nicht nur die schlechtere Versorgung der Bevölkerung mit Brot, sondern, infolge der verminderten Kaufkraft der Brotkäufer, die einen größeren Teil ihres Ein- kommens für das teure Brot verwenden müssen, hat sie auch den Rückgang auf anderen Produktionsgebieten zur Folge. Noch schlimmer ist aber die k ü n st l i ch c Einschränkung der Produktion, die in der kapitalistischen Wirtschaft zur Erhöhung der Profite vorgenommen wird. Man schränkt die Produktion absichtlich ein, um das Angebot am Waren- niarkt zu vermindern. Zu diesem Zweck ist aber die Ausschal- tung des freien Wettbewerbes notwendig. Je mehr das Monopolkapital in Form von Trusten und Kartellen vor- dringt, um so leichter können Produktionseinschränkunaen zur Steigerung der Profite vorgenommen werden. Freilich könn- ten die Truste und Kartelle durch eine Erweiterung der Pro- duktion und die dadurch bewirkte Senkung der Herstellungs- kosten unter Umständen noch mehr gewinnen als durch die künstliche Einschränkung der Produktion. Für das M o n o p o l k a p i t a l ist es aber viel bequemer und sicherer, den anderen Weg zu gehen. Um den Absatz für eine erweiterte Produktion zu sichern, müssen politische und soziale Vorbedingungen geschaffen werden, wozu sich aber das Monopolkapital nicht aufschwingen kann. Zur Sicherung und Steigerung seiner Macht in der Politik und in der Wirtschaft ist es ihm angenehmer, ein großes Heer zu unterhalten, poli- tische Unsicherheit aufrechtzuerhalten(Imperialismus!) und niedrige Löhne zu zahlen: Umstände, die einer Erweiterung des Absatzes im Wege stehen. Während der großen Weltwirt- schaftskrife konnte man feststellen, daß bei der gleichzeitigen Verarmung der Bevölkerung und dem Zusammenschrumpfen des Nationaleinkommens der Anteil des Monopol- k a p i t a l s an dem Gesamteinkommen des Landes sich so- wohl absolut wie relativ erhöht hat. Was bedeutet denn die Teuerung? An sich nichts— sie empfängt nur durch Gegenüber st cllung mit dem Einkommen ihre Bedeutung. Wenn die Preise für die landwirtschaftlichen Produkte in einem größeren Maße stei- gen als die Preise der Produktionsmittel für die Landwirt- schaft und für die Industrieartikel, so steigt das Einkommen der Landwirte. Sie können trotz der Erhöhung der allgemeinen Preislage mehr als bisher kaufen. Für diejenigen Schichten aber, welche ihr Einkommen der Teuerung entsprechend nicht zu steigern vermögen, bedeutet die Teuerung die Ein- schränkung ihres Verbrauches. Es kann die Ein- schränkung des Verbrauches für das ganze Land erfolgen, in- sofern sich die Weltmarktpreise für die Artikel, die in dieses Land eingeführt werden müssen, wie Getreide, Baumwolle, Kolonialprodukte, steigen?. In diesen Fällen muß das ganze Land einen Tribut an die Länder, in denen diese Produkte erzeugt werden, entrichten. Innerhalb des Landes erfolgen ober außerdem noch große Verschiebungen in der Einkommen- Verteilung. Angesichts der Teuerung sinkt das Realeinkommen einzelner Bevölkerungsschichten, wobei das gesamte National- cinkommen sich erhöhen, gleichbleiben oder sinken kann. In letzterem Falle wird das Einkommen dieser Schichten in einem größeren Maße sinken wie das Nationaleinkommen. In diesem Falle muß die eine Schicht gewinnen, was die andere verliert. Bon dem Nutz- nießer der Teuerung, vom Monopolkapital haben wir bereits gesprochen: in der letzten Zeit sind auch die Landwirte hinzu- gekommen. Dazu kommt, daß das Leihkapital(Banken usw.), das in den Ländern, wo Geldknappheit herrscht, sich hohe Zinsen für die Darlehen bezahlen läßt. Des weiteren trägt die Ueberhandnahme des Zwischenhandels zur fortschreitenden Verteuerung bei. Die Spanne zwischen den Erzeuger- und Kleinhandelspreisen wird immer größer, was auf eine Ueber- handnahme der unproduktiven Arbeit hinweist. Bei zu hohen Frachtkosten werden die Waren nicht nur unmittelbar ver- teuert, sondern vielmehr dadurch, daß der Wettbewerb, der zur Senkung der Warenpreise führen kann, auch auf diese Weise erschwert wird. Die Leidtragenden bei der Teuerung sind aber immer die Fe st besoldeten und die L o h n e m p f ä n- g e r. Bei dem Mechanismus der kapitalistischen Wirtschaft kommt nämlich die Anpassung der Gehälter und der Löhne an die Teuerung zu spät und ist u n z u- reichend: sie stößt auf mannigfache Widerstände. Deshalb bildet kür diese Schicht der Bevölkerung die Teuerung die größte Sorge. Wie soll man ihr begegnen? Der Käuferstreik kommt schwerlich in Frage. Die Unternehmer, die Rohstoffe und Halbfabrikate kaufen, pflegen in der Zeit der Teuerung noch mehr zu kaufen als sonst, aus Angst vor einer weiteren Preissteigerung. Die Verbraucher sind aber nicht organisiert, und soweit es sich um unentbehrliche Bedarfsartikel handelt, können sie sich des Kaufes nicht enthalten. Es bleibt kein anderer Weg, als Kämpfe für die Erhöhung der Gehälter und Löhne zu führen, eine aufreibende Arbeit, die nie zum vollen Sieg führen kann. Ihr Erfolg ist im wesentlichen vom Grad der Organisierung der Arbeitnehmer ab- hängig. �, D e r S t a a t könnte zur Bekämpfung der Teuerung auf zweierlei Art beitragen: unmittelbar durch seine Steuer-, Zoll-und Kreditpolitik, mittelbar aber durch Kon- trolle der Preisgestaltung. Was den ersten Punkt anbelangt, so war die Tätigkeit der Staatsmacht in den letzten Iahren keineswegs geeignet, die Teuerung einzuschränken. Wenn man die'Steuerwirtschaft der curopäisthen Staaten überblickt, ist man geradezu erstaunt über die Rückständigkeit und den unsozialen Charakter derselben. Mit Ausnahme von England sind die Steuersysteme sämtlicher Länder auf die sozial ungerechtesten Steuern aufgebaut, die der Teuenrng und dadurch der Verminderung der Kaufkraft der wirtschaftlich schwächsten Schichten Vorschub leisten. Deutschland hat dies- bezüglich eine führende Rolle. Dasselbe gill für die Zollpolitik mit ihren� bösen Wirkungen auf die Teuerung. Dies wird sowohl durch die Verteilung der Machtverhältnisie wie auch durch Bequemlichkeit herbeigeführt. Zölle, Verbrauchs- und Umsatzsteuern sind die bequemsten Mittel zur Geldbeschaffung für den Staat. Die militärischen Ausgaben nehmen in fast allen europäischen Ländern noch riesige Summen in Anspruch. Für Deutschland kommen noch die Reparationslasten ver- schärfend hinzu. Für Mitteleuropa außerdem noch die er- drückenden Kreditzinsen. Noch schlimmer steht es um die P r e i s k o n t r o l l e. Nach dem Kriege herrschte Einstimmigkeit über die Forderung des Abbaues der während des Krieges entstandenen Zwangs- Wirtschaft. Nicht ohne Grund. Die Kriegswirtschaft hatte ihre großen Mängel und konnte für den Frieden nicht einfach über- nommen werden. Sie ermöglichte große Kriegsgewinne: auch ist es wahr, daß die Festsetzung von Höchstpreisen, wenn sie nicht mit der Verteilung der Waren verbunden ist, zum Verschwinden derselben vom Markt und zum Schleichhandel führt. Aus diesem Grunde kann man von den neuerlich erlassenen Wuchergesetzen in einzelnen Ländern, die Höchstpreise für ge- wisse Bedarfsartikel bestimmen, nicht sehr viel erwarten. Trotzdem darf man nicht vergessen, daß die Kriegswirtschaft in mancher Hinsicht viel geleistet hat und die Versorgung der Bevölkerung zu erträglichen Preisen durchsetzte. Nicht die Kriegswirtschaft als solche, sondern nur ihre Auswüchse hätten beseitigt bzw. ihre Lücken ausgefüllt werden müssen. Heute sind die Kartelle, die während des Krieges durch den Staat gegründet und gefördert, aber auch weitgehend kon- trolliert wurden, wieder da, mit dem Unterschied aber, daß hinter ihnen keine wirksame Kontrolle steht. Sie sind in ihrer Preispolitik vollkommen frei und unbehindert. Der Kampf gegen die Teuerung muß demnach an ver- schiedenen Fronten geführt werden. Zu seinem Erfolg ist sowohl die Stärkung der außerpolitischen sozialen Be- w e g u n g wie eine größere Einflußnahme auf die S t a a t s« g e w a l t notwendig. Wirtschaft DeröesthästigungsgradloüeröeutsthenTextilinöustr'e In der Textilindustrie, die in den letzten 10 bis 12 Monaten von der allgemeinen wirtschaftlichen Krise besonders schwer betroffen war, Hot sich der Beschäftigungsgrad nach der Klärung der außenpolitischen Loge durch die Annahme des Londoner Pakte» wesentlich gebessert. Die monatlichen Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzählungcn des Deutschen Tcxtilarbeiterverbandes. die fchon immer als wichtiger Eradtnesser der Arbcitsmarktlage in der Wege weiter vorzugehen. Das eine betraf den Charakter des Spitz- bogens in der Architektur als wohl mannigmal gebranichssähig: aber der Schönheit ermangelnd, und das endere die Gefährlichkeit der Landschaftsmalerei in der schönen Kunst." Ein anderer Kunstfreund, der Dichter und Begründer der modernen Kunstwissenschaft Franz K u g l e r, machte im Frühling 1827 dem Alten in Weimar seine, Aufwartung, cingeführr durch ein Schreiben des Freundes Zelter. Seinen Eindruck von Goethes Persönlichkeit schildert er folgender- maßen:.Der Meister erscheint: Deorient als Lear: der König von Tule. Ein« hohe, est? Gestalt, nicht gebückt, im braunen Ueberrock, den Kragen ein wenig phantastisch geschnitten und inederhängend. Das Gesicht ist edel, nicht so verfallen als du glaubtest, die Farbe dunkel, brannrot, die Nase groß, aber nicht lang, über der gewaltigen jovischen Stirn heben sich weiße Haare, um den Mund spielt ein eigenes Lächeln. Sehr wohl getroffen ist die Büste von Rauch, die ich kurz hernach im Gipsabguß auf der Bibliothek sah: der Stein- druck mit seinem Faksimile ist ähnlich, aber er stellt nur den alten Mann, nicht den Dichterlönig dar. Ueber die jüngeren Darstellungen kann ich nicht weiter urteilen. Er lädt dich ein, neben ihm aus dem Sofa Platz zu nehmen, spricht mft dir über dies und das. wie du sonst schon bei Visiten auf der Reise gewohnt bist: nur bricht er überall schnell ab mit einem fast ängstlichen:„So, so na schön, und von hier gehen Sie usw." Daß dein Besuch kurz, die Unterredung von gleich- gültigen Gegenständen, ockrd dich nicht weiter befremden: du um st aber die gewaltig« königlU« Erscheinung nicht so leicht aus Sinn und Gedanken zu bannen oe�nögen." Heinrich Döring, der lpäeer vislgelesen« Lebensbilder unserer Klassiker und auch eine Biographie Goethes oerfaßt hat, war im Dezember 1814 bei Goethe, als dieser sich in Jena aufhielt, und schreibt darüber:„Ich ließ mich melden und wurde sehr höflich, sa zuvorkommend aufgenommen, obgleich man mir seinen Stolz, ja leine Geringschätzung gegen Fremde mit den lebhaftesten Farben schilderte. Goethe ist ein Mann von mittlerer Größe, stark und kräftig gebaut, von blühender Farbe, schwarzen Augen, einer gebogenen Ras«: kurz, er hat ein echt griechisches Aussehen, w!« wir es auf alten Basen, Gemälden oder Büsten zu erblicken gewohnt sind. Er unter- hielt sich beinahe«ine Stunde mit nur von mannigfachen Wissenschaft- 'lichen Fächern und meinen Studien, wobei er Gelegenheit nahm, mir die Naturwissenschaften zu empfehlen, indem uns. wie er sagte, durch dies Studium allein die Schuppen vom Auge fielen." Der Maler Joseph Stieler, von dem' das bekannte Goethe-Bildnis stammt, schilderte die Sitzungen im Jahr« 1828 später in einem Brief an Eckermann:„Diese vier Wochen in Goethes Nähe und alles, was ich dort sah werden mir unvergeßlich bleiben. Sie bilden bei mir einen Lebensabschnitt: Du kannst Dir denken, mit welcher Begierde ich daher Dein« Gespräche mit dem Vortresflichen las. Ich erlanme ihn in jeder Zeile wieder, hörte dieselben Ausdrücke, dieselben Worte. welche ich von seinen Lippen vernahm." Der Mustker H i l l e r, der 1827 bei Goethe war, schreibt darüber an Eckermonn:„Ich denke nur immer mit wahrem Entzücken an meine Augenblicke bei Goethe, die. ich kann wohl sagen, auf mein ganzes Leben«inen entscheidenden Einfluß habon. Wie großartig und liebreich sah ich den Mann vor mir stehen, den ich schon liebte, ohne ihn gesehen zu haben!" schrankenlos ausleben, darum hat er Gewalt! Weil wir gut sein möchten, ich betone: möchten! Weil wir den Frieden wünschen, weil wir ihn erhoffen! Wären wir gut, wären wir der Friede, dann hätten wir die gleiche Magie und Gewalt! Ehe wir nicht der Friede sind— wie Ludendorff der Krieg—,«her wird der Friede nicht Herr über den Krieg. Soldaten des Friedens müssen wir sein, nicht Träumer des Friedens! Kämpfer, nicht Literaten und Pazi- sisten des Friedens! Als Ludendorff beide Söhne an der West- front abgeschossen wurden, war er mittags in Charieville Gast des Kaisers. Keine Träne rann über sein« Wangen. Sachlich machte er seine Meldungen. Es wäre ungerecht, zu behaupten, er Härte sie nicht geliebt, seine Söhne. Aber als Wilhelm II. fein Sektglas erhob und sagte:„Exzellenz, Ihre beiden Helden!" da stand der General auf. ohne mit einer Muskel zu zucken, und schütte!« das volle Glas Sekt in seinen Schlund wie in den Mund einer Marmorfigur.— Wollen Sie noch mehr Erklärungen? Wo ist der Pazifist, der auch nur ein« seiner Leidenschaften: Ehrgeiz. Eitelkeit oder Ausschweifung, so gebändigt hat, so aufgelöst hat im Frieden wie dieser Soldat im Krieg? Nennen Sie ihn mir! Herr Gerard, Sie haben gewettert, geflucht und gefragt: was tue ich? Ich bin müde, ich bin matt! Ludendorff flucht nicht, er wettert nicht, er ist nicht matt und nicht müde— Ludendorff ist! Die Stunden seiner Nacht und des Tages sind beladen, sind erfüllt mit der Arbeit für den Krieg. Sind Ihre Stunden der Nacht und des Tages erfüllt und geladen mit der Zlrbeit für den Frieden?" Jogues' und Fräulein Rameaus Augen stmren mich aufgerissen an.„Glauben Sie wirklich" wende ich mich jetzt noch näher, noch dringlicher an Gerard.„daß durch Borführuna grausiger Felm« ein Feldherr erschüttert würde? Was bedeutet ihm den Tod? Ihm, der selber mit dem Säbel in der Faust Lüttich erstürmte? Was besagt ihm eine gespaltene Hin.scha'e? Ober das von Aestheten geschildert- l lutig« Gedärm zerfetzter Soldaten? Lrc> pstns, betet sein Mund, und alles Tote fliegt in dies« Aureole auf! Daß eine Verwesung nicht appetitlich aussieht, Herr Gärard, würde er hinzufügen, das wußte ich schon vor dem Kriege. Wollen Sie, würde er weiter sagen, alle Toten, dft Millionen Toten, die täglich sterben, auch>m Film festhalten?— Ihr Propagondamittel gegen den Tod würde er durch den Tod seit Adam lächelnd entknästen. Erst rotten Sie bitte, würbe Ludendorf' zu Ende'sprechen, die Tuberkulose aus! die«euch« und Syphilis— che Sie meine Massengräber beanstanden. Ha' er nicht recht? Ich frage:. wer hol bis auf den heutigen Tag für die Heiligung des Leibes fa leidenschaftlich sein Leben eingesetzt wie die < Luden dorffs für seine Schändung auf den Feldern des Todes?" Fräulein Rameau steht langftim auf und geht an das Fensler. Gärard ist still geworden. Das Bi'd mit dem Turmbau von Babel in einen Schrank schließend, sagt Jaques schlicht:„ich glaub«, wir haben Sie oerstanden." pferöchen, lauf! Von Iwan Heilbut. Auf dem weiten Weg durch die einsamen Felder, wo niemand ihm begegnet, geht der Bouer neben dem mageren Schimmelchen, er streichelt ihm über den Rücken und sagt:„Ja, wir beide..." Und er faßt die Deichsel und sie ziehen den Wagen vorwärts, die beiden, Der Regen rieselt. Aber als sie dem Dorfe näher kamen, da hielt der Bauer das Pferd am Zaum, er reckle sich auf den Zehen und flüsterte ihm in's Ohr:„Pferdchen, lauf, damit die Leut' nichi ihre Freude haben!" Da lief das Schimmelchen durch's ganz« Dorf und lief so stolz und grab, als ob's ein rechter Schimmel wäre. Die Leute guckten aus den Türen und guckten weg. Der Bauer saß wie«in König auk seinem Wagen und schnalzte und knallte die Peitsch« in der Lust. Und als das Pferdchen in feinem Stall stand, da fiel es seufzend in die Knie, als wellte es beien. Dann neigte«s sich aus die Seite, und starb. Der Bauer betet für stines Pferdchens Seele, Dann betet- er für sich selber. Und er lehnt den Kopf an die stille Weiche. öegegnungen mit Goethe. Unzählige haben den Olympier von Weimar aufgesucht, sind bald mehr, bald weniger freundlich«mpftwigen worden und haben Ein- rücke mit fortzenommen, die ims in ifjm Gesamtheit ein Bild von ioethes Persönlichkeit geben, das die intimen Selbstbekenntnisse iner Werke durch objektiv« Schau ergänzt. In einer vielbändigen Sammluna sind diese Begegnungen und Gespräche verzeichnet: aber z finden sich noch immer neue wichtige Zeugnisse, in denen Besucher i! jener schreibseligen Zeit ihre Erlebnisse niederlegten. In der Sammlung Klippcnberg, dieser bedeutendsten Goethe gewidmeten Privatsammlung, deren Schätze noch ständig anwachsen, sind«ine oanze Anzahl von Briefen der Zeitgenossen Goethes erhalten, in denen Besuche in dem Hause am Frouenplatz in Weimar geschildert sind. Aus diesen bisher unveröffentlichten Schreiben teilt Dr. F. A. Hünich in dem neuesten vierten Band des im Jnftl-Aerlag erscheinenden „Jahrbuches der Sammlung Klippcnberg" wertvolle Aufzeichnungen über solche Gcethe-Vesuch: mit. So berichtet Schinkel, der groß« Baumeister, in einem Brief vom 17, Mai 1825: Mein letzter, leider viel zu kurzer Aufenthalt in Weimar ist mir von unbeschreiblicher Wichtizkeck gewesen, ein paar höchst bedeutende Wort« des hochverehrten Geh, Rat von Goethe trafen so vollkommen mit der Lösung einiger Aufgaben, die ich mir oemacht hott« und deren Beart eitung ich die besten Stunden meiner Muße widme, zusammen, daß ich sehr ermutigt wurde, auf meinem Textilindustrie galten, ergaben seit August d. J. eine ständige Abnahme der Arbeitslosen und Kurzarbeiterziffern. Das Auf und Ab im Beschäftigungsgrad der Textilindustrie veranschaulicht deutlich nachstehend: Tabelle. Nach den Zählungen des Textilarbeiterverbandes waren vom Hundert der berichtenden Mitglieder im Monat Arbeits aloj 1922 -ang arbeiter Januar Februar 0,7 1,6 März. April. Mai Juni Juli August. -ne ſammen 1923 0787 1924 10,0 16,0 26,0 9,7 8,8 18,5 5,8 3,7 9.5 3,7 2,2 5,9 8,7 5,7 9,4 4,8 30,8 35,2 6,8 46 3 53,1 7,2 45,0 52,2 6,8 29,7 36,4 6,4 21,0 27,4 5,2 15,7 21,0 2,3 3,3 39,7 43,0 0,9 1,0 1,9 4,8 43,9 48,6 0,3 0,8 1,1 3,8 52,7 56,4 0,8 0,3 0,6 4,7 51,1 55,8 0,8 0,4 0,7 4,6 88,5 43,1 0,2 0,6 0,8 8,2 29,0 32,2 0,4 0,6 1,0 2,7 26,8 29,5 0,4 1,5 1,9 4,5 46,2 50,7 September. 0,7 5,6 6,3 7,2 59,7 66,8 Oktober 1,2 8,9 10,1 11,5 62,9 74,4 November. 1,4 19,1 20,6 13,8 59,2 73,0 Dezember. 2,9 28,1 26,0 12,3 37,5 46,9 Nachdem sich vom September 1922 his November 1923 der Be schäftigungsgrad fast von Monat zu Monat verschlechterte, setzte nach der Martstabilisierung ein industrieller Aufschwung ein, der jedoch nur wenige Monate( vom Dezember 1923 bis April 1924) anhielt. Dieser furze Aufschwung war die Folge einer vorübergehenden Erstarkung des Innenmarktes. Unter der Wirkung der darauf folgenden Stabilisierungskrise nahm die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit wieder ungeheure Dimensionen an. peg scheinen mehr als Gerüchte zu sein. Der Umstand, daß über den von den Russen beabsichtigten Umfang der Erwerbungen, wie auch über den Umfang der bereits getätigten Abschlüsse noch so gut wie feine Klarheit zu erzielen ist, bringt ein nicht zu unterschäßendes fpekulatives Moment in das Weltgeschäft, das gleichfalls bei der Knappheit ber diesmaligen Weltvorräte nur be festigend wirken kann. Bemerkenswert war auf seiten des An gebotes vor allem das weitere beträchtliche Sinken der Ziffern für die schwimmenden Mengen, das als notwendige Folge der hohen Angebote der Vorwochen eintreten mußte. Immerhin steigerte die amerikanische Hausse bei uns nicht nur die Preise für Brotgetreide, sondern ging auch an der Bewertung der Mehle nicht eindruckstos vorüber. Sie hat eine mäßige Besserung des vorher fast gänzlich ins Stoden geratenen Mehlgeschäftes be wirtt. Je mehr wir uns den Feiertagen und dem Jahreswechsel nähern, um so weniger zeigt sich neue Unternehmungsluft, und es ist diesem Umstande wohl hauptsächlich zuzuschreiben, daß die Preis. bewegung im wesentlichen hinter den auswärtigen Anregungen zurückbleibt. Immerhin ist für Lieferung der Preis pro Tonne um etwa 12 bis 13 Mart gestiegen, während er für promptes Material ab Station nur um etwa 7 bis 8 M. anzog, weil die Mühlen bei dem ungenügenden Abjazz nur zögernd fauften. Beim Roggenmehl hat sich an einzelnen Tagen die Beise rung träftiger zum Ausdrud gebracht, so daß die Mühlen im Lande stärkere Aufnahmefähigkeit für inländischen Roggen befundeten. Prompte märkische Bare ging daher um 13 bis 14 M. in die Höhe, vermochte diesen Stand aber bei stärkerem Her auskommen der Offerten in den letzten Tagen nicht voll zu behaupten, obwohl im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft auf die amerikanischen Anregungen hin der Schluß wieder recht fett lautete. Die Preise für Lieferung stellten sich durchschnittlich um Steigende Tendenz der Getreidepreise auf dem Weltmarkt und im Inland. Trotzdem der Schrei nach Schutzzöllen für Brotgetreide! Es ist daher zu begrüßen, daß, wie schon oben furz erwähnt, tretene Besserung im November gegenüber Oktober ist wohl hauptsächlich auf das infolge der stabilen Währungsverhältnisse ziemlich flotte Weihachtsgeschäft zurückzuführen. Der Geschäftsgang fönnte aber ein noch besserer sein, wenn nicht die gegenüber der Vorfriegszeit wesentlich gestiegenen Preise der Textilwaren es der breiten Masse der Verbrauchertreise unmöglich machten, ihren Bedarf zu decken. Der Bedarf selbst ist riesengroß, doch die Preise sind fast unerschwinglich. Eine Breisherabjegung wäre hier durchaus am Blaze und würde zur weiteren Belebung der Beschäftigungsgrad sich seit August gebessert hat. Die einge- 3irfa 12 m. höher als vor 8 Tagen." des Geschäftsganges zweifellos beitragen. Der Wege, die beschritten werden können, um dieses zu erreichen, gibt es viele. Eine Hauptoufgabe der Textilindustriellen wird es sein, die rückständigen Produktionsmethoden, die trotz der Hinweise der Tertil arbeiterorganisationen auch heute noch in einem sehr großen Teil der Textilbetriebe vorhanden sind, auszumerzen. Neue moderne Maschinen würden ein wesentlich Teil dazu beitragen, die Erzeugnisse zu verbilligen. = Wie sich der Beschäftigungsgrad in der Textilindustrie in 3u funft gestalten wird, dafür ist, da die deutsche Textilindustrie wohl mehr als jede andere deutsche Industrie auf den Export angewiesen ist, die deutsche Außenpolitit in nächster Zeit mit entscheidend. Fort schreiten auf dem bisherigen Wege der Verständigungspolitik und Antnüpfen neuer Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland tann für die Textilindustrie nur von Vorteil sein. Soll das deutsche Tertil gewerbe auf dem Weltmarkt wieder gleichberechtigt mit der fran. zösischen, englischen oder der Textilindustrie anderer Konkurrenzzösischen, englischen oder der Textilindustrie anderer Konkurrenz staaten auf den Plan treten, so ist der Abschluß von Handels. verträgen bringendes Gebot der Stunde. Es wird daher der ganzen Kraft der organisierten Arbeiterschaft und ihrer Bertreterin im Reichstag, der Sozialdemokratie, bedürfen, die Deutschnationalen mit ihren Hochschuzzollplänen und ihrer gesamten Ratastrophen. politif von der Regierung fernzuhalten. Der bisher eingeschlagene Kurs in der Außenpolitit, der, wic bereits erwähnt, wesentliche Ber. besserungen des Beschäftigungsgrades mit sich gebracht hat, muß eingehalten werden. Im Interesse der deutschen Textilarbeiterschaft, der in den letzten Jahren das Gespenst der Arbeitslosigkeit und Sturzarbeit dauernd im Naden saß, und im Interesse unseres gesamten Wirtschaftslebens ist es unbedingt erforderlich. Steigende Getreidepreise. Die Preisberichtstelle beim Deutschen Landwirtschaftsrat stellt über die Bewegung der Preise für Brotgetreide in der abgelaufenen Woche feſt: „ Das Weltgeschäft in Brotgetreide jetzte in den verflossenen acht Tagen die in der Borwoche eingetretene Entwicklung nahezu gradlinig fort. Die Zahl der Limfäße stieg weiterhin, und da von seiten des Angebotes feinerlei abschwächende Womente in den Markt famen, waren ständige Preiserhöhungen die Folge. So wirfte sich die Bekanntgabe der Vermehrung der amerikanischen Anbaufläche für Winterweizen um 809 000 Heftar so gut wie gar nicht auf die Preisbildung aus, da zur gleichen Zeit eine erhöhte Nachfrage sowohl von Großbritannien mie auch von europäischen Rontinent her einseite. Dieselbe Wahrnehmung fonnte man bei Roggen machen, wo nach dem offiziellen Dezember- Saatenstandsbericht sich die Anbaufläche für Winterroggen auf 1702 000 Hektar gegenüber 2 087 000 Hettar im Vorjahre belaufen soll, und wo der Saatenstand mit 87,3 beurteilt wird. Vor allem scheint sich neuerdings auch eine Nachfrage geltend zu machen, mit der bisher noch nicht gerechnet wurde: Die Nachrichten von erheblichen Auf täufen der Sowjetrußlands Regierung Weizen und Roggenmehl in Chitago und Winni Übler Mundgeruch a n wirit ab Stoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen das schönste Antlig. Beide übel werden sofort in vollkommen un schädlicher Weise befeitigt durch die bewährte Zahnpaste Chlorodont. Ein Agrarprogramm der Sozialdemokratie. Im Dezemberheft der sozialdemokratischen Zeitschrift„ Die Gesellschaft" stellt Hans Krüger in seinem Auffaz„ Sozialdemokratie und ländliche Bodenfrege" ein Agrarprogramm auf, dessen Grund züge find: 1. Beschleunigte Herstellung einer Statistit über die Grund eigentumsverhältnisse unter besonderer Berücksichtigung des Groß. grundbefizes. 2. Neubewertung der Grundstücke, um Unterlagen für die einzuführende Grund wertsteuer zu schaffen. Die jetzt vor handenen Wertschäzungen sind unbrauchbar. 3. Kampf gegen die Latifundien; Enteignung des Großgrundbesizes über 750 Heftar. Das enteignete Land soll in Dauerpacht gegeben werten Als Entschädigung soll den früheren Besitzern der Steuermert gezahlt werden. 4. Schutz und Ausbau des fleinen Eige n= tums: a) Pochtschutz gegen willfürliche Kündigung und Bachte preissteigerung. Die Bachtschutzordnung läuft Ende September 1925 ab und fell zu einer bauernden Einrichtung umgestaltet werden; b) verheiratete deutsche Landarbeiter sollen auf vier bis fechs Morgen Land Anspruch haben, menet sie eine bestimmte Zeit in der Landwirtschaft gearbeitet haben; c) Anlage von neuen fieinen und mittleren Bouernstellen auf moor. und Debland und auf schlechtbewirtschafteten Latifundien. 5. Auf dem Gebiet der 3 oil, Kredit und Steuerpofitit: feine Getreidezölle, Erfaß der gegenwärtigen Steuern durch eine einzige Grundsteuer, hinlängliche Kredite. 6. Gegenüber Landwirten, die ihren Grund und Boden mangelhaft bewirtschaften, soll die Befugnis der öffentlichen Stellen zur Entziehung der Bewirtschaftung oder zur Enteig nung bestehen. Unternehmerphilosophie. In den Betrachtungen der Unternehmerpresse am Jahresende findet man eine vollständige Musterkarte ber Argumente des Unter nehmertums gegen den Sozialismus. Daß dabei die Argumente einander widersprechen, darauf tommt es den Unternehmern nicht an. in Musterbeispiel: die Deutsche Bergwertszeitung" schreibt am 25. Dezember: „ Der Marrismus sieht nur die Schattenseiten der mensch Itchen Ungleichheit und übersieht das Gute und Notmen dige, was in ihr liegt. Nach chriftlicher Auffaffung liegt die Verschiederrheit des Menschen im Blane der Vorsehung, weil sie den stärksten Anreiz auf den Wetteifer ausübt und die menschliche Gesellschaft zu ihrem Fortbestehen und Gedeihen einer großen Mannigfaltigkeit der Leistungen ihrer Glieder erfordert. Der soziale Friede, wie ihn der Margis mus sich denkt, wäre ein Grabesfriede. Ohne Reibun gen und Kämpfe bat fich, wie die Naturgeschichte auf jedem Blatte beweist, tein Fortschritt durchgesezt. In diesem Sinne darf man Heraklits Wort unterschreiben, daß der Kampf der Bater aller Dinge sei. Ohne die Konturenz, die der Marrismus ausschalten möchte, würde die Menschheit mumifiziert." Also: das Christentum lehrt die Ungleichheit und den sozialen Sampf. Der Marrismus will den Klassentamps überwinden, darum nieder mit dem Margismus; denn Klassenfampf muß sein. Bersteht sich: Klassenkampf der Unternehmer gegen die Arbeiterschaft. Er ist eine gottgewollte Einrichtung. Der Klaffentampf der Arbeiter mit dem Ziel der Ueberwindung der Klaffenherrschaft aber ist gottlos und unchristlich. Zum Beweis dafür zitiert die Bergwertszeitung" die Ausführungen Som. barts auf der Tagung des Vereins für Sozialpolitik: Bei einer Stellungnahme gegen die Klassentampftheorien ist besonders zu beachten, daß ihnen mit rationalen Gründen nicht beizukommen ist. Längst ist die Idee des Klaffenkampfes Schlagwort geworden. Gegenüber diesem Schlagwort hat das Flämm lein der rationalen Erkenntnis feinen Einfluß Wir müssen diesem Aberglauben einen echten Glauben gegenübersetzen, den alten Glauben an Gott. Mur von diesem Standpunkt ist eine Befämpfung des legten Endes aus Gottlosig feit geborenen Riassentampfes möglich. Aus diesem Glauben an Gott folgt der Glaube an die Idee der Liebe. Menschenliebe ist im Grunde nichts anderes als Gottesltebe. Nie fann aus Arbeitsgemeinschaft oder Produktionsgemeinschaft Liebe tommen. Liebe ist nur als Ausdruck eines Berbundenseins in einem höheren Sein denkbar. Die Aussichten dieses Kampfes find nicht ganz hoffnungslos. In der deutschen Religiosität und bem nationalen Sinn liegt die Quelle der Gesundung." Es geschieht Sombart ganz recht, daß er so und zu solche m 3 we de zitiert wird, als Schwurzeuge für die Unternehmerphilo. sophie. Auf eine Formel gebrad; t, besagt diese christlich- fapitalistische Lehre: Klassenkampf gegen die Arbeiter ift gottgewollt und christlich, wer es aber wagt, sich dagegen zur Wehr zu sehen, ist gottlos und unchriftlich. So verstehen die eingefleischten und ftocreaktionären Unternehmer ihr Christentunt. Er ist von der Art, wie es die Bürgerblockfreunde in Deutschland im Munde führen, um ihre Machtgier und ihre reaktionären Strebungen zu verdecken. Die Wirkungen des Achtstundentages in Frankreich. Das ,, Bulletin", das Organ des französischen Arbeitsministeriu ns, peröffentlichte vor kurzem die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten über die Wirkungen des Achtstundentages, der durch das Gesetz com 23. April 1919 eingeführt wurde. Die Aufsichtsbeamten weren be auftragt, ihre Beobachtungen auf möglichst breiter Basis zu sammeln; sie haben die Produktionsverhältnisse in einer großen Anzahl von Unternehmungen untersucht. Ihre Feststellungen wurden vor ber Veröffentlichung von den Unternehmern felbft fcntrolliert und ergänzt. Aus diesem umfangreichen Material geht einwandfrei hervor, daß sich die Erzeugung feit Einführung des Achtstundentages auf der ganzen Linie gehoben hat. Es wurden Eisenund Stahlwerte, Elettrizitätsmerte, Automobilfabriken, Eisenbahnwerfstätten, Fahrradfabriken, Heerestetriebe, Werkzeugfabrifen usw. untersucht und es murde festgestellt, daß die Stundenleistung fich in jedem Betrieb erhöhte und diese Erhöhung in fast fämtlichen Fällen größer wor ols der Ausfall durch die verfürzte Arbeitszeit. In einigen Fällen waren die Erhöhungen der Stunden mie der Tagesleistungen sehr beträchtlich und erreichten 30 bis 50 Prozent. Nur bei einigen Maschinenarbe, wo eine wesentfiche Erhöhung der Stundenleistung nicht möglich ist, fonnte man eine Verminderung der Tagesleistung feststellen: Die Arbeiter haben, wie aus den Berichten hervorgeht, mit größerer Arbeitsfreude gearbeitet; in vielen Fällen wurde die Erhöhung der Arbeitsleistung ber Einführung der Affordarbeit zugeschrieben. Das wichtigste Ergebnis des Achtstundentages mar aber, daß die Unternehmer ge. zwungen wurden, technische Berbefferungen einzuführen. Es wurde die Maschinenausrüstung verbessert, die Produktion verein fact; in vielen Fällen wurde aber die erhöhte Produktion durch hygienische Verbesserungen, wie beffere Beleuchtung, heizung und Lüftung, erzielt. So hat der Achtstundentag den Arbeitern nicht nur freie Zeit, sondern auch verbesserte Arbeitsver. hältnisse verschafft. Die Goldbilanz der AEG. In der auf den 22. Januar 1925 nungsbilanz der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft für den 1. Dl. einberufenen ordentlichen Generalversammlung wird die Golderöfftober 1923 und der Jahresschluß per 30. September 1924 verab fchiedet werden. Es wird vorgeschlagen, das Aftienfapital im Ber. hältnis von 10: 1 auf 120 000 000 m. umzustellen. Auf 250 000 000 m. 6 Prez. Borzugsaktien entfallen 17 500 000 m.;. h. 70 D. pro Stüd auf 250 000 000 Borzugsofionen Lit. 2 nn Lit, b 18 750 000; jede Borgunsaffie Lit. b erhält je eine Borzugsaktie über 50 m. und über 20 M., ferner ein Zertifikat über 5 M. Das Brundfapital wird somit bestehen aus 120 000 000 m., 120 000 000 1250 000 m. Zertifikate zu den Borzugsaftien Lit. b, sowie 1 250 000 M. Mare Lit: b. Der Refervefends wird mit 16 000 000 m. errichtet. Wohlichetseinrich ungen find mit 4000 000 m. eingestellt. Aus dem Reingewinn per 30. September 1924 wird eine Dividende non 5 Bro. zent auf die Stammattien und Borzugsaktien Lit. b, fowle von 6 Proz. auf die Borzugsaftien 1. Emission in Vorschlag gebracht. Die Lage der Stahlwerte. Der Stah wertsverband teilt mit: In der Sigung der Rohstahl Gemeinschaft am 23. Dezember murde bei Besprechung der allgemeinen Mortilage festgestellt, daß der Beschäftigungsgrad der Werte zurzeit befriedigend Maßgabe der Beteiligung der Werte auch für den Monat Februar ift. Die Entscheidung barüber, ob die für die Monate Dezember und Januar befchloffene Ginchränkung der Robstahlerzeugung nach beibehalten werden soll, wurde unter diesen Umständen bis zur nädysten Zusammenkunft der Werte im Januar zurüd gestellt. In den zwei Monaten ihres Bestehens hat sich die Robstahl- Gemeinfchaft als ein durchaus geeignetes Regulativ für die deutsche Eisenwirdhaft erwiesen, indem die Erzeugung unter weitgehender Rücks sichtnahme auf den Verbrauch dem Zetarf angepakt wurde. Die Berhandlungen zur Bidung eines Unterverbandes werden weiter fortgesetzt. Nach Lage der Dinge ist jedoch nicht zu crmarten, daß diese Fragen in fürzester Zeit gelöst werden. Der franzöfifche Außenhandel. In den ersten 11 Monaten des laufenden Jahres betrug der Wert der gesamten Einfuhr nach Frankreich 32 277 470 000 Frant gegen 26 018 513 000 Front in der gleichen Periode des Borjahres. Der Wert der gesamten französischen Ausfuhr in diesem Zeitraum ist auf 32 767 363 000 Frank gegen 23 674 530 000 Frant während der gleichen Periode des Vorjahres gestiegen. Kanada hat die Dumpingzölle auf die deutsche Einfuhr aufgehoben und zwar für alle deutschen waren, die ab 10. November Die Maßnahme steht im Zus verfrachtet waren und werden. fammenhang mit den vorgesehenen Handelsvertrageberhandlungen zwischen Kanada und Deutschland. Togal Tabletten hervorragend bewährt bei: Hexenschuß, Nerven- und Kopfschmerzen Gicht, Rheuma, Jschias, Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harniäure aus. Fragen Sie Ihren Arzt. 3n allen Apotheken erhältlich. Best. 12 6% Lith. 0,46% Chinin, 74,3% Acid acet. salic., ad 100 Amylum. Inventur Verkauf Außerordentliche beginnt am Kaufgelegenheiten in Bettfedern Betten Metallbetistellen Bettwäsche o 華 Bettinletten Handtüchern* Damenwäsche Daunendecken. 募 Steppdecken Schlafdecken Kinderwagen Kinderbettstellen, * Beachfen Sie das Jnserat am 1. 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Dezember, abends 8 Uhr, engere Areisvorstandsfigung bei Stroik, Solsteinische Str. 60, um 9 Uhr ebenda Besprechung mit den Abteilungstaffierern. Alle Abteilungstaffierer müssen erfcheinen. 14. Areis Neukölln. Seute, Sonntag, den 28. Dezember, großer Beihnachts. familienabend im großen Saal der Neuen Welt, Safenheide. Bon 5 bis 7 Uhr: Alt- Berlin, wie es weinte und lachte! Mitwirkende: bas Berlinet Frauenterzett, Gertrud Schröder, Golotänzerin der Berliner Staatsoper, Frik Sirsch. Lieder zur Baute, Rapellmeister Helmuth Grohe. Bon 7 Uhr ab Tanz. Eintritt 50 Bf. einschließlich Steuer und Tanz. Rarten an ber Raffe ab 4 Uhr. 18. Arcis Weißensee. Montag abend 7 Uhr bei Gallas Gigung des Borflandes unserer Frattion. 19. Areis. Die Abteilungen werden gebeten, bis zum 30. d. M. beim Areis. taffierer Lüdide, Pantom, Areusstr. 20, abzurechnen. 74. Abt. Rehlendorf. Frauengruppe: Montag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr. bei Schnauf, Potsdamer Str. 3, Frauenabend. 128. bis 130. Abt. Pankow. Die Abteilungen werden gebeten, bis 30. b. M. abzurechnen und die Reichstagswahlsammellisten restlos abzuliefern. Weffer für Berlin und Umgegend. Milder, Trübung mit Regen, starle füdwestliche Winde. Für Deutschland. Von West nach Dst fortschreitende Trübung mit Regen. Nur noch in Süddeutschland Frost. Arbeitersport. Turn- und Sportverein Fichte. Am Dienstag, ben 20. Dezember, 7 Uht, außerordentliche Generalversammlung in den Mufiter- Festfalen, Raiser- WilhelmStraße 31. Tagesordnung: Stellungnahme zu dem am 22. Dezember eri inten Ausschluß unseres Vereins aus dem Arbeiter- Turn- und Sportbund. Turne und Sportabende fallen an diesem Tage aus. Die 10. Männerabteilung fellt um 7 Uhr zehn Silfsrevisoren am Eingang. Die für den 29. Dezember, 7 Uhr, in der Geschäftsstelle angefegte Kreistagsdelegiertensißung bleibt potTäufig bestehen. Arbeiterpresse beachten! Arbeiter- Turn- und Sportbund, 4 Begirl, Rorbgruppe. Sonntag, den 28. Dezember, vormittags 9 Uhr, Gruppenfigung in Schöneberg bei Lehmann, Mag, Ede Frig- Reuter- Straße. Auch die Kreistagsdelegierten milffen an wefend sein. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14, Gebaftianfte. 87/88, Sof 2 Er. Kameradschaft Wilmersdorf: Dienstag, ben 30, b. M., abends 8 Uhr, Sigung des Borstandes unter Buziehung der Sugführer im Lofal Aroik, Solsteinische, Ecke Gasteiner Straße. Sehr wichtige Tagesordnung. Kamerabschaft Köpenid und Untergruppen: Mittwoch, den 31. d, M., abends 8 Uhr, in Schrödters Festfälen. Friedrichshagen, Silvesterfeier mit Damen. Rameradschaft Charlottenburg: Der Turnabend am Dienstag, den 30. d. M., fällt wegen der Ferien aus. Nächster Turnabend am Dienstag, den 6. Januar. Erscheinen sämtlicher Rameraden ift Pflicht. Sämtliche Fahnen, die fich noch in Händen der Rameraden befinden, find fofort abzuliefern. versammlung aller Radiofreunde zweds Gründung von Bezirksgruppen bei Arbeiter Rabio- Klub, Bezirk Areuzberg, Stadtteile GD., S., G. Saupt Bollschläger, Adelbertstr. 21, 7½ Uhr. Gäste willkommen. NYsrael GEGR, 1815 BERLIN C KÖNIGSTRASSE SPANDAUERSTRASSE Der Inventur wegen blelbt das Kaufhaus Dienstag, 30. Dezember geschlossen * Der Inventur- Ausverkauf seca 99999998 beginnt Freitag, den 2. Januar Unserem lieben Kollegen u Gustav Müller Frau zu ihrer silbernen Hochzeit die herzlichsten Glüdwünsche. Die 2 Bezirksleitung des Deutschen Metallarb.- Berbbs. 3.: Rudolf Zernikow. 9086666666 96. Abteilung. Am 24. Desember verstarb unter langjähriges Mitglieb, ber Genosse Karl Beuttenmüller Shre seinem Anbenken! Cinäfcherung Wontag vorm. 11 1hr Im Rrematorium Baumschulenmeg. Bahlreiche Beteiligung wartet Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Achtung! Am Dienstag, ben 30. Dezember, findet teine Sihung der engeren Orts verwaltung statt. 174/8 Die Ortsverwaltung. 10 Am Mittwoch, den 24. Dezember, starb nach turzen, schweren Leiben unser lieber langjähriger Genosse, der Maurer 447b Karl Beuttenmüller. Während seiner nahezu 20jährigen Mitgliedschaft hat er es jederzeit ver standen, durch sein pflichttreues und vor teiner Arbeit zurückschreckendes Berhalten die Achtung des ganzen Be girls zu erwerben. Wir werden dem zu früh Berstorbenen ein dauerndes Andenten bewahren. Die Genoffen und Genoffinnen des 100. Beziets( Neuföllu). Die Einäfcherung findet Montag, 29., um 11 Uhr in Baumschulenweg ſtatt Allen Berwandten, Bekannten, Freunden und Gäften die schmerzliche Nachricht, daß meine liebe Gatt n, unsere Mutter, Zante u. Großmutter Emma Zettlitz am Dienstag nach furzem Leiden im 56. Lebensjahre fanft entschlafen ist Ihr Lebensweg war ein mühe voller. Wir werden ihr stets in Ehren gedenken. Hermann Zettlitz und Familie. 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Söhne..G. beabsichtigt die Errichtung Der vom Ausschuß in der ordentlichen einer Anlage zur Herstellung eiserner Ausschußßigung am 16. Dezember 1924 eliden oder sonstiger elferner Baubefchloffene 17. Nachtrag zur Sagung tonstruktionen in Berlin Reinidendorf int vom Oberversicherungsamt Berlin ge- auf dem Grundstücke Waldstr. 4/8. nehmigt werden. Geändert werden die Etwaige Einwendungen gegen diefe An$ 8 20, 36 und 49 Die Kenderung des lage find bet dem unterzeichneten Stabt20 tit bereits am 21. August 1924, des ausschuß binnen 14 Tagen, vom Tage nad 549 ab 25. Auguft 1924 laut Anordnung der Beröffentlichung ab gerechnet, schriftlich des Versicherungsamtes der Stadt Berlin in doppelter Ausfertigung oder zu Protokoll in Kraft getreten Der geänderte§ 36 anzubringen. Stach Ablauf dieser Frift tritt am 1. Januar 1925 in Rraft. Drud tönnen Einwendungen nicht mehr erhoben ftüde des 17. Gagungsnachtrages find im werden. Beichreibung und Zeichnungen der Raffenlotal erhältlich 108/9 geplanten Anlage liegen in unserem Bureau, Berlin C 2, Waisenftr 27, 1 Treppe, 8immer Nr 25, an den Geschäftstagen in der Beit von 9 bis 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist aur Einsicht aus. Berlin- Steg is, 24. Dezember 1924. Der Borstand Moeckel, Borsigender Koglin, Schriftführer Kokona Reiniger ist das Universal Reinigungsmittel für den Haushalt, die Werkstatt und den Sport.- Den Mann der Arbeit befreit es nicht nur vom festhaltenden Arbeitsschmutz; es schont und pflegt ihm auch die Haut des Gesichts und der Hände. Die Frau des Hauses greift gerne danach. Sie kann damit nicht nur Küchengeräte, Fenster, Tu ren, Dielen, ölgestrichene Wände reinigen, sondern auch Aluminium, Messing, Kupfer u. Eisen blank putzen. 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