Nr. 614 41. Jahrgang Ausgabe A nr. 313 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Goldpfennig, monatlich 8,-Goldmari voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Danzig, Gaar- und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Goldmart, für das übrige Ausland 5,50 Goldmar pro Monat Der..Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit..Gied. lung und Aleingarten sowie der Unterhaltungsbeilage Heimwelt und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Gozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Goldpfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille. geile 0.70 Goldmart. Reklamezeile 4.- Goldmart.., Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 0,20 Goldmart( auläfig zwei fettgedruckte Borte), lebes weitere Wort 0.10 Goldmart. Stellengesuche das erfte Wort 0,10 Goldmark iede weitere Wort 0,05 Oplomar Worte über 15 Buchstaben zählen fir zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 0.30 Goldmart. Eine Goldmart ein Dollar geteilt burch 4,20. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3 abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher: Redaktion: Donhoff 292–295 Verlag: Dönboff 2506-2507 Mittwoch, den 31. Dezember 1924 Hoesch bei Herriot. Einstündige Unterredung über das Räumungsproblem. Paris, 30. Dezember.( Eigener Drahbericht.) Der deutsche Botschafter v. Hoesch ist am Dienstagnachmittag 4 Uhr vom Ministerpräsidenten Herriot in seinem Krankenzimmer empfangen worden. Die Unterredung, die eine Stunde dauerte, hatte das Problem der Räumung der erfien Rheinlandzone zum Gegenstand. Frankreich plant eine Herabsehung der Besatzungskosten. schaftern überreicht werden. Auf jeden Fall werde die Note mehr oder weniger einen vorläufigen Charakter haben. In einer zweiten Note werde dann die allgemeine Haltung der Alliierten hinsichtlich der Frage der ehrlichen Ausführung des Friedens. vertrages durch Deutschland dargelegt werden. Köln protestiert. Stadtverordnetenfraftion richtete an den OberbürgerKöln, 30. Dezember.( WTB.) Die sozialdemokratische meister von Köln, Dr. Adenauer, die Aufforderung, den Stadtverordneten sobald wie möglich Gelegenheit zu geben, in einer öffent: lichen Sigung der Stadtverordnetenversammlung ihren Einspruch gegen die Verlängerung der Besetzung und die Forderung auf baldige Räumung in die Welt zu rufen. Ueber den Zeitpunti dieser Sigung ist noch nichts bekannt. Oberbürgermeister Dr. Adenauer hat im Auftrage des BerReichskanzler ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die Beſetzung der ersten Bone über den 10. Januar hinaus Einspruch erhoben und die Reichsregierung dringend gebeten wird, mit allen Mitteln den ihr vertragsmäßig zustehenden Anspruch auf rechtzeitige Räumung der ersten Bone zur Geltung zu bringen. Paris, 30. Dezember( Eigener Drahtbericht.) Ein offizielles Kommuniqué teilt mit, daß die am Montag stattgefundene Kon ferenz, an der außer Herriot, Tirard und dem General Guillaumat auch der Abgeordnete Lamoureug teilnahm, der vor kurzem im Auftrage der Regierung im Rheinland weilte, sich mit den Fragen der Organisation der französischen Besazung im Rheinland beschäftigt hat. Die Konferenz habe eine er abse hung der Ausgaben für Verwaltungszwecke beschlossen, wobei fie fich durch einen doppelten Gesichtspunkt leiten ließ. Einmal durch den Wunsch, die finanziellen Lasten auf ein Minimum herab- bandes der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebiets an den zusetzen, und dann durch die Notwendigkeit, die wenigen Verwaltungsorgane zu erhalten. deren Existenz durch die Erfordernisse der militärischen Besatzung bedingt sei. Die Konferenz soll sich alsdann auch mit den Fragen der militärischen Besatzung beschäftigt haben, und der General Guillaumat habe die Absicht kundgegeben, die Kosten derselben, so weit es geht, her abzusehen. Man habe sich auch mit der Frage der Lieferungen beschäftigt, die Deutschland ben Befagungstruppen auf Grund des Rheinlandabkommens und des Londoner Protokolls schulde. In allen diesen Fragen habe man eine Regelung im Prinzip erzielen fönnen. Eine neue Konferenz folle die endgültige Regelung treffen. Die Frage der Besagungsfoften ist bekanntlich durch das Infrafttreten des Dawes- Blans atut geworden Dieser sieht vor, daß die Besatzungskosten aus den deutschen Jahreszahlungen bestritten werden. Die französische Regierung hat daher ein lebhaftes Interesse daran, die Kosten der rheinischen Besatzung herabzusehen, da dadurch der Reinertrag der Reparationszahlungen automatisch gesteigert würde. Neue Verzögerung der Ententenote? London, 30. Dezember.( WTB.) Reuter erfährt, daß die von ber Botschafterfonferenz entworfene Note an die deutsche Regierung den beteiligten allierten Regierungen zur Prüfung vorgelegt worden ist. Es sei möglich, daß eine oder zwei Abänderungen notwendig sein werden und daß die Note daher morgen noch nicht abgefondt werden könne. Indessen sei sicher, daß die Note nur in einer Fassung abgesandt werde, sei es, daß die Botschafterkonferenz die Note namens der Regierungen in ihrer Gesamtheit abschide oder daß mehrere gleichlautende Noten von den verschiedenen BotKabinettskrise in Italien? Ein plöglich einberufener Ministerrat. Faschistenbanden Rom, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht) Am Dienstag nachmittag ist plößlich und überraschend der Ministerrat zusammens getreten, während die nächste Kabinettesißung erst für den 2. Januar vorgesehen war. Außerdem finden zurzeit rege Besprechungen zwischen den verschiedensten Politikern statt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß angesichts dieser Beobachtungen von Schwierigteiten im Stabinett felbft gesprochen wird. Die beiden rechtsliberalen Minister ar occhi und Casati haben an der Kabinetissignng teilgenommen. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß diese aus der Regierung austreten. falls das Kabinett gewissen Forderungen der Rechtsliberalen nicht entgegenkommt. Kennzeichnend für die politische Lage ist, daß sich in der Provinz kleine Banden extremer Gruppen zum Schutz der faschistischen Herrschaft bilden. Der amtliche Bericht. Rom, 30. Dezember.( Stefani.) Nach dreistündiger Beratung wurde das folgende Kommuniqué ausgegeben:„ Der Ministerrat war einstimmig in der Beurteilung der von unverantwortlichen Elementen geschaffenen Lage sowie deren Auswirkung besonders auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet. Der Ministerrat war ferner einstimmig in dem Entschluß, alle notwendigen Maßnahmen zur Wahrung der moralischen(!) und materiellen Interessen des Landes zur Anwendung zu bringen." Die Agenzia Stefani schreibt weiter, daß die Gerüchte über die Demission einiger Minister jeder Begründung entbehrten, wie sich im übrigen aus dem Kommuniqué des Ministerrats pon heute nach mittag ergebe, in welchem die Entschließungen einstimmig gefaßt wurden. Wiederaufnahme derHandelsverhandlungen Paris, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsche Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen traf am Lienstag unter der Führung des Staatssekretärs Trendelen burg hier ein und hielt bereits um 3 Uhr nachmittags im Handels. minifterium eine Sigung mit der französischen Delegation ab. Im Laufe dieser Sizung wurde beschlossen, am 2. Januar die Verhand fungen zwischen den deutschen und französischen Sachverstän. bigen wieder beginnen zu laffen, und zwar follen dabei diejenigen Die Bedeutung der ersten Räumungszone. ganze Gebiet von Cleve bis einschtleßlich Bonn, bas ta on the We TU. mitteilt, umfaßt die sogenannte erste 3pne das Material 6415 Quadrattilometer groß ist und eine Bevölkerung von 2310 000 Einwohnern hat. Tefeßungstechnisch besteht die Zone aus drei Abschnitten, die von Engländern, Belgiern und Franzosen befeht find. Das englisch belegte Gebiet umfaßt außer Köln mit KölnMülheim die folgenden 20 Orte: Bergheim, Türnich. Merheim, BensNeukirchen, Burscheid, Wermelskirchen, Leichlingen, Richrath, Reuß berg, Lindlar, Bergisch Gladbach, Schlebusch, Opladen, Bergisch rath, Benrath, Höhidheid, Solingen, Wald, Gräfrath, Hilden. Der belgisch belegte Teil der nördlichen Zone umfaßt folgende 26 Orte: Cleve, Goch, Xanten, Rheinberg, Geldern, Orfon, Repelen- Ecerl, Moers, Homburg, Friemersheim, Kempen, Uerdingen, Crefeld, Kaldenkirchen, Güchteln, Dülfen, Biersen, Willich. München- Gladbach, Rhendt, Neuß, Rheindahlen, Odenkirchen, Erkelenz, Bevelinghoven, Grevenbroich. Der französisch besetzte Teil der ersten 3one umfaßt folgende fieben Orte: Bonn, Overath, Siegburg, Hennci, Geislingen, Remeren und Bedburg. die Stadt Köln, sondern namentlich auch durch seine bekannte Wirtschaftlich ist dieses Gebiet mit seinen 53 Orten nicht nur durch Textil- und Stahlwaren industrie bedeutend. Branchen an die Reihe kommen, mit denen bis jetzt noch keine Berhandlungen geführt worden waren, und außerdem sollen diejenigen Tarifpofitionen er eut besprochen werden, die den Sach verständigen zu einer Rücksprache mit ihren Vereinen Anlaß gaben. Coolidge für neue Flottenabbaukonferenz. New Yort, 30. Dezember.( Durch Funkspruch.) Wie Associated Prez" aus Washington meldet, hofft Präsident Coolidge, wenn er auch dessen nicht gewiß ist, daß es möglich sein wird, im Laufe des nächsten Jahres eine neue internationale Konferenz über die Flottenabrüstung abzuhalten. Kehraus in der Deputiertenkammer. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellichaft, Depoütenfase Lindenstraße 3 Ordnung der Fürsorgepflicht. Voraussetzung und Umfang der öffentlichen Fürsorge. Bon Friedr. Kleeis. gesetz" ersten Ranges. Sie stellt nur ein sehr dürftiges Gerippe Die Berordnung über die Fürsorgepflicht ist ein„ Rahmenfür die Pflichten der Fürsorgeverbände auf und überläßt alle näheren Einzelheiten der Regelung durch den Verordnungsmeg. Das gilt vor allem für den„ Umfang der Fürsorge", der mit zwei Sägen abgetan ist: § 6. Voraussetzung, Art und Maß der zu gewährenden Fürregierung Grundsätze hierüber aufstellen." das Land. Mit Zustimmung des Reichsrates kann die Reichsforge bestimmt im Rahmen der reichsrechtlichen Vorschriften regierung Grundsätze hierüber aufstellen." Sie sollten ihrer Mangelhaftigkeit wegen nur vorläufig fein Solche Grundsäge erschienen zuerst unterm 27. März 1924. Sie sollten ihrer Mangelhaftigkeit wegen nur vorläufig fein und nur bis zum 1. Juni 1924 gelten. Ihre Gültigkeit ist jedoch von Monat zu Monat verlängert worden, bis jetzt im Dezember die endgültigen Reichsgrundsäge über Borausfchung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge" erschienen sind. Die einzelnen Länder haben sich inzwischen des Eriaſſes näherer Vorschriften enthalten. Der preußische Wohlfahrtsminister beschränkte sich nur auf die Festsetzung eines arifs", dessen Anfäße einen doppelten 3wed verfolgten. Hilfsbedürftigkeit und als Höchstsätze für die ErstattungsfordeSie galten als Mindestunterstützungssäge im Falle gänzlicher rungen der Fürsorgeverbände untereinander. " Um die neuen, am 1. Januar 1925 in Kraft tretenden Beit schwer gekämpft worden. Da waren vor allem die StädteReichsgrundsäge ist in den beteiligten Kreisen lange verbände, die am liebsten gar nichts reglementiert und in ihren Maßnahmen die größten Freiheiten haben wollten, weil sonst die Selbstverwaltung" der Gemeinden beeinträchtigt würde. Das stand im Widerspruch mit den Interessen der Hilfsbedürftigen, deren Organisationen recht genaue Festlegung bestimmter Unterstützungen verlangten. Andererseits verlangten Einheitlichkeit der öffentlichen Fürsorge und deren Eintritt als wieder die berufenen großen Gemeindererbände möglichste letztes Hilfsmittel, einige Interessenverbände dagegen die Aufrechterhaltung von Vorzugsstellungen der von ihnen vertretenen Hilfsbedürftigen oder gar Einführung eines besonderen Begriffes der Bedürftigkeit für dieje. So verlangte z. B. der Ren nerbund" die Fürsorge überwiegend cus dem Gesichtswinkel einer Entschädigung für die Inflationsverluste der Kleinrentner. Wie bei einer derartigen Sachlage nicht anders zu erwarten, fam ein kompromis zustande, das möglichst Hinblick auf die sozialpolitische Auffassung der hier maßgabennamentlich nicht auf einem Gebiete wie diejem. So ist es im allen Teilen Rechnung tragen will. Das geht natürlich nicht, den Stellen der Reichsregierung fein Bunder, daß die„ eichsgrundsäge" sich recht bedenklich den Anschauningen der Rechtsparteien nähern. Soll auch nicht verkannt werben, daß in einigen Einzelheiten die Grundsäge Berbesserungen für die ehemaligen Armenunterstügungsempfänger bringen, fo laffen doch die Schattenseiten der Berordnung eine rechte Befriedigung darüber nicht auffommen. Mit den Vorschriften im ersten Abschnitt der Grundsäße Fürsorge im allgemeiner" fann man jich abfinden. Hiernach muß die Fürsorge rechtzeitig einjesen. Sie ist nicht von einem Antrag abhängig. Sie mit der Notlage nachhaltig entgegenwirken und zu verhüten jeden, daß vorübergehende Not zu dauernder wird. Die Fürsorge fann auch vorbeagend eingreisen, besonders um Gesundheit un Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Hilfsbedürftig ist, wer den notwendigen Lebensbedarf für sich und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen Paris, 30. Dezember.( WTB.) Die Kammer hat in ihrer nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Grästen und Mitteln heutigen Eizung mit 510 gegen 26 fommunistische Stimmen die beschaffen kann und ihn auch nicht von anderer Scite, besonbei langten Budgetzwölftel für die Monate Januar und ders von Angehörigen, erhält. Die Fürsorge hat den„ not= Februar 1925 bewilligt. Im Verlaufe der Debatte fam es zu wendigen" Lebensbedarf zu gewähren. Dazu gehört einer bezeichnenden Rundgebung. Bei dem Titel, der den Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Krankenhilje, flege, BieberCifenbahngefellschaften das Recht gibt, Emissionen bis herstellung der Arbeitsfähigkeit, Schwangeren- und Böchnezum Betrage von 1566 000 000 Frant zu veranstalten, beantragte rinnenhilfe, Erziehung Minderjähriger, Erwerbsbefähigung der sozialistische Abgeordnete Be douce dieſe Kredite erst zu ge- Minderjähriger, Blinder, Taubstummer und Krüppel und nehmigen, nachdem die Eisenbahngesellschaften ihrerseits ein Budget aufgestellt haben. Er gab außerdem den Gesellschaften zu nötigenfalls die Beerdigung. Ob dem hertigen eine verstehen, daß sie sich zur obligatorischen Wiederein Arbeit billigerweise zugemutet werben tann, rigtet fich nach stellung wegen Streifvergehens gemaßnäheren Einzelheiten. Frauen foll Erwerbsarbeit nicht zugeregelten Eisenbahner bereitfinden müßten. Der Minister mutet werden, wenn dadurch die geordnete Erziehung der für öffentliche Arbeiten, Beytral, widersprach, indem er Kinder oder die Führung des Haushalts usw. gefährdet würde. erklärte, der beantragte Abstrich könne zu ernsten Ungelegenheiten zu den eigenen Mitteln, die der Hilfsbedürftige einsehen muß, und namentlich durch Unterbrechung begonnener Arbeiten und Maß- ehe ihm die Fürsorge Hilfe gewährt, ist sein gesamtes verwertnahmen zur Arbeitslosigkeit führen. Der Berichterstatter, bares Vermögen und Einkommen zu rechnen. Kleine Berder sozialistisch- republikanische Abgeordnete Violette, beantragte hierauf, den verlangten Kredit auf 500 Millionen Frank herab. mögen sollen geschont werden, wenn dadurch die Not verschärft hierauf, den verlangten Kredit auf 500 Millionen Frank her ab. aufegen, während die Kommunisten die vollständige Streichung oder dauernd würde In solchen Fällen kann aber die Hilfe des Kredits forderten. Der kommunistische Antrag wurde abgelehnt, ausdrücklich davon abhängig gemacht werden, daß die aufgeder von dem Abg. Violette beantragten Herabsetzung des Kredits wendeten Kosten zurückzuzahlen sind. 8ugestimmt. Die Rammer ging alsdann zur Beratung der geforderten Zusazkredite für das Jahr 1924 über, die im Berlaufe der Nachmittagssigung gemäß den Anträgen der Regierung be willigt wurden. der " Dann kommer die Besonderen Bestimmungen". Obenan steht folgender bedenkliche Say: ,, Bei allen oder erwerbsunfähigen Personen, die infolge eigener Nach der Tagesordnung wird die Kammer in der heutigen oder fremder Vorsorge ohne die eingetretene Geldentwertung nicht Nachmittagsfihung sich nochmals mit dem vom Senat abgeänderten auf die öffentliche Fürsorge angewiesen wären( Kleinrentner), Amnestiegejegentwurf beschäftigen, der vom Kammer ist bei Prüfung der Hilfsbedürftigteit, der Art und des Umfanges ausschuß in der Fassung des Senats bereits angenommen wurde. I der Hilfe auf ihre früheren Lebensverhältnisse Rücks ficht zu nehmen, dabei aber auch die algemeine Berschlechterung der Lebenshaltung des deutschen Boltes zu beachten." Das ist eine Bevorzugung einer bestimmten Bevölke rungsgruppe, die mit Sozialpolitit nichts mehr zu tun hat, sondern als Klaffenpolitit bezeichnet werden muß. Der besondere Begriff der Hilfsbedürftigkeit für die Kleinrentner sieht so aus: ,, Als erwerbsunfähig ist ein Kleinrentner dann anzusehen, wenn er infolge förperlicher oder geistiger Gebrechen nicht nur vorüber. gehend außerstande ist, sich durch Arbeit einen wesentlichen Teil seines Lebensbedarfs zu beschaffen." Die Fürsorge soll bei Kleinreiern besonders nicht ab hängig gemacht werden nom Verbrauch oder der Verwertung fleiner Bermögen, fleiner Hausgrundstücke, Familien- und Erbstücke, Gegenständen zur Befriedigung geistiger, wissen schaftlicher oder fünstlerischer Bedürfnisse. Es ist sicher hart, wenn mancher fleine Mann, der ein Leben lang hart gearbeitet und gedarbt hat, um sich für das Alter einen Notgroschen zurüdzulegen, um den Erfolg seines Lebens durch die Inflation betrogen worden ist. Erstens wird dieser fleine Mann durch obige Bestimmungen faum begünstigt werden, und zweitens sollte man hier durch eine vernünftige Aufwertung helfen. Ein weiterer besonderer Abschnitt behandelt die Für sorge für Kriegsbeschädigte und Krieger hinterbliebene. Es handelt sich hier um die soziale oder ergänzende Fürsorge, die außer den Grund- und Zufahrenten gewährt wird, und zwar für besondere Notfälle. Diese soziale Fürsorge gewährt ihre Hilfe in der Regel nur, wenn die Notlage mit der Dienstbeschädigung oder dem Verlust des Ernährers zusammenhängt. Das wird angenommen, soweit nicht das Gegenteil offenkundig oder nachgewiesen wird. Bei Brüfung der Hilfsbedürftigkeit und des Umfanges der Hilfe ist entgegenkommend zu verfahren. Dabei ist besonders auch der Aufwand für Erziehung und Erwerbsbefähigung von Kindern zu berücksichtigen. Die soziale Fürsorge hat zum Ziele, den Beschädigten tunlichst wieder erwerbsfähig zu machen und ihn dem Wirtschaftsleben zu erhalten, der Witwe die Fortführung ihres Hausstandes und die Erziehung ihrer Kinder tunlichst aus eigenen Kräften zu ermöglichen. Im allgemeinen ist zu jagen, daß diese soziale Fürsorge für die Kriegsopfer wohlwollender gestaltet ist als bisher. Die neue Fürsorgepflicht verordnung hat die einschlägigen Kosten, die erst der Staat trug, jetzt den Gemeinden auferlegt. Sehr fnapp weggefommen in den Reichsgrundsätzen ist die Fürsorge für die Sozialrentner und für nicht versicherte minderbemittelte Schwangere und Wöch nerinnen. Hinsichtlich der ersteren heißt es nur furz: In entsprechender Weise wie die Kleinrentner find alte oder invalide oder berufsunfähig gewordene Rentner der Arbeiter. oder Urgestelltenversicherung zu betreuen." Die andere Methode. Nicht der Jud, die Revolution ist schuld. Die Deutsche Zeitung" hatte für die Beamten des alten Regimes, die in die Kutister- Affäre verwickelt sind, auf Unfähigkeit angetragen nach dem Motiv: der Jud ist schuld, die Beamten waren ihm nicht gewachsen. Die Deutsche Allgemeine Zeitung" dagegen vermeidet es sehr sorgfältig, auf Tatsachen und Personen einzugehen. Sie beschränkt sich auf die Behauptung: die Revolution ist schuld: „ Die Persönlichkeiten und ihre parteipolitischen Bekenntnisse die in dem vorliegenden Falle übrigens völlig unbekannt sind intereffieren uns sehr wenig; sie spielen nur eine geringe Rolle. Lediglich die Atmosphäre und ihre Entstehung, aus der heraus die zahlreich sich häufenden Korruptionserscheinungen der letzten Zeit zu erklären sind, fann das Objekt einer ernsthaften poli. tischen oder soziologischen Untersuchung sein. Und bei dieser wird sich die Feststellung nicht vermeiden lassen, daß die Revolution mit ihrer Untergrabung aller alten Traditionen und Begriffe, mit der Erschütterung der Staatsautorität, daß fermer das aus der Revolution hervorgegangene System- nicht im Sinne der Berfaffung, sondern als Methode und als Braris- eingerüttelt Maß von Schuld an dem Erbärmlichen tragen, das wir heute immer wieder mit ansehen müssen. Die Fäulniserscheinungen sind doch nur Sympteme für eine Krankheit unferes politischen und sozialen Körpers, deren Wunden sehr tief liegen." Die Atmosphäre muß freilich untersucht werden. Es ist die Atmosphäre der Inflation. der bewußten Sabotage der Staatsfinanzen, der wilden Spekulation gegen die eigene Bährung, in der diese Erscheinungen groß geworden sind. Die D. A. 3." mag die Schuldigen in ihrer unmittelbaren Nähe fuchen. Die Helden der Inflation. die den Staat und das Volk ausplünderten, die Feinde des Staates im Lager der Deutschnationalen, die den Steuerbetrug beinahe als patriotische Tat priesen, sind die Schuldigen an der Berrüttung der öffentlichen Moral in Geldfragen, ohne die der Fall Kutister Staatsbant undenkbar wäre. Eine sozialdemokratische Anfrage. Landtags hat an die preußische Regierung folgende Große Die sozialdemokratische Fraktion des Anfrage gerichtet: fachen und Umfang der Mißstände, die sich bei der Ist die Staatsregierung bereit. Aus tunft zu geben über Ur Kreditgewährung der Preußischen Staatsbant ( Serhandlung) im Zusammenhang mit dem Fall Kutister heraus. gestellt haben? Welche Maßnahmen hat die Stoatsregierung für die Zukunft zur Kontrolle der Kreditpolitik der Staatsbank grtroffen? Und die Wöchnerinnenfürsorge ist in einem einzigen Baragraphen abgetan: Schwangeren und Wöchnerinnen find je nach Art und Grad der Bedürftigkeit die Leistungen ficherliche zustellen, wel he die Reichsversicherungsordnung den Familienangehörigen der Besicherten gewährt. Vor allem fehlt hier als Anhaltspunkt für den Eintritt der Fürsorge die frühere Mind- steinkommensgrenze. Bom Standpunkt eines Sozialdemokraten ist die baldigste Umgestaltung der Reichsgrundsätze im Sinne einer Gleich # 25 Jahre Bürgerliches Gesetzbuch. 17 Gesetzbuch, das große, einheitliche Wert bürgerlichen Am 1. Januar find 25 Jahre verflossen, daß das Bürger. Rechts des Deutschen Reiches, in Kraft getreten ist. Es hat Jahrdehnte gedauert, bis dieses Werk die politische Einigung des Reiches auf dem Gebiete des Rechts gefrönt hat. Der erste Antrag, ein Jahr 1867 zurüd also auf die Zeit, ba Norden und Gäden politich gemeinsames bürgerliches Gefehbuch zu schaffen, geht sogar auf das noch nicht gecint" weren. Aber erst nach der Schaffung des gearbeitet hatte, zusammen mit einem Einführungsgesetz im Januar 1896 dem Reichstag zuging. Hier wanderte der Entwurf wiederum an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Aber jetzt schritt das gewaltige zivilrechtliche Gesetzgebungswert rasch seiner Vollendung entgegen. Bereits vom 3. bis 6. Februar fonnte die erste Lesung im Reichstage durchgeführt werden, die letzte Lesung schon am 30. Juni desselben Jahres, und am 14. Juli 1896 wurde das vom Reichstag verabschiedete Gesetz vom Bundesrat genehmigt mit der Bestimmung, daß es am 1. Januar 1900 in Kraft trat. Reichsbanner und Reichsinnenministerium. Eine auffällige Notiz der„ Roten Fahne". Zu der Notiz der Roten Fahne", die von der Rechtspresse prompt übernommen wurde, daß bas Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Gau Berlin Brandenburg, Dom Reichsministerium des Innern einen Zahlungsbefehl über 3000 m. erhalten hot, teilt uns die Gauleitung folgendes mit: Es ist richtig, daß das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gofd feinerzeit vom Reichsministerium des Innern einen Bosten Bapierjahnen, Stodlaternen usw. im Gesamtbeirage von 3000 m. übernommen hat. Die Ware lagerte seit längerer Zeit im Reichsministerium des Innern und war anfongs bestimmt zur Propa. gierung der Farben Schwarz Rot Gold. Da sie von Seiten des Reichsministeriums des Junem nicht die anfangs gedachte Berwendung finden fonnte, erklärte fich furz vor der Vers faffungsfeier das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Gau BerlinBrandenburg zur Uebernahme des gesamten Bestandes bereit, allerDings unter der Bedingung einer längeren Zahlungsfrist. Diese Buhlungsfrist wurde dem Reichsbanner zugestanden. Am 1. De3ember 1924 wurde vom Reichsbanner nochmals um Berlängerung der Zahlungsfrist gebeten, dieses Gesuch wurde jedoch abgelehnt. Zeht erfährt die Gauleitung aus den Tageszeitungen, daß das Reichsministerium des Innern einen Zahlungsbefehl über den Betrag von 3000 m. gegen die Gauleitung erlassen hat. Der Zahlungs. befehl ist dem Reichsbanner bis heute noch nicht zugegan gen. Sehr merkwürdig ist es, daß diese Notiz zuerst in Stellen des Reichsministeriums des Innern, anstatt die staats. der" Roten Fahne" veröffentlicht wurde und es wäre vielleicht eine dankenswerte Beschäftigung, wenn die maßgebenden erholtende republikanische Organisation des Reichsbanners SchwarzStellen aus folche Nachrichten ausgerechnet in die kommuniẞ iſche Rot- Gold zu verllagen, einmal nachprüfen würde, von welchen Bresse gebracht werden. N Aus der Angelegenheit wird ersichtlich, daß das Reichsbanner über teine größeren Gelb mittel verfügt, im Gegensatz zu den Meltungen der Rechtspresse. Wenn auch von der volks. parteilichen D. A. 3." die Behauptung aufgestellt wird, daß das Reichsbanner vom Barmat- Konzern Gelder im großen Umfange empfangen hat, so ist das nichts weiter als der erneute In der Tat hat dos Reichslanner feinen Pfennig rom Versuch, das Reichsbanner in der gehässigsten Weise zu diskreditieren. Barmat- Konzern erhalten. Wir haben der„ D. A.- 3." unter Be rufung auf§ 11 des Pressegesetzes eine Berichtigung zugehen laffen. Die erste Situng des neugewählten Nürnberger Stadtrates r lief bei vollbefestem haus, tebr hinmii. styr nach Eröffnung ber mäßigkeit der Fürsorge zu fordern. Die ehemalige Reiches, im Jahre 1874, murde ein Ausschuß von fünf Juristen Sibung durch Dr. Luppe, der eine Begrüßum semiprode take Armenfürsorge darf nicht nur dem Namen nach, fondern muß auch als eine besondere Einrichtung verschwinden. Wo die Notam größten. muß auch die Hilfe am nächsten und größten sein. Der kommunistische Klaffenkampf" in Salle wurde mit seiner illustrierten Beilage und allen Kopfblättern auf vier Wochen verboten, weil er auf der ersten Seite einen Januslopf als Bild brachte, das auf der einen Seite den Waffenmörder Haarmann, auf der anderen Seite den Reichspräsidenten darstellt. Das freie Schaffen des Arbeiters 3m Stettiner Museum fand im Dezember eine AusStellung hat, die von hohem psychologischen Interesse war. Alle Gegenstände, die Arbeiter in ihrer freien Zeit angefertigt hatten, wurden durch die Arbeiterkunst und Wertausstellung zur Schau gebracht. Mit dem Fabritschluß, ist feineswegs die Tätigkeit des Arbeiters beendet. Aus materieller und geistiger Not heraus muß der Ar. beiter noch in den ihm zur Verfügung stehenden fargen Freistunden feste schaffen. Es sei nur an die Tausende erinnert, die draußen vor der Großstadt ihr Gärtlein haben und Rohl und Kartoffeln bauen. Wenn wir weiter an die Zeit vor einem Jahre zurüd benten, erinnern wir uns an die endlosen Züge der Holz- und Kartoffelsammler. So befriedigt die Fabritarbeit nicht einmal alle materiellen Bedürfnisse, von der seelischen Befriedigung ist dann ganz zu schweigen. Nun ist durch die Ausstellung alles, was Arbeiter in ihrer freien Beit geschaffen haben, gesammelt und so ein umfassendes Bild der Tätigkeit, des Arbeiters in den Feierabendstunden gegeben. Die umfangreiche Ausstellung gliedert sich in drei Abteilungen; Jugendbewegung: hier find alle von Angehörigen der Jugendbewegung geschaffenen Arbeiten gesammelt; Bert. arbeiten: diese Abteilung umfaßt alle von erwachsenen Arbeitern angefertigten Schmuck- und Gebrauchsgegenstände; Künstle rische Flächenarbeiten mie Delbilder, Aquarelle, Schnitte ufw. Bei rein oberflächlicher Betrachtung fällt der Formenreichtum Bei rein oberflächlicher Betrachtung fällt der Formenreichtum und die Bielseitigkeit der Stücke auf. Am eigentlichsten ist der Arund die Bielseitigkeit der Stücke auf. Am eigentlichsten ist der Ar beiter in seinem Element bei den Werkarbeiten, die zumeist in der Linie feines Berufes liegen. Bicles zeugt von einem guten handmerklichen Können. Puppenstuben und Kinderspielzeug sind gedie gene Arbeiten, die sich vorteilhaft von der Fabrikarbeit unterscheiden. Die Laubsägearbeiten föuren ja nur als bloße Geschicklichkeits- und Ausdauerübungen gelten. Man muß sich aber die seelische Befriedi gung denken, die der Arbeiter, der sonst an der Maschine nur eine fleine Teiloperation vollführt, bei der Berfertigung dieses ganzen Stüdes empfindet. Einige Messinggegenstände zeigen den Sinn für schlichte Sachlichkeit. mit der Ausarbeitung von Vorschlägen für ein einheitliches Bürgerliches Recht beauftragt. Auf Grund der Vorschläge diefes fünfföpfigen Ausschusses wurde noch im selben Jahre durch Bundesratsbeschluß eine Kommission von elf Mitgliedern eingesezt. Sie hatte den Auftrag, einen Gesetzentwurf zu schaffen. Es dauerte 14 Jahre, bis im Jahre 1888 der erste Entwurf veröffentlicht wurde. Zwei Jahre später, im September 1890, wurde eine neue, erweiterte Kommission von 22 Mitgliedern ernannt, in der auch die Vertreter von Handel und Industrie Siz und Smme hatten. Es dauerte wiederum 5 Jahre, ehe der Gesezentwurf, wie ihn diese Kommission aus ringenden Fabriksflaven. Bemerkenswert ist, daß das politische Bild ganz fehlt. Das heutige gefellschaftliche Leben gibt so viel An laß zur bissigen Raritatur, daß man sich eigentlich wundert, wie wenig dies von den Arbeitern berücksichtigt ist. Hier müssen wir aber bedenken, daß der Arbeiter einen harmonischen Ausgleich zur nerventötenden Fabrifarbeit sucht. In der Jugendbewegung fühlt man einen einheitlichen Bug. Die lebensbejahende Einstellung der jungen Generation tommt in den Werken deutlich zum Ausdruck. Man zeichnet dort Kari faturen auf die heutige Zeit und gestaltet das große Erleben der Natur. Hier kommt viel eher wie bei den älteren Arbeitern die Weg richtung einer Gemeinschaft, nicht die einzelner Menschen, zum Ausdruck. Die Ausstellung verdient, wie schon erwähnt, vor allem psycho logische Würdigung. Von proletarischer Kunst oder proletarischer Kultur fann in diesem Zusammenhange nicht gesprochen werden. Alle Werte sind als Reaktion auf die den Menschen drückende Fabrikarbeit entstanden und sind Zeugen des Ringens der Lohnfflaven nach einem Bollmenschentum. H. Glander. -w Gustav Mahlers X. Sinfonie. ( Deutsche Uraufführung in der Philharmonie.) Die Uraufführung eines Wertes von der Hand Gustav Mahlers eine große Gemeinde dem Ruf Otto Klemperers, daß nach das mußte Erwartungen höchster Art erweden. In der Tat folgte gelaffene Opus zu hören. Die Enttäuschung war nicht gering, und man darf bezweifeln, ob dem Ruhm Mahlers mit dieser Entdeckung fehr gedient gewefen ist. In einem bei 3scinan erschienenen auto graphischen Nachdruck des Werkes( einem bibliographisch vorzüglichen Stück) sieht man, was gewollt sein mochte, sieht man, was fehlt. Klemperer versuchte Einzelheiten zu stützen, die gar zu schwach ge festigt in der Luft zu schweben schienen, auch Krenet und andere haben durch leise Retuschen des instrumentalen Klanges der wir fung nachgeholfenn. Biel ist's sicher nicht gewesen. Was der Hymniter Mahler geändert hätte, das wiffen wir nicht; aber daß er das Wert auch gerade in den beiden vollendeten Sägen nach außer ordentlich geändert, gekürzt, komprimiert hätte, das scheint uns gewiß, auch ohne Erinnerung daran, daß er nach Mitteilungen Spechts ein. mal das ganze Wert der Vernichtung anheim geben wollte. Auf Nicht so sicher in der Gestaltung ist der Arbeiter bei Dingen, geführt wurde das Intermezzo( purgatorio) und das Abagio( 3. und die nicht im Bereiche seines handwerklichen Könnens liegen. Es 1. Saz). Das Intermezzo ift ein furzes, mehr geisterhaft dahin. tommt freilich auch hier nicht auf das Resultat, sondern auf den Willen huschendes als voll entwickeltes Säbchen, in dem Scherzoluft fehr an. Biele Bilder sind Kopien, und zwar nicht guter bürgerlicher intensiv durchmischt ist mit Grabes und Totenluft. Die Laune eines Kunst, sondern der dem Arbeiter leichter zugänglichen minderwertig: plagten, einsamen, trauernden und schmerzdurchschüttelten Künstlers, gen Stücke, die ihrerseits den füßlich fitschigen Geschmack des Bürger ber die Richtigkeit der Welt mit dem Blid der Todesahnung schaut. tums verflossener Jahrzehnte betrüblich dokumentieren. Es finden Das Adagio ist im Entwurf großartig, riesenhaft gebaut, von fich aber auch Stücke, die aus einem tiefen Empfinden heraus ge rezitativem Anfang bis zu einem chaotisch flutenden Drchefterauf. fcheffen wurden, und in denen durch die naipe, unproblematische Art schwung, der uns wie Orgelflang umfängt. Thematische Zeichen aus der Darstellung fehr viel Eigenes liegt. Die große Sehnsucht des von dem Lied von der Erde" und anderen Gesängen Mahlers blizen dem Genuß der Kulturgüter ausgeschlossenen Fabritmenschen, auch auf, während das eigentliche Grundmotiv des Sages mit feinen einmal in den lichten Kreis der Göttin Kunst zu treten. tommt hier Umkehrungen und Erweiterungen typisch brudnerisch ist( und in zum Ausdruck. Und schließlich ist die reproduktive Leistung des deffen IX. Sinfonie Urgestalt empfing). Zwischen Anfang und Mitte, Ropierens irgendeines Urbildes eine Bertiefung und zeigt dem Be- Mitte und Ende des Sages flafft ein Raum, der mühsam mit schauer das feelische Streben dieser nach einem tieferen Menschentum Figurationen, Themenreften, Sequenzen gefüllt ist. Man ahnt Leid, Quppe auf, den Vorfiz an einen der berufsmatigen Etadiräte zu und fordele übergeben. Der Vorigende versuchte vergeblich, die Ordnung wieder heraufellen, so daß der Bürgermeister die S1Bun Borüßende unterbrach und den Saal verließ. Streicher wurde wegen dieies Vorkommnifies das Wort für die Dauer der Eigung nach ihrer Wiederaufnahme entzogen. Ganz Albanien erobert. Die Truppen Ach med Roghus baben auch Baloua und Durazzo besetzt. Die neue Regierung fündigt an, daß der Großgrundbesiß aufgehoben und das Land unter die Bauern aufgeteilt werden soll. Man das sich in die Dede und Leere anderer Welt flüchten will. hert traurige, trauernde Weisen, und ist weder beglückt noch gepackt. Das Stüd, so ausgewachsen es sich gibt, ist gar nicht gewachsen, fondern gemacht, ffizzenhaft reiht fich Klang an Klang, breitet sich frapp geordnetes Melos aus. Ein Torfo, nicht nur äußerlich, die Glut des Lebendigen fehlt, die Leidenschaft, auch wo sie fich in Dämpfung n des ertragenen Schicksals still und leise fundgeben will. Ein Stüd nicht ohne Glanz, aber ohne rechte Leuchtkraft. Die Orchesterfarben verflüchtigen fich zu Pastell, fie blühen nicht, fie glühen faum, ja, fie streben von der alten Mahlerschen Sattheit fort zu einer monotonen, in Geigen und Bratschen sich abspielenden malerischen Düſterkeit. Der Gest versucht in Wolkengefilde zu ziehen, findet sich aber immer wieder im Auf und Ab dieses Sages auf der Erde. Ein Bekenntnis Mahlers immerhin, wenn auch faum vollendet, nur in wenigen Augenblicken der spontanen Inspiration aufschreitend vom herrl chen Ruf der Neunten und des„ Liebes von der Erde". Vielleicht war ein solcher Aufstieg nicht mehr möglich. Man lege die X. Sinfonie beifeite; das Unsterbliche Mahlers ruht im Reichtum der Neunten, nicht in der Problematik der schmerzreichen X. Schicksalssinfonie. Kurt Singer. Die Ursache der Hafffrankheit. Der Amtliche Preußische Pressedienst hatte vor einiger Zeit ein wissenschaftliches Gutachten der medizinischen Sachverständigen des Preußischen Wohlfahrtsmini steriums wiedergegeben, in dem gesagt wurde, daß mit hoher WahrAbwässer der Königsberger Bellstoffabriken, die in das Haff münden, fcheinlichkeit der Beweis erbracht scheint, daß die arsenhaltigen dürften. Nunmehr ist dem Preußischen Handelsminister von der Technischen Deputation für Gewerbe ein Gutachten erstattet worden, das zu wesentlich anderen Ergebnissen gelangt, wenn es zum Schluß auch nicht ganz an der Gefahr der arsenhaltigen Abwässer vorübergehen zu fönnen glaubt. In dem Gutachten wird unter anderem ausgeführt, daß nach Analysen verschiedener Forscher Arsen in sehr vielen Gewässern, besonders aber im Meerwasser, als normaler Be standteil nachgewiesen worden ist. Nach amtlichen Berichten wurde, dem Gutachten zufolge, im Haff, 200 meter westlich von der Mün dung des Königsberger Abwassertanals, 0,1 mg Arfen im Liter. an der Baffargemündung, also in einer Entfernung von über 40 Kilometer von der Mündung des Abwassertanals dagegen 1 mg Arjen im Liter nachgewiesen. Diese Bermehrung des Arsengehalts fann bei der großen Entfernung nicht von dem Arsengehalt des Wassers des Abwassertanals herrühren, zumal da die Abwässer nach furzem Dahinfließen neben organischen Substanzen auch Arsen verlieren. Wenn demnach für den Arsengehalt des Haffwassers die verhältnismäßig geringe Menge Arsen, die von den Zellstoffabriken in das Haff gelangen fönnte, ohne Bedeutung ist und irrigerweise mit der sogenannten" hafftrantheit" in Zusammenhang gebracht wird, so ist doch zu betonen, daß die Arsenmenge von 23 mg im Biter der Ab. wäffer der Zellstoffabrifen unzuläffig ist; denn es besteht die Gefahr, daß in unmittelbarer Nähe der Abflußstellen der Fabritwäffer aus den Betrieben eine schädliche Anreicherung des Erdreichs, Assizfchlammes ufm. an Arsen eintreten fann. Aus diesem Grunde befür mortet die Technische Deputation, daß den beiden Bellstoffabriken eine wesentliche Herabminderung des Arsengehaltes ihrer Abwässer aufgegeben wird. Der Reichspräsident und feine Richter. Schwarzweißrote Klage. Während des Magdeburger Prozesses fonnte sich die deutschnationale Presse nicht in Verdächtigungen und Schmähungen gegen den Reichspräsidenten genug tun, und Schmähungen gegen den Reichspräsidenten genug tun, und mehr als einmal mußte dieses verantwortungslose Treiben im Gerichtssaal öffentlich gebrandmarkt werden. Um so puziger wirkt es, wenn sich jetzt einer der Hauptheher, der " Lokal- Anzeiger", meldet, um in bewegten Worten ein Klagelied über die entfesselte Meute" anzustimmen, die sich auf das Magdeburger Schöffengericht stürze. Sind Richter vogelfrei?" fragt das Blatt und fordert den Landtag auf, die Magdeburger Richter vor dem„ Schimpf des Pöbels und der Gasse" zu schützen. Tatsache ist, daß sich die Reichsregierung unter Führung des den Deutschnationalen nahestehenden Innenministers Jarres eine große Anzahl Landesregierungen, Gelehrte, Künstler und Verbände gegen das unerhörte Urteil gewandt, und daß namhafte Rechtsgelehrte seinen Widersinn flargelegt haben. Tatsache ist, daß das Fehlurteil eine spontane Bewegung ausgelöst hat, weil es in weitesten Kreisen als unanständig empfunden wird. Benn das von der deutschnationalen Presse als Schimpf des Pöbels und der Caffe bezeichnet wird, dann möchten wir wissen, was man in deutschnationalen Kreisen für anständig und ehrenwert hält. Der Verkehr des deutschnationalen Bjarrers und Stadtverordneten Roch mit dem wegen Diebereien entlassenen Eisenbahnarbeiter Syrig und die Lobes hymnen der deutschnationalen Breffe auf die Kronzeugen" Sgrig und Gobert laffen in dieser Beziehung die weiteften Rückschlüsse zu. Sollten die Deutschnationalen es vorsiehen auch weiter jenen Böbel" zu meiden, an dessen Spize ich die Reichsregierung gestellt hat, und in der Gesellschaft der Koch, Syrig und Govert zu bleiben- Republit und Anstand werden feinen Schaden dadurch erleiden. " In feinem Lande der Welt möglich... Köln, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Wie das Magdeburger Urteil im Auslande wirkt, zeigt cscheulich eine Meldung des Vertreters der Kölnischen Boltszeitung" im Haag, der feinem Blatte am Dienstag abend über die Stimmung, die das Magdeburger Urteil in Holland erzeugt habe, mitteilt: " Die Kommentare, die jetzt nach Ablauf des Prozesses gegeben werden, find nicht freundlich für die Magdeburger Richter. Allgemein wird darauf hingewiefen, daß ein derartiger Prozeß wohl in feinem Lande der Welt möglich sein würde. Es wird für ungeheuerlich gehalten, daß das Staatsoberhaupt auf derartige Beise vor einem Schöffengericht behandelt wird, wie das in Magdebung der Fall gewesen ist Das Urteil selbst wird als ein Fehlspruch, die Begründung als lächerlich empfunden. Man sieht eine fortwährende Gefahr für die jeßige Staatsform darin, daß die Justiz vielfach von politisch voreingenommenen Ber. for en gehandhabt wird. Intereffant ist es, so schreibt der Korrespondent bei dieser GeIegenheit, zu bemerken, wie groß die Hochschätzung ist, welcher der derzeitige Reichspräsident sich im Auslande erfreut. Es wird allge=" mein darauf hingewiesen, daß Ebert und seine Persönlichkeit seit der Revolution für das wohl seines Baterlandes mehr geten haben, als die fanatischen Nationalisten für dieses haben gerderben fennen. Die überaus grote Beicheiden Tit und der maßvolle Taft Eberts werden gepriesen..Betallem 11olid fei es ein Glück für Deutschland gemelen, Tolch einen Marn a's Präsidenten gefunden zu haben. Das traurige und jämerliche Treiben der Rationalisten wird unbedingt abgelehnt und verurteilt. Antwort an die Rote Hilfe. Jezt ist die Reihe an den Kommunisten! Mögen Die europäischen fommunistischen Porteien, die fein einziges Mal in irgendeinem Lande gewagt haben, gegen die Verfolgungen der sozialistischen Arbeiter in Sowjetrußland aufzutreten, jetzt auch nur einen fleinen Teil jener Energie im Kampfe um die Amnestie in Rußland entfalten, die die europäischen Sozialisten und Anarchisten in ihrem Kampfe um die Amnestie in Europa eniwideln. Das und nur das würde die Energie aller Sozialisten Europas Terrors verdoppeln und verzehnsachen. im Kampfe um die Befreiung der Opfer des Bürgerkriegs und des Nicht Menschenhandel, sondern Amnestie. Die ausländischen Vertretungen der in Rußland wirkenden sozialistischen und cnarchistischen Parteien und Schußverbände( Aus. landsdelegation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, der Sozial revolutionären Bartei, der Linken Sozialrevolutionäre, der Magima listen, der Mostauer Schuhverband der in Rußland verhafteten An- Und mögen ihre Leiter und Führer, die russischen Bolschearchiften und das Vereinigte Komitee zum Schuße der in Rußland wist en, die in ihrem Lande die ganze Fülle der Gewalt in Händen gefangenen Revolutionäre) veröffentlichen einen Aufruf an die haben, das tun, was fie mit einem Federstrich tun können. Arbeiter aller Länder, in dem sie den fürzlich ge machten Mögen sie die Tore der Gefängnisse, die tschefistischen FolterVorschlag der kommunistischen„ Roten Hilfe" betreffs des Austammern, der Berbannungsorte und Konzentrationslager für die in tauschs der politischen Gefangenen in Rußland und ihren schmachtenden Gefangenen öffnen. in den westlichen Ländern eingehend becntworten. „ Roten Hilfe“, die nichts weiter sei als eine der zahlreichen ÄgenIn dem Aufruf wird zunächst festgestellt, daß der Vorschlag der buren der bolichemistischen Regierung, einen Bersuch darstelle, die Aufmerksamkeit der Arbeiter der ganzen Welt von dem Terror in Sowjetrußland abzulenten. In allen westlichen Kulturländern genieße die Kommunistische Partei Freiheit der Agitation, der Propaganda und der Organisation. Auch in Deutschland, auf das sich die Kommunisten mit Vorliebe berufen, führe die Kommunistische Partei trog ihrer Propaganda für den bewaffneten Aufstand im großen und ganzen cine legale und offene Existenz. Es gebe aller. Sings Länder, in denen gegen die arbeitenden Klassen Gewalt und diefen Ländern gehöre neben Ungarn und Rumänien in erster Terror angewandt werden, wo Spigel und Henter herrschen. Zu Linie Sowjetrußland! ,, Denn feine Regierung, fein Kulturland hat in so umfassendem Maße restlos alle bürgerlichen und politischen Freiheiten und Rechte aller Schichten der Bevölferung vernichtet, wie dies gegenüber den aller Schichten der Bevölkerung vernichtet, wie dies gegenüber den Werftätigen in Sowjetrußland eine Regierung getan hat, die sich als Arbeiter- und Bauernregierung" bezeichnet und den Anspruch erhebt, dos Monopol auf die sozialistischen und revolutionären Ideale zu besigen." Der Aufruf widerlegt weiter die bolfchemistische Behauptung, daß nur diejenigen in Rußland verfolgt werden, die konterrevolutionäre Umwälzungen vorbereiteten. In Wirklichkeit würden in Sowjetrußland Leute wegen ihrer abweichenden politischen Ueberzeugungen oder wegen Kritik der Handlungen der Regierung, wegen Aufbedung von Mißbräuchen auf das ärgste verfolgt. " In Rußland ist die Freiheit des Wortes, der Presse, der Versammlungen, der Verbände und der Streits sowie das Recht der freien Beteiligung an den Sowjetwohlen, den Gewerkschaften und freien Beteiligung an den Sowjetwohlen, den Gewerkschaften und den Genossenschaften ein absolutes Monopol der Kommunistischen Partei. Alle übrigen politischen Gruppen, auch in den Reihen der Arbeiterklasse, und zwar nicht nur die Sozialisten, sondern auch die Kommunisten, die mit der Politik der Kommunistifchen Partei nicht einverstanden sind, find de facto aller politi: schen Rechte beroubt, zu konterrevolutionären" gestempelt und außerhalb des Gefeßes gestellt. in ganz Rußland gibt es feine einzige legale, nichtkommunistische Partei, fein einziges nichtkommunistisches Bresseorgan. Es gibt nur In ganz Rußland gibt es feine einzige legale, nichtkommunistische illegale Organe, die unsere Genossen in Geheimdruckereien, wie in den schlimmsten Zeiten des Zarismus, herauszugeben gezwungen sind." Das und nur das kann die Parole aller revo= lutionären Organisationen Rußlands sein. Und die Arbeiter der ganzen Welt müssen unsere Forderungen unterstügen." JAH.- Verbot in Deutschösterreich. Wien, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die österreichische Regierung hat die Gründung einer 3weigorganisation der komGründen der Staatssicherheit verboten. munistischen Internationalen Arbeiterhilfe" Krach im Bundesrat. Wien, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Im Bundesrat ( der von den Landtagen proportional gewählt wird) fam es am Dienstagnachmittag gelegentlich der Debatte über das handelspolitische Ermächtigungsgefeß zu stürmischen Szenen. Der Christlichsoziale Rotter hatte die Sozialdemokraten wegen ihrer Haltung in Zollfragen angegriffen. Als der Sozialdemokrat Klein antwortete, machte der christlichsoziale Agrarier Stoeder grobe beleidigende Zwischenrufe. Es kam zu Zusammenstößen, die das Eingreifen der Ordner nötig machten. Die Ruhe konnte erst nach längerer Zeit wieder hergestellt werden. Bolschewistenangst der Balkanstaaten. garische Ministerpräsident 3antoff, der vorher schon in Belgrad Bukarest, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der bulmit Paschitsch unter anderem über einen Balkanschutzbund gegen ihm zu Ehren gegeben wurde, hielt Ministerpräsident Bratianu den Bolschewismus beraten hatte, ist jetzt hier. Bei dem Essen, das eine furze Ansprache, in der er auf die große Gefahr des Bolichemismus nicht nur für die Balkanvölker, sondern für ganz Europa hinwies. Ein Sieg des Bolschewismus würde die das beste Beispiel stelle heute Rußland selbst dar. Ein 3usam. europäische Kultur und Zivilisation um Jahrhunderte zurückdrängen, big, und Rumänien würde die Mitarbeit Bulgariens sehr menarbeiten der Balkanvölker sei heute mehr denn je notwenfchätzen und in dieser Hinsicht entgegentommend unterstützen. Angesichts dieser unerträglichen Zustände brandmarkt der Auf dierung des Friedens auf dem Balkan arbeite. Die Tatsache, daß 3antoff antwortete, daß Bulgarien schon längst für die Konsoliruf den Aus auschvorschlag der Roten Hilfe" als eine widerliche Bulgarien die russischen Sowjetunion noch nicht anerkannt Heuchelei. Trotz ihrer leidenschaftlichen Sympathie für die in habe, zeige, daß Bulgarien ein natürliches Mitglied eines Ballanden Kerkern und Berbannungsorten eingeschlossenen politischen Gefangenen lehnen die obengenannten fozialistischen bundes gegen den Bolsche wismus sei. und anarchistischen Organisationen fategorisch schen Führer Dobrudjano- Gerea, Marsel und der Engländer BautBis jeßt find 800 Kommunisten, dirunter auch die kommunistiSen Austausch vorschlag der Roten Hilfe" ab. „ Wir lehmen diesen Austausch ab, weil wir es für Sozialisten scher verhaftet worden. Einige der Berhafteten versuchten in der Die Verhaftungen und Anarchisten moralith unzulässig erachten, mit Men- Festung Jilawa sich zu vergiften. die schlimmste Abart der Kriegsbarbarei dar tellt. Wir lehnen diesen schenköpfen zu handeln und ein Geiselsystem zu fanttionieren, das Austausch auch deshalb es, weil er die Ausweifung der befreiten borausfest; ar glet jedoch ist, die Freiheit des politischen und Genoffen nach dem Mustante und ihre Verwandlung in Emigranten wirtschaftlichen Rampfes in Rusland für sie zu erkämpfen." " Es gibt nur eine Möglichkeit, heißt es in dem Aufruf weiter, Sen Opfern des Terrors zu helfen: das ist der Kampf um die Amnestie, um die Deffnung der Gefängnisse, um die politische Freiheit. Die sozialistischen, syndikalistischen und cnarchistischen Or ganisationen der ganzen Welt fämpfen unablässig für die Amnestie lich eine politiche Amnestie in Frankreich erzwungen worden. Ebenso ist nach dem kommunistischen Busch in Hamburg hauptsächlich dant den Eemühungen der Sozialdemokraten erreicht worden, daß fein einziges Todesurteil gegen die Butschisten gefällt wurde. Banern und das Reich. Amtlich wird die Nachricht des Bayerung der Opfer der bürgerlichen Justiz. Unter ihrem Druck ist fürzrischen Kuriers", man habe in Berlin beschlossen, die Pfalz steuerlich von Bayern loszulösen, widerrufen. Die Pfalz bleibt danach bei dem auch für andere Teile Bayerns zuständigen Londes finanzamte Würzburg. Was wird aus der Goethe- Bühne? Bor ein paar Monaten wurde von einem Herrn Peterson die Goethe- Bühne“ gegründet. Auf dem Terrain der französischen Kirchengemeinde in der Klosterstraße, wo einst eine Kirche stand, erhob sich das Theater. Daß sich eine Kirche in ein Theater wandelt, ist an sich gewiß nicht unberechtigt. Aber die Goethe- Bühne tann durch nichts die Notwendigkeit ihres Seins beweisen. Sie ist nur und das ist letzten Endes auch der Hauptgrund dafür, daß sie jetzt ein Theater mehr unter den schon allzu vielen Berliner Bühnen, vor dem Ruin steht. Gestern vormittag fand in der Goethe- Bühne die Sigung des Gläubigerausschusses statt. Man saß auf der Nippes: Bühne, und anfänglich schaute es so aus, als wenn die Sache ruhig verlaufen würde. Aber bald wurde die Szene zum Tribunal. Gläubigerversammlungen pflegen ja niemals Aehnlichkeit mit friedlich weidenden Lämmern zu haben; jedoch der Sturm, der gestern tobte, war um verschiedene Grade stärker als das, was man sonst in Gläubigerversammlungen zu erleben gewohnt ist. Der Vorsitzende des Gläubigerausschusses, der zugleich die Verhandlungen leitete, ein Herr Major Gall, batte alle Mühe, die erregten Gemüter foweit zu besänftigen, daß überhaupt verhandelt werden konnte. In stundenfangen Debatten hörbe man das Sündenregister des Direktors Beter fon. Lump" ,,, der Kerl gehört vor den Staatsanwalt!" und andere Schmeicheleien mehr wurden ihm an den Kopf geworfen. Man hörte, daß Direktor Peterson feine fünstlerische Befähigung aufweise. Dagegen protestierte allerdings der erregte Chor der Gläubiger, der dazwischenrief: Er hat ja mit uns genug Theater gespielt!" Man hörte von Sanierungsversuchen( von Sanierungsversuchen hört man immer bei Bläubigerversammlungen), ohne zu wissen, ob dahinter Breris oder Phantasie steckt, Dichtung oder Wahrheit. Man hörte schließlich die Rechtfertigung von Direktor Peterson, die wirr und widerspruchsvoll war. Bor kurzem hat die Goethe- Bühne befanntlich Die Schwester" aufgeführt. Durch einstweilige Verfügung mußten die Aufführungen aber unterbleiben, da Frau Ida Roland nicht das Aufführungsrecht für dieses Stück befigt. Der Gläubigerausschuß wollte trotzdem die Borstellungen der Schwester" weiter fortsetzen. Nun griff der Verband Berliner Bühnen leiter ein und bestimmte den Direktor Peterson, die weiteren Borftellungen zu inhibieren. Damit hat der Verband Berliner Bühnen Teiter gewiß forrett gehandelt. Wenn es aber wahr ist, was gestern behauptet wurde, daß der Verband das Manuftript bes Stückes an die französische Kirchengemeinde gefchickt hat( ausgerechnet!) mit der Anfrage, ob es zur Aufführung in der Goethe- Bühne geeignet fei, so hat er damit ein Schildbürgerstück vollbracht, wie es toller nicht gedacht werden kann. Der Refrain der gestrigen stundenlangen Debatten mar: Direktor Peterson muß fort! Da er nicht zurücktreten und auch keine Garantie geben wollte, beschloß man, ihm bis heute nachmittag um 3 Uhr Zeit zu lassen. Indessen braucht man nicht Prophet zu sein, um zu wissen, daß Herr Peterson heute um 3 Uhr die verlangte Erflärung ebenso wenig abgeben wird, wie er fie gestern getätigt hat. Zum Schluß bat der Versammlungsleiter bezeichnenderweise die Bertreter der Presse, über die ganzen Berhandlungen nichts zu ver öffentlichen. Dieser Bitte kann nicht entsprochen werden, weil viel dauern an. tannt wird, ist die Schließung der jüdslawischen Grenze gegen 21. Belgrad, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Wie jetzt bebanien nicht so sehr dem Wunsch, im albanischen Konflikt neutral zu erscheinen, zu verdanken, als vielmehr der Furcht, daß zahlreiche im Lager der Aufständischen mitkämpfenden bolichemifti. schen Elemente nach Serbien eindringen fönnten Die serbische Regierung glaubt, Beweise dafür zu haben, daß zwischen den albanischen Aufständischen und den zum Kommunismus neigenden rcditalen kroatischen Bauern enge Berbindungen bestehen, die durch boljchemistische Emiffäre gepflogen werden. einer antikommunistischen Front wird von England aus lebhaft Das Bestreben Südslamiens, Rumäniens und Bulgariens nach gefördert. " Charkow, 28. Dezember.( DE.) Ein neues fommunistisches Blatt Bolschemif" foll russisch und ukrainisch erscheinen. Angesichts des scharfen Zusammenstoßes zwischen der im Fahrwasser nich orientierten Utrainischen Kommunistenpartei( UKP.) darf der Moskauer KP. jegelnden KPU. und der nationalutrai wohl als ein neuer Versuch Moskaus angesehen werden, unter den diese Neugründung mit ihrer Konzession an die ukrainische Sprache nationalen litrainern Boden zu gewinnen. Gouvernements Chartow find 900 Beamte und Angestellte Als Folge einer großen Revision in den Sowetinstitutionen des als gänzlich ungeeignet entlassen worden. Nach der Darleicht durch Aufrollung dieser ganzen fraufen Berhältnisse verhindert diese, sich wieder ereignen, wobei die armen Schauspieler die Leid werden kann, daß Theatergründungen so leichtfertiger Natur, wie tragenden find. Die Presse tann aber auch nicht schweigen, weil noch immer nicht hat festgestellt werden können, wer denneigent lich hinter dem Direttor Peterson steht. Gestern wurde erzählt, es wären deutsch nationale Kreise, die die Bühne an sich bringen wollen. Zu welchem 3med, weiß man nicht. Bielein, die der Sache nahestehen sollen, eine Erklärung darüber ab. leicht geben die Herren Pfarrer Koch und Bürgermeister Dofstellung der Sowjetpresse handelt es sich dabei um Aufdeckung eines 14 000 Mark bei der Theaterabteilung des Berliner Wenn es übrigens richtig ist, daß von der verlangten Raution von Polizeipräsidium's bis heute erst 6000 Mart eingezahlt worden sind; so muß sich die Theatcrabteilung fagen lassen, daß sie unter diesen Umständen dem Herrn Peterson die Konzession nicht hätte erteilen dürfen. K. F. Schutz immer neue Anstellungen erfolgen konnten. Dabei hätten sich durchaus unzulässigen Protettionswefens, unter dessen nach ihrer Vergangenheit verdächtige Personen befunden, zahlreiche nicht nur für ihre Posten nicht geeignete, sondern auch wie Offiziere der zarischen Armee, ehemalige Beamte der Zarenregierung, Geistliche und sogar ein vor Jahren im ultramonarchischen Russischen Volksbund. tätig gewesener Politifer. Branting im Sterben? bericht.) Das Befinden des Ministerpräsidenten Genossen jal Stodholm, 30. Dezember, abends 11 1hr.( Eigener Drahtmar Branting, das sich in leßter 3eit bedeutend zu bessern chien, hat sich heute so verschlechtert, daß es zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt. Die ganze Deffentlichkeit steht mit unseren Parteigenossen im Banne banger Erwartung Wolfsbildungsministerium erläßt eine längere Rundgebung gegen die Die Thüringer Regierung zur Bauhausfrage. Das thüringische löfung des Institutes. Die Regierung geht auf die Gesellschaftsvon dem Bauhausperfonal veröffentlichte Erklärung über die Aufgründung ein und betont, daß sie bislang eine bestimmte Stellungnahme dazu nicht nehmen fonnte, da Direktor Gropius die Unterlagen noch nicht beschafft hatte. Es folgt eine finanzielle Darlegung der Verhältnisse über den Geschäftsplan der Gesellschaft und die Fest. stellungen der Tatsache, daß die Regierung sich nach den vorhandenen Mitteln richten müsse. Des weiteren wird darauf hingewiesen, daß Direktor Gropius auf die Unzulänglichkeit feiner Unterlagen noch haltbaren Schwebezustand ein Ende gemacht werden fönne. am 23. Dezember aufmertfam gemacht worden sei, damit dem ununmittelbare Folge dieser Aufforderung fam die bereits bekannts Regierung das Bauhaus nicht befugt war. Es handele sich um eine gegebene Erklärung der Bauhausleitung, zu der nach Ansicht der staatliche Anstalt, über deren Schicksal die Regierung allein zu begendes erfahren: Kaufmann Paul 3ternstein, geb. am 10. Nostimmen habe. Stahlhelm auf Reisen. Magdeburg, 30. Dezember.( WIB.) Die„ Magdeburger Beihafteten angeblichen Stahlhelm leute erkundigt und fol tung" hat sich bei der hiesigen Bolizei über die in Prag ver vember 1887 zu Berlin, wohnte bis zum 16. Mai 1924 in MagdeDie Notlage des Eisenacher Stadttheaters. Das Eisenacher burg. Es ist gegen ihn vom Bureau des Stahlhelms eine Stadttheater, das sich unter Leitung feines neuen Direktors Gorter Strafanzeige erstattet worden, und er wird wegen dieser von mit Erfolg bemüht, ein fünstlerisch vollwertiges Programm einzu der hiesigen Kriminaldirektion gesucht. Die Angaben, daß er als halten, befindet sich in einer schweren finanziellen Krise, die sich durch Offizier im geheimen neue Mitglieder einer Stahlhelmorganisation die Teilnahmlosigkeit des Eisenacher Publitums von Tag zu Tag ver ausbildete, find völlig erfunden und unwahr. Er hat mit dem Stahlstärkt. Dieser Tage z. B. mußte eine Vorstellung von Wedefinds helm nichts zu tun. Der weiter festgenommene 2 rbeiter Baul Erdgeist" abgesagt werden, da im ganzen nur 16 Karten ver= fauft worden waren. Das Theater forderte im vergangenen Mo- Seifert, geb. am 9. Januar 1902 zu Helmstedt, ist ein ehemenat einen städtischen Extrazuschuß von 5000 Mart, der sich für diesen Monat auf 10 000 Mark erhöhen wird. Blütoneraal einen Tanzabend mit ihren Meisterschülerinnen: IrminMary Zimmermann veranstaltet am 6. Januar, abends 8 Uhr, im gard Willner, Erika Renal, Ellen Li, Gerda Laßner, Erita Stlein, an welchem fie persönlich auftreten wird. Musikalische Leitung: Hans Mahlte. Theaterumstellungen in Düsseldorf. Am 1. Januar wird das Apollo: Theater seiner ursprünglichen Bestimmung als Varietébühne zurüdgegeben werden. Die Vereinigten Städtischen Theater erhalten dafür als zweite Bühne für Spielopern und Kammerspiele das Theater Groß- Düsseldorf zugewiesen. liger Fürsorgezögling und mehrmals vorbestraft und wird zur Strafverbüßung von den Gerichtsbehörden gesucht. Er hat mit dem Stahlhelm nichts zu tun. Weiter teilt die Bundesleitung des Stahlhelms mit, daß Biernstein niemals Mitglied des Stahlhelms gewesen ist. Er versuchte sich vor etwa einem Jahre bei der Ortsgruppe Magdeburg einzuschmuggeln, wurde aber erkannt und ausge. schlossen. Von einer Beschäftigung mit verbotener Ausbildung von Stahlhelmleuten tann schon deshalb keine Rede sein, weil eine solche Ausbildung beim Stahlhelm nicht stattfindet. Seifert ist beim | Stahlhelm in Magdeburg völlig unbekannt. Gewerkschaftsbewegung Das Kampfjahr 1924. Der große Abbau. Die Markstabilisierung hat unter dem deutschen Unterehmertum eine geistige Banif hervorgerufen. Durch die Abschließung Deutschlands vom Weltmarkt während des Krieges und durch die Inflation nach dem Kriege waren sie vor jeder ausländischen Konkurrenz gesichert gewesen. Die dadurch geförderte Kartellierung hatte fast die gesamte deutsche Industrie erfaßt. Es gab nur noch Preise, die von den Kartellen, Ringen oder Sendikaten festgesetzt wurden. Insbesondere während der Inflation war es dadurch gelungen, sowohl die Arbeitnehmerschaft wie den Mittelstand Deutschlands auszupowern und durch Verschleuderung der Fertigwaren an das Ausland immer noch ganz erhebliche Gewinne zu machen. Die gesamte Produktion war auf Spekulation umgestellt, die Spekulation auf die Markentwertung. Irgendwelche geistige Anstrengung war dazu nicht nötig. So konnte es möglich sein, daß Leute ohne Fachkenntnisse und ohne Kapital in ganz kurzer Zeit Riefenvermögen ansammelten. So fonnte es möglich sein, daß wirtschaftliche ,, erzogtümer" entstanden, die sich der Presse bemächtigen und auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege auch das politische Leben Deutschlands in wachsendem Maße beherrschten. Diese Neureichen und Multibillionäre, die wahllos alle sogenannten Sachwerte zusammenfauften, waren es gewesen, die sich als ..halbverständige" allen Versuchen der Markstabilisierung stets widersetzt hatten. So trat die Stabilisierung erst ein, als die Mark verschwunden war. Mit dieser nunmehr unvermeidlichen Stabilisierung der Währung mußte notwendig auch die auf Ausplünderung und Verschleuderung eingestellte deutsche Wirtschaft sich um= stellen. Die Betriebe mußten wieder technisch auf die Höhe der ausländischen Konkurrenz gebracht werden, man mußte wieder faltulieren. Das Finanzkapital mußte wieder zu erträglichem Zinssoß der Industrie zugeführt werden. Die Arbeit mußte wieder rach ihrem Weltmarktpreis bezahlt werden. Das alles waren Dinge, denen sich das deutsche Unternehmertum entwöhnt hatte. Es schien diesen unmöglich, unter folchen normalen Bedingungen arbeiten zu fönnen. Es trat eine Art Banif ein. Phantastische Berechnungen murden aufgestellt, die beweisen sollten, daß die Arbeitnehmerschaft Deutschlands weit besser bezahlt sei als vor dem Kriege, daß der Achtstundentag unvereinbar sei mit der Leistungsfähigkeit der Industrie, und daß die feit Jahr und Tag eingestellten Zahlungen der Reparationen die deutsche Wirtschaft unerträglich belasten. Die Leistungen der Sozialpolitik, die mit dem Zusammenbruch der Währung sich verflüchtigt batten, wurden als eine übermäßige Belastung der Wirtschaft hingestellt. Abbau der Sozialpolitik, 2 b bau der Löhne und Gehälter, Abbau des Achistundentages, 2 b bau der Beamten, das war die allgemeine Losung des Unternehmertums. In diesen Fors derungen spiegelte sich deutlich die geistige Panik des Unternehmertums wieder. Man wollte trotz der Stabilisierung der Währung mit allen Mitteln der Inflation meiter arbeiten: durch Unterbezahlung und Ueber arbeit wollte man meiter das deutsche Volf ausplündern und die von ihm erzeugten Güter an das Ausland verschleudern. Die wucherischen Zinssäge des Finanzkapitals blieben weiter bestehen. Die von den Sozialdemokraten gesäuberte Reichsregierung unterlag der Panitstimmung des Unternehmertums. Der allgemeine Abbau begann. Am schlimmsten war es wohl, daß eine Bestimmung der Arbeitszeitverordnung den Unternehmern gestattete, Tarifverträge vor ihrem AbTaufen zu fündigen. Unter dieser Panifstimmung wollte man auch die Rheinlande, versacken" lassen. wollte die Arbeiterschaft Rhein ands und Westfalens schutzlos den Machtgeboten der Schwerindustrie ausliefern. Man er tlärte sich auferstande, die Unterstützungen für die Gemaßregelten und Arbeitslosen des Ruhrgebiets weiter aufzu bringen. Man Das barbarische Zweifchichtsystem. Nichts zeigt deutlicher die Zurückdrängung der deutschen Arbeiter. schaft während der Stabilisierungsfrise als die Tatsache, daß es dem schwerindustriellen Unternehmertum gelungen ist, für die Hochöfen und Rolereien an Stelle des Dreischichtsystems mit achtstündiger Ar. beitszeit das zweischichtsystem mit zwölfftündiger Arbeitszeit einzuführen. Zugegeben, daß die Micumverträge die rheinisch- westfälische Schwerindustrie stark belasteten. Die Arbeiterschaft der Großeisenindustrie stand vor der Alternative, entweder zu verhungern oder sich mit dem Zweischichtsystem abzufinden, das nur vorübergehend bestehen sollte, bis die Werke wieder in Gang gebracht und die Micumlaften abgewälzt sind. Nachdem beides bewerkstelligt, haben die Unternehmer ihr Versprechen gebrochen und erklärt, daß an eine Umstellung auf des Dreischichtsystem in absehbarer Zeit nicht zu denken sei. In einer ganzen Reihe von Zeitungsartikeln sowie in Broschüren fuchten die Schwer. industriellen in Gemeinschaft mit den Spizenorganisationen der Arbeitgeber den Nachweis zu führen, daß die Hüttenindustrie, ja die deusche Wirtschaft überhaupt, total zugrundegehen müffe, wenn der Zwölfftundentag wieder abgeschafft würde. Die Produktion leide darunter, die Konkurrenzfähigkeit, während es mit dem Zwölf ſtundentag nicht halb so schlimm sei, als Nichtfachleute befürchteten. Die effektive Arbeitszeit betrage nur 10 Stunden, und von diesen 10 Stunden entfalle nahezu die Hälfte auf Arbeitsbereit. schaft. So wurde zu dem aus Profitgier entsprungenen Unrecht gegen die Süttenarbeiter der schn gefügt. Neben der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft war es insbesondere die christlich organisierte Arbeiterschaft, die sich gegen diese Unterdrückung wandte. Der ihr nahestehende Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wurde zur Abhilfe gedrängt und versuchte nun, auf die kofereien und hochöfen den§ 7 der Arbeitszeit verordnung anzuwenden, wonach für Gemerbezweige oder Gruppen von Arbeitern, die unter besonderen Gefahren für Leben Gruppen von Arbeitern, die unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit arbeiten, insbesondere für Arbeiter, die in außer. gewöhnlichem Grade der Einwirkung von Hiße, giftigen Stoffen, Staub und dergleichen oder der Gefährdung durch Sprengstoffe ause gesetzt sind, eine Ueberschreitung der achtstündigen Arbeitszeit bzw. der begrenzten Ausnahmen nur zulässig ist, wenn die Veberschreitung fie fich in langjähriger Uebung als unbedenklich erwiesen hat und aus Gründen des Gemeinwohls dringend erforderlich ist oder wenn cine halbe Stunde nicht übersteigt. Es ist unerfindlich, weshalb die Hochofen- und Kokerei arbeiter nicht von vornherein dieser Schuhbestim= mung unterstellt wurden, die immer noch eine 56 stündige Arbeitswoche zuläßt Das Kabinett stellte diesen Antrag zurüd, bis ein diesbezügliches Gutachten des Reichswirtschaftsrats vorliege. Damit war für das Unternehmertum Zeit wonnen; rats vorliege. Damit war für das Unternehmertum Zeit wonnen; Bürgerb'ock und Rechtsrenierung würden schon über solche Forderungen zur Tagesordnung übergehen. Das Unternehmertum will seine Reichstaasmah!. gelber nicht umsonst gezahlt haben. Mit welchen Mitteln es arbeitet. neht aus einem Rundfchreiben der fatt'am bekannten nordwestlichen Gruppe des Gesamtverbandes Deutscher Eifen und Stahlindustrieller hervor. das die Germania in einem Artifel von H. Keil, Mitglied des Vorläufigen Retchswirt. fchaftsrats, veröffentlicht: Arbeitgeberverband. Betr. Ueberarbeit. An unfere Herren Mitglieder! Gruppe Nordwest. HO Hierdurch zur gefl. Nachricht. daß wir laut Beschluß unserer Sigung archen Wert auf Ueberstunden legen. befonders hei den Gruppen Schwerarbeiter, um bei den kommenden Arbeitszeitverhandlungen mit greifbaren Belegen entgegenwirken zu fönnen. Wir bitten hiervon Kenntnis nehmen zu wollen und uns dies. bezügliches Material fofort, zum mindesten aber bis zum 31. Dezember 1924 zuzusenden. gez. J. A. Raabe, Eine eigenartige Beweisführung! Die durch den Lohndruck zu Ueberstunden leichter geneigten Arbeiter sollen, auch ohne Notwendig feit aus Betriebsrücksichten, dazu getrieben werden, damit ihre Ueberstunden von den Unternehmern gegen sie aus. gefpielt werden können, als greifbare Belege" gegen den Acht stundentaa, ja felbft megen den Schuh nach§ 7. Ein neues Arbeitszeitgefeh. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichsarbeitsministerium hat seine Vorarbeiten für ein neues Arbeitszeitgefes so weit gefördert, daß bereits Beratungen mit den 3nteressenten stattfinden. So ist kürzlich eine paritätische Kommission, bestehend aus drei Arbeitgeber- und drei Gewerkschaftsvertretern, im Reichsarbeitsministerium zum erstenmal zusammengetreten, um über die Absichten der Regierung informiert zu werden. An den maßgebenden Stellen wird neuerdings auch der Gedanke eines Rahmengesetes über ein Achtstundentaggesetz ermogen, das innerhalb der einzelnen Industrie- und Gewerbezweige die Berücksichtigung der besonderen wirtschaftlichen Notwendigkeiten ermöglichen würde. Aus dem mitteldeutschen Braunkohlenrevier. Der Schiedsspruch, der am Montag in Halle für das mitteldeutsche Braunkohlengebiet erging, brachte eine Verlängerung des bisherigen Arbeitszeitabfommens und des Manteltarifvertrages. Beide Verträge fönnen mit sechswöchiger Frist gekündigt werden, erstmals am 15. Mai zum 30. Juli 1925. Der Manteltarif sieht bisher den Achtstundentag im Prinzip vor, die beſtehende Mehrarbeit muß aber ebenfalls weiter durchgeführt werden. Infolgedessen beträgt auch weiterhin die Untertagearbeit 8% bis 9 Stunden, die lebertagearbeit fogar polle 10 Stunden bei einer Schichtzeit von 12 Stunden. Unterbrechungen, die länger als 10 Minuten dauern, werden als Bause angerechnet. Bom 1. Januar ab tritt eine Erhöhung des Lohnes um 4 Prozent ein. Eine besondere Bestimmung ist aufgenommen oder in anderen Bergbaubezirfen eine für die Arbeitnehmer aünftifür den Fall, daß das Washingtonier Abkommen angenommen wird gere Regelung erfolgt. Für diesen Fall tönnen die jetzt getroffenen Bereinbarungen rückgängig gemacht werden. Die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des neuen Schiedsspruches durch die Arbeitnehmer erfolgt am 1. Januar in einer allgemeinen Reviertonferenz in Halle. Die Unternehmerpresse mißt den Verhandlungen in Halle für das der Frage, ob das Zweischichtensystem nun endlich durch das gesamte Wirtschaftsleben größte Bedeutung bei, und zwar wegen Dreischichtensystem ersetzt werden soll. schichtensystems, schrieb die D23." noch am Montag, würde für die Die Wiedereinführung des Achtstundentages, also des ZweiIndustrie ein schwerer Schlag und eine neue Berteueruma der Produktion bedeuten; für die Arbeiter, die im Braunkohlenbergbau im offenen Tagebau arbeiten, ist eine Verkürzung der Arbeitszeit aus sozialen Gründen feineswegs erforderlich; ebenso ist natürlich eine Anwendung des§ 7 des Arbeitszeit wesentlich günstiger als für die Untertagearbeiter des Steinfohlengelees für fie ausgeschlossen; die Arbeitsbedingungen find für sie bergbaus. Es ist daher anzunehmen, daß die Gewerkschaften ihre Forderungen nicht durchsehen werden." Wenn auch nicht die Braunkohlenarbeiter, so wird doch das Unternehmertum mit diesem Schiedsspruch gegen den Acht. stundentag zufrieden sein. Schiedssprüche in der Metallindustrie. 3 technischen Industrie Niederhein Westfalen wurde gestern ein Dortmund, 30. Dezember.( Eca.) Im Lohnstreit der elektroSchiedsspruch gefällt, wonach die zum 31. Dezember gekündigte Lohnregelung über diesen Termin hinaus verlängert wird. Barteien wurde eine Erklärungsfrist bis zum 3. Januar 1925 gegeben. Den Auch für die orthopädischen und chiruraifchen Mechanifer sim barung getroffen, die eine Erhöhung des bisherigen SpizenGebiet des Versorgungsamtes Münster wurde gestern eine Bereins lohnes von 70 auf 80 Pf. vorsieht. Die Lohnbewegung der Saar- Eisenbahner. Saarbrüden, 29. Dezember. Wie die Mtb. von unterrichteter Seite erfahren, ist eine Antwort der Regierungsfom. mission auf die von den Eisenbahnergewerkschaften am 24. Dezember gestellte Forderung auf unverzügliche Aufnahme neuer Lohnverhandlungen noch nicht erfolgt. Von den Gewerkschaften wird eine durchgreifende Lohnerhöhung von 25 bis 30 Broz. gefordert. Bekanntlich hatte die Regierungsfommission der ungeklärten politischen Lage des Saargebiets die Berhandlungen am 22. Dezember den Gewerkschaften mitgeteilt, daß sie angesichts erst am 10. Januar wieder aufnehmen fönne. Sie hatte eine fleine Der Verfaffer schlänt den Unternehmern auch das Arqument aus Wirtschaftsbeihilfe von 35 bis 70 Franken( 8 bis 16 Marf) angeboten. der Hand, das fie vor Monaten geltend machten, als„ die Gefahr" des die von den Gewerkschaften als gänzlich unzureichend zur Behebung § 7 drohte Aus einem Bericht der Deutschen Bergwertszeitung" der Notlage der Arbeiterschaft bezeichnet wurde. Die Erregung der unter der Eisenbahnerschaft ist inimer noch sehr groß. Es heißt, - einer der lautesten Ruferinnen gegen den Achtstundenta vom 12. Dezember datiert, wird nachgewiesen, daß die Preise daß die Gewerkschaften entschlossen sind, bei Ablehnung ihrer Forfprunghaft steigen und die vorliegenden Aufträge zur Bederungen in den Ausstand zu treten. fchäftigung auf drei bis vier Monate hinaus ausreichen. Das Märchen von der Arbeitsbereitschaft" wird an Hand der Arbeitsleistungsziffern aus dem Hochefenwert Phönigin hörde in der Woche vom 24. bis 29. November 1924 zerstört. Achtung, Chirurgiemechanik! In den Betrieben von Adam Sneider und vom Medizinischen Warenhaus gebt der Streit durch die Halsstarrigfeit der Unternehmer unvermindert weiter. Wir ersuchen die gesamten Metallarbeiter die be. Unter dem Zeichen des allgemeinen Abbaues und einer beispiellosen Arbeitslosigkeit wurden überall von den Unternehmern die Manteltarife gekündigt, die vornehmlich die Bestimmungen über die Arbeitszeit festlegen. Die Verhandlun gen, die darauf im Januar 1924 zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer stattfanden, scheiterten faft reftlos. Es fam zu Schiedssprüchen, die in der Hauptsache den Forderungen der Unternehmer entsprachen. Diese Schieb fprüche, die durchweg gegen Im Reichskabinett war man der Meinung, daß im Hinblick auftreten Betriebe zu meiden trog der Streifbrechergeiude in bürgerdie Stimmen der Arbeitnehmer gefällt wurden, die, wie die dem Reichsarbeitsminister nach§ 7 obliznende a efeßliche Ber. zum Beispiel im mitteldeutschen Braunkohlengebiet, ohne Mit- pflichtung zum Erlaß der entsprechenden Bestimmungen man ein wirkung der Arbeitnehmerorganisationen zustande famen, 2bwarten über den Anfang Januar hinaus nicht verertworten wurden fast durchweg vom Reichsarbeitsministerium und den tönne. Es ist alfo höchste Zeit, diefem unerhörten ihm nachgeordneten Schlichtungsstellen für allgemein Standal ein Ende zu machen. Mit Recht erfiärte verbindlich erklärt."' Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, auf teffen letzter Tagung: Nun kann man wohl auf diese Art Unternehmerdiktate in, Schiedssprüche" umwandeln und diese für verbindlich erflären, man fann aber nicht Hunderttausende und Millionen Arbeiter zwingen, statt acht neun, zehn und zwölf Stunden zu arbeiten. Was die Berbindlichkeitserklärung nicht ver mochte, versuchten die Unternehmer durch Aussperrun gen zu erzwingen. Im Bergbau, in den Seeschiffswerften, im Baugewerbe, in der Textil- und Holzindustrie, vor allem aber in der Metallindustrie fanden riesige Aussperrungen statt, deren Dauer die der Werften allein dauerte über drei Monate für die Entschlossenheit der Arbeiter zeugte, troẞ allem festzuhalten am Achtstundentag. Biomalz ,, Was aber besonders geeignet ist, alle Länder zu be. unruhigen, das ist die Entscheidung, die durch eine Reihe von Rollektivverträgen getroffen wurde, besonders in der Metall. industrie, auf das Dreischichtensystem zu je 8 Stunden zu verzichten und zu dem allgemein betämpften barbarischen System der zwei Schichten zu je 12 Stunden zurüdzukehren." Echafft die Regierung nicht bald die zugefagte Abhilfe, dann bleibt der Arbeiterschaft nichts weiter übrig. als zu gegebener Zeit den Weg der Selbsthilfe zu beschreiten. Es handelt sich hier nicht nur um eine Angelegenheit der Hüttenarbeiter, sondern um die Sache der Gesamtarbeiterschaft. lichen Zeitungen. Deutscher Werkmeister- Berband, Bezirks- Berein Charlottenburg I. Wit gliederversammlung am Freitag den 2. Januar 1925, 8 Uhr abends. Bor. trag des Kollegen Aurt Seinig über Steuermefen". Deutscher Werkmeister- Berbans, Bezirksverein 23, Fachgruppe Chemie. Am Freitag, den 2. Januar 1925. abends 7 Uhr, Generalversammlung in Saverlands Feftfälen. Neue Friedrichstraße. BrandversicherungsBrämien sind in dieser Bersammlung au zahlen. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft i. B.: 3. Steiner; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode. sämtlich in Berlin Berlag: Borwärts Berlag 6. m b. 5.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei Co. Berlin S. 68, Lindenstraße 3. und Berlagsanstalt Baul Singer u Sierzu 2 Beilagen. Hühneraug' auf Zeh' und Sohl' Wirst du los durch Lebewohl! In Drogerien und Apotheken. Verlangen Sie ausdrücklich Lebewohl" mit Filzring. Gründliche Kräftigung und Auffrischung berfafft das vorzügliche, billige, wohlschmedende Biomalz. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Beiferuna des Ausiehens ein. Di an fühlt fi aerabeau wie veriun at. Mit teinem andern Kräftigungsmittel fann man bessere Erfolge erzielen als as nehmen die Merate? Alle Erjakpräparate und Eisenmittet erzielen nicht bie Wirkung. was Appetitanregung und Kräftigung anlangt, wie Biomala Jn meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be sonders zufrieden. Dr. R. in Ch. mit Biomalz Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in ber Bragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Kindern zugute fommen. Dr. med. 9. Biomalz hat sich bei me ner Frau und beiden Söhnen vorzüg lich bewährt. Dr. Frhr. v. B. Preis einer Dofe Biomal; 1.90 art, mit Lecithin 5 Mart, mit Ei en( tür Blutarme nnd Bleich lichtige 2.20 Mart, w ertra( für Zungenleidende) 2.50 Mart, Hoffmanns Biomalz- Sche lade Tafel 60 Pf. Ausführliche Drucksachen toftenstei von Gebr. Patermann, Teliow- Berlin 10. Nr. S14 �41. Jahrgang 1« Heilage ües vorwärts Mittwoch, Zt. Dezember 1924 Es war in einer hellen Ztachk, Der bleiche Mond hielt weihe wacht. Doch weißer war der Marmor noch. So dah der Mond sich scheu verkroch. 2. Es sprach der hohenzollernchor: Da steht man und man stellt nichts vor Als dieses oder jenes Bein. verflucht ist's, solch ein Standbild sein. S. Der Wittelsbacher rief: Ztur zu, Ich pfeif' auf königliche Ruh. Schmiert jeder Schusterjunge frech Um königliche Zehen Pech. Dann ward es ftumm. Ein Schnpomann Sah sich die Herrn verärgert au. wozu bewachen, meint er still. was doch kein Teufel holen will? 9. Ein Zlrbeilsmana sprach sehr verwlrrt: Ich Hab' im Friedhof mich verirrt. Der Schupo, der ihm Wege weist. Lacht hell: hier gibt es keinen Geist. 10. Die spuken nur Silvesternacht. Dann sind sie schnell zur Ruh gebracht Und steh'n die weihen Beine steif, Zur jede Rumpelkammer reif. Der Arbeitsmann geht froh nach Hans, Der alte Spuk ist gründlich aus. Der wind wird Schutt und Staub verweh«. Wir aber, schwört er. werden stehn. 12. Die schönste Slrahe sei ab heut Dem Sieg des freien Volks geweiht, Und jede Zahne flaltre kühn, was tausend herzen freudig glüh'n. IS. Reujahrsoachl fchöarer befsrer Zeit, Die Volk von letzter Schmach befreit, Beginne leuchtend dein Geschick, Prost Reujahr, freie Republik! 621 Der ZNikkelweg. von Sir Philip Gibbs. Sie ging zu Bertram hinüber, setzte sich neben ihn und sah ihn mit lustigen Augen an.„Natürlich glaube ich auch nicht, daß unsere Heere besiegt worden sind— ich bin Deutsche—, aber der Mut, mit dem Sie den General an- griffen, hat mir imponiert. Sie erinnerten mich an St. Georg und den Drachen." „Der Drache war ich," sägte Bertram,„ich habe ja Feuer und Flamme gespuckt, ein beschämender Zwischenfall." „Ich liebe die Aufrichtigkeit," war ihre Antwort,„mtd ich hasse Generäle" „O wirklich? hier scheint man doch sehr hoch von ihnen zu denken." „Vielleicht in Salons wie hier, aber das Bolk denkt anders," flüsterte sie.„Und ich lebe dazwischen, ich arbeite in Kinderhospitälern, kenne die Arbeiter und ihre Frauen. Die hassen den Krieg mit allem, was daran- hängt. Nie wieder sagen sie" „Auch nicht gegen Frankreich?" Sie zögerte einen Augenblick.„Auch nicht gegen Frank- reich, wenn es uns anständig behandeln würde." Dann schaute sie bewundernd zu Dorothy hinüber.„Ihre schöne Schwester hat mich zur Paüfistin gemacht und mich von all meinen bösen Fehlern bekehrt." „Waren Sie sehr böse?" „In Gedanken gewiß. Voller Zorn und Intoleranz und Empörung. Jetzt werde ich allmählich gut." Dorothy lud Fräulein von Wegener oft ein. nicht nur in ihr haus, sondern auch in die Oper, wo sie neben Bertram ibren Platz erhielt, zu Landpartien in den Grunewald, wo sie in ihren einsachen. selbstverfertigten Musse'inkleidern aller- liebst aussah, und zu den Abendkonzerten in den Gärten um Berlin. Sie hieß Anna, und da sie mit Dorothy so eng befreundet war. bestand sie darauf, daß Bertram sie nicht mehr„gnä- nges Fräulein", sondern einfach mit ihrem Vornamen nennAi oilte, wie auch sie ihn bei seinem Namen rief. Bertram fand ie unterhaltend und war nicht blind gegen die Tatsache, daß ie ausgiebig mit ihm flirtete Aber es war ihm nicht un- angenehm, er hatte es gern. Gr Wie auch die kleine Locke gern, die um ihre Wange spielte, und ihre milchweiße haut, jhre lachende Stimme und hübsche, volle Gestalt. Sie war das. was Christy in seiner trockenen Weise ein„kleines pumm- liges Ding und höchst gefährlich" nannte. Gefährlich fand Bertram sie nicht, obwohl er sich einge- stand, daß er auf seiner Hut sein mußte, um nicht in Ber- suchung zu fallen. Er war ja jetzt, da Joyce ihn so schmählich aufgegeben, ein freier Mann, der keine Versuchung mehr ab- zuwehren brauchte, aber er hatte ein zartes Gewissen, das ihn von leichten Liebesabenteuem zurückhielt. Schließlich war dies junge Mädchen von hohem Stande. Bei ihr wäre eine Liebelei gleichbedeutend mit einer Heirat, und so frei war er doch noch nicht und auch nicht dazu geneigt. Einen Augenblick der Gefahr gab es doch für ihn. Das war im Grunewald. Dorothy und ihr Gatte waren h.iiid in Hand davongewandert, ganz wie die vielen Pärchen, die dahin gekommen waren. Anna und Bertram saßen in einem kleinen Gebüsch, wo sie alle Bier vor einer Stunde ihren mit- gebrachten Tee getrunken hatten. Die Bögel sangen in den Zweigen. Bertram saß mit dem Rücken an einen Baum ge- lehnt und sah dem Spiel der Sonnenstrahlen in dem Laube zu. Anna saß etwas weiter auf dem Grase, ihr Helles Musselin-- kleid ausgebreitet und den Hut neben sich. Der Ab-ndwind spielte sanft mit der kleinen Locke, sie sah aus wie eine Prin- zessin in einem deutschen Märchen. „Bertram," sagte sie,„Sie sind so still. Sprechen Sie mit mir, und sagen Sie mir etwas hübsches." „Schweigen ist auch gut." antwortete er.„Ich liebe es, Ihre Schönheit anzusehen." „So? Run. das höre ich gern von Ihnen." ,Ich hab's ja gesagt." „Sagen Sie es noch einmal. Finden Sie mich hübsch?" „Wunderbar schön." „Nein, so nicht. Das war unaufrichtig. Dorothy ist eine Schönheit, ich bin nur ein hübsches Mädel, haben Sie mich gern. Bertram?" „Sehr!" „Und ich bin gern mit Ihnen zusammen und würde hin- gehen, wo Sie hingehen." Bertram fühlte einen kleinen Schreck. Da- war die Ge- fahr. Er durfte sich nicht hinreißen lassen, er wußte, daß ein kleiner Funke seine Leidenschaft bald hoch aufflammen ließ. Das durfte nicht sein. Dafür war ihm dieses deutsche Mädchen zu gut. Er sagte:„Ich fürchte, wenn Sie dahin gingen, wohin mich mein Weg führt, so wäre es zu sehr Übeln Plätzen. Ich reise nächste Woche nach Moskau!" In diesem Augenblick kamen Dorothy und ihr Mann von ihrem Spaziergange zurück, und das Gespräch wurde wieder allgemein. Auf dem Heimwege teilte Bertram seiner vchwester mit, daß seine Zeitung ihm depeschiert hätte. Sein Paß war von den Sowjetautoritäten visiert, und Christy wartete auf ihn, um mit ihni zusammen die Wolga hinunterzufahren ins hungergebiet. Bernard hall wollte die Wahrheit darüber wissen. Für Dorothy war diese Nachricht ein>Schlag.„Ich kann dich nicht fortlassen," rief sie.„Bleib hier, Bertram! Gib den Besuch in Rußland auf. Dort ist's gefährlicher als je. Bleib bei uns in Deutschland und richte dir hier dein heim ein." „Mein heim?" und Mitleid mit sich selbst erfaßte ihn. „Ich Hab' kein heim mehr, seit Joyce mich verlassen hat." Dorothy antwortete ihm mit leiser, aufgeregter Stimme. „Es gibt auch in Deutschland gute Frauen, uckd eine liebt dich schon." „Anna von Wegener?" „Das hast du erraten?" fragte sie, ganz erstaunt über seine hellsichtigkeit. Er lachte.„Das war nicht schwer." Dann aber sprach er ernst mit dieser Schwester, die immer seine Vertraute ge- wesen war. Der Gedanke an Joyce verfolgt mich nach immer Ich tue so, als wäre ich mit ihr fertig, als hätte ich mir ihr Bild aus dem herzen gerissen. Das ist eine elende Lüge. Sie ist nachts in meinen Träumen und steht zwischen mir und dem Sonnenlicht. Ich kann nicht mit anderen Frauen spielen, oder mehr als spielen, ehe Joyce aus meinem herzen gerissen ist, und die Wunde nicht mehr schmerzt." Dorothy drückte ihm warm die Hand.„Erkläre das auch Anna, damit sie mich nicht für herzlos hält." bat er. Und Dorothy mußte wohl sehr gut erklärt haben, denn als Anna von Wegener das uächstemal mit Bertram zusammentraf, war sie sehr ruhig und zeigte nur durch ihr Erröten, daß sie sich an ihr Gespräch im Walde erinnerte. Sie war dann mit beiden am Schlesischen Bahnhof, als Bertram den Zug nach Riga benutzte. „Ich werde für dich beten." sagte Dorothy.„Bleibe nur nicht zu lange in dem schrecklichen Lande." „Nimm deine Gesundheit in acht, lieber Junge!" Und Arenburg drückte ihm warm die Hand.„Und vergessen Sie Ihre Freunde nicht." rief Anna, und alle drei grüßten noch lange dem davondampfenden Zuge nach. Bertram saß lange still in seinem Äupee und überdachte das Kapitel seines Aufenthaltes in Deutschland Vielleicht kam er wirklich nie aus Rußland zurück, wo Krankheit, Hunger, Verbrechen und alle möglichen Gefahren lauerten. Es war ja von der Welt abgeschnitten. Nachrichten kamen weder hinein, noch wurden welche herausgelassen.(Forts, folgt.j Die„ Scherz"-Industrie. Die geschäftsträge Zeit der nachweihnachtlichen Tage hat einem lebhaften Geschäft Blatz gemacht in den Läden, die die sogenannten Silvesterscherzartikel führen; und in den großen Warenhäusern mit der Fülle der„ Ueberraschungen" drängen sich die Käufer. Die Silvesterfeier in diesem Jahre wird, wenn nicht alle Anzeichen trügen, lebhafter und luftiger werden als im verflossenen Jahr, da man sich noch nicht so recht von den Schrecken und Grausamkeiten der Inflation erholt hatte. An den Litfaßsäulen und in den Zei tungen werden große Silvesterfeiern angekündigt mit allem Klimbim und Brimborium von einst. Aber es ist nicht jedermanns Sache, sich unter diese alkoholbesessenen Scharen zu mischen und viel Geld auszugeben für ein doch meistens recht zweifelhaftes Bergnügen. Man bleibt lieber in der Familie und verlebt den Abend mit guten Bekannten bei bescheidenen Genüssen. Die schlemmerhaften Soupers mit Gelt und allen Sineſſen überläßt man neiblos den Raffles und Kompagnon. Aber ein bißchen Stimmung und Feez" muß auch dabei sein, mein Gott, das Leben ist ja verdammt tranfunzelig für die meisten Menschen, und das bald abgelaufene Jahr hat wahrlich der Freuden sehr menige in seinem Füllhorn gehabt. Also geht man hin und fauft Silvesterscherzartikel. Wenn man die in Läden und Warenhäusern ausgestellten Sachen und Sächelchen prüfend überfliegt, muß man feststellen, das neues nicht viel darunter ist und Erfindergeist sich nicht gerade hervorragend auf diesem Gebiet betätigt hat. Man fieht, wie alle anderen Jahre auch, Papiermühen, Schirme und Blumen in allen Größen und Variationen, und es fehlen nicht allerharid Figuren aus Blci zum Glückgießen. Alle diese Sachen und Sächelchen sind billig, und man fann heute, wie in der Borkriegszeit, für, fünfzig Pfennige eine ganze Menge kaufen, genügend, um für ein paar Stunden Heiterkeit und Ausgelassenheit unbeschränkt herrfchen zu lassen. Daneben sieht man, und das soll wohl so etwas wie ein Symbol der Zeit sein, große, dide Würfte und feifte Spidgünse, die mit Konfetti gefüllt, find, die Freude aller Hausfrauen, in deren Wohnung man Silvester gefeiert hat, da die verflirten Konfettis noch nach Wochen nicht völlig aus den Zimmern zu entfernen find. Ats Spiegelbild dessen, reas in dem nun ablaufenden Jahr die Gemüter aller beschäftigt hat, erblickt man unter den Echerz artikeln einen fleinen Fächer mit der Aufschrift: Bei mir Tutankhamen!" Auf dem Father ist ein hübsches Frauengesicht gemalt, und öffnet man die Attrappe, grinst einem ein verschrumpeltes, uraltes Welbergesicht entgegen, gemacht, uni von der Liebe zu entwöhnen". Doch halt, eines darf nicht vergessen werden, ein Scherzartikel, der ficher von den Hafenkreuzlern und anderen Revanche helden viel gekauft werden wird. Das sind fleine Revolver und Brownings, aus Holz, die mit fautem Knall losgehen. Dazu braucht man nur noch zu fingen:" Siegreich wollen wir Frankreich schlagen," und Zufriedenheit herrscht auf der ganzen Hakenkreuzfront. Mas der Mensch braucht, muß er haben, und wer nur im Zeichen des Radaus leben kann, der wird auch bei diesem Silvester und bei Benutzung diefer Scherzartikel voll auf die Kosten kommen. Zwanzig neue Autobuslinien. Ende Januar bereits in Betrieb! Die Berliner Berkehrsunternehmungen haben einen Generalplan für das Autoomnibuswesen in Berlin aufgestellt und beim Polizei präsidium die Genehmigung der darin enthaltenen 2.0. neuen Auto omnibuslinien nachgesucht. Sämtliche Linien sollen void der Allgemeinen Berliner Omnibus Attien Gesellschaft im Bus jammenhang mit ihren jetzt im Betrieb befindlichen 10 Linien ein heitlich: betrieben werden. Die Linien berühren alle Stadtteile und werden ene willkommene Ergänzung des Straßenbahn und Schnellbahnnetzes bilden. Die Art und Weise des Betriebes dürfte gegen heute kaum Aenderungen aufweisen, aber in der Wagenform sind wichtige Berbesserungen in Aussicht genommen. Die Karosserie erfährt eine geringe Verbreiterung, so daß im Innern zu beiden Seiten eines schmalen Mittelganges durchweg zweisigige Bänke angeordnet werden fönnen. Ob auf den Deckfizen Quersize angeordnet werden oder wie bisher Längssige verbleiben, wird noch durch Versuche entschieben werden. Die Chassies werden so konstruiert, daß der Fußboden, der bei den jetzigen Wagen 85 Zentimeter über dem Straßenboden liegt, um 25 Zentimeter tiefer gelegt wird. Dadurch wird das Einsteigen erheblich erleichtert werden. Dabei soll der Einstieg zunächst ver fuchsweise nicht mehr von hinten her, sondern seitlich, wie bei der Straßenbahn erfolgen. Die Besteigung des Decks wird noch dadurch erleichtert, daß die Wagendece um weitere 15 Zentimeter gesenkt wird, zusammen alfo 40 Zentimeter tiefer liegt. Dies wird die Schwerpunktlage des Wagens günstig beeinflussen und die gesicherte Durchfahrung niedriger Bahnüberführungen ermöglichen. Im Inter effe besserer Lenkfähigkeit erfährt die Vorderachse eine stärkere Belastung und die Hinterachse eine entsprechende Entlastung. Außer dem wird die Federung den Belastungsschwankungen besser angepaßt. Hierdurch und durch die Veränderung in der Achsenbelastung wird ein fanfteres Fahren und eine größere Schonung der Fahrbahn herbei geführt. Die Berbefferungsvorschläge entspringen Studien, die die Dis rektion der ABDAG. in den legten Monaten in Amerika und England gemacht hat, die notwendig waren, weil bei uns während des Krieges die Weiterentwicklung der Fabritation eine mehrjährige Unterbrechung erfahren hat. Bon den neuen Wagen dürften die ersten fünf Ende Januar 1925 in Betrieb genommen werden. Das Urteil gegen den Bandenführer Schuck. Im Prozeß gegen den des Raubes und Betrugs in verschiedenen Fällen angeklagten Schwerverbrechers Johann Schuck äußerte der fehr von sich eingenommene Angeklagte bei der Schilderung seines Lebenslaufes: Sie haben in mir teinen kleinen Mann por sich, sondern einen Menschen der schon einen Raub verübt hat". Er erzählte ferner, daß er in Januar 1922 in Effen eine Frau Tröger zufammen mit seinen Freunden Mar und Baul ausgeraubt hätte. Gegen diese Frau habe er eine furchtbare But" gehabt, denn fie habe ihm sein Gelb abgeschwindelt und ihm noch dazu mit einer Anzeige bei der Polizei gedroht. Der Angeklagte ist zunächst nach feiner Festnahme in Wien nach Breslau ausgeliefert worden und dort vor kurzem mit anderen Angeklagten wegen schwerer Einbrüche zur Berantwortung gezogen worden. Er hatte dabei aber großes Glück. Man wußte in Breslau nicht, mit welchem schweren Jungen man es zu tun hatte und während seine Mitschuldigen, darunter auch der jetzige Mitangeklagte Kurt Helbing zu Zuchthausstrafen verurteilt wurden, fam er frei. Bei den Verbrecherkolonnen, mit denen er zusammenarbeitete, war er immer nur unter ande ren Namen befannt. Den Namen Johann Schud tannte niemand. Das Gericht tam zu der Ueberzeugung, daß die Belastungen gegen Frau Zerbst, die bisher völlig unbestraft ist, einem Menschen, wie dem Angeklagten Schud nicht geglaubt werden könnten und sprach diese, ebenso wie Helbing frei. Der Aangeklagte Schud wurde zu drei Jahren Gfängnis verurteilt. Der Angeklagte Schuck erklärte zum Schluß, daß er sich mit diesem Urteil nicht zufrieden geben könne, da er auch hier wieder von dem Gericht, das ihn schon mehrfach umschuldig verurteilt hätte, verkannt" worden sei. Deshalb habe er Berufung eingelegt. Das Ende eines Kavalier- Bettlers. Ein vornehmer" Bettler erregte seit einigen Monaten in der Umgebung des Potsdamer Plates viel Aufmertiamteit und ebenjo viel Mitleid. Es stand dort jeden Abend auf Krücken ein junger Mann in der feldgrauen Uniform eines Artillerie offiziers. Ein Bein fehlte ihm. Der feidene Strumpf auf dem anderen Fuße und ein schwarzer Lackschuh erinnerten an bessere Tage. Der rermeintliche Offizer trug auf der Litewka das Eiserne Kreuz 1. Klasse, den türkischen Halbmond und viele andere Orden. Er hielt sich besonders da auf, wo Landwirte zu verkehren pflegen: Niemand wagte, dem jungen Herrn eine allzu kleine Münze zu reichen. Jezt endlich fragte ihn einmal ein Polizeibeamter nach einem Ausweis. Weil er keinerlei Militärpapiere besaß, wurde er nach der Wache gebracht und von dort der Kriminalpolizei vorgeführt. Diese erkannte in ihm einen 26 Jahre alten früheren Kaufmann Willy Franke, der nie Offiier und wahrscheinlich auch nicht im Felde gewesen ist. Franke, der wegen Heiratsschwindels und anderer Betrügereien schon vorbestraft ist, wurde wegen betrügerischer Bettelei verhaftet und dem Richter vorgeführt. Der Wintersport beginnt. Neuschnee in den Bergen. Aus allen Wintersportorten wird endlich der langersehnte Neuschnee gemeldet. Die gestern im Deutschen Berkehrsbureau, Berlin, misch- Partenkirchen( Oberbayern), 707 Meter ü. d. M. Potsdamer Bahnhof, eingetroffenen Telegramme lauten: Gars 1 Bentimeter Neuschnee, 6 Grad Kälte, prächtiges, wolkenloses Wetter, Kreuzed Eckbauer 10 Zentimeter Neuschnee, Eispläge: Spiegeleis. Krummhübel( Riefengebirge). 550-843 Meter ü. d. M. 1 Zentimeter Neuschnee, 3-5 Zentimeter im Hochgebirge, 3 Grad Kälte. Braunlage( Oberharz). 600 Meter i. d. M. Beginnender Schneefall; Temperatur: 0 Grad; Barometerstand: 760; Windrichtung: West; Fernsicht: durch Schneefall behindert; Wegeverhältnisse: noch gangbar. Bei ausreichender Schneelage Durchfüha rung des Sportprogramms. Am 11. Januar: Ortsgruppenläufe des Wintersportvereins Braunlage, Lang- und Sprungläufe. St. An( Harz), 700 Meter ü. d. M. 2-10 3entimeter Berein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin, 1 Grab Kälte, bedeckt. Stiföhre unter 700 Meter schlecht, Mittwoch, 31. Dezember, abends 10 Uhr, in der Stadthalle, Klosterstraße Silvester- Musik Saaleinlaß 10 Uhr. Eintritt 60 Pf. Karten sind noch an der Kaffe zu haben. Die Untersuchung gegen Kutisker. Auch noch gefälschte Wechsel? Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft, deren Beamte gestern faf: während des ganzen Tages im Steinschen Bant hause tätig waren, erstreckt sich in erster Reihe auf die von Rutister der Staatsbant gegebenen Wechsel. Der in Untersuchungshaft befindliche frühere Agent Kutisters, Holzmann, beschuldigt Kutisker in der schwersten Weise und behauptet, daß ein Teil der Wechsel, die der Staatsbant als Deckung übergeben worden waren, dirett gefälscht worden seien. Als Fälscher fämen eine Anzahl Russen und Rumänen in Frage, die jedoch, wie sich jetzt ergeben hat, Berlin verlassen haben und in ihren bisherigen Wohnungen nicht mehr auffindbar sind. darüber mäßig, wird befahren, Stiturse, heute Fuchsjagd, Autostraße fahrbar. Reinerz( Graschaft Glaz), 568 Meter ü. d. M. 2 Grad Kälte, starter Schneefall. 3iegenhausbaude bei Reinerz. 800 Meter ü. d. M. 4 Grad Kälte, starfer Schneefall. Stiföhre am Ziegenhause gut. Ba b Kohlgrub( Bayern), 900 Meter ü. d. m. 1 Zentimeter Schnechöhe, 0 Grad, leichter Schneefall. Dagegen ist das geschüßt liegende Wiesbaden schneefrei, hat 1 Grad Wärme, Barometer veränderlich. * Die Reichsbahndirektion wird am Sonnabend, ben 10. Januar, und am Sonnabend, den 17. Januar, zwei Sportsonderzüge verfehren lassen, und zwar am 10. Januar einen Zug nach Bad Harzburg, mit Rückfahrt am 11. Januar, und am 17. Januar einen Zug nach Krummhübel, mit Rüd fahrt am 18. Januar. Diese Züge fahren in den ersten Nachmittagsstunden von Berlin ab und treffen abends im Harz bzw. im Riesengebirge ein. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag, den 11. Januar, bzw. am Sonntag, den 18. Januar, abend. Eintreffen in Berlin um Mitternacht. Die Züge sind nur mit besonders ausgegebenen Sonntagsrüdfahrkarten zu benutzen. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 33% Proz. Für jeden der Sonderzüge stehen 3irfa 600 Fahrtarten zur Verfügung. Die näheren Bekanntmachun gen erscheinen in den nächsten Tagen. Bei genügender Benutzung Der Züge behält sich die Reichsbehndirektion vor, an den folgenden Sonntagen im Januar weitere Sonderzüge verkehren zu lassen. Die Hausdiebin. Das Opfer ihres Ehemannes? Eine Frau wird auf der Straße verhaftet. Sie war vor kurzem als Hausangestellte tätig gewesen, um bei der eisten besten Gelegensie wiedererkannt und festgenommen. Man weist ihr nicht weniger als 22 solcher Silberdiebstähle nach Sie wird vor Gericht gestellt und zu hoher Strafe verurteilt. Das Urteil wird ver worfen. Die Straffammer des Landgerichts III beschäftigt sich noch einmal mit dieser Angelegenheit. Die Verhandlung aber wirft ein grelles Schlaglicht auf die traurigen Familien" und Wohnverhält nisse, sowie auf die sittliche Einstellung der Angeklagten. anwaltschaft auf das forgfältigste nachgeprüft, da, wenn sie wahr Diese Beschuldigungen des Holzmann werden von der Staats= wären, nicht nur Kutister auf das schwerste belastet würde. In diesem Falle wäre das Verhalten der Staatsbant noch unerklärlicher. Holzmann behauptet u. a. die Nachheit mit wertvollem Silberzeug zu verschwinden. Zufällig wurde prüfungen hierüber dauern zurzeit noch an daß einige Firmen, die als Aussteller der Wechsel aufgetreten find, nur in der Phantafie gewiffer Berionen bestanden haben, und daß für die Beschaffung solcher Wechsel Summen. bis zu 5000 m. für Akzeptierung der Wechsel gezahlt worden sind. Diese Beschuldigungen sind so ungeheuerlich, daß die Nachprüfung geraume Zeit dauern wird. Ein Teil der von Kutister der Staatsbank übergebenen Wechsel, und zwar die sogenannten Grume- Wechsel", sind von Kutister seinerzeit abgelöst und durch andere Sicherheiten ergänzt worden. Bei der Staatsbank find jedoch Notizen über die Wechsel felbft gemacht worDie Angeklagte, eine Frau Margarete 3., behauptete da s den, so daß die Staatsanwaltschaft gewiffe Anhaltspunkte für ihre Opfer ihres Ehemannes Mag 3. gewordon zu sein, der sich Nachforschungen befikt. Im übrigen hat sich jeẞt ergeben, daß Hol 3- ebenfalls wegen Beteiligung an diesen Diebstählen zu verantworten mann diese so schwerwiegenden Beschuldigungen schon im Otto hatte und gegenwärtig eine Gefängnisstrafe wegen Zuhälterei verber dem Untersuchungsrichter mitgeteilt hat, doch ist büßt. Sie behauptete, daß sie vor der Ehe viele Stellen als Hausdamals auf diese Aussagen hin feine weitere Nachforschung an- angestellte gehabt und sich immer treu gezeigt habe. Nach der Ehe gestellt worden, offenbar, weil man den Aussagen des von Kufister habe ihr Mann sie durch& läge und Drohungen ge anfänglich schwer angeschuldigten Holzmann überhaupt keinen Glauwungen, einem unfititien ben schenkte Ware bie. Staatsbant damals in Kenntnis gefekt wor- gehen Der Ehemann ist auch auf Anzeige feiner Frau inzwiſchen den, hätte das gesamte Material fofort beschlagnahmt werden können und es hätten sich auch zweifellos schon damals Handhaben gegen Rutister ergeben. Ueber den Haftbefehl gegen den Staatsbankdirektor Dr. Rühe wird übrigens erst am heutigen Mittwoch der Untersuchungsrichter entscheiden, nachdem es sich bisher bei Dr. Rühe lediglich um eine vorläufige Festnahme feitens der Staatsanwaltschaft ge= handelt hat. Der Verteidiger des Staatsbankdirektors, Rechtsanwalt Dr. Hildebrandt, legt übrigens Wert auf die Feststellung, daß Dr. Rühe niemals die Absicht gehabt habe, die Staatsbant zu schädigen, daß er vielmehr selbst von Rutisker hinters Licht geführt worden wäre. Ebenso sei es unwahr, daß Dr. Rühe irgendwelche Vorteile aus der Kreditgewährung an das Bankhaus v. Stein gezogen habe. Sie füßt ihn trot alledem. Ein Messerattentat auf seine Braut hatte für einen Mufiter 2. fchwere Folgen. In einer Augustnacht fam er mit feiner Braut, einem jungen schmächtigen Mädchen, nach einer Kneiptour, bei der beide reichlich Alkohol zu sich genommen hatten in Streit. Als er auf dem Heimweg war, unterhielt er sich mit einer ihm bekannten Frau im Dunkeln. Plöglich tauchte seine Braut auf, die von maß loser, wie sich aber herausstellte, gänzlich unberechtigter Eifersucht geplagt war und machte ihrem Bräutigam eine heftige Szene, wobei fie es nicht blos bei Schimpfworten ließ, sondern auf den vers meintlichen Misfetäter wütend einschlug. L., ein großer robuster Mann, wurde nun auch von der Wut gepackt, 30g fein Meffer hervor und versezie der Braut einen Stich in die Brust. Nur einem glüdlichen Umstand war es zu verdanken, daß fie mit dem Leben davontam, denn das Messer war wenige Zentimeter unter halb des Herzens eingedrungen. Als die Braut mit einem Angst. schrei blutüberströmt zusammenbrach, pacte den Attentäter die Reue und er bemühte sich nachher selbst, die Vermundete ins Kran fenhaus zu schaffen. Glücklicherweise ist das junge Mädchen von der Berlegung völlig geheilt, aber auch von der Eifersucht, so daß zwischen dem Paar jest wieder beste Eintracht herrscht. Das zeiate sich auch in der Gerichtsverhandlung. 2. hatte sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen schwerer Rörperverlegung zu ver antworten. Er verteidigte fich damit, daß er den Stich nicht beabsichtigt hatte, sondern das Messer nur zur Abwehr vorgehalten hätte. Seine Braut sei in ihrer rasenden Eifersucht direkt in die beabsichtigt hatte, sondern das Messer nur zur Abwehr vorgehalten Klinge hineingelaufen. Das Gericht schenkte jedoch dieser Darstellung des Angeklagten feinen Glauben. Erschwerend fam für 2. in Be tracht, daß er schon vor zwei Jahren ebenfalls wegen fdymerer Körper verlegung 1½ Jahr Gefängnis erhalten hatte. Deshalb fiel auch diesmal die Strafe ziemlich schwer aus. Er wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt und fofort in Haft behalten. Mit einem Kuß nahm er von seiner weinenden Braut Abschied. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 31. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Ausgewählte Scherzmärchen und Allotria von gewählten Dichtern.( Die Funkprinzessin: Adele Proesler). 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 10 Uhr abends: Sendespielbühne. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. VI. Veranstaltung: Die Fledermaus, Operette von Joh. Strauß. Für den Rundfunk bearbeitet von Cornelis Bronsgeest, unterbrochen durch Vorträge. Dirigent: Otto Urack. Personenverzeichnis: Eisenstein, Rentier: Waldemar Henke: Rosalinde, seine Frau: Emmy Bettendorf; Frank. Gefängnisdirektor: Cornelis Bronsgeest: Prinz Orlowsky: Genia Guszalewicz; Alfred. sein Gesanglehrer: Willi Weiß; Doktor Falke, Notar: Hermann Böttcher: Doktor Blind, Advokat: Rud. Krasa: Adele, Stubenmädchen Rosalindes: Else Knepel- Ossyra; Ida. Tänzerin der Oper: Margarete Hermsdorf: Damen und Herren der Gosellschaft. Orchester von der Großen Volksoper. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitlansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterdienst. newandel nachzus wegen Zühälterei zur längerer Strafe verurteilt worden. Als dann aber ein Ehepaar P. in der Wohnung mit aufgenommen werden mußte, fonnte sie Männerbekanntschaften nicht mehr mitbringen, und deshalb habe ihr Mann ihr einen neuen Erwerb vor geschlagen und sie wiederum durch Schläge und Drohungen gezwungen, die Diebstähle auszuführen, weil man damit auf leichtem und mühelosem Wege sich einen guten Lebensunterhalt be schaffen könnte. Der Ehemann 3. bestritt diese Angaben und behauptete, daß seine Frau aus sich heraus die Hausdiebstähle begangen hätte. Sie sei eine leichtsinnige Person und habe das Wirtschafts geld, das er ihr wöchentlich aushändigte, in einem Tage in Zigaretten und Näschereien ausgegeben. Die Straffammer fam nicht zur vollen Ueberzeugung, daß der Ehemann 3wang ausgeübt habe und ver urteilte diesen auch nur als Zusatz zu der Gefängnisstrafe wegent Zuhälterei zu weiteren sechs Monaten Gefängnis. Die Eheleute B.,. die bei bei der Familie 3. wohnten, hatten sich ebenfalls an den Diebstählen beteiligt und standen ebenfalls vor dem Strafrichter. Der Ehemann P. erhielt sechs Monate Ge fängnis, Maria V. wurde zu vier Monaten Gefäng nis verurteilt. Die Hauptschuldige, Margarete 3., wurde wegen der 22 Silberdiebstähle und der Beteiligung an dem Einbruchsdiebstahl zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Sechs Monate wurden ihr auf die Untersuchungshaft angerechnet. Die Frühjahrs- Jugendweihen 1925. Für unsere Frühjahrsjugendweihen( für Groß- Berlin im Großen Echauspielhaus) am Sonntag, den 8. März beträgt die Anmeldegebühr 50 Pf. und ist in nachstehenden Verkaufsstellen zu entrichten: Jugendfekretariat Groß- Berlin, Lindenstr. 3, 2. Sof 2 Tr.( Zimmer 11, ceöffnet von 9 bis 4 Uhr, Mittwochs und Freitags von 9 bis 7 Uhr): S. Joseph, NW. 21, Wilhelmshavener Str. 48( Laben); A. Hönisch, N. 65, Muller, Ede Utrechter Str.( Laden): Fischer, N.. Bastianstr. 7( Laben); S. Märke, N. 65, Barfusstr. 13: Soffmann, R. 58, 2nchener Str. 8( Reſtaurant):. Lorena, . 58, Gleimfire. 56:. Amberfon, 9. 31. Straffunder Cir. 19; Atoll, N. 65, Utrechter Str. 21: B. Döla, NO. 55, Immanueltird ftr. 24( Laden); M. Wartmann, D. 34, Rönigsberger Str. 87( Laden); 2. Wittschns, D. 34, Betersburger Str. 5: Karl Melle, D., Petersburger Blak 4( Spedition); B. Gübe, RD., Landsberger Allee 45 1: 3. Betke, ED., 36, Glogauer Str. 80, D. IV; B. Lier, GO. 26, Naunnnstr. 9( Restaurant);$. Obft, N. 39, Ader. str. 174( Laden). Die Anmeldeftellen für die anderen Jugendmeihen find nachstehende: Charlottenbug: 3. Hinrichsen, Bayreuther Str. 25a: F. Schmidt, Rosinenite, 4( Laden): Oskar Soritia, Sidingenstr. 58; Karl Rahlfeld, Sfeler itraße 10 E; S. Raßenstein, Niebuhrstr. 61; Bormärts- Spedition, Raifer damm 102, Gth. 1 Tr. Treptow- Baumschulenweg: B. Gallas, Baumschulen. weg. Schraderstr. 16 III; B. Sak, GO. 86. Harzer Str. 117, v. 3 Tr.; Keßler, antik. Charlottenftr. 34; 5. Rritoer, Steglik. Siemensfter, 76: Frau Ungerer, Treptow, Graekire. 50. Sandwis, Lichterfelbe nub Steglik: G. Felcentreu, Wilmersdorf. Hanauer Str. 43. Giebluna. Schönebera und Friebenau: Frau Alawitter, Schöneberg. Avoitel- Baulus- Str. 7: A. Petrie, Ghöneberg, Ebers Straße 70: A. Joachimi. Schöneberg, Belziger Str. 27: G. Schaubt, Friedenau, Bachefte. 9.-. Pankow unb 19. Kreis: S. Klüß. Pankow, Lindenpromenade 56; Jugendsekretariat: Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Sof. Die Juristische Sprechstunde fällt heute( Mittwoch) aus. Berliner Einbrecher auf der Fahrt. Ein großer Einbruchs. biebstahl wurde in der Billa des Wagenmeisters W. am Keginiee bei Werder verübt. Aus der Villa, die an einen Berliner Fabrik direktor bermietet ist, wurden wertvolle Schmud- und Goldgegenstände gestohlen. Man nimmt an. daß die Sachen in Berlin zum Kauf angeboten wurden. Mit dem berichteten Bilderdiebit a bl im Restaurant Baumgartenbrüd hat weder Der Besiger noch Pächter der Villa irgend etwas zu tun. Die Religion" bei polizeilichen Meldungen. Wie der Amtliche Breußische Pressedienst erfährt, bat der Berliner Polizeipräsident in einer Anfang Dezember erlassenen Verfügung mit fofortiger Wirkung angeordnet, daß bei polizeilichen Anmeldungen von Reifenden in den Anmeldescheinen die Spalte Religion" zu streichen ist. 2 Kannibalen. Der Menschenfresser von Münsterberg gibt Veranlassung zu einer Betrachtung über das Kannibalentum Das Wort selbst stammt als Bezeichnung für das Menschenfressen von dem Wort Karibal". So nannte man die Bewohner der taraibischen Inseln; der spanische Entdecker hatte sich aber verhört und das r" mit einem ,, n" vertauscht. Kannibalen gibt es unter den Wilden in fast allen Erdteilen noch heute, und erst vor furzem bekam man einen sehr lehrreichen Menschenfresserfilm zu sehen. Einer der Kenner der Anthropophagie so lautet der wissenschaftliche Ausdrud für das Menschenfressen André, behauptet das diese Erscheinung allge mein auf Hunger zurückzuführen sei. So ist es wohl auch zu erklären, daß manche Boltsstämme dies wird z. B. von den Skythen be richtet, ihre alten Eltern töteten und verspeisten. Später hat sich dann das Menschenfressen als Sitte eingebürgert, es tamen religiöse, abergläubische und selbst gefühlsbetonte Elemente, wie Rachegelüfte, hinzu. Man vernichtete den Leichnam des Feindes, indem man ihn verzehrte, man gaubte durch das Berspeisen des Herzes den Mut und andere Eigenschaften des Gegessenen übernehmen zu können, man ließ sich aut tun an den Menschenopfern, die man den Göttern darbrachte. Während in manchen Gesenden, wie auf den Karyben, auf den Antillen und in Merito und Mikronesien hier selbst vor ihrer Entdeckung das Rannibalentum bereits verschwunden ist, dauert es dagegen in anderen Orten hartnäckig an: auf den Salamo-2 nischen Inseln werden heute noch Fremde erschlagen und verspeist. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, daß sich das Menschen fressen auf die Wilden beschränkt. Es erstreckt sich auch auf die zivilisierte Menschheit. So ist es durchaus tein Märchen, daß im Jahre 1921 in Rußland die Mütter ihre Kinder verzehrt haben. Es war die gleiche Erscheinung, wie im Jahre 1030 in Frant. reich, wo während der Hunnersnot die Menschen wie Wild an geschossen wurden, und im Jahre 1200 in Aegypten, wo das Erlegen und Verzehren von Menschen sich derart eingebürgert hatte, dak selbst die Todesstrafe nicht imstande war, diese Erscheinung einzudämmen. Bekannt ist auch, dak bei Belagerungen und in Kriegen, besonders aber bei Schiffbrüchen Menschenfleisch zur Nahrung dienen mußte. Es ereignet sich auch nicht selten, daß Matrosen unter An flage gestellt, jedoch freigesprochen wurden, da das Gericht anerfennen mußte, daß sie aus dem Selbsterhaltungstrieb heraus gehandelt haben. So kann man einzelne Fälle von Menschen: fressen bis in die heutige Zeit verfolgen. Die Motive dafür sind ver. fchieden: fie fönnen auf 2 berglaube, auf Rot und auf jegu. eller Lust beruhen. Die Literatur liefert mannigfache Beispiele für diese alle drei Arten von Anthropophagie. All dies muß man im Auge behalten, will man die drei in der Kriminalgeschichte, soweit bekannt, einzig daftehenden Fälle Großmann, Haarmann und Dente, in denen der Genuß von Menschenfleisch eine Rolle spielt, richtig würdigen. Ist es wirklich bloß ein Zufall, daß diese drei Fälle gerade in Deutschland und ausgerechnet nach dem Kriege aufgetreten sind? Sollte das nicht auf tiefere Zusammenhänge hinweisen, die dem Sozial- und Kriminalpsychologen zu denken geben müßten? Im Falle Großmann lag der Verdacht des Handels mit Menschenfleisch mehr als nahe; im Falle haarmann war selbst das Gericht gezwungen, in feinem Urteil die Möglichkeit eines solchen zuzugeben und im Falle Dente scheint der Genuß von Menschenfleisch nach dem Vorliegenden festzustehen. Worin ist nun die Erklärung für diese ungeheuerlichen Tatsachen zu finden? Die häufung der Massenmorde wird gleich anderen Verbrechen wohl in den entjittlichenben Nachwehen des Krieges ihre Ursache haben. Der Grund aber für den Handel mit Menschenfleisch wird vielleicht zu einem gewissen Teil in der großen Nahrungs- und Fleischnot liegen das von Haarmann verkaufte Fleisch war um vieles billiger als Pferde. fleisch und der ehemalige Landwirt Denfe war an Fleischnahrung gewohnt, die ihm, nachdem er in der Inflationszeit sein Vermögen verloren hatte, unerschwinglich geworden war. In gleicher Weise ist es nicht einfach von der Hand zu weisen, daß nur auf dem Hintergrund der mirtschaftlichen Not, die in Deutschland größer als trgendwo anders, in dem franken hirne einiger entarteten Menschen die Idee auftauchen fonnte, mit Menschenfleisch zu handeln und auch felbst ihren Fleischhunger an ihm zu stillen. Bielleich auch eine fchaurige Antiage gegen die zivilisierte Mensch. heit. Daß aber das Schlachten von Menschen und der Genuß ihres Fleisches durch diese drei Mörder möglich wurde, wird wohl in erster Linie auf gewiffe Eigentümlichkeit ihrer psychischen Persönlichkeiten, auf die Anormolität derfelben. zurückzuführen sein. Auch der Mörder von Münsterberg wird seine ersten Morde nicht um des Fleisches willen, sondern aus irgendwelchen anderen Motiven be gangen haben. Dente war von all den drei genannten Mördern nicht vorbestraft. Sein Tod wird eine vollkommene Aufklärung seiner Un. taten unmöglich machen. Trotzdem wird durch Befragen feiner Ber. wanoten und Bekannten wohl allmählich ein Bild von seiner Ber Parteinachrichten Berlin B. 68. Sindenstraße 3, B für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. Heute, Mittwoch, den 31. Dezember. 21. Abt. Die Funktionäre werden gebeten, wegen Quartalsabschluß alle Gammellisten und Marken abzurechnen. 31. Abt. Heute bei Goldschmidt, Stolpische Str. 86, Silvesterfeier der Funktio näre mit ihren Familien. fönlichkeit konstruiert werden fönnen. Ueber die Motive seiner Handlungen wird man erst ins flare tommen, wenn es gelingen wird, infendungen für diese Rubrik find den einen oder den anderen ausfindig zu machen, die, gleich seinem letzten Opfer, mit dem Leben davongekommen find. Jedenfalls, selbst angenommen, daß es sich um einen franken Menschen gehandelt hat, erscheint der Wunsch Menschenfleisch zu essen, als eine vollkommen ungenügende Motivierung für seine Taten. Ob sie auch in diesem Falle gleich dem von Haarmann einen seguellen Untergrund gehabt haben, muß vorläufig dahingestellt bleiben. Ausgeschlossen erscheint dies jedoch nicht. Daß es ihm bei den Tötungen weder auf das Alter noch auf sonstige physische Eigenschaften antam, spielt dabei feine Rolle. Auch der italienische Lustmörder Bezeni morbete feine Opfer, einerlei, ob sie jung oder alt, hübsch oder häßlich waren. Wie dem auch fei: der Fall Dente, auf den noch zurüdzukommen sein wird, wird neben denen von Großmann und Haarmann zu den schauerlichsten in der Kriminalgeschichte gehören. Etwas muß mit der Menschheit nicht stimmen, die folche Ungeheuer aus fich heraus gebären fann. Konnte sie nicht aber auch den Krieg gebären und schwärmt nicht ein Teil der Menschheit auch heute noch von neuen Kriegen? Gebären denn nicht Bürgerkrieg und Revolution ouch heute noch immer wieder neues Menschenschlachten? Line majestic"( 56 551 Tonnen) hat, wie sich fürzlich bei seiner Unfall eines Dzeanriefen. Der größte Dampfer der White Star Ankunft in New York herausstellte, auf der sehr stürmischen Ueberfahrt durch einen flaffenden Riß eine schwere Havarie erlitten. Das Schiff bedarf daher einer längeren Reparatur und wird wahrscheinlich erst im Mai seinen Dienst wieder aufnehmen. Wettersfurz in Schlesien. Im oberschlesischen Gebirge ist ein großer Wetter sturz eingetreten besonders auf dem Kamm hat ein anhaltender Schneefall eingesetzt. Der Schnee liegt zehn 3entimeter hoch bei 1 Grab Kälte. Dem Wetterfturz ging ein äußerst heftiger Sturm voraus, bei welchem Bassanten, die durch den Melzer Grund gingen, nur auf allen Bieren oder mit Hilfe von Seilen und Ketten sich vorwärts bewegen fonnten. wurde durch eine Sturmflut schwer beschädigt. Die Sturmflut in Casablanca. Der neue Hafen von Casablanca Kaimauer wurde vollständig weggeschwemmt und das Gebäude der Hofenpolizei zerstört. Auch die im Bau befindlichen Hafendämme find in Mitleidenschaft gezogen worden. Menschenleben sind nicht au teflagen. Die Wiederherstellung des Hafens wird jedoch einen Monat in Anspruch nehmen. Die Coire trift über die Ufer. In der Gegend von Beauvais im Departement Dise sind durch die Ueberschwemmung der Loire viele Kellerräume unter Wasser gefekt worden. Man befürchtet, daß auch die Eisenbahnstrecke Beauvais- Criel überschwemmt wird. Die Regierung hat umfassende Sicherheitsmaß nahmen getroffen. Hochwaffer im Gebiet der Themfe. Die Themse führt Hochwaffer und steigt weiter. Das Vieh auf den niedrig gelegenen Wiesen mußte in Sicherheit gebracht werden. In der Nähe von Maidenhead sieht ein großer Teil der Niederung unter Wasser. Auch aus anderen Zeilen des Landes werden als Folge des weit und breit niedergebenden beftigen Regens leberiwemmungen ge meldet. Eine Brü de in der irischen Grafiaft Fermanagh wurde von den Fluten fortgerissen. Ungewöhnliche Kälte in Italien. Rach einer Melbung aus Nom bat Italien feit langem feinen fo strengen inter au verzeichnen gehabt wie in diesem Jahre. In Rom fant das Thermometer auf fünf Grab unter Stull, im nördlichen Italien schwankt die Temperatur zwischen zehn und fünfzehn Grad unter dem Gefrierpunkt. Biele Flüsse und fast alle Teiche sind zugefroren. Das Wiener Rathaus wird am Silvesterabend feine herrliche gotische Gestalt im Glanz der Feitbeleuchtung erstrahlen lassen. Anlaß dazu gibt die Inbetriebsetzung des großen Werks bon Opponit, das die Wasserkraft des 9668fluffes in elektrischen Strom für Bien und Umgebung umwandelt. Die Stromlieferung ist bereits im Gang. Genoffe Pfarrer Bleier sprint Neujahr, vormittags 10 Uhr, in der Trinitatisfirche, Charlottenburg, Karl- August- Blak, über das Thema:„ Wird das neue Jahr ein Glüdsjabr?" Sonntag, den 4. Januar, abends 8 Ubr, spricht Gen. Pfarrer Bleier im Rahmen einer Freien Feierstunde ( ohne firchliche Formen) über das Thema:„ Der Sinn des Lebens". Musikalische Umrahmung unter Mitwirkung der Konzertfängerin Frau Toni Joner Rößler, Frau Dr. Grabbe( Violine), Drgel: Billepp felben Kirche. -in der 38. Abt. Die noch ausstehenden Gammellisten müssen abgerechnet werden. In der Funktionärsigung am Montag werden die noch ausstehenden be fanntgegeben. 83. Abt. Lichterfelbe. Die Mitgliederversammlung für Dezember fällt aus. 137. Abt. Reinickendorf- Weft. 8 Uhr Silvesterabend, gemütliches Beisammen fein, im Boltshaus, Scharnweberstraße, Jungjozialisten. Gonntag, den 4. Sanuar, vormittags 10 Uhr, im Bürger. faal des Neuen Rathauses, Schöneberg, Rudolph- Wilde- Blag. Morgens feier bez fozialistischen Jugend( aus Anlaß des 75. Geburtstages Bern fteins). Alle Gruppen beteiligen fich baran. Eintrittskarten find am Gaaleingang zu haben. ** Jugendveranstaltungen. Achtung. Jugendgenoffen and Jugendgenoffinnen! Besucht die Morgen- Feier am Sonntag, ben 4. Januar 1925, vorm. 10 Uhr, im Bürgerfaal des Neuen Rathaufes in Schöneberg, am Rudolph- WildePlaz. Preis ber Ratte 0,25 M. Einlaß 9% Uhr vorm. Silvester- Mufit heute, den 31., abends 10 Uhr, in der Stadthalle, Alofterstraße, Eingang Alofterstraße. Gaaleinlag 9% Uhr. Eintrittspreis 60 931. Heute, Mittwoch, den 31. Dezember, abends 7½ Uhr: Treffpunkt 7 Uhr Strom- Ede Surmstraße. Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplak. Fahrt: Dubrow- Forst. und Ausblid." Weißenfee: Vortrag: ,, Rüdblid abends Achtung, Abteilungsleiter! Am Sonnabend, ben 3. Januar, 7 Uhr. im Jugendheim, Lindenite. 3, Borfienden- konferenz. Tagesordnung: 1. Berichte( 2. Diederich). 2. Der Reichsjugendtag 1925 in Hamburg( M. Weftphal). Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein Butritt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianste. 87/38. Sof 2 Tt. Gauvorstand. Wegen Inventur bleiben die Geschäftsräume des Warenvertriebs am 31. b. M. gefchloffen. Kamerabschaft Brenz lauer Berg. Sur Entnahme von Beitragsmarken ist die Rahlstelle bei Burg, Prenzlauer Allee 189, eröffnet. Die Abteilungsleiter wollen sich bort mit Marken verfehen. Auch den Mitgliedern wird im Hinblick auf die Generalversammlung empfohlen, dort ihre Beiträge aut entrichten. Ramerad fchaft Röpenid unb Untergruppen. Mittwoch, den 31. b. M., abends 8 Uhr, in Schröbers Festfälen, Friedrichshagen, Gilvefterfeler mit Damen. Als Eintritt finb 20 Bf. Steuer zu entrichten. Gäste tönnen eingeführt werden. Ramerabschaft Meißensee. Montag, den 5. Januar, abends 7 Uhr, VollverJammlung im Lotal Grilner Baum", Weißensee. Berliner Anee 204. Die Untergruppen Malchow, Wilhelmsberg, Hohenschönhausen müssen auch er. fcheinen. Republikaner als Gäste herzlich willkommen. Kamerabschaft Bichtenberg. Mittwoch, den 31. Dezember, abends 8 Uhr, gemütliches Bu fammenfein mit Familie bei Ramerad Krüger, Türridhmidtfit. 33. Reiner darf fehlen. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Süben. 1. Januar Halbtagspartie nach Grünau- Reuthen. Treffpunkt 1 Uhr Görlizer Bahnhof. Fahrt bis Grünau.-Das Turnen beginnt wieder am Freitag, den 2. Januar. Arbeiter Rabfahrer- Bunb Golibarität", Ortsgruppe Berlin. Touren fr Reujaht, 1. 3anuat, und 4. Januar 1925. 2. bt.: 31. DeAember Silvefterfeier, Sporttlaufe, riefenfit. 13. 8. A b t.: 1. Januar Treff punkt bei Reinte, 5 Uhr, Grünauer Str. 17. 4. Januar Fußtour über die Müggelberge. Treff früh 9 Uhr im Borraum des Görliger Bahnhofs. 5. Abt.: 1. Januar Reujahrsbegrüßung abends 6 Uhr Tilsiter Str. 64. 4. Januar nach Glienice, Altermann. Start 1 Uhr Landsberger Plaz. 7. A b t.: 31. De. zember Treff bei Sundelotter, Solländerstraße. 4. u. 10. Ab f.: 4. Januar Besuch des Museums für Böllerfunde, Röniggräker Straße. Start 12 Uhr. Radialialer 1 Uhr Museum. Ortsgruppe RentBITn: Jeben Gonn tag für beide Abteilungen Start 1 Uhr Herzbergplay. Geschäftliche Mitteilungen. Bom 2. bis 6. Januar bietet bie Firma G. Abam Gelegenheit, ihre be. tanut gute Ware zu wirklich außergewöhnlich billigen Breifen einzulaufen. Man beachte die ganzseitige Anzeige am Donnerstag, den 1. Januar 1925 Wetter für Berlin und Umgegend. Nach Regenfällen während der Nacht tagsüber wolliges, etwas fühleres Wetter; Regenschauer. Für Deutschland. In Deutschland von Nordwesten nach Südosten fortschreitenber Regen bei stürmischen Winden. Temperatur allgemein unverändert. Inventur AUSVERKAUF JN beginnt FAST ALLEN ABTEILUNGEN Freitag, den 2. Januar Es gelangen Restbestände und andere Gelegenheitsposten Beachten Sie unsere morgen erscheinenden Ankündigungen teilweise bis 50% unter den regulären Preisen zum Verkauf Beachten Sie unsere morgen erscheinenden Ankündigungen HERMANN TIETZ 248 NVENTUR AUSVERKAUF MANTEL KOSTAMP14 75 50 $ 75 KLEIDER S ab KIZERNIA, 5" 州 ab 75 14.25 75 Ein Strich durch die alten Preise! C& A Königstraße 33 Chausseestr. 113 Am Bahnhof Alexanderpl. Beim Stettiner Bahnhot ( Untergrundbahnstation) Das ist unsere diesmalige Devise! Und wer die beinahe lächerliche Niedrigkeit unserer alten Preise gekannt hat, der wird sich einen Begriff davon machen können, was wir diesmal an Preisen bieten werden. Und hier- wenn jemals wenn jemals- heißt's rasch sein und zugreifen! Achten Sie auf unser ganzseitiges Inserat am Neujahrstage. Es wird Ihnen einen Vorgeschmack geben von der geradezu märchenhaften Kaufgelegenheit, die sich Ihnen bietet. Verkäufe Teppich Thomas. Oranienstraße 44. Gelegenheiten in Teppichen, Läuferstoffen. Diwandeden, Tischbeden ufw., auf Wunsch Teilzahlung. • gegen Teppich Schrager verlauft Teilzahlung Zeppiche, 2X3, 30.- an. Brüden, Diwandeden Bettvorlagen. Läuferstoffe สิน billigen Breifen. Elfaffer Straße fedjs. Rein Laden. fabelhaft * Naumann Nähmaschinen für Hausge. Brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Reparatur- Werkstatt für alle Systeme Emil Salbarth 6. m. b. S. Friedrich ftraße 55a. Merfur 6268. Beiterwagen, Restposten billig! 70 Ren. timeter Icicht 9,60 Mart, schwer 14 Mart; 75 Zentimeter leicht 12,60 Mart; 80 3entimeter leicht 13,70 Mart, fchwer 18,50 Mark: 90 Rentimeter schwer 25,50 Mark. Globus, Dresdenerstraße 55. Dezimalwagen, Tafelwagen, Gewichte preiswert. Auswahl. Wagner Köpe nider Straße nur 71 Sof. Rein Laden. Schaufenster Reflame, dafür Raften. Reine wefentlich billigere Breife. Sandwagen, Leiterwagen, Röveniderftraße nur 71 Sof. Rein Laden. Reine Schaufensterreklame. Daher wesentlich billigere Breise. maaen preiswert. Auswahl. Baaner, Bekleidungsstücke. Wäsche usw. BelaLeibhaus Morigplak 582. mäntel 175.- Belajaden auf Seibe 75. Maulwurfichals 100.-, Kreuz filchfe 12. Riegen 15.- Sportpelae 85.Gehpelze 100.-. Ferner: 1 Boften Anzüge 18.-an. Ulfter. Baletots 15.- an. Damenmäntel. Roftüme, Aleider enorm billig. Reine Lombardmware. Bianbleibhaus. Reinidendorferftr. 105, Nettelbedplat. Füchse 8.- Blauwolfs. aiegen 12. fämtliche Belaarten Spottpreise. Anzüge 18.- Ulfter 15. e. derbetten 9.- Anzahlung geftattet. Reine Lombarbwaren. Berleih von Gefellschafts- Anzügen Brunnenstraße 4. Norben 5177 Damenmäntel, Flaufchmäntel 5.* Börfe ACHTUNG! DIE WAHLEN. fchoben den Ausgabetermin des erften Bücherkreisbuches: Das 19. Jahrhundert in der Karikatur, hinaus. Mitte Januar kommt es! Werbt neue Mitglieder. Jedes neue Mitglied erwirbt durch Nachzahlung der Oktober, November- u. Dezemberbeiträge, im Ganzen allo 3 Mk, ein Anrecht auf das Buch! DER BÜCHERKREIS ZAHLSTELLE: Sortimentsbuchhdlg. J.H.W. Dietz Nchf. Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 Küchen Entzückende Bauernküchen komplett 85 M. Moderne Bichtig! für jebermann. Täglich wer- Bianos, eritzlaffia im Ton, verkauft Den verkauft: Kleiderschränke, Berlitos qu Fabritpreisen, aud Zeitzahlung 18. Bettftellen, fomplett, 16, Metall- Reukölln, Sermannstraße 47. Fahrräder in feinster Ausfübrg. bettstellen mit Auflegematragen 22. Flurfchränke Waschtoiletten 18. Chaise Longues 18. Rommoden 15. Bücherspinden, Schreibtische 36, Trumeaus 29, Brennaborräder! Görideräder. Breis Büfetts 15, Tifche 6, Rücheneinrichtungen abbau. Schlawe. Weinmeisterstraße vier. 48, Speisezimmer, Herrenzimmer, SchlafAnrichteküchen. zimmer 225, Rlubgarnituren 175, Beber. Motorräder, größtes Lager in neuen Tubfeffe! 65. Riesenauswahl. über fowie gebrauchten, von 150 an. Gämt500 Rimmer. Alles tatsächlich spott. liche Rubehörteile. Weift, Große Frankbillig. Stargardts Möbel und Lom- furterstraße 25/26. barbspeicher, Brenzlauer Straße fechs. kompl 125, 135. 145, 170 M. Große Umbaukuche, 190 cm breit, komplett 175 M. Elegante Anrichteküche, schwere Ausführg. Batentmatraken. Auflegematragen. Metallbetten, Chaiselonques. Balter Staraarderstrake achtzehn. Teilzahlung. Möbel. jeder Art. Gekomplett 198 M. ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Möbelhaus Luisenstadt, RöpeniderKüchen in größter traße 77/78, Ede Brüdenstraße. Auswahl, einfa hste Kaufgesuche Fahrräder fauft Linienftrake 19. Benor Sie Möbel rer, Unterricht 19 Alexanderplag, Eingang Königsbis feinste, zu sehr Möbelfabrik Georg Tennigkeit. Ora- Privatauschneideschule Heinrich Maubilligen Preisen. nienftraße 172/173. Sehensw Ausstelle. taufen, besichtigen Sie mein großes graben. Serrenschneiderei. Damenschnei. Lager und überzeugen Sie fich von den berei, Wäsche, Bukkurie. Schnittmuster. Königstadt 339. Küchenmöbelfabrik bien Breifen. BEROLINA Teilzahlung, kulant, Möbel- Misch. Teilzahlung, billig. Möbel- Misch. Teilzahlung, reell, Möbel- Misch, Kommandantenstr. 57 Große Frankfurterſtraße 45/46. Verschiedenes Gewissenhafte Untersuchung. Auskunft, Möbel direkt ab Fabrit, fonkurrenalos Entbinduna. Erfahrene Hebamme Edel billig auf bequemite Teilzahlung nur Sildesheim Bülowstraße 62. im Möbelhaus Humboldt. Butbufer efonders Straße 14. Straßenbahn: Brunnenwirksam sind ftraße. Ede Rügener Straße. 3 Midie KLEINEN ANZEIGEN in Geloverkenr nuten vom Bahnhof Gesundbrunnen. Leihhaus Rollfrug, Neukölln, Ser. mannstraße 256, Ede Berliner Straße. der Gesamt- Achtung! Neue eichene Ankleide- Beleihung aller Wertsachen. Spott auflage des fchränke, 130 breit, mit Spiegel 92, billiger Bettenverkauf. Vorwärts" fournierte Diplomaten 42. Büfetts. 180 und trotzdem breit, 95, moderne Bücherschränke. 140 breit, 120. gimmern, Serrenzimmern. Schlaf. zimmern, Mahagoni poliert. 325, fomie Einzelstüden in jeder Preislage. Rah!! billig!! Beinleidende fordert in den Apotheken Dr. Sid er's Siwalin" das bewanrtes e sicher w rkendste Mittel gegen Riefenarswahl. in Speiſe Vermietungen lungserleichterung. Möbelhaus Gottlieb. Rügener Straße dreizehn, Bahnhof Gefundbrunnen. Freilieferung Groß Berlin. 0 Engrospreise für Speisezimmer echt Eiche, Büfett mit Ariftallspiegel, Stand- l uhr, Bimbamwert, schwerer Auszugtisch, 6 Lederfithle, komplett gebeizt 8 Mietgesuche Bensionierter Beamter sucht einfach möbliertes Zimmer. Angebote mit Preisangabe erbeten H. 266 unter Annoncen- Expedition Gebr. Petermann, Berlin- Friedenau, Rheinstraße 28. Arbeitsmarkt Stellenangebote Kanülenarbeiter. Schmingler, Glänzer, Einschrauber( innen), Löter( innen) ftelli em Injecta A.-G., Röpenider Str.109a Krampfadern, Beinge- 275 Mart. Möbelniederlage Augustschw.re, Hämorrhoiden, itraße 47a am Rosenthaler Tor. Frostbeulen u.alle schwer Engrospreise für Speifeaimmer echt heilenden Wunden. Ciche, innen Mahagoni, moderner Elektromonteur file Licht und 8., 12.- Noppenmäntel 13.-, 19.Vitrinenauffag, volle Türen, Silber. Starter- Anlagen stellt fofort ein A.-G. Tausende von Anerkennungen. Estimomäntel 14.-, 19.-. Affenhaut Hersteller: Dr. Sidler& Co. taften, Maferauflagen, reichgefchnigt, für Automobilbau, Ofenerstraße 5.. mäntel 23.- Affenhautmäntel mit Bels G.m b.4., Freibur i. B aparte Rrebena, fchwerer Auszugtisch, 29.-, Beloursmäntel 6 Leberstühle, tomplett gebeizt 395.34.- 39.Werkstatt Schmechel. Gipsstraße 15, eine fige Gelegenheitsläufe in allen Belz beden, Tischdecken. Steppdeden, Diman Tings- und Badfischkleidung! Trog be- Rofenthaler Tor. Belshaus Barschauerstraße 7. Gün- Teilzahlung. Gardinen. Stores, Bett- Serren und Damengarderobe! Süng- Möbelniederlage. Auguststraße 47a, am Treppe. Sadefcher Martt. bahnhof. arten zu ftaunenerregend spottbilligen beden, Teppiche Bettwäsche. Geringe quemster Teilzahlung billigste Preise, Sommerpreisen! Bunderbare Wolfs. Anzahlung, bequeme Abaahlung. Möbel- fofortige Mitnahme. Bekleidungshaus Belzwaren. Eigene Fabritation. Cle- siegen! Fuchstragen! Damenpelaiaden! haus Luisenstadt, Köpeniderstraße 77/78. Rieingold", Weinbergsweg 261( Rofengante Belzmäntel. Belzjaden, Füchse Serrenpelse! Bahlungserleichterung! Ede Brüdenstraße. thaler Blas). 15. Wolfsziegen 12, elegante Bolfs Bianos preismert. Riapiermacher Existenz Sortiererinnen Rofenthalertor, fchafale 38. Belshaus Spiker, Rom- traße 203/204. Ede Rofenthaleritraße 8.-. 13. 19. Affenhautmäntel 19. Linien Damenmäntel, Flaufamäntel 5.-. Möbel Link Brunnenitraße 35. mandantenftraße 27. Laben. vertauft: Füchse 8.- Wolfsaiegen 25. 35. Tuchmäntel 9.Flüac!, Pianos, 275,- an. Raben. Gelegenheit. Kleiderschrank 18.- Bertera Münastraße 10. Monatsanzüge. Binterpaletots Ge 12.- Belajaden Stuntsfragen. Sämt. 21.- Estimomäntel 16.- 25.- 35. tifo 15.- Waschtoiletten 15.- Bettfellschaftsanzüge. torpulente Fiauren, liche Belzarten. Spottbillige Sommer. Damenmäntel Fabrit, Charlottenftr. 66 II. ftellen. Lomplett, 14.-, Blüfchfofa 15.-. Pianos, prächtige Inftrumente be ftaupenb billig. Naß. Gormann. preife. Anzüge 17.- Winter ter ien. Einzelverkauf. Geschäftszeit ununter- Rüden 24.- Got.lieb, Studener Straßqueme Rahlweife. Gachter. ftraße 25/26, früher Muladftraße. dreizehn. burgerstraße 42. • Leihhaus fationell billig. Reine Lombardware. brochen von 8 bis 7 Uhr. 14. Musikinstrumente Oranien. Geable Lumpenaller Durch Berkauf pour a te uno n ve Weyers Legiton Stoffabiälle Julius Sonnenber, Art s elt sofort ein Mainz- Kastel. Alfred Schwarz. Gitschiner Straße 43 Wegen Vorbereitung des am Freitag, den 2. Januar, beginnenden Inventur- Ausverkaufs sind unsere 10 Geschäfte heute( Mittwoch geschlossen. Das Haus für Volkskleidung KOHNEN& JÖRING, Berlin, Alexanderstraße 12 Beachten Sie unsere Neujahrs Anzeige! Nr. 614 41. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die Börse im Jahre 1924. Es war vorauszusehen, baß der mit der Umstellung auf eine ftabilere Währung im deutschen Wirtschaftsleben vorzunehmende Reinigungsprozeß auch den Effettenhandel start in Mitleidenschaft ziehen würde. Trotzdem gab sich die Börsenspekulation bei Beginn des Jahres 1924 noch einem weitgehenden Optimismus hin und im Laufe des Monats Januar trug das Geschäft in Aftien einen auss gesprochenen lebhaften Charakter. Man glaubte vor allem, daß die Stabilisierung der deutschen Währung einen rascheren Zuzug ausländischen Kapitals und regere Beteiligung ausländischer Inter. essenten cam deutschen Effektengeschäft zur Folge haben würde. Es mögen dem Wertpapiermarkte auch gewisse Gewinne zugeflossen fein, die aus der damals in vollem Zuge befindlichen Frankspekulation à la Baisse resultierten. Die Börse lebte in den ersten beiden Monaten des abgelaufenen Jahres noch ganz in den Vorftellungen der Inflationszeit, mit dem einzigen Unterschiede, daß am Devisenmartte an die Stelle der sinkenden Mark der ebenfalls scharf rüdgängige französische Frant getreten war. Sehr bald trat jedoch eine peinliche Ernüchterung ein Unter dem Drude der allgemeinen Geldinoppheit und der außerordentlich hohen Zinssäke bildete sich bereits im März eine rüd läufige Bewegung der Kurse am Markte der Dividendenpapiere heraus, die ein verschärftes Tempo einschlug, als Anfang April die Reichsbant, ihre Kredite start einschränkte und dadurch vor allem den Warenhandel und die Industrie zwang, die in der Inflationszeit zu Zwecken der Wertficherung erworbenen Effeften abzustoßen. Diese rüdläufige Bes wegung setzte sich bis in den Hochsommer hinein fort. F 3 Neben der Geld- und Kreditfrage wirfte aber auf das Kurs niveau auch die allmählich sich vollziehende geistige Umstellung der Börse zurüd. An die Stelle der bisherigen Ueberschätzung der Be. deutung der Sachwerte trat eine nüchterne Kalkulation, die den Wert der industriellen Unternehmungen nicht mehr ausschließlich nach dem vorhandenen Sachwertbesig( Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Rohstoff- und Worenvorräte usw.), sondern vorwiegend unter Berücksichtigung der durch Ausnutzung dieser Sachwerte bei der augenblicklichen Konjunktur zu erzielenden Rentabilität des Anlagetapitals beurteilte. Man prüfte wieder strenger als in der Inflationszeit den Auftragsbestand und Beschäftigungsgrad, die Spanne zwischen Selbsttosten und Verkaufspreis in den ver. schiedenen Gemerben und in den einzelnen Unternehmungen. Die Dorfriegsmäßigen Maßstäbe der Effettenbewer. tung und Konjunkturbeurteilung fomen wieder zu ihrem Rechte. Einen sehr starten Einfluß auf die allgemeine Börsenlage übte auch die im Anschluß an den Zusammenbruch der internationalen Frant spekulation einfegende Bertrauenstrife aus. In Wien wie an den reichsdeutschen Börsen waren durch diese verfehlte Spekulation Berlufte von mehreren hundert Millionen Goldmart entstanden, deren Abdeckung vielfach nur durch Preisgabe größerer Effektenbestände möglich war. Um die Gefahr einer allgemeinen Deroute zu bannen, entschlossen sich die großen Berliner Banken zu einer Stüßungsaftion. Schon die Bekanntgabe dieses Beschlusses wirfte beruhigend auf die deutschen Börsen, so daß die Bonfen nur in ganz seltenen Ausnahmefällen zu intervenieren baruchten, um größeres Unheil zu verhüten. Im Sommer und Herbst wirkte jedoch einer durch greifenden Erholung am Effettenmarkte noch die rigorose An mendung der am Schluß des Jahres 1923 erlassenen Goldbilanzrerordnung durch eine Anzahl von Attiengesellschaften entgegen, die bestrebt waren, bei dieser Gelegenheit nicht nur eine Umstellung ihres Grundfapitals cuf Goldmart vorzunehmen, sondern hiermit eine Sanierung zu verbinden. Gegen diese Bilanzierungs- und Umstellungsmethoden nahmen schließlich sogar verschiedene Großbanten in ihren wirtschaftlichen Mitteilungen Stellung. Dem Einfluß dieser Institute ist es wohl auch zuzuschreiben, daß im meileren Berlaufe, besonders bei den großen Industriekonzernen, die Um stellung sich unter stärkerer Berücksichtigung der Borkriegskapitalien vollzog. Immerhin gerieten durch den Umstellungsprozeß diejenigen Kleinaktionäre, die erst in der Inflationszeit ihren Effektenbesiz erworben hatten, in größere Verlegenheit und fahen sich vielfach ge= nötigt, ihre Papiere zu veräußern. Von der Mitte des Jahres ab gewann eine wilde Spefulation in den alten Anleihen des Reiches, der Länder und der Städte an den Börsen die Oberhand. Die Handelskammer Berlin äußerte sich Ende Sep. tember hierüber folgendermaßen: Die Meinung, daß eine Aufwertung irgendwelcher Art für die Anleihen zu erwarten fei, hat in hohem Maße den Verlauf der Börsen beeinflußt. Die Spetulation auf dem Rentenmarkt, die auch cus abweisenden Erflärungen der Regierung immer wieder ihre Hoffnung nährte, hatte einen außerordentlichen Umfang angenommen und en: 30g in nicht zu unterschätzendem Maße den anderen Märkten Mittel. Nach der legten Berhandlungsphase im Aufwertungsausschus, vor allem nach der Erklärung des Reichs. finanzministers, deffen Plan eine Art Armenrente, ober teine 16.35 MASSARTRITTER Aufwertung vorsteht, ist es zu einem regelrechten Zusammenbruch diefer Epetulation gekommen. Ob aber dieser Zusammenbruch den heilsamen Abschluß einer um Vernunfigründe wenig beforgten Spekulation bebeutet, steht angesichts der Tatsache, daß die Aufwertungsfrage zum Objekt der Parteipolitit gemacht worden ist, noch dohin. Gegen Ende des abgelaufenen Jahres hat sich an den Börsen unter dem Eindrucke des Zustandekommens der Reparationsanleihe und etwas willigerer Haltung des ausländischen Großfapitals in der Frage der Gewährung von Privatkrediten on die deutsche Wirt schaft eine freundlichere Beurteilung der Lage durchgesetzt, die allmählich auch in einer Höherbewertung der Aftien zum Ausdrud tam. Es stellten sich für verschiedene Wertpapiergruppen noch besonders anregende Momente ein, wie z. B. die Aussicht auf GrünJahresabschluß. KRUPPS KASSA BUCH 1914-19 CRACK Alle Toten, die von englischen Biters- Granaten gefallen sind, heraustreten. Ihr seid mir noch die Tanfieme schuldig. bung von Interessengemeinschaften und Kartellen für die europäische Schmerindustrie. Auch die Tatsache, daß die vom Reperations agenten aus dem Erlös der Anleihe zurückgezahlten Reparations. vorschüsse in Höhe von ca. 215 Millionen Goldmart wohl zu einem großen Teile zur Zurüderstattung der sogenannten Ruhrschäden an die westliche Schwerindustrie verwendet werden, wedte die Hoff nung, daß in absehbarer Zeit von dieser Seite Rückäufe und Interessentäufe am Wertpapiermarkte vorgenommen werden. Ein ungefähres Bild von den Schwankungen der Börsenfonjunktur im Jahre 1924 ergibt die nachstehende tabellarische Uebersicht über den vom Statistischen Reichsamt berechneten Attieninder in Gold: Attieninder in Gold( 1913= 100). Bergbau- ber Handel u.Schwer arbeitende und industrie Industrie Verkehr Gesamt Januar 45,74 44,21 15,77 35,76 Februar 48 93 47,57 17,53 38,64 März 39,91 39,04 14,02 31,48 April 29,50 28,87 10,46 23.33 Mai. 25,96 24.32 9.36 20,18 Juni Juli 23,08 19,93 8,86 17,50 23,59 20,71 10,13 18,49 29,81 27.98 13.02 24,14 31,15 28,59 14,39 25,31 30 61 27.20 14,67 24,75 33,25 29.67 14.56 26,31 August Mittwoch, 31. Dezember 1924 und fich auf ihre natürlichen Funktionen befinnt, um fo mehr wird fie auch aus einer für das tommende Jahr wohl in bescheidenent Umfange zu erwartenden Befferung der Gesamtkonjunktur Nutzen ziehen tönnen. B. Bogel Die Berliner Handelskammer über das Wirtschaftsjahr 1924. Die Berliner Handelstammer veröffentlicht ihren, Rüdblid auf das Wirtschaftsjahr 1924. Den Gesamtcharakter des abgelaufenen Sahres umreißt der Bericht mit folgenden Ausführungen: 8 „ Den Lauf des Jahres überblickend, wird man das geschäftliche Leben etwa im ersten Biertel als den Umständen nach noch in der Hauptfache befriedigend bezeichnen können; im Früh ling und Sommer ließ es so gut wie alles zu wün schen übrig; im Herbst gewann es mit dem Umfaß der neuen Ernte, mit der wirtschaftlichen Räumung des Ruhrgebietes und mit der Beruhigung über unsere nächste außenpolitische Zukunft wieder einige Regsamkeit Derartige Charakteristiken können selbstverständlich immer nur einen ideellen Durchschnitt zu schildern versuchen, von dem nach beiden Seiten starke Abweichungen vor tommen. So stand über dem Durchschnitt im abgelaufenen Jahre wohl die Elettrizitätsindustrie, die in der glücklichen Lage ist, technische Verbesserungen anzubieten, die sich mit Notwen digkeit durchsetzen müssen. Ihr jüngster 3weig, die Radis. Industrie, eroberte sich mit der Gewalt einer neuen Mode einen großen Markt; freilich warf sich auf ihn alsbald zu gegenseitigem Schaden eine Ueberzahl von Konturrenten. Auch Automobil. und Flugzeugbau waren in befriedigender Lage. Amer freulichsten aber ist, daß vermöge der aus der Hauszinssteuer be schafften öffentlichen Gelder das hochbaugewerbe seit dem vergangenen Sommer endlich wieder die lange ersehnte Belebung gewann und bis zu voller Beschäftigung der verfügbaren Arbeits fräfte gelangte, und somit auch die zahlreichen Zulieferer- Gewerbe befruchtete. Als Beispiel eines Zweiges, der dem ganzen Jahre feine günstige Periode abgewinnen fonnte, mag demgegenüber her Lokomotivenbau erwähnt sein, dessen in- und ausländischen Absatz oder Auftragseingang die oben geschilderten ungünstigen Momente mit voller Wucht trafen. Und dabei fonnte er glänzende Beweise seiner technischen Leistungsfähigkeit auf der im September nahe Berlin veranstalteten Eisenbahntechnischen Ausstellung geben! Im allgemeinen waren also Industrie und Handel in den ver hängnisvollen Kreislauf gebannt: mangelhafte Kauftraft und mangelhafter Absatz im In- und Aus Tand, also kleinere Produktion bzw. Lagerhaltung, somit größere Selbstkosten und höhere Preise alfo, bei andauernder Verarmung der großen Massen, noch geringerer Abfaz, und so fort. Bei allgemeinem schweren Kapitalmangel waren Industrie und Großhandel gleichsam zu eng mit den legten Berbrauchern als ihrer Geldquelle gefuppelt; sie hatten die Stöße rasch wechselnder Nachfrage auszuhalten, es fehlte die Federung, melche bei normaler Ausstattung der Wirtschaft das Großfapital in Händen der Industrie, des Großhandels und der Banken in wohltätiger Weise liefert, indem es gleichmäßigere zeitliche Ver teilung der Arbeit ermöglicht." Zum Schluß ihrer Betrachtung meist die Berliner Handels kammer auf die zunehmende Tendenz zur Verständigung der Völker in politischen und wirtschaftlichen Dingen hin:** ,, Und noch ein Tröftliches vermag der Rückblid gerade auf das Jahr 1924 dem Betrachter mitzugeben. Bor Jahresfrist, in dunfel fter Bett fremdstaatlicher Vergewaltigung, haben wir uns an dieler Stelle auf die Gemeinschaft berufen, die unter den Böl fern bestehe, wenn sie auch zeitweilig vergessen werde. In den großen internationalen Aftionen des vergan genen Jahres hat dieser Menschheitsgedante be wiesen, daß er lebt und wirft. Gewiß hat er nicht in Reinheit die Reparationslösung der Sachverständigen und ihrer Auftraggeber geleitet, sondern ihr reales Streben ging dahin, aus unserer Arbeit den möglichst großen Tribut für die Sieger heraus. zuholen. Aber sie erkannten doch die Idee an, daß ein Mitglied der Völkergemeinschaft gegenüber den anderen ein Recht auf Eristenz habe, daß die Weltgeschichte nicht einen Bernichtungstempf unter den Nationen darstellen dürfe. Sie maßen ihre Arbeit an dieser Idee, rechtfertigten sich, wenn sie fürchteten, daß ihnen ein Verstoß gegen dieselbe vorgeworfen werden könnte. Wenn fie falsch gemessen haben, wenn ihre Rechtfertigungen vor dem Weltgewissen", dem sie sich verantwortlich bekannten, nicht dauernd be stehen können, so ist das Sache unzulänglichen Erkennens oder boreingenommenen Willens; inwieweit dieses oder jenes, ist eine unentscheidbare Gewissensfrage. Fehlgriffe ändern aber nichts an der Tatsache, daß man sich doch vor der Menschheitsidee wider. spruchslos beugte. Und ähnlich ist, in Beziehung auf andere Pro. bleme, dieser Idee auf der Bölferbundstagung in Genf, ist ihr auch in den nüchternen Stipulationen der Han delsverträge gehuldigt worden. Möge diese geistige Macht ihre Herrschaft bald und stark erweitern, möge sie uns in unserem gerechten Kampfe um unsere Daseinsbedingungen als Berbündete an der Seite bleiben!" In der Richtung dieses Menschheitsgedankens liegt weder eine reine Machipolitik nach deutschnationaler Auffassung noch eine Absperrung der Völker durch Hochschutzölle. September Ditober November Die Aussichten der Börse für das neue Jahr sind insofern noch ungünstig, als noch den Beobachtungen der letzten Wochen Käufe aus industriellen Kreisen und wohl auch aus dem Auslande stärker als zuvor zur Ausführung fommen. Auch die im November vorgenommene Herabsetzung des Händler- und Kundenstempels erleichtert eine Belebung des Effektengeschäfts ganz erheblich. Je mehr Der neue franzöfifche Zoltarif sieht Marimalsäge und Minimal die Börse die Fühlung mit der eigentlichen Wirtschaft wiedergewinnt fäße vor. Dieser Tarif ist für die Handelsvertragsverhandlungen von NAME UND BERGSCHAFT ZUGLEICH te altberühmte Zigarette cim neuen großen Format 88 VAVAVAVA 013 Der französische Zolltarif. MASSAR RITTER NAME UND BERGSCHAFT ZUGLEICH großer Bedeutung, da die Minimalfaze biefes 3olltarifs nicht unterschritten werden dürfen. Wie die" Hamburger Nachrichten" mit teilen, ist der Tarif. der am 24. November der französischen Rammer vorgelegt wurde, den deutschen Unterhändlern erst unmittelbar vor Weihnachten vorgelegt worden. Die Minimalfäße des Tarifs find ungewöhnlich hoch, namentlich für chemische und pharmazeutische Er zeugnisse sowie für alle Maschinen. Die Gesegesvorlage dient offen fichtlich dem Zwed, bei den Handelsvertragsverhandlungen als Waffe zu dienen. Rüdgang der französischen Landwirtschaft. Im Jahre 1924 wurden in Frankreich ungefähr 20 Prozent meniger an Bodenfläche mit Getreide bebaut wie 1923. Der Grund hierfür liegt in der ständigen Abnahme der landwirtschaftlichen Bebölferung. Kriegsverlufte und das Einströmen der Bauern in die Städte und die Industrie sind dafür verantwortlich. Auch wurden viele Ackerländer in Weideländer umgewandelt, da sich in diesem Jahre die Viehzucht besser bezahlt machte. Die Regierung will jetzt der Landwirtschaft durch weitgehende Elektrifizierung und durch die Lieferung billiger Düngemittel bhilflich sein. Bon Deutschland erhält sie in diesem Jahr auf Reparationstonto 90 000 Tonnen Stid. stoff für den Betrag von 130 Millionen Frank, den fie für 180 Millionen verkaufen soll. Der sich hieraus ergebende Gewinn soll dann für die billigere Verteilung anderer Düngemittel verwendet werden. Angesichts des Rüdganges der mit Getreide bebauten Bodenfläche wird Frankreich im nächsten Jahre mit einer der mehrten Getreideeinfuhr rechnen müssen. Um die übermäßige Erhöhung der Getreidepreise zu verhindern, wird die Regierung fich einen Getreidevorrat anschaffen, wofür 150 Millionen Frant verwendet werden. Die Vorräte werden von der Armee angesammelt und bei steigenden Preisen auf den Markt geworfen werden, um auf diese Weise die Preise zu drücken. Dort Dolberg, Maschinen- und Feldbahnfabrik Aft.- Gef. Wie man die Wirkung einer Opposition unterbindet, diefem Schauspiel konnte man in der mehrere Stunden währenden Generalversammlung der zum Barmat Konzern gehörenden Gesellschaft beiwohnen. hatte eine Opposition, die mehr als 10 Prozent des Attienkapitals vertrat, erreicht, daß dem Geseze entsprechend schon die Bertagung der Bopiermarkbilanz beschlossen wurde. Daraufhin fand eine Unterbrechung der Bersammlung statt, und in der Bause wurden dem einen opponierenden Aktionär pon einer der Berwaltung na hestehenden Seite feine Attien ab getauft, und die zehnprozentige Minorität war damit beseitigt. Gegen die noch übrig bleibende Opposition wurden bann die fämt lichen Bunkte der Tagesordnung genehmigt, auch die Papiermart bilanz, die noch einmal zur Beschlußfaffung vorgelegt wurde. Das Aktienkapital der Gesellschaft wird im Berhältnis 25: 1 auf 600 000 Goldmark umgestellt und um 600 000 Mart erhöht. Die neuen Aftien werden von einem unter Führung der deutschen Merturbant frehenden Konsortium zu Bari übernommen mit der Verpflichtung, fie, den bisherigen Aktionären im Verhältnis 2: 1 zu bemfelben Kurs anzubieten. Die Opposition hatte einen Erfolg, nämlich, daß ein Delegierter von ihr in den Aufsichtsrat gewählt wird. Stahlwerf Becker vergleicht sich mit den Gläubigern. Der vom Stahlwert Beder 2. G. mit feinen Gläubigern abgefchloffene Ber. gleich wurde beim Termin vom Gericht bestätigt. Das Stahl. wert auf der Rheinhold- Hütte ist gestern programmäßig und ohne Zwischenfall in Betrieb genommen worden. Die Krupp- Anleihe überzeichnet. Wie das Bankhaus Golb. mann, Sachs u. Co. mitteilt, wurde die fiebenprozentige 8e5n millionen anleibe für Krupp, die zu einem Aure von 991 Bros. angeboten wurde, überzeichnet. Seine Garantieversicherung der Reichspoft. Nach einer Zeitnngs. meldung soll die Boit beabsichtigen, einer Berliner Garantiebant ein Monopol für Telegraphentautionen zu übertragen. Tatsächlich ist der Eingang der Telegraphen- und Ferniprecbaebühren jedweder Täglich Uhr Th. im Admiralspalast Rammer- 6per Noch Theater, Lichtspiele usw. und hoch Heute nach d Vorst Staats- Theater Lessing- Theater Groß. S Ivesterball Opernhaus Heute Silvester 7 U: D. Theat- Kt. gelten ohne Nachz. z Ball 6 U. Fledermaus D. Widerspenstigen Donnerst. u. Sonnt Opernhaus am Königsplatz Zähmung 6 U: Fledermaus Lustspiel von Shakespeare Schauspielhaus Maria Carsten, Theodor 7: Charleys Tante Schiller Theater 7: Das Konzert 2 Vorstellungen 2 n erster Besetzung 3 u. 8 Uhr Becker, Bonn, Schlegel Central Theater Gr.Volksoper Kleines Th. 7 Uhr: " 7 Uhr: Die versunk. Glocke Heute 5 ivester 7 U.: 7 Uhr: Wenn ich Deuts Opernhaus Fledermaus Eine Frau Volksbühne ohne 7 Katzi Abenteuer Lützowstr. 112. an der Flottwellstraße Tao1.8U Rokoko Kom Op.v.Preb.- Hodermann Bin Spiel mit dem Teufel Masik. Barl. v. P. Lordmann Wahl zu ruhen, Herr Nachbar! Kom. Op. v. Poise Karten 5, 4, 3, 2 M. Inkl. Garderobe and Progr. Th.i.d.Gem.- Turnballe Weißensee, Pisteriusst.23 Tägl. 8 Uhr: König wär.. Wenn die WeihnachtsIntimes Theater glocken läuten... nach dem Tode etc. Preise. 80 Pf. b. 2 M. Triesch. Korff, Sandrock Metropol- Theater Heute 7 Uhr: 7: Schluck u Jau Bedeutung Deutsch. Theater von Oskar Wilde 7 Uhr. Die heilige Johanna Trianon- Th. Gräfin Mariza Kammerspiele 7 Unr Die tote Tante und andere Begebenheiten Die Komödie Heute Silvester 7 U.: Papa Henes Th. am Zoo Täglich 7 Uhr VINTO BRIEN VarietéSpielplan! Sonntags 3%, Uhr halbe Kassen- Pr.! Erika Glässner Wild- West- Mädel Rauchen gestattet. Kurfürstendamm 206/207 Jul. Falkenstein 7 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor Heute Silvester 7: Brich Kaiser- Ti z Th. i. Kommand Str. Trauerfpenden Gr.Kindervorst. Wenn man ver liebt ist Theater i.d. Königgrätzer Str. Heute 4 U. Pr. ab 60 Pf Siegfried Arno 7U.: Der Tokaler Donnerst( Neujahr) 8: im Trianon.Th. mit Molly Wessely Komödienhaus Rotkäppchen man verlicht is! 7 Uhr: Première! Jedes Kind Der Floh im Ohr Th. a. Nollendorfpl. 7U.: Die Geliebte Sr. Hohelt erhält ein Geschenk! Berliner Theater Residenz- Th. 7 Uhr. Anneliese v. Dessau SCALA 8 Uhr: Varieté Heute Si.vester 7 U.: Premiere! Gisela Werbezirk in Rosa Altschul mit Karl Ettlinger Revue Rose- Theater Am ersten Neujahi stag 2 Vorstellungen 3,30 zn halb.Preisen Das voll.Progr. 48: Milchmädchen von Schöneberg Deutsch. Künstlertbeat. 7 Uhr: Zaza Lustspielhaus 8 Uhr. Guido Thielscher D. wahre Jakob Casino- Theater Operettenhaus Lothrin er Str. 37 Tägl, 8 Ubr Der neue Schlager am Schiffbauerdamm 7 Uni: Die vertauschte Fran Koks Wallner Theat. Graf Koks 7 Uhr: Posse in 3 Au zügen Pelleas und Melisande Gänzl neu f. Berlin!! Volkstüml. Preise jeber Art terert prets meri Paul Golletz. vormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10303 Reichshallen Theater Allabend! 8U., Sonnt. u 1.1.25 nachm.3 U. | Art fo, daß für bie Deutsche Reichspoft teine Beranlaffung vor| Junge Handlungsgehilfen, Friedrich Austerlit, Mag fr liegt, eine Garantieversicherung für etwaige Ausfälle mit irgend ter und Alfred Engel waren neben den Handarbeitern Jakob einem Unternehmen einzugehen. Verhandlungen über Garantie. Reumann und Ludwig August Bretschneider Bittor versicherungen für Telegraphen und Fernsprechgebühren oder Adlers erste Mitarbeiter. Austerlitz ist heute noch Chefredakteur, Kautionen irgend welcher Art usw. haben nie stattgefunden Winter leitet den lokalen Teil, Engel ist wie Austerlik ganz besonders und werden auch nicht beabsichtigt. an Rechts- und Gerichtsdingen interessiert, Reumann ist Altbürgermeister und Ehrenbürger von Wien und Bretschneider immer noch in der niederösterreichischen Parteileitung tätig. In den ersten Jahren des Blattes stießen noch Dr. Gustav Pollatschet und Hugo Schulz zum Fähnlein; der erste zu allem auch ein Meisterstenograph, der das Barlament übernahm, der zweite ein Urwiener, der wienerischen Biz und Hamur" ins Blatt brachte fie fizzen beide heute noch in der Redaktion neben dem Kunstwart Dr. D. J. Bach, der in Bernerstorfers Nachfolge die Leitung des Feuilletons übernahm, neben Hans Bilz, dem Dialektsatyriker, und neben ihnen eine stattliche Zahl jüngerer Männer, von denen Otto Bauer auch in der reichsdeutschen Partei wohlbekannt ist. Goldprägung in Rußland. Im Januar 1925 wird die nun mehr vollständig umgebaute Leningrader Münze mit der feit langem beschlossenen Bragung von Goldtscherwonez aus Goldbarren der Staatsbant beginnen, die aber im Jahre 1925 noch nicht in den Verkehr gelangen. Gleichzeitig werden Silberund Kupfermünzen geprägt. Ihre Silvesterbowle. PUTSCH REVANO KRIE wilkę 30 Jahre Wiener Arbeiter- Zeitung. Wilder Streit der„ Radikalen" und„ Gemäßigten" zerriß die junge Arbeiterbewegung im Desterreich der achtziger Jahre. Anar. chistische Attentate hatten der Regierung die willkommene Gelegen heit gegeben, den Ausnahmezustand zu verhängen und die Sozial demokraten minderen Rechts zu machen. Ungeachtet aller Bedrüdung aber, die sich neben den Schreckensurteilen auch in zahl lofen Ausweisungen nach den provinziellen Heimatgemeinden aus. tobte, gründete Bittor Adier das Wochenblatt„ Gleichheit". Diefes führte den Kampf gegen den Terror wie für das Wahlrecht und wirkte für die Einigung so erfolgreich, daß die beiden Frat. tionen an der Jahreswende 1888/89 in dem niederösterreichischen Industriegebiet Ha infeld Bereinigung und gemeinsamen Neuaufbau beschlossen. Aus der„ Gleichheit" wurde die Arbeiter. 3eitung"; fie erschienen schließlich dreimal in der Woche, und am 1. Januar 1895 wurde sie Tagblatt. . Der t. t. Ausnahmezustand war Bismards Sozialistengesetz in die Versenkung gefolgt; aber noch bestanden für proletarische Tages. zeitungen die schweren Hemmnisse der Genehmigungspflicht und Rautionspflicht( 10 000 Goldkronen zur Sicherstellung fünftiger Geld. strafen und zum Verfall bei Verbot des Blattes), des perteuernden Zeitungsstempels von 2 Hellern pro Nummer und der schrankenlosen Ronfistationsgemalt der Staatsanwaltschaft, der die„ Arbeiter. Beitung" unzähligemal verfiel. Freilich festen Redaktion, Verlag und Austräger ihren Stolz darein, möglichst viel fonfiszierte" Nummern der ersten verbotenen Auflage den Lefern zuzustellen! Komische 71 Uhr Oper Direktion: James Klein 7112 Uhr Unsere Revue: Das hat die Welt noch nicht gesehn mit über 250 Mitwirkenden m.d.Pariser Orig.- Ausstatt. m.span. Orig.- Tanztruppen mit Fern Andrau. K.Prenze mit einer Auslese der berühmtest. Bünnenkünstler des In- und Auslandes gilt auf der ganzen Welt als Unvergleichliche Sehenswürdigkeit Neujahr 3, Uhr Die große Revue! Jeder Erwachs. 1 Kind frei zu halben Preisen ( 50 Pf. ois 6 Mk.) Vorverkauf ununterbrochen! Steffiner Sänger Apollo Das große Weihnachts- Programm Nachmittags halbe Preise volles Abendprogramm Dönhoff- Brett'l: Gr EliteFest- Progr.! 31. 12 SilvesterUlk- Vorst.Verstärkt.Orch. Konzert bis früh Saalhau Friedrichshain Größte Silvesterfeier Berlins Münchener Hetz Bühnenschau Silvesterball Ueberraschungen jeglicher Art Neujahr: Wiederholung u. Sängerwettstreit 7 Uhr Theater 71% Uhi Revue- Posse Das lachende Berlin D. amüsanteste Theaterabd, Berlins Ueber 150 Mitwirkende! Ganz kleine Eintrittspreise! Parkett 2,50 M. Germania- Pracht- Säle Karl Richter Chausseestr. 110 In allen Sälen Große Silvesterfeier mit verstärktem Ballorchester Anfang 9 Uhr Ende??? Voranzeige! Neujahr 1925; Triumph- Sänger Circus Busch Mittwoch, 7 Uhr: Gr.Silvesterfeieri.Löwenkäfig Inmitten der berühmten 50 Löwen 50 vadistrinkt Kapt. Schneider auf das Wohl der Berliner eine Flasche Matheus Müller! Außerd. übrig.große Silvesterprogr. 2 Neujahr! Vorstellungen 2 nachm. 3, abds. 72 Uhr: Die neuen Januar- Sensationen! Nachm z. Schluß: Uraufführung: Der heitere Fridolin' Laatsch und Bammels lastige Streiche ze Wasser und zu Lande! Abends 1 Manegez. Schluß: Schaustück Quo vadis! Nachm. halbe Preise! Theater am Kottbuser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. 8 Uhr Elite- Sänger. Die Revue des Humors: " El te... voran!" Volkstümliche Preise. NeueWell Arnold Scholz Hasenheide 108/114 Mittwoch, 31. Dezember: Großer Silvefterball inden bayr.Alpen in sämtlichen Räumen Einlaß 7 Uhr Berli Anfang 8 Uhr Derliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Berwalter des Blattes waren in der ersten Zeit der Not der längftverstorbene Julius Popp, in der forgenschweren Zeit des Aufstiegs und Zusammenbruchs Georg Emmerling; er ist nun Vizebürgermeister und wird durch Pittoni ersetzt. Der Kampf der Nationen um und gegen den Staat mochte zeitweise die Sozialdemokratie in den Augen rettungfuchender Staatsmänner als einen Faftor des Zusammenhalts erscheinen lassen; dieser Rampf im Innern machte die zivile Staatsgewalt morsch und brüchig, an„ Niederreiten" war nicht zu denken. Bald ging die Macht der Sozialdemokraten weit über ihre Stärte im Barlament hinaus, die bis 1897 ja nur sage und schreibe eins betrug den unvergeßlichen Bernerstorfer und bis 1907 auch nur etwas über ein Duzend. Diese Macht verdankte die Partei zu einem sehr großen Teil der Arbeiter- Zeitung", die mit dem Zorn der freien Rede ebenso gut zu fämpfen wußte wie mit den Waffen der Ironie und des Biges, und mit verblüffenden Enthüllungen geheimer Anschläge auf die politische und geistige Freiheit des Volfes. Nicht nur die Nöte der Arbeiter fanden da ihre Vertretung; das starte Eintreten für alles Fortschrittliche in Geistesleben und Kunst wie die Verfechtung der Rechte der Unterdrückten ohne Unterschied der nationalen und Staatszugehörigkeit: das alles wirkte mit der aus ihr strahlenden Ueberzeugung und Tatkraft zusammen, um der„ Arbeiter- Zeitung" eine überragende Stellung zu geben. Geliebt von den Parteigenoffen, verehrt von aufstrebenden Intellektuellen, gefürchtet von den Regierern, gehaßt von den reaktionären Demagogen flerifaler wie nationalistischer Märke wie nationalistischer Märke- das war die Arbeiter- Zeitung", und das ist sie heute noch. Eiserner Wiffe und fampfesfroher Geift haben unser Bruderblatt alle Tüden und Widrigteiten fiegreich überwinden lassen; sein Weg gleicht der Entwicklung von der Kellerredaktion in den mittleren 90erjahren zum prachtvollen eigenen Haus. Was wir der Arbeiter- Zeitung" zu diesem Jubiläum wünschen: daß fie bleibe was sie ist höchstens mit dem Zusaß, daß beim nächsten Jubeltag die längst bestehende Jdentität der reichsdeutschen und der deutschösterreichischen Partei nicht mehr durch eine„ Grenze" genieret fel! BES GESCH Spröde u.rote Haut Aufspringen der Sände und des Gesichts, Wundsein und un reinen Teint Dieses bewährte Haut beseitigt sofort überall, wo Sie die bekannte Chlorodont 3ahnpaste taufen. big for Leokrem pflegemittel erhalten Gie 3 4 außergewöhnlich billige Tage 2. 3. 5. 6. JANUAR Man beachte meine ausführliche Anzeige am Donnerstag Morgen Mittwoch, d.31.Dezember geschlossen! SADAM LO Silvester- Scherze! Prahr SCHUTZI MARKE lungs Rabait Reklamemarken Jahren als Spezialitat Conrad Müller Schwending Leipzig Blid in die Zuzunft 10 für 25 3f., Bauchfang 50 Bf., Radiofunt 10 fir 25 B., Schieß- Taschenlaterne 1 Heulfirene 80 Bf., Rachttöpfchen. große mit Ulrichrift 1 M. Orchester in der Weftentasche 25 Bf., Beißende Arofobile 20 Bf., Wahefag. Wunderhand 6 für 30 Pf. Tellerwadler 1 M., Gießblei, DB. von 40 Bf. an. Anallbonbons. D. von 30 Bf. an, Riefenbleistifte 20 Bf.. Anell Herstellung elektr. Licht-, Kraft- bombe mit 50 Ghersartiteln 1,50 G Pianos 20 3igarren- Feuerwert und Signalanlagen Verkauf aller foniett, Bapiermüten, Schirmchen, Masten, Rajen, oefenbombe 2., Efilg elektrischer Bedarfsartikel 3acher, Coufetti, Bapierfchlangen, Fenerwert lowie piele schwere Fälle beseitigt worden. Unantastbare Hellerfolge. Ausführung sämtl. Reparaturen traße 34, an der Emdenitrass& Co.. Martgrafen Sestätigung und Referenzen, ärztl. empfohlen. Preiswerte, gediegene Arbeit anschl. Gr. Neujahrs- Ball Spezialbeband!. lur für in Hoft., Ges Ischias and Bein, wenn ärall. festgestellt, To 15 Tagon sind • Fernsprecher: Norden 1198 Invalidenstraße 106. 9-11, 1-4. Sonntag 10-12. Jacoby. 200 Lindenstraße. Gege. 1890. Krausezur Miete 4495 Ansbacher Str. 1, Fake Kurfürstenstraße